Shaktisangama Tantra Sundarikhanda
Shaktisangama Tantra – Sundarikhanda entfaltet die Verehrung von Tripurasundari, der Schönheit der drei Welten. Schönheit meint hier nicht allein eine sichtbare Form. Das Werk fragt nach jener Shakti, aus der Götter, Welten und das eigene Erleben hervorgehen. Seine Antwort führt in die reiche Überlieferung der Śrīvidyā, der heiligen Erkenntnis der Göttin.
Guru, Mantra und Gottheit stehen dabei in enger Beziehung. Einweihung erschließt eine überlieferte Praxis; Bhāvanā, das innere Vergegenwärtigen, macht ihre Gestalt im Bewusstsein lebendig. Schon das erste Kapitel erklärt: Das innere Vergegenwärtigen selbst ist ein Zeichnen der heiligen Gestalt (1.27). Äußeres Yantra und innere Betrachtung gehören so zusammen.

Textumfang und Lesehilfe
Diese Ausgabe erschließt alle 21 Paṭalas des Sundarīkhaṇḍa. Die Übersetzung folgt dem Sanskrit-Grundtext. Ausgelassene oder beschädigte Stellen bleiben gekennzeichnet; verschlüsselte Mantraableitungen werden nicht durch frei rekonstruierte Formeln ersetzt.
Textgrundlage sind die bereitgestellten Muktabodha-Fassungen M00129. Die deutschen Versangaben folgen Kapitel und Originalnummer; Abweichungen werden örtlich markiert. Beschädigte Lesungen werden nicht stillschweigend zu einer glatten Lehre umgeschrieben. Dies ist eine Übersetzung, keine kritische Neuedition. Historische Rituale und Wirkungsbehauptungen werden als Aussagen des Werkes erschlossen, nicht als heutige praktische Empfehlungen.
Dīkṣā bedeutet Einweihung, Abhiṣeka Weihe. Nyāsa ist das rituelle Einsetzen von Lauten, Kräften oder Gottheiten in den Körper. Mātṛkā bezeichnet die Mutterlaute des Sanskritalphabets. Āmnāya ist ein Überlieferungsstrom, Sampradāya eine Überlieferungsrichtung. Bālā, Pañcadaśī und Ṣoḍaśī sind hier Göttinnen- und Mantraformen; ihre Namen dürfen nicht ohne Rücksicht auf den jeweiligen Kontext gleichgesetzt werden.
Zum Quellenvergleich: IAST-Text · Devanagari-Text.
Zur Ausgabe: Gesamtwerk · Kalikhanda · Tarakhanda · Sundarikhanda · Chinnamastakhanda · 108 Verse und Mantras
Eine heutige Einführung im Umfeld von Tripurasundarī:
Paṭala 1: Śrīcakra, Einweihung und die Überlieferungen
Eingangsverehrung: Verehrung den ehrwürdigen Gurus!
Werktitel: Das ehrwürdige Śaktisaṅgama Tantra. Dritter Teil: Sundarīkhaṇḍa.
1.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott der Götter, Mahādeva, der den Verehrern Gnade erweist! Ohne Anfang und Ende, höchster Raum: Ich preise dich, den eigenschaftslosen, alldurchdringenden Herrn.
1.2 Durch deine Gnade habe ich, Herr, die Lehre der Āgamas erkannt. Nachdem Zeit vergangen ist, frage ich dich erneut, Allgegenwärtiger:
1.3 Wie ist die vollständige Weihe und Einweihung in verschiedene Formen gegliedert worden? Der ehrwürdige Śiva sprach: Am Anfang steht Bālā, große Göttin; sie wird als Ursprung von allem bezeichnet.
1.4 Ohne sie besteht keinerlei Berechtigung zur Pañcadaśī. Die drei Lautabschnitte sind besonders für das Kali-Zeitalter geeignet, Geliebte.
1.5 Durch anderes Aussprechen, Unrecht und Abirren gelingt sie nicht. Durch Bālā wird der Mund gereinigt; daraus entsteht die Berechtigung zur Vidyā.
1.6 Ist die Berechtigung zur Vidyā erreicht, folgt die zur Ṣoḍaśī. Ist die Berechtigung zur Ṣoḍaśī erlangt, besteht Berechtigung überall.
1.7 Dann folgt der Nyāsa der Pañcadaśī in ihrem Ritual, Śivā. Man setze die Mātṛkā zehnfach ein und ebenso den Vidyā-Nyāsa,
1.8 den kleinen sechsfachen, den großen sechsfachen und den inneren und äußeren sechsfachen Nyāsa. Nach erneutem Cakra-Nyāsa vollziehe man den Śakti-Nyāsa.
1.9 Der dem Śakti-Nyāsa hingegebene Mantraübende besitzt göttliche Gestalt, ohne Zweifel. Danach wird er zu Parā berechtigt und vollzieht ihren Nyāsa.
1.10 Anschließend folgt die Berechtigung zum Parāprāsāda-Nyāsa, dann zu Prāsādaparā und danach die Caraṇa-Einweihung.
1.11 Beginnend mit Nirvāṇacaraṇa folgt Śāmbhava; Nirvāṇacaraṇa wird wiederum als nach Śāmbhava stehend beschrieben. [Die Stufenfolge ist nicht widerspruchsfrei.]
1.12 Ist der Weise zu Bālā berechtigt, vollziehe er die bei Bālā genannten Nyāsas; ist er zu Pañcadaśī berechtigt, verfahre er entsprechend deren erweitertem Umfang.
1.13 Nach dem Vidyā-Nyāsa, Göttin, vollziehe man die Entriegelung. Nach Einsetzung der Dīpinī betrachte man Kullukā.
1.14 Wer Ṣoḍaśī-Einweihung besitzt, vollziehe den großen sechsfachen Nyāsa und die übrigen; wer Parā-Einweihung besitzt, setze die sechs Stützen und die übrigen ein.
1.15 Wer mit Parāprāsāda verbunden ist, vollziehe deren Nyāsas; wer mit Prāsādaparā verbunden ist, setze die zugehörigen ein, als ein Weiser.
1.16 Die vierfache Caraṇa-Einweihung gehört zum Bereich von Parāprāsāda. Zwischen beiden besteht kein Unterschied; ein gewisser Unterschied besteht dennoch, Pārvatī.
1.17 Danach folgt Śāmbhava-Einweihung und die Verehrung im Śrīcakra. Alle sollen verehrt beziehungsweise durch Nyāsa eingesetzt werden.
1.18 Zuerst wird Nyāsa genannt, danach Verehrung. Die Verehrung aller soll im Śrīcakra geschehen, du mit lieblichen Worten.
1.19 Am Ort der sechs Überlieferungsströme vollziehe man das sechsfache Śāmbhava, Göttin. Nachdem die sechs Plätze eingerichtet sind, verehre man Saṃvarteśa.
1.20 Nach der Verehrung aller soll auch der Krug sorgfältig verehrt werden, Göttin, von jenen, die alle Vollendungen wünschen.
1.21 Wer alle Einweihungen besitzt, vollziehe alle Nyāsas. Ohne Ṣoḍaśī besteht jedoch keine Berechtigung zu den anderen, Göttin.
1.22 Parāprāsāda-Einweihung und die übrigen Handlungen folgen auf Ṣoḍaśī. Mit den jeweiligen Einweihungen versehen, verfahre man nach der Vorschrift des jeweiligen Tantras.
1.23 Man vollziehe die entsprechende Handlung, nicht anders: Dies ist Śaṅkaras Wort. Was Caraṇa-Einweihung genannt wird, eben dies wird als Parā bezeichnet.
1.24 Ohne Śrīvidyā wird keine Berechtigung anerkannt. Wer in Śrīvidyā vollständig ist, besitzt Zugang zu allen Wegen, Geliebte.
1.25 Man zeichne das Śrīcakra, ein Dreieck mit Bindu in der Mitte, dann einen Kreis und anschließend einen vierblättrigen Lotus.
1.26 Dann zeichne man viermal fünf Speichen und eine viereckige Form, danach die Gestalt der sechsunddreißig Tattvas. [Die geometrische Kurzbeschreibung ist mehrdeutig.]
1.27 So soll die Gestalt vergegenwärtigt werden; eben die Vergegenwärtigung ist das Zeichnen. Parā mit vorangestelltem Prāsāda wird als Gestalt des ehrwürdigen Wirklichkeitsprinzips bezeichnet.
1.28 Die ehrwürdige Mahāṣoḍaśī-Vidyā besitzt die Gestalt des Mantrakörpers. Rings um den Kreis, Göttin, verehre man die überlieferte Abfolge.
1.29 Die Abfolge der Parāprāsāda-Vidyā ist beschrieben, große Herrin. Nun erkläre ich die vorrangige Ordnung; höre aufmerksam.
1.30 Über dem Bindu vergegenwärtige man [die Gestalt], danach einen glückverheißenden achtblättrigen Lotus; dann zeichne man einen Lotus mit sechsunddreißig Blättern.
1.31 Außerhalb zeichne man einen achtunddreißigblättrigen, Śivā; außerhalb davon einen als Bhuvana bezeichneten Lotus,
1.32 mit fünfzig Blättern und der Mondzahl versehen. [Die letzte Zahlenzuordnung bleibt offen.] Nach ordnungsgemäßem Zeichnen meditiere man darin über Parāmbikā.
1.33 Zuerst vergegenwärtige man sie als Gestalt der sechsunddreißig Tattvas, die Parāprāsāda-Vidyā als Gestalt der sechsunddreißig Tattvas.
1.34 Im Śāmbhava ist das gezeichnete Yantra zugleich Gegenstand der inneren Vergegenwärtigung. Nach äußerer Verehrung meditiere man über Parāmbikā.
1.35 Ist die Berechtigung zu Parā-Verehrung und den übrigen Ritualen erreicht, folgt die Berechtigung zum sechsfachen Śāmbhava, Maheśānī.
1.36 Das sechsfache Śāmbhava wird als über allem stehend bezeichnet. Man vollziehe die nach Ṣoḍaśī liegende Einweihung oder eben diese allein.
1.37 Was sollen die mit solchen Einweihungen Ausgestatteten rezitieren, höchste Herrin? Worin jemand Hingabe besitzt, eben dies soll er rezitieren.
1.38 Entsprechend der Überlieferung und der Verbindung mit Hingabe gilt Ṣoḍaśī als Śakti-Einweihung. Die zweite wird nun genannt; höre!
1.39 Die höchste Parāprāsāda-Vidyā besteht aus Śiva und Śakti. Sie wird Ardhanārīśvara genannt und ist in allen Tantras verborgen.
1.40 Dies wurde erklärt, Herrin der Götter; was möchtest du noch hören? Der ehrwürdige Śiva sprach: Dein Zweifel, was rezitiert werden soll, höchste Herrin,
1.41 wird nun beantwortet, Maheśānī; höre aufmerksam. Im Śrīcakra wird die Einsetzung aller Gottheiten gelehrt.
1.42 Die höchste Mahāśrīṣoḍaśī ist die Königin des großen Śrīcakra; die Parāprāsāda-Vidyā ist dessen Herrin.
1.43 Die Einweihung des oberen Überlieferungsstroms und der übrigen gehört zum Bereich von Parāprāsāda. Parāprāsāda-Vidyā wird im Śrīcakra eingesetzt,
1.44 ebenso die Vidyā des Herrn des sechsfachen Śāmbhava. Höre ehrfürchtig die Verehrung im Bindu-Kreis, Maheśānī.
1.45 Im Südwesten des Bindu-Kreises verehre man die geistige Form, Śivā. Im Nordwesten des Bindu soll man hier nicht verehren. [Die unerwartete Verneinung steht in der Vorlage.]
1.46 Im Osten des Bindu-Kreises verehre man die Windform, Geliebte, im Südosten die Feuerform, Śivā.
1.47 Im Westen verehre man die Wasserform des Śāmbhava, im Nordosten die Erdform.
1.48 Man verehre sie mit ihren Strahlen nach dem vorgeschriebenen Weg. Im Körper mit sechsunddreißig Cakras vollziehe man den Nyāsa, Geliebte.
1.49 Dies wurde erklärt, Göttin; alternativ im neunfachen Maṇḍala. Das neunfache Maṇḍala wird als vorrangig bezeichnet.
1.50 Den großen Saṃvartakeśvara, der aus neun Cakras besteht, verehre man sorgfältig, Göttin. So wurde es in Kürze erklärt, Geliebte.
1.51 Morgenpflichten, Meditation, Verehrung und die übrigen Handlungen sind in den ehrwürdigen fünf Tantras ausführlich dargelegt.
1.52 Das Ṣaṭśāmbhava-Yantra wird als neunfach bezeichnet. In diesem Yantra ist die vorrangige Verehrung gelehrt, höchste Herrin.
1.53 Fünf Leichengestalten sind im Śrīcakra, sechs im Śāmbhava, sieben bei Guhyakālī angesetzt; höre nun ihre Erklärung.
1.54 Im Śāmbhava wird Hiraṇyagarbha genannt; bei Guhyakālī werden Indra und Bhairava genannt.
1.55 Die Saṃghaṭṭana genannte Mudrā wird als dreifach bezeichnet. Man verbinde beide Hände wohlgeordnet mit den Handflächen nach unten.
1.56 Man lege die Nägel aneinander, die fünf Finger zeigen nach unten. Die so verbundenen Hände bilden die Saṃghaṭṭana-Mudrā.
1.57 Man bilde die vorherige Mudrā und spreize die kleinen Finger auseinander: Dies wird als zweite Saṃghaṭṭana-Mudrā bezeichnet.
1.58 Auch hier bestehen zwei Möglichkeiten: Durch unterschiedliches Verbinden der kleinen Finger entsteht die dritte. Die vierte ist die höchste von allen. [Die Einleitung hatte nur drei angekündigt.]
1.59 Daumen und Ringfinger werden in Yoni-Gestalt verbunden; beide Hände sind dabei schön nach unten gerichtet.
1.60 Zeigefinger werde an Zeigefinger, kleiner Finger an kleinen Finger gelegt; die beiden Zeigefinger und die beiden kleinen Finger richte man vorn nach oben.
1.61 Diese Saṃghaṭṭana-Mudrā verleiht am Ende der Rezitation alle Vollendungen. Bei der vierfachen Caraṇa-Vidyā und beim Ṣaṭśāmbhava-Ritual
1.62 wird sie als vorrangig bezeichnet, große Göttin; sorgfältig soll sie gezeigt werden, Śivā. Dies wurde erklärt. Was möchtest du noch hören?
1.63 Der ehrwürdige Śiva sprach: Nun erkläre ich die überlieferte Abfolge, Śivā. Im Hinblick auf die vollständige Einweihung lege ich sie dir unterschieden dar.
1.64 Am Anfang wurde Śaṅkara unmittelbar von Paraśiva erweckt. Mit vier Schülern zusammen wird Śaṅkara herabsteigen.
1.65 Śiva erweckte die Göttin; durch die Göttin wurden alle erweckt. Brahmā, Viṣṇu und Śiva wurden von Īśvara erweckt.
1.66 Ein Guru in Śivas Überlieferung gehört zur Śiva-Paramparā. Die Göttinnenüberlieferung verläuft auf dem Weg von Kālīs Unterweisung, Göttin.
1.67 Auch hier besteht eine Vielzahl von Śaktis; die Lehren sind nicht zählbar. Von Ānandabhairava geht eine Überlieferung der Göttinnenlehre aus.
1.68 Die zuvor genannte Dreiheit wird bei Kāmarāja anders geordnet, Göttin. In Ānandabhairavas Lehre gibt es fünfundachtzig Lehrabfolgen.
1.69 Die Einweihung in Śivas Überlieferung geht von Dakṣiṇāmūrti aus, Geliebte. Überall besteht Überlieferung; höre nun die mittlere Ordnung.
1.70 Mit den drei Strömen, beginnend beim göttlichen, verbunden, werden sie im Śaiva- und Gāṇapatya-Bereich gelehrt. Auch hier kann ich die Vielzahl der Lehren nicht vollständig nennen.
1.71 Im Tantra bestehen göttlicher, vollendeter und als dritter menschlicher Strom: bei Sundarī, Mahākālī, Tārā und Kālikās Mantra,
1.72 bei Pañcadaśī, Lopikā, den Mantras von Manu und Agastya, bei Parā verbunden mit Śiva sowie in den am Anfang oder Ende umgekehrten Ordnungen,
1.73 und beim sechsfachen Śāmbhava, Maheśānī, werden drei Ströme gelehrt. Alle drei Ströme sind genannt. Was möchtest du darüber hinaus hören?
1.74 Aus dem Strom wird die göttliche und vollendete Überlieferung beschrieben, Geliebte. Die Ströme sind aus Śiva entstanden; daraus folgt die Überlieferung ihrer Verehrung.
1.75 Von Dakṣiṇāmūrti gehen Gāṇapatya und ebenso [Baṭuka und die übrigen] aus; auch Ānandabhairava und die übrigen gehören in diese Ströme. [Die eckige Ergänzung steht bereits in der Vorlage.]
1.76 So entstanden die genannten Überlieferungsrichtungen. Bei Ānandabhairava werden Millionen Unterschiede beschrieben, Göttin.
1.77 Ānandabhairava und die übrigen sind in Hādi enthalten, Geliebte. Weil sie den Weg in Gang setzen, gelten sie als vorrangig.
1.78 Darum erlangten Virūpākṣa und die übrigen den Rang von Sehern, Geliebte. Sarasvatī ist die Schreibfeder, Gaṇeśa gilt als Schreiber.
1.79 Dies ist Paraśivas Lehre; Sprecher ist der Gott Maheśvara. Die Erde ist das Schreibblatt, große Göttin; die Nāthas sind die Zusammensteller der Schrift.
1.80 Brahmāstra und die übrigen sind ihre Hüter, Śarabha und die übrigen ihre Beschützer. Die Ströme verbreiten sie in der Welt; sie sind in jeder Weise zu verehren.
1.81 Nach der überlieferten Abfolge werden sie verschieden beschrieben. Die Göttlichen weilen stets bei den Göttern, die Vollendeten auch auf der Erde.
1.82 Die menschlichen Ströme befinden sich unter Menschen: So sind die drei Ströme beschrieben. Kenntnis und Verehrung von Śiva bis zum eigenen Guru sind unübertrefflich.
1.83 Kenntnis und Verehrung von der Göttin bis zum eigenen Guru gelten als höchste; ebenso die von Ānandabhairava bis zum eigenen Guru, Geliebte.
1.84 Dies ist eine von Dakṣiṇāmūrti anerkannte Ordnung, große Göttin. Höre sorgfältig das Prinzip bis zum eigenen Guru, Herrin der Götter, Geliebte.
1.85 Die Verehrung wird als höchste bezeichnet. Höre vom Strom bis zum Guru: Kenntnis und Verehrung vom Strom bis zum Guru werden gelehrt, Göttin.
1.86 Dies wird als vorrangiges Wissen bezeichnet; im Kali-Zeitalter besteht es nur mancherorts. Die vier früheren Formen gelten für Tretā und Satya, Göttin.
1.87 Wenn alles andere fehlt, gilt die Reihe bis zum Parameṣṭhin, Maheśānī; oder die Vierergruppe soll gekannt werden. Anders entstehe ein Hindernis der Vollendung.
1.88 Von der Göttin bis zum eigenen Guru verläuft die Unterweisungsüberlieferung; überall wird entsprechend Bhairava an ihrem Anfang genannt, Herrin der Götter.
1.89 In Dakṣiṇāmūrtis Zweig verehre man bis zum eigenen Guru. Ein einundzwanzigfaches Guru-Wissen soll in knapper Form geübt werden. [Die Zahlzuordnung bleibt offen.]
1.90 In Ānandabhairavas Lehre gibt es viele Unterschiede aufgrund der Vielzahl der Gurus. Ohne dieses Wissen werde der Mensch sündig, Göttin.
1.91 Wie soll Frauen Einweihung gegeben werden, und wie ist dabei ihr Frausein zu verstehen? Wenn die Unterweisung der Göttinnenüberlieferung folgt,
1.92 so empfange der Mann Verdienst, indem er die eigene Frau einweiht. Für Entsagende ist die Einweihung nach Dakṣiṇāmūrtis Lehre vorgesehen.
1.93 Bei Śiva und den Ānanda-Gottheiten vollziehe man überall Einweihung. Im Śaiva-Bereich endet der Name auf Śiva, im Vaiṣṇava-Bereich entsprechend auf Viṣṇu.
1.94 Im Śākta-Bereich gibt es Śakti-Gurus mit Unterschieden. Im solaren Bereich gilt der Sonnenname, bei Gāṇapatyas entsprechend Gaṇeśa, im buddhistischen Bereich die Endung Dharma.
1.95 So ist bei Pāśupatas und den übrigen sorgfältig der bei der Einweihung vorgeschriebene Name zu verwenden, Göttin. So sprach Kālikā.
1.96 Oder man verehre Dakṣiṇāmūrti, große Herrin, und gebe die Einweihung von ihm aus: Dies gilt als Einweihung der Frauen.
1.97 Wenn sich bei Frauen ein Hindernis für die Handlung ergibt, wie ist dann zu verfahren? Durch den Sohn soll für Erhaltung gesorgt werden; wenn kein Sohn vorhanden ist, Śivā,
1.98 so soll sie zuvor sākṣara gemacht und dann eingeweiht werden. [Wahrscheinlich ist Unterweisung in Lauten oder Schrift gemeint; die Passage ist unklar.] Nun erkläre ich etwas Weiteres, das zuvor genannt wurde; höre, Geliebte.
1.99 Wenn das Kali-Zeitalter gekommen ist, werden manche dies nicht ausführen; die geringsten Menschen werden Nebenvidyās nehmen und rezitieren.
1.100 Sie erlangen keine Vollendung und haben alle am Leid teil. Im Kali-Zeitalter wird ihnen Tadel zuteil, Göttin, ohne Zweifel.
1.101 Kālī, Tārā, Chinnamastā, Sundarī, Bagalāmukhī, Mātaṅgī, Bhuvanā, Lakṣmī, Dhūmrā und Tripurabhairavī:
1.102 Diese sind die Mahāvidyās; Siddhavidyā gilt von einem Zeitalter zum anderen. Der Rang als Vidyā richtet sich nach dem jeweiligen Zeitalter, große Göttin.
1.103 Wegen fehlender Guru-Überlieferung, Verwendung von Nebenvidyās, schlechten Wandels und Schmähung erlangen jene keine Vollendung.
1.104 Kālī, Tārā, Chinnamastā und Sundarī besitzen eine einzige Gestalt. Auch die anderen, große Göttin, sind von einer Gestalt, ohne Zweifel.
1.105 Wer Nebenvidyās und die zehn Vidyās [in unklarer Weise verbindet], dem nehmen die Yoginīs alles und verzehren ihn. [Die syntaktisch fehlende Bedingung wird nicht frei ergänzt.]
1.106 Nun erkläre ich die Unterschiede der Lehren. Kālī, Tārā, Mahāvidyā, Dīpinī und Kulasundarī
1.107 soll der Wissende zu jeder Zeit rezitieren, wenn er Vollendung wünscht. Pāśupatas, Triśūlins, Vīrakaulas und die übrigen, Geliebte,
1.108 sind in eben diesem Mahāvidyā-Ritual enthalten, Śivā. Die als Vīraśaivas und Vīravaiṣṇavas Bezeichneten
1.109 sind in den Mantras von Kālī, Tārā und den übrigen enthalten. Cārvākas und ihre Unterarten gelten hier als Unterschiede des Cīna-Weges.
1.110 Cārvākas, Ārhatas, Buddhisten, Cīnas, Jainas, Śākyasiṃha und die übrigen, Herrin der Götter, sowie Devīputra und andere, Geliebte,
1.111 werden in den Mahātārā-Mantra eingeordnet, Śivā. Nun erkläre ich die Unterscheidung der vollständigen Einweihung. [Die Einordnung ist die Sicht dieses Werkes.]
1.112 Bei der vollständigen Weihe und Einweihung werden viele Unterschiede angenommen: Parāprāsāda-Vidyā oder Prāsādaparā,
1.113 im Śaiva-Bereich mit Bindu, mit Visarga als Kāmakalā; in der Form Prāsādaparā mit Bindu und Visarga.
1.114 Auch eine andere Parā-Einweihung wird nach Tattva, Bindu und Visarga genannt. Die sechsfache Śāmbhava-Einweihung wird vielfältig beschrieben.
1.115 Garbhaśāmbhava oder Kerala-Śāmbhava: In Kerala gibt es viele Unterschiede; diese werden nun erklärt.
1.116 Sechs Anvayas, fünf, vier oder drei, Herrin der Götter; wenn diese fehlen, auch nur einer.
1.116 [zweite Nennung; fortlaufend 1.117] Śiva-Strahl, Śakti-Strahl oder aus Śiva und Śakti bestehend; Tripurā und fünfzehn höchste Strahlen werden genannt. [Die Vorlage zählt diesen Vers nochmals 116; das letzte Kompositum ist beschädigt.]
1.118 Oder die höchsten Strahlen werden innerhalb der sechs Anvayas genannt; oder es besteht Caraṇa-Einweihung in der Gestalt von vier Caraṇas.
1.119 Rot, Weiß und gemischt; Nirvāṇa ist das vierte. Drei Caraṇa-Einweihungen werden unterschieden, Nirvāṇa ist das höchste von allen.
1.120 Über Nirvāṇa hinaus gibt es in meiner Lehre kein Wissen, Göttin. Die vollständige Einweihung in Ṣoḍaśī vollziehe man gemäß der Überlieferung.
1.121 Man betrachte die jeweiligen Mantras entsprechend der Überlieferung. Die sechs Anvayas werden auch bei Guhyakālī genannt, Herrin der Götter.
1.122 Vollständige Weihe und Einweihung werden auch bei Kālī gelehrt; so wird vollständige Einweihung bei allen Vidyās beschrieben.
1.123 Bei Śrīsundarī und Kālī gilt sie als vorrangig. Man vollziehe die jeweilige Verehrung entsprechend der Überlieferung.
1.124 Auch bei Pañcadaśī wird vollständige Einweihung gelehrt, Śivā; bei Manu, Agastya und Lopikā ist die Namensgebung verschieden.
1.125 Der Name soll nach der Überlieferung gegeben werden, große Herrin. Bei der ehrwürdigen Dakṣiṇakālī gilt Kālī entsprechend dem vom Guru gelehrten Weg.
1.126 Auch bei Tārā gilt Tārā nach dem vom Guru gelehrten Weg. Wie Kālī, so Tārā; welche Tārā ist, eben die ist Kālikā.
1.127 Weil dies gelehrt wird, Maheśānī, gibt es auch bei Tārā Einweihung. Bei Guhyakālī erfolgt sie nach der Abfolge der sechs Strahlen, große Göttin, Śivā.
1.128 Eine fünfzehnfache Kette wird hier genannt, du mit lieblichen Worten. Nach der Abfolge ihrer Strahlen werden Name, Verehrung und das Übrige bestimmt.
1.129 Nach der sechsfachen Śāmbhava-Abfolge soll der Name gegeben werden, große Herrin. Mahākāmakalā-Kālī gilt als Rājarājeśvarī.
1.130 Bei ihr wird die glückverheißende vollständige Einweihung beschrieben, Śivā. Nach dem vom Guru gelehrten Weg und der Ordnung des menschlichen Stroms
1.131 lasse man dem guruverbundenen Schüler den Ājñā-Namen geben. Kāmakalā-Kālī gilt als Herrin des Yoga-Paṭṭa.
1.132 Ihre Einweihung wird Yoga-Einweihung genannt, von der Gestalt des großen Nirvāṇa. Auch bei Haṃsakālī lasse man entsprechend den Ājñā-Namen geben.
1.133 Kāmakalā-Kālī gilt als Herrin des Yoga-Paṭṭa; die höchste Mahākāmakalā besitzt die Gestalt von Parāprāsāda.
1.134 Die Caraṇa-Einweihung bei Haṃsakālī hat vier Caraṇas. Über die Haṃsa-Einweihung hinaus gibt es keine höhere vollständige Weihe.
1.135 Nach der Haṃsa-Abfolge lasse man den Ājñā-Namen geben. Auch hier besteht die Überlieferung von Śiva und Göttin, Herrin der Götter.
1.136 Bhairava und Ādinātha werden als die beiden Gottheiten genannt, Śivā. Für alle gilt die Überlieferung der Ströme, große Göttin.
1.137 Durch Kenntnis der Stromüberlieferung ergibt sich deren Vorrang. Śiva und die übrigen gehören zur Überlieferung Virūpākṣas, Herrin der Götter.
1.138 Das Guru-Wissen reicht von Ādinātha bis zum eigenen Guru, große Herrin. Überall steht zuerst der erste Guru, der den Mantra gibt.
1.139 Die Überlieferungsgurus sind Maheśas, Göttin, nicht anders. Die Gurus werden mit Namen genannt, die auf Ānandanātha enden.
1.140 Auch Frauen besitzen die Stellung des Gurus; ihre Namen enden auf Ambā. Zuerst verehre man den eigenen ehrwürdigen Guru und dann die Reihe bis Śiva, Śivā.
1.141 So wurde es für Einweihung und die übrigen Handlungen erklärt, Göttin, wie zuvor. Bei Ānandabhairava und den übrigen gilt genau dasselbe.
1.142 Vom eigenen Guru beginnend verehre man bis zum göttlichen Strom, Śivā. Bei Kālī-Einweihung und den übrigen lasse man den Ājñā-Namen geben.
1.143 Eine andere Art wird nun erklärt, Göttin; höre! Von Prahlādānanda bis Bodhānanda, Geliebte,
1.144 lasse man nach diesem vom Guru gelehrten Weg den Ājñā-Namen geben. Auch für Tārā habe ich dir dies in Kürze erklärt.
1.145 Der ehrwürdige Śiva sprach: Nun beschreibe ich das Wesen der Überlieferungsrichtungen. Zuerst steht die vedische, höher als sie die vaiṣṇavische.
1.146 Danach wird Gāṇapatya, dann Saura genannt; höher als Saura steht die Śaiva-Lehre, höher als Śaiva die Śākta-Lehre, große Herrin.
1.147 Höher als Śākta wird Vāma bezeichnet, Maheśānī; höher als Vāma Dakṣiṇa, höher als Dakṣiṇa Vīra.
1.148 Nach Vīra wird Avadhūta mit vorangestelltem Kaula genannt; über Avadhūta steht der göttliche Weg, über dem göttlichen gibt es nichts Höheres.
1.149 In Śaiva sind die ehrwürdigen Pāśupatas und die übrigen enthalten; Pañcarātra und die übrigen gehören zu Vaiṣṇava, Göttin.
1.150 In Śākta sind die als Pāṣaṇḍa und Cīna anerkannten Wege enthalten. Im Kāpālika-Bereich bestehen Rudra-Unterschiede, im Kaula acht Arten.
1.151 Im Vīra bestehen fünf Lehren, Göttin, in Cīna zweihundert; bei Buddhisten hundert Unterschiede, bei Pāśupatas sieben. [Die Versnummer ist in der Vorlage unvollständig eingefasst.]
1.152 Im Divya bestehen zwei Unterschiede, Göttin; Paśus gelten als dreifach. Bei Avadhūtas gibt es sieben Unterschiede nach der Überlieferungsordnung.
1.153 Ānanda wird als erster genannt, Nātha als zweiter; vorrangig ist Ānandanātha, danach Prakāśa,
1.154 dann Svarūpa und anschließend Caitanya. Ārādhya und Ācārya werden wegen ihres größeren Wissens genannt.
1.155 Wer die Schriften des sechsfachen Śāmbhava und die übrigen kennt, wird Ārādhya genannt. „Gu“ bezeichnet Dunkelheit, „ru“ deren Erkennen beziehungsweise Erhellen.
1.156 Aus beiden wird „Guru“ erklärt; er ist der Erhellende. Nātha ist mit Vollendung und den übrigen Eigenschaften verbunden; Ānanda besitzt Śambhus Śakti.
1.157 Das Wort Ānandanātha bezeichnet den höchsten Śaiva. Wer Mahāvīra genannt wird, wird als Māheśvara bezeichnet.
1.158 Ein Vīra tritt meist kühn auf und findet sich im Kali-Zeitalter mancherorts. Eine Unterart der Vilāsa-Überlieferung gilt als Kerala.
1.159 Eine Unterart davon heißt Draviḍa und verleiht Ācārya-Rang. Wer in Selbstherrschaft gefestigt ist, heißt Caitanya.
1.160 In Draviḍa sind die als Svāmi-Überlieferungen bezeichneten enthalten. Gauḍa heißt Svarūpa und ebenso Ānanda.
1.161 In Kerala gibt es viele Unterschiede; ich nenne sie, höre! Bhavasiddha, Hara und Siddha werden genannt.
1.162 Nach Länderordnung besteht eine Vierheit von Kalahaṭṭa; nach Mantraordnung folgen Vidhi, Siddhi und Krama.
1.163 Nach Zeitordnung besteht die Siddhānanda-Lehrabfolge. Kalahaṭṭa, Gomukha und danach Vijñānī werden genannt,
1.164 Draviḍarāja, Maheśānī, und danach Utpāda. Nach Zeitordnung wird die Überlieferungsfolge bestimmt.
1.165 Zuerst besteht Pūrva-Kerala, als zweites Uttara-Kerala. Auch hier gibt es zahlreiche Namen entsprechend der Überlieferung.
1.166 Divya, Siddha, Satya, Caitanya, Cidghana, Sarvajña sowie Brahmā, Viṣṇu und Rudra werden genannt, Śivā.
1.167 Danach füge man die Anfangsbezeichnung und Sarasvatī an, Göttin; zuerst die Wörter Divya und die übrigen, danach Devī und Sarasvatī. [Die genaue Namensbildung ist nicht eindeutig.]
1.168 Zuerst sind die Abfolgen zu kennen, danach die Überlieferung; dann Name und das Übrige und schließlich das Ājñā-Wort, große Herrin.
1.169 Höre nun die Draviḍa-Unterschiede, die ich der Reihe nach nenne: Advaita, Pūrṇanātha und als dritter Cidambā.
1.170 Die Advaita-Überlieferung besteht auch in der Avadhūta-Lehre. Die Namen enden auf Sarasvatī oder auf Ānanda, Geliebte,
1.171 oder auf Nātha, Maheśānī: jeweils eine Dreiheit in den dreien. Die Īśa genannte Richtung ist in Kerala enthalten.
1.172 Sie heißt Māheśvara und Viśvarūpa, Geliebte. Auch diese sind in Kerala enthalten, Göttin.
1.173 Mit solchem Wissen ausgestattet, der Kuṇḍalī-Kenntnis vorausgehend beziehungsweise darauf gegründet, soll die Verehrung ausgeführt werden. Anders gelingt sie gewiss nicht.
1.174 Ohne dieses Wissen, Göttin, erlangt die Vidyā keine Vollendung. Wer Vidyā-Vollendung wünscht, soll mit vorausgehendem Wissen handeln.
1.175 Was aus Unwissenheit getan wird, Göttin, wird alles fruchtlos. So wurde es in Kürze erklärt; dies soll unbedingt beachtet werden, Geliebte.
1.176 Bei Opfergabe, Gefäßeinrichtung und Anwendungsvorschrift wird alles deutlich, nicht anders.
1.177 Der ehrwürdige Śiva sprach: Was fragst du nun, Śivā? „Erkläre Kāśmīra rasch!“ [Sprecherwechsel nicht markiert.] Was als Sarvadivya bezeichnet wird, heißt Kāśmīra.
1.178 Bhāvanātha, Kriyānātha, Jñānanātha, Citpara, Cetaneśa und Siddhanātha,
1.179 danach Ṛddhinātha: Acht wurden von mir genannt. [Die vorausgehende Liste enthält sieben Namen; möglicherweise ist Sarvadivya mitgezählt.] Bei Verehrung und Gefäßeinrichtung, Maheśānī,
1.180 besteht dieser Unterschied; alles wird als eines bezeichnet. Der Gauḍa genannte Weg und die Kāśmīra-Lehre, Herrin der Götter,
1.181 sind in Kerala enthalten, Göttin, nicht anders: Dies ist Śaṅkaras Wort. Bisweilen wird entsprechend der Überlieferung ein Unterschied genannt.
1.182 Trijaṭā und Ekajaṭā, Triśūla und der mit Bindu Geschmückte: Vier Unterschiede sind hier im Śaiva enthalten, Maheśānī.
1.183 Im Śaiva sind die ehrwürdigen Pāśupatas und die übrigen enthalten. Ihre sieben Unterschiede nenne ich; höre.
1.184 Zuerst Śikhin, dann Muṇḍin und als dritter Jaṭin; Dvidaṇḍin, Ekadaṇḍin und Tridaṇḍin folgen.
1.185 Vīraśaiva ist der siebte: So werden die sieben Pāśupatas beschrieben. Im Vaiṣṇava gibt es acht Unterschiede; zuerst Vaikhānasa.
1.186 Śrīrādhāvallabha, Göttin, Gokuleśa als dritter, Vṛnda als vierter und Pañcarātra als fünfter,
1.187 danach Vīravaiṣṇava, Rāmānandī, Harivyāsī und Nimbārka als achter. [Bei getrennter Zählung aller Namen ergeben sich neun.]
1.188 Smārtas und Bhāgavatas, Göttin, sind Verbreiter dieser Wege. In Śākta sind Cīnas und Kāpālikas enthalten, Śivā,
1.189 danach Buddhisten, Jainas, Divyas und Kaulas, dann Vīra und Paśu. Ihre Merkmale werden nun genannt.
1.190 Die Cīnas besitzen zweihundert Unterschiede, besonders im Tārā- und Chinnā-Ritual. Tārādhīśa, Parādhīśa, Kṣema, Prematāraka,
1.191 Sāgara, Parāpanna, Jīvadayāpara, Cirajīvin und Siddha wurden in Kürze als neun genannt.
1.192 Im Kāpālika bestehen fünf Unterschiede; wir nennen sie, Śivā: Indrajālin, Devajālin, als dritter Rudrajālin,
1.193 als vierter Vidyājālin, als fünfter Siddhijālin. Die fünf Kāpālikas sind beschrieben; höre aufmerksam von den Buddhisten.
1.194 Keśacchedin, Vṛkṣacchedin, Madyāśin, Kalmaṣa und als fünfter Icchābhedin: So werden viele Arten angenommen. [Dies sind Zuschreibungen des Werkes, keine allgemein gültige buddhistische Selbsteinteilung.]
1.195 Zwei Unterschiede bei den Jainas werden genannt, Göttin; höre sorgfältig: Pārśvanātha, Kalānātha und die Hingabe an Padmābhogavatī. [Die Zahl und der letzte Ausdruck sind nicht eindeutig.]
1.196 Ādidivya und Upadivya sind die zwei Divya-Arten, Śivā. Paśus sind dreifach: Wissende, Unwissende und Schmähende.
1.197 Vīra wird als fünffach bezeichnet; höre die Unterschiede, Pārvatī. Śrīcakravīra, Herrin der Götter, und als zweiter Ūrmila,
1.198 Cūḍācakra als dritter, Puṣpacakra als vierter und Jīvacakra als fünfter: Fünf Unterschiede werden genannt.
1.199 Bhāva-Yoga gehört zum Jīvacakra, Kriyā-Yoga zum Puṣpacakra, Jñāna-Yoga zum Śrīcakra und Laya-Yoga zum [Ūrmila]. [Der letzte Name ist bereits in der Vorlage ergänzt.]
1.200 Rājayoga gehört zum Cūḍācakra. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das zuvor erwähnte, sehr verborgene Geheimnis hören.
1.201 Der ehrwürdige Śiva sprach: Vom Insekt bis zum Weltenei besteht die ganze Welt aus Śakti. Durch vollständige Verehrung der Śakti, Göttin, wird das Weltenei verehrt.
1.202 Durch Śakti befinden sich die vierzehn Welten in Śivas Körper; die drei Welten, die Götterwelt und die übrigen sind am Ort der Kalās, Śivā.
1.203 Berge, Metalle, Teiche, Meere und Flüsse – alles, was im Weltenei und auf der Erde besteht,
1.204 steht vollständig und deutlich im Körper der Śakti, Pārvatī. Brahmā, Viṣṇu und Rudra sind aus Śaktis Körper entstanden. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 1. Kapitel namens „Darlegung des Śrīcakra-Yoga und der übrigen Themen“.
Paṭala 2: Aufgangslaut, Yantra und die Einheit des Bewusstseins
2.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre das zuvor Genannte, Herr der Götter, wenn ich dir lieb bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Wer Reichtum wünscht, verehre Gaṇapati; wer Gesundheit wünscht, die Sonne.
2.2 Wer Glück wünscht, verehre den Mond, wer Befreiung wünscht, Janārdana; für alle Wünsche Nārāyaṇa, für Glück Puruṣottama.
2.3 Der Mantraübende verehre Śrī zur Mantravollendung, der nach Wissen Strebende Kālikā; wer Reichtum wünscht, Mātaṅgī, wer alles wünscht, Vārāhī.
2.4 Wer Herrschaft wünscht, verehre Bhuvaneśī und Nīlasarasvatī, ebenso Tripurā und die in jedem Kūṭa gegenwärtige Kraft. [Die letzte Zuordnung ist knapp.]
2.5 Für alle Wünsche im Kali-Zeitalter [gilt die zuvor Genannte], im Kṛta Puruṣottama, im Dvāpara eine Śiva-Form und im Tretā Hari als Vāmana.
2.6 Im Kali-Zeitalter wird Bālā gepriesen, im Tretā Lalitā, im Dvāpara die in fünf Kūṭas befindliche Form.
2.7 Die sechskūṭige Form wird im Kali gepriesen und in allen Tantras verborgen. Sundarī erfüllt im Kali-Zeitalter alle Wünsche, höchste Herrin.
2.8 Bagalā dient allen Vollendungen, besonders dem Stillstellen; Dhūmāvatī wird dem Tötungsritual, Śarabha dem Niederhalten zugeordnet.
2.9 Pratyaṅgirā wird zum Abwehren von Feuerwaffen und ähnlichem genannt. Der ehrwürdige Śiva sprach: Weiteres werde ich dir erklären, soweit ich es weiß, Göttin.
2.10 Wer Wohlergehen wünscht, verehre im Kali stets Tripurā; wer Redegewandtheit wünscht, Kālikā und Mahāmāyā.
2.11 Wer den Himmel wünscht, verehre Bhuvaneśī und Tārā; wer Brahman-Glanz wünscht, verehre Brahmā.
2.12 Wer Gesundheit wünscht, die Sonne, wer Reichtum wünscht, das Feuer; wer Vollendung wünscht, Kamalā, wer Wissen wünscht, Sarasvatī.
2.13 Im Kali verehre man Nīlapatākā und Nīlasarasvatī; rasch entstehe Vollendung der Rede und Erfüllung des Begehrens, ohne Zweifel.
2.14 Wer Vollendung seiner Handlungen wünscht, verehre Vināyaka; wer Genuss wünscht, den Mond, wer Kraft wünscht, den Wind.
2.15 Zur Befreiung aus aller Weltverstrickung verehre man sorgfältig Śiva. Wer Meditationsyoga, Befreiung und unvergängliches Wissen wünscht,
2.16 verehre Virūpākṣa, Hara, der aus allem Seienden besteht. Es folgen Chinnamastā, Rājamātaṅgī und Kāmakālikā,
2.17 sowie Śmaśānakālikā, die alle Vollendungen verleiht. Aśvārūḍhā, Kukkuṭī und Bhogavatī, Śivā,
2.18 Nityaklinnā und Bheruṇḍā soll man zur Beeinflussung von Frauen verehren, Geliebte. Wer alle anziehen will, verehre die einsilbige Kālikā.
2.19 Ebenso verehre man Madhumatī-Vidyā zur Anziehung aller, Geliebte; Parāprāsāda-Vidyā, Ṣaṭśāmbhaveśvarī
2.20 und Sundarī verehre man sorgfältig zur Erfüllung aller Wünsche. Dhanadā wird bei Wohlstandswunsch, Kāminī bei Vollendungswunsch verehrt.
2.21 Bhairavī bei einem Wunsch nach Schönheit; Hayagrīva verleiht Rede. Der ehrwürdige Śiva sprach: Ich erkläre die Einweihungsüberlieferung, durch die man ganz aus der Göttin besteht.
2.22 In Gauḍa, Kāśmīra und Draviḍa, bei Kaula, Vāma und Dakṣiṇa soll Sundarī überall gemäß dem jeweiligen Weg eingeordnet werden,
2.23 entsprechend der Berechtigung, Göttin, im von Übel erfüllten Kali-Zeitalter. Wenn dieses Zeitalter gekommen ist, werden alle abirren.
2.24 Die Überlieferung wird untergehen, ohne Zweifel. Es entstehen Erschütterung und Abwendung vom Guru; daraus geht keine Vollendung hervor.
2.25 Unter dem Einfluss von Unwissenheit irren sie hierhin und dorthin, Göttin. Vom Weg abgekommen sind sie wie verlassene Zweige beziehungsweise Frauen. [Das abwertende Wort śākhāraṇḍā bleibt unklar.]
2.26 Selbst durch Millionen Weltalter erlangen sie keine Vollendung. Ich erkläre die Einweihungsüberlieferung in Śrīvidyā, große Herrin,
2.27 ebenso bei Kālikā nach dem Unterschied von Gauḍa und Kāśmīra. Nun erkläre ich die Einweihungen in den Formen der Śrīvidyā.
2.28 Von jenen, die Berechtigung erlangt haben, soll Bālā verehrt werden, Göttin; von vollständig Berechtigten die höchste, von Kāma verehrte Form.
2.29 Danach folgt Ṣoḍaśī, danach Parāvidyā, dann Parāprāsāda-Vidyā und die Form Prāsādaparā.
2.30 Man lasse die Einweihung entsprechend der Überlieferung vollziehen, Geliebte. Danach wird das sechsfache Śāmbhava gemäß der Überlieferung genannt.
2.31 Danach Caraṇa-Einweihung; darüber hinaus gibt es keine weitere Einweihung. Nirvāṇa-Einweihung gilt als die höchste von allen, Herrin der Götter.
2.32 Über Nirvāṇa-Einweihung hinaus gibt es keine andere. Wer sie besitzt, ist das höchste Brahman, ohne Zweifel.
2.33 Die dreifache Caraṇa-Einweihung wird mancherorts vollzogen, große Herrin. Mantras, beginnend mit Bālā, werden als Vidyā-Mantras bezeichnet.
