Shaktisangama Tantra Tarakhanda
Shaktisangama Tantra – Tarakhanda stellt Tara in das weite Geflecht tantrischer Shakti-Verehrung. Ihre Gestalt wird mit Kali und Tripurasundari verbunden; die vielen Namen und Rituale führen immer wieder zur Frage nach der Einheit der göttlichen Kraft zurück.
Für das Studium von Mantra Yoga ist die Verbindung von Guru, Einweihung und eigener innerer Ausrichtung besonders bedeutsam. Der Text versteht Mantras als Teil einer lebendigen Überlieferung. Seine Aussagen über Bewusstsein eröffnen zugleich einen Zugang, der über die bloße Sammlung außergewöhnlicher Kräfte hinausweist.

Lesehilfe und Textumfang
Diese Ausgabe erschließt alle 71 Paṭalas des Tārākhaṇḍa. Die elektronische Muktabodha-Vorlage umfasst Kapitel 1–47. Ihre Lücke 18.44–100 sowie die Kapitel 48–71 sind nach dem Grundtext der Druckausgabe von 1941 ergänzt. Fehlende Scanseiten wurden anhand einer zweiten Digitalisierung ergänzt; die Quellenwechsel sind örtlich ausgewiesen. Wegen überlieferter Lücken und ausdrücklich gekennzeichneter Inhaltsangaben liegt keine durchgehend wörtliche Vollausgabe vor. Sexualisierte Stellen mit minderjährigen oder altersmäßig unklaren Beteiligten stehen in Kapitel 4, 13–17, 20, 23–24, 30, 32, 35–37, 59–63 und 66 als nichtgrafische Inhaltsangaben. Bestimmte lebensgefährliche Selbstopferungsstellen in Kapitel 16–17, 36, 39 und 44 sowie die schädigende Zubereitung in 54.18–24 sind nichtanleitend zusammengefasst. Diese Ersetzungen gelten auch für die beiden Sanskrit-Lesefassungen; die einzelnen Verse bleiben durch ihre Nummern auffindbar.
Die Übersetzung beruht auf der Muktabodha-Textfassung M00119 und den Ergänzungen aus der Druckausgabe von 1941. Unklare oder beschädigte Stellen sind örtlich gekennzeichnet. Die umfangreichen Zahlen und die Wertungen anderer religiöser Richtungen sind Aussagen des historischen Werkes. Die dargestellten Rituale und Unheilsandrohungen sind keine modernen Praxis- oder Gesundheitsanweisungen. Siddhi kann Vollendung ebenso wie außergewöhnliche Fähigkeit bedeuten; Vidyā bezeichnet je nach Zusammenhang eine Göttin, ihre Mantraform oder das heilige Wissen.
Für den Schriftvergleich stehen der IAST-Quellentext und die Devanagari-Quellenfassung zur Verfügung. Originale Zählung, Sprecherwechsel und Kolophone bleiben maßgeblich; bei der deutschen Versangabe wird die Kapitelnummer zur Orientierung ergänzt.
Zur Ausgabe: Gesamtwerk · Kalikhanda · Tarakhanda · Sundarikhanda · Chinnamastakhanda · 108 Verse und Mantras
Eine heutige Einführung zu Tārā:
Paṭala 1: Begriffe, Göttinnen und Überlieferungswege
Eingangsverehrung: Verehrung den ehrwürdigen Gurus!
Werktitel: Das ehrwürdige Śaktisaṅgama Tantra. Zweiter Teil: Tārākhaṇḍa.
1.1 Ādinātha sprach: Kālī, Kālī, große Kālī, geliebte Dakṣiṇakālikā, Herrin der Kādi- und Hādi-Lehren, die sechzig Vollendungen offenbart!
1.2 Glückverheißende, deren Gestalt Brahman ist, erkläre auch das Geheimnis. Früher hast du es angedeutet, Göttin, mir aber nicht mitgeteilt.
1.3 Erkläre es mir, Herrin der Götter, wenn du Erbarmen mit mir hast. Die ehrwürdige Kālī sprach: Das vor allen geheim zu haltende Geheimnis wird nun erklärt; höre zu.
1.4 Eins, zehn, hundert, tausend und zehntausend, o Gott; dann wird Niyuta genannt, das dasselbe wie Lakṣa, hunderttausend, bezeichnet.
1.5 Danach folgt Prayuta, o Gott, das zehn Lakṣas, eine Million, bezeichnet; Koṭi, zehn Koṭis, Arbuda und zehn Arbudas,
1.6 Kharva, Kāṣṭhakharva, Nikharva, Diṅikharva, Jaladhi, Antamadhya, Vṛnda und danach Abja,
1.7 Laya, großer Herr, und dann Mahālaya; Śaṅkha, Mahāśaṅkha, Padma und Mahāpadma,
1.8 Mukunda, Kundanīla und Mahānīla, Śaṅkara, Makara, Kacchapa und danach Parārdha,
1.9 sowie Pāreparārdha: Darüber hinaus gibt es keine Zahl. Was darüber liegt, heißt unendlich; so ist es im Kālikāgama erklärt.
1.10 Diese Zahlen soll man als jeweils um das Zehnfache steigend verstehen, Maheśvara. Nun wird der Umfang der Āgama-Schriften erklärt; höre zu.
1.11 Fünfzig Mahābhāras werden als Textmenge genannt. Eins, zehn, hundert, tausend und Niyuta sind zu kennen,
1.12 Prayuta, Arbuda, Kharva, Vṛndakharva, Nikharva, Śaṅkha, Padma, Samudra, Madhyama und Antya,
1.13 Parā, Parama, Parārdha und Tatparārdha: So sind im Lakṣaṇasaṃgraha die Zahlen in jeweils zehnfacher Steigerung erklärt. [Die beiden Zahlennamenlisten stimmen nicht vollständig überein; sie werden nicht zu einem einheitlichen Dezimalsystem berichtigt.]
1.14 Eine Einheit von zweiunddreißig Silben heißt Grantha; dieselbe wird auch Śloka genannt, aus Tārās Auge hervorgegangen.
1.15 Darin befinden sich alle Yāmalas und Ḍāmaras, große Herrin, die Tantras und Arṇavas sowie dreihundert Cūḍāmaṇis,
1.16 Cintāmaṇi, Kalpataru und alle Kalpas, Kāmadhenu, Pārijāta, Amṛta und Darpaṇa,
1.17 Sopānas, Saṃhitās und Upasaṃhitās und die übrigen, ferner Sāṃkhyāyana-Āvartanas und Mūlāvatāras. [Die Trennung und Zuordnung der Namen ist teilweise unsicher.]
1.18 Purāṇas, ergänzende Zählungen und viele Geheimschriften, Bṛhadrahasya und Ujjābāla sowie zahlreiche Hṛdayas,
1.19 Kaumudī und ähnliche Werke, Herr der Götter, ebenso Candrikā, Śiva, Pātañjala und ähnliche sowie Sārasvata und weitere,
1.20 alle Upatantras, die Āgamas der wechselnden Überlieferungsströme und die Bṛhat genannten Werke, Herr der Götter, jeweils in der passenden Abfolge.
1.21 Das Wort upa und die große Kraft betreffen Tantra und Yāmala. [Die erste Halbzeile ist elliptisch und nicht sicher deutbar.] Der ehrwürdige Śiva sprach: Du hast die Namen der Schriften genannt; sage, wie viel davon sich wo befindet.
1.22 Wie viel liegt in der Menschenwelt, wie viel im Himmel und in der Unterwelt? Die ehrwürdige Kālī sprach: Von fünfzig Mahābhāras sind sechsunddreißig auf der Erde,
1.23 vierzehn im Himmel und zehn in der Unterwelt. So habe ich dir die Fülle der Āgamas erklärt. [Die angegebenen Teilmengen ergeben sechzig statt fünfzig; die Unstimmigkeit steht in der Vorlage.]
1.24 Śaiva, Śākta, Gāṇapatya, Saura, Vaiṣṇava, Mahāvīra, Pāśupata, Vaiṣṇava und Vīravaiṣṇava,
1.25 Vīraśaiva, Cāndra und danach Svāyambhuva, Pāñcarātra, Gāruḍa, Kerala und Śābara,
1.26 Śrīsiddhaśābara, o Gott, ebenso Kālaśābara, Kumārīśābara und Vijayāśābara,
1.27 Kālikāśābara, Divyaśābara, Vīraśābara, Śrīnāthaśābara, o Gott, und das höchste Tāriṇīśābara,
1.28 Śrīśambhuśābara: Die Śābara-Arten haben die Zahl der Rudras, elf. Raktaghora, Śukla und Ghoraviṇmūtraka,
1.29 Vīṇāghora, Nīla und der Sarvabhakṣa Genannte,
1.30 Ghorāghora und Siddha: Elf Ghora-Arten werden überliefert. Dazu kommen Māyākāpālika sowie Vīra- und Bauddha-Āgama. [Die im Wortlaut aufgezählten Ghora-Namen ergeben nicht eindeutig elf.]
1.31 Der Jaina-Āgama umfasst Arten, die mit roten und weißen Gewändern verbunden sind. Die zahlreichen Cīna-Unterformen werden als zweihundert bezeichnet.
1.32 Bei den Buddhisten gibt es hundert Unterformen, im Pāśupata zehn, im Kaula acht, ferner Avadhūta und die vedische Lehrschrift.
1.33 Man soll dies sorgfältig entsprechend den Pflichten der jeweiligen gesellschaftlichen Gruppe zuordnen. Welche Pflichten für welche Gruppen erklärt sind,
1.34 diese soll man ihnen jeweils sorgfältig zuordnen. So soll ein Brahmane handeln, damit sein Brahmanentum nicht zugrunde geht.
1.35 Ebenso ist bei den anderen Gruppen zu verfahren, Mṛḍa, Śaṅkara, Herr. Wer dieses Geheimnis der Schriften kennt, ist ein Herr.
1.36 Wegen der großen Textmenge habe ich dir dies hier nicht ausführlich erklärt. Der ehrwürdige Śiva sprach: Sage, freundlich Sprechende, was im Śivatattva angedeutet ist.
1.37 Siddhavidyā, Mahāvidyā und Laghuvidyā gelten als drei Arten; doch obwohl sie dreifach erklärt werden, wurde dies den Menschen nicht gezeigt.
1.38 Eben dies erkläre, Göttin; nenne zuerst ihre Zahl, Geliebte. Die ehrwürdige Kālī sprach: Zehn ist die Zahl der Mahāvidyās; ich werde ihre Namen nennen.
1.39 Siddhavidyā, Mahāvidyā und Vidyā: So lautet die Rangfolge ihrer Eigenschaften. Wie sie im Ablauf der vier Zeitalter vollendet sind und welcher Art,
1.40 welche im Satya-Zeitalter vollendet sind, welche Vollendung besteht, Maheśvara, und welche in anderen Zeitaltern vollendet sind: Dies alles wird dir erklärt; höre zu.
1.41 Im Satya-Zeitalter werden Sundarī, Bhuvaneśvarī, Kālī und Tārā als Siddhavidyās genannt, Herr der Götter.
1.42 Kālikā ist stets Siddhavidyā, Maheśvara. Chinnamastā, Bagalā, Mātaṅgī und Kamalā,
1.43 eben diese sind Mahāvidyās. Höre nun von den Vidyās, Geliebter: Dhūmāvatī und Bhairavī sind als Vidyās eingesetzt.
1.44 Kālī, Tārā, die große Vidyā Ṣoḍaśī, Bhuvaneśvarī, Bhairavī, Chinnamastā und die Vidyā Dhūmāvatī,
1.45 Bagalā, die Siddhavidyā, Mātaṅgī und Kamalātmikā: Eben diese werden Mahāvidyās und Siddhividyās genannt.
1.46 In Vīranāthas Lehre, o Gott, ist ihre Stellung nach den Zeitaltern dreifach. Kālī, Chinnā, Sundarī und Tāriṇī sind Siddhavidyās.
1.47 Bagalā, Kamalā und Dhūmā bilden die weitere Mahāvidyā-Gruppe. Mātaṅgī, Bhairavī, Tripuṭā und Śūlinī,
1.48 Vanadurgā und Tvaritā gelten als Vidyās, Maheśvara. Totalā, Tripuṭā, Māyā, Kānheśī, Bhramarāṅkikā,
1.49 Bhogavatī, Klinnā, Haṃsārūḍhā, Kukkuṭī und Trikaṇṭakī werden als Mahāvidyās genannt, Herr der Götter.
1.50 Dies ist die Nityā-Lehre; höre die Kubjā-Lehre, Śiva: Vajraprastāriṇī, Bhogavatī, Padmāvatī,
1.51 die Vollendung Mahāmadhumatī, Mṛtasañjīvinī, Aghorā, Rājamātaṅgī, Mātaṅgī, Hiṅgulāmbikā
1.52 und Kālarātrī werden Mahāvidyās genannt, Herr der Götter. Der ehrwürdige Śiva sprach: Chinnā hat es im Allgemeinen erklärt; zahlreiche Besonderheiten darin
1.53 sind mir bekannt, Herrin des Alls. Nimm die Haltung einer Schülerin an, Geliebte. „Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Siddhavidyās und der übrigen hören.“ [Vor der letzten Bitte fehlt eine eigene Sprecherzeile der Göttin.]
1.54 Der ehrwürdige Śiva sprach: Nach der dreifachen Unterscheidung von Siddhavidyā, Mahāvidyā und Vidyā wird nach Vidyā und Mantra eine zweifache Art erklärt.
1.55 Nach weiblich, männlich und sächlich ist die Art dreifach; im Ablauf der vier Zeitalter gibt es weitere Unterschiede innerhalb der Unterschiede, Glückverheißende.
1.56 Im Satya-Zeitalter sind Kālī, Śrīvidyā, Kamalā und Bhuvaneśvarī Siddhavidyās, große Herrin; die drei Śaktis und Bagalā, Glückverheißende,
1.57 sind im Satya-Zeitalter Mahāvidyās; Mātaṅgī, Bhairavī und Dhūmāvatī sind Vidyās. Höre nun über das Tretā-Zeitalter, Pārvatī.
1.58 Kālī, Tārā und Sundarī werden Siddhavidyās genannt, Mātaṅgī, Bhuvanā und Lakṣmī Mahāvidyās,
1.59 Dhūmāvatī und Bhairavī Vidyās, große Herrin. Im Dvāpara-Zeitalter sind Kālikā, Tārā, Rocinī und Bhairavī
1.60 Siddhavidyās, große Herrin; Sundarī, Bhuvanā, Ramā und Dhūmāvatī sind Mahāvidyās; Mātaṅgī und Kamalā
1.61 gelten als Vidyās, große Herrin, ebenso Dhūmā und Bagalā, Glückverheißende. Im Kali-Zeitalter aber Kālī allein. [Dhūmāvatī wird in dieser Liste doppelt und unterschiedlich eingeordnet.]
1.62 Kālī, Tārā und Chinnamastā gelten im Kali-Zeitalter als Siddhavidyās; Sundarī, Bhairavī, Lakṣmī, Mātaṅgī und Bhuvaneśvarī
1.63 als Mahāvidyās, große Herrin; Dhūmā und Bagalā habe ich im Kali-Zeitalter als Vidyās bezeichnet, Glückverheißende.
1.64 In Unmattabhairavas Lehre wird eine andere Unterscheidung erklärt; höre zu: Kālī, Tārā, die große Vidyā Ṣoḍaśī, Bhuvaneśvarī,
1.65 Bhairavī, Chinnamastā, die Vidyā Dhūmāvatī, Bagalā, die Siddhavidyā, Mātaṅgī und Kamalāmbikā.
1.66 Dreizehn Mahāvidyās, je nach Zeitalter wiederum dreifach: Diese Mahāvidyās bestehen in den drei Zeitaltern. [Die vorangehende Namenliste enthält nicht eindeutig dreizehn Gottheiten.]
1.67 Im Kali-Zeitalter Kālī, im Kali-Zeitalter Kālī, im Kali-Zeitalter allein Kālī! Von Kālanātha verwirklicht, wird Kālikā im Kali-Zeitalter unmittelbar sichtbar.
1.68 Wer im Kali-Zeitalter Kālī verlässt und Vollendung begehrt, der will ohne Augen eine Gestalt im Spiegel sehen.
1.69 Wer im Kali-Zeitalter Kālī verlässt und Königsherrschaft begehrt, der sucht einen Schneeberg auf, um seine Kälte zu vertreiben.
1.70 Wer im Kali-Zeitalter Kālī verlässt und Befreiung begehrt, der wünscht gewiss ohne Nahrung den Hunger zu stillen.
1.71 Wer im Kali-Zeitalter Kālī verlässt und Kraft begehrt, der ist wie jemand, der ohne Śakti nur im Geist … [Der Vergleich bricht in einer Textlücke ab.]
1.72 Wer im Kali-Zeitalter Kālī verlässt und Hingabe begehrt, der lässt fertig gekochte Nahrung liegen und möchte sich von Gras ernähren.
1.73 Wer im Kali-Zeitalter Kālī verlässt und Wunscherfüllung begehrt, der begeht fortwährend Verfehlungen, um Leid zu beseitigen.
1.74 Er ist arm, überaus töricht und mein Feind. In den drei Zeitaltern vor Kali dagegen, Herrin der Götter,
1.75 erlangt ein Mensch auch durch Verehrung einer anderen Vidyā Vollendung. Im Kali-Zeitalter ist Kālī der verwandelnde Berührungsstein, niemals eine andere Vidyā.
1.76 Die ehrwürdige Mahākālikā-Vidyā verleiht im Kali-Zeitalter die volle Frucht. Unwissentlich oder wissentlich, spielerisch oder beiläufig,
1.77 auch nur ein einziges Mal erinnert, gewährt Kālī Vollendung, große Herrin. Kālikā wird die Königin der vier Zeitalter genannt.
1.78 Sie ist Königin der Vidyās, Siddhavidyā, im Kali-Zeitalter rasch Frucht spendend. Wegen der Einheit des Namens und der Ähnlichkeit der Gestalt wird sie Mahāvidyā genannt.
1.79 Kali ist ihr Diener und verehrt ihre Füße. Wer sich auch nur einmal an Kālikās Namen erinnert, große Herrin,
1.80 dem dient Kali; er erfährt keine Bedrängnis durch Kali. Kali schenkt ihm Güter, Gold und Bäume vom Śrīśaila. [Hemaśrīśailabhūruhān ist als zusammengesetzte Gabe nicht eindeutig zu gliedern.]
1.81 Er kommt selbst herbei und gibt dies täglich mit Sorgfalt. Die Fülle dieser Vollendungen vermag ich nicht auszusprechen.
1.82 Weil sie dem Verleihen von Gaben ergeben ist, heißt sie Dakṣiṇā, „die Freigebige“. Diese Dakṣiṇakālī wird als Boden der Vollendung bezeichnet.
1.83 Kālikā, Ṣoḍaśī und Tārā gelten als dem linken Ritualweg zugetan; Chinnamastā und Bagalā sind die vorstehenden Gottheiten des linken Weges.
1.84 Mātaṅgī und die übrigen verleihen durch den linken Weg Vollendung, große Göttin. Kamalā, Bhuvanā, Bālā und Dhūmāvatī, Glückverheißende,
1.85 werden durch den rechten Ritualweg gewiss verwirklicht, ohne Zweifel; ebenso werden sie auch durch den linken Weg verwirklicht, große Herrin.
1.86 Bhairavī wird durch den linken Weg erfreut; Bālā gehört dem rechten und linken an. Die Vidyā Vasantasundarī und ebenso Saṅgītasundarī
1.87 werden durch die Verbindung von linkem und rechtem Weg gewiss verwirklicht. Reṇukā gehört dem rechten Weg an; auch andere Göttinnen sind dem rechten zugeordnet.
1.88 Mardinī wird durch den linken Weg gewiss unmittelbar sichtbar. Bei Bālā gelten beide Ritualwege, ebenso bei Śrīvidyā.
1.89 Lopāmudrā ist in den drei Welten als dem rechten Weg zugehörig berühmt; doch dieselbe Göttin liebt den linken Weg und gewährt dadurch rasch Frucht.
1.90 Kālī, Tārā, Chinnamastā, Sundarī, Bagalāmukhī, Bhairavī und Mātaṅgī lieben stets den linken Ritualweg.
1.91 Bei Mātaṅgī und Bagalāmukhī besteht auch der rechte Weg. Unter Mātaṅgīs Formen sind Laghumātaṅgī und Sumukhī dem linken ergeben. [Die genaue Trennung dieser Unterformen bleibt elliptisch.]
1.92 Gelegentlich findet sich der linke Ritualweg auch bei Gaṇeśa, Rudra, Viṣṇu, Sūrya, Svayambhū und selbst im Vedischen; die Bhairavas sind ihm ergeben.
1.93 Die Kṣetrapālas sind dem linken Weg ergeben, ebenso Cīnas und Kāpālikas; auch die Pāśupatas sind darin gegründet, o Gott.
1.94 Die Buddhisten, die Kerala-Anhänger, Vīravaiṣṇavas und Śāmbhavas, die Mondverehrer und Aghoras, Herrin der Götter, wenden sich dem linken Zugang zu.
1.95 Auch die Bārhaspatyas und weitere Richtungen sind dem linken Weg ergeben. Die Cīnas sind dem linken Weg und dem buddhistischen Brauch ergeben, Göttin.
1.96 Die Vidyā Gopālasundarī, Nṛsiṃhasundarī, die ehrwürdige Brahmasundarī-Vidyā und Vāmasundarī,
1.97 Sundarīgaṇapa, Göttin, und Hayānana mit derselben vorangestellten Bezeichnung, die Yakṣiṇīs und alle weiteren Vidyās, Kāminīs und Yoga-Führerinnen,
1.98 werden durch den linken Weg verwirklicht; anders verleihen sie niemals Vollendung. Ebenso gilt es bei Dakṣiṇāmūrti, Hayagrīva und Gaṇeśa,
1.99 durch die Verbindung von linkem und rechtem Weg beiden Ritualweisen zu folgen. Im Śaiva, Śākta, Gāṇapatya, Saura und Svāyambhuva,
1.100 im Cāndra, Cīna, Pāñcarātra, Vaiṣṇava, Vedischen und Kāpālika ist hier der linke Weg die Ursache, große Herrin.
1.101 Durch die Art des linken Weges wird alles verwirklicht, nicht anders. Ohne den linken Weg werden die Gottheiten nicht verwirklicht, Göttin.
1.102 Totalā, Tulajā, Durgā, Tripuṭā, Trijaṭā und Āsurī werden durch den linken Ritualweg verwirklicht; im rechten bewirken sie Erschütterung. [Die Namenstrennung am Ende der ersten Halbzeile ist mehrdeutig.]
1.103 Hierfür ist Siddhabhairava selbst Gewähr, Göttin. Andernfalls bleibt der Mensch irrend; anders verhält es sich nicht.
1.104 Sundarī steht im linken und rechten Weg, Kālikā geht den linken. Kālī, Tārā, Chinnamastā, Sumukhī und Mataṅginī,
1.105 auch Bagalā, Herrin des Gottes der Götter, sind dem linken Weg ergeben. Wer den linken Ritualweg aufgibt und Kālī, Tārā oder Bhairavī,
1.106 Mahāpiśācinī, o Gott, besonders aber Chinnamastā verehren möchte, wird zu Fall kommen.
1.107 Er wird arm, mein Feind und verliert seine Söhne. Besonders für alle Mantras wird der Kula-Brauch vorgeschrieben.
1.108 Dann werden alle Vidyās vollendet; daran soll kein Zweifel bestehen. Sureśvarī, die Mahāvidyā, und alle im Śākta, große Herrin,
1.109 die Vidyās im Mantrakreis gewähren durch den linken Weg Vollendung. Durch ihn werden auch die Scharen der Apsaras und der übrigen Wesen verwirklicht, Glückverheißende.
1.110 Ohne den linken Weg werden sie nirgendwo verwirklicht, Göttin. Der linke Ritualweg ist hier in allen religiösen Anschauungen vorrangig.
1.111 Zuerst Śākta, dann Śaiva, Vaiṣṇava und Gāṇapatya, Saura, Cāndra, Jaina-Dharma und danach Svāyambhuva:
1.112 Alle diese verschiedenartigen Gruppen werden in den linken Weg aufgenommen. Wenn jemand auch innerhalb dieser religiösen Wege nicht nach dem linken verfährt,
1.113 erlangt er keine Vollendung, Herrin der Götter, und wird mein Feind genannt. Im Kulāgama wird die Lehre des linken Weges als allen anderen überlegen bezeichnet.
1.114 Darin gilt sie besonders bei den Riten Kālikās und Tārās als lieb. Wer den linken Weg aufgibt und Kālī voller Hingabe verehrt,
1.115 dessen Handlung bleibt fruchtlos; er wird ein großer Paśu genannt. Auch in der Überlieferung gibt es die Unterscheidung in beste und mittlere,
1.116 als dritte die geringste; jeweils drei innerhalb der drei, der Reihe nach. Höre nun über die beste.
1.117 Die Mantras der sechs Anschauungen und der übrigen werden an sechs Orten eingesetzt. Dabei wird die volle Weihe als vollständig bezeichnet.
1.118 Auch dort gibt es wechselnde Unterteilungen, wobei der linke Weg vorherrscht: im Śaiva, Vaiṣṇava, Śākta, Saura und in der Lehre des Sugata,
1.119 im Buddhismus, Pāśupata, Sāṃkhya, bei den Mantra-Kālamukhas, im rechten Weg und im Vedischen werden die linken Formen verwirklicht, Geliebte. [Die Aufzählung überschneidet sich und wird unverändert bewahrt.]
1.120 Ohne Wein und Fleisch ist die Verehrung fruchtlos. So besteht bei den zehn Vidyās und den sechs Überlieferungsströmen die Orientierung am linken Weg.
1.121 Damit ist der mittlere Überlieferungsstrom erklärt. Höre den geringsten, Geliebte: durch die Unterformen Kubjās und der übrigen die Anordnung des östlichen und der weiteren Überlieferungsströme.
1.122 Der geringste ist dir hier erklärt; früher wurde er im Sūkta genannt. Kādi ist Kālī, die große Śakti; Hādi ist Tripurasundarī.
1.123 Nach Kādi und Hādi ist die Gesamtheit der Überlieferungsbedeutung zweifach. Im Kulārṇava, Tantrakaula und Vīracūḍāmaṇi,
1.124 im Siddhānta namens Traipura, ebenso in den beiden Jñānārṇavas, in der Śrīmūrtisaṃhitā und im Samayārṇava,
1.125 in diesen Tantras ist die Hauptlehre im linken Überlieferungsstrom begründet. Durch Kādi besteht Brahman-Wesen, durch Hādi Śiva-Wesen.
1.126 Im großen Brauch des Brahman-Wesens gibt es weder Tag noch Nacht, Geliebte, weder mühevolle Anstrengung noch die Bedingung von Reinheit und weiteren Vorschriften.
1.127 All dies geschieht nach eigenem Willen; daher ist diese Art die höchste. Kādi wird einleitend als Kālī und Śakti erklärt.
1.128 Es gibt Kādi-Kālī und Hādi-Kālī; im Kali-Zeitalter aber Kālī allein. Höre nun, Pārvatī, von Sundarīs Hādi-Wesen und ihrer Śiva-Natur.
1.129 Durch Hādi besteht Śiva-Wesen und die Vergegenwärtigung dieser Śiva-Gestalt; dazu kommen körperliche Mühen, Baden und viele Nyāsa- und Verehrungshandlungen.
1.130 Wegen dieser Fülle der Abfolge gelingt die Verwirklichung im Kali-Zeitalter oder auch nicht. Daher gewähren Kālī und Tārā in allen Zeitaltern Frucht, Göttin.
1.131 Bei Sundarī wird der Kula-Brauch als rajasbetont bezeichnet, auch als göttlich, Göttin; bei Kālī als rajas- und tamasbetont,
1.132 ebenfalls als göttlich, doch mit Vorherrschaft des Vīra-Weges. Deshalb gewährt sie rasch Frucht. Kādi ist Kāmarāja, Hādi wird als die höchste Lopā bezeichnet.
1.133 Dies ist nach Vaṭeśas Auffassung eine technische Benennung. Es gibt viele Mantras, die mit ka beginnen, höchste Herrin,
1.134 doch darin liegt nicht überall Kādi-Zugehörigkeit. Ebenso gibt es in der höchsten Hādi-Gruppe sechsunddreißig Padmas von mit ha beginnenden Mantras, o Gott,
1.135 ohne dass darin überall Hādi-Zugehörigkeit bestünde. Hādi gilt hier allein für Ṣoḍaśī, Kādi für Kālikā; deshalb wird die Einheit von ka und ha erklärt.
1.136 Auch bei Kālī gibt es sehr viele Hādi- und Kādi-Unterformen; die technische Kādi-Hādi-Zuordnung liegt dort nicht einfach vor. Auch Lopā ist nicht allein deshalb Hādi.
1.137 Lopā ist eine Unterform Sundarīs, wie Kāmarāja und die anderen. So ist Kādi-Hādi zu verstehen: Hādi ist die ehrwürdige höchste Ṣoḍaśī.
1.138 Bei Hādi sind Regeln vorgeschrieben, Yamas, Selbstbeherrschung und weitere. Bei Kādi gibt es keine solche Regel; man übe die Lehre nach eigenem Willen.
1.139 Die Kādi-Lehre ist stets verbunden und gilt als aus technischen Bestimmungen bestehend. Das Śaktisaṅgama Genannte ist die große Kādi-Lehre, Glückverheißende. [Die Vorlage liest maṭaṃ statt des erwartbaren mataṃ; nityāśliṣṭam bleibt mehrdeutig.]
1.140 Darin bestehen Kādi, Hādi und ihre Verbindung als drei. Bewusstseinskraft hat Kādi-Gestalt; Hādi liegt im Bereich der Erkenntnis des Bewusstseins. [Die Vorlage liest hier vādiḥ; die Wiedergabe Hādi folgt dem unmittelbaren Gegensatz und ist unsicher.]
1.141 Das Große, dessen Wesen Bewusstsein und Wonne heißt, besteht aus Śiva und Śakti. Bei Kālī wird stets die Vorherrschaft der Śakti erklärt.
1.142 Bei Sundarī besteht gelegentlich eine Vorherrschaft innerhalb der Gleichheit. Wer bei Kālī unter Ausschluss der Śakti Japa übt,
1.143 wird arm, sehr unglücklich und zur Speise der Yoginīs. Bei Sundarī gilt Brahmacarya, bei Kāla die Gestalt der Wonne. [Kāle kann hier auch eine beschädigte Kālī-Lesung sein.]
1.144 So sind die Bezeichnungen von Kādi, Hādi und den übrigen erklärt, große Herrin, zur Verwirklichung der ganzen Entfaltung und zu ihrer Geheimhaltung.
1.145 Entsprechend den Überlieferungen von Gauḍa, Kerala und Kāśmīra ist die Einweihung im Vidyā-Ritus zu vollziehen, besonders bei Tārā.
1.146 Bei Jākukā und Sundarī bestehen zwanzig Formen, beginnend mit der vollen Einweihung. Im Paar der Kādi- und Hādi-Lehren vollziehe man den Weiheritus. [Jākukā und hābhiṣeka sind unsichere Lesungen.]
1.147 Man verfahre entsprechend der jeweiligen Vidyā und den passenden Namen der Gurus, nach den vielfältigen Unterteilungen von Dakṣa, Kāśmīra und Gauḍa.
1.148 Man erteile die Weisung für einen Namen, der auf „…ānandanātha“ endet. Die volle Weihe wird bei Sundarī gerade in Ṣoḍaśī erklärt.
1.149 Steht diese nicht zur Verfügung, geschieht sie bei Laghuṣoḍaśī oder auch beim Mantra der technischen Bestimmung. Die Vidyā Rājarājeśvarī, Pañcamī und Parasundarī,
1.150 die ehrwürdige Mahāṣoḍaśī ist vollständig und ergänzt die zuvor erfolgte Einweihung. Auch bei anderen Unterformen ist dies zu vollziehen; es ist in Kürze erklärt.
1.151 Ebenso wird Kāmakalā Kālī auch bei Dakṣiṇā genannt. Bei allen Mahāvidyās bringt die Weihe Glück.
1.152 Dabei wird die Namensverleihung gemäß der jeweiligen Lehre erklärt. Kālī, Tārā und Chinnamastā haben eine einzige Gestalt, Pārvatī.
1.153 Ebenso wird bei Kālī im Schöpfungsritus die neunsilbige Form genannt. Guhyakālī ist dieselbe Vidyā, mit den Neunergruppen der Tattvas verbunden,
1.154 auf sieben Pretas sitzend, die höchste Mahāguhyeśvarī, mit zehn Gesichtern. Hier verfahre man nach dem eigenen Kalpa und meditiere den betreffenden Namen,
1.155 auf die vom Guru erklärte Weise und im Einklang mit der Überlieferung. Wie es bei den zehn Vidyās Reihen von Gurus gibt,
1.156 so werden bei den zehn Vidyās auch Ṣoḍhā-Nyāsas erklärt. Sie sind jeweils zu Beginn der Verehrung zu verehren und verleihen alle Vollendungen.
1.157 Auch bei Sundarī, Herrin der Götter, bei Kāmarāja und den übrigen, bei Svapnāvalī, Lopā und den Unterformen Madhumatīs,
1.158 werden überall Gurus mit verschiedenen Namen genannt. Kālikā gewährt gewiss Frucht auf dem im Kālikramāgama erklärten Weg.
1.159 Sundarī gewährt gelegentlich Frucht durch den im Kulārṇava erklärten rechten Weg. Die Arṇavas gelten allgemein; ihr Geltungsbereich umfasst alle Lehren.
1.160 Menschen, die ohne volle Weihe Kālī, Tārā oder Sundarī rezitieren, Göttin, sind Diener Yamas.
1.161 Daher soll die Weihe in jeder Weise vollzogen werden, du mit dem reinen Lächeln. Nach den Überlieferungen der Gādi-, Kādi- und weiteren Gruppen vollziehe man sie gewiss. [Gādi ist textlich unsicher.]
1.162 Im mit seinen beiden Gliedern versehenen Zusammenhang, große Herrin, wurde dies schon früher von mir erklärt; auch bei Parā, Herrin der Götter, dort durch die Verbindung mit Prāsāda,
1.163 ist es in den acht Unterformen entsprechend der Überlieferung erklärt. Auch bei den verschiedenen Überlieferungs-Vidyās ist der Weiheritus überliefert. [Der Bezug der verkürzten Angaben in 1.162 ist unklar.]
1.164 Kālī-Vidyā besteht im Kali-Zeitalter in zehn Lakṣas, einer Million, Unterformen; Sundarī wird auf der Erde mit „sieben Lakṣas, denen zehn vorausgehen“ genannt. [Die Mengenangabe ist nicht eindeutig auflösbar.]
1.165 Tārā hat drei Nikharvas, Chinnā ein Kharva. Mit fünfhunderttausend und fünfundachtzigtausend
1.166 wird die Mahāvidyā Bhuvaneśī gezählt. Höre aufmerksam über Bagalā: Bagalā hat Tattva-Lakṣas; neunzigtausend umfasst
1.167 die Mahāvidyā Dhūmāvatī, sechsundachtzig Bhairavī; Mātaṅgī zwei Lakṣas, Kamalā fünf Lakṣas. [Bei Bhairavī fehlt die ausdrückliche Mengeneinheit; bei Tattva-Lakṣas ist die vorausgesetzte Tattva-Zahl offen.]
1.168 Diese sind durch Verkettung und kombinatorische Entfaltung hervorgegangen. Auch nach allgemeinen und hauptsächlichen Unterformen wird der Einweihungsname erklärt.
1.169 Sundarī besteht in siebenundsiebzig Unterformen, Bhairavī wird auf der Erde mit vierzig genannt.
1.170 Bhuvaneśī hat acht Unterformen, Mātaṅgī gilt als fünffach, Kamalā hat hundert, Bagalā sechsunddreißig.
1.171 Dhūmāvatī ist fünffach, Tārā dreifach oder dreizehnfach, Kālikā zehnfach, Chinnā sechzehnfach.
1.172 Bei den zehn Formen der ehrwürdigen Kālī wird jeweils eine eigene Einweihung erklärt. Dakṣiṇā hat die doppelte Sonnenzahl, vierundzwanzig, Śmaśānā gilt als zehnfach.
1.173 Bhadrakālī ist sechzehnfach, Kālakālī achtfach, Guhyakālī neunfach, Kāmakālikā siebenfach,
1.174 Dhanakālī neunfach, Siddhakālī dreizehnfach, Candrakālī zwanzigfach und Haṃsakālī siebzigfach. So ist auch diese Unterscheidung vorzunehmen. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 1. Kapitel namens „Begriffsbestimmungen“.
Paṭala 2: Der Lobpreis der Weihe
2.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte den höchsten Lobpreis der Weihe hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Sundarī, Tāriṇī und Kālī sind die drei Bereiche der stufenweisen Einweihung.
2.2 Wer die Stufenfolge vollständig besitzt, große Herrin, wird durch sie Śambhu. Wer durch die volle Weihe innerlich geläutert ist, an welchem Ort er auch stirbt,
2.3 hat selbst die Gestalt der Göttin; dieser Ort wird gesegnet. Ohne volle Weihe befindet sich sogar Śiva in der Gestalt eines gebundenen Paśu.
2.4 Ohne volle Weihe wird die Gottheit nicht gnädig. Wer ohne volle Weihe Kālī oder Tārā rezitiert,
2.5 dem werde ich die Wirkung seiner Handlung nehmen; der Mensch wird wahnsinnig. Für den mit voller Weihe Ausgestatteten dagegen wird alles zu Nektar.
2.6 Seine Handlung ist fruchtbar, und die Gottheit wird sehr gnädig. Wer volle Weihe besitzt und nach dem Erblicken der Mantras Japa übt, Glückverheißende,
2.7 erlangt augenblicklich Vollendung; daran soll kein Zweifel bestehen. Ohne volle Weihe, im Guru-Dharma, Pārvatī,
2.8 erreichen weder Japa noch Feueropfer noch Pūjā jemals Vollständigkeit. Auch ohne Guru, Herrin der Götter, wer den Weihe-Mantra rezitiert,
2.9 und ihn mit seinen Unterformen verwirklicht, vermag dann Vollendung zu verleihen. Wer volle Weihe besitzt, soll keine Verneigung ausführen lassen. [Die Satzverbindung in 2.7–9 und das Verhältnis zur zuvor betonten Guru-Bindung sind textlich nicht eindeutig; die Übersetzung glättet den Widerspruch nicht.]
2.10 Wo die Unterweisung der sechs Überlieferungsströme lebendig ist, Pārvatī, ist die höchste Śrīmahāṣoḍaśī die Königin des oberen und der übrigen Überlieferungsströme.
2.11 Bei Kālī ist es Kāmakālī, darin auch Dakṣiṇeśvarī; in den sechs Überlieferungsströmen und im Śāmbhava ist Guhyakālī glückbringend.
2.12 Die Dakṣiṇā-Kālikā-Vidyā ist Siddhavidyā, höher als das Höchste. Kālī ist Herrin der vier Zeitalter, im Kali-Zeitalter allein. [Taravai in der Vorlage ist beschädigt.]
2.13 Diese Kālī aller Gottheiten gewährt in vier Nachtwachen Vollendung. Andere Vidyās, Herrin der Götter, verleihen nach viel … Frucht. [Die Vorlage weist eine Lücke auf.]
2.14 Sundarī hingegen nicht im Kali-Zeitalter; auch die Kūṭa-Aussprache gelingt im Kali-Zeitalter nicht. Ein Kūṭa entsteht durch Lautgruppen; dieses Kūṭa soll man stets üben.
2.15 Im Kali-Zeitalter kommt wegen der Unreinheit des Mundes und der übrigen Organe die Kūṭa-Aussprache nicht zustande. Daher füge man jedem Laut einen Vokal hinzu und rezitiere sorgfältig.
2.16 Oder man rezitiere Kāmarāja oder Lopāmudrā. Kālī gewährt stets Vollendung; im Kali-Zeitalter verleiht schon das Erinnern an sie Frucht.
2.17 Durch bloßes Erinnern an sie, beiläufig oder spielerisch, wird man Herr der sechzig Vollendungen und erhält die Gestalt der Göttin, Glückverheißende.
2.18 Śābara, Kerala, Śaiva, Vaiṣṇava, Saura, Gāṇapatya, Cāndra, Svāyambhuva und Cīna ergeben zusammen ein Padma.
2.19 Die Gliedmantras, große Herrin, umfassen neunzig Arbuda-Koṭis, dreißig Nikharvas, sechs Vṛndas und fünfunddreißig Padmas.
2.20 So werden die Mantras nach Bindu, kombinatorischer Entfaltung und Zahl erklärt, große Herrin, entsprechend den Unterschieden der Sprachen, Länder und sieben Abwandlungen,
2.21 der Āgamas, Überlieferungsströme, Nāthas, Siddhas und der übrigen. Im Śaiva, Saura, Vaiṣṇava und auch bei Gaṇeśa
2.22 vollziehe man sorgfältig die Weihe in der jeweiligen Hauptform und lasse den entsprechenden Namen verleihen. Volle Weihe, Ṣoḍhā sowie kleine und große vorangehende Formen,
2.23 fünf Ṣoḍhās sind zu erkennen – wie viel mehr die Verwirklichung der Vollendung! Man kenne die Vidyā, die den Weg des Ṣaṭśāmbhava erreicht, mit Gliedern und Unterformen,
2.24 einschließlich ihres Mantras; dann soll ein um Wohlergehen Bemühter die Einweihung vollziehen. Zuerst ist Kālikā schwarz, danach Sundarī rot leuchtend.
2.25 Von beiden ist Kālī die Hauptgestalt, Vollendung spendend und blau strahlend. Die Entstehung der zehn Vidyās und auch der Götter, Pārvatī,
2.26 wurde im Sūkta entsprechend den beiden Überlieferungsströmen erklärt, Göttin; im Pātañjala, in der Vimarśinī, im Sāra und im anerkannten Siddhānta,
2.27 im Kulacandrodaya, Göttin, im Bhāskara und Śekhara, in Taraṅgiṇī, Arṇava, Prakāśa und der Saṃhitā-Vorschrift,
2.28 in den anderen Ḍāmaras und weiteren Werken wird sie ebenfalls erklärt, Geliebte. Zu jeder Śakti bestehen Tantras, sechzig bis zum Vedānta führende,
2.29 ebenso Sūktas, Smṛti, Śruti und weitere Texte. In den sechs Überlieferungsströmen, große Göttin, ebenso in den sechs Anschauungen und den übrigen,
2.30 bestehen verschiedene Tantras, Saṃhitās und andere Werke, Geliebte. Im Śaiva gibt es zweiunddreißig Tantras; höre auch von den Upatantras:
2.31 Ihre Zahl beträgt dreihundertfünfundzwanzig, große Herrin. Es werden auch unzählige genannt; die Abfolge richtet sich nach den zehn Vidyās,
2.32 nach Mahāvidyā, Siddhavidyā und Vidyā. Durch die Mahānīla-Abfolge gewährt Kālī rasch Frucht.
2.33 Durch die Mahācīna-Abfolge gewährt Tārā die volle Frucht; nach der Divyacīna-Abfolge ist der Chinnamastā-Ritus überliefert.
2.34 Durch die Gandharva genannte Abfolge wird die auf Erden schwer zugängliche Pañcamī verehrt; durch den Mahāgandharva-Weg gewährt Ṣoḍaśī Frucht.
2.35 Durch die Saubhāgya genannte Abfolge gewährt Bagalā im Kali-Zeitalter Frucht; Bhairavī wird auf Erden in der Jīvacakra-Abfolge genannt.
2.36 Durch die Mahādhūma-Abfolge gewährt Dhūmranāyikā Frucht; durch den Rājamārga gewährt Mātaṅgī alles Erwünschte.
2.37 Nach der Brahmabhāva-Abfolge, dem göttlichen Weg und auch dem Paśu-Weg werden stets Mātaṅgī und Kamalā verehrt. [Die Verbhandlung ist im Sanskrit elliptisch.]
2.38 Durch zehn Abfolgen gewähren die zehn Vidyās Frucht, Herrin der Götter. Für die mit Kālī beginnende Dreiergruppe wird auch eine einzige gemeinsame Abfolge genannt.
2.39 Einfach, zweifach, dreifach, Göttin, millionenfach und von unendlicher Gestalt: Durch ihre Glieder und Unterglieder sowie die Unterschiede der Namen bringt sie vielfältige Namen hervor.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 2. Kapitel namens „Lobpreis der Weihe“.
Paṭala 3: Die Ketten und ihre rituelle Bedeutung
3.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Deine Gestalt, große Tārā, war zuerst die blaue Gestalt; danach kam die rote Sundarī-Gestalt, höher als das Höchste.
3.2 In einer anderen Welt bist du Tvaritā, im Śārabha Vasudurgā, Dhaneśī, Kālacāmuṇḍā und Vārāhī mit vorangestelltem Kṛṣṇa.
3.3 Du bist die Mahāvidyā Annapūrṇā, die im Kali-Zeitalter wunscherfüllende Gaben spendet, durch den Kula-Brauch erfreut und dessen Frucht gewährend,
3.4 Vanadurgā, Ugradurgā und Sarvamaṅgalā, Vajraprastāriṇī, Kālī und Tārā: So lauten die Namen.
3.5 Mit unendlichen Gestalten verbunden ist sie allein Dakṣiṇeśvarī. Im Ḍāmara, auch in der linken Unterform und im Ḍāmara des nördlichen Überlieferungsstroms,
3.6 im Vaśinī-Überlieferungsstrom, Göttin, gilt das Ritual als linksgerichtet. Brahman-Kette und Schädelkette: Kālikā trägt sie.
3.7 Die Kette aus Kokosnussschalen wird Siddha-Kette genannt. Die Śiva-Kette besteht aus Rudrākṣas und wird in dreifacher Weise angewandt.
3.8 Wegen Śivas Vorherrschaft heißt es śaiva oder śāmbhava; wegen Śaktis Vorherrschaft śākta. „Ich bin von der Gestalt des Bewusstseins, mein Wesen ist Bewusstsein.“ [Innerhalb der Śiva-Rede erscheint hier eine weibliche Selbstbezeichnung.]
3.9 Wegen des Auslassens hiervon heißt diese Vidyā Lopāmudrā. Wegen des geringen rituellen Brauchs, der Unrechtmäßigkeit und des Verfalls, Śaṅkarī,
3.10 wird Sundarī, die ehrwürdige Mahāvidyā Rājarājeśvarī, im Kali-Zeitalter nur mit Mühe durch die Gesamtheit der Nyāsas und rechten Verhaltensweisen verwirklicht.
3.11 Im Kali-Zeitalter kommen für jeden besonders verfehlungsreiche Tage vor. Wegen der Fülle der Verfehlungen, Göttin, wird Sundarī nicht gnädig.
3.12 Wegen des Tragens der Brahman-Kette wird sie Brahmavidyā genannt; weil ihr die Śiva-Kette lieb ist, besteht sie aus dem großen höchsten Śiva.
3.13 Daher bestehen die beiden Lehren Kādi und Hādi, große Herrin. Wer beide, die Kādi- und die Hādi-Lehre, besitzt, Göttin, Śaṅkarī,
3.14 wer in beide eingeweiht ist, besteht gewiss aus Kālī und Tārā. So erkenne die Kādi-Lehre; „Nityā Klinnā wird nicht gesehen“. [Der Schluss ist im Zusammenhang unklar.]
3.15 Die Einweihung in beide … wird selbst am äußersten Rand des Glücks nicht erlangt. [Eine Textlücke unterbricht den Satz.] In der Kādi-Lehre ist die Schädelkette am Hals zu tragen, Glückverheißende.
3.16 Im Tāriṇī-Ritus trägt man Schädelglieder zusammen mit Rudrākṣas. Die reine Schädelkette aber ist die höchste Mutter aller Vollendungen.
3.17 Steht sie nicht zur Verfügung, wird eine Kette aus Kokosnussschalen genannt. Was wäre durch ihr Tragen, Göttin, nicht in der eigenen Hand?
3.18 Man esse auf der Leichenstätte und trage deren Asche, Glückverheißende. „… mit Toten die Göttin verehren und sättigen, Glückverheißende.“ [Die Vorlage hat vor mṛtaiḥ eine größere Lücke; der vollständige Ritus lässt sich nicht erschließen.]
3.19 „… der Wonne ergeben geworden … sorgfältig eintreten … dieses … besteht höchst aus Kālī und Tārā.“ [Mehrere große Lücken verhindern eine zusammenhängende Übersetzung.]
3.20 „… nicht allein durch Gespräch wird der Sādhaka begünstigt.“ [Der Satzanfang fehlt.] Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie soll die Schädelkette getragen werden? Sage es jetzt.
3.21 Der ehrwürdige Śiva sprach: Man trägt sie wie Rudrākṣas; Kālī ist die höchste, aus Schädeln bestehende. Mit Rudrākṣas wiederhole man Rudra-Mantras, mit Schädelgliedern Kālikās Mantra.
3.22 Weil der Schädel sich an Śivas Hals befindet, ist diese Kette vollendet und von der Gestalt des Schmucks Rudras.
3.23 In der Sundarī-Lehre werden Rudrākṣas von den Sādhakas nicht getragen. Die Kette aus Kokosnussschalen wird in den Riten aller Vidyās getragen.
3.24 Vor allem ist allein diese Schädelkette im Kali-Zeitalter lebendig wirksam. Kālikā ist diese Brahmavidyā, eigenschaftslos und von der Gestalt des Bewusstseins.
3.25 Auf welche Weise auch immer ist die höchste Mutter zu verwirklichen. Wer dies tut, ist vollendet und spendet der Welt Vollendung; was bedarf es vieler Worte, höchste Caṇḍikā?
3.26 Niemand auf der Erde, Pārvatī, vermag ihre Größe zu beschreiben, selbst mit Zahlen von Pāreparārdha bis an deren äußerstes Ende.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 3. Kapitel namens „Vorschrift für die Gebetskette“.
Paṭala 4: Die Überlieferungsströme und ihre Ordnung
4.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, erkläre sorgfältig die Bestimmung der Überlieferungsströme und der übrigen Dinge. Der ehrwürdige Śiva sprach: Der Überlieferungsstrom wird neunfach erklärt, nach bester und den übrigen Stufen.
4.2 Innerhalb der drei Arten bestehen viele Unterarten, jeweils drei in den dreien. Höre zuerst die beste, nach den Anschauungen des Śaiva und der übrigen.
4.3 Śākta, Śaiva, Vaiṣṇava, Saura, Gāṇapatya und Bauddha sind der Reihe nach die sechs Anschauungen, Herrin des Gottes der Götter.
4.4 Die sechs Mantras der sechs Anschauungen werden im oberen Überlieferungsstrom erklärt. Auf dieselbe Weise bestehen der östliche, südliche und westliche,
4.5 der nördliche, untere und obere: So werden die sechs Überlieferungsströme genannt. [Die Vorlage liest uttarārdhetyūrddha; die Richtungsfolge ist hier beschädigt.] Diese beste Form erstrahlt in der Götterwelt.
4.6 Die mittlere besteht nur hier und dort, ohne Zweifel. Sie ist nach den Unterschieden der zehn Vidyās und der übrigen angedeutet, Göttin.
4.7 Im oberen Überlieferungsstrom steht Mahāṣoḍhā, im nördlichen Tāriṇī; die geringste Form beruht auf den Unterschieden der sechs Cakras. So ist es dreifach, Glückverheißende.
4.8 Dies ist in der Hādi-Lehre erklärt. Höre nun über die Kādi-Lehre. Die beste Form ist dieselbe wie zuvor; die mittlere beruht auf den zehn Vidyās und den übrigen.
4.9 Die große Kāmakalā Kālī ist hier die Gottheit im oberen Überlieferungsstrom. Die geringste Form wird nach den zehn Kālīs und weiteren Unterteilungen erklärt.
4.10 Śākta, Śaiva, Vaiṣṇava, Gāṇapatya und Saura sind dem oberen, östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Bereich zuzuordnen, Pārvatī,
4.11 jeweils der Reihe nach, Göttin. Eine weitere Ordnung wird erklärt: Im buddhistischen Überlieferungsstrom befinden sich Aindrakas, Gandharvas, Apsaras und weitere Wesen;
4.12 Indrajāla und Ähnliches liegen im Unterwelt-Überlieferungsstrom, Göttin. Im östlichen stehen Vāma und Kaula, im südlichen Divya und Dakṣiṇa,
4.13 im westlichen Vīra und Kaula, im nördlichen allein Vāma, im oberen Divya, große Herrin, in der Unterwelt der Paśu-Weg.
4.14 Nach ihrem Willen wird dieser Weg in der höchsten Form erklärt. Brahmakālī ist von vollendeter Gestalt; Aniruddhasarasvatī
4.15 hat Śiva-Gestalt und Bewusstseinsgestalt, ebenso die ehrwürdige Gandharvasundarī. Höre darin den Yoga der Brahmavīrā, Pārvatī. [Hāniruddha in 4.14 ist textlich unsicher.]
4.16 Unter sechsunddreißig Śaktis ist jeweils die folgende höher zu verehren. Die nördliche Form gilt nach dem Unterschied der Kādi- und Hādi-Lehre als zweifach.
4.17 Die zum Berg gehörende Pārvatīyā hat Kādi-Gestalt, Hādi ist die höchste Mātaṅginī. Die als Mātaṅginī bezeichnete Frau ist jene Frau, wenn … [Hier beginnt eine Textlücke.]
4.18 Auch sie … wenn sie … auch sie zuerst … [Mehrere Textlücken.] Eine bis zum sechzehnten Jahr Unverheiratete wird als höchste unter den höchsten bezeichnet. [Die Altersangabe ist im beschädigten Zusammenhang nicht vollständig gesichert.]
4.19 Eine solche Pārvatīyā gilt allein als Kālikā. Der Vers fordert anschließend das Herbeiführen einer entsprechend beschriebenen weiblichen Gestalt; ein Merkmal ihrer Ausrichtung fehlt in einer Textlücke.
4.20 Der Text beschreibt das Einsetzen von Nyāsas auf ihrem Körper und die Verehrung eines „lebendigen Kreises“. [Wegen der Altersangabe im vorausgehenden Zusammenhang und weiterer Textlücken wird hier nur der nichtgrafische Ritualinhalt wiedergegeben.]
4.21 Es folgt die Verehrung mit Gliedern und Umkreis, der vorausgehenden Einrichtung einer Arghya-Gabe und dem abschließenden Bali; der Gegenstand einer weiteren Betrachtung fehlt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des beschädigten Ritualtexts.]
4.21 [zweite Nennung; fortlaufend 4.22] Nach Meditation und Verehrung soll Japa erfolgen; eine weitere Meditationsanweisung ist lückenhaft. Der Text verspricht Vollendung auf Erden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; die Vorlage zählt diesen Vers erneut als 21.]
4.23 Steht diese nicht zur Verfügung, nennt der Text eine menstruierende Pārvatīyā zur Verehrung, andernfalls eine Frau. [Die Lesung etasyālāmato ist beschädigt.]
4.24 Indem man eine der zuvor genannten Gestalten betrachtet, durch die Anwendung des Einsseins: „Ich bin eigenschaftslos; mit ihr verbunden werde ich eigenschaftshaft.“
4.25 „Ich bin eigenschaftshaft; mit ihr verbunden werde ich eigenschaftslos.“ Durch Brahman-Erkenntnis wird man befreit; „von ihrer Gestalt …“ [Der Schluss enthält eine Lücke.]
4.26 „… wer Śakti aufgibt und sich Kālīs oder Tārās erinnert, ist arm, schwer mit Verfehlung belastet und gilt als Vernichter eines Vīra.“ [Der Versanfang ist lückenhaft.]
4.27 Was wäre durch fortgesetzte Übung hiervon nicht in der eigenen Hand? Dabei gibt es den Schädelsitz oder zweiundzwanzig Sitzarten.
4.28 Man wähle einen davon, wiederhole dort Tāriṇīs Mantra, nehme den Vīra-Sitz ein und halte die Vīra-Gebetskette in der lotosgleichen Hand.
4.29 Mit Vīra-Gefäß und Vīra-Śakti wiederhole man die Vīra-Vidyā. Die große bezaubernde Kette trage man bis zu den Nägeln herab. Indem man sich so ihre Gestalt gibt, wird man von Brahmakālī erfüllt.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 4. Kapitel namens „Bestimmung der Überlieferungsströme“.
Paṭala 5: Brahman-Wonne, Entfaltung und religiöse Einheit
5.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie ist das Brahman-Wesen zu verstehen, von dem gesprochen wurde? Sage es mir, Śaṅkara. Der ehrwürdige Śiva sprach: Nun werde ich es erklären; höre, freundlich Sprechende.
5.2 Die Freude, die in der … Vereinigung entsteht, ist ihrem Wesen nach höchstes Einssein. „Essenz höchster Wonne“ und „Befreiung“ werden als ihre Bezeichnungen genannt. [Am Versanfang fehlt Text.]
5.3 „Durch das Überwiegen von … entsteht Śivas Geburt; durch das Überwiegen von … wird Śivā selbst zur weiblichen Gestalt.“ [Die entscheidenden Substantive fehlen in beiden Vershälften.]
5.4 Aus dem Gleichgewicht entsteht Brahman-Wesen, Herrin der Götter; es ist eigenschaftslos und gestaltlos. Wie die Eigenschaftslosigkeit zu verstehen ist, Göttin, wird nun erklärt; höre zu.
5.5 Wenn es vollzogen wird, gelangt der unterscheidende Verstand an seine Grenze, Göttin. Eben dies ist Eigenschaftslosigkeit und Gestaltlosigkeit, Mutter.
5.6 Obwohl es vielfach beschrieben wird, besteht allein das Eine. Je nachdem, wie die Einsicht eines Menschen beschaffen ist, so beschreibt er es.
5.7 Das Wesen dessen, was man nicht zu beschreiben vermag, wird Brahman genannt. Was zuvor beschrieben wurde, wird eigenschaftshaft genannt.
5.8 Was nicht beschrieben werden kann, große Herrin, heißt eigenschaftslos. Das Entstehen von Brahman-Wonne wird auch als eigenschaftslos erfahren.
5.9 „Eigenschaftsloses Gleichsein im Teil; kein Gleichsein des Teils im Höchsten.“ [Die erste Halbzeile ist grammatisch und inhaltlich unsicher.] So wird die Wonne des Einsseins Befreiung genannt.
5.10 „Die aus … entstandene Freude“ kennt man als Brahman-Wonne. Die große Freude, die daraus hervorgeht, wird höchstes Brahman genannt. [Der Ursprung der Freude fehlt in einer Textlücke.]
5.11 Die durch den Anblick der Śakti entstandene Freude heißt Himmel. Die Wonne der Freude ist Befreiung; so wird es im Kālikāgama erklärt.
5.12 Die Freude von wiederholtem Kommen und Gehen wird Loslösung genannt. Die umgekehrte Form ist Brahman-Wirklichkeit; daraus entsteht die große Wonne. [Der Ritualbezug von viparīta und das Verhältnis zur Loslösung bleiben mehrdeutig.]
5.13 Betrachten heißt Berührung des Brahman-Ortes und Schau Brahmans; Vereinigung heißt Ergreifen, Göttin, Trennung wird Übergang genannt.
5.14 Klang, Instrumentalmusik und Weiteres, Herrin der Götter: So ist die Lehre in Kürze erklärt. In der höchsten Wirklichkeit, in der Kraft des eigenen Selbst, in der Gestalt des eigenen Selbst, stets in Śiva,
5.15 im Körper … wird Einssein geschaut. Um dies einzuüben, dient die Vergegenwärtigung der Vereinigung mit Śakti. [Die erste Halbzeile ist durch eine größere Lücke unterbrochen.]
5.16 Wie diese Freude, Göttin, so ist Kuṇḍalinī, Glückverheißende. Wenn die Wonne der Freude eintritt, gilt dies als Eigenschaftslosigkeit.
5.17 Diese Kālikā wird auf Erden das „Gelübde auf der Schwertschneide“ genannt. Durch die Verbindung mit Śakti habe ich das Brahman-Wesen erklärt, Glückverheißende.
5.18 Früher verweilte Paraśiva in der Vergegenwärtigung Brahmans. Nachdem er die Handlung der Auflösung von allem und ein gewaltiges Strafwerk vollzogen hatte,
5.19 ließ Śiva die große Rute zurück und gab sich ganz der Meditation hin. Die Überlieferung beziehungsweise Entfaltung der Meditation entstand und ging in die Vergegenwärtigung Brahmans über. [Die Bilder von daṇḍa und saṃśruti sind im Kontext unsicher.]
5.20 Um dies zu üben, wurde Śakti herbeigezogen. Die Göttin erkannte: „Śiva ist abgefallen und im Begriff, den Weg zu verlassen.“
5.21 Die Göttin schenkte Śiva die Erinnerung seiner Einsicht und erwies ihm Gnade. Sie fasste den Gedanken: „Śiva soll nördlich von mir treten.“ [Mamottare kann auch eine andere Beziehung ausdrücken.]
5.22 Sobald dies im Geist gehalten wurde, vollzog Śiva das Herbeiziehen. „Śivas Handlung des Herbeiziehens macht mich zur Unwahrheit.“
5.23 Indem Kālī dies im Geist hielt, offenbarte sie den Mantra. Kālikā, der Liebesvereinigung zugewandt und mit Mahākāla verbunden,
5.24 eben sie wird als das von Ādinātha erklärte höchste Brahman besungen. Sie ist ihrem Wesen nach Sein und Bewusstsein, Brahman-Gestalt und eigenschaftslos.
5.25 „Die von dir selbst hervorgebrachte Śakti ist vor Śiva aus dem Himmel hergekommen; ich habe sie dir zur Verwirklichung gegeben“ – so sprach die ehrwürdige Kālikā. [Die Satzbezüge der Vorlage sind nicht vollständig eindeutig.]
5.26 Sadāśiva, Paraśiva, war seinen früheren Übungen ergeben. Durch die Verwirklichung der Śakti gelangte er zum von Kālī Ersehnten. [Kālī kāmyam ist syntaktisch unklar.]
5.27 Vor Kālī stand Śivas Śakti, die Kālī einst hervorgebracht hatte. Śambhu war von großem Stolz erfüllt: „Meine zweite ist schön, Sundarī.
5.28 Die frühere Kālī ist zwar Mahāvidyā, doch keine Schöne.“ Eines Tages, Göttin, als er mit beiden Śaktis zusammen war,
5.29 sprach Śiva, die Wurzel der Weltentfaltung: „Du gleichst einer dunklen Wolke.“ In einer zweiten Äußerung sagte er: „Du hast schreckliche Fangzähne.“
5.30 In seiner dritten Äußerung wandte er sich an die zweite, an Sundarī: „Schönste der drei Welten, lebensgeliebte, meine eigene Gestalt!“
5.31 So angesprochen wurde die Göttin Dakṣiṇā, von Brahman-Gestalt, die ursprüngliche Caṇḍikā, die erste Śakti in ihrer Fülle, von Zorn ergriffen.
5.32 Da nahm die höchste Herrin eine schöne Gestalt an, einen höchsten Ozean glückverheißender Schönheit, die Gestalt Rājarājeśvarīs.
5.33 Darauf waren Paraśiva Śambhus Augen von Staunen erfüllt. Die fünf verbanden sich zugleich in höchstem Maße. [Welche fünf gemeint sind, wird hier nicht ausdrücklich bezeichnet.]
5.34 Sie wurde als über die Weltentfaltung hinausgehend bezeichnet, höchste Herrin, und zugleich als Gestalt der großen Entfaltung, Herrin von Millionen Welteneiern. [Prapañcātītaśālena ist beschädigt.]
5.35 So erschien Ṣoḍaśī, die Herrin des großen Śrīcakra. Die erste ist die ehrwürdige Dakṣiṇākālī, die zweite Kālabhairavī,
5.36 die dritte Rājarājeśī, die als Vidyā genannt wird. Durch ihren gnädigen Seitenblick wurde er zum Herrn der Könige.
5.37 Alle Nyāsa-Anordnungen, Verehrungsmantras in vielfältiger Form und die sechs Überlieferungsströme, beginnend mit dem oberen, Geliebte,
5.38 wurden damals hervorgebracht. Die frühere, ursprüngliche Gestalt ist die Wurzel-Vidyā, freundlich Sprechende; diese Entfaltung ihres Überlieferungsstroms wurde geschaffen, höchste Herrin.
5.39 Die mit ka beginnende Lehre ist Kādi, die mit ha beginnende Hādi, Geliebte. Ka gilt als der Anfang, ha als der letzte Laut.
5.40 Kṣa heißt Meru; sechzehn Vokale werden genannt. Der große Mantra „ka ha“ gehört zum nördlichen Überlieferungsstrom.
5.41 Seine Königin ist die ehrwürdige Mahātāriṇī; die ehrwürdige Mahābrahmatāriṇī hat die Gestalt Sundarīs und Kālikās.
5.42 Die zweifache Tāriṇī besteht stets, Göttin, Geliebte. So ist der Mantra ein Paar, bestehend aus Kādi- und Hādi-Lehre.
5.43 Entweder ist der Kādi-Laut der erste oder der Hādi-Laut. Kādi wird als erster Laut genannt, Hādi als letzter.
5.44 Die Vīra-Herren lassen sich nicht zählen, freundlich Sprechende. Ebenso wird die Mātṛkā genannt, mit ihren Lauten verbunden.
5.45 Die vollständige Mātṛkā ist die Vidyā, Göttin, ohne Zweifel. Daher wird die Kādi-Lehre als ursprünglich bezeichnet, freundlich Sprechende.
5.46 Wenn Kādi und Hādi nur nach den Anfangslauten verstanden werden, Erhabene, dann wird überall ein Kādi- oder Hādi-Mantra genannt, große Herrin.
5.47 Aus ka folgt Brahman-Wesen; Sundarī besteht aus Paraśiva. Im Kali-Zeitalter ist die Kādi-Lehre heilbringend; ursprünglich bestand nur die eine, Geliebte.
5.48 So wurde einst die Entfaltung geschaffen, um das weltliche Dasein zu verwirklichen. Im Āgama gibt es viele Unterschiede, aus den sechs Anschauungen hervorgegangen,
5.49 und noch Millionen weitere Unterschiede bestehen, freundlich Sprechende. Dharmaśāstra, die vier Veden, Purāṇas und Grammatik,
5.50 Nyāya, Mīmāṃsā, Vedānta, Sāṃkhya, Pātañjala sowie die vielen Arten von Dichtung und anderem werden als Entfaltungen bezeichnet.
5.51 Seit sie die schöne Gestalt angenommen hat, höchste Herrin, bewegt sich diese Entfaltung überall.
5.52 Wenn allein die Kādi-Lehre besteht, du Wahrhaftige, dann haben die Männer, Herrin der Götter, die Gestalt Mahākālas,
5.53 und die Frauen haben gewiss die Gestalt der ehrwürdigen Kālikā. So entstanden zur Entfaltung Śākta, Vaiṣṇava und Śāmbhava,
5.54 Gāṇapatya, Saura und Bauddha, die als sechs Anschauungen bezeichnet werden. Sehr zahlreiche Lehren sind entstanden, Herrin der Götter.
5.55 Im Vedischen werden andere Lehrschriften getadelt, im Śākta das Vaiṣṇava; im Vaiṣṇava wird das Śaiva getadelt, im Saura Gaṇapati.
5.56 Im Gāṇapatya wird das Saura getadelt, im Saura der Vīra-Weg; im Cīna der Jaina-Weg, im Jaina der Kāpālika-Weg.
5.57 Im Kāpālika wird der Buddhismus getadelt; die buddhistischen Lehren gelten als vielfältig. So sprechen Purāṇas und andere Werke von verschiedenen Lehren, Śāmbhavī.
5.58 Auch von den Veden werden viele Zweige genannt. Wenn auf diese Weise Tadel und Trennung entstanden sind, große Herrin,
5.59 haftet niemandes Geist an einem einzigen Gegenstand, freundlich Sprechende. Überall wird durch die Entfaltung gegenseitiger Tadel offenbar.
5.60 Jeder preist etwas anderes und tadelt die anderen. Die Vidyā gelangt nicht zur Vollendung; sie irren wie Piśācas umher.
5.61 Wenn sie einander nicht tadeln, entsteht eben dann Einheit. Daher ist Kālikā, die aus dem Werden rettet, auf die vollkommene Verwirklichung der Einheit gerichtet.
5.62 Um die Daityas zu vernichten, nimmt die große Göttin wiederum eine schöne Gestalt an und vernichtet Śumbha und alle übrigen.
5.63 Sie erstrahlt auf einem einzigen Lager aus sieben Pretas, die Glückverheißende im Herzen des Leichnams, im Herzlotus des weißgestaltigen Mahākāla wohnend.
5.64 Wie die Flamme von Millionen Zeitfeuern ist sie vorschriftsgemäß zu verehren. Sie ist alles und der Ursprung von allem, Spenderin von Millionen Vollendungen. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 5. Kapitel namens „Brahmavīrā-Yoga“.
Paṭala 6: Das Śakti-Dreieck und die Kullukā-Formeln
6.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Śakti-Dreiecks hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Drei Feuer, drei Tongruppen, drei Götter und drei Eigenschaften,
6.2 drei innere Haltungen, drei Śaktis, drei Nāḍīs, dreifache Vollendung, die drei Tattvas und das Wunder aus drei Gefäßen:
6.3 Kālī wohnt im Dreieck, durch Vīras verwirklicht, Gaben gewährend. Über sie soll man im Kali-Zeitalter meditieren, sie soll man erkennen, Göttin, niemals eine andere Vidyā.
6.4 Sundarī ist zurückhaltend, Göttin, rajasbetont und in ihrer Schau verborgen. Durch hundert Millionen Wiederholungen gewährt sie gelegentlich eine Gabe.
6.5 Im Kali-Zeitalter Kālī, im Kali-Zeitalter Kālī, im Kali-Zeitalter allein Kālī! Die ehrwürdige Herrin der Kādi-Lehre gewährt im Kali-Zeitalter rasch Frucht.
6.6 Stets verehre man Mutter Kālikā mit den fünf M. Ohne Śakti übe man kein Japa; Śakti ist nicht ohne Kāraṇa. [Kāraṇa kann im Ritualkontext den Wein bezeichnen.]
6.7 „Stets habe ich die Gestalt des fünften“ – so vergegenwärtige man es sich. Mit dieser Haltung ausgestattet, widme man sich dem Ṣoḍhā-Nyāsa.
6.8 Im Ritus der zehn Vidyās ist er jeweils zehnfach verschieden, Göttin. Bei Śrīvidyā wird eine Fünfergruppe von Ṣoḍhās genannt, große Herrin:
6.9 Laghuṣoḍhā, Pūrvaṣoḍhā, als dritte Mahāṣoḍhā, als vierte Mantraṣoḍhā und als fünfte Guhyaṣoḍhā.
6.10 Bei Kālikā gibt es sechs Ṣoḍhās mit weiteren Unterteilungen: Laghuṣoḍhā, Mahāṣoḍhā und als dritte Guhyaṣoḍhā,
6.11 Mantraṣoḍhā, Śaktihaṃsī und als sechste Divyaṣoḍhā. Der Kreis von Ṣoḍhā und weiteren Formen besteht bei Krodha und Chinnā, die Feuer genannt wird. [Die Zuordnung der zweiten Halbzeile ist unsicher.]
6.12 Bei Śyāmalā, Göttin, und bei den anderen besteht ein Paar, Glückverheißende: Laghuṣoḍhā und Mahāṣoḍhā, höchste Herrin.
6.13 Für jede Form vollziehe man die sechs Seherzuordnungen und die Meditation. Wo Seher, Versmaß und die weiteren Angaben ausdrücklich genannt sind, höchste Herrin,
6.14 gelten eben diese; wo sie nicht genannt sind, gilt die Wurzelgottheit. Meditation, Versmaß, Lobpreis und alles Weitere richten sich nach der Göttin.
6.15 Das Puraścaraṇa umfasst zehntausend Wiederholungen nach dem Weg der Nyāsa-Abfolge. Dies alles ist in Kürze erklärt. Was wünschst du?
6.16 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre der Reihe nach bei den zehn Vidyās die Vorschrift zur Verehrung der Kullukā. Der ehrwürdige Śiva sprach: Kālī, Tārā, Chinnā, Sundarī, Bagalāmukhī,
6.17 Mātaṅgī, Śyāmalā, Lakṣmī, die Siddhavidyā Bhairavī und Dhūmāvatī: So folgen die zehn Mahāvidyās. [Mātaṅgī und Śyāmalā erscheinen hier beide; die genaue Gliederung der Zehnerliste bleibt offen.]
6.18 Kālī, Kūrca, Vadhū und Māyā, mit phaṭ am Ende, gelten als Kullukā. Aghora wird als Seher, Virāṭ als Versmaß genannt.
6.19 Die Gottheit ist Kullukā Kālī; als Keimsilbe gilt die Māyā genannte. Kāma ist die Kraft, Kūrca wird als Kīlaka genannt.
6.20 Mit Kāma, versehen mit den sechs langen Vokalen, wird der sechsgliedrige Nyāsa ausgeführt. Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie bei Kālikā.
6.21 Māyā, Ramā und Kūrca gelten als Tāriṇīs Kullukā. Für Tāriṇīs Kullukā wird Virūpākṣa als Seher überliefert.
6.22 Uṣṇih wird als Versmaß bezeichnet, Nīlatāriṇī als Gottheit; Kūrca ist die Keimsilbe, Māyā die Kraft und Vadhū das Kīlaka.
6.23 Die sechs Glieder werden mit Māyā eingesetzt; Sarasvatī ist ganz blau. Man spreche „Vajravairocanī“ in der Anredeform und füge den Panzer-Mantra hinzu.
6.24 Atikāla wird als Seher, Gāyatrī als Versmaß genannt; ha ist die Keimsilbe, „mu/“ die Kraft, Rocinī das Kīlaka. [Die auffällige Schreibweise mu/ wird unverändert bewahrt.]
6.25 Mit Śiva, verbunden mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa. Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie bei Chinnā.
6.26 Beim ehrwürdigen Bhairavī-Mantra steht die erste Keimsilbe der Saṃpatpradā. Vikarāla wird als Seher, Paṅkti als Versmaß genannt.
6.27 Die Gottheit ist die Bhairavī genannte Kullukā; „ha/“ ist die Keimsilbe, „sau/“ die große Kraft, der a-Mantra gilt als Kīlaka. [Die Schreibweisen mit Schrägstrich sind in der Vorlage beschädigt oder unvollständig.]
6.28 Mit der Keimsilbe, versehen mit den sechs langen Vokalen, vollziehe man den sechsgliedrigen Nyāsa. Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie bei Bālā.
6.29 Sundarīs Kullukā wird als zwölfsilbig erklärt, Göttin: Vāgbhava, Kāmarāja, Lajjā und das Wort „tripure“;
6.30 man spreche „śī“ und „bhagavatī“ und danach zwei ṭha. Seher von Sundarīs Kullukā ist Ānandabhairava. [Śī ist als Lesung unsicher; aus dieser verschlüsselten Aufzählung wird keine gesicherte Rezitationsform ergänzt.]
6.31 Gāyatrī ist als Versmaß vorgeschrieben, Vāgbhava als Keimsilbe, Lajjā als Kraft, große Herrin, und die Kāma-Keimsilbe als Kīlaka.
6.32 Die Gottheit ist Tripureśī; die sechs Glieder werden durch die beiden eingesetzt. Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie bei Sundarī. [Welche beiden gemeint sind, bleibt offen.]
6.33 Höre die Abfolge für Mātaṅgī, Bagalā, Lakṣmī, Dhūmrā und Ucchiṣṭa: Tārā, Kūrca und Nārasiṃha gelten als Kullukā für diese fünf.
6.34 Der Seher heißt Bhairava; die Versmaße richten sich jeweils nach dem betreffenden Mantra, Pārvatī. Gottheit, Keimsilbe und die übrigen Angaben folgen der jeweiligen Gottheit.
6.35 Meditation, Verehrung und alles Weitere vollziehe man wie bei der jeweiligen Gottheit. Dies ist in Kürze erklärt; höre nun die Kaha-Gestalt, Geliebte.
6.36 Die Mahāvidyā Kaheśvarī gewährt rasch die Frucht der Vollendung. In wessen Mund der zweisilbige Mantra „ka ha“ erstrahlt,
6.37 der hat Kālīs Gestalt und erlangt Tārās Leib. Bei „ka ha“ ist die menstruierende Frau vorrangig; all dies soll stets vollzogen werden.
6.38 Man nehme eine Frau, die nach ihrer Menstruation gebadet hat, und verehre ihre … Schon durch die Verehrung von … wird Śiva Sieger über die drei Welten. [Die entscheidenden Wörter fehlen in beiden Vershälften.]
6.39 Die Bezeichnung „Dreieck“ gilt für …; darin wird der Bindu genannt. In der Mitte des Dreiecks verehre man sie mit ihren Gliedern und ihrem Umkreis, Geliebte,
6.40 einschließlich des Geheimnisses, und vergegenwärtige dort das Yantra. Nach der Verehrung des Umkreises ist alles, was man rezitiert, Geliebte,
6.41 vollendungsspendend, Göttin; daran soll kein Zweifel bestehen. Ebenso soll alles, was sie sagt, Göttin, ob glückverheißend oder unheilvoll,
6.42 von dem um Wohlergehen Bemühten sorgfältig getan werden. „… mit Toten beziehungsweise Nektaren soll man stets Sättigung vollziehen, Göttin.“ [Die Lücke vor mṛtaiḥ lässt insbesondere die mögliche Ergänzung amṛtaiḥ offen; keine Lesung wird als sicher ausgegeben.]
6.43 Kālikā wird gnädig, von Brahman-Gestalt und vollendeter Gestalt. Die beste Verehrung ist …, die mittlere die Yantra-Verehrung.
6.44 Die geringste ist die Bildverehrung; die Fußverehrung ist vergeblich. „… Verehrung, Nabelverehrung“ wird bei Fehlen des Dreiecks genannt. [Auch hier sind Wörter ausgefallen.]
6.45 In ihrem Dreieck befinden sich drei hauptsächliche Nāḍīs. Die mondhafte lässt Wasser fließen, die sonnenhafte die „Blüte“, das Menstrualblut.
6.46 Die feurige lässt den Samen fließen; sie wird als in der Mitte des Dreiecks befindlich überliefert. Man betrachte die feurige Nāḍī, verehre, rezitiere und sättige.
6.47 Mit „… mṛtaiḥ“, mit Kuṇḍa- und Gola-Entstandenem, mit den eigenen „Blüten“ und selbstentstandenen Blüten verehre man Kālikā stets, Göttin. [Die Vorlage ist lückenhaft; die rituellen Stoffbezeichnungen bleiben unaufgelöst.]
6.48 Man trage die Schädelkette am Hals und halte die Mahāśaṅkha-Kette in der lotosgleichen Hand. Man meditiere …, Wein im Mund, die Kāma-Bālā vor sich. [Eine Lücke verhindert die vollständige Meditationsbeschreibung.]
6.49 Menschenkette, Zahnkette, Leichenstätte und Yoni-Maṇḍala: Wer so verfährt, Göttin, erlangt die Vollendung der drei Śaktis.
6.50 Andernfalls werden die drei Śaktis auch durch unendlichen Japa und Millionen Vīra-Praktiken nicht verwirklicht. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 6. Kapitel namens „Bestimmung des Śakti-Dreiecks“.
Paṭala 7: Die Kreise der Yakṣiṇīs
7.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte den glückverheißenden Yakṣiṇī-Kreis hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Gandharvas, Apsaras, Yakṣas, Kinnaras, Guhyakas und die übrigen,
7.2 für sie bestehen viele Maṇḍalas, Herrin des Gottes der Götter. Zuerst der Yakṣiṇī-Kreis, danach der Gandharva-Kreis,
7.3 das Paar von Apsaras und Kinnarīs, danach das Guhyaka-Paar, die Paare von Bhūtinīs und Nāginīs, danach der Kuṣmāṇḍa-Kreis:
7.4 Durch Mahākrodha, Krodha oder den ehrwürdigen Pārṣat-Kreis werden sie verwirklicht. Anders gelingt es nicht, selbst in hunderttausend Millionen Zeitaltern.
7.5 Der Kreis der großen Yakṣī einer Mahāvidyā ist ein vollendeter Kreis. Mahāyakṣa und Yakṣiṇīs, Mahāyakṣa und Yakṣa,
7.6 welcher Yakṣa zu welcher Form gehört, wer Mahāyakṣa ist, welche Yakṣiṇī zu welcher gehört und wer Mahāyakṣī ist:
7.7 Ohne dies zu wissen, Göttin, werden sie nirgendwo verwirklicht. Die zuvor genannten Kreise werden hier gewiss durch die Vidyā vollendet.
7.8 Zuerst Kālī: Ihre Yakṣī ist die höchste Mahāmadhumatī; die zweite ist Bhrāmarī. Sundarīs Yakṣī ist Surasundarī.
7.9 Bhairavīs Yakṣī ist Candrarekhā. Ehefrau, Schwester, Tochter, Mutter, Schwägerin, Kelikuñcī, Schwiegermutter und Śālamañjikā
7.10 werden als Yakṣiṇī-Gestalten erklärt; die Mahāyakṣī ist Mātṛkā. Tārās Yakṣīs sind Tāriṇī, Kiṅkaṭā und Padmanāyikā. [Einzelne Benennungen der vorangehenden Liste sind unsicher.]
7.11 Chinnās Yakṣī ist Lampaṭā, Bagalās Biḍālikā, Kamalās Dhanadā; höre nun Bhuvaneśīs, Geliebte.
7.12 Ihre Yakṣī ist Trailokyamohanī. Höre aufmerksam von Mātaṅgīs: Sie wird Śrīmanohāriṇī genannt. Höre von Dhūmāvatīs, Geliebte.
7.13 Sie wird Bhīṣaṇī-Yakṣiṇī genannt. Damit sind zehn Kreise erklärt; im Ritus der zehn Vidyās werden die großen Yakṣīs genannt, Göttin. [Nicht alle zehn Zuordnungen sind in der überlieferten Liste ausdrücklich vorhanden.]
7.14 Welche Yakṣī zu einer Vidyā gehört, gilt als deren Dienerin. Wer jene Vidyā verehrt, dem wird diese Yakṣī gewiss verwirklicht.
7.15 Ein Mensch, der einen anderen Mantra rezitiert und irgendeine Yakṣiṇī rezitierend verehrt, erlangt keine Fruchtvollendung und zieht ihren Zorn auf sich.
7.16 Millionen Unterformen der Yakṣiṇīs der zehn Kreise sind überliefert. Auch sie werden als Unterformen der zehn Vidyās verwirklicht, nicht anders.
7.17 Auch der Bhūta-Kreis wird hierbei gewiss vollendet. Wer dies nicht weiß, wie sollte ihm eine Yakṣī zuteilwerden?
7.18 Auch die acht führenden Yakṣīs werden hier verwirklicht, große Herrin, ebenso sechsunddreißig Yakṣiṇīs und sechzehn Yakṣiṇīs, Geliebte. Bei Vollendung der Vidyā werden sie vollendet; anders nicht, vielmehr folgt Untergang.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 7. Kapitel namens „Der Yakṣiṇī-Kreis“.
Paṭala 8: Vollendung, Einweihung und die Kraft der Sprache
8.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Sage, o Gott: Gelingt die Verwirklichung ohne Vollendung der Vidyā oder nicht? Wie sollte die große Vollendung der Yakṣiṇīs und der übrigen in seiner Hand liegen?
8.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Durch die Macht dieser Erkenntnis wird alles vollendet, Göttin, nicht anders. Der Apsaras-Kreis, Göttin, ebenso der Kinnarī-Kreis,
8.3 der Gandharva-Kreis, Göttin, der Kreis der Siddhas und Guhyakas, der Piśāca-Kreis und der Bhūtinī-Kreis,
8.4 der Nāginī-Kreis, Göttin, ebenso der Ḍākinī-Kreis, der Kuṣmāṇḍa-Kreis und der Śābara-Kreis:
8.5 Durch die Abfolge der zehn Vidyās, durch den ehrwürdigen Krodha-Kreis oder durch die Verbindung mit dem Pārṣat-Kreis werden alle Vollendungen verwirklicht.
8.6 In diesen drei Kreisen gewähren Apsaras und die übrigen gute Vollendung, Göttin. Alle werden allein durch die Vorschrift zur Mantravollendung verwirklicht.
8.7 Durch die dreifache Verbindung von Kālī, Tārā und Sundarī gelingt es gewiss. Anders werden sie nicht vollendet; daran soll kein Zweifel bestehen.
8.8 Dies ist in Kürze erklärt. Höre nun die Einweihung darin, Geliebte. Die volle Einweihung wird nach dem im Kādi-Tantra genannten Weg erklärt.
8.9 Die im Bṛhatśrīkrama-Tantra genannte hat die Gestalt des oberen Überlieferungsstroms; die im Sudhāśāmbhava-Tantra genannte die Gestalt von Frieden und Nirvāṇa.
8.10 Die im Parātāṇḍava-Tantra genannte heißt Śāmbhava; auch die im Śaktisaṅgama-Tantra genannte wird Śāmbhava genannt.
8.11 Den oberen Überlieferungsstrom erkennen, den höchsten Prāsāda betrachten und Mahāṣoḍhā verstehen: Dies ist nicht die Frucht geringer Askese.
8.12 Die wechselnden Nityās erkennen, Nityās täglich verehren und die sechzig Arten des Japa kennen: Dies ist nicht die Frucht geringer Askese.
