Swami Sivanandas Lehren

Aus Yogawiki

Swami Sivanandas Lehren - Diene, Liebe, Gib, Reinige Dich, Meditiere und Verwirkliche, Be Good - Do Good - Das sind die zentralen Lehren von Swami Sivananda.

Swami Sivanandas Lehren in der heutigen Zeit und was heißt das für die Lebensgemeinschaft

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Auszug aus dem Buch "Entstehung von Yoga Vidya, Lebensgemeinschaft und Lehrsystem

Wir fühlen uns als Schüler von Swami Sivananda, wir fühlen uns als „Diener“ von ihm, wir fühlen uns geführt. Swami Sivananda lebte in einem anderen Teil der Welt und zu einer anderen Zeit. Es ist eine große Herausforderung sich zu fragen: Was ist von dem, was der Meister vor Jahrzehnten gelehrt hat, für uns heute von Relevanz und was ist seine Essenz? Womit führt er uns, und was von dem, was er unterrichtet hat, ist auf unsere Zeit nicht anwendbar und auf unsere heutigen Umstände?

Unser Vorbild

Swami Sivananda lebte in Indien. Er war zeitweilig in Malaysia, aber seine wichtige Lehrphase war von Ende der 20er Jahre bis Anfang der 60er Jahre in Indien. Und Swami Sivananda lebte in einem Ashram, und zwar in einem indischen Mönchskloster. Es gibt verschiedene Arten von Ashrams und der Sivananda Ashram Rishikesh war ein Mönchskloster. Er lehrte zwar auch Schüler aus dem Westen, aber hauptsächlich Inder und insbesondere in der Zeit der 50er Jahre. Das gilt es zu beachten.

Der Guru lehrte klassischen Yoga, wie man über die Verbindung von Jnana Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga, Kundalini Yoga, Karma Yoga, Hatha Yoga zum Höchsten kommen kann. Der Guru gründete eine spirituelle Gemeinschaft, den Sivananda Ashram und die Divine Life Society, erst in Rishikesh und mehrere hundert kleinere spirituelle Gemeinschaften, die Divine Life Society Zentren auf der ganzen Welt. Manche dieser Divine Life Society Zentren waren – man kann sagen – Anlaufpunkte, wo die Menschen sich ein-, zweimal die Woche oder heute noch treffen, andere sind Ashrams, wo kleinere und größere Gemeinschaften entstanden sind.

Ist Yoga Vidya ein Kloster?

Was heißt das bei Yoga Vidya? Wir haben zwar zwei Swaminis, Nonnen, sowie Brahmacharis, Novizin, Novize, die darauf warten, in den nächsten Jahren Swami zu werden, Mönch beziehungsweise Nonne. Wir haben einige Sevakas, die überlegen, in den nächsten Monaten oder Jahren Mönch oder Nonne zu werden. Das ist ein Aspekt. Aber die Mehrheit bei Yoga Vidya ist nicht Mönch oder Nonne und beabsichtigt auch nicht dies zu werden. Wir haben zum Beispiel in Bad Meinberg ein Dutzend Familien, Familien mit Vater, Mutter, Kind, Kindern oder nur Mutter, Vater mit Kind. Wir haben viele, die in Beziehungen leben, verheiratet oder unverheiratet. Es sind Menschen, die Single sind und auf der Suche sind, jemanden zu finden, manche, die sich frisch verliebt haben, manche, die sich gerade getrennt haben und so weiter einen relativ bunten Mix von Beziehungen.

Das muss man wissen, wenn Swami Sivananda über die Vorteile von Entsagung spricht, über den Nutzen, Mönch zu sein, Nonne zu sein, also Swami zu sein. Wenn Swami Sivananda zum Teil abfällig spricht über Sexualität, muss das relativiert werden. Wir bei Yoga Vidya verstehen, dass Swami Sivananda in vielen seiner Bücher Menschen inspirieren wollte zu einem Leben als Mönch oder Nonne. Wir sehen, dass der Guru uns eine andere Aufgabenstellung gegeben hat. Ähnlich wie Swami Sivananda von seinem Meister einen anderen Auftrag bekommen hat als Swami Vishwananda selbst hatte. Der Guru kann durchaus eines vorleben und andere zu einer anderen Art von Leben inspirieren, da die Mehrheit der vielen Millionen Schüler von Swami Sivananda weltweit im Berufs- und Familienleben stehen.