2.34 Was Pañcadaśī ist, Göttin, wird auch Ṣoḍaśī genannt. Der sechsfache Nyāsa und die übrigen umfassen achtzehntausend.
2.35 Die Nyāsas sollen sorgfältig vollzogen werden, ebenso die vollständige Namenrezitation. Bei Parāprāsāda-Vidyā wird all dies genannt,
2.36 Kālanityā und die übrigen, die Nityās der Zeitalterordnung, vollständige Mantrarezitation und Nāḍī-Rezitation.
2.37 Wer mit Ṣoḍaśī-Vidyā verbunden ist, besitzt überall Berechtigung. In der sechsfachen Anvaya-Abfolge sind Einweihung, Nyāsa und Verehrung, Śivā,
2.38 schon zuvor gesondert beschrieben; die Besonderheit wird erneut erklärt. Bei der vierfachen Caraṇa-Einweihung gelten besondere Nyāsas und weitere Handlungen.
2.39 Bei Parāprāsāda-Vidyā bestehen mancherorts Besonderheiten, Geliebte. Die Verehrung aller wird im Śrīcakra beschrieben, Göttin.
2.40 Man ordne sie entsprechend der Berechtigung ein, große Herrin. Wer alle Einweihungen besitzt, ist Mahādeva, ohne Zweifel.
2.41 Erkenne jeweils die folgende Stufe als höher, große Herrin. Durch dieses Wissen wird man unmittelbar ganz aus Brahman, Göttin.
2.42 Zuerst wird die einsilbige Form entsprechend Bālā genannt; Siddhakālī wird wie die Pañcadaśī-Vidyā beschrieben.
2.43 Dakṣiṇākālī wird als Ṣoḍaśī bezeichnet; danach Kāmakalā-Kālī, die Parāprāsāda entspricht.
2.44 Wie Caraṇa-Einweihung beschrieben wurde, so Haṃsakālikā; danach Guhyakālī als höchste Herrin des sechsfachen Śāmbhava.
2.45 Bei Ṣaṭśāmbhava und Guhyakālī wird die Ordnung gesondert beschrieben. Auch hier habe ich dir Wissen über Kālanityā und die übrigen dargelegt,
2.46 vollständige Mantrarezitation, Namenrezitation, Nāḍī-Rezitation und Yuganityā und die übrigen, Śivā,
2.47 Kālanityā, Dinanityā und die weiteren. Alles habe ich dir zuvor ausführlich erklärt, Göttin.
2.48 Bei Kālī werden Yuganityā und die übrigen entsprechend Kālanityā als zwanzigtausendachthundertsechsunddreißig genannt.
2.49 Die Praxis nach der Kālanityā-Ordnung und den übrigen wird erneut erklärt. Dies habe ich dir in Kürze dargelegt, Göttin.
2.50 Wer diese Ordnung besitzt, ist in der Welt von der Gestalt der Vollendung, ohne Zweifel. Bei vollständiger Weihe und Einweihung vollziehe man die Namenrezitation.
2.51 Im Śaiva-Bereich endet der Name auf Śiva, im Vaiṣṇava-Bereich entsprechend; bei Saura, Gāṇapatya, Buddhisten und anderen richte er sich nach der jeweiligen Schrift.
2.52 Im Śākta-Bereich endet er auf Śakti; dort wird eine Vielzahl genannt. Bei der ehrwürdigen Śāmbhava-Einweihung gilt ein Śāmbhava-Name.
2.53 Oder ein Name aus ihren Strahlen oder aus der Guru-Reihe, oder aus ṛtudvauvedhya [beschädigte Bezeichnung], entsprechend der Āmnāya-Abfolge.
2.54 Nach den Unterschieden des Śiva-Śakti-Paares stammt er aus dem Kettenmantra. Bei Ṣoḍaśī, Pañcadaśī, Lopā, Manu und Agastya, Śivā,
2.55 soll bei der Einweihung sorgfältig der vom entsprechenden Guru gelehrte Name gegeben werden. Bei Parāprāsāda oder Prāsādaparā
2.56 endet der Name auf Śiva oder Śakti, entsprechend der jeweiligen Zuordnung. Bei Caraṇa steht Nirvāṇa am Anfang oder Ende, gemäß dem Guru.
2.57 Bei Medhā steht er ebenfalls in dessen Guru-Reihe, große Herrin. Nun erkläre ich etwas Weiteres, den höchsten innersten Gehalt des Wesentlichen.
2.58 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie groß ist der Unterschied zwischen Fluchaufhebung und Entriegelung? Erkläre mir dies, Mahādeva, wenn ich dir lieb bin.
2.59 Der ehrwürdige Śiva sprach: Bei der Entriegelung geht es um Bindung; ein Fluch hemmt die Lichtkraft. Bei der Verriegelung gibt es kein Kommen und Gehen, große Göttin.
2.60 Bei der Fluchaufhebung dagegen besteht Kommen und Gehen. Weil die Göttin ihren Verehrern Gnade erweisen will, geht sie zum Übenden,
2.61 doch ihre dort gewährte Gabe bleibt unwirksam: Durch die Hemmung des Mantrabewusstseins wird sie unwirksam, große Herrin.
2.62 Dies wird Fluch genannt. Nun wird die Entriegelung erläutert: Um dem Verehrer Gnade zu erweisen, soll die Gabe gewährt werden, Śivā.
2.63 Wenn die Bindung gelöst ist, gibt es Kommen und Gehen. Die Kraft der Göttin zum Gewähren der Gabe ist dabei vorhanden, große Herrin.
2.64 Wie die Kuh ihr kräftiges Kalb liebt, es aber erst trinken kann, wenn die Bindung gelöst ist,
2.65 so gelten Kālī, Tārā und Chinnā als einem Lichtmeer gleich. Wer könnte die Lichtkraft dieser drei hemmen?
2.66 Darum gibt es bei Kālikā keinen Fluch und dergleichen, große Herrin. Kālikā und Tāriṇī sind Vidyās, die von Verriegelung befreien.
2.67 Wie eine Kuh das Seil zerreißt und zu ihrem Kalb geht, so die höchste Kālikā, weil sie ihren Verehrern Gnade erweisen will.
2.68 Tārā, Chinnā und Stambhaneśī befreien von allen Bindungen. Beim Fluch fließt keine Milch; bei Verriegelung ist der Milchfluss vorhanden.
2.69 Bei Kālikā besteht stets Milchfluss, große Göttin. Höre nun sorgfältig die Erklärung der Fluchaufhebung.
2.70 Das Kalb ist nahe, die Kuh ist nahe; fehlt jedoch die Milch, welchen Nutzen hat ihre Nähe, große Göttin?
2.71 Wie nach einiger Zeit wieder Milch entsteht, so tritt nach der Lösung des Fluches die Lichtkraft erneut hervor.
2.72 Durch die Befreiung des Kalbes von der Bindung ist die Frucht erreichbar. Bei der Entriegelung wird die Bindung [gelöst], wodurch die Frucht vollendet wird, Geliebte.
2.73 Darum wird Entriegelung als etwas anderes als Fluch erklärt. In der Entriegelungsvorschrift wird die Umstellung von Lauten genannt, Göttin.
2.74 Weil der Mantra aus Bewusstsein besteht, wird nicht das Bewusstsein umgestellt. Der anschließende Satz über Unterlassung und Schuld ist sprachlich widersprüchlich überliefert.
2.75 Zur Aufhebung jener Schuld wird Prāṇāyāma genannt. Die Laute besitzen die Gestalt von Körpergliedern, Śivā.
2.76 Durch die Umstellung von Lauten entsteht Unvollständigkeit der Glieder, Göttin. Ist der Fluch aufgehoben, ist das Ganze vollständig vorhanden.
2.77 Wie die Handlung nach Lösung der Bindung des Kalbes wieder gelingt, so gelingt die Handlung nach Entriegelung erneut, große Herrin.
2.78 Wenn ein Fluch auferlegt wurde, fehlt die Bewusstseinswirksamkeit – wie bei einer vorhandenen Kuh ohne Milch, große Herrin.
2.79 Bei einem Fluch ist das Bewusstsein nicht wirksam, Maheśānī, Śāmbhavī; bei Entriegelung hingegen ist es bereits vorhanden, große Göttin.
2.80 So wurde der Unterschied erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Die Handlung mit der Lichtlinie und den übrigen Dingen hast du zuvor angedeutet.
2.81 Was habe ich verbrochen, Gott, dass du sie mir nicht offenbart hast? Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Wissen um die Lichtlinie gilt als innerster Gehalt des Wesentlichen.
2.82 Die Lichtlinie wird zur Vollendung der Dīpinī und anderer Aussagen genannt. Vom Sonnenaufgang an wird ein Abstand von sechzig Vighaṭikās angesetzt.
2.83 Durch die Verbindung von Hervorbringung und Auflösung besteht die Lichtlinienordnung. Vom Bindu bis zum Ende der Horā steigt Dīpinī auf.
2.84 In allen Mantras, Herrin der Götter, steigt Dīpinī auf. Nach der Ordnung der Ghaṭikās entsteht der Aufgang des Mantras.
2.85 Dies habe ich dir als geheime Zuordnung für jeden Mantra erklärt, Śivā, von einer Silbe bis zu tausend, große Herrin.
2.86 Der Laut geht nach der Ordnung der Ghaṭikās auf, Göttin. Dort geht stets der entsprechende Laut auf; durch dessen Kenntnis erlangt man die Frucht.
2.87 Wie der Haṃsa-Gang stets in Bewegung ist, große Göttin, so wird er Ajapā genannt; durch den bewussten Vorsatz verleiht er Frucht.
2.88 Man erkenne den Anfangstag des Zeitalters und die Zahl der vergangenen Tage, Śivā; daraus bestimme man sicher den Aufgang der Mantrasilbe, Göttin.
2.89 Durch jede einzelne Ghaṭikā ergibt sich der Aufgangslaut von Bindu und Linie. Wer Gutes wünscht, soll ihn sorgfältig bis zum Ende der Horā kennen.
2.90 Vom Tor bis zum Bindu entsteht erneut ein Aufgangslaut. Durch diese umfassende Durchdringung erlangt man die kosmische Virāṭ-Gestalt, Herrin der Götter.
2.91 Ohne Durchdringung besteht keine Virāṭ-Gestalt, Göttin. Das Allgestaltigsein wird als Kennzeichen der Virāṭ-Gestalt beschrieben.
2.92 Ohne Lichtlinie besteht keine Dīpinī; inmitten der Lichtlinie steigt Dīpinī auf.
2.93 Dort verehre man Dīpinī und ebenso den Aufgangslaut. Durch Verbindung mit dem Aufgangslaut wird der Mantra belebt.
2.94 Ohne Aufgangslaut ist der Mantra nicht fluchfrei, Göttin. Zur Aufhebung des Mantrafluches dient die Betrachtung des Aufgangslauts.
2.95 Wie der Aufgangslaut des Mantras entsteht auch der Aufgang der Linie, Göttin. Was könnte durch Verbindung mit dem Aufgangslaut auf Erden nicht gelingen?
2.96 Wie der Mantra aufgeht, so geht die Linie auf. Der Linienaufgang besteht bei jedem Mantra; auch der Aufgang selbst ist gegenwärtig.
2.97 Dies habe ich erklärt, Göttin; was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Zuvor hast du die Yantra-Meditation angedeutet, Herr.
2.98 Wie ist zu meditieren, was ist besonders, was soll und was soll nicht betrachtet werden? Als Kreis, als Wandgestalt oder wie eine Umrandung?
2.99 Soll man es aus Linien bestehend oder als Meru betrachten, oder soll man seine Weltgestalt erinnern? All dies erkläre mir.
2.100 Der ehrwürdige Śiva sprach: Bei jedem Yantra wird Meditation als dreifach beschrieben, große Herrin. Zuerst als kosmische Virāṭ-Gestalt, als allsehende Gestalt.
2.101 So vergegenwärtige man das Yantra, Göttin; dies wird überall gelehrt. Bei Śrīcakra und den übrigen besteht in der Virāṭ-Gestalt Gleichheit, große Göttin.
2.102 Wie soll die zweite betrachtet werden? Erkläre es mir, große Herrin. [Ein Sprecherwechsel ist nicht markiert.] Die Linie gleicht einer Lichtmasse und besteht ganz aus Bewusstsein.
2.103 Alles soll spiegelgleich, als aus sich selbst leuchtend vergegenwärtigt werden. Vom Bindu bis zur äußeren Umfassung betrachte man alles als Bewusstsein.
2.104 An der Wurzel soll man es durch das Leuchten der Lichtkraft als nicht verschieden betrachten, Geliebte. [Die doppelte Verneinung der Vorlage ist unsicher.] Höre die dritte, die ewige Meru-Gestalt.
2.105 Vom Bindu an vergegenwärtige man die Bījas der Reihe nach aufsteigend; unterhalb des Bindu betrachte man sie ebenfalls eines nach dem anderen, Śivā.
2.106 Oder man betrachte sie nach einer neunfach aufsteigenden Ordnung, große Herrin. Im Kālī-Vidyā-Ritual sind die Linien von der Gestalt der neun Edelsteine,
2.107 oder sie werden als Meru-Anordnung betrachtet. Das mit Bījas versehene Śrīcakra ist fluchfrei, höchste Herrin.
2.108 Ein Cakra ohne Bījas verleiht keine Vollendung. Zuerst steht das Schöpfungscakra, als zweites das Erhaltungscakra,
2.109 als drittes das Auflösungscakra: Dreifach wurde das Cakra beschrieben. Auch das Einschreiben der Bījas habe ich als dreifach erklärt, Göttin.
2.110 Ohne Bīja ist es leblos und wird einer Leiche gleich genannt. Mit Bīja versehen ist das Yantra fluchfrei und verleiht Vollendung.
2.111 Fehlt das Bīja, schreibe man die Mutterlaute mit Bindu versehen in das Yantra und verehre dieses Yantra, Śivā.
2.112 Ein blattförmig angeordnetes Yantra verleiht Vollendung. Im Kali-Zeitalter soll die Blattform verehrt werden; anders verleihe es keine Vollendung, Śivā.
2.113 Das Bewusstsein des Mantras, das Bewusstsein des Yantras und das Bewusstsein des Gurus: Diese Dreiheit werde im eigenen Selbst vergegenwärtigt, Göttin.
2.114 Dabei geht es nicht um Meditationsgestalt und dergleichen, sondern um das Vergegenwärtigen einer Lichtmasse. In der vielfältigen, gehaltlosen Welt mit schlechtem Wandel, Śivā,
2.115 wird eben Bhāvanā gelehrt; Bhāvanā gilt als vollendungswirksam. Wenn Bhāvanā nicht gelingt, wie könnte dann dies zustande kommen?
2.116 Der Antrieb zur Bhāvanā erfolgt durch das Göttliche, Śivā. Höre die Veranschaulichung, Herrin der Götter, die von allen stets vollzogen wird.
2.117 Kuṇḍalī besitzt eine andere Gestalt als das zugehörige Liṅga. Dieses heißt Svayambhūliṅga, das aus sich selbst Vollendete, große Herrin.
2.118 Kuṇḍalī besteht aus der Wurzelvidyā und besitzt Śaktis Gestalt, Göttin. Kuṇḍalī ist schlangenförmig, die Gottheit hat eine andere Gestalt.
2.119 Weil Śiva seinem Wesen nach nicht verschieden ist, werden drei Gestalten beschrieben. Mūlādhāra wird als Ort der Kuṇḍalī genannt, große Herrin.
2.120 Als Ort der ehrwürdigen Gottheit wird das Herz bezeichnet, als Ort Śivas der Sahasrāra, Maheśānī.
2.121 Wenn Ort, Name und Gestalt verschieden sind, wie besteht dann Einheit, große Göttin? Darum wird Bhāvanā gelehrt.
2.122 Auf Unterschiede von Ort, Gestalt und Name richtet sich meine Absicht nicht, Göttin, sondern auf das Vergegenwärtigen des Bewusstseins.
2.123 Alle Handlungen haben den Guru an erster Stelle. Nirvāṇa besitzt die Gestalt des Gurus; Nirvāṇa ist das höchste Brahman und die Stätte des Gurus.
2.124 Der Guru ist Śakti, der Guru ist Vidyā, der Guru ist der Gott Maheśvara; der Guru ist Brahmā, der Guru ist Viṣṇu, der Guru besitzt die kosmische Virāṭ-Gestalt.
2.125 Der Guru ist Mantra und Bewusstsein – was viele Worte? Er ist allein Brahman. Bewusstsein ist der eigentliche Sinn; Meditation ist eben Bhāvanā.
2.126 Wer hat die Meditationsgestalt gesehen? Sie gehört zum Bereich der inneren Vergegenwärtigung. Ist feste Bhāvanā vorhanden, entsteht unmittelbares Schauen.
2.127 Im Guru soll stets Bewusstsein vergegenwärtigt werden, Göttin, ohne Zweifel. Ohne Guru gibt es weder Erlangung der Vidyā noch Erlangung des Mantras.
2.128 Die Stellung des Gurus ist die höchste; in ihm wird alles vergegenwärtigt. Man betrachte im Geist die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra.
2.129 Man bestimme im Herzen den Sinn des Mantras, erfasse die Gestalt des Gurus und erkenne alles als im Guru aufgegangen; so rezitiere man, Geliebte.
2.130 Als vom eigenen Selbst nicht verschieden vergegenwärtige man die Dreiheit, jedes Dreifache in den dreien. Als alle Augen, alle Gesichter und die Gestalt von allem
2.131 erkenne man eben den Guru; über den Guru meditierend rezitiere man. Zuvor habe ich die drei Haltungen erklärt, Śivā.
2.132 Von Paśu-, Vīra- und Divya-Haltung: Was wird beim Divya dargelegt? Man vergegenwärtige eine Lichtmasse und alles als von einer einzigen Gestalt.
2.133 Nach dem Vergegenwärtigen des Bewusstseins erinnere man das große Licht, Śivā. Die Gnade des Gurus entsteht, Göttin; der Guru gilt als von göttlicher Gestalt.
2.134 Das Selbst wird von der Gestalt des Gurus, der Mantra von der Gestalt des Selbst. Nachdem alles als Mantragestalt vergegenwärtigt wurde, bilde man die göttliche Gestalt.
2.135 Man meditiere über die in der Meditationsbeschreibung genannte Gottheit und vollende alles augenblicklich. Durch solche Bhāvanā entsteht Gleichgestaltigkeit, Göttin.
2.136 Ist Gleichgestaltigkeit erreicht, gelangt man zum Wesen der höchsten Śakti. „Ich bin von der Gestalt der höchsten Śakti“: Dies vergegenwärtige man unerschütterlich.
2.137 Wenn man die Gestalt des Bewusstseins betrachtet, was könnte auf Erden nicht gelingen? Die Lichtkraft der drei wird eins; darin wird die Gestalt gebildet.
2.138 Man meditiere über die beschriebene Gottheit und vergegenwärtige sie als eigene Gestalt. Die Dreiheit in den dreien betrachtend bilde man darin die Gestalt der erwählten Gottheit.
2.139 Entsprechend der Festigkeit des Geistes und der auszuführenden Handlung, große Herrin, erinnere man ihre gleiche Wesensnatur, einer Lichtmasse gleich.
2.140 Auch Ardhanārīśvara ist Gestalt des Mantrabewusstseins. Die folgende Anweisung, die Mantralaute im eigenen Körper durchdringend zu betrachten, enthält in der Vorlage eine unerwartete Verneinung.
2.141 Man betrachte sie einer Waldblumengirlande gleich, einer Lichtmasse ähnlich, Śivā. So wurde es in Kürze erklärt, entsprechend der Gestalt der Kuṇḍalī.
2.142 Wie bei der dreifachen Kuṇḍalī vergegenwärtigt wird, Göttin, Śivā, so wird hier Bhāvanā gelehrt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 2. Kapitel namens „Darlegung des Aufgangslauts“.
Paṭala 3: Bhāvanā, Traummantras, Lautentfaltung und Prāṇāyāma
3.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott über den Göttern, Allwissender, der alle Schriften verbreitet! Wissen um Mantraaufgang und Lichtlinie, Geliebter,
3.2 bis hin zu Bhāvanā hast du erklärt; das zuvor Erwähnte wurde jedoch nicht offenbart. Der ehrwürdige Śiva sprach: Eben dies wird jetzt erklärt; höre sorgfältig.
3.3 Bei der Bhāvanā-Ordnung bestehen drei Lehren: zuerst Kerala, als zweite Kāśmīra, als dritte Gauḍa.
3.4 Zuerst Kerala, Göttin, als rein und von allen anerkannt: Man vergegenwärtige im Geist die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra.
3.5 Das Bewusstsein dieser drei betrachte man als eine Lichtmasse. Der Guru ist der Unterweisende, Göttin; im Mantra wird Bewusstsein erweckt.
3.6 Die Gestalt des Bewusstseins betrachte man als Gestalt des Gurus. Wie der Glanz von neun Edelsteinen an einem Ort vereint wird,
3.7 so entsteht durch die Vereinigung ein Leuchten wie ein brennender Meru, Göttin, ein Glanz wie Millionen Sonnen.
3.8 In diesem Glanz, große Göttin, betrachte man den Guru in Śambhus Gestalt, mit zwei Augen und zwei Armen, mit gabenspendender und furchtnehmender Hand, Friedvolle.
3.9 In seiner Lichtkraft ist die bewegliche und unbewegliche Welt aufgegangen. So vergegenwärtige man den Guru in der Kerala-Überlieferung.
3.10 Alle Handlungen haben den Guru an erster Stelle; darum ist er der höchste. Höre Kāśmīra, Weise, wodurch man ganz davon erfüllt wird.
3.11 Man vergegenwärtige im Geist die Einheit von Mantra, Gottheit und Guru; alles gleiche einer Lichtmasse und habe die Gestalt des Lautes.
3.12 Die lichtgleichen Laute und alles Übrige betrachte man als eins. Alles ist im Laut aufgegangen, ebenso das dreifache Bewusstsein, Śivā.
3.13 Alles Licht entsteht aus Bewusstsein und leuchtet wie Millionen Sonnen. Die lichtgleichen Laute betrachte man wie eine Ansammlung von Edelsteinbergen.
3.14 So vergegenwärtigend rezitiere man den Mantra, der die gewünschte Vollendung verleiht. Die Kāśmīra-Abfolge ist erklärt; höre nun Gauḍa.
3.15 Man vergegenwärtige im Geist die Einheit von Gottheit, Guru und Mantra; die ganze bewegliche und unbewegliche Welt betrachte man als Licht.
3.16 Das Bewusstsein der drei gleicht einer Lichtmasse, Göttin, Śivā. Ein einziger Lichtberg ist entstanden, dem Meru gleich.
3.17 In diesem Licht betrachte man die große Göttin mit ihren Waffen. Nach der vorgeschriebenen Meditation vergegenwärtige man sie als allgestaltig.
3.18 Wer so betrachtet, dem verleiht die Gottheit Gaben. Dies ist die erklärte Bhāvanā. Was möchtest du noch hören?
3.19 Die ehrwürdige Göttin sprach: Der Vorsatz, den du gemäß den drei Überlieferungen angedeutet hast, möge erklärt werden, Gott, wenn ich dir lieb bin.
3.20 Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre ehrfürchtig den Vorsatz in Kerala: Er wird zum Erfreuen der Gottheit gefasst.
3.21 Wenn die Freude der Gottheit entstanden ist, dann sogleich … Zuerst entsteht ihr Wohlwollen, danach Zuneigung. [Die beiden Sätze setzen unterschiedlich an.]
3.22 Wenn Zuneigung entstanden ist, Göttin, besteht kein Zweifel an ihrem Wohlwollen. Die Zweckbestimmung „zu ihrer Freude“ wird als vorrangig bezeichnet.
3.23 Höre die Zweckbestimmung in Kāśmīra, Göttin, Geliebte: zum unmittelbaren Schauen der Gottheit, große Herrin.
3.24 In Gauḍa hingegen zur Erlangung aller Vollendungen, Maheśānī. Wenn die Gottheit erfreut ist, kommt alles in Gang.
3.25 Das unmittelbare Schauen, Göttin, ist in ihrer Freude enthalten; ebenso die Vollendung der Rede und die übrigen Vollendungen.
3.26 Darum ist Freude das Vorrangige, und der Zweck richtet sich auf Freude. So wurde es erklärt, große Göttin. Was möchtest du noch hören?
3.27 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte hören, wie die Nityās fünffach sind. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, Göttin; ich erkläre die Bestimmung der Zeit-Nityās.
3.28 Zuerst Tithinityā, danach [Dina]nityā, dann Yuganityā, danach Kālanityā. [Die eckige Ergänzung steht in der Vorlage.]
3.29 Dann Paryāyanityā: So gelten sie als fünffach. Nach heller und dunkler Monatshälfte ist ihre Verehrung zweifach.
3.30 In der hellen Hälfte beginnt sie mit Kāmeśvarī, in der dunklen mit Citrā. Nach Verehrung der Tages-Nityā verehre man mit beiden die erste, Geliebte.
3.31 Erneut vom Anfang bis zum Ende verfahrend: So ist Dakṣiṇāmūrtis Lehre. In Ānandabhairavas Lehre wird zuerst die Tages-Nityā verehrt,
3.32 nach der Ordnung der hellen und dunklen Hälfte und am Ende die vollständige Gestalt. Tithinityā wird mit vorausgehender [Dina]nityā beschrieben.
3.33 Yuganityā ist genannt; Kālanityā sei wie zuvor. [Hier steht nur ein Halbvers.]
3.34 Paryāyanityā mit vorausgehender Kālanityā wird nun erklärt, Herrin der Götter. Höre mit aufmerksamem Geist.
3.35 Man entnehme Śūnya und Visarga und spreche dann Kāmakalā; nach „haṃsaḥ so’haṃ“ wird die zyklische Ordnung erklärt, höre!
3.36 Von a bis kṣa, mit den Zusätzen u, a, i, gegenseitig verbunden und in Zweier- und Dreierfolgen geordnet, Göttin,
3.37 mit vorangestellten Vokalen und jeweils mit Vokalen versehen, wechselseitig erweitert: Dies heißt vollständige Namenrezitation.
3.38 Die glückverheißende Paryāyanityā mit Kālanityā ist beschrieben. Ihr Hervorgehen geschieht aus dem Aufleuchten der Kālanityā, Göttin. [Das Kompositum ist unsicher.]
3.39 Die jeweilige vollständige Rezitation wird als selbst für Götter schwer zu erlangen bezeichnet. Bei Kālikā, Maheśānī, unter dem Namen Nityā-Paryāya,
3.40 wurde Kālīs zyklische Nityā in Kürze erklärt. Zwanzigtausend und eine unklare Folge aus Hundert und Sechsunddreißig werden genannt. [Die Vorlage ist beschädigt; vgl. 3.47.]
3.41 Einige wollen hier die Zahl Acht und Siebenhundert ansetzen. Der Aufgang der Laute wurde dir in vielfältiger Weise beschrieben. [Die Zählvariante bleibt unklar.]
3.42 Die sechzigfache vollständige Rezitation wurde schon zuvor erklärt. Namenrezitation ist verschieden von Mantrarezitation.
3.43 Die vollständige Mantrarezitation wird als eigene Form bezeichnet. Der Lautaufgang wird als die sechzigste und als eine einzige Form beschrieben.
3.44 Die Kālī-Rezitationsordnung wurde dir erklärt, du mit guten Gelübden. Für Sundarī wird sie anders beschrieben; höre, große Herrin.
3.45 Mit den Zusätzen ā und ī, gegenseitig verbunden, mit Lauten in Zweier- und Dreierfolgen von ka bis kṣa, Śivā,
3.46 mit Vokalen bis kṣa und den jeweiligen Vokalverbindungen entstehen die Namen der Tripurā durch ihre Berechnung.
3.47 Es ergeben sich zwanzigtausendachthundertsechsunddreißig. Das Geheimste wurde erklärt, das sonst nirgends offenbart wird.
3.48 Entweder ist a der erste Laut oder ā. A ist der erste, Göttin, danach folgt ā.
3.49 Zuerst die kosmische Virāṭ-Gestalt, danach die gegliederte. Virāṭ-Gestalt heißt Kālikā; die schöne Gestalt ist Sundarīs Antlitz.
3.50 Darum ist a vorrangig, besonders im Kālī-Ritual. Bei Kālikā gilt die Kādi-Lautordnung, in Śrīsundarīs Lehre Hādi.
3.51 In der Lautgestalt besteht jene Gestalt; meine eigene ist darin nicht gesondert vorhanden. Kādi ist Virāṭ und leerer Raum; so wird ka bezeichnet.
3.52 Hādi, der Laut ha, ist Śrīvidyā, Bewusstseinskraft und Kāmasundarī. Mahākāmakalā-Vidyā erstrahlt im Laut ha.
3.53 Die Virāṭ-Gestalt wird auch für Sundarīs Vidyā beschrieben; dennoch besitzt sie bei Kālī den Vorrang, Herrin der Götter.
3.54 Bei der Namenrezitation wird ihre Gestalt sichtbar: a mit Bindu und a mit Visarga.
3.55 „aṃ“ und „a“ bilden das Lautpaar von Anuttaras Gestalt. [Nach dem vorigen Vers wäre beim zweiten Laut Visarga zu erwarten; die Vorlage gibt ihn nicht wieder.] Anuttarā wird als zweiundfünfzigfache Vidyā bezeichnet.
3.56 So wird Kāmakalā-Vidyā nach Lehrunterschieden dargestellt. Der Laut ī allein, Göttin, gilt als Mahākāmakalā.
3.57 Darum besitzt ka bei Kāmarāja den Vorrang; bei Lopā wird ha als ā bezeichnet.
3.58 Wer nach Bildung der Hälfte Haras die Weltmutter betrachtet, von zwei Mantras umschlossen, vergegenwärtigt Nichtverschiedenheit von allem.
3.59 Dies wird als Namenrezitation im Kālī-Vidyā-Ritual beschrieben, Śivā; deshalb wird es als Gestalt des Bewusstseins bezeichnet, große Herrin.
3.60 A ist der erste Laut, Göttin, a der zweite. [Die Wiederholung steht so in der Vorlage.] Ā wird wegen seiner Durchdringung als alldurchdringend bezeichnet.
3.61 Die halbe Kalā von ha, Göttin, heißt ī. So vereint entsteht die höchste Mahārājeśvarī, Herrin der Götter.
3.62 Der Zusatz der Mahārājeśvarī-Vidyā gilt als höchster. Für Śrīvidyā ist dies in Kürze erklärt, Maheśānī, Śivā.
3.63 Bei Kālikā wird die Vidyā Virāḍuttareśvarī genannt. A wird sowohl in ka als auch in ha beschrieben.
3.64 Das Aussprechen von a wird weder in Kādi noch in Hādi [als selbständige Form] anerkannt; wo beide einen Kūṭa bilden, wird es im Sinn dieses Lautabschnitts beschrieben. [Satzbau unsicher.]
3.65 Wer vermag im Kali-Zeitalter einen Kūṭa auszusprechen? Darum wird a zum Zweck des Aussprechens genannt.
3.66 Ka ist der erste Laut, ha gilt als letzter. Die Bestätigung dafür wird sich bei der Herauslösung der Laute ergeben, Göttin.
3.67 In wessen Rede der große Mantra „ka ha“ lebt, der ist gesegnet, erkenntnisreich und von den Göttern verehrt.
3.68 Sieht man ihn, soll man sich verneigen. Aus Wissen erlangt man die Frucht; aus Unwissenheit geht sie verloren. Was möchtest du noch hören?
3.69 Die ehrwürdige Göttin sprach: Die sechzigfache Rezitationsart, vollständige Namenrezitation, vollständige Mantrarezitation und Lautaufgang, Gott,
3.70 Wissen um Lichtlinie und Aufgang der Mantrasilbe: Wer ist dazu berechtigt, Herr der Götter, und wer soll es ausführen?
3.71 Erkläre mir dies, Mahādeva, wenn ich dir lieb bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Ein vollständig Geweihter mit reinem Inneren, dem Guru ergeben und fest im Gelübde,
3.72 der nicht notwendige Handlungen aufgibt, den täglichen Vollzug pflegt und der Überlieferungsfolge bis zum sechsfachen Śāmbhava hingegeben ist,
3.73 der zur vierfachen Dämmerungsverehrung und zur Stellung eines Ācārya berechtigt ist, große Göttin,
3.74 der Zukunfts- und Dreizeitenwissen sowie Erkenntnisschau besitzt; Bālā, Pañcadaśī, Kādi, sechsfache Vidyā und Parā,
3.75 Parāprāsāda, Nirvāṇa und danach die sechsfache Anvaya-Abfolge: Wer so in der Überlieferung steht, mit Namen und den übrigen Kennzeichen versehen,
3.76 der ist zur Namenrezitation und den übrigen Formen berechtigt, Herrin der Götter, von der sechzigfachen Rezitation bis zu Namen und Mantra, Śivā.
3.77 Wer solche vollständige Rezitation ausführt, große Herrin – ist er noch ein Mensch? Er ist unmittelbar Śiva selbst.
3.78 Sechzigfache Rezitation, Namenrezitation, Wissen um vollständige Mantrarezitation, Lichtlinie und das Übrige,
3.79 sowie die geheime Ordnung der Namensgebung sind nicht die Frucht einer geringen Handlung. Wer Sundarī Millionen Weltalter richtig verehrt hat,
3.80 wer achtzehntausend von den Götterherren verehrte Nyāsas im eigenen Körper eingesetzt hat, verbunden mit vorbereitender Praxis und den übrigen Handlungen,
3.81 der erlangt dies, Göttin – oder erlangt es auch nicht. Dieses Prinzip kenne selbst ich nur ein wenig durch Bemühung, Maheśānī.
3.82 Wer es vollständig kennt, ist Kālikāmbikā selbst, große Göttin. Sie besitzt Sundarīs Gestalt, verkörperten Nektar jugendlicher Fülle.
3.83 Sundarī kennt es, Göttin; eben du bist sie, große Herrin. Alles hältst du verborgen, Weise; mein Glück ist sehr groß.
3.84 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gesegnet bist du, Śiva, Weltenherr, der das jenseitige Ufer von allem zeigt. Ohne Śiva ist in Śakti keine gleiche Wesensnatur sichtbar, Śambhu.
3.85 Der ehrwürdige Śiva sprach: Es gibt keinen Unterschied, große Göttin, wie zwischen Samen und Spross. Sie bin ich in männlicher Gestalt; in weiblicher Gestalt bin ich selbst sie.
3.86 Zwischen uns beiden besteht kein Unterschied; Unterschied entsteht aus Unwissenheit. Im Anuttaraguṇārṇava bin ich unterwiesen worden, Herrin der Götter.
3.87 Durch deine Gnade habe ich all dies keineswegs vergessen. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
3.88 Die ehrwürdige Göttin sprach: Zuvor hast du die Unterscheidung der Traummantras angedeutet, Herr, sie mir aber nicht erklärt. Bin ich etwa nicht geeignet?
3.89 Alles möge mir erklärt werden, Gott, wenn ich dir lieb bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Bis zu dieser Zeit wurde es nirgends offenbart.
3.90 Aus Liebe zu dir wird es erklärt, Maheśānī; höre nun. Fünfzig Mahāpadma-Einheiten werden als Umfang der Āgama-Schriften genannt.
3.91 In ihnen allen sind die Mantras enthalten, große Göttin. Dreißig Nikharva, sechs Vṛnda und neunzig Arbuda-Koṭi werden als Zahl genannt.
3.92 So sind die Mantras beschrieben, Maheśānī. Welcher Āgama sich wo befindet, höre nun, wenn ich dir lieb bin.
3.93 Von den fünfzig großen Padma-Einheiten befinden sich sechsundzwanzig auf der Erde, vierzehn im Himmel und zehn in der Unterwelt.
3.94 So habe ich den Āgama der Reihe nach beschrieben, Herrin der Götter. Die Traummantras sind dreifach gegründet, große Göttin.
3.95 In der Unterwelt befindet sich das Virāṭ-Cakra, im Himmel das Tāṇḍava-Cakra; im Himmel bestehen zwei Cakras, Göttin, das zweite heißt Tripurā.
3.96 Zuerst Virāṭ, danach Śivatāṇḍava, als drittes Tripurā: So bestehen die Traummantras dreifach.
3.97 Die auf die Herzformel endenden gehören zum Virāṭ-Cakra, die auf die Waffenformel endenden zum Śivatāṇḍava, Maheśānī.
3.98 Die im Tripurā-Cakra enden auf die Feuergattin [svāhā]. Diese Mantras erscheinen auf Erden durch lebhaftes Verlangen im Traum.
3.99 Auf dem Traumweg werden sie von Śiva unterwiesen, Herrin der Götter. Höre nun sorgfältig ihre Merkmale.
3.100 Höre die Merkmale der Mantras des Unterwelt-Cakras: Augensalbe, Zauberkügelchen, Verbergen und Vollendung des Befehls.
3.101 Höre die Merkmale des Śivatāṇḍava-Cakras: Schwert- und Vetāla-Vollendung, Eintritt in einen fremden Körper,
3.102 Bewegung durch die belebte und unbelebte Welt und die acht Vollendungen wie Aṇimā. Höre die Merkmale der Tripurā-Cakra-Mantras, Pārvatī.
3.103 Im Tripurā-Cakra-Maṇḍala werden Wünsche mühelos erfüllt; man wird Herr von sechzig Vollendungen auf Erden, im Himmel und auf der Erde. [Die doppelte Erdbezeichnung bleibt erhalten.]
3.104 Wo sind die Mantras gegründet, die sich in den drei Śaṅkaras befinden? Im Ardhanārīśa-Cakra befinden sie sich, Pārvatī.
3.105 Dreifach zum Śaṅkara-Wesen gelangt, befinden sie sich in Paraśivas Maṇḍala, Göttin. Ihre Merkmale entsprechen Sundarī.
3.106 Wie der Parāprāsāda-Mantra und Prāsādaparā zweifach werden, so auch dort, große Herrin.
3.107 Was das Erste ist, Göttin, gilt als Ādyaśaṅkara; jener Śaṅkara entspricht Parā. Was möchtest du noch hören?
3.108 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie sind bei einem im Traum empfangenen Mantra Seher, Versmaß und die übrigen Angaben zu bestimmen, wenn sie im Traum nicht genannt wurden, großer Herr?
3.109 Ebenso heiliger Sitz und Meditation: Wenn sie nicht genannt wurden, Mahādeva, was gilt dann, und wie ist zu verfahren?
3.110 Der ehrwürdige Śiva sprach: Als Seher wird Śiva genannt, als Versmaß Gāyatrī; die Gottheit ist von der Gestalt des Bewusstseins, Göttin. Kīlaka und die übrigen bestehen nicht.
3.111 Die Draviḍa-Lehre ist erklärt; höre aufmerksam Kāśmīra. Sind Seher, Versmaß und die übrigen Angaben nicht genannt, ist Brahmā der Seher, große Herrin.
3.112 Gāyatrī wird als Versmaß bestimmt – wer kennt es, Pārvatī? Die Vokale gelten als Śaktis, das Unmanifestierte als Kīlaka.
3.113 Der Sitz ist der Mātṛkā-Sitz, Meditation und die übrigen Handlungen entsprechen Mātṛkā. In Gauḍa, Maheśānī, gilt er als vollendeter Mantra, Śivā.
3.114 Es gibt dort weder Seher und Versmaß noch feste Verehrungsregeln. Allein durch Rezitation entstehe Vollendung, ohne Zweifel.
3.115 Bei einem vollendeten Mantra gibt es keine Prüfung durch Cakras und dergleichen, große Herrin. Zweifelt man an ihm, geht seine Vollendung verloren.
3.116 Weder Schuld noch Guthaben gelten; bloße Rezitation verleiht Vollendung. Vorbereitende Praxis und die übrigen Handlungen werden wie zuvor beschrieben, Göttin.
3.117 Es gibt keinen sechsfachen Gliedernyāsa, Maheśānī; die Gottheit ist Caitanyeśī. Als Meditation gilt allein die bei der Einsetzung der Lebenskraft beschriebene.
3.118 Meditation über die Mantralaute als Lichtmasse verleiht alle Ziele. Durch sechsmalige Wiederholung des Wurzelmantras vollziehe man den sechsfachen Gliedernyāsa. [Dies steht neben der Verneinung im vorigen Vers.]
3.119 Wo der Mantra Wortglieder besitzt, kann man mit diesen den Nyāsa ausführen. Wo sechs Glieder und Weiteres ausdrücklich genannt sind, verfahre man danach.
3.120 Ist kein Sitz genannt, gilt der Śakti-Sitz; fehlt die Meditation, Mātṛkā. Fehlt die vorbereitende Praxis, rezitiere man zehntausendmal, Geliebte.
3.121 Bis zu zweiundzwanzig Silben werden zehntausend Rezitationen genannt; darüber hinaus gajāntakasahasra. [Die Zahl ist nicht sicher auflösbar.]
3.122 Wie groß ist der Unterschied zwischen einem im Traum empfangenen und einem von einer Frau gegebenen Mantra? Bei der Weihe besteht Gleichheit, Göttin, insbesondere bei der Krugweihe.
3.123 Im Siddha-Ari-Cakra prüfe man nur den Namen, Herrin der Götter. Nach Betrachtung des Schuld-Cakras setze man die Rudra-Cakras ein.
3.124 Das Schuld-und-Guthaben-Cakra habe ich für alle Fälle beschrieben. Wer das Schuld-Cakra außer Acht lässt, mag zehn Arbuda rezitieren:
3.125 Er erlangt keine Vollendung, Herrin der Götter, sondern den Fluch der Gottheit. Die fehlende Schuldbeziehung liegt bei ihm; die Schuld wird jedoch der Gottheit zugeschoben.
3.126 Man soll den Gottheiten keinen Fehler zuschreiben und stets den überlegenen Schuldbezug rezitieren. Wer sich auf einen als Schuldner geltenden Mantra stützt und verschiedene Mantras rezitiert,
3.127 wird hier Herr der Vollendung und jenseits Śiva gleich. Bei Prüfung des Mantras wird die Schuldbeziehung sichtbar, Geliebte.
3.128 Die ehrwürdige Göttin sprach: Vollendung besteht doch in eigener Erfahrung; welche Rolle spielt dies, Herr? Der ehrwürdige Śiva sprach: Ein zuvor verwirklichter Mantra wird als Schuldner bezeichnet.
3.129 Nach Name und Stellung jenes Zeitalters ist seine Schuldbeziehung bestimmt. Durch deren Kraft verleiht er Vollendung, Maheśānī.
3.130 Wurde er im Traum empfangen, ohne dass eine außergewöhnliche Bestätigung eintritt, und zeigt sich bei der Prüfung im großen Cakra keine deutliche Schuldbeziehung,
3.131 so ist jener Mantra ein Gläubiger, Göttin; man soll ihn Schülern unterweisen. Die ehrwürdige Göttin sprach: Zuvor hast du über im Traum empfangene Mantras gesprochen, Gott, Herr:
3.132 Im Traum empfangene, von Frauen gegebene und Kettenmantras seien vollendete Mantras, Geliebter. Nun hast du es anders dargestellt.
3.133 Darüber ist mir ein Zweifel entstanden; erkläre es, großer Herr. Der ehrwürdige Śiva sprach: Es ist wahr, Maheśānī; ihre Vollendung besteht deutlich.
3.134 Wo eine erfahrbare Bestätigung besteht, wird der Mantra vollendet genannt. Wo sie fehlt, wird er als Gläubiger bezeichnet, Herrin der Götter.
3.135 Vollendung zeigt sich in der Bestätigung, Göttin; nicht alle sind bereits vollendet. Andere Mantras werden durch frühere Prägungen erklärt.
3.136 Durch Überlieferung und frühere Prägung werden sie empfangen, Śivā. Darum prüfe man Schuld und Guthaben und rezitiere den Mantra, wenn man Gutes wünscht.
3.137 Eine schon unter dem früheren Namen bestehende Schuldbeziehung kann weiterhin vorhanden sein. Ein solcher Mantra, Maheśānī, wird durch großes Glück erlangt.
3.138 Ein durch frühere Prägung empfangener, jetzt zur Schuldbeziehung gelangter Mantra ist ebenso beschaffen, Göttin; ein Gläubiger-Mantra gilt nicht als gleichwertig.
3.139 Dies ist innerhalb der fünf Cakras anzuwenden, große Herrin. So wurde es in Kürze bis zur Praxis erklärt.
3.140 Männlich, weiblich und sächlich werden Mantras der Reihe nach mit „phaṭ“, „svāhā“ und der Herzformel bezeichnet, Göttin. So wurde es in Kürze erklärt; höre die Praxis.
3.141 Waffenmantras gehören zum Waffenbereich, auf die Feuergattin endende zum weiblichen Bereich; auf „namaḥ“ endende gelten als in den Śiva-Mantras enthalten.
3.142 Einige wünschen die Meditation nach zwei Mātṛkā-Formen, Pārvatī. Die folgende Aussage über Kāśmīra ist beschädigt; zwei Unterschiede werden genannt.
3.143 Nach der Verbindung mit den fünf Heiligtümern, nach dem Mantrasinn und nach dem Zusatz werden sie den jeweiligen Bereichen zugeordnet, große Herrin.
3.144 Wenn auf Erden bestehende Mantras mit Zusätzen verbunden im Traum empfangen werden, wofür werden sie dann verwendet?
3.145 Einige sind im Kavaca, andere im Stotra genannt. Alle sollen wie der Hauptmantra rezitiert werden, höchste Herrin.
3.146 Die für den Hauptmantra gelehrte Handlung gilt jeweils überall. Erinnere als Beispiel das Nīlasārasvata, Göttin.
3.147 Die vorbereitende Praxis wird vom Guru unterwiesen, Herrin der Götter. Die Wegfolge dabei wurde wie zuvor erklärt, Geliebte.
3.148 In Kerala gilt die vorbereitende Praxis als zehnteilig; in Kāśmīra habe ich sie als achtteilig beschrieben.
3.149 Auf dem Gauḍa-Weg wird sie als fünfteilig bezeichnet. Bei einem im Traum empfangenen Mantra gilt eine vorbereitende Praxis in Gliedern, Maheśānī.
3.150 Rezitation, Feueropfer und Brahmanenspeisung bilden die Dreiheit. Bei einem Traummantra beseitigt die vorbereitende Praxis zwei Fehler.
3.151 Am Anfang besteht Geburtsunreinheit, am Ende Todesunreinheit. Ein mit beiden Unreinheitszeiten behafteter Mantra wird nicht vollendet.