8.13 Die fünf Ṣoḍhās erkennen, den Śakti-Nyāsa betrachten, die vollständige Namenrezitation und ebenso die vollständige Mantrarezitation,
8.14 die Nityās der Zeitalter erkennen: Dies ist nicht die Frucht geringer Askese. Die sechs vollen Weihen und die Betrachtung von Kālikās Mantra,
8.15 das Werk der Nīla-Praxis: Dies ist nicht die Frucht geringer Askese. Die Betrachtung der drei Füße und die Ausführung der Śāmbhava- und weiteren Riten,
8.16 die Lehre von den Namen Kālīs und Tārās: Dies ist nicht die Frucht geringer Askese. Keine Vidyā ist Aniruddhasarasvatī gleich.
8.17 Was würde auf Erden nicht schon durch die bloße Erkenntnis von ihr verwirklicht? Bei Śrīvidyā vollziehe man die Vīra-Praxis, große Herrin.
8.18 In einem Tag und einer Nacht werden Tārā und Sundarī im Kali-Zeitalter sehr gnädig. Wer bei Sundarī Vollendung begehrt, vollziehe Nīla und Gāndharva.
8.19 Durch die große göttliche Abfolge, die große Vīra-Abfolge und die Mahānīla-Abfolge werden die aus Kādi, Hādi und Kaha bestehenden Formen
8.20 gewiss verwirklicht, große Herrin. „e hrīṃ śrīṃ“ durch die Paśu-Abfolge; andere durch die göttliche Abfolge, ebenso auch diese, große Herrin. [Die erste Keimsilbe steht in der Vorlage als e; die Form wird nicht berichtigt.]
8.21 Beim Bhairavī-Mantra erfolgt die Praxis nach der Abfolge der selbstentstandenen Blüte und nach der Abfolge der aus dem eigenen Ursprung entstandenen Blüte.
8.22 Was würde durch die Svayambhū-Abfolge auf Erden nicht verwirklicht? Durch Sprache entsteht alles; deshalb heißt es Vāgbhava, „aus Sprache hervorgegangen“.
8.23 Vāgbhava ist Brahman-Gestalt und Ardhanārīśvara selbst. Wer die aus Śiva und Śakti bestehende Keimsilbe kennt, ist ein Sādhaka.
8.24 Vāgbhava ist die Wurzel von allem und besteht aus dem Śakti-Kreis, Geliebte. Die Freude, die in der Verbindung mit der Śakti als Wonne des Einsseins entsteht,
8.25 eben diese Freudengestalt wird die Vāgbhava-Keimsilbe genannt, Herrin der Götter: eigenschaftslos und gestaltlos, von Sein, Bewusstsein und Wonne erfüllt,
8.26 frei von Gegensätzen und Ichhaftigkeit – dies wird Brahman genannt. Wie aber kann ein solches höchstes Brahman aus dem Mund ausgesprochen werden?
8.27 Alles wird aus dem Mund ausgesprochen; Vāgbhava wird der Mund genannt. Durch Sprache entsteht die ganze Welt, das Unbewegliche und Bewegliche.
8.28 Die höchste Vāgbhava-Keimsilbe besteht aus Śiva und Śakti, Göttin. Śakti wird bewusst genannt, Paraśiva dagegen unbewegt beziehungsweise unbelebt.
8.29 Wie könnte ohne Śakti das Eigenschaftslose durch den Mund ausgesprochen werden? Daher gilt ohne Śakti überall Unbelebtheit.
8.30 Durch die Verbindung mit Śakti im Mund wird die Bezeichnung Brahman verwendet. Die ewige Śakti, die im Mund wohnt, heißt Sprachkraft.
8.31 Vāgbhava wird als Ardhanārīśvara-Gestalt bezeichnet, Geliebte. Der Mund, Ursprung von allem, wird höchstes Brahman genannt.
8.32 Aus dem Mund entsteht das Aussprechen aller Menschen, Göttin, Geliebte. Deshalb wird Vāgbhava als ewige Brahman-Gestalt bezeichnet. Vāgbhava wird Mund genannt, und der Mund wird Brahman genannt.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 8. Kapitel namens „Bestimmung der großen Vollendungen der Yakṣiṇīs und der übrigen“.
Paṭala 9: Ritualsitze, Schädel und Gebetsketten
9.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Nun werde ich die Sitze erklären, zur Erfüllung aller Vorhaben: den weichen Sitz, Samārūḍha, Komala und Cūḍaka,
9.2 Yoni, Haut, Viṣṭara, Knochen, den Erdsitz, den Kūrca-Sitz, Göttin, und den Sitz der sexuellen Vereinigung,
9.3 den Schädelsitz, Göttin, den Fünfschädelsitz sowie drei oder einen Schädel als Sitz.
9.4 Auch der Scheiterhaufen wird als Sitz gepriesen, die Leichenstätte als der beste von allen; ferner Cūḍaka und der Leichensitz,
9.5 der Totensitz, der Mahāśava-Sitz, Vīrāsana, große Herrin, und Mahāvīrāsana,
9.6 der Yoni-Blüten-Sitz, Göttin: So sind die Sitze genannt. Zuerst werde ich die glückverheißenden Merkmale der Schädel erklären.
9.7 Schon durch die Verwirklichung hiervon wird man unmittelbar von Śiva erfüllt. Nach Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra sind die Knochenarten vierfach.
9.8 Weiß, rot, gelb und schwarz beziehungsweise vaiḍūryafarben gelten sie. So ist es im Muṇḍarahasya erklärt, Göttin, große Herrin. [Die Farbreihe ist im Wortlaut nicht eindeutig viergliedrig.]
9.9 Frisch, drei Nächte alt, sieben Nächte alt und „trisatarānagatrya“ alt: Höre sie in der Ordnung von bester und den übrigen Stufen. [Die letzte Zeitangabe ist in der Vorlage ausdrücklich unsicher.]
9.10 Die beste, mittlere, geringere und geringste: Ein frischer Schädel wird als der beste bezeichnet.
9.11 Ein drei Nächte alter Schädel wird als mittlerer bezeichnet; ein mehr als sechs Nächte alter als geringer.
9.12 Ein einundzwanzig Nächte alter gilt als geringster. Ein frischer Schädel wird für alle Vorhaben genannt.
9.13 Ein drei Nächte alter Schädel ist für Kette und Yantra genannt; einen mehr als sechs Nächte alten bestimme man zum Gefäß.
9.14 Ein einundzwanzig Nächte alter gilt für Kette, Yantra und Weiteres. Ein sechs Monate alter Schädel wird als gewöhnlich bezeichnet.
9.15 Die ehrwürdige Göttin sprach: Im Kālikā-Pariśiṣṭa wird es anders erklärt: Ein drei Nächte alter Schädel ist für die Gebetskette genannt.
9.16 Ein mehr als sechs Nächte alter gilt als gewöhnlich; auch ein frischer Schädel wird dort als gewöhnlich bezeichnet.
9.17 Der ehrwürdige Śiva sprach: Ein frischer Schädel wird für Kette und Yantra gepriesen. Für die Ausführung als Gefäß ist er geeignet; fehlt er, gilt ein sieben Nächte alter.
9.18 Ein frischer Schädel wird für die Praxis genannt. Der Verständige nehme einen geeigneten Schädel und grabe eine Hasta tief,
9.19 am Fuß eines Kula-Baumes, auf einer Leichenstätte, an einer Kreuzung, an einem einsamen Ort oder in einem verlassenen Haus; darüber übe er Japa.
9.20 Nachdem man sorgfältig eine Bali-Gabe, besonders für die Hüter der Himmelsrichtungen, dargebracht und Richtungsbindung, Elementeläuterung und Weiteres vollzogen hat, übe man Japa.
9.21 Nach der vorgesehenen Zahl von Mantrawiederholungen bringe man ein Zehntel davon als Feueropfer dar. Zuerst mache man den Schädel rituell vollendet, dann lasse man Ketten und anderes daraus herstellen, Geliebte.
9.22 Einen durch eigenen Willen Verstorbenen, ein zweijähriges Kind, einen Alten, eine Frau, einen Zweimalgeborenen, einen Verhungerten, einen an Aussatz Verstorbenen und einen mehr als sieben Nächte alten Leichnam:
9.23 Unter Ausschluss dieser acht Leichenarten vollziehe man die Vīra-Praxis. Dies wird Vīrāsana genannt, das Kālikā erfreut.
9.24 Ein mehr als sieben Nächte alter, in der Luft befindlicher oder auf einen Pfahl gesetzter Leichnam wird für das Gefäß gepriesen, Geliebte.
9.25 Ein in der Luft befindlicher, mehr als sechs Monate alter ist für die Gebetskette gepriesen, Göttin; ebenso ein unten befindlicher, sieben Nächte alter. [Die genaue Bedeutung von „unten“ bleibt offen.]
9.26 Wenn der Tod an einem Samstag, Dienstag oder ähnlichen Tag eintritt, am vierzehnten Mondtag, Vollmond, Neumond oder Lichterfest,
9.27 an einem Sonnenübergang mit achtem Mondtag oder beim Durgāfest, Geliebte, an einem Vīra-Tag oder beim Beginn eines Heldenkampfes,
9.28 gilt der so entstandene Schädel als günstig. Der Vers nennt anschließend einen am Pfahl befindlichen Körper, dessen Abtrennung mit dem Schwert und Japa nach der Entnahme. [Die Vorlage lässt den Bezug von hanana, „Schlagen/Töten“, nicht eindeutig erkennen; hier wird keine Handlungsanleitung daraus entwickelt.]
9.29 Eine Kette mit tausend Gliedern ist am ganzen Körper zu tragen, Geliebte. Das Tragen geschieht wie bei Rudrākṣas; durch Kālikās Mantra wird sie geläutert.
9.30 Die Kette wird dreifach erklärt: beste, mittlere und geringste. Eine Zahnkette mit einem Königszahn als Meru-Perle
9.31 gilt als beste Kette, die höchste, die Kālikā herbeizieht. Der Bereich zwischen Ohr und Auge wird Mahāśaṅkha genannt.
9.32 Eine aus Mahāśaṅkha bestehende Kette mit fünfzig Gliedern gilt als mittlere Kette; sie wird für Tārās Japa genannt.
9.33 Eine Kette aus Knochen, Menschenschädeln oder menschlichem Stirnbein, aus dem Körper oder aus dem Körperinneren, gilt als geringste,
9.34 für den Ritus der Göttin Chinnā, Göttin. So gilt sie als dreifach. Die beiden vorderen Zähne werden Königszähne genannt.
9.35 Einst wurden die Dānavas von der furchtbar geöffneten Mahākālī verschlungen. Die beiden in den drei Welten wohnenden Zähne gelten als Königszähne.
9.36 Die Bezeichnung „Königszahn“ hat die Göttin selbst früher geprägt, Geliebte: „Die beiden Zähne, die die Daityas zermalmen und mein Werk ausführen,
9.37 bestimme ich erfreuten Herzens für die Funktion des Meru.“ In der Kālikāsaṃhitā wird eine andere Auffassung erklärt:
9.38 Weil das Gesicht der Göttin durch diesen Zahn erstrahlt, wird er Königszahn genannt, Göttin, große Herrin.
9.39 Höre noch eine Deutung: Unter den Zähnen erstrahlt der Königszahn. Die Kette ist sorgfältig mit Sonnen-, Feuer- und Mondfäden herzustellen.
9.40 Mit Fett, Mark oder nāṭi gilt sie als günstig. Eine mit Svayambhū bestrichene Nāḍī gilt als die beste. [Nāṭi und Svayambhū sind hier rituelle, teilweise unsichere Materialbezeichnungen.]
9.41 Ein mit Svayambhū bestrichener Faden gilt als der beste: ein von einer käuflichen Frau oder einer Kumārī angefertigter Faden,
9.42 ferner ein von einer tugendhaften Frau eines vorzüglichen Zweimalgeborenen gefertigter, knotenloser Faden, mit Kuṇḍa, Gola oder Svayambhū bestrichen.
9.43 Ein aus Mātaṅginīs Hand empfangener gilt als der beste. Mit einer Nāḍī soll die Verbindung hergestellt werden, mit rotem Gewand, Geliebte. [Die Verbindung von Nāḍī und Gewand bleibt elliptisch.]
9.44 Diese Kette verleiht Vollendung und zieht Kālikā herbei. Welche Kālī ist, ist eben Tārā; welche Tārā ist, ist eben Kālikā.
9.45 Welche Kālī ist, ist eben Chinnā; welche Chinnā ist, ist eben Tāriṇī. Welche Sundarī ist, ist eben Kālī und gilt als Spenderin aller Vollendungen.
9.46 Zwischen den vier besteht kein Unterschied; wer trennt, gelangt in die Hölle. Kette, Gefäß und Sitz gelten für alle vier als günstig.
9.47 Besonderheiten bestehen bei Mantra und Meditation, ebenso Verschiedenheit im Namen; auch bei den Anwendungen bestehen Besonderheiten, gerade bei Sundarī, Pārvatī.
9.48 Zwischen den drei besteht kein solcher Unterschied; sie werden die drei Śaktis genannt. Kālikā weilt stets auf Leichenstätten und außerhalb.
9.49 Daher werden der Vīra-Sitz und ebenso die Vīra-Praxis gepriesen. Die Handlung mit dem Vīra-Sitz und den weiteren Mitteln, ebenso die Vīra-Praxis,
9.50 werden mit Mantra, Bali und Richtungsbindung erklärt. Ein Leichnam mit unversehrten Gliedern wird gepriesen, ein Schädel dagegen abgetrennt genannt.
9.51 Ist er blutbefleckt, Herrin der Götter, soll er sorgfältig verworfen werden. Unterlässt der Sādhaka dies aus Nachlässigkeit,
9.52 so folgt unmittelbar sein Tod; andernfalls ist es günstig. So ist es auf deinen Befehl in Kürze erklärt, Göttin. Höre nun aufmerksam das Werk der Vīra-Vollendung und der übrigen.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Tārā das 9. Kapitel namens „Darlegung der Sitze“.
Paṭala 10: Vīrasiddheśvarī und die Grenzen der Beschreibung
10.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Nun werde ich die höchste Vīrasiddheśvarī erklären. Schon durch ihre Erkenntnis wird man Mahākāla gleich.
10.2 Die Vollendung der Sandalen, des Schwertes, des Vetāla, der Metallumwandlung und der Yakṣiṇī, der Zauberkugel und Augensalbe, der Verborgenheit und des Stirnzeichens, Glückverheißende:
10.3 Alles entsteht rasch, nicht anders – dies ist Śaṅkaras Wort. Kālikā, Tāriṇī und Chinnā werden die drei Śaktis genannt.
10.4 Für diese drei Śaktis, Göttin, wird diese Praxis erklärt. Sie heißt Schädelverehrung und verleiht alle Vollendungen.
10.5 Die Praxis hat Kālikās Gestalt und heißt Muṇḍadurgā, „Schädelfestung“. Einen im Kampf gefallenen Helden, einen großen Helden und auch Erhängte,
10.6 Gepfählte, von Stäben Durchbohrte und von den sechsunddreißig Waffen Getroffene, durch Schlangen oder andere Lebewesen Getötete, von Elefanten oder Tigern Zerrissene,
10.7 durch vorzeitigen Tod Gestorbene: Solche Leichname werden herbeigebracht, Göttin, Pārvatī, und aus den großen Helden und großen Schädeln wird sorgfältig eine Festung errichtet.
10.8 Vom Kampfhelden bis zum großen Helden, Glückverheißende, wird der Sitz bereitet, ringsum die Schädelfestung.
10.9 Mit „Tag, neun, acht, Berg, sechs“ Tausenden oder mit fünftausend, bei deren Fehlen mit dreitausend verfahre man bei der Schädelfestung. [Der Zahlenschlüssel der ersten Halbzeile ist unsicher und wird nicht in eine vermeintlich gesicherte Zahl umgerechnet.]
10.10 Vor sich zeichne man den Kreis der Gestaltgleichheit mit Tārā, Pārvatī, für das Gefäß, für sich selbst und für die Gottheit.
10.11 Unter sorgfältigem Verzicht auf Baden vollziehe man die Festungspraxis in einer Festung, im Wald, im Flussbett, an einem Teich oder in einem verlassenen Haus,
10.12 auf einem Schlachtfeld, einer Leichenstätte, an einer Weggabelung oder Kreuzung, Herrin der Götter, bei einem Kula-Baum, einem einzelnen Baum oder in einem Śiva-Tempel,
10.13 bei einem einzelnen Liṅga vollende man sorgfältig die Schädelfestung. Ist diese eine verwirklicht, Göttin, sind die drei Welten verwirklicht.
10.14 Man stelle das Zubehör der Vīra-Praxis vor sich, Pārvatī, in Vīra-Erscheinung und mit Mitgefühl versehen; die Khadira-Pflöcke … [Die Zahlen- beziehungsweise Namensfolge khādirānandaśakīlakān ist beschädigt.]
10.15 Man vollziehe sorgfältig innere und äußere Bindung, Pārvatī, und führe alles wie bei der Vīra-Praxis sorgfältig aus.
10.16 So viele Schädel vorne zusammentreffen, höchste Herrin, so viele erwünschte Formen entstehen hier nach der Abfolge der zehn Vidyās. [Yāvadame ist eine unsichere Lesung.]
10.17 Kālī, Tārā, Chinnā, Sundarī und Bagalāmukhī: Diese fünf werden besonders im Augenblick zu den erwünschten Gottheiten.
10.18 Welche Bali-Gabe auch von ihnen erbeten wird, diese sei sorgfältig zu geben. Die Verehrer des Vīra-Yantras sollen sorgfältig die Gabe empfangen.
10.19 Wer Vīra-Japa übt, Vīra-Gefäß, Vīra-Kette und Vīra-Sitz besitzt, Glückverheißende, und in der Schädelfestung verweilt, erhält augenblicklich die Vollendung der drei Welten.
10.20 Furcht wie einen Grashalm achtend, unbekleidet als großer Vīra, wird der Mensch von Śivas Gestalt; daran soll kein Zweifel bestehen.
10.21 Innerhalb von fünf Ghaṭīs, in der Verbindung zur gesamten Oberherrschaft, erscheinen die fünf erwünschten Formen als Mahāvidyās.
10.22 Sie gewähren Augenblick für Augenblick die gewünschte und jede Vollendung. Im Kali-Zeitalter soll der um Wohlergehen bemühte Sādhaka sie geheim halten, Göttin.
10.23 Diese Praxis ist wie der eigene Schoß geheim zu halten, Tāriṇī. Herrschaft über die drei Welten, gute Dichtung und die Kunst umfassenden Behaltens des Gehörten,
10.24 die Fähigkeit zu Fluch und Gnade sind die Früchte der Schädelfestung. Ein Bindu, ein Dreieck, ein Sonnenkreis, dann acht Lotusblätter,
10.25 ein Kreis mit Erdfeld und acht Vajras bilden das Zeichen. Der Bindu ist zinnoberfarben, das Dreieck von göttlicher Farbe,
10.26 der Sonnenkreis kuṅkumafarben, die Blätter tragen acht Farben, Glückverheißende; der Kreis hat Kālikās Farbe, das Erdfeld ist weiß.
10.37 [fortlaufend 10.27] Vierfarbig und mit vier Toren ist Tārās Souveränitätskreis, mit acht Dreizacken geschmückt. Im Dreieck stehen die drei Śaktis. [Die Vorlage nummeriert diesen Vers als 37.]
10.38 [fortlaufend 10.28] Dazu ihre jeweiligen Farben und Keimsilben: Kāmeśī, Diksureśvarī und Pracaṇḍā, große Herrin. Danach auf den Blättern Mahākālī,
10.29 Rudrāṇī, Ugrā, Ghorā, Bhīmā, Ambikā, Mahārātri und Bhairavī; danach die Achtergruppe der Vairocana-Formen. [Vers 10.28 trägt in der Vorlage die Nummer 38.]
10.30 Padmāntaka und die übrigen sind zu verehren, die Kullukā auf dem Scheitel. Dort verehre man Akṣobhya; alles Weitere geschieht wie zuvor.
10.31 Nachdem man so den von Kālī erfüllten Kreis geschaffen hat, vollziehe man die Praxis. Vier Sādhakas sollen in einiger Entfernung und die eigenen Gurus weiter entfernt aufgestellt werden,
10.32 so vollende man die Praxis, Göttin. Was wäre dann nicht in der eigenen Hand? Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? [Die zweite Halbzeile von 10.31 enthält unsichere Lesungen.]
10.33 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste aller Geheimnisse hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Kālī, Tārā, Chinnā und als vierte Sundarī,
10.34 bei diesen und allen zehn Vidyās vollziehe man die Vīra-Praxis; ebenso im Śaiva, Gāṇapatya, Cāndra, Bauddha und Svāyambhuva,
10.35 bei Vaiṣṇava- und Saura-Mantras, im Gāruḍa und Kerala: Darin vollziehe man die Vīra-Praxis, Herrin des Gottes der Götter.
10.36 Im Vedischen soll man die Vīra-Praxis nicht vollziehen, Glückverheißende; auch im Kerala nicht, Herrin der Götter.
10.37 Doch auch im Vedischen vollziehe man sie, Göttin, wenn der Mantra entsprechend beschaffen ist; auch im Kerala, wenn es ein grausamer Mantra ist.
10.38 Als Hauptpraxis wird sie bei Kālī und auch bei Tārā erklärt. Welche Kālī ist, ist eben Tārā; auch bei Chinnā gilt sie.
10.39 Ebenso vollziehe man sie im Pāśupata und den weiteren Richtungen, bei Bagalā und den übrigen Vidyās.
10.40 Wer die Vīra-Praxis aufgibt und dennoch Vollendung begehrt, der möchte ohne Augen eine Gestalt im Spiegel sehen.
10.41 Daher ist sie die Hauptpraxis bei den zehn Vidyās, Pārvatī. Tāriṇī hat Brahman-Gestalt, Kālikā ist Brahmasundarī,
10.42 Chinnā und die übrigen sind Brahman-Vollendung, Sundarī die reine Fülle von Brahman-Bewusstsein. So durchdringt das Brahman-Wesen alles und besteht überall, Herrin der Götter.
10.43 Unter allen Vidyās besteht Vorrang, besonders für Kālikā im Kali-Zeitalter: einfach, zweifach, dreifach, Göttin, zehnfach, hundertfach, Glückverheißende,
10.44 hunderttausendfach, millionenfach und von unendlicher Gestalt. Durch Glieder und Unterglieder und die Unterschiede ihrer Namen wird sie Kālikā genannt.
10.45 Kālikā-Śakti ist der Ursprung von allem; sie selbst ist Tārā und Kullukā. Sundarī und Chinnamastā werden ebenfalls als Kālikā bezeichnet.
10.46 Solange sie beschrieben werden kann, ist sie in den Bereich der Eigenschaften eingegangen. Sobald sie über das Aussagbare hinausgeht, ist sie in die Eigenschaftslosigkeit eingegangen.
10.47 Selbst mit tausend Millionen Zungen und hundert Millionen Mündern vermag ich ihre Größe nicht zu beschreiben, große Herrin.
10.48 Wo dieses Unvermögen eintritt, wird eben dort Brahman genannt. Was heißt Eigenschaftslosigkeit? Der Bereich des Unvermögens, es zu beschreiben.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 10. Kapitel namens „Darlegung der Vīrasiddheśvarī“.
Paṭala 11: Rezitation und vorbereitende Praxis der Schutztexte
11.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: So ist Eigenschaftslosigkeit erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Kālī sprach: Ādinātha, Mahākāla, vorzüglich im Wohl aller Wesen!
11.2 Von dir habe ich die zehn Mahāvidyās gehört; die mit Laghu beginnenden Mahāvidyās werden ebenfalls als zehn bezeichnet.
11.3 Dreizehn Mahāvidyās wurden von Virūpākṣa genannt, sechzehn Vidyās von Bhairava gezeigt.
11.4 In der Devī-Lehre bestehen Mahāvidyā und Siddhavidyā als Gottheiten. Die drei Śaktis wurden erklärt, o Gott, und gelten selbst wiederum als dreifach.
11.5 Kālī, Tārā und Chinnamastā werden die drei Śaktis genannt; Bālā, Pañcadaśī und Ṣoḍaśī gelten ebenfalls als drei.
11.6 Auch bei Triśaktilakṣmī und Chinnā wird ein Dreifachsein der Śakti erklärt. All dies hast du dargelegt und das früher Gesagte darin erläutert.
11.7 Was darüber hinaus besonders verborgen ist, höchster Herr, verborgener als das Verborgene, o Gott, erkläre mir dies heute.
11.8 Īśvara sprach: Bei Tausendnamenhymnen und auch bei Schutztexten, Pārvatī, ist jeweils der betreffende Kavaca und Weiteres erklärt; die dort vorgeschriebene vorbereitende Praxis ist auszuführen.
11.9 Was ist vorgesehen, wenn kein Puraścaraṇa genannt ist? Für einen bloßen Lobpreis werden zehntausend Wiederholungen als Puraścaraṇa erklärt.
11.10 Für Tausendnamenhymne und Kavaca gilt dies als vorbereitende Praxis. Nachdem man sie so vollzogen hat, folgen Feueropfer und Weiteres zu je einem Zehntel.
11.11 Sättigungsopfer und Besprengung sind mancherorts genannt, Göttin. Was nach Mahākālas Lehre dort vorgeschrieben ist, soll ausgeführt werden.
11.12 Zum Schluss lasse man in jedem Fall Brahmanen speisen, Geliebte. Durch das Zufriedenstellen der Brahmanen allein wird alles vollendet, Pārvatī.
11.13 Wie ist das Feueropfer auszuführen, wie soll das Puraścaraṇa geschehen? Welche Gestalt hat die Tausendnamenhymne, höchste Herrin,
11.14 und welche Gestalt wird dem Kavaca zugeschrieben, Göttin? Der Dialog von Śiva und der Göttin wird als Brahmarandhra, die Scheitelöffnung, bezeichnet.
11.15 Die anderen Verse gleichen den Haaren; als Seher wird Śiva genannt. Das Versmaß ist das Gesicht, Göttin, die Gottheit das Herz.
11.16 Die Keimsilbe wird als der verborgene Körperbereich bezeichnet, die Kraft als das darüber Hinausgehende. Die Beschreibung sämtlicher Glieder, Göttin, wird Arthavāda, erläuternder Lobpreis, genannt. [Sarvogakalpanam ist beschädigt.]
11.17 Was immer sich innerhalb des Lobpreises befindet, gehört zu seiner Gestalt. So wird die Gestalt des Lobpreises erklärt, Herrin des Gottes der Götter.
11.18 Dasselbe gilt für den Kavaca, Göttin; man lese ihn von Anfang bis Ende, Geliebte. Fehlen Glieder, folgt in jeder Hinsicht Verderben, höchste Herrin.
11.19 Die Frucht bei Lobpreis und den weiteren Texten heißt ihr Ziel, Göttin. Ohne Anfang und Ende wird nur die halbe Frucht genannt.
11.20 Dafür sind die fünf Glieder und ähnliche Ordnungen Gewähr, Göttin. Wie soll man das Feueropfer ausführen: am Ende eines Verses,
11.21 oder anders? Höre nun sorgfältig das Feueropfer bei Kavacas und den übrigen Texten. Man rezitiere von Anfang bis Ende; erst danach gilt das Feueropfer als vorgesehen.
11.22 Oder das Feueropfer findet nach jedem Namen statt, Herrin des Gottes der Götter. Die ehrwürdige Göttin sprach: Wenn das Feueropfer nach jedem Namen erfolgt, wie verhält es sich mit der Einleitung?
11.23 Wie verfährt man beim Kavaca und den übrigen? Der Kavaca hat Mantragestalt. Erfolgt dort das Opfer am Namensende oder am Versende, höchster Herr,
11.24 oder soll beim Feueropfer der ganze Text rezitiert werden, Śaṅkara? Īśvara sprach: In Sāṃkhyāyanas Lehre gilt die Gauḍa-Rezitationsvorschrift, Göttin.
11.25 Die im Mittelteil befindlichen Namen sind zu lesen, höchste Herrin: ein halber Vers, nur ein Versviertel, ein halbes Versviertel oder ein einzelner Name.
11.26 Die Tausendnamenfolge im Mittelteil lese man sorgfältig, du Gelübdetreue. So ist Sāṃkhyāyanas Lehre erklärt. Höre nun über die Einleitung, Geliebte.
11.27 In Einleitung und Schluss gilt das Feueropfer am Versende; jeweils danach soll man opfern, so sprach Sāṃkhyāyana.
11.28 Beim Kavaca und den übrigen, Geliebte, erfolgt das Feueropfer am Ende eines Mantras; in Einleitung und Schluss am Ende eines Verses.
11.29 Zu Beginn rezitiere man den vollständigen Text, ebenso am Ende, höchste Herrin; dazwischen lese man die Namen. So wird das Puraścaraṇa erklärt.
11.30 Höre nun aufmerksam die Kāśmīra genannte Abfolge, Göttin. Man wiederhole den gesamten Lobpreis und zähle erst an seinem Ende eine Wiederholung.
11.31 Diese Verbindung mit der vollständigen Abfolge heißt Kāśmīra. Damit ist auch das Feueropfer nach vollständiger Rezitation erklärt, freundlich Sprechende.
11.32 Man vollziehe dabei Besprengung und Begießung, höchste Herrin. Zwischen der Kāśmīra und der Kerala genannten Form besteht gelegentlich ein Unterschied, Pārvatī.
11.33 Nach derselben Abfolge wird das Feueropfer beim Kavaca erklärt. Auch Sättigung und die weiteren Handlungen beim Kavaca sind vom Verständigen sorgfältig auszuführen.
11.34 Der Kavaca wird der Gestaltgleichheit zugeordnet, der Lobpreis der Vereinigung, die Tausendnamenfolge der Nähe: So sind die drei erklärt.
11.35 Die mündliche Lobpreisung, Göttin, führt zum Wohnen in derselben Welt. Daher rezitiere der Verständige vollständig. Eben dies wird auch im Kerala erklärt, große Göttin.
11.36 Dies gilt für die bloße Rezitation und ebenso für Feueropfer und Weiteres. Im Kāmarūpāgama ist beim Feueropfer der Kavaca am Versende zu lesen. [Die Vorlage hat lokānte; ślokānte ist als Zusammenhangslesung unsicher.]
11.37 Im Kāmarūpāgama und in der von Akṣobhya geschaffenen Lehre wird das Feueropfer am Versende genannt, ebenso Besprengung und Weiteres am Versende. [Auch hier steht zunächst lokānte.]
11.38 Danach vollziehe man Puraścaraṇa und Weiteres nach der im Tantra genannten Vorschrift. Der Kavaca ist ein Panzer, der Lobpreis ein Gefährte,
11.39 die Tausendnamenhymne steht für das Heer. Die Verehrung hat die Gestalt einer Festung, die Bali-Darbringung die des Vernichtens.
11.40 Der Mantra ist der König; das Puraścaraṇa wird als Wohlstand des Reiches bezeichnet. Ohne Wohlstand erstrahlt ein König nicht, höchste Herrin.
11.41 All dies wird als im Wohlstand verwurzelt erklärt. Das Feueropfer heißt Feuerwaffe, das Sättigungsopfer Regenwaffe.
11.42 Die Begießung wird als Festung im Wasser bezeichnet; das Speisen der Brahmanen als Verzehren des feindlichen Heeres.
11.43 Indem man die Einheit von Gottheit, Guru und Vidyā sowie die Einheit mit dem eigenen Selbst vergegenwärtigt, wird man Herr aller Vollendungen und Gebieter der drei Welten.
11.44 Wie im Reich eines Königs Furcht vor einem feindlichen Heer bestehen kann, so verhält es sich auch mit dem Reich der Vollendung, große Göttin.
11.45 Wie Festungen, Waffen und die übrigen Mittel im Reich der Götter gelten, so gelten Puraścaraṇa und die weiteren Riten im Reich der Vollendung.
11.46 Der Mantra ist König, der Guru Minister, Gaṇeśa Torhüter. Die Praxis mit Leichnam und Schädel wird als Thron bezeichnet.
11.47 So soll der Sādhaka verfahren, damit alles gut gelingt. Die anlassgebundenen und wunschbezogenen Riten gelten als Pferde- und Elefantentruppen.
11.48 Der Rauch des Feueropfers ist die Fahne, das Tantra der Boden der Vollendung. Was würde dem Herrscher über das Reich der Vollendung auf Erden nicht gelingen, Göttin?
11.49 Ṣoḍhā-Nyāsa und die weiteren Handlungen sind das Heer, das die Herrschaft der Gottheit verleiht. Das Yantra ist die Vajra-Festung, das Keimsilben-Yantra undurchdringlich. So ist das Puraścaraṇa von Kavaca und den übrigen Texten erklärt. Was möchtest du hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 11. Kapitel namens „Puraścaraṇa von Kavaca und den übrigen Texten“.
Paṭala 12: Bhūtaśuddhi: die Läuterung der Elemente
12.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Elementeläuterung hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Elementeläuterung ist nach Kerala und den weiteren Abfolgen dreifach.
12.2 Durch die fünffache Läuterung der Tattvas vollziehe man die Läuterung des Körpers. So habe ich dir die Elementeläuterung im Kerala erklärt.
12.3 Im Kāśmīra erfolgt die Elementeläuterung durch Austrocknen und die weiteren Schritte. Wenn die Durchdringung der Tattvas vollzogen ist, Göttin, wo besteht dann auf Erden noch Verfehlung?
12.4 Durch die Auflösungsabfolge erfolgt die Durchdringung der Tattvas, höchste Herrin. Wenn diese Abfolge vollzogen ist, Göttin, wo besteht dann noch seine Verfehlung?
12.5 Durch die Reinigung der Elemente verschwindet auch seine Verfehlung, Göttin. Die Verfehlung haftet am Körper; wo sollte sie dann noch bestehen?
12.6 Bei der Durchdringung der Tattvas, große Herrin, vergegenwärtigt man: „Ich bin allein Brahman.“ Danach stütze man sich für die Durchdringung durch die Mātṛkā erneut auf die Körperläuterung.
12.7 Bei der Abfolge des Austrocknens und der weiteren Schritte hat Verfehlung ihren Sitz in den Elementen, Göttin. Sind die Elemente gereinigt, wo besteht dann Verfehlung, höchste Herrin?
12.8 Damit ist die Kāśmīra genannte Abfolge erklärt; Gauḍa entspricht Kāśmīra. Höre die Elementeläuterung nach der Caitanya genannten Abfolge, Göttin, Geliebte.
12.9 Nachdem man die Tattvas in der Auflösungsabfolge zusammengeführt hat, vollziehe man sorgfältig die Handlung zur Läuterung der Verfehlung, Pārvatī. [Tattvasakhyāpana ist als Lesung unsicher.]
12.10 Nach der Auflösungsabfolge vollziehe man Austrocknen und die weiteren Schritte. Das von Verfehlung Geprägte hat seinen Bestand durch den Schöpfungsweg, Herrin der Götter.
12.11 Durch den Schöpfungsweg vollziehe man wiederum Schöpfung und Weiteres, Herrin der Götter. Wie am Anfang eines Zeitalters Schöpfung, Erhaltung und die weiteren Vorgänge bestehen,
12.12 so wird auch die Elementeläuterung erklärt, höchste Herrin. Wohin geht denn die Welt des Beweglichen und Unbeweglichen, Pārvatī?
12.13 Ebenso sind bei der Elementeläuterung Vergegenwärtigung und Yoga. Sie sind anfangslos vollendet, Herrin der Götter, ebenso die Unterschiede der Schöpfung.
12.14 Auch die Āgamas, große Herrin, und die neun geschätzten Entfaltungen, Purāṇas und die ergänzend bezeichneten Werke: Alles kann zur Vollendung führen, Glückverheißende. [Nava vaikṛtimādṛtā ist grammatisch beschädigt.]
12.15 Durch ein einziges Tor offenbart jene höchste Kālikā-Kalā diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt, Herrin der Götter.
12.16 Sie bindet die Wesen mit der Schlinge der Māyā, macht sie verwundet beziehungsweise beeinträchtigt, höchste Herrin, und lässt sie im Rad des weltlichen Daseins umhergehen.
12.17 Bei Śrīvidyā, Kālī und im oberen Überlieferungsstrom, höchste Herrin, verschwindet schon durch den Anblick eines solchen Übenden die Verfehlung eines anderen.
12.18 Der betreffende Ort wird ringsum über Millionen Yojanas gesegnet. Die Frucht seines Verdienstes vermag ich nicht auszusprechen, Göttin.
12.19 Dies ist in Kürze erklärt: Woher sollte noch Verfehlung kommen, höchste Herrin, durch die vollständige Rezitation Ṣoḍaśīs und ebenso Kālikās?
12.20 Mantra-Pārāyaṇa, Göttin, ebenso Namen-Pārāyaṇa, Cakra-Pārāyaṇa und Yantra-Pārāyaṇa,
12.21 Nāḍī-Pārāyaṇa: Diese kennt man als die fünf vollständigen Durchgänge. Bei Śrīvidyā und Kālikā geschieht es nach der Abfolge dieser fünf Pārāyaṇas.
12.22 Pārāyaṇa heißt Sandhyā; dadurch besteht keine Verfehlung. Im Nirvāṇa ist nicht einmal von Verfehlung die Rede; „vor Parā soll man sprechen“, Glückverheißende. [Der letzte Ausdruck ist nicht eindeutig zuzuordnen.]
12.23 Im Ṣaṭśāmbhava, große Herrin, durch die Abfolge der sechs Cakras, ist Verfehlung weit entfernt, Göttin; bei den einzelnen Formen besteht dagegen Läuterung.
12.24 Für die anderen soll die Elementeläuterung dreifach eingerichtet werden. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 12. Kapitel namens „Darlegung der Elementeläuterung“.
Paṭala 13: Kaula-Pilgerorte, der lebendige Kreis und die Einheit des Selbst
Dieses Kapitel verbindet eine Aufzählung heiliger Orte mit Körper- und Sexualsymbolik. Es nennt dabei auch Verwandtschaftsverhältnisse und ausdrücklich minderjährige Beteiligte. Die entsprechenden Sexualriten werden ausschließlich nichtgrafisch zusammengefasst und nicht als vollständige Übersetzung ausgegeben. Zahlreiche Lücken der Sanskritvorlage bleiben kenntlich.
13.1 Īśvara sprach: Auf den Wegen der Kaulas und Avadhūtas soll man keine Pilgerreise unternehmen. Das Wandern zu heiligen Orten, die förmliche Entsagung und das Tragen von Gelübdezeichen,
13.2 Fasten und Kopfrasur soll man in jeder Weise meiden. Auf dem Haupt befindet sich die volle Weihe; deshalb soll dort keine Rasur erfolgen.
13.3 Die heiligen Orte der Kaulas sind andere; in diesem Kaula-Bereich soll man stets verweilen. In einer einzigen befinden sich sämtliche Pīṭhas, Herrin der Götter.
13.4 Ihr Pīṭha ist das höchste Pīṭha; „… die Oberherrschaft …“ [Textlücke.] Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte sämtliche Kaula-Pilgerorte hören.
13.5 Īśvara sprach: Eine Brahmanin wird Gayā genannt, eine Frau königlichen Standes Ayodhyā, eine Vaiśya-Frau Avantikā und eine Śūdra-Frau Mathurā. [Die Vorlage liest rājā und śuddhā; die ständische Zuordnung ist aus dem Zusammenhang erschlossen.]
13.6 Eine Dienerin ist Māyāpura, Göttin, eine Schauspielerin Godāvarī, eine Kranzbinderin Citrakūṭa.
13.7 Eine Töpferin wird Śrīpura genannt, Göttin; Uḍḍyāna ist …, große Göttin; eine Näherin Pauṇḍravardhana. [Die Uḍḍyāna-Zuordnung ist in der Vorlage unsicher.]
13.8 Eine Weberin der Kuvinda-Gruppe ist Jālandhara, eine Fadenweberin Kāñcī; eine Schwertreinigerin gilt als Kāmarūpa, Göttin.
13.9 Eine Wäscherin heißt Puṣkara, eine Lederarbeiterin Kāśī; das Haus einer Eisenarbeiterin gilt als Kolāpura, Göttin.
13.10 Das Haus einer Schankwirtin wird Nepāla genannt, Göttin; eine Barbierin Kedārapīṭha, Herrin der Götter.
13.11 Eine Handwerkerin wird Gokarṇapīṭha genannt, Herrin der Götter; Ujjayinī-Pīṭha wird als Kalādika bezeichnet. [Die Berufszuordnung des zweiten Satzes bleibt unsicher.]
13.12 Eine Añcukī ist Kāleśvarī, eine Fischerin Hastināpura, eine Zöllnerin Rājageha und eine Ölherstellerin Jayantī. [Añcukī ist als Berufsname unsicher.]
13.13 Eine Māgadhī ist Kānyakubja; überall ist das jeweilige Haus gemeint. Das Haus einer Prostituierten ist Prayāga, eine Kumārikā Śrīśaila.
13.14 Eine Ābhīrī ist Kailāsapīṭha, eine sexuell ungebundene Frau Kṣīrikā; eine selbstständig lebende Frau wird Hiraṇyapura genannt, Göttin.
13.15 Eine Zofe ist Aṭṭahāsa, eine Botin Maruteśvara; das Haus einer Witwe wird Oṃkārapīṭha genannt, Herrin der Götter.
13.16 Das Haus einer Nachbarin heißt Malaya-Pīṭha, das Haus der eigenen Ehefrau Virajā-Pīṭha, Göttin.
13.17 Das Haus einer Kupplerin heißt Pūrṇacandra, Göttin; das Haus einer Gāruḍī heißt Devamātṛka-Pīṭha.
13.18 Das Haus einer Cāṇḍālī heißt Āmrātakeśvara-Pīṭha, das Haus einer Enkelin Kāmakoṭa, das einer Urenkelin Ekāmbara.
13.19 Die Frau des mütterlichen Onkels ist Ananta, eine Saṃvidhinī Carasthira; das Haus einer Königstochter heißt Māhendra, Göttin. [Saṃvidhinī ist als Verwandtschaftsbezeichnung nicht sicher bestimmbar.]
13.20 Das Haus einer Tochter beziehungsweise unverheirateten Frau heißt Jaleśvara, große Göttin; das Haus einer Schwiegertochter Vicitra, große Herrin.
13.21 Das Haus einer Schwester heißt Bhṛgu-Pīṭha, Göttin, das einer Schwägerin Mahāpatha.
13.22 Eine Yavanī wird Merukāgiri genannt, Göttin; das Haus einer verheirateten Tochter gilt als Vāmana.
13.23 Das Haus einer Kelikuñcikā heißt Hiṅgulā. Die Frau eines anderen ist Bindutīrtha, eine Menstruierende alle heiligen Orte.
13.24 Alle diese heiligen Orte sind in einer einzigen Begegnung mit Mātaṅgī enthalten. Dies ist erklärt, große Göttin. Was möchtest du noch hören?
13.25 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Merkmale der vier Pīṭhas hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Ich werde das Geheimnis erklären, durch dessen Erkenntnis man unsterblich wird.
13.26 Das Haus der Frau des Schwagers ist Kurukṣetra; das Haus ihrer Tochter heißt Śrīgaurīmukha, Göttin.
13.27 Die junge, schöne, anziehende Schwester der eigenen Ehefrau, die ältere und die jüngere, große Herrin, werden der Reihe nach unterschieden.
13.28 Die ältere heißt Kelikuñcī, die jüngere Keligehinī. Höre nun die vier Pīṭhas der Reihe nach, Herrin der Götter.
13.29 Kurukṣetra, große Herrin, dann Gaurīmukha, Pañcabhadra bei Kelikuñcī und „mhinī pañcabhadrakam“. [Die Schlussfolge ist beschädigt; die Viererzuordnung bleibt unklar.]
13.30 Das Gespräch mit ihr gilt als Rezitation des Lobpreises, ihre Gemeinschaft als Verneigung. Eine nur teilweise erhaltene Berührungsangabe wird als Aufstellung des heiligen Kruges gedeutet.
13.31 Der Text setzt Vereinigung mit Verehrung und ihre Worte mit Gnade gleich; die Zuordnung von Blütengabe und weiteren Handlungen ist lückenhaft. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe der Sexualsymbolik.]
13.32 Der Vers verbindet mehrfach das Wort Kāma, Verlangen beziehungsweise Liebesgott, mit ineinandergefügten Ritualbezügen. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; die genaue sexuelle Handlungsanweisung wird im alters- und verwandtschaftsbezogenen Zusammenhang nicht wiedergegeben.]
13.33 Wiederholte, im Text teilweise ausgefallene Handlungen gelten als Verehrung des Umkreises; Gespräch und Zusammensein werden hier als Pūjā bezeichnet.
13.34 Das Dreieck wird Yantra genannt. Der Text deutet eine sexuelle Körperfunktion als Entlassungsritual und verbindet eine lückenhafte weitere Handlung mit Verehrung. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.35 Vereinigung wird mit Brahman gleichgesetzt; der Vers beschreibt anschließend körperliche Nähe und einen Wechsel der Positionen. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.36 Wer die Verbindung der vier Pīṭhas vollzieht, höchste Herrin, dem ist die Göttin gnädig; daran soll kein Zweifel bestehen.
13.37 Der beschädigte Vers verbindet eine sexuelle Ritualhandlung mit Japa und verspricht die Herrschaft über alle Vollendungen. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.38 Mit dem „Nektar des Dreiecks“ wird Kālikā gesättigt; als Frucht nennt der Text bleibende Beredsamkeit und dichterische Kraft. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.39 Der Vers verbindet die Betrachtung des mit der „Blüte“ verbundenen Cakra mit zehntausend Wiederholungen und der Herrschaft über alle Vollendungen. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.40 Es folgt Japa während einer Vereinigung über vier Nachtwachen; der Text nennt je nach Verfügbarkeit Schwester und Schwägerin als Beteiligte. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des historischen Textinhalts, keine Handlungsübersetzung.]
13.41 Besonders wird Kelikuñcī als reine Frau bezeichnet. Wer nach dieser Abfolge verfährt, erlangt dem Text zufolge alle Vollendungen.
13.42 Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Die vier Pīṭhas sind in Kürze erklärt, Maheśvara.
13.43 Erkläre mir die Gestalt der Pīṭha-Śakti und die Ersatzform. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Frau ist Mutter der drei Welten, die Frau ist Gestalt der drei Welten.
13.44 Die Frau ist Grundlage der drei Welten, die Frau ist die Gestalt des Leibes. Die Gestalt des Mannes, die der Frau und jede höchste Gestalt,
13.45 jede Gestalt, die sich in der Welt befindet, liegt im Kreis der Frau. Es gibt keine Freude wie die Frau, kein Ziel wie die Frau.
13.46 Kein Glück wie die Frau hat es gegeben oder wird es geben. Es gibt keine Herrschaft wie die Frau, keine Askese wie die Frau.
13.47 Keinen heiligen Ort wie die Frau hat es gegeben oder wird es geben. Es gibt keinen Yoga wie die Frau, keinen Japa wie die Frau.
13.48 Keinen Yoga wie die Frau hat es gegeben oder wird es geben. Es gibt keinen Mantra wie die Frau, keine Askese wie die Frau.
13.49 Keinen Reichtum wie die Frau hat es gegeben oder wird es geben. Der Vers beginnt anschließend die Beschreibung einer jungen, schönen weiblichen Gestalt.
13.50 Die Beschreibung verwendet Bilder von Rausch und lebhaften Augen; weitere Merkmale des Verlangens und eine Bitte sind durch Textlücken unterbrochen. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe der Personenbeschreibung.]
13.51 Die beschriebene Gestalt trägt reichen Schmuck und wird ausdrücklich als sechzehnjährig bezeichnet. Der Text verweist für das weitere Vorgehen auf die zuvor genannte Abfolge. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.52 Es folgen die Platzierung auf einem Blütenpolster und eine umfassende Verehrung; der Schluss der Ritualangabe fehlt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.53 Der Text verbindet die Verehrung Kālīs mit Gliedern und Umkreis mit der Erregung der weiblichen Person, während der Übende selbst unerschüttert bleiben soll. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.54 Was sie ausspricht, werde wahr; durch die Berührung ihres Körpers werde die bewegliche und unbewegliche Welt geheiligt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe der behaupteten Ritualwirkung.]
13.55 In ihrem Haus soll die betreffende Haltung vergegenwärtigt werden; der Text verbindet die Vorstellung weiblicher Gestalt mit der Vorstellung einer vollzogenen Yoga-Verbindung. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.56 Alles soll als Yoga vergegenwärtigt werden. Der Vers nennt eine Umkehrung der Rollen und verbindet Japa mit der Verheißung von Vollendung. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.57 Der Übende nimmt weibliche Gestalt an; die Partnerin seine eigene Gestalt. Genannt werden weibliche Körperattribute, Augenschminke, Haarscheitel, Armreifen und Schmuck. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.58 Die Attribute werden am eigenen Körper angebracht; der Text beschreibt einen Wechsel der Geschlechterrollen innerhalb des sexuellen Rituals. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.59 Die entsprechende Handlung der weiblichen Person wird nur lückenhaft überliefert. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; mehrere entscheidende Wörter fehlen.]
13.60 In einem solchen als höchsten Yoga bezeichneten Ritus soll die Einweihungsverbindung erfolgen. Durch die Gnade der Kālī-Vidyā werde alles fruchtbar. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.61 Geheim zu halten, geheim zu halten, sorgfältig geheim zu halten ist dies. Es ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
13.62 Die ehrwürdige Göttin sprach: „Durch den Anblick von tausend … wird der Mensch befreit; durch den Anblick von tausend … erfolgt gewiss die Schau der Gottheit.“ [Zwei Textlücken.] Die vier Pīṭhas sind erklärt; sage, wie die Praxis zu betrachten ist.
13.63 Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Frau des Schwagers wird Kurukṣetra genannt; bei ihrer Tochter … heißt es Gaurīmukha. [Die genaue Körperzuordnung fehlt.]
13.64 Bei der Schwägerin … heißt es Pañcabhadra. Die als ältere Ehefrau bezeichnete ist hier Kelikuñcikā. [Die erste Halbzeile ist lückenhaft; die Verwandtschaftsbezeichnung weicht von 13.27–28 ab.]
13.65 Ihr … heißt Viśvabhadra, das höchste aller Pīṭhas. Höre andere Namen, die der Text mit ihrer sexuellen Verbindung außerhalb der Ehe verknüpft. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des zweiten Satzes.]
13.66 Himmelstor, Liebeshöhle, höchster Mahāpatha und als viertes Wunschjuwel sind die vier Pīṭhas, Pārvatī.
13.67 Bis zum sechzehnten Jahr heißt die erste Puṇyodbhavā, „aus Verdienst entstanden“; bis zum zweiunddreißigsten Amṛtāndolikā, „Nektarschaukel“.
13.68 Für die folgenden acht Jahre heißt sie Sudhāsāgara, „Nektarmeer“, für weitere zehn Ānandavrata, „Wonnegelübde“.
13.69 Vor dem sechzehnten Jahr heißt sie Mahāsiddhimukha, „Mund der großen Vollendung“. Fünf Pīṭhas bestehen zuvor in der Adhirāja-Abfolge. [Die Verbindung zur Viererliste ist nicht erläutert.]
13.70 Höre nun sorgfältig über ihre Tochter, große Herrin. Bis zum sechzehnten Jahr wird sie Yogavīṇā genannt.
13.71 Ist ihre Menstruation eingetreten, heißt sie Brahmāṇḍa; ein Vierfaches wird genannt. Bis zum zweiunddreißigsten Jahr heißt sie Sāmrājyaguṭikā.
13.72 Für die folgenden acht Jahre gilt sie als Ānandatūlikā, „Wonnepolster“, für weitere zehn als Saubhāgyakamala, „Lotus des Glücks“.
13.73 Höre nun das Merkmal des Hauses der ehrwürdigen Śaktikā, Pārvatī: Bis zum sechzehnten Jahr heißt es Mahāsāmrājyamaṇḍala.
13.74 Danach ist es Svārājyamaṇḍala, Göttin, dann Vairājyamaṇḍala und danach Sarvajñapīṭha, „Sitz der Allwissenheit“.
13.75 Vor dem sechzehnten Jahr werden zwei genannt, Ṛddhikāmuka … [Die Zuordnung ist beschädigt.] Die Göttinnen der Kelikuñcī werden als Spenderinnen aller Vollendungen bezeichnet.
13.76 Vor dem sechzehnten Jahr heißt sie Viśvarūpā, „allgestaltig“; nach dem sechzehnten, Göttin, Ṣaṣṭisiddhi, „sechzig Vollendungen“.
13.77 Nach dem zweiunddreißigsten Jahr heißt sie Sundarīmohana, Göttin, danach Śrīkālīmohana.
13.78 Der Text verknüpft bei allen vier das Auftreten der „Blüte“ mit einem Puṣpiṇī-Ritus; eine weitere Bedingung führt zur Rezitation von Adhirājādhipa. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; ruḍhijātikriyā ist unklar.]
13.79 Die Pīṭhas sind hier erklärt; Gestalt-, Duft- und Namenszuordnungen sollen sorgfältig verliehen werden, Göttin, oder nach der Parā-Abfolge.
13.80 Dieser Yoga wird auf Frauen bezogen, höchste Herrin. Der Sādhaka, Herrin des Gottes der Götter, sei frei von unterscheidender Vorstellung und habe seine Sinne gemeistert.
13.81 Er sei frei von Begierde, Zorn und den übrigen Regungen, von Abscheu und Scham. [Die gesamte zweite Vershälfte fehlt.]
13.82 [Die erste Vershälfte fehlt.] Auch wenn ein Fehler sichtbar wird, Herrin der Götter, soll er keine geistige Erschütterung entstehen lassen.
13.83 „Von einem anderen getan … des eigenen, Pārvatī; fortwährend von zweien, dreien oder fünfen getan.“ [Der lückenhafte Vers gehört zum sexuellen Ritualzusammenhang; keine ausführliche Rekonstruktion.]
13.84 Wenn er selbst mit diesem Wissen frei von Veränderung bleibt, Herrin der Götter, ist ein solcher vorstellungsfreier Mensch zur Praxis geeignet, anders nicht.
13.85 Auch wenn durch Schicksalsfügung die betreffende Frau untreu ist, soll er nach dem Text weiterhin für ihre Zufriedenheit sorgen. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; eine Bedingung ist ausgefallen.]
13.86 Andernfalls gelange er in die Hölle; daran soll kein Zweifel bestehen. Sie selbst ist Schöpfung und Trägerin der Welt, sie selbst Ursache und Herrin.
13.87 Wer könnte sie hier festlegen oder begrenzen, Göttin? Alles, was sie tut, als Gestalt der Zufriedenheit betrachtend,
13.88 wird man gewiss zum Sādhaka, große Herrin. Die höchst göttliche Kelikuñcī, mit allen Merkmalen versehen,
13.89 vom Nektar der Jugend erfüllt, soll man stets vergegenwärtigen und verehren. Nach der Kādi- und Hādi-Abfolge soll alles ausgeführt werden. [Die vorausgehenden Alterszuordnungen bleiben als Kontext maßgeblich.]
13.90 „Wenn sie … ist, heißt sie Kālī.“ [Textlücke.] Ist sie mit Duft und Schönheit verbunden, hat sie die Gestalt von Siddhavidyā und den weiteren Formen.
13.91 Auf dem Lager heißt sie Sundarī, im Liebesgespräch Tāriṇī, Chinnā bei …, Herrin der Götter; im Gekränktsein gilt sie als Bagalā. [Nichtgrafische Wiedergabe der Zuordnung; eine Textlücke bleibt.]
13.92 Beim Schmücken heißt sie Mahālakṣmī, Göttin; durch ihr Herbeiziehen beziehungsweise Zusammenbringen wird sie Mātaṅgī genannt. [Samākaraṇa ist mehrdeutig.]
13.93 Im Gespräch über Vereinigung heißt sie Bhuvanā, vom Schlaf bedrängt Bhairavī. Wenn sie von fern als Hindernis aller Dinge gesehen wird,
13.94 und mit der Hand herankommt, ist sie Dhūmāvatī. Es folgt eine lückenhafte Zuordnung zu Sparśakālī und einer selbstgewählten Umkehrung. [Die Vorlage liest zunächst bhūmāvatī.]
13.95 Śrīmahādakṣiṇākālī heißt die Herrin der großen Oberherrschaft; bei einer weiteren Bedingung mit der „Blüte“ heißt sie Śrīmahākāmakālikā. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe der rituellen Zuordnung.]
13.96 „Durch Gewalt … Siddhikālī.“ [Die entscheidende Verbindung fehlt; keine Handlung wird rekonstruiert.] Dies ist in Kürze erklärt und auf die Frauenlehre, besonders Kelikuñcī, bezogen.
13.97 Der Vers beschreibt eine Betrachtung vom Anfang bis zum Ende und eine siebenfache, lückenhafte Zuordnung; genannt werden Lippe, Augenpaar, Wangen und Stirn.
13.98 Ein siebtes, im Text ausgefallenes Glied wird vorgeschrieben; dadurch werde man Herr der Vollendungen. Hand in Hand sollen zehntausend Mantrawiederholungen erfolgen.
13.99 Kālikā gewährt ihm eine Gabe, daran soll kein Zweifel bestehen. Nach einer im Text ausgefallenen Handlung werden tausend Wiederholungen während dreier Tage genannt.
13.100 So werde er Kenner der drei Zeiten, Göttin, ohne Zweifel. Nach einer weiteren ausgefallenen Handlung werden zehntausend Wiederholungen genannt.
13.101 Der seiner Praxis ergebene Sādhaka werde einem Wunschbaum gleich. [Die zweite Vershälfte fehlt vollständig.]
13.102 Durch zehntausend Wiederholungen werde er Herr der zehn Vidyās. Eine weitere lückenhafte Körperhandlung wird mit derselben Wiederholungszahl verbunden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.103 Er werde ein vorzüglicher großer Dichter und König der Redner. Yakschweif, Sonnenscheibe, dreifacher Faden und Lotus,
13.104 Sesamblüte, Mondscheibe, Bachstelze, Pārvatī, entfaltete Erde und … werden als zehn Orte genannt. [Die Liste ist lückenhaft und die zehn Körperzuordnungen werden nicht vollständig erklärt.]
13.105 An jedem Ort wird zehntausendfacher Japa von Kālikās Mantra genannt; Kālikā werde ihm augenblicklich zur Gabenspenderin. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des Kontextes.]
13.106 Fehlen alle genannten Möglichkeiten, nennt der Text die eigene Ehefrau. Fehlen die vier Pīṭhas, sollen deren Namen entsprechend vorgestellt werden.
13.107 Durch eine Gandharva-Ehe, auch durch einen Preis oder durch die Gabe von Vermögen, Herrin der Götter, soll die Vergegenwärtigung ermöglicht werden, Geliebte. [Mananaṃ kārayet ist im Zusammenhang nicht eindeutig.]
13.108 Durch Vergegenwärtigung entsteht die Mutter, Spenderin von Gaben, ohne Zweifel. Ein Blütenpolster soll an einem erhöhten Ort eingerichtet werden.
13.109 Die Gefäße und Verehrungsmittel werden bereitgestellt; anschließend nennt der Text die fünf Ṣoḍhās und Nyāsa auf der betreffenden Person. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.110 „Wenn auch sie aus Mataṅga hervorgegangen ist, und auch sie zuerst …; oder bei Kelikuñcī und den übrigen jeden Monat …“ [Mehrere Textlücken verhindern eine vollständige Aussage.]
13.111 Ob eine solche durch glückliches Geschick erlangt wird oder nicht, Göttin: Eine Eingeweihte, der Gottheit ergeben, frei von Abscheu und Scham,
13.112 dem Japa zugewandt, wird als Teilnehmerin genannt; der Text fährt mit Nyāsa sowie Kāma-, Soma- und weiteren Kalās fort. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.113 Es folgen das Streichen beziehungsweise Reinigen mit den Haaren, das Bereitstellen der Gaben und Japa bei Berührung; eine weitere Verehrungsangabe fehlt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.114 Nach Verehrung und Vergegenwärtigung Kālīs mit Gliedern und Umkreis: „Am Ende der Pūjā, Herrin der Götter …“ [Der verbleibende Text fehlt.]
13.115 „Dort nach der Zahl rezitieren … entfalten …“ [Der Vers ist weitgehend ausgefallen; keine zusammenhängende Übersetzung möglich.]
13.116 „… dort tausendmal rezitieren …“ [Der übrige Vers fehlt.]
13.117 Was sie sagt, Herrin der Götter, soll ausgeführt werden. Erkenne dies als Pūjā, Herrin der Götter; der von ihr genannte Yoga soll vollzogen werden.
13.118 Der beschädigte Vers verbindet eine körperliche Ritualhandlung und ein Yantra mit freudigem Japa. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.119 Pūjā, Japa, Feueropfer, Sättigung, Besprengung und das Speisen der Zweimalgeborenen bestehen dort stets.
13.120 Der Text setzt Vorgänge des sexuellen Rituals mit Pūjā, Gespräch mit Japa und weitere Körperhandlungen mit Feueropfer und Sättigung gleich. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; die letzte Zuordnung ist lückenhaft.]
13.121 Waschen wird mit Besprengung, Anschauen mit Brahmanenspeisung gleichgesetzt. Ein solcher großer Pīṭha heißt der höchste Svayambhū.
13.122 Schon durch seinen Anblick kommen alle vorhandenen Vollendungen von selbst herbei und treten in Dienst, ohne Zweifel.
13.123 Was durch Millionen Vīra-Praktiken während unendlicher Zeitalter erreicht wurde, große Herrin, wird damit in einem Augenblick erreicht.
13.124 So ist die höchste Praxis erklärt, die sechzig Vollendungen gewährt. Dreitausend, vierhundert und sechsundfünfzig werden genannt,
13.125 zwölftausend, Göttin, ebenso sechzehnhundert, Glückverheißende, zweihundert und fünf: So wird die Gruppe der Nāyikās bezeichnet. [Die Zuordnung der Zahlen ist nicht eindeutig; sie werden nicht addiert oder korrigiert.]
13.126 Das Geheimste aller Geheimnisse ist wie der eigene Schoß geheim zu halten. Innerhalb eines Jahres werde er König; daran soll kein Zweifel bestehen.
13.127 Er selbst habe Kālīs Gestalt, ohne Zweifel. Nun werde ich den Beginn der Jugend erklären, große Herrin.
13.128 Tausend, hundert und zweiundfünfzig darüber hinaus, Glückverheißende, in den beiden Bereichen göttlich und nichtgöttlich, nach der Abfolge von Citriṇī und den übrigen. [Zählgegenstand und Gliederung bleiben unklar.]
13.129 Die Welten der drei Bereiche, die heiligen Orte, Pīṭhas, Berge, Städte, Wälder, Dörfer, Inseln,
13.130 Meere, Großstädte und Ozeane werden genannt, ebenso Flüsse und weitere Dinge, Herrin der Götter, sowie nach Ländern wechselnde heilige Orte.
13.131 Sie sollen der Reihe nach zugeordnet werden, Göttin, ohne Zweifel. Die Unterschiede der Sundarī-Pīṭhas, Wälder, Gärten,
13.132 Mauern und Treppen richte man nach den Unterschieden der Nāyikās ein. Vier Nāyikās, Göttin, bezeichnen durch Umkehrung … [Die Schlusslesung pratavācakāḥ ist unklar.]
13.133 Dieses Weltenei befindet sich im Körper der Frau, Herrin der Götter, Geliebte; unendlich viele Welteneier sind im Frauenkörper offenbar.
13.134 Die ganze Welt, alles, was als Welt gilt, hat Frauengestalt. Durch die Verehrung dieser Gestalt, Göttin, werden alle Frauen verehrt.
13.135 Die Mahāvidyās, Yoginīs, Mātṛkās und alle Gottheiten wohnen jeweils am entsprechenden Ort und Pīṭha, Pārvatī.
13.136 Nachdem man alles aus der Lehrschrift erkannt hat, ordne man es entsprechend zu. Das zuvor Genannte gilt für Paśus; für die göttlichen Übenden gilt eben dies,
13.137 ebenso für Vīras; zwischen göttlichem und Vīra-Weg besteht kein Unterschied. Durch die Verbindung aller Erkenntnis entsteht die „Umrundung des Welteneies“ genannte rituelle Umrundung.
13.138 Die Umrundung der Erde wird für Paśus genannt, Göttin. Diese Erde ist Śaktis Yoni; die drei Welten befinden sich in ihr.
13.139 „… Umrundung“ wird für Vīras genannt, Göttin. Verborgen und offenbar: So wird die Erde zweifach erklärt.
13.140 Offenbar und verborgen, höchst verdienstvoll, soll sie umrundet werden. Am höchsten steht die „Weltenei“ genannte Umrundung, große Göttin.
13.141 Schon bei einem einzigen Schritt: Paraśambhu, Sadāśiva, allein Śiva kennt die Fülle der Frucht darin, Göttin.
13.142 Durch Erinnern und Sprechen werden die drei Welten verehrt, Göttin. „Śakti … ist erklärt; im Śaiva besteht Trennung.“ [Die Textlücke lässt den genauen Gegensatz offen.]
13.143 Wegen des Auslassens hiervon heißt sie Lopā; dies wird als Alter bezeichnet. Śakti ist der Garten der Jugend, der Nabel der Brunnen.
13.144 „… die beiden Krüge“, große Herrin; das Lächeln heißt Blüte, Kāma das Tor; ebenso zehn Empfindungsessenzen, Glückverheißende,
13.145 bestehen in der Verbindung von zwei und fünf Orten, höchste Herrin. [Die Zahlenverbindung ist unsicher.] Die Essenz des Einsseins ist Brahman; eben sie wird Selbst genannt.
13.146 Ihr Erklingen heißt Ton, ihre Essenz ein Nektarmeer. Die anregende … wird als guter Duft bezeichnet. [Eine Textlücke unterbricht die Zuordnung.]
13.147 Das Geistige wird Biene genannt, die Bewegungen gelten als Vögel; weitere Bewegungen werden nach Wildtieren, Haustieren und anderen Arten bezeichnet.
13.148 Rāgas, Rhythmen und Rāgiṇīs sind ihr Gespräch. Alle Gebärden, Herrin der Götter, gelten als Ausgraben und Einpflanzen.
13.149 Die dauerhaften Gefühlszustände entsprechen dem Bewässern, die auslösenden Bedingungen dem Betrachten; die Ausdrucksreaktionen werden als Gehen von einem Ort zu einem anderen bezeichnet.
13.150 Der Gärtner ist der Frühling, die Seitenblicke gelten als Kāmas …; Neuvermählte, Reife und … werden als ein-, zwei- und dreifache Reihen bezeichnet. [Der Vers ist beschädigt.]
13.151 Das Zerreißen der Kette gilt als Gekränktsein; ihre Verneigung … der Held. Mālatī und weitere Blüten entsprechen Liebe und Lächeln. [Die mittlere Zuordnung ist lückenhaft.]
13.152 „… beim Lächeln, Herrin der Götter; beim Duft Safran und anderes.“ [Versanfang beschädigt.] So erkenne man alles und die fünf Duftstoffe samt weiteren Mitteln, Glückverheißende.
13.153 Ihre Eigenschaft wird hier Māyā genannt, große Herrin; ihr Gespräch Gnade, ihr Zorn Fluch.
13.154 Zufriedenheit heißt Gunst, Tadel Erschütterung; Gleichgültigkeit und Abwendung werden als Śakti-Gestalten bezeichnet.
13.155 Die feurige Nāḍī heißt Himmel, die sonnenhafte Menschenwelt. [Die Vorlage überliefert hier nur eine Halbverslänge.]
13.156 Die mondhafte entspricht der Unterwelt; die drei Welten liegen in der Mitte des Dreiecks. Die Funktion des Bindu ist Regen; damit ist alles in Kürze bezeichnet.
13.157 Liegen, Spielen, Tanzen, Dichtung, die Betrachtung ihrer Gestalt, sämtliche dichterischen Gespräche und alle gesungenen Dichtungen,
13.158 sie sind Anteile des großen Viṣṇu, der Klanggestalt trägt. Was soll immer wieder gesagt werden? Die drei Welten bestehen daraus.
13.159 Die vierundzwanzig Instrumente sind der Klang der Verbindung; das Heranziehen mit der Hand ist Mūrchanā. Eine weitere Zuordnung ist lückenhaft. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe der Körper- und Musikmetaphorik.]
13.160 Dies heißt Himmel, große Herrin; Eintreten heißt Befreiung. Anderswo gilt Austreten als Befreiung, bei den Verblendeten, die Leid erfahren. [Der Vers arbeitet mit ritueller Umkehrung geläufiger Begriffe.]
13.161 Durch diese Erkenntnis entsteht die aus dem weltlichen Dasein hervorgehende Frucht, Göttin; selbst ohne Erkenntnis wird entsprechende Frucht gewährt, Herrin der Götter.
13.162 Was wäre durch Erkenntnis, große Herrin, nicht in der eigenen Hand? „Dreißig Arbudas, sechs Padmas, fünf Vṛndas und Arbudas …“ [Die Zahlenfolge steht ohne eindeutigen Gegenstand.]
13.163 Wer Medhā-Einweihung und die weiteren Formen besitzt, dem wird Erkenntnis offenbar. Durch Erkenntnis wird selbst ein Wurm befreit; höre diese Verbindung, Pārvatī.
13.164 Ein Lebewesen, das zunächst ein Wurm ist, betrachtet eine Biene, Geliebte. Durch die innere Vergegenwärtigung beim Betrachten entsteht Bienenwesen.
13.165 Es wird nicht wieder zum Wurm, sondern hat eine neue, jugendliche Gestalt angenommen. Wer Leere vergegenwärtigt, Göttin, wird von Leeregestalt und ohne Geschmack beziehungsweise Lebenssaft.
13.166 Wie dies geschieht, Herrin der Götter, so ist hier der Yoga der inneren Haltung die Ursache. Jene Śakti, deren Gestalt das Weltenei und deren Wesen höchstes Brahman ist,
13.167 wird als Bewusstseinskraft erkannt; die Leere befindet sich in ihrem Dreieck. Aus ihrem Mund gehen unendlich viele Millionen Bienen hervor.
13.168 Die wahre Vergegenwärtigung dieser Höchstgestaltigen soll man einüben. Leicht zugänglich ist diese höchste Haltung; auch der bewusste Mensch
13.169 wird als Śiva-Gestalt und als alle Vollendung bezeichnet, große Herrin. Aus dem Yoga der inneren Haltung entsteht die Medhā-Einweihung, die höchste unter den höchsten.
13.170 Zuerst wird Kāmakalā genannt, darin besteht Cintāmaṇi; danach Bālā als Sparśamaṇi, Kāmeśī und Siddhakālikā,
13.171 Vidyārājñī und Ṣoḍaśī, Paśyantī und Kāmakālikā, Caraṇeśī und Haṃsakālī, von vier Füßen gestaltet,
13.172 Kubjikā und Guhyakālī: Dabei vollziehe man die Medhā-Einweihung. In beiden Reihen wird sie der Ordnung nach erklärt, große Herrin.
13.173 Wer in beide eingeweiht ist, heißt Mahāmedhā. Das Lebewesen, zuerst ein Wurm, gelangt zum Bienenwesen. [Dvutūte am Versanfang ist beschädigt.]
13.174 Danach durchdringt es die sechs Cakras und genießt deren Essenz. Bei der jeweiligen Verbindung, große Herrin, wenn der Yantra-Sitz eingerichtet ist,
13.175 schreibe man damit die Mantras, Göttin, und spreche sie aus. Dadurch wird man selbst Mantragestalt; dies heißt Sāmrāṭ-Medhā.
13.176 Man selbst, Śakti und die beiden zusammen nach ihrer jeweiligen Abfolge: im Śaiva-Śākta und Śākta-Śaiva, durch die Abfolge beider,
13.177 erkenne man die Cakras auf dem erklärten Weg, Pārvatī, durchdringe sie und erkenne die eigene Gestalt als deren Gestalt.
13.178 Weder Wurmwesen noch Bienenwesen: Im eigenen Wesen ist man die Gottheit. Durch die innere Haltung der Gottheitsgestalt gelangt man augenblicklich zu eben dieser Gestalt.
13.179 Der Ardhanārīśvara genannte Yoga gilt als halber Yoga; dieser Brahmanārīśvara genannte als großer Yoga. [Ardhvayoga in der Vorlage ist als Lesung unsicher.]
13.180 Danach wird die Einweihung namens Divyasāmrājyamedhā erklärt, Glückverheißende: mit Göttergestalt, göttlicher Gestalt, Mantragestalt, groß und höchst,
13.181 mit allen Gestalten und allem vorausgehend, verbunden mit Mahāsāmrājyamedhā. Diese Einweihung habe ich erklärt; man bewahre sie im Kali-Zeitalter wie den Bindu geheim.
13.182 Über diese Einweihung hinaus gibt es nirgendwo eine andere, Göttin. Śiva kennt die Hälfte, Kālī kennt sie vollständig.
13.183 All dies liegt in Guhyakālī, ebenso in Kubjikā und Sundarī. Die gesamte Kādi- und Hādi-Zugehörigkeit ist dort gegründet, Göttin.
13.184 Die Mahāvidyā besteht aus neun Tattvas und ist die höchste Herrin der neun Cakras. Wer diese Einweihung besitzt, wird Keralī genannt.
13.185 Von Cakṣuṣmatī bis zu dieser letzten Form besitzt der Keralī sechzig Vollendungen. Bis Medhā ist die Vollendung erklärt; mit Sāmrāṭ verbunden ist sie „namomayī“. [Die letzte Bezeichnung ist nicht sicher deutbar.]
13.186 Wer von Cakṣus bis zum vorletzten Bereich verbunden ist, heißt Kāśmirī und besitzt Tattva-Vollendung. Von Netra bis zur vollen Einweihung heißt man Gauḍa.
13.187 Er wird Herr der acht Vollendungen genannt. Kalās, im Mond Kalās … [Zahlenzuordnung unsicher.] Die Gefäße soll man bei der Verehrung passend einsetzen, Göttin.
13.188 Oder fünf, höchste Herrin; im Gauḍa besteht die Vorstellung von Armut. Śakti wird als aus Medhā bestehend erklärt; diese Verbindung soll man einüben. [Die erste Halbzeile ist elliptisch.]
13.189 So ist dir dieser göttliche Yoga erklärt, große Herrin. Im göttlichen Kreis, im lebendigen Kreis, beim Śālagrāma
13.190 und beim Bāṇaliṅga, große Herrin, gibt es weder Herbeirufung noch Entlassung. Dies sind unmittelbare Erscheinungsformen; die Götter wohnen stets darin.
13.191 Im Feuer, in der Mitte einer Lampenflamme, im Wasser und im Spiegel, in Sonnen- und Mondscheibe, in Śālagrāma-Steinen
13.192 und im Kristall, Herrin des Gottes der Götter, soll man stets herbeirufen und verehren. Das Yantra heißt Haus, der Bindu ist der Thron. [Die Śālagrāma-Regel widerspricht hier 13.190; beide Aussagen werden bewahrt.]
13.193 Der Śālagrāma ist ein Haus, die Cakras eine Ansammlung von Sitzen. Ist ein Cakra vorhanden, vergegenwärtige man die Gottheit in dessen Mitte; fehlt es, darüber.
13.194 Auch über Bāṇaliṅga, Kristall, Diamant und Smaragd vergegenwärtige man sie und verehre sorgfältig, Glückverheißende.
13.195 Im Śālagrāma und lebendigen Kreis verehre man alle Götter. Welche Haltung für den jeweiligen Gott erklärt ist, in eben dieser Haltung ist er gegenwärtig.
13.196 Man lege eine einzelne Blüte nieder und verehre die höchste Herrin. Ein Yantra mit Keimsilbe hat die Gestalt der Vollendung.
13.197 Man stelle entweder Śālagrāma oder Yantra auf, Glückverheißende. Ist der göttliche Kreis verfügbar, verwende man nicht den lebendigen Kreis.
13.198 Ist der lebendige Kreis verfügbar, verehre man nicht das Bāṇaliṅga; ist das Bāṇaliṅga verfügbar, nicht den Śālagrāma.
13.199 Ist der Śālagrāma verfügbar, verehre man nicht anderswo. Śālagrāma und Mantra soll man nicht beide an einem Ort verehren. [Die Vorlage liest mantra, obwohl der Zusammenhang auch ein Yantra nahelegen könnte; die Lesung wird nicht stillschweigend geändert.]
13.200 Wer der Pañcāyatana-Ordnung folgt, verehre stets ein zweites. Wer an einem einzigen Sitz getrennte Verehrung ohne Yantra ausführt,
13.201 zieht den Fluch der Gottheit auf sich und gelangt in die Raurava-Hölle. Wenn Śālagrāma und Yantra beide vorhanden sind, große Herrin,
13.202 wo soll die Gottheit wohnen, Göttin? Es entstehen zwei Orte. Der Śālagrāma kann Yantra sein, der Śālagrāma kann Haus sein.
13.203 Das Yantra wird Haus genannt, und die Gottheiten gelten als darin wohnend. Oder man fertige ein Bild mit den beschriebenen günstigen Merkmalen an.
13.204 Im Śālagrāma und Yantra wird sie rasch gnädig; im lebendigen Kreis, große Herrin, ist sie ohne Unterbrechung gnädig.
13.205 Ein Kenner des lebendigen Kreises ist im Kali-Zeitalter wahrhaft selten. Öl könnte im Sand sein, eine Unfruchtbare einen Sohn gebären,
13.206 eine Himmelsblume entstehen oder ein Mensch ohne Mutterschoß – doch ein Kenner des lebendigen Kreises ist im Kali-Zeitalter nirgendwo zu finden. [Dies sind rhetorische Unmöglichkeitsbilder des Textes.]
13.207 Ein Unverständiger lässt den Platz vor sich zurück und zieht betteln; ebenso lässt er das Lebendige zurück und läuft umher, immer weiter.
13.208 Wahrlich, wer das Lebendige erkennt, wird Śiva gleich. Es folgt eine lückenhafte Reihe von Wahrnehmungs- und Körperhandlungen, Verehrung und Meditation. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses.]
13.209 Wer Japa übt, höchste Herrin, wird Śiva gleich. Das Lebendige soll mit dem Lebendigen verbunden werden, das Lebendige mit dem Lebendigen zusammengeführt werden.
13.210 Indem man das Lebendige mit dem Lebendigen verbindet, wird der Mensch lebend befreit. Überaus gesegnet, Göttin, ist der vorzügliche Mensch des lebendigen Kreises.
13.211 Von Wonne erfüllt, von dichter Wonne erfüllt, von Erkenntnis erfüllt und Kenner des höchsten Selbst, von unterscheidender Erkenntnis erfüllt wird derjenige, der das Lebendige auch nur einmal schaut, Göttin. [Dhanāndātmā ist wahrscheinlich beschädigt; „dichte Wonne“ ist eine unsichere Deutung.]
13.212 Der Vers verbindet eine orale Ritualhandlung und hunderttausend Wiederholungen mit der Herrschaft über Rede und der Gleichheit mit Kālikā. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; der zweite Halbvers ist lückenhaft.]
13.213 Weitere körperliche Ritualhandlungen werden mit hunderttausend Wiederholungen und der Fähigkeit zu Śaktipāta beziehungsweise Allwissenheit verbunden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; eine Handlung ist ausgefallen.]
13.214 Betrachten und hunderttausend Wiederholungen sollen den Sādhaka zum König der Dichter machen; eine weitere lückenhafte Handlung wird mit einer siebenfachen Kussfolge verbunden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
13.215 Eine letzte lückenhafte orale Handlung und hunderttausend Wiederholungen werden mit Śiva-Gleichheit verbunden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.] Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 13. Kapitel namens „Bestimmung der Kaula-Pilgerorte“.
Paṭala 14: Śakti-Verehrung, Festzeiten und Überlieferung
14.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre mir jetzt die Abfolge der Verehrung an der Śakti, o Gott. Der ehrwürdige Śiva sprach: Ich werde die Śakti-Verehrung erklären, durch die man von der Göttin erfüllt wird.
14.2 Schauspielerin, Kāpālikā, Prostituierte, Wäscherin, Frau eines Barbiers, Tochter eines Kranzbinders und Tochter eines Töpfers:
14.3 Dies wird die Achtergruppe der weiblichen Gestalten genannt. [Die erhaltene Liste nennt nur sieben.] Höre nun die Kula-Achtergruppe: königliche Prostituierte, verborgene Prostituierte und Tempelprostituierte,
14.4 Tanz-, Fest- und Pilgerortprostituierte, Kupplerin und Ehebrecherin. Es folgen lückenhafte Zuordnungen mit den Zahlen fünf und zehn.
14.5 Weitere Zuordnungen nennen fünfundzwanzig und fünfzig sowie die Bezeichnungen Tuṣṭā und Siddhā. [Die entscheidenden Wörter fehlen; keine vollständige Übersetzung möglich.]
14.6 Die beschädigte Reihe fährt mit hundert, tausend und unzähligen fort; erkennbar sind Namensreste mit Ānandā, Sundarī und Brahmaparā.
14.7 Höre nun die Kula-Achtergruppe der Wahrheit nach, Pārvatī. „In der Mitte … große Herrin … Kette, die höchste.“ [Die zweite Halbzeile ist weitgehend ausgefallen.]
14.8 „All … Ursprung aller, höher als alles.“ [Versanfang lückenhaft.] Die Achtergruppen Kula und Akula werden zweifach erklärt, Göttin.
14.9 Das Paar, beginnend mit königlicher Prostituierter, gehört im Gauḍa zur Blütendarbringung. Mutter, Tochter, Enkelin, Schwester, Schwiegertochter und jüngere Schwester,
14.10 Schwägerin, Kelikuñcī und als achte Mātṛjāyā werden genannt. Dies heißt die Kula-Achtergruppe, Spenderin aller Vollendungen. [Die Aufzählung und die angekündigte Achterzahl stimmen nicht eindeutig überein.]
14.11 Eine junge, schöne, anziehende, lebhafte weibliche Gestalt, mit einem ausgefallenen Begehrensmerkmal, dem Guru ergeben, mit Mantra versehen und mit allen Merkmalen ausgestattet,
14.12 wird auf ein Blütenpolster gebracht. Zwei nicht mehr erhaltene Körperbezeichnungen werden als Krüge, der Nabel als gewöhnliches Arghya-Gefäß gedeutet. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des Ritualzusammenhangs.]
14.13 Eine weitere beschädigte Körperzuordnung entspricht dem besonderen Arghya, das Dreieck dem Yantra; Kommen und Gehen heißen Wiederholung, Lachen heißt Blüte.
14.14 Gespräch heißt Japa, ihr Blick gilt als Gabe, Zorn als Niederhalten und Handergreifen als Furchtlosigkeit.
14.15 Eine lückenhafte Bewegung der Füße entspricht der Erdumrundung; weitere ausgefallene Handlungen werden als Lobpreis und Askese bezeichnet.
14.16 Der Vers setzt eine Körperhaltung mit einem Thron gleich und bezeichnet eine umgekehrte sexuelle Position als Schaukel-Pūjā. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.17 Körperliche Vorgänge werden als Entlassung und Mudrā gedeutet; eine lückenhaft erhaltene Lippenhandlung wird Khecarī-Yoga genannt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.18 Eine Handlung an der Wange heißt Guṭikā, eine an der Stirn Labakā. [Die Handlungswörter fehlen.]
14.19 Eine Handlung an den Augen heißt Añjana, eine an der Hand Schwertvollendung. [Beide Verbindungen sind lückenhaft.]
14.20 Eine ausgefallene Handlung wird als wunscherfüllende Bewegung, eine weitere als Überlistung des Todes bezeichnet. [Der Vers ist weitgehend beschädigt.]
14.21 Eine teilweise erhaltene sexuelle Handlung wird mit Brahman-Gestalt gleichgesetzt; die Schau der Erde wird als Schau der Gottheit verstanden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.22 Man soll stets in guter Gemeinschaft verweilen und sie betrachtend Japa üben. Das Verschenken von Millionen Welteneiern und weitere Gaben werden auf die eine Seite gestellt,
14.23 doch schon das Schauen ihres Schattens, Göttin, soll alles überragen. Askese an Millionen Pilgerorten und Millionen Opfer,
14.24 das fortwährende Errichten unzähliger Tempel: Wer dies getan hat, erlangt diese Schau der Bindu-Gestalt, Göttin.
14.25 Die Schau Brahmans, Göttin, das höchste Klang-Brahman …; der Mondnektar aus Furcht vor Rāhu und ebenso der Himmelsnektar, Geliebte,
14.26 aus Furcht vor den Rākṣasas, befinden sich an den Lippen. Der Mondnektar an der Unterlippe, der Himmelsnektar an einer im Text ausgefallenen Stelle, Geliebte,
14.27 bestehen dort stets, Herrin der Götter. Durch Erkenntnis gelingt es, nicht anders; ohne Erkenntnis wird es Gift, daran soll kein Zweifel bestehen.
14.28 Wein im Mund, Gebetskette in der Hand, eine lückenhafte weitere Zuordnung, die schreckliche Frau im Herzen und eine Reihe von Lampen im Hof:
14.29 Wer dies nicht vollzieht, wie sollte er mein Verehrer sein? Vereinigung wird als Finsternis beziehungsweise Ergreifung gedeutet, Göttin, ebenso am Ende eines großen Kalpa.
14.30 Die Verbindung wird mit Sonnenfinsternis, die Umkehrung mit dem Mond verbunden. Der zweite Halbvers mahnt in beschädigter Form zu Aufmerksamkeit. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; nohato'pi na mālayet ist nicht sicher übersetzbar.]
