Ishanashivagurudeva Paddhati Rituale Teil 1
Ishanashivagurudeva Paddhati Rituale Teil 1 ist Teil des Handbuchs Ishanashivagurudeva Paddhati Rituale und behandelt Grundlagen, tägliche Pūjā, Mudrā, Maṇḍala, Vorbereitung und Feuerhandlung.
Das Īśānāśivagurudeva Paddhati ist ein umfassendes Śaiva-Kompendium. Sein Kriyāpāda ist ein außergewöhnlich detailliertes Handbuch von täglicher Reinigung und Pūjā über Dīkṣā, Homa, Tempelbau und Pratiṣṭhā bis zu Festen, Sühne und Erneuerung.

Praxis-Hinweis
Die Kapitel sind so wiedergegeben, dass die rituelle Reihenfolge nachvollzogen werden kann. Viele Verfahren setzen jedoch Ācārya-Ausbildung, Dīkṣā, genaue Maßkunde und Kenntnis der zugehörigen Mantras voraus. Unklare Quellstellen werden nicht durch moderne Standardrituale ersetzt.
Für die heutige Einordnung kann die historische Ritualpraxis auch im Zusammenhang mit Yoga und Meditation betrachtet werden, ohne die Eigenart der traditionellen Kriyā zu verwischen.
Kriyapada Kapitel 1–15
Kapitel 1: Shiva, Offenbarung und die Grundprinzipien der Welt
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 1: Shiva, Offenbarung und die Grundprinzipien der Welt
Der dritte Werkteil beginnt mit der philosophischen Grundlage der rituellen Praxis. Er begründet Shiva als höchsten Urheber, unterscheidet seine ursprüngliche Reinheit von der Befreiung einzelner Seelen und ordnet Veden, Agamas und weitere Wissensgebiete ein. In Auseinandersetzung mit anderen indischen Schulen entfaltet er die Lehre von den Tattvas, den Grundprinzipien der Wirklichkeit. Die teils scharfen Urteile über andere Traditionen sind die historische Stimme des Autors.
Werkteileingang. Heil! Ishanashivagurudeva Paddhati, verfasst vom ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Mishra. Der dritte Werkteil: Kriyapada.
Kapiteleingang. Nun das erste Kapitel.
Kriyapada 1-1. Zuerst verneigen wir uns vor Shiva, Shakti und dem Herrn der Scharen mit Adesha, ebenso vor der reinen Erkenntnis und Vani. Dann legen wir den höchsten Dharma dar. [Hinweis: „Adesha“ ist als Begleiterbezeichnung hier nicht eindeutig; der Name wird nicht ergänzt oder ersetzt.]
Kriyapada 1-2. In der ersten Hälfte, im Samanya- und Mantrapada, wurden die allgemeinen Verfahren für Dharma, Wohlergehen und gewünschte Ziele gezeigt. Nun wird das Verbleibende ausführlich erklärt.
Kriyapada 1-3. Wer den höchsten Dharma kennt, erlangt durch das Entstehen sichtbarer und unsichtbarer Früchte sowohl Erfahrungen des Genusses als auch Befreiung. Der Gegenstand dieses Dharma ist der höchste Herr.
Kriyapada 1-4. Aus dem Vaisheshika-Sutra, das mit „Nun also der Dharma“ beginnt, wird als Zweck des Dharma Befreiung und großes Gedeihen gelehrt.
Kriyapada 1-5. Viele Arten des Dharma sind bekannt, von den jeweiligen Agamas vorgeschrieben. Doch gelten sie nicht als höchster Dharma; höchster Dharma ist, was Shiva gelehrt hat.
Kriyapada 1-6. Die Lehre, die Shiva ausgesprochen hat – frei von Veränderungen durch Maya, rein, makellos und Urheber aller Dinge –, ist in jeder Hinsicht die höchste.
Kriyapada 1-7. Denn er ist die Ursache der gesamten hervorgebrachten Welt, von Maya bis zur Erde. Shiva ist Schöpfer und Umgestalter; er ist durch die drei Erkenntnismittel zugänglich.
Kriyapada 1-8. Diese Welt besteht aus Teilen und gilt als Werk eines bewussten Urhebers, weil sie hervorgebracht ist. Alles, was so beschaffen ist, verhält sich wie ein Topf, ein Tuch und ähnliche Dinge.
Kriyapada 1-9. So wird es auch hier gelehrt; daher ist die genannte Schlussfolgerung zweifellos begründet: Es gibt einen einzigen Urheber, Shiva, der von den anderen verschieden ist.
Kriyapada 1-10. Er ist durch unmittelbare Wahrnehmung der Yogis, durch Schlussfolgerung und durch Offenbarung erwiesen. Doch wie soll seine Verschiedenheit von allen anderen begründet werden?
Kriyapada 1-11. Shiva ist von anderen verschieden, weil er anfangslos und makellos ist, während alle anderen mit Unreinheit verbunden sind. Was von sich aus rein ist,
Kriyapada 1-12. unterscheidet sich von ihnen, wie Gold von Kupfer und anderen Metallen. So wird dies als begründet gelehrt. Auch im Kirana heißt es:
Kriyapada 1-13. „Durch die anfangslose Verbindung mit Unreinheit ist die begrenzte Seele unrein. Weil Shiva anfangslos von Unreinheit frei ist, steht seine Reinheit fest.“
Unnummerierter Kommentar nach Kriyapada 1-13: Ramakantha. So lautet das Zitat. Auch Ramakantha sagt: „Jener reine Shiva weiß alles und tut alles; der unreine Atman dagegen weiß nur wenig. Das Wesen Shivas und das Wesen des Atman sind entsprechend rein und unrein, frei von Unreinheit und mit ihr verbunden.“ [Hinweis: Die Verbindung der beiden Wesensbestimmungen ist in der Quelle mit einer Lesungsfrage versehen.]
Unnummerierte Zitate: Lambita. Auch im ehrwürdigen Lambita: „Es gab einen einzigen Shiva, den Geistigen, der von den anderen verschieden ist.“ Und: „Darum gelten die einzelnen Seelen als anfangslos mit Unreinheit verbunden.“
Kriyapada 1-14. Allein Maheshvara ist anfangslos makellos und rein. Wenn aber nur Shiva rein und dadurch von allen anderen verschieden ist,
Kriyapada 1-15. wie können dann Vidyeshvaras als reine Bewohner von Shivas Bereich gelten? Du selbst lehrst doch die Befreiung von Unreinheit durch Shiva-Diksha.
Kriyapada 1-16. Wenn im Shaiva-Agama der Shiva-Zustand der Eingeweihten feststeht, dann gibt es diese Shiva gleichen Seelen doch zusätzlich zu Shiva.
Kriyapada 1-17. Daher scheint Shivas Verschiedenheit von allen anderen unbegründet. Darauf lautet die Antwort: Vor der Nirvana-Diksha waren sie unrein;
Kriyapada 1-18. erst nach der Einweihung sind sie rein und ihr Shiva-Zustand wird offenbar. Ihr Shiva-Zustand entsteht durch Shivas Gnade und hat deshalb einen Anfang.
Kriyapada 1-19. Shiva dagegen besitzt seinen Shiva-Zustand ohne Anfang, schenkt anderen begrenzten Seelen Gnade und ist unabhängig. Darum ist er auch von diesen verschieden.
Kriyapada 1-20. Hier lehren die großen Vertreter des Vedanta die Nichtzweiheit der Seelen: „Brahman ist nur eines, ohne ein Zweites.“ Wie könnte es dann andere Seelen geben?
Kriyapada 1-21. Wo kein Unterschied begründet werden kann, wie soll Shiva verschieden sein? Wenn es kein Dorf gibt, wo wäre seine Grenze? Wem sollte Shiva Gnade erweisen?
Kriyapada 1-22. Wenn solche Aussagen ihrer Vertreter ein gültiges Erkenntnismittel besitzen, ergibt sich Zweiheit; wenn nicht, sind sie ohne gültigen Erkenntnisgrund.
Kriyapada 1-23. Auf jede ihrer Aussagen wird mit der jeweils folgenden geantwortet. Kurz gesagt: Durch die Behauptung der Nichtzweiheit selbst wird Zweiheit vorausgesetzt.
Kriyapada 1-24. Nur wenn es Brahmanen und dergleichen gibt, kann man von Nichtbrahmanen und dergleichen sprechen. Die Annahme von Bindung und Befreiung widerspricht ihrer Auffassung.
Kriyapada 1-25. Wenn alles das eine Brahman ist, gibt es keine Gebundenen. Alle wären bereits befreit; welchen Nutzen hätten dann Hören und die weiteren Übungen?
Kriyapada 1-26. Das Aufsuchen eines Lehrers wäre vergeblich; wem könnte man sich als einem anderen verneigen? Auch die Unterscheidung zwischen Erkennendem und Erkanntem und die Erkenntnis selbst wären ohne Sinn.
Kriyapada 1-27. Solche Unterschiede werden auch im Vedanta anerkannt. Darum gelten Zweiheit und das Besitzen von Eigenschaften durch den Atman als begründet.
Kriyapada 1-28. Was bedarf es vieler weiterer Worte? Es gibt doch Unwissenheit, Dunkelheit oder Maya, die der Befreiungssuchende ablegen muss und die vom Befreienden verschieden ist.
Kriyapada 1-29. Die Shruti sagt: „Wer Brahman kennt, erlangt das Höchste.“ Wer Brahman nicht kennt, erlangt es nicht. Daher ist der Unterschied durch ein gültiges Erkenntnismittel begründet.
Kriyapada 1-30. Weil ein Grund für die Einzigkeit des Atman fehlt, werden ebenso die Buddhisten zurückgewiesen, die Leere beziehungsweise Nichtbestehen eines Selbst lehren und nach Auffassung des Textes durch einen Irrtum des Denkens fehlgehen. [Hinweis: Dies ist eine polemische Fremddarstellung, keine neutrale Zusammenfassung buddhistischer Philosophie.]
Kriyapada 1-31. Eine von einem bewussten Wesen ausgeführte Handlung bringt eine zu bewirkende Frucht hervor. Erkenntnis sei dagegen ohne ursächliche Bedeutung – so wird die Position derer angesprochen, die die Frucht allein aus der Handlung erklären. [Hinweis: Die Satzverbindung und „ahaituka“ sind hier knapp und mehrdeutig.]
Kriyapada 1-32. Eine solche Handlung wäre augenblicklich, abhängig und unbewusst. Ohne eine bewusste Ursache könnte sie ihre Frucht nicht zustande bringen.
Kriyapada 1-33. Da bei ihnen durch unbewusste Mantras und eine solche Handlung dennoch die Frucht des Rituals erreicht wird, muss als Urheber der wissende Shiva erkannt werden.
Kriyapada 1-34. Auch die Auffassung, die aus den Gunas bestehende unentfaltete Prakriti sei die stoffliche Ursache der Welt, genügt nicht: Wie ein Lehmklumpen von sich aus keinen Topf hervorbringt, ist sie allein keine ausreichende Ursache.
Kriyapada 1-35. „Der eine Ungeborene liegt bei ihr und genießt sie“ – auch aus solchen Worten folgt: Über dem in Prakriti versunkenen Geistigen steht Maheshvara.
Kriyapada 1-36. Darum sollen auch die Sankhya-Anhänger Maheshvara suchen. Weil Elemente, Körper und die Gruppe der Sinne unbewusst sind,
Kriyapada 1-37. sollen die Charvakas ihren Stolz ablegen und anerkennen, dass diese nicht der Atman sind. Elemente und Sinne sind auch im toten Körper vorhanden; daher muss ein anderer
Kriyapada 1-38. Atman gesucht werden. Ebenso sind seine mangelnde Unabhängigkeit und das Bestehen einer unsichtbaren Wirkkraft anzuerkennen, etwa angesichts der Planeten und der Sonne.
Kriyapada 1-39. Deren bewusste Ursache, Maheshvara, ist zu suchen. Die Jainas lehren einen Atman von Körpergröße und bestimmen ihn als ewig und nicht ewig.
Kriyapada 1-40. Ihr großer Seher ist entsprechend beschaffen; durch Gewaltlosigkeit und weitere Askese erlangt er nach ihrer Auffassung den Arhat-Zustand.
Kriyapada 1-41. Auch dieser Zustand hat einen Anfang, und der Betreffende ist von Askese abhängig. Ein anderer ist der Spender ihrer Frucht. Darum sollen sie Missgunst ablegen
Kriyapada 1-42. und den unabhängigen, anfangslosen Urheber Maheshvara suchen. Die Vertreter anderer Lehren, deren Einwände durch solche Erörterungen zurückgewiesen werden,
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 1-43. sollen zum eigenen Heil Shiva verehren.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über das Bestehen Shivas.
Kriyapada 1-43. Shiva erweist der Welt durch höhere und niedere Agamas, die aus seinem eigenen Mund hervorgehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-43. Gnade, damit Erfahrung und Befreiung zustande kommen.
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Um die fortgesetzte Unreinheit des Atman und seinen gebundenen Zustand aufzuheben und seinen Shiva-Zustand offenbar zu machen, geht Erkenntnis von Shiva aus. Obwohl sie eine ist und aus Shivas Lotusmund entsteht, nimmt sie aufgrund der Verschiedenheit ihrer Gegenstände die Unterscheidung in höhere und niedere Erkenntnis an.“
Kriyapada 1-44. Durch die höheren göttlichen Agamas, die Shaiva-Lehre und die verwandten Lehren, die von den Fesseln befreien,
Kriyapada 1-45. besondere Erfahrungen, Herrlichkeit und den Shiva-Zustand als Frucht verleihen, ebenso durch die niederen Agamas, Veden und andere, die aus seinem Mund hervorgehen,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-45. wird das Wissen der gebundenen Seelen erschlossen, damit Himmel und weitere Früchte erreicht werden.
Unnummerierter Kommentar: Sadyojyotis. „Durch das höhere, mit Kamika beginnende Wissen wird eine Form des Shiva-Wissens vermittelt; durch das niedere, mit dem Veda beginnende Wissen eine Form des Wissens gebundener Seelen.“ So Sadyojyotis.
Kriyapada 1-46. Zuerst ging das Shaiva genannte Tantra aus Shivas Mund hervor.
Kriyapada 1-47. Es heißt reines Shaiva, weil es auf den reinen Tattvas beruht. Doch wie kann Shiva, der ohne Teile ist, Agamas aussprechen, die aus Sätzen und anderen Gliedern bestehen?
Kriyapada 1-48. Auf diesen Einwand wird erwidert: Auch der Raum wird als durch Klang gekennzeichnet erkannt. Der teillose Shiva, dessen Wesen Mantra ist, nimmt einen Erkenntniskörper an
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-48. und lässt zu Beginn der Schöpfung aus seinem Mund die Agamas hervorgehen, die ihn selbst zum Gegenstand haben.
Unnummeriertes Zitat: Kirana. „Um den Seelen Gnade zu erweisen, tritt der Höchste in eine niedere Erscheinungsweise ein. Er schafft einen Körper aus Mantra und lehrt die Tantras in vielfältiger Weise.“
Kriyapada 1-49. Die ersten Unterteilungen des Shaiva-Agama beginnen mit Kamika; danach folgen achtzehn Unterteilungen, beginnend mit Vijaya.
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Das eine Shiva-Wissen wird zuerst zehnfach geteilt, dann nochmals achtzehnfach und breitet sich in weitere Unterteilungen aus.“
Unnummerierte vollständige Schriftliste. Nämlich: Kamika, Yogaja, Achintya, Karana, Ajita, Dipta, Sukshma, Sahasra, Amshuman und Suprabhedaka. Diese zehn Tantras werden der Reihe nach Shiva-Unterteilungen genannt. Vijaya, Nihshvasa, Prodgita, Parameshvara, Agneya, Mukhabimba, Svayambhuva, Raurava, Makuta, Kirana, Lambita, Chandrajnana, Virabhadra, Siddha, Santanika, Sharvodgita, Vimala und Vatula sind die achtzehn aus der Rudra-Unterteilung hervorgegangenen Tantras. Ihre Unterteilungen, Nebenunterteilungen und einzelnen Lehrabschnitte sind sehr zahlreich; deshalb werden ihre Namen hier nicht alle aufgeführt. Mitsamt den Nebenunterteilungen ist ihre Zahl nicht festzulegen, seien die einzelnen Abteilungen groß oder klein. So im Svayambhuva. [Hinweis: Die Namen folgen dieser Quelle; sie werden nicht an eine andere kanonische Agama-Liste angepasst.]
Unnummerierte Fortsetzung: Weitere Offenbarungen. Bei seinen freiwilligen Herabkünften lehrte der höchste Herr ferner das Pashupata-Tantra, das Vakula- und das Soma-Tantra. Unter ihnen ist das zuerst von Shiva gelehrte Shaiva das vorrangige. Durch diese vier unterschiedenen Tantra-Arten, Shaiva und die übrigen, durch Diksha, heilige Handlungen, Lebensführung, Erkenntnis und Yoga führt Maheshvara die gereinigten begrenzten Seelen aus dem Schlamm des Leidens über den Ozean des Werdens.
Unnummerierte Fortsetzung: Die vierzehn Wissensgebiete. Die niederen Agamas werden zunächst zehnfach gegliedert: Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda, dazu Lautlehre, Ritualregel, Worterklärung, Metrik, Astronomie und Grammatik als die sechs Glieder der Veden. Mimamsa, Nyaya, Purana und Smriti sind vier weitere Wissensgebiete; insgesamt sind es vierzehn. Jedes dieser Gebiete besitzt Schulen, Samhita-Unterteilungen und vielfältige Lehrwerke, kaum aufzuzählen, durch Shivas Willen hervorgebracht. Im Vertrauen auf ihn und durch Handlungen wie Agnishtoma, tägliche, gelegentliche und auf bestimmte Wünsche gerichtete Rituale, Opfer und gemeinnützige Werke kann man hier und im Jenseits Erfahrungen wie den Himmel erlangen, die noch zum Bereich gebundener Seelen gehören.
Unnummerierte Fortsetzung: Ursprung der Veden. Manche dulden aus Unwissenheit nicht die Aussage, die Veden gingen aus Shivas Mund hervor. Das dient nach Auffassung des Textes nicht dem Wohl des Veda. Die klangförmige Shruti enthält Zusammenhänge von Wörtern, Sätzen und Bedeutungen; sie wird von einem bewussten Urheber ausgesprochen – anders sieht man eine solche Rede nicht entstehen. Dass ihr Verfasser verlässlich ist, gilt durch ihre Anerkennung bei den Gelehrten als gesichert; nirgends wird gelehrt, die Shruti habe einen unverlässlichen Urheber. Darum gilt für die Verständigen als begründet, dass alle Shrutis vom vollkommen verlässlichen Shiva, dem Urheber aller Dinge, hervorgebracht sind.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 1-50. Ferner:
Kriyapada 1-50. Dass die sechs Vedaglieder, beginnend mit der Lautlehre, und ihre Sutras von Personen verfasst wurden, gilt in den drei Welten als erwiesen – auch nach der Auffassung jener Gegner.
Kriyapada 1-51. Die Verbindung von Glied und Ganzem gehört zu einer einheitlichen Art von Körper. Das gilt in der Welt allgemein, selbst bei Frauen, Kindern und Kuhhirten. [Hinweis: Die Aufzählung spiegelt die soziale Rhetorik der Quelle.]
Kriyapada 1-52. Aus Elefantengliedern entsteht keine Ziege, aus Ziegengliedern kein Elefant. Überall entsprechen sich Glieder und das Ganze auf diese Weise, nicht anders.
Kriyapada 1-53. Die Veden sind ein gültiges Erkenntnismittel, ausgesprochen vom verlässlichen und wissenden Herrn, weil ihre zugehörigen Glieder und Sutras von verlässlichen Personen verfasst wurden.
Kriyapada 1-54. Was hier mit eigenen Gliedern verbunden ist, die von einem wissenden, verlässlichen Urheber gelehrt wurden, etwa Ayurveda und verwandte Lehren, verhält sich entsprechend. So gilt die behauptete Schlussfolgerung.
Unnummeriertes Smriti-Zitat nach Kriyapada 1-54. „Die Vedaglieder, die vier Veden, Mimamsa, die ausführliche Nyaya-Lehre, Purana und Dharmashastra: Dies sind die vierzehn Wissensgebiete.“
Unnummerierte Begründung. Nyaya, Mimamsa, Purana und Smriti werden von den vedischen Lehrern gemeinsam aufgeführt, weil sie dem Veda wesensverwandt sind und derselben Vergleichsgruppe angehören. Manu und andere kundige, verlässliche Vedakenner tun dies; daraus gilt der bewusste Urheber der Shruti, ein verlässlicher Herr der Yogis, als erwiesen. Der Veda selbst lehrt ausdrücklich die Entstehung aller Veden aus dem ursprünglichen Purusha, der erschaffen will. So heißt es:
Unnummeriertes Shruti-Zitat. „Aus jenem Opfer, in dem alles dargebracht wurde, entstanden die Rig-Verse und Saman-Gesänge. Aus ihm entstanden die Versmaße; aus ihm entstand der Yajus.“
Kriyapada 1-55. Zu diesem Sinn gibt es auch in den Puranas, etwa Brahma, Kurma und Vishnu, Aussagen über die Schöpfung durch Prajapati.
Unnummeriertes Purana-Zitat nach Kriyapada 1-55. „Aus seinem ersten Gesicht schuf er Gayatri und Rig-Verse, den dreifachen Stoma, Rathantara und unter den Opfern Agnishtoma. Aus dem südlichen Gesicht ließ er Yajus, das Trishtubh-Versmaß, den fünfzehnfachen Stoma, Brihat-Saman und Ukthya hervorgehen. Aus dem westlichen Gesicht ließ er Saman-Gesänge, das Jagati-Versmaß, den siebzehnfachen Stoma, Vairupa und Atiratra hervorgehen. Aus dem nördlichen Gesicht ließ er den einundzwanzigfachen Stoma, Atharvan, Aptoryama und Anushtubh mit Vairaja hervorgehen.“
Kriyapada 1-56. Die vedischen Lehrer erkennen die Gültigkeit der Puranas an, indem sie diese zusammen mit den Veden unter den vierzehn Wissensgebieten aufführen.
Kriyapada 1-57. Diese Purana-Aussagen stützen auch die zu erschließende Bedeutung eines Yajurveda-Wortes, das mit „Für die Rig-Verse der Osten“ beginnt.
Kriyapada 1-58. Weil die Veden aus dem östlichen und den weiteren Gesichtern hervorgehen, wird ihre jeweilige Richtungszuordnung gelehrt. Wäre es nicht so, woher käme diese Festlegung der Richtungen?
Kriyapada 1-59. Auch Brahmas Körper entstand aus den Tattvas von Kala bis zur Erde. Ursache der Tattvas ist Maya, Ursache der Maya Maheshvara.
Kriyapada 1-60. „Maya soll man als Prakriti erkennen, den Träger der Maya als Maheshvara.“ Aus dieser und ähnlichen Aussagen folgt, dass Maheshvara auch Brahmas Urheber ist.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 1-61. Dies ist auch im Skandapurana, im Lobgesang Devalas, zu finden. Nämlich: „Verehrung ihm, der Brahma zum Wesen hat und, zu Brahma geworden, die ganze Welt mit Göttern, Asuras und Menschen erschafft, während er inmitten des Wassers verweilt.“
Kriyapada 1-61. Auch daraus ist Maheshvara als Sprecher der Veden zu erkennen.
Unnummeriertes Nyaya-Zitat nach Kriyapada 1-61. „Der Urheber des Veda ist eine Person, doch nicht irgendeine beliebige. Es ist der höchste Herr, der in der Gestaltung der drei Welten kundig ist.“
Kriyapada 1-62. Manche wenden ein: Wenn so die Entstehung der Agamas aus Maheshvara feststeht, müsste die Shruti einen Anfang haben und daher vergänglich sein.
Kriyapada 1-63. Dieser Einwand trifft nicht zu, denn Maheshvara ist anfangslos, ewig rein, makellos und wissend; sein eigener Leib besteht aus Mantra und Vidya.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-63. Auch sein Vidya-Leib ist anfangslos und unvergänglich. So sagt die Shruti: „Jene deine glückverheißende Gestalt, Rudra, die nicht schrecklich ist und kein Übel offenbart – mit dieser deiner friedvollsten Gestalt, o Girishanta …“ [Hinweis: Das Zitat endet in der gelieferten Fassung vor dem vollständigen Satzabschluss; es wird nicht aus einer anderen Ausgabe vervollständigt.]
Kriyapada 1-64. Sie ist daher von ihm nicht verschieden und besteht in ihm, wie Lava, Kashtha, Kala und andere Zeitmaße in der Zeit.
Kriyapada 1-65. Durch das Zunehmen und Zurücktreten seiner Willens-, Handlungs- und Erkenntniskraft, durch die Entfaltung in Gestalt und weitere Erscheinungsweisen und durch das Zusammenfassen subtiler innerer Laute
Kriyapada 1-66. wird sie auf den Stufen der Vaikhari und der übrigen Sprachformen offenbar. Als Veden und Agamas tritt diese in Shiva ruhende Rede immer wieder aus seinem Mund hervor.
Kriyapada 1-67. Über die Entstehung dieser Rede wird später noch einiges gesagt. Von dieser durch den Weltenherrn ausgesprochenen Rede leben alle.
Kriyapada 1-68. Wenn er erschaffen will, lässt er sie hervorgehen; bei der Auflösung nimmt er sie wieder in sich auf. Aus Mitgefühl erschafft er die Welt, damit die Seelen Erfahrung und Befreiung erlangen,
Kriyapada 1-69. und er löst sie auf, damit die im Samsara Erschöpften ruhen können. Wie der anfangslose höchste Shiva von anderen verschieden ist,
Kriyapada 1-70. so sind die Worte aus seinem Mund von anderen Worten verschieden. Shiva-Agamas und Veden sind daher als ewig begründet.
Kriyapada 1-71. Die Shiva-Agamas sind zusammen mit den Veden ewig, weil sie ursprünglich ungetrennt in Shiva bestehen. Sie werden in ihm offenbar und sind anfangslos.
Kriyapada 1-72. Was fortwährend im Ewigen besteht und aus seinem Mund offenbar wird, ist selbst ewig, wie die Zeitanteile Kala, Kashtha und weitere anfangslose Zeitmaße.
Unnummerierter Abschnittsabschluss nach Kriyapada 1-72. So verhält es sich auch im vorliegenden Fall; daher ist die genannte Schlussfolgerung zweifellos begründet. Abschnitt über die Begründung der Gültigkeit beider Agama-Arten als von Ishvara verfasst.
Kriyapada 1-73. Als der allgegenwärtige Maheshvara die Welt und die Agamas erschaffen wollte, ließ er seine Shakti offenbar werden,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-73. wie der Vollmond sein eigenes Licht.
Unnummeriertes Lehrzitat. „Die erste Entfaltung seines Schöpfungswillens, um dem Bewussten und dem Unbewussten Gnade zu erweisen, wird Shakti-Tattva genannt; sie ist von ihm selbst ungetrennt.“
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Diese Shakti ist von Shiva nicht verschieden, ewig, mächtig und beständig. Obwohl sie eine ist, wird sie in vielerlei Weise bezeichnet, damit ihre vielen Wirkungen offenbar werden.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Obwohl sie selbst kein Wünschen ist, heißt sie Wille, weil sie die Wirkung des Willens vollbringt. Obwohl sie nicht die Gestalt eines Erkenntnisgegenstands hat, heißt sie Erkenntnis; obwohl sie selbst keine Handlung ist, heißt sie Handlung.“
Kriyapada 1-74. Deshalb ist diese Kraft die Willenskraft; sie ist auch die Handlungskraft
Kriyapada 1-75. und als Erkenntniskraft zu verstehen, weil sie die jeweiligen Wirkungen hervorbringt. Durch den Willen angeregt vollbringt der Herr alles mittels seiner Handlungskraft.
Kriyapada 1-76. Durch die Erkenntniskraft erkennt er; diese gilt als Kundalini. Die Entfaltung, in der Erkenntnis- und Handlungskraft im Gleichgewicht sind und Shiva zum Wesen haben,
Kriyapada 1-77. ist das Sadashiva genannte Tattva, ein Leib aus Vidya und von Shivas Wesen. Seine Gestalt als Gegenstand der Verehrung wird später erklärt.
Kriyapada 1-78. Wo die Erkenntniskraft geringer und die Handlungskraft größer ist, liegt das Ishvara-Tattva mit seiner Macht, alles zu tun.
Kriyapada 1-79. Das Ishvara genannte, von Handlung geprägte Prinzip ist die wirkende Ursache der Schöpfung, wie der Töpfer Töpfe und andere Gefäße hervorbringt.
Kriyapada 1-80. Wo die Handlungskraft geringer und die Erkenntniskraft größer ist, liegt das Shuddhavidya genannte Prinzip, das als Erkenntnis aufleuchtet.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Wo die Handlungskraft zurücktritt und die Erkenntniskraft hervortritt, heißt das Prinzip Vidya. Weil sein Wesen Erkenntnis ist, macht es offenbar.“
Kriyapada 1-81. Wenn Bindu und Nada innig verbunden in Sadashiva ruhen, entstehen dort die Vidyeshvaras, mit Shrikantha und Ananta als ihren hervorgehobenen Gestalten. [Hinweis: „Puraka“ am Ende der Namensverbindung ist nicht eindeutig; eine vollständige Namensliste wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 1-82. Wo das Vidya genannte Prinzip in Bindu, Nada und Shiva ruht, leuchten Vidyas und Mantras auf wie Wellen im Ozean.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Shiva erweist zuerst acht Wesen Gnade und setzt sie als Vidyeshvaras ein. Andere macht er zu Mantras; ihre Zahl wird mit sieben Koti angegeben.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Dort heißen die früheren Träger der Vidya Mantras und Vidyas. Sie werden von den Vidyeshvaras eingesetzt; ihre Zahl beträgt sieben Koti.“
Kriyapada 1-83. So gibt es fünf reine Tattvas, von Shiva bis Vidya. Aus ihrem Zusammenwirken entstehen Vidyeshvaras, Vidyas und weitere Gestalten.
Kriyapada 1-84. Durch die Kraft der Vidyas, Vidyeshvaras und Mantras und durch Ishvaras Willen erscheint das unreine, Maya genannte Prinzip wie ein Zaubernetz.
Unnummerierter Kommentar aus der Shattrimshattattvasiddhi. Das Maya-Tattva ist der Keim des Zaubernetzes. Der erhabene Shiva, der es kennt und gleichsam die Wurzelknolle seines Gewächses ist, bringt es durch das Aufbrechen der Unreinheit selbst zur Erscheinung. Maya besteht nämlich nicht aus sich selbst. Bestünde sie aus sich selbst, wäre sie nicht Maya. So in der „Begründung der sechsunddreißig Tattvas“.
Kriyapada 1-85. Ohne einen Zaubernden gibt es keinen Zauber. Der Zaubernde mit seinem Körper wird in der Welt als derjenige gesehen, der das Zauberschauspiel in Gang setzt. [Hinweis: Die überlieferte Verbindung mit „vina“ ist grammatisch auffällig; der argumentative Sinn ist erkennbar.]
Kriyapada 1-86. Entsprechend gilt Maya als stoffliche Ursache der Tattvas von Kala an. Das Unbewusste erscheint vielfältig wie etwas Bewusstes,
Kriyapada 1-87. wie ein Zaubernetz, das nicht aus sich selbst besteht und doch den Anschein von Wirklichkeit besitzt. Der höchste Herr versetzt diese Maya durch seine Kräfte in Bewegung
Kriyapada 1-88. und erschafft als Hort des Mitgefühls die Welt entsprechend dem jeweiligen Karma der Seelen. In ihr entstehen der Reihe nach die fünf unreinen Tattvas, beginnend mit Zeit und Kala.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Damit der Purusha begrenzt erkennen und handeln kann, entsteht aus Maya eine Fünfergruppe: Zeit, Niyati, Kala, unreine Vidya und Raga.“
Kriyapada 1-89. Das Zeit genannte Prinzip ist dreifach, beginnend mit der Vergangenheit,
Kriyapada 1-90. dazu Gegenwart und Zukunft; es gliedert sie deutlich. Ebenso entsteht das Niyati-Prinzip, dessen Wesen Begrenzung und feste Zuordnung ist.
Kriyapada 1-91. Auch das Kala-Prinzip entsteht. Weil es die Unreinheit der begrenzten Seelen teilweise aufbricht und ihre Handlungskraft offenbar macht, heißt es Kala.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Indem es die Unreinheit der Menschen teilweise aufbricht, macht es die Handlungskraft offenbar.“
Kriyapada 1-92. Die unreine Vidya setzt die durch Kala gestärkte Handlungskraft in Bewegung und zeigt den Menschen die Erfahrungsgegenstände.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Um dem Purusha die Gegenstände zu zeigen, bringt sie danach das offenbar machende Vidya-Tattva hervor.“
Kriyapada 1-93. Aus Vidya entsteht das Raga-Prinzip. Durch Anhaftung bewegt es den Purusha auf die Gegenstände zu und lässt ihn an ihnen Gefallen finden.
Kriyapada 1-94. Durch diese Prinzipien gebunden gelangt die begrenzte Seele zum Zustand des Erfahrenden. Als Purusha-Tattva wird sie nun gezählt, mit entfalteter Handlungskraft.
Unnummeriertes Lehrzitat nach Kriyapada 1-94. „Wenn die gebundene Seele durch diese Tattvas bestimmt und in den Zustand des Erfahrenden geführt wird, erhält sie die Bezeichnung Purusha und wird unter die Tattvas gerechnet.“
Kriyapada 1-95. Ausgehend vom Purusha entsteht zu dessen Erfahrung das Prakriti genannte Prinzip. Bei Gleichgewicht seiner drei Gunas heißt es das Unentfaltete.
Kriyapada 1-96. Weil es der Ursprung der Umwandlungen in Buddhi und die weiteren Tattvas ist, heißt es Prakriti. Da die Gunas im Gleichgewicht und noch nicht entfaltet sind, wird es Avyakta, das Unentfaltete, genannt.
Kriyapada 1-97. Diese Prakriti, die das Erkennbare darstellt, wird durch Shakti gestärkt. Wenn sie sich auf die sattvische Eigenschaft stützt, entsteht das entfaltete Buddhi-Tattva.
Kriyapada 1-98. Diese Buddhi nennen die Sankhya-Lehrer auch Mahat, das große Prinzip. Wenn sich im Unentfalteten Sattva, Rajas und Tamas ausprägen,
Kriyapada 1-99. entsteht das Ahamkara-Tattva, gekennzeichnet durch Verblendung und Ich-Zuschreibung. Dieser Ichbildner ist dreifach, entsprechend den drei Gunas.
Kriyapada 1-100. Der sattvische heißt Taijasa, der rajasische Vaikari, der tamasische Bhutadi. Sie bringen jeweils weitere Tattvas hervor.
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Aus Taijasa entsteht Manas, aus Vaikarika die Sinne, aus Bhutadi die feinen Sinnesqualitäten. So erfolgt ihre Hervorbringung.“
Kriyapada 1-101. Das Manas-Tattva, das Wollen, Entwerfen und Unterscheiden umfasst, entsteht aus Taijasa. Es ist selbst unbewusst und nicht eigenständig. [Hinweis: „Niranvaya“ kann auch fehlende Verbindung oder Kontinuität bezeichnen; die genaue technische Bedeutung bleibt hier offen.]
Kriyapada 1-102. Aus Vaikarika entstehen Gehör, Haut, Auge, Zunge und Nase: die fünf Erkenntnisorgane.
Kriyapada 1-103. Ebenso entstehen aus Vaikarika die fünf Handlungsorgane: Rede, Füße, Hände, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan.
Kriyapada 1-104. Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und als fünfter Geruch sind die feinen Sinnesqualitäten und Erfahrungsgegenstände; sie entstehen der Reihe nach aus Bhutadi.
Kriyapada 1-105. Aus diesen feinen Qualitäten entstehen der Reihe nach Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Die Weisen nennen sie die fünf Elemente, jeweils mit zunehmender Zahl von Eigenschaften.
Kriyapada 1-106. Die fünf Sinnesorgane, beginnend mit dem Gehör, sind die Träger der Wahrnehmung von Klang und den folgenden Qualitäten und machen diese erfahrbar.
Kriyapada 1-107. Sprechen, Gehen, Ergreifen, Ausscheiden und Lust sind die jeweils festgelegten Tätigkeiten der Handlungsorgane.
Kriyapada 1-108. Aus den vier großen Elementen, die einander durchdringen und vom Raum durchzogen sind, wird die gesamte sichtbare, hervorgebrachte Welt gestaltet.
Kriyapada 1-109. Hier könnten Sankhya-Anhänger und andere sagen: Es gibt fünfundzwanzig oder vierundzwanzig Tattvas; darüber hinaus keines.
Kriyapada 1-110. „Da damit die Welt erklärt ist, wozu weitere Prinzipien annehmen?“ Solches Reden begründet nach Auffassung des Textes ihre Sache nicht. Wir erklären nun, wozu die weiteren Tattvas dienen.
Unnummerierte Begründung nach Kriyapada 1-110. Nämlich: „Nicht durch Elemente, Sinnesorgane, feine Qualitäten oder innere Organe wird der Purusha an Erfahrungsgegenstände gebunden; Raga ist das Prinzip, das ihn für sie einnimmt.“ Raga und Kama, Anhaften und Begehren, unterscheiden sich hier nicht im Sinn. „Durch Raga begehrt er die Gegenstände; aus Begehren folgt Tätigkeit. Daher ist das Bestehen des Raga genannten Prinzips anzuerkennen. Ebenso vermögen die Tattvas von Raga bis zur Erde nicht von sich aus die Kraft zur Erkenntnis eines anderen Gegenstands offenbar zu machen. Was diese Kraft offenbart, nennt man Vidya-Tattva, wie Auge und andere Organe Gestalt und weitere Eigenschaften erkennbar machen.“ So in der Tattvasiddhi. [Hinweis: Die Quelle markiert einzelne Satzverbindungen dieses Zitats als fraglich; die Argumentationsfolge ist erkennbar.]
Kriyapada 1-111. Darum soll man das Bestehen des Vidya genannten Prinzips als gewiss anerkennen.
Kriyapada 1-112. Ebenso kann die anfangslose, alles durchziehende Unreinheit, die die Tattvas von Vidya bis zur Erde verhüllt, nicht ohne das Kala-Prinzip aufgebrochen werden. [Hinweis: Der Vers ist elliptisch und in der Quelle fraglich markiert; der folgende Kommentar erläutert seinen Sinn.]
Unnummerierter Kommentar nach Kriyapada 1-112: Tattvasiddhi. Wenn der Purusha von anfangsloser Unreinheit verhüllt ist und der erhabene Prajapati ihn aus dem Schlamm der Verblendung herausführen will, entsteht aus Mitgefühl das Kala-Prinzip. Sein Stoffgrund ist Maya-Prakriti; es vermag die Unreinheit aufzubrechen.
Unnummerierte weitere Begründung. „Ebenso lässt sich durch die Tattvas von Kala bis zur Erde keine feste Zuordnung von Richtung, Ort, Stoff, Art und Ähnlichem erklären. Ihre Begrenzung ist ein weiteres Prinzip: die ordnende Niyati. Daher wird ein Niyati genanntes Tattva erkannt. Durch Niyati und die übrigen Tattvas bis zur Erde ist Zeit nicht erklärt; die Prüfenden sollen darum Zeit als ein von ihnen verschiedenes Prinzip anerkennen. Ebenso können die Tattvas von Zeit bis zur Erde, jeweils auf ihre stofflichen Ursachen bezogen, ohne Grundlage die hervorgebrachte Welt nicht in Gang setzen. Daher gibt es die schwer zu ergründende Maya als ihren Träger, wie vielfältige gemalte Bilder eine Wand als Unterlage brauchen. So entsteht durch die voneinander nicht grundsätzlich verschiedenen Tattvas von Maya bis zur Erde auf dem unreinen Entfaltungsweg die Welt, einem Zaubernetz gleich. Da dieses Werk der Maya unbewusst ist, kann es nicht selbst handelnder Urheber sein; auch bei einem Gemälde ist der Handelnde ein anderer als Wand und Bild. Ebenso ist der Urheber der Entstehung aus Maya ein anderer: Shiva, mit Vidya und den höheren Tattvas, dessen Wesen Mantra ist und der Klang und Laute verursacht. Auf dem vollkommen reinen Weg von Shiva bis Vidya sind Klang-Vidyas mit den Vidyeshvaras im Raum sichtbar. Durch die Nähe von Shiva und Shakti entsteht Bindu als Nada, so wie durch Mond und Mondlicht die Eigenschaft der Erquickung hervortritt.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Woraus der reine Entfaltungsweg entsteht, worin er besteht und worin er sich auflöst, das ist Bindu, auch höchster Nada genannt, Ursache von Nada, Bindu und begrenzten Seelen.“
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Der höchste Keim namens Nada ruht in allen Wesen; er ist göttlich, gewährt Befreiung und sämtliche Vollendungen. Friedvoll, allgegenwärtig und leer ist er an der Stelle der zwölf Maße gegenwärtig. Die kurze Form wird Brahman genannt, die lange die Glieder, o Sechsgesichtiger!“ [Hinweis: „Santa“ und die Bezüge der kurzen und langen Form sind im knappen Zitat nicht vollständig erklärt.]
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Am Anfang entstand Klang; aus der Ursache ging der Laut hervor. Aus dem Laut entstand das Befreiung schenkende Brahman, o Brahmane, das die Brahman-Kenner erkennen.“
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Dieser Klang entsteht als vierfache Rede, unterschieden in Vaikhari und die übrigen Formen, aus der Bewegung des Bindu, damit Anantas Vorhaben verwirklicht wird.“
Unnummeriertes Shruti-Zitat. „Vier sind die bemessenen Stufen der Rede.“
Kriyapada 1-113. Shakti, Nada, Mahamaya und Raum heißen seine vier Formen. Es ist Bindu selbst; ihm werden wiederum vier Wirkweisen zugeschrieben:
Kriyapada 1-114. Vaikhari, Madhyama, Pashyanti und Sukshma. In umgekehrter Reihenfolge entstehen sie nacheinander ausgehend von Kundalini.
Kriyapada 1-115. Die subtile Kundalini ist innen nur Licht, überaus fein und dem Gehör nicht zugänglich. Von dort steigt sie aufwärts,
Kriyapada 1-116. leuchtet aus sich selbst und wird, auf Sushumna gestützt, zu Pashyanti. Erreicht sie den Herzlotus, wird sie Madhyama in Gestalt des inneren Klanges.
Kriyapada 1-117. Sie ist zunächst nur inneres Sprechen, noch ungeteilt, und steigt weiter empor. Sie befindet sich in Brust, Kehle und Gaumen, gelangt zu Kopf, Nase und Zähnen,
Kriyapada 1-118. wird an Zungenwurzel und Lippen hervorgebracht und nimmt die einzelnen Laute an. Als Mutter der vielfältigen Klangwelt und vom Gehör erfassbar heißt sie Vaikhari.
Kriyapada 1-119. Der Ha-Laut mit seiner Veränderung verband sich dann mit dem R-Laut.
Kriyapada 1-120. Daraus trat er mit dem langen I zusammen, geschmückt mit Bindu und Nada.
Kriyapada 1-121. Durch diese Verbindung entsteht der Shakti-Keim, Ursache aller Hervorbringung.
Kriyapada 1-122. Weil Shiva und Shakti in ihrer Verbindung als Hara und Hari wirken,
Kriyapada 1-123. gilt ihre ineinander verschlungene Aussprache als Klanggestalt dieses Keims. Ha ist Brahma, das lange I gilt als Vishnu.
Kriyapada 1-124. Der R-Laut ist Rudra und Feuer, Bindu heißt Ishvara. Nada ist als Sadashiva zu erkennen, das Ende des Nada als Shiva selbst. [Hinweis: Die Erklärung der Hara-/Hari-Bezeichnungen in Vers 122 ist knapp; die Buchstabenbildung wird nicht zu einer anderen überlieferten Formel vereinheitlicht.]
Kriyapada 1-125. Wenn Ha hervortritt und seinen aus dem Herzen kommenden Hauch verliert, wird es zu A. Seine weitere Differenzierung ist die Folge der Laute.
Kriyapada 1-126. Die sechs Laute von A bis zum langen U sind seine besonderen Abwandlungen; aus dem R-Laut gehen die kurzen und langen vokalischen R- und L-Laute hervor.
Kriyapada 1-127. Durch Differenzierung des langen I entstehen die sechs Laute von E an. So gehen sechzehn Vokale aus dem Shakti-Keim hervor.
Kriyapada 1-128. Andere sprechen von zwölf, wenn die vier vokalischen R- und L-Laute ausgenommen werden. Die kurzen Vokale mit Bindu sind männlich und sonnenhaft,
Kriyapada 1-129. die langen mit Visarga weiblich und mondhaft. Die vier vokalischen R- und L-Laute sind zugleich mond- und feuerhaft und sächlich.
Kriyapada 1-130. Ha, das die Eigenschaft Klang besitzt, erschuf zuerst den Raum. Aus dem Raum entstand Luft mit der Eigenschaft Berührung; die als Verschlusslaute bezeichneten Laute von Ka an traten hervor.
Kriyapada 1-131. Diese fünf Reihen von jeweils fünf Lauten sind sonnenhaft. Die vier Laute von Ya an verkörpern Luft, Feuer, Erde und Wasser.
Kriyapada 1-132. Berührung, Gestalt, Geruch und Geschmack sind deren Eigenschaften in dieser Reihenfolge. Die übrigen Laute von Sha an sind durchdringend, feuer- und mondhaft und stehen mit den Vokalen in Verbindung.
Kriyapada 1-133. So entstanden fünfzig Laute durch die Entfaltung der Shakti: die fünfundzwanzig von Ka an, ferner die von Ya und von Sha an.
Kriyapada 1-134. Durch Unterschiede von Artikulationsort und Sprechbewegung entstehen sie alle aus A. Aus der Verbindung von Konsonanten mit den Vokalen von A an und miteinander
Kriyapada 1-135. entsteht die ganze vielfältige Welt der Sprache. Diese Gesamtheit der fünfzig Laute ist als Matrika bekannt.
Kriyapada 1-136. Die gesamte Klangwelt ist offenkundig ihre Entfaltung. Sie ist die Göttin der Rede, deren Gestalt aus ihren eigenen Lauten besteht, Vidya von Shivas Wesen.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-136. Sie wurde bereits im Samanyapada ausführlich gezeigt. Abschnitt über Tattvas und Matrika.
Kriyapada 1-137. Aus jenem Bindu, dessen Wesen Nada ist, wurden durch Shivas Willen
Kriyapada 1-138. die fünf Kalas, beginnend mit Nivritti, hervorgebracht; in ihnen ruht die Welt. Der Ksha-Laut und das Erd-Tattva werden von Nivritti umfasst.
Kriyapada 1-139. Ebenso ruhen die dreiundzwanzig Laute von Ha bis zur angegebenen Achtzahl-Endgruppe und die Tattvas bis Prakriti in der Kala Pratishtha. [Hinweis: Die Endlautlesung „ashtakara“ ist unklar; sie wird nicht stillschweigend durch einen erwarteten Konsonanten ersetzt.]
Kriyapada 1-140. Die sieben Laute von dem palatalen Nasal bis Gha und die sieben Tattvas von Purusha bis Maya ruhen in der Vidya genannten Kala.
Kriyapada 1-141. Die drei Laute Ga, Kha und Ka sowie Shuddhavidya, Ishvara und Sadashiva ruhen in der Shanti genannten Kala.
Kriyapada 1-142. Die sechzehn Vokale, in umgekehrter Folge von der als A bezeichneten Anfangs- bis zur A-Endstelle, sowie Shakti und Shiva gehören zur Kala Shantyatita. [Hinweis: Die Quelle bezeichnet Anfang und Ende auffällig gleich; die erwartete alphabetische Abfolge wird nicht eingesetzt.]
Kriyapada 1-143. So wurde das Umfassen von Lauten und Tattvas durch die Kalas kurz erklärt. Nun wird beschrieben, wie die Tattvas und Gottheiten einander durchdringen.
Kriyapada 1-144. Shakti durchdringt die Welt von Shiva bis zur Erde. Sadashiva und Ishvara umfassen den Bereich von Bindu bis zur Erde.
Kriyapada 1-145. Das Vidya-Tattva erstreckt sich von Sadashiva bis zur Erde; das Kala-Tattva ist überall im Bereich von Maya, Zeit und den weiteren Prinzipien bis zur Erde gegenwärtig.
Kriyapada 1-146. Danach bestehen die Tattvas in der jeweiligen Reihenfolge. Rudra umfasst Maya bis Erde, Vishnu ebenfalls Maya bis Erde.
Kriyapada 1-147. Brahma durchdringt die Tattvas von Purusha bis zur Erde. Die Vidyeshvaras, beginnend mit Ananta, ruhen im Vidya-Tattva.
Kriyapada 1-148. Vighneshvara und Sarasvati befinden sich im Sadashiva-Tattva, Nandin und die übrigen in Vidya, Chandika in Prakriti.
Kriyapada 1-149. Lakshmi befindet sich im Ishvara-Tattva, andere Shaktis in Buddhi. Mond und Sonne ruhen im Klangprinzip, der Opferherr im Purusha.
Kriyapada 1-150. Elemente und Sinne befinden sich jeweils in ihrer eigenen Ursache. Die acht göttlichen Herkunftsgruppen gelten als in der achtgliedrigen subtilen Stadt, dem Puryashtaka, enthalten.
Kriyapada 1-151. Alle aus dem Mutterleib, aus Eiern, aus Feuchtigkeit und durch Sprossen entstehenden Wesen gehören durch die Kraft von Shiva, Shakti und Kala zum Erd-Tattva.
Kriyapada 1-152. So wurde hier die Durchdringung der Tattvas kurz gezeigt. Ausführlicher ist sie später bei der Bestimmung der Entfaltungswege zu verstehen.
Kriyapada 1-153. Wodurch wird festgelegt, dass es genau sechsunddreißig Tattvas gibt? Tattva bedeutet doch das Wesen eines Dings, und ein solches findet man auch bei Töpfen und anderen Gegenständen.
Kriyapada 1-154. Wenn jemand so fragt, wird Tattva erklärt: Das Wort „tat“, „jenes“, bezieht sich auf den behandelten Gegenstand, die Endung „tva“ auf dessen Wesenszustand.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 1-154. Tattva ist, was ausgebreitet und kontinuierlich vorhanden ist und bis zur Weltauflösung besteht.
Unnummeriertes Zitat: Tattvasiddhi. „Wegen ihrer Ausgebreitetheit und ihrer Kontinuität heißen sie Tattvas. Ausgebreitetheit ist räumliche Durchdringung, Kontinuität zeitliche Dauer.“
Weiteres unnummeriertes Zitat. „… und Raum sind durchdringend; ein Tattva besteht bis zur Weltauflösung. Andernfalls müsste man auch einen Pfosten, Topf und Ähnliches als Tattva ansehen.“ [Quellenunsicherheit: Der Anfang „lakshadi“ ist in dieser Verbindung nicht sicher übersetzbar.]
Unnummeriertes Zitat: Tattvaprakasha. „Was bis zur Weltauflösung besteht und allen Welten Erfahrung ermöglicht, trägt den Namen Tattva. Körper, Töpfe und ähnliche Dinge sind keine Tattvas.“
Kriyapada 1-155. So sind die sechsunddreißig Tattvas in ihrer Gliederung zu erkennen.
Kriyapada 1-156. Diese Erkenntnis ist Tattva-Erkenntnis; anderes ist Erkenntnis dessen, was kein Tattva ist. Es gibt genau sechsunddreißig Tattvas, weil die Welt durch sie sachgemäß erklärt wird,
Kriyapada 1-157. kein weiteres Prinzip vorhanden und keines darüber hinaus erforderlich ist. Wenn die vorliegende Wirkung durch die genannten Ursachen zustande kommt,
Kriyapada 1-158. braucht man hier keine andere Ursache; diese genügen. Wie beim Entstehen eines Topfes Töpfer, Rad, Stab, Wasser, Lehmklumpen und weitere zugehörige Mittel
Kriyapada 1-159. die erforderlichen Ursachen sind und keine andere hinzukommen muss, so verhält es sich auch hier. Darum gilt das Gesagte für Einsichtige als die zu begründende Schlussfolgerung.
Kriyapada 1-160. So ist der aus Tattvas bestehende Entfaltungsweg beschaffen, der später noch weiter zu erkennen ist. Diese Bestimmung der Wirklichkeit wird in diesem Tantra dargelegt,
Kriyapada 1-161½. damit rituelle Handlung, Diksha, Einsetzung und weitere Verfahren ihren Sinn und ihre Frucht verwirklichen. Shiva ist als Gegenstand der Erkenntnis der Wissenden erwiesen: der bewusste Urheber der Welt, der im höchsten Heil Erfahrung und Befreiung schenkt, der durch das höhere Wissen der aus seinem Mund hervorgehenden höheren und niederen Agamas die begrenzten Seelen hinüberführt. Er ist anfangslos, makellos, von den anderen verschieden, unabhängig und allgegenwärtig; durch Tattvas, Laute, Kalas und weitere Entfaltungen ist er zu erkennen.
Kolophon. Hier endet im oberen beziehungsweise zweiten Teil, im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, das erste Kapitel namens „Bestimmung der Wirklichkeit“.