3.152 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wodurch wird der Fehler der Geburtsunreinheit beseitigt? Erkläre es mir, Mahādeva. Der ehrwürdige Śiva sprach: Man zeichne einen glückverheißenden achtblättrigen Lotus.
3.153 In seine Mitte stelle man einen Krug; darin liegt ein Vaṭa-Blatt. Auf dieses schreibe man mit Kuṅkuma den Mantra.
3.124 [fortlaufend 3.154] Man stelle den Krug vor sich und setze die Lebenskraft des Gurus ein. Das Empfangen vom Guru beseitigt die Geburtsunreinheit. [Die Vorlage nummeriert diesen Vers 124.]
3.155 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie ist der Fehler der Todesunreinheit beschaffen, höchster Herr? Der ehrwürdige Śiva sprach: Ohne vorbereitende Praxis wird der Mantra tot genannt, Göttin.
3.156 Wie ein Körper ohne Leben zu keiner Handlung fähig ist, so wird ein Mantra ohne vorbereitende Praxis beschrieben.
3.157 Darum vollziehe man vorbereitende Praxis, um den Todesfehler zu beruhigen. Ein mit Bewusstsein verbundener Mantra verleiht Vollendung.
3.158 Vorbereitende Praxis ist Bewusstsein, ebenso der Guru. Das Bewusstsein des Yantras und das Bewusstsein des Mantras,
3.159 dazu das Bewusstsein des Gurus: Dies gilt als dreifaches Bewusstsein. Ein Mantra ohne dieses dreifache Bewusstsein verleiht keine Vollendung.
3.160 Was ist zu tun, wenn ein Traummantra als Gläubiger gilt? Man vollziehe die dem Mantra entsprechende vorbereitende Praxis, Göttin.
3.161 Nach dem jeweiligen Cakra vollziehe man das Feueropfer. Wenn keine Opfersubstanz genannt ist, wird Sesam vorgeschrieben.
3.162 Auch Ghee und Gerste werden genannt, Göttin. Schon durch ein reines Ghee-Feueropfer werden alle Śaktis zu Gabenspenderinnen.
3.163 Nach solcher Vorbereitung prüfe man die Vollendung und beobachte bis zum Ende eines Maṇḍala-Zeitraums oder bis zum Ende eines Halbjahrs,
3.164 oder bis zum Jahresende, während man täglich tausendmal rezitiert. Tritt keine außergewöhnliche Bestätigung ein, soll der Schüler zum Guru sprechen.
3.165 Dieser soll Schuldbeziehung und die übrigen Merkmale prüfen und dem Schüler Auskunft geben, Śivā. Andernfalls entsteht ein Mangel, und die Schuld des Schülers geht auf den Guru über. [Das letzte Kompositum ist beschädigt.]
3.166 Man soll den Mantra nicht aufgeben, Herrin der Götter; Aufgabe führe zu Armut. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
3.167 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wenn ein auf Erden bestehender großer Mantra im Traum erscheint, was soll man tun, und welches Maṇḍala gilt dort?
3.168 Der ehrwürdige Śiva sprach: Ob der Mantra früher verwirklicht oder von jemandem unverwirklicht gegeben wurde, ob er Schuldner oder Gläubiger ist: Nach Prüfung vollziehe man die Praxis, Geliebte.
3.169 Nach der im jeweiligen Kalpa vorgeschriebenen Weise vollziehe man vorbereitende Praxis. Wegen fehlender Überlieferung, aber aufgrund früherer Verwirklichung, Geliebte,
3.170 wurde er durch einen Traum empfangen; diesen Mantra soll man verwirklichen. Was ist zu tun, wenn im Traum ein feindlicher Mantra empfangen wird?
3.171 Man füge einen Zusatz hinzu oder gebe ihn sorgfältig auf, Śivā. Mit Zusätzen versehen ist er zu einem anderen Mantra geworden.
3.172 Entsprechend seiner Grundform habe ich dir alles beschrieben. Gehört er zum Waffenabschnitt, wird er im Waffenbereich verwendet, Göttin.
3.173 Gehört er zum Mantraabschnitt, setze man ihn in diesem ein, nach der grundlegenden Entfaltungsordnung und der Abfolge der Lehranschauungen.
3.174 Nach den sechs Āmnāyas und durch die Entfaltung, Śivā, wird die Entfaltungspraxis für Mantra und Vidyā
3.175 schon zuvor von mir erklärt. Höre die Zahl, große Herrin: Nach Mantra, Vidyā, Āmnāya, Lehranschauung und den übrigen Unterschieden
3.176 entstehen über Parārdha hinausgehende Mantrazahlen. Im Kali-Zeitalter werden wegen fehlender vollständiger Entfaltung nur Glieder genannt.
3.177 Das Wissen um die Entfaltung ist geheimer als geheim, Śivā. Ādinātha kennt es; ich kenne es nicht, Pārvatī.
3.178 Die ehrwürdige Mahāsundarī-Vidyā ist Kālī-Kāmakalā. Ādinātha und Paraśiva sind wie Samen und Spross,
3.179 ebenso Kāmakalā-Kālī und Śrīmahāsundarī, Geliebte. Alles wurde in Kürze erklärt; höre das Geheimnis, Pārvatī.
3.180 Bei einem von einer Frau empfangenen Mantra gilt die ehrwürdige Göttinnenüberlieferung; bei einem Traummantra die Dakṣiṇāmūrti-Überlieferung, große Göttin.
3.181 Man verehre Dakṣiṇāmūrti als Guru, große Herrin, und zuerst die Vierergruppe. Was möchtest du noch hören?
3.182 Es folgt die Berechnung der Entfaltungen der Mantras der sechs Āmnāyas, Śivā. Dreißig Vṛnda-Nikharva werden als Entfaltungen genannt.
3.183 Fünf Arbuda-Mantras werden im östlichen Āmnāya genannt, große Herrin; im südlichen neunzig Arbuda-Koṭi,
3.184 verbunden mit fünf Kharva, große Herrin. Im westlichen Āmnāya werden dreißig Arbuda-Padma-Mantras genannt.
3.185 Höre ehrfürchtig den nördlichen, Maheśānī: fünfzig Mahāpadma, sechs Arbuda und drei Vṛnda.
3.186 Höre die Entfaltungszahl des oberen Āmnāya, große Göttin: acht Arbuda, Koṭi-Vṛnda und fünf Śaṅkha werden genannt.
3.187 Höre nun sorgfältig die Zahl des unterirdischen Āmnāya: Koṭi-Arbuda, dreiundneunzig Vṛnda und Padma zusammen,
3.188 so viele Mantras sind in dessen Entfaltung enthalten, höchste Herrin. Die Entfaltungen der sechs Āmnāyas wurden sorgfältig genannt, Śāṅkarī.
3.189 Sie sollen nicht überall offenbart werden und gehören zum Bereich der Berechnung. Wer die im Śivasiddhānta enthaltene Berechnung kennt, Śivā,
3.190 wer Wissen in den achtundzwanzig Siddhāntas besitzt, Geliebte, kennt nach der ehrwürdigen Siddhānta-Lehre die Entfaltung.
3.191 Ein Kenner der Entfaltung ist im Kali-Zeitalter schwer zu finden, Maheśānī. Die Berechnung ist genannt; nun wird die Art erklärt, höre.
3.192 Wer diese Entfaltung erkennt, besitzt Śivas Gestalt, ohne Zweifel. Was aus dem Mund eines solchen Kenners hervorgeht, Geliebte,
3.192 [zweite Nennung; fortlaufend 3.193] ist Śivas Wort gleich – was erst eine Aussage über die Frucht! So wurde es in Kürze erklärt; die höchste Entfaltung wird nun beschrieben. [Die Vorlage zählt nochmals 192.]
3.193 [fortlaufend 3.194] Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre jetzt, was du zuvor angedeutet hast. Wie soll der Kreis im Mantra betrachtet werden, Mahādeva? [Die Vorlage zählt 193; eine Nummer 194 fehlt.]
3.195 Erkläre, wie Feueropfer und Laben auszuführen sind. Der ehrwürdige Śiva sprach: Der Kreis an der Wurzel der Blätter wird als in der Stütze befindlich beschrieben.
3.196 Höre vom Kreis oberhalb der Blätter, mir lieb wie mein Leben. Er besteht aus dem Glanz von Mond, Sonne und Feuer, in umgekehrter Ordnung genannt.
3.197 Damit sind nicht die gewöhnlich bekannten Himmelslichter gemeint, Herrin der Götter. Wo die Millionen und Abermillionen Kalās der Göttin stets aufgehen,
3.198 das ist der eigentliche Mond, die eigentliche Sonne, das eigentliche Feuer. In den sechs Anvayas habe ich sie dir genannt, Maheśānī.
3.199 Die drei Kreise sind dreigestaltig und von der Gestalt des Lichtes, große Herrin. Was als Virāṭ-Gestalt beschrieben wurde, ist eben darin gegründet.
3.200 Auch anderswo ist dies bei der Meditation mit den umgebenden Kreisen zu erinnern. Den Graben betrachte man stets als Lichtmasse, Göttin.
3.201 Bei der Meditation mit Eigenschaften, Göttin, werden die Formen der Reihe nach höher gedacht, große Herrin.
3.202 So sind alle einander zugewandt, du mit lieblichen Worten; die umgebenden Kreise befinden sich an höheren und niedrigeren Stellen.
3.203 Aus diesem Grund wird die Meru-Anordnung als vorrangig bezeichnet. Ebenso wird eine Kailāsa-Anordnung beschrieben, Göttin.
3.204 Als dritte gilt die Ratnagarbha-Anordnung. In der ersten Anordnung ist der Anblick aller gleich, Herrin der Götter.
3.205 In der Kailāsa-Anordnung sind manche verdeckt, Maheśānī. In Ratnagarbha werden die vorrangigen hervorgehoben.
3.206 Die umgebenden Kreise werden so dreifach unterschieden, Herrin der Götter. Wozu sonst diese Dreifachheit, wenn zuvor überall Allgestaltigkeit
3.207 gelehrt wurde? Dies ist wahr, große Herrin; je nach Berechtigung stützt man sich auf den entsprechenden Ort.
3.208 Höre das Feueropfer, Weise, als Antwort auf deine frühere Frage: Beim Feueropfer verwende man „svāhā“, beim Laben gilt die Herzformel.
3.209 Ebenso wird bei der Weihe die Herzformel genannt, Herrin der Götter. Die beim Feueropfer genannte Feuergattin ist speziell darin begründet.
3.210 Wenn im Mantra selbst schon die Feuergattin vorkommt, entstehen zwei; ebenso bei der Herzformel am Mantraende, Herr. [Die Frage ist ohne Sprecherwechsel eingefügt.]
3.211 Wenn der Mantra allein genügt, warum soll eine zweite Formel angefügt werden? Die Feuergattin am Ende des Mantras gehört zu dessen eigener Gestalt.
3.212 Die zweite habe ich als Glied des Feueropfers genannt. Ebenso erkenne beim Laben die zweite Herzformel.
3.213 Wer nicht so verfährt, dessen Leben werde verkürzt, Śivā. Das Feueropfer soll ausgeführt werden; bei vollendetem Mantra entsteht die Frucht.
3.214 Wird nur dieselbe schon vorhandene Feuergattin für das Feueropfer verwendet, mir lieb wie mein Leben, entsteht eigenes Übergewicht und der Mantra wird „durchnässt“. [Technische Deutung des Fehlers unklar.]
3.215 Um diesen Durchnässungsfehler zu beseitigen, habe ich beim Feueropfer „svāhā“ genannt; beim Laben die Herzformel, um die Rücknahme der eigenen Wonne zu verhindern. [Letzte Wortverbindung unsicher.]
3.216 Bei Erschütterung des Mantras bestehen „hūṃ phaṭ“ und die übrigen Formeln, Maheśānī; dennoch sollen sie als Zusatz erneut gegeben werden.
3.217 Wird mit der Herzformel eine Umhüllung vorgenommen, große Herrin, hört die Erschütterung des Mantras vollständig auf, Śivā.
3.218 Auch wenn die Verneigungsformel bereits im Mantra steht, Göttin, Geliebte, soll sie als Umhüllung erneut hinzugefügt werden, große Herrin.
3.219 Die vorbereitende Praxis der sechs Waffen, beginnend mit Herz, wird erklärt; höre. So wurde es in Kürze beschrieben. Was möchtest du noch hören?
3.220 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Bhāvanā-Abfolge hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Für allgemeine Zwecke endet die Formel auf „svāhā“, bei wilden Handlungen auf „phaṭ“.
3.221 Bei Tötungsritualen und ähnlichen endet sie auf „namaḥ“: So wird die Wirkung der Mantraart bestimmt. Bei Śakti- und weiblichen Mantras meide man Rudrākṣa, Śivā.
3.222 Nun erkläre ich die Vergegenwärtigung der Einheit von vieren, Herrin der Götter: Guru, Gottheit und Mantra werden als vom eigenen Selbst nicht verschieden betrachtet.
3.223 Man betrachte die Lichtgestalt des Gurus als einen einzigen Lichtberg; ebenso den Bewusstseinsberg der Gottheit als Lichtgestalt.
3.224 Das Bewusstsein der Mantrasilben gleicht einem brennenden Berg; ebenso der Bewusstseinsberg des eigenen Selbst dem Meru.
3.225 Die vier Lichtkräfte werden eins und durchdringen das Weltenei, Śivā, wie Millionen Weltuntergangsfeuer, mit einem der doppelten Sonne gleichen Glanz.
3.226 Zugleich Millionen Monden gleich, Göttin, betrachte man die kosmische Virāṭ-Gestalt. Nach der Vergegenwärtigung dieser Lichtmasse bilde man darin die Gestalt.
3.227 Darin betrachte man die schöne erwählte Gottheit, Millionen Liebesgöttern gleich, entsprechend der Meditationsbeschreibung, und rezitiere gesammelt.
3.228 Oder man meditiere über alles als eine Lichtmasse, Śivā, und stets über jenes eins gewordene Licht, große Herrin.
3.229 Nun erkläre ich die innere Mātṛkā nach der überlieferten Abfolge. Die Gestalt der sechs Blattkreise wurde bereits zuvor beschrieben.
3.230 Das Aussprechen der Laute und alles Übrige habe ich dir erklärt, Śivā. Nun wird die Reihenfolge des Nyāsa in der Vilāsa-Überlieferung
3.231 erklärt, Herrin der Götter: Höre das Geheimste der Geheimnisse. Vom Weltenei bis zum Insekt besteht alles gewiss aus Śiva und Śakti.
3.232 Auf dem aus Śiva und Śakti bestehenden Weg im Bereich von Parāprāsāda besteht auch Śrīprāsādaparā, mit Bindu und Visarga versehen.
3.233 Mit hasaṃ, dem Śakti-Mantra, Bindu und Nāda verbunden, Śivā, wird der Śrīprāsādaparā-Mantra beschrieben, höchste Herrin. [Die Lautgliederung ist nicht eindeutig.]
3.234 Zuerst entnehme man das mit ha Beginnende, in der Mitte den Laut mit Bindu; am Ende spreche man das mit sa Beginnende. So wird der Nyāsa der Reihe nach vollzogen.
3.235 Jeden Laut setze man ein, Göttin, und vollziehe die äußere Verbindung. Das mit sa Beginnende, das mit ha Beginnende und beide zusammen spreche man vor dem Laut aus.
3.236 Danach spreche man den Laut aus und setze ihn ein, große Herrin. Der Mantrakenner umschließt ihn auch allein mit dem mit ha Beginnenden,
3.237 oder allein mit dem mit sa Beginnenden. Er setze die Verbindung mit sa und dann den Laut der Reihe nach ein, Göttin.
3.238 Ebenso die Verbindung mit ha und dann den Laut der Reihe nach. Man entnehme das Śrī-Bīja, danach Śrīprāsādaparā,
3.239 erneut das Śrī-Bīja und spreche dann den Laut aus. Damit umschlossen setze man ihn am jeweiligen Ort ein, Śivā.
3.240 „śrī/ srā/“, dann „śrī/“, danach der Laut und wieder „śrī/“; erneut das Śrī-Bīja, dann „hasau/ śrī/“. [Die unsicheren Schrägstrich-Schreibungen der Vorlage sind beibehalten.]
3.241 Mit solcher Umhüllung soll der Nyāsa erfolgen, große Herrin. Das mit ha Beginnende werde vom Śrī-Bīja umschlossen, danach spreche man den Laut.
3.242 Zuerst das Bīja, dann den Laut setze man am jeweiligen Ort ein, Geliebte. Dann Śrī-Bīja, das mit sa Beginnende und erneut Śrī-Bīja.
3.243 Damit umschlossen setze man sorgfältig ein, Śāmbhavī. Das mit sa Beginnende werde vom Śrī-Bīja umschlossen, danach spreche man den Laut.
3.244 Durch diese Abfolge wird Sundarī sehr gnädig. Das mit sa Beginnende, vom Śrī-Bīja umschlossen, dann der Laut, große Herrin,
3.245 und nach dem Laut das mit ha Beginnende, vom Śrī-Bīja umschlossen: Durch sorgfältigen Nyāsa werde man unmittelbar Herr der Vollendung.
3.246 Das mit ha Beginnende, vom Śrī-Bīja umschlossen, ebenso das mit sa Beginnende, dann der Laut, Maheśānī, und die früheren Bījas werden gesprochen.
3.247 So umschlossen vollziehe man die richtige Verbindung. Das mit sa Beginnende, vom Śrī-Bīja umschlossen, danach das mit ha Beginnende, ebenso umschlossen,
3.248 dann der Laut und erneut das Bīja: So setze der vorzüglichste Übende ein. Oder man verbinde sie und vollziehe dann den Nyāsa, große Herrin.
3.249 Das mit ha Beginnende, vom Śrī-Bīja umschlossen, und das mit sa Beginnende, davon umschlossen: Damit umhülle man den Laut und vollziehe die Verbindung.
3.250 Das mit sa Beginnende, vom Śrī-Bīja umschlossen, und das mit ha Beginnende, davon umschlossen: Den so umhüllten Laut verbinde man entsprechend.
3.251 Das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen, ebenso das mit sa Beginnende, dann erneut das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen; danach spreche man den Laut.
3.252 Damit umschlossen vollziehe man erneut die Verbindung. Das mit sa Beginnende, vom Śrī umschlossen, ebenso das mit ha Beginnende,
3.253 erneut das mit sa Beginnende, vom Śrī umschlossen, dann der Laut wie zuvor. Es folgen das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen, und das mit sa Beginnende, mit Śrī verbunden,
3.254 wieder das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen, und der von diesen umhüllte Laut. Oder zuerst die Verbindung; dann verfahre man mit dem mit sa Beginnenden wie mit dem mit ha Beginnenden.
3.255 Das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen, ebenso das mit sa Beginnende und erneut das mit ha Beginnende; hasau werde von diesen umschlossen.
3.256 Nach der Verbindung, Göttin, oder mit hasau, vom Śrī umschlossen: Der Laut werde von diesen umhüllt, oder hasau werde vom Śrī umschlossen.
3.257 In der Mitte „śrī hasau“ oder „hasau śrī“, Śivā. Es folgen das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen, und das mit sa Beginnende, ebenso umschlossen,
3.258 wieder das mit ha Beginnende, vom Śrī umschlossen, und hasau, von diesen umhüllt. Nach der Verbindung, Göttin, oder shauṃ, vom Śrī umschlossen. [Die auffällige Lautschreibung shauṃ steht in der Vorlage.]
3.259 Den Laut umhülle man damit oder verbinde wie zuvor, Śivā. Das mit sa Beginnende, vom Śrī umschlossen, ebenso das mit ha Beginnende,
3.260 erneut das mit sa Beginnende, vom Śrī umschlossen, und shau, von diesen umhüllt. Damit umhülle man den Laut oder shauṃ mit Śrī.
3.261 In der Mitte „śrī/ shauṃ“ oder „shauṃ śrī“, Geliebte. Mit Bindu und Visarga versehen soll der Nyāsa erfolgen, große Herrin.
3.262 Das mit ha und das mit sa Beginnende, Maheśānī, werde mit Śrī verbunden oder davon umschlossen; dies wiederum von den zuvor Genannten umhüllt oder mit ihnen verbunden.
3.263 Durch jeweils weitere Verbindung, Umhüllung oder Zusammenfügung in der ha-sa-Abfolge wird die vollständige Rezitationsordnung erkannt.
3.264 Alle vollständigen Rezitationsordnungen habe ich zuvor erklärt, Śivā. Diese Abfolge, Maheśānī, ist selbst für Götter schwer zu erlangen.
3.265 Sie soll nicht überall mitgeteilt werden; sonst ziehe man einen Fluch auf sich. Diese Abfolge habe ich Anantapādukā genannt, Śivā.
3.266 Mit anderen Rezitationsordnungen entsteht sie in kürzester Zeit, Göttin. So ist vollständige Rezitation nach den Unterschieden der sechs Cakras erklärt.
3.267 Wer Medhā-Einweihung besitzt, ist hierzu berechtigt. Wer ohne Medhā-Einweihung die vollständige Cakra-Rezitation vollzieht,
3.268 erleide den Tod und gelange in die Raurava-Hölle, droht der Text an. Wem der Eintritt in fremde Körper und die übrigen Kräfte zu Gebote stehen,
3.269 für den habe ich die Medhā-Einweihung beschrieben, Śivā. Zuvor habe ich sie selbst sechsmal vollzogen, Maheśānī.
3.270 Ich kenne ein wenig davon und habe es vor dir offenbart. Vollständig kennt es Sundarī, die höchste Gottheit, Herrin der Götter.
3.271 Niemand sonst kennt es, Herrin der Götter; in Kürze habe ich es erklärt. Der vollständig Geweihte vollziehe Namenrezitation,
3.272 Mantrarezitation, Nāḍī-Rezitation und die übrigen Formen; der mit Medhā-Einweihung Verbundene vollziehe Cakra-Rezitation.
3.273 Wegen kurzer Lebensdauer, Unrechts und harter Rede im Kali-Zeitalter habe ich anderen keine Berechtigung zugesprochen, Śivā, Herrin der Götter.
3.274 Wer zu Bālā berechtigt ist, erlangt Berechtigung zur Vidyā; ist diese erreicht, wird er zu Ṣoḍaśī berechtigt.
3.275 Mit sechsfacher Vidyā und den übrigen ausgestattet, wird er zu Parāvidyā berechtigt; mit Parā-Berechtigung verbunden, erlangt er Parāprāsāda.
3.276 Mit Śrīprāsādaparā verbunden, wird er Herr des Nirvāṇa. Mit Nirvāṇa-Einweihung verbunden, wird er zum Ritual der sechs Anvayas, Śivā,
3.277 berechtigt. Höre das Prinzip, große Herrin: Mit den sechs Anvayas verbunden besitzt er Berechtigung zur Medhā-Einweihung.
3.278 Nach Vollendung bis zu den sechs Anvayas vollziehe man Medhā-Einweihung. Wer sie besitzt, soll die vollständige Cakra-Rezitation ausführen.
3.279 Bei der Cakra-Rezitation reicht die Zahl bis zu Sundarīs Füßen. Bei der äußeren vollständigen Rezitation wurde für alle drei eine Zahl genannt.
3.280 Ebenso wird bei Kālikā die Grenze durch ihre ehrwürdigen Füße bezeichnet: Sobald das Schauen entsteht, ist die Praxis abgeschlossen.
3.281 Dies ist der Unterschied zwischen Außen und Innen, Śivā. Im Kali-Zeitalter soll vollständige Rezitation bis zur sechzehnten Entfaltung erfolgen.
3.282 Hier bedeutet vollständige Rezitation Nyāsa, höchste Herrin. Wer dies eigensinnig als Paśu ausführt – die Bezeichnung ist beschädigt –,
3.283 geht zugrunde und zieht den Fluch der Gottheit auf sich, Göttin. Wer Medhā-Einweihung besitzt, vollziehe das über die sechzehnte Stufe Hinausgehende.
3.284 Dies ist nach der Entfaltungsordnung zu verstehen, höchste Herrin. Wer Bālā-Einweihung besitzt, setze mit der Mondentfaltung ein.
3.285 Wer Vidyā-Einweihung besitzt, setze vom Anfang bis zum Ende der Praxis ein. Der vorzüglichste Übende verfahre nach der Überlieferungsordnung.
3.286 Der vollständig Geweihte verwendet Umhüllungen der Feuerentfaltung; der Parā-Eingeweihte solche der Elemententfaltung,
3.287 der mit Śrīprāsādaparā Verbundene solche der Seherentfaltung, der Nirvāṇa-Eingeweihte solche der Nanda-Entfaltung,
3.288 der mit sechs Anvayas Verbundene solche der Kalā-Entfaltung. Die Verbindung geschehe am Anfang und am Ende, Pārvatī.
3.289 Mit dem Laut in der Mitte setze man lautumschlossen ein. Der vollständig Geweihte ist den sechs Anvayas gleich, Śivā.
3.290 Was als Handlung der sechs Anvayas gilt, wird auch für ihn gelehrt. Nach den sechs Anvayas vollziehe man Medhā-Einweihung, Göttin.
3.291 Der Medhā-Eingeweihte soll jenseits der sechzehnten Entfaltung durch Nyāsa die vollständige Cakra-Rezitation ausführen, Herrin der Götter.
3.292 Anziehung der drei Welten, Beeinflussung und Befehlsvollendung, Eintritt in fremde Körper und Kügelchenvollendung,
3.293 Stillstellen des Windes und Vetāla-Vollendung stehen ihm zu Gebote. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
3.294 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott der Götter, Mahādeva, der den Bestand der Welt bewirkt! Was du zuvor angedeutet hast, erkläre mir, Śaṅkara.
3.295 Warum bleibt selbst mir dies verborgen, Mahādeva? Der ehrwürdige Śiva sprach: Große Göttin, höchst Verehrungswürdige, Gestalt aller Ursachen!
3.296 Das Geheimnis des Prāṇāyāma wird erklärt; höre nun. Prāṇāyāma ist fünffach; höre sorgfältig seine Ordnung.
3.297 Einatmung erfolgt nach den Kalās, Atemhalten nach den großen Kalās, Ausatmung nach deren Hälfte; dann wiederholt man diese Dreiheit. [Die Maße werden hier verschlüsselt genannt.]
3.298 Dreimal wird die Dreiheit vollzogen: So wird Prāṇāyāma beschrieben. Als zweite Art gilt die Reihenfolge vorwärts und rückwärts, Herrin der Götter.
3.299 Für Entsagende und Vāma-Übende endet sie mit Atemhalten, Maheśānī; durch vorangehendes Aus- oder Einatmen wird sie zweifach.
3.300 Diese Unterunterscheidung habe ich dir erklärt. Die dritte wird nun beschrieben, Maheśānī; höre.
3.301 Zuerst wird die Zunahme der Kalās und deren Hälfte angesetzt, höchste Herrin; dann beginnt man mit einer anderen Folge und verfährt nach dieser Ordnung.
3.302 Die dritte sei wie zuvor; so geschieht es dreimal. Die mit Atemhalten beginnende und die mit jenem Paar endende bilden zwei Prāṇāyāmas. [Die genaue Zuordnung ist nicht eindeutig.]
3.303 Nach der zuvor genannten Reihenfolge wird eine weitere Art beschrieben, nach der zweiten Abfolge die zweite,
3.304 nach der dritten Abfolge die dritte. Durch die Verbindung zu einer Kettenreihe wird die dritte bezeichnet.
3.305 Höre ehrfürchtig die Erklärung dieser Kettenverbindung: Vom Anfang gehe man bis zum Ende, Göttin, vom Ende wieder zum Anfang.
3.306 Wieder vom Anfang bis zum Ende: Dieser Prāṇāyāma heißt Kalāpati. Mit der zuvor genannten Dreiheit wird die Entfaltung beschrieben.
3.307 Wieder vom Ende zum Anfang, bis die Dreiheit erreicht ist: Dies heißt Kalā-Ketten-Prāṇāyāma.
3.308 Eine weitere Atemordnung verwendet die Zahlen Kalā, Vasu und Veda [sechzehn, acht, vier]; sie wurde dir im großen Mantraritual beschrieben, Göttin.
3.309 Acht, vier und zwei werden für einen erweiterten Fall genannt, darüber hinaus vier, zwei und eins, Maheśānī.
3.310 Die Entfaltungen sind beschrieben, Göttin; höre nun nach der Lautordnung. Beginnend mit Atemhalten wird diese als zweifach erklärt.
3.311 Durch die zuvor genannten drei Unterschiede ergibt sich eine Vielzahl. Die Entfaltungen nach der Kalā-Ketten-Verbindung wurden zuvor angedeutet.
3.312 Die Lautordnung wird nun erklärt, Maheśānī; höre. Einatmung geschieht mit den Vokalen, Atemhalten mit den Konsonanten.
3.313 Zuerst wird das Nasenloch genannt, danach vierunddreißig [Laute] beim Atemhalten, Göttin; mit zweimaliger Vokalfolge, Śivā,
3.314 geschieht die Ausatmung. So entsteht eine Dreiheit des Prāṇāyāma. Nach der früher beschriebenen Verbindung gilt die Entfaltungsordnung.
3.315 Mit einem einzigen Vokal werden Kalā, Sechs und Veda [sechzehn, sechs, vier] verbunden. Daraus ergeben sich nach der zuvor genannten Verbindung weitere Entfaltungen.
3.316 Der Atem wird durch Iḍā während sechzehn äußerer Zeiteinheiten eingezogen; der Yogin hält die Einatmung vierundsechzig Zeiteinheiten.
3.317 Nachdem er richtig in der Mitte der Suṣumnā steht, wird er langsam in zweiunddreißig Zeiteinheiten durch Piṅgalā ausgeatmet, vom vorzüglichen Yogakenner.
3.318 Dies nennen die Kenner der Rituallehre Prāṇāyāma. Wiederholt wird es der Reihe nach mit Vertauschung ausgeführt.
3.319 Durch schrittweise Zunahme der Zeiteinheiten werden zwölf und sechzehn genannt. Mit Rezitation und Meditation verbunden heißt es bei den Wissenden Sagarbha.
3.320 Ohne diese Verbindung nennen andere es Vigarbha-Prāṇāyāma. Bei stufenweise Übenden entstehen im Körper Schweiß und Schwindel. [Dies beschreibt die historische Quelle; Schwindel ist kein heutiges Übungsziel.]
3.321 Dies ist Agarbha, Maheśānī; höre Weiteres, Geliebte. Die mittlere Stufe wird mit Zittern verbunden, die höhere mit Verlassen des Bodens.
3.322 Die mittlere sei mit Verbindung versehen, die höchste werde Sādhya genannt. Fünffach habe ich die Prāṇāyāma-Ordnung beschrieben, Göttin.
3.323 Wer dem Prāṇāyāma-Japa hingegeben ist, werde Herr der vollendeten Yogins. Was würde durch Prāṇāyāma-Japa auf Erden nicht gelingen?
3.324 Mit festem Geist übe man nach den Zeitmaßen Pala, Nāḍī, Muhūrta, deren Verdoppelung, Nachtwache, Tag und Tag-und-Nacht.
3.325 Wer so übt, dem stehen alle Yogas zu Gebote. Prāṇāyāma-Japa wird als vorrangig beschrieben, Göttin.
3.[unnummerierte Fortsetzung 1] Wenn dies nicht möglich ist, vollziehe man Prāṇāyāma allein, Maheśānī. Er ist bei der Elementeläuterung, beim Austrocknen und den übrigen Schritten einzusetzen, Śivā. [Unnummerierte Fortsetzung.]
3.[unnummerierte Fortsetzung 2] Nach der Prāṇāyāma-Ordnung vollziehe man es dreimal oder einmal; wenn die Nanda-Zahl [neun] erreicht wird, vollziehe man Prāṇāyāma. [Unnummerierte Fortsetzung; Bezug der Zahl unklar.]
3.[unnummerierte Fortsetzung 3] In der Kerala-Abfolge wird kein Austrocknen genannt, Göttin; in Kāśmīra werden Austrocknen und die übrigen Schritte vollzogen. [Unnummerierte Fortsetzung.]
3.[unnummerierte Fortsetzung 4] Gauḍa entspricht Kāśmīra; Caitanya ist die vierte Form. Prāṇāyāma- und Elementeläuterungsordnung, Göttin, [unnummerierte Fortsetzung]
3.[unnummerierte Fortsetzung 5] sind je nach Eignung miteinander zu verbinden. Was möchtest du noch hören? [Unnummerierter abschließender Halbvers.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 3. Kapitel namens „Prāṇāyāma-Japa“.
Paṭala 4: Die Entfaltungen von Mantra und Yantra
4.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Lehre mich die Bestimmung der Mantra-Entfaltungen, die du mir zuvor angekündigt hast, Herr der Götter, wenn ich deine Geliebte bin.
4.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Es ist geheimer als das Geheime, Göttin, Pārvatī, wie die eigene Yoni. Dennoch sage ich es dir hier; du sollst es nicht weitergeben, Śivā.
4.3 Vier Śiva-Cakras und fünf Śakti-Cakras bilden durch ihr Einswerden das Śrīcakra, das alle Gestalten umfasst.
4.4 Vom Bindu bis zur vierzehneckigen Einfassung wird es Śakti-Cakra genannt; von dort weiter bis zu den Toren, große Herrin, Śiva-Cakra. [Die Lesung „manvasna“ ist offenbar gestört; der Zusammenhang bezeichnet die vierzehn Dreiecke.]
4.5 Dies heißt das reine Cakra. Es entfaltet sich dreifach, Pārvatī: als Bhū-, Kailāsa- und Meru-Prastāra.
4.6 Die Bhū-Entfaltung ist zweifach, Göttin, nach der abwärts in die Unterwelt und der aufwärts führenden Ordnung. Auch die Kailāsa genannte Entfaltung wird zweifach erklärt:
4.7 Sie heißt halber Kailāsa und voller Kailāsa. Ebenso habe ich dir die Meru-Entfaltung erklärt.
4.8 Nach der Ordnung von Schöpfung, Erhaltung und Einziehung ergeben sich achtzehn; hinzu kommt die Reihenfolge, in der die Keimsilben von Schöpfung, Erhaltung und Einziehung geschrieben werden.
4.9 Die Entfaltungen haben die durch „Jahreszeiten–Feuer“ bezeichnete Zahl; Zahlen sind dabei von rechts nach links zu lesen. Bei der Meru genannten Entfaltung besteht Wesenseinheit mit den Nityās.
4.10 Wesenseinheit mit der Mātṛkā wird Kailāsa genannt; Wesenseinheit mit den Göttinnen der Rede wird für die Bhū-Entfaltung gelehrt.
4.11 Dieses Yantra habe ich dir für Ṣoḍaśī erklärt. Die reine Form heißt achtzehnfach, gemäß der Reihenfolge, in der die Mātṛkā geschrieben wird.
4.12 Bei Schöpfung, Erhaltung und Einziehung werden „Pfeile“ und „Veden“ umgekehrt angeordnet. Oder man soll das vollendete Yantra in Form von Blütenblättern anlegen. [Die Zahlenwörter bezeichnen fünf und vier; die genaue Konstruktion bleibt im Vers unausgeführt.]
4.13 Dies geschieht mit den zuvor genannten Entfaltungen der Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. So habe ich dir das fluchfreie Yantra erklärt. [„niḥśapta“ ist eine unsichere Lesung.]
4.14 Durch neun Arten von Unterscheidung entstehen in der Lalitā-Überlieferung viele Entfaltungen, große Göttin. Diese will ich nennen.
4.15 Nach den Lehren Kādi und Hādi wird eine Zweiteilung erklärt. Es gibt sechs Unterschiede im Kādi-Sechserkreis und ebenfalls sechs bei Kāmarāja und den übrigen.
4.16 Höre sogleich ihre Erklärung, Göttin. Bei Kāmarāja unterscheidet sich der vierzehnteilige Kreis, Herrin der Götter.
4.17 Im Sechserkreis von Lopā und den übrigen unterscheidet sich der zweite, in den anderen der reine. Im Kādi-Sechserkreis und bei Hādi betrifft die Unterscheidung den zehnteiligen Kreis.
4.18 Im Sechserkreis von Lopā und den übrigen betrifft sie den „Augen“ genannten zehnteiligen Kreis. Zusammengenommen werden so zwölf Entfaltungen gelehrt.
4.19 Jede einzelne, große Herrin, gliedert sich nach den früher genannten Entfaltungen und nach der Schreibfolge von Schöpfung, Erhaltung und Einziehung, Śivā.
4.20 Durch Verbindung mit der Ordnung von Schöpfung, Erhaltung und Einziehung, Pārvatī, und nach der Anordnung der Blütenblätter erhält jede weitere Unterschiede.
4.21 Für jedes einzelne Blatt, Herrin der Götter, werden einhundertacht genannt. Die Entfaltung wird mit dreizehn Unterarten erklärt. [Der Bezug beider Zahlen ist im Wortlaut nicht eindeutig.]
4.22 Hier werden durch die Ordnung der Entfaltungen Yantras mit den Zahlencodes „Mond–Mond–sechs–Zahl“ und „Weiser–Jahreszeiten–Zahl“ erschlossen. [Die mehrdeutigen Zahlencodes werden nicht in vermeintlich sichere Gesamtzahlen umgerechnet.]
4.23 Dies ist das Geheimste der Geheimnisse und wird hier aus Liebe zu dir ausgesprochen. Schon durch die Erinnerung daran soll man unmittelbar Rudra werden.
4.24 Die Entfaltungen, nach denen du gefragt hast und die zuvor angekündigt waren, sind sämtlich erklärt, Göttin. Sie sind wie die eigene Yoni geheim zu halten.
4.25 Wer dies nicht kennt oder sich trotz seines Wissens in Verblendung befindet, Göttin, wo immer er wohnt und wo immer er verehrt,
4.26 der wird arm; daran soll man nicht zweifeln. Ein Verehrer der Śrīvidyā aber ist gleichsam ein zweiter König der Götter.
4.27 Dem König der Götter wird Siddhalakṣmī zugeschrieben, große Herrin. Höre nun den Namen der Lakṣmī des Śrīvidyā-Verehrers, Geliebte.
4.28 Die Lakṣmī der Herrschaft über alle Genüsse wohnt in seinem Haus. Wie könnte er arm sein, Göttin, der Herr des herrlichen Welteneis?
4.29 Durch Unkenntnis dieser Lehre, Göttin, und selbst bei vorhandenem Wissen kann Armut entstehen, große Herrin, daran besteht kein Zweifel.
4.30 Er gerät in Armut; darüber ist nicht zu zweifeln. Wenn er die Lehre kennt und sie dennoch wahllos überall ausspricht, Herrin der Götter,
4.31 so erlangt er Armut und geht zuletzt in die Hölle Raurava. [Der folgende Satz „bei der vollständigen Weihe nicht aussprechend, in der Ordnung der Namenrezitation“ ist syntaktisch unvollständig und wird nicht zu einer sicheren Vorschrift ergänzt.]
4.32 Bei der Mantra-Rezitation und ebenso der Cakra-Rezitation ist derjenige gemeint, der über die Einweihungen bis hin zur Medhādīkṣā verfügt.
4.33 Er ist zur Bestimmung der Yantra-Entfaltungen berechtigt, Herrin der Götter. Ein anderer ist nicht berechtigt; wer es dennoch unternimmt, wird hier als der Hölle verfallen bezeichnet.
4.34 Durch Armut geht das Wesen zugrunde, in Armut versinkt es. Wer stets die Beseitigung der Armut wünscht, Göttin,
4.35 soll zuerst eingeweiht werden und erst danach die Entfaltungen betrachten. Wer diese recht erkennt, ist Śiva; daran besteht kein Zweifel.
4.36 Er ist Śiva, wahrlich Śiva, wahrlich Śiva, ohne Zweifel. Er ist der höchste Śiva selbst, Göttin; man soll ihn auf jede Weise verehren.
4.37 Schon durch seine Verehrung soll man dem Gemahl der Lakṣmī gleich werden. Wozu viele Worte, Herrin der Götter? Diese Lehre umfasst Kādi und Hādi.
4.38 Sie soll verborgen werden wie die eigene Yoni. Der Vers steigert die Geheimhaltung mit der Aussage, eher Königreich, eigenes Haupt oder Ehefrau preiszugeben. [Historische Geheimhaltungsrhetorik, keine Empfehlung zu Selbstverletzung oder zur Verfügung über einen Menschen.]
4.39 Diese Lehrschrift aber soll man nicht preisgeben; man soll sie unter allen Umständen sorgsam verbergen. So wurde es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
4.40 Wer den Lobpreis namens Yantra-Prastāra liest, Geliebte, wird als Herr aller Vollendungen gerühmt, unmittelbar wie ein zweiter Mahādeva.
4.41 Große Zauberkunst, das Hervorbringen der Zaubernetze Indras und anderer, die Vollendungen von Unterwelt und Himmelswandeln sowie Zauberpillen und Augensalben,
4.42 ferner Yakṣiṇī- und Schwertvollendung sollen in seine Hand gelangen. Was immer im Weltenei und auf der Erde vorhanden ist,
4.43 alle diese Vollendungen sollen ihm zukommen, ohne Zweifel. Die Vollendungen, die ihm allein durch Erinnerung an die Entfaltung zufallen,
4.44 kommen von selbst vor ihn hin; was wäre dann erst von ihrer Ausführung zu sagen? Der Lobpreis wird Yantra-Pārāyaṇa genannt, Göttin.
4.45 Es gibt Nāḍī-Pārāyaṇa, Nāma-Pārāyaṇa, Mantra-Pārāyaṇa und Cakra-Pārāyaṇa.
4.46 Yantra-Pārāyaṇa soll täglich vollzogen werden, Göttin, Geliebte. Bereits eine Wiederholung soll den Sieg über die drei Welten verleihen.
4.47 Bei zwei Wiederholungen wird man als Herr der Śrī bezeichnet; allein durch drei soll man das Wesen der drei Guṇas besitzen. Daran soll man nicht zweifeln.
4.48 Allein durch fünf Wiederholungen soll man zum Herrn der Könige werden. Soweit die Schau reicht, höchste Herrin,
4.49 so weit wird hier die Grenze des Ozeans angegeben. Welchen Wunsch man sich auch vergegenwärtigt und dabei diesen Lobpreis fortwährend liest,
4.50 diesen Wunsch soll man erlangen und zuletzt dessen Gestalt annehmen. Wozu viele Worte, Herrin der Götter? Sie ist Rājarājeśvarī.
4.51 Wie Chinnā, so Kālī, so auch die höchste Sundarī; ebenso wird Tārā gelehrt. Zwischen diesen vier besteht keine Verschiedenheit.
4.52 Auch in der Kālī-Verehrung soll entsprechend Yantra-Pārāyaṇa vollzogen werden. Nach den Lehren Kādi und Hādi wird eine Zweiteilung erklärt.
4.53 Wenn man jemanden sieht, der dieses Wissen besitzt, soll man sich lang ausgestreckt vor ihm verneigen und ihn wie eine Gottheit verehren; anders, so heißt es, gelingt die Vollendung nicht.
4.54 Der König der Yantra-Entfaltungen ist als das höchste Yantra-Pārāyaṇa bekannt, große Herrin, und hat Śiva und Śakti zum Wesen.
4.55 Was immer auf Erden ist, Göttin, hat Śiva und Śakti zum Wesen. Darum besteht die bewegliche und unbewegliche Welt aus Śakti.
4.56 Ich habe dir alles Wesentliche gesagt; was wäre darüber hinaus noch näher auszuführen? Höre die Zahlen zur Vollendung der unterschiedlichen Entfaltungen, große Herrin.
4.57 „Nacht–acht–Leichnam“ wird genannt, danach die Bezeichnung „Śakti-Zeichen“, sodann die Reihenfolge „Viṣṇu–Banner–Elefant–Wendung“. [Dies sind verschlüsselte Bezeichnungen; ihre graphische Auflösung bleibt unsicher.]
4.58 Damit ist die Bestimmung der Linien des ersten zehnteiligen Kreises ausgesprochen. So gibt es fünf vierfach unterschiedene Formen, die alle Vollendungen verleihen sollen.
4.59 Es folgt die Bestimmung der Linienzahlen des zweiten zehnteiligen Kreises: „Jahreszeiten–acht–Schar–Ende des Māra“, sodann „Zweck–Held“ und die weiteren. [Die genaue Gliederung der Sanskritkomposita ist unsicher.]
4.60 Durch die Reihenfolge des Nātha-Weges und durch die Durchdringung des Tages soll es gelingen. „Strahlenpaar–Geschmack–Rede“: So soll man die Linie unterteilen. [Verschlüsselte technische Passage.]
4.61 Auf diese Weise gibt es fünf Unterarten. Höre nun vom vierzehnteiligen Kreis: Nityā, Vāṇī und das Erlangen der Mātṛkā ergeben sich durch die Zahlenanordnung.
4.62 Beim zweiten, große Herrin, werden „Guṇa–Rede–Geschmack–Mond“ genannt. Durch das Verfahren, die Kalās zu verbinden, wird die zweite Form erklärt. [Die Zahlenschlüssel bleiben ohne eindeutige Auflösung.]
4.63 So ist die Darlegung der Früchte in Kürze gegeben, Śivā. Selbst mit tausendmal zehn Millionen Zungen und hundertmal zehn Millionen Mündern
4.64 könnte ich seine Größe nicht schildern, große Herrin. So ist es in Kürze gesagt; höre nun die Ordnung des Tattva-Nyāsa.
4.65 Tattva-Nyāsa soll mit den Prinzipien Ātman, Vidyā und Śiva vollzogen werden. Von den Füßen bis zum Nabel wird der Bereich Ātmatattva genannt.
4.66 Vom Nabel bis zum Herzen wird Vidyātattva genannt; vom Herzen bis zum Bindu wird Śivatattva genannt.
4.67 Nachdem man den ganzen Mantra ausgesprochen hat, erfolgt die Ausbreitung über alle Glieder, Śivā. Dies heißt Sarvatattva und soll das Wesen aller Gottheiten verleihen.
4.68 Im Ātmatattva befinden sich die durch die Mondtage bezeichneten fünfzehn Tattvas, Herrin der Götter. Im Vidyātattva befinden sich fünfundzwanzig Tattvas.
4.69 Im Śivatattva befinden sich die sechsunddreißig Śaiva-Tattvas; im Sarvatattva die fünfzig Tattvas.
4.70 Beim Einsetzen werden vier Tattvas genannt, bei der Reinigung fünf. Bei der Reinigung der Elemente soll in dreifacher Ordnung nach den drei Tattvas rituell Wasser genippt werden.