14.31 Was sie ausspricht, soll ausgeführt werden, Geliebte. Danach beginnt eine lückenhafte Beschreibung unvollendeter Verbindung. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.32 Der Vers beschreibt ein Fortsetzen der sexuellen Handlung und nennt die Konstellation Grastāsta, „verfinsterter Untergang“, das höchste aller Feste. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.33 Eine andere Abfolge mit einer Textlücke wird so zu vollziehen verlangt, dass kein Fall eintritt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.34 Dies heißt Grastodaya, „verfinsterter Aufgang“, und gewährt alle Vollendungen. Das höchste Geheimnis ist erklärt; höre nun die Verbindung am Tag, Geliebte.
14.35 Die Abfolge bei ihr und bei sich selbst wird Ardhodaya beziehungsweise Mahodaya genannt; das Gespräch Daśaharā. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe der Kalender- und Sexualsymbolik.]
14.36 Ihr Gespräch wird auch als unvergängliche Tṛtīyā bezeichnet. Dies ist in Kürze erklärt; höre die Besonderheit, Pārvatī.
14.37 Die zwölf Monate werden der Reihe nach zugeordnet, Göttin. Die Verbindung mit der Jahreszeit beziehungsweise dem weiblichen Zyklus heißt große Oberherrschaft.
14.38 Dies gilt für göttliche Übende und die übrigen. Höre nun über Paśus, Pārvatī: Bei Sonnen- oder Mondfinsternis, Göttin, über zwei Fingerbreiten hinaus,
14.39 oder über zweieinhalb Fingerbreiten hinaus, wie Tantriker es wünschen, gelten bei der Sonne vier Nachtwachen, beim Mond drei
14.40 als Vedha-Zeit, große Herrin; bei den beiden zuerst Genannten gilt Sichtkontakt als Vedha. Dabei soll nicht gegessen werden, Göttin; Baden, Spenden und Weiteres sind zu vollziehen. [Die astronomische Fingerbreite bezeichnet den verfinsterten Anteil; die Regel bleibt historisch.]
14.41 Vom verfinsterten Aufgang an und beim verfinsterten Untergang, höchste Herrin, soll man nach Einsicht in die Lehrschrift Baden, Spenden und Weiteres vollziehen.
14.42 Man erkunde sorgfältig, wann Berührung und Freigabe eintreten, und vollziehe dann Baden, Spenden und Weiteres; nicht anders – dies ist Śaṅkaras Wort.
14.43 Wer lebende Söhne hat, soll niemals fasten. Beim verfinsterten Untergang wird für den zuvor Befreiten kein Fasten genannt. [Pūrvamuktasya ist im Kalenderzusammenhang unklar.]
14.44 Beim verfinsterten Aufgang soll man in der vorangehenden Vedha-Zeit niemals essen. Einige durch Lehrschriften verwirrte Paśus verlangen auch hier,
14.45 beim verfinsterten Untergang zu fasten, höchste Herrin. Schriftliche Betrachtung und unmittelbare Sicht ergeben zusammen die vollständige Erkenntnis. [Die letzte Satzverbindung ist elliptisch.]
14.46 Auch für göttliche Übende gilt die Grenze von zwei Fingerbreiten, Herrin der Götter. Für Śaivas wird ein Fasten von drei Nächten genannt,
14.47 für Viṣṇu-, Gaṇeśa- und Sonnenverehrer von zwei Nächten; für Śāktas die vorhergehende Nacht, sofern sie Puraścaraṇa ausführen.
14.48 Für Menschen ohne Puraścaraṇa habe ich dies nicht erklärt. Im Cāndra und Svāyambhuva werden zwei Nächte genannt, Göttin.
14.49 Wo zwei anlassgebundene Handlungen bestehen, bezeichnet die geringere die wunschbezogene. Dies ist in Kürze erklärt. Höre nun die Frucht der Überlieferung.
14.50 Kerala, Kāśmīra und als drittes Gauḍa: Drei Überlieferungen werden genannt, die alle Vollendungen in Gang setzen.
14.51 Wo Wissen vollständig weitergegeben wird, heißt es Sampradāya. Frei von Begierde und weiteren Fehlern ist der Herr der Kādi- und Hādi-Lehren.
14.52 Gewünschte, vorgestellte und gedanklich erstrebte Vollendung und jede Herrlichkeit werden ihm zuteil, Göttin; er ist wie ein weiteres Juwel der Welt.
14.53 Er wischt die Schicksalslinie auf der Stirn aus und schafft eine neue. Er ist mit Vidyā-Strahlen, großen Mantras und Mantrakreisen verbunden,
14.54 Herr des Mahāvidyā-Kreises, mit dem Sāmrājya-Kreis verbunden, mit der achtfach-achtfachen Ordnung und den fünf Pārāyaṇas versehen,
14.55 mit der Śāmbhava-Befragung verbunden und Kenner von … [Textlücke], mit vier Sandhyās und fünf Pārāyaṇas versehen,
14.56 mit der Wunschranke verbunden, mit dem Mantrakreis und seinem Namen, mit Mahāvidyā und den zehn Pādukās,
14.57 mit den fünf Ṣoḍhās auch in den Kādi- und Hādi-Lehren. Dessen Lebenshauch und Geist, Göttin, das Aufbrechen und Bewegen des Bildes,
14.58 Lächeln, Zittern und deutlich aus dem Mund kommende Rede bewirken, der Herr der sechzig Vollendungen, wird Kerala genannt. [Die Satzglieder 14.57–58 sind gedrängt und teilweise beschädigt.]
14.59 Höre nun Kāśmīra, Herrin der Götter, mit aufmerksamem Geist. Frei von Kleinmut und Ähnlichem, mit den Eigenschaften des linken Weges versehen,
14.60 mit beiden oberen Überlieferungsströmen verbunden, Kenner der Kraft, Herrschaft zu verleihen, Herr von vierundzwanzig Vollendungen ist der vorzügliche Mensch.
14.61 Wer mit einem oberen Überlieferungsstrom verbunden ist, heißt Kāśmīra; wer mit beiden verbunden ist, Mahākāśmīra.
14.62 Nun wird Gauḍa erklärt, große Herrin; höre zu. Wer mit den Götterscharen spricht und Gāruḍa-Wirkungen und Ähnliches vernichtet,
14.63 wer die ehrwürdige Jñānasarasvatī vollständig durchdrungen hat, ein Vīra, der die Welten erfreut, Frauen verehrt und die Sinne gemeistert hat,
14.64 mit den Künsten von Ḍāmarī und den übrigen, mit voller Einweihung und der hier zuvor genannten Berechtigung ausgestattet, Pārvatī,
14.65 mit der achtfach-achtfachen Ordnung verbunden, die Überlieferungsregeln wahrend, von großer Kraft und Tatfreude, wird Gauḍa genannt.
14.66 Pūrvagauḍa und Madhyagauḍa sind wie zuvor zwei Formen. So ist Gauḍa erklärt, der alle Vollendungen verleiht.
14.67 Mit den acht Fähigkeiten, beginnend mit Aṇimā, ausgestattet heißt er Śrīgauḍa. Die Unterscheidungen der drei Überlieferungen wurden zuvor erklärt, Göttin.
14.68 Er sei der Rezitation des höchsten Herrn ergeben, voller Mitgefühl für alle Wesen, entsagend und genießend, bescheiden und ein Verehrer der Tithi-Nityās.
14.69 Andere tadeln, anderen schaden, üble Nachrede, große Herrin, die Frau eines anderen, fremdes Vermögen und als sechstes das Annehmen von Gaben:
14.70 All dies soll man meiden; die andere Zahl beträgt hundert. [Der zweite Ausdruck ist unklar.] Anderen schaden, üble Nachrede, fremdes Vermögen, Gabenannahme
14.71 und besonders das Reden über andere: Diese fünf soll man im Śākta meiden. Damit ist Baṭukas Auffassung erklärt; höre Śaṅkaras Auffassung.
14.72 Fremde Nahrung und Nahrung aus fremder Hand soll man in jeder Weise meiden. Fremde Hand gilt als Entzieherin aller Verdienste aus Japa und Verehrung.
14.73 Wer einen anderen Mantra rezitiert, anderen Gottheiten ergeben ist, von der Überlieferung abweicht und alle Fehler besitzt,
14.74 gierig und häretisch ist, so wird ein Mensch im Kali-Zeitalter beschrieben: Welche verfehlte, gute oder schlechte Handlung er ausführt, höchste Herrin,
14.75 daran erhält derjenige, der aus seiner Hand isst, gewiss Anteil, Herrin der Götter. Ein Mensch sei maßvoll essend, dem Japa und Guru ergeben, mit gemeisterten Sinnen,
14.76 stets wahrhaftig, große Herrin, mit Freigebigkeit und den übrigen Eigenschaften versehen; aus dessen Hand soll man Nahrung nehmen. [Die Vorlage liest bhittāhārī, hier sinngemäß als mitāhārī verstanden.]
14.77 Besonders meide man Nahrung aus Frauenhand, große Herrin. Mit Frauen und Śūdras soll man niemals sprechen, Göttin.
14.78 Dies gilt in der Paśu-Lehre; für göttliche Übende wurde zuvor anderes erklärt. Man führe die zuvor beschriebene Śakti mit allen Merkmalen herbei,
14.79 frei von Abscheu, Scham und Weiterem, und vollziehe Nyāsa und die übrigen Riten wie zuvor, höchste Herrin.
14.80 Der beschädigte Vers verbindet eine Körperhandlung mit Duftstoffen und fordert Verehrung in der Erkenntnis der Gottheit, frei von innerer Veränderung. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.81 Eine lückenhafte vorbereitende Handlung und ein Ergreifen werden mit fortgesetztem Japa verbunden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.82 Weitere ausgefallene Handlungen werden mit ausschließlicher und einspitziger Aufmerksamkeit beim Japa verbunden, Göttin, Geliebte. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
14.83 Nach erneutem Betrachten, Rezitieren und Erkennen, höchste Herrin, wird man Herr aller Vollendungen und Śiva gleich.
14.84 Das aus seiner Hand fließende Wasser wird göttlichen Perlen gleich; Kristall wird Diamant, der Mantra vermag Gold zu schaffen. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 14. Kapitel namens „Darlegung der Śakti-Verehrung“.
Paṭala 15: Eigenschaften der Übenden und Gavākṣa-Yoga
15.1 Īśvara sprach: Weibliche Gestalt, männliche Gestalt, die Beschreibung des Gavākṣa-Yoga, die Erkenntnis von Siddheśvarī und den übrigen, die Merkmale einer Vīra-Gattin und weiterer Gestalten,
15.2 in den Familien der vier Stände, Göttin, nach den abweichenden Verbindungen der vier, die Erklärung verschiedener heiliger Orte und die Bestimmung der Prostituierten-Pilgerorte,
15.3 aufgrund der Prostituiertenstellung und außerehelichen Verbindung der fünfzig Pīṭha-Göttinnen; aufgrund der Prostituiertenstellung und außerehelichen Verbindung der fünfzig Pīṭha-Göttinnen: [Die Wiederholung steht genau so in der Vorlage.]
15.4 Dies wird erklärt, Herrin des Gottes der Götter; sei aufmerksam. Eine schöne, junge, anziehende, wohlgestaltete, freundlich lächelnde Frau,
15.5 dem Guru ergeben, dem Japa zugewandt, von großem Liebesverlangen, durch ihren Anblick bezaubernd, rechtschaffen, mit befreiendem Seitenblick und weiteren Merkmalen,
15.6 kundig im Färben von Haar und Gewand, in einer lückenhaft genannten Kunst mit garbha, und dem Pflücken von Blüten zugewandt,
15.7 kundig in vielerlei Kochkunst, in guten Speisen zum Lecken und Trinken, in der schönen Gestaltung des Lagers und in Mitteln für wohlriechenden Atem,
15.8 dem Gesang, Rhythmus, Bhṛṅga und Vīṇā-Spiel ergeben, kundig in dichterischem Gespräch, Versrätseln, Pallava und weiteren Künsten,
15.9 kundig in vielerlei Malerei, mit Schönheit und … versehen, …, mit wohlgeformten Brüsten und voller Mitgefühl, [Textlücken.]
15.10 mit kräftigen, langen Händen und vielfältigem Schmuck, …, Herrin der Götter, innerer Unveränderlichkeit ergeben, [Weitere Textlücken.]
15.11 … frei von innerer Veränderung, mit den Eigenschaften der acht Heldinnentypen verbunden, frei von Zorn und Neid,
15.12 frei von allen Fehlern: Sie wird Śakti genannt. Nun wird die männliche Gestalt erklärt, große Herrin; höre zu.
15.13 Geschickt in vielerlei Liebesspiel, mit allen Kräften versehen, jung, schön und heldenhaft, „lange … bewirkend“. [Der Schluss ist lückenhaft.]
15.14 Einige körperliche und sexuelle Merkmale sind ausgefallen. Er sei kundig in den Künsten der Liebeslehre, in Mantras, Nāḍīs und Heilmitteln. [Nichtgrafische Wiedergabe des ersten Halbverses.]
15.15 Er kenne Stillstellung und weitere nur teilweise erhaltene körperliche Verfahren, sei den fünf M ergeben, dem Guru hingegeben und Herr seiner Sinne. [Nichtgrafische Wiedergabe der beschädigten Körperangaben.]
15.16 Zu jeder Zeit dem Japa zugewandt, Kenner der wahren Bedeutung aller Tantras, fähig zum Herbeiziehen und Unterwerfen und dem Vertreiben zugewandt,
15.17 mit Erkenntnis und vertieftem Wissen versehen, frei von Begierde und den übrigen Fehlern, führend in Musik, Instrumenten, Vīṇā, Dichtung und Schauspiel,
15.18 Kenner der Pallavas, dem Kula ergeben, vorzüglich; nach dem Betrachten von … frei von innerer Veränderung und Weiterem. [Textlücke.]
15.19 Kenner weiblicher Gestalt und des Körpers, geschickt im Verfluchen und Segnen, voller Mitgefühl für alle Wesen,
15.20 Kenner aller Cakras, in göttlichen Gewändern geschmückt, mit göttlichem Schmuck und allen guten Düften versehen,
15.21 stets in einem von Räucherwerk erfüllten Haus verweilend, Kenner der drei Zeiten, mit Erkenntnis der Frauengestalt ausgestattet und stets von dieser Gestalt,
15.22 Kenner von Versrätseln und Wortschätzen und kundig in der schönen Gestaltung des Hauses: Ein solcher, große Herrin, ist zur Praxis geeignet, kein anderer.
15.23 Auch unter ihnen ist ein Kālikā-Verehrer im Kali-Zeitalter selten. Nachdem man diese Eigenschaften betrachtet hat, mit lächelndem Gesicht, höchste Herrin,
15.24 soll man die Praxis ausführen lassen, Göttin, nicht anders – dies ist Śaṅkaras Wort. Wer die drei Śaktis dreifach rezitiert, übe den Yoga am Gavākṣa, dem Fenster.
15.25 In einem Tempel, am Flussufer oder an einem beliebigen schönen Ort gehe man in ein von Räucherduft erfülltes Haus und vollziehe Elementeläuterung und Weiteres.
15.26 Nach den Seher- und Versmaßangaben bis zum Ṣoḍhā-Nyāsa und zur Kullukā, höchste Herrin, meditiere man und richte den Blick zum Fenster.
15.27 Vom großen Zeh bis zum Scheitel betrachtend übe man Japa: Biene, Sonnenscheibe, Triveṇī und Puṣkara,
15.28 Sesamblüte, Bachstelze, Campaka, Kāmarūpa, Nektar und Blüte, Göttin, Gesang und Instrumentalmusik,
15.29 all dies betrachtend rezitiere man, besonders im Haus der Liebe. Eins, zwei, drei bis kṣa betrachtend übe man Japa. [Die allegorischen Zuordnungen werden nicht vollständig erläutert.]
15.30 Der Text verbindet die Betrachtung einer erwünschten menstruierenden Frau, Vereinigung und den Gavākṣa-Yoga mit ungeteilter Aufmerksamkeit beim Japa. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
15.31 Man wird fähig, acht Gegenständen gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken, Herrin der Götter, ohne Zweifel. Oder eine weitere Praxis wird auf andere Weise erklärt.
15.32 Eine junge Kula-Frau wird betrachtet; zwei Handlungsangaben sind ausgefallen. Der Gavākṣa-Yoga soll geübt werden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des beschädigten Ritualtexts.]
15.33 Eine teilweise erhaltene orale Sexualhandlung und eigener Körpersaft werden genannt; acht Monate Durchführung sollen die Fähigkeit verleihen, Vollendung zu spenden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
15.34 Man wird fähig zu zehnfacher gleichzeitiger Aufmerksamkeit, Herrin der Götter. Es folgt das Herbeiführen einer Vīra-Gattin und das Einrichten eines Leichenlagers.
15.35 Wie bei der Vīra-Praxis wird sorgfältig ein Leichnam bereitgestellt; die weiteren Angaben zum Platzieren und zur siebenfachen Verbindung sind lückenhaft.
15.36 Dort vollzieht man den Gavākṣa-Yoga, höchste Herrin; durch ein ganzes Jahr Japa wird man Kālī gleich, Göttin.
15.37 Der vorzügliche Mensch wird zu hundertfacher gleichzeitiger Aufmerksamkeit fähig, Herrin der Götter. Oder eine weitere Praxis wird auf andere Weise erklärt.
15.38 In der Mitte eines großen Leichnams beziehungsweise großen Leichenplatzes wird sorgfältig eine Stelle am Boden bereitet. Mṛdu, Cūḍaka, Schädel und als viertes Komala
15.39 werden der Reihe nach in den Himmelsrichtungen angeordnet; dort wird die Śakti herbeigeführt, ein Sitz und ein großer Tigersitz bereitgestellt. [Die technischen Sitznamen aus Kapitel 9 bleiben unaufgelöst.]
15.40 Darauf wird sie platziert; eine weitere Handlung fehlt. Mit einem sechsfachen Berührungssitz wird ungeteilter Japa verbunden. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des beschädigten Ritualtexts.]
15.41 Ein ganzes Jahr rezitiere man, Göttin, den Überlieferungsregeln ergeben; dann wird man zu tausendfacher und weiterer gleichzeitiger Aufmerksamkeit fähig.
15.42 Kuṅkuma und Safran werden sorgfältig beschafft und in der linken Hand gehalten; rechts wird ein Yantra gezeichnet.
15.43 Mit der linken Hand vollzieht man tausend- oder zehntausendfach Sättigung; dabei blickt man auf Śaktis Gesicht.
15.44 So wird man Herr aller Vollendungen; daran soll kein Zweifel bestehen. Nun wird das Merkmal Siddheśvarīs erklärt; höre zu.
15.45 Die Frau, deren Tochter verheiratet wird, wenn sie eine Vīra-Frau ist und auch sie …, gilt als Siddheśvarī. [Die entscheidende zusätzliche Bedingung fehlt.]
15.46 Kelikuñcī, große Herrin, ist außerehelichen Verbindungen zugewandt. Die Frau eines Kulīna, sofern sie ebenfalls …, [Textlücke.]
15.47 heißt Vāgīśvarī, die höchste Herrin des großen Pīṭha. Für eine Schwägerin folgt eine lückenhafte Bedingung mit einem rituellen Genussbezug.
15.48 Sie heißt Viśālākṣī, die alle Vollendungen offenbart. Ist die Tochter des Schwagers außerehelichen Verbindungen zugewandt,
15.49 heißt sie Kāmākhyā, die auf Erden alle Vollendungen bewirkt. In ihrem beziehungsweise ihres Gatten Haus, Göttin, „hundert … Grenze“. [Der zweite Halbvers ist beschädigt.]
15.50 Sie heißt Mahārājeśvarī, Spenderin der Vollendung der drei Welten. Die Vīra-Gattin ist selbst Vīrā und wird Śrīmanmaheśvarī genannt.
15.51 Ihre Tochter ist die ursprüngliche Śrītraipurāmbarā der Kula-Vidyās. Deren Tochter, Herrin der Welt, ist die Śāṅkarī-Kalā eines Śākta.
15.52 Beim göttlichen Übenden heißt sie Vimalā, beim Vollgeweihten Kālikā. Vom oberen Bereich bis zur Sarvasāmrājyamedhā, höchste Herrin,
15.53 von Vidyārājñī bis Haṃsakālī werden in umgekehrter Folge die Namen ihrer Gattinnen erklärt, große Herrin.
15.54 Die Guru-Gattin heißt Kāmeśī, ihre Tochter Bālikā, ihre Schwiegertochter Lopāmudrā. Höre nun die Abfolge der vier Stände.
15.55 Eine Brahmanenfrau, wenn sie …, heißt Kulasundarī; ist sie außerehelichen Verbindungen zugewandt, heißt dieselbe Tvaritā. [Die erste Bedingung fehlt.]
15.56 Tochter und Schwiegertochter eines Kṣatriya durch die Verbindung von …: Kaulinī, Mādhavī, Göttin, Vārāhī und Kāmasundarī,
15.57 sowie Mohinī werden der Reihe nach im Zusammenhang mit außerehelichen Verbindungen genannt. Eine Vaiśya-Frau, wenn sie …, außerehelichen Verbindungen zugewandt,
15.58 heißt Svapnāvatī, Bhogavatī, Nityā, Klinnā, Kukkuṭī, Aghorā oder Siddhacāmuṇḍā, nach der Folge von Tochter und Schwiegertochter. [Die beschädigte Zuordnung erlaubt keine sichere Einzelverteilung der Namen.]
15.59 Bei Frau, Tochter und Kuñcī eines Śūdra, … oder durch außereheliche Verbindung: Aśvārūḍhā, Dhanadā, Kubjikā und Śabareśvarī,
15.60 Anaṅgamālā und Nīlā werden der Reihe nach genannt. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 15. Kapitel namens „Beschreibung des Gavākṣa-Yoga“.

16.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung von Navarātra hören. Sage, was zu tun ist, wenn das neunnächtige Fest eintritt.
16.2 Was bedeutet Navarātra, wie entstand es, und worin besteht es? Der ehrwürdige Śiva sprach: Was mit neun Śaktis verbunden ist, heißt Navarātra.
16.3 Die eine einzige, Herrin des Gottes der Götter, besteht neunfach. Als Schlafen und Erwachen ist Navarātra zweifach.
16.4 Das Schlafen fällt in Caitra, das Erwachen in Āśvina. Wer bei beiden das Fasten wahrt, erlangt alle Vollendungen.
16.5 Ohne Nahrung, mit Früchten, mit einer Mahlzeit, im festen Gelübde, mit nächtlicher Mahlzeit oder mit Opferspeise: Man verfahre nach Vermögen.
16.6 Wer dem Navarātra-Gelübde ergeben ist, wird gewiss ein Navanātha. Nach den Wegen von Gauḍa, Kāśmīra und Draviḍa besteht es in mehreren Formen.
16.7 Ein mit Neumond verbundener erster Mondtag ist für Kālikās Verehrung nicht zu verwenden. Man vollziehe das Fest bis zum achten Mondtag und bringe am achten das Feueropfer dar.
16.8 Um Mitternacht ist die Wurzel-Vidyā selbst erschienen, Pārvatī. Daher wird dieser achte Mondtag zur Vollbringerin aller Vorhaben.
16.9 Feueropfer, Verehrung und Weiteres vollziehe man dabei sorgfältig, Pārvatī. Fällt er auf den zweiten bürgerlichen Tag, soll das Fasten an diesem stattfinden.
16.10 Wenn am folgenden Tag nicht einmal ein kleiner Anteil des ersten Mondtages besteht, nehme man den mit Neumond verbundenen Tag, lasse aber die ersten sechzehn Nāḍikās aus.
16.11 Die ersten sechzehn Ghaṭikās des ersten Mondtages sind auszulassen. Danach stelle man den Krug auf; Wohlergehen entsteht gewiss.
16.12 Am neunten breche man das Fasten, am zehnten vollziehe man die Entlassung. Höre nun sorgfältig die Kāśmīra genannte Abfolge, Göttin, Pārvatī.
16.13 Man faste während Navarātra und vollziehe am achten das Feueropfer. Am neunten seien Brahmanen zu speisen; beim Eintritt des zehnten erfolge das Fastenbrechen. [Digvedha ist hier als Verbindung mit dem zehnten Tag verstanden, aber unsicher.]
16.14 Während Navarātra ohne Nahrung, frei von unterscheidender Vorstellung und mit beherrschten Sinnen: An der Grenze von achtem und neuntem Mondtag vollziehe man das Feueropfer, noch am achten.
16.15 Am neunten speise man Brahmanen, am zehnten breche man das Fasten. Dies ist die Kerala genannte Abfolge. Höre die Bestimmung, Pārvatī.
16.16 Bei Ausfall oder Verlängerung eines Mondtages verfahre man nach dem genannten Weg. Treffen achter und neunter zusammen, schadet die Verbindung mit dem vorausgehenden Tag nicht.
16.17 Was ein Mensch am achten Mondtag um Mitternacht vollzieht, wird durch die Anwendung der neun Durgās unvergänglich.
16.18 Lobpreis, Japa und Weiteres können täglich um eins zunehmen; oder der Verständige vollziehe jeden Tag dieselbe Menge wie am ersten.
16.19 Wer von Aufgang bis Untergang Japa übt, wird Sieger über die drei Welten. Wenn während des Navarātra-Gelübdes bei Frauen eine … Verbindung eintritt, [Textlücke.]
16.20 ist sie selbst die Göttin, ohne Zweifel. Wer sie mit Betel, Aguru, Moschus, göttlichen Gewändern und Schmuck verehrt, wird im Kali-Zeitalter siegreich.
16.21 Für die Śaktis besteht zu Navarātra und den weiteren Anlässen stets Betelgenuss. Von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang
16.22 so lange ohne Scheu rezitierend, wird man Herr aller Vollendungen. Während Navarātra auf einem einzigen Sitz verweilend, nehme man die Śāmbhavī-
16.23 Mudrā ein, Göttin, und werde Herr der neun Nāthas. Dies soll im Hausgarten, an einem einsamen Ort oder auf einem Berg geschehen.
16.24 Der Text nennt ferner eine nach unten gerichtete Haltung, vollständigen Wasserverzicht und das Bedecken des Körpers mit Erde unter einem aufgestellten Krug. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer lebensgefährlichen historischen Askesevorschrift.]
16.25 Gerstenkeime werden angepflanzt; Śāmbhavī-Mudrā, fester Sitz oder Liegen richten sich nach der jeweiligen Weisung.
16.26 Dieses Gelübde habe ich für Kāpālikas und Avadhūtas erklärt. Wenn die Weisung ergeht, Herrin der Götter, soll das Fasten erfolgen.
16.27 Ergeht keine solche Weisung, so nehme man die Erlaubnis des Dorfvorstehers, Landesherrn, Brahmanen, Verehrers oder einer Frau,
16.28 bitte um eine Gabe und werde glücklich, Herrin der Götter. Mahādurgā, durch den Verehrer erfreut, erteilt selbst die Weisung.
16.29 Der Text nennt im Vīra-Śākta-Ritus ein Caṇḍadarpa-Gelübde mit schwerer Selbstverletzung der Zunge. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe; Maße und Ausführung werden ausgelassen.]
16.30 Er behauptet, die Zunge wachse wieder nach und der Übende werde Herr der Vollendungen. Dann beginnt eine weitere Ritualbeschreibung für Mahāṣṭamī während Navarātra.
16.31 Nach Verehrung und einem Wunschvorsatz fordert der Text eine als „Kopfblüte“ bezeichnete Selbstopferung in abgestuften Formen. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer lebensgefährlichen Vorschrift.]
16.32 Die Gabe wird dem Yantra zugeordnet; der Text behauptet Śiva-Gleichheit und Wiederkehr des Kopfes und nennt den Handelnden einen vorzüglichen Mahācīna. [Diese Behauptung wird als Textaussage dokumentiert.]
16.33 Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu. Während Navarātra ohne Nahrung, mit Vertrauen und Hingabe versehen,
16.34 beschreibt der Text eine nächtliche Entnahme eigenen Körperfleisches für ein Feueropfer. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe; die konkrete Verletzungsanweisung wird nicht wiedergegeben.]
16.35 Als Wirkung des Opfers behauptet er das unmittelbare Erscheinen der Göttin und einen göttlichen Körper, ohne Zweifel.
16.36 Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu. Während Navarātra ohne Nahrung, dem Guru ergeben und einem großen Gelübde verpflichtet,
16.37 wird ein Feuerplatz für die Selbstopferung vorbereitet. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe; Maße und Brennmaterialien werden ausgelassen.]
16.38 Der Text beschreibt die Opferung des eigenen Körpers im Feuer beziehungsweise ein Feuerlager und verspricht die Schau der Göttin. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe.]
16.39 Durch das Eintreten in das Haus der Liane werde der Sādhaka einem Wunschgewächs gleich, ohne Zweifel. [Der Gegensatz zur vorherigen Abfolge ist sprachlich unklar.]
16.40 Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu. Während Navarātra ohne Nahrung, frei von unterscheidender Vorstellung und mit beherrschten Sinnen,
16.41 rezitiere man einen beliebigen Mantra; Blatt, Blüte, Frucht, Baden, Zahnreinigungshölzchen oder Speise in ihrem Haus,
16.42 bringen die drei Welten unter Einfluss, ohne Zweifel. [Die Verknüpfung der Mittel im vorigen Vers bleibt elliptisch.] Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu.
16.43 Während Navarātra ohne Nahrung, vorstellungsfrei und im Gelübde fest: Auf wen man die Handlung richtet, den bringe man unter Einfluss.
16.44 Oder man beschaffe Speise bei demjenigen, dessen Beeinflussung beabsichtigt ist. Kāma-Keimsilbe, Name der Zielperson und „vaśīkuru“ werden als Formelbestandteile genannt.
16.45 Nach svāhā wird das Essen als Opfer in das Verdauungsfeuer gedeutet; der Text verspricht Einfluss auf das betreffende Haus. [Sachliche Inhaltswiedergabe der Beeinflussungsabsicht.]
16.46 Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu. Während Navarātra ohne Nahrung, wahrhaftig und mit beherrschten Sinnen,
16.47 wird am neunten Tag Sahadevī aus dem Wald beziehungsweise ein Sahadevī-Hain genannt; nach dem vorigen Mantra werden Blätter oder ein Speiseball genommen. [Vanaṃ gṛhya ist in der Vorlage ausdrücklich unsicher.]
16.48 Der Text verspricht lebenslangen Einfluss auf die betreffende Person samt Familie. Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu.
16.49 Während Navarātra schweigend und in einem Baumsitz verweilend, lasse man am Tag des Fastenbrechens Gomukha bereiten, Geliebte. [Die genaue Bedeutung des Ritualwortes bleibt offen.]
16.50 Mit dem zuvor genannten Mantra erfolgt das Opfer in das Verdauungsfeuer; im eigenen Haus nach Tattva-Nächten, in dessen Haus nach drei Tagen,
16.51 werde lebenslanger Einfluss selbst auf einen Mahādeva überragenden Menschen erlangt. Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu.
16.52 Während Navarātra fastend, dem Guru ergeben und im großen Gelübde: Der Text nennt vier Nächte auf dem linken großen Zeh,
16.53 ebenso vier Nächte auf dem rechten, große Herrin. Am neunten Tag erfolge Fastenbrechen mit einer Bilva-Speisegabe.
16.54 Er verspricht Einfluss über die drei Welten, ohne Zweifel. Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu.
16.55 Am achten Tag erfolgt das Feueropfer, am neunten das Fastenbrechen. Wer seinen gesamten Besitz spendet, wird Sieger über die drei Welten.
16.56 Nun wird eine andere vorbereitende Praxis erklärt: Während Navarātra nennt der Text die Einnahme von Kuhurin, große Herrin.
16.57 Man rezitiere einen beliebigen Mantra und vollziehe am neunten Tag das Feueropfer; am neunten erfolgt das Fastenbrechen mit Gomukha, große Herrin.
16.58 Nachts im Traum soll die Schau der Gottheit erfolgen, höchste Herrin. Nun wird eine andere Anwendung erklärt; höre zu.
16.59 Während Navarātra die Nahrungsaufnahme meisternd, im Schweigegelübde, rein, frei von Gegensätzen und Ichhaftigkeit, wahrhaftig und von großer Einsicht,
16.60 wer einen König herbeiziehen will … „der König sieben Himmelsrichtungen zugewandt“. [Diese Angabe ist beschädigt.] Das Fastenbrechen geschieht nach Wunsch; nachts wird stets Japa geübt.
16.61 Die drei Welten geraten unter Einfluss, ohne Zweifel. Der Entsagende heißt Śaṅkara, der Kāpālin Kālabhairava,
16.62 der Unbekleidete Mahākāla, der Brahmacārin Baṭuka. Ein Dunkler gilt als Kṛṣṇa, ein Heller als vorzüglicher Seher.
16.63 Nach Unterschieden von Gestalt und Duft wird der Name genannt, höchste Herrin; nach Gestalt und Herkunft soll der Kumārī-Name ausgesprochen werden.
16.64 Nach Unterschieden des Duftes ergeben sich die zehn Vidyās und weitere Formen, Herrin der Götter. In diesem Wissen vollziehe man sorgfältig das Fastenbrechen, Śāmbhavī.
16.65 Dies ist in Kürze erklärt. Höre die Unterschiede der Rede, Pārvatī. Die Sprachvollendung ist zweifach: eine bewirkt Fluch und Gnade,
16.66 die zweite hat die Gestalt großer dichterischer Fähigkeit. Höre die Unterarten derjenigen, die Fluch und Gnade bewirkt.
16.67 Durch einen Mantra, große Herrin, als zweite durch Traum, als dritte unmittelbar, als vierte im Ohr hörbar,
16.68 als fünfte im freien Raum hörbar, im Krug, im Spiegel und inmitten eines Wasserkreises:
16.69 So wird die Fähigkeit zu Fluch und Gnade achtfach erklärt. Höre sorgfältig die Unterschiede der dichterischen Fähigkeit, große Herrin.
16.70 Acht-, zehn-, hundert- und tausendfache Aufmerksamkeit, großes Behalten des Gehörten, Botendichtung und hundert Verse in einer Ghaṭikā werden genannt, höchste Herrin.
16.71 Damit ist Sprachvollendung erklärt, Göttin. Höre die Lianengestalt, Geliebte. Der vorzügliche Sādhaka, vom Mahācīna-Baum und der Liane umschlungen,
16.72 der nachts den Mantra rezitiert, für den wird sie selbst zur Wunschranke. Im Gesicht ist der Mond, im Haarscheitel die Sonne, so sagen die Wissenden.
16.73 In den Augen Kāma, im Ohrenpaar Sanatkumāra, an der Lippe Amṛtavāṇīśa, auf der Zunge Sarasvatī,
16.74 an Stirnstellen Wunschbaum und Wunschkuh im Kali-Zeitalter; Wunschjuwel und Berührungsstein werden an ausgefallenen Stellen genannt.
16.75 Der Halsbereich gilt als rechtsgewundene Muschel; im Herzlotus ist Cintāmaṇi, im Haarzopf Śeṣa.
16.76 Am Scheitel sind die sieben Himmel, in der Nase die sieben Unterwelten, an den Füßen die Avatāras, an den Unterschenkeln die Götterscharen.
16.77 Im Nabel Brahmā, im dreifachen Faden der aus den drei Eigenschaften bestehende Sadāśiva, in der Haarlinie Mahāviṣṇu; „… das Weltenei“. [Textlücke.]
16.78 An der Wirbelsäule sind die Rākṣasas, im Gesichtslotus Bhāgyalakṣmī, in beiden Händen Dānalakṣmī, im Herzen die Karuṇā genannte Gestalt.
16.79 An einem ausgefallenen Körperpaar Vīralakṣmī, der Körper heißt Saumyā; in der Kula-Lehrschrift Kīrtilakṣmī, im Gekränktsein die Khaḍga genannte Gestalt. [Die Zuordnungen sind teilweise unsicher.]
16.80 Viele Millionen Welteneier bestehen inmitten von …; in Tattva-, Feuer-, Veda- und Weltenbereichen, Inseln und weiteren Orten befinden sich die Weltkräfte. [Textlücke und unklare Zahlenschlüssel.]
16.81 Im Gespräch befinden sich die vier Veden, an der Hüfte sämtliche Lehrschriften. Was sich im Weltenei und auf der Erde auch immer befindet,
16.82 all dies durchdringt stets Śaktis Leib. „Von Śakti … bis vor die Befreiung“, Glückverheißende, [Textlücke.]
16.83 besteht alles, Herrin der Götter. Im Zorn sind die Auflösungskräfte, im Lachen die großen Mantras, in den Seitenblicken die Mahāvidyās.
16.84 Der Baum ist das Lebewesen, die Liane heißt Lebensspenderin. Die Größe der Cīna-Baum-Liane, höchste Herrin,
16.85 ist wunderbar, Herrin der Götter; höre nun sorgfältig. Bei einem anderen Baum liegt die Wurzel am Erdboden.
16.86 Die Wurzel dieses Baumes aber erstrahlt in der Mitte. In der Mitte ist die Erde, große Herrin, ringsum befinden sich die Zweige.
16.87 Er hat untere und obere Zweige, Wurzel und Boden in der Mitte. Dort ist auch Wasser, Herrin der Götter; dort wird Prayāga genannt.
16.88 Das Weltenei, Blüte, Frucht und Same, Pārvatī, befinden sich alle dort, du Weise; der Baum bewegt sich stets.
16.89 Freudige Sprache wohnt darin; er bewegt sich nach eigenem Willen, ohne Zügel. Seine Liane wird als Gestalt höchster Wonne beschrieben,
16.90 als große Wonne, Bewusstsein und Wonne, als volle Wonne und als großes Einssein,
16.91 als Brahman-Wonne, als dichte Bewusstseinswonne. Die Liane, große Herrin, hat die Gestalt der Wonne der Vereinigung.
16.92 Sie selbst gebiert die drei Welten und die fünf Elemente. Sie selbst vollzieht die Auflösung und gilt als Gestalt der Befreiung.
16.93 Sie selbst ist Brahman-Gestalt; die vier Befreiungen bestehen stets allein durch die Erkenntnis ihrer Wurzel, Pārvatī:
16.94 Wohnen in derselben Welt, Gestaltgleichheit, als dritte Vereinigung und als vierte Nähe. Alles ist in Śakti gegründet.
16.95 Die Verbindung mit neun Śaktis heißt Navarātra. Sechzehn Jahre heißen Caitra, die folgende Altersstufe Āśvina,
16.96 bis zum zweiundzwanzigsten Jahr, höchste Herrin. Bis zum zweiunddreißigsten Jahr heißt die Kalā Dīpāvalī.
16.97 Darüber hinaus heißt sie Dāruṇā; höre alles, große Herrin. Bis zum zwölften Jahr wird sie Moharātrī genannt.
16.98 Der Vers ordnet sexuelle Vorgänge den Namen Yoganidrā, Mahānidrā und Ānandadīptā zu. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe; wegen der vorausgehenden Altersangaben keine Handlungsübersetzung.]
16.99 „… Gespräch stets, mit Zinnober bezeichneter Stirn; durch tausendfachen Anblick von … wird der Mensch befreit.“ [Textlücken.]
16.100 „Durch den Anblick von … wird der Mensch göttlich und vollendet“: voller Hingabe, heiteren Gemüts und Verehrer von Gottheit und Gästen. [Versanfang lückenhaft.]
16.101 Beim anderen Baum liegt die Wurzel unten; oben sind Zweige, darauf Blüten und danach Früchte.
16.102 Der trockene Same ist Brahmā, um die Wurzel liegt die Gießmulde; dort muss Wasser gegeben werden. Der Baum gilt als geringster Mensch,
16.103 der seine eigene Wurzel nicht kennt und auf Schutz durch andere angewiesen ist. Bei der Cīna-Baum-Liane dagegen sind Wurzel und Gießmulde,
16.104 Blüte, Frucht und Same an einem einzigen Ort. Sie schützt sich selbst, Göttin; der Wassertropfen liegt im Krug.
16.105 Ihr Schaft ist der Stängel: So ist es in Kürze erklärt. Alles ist an einem Ort verwirklicht, beim anderen Baum getrennt, höchste Herrin.
16.106 Der frühere Baum ist unbelebt, dieser lebendig, höchste Herrin. Er wird als höchste, allvollendete Gestalt bezeichnet; so verhält es sich auch mit dem Baum, höchste Herrin.
16.107 Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste aller Geheimnisse hören,
16.108 durch dessen Erkenntnisverbindung man Sieger über die drei Welten wird. Der ehrwürdige Śiva sprach: An der Wurzel der großen Wunschranke vergegenwärtige man die eigene erwählte Gottheit.
16.109 Man verbinde sich geistig und richte das Bewusstsein in das Dreieck. Von deren Gestalt geworden, große Göttin, übe man den Yoga der Meditation.
16.110 Nach fünf Ghaṭikās Meditation werde man dem Wind gleich; nach zehn Ghaṭikās erlange man Herrschaft auf Erden.
16.111 Nach fünfzehn Ghaṭikās werde man nicht vom Feuer verbrannt; nach zwanzig vermöge man alles herbeizuziehen. [Dies sind übernatürliche Wirkungsbehauptungen des Textes.]
16.112 Nach dreißig Ghaṭikās erlange man volle Vollendung; über Tag und Nacht rezitiere man die Wurzelformeln und die übrigen, Herrin der Götter, Geliebte.
16.113 Durch drei Tage Meditation erlange man die acht Fähigkeiten, beginnend mit Aṇimā. Durch Übung des Meditationsyoga werde man der Kuṇḍalinī-Meditation teilhaftig.
16.114 Wie sollte es ohne Weg ein Vorankommen geben, große Herrin? Um den Weg zu zeigen, wird die Liane erklärt. Was wünschst du?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 16. Kapitel namens „Bestimmung von Navarātra“.
Paṭala 17: Äußere und innere Finsternisrituale
17.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste aller Geheimnisse hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimnis, Herrin der Götter, das niemandem erklärt wurde,
17.2 wird nun dir erklärt, Göttin; erfasse es genau. Grahaṇa, Finsternis beziehungsweise Ergreifung, ist nach äußerer und innerer Form zweifach.
17.3 Ein Körperbereich, der als Candrakoṭinikā bezeichnet wird, gehört zur inneren Form. Auch diese ist durch inneren Haltungs-Yoga und Handlungs-Yoga zweifach, Pārvatī. [Die Lesung der Körperbezeichnung ist unsicher.]
17.4 Der Haltungs-Yoga besteht im Śākta, die Handlung im Yogaritual. Höre die äußere Form, große Herrin: Sie ist nach Sonne und Mond zweifach.
17.5 Bei der Sonne bestehen drei Arten, Göttin, ebenso beim Mond: Sonnenfinsternis, verfinsterter Untergang und verfinsterter Aufgang.
17.6 Auch beim Mond gibt es drei Arten; im Śākta ebenfalls jeweils drei. Über zweieinhalb Fingerbreiten hinaus wird es als verfinsterter Untergang bezeichnet. [Die Verbindung von Ausmaß und Untergang ist im Text nicht näher erklärt.]
17.7 Der Zeitpunkt, an dem bei der Berührung die Finsternis deutlich wird, hat für die vorbereitende Praxis unvergängliche Wirkung.
17.8 Bei Mond- oder Sonnenfinsternis, Göttin, rezitiere man vom Ergriffenwerden bis zur Freigabe den Mantra; in derselben Zahl vollziehe man Feueropfer und die weiteren Riten.
17.9 Die fünf Glieder haben jeweils dieselbe Zahl; Japa und Feueropfer gelten als gleich. Dies ist Siddheśvarīs Lehre, die alle Vollendungen gewährt.
17.10 Nun wird eine andere vorbereitende Praxis erklärt. Bei Sonnen- oder Mondfinsternis stehe man bis zum Nabel im Wasser,
17.11 und vollziehe sie vom Ergriffenwerden bis zur Freigabe, höchste Herrin. Das Feueropfer umfasst ein Zehntel, die weiteren drei Glieder jeweils wieder ein Zehntel.
17.12 Bei sichtbarer Berührung beginnt die Praxis, bei sichtbarer Freigabe endet sie. Durch diese Abfolge wird man Herr aller Vollendungen.
17.13 Bei Mond- oder Sonnenfinsternis stehe man bis zum Nabel im Wasser eines ins Meer fließenden Flusses, eines Teiches oder einer Flussvereinigung,
17.14 auf einem einzigen großen Zeh, vom Ergriffenwerden bis zur Freigabe; die fünf-, acht- oder zehngliedrige vorbereitende Praxis
17.15 vollziehe man sorgfältig, Herrin der Götter, und werde Herr aller Vollendungen. Baden, Spenden und weitere Handlungen sind nach Einsicht in die Lehrschrift
17.16 sorgfältig auszuführen, ohne Zweifel. Schriftliche Erkenntnis ist eine Form der Schau; unmittelbare Wahrnehmung macht sie vollständig.
17.17 Kein anderer Zeitpunkt wird so gepriesen wie der einer Sonnenfinsternis. Zuvor vollziehe der Verständige ein Bad zum Entfernen der Unreinheit.
17.18 Bei der Freigabe erfolgt die Spende, beim Ergriffenwerden das Bad. Nach dem mit Mantras vorgeschriebenen Bad erfolgt die Sättigung entsprechend der Berechtigung.
17.19 Nach der für diesen Zeitpunkt vorgesehenen Sandhyā übe man Japa bis zur Freigabe. Wer so lange ohne Scheu rezitiert, wird Herr aller Vollendungen.
17.20 Eine Frau, die nach ihrer Menstruation gebadet hat, erhält im Zeitraum einer Sonnen- oder Mondfinsternis zu jedem Festtag eine Speiseballgabe.
17.21 Der Text bezeichnet dies als Verbindung, die einer Unfruchtbaren einen Sohn und alle Vollendungen verleihe. Bei Sonnenfinsternis, Herrin der Götter, bade und verehre man.
17.22 Nach der Verehrung mit Gliedern, Umkreis und abschließendem Bali, höchste Herrin, vollziehe man Kumārī-Pūjā und werde Herr aller Vollendungen.
17.23 Bei eingetretener Sonnenfinsternis, nach Bad und Verehrung, vollziehe man nach Vermögen Tula-, Brahmāṇḍa- und weitere Spenden.
17.24 Man bringe dies der Gottheit dar und werde Herr aller Vollendungen. Bei Mond- oder Sonnenfinsternis verehre man hundert Kumārikās, Göttin,
17.25 und werde Herr der Vollendungen, ohne Zweifel. Wer bei Sonnenfinsternis ein wunschbezogenes Feueropfer vollzieht, große Herrin,
17.26 und Sättigung darbringt, dem erblüht allseitiges Glück. Besprengung ist zur Befriedung allen Leides auszuführen.
17.27 Wenn bei einer Sonnenfinsternis ein Lichtring besteht, heißt dies Pāribhadra-Verbindung, die gesamte Oberherrschaft gewährt.
17.28 Bei geringer Sicht in einer Richtung, Göttin, bei mittlerer Bedeckung oder bei Wolken zur Zeit der Freigabe vollziehe man Baden, Spenden und Weiteres.
17.29 Bloßer Japa ist vorgesehen; bei mittlerer Bedeckung wie bei der Sonne. Bei einer Verfinsterung eines Sternkörpers, ebenso bei einer Sonnenfinsternis,
17.30 sind Japa und die weiteren Handlungen zu vollziehen, danach Śakti-Verehrung. So werde man Herr aller Vollendungen, ohne Zweifel.
17.31 Bei der Verfinsterung eines Sternkörpers verehre man den Guru wie eine Gottheit, stelle ihn zufrieden und empfange seine Gabe; so werde man Herr aller Vollendungen.
17.32 Bei einer solchen Verfinsterung bringe der Sādhaka einen Leichnam herbei und rezitiere auf dem Leichensitz, Göttin, während des Fortgangs der Bedeckung, Glückverheißende.
17.33 Er werde Herr aller Vollendungen und gelange danach zu Śiva-Sein. Bei einer Sonnenfinsternis, rein und zuvor fastend,
17.34 beschreibt der Text ein Opfer eigenen Körperfleisches und verspricht die Herrschaft über alle Vollendungen sowie die Schau der Gottheit. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer Selbstverletzungsvorschrift.]
17.35 Die Sonnenfinsternis wird Śiva genannt, die Mondfinsternis Śakti. Bei Sonnenfinsternis soll man Śakti-Einweihung, keine Paśu-Einweihung vollziehen.
17.36 Bei Mondfinsternis soll man Viṣṇu-Einweihung, nicht Pāñcarātra-Einweihung vollziehen. Bei Mond- und Sonnenfinsternis gilt jede Einweihung als günstig.
17.37 Śakti-Einweihung bei Mondfinsternis ist die höchste aller Einweihungen. Wochentag, Mondtag, Mondhaus und Monatsregeln
17.38 sowie Yoga und Karaṇa brauchen dann nicht geprüft zu werden. Wenn beim Damanotsava oder beim Śrāvaṇa-Fest eine Finsternis eintritt,
17.39 wird der Mantraübende selbst ohne Puraścaraṇa vollendet. Kein Zeitpunkt wird so gepriesen wie der einer Mond- oder Sonnenfinsternis.
17.40 Das Puraścaraṇa bei Mondfinsternis gilt als Spender aller Vollendungen. Bereits eine halbe Ghaṭikā vorher beginnt der Finsterniszusammenhang.
17.41 Dann soll das Bad erfolgen, beim Ergriffenwerden der Vorsatz. Japa dauert bis zur Freigabe; nach deren sicherer Feststellung folgt der Abschluss.
17.42 Bei der Bedeckung der Sonne berücksichtige man eine halbe Ghaṭikā; danach vollziehe man den Abschluss. So werde der Mantra gewiss vollendet. [Die genaue Zeitbeziehung dieser Halb-Ghaṭikā ist nicht eindeutig.]
17.43 Ist die Verbindung aus Nachlässigkeit verstrichen, speise man acht Brahmanen. Für jedes ausgelassene Glied dient Brahmanenspeisung seiner Ergänzung.
17.44 Das Feueropfer umfasst ein Zehntel des Japa, die Sättigung ein Zehntel davon, die Besprengung wiederum ein Zehntel und die Begießung ein Zehntel davon.
17.45 Brahmanenspeisung umfasst ein weiteres Zehntel; so werde der Mensch gottgestaltig. Für jedes ausgelassene Glied ist dessen Zahl doppelt als Japa vorgesehen,
17.46 oder nach den Unterschieden zwei-, drei-, vier- und fünffach für Brahmanen und die übrigen Gruppen der Reihe nach. Nun wird eine andere vorbereitende Praxis erklärt.
17.47 Bei Mond- oder Sonnenfinsternis vollziehe man Meru-Praxis. Selbst ein fehlerhafter Mantra wird durch diese Abfolge gewiss vollendet, Herrin der Götter.
17.48 Nun wird eine andere vorbereitende Praxis erklärt. Bei Sonnenfinsternis, Herrin der Götter, soll ein Entsagender mit reinem Inneren
17.49 nach Bad und Verehrung der Weltenmutter die als „Kopfblüte“ bezeichnete Selbstopferung darbringen. [Nichtanleitende Inhaltswiedergabe einer tödlichen historischen Ritualforderung.]
17.50 Der Text verspricht die Schau der gabenspendenden Gottheit. Danach beginnt eine weitere Vorschrift: bei Sonnenfinsternis nach einem Bad auf dem genannten Weg
17.51 die Śakti herbeiführen und auf ihrem Körper die Nyāsas einsetzen; als Gaben werden Wein, Fleisch, Fisch und eine lückenhafte weitere Stoffgruppe genannt.
17.52 Nach Verehrung der Gottheit mit Gliedern und Umkreis wird eine orale Sexualhandlung mit Japa verbunden; der Text verspricht Erkenntnis der drei Zeiten. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
17.53 Man schaue Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Bei Sonnenfinsternis, große Herrin, werde … ehrfürchtig herbeigebracht, [Textlücke.]
17.54 „… ringsum aufstellen und sorgfältig rezitieren, Pārvatī“: So werde man Sieger über die drei Welten, ohne Zweifel. [Die Gegenstände und die genaue Aufstellung fehlen.]
17.55 Die Vorschrift für verfinsterten Aufgang und die Bestimmung des verfinsterten Untergangs habe ich bereits in der Śakti-Yoga-Abfolge erklärt, Göttin, Glückverheißende. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 17. Kapitel namens „Merkmale der Finsternis“.
Paṭala 18: Richtungen, Guru-Reihen und Ritualgefäße
18.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Ich möchte jetzt die Vorschrift der Verehrungszeichen hören, o Gott. Der ehrwürdige Śiva sprach: In welche Richtung man blickt, wenn man den König der Cakras hervorbringt,
18.2 eben diese gilt im Tārā- und Chinnā-Ritus als Osten, große Herrin. Im Kālī-Ritus gilt die Richtung zwischen Verehrtem und Verehrer als Osten.
18.3 Der Mantraübende verehre die Weltenmutter nach Osten gewandt. Im Gauḍa-Tārā-Ritus gilt die Abfolge der Göttinnennamen.
18.4 Im Kālikā-Ritus folgt man der eigenen Linken und Kālīs Rechten. Bei Gauḍa und Kāśmīra beginnt die Vorschrift am Lotusblatt hinter der Göttin.
18.5 Ebenso ist die Arghya-Handlung, Göttin, nach der eigenen Göttin zweifach. Arghya und Pīṭha-Verehrung werden in tatsächlichen oder vorgestellten
18.6 Himmelsrichtungen nach Kerala- und Kāśmīra-Abfolge vollzogen. Die Gliederfolge richtet sich nach der jeweiligen Göttin, große Herrin.
18.7 Die sechs Glieder werden in den sechs Ecken oder in der Abfolge von Feuer- und Īśa-Richtung eingesetzt. Auch das Schreiben der Keimsilben gilt als dreifach, Göttin.
18.8 Kerala folgt der gewöhnlichen Reihenfolge der Himmelsrichtungen; im Gauḍa-Weg werden die Keimsilben nach den vorgestellten Richtungen geschrieben.
18.9 Im Kāśmīra wird Pīṭha-Verehrung nach den tatsächlichen Richtungen erklärt. Die Gottheit verehre man sich selbst gegenüber.
18.10 Im Gauḍa erfolgen die vier Bali-Gaben in der mit Südosten beginnenden Folge. Im Ugra-Vidyā-Ritus, Göttin, verehre man seitwärts gewandt.
18.11 Geheim zu halten, geheim zu halten, immer wieder geheim zu halten ist dies: das Geheimste aller Geheimnisse, das Geheimste aller Geheimnisse.
18.12 Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste aller Geheimnisse hören.
18.13 Was du niemandem erklärt hast, eben dies erkläre, Śiva. Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste aller Geheimnisse, das Geheimste aller Geheimnisse,
18.14 wird erklärt, Herrin des Gottes der Götter; sei dabei aufmerksam. Der Zwischenraum zwischen Verehrtem und Verehrer gilt als Osten.
18.15 Dies ist im Chinnā-Ritus der Osten nach Virūpākṣas Auffassung. Nach Bhairavas Lehre ist der Bereich zwischen Gottheit und Verehrer die Ostrichtung.
18.16 Ebenso gilt im Kerala der Bereich zwischen Verehrtem und Verehrer als Osten. Seine rechte Seite ist Süden, aus der Blickrichtung der Gottheit.
18.17 Nach der eigenen rechten Seite erfolgt dagegen Bhairavas Bestimmung des Ostens. In welche Richtung man blickt, wenn man den Cakra-König zeichnet,
18.18 diese ist im Gauḍa-Weg und in der Cīna-Abfolge Osten. Der Mantraübende blickt nach Indras Richtung; Tripurā Muktamālinī … [Die letzte Verbindung ist elliptisch.]
18.19 Dann liegt Osten hinter der Göttin; Tripurā gilt als westlich. Im Vedischen gilt die Richtung, in der die Sonne stets aufgeht, als Osten.
18.20 Eine andere Bestimmung besteht im Sūryasiddhānta nach dem Weg des Umlaufs. Vor einem selbst liegt Osten, hinter der Göttin Westen. [Svarasammukhe ist eine unsichere Lesung.]
18.21 Die linke Seite erkenne man als rechts, die rechte als links. So ist die Ostrichtungsfolge nach der achtfachen Gleichheitsordnung erklärt.
18.22 Darin verehre man die Guru-Reihe nach der Nātha-Abfolge; rechts von der Gottheit, Göttin, verehre man die Guru-Reihe.
18.23 Im Gauḍa geschieht Guru-Verehrung im mittleren Dreieck der Göttin. Nach rechter, linker und rückwärtiger Reihe erfolgt die Guru-Verehrung
18.24 in der Caitanya genannten Lehre, Göttin, nach Trirekhānandas Auffassung. Im Nātha-Weg wird nach der Abfolge dreier Reihen verehrt.
18.25 Die rechte Körperseite ist dem höchsten männlichen Prinzip zugeordnet, die linke dem Caṇḍikā-Mantra. Daher wird die Darbringung des Japa in die linke Hand, große Herrin,
18.26 als alle Vollendungen spendend erklärt. Beim männlichen Prinzip erfolgt die Darbringung nach Abschluss des Japa in die rechte Hand.
18.27 Die Guru-Reihe liegt links, entsprechend dem vorgestellten Osten. Die Guru-Verehrung ist erklärt; höre nun die Abfolge der beiden Arghyas.
18.28 Wo gewöhnliches und besonderes Arghya als zwei genannt werden, Pārvatī, gehören vier Gefäße zum gewöhnlichen; der Krug gilt als unerlässlich.
18.29 Wie ein Dreieck ohne Bindu wäre, Herrin der Götter, so ist Verehrung ohne Krug überall ausgeschlossen, Göttin.
18.30 Wie ein Lotusblatt ohne Staubfäden wirkungslos ist, so ist ein Dreieck ohne Bindu, Herrin der Götter.
18.31 Ein Yantra ohne Bindu gleicht einem Leichnam; ein Yantra mit Bindu spendet Vollendung.
18.32 Ebenso lasse man sorgfältig über dem achtblättrigen Lotus einen Kreis anbringen. Ohne Kreis gibt es keinen achtblättrigen Lotus, nach der Unterscheidung inneren Schmucks.
18.33 Höre sorgfältig die Bestimmung der beiden Gefäße, große Herrin: Besprengungsgefäß, Fußwassergefäß und Mundspülwasser,
18.34 Arghya, Madhuparka, Pañcāmṛta, Badewasser und Weiteres, Glückverheißende, werden aus dem gewöhnlichen Arghya bereitet.
18.35 Auch Śiva-Verehrung erfolgt im Kerala mit gewöhnlichem Arghya, Glückverheißende; im Gauḍa die Verehrung der Bhairavas.
18.36 Das besondere Arghya, große Herrin, ist bei Bhairava das Guru-Gefäß. Vīra-Gefäß, Śakti-Gefäß und das Vīra-Gefäß der Yogins,
18.37 ebenso das Bali-Gefäß, Göttin, werden aus dem Śrī-Gefäß bereitet. Dies ist die von Śrīsadāśiva anerkannte Kerala-Abfolge.
18.38 Bali-Gefäß, Vīra, Śakti und das mit Yoginī beginnende Gefäß werden in Virūpākṣas Lehre genannt. Höre nun Vīrabhadras Lehre.
18.39 Gewöhnliches Arghya, Śrī-Gefäß und ein weiteres, höchste Herrin: Mit gewöhnlichem Arghya erfolgt die Bereitung, mit besonderem die Verehrung.
18.40 Mit dem dritten bereite man Fußwasser und Weiteres, große Herrin. Fünf Glieder soll man in Vīrabhadras Lehre einrichten, Göttin, Glückverheißende.
18.41 In Baṭukas Lehre dient gewöhnliches Arghya zur Besprengung, das besondere zur Verehrung der Göttin; alles Weitere ist aus dem dritten zu bereiten.
18.42 Guru, Bhairava, Vīra, Śakti und Yoginī, Bali, Fußwasser und alles Weitere werden mit dem dritten bedient.
18.43 Baṭukas Lehre ist erklärt; höre Ānandas Lehre. Zum gewöhnlichen gehört das Vīra-Gefäß, zum besonderen das Śakti-Gefäß.
Ergänzung aus der Druckausgabe: Die Verse 18.44–100 fehlen in beiden Muktabodha-Dateien. Sie sind hier nach dem visuell abgeglichenen Grundtext auf Druckseiten 90–93 der Ausgabe von 1941 ergänzt, ohne den Variantenapparat. Druckfehler und Auslassungssterne sind nicht frei ergänzt. Scan der Ergänzungsseiten.
18.44 Vom Guru-Gefäß bis zum Bad wird die Verehrung beschrieben. Die Yoginī gehört zum gewöhnlichen Arghya, das Opfergefäß zum besonderen.
18.45 Karālas Lehre ist erklärt; höre Vikārālas Lehre. Die Yoginī gehört zum besonderen Arghya, das Opfergefäß zum gewöhnlichen.
18.46 Vom Guru bis zum Badegefäß sei es wie zuvor, höchste Herrin. Vikārālas Lehre ist erklärt; höre Mahādevas Lehre. [Der erste Halbvers ist im Druck sprachlich unstimmig.]
18.47 Das Guru-Gefäß gehört zum besonderen Arghya, Bhairava zum gewöhnlichen; alles andere sei wie zuvor, Göttin. Höre die Dakṣiṇa genannte Lehre.
18.48 Bhairava gehört zum besonderen Arghya, der Guru zum gewöhnlichen; das Übrige sei wie zuvor. Höre die Lehre des Vaṭvāsti. [Der Name ist im Druck unklar.]
18.49 Alles vollziehe man mit dem besonderen [Arghya], die allgemeine Handlung mit dem gewöhnlichen. Beim Madhuparka geschehen Verehrung und das Übrige im besonderen Gefäß der Reihe nach.
18.50 Alles vollziehe man mit dem gewöhnlichen [Arghya]. Höre nun die in Gauḍa genannte Abfolge. Der zweite Halbvers unterscheidet gewöhnliches und besonderes Arghya, ist aber im Druck nicht sicher verständlich.
18.51 Beim gewöhnlichen Arghya wird das gewöhnliche beziehungsweise das Śrī-Gefäß genannt. Dennoch ist das Kruggefäß erforderlich, Herrin der Götter.
18.52 Oder, Göttin, man verwende eine Schädelschale als einziges Gefäß. Die Gefäße des Mahāvīra sind Schädelschalen, große Herrin.
18.53 Fehlen die anderen, wird ein einziges Gefäß verwendet; in der Schädelschale sind alle Gefäße enthalten. Im Schädelgefäß besteht die Kāpālī-Vollendung, Herrin der Götter.
18.54 Beliebige Gestalten und Wünsche, Vollendungen durch Kügelchen und Augensalben, vollendete Substanz, Bewegung nach Wunsch und die wunscherfüllende Kalā werden genannt.
18.55 Gewünschter Genuss, navamudrikaraṇa, Himmelsjuwel, Wunschjuwel und Kāmakalā: All dies ist in jenem Gefäß. [Mehrere technische Bezeichnungen bleiben unsicher.]
18.56 Kāpālinī, göttliche Vollendung und der Gebrauch der Schädelschale werden genannt. Für Kāpālikas und die Cīna-Anhänger ist das Schädelgefäß vorgeschrieben. [Der erste Halbvers ist grammatisch beschädigt.]
18.57 Dieses Schädelgefäß ist nach den unterschiedlichen Vidyā-Abfolgen dreifach: Kokosnuss, Flaschenkürbis und Schädel werden genannt. [Die letzte Bezeichnung wird im Druck wiederholt.]
18.58 Auch nach den drei Überlieferungsrichtungen ist die Schädelschale dreifach. Man nehme ein Gefäß entsprechend der Unterscheidung der drei Teile.
18.59 Vier Finger hoch, zwölf Finger lang und acht Finger breit, so dass es ein Droṇa Wasser fasst – so wird ein Gefäß beschrieben. [Maße und Fassungsvermögen werden unverändert wiedergegeben.]
18.60 Ein solches Gefäß wird bei der Ghūrṇadīkṣā und beim Sonnen-Arghya genannt; der Satz ist unklar. Beim besonderen Arghya, Maheśānī, wird die Länge mit der Zahl Zwei bezeichnet.
18.61 Sechs Finger breit, offen und bootsförmig, oder, Herrin der Götter, von runder Gestalt,
18.62 oder lotusförmig, von kūtapa-Gestalt [Lesung unklar] oder dreieckig, mit einem dreifachen Yoni-Merkmal. [Die gedruckte Wortfolge tritriyāni ist beschädigt.]
18.63 Das Gefäß besitzt einen Bindu in der Mitte und ein Dhvaja-Zeichen; alternativ folgt eine im Druck ausgelassene Form mit Dhvaja, Bindu und Staubfäden.
18.64 Nachdem man ein solches Gefäß beschafft hat, verehre man in der Mahācīna-Ordnung die Erde und in jeder Richtung den heiligen Sitz, Herrin der Götter.
18.65 Oder man verehre auf einem eingerichteten Sitz mit allen Gliedern die Dūtī, Maheśānī. Nach der Verehrung des Sitzes verehre man mit fünf Verehrungsmitteln. [Kasus und Satzglieder sind im Druck nicht eindeutig.]
18.66 Man lasse zwei verheiratete Frauen Platz nehmen, verehre sie und verehre auf dem Löwenthron. Dies sei ein einziger Sitz; man erkenne den Sitz, große Herrin.
18.67 Oder man lege ungebrochene Reiskörner aus und verehre sie, Herrin der Götter. Nach der Sitzverehrung verehre man auf dem Löwenthron.
18.68 Vorrangig soll man den Yantra-Sitz verehren, Herrin der Götter. Auf dem Löwenrücken des Yantras stelle man ihn mit seinem Sitz auf, Śivā.
18.69 Der äußere Ort dieses Sitzes ist die Stätte der Bewusstseinsgottheit. Man soll ihn als heiligen Sitz betrachten; dies wird als allgemein anerkannt bezeichnet.
18.70 Auf jenem Sitz befindet sich das große Yantra, das aus der eigenen erwählten Gottheit besteht. Ein bloßer Kreis im Dreieck: Dies ist das Tārā-Yantra.
18.71 Im lebendigen Kreis werden Liṅga, Yantra, Aussprechen und Zeichnen genannt, große Herrin. In der Mitte ist der deutliche große Bindu, gewiss aus Sadāśiva bestehend.
18.72 Dort nehme man Frauengewand an und rezitiere mit ungeteilter Aufmerksamkeit. In weiblicher Kleidung trägt man auf der Stirn Zinnober.
18.73 Langes [Haar beziehungsweise Gewand; Lesung unklar], reich mit Obergewand und Schmuck versehen: So wird der Cīna-Wandel beschrieben. Oder man nehme Frauengewand an, mit Brustgestaltung, Augenschwärze und Haartracht. [Das Kompositum ist beschädigt.]
18.74 Armreifen, Stirnzeichen und Halskette gehören zur Verehrung in Frauengewand; Seidenstoff, feines Gewebe, Kāśmīra-Stoff und kostbares Gewand werden genannt.
18.75 Rotes, weißes oder gelbes Gewand, mit Gold und anderem geschmückt; alternativ gelöstes Haar, Unbekleidetsein und ein Zinnober-Stirnzeichen.
18.76 Mit Saṃvid-Substanz verehre man alle Gottheiten. [Textlücke.] Der weitere Halbvers nennt ein Yantra und eine schöne Karnikā, die Lotusmitte, ist aber nicht sicher lesbar.
18.77 Man verberge die Kula-Substanz … [das folgende Kompositum ist unklar], Śivā. Mit Wein vollziehe man die Betrachtung oder bestreiche damit.
18.78 Als Ali werden Lacksaft, Wein, Sīdhu und Kādambarī genannt. Nachdem das Yantra so gefertigt und die umgebende Ordnung betrachtet wurde, verehre man. [Wortteilung teilweise unsicher.]
18.79 Am rechten Ort befindliche Mantras geben Frucht; in Meditation gegründete Mantras geben Frucht. Mantras, die Ort und Meditation verloren haben, geben keine Frucht.
18.80 Nach dem Aufsteigen der Kuṇḍalī führe man die höchste Kalā in Tārās Gestalt, Kuṇḍalī als eigene erwählte Gottheit, in den Herzlotus.
18.81 Auch den eigenen Mantra, Maheśānī, betrachte man durch die Verbindung der Meditation im Herzlotus. Dies wird das Gegründetsein in Meditation genannt, höchste Herrin.
18.82 Nachdem man die Gottheit in der Meditation gegründet hat, gründe man sie an ihrem Ort. Im Sahasrāra verbinde man diese Gottheit mit dem höchsten Śambhu.
18.83 Nachdem Wesensgleichheit erlangt ist, übe man Ort und Meditation. Im Sitz von Meditation und Ort gegründet vollziehe man dann die Verehrung.
18.84 Man betrachte die Göttin mit ihren Gliedern, ihrem umgebenden Kreis und ihrer Einrichtung. Nach dem Vollzug bis zum [unklar bezeichneten Abschluss] werde man Herr aller Vollendungen.
18.85 In Kerala erfolgt die Opfergabe nach der Verehrung, Göttin; in Kāśmīra nach der Verehrung des Sitzes.
18.86 In Gauḍa erfolgt die Opfergabe nach den fünf Verehrungsmitteln; in Śrīgauḍa wird sie nach der Gefäßeinrichtung genannt.
18.87 Am Ende beginne man dort das Feueropfer und bringe dar. Entsprechend dem jeweiligen Wunsch lasse man die Feuergruben fertigen, Göttin.
18.88 Mit Yoni, Umrandung und dem als Ṭaṅka bezeichneten Merkmal versehen, durch Schnüre markiert, fertige man die Grube und opfere zur Erlangung aller Vollendungen.
18.89 Eine, drei, fünf, neun, sieben oder elf Umrandungen werden für die Feuergrube genannt, Geliebte, höchste Herrin.
18.90 Auch eine innere Umrandung wird erwähnt; [Textlücke] soll nicht gefertigt werden. Die Aussage über acht Blätter ist verneinend, aber nicht klar angeschlossen. So wurde es in Kürze beschrieben.
18.91 Für ein auf einen Wunsch gerichtetes Feueropfer opfere man auf einem freien Platz beziehungsweise einem erhöhten Opferboden, große Herrin; damit werde der vorzügliche Zugang zu allen Feuergruben gewonnen.
18.92 Auf dem Opferboden werden alle Feuergruben nach der Einteilung der Richtungen angeordnet; wie nach dieser Ordnung geopfert wird, bleibt im zweiten Halbvers knapp und unklar, höchste Herrin.
18.93 Eine Kavaca genannte oder Pallavī-Feuergrube wird genannt, Maheśānī. Die Formel endet für allgemeine Zwecke auf „svāhā“, bei wilden Handlungen auf „phaṭ“.
18.94 Bei einem Tötungsritual endet sie auf „namaḥ“, Göttin. Oder man fertige eine gefäßförmige Feuergrube und opfere darin; so werde man Herr aller Vollendungen.
18.95 Durch ein Feueropfer mit Vijayā-Blättern siege man sogleich über die drei Welten; Samen werden zur Anziehung der drei Welten ins Feuer dargebracht, Göttin.
18.96 Blüten werden zur Beeinflussung und zum Schauen dargebracht, Śivā. Weiße Blüten werden der Vollendung der Rede zugeordnet, rote dem Stillstellen; die dazwischenstehende Lesung vaiśyam ist unsicher.
18.97 Gelb, Schwarz, Tod und Baumfarben werden in einer beschädigten Reihe genannt. In der Kerala-Überlieferung erfolgt das Feueropfer am Ende der Verehrung.
18.98 In Kāśmīra erfolgt das Feueropfer nach der Verehrung mit fünf Mitteln; auf dem Gauḍa-Weg am Ende der Speisegabe, große Herrin.
18.99 In der Kāśmīra-Abfolge am Anfang, in der Mitte und am Ende; nach Sadāśivas Lehre, Göttin, erfolgt das Feueropfer ganz am Schluss.
18.100 Danach vollziehe man die äußere Verehrung auf dem vorgeschriebenen Weg, nach Prāṇāyāma und den übrigen Handlungen gemäß der jeweiligen Ordnung.
Ende der Ergänzung; Fortsetzung der Muktabodha-Textgrundlage.
18.101 Nach den drei Überlieferungen soll man die Gefäße aufstellen, nach den Unterschieden Mahākalā, Mahānanda, Pfeil, Feuer und Mond. [Die Verse 44–100 fehlen in der Textgrundlage; vor diesem Vers steht der Hinweis auf fehlende Druckseiten 90–93.]
18.102 Nach dem Aufstellen verehre man sie gemäß den früheren Kalpa-Unterteilungen, Göttin. Wenn ein Gefäß im Osten oder in der Mitte seines Platzes bewegt wird,
18.103 beginne man wieder von vorne und stelle die Gefäße neu auf. Wenn Gefäße versehentlich zusammenstoßen, Göttin,
18.104 stelle man sie erneut auf und verehre die Weltenmutter. Nach dem Aufstellen des vorzüglichen Gefäßes erfolgt keine Entlassung der Gefäße.
18.105 Ohne Entlassung verehre man wieder wie zuvor. Nach einmaliger Gefäßaufstellung verehre man die Göttin zu den drei Sandhyās.
18.106 Mit den einmal aufgestellten Gefäßen verehre man Śivā. Nach der Entlassung der Göttin erfolgt keine Entlassung der Gefäße.
18.107 Die Verehrung wurde vollzogen, große Herrin, doch keine Entlassung der Gefäße. Nach dieser Abfolge verehre man gemäß Gauḍas Auffassung.
18.108 Zu Beginn der Verehrungsabfolge richte man die Gefäße ein. Nach vollständiger Verehrung der Göttin Tārā erfolgt die Entlassung der Gefäße.
18.109 Dann stelle man sie erneut auf und vollziehe die Mittagsverehrung; nach erneuter Entlassung stelle man sie wieder auf und verehre.
18.110 Dies ist die Caitanya genannte Abfolge nach Mahābhairavas Auffassung. So vollzieht man, Herrin der Götter, die Vollendung der Gefäße.
18.111 Man betrachte das Gefäß als göttlich, als besonderes Arghya, Glückverheißende. Das Vīra-Gefäß ist für Vīras, das Śakti-Gefäß für Śaktis.
18.112 Für Nicht-Vīras ist das Yoginī-Gefäß genannt, große Herrin, das Guru-Gefäß für die ehrwürdigen Gurus, das Bhairava genannte für Entsagende.
18.113 Für Kāpālikas wird hauptsächlich das Bali-Gefäß genannt; in derselben Haltung auch für Śūdras. Fehlt alles, trinke man Wasser.
18.114 Göttlich ist Trinken vor der Göttin, heldenhaft im Zusammentreffen der Vīras; anderes Trinken heißt Paśu-Trinken und wird als zur Hölle führend bezeichnet.
18.115 Gewöhnliches und besonderes Arghya werden zusammengeführt und selbst getrunken. Der Kruginhalt gehört den Vīras; fehlen Vīras, wird er selbst getrunken.
18.116 Für Bittsteller wird etwas im Yācaka genannten Gefäß zurückgestellt. Das für Bittsteller bestimmte Gefäß kennt man als Yācaka.
18.117 Am Ende des Kreises, höchste Herrin, wird das Wasser des besonderen Arghya am Sitz der Göttin kreisförmig geschwenkt und in den eigenen Mund
18.118 gegeben, Herrin der Götter, sorgfältig; zuerst wird es selbst aufgenommen. Mit dem Wasser des gewöhnlichen Arghya bringe man der Göttin Wasser dar.
18.119 Nach dem Aussprechen des Brahman-Mantras bringe man der Göttin alles dar. Das Gefäß werde als aus großem göttlichem Nektar bestehend erkannt, höchste Herrin.
18.120 Man meditiere es als Gestalt der Göttin und nehme es ehrfürchtig selbst an. Mit Wurzelmantra oder weiteren Mantras begieße man den eigenen Scheitel.
18.121 Man gebe das Wasser auf feuchten Boden und schreibe Māyā, Glückverheißende; mit diesem Mantra werde ein Stirnzeichen angebracht.
18.122 Wen man mit beiden Händen berührt oder mit den Augen ansieht, der werde zum Diener, selbst wenn er Indra gleicht. [Dies ist die rituelle Wirkungsbehauptung des Textes.]
18.123 So soll man alles nach Vorschrift erkennen und die Handlungen ausführen lassen. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 18. Kapitel namens „Vorschrift der Verehrungszeichen“.
Paṭala 19: Lichtschwenken und die Vollendung der Ritualmittel
19.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Lichtschwenkens hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Mit zehn langen, zwanzig, fünf oder neun,
19.2 mit acht oder mit der Zahl der Tattvas vollziehe der Verständige das Lichtschwenken. Ein Dreieck und ein Sechseck werden gebildet, in die Mitte ein Bindu gesetzt. [Die Zählgegenstände des Anfangs sind Lampen beziehungsweise Dochte; der Wortlaut bleibt elliptisch.]
19.3 Mit Yantras der jeweiligen Vidyā oder aus besonderem Arghya: Zuerst verwendet man Bhairavīs Yantra und zeigt die Cakra-Mudrā.
19.4 „O gesamter Yoginī-Kreis mit deinem Gefolge, o Gottheit, nimm dieses Lichtschwenken an, damit es Freude bereite!“
19.5 Mit diesem Mantra, Herrin der Götter, vollziehe der Verständige das Lichtschwenken. Aus Urdbohnen, Sesam, Reis, Weizen oder Gerste,
19.6 aus gekochtem Reis, Zucker, Kurkuma, Safran, den acht Duftstoffen oder Rohzucker lasse man sorgfältig Lampen formen.
19.7 Rote und gelbe Lampen tragen als Frucht Beeinflussung beziehungsweise Stillstellung. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
19.8 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Merkmal der Gefäßvollendung hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Man sieht das Gefäß als leuchtend; dies ist ein Merkmal seiner Vollendung.
19.9 Durch das Aufnehmen eines Tropfens aus diesem Gefäß gelangt man zur Gestalt der Gottheit. Schon durch seine Berührung erfolgt ein immer höheres Aufsteigen.
19.10 Selbst ein Toter lebt durch die Gefäßberührung, Herrin der Götter. Bösartige Bhairavas sehen das Vidyā-Gefäß wie eine Lampe. [Der erste Satz ist eine übernatürliche Textbehauptung.]
19.11 Man sieht es wie eine große Flamme, schaut die Hand der Gottheit und auch die sechs Glieder in dem daraus hervorgehenden Licht.
19.12 Mitten im Licht erscheinen sie vor dem Sādhaka, ohne Zweifel. Das Gefäß bewegt sich voller Ehrfurcht vor der Gottheit, Herrin der Götter.
19.13 Es spricht höchste Worte eines Friedenslobpreises, Herrin der Götter. Es bewirkt die Erblindung der Bösen; Urdbohnen werden zu Karavīra,
19.14 Wein wird Milch, Fische werden Wurzelknollen; im Opfer entsteht Bhairava-Wesen, bei Śakti Lampengestalt,
19.15 Feuergrubengestalt, die Gestalt von Mantraweg und Tattvas sowie Gottheitsgestalt: Dies gilt als Gefäßvollendung, Göttin. [Die Aufzählung beschreibt behauptete Visionen und Umwandlungen.]
19.16 Nach dem Einrichten des Gefäßes setze man das Yantra auf den Sitz, Herrin der Götter. Ein Yantra ohne Keimsilbe gleicht einem Leichnam.
19.17 Mit Keimsilbe ist es von Vollendungsgestalt und wird lebendig genannt. Wie der lebendige Kreis, Göttin, so ist auch das Yantra lebendig.
19.18 Im Kerala werden die Keimsilben nach dem gewöhnlichen Osten geschrieben; im Gauḍa und Kāśmīra nach dem vorgestellten Osten.
19.19 Im Caitanya richtet sich die Einfügung der Keimsilben nach der eigenen Blickrichtung; bei Nandanātha folgt die Schrift der eigenen linken und rechten Seite.
19.20 Bei den Cidghana-Bhairavas folgt sie der rechten und linken Seite der Gottheit. Durch Erkenntnis dieser Schreibabfolge und Verehrung gelingt die Vollendung.
19.21 Wo die Mahāvidyā in Meditationsgestalt im Bindu eine göttliche Gestalt annimmt, Herrin der Götter, und stets verweilt,
19.22 dort verleiht alles Geschriebene Vollendung. Dies ist Yantra-Vollendung, Göttin, an ihren Merkmalen Augenblick für Augenblick erkennbar.
19.23 Vollendete Formen entstehen vor der Hand desjenigen, der Körpervollendung besitzt. Dieses Geheimnis im Geheimsten halte wie den eigenen Schoß verborgen.
19.24 Dies ist in Kürze erklärt. Höre die Krugvollendung, Geliebte: Allein durch das Aufstellen des Kruges wird die Gottheit greifbar.
19.25 Man schaut darin ständig Śiva, alle Kreise und Gestalten, aus allen Göttern bestehend, Ānandabhairava.
19.26 Von Lichtgestalt, Wunschjuwel und Wunschranke, spricht er Worte voller Nektaressenz, einen Strom fließenden Unsterblichkeitstrankes,
19.27 auf die Bitte der Gottheiten, Herrin der Götter. Der Krug wirkt selbst und gleicht selbst Nīlā. [Die Satzverbindung ist elliptisch.]
19.28 Wer in dieses Haus kommt, Göttin, kann als Stummer die Sprache Śāradās sprechen; der Krugträger besitzt ein hundert- und tausendfach strömendes großes Gedächtnis. [Die genaue Zahlenverbindung ist unsicher.]
19.29 Dies heißt Krugvollendung und umfasst alle Lehrschriften. Die Vollendung der sechzehn Darbringungen und ebenso der Bali-Gabe liegen in einer einzigen Hand, Göttin. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 19. Kapitel namens „Bestimmung des Lichtschwenkens“.
Paṭala 20: Die Mahānīla-Abfolge
20.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Die zehn Vidyās und die zehn Śaktis, o Gott, Gebieter, hast du schon früher erklärt, mein Herr. Sage nun ihre Abfolgen.
20.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste aller Geheimnisse wird wegen deiner Hingabe erklärt. Durch die Mahānīla-Abfolge verleiht Kālikā Vollendung.
20.3 Die Mahānīla-Abfolge wird zweifach genannt, Göttin: mit Teilen und ohne Teile. Höre diese Abfolge, Pārvatī.
20.4 Mit dem Schwert in der Hand, dem Kopf aufgelegt, stets mit offenem Haar, im Herzen stets erfreut durch Fleisch und Wein, mit rollenden Augen,
20.5 mit Zinnoberzeichen auf der Stirn und Weinessenz: Wer dies nicht vollzieht, wie sollte er mein Verehrer sein? [Eine Ortsangabe für den Wein fehlt.]
20.6 Nachts umhergehen und gerade nachts verehren: Wer dies nicht vollzieht, wie sollte er mein Verehrer sein?
20.7 Eine ausgefallene Handlung und das Umarmen der Śakti werden genannt; die zweite Halbzeile fragt, wie der Handelnde mein Verehrer sein könne. [Die Vorlage hat karoti statt eines erwartbaren na karoti; der Widerspruch wird nicht berichtigt.]
20.8 Ein Zinnoberpunkt zwischen den Brauen, ein Svayambhū-Muni-Blatt und darüber ein Tripuṇḍra aus rotem Sandel,
20.9 auf dem roten Sandel ein Punkt aus Augenschminke, höchste Herrin; ein Tripuṇḍra aus Räucherkohle an der Sattva-Stelle.
20.10 So wird das Stirnzeichen der Mahānīla-Abfolge erklärt, Göttin. Auf der Leichenstätte liegend, Fleisch essend, mit einem Geist voller Bewusstseinswonne,
20.11 beim Betrachten von …, Berühren und Gehen soll man jederzeit Japa üben; auf der Leichenstätte, mit Mṛdu und Cūḍaka verbunden. [Mehrere Wörter des Ritualzusammenhangs fehlen.]
20.12 Man bilde eine Zahnkette mit einem Königszahn als Meru und übe Japa, Göttin, stets Betel kauend.
20.13 Man verehre das Schädelgefäß, stets Betel kauend; man verehre das Schädelgefäß, der Vīra-Praxis ergeben. [Die Wiederholung steht in der Vorlage.]
20.14 Mit einer Schädelkette geschmückt, … ergeben, mit Zinnoberzeichen auf der Stirn und Wein in der Hand,
20.15 Śakti-Wonne in den Lotusaugen, Wein im Mund, im Hof …; Bālā …, Gebetskette in der Hand, Śakti-Schaukel im Herzlotus. [Die Aufzählung ist lückenhaft.]
20.16 Aus rotem Sandel oder aus Svayambhū-Blüten entstanden, rot oder weiß, wird die Kette zweifach genannt; ferner aus Schädeln, Knochen oder Zähnen, Geliebte.
20.17 Nach einer ausgefallenen Handlung rezitiere man zu jeder Zeit, Glückverheißende. Śakti-Stoffe sind nicht eigens zu reinigen; diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt
20.18 betrachtend, unverändert und frohen Herzens, Frauen verehrend und mit beherrschten Sinnen: Ein solcher Mensch gilt als Anhänger der Mahānīla-Abfolge, Göttin.
20.19 Die Königszahnkette kann von Esel, Kamel oder Pferd stammen. Für Unvermögende besteht die teillose Form; höre ihre Abfolge, Pārvatī. [Die Vorlage liest asaktānām, „Ungebundene“, sodass diese Deutung unsicher bleibt.]
20.20 Nach dem Trinken von Vijayā-Milch, mit einem Geist voller Sein, Bewusstsein und Wonne, bilde man eine Kristallkette und übe umhergehend Japa. [Vijayā bezeichnet hier traditionell Cannabis; keine Zubereitung wird angegeben.]