Besinnung: Praxis mit Verständnis verbinden
Das Kapitel möchte rituelles Handeln auf Einsicht gründen. Seine Lehre von Shakti als Willens-, Erkenntnis- und Handlungskraft kann heutigen Yoga-Aspiranten Anlass geben, Absicht, Verständnis und Tun aufeinander zu beziehen. Auch das Bild der Sprache, die aus einer stillen inneren Bewegung zu hörbaren Worten wird, lädt zu achtsamem Sprechen ein. Die historischen Schulstreitigkeiten bleiben als solche erkennbar; eine heutige Begegnung mit anderen Wegen kann von sorgfältigem Zuhören getragen sein.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 1: Shiva, Offenbarung und die Grundprinzipien der Welt
Der dritte Werkteil beginnt mit der philosophischen Grundlage der rituellen Praxis. Er begründet Shiva als höchsten Urheber, unterscheidet seine ursprüngliche Reinheit von der Befreiung einzelner Seelen und ordnet Veden, Agamas und weitere Wissensgebiete ein. In Auseinandersetzung mit anderen indischen Schulen entfaltet er die Lehre von den Tattvas, den Grundprinzipien der Wirklichkeit. Die teils scharfen Urteile über andere Traditionen sind die historische Stimme des Autors.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha prathamaḥ paṭalaḥ |
praṇamyādau śivaṃ śaktiṃ sādeśaṃ ca gaṇeśvaram |
śuddhavidyāṃ tathā vāṇīṃ mukhyaṃ dharmaṃ pracakṣmahe || 1-1 ||
sāmānyamantrapādābhyāṃ pūrvārdhe khalu darśitāḥ |
dharmārthakāmyāḥ sāmānyāḥ śiṣṭaṃ vyāvarṇyate'dhunā || 1-2 ||
mukhyadharmacidāpnoti dṛṣṭādṛṣṭaphalodayāt |
bhogān mokṣaṃ ca taddharmaviṣayaḥ parameśvaraḥ || 1-3 ||
athāto dharmamityādisūtrād vaiśeṣikādataḥ |
dharmaprayojanaṃ mokṣaḥ proktaścābhyudayo mahān || 1-4 ||
dharmā bahuvidhāḥ khyātāstattadāgamacoditāḥ |
nahi te mukhyadharmāḥ syurmukhyadharmāḥ śivoditāḥ || 1-5 ||
māyāvikārahīnena viśuddhenāmalātmanā |
sarvakartrā śivenoktaṃ śāstraṃ mukhyaṃ hi sarvathā || 1-6 ||
sa hi māyādibhūmyantaviśvakāryasya kāraṇam |
śivaḥ kartā vikartā ca pramāṇatrayagocaraḥ || 1-7 ||
jagat sāvayavaṃ hyetad buddhimatkartṛkaṃ smṛtam |
kāryatvād yadyadevaṃ syād yathā ghaṭapaṭādikam || 1-8 ||
tathācoktamidaṃ tasmāduktasādhyaṃ na saṃśayaḥ |
astyekaḥ sa śivaḥ kartā hyaparebhyo vilakṣaṇaḥ || 1-9 ||
yogipratyakṣataḥ siddhaścānumānāgamairapi |
sarvebhyo hyaparebhyo'sya vailakṣaṇyaṃ kathaṃa bhavet || 1-10 ||
p. 2) vilakṣaṇaḥ śivo'nyebhyastvanādiramalo yataḥ |
sarveṣāṃ samalatvācca yad yat syānnirmalaṃ svataḥ || 1-11 ||
tattadvilakṣaṇaṃ tebhyaḥ svarṇaṃ tāmrādikādyathā |
tathācoktaṃ prasiddhaṃ syādatroktaṃ kiraṇe'pi ca || 1-12 ||
anādimalasambandhānmalinatvamaṇau sthitam |
anādimalamuktatvānnirmalatvaṃ sthitaṃ śive || 1-13 ||
iti |
rāmakaṇṭho'pyāha -
yaścāsau sarvajñaḥ sarvakartā ca śuddhaḥ śivaḥ, tathā kiñcijño'hyaśuddha ātmā |
tayoḥ śivātmanoḥ samba(ndhī ye ? ndhinī) tu śuddhāśuddhe nirmalamalayukte svarūpe iti |
śrīmallambite'pi -
ekaḥ śivaḥ pumānāsīdaparebhyo vilakṣaṇaḥ |
iti |
tasmādanādimalināstvātmāno hyaṇavaḥ smṛtāḥ |
iti |
anādinirmalaḥ śuddha eka eva maheśvaraḥ |
nirmalaḥ śiva ekaścet sarvebhyo'pi vilakṣaṇaḥ || 1-14 ||
nirmalāḥ śivadhāmānaḥ santi vidyeśvarāḥ katham |
kathyate malamokṣo'pi tvayaiva śivadīkṣayā || 1-15 ||
dīkṣitānāṃ śivatvaṃ ca siddhaṃ śaivāgame yadā |
ete'pyapara evāsmācchivātmānaḥ śivād yataḥ || 1-16 ||
tasmādayuktaṃ sarvebhyo vailakṣaṇyaṃ śivasya hi |
atra nirvāṇadīkṣāyāḥ pūrvaṃ te malinā yataḥ || 1-17 ||
dīkṣottaraṃ hyamalatā śivatvavyaktireva ca |
śivānugrahatastveṣāṃ śivatvaṃ hyādimat smṛtam || 1-18 ||
śivastvanādisiddhena śivatvenāparānaṇūn |
anugṛhṇan svatantraśca syāt tebhyo'pi vilakṣaṇaḥ || 1-19 ||
atra trayyantidantīndrā vadantyadvaitamātmanām |
brahmaikamevādvitīyaṃ yathātmāno'pare katham || 1-20 ||
p. 3) vailakṣaṇyaṃ kuto'sya syād bhe(do) yatra na sidhyati |
na cedgrāmaḥ kutaḥ sīmā kasyānugrāhakaḥ śivaḥ || 1-21 ||
ityādi bruvatāmeṣāṃ syāt pramāṇaṃ yadā tadā |
dvaitāpattiḥ smṛtā no cedapramāṇaṃ hi tad bhavet || 1-22 ||
atra tadvacanaisteṣāmuttarottaramuttaram |
dattaṃ dvaitaprasiddhaṃ syādadvaitena samāsataḥ || 1-23 ||
brāhmaṇādyeṣu satsveva bhavantyabrāhmaṇādayaḥ |
tanmatapratikūlaṃ syāt bandhamokṣaparigrahaḥ || 1-24 ||
ekameva yadā sarvaṃ brahma baddhā na santi hi |
sarve'pi muktā evātaḥ kiṃ phalaṃ śravaṇādibhiḥ || 1-25 ||
gurūpasadanaṃ vyarthaṃ namaskāryaḥ pṛthak kutaḥ |
jñātṛjñeyavibhāgo'pi jñānaṃ ca syānnirarthakam || 1-26 ||
ityādibhedasvīkāro vedānteṣvapi dṛśyate |
yasmād dvaitaṃ prasiddhaṃ hi guṇitvamapi cātmanaḥ || 1-27 ||
kimatra bahunoktena tasyāvidyāthavā tamaḥ |
māyā vā tyājyamastyeva mumukṣormocaketarat || 1-28 ||
brahmavidāpnoti paramityatra śrutidarśanāt |
nāpnotyabrahmavid yasmād bhedaḥ siddhaḥ pramāṇavān || 1-29 ||
hetorabhāvādaikātmye tadvacchūnyātmavādinaḥ |
bauddhā buddhibhramādatra bhramanto'pi nirākṛtāḥ || 1-30 ||
karma buddhimatā yasmāt kṛtaṃ kāryaphalapradam |
jñāna cāhaitukaṃ tasmāt kriyātaḥ phalavādinām || 1-31 ||
karma tat kṣaṇikaṃ vā syāt paratantramacetanam |
na tādṛk phalasiddhyai syād buddhimatkāraṇaṃ vinā || 1-32 ||
teṣāmacetanairmantraiḥ karmaṇā tādṛśena ca |
nūnaṃ kriyāphalāvāpteḥ kartā jñeyaḥ sudhīḥ śivaḥ || 1-33 ||
guṇaprakṛtiravyaktaṃ viśvopādānamityapi |
mṛtpiṇḍavad ghaṭotpatteḥ svato nālaṃ hi kāraṇam || 1-34 ||
p. 4) ajo hyeko juṣamāṇo'nuśetetyādināpi ca |
tasya prakṛtilīnasya yaḥ paraḥ sa maheśvaraḥ || 1-35 ||
ityādivākyataḥ sāṅkhyairapyanveṣyo maheśvaraḥ |
acetanatvād bhūtānāṃ dehendriyagaṇasya ca || 1-36 ||
tyaktagarvaistu cārvākairabhyupeyā hyanātmatā |
bhūtendriyāṇi santyeva mṛtadehe'pyato'paraḥ || 1-37 ||
anveṣaṇīya ātmā syādasvātantryaṃ tathātmanaḥ |
adṛṣṭasya ca sadbhāvo grahādityādidarśanāt || 1-38 ||
tatkāraṇaṃ sadhīrastītyeṣaṇīyo maheśvaraḥ |
dehapramāṇamātmānaṃ nityānityaviśeṣaṇāt || 1-39 ||
bruvatāṃ jainasādhūnāṃ maharṣistādṛgeva hi |
ahiṃsāditapoyogādahantvaṃ tasya tanmate || 1-40 ||
siddhamityādimān so'pi tapasā paravān yataḥ |
tattapaḥphaladātānyastairutsṛjyeha matsaram || 1-41 ||
svatantro'nādimān kartādhyeṣaṇīyo maheśvaraḥ |
ityādivādapiśunairīśvaretaravādibhiḥ || 1-42 ||
kṣiptasvapakṣavikṣepaireṣṭavyaḥśreyase śivaḥ |
śivasadbhāvādhikāraḥ |
sa śivaḥ svamukhodbhūtairāgamaistu parāparaiḥ || 1-43 ||
anugṛhṇāti hi jagad bhogamokṣaprasiddhaye ||
atra svāyambhuve -
athātmamalasantānapaśutvavinivṛttaye |
vyaktaye ca śivatvasya śivājjñānaṃ pravartate ||
tadekamapyanekatvācchivavaktrāmbujodbhavam |
parāparavibhedena gacchatyarthapratiśrayāt ||
iti |
paraiḥ śaivādibhirdivyairāgamaiḥ pāśamocakaiḥ || 1-44 ||
p. 5) viśiṣṭabhogavibhavaśivatvaphaladāyibhiḥ |
aparairapi vedādyairāgamaiḥ svamukhodgataiḥ || 1-45 ||
svargādiphalasiddhyarthaṃ paśujñānaprakāśakaiḥ |
atra pareṇa kāmikādinā śivajñānabhedenāpareṇa vedādinā paśujñānabhedeneti sadyojyotiḥ |
tatra pūrvaṃ tu śaivākhyaṃ tantraṃ śivamukhodgatam || 1-46 ||
śuddhaśaivamiti khyātaṃ śuddhatattvasamāśrayāt |
niṣkalo hi śivo vakti kathaṃ vākyādilakṣaṇān || 1-47 ||
āgamāniti codye'smin dṛṣṭaṃ khaṃ śabdalakṣaṇam |
niṣkalo hyeṣa mantrātmā vidyādehaṃ samāsthitaḥ || 1-48 ||
visṛjatyāgamān sṛṣṭau svavaktreṇātmagocarān |
atra kiraṇe -
puṃsāmanugrahārthaṃ tu paro'pyaparatāṃ gataḥ |
kṛtvā mantrātmakaṃ dehaṃ vakti tantrāṇyanekadhā ||
iti |
śaivāgamasya bhedāḥ syuḥ prathamaṃ kāmikādayaḥ || 1-49 ||
tataścāṣṭādaśavidhā bhedāḥ syurvijayādayaḥ |
atra svāyambhuve -
ekameva śivajñānaṃ vibhinnaṃ daśadhā punaḥ |
tathāṣṭādaśadhā bhūyo bhedāntaravisarpitam ||
iti |
tadyathā -
kāmikaṃ yogajācintyakāraṇānyajitaṃ tathā ||
dīptaṃ sukṣmaṃ sahasraṃ cāpyaṃśumān suprabhedakam |
śivabhedasamākhyāni tantrāṇyevaṃ daśa kramāt ||
vijayaṃ caiva niḥśvāsaṃ prodgītaṃ pārameśvaram |
āgneyaṃ mukhabimbaṃ ca svāyambhuvamataḥ param ||
p. 6) rauravaṃ mākuṭaṃ caiva kiraṇaṃ lambitaṃ tathā |
candrajñānaṃ vīrabhadraṃ siddhaṃ sāntānikaṃ tataḥ ||
śarvodgītaṃ ca vimalaṃ vātūlaṃ cetyanukramāt |
rudrabhedodbhavānyeva tantrāṇyaṣṭādaśaiva hi ||
eṣāṃ bhedopabhedāśca tattatprakaraṇānyapi |
subahūnītyato'smābhirnirdiśyante na nāmabhiḥ ||
upabhedena bhedānāmasya saṃkhyā na vidyate |
bhedāntarāṇi sarvāṇi mahānti na mahāntyapi ||
iti svāyambhuve -
punaḥ svecchāvatāreṣu tantraṃ pāśupataṃ tathā |
vākulaṃ somatantraṃ ca jagāda parameśvaraḥ ||
tatra śaivaṃ hi mukhyaṃ syād yadādau śivabhāṣitam |
ebhiḥ śaivādibhistantraiścaturbhedavilakṣitaiḥ ||
dīkṣādisatkriyācaryājñānayogairmaheśvaraḥ |
duḥkhapaṅkād bhavāmbhodhestārayatyamalānaṇūn ||
aparāgamabhedo'pi prathamo daśadhā smṛtaḥ |
ṛgvedo'tha yajurvedaḥ sāma cātharva eva ca ||
śikṣā kalpo niruktaṃ ca cchando jyautiṣameva ca |
tato vyākaraṇaṃ caiva vedānāmityato daśa ||
mīmāṃsā nyāyaśāstraṃ ca purāṇaṃ smṛtireva ca |
caturbhedā hi vidyāstāḥ sarvāstvevaṃ caturdaśa ||
etāsāmapi vidyānāṃ vedādīnāṃ pṛthak pṛthak |
śākhāśca saṃhitābhedāḥ śāstrabhedāśca naikadhā ||
saṃkhyātuṃ prāyaśo'śakyāḥ śivecchātaḥ pravartitāḥ |
tadekapratyayāt sādhyairagniṣṭomādikarmabhiḥ ||
nityairnaimittikaiḥ kāmyairiṣṭāpūrtaiśca naikadhā |
svargādipāśavān bhogāniha cāmutra cāpnuyāt ||
p. 7) atra kecittu vedānāmudbhavaṃ śivavaktrataḥ |
ajñānānna sahante yat tanna vedahitāvaham ||
padavākyārthasandarbhagarbhā śabdamayī śrutiḥ |
buddhimatpuruṣodīrṇā nānyathaivaṃ pradṛśyate ||
tatra hyāptapraṇītatvaṃ śiṣṭasvīkaraniścitam |
anāptakartṛkatvaṃ ca na śruteḥ śrūyate kvacit ||
tasmādatyantamāptena śivena śrutayo'khilāḥ |
praṇītāḥ sarvakartreti pramāṇaṃ jāyate satām ||
apica,
iha vedaṣaḍaṅgānāṃ śikṣādīnāṃ jagattraye |
siddhaṃ hi pauruṣeyatvaṃ sūtrāṇāṃ tanmate'pi ca || 1-50 ||
aṅgāṅgibhāvasambandho hyekajātiśarīravān |
avalābālagopālairapi loke susammataḥ || 1-51 ||
na gajāṅgairajaḥ sidhyennājāṅgairvā gajo bhavet |
tattadaṅgāṅgibhāvāḥ syurevaṃ sarvatra nānyathā || 1-52 ||
vedāḥ pramāṇamīśena svāptena sudhiyoditāḥ |
svāptapraṇītāṅgavattvāt tādṛk sūtrādimattayā || 1-53 ||
yo yo buddhimadāptoktaiḥ svāṅgairyukto'tra dṛśyate |
āyurvedādayo tadvaduktasādhyaṃ tathā tataḥ || 1-54 ||
api cātra smṛteḥ -
aṅgāni vedāścatvāro mīmāṃsā nyāyavistaraḥ |
purāṇaṃ dharmaśāstraṃ ca vidyā hyetāścaturdaśa ||
iti |
nyāyavistaramīmāṃsāpurāṇasmṛtayaḥ samam |
paṭhitā vedasādharmyāt sapakṣatvena vaidikaiḥ ||
manvādibhistu nipuṇairyadāptairvedavittamaiḥ |
siddhāsmāccāptayogīndrabuddhimatkartṛtā śruteḥ ||
atra vedaḥ svayaṃ prāha sisṛkṣorādipūruṣāt |
janmaivākhilavedānāṃ vispaṣṭaṃ tadyathocyate ||
p. 8) tasmādyajñāt sarvahutaḥ ṛcaḥ sāmāni jajñire |
chandāṃsi jajñire tasmād yajustasmādajāyata ||
iti |
asminnarthe purāṇeṣu brāhmakūrmādikeṣvapi |
vaiṣṇavādiṣu vākyāni santi sṛṣṭau prajāpateḥ || 1-55 ||
tadyathā -
gāyattraṃ ca ṛcaṃ caiva trivṛt stomaṃ rathantaram |
agniṣṭomaṃ ca yajñānāṃ nirmame prathamānmukhāt ||
yajūṃṣi traiṣṭubhaṃ chandastomaṃ pañcadaśaṃ tathā |
vṛhatsāma tathokthyaṃ ca dakṣiṇādasṛjanmukhāt ||
sāmāni jāgataṃ chandastomaṃ saptadaśaṃ tathā |
vairūpamatirātraṃ ca paścimādasṛjanmukhāt ||
ekaviṃśamatharvāṇamaptoryāmāṇameva ca |
ānuṣṭubhaṃ savairājamuttarādasṛjanmukhāt ||
iti |
yaccaturdaśavidyāsu vedādyāsvekapāṭhataḥ |
aṅgīkṛtaṃ hi prāmāṇyaṃ purāṇānāṃ tu vaidikaiḥ || 1-56 ||
ebhiḥ purāṇavākyaistadanumeyārthabṛṃhitā |
yājuṣī śrutirapyasti ṛcāṃ prācīti pūrvikā || 1-57 ||
pūrvādivaktrajātatvāt tattaddiṅniyamaśrutiḥ |
dṛśyate khalu vedānāṃ no ceddiṅniyamaḥ kutaḥ || 1-58 ||
tattvaiḥ kalādipṛthvyantaiḥ śarīraṃ brahmaṇo'pyabhūt |
tattvānāṃ kāraṇaṃ māyā māyāyāśca maheśvaraḥ || 1-59 ||
māyāṃ tu prakṛtiṃ vidyānmāyinaṃ tu maheśvaram |
ityādivacanāt kartā brahmaṇo'pi maheśvaraḥ || 1-60 ||
siddhaḥ skandapurāṇe'pi dṛśyate devalastave |
tadyathā -
brahmā bhūtvā jagat sarvaṃ sadevāsuramānuṣam |
yat sṛjatyambumadhyasthaṃ tasya brahmātmane namaḥ ||
iti |
p. 9) etasmādapi vedānāṃ vaktā jñeyo maheśvaraḥ || 1-61 ||
tathāca nyāye -
vedasya puruṣaḥ kartā nahi yādṛśatādṛśaḥ |
kintu trailokyanirmāṇanipuṇaḥ parameśvaraḥ ||
iti |
yadyevamāgamānāṃ hi janma siddhaṃ maheśvarāt |
ādimattvādanityatvaṃ śruteḥ syāditi kecana || 1-62 ||
vadanti cenna tat sādhu yato'nādirmaheśvaraḥ |
nityaśuddho'malo dhīmān mantravidyātanuḥ svayam || 1-63 ||
yāsya vidyātanuḥ sāpi hyanādiranapāyinī
tathāca śrutiḥ -
yā te rudraśivātanūraghorāpāpakāśinī tayā nastanuvā śantamayā giriśaṃtā ||
iti |
tasmādabhinnā tatsaṃsthā lavaḥ kāṣṭhā kalādivat || 1-64 ||
tasyaivecchākriyājñānaśaktyutkarṣāpakarṣataḥ |
bimbādipariṇāmena sūkṣmāntarvarṇasaṅgrahāt || 1-65 ||
vaikharyādipadairvyaktiṃ prāpyaiṣā śivavraktrataḥ |
tadgatā vāg viniryāti śaśvad vedāgamātmikā || 1-66 ||
sā vāgutpattiratrāpi parataḥ kiñciducyate |
tāṃ vācamupajīvanti viśve viśveśvaroditām || 1-67 ||
sisṛkṣurvisṛjatyenāṃ punargrasati saṃhṛtau |
sṛṣṭiṃ karoti kāruṇyāt puṃsāṃ bhuktyai ca muktaye || 1-68 ||
khinnānāmiha saṃsāre viśramārthaṃ ca saṃhṛtim |
anādiḥ sa śivo mukhyo yathānyebhyo vilakṣaṇaḥ || 1-69 ||
tathā tadvadanodīrṇā vāco'nyābhyo vilakṣaṇāḥ |
śivāgamāśca vedāśca nityā eva pramāṇataḥ || 1-70 ||
p. 10) nityāḥ śivāgamā vedaiḥ śivenādāvabhedataḥ |
nityasthitāstvabhivyaktāstasmiṃste'nādayo yataḥ || 1-71 ||
yad yannitye sthitaṃ śaśvadabhivyaktaṃ ca tanmukhāt |
nityameva yathā kālakalākāṣṭhādinādayaḥ || 1-72 ||
tathā ca prakṛtaṃ tasmāduktasādhyaṃ na saṃśayaḥ |
dvividhāgamānāmīśvarapraṇītatayā prāmāṇyasthāpanādhikāraḥ |
sa sisṛkṣurvibhurviśvamāgamāṃśca maheśvaraḥ || 1-73 ||
svaśaktivyaktimādadhre pūrṇacandraḥ svabhāmiva |
atra
cidacidanugrahahetorasya sisṛkṣorya ādya unmeṣaḥ |
tacchaktitattvamabhihitamavibhāgāpannamasyaiva ||
iti |
tattvaprakāśe -
śivādabhinnā sā śaktirnityā balavatī dhruvā |
ekāpyanekakāryāṇāṃ vyaktaye bahudhoditā ||
iti |
ratnatraye'pi -
icchākāryamanicchāpi kurvāṇecchā nigadyate |
jñānamajñeyarūpāpi kriyāmapyakriyā satī ||
iti |
tasmādicchāhvayā śaktiḥ kriyāśaktiśca sā bhavet || 1-74 ||
jñānaśaktiśca vijñeyā tattatkāryapravartanāt |
icchayā prerito hīśaḥ kriyayā kurute'khilam || 1-75 ||
jñānaśaktyā vijānāti sā ca kuṇḍalinī matā |
sāmyājjñānakriyāśaktyoḥ prasaro yaḥ śivātmakaḥ || 1-76 ||
sadāśivākhyaṃ tat tattvaṃ vidyādehaṃ śivātmakam |
tattvarūpaṃ tu parataḥ pūjāviṣaya ucyate || 1-77 ||
p. 11) jñānaśaktiryadā svalpā kriyāśaktistathādhikā |
tatreśvarākhyaṃ tattvaṃ syāt sarvakartṛtvavaibhavam || 1-78 ||
nimittakāraṇaṃ sṛṣṭerīśvarākhyaṃ kriyādhikam |
yathā ghaṭīghaṭādīnāṃ kulālaḥ saṃpravartakaḥ || 1-79 ||
kriyāśaktiryadā svalpā jñānaśaktistathādhikā |
śuddhavidyākhyatattvaṃ tajjñānarūpaprakāśakam || 1-80 ||
yathā tattvaprakāśe -
nyagbhavati kartṛśaktirjñānākhyodrekamaśnute yatra |
tattattvaṃ vidyākhyaṃ prakāśakaṃ jñānarūpatvāt ||
iti |
bindunādau yadā snigdhau sadāśivasamāśrayau |
tatra vidyeśvarā jātāḥ śrīkaṇṭhānantapūrakāḥ || 1-81 ||
yatra vidyāhvayaṃ tattvaṃ bindunādaśivāśrayam |
tatra vidyāśca mantrāśca sphurantyabdhau taraṅgavat || 1-82 ||
atra tattvaprakāśe -
ādyānanugṛhya śivo vidyeśatve niyojayatyaṣṭau |
mantrāṃśca karotyaparāṃste coktāḥ koṭayaḥ sapta ||
iti |
ratnatraye'pi-
tatra vidyābhujaḥ pūrve mantrā vidyāśca nāmataḥ |
vidyeśvaraniyojyāste saṃkhyātāḥ saptakoṭayaḥ ||
iti |
itthaṃ śivādividyāntaṃ śuddhatattvāni pañca hi |
yeṣāṃ vyatikarād vidyeśvaravidyādisambhavaḥ || 1-83 ||
vidyāvidyeśamantrāṇāṃ sāmarthyādīśvarecchayā |
aśuddhatattvaṃ māyākhyamindrajālavadudvabhau || 1-84 ||
p. 12) tatra māyātattvamindrajālabījam |
tadabhijño bhagavān māyākandalīkandaḥ śivo malavidāraṇena svayamabhivyanakti |
sā hi svayaṃ na satī |
yadi satī bhaved māyaiva na syāditi ṣaṭtriṃśattattvasiddhau |
tathāhi -
māyāvinā na māyāsti vinā māyī śarīravān |
dṛṣṭo'sminnindrajālādau yathā loke prayojakam || 1-85 ||
tathā kalāditattvānāṃ māyopādānamiṣyate |
acetanaṃ cetanavat pratibhāti vicitrakam || 1-86 ||
asat svataḥ sadābhāsabhindrajālaṃ yathā tathā |
tāṃ māyāṃ śaktibhiḥ svābhirvikṣobhya parameśvaraḥ || 1-87 ||
svakarmānuguṇaṃ sṛṣṭiṃ karoti karuṇānidhiḥ |
tasyāṃ kālakalādīni pañca tattvānyanukramāt || 1-88 ||
prabhavantyaviśuddhāni yathā tattvaprakāśake |
puṃsojñakartṛkārthaṃ māyātastattvapañcakaṃ bhavati |
kālo niyatiśca kalā hyaśuddhavidyā ca rāgaśca ||
iti |
tatra kālāhvayaṃ tattvaṃ trividhaṃ bhūtapūrvakam || 1-89 ||
vartamānaṃ bhaviṣyacca jāgrat kalayati sphuṭam |
tathā niyatitattvaṃ ca jātaṃ niyamanātmakam || 1-90 ||
jātaṃ tathā kalātattvamaṇūnāṃ malamekataḥ |
kalayitvā vyañjayati kartṛśaktiṃ yataḥ kalā || 1-91 ||
malaṃ nṛṇāmekatastu kalayitvā vyañjayati kartṛśaktimiti tattvaprakāśe |
kalodbalitasāmarthyakartṛśakteḥ pravartikā |
aśuddhavidyā sā puṃsāṃ viṣayāṇāṃ pradarśinī || 1-92 ||
puṃso viṣayapradarśanārthamatho vidyātattvaṃ sūte prakāśakamiti tattva prakāśe |
vidyāto rāgatattvākhyaṃ jātamartheṣu pūruṣaḥ |
pravartayatyabhiṣvaṅgād viṣayeṣvabhirañjakam || 1-93 ||
p. 13) tattvairobhirnibaddho'sāvaṇubhoktṛtvamāgataḥ |
tattvaṃ puruṣasaṃjñaṃ syāt kartṛśaktyupabṛṃhitam || 1-94 ||
tathāhi -
tattvairebhiḥ kalito bhoktṛtvadaśāṃ yadā paśurnītaḥ |
puruṣākhyatāṃ tadāyaṃ labhate tattveṣu gaṇanāṃ ca ||
iti |
puruṣādasya bhogārthaṃ tattvaṃ prakṛtisaṃjñitam |
jātaṃ triguṇasāmyena tadevāvyaktamiṣyate || 1-95 ||
buddhyāditattvavikṛteḥ prakṛtitvāt tathā smṛtam |
guṇasāmyāt tadavyaktaguṇamavyaktasaṃjñitam || 1-96 ||
boddhavyalakṣaṇā sai prakṛtiḥ śaktivṛṃhitā |
buddhitattvaṃ bhaved vyaktaṃ sātvikaṃ guṇamāśritā || 1-97 ||
saiva buddhirmahān nāma tattvaṃ sāṃkhyairnigadyate |
avyaktameva tu vyaktasattvarājasatāmasaiḥ || 1-98 ||
syādahaṅkāratattvaṃ tanmohāhammānalakṣaṇam |
so'haṅkārastribhedaḥ syāt pṛthak sattvādibhedavān || 1-99 ||
sāttvikastaijaso nāma vaikārī rājasaḥ smṛtaḥ |
bhūtādistāmasaste'pi pṛthak tattvānyavāsṛjan || 1-100 ||
taijasatastatra mano vaikārikato bhavanti cākṣāṇi |
bhūtādestanmātrāṇyeṣāṃ sargo'yametasmāt ||
iti tattvaprakāśe |
icchārūpaṃ manastattvaṃ sasaṅkalpavikalpakam |
taijasādeva sañjātaṃ jaḍaṃ tacca niranvayam || 1-101 ||
vaikārikāt tu jātāni śrotraṃ tvakcakṣuṣī tathā |
jihvā ghrāṇaṃ ca pañcaiva tāni buddhīndriyāṇi hi || 1-102 ||
tathā vāk pādapāṇī ca pāyūpasthendriye api |
vaikārikākhyādeva syuḥ pañca karmendriyāṇyapi || 1-103 ||
p. 14) śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca raso gandhaśca pañcamaḥ |
tanmātrāṇyeva viṣayā bhūtāderabhavan kramāt || 1-104 ||
tanmātrebhyastu jātāni khānilāgnyabdharāḥ kramāt |
guṇottarāṇi tānyāhuḥ pañca bhūtāni sūrayaḥ || 1-105 ||
śrotrādipañcendriyāṇi śabdādīnāmanukramāt |
ādhāratvena tanmātravyañjakāni bhavanti hi || 1-106 ||
uktirgatirupādānaṃ sargaścānanda eva ca |
karmendriyāṇāṃ karmāṇi niyatāni pṛthak pṛthak || 1-107 ||
parasparānupraviṣṭairmahābhūtaiścaturvidhaiḥ |
vyāptākāśairjagat kāryaṃ dṛśyaṃ niṣpādyate'khilam || 1-108 ||
atra sāṃkhyādayo brūyuḥ pañcaviṃśatisaṅkhyayā |
tattvāni vā caturviṃśannāsti tattvamataḥ param || 1-109 ||
etāvatā jagatsiddheḥ kasmāt tattvāntarāśrayaḥ |
ityādikaḥ pralāpo'yaṃ teṣāmarthaṃ na sādhayet || 1-110 ||
kathamityatra tad brūmastattvairanyaiḥ prayojanam |
tadyathā -
na bhūtendriyatanmātrairnaivāntaḥkaraṇaiḥ pumān |
rajyate viṣayārtheṣu rāgatattvaṃ hi rañjakam ||
rāgakāmāvityanarthāntaram |
rāgāddhi kāmayatyarthā (?) pravṛttiḥ kāmato bhavet |
tasmād rāgāhvayaṃ tattvamastītyevāvagamyatām ||
tadvad rāgādibhūmyantatattvānāṃ viṣayādiṣu |
paropalambhaśakteryannābhivyañjakatā bhavet (?) ||
paropalambhaśakteryad vyañjakaṃ tat pracakṣate |
vidyātattvaṃ hi rūpādibodhe netrādikaṃ yathā ||
iti tattvasiddhau |
tasmād vidyāhvayaṃ tattvamastītyevāvadhāryatām || 1-111 ||
sp. 15) tathā vidyādibhūmyantatattvapracchādakaṃ malam |
anādiviśvagaṃ bhettuṃ kalātattvamṛte'nyathā (?) || 1-112 ||
anādisiddhamalatirohite puṃsi bhagavataḥ prajāpaterasya mohapaṅkāduttitīrṣoḥ kāruṇyānmāyāprakṛtyupādānaṃ malabhedanakṣamaṃ kalātattvamutpadyate iti tattvasiddhau |
tathaiva hi kalādyairyat tattvaiḥ kṣityantakaiḥ kvacit |
digdeśadravyajātyādau niyamo naiva sidhyati ||
niyamo'pyanya evaiṣāṃ niyantrī niyatiryataḥ |
tasmānniyatisaṃjñaṃ syāt tattvamityadhigamyate ||
yanniyatyādipṛthvyantatasvaiḥ kālo na sidhyati |
tebhyo'nya eva kālo'stītyabhyupeyaḥ parīkṣakaiḥ ||
tathā kālādibhūmyantaiḥ svasvopādānagocaraiḥ |
anāśrayairaśakyaṃ hi jagatkāryapravartanam ||
tasmāt tadāśrayībhūtā māyāstyeva duranvayā |
vicitracitrasphūrtīnāṃ bhittirāśrayaṇī yathā ||
itthaṃ māyādipṛthvyantairmitho nātivilakṣaṇaiḥ |
aśuddhādhvani niṣpannamindrajālopamaṃ jagat ||
māyākāryendrajālasya jaḍatvāt syānna kartṛtā |
bhittyādeścitrajālasya kriyākartānya eva hi ||
tathā māyādisambhūtervidyātattvādimāñchivaḥ |
kartānya eva mantrātmā śabdavarṇādikāraṇam ||
tasmiñchivādau vidyānte śuddhādhvani sunirmale |
śabdavidyāḥ savidyeśā dṛśyante vyomagocarāḥ ||
śivaśaktyoḥ sānnikarṣād bindurnādātmako'bhavat |
candracandrikayoryadvadāhlādaguṇasambhavaḥ ||
p. 16) jāyate'dhvā yataḥ śuddho vartate yatra līyate |
sa binduḥ paranādākhyo nādabindvaṇukārakam ||
iti ratnatraye |
nādākhyaṃ yat paraṃ bījaṃ sarvabhūteṣvavasthitam |
muktidaṃ paramaṃ divyaṃ sarvasiddhipradāyakam ||
sāntaṃ sarvagataṃ śūnyaṃ mātrādvādaśakasthitam |
hrasvā brahma samākhyātā dīrghā hyaṅgāni ṣaṇmukhe ! ||
iti kālottare |
athādāvabhavacchabdaḥ kāraṇādakṣaraṃ tataḥ |
akṣarānmokṣadaṃ brahman ! brahma brahmavido viduḥ ||
iti svāyambhuve |
ratnatraye'pi -
sa tu śabdaścaturdhā vāgvaikharyādivibhedataḥ |
jāyate bindusaṃkṣobhādanantasyārthasiddhaye ||
catvāri vākparimitāpadāni iti śrutiścaṃ |
śaktirnādo mahāmāyā vyometi ca caturvidhaḥ |
bindurevāsya tu punaścatasro vṛttayaḥ smṛtāḥ || 1-113 ||
vaikharī madhyamā caiva paśyantī cāpi sūkṣmayā |
vyutkrameṇa bhavantyetāḥ kuṇḍalinyāditaḥ kramāt || 1-114 ||
sūkṣmā kuṇḍalinī madhye jyotirmātrātyaṇīyasī |
aśrotraviṣayā tasmādudgacchantyūrdhvagāminī || 1-115 ||
svayamprakāśā paśyantīṃ suṣumnāmāśritā bhavet |
saiva hṛtpaṅkajaṃ prāpya madhyamā nādarūpiṇī || 1-116 ||
antaḥsañjalpamātrāsyādavibhaktordhvagāminī |
saivoraḥkaṇṭhatālusthā śiroghrāṇadvijopagā || 1-117 ||
jihvāmūloṣṭhaniṣṭhyūtā kṛtavarṇaparigrahā |
śabdaprapañcajananī śrotragrāhyā tu vaikharī || 1-118 ||
hakāraḥ sāvikāro'tha repheṇa samayujyata || 1-119 ||
īkāramabhajat tasmād bindunādavibhūṣitam || 1-120 ||
śaktibījaṃ tu tadyogādakhilotpattikāraṇam || 1-121 ||
p. 17) haratvācca haritvācca śivaśaktyostu yuktayoḥ || 1-122 ||
śliṣṭocāritayoḥ śābdaṃ rūpaṃ tad bījamīritam |
hakārastu bhaved brahmā īkāro viṣṇuriṣyate || 1-123 ||
repho rudro'gnireva syād bindurīśvara ucyate |
nādaḥ sadāśivo jñeyo nādāntastu śivaḥ svayam || 1-124 ||
hakāro vyaktimāpanno hārdaghoṣavivarjitaḥ |
akāratāṃ gatastasya bhedo hyakṣarasantatiḥ || 1-125 ||
ūkārāntānyakārādīnyakṣarāṇi ṣaḍasya tu |
vikṛtiḥ syād viśeṣeṇa rephasya tu ṛ ṝ ḷ ḹ || 1-126 ||
īkārabhedatastvāsannekārādyakṣarāṇi ṣaṭ |
itthaṃ ṣoḍaśadhotpannāḥ svarākhyāḥ śaktibījataḥ || 1-127 ||
ṝṛḷḹviyuktāste dvādaśetyapare jaguḥ |
hrasvasvarā binduyutāḥ pumāṃso hyarkarūpiṇaḥ || 1-128 ||
dīrghasvarā visargāntāḥ strīliṅgāḥ somarūpiṇaḥ |
ṛ ṝḷḹcatuṣkaṃ tu saumyāgneyaṃ napuṃsakam || 1-129 ||
hakāraḥ śabdaguṇavānākāśamasṛjat puraḥ |
vyomnaḥ sparśaguṇo vāyuḥ sparśākhyāḥ kādayo'bhavan || 1-130 ||
pañcapañcākṣarāste tu pañcavargāstvinātmakāḥ |
yādyakṣaracatuṣkaṃ tu vāyvagnikṣmāmbhasāṃ tanuḥ || 1-131 ||
sparśo rūpaṃ tathā gandho rasākhyastadguṇāḥ kramāt |
śeṣāstu vyāpakāḥ śādyāḥ sāgnīṣomāḥ svaraspṛśaḥ || 1-132 ||
itthaṃ pañcāśadutpannā varṇāḥ śaktiprabhedataḥ |
kādayaḥ pañcaviṃśārṇā yādayaḥ śādayastathā || 1-133 ||
sthānaprayatnabhedena jāyante svalvakārataḥ |
akārādisvarairyuktahalāṃ yogānmitho'pi ca || 1-134 ||
śabdaprapañcaḥ sarvo'pi vicitraṃ jāyate sphuṭam |
iyaṃ hi mātṛkā khyātā pañcāśadvarṇasaṃhatiḥ || 1-135 ||
p. 18) asyāstu vikṛtirviśvaṃ śabdajātamiti sphuṭam |
seyaṃ vāgdevatā svārṇamūrtirvidyā śivātmikā || 1-136 ||
sāmānyapāde prāgeva saviśeṣaṃ pradarśitā |
tattvamātṛkādhikāraḥ |
bindornādātmakāt tasmācchivecchātaḥ pravartitāḥ || 1-137 ||
kalāḥ pañca nivṛttyādyā yāsu viśvaṃ pratiṣṭhitam |
kṣakāraḥ kṣititattvaṃ ca nivṛttau vyāpya saṃsthitam || 1-138 ||
tathāhādyāṣṭakārāntāstrayoviṃśatirakṣarāḥ |
prakṛtyantaṃ pratiṣṭhāyāṃ syāt kalāyāṃ pratiṣṭhitam || 1-139 ||
ñādighāntāḥ sapta varṇāḥ puṃso māyāntameva ca |
saptatattvāni vidyākhyakalāyāṃ saṃsthitāni vai || 1-140 ||
gakhakāstu trayo varṇāḥ śuddhavidyeśvarā api |
syāt sadāśivatattvaṃ ca śāntyākhyāyāṃ pratiṣṭhitam || 1-141 ||
akārādyāstvakārāntā vilomaṃ ṣoḍaśa svarāḥ |
śaktitattvaṃ śivaścāpi śāntyatītakalopagāḥ || 1-142 ||
ityuktā varṇatattvānāṃ kalāvyāptiḥ samāsataḥ |
tattvānāṃ ca mitho vyāptirdevatānāṃ ca kathyate || 1-143 ||
śaktiḥ śivādibhūmyantaṃ vyāpya viśvamavasthitā |
sadāśiveśvarau cāpi bindvādikṣāntagocarau || 1-144 ||
sadāśivādibhūmyantaṃ vidyātattvaṃ vyavasthitam |
māyākālādipṛthvyantaṃ kalātattvaṃ tu sarvagam || 1-145 ||
ataḥ paraṃ syāt tattvānāṃ yathākramamavasthitiḥ |
māyādikṣmāntakaṃ rudro viṣṇurmāyādharāvadhiḥ || 1-146 ||
brahmā pumādibhūmyantaṃ vyāpya tattveṣvavasthitaḥ |
vidyeśvarāstvanantādyā vidyātattvaṃ vyavasthitāḥ || 1-147 ||
p. 19) vighneśvarasarasvatyau syātāṃ tattve sadāśive |
nandyādayo'pi vidyāyāṃ prakṛtau caṇḍikā sthitāḥ || 1-148 ||
lakṣmīrīśvaratattvasthā buddhau cānyāstu śaktayaḥ |
śabdatattve ca somārkau yajamāno'pi pūruṣe || 1-149 ||
svasya kāraṇasaṃsthāni bhūtākṣāṇi bhavanti hi |
devayonyaṣṭakaṃ cāpi puryaṣṭakagataṃ smṛtam || 1-150 ||
jarāyujāṇḍajasvedajodbhijjānyakhilānyapi |
pṛthvītattvagatānyeva śivaśaktikalābalāt || 1-151 ||
itthaṃ saṃkṣepatastattvavyāptiratra pradarśitā |
eṣaiva parato jñeyā vistareṇādhvanirṇaye || 1-152 ||
ṣaṭtriṃśadeva tattvānītyevaṃ kena niyamyate |
tasya bhāvaḥ smṛtastattvaṃ tad ghaṭādau ca dṛśyate || 1-153 ||
kaścidevaṃ yadi brūyāt tatra tattvaṃ nirucyate |
tacchabdaḥ prakṛtārthe syāt tvampadaṃ tasya bhāvagam || 1-154 ||
santataṃ yat tataṃ tattvaṃ sthitamāpralayādapi |
yathā tattvasiddhau -
tatatvāt santatatvācca tattvānīti tato viduḥ |
tatatvaṃ deśato vyāptiḥ santatatvaṃ ca kālataḥ ||
iti |
api ca,
lakṣādi vyoma ca vyāpi tattvamāpralayāt sthitam |
anyathā stambhakumbhādyamapi tattvaṃ prasajyate ||
iti |
tattvaprakāśe ca -
āpralayaṃ yat tiṣṭhati sarveṣāṃ bhogadāyi bhuvanānām |
tat tattvanāmadheyaṃ na śarīraghaṭādikaṃ tattvam ||
iti |
ṣaṭtriśaditthaṃ tattvāni jñeyāni pravibhāgataḥ || 1-155 ||
tattvajñānaṃ hi tajjñānamatattvajñānamanyathā |
ṣaṭtriṃśadeva tattvāni viśvasiddheryathārthataḥ || 1-156 ||
p. 20) tattvāntarasya cābhāvāt paratattvānapekṣayā |
yāvatā prakṛtaṃ kāryaṃ kāraṇena prasiddhyati || 1-157 ||
nāstyatra kāraṇaṃ cānyat tatrālaṃ tāvataiva hi |
kulālacakradaṇḍāmbhomṛtpiṇḍādyaṃ ghaṭodaye || 1-158 ||
kāraṇaṃ cāpyapekṣyaṃ ca nānyadasti yathā tathā |
tasmādidamiha proktaṃ sādhyameva vipaścitām || 1-159 ||
tāttviko'dhvāyamevaṃ syād vijñeyaḥ parato'pi yaḥ |
ityayaṃ vastunirdeśastantre'smin pratipāditaḥ || 1-160 ||
kriyādīkṣāpratiṣṭhādeḥ sāphalyārthasiddhaye |
mukhye śreyasi bhogamokṣaphalado viśvasya kartā sudhīḥ
svāsyodīrṇaparāparāgamaparajñānāṇusantāraṇaḥ |
yo'nādirvimalo vilakṣaṇatayānyebhyaḥ svatantro vibhu -
stattvairvarṇakalādibhiḥ sa viduṣāṃ vedyaśca siddhaḥ śivaḥ || 1-161½ ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde vastunirdeśākhyaḥ prathamaḥ paṭalaḥ || 1 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 2: Die sechs Grundkategorien der Shaiva-Lehre
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 2: Die sechs Grundkategorien der Shaiva-Lehre
Dieses Kapitel entfaltet die Begriffe, auf denen die spätere Einweihungs- und Rituallehre beruht: gebundene Seele, Fesseln, Herr, Shakti, unterscheidende Betrachtung sowie rituelles Handeln und Lebensführung. Es zitiert mehrere Agamas und ihre Ausleger. Die Vergleiche mit anderen Philosophien sind historische, oft polemische Darstellungen; die deutsche Übersetzung hält diese Stimmen auseinander.
Eingang. Nun das zweite Kapitel.
Kriyapada 2-1. Zuerst verneige ich mich hingebungsvoll vor Ganeshvara, vor der Rede, die die Welt hervorbringt, vor Shiva und seiner glückverheißenden Shakti. Danach lehre ich die Diksha der gebundenen Seele: Sie löst ihre Fesseln und erschließt ihren Shiva-Zustand.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Die gebundene Seele, der Bindende und die Fessel – diese drei stehen fest. Durch die Erklärung ihres Verhältnisses als zu Bewirkendes und Bewirkendes sollen sie deutlich werden.“
Kriyapada 2-2. Jener Träger des Körpers, der im Körper gebunden ist, sich aber von ihm unterscheidet und seinem Wesen nach körperlos ist, wird Jiva, Atman und Pashu genannt. Weil er im Samsara wandert, heißt er auch Purusha und Anu, die begrenzte Seele.
Unnummerierte Kategorienverse. „Pashu, Pasha, Pati, Shakti und Vichara sind fünf Grundkategorien; Kriya und Charya bilden die sechste, wie im Shaiva-Agama gelehrt. Zuerst die gebundene Seele, dann Ishvara, Vidya, Ursprung und schließlich Befreiung.“ So im ehrwürdigen Parakhya. [Hinweis: Die zweite Aufzählung ist verkürzt und nicht deckungsgleich mit der ersten; sie wird nicht vereinheitlicht.]
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Wer als Samayin die wirkliche Bestimmung dieser sechs Kategorien jeweils richtig erkennt, erlangt Erfahrung und Befreiung. Der Verkörperte wird nicht nur dem Namen nach als gebundene Seele betrachtet. Woher ergibt sich in diesem Körper ein Atman, der vom Körper verschieden ist?“
Kriyapada 2-3. Die Buddhisten erklären ihn argumentativ als augenblicklich vergehend und aus einer Folge von Erkenntnisereignissen bestehend. Die großen Vertreter des Vedanta dagegen lehren den inneren Atman als ewig und einzig.
Kriyapada 2-4. Die unbekleideten Jainas lehren ihn als körpergroß und unabhängig. Die hier als stolze, dämonische Schar geschmähten Charvakas erklären ihn dagegen allein durch ihre eine Erkenntnisquelle als bloße Gesamtheit der Elemente, als Körper und Sinne. [Hinweis: Die abwertende Bezeichnung gehört zur Polemik des Autors.]
Kriyapada 2-5. Die Sankhyas, die Prakriti lehren, nennen ihn jenseits der gezählten Prinzipien: im gebundenen Zustand nicht handelnd, im befreiten Zustand erkennend.
Kriyapada 2-6. Nach Jaiminis Lehren ist er erkennend und handelnd, und es gibt viele Atmans; in der Befreiung aber ist er gleichsam einem Stein ähnlich, wobei die Erkenntnis des Dharma als einziges Mittel gilt. [Hinweis: Die Schlussverbindung ist knapp; dies ist die Fremddarstellung des Textes.]
Kriyapada 2-7. Nyaya und verwandte Schulen bestimmen ihn als gesondert, verbunden mit Erkenntnis, Leid, Freude, Wunsch, Abneigung, Bemühung, Verdienst und Unverdienst,
Kriyapada 2-8. ferner mit bleibenden Eindrücken: als neun Eigenschaften besitzenden Atman in jedem Körper. Die Grammatiker lehren aufgrund der Nichtverschiedenheit von Wort und Bedeutung die Ewigkeit des Klang-Atman,
Kriyapada 2-9. seine Bindung und seine Befreiung durch die Erkenntnis dessen. So wird der Atman von den verschiedenen Schulen widersprüchlich bestimmt.
Kriyapada 2-9 1/2. Die Seele ist Pashu, weil sie durch Fesseln gebunden ist; der Herr, der bindet, ist Shiva. [Hinweis: Die zusätzlich überlieferte Halbversnummer wird bewahrt.]
Kriyapada 2-10. Die gebundene Seele ist körperlos, ewig, ohne Eigenschaften und ohne eigene Tätigkeit; sie ist erkennend, mächtig und auf den Körper bezogen. Durch Unreinheit befleckt, von Ishvaras Maya umhüllt, erfährt sie die Früchte ihrer eigenen Handlungen. [Hinweis: Die Verbindung „jnaprabhudehagocara“ lässt mehrere syntaktische Deutungen zu.]
Kriyapada 2-11. Sie weiß von sich aus nur wenig und ist durch Anhaften und die Gunas Sattva, Rajas und Tamas gefärbt. Dennoch erkennt sie mittels Buddhi und weiterer Organe und denkt darüber nach, wie sie ihren Durst nach Erfahrung stillen kann.
Unnummeriertes Zitat: Kirana. „Die gebundene Seele ist ewig und körperlos, unwissend, untätig, eigenschaftslos, mächtig und durchdringend. Sie befindet sich im Inneren der Maya und denkt über Mittel zur Erfahrung nach.“
Unnummeriertes Zitat: Varuna. „Sie weiß wenig, ist unrein und gesondert, handelt und erfährt ihre eigenen Handlungen. Vom Körper verschieden, durchdringend und ewig, bedarf sie der Läuterung und steht unter einem Herrn: das ist Pashu.“
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Unbewusst, durchdringend, ewig, ohne Eigenschaften, untätig, nicht selbstmächtig, gehemmt und doch zur Erfahrung fähig, ist sie zu reinigen und zu erwecken, ohne Teile und mächtig.“ [Hinweis: Das Zitat nennt sowohl fehlende Selbstmächtigkeit als auch Macht; die Spannung bleibt sichtbar.]
Unnummeriertes Zitat: Parakhya. „Mit einem Körper versehen, vergänglich, durchdringend, gesondert, unrein und unbewusst erfährt sie die Frucht ihrer eigenen Handlungen, weiß wenig und steht als mächtiges Wesen unter einem Herrn.“ [Hinweis: IAST und Devanagari lesen ausdrücklich „vergänglich“, abweichend von den vorherigen Zitaten; keine Angleichung wird vorgenommen.]
Kriyapada 2-12. Wenn die machtlose gebundene Seele durch Niyati geordnet wird und im Verlauf der Zeit ihre Handlungen ins Gleichgewicht kommen, wird sie durch Shivas Willen und das Herabkommen seiner Kraft gereinigt. Dann wird sie durch eine ihrer Eignung entsprechende Diksha befreit.
Unnummerierte Begründung nach Kriyapada 2-12. Im Kirana heißt es: „Wenn die Handlungen im Laufe der Zeit ins Gleichgewicht gekommen sind, dann durch ein starkes Herabkommen der Kraft …“ Weil dies dort so gelehrt wird, gilt die Befreiung des Eingeweihten von den Fesseln als begründet; der Nichteingeweihte bleibt demnach gebunden. Im Svayambhuva heißt es: „Der unreine Atman ist gebunden und wird danach durch Diksha befreit.“
Kriyapada 2-13. Die verkörperte Seele ist durch Fesseln gebunden, weil sie keine rechte Erkenntnis besitzt;
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 2-13. sie ist ein Erfahrender, wie Rinder und andere Tiere. Was so beschaffen ist, verhält sich entsprechend. Abschnitt über die Untersuchung der gebundenen Seele.
Unnummerierter Abschnitt: Die drei Fesseln. Ebenso sind die Fesseln der Verkörperten dreifach: Unreinheit, Maya und angesammeltes Karma. Die angeborene Unreinheit heißt Anava; daneben stehen die Maya- und Karma-Fessel. Varuna sagt: „Drei Fesseln sind zu erkennen: Mala, Maya und Karma.“ Bei Ramakantha heißt es: „Die Fessel dieser gebundenen Seelen ist dreifach: Unreinheit, Karma und Maya.“
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Die anfangslose Unreinheit der Menschen wird als ihr Gebundensein bezeichnet. Man soll sie wie Hülse und Schale am Keim von Maya und Übel verstehen. Das Maya-Tattva ist der Keim der Welt, unzerstörbar und von Shivas Wesen. Karma ist zweifach und muss erfahren werden …“ [Hinweis: Das Karma-Zitat bricht in der Quelle an dieser Stelle ab.]
Unnummerierte Erläuterung der Unreinheit. Dass die gebundene Seele diesen nicht zum Selbst gehörenden Körper für das Selbst hält, Dinge als „mein“ betrachtet und Nichtwirklichem Wirklichkeit zuschreibt – diese Dreiheit ist offenkundig das als Mala bezeichnete Nichtwissen. Im Kirana: „Mala ist angeboren; Maya-Wirkungen sind später hinzukommende Unreinheit.“ Im Matanga: „Die als Verblendung bezeichnete Unreinheit der Menschen gilt als angeboren und anfangslos; sie steht den sechs, beginnend mit Freude, voran, o bester Brahmane.“ [Hinweis: Die Sechsergruppe wird hier nur durch ihren Anfang bezeichnet.]
Weitere unnummerierte Bestimmungen. Varuna nennt Mala „Unreinheit und Nichtwissen“. Im Brihatkalottara: „Verblendung, Überheblichkeit, Missgunst, Anhaften, Abneigung, Durst und Habgier sind die sieben Formen der angeborenen Unwissenheitsunreinheit der Seele.“
Unnummerierte Erläuterung der Maya. Maya heißt hier die Gesamtheit der Tattvas von Kala bis Erde, in der die vielfältige Welt mit diesen Erscheinungen erkennbar wird. „Ihre Wirkungen von Kala an, fein und grob bis zur Erde, werden als durch das eigene Karma mit diesem Körper verbunden erschlossen. Weil alles Hervorgebrachte in ihr bemessen beziehungsweise enthalten ist, heißt sie Maya-Tattva.“ So im Parakhya.
Unnummerierte Tattvaliste und Karma-Erklärung. Zuerst Kala, dann Niyati, Vidya, Raga, Purusha, Prakriti, Buddhi, Ahamkara, Manas, die zehn Sinnes- und Handlungsorgane, die fünf feinen Sinnesqualitäten sowie Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde: Aus diesen Tattvas entsteht der Körper des Erfahrenden. Durch das Karma des im Samsara Wandelnden erscheint diese Maya wie ein Zauberschauspiel. Unbewusst und doch wie bewusst, vielfältig, allgegenwärtig, ewig und überaus fein, zugleich aber grob: Deshalb lässt sich das Maya-Tattva nicht vollständig angemessen beschreiben.
Auch Karma ist zweifach: früher vollbrachtes verdienstvolles und schuldhaftes Handeln. Beide sind dreifach: geistig, sprachlich und körperlich. Diese drei Arten werden wiederum dreifach unterschieden: früher angesammelt, hier erworben und künftig entstehend. Ihre Früchte bilden für den Erfahrenden die Gegensatzpaare.
Die Unreinheit dieser unreinen verkörperten Seele ist wie die Schwärze des Kupfers mit ihr verbunden. Durch das Herabkommen von Shivas Kraft vergeht sie, wie durch die alchemistische Durchdringung mit dem Herrn der Metalle. [Hinweis: Der alchemistische Vergleich ist ein Bild der Quelle, kein Nachweis einer Metallumwandlung.]
Unnummeriertes Zitat: Svayambhuva. „Durch Shivas Gnade und unmittelbar nach dem Herabkommen der Kraft wird die Diksha vollzogen; dadurch wird die Seele aus ihrem Gebundensein befreit. Nach Shivas Willen fällt die höchste, unendliche, ursprüngliche Shiva-Kraft, die das Ziel Shivas gewährt, in der nichtletzten Geburt des Menschen auf ihn herab. Durch ihr Herabkommen schwindet seine Unreinheit, die Ursache des Samsara.“ [Hinweis: IAST und Devanagari lesen „janmany apashchime“, hier wörtlich als nichtletzte Geburt wiedergegeben. Eine möglicherweise erwartete Gegenlesung wird nicht eingesetzt.]
Kriyapada 2-14. Ihre Zeichen sind Hingabe, Loslösung vom Ozean des Werdens, rechte Erkenntnis und das Offenbarwerden des Shiva-Zustands.
Kriyapada 2-15. Darum sind Erkenntnis, Hingabe und Loslösung Zeichen des eingeweihten Atman; an der gebundenen Seele sind sie nicht ohne Weiteres vorhanden. [Hinweis: Die Quelle liest im Schlussglied „shasho“; der Bezug auf die gebundene Seele ist aus dem Zusammenhang erschlossen.]
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt Varunas über die Untersuchung der Fesseln. [Hinweis: So lautet die gelieferte Schlussbezeichnung.]
Kriyapada 2-16. Der Herr ist allein der reine Shiva, ewig, erfüllt, allwissend und unabhängig. Seine Erkenntnis ist anfangslos, seine Kraft unvermindert; er besitzt unendliche Kräfte und behütet sämtliche Entfaltungswege.
Unnummerierter Kommentar: Ramakantha. „Der Herr ist der erhabene Parameshvara, der im Folgenden nach Tattvas wie Shiva und Sadashiva und nach fünf Welten unterschieden beschrieben wird.“
Kriyapada 2-17. Er strahlt jenseits der Tattvas, durchdringt den ganzen Raum und ist gestaltlos. Der Erhabene leuchtet wie der Raum, ist unermesslich: Maheshvara ohne Anfang, Mitte und Ende.
Kriyapada 2-18. Spielend steigt er vom Bindu herab, von seiner eigenen Shakti umfangen und von höchster Macht. Um alle Wirkungen der Entfaltungswege hervorzubringen, umgibt er sich mit dem Geflecht seiner Kräfte.
Kriyapada 2-19. Als Herr der Mantras bildet er in übertragener Gestalt einen Leib aus seinen fünf Mantras, zusammen mit acht Kraftgestalten des Weltenherrn, Ananta, Sukshma und den übrigen.
Kriyapada 2-20. Ishana ist sein Scheitel, Purusha sein Gesicht, Aghora sein Herz, Vamadeva sein verborgener Bereich, Sadya seine Gestalt. Dazu gehören die Kräfte Harini, Janitri und Nirodhayitri: die Wegnehmende, Hervorbringende und Zurückhaltende.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Sein glückverheißender Leib besteht in übertragener Rede aus fünf Mantras. Der Herr hat Ishana als Scheitel, Purusha als Gesicht, Aghora als Herz; sein verborgener Bereich heißt Vama, seine Gestalt Sadya. Harini, Janani und Rodhayitri sind seine Kräfte.“
Unnummerierte Erläuterung nach dem Zitat. „Ananta, dessen Wesen unendliche Kraft ist, und Sukshma …“ – durch solche Aussagen sind die Vidyeshvaras bekannt. So ist der Herr in Kürze beschrieben, auch in der Gestalt Sadashivas. Abschnitt über die Untersuchung des Herrn.
Kriyapada 2-21. Seine Shakti ist glückverheißend, im höchsten Sinn subtil: Bewusstsein, unabhängig und Ursache aller Vollendung. Wie das Licht von der Lampe ist sie von Shiva nicht verschieden; sie vermag das Entstehen der Welt und Erkenntnis zu entfalten.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Die Kraft des Herrn ist höchst und subtil, fähig, die Welt zu entfalten. Durch sie ist Sadashiva, der unabhängige Herr, erwacht; der von großer Leuchtkraft wird in seinem Sitz der Erkenntniskraft zum Erwachen gebracht.“
Kriyapada 2-22. Verbunden mit dem Ishvara genannten Tattva und seinen vier Welten ist diese Shakti dreifach als Wille, Handlung und Erkenntnis. Sie wird weiter sechzehnfach unterschieden.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Durch diese Macht Anantas wird das höchste göttliche Leuchten sechzehnfach entfaltet, als Wille, Erkenntnis und Handlung.“
Kriyapada 2-23. Samkshobhani, Janani, Krodhayitri, Goptri, Netri, Yoktri, Trana und Vamaniyamika werden genannt:
Kriyapada 2-24. ferner Raudri, Plavika, Shraddha, Bhasani, Jvalini, Ahladanika, Stambhini und Vikira.