4.71 Beim ganzen Mantra, große Herrin, soll das rituelle Wassernippen nach der Tattva-Regel erfolgen. Oder man soll den Namen in die Keimsilbe einfügen und eine Verbindung herstellen. [Die Lesung „tattvavaidikīm“ und der Anschluss sind unklar.]
4.72 Oder im vom Namen umfassten Mantra erfolgt die Vergegenwärtigung der Tattvas. Bei einsilbigen, dreisilbigen und anderen Mantras, denen eine ausdrückliche Tattva-Stelle fehlt,
4.73 gilt das beim Tattva-Nyāsa Gesagte als maßgeblich; man soll es nicht anderswo frei ergänzen. Im Verfahren der Siddhavidyā, Göttin, und in der Śrīvidyā, große Herrin,
4.74 wohnen alle unterschiedlich benannten Tattvas in den drei Tattvas. Wer die drei Tattvas genau erkennt, wird ein Herr des Śaktipāta.
4.75 Durch Gespräch, Anschauen, Berührung, Gabe oder Gunst; durch Berührung eines von ihm berührten Gegenstandes, durch Mantraübertragung oder Japa. [„Anschauen“ und „Gabe“ folgen hier einer beschädigten beziehungsweise ergänzten Lesung.]
4.76 Durch Schreiben des Mantras auf die Zunge, durch Essen seiner Betelreste, durch Mundspülwasser, Gewand oder Wasser und durch Besprechen mit Mantras;
4.77 durch Erinnerung an seinen Namen, durch Erinnerung selbst über hundert Krośas Entfernung, ebenso durch das von ihm Ausgehende, durch Fluch oder Begünstigung, Śivā,
4.78 soll man zum Kenner der Geheimnisse aller Lehrschriften werden und Gehörtes behalten können. Achtzehnfach ist der Śaktipāta, Göttin, Śivā.
4.79 Oder: Die Fülle der Vollendungen vermag ich nicht auszusprechen. Wenn dort eine Fülle von Vollendungen besteht, ist die Willenskraft maßgeblich. [Der Satzanschluss bleibt unsicher.]
4.80 Allein durch Verbindung mit Śakti soll alles gereinigt werden, Śivā. Ohne Śakti gibt es keine Befreiung; Śakti gilt als die Befreiung Schenkende. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 4. Kapitel namens „Bestimmung der Mantra-Entfaltungen“.
Paṭala 5: Äußere und innere Bäder
5.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die zuvor erwähnte große Bestimmung hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse wird erklärt; höre nun.
5.2 Allen Handlungen geht das Bad voran; das Bad soll auf die Gottheit bezogen sein: morgens, mittags und abends beim Lesen des Lobpreises.
5.3 Wann immer Ermattung des Geistes auftritt, soll man ein Bad vollziehen; ferner bei „… Brahma-Verbindung“ und bei Berührung mit einem Mleccha. [Der Anfang der zweiten Vershälfte ist durch Sternchen ausgelassen; Mleccha ist eine historische ausgrenzende Fremdbezeichnung.]
5.4 Nach dem Gespräch mit einem als „gefallen“ Bezeichneten soll ein Mantrabad vollzogen werden. In der Śrīvidyā werden vier Zeiten, in der Kālī-Verehrung drei Zeiten genannt.
5.5 Wann immer geistige Ermattung besteht, soll man baden. Wer die Vidyā ungewaschen und nach dem Essen ausspricht,
5.6 dessen Vidyā soll unwirksam werden; er gehe, so droht der Text, in die Hölle Raurava. Wer unrein die Vidyā ausspricht, große Herrin,
5.7 dem wird Untergang angedroht; die Vidyā sei gewiss verbrannt. Die Zeiten des Bades sind genannt; höre nun die Unterschiede der Bäder, Geliebte.
5.8 Fünffach wird das Bad gelehrt, durch das man von der Göttin erfüllt werden soll: das Wasserbad, das Himmelsbad und drittens das Aschebad.
5.9 Das vierte ist das Lichtbad, Göttin, das fünfte das Gottheitenbad. Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva
5.10 sind diese fünf großen Götter, die den fünf Bädern zugeordnet werden. Parā, die über diese Hinausgehende, danach Tatparā,
5.11 Citparā und die über diese Hinausgehende werden als fünf genannt. Das Wasserbad wird zweifach erklärt: vedisch und tantrisch.
5.12 Das vedische Bad erfolgt nach der Vorschrift der eigenen vedischen Schule. Das tantrische Bad soll nach der Vorschrift des jeweils eigenen Ritualhandbuchs vollzogen werden.
5.13 Für die Vīras gilt es als die unterste Form. Höre die Dreiheit, Pārvatī: Die höchste wird überall gelehrt, große Herrin.
5.14 Der mittleren Form, große Herrin, geht Prāṇāyāma voraus. Nach dem Einsetzen des Ṛṣi und der übrigen Mantraglieder und nach sieben Mudrās
5.15 wird Wasser herbeigebracht; während der Wurzelmantra gesprochen wird, soll der ganze Körper zehnmal oder siebenmal damit gereinigt werden, Śivā.
5.16 Mit Kuśa-Gras, Dūrvā-Gras oder mit „taptamudrā“ soll dies geschehen. Danach folgt das Tilaka, Göttin, zehnfach oder unter Schweigen. [„taptamudrā“, wörtlich erhitztes Siegel, ist hier als Verfahrensbezeichnung nicht eindeutig.]
5.17 Das senkrechte Stirnzeichen ist dreifach, das dreifache waagerechte Zeichen zweifach; ferner gibt es die Form eines Agasti-Blattes und eine bandförmige Anordnung.
5.18 Die Agasti-Blattform soll mit Sindūra, Safran oder rotem Sandelholz, Göttin, nach dem Verfahren des Yoga ausgeführt werden.
5.19 Das zuvor Gesagte gilt beim Mantra; dies hier beim ehrwürdigen Kālī-Mantra. Bei jeder Gottheit ist es mit dem jeweils eigenen Yantra auszuführen, Pārvatī.
5.20 Im Verfahren der Tārā und Chinnā sollen die Hände unterhalb der Handgelenke, die Füße unterhalb der Knöchel und das Gesicht gewaschen werden, Geliebte, Śivā.
5.21 Dieses Bad reinigt die fünf Glieder. Das Wasserbad ist erklärt, Göttin; höre nun das Himmelsbad, Pārvatī.
5.22 Das Himmelsbad wird achtzehnfach erklärt, Göttin: reine Mantraformen sowie solche, die auf Namaḥ, Svāhā, Tarpaṇa oder Jaya enden.
5.23 Der Mālā-Mantra ist fünffach; nach der Ordnung von Śiva, von Śakti und ihrer beider Verbindung werden fünfzehn Mantras genannt.
5.24 Der Sādhaka folgt vom ersten Tag der dunklen Monatshälfte an bis zum Ende des Phālguna der Strahlenordnung, Göttin, und auch der Ordnung der sechs Cakras. [Die Vorlage kennzeichnet die erste Vershälfte selbst als unsicher.]
5.25 So ist das Himmelsbad achtzehnfach erklärt. Vom Mūlādhāra bis zur Öffnung soll man es innerlich vergegenwärtigen. [„yābhavāntikam“ am Versende ist unklar.]
5.26 Dreihundertsechzig Strahlen werden hier genannt, große Herrin. Die Frucht eines ganzen Jahres, in dem täglich dreimal in der Gaṅgā gebadet wird,
5.27 soll man dadurch erlangen, Göttin; darüber soll kein Zweifel bestehen. Was sich beim Bad nach der Ordnung der Jahreszeiten mit den jeweils zugehörigen Wassern
5.28 als Frucht ergibt, soll hier schon ein einziges Mal entstehen. Durch die Strahlenordnung wird man unmittelbar der Gestalt Śambhus teilhaftig.
5.29 In jedem Cakra soll man gesammelt die dort wohnenden Gottheiten betrachten, vom Mūlādhāra bis zur Öffnung, große Herrin.
5.30 Dies heißt das innere Bad, das die Schau der Gottheit verleiht. Im Brahmarandhra soll man alle zur Auflösung bringen, Herrin der Götter.
5.31 Dann soll man erneut die reine Gestalt vergegenwärtigen und Japa vollziehen. Das Himmelsbad ist erklärt; höre das Aschebad, Geliebte.
5.32 „Feuer, Wasser, Erde, Wind und Raum“: Mit diesen überall und mit drei „abhrakā“ wird ein Bad beschrieben, das Tod und Fieber abwehren soll. [Der zweite Halbvers ist textlich unsicher; „abhrakā“ lässt sich hier nicht zuverlässig bestimmen.]
5.33 Als zweite Form wird jene mit den fünf śivaitischen Ṛc-Versen erklärt; als dritte innerhalb der Śrīvidyā jene mit Śrīmālinī und den übrigen, Göttin.
5.34 Der Sonnenmantra wird auf die Asche bezogen, mit der alle Glieder bestrichen werden. Die fünfte Form verwendet Asche aus der im Dhyāna beschriebenen Feuergrube.
5.35 Es gibt auch zahlreiche andere Unterschiede, die mit „prāṇaka“ erklärt werden. [Die Lesung ist unsicher.] Nun will ich das Lichtbad nennen, durch das die Vollendungen gelingen sollen.
5.36 Im Geist wird die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra vergegenwärtigt: das Licht des Gurus, das Licht des Mantras und das Licht der Gottheit.
5.37 Man vereinigt dieses dreifache Bewusstsein und stellt sich seine Gestalt vor. Das Herz gilt als Ort der Gottheit, die Kehle als Ort des Mantras.
5.38 Im Sahasrāra wird der Guru angesetzt; dieses dreifache Bewusstsein ist zu vergegenwärtigen. Diese Gestalt soll im eigenen Körper, gemäß der Reihenfolge der eigenen Glieder,
5.39 innerlich gegenwärtig gemacht werden, große Herrin; sie soll die Schau der Gottheit schenken. Das Lichtbad ist erklärt; höre das Gottheitenbad, Pārvatī.
5.40 Vom Mūlādhāra an bis zur Öffnung soll man die Gottheit vergegenwärtigen, höchste Herrin; ihr Gesicht entspricht dem eigenen Gesicht, Śivā.
5.41 Alle ihre Glieder sind an den entsprechenden Stellen im eigenen Körper zu vergegenwärtigen; im Bereich der Tore Gaṅgā und Yamunā, große Herrin.
5.42 Wenn alles innerlich vergegenwärtigt wird, welchen zusätzlichen Nutzen hätte dann die äußere Gaṅgā? Iḍā ist als Gaṅgā bekannt, Suṣumnā als der Fluss Yamunā.
5.43 Piṅgalā soll Sarasvatī sein, Prayāga liegt mitten im Körper. Welchen Nutzen hat äußeres Wissen ohne Erkenntnis des Körpers, Göttin? [Die Nāḍī-Zuordnungen folgen ausdrücklich dieser Textstelle.]
5.44 Im Sahasrāra soll man die Reihe der Gurus vergegenwärtigen, an der Braue die Gliedergottheiten; bis zur Wurzel der Kehle alle Gottheiten der Umhüllungen.
5.45 Sorgfältig soll man sie vergegenwärtigen, Göttin. Dies heißt das Gottheitenbad. Was wäre durch die Verbindung mit diesem Bad nicht erreichbar?
5.46 Brahmā und die übrigen Gottheiten sollen durch dieses Bad Vollendung erlangt haben, Pārvatī. So ist es in Kürze gesagt. Höre die Sandhyā-Handlung, Geliebte.
5.47 Bei Sundarī soll die Verehrung der Übergangszeiten viermal stattfinden: morgens, mittags, abends und um Mitternacht.
5.48 Vierfach soll die Gāyatrī sorgfältig rezitiert werden, Pārvatī: als Prastāra, als Ākṛti und als die Upasthāna genannte Form.
5.49 Als vierte wird Vāñchākalpalatā, die Wunsch erfüllende Ranke, genannt. Morgens erfolgt Ṣaṣṭi-Pārāyaṇa, mittags die Namenrezitation.
5.50 Nachts folgt Mantra-Pārāyaṇa, in der Nacht die Cakra genannte Rezitation. Die dritte und um Mitternacht die vierte Sandhyā sind zu vollziehen. [Die Zeitangaben des Verses sind nicht ganz widerspruchsfrei.]
5.51 Dies wird für Kālī ohne Upasthāna gelehrt. Wegen ihrer Stellung als Königin der Medhādīkṣā und der weiteren Einweihungen bestehen bei Kālī vier Sandhyās.
5.52 Bei Tārā gibt es drei Sandhyās, und bei Chinnā sind sie ebenfalls dreifach. Zwischen diesen Göttinnen besteht kein Unterschied; wer sie als getrennt betrachtet, dem droht der Text die Hölle an. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 5. Kapitel namens „Bestimmung der verschiedenen Bäder“.
Paṭala 6: Lampenherr, Gebetskette und die Richtungen der Verehrung
6.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Lampenherrn und der weiteren Gegenstände hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Im gebundenen Lotossitz soll man den Lampenherrn am Scheitel verehren.
6.2 Die acht Lautgruppen sollen, jeweils mit einem Vokalpaar verbunden, in die acht Richtungen geschrieben werden. In der betreffenden Gruppe befindet sich der Laut des großen Nāda.
6.3 Zuerst kommt „Satyabinduka“, danach Śrīkaṇṭha und die weiteren; sodann der Herr jenes Lautes, Nandanātha, und unmittelbar darauf das Vierte. [Die Mantraableitung ist verschlüsselt und stellenweise unklar.]
6.4 Am Ende des zusätzlichen Wortes soll „varṇāya“ erschlossen werden; danach soll man die Wendung „raktadvādaśaśaktyārdhayuktāya“ aussprechen. [Die genaue Gliederung dieser Formel bleibt unsicher.]
6.5 Es folgen „In diesem Bezirk diese Verehrung“ und zweimal „Nimm an“. Der auf Svāhā endende Mantra wird als Mantra des Dīpanātha gelehrt.
6.6 Im Nordosten soll Dīpanātha verehrt werden, höchste Herrin. Im Zustand ritueller Speisereste-Unreinheit wird Erde von beiden Ufern eines Flusses herbeigebracht.
6.7 Eine Figur von einer Tāla-Länge wird hergestellt und die Buchstaben des Namens werden in ihr Herz eingesetzt. Name, Māyā- und Waffenmantra werden im Zusammenhang mit Dhattūra geschrieben und in der Erde eingeschlossen. [Der Wortlaut dieser historischen Zwangsmagie ist teilweise unklar.]
6.8 Durch dreimal sieben Rezitationen „mit einer Hälfte“ soll selbst Urvaśī unterworfen werden können. [Der Zahlenbezug ist unsicher.] Höre ein weiteres Geheimnis, Herrin der Götter.
6.9 In der linken Hand wird „…“ gehalten, mit der rechten das Feueropfer vollzogen. Die Gebetskette wird in die Hand der Śakti gegeben, die die Zählung vornehmen soll. [Die Vorlage lässt den Gegenstand aus.]
6.10 Nach zwei oder drei Monaten soll die Gebetskette neu aufgezogen werden, Göttin, Śivā. Reißt die Kette von selbst, wird dies zum Anlass einer Sühnehandlung.
6.11 Wenn der Faden als abgenutzt erkannt wird, soll die Kette neu aufgezogen werden. Wer eine Gebetskette mit altem Faden länger als sechs Monate
6.12 aufbewahrt, große Herrin, dem wird Untergang angedroht. Ist die Kette von selbst gerissen, soll eine Sühnehandlung vollzogen werden.
6.13 Japa und Feueropfer werden in einer mit „gajāntakasahasra“ bezeichneten Zahl vorgenommen; anschließend wird die Kette neu aufgezogen, mit vorheriger Einsetzung der Lebenskraft. [Die verschlüsselte Zahl ist nicht sicher bestimmt.]
6.14 Dann soll die Gebetskette Vollendung schenken, sonst nicht: So lautet Śaṅkaras Wort. Fällt bei der vorbereitenden Mantrapraxis, beim Japa oder Feueropfer die Kette aus der Hand,
6.15 werden als Sühne hundert Rezitationen genannt, mit einer Vermehrung um ein Zehntel; sodann ist ein Zehntel an Japa „aufzugeben“. [Der zweite Halbvers ist in seiner Verfahrensbedeutung unklar.]
6.16 Einige verlangen hier eine erneute Puraścaraṇa. Nach hundert Sühne-Rezitationen soll die vorbereitende Praxis erneut vollzogen werden.
6.17 Mit aus Kokosnuss bereitetem Milchreis werden zehntausend Feueropfergaben genannt, denen der Text Macht über die drei Welten zuschreibt.
6.18 Ein Feueropfer aus Sesam und Reis soll Zuneigung entstehen lassen, Geliebte. Die ehrwürdige Göttin sprach: Für den Reis wird ein Prasṛti-Maß genannt, für den Sesam hundert Körner.
6.19 Wie ist dabei das gleiche Verhältnis zu verstehen? Erkläre es mir, Śaṅkara. Soll es eine halbe Prasṛti Reis sein, großer Herr,
6.20 oder sollen fünfzig Sesamkörner genommen werden? Beseitige meinen Zweifel, Herr. Der ehrwürdige Śiva sprach: Ein Prasṛti und hundert Körner sollen gemeinsam geopfert werden, Göttin.
6.21 Dies wird als die Auffassung des Gottes Dakṣiṇāmūrti erklärt. Eine halbe Prasṛti Reis, höchste Herrin,
6.22 und fünfzig Sesamkörner entsprechen der Auffassung des Sehers Akṣobhya. Die Gabe aus Gerste und Sesam erfolgt nach dem jeweils angemessenen Verhältnis.
6.23 Entsprechend ist der Sesam beizufügen, wie es die Zeitordnung billigt. In der Kālī-Lehre wird in einer Feuergrube von gleichem Maß und Gleichgewicht geopfert. [„samatolasame“ ist technisch nicht eindeutig.]
6.24 „… den eigenen Mund ansetzend“, soll das Feueropfer mit der linken Hand erfolgen. Die Gottheit sei ihm dann gewährend, ohne Zweifel. [Die entscheidende Handlung ist in der Vorlage ausgelassen; sie wird nicht ergänzt.]
6.25 „…“, Herrin der Götter, soll ohne Zögern geopfert werden. Dadurch werde man Herr der drei Welten, so der Text. [Die Opferangabe ist durch Sternchen ersetzt.]
6.26 Sechzehn Gefäße werden aufgestellt und die höchste Gottheit verehrt. Danach erfolgt nachts das Feueropfer, danach die Trankspende.
6.27 Die Öffnung des Muschelgefäßes der Göttin soll auf ihre Augen ausgerichtet werden. So wird es in der Kerala-Lehre gesagt; höre die Kashmir-Lehre.
6.28 Wie die Göttin, so wird ihre besondere Form bestimmt. Die Reihe der Gefäße soll einem selbst zugewandt aufgestellt werden, Herrin der Götter.
6.29 Nach der Lehre Caitanyas, Göttin, werden sie quer im Kreis aufgestellt: einem selbst zugewandt, quer oder der Gottheit zugewandt.
6.30 Es werden „Osten, neun und sechs“ genannt. Wie sind die Glieder und die übrigen Zuordnungen zu bestimmen? Ist das eigene Osten gemeint, Göttin, oder das der Gottheit? [Die erste Vershälfte ist unklar.]
6.31 Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse wird erklärt; höre aufmerksam. Steht das Gefäß einem selbst gegenüber, werden seine Glieder wie bei der Gottheit zugeordnet.
6.32 Dies heißt die Lehre Nirañjanas. Auch die ihr zugewandte Anordnung, Pārvatī, wird als Pārvatīs Lehre erklärt. Höre nun Rudravīras Lehre.
6.33 Das Gefäß der Göttin steht der Gottheit zugewandt; seine Glieder werden wie die eigenen Glieder angeordnet. Wenn man dabei die Ordnung des Ostens kennt, soll alles gewiss gelingen.
6.34 Vom Sitz an bis einschließlich der Reinigung der Elemente, Śivā, wird das tatsächliche Osten zugrunde gelegt; danach kann ein rituell vorgestelltes Osten gelten.
6.35 Bis zum Abschluss der Handlungen des Aufstellens und der Gefäße wird das tatsächliche Osten genannt. In der Verehrung aber soll die vorgestellte Richtung günstig sein.
6.36 Bei Verehrung und Einsetzung bis zur Arghya-Gabe gilt die vorgestellte Richtung, ebenso bei „Śambara“. Die Gabe an die großen Wesen wird nach dem eigenen Osten ausgerichtet. [Der Bezug von „Śambara“ bleibt unklar.]
6.37 Die Gabe für die Göttin erfolgt links von einem selbst; nach Mṛḍas Auffassung rechts. Im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und den Richtungen erfolgt die Verehrung der Glieder.
6.38 So lautet die Kerala-Lehre. Höre die Lehre Cidghanas: in den Ecken des Feuers, Nirṛtis, des Windes und Śambhus, von der Mitte aus,
6.39 in den vier Richtungen, große Herrin, auf dem Weg der Kreiswendung. Im Südosten, Nordosten, Südwesten, Nordwesten, in der Mitte und hinten werden die sechs Glieder angeordnet.
6.40 An den Staubfäden, in den Ecken und an den Körpern werden die sechs Glieder eingesetzt. Nach Kālarudras Lehre, Göttin, erfolgt so die Verehrung der sechs Glieder.
6.41 Kramadurya hat die Ostrichtung und die Verehrung der Glieder erklärt: auf dem Weg von vier Umwendungen und nach der sogenannten Einziehungsordnung.
6.42 Damit ist die Verehrung der sechs Glieder genannt; höre aufmerksam die Besonderheit. Bei der Arghya-Verehrung wird am Kultsitz das tatsächliche Osten gelehrt,
6.43 so von Mṛḍa, höchste Herrin; an anderer Stelle gilt das vorgestellte Osten. Hier gilt das tatsächliche, dort das vorgestellte, große Herrin.
6.44 Bis zur nordwestlichen Richtung soll die Reihe der Gurus verehrt werden. Die Gurus befinden sich stets hinter der Vidyā, große Herrin.
6.45 Bei Kālī geschieht dies in drei Reihen hinter der Göttin, nach der Ordnung der göttlichen und der übrigen Überlieferungsströme; darunter die drei eigenen Gurus.
6.46 Im Süden, Norden und Westen sollen drei Linien angelegt werden. Der göttliche Strom liegt hinter der Gottheit, die beiden anderen an den beiden übrigen Stellen.
6.47 Bei der Verschiedenheit der Vidyās soll der eigene Guru verehrt werden, Śivā. Der Ort des Gurus wird als über allem gelegen erklärt, große Herrin.
6.48 Nach der Kerala-Lehre werden sie gemäß dem tatsächlichen Osten betrachtet. In Gauḍa folgen sie den vorgestellten Richtungen: Wie die Göttin ausgerichtet ist, so auch sie.
6.49 Sie sind nicht das Haupt, Göttin; die Gottheit ist das Haupt. Die ehrwürdige Göttin sprach: Darüber habe ich einen Zweifel; beseitige ihn.
6.50 Wenn die Verehrung nach einer vorgestellten Ordnung erfolgt, Śiva, dann müssten sie doch beim Wechsel der Richtungen ihre Plätze verlieren, Gott.
6.51 Der ehrwürdige Śiva sprach: Wo der Herr hinkommt, dort sind auch die Glieder- und anderen Gottheiten. Das Glied hat keinen selbständigen Vorrang; sein Gewicht liegt in jener Verehrung.
6.52 Japa und Verehrung der Gliedermantras sollen im Umfang eines Zehntels erfolgen. Dadurch schenken sie Vollendung, Göttin; andernfalls können sie die Vollendung hemmen.
6.53 Welcher große Gott besteht zu welcher Zeit, und welches Osten bleibt beständig? Die Sonne geht zur westlichen Richtung, große Herrin, in beständigem Wandel.
6.54 Die Umkehrung von Tag und Nacht wird als in der Hand des Sādhaka liegend dargestellt; er sei fähig, Mond und Sonne zu vertauschen.
6.55 Der Mond könne am Ort der Sonne, die Sonne am Ort des Mondes stehen. So verläuft, Herrin der Götter, die Folge der Welteneier.
6.56 Welches Osten hat zu welcher Zeit Bestand? Wie viele Indras sind schon entstanden! Je einmal kann selbst ein Insekt zum Indra werden, Herrin der Götter.
6.57 Wo und welche bestehen, Göttin: Alles liegt im Bereich des Sādhaka. In welche Richtung er sich wendet, wenn er den König der Cakras entfaltet,
6.58 diese wird als Osten bestimmt; diese Ordnung soll überall angewandt werden. Wenn er nach Osten blickend die Herrin des Cakras verehrt,
6.59 dann wird für die Gottheit der Westen zum Osten, große Herrin. Wenn er nach Westen gewandt das Cakra entfaltet,
6.60 bleibt Osten als Osten bestimmt. Höre vom Süden, Pārvatī: Wenn er nach Süden blickend das Cakra entfaltet,
6.61 dann wird Norden zum Osten und Westen zum Süden. Wenn er nach Norden gewandt die Göttin verehrt,
6.62 wird Süden zum Osten, in Kürze gesagt, höchste Herrin. Ebenso gilt es bei einer auf bestimmte Wünsche gerichteten Handlung, wenn er in einer Zwischenrichtung steht.
6.63 Die östliche Richtung wird dann in der Beziehung zwischen Göttin und einem selbst bestimmt. Wohin Śivā sich auch wendet, dorthin folgt ihr Gefolge.
6.64 Durch ihren gnädigen Blick haben diese einst ihre Plätze erhalten; zum Dienst an der Gottheit kommen sie herbei, große Herrin.
6.65 Bei der Opfergabe kann die tatsächliche oder die vorgestellte Richtung gelten; maßgeblich ist die als rechte Hand der Gottheit bezeichnete Seite und ihre Zuwendung zu einem selbst.
6.66 So wird das Osten in Kerala bestimmt; in Gauḍa nach der Beziehung von Osten und Süden. Beim Blatt unmittelbar vor der Göttin beginnend, folgt man der Rechtsumwendung.
6.67 So wird in der Kashmir-Lehre die Verehrung nach jener Ordnung beschrieben. Den eigenen Körper, die eigene Göttin und den eigenen Guru, höchste Herrin,
6.68 soll man entsprechend ihrer Stellung im eigenen Körper als eigene Gestalt verehren, Geliebte. Im äußeren Verehrungsverfahren stellt man sie sich vor sich vor und verehrt sie.
6.69 Auch hier, Herrin der Götter, ist die eigene Gestalt mit ihrer Gestalt eins; in ihrer Gestalt befindet sich die eigene Gestalt und ebenso die des Gurus.
6.70 Auf diese Weise, Herrin der Götter, besteht die Dreiheit jeweils in den dreien. Nach der Ordnung der drei Wege ist damit alles in Kürze erklärt.
6.71 Der zur Opfergabe bestimmte Stoff soll vor der Gottheit dargebracht werden, einem selbst zugewandt oder ihr zugewandt, Göttin, Geliebte.
6.72 Nach der Kerala-Ordnung, nach der Kashmir-Ordnung und nach dem Weg von Gauḍa ist damit alles in Kürze erklärt.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 6. Kapitel namens „Bestimmung des Lampenherrn und weiterer Gegenstände“.
Paṭala 7: Meditationsbilder und historische Ländereinteilung
7.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Beginnend mit „bhinnāñjanam“ bis „Fürchte dich nicht, fürchte dich nicht“, große Herrin. [Der Vers verweist verkürzt auf einen Meditationstext.]
7.2 Man meditiert über Vṛttānanda in der gewünschten Ausdehnung, Herrin der Götter, und erinnert am Haarschopf das Feuer in Gestalt eines Flammen-Sādhaka. [Die Lesung und die technische Zuordnung sind unsicher.]
7.3 Das Schwert wird im Geist als Zunge der Göttin betrachtet; die Erstarrung oder Unwissenheit der Zielperson wird am Haarschopf vergegenwärtigt, höchste Herrin.
7.4 Im Herzen der Zielperson befindet sich stets die Göttin. Dort ist die Unwissenheit, Herrin der Götter, und die Zunge leckt und verzehrt sie.
7.5 So meditierend soll der Vīra rezitieren und Wissen um die drei Zeiten erlangen. Dies ist eine auf ein bestimmtes Ziel gerichtete Meditation im Tārā-Verfahren, große Herrin.
7.6 Vom Pratyālīḍha-Stand bis zur mit den fünf Mudrās Geschmückten soll sorgfältig meditiert werden; die Unwissenheit wird in die Schädelschale eingesetzt.
7.7 Ihr Zerschneiden mit dem Messer ist zu vergegenwärtigen. So werde man zum Dichter und Herrn der drei Welten. Die Fähigkeit, Herrschaft zu schenken, gebe es im Kali-Zeitalter nicht ohne Tārā.
7.8 „…“ verbunden und in der feurigen Nāḍī befindlich; der glückverheißende rechte Fuß wird auf dem Herzen des Leichnams angesetzt. [Die erste Vershälfte enthält eine Auslassung.]
7.9 Das Fußpaar des Leichnams wird in entsprechender Ausrichtung unter dem linken Fuß angeordnet; dies heißt Pratyālīḍha.
7.10 In der Sādhana liegt der Kopf rechts, nach Osten oder Westen. Damit ist die Gestalt des Leichnams beschrieben; die linke Hand liegt am Herzen. [Die Richtungsangaben sind nicht zu einer eindeutigen Stellung harmonisiert.]
7.11 Kālikā ist vierarmig und trägt den Bogen als Waffe. Ist die Schädelschale ein fünfter Gegenstand, wird sie in der Gaben gewährenden Hand gehalten.
7.12 Nach Mahākālas Lehre hat die Schädelschale die Gestalt eines Kopfes. Im Kali-Zeitalter Tārā, im Kali-Zeitalter Kālī: Im Kali-Zeitalter Tārā und Kālikā!
7.13 Nach der Unterscheidung von Śiva und Śakti ist Śakti im Körper gegenwärtig. Tārā wird als Śiva und Kālī als Śakti erklärt.
7.14 Ebenso wird Kālī als Śiva und Tārā als Śakti erklärt. Wahrlich, ein Wissender unter den Wissenden ist, wer Kālī und Tārā ergeben ist.
7.15 Das Geheimste der Geheimnisse ist vor dir ausgesprochen, Göttin. Nun wird die Einteilung der Länder erklärt; höre aufmerksam, Herrin der Götter. [Die folgenden Grenzen und Wertungen gehören zur historischen Geographie dieser Quelle; sie sind keine Beschreibung heutiger Staatsgebiete.]
7.16 Von Vaidyanātha bis Bhuvaneśa reicht das Aṅga genannte Land, Śivā; eine Pilgerreise dorthin gilt hier als unbedenklich.
7.17 Vom Ozean bis zum Brahmaputra habe ich das Land Baṅga genannt, Śivā, das alle Vollendungen verleihen soll.
7.18 Vom östlichen Gebiet Jagannāthas bis zum Ufer der Kṛṣṇā wird Kaliṅga genannt, das dem linken Weg ergeben ist.
7.19 Von Kaliṅga aus „fünf–acht Yojanas“ nach Süden, Śivā, wird Kāliṃda genannt. [Die Zahlenverbindung ist nicht eindeutig.]
7.20 Von Subrahmaṇya bis zum Gott Janārdana reicht Kerala; in seiner Mitte liegt Siddhikerala.
7.21 Rāmeśvara und Veṅkaṭeśa bezeichnen Haṃsakerala. Vom Berg Ananta bis zur Stadt Uḍupa
7.22 wird das Sarveśa genannte Kerala angesetzt. Vom Śāradā-Kloster bis zum Hang des Kuṅkuma-Berges
7.23 reicht Kashmir, fünfzig Yojanas weit. Kāleśvara, Śvatagiri, Tripurā und Nīlaparvata
7.24 werden im Zusammenhang mit Kāmarūpa genannt, Göttin, am Gipfel des Gaṇeśa-Berges. Beginnend mit Tripañcaka und Ujjayinī in der Mitte, Śivā,
7.25 mit Mārjāratīrtha, Rājendra und dem Wohnort Kolāpura wird Mahārāṣṭra beschrieben, das in den Bereich Karṇāṭas fällt. [Die syntaktische Verknüpfung der Ortsnamen in 23–25 ist unsicher.]
7.26 Das Gebiet oberhalb von Jagannātha und unterhalb von Śrībhramarāmbikā heißt Āndhra. Höre aufmerksam von Saurāṣṭra.
7.27 Westlich von Koṅkaṇa überquerend, bis an die Meeresküste und bis Hiṅgulājā, Göttin, erstreckt es sich; der Zusatz über die Bewohner ist textlich unklar.
7.28 Dieses Saurāṣṭra wird auch Gurjara genannt, Herrin der Götter. Von Śrīśaila an und im mittleren Bereich von Coleśa
7.29 liegt Tailaṅga, das sich Meditation und Studium widmet. Von Mūkāmbikā bis zum Malaya-Berg, Śivā,
7.30 liegt Malayāla, das Mantravollendung fördern soll. Von Rāmanātha bis Śrīraṅga, Herrin,
7.31 liegt Karṇāṭa, dem Herrschaft und Genuss zugeschrieben werden. Von der Tāmraparṇī an, vom halben Berg aus eine Hälfte weiter nach vorn,
7.32 wird das Land Avantī genannt; dort wohnt Kālikā. Östlich von Bhadrakālī und westlich von Rāmadurga
7.33 liegt das ehrwürdige Vidarbha; dort wohnen die Vaidarbhas. Östlich von Gurjara und südlich von Dvārakā
7.34 liegt Marudeśa, große Herrin, ein Land der Kamelzucht. Unterhalb von Koṅkaṇa und nordwestlich der Tāpī
7.35 wird Ābhīra angesetzt, Herrin der Götter, am Vindhya-Gebirge. Östlich von Avantī und nördlich der Godāvarī
7.36 liegt das große Land Mālava, reich an Geld und Getreide. Zwischen Draviḍa und Tailaṅga wird Cola genannt.
7.37 Seine Bewohner heißen „Langohrige“; weitere Unterteilungen bestehen. Westlich von Kurukṣetra und im nördlichen Bereich,
7.38 dreizehn Yojanas nördlich von Indraprastha, große Herrin, wird Pāñcāla genannt, geschmückt mit dem Stolz auf Schönheit.
7.39 Von Pāñcāla an und südöstlich vom Mleccha-Gebiet liegt Kāmboja, Herrin der Götter, bekannt für zahlreiche Pferde.
7.40 Oberhalb von Vidarbha, südlich von Indraprastha und östlich von Marudeśa wird Vairāṭa genannt.
7.41 Südlich von Kāmboja und westlich von Indraprastha wird Pāṇḍya angesetzt, große Herrin, dem große Tapferkeit zugeschrieben wird.
7.42 Vom Ufer der Gaṇḍakī bis Campāraṇya, Śivā, heißt das Land Videha; es wird auch Tairabhukti genannt.
7.43 Von Kāmboja an und östlich vom Mahāmleccha-Gebiet liegt Vālhīka, Herrin der Götter, ein Land der Pferdezucht.
7.44 Von Taptakuṇḍa bis Rāmakṣetra wird Kirāta genannt, Herrin der Götter; es wird hier auch am Vindhya-Gebirge angesetzt.
7.45 Von Karatoyā bis Hiṅgulājā, Śivā, liegt das Baktāna genannte Land, dem der Text eine Zugehörigkeit zu den Mahāmlecchas zuschreibt.
7.46 Vom Hiṅgu-Pīṭha bis Markeśa, große Herrin, liegt Khurāsāna, dem der Text den Weg der Mlecchas zuschreibt.
7.47 In dessen nördlichem Bereich wird Airāka genannt, Göttin. Von Kashmir an und westlich von Kāmarūpa
7.48 liegt Bhotānta, Herrin der Götter, südlich von Mānaseśa. Südöstlich von Mānaseśa wird Cīna genannt.
7.49 Vom Kailāsa-Berg an, jenseits des Ursprungs der Sarayū bis Āmoṅga, große Herrin, wird Mahācīna angesetzt.
7.50 Von Jaṭeśvara bis Yoginī, große Herrin, liegt Nepāla. Höre von Śilahaṭṭa, Geliebte.
7.51 Von Gaṇeśvara bis zum großen Meer reicht das Śilahaṭṭa genannte Land, das im Gebirge liegt, Geliebte.
7.52 Von Baṅga bis Bhuvaneśa, Śivā, wird Gauḍa genannt, kundig in allen Wissensgebieten.
7.53 Östlich von Gokarṇeśa, nördlich von Āryāvarta, westlich von Tairamūkta und östlich von Mahāpurī
7.54 liegt Mahākośala, dem Sonnengeschlecht verbunden. Von Vyāseśvara bis Taptakuṇḍa, Śivā,
7.55 liegt das große Land Magadha; eine Pilgerreise dorthin gilt als unbedenklich. In der Folge von Süden nach Norden liegen Kīkaṭa und Magadha.
7.56 Vom Caraṇādri bis Gṛdhrakūṭa reicht Kīkaṭa, Śivā; das nördlich davon gelegene Land gilt als Magadha.
7.57 Das Gebiet um Jagannātha wird Utkala genannt. Vom Kāma-Berg bis Dvārakā, große Herrin,
7.58 liegt das ehrwürdige Kuntala. Höre von Hūṇa: südlich des Kāma-Berges und nördlich von Marudeśa
7.59 wird Hūṇa genannt; dort wohnen Tapfere. Von den Ghaṭṭas an bis zum Bereich von Koṭīśa
7.60 wird das Küstenland Koṅkaṇa genannt. Zwischen Brahmaputra und Kāmarūpa wird Kaikaya angesetzt.
7.61 Südlich von Magadha und westlich des Vindhya, Śivā, liegt Śaurasena, das Sonnengeschlecht verherrlichend.
7.62 Von Hastināpura an, südlich von Kurukṣetra und östlich von Pāñcāla wird Kuru genannt.
7.63 Östlich von Marudeśa und südlich des Kāma-Berges, Śivā, wird das große Land Siṃhala angesetzt, hier als vorzüglichstes aller Länder gerühmt.
7.64 Östlich von Śilahaṭṭa und nördlich von Kāmarūpa liegt Pulinda, Herrin der Götter; dort wird der höchste Naranārāyaṇa genannt.
7.65 Östlich von Gaṇeśvara und nördlich vom Meer, Śivā, wird Kaccha genannt. Höre aufmerksam die weitere Darlegung.
7.66 Nördlich von Pulinda und westlich von Kaccha wird Matsya genannt, dem eine große Fülle von Fischen zugeschrieben wird.
7.67 Zwischen Vairāṭa und Pāṇḍya, nach der Ordnung von Osten und Süden, wird Madra genannt; dort befindet sich Mādrīśa.
7.68 Östlich von Śūrasena und westlich von Kaṇṭhaka liegt Sauvīra, das der Text in polemischer Wertung als geringstes aller Länder bezeichnet.
7.69 Westlich von Avantī und „südlich–nördlich“ von Vidarbha wird Lāṭa genannt. [Die Richtungsangabe ist widersprüchlich.] Höre von Barbara, Pārvatī.
7.70 Von Māyāpura an und nördlich von Saptaśṛṅga liegt das große Land Barbara. Höre aufmerksam von Saindhava.
7.71 Vom Gebiet Laṅkā bis Makkā, höchste Herrin, wird das große Land Saindhava genannt; es liegt im Gebirge, Geliebte.
7.[unnummerierte Fortsetzung 1] Diese sechsundfünfzig Länder habe ich dir genannt, Geliebte. Auch innerhalb dieser, Herrin der Götter, gibt es zahlreiche weitere Landesunterteilungen.
7.[unnummerierte Fortsetzung 2] Zehn Millionen gibt es davon, Herrin der Götter; diese sind als die wichtigsten genannt. Das Geheimste der Geheimnisse ist in der Nähe von Paśus verborgen zu halten. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 7. Kapitel namens „Regelung der Ländereinteilung“.
Paṭala 8: Die fünf heiligen Regionen
8.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte nun die fünf Prasthas hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Indraprastha, Yamaprastha und Varuṇaprastha,
8.2 Kūrmaprastha, große Göttin, und als fünftes Devaprastha. Höre von Indraprastha, große Herrin; ich werde sie der Reihe nach erklären.
8.3 Indraprastha, große Herrin, ist mit zehn Millionen Yoginīs verbunden. Mathurā und Gokula werden in seinem Osten angesetzt.
8.4 Vṛndāvana liegt in einer Zwischenrichtung, Hastināpura im Norden, Dvārakā im Westen und Gadāvarta im Süden.
8.5 In der Mitte liegt Indraprastha, im Bereich des Antlitzes Kālikās. Das als Vārāhī-Bezirk bestimmte Gebiet wird Indraprastha genannt.
8.6 Dort wird auch der Thron des Pferdeherrn angesetzt. Yamaprastha, große Herrin, liegt im Süden.
8.7 Someśvara liegt im Westen, Saptaśṛṅgī im Osten, Māyāpura links und Vyaṅkaṭeśa im Süden.
8.8 Yamaprastha liegt in der Mitte, im Bereich des Antlitzes Kamalās. Dort befindet sich Śaṅkhāvarta; der Bezirk heißt Māyā.
8.9 Der Thron des Menschenherrn wird südlich davon angesetzt. Östlich davon liegt Jagannātha; wer dorthin gelangt, soll ein Herr der Dichter werden.
8.10 Nun wird das Vāruṇa genannte Gebiet erklärt, Göttin; höre. Makkeśvara liegt im Westen, Hiṅgulā im Norden.
8.11 Die Göttin Trailokyavijayā wird im Süden angesetzt. Dort liegt Rājāvarta; es gehört zum Antlitz Śītās.
8.12 An seinem Ende befinden sich die sieben Sāgaras, und an deren Ende die Samudras. Bis dorthin habe ich dir das ehrwürdige Vāruṇa-Prastha erklärt.
8.13 Kūrmaprastha, große Herrin, wird nun erklärt; höre, Pārvatī. Es liegt südlich von Gokarṇeśa und östlich von Kāmākhyā.
8.14 Im Norden liegt Mānaseśa, im Westen Śāradā. Dies heißt Triguṇāvarta und wird als das Antlitz Vajreśīs bezeichnet.
8.15 Es ist von „sechs–fünf Koṭis“ Cāmuṇḍā-Scharen erfüllt. [Die Zahlenverbindung bleibt uneindeutig.] Nun wird Devaprastha erklärt, große Herrin; höre.
8.16 Śrīraṅga wird im Süden angesetzt, Gāyatrī im Westen, Jagannātha im Osten und Amarakaṇṭaka im Norden.
8.17 Kāñcīpura liegt in der Mitte, ebenso Mohanāvarta. Dies ist Lalitās Antlitz, geschmückt mit Scharen von Vidyās.
8.18 Es wird als Kāmākhyā-Bezirk bestimmt, geschmückt mit großen Mantras und mit neunhunderttausend Mahāvidyās samt ihren Scharen.
8.19 Die fünf Prasthas habe ich dir erklärt, Herrin der Götter. „Kṛṣṇa–Mudraṇa–Rāma“, Śrī, Viṣṇu und Varadeśvara werden genannt. [Die Gliederung und Zuordnung der ersten Namensfolge sind unklar.]
8.20 Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva; von Parā bis zu der über diese Hinausgehenden wandelt es sich in der Dreiheit. [Der knappe Wortlaut erläutert die Zuordnung nicht weiter.]
8.21 Diese gelten als Formen Viṣṇus; kein König ist ohne Viṣṇus Wesen. Wer Kālī und Tārā ergeben ist, soll Herr der fünf Prasthas werden.
8.22 Das Geheimste der Geheimnisse ist erklärt, höchste Herrin. Es ist geheim zu halten, geheim zu halten, geheim zu halten wie die eigene Yoni. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 8. Kapitel namens „Darlegung der fünf Prasthas“.
Paṭala 9: Die Ritualpartnerin als Gestalt der Göttin
9.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das zuvor genannte Geheimnis hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse wird um deiner Hingabe willen erklärt.
9.2 Höre vom großen Yoga-Hain namens Ānandabhuvana, „Welt der Freude“. Eine Śakti wird herbeigeführt und eingeweiht, Herrin der Götter.
9.3 Sie soll eingeweiht, von guter Haltung und Mantra und Yantra ergeben sein: eine Königin, eine Devapatnī, eine als Gottheit und Guru betrachtete Frau.
9.4 Oder eine Rājaveśyā, Brahmaveśyā, Divyaveśyā, eine den Künsten zugewandte Frau, eine Tīrthaveśyā, Guptaveśyā oder Tanzkurtisane, Geliebte. [Die zusammengesetzten Kurtisanenbezeichnungen sind historische Kategorien; ihre genaue soziale Bedeutung wird hier nicht erläutert.]
9.5 Sie wird bei Tag oder Nacht entsprechend der Ordnung herbeigeführt, Pārvatī, und sorgfältig als die Kraft eingeweiht, die die drei Welten erfreut.
9.6 Auf einem Blumenlager wird sie mit Fußwasser, Arghya und Wasser zum rituellen Nippen sowie sorgfältig mit vierundsechzig Ehrenerweisungen verehrt.
9.7 Mit vielfältigem göttlichem Schmuck und kostbaren Zierden wird sie geschmückt, große Herrin. Die eigene erwählte Göttin wird in ihr vergegenwärtigt und als Trijaṭeśvarī verehrt.
9.8 Bei einer anderen oder kurzen Mantraform, wenn mehr Wiederholungen anstehen, wird diese Gottheit in den Winkeln um den Bindu verehrt.
9.9 Mit ihren Gliedergottheiten und Umhüllungen wird sie verehrt, die Wünsche gewährt. Sie betrachtend wird unermüdlich zu jeder Zeit Japa vollzogen.
9.10 Mit dem Bewusstsein, dass sie Gottheit ist, wird die Göttin in ihr bei großen Festen vergegenwärtigt. Ihre Füße betrachtend wird sorgfältig rezitiert, Pārvatī.
9.11 Dadurch soll man Herr aller Vollendungen werden, ohne Zweifel. In ihr wird die Gottheit verehrt, während die Betrachtung der Śakti im Mittelpunkt steht.
9.12 So verehrend soll man ein Dichter und Sieger über die drei Welten werden. Tagsüber wird ihr Gesicht mit dem Bewusstsein der Göttin betrachtet, Śivā.
9.13 Dreitausend Rezitationen werden genannt, mit einem unklaren Wort „māṃsam“; dadurch soll Wissen um die drei Zeiten entstehen. Wer ihre verborgene Mantragestalt kennt, soll tagsüber hunderttausendmal rezitieren.