20.21 Hier gibt es keine Regel für Richtung oder Zeit, keine für Aufenthalt und Weiteres, auch keine Zeitregel beim Japa zur Verwirklichung des großen Mantras.
20.22 Welche Praxis für einen Mantra gilt, entsprechend ist dort die religiöse Ordnung. Darüber soll keine Verwirrung entstehen, sei das Ziel Himmel oder Befreiung.
20.23 Die Abfolge der fünf Kreise ist nach dem Befehl des Gurus auszuführen. Mṛdu, Komala, Göttin, Cūḍaka oder Acūḍaka,
20.24 Leichnam, Vīra-Sitz, Yoni-Haut-Sitz, Kāmarūpa-Sitz und Sitz der sexuellen Vereinigung,
20.25 Zinnober-Sitz, Bergsitz, Lotus-Sitz, Sesamblüte und Bachstelze,
20.26 Mondscheibe, Sarpiṇī, Deckensitz, Prayāga-Sitz und Mahāprayāga-Sitz,
20.27 Municūḍā-Sitz für Beeinflussung, sechsfacher Berührungssitz, Zungenberührungssitz und Luftberührungssitz,
20.28 Umarmungssitz, Schädelsitz sowie Śrīmuṇḍa-Surata und Śrīvīra-Surata,
20.29 Fünf-Vīra-Sitz, Göttin, nach den mit Indra beginnenden Richtungen, ferner Avantī-, Mathurā-, Kāśī-, Prayāga- und weitere Sitze,
20.30 Leckberührungssitz, dreifacher Prayāga-Sitz und ein jeweils an Sitz und Hüfte gebundener Sitz: [Die Liste verbindet Gegenstände und sexuelle Körperhaltungen; unklare Ritualnamen bleiben ohne Ausführungsanweisung.]
20.31 Ein junger, schöner Held, der dem Kampf zugewandt ist, frei von Flucht und von Ungestüm und Weiterem überwältigt. [Die letzte Eigenschaft ist im Zusammenhang mehrdeutig.]
20.31 [zweite Nennung] Ein junger, schöner Held, der dem Kampf zugewandt ist, frei von Flucht und von Ungestüm und Weiterem überwältigt. [Die Vorlage wiederholt den gesamten Vers mit derselben Nummer 31.]
20.32 An einem Samstag, Dienstag oder einem Fünfnächte-Tag bringe man frische oder drei Nächte alte Leichname herbei, Pārvatī.
20.33 Man ordne sie sorgfältig nach Haupt- und Zwischenrichtungen an, Glückverheißende, in einem leeren Haus, auf einem Berg, bei einem einzelnen Liṅga oder an einer Kreuzung,
20.34 oder wo ein westwärts gerichtetes Liṅga ohne Stierbild steht. An einem solchen Ort nehme man die Vīra-Erscheinung an.
20.35 Den Gottheiten der Leichenstätte und Mahākāla, Pārvatī, bringe man sorgfältig Bali dar, ebenso den Hütern der Himmelsrichtungen.
20.36 Die Leichname werden nach der zuvor genannten Weise gereinigt; mit allem Zubehör versehen stelle man unterstützende Sādhakas in einiger Entfernung auf,
20.37 Sādhikās und Sādhakas, die den Weiheritus kennen, Geliebte; solche Personen mit Waffen seien in der Ferne aufgestellt.
20.38 Zehn Pflöcke werden in den zehn Richtungen eingesetzt; mit dem Vīrārgala-Mantra oder der Aghora-Waffe, Geliebte,
20.39 mit dem Jayadurgā-Mantra oder dem Vidyā-Kreis erfolgt die Richtungsbindung. Wein, Fleisch und weitere Mittel werden bereitgestellt.
20.40 Fisch, Mudrā und eine ausgefallene weitere Gabe werden genannt; alles richtet sich nach dem jeweiligen Kalpa, mit dem gesamten Bali-Zubehör.
20.41 Kuh, Mensch, Elefant, Pferd, Büffel, Ziege, Schaf, Maus, Katze und weitere werden genannt – oder daraus geformte Teigfiguren, Geliebte. [Der Vers nennt ausdrücklich eine nichtlebende Ersatzform.]
20.42 Die nächste Handlungsangabe ist bereits in der Vorlage unsicher. Alles wird wie auf der Leichenstätte eingerichtet, einschließlich des Bindens des Haarknotens, Pārvatī.
20.43 In einer dem Reiten entsprechenden Sitzweise wird dort Japa geübt, nach der ersten Nachtwache bis zur dritten.
20.44 Mantras von einer, zwei, drei und weiteren Silben sowie Mālā-Mantras, Geliebte: Nach dem genannten Weg wird Śiva in Śaktis Yoni verehrt. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des Ritualbezugs.]
20.45 Man übe Japa, große Herrin; die Gottheit werde zur Gabenspenderin. Millionen und Abermillionen Arten von Furcht entstehen dabei.
20.46 Man erkenne alles als unwirklich und übe Japa, höchste Herrin. Wenn durch glückliches Geschick eine weibliche Gestalt Sanskritworte
20.47 freundlich spricht, so wird sie als Maheśvarī bezeichnet. Wenn aus der Mitte, große Herrin, ein Sanskrit sprechender Brahmane
20.48 herankommt, wird er Bhairava genannt. Was sie erbittet, Göttin, soll dort gegeben werden, Pārvatī.
20.49 Die eigene Wunschgabe ist zu empfangen, wenn sie sagt: „Nenne deine Gabe.“ So werde es geschehen, große Herrin, ohne Zweifel.
20.50 Eine lückenhafte direkte Wahrnehmung der Śakti-Yoni-Wirklichkeit wird genannt; der Mensch werde Herr aller Vollendungen und Kālī-gestaltig. [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe.]
20.51 Welche Vollendungen es im Weltenei oder auf der Erde gibt, sie alle befinden sich in seiner Hand, Göttin.
20.52 Er selbst werde Kālī, Göttin; daran soll kein Zweifel bestehen. Unter Aufgabe der Verwirrung ist alles zu vollziehen, große Herrin.
20.53 Wer im Reinen irrtümlich Unreinheit sieht, wie sollte er mein Verehrer sein? Wer beim Trinken zweifelt und Abscheu bei … empfindet, [Textlücke.]
20.54 wie sollte ein solcher Mensch mein Verehrer sein? Was immer erlangt wird, große Herrin, all dies soll dargebracht werden.
20.55 Im teillosen Nīla-Weg gelten Stirnzeichen und Weiteres wie zuvor. Nach Betelgenuss wird Saṃvid-Milch verwendet. [Saṃvid ist hier ebenfalls eine rituelle Pflanzenbezeichnung; die Vorlage gibt kein Rezept.]
20.56 Beim Anblick einer Frau wird Japa geübt; Leichenasche wird beschafft. Wer diesem Brauch folgt, wird als begünstigter Mensch Kālī-gestaltig.
20.57 Aus fünfzig Kuśa-Halmen entsteht Brahmā, darüber hinaus Viṣṭara. Aus hundert Kuśa-Blättern lasse der Verständige einen Viṣṭara-Sitz herstellen. [Die Vorlage liest zunächst viṣaraḥ.]
20.58 Nach dem Einsetzen des Lebens mittels Jīvanyāsa übe man darauf Japa. Betel, Yoni-Cakra, Schädelkette, Leichensitz,
20.59 Zinnober, Schwert, Göttin, Saṃvid- und Weintrank: Wer ohne diese Kālī verehrt, gelangt nach der Textaussage in die Raurava-Hölle.
20.60 Wer den Kula-Brauch aufnimmt, wird Herr aller Vollendungen. Dies ist in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 20. Kapitel namens „Verehrungsabfolge der zehn Vidyās und der übrigen“.
Paṭala 21: Mahācīna: geistige Verehrung und Ersatzgaben
21.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die höchste Mahācīna-Abfolge hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Göttin, ich werde dir die Mahācīna-Abfolge sogleich darlegen.
21.2 Durch die Mahācīna-Abfolge verleiht Tārā rasch ihre Frucht. Brahmacīna, Divyacīna und als drittes Vīracīna,
21.3 Mahācīna und Niṣkala: So gelten die Cīna-Wege als fünffach. Die Mahācīna-Abfolge, Göttin, wird als zweifach beschrieben:
21.4 mit Gestalt und ohne Gestalt. Die gestalthafte gehört zum Bereich der Buddhisten, die gestaltlose zu dem der Brahmanen. Höre die zweite. [Der letzte Halbvers ist verkürzt.]
21.5 Dieses Höchste, der innerste Gehalt des Wesentlichen, soll in den drei Welten nicht ausgesprochen werden. Manche sind Götter, manche Menschen, Dānavas, Yakṣas oder Rākṣasas,
21.6 Bewohner der Nāga-Welt, Kinnaras, Scharen von Gandharvas und Apsaras; andere sind Haus- und Wildtiere oder Vögel – was immer in der Welt lebt:
21.7 All diese sind äußerst unverständig, einander feindlich gesinnt, schlechten Vorstellungen ergeben und darauf aus, verkehrte Wege zu weisen.
21.8 Sie kennen die Erkenntnis des Brahman nicht, die Wonne, das Glück des Brahman-Bewusstseins. Wie soll ich es dir also erzählen, Maheśānī?
21.9 Wessen Wesen ewig frei ist, dem ist dieses Gelübde zugesprochen. Verzeih, schönleibige, makellose Göttin: Ich soll es nicht aussprechen.
21.10 Die ehrwürdige Göttin sprach: Verehrung dir, Herr und Gabenspender; Verehrung dem Schatz des Mitgefühls! Auch wer anderen Gottheiten ergeben ist, sehnt sich nach deinem Zustand.
21.11 Für sie ist eine große Frucht bestimmt, ebenso für meine Verehrer. Löwen, Tiger und andere Wesen, die Hindernisse bereiten,
21.12 Feinde, Übeltäter und andere schädliche Geschöpfe: Sie alle vergehen wie Motten im Feuer. [Die Vorlage liest beschädigt pāpake statt eines klaren Feuerwortes.]
21.13 Das Haus erscheint den schädlichen Wesen wie eine Flammenspitze. Allein durch liebende Hingabe, durch dich, den alldurchdringenden Herrn … [Satzanschluss unsicher.]
21.14 Oder indem man zur Leichengestalt wird: Auf dem Sitz sind die fünf Gottheiten. Die Erde wird reglos, das Reglose wird zu Licht. [Die elliptische Formulierung bleibt unklar.]
21.15 Licht, Wind und Erde, der Raum und das, was ihn erhellt; Dānavas, Rākṣasas, Menschen und die übrigen Götterscharen,
21.16 alle Könige und alle, die unter seinen Füßen stehen, gehorchen seinem Befehl, ebenso die Gandharvas – wie viel mehr Menschen und Kinnaras!
21.17 Wohin sich sein Wunsch auch richtet, dort liegt ihm die Vollendung in der Hand. Die Rede folgt ihm stets, unverrückbar. [Der letzte Ausdruck ist verderbt.]
21.18 Er gibt die Haltung der Gegensätze auf. Was sollen viele weitere Worte? Wer Befreiung sucht, erlangt Befreiung; wer Reichtum sucht, erlangt Reichtum.
21.19 Am Ende entsteht er in Gaurīs Welt wie ein zweiter Śiva. Durch Hingabe an mich wird er vollendet: Das habe ich dir gesagt.
21.20 Einem Hingabelosen, einem Verehrer anderer oder einem Übeltäter soll es nicht mitgeteilt werden. Der ehrwürdige Śiva sprach: Göttin, zuvor wurde die Mahācīna-Abfolge als zweifach angedeutet.
21.21 Die Mahācīna-Abfolge wird als zweifach erklärt; in ihr selbst ergeben sich, Herrin der Götter, durch die drei Guṇas weitere Unterschiede. [traguṇyāt ist beschädigt.]
21.22 Bad und andere Reinigungen geschehen im Geist; die vorzüglichste Rezitation ist geistig. Die göttliche Verehrung ist geistig, ebenso das Laben und die übrigen Handlungen.
21.23 Die Regel wird als geistig bezeichnet, ebenso das Reinigen der Zähne. Jede Zeit ist günstig; eine ungünstige gibt es nirgends.
21.24 Tag, Nacht und Dämmerung werden nicht unterschieden, großer Schatz. Nasses Gewand, geistige Reinigung und Reinigung des Körpers mit Wasser werden genannt. [Der zweite Halbvers ist verderbt.]
21.25 Hier soll man nicht auf Reinigung bestehen, sondern mit einem Geist ohne unterscheidende Vorstellungen wandeln. Reinigung wird hier nicht vorausgesetzt; eine Verunreinigung durch Unreines und dergleichen besteht nicht.
21.26 Wer mit solchen Regeln den Mantra übt, der alle Wünsche erfüllt, dem entsteht in der Versammlung eine Rede in Prosa und Versen.
21.27 Schon durch seinen bloßen Anblick verlieren die Streitredner ihren Glanz. Selbst Könige dienen ihm: Was erst die übrigen Menschen!
21.28 Man soll die Göttin stets verehren, auch ungebadet und nach dem Essen; zur tiefen Nacht soll man an einem reinen Ort mit dem Mantra eine Opfergabe darbringen lassen.
21.29 Frauen soll man niemals hassen; besonders soll man Frauen verehren. Am Ort der Rezitation stelle man den „großen Muschelschädel“ auf und vollziehe darüber die Rezitation.
21.30 Bei einer Frau, bei Berührung oder Anblick, wo immer es sei … [acūḍake unklar.] Speisen, Betel und andere Nahrungsmittel nehme man nach Belieben.
21.31 Fleisch, Fisch, Dickmilch, Honig, Saṃvid und berauschender Trank werden genannt. Nachdem man die verschiedenen genannten Speisen verzehrt hat, vollziehe man die Rezitation.
21.32 Es gibt keine Regel für Richtung und Zeit, keine für Stehen oder andere Körperhaltungen; weder Rezitation noch Verehrung oder Opfergaben sind an eine Zeit gebunden.
21.33 Als Regel dieser großen Mantrapraxis gilt der eigene freie Wille. Gewand, Sitz, Haus und Körper, Berühren und Nichtberühren, Wasser … [Der zweite Halbvers hat keinen eindeutigen Satzanschluss.]
21.34 Man soll sich mit Öl einreiben, Herrin der Götter, und stets Betel kauen, verschiedene Gewänder tragen und den Körper mit einem Tuch abreiben.
21.35 Man vollziehe das Mantrabad, Göttin, stets mit auf mich gerichtetem Inneren. Dies ist in der Mahācīna-Abfolge das Bad des Brahmanen.
21.36 Man vollziehe hier keine äußere Reinigung, sondern wandle ohne unterscheidende Vorstellungen. Verehren soll man mit duftenden weißen und roten Blüten und Blättern,
21.37 mit Bilva, Maruvaka und anderen guten Pflanzen, unter Ausschluss von Tulasī. Dann heißt es jedoch: Man meide auch Bilvablätter und sorgfältig Maruvaka. [Die beiden Halbverse widersprechen einander in der Vorlage.]
21.38 Man lasse das Haar wachsen, Göttin, und schmücke sich stets mit Öl, besonders am achten und vierzehnten Mondtag und an besonderen Tagen.
21.39 Hier gibt es kein Unrecht, Schönbrauige; vielmehr entsteht großer Dharma. Der eigene freie Wille gilt als Regel: Mit frohem Geist soll man wandeln.
21.40 Sich als einer betrachten, der sein Ziel erreicht hat, und im eigenen Geist zufrieden sein; Haris Namen soll man nicht aussprechen und kein Tulasīblatt berühren.
21.41 Man soll nichts anderes bedenken und niemals andere schmähen; keinen anderen Mantra soll man rezitieren, Göttin, sondern stets frei von unterscheidenden Vorstellungen sein.
21.42 Man trinke sogleich Wein, Göttin, und verkehre mit Mātaṅgī-Frauen. [Textlücke.] Man soll mit ungeteilter Aufmerksamkeit rezitieren.
21.43 Wenn mein Wandel zum Brahman geworden ist, welche Unterscheidung besteht dann noch, Geliebte? An den Brauen werden zwei Kreise angebracht und anschließend Zinnober. [Die Beschreibung der Zeichen ist elliptisch.]
21.44 Rotes Sandelholz und drei Querstreifen, danach mit Safran, Śivā; eine Schädelkette soll am Hals getragen werden, eine Schädelschale in der Hand.
21.45 Wer stets diesem Wandel hingegeben ist, folgt dem Mahācīna-Weg: Sein Herz ist immer voller Wonne, und immer dient er den Verehrern.
21.46 Der zwischen Ohr und Auge liegende Teil wird als „große Muschel“ bezeichnet. Eine Kette aus fünfzig Perlen, aus Rinder-, Menschen- oder Pferdeknochen,
21.47 soll gefertigt werden, Maheśānī; dadurch werde man zum Herrn von sechzig Vollendungen. Diese selbst ist Tārā, Maheśānī; daran ist nicht zu zweifeln.
21.48 Die ehrwürdige Göttin sprach: Śiva, Śaṅkara, Weltenherr, ewiger Retter der Welt! Wie soll ein Brahmane religiöse Wege ausüben, die ohne den Veda sind?
21.49 Der ehrwürdige Śiva sprach: Gut gefragt, Göttin, mir lieb wie mein Leben und den Übenden sehr lieb! Wer in jene innere Vorstellung eingegangen ist, soll ihrer Haltung entsprechend handeln, Geliebte.
21.50 So wird beim Ahnenritual Fleisch als vorrangig bezeichnet; im Kali-Zeitalter aber ist es dort für Brahmanen untersagt, große Herrin.
21.51 Wer für sich oder für einen anderen Tiere tötet, wird selbst zum Tier. So viele Haare jenes Tier hat, so viele Geburten soll er durchlaufen.
21.52 Als Ersatz dafür habe ich Māṣa-Bohnen genannt, Pārvatī. Die gestalthafte Form habe ich erklärt; höre nun die gestaltlose, Pārvatī.
21.53 In der entsprechenden inneren Vorstellung besteht kein Fehler, Pārvatī. Man reinige die Hände unterhalb der Handgelenke und die Füße unterhalb der Knöchel, Śivā,
21.54 und wasche das Gesicht, Göttin: Dies ist das Cīna-Bad. Mit beiden Knien auf der Erde bringe man den Kopf zum Boden.
21.55 So habe ich dir die Verneigungen auf dem Cīna-Weg beschrieben. In der früheren Abfolge, Herrin der Götter, ist Śakra mein Stellvertreter. [Zusammenhang unklar.]
21.56 Nach Bad, Gabe und den übrigen Handlungen sowie Verehrung und dergleichen, Geliebte, gilt die Betrachtung: „Es gibt kein Bad, keinen Körper für mich und keine Sünde in mir.“
21.57 „Was ist ein Bad, und wer wird gebadet? Ungebadet oder nach dem Essen: Alles ist im Herzlotus, alles ist in mir gegründet.“
21.58 Erkennt man es in mir, entsteht Mantravollendung; meine Götter verleihen Gaben. Die ganze Welt besteht aus Lichtkraft; Tāriṇī trägt deren Gestalt.
21.59 Man stelle sich die Berührung mit jener Lichtkraft vor und vollziehe die Rezitation. Ganz von dieser Betrachtung erfüllt, wird der Yogin ein großer Dichter.
21.60 Für den Brahmanen wird der Wein durch den Saft von Rohzucker und frischem Ingwer vertreten; fehlt auch dies, so durch Wasser, Göttin. Mit dieser inneren Vorstellung vollziehe man die Verehrung.
21.61 Im Herzen jener Haltung nahe und stets mit darauf gerichtetem Geist, gebe man die Vorstellung der Gegensätze auf und werde Herr aller Vollendungen.
21.62 Brahmā, Vasiṣṭha und die anderen großen Seher verehren stets auf dem Weg der gestaltlosen Abfolge, Śivā.
21.63 Als Tārās Verehrer werden hier die Brahmanen bezeichnet, Maheśānī. Brahman-Wissen, die große Vidyā, ist im Kali-Zeitalter überall schwer zu erlangen.
21.64 Dieses Geheimste der Geheimnisse soll inmitten der gebundenen Menschen verborgen bleiben. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 21. Kapitel namens „Die Mahācīna-Abfolge“.
Paṭala 22: Die Gandharva-Abfolge
22.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott, erkläre mir die Gandharva genannte Abfolge, mein Geliebter. Der ehrwürdige Śiva sprach: Durch die Gandharva-Abfolge wird die auf Erden schwer zu erlangende Sundarī erreicht. [Das Prädikat ist ergänzt.]
22.2 Die Gandharva-Abfolge wird nun beschrieben, Göttin; höre! Zwischen den Brauen bringe man Kuṅkuma an und anschließend Sandelholz und Adlerholz,
22.3 drei Querstreifen aus den acht Duftstoffen, in der Mitte mit Moschus. Der Mensch schmücke sich mit duftenden weißen und roten Blüten.
22.4 Er halte sich an einem mit dem Svastika-Zeichen versehenen Ort auf, von einer roten Einfriedung umgeben, mit Räucherwerk aus acht Duftstoffen und vielerlei Wohlgerüchen geschmückt.
22.5 Er trage rote Kränze und Gewänder, geziert mit einer Perlenkette. Auf dem Haupt hat er die vollständige Weihe empfangen; deshalb soll es dort keine Schur geben.
22.6 Er lasse das Haar wachsen, Göttin, und schmücke es mit duftendem Öl; er genieße mannigfaltige wohlriechende, eines Königs würdige Speisen, große Herrin.
22.7 Wasser ist von Natur aus rein – wie viel mehr, wenn es durch Feuer erhitzt wurde! Stets soll man in warmem Wasser baden; steht keines bereit, dann in dem verfügbaren Wasser.
22.8 Das Haus sei mit Bildern ausgeschmückt, einem Spiegelinneren gleich, reich an Baldachinen und Fahnen und verschönt durch Glockenklang,
22.9 mit fünf Arten von Musikinstrumenten und verschiedenen Klängen, mit sehr feinen Stoffen versehen und durch Goldblätter und dergleichen geschmückt.
22.10 Stets sei man mit Halsketten, Armreifen, Ringen und anderen Schmuckstücken geziert; vielerlei süße Speisen und zahlreiche Milchspeisen gehören dazu.
22.11 Die Gandharva-Abfolge ist mit mannigfaltigen Genüssen verbunden. So wurde sie in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Anmerkung zur Zählung: Das ausgeschriebene Kolophon nennt Kapitel 22; seine abschließende Ziffer lautet in der Vorlage 12.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 22. Kapitel namens „Die Gandharva-Abfolge“.
Paṭala 23: Chinnamastā und Bhairavī
23.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott, nenne mir sogleich die Abfolge im Ritual der Chinnamastā. Der ehrwürdige Śiva sprach: Durch die Divyacīna-Abfolge verleiht Chinnamastā ihre Frucht.
23.2 Die beiden Abfolgen wurden schon zuvor dargelegt, Maheśānī. Ihr Stirnzeichen, Göttin, besteht aus rotem Sandelholz zwischen den Brauen,
23.3 darüber einem Blattzeichen aus Rocanā und drei Querstreifen aus göttlichen Farbstoffen. In deren Mitte setze man einen Punkt aus Asche des Verbrennungsplatzes, Geliebte.
23.4 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Vers verbindet fortgesetzte Rezitation mit körperlicher Nähe und einem als Śakti-Substanz bezeichneten rituellen Trank.
23.5 So wurde es in Kürze erklärt. Höre nun von Bhairavī, Pārvatī: Durch den Svapuṣpa-Weg wird die auf Erden schwer zu erlangende Bhairavī erreicht.
23.6 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Svapuṣpa genannte Weg wird eingeführt; beschrieben wird eine schöne junge weibliche Ritualpartnerin. Ihr Alter bleibt unbestimmt.
23.7 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Partnerin wird als bereit und mit Mantra und Yantra verbunden beschrieben. Mehrere Textlücken verhindern eine vollständige Lesung.
23.8 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Nach einer in der Vorlage lückenhaften Vorbereitung folgen Rezitation und gegenseitiger Blickkontakt.
23.9 Stets soll man in ihrer Gemeinschaft sein; das Wasser sei von ihrer Hand bereitet, ebenso die Speise und der Ort.
23.10 Von ihrer Hand bereitete Blumen soll man den Gottheiten darbringen. Frauen sind Gottheiten; Frauen sind Lebenskräfte; Frauen selbst sind der Schmuck.
23.11 Frauen sind Schöpfung, Frauen sind Hervorbringung; alles ist in ihr gegründet. Frauen soll man niemals hassen; besonders soll man Frauen verehren.
23.12 Schläge gegen sie und Hinterlist ihnen gegenüber soll man völlig vermeiden. Wer aus Unachtsamkeit so handelt, wird zu Fall kommen.
23.13 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Als Voraussetzung der Praxis fordert der Text, beim Anblick der beschriebenen Partnerin innerlich unverändert zu bleiben.
23.14 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Bei innerer Erregung droht der Text dem Übenden sofortigen Untergang an. Der zweite Halbvers ist lückenhaft.
23.15 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Beide Beteiligten sollen ihre körperlichen Reaktionen beherrschen und unverändert bleiben.
23.16 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine lückenhafte Passage beschreibt drei Hauptkanäle und ordnet ihnen körperliche Substanzen sowie Mond und Sonne zu.
23.17 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der dritte Kanal wird dem Feuer zugeordnet. Es folgt ein Mantraritual zum Hervorrufen einer körperlichen Substanz; die Vorlage enthält eine Lücke.
23.18 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Ein weiterer Mantra, Drāviṇī genannt, wird mit dem Gewinnen ritueller Substanzen und anschließender Rezitation verbunden. Die Handlung ist unvollständig überliefert.
23.19 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Name Svapuṣpa wird durch das selbsttätige Entstehen der „Blüte“ erklärt. Genannt wird außerdem die Rezitation der Sthairyyasaṅkāriṇī; die Lesung des Namens ist unsicher.
23.20 Ein solches Paar aus Śakti und Übendem gilt als schwer zu finden, Göttin. Bei den Vidyās bis einschließlich Bagalā und bei den übrigen Ritualordnungen
23.21 soll diese Abfolge richtig angewandt werden; daran soll kein Zweifel bestehen. Durch die Fehler des Kali-Zeitalters wird dieser Yoga jedoch nicht zustande kommen.
23.22 Daher soll Bālā nach der Paśu-Ritualordnung verehrt werden, Śivā. Bei Bālā bestehen beide Verhaltensweisen; die rechte ist jedoch vorrangig.
23.23 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Wer rasch Vollendung sucht, wird auf den Gavākṣa-Yoga verwiesen, der mit der Beobachtung von Frauengruppen an Gewässern verbunden wird.
23.24 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet das Beobachten badender Frauen durch eine Öffnung mit fortgesetzter Rezitation.
23.25 Man soll sie alle mit Gold, Gewändern und dergleichen erfreuen, geliebte Göttin. So wurde es in Kürze erklärt. Höre nun vom Stirnzeichen, Pārvatī.
23.26 Man nehme sorgfältig Kuṅkuma in die linke Hand und begebe sich an das Ufer, an dem die Śakti badet, Pārvatī.
23.27 Auf die linke Handfläche zeichne man sorgfältig das Yantra, Śivā; mit dem Rest fertige man das Stirnzeichen, höchste Herrin.
23.28 Auf die Stirn komme ein Moschuspunkt, ein Blattzeichen aus gutem Sandelholz und eine farbige Zeichnung mit Kuṅkuma. [muni patraṃ ist unsicher.]
23.29 In die Mitte komme ein weißes göttliches Zeichen; das Haar und die übrigen Merkmale seien wie zuvor. Im Ritual der zehn Vidyās ist das Wachsenlassen des Haares vorgeschrieben. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Anmerkung zur Zählung: Das ausgeschriebene Kolophon nennt Kapitel 23; seine abschließende Ziffer lautet in der Vorlage 13.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 23. Kapitel namens „Die Chinnamastā-Abfolge“.
Paṭala 24: Bagalā und die gelbe Verehrung
24.1 Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Bagalā-Abfolge hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Durch die Saubhāgya-Abfolge zeigt sich Bagalā rasch. [saubhāgyācī ist beschädigt.]
24.2 Der Mantraübende trage gelbe Gewänder und gelben Schmuck, gelbe Kränze und Kleidung und halte sich in einem gelben Haus auf.
24.3 Er sei der gelben Verehrung hingegeben, erfreue seinen Geist an gelber Nahrung, genieße gelbe Gegenstände und verfüge über einen gelben Sitz.
24.4 Seine Feueropfer und Blüten seien gelb, mit einer gelben Śakti sei er verbunden. Rocanā soll angebracht werden, dazu Kuṅkuma und ein Blattzeichen. [Ort und letzte Bezeichnung sind unklar.]
24.5 Mit Gelbwurz werden drei Querstreifen gefertigt, in ihrer Mitte Khadira, Śivā. Mit Räucherwerk aus gelbem Sandelholz werde alles beduftet, höchste Herrin.
24.6 Nachdem alles beschafft wurde, sei man dem Weg der Abfolge hingegeben. Die Verehrung ist im Kali-Zeitalter dreifach: Hervorbringung, Erhaltung und Auflösung.
24.7 Die reine Hervorbringungsverehrung folgt dem Garbhakaulāgama-Weg; die Verehrung im Gauḍa-Land hingegen folgt dem Weg der Erhaltung, Kumārikā.
24.8 Guptakaulāgama heißt die Vorschrift der Verehrung im Gauḍa-Land; Kāmarūpāgama heißt die Verehrung in der Auflösungsabfolge.
24.9 Auch der Weise Sāṅkhyāyana hat sich auf den Gauḍāgama gestützt und im Āgama gesprochen: „Höre, mein Kind, die Verehrung der Erhaltung.“
24.10 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Für das folgende Körperritual wird eine schöne, frisch verheiratete Brahmanentochter mit bestimmten körperlichen Merkmalen verlangt. Ihr Alter ist nicht angegeben.
24.11 Als Zeiten werden der achte oder vierzehnte Tag der dunklen Monatshälfte, der Vollmond, Dienstag sowie die Nacht am Freitag genannt.
24.12 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt eine Salbung und die Vorbereitung eines gepolsterten Lagers.
24.13 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Das Lager und die beteiligte Frau werden mit Blumen, Kampfer, Moschus und Sandelholz vorbereitet.
24.14 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine Ganzkörpersalbung wird mit der Rezitation des Lakṣmī-Sūkta verbunden.
24.15 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Lagerung der weiblichen Beteiligten wird durch die Formel „dhruvā dyauḥ“ und das Śrī-Sūkta begleitet.
24.16 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine lückenhafte Körperritualpassage nennt zwei sechsfache Nyāsas und eine fünffache Bagalā-Zuordnung.
24.17 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Das Ritual setzt Körperzuordnungen und eine Reinigung mit der Wurzelvidyā fort; einzelne Bezeichnungen sind beschädigt.
24.18 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine Moschussalbung begleitet die Formel „gandhadvārā“; mit dem Wurzelmantra wird ein Blumenkranz dargebracht.
24.19 Man bringe die Reinigung der Ritualmittel dar und rezitiere ebendort. Diesen König der Mantras rezitiere man achttausendeinhundertmal. [Die Zahlenverbindung śatamaṣṭasahasram ist entsprechend wörtlich gelesen.]
24.20 Während der vorbereitenden Praxis und an den jeweiligen Tagen oder am Vollmond soll man die Saubhāgya-Verehrung ausführen. [pratimārgam bleibt unklar.]
24.21 Sie verleiht den Menschen Vollendung in der Anwendung und höchste Mantravollendung. Ohne diese Abfolge soll keine Anwendung gelingen, Göttin.
24.22 Darum bemühe man sich auf Erden mit aller Kraft um Vollendung, Göttin: Ohne die Saubhāgya genannte Abfolge gibt es sie auch durch Millionen [von Wiederholungen] nicht.
24.23 Nachdem man die acht Formen des Eigendünkels, die drei Befleckungen und die Bindung an die fünf Sinne aufgegeben hat, vollziehe man die Saubhāgya-Abfolge.
24.24 Man betrachte Glück und Leid, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage gleich und bewahre Gleichmut in Kälte und Hitze; so vollziehe man die Saubhāgya-Abfolge.
24.25 Wer die Verehrung auf Erden ausführt, ohne die beiden sechsfachen Zuordnungen zu kennen, fällt ab und gelangt in die Raurava-Hölle, behauptet der Text.
24.26 Ohne Kenntnis der Unterschiede zwischen Äußerem und Innerem soll die gelbe Abfolge nicht ausgeführt werden; sonst ziehe man den Fluch der Gottheit auf sich.
24.27 Absichtsbildung und zweifelnde Unterscheidung gebe man auf und richte den Geist auf Erkenntnis; erst dann vollziehe man die gelbe Abfolge. Andernfalls werde man gewiss abirren.
24.28 Mit beherrschten Sinnen und in Wohlbefinden soll man die gelbe Abfolge vollziehen, Śivā. Wer sie allein um des Genusses willen ausführt, ziehe den Fluch der Gottheit auf sich.
24.29 Wer die Verehrung ausführt, ohne das Verfahren des eigenen Erfülltwerdens zu kennen, höchste Herrin, gilt als abgefallen. [Der Wortlaut mit na vipraḥ ist syntaktisch unklar.]
24.30 Wer bei der Verehrung den Geist der weiblichen Beteiligten in Aufruhr versetzt, dessen eigener Geist gerät sogleich in Verwirrung, auch wäre er ein zweiter Vācaspati.
24.31 Man darf weder dem Geist noch dem Körper Schmerz zufügen. Wer Schmerz hervorruft, gilt als abgefallen. [Das Wort für „Geist“ ist in der Vorlage beschädigt und mit Fragezeichen versehen.]
24.32 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text zählt verheiratete Frauen aus dem eigenen und dem verwandtschaftlichen oder Lehrerumfeld als mögliche Beteiligte der Verehrung auf und beruft sich auf Sāṅkhyāyana.
24.33 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Weitere mögliche Teilnehmerinnen werden nach Einweihungsort und gesellschaftlicher Herkunft bezeichnet; Alter und ein körperliches Merkmal bleiben unklar.
24.34 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Auch die Frau eines Sehers wird genannt, sofern sie die zuvor beschriebenen Merkmale besitzt. Das Verfahren wird Durvāsas zugeschrieben.
24.35 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Verehrung einer Partnerin mit allen geforderten Merkmalen wird auf den Weisen Mataṅga zurückgeführt und als unmittelbar vollendungswirksam gepriesen.
24.36 Dies ist die Abfolge der Vollendung, Herrin der Götter; ohne Guru gibt es keine Vollendung. Daher sei man mit aller Sorgfalt ein Bewahrer der Weisung des Gurus.
24.37 So wird man vollendet, Herrin der Götter; daran soll kein Zweifel bestehen. Dies wurde in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 24. Kapitel namens „Die Bagalā-Abfolge“.
Paṭala 25: Mahārājamātaṅgī: Musik und königliche Pracht
25.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott, mein Herr, erkläre mir die Mahārāja-Abfolge. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Mahārāja-Abfolge wird nun erklärt, Göttin; höre!
25.2 In einem prächtigen Pavillon, geschmückt mit mannigfaltigen kunstvollen Treppen, mit Palästen und hohen Bauten, Baldachinen und Fahnen,
25.3 mit verschiedenen Gärten, verschönt durch Schwäne und Pfauen, in einem reizenden, vielfach bemalten Haus, geziert durch Elefanten und Pferde,
25.4 mit einer Sarvatobhadra-Anordnung, mit vielerlei Schmuck, erfüllt von Räucherduft und ausgestattet mit kunstvollen Lampen,
25.5 auf einem schönen Edelsteinthron, mit Edelsteinschmuck geziert, umgeben vom Duft von Jāti, Campaka, Punnāga und Ketakī,
25.6 mit Kampfer, Adlerholz, Moschus, Rocanā, Kuṅkuma und dem Duft von Jaṭāmāṃsī, im von Wohlgerüchen geschmückten Haus,
25.7 von Glockenklang umgeben, stets mit reinem Geist, mit einem in Wonne versunkenen Herzen und mit göttlichen Gewändern geschmückt,
25.8 mit göttlichen Kränzen und Gewändern, mit göttlichen Stoffen geziert, den Mund voller Betel und mit glänzenden Zähnen … [radachanda unsicher.]
25.9 Mit Darstellern göttlicher Rollen, Tänzern und Trägern des Genusses, mit Klängen, Tanz, Gesang und Instrumenten; vierundzwanzig Sprecher werden genannt. [Die Aufzählung bleibt syntaktisch offen.]
25.10 Mit Musik, Melodien und Rhythmen, Tönen und Widerklängen, mit Sprachen verschiedener Länder und mit Prosa und Versen geschmückt,
25.11 mit mannigfaltigem kunstvollem Schmuck geziert ist der vorzüglichste Übende. Weil sie alle königlichen Lebensweisen bezaubert, heißt sie königliche Herrin:
25.12 die ehrwürdige Mahārājamātaṅgī, die alle Götter bezaubert. Ihr Stirnzeichen wird nun erklärt, Göttin; höre!
25.13 Rotes Sandelholz zwischen die Brauen, darin die Essenz von Adlerholz; drei Querstreifen aus Moschus und in deren Mitte Safran, Śivā.
25.14 Die Mahārāja-Abfolge habe ich dir erklärt, Göttin. Oder man gebe sich selbst dem Gesang hin, Herrin der Götter. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 25. Kapitel namens „Die Mahārāja-Abfolge“.
Paṭala 26: Bhuvaneśvarī: die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra
26.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Nenne die äußerst schwer zu erlangende Abfolge der ehrwürdigen Bhuvaneśānī.
26.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Durch die Abfolge göttlicher Haltung verleiht Bhuvanā rasch Vollendung. Der Laut ha besitzt Śivas Gestalt; der Laut ra vernichtet das Böse.
26.3 Der Laut ha wird, weil er die Gestalt des Begehrens besitzt, als Gestalt der Māyā bezeichnet. Dieses Weltenei, Herrin der Götter, ist von Māyā umhüllt. [Die Wiederholung von ha steht so in der Vorlage.]
26.4 Ohne ihre Māyā, Göttin, leuchtet nichts auf. Was ihres Lichtes entbehrt, das leuchtet nirgends.
26.5 Mit ihrem Licht versehen, Göttin, erstrahlt diese Welt. Ohne sie, Maheśānī, wäre die Welt gleichsam leblos.
26.6 Man vergegenwärtige im Geist die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra. Nachdem man die drei Lichtkräfte vereint hat, bilde man darin die Gestalt.
26.7 Man meditiere über sie mit ihren Gliedern und ihrem umgebenden Kreis und werde selbst von ihrer Gestalt. Die Göttin ist von der Gestalt des Gurus; der Guru gilt als von der Gestalt der Göttin.
26.8 Das Selbst werde zur Gestalt des Mantras und ganz von ihm erfüllt. Auf diese Weise, Herrin der Götter, richte man den Geist stets darauf.
26.9 So werde man zum Sieger über die drei Welten; daran soll kein Zweifel bestehen. Ihr Stirnzeichen wird nun beschrieben, Göttin: Höre aufmerksam!
26.10 Zwischen die Brauen setze man einen Punkt aus weißem Sandelholz, darüber Duftessenz und drei Querstreifen aus göttlichen Farbstoffen; in deren Mitte rote ungebrochene Reiskörner. Dadurch werde man zum Herrn der Vollendung.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 26. Kapitel namens „Die Bhuvaneśvarī-Abfolge“.
Paṭala 27: Kamalā und die zunehmenden Gaben
27.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Kamalā-Abfolge hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Kuṅkuma kommt zwischen die Brauen, Göttin, anschließend Zinnober.
27.2 Es folgen drei weiße Querstreifen, Herrin der Götter, und in ihrer Mitte Safran, Śivā. Gebadet, in weiße Gewänder gekleidet, mit weißen Kränzen und weißer Salbe,
27.3 reich mit weißem Schmuck geziert, bade man zu den drei Tagesübergängen. Man ernähre sich von Opferspeise, schlafe auf dem Boden und liebe süße Nahrung.
27.4 Von einem Freitag bis zum nächsten Freitag soll man täglich zunehmend Kumārī verehren.
27.5 Vom zweiten Freitag an soll man die Speisung täglich steigern. Jeden Tag verehre man, Göttin, begleitet vom Klang verschiedener Instrumente.
27.6 Bis zum sechzehnten Tag verfahre man täglich so; dann wieder von jenem Tag bis zum entsprechenden Endtag, große Herrin. [Der Kalenderbezug ist nicht eindeutig.]
27.7 Stets verehre man gesammelt und ganz der Gegenwart der Gottheit hingegeben. Die Umrundungen sollen in der Reihenfolge der Kalās ausgeführt werden.
27.8 Lampen sollen entsprechend der Zunahme der Kalās dargebracht werden; täglich speise man Brahmanen entsprechend der Ordnung der Kalās.
27.9 Wer diesem Wandel hingegeben ist, wird glückverheißend und allgestaltig. Alle königlichen Hoheitszeichen soll er stets gesammelt verehren.
27.10 Er werde zweifellos zum Herrn des Glücks aller Herrschaft. Die Reichtumspenderin wohne in seinem Haus, und der König werde sein Diener. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 27. Kapitel namens „Bestimmung der Kamalā-Abfolge“.
Paṭala 28: Dhūmāvatī und die Rauch-Abfolge
28.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, Śiva, ich möchte die Abfolge der Dhūmāvatī hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Abfolge der Dhūmāvatī wird erklärt, Göttin; höre, Pārvatī!
28.2 Zwischen die Brauen kommt Augenschwärze, Göttin, in deren Mitte ein Aschepunkt. Auf die Stirn kommen drei Querstreifen aus Erde, dazwischen Asche vom Verbrennungsplatz.
28.3 Man trage schwarze Gewänder und schmücke sich mit schwarzem Duftstoff; man trage rauchfarbene Gewänder und einen Kranz aus Dhattūra-Blüten.
28.4 Mit Räucherwerk aus Gula und auf einem Sitz des Verbrennungsplatzes betrachte man die ganze Welt als rauchfarben und den Mantra als aus Rauch bestehend. [gula ist nicht sicher identifiziert.]
28.5 Krähenfedern bilden den Sitz; die Zähne sollen schwarz gefärbt werden. Man lebe enthaltsam, esse maßvoll, sei frei von unterscheidenden Vorstellungen und beherrsche die Sinne.
28.6 Man spreche die Wahrheit, esse maßvoll und schlafe auf einer Kuśa-Unterlage auf dem Boden. Dreimal täglich bade man und widme sich der Vertreibung.
28.7 Man mache den eigenen Geist einer Krähe gleich und vertreibe die Welt, heißt es. Wer diesem Wandel hingegeben ist, folgt der Rauch-Abfolge. Die Krähen-Abfolge wurde erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 28. Kapitel namens „Die Dhūmāvatī-Abfolge“.
Paṭala 29: Die Abfolge des Brahman-Weges
29.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Abfolge des Brahman-Weges hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Augenschwärze werde an den Augen angebracht, drei Querstreifen mit Zinnober.
29.2 Gelbwurz kommt zwischen die Brauen, ein weißes Blattzeichen wird gezeichnet und in dessen Mitte ein roter Punkt. Stets soll man darauf ausgerichtet sein.
29.3 Beim Essen, beim Schlafen und in der Nacht … [Textlücke] … soll man stets rezitieren. Mit der vom Essen noch unreinen Hand, Herrin der Götter, bringe man Speisereste als Opfer dar.
29.4 Während man die Speisereste der Śakti verzehrt, soll man zu jeder Zeit rezitieren, Maheśānī; dann heißt es: Man rezitiere allein in der Nacht. [Der erste Halbvers ist verkürzt; die Zeitangaben stehen nebeneinander.]
29.5 Nachdem man Betel gekaut hat, bringe man Betel ins Feuer dar. Man esse Betel und Fleisch und vollziehe nach dem Essen keine Reinigung.
29.6 Das Haus soll sorgfältig bestrichen und mit einem Besen gereinigt werden. Man rezitiere sorgsam, Göttin; anders werde gewiss keine Vollendung erreicht.
29.7 Mit der vom Essen noch unreinen Hand besprenge man stets den eigenen Körper, Herrin der Götter; mit solcher Hand rezitiere man. Dies wird Brahman-Weg genannt.
29.8 Die Abfolge des Brahman-Weges habe ich dir erklärt, Göttin. Durch Verbindung mit einer anderen Abfolge werde man zum Übenden der Siddha-Abfolge. [Der Bezug von „andere“ bleibt offen.]
29.9 Siddhavidyā werde gnädig, erscheine unmittelbar und verleihe Gaben. Selbst der Götterkönig werde zum Diener – was erst die Menschen!
29.10 Das Geheimnis wurde erklärt, Glückverheißende; es soll wie die eigene Yoni verborgen werden. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 29. Kapitel namens „Die Brahman-Weg-Abfolge“.
Paṭala 30: Gebetsketten und Zuordnungen der Śaktis
30.1 Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Gebetsketten für die Abfolgen hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre von den Ketten der zuvor genannten Vidyā-Abfolgen, große Herrin.
30.2 Die Zahnkette und ebenso die große Kette wurden erklärt; im Ritual der Chinnamastā, Göttin, wird auch eine Kette aus Menschenknochen genannt.
30.3 Für Tripurā wird eine Kette aus rotem Sandelholz genannt, für Bhairavī eine als Svayambhūkusuma bezeichnete.
30.4 Für Mātaṅgī gilt die Guñjā-Kette, für Dhūmrā eine aus Eselszähnen, für Bagalāmukhī eine aus Gelbwurz.
30.5 Aus Zähnen, aus menschlichem Schädelknochen oder aus Kokosnuss: Zwischen diesen besteht kein Unterschied, wie zwischen Śiva und Śakti, Geliebte. [Die Vorlage sagt trotz dreier Materialien „zwischen beiden“.]
30.6 Für Mahālakṣmī werden Ketten aus Lotossamen genannt; für Bhuvaneśī sei sie aus Bergkristall. Im Ritual der Siddhavidyā, Śivā,
30.7 wird die Guñjā-Kette gelobt. Höre von den Śaktis dieser Vidyās: Nach Duft, Gestalt und Herkunft werden die Mahāvidyās unterschieden.
30.8 Höre nun sorgfältig ihre Reihenfolge, Herrin der Götter. Entsprechend Gestalt und Duft gebe man den Namen, große Herrin.
30.9 Den von Mutter und Vater gegebenen Namen lasse man beiseite, Pārvatī, und gebe selbst einen passenden Namen, Pārvatī.
30.10 Die erste Śakti ist eine zweimalgeborene Frau mit reinem Inneren, rein und makellos an den Gliedern, von göttlichem Duft und anmutig.
30.11 Diese Göttin lässt alle Vollendungen wie im Traum erscheinen. Eine andere ist dunkel, blauschwarz glänzend und mit honigbraunen Augen,
30.12 im Herzen nach dem Übenden verlangend, von männlichem und als tadelnswert bezeichnetem Geruch: Ihr wird Kālī zugeordnet; sie wird Kālī genannt.
30.13 Die dritte ist hellgliedrig und mit honigduftender Salbe versehen. Diese Göttin heißt Tripurā und vollzieht die Svapuṣpa-Abfolge.
30.14 Eine Frau mit berauschendem Duft, deren Bewegung vom Rausch schwankend und träge ist, verbunden mit Fleischgeruch, wird Mahiṣāsuramardinī genannt.
30.15 Eine Frau mit Weingeruch, roten Augen und großer Härte wird Mahogratārā genannt, Vernichterin großen Übels.
30.16 Eine Frau mit Pferdegeruch, langen Unterschenkeln, anmutig und mit erschrockenen, beweglichen Augen, ist Aśvārūḍhā, die Gabenspenderin.
30.17 Mit rohem Geruch im Mund und fauligem Geruch an den Gelenken, mit dunklem Haar: Sie wird als Durgā selbst bezeichnet, dem Rausch zugewandt.
30.18 Mit allen Merkmalen versehen, erfüllt von verschiedenen Düften, schön, mit reizendem Haar, langgezogenen Augen und anmutig,
30.19 geschickt in vielerlei Spielen und mit der Kula-Lehre vertraut, mit voller Brust und schlanker Mitte … [Die Lesung des zweiten Halbverses ist unsicher.]
30.20 … ist sie die schöne Gaurī, die alle Tätigkeiten in Gang setzt. Von göttlicher Farbe, mit schlanken Gliedern und göttlicher Duftsalbe
30.21 wird sie von mir Bhuvaneśī genannt. Höre von Kamalā, Pārvatī: Schön an Gliedern und Augen, im Lotossitz befindlich,
30.22 am Körper mit gelbem Schmuck geziert, wird sie Kamalā genannt. Reich mit einer Guñjā-Kette geschmückt, dunkel und mit beweglichen Augen,
30.23 mit reizendem Lächeln: Diese Vidyā ist als Mātaṅgī bekannt, große Herrin. Mit braunen Augen und braunem Haar, mit einem unklar bezeichneten Punkt und übermäßig lachend,
30.24 wird sie Dhūmāvatī genannt. Höre von Siddhavidyā, Geliebte: Stets dem Essen zugetan, viel essend, äußerst beweglich,
30.25 mit einer Gestalt, die die drei Welten bezaubert, wird sie Siddhavidyā genannt. Mit langem Gesicht und langen Lippen, gelb und sehr reglos,
30.26 wird sie dir als Bagalā beschrieben, Maheśānī, du mit guten Gelübden. Diese zehn Vidyās sind in der Gestalt von Śaktis bekannt, Pārvatī.
30.27 In dreifacher Haltung – als Mutter, Gattin und Schwester – spielen beständig die Vidyās selbst, Göttin; daran besteht kein Zweifel.
30.28 Bei den zehn Vidyās soll man die zehn Abfolgen sorgfältig in jeder Weise ausführen, Maheśānī. Anders werden sie selbst in Millionen Weltaltern
30.29 und durch zehn Padma-Einheiten an Rezitationen nicht vollendet, Herrin der Götter. Daher soll man mit aller Sorgfalt die Abfolge der eigenen Vidyā ausführen.
30.30 Svayambhūkusuma wird im Kali-Zeitalter als dreifach bezeichnet, Göttin; nach dem Gauḍa- und dem Kāśmīra-Weg ergibt sich eine sechsfache Ordnung.
30.31 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Vers bewertet körperliche Substanzen unter Bezug auf unverheiratete Minderjährige und eine gewaltsame Gewinnung. Die Sanskritvorlage enthält eine Auslassung.
30.32 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine weitere körperliche Herkunft wird niedriger eingestuft; anschließend wird zur entsprechenden Kāśmīra-Einteilung übergeleitet.
30.33 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Auch diese Einteilung nennt Minderjährige sowie gewaltsames Vorgehen; eine Passage ist ausgelassen.
30.34 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine dritte Kategorie wird geringer bewertet. Die drei bezeichneten „Blüten“ werden als in den drei Welten schwer zu erlangen gepriesen.
30.35 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine lückenhafte Passage nennt eine weitere „Blüte“ mit dem Namen Anaṅgagandha und verlangt äußerste Geheimhaltung.
30.36 Verborgen soll es bleiben, verborgen, immer wieder verborgen, Śivā! So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 30. Kapitel namens „Bestimmung der Gebetsketten der Abfolgen“.
Paṭala 31: Die Früchte und Zeitmaße der Abfolgen
31.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Die zehn Abfolgen und die Śaktis hast du beschrieben, höchster Herr. Nach welcher Zeit entsteht die Frucht dieser Abfolgen, Gott?
31.2 All dies, Herr der Götter – wie ist die zuvor beschriebene Handlung gestaltet? [Die Vorlage kennzeichnet die Frage als unsicher.] Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, Göttin, ich werde das Geheimnis vor dir aussprechen.
31.3 Am achten und vierzehnten Tag beider Monatshälften soll die Handlung der Nīla-Praxis stets ausgeführt werden, Śivā.
31.4 Man vollziehe sie täglich, Göttin; ist dies nicht möglich, an Mahāṣṭamī. Im Satya-Zeitalter durch zehn Jahre, im Tretā durch ein Jahr,
31.5 im Dvāpara durch zwei Monate und im Kali-Zeitalter durch Tag und Nacht entsteht Vollendung, Herrin der Götter, besonders auf dem Nīla-Weg.
31.6 Man lasse den ganzen Tag sowie die erste und letzte Nachtwache beiseite: Es bleiben die beiden mittleren Nachtwachen.
31.7 In den vier Nāḍīs innerhalb dieser Zeit wird Kālikā zur Gabenspenderin. An einem Ort mit sechzehn Stufen, mit mannigfaltigen Scharen von Wesen,
31.8 inmitten von neun Stufen, mit der siebten verbunden … [Anordnung unklar] … dort befindet sich Mahākālī zusammen mit ihrem Gefolge,
31.9 im Herzen nach dem Übenden verlangend, mit Feuer und Vetālas verbunden, mit Schutzpanzer und Umhüllungen, wie sie im Śrīmatottaratantra genannt sind.
31.10 Mit den in den Kalās Befindlichen verbunden kommt sie selbst darüber hinaus. [Satzsinn unsicher.] Höre nun die Zeitangaben für die Mahānīla-Abfolge, Göttin, große Herrin.
31.11 Im Satya-Zeitalter durch zwanzig Jahre, im Tretā durch zwei Jahre, im Dvāpara durch sechs Monate, im Kali nach zwei Monaten.
31.12 Nach derselben Abfolge gilt das Ritual der Chinnamastā. Dies ist der besondere Unterschied: Stets wird die Gemeinschaft mit Śakti genannt.
31.13 Höre sorgfältig die Zahlen für die Gandharva-Abfolge, Pārvatī: hundert, zwanzig, zehn, vier und sieben werden genannt. [Der Bezug der fünf Zahlen auf die vier Zeitalter ist unklar.]
31.14 Die Vīra-Handlung soll mit vier Mantras ausgeführt werden. Höre sorgfältig die Zahlen für die Svapuṣpa-Abfolge, Pārvatī.
31.15 Durch sieben, vier, drei und eine Yāma-Zeit im Yoga-Weg wird sie vollendet. [Die Zahlwörter sind Ṛṣi, Veda und Feuer; ihre Zuordnung bleibt knapp.] Höre sorgfältig die Zahlen für Mahācīna, Pārvatī.
31.16 Sechsunddreißig, zehn, vier und sechsunddreißig Tage, Śivā, vom Satya- bis zum Kali-Zeitalter. Höre nun die Mahārāja-Abfolge. [Die auffällige Zahlenfolge bleibt erhalten.]
31.17 Achtzig, sechzig, sechsundzwanzig und sieben Jahre, vom Satya- bis zum Kali-Zeitalter. Höre nun die Brahmabhāva-Abfolge.
31.18 Tausend, um hundert vermindert und sechzig Jahre werden genannt, Pārvatī. [Die Zahlengliederung ist verderbt oder unvollständig.] Höre aufmerksam die Zahlen für die Kalā-Verehrung, Göttin.
31.19 Tausend, sechshundert, vierhundert und sechzehn Jahre, der Reihe nach vom Satya bis zum Kali. Höre nun von der Rauch-Haltung, Geliebte.
31.20 Zehntausend, sechstausend, tausend und fünfundzwanzig. In der Brahman-Haltung, Maheśānī, im Kali drei Jahre … [Der Übergang der Zuordnungen ist unklar.]
31.21 Zehn Jahre und sechs Monate: Dann werde die Gottheit zur Gabenspenderin. Die Zahlen für das unmittelbare Schauen habe ich dir genannt, Göttin. [Die Zeitangaben lassen sich nicht widerspruchsfrei zuordnen.]
31.22 Bei einem vollendeten Mantra, Maheśānī, gelingt es durch die frühere Verbindung. Die frühere Abfolge wurde für den Mantra allein beschrieben.
31.23 Durch die frühere Abfolge, Herrin der Götter, wird selbst ein fehlerhafter Mantra vollendet. Dieses Geheimste der Geheimnisse soll wie die eigene Yoni verborgen werden.
31.24 Durch Bewahren des Geheimnisses erlangt man Vollendung; daran soll kein Zweifel bestehen. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 31. Kapitel namens „Darlegung der Früchte der Abfolgen“.
Paṭala 32: Mudrā, Makāra und Kuṇḍalinī
32.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr, zuvor wurde die geheime Bedeutung der Mudrās angedeutet. Warum hast du sie verborgen, Gebieter? Erkläre sie mir jetzt.
32.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse, den innersten Gehalt des Wesentlichen, Śivā, erzähle ich aus Liebe zu dir. Das Geheimnis soll bewahrt werden, Geliebte.
32.3 Kerala, Kāśmīra und als drittes Gauḍa: Drei Überlieferungsrichtungen werden genannt, und jede ist wiederum verschieden gegliedert.
32.4 Durch die Unterscheidung in rein, verborgen und wild werden sie neunfach genannt. Es folgen göttlicher, vollendeter und menschlicher Strom, Dakṣiṇāmūrti und Śaṅkara,
32.5 Ānandabhairava, Kāla und Atikāla der Reihe nach. In Ānandabhairavas Lehre umfasst die Guru-Abfolge fünfundachtzig.
32.6 Nach Dakṣiṇāmūrtis Auffassung bestehen drei Unterschiede; nach der Abfolge der zehn Vidyās wurden zuvor zehn Unterschiede genannt.
32.7 Danach folgt Śivanirvāṇa nach der sechsfachen Śāmbhava-Abfolge, nach Kādi und Hādi sowie nach Strahl, männlichem Prinzip und Śakti.
32.8 Sechstausendvierhundertvierundsechzig werden genannt. Wenn die Grundform vorhanden ist, besitzt die Abwandlung keine größere Kraft.
32.9 Die drei Überlieferungsrichtungen, Göttin, gehören zum Bereich der Grundform. Tattva, Mudrā und das als Makāra Bezeichnete ergeben drei Arten.
32.10 Genannt werden Aubergine in Milch, Sūraṇa und Milchfleisch, Kumārī und fünffaches Fünf am Ende der Silben. [Dieser knappe Merkspruch ist ohne sichere Auflösung überliefert.]
32.11 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine lückenhafte Ritualstelle nennt Bālā und eine junge weibliche Beteiligte sowie die fünfte Ritualkomponente. Eine vollständige Übersetzung ist wegen der unklaren Alters- und Körperbezüge hier nicht gegeben.
32.12 Wein, Fleisch, Fisch, Mudrā und sexuelle Vereinigung werden als die fünf Makāras bezeichnet, die die Gottheit erfreuen.
32.13 Saft aus Rohzucker und frischem Ingwer gilt als erste Mudrā, Göttin; Ölkuchen und Salz werden als zweite bezeichnet.
32.14 Knoblauch und Tamarinde gelten als dritte. Der Sonnenscheibe gleich und der Mondscheibe ähnlich,
32.15 aus Weizen und Māṣa-Bohnen gefertigt, ist die schöne vierte. Das Gespräch mit der Śakti sei die fünfte: So werden die fünf Mudrās genannt.
32.16 Die ehrwürdige Göttin sprach: Woher kommt der Name Mudrā, und was wird Tattva genannt? Von welcher Gestalt sind die Makāras? Erkläre alles, Śaṅkara.
32.17 Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimnis wird erklärt, Göttin; höre nun sorgfältig. Wie es von der großen Göttin ausgesprochen wurde, so wird seine Gestalt beschrieben.
32.18 Weil sie jene Gestalt trägt, heißt sie Mudrā; von jener Gestalt her entsteht die Abwandlung. Wie könnte es ohne einen Weg ein Vorankommen geben, Maheśānī?
32.19 Durch das Aufzeigen eines Weges wird überall ein Vorankommen sichtbar. Um diesen Weg aufzuzeigen, wurden die fünf Makāras genannt.
32.20 Wer erkennt, erlangt die Frucht; daran soll kein Zweifel bestehen. Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Sadāśiva werden genannt. [In der als fünffach erklärten Reihe fehlt hier ein Name.]
32.21 Diese sind die fünf Makāras und ihre fünf Namensformen. Als die fünf kennt man Ātma, Vidyā, Śivā, Sarvā und Pūrṇā. [Die Worttrennung ist nicht eindeutig.]
32.22 Die fünf Tattvas werden in Kerala genannt, Herrin der Götter. Sie tragen die Namen der fünf Mudrās. Nun spreche ich von der Wonne; höre! [Der letzte Ausdruck ist beschädigt.]
32.23 Brāhmī, Vaiṣṇavī, Raudrī, Īśvarī und Śrī-Sadāśivā werden als die fünf Mudrās bezeichnet, die die Namen der Tattvas tragen, Śivā.
32.24 Nachdem man die Kuṇḍalī-Śakti nach der Vorschrift der fünf Mudrās gelabt hat: Wein, Fleisch, Fisch, Mudrā und die höchste Vereinigung werden aufgezählt.
32.25 Wo die fünf Makāras sind, dort ist die Göttin, ohne Zweifel. Es ist nicht gewöhnlicher Wein: Genannt wird Mādhavī-Wein, aus dem Saft der Śakti entstanden. [Die Formulierung ist verkürzt.]
32.26 Suṣumnā, Śaṅkhinī und Mudrā, Unmanī und der höchste Saft: Das Aufleuchten des Nektars gleicher Wesensnatur ist die Vereinigung, Sadāśiva.
32.27 Die große Kuṇḍalinī ist Śakti. Um der Vereinigung mit ihr willen, große Herrin, ist Śakti genannt; nicht um bloßen Genusses willen habe ich davon gesprochen.
32.28 Um der Wesensgleichheit mit Kuṇḍalī willen wird das selbstentstandene Liṅga genannt. Durch die Verbindung mit dieser Übung wird man vom Saft der Kuṇḍalī erfüllt.
32.29 Wie ist Kuṇḍalī, Gott, und wie ist ihr Saft? Der ehrwürdige Śiva sprach: Ich spreche von dem, was unaussprechlich ist, und davon, wie ihr Saft ist.
32.30 So habe ich den Saft der Wonne gleicher Wesensnatur beschrieben. Aus Unwissenheit jedoch, Herrin der Götter, und aus dem Verlangen nach Genuss
32.31 entsteht eine zur Weltverstrickung gehörige Frucht in Gestalt einer Leibesfrucht. Wer erkennt, erlangt die Frucht und wird Sieger über die drei Welten.
32.32 Darum habe ich dir die fünfte Mudrā genannt: Durch die Verbindung mit dem Nektar der Vereinigung ist sie Ursache des Aufsteigens der Kuṇḍalī.
32.33 Wenn es in das Mondgefäß gelangt, wird es in dessen Mitte beschrieben. Wenn es im zehnblättrigen Maṇipūra in die Suṣumnā gelangt,
32.34 wird durch die Verbindung mit dem dortigen Nektar die zweite genannt. Im zwölfblättrigen Herzlotus befindet sich Śaṅkhinī auf der Schildkröte. [Die Lesung tatkarāmṛta bleibt unsicher.]
32.35 Beim Spiel im Nektarmeer wird dort der Fisch genannt. Die dritte Mudrā ist damit beschrieben; die vierte befindet sich im sechzehnblättrigen [Lotus].
32.36 Von Mond, Sonne und Feuer durchdrungen, rund und mit dem Bindu im Inneren: Die vierte ist aus den als Bhaga und Dhvaja bezeichneten Körnern gebildet. [Die symbolische Wortverbindung bleibt dunkel.]
32.37 Die fünf Mudrās wurden von mir beschrieben, um Befreiung und die Frucht der inneren Haltung zu erlangen. Durch die fünf Makāras entsteht das Wissen darüber.
32.38 Der Weg in Gestalt der Makāras wurde dir von mir erklärt. So wurde es in Kürze beschrieben. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 32. Kapitel namens „Geheime Bedeutung der Mudrās“.
Paṭala 33: Äußeres und inneres Trinken
33.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das zuvor erwähnte Geheimnis hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre die wichtigste Bedeutung innerhalb der geheimen Lehre der fünf Mudrās.
33.2 Das Trinken wird nach Mahādivya und den übrigen Arten als fünffach beschrieben: Mahādivya, Divya, Vīra und Mahāpaśu,
33.3 Paśubandha und Paśu – so heißt es „fünffach“. [Tatsächlich nennt die Liste sechs Bezeichnungen.] Prāṇa und Apāna werden zusammengeführt, die Sinne zurückgezogen und der Geist gefestigt.
33.4 Nachdem die Sonnenscheibe durchdrungen wurde, gelangt man in die Mitte der Mondscheibe; auf dem Weg der Suṣumnā wird beständig der Nektarstrom herabgezogen.
33.5 Dies wird göttliches Trinken genannt, das alle Vollendungen bewirkt, das Höchste; es wird Mahādivya genannt. Höre nun vom Divya, große Herrin.
33.6 Divya ist das Trinken vor der Göttin. Das höchste Vīra-Trinken [setzt voraus, dass] die ganze Ansammlung der Befleckungen durch tief verwurzelte Neigungen aufgegeben ist.
33.7 Nach dem Kaula-Wandel soll man mit den fünf Tattvas laben und entsprechend den sechs Cakras die Substanz zusammen mit dem Mantra darbringen.
33.8 Die höchste Vertiefung in Meditation und Verehrung ist das unübertreffliche Vīra-Trinken. Auch das Trinken nach der rituellen Entlassung, Göttin, heißt Vīra-Trinken.
33.9 Vīra-Trinken wird als zweifach beschrieben. Höre vom Paśu-Trinken, Geliebte: Von den beiden Vīra-Arten gilt die erste als Vīra, die spätere auch als Paśu.
33.10 Anhaftend, gierig und heuchlerisch, ohne Beziehung zum Sinn des Mantras, von Lust beherrscht und vom Begehren angewiesen: Das wird Paśu-Trinken genannt.
33.11 Wenn man mit allen stolzen Kula-Angehörigen zusammensitzt und ohne Verehrung trinkt, Göttin, wird dies Paśu-Trinken genannt.
33.12 Höre noch eine weitere Form des Paśu-Trinkens, Herrin der Götter, Śivā: Wer allein Wein trinkt und allein die Gemeinschaft mit Śakti genießt, Geliebte,
33.13 und niemals die Gemeinschaft eines Māheśvara sucht – dies wird Paśu-Trinken genannt, das große Armut hervorbringe.
33.14 Trinken ohne Mantra und ohne eine aus dem Mund des Gurus empfangene Einweihung, Geliebte, erkennen die Wissenden als Paśu-Trinken. [Die Vorlage ist im ersten Halbvers verkürzt.]
33.15 Paśu wird zusammen mit der zuvor genannten Form als dreifach erklärt, Bhairavī. Wer sich allein dem Trinken hingibt, wird Paśu genannt.
33.16 Ein Eingeweihter, der schmäht, gilt als zweiter. Ein Uneingeweihter ohne Ritual, ohne Mantra und Tantra,
33.17 wird Mahāpaśu genannt. Höre von Kaula und Vāma, Geliebte: Links befindet sich die liebende Frau, rechts das Opfergefäß.
33.18 Das Trinkgefäß, Maheśānī, und das Laben mit der linken Hand kennzeichnen den Mahākaula; dann wird das Aufstellen auf der Erde und das Laben genannt. [Die Zuordnung läuft in den nächsten Vers weiter.]
33.19 Geschieht es mit beiden Händen, Göttin, wird es Kaula genannt. Durch Vertauschung von links und rechts heißt es Vīrakaula.
33.20 Mit dem Weingefäß in der linken Hand und dem Laben durch die rechte wird es Vāmagauḍa genannt; derselbe trägt den Namen Caitanya.
33.21 Stellt man das Gefäß auf die Erde und labt mit beiden Händen, Maheśānī, so wird es Ānanda genannt und als Vāma bezeichnet.
33.22 Bei der Verehrung, Herrin der Götter, geschieht es in Kerala mit der rechten Hand, in Gauḍa mit der linken; dazu gehören die Formeln „Ich verehre“ und „Ich labe“.
33.23 „Ich labe“, „Ich verehre“ und „Verehrung“ werden dreifach geordnet, am Anfang, in der Mitte und am Ende oder jeweils getrennt, Geliebte.
33.24 Mit der rechten Hand allein, Maheśānī, spricht man „Ich verehre“, danach „Ich labe“ und äußert es am Ende der Herzformel und der übrigen. [Die Wortfolge ist knapp und mehrdeutig.]
33.25 Diese Überlieferungsrichtungen habe ich genannt, große Herrin. Es folgen die Namen Siddhacaitanya und danach Vilāsa,
33.26 Satyacaitanya und anschließend Siddha, Caitanyādi-Vilāsī und danach Siddhaprajñā,
33.27 wieder Siddhaprajñā und danach Divyānanda, Siddhabodhānanda und Divyacaitanya,
33.28 Siddhabodha, erneut Divyacaitanya, Divyaprajñānanātha, Divyādvaita und Śāśvatī,
33.29 Śāmbhavādvaita und danach Medhādvaita. Diese werden als sechzehn bezeichnet, allein nach der Abfolge des Labens. [Wiederholungen und die unklare Zahl bleiben erhalten.]
33.30 Weitere Unterschiede sind ausführlich im Rahasya beschrieben. Verborgen soll es bleiben, verborgen, wie die eigene und die fremde Yoni. So wurde die höchste geheime Bedeutung der Mudrās in Kürze erklärt.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 33. Kapitel namens „Geheime Bedeutung des Trinkens“.
Paṭala 34: Einweihung und die geheime Bedeutung der Latā
34.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Weltenherr, ich möchte die höchste geheime Bedeutung der Latā hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre nun sorgfältig die geheime Bedeutung der Latā, Göttin.
34.2 Ohne Medhā-Einweihung gibt es keine Latā-Praxis, Göttin. Die Kādi-Hādi-Kalā habe ich dir als Latā beschrieben.
34.3 Von Bālā bis Śāmbhava wurde sie vor Medhā dargelegt; von der ehrwürdigen Sparśakālī bis Guhyāmbā, große Herrin,
34.4 besteht die Medhā-Einweihung sowohl in der Kādi- als auch in der Hādi-Lehre. Sarvasāmrājyamedhā entsteht durch die Vereinigung beider, Geliebte.
34.5 Von Maṇipūra bis zur Höhlung verbinde man die Reihe, beginnend mit Bālā; von Maṇipūra bis zur Höhlung verbinde man sie, beginnend mit Sparśa.
34.6 Oder, Herrin der Götter, nach dem Weg der Auflösung und Hervorbringung: Wenn Kādi Hervorbringung ist, dann gehört [die andere] zur Auflösung.
34.7 Wenn Hādi Hervorbringung ist, steht Kālī am Ende der Auflösungsabfolge. Von Parā bis Sarvātīta, beginnend mit Brahman, Pārvatī,
34.8 bis zu Śāntyatīta erkenne man die Reihe und erwecke durch Śiva und Śakti. Oder man erwecke durch das Durchdringen der Laute die reine, als Durchdringung bestehende Kraft.
34.9 Von Cakṣuṣmat beginnend bis Sāmrājya vollziehe man es. Für die mit Medhā-Einweihung Verbundenen wird keine Haarschur vorgeschrieben.
34.10 Man lasse das Haar wachsen, Göttin, und salbe es stets mit Öl; den Bart soll man nicht schneiden, solange die Durchdringung noch nicht sichtbar geworden ist.
34.11 Durchdringung durch Rede, durch Hören, als dritte durch den Blick, als vierte durch Berührung und als fünfte durch Handlung:
34.12 Der Reihe nach entstehen sie, Herrin der Götter, durch die Ordnung der Praxis. Welche Vollendungen in der Kugel des Welteneies oder auf der Erde bestehen,
34.13 alle stehen vor diesem Übenden; durch seinen bloßen Blick entstehen sie nach der Ordnung der Praxis.
34.14 Sie kommen von selbst vor ihn – was erst Jayā und die übrigen! Seiner Weisung folgend verhalten sie sich wie Diener.
34.15 Die Vollendung, die jeden Wunsch erfüllt, ist stets seine Dienerin: winzig zu werden, sich im Raum zu bewegen, Schau, Zauberkügelchen und beliebige Gestalt,
34.16 Metallverwandlung, Vetālas, Yakṣiṇīs, langes Leben, Eintritt in einen fremden Körper und das Erreichen der Bereiche des Beweglichen und Unbeweglichen.
34.17 Er werde Herr von sechzig Vollendungen; daran soll kein Zweifel bestehen. Die sechs Ritualhandlungen, Maheśānī, kommen durch seinen Blick zustande.
34.18 Bis die entsprechende Stufe entsteht, soll man ununterbrochen üben. Sobald diese Stufe entstanden ist, gehe man nach dem Gandharva-Weg vor.
34.19 Durch den Gandharva-Weg wird man Śiva selbst, Herrin der Götter, ohne Zweifel. Wer mit Sāmrājyamedhā verbunden ist, soll die Latā-Praxis ausführen.
34.20 Wer anders handelt, wird zu Fall kommen. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 34. Kapitel namens „Geheime Bedeutung der Latā“.
Paṭala 35: Die Gestalt der Latā und der Umgang im Kula
35.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, nun möchte ich ehrfürchtig von der Gestalt der Latā hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Gestalt der Latā habe ich bereits zuvor beschrieben, Maheśānī.
35.2 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Śiva kündigt eine allgemeine Beschreibung an und beginnt mit der Schönheit einer jungen Ritualpartnerin.
35.3 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Partnerin wird ausdrücklich als sechzehnjährig bezeichnet und erotisierend beschrieben.
35.4 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Vers verbindet körperliche Nähe zu dieser Minderjährigen mit der Forderung nach einem unveränderten Geist.
35.5 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Innere Erregung beim Anblick der Partnerin wird mit dem Scheitern des Übenden verknüpft.
35.6 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine fortgesetzte körperbezogene Betrachtung der zuvor beschriebenen Minderjährigen wird eingeführt.
35.7 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Betrachtung setzt bei den Füßen ein und soll nach Aussage des Textes innere Dunkelheit auflösen.
35.8 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Übende soll ruhig und frei von unterscheidenden Vorstellungen bleiben; die Körperbeschreibung wird fortgesetzt.
35.9 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Vers beschreibt weitere Körperbereiche der minderjährigen Partnerin.
35.10 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Betrachtung soll nach Aussage des Textes Zufriedenheit und die vier Lebensziele vermitteln.
35.11 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Es folgt eine umgekehrte, mit Nektar- und Bindu-Bildern verbundene Betrachtungsfolge.
35.12 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Meditation, Berührung und Blick werden mit Kāmakalā verbunden und als Kennzeichen eines vorzüglichen Übenden bezeichnet.
35.13 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die körperbezogene Betrachtung soll eine Ansammlung innerer Haltungen erzeugen. Der Satz ist schwer verständlich.
35.14 Dies entsteht sorgsam im Kula – wie soll ich es dir beschreiben? Denn im Kula steht das Prinzip unmittelbar selbst, aus der Betrachtung seines wahren Wesens.
35.15 Darum soll es von den Kennern der Kula-Lehre sorgfältig verehrt werden. In wem die Kula-Göttin als Göttin des eigenen Selbst fest besteht,
35.16 der ist ein gesegneter Mensch in der Welt; sein Aufgang ist unerschütterlich. Wo im Kula die Kula-Einweihung besteht, dort ist auch sie eben er. [Der letzte Satz bleibt elliptisch.]
35.17 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text warnt vor Gemeinschaft mit nicht Eingeweihten und behauptet daraus einen Verlust der Vollendung; er bezieht auch intime Gemeinschaft ein.
35.18 Wie könnte ein solcher zum Kula gehören, Göttin, wie könnte er mein Verehrer sein? Entsprechend Duft und Gestalt gebe man nach eigenem Ermessen einen Namen.
35.19 Den von Mutter und Vater gegebenen Namen soll man sorgfältig vermeiden. Die Frau eines anderen wird als höher eingestuft, die eigene als Mehrerin der Zuneigung.
35.20 Bei ihrer Ankunft heiße man sie willkommen, nach eigenem Willen in spielerischer Begegnung; man erhebe sich, nehme sie an der Hand und lasse sie Platz nehmen.
35.21 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die links sitzende Partnerin wird mit Kāmakalā, Bindu und einer vollständigen göttlichen Gestalt verbunden.
35.22 Beim Ordnen des Haares, beim Stirnzeichen, bei Hals- und Armschmuck, roter Farbe und der Einrichtung aller Künste verwende man die Kula-Mittel.
35.23 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Nach dem Teilen ritueller Genussmittel soll der Übende den Kula-Weg der Partnerin betrachten; die Unterscheidung von weltlich und überweltlich bleibt knapp.
35.24 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Selbstentstandene „Blüten“ werden als Ritualsubstanzen genannt. Der Text droht dem Nichtbefolgenden Untergang an, selbst wenn er Śiva sei.
35.25 Selbst wenn man dort Fehler bemerkt, soll man sie auch aus Zuneigung nicht zurechtweisen; man soll sie nicht mit scharfen Worten anreden. Geschieht es doch, werde die Praxis fruchtlos.
35.26 Dies ist das Geheimnis der Kula-Lehre, denn es ist die Wurzel des Kula, Geliebte: Besser wäre es, die Kula-Lehre aufzugeben, besser sogar den Kula-Guru,
35.27 als das eigene Kula wegen bemerkter Fehler aufzugeben, Geliebte. [Der erste Halbvers ist beschädigt.] Ich stehe im Kula-Baum; ich nähre mein eigenes Kula.
35.28 Darum soll es mit aller Mühe sorgfältig geschützt werden. Wenn durch glückliche Fügung im eigenen Kula eine Vielzahl von Kulas vorhanden ist,
35.29 soll Gleichheit hergestellt werden; Ungleichbehandlung vermeide der Weise. Getrennte Meditation, getrennte Plätze, getrennte Verehrung und getrennten Lobpreis
35.30 soll man gerade nicht ausführen. Was sollen viele Worte? Im Kula weile ich, Herrin der Götter; daran soll kein Zweifel bestehen.
35.31 Durch Verrat an ihrem Vertrauen geht selbst jenes Land zugrunde. Aus Freude entsteht die Bezeichnung Nektar für mich, ohne Zweifel. [Der zweite Halbvers ist verderbt.]
35.32 Aus dem Kula bin ich geboren; im großen Kampf lasse ich den Heldenruf erschallen. Nicht einmal einen Fehler dulde ich, denn ich kann die Welt zu Fall bringen.
35.33 Wo Hass gegen Schönheit oder Gatten, scharfe Worte, Streit und der Verkehr mit Niedrigen herrschen, dort wohne ich nicht. [Die Wortverbindungen sind teilweise unsicher.]
35.34 Durch das Durchbrechen der Schale des Welteneies lebe man mit Vollendung. Ohne Kula gibt es nirgends vollkommene Verwirklichung.
35.35 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text fordert fortgesetzte Aufmerksamkeit für Rede und Gestalt des Kula und verbindet Tages- und Nachtpraxis mit Anziehung.
35.36 Frauen aus allen acht Herkunftsgruppen sollen zusammengebracht und entsprechend der Ordnung ihrer Düfte benannt werden, Maheśānī.
35.37 Oder sie stammen aus einer einzigen Herkunftsgruppe; ihre Gestalt wurde zuvor beschrieben. Man ordne ihr den entsprechenden Mantra zu und verehre mit eben diesem.
35.38 Mit reinen Blüten, Speisegaben, Salz und Honig verehre man wie zuvor und vollziehe die eigene Praxis.
35.39 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Kālī und die Tripurā genannte Göttin werden mit unterschiedlichen „Blüten“ und Speisegaben verehrt; der körperliche Bezug der Substanzen steht im Kontext der vorherigen Beschreibung.
35.40 Mit den zuvor beschriebenen Eigenschaften ausgestattet, verschiedener oder gleicher Herkunft, mit Gestalt und Duft versehen: Ihre Benennung wurde schon zuvor erklärt.
35.41 Nachdem man dies vielfach nach dem Unterschied von Sichtbarem und Unsichtbarem getan hat, besteht darin die Besonderheit, Herrin der Götter. Was sollen weitere Worte?
35.42 Mit Māyā verhüllt nimmt sie die Gestalt der eigenen Frau an und kommt … [Textlücke] … Göttin; durch ihn allein wird sie gewiss gesehen.
35.43 Daher soll dies im eigenen Land mit dem Wunsch nach Vollendung ausgeführt werden. Oder man bemühe sich um das Schwinden des Begehrens, Herrin der Götter.
35.44 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt eine körperliche Bindung im Rahmen einer Praxis zur Beherrschung des Begehrens und setzt sie mit Śiva-Symbolik in Beziehung.
35.45 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine Ansprache an die Fessel begründet die Bindung mit dem Schutz der Wesen durch Svayambhū.
35.46 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Bindung wird mit einem Schlangenbild verglichen und mit einer anteiligen sowie der eigenen Mantrarezitation verbunden.
35.47 Die drei Praṇavas, von Saṃhārasvaprabodhinī umschlossen, werden als Schlafmantra bezeichnet; der Bezug zu wilden Tieren und allen Wesen bleibt unklar.
35.48 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Ausführung wird als Vergöttlichung gepriesen; anschließend wird vor Unbeständigkeit und starkem Begehren im Kula-Yoga gewarnt.
35.49 Dann soll Schutz eingerichtet werden; die Handlung soll von Weisen keinesfalls [unbedacht] ausgeführt werden. „Schönleibige, höre mein Wort, das unser beider Wohl dient.“
35.50 „Nachdem du diese Angelegenheit übernommen hast, soll dein Handeln ausgeführt werden.“ So sprechen die vorzüglichen Übenden und ordnen ihre eigene Handlung. [Der Wortlaut bleibt dunkel.]
35.51 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text begrenzt das Beginnen des Kula-Yoga und nennt die Frau und Tochter eines Vīra sowie weitere weibliche Beteiligte.
35.52 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Anziehung solcher Beteiligten wird an die Festigkeit des Geistes gebunden. Bei innerer Erregung wird auf die Wirkung des Wurzel-Yoga verwiesen.
35.53 Diese Frucht entsteht, Göttin – wahrlich, wahrlich, nicht anders. Die Frau des Vīra selbst wird als die höchste bezeichnet, Maheśānī.
35.54 Sie gilt als die erste und uralte der Kula-Vidyās. Seine Gattin, höchste Herrin, erweckt alle Mantras.
35.55 Ob rechtmäßig oder unrechtmäßig – die Frau des Gurus, wenn der Guru … [Satzanschluss unklar.] Durch den bloßen Anblick werde man zum Verwirklicher aller Ziele, Herrin der Götter. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 35. Kapitel namens „Darlegung der Gestalt der Latā“.
Paṭala 36: Nachtverehrung und Achtung vor Frauen
36.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Śaṅkara, ehrwürdiger Mahādeva, erkläre die Nachtverehrung, Herr. Der ehrwürdige Śiva sprach: Die Nachtverehrung soll stets mit dem rituellen Genussmittel verbunden sein.
36.2 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Übende stellt sich als Bhairava und die Partnerin als Bhairavī vor; es folgen Körperzuordnungen. Das Kapitel schließt an die zuvor beschriebene minderjährige Latā an.
36.3 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die vollständigen Nyāsas und eine neunfache Yoni-Zuordnung werden mit einem blumengeschmückten Lager verbunden.
36.4 Inmitten mannigfaltiger Düfte zeichne man das Yantra mit Kula-Substanz und verehre in einer Muschel, nachdem ein Gefäß aufgestellt wurde.
36.5 Auf der eigenen linken Seite zeichne man ein Sechseck, in dessen Mitte die Brahman-Öffnung, und stelle dort einen Krug aus Gold oder Silber auf,
36.6 oder aus Kupfer oder Erde, jedenfalls ohne Eisen. Nach der Kalā-Ordnung stelle man ihn auf, Göttin; in den Krug komme wohlriechendes Ritualmittel.
36.7 Das Genussmittel soll entsprechend den Unterschieden der Brahmanen und übrigen Gruppen verehrt werden. Zuerst schreibe man dort den Mantra, der aus dem jeweiligen Kula stammt.
36.8 Man meditiere dort über die erwählte Gottheit und rezitiere hundertachtmal. Nachdem man die Dhenumudrā gezeigt hat, betrachte man dies als Nektar.
36.9 Beim Anblick des Arghya-Gefäßes tanzen Bhairavas, Mütter und Gefolgscharen; Indra und alle übrigen Götter tanzen, nach dem süßen Trank verlangend.
36.10 Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und die übrigen tanzen voller Freude. Man teile den Inhalt des Arghya-Gefäßes in zwei Teile und bestimme einen für den Guru.
36.11 Ein Teil wird dem Guru gegeben, mit dem anderen werden die Gottheiten gelabt. Man trinke den Kula-Saft, Göttin, mit mannigfaltigem Schmuck versehen. [Die Satzverknüpfung ist uneindeutig.]
36.12 Ist der Guru nicht persönlich anwesend, gebe man seinen Anteil ins Wasser. Zur Gestalt der Wonne geworden, verehre man die höchste Herrin.
36.13 Nach den Vorschriften der jeweiligen Ritualordnung verehre man sie im entsprechenden Yantra; nach der rituellen Entlassung rezitiere man den Mantra.
36.14 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet den Genuss des Nektars mit dem eigenen rituellen Saft und dem Bild des Cakora-Vogels.
36.15 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Das Erlangen der Frucht wird als Besteigen des Meru und als nektarspendende Umarmung der Latā beschrieben.
36.16 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Auf den „Wurzel-Yoga“ folgen eine festgelegte Rezitation und das Darbringen der durch Rezitation geheiligten Substanz.
36.17 Nach dem Laben, Göttin, umrunde man sie, verneige sich, preise sie und erfreue sie mit dem in der Ritualordnung genannten Lobgesang.
36.18 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Eignung des Kula für die Rezitation wird betont; Kula wird als Śakti bezeichnet und ihre Verehrung angekündigt.
36.19 Dies ist als Kula-Wandel zu erkennen, selbst für Götter schwer zu erlangen. Weil daraus ein Kula-Angehöriger entsteht – wie soll ich es dir beschreiben?