Ich sage das deshalb, weil Menschen leicht befremdet sind von manchen Aussagen in den Büchern von Swami Sivananda. Wenn es dort heißt, ohne Enthaltsamkeit ist kein spiritueller Fortschritt möglich. Ich selbst lebe in einer Beziehung und lebe nicht das Leben eines sexuell Enthaltsamen. Und ich merke, dass das meinem spirituellen Fortschritt keinen Abbruch tut. Man muss wissen, dass Swami Sivananda ein Mensch war, der mit großem Enthusiasmus geschrieben und gesprochen hat. Er hatte viele Schüler, die im Berufs- und Familienleben standen und nicht umsonst hat er in dem Vorstand der Divine Life Society Trust Funds, des Trägers, Stiftung seiner Zentren und Ashrams, die Hälfte Swamis gehabt und die Hälfte waren Personen im Berufs- und Familienleben. Das ist interessant, obgleich der Sivananda Ashram selbst ein Mönchskloster ist, sind die Hälfte der Vorstandmitglieder keine Mönche oder Nonnen, sondern es sind Menschen in Berufs- und Familienleben. Das zeigt, dass Swami Sivananda für den Alltag die Leute in Berufs- und Familienleben geschätzt hat.

Wenn du weißt, dass Swami Sivananda im Alltag viele weltliche Schüler hatte, aber den größten Teil seiner Texte in den 30er und 40er Jahren geschrieben und konzipiert hatte, verstehst du, dass in seinen Büchern etwas mehr die Entsagung eine Rolle spielt. Währenddessen wird in seinen Biografien, wie „Sivananda Yoga“ oder „Swami Sivananda, ein moderner Heiliger“ oder im Buch „Integraler Yoga“ beschrieben, wie er geringen Wert auf formelle Askese gelegt hat, sondern viel mehr darauf, Yoga tatsächlich zu praktizieren. Und letztlich, wie die Bhagavad Gita Menschen dazu inspirieren will, auf Wünsche und Erwartungen zu verzichten und weniger auf ein äußeres Leben in Partnerschaft und Familie.

Seine Lehre ist auch zeitlos

Wir haben bei Yoga Vidya eine große Hingabe an Swami Sivananda, wir spüren, dass er für uns einen Auftrag hat, er durch uns hindurch wirkt, wir durch seinen Segen zu tiefen spirituellen Erfahrungen geführt werden. Und wir sind uns gleichzeitig bewusst, dass das, was Swami Sivananda schreibt, teilweise von den konkreten Lebensumständen in einem indischen Ashram und teils von indischen Werten geprägt war. Dennoch würden wir sagen, dass fünfundneunzig Prozent von dem, was in den Werken von Swami Sivananda steht, für uns heute direkt von Relevanz ist.

Ich kann ein Buch von Swami Sivananda aufschlagen und finde eine Antwort von ihm. Es gibt aber Sätze, die ich überspringe, weil ich denke, in der Essenz und vom Geist taugt das, aber im Wörtlichen passt es nicht. Das geht nicht nur mit Swami Sivananda. Angenommen, man liest die Bibel, dort muss man ebenfalls schauen: Was ist ewige Wahrheit, was ist das, was Offenbarung ist, was für heute gültig ist? Was ist aus der damaligen Zeit erklärbar und muss heute relativiert werden? So verhält es sich mit allen Schriften aller spirituellen Traditionen, geht es mit jedem Meister.

Wir stehen auf der Basis von Swami Sivananda, wir fühlen uns inspiriert, wir erkennen aber heute manches anders, als man das damals in Indien der 30er und 40er Jahre gesehen hätte. Wir wollen das mit großer Demut üben, denn das ist die Schwierigkeit. Swami Sivananda war selbstverwirklicht, gottverwirklicht, hatte die Erleuchtung erreicht, wir haben diese noch nicht erlangt. Wie können wir entscheiden, wie wir leben, welchen Idealen wir folgen und so weiter? Das ist eine große Frage, die man mit Demut angehen sollte.

Siehe auch

Literatur

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