9.14 Beim Anblick ihrer Freude werden tagsüber fünfzigtausend Rezitationen genannt; dadurch soll man den fünf Kāmas gleich werden, so der Text.
9.15 Beim Anblick ihres Obergewandes werden tagsüber zweihunderttausend Rezitationen genannt, denen Herrschaft über alle Vollendungen zugeschrieben wird.
9.16 Beim Anblick des Erschreckens der Latā, der als „Ranke“ bezeichneten Ritualpartnerin, soll Tagesrezitation zur Sonne führen. Tagsüber wird beim Betrachten Tārā rezitiert, ohne innere Erregung, Śivā.
9.17 Dadurch soll man Herr aller Vollendungen und Kālī gleich werden. Ihr Lachen tagsüber betrachtend, soll man Begegnung mit den Yoginīs erlangen.
9.18 Der Vers nennt eine in der Vorlage ausgelassene Handlung mit der Latā und dreihunderttausend Rezitationen, denen Herrschaft über die drei Guṇas zugeschrieben wird. Eine weitere ausgelassene Betrachtung wird mit der Meditation über die Gottheit verbunden.
9.19 Durch dreimonatige Ausübung soll die Gottheit geschaut werden. Danach wird für den Tag eine ebenfalls ausgelassene Handlung zusammen mit einer Umarmung genannt, große Herrin.
9.20 Hundertfünfzigtausend Rezitationen sollen Śiva und Śakti gleich machen. Eine weitere durch Sternchen ersetzte Handlung wird mit hunderttausend Rezitationen und dem Erlangen von Königsherrschaft verbunden.
9.21 Beim Anblick der „feuchten Latā“ am Tag wird eine Rezitationszahl „gleich zehn Millionen Monden“ genannt. Beim Anblick der „sonnenbezogenen“ Latā sollen dreihunderttausend Rezitationen die drei Śaktis verleihen. [Die rituellen Umschreibungen bleiben mehrdeutig.]
9.22 Beim Anblick der Knoten der Latā und bei Tagesrezitation wird Königsherrschaft zugesagt. Sie in einer beständigen Gemütslage betrachtend, werden hunderttausend Rezitationen mit ungeteilter Aufmerksamkeit genannt.
9.23 Dreihunderttausend Rezitationen sollen dem König der Könige gleich machen. Die „blühende“ Latā betrachtend, wird tagsüber Sundarī rezitiert. [„Blühend“ kann hier auch die Menstruation bezeichnen.]
9.24 Beim Anblick der von Verlangen bewegten Latā wird tagsüber Śaṅkara rezitiert. Im Kreis der Latās befindet man sich gesammelt in der Meditation über die Gottheit.
9.25 Durch Rezitation bei Tag und Nacht soll man Bhuvaneśī gleich werden. Einer singenden Latā wird Betel dargeboten.
9.26 Beim Anblick der Betelfärbung werden fortlaufend hunderttausend Rezitationen genannt. Wer täglich am Tag Kālī rezitiert, wird hier als Śiva selbst bezeichnet.
9.27 Die von der Latā erhaltene Betelportion wird genommen und verzehrt, während rezitiert wird. Bei ihrer Beschäftigung mit dem Gesang soll eine Gabe der Gottheit erlangt werden.
9.28 Der Vers verbindet eine auf dem Lager befindliche Latā, ihre Hand und eine in der Vorlage ausgelassene Handlung mit dem Annehmen einer Gandharva-Gestalt; daraus sollen alle Vollendungen entstehen. [Der beschädigte Wortlaut lässt keine sichere vollständige Übersetzung zu.]
9.29 Zur Übergangszeit des achten Mondtages wird das Aufsuchen von „aṣṭottara“-Latā-Häusern genannt, verbunden mit fortwährender Tagesrezitation während eines Tages. [Die Zahl ist im Vers unvollständig bezeichnet.]
9.30 Wer dies an jedem achten Mondtag tut, soll Herr aller Vollendungen werden. Beim Übergang von Neumond und vierzehntem Mondtag wird eine Gemeinschaft von dreihundert Latās genannt.
9.31 Jeder wird eine Blume gegeben; in der Cīna-Tracht wird tagsüber rezitiert, große Herrin, bis zum folgenden vierzehnten Mondtag.
9.32 So lange wird furchtlos rezitiert, verbunden mit der Verheißung aller Vollendungen. In blauer Tracht folgt eine Verehrung, deren Gegenstand in der Vorlage ausgelassen ist.
9.33 Wer dies drei Monate vollzieht, soll Surateśī erlangen. Dann wird die Betrachtung jener Latā genannt, die mit den Mitteln des Genusses ausgestattet ist.
9.34 Drei Tage lang bei Tag und Nacht rezitierend soll man Herr der Vollendungen werden. Sie beim Tanz betrachtend, bleibt die Aufmerksamkeit auf die Gottheit gerichtet.
9.35 Durch Rezitation der Göttin bei Tag und Nacht soll Dichtergabe in den drei Welten entstehen. Sie beim Vīṇā-Spiel betrachtend, wird die Göttin tagsüber rezitiert.
9.36 Dadurch soll man dem König der Könige gleich werden, so der Text. Die Latā beim Mṛdaṅga-Spiel betrachtend, wird tagsüber rezitiert.
9.37 Nach fünf Monaten soll die Gaben gewährende Gottheit sichtbar werden. Die Latā in einem als „ḍiṃḍīra“ bezeichneten Zustand betrachtend, wird tagsüber rezitiert. [Der Ausdruck ist hier nicht sicher bestimmbar.]
9.38 So soll man zum Herrn aller Vollendungen und zu Hara als Sieger über die drei Welten werden. Sie beim Tanz betrachtend, wird Tag und Nacht rezitiert, Śivā.
9.39 Dadurch soll man Tārās Gestalt annehmen, ohne Zweifel. Die Latā mit gelöstem Haar betrachtend, werden tagsüber zweihunderttausend Rezitationen genannt.
9.40 Kālī und Tārā gleich geworden, soll man Chinnās Vollendung erlangen. Das Geheimste der Geheimnisse ist aus Liebe zu dir erklärt.
9.41 Diesen Ānand Yoga, den Yoga der Freude, habe ich aus Liebe zu dir gelehrt, Herrin der Götter. So ist er in Kürze erklärt; besonders am Tage gilt er als günstig.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 9. Kapitel namens „Darlegung der Latā-Sādhana“.
Paṭala 10: Meru, Berechtigung und Unheilszeichen
10.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Angedeuteten hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Am Anfang des Śaktisaṅgama Tantra und an der Stelle über Meru wurde darauf hingewiesen.
10.2 Dies wird nun sorgfältig erklärt; sei aufmerksam. Allgemein ist es schon gesagt; höre jetzt aufmerksam die besondere Darlegung.
10.3 Im Pauṣa, Māgha, Bhādrapada oder Jyeṣṭha, höchste Herrin, in der dunklen oder hellen Monatshälfte, besonders aber in der dunklen,
10.4 am siebten, dreizehnten, neunten, am „Waffen“-Tag, am sechsten oder am Neumondtag steigt am Himmel Rauch auf. [„ayudha“ ist als Tagesbezeichnung unklar.]
10.5 Bei Pāta oder an einem Bhadrā-Tag, bei Gaṇḍa oder Śūla, Geliebte, unter Bharaṇī, Kṛttikā, Ārdrā oder einer Rudra zugehörigen Konstellation,
10.6 unter Hasta oder Citrā soll das rauchige Zeichen entstehen, große Herrin. Was von einem Unberechtigten selbst getan oder veranlasst wurde,
10.7 durch diese Verbindung oder infolge schwerer Verfehlung, Göttin, soll zur Verminderung der Erdenlast ein Dhūmraketu, ein rauchiger Komet, entstehen.
10.8 Drei Jahre und fünf Monate sowie sechzig Nāḍīs und eine durch „Tattva“ bezeichnete Anzahl Palas werden genannt; dann soll ein mittlerer Rauchkomet auftreten. [Die Zeitrechnung ist im Wortlaut nicht eindeutig.]
10.9 Nach vier Monaten soll ein Śakraketu auftreten, danach ein schlangenförmiger Ahiketu, große Herrin.
10.10 Śakraketu gleicht einem Erdklumpen; ein anderer heißt Ghaṭaketu, Topfkomet, ein weiterer Pādukāketu, Sandalenkomet, danach einer namens Hasantī.
10.11 Ferner gibt es einen, der einem Tigerschweif gleicht, und einen, der einem Schlangenschweif gleicht. Solche Zeichen sollen immer wieder auftreten, Herrin der Götter.
10.12 Durch Errichtung eines Śrīvidyā-Pavillons soll dann Befriedung entstehen. Darum ist dies im Kali-Zeitalter geheim zu halten, große Herrin.
10.13 Durch die Unterschiede von halber, mittlerer und voller Form wird eine Vielzahl von Unterarten erklärt. So werden dreihundertfünf Merus genannt, Herrin der Götter.
10.14 Der Feuer-Meru, große Herrin, und sein Verfahren sollen Vollendung verleihen. Die Meru-Sādhana ist nur nach der Ordnung der Überlieferung auszuführen.
10.15 Wenn ein Mensch aus Gier, Verblendung, Furcht oder Heuchelei handelt, kündigt Śiva ihm an: Ich nehme ihm seinen ganzen Besitz und lasse ihn in die Hölle fallen.
10.16 Wenn ein Ghaṭaketu erscheint, soll die Familie zugrunde gehen. Dhūmraketu wird als Verderber von Königen bezeichnet, große Herrin.
10.17 Wenn Dhūmraketu erscheint, soll jene Familie innerhalb eines Jahres in Yamas Aufenthaltsort eintreten; so lautet die Drohung des Textes.
10.18 Wie jemand außerhalb des Veda von allen entsprechenden Handlungen ausgeschlossen wird, so soll dieser aus dem Kreis der Zweimalgeborenen ausgeschlossen sein, ohne Zweifel.
10.19 Er wird als Verderber seiner Familie bezeichnet und soll durch Sühne gereinigt werden. Schon durch Umgang mit ihm könne ein Herrscher sein Reich verlieren.
10.20 Darum soll sorgfältig eine Sühnehandlung veranlasst werden, Herrin der Götter. Dadurch werde er rein; andernfalls drohe ihm die Hölle.
10.21 Durch Erkenntnis der Strahlen des ehrwürdigen Meru soll man Sieger über die drei Welten werden. Wer aber unwissend handelt, höchste Herrin,
10.22 wird hier als schwer sündig und schlecht handelnd bezeichnet, dem Leid zufällt. Hundert Prājāpatya-Sühnen und „zwanzig bis zur Kuhspende“ werden genannt. [Der Zahlbezug des zweiten Ausdrucks bleibt unsicher.]
10.23 Tausend Brahmanen sollen gespeist werden; dadurch werde er rein, sonst nicht. Andernfalls, Herrin der Götter, sei der höchste Herr sein Vernichter.
10.24 Pratyaṅgirā selbst, die ursprüngliche Herrin, strafe ihn mühelos. Auch die Brahmāstra-Waffe sei zu seinem Untergang bestimmt, Herrin der Götter.
10.25 Nach sieben oder neun Jahren soll er „mitsamt dem Haar“ zugrunde gehen; nach drei Monaten und vier Jahren wird dem Erdenherrscher Untergang angekündigt. [Die zeitlichen Beziehungen sind im Vers nicht eindeutig.]
10.26 Der Ehefrau wird ein Jahr, der Tochter fünf Jahre und der Schwester sechs Jahre zugeschrieben, in denen die Verbindung mit ihm Verderben bringe; dies werde nach der Ordnung der Seher gelehrt.
10.27 Wer hingegen eingeweiht handelt: Wie könnte dessen Frucht beschrieben werden, Śivā? Selbst mit tausendmal zehn Millionen Mündern und hundertmal zehn Millionen Zungen
10.28 wer vermöchte seine Größe im Kali-Zeitalter zu schildern? Doch im mit Verfehlungen erfüllten Kali-Zeitalter wird Meru-Sādhana nicht gebilligt.
10.29 Nyāsa-Meru und Yantra-Meru mögen unter bestimmten Umständen ausgeführt werden, Geliebte. Diese andere Handlung aber gilt als tamasisch; wer das Wohl wünscht, soll sie nicht ausführen.
10.30 Wie durch ein Gespräch mit „Goloka“ ein Goloka-Zustand entsteht, so soll durch das Gespräch mit einem unbekannten Zweimalgeborenen ein Brahmane herabsinken. [Die Lesung „goloka“ ist in dieser Analogie unklar; sie wird nicht stillschweigend ersetzt.]
10.31 Geheim zu halten, geheim zu halten, ständig geheim zu halten! Durch Geheimhaltung soll Vollendung erlangt werden; durch Geheimhaltung soll man zu Śivas Wesen gelangen.
10.32 Es soll nicht Schülern anderer und nicht einem Geizigen gegeben werden, Schöne; einem Uneingeweihten soll man es nicht geben. Man soll es verbergen wie den Liebhaber der eigenen Mutter. So ist es in Kürze gesagt. Höre ein weiteres Geheimnis.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 10. Kapitel namens „Unheilvolle Zeichen infolge von Unkenntnis“.
Paṭala 11: Himmelszeichen, göttliche Ämter, Nyāsa und Mahākāla
11.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre nun das Angedeutete über Erdbeben und die übrigen Zeichen. Der ehrwürdige Śiva sprach: Weil ich es als Geheimnis erkannte, Göttin, habe ich es dir nicht gesagt.
11.2 Dasselbe ist im Koṭivināyaka erklärt, große Herrin. Als Zahl der Kometen werden achtzehntausend angegeben.
11.3 Darunter werden einhundertachtzehn genannt; unter diesen wiederum, große Herrin, fünfzig Kometen, Śivā.
11.4 Sie sind besenförmig, baumförmig, flammenförmig oder einer Hand ähnlich.
11.5 Sie sind grasförmig, muschelförmig, gekrümmt, Śivā, von der Größe eines Baumes oder topfförmig, Geliebte.
11.6 Sie erstrecken sich über einundzwanzig Tage oder das Doppelte, große Herrin, über einen Monat oder zwei, höchste Herrin.
11.7 Sie wandern in allen vier Richtungen; ihr Aufgang kann am Tage erfolgen oder während eines der vier Nachtabschnitte.
11.8 Einmal, zweimal, drei-, vier- oder fünfmal steigt der aufeinanderfolgende Komet fortgesetzt auf, große Herrin.
11.9 Er kann eine gleichbleibende oder eine andere Gestalt besitzen, Geliebte; bis zum Ende eines Brahmā-Kalpa besteht er in allen Gestalten.
11.10 Beim ersten wird der Zusammenbruch eines Landes angekündigt, beim zweiten der eines Reiches, beim dritten der des königlichen Schirms, beim vierten allgemeine Bedrängnis.
11.11 Beim fünften, Herrin der Götter, wird überall ein Zusammentreffen von Geisterwesen angekündigt, in Abständen von je drei Monaten oder im Zusammenhang von fünf und sechs Jahren.
11.12 Wenn Dhūmraketu erscheint, soll die Königsherrschaft zugrunde gehen. Nach sorgfältiger Erwägung soll darum eine Befriedungszeremonie stattfinden.
11.13 Damit ist die Bestimmung des Rauchkometen in Kürze erklärt. Sternschnuppen am Tag und das Sichtbarwerden von Sternen am Tag,
11.14 ebenso Ahiketu und das Sichtbarwerden von Meteoren am Tag, Göttin, sowie ein verschwundener Mond bei Vollmond, besonders im Kārttika,
11.15 ferner der Richtungskreis in Verbindung mit den siebenundzwanzig Mondhäusern und der Kreis der fünf Elemente beim Zusammentreffen der sieben Seher werden genannt. [Die astronomisch-rituellen Bezüge bleiben knapp und uneindeutig.]
11.16 Das Sichtbarwerden des Mondes bei Neumond gilt als Ursache oder Zeichen der Auflösung. Erdbeben, das Lachen einer Kultfigur und deren Zerbrechen,
11.17 Meteorfall bei Tag oder Nacht gelten als schlechte Zeichen, große Herrin. Werden solche Zeichen gesehen, soll eine Segensrezitation veranlasst werden.
11.18 Große Unheilsereignisse sollen daraus folgen, ohne Zweifel: der Zusammenbruch der Königsherrschaft, der Zusammenbruch des Reiches und die Gefahr einer großen Seuche.
11.19 All dies soll eintreten, wenn das entsprechende Zeichen erscheint. Von Moraga bis zum Mahāmleccha-Gebiet, Śivā,
11.20 wird der Bereich des Pferdeherrn genannt. Höre vom Elefantenherrn: Vom Ende Koṅkaṇas bis zur südöstlichen Grenze, große Herrin,
11.21 wird der Bereich des Elefantenherrn genannt. Höre vom Menschenherrn: Von Osten bis Westen erstreckt sich dessen Bereich, Geliebte.
11.22 Die Kennzeichen aller sind im Śambhutāṇḍava erklärt. Nun will ich in Kürze das Dina-Horā genannte Cakra darlegen.
11.23 Es ist das Geheimste der Geheimnisse, verborgener als das Verborgene, Śivā. Schon durch seine Kenntnis soll der Bereich der drei Zeiten zugänglich werden.
11.24 Du bist mir ergeben, große Göttin; darum sage ich es dir. Das Kālakauśala-Cakra, das Viṣṇukauśala-Cakra,
11.25 das Buddhakauśala-Cakra und das Rudrakauśala-Cakra erreichen nicht ein Sechzehntel des Dinakauśala-Cakra.
11.26 Wer das Dinakauśala-Cakra kennt, ist Śiva selbst. Fünf Linien werden gezogen, sodann durch Stäbe gekreuzt.
11.27 Die Ordnung der Hauptrichtungen und Zwischenrichtungen ist erklärt, Göttin. So entsteht ein Cakra mit acht Riegeln; sein Gesicht wird nach Osten angelegt.
11.28 Im Westen liegt das Fußpaar, danach werden vier Hände genannt. Durch kreisförmige Drehung wird das Gesicht jeweils der betreffenden Bezeichnung zugeordnet.
11.29 Die sechzehn Nityās, Herrin der Götter, stehen in der Reihenfolge der einzelnen Linien; die fünfzig Mātṛkā-Laute werden an sämtlichen Gliedern angeordnet.
11.30 Die vierundsechzig Yoginīs stehen nach der Linienordnung; sechsundfünfzig Gaṇeśas befinden sich an den Lampenlinien.
11.31 Die viṣṇuitischen Gottheiten von Keśava an sind in den Kārakas angeordnet. Die Zahl der Kārakas wird mit dem Zahlwort „Welten“ bezeichnet.
11.32 Die Herrschaft wird Mahādeva und den Śrīkaṇṭhas zugeordnet. Vierzehn Planetenkräfte werden dort nach beweglichen und unbeweglichen unterschieden.
11.33 Nach dieser Unterscheidung werden Mond und Sonne vierfach angesetzt; achtundzwanzig Mondhäuser folgen in kreisender Ordnung.
11.34 Nach beweglich und unbeweglich wird dort der Tierkreis angeordnet. So wird im dritten Paar das Augenpaar genannt.
11.35 Am Ort der Füße, Allwissende, wird eine dreifache Unterscheidung erklärt: nach vorn, nach links und nach rechts.
11.36 Während eines Tages und einer Nacht vollzieht sich der Umlauf von Planetenkräften und Mondhäusern, jeweils über zwei Nāḍīs, nach Schöpfung und Einziehung, Śivā.
11.37 Nach der Schöpfungsordnung steht die Sonne, nach der Einziehungsordnung der Mond. In der groben Ordnung beginnt die Sonne am Morgen, Allwissende.
11.38 Der Mond beginnt mit der Abenddämmerung; nachts erfolgt die Umkehrung. Zwanzigtausendsiebenhundertsechsunddreißig werden genannt.
11.39 Sie durchlaufen das Dinakauśala in kreisender Folge und verleihen Früchte, Herrin des Alls, stets meinem Befehl gehorchend. [Der Bezug der Zahl aus Vers 38 ist nicht ausdrücklich benannt.]
11.40 Nach der Meinung anderer erfolgt die Wendung nach links, Göttin. In den achtzehn Siddhāntas wird eine einschränkende Bestimmung genannt.
11.41 Gelegentlich treffen sie durch glückliche Fügung zusammen, ohne Zweifel. Der Planet des Wochentages bei Sonnenaufgang gilt unmittelbar für den Morgen.
11.42 So habe ich die Lehre der Guten im Vyaṅkaṭeśa genannten Kerala erklärt. Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das zuvor angekündigte Geheimnis hören.
11.43 Der ehrwürdige Śiva sprach: Ein Erdenherrscher kann zum Diener werden, ein Dichter stumm, ein Herr des Reichtums arm, und Feuer kann Kälte annehmen.
11.44 Selbst Mahendra kann entstellt werden: Dies wird als Wirkung der Medhā-Ergreifung genannt. Die Frucht der Sāmrājya-Medhādīkṣā wird bis zum höchsten Rang erklärt. [„medhāgrahaṇa“ ist hier nicht eindeutig.]
11.45 Menschsein ist in der Welt schwer zu erlangen, und die Vidyā im Tantra noch schwerer. Durch Einsetzen und Betrachtung der Vidyā soll Brahmanentum entstehen, Śivā.
11.46 Wer tausend Weltalter Askese geübt hat, nach der Ordnung der Mahāvidyā und des fünffachen Ṣoḍhā-Verfahrens,
11.47 nach der Ordnung des Śakti-Nyāsa und der täglichen Verehrung, der soll durch solche Askese den Rang eines Erdenherrschers erlangen.
11.48 Dieser Rang ist mit „sechs–fünf Koṭis“ Cāmuṇḍās und fünfzig Gaṇapas verbunden, von Gadāvarta umfasst und mit Vārāhī geschmückt.
11.49 Er ist von einhundertacht Vārāhī-Scharen erfüllt, Göttin, und von den vierundsechzig Familien der Yoginīs geschmückt.
11.50 Der Indraprastha genannte Rang liegt mitten im Herzen Kālīs. Wer Weltalter um Weltalter mit Sāmrājya-Medhādīkṣā und den weiteren Einweihungen ausgestattet ist,
11.51 dem fällt dieser Rang zu, Göttin, keinem anderen. Bei der Tārkṣya-Ergreifung soll der mit Sāmrāṭ-Medhā Ausgestattete handeln, große Herrin. [Die technische Bezeichnung wird im Vers nicht erläutert.]
11.52 In dessen Hand die Vollendung der Wünsche glänzt und bei dem Willensvollendung und Tārā stets gegenwärtig sind,
11.53 dem Kālī oder Sundarī wohlgesinnt ist, der soll durch Zahlenmantras, Banner und die weiteren Mittel sowie durch die Schritte Kālī erkennen. [Die Mantraangaben sind verkürzt.]
11.54 Sind seine zuvor genannten Schutzkräfte geschwächt, soll er zugrunde gehen. Einst im Kṛta-Zeitalter, Göttin, setzten die Anführer der Götter und Dämonen
11.55 zwei Lehrer ein und genossen die Herrschaft. Bhaumācārya wird als Guru genannt, Śukra gilt als Guru der Daityas.
11.56 Die Vidyā zur Wiederbelebung der Toten, das Eintreten in einen anderen Körper, das Heranziehen fremder Vidyās und hundert Waffenkräfte,
11.57 ferner dreihundertdreißig Millionen Zauberkräfte befanden sich in seiner Hand, Śivā. Um seinetwillen wurde ich um einen einzigen Augenblick gebeten, große Herrin.
11.58 „Alle, die in diesem Augenblick geboren werden, sollen Vollendete sein.“ Dies wissend, große Herrin, gewährte ich damals diesen Augenblick.
11.59 Die damals Geborenen waren Siddhas und Geber von Vollendungen. Vierundachtzig Siddhas wurden in jenem Zeitraum geboren.
11.60 Auch die neun Nāthas wurden im Augenblick von Śukras Geburt geboren, Śivā. Wenn schon jene, die in seinem Geburtsaugenblick entstanden, Siddha-Gestalten waren,
11.61 was wäre dann erst von seiner unmittelbar gegenwärtigen Gestalt zu sagen, höchste Herrin? Wer könnte ihn auf Erden oder im Götterhimmel bezwingen,
11.62 oder in der Welt der Nāgas, von den Göttern Verehrte? Er ist Sieger über die drei Welten; niemand auf Erden kann ihn bezwingen.
11.63 Wer jedoch über die Waffe zum Sieg über die drei Welten verfügt, über Nāma-Pārāyaṇa und Mantra-Pārāyaṇa, Göttin,
11.64 wer mit Khecarī verbunden ist, Mond und Sonne stillstellen kann und die Weltbrand-Waffe besitzt, der kann ihn bezwingen. Zwischenabschluss: So über Śukra.
11.65 Einst widmete er sich dreißig Jahre lang der Śiva-Verehrung, Śivā, und verehrte täglich mit Karavīra-Blüten, große Herrin.
11.66 Da war Mahādeva zufrieden und sprach: Die neun Schätze sind dir gegeben; Indra und die übrigen sollen dich verehren.
11.67 Du bist Kubera, Vorsteher der Götter; wohne stets an meiner Seite. So verlieh ich ihm damals den Rang des Herrn der Schätze, Śivā. [„mama hāri“ ist im überlieferten Wortlaut unsicher.]
11.68 Dhanadā, Kamalā, Glück und Lakṣmī sollen dort stets wohnen. Menschen gebietende Wesen, Yakṣas, Yakṣiṇīs und Kinnarī-Scharen
11.69 sollen dir dienen. Sei der Herr des Reichtums, Geliebter! So gab ich ihm einst diesen Segen, große Herrin.
11.70 Wer in der Welt könnte ihn angreifen? Doch wer über das ehrwürdige Krodha-Maṇḍala verfügt, Göttin,
11.71 über das Mantra-Maṇḍala, das große Maṇḍala, das Vidyā-Maṇḍala oder das Gefolge-Maṇḍala,
11.72 und wer mit den sechs Śāmbhava-Formen verbunden ist, der kann ihn bezwingen. Mit dem großen Zorneshaken wird Dhanadā rituell getroffen, Śivā.
11.73 Dhanadā soll dann Kuberas Ende herbeiführen. Zwischenabschluss: So über den Herrn des Reichtums. Derjenige, den Mahākālī an der dritten Stelle eingesetzt hat, große Herrin,
11.74 ist das dritte Auge und wird Feuer genannt. Vīrabhadra, Rudra, Zorn und Kālāntaka,
11.75 von der Weltauflösung an: Dies habe ich als Bezeichnungen der Vernichtung genannt. Welche Aufgabe auch entsteht, in deren entsprechender Gestalt ist er tätig.
11.76 Von Śrīkālī angetrieben, besteht er in der jeweiligen Gestalt. Aus Kālīs Zorn entstanden, bezeichnet er den Mund der Gottheit.
11.77 Was in ihn geopfert und ihm gegeben wird, alles wird zu Asche. Derselbe wird je nach Aufgabe zum unterseeischen Feuer.
11.78 Ohne Feuer gibt es weder die Göttin noch Maheśvara, große Herrin. Vom Insekt bis zum Weltenei befindet sich Feuer überall.
11.79 Aus Kālīs Verbrennungsstätte entstanden, wurde es von Kālī in ihr Auge eingesetzt. Wenn die Zeit der Auflösung kommt, wird es von Kālī angetrieben, Śivā.
11.80 Es macht das Weltenei zu Asche, umgeben von Flammengirlanden. Die als anfangslose Schöpfung bestehende Mahāmāyā, die ursprüngliche Caṇḍikā,
11.81 die ehrwürdige Siddhikarālī, die höchste Guhyakālī, die sogenannte Kālakālī und die große Kāmakalā:
11.82 Sie hat das Weltenei in ihrem königlichen Zahn eingesetzt, Herrin der Götter. In diesem Zahn glänzen unendlich viele Millionen Welteneier.
11.83 Weil sie in den Zähnen glänzen, heißen diese beiden Rājadantas, königliche Zähne. Die beiden Zähne zermalmen die drei Welten und führen mein Werk aus.
11.84 „…“, Göttin, werden die beiden königlichen Zähne genannt. [Die erste Vershälfte ist in der Vorlage ausgelassen.] Durch ihre Willenskraft wird die Schöpfung erneut hervorgebracht.
11.85 Dann, große Herrin, setzt sie das Feuer in ihr eigenes Auge ein. Für das Feuer werden einhundertacht, für die Sonne einhundertsechzehn
11.86 und für den Mond einhundertsechsunddreißig genannt: die drei Augen, Śivā. Diese Kalās werden beim Śāmbhava-Verfahren und den weiteren angewandt.
11.87 So habe ich dir das Feuer beschrieben, große Herrin. Wer im Weltenei könnte es bezwingen, Geliebte?
11.88 Wer die neun Cakras oder die sechs Cakras verehrt, von Sāmrājya-Śāmbhava erfüllt und der Sādhana der fünf Waffen ergeben ist,
11.89 wer jene verehrt, die aus den zehn Vidyās besteht, und wer Tag und Nacht umkehren kann,
11.90 der soll fähig sein, das Feuer zu bezwingen, kein anderer. Zwischenabschluss: So über das Feuer. Der als Herr von dreihundertsechzig Millionen Göttern Gepriesene
11.91 heißt Devendra, der große Herrschaft verleiht. In einer Nikharva-Zahl von Wiederholungen war er der Verehrung der Śrīvidyā ergeben, Herrin der Götter.
11.92 Danach war er mit Śāmbhava und Medhādīkṣā ausgestattet, mit dem Strahlen-Maṇḍala und dem Sāmrājya-Maṇḍala verbunden.
11.93 Er war der Cakra-Rezitation ergeben und mit der Yantra-Rezitation verbunden, nach der Kādi- und Hādi-Ordnung von zweitausend Kalās.
11.94 Wer diese Askese zwei Weltalter lang geübt hat, der erlangt diesen Indra genannten Rang, Göttin, Śivā.
11.95 Wer die fünf Juwelen erlangt hat und der Vīra-Sādhana ergeben ist, dem fällt der Indra genannte Rang zu, Göttin.
11.96 Dieser Rang ist mit neunzig Millionen großen Mantras erfüllt, Śivā. Seine Wächter sind fünfhundert Millionen Bhairavas, große Herrin.
11.97 Der König des Zorns, Śarabha und Pratyaṅgirā, Śivā, sowie unendlich viele Millionen Mantras schützen diesen Rang.
11.98 Das Erlangen des Indra-Ranges ist keine Frucht geringer Askese. Wer könnte ihn irgendwo in der beweglichen oder unbeweglichen Welt bezwingen?
11.99 Wegen ihrer grausamen Taten werden jene Rākṣasas genannt. Was immer an Vollendungen im Weltenei oder auf Erden besteht,
11.100 wenn alle diese stets in jemandes Hand liegen, Göttin, dann kann allein dieser ihn bezwingen, kein anderer.
11.101 Wer als Sādhaka die Vollendungen von Augensalbe, Himmelswandeln, Schwert, Vetāla und Zauberpillen besitzt und tausend Monde und Sonnen hervorbringt,
11.102 in dessen Haus Sundarī, Kālikā und Tārā stets gegenwärtig sind, der soll gewiss die Kraft haben, Devendra zu bezwingen.
11.103 Dies soll keinem gewöhnlichen Menschen offenbart werden; wozu weiteres Reden? So sind die Kennzeichen der Kālī-Vollendung in Kürze erklärt.
11.104 Nach den Auffassungen von Kādi und Hādi habe ich dir dies gesagt. Es ist geheim zu halten, geheim zu halten wie die eigene Yoni.
11.105 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Spiels der Lebenskraft hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, Göttin, ich werde die Bestimmung des Jīva-Nyāsa erklären.
11.106 Jīva-Nyāsa ist fünffach: nach der Folge „Bīja–Srotas–Dakṣa–Sāgara–Kālānala“ wird die Fünfheit genannt, Śivā. [Die genaue Worttrennung der ersten Vershälfte ist unsicher.]
11.107 Entsprechend den Unterschieden von Gauḍa, Kerala und Kashmir, Pārvatī, werden beim Gottheitskörper und bei einer Figur die sechste Kasusform und der Mondpunkt bestimmt.
11.108 Bei Gaṇapati, bei einer Figur, beim Śivaliṅga und bei einer Durgā aus Erde soll die Verbindung dem jeweiligen grammatischen Geschlecht entsprechen, Pārvatī.
11.109 In der Kashmir-Ordnung, Göttin, ist die sechste Kasusform mit dem Feuerlaut geschmückt. Nach Mehrzahl und den übrigen Formen wird diese Reihenfolge erklärt.
11.110 In Gauḍa soll bei beiden Gleichheit bestehen; so ist es in den Āgamas verborgen. In der Kerala-Ordnung wird die sechste Kasusform mit dem Mondpunkt verbunden.
11.111 Bei der Abwehr von Planetenschäden werden zwei-, drei- oder elfmal hundert genannt. Zwanzig Tage der Verehrung sollen sämtliche Planetenbedrängnisse abwehren. [Der Bezug der ersten Zahlenfolge ist nicht ausdrücklich benannt.]
11.112 Nach einundzwanzig Verehrungen soll man von allen Verfehlungen frei werden. Wer täglich hundertmal verehrt, soll alle Wünsche erlangen, Śivā.
11.113 Durch tausend Verehrungen soll ein Unglücklicher glücklich werden, Göttin; durch dreitausend soll er jeder Aufgabe gewachsen sein.
11.114 Durch hunderttausend und weitere Verehrungen soll man Herr aller Vollendungen werden. In ein-, zwei- und dreifacher Weise, millionenfach und unendlich viele Gestalten tragend,
11.115 durchdringt Śiva alles und besteht immer, Pārvatī. Mit den Worten „Śivas Lebenskräfte“ erfolgt das Einsetzen der Lebenskräfte in eine Figur aus Erde.
11.116 Śiva ist einer, große Herrin, die Lebenskräfte aber sind viele, Śivā. Śivas Lebenskräfte durchdringen alles und sind überall, Pārvatī.
11.117 Bei den Erdfiguren stehen „Śiva“ und „Lebenskräfte“ in Verbindung mit der sechsten Kasusform und dem Mondpunkt. So habe ich dir die Kashmir-Ordnung erklärt, Göttin. [Die verkürzte Formulierung der Vorlage ist grammatisch uneindeutig.]
11.118 Śiva ist der Gebende, Śiva der Genießende, Śiva der Handelnde, der Makellose. Sein ganzer Körper ist mit Asche bestäubt, seine Glieder sind mit Rudrākṣas geschmückt.
11.119 Siebenundzwanzig Rudrākṣas werden wie bei der Sandhyā genannt. Die genannten Zahlen, große Herrin, werden auch wie beim Bad bestimmt.
11.120 Bei anlassbezogenen Riten werden tausend Perlen genannt, Göttin, Śivā. Zwei-, drei- oder viertausend Rudrākṣas soll man tragen, Geliebte.
11.121 Man legt einen Rudrākṣa-Kreis an, unterschieden nach höchster, unterster und mittlerer Form. Mit Rudrākṣas geschmückt, soll man augenblicklich Rudra gleich werden.
11.122 Am Kopf wird die dreifache Zahl getragen, am Armkreis die doppelte; am ganzen Körper nach Wunsch. Die Zahlen sind in der Offenbarung genannt, Śivā.
11.123 Beim Tragen von Rudrākṣas gelten besonders zwei Regeln, Göttin: Umgang mit jemandem, der Frauen verhasst oder vom Guru verflucht ist, soll vermieden werden.
11.124 Aus den drei Augen sind die drei Rudrākṣa-Arten des Kali-Zeitalters entstanden. Dhanaśrī stammt aus dem rechten Auge, Moraṅga aus dem anderen, linken.
11.125 Die dritte heißt Malākī. Feuer soll den Körper ihres Trägers nicht verbrennen. Sie werden Rudras Augen genannt und heißen daher Rudrākṣas.
11.126 Welchen Mantra man in einem Rudrākṣa-Pavillon rezitiert, Śivā, der soll vollendet werden; daran soll kein Zweifel bestehen.
11.127 Ist der Faden abgenutzt, wird er erneuert, die Kette wieder eingesetzt und der Mantra rezitiert. Im Rudrākṣa-Pavillon soll zur Erlangung der Vollendung verehrt werden, Göttin.
11.128 Durch zweifache Śrīcakra-Verehrung im Rudrākṣa-Pavillon soll man die Gestalt der Śrīvidyā erlangen, ohne Zweifel.
11.129 Diese Zweifachheit will ich erklären, durch die man von Gottheit erfüllt werden soll: vier Śiva-Cakras und fünf Śakti-Cakras.
11.130 Der äußere Erdbezirk, die drei Linien, die sechzehn Blütenblätter und sodann der achtblättrige Kreis: Dies sind die Śiva-Cakras, Göttin, Pārvatī.
11.131 Die vierzehn Dreiecke, die beiden zehnteiligen Dreieckskreise, die acht Dreiecke und das Dreieck sind die fünf Śakti-Cakras nach der Auffassung Dakṣiṇāmūrtis.
11.132 Höre die Śakti- und Śiva-Formen nach Ānandabhairavas Lehre: mit den vier Śrīkaṇṭhas verbunden und den fünf von „Śivarāma“ an. [Die Lesung dieses Namens oder Zahlenschlüssels ist unsicher.]
11.133 Durch die einander durchdringenden neun Grundformen Śambhus wird die Vollendung des Śrīcakra erklärt: das große Licht, dessen Wesen Śiva und Śakti ist.
11.134 Das Haus ist zweifach: inneres und äußeres Haus, Śivā. Bis zu den vierzehn Dreiecken reicht das innere Haus.
11.135 Vom achtblättrigen Kreis bis zum äußeren Erdbezirk wird das äußere Haus angesetzt. Bis zu den vierzehn Dreiecken wird das Śrīcakra bezeichnet.
11.136 Wie bei der Verehrung der höchsten Göttin im Haus innerhalb des Bindu, Śivā, so wird es inneres Haus genannt, von allen Göttern Verehrte.
11.137 Durch Betrachtung dieser beiden Cakra-Bereiche im Rudrākṣa-Pavillon soll man Herr aller Vollendungen werden, ohne Zweifel.
11.138 Nachdem dort die Ordnung des Kultsitzes erkannt ist, soll Śakti im Yantra verehrt werden. Die ehrwürdige Göttin sprach: Der Kultsitz-Topf soll verehrt werden; erkläre mir dies, großer Herr.
11.139 Soll unten, in der Mitte oder an welcher Stelle verehrt werden, höchster Herr? Oder oben? Wo wird die Verehrung vorgeschrieben?
11.140 Sage mir dies, großer Herr, wenn ich deine Geliebte bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Als Pīṭha wird das Gefäß bezeichnet; auf dem Pīṭha soll verehrt werden.
11.141 Das Yantra wird Bewusstsein genannt, der Pīṭha liegt darunter. Unter dem Yantra soll der Pīṭha verehrt werden; das Yantra verkörpert die Gestalt, Śivā.
11.142 Unter der Gestalt liegt der Kultsitz, auf dem Kultsitz die Gestalt, Geliebte. Unter dem Yantra wird der Kultsitz verehrt; das Yantra wird in die Gestalt eingesetzt.
11.143 Einige verlangen hier die Verehrung in der Mitte des Yantra. Bei günstiger Konstellation, an einem günstigen Tag oder großen Festtag soll der Sādhaka,
11.144 auch bei Mond- oder Sonnenfinsternis, das Yantra einsetzen. Bei Mond- und Sonnenfinsternis soll die Yantra-Einsetzung erfolgen, Śivā.
11.145 Die im Yantra befindliche Gottheit soll dann rasch Segen gewähren. Welche Handlung bei Mond- oder Sonnenfinsternis auch ausgeführt wird, Göttin,
11.146 sie soll durch die Gunst der Königin der Vidyās unvergänglich werden. Wenn bei der Auflegung des heiligen Fadens durch Nachlässigkeit oder Verblendung, Geliebte,
11.147 die vorbereitende Weihehandlung nicht zuvor bekannt beziehungsweise vollzogen war: Was soll dann geschehen, große Herrin? Soll die Handlung entfallen?
11.148 Ihr Ausfall gilt als schwere Verfehlung; darum soll sie sorgfältig vollzogen werden, Śāṅkarī. Im ersten Tages- oder Nachtabschnitt soll die vorbereitende Weihe erfolgen,
11.149 im dritten die Auflegung des heiligen Fadens, Göttin. Für die vorbereitende Weihe wird ein Abstand von zwei Abschnitten genannt.
11.150 Wer sein Wohl wünscht, soll die Handlung keinesfalls ausfallen lassen. Ebenso wird die vorbereitende Weihe des Yantra vorgeschrieben.
11.151 Beim Auslassen der Handlung droht der Text mit einem Fluch der Gottheit. So ist es in Kürze für die drei Überlieferungen erklärt, Śivā.
11.152 Die Puraścaraṇa ist dreifach, Göttin; höre ihre Ordnung, Pārvatī. In Kerala wird sie zehngliedrig genannt, in Kashmir achtgliedrig.
11.153 Auf dem Gauḍa-Weg ist sie fünfgliedrig. Höre nun das Sāmrājya-Maṇḍala: die Befreiung Kālikās vom Fluch, Mahākāla und Kullukā,
11.154 ihre Gāyatrī, Sparśamaṇi, Tārā und deren Kullukā, Akṣobhya und Vaṭuka, Göttin, sowie die Einsilbige, Śivā,
11.155 deren Gāyatrī, Bālā und deren Gāyatrī, Kāmavidyāmaṇi, Kīlā, deren Vidyā und Kullukā,
11.156 Svarṇeśa, Kṣetrapāla, Chinnamastakā, die Einsilbige, deren Gāyatrī, sodann Kāmakalā, Śivā,
11.157 deren Gāyatrī, Madhumatī, Padmāvatī, Śivā, Saṃpatsarasvatī, die Neunsilbige und Vijayā,
11.158 die zweiunddreißigsilbige Vidyā, Trailokyavijayā, Helakā, Ārdrapaṭikā und Mṛtasaṃjīvanī,
11.159 „…“ und die stillstellenden Vidyās, ferner Karṇapiśācinī, Amarī, Kuṇḍalī, Göttin, und Kālasundarī. [Der Beginn ist in der Vorlage ausgelassen.]
11.160 Karṇacaṇḍā, die Amogha-Karṇa genannte Piśācinī, Mahākarṇapiśācī und Svapneśvarī, Śivā,
11.161 die Vidyā Svapnavārāhikā und eine zweite große Form, Śrīmahāraktacāmuṇḍā und Tripurākarṣaṇī,
11.162 Ciṭividyā, große Herrin, danach Kamalākṣī, Ākarṣaṇī Mahākālī und Śrīvidyākarṣiṇī,
11.163 Vaśīkaraṇakālī, Mahānīlasarasvatī, Nakulī, die Bagalā-Vidyā, deren Gāyatrī und Kullukā,
11.164 Vasordhārā, Dhūmeśī, Māraṇakālikā, Trailokyamohinī und Śrīmahākulahāriṇī,
11.165 Surateśī, Kinnarī, danach Rañjakī, Vaśīkaraṇatāmbūlā und ebenso eine zweite Form,
11.166 die Vidyā Kṣiprakāminikā, Kālī Kāmakalā, Śivā, die Vidyā Tāmbūlākarṣiṇī und als zweite Mukhamārjanī,
11.167 Śrīvidyā, Kullukā, Dīpinī und Maheśvarī, Kālikā Dīpinī und das Mahāmaṇḍala,
11.168 die Khaḍgavāraṇa-Vidyā, Bhūtarudramahāṅkuśā und Pratyaṅgirā, Herrin der Götter: Dies gilt als Sāmrājya-Maṇḍala.
11.169 Japa-Verehrung, Japa, Meditation, erneut Japa, wieder Meditation, Opfergabe, Speisedarbringung und Entlassung,
11.170 Verehrung eines Mädchens als Göttin, Feueropfer, Opfergabe, Mahlzeit und erneuter Japa, große Herrin: Dies ist die Ordnung des Sāmrājya-Maṇḍala.
11.171 Krūracaṇḍā, Krūrajaṭā und Ugraghaṇṭā: Wenn diese sorgfältig erkannt sind, soll die zur Vollendung führende Sādhana ausgeübt werden.
11.172 Die Verehrung ist von Japa umschlossen, der Japa von Verehrung umschlossen. Indem man beides wechselseitig vereint, soll die Vīra-Sādhana vollzogen werden.
11.173 Der Mantra soll mit Verehrung verbunden rezitiert werden, nicht als bloße Rezitation. Die Verehrung soll mit Japa verbunden sein, nicht allein für sich bestehen.
11.174 So ist es in Kürze erklärt und wie die eigene Yoni geheim zu halten. Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott der Götter, großer Gott, dem die Vollendung des Alls am Herzen liegt,
11.175 alles Bewegliche und Unbewegliche habe ich aus deinem Mund gehört. Sage mir nun, Allwissender, wie die große Bezwingung der Geisterwesen geschieht.
11.176 Der ehrwürdige Śiva sprach: Wie könnte ich das Geheimste der Geheimnisse aussprechen? Dennoch wird es aus Liebe zu dir erklärt; höre nun.
11.177 Bhūtas, Pretas, Piśācas, Rākṣasas, Brahmarākṣasas, Bhūta- und Preta-Ergreifer sowie Kinder ergreifende Wesen, Śivā,
11.178 Kaśmalas und Nivātas, Ḍākinī und Śākinī, Yākinī und Rākinī, Hākinī und Lākinī,
11.179 Kākinī und die übrigen, die von Bhairava genannten Jhoṭiṅgas, Rudra-, Viṣṇu- und Brahmā-Ergreifer,
11.180 Kṛtyā-Ergreifer, Göttin, Kūṣmāṇḍas, Yakṣiṇī-Ergreifer, Begierde-Ergreifer, Rausch und Raserei sowie Raserei-Ergreifer, Śivā,
11.181 Wasser-Ergreifer und alle übrigen, Kaṭapūtanās, Skanda-Ergreifer, große Herrin, und Vaināyakas,
11.182 Reichtums-Ergreifer, Göttin, und Götter-Ergreifer, Yakṣas, Dānavas, Daityas, Vetālas und Kinnarī-Scharen,
11.183 Bhūtinīs, Apsarasen und Nāginī-Ergreifer: Nun werden die Mittel genannt, denen die Vernichtung dieser und weiterer Ergreifer zugeschrieben wird.