Kriyapada 2-25. Dies sind der Reihe nach die sechzehn Kraftgestalten. Durch sie ist Shivas Kraft entfaltet; obwohl teillos, erscheint der Ungeborene mit Gliedern und spielt als Urheber mit den Welten. [Hinweis: Die Quelle verwendet später abweichende Formen einzelner Namen, etwa Rodhayitri statt Krodhayitri und Bhavini statt Bhasani. Sie werden nicht stillschweigend vereinheitlicht.]
Unnummeriertes Zitat: Parameshvara. „Der Leuchtende, der in der Erkenntniskraft ruht, wird erweckt. Denn seine Urheberschaft wird stets entsprechend den verschiedenen Standorten gelehrt.“
Kriyapada 2-26. Der Leib des Herrn, die Tätigkeit der Welten und deren Erfahrungen kommen entsprechend auch im Ishvara-Bereich zustande. Die Kräfte ruhen auf dem Tattva-Weg und vollziehen Handlungen, die ihren Namen entsprechen.
Unnummerierter Kommentar: Ramakantha. „Die Grundkategorie Shakti wird hier als vierte gelehrt, verbunden mit dem Ishvara-Tattva und den vier noch zu beschreibenden Welten. Ohne ihre tragende Grundlage entsteht bei den Seelen keine Erkenntnis.“
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Auch das Spiel seiner eigenen Natur wird Bewegung genannt. Durch diese äußerst rasche Bewegung entstand einst der Leib des Handelnden. Indem Ananta damit vom Ishvara genannten Tattva zur Erfahrung herabstieg, schuf er die große Welt zum Fortbestehen der Tätigkeit. So gilt der Gott als der Bewegende, die gebundenen Seelen als die zu Bewegenden.“
Unnummerierte Ableitung und weiteres Matanga-Zitat. Daraus folgt: „Mit Kshobhani bewegt er die Welten, mit Janani schafft er Erfahrung. Mit Rodhayitri hält er die begrenzten Seelen zurück und setzt jede in ihre eigene Karmafrucht ein. Mit Goptri schützt er die Welt, mit Netri führt er sie. Die Fesselmasse des Erfahrenden ist Leid; jene Kraft vermag sie aufzulösen.“
Kriyapada 2-27. Mit der Plavika genannten Kraft wischt er die fortgesetzten Leiden der gebundenen Seelen hinweg
Kriyapada 2-28. und überflutet sie mit dem Nektar der Erfahrung. Durch Shraddha verbindet er sie mit ihren Zielen; durch Bhavini lässt er die begrenzten Seelen Zustände des Bestehens, Nichtbestehens und Werdens erfahren.
Kriyapada 2-29. Bei der Weltauflösung zieht er die Welt ein und verbrennt sie mit Jvalini. Mit Hladini erfreut er durch Erfahrungen und durch die Befreiung, die in Shiva gründet.
Kriyapada 2-30. Mit Stambhini hält Maheshvara die Welt in seiner Ordnung fest; durch Vikira verteilt Shiva die begrenzten Seelen in vielen tausend Geburtsorten,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 2-30. vielfältig unter beweglichen, unbeweglichen und empfindenden Wesen.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Mit Vikirini bringt er, entsprechend den jeweils angenommenen Körperteilen, die Körper der Welt in tausendfacher Weise zur Erscheinung.“
Kriyapada 2-31. So besitzt Shiva unendliche Kraft durch die sechzehn Kraftgestalten und die aus ihren Unterteilungen hervorgehenden Kräfte. Mit seinen gesamten Herrlichkeiten, erfüllt von Vidya, erkennt er die Welt und erschafft sie fortwährend.
Kriyapada 2-32. Dreieinhalb Koti Kräfte sind durch Einsetzung dem Vidya-Tattva zugeordnet; sie sind Entfaltungen dieser Kräfte.
Unnummerierte Überleitung. Ferner:
Kriyapada 2-33. Aus dem Urheber hervorgegangen, von unfehlbarer Stärke, haben sie sich in der vielfältigen Welt ausgebreitet. Jede zeigt ihr erhabenes Wirken im Zusammenhang von Ursache und Wirkung.
Kriyapada 2-34. Durch die Gliederung der Fesseln wird dies offenbar; alle gebundenen Seelen werden mit den erforderlichen Möglichkeiten ausgestattet. Wenn die Zeit ihrer Erfahrungen gekommen ist, wird ihnen die Karmafrucht sachgemäß zugeteilt.
Kriyapada 2-35. Diese großen Kräfte, Leuchten der ganzen Welt, stehen unter der eigenen Herrschaft des Herrn.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. So lautet die Darlegung. Abschnitt über die Untersuchung der Shakti.
Kriyapada 2-36. Vichara, unterscheidende Betrachtung, bezeichnet die Untersuchung der Welt und ihres Weltenwegs, von der Schöpfung an, sowohl allgemein als auch im Besonderen entsprechend dem Karma des Purusha.
Kriyapada 2-37. Auch die Prüfung der sechsundzwanzig Gliederungen des Weltenwegs, verbunden mit Vidya und dem Vidyeshvara-Tattva, die teils zuvor, teils später behandelt werden, heißt hier Vichara. [Hinweis: Die Formulierung zum Früheren und Späteren ist in der Quelle syntaktisch auffällig.]
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Grundkategorie Vichara.
Kriyapada 2-38. Kriya ist hier der Kreis der rituellen Handlungen, einschließlich Diksha und besonderer Läuterungen. Charya umfasst tägliche, gelegentliche und auf bestimmte Wünsche gerichtete Pflichten. Beide zusammen bilden
Kriyapada 2-39. die sechste Grundkategorie, wie im Kirana und anderen Shaiva-Agamas bekannt. Das Lehrwerk, das diese Kategorien erschließt, heißt Tantra; die Wortwurzel wird hier im Sinn von Tragen oder Bewahren erklärt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Grundkategorien Kriya und Charya.
Unnummerierte redaktionelle Überleitung des Werkes. Im Zusammenhang mit der Erklärung, wie durch Diksha der Shiva-Zustand umfassend verwirklicht wird, und weil im ersten Vers dieses Kapitels „Danach lehre ich“ gesagt wurde, wird auch der Kreis der Handlungen wie Pratishtha später dargestellt. Er ist in den Grundkategorien Kriya und Charya enthalten.
Kriyapada 2-40. So wurde hier der Keim des Shaiva-Tantra durch die Betrachtung von Seele, Fessel, Herr und göttlicher Kraft dargelegt. In gute rituelle Handlung eingesät trägt er Frucht wie ein Hain himmlischer Wunschbäume, der die ersehnten Ziele spendet.
Kolophon. Hier endet im oberen beziehungsweise zweiten Teil, im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, das zweite Kapitel namens „Untersuchung der sechs Grundkategorien“.
Besinnung: Bindung verstehen, Freiheit suchen
Erkenntnis, Hingabe und Loslösung werden als Zeichen innerer Veränderung genannt. Eine heutige Übung kann darin bestehen, die eigenen Bindungen aufmerksam wahrzunehmen: Was lenkt mein Handeln, was nährt mein Verstehen, und wo kann ich freier antworten? Das Kapitel verbindet solche Fragen mit einer bestimmten Shaiva-Lehre von Gnade und Einweihung. Seine Bilder von Licht und göttlicher Kraft können zur Sammlung anregen, ohne die Unterschiede zwischen den philosophischen Schulen einzuebnen.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 2: Die sechs Grundkategorien der Shaiva-Lehre
Dieses Kapitel entfaltet die Begriffe, auf denen die spätere Einweihungs- und Rituallehre beruht: gebundene Seele, Fesseln, Herr, Shakti, unterscheidende Betrachtung sowie rituelles Handeln und Lebensführung. Es zitiert mehrere Agamas und ihre Ausleger. Die Vergleiche mit anderen Philosophien sind historische, oft polemische Darstellungen; die deutsche Übersetzung hält diese Stimmen auseinander.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha dvitīyaḥ paṭalaḥ |
praṇamya bhaktyā prathamaṃ gaṇeśvaraṃ prapañcasūtiṃ ca giraṃ śivāṃ śivam |
sapāśaviśleṣaśivatvabodhinīṃ paśostu dīkṣāṃ pravadāmyathottaram || 2-1 ||
atra mataṅge -
paśuḥ pāśayitā pāśastrayametad vyavasthitam |
sādhyasādhakabhāvoktyā yathā tat prakaṭaṃ bhavet ||
iti |
ya eṣa dehe niyatastu dehabhṛccharīrabhinno hyaśarīralakṣaṇaḥ |
sa jīva ātmā paśurityudīryate smṛtaśca saṃsāritayā pumānaṇuḥ || 2-2 ||
paśuḥ pāśaḥ patiḥ śaktirvicāraśceti pañcadhā |
padārthāḥ syuḥ kriyā caryā ṣaṣṭhī śaivāgamoditā ||
p. 21) paśuḥ prāgīśvaro vidyāyonirmuktirihāntimā |
iti śrīparākhye |
itīha ṣaṭpadārthānāṃ pṛthag yāthārthyanirṇayaḥ |
viditvā samayī samyag bhogaṃ mokṣaṃ ca vindati ||
na paśurnāmamātreṇa śarīrī paribhāvyate |
śarīre'smin kuto hyātmā śarīrād vyatiricyate ||
iti mataṅge |
tathāhi -
bauddhāḥ kṣaṇadhvaṃsinamāhurenaṃ vijñānasantānamayaṃ ca yuktyā |
taṃ pratyagātmānamuśanti nityaḥ tryayyantidantipravarāstathaikam || 2-3 ||
āśāmbarā dehamitaṃ svatantraṃ taṃ garvicārvākapiśācasaṅghāḥ |
prāhustathā bhūtanikāyamātradehendriyātmānamihaikamānāt || 2-4 ||
sāṃkhyāḥ saṅkhyāparaṃ tvenaṃ prāhuḥ prakṛtivādinaḥ |
baddhāvasthamakartāraṃ muktāvasthāgataṃ vidam || 2-5 ||
jaiminīyamatairjñānī kartānekātmatāṃ gataḥ |
muktau pāṣāṇakalpo vā dharmajñānaikasādhanāt || 2-6 ||
naiyāyikādibhirbhinno buddhiduḥkhasukhānvitaḥ |
icchādveṣaprayatnaiśca dharmādharmayuto'pi ca || 2-7 ||
saṃskāravān navaguṇo hyātmā pratitanu smṛtaḥ |
śabdārthayorabhedena brūyuḥ śabdātmanityatām || 2-8 ||
baddhaṃ muktaṃ ca tajjñānād ye'mī vyākaraṇāspadāḥ |
evaṃ mitho virodhena hyātmā tīrthaiḥ pṛthak smṛtaḥ || 2-9 ||
sa paśuḥ pāśitaḥ pāśaiḥ patiḥ pāśayitā śivaḥ || 2-9 1/2 ||
paśustvamūrtaḥ khalu nityanirguṇaḥ sa niṣkriyo jñaprabhudehagocaraḥ |
malādaśuddho'pi ca bhoktṛtāṃ gataḥ svakarmaṇāmīśvaramāyayā vṛtaḥ || 2-10 ||
svayaṃ tu kiñcijjñatayātha rāgataḥ sa rañjitaḥ sattvarajastamoguṇaiḥ |
tathāpi buddhyādibhireva buddhyate vicintako bhogavidhānatṛṣṇayā || 2-11 ||
p. 22) tathāca kiraṇe-
paśurnityo'pyamūrto'jño niṣkriyo nirguṇaḥ prabhuḥ |
vyāpī māyodarāntaḥstho bhogopāyavicintakaḥ ||
iti varuṇo'pyāha -
kiñcijjño malino bhinnaḥ kartā bhoktā svakarmaṇām |
śarīrānyo vibhurnityaḥ saṃskāryaḥ seśvaraḥ paśuḥ ||
iti svāyambhuve ca -
acetano vibhurnityo guṇahīno'kriyo'prabhuḥ |
vyāghātī bhogaśaktaśca śodhyo bodhyo'kalaḥ prabhuḥ ||
iti |
parākhye ca -
dehāḍhyo naśvaro vyāpī vibhinnaḥ samalo jaḍaḥ |
svakarmaphala(bhuktā ? bhoktā) ca kiñcijjñaḥ seśvaraḥ prabhuḥ ||
iti |
kiṃ bahunā -
yadā niyatyā viniyamyate'vaśaḥ paśuḥ same karmaṇi kālayogataḥ |
śivecchayā śaktinipātaśodhitastato vimucyeta yathārhadīkṣayā || 2-12 ||
atra -
same karmaṇi sañjāte kālāntaravaśāt tataḥ |
tivraśaktinipātena
ityādinā kiraṇe'bhihitatvād dīkṣitasya pāśamuktiḥ siddhetyata stvadīkṣito baddha eva |
athātmā malino baddhaḥ punarmuktaśca dīkṣayā |
iti |
svāyambhuve |
atra -
baddhaḥ pāśaiḥ paśurdehī so'samyagjñānahetutaḥ || 2-13 ||
gavādivad bhoktṛtayā yad yaditthaṃ tathaiva tat |
paśuvicārādhikāraḥ |
p. 23) tathaiva pāśāstrividhāstu dehināṃ malaṃ ca māyāpyatha karmasañcitam |
tadāṇavaṃ nāma malaṃ sahodbhavaṃ yadeva māyeyakakārmaṇāhvayam ||
pāśā api trayo jñeyā malaṃ māyā ca karma ca |
iti varuṇaḥ |
pāśastu malakarmamāyayosteṣāṃ paśūnāṃ trividhā |
iti rāmakaṇṭhe |
svāyambhuve ca -
athānādimalaṃ puṃsāṃ paśutvaṃ parikīrtitam |
tuṣakambukavajjñeyaṃ māyāpāpāṅkurasya tat ||
māyātattvaṃ jagadbījamavināśyaṃ śivātmakam |
karma tad dvividhaṃ bhogyam
iti ca |
anātmabhūte'tra kalebare paśoryadātmabuddhirmamatā ca vastuṣu |
asatsu sadbuddhiritīha tat trayaṃ malākhyamajñānamidaṃ parisphuṭam ||
sahajo hi malo māyā kāryamāgāmiko malaḥ
iti kiraṇe |
tathāca mataṅge -
moho nāma malaḥ puṃsāṃ sahajo'nādimān mataḥ |
yo hi ṣaṇṇāṃ mudādīnāṃ pradhānatvād dvijottama ! ||
iti |
malaṃ cāśuddhirajñānamiti varuṇaḥ |
moho madaśca mātsaryaṃ rāgadveṣau ca tṛṣṇayā |
lobhaśca saptadhājñānamalaṃ yat sahajaṃ paśoḥ ||
iti vṛhatkālottare |
māyetyuktā kalādyātra kṣityantā tattvasaṃhatiḥ |
yasyāṃ viśvaprapañco'yaṃ sahābhiḥ khyātigocaraḥ ||
kalādikaṃ tu tatkāryaṃ sūkṣmaṃ sthūlaṃ dharāntakam |
svakarmataḥ śarīre'smin sambaddhamanumīyate ||
sarvakāryaṃ yato māti māyātattvamataḥ smṛtam ||
iti parākhye |
p. 24) kalā ca pūrvaṃ niyatiśca vidyā rāgaḥ pumāṃśca prakṛtiśca buddhiḥ |
ahaṅkṛtirmānasamindriyāṇi daśaiva tanmātrakapañcakaṃ ca ||
vyomānilāgnyabudharāntamebhistattvaiḥ prasidhyet tanuratra bhoktuḥ |
saṃsāriṇaḥ karmavaśāddhi saiṣā māyendrajālapratimā vibhāti ||
acetanaṃ cetanavad vicitraṃ sarvatragaṃ nityamatīva sūkṣmam |
yatastataḥ sthūlamapīha māyātattvaṃ na śakyaṃ gadituṃ yathāvat ||
karmāpi ca syāt dvividhaṃ kṛtaṃ prāk puṇyātmakaṃ cāpyatha pāpakaṃ ca |
te ca tribhede khalu mānasaṃ prāg vāgjaṃ ca śarīramiti krameṇa ||
traidhāni karmāṇi punastridhā syuḥ prāgārjitānīha ca saṃbhṛtāni |
āgāmikānīti ca tāni yeṣāṃ dvandvātmakānīha phalāni bhoktuḥ ||
aṇoraśuddhasya śarīriṇo'sya malaṃ hi śulbasya tu kālimeva |
sahaiva jātaṃ śivaśaktipātād rasendravedhādiva yātyabhāvam ||
śivānugrahayogāt tu śaktipātādanantaram |
pravartitāyāṃ dīkṣāyāṃ paśutvādeṣa mucyate ||
śivecchayā parānantā śaivī śaivārthadāyikā |
sā śaktirāpatatyādyā puṃso janmanyapaścime ||
tannipātāt kṣaratyasya malaṃ saṃsārakāraṇam |
iti svāyambhuve |
tasya cihnāni bhaktiśca virāgo bhavasāgare |
samyag jñānaṃ śivatvasya vyaktiśceti bhavanti hi || 2-14 ||
tasmājjñānaṃ ca bhaktiśca vairāgyamiti cātmanaḥ |
dīkṣitasya tu cihnāni śaśostvetāni nāñjasā || 2-15 || 2-iti |
varuṇapāśavicārādhikāraḥ |
patistu śuddhaḥ śiva eva nityastṛptaśca sarvajñaguṇaḥ svatantraḥ |
anādibodho'yamaluptaśaktiḥ so'nantaśaktirnikhilādhvapālaḥ || 2-16 ||
p. 25) atra rāmakaṇṭhaḥ - patistu bhagavāñchivasadāśivāditattvabhedena bhuvanapañcakabhedena ca vakṣyamāṇaḥ parameśvaraḥ iti |
atītya tattvāni virājamāno vyomākhilaṃ vyāpya yato hyarūpaḥ |
vyomaprakāśo bhagavānameyo hyanādimadhyāntamaheśvaro'sau || 2-17 ||
krīḍan sa vindoravatīrya śaktyā svayopagūḍhaḥ paramaprabhāvaḥ |
sarvādhvakāryaṃ nikhilaṃ sisṛkṣuḥ svaśaktijālāvaraṇo babhūva || 2-18 ||
sa mantranātho'pyupacārayogāt svamantrapañcātmatanuṃ vyadhatta |
anantasūkṣmādibhiraṣṭasaṃkhyaiḥ samaṃ tu viśveśvaraśaktibhedaiḥ || 2-19 ||
īśānamūrdhāṃ puruṣākhyavaktrāmaghorahṛd guhyakavāmadevām |
sadyākhyamūrti tvatha hāriṇīṃ ca tathā janitrīṃ ca nirodhayitrīm || 2-20 ||
atra mataṅge -
tanuryasyopacāreṇa pañcamantramayī śivā |
īśānamūrdhāṃ puṃvaktro hyaghorahṛdayaḥ prabhuḥ ||
ucyate vāmaguhyoktyā sadyomūrtistathāsane |
hāriṇī jananī caiva rodhayitrī ca śaktayaḥ ||
iti |
ananto'nantavīryātmā sūkṣmaścetyādināpi ca |
vidyeśvarāḥ prasiddhāḥ |
samāsādevaṃvidhaḥ patiḥ sadāśivarūpī vā nirdiṣṭaḥ |
pativicārādhikāraḥ |
śivāsya śaktiḥ paramārthasūkṣmā citiḥ svatantrākhilasiddhihetuḥ |
prabheva dīpāt tu śivādabhinnā jagadbhavonmīlanabodhadakṣā || 2-21 ||
tathāca mataṅge -
patyuḥ śaktiḥ parā sūkṣmā jagadunmalinakṣamā |
tayā prabhuḥ prabuddhātmā svatantraśca sadāśivaḥ ||
prabodhyate mahātejā jñānaśaktikṛtāspadaḥ ||
iti |
tattvena sā ceśvarasaṃjñitena yuktā caturbhirbhuvanaiḥ samagrā |
icchākriyājñānamayī tribhedā bhinnā punaḥ ṣoḍaśadhā ca śaktiḥ || 2-22 ||
p. 26) tathāca mataṅge -
tatsāmarthyādanantasya tattejaḥ pārameśvaram |
bhedaiḥ ṣoḍaśadhā bhinnamicchājñānakriyātmakam ||
iti |
saṃkṣobhaṇī syājjananī tataśca syāt krodhayitrī ca tathaiva goptrī |
netrī ca yoktrītyuditā parastāt trāṇāhvayā vāmaniyāmikā ca || 2-23 ||
raudrītyataḥ plāvikayā tato'pi śraddhā parastādatha bhāsanī syāt |
jvālinyathahlādaniketi gītā stambhinyapi syād vikirā ca śaktiḥ || 2-24 ||
kramādamī ṣoḍaśa śaktibhedāḥ proktāḥ śivo yābhirudīrṇaśaktiḥ |
sa niṣkalaḥ san sakalopacārāt krīḍatyajaḥ kartṛtayā sma lokaiḥ || 2-25 ||
prabodhyate mahātejā jñānaśaktikṛtāspadaḥ |
sthānabhedena kartṛtvaṃ yasmāt tasyoditaṃ sadā ||
iti pārameśvare |
patyuḥ śarīraṃ bhuvanakriyāyāṃ bhogāśca sidhyanti yatheśvare'pi |
sthitāstu tattvādhvani śaktayastāstathā svanāmānuguṇakriyāḍhyāḥ || 2-26 ||
tathāca rāmakaṇṭhaḥ - śaktipadārtho'treśvaratattvena vakṣyamāṇabhuvanacatuṣṭayayuktaścaturtho'bhidhīyate |
tadadhiṣṭhānaṃ vinā puṃsāṃ jñānānutpādanāt iti |
mataṅge ca -
svabhāvasyāpyuta krīḍā sa ca kṣobha iti smṛtaḥ |
kṣobheṇātijavāt kartuḥ śarīramabhavat purā ||
yenāvatīrya sambhogāṃstattvādīśvarasaṃjñitāt |
vyāpārasthitaye'nantaḥ kṛtavān bhuvanaṃ mahat ||
evaṃ kṣobhayitā devaḥ kṣobhyāśca paśavaḥ smṛtāḥ ||
ityetasmāt,
kṣobhaṇyā kṣobhayallokāñ jananyā bhogasṛṣṭikṛt |
rodhayitryā nirudhyāṇūn sve sve karmaphale nyaset ||
goptryā jagad gopayati netryā viśvaṃ nayatyasau |
ruk pāśanicayo bhokturyeyaṃ drāvayituṃ kṣamā ||
iti mataṅge |
p. 27) paśūnāṃ duḥkhasantānaṃ vimṛjya plāvikāhvayā || 2-27 ||
bhogāmṛtaiḥ plāvayati śraddhayārthaiśca yojayet |
svabhāvābhāvabhāvaiśca bhāvinyā bhāvayatyaṇūn || 2-28 ||
saṃhṛtya viśvaṃ jvālinyā jvālayatyapi saṃhṛtau |
hlādinyā hlādayed bhogairmokṣeṇa ca śivāśrayāt || 2-29 ||
stambhinyā sthāpayed viśvaṃ svājñāyāṃ sa maheśvaraḥ |
nānāyonisahasreṣu janimad vikiratyaṇūn || 2-30 ||
vikiraṇyā carasthāsnutrasatsu bahudhā śivaḥ |
mataṅge ca |
vikiriṇyā yathopāttasvāṅgāvayavagocare |
vyaktīkaroti jagataḥ śarīrāṇi sahasradhā ||
iti |
itthaṃ śivaḥ ṣoḍaśaśaktibhedaistadbhedajābhiryadanantaśaktiḥ |
vidyāsamagrasvavibhūtijālairviśvaṃ viditvā ca sṛjatyajasram || 2-31 ||
tisraḥ koṭyo'rdhakoṭiśca niyogenādhiropitāḥ |
vidyātattvavidhau śaktyastāsāmeva vibhūtayaḥ || 2-32 ||
api ca,
abhyudgatāḥ karturamoghavīryāḥ pravistṛtāstāśca jagatprapañce |
prakāśitaṃ yābhirudāravṛttaṃ svakaṃ svakaṃ kāraṇakāryabhāvāt || 2-33 ||
unmīlitāḥ pāśavibhāgayuktyā kṛtāśca sarve paśavaḥ samṛddhāḥ |
bhogeṣu yuktyāvasarāgatānāṃ vibhājitaṃ karmaphalaṃ yathāvat || 2-34 ||
prabhoḥ sthitāstvātmavaśe mahatyastāḥ śaktayo'śeṣajagatpradīpāḥ || 2-35 ||
iti |
śaktivicārādhikāraḥ |
vicāraśabdena tu pūruṣasya karmānusārād bhuvanādhvanaśca |
sādhāraṇenāpi ca sṛṣṭipūrvaṃ jagattvasādhāraṇato'pi gītaḥ || 2-36 ||
p. 28) ṣaḍviṃśatiryo bhuvanādhvabhedo vidyāsavidyeśvaratattvayuktaḥ |
tasyāpi paścādipuroditānāṃ mīmāṃsanaṃ cātra vicāramāhuḥ || 2-37 ||
vicārapadārthādhikāraḥ |
kriyeti ca syādiha kṛtyacakraṃ dīkṣādisaṃskāraviśeṣayuktyā |
sanityanaimittikakāmyakarma caryāhvayaṃ tadyugalaṃ padārthaḥ || 2-38 ||
ṣaṣṭhaḥ prasiddhaḥ kiraṇādikeṣu śaiveṣvathaiṣāṃ tu padārthakānām |
vyutpādakaṃ yad bhavatīha tantraṃ tatrīti dhātoriha dhāraṇārthāt || 2-39 ||
kriyācaryāpadārthādhikāraḥ |
dīkṣayā śivatvavyāptivyāvarṇanaprasaṅgācca paṭalasva prathamaśloke pravadāmyathottaramityuktatvācca pratiṣṭhādikaṃ kriyācakramapi kriyācaryāpadārthe'ntarbhūtamevopariṣṭāt pradarśyate ||
nigaditamiti śaivatantrabījaṃ tviha paśupāśapatīśvarīvicāraiḥ |
phalati yādiha cāpi satkriyoptaṃ surataruṣaṇḍamiveṣṭakāmadoham || 2-40 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde ṣaṭpadārthavicārau nāma dvitīyaḥ paṭalaḥ |
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 3: Tägliche Reinigung und Verehrung
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 3: Tägliche Reinigung und Verehrung
Das Kapitel ordnet den Tagesbeginn durch Körperpflege, rituelle Reinigung, Mantras und Verehrung. Es unterscheidet verschiedene Lebensformen und religiöse Zugehörigkeiten und enthält historische Reinheitsregeln. Diese werden quellengetreu wiedergegeben, ohne soziale Ausgrenzungen oder überlieferte Gesundheitsvorstellungen zu heutigen Maßstäben zu machen. Für Yoga-Aspiranten kann die bewusste Ausrichtung des Tages ein eigener Anlass zur Besinnung sein.
Eingang. Nun das dritte Kapitel.
Kriyapada 3-1. Nun wird das tägliche Handeln sachgemäß gelehrt, das allgemein zur Vollendung führt: die notwendige gemeinsame Pflicht aller, die einer Gesellschaftsgruppe, Lebensstufe oder religiösen Kennzeichnung angehören.
Kriyapada 3-2. Solange die Sterne noch leuchten, vor dem sichtbaren Sonnenaufgang, liegt die von den Sehern als Morgendämmerung bezeichnete Zeit. Dann soll man erwachen und das Lager verlassen.
Kriyapada 3-3. Man erinnert sich an das höchste Licht Shivas im Inneren des Herzlotus, das im eigenen Selbst ruht, steht auf und geht dorthin, wo reichlich reines Wasser leicht zugänglich ist.
Kriyapada 3-4. Weit entfernt von Wegen, Gewässern und Ähnlichem, an einer mit Gras bedeckten Stelle, mit entsprechend umgelegter heiliger Schnur, entleert man sich tagsüber nach Norden, nachts nach Süden gewandt. Danach hält man das Geschlechtsteil zurück.
Unnummerierte Erläuterung nach Kriyapada 3-4. Gemeint ist: mit der heiligen Schnur am Ohr und bedecktem Kopf.
Kriyapada 3-5. Man erreicht das Gewässer, nimmt reine Erde aus einer acht Fingerbreiten tief gegrabenen Stelle, legt sie rechts nieder und vollzieht mit bereitgehaltenem Wasser die vorgeschriebene Reinigung.
Kriyapada 3-6. Eine Portion Erde wird für das Geschlechtsteil verwendet, drei für die Hände, fünf für den After, zwölf für die linke Hand und ebenso viele für beide Hände. Dies gilt als die vorzügliche Reinigungsweise.
Kriyapada 3-7. Man steht auf, legt das Gewand richtig an, wäscht Füße bis zu den Kniegelenken und Hände mit reiner Erde und Wasser und reinigt den Mund durch Spülen.
Kriyapada 3-8. Für jemanden, der weltliche Erfahrungen sucht, gilt ein Zahnputzholz von Plaksha, Mango, Jambu, Kakubha, Ashvakarna, Maluraka, Ashoka, Lavanga, Jati, Vaikankata, Udumbara oder Champaka als geeignet.
Kriyapada 3-9. Es soll zwölf eigene Fingerbreiten lang sein, so dick wie der kleine Finger und mit Rinde versehen. Nach Osten gewandt, schweigend sitzend, kaut beziehungsweise benutzt man es von den linken unteren Zähnen an rechtsherum.
Kriyapada 3-10. Für Befreiungssuchende gelten dornige Bäume, ebenso Shirisha, Arjuna, Naktamala und Apamarga als geeignet. Ihr Zahnputzholz misst acht Fingerbreiten.
Kriyapada 3-11. Auch Nimba, Dhatri, Dhava, Shelu, Shigru, Vaniraka, Eranda, Gras und Kusha werden genannt. Im Stehen, redend, liegend oder mit Öl eingerieben soll man kein Zahnputzholz benutzen. [Hinweis: Die Verbindung der anfänglichen Pflanzenliste mit dem Verbot ist grammatisch knapp; die Liste wird nicht stillschweigend einer anderen Gruppe zugeteilt.]
Kriyapada 3-12. Nicht während des Fastens vor dessen Beendigung, nicht unter dem Geburtsmondhaus, an den Monatspunkten, an einem dunklen Tag, am achten Tag oder beim Ahnenritual soll man die Zähne damit reinigen; auch nicht mit Fingern oder Nägeln. [Hinweis: Der Geltungsbereich der Schlussworte ist nicht völlig eindeutig; die Quelle unterscheidet mehrere Tage und Reinigungsarten.]
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Am ersten Tag, an den Monatspunkten, am sechsten und auch am neunten Tag, o Guha, wird dem Berühren der Zähne mit Holz ein großer Fehler zugeschrieben.“
Kriyapada 3-13. Ebenso reinigt man die Zunge, wirft das Zahnputzholz und Weiteres weit fort, spült den Mund zwölfmal, vollzieht das rituelle Wassertrinken und beginnt das Bad.
Kriyapada 3-14. Baden in Flüssen wie der Ganga gilt als höchstes; an anderen heiligen Flussstellen als vorzüglich. Seen und Teiche gelten als mittel, Brunnen und das Haus als geringere Orte des Bades.
Kriyapada 3-15. An Brunnen und ähnlichen Stellen badet man mit Wasser aus reinen Gefäßen, das bereits gebadete Zweimalgeborene herbeigebracht haben. Man soll nicht in heißem Wasser baden, weil dieses nicht als ritualgeeignet gilt; für Kranke wird es jedoch anerkannt.
Kriyapada 3-16. Man gräbt acht Fingerbreiten tief, entfernt die obere Erde und nimmt darunter Erde mit dem Waffenmantra heraus; die Grube füllt man wieder auf.
Kriyapada 3-17. Mit dem Kopfmantra legt man die Erde auf eine gereinigte Stelle am Ufer, reinigt sie mit dem Haarschopfmantra und teilt sie mit dem Panzermantra in drei Teile.
Kriyapada 3-18. Mit einem Teil bestreicht man sich bis zum Nabel, wäscht sich und trinkt schweigend rituell Wasser. Mit dem zweiten, durch den leuchtenden Waffenmantra verbundenen Teil bestreicht man die Glieder.
Kriyapada 3-19. Man hält die Lebenswinde an, taucht ins Wasser und vergegenwärtigt den Waffenmantra als dem Feuer der Weltauflösung gleich. Danach sitzt man nahe dem Ufer im Wasser,
Kriyapada 3-20. trinkt rituell Wasser und verschließt mit dem Waffenmantra die Richtungen. Den übrig gebliebenen Teil der Erde nimmt man, steht bis zum Nabel im Wasser
Kriyapada 3-21. und teilt ihn in der linken Hand wiederum dreifach. Den rechten Teil berührt man mit dem Waffenmantra, den vorderen mit dem eigenen Grundmantra, den nördlichen
Kriyapada 3-22. mit den Gliedermantras. Der Kundige nimmt den rechten Teil und wirft ihn mit dem Waffenmantra, der mit Schutz- und Abwehrlaut endet, zum Schutz in die zehn Richtungen.
Kriyapada 3-23. Den vorderen, mit dem Grundmantra berührten Teil gibt man mit der rechten Hand ins Wasser und bewegt dieses kreisend, während man Shivas heiligen Badeplatz vergegenwärtigt.
Kriyapada 3-24. Mit dem übrigen, durch die Gliedermantras sonnenhaft leuchtenden Teil bestreicht man den ganzen Körper. Man ruft die heilige Badestätte unter ihrem eigenen Namen herbei und verehrt sie
Kriyapada 3-25. mit Duftstoffen und Blüten, soweit vorhanden, oder gesammelt im Geist. An heiligen Stätten großer Flüsse und des Meeres soll man keine anderen heiligen Badeorte anrufen.
Kriyapada 3-26. Dadurch würde die Handlung fruchtlos und die örtliche Gottheit zornig; daher soll man es unterlassen. Bei gewöhnlichem Wasser dagegen ist die Anrufung der Ganga und anderer heiliger Gewässer überliefert.
Kriyapada 3-27. Weil sie die jeweiligen Früchte gewährt, ruft man diese heiligen Orte an. Dann hält man gesammelt den Atem an und taucht dreimal unter.
Kriyapada 3-28. Noch untergetaucht wiederholt man im Herzen nach Vermögen den eigenen Grundmantra mit seinen Gliedern. Wer dazu imstande ist, wiederholt zur Aghamarshana, der Abwaschung von Schuld, den einundachtziggliedrigen Mantra.
Kriyapada 3-29. Ein Zweimalgeborener wiederholt das vedische Aghamarshana-Sukta, beginnend mit „Goldgehörnter“, wie in der früheren Verfahrensdarstellung gelehrt. [Hinweis: Der vollständige Sukta-Text ist hier nicht enthalten und wird nicht aus einer anderen Quelle ergänzt.]
Kriyapada 3-30. Wie selbst eine große Salzmenge in einer Wasserflut sogleich zerfließt, so soll auch eine große Menge an Verfehlungen durch Aghamarshana zugrunde gehen; dies wird als gewiss gelehrt.
Kriyapada 3-31. Im Wasser stehend vergegenwärtigt man linke und rechte Hand als Mond, Sonne und die beiden Shiva-Aspekte. Mit der Krugmudra begießt man den Kopf unter dem Grundmantra und dann auch unter den Gliedermantras.
Kriyapada 3-32. Danach geht man ans Ufer, wechselt Lendentuch und Gürtel oder legt zwei weiße Gewänder an.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Für Brahmacharins ein zweites Lendentuch von einer Handbreite, mit dreizehnfacher Einengung, und ein Gürtel aus gutem Fadengeflecht.“
Unnummerierte Erläuterung. Die Nennung der Brahmacharins steht stellvertretend; gemeint sind auch Asketen und Träger religiöser Kennzeichen. [Hinweis: Die Maß- beziehungsweise Faltungsangabe „trayodashaksha-samkocha“ ist unklar.]
Kriyapada 3-33. Nach dem Bad soll man die Glieder nicht mit der Hand oder einem feuchten Gewand abreiben. Ebenso soll man nach dieser historischen Reinheitsregel keine Andersgläubigen, schwer Schuldigen, Hunde, als niedrigst eingestuften Menschen oder Unreinen anschauen.
Kriyapada 3-34. Geschieht dies versehentlich, soll ein erneutes Bad reinigen. Scheiterhaufen, Chandalas, Opferpfosten, Hunde, Scheiterhaufenholz und Ähnliches, Esel,
Kriyapada 3-35. Schweine, Hühner, menstruierende Frauen, Schakale, Eulen, Krähen, durch Geburt oder Tod rituell Unreine und Menschen mit schwerer Schuld:
Kriyapada 3-36. Nach Berührung eines solchen oder eines Devalaka soll man bekleidet ins Wasser steigen. Bei gelegentlichen Riten, Verfinsterungen, Neumond
Kriyapada 3-37. und den beiden Sonnenwenden sowie an heiligen Orten gilt das bekleidete Bad als angemessen. Bei Tagesübergängen, nach Rasur und bei Berührung von Samen, Kot, Urin, Speiseresten oder an Kushtha Erkrankten,
Kriyapada 3-38. nach Erbrechen, nach Berührung des Meeres außerhalb der Monatspunkte sowie nach Berührung von Menschen aus als niedrig oder gegen die Abstammungsordnung eingestuften Gruppen und von Katzen,
Kriyapada 3-39. nach Bartpflege oder dem Durchqueren eines Flusses soll man die Wasserreinigung vollziehen. Bei Spenden, Bad, Mantrawiederholung, Sättigungsgaben und Feueropfer
Kriyapada 3-40. soll man stets den Pavitra-Ring tragen; sonst gilt die Handlung als asurisch. Ebenso wenn man mit offenem Haarschopf, unbekleidet, schwatzend oder verhüllt
Kriyapada 3-41. eine Handlung für Götter und andere vollzieht: All dies wird als asurisch bezeichnet. Nun soll man vor Sonnenaufgang die Verehrung der Dämmerung vollziehen.
Redaktioneller Hinweis zu Kriyapada 3-33–41. Die Reinheitsordnung grenzt Menschen nach Herkunft, Religion, Krankheit und körperlichen Vorgängen aus. Dies ist eine historische Vorschrift der Quelle, keine Bewertung des menschlichen Werts. Devalaka bezeichnet hier einen als problematisch eingestuften Kultdiener; die genaue soziale Abgrenzung wird an dieser Stelle nicht erklärt.
Kriyapada 3-42. Zuerst wäscht man Füße und Hände mit Erde und Wasser und vollzieht zweimal Achamana, das rituelle Wassertrinken, nach den Vorschriften des eigenen Agama und der Smriti.
Kriyapada 3-43. An den Fingerspitzen liegt der Götter-Tirtha, an der Daumenwurzel der Brahma-Tirtha, an den Gelenken der Rishi-Tirtha; unter dem kleinen Finger liegt der Prajapati-Tirtha, an der Zeigefingerwurzel der Ahnen-Tirtha der Zweimalgeborenen.
Kriyapada 3-44. Dies gilt für die rechte Hand; in ihrer Fläche liegt der Feuer-Tirtha, in der anderen der Mond-Tirtha. Götterhandlungen und andere Riten vollzieht man jeweils über den entsprechenden Handbereich; Achamana mit Wasser über den Brahma-Tirtha.
Kriyapada 3-45. An der Daumenspitze ist Agni, an der Spitze des Zeigefingers Vayu, an der Mittelfingerspitze die Sonne, an der Ringfingerspitze Indra und am kleinen Finger Prajapati. So sind die Finger der rechten Brahmanenhand den Gottheiten zugeordnet.
Unnummerierte Erläuterung nach Kriyapada 3-45. Das Wort „Brahmane“ ist hier stellvertretend verwendet; gemeint sind die eingeweihten Zweimalgeborenen.
Kriyapada 3-46. Nach Osten oder Norden gewandt, mit heiliger Schnur und gebundenem Haarschopf, die Arme zwischen den Knien, sitzt man gut, schweigend, leicht vorgebeugt und gesammelt zum Achamana bereit, das Wasser im Blick.
Kriyapada 3-47. Man trinkt rituell geprüftes reines, nicht heißes Wasser, dessen Geschmack und Geruch unverdorben sind und das frei von Insekten, Schaum und Blasen ist.
Kriyapada 3-48. Dreimal trinkt man das betrachtete Wasser, jeweils mit den Atman-, Vidya- und Shiva-Prinzipien verbunden, mit der heiligen Silbe am Anfang und der Verehrung Ishvaras am Ende. [Hinweis: Die genaue Mantraverbindung ist im Vers verkürzt angegeben.]
Kriyapada 3-49. Man formt die Hand wie ein Kuhohr, nimmt so viel Wasser, dass ein Gerstenkorn darin versinken könnte, und trinkt es lautlos dreimal über den Brahma-Tirtha, wie gelehrt.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-49. Mit dem Waffenmantra wischt man die Lippen ab und berührt die Körperöffnungen mit der Formel des All-Selbst.
Unnummeriertes Zitat aus dem Kalottara-Kommentar. „Das dreimal getrunkene Wasser reinigt vorschriftsgemäß die Zweimalgeborenen, wenn es der Reihe nach Herz, Kehle und Mund erreicht; ebenso werden Angehörige der unteren Gruppen, Frauen und die genannten Abstammungsgruppen entsprechend gereinigt. Durch dreimaliges Wassertrinken werden die drei göttlichen Purushas erfreut; durch zweimaliges Abwischen auch Atharvan, die sechs Vedaglieder, die Opfer-Purushas und die Feuer. Der Ringfinger mit dem Daumen erfreut durch Berühren der Augen die Sonne; Zeigefinger und Daumen erfreuen durch Berühren beider Nasenöffnungen die Winde. Kleiner Finger und Daumen erfreuen durch Berühren der Ohren die Richtungen, am Nabel die Vasus; Berühren des Herzens das Selbst, der Schultern die göttlichen Seher, des Scheitels mit allen Fingern die entsprechenden Mächte.“ [Hinweis: Einzelne Zuordnungen in den langen Versen sind grammatisch gedrängt; die soziale Abstufung der Reinigung ist Teil des historischen Zitats.]
Kriyapada 3-50. So reinigt man sich durch zweimaliges richtiges Achamana nach Speiseresten beziehungsweise Mahlzeiten, nach dem Waschen der Füße, beim Lösen des Gürtels oder Haarschopfs, nach Ausspucken, Gähnen und Niesen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Bad und Achamana.
Kriyapada 3-51. Nach diesem Achamana vollzieht man die Dämmerungsverehrung.
Kriyapada 3-52. Zuerst die vedische, dann die tantrische, Mantra genannte Sandhya; ebenso verfahren Kshatriyas und Vaishyas, andere vollziehen allein die tantrische.
Kriyapada 3-53. Ishana, Purusha, Aghora, Vamadeva und Sadya werden, wie gelehrt, einzeln im Dativ mit der Verehrung am Ende verwendet.
Kriyapada 3-54. Herz, Kopf, Haarschopf, Panzer, Auge und Waffe sind der Reihe nach die sechs Glieder mit ihren jeweiligen Abschlusslauten. Der Grundmantra heißt Prasada,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-54. die Waffenformel Pashupata; dies ist die Mantra-Samhita.
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Die Brahma-Mantras, Shiva mit seinen Gliedern, Auge und Pashupata: Damit ist die ganze glückverheißende Mantrabildung kurz gelehrt.“
Kriyapada 3-55. Hier werden Shivas Gliederformeln aufgeschrieben, damit die im Folgenden beschriebenen Handlungen ausgeführt werden können.
Unnummerierte sechs Gliederformeln nach Kriyapada 3-55. „Heilige Silbe und erster Ha-Keim: Shiva, dem Herzen, Verehrung! Heilige Silbe und zweiter Ha-Keim: Shiva, dem Kopf, Darbringung! Heilige Silbe und dritter Ha-Keim: Shiva, dem Haarschopf, ritueller Abschluss! Heilige Silbe und vierter Ha-Keim: Shiva, dem Panzer, Schutzlaut! Heilige Silbe und fünfter Ha-Keim: Shiva Verehrung, den drei Augen die rituelle Darbringung! Heilige Silbe und sechster Ha-Keim: Shiva Verehrung, der Waffe der Abwehrlaut!“ [Hinweis: Die sechs Keime sind nach ihrer Folge bezeichnet; ihre Laute stehen vollständig in den Sanskritfassungen. Die zusätzlichen Verehrungsworte in den letzten beiden Formeln werden nicht vereinheitlicht.]
Kriyapada 3-56. Den zweiten Laut der sechsten Gruppe schmückt man mit dem ersten der vierten; im zweiten Fall verbindet man den ersten Laut mit dem ersten der fünften.
Kriyapada 3-57. So entsteht der Pashupata-Waffenmantra, entsprechend der mündlichen Unterweisung in der richtigen Folge. Mit Shivas Waffenmantra verbunden soll er Hindernisse vernichten. [Hinweis: Die Gruppenbezüge der Lautchiffre werden nicht ohne die genannte Unterweisung zu einer vermeintlich sicheren Formel ergänzt.]
Kriyapada 3-58. Man reibt die mit Duftsalbe bestrichenen Hände aneinander und vertreibt die Hindernisschar durch dreimaliges Klatschen und den Klang des Waffenmantras. Dann setzt man die Mantras von Ishana an der Reihe nach auf die Finger beider Hände, vom Daumen bis zum kleinen Finger.
Kriyapada 3-59. Der Raumlaut wird mit kurzen Vokalen und Bindu verbunden; entsprechend setzt man die Reihe von O bis A mit Ishana und den übrigen ein. [Hinweis: Die Verbindung der Vokalfolge mit den kurzen Vokalen ist knapp und nicht eindeutig; die Lautreihe wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 3-60. Danach setzt man die Gliedermantras vom kleinen Finger bis zum Daumen ein, den Waffenmantra auf beide Handflächen.
Kriyapada 3-61. Eine nach unten gerichtete Faust mit verborgenem Daumen ist die Ishana-Mudra. Für Purusha und die anderen werden die übrigen Finger jeweils vom Daumen gefasst.
Kriyapada 3-62. So sind die den fünf Brahma-Mantras zugeordneten Mudras für die Einsetzungen der Reihe nach gelehrt. Mit ihnen setzt man am Körper Scheitel, Gesicht, Herz, verborgenen Bereich und von den Füßen bis zum Kopf
Kriyapada 3-63. Ishana und die anderen mit ihren eigenen Mantras ein. Am Kopf erfolgt die Einsetzung auf dem Scheitel, vorn, rechts, links und hinten.
Kriyapada 3-64. Die Glieder von Herz an setzt man an ihre jeweiligen Stellen. Sadashiva, dessen Gesichter die fünf Brahma-Mantras sind und dessen Leib Vidya ist, wird als eins mit sich selbst vergegenwärtigt.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-64. Zu Beginn der Dämmerungsverehrung und anderer Verehrung soll man empfinden: „Ich bin Shiva.“ Abschnitt über Sakalikarana, die rituelle Ausbildung des göttlichen Leibes.
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Hat man den Vidya-Leib gebildet, meditiert man über Sandhya entsprechend der Tageszeit: rötlich, weiß oder dunkel leuchtend. Durch die unterschiedlichen Formen von Brahma und den anderen Ursachen erscheint sie verschieden. Als Zeugin von Shambhus Handlungen wird seine Shakti Sandhya genannt. Den eigenen Leib soll man als in den weiten Kreis ihres Lichtes eingegangen vergegenwärtigen.“
Kriyapada 3-65. Man meditiert über die verehrungswürdige Morgensandhya Savitri im Sonnenkreis: jugendlich, auf einem Schwan reitend, lotusäugig, mit vier Gesichtern, mit Juwelen, Gewand und Salbe in der Farbe ihres eigenen Lichtes. In vier Armen trägt sie Gebetskette, Opferlöffel, Krug und Stab. Sie ist Mutter der drei Welten und Hervorbringerin der Rig-Verse.
Kriyapada 3-66. Zur Mittagszeit strahlt Savitri im Sonnenkreis als Vaishnavi: auf Garuda reitend, lotusäugig, von der Farbe des Indra-Edelsteins, mit vier Armen, Muschel und Rad tragend. Sie erhält die Welten und lässt die Yajus hervorgehen. Viele bewegte Halsketten lassen sie glänzen; sie trägt ein gelbes Gewand. Über diese Gestalt soll man meditieren.
Kriyapada 3-67. Am Tagesende meditiert man über Savitri als reife Frau mit fünf Gesichtern und drei Augen. Ihre gelbbraunen Flechten strahlen wie Blitze; die Mondsichel krönt ihr Haupt. Die Strahlen der Juwelen auf den Hauben ihrer Schmuckschlangen lassen die Aschensalbe ihres Körpers leuchten. Sie trägt Schädelstab und Dreizack, zeigt Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung, ist mit Tigerfell bekleidet und lässt die Saman-Gesänge hervorgehen.
Kriyapada 3-68. Bei jeder Sandhya vergegenwärtigt man der Reihe nach ihre besondere Gestalt.
Kriyapada 3-69. Dann betrachtet man rechte und linke Hand als Feuer und Mond sowie als Shiva und Shakti und nimmt Wasser in die rechte Hand.
Kriyapada 3-70. Man erinnert sich an Shivas heiligen Badeplatz, verbunden mit der Ganga und den anderen Flüssen, wiederholt die Mantra-Samhita und bringt das Wasser mit der Krugmudra auf den Kopf.
Kriyapada 3-71. Wieder nimmt man mit dem Waffenmantra Wasser in die rechte Hand, gibt es in die linke und betrachtet es als göttlichen Unsterblichkeitsnektar.
Kriyapada 3-72. Die abfließenden Tropfen nimmt man mit der rechten Hand, die den Pavitra-Ring trägt, während man die Mantras der Samhita spricht,
Kriyapada 3-73. und besprengt damit den Kopf. Das übrige Wasser in der rechten Hand betrachtet man als flammendes Licht und bringt es an das rechte Nasenloch.
Kriyapada 3-74. Man stellt sich vor, dass sämtliche dunkle Verfehlung im Körper durch den Glanz dieses Lichtes hinausgetrieben wird und aus dem linken Nasenloch austritt.
Kriyapada 3-75. Vom Waffenmantra verbrannt, wirft man sie in der Vorstellung auf die Erde. Auch dies ist Aghamarshana, das alle Verfehlungen tilgen soll.
Unnummerierte Sonnenformel nach Kriyapada 3-75. „Heilige Silbe und Shiva-Keim: Verehrung der Sonne, deren Selbst Shiva ist!“
Kriyapada 3-76. Mit gefalteten Händen nimmt man Wasser und wirft es unter dieser Formel dreimal zur Sonne empor. Dann vollzieht man erneut Achamana und wendet sich der Sonne zu.
Kriyapada 3-77. Man wiederholt die Shiva-Gayatri, am Anfang und Ende mit dem Prasada-Mantra verbunden, hundertachtmal nach Vermögen oder wenigstens zehnmal.
Kriyapada 3-78. Man meditiert über die Sonne als Shiva selbst, vollzieht dreimal die Rechtsumwendung, verneigt sich, bittet um Erlaubnis und beginnt die Sättigungsgaben.
Kriyapada 3-79. Mit Obergewand und Pavitra an der Hand sättigt man die Brahma-Mantras, die Glieder und den Grundmantra, dann den Viergesichtigen, Vishnu, Rudra, Ishvara und Sadashiva
Kriyapada 3-80. mit reinem kühlem Wasser und ihren jeweiligen Namen, abgeschlossen durch Darbringung und Verehrung. Danach spricht man die heilige Silbe und ein Wortpaar, verbunden mit „Vagvadini“, der Redenden, und dem Darbringungslaut am Ende. [Hinweis: Die zu verwendenden beiden Wörter sind hier nicht ausgeschrieben.]
Kriyapada 3-81. Die Richtungen der Hüter von Indra an sättigt man mit ihren eigenen Namen im Dativ und der Verehrung am Ende, ebenso die obere Himmelsrichtung und die untere Erde, die von Nagas bewohnt wird.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. So die Sättigung der zehn Richtungen.
Kriyapada 3-82. Indra, Agni, Vaivasvata, der Rakshasa-Herr, der Wasserherr, Vayu, der Vermögensherr, Soma, Isha, Vedhas und Ananta werden wie zuvor mit ihren Namen gesättigt, als die zehn Hüter. [Hinweis: Die Liste nennt elf Namen; die anschließende Erläuterung ordnet Soma der Richtung des Vermögensherrn zu. Die Namen werden nicht gestrichen.]
Unnummerierte Richtungsunterweisung nach Kriyapada 3-82. Soma steht in der Richtung Dhanadas. Zwischen Indra und Ishana ist Brahma als Herr der oberen Richtung zu erkennen, zwischen Nirriti und Varuna Ananta als Herr der unteren Richtung. So lautet die Unterweisung. Sättigung der Richtungshüter.
Kriyapada 3-83. Ebenso sättigt man Atri, Kaushika, Pulastya, Bharadvaja, Angiras, Vasishtha, Daksha, Bhrigu, Marichi und Kratu wie zuvor.
Kriyapada 3-84. Sanaka, Sanatana, Sananda, der Bhrigu Genannte, Sanatkumara, Paila und Panchashikha werden jeweils mit ihrem Namen am Anfang und „Ich sättige, Verehrung“ am Ende angerufen.
Unnummerierte Gruppenbezeichnung. So die Yogis unter den Menschen.
Kriyapada 3-85. Shiva, Rudra, Shri, Uma, Brahma, Agni, Vishnu, Vayu, Surya, Dharma, Soma und Ishana sättigt man.
Unnummerierte Gruppenbezeichnung. So die Vollendeten.
Kriyapada 3-86. Aditya, Soma, Angaraka, Budha, Guru, Shukra, Shani, Rahu und Ketu: die neun Planetenmächte.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-86. Man sättigt sie mit ihren Namen im Dativ und der Verehrung am Ende. „Heilige Silbe! Allen Wesen der Opferabschluss und Verehrung!“ So sättigt man alle Wesen. Dann legt man die heilige Schnur auf die andere Seite und sättigt die Ahnen mit Wasser, Sesam und Darbha über den ihnen zugehörigen Handbereich: „Soma, der mit den Ahnen verbunden ist; Yama, der mit den Angiras verbunden ist; Agni, der die Ahnengaben trägt, und die anderen Ahnen – diese Ahnen sättige ich mit Ahnengabe und Verehrung.“
Kriyapada 3-87. Man sättigt die Gattinnen der Ahnen, die Ahnenscharen und ihre Gattinnen; danach die eigenen Ahnen mit ihrem Namen und ihrer Abstammungslinie.
Kriyapada 3-88. Am Ende fügt man dem Namen die Worte „Ahnengabe, Verehrung, ich sättige“ hinzu. Väter, Großväter und Urgroßväter,
Kriyapada 3-89. Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, dann die mütterlichen Großväter und die Großväter der Mutter,
Kriyapada 3-90. die Urgroßväter der Mutter, die mütterlichen Großmütter der Mutter, ihre väterlichen Großmütter und Urgroßmütter,
Kriyapada 3-91. Verwandte und deren Gattinnen, Lehrer, Freunde und deren Gattinnen sowie weitere Angehörige der eigenen Linie
Kriyapada 3-92. sättigt man wie zuvor. Dann verneigt man sich mit „Verehrung den Wassern“ und denkt an die Beruhigung der Verfehlung, die durch Hineintreten und andere Störungen des Wassers entstanden sein könnte. [Hinweis: Die Verwandtschaftsfolge in Vers 90 ist in der Quelle fraglich markiert; die mehrfache Nennung mütterlicher Beziehungen wird nicht geglättet.]
Kriyapada 3-93. Mit dem kurzen Prasada-Mantra zieht man die heilige Badestätte zurück und setzt sie ins Herz ein. Nach Aufstehen, notwendigen Verrichtungen, Reinigung, Zahnpflege,
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-93. Bad und Dämmerungsverehrung folgt das Feuerbad. Denn es heißt: „Zuerst soll man das Wasserbad vollziehen, danach das Feuerbad.“ Auch im Matanga: „Wer so einmal nach Vermögen im Wasser gebadet hat, ist zum Aschenbad berechtigt, nicht anders, o bester Seher.“
Kriyapada 3-94. Wenn jemand wegen Krankheit das Wasserbad nicht vollziehen kann,
Kriyapada 3-95. gilt für ihn allein das Feuerbad als angemessen; dieses soll auch die Krankheit beruhigen. Das Feuerbad mit Asche soll alle Verfehlungen beseitigen.