36.20 Denn im Kula befindet sich das Prinzip unmittelbar selbst. Wein, Fleisch, Mudrā und sexuelle Vereinigung werden genannt.
36.21 Die mit diesen vollzogene Verehrung wird Kula-Wandel genannt. Darum ist sie von den Kennern der Kula-Lehre sorgfältig zu verehren.
36.22 Wessen Kula beziehungsweise eigenes inneres Kula fest besteht, der ist gesegnet und erkenntnisreich; er selbst besitzt die Gestalt des Kula.
36.23 Wo im Kula die Kula-Einweihung besteht, wird man Śiva genannt. Wie Kālī, so Tārā, wie die ehrwürdige Bhairavī,
36.24 so sind Verehrung, Anwendung und Merkmale der inneren Haltung gleich. Veden, Lehrschriften und Purāṇas seien öffentlich zugänglich wie öffentlich lebende Frauen,
36.25 diese Śāmbhavī-Vidyā hingegen sei verborgen wie die Gattin eines Kula-Hauses. Die Gottheiten begünstigen den gut verborgenen Kaula-Wandel.
36.26 Sie verleihen Wunscherfüllung; bei Veröffentlichung zerstören sie. Auch solche Śakti-Kaulas im Ritualkreis, die Wein trinken und deren Verhalten ungeordnet erscheint,
36.27 soll man als Śiva und Gaurī betrachten, Göttin, und nicht verachten. Geht man mit Hingabe in ein Haus des Kula-Wandels, um sich vom Bösen zu reinigen,
36.28 so erbitte man Nektar und Nahrung; fehlen sie, trinke man Wasser. Was nach dem Kula-Wandel mit Hingabe gegeben wird,
36.29 nehme man nach einer Verneigung an; andernfalls droht der Text die Hölle an. Das zuvor Genannte, Herrin der Götter, werde ohne eine Frau nicht vollendet.
36.30 Der Bereich in der Nähe einer Frau übertrifft für dich Kāmarūpa. Die ehrwürdige Göttin sprach: Auch durch Hunderttausende vorbereitender Praktiken und Millionen Feueropfer,
36.31 durch Gaben für Millionen Feueropfer und umfangreiche Verehrungen erlangt man keine Vollendung ohne die Gegenwart einer Frau.
36.32 In Frauen wohne ich stets, Herr, ohne Unterbrechung. Vārāṇasī, Kāmarūpa, Jālandhara
36.33 und die anderen Śāmbhava genannten heiligen Sitze, Śaṅkara, die sechs Cakras, die sechzehn Stützen, die Dreiheit und die fünf Räume:
36.34 Alles ist beständig im Kula-Kreis gegründet, Mahādeva. Welches noch größere Verdienst könnte ich nennen, Śaṅkara?
36.35 Niemals kann ich von einer Frau beziehungsweise ihrer Nähe getrennt werden, wie der Verkörperte vom Körper, Herr. [Die Vorlage ist syntaktisch beschädigt; dies gibt den erkennbaren Vergleich wieder.]
36.36 Wie sie auch beschaffen sei, von Krankheit oder Armut bedrängt, unschön oder schön: Eine Frau ist meine Gestalt.
36.37 Welche Hingabe die Übenden mir beständig entgegenbringen, dieselbe soll der Übende gewiss jeder Frau entgegenbringen.
36.38 Eine Frau, die Schönheit, einen guten Blick und Duft besitzt, ist als meine [Gestalt] zu erkennen; die übrige ist ebenfalls Śakti und Herrin. [Der erste Satz ist verkürzt.]
36.39 Ob Kind, in jugendlichem Überschwang oder alt, ob schön, verachtet oder sehr böse: Man verneige sich und betrachte sie [als die Göttin].
36.40 In allen Zuständen soll die Yoni von den Übenden verehrt werden, Herrin der Götter. [Ein einzelner Halbvers steht unter dieser Nummer.]
36.41 Unmittelbar oder im Geist soll eine Frau schon bei ihrem Anblick verehrt werden. Sie soll niemals mit scharfen Worten angeredet werden. [In der Vorlage fehlt beim zweiten Satz offenbar die Verneinung.]
36.42 Frauen sind Gottheiten, Frauen sind Lebenskräfte, Frauen selbst sind der Schmuck. Von ihrer Hand bereitete Speise, von ihrer Hand bereitetes Wasser
36.43 und von ihrer Hand bereitete Blumen soll man den Gottheiten darbringen. Stets soll man ihre Gemeinschaft suchen; ebenso die der eigenen Frau. [Letzter Satzanschluss unsicher.]
36.44 [Textlücke] … soll einer Frau durch den Übenden niemals und nirgends gegeben werden. Selbst wenn bei der eigenen oder einer anderen Frau ein Fehler unmittelbar gesehen wurde,
36.45 soll man ihn nicht einmal aussprechen und sie nicht einmal im Geist schmähen. Der Übende soll ihr stets wie zuvor begegnen.
36.46 Mich schmähen, mich hassen, mich verletzen, mich bedrängen; den Guru schmähen, ihn hassen oder verletzen:
36.47 Eher soll der Übende dies tun, als eine Frau zu schmähen. Eher verzichte er auf die höchste Verehrung, eher auf die Opfergabe,
36.48 eher auf Kula-Wandel, Kula-Substanz und die Kula-Reihe, als seinen Geist auf das Schmähen von Frauen zu richten.
36.49 Was sollen viele Worte? Eher möge selbst der eigene Mantra aufgegeben werden; dennoch darf man Frauen nicht schmähen oder dergleichen tun.
36.50 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Frauen sollen stets wie die Mutter verehrt und betrachtet werden. Danach steigert der Text die Hingabeforderung bis zur Bereitschaft, das eigene Leben hinzugeben.
36.51 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verlangt eine äußerste Selbsthingabe und behauptet dafür ewige Befreiung; die lebensgefährliche Forderung wird hier nicht als Handlungsanweisung wiedergegeben.
36.52 Frauen soll man niemals hassen; besonders soll man Frauen verehren. Ob man zu einer Frau geht, sie berührt oder sieht, besonders eine glückverheißende Kula-Angehörige: Stets soll man sie verehren und sie nicht zum bloßen Genuss benutzen. [Das letzte Verbot ist in der Vorlage sprachlich beschädigt.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 36. Kapitel namens „Darlegung der Nachtverehrung“.
Paṭala 37: Berechtigung, Göttinnenbewusstsein und Ritualgrenzen
37.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre, schönleibige Göttin, das große wunderbare Geheimnis. Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des zweiten Halbverses: Eine lückenhafte Passage warnt vor körperlicher Gemeinschaft ohne Verehrung der Frau.
37.2 Sieben Geburten in Armut und Millionen Weltalter in der Hölle werden angedroht. Brahmanentötung, Weintrinken, Diebstahl und Verkehr mit der Frau des Gurus werden als Vergleichsvergehen genannt.
37.3 Die Schuld solcher Vergehen entsteht, daran bestehe kein Zweifel. Ob Vīra oder Divya: Wer ohne Verständnis handelt, gelange in die Hölle.
37.4 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Körperliche Handlungen werden mit Guru-Verehrung und dem Aussprechen der Vidyā gleichgesetzt; die Vorlage enthält Auslassungen.
37.5 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Weitere Formen körperlicher Nähe werden als Elementeläuterung, Sinnesbeherrschung, Atemregelung und Nyāsa gedeutet.
37.6 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Gegenseitiger Blick gilt als Meditation; weitere, teilweise ausgelassene Handlungen werden Räucherwerk und Licht gleichgesetzt.
37.7 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Liebe wird als Mudrā bezeichnet; Verehrung, Gesang, Lobpreis und Entlassung werden mit dem Körperritual verbunden. Eine Textlücke bleibt bestehen.
37.8 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Das Geheimnis wird weitergeführt; der Text behauptet die Notwendigkeit einer teilweise ausgelassenen Form von Gemeinschaft für die Mantravollendung.
37.9 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Gemeinschaft und Verehrung der Frau als Göttin werden verlangt, während eine ausgelassene Handlung untersagt wird.
37.10 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Frau wird als Gestalt und Wesen der Göttin identifiziert. Die damit verbundene Handlungsforderung ist ausgelassen.
37.11 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine weitere Textlücke betrifft die behauptete Befreiung der Beteiligten. Ein Vergleich mit schwerer Schuld folgt in beschädigter Form.
37.12 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Göttinnenbewusstsein und Berechtigung werden erörtert; eine entscheidende Textstelle fehlt. Festes Wissen und ausschließliche Ausrichtung auf die Göttin werden genannt.
37.13 Bald erscheint sie als gefallen, bald als rein; bald nimmt sie die Stellung des Gurus ein, bald die der Schülerin.
37.14 Wer über Frauen stets ein solches sicheres Wissen besitzt, ist Viṣṇu, ist Śiva selbst und für alle Handlungen geeignet.
37.15 Die ehrwürdige Göttin sprach: Ich bin die Trägerin der Welten, die Mutter, die Ursache der Geburt. Eine Frau, die die wahre Haltung angenommen hat, ist ganz gewiss ich selbst.
37.16 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine lückenhafte Handlungsforderung wird mit dem Verbot verbunden, ihren Geist zu erregen. Verblendung und grobe Torheit werden als Ursachen falschen Handelns genannt.
37.17 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Auch Vīra und Divya werden vor Handeln ohne Verständnis gewarnt. Der Vers nennt die Verehrung der Frau des Gurus, eines Brahmanen und des eigenen Vaters.
37.18 [Textlücke] … so lange die Hölle besteht, millionenfach. Eine Frau, die in eine als sündhaft bezeichnete Lage geraten ist, ist dennoch allumfassend.
37.19 Ich werde zornig und vernichte ihn, Herr. Sein Haupt wird abgeschlagen; er sieht Feindschaft und wird von Furcht gequält. [Der zweite Halbvers ist sprachlich verderbt.]
37.20 Von Furcht getroffen gelangt der Übeltäter in eine große Hölle; oder er lebt lange in immer größerem Elend.
37.21 Unablässig bedrängen Krankheiten diesen Übeltäter: bald Kopfschmerz, bald schweres Fieber,
37.22 bald Brennen im Körper, bald Ohrenschmerz, bald Jucken, bald Hautausschlag,
37.23 Blindheit, Taubheit, Lahmheit und weitere verschiedene Krankheiten, darunter Kuṣṭha. [Dies sind historische Strafandrohungen des Textes, keine Erklärung tatsächlicher Krankheitsursachen.]
37.24 Verlust des Augenlichts und Verletzungen an Ohr, Nase, Hand, Fuß und Kopf werden angedroht.
37.25 Bedrängnis durch Tiere, durch den König und durch Feuer entsteht; durch seine Schuld gehe die Familie zugrunde, ohne Zweifel.
37.26 Auch bittend erhalte er nicht eine Handvoll Nahrung. Er lebe von Wurzeln, Früchten, Blättern oder Wasser.
37.27 Meist entstehe Leid, ohne Frucht der Askese. Immer wieder verraten ihn Angehörige, und seine Diener seien Diebe.
37.28 Stets herrsche Streit in seiner Verwandtschaft, stets Gewalt in der eigenen Sippe. Freunde hassen ihn; ein Feind nimmt ihn gefangen.
37.29 Selbst die eigene Frau, ein Freund oder ein Diener gebe ihm Gift; seine Arznei werde ihm zum großen Hālāhala-Gift, Herr.
37.30 Heilsames, Zuträgliches und der Rat eines Freundes gefallen ihm niemals; kein hilfreiches Wort komme aus seinem Mund.
37.31 Auch freundlich gesprochene Worte von Angehörigen erscheinen ihm verkehrt; Freunde, Diener und andere folgen seiner Weisung nicht.
37.32 Selbst ein Planet im elften Haus bedränge ihn; Mantras, die sonst vollendet sind, verlieren ihre Vollendung.
37.33 Diese Fehler aus einem [in der Vorlage ausgelassenen] Umgang mit Frauen wurden dir genannt. Die Stelle unterscheidet Berechtigte und Unberechtigte, ist aber im Satzanschluss unklar.
37.34 Īśvara sprach: Wie ist jemand beschaffen, der zu deiner Verehrung berechtigt ist, Herrin der Götter? Wie entsteht die Berechtigung, und wie beginnt die vorbereitende Übung?
37.35 Ein großer Zweifel wächst in mir, Weltenherrin. Eben dies möchte ich hören; zerschneide den Zweifel, Geliebte.
37.36 Um mir Gnade zu erweisen, Göttin, mögest du dies aussprechen. Die ehrwürdige Göttin sprach: Höre, Gott, ich werde das große, noch geheimere Geheimnis erklären.
37.37 Es ist in allen Tantras verborgen und darf nicht jedem gegeben werden. Ich selbst bin das höchste Wissen; ich selbst bin das höchste Ziel.
37.38 Ich selbst bin die höchste Meditation; ich selbst bin die höchste Offenbarung. Nichts Höheres als mich soll man im Weltall erblicken.
37.39 Ich selbst bin die ganze Welt, und die Welt bin ich, Herr. Wer mich so betrachtet, gelangt zu jener Nichtzweiheit, Śiva. [Der letzte Halbvers ist beschädigt.]
37.40 Wer durch solches Wissen ausgezeichnet ist, wird berechtigt, Śiva; er besteht aus allen Gottheiten, Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und den übrigen.
37.41 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Ein teilweise ausgelassener Vergleich mit einem neugeborenen Kind soll das Fehlen körperlicher Erregung veranschaulichen.
37.42 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine in diesem Sinn unveränderliche Haltung gilt als Voraussetzung für gemeinsame Rituale mit einer Frau.
37.43 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die in der Göttinnenhaltung gefestigte Partnerin wird mit der Göttin identifiziert; körperliche Erregung wird in einem mehrdeutigen Satz als ihr dargebracht gedeutet.
37.44 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Festes Verständnis begründet die Berechtigung. Der anschließende Halbvers mit Verwandtschaftsbezug ist mehrfach ausgelassen.
37.45 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der vorzügliche Übende wird bei der Gemeinschaft mit Śiva verglichen. Die Festigkeit beim ersten Nyāsa wird zur Voraussetzung gemacht.
37.46 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Bis dahin soll das Begehren überwunden werden. Das hierfür erwähnte körperliche Verfahren ist teilweise ausgelassen.
37.47 Man vollziehe alle Aufgaben, bis Erkenntnis entsteht. Wenn dann Erkenntnis aufgegangen ist, bewege sich der Mensch in Freiheit.
37.48 Wer dazu nicht fähig ist, ist keinesfalls berechtigt. Er vollziehe Rezitation, Feueropfer, Laben und Besprengung
37.49 sowie die Speisung von Brahmanen, ohne Gemeinschaft mit einer Frau. Welche Gestalt die erwählte Gottheit des Übenden besitzt,
37.50 mit Lichtkräften von eben dieser Farbe sei der ganze Weltenkreis erfüllt. Man festige dies durch innere Betrachtung und sei der Meditation über die Gottheit hingegeben.
37.51 Mit gesammeltem Geist bedenke man ihre eigene Gestalt, Farbe und übrigen Merkmale. Wer seinen Geist nicht so ausrichten kann, für den wird eine Stellvertretung genannt.
37.52 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Kumārī-Verehrung wird als Stellvertretung genannt, verbunden mit dem Ziel innerer Unveränderlichkeit. Zwei Textlücken lassen Grenzen und Verfahren offen.
37.53 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe des ersten Halbverses: Die Anwendung durch einen Hausvater und die eigene Frau werden in einem unklaren Verbot erwähnt. Danach nennt der Text die Speisung und Verehrung einer Kumārī.
37.54 Allein durch die Betrachtung der Kumārī werde man Sieger über die drei Welten. So wurde die Ordnung der Gauḍa-Vīras und ihrer Frauen in Kürze erklärt.
37.55 Der ehrwürdige Śiva sprach: Höre sorgfältig das Geheimste der Geheimnisse, Herrin der Götter. Ohne Wein, Fleisch und die Gemeinschaft mit einer frei lebenden Frau
37.56 erlangt man keine Mantravollendung in der Mond-Sonnen-Abfolge der Verehrung. Das Gefäß ist mit Wein gefüllt, der Wein mit Opfergabe.
37.57 Wein, Opfergabe und Frau: Was würde dadurch auf Erden nicht gelingen? Höre die Besonderheit und den Abschnitt der Verehrung, Herrin der Götter.
37.58 Vijayā wird stets genannt, ebenso Milch im Kupfergefäß; im Ritual der Gauḍa-Brahmanen wird Vijayā mit Honig vermischt.
37.59 [Textlücke] … danach Vollendung, besonders durch das Trinken des süßen Tranks, durch Tanz, Gesang und alles Weitere sowie durch Dienst am Guru.
37.60 Am achten, vierzehnten und neunten Mondtag, beim Übergang der Sonne, am Neumond, Herrin der Götter, am Dienstag und Freitag sowie bei den drei Planeten … [Letzte Zeitangabe unklar.]
37.61 Dort befinden sich Kālī und Tārā und verleihen durch Verehrung Gaben. Stets soll mit der eigenen Śakti verehrt werden, jedenfalls zu den fünf Festzeiten. [Satzanschluss unsicher.]
37.62 Andernfalls soll mit Fleisch verehrt werden, jedenfalls innerhalb eines Jahres. Unerlaubter Verkehr und das Essen verbotener Speisen
37.63 werden von einem einzigen ausgesprochenen Mantra verbrannt wie Brennstoff vom Feuer, behauptet der Text. Es folgen Weinarten: aus Mehl, Rohzucker, Honig, Palm- und Dattelsaft,
37.64 aus Kokosnuss, Trauben, Arekanuss und anderen Zubereitungen. Mehlwein wird dem Śūdra, Honigwein dem Kṣatriya zugeordnet; danach heißt es „beide“. [Zuordnung unklar.]
37.65 Alle Arten, beginnend mit Mehlwein, werden dem Śūdra zugestanden; dem Brahmanen nicht der aus Mehl. Der weitere Satz über die Gabe durch Brahmanen und den Ausschluss von Mādhvī ist widersprüchlich überliefert.
37.36 [fortlaufend 37.66] Für die anderen Arten besitzen die Zweimalgeborenen keine Berechtigung. Oder man verehre Kulasundarī mit dem Kula-Trank. [Die Vorlage nummeriert diesen Vers irrtümlich 36.]
37.67 Wein wird von Yogins getrunken, nicht von hervorragenden Zweimalgeborenen, heißt es. Frischer Wein und mit Rohzucker vermischter Wein seien nicht trinkgeeignet. [Die wiederholten na-Formen lassen die Abgrenzung unsicher.]
37.68 Höre aufmerksam die Vorschrift für jene Zweimalgeborenen, die dazu nicht fähig sind: Ein Brahmane soll Honig in einem Kupfergefäß als Wein einsetzen.
37.69 Dies ist der Ersatz für die Unvermögenden; sonst werde man sündig. Andernfalls verleihe die Göttin keine Vollendung, selbst durch Millionen Rezitationen,
37.70 Hunderttausende vorbereitender Praktiken und Millionen Feueropfer. Wer Kālikā ohne Betel zehnfach rezitiert,
37.71 erfahre hier Erschütterung und jenseits die Hölle. Betel, [Textlücke], Ritualkreis, Schädelkette, Leichensitz,
37.72 Zinnober, Schwert, Saṃvid und berauschender Saft: Wer Kālī verwirklichen will und diese beiseitelässt,
37.73 erfahre hier Erschütterung und jenseits die Hölle. Selbst durch Millionen und Abermillionen Weltalter werde Tāriṇī so nicht vollendet.
37.74 Im Cinmaya wurde dies vormals Mahākāla erklärt. Wenn ein Rezitator von Kālikās Mantra einen Übeltäter berührt,
37.75 werde dieser allein durch die Berührung zum Herrn der Vollendungen. Rede in Prosa und Versen und eine Folge von Schutzwirkungen entstehen,
37.76 Herrin der Götter; in einem Augenblick wird er zum Dichter. Er schaut das Wissen des Vergangenen, Zukünftigen und Gegenwärtigen.
37.77 [Textlücke] … ist die Hauptsache, die alle Vollendungen zeigt. Nachdem ein Mensch den [teilweise ausgelassenen] Kreis betrachtet hat, wird alles, was er tut,
37.78 durch Chinnavidyās Gnade unvergänglich. Wer aus Begehren Vollendung sucht und Kālī beiseitelässt,
37.79 will ohne Augen eine Gestalt im Spiegel sehen. Wer Kālikā schauen will und Śakti beiseitelässt,
37.80 wünscht gewiss ohne Essen das Ende des Hungers. Die Kālī-Vidyā wird als Siddhavidyā und Mahāvidyā bezeichnet.
37.81 Diese Vidyā wird dreifach rezitiert oder erinnert, Göttin. Dann verleiht sie ihm Vollendung und auch einem anderen Gaben.
37.82 Von ihr soll dieser Mantra sorgfältig empfangen werden, Pārvatī. Man stelle ihn sich in der Hand vor und rezitiere; Vollendung werde innerhalb eines Tages erreicht.
37.83 Am achten oder vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte und am Dienstag in der Nacht, besonders in der dunklen Monatshälfte, soll man es stets im Haus ausführen.
37.84 Genannt werden die als Mṛdu, Cūḍaka und Komala bezeichneten Sitze; die Passage ist teilweise ausgelassen. Weiter ein Ort mit einem einzigen Liṅga, eine leere Gegend, ein leeres Haus und eine Wasserfläche,
37.85 ein Verbrennungsplatz, ein Kula-Baum, ein Leichenschädel und ein Schlachtfeld; außerdem Svayambhūkusuma oder eine [ausgelassene] Herkunft.
37.86 An diesen Orten befindet sich Kālikā gewiss selbst. Erkenne sie als glückverheißende Orte, die dem großen Kaula Gaben verleihen.
37.87 Wer sich auf einen Verbrennungsplatz begibt und Kālikā rezitiert, dem ist Kālī gnädig; daran soll kein Zweifel bestehen.
37.88 [Textlücke] … auf einer Leiche oder auf einem Verbrennungsplatz rezitiere man Kālikā zehnfach. Dem ist Kālī gnädig; daran soll kein Zweifel bestehen.
37.89 Ein Menschenschädel vom siebten Tag gilt als besonders geeignet zur Praxis, ein neuer vom ersten Tag als göttlich, jedoch nicht als vorzüglich; einer vom dritten Tag wird für Gebetsketten gelobt, einer vom zwölften Tag gilt als mittelgut für Ritualgefäße. [Die Zahlwörter Ṛṣi, Mond, Feuer und Sonne sind so aufgelöst; der Bezug von „Tag“ bleibt offen.]
37.90 Jahr, Halbjahr, Monat, Kalā, Entstehung und Mond werden genannt; danach Sādhya und die übrigen, Abend, Richtung und Gefäß. [Der Vers ist bereits in der Vorlage mit einem Fragezeichen versehen und nicht sicher übersetzbar.]
37.91 Nachdem man alles so erkannt hat, unterscheide man den Schädel nach seinen Merkmalen: Sādhya, Siddha, Susiddha und wiederum Susiddha werden genannt,
37.92 danach Vīra, Daivata und Divya. So wurde es in Kürze erklärt. Höre diese glückverheißende Praxis.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 37. Kapitel namens „Darlegung des Geheimnisses des Śaktisaṅgama“.
Paṭala 38: Vīra-Praxis und Rituale des Verbrennungsplatzes
38.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Wer die Vīra-Praxis vollkommen gesammelt ausführt, erlangt höchste Vollendung, die selbst für Götter schwer zu erreichen ist.
38.2 Darum soll sie von völlig Gesammelten mit aller Sorgfalt ausgeführt werden. Höre von Bad, Verneigung und den übrigen Handlungen bei Mañjughoṣa auf dem Cīna-Weg.
38.3 Man setze beide Knie auf die Erde und berühre den Boden mit dem Kopf; dann erhebe man sich und verneige sich, oder man verneige sich stehend, höchste Herrin.
38.4 Eben dies ist die Verneigung im Ritual der Chinnamastā, Śivā. Hände unterhalb der Handgelenke und Füße unterhalb der Knöchel
38.5 sowie das Gesicht werden mit dem Mantra gewaschen: Dies gilt als Bad im Chinnā-Ritual. Dieses Bad soll als anfängliche Grundlage der Praxis vollzogen werden.
38.6 Es wird auch als vedisch bezeichnet; die Aussage über die höchste Meditation ist durch die Verneinung unklar. Vormals wurde es von Bhairava als höchstes Mittel aller Vollendungen erklärt.
38.7 Darum soll die Vīra-Praxis mit aller Sorgfalt ausgeführt werden. Es gebe nichts Höheres, das so rasch Vollendung verleihe.
38.8 Durch die Praxis am Scheiterhaufen oder das Besteigen einer Leiche, auf Mṛdu oder Komala, auf Cūḍaka oder Acūḍaka,
38.9 auf einer [teilweise ausgelassenen] Haut, auf drei oder fünf Schädeln, Geliebte: An diesen Orten wird diese Praxis beschrieben, Maheśānī.
38.10 Sie wird bei Śrīvidyā, Kālikā, Tāriṇī, Bhairavīs Mantra, Caṇḍaka und Bagalā genannt.
38.11 Von Vajrodaka bis zum eigenen Schutz werden hier elf Mantras genannt, Maheśānī, mit Mañjughoṣa, Pārvatī. [Die knappe Aufzählung ist nicht vollständig aufgelöst.]
38.12 Nachdem man dies verstanden hat, eigne man sich die besondere Kenntnis an, Maheśānī, aus dem Mund des eigenen Gurus, entsprechend Mantra, Wandel und Kula-Abfolge.
38.13 Allein durch Vīra-Praxis sollen alle Vollendungen gewiss entstehen. Nachdem fleischhaltige Nahrung bereitet wurde, bringe man im eigenen Haus die Opfergabe dar.
38.14 Honig, Fleisch, Rohzucker und Fleisch von Büffel, Ziege und Elefant werden genannt; für die Opferhandlung ferner Teig, Blüten und weitere Dinge.
38.15 Alles werde mit Kuhmilch benetzt. Nach einer Nachtwache, Śivā, beziehungsweise nach anderthalb Nachtwachen, Göttin, geschehe es ringsum einmal. [Der Handlungsbezug ist knapp.]
38.16 Mit einer Waffe in der Hand und furchtlos begebe man sich besonders zum Scheiterhaufenplatz; andere Zuschauer halte man fern und sei ohne Furcht.
38.17 Ein großer Held von weitem Geist, mit beherrschtem Zorn und beherrschten Sinnen, sehr stark und mitfühlend: Ein solcher Mensch soll als Beschützer dienen.
38.18 Westlich des Scheiterhaufens setze man sich, große Herrin, nach Osten oder Norden gewandt, und vollziehe das vorgeschriebene Wasserschlürfen.
38.19 Zuerst bringe man die Wurzelopfergabe dar, nach der Lehre des ehrwürdigen Karāla: „Welche Götter und furchterregenden Rākṣasas auch hier weilen,
38.20 mögen sie mir mit Zuneigung und Mitgefühl Vollendung gewähren.“ Mit dieser Formel gebe man ihnen die Gabe; in sechs Gefäßen bringe man Opfer dar.
38.21 Jedes werde einzeln aufgestellt und sorgfältig dargebracht, Pārvatī; vier Gefäße kommen an die vier Tore, beginnend im Norden,
38.22 in Rechtsumrundung bis zum Westen, große Herrin. Man bringe die Opfergabe wie vorgeschrieben dar und vollziehe die Übergabe mit Milch.
38.23 Besonders mit Kuhmilch vollziehe man die Übergabe. Die Formel beginnt „oṃ hrāṃ śmaśāna … jambha …“, danach „diese Opfergabe“. [Die Lautfolge ist nicht als durchgehender Mantra überliefert.]
38.24 Es folgen „nimm, lass annehmen“ als Wortpaar, die Beseitigung aller Hindernisse, dann die zweimalige Aufforderung zur Gabe und „svāhā“; so lautet die Opferformel.
38.25 Nachdem die Opfergabe sorgfältig dem Gott Śmaśānajambha dargebracht wurde, folgt „oṃ hrīṃ bhairava bhayānaka“, dazu die Anrede „Herr des Verbrennungsplatzes“.
38.26 Der fleischhaltige Anteil und die übrigen Worte seien wie zuvor; die Opferformel endet mit „svāhā“. Es folgt „oṃ hūṃ śmaśānadeva“, dann „diese“ und das Übrige wie zuvor.
38.27 „oṃ hrīṃ mahākāla“, dazu „Herr des Verbrennungsplatzes“; dann „diese“ und die übrigen Worte wie zuvor, Herrin der Götter.
38.28 Man spreche „oṃ hrūṃ kāla bhairava“, dann „Herr der Praxis auf dem Verbrennungsplatz“ und „diese“ mit dem Übrigen wie zuvor.
38.29 Es folgen Praṇava, das Kūrva-Bīja [Lesung unsicher] und „Bewohnerin des Verbrennungsplatzes, sehr Furchtbare, mit sehr schrecklichem Klang, nimm
38.30 diese Opfergabe, Mutter; verleihe unübertreffliche Vollendung“. Dann „hrīṃ kālikā“, die Feuergattin [svāhā], und „diese“ mit dem Übrigen wie zuvor.
38.31 In Mahākālas Nähe folgen zwei Ziegenopfer; danach bringe man den Richtungshütern nach der vorgeschriebenen Weise Opfer dar.
38.32 Nachdem den Gliedergottheiten der eigenen Vidyā sorgsam Opfer dargebracht wurden, vollziehe man Prāṇāyāma nach der vorgeschriebenen Ordnung.
38.33 Die sechs Glieder und das Übrige seien wie zuvor; man betrachte die erwählte Gottheit. Der vorzügliche Übende rezitiere mit unzerstreutem Geist und ohne Furcht.
38.34 Bei einem einsilbigen Mantra zehntausendmal, bei einem zweisilbigen achttausendmal, Herrin der Götter, bei einem dreisilbigen fünfzigtausendmal.
38.35 Bei einem großen Mantra werden tausendacht Rezitationen genannt. Wenn die Gottheit unmittelbar erscheint, beende man sogleich die Rezitation.
38.36 Nachdem die Gottheit verehrt wurde, wenn sie „Gib!“ spricht – dies gilt als Stimme der Gottheit, Göttin –, bringe man eine Ziege als Opfer dar.
38.37 Ist dies nicht vorhanden, besteht die Opfergabe aus Rohzucker und Milchspeise, Maheśānī. Nachdem man die Gabe empfangen hat, Herrin der Götter, lebe man glücklich auf Erden.
38.38 Hier wird dieselbe Praxis auch an der Leiche eines fünfjährigen Kindes beschrieben, Śivā, nach der Lehre des Mahāvīra.
38.39 Nach anderthalb Nachtwachen begebe man sich zum Ort der Leiche, an eine Wegkreuzung, ein Flussufer oder einen Verbrennungsplatz, Pārvatī.
38.40 Man lagere sie mit dem Gesicht nach unten; dann folgt der Anrufungsmantra. Die Verehrung geschieht mit dem Māyā-Bīja, das Platznehmen mit dem Hūṃ-Bīja.
38.41 Darauf werden die zuvor genannten acht Maṇḍalas angeordnet, Maheśānī. Nach der Göttinnenverehrung folgen Opfergaben und die übrigen Handlungen.
38.42 Man verfahre nach der Nīla-Abfolge und rezitiere zehntausendmal. Für den Mantra allein gilt: Am Ende der Rezitation erscheine die höchste Gottheit.
38.43 Wenn sie unmittelbar erscheint, Herrin der Götter, bringe man eine Ziege als Opfer dar. „Gib, gib!“ und nach dem Empfang der Gabe eine zweimalige Äußerung werden genannt. [Wer jeweils spricht, ist nicht eindeutig.]
38.44 Die zuvor auf Sanskrit spricht, habe ich als die Göttin bezeichnet. Bei Vīrārgalā, Aghora, Cakra und Pāśupata
38.45 bis hin zu Jayadurgā werden fünf Mantras genannt, Herrin der Götter. Die Siddhavīra-Abfolge, Göttin, wird bei einer Gruppe von sechs Mantras beschrieben.
38.46 Bei Gaṇeśa und beim wilden Mantra wird diese Abfolge genannt; ebenso die Nīla- oder die Mahācīna-Abfolge, Herrin der Götter,
38.47 die Gandharva-Abfolge oder die Saubhāgya-Verehrung. Indem man diese Abfolge voranstellt, werde man Sieger über die drei Welten.
38.48 In der Mahānīla-Abfolge wasche man sorgfältig das Gesicht, bade den Körper unterhalb des Halses und besprenge den Kopf.
38.49 Dies wird Vīra-Bad genannt, das den Vīras Vollendung verleiht. Nachdem man von einem Vīra-Guru die Mahāvidyā empfangen hat, leuchtend wie das Feuer am Ende der Zeit,
38.50 vollziehe man die Vīra-Rezitation, Herrin der Götter; dadurch werde man Herr der Vollendung. Von einem Divya-Guru empfange man die Mahāvidyā Kālī, Kādambarī gleich.
38.51 Durch Rezitation am Tag entstehe Vollendung, ohne Zweifel. Von einem Paśu-Guru empfange man die Mahāvidyā, einer großen dunklen Wolke gleich.
38.52 Durch Paśu-Rezitation, Herrin der Götter, gelinge sie im Kali-Zeitalter oder auch nicht. Das Geheimste der Geheimnisse habe ich genannt; bewahre es, Śivā. So wurde es in Kürze erklärt. Höre nun die Unterschiede der Gebetsketten, Geliebte.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 38. Kapitel namens „Die Vīra-Praxis“.
Paṭala 39: Schädelsitze, Opferreste und die Ordnung der Handlungen
39.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Erkläre diesen Schädelsitz, wenn ich dir lieb bin.
39.2 Der ehrwürdige Śiva sprach: Aus Liebe zu dir wird das Geheimste der Geheimnisse offenbart. Ein, drei, fünf, acht und neun Schädel,
39.3 zehn Schädel, Herrin der Götter, und elf Schädel, Pārvatī: Man befestige Pflöcke nach Haupt- und Zwischenrichtungen und vollziehe die Praxis.
39.4 Der große Schädel ist in der Mitte, ringsum die Ansammlung der Schädel. An Kālarātri und an Vīrarātri, Göttin,
39.5 an Moharātri und Śivarātri, am achten und vierzehnten Tag beider Monatshälften
39.6 vollziehe man die Schädelpraxis und fertige Gebetskette, Gefäß oder Yantra daraus, Göttin. So werde man Herr der drei Welten.
39.7 Nach der Acūḍaka-Art, der Vīrāsana-Abfolge oder der Leichensitz-Abfolge vollziehe man die Vīra-Praxis.
39.8 Der Mṛdu-Sitz sei im Osten, Cūḍaka im Süden, Komala im Westen und der Schädel im Norden.
39.9 Vīrāsana befindet sich in der Mitte; durch Rezitation werde man Herr der drei Welten. Einen, drei, fünf, acht oder neun Vīras
39.10 oder zehn beziehungsweise elf Vīras richte man als Sitz ein. Auch bei der Schädelanordnung, Herrin der Götter, stehe der höchste Vīra in der Mitte.
39.11 Durch die Verbindung von Mṛdu und den übrigen mit der Mitte entstehen Unterschiede der Praxis. Gelobt werden der Verbrennungsplatz, der Scheiterhaufen und ein Sitz auf Knochenboden,
39.12 ein Yoni-Hautsitz und ein Sitz auf einer seit zehn Tagen verstorbenen Leiche. Auf diese Weise, Herrin der Götter, gibt es viele Sitze.
39.13 Nachdem einer von diesen bereitet wurde, soll man Kālī oder Tārā verwirklichen: abgesondert, in einem leeren Haus, auf einem Berg, in einem Gehölz oder Wald,
39.14 in freiem Gelände, an einem verlassenen Śiva-Ort, im Muttertempel, am Flussufer, an einem einzelnen Liṅga, an einem leeren Ort, auf einem Verbrennungsplatz oder Schlachtfeld,
39.15 an einem Kula-Baum oder allein stehenden Baum, an einer mit Bildern markierten Stelle, in der Gaṅgā, an einer Vier- oder Dreiwegkreuzung, im Tempel
39.16 oder im Haus einer öffentlich lebenden Frau, Herrin der Götter, vollziehe man den „Vīra-Ozean“. Man befestige sorgfältig die Pflöcke und bringe den Richtungshütern Opfergaben dar.
39.17 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Übende soll in Vīra-Gestalt an einen Pfahl- beziehungsweise Hinrichtungsort gehen; verschiedene Ritualstoffe werden zur Vorbereitung der folgenden gefährlichen Handlung genannt.
39.18 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verbindet einen Schnitt mit einem Schwert und anschließende Rezitation mit der behaupteten Beherrschung der drei Welten. Das Verfahren wird hier nicht als Anleitung wiedergegeben.
39.19 So wurde es in Kürze erklärt. Was sollen weitere Worte? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das zuvor angedeutete Geheimnis hören.
39.20 Der ehrwürdige Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse wird erklärt; höre nun. Bei Śaivas, Śāktas, Gāṇapatyas, Mond- und Sonnenverehrern sowie Ārhatas,
39.21 bei Vaiṣṇavas und den Vedischen, Göttin, folgt die Verwendung der Speisegaben. Gold, Edelsteine, andere Gegenstände und verschiedene Gewänder, Pārvatī,
39.22 sowie Genüsse mit vielerlei Geschmacksarten soll man dem Guru darbringen, seinem Sohn, seiner Frau und seiner Tochter.
39.23 Man gebe es einem Brahmanen; fehlt ein solcher, werfe man es ins Wasser, in einen Brunnen, im Wald, in eine Höhle oder in einen Teich, Geliebte.
39.24 Mahādevas Speisegabe wird zu Nirmālya, zum abgelegten Rest der Verehrung. Für einen Verehrer jedoch wird die Speisegabe als Nektar bezeichnet.
39.25 Die Speisegaben anderer Gottheiten soll man essen oder weitergeben. Bei Śālagrāma und Bāṇaliṅga wird die Speisegabe nicht unrein.
39.26 Die Opfermittel soll man in zwei Teile teilen, Herrin der Götter. Während einer Anwendung soll der Gelübdehaltende Brahmanen verehren.
39.27 Bis die Vollendung eintritt, soll nichts weiter [begonnen werden; das Verb ist beschädigt]. Nachdem das Begonnene bis zum Ende durchgeführt wurde, vollziehe man Sühne.
39.28 Unter Beachtung des Verhältnisses von Haupt- und Nebenhandlung vollende der Gelübdehaltende alles. Eine Handlung innerhalb einer Handlung muss als Nebenhandlung zum Ganzen gehören, Śivā.
39.29 Zuerst erkenne man die Grundlage und entferne sorgfältig Hindernisse; dann vollende man die Handlungen, Göttin. Andernfalls droht der Text die Hölle an.
39.30 Wird eine andere Handlung begonnen, kommt jene Handlung nicht zustande. Man erkenne die maßgebliche Auslegungsregel und zuvor die Grundlage.
39.31 Nachdem man das Verhältnis von Haupt- und Nebenhandlung erkannt hat, vollende man alle Aufgaben. Innerhalb eines Rituals soll kein unabhängiges neues Ritual begonnen werden.
39.32 Ein weiteres Ritual darf jedoch als Nebenhandlung zum Ganzen begonnen werden. Auch bei laufender Handlung vollziehe man die Erfüllung der Dämmerungspflicht, Herrin der Götter.
39.33 Andernfalls würde dies den gefassten Ritualvorsatz behindern, höchste Herrin. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 39. Kapitel namens „Darlegung der Schädelsitze“.
Paṭala 40: Die Lautkette mit 108 Gliedern
40.1 Der ehrwürdige Śiva sprach: Nun wird die Ordnung der Gebetskette erklärt; höre, Pārvatī. Viele Arten werden genannt, nach der großen Muschel und den übrigen Materialien.
40.2 Die Kette aus „großer Muschel“, die Zahnkette, die selbstentstandene und die Lautkette, Göttin, verwirklichen alle Handlungsziele.
40.3 Die Lautkette wird als dreifach beschrieben; höre ihre Ordnung, Pārvatī. Eine Kette aus fünfzig Perlen entspricht den fünfzig Lauten.
40.4 Nimmt man diese in beiden Richtungen, vorwärts und rückwärts, ergibt sich die hundertgliedrige Kette, die alle Handlungen ermöglicht.
40.5 A, ka, ca, ṭa, ta, pa, ya und śa werden als die acht Lautgruppen bezeichnet. Fügt man die acht Gruppen hinzu, ergeben sich hundertacht.
40.6 Die Kette mit hundertacht Gliedern verleiht Vollendung aller Handlungsziele. Fünf werden dem Guru, drei Gaṇeśa zugeordnet.
40.7 Den Rest gebe man der erwählten Gottheit; dadurch werde man Herr der Vollendung. Alternativ werden drei dem Guru und drei Gaṇeśa zugeordnet, Göttin.
40.8 Zwei dienen dem Ausgleich von zu wenig oder zu viel, den Rest ordne man der erwählten Gottheit zu. Die hundertachtgliedrige Kette ist dir erklärt, Geliebte.
40.9 Die Mutterlaute ergeben vorwärts und rückwärts hundert. Durch Verbindung der Mutterlaute mit Māyā, Vāk, Kāma und Śrī
40.10 in Vorwärts- und Rückwärtsfolge entstehen hundertacht. Je nach Stellung von Māyā und den übrigen am Anfang und Ende füge man das Parā-Bīja hinzu.
40.11 Die Kette wird als fünffach beschrieben und verleiht alle Vollendungen. Auch Mantras, die mit sieben Pflöcken versperrt, abgeschnitten oder mit zerstreuter Yoni versehen sind,
40.12 die als Gläubiger, Feind, Verlust bringend, schädigend, einäugig oder lahm bezeichnet werden, werden dadurch vollendet; daran soll kein Zweifel bestehen. [Es handelt sich um technische Fehlerbezeichnungen für Mantras.]
40.13 Die Kette aus „großer Muschel“ und die Zahnkette sollen nicht jedem gegeben werden; man verberge sie wie den Liebhaber der Mutter.
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 40. Kapitel namens „Vorschrift der Gebetskette“.
Paṭala 41: Auffädeln und Bedeutung der Gebetsketten
41.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Auffädelns der Kette hören. Mit welcher soll welcher Mantra rezitiert werden, und welcher nicht?
41.2 Erkläre alles, Herr der Götter, wenn ich dir lieb bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Mit Dhruva [dem Praṇava] soll jede Perle der Reihe nach aufgefädelt werden.
41.3 Die Kette besteht aus allen Mantras und ist höchstes Mittel aller Vollendungen. Man meditiere in ihr über die Gestalt der Gottheit des betreffenden Mantras.
41.4 Alle Mantras können rezitiert werden, um alle Handlungsziele zu vollenden. Oder man lasse die Kette mit den Mutterlauten auffädeln, Geliebte.
41.5 Die Kette hat fünfzig Perlen; der Laut kṣa heißt Meru. Vorwärts und rückwärts wird die Kette hundertgliedrig.
41.6 Fügt man die acht Lautgruppen hinzu, wird sie hundertachtgliedrig. Rezitation mit der Mutterlautkette wird überall gepriesen.
41.7 Man beschaffe sorgfältig Rudrākṣa, Bergkristall und andere Perlen und lasse sie sorgfältig mit den Mutterlauten auffädeln, Śivā.
41.8 Die Kette besteht aus allen Gottheiten und bewirkt rasch höchste Vollendung. Während der Rezitation meditiere man in ihr über die Göttin als Gestalt des jeweiligen Mantras.
41.9 Man rezitiere sorgfältig; daran soll kein Zweifel bestehen. Die Kette verleiht alle Vollendungen und ist höchstes Mittel aller Handlungen.
41.10 Mit einem Śakti-Mantra aufgefädelt, rezitiere man einen Śiva-Mantra; mit einem Śiva-Mantra aufgefädelt, einen Śakti-Mantra, Śivā.
41.11 Durch die Nichtverschiedenheit von Śiva und Śakti ist die Kette höchst wirksam. Zahn-, Schädel- und auch Fischperlen, Geliebte,
41.12 sollen auf eine Sehne aufgefädelt werden; dies gilt als Kette der drei Śaktis. Die höchste Kette besitzt die Gestalt von Kālī, Tārā und Chinnā.
41.13 Sie ist höchster Boden aller Vollendungen und besteht aus allen Gottheiten. „Man soll nur den Mantra rezitieren, mit dem sie aufgefädelt wurde“ –
41.14 dies wurde zuvor gesagt; warum ist es vergessen, Geliebte? Jetzt wird es anders erklärt, und ein Zweifel entsteht. [Ein Sprecherwechsel ist hier nicht ausdrücklich markiert; der Wortlaut schwankt zwischen Aussage und Frage.]
41.15 Diese Regel gilt für andere Ketten, die ohne Mutterlaute und Tāra [Praṇava], ohne Śiva und Śakti gefertigt sind; für die hier behandelte Kette wurde sie nicht ausgesprochen.
41.16 Beim Auffädeln auf andere Weise soll genau der Mantra rezitiert werden, mit dem die Kette aufgefädelt wurde.
41.17 Auch bei Mutterlauten und den übrigen, Śivā, betrachte man die Kette als Gestalt des betreffenden Mantras und setze die Lebenskraft ein; andernfalls entsteht ein Hindernis der Vollendung.
41.18 So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das höchste wunderbare Geheimnis hören.
41.19 Erkläre das höchste Geheimnis der Gebetskette, großer Herr. Der ehrwürdige Śiva sprach: Wenn die zuvor genannten Perlen nicht vorhanden sind, höchste Herrin,
41.20 sollen jene, die alle Vollendungen wünschen, sorgfältig duftende und gestaltete Perlen aus Zahnmaterial und Bergkristall fertigen.
41.21 Fehlen Schädel, nimmt man Kokosnüsse oder Perlen in Schädelform; Elefanten-, Hirsch- und Nashornmaterial, Gold und Sambar-Horn werden genannt,
41.22 ferner Silber, Kupfer, Bronze, Sīsa und Nāga [beide als Bleibezeichnungen lesbar]. Perlen in Schädelform gelten als Träger aller Vollendungen.
41.23 Dann wird die aus Vidyā bestehende, Handlungen vollendende Kette genannt, Göttin. Perlen aus Vaiḍūrya, blauem Stein und Glas gewähren alle Handlungsziele.
41.24 Perlen für Bīja, Kīlaka und Śakti verleihen rasche Vollendung. Die Kullukā-Kette gilt als die Vidyā günstig stimmend, Göttin.
41.25 Die mit Bīja beginnende dient der Vollendung der Kraft, die mit Kīlaka dem Festbinden, die mit Śakti allen Vollendungen. Die letzte Wortgruppe über Leben, Knochen und Schädel ist unklar.
41.26 Die Kette aus Knochen und Schädeln verleiht Śivas Gestalt. Eine Kette mit der entsprechenden besonderen Form bewirkt die betreffende Handlung und gewährt das Gewünschte.
41.27 Eine aus Tārā und Kālī, eine aus Tārā und Chinnā, eine aus Kālī und Chinnā oder aus allen dreien: Sie entstehen aus Schädeln und Bījas.
41.28 Sie sind höchster Boden aller Vollendungen und ungehemmte Sarasvatī. Eine nur aus Edelsteinen bestehende Kette ist aus eben diesen Edelsteinen gebildet.
41.29 Auch aus Schädelformen in rotem Sandelholz oder aus den acht Duftstoffen. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
41.30 Die ehrwürdige Göttin sprach: Erkläre die angedeutete Kette in Gestalt der Mutterlaute. Der ehrwürdige Śiva sprach: Auch das Geheimnis werde ich nach der Gestalt von Laut und Bīja erklären.
41.31 Man fertige die Kette in Gestalt der Mutterlaute, Śivā, und rezitiere mit ihr; sie besitzt die Gestalt aller Gottheiten.
41.32 Die Mutterlautkette besteht aus Gold, Kupfer, Silber, Nashornmaterial, Elfenbein, Edelsteinen oder Bergkristall.
41.33 Eine Goldkette dient allen Vollendungen, eine Silberkette gewährt alles Gewünschte, eine Kupferkette alle Befriedung; eine aus Nashornmaterial befreit die Ahnen.
41.34 Eine Elfenbeinkette verleiht Vollendung, eine Bilva-Kette Wohlstand; eine aus dem Arka-Baum wird für die Vertreibung von Feinden genannt.
41.35 Nachdem man die Kette so bereitet hat, rezitiere man und bringe sie der Gottheit dar. Es folgen das Bild und Yantra der Gottheit, besonders der göttliche Kreis.
41.36 Nach Verehrung von Bild und Yantra sollen beide getragen werden, Śivā: das edelsteinbesetzte am Finger, das aus Gold und Edelsteinen am Herzen.
41.37 Man fertige sie als Ring und als Halskette und trage sie sorgfältig. Dadurch werde man Herr aller Vollendungen; daran soll kein Zweifel bestehen.
41.38 Höre die Namen der Gottheiten der Verehrungsmittel, Pārvatī: Für Nahrung ist die Gottheit Lakṣmī, in der Vaiṣṇava-Ordnung Prajāpati.
41.39 Gold gehört dem Feuer, Silber dem Mond; Diamant ist Varuṇa zugehörig, die Erde gilt als Gottheit der Säfte.
41.40 Varuṇa ist der Gott des Wassers, Vāruṇeśvarī der Kräfte; Ramā ist Göttin der Kṛśara-Speise, Kālikā der süßen Milchspeise.
41.41 In der Ghee-Lampe ist Mahāviṣṇu, in der Öllampe Vanaspati; im Räucherwerk Gandharva. Ghee gehört Sonne und Feuer.
41.42 Honig ist Varuṇa zugehörig, Dickmilch und Milch Maheśvara. Die große Blüte gehört Vanaspati, der Duft Viṣṇu. [Das letzte Wort ist beschädigt.]
41.43 In der Kette ist Durgā; oder alles besteht aus der Göttin. Mit diesem Wissen verehre man das Bild, andernfalls wird die Vollendung behindert. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 41. Kapitel namens „Das Auffädeln der Gebetskette“.
Paṭala 42: Göttinnenzeichen und Stufen der Einweihung
42.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte hören, wodurch man ganz aus der Göttin besteht. Īśvara sprach: Das Geheimste der Geheimnisse wird erklärt; höre nun.
42.2 Nach der Abfolge der zehn Vidyās, nach dem Weg der fünf Heiligtümer und nach dem Weg der Lehranschauungen verleiht Verehrung im Kali-Zeitalter Vollendung.
42.3 Die Waffen, Mudrās und Bījas der jeweiligen Gottheit sollen sorgfältig dargestellt werden, Göttin; man sei ihrem Wandel hingegeben.
42.4 Sarvatobhadra wird als Sitz der Göttin bezeichnet. Ein Lotus gehört auf das Yoginī-Gefäß, fünf Lotusse auf das des Kṣetrapāla,
42.5 neun Lotusse auf das Gaṇeśa-Gefäß, das Liṅga-Zeichen auf das des Baṭuka. So sind die Maṇḍalas auf dem Verehrungssitz fünffach, große Herrin.
42.6 Das Kālikā- oder Māyā-Bīja, mit Bindu und Mondsichel geschmückt, die einsilbige „Berührungsperle“, schreibe man auf die Stirn, Śivā.
42.7 Bei Tārās Gestalt schreibe man Māyā mit Bindu und Mondsichel, die einsilbige „Berührungsperle“, auf die Stirn, Śivā.
42.8 Für Chinnā bildet Krodha mit Bindu und Mondsichel die eine Silbe. Bei Tripiṣṭapahara folgt Māyā, ebenfalls mit Bindu und Mond geschmückt. [Die Zuordnung des Namens ist unsicher.]
42.9 Die einsilbige „Berührungsperle“ schreibe man stets auf die Stirn; oder man schreibe die drei von Kālī, Tārā und Chinnā.
42.10 Auch zwei oder eines können geschrieben werden; dadurch erhält man deren Gestalt. Lakṣmī und Hara, Bindu und Māyā mit Kalā am Haupt werden genannt. [Die verschlüsselte Lautbildung bleibt unklar.]
42.11 Die einsilbige „Berührungsperle“ schreibe man stets auf die Stirn. „sauḥ“, Sundarī, die Berührungsvidyā, schreibe man stets auf die Stirn.
42.12 „aiṃ“, Bhairavī, die Berührungsperle, schreibe man stets auf die Stirn; „dhū/“, die Dhūmrā genannte Berührungsvidyā, ebenso. [Der Schrägstrich steht in der Vorlage; keine stillschweigende Ergänzung des Nasallauts.]
42.13 „vlū/“, die als Berührung bezeichnete Vasordhārā, schreibe man stets auf die Stirn; „drīm“, die anziehende Vidyā, ebenso. [Unsichere Bīja-Schreibungen sind bewahrt.]
42.14 „ā/“, die Wohlstand schaffende Vidyā, „hrī/“, die gefügig machende Kalā, und „am“, die anziehende Vidyā, schreibe man stets auf die Stirn.
42.15 „hrī/“, die zum Stillstand bringende Vidyā, und „hsau“, Parā, die sechzehnfache Vidyā, schreibe man stets auf die Stirn. [Die verschmolzene Lesung hsauparāṃ bleibt unsicher.]
42.16 Bei anderen Mantraritualen, Göttin, schreibe man Bīja und Śakti. Kālī, Tārā, Chinnamastā, Sundarī und Bagalāmukhī:
42.17 Wenn bei diesen fünf Vidyās der Guru keine entsprechende Einweihung besitzt, soll man beim Finden eines vollständig Geweihten erneut Einweihung empfangen.
42.18 Findet man einen mit den oberen Überlieferungsströmen Ausgestatteten, du mit lieblichen Worten, soll man erneut Einweihung empfangen, Göttin, selbst wenn man schon als vollständig gilt, Pārvatī.
42.19 Findet man einen Nirvāṇa-Eingeweihten, empfange man unbedingt Einweihung. Findet man einen mit dem sechsfachen Śāmbhava Verbundenen – die folgende Wortgruppe nirguṇairapi ist unklar –,
42.20 so wird der Mensch durch die Śāmbhava-Einweihung von Śambhus Gestalt. Andernfalls werde er arm und unvollständig, behauptet der Text.
42.21 Ein mit Medhā-Einweihung Verbundener ist im Kali-Zeitalter schwer zu finden; man findet einen solchen oder auch nicht, Geliebte.
42.22 Wer die Medhā-Einweihung besitzt, gilt als höher als Śiva. Wer mit Samrāṇmedhā verbunden ist, besteht gewiss aus Kālī und Tārā.
42.23 Wer mit Divyasāmrājya verbunden ist, besitzt die ewige Gestalt des Brahman. Ihn zu finden ist für den Übenden gewiss ein großes Glück.
42.24 In welchem Land ein bis zu Divyamedhā Eingeweihter erstrahlt, dieses Land ist Kālī gleich; Tārā selbst weilt dort.
42.25 Wenn man von ihm Einweihung empfängt, was wäre dagegen die Frucht der Askese, Śivā? Es lässt sich nicht aussprechen, Göttin; Śiva weiß es, sonst niemand.
42.26 Verborgen soll es bleiben, verborgen, sorgfältig verborgen. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 42. Kapitel namens „Darlegung der Vollendung der Verehrung“.
Paṭala 43: Vidyā-Vollendung und die Einheit von Śiva und Śakti
43.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Gott der Götter, Geliebter Umās, mir teurer als das Leben, Herr! Zuvor hast du die Bestimmung der Vollendung der Vidyās angedeutet.
43.2 Erkläre sie mir, Herr der Götter, wenn ich dir lieb bin. Der ehrwürdige Śiva sprach: Den innersten Gehalt des Wesentlichen, Göttin, das auch im Geheimen Verborgene,
43.3 erkläre ich aus Liebe zu dir, Maheśānī; höre nun. Kālī, Tārā und Chinnamastā werden auf dem Weg der Vīra-Praxis
43.4 innerhalb einer einzigen Nachtwache vollendet; daran soll kein Zweifel bestehen. Ohne diese Praxis, Göttin, durch zweihunderttausend Rezitationen je Silbe,
43.5 verleiht Kālikā Vollendung. Tārā wird im ehrwürdigen Śaivatattva [behandelt]. Chinnamastā wird durch vierundsechzig Lakh Rezitationen vollendet.
43.6 Sundarī verleiht gelegentlich durch vierundachtzig Lakh Vollendung, Bālā durch eine halbe Koṭi, Bagalā durch fünfundsiebzig [Lakh; Einheit aus dem Zusammenhang].
43.7 Die ehrwürdige Mahārājamātaṅgī wird durch einen Lakh je Silbe vollendet. Siddhavidyā, Maheśānī, wird durch einen Lakh im Monat vollendet. [māsalakṣa ist mehrdeutig.]
43.8 Mahālakṣmī, Bhuvanā und Dhūmāvatī, Geliebte, werden durch die Multiplikationsordnung der Vidyā vollendet, nicht anders.
43.9 Aus dem Namen der Vidyā beziehungsweise ihren Silben, Maheśānī, wird mithilfe der Mutterlaute die Verteilung der Faktoren vorgenommen. [Schon die Vorlage markiert die erste Wortgruppe als unsicher.]
43.10 Durch entsprechend viele Lakh werden sie vollendet, nicht anders. Durch Verbindung mit Bhairava verleiht das Śābara-System Vollendung.
43.11 Es wurde von den neun Nāthas geschaffen; Ādinātha ist Bhairava. Nach der Abfolge der zehn Vidyās wird die Frucht zehnfach erklärt, Göttin.
43.12 Wenn ein einziger Mantra vollendet ist, verleihen alle Vollendung. Nach sechsundfünfzig Ländern ergeben sich Unterschiede im Śābara.
43.13 Durch Verbindung mit Bhairava verleiht Śābara Vollendung, durch Verbindung mit Mahākāla oder mit Baṭuka.
43.14 Das vollendungswirksame Śābara, Göttin, ist zweifach: von den Nāthas gesprochen oder von Śambhu. Das von den Nāthas Gesprochene ist wiederum zweifach.
43.15 Nach dem Unterschied zur von Śiva gesprochenen Form wird innerhalb des Nātha-Bereichs das von den vierundachtzig Siddhas Gesprochene genannt; so sei Nātha zweifach. [Die Einteilung ist unklar und beginnt in der Vorlage mit einer offenen Klammer.]
43.16 Wenn eine Gottheit vollendet ist, sind die drei Welten vollendet. Besonders durch Baṭuka wird das Bewegliche und Unbewegliche verwirklicht.
43.17 Der erste ist Hetubaṭuka; als zweiter wird schlicht Baṭuka genannt, als dritter Tripurāntakabaṭuka.
43.18 Vahnivetālabaṭuka wird als vierter, Agnijihvabaṭuka als fünfter genannt.
43.19 Es folgen Śrīkālabaṭuka, Karālabaṭuka, Ekapādabaṭuka und Śrībhīmabaṭuka,
43.20 Trailokyabaṭuka und Śrīsiddhabaṭuka. Zehn Baṭukas werden als im Kali-Zeitalter unmittelbar vollendungswirksam bezeichnet. [Die vorausgehende Aufzählung enthält elf Positionen.]
43.21 Die als Söhne der Mütter bezeichneten Baṭukas wurden zuvor genannt. Durch die Verbindung mit Mahākrodha werden die Kinnarī-Scharen verwirklicht.
43.22 Bei Kālikā ist Mahākāla zugeordnet, beim Tāriṇī-Mantra Akṣobhya, bei Tripurā Rājeśa, bei Bagalā Tryambaka,
43.23 bei Mātaṅgī Maheśa, bei Bhuvaneśī Maheśvara, bei Mahālakṣmī Nārāyaṇa oder Mahādeva, Geliebte,
43.24 bei Chinnā Karāla, bei Siddhā Kukkuṭeśvara und bei Dhūmrā Aghora: So lautet die kurze Zuordnung.
43.25 Ohne Śakti besitzt der feine Śiva weder Namen noch Erscheinungsort. Ohne Śiva kommt der Bewusstseinskraft nirgends der Charakter einer Kalā zu.
43.26 Nach dem Gleichnis von Samen und Spross wacht der aus Śiva und Śakti bestehende Glanz stets, Herrin der Götter; die Erscheinung nimmt verschiedene Formen an.
43.27 In allen Haltungen gelten Baṭuka und Mahākāla; bei Tāriṇī wird Baṭuka, bei Kālī Kāla genannt.
43.28 Der ehrwürdige Krodha-Kreis, Göttin, gehört zum unterirdischen Überlieferungsstrom. Wie im Parā genannten Mantra der aus Śiva und Śakti bestehende Glanz
43.29 stets wacht und den ganzen Weltenkreis durchdringt, so ist die mit Bindu versehene Form Śiva zugeordnet, die mit Visarga endende Śakti.
43.30 Mit Bindu und Visarga versehen besteht die Kalā aus Śiva und Śakti; nach dem Gleichnis von Samen und Spross bleibt sie stets bestehen, bleibt sie bestehen.
43.31 Auf dem Weg der Vīra-Praxis wird auch ein kraftloser Mantra vollendet: Śakti-Mantra, Śambhu-Mantra, Śābara und Gāṇapatya,
43.32 Kaula, buddhistischer und vedischer Mantra sowie ein wilder Mantra, Pārvatī; nach der Mahāvidyā- oder Siddhavidyā-Abfolge,
43.33 auch nach der Vidyā-Abfolge wird auf dem Weg der Vīra-Praxis alles vollendet, Herrin der Götter; daran soll kein Zweifel bestehen.
43.34 Wie beim Leblosen durch die Ordnung der Totenerweckung wieder Leben entstehen soll, so durch die Verbindung mit dieser Praxis:
43.35 Alles wird vollendet, Herrin der Götter, ohne Zweifel. Bei jedem Mantra allein soll man die Vīra-Praxis ausführen, Maheśānī.
43.36 Bei Baṭuka, beim Hanuman-Mantra, bei Gāruḍa, Ceṭaka, Vetāla und Dhūmavetāla soll man die Vīra-Praxis ausführen. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 43. Kapitel namens „Bestimmung der Vidyā-Vollendung“.
Paṭala 44: Die Sundarī-Praxis im Vīra-Rahmen
44.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Praxisabfolge der Sundarī hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Aus Liebe zu dir wird das Geheimste der Geheimnisse offenbart.
44.2 Verborgen soll es bleiben, verborgen, wie die eigene Yoni. Dem vollendeten Mantra hingegeben, vollziehe man die Vīra-Praxis.
44.3 Sie bewirke Frucht für alle Wesen, die des Lebens entbehren. Nichts anderes verleihe Vollendung, Göttin, wenn die Vīra-Praxis fehlt.
44.4 Śrīvidyā sei im Kali-Zeitalter kraftlos und nur mit Mühe zu verwirklichen, wegen geringen rechten Wandels, Unrechts und Abirrens, Pārvatī.
44.5 Wessen Geist ist im von Übel erfüllten Kali-Zeitalter unerschütterlich? Auch wer mit allen Fehlern behaftet ist, aber mit der Vīra-Praxis verbunden,
44.6 erlangt dadurch Vollendung, Göttin; daran soll kein Zweifel bestehen. Keine Vollendung, keine Vollendung gebe es ohne Vīra-Praxis.
44.7 Selbst mit großen Vergehen belastet, aber mit Vīra-Praxis verbunden, werde man in der Welt vollendungswirksam und von allen Göttern verehrt.
44.8 Durch die Verbindung mit Vīra-Praxis entsteht Vollendung innerhalb einer einzigen Nachtwache. Am achten oder vierzehnten Tag beider Monatshälften,
44.9 nach anderthalb Nachtwachen, Göttin, vollziehe man die Vīra-Praxis. Ein junger, schöner, tapferer Mann, der dem Gegner im Kampf entgegentrat
44.10 und nicht floh: Die Leiche eines solchen großen Helden wird verlangt. Genannt werden Tod durch Stock oder Pfahl, Schlangenbiss oder Ertrinken,
44.11 durch Schwert, Gift, Durchbohrung oder Überwältigung durch einen Caṇḍāla und andere. Solche gelten als rasch vollendungswirksam; die zuvor genannten acht ungeeigneten Leichen lasse man beiseite.
44.12 Man nehme Vīra-Gestalt an und übe Vīra-Wandel; man fertige das Stirnzeichen wie zuvor und beschaffe die Opfermittel.
44.13 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Text verlangt einen extremen Vorsatz, der die Mantravollendung gegen das eigene Leben stellt, und setzt danach die Beschaffung der Ritualmittel fort.
44.14 Schaf, Büffel, Katze, Ziege, Hahn und Elefant werden genannt, ferner Rohzucker, Milchspeise, Modakas, Kuchen und Laḍḍukas,
44.15 Zitronen, Jackfrüchte und vielerlei wohlschmeckende Früchte, Pārvatī, zusammen mit Betel und anderem.
44.16 Muskatblüte und Muskatfrucht, Kaṅkola, Vijayā, Moschus, Kuṅkuma und die verschiedenen Speisemittel:
44.17 All dies wird gesammelt und an den vorgeschriebenen Ort gebracht – an eine Bilva-Wurzel, ins freie Gelände, in ein leeres Haus oder ans Flussufer,
44.18 ans Meer, in einen furchtbaren Wald, auf den Verbrennungsplatz oder einen freien Platz, in die Gaṅgā, an einen Teich oder in einen Frauenkreis,
44.19 besonders an ein einzelnes Liṅga oder mitten in einen Wald. In Vīra-Gestalt vollziehe man die Vīra-Praxis.
44.20 Den vollendeten Mantra voranstellend und nach dem Anblick der Gottheit verlangend, vollziehe man nach anderthalb Nachtwachen die Vīra-Praxis, Göttin.
44.21 Pflöcke aus Khadira oder Vaṭa werden genommen und in die zehn Richtungen gesetzt, Śivā; den Richtungshütern bringe man Opfergaben dar. [Die erste Mengenangabe ist beschädigt.]
44.22 Die Richtungsbindung geschieht nach der Sāmrājya-Maṇḍala-Ordnung, nach dem Vidyā-Maṇḍala und dem Weg der Mahāvidyā und der übrigen.
44.23 Den Gottheiten des Verbrennungsplatzes lasse man sorgfältig Opfergaben darbringen, danach Rājarājeśvara,
44.24 dann der ehrwürdigen Kurukullā, anschließend Cāṇḍālī, Baṭuka, Yoginī, Kṣetrapāla und der Gaṇeśa-Gestalt,
44.25 der Gottheit und dem Herrn der Lalitā: Allen werden Opfergaben gebracht. Nach der Verehrung mit Opfergaben vollziehe man die Vīra-Praxis.
44.26 Die Leiche des Helden wird sorgfältig gewaschen, die Stirn mit Zinnober bezeichnet; Augenschwärze, Salbe und Öl mit Moschus und Kuṅkuma werden verwendet.
44.27 Betel wird in den Mund gelegt, die Übergabe mit Milch vollzogen; der Held wird sorgfältig mit dem Ritualmittel gewaschen, Herrin der Götter.
44.28 Eine vorwiegend aus Fleisch bestehende Speisegabe, Fisch und Mudrā werden sorgfältig dargebracht, Herrin der Götter, mit Gewürznelken, Kardamom und anderem.
44.29 Räucherwerk mit Kampferduft wird genannt, aus acht oder fünf Duftstoffen, aus sechzehn, zehn oder achtzehn Bestandteilen,
44.30 ferner Sandelholzräucherwerk und solches aus Adlerholz, Guggulu, Lohabāṇa, Rāla und Zedernholz,
44.31 Lackharz, Rohzucker, Kuhbutterfett oder Zucker, Māṃsī und Nakha oder allein Kampfer,
44.32 Sandelholz, Adlerholz, Duftessenz, Śilārasa und die Essenz aus dem Malaya-Gebirge, entsprechend den paarweisen Unterschieden der Vidyās.
44.33 Nach der Abfolge der zehn Vidyās habe ich es dir genannt. Räucherwerk aus Zedernholz wird als Vernichter aller störenden Wesen beschrieben.
44.34 Nach dieser Räucherung hält man ein Schwert, mit gelöstem Haar und unbekleidet; der unterstützende Übende bleibt in einiger Entfernung.
44.35 Man entzünde sorgfältig eine Lampe und lasse sich nicht durch Hindernisse verwirren. Der Held wird in die Mitte gelegt und sein Haarschopf gebunden.
44.36 Auf den Rücken wird das Yantra geschrieben; Füße und Mund werden gebunden. Das Platznehmen wird mit dem Besteigen eines Pferdes verglichen.
44.37 Acūḍaka befindet sich im Osten, Mṛdu im Süden, Komala im Westen und drei Schädel im Norden.
44.38 Dann wird die Leiche der Reihe nach verehrt, mit den Mantras Vīrārgalā, Aghora, Cakra und Pāśupatāstra,
44.39 ferner dem Jayadurgā-Mantra und der Bitte an den Helden. Die Formeln „tilo ’si“ und die mit Gerste verbundene werden genannt.
44.40 Man setze sie an ihren jeweiligen Stellen nach der vorgeschriebenen Weise ein; nach Kenntnis von Seher, Versmaß und den übrigen Zuordnungen vollziehe man die angegebene Meditation.
44.41 Man verehre die eigene erwählte Gottheit mit ihren Gliedern und ihrem umgebenden Kreis, Geliebte, oder mit den fünf Verehrungsmitteln, und rezitiere ungeteilt gesammelt.
44.42 Man soll sich nicht fürchten, Herrin der Götter, und die Welt wie einen Traum betrachten. Gottheiten, Himmelsgänger, Siddhas, Bhairavas und Yātudhānas
44.43 kommen nach Aussage des Textes, um zu täuschen; davor soll man sich nicht fürchten. Tiger, Waffen, Schlangen, Skorpione und wilde Geschöpfe,
44.44 verzerrte, furchtbare Gestalten, Meer und das Herabfallen des Himmels, verstorbene Vorfahren und königliche Peinigungen werden genannt.
44.45 Blaues, ein Hahn oder Nektar mögen erscheinen – die Aufzählung ist unklar. All dies soll wie Stroh gering geachtet werden, bei fester innerer Haltung.
44.46 Man rezitiere sorgfältig, Göttin, bis die Gottheit Gaben verleiht. Die zuerst auf Sanskrit spricht, wird als die Göttin bezeichnet.
44.47 Von ihr soll die Gabe angenommen werden; jene Śivā spricht dreimal. Ein Sanskrit sprechender Brahmane wird als Bhairava bezeichnet.
44.48 Welche Opfergabe sie auch fordert, Göttin, man gebe sie sorgfältig: Menschen, Elefanten oder Büffel,
44.49 jedoch als Figuren aus Reisteig oder aus gemahlenem Gerstenmehl gefertigt. An einem folgenden Tag bringe man sie dar, empfange die Gabe und sei glücklich.
44.50 Alle Materialien einschließlich der Leiche werden in eine Grube gelegt. Ein Heldenkampf mag dort entstehen; der Mensch soll dabei fest bleiben.
44.51 Einundzwanzig Tage lang soll man es verborgen halten. Das Hören von Gesang werde mit Taubheit, Gemeinschaft mit einer Frau mit Krankheit bestraft, droht der Text an.
44.52 Ohne Feueropfer gebe es keine Vollendung; ohne Brahmanenspeisung entstehe Armut, Göttin. Daher sollen alle Teile vollendet werden.
44.53 Nach dem Trinken von Bilvablattwasser soll alles vollendet werden. Achtzehnfacher Śaktipāta entstehe, Göttin.
44.54 Man werde Herr von sechzig Vollendungen, ohne Zweifel, Herr der acht Vollendungen wie Aṇimā, rechtschaffen und erfolgreich.
44.55 Welche Vollendungen auch im Weltenei und auf der Erde bestehen, alle stehen zu seinen Füßen, Göttin.
44.56 Bhairavas, Himmelsgänger, Yakṣas, Kinnaras, Apsaras-Scharen, Yātudhānas, Nāgas, Dānavas, Daityas und Rākṣasas,
44.57 Kuṣmāṇḍas, Bhūtas, Piśācas, Preta-Arten, Nivātakavacas und andere sowie Brahmarākṣasas,
44.58 Vetālas, Sādhyas, Siddhas, Yakṣiṇī-Scharen, Rākinī- und Kinnarī-Gruppen, Bhūtinīs, Ceṭakas und weitere:
44.59 Große Zauberkunst und die von Indra und anderen gelangen zu seinen Füßen. Nach der Übergabe mit Wein werde man Herr der Vollendung.
44.60 Für den Brahmanen besteht der Wein aus Rohzucker und Ingwersaft. Verborgen soll es bleiben, verborgen, wie die eigene Yoni.
44.61 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Praxis wird als Geheimstes der Geheimnisse bezeichnet; die Geheimhaltung wird rhetorisch sogar über das eigene Leben gestellt.
44.62 So wurde es im Vidyā-Ritual, besonders bei Śrīvidyā, erklärt, auch bei Baṭuka, Kṣetrapāla, Gaṇeśa und Śaṅkara.
44.63 Diese Praxis habe ich genannt; sie soll wie die eigene Yoni verborgen werden. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 44. Kapitel namens „Die Sundarī-Praxis“.
Paṭala 45: Geburt und Tod des Mantras: die Sūtaka-Deutung
45.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, Śaṅkara, Gebieter, höchste Ursache der Götter und aller anderen! Du hast zuvor die Bestimmung der vorzüglichen Sitze angedeutet,
45.2 die Anrufung der Gottheit, die Bestimmung der beiden Unreinheitszeiten, die Bestimmung der Lebenskraft des Yantras und die der rituellen Entlassung,
45.3 die Ordnung der Überlieferungen nach Śiva und Śakti sowie die zehn Räucherwerke nach der Abfolge der zehn Vidyās.
45.4 Zuvor hast du dies angedeutet, Herr, aber mir nicht offenbart. Erkläre alles, Gebieter, wenn ich dir lieb bin.
45.5 Der ehrwürdige Śiva sprach: Wie soll ich dir das Geheimste der Geheimnisse erklären? Dennoch wird es aus Liebe zu dir ausgesprochen; höre nun.
45.6 Weil es die Grundlage von allem bildet, folgt die Bestimmung des Sūtaka; die vorzüglichen Sitze werden in einem anderen Abschnitt behandelt. Alles wird erklärt, höre!
45.7 Am Anfang besteht Geburtsunreinheit, am Ende Todesunreinheit. Ein mit beiden Unreinheitszeiten behafteter Mantra wird nicht vollendet.
45.8 Am Anfang besteht Geburtsunreinheit, am Ende Todesunreinheit. Ein mit beiden Unreinheitszeiten behafteter Mantra wird nicht vollendet. [Dieser Vers wiederholt den vorigen wörtlich.]
45.9 Die Meditation über Guru und Kuṇḍalinī wird als Hochzeit bezeichnet; die zweite Ankunft ist das Bad, die Verbindung das Laben.
45.10 Die Arghya-Gabe ist die Empfängnis, Gāyatrī das achte Schwangerschaftsmonat. Von der Elementeläuterung bis zur Einsetzung des Atems werden die Glieder gestaltet.
45.10 [zweite Nennung] Durch Mātṛkā wird der Körper erlangt, Prāṇāyāma ist seine Zurüstung. Bei Meditation und Aussprechen wird die Geburt des Kindes angesetzt, Maheśānī. [Die Vorlage zählt nochmals 10.]
45.11 Durch das Aussprechen des Mantras, Göttin, entsteht die sogenannte Geburtsunreinheit. Um diesen Fehler zu beruhigen, große Herrin,
45.12 rezitiere man nach Vermögen zehn-, zwanzig- oder fünfzigmal, Śivā. Die zehnteilige vorbereitende Praxis und die zehn Saṃskāras werden genannt.
45.13 Diesen Anfang habe ich erklärt; höre nun das Ende. Saṃskāras in Siebener- und Neunergruppen sowie Regungslosigkeit im Herzen werden genannt, Śivā. [Die knappe Aufzählung bleibt dunkel.]
45.14 Der freudige Añjali, jener Kreis und die Praxis seiner Vollendung, die Haltung „Ich bin Das“, das Erlangen der Mātṛkā und das Zusammenkommen der fünf Bewusstseinskräfte,
45.15 die Erkenntnis der Glieder und die Wesenseinheit werden anschließend genannt. Die rituelle Entlassung, Maheśānī, wird Todesunreinheit genannt.
45.16 Um die Todesunreinheit zu beruhigen, rezitiere man zehn- oder zwanzigmal. Dadurch hört sie auf, ohne Zweifel.
45.17 Kerala, Kāśmīra und Gauḍa bilden den dreifachen Weg. In den drei Überlieferungen besteht jeweils wieder eine Dreiheit.
45.18 Śaiva-Kerala, Śakti-Kerala und Śiva-Śakti-Kerala werden als drei bezeichnet, Göttin.
45.19 Nach rein, wild und verborgen wird Kerala neunfach; Kāśmīra und Gauḍa werden ebenfalls jeweils neunfach.
45.20 Der Vilāsa genannte Weg ist dreifach, Göttin; weitere Unterschiede bestehen. In der Kerala-Überlieferung erfolgt die Entlassung ins Herz.
45.21 Mantra, Herz, Gottheit und Śambhu werden genannt, dann die Entlassung in den Sahasrāra. [Der Anschluss ist unsicher.] In der Kāśmīra-Überlieferung geschieht die Entlassung in den Sahasrāra.
45.22 Auf dem Gauḍa-Weg, Maheśānī, erfolgt die Entlassung ins Herz. Die Entlassung und die Bestimmung des Sūtaka wurden damit erklärt.
45.23 Höre aufmerksam, Herrin der Götter; ich erzähle das Geheimnis. Für den Mantra wird Sūtaka ebenso wie für einen Menschen beschrieben.
45.24 Am Anfang Geburtsunreinheit, am Ende Todesunreinheit. Während beider Unreinheitszeiten soll man den Mantra nicht laut aussprechen, Göttin.
45.25 Die Dämmerungsverehrung bis zur Arghya-Gabe vollziehe man im Geist, höchste Herrin. Śālagrāma und Götterbild soll man dann nicht berühren, Geliebte.
45.26 Durch Berührung werde der Mensch sündig, behauptet der Text, ohne Zweifel. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 45. Kapitel namens „Bestimmung des Sūtaka“.
Paṭala 46: Mantrarezitation, Finsternis und vollständige Weihe
46.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Erkläre mir, was du zuvor angedeutet hast.
46.2 Zuvor sagtest du, Herr der Götter, die Aufgabe des Mantras führe zu Armut. Nach der Einweihung soll man den Mantra täglich rezitieren, großer Herr.
46.3 Selbst am Lebensende solle er nicht aufgegeben werden; durch Aufgabe ziehe man einen Fluch auf sich. Man solle täglich sorgfältig Rezitation, Verehrung und nochmals Rezitation vollziehen.
46.4 Nach der Verehrung solle der Mantra rezitiert werden, nicht aber als bloße Rezitation allein. So hast du gesprochen, Herr. Wie kann jener Mantra dann aufgegeben werden?
46.5 Der ehrwürdige Śiva sprach: Die vorherige Vorschrift gilt für Paśus, besonders für Vaiṣṇavas. Die Dämmerungsverehrung ist dort vedisch, bei dir wird sie auch als geistig beschrieben.
46.6 Beim Śakti-Mantra vollziehe man die tantrische Verehrung zu den drei Tagesübergängen, große Herrin. Wer keine vollständige Weihe besitzt, verehre mit fünf Verehrungsmitteln.
46.7 Mit den Verehrungsmitteln verehre man in einer Lampe, an einer Wand, im Wasser, Geliebte, im Spiegel oder im ehrwürdigen Guru; dies gilt für den Paśu-Bereich. [Letzte Wortgruppe unklar.]
46.8 Wer die vollständige Weihe besitzt, ist von vollständiger Gestalt. Wer ist der Verkörperte, wessen ist der Körper, wem gehören Glück und Leid?
46.9 Wer wird geboren, wer stirbt, Göttin? Alles ist von der Gestalt des Brahman. Namenrezitation und Mantrarezitation,
46.10 Nāḍī-Rezitation, Cakra-Rezitation, Yantra-Rezitation, Göttin, und die vier Dämmerungsverehrungen,
46.11 Tausende Prastāra-Anordnungen, die Gestalt des Upasthāna, Tausende Āvaraṇas und die wunscherfüllende Liane der Vidyā werden genannt,
46.12 die Kette der Einweihungsstufen in zweiundzwanzig Abfolgen. Wer die sechs Überlieferungsströme kennt und der großen Pañcikā-Abfolge folgt,
46.13 wer Herr der Kādi- und Hādi-Lehre ist: Woher sollte ihm Sūtaka zukommen? Ebenso der dem oberen Überlieferungsstrom Zugehörige und der in die Caraṇas Eingeweihte,
46.14 der mit vier Caraṇas Ausgestattete, der der sechsfachen Anvaya-Abfolge folgt, der mit Medhā-Einweihung und Sāmrājyamedhā Verbundene,
46.15 der die Pādukā des ehrwürdigen Gurus, die große Pādukā, die Nirvāṇa-Pādukā und die Śrīmūrti-Pādukā kennt,
46.16 die Vārāhī-Pādukā, die Mātaṅgī-Pādukā, die Śāmbhavī genannte und die ehrwürdige Medhā-Pādukā:
46.17 Wo sollte für ihn Sūtaka bestehen? Er ist von vollständiger Gestalt. Zu welcher Zeit jedoch die Erinnerung an Mantra und Gottheit verloren geht,
46.18 das wird Tod genannt; der gewöhnliche Tod ist nicht der eigentliche Tod. Leben besteht zu der Zeit, da lebendige Hinwendung besteht. [sambhrama kann auch Erregung oder ehrfürchtige Regsamkeit bedeuten.]
46.19 Die vier Veden und die Nebenveden stehen an den Toren des Śrīcakra. In welchem Land ein vollständig Geweihter erstrahlt, Herrin der Götter,
46.20 jenes Land wird ringsum für eine Koṭi Yojanas gesegnet. Weder Krankheit noch Tod, Feind oder Furcht bestünden dort, behauptet der Lobpreis.
46.21 Der von vollständiger Gestalt wird Śiva genannt; er ist Śiva selbst, ohne Zweifel. Was soll man von einem Menschen mit vielen Mantras noch sagen? Er ist Śiva selbst.
46.22 Die vollständige Weihe gilt im Ritual der zehn Vidyās, Herrin der Götter. Vier Unterschiede werden in der Hādi-Lehre, vier in Kādi genannt.
46.23 Pañcaratneśvarī ist zweifach nach Hādi und Kādi: wild nach der Kādi-, mild nach der Hādi-Abfolge.
46.24 Nach Kādi und Hādi, in den beiden Formen wild und mild, Śivā, wird die glückverheißende Weihe beschrieben, die umfassende Herrschaft verleiht.
46.25 Die ehrwürdige Göttin sprach: Wie verhält es sich mit jemandem ohne Weihe, der während einer Finsternis die vorbereitende Praxis ausführt? Erkläre dies.
46.26 Der ehrwürdige Śiva sprach: Keine Zeit wird mehr gepriesen als die Sonnenfinsternis. Was während einer Sonnen- oder Mondfinsternis getan oder veranlasst wird,
46.27 wird unvergänglich; die Vidyā gilt als vollendungswirksam. Geburts- und Todesunreinheit bestehen während einer Finsternis nicht, Pārvatī.
46.28 Es besteht die Unreinheit der Sonne, Maheśānī; keine andere tritt hinzu. Bad, Gabe, Rezitation, Feueropfer, Besprengung und Laben
46.29 sowie Brahmanenspeisung sollen nach den eigenen Kräften vollzogen werden, höchste Herrin. Schon durch den Vorsatz soll bei Mond- und Sonnenfinsternis Vollendung entstehen.
46.30 Einweihung, Rezitation an einem heiligen Sitz, vollständige Mantrarezitation sowie die Ordnungen für Namen, Nāḍīs, Cakras und Mantras werden genannt.
46.31 Die vollständige Weihe kann bei Mond- oder Sonnenfinsternis, Śivā, auch während Sūtaka geschehen. Woher sollte dem Vollständigen Sūtaka zukommen?
46.32 Feueropfer und die übrigen Handlungen erfolgen nach dem Ende der Unreinheitszeit; ein Ersatz wird genannt, dessen Bezeichnung moṇaḥ beschädigt ist. Bei Kālī, Tārā, Chinnamastā und Sundarī, höchste Herrin,
46.33 besteht besonders kein Sūtaka. Zu jeder Zeit rezitiere man Śivā. Durch die Weihe werde man rein, allgestaltig und ewig.
46.34 Die Weihe besitzt die vollständige Gestalt und verleiht die Frucht aller Vollendungen. Sie wird nach verschiedenen verbundenen Abfolgen beschrieben.
46.35 Selbst ein Caṇḍāla, der die vollständige Weihe besitzt, ist ein Brahman-Seher, Maheśānī; daran soll kein Zweifel bestehen.
46.36 Selbst der vorzüglichste Seher ohne vollständige Weihe, Pārvatī, wird hier als geringer Brahmane bezeichnet; durch die Weihe hingegen als hervorragender Zweimalgeborener.