11.184 Śūlinī, Śarabha, der fünfsilbige Śiva-Mantra, die neun Durgās, die äußere und die innere Bindung,
11.185 Subhrūṇa, große Herrin, Khaḍgavāraṇa, das Mahāvidyā-Maṇḍala und das Mahāmaṇḍala,
11.186 Hanumān, Bhairava, Baṭuka, Krodhabhairava, Pratyaṅgirā, Vīrabhadra und Trailokyavijayā,
11.187 Nārasiṃha, große Herrin, Mahāśarabhaśūlinī, Caṇḍakālī, Bhadrakālī und Rudramahāṅkuśā,
11.188 die große Pāśupata-Waffe und die Aghora-Waffe: Diese Mantras habe ich in Verbindung mit zwei Śābara-Formen genannt.
11.189 Bei Brahmarākṣasas, Vetālas und Kṛtyās wird Khaḍgavāraṇa genannt; Brahmā, Viṣṇu und Rudra bei der Beseitigung von Preta-Bedrängnis und Apasmāra.
11.190 Bei der Beseitigung von Yātudhānas und Kiṃpuruṣas werden Śarabha, Hanumān, Göttin, Virūpākṣa und Aṅgiras genannt.
11.191 Zur Abwehr grausamer Ergreifer wie Bhūtas, Pretas und Piśācas werden Śūlinī, die neun Durgās und Pañcāṅgulī genannt, Geliebte.
11.192 Bei der Beseitigung von Kūṣmāṇḍas und Ḍākinīs sowie von Preta-Bedrängnis und Apasmāra werden Vīrabhadra und Śiva genannt; bei allgemeiner Vernichtung ihre Scharen.
11.193 Zur Beseitigung aller, zur Befriedung und auch zur Besänftigung, große Herrin, wird das Mahāvidyā-Maṇḍala mit den beiden Bindungen verbunden.
11.194 Was wäre durch das Mahāvidyā-Maṇḍala nicht erreichbar? Geheim zu halten, geheim zu halten, sorgfältig geheim zu halten!
11.195 Das Geheimste der Geheimnisse ist wie die eigene Yoni zu verbergen. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
11.196 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte hören; sage mir ein weiteres Geheimnis. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Besessenheit durch Bhairava und die übrigen wird durch dasjenige Mittel aufgehoben,
11.197 das ihre Bezwingung bewirkt, durch kein anderes: So lautet Śaṅkaras Wort. Oder es gelingt durch Verbindung mit ihrer Wurzelvidyā, Pārvatī.
11.198 Bei Nṛsiṃha, Bhairavas, Hanumān und den übrigen soll Befriedung durch den ehrwürdigen Vīra-Vāyuputra und Khaḍgavāraṇa entstehen.
11.199 Bhairaveśvara wird als Gebieter über bluttrinkende Bhairavas und die übrigen genannt. Bei Dāminīs, Iṣṭas und Maheṣṭas, Geliebte,
11.200 wird Vīrakālī zur Bezwingung genannt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre mir nun den Ursprung der Kullukā.
11.201 Der ehrwürdige Śiva sprach: Auch dieses Geheimnis wird erklärt, Herrin der Götter; höre nun. Kullukā, Setu und Mahāsetu,
11.202 Nirvāṇa und Kuṇḍalī als „sechste“: Höre den Ursprung aller, Geliebte. Weil sie in der Familie der Vidyās verehrt wird, heißt sie Kullukā. [Die Zählung stimmt nicht mit der folgenden Bezeichnung Kuṇḍalīs als fünfter überein.]
11.203 Weil sie die mit der Vidyā verbundenen Fehler verzehrt, Śivā, heißt sie Kullukā. Sie ist die dritte unter Kālīs Nityās.
11.204 Kullā selbst trägt den Namen Kullukā; Nīlā ist Nīlasarasvatī. Wodurch man den Ozean der Vidyā-Vollendung überquert,
11.205 das heißt Setu, Brücke, große Herrin: der Weg der Vidyā. Mahāsetu zeigt das Erlangen der Mahāvidyā, große Herrin.
11.206 Mahāsetu offenbart das Bewusstsein des Mahāvidyā-Ozeans, große Göttin, und trägt die eigene Gestalt der Mahāvidyā.
11.207 Das Nirvāṇa der Gottheit, das als ihr Bewusstsein bezeichnet wird, heißt Nirvāṇa, Gütige, mit den Lauten von Vidyā, Rede und Mātṛkā.
11.208 So wird Nirvāṇa erklärt, höchste Herrin; Setu hat die Gestalt der Füße. Nirvāṇa aber ist das Einssein mit dem höchsten Brahman, Śivā.
11.209 Dies ist als viertes erklärt, Gütige, als Gang beziehungsweise Fuß der Vidyā. Die fünfte ist die Göttin Kuṇḍalī; erfasse sie genau.
11.210 Vom Mūlādhāra bis zur Öffnung reicht sie, fein wie ein Lotosfaden, in Gestalt aller Götter und alle Laute erleuchtend. [Die Lesung „viṣatantu“ wird hier im Zusammenhang als „bisatantu“, Lotosfaden, verstanden.]
11.211 Sie ist die Göttin Mahākuṇḍalinī, die unsterbliche höchste Kuṇḍalī. Zuerst wird die Kullukā der Göttin Kālikā genannt; die höchste ist die fünfte. [Der Anschluss ist knapp und nicht ganz eindeutig.]
11.212 Kālī, Kūrca, Vadhū und Māyā, auf Phaṭ endend, werden genannt. Tārās Kullukā ist die dreisilbige Nīlā; Chinnās soll achtsilbig sein.
11.213 „Vajravairocanīye“ und am Ende der Panzerlaut werden genannt. Das Bīja „haistraṃ“ wird als Bhairavīs Kullukā gelehrt.
11.214 Die Kullukā der ehrwürdigen Tripurasundarī hat zwölf Silben: Vāgbhava, Kāmarāja, Lajjā, dann „Tripureśi“
11.215 und „Bhagavati“, danach Svāhā: Dies ist die Kullukā des Tripurā-Mantras. Für die übrigen gilt eine dreisilbige Form aus Praṇava, Tārā und Kūrca.
11.216 Aghora, Virūpākṣa und Chinnās Torgottheiten werden der Reihe nach als Seher der Kullukā und der weiteren Formeln genannt.
11.217 Versmaß, eigene Gottheit, Bīja, Śakti und die weiteren Mantraglieder sowie Puraścaraṇa sollen jeweils wie beim eigenen Wurzelmantra bestimmt werden, Göttin.
11.218 Ich werde Mahākuṇḍalinī erklären, die in allen Tantras verborgen ist: Praṇava, dann „jū/ saḥ“, danach das Wort „Kālamūrti“. [Die Zeichenfolge „jū/“ ist in der Vorlage so überliefert und nicht stillschweigend zu einem Bīja ergänzt.]
11.219 Dann „Kālaprabodhini“, „Kālātīte“, am Ende von „Kāladāyini“ die Worte „Kapālapātradhāriṇi“.
11.220 Dann „Amari Kuṇḍalini, jū/ saḥ“, dreimal „vaṃ“, sodann „so'haṃ svāhā“, große Herrin: Dies ist der Mahākuṇḍalinī-Mantra. [Die Lesung „vañcatrayaṃ“ wird als dreimaliges vaṃ verstanden; die Formel bleibt textkritisch unsicher.]
11.221 Die Göttin Kuṇḍalī wird am Wurzelgipfel meditierend vergegenwärtigt, darunter Kāmarāja. Sie wird Sparśasundarī genannt.
11.222 Sie hat die Gestalt der großen Kāmakalā und befindet sich am Haupt Kākinīs. Setu und die übrigen sind schon erklärt. Was möchtest du noch hören?
11.223 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das zuvor genannte Geheimnis hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Welches Geheimnis, Herrin der Götter? Mache es mir nun deutlich.
11.224 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre die zweifache Bestimmung der Nityās von Mahākāla an. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre die Bestimmung der Nityās, beginnend mit Mahākāla.
11.225 Mahākāla ist überaus furchtbar, dem Feuer der Weltauflösung gleich. Er ist aus Kālīs Māyā entstanden, Śiva im Geist Kālīs.
11.226 Mahākāla ist der höchste Śambhu, eine Quelle überweltlicher Eigenschaften. Seinen Mantra will ich erklären, durch den die drei Welten geschützt werden sollen.
11.227 Zweimal Kūrca, die beiden Worte „Mahākāla prasīda“, zweimal Lajjā und die Feuergefährtin: So wird die sechzehnsilbige Form verbunden.
11.228 Wie die Sechzehnsilbige im ganzen Śrīcakra-Maṇḍala die führende ist, so wird dieser Mahākāla bei sämtlichen Kālī-Formen erklärt.
11.229 Kālikā wird als seine Seherin genannt, Virāṭ als Versmaß; die Gottheit ist Mahākāla, der Alle Formen Tragende, Makellose.
11.230 Kūrca wird als Bīja, Māyā als Śakti erklärt. Svāhā wird als Kīlaka bestimmt, die Anwendung erfolgt für Kālī.
11.231 Die sechs Glieder werden mit Māyā gebildet. Höre die Meditation, Schönangesichtige: Er gleicht zehn Millionen Weltbrandfeuern, hat vier Arme und drei Augen.
11.232 Er steht inmitten von acht Verbrennungsstätten, geschmückt mit acht Schädeln, auf fünf Pretas; der Gott trägt Dreizack und Trommel,
11.233 Schwert und Schädelschale, auf linke und rechte Hände verteilt. Sein schöner Körper ist mit Asche der Verbrennungsstätte geschmückt.
11.234 Er spielt unter verschiedenen Leichnamen, befindet sich im Herzen Kālikās, liebkost sie, ist der geschlechtlichen Vereinigung zugewandt und in heftige Küsse vertieft.
11.235 Er ist von Geiern, Schakalen und Schakalinnen-Scharen umgeben, mit einer Fülle von Haarflechten geschmückt und in der Stätte völliger Leere gegenwärtig.
11.236 Als ganz leer, mit Schädeln geschmückt, freundlich blickend und glückverheißend soll er vergegenwärtigt werden, höchste Herrin. Danach werden fünf Vereinigungs-Yantras genannt.
11.237 Die Yoni wird als Dreieck bezeichnet; dieses Cakra ist das Kāla-Cakra. An Yoni, Herz, Stirn oder Brustbereich der Geliebten
11.238 wird der Gott Mahākāla mit fünf Umhüllungen verehrt. Im Dreieck werden Kālikā und die übrigen verehrt, Göttin.
11.239 Im sechsblättrigen Kreis die sechs Glieder, am Nabel die Kräfte der Richtungen, im Herzen die zwölf Ādityas und an der Kehle die sechzehn Nityās.
11.240 Im zweiblättrigen Kreis soll Kālakālī verehrt werden, höchste Herrin. „…“, Göttin, soll jene allgegenwärtige Göttin verehrt werden. [Der erste Teil des zweiten Halbverses ist ausgelassen.]
11.241 Die Śakti wird dem Verehrenden zugewandt und die höchste Kālikā verehrt. Vom Mūlādhāra bis zum zweiblättrigen Kreis werden die Cakras entsprechend angeordnet.
11.242 Die Verehrung erfolgt nach vorangehender Guru-Verehrung, höchste Herrin. Nach Bereitstellung der Gefäße wird wie bei Kālī verehrt.
11.243 Nach dieser Verehrung werden hunderttausend Rezitationen genannt, Śivā, und ein Feueropfer von einem Zehntel davon mit Karavīra-Blüten.
11.244 Die Gaben werden mit Svayambhū, Samen oder Kāraṇa bestrichen dargebracht. Tägliche, anlassbezogene und wunschorientierte Handlungen erfolgen insgesamt wie bei Kālī. [Die Stoffnamen sind rituelle Umschreibungen und werden nicht frei ergänzt.]
11.245 Nun wird das Verfahren der unsichtbar machenden Kālī-Vidyā erklärt. Die im Meditationstext beschriebene, an allen Gliedern geschmückte Gestalt wird vergegenwärtigt.
11.246 Im Mūlādhāra Gaṇapati, am Geschlechtsorgan Gaṇapatis Geliebte, am Nabel Baṭukanātha und im Herzen Baṭukas Geliebte.
11.247 An der Kehle der Uḍyāna-Pīṭha, an der Braue Pradīptamaṅgalā, an der Stirn Karavīra und am Haaransatz Kṣetrapāla.
11.248 Am Scheitel Kālikā; die Namen werden in der vierten Kasusform verehrt. Am Scheitel ferner Vyomaiśvaryambā und an der Stirn Khecarī.
11.249 Zwischen den Brauen Dikcarī, im Herzen Gocarī, am Nabel Bhūcarī und am Geschlechtsorgan Khagamūrtikā.
11.250 Am Wurzelblatt soll der beste Sādhaka Vicitrā verehren. Ferner an der Stirn die Sonne, im rechten Auge den Herrn der Kalās, den Mond,
11.251 im linken Auge Vaiśvānara, das Feuer, an der Kehle Kālikā, im Herzen Dāsayoni und am Nabel Dāsasiddhaka.
11.252 Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Aindrī, Cāmuṇḍā und die höchste Mahālakṣmī werden genannt.
11.253 Ferner Manthānabhairava, Ṣaṭcakrabhairava, Phaṭkārabhairava und Bibhakṣabhairava,
11.254 Vīreśabhairava, Śrīmanteśvarabhairava, Haṃsagarbhabhairava und Caṇḍikeśvarabhairava.
11.255 Am Scheitel, an der Stirn, der Kehle, im Herzen, am Nabelkreis, am Geschlechtsorgan, im Mūlādhāra und am ganzen Körper soll der Verständige sie verehren.
11.256 Nach Vermögen wird die Vidyā rezitiert und die Opfergabe vorschriftsgemäß dargebracht. Die Formel beginnt mit „oṃ kṣe/ kṣetrapāla imaṃ baliṃ“. [„kṣe/“ ist eine ungesicherte Zeichenfolge der Vorlage.]
11.257 Es folgen „gṛhṇa“ und Svāhā; dies gilt als Opfergabe an Kṣetrapāla. So ist die Verehrungsordnung für Śrīkālī und Kāla erklärt, Göttin.
11.258 Beim Verfahren des Unsichtbarwerdens, Göttin, gilt „…“. [Die Vorlage enthält eine Auslassung.] Im Zusammenhang mit Mahākāla wurde auch dieses Geheimnis gezeigt.
11.259 Du sollst das Geheimste der Geheimnisse verborgen halten, Gütige. Geheim zu halten, geheim zu halten wie die eigene Yoni! So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 11. Kapitel namens „Verfahren des Mahākāla-Mantras“.
Paṭala 12: Kuṇḍalinī, innerer Japa und Kālī-Nityā
12.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Verfahren des Unsichtbarwerdens ist erklärt; nun folgt das Eintreten in einen fremden Körper.
12.2 Es wird erklärt, Herrin der Götter; höre aufmerksam. Amṛtānanda, die Freude am Unsterblichkeitstrank, die aus Kula und Akula entsteht, soll verehrt werden.
12.3 Der Mantra, zehn Millionen Sonnen gleich und inmitten von „va und den folgenden Lauten“ befindlich, wird rezitiert, nachdem der aus „…“ entstandene Kula-Nektar dargebracht wurde. [Die Herkunftsangabe ist ausgelassen.]
12.4 Ebenso im Kula „…“, durch feste Bindung der Kuṇḍalī: im Grundzentrum, in der Mitte des Blattes und im zweiblättrigen Kreis, im zweifachen Sitz. [Der Vers ist durch eine Auslassung und unklare Bezüge beeinträchtigt.]
12.5 Im sechzehnteiligen Kreis, am Liṅga, im zwölfteiligen Maṇipūra, im Herzen im zehnblättrigen Kreis, im sechs- und vierblättrigen Kreis werden Orte genannt. [Die ungewöhnliche Folge wird nicht nach einem anderen Cakra-System berichtigt.]
12.6 An Kehle und Stirn wird die Göttin verehrt, verbunden mit der Bewegung der Zunge. Inmitten eines Frauenhauses wird der Mann als an das Brahmacarya-Gelübde gebunden beschrieben.
12.7 Mit reinen Entschlüssen oder in weiße Gewänder gehüllt schreitet er auf dem Brahman-Weg voran, nach der Ordnung des Durchdringens der Liṅgas.
12.8 Den göttlichen, am Visarga befindlichen Nektar, flüssig wie ein Milchstrom, trinkend, kehrt er mit diesem Kula-Nektar wieder in Kula ein.
12.9 Er geht erneut zu Akula und bringt ihn am Dvādaśānta dar. Im großen Cakra Sahasrāra befindet sich Vāgbhava, ein voller Mond.
12.10 Nachdem der Brahma-Knoten durchbrochen und aus sieben oder acht Strömen getrunken ist, erfolgt der Eintritt von der Gaumenzäpfchenregion auf dem Brahman-Weg zur Gaumenwurzel.
12.11 Die Vidyā in Gestalt der Mātṛkā-Laute erfüllt die Zunge; als Lautgestalt tritt sie hervor und ist an der Zungenspitze wie eine Lampe.
12.12 Vom Grundzentrum bis zum Brahmarandhra und bis zur Zungenspitze wird die mit Vāgbhava beginnende Mahāvidyā als lampenförmig vergegenwärtigt.
12.13 Die Vidyā wird in Händen und Füßen sowie in den drei Nāḍīs betrachtet. Vāgīśī wird vom Grundzentrum erhoben und zum zwölften Ort geführt.
12.14 Am zwölfgliedrigen Stützpunkt wird ihr Knoten durchdrungen. Von dort wird sie zur Zungenspitze gebracht und als Lampe vergegenwärtigt.
12.15 Hunderttausend Rezitationen dort sollen alle Verfehlungen verbrennen. Danach soll Erkenntnis alles Beweglichen und Unbeweglichen zur Allwissenheit führen.
12.16 Durch die Kraft des Prāṇāyāma soll Japa-Vollendung entstehen. Einundzwanzigtausendsechshundertmal
12.17 rezitiert das Lebewesen täglich die höchste, von Brahman-Freude erfüllte Kraft. Geburt ist der Beginn ihrer Rezitation, Tod ihre Darbringung.
12.18 Ohne eigens ausgeführte Rezitation besteht so fortwährend Japa. Wer diesen Japa genau versteht, soll ihn Gaṇeśa und den weiteren darbringen.
12.19 In entsprechender Reihenfolge dem individuellen Selbst und dem höchsten Selbst: sechshundert, sechstausend und wiederum
12.20 sechstausend, danach tausend und erneut tausend werden genannt, dem Guru der Reihe nach darzubringen. [Die Zahlenfolge der Vorlage ergibt hier keine vollständig ausgeschriebene Verteilung der 21.600 Atemrezitationen.]
12.21 Im goldfarbenen Grundzentrum werden die Laute von va bis sa vergegenwärtigt. Im Maṇipūra sollen sie wie eine Fülle von Blitzen leuchten.
12.22 Die Laute von ḍa bis pha werden in tiefblauem Glanz betrachtet; ein großes rötlichgelbes Feuer erscheint wie die Lotosmitte.
12.23 Die Laute von ka bis ṭha werden im vierten Zentrum, Anāhata, vergegenwärtigt. Im rauchfarbenen Viśuddha werden die roten Vokale eingesetzt.
12.24 Im blitzenden Ājñā werden die weißen Laute ha und kṣa betrachtet. Im tausendblättrigen Lotos, der im Glanz von Kampfer strahlt,
12.25 wird danach im Brahmarandhra das Blaugestaltige betrachtet. Nun will ich die Früchte in den sechs Cakras der Reihe nach erklären.
12.26 Durch Übung der inneren Vergegenwärtigung im Grundzentrum soll Mantravollendung entstehen. Durch Vergegenwärtigung in „…“ soll die Vidyā kraftvoll werden. [Der zweite Ort ist ausgelassen.]
12.27 Danach wird im Nabelcakra meditiert, um Erkenntnis der Vidyā zu erlangen. Innerhalb von sechs Monaten soll der Mantrakundige Erkenntnis des Körpers gewinnen.
12.28 Durch Vergegenwärtigung im Herzlotos soll Wissen um die drei Zeiten entstehen; durch Vergegenwärtigung an der Kehle die Vollendung des Körpers.
12.29 Durch das Wesen der Sonne soll der große Yogī und Mantrakundige täglich wissen, was immer in den drei Welten geschieht, ohne Zweifel.
12.30 Durch Verbindung von Śiva und Mond beim Japa soll Wissen um Śukra entstehen. Die tägliche Übung des Udāna wird mit dem Stillstellen des Wassers verbunden. [„śukrajñavān“ ist nicht eindeutig: Śukra kann unter anderem Venus oder Samen bezeichnen.]
12.31 Durch Übung des Samāna soll der Yogī selbst vom Feuer nicht verbrannt werden. Danach wird das feine Große Element genannt, das das Feine emporführen soll. [Der zweite Halbvers bleibt syntaktisch unsicher.]
12.32 Durch Meditation über Kālikā soll der Mantrakundige die Schnelligkeit des Geistes gewinnen; durch Erkenntnis des Körpers das Unsichtbarwerden.
12.33 Durch die Kraft des Unsichtbarwerdens soll er in einen fremden Körper eintreten können, Herr der acht Fähigkeiten von Aṇimā an und von zehn Millionen Vollendungen werden.
12.34 Durch die Wirkmacht des großen Mantras soll der Yogī das sonst Unerreichbare erlangen. Wenn aber angesichts solcher Vollendungen Leidenschaftslosigkeit entsteht,
12.35 erlangt der Yogī Kaivalya und geht in Kālīs Allgegenwart ein. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
12.36 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung von Kālīs Nityās hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Kālī, Kapālinī, Kullā, Kurukullā, Virodhinī,
12.37 Vipracittā, Ugrā, Ugraprabhā, Dīptā, Nīlā, Ghanā, Balākā, Mātrā, Mudrā und Mitā.
12.38 Dies ist das Nityā-Maṇḍala; höre seine Ordnung, Śāmbhavī. Kālī-Nityā und ihr Mantra werden erklärt; höre nun.
12.39 Zuerst das Gift-Bīja, dann Māyā, zweimal „Kālī“, danach „Mahākāli“ und das Wort „Kaumāri“.
12.40 Dann „mahyaṃ dehi“, Göttin, verbunden mit „ṭha ṭha“: So gilt der Mantra. Die neunzehnsilbige Vidyā wird als Kālī-Nityā erklärt.
12.41 Paraśurāma wird als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß genannt; die Gottheit ist Kālikā, Māyā wird als Bīja erklärt.
12.42 Kālikā soll Śakti sein, das ṭha-Paar das Kīlaka. Als Anwendung wird die Besänftigung und Erfreuung Kālikās genannt.
12.43 Die sechs Glieder werden mit Māyā und den zugehörigen Endformeln gebildet. Danach wird im Bereich eines erloschenen Scheiterhaufens meditiert, große Herrin.
12.44 Sie ist dunkel, überaus furchtbar, von schrecklichem Ruf, weit aufgerissenem Mund und reich mit einer Schädelgirlande geschmückt; rechts trägt sie das Schwert.
12.45 Links zeigt sie den drohenden Zeigefinger und tanzt auf den Totenstätten. So wird sie betrachtet, große Herrin. Höre ihr Yantra, Pārvatī.
12.46 Ein Dreieckspaar, ein Kreis, acht Blütenblätter und der äußere Erdbezirk: Im Bindu wird Kālī verehrt, im Dreieckspaar sodann
12.47 die drei Guṇas, ihre männlichen Gestalten und deren Śaktis in der Reihenfolge. Die acht Mütter von Brāhmī an sowie die Welthüter mit ihren Waffen
12.48 werden im äußeren Erdbezirk mit Räucherwerk, Licht und Ehrenerweisungen verehrt. Verschiedene Speisen, besonders die fünf Speisearten,
12.49 werden Kālikā dargebracht; dadurch soll sie zufrieden sein. Nach Abschluss bis zum Schwenken des Lichtes werden hunderttausend Rezitationen genannt.
12.50 Ein Feueropfer von einem Zehntel davon erfolgt vorschriftsgemäß mit Milchreis oder mit Karavīra-Blüten zur Erlangung aller Vollendungen.
12.51 Dadurch soll man Herr aller Vollendungen werden, Göttin, ohne Zweifel. Nun werde ich die Mantraunterschiede erklären; erfasse sie genau.
12.52 Die drei Namen, große Herrin, werden einzeln mit Praṇava verbunden; durch Verbindung mit den drei Bījas entstehen drei Mantras.
12.53 Wieder entstehen drei Vidyās durch Verbindung mit Dhruva und Māyā, Göttin; drei Vidyās, große Herrin, und für jede wird der Mantra neunfach.
12.54 Unglücklichen, Niedergeschlagenen, Grausamen und schlecht Handelnden soll dieser Mantra nach dem Text nicht mitgeteilt werden. Er soll mit aller Herrlichkeit erfüllen.
12.55 Reichtum, Ruhm und Glück werden verheißen. Danach beschreibt der Text beim Anblick einer schönen begehrten Frau eine Äußerung, deren Wortlaut ausgelassen ist.
12.56 Durch eine ebenfalls ausgelassene Lautformel und Mantrarezitation soll die Frau zur Dienerin werden, in Unruhe geraten und „aus eigenem Willen“ zur Vereinigung kommen. [Dies ist eine historische Behauptung von Anziehungs- und Unterwerfungsmagie; der Wortlaut enthält Auslassungen.]
12.57 An ihrer Stirn, im Herzen und in der Yoni wird der Vidyā-Mantra in dieser Reihenfolge vergegenwärtigt, nachdem ihr Name erinnert wurde.
12.59 [fortlaufend 12.58] Dies soll sie rasch heranziehen; wozu viele weitere Worte? Der Ausübende wird unmittelbar als Sohn Kālīs bezeichnet. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören? [Die Vorlage nummeriert diesen abschließenden Vers als 12.59; 12.58 fehlt.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 12. Kapitel namens „Kālī-Nityā“.
Paṭala 13: Kapālinī und Kullā
13.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das höchste Verfahren Kapālinīs hören. Als zweite Nityā, Herr der Götter, wird die höchste Kapālinī genannt.
13.2 Erkläre mir jetzt ihren Mantra, großer Herr. Der ehrwürdige Śiva sprach: Herrin der Götter, es wird ein Geheimnis erklärt, das sonst nirgends ausgesprochen wurde.
13.3 Kapālinī ist die zweite Mahāvidyā; höre ihren Mantra. Zuerst wird „saptakula“ ausgesprochen, dann Kāma am Ort des Feuers.
13.4 Mit Indirā und Bindu geschmückt ist dieses Bīja die Gestalt Kālīs. Dann werden die Worte „Kapālini mahākapālapriyamānase“ gesprochen.
13.5 Es folgen „kapālasiddhiṃ me dehi hū/ phaṭ svāhā“. Dieser vorzügliche Mantrakönig wird als dreißig Laute samt einem halben Laut beschrieben. [„hū/“ ist die Zeichenfolge der Vorlage; ihre Lautgestalt bleibt ungesichert.]
13.6 Bhairava wird als Seher genannt, Triṣṭubh als Versmaß; Kapālinī ist die Gottheit, Kālikā wird als Bīja erklärt.
13.7 Svāhā wird als Śakti, „hū/ phaṭ“ als Kīlaka bezeichnet. Die Anwendung gilt der Vollendung Kapālinīs.
13.8 Mit dem Bīja in Verbindung mit den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet. Sie wird dunkel wie eine Masse Augenschminke und mit vollen Brüsten meditiert.
13.9 Ihr Gesicht ist wie der Mond, ihre Lippen wie Bimba-Früchte; sie trägt gelöstes Haar und ist unbekleidet. Sie befindet sich über vier Schädeln und ist mit Muschelarmreifen geschmückt.
13.10 In den vier Händen trägt die Göttin nacheinander Schwert, Dreizack, die Gaben gewährende und die Furcht nehmende Geste; sie ist Gesang und Lachen zugewandt.
13.11 So wird die höchste Nityā Kapālinī vergegenwärtigt, Göttin. Drei Dreiecke, ein Kreis und acht Blütenblätter,
13.12 umgeben von einem äußeren Erdbezirk mit vier Toren: Dies ist Kapālinīs Yantra, dem die Verleihung jeder Herrschaft zugeschrieben wird.
13.13 Mahākālī, Mahālakṣmī und Mahāsarasvatī werden im ersten Dreieck verehrt; Rati, Prīti und Kānti im zweiten.
13.14 Wille, Erkenntnis und Tat werden im dritten Dreieck verehrt. In der Mitte Kapālinī, auf den acht Blütenblättern die Mütter.
13.15 Danach werden die acht Bhairavas, die Richtungsherren und ihre Waffen verehrt. Mit fünf Ehrenerweisungen und dem Kulācāra ergeben,
13.16 vollzieht der Sādhaka hunderttausend Rezitationen und ein Feueropfer mit Hayāri-Blüten. Auch Fleisch und Madhu werden als Opfergaben zur gewünschten Vollendung genannt. [Hayāri bezeichnet hier Karavīra; Madhu kann Honig oder berauschenden Trank bedeuten.]
13.17 Dann soll die Göttin Kapālinī gewiss vollendet gegenwärtig sein. Wie könnte Kapālinī ohne Puraścaraṇa vollendet werden, Göttin?
13.18 Auf einem Schädelsitz befindlich und mit stets auf sie gerichtetem Geist werden die große Gebetskette, das große Gefäß, das große Yantra, der Sitz und die übrigen Mittel
13.19 vorschriftsgemäß eingerichtet, Göttin; so wird man zum Sādhaka. Nun will ich eine weitere Wirkmacht Kapālinīs erklären.
13.20 Am Dienstag bei Einbruch der Nacht werden Schädel von Schlachtkämpfern herbeigebracht, große Herrin, „je fünf“ verbunden. [Der genaue Bezug der Zahlenverdopplung ist unklar.]
13.21 Nach Bindung der Richtungen, Reinigung der Elemente und mit den Schädeln und weiteren Darbringungen wird der Sādhaka beschrieben, mit einem Sindūra-Stirnzeichen versehen,
13.22 mit Schwert in der Hand, unbekleidet, mit gelöstem Haar und freudig. Er ist von der Haltung „so'ham“, „Ich bin Er“, erfüllt.
13.23 Andere Sādhakas stehen weit entfernt; mit einem in Ghee getränkten Blumendocht wird eine Lampe entzündet, und dort wird Kapālinī rezitiert.
13.24 Durch glückliche Fügung soll Kapālinī-Vollendung irgendwann entstehen. Bei einem Kālī-Verehrer, so betont der Text, werde sie entstehen, werde sie entstehen.
13.25 Wenn durch glückliche Fügung ein Schädel erlangt wird, soll darin Kapālinī-Vollendung bestehen. Der Ruß wird gesammelt.
13.26 Der Ruß wird in jenem Schädel aufbewahrt und mit Rezitation verbunden. Er heißt Saṃmohanāñjana, große bezaubernde Augensalbe.
13.27 Was wäre mit jenem Schädel nicht erreichbar, große Herrin? Diese Nityā Kapālinī ist die zweite Kālī-Form.
13.28 So ist es in Kürze erklärt. Höre von Kullā, der dritten. Sie gilt unter drei Namen: Kālikā, Kullukā und Kullā.
13.29 Unter dem Namen Kullā wird sie in der Familie verehrt. Weil sie in der Familie der Vidyās verehrt wird, heißt sie Kullukā.
13.30 Als in der Familie Verehrte heißt Kullukā auch Kullā, Herrin des Kula. Ihren Mantra will ich erklären; erfasse ihn genau.
13.31 Zuerst wird Praṇava erschlossen, dann Kālikās Bīja, danach „Kullāyai“ und der Herzlaut: So wird der siebensilbige Mantra erklärt, Göttin.
13.32 Bhairava wird als Seher genannt, Gāyatrī als Versmaß; Kullā-Kālī ist hier die Gottheit, Kālikā wird als Bīja erklärt.
13.33 Kullā gilt als Śakti, Namaḥ als Kīlaka. Die Anwendung wird zur Verwirklichung aller Ziele bestimmt.
13.34 Auf dem bei Kālikā beschriebenen Kultsitz wird das Kumārī-Yantra verehrt. Durch die Verehrung einer Kumārī soll Kullā gewiss vollendet gegenwärtig werden, Göttin.
13.35 Zweihunderttausend Mantrarezitationen werden genannt: tagsüber in Reinheit und mit Opferspeise als Nahrung, nachts in Unreinheit, nach der Schau der ehrwürdigen Kullā verlangend.
13.36 Sie wird bald wolkenähnlich, bald lichtähnlich betrachtet, vierarmig und dreiäugig, mit einer prächtigen Krone geschmückt.
13.37 Kullā sitzt auf einem Leichnam und befindet sich über zehn Schädeln. Links zeigt sie Gaben- und Furchtlosigkeitsgesten, rechts trägt sie Buch und Gebetskette.
13.38 Mutter Kullā wird als in vielfältigem Spiel kundig vergegenwärtigt. Wer sie so betrachtet, dem soll die aus den zehn Vidyās bestehende Kraft
13.39 durch die Wirkmacht Mutter Kullās zuteilwerden, große Herrin. Mit Karavīra- und Hibiskusblüten wird ein Feueropfer im Umfang eines Zehntels des Japa genannt.
13.40 Ein weiteres Zehntel erfolgt als Trankspende und Besprengen mit Duftwasser. Brahmanen werden gespeist, Göttin, danach wird eine Kumārī
13.41 verehrt, höchste Herrin; dadurch soll die Kullā-Vidyā vollendet werden. Kullā-Vidyā offenbart sämtliche Vidyās, große Herrin.
13.42 Für anlassbezogene und wunschorientierte Handlungen besitzt sie ein Yantra, Herrin der Götter: zwei Dreiecke, geschmückt mit Kreis und acht Blütenblättern,
13.43 mit vier Toren und einem äußeren Erdbezirk. In der Mitte wird Kālīs Bīja eingesetzt, verbunden mit einem weiteren vorzüglichen Bīja. [Dessen Identität wird nicht ausdrücklich genannt.]
13.44 Dhṛti, Puṣṭi, Medhā, Tuṣṭi, Prajñā und Jayā werden in den beiden Dreiecken verehrt; auf den Blütenblättern die acht Mütter und Bhairavas.
13.45 Die Welthüter samt Waffen werden in Kullukās Umhüllung verehrt. Oder alles erfolgt wie bei Kālikā, Herrin der Götter.
13.46 Während der beiden Navarātri-Feste, bei Mond- und Sonnenfinsternissen, beim Sonnenübergang oder für ein besonders wichtiges Ziel wird das errichtete Yantra verehrt.
13.47 Wann immer eine Aufgabe entsteht, erfolgt die Verehrung Kullukās. Ohne Kullukā-Verehrung soll die Vidyā keine Vollendung erlangen.
13.48 Mit Anfang und Ende verbunden soll jene Vidyā vollendet werden. Ein Guru, der Anfang und Ende nicht kennt, wird als Schädiger seines Schülers bezeichnet.
13.49 Mit den Handlungen am Anfang und Ende wird der Nityā-Mantra vollendet. Wer Anfang und Ende entbehrt, soll keine Schau der Gottheit erlangen.
13.50 Zuneigung und Furcht: Von diesen beiden ist die Welt durchdrungen. Dieses Verfahren ist zu verbergen; sonst nirgends habe ich es erklärt.
13.51 Bei den Nityās von Kullā an reicht der Japa bis zur Zweizahl. Wird der Mantra durch diese beiden nicht vollendet, gilt er als für Japa ungeeignet. [„Zweizahl“ bezieht sich möglicherweise auf Anfang und Ende; der Wortlaut legt dies nicht eindeutig fest.]
13.52 Kullā ist als dritte Nityā genannt; in ihr ist all dies begründet. Die knappe Verehrung Kullās gilt als Essenz der ganzen Welt. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 13. Kapitel namens „Verfahren der Kullā-Nityā“.
Paṭala 14: Kurukullā und Virodhinī
14.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte ein weiteres großes Geheimnis hören. Erkläre mir nun das Verfahren Kurukullās.
14.2 Was bedeutet der Name Kurukullā, wie ist ihr Verfahren, und wie ihr Mantra? Erkläre alles, Herr der Götter, wenn ich deine Geliebte bin.
14.3 Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, Göttin, ich werde das Geheimste der Geheimnisse erklären. Weil sie in der Familie der Vidyās verehrt wird, heißt sie Kullukā; noch über Kullukā hinaus
14.4 wird sie selbst von Kullā verehrt und heißt darum die hocherhabene Kurukullā. Ihr Mantra, große Herrin, gilt als vorzüglichster aller Mantras.
14.5 Nach Erschließung des Kālī-Lautes wird „Kurukulle“ gesprochen, danach Kālī, Māyā, „mama“ und „sarvajana“.
14.6 Es folgt „vaśamānaya“, danach Kālī und „Kurukulle“, Herrin der Götter; der Mantra endet mit Māyā und Svāhā.
14.7 Dieser siebenundzwanzigsilbige Mantra wird als göttlicher Wunschbaum gerühmt. Sein Herzmantra, Göttin, ist die neunsilbige Kurukullā.
14.8 Im Bereich der Śrīvidyā ist Kurukullā eine andere, große Herrin. Die als Glied Kālīs bezeichnete Vidyā und die Śrīvidyā-Kurukullikā werden unterschieden.
14.9 Diese eigenständige Mahāvidyā ist die vierte Kālī-Nityā. Ohne Herzmantra soll Kurukullā nicht vollendet werden, Göttin.
14.10 Sorgfältig soll Kurukullās Herzmantra erkannt werden, Pārvatī: Praṇava und Kūrca werden erschlossen, danach wird „Kurukulle“ gesprochen.
14.11 Mit „hrī/ svāhā“ endet der Mantra, Göttin, die Kumārī Kurukullā. Er wird als Herzmantra und als vorzüglichster aller Mantras erklärt. [Die Bīja-Schreibweise mit Schrägstrich folgt der unsicheren Vorlage.]
14.12 Kālabhairava ist sein Seher, Bṛhatī das Versmaß; die Gottheit ist die höchste Kurukullā, die aus sämtlichen Vidyās besteht.
14.13 „krī/“ ist das Bīja, „hrī/“ die Śakti, Svāhā das Kīlaka. Für Kurukullā-Kumārī wird Bhairava als Seher genannt.
14.14 Virāṭ wird als Versmaß, Kūrca als Bīja und Svāhā als Śakti bestimmt; die Anwendung erfolgt entsprechend dem Wunsch.
14.15 Kullakullā, Mitrakullā und Kurukullā am Herzglied werden genannt. Die folgende Formel enthält Kālī, Dhruva, „Kurukulle krī/ hrī/ mama sarvataḥ“.
14.16 Es folgen „janavaśaṃ“, „krī/“, „kuru“, „Kurukulle triviṣṭape“ und am Ende Svāhā. Als Seher wird Bhairava, als Versmaß Virāṭ genannt. [Die Mantraentfaltung in 15–16 ist im Wortlaut nicht vollständig eindeutig.]
14.17 „hrī/“ gilt als Bīja, Svāhā als Śakti und „krī/“ als Kīlaka. Die Anwendung gilt allen Zielen und wird andernorts wie zuvor beschrieben.
14.18 Die Anwendung erfolgt wie zuvor. Höre die Bildung der Glieder: Mit dem Kālī-Bīja und den sechs langen Vokalen werden der Reihe nach die sechs Glieder gebildet.
14.19 Danach wird die Mahāvidyā Kurukullā, Herrin des Kula, meditiert: auf einem Leichnam sitzend und mit einer Schädelgirlande geschmückt.
14.20 Sie trägt Schädelschale und Messer sowie Schwert und Schild, ist dunkel wie ein Berg Augenschminke, göttlich, mit gelöstem Haar und vier Armen.
14.21 Sie hat volle, erhobene Brüste, eine volle Brustpartie und breite Hüften. Sie ist darauf gerichtet, ihre Verehrer zu erfreuen, und gewährt den Sādhakas das Erwünschte.
14.22 Ihre Augen sind vom Trank bewegt; sie ist begehrenswert und bezaubert die Menschen. So wird die hocherhabene Göttin Kurukullā betrachtet.
14.23 Nach dieser Meditation werden hunderttausend Rezitationen genannt. Mit Bilva-Blättern oder Bilva-Blüten, verbunden mit den drei süßen Stoffen, erfolgt das Feueropfer, Geliebte.
14.24 Ein Zehntel davon erfolgt als Trankspende, ein weiteres Zehntel als Besprengen und davon ein Zehntel als Brahmanenspeisung. Dadurch soll der Mantra vollendet werden.
14.25 Sie wird auf Kālikās Kultsitz verehrt, der mit drei Dreiecken, einem Kreis, acht Blütenblättern und zwei äußeren Erdbezirken geschmückt ist.
14.26 Im Bindu wird Kālīs Bīja geschrieben; drei Gruppen von je drei Kräften werden verehrt: Kālī, Tārā, Chinnamastā, Bālāmbā, Bagalā und Ramā,
14.27 Ugragarbhā, Ugrabījā und als dritte Ugravīryā. Ihre Verehrung in den drei Dreiecken wird in dieser Reihenfolge gelehrt.
14.28 Die acht von Brahmā an und die acht Bhairavas werden in den beiden achtblättrigen Bereichen verehrt; danach die Welthüter bis hin zu ihren Waffen, höchste Herrin.
14.29 Auf einem Leichnam, auf der Verbrennungsstätte, im Hain, in der Wildnis oder an einem von Geisterwesen erfüllten Ort wird Kurukullā verehrt; dadurch sollen alle Vollendungen entstehen.
14.30 Was der Sādhaka im Herzen erbittet, soll er erlangen. Alle sollen verehrt werden, Göttin, auch Brahmanen und verheiratete Frauen.
14.31 Was wäre allein durch Ehrung der Brahmanen nicht erreichbar? Reisgaben werden mit Sieg, Weizengaben mit dem Zufluss von Reichtum verbunden.
14.32 Schwarze Bohnen werden mit dem Tod eines Feindes, Mungbohnen mit der Frucht der Befreiung verbunden. Ein Feueropfer mit Sesam und Reis soll große Zuneigung bewirken. [Die Vorlage liest bei den Mungbohnen „mudraiḥ“; die Deutung als „mudgaiḥ“ folgt dem Speisenkontext.]
14.33 Ein Feueropfer mit Rājī-Senf und Salz soll eine begehrte Frau heranziehen; Senf und Salz werden außerdem mit dem Brechen ihres Stolzes verbunden.
14.34 Ghee und Salz sollen ihr Herz erfreuen; Kurkuma soll Armut vernichten, so der Text.
14.35 Damit ist Kurukullās Bestimmung in Kürze erklärt, das Geheimste der Geheimnisse. Was möchtest du weiter hören?
14.36 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre Virodhinīs Verfahren, wenn ich deine Geliebte bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Nityā Virodhinī wird als verborgener als das Geheimnis gelehrt.
14.37 Sie heißt die fünfte Nityā; erfasse dies genau. Zuerst wird Praṇava erschlossen, dann Kālī-Praṇava.
14.38 Danach Māyā, Kāma und Kūrca, das Wort „Virodhini“, „śatrūn uccāṭaya“ und zweimal „virodhaya“.
14.39 Dann „śatrukṣayakari“, verbunden mit „hūṃ phaṭ svāhā“: Dies ist der vorzügliche zweiunddreißiglautige Mantrakönig.
14.40 So wird dieser große Mantra erklärt. Bhairava ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Virodhinī die Gottheit.
14.41 Kālīs Bīja ist ihr Bīja, Māyā wird als Śakti, Kāmas Bīja als Kīlaka erklärt. Die Anwendung erfolgt entsprechend dem Wunsch.
14.42 Mit dem Kālī-Bīja und den sechs langen Vokalen werden die beiden sechsgliedrigen Einsetzungen vollzogen. Sie wird dunkel wie ein Berg Augenschminke und in der Gestalt einer Sechzehnjährigen meditiert.
14.43 Ihre Gestalt wird mit ausgeprägter Brustpartie, Schlangen- und Knochengirlanden, vier Armen und drei Augen beschrieben; sie steht auf einem Leichenlotos.
14.44 In den vier Händen trägt die große Göttin der Reihe nach Dreizack, Schlangenschlinge, Glocke und Trommel.
14.45 Sie trägt ein rauchfarbenes Gewand, ihr Körper ist gelb, ihr Gesicht lächelt leicht. Sie spricht: „Fürchte dich nicht, Held. Nenne deinen Wunsch; alles werde ich dir geben.
14.46 Welche Aufgabe sich stellt, diese Aufgabe werde ich ausführen.“ So wird die Göttin als schön lächelnd und anziehend betrachtet.
14.47 Sie ist darauf gerichtet, Widerstreit zu bewirken und Feinde zu vernichten. Verehrt wird sie auf dem bei Kālikā genannten Kultsitz, geschmückt mit drei Dreiecken,
14.48 mit Kreis und acht Blütenblättern, einem äußeren Erdbezirk und vier Toren; in der Lotosmitte leuchtet das Śrī-Bīja.
14.49 Virodhinī wird in der Lotosmitte verehrt; in den drei Dreiecken der Reihe nach Dhūmrārcis, Uṣmā, Jvālinī, eine nochmals als Jvālinī bezeichnete Form und Visphuliṅginī,
14.50 Suśrī, Surūpā, Kapilā und Havyavahā; danach wird eine zehnte am Haupt Virodhinīs verehrt. [Die Vorlage wiederholt Jvālinī und nennt die zehnte hier nicht ausdrücklich.]
14.51 Auf den acht Blütenblättern stehen die acht Bhairavīs mit ihren Bhairavas; im äußeren Erdbezirk die Welthüter, außerhalb davon ihre Waffen.
14.52 Nach dem Schwenken des Lichtes werden hunderttausend Mantrarezitationen genannt und ein Feueropfer von einem Zehntel davon in Nimba-Feuer.
14.53 Eine Ariṣṭa-Gebetskette und ein großer Schädelsitz werden genannt; Ariṣṭa-Früchte werden zur Vernichtung von Feinden geopfert.
14.54 Vibhītaka wird mit der Beseitigung aller Feinde verbunden; ein Feueropfer mit Dhattūra-Blüten soll Feindschaft unter den Gegnern hervorrufen.
14.55 Krähen- und Eulenfleisch werden mit dem sofortigen Tod eines Feindes verbunden; ferner werden Rājavṛkṣa-Blüten im Feuer desselben Holzes geopfert. [Dies sind historische Schadenszauberbehauptungen des Textes.]