Kriyapada 3-96. Shiva selbst badete in der Asche, die aus seinem eigenen Glanz entstand. Zu den drei Tagesübergängen, vor Mantrawiederholung sowie zu Beginn und Ende der rituellen Lebensführung,
Kriyapada 3-97. nach Essen, Schlafen, Wassertrinken, notwendigen Körperverrichtungen oder nach Berührung einer Frau, Angehöriger der genannten Abstammungsgruppen, einer Maus oder anderer als unrein geltender Wesen
Kriyapada 3-98. soll man das Feuerbad vollziehen, wie im Atharvan gelehrt. In der Nähe von Gottheit, Feuer, Guru oder Vidya, im Blickfeld eines als niedrig eingestuften Menschen,
Kriyapada 3-99. auf unreinem Boden oder auf einem Weg soll der Kundige sich nicht mit Asche bestäuben. Nach Kalpa, Anukalpa, Upakalpa und Akalpa
Kriyapada 3-100. wird die im Shaiva gelehrte Asche vierfach unterschieden; die jeweils frühere gilt als vorzüglicher. Von einer gesunden Kuh mit Kalb nimmt man Dung, bevor er den Boden berührt,
Kriyapada 3-101. mit einem Lotus-, Palasha- oder einem anderen entsprechenden Blatt, innerlich gereinigt, unter der Shiva-Gayatri.
Kriyapada 3-102. Im Shiva-Feuer mit den Samhita-Mantras zubereitet heißt er Kalpa-Asche. Reinen Kuhdung aus dem Wald sammelt man fern vom Dorf und anderen Siedlungen;
Kriyapada 3-103. wie zuvor im Shiva-Feuer verbrannt heißt er Anukalpa. Die vier Aschenarten sollen frei von Vermischung der Arten sein. [Hinweis: Diese allgemeine Viererbemerkung erscheint später erneut und bleibt hier erhalten.]
Kriyapada 3-104. In vom Feuer verbrannten Wäldern sammelt man Asche, formt sie mit Kuhurin zu Klumpen, trocknet diese und verbrennt sie erneut im Shiva-Feuer.
Kriyapada 3-105. Diese Asche heißt Upakalpa. Nun wird Akalpa erklärt: Man nimmt Asche aus dem Rinderstall eines besonders geeigneten Brahmanen oder aus einem Heiligtum
Kriyapada 3-106. und bereitet sie wie zuvor; dies heißt Akalpa. Alle vier Arten sollen frei von Artenvermischung sein.
Kriyapada 3-107. Die Asche soll nicht im Besitz anderer sein und nicht durch fremde Handlungen oder Berührung verunreinigt, sondern fein, gereinigt, unverdorben, weiß und in einem Gefäß aufbewahrt.
Kriyapada 3-108. So ist sie für das Feuerbad geeignet, wie Brahmashambhu lehrt. Diese durch die Samhita-Mantras und Shakti gewonnene, gut geschützte Asche
Kriyapada 3-109. nimmt man mit der rechten Hand aus dem Gefäß, bespricht und reinigt sie durch die tragenden Meditationen nach dem Verfahren der Elementereinigung.
Kriyapada 3-110. Zuerst wird sie mit den sechs Gliedermantras besprochen, dann in die linke Hand gelegt. Mit dem Waffenmantra vollzieht man das reinigende Bad vom Kopf an abwärts.
Kriyapada 3-111. Danach bestäubt der Zweimalgeborene mit Ishana, Purusha, Aghora, Vama und Sadya der Reihe nach Scheitel, Gesicht, Herz, verborgenen Bereich und den übrigen Leib bis zu den Unterschenkeln.
Kriyapada 3-112. Andere tragen die drei Aschelinien an Stirn, Schultern, Herz und weiteren Stellen; ebenso Brahmanen und die übrigen Berechtigten.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 3-112. Sie tragen das Triyayusha-Zeichen aufgrund der Autorität des Veda. Denn die Shruti beginnt: „Die dreifache Lebensdauer Jamadagnis, die dreifache Lebensdauer Kashyapas …“ Abschnitt über das Feuerbad. [Hinweis: Nur der angeführte Anfang ist hier überliefert.]
Kriyapada 3-113. Auch Indra-Bad und weitere Badearten sind aus den Agamas bekannt.
Kriyapada 3-114. Durch sie soll man Vernichtung von Verfehlungen, Verdienst und Wohlergehen erlangen. Wenn bei wolkenlosem Himmel die Sonne scheint und Regen fällt, soll man mit erhobenen Armen
Kriyapada 3-115. unter dem Ishana-Mantra sieben Schritte lang das Mahendra-Bad vollziehen. Mit vom Wind herbeigetragenem Staub, den Kuhhufe aufgeworfen haben,
Kriyapada 3-116. steht der Zweimalgeborene zwischen den Rindern und wiederholt Tatpurusha oder den Kuhhymnus; ein anderer spricht ein Lob der Rinder oder „Verehrung den Rindern“.
Kriyapada 3-117. So vollzieht man das Windbad, das alle Verfehlungen tilgen soll. Grundlage und vorzüglichste aller Badearten ist hier jedoch das Wasserbad.
Kriyapada 3-118. Daher vollzieht man zuerst dieses und dann ein anderes Bad. Nach Waschen der Hände und Füße und Achamana, schweigend,
Kriyapada 3-119. bildet man den Vidya-Leib und vollzieht das Mantrabad. Der Brahmane verwendet die fünf Brahma-Mantras, die Shiva-Gayatri,
Kriyapada 3-120. den Grundmantra und die sechs Glieder. Er vergegenwärtigt Shivas heiligen Badeplatz und besprengt den eigenen Kopf mit einem Darbha-Büschel oder mit Kusha-Wurzeln.
Kriyapada 3-121. Ein Eingeweihter außerhalb der Zweimalgeborenen besprengt seinen Kopf mit den von ihm geübten Mantras von Ishana an sowie mit Grund- und Gliederformeln.
Kriyapada 3-122. Das vedische Mantrabad verwendet Formeln, beginnend mit „Ihr Wasser seid …“. Auch damit soll der Brahmane sich reinigen und höchste Reinheit erlangen.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 3-123. Auf dem Weg zum Opferhaus zieht man die heilige Badestätte mit dem kurzen Mantra zurück. Gemeint ist der kurze Prasada-Mantra. [Hinweis: Beim Kuhhymnus in Vers 116 und beim Vidya-Leib in Vers 119 bietet die Quelle Lesungsfragen beziehungsweise ergänzte Silben; sie sind im Sinnzusammenhang wiedergegeben.]
Kriyapada 3-123. Badetuch und weitere Gegenstände bindet man an einen Stab, spricht das Wasser rituell an,
Kriyapada 3-124. erinnert sich an Guru und Ganesha und verehrt sie mit dem Herzmantra. Mit dem Waffenmantra reinigt man den Weg und geht, von fünf Waffenformeln umgeben,
Kriyapada 3-125. zum Opferhaus, während man sich die Tattvas unter sich vorstellt und den Ort als Sitz des Vidya-Tattvas und Wohnstätte sämtlicher Vidyas betrachtet.
Kriyapada 3-126. Die Badeutensilien hängt man an einen Wandhaken oder eine ähnliche Stelle, rein und abgeschieden. Dann beginnt man schweigend die Verehrung.
Kriyapada 3-127. So wurde im Zusammenhang mit der Dämmerungsverehrung kurz der vorgeschriebene Kreis täglicher Handlungen für religiöse Kennzeichenträger und Angehörige der Gesellschaftsgruppen dargelegt, wie ihn das Shaiva-Tantra überliefert. Er soll sichtbare und unsichtbare erwünschte Ziele gewähren und wird von den Sehern geübt. Mögen die Guten ihn wie ihren eigenen Schatz annehmen und wie Freunde auf den guten Weg zurückführen. [Hinweis: Das Objekt des letzten Verbs ist nicht ausdrücklich genannt; die abschließende Freundesmetapher bleibt bewahrt.]
Kolophon. Hier endet im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das dritte Kapitel über das tägliche Bad und die weiteren täglichen Handlungen.
Besinnung: Den Tag bewusst beginnen
Der Weg vom Erwachen über Reinigung und Gebet bis zur Verehrung gibt dem Tag eine klare Ausrichtung. Heutige Yoga-Aspiranten können daraus eine einfache Anregung gewinnen: morgens innehalten, sich sammeln und mit Aufmerksamkeit sprechen und handeln. Die historische Reinheitsordnung ist davon zu unterscheiden. Achtsame Körperpflege und innere Sammlung lassen sich mit Respekt gegenüber allen Menschen verbinden.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 3: Tägliche Reinigung und Verehrung
Das Kapitel ordnet den Tagesbeginn durch Körperpflege, rituelle Reinigung, Mantras und Verehrung. Es unterscheidet verschiedene Lebensformen und religiöse Zugehörigkeiten und enthält historische Reinheitsregeln. Diese werden quellengetreu wiedergegeben, ohne soziale Ausgrenzungen oder überlieferte Gesundheitsvorstellungen zu heutigen Maßstäben zu machen. Für Yoga-Aspiranten kann die bewusste Ausrichtung des Tages ein eigener Anlass zur Besinnung sein.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha tṛtīyaḥ paṭalaḥ |
athocyate naityakamatra karma sāmānyataḥ siddhikaraṃ yathāvat |
samastavarṇāśramaliṅgabhājāmāvaśyakaṃ yat karaṇīyamekam || 3-1 ||
prabhāvatīṣveva hi tārakāsu kālaṃ tu sūryodayadarśanāt prāk |
vadanti sandhyāṃ munayaḥ prabhātāṃ tasyāṃ vinidraḥ śayanaṃ ca jahyāt || 3-2 ||
smaran hṛdambhoruhakoṭarasthaṃ śaivaṃ paraṃ jyotirathātmasaṃstham |
vrajet samutthāya diśaṃ viśuddhamambhaḥ prabhūtaṃ sulabhaṃ ca yasyām || 3-3 ||
vidūrato mārgajalāśayādeśchanne tṛṇairbhūmitale nivītī |
udaṅmukho yāmyamukho'hi rātrau tyaktvā malaṃ cātha gṛhītaśiśnaḥ || 3-4 ||
p. 29) karṇāvasaktayajñopavīto'vaguṇṭhitaśiraska iti yāvat |
jalāśayaṃ prāpya mṛdaṃ viśuddhāmādāya cāṣṭāṅgulakhātalabdhām |
nidhāya tāṃ dakṣiṇato dhṛtābhiradbhistu śaucaṃ vidhivat prakuryāt || 3-5 ||
ekaiva liṅge karayostu tisrastathā gude pañca mṛdaḥ pradeyāḥ |
vāme kare dvādaśa tatprasaṅkhyāḥ pāṇyorayaṃ śaucavidhirhi mukhyaḥ || 3-6 ||
utthāya vāsaḥ paridhāya samyagājānusandheścaraṇau karau ca |
prakṣālya mṛtsnāsalilairviśuddhairvaktraṃ ca gaṇḍūṣajalairviśodhya || 3-7 ||
plakṣāmrajambūkakubhāśvakarṇamālūrakāśokalavaṅkajādyam |
vaikaṅkataudumbaracampakaṃ vā śastaṃ bubhukṣoḥ khalu dantakāṣṭham || 3-8 ||
svairaṅgulairdvādaśabhirmitaṃ tat kaniṣṭhikānāhasamaṃ savalkam |
pūrvāmukho'dyādupaviśya maunī pradakṣiṇaṃ vāmaradādadhaḥ prāk || 3-9 ||
mokṣārthināṃ kaṇṭakinastu vṛkṣāstadvacchirīṣārjunanaktamālāḥ |
śastaṃ hyapāmārga itīha teṣāmaṣṭāṅgulaṃ dantaviśodhanāya || 3-10 ||
sanimbadhātrīdhavaseluśigruvānīrakairaṇḍatṛṇaiḥ kuśairvā |
sthitaḥ prajalpan śāyito'thavādyāt tailāvasikto'pi na dantakāṣṭham || 3-11 ||
nopoṣitaḥ pāraṇapūrvakālaṃ na janmabhe parvaṇi nāsitāhe |
nāpyaṣṭamīśrāddhadineṣu dantān pradhāvayedaṅgulibhirnakhairvā || 3-12 ||
atra kālottare -
pratipatparvaṣaṣṭhīṣu navamyāmapi vā guha ! |
dantānāṃ kāṣṭhasaṃyoge mahān doṣo'bhidhīyate ||
tadvattu jihvāmapi mārjayitvā taddantakāṣṭhādi visṛjya dūre |
gaṇḍūṣakadvādaśakena paścādācamya tu snānamupakrameta || 3-13 ||
saritsu gaṅgādiṣu mukhyamukhyaṃ tīrtheṣu cānyāsu nadīṣu mukhyam |
sarastaṭākādiṣu madhyamaṃ syāt snānaṃ tu kūpeṣu gṛhe ca nīcam || 3-14 ||
snāyāt tu kūpādiṣu śuddhapātraiḥ snātairdvijaireva samāhṛtādbhiḥ |
snāyāt tu noṣṇāmbhasi karmayogyaṃ naitad yato rogiṣu sammataṃ tat || 3-15 ||
bhuvamaṣṭāṅgulāṃ khātvā tyaktvādho mṛdamastrataḥ |
khātāṃ mṛdaṃ samādāya tat khātaṃ paripūrya ca || 3-16 ||
śirasā payasastīre dhaute saṃsthāpya tāṃ punaḥ |
śikhayā śodhayitvā tu varmaṇā vibhajet tridhā || 3-17 ||
p. 30) liptvaikabhāgamānābheḥ prakṣālyācamya vāgyataḥ |
dvitīyenāstrayuktena dīptenāṅgāni lepayet || 3-18 ||
prāṇānāyamya salile nimajjyāstramanusmaran |
kālānalapratīkāśaṃ tathopataṭamambhasi || 3-19 ||
upaviśya samācāntaḥ kṛtvāstrād digvibandhanam |
śiṣṭaṃ tu pūrvamṛdbhāgamādāyānābhi vāriṇi || 3-20 ||
sthitvā vāmakarasthaṃ tat tridhā tu vibhajet punaḥ |
dakṣiṇaṃ bhāgamastreṇa prāk svamūlena tūttaram || 3-21 ||
aṅgamantraiḥ samālabhya gṛhītvāstreṇa dakṣiṇam |
humphaḍantena rakṣāyai daśadikṣu kṣipet sudhīḥ || 3-22 ||
mūlālabdhena pūrveṇa jale dakṣiṇapāṇinā |
nikṣipya bhrāmayed vāri śivatīrthamanusmaran || 3-23 ||
aṅgālabdhārkadīptena śiṣṭabhāgena vigraham |
sarvamālipya tattīrthaṃ svanāmnāvāhya pūjayet || 3-24 ||
gandhapuṣpairyathālābhaṃ manasā vā samāhitaḥ |
mukhyanadyabdhitīrtheṣu nānyatīrthāni kīrtayet || 3-25 ||
kīrtanānniṣphala tat syāt krudhyeccāto na kīrtayet |
kevalāmbhassu gaṅgāditīrthānāṃ kīrtanaṃ smṛtam || 3-26 ||
tattatphalapradaṃ tasmāt tattattīrthāni kīrtayet |
tataḥ prāṇān samāyamya trirnimajjya samāhitaḥ || 3-27 ||
nimagna eva sāṅgaṃ svamūlaṃ śaktyā japeddhṛdā |
ekaśītipadaṃ mantraṃ japecchakto'ghamarṣaṇe || 3-28 ||
dvijaśced vaidikaṃ sūktamāgharṣaṇikaṃ japet |
hiraṇyaśṛṅgamityādi yathoktaṃ pūrvapaddhatau || 3-29 ||
yathā jalaughe lavaṇasya sañcayaḥ prayāti sadyo vilayaṃ mahānapi |
tathā mahānapyaghamarṣaṇeṃ'hasāṃ cayo vināśaṃ vrajatīti niścitam || 3-30 ||
tataḥ sthito vāriṇi vāmadakṣiṇau karau śaśāṅkārkaśivadvayātmakau |
vibhāvya mūlena ca kumbhamudrayā śirasyathāṅgairapi cābhiṣecayet || 3-31 ||
p. 31) tato'mbhastaṭamāgatya kaupīnaṃ mekhalāmapi |
parivartyāthavā śukle vāsasī paridhāpayet || 3-32 ||
yathā brahmaśambhuḥ -
dvitīyaṃ hastavistīrṇaṃ kaupīnaṃ brahmacāriṇām |
trayodaśākṣasaṅkocaṃ satsūtraguṇamekhalam ||
brahmacārigrahaṇamupalakṣaṇam yatīnāṃ liṅgināmapītyarthaḥ |
snāto nāṅgāni nirmṛjyāt pāṇinā vārdravāsasā |
tathā nekṣeta pāṣaṇḍipātakiśvāntyajāśucīn || 3-33 ||
pramādād yadi vīkṣeta punaḥ snātvā viśudhyati |
citācaṇḍālayūpaśvacitikāṣṭhādirāsabhān || 3-34 ||
varāhakukkuṭodakyāsṛgālolūkavāyasān |
sūtakīśāvakāśaucimahāpātakino'śucīn || 3-35 ||
spṛṣṭā devalakaṃ cāpi sacelo jalamāviśet |
naimittikeṣu kṛtyeṣu grahaṇendukṣayādiṣu || 3-36 ||
ayanadvayatīrthādau sacelaḥ snāturmahati |
sandhyāsu vapane śuklaviṇmūtrocchiṣṭakuṣṭhinām || 3-37 ||
samparke vamane cābdheḥ sparśane cāpyaparvaṇi |
vṛṣalapratilomānāṃ mārjārasparśane'pi ca || 3-38 ||
śmaśrukarmaṇi cottīrya nadīṃ vāruṇamācaret |
dānādau snānajapyādau tarpaṇe havane'pi vā || 3-39 ||
sarvatra sapavitraḥ syādanyathā syāt tadāsuram |
yadvā muktaśikho nagnaḥ pralapan vāvaguṇṭhitaḥ || 3-40 ||
karoti kṛtyaṃ daivādi sarvaṃ vidyāt tadāsuram |
athānudita āditye sandhyāvandanamācaret || 3-41 ||
tatra pūrvaṃ tu mṛttoyaiḥ kṣālitāṅghrikaradvayaḥ |
dvirācāmed yathākalpaṃ svāgamasmṛticodanāt || 3-42 ||
p. 32) tadyathā -
aṅgulyagre daivamaṅguṣṭhamūle brāhmaṃ tīrthaṃ parvasandhiṣvathārṣam |
prājāpatyaṃ syāt kaniṣṭhāmadho'tha pitryaṃ tarjāmūladeśe dvijānām || 3-43 ||
haste tūktaṃ dakṣiṇe tattale syādāgneyākhyaṃ tīrthamanyatra saumyam |
daivaṃ cānyat karma kuryāt svatīrthādācāmettu brahmatīrthena toyaiḥ || 3-44 ||
jyeṣṭhāgre'gnistarjanīmūrdhni vāyurmadhyāgre'rko'nāmikāgre surendraḥ |
prājāpatyaḥ syāt kaniṣṭheti devairaṅgulyaḥ syurdakṣiṇe viprapāṇau || 3-45 ||
atra vipraśabdagrahaṇamupalakṣaṇaṃ dīkṣitānāṃ dvijātīnāmityarthaḥ |
prāgvaktro vodaṅmukhaḥ sopavīto baddhvā cūḍāṃ jānumadhyasthabāhuḥ ||
toyāpekṣī sūpaviṣṭo'tha maunī syādāprahvastvekadhīrācamiṣyan || 3-46 ||
aduṣṭarasagandhādyairakīṭāphenabudbudaiḥ |
anuṣṇairambubhiḥ śuddhairācāmedabhivīkṣitaiḥ || 3-47 ||
ātmavidyāśivaistattvairīśvarāyanamontakaiḥ |
praṇavādyaiḥ pṛthagyuktaṃ triḥ pibedambu vīkṣitam || 3-48 ||
hastaṃ gokarṇavat kṛtvā yavamagnamitaṃ jalam |
pibedaśabdavad brahmatīrthena triryathoditam || 3-49 ||
oṣṭhāvastreṇa sammṛjya khāni sarvātmanā spṛśet |
kālottaraṭīkāyāṃ -
hṛtkaṇṭhāsyagatāḥ punanti vidhinaivāpo dvijātīn kramāt
triḥ pītā vṛṣalastriyāvapi tathā kuṇḍānulomādikān |
ācamya trirapastridevapuruṣāḥ prīṇanti nirmārṣṭi yad
dviḥ sātharvaṣaḍaṅgayajñapuruṣāḥ prītāḥ syurapyagnayaḥ ||
prīṇātyarkamanāmikā nayanayoḥ sparśāt tathāṅguṣṭhayuk
sāṅguṣṭhā tvatha tarjanī samamitā ghrāṇadvaye mārutān |
aṅguṣṭhena kaniṣṭhikā śravaṇayorāśāṃ ca nābhervasū -
nātmānaṃ tu hṛdoṃsayordivamṛpīn mūrdhnaḥ samastāṅgulaiḥ ||
itthaṃ samyag dviḥ samācamya śudhyeducchiṣṭe vā kṣālane pādayośca |
kakṣyāmokṣe vā śikhābandhamokṣe niṣṭhīve vā jṛmbhikāyāṃ kṣute ca || 3-50 ||
snānācamanādhikāraḥ |
p. 33) itthamācamya tu tataḥ sandhyāvandanamācaret || 3-51 ||
tatra prāgvaidikāt tantrasandhyā mantrāhvayā tataḥ |
kṣattravaiśyāvapi tathā hyanye kevalatāntrikīm || 3-52 ||
īśānapuruṣāghoravāmadevā yathoditāḥ |
sadyaśca sacaturthāmī(?) namontāḥ pañca te pṛthak || 3-53 ||
hṛcchiraśca śikhā varma netramastraṃ ca ṣaṭ kramāt |
ṣaḍaṅgāni sajātīni mūlaṃ prāsādasaṃjñitam || 3-54 ||
astraṃ pāśupatākhyaṃ cetyeṣā syānmantrasaṃhitā |
atra kālottare -
brahmāṇi ca śivaṃ sāṅgaṃ netraṃ pāśupataṃ ca yat |
samāsāt kathitaḥ sarvo mantroddhārastvayaṃ śubhaḥ ||
iti |
śivāṅgānyatra likhyante vakṣyamāṇakriyāptaye || 3-55 ||
oṃ hāṃ śivāya hṛdayāya namaḥ |
oṃ hīṃ śivāya śirase svāhā |
oṃ hūṃ śivāya śikhāyai vaṣaṭ |
oṃ haiṃ śivāya kavacāya hum |
oṃ hauṃ śivāya namaḥ netratrayāya vauṣaṭ |
oṃ haṃ śivāya namaḥ astrāya phaṭ |
ṣaṣṭhavargadvitīyaṃ tu caturthādyena bhūṣitam |
dvitīye prathamārṇaṃ tu pañcamādyena saṃyutam || 3-56 ||
etat pāśupatāstraṃ syāt sopadeśaṃ yathākramāt |
etadeva śivāstreṇa yuktaṃ vighnānnihanti hi || 3-57 ||
gandha nuliptakarayostu mitho'pagharṣāttālatrayāstraravavāritavighnasaṅghaḥ |
jyeṣṭhādikāṅguliṣu yugmakaniṣṭhikāntamīśānapūrvakamanūn kramaśo nyasecca || 3-58 ||
hrasvaiḥ svaraistu bindvantairyuktaṃ vyomākṣaraṃ yathā |
okārādyamakārāntamīśānādyairnyaset tathā || 3-59 ||
athāṅgamantraistu punaḥ kaniṣṭhādiṣu vinyaset |
jyeṣṭhāntamastramantraṃ tu talayorubhayorapi || 3-60 ||
naṣṭāṅguṣṭhā baddhamuṣṭhiraiśānī syādavāṅmukhī |
śeṣāḥ syuḥ puruṣādīnāmaṅgulyo jyeṣṭhikā grahāḥ || 3-61 ||
p. 34) pañcabrahmoditā mudrā nyāseṣvevaṃ kramoditāḥ |
tābhirmūrdhāsyahṛdguhyapādādyāmastakāṃstanoḥ || 3-62 ||
īśānādīn svamantraistu mūrdhni mastakapūrvataḥ |
dakṣiṇe cottare paścād bhāgeṣu śiraso nyaset || 3-63 ||
svāṅgāni hṛdayādīni sveṣu sthāneṣu vinyaset |
pañcabrahmamukhaṃ svaikyaṃ vidyādehaṃ sadāśivam || 3-64 ||
sandhyopāsyārcanādau ca śivo'hamiti bhāvayet |
sakalīkaraṇādhikāraḥ |
atra kālottare -
kṛtavidyātanuḥ sandhyāṃ dhyātvā kālakrameṇa tu |
upasthitāruṇaśvetaśyāmalābhāṃ vibhāgaśaḥ ||
brahmādikāraṇopādhibhedabhinnā vibhāvinī |
sākṣiṇī karmaṇāṃ śambhoḥ śaktiḥ sandhyeti gīyate ||
tatprabhāmaṇḍalābhogapraviṣṭāmātmanastanum |
kuryāt iti |
tadyathā -
haṃsārūḍhāṃ svatejogaṇamaṇivasanālepanāmabjanetrāṃ
vedāsyāmakṣamālāṃ sravamatha kalaśaṃ daṇḍamapyādadhānām |
dhāyed dorbhiścaturbhistribhuvanajananīṃ pūrvasandhyāṃ tu vandyāṃ
sāvitrīmṛksavitrīmabhinavavayasaṃ maṇḍale caṇḍaraśmeḥ || 3-65 ||
tārkṣyārūḍhāmbujākṣī śatamakhamaṇibhā śaṅkhacakre dadhānā
dorbhiyuktā caturbhiḥ sthitiriha jagatāṃ yā yajūṃṣyudgirantī |
vyālolānekahāradyutirucirucirā vaiṣṇavī madhyame'hnaḥ
sāvitrī dhyeyarūpā vilasati saviturmaṇḍale pītavastrā || 3-66 ||
pañcāsyāṃ piṅgavidyuttatirucirajaṭāmaṇḍalāṃ candramauliṃ
raṅgadbhūṣābhujaṅgotphaṇamaṇikiraṇodbhāsibhasmāṅgarāgām |
dhyāyet khaṭvāṅgaśūlābhayavaradakarāṃ vyāghracarmāmbarāḍhyāṃ
sāvitrīṃ satrinetrāṃ pariṇatavayasaṃ sāmasṛti dinānte || 3-67 ||
pratisandhyaṃ kramāt sandhyāṃ pṛthagrūpāṃ vicintya tu || 3-68 ||
p. 35) svadakṣiṇetarau hastāvagnīṣomātmakau punaḥ |
śivaśaktyātmakau dhyātvā toyamādāya dakṣiṇe || 3-69 ||
śivatīrthamanusmṛtya gaṅgādisaridanvitam |
japitvā saṃhitāṃ kumbhamudrayā mūrdhni yojayet || 3-70 ||
dakṣiṇena punastoyaṃ hastenādāya cāstrataḥ |
tadvāmahaste vinyasya divyaṃ dhyātvā sudhāmṛtam || 3-71 ||
tataḥ srutāmbhaso bindūn dakṣiṇena kareṇa tu |
ādāya sapavitreṇa pathan vai saṃhitāmanūn || 3-72 ||
abhyukṣan yojayenmūrdhni śeṣaṃ haste'tha dakṣiṇe |
jvalajjyotirmayaṃ dhyātvā dakṣiṇaghrāṇasaṅgamāt || 3-73 ||
śarīrāntargataṃ pāpaṃ niḥśeṣeṇa tamomayam |
tajjyotiṣprabhayā kṣiptaṃ vāmanāsāvinirgatam || 3-74 ||
cintayet punarastreṇa dahyamānaṃ bhuvi kṣipet |
sarvapāpakṣayakaraṃ hyetadapyaghamarṣaṇam || 3-75 ||
oṃ hauṃ śivātmane sūryāya namaḥ |
ādāyāñjalinā toyaṃ mantreṇānena bhānave |
trirūrdhvamutkṣipya punarācamyābhimukho raveḥ || 3-76 ||
japitvā śivagāyatrīṃ prāsādādyantasaṃyutām |
aṣṭottaraśataṃ śaktyā daśamātramathāpi vā || 3-77 ||
śivātmānaṃ raviṃ dhyātvā tridhā kṛtvā pradakṣiṇam |
abhivādyāpyanujñāpya tarpaṇaṃ prārabheta ca || 3-78 ||
ghṛtottarāsaṅgapavitrapāṇirbrahmāṇi cāṅgāni ca mūlamantram |
caturmukhaṃ cāpyatha viṣṇurudrau tatheśvaraṃ cāpi sadāśivaṃ ca || 3-79 ||
svāhānamontaṃ nijanāmadheyaiḥ santarpya śītaiḥ salilairviśuddhaiḥ |
tāraṃ padadvandvamudīrya paścāt svāhāntavāgvādiniśabdayuktam || 3-80 ||
indrādidikpāladiśaḥ svanāmnā yuktaṃ caturthyātha namontakaṃ ca |
santarpya cordhvāmapi nākapṛṣṭhāṃ tathā dharāṃ cāpi ca nāgabhogyām || 3-81 ||
iti daśadiktarpaṇam ||
p. 36) indrāgnivaivasvatarākṣaseśatoyeśavāyvarthapatīṃśca somam |
īśāhvayaṃ vedhasamapyanantaṃ prāgvat svanāmnā daśa tarpayet tān || 3-82 ||
tatra somaṃ dhanadadiśi indreśānayormadhye brahmāṇamūrdhvadikpatiṃ nir-ṛtivaruṇayormadhye'nantaṃ madhodikpatiṃ vidyādityupadeśaḥ |
iti dikpatitarpaṇam |
atristadvat kauśikākhyaḥ pulastyo bhāradvājaścāṅgirāḥ syād vasiṣṭhaḥ |
dakṣo'thānyaḥ syād bhṛgurvai marīciścaitān prāgvat tarpayitvā kratuṃ ca || 3-83 ||
sanakaṃ ca sanātanaṃ sanandaṃ bhṛgusaṃjñaṃ ca sanatkumārapailau |
saha pañcaśikhena tarpayāmītyabhidhānādinamontakaṃ pṛthak syāt || 3-84 ||
iti yogimanuṣyān |
śivaṃ ca rudraṃ śriyamapyumāṃ ca brahmāṇamagniṃ ca tathaiva viṣṇum |
vāyuṃ ca sūryaṃ tvatha dharmasomāvīśānametānatha tarpayecca || 3-85 ||
iti siddhān |
ādityaṃ ca tathā somamaṅgārakabudhāvapi |
guruṃ śukraṃ śaniṃ rāhuṃ ketuṃ ceti nava grahān || 3-86 ||
caturthyantaṃ svanāmabhirnamontaṃ tarpayet |
oṃ sarvebhyo bhūtebhyo vaṣaṭ namaḥ iti sarvabhūtāni santarpya,
tato'pasavyaṃ tiladarbhatoyaiḥ pitṝn svatīrthena tu tarpayitvā |
somaḥ pitṛmān yabho'ṅgirasvānagniḥ kavyavāhanādayo ye pitaraḥ tān pitṝn svadhā namastarpayāmi |
pitṛpatnīḥ pitṛgaṇān patnīḥ pitṛgaṇasya ca |
tataḥ svanāmagotrābhyāṃ svapitṝnapi tarpayet || 3-87 ||
svadhā namastarpayāmītyante nāmnā niyojayet |
pitṝn pitāmahāṃścāpi tathaiva prapitāmahān || 3-88 ||
mātṝḥ pitāmahīścaiva tathaiva prapitāmahīḥ |
mātāmahāṃstathā mātustarpayecca pitāmahān || 3-89 ||
p. 37) prapitāmahakān māturmāturmātāmahīrapi (?) |
mātuḥ pitāmahīścaiva mātuśca prapitāmahīḥ || 3-90 ||
jñātīṃśca jñātipatnīścāpyācāryāṃśca tathā punaḥ |
sakhīnapi ca tatpatnīranyānapyātmavaṃśajān || 3-91 ||
tarpayitvā yathāpūrvaṃ praṇamyādbhyo namo'stviti |
pādakṣepādisaṃkṣobhadoṣaśāntyai vibhāvayet || 3-92 ||
hrasvaprāsādatastīrthaṃ saṃhṛtya hṛdi yojayet |
itthamutthānakāvaśyaśaucadantaviśodhanaiḥ || 3-93 ||
snānasandhyāvidherūrdhvamāgneyaṃ snānamiṣyate |
snānaṃ prāg vāruṇaṃ kṛtvā paścādāgneyamācaret |
iti vacanāt |
tathāca mataṅge -
evaṃ sakṛt tathāśaktyā snāto'mbhasi vicakṣaṇaḥ |
bhasmasnānādhikārī syānnānyathā munipuṅgava ! ||
iti |
rogapīḍāvaśāt snātumaśakto vāruṇe yadā || 3-94 ||
āgneyameva tasyeṣṭaṃ rogapraśamanaṃ ca tat |
āgneyaṃ bhasmanā snānamakhilāghanibarhaṇam || 3-95 ||
svatejassambhavenaiva yena snātaḥ svayaṃ śivaḥ |
sandhyātraye ca japyādau caryāpūrvāvasānayoḥ || 3-96 ||
bhuktvā suptvāmbu pītvā vā kṛtvāpyāvaśyakādikam |
striyaṃ vāpyanulomādīn spṛṣṭvā vā mūṣikāśucīn || 3-97 ||
ācaret snānamāgneyaṃ yathaivātharvacoditam |
devāgniguruvidyānāṃ samīpe'ntyajadarśane || 3-98 ||
aśuddhabhūmau mārge vā sthito noddhūlayed budhaḥ |
kalpānukalpopakalpabhedāt tadvadakalpakam || 3-99 ||
caturdhā bhasma śaivoktaṃ pūrvaṃ pūrvaṃ guṇādhikam |
arogāyāḥ savatsāyāṃ bhūmāvapatitaṃ tu goḥ || 3-100 ||
p. 38) gomayaṃ padmapālāśapatrādyanyatamena tu |
gṛhītvā tu viśuddhātmā gāyatryā śivasaṃjñayā || 3-101 ||
śivāgnau saṃhitāmantraiḥ sādhitaṃ kalpasaṃjñitam |
āraṇyagomayaṃ dūre grāmādeḥ pūtamāharet || 3-102 ||
prāgvacchivāgninā dagdhaṃ yat tat syādanukalpakam |
caturvidhaṃ ca tad bhasma jātisaṃkaravarjitam || 3-103 ||
āgnidagdheṣvaraṇyeṣu gṛhītvā bhasma tat punaḥ |
gomūtrābaddhapiṇḍaṃ tu viśoṣyātha śivānale || 3-104 ||
dagdhaṃ bhasmopakalpaṃ syādakalpakamathocyate |
viśiṣṭavipragovāṭajātaṃ vā devatālayāt || 3-105 ||
gṛhītvā sādhitaṃ prāgvat tad bhasma syādakalpakam |
caturvidhaṃ ca tad bhasma jātisaṅkaravarjitam || 3-106 ||
aparigrahamanyeṣāṃ karmasparśādyadūṣitam |
ślakṣṇaṃ pūtamarogaṃ ca pātrasthaṃ bhasitaṃ sitam || 3-107 ||
āgneyasnānayogyaṃ syād yathoktaṃ brahmaśambhunā |
tadbhasma saṃhitāmantraiḥ śaktyā labdhaṃ surakṣitam || 3-108 ||
pātrāt saṅgṛhya hastena dakṣiṇenābhimantrya tu |
viśoddhya dhāriṇībhistu bhūtaśūddhividhānataḥ || 3-109 ||
ṣaḍaṅgenābhimantryādau kṛtvā vāmakare punaḥ |
kṛtvāstreṇa malasnānaṃ mastakaprabhṛti kramāt || 3-110 ||
tatastvīśānapuruṣādhoravāmaiḥ sasadyakaiḥ |
kramānmūrdhāsyahṛdguhyajaṅghāntāśeṣavigraham || 3-111 ||
uddhūlayed dvijo'nye tu lalāṭāṃsahṛdādiṣu |
dhārayeyustripuṇḍrāṇi tathaiva brāhmaṇādayaḥ || 3-112 ||
triyāyuṣaṃ dhārayeyurvedaprāmāṇyadarśanāt |
triyāyuṣaṃ jamadagneḥ kāśyapasya triyāyuṣam ityādiśruteḥ |
āgneyasnānādhikāraḥ |
p. 39) aindrādīnyapi dṛśyante snānānyāgamadarśanāt || 3-113 ||
yeṣu snānādaghadhvaṃsaṃ puṇyaṃ bhadrañca vindati |
anabhre pratapatyarke vṛṣṭiṃ dṛṣṭvordhvabāhunā || 3-114 ||
māhendrasnānamīśānāt kāryaṃ saptapadāvadhi |
gavāṃ khurapuṭotkhātareṇubhiḥ pavanopagaiḥ || 3-115 ||
gomadhyagastatpuruṣaṃ go(mūtraṃ ?sūktaṃ)vā japan dvijaḥ |
anyastu gostutiṃ gobhyo namo vetyabhyudīrayan || 3-116 ||
vāyavyamācaret snānamakhilāghanibarhaṇam |
snānānāmiha sarveṣāṃ mūlaṃ śreṣṭhaṃ ca vāruṇam || 3-117 ||
tasmāt prāg vāruṇaṃ kṛtvā tataḥ snānāntaraṃ bhajet |
prakṣālya pāṇipādaṃ tu samācamyātha vāgyataḥ || 3-118 ||
vidyāde(hayuto) bhūtvā mantrasnānaṃ samācaret |
pañcabhirbramabhirvipro gāyatryā śivasaṃjñayā || 3-119 ||
mūlena ca ṣaḍaṅgaiśca śivatīrthamanusmaran |
svaśiraḥ prokṣayed darbhakūrcād vā kuśamūlataḥ || 3-120 ||
advijo dīkṣito yasyāṃ mantrairīśānapūrvakaiḥ |
mūlāṅgairapi cābhyastaiḥ prokṣayet tu svamastakam || 3-121 ||
āpohiṣṭhādibhirmantrairmantrasnānaṃ hi vaidikam |
tenāpi mārjayed vipro viśuddhiṃ paramāmiyāt || 3-122 ||
tato yāgagṛhaṃ gacchaṃstīrthaṃ hrasvena saṃharet |
hrasvaprāsādenetyarthaḥ |
snānavastrādikaṃ daṇḍe saṃyamyāmantrya tajjalam || 3-123 ||
smṛtvā guruṃ gaṇeśaṃ ca hṛdayenābhipūjya tu |
viśodhyāstreṇa panthānamastrapañcakamadhyagaḥ || 3-124 ||
gacchet tattvānyadhastāt tu kalpayan yāgamandiram |
vidyātattvāspadaṃ dhyāyan sarvavidyāniketanam || 3-125 ||
p. 40) snānamātrāḥ samāropya nāgadantādike kvacit |
śuddhe vivikte maunī tu tataḥ pūjāmupakramet || 3-126 ||
sandhyopāstiprasaṅgāditi vidhivihitaṃ naityakaṃ karmacakraṃ
saṃkṣepācchaivatantre smṛtamiha kathitaṃ liṅgināṃ varṇināṃ ca |
dṛṣṭādṛṣṭeṣṭasiddhipradamiha munibhiḥ sevitaṃ ceti santaḥ
svīkurvantu svavittaṃ svayamiva suhṛdaḥ satpathāvartayantaḥ || 3-127 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre kriyāpāde nityasnānādipaṭalastṛtīyaḥ |
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 4: Reinigung der Elemente und des eigenen Wesens
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 4: Reinigung der Elemente und des eigenen Wesens
Das Kapitel beschreibt Bhuta Shuddhi, die innere Reinigung und Auflösung der Elemente. Atem, Mantra und Vorstellung führen den rituell vergegenwärtigten Leib durch Auflösung und erneute Hervorbringung. Eine zweite Folge verwendet die Bilder von Austrocknung, Verbrennung und Überflutung mit Nektar. Die Atemmaße und Heilsversprechen bleiben Angaben der historischen Quelle; die Darstellung ist keine individuell angepasste Atemanleitung.
Eingang. Nun das vierte Kapitel.
Kriyapada 4-1. Nach der Verneigung vor Shambhu, der die Mondsichel als Krone trägt, vor Bhava, der das Werden durchschneidet, wird kurz die Reinigung des eigenen Wesens samt der Folge der Elementereinigung gelehrt, damit Yoga, Japa und weitere Übungen gelingen.
Kriyapada 4-2. Man hat vorschriftsgemäß gebadet, Sandhya verehrt, das Opferhaus erreicht, die Füße gereinigt und Achamana vollzogen. Nachdem man ordnungsgemäß eingetreten ist, sitzt man schweigend auf einem geeigneten Sitz.
Kriyapada 4-3. Im eigenen Leib von den Füßen bis zum Kopf betrachtet man einen äußerst feinen Hohlraum. Außen vergegenwärtigt man die reine, raumhell strahlende Shakti und dann auch in der Körpermitte.
Kriyapada 4-4. Dort betrachtet man den leuchtenden Schutzkeim, hält die Lebenswinde zurück und setzt den Geist hinein. Am Ende des Ausatmens durchbricht man mit der Waffenformel, abgeschlossen durch den Abwehrlaut, der Reihe nach die Knoten.
Unnummerierte Erläuterung nach Kriyapada 4-4. Mit „Waffe“ ist der Pashupata-Waffenmantra gemeint.
Kriyapada 4-5. Fünf von Dunkelheit und Unreinheit geprägte Knoten sind bekannt: im Herzen, in der Kehle, am Gaumen, zwischen den Brauen und am Scheitel. Durch ihr Durchbrechen wird der Nadi-Weg frei.
Kriyapada 4-6. Man führt durch Einatmen den Lebenswind in sich zurück und vergegenwärtigt im Herzlotus den Jiva als reines Bewusstsein, als Bindu, frei von Beeinträchtigung, verbunden mit der als „Santa“ bezeichneten Lautgestalt, während man den Atem hält.
Unnummerierte Erläuterung innerhalb von Kriyapada 4-6. Mit „Santa-Gestalt“ ist der Hamsa-Mantra gemeint. [Hinweis: Die Verbindung „purakardha“ ist nicht eindeutig; ein zusätzliches Atemverhältnis wird nicht errechnet.]
Kriyapada 4-7. Durch den aufsteigenden Wind führt man den Jiva auf dem Sushumna-Weg zum eigenen Scheitel und mittels der Keimbewegung in einem Udghata zu Shiva am Dvadashanta.
Unnummerierte Erklärung nach Kriyapada 4-7. Udghata bedeutet zwölf Matras. Im Yoganushasana heißt es: „Man führt die Hand um das Knie, weder schnell noch langsam, und schnippt mit den Fingern. Diese Dauer kennen die Kundigen als eine Matra. Zwölf Matras heißen ein Udghata.“
Kriyapada 4-8. Zwölf Fingerbreiten über der bezeichneten Stelle wird ein friedvoller weißer, tausendblättriger Lotus vergegenwärtigt, nach unten geöffnet, von Raumnektar erfüllt. Seine Mitte ist von Shiva eingenommen. [Hinweis: Der Ausgangspunkt der Zwölf-Fingerbreiten-Angabe ist im Wort „kad“ nicht sicher lesbar.]
Kriyapada 4-9. In Shiva aufgegangen und durch die Gliedermantras geschützt vergegenwärtigt man den Körper als nach unten gerichteten Baum. Dann führt man die sechsunddreißig Tattvas in umgekehrter Folge jeweils in ihre Ursachen zurück.
Kriyapada 4-10. Nämlich: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum; Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung und Klang; Geschlechtsorgan, Rede, Hände, Füße und Ausscheidungsorgan;
Kriyapada 4-11. Nase, Zunge, Auge, Haut, Gehör; Manas, Ahamkara, Buddhi, die Gunas und Prakriti, Purusha, Raga, unreine Vidya, Kala und Niyati;
Kriyapada 4-12. ferner Zeit, Maya, reine Vidya, Ishvara, Sadashiva, Shakti und Shiva. So sind die Tattvas von Shiva an genannt. [Hinweis: Die Liste läuft tatsächlich rückwärts; Gunas und Prakriti sind in der Quelle verbunden genannt.]
Kriyapada 4-13. Die fünf Elemente, vom Raum an in umgekehrter Folge, sind ineinander zu reinigen, jeweils mit Kala, Zeichen, Eigenschaft, Sinn und Gottheit, weil Brahma und die weiteren Gottheiten ihnen vorstehen.
Kriyapada 4-14. Das Erdfeld ist viereckig, mit einem Vajra gekennzeichnet, hat Geruch als Eigenschaft, das Riechorgan, Sadya, die Kala Nivritti und den viergesichtigen Brahma als Gottheit.
Kriyapada 4-15. Mit dem Keim aus Ha, R und langem A mit Bindu, durch Einatmen und Atemhalten, wird es von den Füßen bis zu den Knien ausgedehnt. In fünf Udghatas gereinigt betrachtet man es als in die Luft eingegangen.
Kriyapada 4-16. Das Wasserfeld ist weiß wie ein Halbmond, mit weißem Lotus gekennzeichnet, mit Geschmack und Zunge verbunden. Vama und Vishnu stehen ihm vor; mit der Kala Pratishtha ist es zu reinigen.
Kriyapada 4-17. Mit dem Keim aus Ha, R und langem I mit Bindu wird es in vier Udghatas gereinigt, bis zum Nabel ausgedehnt und als in das Feuer eingegangen betrachtet. Das Feuerfeld ist dreieckig und rot, mit der Kala Vidya und einem Swastika-Zeichen.
Kriyapada 4-18. Auge und sichtbare Gestalt gehören zu ihm, ebenso Rudra und Aghora. Mit dem Keim aus Ha, R und langem U mit Bindu wird es in drei Udghatas gereinigt, bis zur Kehle ausgedehnt und als ins Wasser eingegangen betrachtet.
Kriyapada 4-19. Das Luftfeld ist schwarz, sechseckig und mit sechs Punkten gekennzeichnet. Purusha steht ihm vor; Haut, Berührung, Shanti und Ishvara gehören zu ihm. Mit dem Keim aus Ha, R und Ai mit Bindu wird es in zwei Udghatas gereinigt.
Kriyapada 4-20. Es reicht bis zu den Brauen und geht mit seinem groben Anteil in die Erde ein. Das Raumfeld ist rund und kristallhell, verbunden mit Gehör, Klang, Bindu und Shakti.
Kriyapada 4-21. Ishana und Sadesha gehören zu ihm, ebenso die jenseitige Kala. Mit Grund- und Waffenmantra reicht es bis zum Scheitel. Vom Grundmantra am Dvadashanta her überflutet man alles mit Strömen des Mondnektars.
Örtlicher Quellenhinweis zu Kriyapada 4-15–21. IAST und Devanagari nennen ausdrücklich Erde → Luft, Wasser → Feuer, Feuer → Wasser und Luft → Erde. Diese auffällige Folge wird nicht nach einem erwarteten Elementschema korrigiert. Auch „Sadesha“ bleibt als gelieferte Bezeichnung stehen.
Kriyapada 4-22. Nach der Überflutung und vollendeten Elementereinigung lässt man die Tattvas der Reihe nach wieder entstehen. Durch die Tattvas von Shiva bis zur Erde bildet man nach dem Willen Shivas, der auf seiner eigenen Shakti ruht, den Vidya-Leib. Mit dem durch Shivas Willen hervorgebrachten reinen Körper setzt man durch die heilige Silbe einen Sitz ins Herz.
Kriyapada 4-23. Darauf setzt man die alles durchdringende glückverheißende Shakti. Den Jiva im eigenen Keim, der im Shiva genannten Bereich eingesetzt wurde, führt man mit dem Einatmen vom Dvadashanta durch die Nadi in die Mitte des Herzlotus zurück.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 4-23. Dort setzt man ihn ein, überflutet ihn mit dem Nektarwasser des Grundmantras und beginnt Verehrung und weitere Handlungen. Abschnitt über die Elementereinigung.
Kriyapada 4-24. Nun wird eine weitere Reinigung des eigenen Wesens deutlich erklärt: die Folge von Austrocknung und weiteren Vorgängen am nach oben vergegenwärtigten Leib.
Kriyapada 4-25. Weil sie sämtliche Fehler tilgen und Reinheit verleihen soll, soll sie auch Krankheiten, Alter und Tod mindern. Wie zuvor betrachtet man im eigenen Körper einen Hohlraum und die ihn innen und außen durchdringende Shakti.
Kriyapada 4-26. Geist und Jiva ruhen im Schutzkeim. Durch Einatmen hält man die Lebenswinde zurück, durchbricht die Knoten mit der Waffenformel am Ende des Ausatmens und führt den Wind durch Einatmen wieder zurück.
Kriyapada 4-27. Man sammelt das Bewusstsein mit dem Jiva in seiner Santa-Lautgestalt als unversehrtes Licht im Herzraum. Durch Atemhalten und Udghata zieht man ihn auf dem Sushumna-Weg empor,
Kriyapada 4-28. setzt ihn in Shiva am Dvadashanta ein und löst die Tattvas in umgekehrter Folge auf. Ebenso führt man die Laute, rückläufig von Ksha, Ha und Sa an, und die ganze Klangfolge in Shakti zurück.
Kriyapada 4-29. Den leeren Körper betrachtet man als schwarz, nur aus Unreinheit und Verfehlung bestehend. Im Nabelkreis, im Windfeld, vergegenwärtigt man den tief rauchfarbenen Ya-Keim mit Bindu und daraus einen heftigen Wind.
Unnummerierte Betrachtung vor Kriyapada 4-30. Man betrachtet den eigenen Leib als Samsara-Baum mit Zweigen nach unten und Wurzeln nach oben. Brahmashambhu sagt: „Der Körper als Baum des Werdens ist dort nach unten gerichtet zu meditieren.“
Kriyapada 4-30. Mit dem heftigen inneren Wind, der aus dem Nabel hervorgeht, trocknet man ihn aus; Verfehlung und Unreinheit werden mit ausgetrocknet.
Kriyapada 4-31. Nachdem man durch fünf Udghatas und Zurückhalten des Windes die Austrocknung vollzogen hat, betrachtet man im Herzlotus den letzten Laut, mit Feuer, Anugraha, Halbmond und Nada verbunden,
Kriyapada 4-32. als feuerartigen Keim. Im roten Feuerfeld eingesetzt, verbrennt er die Menge der Verfehlungen mit Tausenden von Flammen, die aus den Dreizacken an den sechs Ecken hervorbrechen.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 4-33. Den als Körper bezeichneten Zusammenhang soll man vollständig verbrennend und schließlich zu Asche geworden betrachten. Weil Parakhya und Paurusha lehren: „Man verbrenne ihn mit dem Pashupata-Waffenmantra“, kann man ihn auch damit verbrennen. [Hinweis: Die vorangehende Keimchiffre wird nicht zu einer ergänzten Formel aufgelöst.]
Kriyapada 4-33. Mit dem Keim des heftigen Windes treibt man die ganze Asche fort und verstreut sie in die Richtungen.
Kriyapada 4-34. Den Körper betrachtet man als leer wie der Raum, rein, nur von Verdienst erfüllt. Shiva im Himmelslotus will durch die Willens-, Handlungs- und Erkenntniskraft seiner Shakti erschaffen.
Kriyapada 4-35. Aus Shakti lässt man ordnungsgemäß die geschriebenen Lautgruppen und Tattvas entstehen, daraus den Körper. Man betrachtet ihn als Weltei und Weltbereich, rein und von Fesselbindung frei.
Kriyapada 4-36. Den zuvor am Dvadashanta eingesetzten Keim-Jiva zieht man mit dem Einatem herab, führt ihn durch die Scheitelöffnung auf dem inneren Weg in die Mitte des Herzlotus und betrachtet ihn als Shiva, das eigene Selbst.
Kriyapada 4-37. Vom sechzehnblättrigen Himmelslotus mit Mondanteilen und Vokalen führt man die Nektar-Kalas durch Sushumna herab und füllt den Körper der Reihe nach in umgekehrter Vokalfolge mit ihnen.
Kriyapada 4-38. Amrita, Manini, Tushti, Pushti, Priti, Rati, Shri, Shanti, Sudha, Kanti, Jyotsna, Haimavati, Prabha, Purani, Vama und als sechzehnte Ama sind diese Kalas: Nektar, Selbstachtung, Zufriedenheit, Gedeihen, Liebe, Freude, Glück, Frieden, Labsal, Schönheit, Mondlicht, Schneehelle, Glanz, Fülle, die linke beziehungsweise schöne Kraft und der verborgene Mondanteil. [Hinweis: Die Bedeutungen dienen der Verständlichkeit der Namen; bei Vama und Ama bleibt der technische Sinn mehrdeutig.]
Kriyapada 4-39. Vom rechten großen Zeh geht die Folge über Knöchel, Knie, Hüfte, Bauch, Handgelenk und Arm zum halben Kopfbereich; ebenso sind die Stellen der linken Seite zu verstehen. Die Kalas setzt man in umgekehrter Folge ein.
Unnummerierte Einsetzungsformeln und Erläuterung nach Kriyapada 4-39. „Letzter Vokallaut mit Visarga: Ama Verehrung! Nasalierter A-Laut: Vama Verehrung! Au-Laut mit Bindu: Purani Verehrung!“ So setzt man die sechzehn Kalas vom großen Zeh bis zum Scheitel ein und füllt die Stellen der Reihe nach mit ihrem Nektar. Dies ist die Unterweisung. [Hinweis: Die Quelle schreibt nur diese ersten drei Formeln aus.]
Kriyapada 4-40. Im Himmelslotus vergegenwärtigt man Wasser mit Halbmond, vollmondhell und mit den Vokalen seiner Kalas. Mit Nektar, weiß wie Muschel, Kunda-Blüte, Mond und Kuhmilch, füllt man durch die Brahma-Nadi den eigenen Leib.
Kriyapada 4-41. Man betrachtet ihn als sechzehnjährig, als reinen Vidya-Leib, von Nektarfüllung überströmt und durch eine Fülle von Verdienst erworben. Wer ihn auch nur einmal so innerlich vergegenwärtigt, soll ein Yogi sein.
Kriyapada 4-43, erstes Vorkommen [nach 4-41]. Durch solche Übung soll man selbst von reinem Sattva werden und durch Ishvaras Gnade das Herabkommen der Shakti erlangen. Durch Japa, Puja und weitere Handlungen sollen die erwünschten Ziele gelingen; klare, beglückende Rede soll aus dem Mund hervorgehen.
Kriyapada 4-43, zweites Vorkommen [Schlussvers]. Durch besondere Wasserarten, bloßes Waschen und ähnliche Handlungen entsteht keine vollständige Reinigung des von Unreinheit geprägten Körpers. Darum wurde von den Guten diese zweifache Reinigung des eigenen Wesens samt innerer Sammlung vorschriftsgemäß gelehrt; man soll sie täglich üben.
Hinweis zur Nummerierung. Nach 4-41 folgt in den gelieferten Fassungen zweimal 4-43. Eine Versnummer 4-42 wird nicht ergänzt.
Kolophon. Hier endet im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das vierte Kapitel über die Reinigung der Elemente und weitere innere Reinigungen.