46.37 Durch die Weihe wird man vorzüglich, nicht durch höheres Alter. Ein ehrwürdiger Alter ohne Einweihung und ein Kind mit Einweihung werden gegenübergestellt:
46.38 Der mit vollständiger Gestalt ist der Vorzüglichere; das Alter ist hier kein Grund. Selbst wer der Caṇḍāla-Gruppe angehört und vollständige Einweihung besitzt,
46.39 ist von Śivas Gestalt, ohne Zweifel. Rezitation, Verehrung, Askese, Feueropfer und Brahmanenspeisung
46.40 lasse man sorgfältig ausführen, Göttin, ohne Unterbrechung zu schaffen. Zuerst geistige Verehrung, danach große Verehrung
46.41 lasse man sorgfältig vollziehen, Göttin, ohne Zweifel. Für Paśus ohne vollständige Weihe wird gelegentlich bloße Rezitation
46.42 genannt, Maheśānī; diese Rezitation wird hier jedoch als fruchtlos beurteilt. Selbst wer die drei Zeiten kennt und die drei Welten anzuziehen vermag,
46.43 soll den weltlichen Brauch nicht einmal im Geist übertreten. Wer von solchen Bedenken erfüllt ist, dessen Verehrung, große Herrin,
46.44 lasse man sorgfältig durch den Guru, einen Guru-Bruder oder den Ācārya ausführen; man soll den Mantra nicht bloß für sich rezitieren.
46.45 Bloße Mantrarezitation wird als Name bezeichnet. Verborgen soll es bleiben, verborgen, wie die eigene Yoni. So wurde es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 46. Kapitel namens „Vorschrift der Mantrarezitation“.
Paṭala 47: Yantra-Einsetzung, Räucherwerke und Reitsitze
47.1 Die ehrwürdige Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung des Aufstellens eines Yantras hören. Der ehrwürdige Śiva sprach: Man lasse ein Yantra aus Bergkristall, Gold oder Silber fertigen, Geliebte.
47.2 Das Yantra wird als Haus und als Sitz bezeichnet. Wird die Göttin im Yantra verehrt, wird sie sogleich gnädig.
47.3 Bei Śālagrāma, Bāṇaliṅga, lebendigem Kreis, fest eingerichtetem Yantra und Bild gibt es weder Anrufung noch Entlassung, große Herrin.
47.4 Nach der Einsetzung eines großen Yantras entlasse man dieses Yantra nicht wieder. Nachdem es eingesetzt wurde, vergegenwärtige man darin die Vidyā.
47.5 Man vollziehe dort die Einsetzung des Lebens und vergegenwärtige die Vidyā ebendort. Zuerst setze man das Yantra ein, dann die Gottheit darin.
47.6 Dann gibt es keine Entlassung und auch keine erneute Anrufung. Man setze die innere Kalā ein und richte auf diese Weise das Yantra ein. [Die Vorlage liest antaḥ kālam; die Deutung als Kalā ist unsicher.]
47.7 Man meditiere dort über die Gestalt, die im eigenen Herzen weilt, verehre und entlasse sie. Ist jedoch eine dauerhafte Einsetzung der Gottheit erfolgt, gibt es keine Entlassung.
47.8 So wurde es in Kürze erklärt. Höre nun die zehn Räucherwerke nach der Abfolge der zehn Vidyās, Weise; sei aufmerksam.
47.9 Lohabāṇa und sechzehnteiliges Räucherwerk werden bei Śrīvidyā genannt, Adlerholz und zehnteiliges bei Kālī, Göttin.
47.10 Achtzehnteiliges Räucherwerk und Sandelholz gelten bei Tārā; fünfteiliges und Guggulu bei Chinnā, Göttin.
47.11 Schwarzes Adlerholz und gelbe Essenz gehören zum Brahmāstra-Mantra. Gemischtes Adlerholzräucherwerk wird bei Mātaṅgī genannt.
47.12 Moschus, Kampfer und acht Duftstoffe werden für Bhairavī genannt, Göttin; Śilārasa darf nicht fehlen. [Die Zuordnung setzt sich möglicherweise in den nächsten Vers fort.]
47.13 Bei Bhuvaneśī wurde es von mir genannt; Sandelholz gehört zum Kamalā-Mantra, Lackharz und Rohzucker zu Dhūmrā. Im Ritual der Siddhavidyā, Śivā,
47.14 werden alle Räucherwerke genannt. Höre nun die vorzüglichen Sitze, Göttin. Sie werden erklärt, Herrin der Götter; sei freundlich zugewandt.
47.15 Bāṇa, Dundubhi, Vīṇā, Bherī, Instrumente und Flöten, Muschelhörner, Glocken, Fahnen und anderes: dreihundertfünfundzwanzig werden genannt.
47.16 Bei der Anwendung der vorzüglichen Sitze gilt dies als überall schwer zu erlangen. Stotra-Lesung, Kavaca und die tausend Namen,
47.17 Verehrung und Rezitation werden bei dieser vorzüglichen Verbindung genannt, Göttin. Wann und wo auch immer eine Aufgabe entsteht, Pārvatī,
47.18 kann dort Rezitation, anderswo Feueropfer oder Verehrung erfolgen. Was man an einem Ort vorfindet, das soll man dort ausführen.
47.19 An manchen Orten Laben, an anderen Lesung; an manchen Verehrung und Feueropfer, an anderen Brahmanenspeisung.
47.20 Man verfahre nach dem Verfügbaren, besonders bei Śābara und den übrigen Wegen. Bei der vorzüglichen Anwendung, Herrin der Götter, ist die Gesamtheit der Sitze zweifach:
47.21 Körperhaltungen und durch besondere Benennung bezeichnete Sitze. Bhadra und die übrigen sind Körperhaltungen, Maheśānī.
47.22 Tigerfell, Schädel, Decken, Häute, Pflanzenmaterial, aus Kamelmaterial gefertigte Sitze und Kuśa und das Übrige der Reihe nach:
47.23 Diese habe ich dir als durch besondere Benennung bezeichnete Sitze beschrieben. Bei jedem besteht eine zweifache Unterscheidung, große Herrin:
47.24 unbelebt und belebt; sie bewirken alle Vollendungen. Fehlen belebte, nimmt man unbelebte, große Herrin.
47.25 Die belebten sind vorrangig und geheim, große Herrin: Pferdesitz, Elefant, Sänfte und Mensch,
47.26 Büffel, Stier, Bär und Affe, Tiger, Hund und Schakal, Göttin, Schaf und Ziege, höchste Herrin,
47.27 Kamel, verschiedene Wildtiere, Kuśa und Erde als Material, Hund, Hahn, Makara und Śara [Bezeichnung unklar],
47.28 Gayal, Eber, Śivira und Śabara [beide unklar], Boot, Wagen, Lastwagen und bequemer Sitz,
47.29 Tragstange, Sänfte, Rad, Radschaukel, ein als Haus bezeichneter Sitz, Fußsitz, Aufstieg und Kokospalmensitz,
47.30 Arekapalme, Madhuka, Arka, Vaṭa, Aśvattha und Tāla, Dattelpalme, Pippala, Plakṣa, Śamī und Jambū,
47.31 Sitze aus den Wunschbäumen von Tārā, Kālī, Chinnamastā und Śrīvidyā; Hund, Schildkröte, Nashorn und der Elefant genannte bequeme Sitz,
47.32 Elefantensitz, Göttin, und tararatha [Lesung unklar], Stier-, Pferde- und Büffelsitz, Pārvatī,
47.33 Menschengetragenes Fahrzeug, Königsfahrzeug, Schirmfahrzeug, Fahrzeug des Herrschers und das als Pferdeherr bezeichnete,
47.34 das als Elefantenherr bezeichnete und der Sāmrājya-Wagen: Die vorzüglichen Sitze habe ich dir genannt, Herrin der Götter.
47.35 Hundertsiebzig, Herrin der Götter; höre ihre Unterschiede, Geliebte. Nach Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras werden sie vierfach geordnet.
47.36 Höre die Zahl nach Länderunterschieden, Maheśānī, große Herrin. Pferde werden als fünffach beschrieben, ihre Arten als achtzehn.
47.37 Aus Bāhlīka, Kāmboja, Koṅkaṇa und Irāka sowie als fünfte aus dem Wald. Höre ihre Farben, Geliebte.
47.38 Alle sind Pferde der Sonne; nach Farbunterschieden erhalten sie Planetenzuordnungen: Sonne, Mond, Mars, Merkur und Jupiter,
47.39 Venus, Saturn, Rāhu und als neunter Ketu. Nach neun Farben oder nach fünf Farben werden sie geordnet.
47.40 Durch jeweilige Mischungen ergeben sich neunundachtzig; nach der Fünffarbenordnung fünfundzwanzig Arten. [Die Rechnungsgrundlage ist nicht erklärt.]
47.41 Die Zahl hundertfünfundzwanzig entsteht durch Hinzunahme von Śyāmakarṇa; durch gegenseitige Mischungen dreihundertfünfundsiebzig. [Die Zahlenfolge bleibt unverändert.]
47.42 Ihre Früchte werden nun erklärt, Maheśānī; höre! Auf einem sonnenfarbenen Pferd rezitiere man zwanzigtausendmal.
47.43 Man werde Sieger über die drei Welten, ohne Zweifel. Für Kavaca, Stotra-Lesung und die tausend Namen
47.44 wird allgemein eine Zahl von gajāntakasahasra genannt [nicht sicher auflösbar]. Auf einem mondfarbenen Pferd rezitiere man Śivā zehntausendmal.
47.45 Man werde Herr von Ruhm und Glück, ohne Zweifel. Auf einem marsfarbenen Pferd rezitiere man den Mantra dreitausendmal.
47.46 Auch ein Armer werde reich, ohne Zweifel. Auf einem merkurfarbenen Pferd rezitiere man dreißigtausendmal.
47.47 Ein Kranker werde von Krankheit frei, ein Armer erlange Reichtum, behauptet der Text. Auf einem jupiterfarbenen Pferd rezitiere man neuntausendmal.
47.48 Man werde Herr der neun Schätze, ohne Zweifel. Auf einem venusfarbenen Pferd vollziehe man hunderttausend Rezitationen.
47.49 Man werde Herr aller Vollendungen, ohne Zweifel. Auf einem saturnfarbenen Pferd rezitiere man stets dreitausendmal.
47.50 Von allen Bedrängnissen befreit werde der Mensch einem Gott gleich. Auf einem rāhufarbenen Pferd siebzigtausendmal
47.51 rezitierend werde der Mensch Herr des Glücks. Auf einem ketufarbenen Pferd fünfundzwanzigtausendmal
47.52 rezitierend werde er Sieger über ein fremdes Reich. Auf einem weißen Pferd rezitiere man den Mantra hunderttausendmal.
47.53 Nach Überwindung des feindlichen Heeres werde der Mensch Herrscher eines Reiches. Einen Pferde-Tiger-Sitz einrichtend vollziehe man zehntausend Rezitationen.
47.54 Ob Stotra, Kavaca, Name oder irgendeine Rezitation, Śivā: Der Mensch erlange sein Begehren und werde Sieger über die drei Welten.
47.55 Dies sind gewiss lebendige Sitze, Herrin der Götter. Welchen Wunsch man auch hegt, den erlange man gewiss.
47.56 Sie sind für bloße Rezitation, bloße Lesung, Feueropfer und die übrigen Handlungen bestimmt. Auf einem weißen silbernen Sitz rezitiere man dreihunderttausendmal.
47.57 Man besiege Indra und andere im Kampf und werde Sieger auf Erden. Auf einem weißen Sitz werden zwölftausend [Rezitationen] genannt.
47.58 Man werde Sieger über die drei Welten, Könige werden Diener, und Schätze werden genossen. Auf einem weiß-bunten Sitz rezitiere man den Mantra allein, Śivā.
47.59 Auf einem roten Sitz rezitiere man täglich tausendmal. Der folgende Halbvers wiederholt die tägliche Tausenderrezitation und nennt ein feindliches Heer, ist aber syntaktisch beschädigt.
47.60 Auf einem schwarzen Sitz rezitiere man fünftausendmal; durch Kālīs und Tārās Gnade werden Feinde zu Dienern.
47.61 Auf einem gelben Sitz rezitiere man den Mantra hunderttausendmal; der Mensch werde König der Könige, ohne Zweifel.
47.62 Auf einem blauen Pferd vollziehe man fünfzigtausend Rezitationen; man werde Herr aller Vollendungen, ohne Zweifel.
47.63 Auf einem grünen Pferd rezitiere man zweihunderttausendmal; man erlange die Stellung des Erdherrschers und genieße die drei Welten.
47.64 Auf einem grauen Pferd rezitiere man täglich fünftausendmal; innerhalb eines Monats werde ein Vetāla gewiss zum Diener.
47.65 Auf einem dunklen Pferd vierzigtausendmal rezitierend werde der Mensch Viṣṇu selbst, ohne Zweifel.
47.66 Auf einem gelbbraunen Pferd rezitiere ein König hunderttausendmal. Auf einem vikala-Pferd [Merkmal unklar] bringe man die drei Welten unter seine Gewalt.
47.67 Auf einem kurvara-Pferd [Lesung unklar] siege man durch Rezitation über die Welt. Täglich dreihundertmal rezitierend erlange man innerhalb eines Monats Vollendung.
47.68 Auf einem rauchfarbenen Pferd werde der Übende allwissend. Auf einem vielfarbigen Pferd rezitiere man täglich nur hundertmal.
47.69 Durch bloß hundert Rezitationen verleihe die Göttin nach einem Monat Gaben. Auf zwei-, drei-, vier-, fünf- oder sechsfarbigen Pferden rezitiere man zehntausendmal.
47.70 Reichtum und Genuss, Königtum, Weltenherrschaft und umfassende Macht werden der Reihe nach als Früchte genannt, höchste Herrin. [Die Gliederung der Früchte ist nicht ganz eindeutig.]
47.71 Wenn die Verbindung von vier Sitzen überall vorhanden ist, Göttin, was hätte der Übende dann nicht stets in seiner Hand?
47.72 Durch die Achtzehnheit erlange man entsprechend Vollendung der Rede. Allein durch den Vorsatz entsteht gewiss Vollendung, Herrin der Götter.
47.73 Die Frucht der glatten Pferde und der Koṅkaṇa-Pferde wurde genannt, Śivā; dies sei von den Śūnyavādins erklärt worden, höchste Herrin. [Der Halbvers ist beschädigt.]
47.74 Bei Kāmboja-Pferden gelingt es durch Rezitation innerhalb einer Monatshälfte; bei Bāhlīka-Pferden entsteht die Frucht innerhalb von drei Tagen, Göttin.
47.75 Bei Gebirgspferden entsteht die Frucht gewiss nach einem Monat. Die folgende Aussage über Farben und fünf Glieder ist nicht sicher lesbar.
47.76 Nach der Gangart besteht eine Fünffachheit, besonders bei Gebirgspferden. Mit fünf vervielfacht werden dreiunddreißigtausend genannt.
47.77 Ebenso habe ich eine Achtzehnerzahl genannt, große Herrin. Nach verschiedenen Aufenthaltsorten ergeben sich im Kali-Zeitalter Arbuda-Zahlen. [Die Berechnung ist nicht rekonstruierbar.]
47.78 Die Pferde wurden von mir beschrieben, Göttin; damals wurden ihre Flügel abgeschnitten. Kavaca, Stotra-Lesung und die tausend Namen wurden genannt.
47.79 Auch bei bloßer Rezitation soll dies von jenen ausgeführt werden, die alle Vollendungen wünschen. Für Mischformen entsteht gewiss dieselbe Frucht. [Die Vorlage liest śaṅkarāṇām; die Deutung als Mischformen folgt dem Kontext.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 47. Kapitel namens „Der Pferdesitz“.

Paṭala 48: Elefanten-, Tiger- und andere Ritualsitze
Die folgenden Kapitel ergänzen die elektronische Vorlage nach dem Grundtext der Druckausgabe von 1941. Variantenapparat und moderne Kommentare sind nicht Bestandteil der Wiedergabe.
48.1 Śrī Śiva sprach: Früher lebten die Elefanten glücklich im Himmel; sie bewegten sich nach Wunsch durch die Luft. Durch den Fluch eines Weisen gelangten sie auf die Erde und wurden im Kali-Zeitalter zu Waldbewohnern.
48.2 Vier Arten von Elefanten entstehen: Bhadra, Manda, Mṛga und Miśra; sie werden, große Herrin, in der Folge der östlichen, nördlichen und südlichen Richtungen angeordnet. [Die Aufzählung nennt vier Arten, aber nur drei Richtungen.]
48.3 Im Osten wird Gaṇeśvara genannt, Göttin, im Norden Nīlakaṇṭha. Vom östlichen Bereich sind die Elefanten beschrieben; im Süden gibt es zwei Arten. [Die syntaktische Verbindung mit dem vorhergehenden Vers ist unklar.]
48.4 Sie heißen die überaus hohe und die sehr niedrige Art. Die hohe gehört zum Malaya-Berggebiet, die niedrige entsteht im Meer. [Der Druck liest an der Gebietsbezeichnung „malyādrikṣe“; die Auflösung bleibt unsicher.]
48.5 Auch dort unterscheidet man die behaarte und die stark behaarte Art. In der Folge von Osten und Norden wird die Zahl acht angegeben.
48.6 Im Süden heißt es ebenfalls achtfach; so werden insgesamt sechzehn unterschieden. Auf einem Elefantensitz soll man zweihunderttausendmal rezitieren, Śivā.
48.7 Entsprechend der jeweils angemessenen Stellung soll der Mensch zum Weltherrscher werden. Auf einem Bhadra-Sitz soll er fünfzigtausendmal rezitieren.
48.8 Selbst die Göttin soll er damit seinem Einfluss unterwerfen und die drei Welten besiegen. Auf einem weichen Sitz soll der Mensch dreitausend Rezitationen ausführen. [Der Druck liest „mṛdvāsana“; ein Bezug auf die zuvor genannte Manda-Art ist nicht gesichert.]
48.9 Durch die geistige Anwendung soll er die Stellung in den drei Welten erlangen. Auf einem Mṛga-Sitz soll der Mensch täglich tausendmal rezitieren.
48.10 Er soll Bhairava und die übrigen seinem Einfluss unterwerfen; daran sei nicht zu zweifeln. Auf einem Miśra-Sitz soll der Mensch neuntausendmal rezitieren.
48.11 Was sollte nach sechs Monaten dieser Übung nicht in seiner Hand sein? Auf einem Elefanten des südlichen Gebietes soll er täglich dreihundertmal rezitieren.
48.12 Er werde Śiva gleich und zum Geber von Vollendungen; daran bestehe kein Zweifel. Auf einem aus dem Meer stammenden Elefanten soll er stets siebenhundertmal rezitieren.
48.13 In drei Monaten soll er, große Herrin, königliches Glück erlangen. Auf einem Elefanten des östlichen Gebietes soll er einen Lobgesang oder einen Schutztext lesen.
48.14 Wer dies tut, Göttin, werde gewiss zum Vernichter seiner Feinde. Auf einem Elefanten des nördlichen Gebietes soll er täglich tausendmal rezitieren.
48.15 Nach einem Sieg im Kampf soll er Indra gleichen und einem Śarabha ähnlich werden. Auf einen Bären gestiegen, soll er beständig rezitieren.
48.16 Als Herrscher der Erde soll er die drei Welten besiegen. Nachdem er Gaṇḍakā verehrt hat, soll er zu den drei Tagesübergängen rezitieren, Śivā. [„Gaṇḍakā“ ist hier nicht sicher identifiziert; eine Handschriftenvariante bietet eine andere Tierbezeichnung.]
48.17 Selbst jemand, der in einer Dienerfamilie geboren wurde, soll König werden. Auf einem menschlichen Sitz soll man stets den Kālī-Mantra rezitieren.
48.18 Man werde zum Menschenherrscher, Göttin; daran sei nicht zu zweifeln. Auf einem Büffelsitz ist eine Folge von Tausenden zu rezitieren.
48.19 Wer so rezitiert, höchste Herrin, werde zum Vernichter seiner Feinde. Der zweite Halbvers verbindet Sieg, einen menschlichen Sitz und den Stier; die Drucklesung „vitreiye“ lässt den genauen Zusammenhang offen.
48.20 Auf einem Stiersitz soll man zehntausendmal rezitieren, Śivā. Der Mensch soll Śiva gleich werden; daran sei nicht zu zweifeln.
48.21 Auf einem Bärensitz soll man täglich Bhairava rezitieren. Durch Erlangung der Vetāla-Vollendung werde der Mensch zum Vernichter seiner Feinde.
48.22 Auf einem Sugrīva-Sitz soll man neuntausendmal rezitieren. Nachdem man einen Rākṣasa seinem Einfluss unterworfen hat, soll man seine Feinde vernichten können.
48.23 Auf einem Hanumat-Sitz soll man hunderttausendmal rezitieren, Śivā. Lakṣmīs Gemahl gleich geworden, werde man gewiss zum Herrscher der Erde.
48.24 Auf Jāmbuvant gestützt, soll man mit Sorgfalt fünfzigtausendmal rezitieren. Der Mensch soll Herr über Schätze und ein hervorragender Kenner großer Mantras werden.
48.25 Auf einem Nīla-Sitz soll man mit Sorgfalt mehr als tausendmal rezitieren; ebenso auf einem Nala-Sitz, Göttin, und auf einem Affensitz. [Die Namen gehören in den Zusammenhang der im Rāmāyaṇa bekannten Gefährten Rāmas; die genaue Beschaffenheit dieser Sitze wird hier nicht erklärt.]
48.26 Der Mensch werde ein vorzüglicher König und besitze große Tatkraft. Auf einem Tigersitz soll er zu jeder Zeit rezitieren, Śivā.
48.27 Der Mensch werde der Göttin gleich; daran sei nicht zu zweifeln. Zehn Arten von Tigern werden genannt; höre ihre Abfolge, Pārvatī.
48.28 Auf einem bunten Tigersitz soll man stets den Kālī-Mantra rezitieren. Vielfältige Vollendung der Sprache soll entstehen; daran sei nicht zu zweifeln.
48.29 Beim „Aṣṭa-Tiger“ soll man Herr der drei Welten werden, große Herrin. Man soll hunderttausendmal rezitieren, Göttin. Höre nun vom Vallī-Tiger, Geliebte. [Die Tierbezeichnung „aṣṭavyāghra“ ist unsicher.]
48.30 Auf einem Vallī-Tigersitz soll man zu jeder Zeit rezitieren. Innerhalb eines Monats soll jene Vollendung entstehen, die selbst den Göttern schwer zugänglich ist.
48.31 Auf einen grauen Sitz gestiegen, soll man zu den drei Tagesübergängen dreihundertmal rezitieren. Der Mensch soll die drei Zeiten kennen; daran sei nicht zu zweifeln.
48.32 Nun soll man auf einem gefleckten Tiger beständig rezitieren. Nach der Eroberung des feindlichen Reiches soll man alle Wünsche erlangen.
48.33 Schon die Anwendung während einer Monatshälfte soll zu Größe führen; höre, Geliebte. Auf einem großen Tigersitz soll man stets die Mahāvidyā rezitieren.
48.34 Innerhalb eines Monats soll Vollendung entstehen und der Übende zum Luftwanderer werden. Auf einem behaarten Tigersitz sind zu den drei Tagesübergängen dreitausend Rezitationen vorgesehen.
48.35 Durch die Übung während einer Monatshälfte soll man, Herrin der Götter, das Luftwandern erlangen. Auf einem schwarzen königlichen Sitz soll man täglich hundertmal rezitieren.
48.36 Durch hundertfache Rezitation soll man zum Herrn der Yakṣiṇīs werden. Auf der Gestalt eines großen Königstigers sitzend, rezitiert man Kālikā. So ist es kurz erklärt; höre nun das Śiva genannte Thema, Pārvatī. [Die außergewöhnlichen Wirkungen dieses Kapitels sind historische Ritualbehauptungen.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 48. Kapitel namens „Der Elefanten- und Tigersitz“.
Paṭala 49: Śivā-Sitz, lebendige Sitze und ihre Nachbildungen
49.1 Śrī Śiva sprach: Auf einem Śivā-Sitz soll man stets Kālī und Tārā rezitieren. Der Mensch werde zum genießenden Weltherrscher; daran sei nicht zu zweifeln.
49.2 Die Göttin sprach: Śivā ist die Göttin, Śivā ist Kālī; ich selbst habe Śivās Gestalt. Das hast du früher gesagt, Herr. Hast du es vergessen?
49.3 Eine Opfergabe soll Śivā dargebracht werden; Śivā ist beständig zu verehren. Solches hast du gesagt, Herr. Wie sollte man sie dann besteigen? [„Śivā“ bezeichnet neben der Göttin auch das weibliche Schakaltier; der Einwand spielt mit dieser Mehrdeutigkeit.]
49.4 Śrī Śiva sprach: Nachdem man mit Śivā vertraut geworden ist und sie sorgfältig verehrt hat, soll man den Mantra rezitieren, große Herrin. Dies wird Śivā-Sitz genannt.
49.5 Kann man diese Wesen nicht besteigen und eignen sie sich nicht zum Tragen, soll man in ihrer Gemeinschaft und in ihrer Schar mit ihnen zusammen essen.
49.6 Wenn auch das nicht möglich ist und die Berechtigung zum Abziehen der Haut besteht, große Herrin, gilt die Abfolge des Kula-Weges. [Die historische Vorschrift spricht hier von Tierhäuten; sie ist keine Empfehlung zur Beschaffung solcher Materialien.]
49.7 Nachdem man alles sorgfältig verstanden hat, soll man auf einem Pferd, Karren, Wagen, in einer Sänfte, einem bequemen Fahrzeug oder auf einem Elefanten vorgehen.
49.8 Man nehme einen weiteren Sitz und rezitiere darauf. Die Reinigung soll wie beim Tiger geschehen. Nun wird das eigentliche Thema erklärt; höre.
49.9 Auf einem Widdersitz soll man Tag und Nacht den Mantra rezitieren. Durch sechsmonatige Übung soll Śākinī Gaben verleihen.
49.10 Auf einem Ziegensitz soll der Mensch jede Nacht rezitieren. Durch fünfmonatige Übung soll er fünf Liebesgöttern gleichen.
49.11 Auf einem Kamelsitz, den Mund mit Betel gefüllt, soll man drei Monate lang ununterbrochen den Mantra rezitieren, Göttin.
49.12 Das Vorhandensein von Leid soll dadurch vernichtet werden; daran bestehe kein Zweifel. Auf einem Mṛga-Sitz soll der Mensch zu jeder Zeit rezitieren, Śivā.
49.13 Er soll Kubera, dem König der Könige, gleichen und die Tatkraft des Windes besitzen. Von diesen Wesen soll man Gestalten aus Kuśa-Gras herstellen lassen, Geliebte.
49.14 Darauf sitzend soll man rezitieren und dieselbe Frucht erlangen. Man kann auch eine Gestalt aus Ton herstellen und die Einsetzung der Lebenskraft vornehmen.
49.15 Darauf sitzend soll man rezitieren, Göttin; dieselbe Frucht werde gewiss entstehen. Auf einem Hahnsitz soll man zu jeder Zeit den Mantra rezitieren.
49.16 Ein Vetāla soll zum Diener werden und Bhairava sehr gnädig sein. Was sollte durch die Anwendung des Hahnsitzes nicht in der Hand des Übenden liegen?
49.17 Auf einem Hundesitz soll man den Mantra der erwählten Gottheit rezitieren, Śivā. Man soll alle Wünsche erlangen; daran sei nicht zu zweifeln.
49.18 Auf einem Pfauensitz soll man einen Monat lang den Mantra rezitieren. Man werde Kārttikeya gleich; daran sei nicht zu zweifeln.
49.19 Auf einem Śarabha-Sitz soll man Tag und Nacht rezitieren, Śivā. Man werde zum Herrn aller Vollendungen; daran sei nicht zu zweifeln.
49.20 Auf einem Gayal-Sitz soll man alle Leiden vernichten. Auf einem Ebersitz soll man zu den drei Tageszeiten den Mantra rezitieren.
49.21 Der Mensch werde gewiss von allen Verfehlungen befreit. Auf einem Śabara-Sitz sind achttausend Mantrarezitationen vorgesehen. [Die Bezeichnung „śabara“ ist hier nicht sicher als Sitzmaterial oder Gestalt identifiziert.]
49.22 Man werde zum Herrn der Gandharvas; daran sei nicht zu zweifeln. Auf einem Śabara-Sitz soll man den Mantra hunderttausendmal rezitieren.
49.23 Der Standhafte soll Aṇimā, das Kleinwerden, erlangen; daran sei nicht zu zweifeln. In ein Boot gestiegen, soll man zu jeder Zeit rezitieren, Śivā.
49.24 Man werde zum Herrn der großen Vidyā; daran sei nicht zu zweifeln. Der folgende Halbvers nennt ein großes Boot und eine Frau; die Handlung ist im Druck durch Sterne ausgelassen.
49.25 Der mit Auslassungssternen beginnende erste Halbvers verspricht Kenntnis der drei Zeiten durch einen unvollständig benannten Sitz. Auf einem Wagen soll man den Mantra hunderttausendmal rezitieren, Śivā.
49.26 Durch hunderttausend Rezitationen soll man, Herrin der Götter, die Weltherrschaft erlangen. Der zweite Halbvers verbindet einen Wagensitz mit einer Frau; die betreffende Handlung ist im Druck ausgelassen.
49.27 Durch die Anwendung eines unvollständig benannten Sitzes soll man zum Herrn des Weltalls werden. Auf einem Karrensitz soll man zu jeder Zeit rezitieren, Śivā.
49.28 Durch dreimonatige Anwendung soll man die drei Welten seinem Einfluss unterwerfen. Der zweite Halbvers nennt auf dem Karrensitz eine Frau und lässt die Handlung durch Sterne aus.
49.29 Nach einer im Druck ausgelassenen Handlung soll man Anteil an Kālikās Gestalt erhalten, Göttin. Auf einem bequemen Sitz soll der Mensch vier Nachtwachen lang ununterbrochen vorgehen.
49.30 Er soll rezitieren, große Herrin, und Herr aller Vollendungen werden. Auf dem bequemen Sitz soll man nach einer ausgelassenen Handlung stets Bhairavī rezitieren.
49.31 Man werde zum Sieger über die drei Welten; daran sei nicht zu zweifeln. Nach dem Besteigen einer Daṇḍikā soll man fünfhundertmal rezitieren. [Daṇḍikā bezeichnet hier offenbar eine Trage; die genaue Bauform wird nicht erläutert.]
49.32 Nach dem Sieg über alle Feinde soll man überall siegreich sein. Auf einem Schaukelsitz sind zu den drei Tagesübergängen tausend Rezitationen vorgesehen.
49.33 Man soll die Göttin betrachten und den Mantra rezitieren; so soll die erwünschte Vollendung entstehen. Auf dem Schaukelsitz soll der Mensch nach einer ausgelassenen Handlung hinschauen.
49.34 Wenn er dabei rezitiert, Herrin der Götter, soll er einem Stein gleichen, der durch Berührung verwandelt. Auf einem Radsitz soll der Mensch den Mantra dreitausendmal rezitieren.
49.35 Die Kraft, welche die drei Welten kreisen lässt, soll ihm zur Verfügung stehen. Auf einem Schaukel-Radsitz soll man stets Kālikā rezitieren.
49.36 Man werde zum Herrn aller Vollendungen; daran sei nicht zu zweifeln. Auf einem Fußsitz soll man zu jeder Zeit ohne Zählung vorgehen.
49.37 Man soll den Mantra rezitieren, Göttin, und die Erfüllung seines Wunsches erlangen. Dem Fußsitz zugewandt, soll man sich in die Betrachtung einer Frau vertiefen.
49.38 In Gemeinschaft mit der geliebten Frau, Hand in Hand, soll man den Mantra hunderttausendmal rezitieren, Śivā, und Herr aller Vollendungen werden.
49.39 An den Rücken der Frau gestützt, soll man eine im Druck ausgelassene Äußerung veranlassen. Nachdem man am Rücken Rudra ausgesprochen hat, soll man hunderttausendmal rezitieren, Śivā. [Die genaue Handlung bleibt aufgrund der Auslassung und der mehrdeutigen Verben offen.]
49.40 Man werde zum Herrn aller Vollendungen; daran sei nicht zu zweifeln. Es folgt das Laufen hinter der Frau beziehungsweise gemeinsam mit ihr, Pārvatī.
49.41 Man werde zum Herrn aller Vollendungen; daran sei nicht zu zweifeln. Auf einem Kurara-Sitz soll man jede Nacht rezitieren. [Kurara ist eine Greifvogelbezeichnung.]
49.42 Man soll die Begegnung mit einer Ḍākinī erlangen; daran sei nicht zu zweifeln. Auf einem Schildkrötensitz soll man stets den Mantra rezitieren.
49.43 Von allen Behinderungen befreit, soll man Herr aller Vollendungen werden. Auf einem Khaḍga-Sitz soll man zu den drei Tagesübergängen den Mantra rezitieren. [Im Tierzusammenhang liegt „Nashornsitz“ nahe; khaḍga kann auch „Schwert“ heißen.]
49.44 Mit allen Vollendungen ausgestattet, soll man eine magische Pille erlangen. Auf dem bequemen, „Elefant“ genannten Sitz rezitiert Śaṅkara. [Der Druck hat „śaṅkaraḥ“ als Subjekt; ein Mantraobjekt wird nicht eigens genannt.]
49.45 Der erste Halbvers nennt auf dem bequemen Elefantensitz eine Frau und enthält danach Auslassungssterne. Man soll sorgfältig rezitieren, Göttin, und gewiss zum Schöpfer werden.
49.46 Auf dem Elefantensitz soll man zu den drei Tagesübergängen zehntausendmal rezitieren. Der Mensch werde zum Herrscher der Erde; daran sei nicht zu zweifeln.
49.47 Auf einem Menschenwagen soll man stets den Lobpreis der Vidyā rezitieren, Göttin. Man werde zum Herrn aller Götter; daran sei nicht zu zweifeln.
49.48 Der erste Halbvers nennt auf dem Menschenwagen eine Frau und lässt die weitere Handlung aus. Der zweite verspricht Herrschaft über die drei Welten, wenn sie unruhig beziehungsweise beweglich ist. [Der Satzbau ist unvollständig und wiederholt „wenn“.]
49.49 Beim fünffarbigen Pferd, Göttin, bei dessen Wagen und beim Karren wird dieselbe Frucht wie beim Pferd genannt. Höre nun die Besonderheit, Pārvatī.
49.50 Wer auf einem Ochsenwagen zu jeder Zeit den Mantra ohne Zählung rezitiert, soll selbst als Diener reich werden.
49.51 Die auf dem Ochsenwagen vorgesehene Handlung ist größtenteils durch Sterne ausgelassen. Der verbleibende Text nennt Rezitation und verspricht Kenntnis der drei Zeiten.
49.52 Ebenso soll man auf einem Pferdewagen den Mantra rezitieren, der das gewünschte Ziel verleiht. Die Erfüllung des gewünschten Zieles soll gewiss entstehen, Herrin der Götter.
49.53 Eine weitere Fahrt und Handlung ist nur unvollständig überliefert. Der erhaltene zweite Halbvers verspricht Vollendung der Sprache, Göttin; daran sei nicht zu zweifeln.
49.54 Auf einem Büffelwagen soll man durch dreihunderttausend Rezitationen zum Herrn der Welt werden. Auf einem „Schneebüffel“ rezitiert man hunderttausendmal und besiegt die Feinde. [Die Bezeichnung „tuṣāramahiṣa“ bleibt unklar.]
49.55 Der Mensch rezitiert im Fahrzeug eines großen Menschenherrschers. Im Fahrzeug eines großen Pferdeherrn sind fünftausend Rezitationen vorgesehen.
49.56 Man soll sorgfältig rezitieren, Göttin; der Wunsch werde gewiss erfüllt. Im Fahrzeug eines großen Elefantenherrn soll man zu den drei Tagesübergängen vorgehen.
49.57 Man soll dreitausendmal rezitieren, Göttin, und Herr aller Reiche werden. Auf einem Widderwagen soll die Rezitation Zwietracht bewirken.
49.58 Auf einem Ziegenwagen soll man große Zuneigung bewirken. Auf einem bequemen Sitz oder auf einem Elefanten sollen alle Vollendungen gelingen.
49.59 Wie man durch ein Feueropfer mit Milchreis alle Wünsche erlangen soll, so soll man auf einem Elefantensitz alle Vorhaben vollenden.
49.60 Auf einem Śarabha soll man fremde Reiche besiegen, Herrin der Götter. Auf einem Elefantenweibchen soll man eine fremde junge Frau seinem Einfluss unterwerfen. [Dies ist eine historische Behauptung über einen Zwangszauber, keine Zustimmung zu einem solchen Umgang mit Menschen.]
49.61 Auf einer Stute soll man durch vorzügliche Verehrung alle Wünsche erfüllen. Auf einem bequemen Sitz soll man Bhairava mit Sorgfalt rezitieren.
49.62 Innerhalb eines Monats soll der Mensch allen Bedrängnissen entkommen sein. Auf einem Elefantensitz soll er dreitausendmal rezitieren. [Der Druck liest „sahasratitayam“, offenbar fehlerhaft für „sahasratritayam“.]
49.63 Durch Wiederholung während einer Monatshälfte soll man von allen Behinderungen befreit werden. Alle genannten Sitze soll man zur Vollendung bringen, Göttin.
49.64 Die „vāra“-Anwendungen sollen im Śābara-Weg alle Vollendungen verleihen, Herrin der Götter. Auf einem Pferdesitz soll der Mensch stets die drei Śaktis rezitieren. [Die erste Bezeichnung ist nicht eindeutig erläutert.]
49.65 Man soll die drei Welten besiegen und alle Vorhaben vollenden. Aus der Knochensubstanz dieser Wesen soll ein Kundiger eine Gebetskette herstellen lassen.
49.66 Mit dieser soll die Rezitation ausgeführt werden; man soll dabei den entsprechenden Sitz besteigen. Nachdem man sie auf dessen Sitz gelegt hat, soll man Herr der drei Welten werden. [Die Pronomenzuordnung ist nicht völlig eindeutig.]
49.67 Die Zahlen sind allgemein angegeben; alle Handlungen soll man damit vollenden. Die Vīra-Sitze habe ich dir erklärt, Herrin der Götter.
49.68 Mag die gelobte Anzahl der Rezitationen erfüllt werden oder nicht, Geliebte: Durch die Anwendung des Sitzes soll dennoch die herrliche Vollendung gewiss entstehen.
49.69 Wie im lebendigen Kreis die Vollendung entsteht, so auf dem lebendigen Sitz, Geliebte. Dieses Geheimnis der Geheimnisse soll vor dem Kreis der Paśus bewahrt werden. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 49. Kapitel namens „Der Śivā-Sitz und die übrigen“.
Paṭala 50: Heilige Bäume, Gottheitenthrone und Yogakālī
50.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die genaue Bestimmung der zuvor genannten Dinge hören. Śrī Śiva sprach: Das Geheimnis der Geheimnisse wird erklärt; höre, Pārvatī.
50.2 Beginnend mit der Kokospalme bis zum Jambu-Baum soll man einen Kreis von Bananenstauden und einen Bananenhain anlegen.
50.3 Wer dort sorgfältig rezitiert, soll Tārās Vollendung erlangen. Nun werden die Kula-Bäume und die Früchte aller dieser Bäume genannt, Göttin.
50.4 Bei der Kokospalme soll man Herrschaft, bei der Betelpalme seine Wünsche erlangen. Beim Madhūka gilt die Erlangung einer Frau, beim Mangobaum die Allwissenheit als Frucht.
50.5 Beim Banyan gilt die Kenntnis der drei Zeiten, beim Aśvattha die Erfüllung aller Wünsche. Bei der Tāla-Palme soll man Sieg erlangen, bei der Dattelpalme königliches Ansehen.
50.6 Beim Pippala gilt das Unterwerfen aller als Frucht, beim Plakṣa ein mächtiges Ausbleiben des Regens. Beim Śamī-Baum gilt königliches Glück, beim Jambu-Baum der Zufluss von Reichtum. [Der Druck liest „āvarṣaṇa“; die Deutung als Verhinderung des Regens bleibt unsicher.]
50.7 Bei jedem Baum soll man ununterbrochen zehntausendmal rezitieren, Göttin. Man soll ihn besteigen und rezitieren; daran sei nicht zu zweifeln.
50.8 Śleṣmāntaka, Karañja, Bilva, Aśvattha, Kadamba, Nimba, Vaṭa, Uḍumbara, Campaka und Kesara: Dies sind zehn.
50.9 Bei den zehn Bäumen soll man jeweils sorgfältig zehntausendmal rezitieren, Göttin. Die acht Kräfte, beginnend mit Aṇimā, sollen dadurch entstehen.
50.10 Wer Befreiung wünscht, soll sie der Reihe nach erlangen; daran bestehe kein Zweifel. Damit sind Kālīs Bäume genannt. Höre nun Chinnās Bäume, Geliebte.
50.11 Śleṣmāntaka, Kiṃśīta, Śākhoṭa, Kharjūra, Pippala und Vaṭa sowie Supuṣpa und Suvāsinī werden genannt. [Einige Pflanzennamen und ihre grammatische Verbindung sind unsicher; sie bleiben deshalb als Textnamen stehen.]
50.12 Nimba, Aśvattha, Karañja, Śleṣmāntaka, Kadamba, Bilva, Vaṭa, Śāla, Tāla, Śākhoṭa und Kharjūra werden aufgezählt.
50.13 Sie sind für Tārās Vidyā-Ritus genannt. Höre nun von Śrīvidyā, Geliebte. Die zuvor als zwölf gezählten gelten ebenso im Śrī-Ritus. [Die unmittelbar vorausgehende Liste lässt sich ohne Ergänzung nur als elf Namen lesen.]
50.14 Auch ihre Frucht soll der zuvor genannten entsprechen, Herrin der Götter. Damit ist kurz die Bestimmung der Gottheitensitze erklärt.
50.15 Nun wird es erläutert, Herrin der Götter; fasse es genau auf. Śrīvidyā befindet sich auf dem Sitz aus fünf leblosen Gottheiten.
50.16 Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara und Sadāśiva sind diese fünf großen Pretas. Vier von ihnen bilden die Füße des Sitzes. [Preta bedeutet hier die ohne Śakti als leblos gedachte Gottheit und gehört zur Thronikonographie.]
50.17 Sadāśiva ist das Polster, Kāmeśa die Decke. Darauf befindet sich Sundarī, Göttin. Höre nun von Kālikā, Geliebte.
50.18 Atikāla, Karāla, Vikarāla und Kapāladhṛk: Diese vier bilden die Füße. Saṃhāra gilt als Polster.
50.19 Mahākāla bildet die Decke; in seinem Herzen befindet sich Kālikā. Nach einer im Druck ausgelassenen Wortgruppe wird sie als die ehrwürdige große Mutter Kālikā bezeichnet.
50.20 Auf dem großen Verbrennungsplatz wohnend, in der Pratyālīḍha-Beinstellung, vorzüglich und auf einem Leichenthron befindlich: So wird Mahogratāriṇī beschrieben.
50.21 Chinnā wohnt auf dem Verbrennungsplatz und besitzt einen Leichensitz. Sie befindet sich über dem Herzen Karālas, der Leichengestalt angenommen hat.
50.22 Der erste Halbvers beginnt mit Auslassungssternen und nennt danach die Verbindung mit der „selbstentstandenen Blüte“. Dies ist Chinnā-Vidyā, große Herrin. Höre nun von Mahākālakalā. [„Blüte“ gehört hier zur tantrischen Bezeichnung körperlicher Ritualsubstanz.]
50.23 Der Gott Mahāsaṃhārabhairava befindet sich auf einer Leiche, verbunden mit der furchtbaren großen Weltauflösung, die auf dem Verbrennungsplatz auflodert.
50.24 Mit ihm zusammen wird Śrīmahākāmakālikā genannt; die verbindende Handlung ist im Druck ausgelassen. Ebenso gibt es weitere Gestalten Kālīs. Höre von Bagalā, Pārvatī.
50.25 Sie befindet sich auf einem goldenen Thron oder ist mit den fünf Pretas verbunden. Zweifach wird sie beschrieben, Göttin. Höre nun von der vollendeten Vidyā, Geliebte.
50.26 Rājamātaṅginī befindet sich auf einem Preta-Sitz, zum Verzehr von Speiseresten bereit, mitten in einem Kadamba-Wald.
50.27 Sie ist lieblich und thront auf einem Löwenthron. Höre nun von Bhairavī, Pārvatī: Śrīmahākālabhairavī ist mit den fünf Pretas verbunden.
50.28 Dhūmāvatī hat einen befleckten Körper und einen Krähensitz. Śrīlakṣmī befindet sich auf einem Lotossitz; Bhuvaneśī wird als höchste Mutter genannt.
50.29 Bhuvaneśī, die höchste Mutter, befindet sich auf einem Edelsteinthron. Yogakālī ist die große Vidyā, welche die große Weltauflösung bewirkt.
50.30 Ihr Fleisch ist ausgetrocknet, sie sitzt, ihr Bauch gleicht einem Teich. Die glückverheißende Göttin ist auf einen Hahnsitz gestiegen und hat auf einer Leiche Platz genommen.
50.31 In ihrer rechten Hand liegt eine Schädelschale über dem rechten Unterschenkel. In der linken Hand hält sie eine nach unten gewendete Schädelschale.
50.32 Nachdem sie das Weltall aufgelöst hat, hält sie eine leere Schädelschale. „Ich bin nicht gesättigt“, spricht sie und ist damit beschäftigt, die Leiche zu schlagen beziehungsweise zu bewegen. [Das Verb „āsphālana“ ist hier mehrdeutig.]
50.33 Sie hat tief liegende Augen, trägt Schlangen als Schmuck und als Armreifen. Schlangen befinden sich an den Ohrringen, in der Krone, am Hals und an der Brust.
50.34 Die höchste Göttin trägt einen Skorpion an der Brust. Śivā trägt dort den Skorpion der Auflösung, Göttin.
50.35 Sie gleicht dem Feuer der Weltauflösung, ihr Antlitzlotus entfaltet sich. Auf dem Verbrennungsplatz umgeben sie Leichenscharen; die Formulierung über Schädel, Leichen und ihr Tönen bleibt grammatisch unklar.
50.36 Der erste Halbvers verbindet Brahmā, Rudra und Viṣṇu mit ihrem Herzen und ihrer Ausrichtung, ist im Druck jedoch sprachlich verderbt. Am Morgen erscheint sie als Kind, am Mittag trägt sie die Gestalt einer jungen Frau.
50.37 Am Abend erscheint sie als Alte und bewirkt die große Weltauflösung. Mit hängenden, ausgetrockneten Brüsten ist sie bereit, ihren Verehrern Gaben zu verleihen. [Das gedruckte „bhaktā“ ist syntaktisch auffällig; der Zusammenhang mit „Verehrern“ wird im folgenden Vers deutlich.]
50.38 Sie ist eifrig auf der Suche nach ihren Verehrern und lässt den Klang des Vīra-Āsphālana ertönen. Sie gleicht einer Fülle von Licht und wohnt im leeren Weltall. [Āsphālana kann hier ein kräftiges Schlagen oder eine kämpferische Gebärde bezeichnen.]
50.39 Sie spricht sinngemäß: „Verehrer, nenne deinen Wunsch; ich bin dir gnädig.“ Ohne Anfang und Ende, jenseits des Höchsten, trägt sie die Gestalt des Bewusstseinsfeuers. [Die Einleitung der Rede ist im Druck grammatisch unregelmäßig.]
50.40 Die Vidyā Śrīmahāyogakālikā ist die Herrin des höchsten Brahman. In drei Ghaṭīs wird sie zufriedengestellt; schon durch das Erinnern soll sie Gaben verleihen.
50.41 Mahārudra befindet sich auf dem Stier, Vināyaka auf der Maus, Kārttikeya auf dem Pfau und Viṣṇu auf Garuḍa.
50.42 Der Gott Garuḍa befindet sich auf einer Schlange, Vināyaka auf einem Löwen. Die ehrwürdige höchste Durgā, die große Vernichterin des Büffeldämons, befindet sich auf einem Löwen.
50.43 Sūrya befindet sich auf dem einrädrigen Wagen; die Caṇḍa-Gottheit auf einem Wildtier. Rāma befindet sich auf dem Yoga-Sitz und ist mit einem Lotossitz ausgestattet. [Eine Druckvariante liest anstelle von „Caṇḍa“ den Mond; die Hauptlesung bleibt stehen.]
50.44 Unter dem Banyanbaum befindet sich der mächtige Śrīmahādakṣiṇāmūrti im Vīra-Sitz. Der mächtige Hanumat befindet sich auf einer Leiche. [Die ungewöhnliche Zuordnung wird gemäß dem Druck wiedergegeben.]
50.45 Der Vetāla befindet sich auf einem Schädellotos; die Bhairavas befinden sich auf Leichen. Es folgt ein großer zwölfgliedriger Lotos, dessen Fruchtboden mit einer Leiche verbunden ist.
50.46 Der mächtige sattvische Baṭuka befindet sich auf dem Rücken einer „pravīṇa“ genannten Leiche, auf einem Lotos beziehungsweise auf ihrem Kopf, Hand in Hand verbunden. [Das Verhältnis dieser Ortsangaben und die Bedeutung von „pravīṇa“ sind unsicher.]
50.47 Bei grausamen Handlungen befindet sich Baṭuka auf dem Schädellotos in deren Hand. Mahānīla hat ein Boot bestiegen, Mahāpati einen Elefanten.
50.48 Alle Götter werden auch auf einem Sitz im Luftraum beschrieben. Der Herr der Brahmarākṣasas wird als auf einem Baum befindlich beschrieben.
50.49 Mahākāla ist auf eine Leiche gestiegen; Śivā befindet sich auf einem frisch Verstorbenen. Guhyakālī und die Kubjikā genannte Mahāvidyā werden genannt. [Die syntaktische Abgrenzung der Göttinnennamen ist knapp; die folgenden Verse unterscheiden ihre Sitze.]
50.50 Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara, Sadāśiva, Indra und Bhairava werden als die sieben Pretas bezeichnet.
50.51 Damit ist Guhyakālīs Sitz erklärt. Höre nun von Kubjikās Sitz. Kubjikā, die höchste Kalā, befindet sich auf fünf Pretas, Göttin.
50.52 Vārāhī wird auf einem Pferdesitz beschrieben, Göttin. Die Göttin Sampatsarasvatī wird als auf einem Wagen befindlich beschrieben.
50.53 Aghorā wird auf dem Gopañcaka-Wagen beschrieben. Vārāhī mit einem Leichensitz wird für die jeweiligen Handlungen genannt. [Die genaue Beschaffenheit des Gopañcaka-Wagens ist hier nicht erklärt.]
50.54 Nakuleśī befindet sich auf einem Mungo, Dhaneśvara auf einem Menschen. Jāhnavī befindet sich auf einem Makara, Maṇikarṇikā auf einem Lotos.
50.55 Reṇukā, auch Ekavīrā genannt, besitzt einen Edelsteinthron. Madhumatī befindet sich auf einem weißen Pferd; die anschließende Bezeichnung „im Antlitzlotos der drei Welten befindlich“ ist nicht sicher aufzulösen.
50.56 Brāhmī wird auf einer Gans beschrieben, Cāmuṇḍā mit einer Leiche als Trägerin. Śmaśānabhairavī wird auf dem Giricakra-Wagen beschrieben.
50.57 So ist es kurz erklärt; die Einzelheiten wurden zuvor genannt. Es ist geheim zu halten, geheim zu halten, immer wieder geheim zu halten.
50.58 Es ist geheim zu halten wie die eigene Yoni und die einer anderen. Ein Geheimnis ist ausgesprochen worden, das niemandem erklärt wurde. Was soll ich darüber hinaus sagen? Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 50. Kapitel namens „Bestimmung der Gottheitensitze“.
Paṭala 51: Sāmrājyamudrikā: Yantras, Schmuck und Mantra-Anordnung
51.1 Die Göttin sprach: Gott und Herr, erkläre mir den glückverheißenden Schmuck. Śrī Śiva sprach: Das Geheimnis wird erklärt, Göttin; bewahre es noch verborgener als das Verborgene.
51.2 Männern, Frauen und besonders Kindern soll das Tragen Vollendung verleihen. Der Mantra soll dabei zum Schmuck werden, Göttin.
51.3 An beiden Ohren, an der Krone, an den Armen, Handgelenken, Fingern und Füßen soll das Tragen Frucht verleihen, Śivā.
51.4 Die vorzüglichen Yantras werden der Reihe nach erklärt; höre, Pārvatī. Auf einem Schildkrötenrücken soll man neun Felder zeichnen. [„Kūrmapṛṣṭha“ bezeichnet hier die Grundlage der zeichnerischen Anordnung; die genaue materielle Ausführung wird nicht festgelegt.]
51.5 Im mittleren Feld befindet sich der Jīva; durch den Mond wird das Gesicht gebildet. Beiderseits liegen die beiden Arme, darunter die beiden Flanken, Śivā.
51.6 Darunter befindet sich das Beinpaar; der verborgene Bereich liegt bei dessen Füßen. So ist die Anordnung des Mantras der Sāmrājyamudrikā erklärt, Göttin.
51.7 Sāmrājyamudrikā heißt dieses höchste Siegel, dessen Wesen Tārā und Kālī ist. Durch sein Tragen soll man die drei Welten besiegen, Göttin.
51.8 Welche Wünsche ein Mensch auch hegt, diese soll er erlangen. Beim Mann ist besonders der linke Arm vorgesehen, große Herrin.
51.9 Frauen sollen es an der rechten Hand, Kinder am Herzen tragen, Śivā. An den Fingern getragen, soll es dem Menschen Sieg über alles verleihen.
51.10 Pferdegang, Elefantengang, Wildtiergang, Schlangengang, Froschgang, Ministergang und Dienergang werden genannt, große Herrin.
51.11 Nach diesen Gangarten soll man das Yantra mit ungeteilter Aufmerksamkeit schreiben, große Herrin: im Elefantengang für Sieg, im Pferdegang für Tatkraft.
51.12 Im Wildtiergang für die Vernichtung eines Feindes, im Schlangengang für Tötungszauber, im Froschgang für Zwietracht und im Ministergang für Verblendung.
51.13 Der Dienergang gilt für alle Vorhaben; diese Anordnung wird als altehrwürdig bezeichnet. Höre nun die Einsetzung, die im mittleren Feld beginnt.
51.14 Zuerst kommt Parā, dann Tatparā, als dritte Tad-atītā. Als vierte gilt Citparā, als fünfte wiederum Tatparā.
51.15 Die darüber hinausgehende wird als die sechste bezeichnet; Sarvātītā, die alles Übersteigende, ist die siebte. Der Praṇava wird als mit sieben Kalās verbunden beschrieben.
51.16 Brahmā, Viṣṇu, Rudra, Īśvara, Sadāśiva, Śakti und die über diese hinausgehende bilden eine Reihe. Es folgen die Laute a und u.
51.17 Dann kommen m, Nāda, Bindu, das über Nāda Hinausgehende und als siebtes das über Bindu Hinausgehende. Diese Anordnung befindet sich im mittleren Feld.
51.18 Der Mond ist das Gesicht, große Herrin; es wird „ṭaṅkākha“ genannt. Am rechten Arm wird die Rudra-Zahl, elf, genannt. [„Ṭaṅkākha“ ist eine unsichere Drucklesung; der Zusammenhang der Zahl mit dem Folgenden bleibt knapp.]
51.19 Der Laut h, der Laut r und der Laut ī mit Bindu werden genannt. Als sechste gilt Bindvatītā nach der Śaiva-Śākta-Abfolge. [Die im Vers ausbuchstabierten Laute ergeben hrīṃ; die Zählung des Textes wird nicht durch zusätzliche erfundene Glieder ergänzt.]
51.20 Im Gesichtsbereich befindet sich die Gestalt, die mit dem Strī-Bīja verbunden ist. Ugrogracaṇḍā, Cāmuṇḍā, Caṇḍogrā und Caṇḍaghaṇṭā werden genannt.
51.21 Mahogratārā, Ugraughī, Trijaṭā, Ekajaṭā, Krūracaṇḍā, Ghoracaṇḍā, Vīrogrā und Vīratāriṇī werden genannt.
51.22 Sarvāpattāriṇī, Tīvrā, Cīnatārā, Sureśvarī, Siddhitārā, Riṣṭitārā, Ghoratārā und Parā werden genannt.
51.23 Ugrogratārā, Raṇogrā und Candragocarā werden genannt, Herrin der Götter. Das Strī-Bīja befindet sich auf dem dreieckigen Feld.
51.24 Vom linken Fuß ausgehend bis oberhalb des linken Armes durchdringt die Anordnung stets die beiden Bījas, Śivā und Pārvatī. [Das grammatische Subjekt wird nicht erneut ausdrücklich genannt.]
51.25 Candraghaṇṭā, Caṇḍaghaṇṭā, Vīraghaṇṭā, Sughaṇṭikā, Rājaghaṇṭā, Mohaghaṇṭā, Ghoraghaṇṭā und die Raṇa genannte werden aufgezählt.
51.26 Śavaghaṇṭā, Cīnaghaṇṭā, Siddhighaṇṭā, Parā, Ghaṇṭograghaṇṭā und die Muṇḍā genannte gehören zur Ghaṇṭā-Vidyā. [Die Wortgrenzen der letzten zusammengesetzten Namen sind nicht eindeutig.]
51.27 Sainyaghaṇṭā, die Jayā genannte, die Mohanā genannte und die Ākarṣaṇa genannte Ghaṇṭā werden aufgeführt. Die Gesamtzahl wird mit zwanzig angegeben. [Die Aufzählung lässt diese Zahl ohne abweichende Trennung der Namen nicht eindeutig erkennen.]
51.28 Dieses Yantra besteht, indem es fünfeinhalb Silben durchdringt. Darin durchdringt es auch Baṭuka; alles befindet sich dort, Pārvatī.
51.29 Auch alle Gottheiten der fünf Umhüllungen wohnen darin. Wer dieses Yantra trägt, soll die drei Welten besiegen.
51.30 In der Folge dreier Reihen, auf dem Weg des Schlangenganges, werden ein Paar Māyā-Bījas, ein Paar Kūrca-Bījas und drei Kālī-Bījas eingesetzt.
51.31 Es folgen „dakṣiṇe kālike“, ein Paar Māyā-Bījas und die Verbindung mit Kūrca. Kālī-Vidyā gilt als große Vidyā von zweiundzwanzig Gliedern. [Die Aufzählung ist komprimiert; hier wird daraus keine zusätzliche vollständige Mantraformel konstruiert.]
51.32 Beginnend mit Kālī bis zu den Gottheiten mit gewundenen Locken durchdringt sie die gesamte Reihe und bleibt darin gegenwärtig, Herrin der Götter.
51.33 Das dritte, das zweite und die Dreiergruppe der Reihe nach durchdringend, ist Śrīkālikā-Vidyā mit allen Umhüllungen verbunden. [Die knappen Zahlenverweise sind ohne weitere Erläuterung nicht eindeutig aufzulösen.]
51.34 Sie durchdringt die Sāmrājyamudrikā und bleibt stets darin, Pārvatī. Tārā ist die vorsitzende Gottheit, Kālī die zugeordnete Gottheit.
51.35 Die anziehende Gottheit ist Ghaṇṭā, „Sieg über die drei Welten“ genannt. So ist die Vidyā der Anwendung erklärt, höchste Herrin.
51.36 Was sollte durch ihr Tragen nicht in der Hand des Menschen sein, Göttin? Durch ihre Wiederholung soll man die Stellung eines Erdenherrschers erlangen.
51.37 Durch fünfhunderttausend Wiederholungen soll man zum Schöpfer werden, Göttin. Durch zehn Millionen Wiederholungen soll man Kālīs Gestalt annehmen; daran bestehe kein Zweifel.
51.38 Der erste Halbvers verbindet das Tragen mit der Beseitigung von acht Arten der Unfruchtbarkeit, ist aber grammatisch widersprüchlich formuliert. Es folgen alle Vollendungen, die sich im Weltall oder auf der Erde befinden.
51.39 Alle diese Vollendungen sollen ihm zur Verfügung stehen, Göttin, selbst wenn er sich auf einem Berg, auf der Erde oder mitten im Meer aufhält.
51.40 Selbst unter solchen Umständen soll eine Schwangerschaft gewiss bestehen bleiben, Herrin der Götter. Einem Kind, das dem Tod nahe ist, soll das Yantra umgebunden werden. [Der Text behauptet hier einen Schutz für Schwangerschaft und Leben; daraus folgt keine medizinische Wirksamkeit.]
51.41 Von der Bedrohung des Todes befreit, soll es gewiss langlebig werden. Ein Verständiger soll dies nicht beliebig offenbaren, Pārvatī.
51.42 Man fertige die Ghaṇṭā genannte Kette und lasse sie sorgfältig an beiden Handgelenken, am Hals und an beiden Füßen befestigen, Göttin.
51.43 Man kann ein Bild daran befestigen oder die Kette allein tragen; ebenso ein Siegel mit Kette oder das Siegel allein.
51.44 Es soll an den fünf Fingern der linken und ebenso an den fünf Fingern der rechten Hand getragen werden. Auch am Kopf und am Arm soll man dieses Siegel tragen.
51.45 Man soll die drei Welten besiegen; daran sei nicht zu zweifeln. Was sollte durch das Tragen der Kette nicht in der Hand des Menschen sein, Göttin?
51.46 Mit dem Schutz der Kette ausgestattet, sollen Menschen ihre Handlungen ausführen. Selbst im Traum sollen die Handlungen zustande kommen. [Kasus und Verbformen des Druckes sind unregelmäßig; „śṛṅkhalādurga“ wird als schützende Umfassung durch die Kette verstanden.]
51.47 Auch das Umgekehrte soll geschehen; daran sei nicht zu zweifeln. In der Mitte des Ohrschmucks soll man Edelsteinkreise tragen. [Worauf sich „das Umgekehrte“ bezieht, bleibt offen.]
51.48 Oder man zeichne das Siegel, Göttin. Die Trägerin soll zur Gestalt der Göttin werden. Aus einer Unglücklichen werde eine Glückliche, aus einer sehr Glücklichen eine Gottheit.
51.49 Am Herzen soll man die „tripeṭhavarga“ genannte Gruppe in der Gestalt der jeweiligen Schmuckstücke und die zuvor vollendeten Yantras tragen, höchste Herrin. [Die Bezeichnung „tripeṭhavarga“ ist im Druck unsicher.]
51.50 Auch sie soll zur Gestalt der Vollendung werden; daran sei nicht zu zweifeln. Halsschmuck, Halskette und eine „kukkuṭa“ genannte Form werden als alle Vollendungen verleihend genannt. [Die genaue Schmuckform ist nicht erläutert.]
51.51 Mit allen Teilen und allen Edelsteinen ausgestattet, soll man nachts die durch das Yantra vollendeten Edelsteine tragen, Pārvatī.
51.52 Mit allem glückverheißenden Wohlergehen ausgestattet, soll sie Lakṣmīs Gestalt annehmen, Śivā. Am Herzen soll stets eine vorzügliche Nachbildung des Yantras getragen werden.
51.53 Dadurch vollendet, soll sie zur Weltmutter werden, die alle Vorhaben erfüllt. Wenn jemand dieses Yantra mit einer Kette am Oberarm trägt, folgt die entsprechende Frucht.
51.54 Wer es trägt, Herrin der Götter, dessen Glück soll sich nach allen Seiten entfalten. Der Übende soll zum Geliebten königlichen Glücks und des Glücks des Ruhmes werden.
51.55 Frauen soll die Einweihung entsprechend ihrer jeweiligen Lebenslage gegeben werden, Pārvatī. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 51. Kapitel namens „Das Tragen des Yantras“.
Paṭala 52: Das Schreiben des Yantras und seine rituellen Fruchtversprechen
52.1 Die Göttin sprach: Erkläre mir nun das zuvor genannte Geheimnis. Śrī Śiva sprach: Frauen sollen von ihrem Ehemann eingeweiht werden, von keinem anderen, Pārvatī. [Dies ist die besondere Regel dieses Kapitels; andere Teile des Werkes kennen weitere Weiheverhältnisse.]
52.2 Nachdem er die Einweihung gegeben hat, soll er ihr das Yantra erklären, große Herrin und Geliebte. Erst dann soll die Vollendung des Yantras entstehen; daran sei nicht zu zweifeln.
52.3 Durch fünf Wiederholungen sollen alle Leiden vernichtet werden. Durch sechs Wiederholungen soll man alles in der Welt seinem Einfluss unterwerfen.
52.4 Man wiederhole das Yantra achtmal und soll Kṣetrapāla gleich werden. Durch neun Wiederholungen soll man den neun Nāthas gleichen.
52.5 Durch zehn Wiederholungen soll man dem früheren Zehnköpfigen, Rāvaṇa, gleichen. Durch elf Wiederholungen sollen alle Bhūtas vernichtet werden.
52.6 Durch fünfzehn Wiederholungen soll die Furcht vor Tigern vernichtet werden. Durch achtzehn Wiederholungen sollen alle Behinderungen verschwinden.
52.7 Nach zwanzig Wiederholungen soll man alles mit eigenen Augen sehen. Durch fünfundzwanzig Wiederholungen soll die Furcht vor den Grahas beseitigt werden.
52.8 Durch dreißig Wiederholungen sollen Brahmarākṣasas vernichtet werden, Göttin. Durch vierzig Wiederholungen soll die Schwindsucht beseitigt werden. [Die Krankheitsbehauptung ist eine historische Ritualvorstellung und kein Nachweis einer Heilwirkung.]
52.9 Durch ein Maṇḍala von Wiederholungen soll der Mensch wahrhaft zum Gebietsherrn werden. Wer sechzigmal wiederholt, soll gewiss Vollendung erlangen. [Die Zahl des Maṇḍala wird an dieser Stelle nicht ausdrücklich erklärt.]
52.10 Durch siebzig Wiederholungen soll man die Gestalt des Sonnengottes mit seinen sieben Pferden tragen, Göttin. Durch achtzig Wiederholungen soll man alle Leiden vernichten.
52.11 Durch neunzig Wiederholungen soll das Vorhaben nach Wunsch gelingen. Durch hundert Wiederholungen wird „hāsana“ genannt. [Diese Drucklesung, wörtlich etwa „zum Lachen bringen“, ist im Zusammenhang nicht sicher zu deuten.]
52.12 Durch zweihundert Wiederholungen soll der Mensch Glück erlangen, Göttin. Durch fünfhundert Wiederholungen soll kein Leid auf ihn fallen.
52.13 Durch tausend Wiederholungen soll man gewiss tausend erlangen, Göttin. Wer das Yantra dreitausendmal schreibt, soll die Gemahlin des Königs seinem Einfluss unterwerfen. [Das Bezugswort der ersten Zahl bleibt ungenannt; die zweite Aussage gehört zu den historischen Zwangszaubervorstellungen.]
52.14 Durch fünftausend Wiederholungen soll man die Erde besiegen. Durch zehntausend Wiederholungen soll man die Anwendung des Śaktipāta beherrschen.
52.15 Wer das Siegel fünfundzwanzigtausendmal wiederholt, soll Nārāyaṇa gleich werden und zugleich Dienergestalt besitzen; daran bestehe kein Zweifel. [Der Druck verbindet beide Aussagen ohne nähere Erläuterung.]
52.16 Wenn man das Yantra fünfzigtausendmal wiederholt, soll der Mensch zum Herrn der acht Vollendungen werden, beginnend mit Aṇimā.
52.17 Durch hunderttausend Wiederholungen soll man die drei Welten besiegen. Durch zweihunderttausend Wiederholungen soll man mit vierundzwanzig Vollendungen ausgestattet sein.
52.18 Durch fünfhunderttausend Anwendungen soll man Herr der Pretas und ihrer Herren werden. Wer das Yantra eine Million Mal schreibt, soll zum genießenden Weltherrscher werden.
52.19 Wer das Yantra fünfhunderttausendmal schreibt, soll alles mit eigenen Augen sehen. Durch zweieinhalb Millionen soll man die Gabe erlangen, Wünsche zu gewähren.
52.20 Das Verleihen von Gaben an andere soll in seiner Hand liegen. Der Text fordert in einer übersteigernden Geheimhaltungsformel, eher den eigenen Kopf, das Haus oder das Königreich herzugeben.
52.21 Das vorzügliche Yantra aber soll niemandem überlassen werden, Pārvatī. Schon durch seine Kenntnis soll man die drei Welten besiegen, Geliebte.
52.22 Ach, die Größe dieses Yantras vermag ich nicht auszudrücken! Wie gesegnet, wie gesegnet ist die beständige Kenntnis des Yantras!
52.23 Diese Frucht habe ich für diejenigen erklärt, die das vorbereitende Ritual vollzogen haben. Zehntausend Wiederholungen werden als Puraścaraṇa bezeichnet, Göttin.
52.24 Weil sie aus furchtbarer Gefahr errettet, heißt sie Ugratārā. Als unmittelbar gegenwärtige Gestalt dieser Rettung wird Tārā „die Furchtbare“ genannt.
52.25 Sāmrājyamudrā heißt das höchste Siegel, dessen Wesen Kālī und Tārā ist. Als Schreibgrundlagen werden Birkenrinde, Papier, „jāla“, Betel und ein Bananenhain genannt. [„Jāla“ und der Wechsel von Materialien zu einem Ort sind hier nicht eindeutig erklärt.]
52.26 Täglich soll man zehn Yantras auf ein Blatt schreiben, Pārvatī. Ihr Verehrer soll dadurch alle Feinde vernichten können.
52.27 Die Vernichtung des feindlichen Heeres soll auf verschiedene Weise geschehen: durch Zittern des Kopfes, Fieber, Brennen und gegenseitigen Streit.
52.28 Es folgen Leiden durch Feuer und Wind sowie die Furcht vor einer Seuche, Geliebte. Der Verehrer soll dies innerhalb von vierzehn Tagen bewirken können. [Diese Aussagen beschreiben magische Schädigungsbehauptungen des historischen Textes.]
52.29 Durch täglich hundert Wiederholungen soll man ein Reich besiegen, Herrin der Götter. Täglich tausendmal soll geschrieben werden; der Mensch soll zum Verleiher von Königreichen werden.
52.30 Man soll es neunfach schreiben, Göttin, und Herr aller Vollendungen werden. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 52. Kapitel namens „Das Schreiben des Yantras“.
Paṭala 53: Rituelle Stellvertretung und Siegel auf Edelsteinen
53.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Geheimnisse hören. Śrī Śiva sprach: Was in den drei Welten verborgen ist, wird nun erklärt; höre.
53.2 Man soll das Yantra zehntausendmal sorgfältig auf den Boden schreiben und jedes Mal wieder auswischen. Dadurch soll man die Erfüllung seines Wunsches erlangen.
53.3 Nachdem man es auf den Boden geschrieben hat, soll man es unter Nennung eines Namens auswischen. Gerade die benannte Person soll dadurch angezogen werden, selbst wenn sie sich eine Jahresreise entfernt befindet. [Die Wendung „varṣaṃ mārgasthitaḥ“ ist knapp und grammatisch unsicher.]
53.4 Man soll es besonders auf den Boden schreiben und ohne Zögern verbrennen beziehungsweise erhitzen. Nachdem dies eintausendachtmal geschehen ist, soll man sich einer Frau zuwenden. [Die Verbindung des Brennens mit der Bodenzeichnung ist nicht näher erklärt; „rāmā“ bezeichnet hier eine Frau.]
53.5 Ein Kundiger soll mit Sindūra auf den Boden schreiben und mit dem Zeigefinger auswischen. Die Frucht, die für das Tragen am Zeigefinger genannt wurde, gilt dabei ebenfalls.
53.6 Genau diese Frucht soll man erlangen; daran sei nicht zu zweifeln. Durch Schreiben und Tragen an den jeweiligen Stellen, Herrin der Götter, entsteht die entsprechende Wirkung.
53.7 Auch durch das Auswischen soll dieselbe Frucht entstehen, Herrin der Götter. Was als Frucht des Feueropfers mit Früchten, Blättern, Blüten und ähnlichen Gaben genannt wurde, gilt entsprechend weiter.
53.8 Diese Frucht soll auch durch Verehrung und durch Speisegaben entstehen. Ist man selbst dazu nicht imstande, kann ein Kundiger die Handlung durch einen Stellvertreter ausführen lassen.
53.9 Bruder, Sohn, Vater, Mutter, Schwiegertochter, Gemahlin, Enkel, Guru und dessen Sohn werden als neun mögliche Stellvertreter genannt.
53.10 Den Angehörigen vom Bruder bis zum Enkel soll man Schmuck geben. Beim Guru und den ihm Zugeordneten wird die Hingabe des gesamten Besitzes genannt; für andere gelten besondere Bestimmungen. [Der letzte Halbsatz bleibt knapp.]
53.11 Bei der Upāsanā ist kein Stellvertreter vorgesehen, Herrin der Götter. Beim Feueropfer für Herrschaft und ebenso bei nährenden beziehungsweise stärkenden Handlungen gilt die folgende Regel.
53.12 Dort ist ein Stellvertreter genannt, Göttin; die Handlung für die eigene erwählte Gottheit soll man selbst ausführen. Es folgt der Vergleich mit dem Atharvaveda-Feueropfer, bei dem Hymnus für Hymnus geopfert wird.
53.13 Im Ṛgveda-Ritus wird die Ṛc genannt, ebenso in den Vorschriften für Rezitation und Feueropfer. Eine Stellvertretung, wie sie dort erklärt wird, wird hier nicht in derselben Weise beschrieben. [Die genaue Abgrenzung der Ritualarten ist sprachlich verkürzt.]
53.14 Man soll das alle Vollendungen verleihende Yantra auf Gold, Silber, Kopftuch, Hüfttuch oder einem Edelstein einsetzen, Göttin.
53.15 Besonders genannt werden Gāruḍa, Padmarāga, Puṣparāga, Gomeda, Diamant, blauer Stein, Vaidūrya und Parisa. [Die historischen Edelsteinnamen werden nicht durch eine durchgehend sichere moderne Mineralbestimmung ersetzt.]
53.16 Man soll es in den vier Arten des Diamanten, in den vier Arten des Berührungssteins und in Koralle tragen, Göttin. Dadurch soll die zuvor genannte Frucht entstehen.
53.17 Bei Gold gilt die Erfüllung aller Ziele, bei Silber reicher Kindersegen. Durch das Tragen auf Stoff soll der Mensch göttliche Liebeskraft besitzen, Göttin.
53.18 Auf dem Kopftuch soll es zum Schutz der drei Welten, zu ihrer Bezauberung und zur Zerschlagung von Feinden getragen werden.
53.19 Auf das Hüfttuch soll man es schreiben, Göttin, und stark wie der Wind werden. Auf umhüllenden Kleidern soll es eine Gestalt verleihen, die dem Liebesgott gleicht.
53.20 Bei Gārutmata soll man die drei Welten besiegen, Śivā. Bei Padmarāga soll man Feinde vernichten, Sieg bewirken und großen Verstand besitzen.
53.21 Man soll Mahendra gleichen; daran sei nicht zu zweifeln. Auf Puṣparāga soll man das Siegel schreiben und es wie zuvor tragen, Geliebte.
53.22 Man soll zehn Millionen Sonnen gleichen und strahlenden Ruhm besitzen. Auf Gomeda soll man das Yantra schreiben und an der rechten Hand tragen.
53.23 Man soll einem vollendeten Gandharva gleichen und in der Dichtkunst Vācaspati ebenbürtig sein. Wer das höchst seltene Siegel auf einem Diamanten trägt, erhält die folgende Wirkung.
53.24 Durch die Rezitation der Vidyā Madhumatī soll er die drei Welten anziehen können. Er soll Bewegliches und Unbewegliches sowie das Meer anziehen können.
53.25 Flüsse, Städte, Edelsteine, Gold, Frauen, Berge und Bäume sowie selbst unerreichbare Dinge aus der Ferne und von der Erdoberfläche werden genannt. [Dies sind die Objekte der im vorigen Vers behaupteten magischen Anziehung.]
53.26 Durch das Tragen des Diamantsiegels soll man die drei Welten anziehen können. Auf Indranīla soll man das Siegel schreiben und an der lotosgleichen Hand tragen.
53.27 Der Mensch soll Mahendra gleichen und „Śakra-Macher“ werden. An Herrschaft soll er dem König der Könige, an Glanz der Sonne gleichen. [„Śakrakartṛ“ ist eine ungewöhnliche Drucklesung und wird nicht stillschweigend verbessert.]
53.28 An Einsicht soll man in der Welt Nīla gleichen; daran bestehe kein Zweifel. Wer es auf Vaidūrya trägt: Was sollte nicht in seiner Hand liegen? [Wer mit Nīla gemeint ist, wird hier nicht näher bestimmt.]
53.29 Durch das Tragen auf Parisa soll man von Kālī und Tārā erfüllt werden, Göttin. Kālī und Tārā werden als Berührungsstein bezeichnet; durch Rezitation soll man einen solchen Stein erlangen.
53.30 Noch mehr Vollendungen vermag ich nicht aufzuzählen. Bei Koralle soll die Vollendung des Unterwerfens entstehen, bei Bergkristall vorzüglicher Ruhm.
53.31 Was als Frucht des Tragens erklärt wurde, bezieht sich auf das schützende Siegel mit seinem Bīja. Diese Frucht ist das Geheimnis der Geheimnisse, große Herrin. [Die Zusammensetzung „durgamudrā“ kann auch als Eigenname des Siegels gelesen werden.]
53.32 Diese Frucht wird für alle vier Arten des Yantras genannt. Auch die Bīja-Yantras soll man ebenso tragen, Śivā. Dies ist das Geheimnis der Geheimnisse. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 53. Kapitel namens „Kurze Darstellung der Siegel“.
Paṭala 54: Edelsteinsiegel, Zahlenfelder und verbundene Gottheitsnamen
54.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Geheimnisse hören. Erkläre es mir, wenn ich deine Geliebte bin.
54.2 Śrī Śiva sprach: Aus Liebe zu dir wird auch dieses Geheimnis erklärt, große Herrin: alle Ketten, die Yantras und als drittes das schützende Siegel.
54.3 Zwischen diesen dreien besteht hinsichtlich des Schreibens auf Edelsteinen und des Tragens kein Unterschied. Ihre Frucht ist dieselbe und soll auf Erden rasche Vollendung bewirken, große Herrin.
54.4 Der erste Halbvers beschreibt punktierte oder beschädigte Edelsteinoberflächen und das Freisein von Würmern und Insekten, ist aber grammatisch unsicher. In der Kaśmīra-Überlieferung wird bei Edelstein beziehungsweise Perle kein entsprechender Fehler angenommen, Śivā.
54.5 Bei Koralle wird ein Fehler genannt; eine vollständige, wasserhaltige Gestalt gilt als günstig. Acht Arten von Perlen werden unterschieden, beginnend mit den aus Bambus entstandenen. [Die Entstehungsvorstellungen gehören zur historischen Edelsteinkunde.]
54.6 Korallen werden dreifach, Diamanten und Berührungssteine vierfach unterschieden. Eine weitere Regel besteht hier nicht; Edelsteine können vielfältig sein.
54.7 Punkte, drei Punkte, Farben und neun Mischarten werden genannt. Auch dafür hat Paraśambhu dieselbe Frucht erklärt. [Die kurze Aufzählung lässt ihre genaue Systematik offen.]
54.8 Eine durchbohrte Mitte, beschädigte Ecken, hervortretende Linien an der Vorderseite und ein „daśākoṣṭha“ genanntes Feld werden als Fehler des Yantras beschrieben. [Mehrere Drucklesungen sind unsicher; die genaue geometrische Vorschrift lässt sich nicht zuverlässig rekonstruieren.]
54.9 Ein Yantra, das ein vollendeter Guru gezeigt hat, soll keinen solchen Fehler bewirken. Der zweite Halbvers verbindet bloße Rezitation, Vollendung und die führenden Mächte der Yantras; sein Satzbau bleibt unklar.
54.10 Bei Gold soll die Frucht nach zwei Jahren gewiss entstehen, bei Silber nach einem Jahr, Göttin; beim Kopftuch nach zwei Monatshälften.
54.11 Beim Hüfttuch soll das Siegel nach drei Monatshälften Frucht verleihen. Ebenso wird für umhüllende Kleidung die entsprechende Frucht genannt. [Der Druck hat hier die unklare Zusammensetzung „phalamantra“.]
54.12 Bei Gārutmata soll Vollendung nach einer Monatshälfte gewiss entstehen. Bei Padmarāga soll sie nach sieben Tagen einsetzen.
54.13 Bei Puṣparāga soll nach zweimal sechs Tagen Vollendung entstehen. Bei Gomeda soll nach fünf Nächten das im Herzen Gewünschte gewährt werden.
54.14 Beim Diamanten werden drei Tage, bei Vaidūrya sieben Tage genannt. Bei Parisa soll die Vollendung augenblicklich gewiss entstehen.
54.15 Bei Indranīla soll die Vollendung nach vier Tagen gewiss entstehen, bei Koralle nach zehn Monaten und bei Perlen nach acht Monaten.
54.16 So soll Vollendung entstehen, Herrin der Götter; daran sei nicht zu zweifeln. Siegel, Kette und Schutz werden genannt; der letzte Halbvers grenzt sie in sprachlich unklarer Form von der Frucht anderer Askese ab.
54.17 Bei der Rudra-Anwendung soll man zum Schöpfer und Zerstörer werden, Herrin der Götter. Nun wird eine weitere Anwendung nach den Unterschieden von Wünschen und Substanzen erklärt.
54.18 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Giftstoffe werden als Material für Yantra-Zeichnungen genannt; der Text verbindet dies mit der behaupteten Macht, die drei Welten zu bezwingen. Die gefährliche Zubereitung wird nicht wiedergegeben.
54.19 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Der Vers beschreibt eine gefährliche Verarbeitung eines Giftstoffs im Zusammenhang mit Feuer. Die Verfahrensschritte sind ausgelassen.
54.20 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Eine giftige Zubereitung wird als Material für drei Siegel und einen Feuerritus genannt. Die Anleitung ist ausgelassen.
54.21 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Wiederholtes Bearbeiten und Erhitzen des Siegels soll die drei Welten magisch anziehen. Die giftbezogenen Verfahrensschritte sind ausgelassen.
54.22 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verbindet eine weitere Giftanwendung mit einem Siegel und Feuer. Die Anleitung ist ausgelassen.
54.23 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Mehrere Giftstoffe werden für eine schädigende Ritualhandlung genannt, der Macht über die drei Welten zugeschrieben wird. Die Anleitung ist ausgelassen.
54.24 Nichtanleitende Inhaltswiedergabe: Die Namensnennung soll den tödlichen Zauber auf eine Person richten. Danach wird ein Edelsteinsitz genannt, auf dem das Yantra innerlich vergegenwärtigt und gespiegelt werden soll.
54.25 Eine nach oben führende Linie oder eine Linie zur Unterwelt wird genannt, Göttin. Auf Diamant, Parisa oder einem blauen Stein soll entsprechend geschrieben werden. [Die zeichnerischen Einzelheiten sind nicht vollständig erläutert.]
54.26 Man soll dies sorgfältig herstellen und schreiben lassen, Pārvatī. Auch auf einen Edelstein soll man entsprechend seinem Wunsch schreiben, Geliebte.
54.27 Durch erneutes Schreiben und Auswischen soll man dieselbe Frucht erlangen. Die Frucht soll hier sogar größer sein als bei einem anderen Sitz, Śivā.
54.28 Bei Parisa und Diamant wird das Maß eines Fingergliedes des kleinen Fingers genannt, große Herrin; bei Gomeda der Ringfinger.
54.29 Bei Gārutmata soll man das Siegel im Maß einer Hälfte des mittleren Gliedes des Mittelfingers herstellen lassen, höchste Herrin, zum Sieg über die drei Welten.
54.30 Für die zuvor genannten und für eine Grundlage aus Vaidūrya wird der Zeigefinger genannt; bei Indranīla die Hälfte des mittleren Bereichs des Mittelfingers, große Herrin. [Die Zuordnung der ersten Satzhälfte ist sprachlich unklar.]
54.31 Bei Padmarāga gilt ein etwas geringeres Maß als das mittlere Glied des Zeigefingers. Bei Puṣparāga wird ein kleineres Maß am mittleren Glied des Ringfingers genannt. [Die Endung „nyūnānanā“ ist im Druck auffällig.]
54.32 Vaidūrya, Mittelfinger und ein kleineres goldenes Siegel werden miteinander verbunden. Für Gold wird ein halbes Maß genannt; der weitere Vergleich mit Edelstein und Liṅga-Gestalt ist sprachlich verderbt und lässt sich nicht sicher auflösen.
54.33 Als Sitz habe ich dir eine runde, viereckige, sechseckige, „ṣaḍalaka“ genannte, neuneckige oder fahnenförmige Gestalt erklärt. [Die Bezeichnung „ṣaḍalaka“ bleibt unsicher.]
54.34 Eine Grundlage, die dem Edelstein gleicht, hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Zum Vergleich wird der durch das Yantra vollendete lebendige Kreis des Kaula-Weges genannt.
54.35 Ebenso gilt im Cīna-Weg die Schädelgrundlage des Yantras als besonders vollendungskräftig, im Jaina-Weg der göttliche Sitz und im Bārhaspatya-Weg der Pflock.
54.36 So wird diese Grundlage in der Vorschrift für Siegel und Schutz beschrieben. Eine Vollendung, die anderswo erst nach einem Jahr entsteht, soll beim Edelstein augenblicklich entstehen.
54.37 Der Edelsteinsitz soll rasche Vollendung bewirken, große Herrin. Der zweite Halbvers nennt zwei und drei Zahlenzeichen, hundert, tausend und zehntausend; die genaue Zuordnung ist ohne zusätzliche Erklärung nicht gesichert.
54.38 Schon durch das Eintragen der Zahlen in ein Feld beziehungsweise in neun Felder soll der Übende Brahmā und Śiva genannt werden und Herrschaft erlangen, Herrin der Götter.
54.39 Wie wissend unter den Wissenden ist derjenige, der sich dem Siegel und seinem Schutz widmet! Er sei Śiva selbst, große Herrin; daran sei nicht zu zweifeln.