14.56 Virodhinī soll dadurch vollendet werden, verbunden mit Dhūmāvatī und den weiteren. Mit Arka und den übrigen verbunden, soll sie Feindschaft bei Gegnern bewirken.
14.57 Nach Nordwesten gewandt wird das Trinken lauwarmen Wassers aus scharfem Jīraka beschrieben; dem Feind wird dadurch Fieber zugeschrieben.
14.58 Zur Aufhebung fremden Schadenszaubers und zum eigenen Schutz nennt der Text die vorschriftsgemäße Handlung an einem abgeschiedenen Ort, im Haus der Mutter beziehungsweise der Muttergöttin, an einer Totenstätte oder in einem Śiva-Heiligtum.
14.59 Dort werden zehntausend Rezitationen der Virodhinī-Vidyā nach der beschriebenen Ordnung und ein Feueropfer mit Vibhītaka-Holz zur Abwehr von Feinden genannt.
14.60 Nabeltief im Wasser werden Trankspenden mit pfefferhaltigem Wasser beschrieben; ihnen wird die Erzeugung von Feindschaft in den drei Welten zugeschrieben.
14.61 Für Heranziehungsmagie werden Erde aus einem Ameisenhügel und Erde von der Verbrennungsstätte zusammen mit Weizen, Asafoetida und Jīraka genannt.
14.62 Daraus wird eine Figur der Zielperson hergestellt, höchste Herrin. Nach der Einsetzung der Lebenskraft wird eine Schnur an der Nase angebracht.
14.63 Virodhinī wird rezitiert und mit Karavīra verehrt. Die mit Milch hergestellte Figur wird an Khadira-Feuer erwärmt.
14.64 Wer dieses Verfahren vierzehn Tage ausführt, wird im Text als zu jeder Heranziehung fähig gerühmt.
14.65 Auch eine von Selbstbewusstsein und Stolz erfüllte Frau soll dadurch herangezogen werden. Der Text verlangt, zunächst zu prüfen, ob die Heranziehung gelingen werde oder nicht.
14.66 Am Hals der Zielperson wird eine Schlinge, an ihrem Kopf ein flammender Haken vergegenwärtigt. Solcher Betrachtung schreibt der Text Macht über die drei Welten zu. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 14. Kapitel namens „Verfahren Virodhinīs“.
Paṭala 15: Vipracittā, Ugrā und Ugraprabhā
15.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte Vipracittās Verfahren hören. Erkläre es, großer Gott, wenn ich deine Geliebte bin.
15.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Auch dieses Geheimnis wird aus Liebe zu dir erklärt, Herrin der Götter. Vipracittā erhob sich einst zur Tötung der überaus Bösartigen.
15.3 Sie ist als Vipracittā bekannt, Vernichterin der Vaipracittas. Sie ist die sechste Nityā und Mahāvidyā; höre ihren Mantra, Pārvatī.
15.4 Praṇava, Kamalā und Kāma werden gesprochen, danach „Cāmuṇḍe Vipracitte Duṣṭaghātini“.
15.5 Dann „śatrūn nāśaya“, „etaddināvadhi“, Geliebte, und „siddhiṃ me dehi“; der Mantra endet mit „hu/ phaṭ svāhā“. [Die Bīja-Zeichenfolge mit Schrägstrich folgt der Vorlage.]
15.6 Der große Vipracittā-Mantra enthält vierunddreißig Laute. Īśvara ist sein Seher, Göttin, Jagatī das Versmaß.
15.7 Vipracittā ist die Gottheit, Cāmuṇḍā wird als Bīja, Kamalā als Śakti und Kāmas Bīja als Kīlaka genannt.
15.8 Mit Kāma und den sechs langen Vokalen wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen. Sie wird auf einem Löwen reitend und inmitten eines Käfigs aus Leichnamen betrachtet.
15.9 Sie ist vierarmig, dreiäugig, mit vollen, erhobenen Brüsten, unbekleidet, mit gelöstem Haar und heraushängender Zunge, furchterregend.
15.10 Sie hat schreckliche Fangzähne, einen weit geöffneten Mund, aus dessen Winkeln Blut fließt; in den Händen trägt sie Schwert, Kopf, Schädelschale und Dreizack, und ihr Bauch ist groß.
15.11 Dunkel wie eine blaue Wasserlilie, begünstigt sie ihre Verehrer, ist auf die Vernichtung der Daityas gerichtet und schenkt den Sādhakas Furchtlosigkeit.
15.12 So wird Vipracittā, Śivas Geliebte, vergegenwärtigt, Herrin der Götter. Hunderttausend Mantrarezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Kumuda-Blüten werden genannt.
15.13 Darauf folgt ein Zehntel als Trankspende mit Wasser aus acht Duftstoffen, davon ein Zehntel als Besprengen und wiederum ein Zehntel als Begießen.
15.14 Ein weiteres Zehntel wird als Brahmanenspeisung zur vollkommenen Verwirklichung Vipracittās genannt. Ihr Yantra besteht aus Dreieck, Kreis, Sechseck, Kreis und acht Blütenblättern,
15.15 weiterem Kreis und äußerem Erdbezirk, geschmückt mit Bindu und Bīja. Im Bindu wird Vipracittā, im Dreieck die dreifache Guṇa-Kraft verehrt.
15.16 Im Sechseck die sechs Glieder, auf den Blütenblättern Mütter und Bhairavas, im äußeren Erdbezirk die Welthüter und außerhalb davon ihre Waffen.
15.17 Nach dem Schwenken des Lichtes wird der Japa der Göttin dargebracht. Nur wer die Puraścaraṇa vollzogen hat, gilt als zur Anwendung berechtigt.
15.18 Zur Befriedung werden vollständige Opfermaterialien genannt, Göttin; Mālatī-Blüten bei Unterwerfungsmagie, Ketakī bei der Erlangung sprachlicher Fülle.
15.19 Karavīra wird mit Unterwerfung, Kiṃśuka mit Stillstellung, Oḍra-Blüten mit Bezauberung und Dhattūra mit Tötungsmagie verbunden.
15.20 Bṛhatī wird mit Vertreibung des Feindes, Girikarṇī mit Reichtum, Kāśa-Blüten wiederum mit Vertreibung und Karṇikāra-Blüten mit dem Erzeugen von Feindschaft verbunden.
15.21 Nīvāra-Reis wird zur Erlangung von Getreide geopfert; Kalāya-Blüten sollen sämtliche Güter bringen.
15.22 Kusumbha-Blüten werden mit dem Erlangen einer begehrten Frau verbunden, Göttin; Madhu-Blüten mit der Erfüllung gewünschter Ziele.
15.23 Dhātakī soll zum Herrn von Geld und Getreide machen. Was bei einer Krankheit als Heilmittel gilt, dem schreibt der Text auch als Opferstoff die Beseitigung dieser Krankheit zu.
15.24 Damit ist Vipracittās Bestimmung in Kürze erklärt. Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Ugrā-Nityā hören.
15.25 Der ehrwürdige Śiva sprach: Es ist das Geheimste der Geheimnisse; dennoch wird es erklärt, höre. Praṇava, Vadhū-Bīja, „hū/“, danach Bhuvanā,
15.26 wieder das Vorige, danach „hū/ phaṭ“: Dies ist Ugrās siebensilbiger Mantra. Bhairava wird als Seher genannt, Bṛhatī als Versmaß.
15.27 Ugrā, die siebte Nityā, wird als Gottheit erklärt. Kūrca ist das Bīja, Phaṭ die Śakti und Vadhū das Kīlaka.
15.28 Die Anwendung gilt der Erfüllung aller Wünsche. Die sechs Glieder werden mit dem Māyā genannten Bīja und den sechs langen Vokalen gebildet.
15.29 Danach wird die höchste Ugrā meditiert: im Pratyālīḍha-Stand, vierarmig, dreiäugig und mit einer Schädelgirlande geschmückt.
15.30 Sie ist unbekleidet, hat einen weit geöffneten Mund und schreckliche Fangzähne, ist furchterregend, spielt auf einem Leichnam und wohnt auf der Verbrennungsstätte.
15.31 Sie ist dunkel, mit gelöstem Haar, trägt Schwert und blaue Wasserlilie sowie Schädelschale und Messer und ist dem Gewähren von Gaben zugewandt.
15.32 So wird die Mahāvidyā Ugrā meditiert; zweihunderttausend Rezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel mit in Ghee getauchten Lotosblüten werden genannt.
15.33 Davon ein Zehntel als Trankspende, ein weiteres als Besprengen und davon ein Zehntel als Brahmanenspeisung: Dadurch soll Ugrā gewiss Vollendung verleihen.
15.34 Auf einem Berg, in einer furchtbaren Einöde, im Hain, am Flussufer, bei einem einzelnen Liṅga oder auf der Verbrennungsstätte wird die Puraścaraṇa vollzogen.
15.35 Nun wird ihr Verehrungs-Yantra erklärt; höre genau: ein Dreieck, Kreis, acht Blütenblätter, weiterer Kreis und äußerer Erdbezirk.
15.36 Es ist mit acht Dreizacken oder mit Vajras geschmückt. In die Mitte des Dreiecks wird das vorzügliche Kūrca-Bīja geschrieben.
15.37 Tārā, Nīlā und Ekajaṭā werden im Dreieck verehrt; auf den acht Blütenblättern, Göttin, die acht Formen von Ugrā und Ghorā an.
15.38 Nach Verehrung der acht Vairocanas werden die mit Padmāntaka endenden Formen verehrt, danach die Welthüter und ihre Waffen nach Vorschrift.
15.39 Nach dem Schwenken des Lichtes wird der Japa der Göttin dargebracht. Auf einem Leichensitz oder „…“ befindlich wird fortwährend rezitiert. [Der alternative Ort ist ausgelassen.]
15.40 Der Ausübende trägt täglich ein Sindūra-Stirnzeichen, ist von Saṃvid bewegt, mit gelöstem Haar und unbekleidet, den Verehrern ergeben und Herr seiner Sinne. [Saṃvid ist hier möglicherweise ein ritueller Name für Cannabis.]
15.41 Eine „Ranke vom Baum Mahācīnas“ wird bereitgestellt, höchste Herrin; ihr Dreieck wird betrachtet und der Geist bleibt stets darauf gerichtet. [Die Umschreibung ist nicht vollständig aufgelöst.]
15.42 Hunderttausend Mantrarezitationen sollen Ugrā gewiss verwirklichen. Alles andere wird wie bei Tārā gelehrt, Herrin der Welt.
15.43 Nyāsa, Verehrung, Meditation und Puraścaraṇa sind wie bei Mahogratārā zu verstehen. Was möchtest du noch hören?
15.44 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Ugraprabhā genannte Nityā hören, die achte, heilbringende, vorzügliche Nityā, die beständige Freude schenkt.
15.45 Der ehrwürdige Śiva sprach: Zuerst wird Praṇava erschlossen, danach das Śiva-Bīja, auf dem Feuerlaut stehend, mit Nāda, Bindu und dem sechsten Vokal geschmückt.
15.46 Die beiden Bījas werden ausgesprochen, danach „Ugraprabhe“, „Devi Kāli Mahādevi svarūpaṃ darśaya“.
15.47 Mit „hūṃ phaṭ svāhā“ verbunden wird Ugraprabhās Mantra erklärt, ausgestattet mit fünfundzwanzig Tattvas. [Tattva dient hier offenbar zugleich als Silbenzahl.]
15.48 Mahākāla wird als Seher, Triṣṭubh als Versmaß genannt; Ugraprabhā-Mahākālī ist die Gottheit.
15.49 „hū/“ ist das Bīja, Oṃ die Śakti und Phaṭ das Kīlaka. Die Anwendung gilt der Schau Kālikās und weiteren Zielen.
15.50 Mit Ugraprabhās Bīja und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet. Die göttliche Ugraprabhā wird im Glanz einer göttlichen blauen Wasserlilie meditiert.
15.51 Sie ist vierarmig, dreiäugig, auf einem Leichenlotos stehend, unbekleidet, mit gelöstem Haar und vollen, erhobenen Brüsten.
15.52 Ihr Lotosgesicht ist freundlich; sie verzehrt Fleisch von Leichnamen. Ihr Gürtel besteht aus den Händen von Toten, und ihr Gesicht lächelt.
15.53 Links trägt sie Schwert und Kopf, rechts Schädelschale und Messer. Sie erzeugt höchste Freude und überlistet die Zeit beziehungsweise den Tod.
15.54 Nach dieser Meditation über die Mahāvidyā werden zweihunderttausend Rezitationen genannt, Śivā. Sie wird auf dem bei Kālikā beschriebenen Kultsitz verehrt, der von zwei Dreiecken erstrahlt,
15.55 geschmückt mit Kreis und acht Blütenblättern sowie zwei äußeren Erdbezirken. Ugraprabhā steht in der Bindu-Mitte; Kālī, Tārā und Rocanī
15.56 werden im ersten Dreieck verehrt; im zweiten die Tāriṇī-Schar: Tārā, Ekajaṭā und Nīlā.
15.57 Auf den acht Blütenblättern die acht Mütter, an den Blattspitzen die acht Bhairavas, im äußeren Erdbezirk die Welthüter und außerhalb davon ihre Waffen.
15.58 Die Lehrer sollen alle jeweils dreimal verehren. Nach solcher Verehrung Ugraprabhās werden zweihunderttausend Rezitationen vollzogen.
15.59 Ein Zehntel davon erfolgt als Feueropfer mit in Maireya getauchten Vajra-Blüten. Ein weiteres Zehntel wird als Trankspende mit Milch oder Madhu dargebracht,
15.60 auch mit Sauermilch, Zuckerrohrsaft oder Wasser des Kultsitzes; davon ein Zehntel als Besprengen und ein weiteres als Brahmanenspeisung.
15.61 Danach wird eine Kumārī verehrt und auch eine Śakti. Ugraprabhās Gestalt wird auf einem Banner angebracht und getragen.
15.62 Dadurch soll man im Kampf Götter und Dämonen besiegen und Sieger über die drei Welten werden. Über Trommel, Schild und Schwert wird die glückverheißende Ugraprabhā rezitiert.
15.63 Dadurch soll man alle Vollendungen erlangen und Kālīs Gestalt annehmen. Beim Anblick des Kreises selbstbewusster Frauen wird Ugraprabhās Mantra rezitiert.
15.64 Kālikā soll dadurch Vollendung schenken, ohne Zweifel. Nach dem Schreiben von „…“ wird die höchste Ugraprabhā rezitiert. [Die Vorlage lässt den Gegenstand aus.]
15.65 Was könnte der Sādhaka nicht vollenden, wenn er sie dort vergegenwärtigt, Herrin der Götter? Nach dem Genuss von Fleisch wird die Ugraprabhā genannte Kālī rezitiert, Śivā.
15.66 Durch einen Monat dieser Anwendung soll Kālikā zur Gaben Gewährenden werden. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 15. Kapitel namens „Verfahren der Ugraprabhā-Nityā“.
Paṭala 16: Dīptā, Nīlā und die Yakṣa-Scharen
16.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Erkläre mir das Verfahren der Dīptā-Nityā.
16.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Die hocherhabene Dīptā-Nityā ist in den früheren Tantras verborgen. Sie ist die neunte Nityā, Essenz der Essenzen, hocherhaben.
16.3 Ihren Mantra will ich erklären; erfasse ihn genau: Praṇava, Kālikās Bīja und Kaulinīs Bīja,
16.4 dann Kūrca-Bīja, danach „Dīptāyai“; auf „sarvamantraphala“ folgt das Wort „dāyai“.
16.5 Der höchste, auf „huṃ phaṭ svāhā“ endende Mantra wird als neunzehnsilbig bezeichnet. Ohne Zählung der halben Laute wird eine „vīti“-Zahl genannt. [Die zweite Zahlbezeichnung ist textlich unklar.]
16.6 Mahādeva ist sein Seher, Uṣṇih das Versmaß; die Dīptā genannte neunte Nityā wird als Gottheit erklärt.
16.7 Kālīs Bīja ist ihr Bīja, Kaulinī ihre Śakti; Svāhā gilt als Kīlaka, die Anwendung erfolgt für Kālī.
16.8 Mit Kālīs Bīja und den sechs langen Vokalen wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen. Dīptā wird wie ein großer blauer Edelstein und mit großem Bauch meditiert.
16.9 Sie hat vier Arme und drei Augen, trägt eine Schädelgirlande, ist unbekleidet, mit gelöstem Haar, schrecklichen Fangzähnen und furchtbarem Mund.
16.10 Sie sitzt auf einem Leichenlotos, hat volle, erhobene Brüste und ist mit Oberarmreifen aus Totenknochen und Muschelarmreifen geschmückt.
16.11 Sie leckt an einem Leichnam, lacht und ist von Rausch bewegt. Sie ist die Nityā, die ihren Verehrern Gaben gewährt und Kālikā aufleuchten lässt.
16.12 Mit einem Yogaband aus Menschendärmen geschmückt, geht sie den Yogaweg. Links trägt sie Schwert und Kopf, rechts zeigt sie Furchtlosigkeit und Gabengewährung.
16.13 Sie hat große Zähne, ist überaus zornvoll und wohnt auf der Verbrennungsstätte. Nach solcher Betrachtung Mutter Dīptās werden hunderttausend Rezitationen genannt, Śivā.
16.14 Ein Zehntel davon erfolgt als Feueropfer mit Karavīra. Ein Feueropfer mit Bananen wird zur Verwirklichung aller Strahlkraft genannt.
16.15 Ein weiteres Zehntel wird als Feueropfer mit Wasser des Kultsitzes beschrieben; davon ein Zehntel als Besprengen mit Wasser aus acht Duftstoffen. [Die Vorlage liest hier ausdrücklich „havana“, nicht „tarpaṇa“.]
16.16 Ein weiteres Zehntel erfolgt als Brahmanenspeisung; auch eine Kumārī wird gespeist. Erst der so im Mantra Vollendete gilt als zur Anwendung berechtigt.
16.17 Nach dem Aufstehen zur Brahma-Stunde und der Erinnerung an den Guru wird dieser im Sahasrāra nach der zuvor beschriebenen Meditation betrachtet.
16.18 Vom Mūlādhāra bis zur eigenen Zunge wird die höchste Wurzelvidyā erinnert: Sarasvatī als Lampe, in der Gestalt des Wurzel-Bīja.
16.19 Nach dem gesamten Mātṛkā-Alphabet wird die Wurzelvidyā gesprochen; erneut die Mātṛkā und erneut die Vidyā.
16.20 Wasser wird in dieser Reihenfolge dreimal mit Mantras besprochen, Schöne. Danach wird die Wurzelvidyā auf der Zunge als Lampe betrachtet,
16.21 als Lichtgestalt mit ihren Waffen, und das Wasser getrunken, Śivā. Dieser Verbindung schreibt der Text Wissen um die drei Zeiten zu.
16.22 Ohne Nyāsas, Meditationen oder Schriftrezitationen, Śivā, soll vierfache Gelehrsamkeit in seiner Hand liegen.
16.23 Jātī-Blüten werden mit verfügbarer Dichtergabe verbunden, Kunda-Blüten mit Beherrschung aller Lehrschriften, Herrin der Götter.
16.24 Ein Feueropfer mit Dūrvā gilt als befriedend, mit Guḍūcī als den Tod abwehrend; Surā wird mit Bezauberung, Jambā mit Stillstellung verbunden.
16.25 Mango wird mit Unterwerfungsvollendung, Lotos mit großem Aufstieg verbunden; Dung mit Vertreibung und Karkaṭī-Früchte mit dem Erzeugen von Feindschaft.
16.26 Blaue Blüten werden mit Tötungsmagie, Pfeffer mit Heranziehung verbunden. All diese und weitere Handlungen werden dem im Mantra Vollendeten zugewiesen.
16.27 Augensalbe, Zauberpille, Schwert, Metallverwandlung, Verjüngungsmittel, Opferbrei, Stirnzeichen, Gewand, Trommel und Schädelschale:
16.28 Die Vollendung solcher und weiterer Mittel soll durch Dīptās Mantra entstehen. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
16.29 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Verfahren der Nīlā-Vidyā hören. Nīlā hat eine blaue Gestalt und ist Mahānīlasarasvatī.
16.30 Erkläre ihr Verfahren, wenn ich deine Geliebte bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre die Mantraentfaltung, Weise, durch die Vollendung erlangt werden soll.
16.31 Zweimal Kūrca, große Göttin, zweimal Kālīs Bīja und zweimal Māyā werden erschlossen; danach die Lautgestalt „hasabalam arī“. [Die genaue Gliederung der verschlüsselten Folge ist unsicher.]
16.32 Dann „Nīlapatāke“, endend mit „huṃ phaṭ“, große Herrin: Diese höchste Nīlā-Nīlapatākā soll alle Vollendungen bewirken.
16.33 Ugracaṇḍā, Lalajjihvā und Siddhikarālikā werden genannt; fünffach wird Nīlā, die große Nīlapatākikā, erklärt.
16.34 Bhairava wird als Seher, Bṛhatī als Versmaß genannt; die Gottheit ist die zehnte Nityā, Mahānīlapatākikā.
16.35 Die Gestalt des Kūrca-Bīja wird als Śakti bezeichnet, „hūṃ phaṭ“ als Kīlaka, Gütige; die Anwendung erfolgt für Kālī.
16.36 Mit Kālīs Bīja und den sechs langen Vokalen wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen. Danach wird Mahānīlā im Glanz eines dunklen Augenschminkbergs meditiert.
16.37 Sie hat vier Arme und drei Augen, trägt eine Schädelgirlande, sitzt auf einem Leichnam, und ihre Augen sind vom Wein bewegt.
16.38 Ihre Augen gleichen denen eines jungen Rehs, ihr Lotosgesicht ist freundlich. Sie trägt einen Gürtel aus Händen und Leichname als Ohrschmuck.
16.39 Mit heraushängender Zunge, furchtbarem Mund und schrecklichen Fangzähnen ist sie furchterregend; für schlecht Handelnde stets dunkel und grausam, für verdienstvoll Handelnde segensreich.
16.40 Sie ist darauf gerichtet, die Bösen zu vernichten, und gewährt dem Sādhaka Gaben. Schakale und Geierscharen erfüllen die vier Richtungen mit Lauten.
16.41 So ist ihre ursprüngliche Gestalt, im Glanz eines Waldes blauer Wasserlilien. Dreihunderttausend Rezitationen werden genannt, bei Opferspeise als Nahrung und beherrschten Sinnen.
16.42 Nach der Kulācāra-Ordnung und dem beschriebenen Verfahren werden Karavīra, Hibiskus, Bilva, Jasmin und weitere mit Ghee verbundene Gaben
16.43 in einer dreieckigen Feuergrube auf gut vorbereitetem Boden geopfert. Ein Zehntel erfolgt als Trankspende mit Milch oder Surā.
16.44 Mit rotem Wasser wird besprengt; danach werden Brahmanen gespeist sowie eine verheiratete Frau, eine Kumārī und eine Śakti, die glückverheißende Dreiheit.
16.45 Der durch Puraścaraṇa vollendete Mantra soll alle Ziele gewähren. Wie Könige Vermögen benötigen, so Mantrakundige die Puraścaraṇa.
16.46 Wer Puraścaraṇa vollzogen hat, gilt als zur Anwendung berechtigt, sonst nicht. Ihr Yantra will ich erklären, durch das man Herr der Vollendungen werden soll.
16.47 In die Bindu-Mitte wird Kūrca geschrieben, darum ein Dreieck, dann Kreis, Sechseck, Kreis, acht Blütenblätter, weiterer Kreis und äußerer Erdbezirk.
16.48 Mit vier Toren geschmückt ist das glückverheißende Yantra des Nīlā-Mantras. An den vier Toren befinden sich Baṭuka und die übrigen, ringsum die Torgottheiten.
16.49 Außerhalb davon ihre Waffen; auf den acht Blütenblättern die Bhairavas, Geliebte, an den Staubfäden die acht Mütter und im Kreis der Reihe nach die acht Vollendungen.
16.50 Im Sechseck die sechs Glieder; im Dreieck die drei Gottheiten Kālarātri, Mahārātri und Moharātri in dieser Reihenfolge.
16.51 Nach Verehrung Nīlās in der Mitte wird Speise dargebracht, danach Licht geschwenkt; es folgen Lobpreis, Verneigung und Entlassung.
16.52 Nach sorgfältiger Verwirklichung Nīlās folgt die Schar der sechsunddreißig Yakṣiṇīs. Die Formel enthält Kālī, Kūrca, Vadhū, Māyā und „Amukī Yakṣiṇi“, wobei Amukī für den jeweiligen Namen steht.
16.53 Am Ende stehen wieder diese Bījas, verbunden mit „hūṃ phaṭ svāhā“. So werden die sechsunddreißig Yakṣiṇīs der Reihe nach erschlossen, Geliebte.
16.54 Ebenso die mächtigen Yakṣas, umschlossen von „hūṃ krīṃ hūṃ prīṃ“. Alle Yakṣa-Formeln enden mit „huṃ phaṭ“; vierundachtzig werden genannt.
16.55 Nach Erlangung der Yakṣiṇī-Vollendung soll der Sādhaka Glück erfahren. In dieser Welt sei er ein König, auch ohne Königreich, Pārvatī.
16.56 Wer aus einem wenig Wissenden einen Gelehrten, aus einem Toren einen Kundigen macht und außerdem Königreiche, Juwelen und Reichtum
16.57 dem Begünstigten gibt, der ist ein Yakṣa, ohne Zweifel. Göttliche und menschliche Herkunft werden als zwei Arten erklärt.
16.58 Durch Annahme der jeweiligen Gestalt erlangt man die entsprechende Vollendung. Die ehrwürdige Göttin sprach: Was ist die Frucht der Yakṣiṇī-Vollendung und was die der Yakṣa-Vollendung?
16.59 Sage es mir, grenzenlos Barmherziger, Höchster über dem Höchsten; Verehrung dir! Der ehrwürdige Śiva sprach: Goldmünzen, Zauberpillen, Schwert, Vetāla, Zaubersandalen und Augensalbe,
16.60 Quecksilber beziehungsweise Essenz, Verjüngungsmittel, Schutz, Stirnzeichen, Unsichtbarkeit, Schädelschale, Tuch, Muschel, Dreizack und Trommel,
16.61 Heranziehung, Unterwerfung, Bezauberung und Vertreibung, große Zauberkunst und das Hervorbringen der Zaubernetze Indras und der übrigen,
16.62 aufwärts gerichtetes Austreten und weitere Handlungen sowie Vollendungen wie Himmelswandeln. Geheim zu halten, geheim zu halten! Was möchtest du noch hören?
16.63 So ist die Nīlā genannte Nityā erklärt, die in der Śrīvidyā und den weiteren Überlieferungen Patākikā heißt; ferner wird die Auflösung der verschlüsselten Zeichen von Yantra- und Mantra-Entfaltungen genannt. [Der Satzanschluss ist unsicher.]
16.64 Was im Lopāmudrā-Verfahren und in Kādi gesagt wurde, soll im jeweiligen Verfahren gelten. Bei Lopāmudrā, Kādi, Hādi und Kāmarāja bestehen jene beiden Formen.
16.65 Bei Kālī entspricht dies Kādi-Kālī und Hādi-Kalpadruma. In Kādi ist das Maṇḍala der Yakṣiṇīs und Yakṣas erklärt, Göttin. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 16. Kapitel namens „Verfahren der Dīptā-Nityā“.
Paṭala 17: Ghanā, Balākā, Mātrā und Mudrā
17.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die geordnete Verehrung der Ghanā-Nityā hören: aufsteigende Wolke, wolkenförmig, Nityā Ghanā, dichtes Aufgehen,
17.2 Wolkenwohnung, die Tönende, in Gestalt des Aufgangs der Stunden. Erkläre stets ihre Mantraverehrung, du Schatz des Erbarmens.
17.3 Der ehrwürdige Śiva sprach: Zuerst werden Praṇava und die drei Kālī-Silben erschlossen, danach „Ghanālaye Ghanāghane hrīṃ hūṃ phaṭ“.
17.4 Dieser Mantra Ghanās hat die durch „Welten“ bezeichnete Silbenzahl und gilt als göttlicher Wunschbaum. Aghorabhairava ist der Seher, Virāṭ das Versmaß.
17.5 Kālī ist das Bīja, Māyā die Śakti, „huṃ phaṭ“ das Kīlaka. Die Anwendung dient Kālikās Erfreuung, Göttin.
17.6 Mit dem Karpūra-Bīja und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet. Die Mahāvidyā Ghanā-Nityā gleicht einer dunklen Regenwolke.
17.7 Ihre Augen gleichen denen eines berauschten Kuckucks, ihr Glanz einer reifen Jambū-Frucht; ihre langen, gelösten Haarmassen reichen bis zu den Füßen.
17.8 Sie ist vierarmig, dreiäugig, erfreut sich der Unbekleidetheit, hat einen furchtbaren Mund, schreckliche Fangzähne und volle, erhobene Brüste.
17.9 Ihr Gesicht ist von Blutströmen belebt, die an den Lippenrändern herabfließen. Ihre schreckliche Gestalt trägt einen Gürtel aus Händen von Helden.
17.10 Der Reihe nach trägt sie Schwert, Schild, Paṭṭīśa-Speer und Keule. Als Mahāvīraghanālayā soll sie von den Vīras beständig meditiert werden.
17.11 Hunderttausend Mantrarezitationen und ein Feueropfer mit in Ghee getauchten Lotosblüten werden genannt. Ein Zehntel erfolgt als Trankspende mit Duftmilch und weiteren Stoffen, Geliebte.
17.12 Ein weiteres Zehntel als Besprengen mit kühlem Wasser und davon ein Zehntel als Speisung von Brahmanen.
17.13 Mit diesen Handlungen verbunden soll Mantravollendung entstehen. Nun werde ich Ghanās Yantra und die Art seiner Verehrung erklären.
17.14 Ein Sechseck, ein Kreis und acht Blütenblätter sind von einem äußeren Erdbezirk umgeben. Im Sechseck stehen die sechs Glieder und die Gottheit in sechsfacher Form.
17.15 Auf den acht Blütenblättern die acht Mütter; danach folgt die Verehrung der Bhairavas. In den äußeren Erdbezirken die Welthüter, außerhalb davon ihre Waffen.
17.16 Nach Rezitation gemäß den eigenen Kräften wird vor der Gottheit das Licht geschwenkt. Danach folgen Lobpreis, Verneigung und Entlassung, Herrin der Götter.
17.17 So ist Ghanā-Nityā, Ghanālayā, in Kürze erklärt, erfüllt von den acht Vollendungen. Was möchtest du noch hören?
17.18 Der ehrwürdige Śiva sprach: Herrin der Götter, höre, ich werde Balākās Verehrungsordnung erklären. Balākā ist die zwölfte Nityā, die alle Nityās unter ihre Macht bringt.
17.19 Durch ihre Erkenntnis gelangen sämtliche Vidyās an ihre jeweiligen Orte und in ihre Ränge. Ihr Mantra wird erklärt, große Herrin; höre nun.
17.20 Praṇava, Kālikās Bīja, Kūrca und Māyā werden erschlossen. Nach „Balākā Kāli“ folgt „atyadbhutaparākrame“.
17.21 „Abhīṣṭasiddhiṃ me dehi huṃ phaṭ svāhā“ ist der weitere Mantra. Kālikā ist ihr Bīja, Kūrca wird als Śakti erklärt.
17.22 Māyā gilt als Kīlaka; mit diesem werden die sechs Glieder gebildet. Nach dem sechsgliedrigen Nyāsa wird meditiert, große Herrin.
17.23 Sie gleicht einer unermesslichen Masse Augenschminke, strahlt wie zehn Millionen Weltbrandfeuer, hat vier Arme und drei Augen und wohnt in einer Festung aus Schädeln.
17.24 Sie ist unbekleidet, hat einen furchtbaren Mund und volle, erhobene Brüste; sie trägt einen Gürtel aus Händen von Leichnamen und sitzt auf einem Leichnam.
17.25 Ihr Haar ist gelöst, sie ist vom Rausch bewegt, ihr Lotosgesicht freundlich. Sie strahlt wie zehn Millionen Sonnen und trägt eine Schädelgirlande.
17.26 Links trägt sie Schwert und Kopf, rechts Schädelschale und Drohgeste: Mahākālī in Balākās Gestalt.
17.27 Die Göttin wohnt auf der Verbrennungsstätte, begleitet von Bhūtas und Pretas, umringt von schrecklichen Schakalinnen und von furchtbarem Ruf.
17.28 „Fürchte dich nicht, Held. Nenne deinen Wunsch; was in deinem Herzen liegt, werde ich erfüllen.“ Nach solcher Meditation werden hunderttausend Rezitationen genannt, durch die der Mantra gewiss vollendet werde.
17.29 Ein Zehntel erfolgt als Feueropfer mit in Ghee getauchten Bilva-Blättern; ein weiteres Zehntel als Trankspende und davon ein Zehntel als Besprengen.
17.30 Ein weiteres Zehntel wird als Brahmanenspeisung erklärt. Allein durch Ehrung der Brahmanen sollen sämtliche Glieder vollständig werden.
17.31 Welches Glied auch fehlt, es werde durch Speisung der Zweimalgeborenen ergänzt. Alles Übrige erfolgt wie bei Kālikā, große Herrin.
17.32 So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören.
17.33 Erkläre mir nun das Verfahren der Mātrā-Nityā. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Mātrā genannte Nityā gilt als vorzüglichste aller Nityās.
17.34 Ihren Mantra, große Herrin, erfasse genau: Praṇava, Kālikās Bīja, Māyā, Kūrca und die Mātṛkā.
17.35 Ein Mātṛkā-Laut mit Bindu, danach wieder die vier Bījas; erneut ein Mātṛkā-Laut, danach wieder dieselben vier Bījas.
17.36 So wird bis kṣa fortgefahren, große Herrin; dies heißt Mahāmātrā. Danach die vier Bījas und „Mahāmātre siddhiṃ me dehi satvaram“.
17.37 Mit „hū/ phaṭ svāhā“ gilt dies als höchster Mātrā-Mantra, Herrin der Götter. Praṇava, Kālikās Bīja, Kūrca und Māyā, Śivā,
17.38 und in der Mitte allein der Name der Nityā in der Anredeform: So entstehen verschiedene Gestalten der Nityā-Mantras, Pārvatī.
17.39 Wieder folgen die Bījas und „hūṃ phaṭ“, mit Svāhā am Ende. Durch Verbindung am Anfang, durch Umschließung oder durch Anwendung mit „huṃ phaṭ“ am Ende
17.40 entstehen neunzig Mantraunterschiede der Nityās. Bhairava wird als Seher genannt, Uṣṇih als Versmaß.
17.41 Die als Mātrādevī bekannte Göttin ist die Gottheit. Krīṃ wird als Bīja, Hūṃ als Śakti und Hrīṃ als Kīlaka angegeben.
17.42 Die Anwendung gilt dem großen erwünschten Ziel und Kālikā. Mit Māyā und den sechs langen Vokalen wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen.
17.43 Danach wird die Mahāvidyā im Glanz eines dunklen Augenschminkbergs meditiert, vierarmig, dreiäugig und auf einem Lotos aus Schädeln stehend.
17.44 Die Höchste trägt Schädelschale und Messer sowie Schwert und Kopf. Mit großen Zähnen, äußerst zornvoll und durch ihren heftigen Ruf überaus furchterregend,
17.45 steht die glückverheißende Göttin auf der Brust eines Leichnams und leckt an ihm. So ist Mutter Mātrā, mit gewaltigem, schrecklichem Ruf.
17.46 Nach solcher Vergegenwärtigung werden hunderttausend Rezitationen genannt, Herrin der Götter, und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Bilva oder Bananenfrüchten.
17.47 Auch Weintrauben oder Milchreis werden für das Feueropfer von einem Zehntel genannt. Trankspende, Besprengen und Brahmanenspeisung sollen sorgfältig erfolgen.
17.48 Welches Glied ausfällt, dessen Zahl wird durch doppelte Rezitation ersetzt. Japa, Verehrung und Anwendung erfolgen wie bei Kālī und bei der Buchstabenmutter.
17.49 So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören.
17.50 Der ehrwürdige Śiva sprach: Auch dieses Geheimnis wird dir erklärt, Göttin; höre nun das Verfahren der Mudrā-Nityā, vorzüglichste Essenz von allem.
17.51 Die Nityā heißt Mudraṇī, in der Śrīvidyā Mudriṇī; als Mudriṇī und Daṇḍinī trägt die Göttin eine Gestalt der Schönheit.
17.52 Sie versiegelt den Geist der Mahāvidyās und der übrigen. Darum heißt sie Mudrā-Nityā, höchste Mutter aller Vollendungen.
17.53 Praṇava, Kālikās Bīja, Māyā und Kūrca folgen der Reihe nach; dann die beiden Bījas „prī/ phre/“ und das Wort „Mudrāmbā“.
17.54 Es folgen „mudrāsiddhiṃ me dehi bho jaganmudrāsvarūpiṇi“, verbunden mit „hūṃ phaṭ svāhā“. Die Silbenzahl dieses glückverheißenden Mantras wird mit dem unklaren Wort „vīti“ angegeben.
17.55 Mahādeva ist sein Seher, Gāyatrī das Versmaß; die große Göttin Mudrā-Nityā wird als Gottheit erklärt.
17.56 Kālīs Bīja ist ihr Bīja, Māyā ihre Śakti und Kūrca ihr Kīlaka. Mit Kālīs Bīja und den sechs langen Vokalen
17.57 wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen; danach wird Mudrā meditiert, große Herrin, dunkel wie ein Berg Augenschminke und mit einer Schädelgirlande geschmückt.
17.58 Sie ist unbekleidet, hat schreckliche Fangzähne und ist durch ihren heftigen Ruf überaus furchterregend; sie ist Dakṣiṇā, mit gelöstem Haar, an der Unbekleidetheit erfreut.
17.59 Sie hat rötlichbraune Augen, eine flammende Zunge und furchterregende Bewegungen. Ihr Gürtel besteht aus Händen von Leichnamen, ihr Gesicht lächelt.
17.60 Blutströme aus beiden Mundwinkeln beleben ihr Gesicht. Sie trägt Schädelschale und Messer sowie Schwert und Schild.
17.61 Mit Mahākāla ist sie der geschlechtlichen Vereinigung zugewandt und von Hunger bewegt. Sie spricht: „Nenne deinen Wunsch, nenne deinen Wunsch, nenne deinen Wunsch!“
17.62 Nach solcher Vergegenwärtigung, Herrin der Götter, wird das Yantra ehrerbietig verehrt: Dreieck, Kreis, Sechseck, Kreis, acht Blütenblätter und äußerer Erdbezirk.
17.63 Es ist mit vier Toren geschmückt; an ihnen stehen Gaṇapa, Yoginī, Kṣetrapāla und als vierter Baṭuka.
17.64 Die Welthüter, ihre Waffen und die Weltherren werden in den äußeren Erdbezirken der Reihe nach verehrt; auf den Blütenblättern die acht Mütter, an den Staubfäden die acht Bhairavas.
17.65 An den acht Blattspitzen die acht Vollendungen, in den sechs Ecken die sechs Glieder; ferner Rājyadā, Bhogadā, Mokṣadā, Jayadā und Abhayadā,
17.66 als sechste Siddhidā: Diese werden der Reihe nach in den sechs Ecken verehrt. Wille, Erkenntnis und Tat werden im Dreieck verehrt.
17.67 In der Mitte wird Mudrā mit sämtlichen fünf Ehrenerweisungen verehrt. Nach dieser Verehrung wird das Licht geschwenkt.
17.68 Nach dem Lichtschwenken, Herrin der Götter, werden nach vorangehendem Prāṇāyāma zweihunderttausend Mantrarezitationen genannt; mit weißen Karavīra-Blüten
17.69 folgt ein Feueropfer von einem Zehntel, davon ein Zehntel als Trankspende, sodann Besprengen und Brahmanenspeisung.
17.70 Erst der so im Mantra Vollendete gilt als zur Anwendung berechtigt. Welche Aufgabe er im Herzen beschließt, diese soll er ausführen können.
17.71 Alles wird wie bei Kālī gelehrt; die Besonderheit habe ich erklärt. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 17. Kapitel namens „Verfahren der Mudrā-Nityā“.
Paṭala 18: Mitā-Nityā und die gemeinsame Nityā-Verehrung
18.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Verfahrensordnung der Mitā-Nityā hören. Erkläre mir ehrerbietig Mitā, die unter allen Vidyās Hervorragende.
18.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, Herrin der Götter, ich werde das Geheimste der Geheimnisse erklären. Mitā ist die hocherhabene große Königin sämtlicher Vidyās.
18.3 Ihren Mantra will ich erklären, das wunderbare Ganze aller Glieder Kālīs. Zuerst wird Praṇava erschlossen, danach Kālikās Bīja.
18.4 Kūrca, Māyā und Vāgbhava-Bīja folgen; dann werden „Mite“ und „Parimite“ ausgesprochen.
18.5 Danach „parākramāya“ und erneut die Bījas, sodann „so'haṃ hūṃ phaṭ svāhā“: So wird ein siebenundzwanziglautiger Mantra genannt.
18.6 Dieser Mantra ist erklärt, Göttin; höre Seher, Versmaß und die weiteren Glieder. Mahākāla ist sein Seher, Triṣṭubh das Versmaß.
18.7 Mitā-Nityā ist die Gottheit, Kālikā wird als Bīja, Kūrca als Śakti und Māyā als Kīlaka erklärt, große Herrin.
18.8 Mit dem Kīlaka und den sechs langen Vokalen werden die sechs Glieder gebildet. Sie wird einem blauen Berg und einer dunklen Regenwolke gleich meditiert.
18.9 In rotem Gewand sitzt sie auf einem Leichnam und trägt eine Schädelgirlande; ihre Brüste sind voll und erhoben, ihre Brustpartie voll und ihre Hüften breit.
18.10 Sie ist Dakṣiṇā, mit gelöstem Haar, an der Unbekleidetheit erfreut, mitten im Herzlotos Mahādevas gegenwärtig und mit Muschelarmreifen geschmückt. [Die Vorlage nennt sowohl rotes Gewand als auch Unbekleidetheit.]
18.11 Sie strahlt wie zehn Millionen Weltbrandfeuer und wohnt auf der Verbrennungsstätte. Links trägt sie Schwert und Kopf, rechts zeigt sie Furchtlosigkeit und Gabengewährung.
18.12 Ihr Herz ist auf das Verlangen des Sādhaka gerichtet, dem sie Gaben gewährt. In ihrem Gesicht verdichtet sich Freude; sie ist vom Rausch bewegt.
18.13 Ihr gerötetes Gesicht und ihre Augen strahlen. Als lächelnde, göttliche Dakṣiṇā, Herrin der Bedrängten, wird sie vergegenwärtigt.
18.14 Nach solcher Meditation über die Göttin Mitā werden dreihunderttausend Rezitationen genannt. Das Feueropfer erfolgt mit Kiṃśuka oder Jyotiṣmatī, Geliebte.
18.15 Jyotiṣmatī-Blüten wird dieselbe Frucht wie Kiṃśuka zugeschrieben. Rote Karavīra-Blüten werden zur Mantravollendung geopfert.
18.16 Geopfert wird in einer vorbereiteten dreieckigen Grube mit Khadira-Feuer. Ein Feueropfer aus Betelblättern soll Kālikā geneigt machen.
18.17 Mit Blumen verbundenes Betelblatt soll Nāginī-Vollendung bringen; Vajra-Blüten oder Ḍākinī werden als weitere Opferstoffe genannt, große Herrin. [Die botanische Bezeichnung Ḍākinī bleibt ungesichert.]
18.18 Dhattūra wird mit dem Tod eines Feindes, Kunda mit Dichtergabe, Jātī-Blüten mit Sieg und Sesamblüten mit wachsender Kraft verbunden.
18.19 Punnāga dient den menschlichen Lebenszielen, Ketakī dem Erlangen einer begehrten Frau, Āsurī der Feindvernichtung und Sandelholz beständigem Sieg.
18.20 Aguru soll den Rang eines Königs der Könige verleihen, Göttin; ein Feueropfer mit rotem Sandelholz wird mit allgemeiner Bezauberung verbunden.
18.21 Girikarṇī wird mit dem Erlangen einer Tochter oder jungen Frau, Sevantī mit Śivas Gestalt, Guḍūcī mit Feindvernichtung und Pfeffer mit starker Heranziehung verbunden.
18.22 Betelnüsse sollen großes Glück, Muskatnüsse Reichtum bringen; Campaka wird mit Stillstellung, Jambū mit dem Ende des Geburtsleidens verbunden.
18.23 So werden verschiedene Verfahren entsprechend einem gewünschten Ziel genannt. Danach erfolgt eine Trankspende im Umfang eines Zehntels des Feueropfers mit Wasser des Kultsitzes.
18.24 Auch Wasser aus acht Duftstoffen oder Safranwasser wird genannt. Im Umfang eines Zehntels der Trankspende erfolgt das Besprengen.
18.25 Ein weiteres Zehntel entfällt auf Brahmanenspeisung. Śaktis und Kumārīs werden verehrt und gespeist, Göttin; dadurch sollen alle Vollendungen entstehen.
18.26 Nun wird das Yantra des Verehrungsverfahrens erklärt; höre. Drei Dreiecke werden gezeichnet, dann ein Kreis mit Sechseck,
18.27 geschmückt mit weiterem Kreis und acht Blütenblättern, umgeben von einem äußeren Erdbezirk mit vier Toren und mit Bindu in der Mitte.
18.28 Kālī, Karālinī und Ghorā stehen im ersten Dreieck; Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrikā im zweiten.
18.29 Im dritten Dreieck stehen Wille, Erkenntnis und Tat. Danach wird im Kreis zuerst Vārtālī verehrt, Göttin.
18.30 Im zweiten Abschnitt Laghuvārāhikā, im dritten Svapnavārāhikā, Herrin der Götter.
18.31 Im vierten Abschnitt wird Tiraskaraṇikā verehrt, Śivā. Links vom Sechseck werden die vier Tore verehrt, Herrin der Götter.
18.32 Im Sechseck die sechs Glieder, im Kreis die acht Vollendungen; auf den acht Blütenblättern die Mütter und an deren Enden die acht Bhairavas.
18.33 Im äußeren Erdbezirk die Welthüter, außerhalb davon ihre Waffen. So wird Mitā-Nityā verehrt, die makellose Freundin der Vidyā.
18.34 Wer mit dieser Verehrung verbunden ist, soll Mantravollendung erlangen. Höre nun eine andere Weise der Meditation innerhalb der Nityā-Ordnung.