Besinnung: Raum für einen neuen Anfang
Auflösung, Reinigung und erneute Entstehung geben diesem Kapitel seine innere Bewegung. Als heutige Besinnung kann man darin die Möglichkeit eines neuen Anfangs sehen: Belastendes wahrnehmen, nicht daran festhalten und die eigene Haltung bewusst erneuern. Die rituellen Bilder von Licht und Nektar lassen sich als Bilder lesen; sie begründen keine Zusage, Krankheit, Alter oder Tod durch Vorstellung zu überwinden.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 4: Reinigung der Elemente und des eigenen Wesens
Das Kapitel beschreibt Bhuta Shuddhi, die innere Reinigung und Auflösung der Elemente. Atem, Mantra und Vorstellung führen den rituell vergegenwärtigten Leib durch Auflösung und erneute Hervorbringung. Eine zweite Folge verwendet die Bilder von Austrocknung, Verbrennung und Überflutung mit Nektar. Die Atemmaße und Heilsversprechen bleiben Angaben der historischen Quelle; die Darstellung ist keine individuell angepasste Atemanleitung.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha caturthaḥ paṭalaḥ |
praṇamya śambhuṃ śaśikhaṇḍaśekharaṃ bhavaṃ bhavacchedakaraṃ samāsataḥ |
sabhūtaśuddhikramamātmaśodhanaṃ nigadyate yogajapādisiddhaye || 4-1 ||
snāto yathāvat samupāsya sandhyāṃ yāgālayaṃ prāpya kṛtāṅghriśaucaḥ |
ācamya cāntarvidhivat praviṣṭaḥ śastāsane vāgyamavān niviṣṭaḥ || 4-2 ||
āmastakāṅghridvayamātmadehe dhyāyan susūkṣmaṃ suṣiraṃ tadantaḥ |
bāhye tu vinyasya tu śaktimacchāṃ vyomatviṣaṃ tāmatha dehamadhye || 4-3 ||
huṅkārabījaṃ rucimad vicintya prāṇanniyamyātra niveśya cittam |
tadrecakāntoktaphaḍantamastrād granthiprabhedaṃ kramaśo vidadhyāt || 4-4 ||
astraśabdena pāśupatāstreṇeti yāvat |
ye granthayaḥ pañca tamomaliṣṭhā hṛtkaṇṭhatālusthitayaḥ prasiddhāḥ |
bhrūmadhyato mūrdhani ceti teṣāṃ bhedāt tu nāḍīsaraṇiḥ prasiddhyet || 4-5 ||
vāyuṃ niyamyātmani pūrakārdhāccaitanyasāntātmakajīvarūpam |
sāntātmakaśabdena haṃsamantra ucyate |
taṃ bindubhūtaṃ ca nirāmayaṃ sve hṛtpaṅkaje kumbhakato vibhāvya || 4-6 ||
tatrordhvavāyoḥ prasareṇa jīvaṃ sauṣumnamārgānnihitaṃ svamūrdhni |
udghātamātreṇa tu bījavṛttyā taṃ dvādaśāntaḥsthaśivaṃ nayecca || 4-7 ||
udghāto nāma dvādaśamātraḥ |
atra yogānuśāsane -
jānu pradakṣiṇīkṛtya na drutaṃ na vilambitam |
yat karotyaṅgulisphoṭaṃ tāvanmātrāṃ vidurbudhāḥ ||
p. 41) mātrādvādaśakaḥ kāla uddhāta iti kathyate ||
iti |
kādaṅguladvādaśake'tra saumyaṃ śuklaṃ sahasracchadapuṇḍarīkam |
vyomāmṛtavyāptamadhomukhaṃ tanmadhyaṃ śivādhyāsitamabhyupeyam || 4-8 ||
līnaḥ śive'ṅgairabhirakṣitātmā sādhomukhaṃ dehataruṃ vibhāvya |
tattvāni ṣaṭtriṃśadatho vilomaṃ nītvā layaṃ sveṣviha kāraṇeṣu || 4-9 ||
tadyathā -
bhūmyambutejomarudambaraiḥ syād gandho rasaścāpyatha rūpamuktam |
sparśākhyaśabdau kathitāvupasthaṃ vākpāṇipādaṃ ca tathaiva pāyū || 4-10 ||
ghrāṇaṃ ca jihvā nayanaṃ tathā tvak śrotraṃ mano'haṅkṛtibuddhayaśca |
guṇaprakṛtyā puruṣaśca rāgo'pyaśuddhavidyā ca kalā niyatyā || 4-11 ||
tathaiva kālaḥ kathitā ca māyā viśuddhavidyā ca tatheśvaraśca |
sadāśivaḥ śaktiratho śivaścetyuktāni tattvāni śivādikāni || 4-12 ||
pañcātha bhūtāni parasparāntaḥ śodhyāni khādīni vilomamārgāt |
viriñcapūrvaiḥ samadhiṣṭhitatvāt tattatkalābimbaguṇākṣadevaiḥ || 4-13 ||
bhūmaṇḍalaṃ yaccaturaśravītaṃ vajrāṅkitaṃ gandhaguṇaṃ sasadyam |
ghrāṇendriyaṃ tatkalayā nivṛttyā yuktaṃ ca daivena caturmukhena || 4-14 ||
hrāṃbījataḥ pūrakakumbhakābhyāṃ vyāptaṃ tadājānu tadaṅghriyugmāt |
śodhyaṃ taduddhātakapañcakāntaṃ vāyau praviṣṭaṃ paribhāvayecca || 4-15 ||
abbimbamardhendusitaṃ sitābje cihnaṃ rasāḍhyaṃ rasanendriyaṃ ca |
vāmāsthitaṃ viṣṇusamanvitaṃ tadyuktaṃ pratiṣṭhākalayā viśodhyam || 4-16 ||
hrīṃbījamuddhātacatuṣkaśodhyamagnau tadānābhitaṭaṃ praviṣṭam |
vahnestrikoṇāruṇamaṇḍalaṃ syād vidyākalaṃ svastikalāñchanaṃ ca || 4-17 ||
dṛgindriyaṃ rūpaguṇaṃ sarudraṃ hrūṃbījato'ghorayutaṃ viśodhyam |
tryuddhātatastacca jale praviṣṭaṃ vyāptaṃ tu kaṇṭhāvadhi sannirūpya || 4-18 ||
ṣaḍbinducihnaṃ tvatha vāyubimbaṃ kṛṣṇaṃ ṣaḍaśraṃ puruṣāsthitaṃ ca |
tvaksparśaśāntyanvitamīśvareṇa hraiṃbījamudghātayugād viśodhyam || 4-19 ||
p. 42) vyāptaṃ ca tadbhrūyugalāvasānaṃ sthūlāṃśamātreṇa dharāṃ praviṣṭam |
vṛttaṃ khabimbaṃ sphaṭikāvadātaṃ saśrotraśabdaṃ ca sabinduśaktim || 4-20 ||
īśānasādeśayutaṃ tvatītaṃ vyāptaṃ samūlāstrakamāśirontāt |
tad dvādaśāntaḥ sthitamūlamantrāccandrāmṛtāsārajalaiḥ samastam || 4-21 ||
āplāvya nirvartitabhūtaśuddhiḥ sampādya tattvāni yathākrameṇa |
śivādipṛthvyantatattvaiḥ svaśaktyadhiṣṭhānaśivasyecchayā vidyādehaṃ sampādayet |
śivecchayotpāditaśuddhadeho hṛdyāsanaṃ tu praṇavena dattvā || 4-22 ||
tadvyāpinīṃ nyasya śivāṃ tu śaktiṃ svabījajīvaṃ nihitaṃ śivākhye |
taṃ dvādaśāntādatha pūrakeṇa tvānīya nāḍyā hṛdayābjamadhye || 4-23 ||
saṃsthāpya mūlāmṛtavāripūrairāplāvya pūjādikamārabhet |
bhūtaśuddhyadhikāraḥ |
atrocyate'nyā sphuṭamātmaśuddhiryā śoṣaṇādikramaśordhvadehe || 4-24 ||
niḥśeṣadoṣakṣayaśuddhidānād rogān jarāṃ mṛtyumapi kṣiṇoti |
prāgvat svadehe suṣiraṃ vicintya tadvyāpinīṃ cāntarabāhyaśaktim || 4-25 ||
huṅkāramadhyasthitacittajīvaḥ prāṇānniyamyāhṛtapūrakeṇa |
granthīn vidāryāhṛtarecakāntamastreṇa vāyuṃ vinivartya pūrāt || 4-26 ||
caitanyamāhṛtya sasāntajīvaṃ hṛtsampuṭe jyotiranāmayākhyam |
taṃ kumbhakodghātavaśāt tadūrdhvaṃ cākṛṣya sauṣumnapathena kāntam || 4-27 ||
taṃ dvādaśāntaḥsthaśive niyujyāt tattvāni nītvā vilayaṃ vilomāt |
varṇān volomāt kṣahasakramoktān nītvā layaṃ śabdatatiṃ ca śaktau || 4-28 ||
śūnyaṃ tu dehaṃ malapāpamātraṃ vicintya kṛṣṇaṃ tvatha nābhicakre |
bimbe tu vāyoratidhūmravarṇaṃ yaṅkāramudbhāvya tu caṇḍavāyum || 4-29 ||
dhyāyedadhaḥśākhamathordhvamūlaṃ saṃsāravṛkṣātmakamātmadeham |
dehātmādhomukhastatra dhyātavyo bhavapādapaḥ |
iti brahmaśambhuḥ |
taṃ śoṣayennābhivinirgatāntaścaṇḍānilenāghamale ca śoṣye || 4-30 ||
p. 43) uddhātakaiḥ pañcabhirasya śoṣaṃ vāyornirodhena vidyāya paścāt |
hṛtpaṅkaje'ntyākṣaramagniyuktaṃ sānugrahārdhenduyutaṃ sanādam || 4-31 ||
bījaṃ tu sañcintya hutāśakalpaṃ bimbe hutāśasya tu raktavarṇam |
vinyasya ṣaṭkoṇalasattriśūlajvālāsahasraprasarairaghaugham || 4-32 ||
samyagdahantaṃ tu kalevarākhyaṃ tadbhasmasādbhūtamapīha cintyam |
dahet pāśupatāstreṇa iti parākhyapauruṣayoruktatvāt pāśupatāstreṇa vā tad dahet |
protsārya caṇḍānilavāyubījāt tadbhasma sarvaṃ tu diśo vikīrya || 4-33 ||
śūnyaṃ khatulyaṃ paribhāvya dehaṃ śuddhaṃ tu tatkevalapuṇyaśeṣam |
vyomāmbujāntaḥsthaśivasya śaktericchākriyājñānavaśāt sisṛkṣoḥ || 4-34 ||
śakteryathāvallipivarṇapūgaistattvāni cotpādya tu taiḥ śariram |
sṛṣṭvā tadaṇḍātmakaviśvalokaṃ sambhāvya śuddhaṃ gatapāśabandham || 4-35 ||
prāg dvādaśāntāhitabījajīvamākṛṣya tatpūrakavāyumiśram |
tad brahmarandhreṇa niveśya mārgāddhṛtpadmamadhyaṃ śivamātmarūpam || 4-36 ||
vyomābjamadhyendukalāsvarāḍhyaṃ dvyaṣṭacchadādhārasudhākalābhiḥ |
suṣumnayānīya pṛthag yathāvaccāpūrayed vyutkramataḥ svarāṇām || 4-37 ||
sāmṛtāmāninī tuṣṭipuṣṭī tathā prītiruktā ratiḥ śrīśca śāntiḥ sudhā |
kāntyatha jyotsnayā haimavatyā prabhā pūraṇī vāmayā syādamā ṣoḍaśī || 4-38 ||
dakṣiṇāṅguṣṭhato gulphajānukramāt syāt kaṭiścodaraṃ pāṇisandhirbhujaḥ |
mūrdhni cārdhaṃ kramād vāmabhāge'pi ca sthānamuktaṃ kalāstadvilomā nyaset || 4-39 ||
aḥ amāyai namaḥ |
aṃ vāmāyai namaḥ |
auṃ pūraṇyai namaḥ |
ityādyaṅguṣṭhādimūrdhāntaṃ ṣoḍaśa kalā vinyasya tadamṛtaiḥ kramādāpūrayedityupadeśaḥ |
toyamardhendumatpūrṇacandraprabhaṃ khāmbuje bhāvayet tatkalāttasvaram |
śaṅkhakundendugokṣīragaurāmṛtairbrahmanāḍyā pathāpūrya dehaṃ svakam || 4-40 ||
dvyaṣṭavarṣākṛtiṃ śuddhavidyātanuṃ tatsudhāpūraṇaplāvyamānākṛtim |
puṇyapūgārjitaṃ śuddhamitthaṃ dhiyā yaḥ smaredekadāpyeṣa yogī bhavet || 4-41 ||
p. 44) itthamabhyāsataḥ śuddhasattvaḥ svayaṃ śaktipātaṃ labheteśvarānugrahāt |
japyapūjādibhiśceṣṭāsiddhiṃ tathā suprasannā mukhānniḥsared bhāratī || 4-43 ||
na hi salilaviśeṣaiḥ kevalaṃ kṣālanādyaiḥ
prabhavati pariśuddhiryanmaliṣṭhaṃ śarīram |
dvividhamitiha sadbhiḥ sāntaraṅgātmaśuddhiḥ
savidhi samupadiṣṭāṃ tāṃ bhajennityaśo'pi || 4-43 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre kriyāpāde bhūtaśuddhyādi paṭalaścaturthaḥ || 4 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 5: Die Gaben und Handlungen der Puja
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 5: Die Gaben und Handlungen der Puja
Das Kapitel erläutert die Puja als geordnete Folge von Gastlichkeit, Verehrung und innerer Vergegenwärtigung. Sitz, Anrufung, Wasser, Bad, Kleidung, Duft, Blumen, Licht und Speisen werden einzeln beschrieben. Große Tempelformen stehen neben einfacheren Formen nach den verfügbaren Mitteln; Fehlendes darf im Geist dargebracht werden. Pflanzenlisten, Maße und Lesungsabweichungen bleiben in ihrer überlieferten Gestalt erkennbar.
Eingang. Nun das fünfte Kapitel.
Kriyapada 5-1. Die Verehrung dieses Shiva, des höchsten Atman mit seinem Vidya-Leib, ist als Vollendung schenkend zu verstehen; sie soll sichtbare und unsichtbare Früchte gewähren.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 5-2. Diese Puja wird in drei Stufen unterschieden: vorzüglich, mittel und gering.
Kriyapada 5-2. Die vorzügliche Puja hat sechzehn Ehrengaben, die mittlere zehn und die einfachste fünf. Aus diesen Formen soll man die Verehrung entsprechend den eigenen Mitteln wählen.
Kriyapada 5-3. Sitz, Anrufung, Arghya-Ehrenwasser, Fußwasser und Wasser zum Mundspülen,
Kriyapada 5-4. ferner das Bad mit Haupt- und Nebengliedern, Gewand, Schmuck, Duftstoffe, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speisedarbringung,
Kriyapada 5-5. Feuerhandlung, Verneigung sowie Übergabe von Japa und Puja: Dies sind in Kürze die sechzehn genannten Ehrungen.
Kriyapada 5-6. Fußwasser, Arghya, Mundspülwasser, Bad, Duft, Blüten, Räucherwerk, Lampe, Speise und Verneigung sind die zehn,
Kriyapada 5-7. die für die mittlere Puja gelehrt werden. Duft, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise sind die fünf der einfachsten Form. Zum Wohl der Übenden werden auch ihre Merkmale und Unterteilungen aufgeschrieben.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Nachdem Sitz und Gestalt herbeigerufen sind, auf dem Meru … Entfaltungsweg, soll man ihr Verhältnis als Umfasstes und Umfassendes erkennen und die Verehrung beginnen. Der Sitz reicht bis Shuddhavidya, die Gestalt bis Shakti. Der herbeizurufende Shiva steht mit seiner Gestalt darüber.“ [Quellenlücke: Im ersten Vers stehen Pluszeichen; auch die Verbindung der letzten Gestaltbezeichnung ist beschädigt.]
Weiteres unnummeriertes Zitat. „Andere nennen Ananta den Sitz, Shakti die Gestalt und Shiva deren Träger. Manche Einsichtige nennen Shakti selbst den Sitz.“
Kriyapada 5-8. Der Sitz ist die Grundlage der Gottheit; auf ihm sitzend wird die erwählte Gottheit verehrt. Die Wortwurzel „as“ bedeutet Sitzen; darum wird zuerst der Sitz als wesentlich hervorgehoben.
Kriyapada 5-9. Die tragende Shakti, mondlichthell, setzt man auf den Schildkrötenstein.
Kriyapada 5-10. Ananta, zum Sitz geworden, setzt man auf den Brahmastein. Ananta ist Vishnu selbst, die Kraft, die alles erhält. Dann verehrt man im Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten die Füße des Throns als schöne Löwengestalten: der Reihe nach mondweiß, safranrot, talagelb und bienenschwarz, mit der heiligen Silbe, der Herzformel, ihren Namen und der Verehrung am Ende. [Hinweis: Die Prosadeutung Anantas steht in der Quelle innerhalb der Versfolge.]
Kriyapada 5-11. Ebenso setzt man Unrecht, Nichtwissen, fehlende Loslösung und fehlende Herrschaftsmacht der Reihe nach in die Richtungen von Osten an am Thron ein.
Unnummeriertes Zitat: Kirana. „Die vier Weltalter sind seine großen Füße, das Erd-Tattva seine Wurzelknolle, bis Kala reicht sein Stängel, fünfzig Zustände sind seine Dornen. Maya ist sein großer Knoten; der Lotus der reinen Vidya ziert ihn. Die Vidyeshvaras bedecken seine Blätter, Shakti bildet seine Staubgefäße. Shiva und Shakti bilden Mitte und Samen. So soll der aus dem Matrika-Keim entstandene Thron vergegenwärtigt werden.“
Unnummeriertes Zitat: Kalottara. „Man betrachtet einen weißen achtblättrigen Lotus mit goldglänzender Mitte, den Shakti-Kreis wie die Strahlen der aufgehenden Sonne und Manonmani mondlichthell; die Gesamtheit der Kreise jeweils in ihrer eigenen Gestalt. Das Sonnenfeld erfüllt die Blätter, Brahma ist sein Herr; ebenso das Mondfeld mit Vishnu als Hüter die Staubgefäße, das Feuerfeld mit Rudra als Gottheit die Mitte. Den acht Gestalten von Erde an entsprechen die Kräfte von Vama an, durch die nach Shivas Befehl das Gedeihen der Welt gelingt. Die neunte ist Shivas eigene Kraft, die Göttin Manonmani.“
Kriyapada 5-12. Vama, Jyeshtha, Raudri, Kala und Kalavikarani,
Kriyapada 5-13. Balavikarani, Balapramathini, Sarvabhutadamani und als neunte Manonmani.
Kriyapada 5-14. Weiß, rot, dunkel, gelb, dunkelgrünlich, schwarz wie Augensalbe, Japa-blütenrot und mondlichthell werden die schönen, allseits geschmückten Gestalten von Vama an beschrieben. [Hinweis: Neun Kräfte stehen einer kürzeren beziehungsweise anders teilbaren Farbfolge gegenüber. Eine fehlende Farbe wird nicht ergänzt.]
Unnummerierter Kommentar: Kalottara-Tika. Man soll sie mit einem Gesicht und zwei Armen betrachten, die Hände zur Verehrung gefaltet und der Gottheit zugewandt.
Kriyapada 5-15. Mit heiliger Silbe und Herzkeim am Anfang, dem jeweiligen Namen und der Verehrung am Ende vergegenwärtigt man Shivas Sitz als den Tattva-Weg umfassend und verehrt ihn.
Unnummerierter Zusatz nach Kriyapada 5-15. Andere sagen: aus sämtlichen Entfaltungswegen gebildet. Abschnitt über den Sitz.
Kriyapada 5-16. Dass man sich dem von sich aus vollkommenen Prinzip bei Verehrung und ähnlichen Handlungen aufmerksam zuwendet, gilt als seine Anrufung.
Kriyapada 5-17. Man füllt die gefalteten Hände mit Blüten, vergegenwärtigt Shivas Gestalt und legt die Blüten auf das Linga oder einen anderen Träger, mit der Herzformel am Anfang und Verehrung am Ende.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 5-18. So entsteht die Gestalt aus den Tattvas von Erde bis Shakti:
Kriyapada 5-18. Sie sitzt im gebundenen Lotussitz, strahlt wie der reine Mond und erscheint göttlich, etwa sechzehnjährig. Durch die fünf Brahma-Mantras hat sie fünf Gesichter; drei Augen verkörpern die drei Kräfte Erkenntnis, Handlung und Wille.
Kriyapada 5-19. Mit zehn Armen zeigt sie rechts Furchtlosigkeit und Wunscherfüllung und trägt Lanze, Dreizack und Schädelstab; links Schlange, Gebetskette, Trommel, Utpala und Zitronatzitrone.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Die fünf Ströme sind seine Köpfe, die zehn Richtungen seine Arme: so ist der friedvolle Ishvara.“
Kriyapada 5-20. So vergegenwärtigt man die Gestalt und legt eine Handvoll Blüten auf das Linga. Mit erneut blütengefüllten Händen meditiert man dann über Shiva als Vidya-Leib.
Kriyapada 5-21. Ferner, zur Vollendung des makellosen, mit Ishana verbundenen Körpers:
Kriyapada 5-22. Shantyatita ist sein Scheitel, Shanti sein Lotusgesicht, Vidya seine weite Brust und Schultern, Pratishtha sein verborgener Bereich,
Kriyapada 5-23. Nivritti Knie, Unterschenkel und Füße. Der Weltenweg sind seine Körperhaare; Laut- und Mantraweg bilden sein Blut, der Wortweg Fleisch und Adern.
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 5-24. Der Tattva-Weg bildet Mark, Samen und Knochen. So ist dieser glückverheißende Leib.
Kriyapada 5-24. Nachdem man den Vidya-Leib so betrachtet hat, spricht man die heilige Silbe, Herz- und Grundformel verbunden,
Kriyapada 5-25. dann „Dem Vidya-Leib Verehrung“ und setzt ihn in die Gestalt ein. In diesen Vidya-Leib setzt man achtunddreißig Kalas.
Kriyapada 5-26. Ihre Einsetzung erfolgt wie zuvor im Zusammenhang der Verehrung gelehrt. Dann ruft man den allgegenwärtigen Gott Shiva in den Vidya-Leib herbei.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „In dieser gegliederten Gestalt soll man den von allen Begrenzungen freien, höchsten Urgrund ehren: den anfangslosen Parameshvara mit Allwissenheit und den übrigen Eigenschaften. Durch hingebungsvolle Anrufung und weitere Handlungen verehrt man den Teillosen im Gegliederten, während man seine Prasada-Gestalt ausspricht. Man füllt die Hände mit Blüten und spricht Shiva mit der Herzformel voran so lange aus, bis der teillose Bereich erreicht ist. Von der Betrachtung seines Wesens erfüllt, sieht man ihn im Bindu aufsteigen, in einem flimmernden Strahlenkreis. Von dort nimmt man ihn vertrauensvoll und mit festem Geist auf und setzt ihn mit der Herzformel in den vor einem vergegenwärtigten Leib ein.“
Kriyapada 5-27. Teile der Anrufung sind Einsetzen, Vergegenwärtigen der Anwesenheit, Festhalten, Nektarisieren und Umhüllen.
Kriyapada 5-28. Den herbeigerufenen Shiva in diesem Vidya-Leib bei hingebungsvoller Verehrung beständig und fest zu vergegenwärtigen, heißt Einsetzen.
Kriyapada 5-29. Dass er in der Beziehung zwischen dem Eigenen und seinem Herrn seine Kraft zeigt, heißt hier Anwesenheit, obwohl er allgegenwärtig ist.
Kriyapada 5-30. Seine Anwesenheit bis zum Abschluss der Puja durch Hingabe festzuhalten, heißt Sannirodha, auch wenn er der Allgegenwärtige ist.
Kriyapada 5-31. Das Prinzip ist Stätte der Freude, Gestalt von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Es als diese ganze gegliederte Gestalt durchdringend zu betrachten, heißt Umhüllen.
Kriyapada 5-32. Dass die ihrem Wesen nach verschiedenen Glieder mit ihrem Ganzen einen gemeinsamen Zweck besitzen, heißt Nektarisierung.
Kriyapada 5-33. Wie beim Umhüllen lässt man die lichtvollen Glieder an Strahlkraft zunehmen. Dies geschieht mit der großen Mudra, denn es ist ihr Aufleuchten.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Anrufung.
Kriyapada 5-34. Arghya wird dreifach unterschieden: das Shiva-Arghya mit sechs oder acht Bestandteilen und das achtteilige Shakti-Arghya, wie … gelehrt. [Quellenlücke: Ein Teil der Quellen- beziehungsweise Lehrangabe ist durch Pluszeichen ersetzt.]
Kriyapada 5-35. Duft, Blüten, ungebrochener Reis, Kusha, Durva-Spitzen und Wasser bilden das sechsteilige Arghya, wie Bhojendra und Brahmashambhu lehren.
Kriyapada 5-36. Kusha, ungebrochener Reis, Sesam, Durva, Duft, Blüten, Gerste und Milch bilden das achtteilige Shiva-Arghya-Wasser nach dem Vijaya.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Wasser, Bilva-Frucht, Durva, Sesam, Blüten, Reis, Kuhdickmilch und Darbha-Spitzen: dies heißt achtteiliges Arghya.“
Kriyapada 5-37. Duft, Blüten, ungebrochener Reis, Gerste, Kusha, Durva-Spitzen, Senf und Wasser sind die acht Stoffe des Shakti-Arghya.
Kriyapada 5-38. Ein goldenes, silbernes, kupfernes oder, wenn nichts anderes verfügbar ist, hölzernes Gefäß wird mit drei Kuduba gefüllt; auch eine Muschelschale kann als Arghya-Gefäß dienen.
Kriyapada 5-39. Auf eine Halterung gestellt, wird es mit dem Waffenmantra gereinigt, zuerst nach unten gewandt besprengt, dann aufgerichtet. Man setzt darin Darbha-Büschel und Shakti ein.
Kriyapada 5-40. Unter Wiederholung der Samhita füllt man es mit vom Mond tropfendem Nektar und den acht beziehungsweise sechs Bestandteilen; dann setzt man Shiva mit seinen Gliedern ein.
Kriyapada 5-41. Mit der Mantra-Samhita berührt und durch die Nektarmudra zum Leuchten gebracht, wird es mit Duft, Blüten, ungebrochenem Reis und Räucherwerk verehrt und durch den Waffenmantra geschützt.
Kriyapada 5-42. Vom Panzermantra behütet soll es alle Hindernisse abwehren. Mit seinem Wasser und einem Kusha-Büschel besprengt man danach den eigenen Kopf,
Kriyapada 5-43. einzeln die Verehrungsgegenstände und der Reihe nach den Boden. Dieses gut behütete besondere Arghya wird während der Puja dargebracht.
Kriyapada 5-44. Ein Gefäß mit gewöhnlichem Wasser, Duft, Blüten und ungebrochenem Reis, unter Shivas Waffenmantra besprochen, heißt allgemeines Arghya für Shivas Verehrung.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Verfahren des Arghya.
Kriyapada 5-45. Das gewöhnliche Fußwasser enthält Durva, Shyamaka und Lotus. Man füllt es wie zuvor in ein Gefäß und bietet es an den Füßen dar.
Kriyapada 5-46. Kühles Wasser mit Jatiphala, Takkola, Lavanga, Kampfer und Sandelholz gilt als Wasser zum Mundspülen.
Kriyapada 5-47. Für spätere Mundspülgaben ist wohlriechendes Wasser geeignet. Mit der Herzformel und den Abschlusslauten Verehrung, Ahnengabe, Darbringung und Opferabschluss
Kriyapada 5-48. bietet man die vier Gaben von Arghya an der Reihe nach dar. Für Arghya sollen drei Gefäße bereitstehen, ebenso drei für Fußwasser,
Kriyapada 5-49. sechs für Mundspülwasser; ist das nicht möglich, auch nur eines. Arghya wird am Anfang, beim Bad und am Ende der Puja gegeben.
Kriyapada 5-50. Fußwasser gibt man zu drei Zeiten: am Anfang, beim Bad und nach dem Schmücken. Mundspülwasser nach dem Fußwasser, nach der Honiggabe, vor und nach dem Bad, bei der Bekleidung
Kriyapada 5-51. und nach der Speisedarbringung: zu diesen sechs Zeitpunkten. Auch nach jeder einzelnen Gabe wie Duft und Blüten
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-51. gibt man gewöhnliches Mundspülwasser und vollzieht danach die nächste Handlung. Abschnitt über Fuß- und Mundspülwasser.
Kriyapada 5-52. Man reinigt der Reihe nach sich selbst, den Ort, die Stoffe und die Mantras,
Kriyapada 5-53. wie es später im Puja-Kapitel genau gelehrt wird. Man verehrt Sonne, Vighneshvara, Guru und sich selbst,
Kriyapada 5-54. mit Duft, Blüten und weiteren Gaben, vergegenwärtigt und verehrt Shivas Sitz und ruft auf dem beschriebenen Weg Shiva in gegliederter Gestalt in das Linga.
Kriyapada 5-55. Auf den Scheitel legt man Durva und ungebrochenen Reis, bietet das besondere Arghya dar und reinigt Krüge und Wasser- beziehungsweise Filtertuch einmal mit dem Waffenmantra.
Kriyapada 5-56. Mit gefiltertem Wasser füllt man Krüge und Waffen-Vardhani. Mit Herzformel oder Gayatri gibt man jeweils Duft und Blüten hinein.
Kriyapada 5-57. Man fügt einen Arghya-Tropfen hinzu, setzt den Grundmantra ein und badet mit diesem Wasser den erneut verehrten und beräucherten Gott.
Unnummeriertes Zitat: Brahmashambhu. „Man hält die Krüge in der linken Hand über dem Scheitel des Linga. Die zuvor aufgelegte Blüte entfernt man mit Arghya. Mit gereinigter Hand und dem eigenen Mantra badet man den Herrn am Kopf mit gleichmäßig fließendem Wasser, das durch die Muschel-Mudra dargebracht wird. Man soll die Hand nicht oben kreisen lassen und die Mudra nicht unterhalb bilden; hochspritzendes Wasser darf die Verehrungsgegenstände nicht benetzen.“
Kriyapada 5-58. Man salbt ihn mit Duftöl, entfernt die Fettigkeit mit Gersten-, Masha- und weiteren Pulvern und wäscht ihn mit lauwarmem Wasser.
Kriyapada 5-59. Nach Verehrung und Räucherung vollzieht man eine Lichtschwenkung mit Lampen aus Teig und weiteren Mitteln, begleitet von Gesang, Musik, Lobpreis und glückverheißenden Handlungen.
Kriyapada 5-60. Milch, Dickmilch, Ghee, Honig und Zuckerrohrsaft werden der Reihe nach einzeln verwendet, jeweils durch Wasser, Blüten und Räucherung voneinander getrennt.
Kriyapada 5-61. Mit den fünf Kuhprodukten, gemeinsam oder gesondert, begießt man ihn, entfernt erneut die Fettigkeit und wäscht ihn. Danach mit durch Duft und Blüten aromatisiertem Wasser,
Kriyapada 5-62. wobei der Scheitel des Linga nicht leer bleibt, vollzieht man eine besondere Begießung, mit den dafür bestimmten Kalasha-Gefäßen, Muscheln oder Krügen.
Kriyapada 5-63. Zweimalgeborene verwenden die Brahma- und Samhita-Mantras sowie Rudra- und Pavamana-Texte; andere wiederholen die Samhita.
Kriyapada 5-64. Zum Abschluss badet man mit Duftwasser und den entsprechenden vedischen Formeln und trocknet mit weißem Tuch, bis kein Wasser verbleibt.
Kriyapada 5-65. Dieses Verfahren gilt für ein feststehendes Linga und wird auch für ein bewegliches anerkannt. Das bewegliche stellt man sorgfältig auf seinen Sockel auf der Badeplattform,
Kriyapada 5-66. badet es vorschriftsgemäß, setzt es danach auf den Verehrungssitz und verehrt es sachgerecht. Entsprechend bei ausgeformten Steinbildern und Edelsteinbildern.
Kriyapada 5-67. Für Metallbilder lehren manche kein tägliches Bad. Andere verneinen die Begießung bei gemalten Bildern und bestimmten weiteren Linga-Formen.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-67. Bei vergänglichen Gestalten, auf dem gezeichneten Opferplatz und im Feuer gilt das Bad als rein geistig. Abschnitt über das Bad.
Kriyapada 5-68. Danach verwendet man reine, feine und neue Gewänder,
Kriyapada 5-69. etwa aus Dukula, Seide, Baumwolle oder Devanga-Gewebe, die nicht anderweitig benutzt wurden, frei von Haaren und unbeschädigt sind.
Kriyapada 5-70. Entsprechend den verfügbaren Mitteln bekleidet man den Gott hingebungsvoll damit. Goldener Schmuck, mit verschiedenen Edelsteinen glänzend,
Kriyapada 5-71. wird an den geeigneten Stellen von den Füßen bis zum Haar angelegt. Fehlt er, geschieht dies im Geist. Auch ein Spiegel wird gezeigt.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Gewänder und Schmuck.
Kriyapada 5-72. Shiva-Duftpaste ist zweifach: fünf- oder achtteilig. Sandelholz, Agaru, Kampfer und Safran werden mit kühlem Wasser
Kriyapada 5-73. fein verrieben; dies heißt fünfteilige Duftpaste. Sandelholz, Safran, Kushtha, Dala, Shita, Agaru, Kampfer und Hrivera ergeben die achtteilige Duftpaste.
Unnummeriertes Zitat: Vatula. „Sandelholz, Agaru, Kampfer, Kaschmir-Safran, Ushira, Rochana, Kushtha und kühles Wasser: Diese achtteilige Duftpaste ist Shiva lieb.“
Weiteres unnummeriertes Zitat. „Sandelholz, Agaru, Kampfer, Mamsi, Safran, Rochana, Sprik und Vanara bilden die achtteilige Shakti-Duftpaste.“ [Hinweis: Die Listen unterscheiden sich ausdrücklich; Wasser wird in einzelnen Zählungen als Bestandteil mitgezählt. Unklare Pflanzennamen bleiben bewahrt.]
Kriyapada 5-74. Weiße Blüten gelten hier als sattvisch,
Kriyapada 5-75. rote als rajasisch, schwarze als tamasisch. Dunkelgrünliches gilt als Mischung von Tamas und Rajas, Gelbes als Mischung von Rajas und Sattva.
Unnummerierte Überleitung vor Kriyapada 5-76. Sattvische und die übrigen Blüten sollen entsprechend sattvische und die anderen Früchte gewähren.
Kriyapada 5-76. Weißer Arka, Karavira, Kamala, Dhurdhura, Aragvadha, Rajarka, weißer Lotus, Tulasi, Ashoka, Champaka, Kalhara, Baka, Patala, Vakula, die beiden Mallika, Malati, Palasha, Sthalapadma sowie Darbha-, Damana-, Apamarga- und Durva-Sprosse,
Kriyapada 5-77. ebenso Granthi, Shami, Brihanmaruvaka, Punnaga, Naga, Asana, Nandyavarta, Tamala, Kubja, Vijaya, Mandara, Kaschmir-Safran, Utpala, Karnikara-Blüten, Kadamba, Bilva und blaues Utpala: Diese Blüten werden als für Shiva geeignet gelehrt.
Kriyapada 5-78. Ambhoja, Utpala, Bandhujiva, Vijaya, Punnaga, Naga, Jati, Kunda, Karanda, Champaka, Japa, Yuthi, Rama, Patala, Bilva, Ashoka, Hayari, Kubja, Damana, Mandara, Durva-Blätter, Nandya und Aparajita werden als Shakti-Blüten genannt.
Kriyapada 5-79. Geruchlose, übermäßig scharf oder unangenehm riechende Blüten, durch als unrein geltende Berührung beeinträchtigte, unrechtmäßig beschaffte, von Würmern oder Nägeln beschädigte, zerrissene, mit Wollfäden oder Haaren verunreinigte, welkende, alte, überalterte oder überschrittene Blüten soll man meiden.
Kriyapada 5-80. Geeignet sind die beiden Tulasi, weißer Lotus, roter Lotus, Palasha, Jati, Kubjaka, Madhavi, Damana, Punnaga, Naga, Asana, Nandyavarta, Shami, Sthalabja, Vijaya, Mallika, Champaka, Bilva, Utpala, Ketaka, frisches Kunda und Patala,
Kriyapada 5-81. ferner Lakshmi, Devi, Saha, Bhringa, Musali, Bhita, Indravalli, Sadabhadra, Shripatilanghita als zehnte, Durva, Jambu-Blätter, Kalhara, Karavira, Ekadalaka, Padma, Kusha und rotes Kairava. Dies sind Vishnu-Blüten; in umgekehrter Folge soll ihre Frucht zunehmen. [Hinweis: Mehrere Pflanzennamen und die Trennung bei „Shripati-langhita“ sind unsicher; die Zehnerangabe bleibt als Quellenwort stehen.]
Kriyapada 5-82. Bei den drei genannten Blütengruppen sind nicht genannte Arten zu meiden; ebenso, wenn sich eine gegenseitige Ausschlussregel findet, sofern nichts anderes ausdrücklich gelehrt ist. Auch für eine andere Gottheit bestimmte Blüten sind zu meiden. Was für eine Gottheit besonders vorgeschrieben ist, soll diese erfreuen.
Kriyapada 5-83. Sonne und Feuer sind Blüten aller drei Gruppen willkommen. Für Vighneshvara gelten Shakti- und Shiva-Blüten, ebenso für Skanda, Arya, Chanda und verwandte Gottheiten. Shakti-Blüten sind Manoja, Vag, der Bergestochter, Durga und den acht Müttern lieb; Brahma auf dem Lotus, Indra und Kamala werden mit Vishnu-Blüten verehrt. [Hinweis: Die Namen Manoja und Vag bezeichnen hier Kama und die Rede-Göttin; Arya bleibt ohne zusätzliche Identifizierung.]
Kriyapada 5-84. Nandyavarta verwendet man morgens, Malati und Mallika nachmittags oder zu Beginn der Nacht; Lotusse nur tagsüber, Utpala jederzeit, die goldfarbenen Blüten morgens und Kesara in der ersten Nachtzeit. [Hinweis: Der Bezug der Zeitangaben ist knapp; „haima“ wird als goldfarben verstanden.]
Kriyapada 5-85. Lotus ist bis zur Verfärbung seiner Staubgefäße geeignet; Bilva-Blatt und Damana drei Nächte, Karnikara eine Monatshälfte, die Baka genannte Blüte sechs Monate, sofern sie nicht verdorben ist.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über Blüten.
Kriyapada 5-86. Unter allen Räucherstoffen gilt schwarzes Agaru als das beste.
Kriyapada 5-87. Kampfer, besonders mit Agaru verbunden, gilt als noch vorzüglicher. Auch der Mahishaksha genannte Guggulu gilt als vorzüglich und Shiva lieb.
Kriyapada 5-88. Sandelholz und Ushira werden als mittel eingestuft, Shrivasa und Sarja als geringer; hinzu kommen Lackharz, Ghee und Honig.
Kriyapada 5-89. Aus diesen allen mit Zucker entsteht das zehnteilige Räucherwerk. Auf rauchlos glühender Kohle, ohne Flamme und ohne unverbrannten Brennstoff,
Kriyapada 5-90. bringt man den Rauch etwas tiefer dar und läutet mit der linken Hand die Glocke. Schöne Dochte werden aus reinem weißem Baumwollfaden gefertigt.
Kriyapada 5-91. Für die Lampe gilt Kuhghee als vorzüglich, Öl als mittel und Büffelfett als gering. Ein Docht mit Kampfer soll mehr als hundertfache Frucht gewähren.
Kriyapada 5-92. Eine Lampe allein aus Kampfer wird als tausendfach wirksam bezeichnet. Zehn, neun oder acht Lampen mit reichlich Brennstoff,
Kriyapada 5-93. jeweils frisch entzündet, werden vor der Gottheit kreisend bewegt; so entsteht Aratrika. Mit einem bereits abgebrannten Docht soll man keine neue Lampe entzünden.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-93. Auch nicht mit Speiseresten, unreinem Öl und dergleichen oder mit fremdem Öl und Ghee. Verfahren von Räucherwerk, Lampe und Aratrika.
Kriyapada 5-94. Fünfhundert Reiskörner bilden ein Tala; es wird verdoppelt, zwei davon heißen Prakubja, zwei davon Prasara, ebenso Kuduba; zwei davon ein halbes Prastha. Danach folgen Prastha, Patra, Adhaka, Shiva, Drona und Khari. Drei Khari heißen Bhara. So wird das Maß nach der Lehre angegeben. [Quellenunsicherheit: Die Zuordnung der ersten Verdoppelungen und der späteren Maßverhältnisse ist elliptisch. Eine moderne Volumentabelle wird daraus nicht errechnet.]
Kriyapada 5-95. Speisedarbringung gilt als zweifach: täglich und aus besonderem Anlass.
Kriyapada 5-96. Sie wird in neun Stufen von „höchste der höchsten“ an erklärt. Bei der täglichen Form bereitet man aus acht Drona enthülstem Shali-Reis
Kriyapada 5-97. vier Speisearten für die vier Verehrungszeiten einschließlich Mitternacht: Milchreis, Krisara, Rohzuckerreis und gewöhnlichen Reis,
Kriyapada 5-98. mit passenden Beilagen, reichlich Ghee, Dickmilch, Kuchen und Säften, begleitet von Gesang, Tanz und Musik sowie glückverheißenden Bali-Gaben an die Wesen.
Kriyapada 5-99. Fünfhundert Lampen gehören dazu. So ist die höchste der höchsten Formen. Mit sechs Drona verehrt man zu vier Zeiten und bringt Speise dar;
Kriyapada 5-100. zweihundert Lampen, Gesang, Bali und Tanz werden entsprechend dem Vorherigen ausgeführt. Dies ist die mittlere der höchsten Formen.
Kriyapada 5-101. Mit fünf Drona erfolgen Speisedarbringung und Verehrung zu vier Zeiten, dazu hundertacht Lampen, Gesang, Musik und Bali-Handlungen.
Kriyapada 5-102. Auch die Feuerhandlung ist auszuführen; so ist die geringste der höchsten Formen. Bei Speise aus vier Drona und angemessener Verehrung zu vier Zeiten,
Kriyapada 5-103. mit Gesang und Weiterem, Bali und Feueropfer sowie siebzig Lampen, liegt die höchste der mittleren Formen vor. Nun die mittlere der mittleren:
Kriyapada 5-104. Speise aus einem halben Bhara Reis, verbunden mit Verehrung; Feueropfer nur mittags, Tanz und Ähnliches zweimal am Tag,
Kriyapada 5-105. vierzig Lampen und Bali gehören zur mittleren der mittleren Form. Speise aus einem Khari Reis, Verehrung zu vier Zeiten, Bali,
Unnummerierte Fortsetzung vor Kriyapada 5-106. Feueropfer, zwölf Lampen und Gesang mit Weiterem gehören zur geringsten der mittleren Formen.
Kriyapada 5-106. Morgens und abends jeweils zwei Adhaka, mittags ein Shiva-Maß; tagsüber vier Lampen, nachts acht; dreimalige Verehrung mit fünf Arten von Musikinstrumenten: Dies heißt die höchste der geringeren Formen.
Kriyapada 5-107. Morgens und abends jeweils ein Patra, mittags ein Adhaka; tagsüber zwei Lampen, nachts vier; dreimalige Puja: Dies ist die mittlere der geringeren Formen.
Kriyapada 5-108. Morgens und abends verehrt man mit jeweils zwei Prastha Speise.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-108. Tagsüber eine Lampe, nachts zwei: Dies heißt die geringste der geringen Formen. Abschnitt über die tägliche Speisedarbringung.
Kriyapada 5-109. Von acht Drona bis zu zwölf Bhara
Kriyapada 5-110. reicht die Speisedarbringung aus besonderem Anlass, auch hier neunfach wie zuvor. Die Puja-Stufen von der höchsten der höchsten an sind entsprechend zu erschließen.
Kriyapada 5-111. Eine Speisedarbringung für einen bestimmten Wunsch kann das umfassen, was gelobt beziehungsweise erbeten wurde. Dafür gibt es keine feste Zeitregel; eine Puja mit allen Gliedern wird empfohlen.
Unnummerierter Abschnittsabschluss und Rezeptbeginn. Verfahren bei besonderen Anlässen und Wünschen. Für Milchreis nimmt man drei Teile Milch und einen Teil Reis.
Kriyapada 5-112. Gespaltene Mudga-Bohnen und Reis werden zu gleichen Teilen genommen, Ghee zur Hälfte davon, Rohzucker zur Hälfte des Ghee. Kuhmilch nimmt man sechsmal so viel wie Reis; mit reifen Bananen verbunden heißt die Speise Rohzuckerreis. [Hinweis: Der Übergang zwischen Krisara- und Rohzuckerreis-Rezept ist nicht ausdrücklich markiert; die gegebenen Mengen bleiben erhalten.]
Kriyapada 5-113. Zweimalgeborene mit gereinigten Zähnen, gebadet und weiß gekleidet, waschen schweigend den Reis siebenmal mit durch Stoff gefiltertem Wasser unter der Herzformel. Ebenso entzünden sie das Feuer mit Fächer und weiteren Mitteln.
Kriyapada 5-114. Sie betrachten den Herd als Shakti, das Feuer als Rudra, verehren es mit dem Feuerkeim oder der heiligen Silbe und bereiten darin die Opferspeise. Unter der mit der heiligen Silbe beginnenden Formel begießen sie sie mit Ghee und nehmen sie heraus.
Kriyapada 5-115. Brihati, Banane, „Krandahali“, Kushmanda, Urvaruka, Karkati, Karavalli, Mango, Ingwer, große Mudga, Mudga und Kokos,
Kriyapada 5-116. ferner Masha, Shimbi, Adhaki, Matulunga und Kulattha gelten als geeignete Götterbeilagen. Aus gekochten Bananen und Weiterem, Zucker, scharfen Gewürzen und Salz sowie Yavani und Dickmilch bereitet man eine Suppe.
Kriyapada 5-117. Auch Süßkugeln und Beilagen soll man aus Ghee, scharfen Gewürzen, Salz, Yavani und geeignetem Mehl bereiten. Danach reinigt man außen die Gefäße und hebt sie unter Muschelschall und einem Schirm empor. [Hinweis: „Krandahali“ trägt in Vers 115 eine Lesungsfrage; die Namen werden nicht botanisch ergänzt.]
Kriyapada 5-118. Ein goldenes oder anderes Gefäß wird mit Wasser unter der Herzformel gereinigt; ersatzweise nimmt man Bananenblätter oder ähnliche Unterlagen und benetzt sie mit Ghee. Darauf legt man die Opferspeise mit Beilagen, reifen Bananen und weiteren Früchten sowie Süßkugeln.
Kriyapada 5-119. Zu Zucker, Honig und Dickmilch gibt man frisches Kuhghee, ein Zweiunddreißigstel der dargebrachten Speise. Nach Blütenverehrung überflutet man sie durch die Kuhmudra mit Nektar,
Kriyapada 5-120. besprengt sie unter dem Grundmantra und gibt Wasser mit dem Darbringungslaut am Ende. [Hinweis: Die Quelle bietet beim Verb eine Alternative zwischen „verbrennen“ und „geben“; hier ist „geben“ dem Zusammenhang nach gewählt, ohne den Sanskrittext zu ändern.]
Kriyapada 5-121. Mit einer Blüte in der rechten Hand berührt man die Speise und bietet sie dar. Im Geist betrachtet man diese Nahrung als göttlich und Sättigung schenkend.
Kriyapada 5-122. Auch wohlschmeckendes, kühles und duftendes Trinkwasser wird angeboten. Man tritt hinaus und opfert einen Teil der übrigen Speise im Feuer.
Kriyapada 5-123. Der Übende verfährt nach den Regeln von Grund- und Gliedermantras mit den jeweiligen Formeln, legt die dort vorgeschriebene Bali-Gabe nieder und entlässt das Feuer hingebungsvoll.
Kriyapada 5-124. Mit Rechtsumwendung, Verneigung und Lobpreis stimmt man es gnädig. Dann wäscht man die Füße, vollzieht Achamana und tritt wieder ein.
Kriyapada 5-125. Man vergegenwärtigt Shankara als wohlgesättigt und bietet Mundspülwasser dar. Dann reicht man Betel mit Lavanga, Kampfer, Takkola und Kramuka,
Kriyapada 5-126. verehrt mit Duft und Blüten, verneigt sich und wiederholt den Grundmantra nach Vermögen.
Kriyapada 5-127. Oder man stellt die für das Feueropfer bestimmte Speise geschützt in einem Gefäß bereit und verwendet sie für die Feuerhandlung, nachdem der Götterherr gesättigt ist.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Abschnitt über die Speisedarbringung.
Unnummerierter Vers zwischen Kriyapada 5-127 und 5-129. Die Glieder und die begleitenden Scharen … soll man mit den fünf Ehrengaben verehren, soweit sie verfügbar sind. Was für die Verehrung fehlt, soll man gesammelt allein im Geist bereitstellen. [Quellenlücke und Nummerierung: In der ersten Zeile stehen Pluszeichen; eine Versnummer 5-128 ist nicht gesetzt. Der erhaltene Vers wird als unnummeriert bewahrt.]
Kriyapada 5-129. Andere lehren weitere Unterteilungen der Puja nach ihren Ehrengaben. Diese werden nun beschrieben, da sie etwas von der vorigen Einteilung abweichen.
Kriyapada 5-130. Zehn Ehrengaben werden für eine Puja genannt, die mit Speise endet; sechzehn für eine, die mit Feueropfer endet.
Kriyapada 5-131. Fünfundzwanzig sind es bis zur Bali-Gabe, sechsunddreißig bis zum Tanz.
Kriyapada 5-132. Sie gehören zur höchsten der höchsten oder zur höchsten Puja. Sitz, Anrufung, Arghya, Fußwasser, Mundspülwasser,
Kriyapada 5-133. vollständiges Bad, Gewand, heilige Schnur, Schmuck, Duft, Blüten, Girlanden, Räucherwerk, Lampe und Spiegel,
Kriyapada 5-134. Lichtschwenkung, Speisedarbringung, Feuerhandlung, Rechtsumwendung, Verneigung, Lobpreis, Musik, Gesang und tägliche Bali-Gabe,
Kriyapada 5-135. schließlich Übergabe der Puja: So werden fünfundzwanzig genannt. Nun die sechsunddreißig: die ersten fünf von Sitz an, Begießung mit den fünf Kuhprodukten,
Kriyapada 5-136. Begießung mit den fünf Nektaren, Bad nach königlicher Ehrungsweise, Gewand, heilige Schnur, Schmuck, Duft, Blüten, Girlanden und ungebrochener Reis,
Kriyapada 5-137. Räucherwerk, Lampe, Spiegel, Lichtschwenkung, Speisedarbringung, Betel und Verehrung des Vidya-Sitzes,
Kriyapada 5-138. ordnungsgemäße Feuerhandlung, Sandalen, Wedel, Schirm, täglicher Auszug, Bali-Gabe und Pavitra,
Kriyapada 5-139. Rechtsumwendung, Verneigung, Hymnen, Instrumentalmusik, Gesang, Tanz und schließlich die Übergabe der Puja und der übrigen Handlungen.
Unnummerierte Fortsetzung nach Kriyapada 5-139. Dies sind der Reihe nach die im Tantra gelehrten sechsunddreißig Ehrungen.
Kriyapada 5-140. So wurden die Wege und Ehrengaben einzeln in ihrer Reihenfolge dargelegt, wie sie in den Shaiva-Tantras zu finden sind. Bei der Verehrung Shambhus sind sie sachgemäß zu verstehen, damit die Hingebungsvollen ihre erwünschten Ziele verwirklichen können.
Kolophon. Hier endet im oberen beziehungsweise zweiten Teil, im Kriyapada des Siddhantasara der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati das fünfte Kapitel über die Ehrengaben.