54.40 Wenn dies vollendet ist, soll er augenblicklich die Stellung Indras verleihen können. Die Erschaffung eines neuen Viṣṇu und von fünfzehn Brahmās wird genannt.
54.41 Dies soll er vollbringen können, Herrin der Götter; daran sei nicht zu zweifeln. Nun werden das Śivatāṇḍava Tantra und ein mit Siddhi bezeichneter weiterer Text beziehungsweise Yantra-Zusammenhang angeführt. [Die Titelabgrenzung ist nicht eindeutig.]
54.42 Aṅkārṇavasarvasva, Aṅkacūḍāmaṇi, Akṣobhyakakṣapuṭī und ein Khecarīsiddhi genannter Zusammenhang werden angeführt.
54.43 Was ich dort kurz erklärt habe, ist hier ausführlicher gezeigt. Die Samāṅka genannten Yantras im Neun-Felder-Schema sollen Vollendung verleihen.
54.44 Zuerst sollen sie zur Vollendung gebracht werden; danach soll man ihre Bestätigung erproben. Man soll ein Feldpaar zeichnen und es in der Wärme beziehungsweise Sonne erhitzen, Herrin der Götter.
54.45 Unter wessen Namen man es erwärmt, diese Person soll angezogen werden, Göttin. Nach dem Einzeichnen von fünf Zahlenzeichen soll es mit der Vorderseite nach unten abgelegt werden.
54.46 Dort sitzend soll man Śakti rezitieren und alles anziehen können. Bei den Zahlenanordnungen bis fünfzig wird dieselbe Frucht genannt.
54.47 Alles soll in die Hand des Übenden gelangen; daran sei nicht zu zweifeln: die Welten im Wasser und auf dem Land und alles, was sich auf der Erde befindet.
54.48 Frauen, Gold, Edelsteine, Rinder und weitere Dinge sowie selbst die Unterwelt soll man durch die Gnade Kālīs und Tārās rasch anziehen können. [Die Zusammensetzung nach „Rinder“ ist nicht eindeutig.]
54.49 Durch die Gnade Kālīs und Tārās soll man Mahāmadhumatī erlangen. Durch Madhumatīs Gnade soll alles, was sich innerhalb der Weltkugel befindet, erreichbar sein.
54.50 Alles soll man rasch anziehen können; daran sei nicht zu zweifeln. Zum Vergleich wird die Göttin Gopālasundarī genannt, wie ich sie dir erklärt habe.
54.51 Kālītārā habe ich erklärt und ebenso die höchste Tārākālī. Es folgen Kālī, Kāla, Kālakālī und Tārākṣobhya. [Die Worttrennung im zweiten Halbvers ist nicht eindeutig.]
54.52 Akṣobhyatārā soll jeweils entsprechend zugeordnet werden, Herrin der Götter. Dessen Aussprache steht zuerst; dessen Sitz gilt als der anfängliche. [Die Pronomen beziehen sich auf die zuvor verbundenen Gottheitsnamen.]
54.53 Auf Kālīs Sitz soll man Tārā verehren, auf Tārās Sitz Kālikā. Auf Kālīs Sitz soll man Kāla verehren und ebenso Akṣobhyatāriṇī.
54.54 Medhā, Kamalā, Lakṣmī und Rāmā werden für Unterwerfungsrituale genannt. Der weitere Halbvers nennt Anziehung und Śakti-Verehrung; dazwischen stehen Auslassungssterne.
54.55 Diese Grundlage habe ich erklärt, das Geheimnis der Geheimnisse. Sie ist geheim zu halten, geheim zu halten, geheim zu halten, große Herrin.
54.56 Bewahre sie unausgesprochen wie die eigene Yoni und die einer anderen, Herrin der Götter. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 54. Kapitel namens „Erläuterung der Edelstein-Zuordnungen“.
Paṭala 55: Mantraglieder, Fingerzuordnungen und Gebetsketten
55.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Geheimnisse hören. Śrī Śiva sprach: Was niemandem erklärt wurde, wird nun ausgesprochen; höre.
55.2 Am Zeigefinger soll Silber, an den Ringfingern Gold getragen werden. Dieses wird hier Kuśa genannt, nicht das im Wald gewachsene Kuśa-Gras.
55.3 In Gold soll die Śakti, in Silber das Bīja getragen werden. Durch das Tragen von sechs Kūrcas soll man von den sechs Herrlichkeiten erfüllt werden.
55.4 Durch das Tragen am Zeigefinger soll man augenblicklich Bhūtas und andere Wesen bedrohen können. Nach der Ordnung der zehn Vidyās gibt es zehn Arten des Tragens in Silber.
55.5 Bīja, Śakti und Kīlaka sind entsprechend der jeweils passenden Abfolge zu unterscheiden. Ein gewöhnlicher Verehrer soll das Kīlaka zeichnen und tragen.
55.6 Wer mit Hauptmantra und Gliedermantras verbunden ist, soll das Bīja tragen. Wer vollständige Einweihung und die entsprechenden Voraussetzungen besitzt, soll die Śakti tragen.
55.7 Wer mit den sechs Pārāyaṇas verbunden ist, soll beides tragen, Geliebte. Es folgen die Gottheit, die übergeordnete Gottheit und die zugeordnete Gottheit.
55.8 Hinzu kommen die vorsitzende Gottheit und als fünfte die mit „prati“ bezeichnete. Die bloße Mantrarezitation wird als fünffach beschrieben. [Der Name der fünften Gottheit ist nur verkürzt angegeben.]
55.9 Wer die Unterscheidung von Haupt- und Gliedermantras kennt, soll unmittelbar von Śiva erfüllt werden. Durch das Tragen der sechs Kūrcas beziehungsweise ihrer Sechsergruppe soll man den sechs Herrlichkeiten gleichen. [Die Doppelung im zweiten Halbvers ist sprachlich auffällig.]
55.10 Durch das Tragen der Bījas in Gold an den zehn Fingern soll man zum Herrn der zehn Vidyās werden, Geliebte; daran sei nicht zu zweifeln.
55.11 Bei den drei Śaktis gilt das Kūrca-Bīja, bei Sundarī das Parā genannte. Bei Bagalā gilt ihr eigenes Bīja, bei Kamalā das Kāmalā zugehörige.
55.12 Bei Bhairavī soll Vāgbhava getragen werden, bei Mātaṅgī das Kāma-Bīja, bei Dhūmrā Vasordhārā und im Siddhavidyā-Ritus das jeweils eigene.
55.13 Das Strī-Bīja wird im Zusammenhang eines Zahlenzeichens genannt, bei Parā das Paar Tatparā. Im Ritus der Rājarājeśvarī-Vidyā gilt das Śāmbhava. [Die verkürzten Mantrabezeichnungen werden hier nicht durch ungesicherte vollständige Formeln ersetzt.]
55.14 Es soll zur Läuterung oder in der Gestalt eines Siegels getragen werden, Geliebte. Es ist als heiligendes Zeichen zu tragen, nicht bloß als Schmuck ohne diesen Zusammenhang.
55.15 Bei den sechs Āmnāyas werden sechs Bījas getragen. Bei den sechs Darśanas werden sechs Tārās und im Pañcāyatana fünf genannt. [Der Text setzt die Kenntnis der jeweiligen Zuordnungen voraus.]
55.16 Man soll das Tragen nach den Unterschieden von Śiva und Śakti, nach den Śakti-Unterschieden allein sowie nach Haupt- und Gliedermantras ausführen.
55.17 Durch das Tragen am Ringfinger soll man die drei Welten besiegen und Dichter werden. Das Bīja gehört an die Stirn, das Siegel an den Finger und der Name in den Herzenslotos.
55.18 In der Hand liegt die der jeweiligen Gottheit entsprechende Gebetskette; der übrige erste Halbvers ist sprachlich knapp und bezieht sich auf die Frucht der Askese. Für Śrīkālī wird eine Zahnkette, für Tāriṇī eine Kette aus menschlichem Schädelmaterial genannt.
55.19 Im Chinnamastā-Ritus wird eine Kette aus Menschenknochen gepriesen. Im Tripurā-Ritus wird eine als Bīja bezeichnete Kette aus rotem Sandelholz genannt.
55.20 Im Gebetskettenritus der Bhairavī gilt eine Svayambhū-Kette, Göttin. Für Mātaṅgī gilt eine Guñjā-Kette, für Dhūmrā eine Kette aus Eselszähnen. [Svayambhū bleibt hier als Ritualbezeichnung stehen.]
55.21 Für Brahmāstra gilt eine Kurkumakette, für Ramā eine Lotossamenkette. Für Vāṇī und Śrībhuvaneśvarī wird Bergkristall genannt.
55.22 Weiße Guñjā wird für den Siddhavidyā-Ritus genannt, große Herrin. Im Vaiṣṇava-Weg gilt eine Muschelkette, im Śakti-Bereich Rudrākṣa.
55.23 Für Śarabha wird Bhadrākṣa genannt, für Gaṇeśa Elfenbein, für Tripurā Putrajīva und für Govinda Tulasī.
55.24 Rudrākṣa gilt für alle Mantras; bei Śakti-Mantras wird dann eine Einschränkung genannt. Es folgen Ketten aus Edelstein, Gold, Silber und Kupfer, Śivā. [Die Formulierung „tu vā nahi“ steht in Spannung zur vorherigen allgemeinen Zuordnung und wird nicht vereinheitlicht.]
55.25 Es folgen Ketten aus Uḍumbara-Samen, Banyansamen, Betelnüssen und Jāta-Phala. [Die letzte Bezeichnung ist im Druck unregelmäßig; eine sichere moderne Pflanzenidentifikation wird hier nicht vorausgesetzt.]
55.26 Diese werden für Anziehung durch Madhumatī und im Vīravidyā-Ritus genannt. Koralle gilt für alle Mantras, Perle im Śakti-Bereich. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 55. Kapitel namens „Edelstein-Zuordnungen“.
Paṭala 56: Früchte und Überlieferungszuordnungen der Gebetsketten
56.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Früchte aller Gebetsketten hören. Śrī Śiva sprach: Wegen deiner Hingabe wird das Geheimnis der Geheimnisse erklärt.
56.2 Ein Brahmane soll mit Kuśa-Knoten rezitieren, ein König mit Goldperlen, ein Vaiśya mit Putrajīva-Samen und ein Śūdra mit Lotossamen. [Der Vers ordnet Materialien nach der historischen Standesordnung zu.]
56.3 Mit weißen Lotossamen soll man den Viṣṇu-Mantra rezitieren, Göttin und Śivā. Mit Rudrākṣa sollen alle Vorhaben gelingen, mit Lotossamen vorzügliches Gedeihen.
56.4 Sandelholzperlen sollen Schönheit verleihen, Perlen Anteil an Befreiung. Koralle soll die Vollendung des Unterwerfens bewirken, Guñjā Bezauberung.
56.5 Bhadrākṣa soll Glücksfülle, Rudrākṣa vorzügliche Herrschaft verleihen. Durch Putrajīva sollen Reichtum, Getreide und Nachkommen erlangt werden.
56.6 Eine Ariṣṭa-Kette gilt für Zwietracht, Badarī für Tötungszauber, Pfeffer für Einschüchterung und Picumarda für Vernichtung.
56.7 Durch die Mahāśaṅkha genannte Kette soll die gewünschte Vollendung unvermittelt entstehen. Durch die Zahnkette soll man Herr von sechzig Vollendungen werden, Göttin.
56.8 Eine aus Knochenperlen gefertigte Kette soll alle Feinde vernichten. Eselszähne sollen Feindvernichtung bewirken; durch Elefantenzähne soll man zum Guru werden.
56.9 Rotes Sandelholz soll Anziehung, Kurkuma Stillstellung bewirken. Durch „selbstentstandene Blüten“ soll man zum Herrn aller Vidyās werden, Göttin. [Die letzte Wendung ist eine tantrische Ritualbezeichnung.]
56.10 Sandelholz soll das Glück des Ruhmes, eine Kuśa-Kette Leuchtkraft verleihen. Durch Tulasī soll man Befreiung erlangen; Eisen wird dem Tötungszauber zugeordnet.
56.11 Kupfer soll Frieden bewirken, Eisen und Silber die Frucht allen Wohlergehens. Gold soll königliches Glück verleihen; mit einer Kette aus Knochen wird die folgende Handlung verbunden.
56.12 Man soll damit Feinde erschrecken und vernichten können, Göttin; daran sei nicht zu zweifeln. Bergkristall soll Vollendung der Sprache bewirken und kann auch verwendet werden, wenn Śaṅkha-Material fehlt.
56.13 Durch das Zählen an den Fingergliedern soll man die Herrschaft über alle Vollendungen erlangen. Der zweite Halbvers nennt bei Uḍumbara „Vernichtung der Nachkommen“ und danach „Vernichtung der Armut auf Erden“. [Die Drucklesung „sutanāśa“ und ihre Verbindung mit dem Folgenden sind unsicher; sie wird nicht zu einem positiven Wirkversprechen verbessert.]
56.14 Durch Banyansamen soll man eine Yakṣiṇī erlangen, durch Kaurimuscheln großen Aufstieg. Eine Kette aus Rudrākṣa und Bergkristall ist von Śiva und Śakti erfüllt.
56.15 Eine Kette aus Rudrākṣa und Gold hat Hari und Hara zum Wesen. Eine Kette aus Rudrākṣa und Silber hat Brahmā und Śiva zum Wesen.
56.16 Wer einen Śakti-Mantra tagsüber mit Rudrākṣa rezitiert, Geliebte, soll ein ungünstiges Geschick erfahren; seine Rezitation sei vergeblich. [Dies ist eine besondere rituelle Einschränkung des Textes.]
56.17 Bei Śakti- und weiblichen Mantras soll man tagsüber nicht mit Rudrākṣa rezitieren. Im östlichen Āmnāya gilt Bergkristall, im südlichen Rudrākṣa, das aus Rudras Auge Entstandene.
56.18 Für die Gottheiten des westlichen Āmnāya gelten Koralle und Perle, Göttin; für die des nördlichen die Mahāśaṅkha genannte Kette.
56.19 Uttareśvarī soll man nicht mit Putrajīva-Perlen rezitieren. Für Bhairavī wird die Kuṇḍalī-Kette genannt, Göttin.
56.20 Im oberen Āmnāya gilt Svayambhū, im unterirdischen eine aus Edelsteinen gefertigte Kette. Auch dort gilt für Kālikās und Tārās Vidyā eine aus Śaṅkha-Material.
56.21 Der erste Halbvers nennt das Herstellen einer Śaṅkha-Kette und die Rezitation Tārās und Kālikās, ist aber durch das unklare „yattārām“ gestört. Der nächste Halbvers warnt vor Erregung des Mantras und ausbleibender Vidyā-Vollendung. [Die genaue Bedingung der Warnung lässt sich aus dem Druck nicht sicher bestimmen.] So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 56. Kapitel namens „Bestimmung der Gebetsketten“.
Paṭala 57: Zeitmaße der Gebetskettenpraxis und Caṇḍaghaṇṭā
57.1 Die Göttin sprach: Sage, welche Frucht alle zuvor genannten Gebetsketten verleihen und nach welcher Zeit, Herr der Götter. Erkläre es heute.
57.2 Śrī Śiva sprach: Das Geheimnis der Geheimnisse wird erklärt; höre aufmerksam. Bei Rezitation mit einer Rudrākṣa-Kette wird die Frucht nach zehn Jahren genannt.
57.3 Bei Bergkristall nach elf Jahren, bei Perlen nach neun Jahren, bei Koralle nach zwölf Jahren, höchste Herrin. Es folgt die Lotossamenkette.
57.4 Bei Lotossamen gilt die mit „Kāma“ bezeichnete Zahl von Jahren; sie ist hier nicht eindeutig bestimmt. Höre von Putrajīva, Geliebte: Diese Kette soll nach fünf Jahren, Guñjā nach acht Jahren Frucht verleihen.
57.5 Bei rotem Sandelholz soll die Frucht nach sieben Jahren entstehen, bei Silber nach zwei Jahren. Für Gold nennt der Druck „trivedika“ Jahre. [Die verschlüsselte Zahlenangabe wird ohne sichere Auflösung nicht als bestimmte Jahreszahl ausgegeben.]
57.6 Für Kupfer wird die Frucht nach fünfundzwanzig Jahren genannt. Durch die Mahāśaṅkha-Kette soll die gewünschte Vollendung unvermittelt entstehen.
57.7 Wenn Mahāśaṅkha nicht zur Verfügung steht, soll man mit einer Bergkristallkette rezitieren. Bei der Zahnkette wird die Frucht nach zehn Tagen genannt, Göttin.
57.8 Beim Zählen an den Fingergliedern soll man die Frucht nach sieben Tagen erlangen. Bei der Mahāśaṅkha-Kette wird die Frucht nach zwölf Tagen als gewiss bezeichnet. [Dies steht neben der vorherigen Aussage über unvermittelte Vollendung.]
57.9 Bei Bhadrākṣa werden sechzehn Tage genannt, bei Māhendrākṣa ebenso. Bei Rubin gelten fünf Jahre, bei Edelstein allgemein acht Jahre.
57.10 Bei Knochen soll die Frucht nach einer Monatshälfte entstehen, Pārvatī. Im Caṇḍaghaṇṭā-Ritus wird eine Menschenknochenkette genannt.
57.11 Die einsilbige Chinnamastā wird Caṇḍaghaṇṭā genannt. Im Caṇḍaghaṇṭā-Ritus sollen weder Rudrākṣa noch Lotossamen verwendet werden, Śivā.
57.12 Eine noch furchtbarere Vidyā gibt es nicht und wird es niemals geben. Vollendung oder Tod: Eines von beiden soll eintreten. [Dies ist die zugespitzte Gefahrenaussage des historischen Ritualtextes.]
57.13 Tārās Bīja, Kālīs Śakti und Chinnās Mantra werden verbunden. Dazu gehören die Verbindungen von Bīja und Gottheit sowie von übergeordneter und zugeordneter Gottheit. [Die erste Vershälfte ist komprimiert und lässt die exakten Wortgrenzen teilweise offen.]
57.14 Hinzu kommen die vorsitzende Gottheit und die weitere Zuordnung, große Herrin. Die Menschenknochenkette gilt als Śakti und als alle Vorhaben erfüllend.
57.15 Den Mantra der drei Śaktis soll man tagsüber nicht mit Rudrākṣa rezitieren, Śivā. Sonst soll ein ungünstiges Geschick entstehen und die Rezitation vergeblich sein.
57.16 Ein Verständiger soll bei Śakti- und weiblichen Mantras nicht mit Rudrākṣa rezitieren. Bei gelben Perlen soll die Frucht nach sechs Jahren entstehen, Pārvatī. [Die allgemeine Formulierung ist enger als andere Zulassungen von Rudrākṣa im Werk.]
57.17 Die Kuṇḍalī-Kette wird für Bhairavī genannt, Göttin. Die Svayambhū-Kette wird entsprechend ihrer eigenen Entstehungsordnung behandelt.
57.18 Vorschriftsgemäß erlangt, soll diese nach fünf Tagen Frucht verleihen, Göttin. Bei Eselszähnen werden vier Jahre genannt; bei Elefantenzähnen steht die Zahlenbezeichnung „dviveda“, deren Auflösung hier nicht gesichert ist.
57.19 Wenn Königszähne nicht verfügbar sind, soll man mit Elefantenzähnen rezitieren. Bei Samen eines Kula-Baumes soll die Frucht nach einem Monat entstehen.
57.20 Für Kuśa-Knoten wird die Frucht nach zwei Jahren genannt. Eine Kette aus Kokosnüssen wird im Kāpālinī-Ritus erklärt.
57.21 Diese gilt unmittelbar als Schädelkette und soll nach sechs Monaten Frucht verleihen. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 57. Kapitel namens „Darlegung der Früchte der Gebetsketten“.
Paṭala 58: Einweihung von Frauen und die Einheit von Kālī und Sundarī
58.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte die Bestimmung der Einweihung von Frauen hören. Wie soll Frauen die Einweihung gegeben werden und von wem, höchster Herr?
58.2 Īśvara sprach: Ein Sohn soll seiner Mutter die Einweihung aufgrund der Kraft der Hingabe geben. Im Mantra-Lehrsystem ist die Hingabeverbindung besonders stark, große Herrin.
58.3 Durch das Vergegenwärtigen der Einheit entsteht Göttlichkeit, Göttin. Die Gottheit besitzt Mantragestalt; der Guru gilt als Gestalt der Gottheit.
58.4 Das Selbst besitzt die Gestalt des Gurus, der Mantra die Gestalt des Selbst. Der Mantra wird Bewusstsein genannt; das Bewusstsein besitzt die Gestalt des Gurus.
58.5 „Mantra“, „Gottheit“ und „Guru“ sind Bezeichnungen desselben. Durch die Übung darin soll man diese Gestalt selbst annehmen.
58.6 Das Annehmen dieser Gestalt bedeutet hier die eine Gestalt des Selbst. Wenn diese Wesensgleichheit erreicht ist, wird man zum Śiva-Yogin.
58.7 Dies ist eine geistige Ordnung; der Geist selbst ist die Ursache. Frauen soll die Einweihung durch die Mutter gegeben werden, durch niemand anderen, Śāmbhavī. [Diese Regel steht neben anderen Weihewegen, die der Text im selben Kapitel bespricht.]
58.8 Eine Einweihung, die durch die Überlieferung der Göttin empfangen wird, gilt für Frauen als günstig. Höre die Besonderheit dieser Überlieferung, Pārvatī.
58.9 Die Einweihung von Frauen, die in der von der Göttin gewiesenen Überlieferungsfolge weitergegeben wird, gilt als vorzüglich und günstig, Göttin.
58.10 Eine durch diese Überlieferung empfangene Einweihung gilt als vollendungsspendend. Auch für Männer entsteht eine Einweihungsüberlieferung, die von ihr ausgeht.
58.11 Höre das Wesentliche, große Göttin: Für Frauen wird diese Einschränkung nicht angenommen. Die Einschränkung betrifft den Mann, keineswegs die Frauen. [Welche der zuvor genannten Einschränkungen genau gemeint ist, bleibt im knappen Satzbau offen.]
58.12 Dies ist auf den Paśu-Weg zu beziehen, nicht auf den Vīra-Weg, Śivā. Für Vīras gilt die Einweihung überall als vorzüglich, Herrin der Götter.
58.13 Durch jene Einweihung der Frauen, die in der vorzüglichen Göttinnenüberlieferung gilt, soll die Frau die drei Welten besiegen.
58.14 Die Frau soll ihr gleich werden; Śaṅkaras Wort ist nicht anders. Die Vidyā, die aus ihrem Mund hervorgeht, wird vollendete Vidyā genannt.
58.15 Diese Vidyā wird bei einem Kindheitsritus auf die Zunge geschrieben. Nach dem dritten Jahr soll daraus ein Dichter werden, der die drei Welten besiegt, Göttin. [Es handelt sich um eine historische Weihevorstellung, nicht um eine Empfehlung, einem Kind Stoffe auf die Zunge aufzutragen.]
58.16 Wie kann im Śākta-Weg unter solchen Unterscheidungen Einweihung geschehen, Geliebte? Wird sie vom eigenen Guru gegeben, gilt die Frau als Schwester.
58.17 Wird sie vom Mann selbst gegeben, gilt sie als Tochter. Lässt man sie von einem anderen geben, gilt sie als vom Weg abgekommen. [„Schwester“ und „Tochter“ bezeichnen hier die durch Einweihung entstehende rituelle Verwandtschaft.]
58.18 Die Göttin sprach: Viele Wege hast du im Mantra-Lehrsystem zuvor genannt, Gott. Deshalb zweifelt mein Geist. Sage, Śaṅkara, was soll getan werden?
58.19 Śrī Śiva sprach: Von dem Besten in der eigenen Überlieferungsrichtung soll man Einweihung empfangen; das wird als günstig bezeichnet, große Göttin. Höre aufmerksam, was bei dessen Fehlen gilt.
58.20 Am dreizehnten Tag der dunklen Monatshälfte, wenn er mit einem Montag zusammenfällt, soll man den Mantra auf ein Palmblatt schreiben und die zehn Läuterungen ausführen.
58.21 Durch die zehn Läuterungen soll der Mantra vollendet werden. An diesem Tag soll man Milchreis bereiten, in Gegenwart Dakṣiṇāmūrtis.
58.22 Man soll den Milchreis darbringen und Śaṅkara mit Bilva-Blättern verehren. Es werden hundert Handlungen und eintausendacht Aussprachen genannt. [Das Objekt der ersten Zahl ist nicht ausdrücklich wiederholt.]
58.23 Nach der Rezitation soll man das Feueropfer auf dem im Tantra genannten Weg ausführen, Göttin. Was aber ist zu tun, wenn die Fähigkeit zur Aussprache fehlt?
58.24 Man lasse durch den Sohn vorsprechen; dieser Sohn ist dann der Guru. Ein so empfangener Mantra soll Vollendung verleihen, Geliebte.
58.25 Oder man soll die Frau so ausbilden, dass sie sich dem Lesen beziehungsweise Vortragen der Schriften widmet. Der zweite Halbvers nennt etwas dem Dharma entsprechend zu Beschaffendes und zwanzig „caṇīpava“; diese Drucklesung ist nicht sicher identifiziert.
58.26 Man soll sie zur Kennerin der Schriften machen, die sich der überlieferten Verhaltensordnung widmet, und sie im Vortrag der Schriften unterweisen, große Herrin.
58.27 Dann soll der Mantra nach der zuvor beschriebenen Vorschrift ausgesprochen werden, Geliebte. Nach diesem Empfang gilt sie als Gestalt der Göttin selbst.
58.28 Die Göttin sprach: Gott der Götter, großer Gott, Verleiher aller Vollendungen! Früher hast du gesagt, Frauen seien hier nicht berechtigt.
58.29 Bei Dakṣiṇāmūrti und den entsprechenden Formen, beim fünfsilbigen Mantra und bei Mantras mit Praṇava seien Frauen nicht berechtigt, großer Herr.
58.30 Besonders bei Dakṣiṇāmūrti bestehe für Frauen keine Berechtigung. Du hast gesagt, großer Gott, selbst ein bereits empfangener Mantra solle dann aufgegeben werden.
58.31 Wenn du dies gesagt hast, wie soll ein solcher Mantra empfangen werden? Du hast doch auch das Opfer der Śūdras nicht als unmittelbar auszuführendes anerkannt. [Das gedruckte „notaḥ“ ist sprachlich unsicher.]
58.32 Beim Veda und den entsprechenden Handlungen besitzen Śūdras keine Berechtigung, großer Gott. Wie sollen sie dann ein Opfer ausführen, und ebenso Frauen, großer Herr?
58.33 Wer zur Verehrung einer Gottheit nicht berechtigt ist: Wie soll er über sie meditieren, Herr der Götter? Wie soll er von ihr einen Mantra empfangen?
58.34 Wie steht es bei den beiden Sūtaka-Zeiten? Wenn kein Recht zum unmittelbaren Herantreten besteht, wie wird dann die Verehrung aufgefasst, Gott der Götter?
58.35 Śrī Śiva sprach: Die Handlungen sind innerlich auszuführen, nicht durch äußeres Herantreten. Entsprechend ist die fehlende Berechtigung von Frauen zu verstehen, Herrin der Götter. [Der Druck hat „adhyātāḥ“; die Wiedergabe als innerliche Handlung folgt dem Gegensatz zu „upasthāna“.]
58.36 Für vollständig Geweihte wird keine entsprechende Sūtaka-Pflicht angenommen. Bad, Spende, Übergangsgebet und Verehrung sollen ausgeführt werden, Śivā.
58.37 Wenn schon durch den bloßen Anblick eines solchen Menschen schwer Verfehlte zu Verkörperungen des Verdienstes werden: Woher sollte ihm selbst Verfehlung anhaften? Sage es rasch, Göttin.
58.38 Er selbst ist eine Fülle von Verdienst; daran besteht kein Zweifel, Śivā. Auch bei den mit weiteren Einweihungen Ausgestatteten wird Sūtaka hier verneint. [Diese Aussage bleibt im Rahmen der besonderen Weiheordnung des Kapitels.]
58.39 Die Göttin sprach: Eine Art Sūtaka bleibt aber für seine Gottheit, den Mantra und das Feueropfer bestehen, Gott, keine andere.
58.40 Am Anfang steht das Geburts-Sūtaka, am Ende das Todes-Sūtaka. Wenn ein vorzüglicher Mantra von Dakṣiṇāmūrti empfangen wird, Gott, entsteht außerdem die folgende Frage.
58.41 Wer soll dort als Guru verehrt werden, und welche Überlieferungsreihe gilt? Śrī Śiva sprach: Man betrachte Śrīdakṣiṇāmūrti und lasse den Praṇava fort, Geliebte.
58.42 So soll der Mantra empfangen werden, große Herrin. Der Guru ist Śrīdakṣiṇeśvara. Im Mahāvidyā-Ritus gilt die Überlieferungsreihe Dakṣiṇeśas, Göttin.
58.43 Nach dieser Überlieferungsreihe soll die Guru-Verehrung geschehen, große Herrin. Als Vergleich werden die günstigen Opferhandlungen eines Śūdra genannt.
58.44 Diese werden durch andere ausgeführt; ebenso lässt man hier den Praṇava fort. Diese Einweihung ist für Paśus bestimmt und verleiht den entsprechenden Status. [Der Text benutzt hier seine eigene Stufenbezeichnung, nicht eine heutige Wertung von Menschen.]
58.45 Höre nun eine andere Art der Einweihung: an einem ins Meer mündenden Fluss, zu günstiger Konstellation und an einem günstigen Tag.
58.46 Zuvor soll man die Überlieferungsrichtung erfragen und ein Sonnenmaṇḍala zeichnen. Man verehre die Sonne mit ihren Gliedern und Umhüllungen, Geliebte meines Lebens.
58.47 Man schreibe den Mantra auf ein Palmblatt und lasse ihn von dort vorsprechen. „Hundert-achtmal“ wird genannt; dazu die Regel, dass Zahlenzeichen nach links fortschreiten. [Die zusätzliche Zahlenregel macht die genaue Auflösung der komprimierten Angabe nicht völlig sicher.]
58.48 Man verehre dort die Sonne als Guru und soll Herr aller Vollendungen werden. Bei den Kaulas des Vīra-Weges dagegen soll der Ehemann die Einweihung ausführen.
58.49 Das zuvor Gesagte betrifft den Paśu-Weg und ist nicht die Dakṣiṇa-Einweihung. Man soll entsprechend der Vorschrift des eigenen Ritualtextes rezitieren, höchste Herrin.
58.50 Man soll das vorbereitende Ritual auf dem beschriebenen Weg ausführen. So ist es erklärt, große Göttin. Was möchtest du noch hören?
58.51 Die Göttin sprach: Früher hast du etwas angedeutet, Gott, es mir aber nicht offenbart. Erkläre es heute, wenn ich deine Geliebte bin.
58.52 Śrī Śiva sprach: Nun werde ich dir sagen, was ich zuvor verborgen habe. Wer Vollendung begehrt und dabei Durgā, Kālī und Śūlinī beiseitelässt, handelt wie im folgenden Vergleich.
58.53 Er wirft Reis mit Sauermilch fort und möchte stattdessen Steine essen. Durgā, Kālī und Śūlinī gelten als Verleiherinnen aller Vollendungen.
58.54 Im Kali-Zeitalter soll die Mahāvidyā nicht beliebig jedem gegeben werden, Göttin. Gibt man sie aus Unachtsamkeit weiter, soll sie keineswegs zur Vollendung gelangen.
58.55 Besonders Sundarī und Kālī sollen nicht unterschiedslos weitergegeben werden, Geliebte. Es folgen der Śākta-, Svāyambhuva-, buddhistische und Vaiṣṇava-Weg sowie Sonnen- und Mondüberlieferungen.
58.56 Genannt werden ferner Gaṇeśa-, Cīna- und Kaula-Wege, die Pāśupata-Abfolge, Śābara, Kerala und Divya sowie jeder Mantra-Zusammenhang, große Herrin.
58.57 In all diesen Zusammenhängen wird die Befugnis zum Verleihen von Gaben Kālikā zugeschrieben. Bei jedem Mantra wird ihre Gnade genannt.
58.58 In den Śaiva-, Śākta- und anderen Āgamas ist Kālikā die Verleiherin von Gaben. Einst rezitierte ich Tripurās Mantra.
58.59 Nachdem Śambhu fünf Millionen Rezitationen ausgeführt hatte, wurde Sundarī, die ihre Verehrer liebt, gnädig, Śivā.
58.60 Sie sagte: „Du sollst zu Kālikā gehen und dort die Gabe empfangen.“ Darauf sprach Śiva: „Große Göttin, Herrin von Millionen Weltallen!“
58.61 „Du bist doch Rājarājeśvarī. Wohin soll ich gehen?“ Es folgt die Antwort über die ursprüngliche Śrīdakṣiṇākālī, die ungehinderte Sarasvatī. [Der Sprecherwechsel vor der zweiten Vershälfte ist nicht ausdrücklich markiert.]
58.62 „Sie ist die Vidyā Maheśvarī, die meine ursprüngliche Natur bildet. Alle anderen sind Entfaltungen; einer Entfaltung kommt nicht die ursprüngliche Vorrangstellung zu.“
58.63 Die Göttin sprach: „Ich aber bin Dakṣiṇākālī, die zweite, vorzügliche Prakṛti, zur Verzauberung Brahmās und zur Entfaltung der Welt, großer Herr.“ [Die Aussage verbindet Identität und Abstufung; die genaue Satzgliederung von „dvitīyā prakṛtiḥ“ bleibt mehrdeutig.]
58.64 „Auf ihre Anordnung bin ich entstanden, Gott; ich bin jene Älteste. Geh dorthin und empfange die Gabe. Sie bin ich selbst; daran besteht kein Zweifel.“
58.65 „Das Verleihen von Gaben bei jedem Mantra wird allein Kālī zugeschrieben. So rezitieren auch die anderen großen Mantras, großer Herr.“
58.66 „Höre, großer Gott, die überaus geheime Rede, welche die großen Mantras nach ihrem Gang zu Kālikā aussprechen.“
58.67 „Kālakālī, Mahākālī, Königin der Vidyās, du groß Aufsteigende! Herrin der Meister der Vollendung, dem Leben Geliebte, Verleiherin aller Herrschaft!“
58.68 „Eine Gabe, die den Verehrer begünstigt, wurde zugesagt, Śivā. Möge sie dort wirksam werden, Göttin; ein Zweites erbitte ich vor dir.“ [Die Bezugswörter der knappen Bitte sind nicht eindeutig.]
58.69 Es folgt die Antwort: „Ihr Mantras, angefangen bei den großen Mantras, geht in mein Haus. Entsprechend der jeweiligen Handlung wird es von uns ausgeführt.“
58.70 Der Text spricht nun von der Gnade der Göttin gegenüber Sundarī und einer entsprechenden Aussage Sundarīs über das Höchste durch Gnade. [Der Vers ist grammatisch gestört; der genaue Übergang der Sprecher lässt sich nicht sicher auflösen.]
58.71 „Ich bin die entfaltete Welt; sie aber hat die Gestalt jenseits der Eigenschaften. Was immer getan wird, wird in diesem Zusammenhang vollzogen.“
58.72 „Was du tust, Śambhu, das wird jetzt durch mich getan. Bei den Handlungen aber ist Kālikā die vorsitzende Macht, Herr der Götter.“
58.73 „Sie wird Śivas Gestalt genannt; ich bin die Gestalt der Śakti. Ich habe die Gestalt von Śiva und Brahman und werde Śakti genannt.“
58.74 „In den ehrwürdigen Pāśupata- und anderen Überlieferungen ist Kālikā die vorsitzende Macht. Der Unterschied zwischen uns beiden wird um der Weltentfaltung willen erklärt, Gott.“
58.75 Śrī Śiva sprach: Wer Kālī und Sundarī als getrennt ansieht, große Herrin, gilt als schwer verfehlt und leidvoll; der Text droht ihm den Raurava-Höllenzustand an.
58.76 Wer könnte die Verfehlung beseitigen, die aus dieser Sicht entsteht? Ist sie aus Unachtsamkeit entstanden, soll man die Einweihung erneut ausführen. [„Darśana“ kann hier auch den Anblick eines solchen Menschen bezeichnen; der Bezug bleibt offen.]
58.77 Die Einweihung der vollständigen Weihe soll erneut erfolgen, große Herrin. Durch diese erneute Einweihung soll die Vidyā zur Vollendung gelangen, nicht anders.
58.78 Anders besteht in der Kādi-Hādi-Lehre keine Berechtigung, Śivā. Die Kādi-Lehre wird im Tantrarāja als aus acht Khaṇḍas bestehend bezeichnet. [Dies ist eine werkinterne bibliographische Angabe; sie wird nicht mit dem Umfang der hier vorliegenden vierteiligen Druckausgabe gleichgesetzt.]
58.79 Innerhalb der Kādi-Lehre werden zwei Lehrweisen genannt, Göttin: erste und zweite Hälfte, die beiden Lehren Hādi und Kādi.
58.80 Aufgrund der Übereinstimmung der Laute und Mantras ist die Kādi-Hādi-Lehre groß. „Kaha“ lautet der große Mantra, der zum nördlichen Āmnāya gehört.
58.81 Aus dem Laut ka wird die Brahman-Gestalt hergeleitet; dies heißt Kādi-Lehre. Aus dem Laut ha wird die Śiva-Gestalt hergeleitet; dies heißt Hādi-Lehre.
58.82 Kādi ist die Kālī-Lehre, Göttin; Hādi ist die Lehre Śrīsundarīs. Beide zusammen heißen „Kaha“, die vereinte Kādi-Hādi-Lehre.
58.83 In der Schönheit besteht die Weltentfaltung; außerhalb der Schönheit besteht keine Weltentfaltung, Herr der Götter. Schönheit lässt alles schauen.
58.84 Die Schau des Brahman, Göttin, wird mit „hasaundarya“ verbunden, große Herrin. [Diese Drucklesung ist nicht sicher aufzulösen.] Dieses Geheimnis ist erklärt worden; es ging aus Kālīs Mund hervor.
58.85 In den Schriften sind Sundarī und Kālī stets gegenwärtig, Śaṅkarī. Eine Schrift, die beiden Freude bereitet, soll man verehren und bewahren, Śivā.
58.86 Auch unter den Geheimnissen der Geheimnisse ist dies ein Geheimnis der Geheimnisse. Es ist geheim zu halten, geheim zu halten, geheim zu halten wie die eigene Yoni. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 58. Kapitel namens „Darlegung Kālīs“.
Paṭala 59: Kālī-Yoga, Parjanya und Kumārī-Verehrung
59.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Geheimnisse hören. Śrī Śiva sprach: Das Geheimnis des Kālī-Yoga ist das Geheimnis der Geheimnisse.
59.2 Es wird dir erklärt, Herrin der Götter; höre aufmerksam. Was weiblich genannt wird, ist Kālikās Gestalt; das Männliche ist Mahākāla.
59.3 Brahman hat Śiva und Śakti zum Wesen, ebenso alles, was sich in der Welt befindet. Der zweite Halbvers nennt Dreiergruppen und als Guṇa und Veda bezeichnete Prinzipien; die Drucklesung „trayo’mayas“ ist nicht sicher aufzulösen.
59.4 Drei Nāḍīs, die drei Welten, eine weitere Dreiergruppe, fünf Räume, die Grundlage der sechs Cakra-Felder, Kräfte und Säfte werden aufgezählt. [Die grammatischen Beziehungen innerhalb dieser knappen Liste bleiben teilweise unklar.]
59.5 Drei Tārās beziehungsweise drei Mantralaute und eine weibliche Besonderheit werden mit allem in der Welt verbunden. Alles wird als von Śakti erfüllt beschrieben; die abschließende Aussage ist im Druck durch Sterne unterbrochen.
59.6 Parjanya, der Regengott, umfasst alle Götter. Höre seine Merkmale, Pārvatī: rauchfarben, mit Wind verbunden und einer Karabha-Gestalt ähnlich. [„Vāyuktara“ ist eine unsichere Drucklesung; karabha kann unter anderem ein junges Kamel bezeichnen.]
59.7 Er wird schwarz und grau beschrieben, mit Wirbelwindfüßen und weiträumiger Gestalt. Sein Mund und seine Augen sind Feuer; sein Herz ist das untermeerische Feuer.
59.8 Durch die wässrige Śāmbhava-Śakti gelenkt, ist er augenblicklich vergänglich. Der Laut der Verbindung wird Donner der Wolke genannt, Herrin der Götter.
59.9 Der Vers verbindet das Zusammentreffen einer unklaren Sechsergruppe mit Klang und Sprache. Die Farben Schwarz, Gelb, Rot, Weiß, Rauchgrau und Rotbraun werden genannt. [„Ṣaḍdūtakatā“ ist sprachlich gestört.]
59.10 Wie der Raum beschaffen ist, so wird die Ebene jugendlicher Reife beschrieben, Göttin. Der zweite Halbvers ist durch Sterne unterbrochen und nennt am Ende des Yoga-Zusammenhangs eine Umkehrung. [Der genaue Vergleich ist nicht rekonstruierbar.]
59.11 Blitzschlag, Bīja, Steine beziehungsweise Hagel und die mit Wasser gefüllte Erde werden miteinander verbunden. Der Druck setzt selbst ein Fragezeichen; eine zusammenhängende Übersetzung des verderbten ersten Halbverses ist nicht gesichert. Abschließend wird erneut eine Umkehrung genannt.
59.12 Die Gestalt wird weiblich, windschnell und als alle Götter umfassend beschrieben. Mit unsichtbarer Wasserkraft verbunden, soll sie die menschlichen Lebensziele verleihen.
59.13 Das Wesen aller Götter und aller Kräfte bleibt gewiss stets in Parjanya gegenwärtig, Herrin der Götter.
59.14 Parjanya ruht auf einer im Druck ausgelassenen Grundlage. Der zweite Halbvers nennt eine ebenfalls teilweise ausgelassene Dreiergruppe und seine Gegenwart in Gestalt der Nāḍīs.
59.15 Rechts befindet sich die Sonne, Pārvatī, links der Mond. In der Mitte wird die gesamte „pakṣagolaka“ genannte Kugel genannt. [Die Wortgruppe am Versanfang und diese Bezeichnung bleiben unsicher.]
59.16 Ringsum befinden sich alle Götter, Siddhas, Kinnaras und die übrigen. Worauf sie sich stützen, ist im Druck ausgelassen, Pārvatī.
59.17 Das Wasser ist Śakti; im mittleren Bereich befindet sich das untermeerische Feuer in einer „Kuru“-Gestalt. Der Wind wird dem oberen Bereich zugeordnet; ringsum wird schwarze Farbe genannt. [Mehrere grammatische Verknüpfungen sind unsicher.]
59.18 Nach einer Auslassung wird Parjanyas ständige Gegenwart genannt, große Herrin. Er wird zugleich unvergänglich und bleibend sowie vergänglich und im Luftraum befindlich beschrieben.
59.19 Parjanya befindet sich nach einer ausgelassenen Wortgruppe innerhalb der Erde. Anderswo wird er als im Luftraum befindlich bezeichnet, die Erde wiederum an anderem Ort, Pārvatī. [Die Gegenüberstellung bleibt unklar.]
59.20 Die teilweise ausgelassene Aussage nennt das Männliche und das in Śakti Befindliche. Die Frucht wird mit dem eigenen Willen und der eigenen Kraft verbunden, Geliebte.
59.21 Dort regnet Parjanya, hervorgegangen aus der Verbindung mit Śakti. Er hat die Gestalt der Brahman-Wonne und verleiht Unsterblichkeit.
59.22 Nektar und Gift, Göttin: Alles befindet sich in Śakti. Durch Yoga-Übung befindet sich alles auch im Menschen, Pārvatī.
59.23 Nach einer Auslassung heißt es, im Augenblick des Yoga sei alles gegenwärtig, Göttin. Genannt werden magische Augensalbe, Schwert, Vetāla, Yakṣiṇī und Sandalen.
59.24 Es folgen magische Pille, Stirnzeichen, Schutz, Unsichtbarkeit, Luftwandern, Eintritt in einen anderen Körper und Bewegung durch die Bereiche des Beweglichen und Unbeweglichen.
59.25 Alle Vollendungen sollen Menschen durch Anwendung der Körper-Nāḍīs und durch die jeweilige Art der Yoga-Übung erlangen, Göttin.
59.26 Durch eine im Druck ausgelassene Verbindung soll dies auch bei einem anderen entstehen. Wunderbar ist dies, große Herrin, das Geheimnis der Geheimnisse.
59.27 Darum gelten Frauen als Gestalten des Kālī-Yoga. Alle Frauen sind Kālīs Gestalten; alles ist von Kālikā erfüllt.
59.28 Selbst ohne Wissen soll dies Frucht verleihen, Herrin der Götter. Wenn die Frucht vollständig gereift ist: Was sollte dann nicht in der Hand des Übenden liegen?
59.29 Nach einer Auslassung wird Berührung mit einem Prinzip als Ursache des Śaktipāta genannt. Der zweite Halbvers bezeichnet eine Altersfolge von der Kindheit bis zum Ende der Jugend. [Der Zusammenhang ist durch die Auslassung nicht eindeutig; daraus wird hier keine körperliche Praxisanweisung abgeleitet.]
59.30 Nachdem man den Zusammenhang von Anfang bis Ende verstanden hat, soll man die Vollendungspraxis ausführen. Bei Fehlen der Voraussetzungen soll man eine Kumārī verehren, höchste Herrin.
59.31 Das einer Kumārī dargebrachte Wasser gilt als einem Meer gleich. Eine ihr dargebrachte Blüte gilt als dem Malaya-Berg gleich. [Das gedruckte „maj-jalam“ ist auffällig; die Grundbedeutung der Wassergabe ist erkennbar.]
59.32 Ein der Kumārī gegebenes Gewand soll unendliche Frucht verleihen. Kein Glück und keine Askese werden ihr gleichgesetzt.
59.33 Kein Wissen, kein Reichtum, kein Glück und nicht einmal ein Königreich werden der Kumārī gleichgesetzt, Pārvatī.
59.34 Kein Pilgerort, kein Opfer und kein Yoga werden der Kumārī gleichgesetzt; einen solchen habe es weder gegeben noch werde es ihn geben.
59.35 Die ihr dargebrachte Speise soll dem Weltall gleichen. Wie gesegnet unter den Gesegneten gilt im Kali-Zeitalter der Verehrer der Kumārī!
59.36 Die Kumārī wird Gottheit genannt und als Gestalt der Lebenskraft beschrieben. Sie ist Schmuck und Zierde und wird mit der Gestalt der Berührung verbunden. [Die letzte Wendung bleibt im Lobpreis knapp.]
59.37 Blüten und Wasser aus ihrer Hand sowie von ihr bereitete Speise soll man den Gottheiten darbringen.
59.38 Gewalt gegen sie und Hass soll man vollständig vermeiden. Der entsprechende Verehrer gilt als von Śakti und Śiva zu verehren und wird mit dem Gaṇeśa-Weg verbunden. [Die letzte Zusammensetzung „sarvasāṅkṛti“ ist nicht sicher aufzulösen.]
59.39 Er gilt als Yogin, als Entsagender, als mit sechs Einsichten ausgestattet, als Veda-Kenner und als alles wissend: So wird der Kumārī-Verehrer beschrieben.
59.40 Wie gesegnet unter den Gesegneten ist im Kali-Zeitalter der Kumārī-Verehrer! Noch gesegneter wird derjenige genannt, der sich ganz der Śakti-Verehrung widmet, Herrin der Götter.
59.41 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine durch Auslassungssterne gestörte Passage steigert den Lobpreis bestimmter Verehrungsformen und verbindet die Kumārī mit einer mehrdeutigen, möglicherweise sexuellen Aussage. Wegen des ausdrücklich minderjährige Personen einschließenden Kontextes wird sie nicht wörtlich wiedergegeben.
59.42 Der Verehrer soll die drei Welten besiegen und im Kali-Zeitalter in Kālīs Gestalt glücklich sein. In ihr ist jene Kālī gegenwärtig, die im Kali-Zeitalter rasche Vollendung verleihen soll.
59.43 Durch Sehen, Berührung, Speise, Gabe und auch Betrachtung soll Vollendung entstehen, Geliebte; daran sei nicht zu zweifeln. [Der Vers zählt Formen der Verehrung auf; die problematische vorherige Passage ist gesondert als Inhaltswiedergabe markiert.]
59.44 Dies ist das Geheimnis der Geheimnisse. Es ist geheim zu halten wie die eigene Yoni und die einer anderen. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 59. Kapitel namens „Bestimmung des Yoga“.
Paṭala 60: Ritualsitze, tägliche Pflichten und die Verehrungsgrundlage
60.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimnis der Geheimnisse hören. Śrī Śiva sprach: Dieses große Geheimnis ist verborgener als das Verborgene, große Herrin.
60.2 Dennoch wird es wegen deiner aufrichtigen Hingabe erklärt; höre nun. Bei Tārā, Kālikā und Chinnā, Pārvatī, gilt die folgende Sitzordnung.
60.3 Die Grundlage beginnt mit Maṇḍūka und den entsprechenden Trägern. Durch die zehn Śaktis wird sie außerdem dreifach unterschieden, große Herrin. [Die knappe Zahlenzuordnung wird hier nicht weiter aufgelöst.]
60.4 Nach einer Auslassung wird bei Śakti die Verehrung einer Grundlage genannt. Der zweite Halbvers enthält ebenfalls Sterne und verbindet einen Stoffsitz mit der unklaren Bezeichnung „puruṣānta“.
60.5 Ein Schädelsitz wird bis zu seinem Zerbrechen, ebenso ein Leichensitz genannt, Śivā. Zwei weitere Sitzbezeichnungen sind ausgelassen; die erste ist mit dem Ende der Rezitation verbunden.
60.6 Weiche, zarte und mit „cūḍā“ verbundene Sitze werden genannt. Ebenso soll man einen Vīra-Sitz sorgfältig herbeibringen, Göttin. [Einige Sitznamen sind technische Bezeichnungen, deren genaue Bedeutung hier nicht erklärt wird.]
60.7 Nachdem man die Unreinheit des Herzens weit abgelegt hat, soll man das Herz erneut reinigen. Man bilde Vajra und Aṅkuśa auf beziehungsweise aus Erde, nehme Platz und rezitiere. [„Bhūmaya“ lässt die materielle Ausführung nicht eindeutig erkennen.]
60.8 Menschenhaut-, Elefantenhaut- und Stoffsitz werden genannt, Göttin. Es folgt eine Auslassung; danach erscheinen ein behaarter Sitz und eine mit Nṛkesarī verbundene Bezeichnung.
60.9 Kapi-Indra, Mṛgāja und eine als „tūrṇa“ gedruckte Form werden als Sitznamen genannt. Der verbleibende Satz ist gestört; nach einer weiteren Auslassung wird ein behaarter Hautsitz genannt, große Herrin.
60.10 Mehrere Sitzbezeichnungen sind durch Sterne ausgelassen. Die erhaltenen Wörter nennen das Ende des Lebens und ein Herabfallen beziehungsweise Ende; eine durchgehende Übersetzung ist nicht gesichert.
60.11 Eine Berührung mit der Zunge wird genannt, Göttin, und mit dem Ende des jeweiligen Prinzips verbunden. Danach soll man etwas aufgeben; die abschließende Rangfolge ist sprachlich unklar.
60.12 Ein Viṣṭara-Sitz wird als unbegrenzt beschrieben, Göttin. Er soll der Reihe nach Vollendung verleihen und auf Erden alle Vorhaben erfüllen.
60.13 Beim Tigersitz wird Behaarung genannt; einige nennen einen im Druck unsicheren Endpunkt. So ist es kurz erklärt. Höre nun die Zahlen der Früchte, Geliebte.
60.14 Bei einem ausgelassenen Sitz soll nach drei Tagen eine dreifache Gestalt entstehen. Ein ebenfalls unvollständig benannter Stoffsitz soll nach drei Monaten Frucht verleihen.
60.15 Beim Schädelsitz werden sechs Monate, beim Leichensitz das Ende eines Tages genannt. Beim Menschenhautsitz wird die Frucht nach drei Monaten angegeben, Göttin.
60.16 Bei einem ausgelassenen Sitz soll die Frucht nach zwei Monaten entstehen, Schöne; bei einem weiteren nach einer Monatshälfte, große Herrin.
60.17 Beim weichen Sitz wird ein Monat genannt, beim Komala-Sitz die Zahl der Tattvas. Beim Acūḍaka-Sitz steht „Viṣṇutattva“, beim Vīra-Sitz drei Nachtwachen. [Die verschlüsselten Zahlenbezeichnungen sind ohne weitere Festlegung nicht sicher aufzulösen.]
60.18 Beim Stoffsitz steht die Zahlenverbindung „pakṣavarṣa“, beim Löwensitz Monate, beim Wildtiersitz vier Jahre und beim Wollensitz zehn Zeitabschnitte. [Die Zeiteinheiten und einige Zahlwörter bleiben im Druck uneindeutig.]
60.19 Bei einem unvollständig benannten Hautsitz soll die Frucht nach sieben Tagen entstehen. Bei weiteren ausgelassenen Sitzen werden eine Monatshälfte beziehungsweise acht Tage genannt.
60.20 Bei der umgekehrten Form werden sechs Tage, bei der Zungenberührung die verschlüsselte Zahl „dviveda“ genannt. Nach einer weiteren Auslassung wird die Frucht nach sieben Tagen versprochen.
60.21 Beim Viṣṭara-Sitz soll die Frucht nach sechs Monaten entstehen, Pārvatī. So ist es kurz erklärt. Höre nun von täglichen und anlassbezogenen Pflichten.
60.22 Die tägliche Pflicht soll nicht ausgelassen werden; sie gilt zu jeder Zeit. Ist es Nacht geworden, entfällt jedoch das Ahnen-Laben, Göttin.
60.23 Wurde das Übergangsgebet versäumt, soll man sorgfältig eintausendachtmal die Gāyatrī oder den Wurzelmantra rezitieren, Göttin und Śivā.
60.24 Ebenso soll die Mittagsverrichtung ausgeführt werden, danach die Nachtverrichtung. Von der Rezitation bis zum Vortrag der Lobgesänge ist alles zu vollziehen.
60.25 Anschließend soll die Verehrung stattfinden, danach die anlassbezogene Handlung. Einige verlangen bei der täglichen Verehrung die fünf Verehrungsmittel.
60.26 Danach soll man die anlassbezogene und die wunschbezogene Handlung ausführen, höchste Herrin. So ist es kurz erklärt. Höre nun von den Stufen, Pārvatī.
60.27 Der Ort, an dem Tārā und Kālī gegenwärtig sind, besitzt neun Stufen. Er ist mit acht Füßen ausgestattet und erstrahlt mit acht Waffen.
60.28 Die Kenner der Sitze beschreiben eine Grundlage, die sechzehn Gottheiten umfasst. Sie ist mit acht Prinzipien, beginnend mit Dharma, und mit acht Pretas verbunden.
60.29 Von Dharma bis Anaiśvarya sowie von Brahmā bis Īśvara reicht die Ordnung, Śivā. Sie umfasst Ṛg-, Yajur- und Sāma-Überlieferung und erstrahlt mit allen vier Veden.
60.30 So ist es kurz erklärt; wozu weitere Ausführlichkeit? Die entsprechende Ordnung des Śaktisaṅgama Tantra wird hier zusammengefasst. [Die gedruckte Zusammensetzung „śaktisaṅgamayostantram“ ist grammatisch auffällig.]
60.31 Dasselbe wird nun als Betrachtung erklärt, Herrin der Götter. Man vergegenwärtige Dharma rot und leuchtend in Stiergestalt.
60.32 Ein dreifach verzweigter roter Lotos und zwei Hörner werden genannt. Jñāna soll man als uralten dunklen Löwen vergegenwärtigen. [Die Verbindung der ersten Merkmale ist im Text knapp.]
60.33 Er besitzt eine weiße Mähne; der Schwanz befindet sich über seinem Kopf. Ist der Löwe schwarz, soll seine Mähne weiß sein.
60.34 Im Kālī-Vidyā-Ritus ist der Löwe weiß mit schwarzer Mähne. Vairāgya soll gelb, in Gänsegestalt und ungebunden betrachtet werden.
60.35 Mit erhobener beziehungsweise geöffneter Hand soll man die Gestalt auf dem Löwensitz betrachten. Aiśvarya ist schwarz und hat eine wunderbare Elefantengestalt.
60.36 Man vergegenwärtige sie mit Lotos und Stab, höchste Herrin. Adharma hat Menschengestalt und ist mit vielfarbiger Kleidung geschmückt.
60.37 Mit allen Gliedern ausgestattet, steht die Gestalt auf einem entfalteten Lotos. Ajñāna hat Menschengestalt und wird als vielfarbige menschliche Gottheit beschrieben.
60.38 Ruhig und die Tattva-Mudrā haltend soll man sie vergegenwärtigen, höchste Herrin. Avairāgya soll göttlich und in vielen Farben leuchtend betrachtet werden.
60.39 Die Gestalt trägt vielfarbigen Schmuck und hat günstige Zwerggestalt. Anaiśvarya ist bunt und wird mit der Erscheinung vieler Edelsteine verbunden.
60.40 Brahmā sitzt auf einer Gans, hat vier Gesichter und vier Arme. Seine schöne Gestalt hält Stab, Lotos und Gebetskette.
60.41 Viergesichtig und dreiäugig, mit Brahmakūrca und Lotos, soll man ihn göttlich, golden und hell leuchtend vergegenwärtigen. [Die Zahl der Augen wird gemäß dem Druck wiedergegeben.]
60.42 Ich verehre Brahmā, die höchste Gottheit, mit aufgetürmtem Haar. Es folgt Mahāviṣṇu, vierarmig, dunkel und auf Garuḍa reitend.
60.43 Mit vielfältigem Schmuck und schönen Gliedern soll man ihn vergegenwärtigen, Muschel, Diskus, Keule und Lotos der Reihe nach haltend.
60.44 Maheśvara reitet auf dem Stier, ist weiß und dreiäugig. Schädelschale, Trommel, Gabe- und Schutzgeste sowie Dreizack werden genannt.
60.45 Der Gott trägt außerdem eine Axt und ein vorzügliches Tigerfellgewand. Oder man vergegenwärtige Rudra nach freier Wahl unbekleidet, Herrin der Götter.
60.46 Īśvara ist rot, sitzt auf einem Tiger-Löwenthron, hat vier Arme und drei Augen und ist in allen Vidyās kundig.
60.47 Man vergegenwärtige ihn mit Schwert, Schild, Schädel und Gabe-Geste. Der Ṛgveda wird weiß und mit den beiden Opferlöffeln Sruva und Sruc beschrieben.
60.48 Der Yajurveda ist rot und dem Vollzug des Opfers zugewandt. Man vergegenwärtige ihn auf einem Löwensitz, den Aufgaben des Adhvaryu-Priesters hingegeben.
60.49 Der Sāmaveda ist gelb und ganz der Kraft des Gesangs zugewandt. Er hat zwei Arme, ist mit Rhythmus und Zeitmaß verbunden und wird von allen Göttern verehrt.
60.50 Der Atharvaveda ist vielfarbig oder schwarz, Geliebte. Er hat zwei Arme und hält ein Buch; die zweite Hand ist mit einer Anziehungsbewegung verbunden. [Die Handlung der zweiten Hand wird nicht genauer beschrieben.]
60.51 Ein großer Lotos mit fünfzig Gliedern und ein die Hand schmückendes Buch werden genannt. Die Gottheiten sind nach Haupt- und Zwischenrichtungen geordnet. [Das Bezugswort der Zahl fünfzig ist nur verkürzt angegeben.]
60.52 Damit sind die Gottheiten für die Einsetzung des Sitzes und die auf dem Thron befindlichen Götter erklärt, höchste Herrin.
60.53 Alles ist kurz nach beweglicher und fester Form unterschieden. Bei der beweglichen gilt die Grundlage mit Dharma und den übrigen; bei der festen die Verbindung von Dharma und Śambhu.
60.54 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text leitet zur Śakti-Yoga-Praxis über und beschreibt eine Ritualpartnerin. Der folgende Vers bezeichnet sie ausdrücklich als minderjährig; deshalb wird der zusammenhängende Sexualritualabschnitt nicht wörtlich wiedergegeben.
60.55 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die idealisierte Ritualpartnerin wird ausdrücklich als sechzehnjährig bezeichnet. Teile ihrer Beschreibung sind bereits im Druck durch Sterne ausgelassen.
60.56 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text behandelt die rituelle Einladung einer Partnerin und verlangt zuvor die üblichen morgendlichen und täglichen Verrichtungen.
60.57 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Es folgen Vorbereitung der Partnerin und Śakti-Nyāsa; weitere Ritualbezeichnungen sind im Druck teilweise ausgelassen.
60.58 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Vorbereitung wird mit Śakti-Rezitation verbunden. Wesentliche Handlungsteile sind im Druck ausgelassen.
60.59 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine mit Blüten bereitete Lagerstätte und die fünf Ritualmittel werden genannt; die verbindenden Handlungen sind teilweise ausgelassen.
60.60 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Vers verbindet den Ritualzustand mit Wonne. Ein großer Teil des Verses ist im Druck durch Sterne ersetzt.
60.61 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine körperliche Ritualstellung und die entsprechende Identifikation der Beteiligten werden nur unvollständig überliefert.
60.62 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verbindet Kālī-Rezitation mit einer überwiegend ausgelassenen körperlichen Handlung und ritueller Reinigung.
60.63 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text verlangt die Wiederholung der körperlichen Ritualhandlung bis zu einem teilweise ausgelassenen Endzustand.
60.64 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung nennt körperliche Bewegungslosigkeit und die Verwendung einer Ritualsubstanz als Gabe. Die Handlung wird nicht näher wiedergegeben.
60.65 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text nennt Gruppen von drei, fünf und neun Partnerinnen; weitere Einzelheiten sind bereits im Druck ausgelassen.
60.66 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Es folgt eine verschlüsselte Reihe körperlicher beziehungsweise ritueller Zeichen mit Vogel-, Mond-, Schlangen-, Sonnen- und Blütenbezeichnungen. Die konkrete Zuordnung wird nicht entfaltet.
60.67 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Weitere verschlüsselte Zeichen werden genannt; danach soll die Kālī-Verehrung beginnen.
60.68 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Ritualabschnitt nennt die Verehrung Kālīs, Tārās, Chinnās, Sundarīs und Bagalāmukhīs beziehungsweise ihrer zugeordneten Gestalten.
60.69 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Vorbereitung auf der Blütenlagerstätte wird wiederholt. Bei einer zuvor verwendeten Ritualpartnerin wird eine erneute Reinigung als entbehrlich bezeichnet.
60.70 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Bei einer anderen Partnerin wird rituelle Reinigung verlangt. Es folgen teilweise ausgelassene Handlungen sowie ein Sindūra-Stirnzeichen oder das Zeichen der Gottheit.
60.71 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Ausführende soll sich mit Augenschminke, weiblicher Kleidung, gelöstem Haar, Blüten und Duftöl für den Ritualabschnitt herrichten.
60.72 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Weitere Düfte, ein Räucherraum, Betel und die Anwesenheit der Ritualpartnerinnen werden genannt.
60.73 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Ausführende soll auf einem teilweise ausgelassenen Sitz Platz nehmen, Gefäße bereitstellen und das Wurzelyantra vergegenwärtigen.
60.74 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Verehrung soll nach der zuvor genannten Ordnung bis zu den Opfergaben erfolgen; der Ort der gegenwärtigen Göttin wird eigens verehrt.
60.75 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Es werden vierundsechzig Verehrungsmittel, Lichtschwenken und anschließende Rezitation genannt.
60.76 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Rezitation wird dargebracht, weitere Vorgaben werden erfragt; ein Handlungsteil ist im Druck ausgelassen.
60.77 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der erste Halbvers ist nahezu vollständig ausgelassen. Der erhaltene Rest verlangt die entsprechende Ausführung und droht andernfalls Scheitern an.
60.78 Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Beide Beteiligten sollen durch Gaben zufriedengestellt werden. Nach einer weiteren Auslassung werden Rezitation und Gleichheit mit Tārā als Ergebnis genannt.
60.79 Die Fülle der Früchte vermag ich nicht auszudrücken. Der Übende wird als Śiva, Hari und Kālī, als Tārā und höchste Mutter beschrieben.
60.80 Er wird als Chinnā und Sundarī, als göttlich Schöner und Herr aller Vollendungen beschrieben, mit der Fähigkeit, beliebige Gestalten anzunehmen. [Die abschließende Drucklesung „vilāñjana“ ist unklar.]
60.81 Magisches Schwert, Vetāla, Pille, Luftwandern, Stirnzeichen, Alchemie, Verjüngungsmittel und Eintritt in einen anderen Körper werden aufgezählt, Göttin.
60.82 Beständigkeit des Alters, Anziehung sowie die Mächte Madhumatī, Śivā, Padmāvatī und Bhogavatī sollen von selbst zur Vollendung gelangen, Pārvatī.
60.83 Es folgen Vetāla-, Mond- und Sonnenwirkungen, Wassergestalt, die acht Kräfte beginnend mit Aṇimā sowie Herrschaft über Millionen Vollendungen.
60.84 All dies soll in seiner Hand liegen, Göttin; daran sei nicht zu zweifeln. So ist es kurz erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 60. Kapitel namens „Darlegung des Geheimnisses der Śakti-Verehrung“.
Paṭala 61: Śiva-Śakti-Yoga, Ritualkalender und die vier Säulen der Erde
61.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Aus Liebe zu dir wird es erzählt, große Herrin; höre, Pārvatī.
61.2 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text führt eine minderjährige Ritualpartnerin ein und ordnet ihr eine religiöse Funktion zu.]
61.3 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Weitere Merkmale der minderjährigen Ritualpartnerin werden festgelegt.]
61.4 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Passage verbindet diese Auswahl mit einer innerlich vorgestellten Einweihung.]
61.5 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Es folgt die Einordnung der Minderjährigen in eine körperbezogene Ritualanordnung.]
61.6 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine sexualisierte Verbindung von Körper, Mantra und ritueller Vorstellung wird beschrieben.]
61.7 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text setzt diese körperbezogene Mantrapraxis mit zahlenmäßig bestimmten Wiederholungen fort.]
61.8 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verbindet die sexualisierte Praxis mit einem religiösen Erfolgsversprechen.]
61.9 Wer dieses Verfahren vollzieht, werde Herr aller Vollkommenheiten; seine Siddhi erfülle Wünsche, und er erlange die Herrschaft über zahllose Siddhis.
61.10 Die vielfältige Macht wirksamer Rede liege in seiner Hand, Göttin. Wenn das Kali-Zeitalter gekommen ist, gilt der Śakti-Yoga als besonders groß.
61.11 Śakti-Yoga ist der höchste Yoga; Śakti-Yoga ist die höchste Askese. Śakti-Yoga ist die höchste Wohnstätte; Śakti-Yoga ist die höchste Kraftentfaltung.
61.12 Wer Kālī ohne Śakti-Yoga verehrt, Göttin, erlange hier Unruhe und gelange nach dem Tod in eine Hölle – so die drohende Aussage des Textes.
61.13 Durch bloßes Aussprechen des Mantras gehe die Siddhi verloren, Göttin. Dabei wird der Bālā genannte Yoga als der allerhöchste unter den Yogas bezeichnet.
61.14 Man solle ihn stets ausüben, Göttin, und stets Śiva verehren. Nicht allein durch Japa, Askese, Fasten oder Gelübde [werde dies erreicht].
61.15 Auch nicht durch Besitz, abgewogene Gaben, Gold oder Edelsteine, Geliebte: Ohne Śakti-Verehrung komme keine solche Wirksamkeit zustande, Göttin.
61.16 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Passage kehrt zur körperbezogenen Ritualisierung der zuvor eingeführten Minderjährigen zurück.]
61.17 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Körperliche Merkmale werden mit der Symbolik der Kāmakalā verbunden.]
61.18 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die sexualisierte Symbolik wird als Zusammenwirken göttlicher Kräfte gedeutet.]
61.19 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text führt die Zuordnung von Körper, Laut und göttlicher Vorstellung weiter.]
61.20 Das Bindu-Paar [wird] zum Laut ai; der Laut ī [entsteht] aus drei Bindus. Eine solche Gestalt wird Śiva genannt; Sadāśiva hat den ī-Laut zu seinem Wesen. [Die knappe Lautzuordnung bleibt erklärungsbedürftig.]
61.21 Der Eigenschaftslose, der noch über das Höchste hinausgeht, wird stets in Śakti vorgestellt. [Im Druck ausgelassener Text.] Durch Śakti wird er stets vollkommen gelenkt.
61.22 Die drei Welten, die drei Nāḍīs, die drei Tattvas, das Wesen der drei Guṇas, die dreifache Bewusstheit, die dreifache Auflösung, die drei Tārās und die Dreizahl der Gruppen –
61.23 auch die drei Zeiten, das Dritte und die Dreizahl der Feuer: All dies besteht stets in der Gestalt der großen Kāmakalā, Geliebte.
61.24 Unvergänglich, immer bestehend, von jugendlicher und nektargleicher Gestalt, besteht die große Kāmakalā stets, Göttin, Geliebte.
61.25 Sie ist der vergegenwärtigenden Vorstellung zugänglich geworden und [Textauslassung] gegenwärtig. Darum besitzt der Laut bha die Gestalt Śivas.
61.26 [Textauslassung.] Der Laut bha [besteht] aus drei Bindus. Darum ergibt sich auf diese Weise die ewige Kāma-Gestalt.
61.27 Wer mit diesem Wissen verbunden ist, wird gewiss selbst zur Gestalt Kālīs, Göttin. [Es folgen] Kūrca, Kālī, Māyā und das Dhruva-Bīja in ihrer Reihenfolge.
61.28 Durch die Verbindung der drei Übergänge und der Folge der Śaktis entsteht stufenweise die Vereinigung. Das Augha genannte [Gebilde] besitzt drei Fäden, das mit Kūrca endende zwei. [Die technischen Bezüge sind im Grundtext nicht ausformuliert.]
61.29 Es wird zum Tripuṇḍra, Śivā, verbunden mit sieben Kalās; oder das mit fünf Kalās verbundene Tripuṇḍra verleiht Siddhi.
61.30 [Der Versbeginn ist unsicher.] Sorgfältig dem vorher beschriebenen Yoga zugewandt, [übe man] am Kula-Wochentag, an einer Kula-Tithi und unter Beachtung von Monat, Jahreszeit und Monatshälfte.
61.31 Wer dies weiß und verehrt, Göttin, werde Herr aller Siddhis. Für Pratipad genügt ein kleiner Bruchteil, für Aṣṭamī eine Kalā.
61.32 Für Amāvāsyā gelten drei Kalās, für Caturdaśī sechs Kalās. So wird die Tithi für Gaben, Studium und andere Handlungen bestimmt, große Herrin.
61.33 Die Tithi, die bei Sonnenaufgang gegenwärtig ist, wird als die für sämtliche Handlungen maßgebliche bezeichnet, große Herrin.
61.34 Bei Homa, Japa und Verehrung [gilt] eine Tithi von mehr als drei Ghaṭikās; wenn sie die große Nacht durchzieht, wird sie als glückbringend bezeichnet.
61.35 Bei Gelübden, Śrāddha und Fasten wird die zweite Tithi genannt. Durchzieht die spätere den Mittag, gilt bei Aṣṭamī dennoch die frühere. [Die Regeln behandeln zeitliche Überschneidungen zweier Kalendertage.]
61.36 Janmāṣṭamī soll die Nacht durchziehen; mit dem betreffenden Mondhaus wird sie Jayantī genannt. Bei Gaben, Studium und ähnlichen Handlungen wird dagegen die spätere [Tithi] genannt.
61.37 Caturthī soll drei Nāḍīs umfassen und auch beim Sichtbarwerden des Mondes bestehen, Pārvatī. Für Gelübde und Verehrung heißt sie Saṅkaṣṭā und verleiht Gaben.
61.38 So ist Caturthī beschrieben, höchste Herrin. Ist Amāvāsyā mit einem Montag verbunden, gilt die spätere [Tithi], große Herrin.
61.39 Bei der Verehrung Caṇḍikās soll Pratipad nicht mit Amāvāsyā vermischt sein. In der hellen Monatshälfte gilt die spätere Pratipad; ebenso die spätere Yama-Tithi.
61.40 Die Tṛtīyā, die nach Bhadrā in den Tag hineinreicht, wird für die Verehrung Gaurīs empfohlen und als Vernichterin allen Leids bezeichnet.
61.41 Saptamī umfasst dreißig Nāḍīs; an ihrem Ende liegt die Tithi Kālikās. Am zweiten [Tag] zeigt sie sich zunehmend über vier Ghaṭikās. [Die Zeitregel ist im Wortlaut nicht eindeutig.]
61.42 Für die Verehrung wird die erste genannt; bei Gaben und Studium, bei Gelübden und Śrāddha dagegen die zweite. So ist die Śyāmāṣṭamī-Tithi bestimmt.
61.43 In der dunklen Monatshälfte gilt die frühere Aṣṭamī, in der hellen die spätere. Im Monat Śrāvaṇa [wird] die dunkle Saptamī [genannt]; der Schluss über die helle Monatshälfte ist sprachlich unsicher.
61.44 Die mit der Nacht verbundene Aṣṭamī ist jene Pradoṣa genannte Tithi. Für Śiva-Verehrung wird sie empfohlen; sie soll auf Erden alle Siddhis bewirken.
61.45 Ist diese Tithi mit einem Kula-Wochentag verbunden, gilt sie für die Śakti-Verehrung; mit einem Montag verbunden gilt sie für die Śiva-Verehrung.
61.46 Man verehre Śiva, Śakti, Bhairava und Ramā. Die nächtliche Verehrung wird als besonders fruchtbringend bezeichnet, große Herrin.
61.47 Pradoṣa ist dreifach, Göttin; höre aufmerksam seine Ordnung. [Genannt wird] Saptamī am Übergang zu Śaṅkarī; Pradoṣa liegt am Beginn der Nacht.
61.48 Pradoṣa liegt am Eingang der Nacht sowie am Übergang von Dvādaśī zu Trayodaśī. So ist er dreifach; mit Samstag verbunden gilt er als vorzüglich.
61.49 Auch die spätere Caturdaśī [gilt], wenn sie von der früheren durchdrungen und mit der Nacht verbunden ist; ferner die mit Montag verbundene Saptamī der dunklen Hälfte des Śrāvaṇa.
61.50 Die in die Nacht hineinreichende Aṣṭamī ist eine Tithi Śivas und Śaktis. Nachdem man Śiva zur Abenddämmerung verehrt hat, verehre man Śakti in der Nacht.
61.51 Wenn Aṣṭamī über sechs [Zeiteinheiten] am zweiten [Tag] sichtbar wird und mit Dienstag sowie mit einer vorhergehenden Überschneidung verbunden ist – [die Einzelheiten der Regel bleiben unsicher] –
61.52 dann wird diese Tithi als maßgeblich für alle Handlungen bezeichnet, große Herrin. An Aṣṭamī findet die Aṣṭamī-Verehrung statt, an Navamī entsprechend die Navamī-Verehrung.
61.53 Bei der Verbindung [beider] ist die Verehrung günstig, Göttin. An Navamī, die auf Dienstag fällt, verehre man bei Überschneidung mit der vorhergehenden [Tithi].
61.54 Am Übergang von Aṣṭamī zu Navamī trägt die Verehrung Frucht. Das einem einzelnen Verstorbenen gewidmete Śrāddha findet vormittags statt, das Pārvaṇa-Śrāddha nachmittags.
61.55 Bei gleicher Überschneidung ist die spätere [Tithi] zu wählen, unter fünffacher Zeiteinteilung. Man lasse die erste Nachtwache aus und [übe] bis zum Ende der dritten.
61.56 Während der beiden mittleren Nachtwachen rezitiere man für Śivā, die ihren Verehrern Gaben schenkt. Die erste Nachtwache wird Śiva zugeordnet, Göttin.
61.57 Die zweite gehört Paraśambhu, die dritte zum Bereich Śaktis; die vierte Zeitspanne gehört Rudra, Viṣṇu und Brahmā.
61.58 Der Śiva-Śakti genannte Yoga vollzieht sich während der beiden mittleren Nachtwachen. Jede dort vollbrachte Handlung soll unendliche Frucht verleihen.
61.59 Während der beiden mittleren Nachtwachen verehre man, bringe Homa dar, rezitiere, spende Tarpana und bewirte die Śakti. Dadurch erlange man alle Siddhis, Göttin.
61.60 Śambhu wird zur Dämmerung verehrt, Kālikā um Mitternacht. In der ersten Nachtwache bereite man die Mittel der Verehrung vor, Göttin.
61.61 In der zweiten Nachtwache verehre man und vollziehe zweifachen Japa. Wer anschließend Yoga in Verbindung mit Śakti übt, werde Śiva gleich.
61.62 Die große Nacht wird als die beständige Zeit der Tithi-Verehrung erinnert. Ist Amāvāsyā mit Dienstag verbunden und von der vorhergehenden Tithi durchdrungen,
61.63 so gilt diese Tithi als vorrangig für Opfergaben und entsprechende Sādhana. Auch für Fasten und Śiva-Verehrung wird diese Tithi genannt, Göttin.
61.64 An der dunklen Aṣṭamī, nachdem man tagsüber und nachts gegessen hat, Pārvatī, und an Ekādaśī, nachdem man tags und nachts gegessen hat, vollziehe man das Cāndrāyaṇa-Gelübde. [Der Druck liest jeweils „gegessen habend“; der Widerspruch zum Fastenkontext wird nicht durch eine unbelegte Verneinung beseitigt.]
61.65 Wenn eine Tithi gegenüber dem vorhergehenden und dem folgenden [Tag] gleich verteilt ist, faste man am ersten und esse am Ende des zweiten.
61.66 Für Śrāddha wird die nachmittags bestehende Tithi genannt, große Herrin. Das Śrāddha für die Mutter findet vormittags, das für den Vater nachmittags statt.
61.67 Am ersten [Tag gilt] der Nachmittag, am zweiten eine als kāmanāḍikā bezeichnete Zeit. Im frühen Winter wird der Vormittag genannt; entsprechend findet das Pārvaṇa statt. [Die Zeitangabe ist unsicher.]
61.68 Im Jyeṣṭha gilt die Verbindung mit dem Vormittag, nach der zuvor beschriebenen Tithi-Regel. In der Lehre Bhairavas wird dieses Pārvaṇa als Kaula-Śrāddha bezeichnet.
61.69 Wenn eine Tithi um eine Kalā oder Nāḍī in den folgenden [Tag] reicht, Göttin, gilt für die Śrāddha-Zeit die spätere Tithi.
61.70 Die Tithi, die den Sonnenaufgang umfasst, gilt für Bad, Gaben und insbesondere für Śrāddha an einem Pilgerort.
61.71 Wenn eine Tithi achtzehn Ghaṭīs umfasst und an deren Ende [in den folgenden Tag reicht], gilt für die Śrāddha-Handlung die spätere. [Der Satz ist elliptisch.]
61.72 Die helle Navamī des Caitra soll den Mittag umfassen. Eine mit Navamī verbundene Aṣṭamī der hellen Monatshälfte gilt als günstig.
61.73 Dann vollziehe man Kaula-Śrāddha und Kula-Verehrung. Mit dieser Absicht erfolgen die rituelle Entschlussfassung, die vorbereitende Weihe und die weiteren Handlungen.
61.74 An dieser Tithi sind Bad, Gaben und Ähnliches zu vollziehen, Pārvatī. Amāvāsyā und Vollmond werden für das betreffende Bad genannt. [Die Verbindung parāsnānavidhi ist nicht eindeutig.]
61.75 Von Caturdaśī bis Navamī wird jede Tithi, die in die Nacht hineinreicht, als günstig bezeichnet, höchste Herrin.
61.76 Ebenso wird bei einer Finsternis die spätere Tithi genannt, Göttin. Was mit den Augen als das Erscheinen Rāhus gesehen wird, heißt Finsternis.
61.77 Wenn mit den Augen die Befreiung von Rāhu sichtbar wird, endet die Finsternis. Für Puraścaraṇa kommen Sonnen- und Mondfinsternis in Betracht.
61.78 Dies ist in Kürze erklärt; höre aufmerksam die besondere Erläuterung. „Wessen Gott der Mond ist“, der wird „Devacandra“ genannt. [Es beginnt eine knappe sprachliche Erörterung.]
61.79 Auch „der Mond des Gottes“ und „mit dem Gott der Mond“ werden genannt. Wegen der Ähnlichkeit des Wortklangs besitzt in der Aussage der Mond den Vorrang. [Worttrennung und Aussageabsicht bleiben unsicher.]
61.80 Ebenso ist beim Ausdruck „das mit den Augen gesehene Erscheinen Rāhus“ die unmittelbare Sicht maßgeblich. Für das Bad wird Kālarātrikā genannt, die den Mondaufgang umfasst.
61.81 Für die Schau der Gottheit gilt die Zeit der beiden mittleren Nachtwachen: Man lasse die erste aus und [übe] bis zum Ende der dritten.
61.82 Die erste Verbindung heißt śivaitischer Yoga, die zweite śāktischer. Vereinigen sich beide, wird dieser Yoga Svārājya genannt, Herrin der Götter.
61.83 Svārājya-Yoga [umfasst] alles, was in der Welt ist, Herrin der Götter. Im Svārājya-Yoga spielen die Scharen Kālikās.
61.84 Was dort auch getan wird, Göttin, hört die Gottheit selbst. Nicht durch Vīra-Praktiken oder Śakti-Verehrungen [allein wird dasselbe erreicht].
61.85 Auch durch Svayambhū-Blüten und ähnliche Mittel wird sie nicht in gleicher Weise zur Gabenspenderin, wie im Svārājya-Yoga, der augenblicklich zum Ziel führt, Pārvatī.
61.86 Nicht allein durch Japa, Askese, Pilgerorte oder Gelübde: Durch Svārājya-Yoga wird die Gottheit gewiss zur Gabenspenderin.
61.87 [Der Vers ist sprachlich unsicher.] Er erwähnt Svayambhū-Blüten, Erfolge der Vīra-Sādhana und eine grausame vorbereitende Praxis; der Yoga sei dagegen schon zuvor angedeutet worden.
61.88 Durch glückliche Fügung wird er erlangt; er ist die Gottheit selbst. Man lasse die Überschneidung der ersten Ghaṭikā aus, große Herrin,
61.89 und bei der zweiten [Zeit] vier Nāḍīs. Diese Verbindung in der mittleren halben Nachtwache ist selbst für Götter schwer zu erlangen. [Die Zeiteinteilung bleibt unsicher.]
61.90 Der Kālī-Yoga genannte Yoga ist der höchste unter allen Yogas. Durch die Verbindung eines Kula-Wochentags mit dem entsprechenden Mondhaus heißt er Kāmavīra.
Die Verse 91–106 sind nach Druckseite 238 des zweiten Scans derselben Ausgabe ergänzt. Im zunächst verwendeten Scan fehlt diese Seite; Seite 236 ist dort doppelt enthalten.
61.91 Durch die frühere Verbindung [heißt er] Kalvīra, durch die zweite Kāmamohana. Alles, was dort getan wird, gewährt die Schau der Gottheit. [Kalvīra ist die unsichere Drucklesung.]
61.92 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Passage verbindet die zuvor eingeführte Kumārī-Verehrung mit einer Kāmakalā-Vorstellung.]
61.93 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine körperbezogene Anordnung göttlicher Kräfte wird als innere Vergegenwärtigung beschrieben.]
61.94 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Vorstellung wird mit einer Yantra- und Bindu-Symbolik verbunden.]
61.95 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die rituelle Identifikation wird als Einheit mit der göttlichen Kraft ausgelegt.]
61.96 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: An diese Praxis werden übernatürliche Erfolgsversprechen angeschlossen.]
61.97 Durch die Übung allein erlange man das Wesen der Erde. Was immer man an vielfältiger, schöner Erde hervorbringen möchte,
61.98 entstehe dort augenblicklich, große Herrin. Einst war diese Erde durch ihre große Last gequält und litt.
61.99 Da gab Mutter Śrī Kālikā ihr vier Säulen: Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und schließlich göttliche Macht.
61.100 Die erste ist die Dharma-Säule in der schönen Gestalt eines Stieres. Mit vier Füßen versehen trägt und schützt er die Erde.
61.101 Als rot und schön wird die Dharma-Säule beschrieben. Die zweite ist die Säule der Erkenntnis, durch die alles augenblicklich zur Hand ist.
61.102 Die Erkenntnis [umfasst] das Weltenei und ist ganz der Wonne verdichteten Bewusstseins zugewandt. Dies ist die zweite Säule; höre ihre Gestalt, Pārvatī.
61.103 Sie hat Löwengestalt, ist schwarz und mit einer weißen Mähne versehen. Der Schwanz befindet sich über dem Kopf; die Taille ist schmal, große Herrin.
61.104 Die dritte ist Leidenschaftslosigkeit in der uralten Gestalt eines Haṃsa, verbunden mit der Nirvāṇa-Einweihung und der vierfachen Caraṇa-Einweihung.
61.105 Alles, was in Eigenschaftslosigkeit mit Śakti verbunden ist, heißt Leidenschaftslosigkeit. Die vierte, Aiśvarya, besitzt die uralte Gestalt eines Elefanten.
61.106 Durch die bereits zuvor verwirklichte Kraft der Elefanten-Siddhi [erscheint] jene Siddhi in Elefantengestalt, wesenhaft und überaus strahlend.