18.35 Alle gleichen einem Berg Augenschminke und tragen Schädelgirlanden. In der rechten Hand, Göttin, halten sie das Schwert, in der linken die Drohgeste.
18.36 Als glückverheißende Kālī-Formen zeigen sie außerdem Gabengewährung und Furchtlosigkeit. Dies gilt als allgemeine Meditation beim Verfahren mit den Namensmantras.
18.37 Das Geheimnis ist hier erklärt; die achtfachen Vollendungen sollen in der Hand liegen: Augensalbe, Zauberpille, Schwert, Vetāla und Yakṣiṇī-Schar,
18.38 Opferbrei, Stirnzeichen, Gewand, Schädelschale, Zaubersandalen, Stock, Kinnarī-Vollendung und die große Kunst von Ḍāmarī an,
18.39 Bewegung im Beweglichen und Unbeweglichen, Kleinheit, Leichtigkeit und die weiteren Fähigkeiten, das Eintreten in fremde Körper und Verjüngungsmittel,
18.40 Berührungskraft, Beseitigung von Sorgen, Wandern unter den Wesen beziehungsweise Elementen und Aufrichten von Toten: Solche göttlichen Vollendungen sollen in seiner Hand liegen.
18.41 Nach Errichtung des großen Kultsitzes werden die Nityās der Reihe nach eingesetzt. Oder die eigene Gottheit wird in der Mitte mit dem Wurzelmantra verehrt.
18.42 Zur Vollendung des genannten Mantras wird meditiert und mit Kula-Stoffen verehrt; die Śakti wird mit Nahrung, Kleidung und den weiteren Gaben erfreut.
18.43 Mit zehn Duftstoffen wird geräuchert; dann soll die Gottheit herabkommen. Rote Augen, starre Augen und Glieder sowie ein freundliches Lotosgesicht werden als Zeichen beschrieben.
18.44 Eine einzelne Śakti soll so ergriffen sein; die übrigen befinden sich ihr zugewandt. In diesem Augenblick wird eine entsprechende Figur aus schwarzen Bohnen hergestellt.
18.45 In Ghee bereitete und fleischhaltige Speisen werden angeboten; zu jedem Bissen Surā und Fischstücke.
18.46 Nach dem Anfangs-Bīja folgt die Anrede: „Nitye, Furchtbarangesichtige, mit grausamen Fangzähnen und heraushängender Zunge! Dieser Soundso ist dir als
18.47 Nahrung zugerichtet; verzehre, verzehre!“ Danach Svāhā, zweimal ṭha und erneut das Anfangs-Bīja. Der Feind wird als tot vergegenwärtigt.
18.48 Mitā soll ihm augenblicklich die Lebenskräfte nehmen, Herrin der Götter. Sie wird weiter gespeist, bis die Nachricht „Er ist tot“ gehört wird. [Der Text beschreibt hier einen historischen Tötungszauber an einer Ersatzfigur.]
18.49 Danach wird die Gaben Gewährende mit fünfgliedrigem Räucherwerk beräuchert. Lachend und einen Segen gebend soll sie den Körper der Śakti verlassen.
18.50 Oder sie wird auf der Verbrennungsstätte verehrt, strahlend wie das unterseeische Feuer; zur Vernichtung eines Königs samt Heer nennt der Text Menschenfleisch und Kula-Stoffe als Gaben.
18.51 Zur Unterwerfung wird ein Garten, zur Vertreibung ein Flussufer genannt. Keine Vidyā sei höher als diese, die unmittelbar sichtbare Gewissheit bewirke.
18.52 Sie ist im nördlichen Überlieferungsstrom berühmt und wurde von mir hundertfach verehrt. Verborgener als das Verborgene, ist sie dir von mir offenbart worden.
18.53 Was möchtest du darüber hinaus noch hören, große Göttin? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte von dem Räucherwerk hören, das du genannt hast.
18.54 Welche Stoffe gehören zu dem aus zehn Düften? Der ehrwürdige Śiva sprach: Drei Teile Safran und drei Teile Aguru,
18.55 fünf Teile Kampfer, zwei Teile Moschus, acht Teile dunkles Sandelholz und sechs Teile weißes Sandelholz,
18.56 sieben Teile Mahiṣākṣa-Harz, zwölf Teile Sarja-Harz, acht Teile Māṃsī und ein Teil Ghee werden zusammengebracht.
18.57 Dies ist das Räucherwerk aus zehn Düften. Höre das fünfgliedrige, Geliebte: Wurzel beziehungsweise ein Teil dunkles Aguru, Blatt, Rinde, Svarṇapuṣpa und Jātipatrī werden zu gleichen Teilen verräuchert. [Die Gliederung der ersten Pflanzenangabe ist nicht eindeutig.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 18. Kapitel namens „Verfahren der Mitā-Nityā“.
Paṭala 19: Tiraskaraṇikā, Traum-Vārāhī und Kṛṣṇamātaṅgī
19.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, durch deine Gunst habe ich Mitās Verfahren gehört. Erkläre Tiraskaraṇikā, die große Verblendung bewirkt.
19.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, Göttin, ich werde die große Verblendung Bewirkende erklären, das gut verborgene Glied von Śrīvidyā und Bālā.
19.3 Vāgbhava, Kālikās Bīja, Bhuvaneśī und Haripriyā; nach „Tiraskaraṇi“ wird „sakalajana“ gesprochen.
19.4 Dann „Vāgvādini“, „sakala“, „paśujanamano“, „cakṣuḥ śrotraṃ jihvāṃ ghrāṇaṃ tiraskaraṇaṃ“.
19.5 Es folgen zweimal „kuru“, zweimal ṭha und Svāhā. Für die zweite Form werden Vāgbhava, Bhuvanā, Lakṣmī, Klīṃ und „Bhagavati“ genannt.
19.6 Mit Svāhā verbunden ist dies der zweite höchste Mantra. Dann folgt „Māheśvari sarvapaśujanacakṣustiraskaraṇaṃ“
19.7 mit „kuru“ und Svāhā als weiterer höchster Mantra. Danach „Trailokyamohini Mahāmāye“
19.8 und „sarvajanamanaścakṣustiraskṛtiṃ“, verbunden mit „kuru“ und Svāhā: Dies ist der vierte Mantra in der Reihenfolge.
19.9 Die Bījas von Rede, Māyā und Kamalā sowie die doppelte „hsau“-Silbe werden erschlossen; danach „oṃ namo Bhagavati Śrīmaheśvari“.
19.10 Dann „sarvajanamanaścakṣuḥ“, „tiraskaraṇaṃ“, „kuru“ und Svāhā.
19.11 Diese fünf Mantras sind der Reihe nach erklärt; sie schützen die fünf Makāras. Zum Schutz der fünf Makāras werden die fünf Mantras ausgesprochen.
19.12 „hrīṃ klī/ namo Bhagavati Māheśvari“, danach „sarvajana“, „manaścakṣuḥ“
19.13 und „tiraskaraṇaṃ“, verbunden mit „kuru“ und Svāhā: Diese sechste Verbindung wird für umfassenden Schutz und weitere Zwecke erklärt.
19.14 Śakti ist die Seherin dieses Mantras, Gāyatrī das Versmaß. Als Gottheit wird diejenige genannt, die Geist, Augen und die weiteren Sinne aller Paśu-Menschen verhüllt.
19.15 Klīṃ wird als Bīja, Hrīṃ als Śakti und „krī/“ als Kīlaka erklärt, Göttin. Die Anwendung gilt dem Verhüllen beziehungsweise Unsichtbarmachen.
19.16 Mit Rede-, Māyā-, Kamalā- und Kāma-Bīja wird „Verehrung den beiden Daumen“ gesprochen; Bīja und „Bhagavati“ werden an den Zeigefingern eingesetzt.
19.17 „Māheśvari“ an den Mittelfingern, danach „Sarvatiraskaraṇī“ an den Ringfingern; zweimal „kuru“ an den kleinen Fingern. [Die Kasus- und Wortverknüpfung der Vorlage ist teilweise gestört.]
19.18 Erneut die Bījas und Svāhā werden an beiden Handrücken eingesetzt. Entsprechend wird am Herzen eingesetzt; danach erfolgt der Laut-Nyāsa.
19.19 Am rechten Arm, an der rechten Rückenseite, am rechten Oberschenkel, Knie, Fuß und an der rechten Kopfseite; entsprechend auch links.
19.20 An Armwurzel, Rücken, Knie und Kopf wird der Mantra eingesetzt. Mit der vollständigen Vidyā erfolgt der den ganzen Körper durchdringende Nyāsa, Göttin.
19.21 Danach wird die Mahāvidyā als Gestalt des Verhüllens meditiert, mit gelöstem Haar, unbekleidet und mit allem Schmuck geschmückt.
19.22 „Ich verehre sie, die die Schar der Paśus durch den Anblick ihres … bezaubert.“ [Die Körperangabe ist ausgelassen.] Höre nun genau die große Meditation zur Bezwingung.
19.23 Sie ist dunkel; ihre drei roten Augen sind vom Rausch bewegt. Die glückverheißende Göttin trägt ein schwarzes Gewand und in zwei Armen das Schwert. [Der Singular des Schwertes steht so in der Vorlage.]
19.24 Mit zwei schönen Armen trägt sie ein Gefäß mit Datteltrank. Sie sitzt auf einem blauen Pferd, bewegt sich vorwärts und trägt blauen Schmuck.
19.25 Mit blauen Girlanden, Gewändern und blauen Duftstoffen geschmückt, ist sie anziehend. Unter dem Anschein des Schlafes bringt sie die Welt zum Verschwinden.
19.26 Die erhabene Göttin trägt das Schwert, schützt ihre Verehrer, ist auf die Ausrottung der Paśus gerichtet und zeigt ihnen die Drohgeste.
19.27 So wird Tiraskaraṇikā beschrieben. Ihr Mantra wird mit Safran und weiteren Stoffen auf Birkenrinde geschrieben und vor dem Gefäß aufgestellt, Göttin.
19.28 An einem der genannten Orte werden hunderttausend Rezitationen des großen Mantras vollzogen, Śivā. Ein Zehntel erfolgt als Feueropfer mit in Honig und Ghee getränkten Bilva-Gaben.
19.29 Ein weiteres Zehntel als Trankspende, davon ein Zehntel als Besprengen und ein weiteres als Brahmanenspeisung.
19.30 Der so im Mantra Vollendete vollzieht die Verhüllung. Die Vidyā soll alle Aufgaben bewirken und die Paśus blind machen.
19.31 Die Besonderheiten der Puraścaraṇa entsprechen Svapnavārāhī, Göttin. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
19.32 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte auch die großen Wunder hören. Erkläre sie mir, grenzenlos Barmherziger, wenn ich deine Geliebte bin.
19.33 Der ehrwürdige Śiva sprach: Verborgener als das Geheimnis wird es erklärt; höre nun. Die Svapnavārāhikā-Vidyā wird hier dreifach gelehrt.
19.34 Zuerst die fünfzehnsilbige Vidyā, dann die achtzehnsilbige und die große, mit vierundzwanzig Tattvas ausgestattete Form.
19.35 Unter diesen gilt die achtzehnsilbige als mit den vorzüglichsten Wundern verbunden. Ihr Mantraverfahren wird erklärt; höre nun.
19.36 Vāgbhava, Bhuvanā und der Herzlaut werden genannt, danach „Vārāhi Aghore svapne“ und viermal ṭha.
19.37 Der Mantra endet mit der Feuergefährtin und soll Zukunft und weitere Dinge zeigen. Er heißt achtzehnsilbig; Īśvara wird als Seher genannt.
19.38 Anuṣṭubh ist das Versmaß, Svapneśī gilt als Gottheit. Aiṃ ist das Bīja, Hrīṃ die Śakti; das auf „ṭha ṭha svāhā“ endende Sechserglied wird genannt. [Der letzte Ausdruck ist verkürzt.]
19.39 Am Herzen stehen Aiṃ und Māyā, am Kopf „namo Vārāhi“, am Haarschopf „Aghore“, als Panzer „svapne“.
19.40 Die vier ṭha-Laute gelten den Augen, Svāhā der Waffe, Geliebte. Eingesetzt wird an Hüfte, Kehle, Wangen, Ohren, Augen und Scheitel.
19.41 Sie wird dunkel wie ein Berg blauer Augenschminke betrachtet, mit Edelsteinen geschmückt, auf einem Pferd sitzend, mit dem Cakra in einer Hand und dem Pflug als weiterer Waffe.
19.42 In den unteren Händen trägt sie Messer und eine blutgefüllte Schädelschale; Hiraṇyākṣa liegt unter ihren Füßen. Sie erfreut sich und ist von Rausch erfüllt.
19.43 Sie ist von verschiedenen Śaktis umgeben und von zahlreichen Scharen geschmückt. Nach solcher Meditation über Viṣṇus Śakti beginnt die Verehrung.
19.44 Die Göttin wird in der Bindu-Mitte verehrt, darum ein Dreieck gezeichnet. Darin werden Nidrā, Suprasannā und Ḍimbhāṅgī verehrt.
19.45 Danach im Sechseck Mahogrā, Pretayakṣikā, Śvāsakālā, Bhīmavatī, Nakhajvālā und Mahodarī.
19.46 Auf den acht Blütenblättern Girīśa, Caturānana, Phaṭkāra, Baddhamātaṅga, Kulīra, Vāyarā, Bali
19.47 und Caṇḍīśvara. Danach im zwölfteiligen Bereich Mātaṅgī, Vṛddhamātaṅgī, Asitāṅgī, Kaphotkaṭā,
19.48 Mahoddhatā, Pretavāhā, Jñānaśakti, Kriyāvatī, Vagalikā, Bhānumatī, Somadevī und Cirantanī.
19.49 Danach im sechzehnteiligen Kreis, im Osten beginnend und in der Einziehungsordnung: Aindrī, Saurī, Maheśānī, Tārā, Yakṣaprasū, Dharā,
19.50 Vāmā, Virodhinī, Śyāmā, Mātaṅgī, Surarākṣasī, Padmāvatī, Kālarātri, Tāmasī, Madanā und Madā.
19.51 Sie werden mit gelben Duftstoffen, ungebrochenen Reiskörnern und Kula-Stoffen verehrt. In Verbindung mit Śaktis werden hundertfünfzigtausend Mantrarezitationen genannt.
19.52 Mit Hayamāra-Blüten und „Hayāri-Fleisch“ erfolgt ein Feueropfer von einem Zehntel in einer dreieckigen oder yoniförmigen Grube. [„hayāripalalaiḥ“ ist nicht sicher zu bestimmen; es wird nicht zu einem vermeintlich eindeutigen Opferstoff ergänzt.]
19.53 Es folgen Trankspende, Besprengen und Verehrung der Yoginīs. Der so im Mantra Vollendete führt die als günstig bezeichneten Anwendungen aus.
19.54 Ein Feueropfer mit Honig, Ghee und Surasā soll Hari sichtbar machen; eintausendacht Wiederholungen sollen dem Sādhaka das Gewünschte offenbaren.
19.55 Kadamba-Blüten sollen nachts einen Schatz zeigen; ein Feueropfer mit blauen Wasserlilien soll eine Frau gewaltsam heranziehen. [So lautet die historische Zwangsmagiebehauptung der Quelle.]
19.56 Hibiskusblüten und Kālakhaṇḍa sollen einen König unterwerfen; ein Feueropfer mit Katzendärmen soll jemanden erschrecken, der dem Sādhaka nachstellt.
19.57 Putrājīvaka-Samen werden mit dem Erlangen eines Sohnes verbunden. Die aus schwarzem Bohnenmehl hergestellte Figur einer Zielperson
19.58 wird als Feueropfer dargebracht, dem der Text deren sofortigen Tod zuschreibt. Dreitausend Rezitationen sollen im Traum Günstiges und Ungünstiges offenbaren.
19.59 Mit Fleisch von Wildtieren als Feueropfer: Welche Aufgabe sollte dadurch nicht gelingen? Danach folgt die Formel aus Tārā, „namo Bhagavati“, zweimal „Vārāhi“ und „ṭha ṭha“.
19.60 Der fünfzehnsilbige Mantra soll unmittelbar Gewissheit bewirken. Akṣobhya-Bhairava wird als Seher, Śakvarī als Versmaß genannt.
19.61 Die Gottheit ist Svapnavārāhī; die sechs Glieder werden der Reihe nach aus den Worten gebildet. Verehrung und die weiteren Handlungen, Göttin, sowie die Anwendungen erfolgen wie zuvor.
19.62 Nach Bhuvaneśvarīs Bīja wird das Haken-Bīja erschlossen; dann zweimal „Vārtāli“ und zweimal „Vārāhi“.
19.63 Danach zweimal „Svapneśvari“, der Mondlaut mit Bindu und anschließend der Windlaut mit Bindu: Dies ist der vierundzwanzigsilbige Mantra.
19.64 Janārdana ist sein Seher, Saṃskṛti das Versmaß. Die Gottheit Svapnavārāhī hat rote, rollende Augen,
19.65 ist von Verlangen bewegt, dreiäugig, mit einem Halbmond als Kopfschmuck, einem durch Fangzähne furchtbaren Gesicht und einer Girlande aus Köpfen geschmückt.
19.66 Auf dem zuvor genannten Kultsitz wird sie als die zu allen Zeiten Früchte Gewährende verehrt. Höre hier auch das Wunder Kṛṣṇamātaṅgīs, Pārvatī.
19.67 Zuerst Praṇava, dann „namo Bhagavati Kṛṣṇamātaṅgini śirovalkaladhāriṇi“.
19.68 Danach „sarvajanamahaṅkari“, Māyā mit den sechs langen Vokalen, „amukaṃ“ als Platzhalter für die Zielperson und „me vaśyākṛṣṭiṃ“.
19.69 Mit „kuru svāhā“ verbunden gilt dieser Mantra als Wunschbaum für alle. Sein Seher heißt Kṛṣṇa, vorzüglichster aller Götter.
19.70 Virāṭ ist das Versmaß; mit Māyā werden die sechs Glieder gebildet. Oṃ wird als Bīja, Bhuvanā als Śakti und Svāhā als Kīlaka erklärt. Die Anwendung gilt der Unterwerfung der drei Welten.
19.71 Sie ist kundig im Vīṇā-Spiel, wolkengleich, von vorzüglichem Spiel der Anmut; mit Bimba-Lippen, Lotosaugen, geschmücktem Körper und einer Fülle gelöster Haare. Ihre goldenen Ohrringe schwingen spielerisch; Dharma, Wohlstand und Verlangen entfalten sich durch sie. Möge Caṇḍī von gewaltiger Kraft uns alle Ziele verwirklichen!
19.72 Nach solcher Meditation werden hunderttausend Rezitationen genannt; dadurch soll der Mantra vollendet werden. Mit von Speiseresten berührter Hand wird rezitiert und mit Speiseresten eine Opfergabe dargebracht.
19.73 Wer so rezitiert, soll Vollendungen und Macht über Menschen erlangen, Herrin der Götter. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 19. Kapitel namens „Verfahren Tiraskaraṇikās“.
Paṭala 20: Wohlstand, Mṛtyuñjaya und Schutz auf Reisen
20.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Kāma, auf dem Śakra-Laut stehend und mit Rati und Bindu verbunden, dann Vāgbhava-Bīja und Parāprāsāda werden erschlossen.
20.2 In vorwärts- und rückwärtslaufender Ordnung wird Saṃpatsarasvatī erklärt, die sechssilbige Mahāvidyā, vorzüglichste aller Vidyās.
20.3 Bedrängten, Armen und Menschen, die ihre Stellung verloren haben, soll die Saṃpatsarasvatī-Vidyā großen Wohlstand schenken.
20.4 Kṛṣṇa ist ihr Seher, große Herrin, Gāyatrī das Versmaß; die Göttin Saṃpatsarasvatī wird als Gottheit erklärt.
20.5 „a/“ ist das Bīja, Klīṃ die Śakti und Hasauḥ das Kīlaka. Die Anwendung gilt dem Wohlstand, große Herrin. [Die erste Bīja-Schreibweise ist ungesichert.]
20.6 Mit den sechs Silben wird der sechsgliedrige Nyāsa vollzogen, Herrin der Götter. Nach neunfacher Durchdringung wird die anziehende Göttin meditiert.
20.7 Ich verehre Saṃpatsarasvatī von rötlicher Gestalt, der unzählige Millionen Elefanten, Pferde, Wagen und Fußsoldaten dienen.
20.8 Nach dieser Meditation, große Herrin, wird ein dreieckiges Cakra gezeichnet, danach ein Sechseck, geschmückt mit Kreis und acht Blütenblättern.
20.9 Mit einem äußeren Erdbezirk verbunden gilt dies als Yantra des Wohlstandsmantras. Die Göttin Saṃpatsarasvatī wird im Dreieck verehrt.
20.10 Auf den acht Blütenblättern die acht Mütter mit ihren Bhairavas, im Viereck die Welthüter und außerhalb davon ihre Waffen.
20.11 Nach Verehrung dieser Umhüllungen werden dreihunderttausend Rezitationen genannt, Śivā, und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Palāśa-Blüten.
20.12 Nur wer die Puraścaraṇa vollzogen hat, gilt als zur Anwendung berechtigt. Hunderttausend Rezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Milchreis werden genannt.
20.13 Dadurch soll man auf Erden König mit tausend Pferden werden. Täglich sechstausend Rezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Lotosblüten werden genannt.
20.14 Elefanten, Wagen, Pferde, Geld und Getreide sollen ihm zufallen; innerhalb eines Jahres werde sein Wohlstand beständig.
20.15 Täglich tausend Feueropfergaben aus Śāli-Reis sollen innerhalb eines Maṇḍala-Zeitraums Königsherrschaft verleihen, ohne Zweifel.
20.16 An der Wurzel eines Bilva-Baumes werden täglich zehntausend Rezitationen genannt; nach einem halben Monat soll der Sādhaka allen Wohlstand erlangen.
20.17 Einhundertacht Feueropfergaben aus Bilva-Holz an dessen Wurzel sollen innerhalb von drei Monaten große Herrlichkeit in sein Haus bringen.
20.18 Wer seine Nahrung zehnmal unter Rezitation berührt und dann isst, dessen Haus soll unvergängliche Fülle an Nahrung erhalten, ohne Zweifel.
20.19 Am Flussufer, rein und mit gesammeltem Geist, werden Mantrarezitation und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Kuh-Ghee beschrieben; ihnen wird Macht über die drei Welten zugeschrieben.
20.20 Viertausend tägliche Feueropfergaben mit Ghee sollen dem Sādhaka innerhalb eines Monats die Herrlichkeit der Fähigkeiten von Aṇimā an verleihen.
20.21 So ist es in Kürze gesagt. Höre Mṛtyuñjaya, Śivā. Zuerst wird Praṇava erschlossen, dann „Kāṣṭha“ mit dem sechsten Vokal,
20.22 mit Bindu und Mondpunkt verbunden, große Herrin; danach „ka fünfundzwanzig“ mit Bindu. [Die Lautverschlüsselung dieser Passage ist nicht zuverlässig aufgelöst.]
20.23 Dann ein langer Nāda-Laut, Śakras Bīja und Wind; nochmals Wind mit langem Vokal, dann Erde und Wind werden gesprochen.
20.24 Diese zehnsilbige Mahāvidyā gilt als Vernichterin von Zeit und Tod. Vāmadeva ist ihr Seher, Paṅkti das Versmaß.
20.25 Mṛtyuñjaya-Mahārudra wird als Gottheit, Praṇava als Bīja und Jūṃ als Śakti erklärt.
20.26 „Mond–Mond, Mond–Feuer, dann wieder Feuer“ in dieser Reihenfolge: Nach dem Nyāsa mit diesen Mantrasilben wird der höchste Śiva meditiert.
20.27 Er steht auf einem hellen, reinen Lotos und hält ein gefülltes Gefäß in den Händen beziehungsweise im Schoß. Mit weiteren Händen trägt er Veda und Gebetskette; mit zwei Lotoshänden zwei stets volle Krüge, deren Ströme den schönen Halbmond auf seinem Haupt übergießen. Wer den Gott so vergegenwärtigt, soll lange in klare, viele Kalpas umfassende Dauer eingehen. [Dieser lange Meditationsvers ist in Grammatik und Handzuordnung beschädigt; die Übersetzung bewahrt die erkennbaren Bildelemente.]
20.28 Nach dieser Meditation wird auf dem äußeren Kultsitz ein Sechseck gezeichnet, Śivā, danach acht Blütenblätter und ein Kreis.
20.29 In der Mitte des Sechsecks wird Śiva Mṛtyuñjaya verehrt, Herrin der Götter. In den sechs Ecken die fünf Mantras von Satya an und Sadāśiva.
20.30 Danach werden die Welthüter mit ihren Waffen verehrt, höchste Herrin. Die Puraścaraṇa umfasst hunderttausend Rezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel mit Sesam.
20.31 Anschließend werden dreihunderttausend weitere Rezitationen genannt, höchste Herrin; ihnen wird die Beseitigung von Zeit und Tod zugeschrieben.
20.32 Zwölfhunderttausend Rezitationen auf einem Berggipfel sollen eine Lebensdauer von einem Kalpa und hundertfache Lebensfülle verleihen, Göttin, Śivā.
20.33 Zehntausend Feueropfergaben mit Dūrvā werden zur Überwindung des Todes genannt. So ist es in Kürze gesagt. Höre nun Pathiṣad-Rudra.
20.34 Praṇava, die Verehrungsformel und „Rudrāya“ werden gesprochen; danach „Pathiṣad“ in der vierten Kasusform.
20.35 Dann „svasti“, „māṃ rakṣa“ und „saṃpālaya“: Diese Pathiṣad-Rudra-Vidyā gilt als Furcht auf dem Weg beseitigend.
20.36 Vāmadeva wird von den Kundigen als Seher dieses Mantras genannt; als Versmaß wird Paṅkti oder Gāyatrī angegeben, Śivā.
20.37 Die Gottheit ist Pathiṣad-Rudra, der auf dem Weg sämtliche Furcht beseitigt. Praṇava wird als Bīja, Namaḥ als Śakti erklärt.
20.38 Mit einer, zwei, drei und vier Silben sowie nochmals drei und vier Silben habe ich diese sechs Glieder bestimmt, Śivā.
20.39 Er wird reinem Bergkristall gleich und vierarmig betrachtet, mit dem Pināka-Bogen, Pfeil und Axt ausgestattet.
20.40 Er ist mit drei Mantras verbunden, trägt den hasengezeichneten Mond auf dem Haupt, gleicht dem Kailāsa-Berg und reitet als Herr auf einem Stier.
20.41 Mit Annapūrṇeśvarī verbunden heißt er Pathiṣad-Rudra. Als den Gott Sadāśiva, der unterwegs Furcht vor Räubern und anderen Gefahren beseitigt, soll man ihn meditieren.
20.42 Diese Meditation habe ich erklärt; danach nenne ich das Yantra. Zuerst wird ein Sechseck gezeichnet, danach acht Blütenblätter.
20.43 Dann ein äußerer Erdbezirk, wohlgestaltet und mit Toren versehen. In der Mitte des Sechsecks wird der Gott Pathiṣad-Rudra verehrt.
20.44 In den sechs Ecken werden die sechs Glieder mit ihren Mantras verehrt. Nandīkeśa, Nandī, Bhṛṅgī und Bhṛṅgirīṭi,
20.45 Mṛḍa, Vīrabhadra, Kumāra und Gaṇapa werden auf den acht Blütenblättern verehrt und angerufen, meine Geliebte.
20.46 In den acht Richtungen des Erdbezirks werden die acht Richtungshüter verehrt. So wird der Herr Pathiṣad-Rudra mit seinen Umhüllungen
20.47 verehrt und sein Mantra unermüdlich vierhunderttausendmal rezitiert. Nach einem Feueropfer von einem Zehntel mit Sesam soll der Mantra vollendet sein.
20.48 Mit diesem vollendeten Mantra soll der Kundige die Anwendung ausführen. Bei Räubergefahr auf dem Weg werden einhundertacht Rezitationen genannt.
20.49 Dadurch soll der Mensch für Räuber unsichtbar werden, ohne Zweifel. Wenn der beste Sādhaka auf einsamem Weg Durst leidet,
20.50 werden dreihundertacht Rezitationen dieses großen Mantras genannt; er soll dort sogleich nektargleiches Wasser finden.
20.51 Wer unterwegs ohne Nahrung von Hunger bedrängt ist, rezitiert diesen großen Mantra eintausendachtmal.
20.52 Er soll sofort wohlschmeckende Nahrung für hundert Brahmanen erlangen. Dies ist das Geheimste der Geheimnisse, das Geheimste der Geheimnisse.
20.53 Dieses Wunder ist zu verbergen wie die eigene Yoni, Pārvatī. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 20. Kapitel namens „Verfahren des Pathiṣad-Rudra“.
Paṭala 21: Ārdrapaṭeśvarī, Orakelgestalten und Dhūmāvatī
21.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Wunder der Feindbezwingung hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse, dieses Wunder wird erklärt; höre.
21.2 Die Ārdrapaṭeśvarī-Vidyā wird zur Feindbezwingung genannt. Zuerst werden Praṇava und „namo Bhagavati“ erschlossen.
21.3 Danach „Ārdrapaṭeśvari“, „Harinīla“, „Kāli“ und „Ārdrajihve“.
21.4 Es folgen „Caṇḍalohini Rudrāṇi Kapālini Jvālāmukhi Saptajihve Sahasranayane“.
21.5 Dann „ehi“ und „amukaṃ te paśuṃ dadāmi“, „Diesen Soundso gebe ich dir als Opfertier“, danach „amuṣyajīvaṃ nikṛnta“, „Schneide jenes Leben ab“.
21.6 Dann „āhitajīvāpahāriṇi hūṃ phaṭ bhūr bhuvaḥ svaḥ phaṭ svāhā rudhiraṃ piba“, die Aufforderung zum Trinken von Blut.
21.7 Es folgen „Māravādini mama śatruṃ“, zweimal „chedaya“ und zweimal „piba“.
21.8 Dann „śoṇitaṃ hūṃ phaṭ svāhā“: So endet dieser Mantrakönig. Seine Zahl wird als einhundertdreiundzwanzig, mit drei Konsonanten verbunden, angegeben. [Der genaue Zählmodus ist unklar.]
21.9 Durvāsas wird als Seher, Gāyatrī als Versmaß genannt. „Nikṛnta“ gilt als Bīja, Svāhā als Śakti.
21.10 Die Anwendung wird zur Feindbezwingung bestimmt. Mit sechs Hrīṃ-Formen werden die sechs Glieder gebildet; danach wird die höchste Mutter meditiert.
21.11 Mit scharfen, überaus schrecklichen Fangzähnen, drei Augen und wild aufgerichtetem Haar; mit Schädel, einem unklar als „phalasottha“ bezeichneten Gegenstand, Trommel, Messer und Dreizack. Sie gleicht einer dichten Wolke und trägt eine rötlich glänzende Schellengirlande. Möge Bhadrakālī mir lange zur Vollendung des Daseins gereichen. [Die Vorlage kennzeichnet den Meditationsvers selbst als unsicher.]
21.12 Zehntausend Mantrarezitationen in einer Wüste oder auf einer Verbrennungsstätte werden genannt; nach dem Bad, in nassem Gewand, erfolgt die Anwendung mit Bezug auf einen Feind.
21.13 Der Text behauptet, nach vollzogener Rezitation trete dessen Tod in einem halben Augenblick ein, bei bloßer Rezitation ohne weitere Handlung nach einem Monat.
21.14 Vom achten bis zum vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte wird die Rezitation des mit dem Feindesnamen verbundenen Mantras beschrieben.
21.15 Selbst ein Mukunda gleicher Feind gehe dadurch in Yamas Reich. Vom Tag des Beginns an, Göttin, könnten Brahmā, Rudra und die übrigen Götter
21.16 ihn nicht mehr schützen; sein Tod werde eintreten. Als weiteres Verfahren nennt der Text den Zeitraum vom ersten bis zum zehnten Tag der dunklen Monatshälfte.
21.17 Nach Mantraaussprache wird Wasser mit den zusammengelegten Händen aufgenommen und in Richtung des Feindes geworfen, Herrin der Götter.
21.18 Dies soll eine ganze Feindesschar töten, so die Behauptung. Der Name des Feindes wird mit dem Mantra ausgesprochen, höchste Gottheit.
21.19 Einhundertacht Rezitationen sollen dessen Vernichtung bewirken. Mit Bṛhatī-Blüten und dem Wurzelmantra wird unter festem Gelübde verehrt.
21.20 Sechzehn Ehrenerweisungen und eine Speisegabe aus schwarzen Bohnen werden dargebracht. Nach Vortragen der Aufgabe wird rezitiert; dadurch soll der Feind zugrunde gehen.
21.21 So ist es in Kürze gesagt. Höre Vārtāyakṣī, Geliebte. Praṇava, Vāgbhava, Māyā, Śrī-Bīja und das Licht-Bīja,
21.22 Haken- und Bhṛgu-Bīja, der Mundkreis mit Bindu, der vierte mit Bindu und „Vīramodana“ werden erschlossen. [Diese Lautverschlüsselung wird nicht zu einer ungesicherten Vollform ergänzt.]
21.23 Danach „Āgneyī Mahāvīre Sarvabhāvadarśani“.
21.24 Dann „Nandanavanavāsini Mahāsuptajāgariṇi“.
21.25 Mit „mama karṇe darśaya svāhā“ endet der Mantrakönig. Am Sonntag oder an einem Festtag wird eine Einölung genannt.
21.26 Zehntausend Rezitationen und ein Feueropfer mit Sesamblüten werden beschrieben; am Nachmittag tausend oder einhundertacht Rezitationen.
21.27 Wenn der Mensch nach der Rezitation nachts schläft, soll sie ihm alles sagen, Geliebte. „Zur Vollendung des Wissens um die drei Zeiten werde ich deine Rezitation vollziehen“:
21.28 Mit diesem Entschluss soll durch Japa Wissen um die drei Zeiten entstehen: hiesige Frucht und Fruchtlosigkeit sowie jenseitige Frucht und Fruchtlosigkeit.
21.29 „Ich erkenne“ soll ausgesprochen werden; so wird der Mensch als im Mantra vollendet bezeichnet. Für diese Formel gibt es keine Angaben zu Seher, Versmaß und Meditation, du lieblich Sprechende.
21.30 So ist es in Kürze gesagt. Höre den Mantra Piśunas: Śrī-Bīja, Aparā und das Wort „Śatarudra“.
21.31 Dann „sau prastāṅgi“, „saphala“, „vārtāṃ kaha“ und „karṇa“.
21.32 Es folgt „Piśuna“, verbunden mit Māyā und Svāhā. So wird der Mantrakönig erklärt; seine vorbereitende Praxis umfasst tausend Rezitationen. [Mehrere Wörter der Formel sind textlich unsicher.]
21.33 Sahadeva ist sein Seher, Anuṣṭubh das Versmaß; der ehrwürdige Karṇapiśuna und Mahālakṣmī werden als Gottheiten genannt.
21.34 Vāgbhava wird als Bīja, Kāma-Bīja als Śakti und Parā-Bīja als Kīlaka erklärt. Für die Anwendungsformel wird „mama“ gesprochen,
21.35 danach „sakala“, „rahasya“ und „vāgvijñānārthe“: zur Erkenntnis sämtlicher geheimer Mitteilungen.
21.36 Mit sechs Hrīṃ-Formen werden die sechs Glieder gebildet, mit den Vyāhṛtis die Richtungen gebunden. Durch diese Ordnung soll Piśuna alle Vollendungen verleihen.
21.37 So ist es in Kürze gesagt. Höre Vārāhī mit dem vorangestellten Namen Kirāta, Herrin der Götter; sei aufmerksam.
21.38 Vāgbhava-Bīja und Vārāhī-Bīja werden erschlossen, dann Śrī-Bīja, Tārā und „namo Bhagavati“.
21.39 Danach „Vārāhi Varāhamukhi Kirātarūpiṇi Ekarātri“.
21.40 Es folgen „Prasanne Varade“, „mama kāryasiddhiṃ“ und zweimal „kuru“.
21.41 Dann Śrī-Bīja, das Stillstellungs-Bīja, das Rede-Bīja und Svāhā. Danach nennt der Text Vibhītaka und dessen Mark.
21.42 Daraus werden Asche und Augensalbe hergestellt und an den Augen aufgetragen. Nachts werden Räucherwerk und Rezitation beschrieben, höchste Herrin.
21.43 Dadurch soll sie rasch wohlgesinnt werden. Alles Weitere entspricht Svapnavārāhī. Höre nun Kālavādinī.
21.44 Praṇava, Bhuvanā, Lakṣmī, Rede-Bīja und Kāma-Bīja werden erschlossen, verbunden mit Saṃvarta, Rati und Bindu.
21.45 Danach Praṇava, der Herzlaut, „Bhagavati“, „bhūta“ und „bhaviṣya“, Herrin der Götter,
21.46 sodann „vartamāna“, „Kālavādini“ und „Prapañcaśarīriṇi“.
21.47 Dann „saha“, „amukaṃ me kāryaṃ kathaya“ und erneut die Bījas. [Amuka bezeichnet die jeweils einzusetzende konkrete Angelegenheit.]
21.48 Zehntausend Mantrarezitationen und ein Feueropfer von einem Zehntel werden genannt; zur Heranziehung erfolgt dies vorschriftsgemäß am Sonntag, Herrin der Götter.
21.49 Nachts vor dem Schlafen werden tausend oder einhundertacht Rezitationen genannt, Śivā; danach legt man sich schlafen.
21.50 Im Traum soll die Gottheit die im Geist erwogene Angelegenheit offenbaren. Namen und weitere Erscheinungen sind dort nach der Vorschrift zu beachten.
21.51 Welche Śakti jemand vergegenwärtigt, diese werde „sieben Tore“ besitzen. [Der erste Halbvers ist unklar.] So ist es in Kürze gesagt. Höre Dhūmāvatīs Verfahren.
21.52 Dreimal „dhū/“, zweimal „dhuru“, danach „Dhūmāvati“, verbunden mit „kroṃ svāhā phaṭ“.
21.53 Dies wird als erster Mantra erklärt. Höre aufmerksam den zweiten: Praṇava, das Rauch-Bīja und „Dhūmāvati“.
21.54 Dann „Devadatto dhāvati“ und Svāhā: So endet der Mantrakönig. Kṣapaṇaka wird als Seher, Gāyatrī als Versmaß genannt.
21.55 Dhūmāvatī ist die Gottheit, „dhū/“ wird als Bīja, Svāhā als Śakti erklärt. Die Anwendung gilt der Vertreibung.
21.56 Mit sechs „dhū/“-Formen werden die sechs Glieder gebildet. Höre die Meditation, Schönangesichtige: Auf einer Krähe reitend, überaus dunkel, mit zerbrochenen Zähnen und leidenschaftslos,
21.57 mit gelöstem Haar und rauchigen Augen, von Hunger, Durst und Furcht gequält, unstet und zugleich von starkem Verlangen bedrängt, leidend, von kräftigen und trägen Gliedern,
21.58 unrein, ermüdet und bleich, sichtbar schwanger, widerstreitend und mit einer Schlange in der vorgestreckten Hand: So wird die höchste Dhūmāvatī meditiert. [Diese ungewöhnlichen Merkmale folgen dieser Textfassung und werden nicht nach geläufigeren Darstellungen berichtigt.]
21.59 Hunderttausend Rezitationen werden genannt, große Herrin, denen die Vertreibung der Welt zugeschrieben wird. Weil ihr Verfahren in sämtlichen Tantras verwendet wird, ist es hier nur kurz behandelt; sie wurde wegen der anderen Mantraform genannt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im dritten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 21. Kapitel namens „Kurzes Verfahren der Wunder Dhūmāvatīs“.
Abschluss der Quelle: Sundarīkhaṇḍa.
Das Sundarikhanda in einfachen Worten

Die Überlieferung der Göttin ist im Sundarīkhaṇḍa vielfältig. Lehrerlinien, Mantras und Einweihungsstufen werden sorgfältig unterschieden. Gleichzeitig deutet der Text die Göttinnen als Formen derselben Kraft: Kālī, Tārā, Chinnamastā und Sundarī sind „von einer Gestalt“ (1.104). Vielfalt und Einheit bilden hier keinen einfachen Gegensatz.
Das Śrīcakra ist ein heiliger Ort dieser Begegnung. Der Text beschreibt seine Zeichnung und seine innere Vergegenwärtigung. Bhakti, die liebende Hinwendung, hat dabei einen eigenen Stellenwert: Was jemand mit Hingabe verehrt, das soll er im Rahmen seiner Überlieferung rezitieren (1.37–38). Eine bloße Ansammlung von Formeln genügt dem Werk nicht.
Ein Schlüsselvers: die Welt als Śakti
kīṭāt brahmāṇḍaparyyantaṃ sarvaśaktimayaṃ jagat |
śaktisaṃpūjanāddevi brahmāṇḍaṃ pūjitaṃ bhavet || 1-201 ||
Vom Insekt bis zum Weltenei besteht die ganze Welt aus Śakti. Durch vollständige Verehrung der Śakti, Göttin, wird das Weltenei verehrt.
Der Vers weitet den Blick vom einzelnen Kultbild auf die ganze Welt. Eine heutige spirituelle Deutung kann darin eine Einladung zu Aufmerksamkeit und Achtung gegenüber allem Lebendigen sehen. Diese Deutung ergänzt das Studium; sie ersetzt die historische Bedeutung der folgenden kosmologischen Aussagen nicht.
Japa, Verehrung und Freiheit
pūjāyuktaṃ japenmaṃtraṃ na maṃtraṃ kevalaṃ japet |
japayuktā bhavetpūjā na pūjā kevalā bhavet || 11-173 ||
Der Mantra soll mit Verehrung verbunden rezitiert werden, nicht als bloße Rezitation. Die Verehrung soll mit Japa verbunden sein, nicht allein für sich bestehen.
Dieser Vers verbindet Klang und innere Haltung. Im historischen Zusammenhang steht er in einer komplexen Ritualordnung. Für heutige Leser lässt sich daraus die Frage gewinnen, ob die eigene Rezitation von Aufmerksamkeit und Hingabe getragen wird.
kaivalyaṃ labhate yogī kālīvyāpakatāmiyāt |
iti saṃkṣepataḥ proktaṃ kimanyacchrotumicchasi || 12-35 ||
Der Yogī erlangt Kaivalya und geht in Kālīs Allgegenwart ein. So ist es in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören?
Der vorangehende Vers nennt ausdrücklich Vairāgya, die Leidenschaftslosigkeit auch gegenüber außergewöhnlichen Fähigkeiten. Die letzte Orientierung liegt damit jenseits des bloßen Erwerbs von Macht. Kaivalya, Freiheit, und Kālīs Allgegenwart werden hier unmittelbar verbunden.
Bedeutung für Yoga-Aspiranten

Für heutige Leser ist die Verbindung von Wissen und Praxis besonders anregend. Die Verse 1.173–175 bestehen darauf, dass Verehrung Verständnis voraussetzt. Wer ein vertrautes Mantra rezitiert, kann deshalb zuerst klären, welcher Überlieferung es angehört und welche Haltung damit verbunden ist. In der anschließenden Stille lässt sich beobachten, wie Klang und Aufmerksamkeit zusammenwirken. Dies ist eine heutige, einfache Praxisanregung und keine zusätzliche Einweihungsordnung des Tantra.
Eine heutige musikalische Annäherung an die Göttin:
Schluss: Schönheit, Erkenntnis und Hingabe
Das Sundarīkhaṇḍa führt von Śrīcakra und Einweihung über Laut, Atem und inneres Bild zu zahlreichen Göttinnenformen. Sein Titel darf daher nicht als Beschränkung auf eine einzige Kultgestalt verstanden werden. Die ausgedehnten Kālī-Nityā-Kapitel gehören ebenso zu diesem überlieferten Khaṇḍa wie seine Śrīvidyā-Lehren.
Die Vielfalt verlangt genaues Lesen: Nicht jede Ritualverheißung ist eine philosophische Aussage, und nicht jede Mantraform lässt sich aus beschädigtem Text sicher herstellen. Zugleich kehren tragende Gedanken wieder: die Welt als Śakti, die Einheit der Göttinnen, die Verbindung von Japa und Verehrung und die Freiheit von der Bindung an bloße Vollendungen. Darin liegt ein fruchtbarer Ausgangspunkt für Studium und eigene stille Besinnung.
Quellen und Textgrundlage
- Muktabodha Indological Research Institute: Sundarīkhaṇḍa des Śaktisaṅgama Tantra, M00129; IAST- und Devanagari-Transkription unter Leitung von Mark Dyczkowski.
- Die Metadaten nennen Benoytosh Bhattacharyya als Herausgeber und 1947 als Erscheinungsjahr. Der Dateikopf bezeichnet den Band an einer Stelle irrtümlich als Tārākhaṇḍa; Werktitel und Kolophone belegen Sundarīkhaṇḍa.
- Die elektronische Textgrundlage nennt Creative Commons BY-NC 4.0. Attribution und Lizenzangabe sind bei der Weitergabe zu beachten.
- Zahlenfolgen und historische Einordnungen anderer religiöser Richtungen werden als Aussagen dieser Quelle wiedergegeben. Die Ausgabe beansprucht keine neue kritische Edition.
Siehe auch
- Shaktisangama Tantra
- Shaktisangama Tantra Kalikhanda
- Shaktisangama Tantra Tarakhanda
- Shaktisangama Tantra Sundarikhanda
- Shaktisangama Tantra Chinnamastakhanda
- Shaktisangama Tantra 108 Inspirierende Verse und Mantras
- Kularnava Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Prapanchasara Tantra
- Sharada Tilaka Tantra
- Rudrayamala Tantra
- Tara Tantra
Seminare
Kundalini Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
- 13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning
Bhakti Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
Mit dem Text weitergehen
Das Sundarīkhaṇḍa führt immer wieder von Form zu Bewusstsein zurück. Sundarī, Shri Chakra, Mantra und Bhāvanā werden nicht nur als äußere Formen beschrieben, sondern als Wege, die Gegenwart der Śakti im eigenen Erleben zu vergegenwärtigen.
Wer diesen Teil meditativ liest, kann nach einem Abschnitt kurz innehalten und fragen: Was bedeutet hier Schönheit, Bewusstheit oder Einheit ganz konkret für meine Haltung? So verbindet sich die Genauigkeit der Sri Vidya-Überlieferung mit einer lebendigen Meditation. Zum Weiterstudium eignen sich besonders Nityashodashikarnava, Parashurama Kalpasutra und Dakshinamurti Samhita.