Besinnung: Hingabe nach den eigenen Möglichkeiten
Die ausführlichen Listen zeigen die Sorgfalt historischer Verehrung. Zugleich eröffnet das Kapitel einen einfachen Zugang: Man wählt die Form nach den eigenen Mitteln, und was fehlt, darf gesammelt im Geist dargebracht werden. Für heutige Yoga-Aspiranten kann darin die Anregung liegen, Aufmerksamkeit und aufrichtige Zuwendung in eine überschaubare tägliche Praxis einzubringen. Äußerer Aufwand und innere Hingabe sind dabei unterschiedliche Größen.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 5: Die Gaben und Handlungen der Puja
Das Kapitel erläutert die Puja als geordnete Folge von Gastlichkeit, Verehrung und innerer Vergegenwärtigung. Sitz, Anrufung, Wasser, Bad, Kleidung, Duft, Blumen, Licht und Speisen werden einzeln beschrieben. Große Tempelformen stehen neben einfacheren Formen nach den verfügbaren Mitteln; Fehlendes darf im Geist dargebracht werden. Pflanzenlisten, Maße und Lesungsabweichungen bleiben in ihrer überlieferten Gestalt erkennbar.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha pañcamaḥ paṭalaḥ |
atha vidyātanorasya śivasya paramātmanaḥ |
pūjā siddhikarī jñeyā dṛṣṭādṛṣṭaphalapradā || 5-1 ||
sā hi pūjā tridhā bhinnā śreṣṭhamadhyādhamakramāt |
pūjottamā bhavati ṣoḍaśadhopacārairyā madhyamā prabhavatīha daśopacārāt |
pañcopacāravidhinātvadhamā saparyetyāsāṃ yathāvibhavamarcanamādadīta || 5-2 ||
āsanāvāhanārghyāṇi pādyamācamanīyakam || 5-3 ||
sāṅgopāṅgaṃ tathā snānaṃ vasanābharaṇāni ca |
gandhapuṣpe tathā dhūpo dīpaścarunivedanam || 5-4 ||
agnikāryaṃ namaskāro japapūjāsamarpaṇam |
iti ṣoḍaśa coddiṣṭā hyupacārāḥ samāsataḥ || 5-5 ||
pādyamarghyaṃ tathācāmaḥ snānaṃ gandhaśca puṣpakam |
dhūpadīpanivedyāni namaskāraśca te daśa || 5-6 ||
madhyamāyāṃ tu pūjāyāmupacārāḥ prakīrtitāḥ |
gandhaḥ puṣpaṃ dhūpadīpau nivedyaṃ pañcaite syustūpacārāḥ kaniṣṭhe ||
apyeteṣāṃ lakṣaṇānāṃ prabhedāḥ saṃlikhyante sādhakānāṃ hitāya || 5-7 ||
p. 45) atra brahmaśambhuḥ -
āsanamūrtimāvāhya meru + + + madhvani |
vyāpyavyāpakabhāvena jñātvā yajanamārabhet ||
āsanaṃ śuddhavidyāntarmūrtiḥ śaktyantagocarā |
āvāhyaḥ sa śivā muṣṭimūrtimānupari sthitaḥ ||
api ca,
anantamāsanaṃ śaktimūrtistadvāñchivo'pare |
śaktimevāsanaṃ kecid vadanti kṛtabuddhayaḥ ||
iti |
ādhāro vetyāsanaṃ devatāyāḥ svāsīnāsmin pūjyate devateṣṭā |
dhātorāsetyasya caivopaveśaḥ siddhastasmādāsanaṃ prākpraśastam || 5-8 ||
ādhāraśaktiṃ jyosnābhāṃ nyaset kūrmaśilāṃ gatām || 5-9 ||
anantamāsanībhūtaṃ nyased brahmaśilopari |
ananta iti sakalapālanahetuśaktirviṣṇureva |
athāgneyarakṣonileśānadiksthāna yajeccārusiṃhākṛtīn pīṭhapādān |
kramādindukāśmīratālālivarṇān satāraṃ hṛdā nāmabhiḥ svanairmontaiḥ || 5-10 ||
tathaivādharmamajñānamavairāgyaṃ yathākramam |
indrādidikṣu pīṭhasyāpyanaiśvaryaṃ caṃ vinyaset || 5-11 ||
atra kiraṇe -
caturyugamahāpādaṃ pṛthivītattvakandakam |
kalātattvāntanālaṃ tat pañcāśadbhāvakaṇṭakam ||
māyātattvabṛhadgranthiṃ śuddhavidyābjaśobhitam |
vidyeśvaradalacchannaṃ śaktikesarasaṃyutam ||
śivaśaktidvayārabdhakarṇikābījarājitam |
pīṭhamevaṃvidhaṃ kalpyaṃ mātṛkābījasambhavam ||
iti |
p. 46) kālottare'pi -
padmamaṣṭadalaṃ śvetaṃ karṇikā kanakaprabhā |
udyadarkāṃśusaṅkāśaṃ śakticakraṃ manonmanīm ||
jyotsnābhāṃ maṇḍalānīkaṃ svasvarūpeṇa cintayet |
sūryabimbaṃ dalavyāpi brahmā tasyādhipo bhavet ||
tathaiva somabimbaṃ ca kesare viṣṇupālakam |
karṇikāvyāpi cāgneyaṃ maṇḍalaṃ rudradaivatam ||
pṛthivyādyaṣṭamūrtīnāṃ vāmādyāḥ śaktayaḥ kramāt |
jagatpravṛddhisaṃsiddhiryābhiḥ siddhyecchivājñayā ||
navamī tu śivasyaiva śaktirdevī manonmanī |
iti
vāmā jyeṣṭhā tathā raudrī kālā kalavikaraṇī || 5-12 ||
balavikaraṇī caiva balapramathinī tataḥ |
sarvabhūtadamanyākhyā navamī syānmanonmanī || 5-13 ||
śvetā raktā tvasitā pītavarṇā śyāmā kṛṣṇāñjanābhā syājjapābhā |
jyotsnābhā vetyuditāścārurūpā vāmādyāḥ syuḥ parito bhūṣitāṅgyaḥ || 5-14 ||
ekavadanā dvibhujāḥ kṛtāñjalipuṭā devābhimukhā dhyātavyāḥ iti kālottaraṭīkāyām |
tārahṛdbījapūrvaṃ tu svanāmnaiva namontakam |
śivāsanaṃ tu saṅkalpya dhyātvā tattvādhvagaṃ yajet || 5-15 ||
aśeṣādhvavinirmitamityanye |
āsanādhikāraḥ |
svata evābhipūrṇasya tattvasyehārcanādiṣu |
sādaraṃ sammukhībhāvaṃ tadāvāhanamiṣyate || 5-16 ||
puṣpairañjalimāpūrya śivamūrtiṃ tataḥ smaran |
liṅgādau vinyaset tena hṛdādyena namontakam || 5-17 ||
p. 47) pṛthvyādiśaktiparyantaistattvairmūrtirbhaved yathā |
baddhapadmāsanā śuddhacandraprabhā ṣoḍhaśābdopamoddeśadivyākṛtiḥ |
pañcabhirbrahmabhiḥ pañcavaktrā kriyecchānvitajñānaśaktitrayaṃ trīkṣaṇā || 5-18 ||
paṅktisaṃkhyairbhujaiḥ sābhayeṣṭaprade bibhratī śaktiśūle ca khaṭvāṅgakam |
dakṣiṇetyanyato nāgamakṣasrajaṃ ḍāmarūkotpale bījapūraṃ tathā || 5-19 ||
pañcasrotaḥśirāḥ śānto daśadigbāhurīśvaraḥ |
iti brahmaśambhuḥ |
mūrtimevaṃ tu sañcintya liṅge puṣpāñjaliṃ kṣipet |
vidyādehaṃ tato dhyāyet pūrṇapuṣpāñjaliḥ śivaṃ || 5-20 ||
api ca,
niṣpattaye sadeśānaśarīrasyānaghātmanaḥ || 5-21 ||
śāntyatītakalāmūrdhā śāntivaktrasaroruhā |
vidyāviśālavakṣoṃsā pratiṣṭhāguhyamaṇḍalā || 5-22 ||
nivṛttijānujaṅghāṅghrirbhuvanādhvatanūruhā |
varṇādhvamantrarudhirā padamāṃsasirānvitā || 5-23 ||
tattvādhvamajjaśuklāsthidhātureṣā tanūḥ śivā |
iti |
dhyātvā vidyātanuṃ tvevaṃ tārahṛnmūlahṛdyutam || 5-24 ||
vidyādehāya natyantamuktvā mūrtau niyojayet |
aṣṭatriṃśat kalāstvatra vidyādehe tu vinyaset || 5-25 ||
yathā purastāt tannyāsaḥ pūjāviṣaya iṣyate |
tatastvāvāhayed devaṃ vidyādehe śivaṃ vibhum || 5-26 ||
atra brahmaśambhuḥ -
sarvopādhivinirmuktamasmin paramakāraṇam |
sarvajñādiguṇairyuktamanādiṃ parameśvaram ||
satkuryāt saṃvidhābhistu niṣkalaṃ sakalātmani |
āvāhanādibhirbhaktyā prāsādātmānamuccaran ||
p. 48) puṣpairañjalimāpūrya hṛdayāgresaraṃ śivam |
tāvaduccārayed yāvat prāptaṃ niṣkalagocaram ||
tadbhāvabhāvanāviṣṭaṃ prasphuradraśmimaṇḍale |
bindāvabhyuditaṃ dhyāyedāvāhanavidhiṃ prati ||
tasmādādāya visrabdhaḥ sthiradhīḥ purataḥ sthite |
dehe lakṣīkṛte nyasya sthāpayeddhṛdayena tam ||
iti |
āvāhanāṅgabhūtāni sthāpanaṃ sannidhāpanam |
sannirodhāmṛtīkārāvavakuṇṭhanameva ca || 5-27 ||
śivasyāvāhitasyāsya vidyādehe'traṃ santatam |
sthirīkaraṇamuddiṣṭaṃ sthāpanaṃ bhaktito'rcane || 5-28 ||
tena svasvāmisambandhe svasāmarthyapradarśanam |
yat sānnidhyaṃ tadasyeha sarvagasyāpi kīrtyate || 5-29 ||
āsamāptestu pūjāyāḥ sānnidhyaṃ tu śivasya yat |
sa sannirodha uddiṣṭo vibhorapyasya bhaktitaḥ || 5-30 ||
ānandāyatanaṃ tattvaṃ saccidānandavigraham |
tadatra sakale vyāptaṃ dhyeyaṃ syādavakuṇṭhanam || 5-31 ||
api bhinnasvabhāvānāṃ yadabhinnaṃ prayojanam |
aṅgānāmaṅginā sārdhamamṛtīkaraṇaṃ hi tat || 5-32 ||
avakuṇṭhanavat tejorucirāṅgapravardhanam |
tanmahāmudrayā kāryaṃ yatastaddhi prarocanam || 5-33 ||
āvāhānādhikāraḥ |
arghyaṃ tat trividhaṃ śaivaṃ ṣaḍaṅgāṣṭāṅgabhedataḥ |
śāktaṃ cāṣṭāṅgamarghyaṃ syāt + + + + ditaṃ yathā || 5-34 ||
gandhapuṣpākṣatakuśā dūrvāgraṃ ca tathodakam |
bhojendrabrahmaśambhūktaṃ ṣaḍaṅgārghyamudāhṛtam || 5-35 ||
p. 49) kuśākṣatatilā dūrvā gandhaḥ puṣpaṃ yavāstathā |
kṣīraṃ cāṣṭāṅgamarghyāmbhaḥ śaivaṃ syād vijayoditam || 5-36 ||
mataṅge -
jalaṃ vilvaphalaṃ dūrvā tilāḥ puṣpāṇi taṇḍulāḥ |
gavyaṃ dadhi ca darbhāgramarghyamaṣṭāṅgamīritam ||
gandhapuṣpākṣatayavāḥ kuśadūrvāgrasarṣapāḥ |
āpaścetyaṣṭabhridravyaiḥ śāktamarghyaṃ pracakṣate || 5-37 ||
hairaṇyaṃ rājataṃ tāmramalābhe vātha dāravam |
pātraṃ trikuḍubaiḥ pūrṇamarghye śaṅkho'thavā bhavet || 5-38 ||
yantrikādhārasaṃsthaṃ tadastradhautamadhomukham |
a(vā?vo)kṣyottānayitvāsmin kūrcaṃ śaktiṃ ca vinyaset || 5-39 ||
āpūra(vi?mi)ndoścyotadbhiramṛtaiḥ saṃhitāṃ japan |
aṣṭāṅgairvā ṣaḍaṅgairvā vinyasyāṅgaiḥ śivaṃ tataḥ || 5-40 ||
mantrasaṃhitayālabhya prarocyāmṛtamudrayā |
gandhapuṣpākṣatairdhūpairiṣṭvāstreṇa surakṣitam || 5-41 ||
kavacena suguptaṃ tat sarvavighnanivāraṇam |
tadadbhiḥ kuśakūrcena svaśiraḥ prokṣayet tataḥ || 5-42 ||
pratyekakamarcanādravyaṃ bhuvaṃ ca prokṣayet kramāt |
tatsuguptaṃ viśeṣārghyaṃ yat pūjāyāṃ pradīyate || 5-43 ||
kevalāmbhobhirāpūrya gandhapuṣpākṣatairapi |
śivāstrajapitaṃ jñeyaṃ sāmānyārghyaṃ śivārcane || 5-44 ||
arghyavidhiḥ |
pādyaṃ sāmānyato jñeyaṃ dūrvāśyāmākapaṅkajaiḥ |
pāgvat pātre sāmāpūrya pādyaṃ dadyāt tu pādayoḥ || 5-45 ||
sajātiphalatakkolalavaṅkaṃ śītalaṃ jalam |
karpūracandanonmiśraṃ jñeyamācamanīyakam || 5-46 ||
p. 50) punarācamanīyeṣu śastamambhaḥ sugandhi yat |
namaḥ svadhā tathā svāhāvaṣaḍjātiyujā hṛdā || 5-47 ||
arghyādikacatuṣkaṃ tu dadyādevaṃ yathākramam |
arghyasya trīṇi pātrāṇi pādyasyāpi trayaṃ bhavet || 5-48 ||
ṣaḍācamanapātrāṇi syādapyekamasambhave |
arghyamādau tathā snāne pūjānte ca pradīyate || 5-49 ||
ādau snāne vibhūṣānte pādyaṃ kāleṣu vai triṣu |
pādyānte madhuparkānte snānādyantāmbarādiṣu || 5-50 ||
nivedyānte ca ṣaṭsveṣu dadyādācamanīyakam |
gandhapuṣpādikaṃ dravyaṃ dattvā dattvā pṛthak pṛthak || 5-51 ||
sāmānyācamanaṃ dattvā kartavyaṃ karma cottaram |
pādyācamanādhikāraḥ |
ātmāśrayadravyamantraśuddhiṃ kṛtvā yathākramam || 5-52 ||
yatheha samyak parataḥ pūjāpaṭala ucyate |
sūryavighneśvaragurūn saṃpūjyātmānameva ca || 5-53 ||
gandhapuṣpādinābhyarcya saṅkalpyeṣṭvā śivāsanam |
āvāhyoditamārgeṇa liṅge tu sakalaṃ śivam || 5-54 ||
mūrdhni dūrvākṣataṃ dattvā viśeṣārghyaṃ pradāya tu |
gaḍḍukāṃstoyavastraṃ ca prakṣālyāstreṇa vai sakṛt || 5-55 ||
pūrayed galitairadbhirgaḍḍukāṃścāstravardhanīm |
hṛdā vāpyatha gāyatryā gandhaṃ puṣpaṃ kṣipet pṛthak || 5-56 ||
arghyabinduṃ kṣipedeṣu mūlaṃ vinyasya teṣvatha |
tairjalaiḥ snāpayed devamarcitaṃ dhūpitaṃ punaḥ || 5-57 ||
atra brahmaśambhuḥ -
vāmahastatale kṛtvā gaḍḍukān liṅgamastakān |
kusumaṃ pūrvavinyastaṃ tadarghyeṇāpanīya tu ||
p. 51) dhautapāṇiḥ svamantreṇa śaṅkhamudrāpariplutaiḥ |
jalairanucaladbhistu snāpayedīśamastake ||
nopari bhrāmayeddhastaṃ na mudrāṃ bandhayedadhaḥ |
adbhiruccalitābhistu pūjādravyaṃ na secayet ||
iti |
sugandhatailenābhyajya yavamāṣādicūrṇakaiḥ |
virūkṣayitvā koṣṇena prakṣālya salilena tu || 5-58 ||
sampūjya dhūpayitvā tu piṣṭadīpādivistaraiḥ |
nīrājya gītavādyādistutimaṅgalasaṃyutam || 5-59 ||
dugdhena dadhnā cājyena madhunā caikṣaveṇa ca |
pratyekaṃ jalapuṣpābhyāṃ dhūpenāntaritaṃ kramāt || 5-60 ||
pañcagavyaiḥ samastairvā vyastaistamabhiṣicya tu |
punarvirūkṣya prakṣālya gandhapuṣpādhivāsitaiḥ || 5-61 ||
aśūnyamastakaṃ liṅgamabhiṣicya viśeṣataḥ |
kalaśairvā yathoddiṣṭaiḥ śaṅkhairvā gaḍḍukairapi || 5-62 ||
brahmabhiḥ saṃhitāmantraiḥ sarudrapavamānakaiḥ |
dvijāścedabhiṣiñceyuritaraḥ saṃhitāṃ japan || 5-63 ||
paryāptau gandhatoyena kṛtvā snānaṃ savaidikam |
mārjayet sitavastreṇa yathā nirjalatāṃ vrajet || 5-64 ||
sthiraliṅge vidhistveṣa calaliṅge ca sammataḥ |
snānavedyāṃ tu tatpīṭhe calamādhāya yatnataḥ || 5-65 ||
snāpayitvā vidhānena pūjāpiṭhe nidhāya tu |
yajed yathāvad vyaktānāṃ śaileyānāṃ maṇiṣvapi || 5-66 ||
lauhīṣu pratimāsvanye na nityasnapanaṃ viduḥ |
citreṣvanyatra liṅge vā snapanaṃ neti cāpare || 5-67 ||
kṣaṇike sthaṇḍile cāgnau snapanaṃ mānasaṃ smṛtam |
snānādhikāraḥ |
p. 52) tato vāsāṃsi śuddhāni sūkṣmāṇyabhinavāni tu || 5-68 ||
dukūlapaṭṭakārpāsadevāṅgādīni yāni hi |
anyatrānupayuktāni vikeśānyahatāni ca || 5-69 ||
bhaktyā yathopapannāni tairdevaṃ paridhāpayet |
bhūṣaṇāni ca haimāni nānāratnojjvalāni ca || 5-70 ||
pādādyākeśayogyāni yāni taistaṃ vibhūṣayet |
alābhe mānasairvāpi darpaṇaṃ ca pradarśayet || 5-71 ||
vastrabhūṣaṇādhikāraḥ |
gandhastu dvividhaḥ śaivaḥ pañcāṅgo'ṣṭāṅga eva ca |
candanāgarukarpūrakuṅkumāni himāmbhasā || 5-72 ||
ślakṣṇapiṣṭāni gandho'yaṃ pañcāṅgaḥ samudāhṛtaḥ |
candanaṃ kuṅkumaṃ kuṣṭhaṃ dalaṃ śītamathāgaru || 5-73 ||
karpūraṃ hiriveraṃ ca gandho'ṣṭāṅgaḥ prakīrtitaḥ |
candanāgarukarpūrakāśmīrośīrarocanāḥ |
kuṣṭhaṃ himajalaṃ ceti gandho'ṣṭāṅgaḥ śivapriyaḥ ||
iti vātule |
candanāgarukarpūramāṃsīkuṅkumarocanāḥ |
spṛgvānarābhyāmaṣṭāṅgaḥ śākto gandha udāhṛtaḥ ||
iti (ca) |
puṣpāṇi sāttvikānīha śuklavarṇāni yāni vai || 5-74 ||
rājasāni ca raktāni tāmasānyasitānyapi |
śyāmaṃ tamorajomiśraṃ pītaṃ rājasasāttvikam || 5-75 ||
sāttvikādyaistu kusumaiḥ syāt phalaṃ sāttvikādikam |
śvetārkaṃ karavīrakaṃ ca kamalaṃ dhurdhūrakāragvadhe
rājārkaṃ ca sitāmbujaṃ ca tulasī sāśokasaccampakaiḥ |
kalhāraṃ bakapāṭale vakulakaṃ dve mallike mālatī
pālāśasthalapadmadarbhadamanāpāmārgadūrvāṅkuraiḥ || 5-76 ||
p. 53) tadvadgranthiśamībṛhanmaruvakaiḥ punnāganāgāsanai -
rnandyāvartatamālakubjavijayāmandārakāśmīrakaiḥ |
śastānyutpalakarṇikārakusumaiḥ kādambabailvānyatho
nīlaṃ cotpalamityamūni kusumānyuktāni śaivānyalam || 5-77 ||
ambhojotpalabandhujīvavijayāpunnāganāgānyatho
jātīkundakaraṇḍacampakajapāyūthīramāpāṭalaiḥ |
bilvāśokahayārikubjadamanairmandāradūrvādalai -
rnandyāhvāpyaparājiteti kusumānyuktāni śāktānyalam || 5-78 ||
nirgandhāni tathogragandhakaṭukānyaspṛśyaduṣṭāni cā -
pyanyāyopahatāni vā kṛminakhacchinnāni bhinnāni vā |
ūrṇāsūtraśiroruhādyupahatairmlāyatpurāṇāni vā
kālātītavilaṅghitāni ca tathā puṣpāṇyatho varjayet || 5-79 ||
śaste dve tulasī sitāmbujamatho raktābjapālāśake
jātīkubjakamādhavīdamanakaiḥ punnāganāgāsanaiḥ |
nandyāvartaśamīsthalābjavijayāsanmallikācampakai -
rbilvaṃ cotpalaketakāni ca navaṃ kundaṃ tathā pātalam || 5-80 ||
lakṣmīdevisahāḥ sabhṛṅgamusalībhītendravallyaḥ sadā -
bhadrā śrīpatilaṅghitā ca daśamī dūrvātha jambūcchadaḥ |
kalhāraṃ karavīramekadalakaṃ padmaṃ kuśāḥ kairavaṃ
raktaṃ ceti vilomato'dhikaphalaṃ puṣpaṃ bhaved vaiṣṇavam || 5-81 ||
tredhā coditapuṣpajātiṣu tathānuktāni varjyāni tā-
nyanyonyapratiṣedhadarśanamapi syād yatra coktaṃ vinā |
anyasmai parikalpitāni ca tathā varjyāni tadyuktito
yad yasyātra viśeṣatastu vihitaṃ taddaivataṃ toṣayet || 5-82 ||
sūryāgnyostrividhāni cāpi kusumānīṣṭāni vighneśituḥ
śāktānyapyatha śāmbhavāni ca tathā skandāryacaṇḍādiṣu |
p. 54) śāktānyeva manojavāggirisutādurgāṣṭamātṛpriyā- ṇyambhojāsanadevarājakamalāḥ pūjyāstathā vaiṣṇavaiḥ || 5-83 ||
nandyāvartaiḥ prātarevāparāhṇe prāgrātre vā mālatīmallikābhiḥ |
ahnyevābjairutpalaiḥ sarvadā vā haimaiḥ prātaḥ kesaraiḥ pūrvarātre || 5-84 ||
ā vaivarṇyāt kesarāṇāṃ sarojaṃ bailvaṃ patraṃ dāmanaṃ ca trirātram |
pūjāyogyaṃ karṇikāraṃ tu pakṣaṃ na syājjīrṇaṃ māsaṣaṭkaṃ vakākhyaṃ || 5-85 ||
puṣpādhikāraḥ |
dhūpadravyeṣu sarveṣu śreṣṭhaḥ kṛṣṇāgarurbhavet || 5-86 ||
karpūramadhikaśreṣṭhamagarūpahitaṃ tathā |
guggulurmahiṣākṣākhyaḥ śreṣṭha eva śivapriyaḥ || 5-87 ||
candanośīrake caiva madhyame tu prakīrtite |
śrīvāsasarjāvadhamau tato lākṣā ghṛtaṃ madhu || 5-88 ||
sarvairetaiḥ sitopetairdhūpa ukto daśāṅgakaḥ |
nirdhūmasphuradaṅgāre nirjvāle ca nirindhane || 5-89 ||
dhūpaṃ dadyādadhaḥ kiñcid ghaṇṭāṃ vāmena nādayan |
viśuddhasitasūtreṇa vartyaḥ kārpāsajāḥ śubhāḥ || 5-90 ||
dīpārthaṃ goghṛtaṃ mukhyaṃ madhyāntye tailamāhiṣe |
sakarpūradaśo dīpaḥ phalaṃ dadyācchatādhikam || 5-91 ||
dīpaḥ kevalakarpūraḥ sahasraguṇa ucyate |
prabhūtasnehasampūrṇairdaśabhirvā navāṣṭakaiḥ || 5-92 ||
dīpaiḥ pratinavairārād bhrāmyamārātrikaṃ bhavet |
na dagdhaśeṣavarttyā tu punardīpaṃ pravartayet || 5-93 ||
nocchiṣṭhāśucitailādyairnānyatailaghṛtādinā |
dhūpadīpārātrikavidhiḥ |
p. 55) brīheḥ pañcaśataṃ talaṃ dviguṇitaṃ te dve prakubjaṃ smṛtaṃ
te dve'tha prasarastathaiva kuḍubaṃ prasthārdhakaṃ taddvayam |
prasthaṃ pātramathāḍhakaṃ śivamatho droṇaṃ ca khāriḥ kramāt
khārīṇāṃ tritayaṃ hi bhāra udito mānaṃ yathāśāstrataḥ || 5-94 ||
nityaṃ naimittikaṃ ceti naivedyaṃ dvividhaṃ matam || 5-95 ||
taccottamottamādyaṃ tu navabhedena vakṣyate |
tatra nityavidheraṣṭadroṇaśālijataṇḍulaiḥ || 5-96 ||
sārdharātracatuṣkālapūjāyāṃ vinivedayet |
pāyasaṃ kṛsaraṃ gaulamannaṃ tacca caturvidham || 5-97 ||
yathocitopadaṃśājyadadhyapūparasottaram |
sagītanṛttavāditraṃ sabhūtabalimaṅgalam || 5-98 ||
tatra pañcaśataṃ dīpāstvevaṃ syāduttamottamam |
ṣaḍbhirdroṇaiścatuṣkālamabhyarcya vinivedayet || 5-99 ||
śatadvayaṃ tathā dīpāḥ syurgītabalinartanaiḥ |
kuryāt pūrvānusāreṇa tat syāduttamamadhyamam || 5-100 ||
pañcadroṇaiścatuṣkālaṃ nivedyaṃ pūjanaṃ tathā |
aṣṭottaraśataṃ dīpā gītavādyabalikriyāḥ || 5-101 ||
agnikāryaṃ ca kurvīta syādevaṃ tūttamādhamam |
sacaturdroṇanaivedyaṃ catuṣkālocitārcanam || 5-102 ||
gītādyaṃ balihomau ca pradīpāḥ syuśca saptatiḥ |
madhyamottamamevaṃ syānmadhyamadhyamathocyate || 5-103 ||
taṇḍulairardhabhāraistu naivedyaṃ cārcanānvitam |
madhyāhna eva homaḥ syād dvikālaṃ nartanādikam || 5-104 ||
catvāriṃśat pradīpāḥ syurmadhyamadhye balistathā |
khāritaṇḍulanaivedyaṃ catuṣkālārcanā baliḥ || 5-105 ||
homo dvādaśa dīpāḥ syurgītādyaṃ madhyamādhame |
p. 56) sāyaṃprātastvāḍhakābhyāṃ śivaṃ tanmadhyāhne syādahni vedapradīpāḥ |
rātrāvaṣṭau syustrikālārcanaṃ yat pañcātodyaiḥ syāt kaniṣṭhottamākhyam || 5-106 ||
prātaḥ pātraṃ sāyamapyatra pātraṃ syānmadhyāhne tvāḍhakaṃ cāhni dīpau |
catvāro vai rātridīpāstrikālaṃ pūjetyuktaṃ madhyamaṃ yat kaniṣṭhe || 5-107 ||
sāyamprātaḥ pratiprasthadvayanaivedyamarcanam || 5-108 ||
dīpo'hni niśi dīpāvityuktaṃ syādadhamādhamam |
nityanaivedyaprakaraṇam |
aṣṭadroṇaṃ samārabhya yāvad dvādaśabhārakam || 5-109 ||
naimittikaṃ syānnaivedyaṃ navadhātrāpi pūrvavat |
uttamottamapūrvaṃ tu pūjāṃ caiva samūhayet || 5-110 ||
syāt kāmyamapi naivedyaṃ yāvadvā prārthitaṃ bhavet |
na kālaniyamastatra sāṅgaṃ pūjā praśasyate || 5-111 ||
naimittikakāmyakavidhiḥ |
kṣīraṃ tribhāgaṃ bhāgastu taṇḍulāḥ pāyasasya tu |
bhinnamudgaiḥ samaṃ taṇḍulāḥ syuḥ samāstasya cārdhaṃ ghṛtaṃ syād ghṛtārdhaṃ gulam |
taṇḍulebhyastathā gopayaḥ ṣaḍguṇaṃ syād gulānnaṃ tu tadyuktarambhāphalam || 5-112 ||
dhautadantā dvijāḥ snātaśuklāmbarā vastrapūtāmbhasā mauninastaṇḍulān |
kṣālayeyustathā saptavāraṃ hṛdā jvālayeyustathāgniṃ dhavitrādinā || 5-113 ||
dhyātvā culliṃ śaktimagniṃ ca rudraṃ vahnerbījāt tārakād vābhipūjya |
tasminnagnau daddhaviḥ sādhayeyuroṅkārādyenābhighāryāhareyuḥ || 5-114 ||
bṛhatyaḥ kadalyastathā kraṇḍahālyaḥ (?)sakūśmāṇḍamurvārukaṃ karkaṭī ca |
tathā kāravallyāmrake śṛṅgiveraṃ vṛhanmudgamudgāstathā nālikeram || 5-115 ||
tathā māṣaśimbyāḍhakīmātuluṅgāḥ kulasthāśca śastopadaṃśāḥ surāṇām |
kadalyādipakvaiḥ sitāvyoṣaloṇairyutaḥ syād yavānīdadhikvāthasūpaḥ || 5-116 ||
tathā modakāṃścopadaṃśāṃśca kuryād ghṛtavyoṣaloṇairyavānīṣṭapiṣṭaiḥ |
tataḥ pātravargaṃ bahiḥ śodhayitvā saśaṅkhadhvanicchatramutthāpayecca || 5-117 ||
p. 57) hiraṇyādya (mā? ma) traṃ hṛdā dhautamadbhiḥ kadalyādipatrāṇi vātrābhighārya |
havistatra dattvopadaṃśādiyuktaṃ kadalyādipakvaiḥ phalairmodakaiśca || 5-118 ||
sitākṣaudradadhyuttare tatra gavyaṃ ghṛtaṃ nūtanaṃ ṣoḍaśadvandvakāṃśam |
nivedyāt pradeyaṃ tu puṣpārcite'smiṃstato dhenumudrāmṛtaiḥ plāvayitvā || 5-119 ||
samprokṣya mūlamantreṇa da(gdhvā ? ttvā) mbho'gnipriyāntakam || 5-120 ||
sapuṣpadakṣiṇakaro haviḥ spṛṣṭvā nivedayet |
dhyāyet tanmanasā divyamannādyaṃ tṛptikāraṇam || 5-121 ||
pānīyaṃ ca nivedyāsmai hṛdyaṃ śītaṃ sugandhi ca |
bahirnirgatya taccheṣamannaṃ hutvānale'pi ca || 5-122 ||
mūlāṅgādividhānena tattanmantreṇa sādhakaḥ |
tatroditabaliṃ dattvā vahniṃ bhaktyā visarjayet || 5-123 ||
pradakṣiṇanamaskārastutibhistaṃ pra(dāpa?sāda)yet |
prakṣālya caraṇau samyagācānto'ntaḥ praviśya tu || 5-124 ||
sutṛptaṃ śaṅkaraṃ smṛtvā dadyādācamanīyakam |
tato lavaṅkakarpūratakkolakramukānvitam || 5-125 ||
nivedayecca tāmbūlaṃ gandhapuṣpārcitaṃ tataḥ |
pūjayitvā namaskṛtya japenmūlaṃ tu śaktitaḥ || 5-126 ||
athavānnaṃ tu homārthaṃ pātre saṃsthāpya rakṣitam |
sutṛpte tvatha deveśe vahnikārye niyojayet || 5-127 ||
naivedyādhikāraḥ |
aṅgāni caiva parivāragaṇāṃśca + + pañcopacāravidhinā tu yathopapattyā |
sampūjayedanupapannamihārcane yat tat kalpayet tu manasaiva samāhitātmā ||
atropacārabhedena pūjābhedāṃstathāpare |
vadanti tāṃśca vakṣyāmaḥ kiñcidbhedāt puroditāt || 5-129 ||
p. 58) daśopacārāḥ kathitā nivedyānte tu pūjane |
homāntako tu kathitā hyupacārāstu ṣoḍaśa || 5-130 ||
balyante cāpi te khyātāḥ pañcaviṃśatisaṅkhyayā |
nṛttānte vāpi ṣaṭtriṃśadupacārāḥ prakīrtitāḥ || 5-131 ||
uttamottamapūjāyāmuttame vā bhavantyuta |
āsanāvāhanārghyāṇi pādyamācamanīyakam || 5-132 ||
sāṅgaṃ snānaṃ tathā vastramupavītaṃ ca bhūṣaṇam |
gandhpuṣpe ca mālāśca dhūpo dīpaśca darpaṇam || 5-133 ||
nīrājanaṃ ca naivedyamagnikāryaṃ pradakṣiṇam |
namaskāraḥ stutivādyagīte nityabalistathā || 5-134 ||
pūjāsamarpaṇaṃ ceti pañcaviṃśati coditāḥ |
athāsanādayaḥ pañca pañcagavyābhiṣecanam || 5-135 ||
pañcāmṛtābhiṣekaśca snānaṃ rājopacārataḥ |
vastropavītābharaṇaṃ gandhapuṣpasragakṣatam || 5-136 ||
dhūpadīpau ca mukuraṃ nīrājanavidhistataḥ |
naivedyaṃ cātha tāmbūlaṃ vidyāpīṭhārcanaṃ tataḥ || 5-137 ||
agnikāryaṃ yathāvacca pāduke cāmare'pi ca |
chatraṃ ca nityayātrā ca balidānaṃ pavitrakam || 5-138 ||
pradakṣiṇanamaskārastotrāṇyātodyameva ca |
gītaṃ nṛttaṃ ca pūjādeḥ samarpaṇamataḥ param || 5-139 ||
ṣaṭtriṃśadupacārāḥ syurevaṃ tantroditāḥ kramāt ||
iti nidaditamārgāstūpacārāḥ pradiṣṭāḥ
pṛthagiha paripāṭyā śaivatantreṣu dṛṣṭāḥ |
yajanavidhiṣu śambhorveditavyā yathāvat
svabhimataphalasiddhiḥ syād yathā bhaktibhājām || 5-140 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde upacārapaṭalaḥ pañcamaḥ || 5 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 6: Mantras und weitere Voraussetzungen des Rituals
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 6: Mantras und weitere Voraussetzungen des Rituals
Das Kapitel beginnt mit den sechs Voraussetzungen rituellen Handelns und entfaltet zunächst Mantras, Lautkörper und Einsetzungen. Zahlreiche Formeln werden nicht ausgeschrieben, sondern durch Buchstabengruppen, Zahlen und Gottheitsnamen verschlüsselt. Diese Angaben werden bewahrt, ohne unklare Stellen durch vertraute Mantrafassungen zu ersetzen. Verständliche Anrufungen, technische Lautangaben und zitierte Lehrkommentare bleiben unterscheidbar.
Eingang. Nun das sechste Kapitel.
Kriyapada 6-1. Durch sechs Glieder gelingt die rituelle Handlung: Mantras, Mudras, Opfergruben, Mandalas, Verfügbarkeit der Stoffe und geeignete Übende. Diese im Tantra gelehrten Voraussetzungen werden hier richtig erklärt.
Unnummeriertes Zitat: Matanga. „Mudras, Mandalas, Mantras, Orte, Stoffe und Übende – durch den Guru … erkennt dies sachgemäß.“ [Quellenlücke: Ein Teil der zweiten Zeile ist durch Pluszeichen ersetzt.]
Kriyapada 6-2. Wo eine lautliche Bezeichnung der Gottheit die Eigenschaften des Besinnens und Beschützens besitzt, heißt sie Mantra, mit Merkmalen wie kurzen und langen Lauten.
Kriyapada 6-3. Weil sie alle Wesen im Denken umfasst und aus dem Ozean des Samsara rettet, ist seine Kraft mantraförmig: Ihr Wesen ist Besinnen und Beschützen.
Unnummeriertes Zitat: Ratnatraya. „Das Brahman ohne begriffliche Unterscheidungen, dessen Gestalt ewige Glückseligkeit ist, ist das ewige Shiva-Tattva: makellos, durchdringend, verdichtetes Bewusstsein. Seine Shakti ist von Shiva nicht verschieden, ebenso ewig und vollkommen rein. Sie ist unabhängiges Bewusstsein und gilt als Ursache des Zustandekommens der Welt. Fünffach ist das Wirken Shivas, des Hortes des Mitgefühls: Schöpfung, Erhaltung, Auflösung, Verhüllung und Gnade. Es gelingt durch diese Kraft, unterschieden in eigenen Willen, Handlung und Erkenntnis. Diese Shakti wird zu Bindu, in höherer und niederer Form. Daraus entsteht Nada, der Grundkeim von Shivas Wesen.“
Unnummerierte Fortsetzung des Lehrzitats. „Der höchste Keim namens Nada ruht in allen Wesen, ist göttlich, gewährt Befreiung und sämtliche Vollendungen. Friedvoll, allgegenwärtig und leer ist er an der Stelle der zwölf Maße gegenwärtig. Die kurze Form heißt Brahman, die lange die Glieder, o Sechsgesichtiger. Anusvara ist das Auge und steht über allen. Den sechsten, mit dem Ende des dreizehnten verbunden, setzt man in den fünften ein. Diesen Shiva soll man als Mantra-Gestalt Sadashivas erkennen.“ [Hinweis: Die Schlussanweisung besteht aus nicht vollständig bestimmten Laut- und Gruppenbezügen.]
Unnummeriertes Zitat: Kalottara, Grundkeime. „Der Grundmantra ist mit den Brahma-Mantras und seinen Gliedern gelehrt. A, U und Ma, mit Bindu und Nada, bilden den Tara genannten Pranava; er gilt als Klang-Brahman. Die mit A, langem I, Ma, Bindu und Nada bezeichnete Verbindung heißt Vagbhava-Keim. Sie gewährt die Herrlichkeit aller Rede und bildet Vagishvaris Leib. Shakti-Keim, Tara und danach Vagbhava werden genannt.“ [Hinweis: Die auffällige Buchstabenverbindung des Vagbhava-Keims bleibt nach dieser Quelle wiedergegeben; eine geläufige andere Bildung wird nicht eingesetzt.]
Unnummerierte Fortsetzung: Matrikas Lautkörper. „Die höchste Herrin Matrika hat fünfzig Laute als Gestalt. Die Vokalgruppe bildet ihr Gesicht mit seinen Gliedern, die Ka- und Cha-Reihen die beiden Arme, die retroflexe Ta- und dentale Ta-Reihe die beiden Füße. Pa und Pha bilden die beiden Seiten; die Quelle nennt in dieser Verbindung zusätzlich Ba und Bha. Ba bildet den Rücken, Bha den Nabel, Ma das Herz. Die sieben Laute von Ya an bilden Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen. Ha gilt als Lebensatem, Ksha als kraftvolle Entfaltung mit Zorn. Ihr Leib besteht aus allen Welten.“ [Hinweis: Die doppelte Ba-/Bha-Nennung in der Seiten- und Rückenfolge bleibt kenntlich.]
Unnummerierte Fortsetzung: Die sechs Matrika-Glieder. „Die Glieder der Schriftgottheit, vom Herzen an, werden nun der Reihe nach genannt. Das Herz ist der letzte Laut der sechsten Gruppe mit Bindu, verdoppelt. Der erste der ersten Gruppe mit Bindu bildet entsprechend den Kopf; der zweite der ersten mit Anusvara den Haarschopf. Das verdoppelte Wort Kacha bildet den Panzer. Der dritte und vierte der ersten Gruppe bilden die drei Augen. Der Gruppenendlaut mit Visarga, verdoppelt, heißt Waffe. Die mit Tara und Lebensatem verbundene weiße Lautgestalt, mit Au geschmückt, setzt man jeweils an den Anfang dieser sechs Glieder. Die Abschlusslaute sind der Reihe nach Verehrung, Darbringung, Opferabschluss, Schutzlaut, Augenopferabschluss und Abwehrlaut; sie folgen den Gliedernamen im Dativ.“ [Hinweis: Die Gruppenbezüge und einzelne Chiffren werden nicht zu einer vermeintlich gesicherten Gesamtformel aufgelöst.]
Unnummerierte Meditation über die Schriftgöttin. „Man meditiere über die Schriftgöttin im Lotus: Mit den Händen, von rechts an, zeigt beziehungsweise trägt sie Mudra, kristallene Gebetskette, Krug und Buch. Sie ist dreiäugig, mit weißen Girlanden und weißer Salbe geschmückt, hell wie Kunda-Blüten. Ihr Leib sind die Laute; die Mondsichel krönt sie, ihr Gesicht ist freundlich und Perlenschmuck ziert sie.“ [Hinweis: Die erste Handangabe und die Perlenschmucklesung sind in der Quelle fraglich.]
Unnummerierte Einsetzungsanweisung. „Nachdem man sie so als Gestalt von fünfzig Lauten im eigenen Leib betrachtet hat, setzt man ihre Laute der Reihe nach ein und verwirklicht die Mantras durch Wiederholung. Die Vokale setzt man an Haaransatz, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nasenöffnungen, Wangen, Lippen, Zahnreihen, Scheitel und Mund ein. Die Ka-Reihe gehört zum rechten Arm, die Cha-Reihe zum anderen, die retroflexe und dentale Ta-Reihe zu den Füßen. Pa und Pha setzt man in die beiden Seiten, Ba, Bha und Ma in Rücken, Nabel und Herz. Die acht Laute von Ya an setzt man im Herzlotus auf dessen Blätter, bezogen auf Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen und Lebensatem. Ksha setzt man in die Mitte und betrachtet es als alles durchdringend.“
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Matrika-Nyasa.
Kriyapada 6-4. Auch die Gestalt-Einsetzung der fünf Brahma-Mantras wird gelehrt. Bei Bildung und begleitender Wiederholung beginnt ihre Reihe mit Sadyojata.
Kriyapada 6-5. Bei Nyasa, Puja und verwandten Handlungen beginnt dieselbe Reihe mit Ishana. Sadya ist weiß wie Kuhmilch, Vamadeva rot wie die Japa-Blüte.
Kriyapada 6-6. Aghora gleicht schwarzer Augensalbe, Purusha strahlt wie Safran, das Ishana genannte Gesicht des Allgegenwärtigen wie reiner Kristall.
Kriyapada 6-7. Gesicht, Laute, zugehörige Mantras, Kalas und Gestalten sind je nach Zusammenhang sowohl als ungetrennt als auch als unterschieden zu verstehen.
Kriyapada 6-8. Sadyojata liegt im Westen, Vamadeva im Norden, Aghora ist das südliche Gesicht, Tatpurusha das östliche.
Kriyapada 6-9. Ishana ist das nach oben gerichtete Gesicht. Dies sind die fünf Brahma-Mantras. Kurze Vokale mit Bindu und der heiligen Silbe voran
Kriyapada 6-10. verbindet man jeweils am Anfang mit ihren Namen im Dativ und der Verehrung am Ende. Dies sind die fünf allgemeinen Brahma-Mantras für Verehrung und verwandte Handlungen.
Kriyapada 6-11. Sie dürfen von allen Eingeweihten ohne Unterschied gesprochen werden. Nun folgen die fünf Brahma-Mantras, wie sie in Veda und Agama gelehrt sind.
Kriyapada 6-12. Diese sind nach der historischen Vorschrift den Zweimalgeborenen zum Sprechen vorbehalten, nicht Frauen, Shudras und anderen. Sie werden nun hergeleitet, ebenso Savitri, die im Shaiva anerkannte Gayatri,
Kriyapada 6-13. ferner Pashupata-Waffenmantra und der Mantrakönig Vyomavyapin. Die heilige Silbe, die mit Shukla und „Dyo“ bezeichnete Verbindung, „Jata“, der erste Laut der sechsten Gruppe mit Feuer,
Kriyapada 6-14. nochmals der erste der sechsten und die mit „Dyami“ beginnende Folge ergeben zunächst neun Laute. Sadyojata im Dativ, dann der zwölfte Vokal und der Wasserlaut,
Kriyapada 6-15. Verehrung, zweimal „Bhava“, nach der mit „Anati“ bezeichneten Folge wieder „Bhava“, dann „lass teilhaben“ und „mich“, schließlich Bhavodbhava im Dativ
Kriyapada 6-16. und Verehrung: So umfasst der Sadya-Mantra neununddreißig Laute. Die heilige Silbe, Vamadeva im Dativ, mit Verehrung verbunden,
Kriyapada 6-17. dann Jyeshtha, Rudra und Kala, diese drei jeweils mit Verehrung am Ende; nach Kala und Bala jeweils „dem Verändernden“,
Kriyapada 6-18. dann „dem Zermalmer der Kräfte“, „allen Wesen“ und „dem Bezwinger“ im Dativ sowie Manonmana in derselben Endung,
Kriyapada 6-19. abgeschlossen mit Verehrung und mit neun heiligen Silben: Dieser Vamadeva-Mantra hat fünfundsiebzig Laute und wird durch neun Shaktis entfaltet. [Hinweis zu 6-13–19: Die Quelle verbindet verständliche Anrufungsteile mit örtlich unklaren Buchstabenchiffren. Die Angaben sind übersetzt, aber nicht durch eine andere bekannte Sadyojata- oder Vamadeva-Fassung ersetzt.]
Kriyapada 6-20. Man spricht die heilige Silbe, den Gruppenanfang, „den Schrecklichen“ und „auch“; dann diese Folge nochmals ohne „auch“, danach zweimal „schrecklich“.
Kriyapada 6-21. Nach den drei mit „Tarebhyas“ bezeichneten Lauten folgt „und“, dann „von allen Seiten“, „Sharva, allen“, ferner die beiden mit „nas te“ bezeichneten Wörter,
Kriyapada 6-22. „sei“, „Rudra“ und am Ende „den Gestalten“. Dies ist der Aghora-Mantra, mit sechsunddreißig Lauten gelehrt. [Hinweis: Die Wort- und Lautabtrennungen sind örtlich beschädigt. Es wird keine vollständige Standardformel als vermeintlicher Quellentext eingesetzt.]
Kriyapada 6-23. Die heilige Silbe, dann „jenem“, „Purusha“, die beiden Laute „wir erkennen“, danach „he“ und „dem großen Gott“;
Kriyapada 6-24. der vierte Laut der fünften Gruppe mit dem vierten Vokal, die vier Laute „mahi tan nah“, dann „Rudra“ und die drei mit „pra“ beginnenden Laute,
Kriyapada 6-25. schließlich „möge er anregen“: Dies ist der fünfundzwanziglautige Tatpurusha-Mantra. Nun wird Ishana gelehrt. [Hinweis: Die Gayatri wird hier in Lautteilen erklärt; ihr verständlicher Gebetssinn ist die Erkenntnis und Betrachtung des großen göttlichen Purusha und die Bitte um Rudras Anregung. Die beschädigte Lautfolge bleibt in den Sanskritfassungen erhalten.]
Kriyapada 6-26. Die heilige Silbe, der vierte Vokal, die angegebenen Laute aus siebter und fünfter Gruppe und ein langer Vokal mit Visarga ergeben vier Laute.
Kriyapada 6-27. Dann „aller“, „Erkenntnisse“, „Herr“, eine Folge von sechs Lauten; „aller“, „Wesen“, „Herr Brahmas“;
Kriyapada 6-28. das Wort Brahman im Genitiv, dann „Oberherr“; die vier Laute „Brahma, Shiva“ und die drei Laute „sei mir“;
Kriyapada 6-29. Sadashiva und die heilige Silbe am Ende: So wird der vierziglautige Ishana-Mantra gelehrt. Dies sind die fünf Brahma-Mantras. [Hinweis: Die Anrufungsbedeutungen sind wiedergegeben; die initialen Lautchiffren und syntaktischen Verknüpfungen werden nicht aus einer anderen Sanskritausgabe vervollständigt.]
Kriyapada 6-30. Acht, dreizehn, acht, vier und fünf Kalas gehören der Reihe nach Sadya und den folgenden Gesichtern – insgesamt achtunddreißig.
Kriyapada 6-31. Man lege die Kalas entsprechend den Brahma-Mantras im Körper und in den fünf Gesichtern nieder. Nach der Zuordnung zu den Gesichtern vollziehe man den Kala-Nyasa nacheinander an den betreffenden Stellen.
Kriyapada 6-32. Shashini, die Mondhafte; Angada, die Schmuckspange; Ishta, die Erwünschte; Marichi, der Lichtstrahl; und Jvalini, die Flammende: Diese fünf Kalas Ishanas lege man mit den fünf zugehörigen Wortgruppen nieder.
Kriyapada 6-33. Shanti, Frieden; Vidya, Erkenntnis; Pratishtha, Festigung; und Nivritti, Rückkehr: Diese vier Kalas Tatpurushas lege man der Reihe nach mit ihren eigenen Wortgruppen nieder.
Kriyapada 6-34. Tamasi, die Dunkle; Moha, Verblendung; Kshapa, Nacht; Nishtha, Vollendung; Mrityu, Tod; Maya; Bhaya, Furcht; und Jara, Alter: Dies sind die aus Aghora hervorgehenden Kalas.
Kriyapada 6-35. Rajasi, die leidenschaftlich Tätige; Raksha, Schutz; Rati, Freude; ferner Palini, die Bewahrende; Sajjamani; Kriya, Tätigkeit; Buddhi, Einsicht; und Chaya, Schatten;
Kriyapada 6-36. Dhatri, die Tragende; Bhramani, die Umhertreibende; Mohini, die Verzaubernde; und Abhaya, Furchtlosigkeit: Diese Kalas lege man mit ihren eigenen Wortgruppen nieder. Sie werden als die dreizehn Kalas Vamadevas bezeichnet. [Quellenhinweis: Die gelieferte Verbindung „sajjamanyā“ lässt die Namensgliederung unsicher; in der hier erkennbaren Aufzählung ergeben sich zwölf Namen. Ein fehlender Name wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 6-37. Siddhi, Vollendung; Riddhi, Gedeihen; Dyuti, Glanz; Lakshmi, Glück; Medha, Einsicht; Kanti, Schönheit; Svadha, die Ahnenopferkraft; und Sthiti, Bestand: Diese Kalas Sadyojatas lege man nacheinander mit den entsprechenden Wortgruppen nieder.
Kriyapada 6-38. Der Kundige lege die fünf Kalas des Ishana-Mantras mit dessen Abschnitten von neun, acht, zwölf, fünf und vier Lauten nieder.
Kriyapada 6-39. Die Kalas Tatpurushas werden mit neun, acht, vier und vier Lauten niedergelegt; jene Aghoras mit fünf, fünf, zwei, vierundzwanzig, fünf, drei, fünf und fünf Lauten,
Kriyapada 6-40. jeweils mit ihren eigenen Lauten: So vollziehe der Kundige den Nyasa der acht Kalas Aghoras. Auf den nach oben, Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Köpfen
Kriyapada 6-41. lege man gesondert Ishanas fünf Kalas nieder, jeweils mit „Verehrung“ am Ende. Im nach oben gerichteten Gesicht lege man mit der heiligen Silbe die Kala Shantyatita, „jenseits des Friedens“, nieder.
Unnummerierter beschädigter Übergang nach 6-41. „Darauf im Osten …“ [In der Quelle folgt eine mit Pluszeichen markierte Lücke; der erhaltene Schluss ist nicht sicher übersetzbar.] Der anschließende Kommentar lautet: „Gemeint ist: Er lege die Kalas nieder.“
Kriyapada 6-42. Die Kalas Aghoras lege man sodann der Reihe nach im Herzen, am Hals und an den beiden Schultern nieder,
Kriyapada 6-43. am Nabel, am Bauch, am Rücken und an der Brust. Oberhalb der Geschlechtsorgane, an den Geschlechtsorganen, an beiden Oberschenkeln, Knien und Unterschenkeln,
Kriyapada 6-44. an beiden Gesäßhälften, an der Hüfte und an den beiden Seiten lege man Vamadevas Kalas nieder. An den beiden Füßen, beiden Händen, an Nase und Scheitel
Kriyapada 6-45. sowie an beiden Armen lege man nacheinander die acht Kalas Sadyojatas nieder. Bei paarigen Körperteilen wie Schultern und Oberschenkeln beginne man rechts,
Kriyapada 6-46. danach folgt die linke Seite. Diese Reihenfolge gilt überall, jeweils mit der zugehörigen Mudra. Nun werden allgemein die sechs Glieder der Brahma-Mantras der Reihe nach gelehrt.
Unnummerierte Einführung nach 6-46. Es heißt:
Kriyapada 6-47. In der Prayogamanjari und in der Abhandlung zum Paushkara wird Folgendes gelehrt: Nach der mit „Pfeil“ und der heiligen Silbe bezeichneten Anfangsfolge steht das Wort „dem Allwissenden“ im Dativ.
Kriyapada 6-48. Mit „Verehrung“ am Ende ist dies der Herz-Mantra. Sodann entnehme man den Gruppenanfang, den letzten Laut der sechsten Gruppe mit der siebten, den ersten der fünften mit dem zehnten Abschluss,
Kriyapada 6-49. und das Wort „Lichtbekränzte“, verbunden mit „Erfüllte“ und „Brahman“. Im Dativ und mit der Opferanrufung am Ende wird dies als Shivas Kopf-Mantra angegeben. [Hinweis zu 6-47–49: Die Lautchiffren sind in der gelieferten Fassung syntaktisch nicht vollständig eindeutig; daraus wird keine rezitierbare Formel rekonstruiert.]
Kriyapada 6-50. Den dritten Laut der dritten Gruppe mit „Wasser“, sodann den dritten der siebten Gruppe mit demselben Vokal, den Laut „ta“ und das Wort „Flammenträger“
Kriyapada 6-51. verbinde man mit „der Haarspitze“ und „anfangsloses Erkennen“ sowie dem entsprechenden Schlusslaut: So entsteht der Haarspitzen-Mantra. Darauf entnehme man „dem Donnerkeilträger“ und „dem Träger des Donnerkeils“,
Kriyapada 6-52. „dem Freien“ im Dativ und „dem Schutzpanzer“, mit dessen Schlusslaut. Den ersten Laut der achten, den ersten der dritten und den vierten der achten Gruppe
Kriyapada 6-53. entnehme man der Reihe nach, mit dem dreizehnten Vokal und dem Punkt. Es folgen „dem, dessen Kraft nicht schwindet“ und die Bezeichnung „drei Augen“
Kriyapada 6-54. im Dativ, verbunden mit dem zugehörigen Schlusslaut: Dies ist der Augen-Mantra. Nun entnehme man die fünfsilbige Pashupata-Waffe.
Kriyapada 6-55. Nach „dem von grenzenloser Kraft“ folgt der Waffen-Mantra mit seinem eigenen Schlusslaut. Shiva selbst, mit Visarga am Ende, wird als Shiva-Waffe bezeichnet.
Kriyapada 6-56. Der zweite Laut der sechsten Gruppe erhält die halbe Maßeinheit des Anfangs der vierten; die Anfangslaute der ersten und fünften Gruppe werden zu einer zweilautigen Verbindung zusammengefügt. [Quellenhinweis: Die genaue Verbindung der Angaben ist unklar; die Lautfolge wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 6-57. Dies ist die Pashupata-Waffe, die nach der Aussage des Textes alles Unheil beseitigt. An ihren Anfang setze man die Shiva-Waffe und verbinde sie mit dem Keim der Haarspitze.
Kriyapada 6-58. Als göttlich, alle Hindernisse beseitigend und durch Japa und weitere Übungen Befreiung gebend wird sie beschrieben. Den ersten Laut der achten Gruppe verbinde man mit „Erde“, dem dritten Vokal und dem Punkt:
Kriyapada 6-59. Dies ist der erste Keim. Als zweiter gilt der erste Laut der sechsten Gruppe; als dritter der erste der achten, verbunden mit dem fünften Vokal.
Kriyapada 6-60. Zusammen mit Panzer und Waffe gilt dies als die fünfsilbige Pashupata-Waffe. Damit ist sie erklärt; nun folgt die Aghora-Waffe.
Kriyapada 6-61. Man entnehme den ersten Laut der sechsten Gruppe mit „Feuer“, zweimal das Wort „erstrahle“ und den vierten Laut der zweiten Gruppe mit dem zwölften Vokal;
Kriyapada 6-62. dann „Feuer“, wiederhole beide, füge den ersten Laut der fünften Gruppe und „Feuer“ hinzu, sodann „von leiblicher Gestalt“ und zweimal den Lautausruf „cat“.
Kriyapada 6-63. Zweimal „pracat“, zweimal „kaha“, zweimal „speie aus“, zweimal „schlage nieder“, sodann Panzer, Waffe und die Geliebte des Feuers. [Hinweis: Die Lautausrufe bleiben als solche benannt; die gewaltsamen Imperative gehören zum historischen Waffen-Mantra.]
Kriyapada 6-64. Dies ist die zweiundvierziglautige Aghora-Waffe, mit der heiligen Silbe am Anfang. Ihre Abschnitte umfassen sechs, sechs, vier, zehn, acht und acht Laute.
Kriyapada 6-65. Mit ihren jeweiligen Schlusslauten bilden sie die sechs Glieder bis hin zur Waffe. Den dritten Laut der dritten Gruppe verbinde man mit dem fünften Vokal und dem „Stab“;
Kriyapada 6-66. danach spreche man die beiden Laute „Weiß“ und Visarga. Die heilige Silbe mit gedehntem Abschluss steht voran: Dies gilt als Mrityunjaya, „Überwinder des Todes“.
Kriyapada 6-67. Man betrachte ihn im Inneren eines weißen Lotuspaares, eingeschlossen in die Mondscheibe, einen Strom von Nektar verströmend; ihm wird das Abwehren von Tod und Krankheit zugeschrieben. [Quellenhinweis: Beim Lotuspaar enthält die Vorlage eine ausdrücklich fragliche Lesungsalternative; auch der Ausdruck für den Nektarstrom ist beschädigt. Keine Zusage einer medizinischen Wirkung.]
Kriyapada 6-68. Den mit Punkt und Klang verbundenen Lebenshauch, weiß, mit Visarga und hell, betrachte man im Herzlotus. Dies ist der Bewusstseins-Mantra, dessen Wesen Shiva ist.
Kriyapada 6-69. Zuerst die heilige Silbe und das Wort „jenem“, dann „dem großen Herrn“; aus „wir erkennen“ folgt der vollständige Ausdruck, danach „wir meditieren über den in der Rede vollkommen Reinen“.
Kriyapada 6-70. Nach „uns“ folgt „Rudra“ und die Bitte „möge er anregen“. So ist die Shiva-Gayatri erklärt. Nun folgt die shivaitische Savitri. [Gebetssinn von 6-69–70: „Wir wollen den großen Herrn erkennen. Wir meditieren über den in der Rede vollkommen Reinen. Möge Rudra uns anregen.“ Die versweise Lautanweisung wird in den Sanskritfassungen bewahrt.]
Kriyapada 6-71. Man entnehme den letzten Laut der sechsten Gruppe, verbunden mit dem dreizehnten Vokal, mit „Wasser“ und „Wind“; an den Anfang dieses Wortes setze man die zugehörige Lautbildung.
Kriyapada 6-72. Es folgen das Wort „Raum“ im Dativ, „wir erkennen“, dann „Weiß“ mit dem sechsten Vokal und der Endlaut mit dem letzten der sechsten Gruppe;
Kriyapada 6-73. das Wort „fein“ im Dativ und „wir meditieren“ samt dem weiteren, zuvor angegebenen Abschluss. So entsteht die Savitri mit dem Namen Shiva. [Hinweis: Die Lautchiffren in 6-71–73 erlauben hier keine durchgehend gesicherte Wortverbindung; die Formel wird nicht stillschweigend vervollständigt.]
Kriyapada 6-74. Als Ganeshas Keim gilt der dritte Laut der zweiten Gruppe, mit Punkt und Klang. Seine Glieder werden mit den zugehörigen langen Vokalen gebildet.
Kriyapada 6-75. Voran die heilige Silbe, dann der dritte Laut der zweiten Gruppe mit „Ohr“ und Punkt; am Ende „Verehrung den Lehrern“: Dies ist der Mantra zur Guru-Verehrung.
Kriyapada 6-76. Nach der heiligen Silbe steht der Ausdruck „vacat“, dann „bhuva“ und Verehrung. Dies wird als Skandas siebensilbiger, alle Ziele verwirklichender Mantra bezeichnet. [Quellenhinweis: Bereits die Quelle versieht „vacat“ mit einem Fragezeichen; daraus wird keine sichere Rezitationsform abgeleitet.]
Kriyapada 6-77. Zuerst die heilige Silbe, dann Raum, langes Feuer, Punkt und Dehnung, der Shakti-Keim und „Weiß“ mit Visarga; danach „Verehrung der Sonne“: So lautet die Anweisung für den neunlautigen Grundmantra der Sonne.
Unnummerierte Sonnen-Gliedermantras nach 6-77. Die erhaltenen Keimlaute und rituellen Schlussrufe sind in den Sanskritfassungen nachzulesen; die Bedeutung der angerufenen Glieder lautet:
- „Brahmas Lichtkraft, flamme auf, flamme auf! Dem Herzen Verehrung!“
- „Vishnus Lichtkraft, erstrahle, erstrahle! Der Sonne, dem Kopf, die Opfergabe!“
- „Rudras Lichtkraft, flamme auf! Erde, Luftraum, Himmel! Du Flammende, der Haarspitze die Weihung!“
- „Maheshvaras Lichtkraft, du Speertragende, dem Schutzpanzer!“
- „Die Lichtkraft des wahren Sadashiva, du mit dem Haargeflecht, du mit dem Haargeflecht, der Waffe!“
- „Shivas Lichtkraft, o Shakti, den drei Augen die Weihung!“
Kriyapada 6-78. Dies sind die Glieder der Sonne. Man lege sie nacheinander auf die mit dem eigenen Waffen-Mantra gereinigten Hände, beginnend bei den Daumen, und die Waffe auf beide Handflächen.
Kriyapada 6-79. Dieselben Glieder lege man nacheinander auf Kopf, Gesicht, Herz, Schoß, Füße und Himmelsrichtungen sowie an Herz und die übrigen zugehörigen Stellen.
Kriyapada 6-80. Man vollziehe Verehrung, Japa und die weiteren Handlungen; der Text verheißt die gewünschte Vollendung. Es folgt eine weitere Lautanweisung: die heilige Silbe, der mit „sa“ endende Laut mit Punkt und der mit „ka“ endende Laut mit Punkt,
Kriyapada 6-81. dann der zweite Laut der zweiten Gruppe und „shotkaya“. Dieser Sonnen-Mantra heißt Prayojanatilaka, „Zierde der Zielverwirklichung“. [Quellenhinweis: Die Lautanweisung wird nicht nach einer geläufigeren Sonnenformel berichtigt.]
Unnummerierter Übergang nach 6-81. Auch mit diesem Mantra sollen Shiva-Verehrer täglich die Sonne verehren, um ihr gewünschtes Ziel zu erreichen.