61.107 Wo immer sie gesehen wird, Göttin, dort besteht die Herrschaft des Elefanten – bei Bäumen, Steinen, Insekten und anderen Wesen, Pārvatī.
61.108 [Der Satz ist unsicher.] Die unsichtbar entstehende Herrschaft wird mit Aiśvarya und dem vierfachen Tragen der Last verbunden.
61.109 Die von diesen Herren gegründete Erde ist viereckig und überaus strahlend. Nach dem Verhältnis von Samen und Spross entstehen diese [Zuordnungen] darin.
61.110 Die Vierheit beginnend mit Viṣṇu, die vier Veden und die vier Gruppen von Eigenschaften [werden genannt], unter dem Schatten des Atharvaveda.
61.111 Ebenso die vier Formen der Rede, die Vierheit beginnend mit dem König und die drei Zeiten; als eine weitere, vierte [erscheint] die Siddhi der großen Rede, höchste Herrin.
61.112 Von Ādhāra und Ananta beginnend bis zur Bezeichnung „Erde“, Śivā: Dort steht die Göttin Erde, und dort befindet sich der Nektarozean. [Die Aufzählung setzt rituelle Zuordnungen voraus.]
61.113 Mūlādhāra ist gelb, viereckig und überaus strahlend. Durch die meditative Übung mit der Erde erlange man die Meisterschaft über das Erdelement.
61.114 Man führe die Erde in das Wasser und lege sie in den Nektarozean. Im sechsblättrigen Svādhiṣṭhāna hat der Nektarozean seinen Sitz.
61.115 Dann führe man das Wasser ins Feuer und lasse [es] in pañcāgnivāyu eintreten; danach führe man es in den Raum und vollziehe die Auflösung in Unmanī. [Die gedruckte Verbindung pañcāgnivāyu ist unsicher.]
61.116 Dann führe man [alles] zum Haṃsa-Sitz und bringe es Paraśambhu dar. Man wird zur Gestalt Śivas; Śiva-Sein entsteht.
61.117 So ist der Yoga erklärt. Was möchtest du noch hören? Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das höchste, glückverheißende Geheimnis hören.
61.118 Śiva sprach: Was ist dieses Geheimnis, Herrin der Götter? Sprich sogleich deine Frage aus. Die Göttin sprach: Śiva Śambhu, Herr meines Lebens, der du alles anziehst,
61.119 erzähle mir sogleich von Bālā, die „Wunscherfüllende Ranke“ heißt. Śiva sprach: Der Yoga der Wunscherfüllenden Ranke ist der allerhöchste unter allen Yogas.
61.120 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die folgende Passage beschreibt eine körperbezogene Mantrapraxis im zuvor eingeführten Bālā-Kontext.]
61.121 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Körper der minderjährigen Ritualpartnerin wird in die sexualisierte Rezitationspraxis einbezogen.]
61.122 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die körperbezogenen Rezitationen werden fortgesetzt und mit ritualisierten Zahlen verbunden.]
61.123 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verknüpft die sexualisierte Praxis mit einem übernatürlichen Erfolgsversprechen.]
61.124 Wer betrachtend rezitiert, werde Sieger über die drei Welten. Er werde König, Herrin der Götter, und erlange die Kāminī-Siddhi.
61.125 [Verheißen werden] Unterwerfung, Anziehung und Verblendung, Stillstand des Alterns und Verjüngungskunst, Quecksilber-Alchemie, Schwert- und Sandalen-Siddhi, Vetālas und Scharen von Yakṣiṇīs,
61.126 ferner Himmelswandeln, Eintritt in andere Körper und Wiederbelebung von Toten. Dies soll geheim gehalten werden, geheim gehalten werden. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 61. Kapitel namens „Darlegung des Yoga“.
Paṭala 62: Brahmarāja-Yoga und Kumārī-Verehrung
62.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Das Geheimste der Geheimnisse, verborgener als das Verborgene und höher als das Höchste,
62.2 der Brahmarāja genannte Yoga, der höchste unter sämtlichen Yogas, wird jetzt erzählt. Höre aufmerksam zu, höchste Herrin.
62.3 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text beschreibt eine minderjährige Ritualpartnerin mit sexualisierten Merkmalen.]
62.4 Vom ersten Lebensjahr bis zum Ende des neunten heißt sie Navadurgā, Herrin. Höre die nachfolgende Einteilung.
62.5 Nach dem neunten Lebensjahr bis zum Ende des als kāma bezeichneten Alters heißt sie Bālā und gilt als allen Siddhis zugewandt. [Kāma ist hier eine verschlüsselte Alterszahl; sie wird nicht frei aufgelöst.]
62.6 Vom dreizehnten bis zum Ende des sechzehnten Lebensjahres heißt sie Śyāmā, große Herrin; Śyāmā ist sechzehnjährig.
62.7 Über sechzehn bis zwanzig heißt sie Taruṇī, junge Frau; über zwanzig bis dreißig „Mondlicht großer Jugend“.
62.8 Über vierzig wird sie Gatavayā, jenseits der Jugend, genannt. [Es folgt erneut die Ritualpartnerin:] verbunden mit dem achtfachen Japa, aus Kula oder Akula hervorgegangen.
62.9 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die minderjährige Ritualpartnerin wird weiteren Herkunfts- und Kultgruppen zugeordnet.]
62.10 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Minderjährige wird in eine körperbezogene rituelle Anordnung einbezogen; Teile sind bereits im Druck ausgelassen.]
62.11 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Körperbezogene Nyāsas und eine sexualisierte Ritualanordnung werden verbunden; der Druck enthält Auslassungen.]
62.12 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verknüpft Bekleidung, Schmuck und Verehrung mit der körperbezogenen Yantra-Vorstellung.]
62.13 Man stelle sich die Kumārī als göttliche Gestalt, als Verkörperung der Gottheit vor und verehre die mit aller Herrlichkeit verbundene Göttin.
Die Verse 14–27 sind nach Druckseite 242 des zweiten Scans derselben Ausgabe ergänzt. Diese Seite fehlt im zunächst verwendeten Scan.
62.14 Oder man verehre sie im Cakra, Göttin, mit sämtlichen umgebenden Gottheiten. In der Nacht verehre man die Gottheit mit ihrem vollständigen Gefolge.
62.15 Nachdem man die Verehrung bis einschließlich der Opfergabe vollzogen hat, widme man sich Japa und Meditation und stelle sich [Textauslassung] die Göttin in der im Dhyāna beschriebenen Gestalt vor.
62.16 Nachdem man dort zunächst den Japa beendet hat, tue man, was sie gesagt hat. [Die zweite Vershälfte ist im Druck durch Sterne ersetzt.]
62.17 Der Mensch werde Kenner der drei Zeiten und [als] Wünschender allumfassend. Selbst nie gehörte Lehrwerke, die Veden und andere Texte könne er vortragen, Śivā.
62.18 Jede Wissenschaft, die es in der Welt gibt und die er nicht studiert hat, kenne und lehre er vollständig. Daran sei nicht zu zweifeln – so das Erfolgsversprechen.
62.19 Nachdem man ihre ganze Gestalt betrachtet hat, höchste Herrin, führe man aus, was sie sagt, Herrin der Götter, Geliebte.
62.20 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Der Text droht bei abweichendem Verhalten mit Untergang und führt erneut eine minderjährige Ritualpartnerin ein.]
62.21 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine sexualisierte Ritualanordnung mit der Minderjährigen wird beschrieben; Teile sind bereits im Druck ausgelassen.]
62.22 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die körperbezogene Anordnung wird mit einer Kālikā-Rezitation verbunden; der Druck enthält Auslassungen.]
62.23 Man rezitiere hunderttausendmal, Göttin; der Übende werde allwissend. [Dies gelte wie die Verehrung von] Kumārīs und Śaktis in zahlloser Menge.
62.24 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Verehrung einer Bālā wird als umfassend wirksam bezeichnet und eine weitere minderjährige Ritualpartnerin eingeführt.]
62.25 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Minderjährige wird körperbezogen mit der Hauptgottheit identifiziert; der Druck enthält Auslassungen.]
62.26 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die körperbezogene Betrachtung wird mit Mantrarezitation und Versprechen von Weltherrschaft und Dichtkunst verbunden.]
62.27 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Eine weitere sexualisierte Ritualanordnung mit einer ausdrücklich minderjährigen Beteiligten wird eingeführt.]
62.28 [Im Druck ausgelassener Text.] Man rezitiere stets. [Der übrige Vers ist durch Sterne ersetzt.]
62.29 [Die erste Vershälfte ist im Druck ausgelassen.] Man werde Träger großer Schriftkenntnis und erlange die Erfüllung seiner Wünsche.
62.30 [Auslassung; der Ausdruck für den Herzlotus ist sprachlich unsicher.] Durch Japa im Herzlotus werde man auf Erden Kālī gleich. So ist das Geheimnis erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 62. Kapitel namens „Brahmarāja-Yoga“.
Paṭala 63: Geheimer Yoga, Kula-Darbha und rituelle Siegel
63.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Was noch niemandem erzählt wurde, das erzähle mir jetzt.
63.2 Śiva sprach: Dieser geheime Yoga wird jetzt erzählt, Herrin der Götter; höre. Man bringe eine junge Kumārī und verehre sie wie die Göttin, Geliebte.
63.3 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Passage beschreibt eine körperbezogene Praxis mit einer Minderjährigen und verbindet sie mit göttlicher Identifikation.]
63.4 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Körperbezogene Rezitation mit einer Minderjährigen wird mit einem dauerhaften rituellen Erfolg verbunden; Teile fehlen bereits im Druck.]
63.5 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Die Fortsetzung verbindet die Praxis mit der Fähigkeit, jede gewünschte Gestalt anzunehmen, und führt eine weitere minderjährige Ritualpartnerin ein.]
63.6 Man rezitiere hunderttausendmal, Göttin, und werde Sieger über die drei Welten. Man bringe eine anmutige Bālā und unterhalte sich mit ihr,
63.7 während man hunderttausendmal rezitiert, große Herrin; dadurch werde man gewiss zum Dichter. Im Himmel findet Kumārī-Verehrung statt, in der Menschenwelt Bālā-Verehrung.
63.8 In der Unterwelt findet Śakti-Verehrung statt; die Bewegung in die Unterwelt ist dreifach. Vāsuki befindet sich in der Himmelswelt, Karkoṭa in der Menschenwelt,
63.9 Śeṣa in der Unterwelt. Das Geheimnis soll verborgen bleiben, Śivā. So ist es in Kürze erklärt. Höre nun vom Kula-Darbha, Geliebte.
63.10 Auch der dreifache Kula-Darbha wurde von Kālaśambhu angedeutet. Er wird jetzt erklärt; dies soll geheim bleiben, Herrin des Kula.
63.11 Die über dem Kula-Cakra befindlichen [Zeichen] werden als Kula-Darbha erinnert. Für das rituelle Reinigungsmittel verwende man [die unsichere Bezeichnung] karṇarṣau oder den Handlungsmantra.
63.12 Am Zeigefinger ist Silber, am Ringfinger Gold zu tragen. Dies wird hier als Kuśa bezeichnet, nicht das im Wald gewachsene Kuśa-Gras.
63.13 Man schreibe fünf Kūrcas und ringsum einen kreisförmigen Gürtel. Zeichnet man Mond und Schädel dazu, heißt dies Brahma-Kūrca.
Die Verse 14–27 sind nach Druckseite 245 des zweiten Scans derselben Ausgabe ergänzt. Diese Seite fehlt im zunächst verwendeten Scan.
63.14 Durch das Tragen erlange man die Erfüllung des gewünschten Vorhabens, Göttin. So ist im Weg des Kālikā-Āgama Darbha dreifach erklärt.
63.15 Dies soll geheim bleiben, Glückverheißende; es ist das Große, der innerste Kern. [Genannt werden] Schädel, Schwert, drei Bījas und ein Blatt.
63.16 Dieses goldfarbene, glückbringende [Siegel] ist am Ringfinger zu tragen. [Es folgen] Kūrca-Bīja, Kālikā, Tārā und die mit sieben Tāras beginnende [Folge].
63.17 Den Kula-Darbha in der Gestalt der Entfaltung sämtlicher Bījas trage man dreifach. Er bringe Wissen, Glück und Ruhm hervor, verleihe Kraft und alle Siddhis.
63.18 Er verleihe jede Schönheit, Glückverheißende, und zeige die Erfüllung der Wünsche. So ist es kurz erklärt. Höre die Reihenfolge der verschiedenen Meditationen.
63.19 Man ordne Schwert, abgeschlagenen Kopf, Gabe und Furchtlosigkeit nach dem als argali bezeichneten Verfahren an; oder trage sie in einer Reihe. [Der technische Ausdruck ist unsicher.]
63.20 Von der rechten Hand ausgehend stelle man sich Schwert, Kopf, Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste vor, höchste Herrin. So wird die Meditation dreifach.
63.21 Dies ist in Kürze erklärt. Höre die verschiedenen Mudrās, Geliebte. Fünf Arten von Siegeln werden genannt; ich werde sie erklären, höre aufmerksam.
63.22 Man schreibe dreizehn Kūrcas in die Mitte einer Blüte. Dies ist die über die drei Welten siegende Mudrā, im Herzen eines Vierecks, Śivā.
63.23 In der Mitte steht traiṃ, ringsum hrīṃ; sie soll durch Berührung Armut vernichten. [Genannt werden] Zahlensiegel, Bīja-Siegel und das als bījakātmyā bezeichnete weitere Siegel. [Die letzte Bezeichnung ist unsicher.]
63.24 Yantra-Gestalt und Namensgestalt [vervollständigen] die fünf Siegelarten. [Es folgt eine sprachlich unsichere Folge:] Rāma, Vānara und weitere, ferner Lakṣmaṇa und Vāraṇa.
63.25 Diese als saṅkā bezeichneten Siegel heißen Sāmrājya und gelten als vorzüglich. [Die geometrische Aufzählung nennt] Dreieck, Kreis, Viereck, Dreieck und achtblättrigen [Lotus].
63.26 Ferner sechs Blätter, Winkel und Achteck. Die zehn Vidyās, Bīja-Gestalten und Zahlen [werden] nach der Tārā-Folge [angeordnet].
63.27 Man umschließe den Wurzelmantra und schreibe das Siegel. Es gilt als Verleiher aller Siddhis, durch die Verbindung von drei, fünf oder sieben Tāras und hundert Bījas.
63.28 Durch die Umschließung mit dem anfänglichen [Mantra] entsteht das Namenssiegel, Śivā. Man spreche die Bīja-Gestalt aus und zweimal das Wort prasīda, „Sei gnädig“.
63.29 Dies schreibe man auf das Siegel, Göttin; dabei wird die Folge der zehn Vidyās erinnert. Durch die Bīja-Gestalt und zweimal „Gib eine Gabe“ entsteht ein weiteres [Siegel].
63.30 Man rezitiere die Bīja-Gestalt und spreche „Ich verehre“ und „Ich verneige mich“. Dieses weitere Siegel gilt im Verfahren für sämtliche Gottheiten, große Herrin.
63.31 Je nach den unterschiedlichen Namen und Synonymen ordne man es passend zu. Man erlange alle Siddhis und werde Herr zahlloser Vollkommenheiten.
63.32 Was gäbe es, Göttin, das einem durch sein Tragen nicht zur Hand wäre? So ist es kurz erklärt. Höre nun vom Tragen dieser Siegel.
63.33 Entsprechend den unterschiedlichen Fingern und der Reihenfolge der Zehen sowie den verschiedenen Edelsteinen und dem Gold gelten die Wünsche wie zuvor.
63.34 Achteck, Fünfeck, Viereck, Dreieck, Kreis, achtblättriger Lotus sowie Kreis und äußerer Erdenbezirk –
63.35 dies sind die Yantras, Herrin der Götter; die Felder-Yantras entsprechen den zuvor genannten. Man zeichne ein schönes achteckiges Yantra mit gleichmäßigen Linien.
63.36 Im bekannten Osten [steht] Praṇava; das Kāma genannte [Bīja] verläuft ringsum. Darunter steht das Varuṇa-Bīja, darüber das Śrī-Bīja.
63.37 Dieses Yantra heißt Amṛta, Göttin, mit drei Tāras und Varuṇeśvara. Auf die vier Blätter schreibe man das Bīja und die Bāṇḍukā genannte Dīpinī. [Die zuletzt genannte Mantrabezeichnung ist unsicher.]
63.38 Am Ende des Namens Śrī Siddhīśvara trage man es am Fußansatz. Durch sein Tragen sollen alle Krankheiten abgewehrt werden, Göttin – ein religiöses Wirkversprechen.
63.39 Wie an Taille und Hals [trägt man] entsprechend Yantras an den Füßen: mit sechzehn, achtzehn, zwanzig und zweiundzwanzig [Einheiten] der Reihe nach.
63.40 In einem Feldschema von tausend, drei und neun oder in einem Kalā-Feldschema, Geliebte, [ordnet man] nach dem Entfaltungsverfahren die als vāṅk bezeichneten Yantras an den Füßen an. [Zahlengliederung und Fachwort sind unsicher.]
63.41 Das Tragen an den Füßen ist zur Vollendung sämtlicher Einweihungen, zum Sieg über die drei Welten und zur Herrschaft über zahllose Siddhis vorgesehen.
63.42 Koralle soll Unterwerfung bewirken, Vaidūrya ein Kommen zur Yamunā; Perlen sollen eine Geliebte verschaffen, Indranīla den Sieg. [Yamunāgama ist hier nicht näher erklärt.]
63.43 Bei Smaragd, Gomedaka und Diamant werden königliche Siddhis genannt; ferner bei Kuruvinda, Puṣparāga, Padmarāga und Rāsaka,
63.44 beim Berührungsstein, Rubin und allen Edelsteinen, Pārvatī, sowie bei Cintāmaṇi und Parisa die Siddhi über die Erde.
63.45 Zur Vernichtung der Armut trage man den als Hārita bezeichneten Stein, Śivā. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 63. Kapitel namens „Erläuterung der Siegel“.
Paṭala 64: Beschädigte Kultgegenstände und Sühnehandlungen
64.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Was niemandem erzählt worden ist, das wird jetzt erzählt; höre.
64.2 Wenn [ein Ritualgegenstand] verbrannt, gesprungen, verloren, von einem Dieb entwendet, zerbrochen oder in seinen Linien abgerieben ist: Höre das Mittel zur Abhilfe, Geliebte.
64.3 Man faste eine Nacht, esse [anschließend] reine Opferspeise, beherrsche die Sinne und rezitiere den Mantra hunderttausendmal gemäß seiner Überlieferung.
64.4 Mit einem Zehntel [als Bewirtung; der Ausdruck ist unsicher] und aufrichtiger Hingabe erfreue man den Guru. Sorgfältig bewirte man Brahmanen, eine Kumārī und eine verheiratete Frau.
64.5 Danach ist Śakti-Verehrung zu vollziehen. Der Kundige vollziehe achtmal acht oder fünfmal fünf [Verehrungen], entsprechend Kālī oder Tārā.
64.6 Oder [es handelt sich um] ein Schirmzeichen, das durch Sprünge und Ähnliches beschädigt ist. Wer mit einem zerbrochenen oder unbrauchbaren [Gegenstand die Praxis] vollzieht, dem droht der Text Tod binnen drei Monaten an. [Die Bezeichnung des Gegenstands ist unsicher.]
64.7 Man lege ihn sorgfältig am König der Pilgerorte, im Inneren eines Berges, im Meer oder am Flussufer nieder, Herrin der Götter. Andernfalls drohe Tod – so die rituelle Vorschrift.
64.8 Dies gilt für sämtliche Vidyās; höre die besondere Regel aufmerksam. Bei einem aus der Narmadā stammenden Bāṇa-Liṅga gilt eine Beschädigung von zwei Gerstenkornlängen nicht als Verunreinigung.
64.9 Bei einem Bruch an [der als śāla bezeichneten Umgebung] oder am Körper wird das Liṅga [unter der genannten Bedingung] nicht fehlerhaft. Ein Bruch des Śālagrāma-Steins selbst wird hingegen als todbringend bezeichnet. [Der erste Halbvers ist unklar.]
64.10 Wenn an einem Götterbild Füße, Hände, Augen oder Kopf beschädigt werden, Śivā, oder eine Beschädigung des Herzens eintritt, gehe alles zugrunde, Pārvatī.
64.11 Man verabschiede dieses Götterbild rituell und fertige ein neues an, Göttin. Höre nun die besondere Vorschrift im Verfahren der Mahāvidyās.
64.12 Wo die Gottheit gewichen ist, Göttin, verlasse man den betreffenden Bereich. Nach Vollzug der Sühnehandlung erlange der Übende Wohlergehen.
64.13 Man bringe eine junge Kumārī von schöner Gestalt, die schön geschmückt ist, setze sie auf einen Blütensitz und verehre [die Göttin in ihr] mit ihren Gliedern und ihrem Gefolge.
64.14 Die Gestalt der Göttin, Herrin der Götter, ist ihre Gestalt: Indem man dies vergegenwärtigt, rezitiere man gemäß der Überlieferung.
64.15 Einen Tag lang faste man gewissenhaft. Man vollziehe hunderttausend Rezitationen sowie die entsprechend unterschiedenen Japa- und Tarpana-Handlungen.
64.16 Nachdem man in der Kumārī selbst verehrt hat, stelle man sieben Lampen auf. Bei den drei Śaktis, der Bālā-Vidyā und ähnlichen [Verehrungen] bereite man den „König der Lampen“ vor.
64.17 Vor der Lampe rezitiere man die Dīpinī und werde dadurch frei vom rituellen Fehler. [Ihre verschlüsselte Folge lautet:] Vedādyā, Kamalā, Kālī, Vāgbhavā, Kamaleśvarī.
64.18 Dies ist die Dīpinī-Vidyā, die Kālikā zugänglich machen soll. Das Yantra wird mit rotem Pigment gezeichnet und danach vom Wurzelmantra umschlossen.
64.19 In seine Ecke schreibe man die Kullukā und stelle dort die Lampe auf. [Man zeichne] mit den acht Duftstoffen, einem anderen Duftstoff oder Safran,
64.20 mit einer göttlichen Farbe, Herrin der Götter. Dadurch werde man Herr der Siddhis. Diese beständige Lampe ist für die drei Śaktis bestimmt.
64.21 Sie wurde hier im Zusammenhang mit der Sühnehandlung erwähnt, höchste Herrin. Man verehre in der Lampe die eigene Göttin mit ihren Gliedern und ihrem Gefolge, Śivā.
64.22 Die Lampe ist nach Westen gerichtet; das Gefäß wiegt drei Palas. Es kann aus Gold, Silber, Kupfer, Ton oder Getreidemasse bestehen.
64.23 Man bereite die Lampe sorgfältig vor und fertige einen eine Spanne langen Docht aus einundzwanzig Fäden oder aus drei, fünf, neun oder elf Fäden.
64.24 Das Gefäß für das Brennfett versehe man mit acht Palas Kuh-Ghee. [Genannt werden] vier Fingerbreiten Höhe und anderthalb Fingerbreiten [für ein weiteres, nicht eindeutig bezeichnetes Maß].
64.25 Die Öffnung wird mit drei Fingerbreiten angegeben; das Kavaca vollziehe man siebenmal. In dieser Reihenfolge erlange der Übende Siddhi, Herrin der Götter.
64.26 Danach bringe man eine Opfergabe entsprechend den sāttvischen und anderen Arten dar. Durch Rezitation des Āpaduddhāraka werde man frei vom rituellen Fehler.
64.27 Dies ist für die Mahāvidyā-Praxis erklärt. Höre die śivaitische und viṣṇuitische Regel. Nach einer Fastennacht [rezitiere man] den Aghorakṣetra-[Mantra; die Formulierung ist verkürzt].
64.28 Ein Zehntel davon bildet die Homa-Handlung; danach sei man frei vom Fehler. In der viṣṇuitischen Praxis rezitiere man Sudarśana, in der Sonnenverehrung Haṃsa, Śivā.
64.29 In der Gaṇeśa-Praxis rezitiere man den Śrī Haridrā genannten [Mantra] und werde Herr der Siddhis. Wer anders handelt, dem droht der Text einen Sturz an.
64.30 Die göttliche Überlieferungsströmung verlangt hier dreißigtausend [Rezitationen], Pārvatī. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? [Nach dem Apparat ist dieser Vers nur in Handschrift D belegt.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 64. Kapitel namens „Bestimmung der Sühnehandlungen“.
Paṭala 65: Reinigung und Erneuerung des Yantras
65.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Wenn ein Yantra verloren oder gesprungen ist, wird der dafür bestimmte Japa erklärt; höre.
65.2 Man bringe eine Kumārī von schöner Gestalt und freundlichem Lächeln, setze sie auf einen Blütensitz und vollziehe die Folge der Nyāsas.
65.3 Nachdem man die Gefäße bereitgestellt hat, verehre man die Bālā. Vom Alter über neun bis zum Ende des kāma genannten Lebensjahres, Śivā,
65.4 wird sie Bālā genannt, im Kali-Zeitalter Tārā und Kālī gleich. Durch ihre Verehrung werde man frei vom rituellen Fehler, große Herrin. [Die verschlüsselte Alterszahl kāma bleibt unaufgelöst.]
65.5 Man betrachte und vergegenwärtige [die göttliche Gestalt] vom Mūlādhāra bis zum Kopf und stelle die im Dhyāna beschriebene Gottheit mit ihren Gliedern und ihrem Gefolge dar.
65.6 Man bewirte [sie] mit neunzig [Gaben; die Angabe ist verkürzt], mit ihren Gliedern und ihrem Gefolge, Śivā. Man verehre sie wie die eigene Göttin bis einschließlich der Opfergabe, große Herrin.
65.7 An den Gliedern verehre man die sechs Glieder, am Kopf den Guru; [man verehre] sämtliche Kreise mit ihren Gliedern und die Hauptgöttin im dreiblättrigen [Gebilde].
65.8 Man verehre sie, höchste Herrin, mit einer Fülle von Edelsteinschmuck, mit [einer unsicheren Gabe], Kleidern, Speisen, Leckereien und Getränken, Śivā.
65.9 Man verehre sie, ganz der Vorstellung der Gottheit hingegeben. Was sie sagt, Herrin der Götter, ist selbst eine Gnadengabe.
65.10 Wenn sie dort eine Gabe gewährt, gewährt gewiss die Gottheit eine Gabe. Die Göttin wohnt in ihrem Körper; daran soll nicht gezweifelt werden.
65.11 Mit unverändertem, ungetrübtem Geist verehre man sie wie die eigene Gottheit. Sämtliche Mahāvidyās treten in diesem Augenblick in den Körper der Śakti ein.
65.12 Wenn sie beunruhigt wird, wird die Gottheit beunruhigt. Nachdem man auf diese Weise die eigene Gottheit verehrt hat, Herrin der Götter,
65.13 ist man vom Fehler des Yantras befreit und beschaffe erneut ein Yantra. Man vollziehe die genannte Weihe auf dem vom eigenen Guru gelehrten Weg.
65.14 [Das Gewicht beträgt] ein Tola, zwei Tolas, drei oder fünf Tolas, sechs oder vier sowie sieben oder acht Tolas,
65.15 zehn, zwölf, sechzehn oder vierzehn Tolas, vier, vierundsechzig oder hundert Tolas. [Die Zahlenwörter sūrya, kalā und bhuvana sind konventionell als zwölf, sechzehn und vierzehn wiedergegeben; die auffällige Reihenfolge des Drucks bleibt erhalten.]
65.16 Der vorzügliche Sitz soll ansprechend, erfreulich und mit schönen Linien gestaltet sein, mit erhabenen oder auf der Fläche verlaufenden Linien, Meru und Kailāsa vergleichbar.
65.17 Man lasse das Yantra mit seinen Bījas anfertigen und empfange es aus der Hand der Bālā. Wenn dies nicht möglich ist, empfange man es aus der Hand des Gurus und verehre es freudig.
65.18 Im Satya-Zeitalter wird Kumārī-Verehrung genannt, in den drei Zeitaltern die Bālikā. Im Kali-Zeitalter wird Śakti genannt; [Textauslassung] die Bālikā. [Die zeitliche Einteilung bleibt im Druck widersprüchlich.]
65.19 Im Kali-Zeitalter wird gerade Bālā genannt; durch sie sei die Yantra-Siddhi gewiss. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 65. Kapitel namens „Reinigung des Yantras“.
Paṭala 66: Vorbereitung, Bad und Weihe des Yantras
66.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Nun wird die Weihe des großen Yantras erklärt, die alle Siddhis verleihen soll.
66.2 An einem günstigen Tag, bei günstigem Aszendenten und günstigem Augenblick vollziehe der Mantrakundige das Bad und seine täglichen Pflichten; rein, schweigend und nach Osten gewandt [beginne er].
66.3 Nach der Reinigung der Elemente und den weiteren Vorbereitungen vollziehe er den im Ritualhandbuch gelehrten Nyāsa. Gold, Silber und Kupfer gelten als vorzüglich, mittel und geringer.
66.4 Bei Kupfer wird hundertfache, bei Silber zehnmillionenfache Frucht genannt. Gold soll unendliche Frucht verleihen, ebenso Bergkristall.
66.5 Für Bergkristall oder Smaragd besteht keine feste Maßvorschrift. [Bei den übrigen Materialien gelten] ein, zwei, drei oder vier Tolas,
66.6 fünf, sechs, sieben oder acht Tolas. Oder man fertige den Sitz so an, wie er dem Übenden zusagt, und bereite ihn sorgfältig vor.
66.7 Aus den zuvor genannten Metallen und Stoffen [werde er] schön und ansprechend gefertigt. Bei Kupfer gelten zwölf Jahre für das Tragen, nicht jedoch für die Verehrung.
66.8 Im kupfernen Arghya-Gefäß und im kupfernen Yantra ist die Gottheit stets gegenwärtig. Nachdem man das glückbringende Yantra mit schönen Linien vorschriftsmäßig hat zeichnen lassen,
66.9 vollziehe man seine Installation nach der maßgeblichen Lehre, an einem heiligen Ort, zu heiliger Zeit, an einem für einen Tempel bestimmten Platz.
66.10 Der Mantrakundige vollziehe am Vortag die vorbereitende Weihe gemäß seinem Ritualhandbuch. Abends fasse er vorschriftsmäßig den Entschluss und stelle zunächst das Ritualgefäß auf.
66.11 Nachdem er Gaṇeśa und die anderen verehrt hat, verehre er die Hüter der Himmelsrichtungen. Wein, Fleisch, Fisch, Mudrā und sexuelle Vereinigung –
66.12 diese Mittel habe ich für die Yantra-Weihe und verwandte Handlungen genannt. Mit den nach seinen Möglichkeiten verfügbaren Darbringungen verehre er die Hauptgottheit.
66.13 Mit wohlriechendem Öl, Duftstoffen und ähnlichen Mitteln vollziehe er die vorbereitende Weihe. Vom Mondaufgang an rezitiere er den Mantra [in Verbindung mit der Beseitigung von Fehlern; der Schluss ist unklar].
66.14 Nach dieser Vorbereitung, gesammelt und mit beherrschten Sinnen, erfülle er die morgendlichen Pflichten und betrete den Ort des Yoga,
66.15 der mit Wimpeln und Fahnen versehen, mit einem göttlichen Maṇḍala geschmückt und durch Baldachine, Yakhaarwedel, Schirme und Blumengirlanden ausgezeichnet ist,
66.16 geschmückt mit glückverheißenden Keimlingen, Blättern und Ritualgefäßen. Das Sarvatobhadra-Maṇḍala mit den dazugehörigen Linien
66.17 oder das Sāmānyabhadra zeichne man auf den Altar, Göttin. Nach Osten gewandt und schweigend fasse man den Entschluss zur Erreichung des gewünschten Ziels.
66.18 Nach den fünf Reinigungen stelle man den mit ungebrochenem Reis verbundenen Kūrca im Maṇḍala auf und verehre beginnend mit der Ādhāra-Śakti.
66.19 Nachdem man die Pīṭha-Mantras angeordnet hat, stelle der Kundige das Ritualgefäß auf; ebenso das Gefäß für die Besprengungsweihe nach dem im Einweihungsverfahren beschriebenen Ritus.
66.20 Man bereite Pañcagavya vor und reinige es mit Śiva-Mantras. Damit bade der Mantrakundige [das Yantra] und rezitiere dabei Praṇava.
66.21 Der Reihe nach [bade er es] mit Pañcāmṛta, Ghee, Dickmilch und Milch. Dann reibe er es ab und bade es auch mit Wasser.
66.22 Er bringe Pañcagavya und lege gesammelt das mit Mantra besprochene Yantra aus Gold oder einem anderen Material hinein, begleitet vom Wurzelmantra der Gottheit.
66.23 Danach nehme der Mantrakundige [das Yantra] aus Gold oder anderem Material heraus, lege es in ein Gefäß und [bade es] mit Pañcāmṛta, heiligem Wasser und kühlem Wasser,
66.24 mit dem Sahasraśīrṣa-Mantra, begleitet vom Wurzelmantra, und mit dem Pāvamāna [Hymnus], ferner mit Kampfer- und Aloeholz-Wasser.
66.25 Mit Wasser aus sämtlichen Heilpflanzen und mit Duftwasser vollziehe er das Bad. Danach entferne der Übende mit einem sauberen feinen Tuch das Wasser.
66.26 In zwei feine Tücher gehüllt bringe man es in einer goldgefertigten Schaukel oder Trage zum Maṇḍala, begleitet von Tanz, Gesang und Siegesrufen.
66.27 Man bestreiche es mit Safran und anderen Stoffen und verehre es mit sämtlichen Darbringungen. Dann vollziehe man die Pīṭha-Verehrung im Umfang des eigenen rituellen Entschlusses.
66.28 Mit Kuśa-Gras und den Kula-Gliedern, Herrin der Götter, rezitiere man hundertachtmal. [Die Yantra-Gāyatrī wird aufgebaut aus:] Praṇava, yantrarājāya und dem Wort vidmahe,
66.29 mahāyantrāya, dem Laut dhī und danach mahi; ferner tan no yantraṃ, dem Anfang praco und dem Schluss dayāt. So ist sie erklärt.
66.30 Durch Rezitation dieser Gāyatrī des Yantras erlange man Göttlichkeit. Dann meditiere man über die erwählte Gottheit und vollziehe die Folge der Mudrās.
66.31 Danach vollziehe man den Jīva-Nyāsa und verehre die erwählte Gottheit, begleitet von Tanz, Gesang, Instrumenten und den fünf Klängen.
66.32 Anschließend rezitiere man den erwählten Mantra tausendachtmal. In einer Feuergrube oder auf einem erhöhten Feuerplatz, im geweihten Feuer, [opfere] der Mantrakundige mit Ghee.
66.33 Vorschriftsmäßig vollziehe er mit dem Opferlöffel Homa. Eine mundgerechte Menge gekochter Opferspeise nehme der Mantrakundige mit dem Wurzelmantra auf,
66.34 füge einen Löffel Ghee hinzu und opfere, dem Feuer zugewandt. Mit den fünfundzwanzig Tattvas widme er sich dem Tattva-Nyāsa.
66.35 Varuṇa und dem Hüter der Himmelsrichtung bringe er die zuvor beschriebene Opfergabe. Danach bringe er den Opfergottheiten eine Ghee-Spende dar.
66.36 Am Ende opfere er hundertachtmal mit dem Göttinnen-Mantra, rezitiere den mit der Mātṛkā verbundenen Mantra und lasse „Sieg, Sieg!“ erschallen.
66.37 Er trete zum Homa-Feuer, bringe die abschließende volle Opfergabe dar, gebe zur Erfüllung des ersehnten Ziels eine Bali-Gabe und verneige sich vor dem vorzüglichen Cakra.
66.38 Er erfreue [die Beteiligten] mit Gold, Kleidern und anderen Gaben und gebe auch Dakṣiṇā. Mit den fünf Makāras vollziehe er die Vīra-Verehrung, Göttin.
66.39 [Nichtgrafische Inhaltswiedergabe: Im Anschluss an die Fünf-Makāra-Praxis wird die Verehrung von Śakti, Kumārikā und Bālā mit fünffacher oder achtfacher Gruppierung und Kula-Ritualmitteln verbunden.]
66.40 Durch die Yantra-Verehrung werde man Herr der drei Welten. Die Reinigung des Muṇḍa-Yantras ist das Geheimste der Geheimnisse.
66.41 Sie soll verborgen bleiben, verborgen bleiben, verborgen wie der eigene Schoß. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 66. Kapitel namens „Weihe des Yantras“.
Paṭala 67: Arten und Weihe historischer Leichnam-Sitze
67.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Erkläre die Weihepraxis vom Schädel bis zum Vīra-Sitz.
67.2 Śiva sprach: Dieses Geheimste der Geheimnisse habe ich nirgendwo erklärt. Aus Liebe zu dir wird es jetzt erzählt, große Herrin; höre.
67.3 Der erste heißt Mṛdvāsana, der zweite Acūḍaka, der dritte Komala; als vierter wird der Schädel genannt.
67.4 Der fünfte heißt Mṛtāsana, der sechste Vīrāsana; Mahāvīrāsana wird als siebter genannt, Göttin. [Die Bezeichnungen meinen hier historische Sitze aus menschlichen Überresten, keine gewöhnlichen Yoga-Haltungen.]
67.5 Die Vorbereitung aller [dieser Mittel] habe ich im Zusammenhang mit der Reinigung von Gebetsketten, Gefäßen und Yantras erklärt, Göttin.
67.6 Höre jetzt die Vorbereitung der Sitze, Pārvatī. Eine vor dem sechsten Monat abgegangene Leibesfrucht nennen die Kundigen mṛdu, „weich“.
67.7 Einen verstorbenen Knaben, bei dem Haarbüschelzeremonie und Initiation noch nicht vollzogen wurden, nennt man Acūḍaka. Er besitzt weder das geweihte Haarbüschel noch die Initiation, Śivā.
67.8 Wer im fünften Lebensjahr gestorben ist, wird Komala genannt. Ein auf gewöhnliche Weise Verstorbener wird als Mṛtāsana bezeichnet, Göttin.
67.9 Ein durch das Vīra-Verfahren entstandener Körper heißt Vīrāsana. Mahāvīrāsana wird mit Besessenheit, Pfählung, Schlinge und ähnlichen [Todesumständen] verbunden.
67.10 [Verwendet wird] ein unversehrter Leichnam, Göttin, oder ein abgetrennter Kopf. Dieser Schädel wird für Yantras, Gebetsketten und Gefäße genannt.
67.11 Man bringe einen Leichnam, Herrin der Götter, eine Leibesfrucht oder [die unsichere Drucklesung śatam], aus dem siebten oder achten Monat, einen Cūḍaka oder einen nicht als Komala bezeichneten [Verstorbenen].
67.12 In Vīra-Kleidung und freudiger Haltung reinige man sorgfältig den Ort. Dann vollziehe man die Weihe und lege [den Gegenstand] an einem reinen Platz nieder.
67.13 Zunächst besprenge man ihn mit Gangeswasser; danach mit Pañcāmṛta und Pañcagavya, verbunden mit den fünf Winkeln. [Der letzte technische Bezug ist unklar.]
67.14 Mit dem Wurzelmantra stelle man ihn im Pīṭha-Cakra auf, das aus Erde besteht. [Die Zeichnung enthält] Dreieck, anfänglichen Bindu und Viereck im Dreieck. [Die genaue Anordnung ist elliptisch.]
67.15 Außerhalb dieses Dreiecks zeichne man einen achtblättrigen Lotus, außerhalb davon einen sechzehnteiligen [Lotus] und drei Kreise, verbunden mit der Dreifachheit.
67.16 In der Mitte verehre man die Hauptgöttin mit dem Wurzelmantra. Den dreifachen Kreis verbinde man mit dem anfänglichen [Bīja oder Mantra].
67.17 [Der Beginn mit pavāṃ vāram ist unsicher.] Kamalā [wird] mit den Anfangslauten bei allen Handlungen [verbunden]; die zehn Kalās des Feuers [verehrt man] dort im Winkel und ebenso im achtblättrigen [Lotus].
67.18 Im sechzehnteiligen [Lotus] und in den drei Kreisen verehre man die Mond-Kalās. Dort stelle man sorgfältig den Vīra- oder den Mṛdu genannten [Sitz] auf.
67.19 Man zeichne selbst die mit Ādhāra-Śakti beginnende [Ordnung]: Nektarozean, Juweleninsel und das Haus aus Wunschedelsteinen,
67.20 den Pārijāta-Baum des Leichenplatzes und an seiner Wurzel den Leichnam-Altar; danach Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und göttliche Macht.
67.21 Dann folgen Adharma und die weiteren [Gegenkräfte], die Mantras an den Paaren von Händen und Füßen und der Mātṛkā-Nyāsa von a bis kṣa.
67.22 Der Mantrakundige verehre deren jeweilige Orte und den Nyāsa am Herzen und den weiteren Stellen. Dann vollziehe er den Hand-Nyāsa und verehre mit beiden Händen.
67.23 Man wende ihn mit dem Gesicht nach unten und spreche freundlich zu seinem Gesicht: „O Vīra, höchste Wonne, Lager der Göttin, Śaṅkara!
67.24 Gib mir die acht Siddhis und gewähre mir stets Frieden!“ Dies spreche man, Herr der Vīras, und lege Gold in den Mund.
67.25 [Es folgen als Gaben] Kardamom, Gewürznelke, Jāti, Frucht und Betel sowie Khadira, frischer Ingwer und Rohrzucker in Karṣa-Anteilen, mit einem roten Faden.
67.26 Mit dem Wurzelmantra vergegenwärtige man dort einen fest gebündelten Haarknoten und einen Lampendocht aus [den unsicheren Stoffbezeichnungen] arka, indu und sitavātāla.
67.27 Der Śākta lade danach siebenmal der Reihe nach ein. Mit Sandelholz, Aloeholz und Blumen verehre er die gesalbte Göttin.
67.28 Danach [vollziehe] der Mantrakundige den Jīva-Nyāsa und reinige mit dem Lebens-Mantra. [Textauslassung.] Ferner am Nabel und mit Kūrca im verborgenen Körperbereich.
67.29 [Genannt werden] Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Knöchel und Fuß, mit Wasser; ferner Kopf, Hals, Nase, Augen und Ohren,
67.30 Haarbüschel, Panzer und Wangen, oben und unten sowie die Achtzahl; ferner Zähne, Zunge, Hinterkopf und Füße.
67.31 Am Herzen und den weiteren Stellen, an Armen und Füßen, am ganzen Körper vollziehe man den höchsten Pīṭha-Nyāsa, Göttin.
67.32 Im Sonnenkreis rezitierend gelange man zum Wesen der Kalās. [Die Formel nennt] mṛtakāya, śavāya und am Ende namaḥ: „Dem Verstorbenen, dem Leichnam Verehrung.“
67.33 Mit dem Wurzelmantra bade man [den Sitz] in geweihtem warmem Wasser. Den aus Sonne und Mond bestehenden Sitz stelle man sich als Feuer vor.
67.34 [Für die Sitzformel werden] Merupṛṣṭha als Seher, Bhūtala als Versmaß und danach Kūrmodara [genannt; die Zuordnung ist unsicher]. Anschließend verwirkliche man Dharma und Artha.
67.35 Befreiung ist geistig; [das Verfahren] wird zur Siddhi beschrieben. Nachdem man die Schildkröten-Mudrā gezeigt hat, umhülle man [den Sitz] mit der Waffen-[Mudrā oder Formel].
67.36 Man zeige Śakti-Yoni, Fisch- und Kuh-Mudrā, Śivā; danach Fingerschnippen und die viereckige [Mudrā].
67.37 Dann vergegenwärtige man der Reihe nach den Wurzelmantra und „Pṛthvī tvayā …“. Es folgen die mit „Vajrodaka …“ beginnenden Mantras in der durch kāma bezeichneten Zahl.
67.38 Zuerst spreche man Praṇava, dann sahasrāra, danach huṃ phaṭ svāhā. Anschließend spreche man zweimal rakṣa, „Beschütze“.
67.39 [Es folgt:] mahāpratisare, sarvavighnān und zweimal chedaya: „Große Schützerin, durchtrenne alle Hindernisse!“ Danach spreche man huṃ phaṭ und die „Gattin des Feuers“, svāhā.
67.40 Die Hüter der Himmelsrichtungen werden beginnend mit Indra verehrt. Mit Vīrāgala-, Aghora- und Pāśupata-Mantras
67.41 oder den Mahāmaṇḍala-Mantras vollziehe man den Schutz der Himmelsrichtungen. Man bringe dort eine Śivā-Bali-Gabe dar, auch zunächst dem Guru, Geliebte.
67.42 Am Anfang, in der Mitte und am Ende bringe man dreimal Śivā-Bali dar. Beim Aufnehmen des Schädels ist Śivā-Bali in jedem Fall vorgesehen.
67.43 Nachdem man Śiva oder Śakti verehrt hat, verehre man die Hüter der Himmelsrichtungen mit ihren Opfergaben und ihre Waffen in der Reihenfolge, höchste Herrin.
67.44 So bringe man für alle eine Bali-Gabe, Herr der Vīras. Man spreche Vāk-, Māyā- und Kamalā-[Bīja] und: „Für die Göttin [Name] wird dieses
67.45 Opfer vollzogen. Nehmt diesen Anteil und diese Bali-Gabe an; bleibt hier. Verehrung!“ Danach folgt die unsichere Lautfolge arakta te und huṃ phaṭ svāhā.
67.46 Mit den Mātṛkā-Lauten von a bis kṣa, jeweils mit Bindu, umhülle man [den Körper] vom Kopf bis zu den Füßen in rechtsläufiger Reihenfolge.
67.47 Der vorzügliche Übende umwinde ihn mit dreieinhalb Windungen, mit verschiedenen Duftstoffen, rotem und gewöhnlichem Sandelholz,
67.48 Safran und Aloeholz sowie mit gelbem Faden. Man binde mit verschiedenen Stoffen und mit alkalihaltiger Gelbwurz.
67.49 Man binde mit rotem Faden oder Seidenfaden, Geliebte. [Der Übende sei] frei von Gegensätzen und Ichbezogenheit und von reinen Nāḍīs durchzogen,
67.50 frei von verkehrter Gesinnung, dem Wohl aller Wesen zugewandt, an sämtlichen Gliedern gereinigt und in allen Lehrwerken bewandert.
67.51 Er habe die Weihe empfangen, kenne den Ritus und widme sich Japa und Verehrung. Ein solcher soll auf dem Mṛdvāsana sitzen; andernfalls droht der Text eine Hölle an.
67.52 Wer aus Unwissenheit, Verblendung und Heuchelei [das Sichtbare und Unsichtbare behandelt; die Formulierung ist unklar], gelange in eine schreckliche Hölle und werde zum Piśāca.
67.53 Die völlig Verblendeten stürzen, [erleiden] Krankheit und ein kurzes Leben. [Geeignet sei dagegen, wer] besonders eingeweiht, schriftkundig und den Regeln seiner Überlieferung zugewandt ist,
67.54 wer die Mantras und großen Tantras kennt, in Yantras und Mantras erfahren ist, zur Zügelung und Begnadung fähig ist und sich an den vier Lebenszielen erfreut.
67.55 Er ist ein Vollendeter, der in der Welt Siddhi verleiht, fähig zu Fluch und Gnade. Wer ohne Fähigkeit handelt, dem droht der Text gewiss den Tod an. So ist Mṛdvāsana erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 67. Kapitel namens „Der Mṛdu-Sitz“.
Paṭala 68: Schädel-Sitz und Schädelgefäß
68.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte von der Reinigung des Acūḍaka hören. Śiva sprach: Im Acūḍaka-Sitz sind sämtliche Siddhis gegenwärtig, Göttin.
68.2 Man nehme diesen Sitz und sei mit den fünf Makāras versehen, an einer auf Dienstag fallenden Aṣṭamī, an Caturdaśī, Amāvāsyā oder beim Lichterfest.
68.3 Auch unter einem Kula-Mondhaus [wird] der Acūḍaka-Sitz [vorbereitet], Herrin der Götter. Nach sorgfältigem Schutz der Himmelsrichtungen, Reinigung der Elemente und den weiteren Vorbereitungen, Pārvatī,
68.4 kenne man die Mantras von „Vajrodaka …“ bis „Rakṣa rakṣa“ und vollziehe damit sorgfältig die erstrebte Praxis, Śivā.
68.5 Alles andere geschieht wie zuvor; ebenso beim Komala-Sitz. Nun werde ich den Schädel-Sitz erklären; höre aufmerksam.
68.6 An einer auf Dienstag fallenden Amāvāsyā, an Caturdaśī, dienstags oder samstags, beim Lichterfest, im Phālguna und an der Aṣṭamī-Nacht [beginne man].
68.7 Wenn nach Erfüllung der Vorbereitungen eine Nachtwache vergangen ist, [sei der Übende] in Vīra-Kleidung, mitfühlend, den Verehrern zugetan und sinnenbeherrscht,
68.8 von großer Kraft und Einsicht, beherrscht und in sämtlichen Lehrwerken kundig, mit einem Schwert in der Hand, offenem Haar und rotem Stirnzeichen.
68.9 Der vorzügliche Übende, fest in Hingabe, voll Eifer und seinem Gelübde treu, nehme die Opfergaben und die Ausrüstung der Vīra-Sādhana mit.
68.10 Zuerst bringe er Śivā-Bali dar, dann vollziehe er die Schädel-Sādhana. Die Göttin selbst in Śivā-Gestalt soll dort gewiss Hindernisse beseitigen.
68.11 Andernfalls könnten Götter, Dämonen und Menschen Hindernisse schaffen. Um alle Hindernisse zu beseitigen und Siddhi zu erlangen, rezitiere man die Kartarī-[Formel].
68.12 Man übe auf einem Leichenplatz, in einer Höhle, an einem Fluss oder in einem leeren Haus. Auf einem Leichenplatz gilt dessen besonderes Verfahren, große Herrin.
68.13 Andernorts vollziehe man die gesamte Praxis nach dem Vīra-Verfahren. Unter Mantrarezitation versenke man acht Pflöcke aus Khadira-Holz.
68.14 Mit den Mahāmaṇḍala-Mantras beseitige man alle Hindernisse. Man bringe sorgfältig den Schädel herbei und gebe Pañcagavya darüber.
68.15 Man bade ihn mit Milch, danach mit Saṃvid-Wasser und schließlich sorgfältig mit Wein, Pārvatī.
68.16 Man versehe den Schädel mit Öl, rotem Pigment und Augenschwärze, verehre ihn mit Duftstoffen und Blumen und grabe eine halbe Elle tief.
68.17 Dies ist die Vorschrift für sämtliche Schädel. Höre nun über den auf einen Pfahl gesetzten [Leichnam] und ähnliche Fälle. Man verehre den Pfahl, Göttin, und vollziehe dann das Besteigen.
68.18 „König der Pfähle, überaus Schrecklicher, der allen Wesen Freude bereitet! Gewähre die beabsichtigte Siddhi, diamantener Pfahl, dir sei Verehrung!“
68.19 Man entzünde dort eine Lampe und trenne selbst mit dem Schwert [den Kopf des Leichnams] ab. Nach sorgfältiger Verehrung des Vīra nehme man sogleich den Schädel.
68.20 „Aus Kālīs Schwert hervorgegangen, Verleiher aller Siddhis, Wunschedelstein im Kali-Zeitalter! O durch das Schwert gewonnener Schädel, Verehrung, Verehrung!“
68.21 Für den mit einer Schlinge verbundenen [Verstorbenen] lautet die Formel, mit Praṇava beginnend: „Nāgapāśa, großer Vollendeter, Vetāla, Herr des Himmelswandels,
68.22 mit aufwärts gewandtem Gesicht, von gewaltigem Körper, die Schlinge in der Hand, dir sei Verehrung!“ Nach diesem Gebet nehme man [den Schädel] auf und lasse dort nicht nach.
68.23 Ist der Übende von Furcht ergriffen, spreche er die Schwert-Verehrung aus und rezitiere zweihunderttausendmal nach der Ordnung des Vīra-Weges.
68.24 Die Frucht des so vorbereiteten Schädels seien die acht Siddhis zur Hand. Aus dem geweihten Schädel fertige man Gebetsketten, Gefäße und Ähnliches.
68.25 Höre jetzt sorgfältig die Reinigung der Gefäße, Göttin. Mit dem Mantra aus Indra, dem vorangehenden [Laut] und Bindu reinige man [das Gefäß]. [Die Lautverschlüsselung bleibt unaufgelöst.]
68.26 Mit Dhruva und dem Maṇḍala-Mantra zeichne man einen Erdenbezirk mit Kreis und Feuer-[Dreieck]. Darin verehre man Ādhāra-Śakti, Kūrma und Ananta.
68.27 Die Waffen-[Silbe] mit Raum, Feuer und Śakti, beginnend mit Dhruva: Mit diesem Mantra stelle der Mantrakundige dort die Unterlage auf.
68.28 Darauf verehre man anschließend den Feuerkreis. Mit Krodha- und Vajrāstra-Bīja [werde] die glückbringende Unterlage gereinigt.
68.29 Dann stelle der große Mantrakundige den Mahāśaṅkha, die „große Muschel“ [den Schädelbecher], auf den Sitz. [Die Mantra-Entfaltung nennt] Śivā mit drei langen Vokalen, verbunden mit Kālī und Brahmā,
68.30 den langen [Laut], Śacīpati, Vāyu, Hṛdaya und den letzten Laut Manmathas; Śivā mit drei langen Vokalen und das Wort Nīlā wie zuvor.
68.31 Māyā, den letzten Laut Smaras und Śambhu mit linkem Ohr und Mond; ferner Sarvakāma-Kālarātri und erneut die langen ālaya-Wörter. [Die verschlüsselte Lautfolge ist nicht vollständig eindeutig.]
68.32 Aus den Wörtern sarvādhārāya, sarvārtha und sarvodbhavāya, dann sarvasiddhi und sarvāṅkura [setzt sich die Folge fort].
68.33 Man spreche rudhirāruṇāya, „dem Blutroten“, śubhrāya, „dem Hellen“, surābhājana und āpodevikapālāya. Der Mantra endet mit Hṛdaya. [Die letzten Zusammensetzungen sind unsicher.]
68.34 Mit diesen vier Mantras verehre man den Mahāśaṅkha. Der Mantrakundige rezitiere den „Kern des Tantra“ und [verehre] den Kreis der heiß strahlenden Sonne.
68.35 Mit dem Wurzelmantra fülle der Ritualkundige Wasser ein, das er als Nektar betrachtet. Er gebe Duftstoffe, Blumen und ungebrochenen Reis hinein und zeige dann die Trikhaṇḍa-Mudrā.
68.36 Darin verehre man den Kreis des nektarstrahlenden Mondes, Göttin. [Genannt werden] die Kraft der Rede und die Kraft Ramās, verbunden mit dem Mantra-Vokal. [Bereits der Druck kennzeichnet die Stelle mit einem Fragezeichen.]
68.37 [Die einleitende Lautverschlüsselung malūtatīyaṃ ist unklar.] In Bhairavī, leuchtend durch das Krodha-Bīja: Mit diesem Mantra vergegenwärtige der Mantrakundige [die Gottheit] und rezitiere achthundertmal.
68.38 Man gieße den Nektar der Śakti hinein und zeige die Śaṅkha-Yoni-Mudrā. Alles Übrige geschehe nach dem für das besondere Arghya beschriebenen Verfahren wie zuvor.
68.39 So [wird] nach der genannten Vorschrift das vorzügliche Schädelgefäß [bereitet]. Mit der Arghya-Gabe aus diesem Gefäß vollziehe man die gewünschte Sādhana.
68.40 [Verheißen werden] Wunscherfüllung, Himmelswandeln, Eintritt in einen anderen Körper, Erfüllung des Begehrens, göttliche Sicht, Vetāla- und Pillen-Siddhi,
68.41 Quecksilber-Alchemie, göttliche Verjüngungskunst, Sandalen-Siddhi, Scharen von Yakṣiṇīs, Schwert-Siddhi, Kula-Siddhi, Schlinge und magische Augensalbe,
68.42 ferner Gestalt-Siddhi, großer Disput und Mahākapālinī, Śivā. Durch das Schädel-Arghya soll alles gewiss gelingen, Herrin der Götter. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 68. Kapitel namens „Vorschrift für das Schädelgefäß“.
Paṭala 69: Festmythos von Hoḍā und Vorbereitung von Schädelketten
69.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Erzähle das in zahllosen Lehrwerken verborgene Geheimnis, Herr.
69.2 Śiva sprach: Auch dieses Geheimnis wird erklärt, Herrin der Götter; höre jetzt. [Geeignete Zeiten sind] Kālarātri, Mahārātri und Vīramoha, Pārvatī,
69.3 eine Finsternis, ein Sonnenübergang, ein Samstag oder Dienstag. [Genannt werden] der im Kampf gefallene Vīra, Mahāvīra und der durch eine Schlinge Verstorbene, Geliebte,
69.4 der gepfählte Vīra, der Vīra der Gewandung und Āveśabhairava. An deren Ort [begebe sich] der standhafte Mensch, sämtlichen Mantras zugewandt,
69.5 an Caturdaśī des Lichterfestes oder beim Phālguna-Fest, in Vīra-Gestalt, mit offenem Haar und von den Himmelsrichtungen bekleidet.
69.6 Mit einem roten Stirnzeichen in Kūrca-Gestalt, Wein und Saṃvid darbringend, bereite er die Mittel wie zuvor vor und vollziehe das Aufnehmen des Schädels.
69.7 Er gehe sorgfältig zu dem gepfählten oder durch eine Schlinge verstorbenen Vīra, Herrin der Götter, begleitet von Śiva-Verehrung.
69.8 Nachdem er Śivā sorgfältig verehrt hat, verehre er den Vīra. Wenn das Phālguna-Fest gekommen ist, fertige er eine Fahne in Kāmas Gestalt,
69.9 mit neun Farben, und verehre sie sorgfältig; oder er fertige ein Bild Kāmas und verehre es sorgfältig.
69.10 Einst sah Kāma Śambhu, der ganz der Mantrarezitation hingegeben war. Überaus ungezogen und kindlichem Übermut zugewandt,
69.11 erschuf er die höchst zaubermächtige Dämonin namens Hoḍā, um beim Anbruch des Frühlings die Askese zu stören.
69.12 Durch den Zauber der Dämonin wurden die Götter gequält und schwer beunruhigt. Brahmā hatte Hoḍā zuvor eine Gabe gewährt:
69.13 „Wenn Mahādevas Askese endet, wirst du sterben.“ Nachdem Brahmā diese Gabe gewährt hatte, verschwand er dort.
69.14 Die Dämonin, die Brahmās Gabe empfangen hatte, quälte die Götter. [Der zweite Halbvers ist unsicher und nennt Göttinnen, Gandharvas und Apsaras sowie ihr Umherschweifen.]
69.15 Als die Seher, Götter und Kinnaras diese Dämonin sahen, begaben sich die Götter, Brahmā voran, in die Gegenwart Śrī Viṣṇus.
69.16 Brahmā sprach: Uralter Puruṣa, Herr, Beschützer der Götter! Die Götter werden von Hoḍā gequält; nenne ein Mittel dagegen, Herr.
69.17 Nārāyaṇa sprach: Hört alle, ihr Weisen: Rezitiert den Kāma-Mantra! Śiva sprach: Kāma trat hervor und störte Śambhus Stätte.
69.18 Dort wurde Kāma augenblicklich vom Feuer zu Asche verbrannt. Danach wurde Kāma, [nach der unsicheren Lesung malāditaḥ], in Hoḍās Schoß versetzt.
69.19 Śivas Feuer gelangte dorthin, darauf ausgerichtet, beide zu verbrennen. Kāma wurde darin aufgenommen und erhielt den Namen Anaṅga, „Körperloser“.
69.20 Hoḍā, die übler Rede zugetan war, wich dadurch weit zurück. Beim Lichterfest [findet] das Darbringen von Lampen statt, im Phālguna die Hoḍikā-Verehrung.
69.21 Wer diese beiden nicht vollzieht, dessen sämtliche Handlungen seien fruchtlos – so die Vorschrift. Für alle Wesen, vom Insekt bis zu Brahmā, Pārvatī,
69.22 verändere sich beim Anbruch des Frühlings gewiss der Sinn; durch die Beeinträchtigung seitens Raktamātṛ würden sie leidend.
69.23 Zur Beruhigung dieses Fehlers findet im Phālguna die umfassende Verehrung statt. Man fertige Raktamātā an und werfe verschiedene Holzstöcke [dazu].
69.24 Nach Verehrung mit vierzig Instrumenten feiere man das Fest. Wie das Lichterfest beschrieben ist, so auch das Phālguna-Fest.
69.25 Wie die beiden Navarātris gelten auch diese beiden [Feste]. Beim Lichterfest sind Lampen in verschiedensten Farben und Gestalten vorgesehen.
69.26 Mit verschiedenen Gruppen von acht Duftstoffen umkreise man Hoḍās Feuer, Göttin. Seine Asche streue man auf den Körper und im Haus aus; sie soll Schadenzauber vernichten.
69.27 Man wähle einen der genannten Tage und begebe sich in die Nähe des gepfählten Vīra. Zuerst bringe man Pañcagavya dar, danach Pañcāmṛta.
69.28 [Die anfängliche Verbindung mit Saṃvid ist unklar.] Ferner sämtliche Weinsorten, sämtliche Fleischsorten, verschiedene Fische und allerlei feste und andere Speisen, Pārvatī.
69.29 Man vollziehe ein Bad mit Wein und verschiedene Ausschmückungen. An Füßen und Herz stelle man eine Reihe von Lampen auf, um das rituelle Erwachen zu bewirken. [Der Wortlaut des Versbeginns ist unsicher.]
69.30 Im Phālguna stelle man an seinen Füßen Lampen oder eine Bahulikā [eine nicht näher erklärte Figur] auf, erwecke zunächst den Vīra rituell und verehre danach das Schwert.
69.31 Nachdem man das Schwert vorschriftsmäßig nach der Vārāhī-Saṃhitā verehrt hat, trenne man selbst [den Kopf] vom Vīra-[Leichnam] ab und bringe eine Brahmāṇḍa-Bali-Gabe dar.
69.32 Nachdem man so den Schädel aufgenommen hat, vollziehe man die Schädel-Sādhana auf einem Leichenplatz, am Bergrand, im Wald oder an einer Wegkreuzung.
69.33 Auch an einem einsamen Liṅga oder auf einem Schlachtfeld vollziehe man die Schädel-Sādhana. Man grabe eine Elle tief und vollziehe zuvor den Schutz der Himmelsrichtungen.
69.34 Mit dem gewünschten Ziel [vollziehe man die Verehrung] bis zur Bali-Gabe und danach Japa. Man rezitiere zweihunderttausendmal, begleitet von der vorbereitenden Vollzugspraxis.
69.35 Danach bringe man den Schädel herbei und vollziehe die Sādhana zur unmittelbaren Schau Kālīs, höchste Herrin, versehen mit Augenschwärze.
69.36 Anschließend lasse man Yantra, Gefäß und auch eine Gebetskette anfertigen. Eine Kette aus derart vorbereiteten Schädeln oder Schädelteilen gilt gewiss als wirksam geweiht.
So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören? [Unnummerierter Schlusssatz.]
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 69. Kapitel namens „Vorbereitung der Schädel für die Gebetskette“.
Paṭala 70: Die Nacht der Gebetskette und ihre Mantras
70.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Welches Geheimnis ist es, Herrin der Götter? Nenne es jetzt sogleich.
70.2 Die Göttin sprach: Erkläre mir das Verfahren der Gebetsketten-Nacht, Ozean des Mitgefühls. Śiva sprach: Ich werde das Verfahren der Gebetsketten-Nacht erklären; höre aufmerksam.
70.3 An einem günstigen, reinen Tag mit reinem Mondhaus und weiteren günstigen Bedingungen, Śivā, nehme man die große Gebetskette und bereite das Vīra-Gefäß vor.
70.4 Mit dem Vīra-Mantra reinige man die Vīra-Gebetskette. Man verehre die Göttin mit ihrem Gefolge bis einschließlich der Bali-Gabe, große Herrin.
70.5 Man stelle zehn, zwanzig oder fünfundzwanzig Lampen auf und bringe Bali dar. Für diesen ehrwürdigen Mahāmālā-Mantra, höchste Herrin,
70.6 wird Śrī Mahātārā als Seher und Uṣṇih als Versmaß genannt. Krāṃ ist das Bīja, strīṃ die Śakti; die Formel huṃ phaṭ gilt als Verschluss.
70.7 Die Anwendung betrifft die Reinigung der großen Gebetskette und der Zahnkette. Mit den drei Śaktis vollziehe man die sechs Glieder, die Meditation entsprechend dem Mantra.
70.8 Nachdem man meditiert und sorgfältig den Entschluss gefasst hat, [verwende man] diesen Mantra, Pārvatī: Praṇava, Lajjā, Śrī, Lajjā, Kāma und Kūrca,
70.9 dazu huṃ phaṭ svāhā. Mit diesem Mantra lege man die Kette in den Becher. Darin [rufe man] Kālikā, Kālaśāradā, mit den Einladungsmantras und den weiteren Formeln [herbei].
70.10 Man verehre sie mit ihren Waffen und ihrem Gefolge, höchste Herrin. Den Wurzelmantra ehrend und des Dritten gedenkend, [mache man die Flüssigkeit] durch die Kuh-Mudrā
70.11 zu Nektar und umhülle sie mit dem Kavaca, große Herrin. Mit der großen Mudrā vergegenwärtige man die Gestalt der Göttin.
70.12 Man meditiere und gebe einen Tropfen hinein. Höre die dazugehörigen Mantras, Geliebte: Praṇava, zweimal Kūrca, svāhā; Praṇava und Kūrca,
70.13 die Gattin des Feuers [svāhā]; Tārā und Astra, svāhā und die als vipaṃ gedruckte Silbe; Tārā und svāhā; Tārā, Lajjā und Kūrca,
70.14 svāhā; dann Tārā, Lajjā, phaṭ und svāhā. [Der Ausdruck dvitriśvatkulikā ist unsicher.] Die Mantrakette wird einzeln und als Ganzes [verwendet].
70.15 Mit hundertfacher Meditation und Mantra vollziehe man das Einträufeln. Mit Moschus, Safran, Kampfer und Aloeholz als Räucherstoffen
70.16 verehre man die Kette mit Räucherwerk und bespreche sie mit der Vidyā: Praṇava, Māyā und „Śrī Mahāvajriṇī“,
70.17 danach „Mahāghorarūpe, Karkaśe“ – „O du von sehr schrecklicher Gestalt, Raue!“ –, dann „Mahāsthimaṇḍale praviśa“: „Tritt in den großen Knochenkreis ein!“
70.18 „Gewähre alle Siddhis!“ [Es folgen] Praṇava, Kūrca-Bīja, zweimal Māyā, svāhā und „Mahākapālinī“,
70.19 danach „Mahāghorarūpe, svāhā“, mit Praṇava und Māyā; Māyā, Kūrca, Astra und abschließend svāhā. Dies ist die Vidyā zum Besprechen.
70.20 Man verehre mit Dūrvā-Gras und ungebrochenem Reis und vollziehe mit Kāma-[Bīja] das Entfachen. Mit den Darbringungen und dem Wurzelmantra verehre man die Mātṛkā.
70.21 Nach dem Entfachen umhülle man [die Kette] mit huṃ. Mit folgender [Formel] bringe man Bali dar: Tārā und zweimal Māyā,
70.22 Vāsudeva mit Bindu, umschlossen von Kūrca; Kūrca, Tārā, phaṭ und Kūrca, danach zweimal Praṇava,
70.23 Kūrca-Bīja, svāhā, Praṇava und Kūrca-Bījas; am Ende des Wortes „Mahāyogini“ folge „Tribhuvanatāriṇi“, „Retterin der drei Welten“.
70.24 „In der großen Muschel-Knochenkette nimm Wohnung, nimm Wohnung! Gewähre alle Siddhis!“ Dann folgen die Wörter für Wein
70.25 und Fleischgaben, zweimal „Nimm an“ und zweimal „Lass annehmen“, Kullukā, phaṭ und svāhā. Mit diesem Mantra, Pārvatī,
70.26 bringe man vorschriftsmäßig eine angemessene Bali-Gabe dar. Fünf Tage lang lasse man die Kette mit den fünf Stoffen liegen; am fünften
70.27 vollziehe man das Verfahren der Gebetsketten-Nacht. Dadurch werde die Kette wirksam geweiht. Man bewahre sie verborgen auf; das Verfahren der Gebetskette ist geheim.
70.28 Höre die Besonderheit der Zahnkette, Göttin, Pārvatī. Man spreche Praṇava, „huṃ Bhagavati“ und „Mālārañjini“.
70.29 Man spreche „vicce, viccabalocca, haravicce“, dann „mālāvicce, mālādhāriṇi“ und „harahṛt“. [Die Klangfolge enthält unsichere, nicht semantisch auflösbare Lesungen.]
70.30 Man spreche „hasa vūṃ, śaṅkhāsthidhāriṇi“, „Trägerin der Muschelknochen“, und „karkaśāsthi mahāmālā vāsini“, „Bewohnerin der großen Kette aus rauen Knochen“.
70.31 „Klinne, Tāre, Kālike“, dann „Japamālikā, Kullukī, phaṭ“ und „mahādantamālāmadhye“, „inmitten der großen Zahnkette“;
70.32 danach „nivāsaṃ kuru kuru“, „Nimm Wohnung, nimm Wohnung“, und „Rājendramālikā“; dreimal „vāsini“, dreimal krāṃ und zweimal huṃ,
70.33 zweimal Māyā und phaṭ svāhā; mit dem Ketten-Mantra huṃ phaṭ. Nun werde ich den Mantra der Bali-Gabe erklären; höre aufmerksam.
70.34 Praṇava, das Wort „karkaśa“, dann „maṇḍalam ambike“, „mālini, kolini, gauri, gāndhāri“;
70.35 „girije, māyāvati, kriyāvati“, danach „gāyatrī, gānapriye, śāṅkari, kālike“;
70.36 „asilatādhāriṇi“, „Trägerin der Schwertklinge“, danach „jātavedase“, „śrīkālakālī“ und „muṇḍāni, rudrāṇi“;
70.37 „imaṃ baliṃ gṛha gṛha“, „Nimm diese Gabe an, nimm sie an!“, und „mālāsiddhiṃ dehi“, „Gewähre die Vollendung der Kette!“, zweimal „dāpaya“, dazu krāṃ phaṭ svāhā.
70.38 Mit diesem [Mantra] bringe man Bali dar; anschließend erfolgt das rituelle Erwecken. [Genannt werden] Schädelruß und der doppelte Fußruß.
70.39 Wisse, Pārvatī: Dieser Ruß heißt Viśvamohana, „Verblendung der Welt“. Die Asche an seinen Füßen, die vom Phālguna-Fest stammt,
70.40 ist auf Erden unter dem Namen Jagaddhūli, „Weltenstaub“, bekannt. Mit diesem Mantra nehme man den als Udbhrāntadhūli bezeichneten Staub auf.
70.41 Man gebe ihn an Śambhus Bild, an Körper und Haus, Bett, Speise und Wasser, höchste Herrin. Er wird Udbhrānta-Staub genannt. [Historische Ritualvorschrift, keine Anwendungsempfehlung.]
70.42 Durch Udbhrānta-Staub sollen die drei Welten ergriffen werden, Herrin der Götter. Wie die beiden Finsternisse gelten auch die beiden Feste.
70.43 Man prüfe dabei nicht die Reinheit oder Unreinheit von Mondhaus, Tierkreiszeichen und Wochentag. Man spreche Kāma-Bīja und die drei [Laute] hlīṃ, hlīṃ, phaṭ.
70.44 „Siddhe, jagaddhūlisiddhiṃ dehi svāhā“ – „Vollendete, gewähre die Siddhi des Weltenstaubs, svāhā!“ – gilt als Mantra. Mit diesem Mantra nehme man den vorzüglichen Udbhrānti-Staub auf.
70.45 Die Vollendung der Gebetskette werde gewiss zur Vollendung aller Siddhis; daran sei kein Zweifel. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 70. Kapitel namens „Vorschrift zur Reinigung der großen Gebetskette“.
Paṭala 71: Tiergestalten und Materialien der Einweihungssitze
71.1 Die Göttin sprach: Herr der Götter, ich möchte das Geheimste der Geheimnisse hören. Śiva sprach: Höre, Herrin der Götter; ich werde das höchste, vorzügliche Geheimnis erklären.
71.2 Für Eingeweihte, Vollendete und Angehörige der Cīna-[Überlieferung], höchste Herrin, sowie für diejenigen, die göttliche Sāmrājya-, Medhā- und weitere Einweihungen empfangen haben, Geliebte,
71.3 werden die Sitze erklärt, große Herrin. [Ihre Füße tragen Gestalten von] Löwe, Elefant, Pferd, Haṃsa, Falke, Tiger und Śarabha,
71.4 Kṣemaṅkarī, Schlange, Seka, Frosch und Schildkröte. Man setze sie einzeln, paarweise oder zu dritt an die Stellen der Füße. [Seka ist eine nicht eindeutig bestimmbare Gestaltbezeichnung.]
71.5 So werden die Sitze beschrieben, auch solche aus acht Metallen, aus verschiedenen Hölzern und aus duftenden Hölzern.
71.6 Eisen wird für Tötungszauber, Kupfer für höchste Befriedung, Blei für Lähmung und [Zinn] für Entzweiung genannt. [„Zinn“ steht bereits im Druck in Ergänzungsklammern.]
71.7 Silber dient der Erlangung von Herrschaft und Ähnlichem, Gold der höchsten Erfüllung aller Ziele; Bronze der Verblendung von Frauen, Messing dem Erfolg magischer Handlungen.
71.8 Khadira-Holz dient der Vernichtung von Feinden, Sandelholz sämtlichen Praktiken; rotes Holz der Unterwerfung, gelbes der höchsten Lähmung.
71.9 Schwarzes Holz wird für Tötungszauber genannt, Palāśa für das Gelingen von Vorhaben, Pippala für sämtliche Wünsche und der Banyanbaum für die Erlangung eines Sohnes.
71.10 Udumbara-Holz [dient] der Vertreibung von Geistern, rotes [Holz] der Schau der Göttin. Je nach Farbe erlange man die dieser Farbe entsprechende Frucht, Göttin.
71.11 [Der Sitz misst] eine oder zwei Ellen und entsprechend in der Länge; seine Höhe beträgt eine halbe Elle oder eine Spanne, große Herrin.
71.12 Mit unterschiedlichen [Formen] im Kullukā-Zwischenraum wird der Sitz beschrieben. Die Anordnung richte man so ein, dass ein angemessener Sitz möglich ist. [Der erste Halbvers ist unsicher.]
71.13 Es gibt vierundachtzig Sitze und die durch besondere Bezeichnungen bestimmten Sitze. Der Löwensitz dient königlicher Siddhi, der Elefantensitz allen Siddhis.
71.14 Der Pferdesitz soll die gewünschten Ziele gewähren, der Haṃsa-Sitz alle Zwecke erfüllen; der Falkensitz dient dem Vertreiben, der Tigersitz der Erfüllung des Herzenswunsches.
71.15 Der Śarabha-Sitz dient der Erlangung der Gottheit, Kṣemaṅkarī großem Aufstieg, die Schlange der Feindvernichtung; beim Seka werde man Herr der Erde.
71.16 Der Froschsitz dient der Erfüllung aller Wünsche, beim Schildkrötensitz werde man Herr des Reichtums. Die Katze [steht für] Vernichtung von Täuschung, der Mungo für Beseitigung von Gift.
71.17 Die Taube [verleihe] Reichtum, das Cakora-Huhn vertreibe Übel; der Kranich ermögliche Metall-Alchemie, der Baum reichen Besitz.
71.18 Beim Reiher wird Lähmung genannt, beim Hasen Feindvernichtung. Bei Verehrung, Japa, Homa, ritueller Reinigung und Tarpana
71.19 gilt jeweils dieselbe zuvor beschriebene Frucht, Göttin. Es ist das Geheimste der Geheimnisse, das Geheimste der Geheimnisse.
71.20 Dieses Geheimste der Geheimnisse soll sorgfältig verborgen bleiben. Es soll verborgen bleiben, verborgen bleiben, verborgen bleiben, große Herrin.
71.21 Man bewahre es sorgfältig geheim wie den eigenen verborgenen Schoß. So ist es in Kürze erklärt. Was möchtest du noch hören?
Kolophon: So endet im ehrwürdigen großen König der Tantras, dem Śaktisaṅgama, im hinteren Teil, im zweiten Khaṇḍa, im Gespräch des ehrwürdigen Akṣobhya mit Mahogratārā das 71. Kapitel namens „Bestimmung der Einweihungssitze“.
Damit endet das Tārākhaṇḍa.
Das Tarakhanda in einfachen Worten
Tārā heißt die Retterin. In diesem Khaṇḍa steht sie im Mittelpunkt eines weit verzweigten Netzes von Göttinnen, Lehrern und Ritualwegen. Sampradāya bedeutet Überlieferungsrichtung, Āmnāya einen heiligen Überlieferungsstrom. Dīkṣā ist Einweihung; Abhiṣeka bezeichnet eine Weihe, die hier in zahlreichen Stufen beschrieben wird. Der Text führt diese Vielfalt nicht auf eine einzige äußere Methode zurück. Er sucht zugleich eine innere Einheit von Guru, Mantra und Gottheit.
Bhāvanā meint das innere Vergegenwärtigen. Es ist mehr als beiläufiges Vorstellen: Der Übende soll das Erkannte im Bewusstsein gegenwärtig halten. Darum lässt Kapitel 21 Bad und Verehrung im Geist geschehen; Kapitel 26 verbindet Guru, Gottheit und Mantra zu einer Lichtgestalt. Kapitel 32 deutet die fünf Ritualmittel durch Kundalini, Sushumna und die Erfahrung gleicher Wesensnatur. Samarasya bezeichnet dieses Einswerden jenseits gegensätzlicher Zuordnungen.
Die vielen Erfolgsaussagen, Zahlen und außergewöhnlichen Fähigkeiten gehören zur religiösen Sprache dieses Werkes. Sie lassen sich nicht als überprüfte Wirkungsversprechen übernehmen. Für heutige Yoga-Aspiranten bleibt besonders die Frage fruchtbar, ob äußere Handlung und innere Aufmerksamkeit zusammenfinden. Vamachara und Dakshinachara sind dabei historische Ordnungen mit eigenen Voraussetzungen; ihre Unterschiede werden durch eine heutige symbolische Deutung nicht aufgehoben.
Kapitel 48–57 behandeln rituelle Sitze, Yantras und Gebetsketten. Kapitel 58 verbindet Fragen der Einweihung von Frauen mit der Einheit von Kālī und Sundarī. Kapitel 61 stellt Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und göttliche Macht als vier tragende Säulen der Erde dar (61.99–106). Die Schlusskapitel widmen sich der Wiederherstellung und Weihe von Ritualgegenständen, historischen Leichnam- und Schädelritualen sowie Einweihungssitzen. Diese Inhalte sind von den heutigen Anregungen zu unterscheiden.
Vier Schlüsselverse zum vertieften Lesen
Geistige Verehrung: 21.22
snānādi mānasaṃ śaucaṃ mānasaḥ pravaro japaḥ |
pūjanaṃ mānasaṃ divyaṃ mānasaṃ tarpaṇādikam || 22 ||
Bad und andere Reinigungen geschehen im Geist; die vorzüglichste Rezitation ist geistig. Die göttliche Verehrung ist geistig, ebenso das Laben und die übrigen Handlungen.
Der Vers steht innerhalb der Mahācīna-Abfolge. Er zeigt eine innere Dimension des Rituals, ohne sämtliche anderen Ritualordnungen des Werkes zu ersetzen.
Guru, Gottheit und Mantra: 26.6
gurudaivatamantrāṇāmaikyaṃ saṃbhāvayan dhiyā |
tritejastvekīkṛtyā’tha tatra mūrti prakalpayet || 6 ||
Man vergegenwärtige im Geist die Einheit von Guru, Gottheit und Mantra. Nachdem man die drei Lichtkräfte vereint hat, bilde man darin die Gestalt.
Hier verbindet Mantra Yoga Klang, Überlieferung und Betrachtung. Die folgende Passage führt die Identifizierung weiter bis zum eigenen Selbst.
Śiva und Śakti: 43.25
śaktyā vinā śive sūkṣme nāma dhāma na vidyate |
śivaṃ vinā citkalāyāṃ na kalātvaṃ kvacidbhavet || 25 ||
Ohne Śakti besitzt der feine Śiva weder Namen noch Erscheinungsort. Ohne Śiva kommt der Bewusstseinskraft nirgends der Charakter einer Kalā zu.
Śiva und Śakti werden wechselseitig aufeinander bezogen. Der folgende Vers erläutert dies mit Samen und Spross. Eine heutige Meditation kann daran die Untrennbarkeit von bewusstem Gewahrsein und erscheinender Lebensfülle betrachten; diese Formulierung ist eine heutige Deutung.
Einheit vergegenwärtigen: 58.3
aikyasambhāvanāddevi devatvamupajāyate |
mantrarūpo bhaveddevo devarūpo guruḥ smṛtaḥ || 3 ||
Durch das Vergegenwärtigen der Einheit entsteht Göttlichkeit, Göttin. Die Gottheit besitzt Mantragestalt; der Guru gilt als Gestalt der Gottheit.
Die folgenden Verse beziehen auch das Selbst in diese Einheit ein. Der Abschnitt steht innerhalb der Diskussion über die Einweihung von Frauen und lässt sich nicht auf eine bloße Technik der Rezitation verkürzen.
Ein Zugang für die heutige Praxis

Die Unterscheidung der zahlreichen Überlieferungswege fordert zu genauer Lektüre auf. „Kādi“ und „Hādi“ bedeuten im ersten Kapitel mehr als lediglich den ersten Laut einer Formel. Das Werk erläutert selbst, dass ein mit ka beginnender Mantra nicht schon deshalb seiner Kādi-Lehre angehört (1.133–137). Für heutige Leser liegt darin eine einfache Anregung: Begriffe und Rezitationen aus ihrem Zusammenhang verstehen, statt sie vorschnell gleichzusetzen.
Vers 3.24 bezeichnet Kālikā als nirguṇā citsvarūpiṇī, eigenschaftslos und von der Gestalt des Bewusstseins. Eine heutige Meditation kann diesen Gedanken aufgreifen: Nach einer vertrauten Rezitation still werden und bemerken, dass Gedanken und Empfindungen wahrgenommen werden. Dies ist eine heutige Praxisanregung und keine zusätzliche Ritualvorschrift des Sanskrittextes.
Zur Verbindung von Klang und Hingabe in heutiger Praxis:
Quellen und Textgrundlage
Ergänzungen des Sanskrit-Grundtextes: Band II, Gaekwad’s Oriental Series 91, Baroda 1941, Druckseiten 90–93 (18.44–100) und 183–271 (Kapitel 48–71), nach dem Scan der Druckausgabe. Druckseiten 238, 242 und 245 nach zweitem Scan derselben Ausgabe. Variantenapparat und moderne Kommentare sind nicht Bestandteil des Lesetextes.
- Muktabodha Indological Research Institute: śaktisaṃgamatantra tārākhanda, Katalog M00119, IAST- und Devanagari-Transkription unter Leitung von Mark Dyczkowski.
- Die Dateimetadaten nennen Benoytosh Bhattacharyya als Herausgeber und 1941 als Erscheinungsjahr der Textvorlage.
- Die elektronische Textgrundlage nennt Creative Commons BY-NC 4.0. Quellen- und Lizenzangabe sind bei der Weitergabe zu beachten.
- Ergänzung 18.44–100: Benoytosh Bhattacharyya (Hrsg.), Śaktisaṅgama Tantra, Band II, Tārākhaṇḍa, Gaekwad’s Oriental Series 91, Baroda 1941, S. 90–93; vollständiger Scan. Eigene Transkription und Übersetzung des Grundtextes.
- Die Übersetzung ist keine kritische Neuedition. Die Zahlensysteme und Göttinnenlisten des ersten Kapitels enthalten Unstimmigkeiten; Kapitel 3 weist ausdrücklich markierte Textlücken auf. Unsicherheiten werden nicht durch erfundene Sanskritlesungen geschlossen.
Siehe auch
- Shaktisangama Tantra
- Shaktisangama Tantra Kalikhanda
- Shaktisangama Tantra Tarakhanda
- Shaktisangama Tantra Sundarikhanda
- Shaktisangama Tantra Chinnamastakhanda
- Shaktisangama Tantra 108 Inspirierende Verse und Mantras
- Kularnava Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Prapanchasara Tantra
- Sharada Tilaka Tantra
- Rudrayamala Tantra
- Tara Tantra
Seminare
Kundalini Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…- Arjuna Wingen
- 13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Manuel Hirning
Bhakti Yoga
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar
Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.- Alisa Yakhontova
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
Mit dem Text weitergehen
Das Tārākhaṇḍa ist weit und vielgestaltig. Sein roter Faden lässt sich dennoch immer wieder aufnehmen: Tārā erscheint als rettende Kraft, während Guru, Mantra, Śakti und innere Vergegenwärtigung den Weg vom äußeren Ritual zur bewussten Erfahrung öffnen. Wer nicht alles auf einmal verstehen will, findet gerade darin einen guten Zugang.
Für die eigene Meditation kann ein einzelner Vers über geistige Verehrung, Śiva und Śakti oder die Einheit von Gottheit und Bewusstsein genügen. Die Lektüre wird so zu einem ruhigen Studium, das historische Besonderheiten respektiert und zugleich das Wesentliche für heutiges Yoga sucht. Vergleiche dazu auch Tara Tantra, Kularnava Tantra und Jnanarnava Tantra.