Kriyapada 6-82. Nun werde ich den Mantra namens Vyomavyapi, „den Raum durchdringend“, erklären. Er entfaltet sich in einundachtzig Wortgruppen und zählt dreihundertachtundsechzig Laute.
Kriyapada 6-83. Die erste Wortgruppe ist die heilige Silbe; dann folgt der letzte Laut der siebten Gruppe, verbunden mit „Berg“.
Kriyapada 6-84. Man entnehme ihn mit dem dreizehnten Vokal, wiederhole dies entsprechend, füge den letzten Laut der sechsten Gruppe und „dem Durchdringenden“ hinzu: Dies ist die zweite, fünflautige Wortgruppe. [Hinweis: Die Chiffren am Beginn sind nicht sicher auflösbar; der Quellwortlaut bleibt erhalten.]
Kriyapada 6-85. „Dem, dessen Gestalt der Raum ist“ und „dem Alldurchdringenden“ sind zwei Wortgruppen mit je fünf Lauten; „Shiva“ im Dativ hat drei Laute.
Kriyapada 6-86. Die Worte „dem Unendlichen“ und „dem Herrenlosen“ im Dativ bilden je vier Laute; die achte Wortgruppe, „dem auf nichts Angewiesenen“, hat fünf Laute.
Kriyapada 6-87. „Dem Festen“ und „dem Ewigen“ im Dativ bilden drei beziehungsweise vier Laute; dann folgen „dem auf dem Yoga-Sitz Ruhenden“ und „dem ewig im Yoga Weilenden“
Kriyapada 6-88. mit acht und fünf Lauten; „dem von Meditation Genährten“ hat fünf Laute. Die fünfsilbige Formel mit der heiligen Silbe davor bildet die sechssilbige Hauptwortgruppe.
Kriyapada 6-89. „Ursprung von allem“ ist die nächste Gruppe mit fünf Lauten, „Shiva“ im Dativ eine mit drei Lauten. Dann folgen die fünf mit Ishana beginnenden Namen,
Kriyapada 6-90. verbunden mit „dem Kopf“, „dem Gesicht“, „dem Herzen“, „dem Verborgenen“ und „der Gestalt“; die Lautzahlen sind sechs, sieben, sieben,
Kriyapada 6-91. vier und vier, entsprechend den fünf Wortgruppen. Die heilige Silbe und zweimal „Verehrung“ bilden eine fünflautige Gruppe.
Kriyapada 6-92. „Dem Verborgenen jenseits des Verborgenen“ hat sechs Laute, „dem Beschützer“ zwei; „dem Unvergänglichen“ fünf und „dem Herrn allen Wissens“
Kriyapada 6-93. sieben. „Dem durch jeden Yoga Erreichbaren“ hat acht, „dem von Lichtgestalt“ fünf und „dem Höchsten des höchsten Herrn“
Kriyapada 6-94. acht Laute. „O höchster Atman“ hat vier; „unbewusst, unbewusst“ wird als siebenlautige Wortgruppe angegeben. [Quellenhinweis: Die gelieferte Wiederholung „acetanācetana“ bleibt in ihrer Bedeutung sichtbar; sie wird nicht zu einer vermeintlich erwarteten anderen Lesung korrigiert.]
Kriyapada 6-95. Zweimal „o Raum“ hat vier Laute, ebenso zweimal „o Durchdringender“; zweimal „o Gestaltloser“ hat sechs, ebenso das erste Paar. [Hinweis: Worauf „das erste Paar“ verweist, bleibt in der gelieferten Anleitung unklar.]
Kriyapada 6-96. Zweimal „Lichtkraft“ hat vier Laute, ebenso zweimal „Licht“. „O Gestaltloser“, „o Feuerloser“ und „o Rauchloser“ haben je drei Laute;
Kriyapada 6-97. ebenso „o Aschenloser“ und „o Anfangsloser“; dann dreimal „na“ und dreimal „dhu“. Diese vier Wortgruppen des Allgegenwärtigen haben jeweils drei Laute. [Hinweis: Die Lautausrufe werden nicht als bedeutungstragende deutsche Wörter ausgegeben.]
Kriyapada 6-98. Mit der heiligen Silbe voran folgen Erde, Luftraum und Himmel; sie bilden der Reihe nach zwei, drei und zwei Laute. „O Unvergänglicher“ hat vier, „Auflösung“ drei,
Kriyapada 6-99. „Ursprung der Auflösung“ fünf, „Shiva“ zwei und „Sharva“ zwei. So sollen die Lehrer dies verstehen.
Kriyapada 6-100. „Maheshvara“ und „Mahadeva“ haben je vier Laute, „Herr des wahren Seins“ fünf und „große Lichtkraft“ vier.
Kriyapada 6-101. „Herr des Yoga“ hat fünf, zweimal „befreie“ vier; das erste Paar hat sechs, zweimal „Sharva“ vier. [Hinweis: Auch hier ist der Bezug des „ersten Paares“ unklar.]
Kriyapada 6-102. Zweimal „Bhava“ hat vier Laute, „Ursprung des Werdens“ vier; „der allen Wesen Glück gibt“ ist eine achtlautige Wortgruppe.
Kriyapada 6-103. „Der allen seine Gegenwart gewährt“ hat sieben Laute; „über Brahma, Vishnu und Rudra hinaus“ bildet eine achtlautige Gruppe. [Quellenhinweis: Für die letzte Wendung bietet die Datei ausdrücklich die unsichere Alternative „padaṃ ? ra“; die Übersetzung folgt dem erkennbaren Sinn der zweiten Lesung, ohne die Sanskritfassung zu ändern.]
Kriyapada 6-104. Zweimal „Unverehrter“ und zweimal „Ungepriesener“ bilden je acht Laute; „zuvor bestehend“ hat vier.
Kriyapada 6-105. Zweimal „Zeuge“ hat vier Laute, ebenso zweimal der Ausruf „turu“; „Fliegender“ hat drei, zweimal „Rotbrauner“ vier.
Kriyapada 6-106. Zweimal „Wissen“, zweimal „Klang“ und zweimal „Feiner“ sind drei Wortgruppen von jeweils vier Lauten, ebenso die Paare „Shiva“ und „Sharva“.
Kriyapada 6-107. „Allgebender“ hat drei Laute, die heilige Silbe mit zweimal „Verehrung“ fünf, „Shiva“ im Dativ drei. So sollen es die vorzüglichen Lehrer verstehen.
Kriyapada 6-108. Mit der heiligen Silbe voran gilt die doppelte Verehrung als fünflautige Gruppe. So sind die einundachtzig Wortgruppen der Reihe nach zu erkennen. [Redaktioneller Hinweis zu 6-83–108: Wiederholungen, schwankende grammatische Anreden und örtlich unklare Lautangaben gehören zur gelieferten Textgestalt. Die verständlichen Anrufungen wurden vollständig übertragen; eine normalisierte Sanskrit-Rezitationsfassung wird nicht daraus hergestellt.]
Kriyapada 6-109. Zwei heilige Silben sowie „dem Atman von allem“, verbunden mit „Licht“, gelten als Herz-Mantra. Man spreche die zweite Wortgruppe und verbinde sie mit „Shiva“ und „Brahman“:
Kriyapada 6-110. Mit ihrem eigenen Abschluss bildet sie den Kopf-Mantra. Nun wird der Haarspitzen-Mantra genannt: Man spreche die dritte Wortgruppe und wiederhole zweimal „Flammende“.
Kriyapada 6-111. Mit dem zugehörigen Abschluss ist dies die Haarspitze. Dann entnehme man die vierte Wortgruppe und spreche „Pingala, Rotbrauner“: Mit dem entsprechenden Abschluss ist dies der Panzer.
Kriyapada 6-112. Nach der fünften Wortgruppe folgen Shiva- und Aghora-Waffe; mit dem eigenen Abschluss bildet dies den Waffen-Mantra. Dies sind die fünf Glieder.
Kriyapada 6-113. Für diesen Vyomavyapi-Mantra sind auch sechs Glieder nach dem im Chandrajnana gelehrten Verfahren überliefert. Sie werden der Reihe nach niedergeschrieben.
Unnummerierte Herz-, Kopf- und Haarspitzenformeln nach 6-113. „Du den Raum durchdringender Shiva! Verehrung dem Atman von allem, dem Höchsten, dem Höchsten des höchsten Herrn, dem Yoga, dem aus Yoga Entstandenen! Tue, tue! Wirke, wirke! Wahrer, Wahrer! Ursprung des Werdens! Dem Vamadeva! Du, der alle Handlungen zur Ruhe bringt, Sadashiva, Huldvoller, dir sei Verehrung! Die Opfergabe! Dem Herzen Verehrung!“
„Shiva! Dem Brahma-Kopf die Opfergabe!“
„Shiva, du im Herzen Flammende, die Opfergabe! Der Flammenden, der Haarspitze die Weihung!“
[Die originalen Keim- und Schlusslaute sind in den beiden Sanskritfassungen bewahrt; hier stehen die Bedeutungen der vollständig erhaltenen Anrufungen.]
Kriyapada 6-114. Ich wiederhole den heilsamen, rotbraunen Schutzpanzer, den großen Gott von Shivas Wesen, den allwissenden, unvergänglichen Herrn, den überaus Furchtbaren.
Unnummerierte Panzer-, Augen- und Waffenformel nach 6-114. „Komm herbei, Pingala, großer Schutzpanzer! Auf Shivas Geheiß: Binde, binde das Herz! Flamme, flamme! Wirble, wirble! Träger von Speer und Donnerkeil, dringe in die Donnerkeilschlinge ein und hemme, hemme alle Übeltäter!“ Es folgen die rituellen Schutz- und Waffenlaute. „Dem Pingala als Schutzpanzer!“
„Dem von Lichtgestalt, den drei Augen die Weihung!“ Die Waffe ist wie zuvor eben die Aghora-Waffe.
Unnummeriertes Zitat aus dem Matanga. „Sie alle vollziehen alle Handlungen; sie alle verwirklichen alle Ziele. Sie alle tragen jede Gestalt, und ihre Kräfte sind niemals vergeblich. Sie alle entstehen aus Shivas Wirken; an ihnen soll in keiner Weise gezweifelt werden.“ So heißt es im Matanga.
Kriyapada 6-115. Deshalb werden für diesen Mantra keine getrennten Gottheiten angenommen. Seine Gottheit ist Shiva, sein Seher Shakti; Gayatri heißt
Kriyapada 6-116. sein Versmaß. Über anderes soll man nicht weiter zweifeln. Nun folgt eine weitere Lautanweisung: Der erste Laut der sechsten Gruppe steht auf dem Erd-Keim, verbunden mit dem fünften Vokal und dem Punkt,
Kriyapada 6-117. dann „Wasser“ mit Visarga, „Wasser“ und „Wind“ mit dem zwölften Vokal, der letzte Laut der sechsten Gruppe und das Wort „dem Durchdringenden“, verbunden mit der Geliebten des Feuers.
Kriyapada 6-118. Dieser zehnlautige Mantra beginnt mit der heiligen Silbe, heißt Vyomavyapi und hat Shiva zum Wesen. Eine weitere Bildung nennt die heilige Silbe, den zweiten Vokal sowie den vierten und sechsten Vokal,
Kriyapada 6-119. „dem Raumdurchdringenden“ im Dativ und die heilige Silbe am Ende: Auch dies ist zehnlautig. Sodann die heilige Silbe, der Prasada-Keim und die drei Laute „Shiva“ im Dativ,
Kriyapada 6-120. dazu Verehrung: Dies ist ein siebenlautiger … Mantra Shivas. [In der Quelle steht hier eine Lücke.] An die für Prasada genannten Gliederkeime füge man die mit „shi“ beginnenden Laute
Kriyapada 6-121. und die jeweiligen Abschlüsse an: So entstehen Shivas Glieder-Mantras. Das Wort Shiva im Dativ, mit Verehrung davor, umfasst fünf Laute.
Kriyapada 6-122. Dieser Shiva-Mantra wird als Geber von Dharma, Lebensgenuss, Wohlstand und Moksha erklärt. Für die Zweimalgeborenen steht die heilige Silbe voran … [Der Rest des Verses fehlt in der gelieferten Fassung.]
Kriyapada 6-123. … sechssilbig. Kein anderer Mantra gleiche ihm darin, alle Ziele zu verwirklichen. [Der Anfang des Verses ist in der Quelle durch Pluszeichen als Lücke wiedergegeben.]
Kriyapada 6-124. Dieser sechssilbige Mantra, ergänzt durch die heilige Silbe und den Shakti-Keim am Anfang, heißt der achtlautige Shiva-Mantra und wird als Geber von Lebensgenuss und Befreiung beschrieben.
Kriyapada 6-125. Fügt man an das Ende eben dieses achtlautigen Mantras den reinen Bewusstseins-Mantra an, wird er als zehnlautig bezeichnet: Gleich einem Wunschbaum gewähre er das Erwünschte.
Kriyapada 6-126. Für diese fünf Mantras werden als Versmaße der Reihe nach Pankti, Gayatri, Brihati und nochmals Pankti genannt. [Quellenhinweis: Die Aussage nennt fünf Mantras, aber nur vier Versmaßpositionen. Die Liste wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 6-127. Als Seher werden der Reihe nach Vamadeva, Dadhicha, der große Weise Shilada und Sanatkurara genannt. [Quellenhinweis: Auch hier stehen vier Namen für die zuvor genannten fünf Mantras; der auffällige letzte Name wird nicht stillschweigend verändert.]
Kriyapada 6-128. Shiva selbst ist unmittelbar die Gottheit der ersten beiden Mantras; bei den übrigen drei ist es Shiva gemeinsam mit Shakti.
Kriyapada 6-129. Ihre einzelnen Ritualordnungen wurden bereits im früheren Teil dieser Paddhati niedergeschrieben, jeweils in dem Kapitel des Mantrapada, in dem die Mantras entfaltet wurden.
Kriyapada 6-130. Ihnen allen schreibt der Text unbegrenztes Vermögen zu; alle sollen sämtliche Ziele verwirklichen.
Kriyapada 6-131. So sind hier die hauptsächlichen, in Shivas Tantras überlieferten Mantras ordnungsgemäß gelehrt worden. Durch sie sollen sämtliche Ritualhandlungen gelingen, ebenso Wohlergehen, das mit dem Erlangen von Shivas Zustand beginnt, und Befreiung.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das sechste Kapitel: „Die Entfaltung der Mantras“.
Zur Besinnung. Die vielen Lautanweisungen machen deutlich, wie eng diese Tradition Klang, Körper und Bewusstsein verbindet. Für heutige Yoga-Aspiranten können die verständlichen Gebetsworte der Shiva-Gayatri eine Einladung zu klarem Erkennen und gesammelter Betrachtung sein. Die historischen Chiffren bedürfen dagegen ihrer eigenen Überlieferung und werden hier nicht als erschlossene Übungsformeln angeboten.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 6: Mantras und weitere Voraussetzungen des Rituals
Das Kapitel beginnt mit den sechs Voraussetzungen rituellen Handelns und entfaltet zunächst Mantras, Lautkörper und Einsetzungen. Zahlreiche Formeln werden nicht ausgeschrieben, sondern durch Buchstabengruppen, Zahlen und Gottheitsnamen verschlüsselt. Diese Angaben werden bewahrt, ohne unklare Stellen durch vertraute Mantrafassungen zu ersetzen. Verständliche Anrufungen, technische Lautangaben und zitierte Lehrkommentare bleiben unterscheidbar.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha ṣaṣṭhaḥ paṭalaḥ |
aṅgaiḥ ṣaḍbhiḥ syāt kriyāyāḥ prasiddhirmantrā mudrāḥ kuṇḍavanmaṇḍalāni |
dravyāvāptiḥ sādhakāśceti samyag vakṣyante tānyatra tantroditāni || 6-1 ||
atra mataṅge -
mudrāmaṇḍalamantrāśca kṣetradravyāṇi sādhakāḥ |
guruṇā + + + + ni yathāvat tannibodhata ||
iti |
tad yathā -
mananatrāṇadharmitvaṃ vācake daivatasya tu |
yatra tanmantrasaṃjñaṃ syāddhrasvadīrghādilakṣaṇaiḥ || 6-2 ||
mananāt sarvabhūtānāṃ trāṇāt saṃsārasāgarāt |
mantrarūpā hi tacchaktirmananatrāṇadharmiṇī || 6-3 ||
ratnatraye -
nirvikalpātmakaṃ brahma yannityānandavigraham |
śivatattvaṃ hi tannityaṃ nirmalaṃ vyāpi cidghanam ||
śivādabhinnā tacchaktirnityā tadvat sunirmalā |
citiḥ svatantrā viśvasya siddhiheturhi sā matā ||
kṛtyaṃ pañcavidhaṃ tasya śivasya karuṇānidheḥ |
sṛṣṭiḥ sthitiśca saṃhārastirobhāvo'pyanugrahaḥ ||
sidhyecchaktyāna (ye ? yā) svecchākriyājñānākhyabhedayā |
sā śaktirbindutāmeti parāparavibhāgataḥ ||
tasmācca nādo hyabhavanmūlabījaṃ śivātmakam |
tathāhi -
nādākhyaṃ yat paraṃ bījaṃ sarvabhūteṣvavasthitam ||
muktidaṃ paramaṃ divyaṃ sarvasiddhipradāyakam |
sāntaṃ sarvagataṃ śūnyaṃ mātrādvādaśakasthitam ||
p. 60) hrasvā brahma samākhyātā dīrghā hyaṅgāni ṣaṇmukha ! |
anusvāro bhavennetraṃ sarveṣāṃ copari sthitaḥ ||
ṣaṣṭhaṃ trayodaśāntaṃ ca pañcame viniyojayet |
śivaṃ taṃ tu vijānīyānmantramūrtiṃ sadāśivam ||
iti |
kālottare -
mūlamantro vinirdiṣṭo brhmabhiḥ svāṅgasaṃyutaḥ |
akāraścāpyukāro'tha makāro bindunādavān ||
tārākhyaḥ praṇavo hyeṣa śabdabrahmātmako mataḥ |
a-īmabindunādāḍhyaṃ vāgbhavaṃ bījamīritam ||
viśvavāgbhūtidaṃ tat tu vāgīśvaryāstanurbhavet |
śaktibījaṃ tathā tāro vāgbhavaṃ ca tataḥ param ||
pañcāśadvarṇarūpā yā mātṛkā parameśvarī |
avargo'syā mukhaṃ sāṅgaṃ kacavargau bhujadvayam ||
ṭatavargau tathā pādau pārśvayugmaṃ paphaubabhau |
pṛṣṭhaṃ bakāro nābhistu bhakāro hṛnmakārakam ||
tvagasṛṅmāṃsabhedosthimajjāśuklāni yādayaḥ |
dhātavaḥ sapta varṇāḥ syurhakāraḥ prāṇa iṣyate ||
sphūrtiḥ kṣakāraḥ sakrodho viśvalokamayī tanuḥ |
liperhṛdādīnyaṅgāni likhyante'tra yathākramam ||
hṛdayaṃ ṣaṣṭhavargāntyaṃ bindumadvīpsitaṃ bhavet |
prathamaprathamaṃ binduyuktaṃ tadvacchiraḥ smṛtam ||
prathamasya dvitīyaṃ tu sānusvāraṃ śikhā tathā |
vīpsitaḥ kacaśabdastu tathaiva kavacaṃ smṛtam ||
tṛtīyaṃ ca caturthaṃ ca prathamasya trinetrakam |
vargāntyaṃ savisargaṃ tu vīpsitaṃ tvastramucyate ||
p. 61) tāraprāṇānvitaṃ śuklamaukārasvaramaṇḍitam |
ṣaṇṇāṃ ca mātṛkāṅgānāmādau saṃyojayet kramāt ||
namaḥ svāhā vaṣaṭ cātha huṃ vauṣaṭ phaṭ ca jātayaḥ |
caturthyantāṅgamantrāṇāmante yojyā yathākramam ||
mudrākṣa(?)sphaṭikākṣasūtrakalaśāṃścābibhratī pustakaṃ
hastairdakṣiṇapūrvakaistrinayanā śuklasragālepanā |
kundābhākṣaravigrahā śaśikalāmauliḥ prasannānanā
dhyeyā syāllipidevatāmbujagatā (suptābhi ? muktābha)rālaṅkṛtā ||
pañcāśadvarṇamūrtiṃ tāmevaṃ dhyātvā svavigrahe |
tadvarṇān kramaśo nyasya japan mantrān sa sādhayet ||
keśānte mukhavṛtte'kṣṇoḥ śrotrayorghrāṇayorapi |
gaṇḍayoroṣṭhayordantapaṅtyormūrdhāsyayoḥ svarān ||
kavargaṃ dakṣiṇe haste cavargamitare bhuje |
ṭatavargau tathā padbhyāṃ paphau pārśvadvaye nyaset ||
pṛṣṭhe nābhau ca hṛdaye nyased babhamasaṃjñitān |
tvagasṛṅmāṃsamedosthimajjāśuklāsupaṅkaje ||
hṛtsthe tatpatragān yādīnaṣṭārṇānātmani nyaset |
kṣakāraṃ karṇikāyāṃ tu sarvagaṃ saṃsmaran nyaset ||
mātṛkānyāsaḥ |
pañcānāṃ brahmaṇāṃ cāpi svarūpanyāsa iṣyate |
sadyojātādikāni syurbrahmāṇyuddhānujapyayoḥ (?) || 6-4 ||
tānyeveśā(nādi ? na) pūrvāṇi nyāsapūjādikeṣu vai |
gokṣīradhavalaṃ sadyaṃ vāmadevaṃ japāruṇam || 6-5 ||
nīlāñjanābhaṃ cāghoraṃ puruṣaṃ kuṅkumaprabham |
śuddhasphaṭikasaṅkāśamīśānākhyaṃ mukhaṃ vibhoḥ || 6-6 ||
p. 62) vaktraṃ varṇāstu tanmantrāḥ kalāstanmūrtayo'pi ca |
apṛthak ca pṛthak caiva jñātavyāstatra tatra hi || 6-7 ||
sadyojātaṃ tu vāruṇyāṃ vāmadevaṃ tathottare |
aghoraṃ dakṣiṇamukhaṃ prāci tatpuruṣāhvayam || 6-8 ||
īśānamūrdhvavaktraṃ syād brahmāṇīmāni pañca hi |
hrasvasvarān binduyutāṃstārādyān brahmaṇāṃ kramāt || 6-9 ||
saṃyojyādau caturthyantaṃ namontaṃ ca pṛthak pṛthak |
brahmāṇīmāni pañca syuḥ sāmānyānyarcanādiṣu || 6-10 ||
dīkṣitānāṃ tu sarveṣāṃ pāṭhyānyevāviśeṣataḥ |
atha vedāgamoktāni pañca brahmāṇi pañca hi || 6-11 ||
tāni dvijātipāṭhyāni na strīśūdrādibhiḥ kvacit |
tānyuddhriyante sāvitrī gāyatrī śaivasammatā || 6-12 ||
tadvat pāśupatāstraṃ ca vyomavyāpi ca mantrarāṭ |
tāraṃ ca śukladyokāro jātaṃ saṣṭhādyamagniyuk || 6-13 ||
ṣaṣṭhādyaṃ dyāmicetyādau navavarṇān samuddharet |
sadyojātaṃ caturthyantaṃ dvādaśasvarakaṃ jalam || 6-14 ||
natiṃ bhaveti dviguṇamanātyante bhave padam |
bhajasveti ca māṃ coktvā caturthyantaṃ bhavodbhavam || 6-15 ||
namaśca sadyastvekonacatvāriṃśadbhirakṣaraiḥ |
praṇavo vāmadevaśca caturthyanto namonvitaḥ || 6-16 ||
jyeṣṭhaśca rudraḥ kālo'pi trayastāvannamontakāḥ |
pṛthak kālabalānte syāt padaṃ vikalanāya tu || 6-17 ||
balapramathanāya syāt sarvabhūtapadaṃ tataḥ |
damanaśca caturthyantaḥ tadvibhaktyā manonmanaḥ || 6-18 ||
namonto navabhistāraiḥ pañcasaptativarṇakaiḥ |
vāmadevasya mantro'yaṃ navaśaktyupabṛṃhitaḥ || 6-19 ||
p. 63) tāraṃ vargādikaṃ coktvā ghorebhyo'theti coddharet |
athamuktaṃ punaścaitat padaṃ ghoradvayaṃ tataḥ || 6-20 ||
tārebhyastryakṣarādūrdhvaṃ ca śabdaṃ sarvataḥpadam |
śarvasarvebhya ityuktvā nasteti padadvayam || 6-21 ||
astu rudrapadānte tu rūpebhya iti coddharet |
aghoramantra eṣa syāduktaḥ ṣaṭtriṃśadakṣaraiḥ || 6-22 ||
tāraṃ taditi coddhṛtya puruṣāyapadaṃ tataḥ |
vidmetyarṇadvayaṃ he ca mahādevāya coddharet || 6-23 ||
pañcamasya caturthaṃ syāccaturthasvarabhūṣitam |
mahitannaścaturvarṇān rudraḥpretyakṣaratrayam || 6-24 ||
codayāditi mantro'yaṃ pañcaviṃśativarṇakaḥ |
bhavet tatpuruṣasyāpi mantro'theśāna ucyate || 6-25 ||
tāraṃ svaraṃ caturthaṃ ca saptamāt pañcamādapi |
pañcame dīrghasargānte coddhṛtyārṇacatuṣṭayam || 6-26 ||
sarvaśabdaṃ ca vidyānāmīśvaraścākṣarāṇi ṣaṭ |
sarvavarṇau ca bhūtānāṃ brahmādhipatirityapi || 6-27 ||
ṣaṣṭhyantaṃ brahmaśabdaṃ ca prokto'thādhipatistviti |
brahmā śivaścaturvarṇān me astvityakṣaratrayam || 6-28 ||
sadāśivaṃ ca tārāntaḥ syāccatvāriṃśadakṣaraiḥ |
prokto hīśānamantro'yaṃ brahmāṇīmāni pañca hi || 6-29 ||
aṣṭau trayodaśāṣṭau ca catasraḥ pañca eva ca |
kalāḥ sadyādikānāṃ syuraṣṭātriṃśad yathākramam || 6-30 ||
brahmabhaktyā nyased dehe pañca vaktreṣu ca nyaset |
vaktrabhaktyā kalānyāsaṃ kuryāt sthāneṣvanukramāt || 6-31 ||
śaśinīṃ cāṅgadāmiṣṭāṃ marīcīṃ jvālinīṃ tathā |
īśānasya kalāḥ pañca nyaset tatpadapañcakaiḥ || 6-32 ||
śāntiṃ vidyāṃ pratiṣṭhāṃ ca nivṛttiṃ ca svakaiḥ padaiḥ |
saha tatpuruṣasyaitāścatasro vinyaset kramāt || 6-33 ||
p. 64) tāmasīṃ ca tathā mohāṃ kṣapāṃ niṣṭhāhvayāmapi |
mṛtyuṃ māyāṃ bhayāṃ caiva jarāṃ cāghorajāḥ kalāḥ || 6-34 ||
rājasīṃ caiva rakṣāṃ ca ratiṃ cāpyatha pālinīm |
sajjamanyā kriyāṃ tadvad buddhiṃ chāyāhvayāmapi || 6-35 ||
dhātrīṃ ca bhrāmaṇīṃ caiva mohinīṃ cābhayāṃ nyaset |
svaiḥ padairvāmadevasya kalā hyetāstrayodaśa || 6-36 ||
siddhiṃ carddhi dyutiṃ lakṣmīṃ medhāṃ kāntiṃ svadhāṃ sthitim |
sadyojātakalā hyetāstatpadairvinyaset kramāt || 6-37 ||
navāṣṭādijagatyarṇaiḥ śaravedākṣarairapi |
kramādīśānamantrasya kalāḥ pañca nyased budhaḥ || 6-38 ||
navāṣṭavedavedārṇaiḥ kalāstatpuruṣasya ca |
śarabāṇāśvigāyatraśarāgniśarasāyakaiḥ || 6-39 ||
svākṣarairvinyased vidvānaghorasya kalāṣṭakam |
ūrdhvaprāgdakṣiṇodīcyapaścimāśāsthamūrdhasu || 6-40 ||
īśānasya kalāḥ pañca namontaṃ vinyaset pṛthak |
ūrdhvāsye śāntyatītākhyāṃ praṇavena kalāṃ nyaset || 6-41 ||
tataḥ prā + + + + + + + + + ṣaurupīḥ |
kalāvinyasediti yāvat |
aghorasyātha hṛdaye kaṇṭhe caivāṃsayoḥ kramāt || 6-42 ||
nābhau ca jaṭhare pṛṣṭhe tathorasi kalāṃ nyaset |
guhyopariṣṭād guhye cāpyūrvorjānvośca jaṅghayoḥ || 6-43 ||
sphijoḥ kaṭyāṃ pārśvayośca vāmadevakalāṃ nyaset |
pādayośca tathā pāṇyornāsikāyāṃ ca mūrdhani || 6-44 ||
bāhvośca vinyasedaṣṭau sadyojātakalāḥ kramāt |
aṃsorvādiṣu yugmeṣu pūrvaṃ dakṣiṇato nyaset || 6-45 ||
p. 65) vāme paścāt kramo'yaṃ syāt sarvatra svasvamudrayā |
sāmānyena ṣaḍaṅgāni vakṣyante brahmaṇāṃ kramāt || 6-46 ||
yathā-
proktaṃ prayogamañjaryāṃ pauṣkare ca nibandhane |
śaratārādisarvajñaśabdaḥ syāt sacaturthikaḥ || 6-47 ||
namontaṃ hṛdayaṃ proktamatha vargādimuddharet |
ṣaṣṭhāntaṃ saptamopetaṃ pañcamādyaṃ daśāntayuk || 6-48 ||
tejomāliniśabdaśca tṛptayā brahmaśabdayuk |
śiraścaturthyā svāhāntaḥ śivo mantra udāhṛtaḥ || 6-49 ||
tṛtīyasya tṛtīyārṇaṃ sajalaṃ tvatha saptamāt |
tṛtīyaṃ tatsvaropetaṃ takāraṃ śikhiśabdayuk || 6-50 ||
śikhe cānādibodho'yaṃ jātiyuktaṃ śikhāṃ tathā |
vajriṇe ca samuddhṛtya vajraśabdaṃ dharāya ca || 6-51 ||
svatantraṃ ca caturthyantaṃ kavacāya ca jātiyuk |
aṣṭamādyaṃ tṛtīyādyaṃ caturthaṃ cāṣṭamasya ca || 6-52 ||
trayodaśāntayuktāni bindumantyuddharet kramāt |
aluptaśaktayeśabdaṃ netratrayapadaṃ tathā || 6-53 ||
caturthyantaṃ samuddhṛtya netraṃ syājjātiyojitam |
atha pāśupatāstraṃ tu yat pañcārṇaṃ taduddharet || 6-54 ||
anantaśaktaye coktvā syādastraṃ tat svajātiyuk |
śiva eva visargāntaḥ śivāstraṃ parikīrtitam || 6-55 ||
ṣaṣṭhavargadvitīyaṃ tu caturdhādyārdhamātrayuk |
pathamāt pañcamādādyau saṃyojyaiva dvivarṇakam || 6-56 ||
astraṃ pāśupataṃ tvetat samastaduritāpaham |
asyādau saśivāstraṃ tu śikhābīje niyojayet || 6-57 ||
sarvavighnaharaṃ divyaṃ muktidaṃ syājjapādibhiḥ |
aṣṭamādyaṃ bhūmiyuktaṃ tṛtīyasvarabindumat || 6-58 ||
p. 66) prathamaṃ bījamuddiṣṭaṃ ṣaṣṭhādyaṃ syād dvitīyakam |
tṛtīyamaṣṭamādyaṃ tu pañcamasvarasaṃyutam || 6-59 ||
varmāstre ceti pañcārṇamastraṃ pāśupataṃ smṛtam |
evaṃ pāśupatāstraṃ syādaghorāstramathocyate || 6-60 ||
ṣaṣṭhādyaṃ sāgnimuddhṛtya sphuraśabdaṃ ca vīpsitam |
dvitīyasya caturthaṃ ca dvādaśāntasvarānvitam || 6-61 ||
agniṃ punaśca tāvuktvā pañcamādyamathānalam |
tanurūpapadaṃ coktvā caṭayugmaṃ samuddharet || 6-62 ||
pracaṭeti dviruccarya kahadvandvaṃ vamadvayam |
vīpsitaṃ ghātayapadaṃ varmāstre'gnipriyāṃ tathā || 6-63 ||
tārādikamaghorāstraṃ dvicatvāriṃśadakṣaram |
rasartuvedadaśakairvasunāgaiśca sammitaiḥ || 6-64 ||
sākṣarairjātisaṃyuktairastrāntāṅgāni tāni ṣaṭ |
tṛtīyasya tṛtīyaṃ tu pañcamasvaradaṇḍayuk || 6-65 ||
śuklaścaiva visargāntamakṣaradvayamuccaret |
plutāntatārādyamidaṃ mṛtyuñjayamiti smṛtam || 6-66 ||
śuklapadmayu(tā ? gā)ntaḥsthacandramaṇḍalasampuṭe |
smṛtāsāraviṣyandi dhyātvā mṛtyurujāpaham || 6-67 ||
bindunādānvitaḥ prāṇaḥ śuklaṃ sargī ca pāṇḍaram |
dhyāyeddhṛdayapadmasthaṃ cinmantro'yaṃ śivātmakaḥ || 6-68 ||
praṇavaścaiva tacchabdo maheśāyapadaṃ tataḥ |
vidmaśabdasya he cānte vāgviśuddhāya dhīmahi || 6-69 ||
tannaḥ padānte rudraḥ syāt prakārānte tu codayāt |
ityuktā śivagāyatrī śaivī sāvitryathocyate || 6-70 ||
trayodaśasvarāḍhyaṃ tu jala vāyusamanvitam |
ṣaṣṭhāntaṃ coddharedasya padasyādau ca kārakam || 6-71 ||
p. 67) vyomaśabdaṃ caturthyantaṃ vidmaśabdaṃ ca heyutam |
śuklaṃ ṣaṣṭhasvarayutamantyaṃ ṣaṣṭhāntasaṃyutam || 6-72 ||
sūkṣmaśabdaṃ caturthyantaṃ dhīmahītyādikaṃ tathā |
prāgvat samuddhṛtya bhavet sāvitrī śivasaṃjñitā || 6-73 ||
dvitīyasya tṛtīyaṃ tu bindunādasamanvitam |
gaṇeśabījaṃ vijñeyaṃ svadīrghairvāṅgakalpanā || 6-74 ||
tārādikaṃ dvitīyasya tṛtīyaṃ karṇabinduyuk |
gurubhyo'nte namaścokto mantro'yaṃ gurupūjane || 6-75 ||
tārānte syād vacacchabdo (?) bhuvo'nte ca natirbhavet |
skandasya saptavarṇo'yaṃ mantraṃ sarvārthasādhakaḥ || 6-76 ||
purastārakaṃ vyomadīrghāgnibinduplutaṃ śaktibījaṃ ca śuklaṃ sasargam |
samudddhṛtya sūryāya natyantamuktvā bhavenmūlamantrastu sauro navārṇaḥ || 6-77 ||
oṃṃ brahmatejo jvala jvala hṛdayāya namaḥ |
oṃ am viṣṇutejaḥ prajvala prajvala arkāya śirase svāhā |
oṃ aṃ rudratejo jvala bhūrbhuvaḥ svaroṃ jvālini śikhāyai vaṣaṭ |
oṃ aṃ maheśvaratejaḥ śūlini kavacāya hum |
oṃ aṃ satyasadāśivatejaḥ kapardini kapardini astrāya phaṭ |
oṃ aṃ haṃ śivatejaḥ śakte netratrayāya vauṣaṭ |
aṅgānīmāni sūryasya svāstraśuddhe karadvaye |
jyeṣṭhādyaṅguliṣu nyasya kramādastraṃ taladvaye || 6-78 ||
śīrṣāsya hṛdupastheṣu padayordikṣu ca kramāt |
tānyaṅgānyeva vinyasya hṛdayādiṣu ca kramāt || 6-79 ||
pūjājapādikaṃ kuryāt siddhimiṣṭāṃ sa vindati |
tāraṃ sāntaṃ binduyutaṃ kāntaṃ bindusamanvitam || 6-80 ||
dvitīyasya dvitīyaṃ ca ṣotkāyeti samuddharet |
prayojanatilakasaṃjño mantro'yaṃ bhāskarasya nirdiṣṭaḥ || 6-81 ||
pūjyo'nenāpi raviḥ śaivairiṣṭārthasiddhaye nityam |
mantraṃ vyomavyāpisaṃjñaṃ tu vakṣye vyaktastvekāśītisaṃkhyaiḥ padairyaḥ |
varṇānāṃ cāpyaṣṭaṣaṣṭyuttarāṇi trīṇyevāsmin saṃkhyayā vā śatāni || 6-82 ||
p. 68) prathamaṃ tu padaṃ tāraṃ saptamāntyaṃ tvaganvitam || 6-83 ||
trayodaśasvaropetamuddhṛtyaivaṃ tathā punaḥ |
ṣaṣṭhyāntyaṃ vyāpine ceti dvitīyaṃ pañcavarṇakam || 6-84 ||
vyomaśabdaśca rūpāya sarvavyāpina ityapi |
pañcākṣare pade prokte śivāyeti triyakṣaram || 6-85 ||
anantānāthaśabdaistaṃ caturthyā caturakṣare |
pade'thānāśritāyeti pañcārṇairaṣṭamaṃ padam || 6-86 ||
tricaturvarṇakapade caturthyā dhruvaśāśvatau |
yogapīṭhasaṃsthitāya nityayogina ityapi || 6-87 ||
vasubāṇākṣare dhyānāhārāya śaravarṇakam |
pañcākṣarastu tārādirmukhyaṃ ṣaḍvarṇakaṃ padam || 6-88 ||
sarvaprabhava ityarṇaiḥ pañcabhiḥ syāt padaṃ tataḥ |
śivāyeti trivarṇaṃ syādatheśānādipañcakam || 6-89 ||
uktvā mūrdhāya vaktrāya hṛdayāyeti copari |
guhyāya mūrtaye ceti ṣaṭsaptamunisaṃkhyayā || 6-90 ||
samudrodadhisaṃkhyārṇaiḥ kramāt syāt padapañcakam |
tāraṃ namo vīpsitaṃ ca padaṃ pañcākṣaraṃ bhavet || 6-91 ||
ṣaḍbhirguhyātiguhyāya goptre varṇadvayaṃ padam |
anidhanāya pañcārṇaiḥ sarvavidyādhipāya tu || 6-92 ||
saptārṇaiḥ sarvayogādhigatāyetyaṣṭavarṇakam |
jyotīrūpāya bāṇārṇaiḥ parameśvaraparāya ca || 6-93 ||
aṣṭākṣaraiḥ paramātmanpadaṃ syād vedavarṇakam |
acetanācetaneti padaṃ saptākṣaraiḥ smṛtam || 6-94 ||
vyomnidvandvaṃ caturvarṇaṃ vyāpinyugmaṃ tathaiva hi |
arūpin vīpsitaṃ ṣaḍbhiḥ prathamadvitayaṃ tathā || 6-95 ||
tejoyugmaṃ caturvarṇaṃ jyotirdvandvaṃ tathaiva hi |
arūpa cāpyanagne ca adhūmeti tribhistribhiḥ || 6-96 ||
p. 69) abhasma cāpyanāde ca nātrayaṃ dhūtrayaṃ tathā |
triyakṣarāṇi catvāri padānīmāni vai vibhoḥ || 6-97 ||
tārādyaṃ bhūrbhuvaḥsvaśca dvitridvyarṇāni vai kramāt |
padānyanidhanetyarṇaiścaturbhirnidhanaṃ tribhiḥ || 6-98 ||
nidhanodbhavapañcārṇaṃ śiva ityakṣaradvayam |
dvābhyāṃ śarveti ca padaṃ vijñeyamiha deśikaiḥ || 6-99 ||
maheśvareti śrutyarṇaṃ mahādevapādaṃ tathā |
sadbhāveśvarapañcārṇaṃ mahātejaścatuṣṭayam || 6-100 ||
pañcārṇaṃ yogādhipate muñcadvandvacatuṣṭayam |
prathamadvitayaṃ ṣaḍbhiḥ śarvayugmacatuṣṭayam || 6-101 ||
bhavadvandvaṃ caturbhiḥ syād bhavodbhavacatuṣṭayam |
athāṣṭavarṇaṃ hi padaṃ sarvabhūtasukhapradam || 6-102 ||
saptākṣaraṃ sarvapūrvaṃ sānnidhyakara ityapi |
brahmaviṣṇurudrapa(daṃ ? ra) padamaṣṭākṣaraṃ bhavet || 6-103 ||
anarcitānarciteti tathāsaṃstutavīpsitam |
aṣṭavarṇe pade jñeye pūrvasthitacatuṣṭayam || 6-104 ||
sākṣidvandvaṃ caturbhiḥ syād vedārṇaṃ turuyugmakam |
pataṅgeti trivarṇaṃ syāt piṅgayugmaṃ catuṣṭayam || 6-105 ||
jñānadvayaṃ śabdayugaṃ sūkṣmayugmaṃ padatrayam |
pṛthag vedākṣarāṇyeva śivaśarvadvayaṃ dvayam || 6-106 ||
sarvadeti tribhirvarṇaiḥ pañcārṇairoṃnamo namaḥ |
śivāya tryakṣarapadaṃ vijñeyaṃ deśikottamaiḥ || 6-107 ||
tārapūrvaṃ natidvandvaṃ padaṃ pañcākṣaraṃ smṛtam |
ekāśītipadānyevaṃ vijñeyāni krameṇa hi || 6-108 ||
tārau sarvātmanejyotiḥsahitaṃ hṛdayaṃ smṛtam |
dvitīyaṃ padamuccārya saśivabrahmaśabdayuk || 6-109 ||
p. 70) svajātiyuktaṃ tu śiraḥ śikhāmantro'pi kathyate |
tṛtīyaṃ padamuccārya jvālinīti dvirabhyaset || 6-110 ||
jātiyuktā śikhoktātha caturthaṃ padamuddharet |
uktvā piṅgalaśabdaṃ tu varma syājjātiyojitam || 6-111 ||
pañcamaṃ padamuccārya śivāghorāstrake tathā |
jātiyuktaṃ tadastraṃ syādaṅgānīmāni pañca hi || 6-112 ||
vyomavyāpimanorasya candrajñānoktamārgataḥ |
ṣaḍaṅgānyapi dṛṣṭāni likhyante tānyanukramāt || 6-113 ||
oṃṃ vyomavyāpi śiva oṃ namaḥ sarvātmane parāya parameśvaraparāya yogāya yogasambhavāya karakara kurukuru satyasatya bhavodbhava vāmadevāya sarvakāryapraśamana sadāśiva prasanna namo'stu te svāhā hṛdayāya namaḥ |
oṃ śiva brahmaśirase svāhā |
oṃ śivahṛdayajvālini svāhā jvālinyai śikhāyai vaṣaṭ |
śivātmakaṃ mahādevaṃ sarvajñaṃ prabhumavyayam |
āvartaye mahāghoraṃ kavacaṃ piṅgalaṃ śubham || 6-114 ||
āyāhi piṅgala ! mahākavaca ! śivājñayā hṛdayaṃ bandhabandha jvalajvala ghūrṇaghūrṇa śaktivajradhara vajrapāśamanupraviśya sarvaduṭān stambhayastambhaya huṃ phaṭ |
piṅgalāya kavacāya hum |
oṃ juṃ saṃ jyotīrūpāya netratrayāya vauṣaṭ |
pūrvavadaghorāstramevāstram |
sarvakarmakarāḥ sarve sarve sarvārthasādhakāḥ |
sarvarūpadharāḥ sarve sarve cāmoghaśaktayaḥ ||
śivakāryodbhavāḥ sarve na mīmāṃsyāḥ kathañcana |
iti mataṅge |
ityāsmādasya mantrasya na pṛthagdevatāḥ smrṭāḥ |
śivo hi devatā cāsya ṛṣiḥ śaktirgāyatrisaṃjñitam (?) || 6-115 ||
chandaḥ smṛtamatho'nyat tu na mīmāṃsyaṃ kathañcana |
ṣaṣṭhādyaṃ bhūmibījasthaṃ pañcamasvarabinduyuk || 6-116 ||
p. 71) toyaṃ sargi jalaṃ vāyurdvādaśāntayutaṃ tathā |
ṣaṣṭhāntyaṃ vyāpineśabdo hutabhukpriyayānvitaḥ || 6-117 ||
tārādirdaśavarṇo'yaṃ vyomavyāpī śivātmakaḥ |
tāraṃ sva(raurdvi ? radvi)tīyaśca svarau vedartusammitau || 6-118 ||
vyomavyāpī caturthyantastārānto'yaṃ daśākṣaraḥ |
tāraṃ prāsādabījaṃ ca śivāyetyakṣaratrayam || 6-119 ||
namaskāraśca saptārṇo + + mantraḥ śivasya ca |
prāsādoktāṅgabījānte śikārādyakṣarāṇi tu || 6-120 ||
saṃyojya jātiyuktāni śivāṅgāni bhavanti hi |
śivaśabdaścaturthyanto natyādistu śarākṣaraḥ || 6-121 ||
uddhṛtaḥ śivamantro'yaṃ dharmakāmārthamokṣadaḥ |
tārādi syād dvijātīnāṃ + + + + + + + + || 6-122 ||
+ + + + + + + + + + + + ṣaḍakṣaraḥ |
nānena sadṛśo'nyo'sti mantraḥ sarvārthasādhakaḥ || 6-123 ||
satāraḥ śaktibījādirmantro'yaṃ hi ṣaḍakṣaraḥ |
śaivāṣṭākṣarasaṃjñaḥ syād bhogamokṣaphalapradaḥ || 6-124 ||
asyaivāṣṭākṣarasyānte cinmātraṃ yojayaed yadā |
mantro daśākṣaraḥ proktaḥ kalpavṛkṣa iveṣṭadaḥ || 6-125 ||
pañcānāmapi mantrāṇāṃ paṅktirgāyatrameva ca |
bṛhatī ca punaḥ paṅktiśchandāṃsyuktānyanukramāt || 6-126 ||
vāmadevo dadhīcaśca śilādaśca mahāmuniḥ |
sanatkurāraścetyu(ktvā ? ktā) munayo'mī yathākramam || 6-127 ||
śiva eva svayaṃ sākṣād daivataṃ pūrvamantrayoḥ |
śiṣṭānāṃ tu trayāṇāṃ syāt saśaktirdevatā śivaḥ || 6-128 ||
eteṣāṃ tu pṛthakkalpā likhitāḥ pūrvapaddhatau |
mantrapāde tu mantrāṇāṃ yasmin paṭala uddhṛtāḥ || 6-129 ||
sarve'pyamitasāmarthyāḥ sarve sarvārthasiddhidāḥ || 6-130 ||
p. 72) itīha mantrāḥ kathitāṃ yathāvad (yā ? ya)thāpradhānāḥ śivatantrasiddhāḥ |
kriyāḥ prasidhyanti ca yairaśeṣāḥ śivatvapūrvābhyudayāśca mokṣaḥ || 6-131 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde mantroddhārapaṭalaḥ ṣaṣṭhaḥ || 6 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 7: Die rituellen Handgesten
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 7: Die rituellen Handgesten
Dieses Kapitel beschreibt Mudras für die Verehrung der Sonne und Shivas. Die Hände begleiten Anrufung, Begrüßung, Schutz und Abschluss des Rituals. Manche räumlichen Beschreibungen bleiben ohne die zugehörige lebendige Unterweisung schwer eindeutig nachzuvollziehen.
Kapiteleröffnung. Nun das siebte Kapitel.
Kriyapada 7-1. Ich werde die in den shivaitischen Tantras bekannten Mudras erklären, durch welche die Vollendung der Verehrungshandlungen gelehrt wird: zuerst sechs besondere Gesten der Sonne, dann die zehn hauptsächlichen Shambhus; auch die weiteren sind zu kennen.
Kriyapada 7-2. Beide Hände bilden, einander zugewandt, einen Lotus; in der Mitte liegen die Daumen wie sein Samengehäuse. Dies heißt die Lotus-Geste. Dieselbe Geste mit verbundener Mitte und freigegebenen Daumen heißt die Scheiben-Geste.
Kriyapada 7-3. Bleiben die Hände wie zuvor verbunden und werden die Daumen zu den Fingerspitzen hin angehoben, entsteht die Nishthura-Geste, „die Strenge“. Man balle die rechte Faust und lasse Zeige- und Mittelfinger frei hervortreten: Dies heißt die Stier-Geste.
Kriyapada 7-4. Man verschränke die entsprechenden Finger beider Hände miteinander. Die Spitzen der Mittelfinger verbinden sich mit den beiden Zeigefingerspitzen; über Kreuz werden ferner die Spitzen der Ring- und kleinen Finger miteinander verbunden. Dies ist die Kuh-Geste. [Hinweis: Die genaue räumliche Zuordnung bleibt im knappen Quellwortlaut schwer bestimmbar; keine abweichende moderne Gestenform wird eingesetzt.]
Kriyapada 7-5. Man balle die rechte Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger zur Faust. Schlägt man mit diesem Zeigefinger auf die linke Handfläche, entsteht Trasani, „die Erschreckende“.
Unnummerierter Abschluss nach 7-5. Damit sind die sechs Mudras der Sonne erklärt.
Kriyapada 7-6. Mit ausgestreckten, nach unten gerichteten Händen berühre man den Körper, von den Füßen bis zum Scheitel. Dies wird die große Mudra genannt.
Kriyapada 7-7. Bei nach oben gerichteten Händen im Anjali-Gruß beuge man beide Daumenspitzen einzeln ein und berühre damit die Wurzeln der Ringfinger. Dies ist die Anrufungs-Geste.
Unnummerierte Ergänzung nach 7-7. Dieselbe Anrufungs-Geste, nach unten gewendet, heißt die Aufstellungs-Geste.
Kriyapada 7-8. Sind die Hände zu verbundenen Fäusten geschlossen und beide Daumen aufrecht mit emporgerichteten Spitzen, heißt dies die Gegenwarts-Geste. Werden bei derselben Geste die Daumen innen eingeschlossen, heißt sie Nishthura.
Kriyapada 7-9. Man forme den Anjali-Gruß wie eine geschlossene Lotusknospe und lege den rechten Daumen über den linken. Diese Begrüßungs-Geste wird beim ehrerbietigen Gruß verwendet.
Kriyapada 7-10. Werden beide Hände zu Fäusten geschlossen, wobei die einander zugewandten Daumen verbunden sind, entsteht die shivaitische Kalakarni-Geste. … Weitere … werden überliefert. [Quellenhinweis: Der Schluss des Verses ist durch Sternchen unterbrochen und nicht sicher zu übersetzen.]
Kriyapada 7-11. Man lege den linken Daumen nach unten in die rechte Faust. Der rechte Daumen ragt aus der Mitte der linken Faust hervor: Dies ist die weitere, umschlungene Linga-Geste. [Hinweis: Die komprimierte Handanordnung bleibt örtlich unsicher.]
Unnummerierte Ergänzung nach 7-11. Die Kuh-Geste ist dieselbe wie zuvor beschrieben.
Kriyapada 7-12. Beide Daumen ruhen auf den querliegenden Spitzen der kleinen Finger. Die Zeigefinger halten die Mittelfinger zurück, während beide Ringfinger erhoben sind.
Unnummerierte Fortsetzung nach 7-12. Verbindet man deren Spitzen, entsteht die fünfgesichtige Mudra.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Damit endet die Behandlung der zehn Mudras.
Kriyapada 7-13. Nun beuge man die Spitze des kleinen Fingers ein und drücke sie mit der Mitte des Daumens nieder.
Kriyapada 7-14. Die übrigen Finger bleiben gerade ausgestreckt: Dies heißt die Shakti-Geste. Dieselbe Shakti-Geste, bei der die drei Finger gespreizt aufwärts stehen,
Kriyapada 7-15. heißt Dreizack-Geste, wenn sie die Form dreier Spitzen besitzt. Man forme mit beiden Händen den Anjali-Gruß, beuge beide Ringfinger ein
Kriyapada 7-16. und strecke die übrigen Finger aus: Dies wird die Opfergaben-Geste genannt. Man strecke die rechte Hand aus und beuge sämtliche Finger, beginnend beim kleinen,
Kriyapada 7-17. rasch nacheinander ein: Diese Geste heißt „die Zurücknehmende“. Man lege die Handrücken aneinander und verschränke die Finger gegenseitig,
Unnummerierte Fortsetzung nach 7-17. halte sie verbunden, wende die Hände um und verneige sich: Dies ist die Bitte um Vergebung.
Unnummerierter Abschnittsabschluss. Damit sind die fünf weiteren Mudras erklärt.
Kriyapada 7-18. So wurden vor allem die Mantras und Mudras gelehrt, durch welche die Vollendung der Ritualhandlungen angegeben wird. Durch ihre Kenntnis, ihr Bewahren, ihre Wiederholung und praktische Ausführung sollen die erwünschten Ziele erreicht werden.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das siebte Kapitel: „Die Mudras“.
Zur Besinnung. Anrufung, Begrüßung und die Bitte um Vergebung geben dem Ritual eine menschlich verständliche Sprache. Auch jenseits seiner besonderen Handgesten erinnert dieses Kapitel daran, dass innere Aufmerksamkeit im Körper Ausdruck finden kann.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 7: Die rituellen Handgesten
Dieses Kapitel beschreibt Mudras für die Verehrung der Sonne und Shivas. Die Hände begleiten Anrufung, Begrüßung, Schutz und Abschluss des Rituals. Manche räumlichen Beschreibungen bleiben ohne die zugehörige lebendige Unterweisung schwer eindeutig nachzuvollziehen.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha saptamaḥ paṭalaḥ |
vakṣye mudrāḥ śaivatantraprasiddhā yābhiḥ pūjākarmasiddhiḥ pradiṣṭā |
sūryasyādau ṣaḍ viśeṣeṇa paścācchambhormukhyāḥ syurdaśānyāśca vedyāḥ || 7-1 ||
padmākārāvābhimukhyena pāṇī madhye'ṅguṣṭhau śāyitau karṇikāvat |
padmākhyeyaṃ saiva saṃlagnamadhyā sṛṣṭāṅguṣṭhā bimbasaṃjñā tu mudrā || 7-2 ||
prāgvat pāṇyorlagnayoraṅgulīnāmagre'ṅguṣṭhoccālanānniṣṭhurā syāt |
baddhvā muṣṭiṃ dakṣiṇāmāsphurantyau muktvā tarjāmadhyame govṛṣākhyā || 7-3 ||
anyonyagrathitasamāṅgulīkapāṇyostarjāgradvayasamavetamadhyamāgre |
vyatyaste'pyatha tadanāmikākaniṣṭhāyuktāgre bhavati hi dhenusaṃjñamudrā || 7-4 ||
baddhvāṃ dakṣiṇahastena muṣṭimutsṛṣṭatarjanīm |
tattarjanyā vāmatalatāḍanāt trāsanī bhavet || 7-5 ||
iti mudrāṣaṭkaṃ sūryasya |
prasāritādhomukhābhyāṃ hastābhyāṃ saṃspṛśet tanum |
pādāvārabhya mūrdhāntaṃ mahāmudreyamīritā || 7-6 ||
uttānapāṇyorvihitāñjalau tajjyeṣṭhāgrayugmena pṛthaṅnikuñcya |
spṛṣṭvā tathānāmikayostu mūlaṃ mudreyamāvāhanasaṃjñitā syāt || 7-7 ||
iyamāvahanyevādhomukhī sthāpanī |
saṃlagnamuṣṭyoḥ karayoḥ sthitordhvajyeṣṭhāyugaṃ yatra samunnatāgram |
sā sānnidhāpanyatha saiva garbhāṅguṣṭhā bhaveccediha niṣṭhurākhyā || 7-8 ||
baddhvāñjaliṃ paṅkajakośakalpaṃ yaddakṣiṇajyeṣṭhikayā tu vāmām |
jyeṣṭhāṃ samākramya tu vandanīyaṃ mudrā namaskāravidhau prayojyā || 7-9 ||
p. 73) baddhamuṣṭyostu saṃlagnasammukhāṅguṣṭhahastayoḥ |
kālakarṇī bhavecchaivī mu * * trāparāḥ smṛtāḥ || 7-10 ||
adhomukhaṃ dakṣiṇahastamuṣṭau jyeṣṭhā tu vāmā nihitātha muṣṭeḥ |
vāmasya madhyāt prasṛtāpasavyajyeṣṭhāyaparā veṣṭitaliṅgamudrā || 7-11 ||
pūrvoditaiva dhenumudrā |
tiraścīne kaniṣṭhāgre tvaṅgu(ṣṭhe ? ṣṭhā)bhyāṃ samāsthite |
deśinī madhyame rundhyādanāme dve samunnate || 7-12 ||
saṃyuktāgre ca te kṛtvā mudrā pañcamukhī bhavet |
daśamudrādhikāraḥ |
ākuñcyātha kaniṣṭhāgramākramyāṅguṣṭhamadhyataḥ || 7-13 ||
ṛjvāyatāstu śeṣāḥ syuraṅgulyaḥ śaktisaṃjñitā |
iyameva hi śaktyākhyā viralordhvāṅgulitrayā || 7-14 ||
yadi syāt triśikhākārā śūlamudreti kathyate |
baddhvāñjaliṃ tu hastābhyāṃ nigṛhyānāmikādvayam || 7-15 ||
śeṣāṅgulīḥ prasāryeyaṃ dravyamudrā prakīrtitā |
prasārya dakṣiṇaṃ hastaṃ kaniṣṭhādyakhilāṅgulīḥ || 7-16 ||
kramādākuñcayecchīghraṃ mudrā saṃhāriṇī matā |
mithaḥ pṛṣṭhārpitau hastāvanyonyagrathitāṅgulī || 7-17 ||
kṛtvā baddhvā parāvartya natvā sā syāt kṣamāpanī |
iti pañcamudrāḥ |
itthaṃ mantrā mukhyaśaścāpi (ru ? mu)drāḥ proktā yebhyaḥ karmasiddhiḥ pradiṣṭā |
jñānād yeṣāṃ dhāraṇāccāpi jāpādiṣṭān kāmān sādhanāccāpnuvanti || 7-18 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde mudrāpaṭalaḥ saptamaḥ || 7 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 8: Feuergruben und Mandalas
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 8: Feuergruben und Mandalas
Aus Schnüren, Kreisbögen, Farben und genau bestimmten Feldern entstehen die rituellen Räume dieses Kapitels. Es behandelt Feuergruben, Lotusbilder und verschiedene Mandalas. „Fisch“ bezeichnet dabei gewöhnlich die linsenförmige Schnittfigur zweier Kreisbögen. Die historische Konstruktionssprache wird übersetzt; unklare Maßangaben bleiben als solche sichtbar.
Kapiteleröffnung. Nun das achte Kapitel.
Kriyapada 8-1. Wo die Handlung vollzogen wird – im Tempel, in einer Halle oder in einem Haus –, soll der Platz gereinigt und mit Kuhdung bestrichen sein.
Kriyapada 8-2. In seiner Mitte spanne man eine Schnur in westöstlicher Richtung und schlage damit eine Linie. Man markiere deren Mittelpunkt und trage nach Westen und Osten mit der Schnur gleiche Abstände ab.
Kriyapada 8-3. Auch diese beiden Schnurabschnitte halbiere und markiere man. Mit einer Schnur, deren Länge vom Mittelpunkt bis zu den östlichen und westlichen Zwischenmarken reicht, zeichne man von den entsprechenden Punkten aus im Süden und Norden zwei Fischfiguren.
Kriyapada 8-4. Durch diese beiden lege man eine von Süden nach Norden verlaufende Schnur.
Kriyapada 8-5. So stelle man die Brahma-Linie und die Nordlinie her. Mit der halben Feldlänge markiere man vom Mittelpunkt aus in den vier Richtungen die gewünschten Punkte; aus jeweils zwei Punkten auf den beiden Schnüren entstehen die Fischfiguren der Ecken.
Kriyapada 8-6. Legt man durch diese Fischfiguren ringsum in den Richtungen Schnurlinien,
Kriyapada 8-7. entsteht ein gleichmäßiges, schönes Quadrat mit vier Teilfeldern, die Grundlage für die Anlage aller Mandalas, Feuergruben und anderer Bauformen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Herstellung des Quadrats.
Kriyapada 8-8. Als erste vorzügliche Feuergrube gilt die quadratische; danach die Form eines Ashvattha-Blattes, eines Halbmonds, eines Dreiecks, eines Kreises, eines Sechsecks, eines Lotus und eines Achtecks.
Kriyapada 8-9. Für fünfzig Feueropfer soll sie ein Ratni messen, für hundert ein Aratni; für tausend eine Elle, für zehntausend zwei Ellen.
Kriyapada 8-10. Für hunderttausend Opfergaben misst sie vier Ellen, für eine Million sechs, für zehn Millionen acht Ellen – so die Bhojendra-Paddhati. [Hinweis: Die historischen Maße Ratni und Aratni werden nicht ohne ausreichenden Quellenbeleg in moderne Längen umgerechnet.]
Kriyapada 8-11. Bei allen Feuergruben entsprechen Länge und Breite dem angegebenen Maß. Die Tiefe der Aushebung soll ihrer Breite gleichen. Darüber werden nacheinander drei umlaufende Stufenränder angelegt.
Kriyapada 8-12. Die Aushebung sei überall gleichmäßig. Über ihr lasse man nach allen vier Richtungen einen Finger breit frei und lege danach die drei Ränder an.
Kriyapada 8-13. Bei der Ratni-Grube misst der erste Rand zwei Finger, der zweite einen und der dritte einen halben Finger. Bei der Aratni-Grube sind drei, zwei und ein Finger vorgesehen.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja nach 8-13. „Bei einer Grube vom Maß einer geschlossenen Handelle misst der erste Rand zwei Finger, der zweite einen Finger und der dritte einen halben. Beim Aratni-Maß betragen sie drei, zwei und einen Finger.“ [Die Quellfassung enthält im letzten Maßwort eine Lesungsalternative.]
Kriyapada 8-14. Bei der Grube von einer Elle messen die Ränder der Reihe nach vier, drei und zwei Finger; bei zwei Ellen sechs, vier und drei Finger.
Kriyapada 8-15. Bei vier Ellen sind es acht, sechs und vier Finger, bei sechs Ellen zehn, acht und sechs; bei acht Ellen sechzehn, zwölf und acht Finger.
Kriyapada 8-16. Bei allen Gruben sind die Ränder jeweils gleich breit und hoch. Sie verlaufen ringsum in ihrem gleichbleibenden Maß, ohne Vertiefungen oder Erhöhungen.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja nach 8-16. „An sämtlichen Feuergruben sind nacheinander drei Ränder anzulegen, jeweils der betreffenden Grube entsprechend.“
Kriyapada 8-17. Im Westen oder auch im Süden der Grube lege man die Yoni an, die rituelle Ausflussform: mittig zu den Rändern und über ihnen allen liegend.
Kriyapada 8-18. Bei der Ratni-Grube ist die Yoni zwölf Finger lang; von der Wurzel zur Spitze misst sie der Reihe nach acht, vier und zwei Finger. Sie ist einen Finger hoch und besitzt eine deutlich hervortretende Spitze. [Hinweis: Die Wendung für den Übergang zur Spitze ist im Quellwortlaut nicht völlig eindeutig.]
Kriyapada 8-19. Bei den Gruben ab Aratni wird die Yoni angelegt, indem Länge und Breite von Stufe zu Stufe jeweils um zwei Finger zunehmen.
Unnummeriertes Zitat aus der Bhojarajendra-Paddhati nach 8-19. „So verhält es sich bei der ersten Grube. Bei den übrigen soll die Yoni jeweils um zwei Finger größer angelegt werden.“
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari. Bei einer Feuergrube von einer Elle: „Sie soll eine Spanne lang sein, im Westen liegen, einem Ashvattha-Blatt gleichen und allmählich abfallen. Die Nabelstelle misst der Reihe nach zehn und sechs Finger; ihre gerundete Spitze ist vier Finger breit.“ [Quellenhinweis: Die Zuordnung der letzten Maße ist im verkürzten Zitat unklar; sie wird nicht zu einem Bauplan ergänzt.]
Kriyapada 8-20. Für tägliche und befriedende Riten verwende man eine quadratische oder runde Grube. Andere nennen Quadrat und Kreis für alle erwünschten Ziele geeignet.
Kriyapada 8-21. Außerhalb der Grenzen markiere man vorn und im Westen ein Viertel. Mit einer diesem Maß entsprechenden, innen befestigten Schnur ziehe man von beiden Ecken Bögen; von der Mitte bis zum Ende der anderen Diagonale und weiter von den Ecken zu den zuvor markierten Punkten schlage man Schnurlinien. So entsteht die einer Yoni ähnliche Feuergrube in Ashvattha-Blattform. [Örtliche Ausnahme: Die räumlichen Bezüge des langen Konstruktionssatzes bleiben teilweise unklar; seine Angaben werden sinngemäß, ohne geometrische Rekonstruktion, wiedergegeben.]
Kriyapada 8-22. Man teile das Quadrat in vier Teile und entferne den äußersten Teil im Norden. Mit diesem Teilmaß setze man außerhalb im Osten und Westen zwei Marken.
Kriyapada 8-23. Ebenso im Süden: Durch das Schwenken der in der Mitte befestigten Schnur zwischen den beiden Punkten entsteht eine schöne halbmondförmige Grube. [Quellenhinweis zu 8-22: Das Verb beim nördlichen Teil ist bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehen.]
Kriyapada 8-24. Beim in vier Teile gegliederten Quadrat trage man vorn außerhalb, vom Westen aus, eine Seitenlänge ab. An den mittleren und westlichen Marken befestige man die Schnur und schwenke sie nach beiden Seiten; so entstehen zwei Fischfiguren. Durch diese und die vordere Marke lege man drei Schnurlinien: Daraus wird die nach Südwesten gerichtete dreieckige Grube. [Hinweis: Die Orientierung der ersten Maßangabe bleibt örtlich unsicher.]
Kriyapada 8-25. Oder man nehme ein Sechstel, das zuvor abgetragen wurde, und lege zwei Schnüre zu den südwestlichen und nordwestlichen Endpunkten; so entsteht ebenfalls ein Dreieck.
Kriyapada 8-26. Man befestige die Schnur im Mittelpunkt, lege sie an die Marke der östlichen Seite und führe sie im Kreis: So entsteht die schöne runde Feuergrube.
Unnummerierter Kommentar nach 8-26. Wegen der Bedeutung des Wortes „Seite“ und weil „östlich“ genannt wird, ist gemeint: Man lege außerhalb der östlichen Seite die betreffenden Fingermaße an. [Quellenhinweis: Der Kommentar enthält selbst eine fragliche, unvollständige Maßangabe.]
Kriyapada 8-27. Außerhalb des Quadrats trage man im Osten und Westen je ein Sechstel ab. Man befestige die Schnur in der Mitte und schwenke sie gleichmäßig um beide äußeren Punkte: Es entstehen vier Fischfiguren. Durch die dortigen Marken lege man die nördliche und südliche Schnurlinie; so entsteht eine sechseckige Feuergrube. [Örtliche Ausnahme: Die verkürzte geometrische Anleitung ist sinngemäß übertragen; die vollständige Lage sämtlicher Schnittpunkte bleibt ungesichert.]
Kriyapada 8-28. Bei einer runden Grube lege man außen auf ihrem Rand acht Lotusblätter an, jeweils so lang wie die halbe Grube. Dies heißt die Lotusform.
Kriyapada 8-29. Durch Schwenken um ein Zwölftel und ein Sechstel, innen und außen rings in den Richtungen, entstehen aus den beiden Kreisbögen je zwei Fischfiguren. Durch richtig gelegte Schnurlinien entsteht daraus ein schönes Achteck. Oder man gewinne es aus den Ecken der halben Richtungslinien und acht Fischfiguren, die aus den verbleibenden halben westlichen und östlichen Fünfteln hervorgehen. [Örtliche Ausnahme: Besonders die zweite Konstruktionsvariante ist in der gelieferten Wortfolge nicht sicher auflösbar. Die erhaltenen Maß- und Formangaben sind sinngemäß wiedergegeben.]
Kriyapada 8-30. Man teile das Quadrat in neun Teile, trage einen Teil innen und außen ab und setze Teilmarken in den Hauptrichtungen und Ecken. Durch die entsprechenden Schnurlinien entstehen zwei gleich große Quadrate; über Kreuz ergibt sich daraus ebenfalls eine regelmäßige, schöne achteckige Grube, nach Nordosten ausgerichtet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der Feuergruben.
Kriyapada 8-31. Man stelle ein Quadrat her und teile es sechzehnfach: Daraus entstehen zweihundertsechsundfünfzig Felder.
Kriyapada 8-32. In die mittleren sechs mal sechs Felder zeichne man einen Lotus, außen darum mit einer Reihe den Sitz und um diesen mit zwei Reihen den Umgang. In den beiden äußeren Reihen lege man in den Haupt- und Zwischenrichtungen Tore, Hälse und Nebenhälse, Wangen und Nebenwangen an; in Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten die Eckfelder.
Unnummerierter Namenskommentar nach 8-32. Einige nennen die betreffenden Formen „Wangen und Nebenwangen“ oder „Schmuck und Nebenschmuck“. [Hinweis: Die Quelle stellt „Hälse und Nebenhälse“ und „Wangen und Nebenwangen“ ausdrücklich als unsichere Lesungsalternativen gegenüber.]
Kriyapada 8-33. Man lasse im Lotusfeld die Richtungslinien stehen und lösche die anderen. Außen lasse man ein Zwölftel frei und schwenke die verbleibende Schnurlänge im Kreis.
Kriyapada 8-34. Man teile die Kreisfläche mittels der Schnur gleichmäßig in vier Abschnitte: Sie reichen bis zum Samengehäuse, zu den Staubfäden, den Blattansätzen und dem Ende der Lotusblätter.
Kriyapada 8-35. Das zuvor freigelassene Zwölftel ziehe man außen als Kreis. So entsteht ein fünfter, „Raum“ genannter Bereich für die Blattspitzen.
Kriyapada 8-36. Man spanne beide Diagonalen und schlage vier Schnurlinien zwischen den Haupt- und Zwischenrichtungen; so erhält man sechzehn Schnurstrahlen.
Kriyapada 8-37. Zur Herstellung der Blattränder befestige man die Schnur in der Mitte des Blattansatzes, mit der Länge bis zum Blattende. Aus den beiden Zwischenräumen heraus schwenke man Halbmondbögen: So entsteht das Blatt.
Kriyapada 8-38. Halbiert man die Zwischenräume der sechzehn Lotuslinien mit weiteren Schnüren, ergeben sich zweiunddreißig gleichmäßige Teilstrahlen am Kreis der Blattspitzen.
Kriyapada 8-39. Man setze die Schnur an die Enden der beiden Linien beiderseits einer Blattspitzenlinie und führe sie zeichnend von Spitze und Wurzel zum Ende dieser Linie. So entsteht eine schöne Blattspitze. [Hinweis: Die räumliche Beziehung von „Spitze“ und „Wurzel“ ist in der knappen Anweisung unklar.]
Kriyapada 8-40. Reismehl gilt als weißes Farbpulver; Kurkuma, mit wenig Weiß vermischt, als kräftiges Gelb. Rot liefern Färberdistel, Zinnober und Jati; dunkles Pulver entsteht aus verbrannter Gerste und ähnlichen Stoffen. [Hinweis: Die genaue Bedeutung von „Jati“ als Farbmittel bleibt hier offen.]
Kriyapada 8-41. Dunkelgrün wird aus rituell geeigneten Blättern wie Shami, Lotus und Bilva gewonnen. Mit Körnern und anderen Stoffen der jeweiligen Farbe fülle man die Mandalas aus.
Kriyapada 8-42. Für gelbes Pulver werden Manahshila und Rochana empfohlen. Die fünf Gestalten, beginnend mit Brahma, sind den fünf Farben
Kriyapada 8-43. als Gottheiten zugeordnet, ebenso die mit Nivritti beginnenden Kalas und die Zeiten Krita, Treta, Dvapara und Kali.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-43. Ihre Farben sind Weiß, Rot, Dunkelgrün, Gelb und Schwarz. [Quellenhinweis: Die Aufzählung der Weltalter nennt vier, die Farbfolge fünf Positionen; der Text wird nicht ergänzt. Die historischen Pigmentangaben sind keine Empfehlung zur heutigen Verwendung der genannten Mineralstoffe.]
Kriyapada 8-44. Weiß, Rot und Schwarz denke man der Reihe nach durchdrungen von den drei Wirklichkeitsprinzipien, den drei Veden, Feuern, Welten, Kräften, Tagesübergängen, Eigenschaften und Gestirnscheiben; so verwende man sie.
Kriyapada 8-45. Um Lebensgenuss zu erlangen, erfolgt das Streuen gegen den Uhrzeigersinn, um Gedeihen zu erlangen, im Uhrzeigersinn.
Kriyapada 8-46. So setze der Kundige das Farbpulver in den Mandalas ein. Für Gedeihen streue er aus der Faust; wenn Befreiung erwünscht ist,
Kriyapada 8-47. mit Mittel-, Daumen- und Zeigefinger, bei befriedenden Riten mit allen Fingern. Wer die Mittel hat und höchste Vollendung wünscht, gestalte die Mandalas aus Edelsteinen der entsprechenden Farben: Perlen, Topasen, Rubinen, blauen und grünen Edelsteinen.
Unnummerierter Hinweis aus Bhojaraja nach 8-47. „Wer Vollendung wünscht, soll bei solchen Farbstoffen entsprechend Perlen, Korallen und weitere kostbare Stoffe verwenden“, sagt Bhojaraja.
Kriyapada 8-48. Alle Linien sollen überall weiß und vom Maß des Mittelfingers sein.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-48. Beim Zwei-Ellen-Mandala können sie daumenbreit, beim Ein-Ellen-Mandala ringfingerbreit sein.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja. „Die ersten Linien haben ein Fingermaß; die anderen sind um ein Gerstenkorn schmaler und um ein Gerstenkorn voneinander entfernt. Für den, der Befreiung wünscht, sind sie alle entsprechend anzulegen; für den, der Lebensgenuss wünscht, gleichmäßig.“ [Hinweis: Der Gegensatz im letzten Satz bleibt im gelieferten Wortlaut verkürzt.]
Kriyapada 8-49. Das Samengehäuse soll gelb sein; sämtliche Linien weiß und gleichmäßig.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-49. Beim Zwei-Ellen-Mandala sollen sie daumenbreit sein, beim Ein-Ellen-Mandala vom Maß des Mittelfingers. So lehren andere.
Kriyapada 8-50. In der Mitte liege das kräftig gelbe Samengehäuse mit neun schwarzen Samen. Zwischen den Blättern zeichne man jeweils zwei Staubfäden mit leicht gebogenen Spitzen.
Kriyapada 8-51. An der Wurzel seien sie dünn und gelblich, in der Mitte kräftig und rötlich,
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-51. am Ende deutlich schmal und gelb, ganz an der Spitze ein wenig weiß.
Unnummeriertes Zitat aus Bhojaraja. „Das Geflecht der Staubfäden ist an Wurzel, Mitte und Spitze weiß, rot und gelb.“ [Die von der vorherigen Anweisung abweichende Farbfolge bleibt erhalten.]
Kriyapada 8-52. Die acht Blätter gestalte man weiß, gleichmäßig, mit schönen aufgerichteten Spitzen: für Lebensgenuss; für Befreiung wie zum Anjali-Gruß zusammengefügt, bei Verehrungen Kamas und anderer mit scharfen Spitzen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 8-52. „Auch vier Blattspitzen soll man rot färben.“
Kriyapada 8-53. Für Gauri, Sarasvati und andere Gottheiten forme man die Blätter wie Ashvattha-Blätter;
Kriyapada 8-54. für die Herren der Vidyas und die Planeten gestalte man ihre Spitzen wie Kuhohren. Den Sitz versehe man mit weißen, roten, gelben und schwarzen Füßen, mit schönen blauen Pflöcken und vier verschiedenfarbigen Körperteilen; oder man wähle die Farben nach Wunsch.
Unnummeriertes Zitat aus dem Tattvasagara nach 8-54. „Am Sitz sind in den Hauptrichtungen jeweils zwei Felder zu löschen, in jeder Ecke jeweils drei.“
Kriyapada 8-55. Den Umgang schmücke man mit Ranken, Laubdächern und Blättern. Außerhalb fülle man in den vier Richtungen die Tore mit Weiß aus.
Kriyapada 8-56. Für jedes Tor liegen beiderseits der Richtungslinie zwei Felder in der inneren Reihe; in der äußeren Reihe kommen beiderseits je zwei hinzu. Diese sechs Felder lösche man in jeder Richtung zusammen.
Kriyapada 8-57. Innerhalb der Tore, an ihren beiden Seiten, sind jeweils drei Felder;
Kriyapada 8-58. um Hals und Nebenhals herzustellen, lösche man außen jeweils eines hinzu. So entstehen acht Hälse und Nebenhälse mit jeweils vier Feldern. Seitlich daneben entstehen entsprechend, in umgekehrter Richtung, Wangen und Nebenwangen.
Kriyapada 8-59. Danach bleiben in den Ecken jeweils sechs Felder übrig.
Kriyapada 8-60. Diese gebe man zur Ausgestaltung der Ecken frei oder zeichne Stiere hinein. Hälse und Nebenhälse färbe man rot, Wangen und Nebenwangen
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-60. – die acht Formen – gelb und deckend, sodass der Boden nicht durchscheint.
Kriyapada 8-61. Außen zeichne man ringsum die zuvor genannten Gunas Sattva, Rajas und Tamas: mit weißen, roten und schwarzen Farbpulvern, jeweils daumenbreit und durch einen Zwischenraum von einem Gerstenkorn getrennt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Bhadraka-Mandalas.
Kriyapada 8-62. In einem achtfach geteilten Quadrat mit vierundsechzig Feldern
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-62. zeichne man in die mittleren vier Felder den Lotus samt Sitz.
Kriyapada 8-63. Die äußere Reihe bildet den Umgang. In den beiden Reihen außerhalb davon fasse man in den vier Richtungen jeweils vier Felder zusammen und bilde gleichmäßige weiße Tore.
Kriyapada 8-64. Beiderseits der Tore liegt in der äußeren Reihe jeweils ein Feld.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-64. Man verbinde es mit dem Tor und lösche die Trennlinie; daraus entstehen Hals und Nebenhals. In jeder Ecke lasse man ein Feld stehen; aus den übrigen, jeweils fünf Feldern
Kriyapada 8-65. entstehen durch Zusammenfassung vier Wangen und ebenso viele Nebenwangen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 8-65. „Von diesen ist das von Osten nach Westen verlaufende Feld die Wange; das von Süden nach Norden verlaufende ist die Nebenwange.“
Kriyapada 8-66. Nach dem bereits gelehrten Verfahren fülle man Samengehäuse und die übrigen Teile sowie den Umgang mit den genannten Farben aus. Die Tore sind weiß, die Wangen rot oder auch gelb.
Unnummeriertes Zitat aus dem Ajita nach 8-66. „Wangen und Nebenwangen färbe man von der südöstlichen Ecke an der Reihe nach rot, gelb, dunkelgrün und weiß.“
Kriyapada 8-67. Die Eckfelder, beginnend im Südosten, fülle man mit Gelb, Dunkelgrün, Schwarz und Rot.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-67. Andere lehren, sie alle schwarz zu färben.
Kriyapada 8-68. Außen stelle man wie zuvor die drei Gunas in Weiß, Rot und Schwarz dar. Dies ist das Sarvatobhadra-Mandala, „von allen Seiten glückverheißend“; durch Zusammenfassen der sechs Eckfelder entsteht das Bhadra.
[Nummerierungshinweis: Auf 8-68 folgt in der gelieferten Quelle 8-73. Verse 8-69–72 sind dort nicht enthalten und werden nicht ergänzt.]
Kriyapada 8-73. In allen Mandalas sollen die Lotusblätter und Tore weiß sein; der Umgang ist mit Ranken und weiteren Formen versehen, sofern nichts Besonderes angegeben wird.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Sarvatobhadra.
Kriyapada 8-74. In einem zweiunddreißigfach geteilten Quadrat entstehen eintausendvierundzwanzig Felder. In die sechsunddreißig mittleren Felder zeichne man wie zuvor einen Lotus.
Kriyapada 8-75. Die äußere Reihe wird zum Sitz. In den sieben Reihen außerhalb zeichne man acht Lingas, jeweils beiderseits der Richtungslinien.
Kriyapada 8-76. Mit querliegenden Feldfolgen von sechs, vier, zwei, vier und sechs Feldern entsteht der schöne Sitz mit Hals, vom Brahma-Teil bis zur Wasserplatte.
Kriyapada 8-77. Oberhalb des Sitzes bilden vier Felder in den beiden mittleren Reihen das Linga; seine mittlere Schnurlinie wird so geschwenkt, dass sein Kopf gerundet ist.
Kriyapada 8-78. Für jene, die Lebensgenuss wünschen, zeichne man die Lingas nach innen gerichtet; für Befreiungssuchende umgekehrt, mit den Sitzen nach innen.
Kriyapada 8-79. Beiderseits von Hals und Sitz entstehen aus je vier Feldern zwei Bhadra-Formen. Zwischen den Lingas lege man in den Ecken mit je fünfundzwanzig Feldern Ranken an.
Kriyapada 8-80. Die Linien innerhalb dieser Felder werden in einem gewundenen, dem Lauf von Kuhurin ähnlichen Muster verbunden. Durch Löschen der übrigen Linien entstehen zu den Zwischenrichtungen verlaufende Ranken.
Kriyapada 8-81. Zwischen den Kanten der Ranken zeichne man auch Blätter, mit an der Ranke ansetzenden Wurzeln und gebogenen Spitzen.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-81. Außerhalb davon fasse man mit zwei Reihen wie zuvor den Umgang zusammen.
Kriyapada 8-82. Man schmücke den Umgang mit besonderen Wunschranken. In den drei äußeren Reihen lösche man für die Tore, von innen beginnend, vier, sechs und acht Felder zusammen.
Kriyapada 8-83. Schmuck- und Nebenschmuckformen entstehen durch Löschen von zwei, vier und sechs Feldern.
Unnummerierte Fortsetzung nach 8-83. In jeder Ecke fasse man gesondert einundzwanzig Felder zusammen.
Kriyapada 8-84. Lotus und sämtliche übrigen Teile schmücke man wie beim Bhadraka mit den fünf Farbpulvern. Die acht Lingas fülle man mit den für die fünf Gesichter genannten Farben oder nach eigenem Wunsch aus.
Kriyapada 8-85. Dies ist das Parvatikanta-Prasada-Mandala, das Mandala der erhabenen Gestalt von Parvatis Geliebtem, geschmückt mit acht Lingas, Ranken, Lotus, Umgang und Umfassungsmauer.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Parvatikanta-Prasada.
Kriyapada 8-86. Ein vier Ellen großes Quadrat, zwanzigfach geteilt, enthält vierhundert Felder. In der Mitte liegt der Lotus aus sechsunddreißig Feldern.
Kriyapada 8-87. Eine Reihe bildet den Sitz, eine weitere den Umgang; darauf folgen vier Reihen mit Toren, Lingas und rings angelegten Ranken. Die äußere Reihe bildet den äußeren Umgang.
Kriyapada 8-88. Lotus, Sitz und Umgang gestalte man ordnungsgemäß wie beim Bhadraka. In den Richtungen lege man Tore an, nach Reihen mit zwei und acht Feldern. [Quellenhinweis: Die komprimierte Zahlenverbindung ist nicht eindeutig; keine fehlende Zwischenzahl wird eingesetzt.]
Kriyapada 8-89. Zwischen den Umgängen bilden drei mit dem Tor verbundene Felder den Bodensitz, ein Feld den Halssitz, drei Felder die Wasserplatte und ein Feld das Linga.
Kriyapada 8-90. Oben und unten in den vier Sitzfeldern befestige man die Schnur an deren inneren Ecken; sie messe die Hälfte einer Feldseite.
Kriyapada 8-91. Man schwenke sie und entferne die vier äußeren abgeschnittenen Ecken. So entsteht ein schöner, mit zwölf Vorsprüngen geschmückter Sitz.
Kriyapada 8-92. Man fülle das gesamte Bild vom Lotus bis zum Umgang wie zuvor mit Farbpulvern aus. Dieses Shankara liebe Mandala ist unter dem Namen „Entstehung von Ranken und Lingas“ bekannt.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Lataliṅgodbhava-Mandalas.
Kriyapada 8-93. In einem sechzehnfach geteilten Quadrat lege man in den vier Richtungen vier Lingas an, mit der Feldanordnung des Parvatikanta-Mandalas.
Kriyapada 8-94. Aus den vier verbleibenden mittleren Feldern und ebenso vielen Feldern zwischen den Lingas entsteht von selbst ein vierblättriger Lotus, wenn die Köpfe der Lingas abgerundet werden.
Kriyapada 8-95. Acht Bhadra-Formen liegen an den Hälsen, die Ranken wie zuvor in den Ecken. So gezeichnet heißt das Mandala „die fünf Brahmas“.
Kriyapada 8-96. Das runde Samengehäuse im mittleren Lotus ist gelb, die feine Reihe der Staubfäden rot. Isha befindet sich in der Mitte; Purusha und die übrigen stehen mit ihren eigenen Farben in den Lingas der zugehörigen Himmelsrichtungen.
Kriyapada 8-97. Zeichnet man an den Stellen der Ranken Swastikas, löscht man der Reihe nach ein, drei und fünf Felder zusammen.
Kriyapada 8-98. Dies ist das Swastika-Lotus-Mandala. Oder man verwende ein zwölfgeteiltes Feld: In der Mitte entsteht der Lotus aus sechzehn Feldern, und entsprechend liegen Swastikas in den acht Richtungen.
Kriyapada 8-99. Swastikas und Lotus fülle man wie zuvor mit Farbpulvern. Das Swastika-Zeichen wird zum Wohlergehen gepriesen und als von allen Gottheiten begrüßt beschrieben. [Redaktioneller Hinweis: Gemeint ist hier das alte indische Glückszeichen in seinem religiösen Zusammenhang.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der beiden Swastika-Lotusformen.
Kriyapada 8-100. In einem achtzehnfach geteilten Feld lege man zuerst die Mitte des zentralen Swastikas fest. Ringsum lösche man jeweils fünf Felder in der Form einer Wegkreuzung zusammen.
Kriyapada 8-101. Die Linien sollen jeweils ein Feld lang, rechtwinklig gebogen und in Swastika-Form miteinander verbunden bleiben; die übrigen Linien werden gelöscht.
Kriyapada 8-102. Es entstehen siebenundfünfzig Swastikas zusammen mit zwölf Bhadra-Formen; dazwischen liegen zweiundfünfzig Sarvatobhadra-Wegkreuzungen.
Kriyapada 8-103. Die einzelnen übrig gebliebenen Eckfelder schmücke man weiß; Bhadra-Formen und Wegkreuzungen mit Blau, Gelb, Rot und Dunkelgrün.
Kriyapada 8-104. Dieses Mandala heißt Sarvatobhadra-Swastika. Einige nennen es Sarvaswastika, „überall Glückszeichen“; es ist Shiva und Shakti lieb.
Kriyapada 8-105. Oder man teile das Feld sechzehn-, vierzehn-, zwölf-, zehn-, acht- oder siebenfach. Durch das bereits erklärte Löschen entstehen Mandalas, die ringsum Swastikas und Bhadra-Formen enthalten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Swastika-Sarvatobhadra-Mandalas.
Kriyapada 8-106. In einem Quadrat von zwei Ellen zeichne man einen Radlotus ohne Sitz, mit einer einzigen Nabe. Seine Merkmale folgen der Einteilung in Fingermaße.
Kriyapada 8-107. Man befestige die Schnur im Mittelpunkt des Lotus und schwenke sie mit den Maßen eines halben Lotus, neun, drei, acht und vier Finger: So entstehen Lotus, Nabe, Speichen und Radkranz. [Quellenhinweis: Fünf Maßangaben stehen vier benannten Teilen gegenüber; ihre genaue Zuordnung bleibt offen.]
Kriyapada 8-108. Man zeichne den Lotus wie zuvor und fülle die Nabe gelb aus. Hat das Rad ebenso viele Speichen wie der Lotus Blätter, verlängere man die Blattlinien;
Kriyapada 8-109. darauf zeichne man die Speichen ordnungsgemäß. Soll die Zahl der Speichen doppelt so groß sein, verlängere man entsprechend die Linien der Blattspitzen und Blattzwischenräume: So entstehen die betreffenden Speichen.
Kriyapada 8-110. Man teile das Speichenfeld dreifach und markiere innen zwei Teile. Dort schlage man mithilfe von Fischfiguren die Schnurlinien und zeichne die Speichen.
Kriyapada 8-111. Sie können Blättern des blauen Lotus oder des Ashvattha gleichen, einer Zitronatzitrone, Lotusblättern oder Gerstenkörnern; oder sie sind in der Mitte schmal, wie Ameisen.
Kriyapada 8-112. Die Speichen sind abwechselnd rötlich und dunkelgrün. Am Ende gleichen sie dem Gelb von Gorochana; gelb sind auch die Speichenverbindungen.
Kriyapada 8-113. Man teile den Radkranz dreifach und fülle ihn in der Mitte weiß, außen schwarz und innen gelb aus. Die mit schönen Swastika-Zeichen versehenen Ecken färbe man schwarz.
Kriyapada 8-114. Von der Stelle zwischen den Speichenverbindungen aus ziehe man den Bogen außerhalb des Radkranzes; von der Mitte einer Speichenverbindung aus schwenke man zur Speichenwurzel.
Kriyapada 8-115. Von der Speichenmitte aus ziehe man den Bogen des mittleren Speichenteils. So entstehen nach und nach Speichen in der Form einer Zitronatzitrone.
Kriyapada 8-116. Man lege die Schnur an die Speichenspitze und ziehe sie von der Wurzel der Speichenverbindung sowie von den beiden Speichenseiten aus gesondert als Linie: So entstehen Speichen wie ausgebreitete Blätter des blauen Lotus.
Kriyapada 8-117. Von der Speichenmitte aus lasse man vor der Spitze etwas frei, wie bei einem Lotusblatt. Durch Bögen von der Speichenverbindung und von der Spitze entstehen lotusblattförmige Speichen. [Hinweis: Die genaue Abfolge der Bezugspunkte bleibt in der verkürzten Anleitung örtlich unsicher.]
Kriyapada 8-118. Gerstenkornförmige Speichen sollen an Spitze und Wurzel schmal, in der Mitte breit sein; sie greifen um ein Drittel in die Speichenverbindung hinein und erhalten der Reihe nach scharfe Spitzen.
Kriyapada 8-119. Man teile das Speichenfeld dreifach. Von der Mitte zwischen erstem und zweitem Teil aus ziehe man einen Bogen; im dritten Teil zeichne man, wie bei einer Blattspitze,
Kriyapada 8-120. mit zwei halbmondförmigen Linien die Spitze. So entstehen dort Speichen in der Form von Ashvattha-Blättern.
Kriyapada 8-121. … in der Mitte der Speichenverbindung … Durch seitliches Schwenken von je einer halben Teilstrecke entstehen zwischen zwei Linien Speichen mit schmaler Mitte, die „ameisenleibförmig“ heißen. [Örtliche Ausnahme: Der Versanfang und eine weitere Wortverbindung sind bereits in der Quelle beschädigt beziehungsweise mit Fragezeichen versehen; die erkennbaren Konstruktionsangaben sind sinngemäß übertragen.]
Kriyapada 8-122. Die Zwischenräume der Speichenverbindungen schmücke man mit verschiedenartigen Blüten; auch die bestrichene Fläche außerhalb des Bildes schmücke man mit Blumenreihen.
Kriyapada 8-123. Damit ist der Radlotus mit einer Nabe erklärt, der Shiva, Arya, Sonne und Keshava lieb ist. Weitere schöne Radlotus-Mandalas mit neun Naben sind entsprechend zu erschließen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung des Radlotus.
Kriyapada 8-124. Durch Schwenken der im Osten liegenden Schnur mit dem halben Maß des Samengehäuses und entsprechende seitliche Verbindung entstehen zwölf Fischfiguren.
Kriyapada 8-125. Mit den dadurch geschlagenen Schnurlinien und den Linien der Blattzwischenräume entsteht ein zwölfblättriger Lotus. Durch gleichmäßige Teilung des achtblättrigen Lotus entsteht einer mit sechzehn schönen Blättern.
Kriyapada 8-126. Von der Schnur am Ende der Staubfaden- und Raumlinie bis zu den Staubfadenspitzen markiere man Fischfiguren; so entsteht ein fünfblättriger Lotus. [Hinweis: Die zusammengesetzte Ortsangabe bleibt geometrisch unklar.]
Kriyapada 8-127. Mit Samengehäuse und Blattansätzen verfahre man wie zuvor, um sechs Blätter herzustellen. Für sieben setzt man die Blattspitze mithilfe von Raumlinie und Samengehäuse an.
Kriyapada 8-128. Mit Blattansatz und Samengehäuse und einer am Blattansatz gesetzten Fischmarke entstehen neun Blätter. Schlägt man fünf Schnurlinien, ergibt sich ein zehnblättriger Lotus.
Kriyapada 8-129. Man setze die Marke im Zwischenraum zwischen Staubfäden und äußerem Raum. Durch das Schlagen der Schnurlinien entsteht so ein elfblättriger Lotus.
Kriyapada 8-130. Von Blattspitze und Blattansatz aus setze man die Markierung an die Blattspitze und schlage dort die Schnurlinien: So entsteht ein Lotus mit der als „Abhikriti“ bezeichneten Blattzahl. [Quellenhinweis: Die Zahlenchiffre wird mangels eindeutiger Auflösung in diesem Zusammenhang nicht in eine erfundene Zahl umgewandelt.]
Kriyapada 8-131. Wünscht man darüber hinaus mehr Blätter, zeichne man nach demselben Verfahren, durch entsprechendes Überlegen und mittels Fischfiguren und Schnurlinien, Lotusbilder nach Wunsch.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Merkmale der verschiedenen Blattzahlen.
Kriyapada 8-132. Nach den Merkmalen der halbmondförmigen und anderen Feuergruben fertige man durch Schnurlinien entsprechend geformte Halbmondbilder und weitere Figuren an.
Kriyapada 8-133. So wurde das Verfahren für Feuergruben und Mandalas in seinen Hauptzügen gelehrt, das die besonderen Shiva-Rituale vollenden soll. Viele verschiedene Shiva-Agamas wurden hierzu wiederholt geprüft, um den vorzüglichen Lehrern Freude zu bereiten.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im Kriyapada des oberen Teils, das achte Kapitel: „Feuergruben und Mandalas“.
Zur Besinnung. Ein Mandala entsteht hier Schritt für Schritt aus einer Mitte, aus Beziehungen und aus sorgfältig gezogenen Grenzen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann diese Ordnung ein Bild gesammelter Aufmerksamkeit sein. Diese heutige Betrachtung ergänzt die historische Bau- und Ritualbeschreibung, ohne ihre örtlichen Textunsicherheiten aufzulösen.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 8: Feuergruben und Mandalas
Aus Schnüren, Kreisbögen, Farben und genau bestimmten Feldern entstehen die rituellen Räume dieses Kapitels. Es behandelt Feuergruben, Lotusbilder und verschiedene Mandalas. „Fisch“ bezeichnet dabei gewöhnlich die linsenförmige Schnittfigur zweier Kreisbögen. Die historische Konstruktionssprache wird übersetzt; unklare Maßangaben bleiben als solche sichtbar.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
athāṣṭamaḥ paṭalaḥ |
prāsāde maṇḍape vāpi gṛhe vā yatra karma tat |
kriyate tatra saṃśuddhe gomayālepite sthale || 8-1 ||
madhye'tra sūtraṃ varuṇendradīrghaṃ niveśya cāsphālya tu tasya madhye |
binduṃ vidhāyāparapūrvayorvai tadaṅkayet sūtravaśāt samānam || 8-2 ||
punaste sūtrakhaṇḍe tu samaṃ bhittvāṅkayedapi |
bindostu pūrvāparamadhyamāṅkairmitena sūtreṇa tadāhitena |
bindoḥ sayāmyottaradiksamāṅkavaśāt samālikhya tuṃ matsyayugmam || 8-3 ||
tayornidhāya sūtraṃ syād dakṣiṇenodagāyatam || 8-4 ||
itthaṃ brahmāhvayaṃ sūtramudaksūtraṃ ca sādhayet |
kṣetrārdhamānena tu bindusaṃ(stha ? sthāṃ)ścaturdiśaṃ sūtravaśād yatheṣṭam |
aṅkān vidhāyātha tadaṅkayugmāt sūtradvaye syuḥ khalu koṇamatsyāḥ || 8-5 ||
teṣu matsyeṣu parito dikṣu sūtrairnipātitaiḥ || 8-6 ||
caturaśraṃ bhavet kṣetraṃ catuṣkoṣṭhaṃ samaṃ śubham |
sarvamaṇḍalakuṇḍādivāstunirmāṇakāraṇam || 8-7 ||
caturaśrasādhanam |
kuṇḍaṃ praśastaṃ caturaśramādāvaśvatthapatraṃ ca tathārdhacandram |
tadvat trikoṇaṃ tvapi vartulaṃ syāt ṣaṭkoṇakaṃ padmamathāṣṭakoṇam || 8-8 ||
ratnimātraṃ śatārdhe syācchatahome tvaratnikam |
sahasre hastamānaṃ syādayute ca dvihastakam || 8-9 ||
lakṣe catuṣkaraṃ kuṇḍaṃ daśalakṣe tu ṣaṭkaram |
koṭihome'ṣṭahastaṃ syād yathā bhojendrapaddhatau || 8-10 ||
sarvāṇi kuṇḍāni yathoktamānādāyāmavistārasamāni tāni |
khātaṃ ca vistārasamaṃ vidheyaṃ tisraḥ kramāccopari mekhalāḥ syuḥ || 8-11 ||
samaṃ syāt sarvataḥ khātaṃ khātopari caturdiśam |
ekāṅgulaṃ parityajya kuryāt tisro'tha mekhalāḥ || 8-12 ||
ratnipramāṇe khalu mekhalā syādādyāṅgulābhyāmaparāṅgulena |
ardhāṅgulānyā tvatha cāpyaratnau tridvyekamātrāṅgulakairvidheyā || 8-13 ||
p. 75) atra bhojarājaḥ -
muṇḍahastapramāṇe syādādyā dvyaṅgulā |
dvitīyā aṅgulena |
ardhāṅgulena ca tṛtīyā |
aratnipramāṇasya tryaṅguladvyaṅgu(la ? laikāṅgula)mānā iti |
hastakuṇḍe mekhalāḥ syuścatustridvyaṅgulāḥ kramāt |
ṣaṭcatustryaṅgulaiḥ kuryād dvihaste'pi yathākramam || 8-14 ||
catuṣkare tvaṣṭakaṣaṭcaturbhiḥ ṣaḍḍhastake cāpi daśāṣṭaṣaḍbhiḥ |
syuraṅgulairaṣṭakare'pi kuṇḍe tāḥ ṣoḍaśadvādaśakāṣṭasaṃkhyaiḥ || 8-15 ||
sarvāḥ sarveṣu kuṇḍeṣu vistārocchrayataḥ samāḥ |
paritaḥ svasamāyāmā nimnonnatavivarjitāḥ || 8-16 ||
atra bhojarājaḥ -
krameṇa sarvakuṇḍeṣu tisro mekhalāḥ kuṇḍānurūpeṇaiva vidhātavyāḥ
iti |
kuṇḍasya paścime yoniṃ kuryād dakṣiṇato'pi vā |
madhyato mekhalānāṃ tu sarvāsāmupari sthitām || 8-17 ||
sūryāṅgulāyāmamitā tu yonirāmūlato'śrād vasuvedadasraiḥ |
tulyāṅgulaistu kramaśo'ṅguloccā drāṅnirgatāgrāpi ca ratnikuṇḍe || 8-18 ||
aratnyādiṣu kuṇḍeṣu dvyaṅgulaṃ dvyaṅgulaṃ pṛthak |
kramādāyāmavistāravṛddhyā yonirvidhīyate || 8-19 ||
atra bhojarājendrapaddhatau -
evaṃ prathamakuṇḍasya |
śeṣāṇāṃ dvyaṅgulavṛddhyā yonirvidhātavyā iti |
mañjaryāṃ ca -
hastamātrasya kuṇḍasya
tālāyatā jalapaterdiśi saṃsthitā syādaśvatthapatrasadṛśī kramaśo'tha nimnā |
nābhirdaśāṅgulaṣaḍaṅgulataḥ krameṇa vistārataśca caturaṅgulagolakāgrā ||
iti |
caturaśraṃ tu vā vṛttaṃ kuṇḍaṃ nitye ca śāntike |
sārvakāmikamityanye caturaśraṃ tu vartulam || 8-20 ||
p. 76) śrutyekāṃśaṃ tu sīmnorbahirapi purato'thāṅkayitvāmbunāthe
tanmānāt sūtramantarnihitamubhayataḥ koṇayorvartayitvā |
madhyādyanyasya karṇāntakamapi parataḥ koṇayoḥ pūrvacihne
sūtre tvāsphālya yonipratimamapi bhavet kuṇḍamaśvatthapatram || 8-21 ||
caturaśraṃ yugāṃśāṃśaṃ kṛtvāntyaścottare yajet (?) |
bhāgaṃ tvanena prākpratyag bahiraṅkau nidhāya tu || 8-22 ||
tadvad dakṣiṇato madhyasthitasūtrabhramād dvayoḥ |
ardhacandrasamākāraṃ kuṇḍaṃ bhavati śobhanam || 8-23 ||
vedāśre caturaṃśake bhujamitaṃ prāgaṃśamāpyād bahiḥ
kṣiptvā madhyamavāruṇāṅkavihite sūtre dvidhā vartite |
syātāṃ dvau śapharau tayośca purataścāṅke'tha sūtratrayaṃ
kṣiptvā nair-ṛtadiṅmukhe bhavati tat kuṇḍaṃ trikoṇāhvayam || 8-24 ||
ṣaṣṭhāśaṃ pūrvanihitaṃ gṛhītvā nair-ṛtasthitam |
vāyavyānteṣu sūtre dve kṣiptvā vā syāt trikoṇakam || 8-25 ||
madhyabindusthitaṃ sūtraṃ prāgbhujāṅkannidhāya tu |
parivartya bhavet kuṇḍaṃ vartulaṃ tat suśobhanam || 8-26 ||
bhu(jā)śabdasyābhiprāyāt prāgbhujāyā bahiḥ prākcchabdadarśanādaṅgulāḥ ye (?) nidhāyeti yāvat |
bāhyasthaṃ ṣaṣṭhamaṃśaṃ śatamakhavaruṇasthāpitaṃ vedakoṇe
madhye saṃsthāpya sūtraṃ samamiha tu tayorvartayitvā tu bāhye |
catvārastatra matsyāstadanu dhanadadigdakṣiṇasthe ca sūtre
tatrastheṣveva cihneṣvatha samapatite syāt ṣaḍaśraṃ hi kuṇḍam || 8-27 ||
vṛttakuṇḍe'bjapratrāṇi bāhye tanmekhalopari |
kuṇḍārdhamāyatānyaṣṭau kṛtvā syāt padmasaṃjñitam || 8-28 ||
ādityāṅgāṃśamantarbahirapi paritaḥ sambhramād dikṣu tābhyāṃ
dvābhyāṃ matsyau bhavetāṃ diśi diśi vitataisteṣu sūtrairyathāvat |
p. 77) kuṇḍaṃ syādaṣṭakoṇaṃ suruciramathavāpyardhadiksūtrakoṇaiḥ śiṣṭārdhāpyaindrapañcāśakaśapharayugotpannamīnāṣṭakairvā || 8-29 ||
turyaśraṃ navadhā vibhajya tu bahiścāntaḥ kṣipedaṃśakaṃ
dikkoṇoṣu vidhāya cāṃśamatha tatsaṃsthaiḥ kramāt sūtrakaiḥ |
syātāṃ dve caturaśrake samamite vyatyāsato'ṣṭāśrakaṃ
hyaiśānyāṃ susamaṃ yathā suruciraṃ kuṇḍaṃ tathā vā bhavet || 8-30 ||
kuṇdādhikāraḥ |
caturaśraṃ tu saṃsādhya dvyaṣṭadhā vibhajet punaḥ |
ṣaṭpañcāśacca koṣṭhānāṃ dviśataṃ cātra vai bhavet || 8-31 ||
ṣaṇṇāṃ ṣaḍbhistu koṣṭhairlikhatu sarasijaṃ madhyadeśe'sya bāhye
paṅktyā pīṭhaṃ ca pīṭhād bahirapi paritaḥ paṅktiyugmena vīthīm |
tadbāhye paṅktiyugme diśi vidiśi tathā dvārakaṇṭhopakaṇṭhān
gallāṃścaivopagallānanalanir-ṛtivāyvīśakoṇeṣu koṇān || 8-32 ||
(kaṇṭhopakaṇṭhān ? gallopagallān) kapolopakapolān śobhopaśobhāniti kecidāhuḥ |
padmakṣetrasthadiksūtre saṃsthāpyānyad vimṛjya tu |
bahirdvādaśakaṃ bhāgaṃ tyaktvānyat parivartayet || 8-33 ||
kṣetraṃ caturdhā vibhajet tu vṛttaṃ sūtrakrameṇaiva samaṃ krameṇa |
tatkarṇikākesarapadma(ga ? sa)ndhipatrāvasānaṃ ca bhavanti tāni || 8-34 ||
pūrvaṃ dvādaśakāṃśaṃ yat tyaktaṃ tad bhrāmayed bahiḥ |
pañcamaṃ tu bhavet kṣetraṃ vyomākhyaṃ taddalāgrakam || 8-35 ||
prasārya koṇasūtre dve koṇadiṅmadhyamena tu |
catvāri sūtrāṇyāsphālya sūtraṣoḍaśakaṃ bhavet || 8-36 ||
dalāntasiddhyai dalasandhimadhye nidhāya sūtraṃ tu dalāntamānam |
dalāntarāladvayasaṃbhramotthaiḥ śaśāṅkakhaṇḍaistu dalaṃ prasidhyet || 8-37 ||
p. 78) padmaṣoḍaśasūtrāṇāṃ madhyaṃ sūtrairvibhajya tu |
dvātriṃśatkhaṇḍasūtrāṇi syurdalāgravṛtau samam || 8-38 ||
dalāgrasūtrobhayapārśvasūtrayoragre sthitaṃ sūtramathāgramūlataḥ |
dalāgrasūtrāntamupānayellikhannevaṃ dalāgraṃ tu bhavenmanoramam || 8-39 ||
śālīyapiṣṭaṃ sitacūrṇamuktaṃ hāridramīṣatsitayuk supītam |
kusumbhasindūrakajātiraktaṃ dagdhairyavādyairapi nīlacūrṇam || 8-40 ||
śamyabjabilvādidalairyājñikaiḥ śyāmalaṃ smṛtam |
tattadvarṇaistu dhānyādyaiḥ pūrayenmaṇḍalāni vai || 8-41 ||
manaḥśilārocanā(bhyāṃ) pītacūrṇaṃ praśasyate |
rajasāṃ pañcavarṇānāṃ brahmādyāḥ pañca mūrtayaḥ || 8-42 ||
daivatāni bhavantyeṣāṃ nivṛttyādyāḥ kalāstathā |
kṛtaṃ tretā dvāparaṃ ca kālaḥ kaliyugaṃ tathā || 8-43 ||
sitalohitakaśyāmapītakṛṣṇātmakāni ca |
śuklaṃ ca raktaṃ ca tathaiva kṛṣṇaṃ tritattvavedatrayavahnilokaiḥ |
triśaktisandhyātriguṇaiḥ kameṇa vyāptaṃ tu bimbaiśca vicintya yojyam || 8-44 ||
bhuktyarthamapasavyaṃ tu puṣṭyarthaṃ tu pradakṣiṇam || 8-45 ||
rajaḥpātaṃ niyuñjīta maṇḍaleṣu vicakṣaṇaḥ |
muṣṭinā pātayet puṣṭyai yadi muktirabhīpsitā || 8-46 ||
madhyamāṅguṣṭhatarjābhiḥ sarvābhiścaiva śāntike
śaktastu vāñched yadi siddhimagryāṃ tadvarṇaratnairiha maṇḍalāni |
kuryāt tathā mauktikapuṣyarāgamāṇikyanīlairharitaiśca ratnaiḥ || 8-47 ||
evaṃ vidheṣu cūrṇeṣu siddhikāmo muktāvidrumādikaistadevaṃ kuryāditi bhojarājaḥ |
rekhāstu sarvāḥ sarvatra śuklāḥ syurmadhyamāmitāḥ || 8-48 ||
dvihaste'ṅguṣṭhamātrā vā haste vānāmikāsamāḥ |
atra bhojarājaḥ - etāśca rekhāḥ prathamāṅgulapramāṇāḥ anyā yavonā yavāntarāśca |
sarvā muktikāmasya bhuktikāmasya samāḥ kāryāḥ iti |
p. 79) karṇikā pītavarṇā syād rekhāḥ sarvāḥ sitāḥ samāḥ || 8-49 ||
dvihaste'ṅguṣṭhamātrāḥ syurhaste madhyamayā mitāḥ |
ityanye |
madhye supītā khalu karṇikā syāt tasyāṃ tu bījāni navāsitāni |
dve dve pṛthakkesarake dalānāṃ madhyeṣu lekhye kuṭilāgramīṣat || 8-50 ||
mūle tanūnyāpītāni madhye sthūlāruṇānyapi || 8-51 ||
ante drāk tanupītāni tadante'lpasitāni vai |
mūlamadhyāgreṣu śuklaraktapītaṃ kesarajālamiti bhojarājaḥ |
śuklāni tānyaṣṭadalāni kuryāt samāni tuṅgāgramanoramāṇi ||
bhuktyai tathā prāñjalikāni muktyai smarādiyāgeṣu śitāgravanti || 8-52 ||
dalāgrāṇyapi catvāri raktavarṇāni kārayet
ityajite |
gaurīsarasvatyādīnāṃ dalānyaśvatthapatravat || 8-53 ||
vidyeśānāṃ grahāṇāṃ ca gokarṇā(grā)ṇi kārayet |
pīṭhaṃ tu śuklāruṇapītakṛṣṇapādaṃ tathā nīlakakīlaśobham |
gātraiścaturbhistu vicitravarṇaiḥ kuryād yatheṣṭaṃ tvathavāpi varṇaiḥ || 8-54 ||
atra tattvasāgare - pīṭhe koṣṭhadvayaṃ dikṣu lopyam |
tathā koṇe trīṇi trīṇi vilopayediti |
vīthīṃ latāvitānādyaiḥ patrakaiścopaśobhayet |
tadbāhye dikṣu śuklena caturdvārāṇi pūrayet || 8-55 ||
diksūtrakāṇāmubhayatra koṣṭhe dvārārthamabhyantarapaṅktisaṃsthe |
syād bāhyapaṅktau dvitayaṃ dvayaṃ ca tatkoṣṭhaṣaṭkaṃ vimṛjed diśāsu || 8-56 ||
koṣṭhatrayaṃ trayaṃ cāntardvārāṇāṃ pārśvayordvayoḥ || 8-57 ||
kaṇṭhopakaṇṭhasiddhyarthamekaikaṃ vimṛjed bahiḥ |
evaṃ pṛthakkoṣṭhacatuṣkavantaḥ kaṇṭhopakaṇṭhāḥ prabhavanti cāṣṭau |
tatpārśvatastadviparītavaktrāstadvat kapolopakapolakāḥ syuḥ || 8-58 ||
tataḥ koṇeṣu śiṣṭāni ṣaṭkoṣṭhāni pṛthak pṛthak || 8-59 ||
p. 80) visṛjet koṇasiddhyarthaṃ vṛṣabhāneṣu vā likhet |
kaṇṭhopakaṇṭhān raktena kapolopakapolakān || 8-60 ||
pītenācchādayedaṣṭau yathā bhūmirna dṛśyate |
bahirguṇān vai paritaḥ kramoktāllikhet tataḥ sattvarajastamāṃsi |
rajobhiraṅguṣṭhamitāṃstu śuklāruṇāsitān madhyayavāntarāṃstān || 8-61 ||
bhadrakādhirāraḥ |
caturaśre'ṣṭadhā bhinne catuṣṣaṣṭikṛte pade || 8-62 ||
madhye koṣṭhacatuṣkeṇaṃ padmapīṭhaṃ ca saṃlikhet |
tadbāhyapaṅktyā khalu vīthikā syāt tadbāhyapaṅktidvayadikcatuṣke |
dvārāṇi koṣṭhaiḥ khalu vedasaṃkhyaiḥ sammṛjya śuklāni samāni kuryāt || 8-63 ||
dvārāṇāṃ pārśvayorbāhyapaṅktāvekaikakoṣṭhakam || 8-64 ||
dvāreṇāyojya vimṛjet syātāṃ kaṇṭhopakaṇṭhakau |
saṃsthāpya koṇeṣvatha koṣṭhamekaṃ śiṣṭaiḥ pṛthakkoṣṭhakapañcakaiḥ syuḥ |
ekīkṛtairvedakapolakāste tāvanta evopakapolakāśca || 8-65 ||
kapolaṃ tu bhavet teṣu padaṃ pūrvāparāyatam |
dakṣiṇottaragaṃ cāpi bhavedupakapolakam ||
ityajite |
prāguktamārgeṇa tu karṇikādyaṃ tvāpūrya vīthīṃ ca tathoktavarṇaiḥ |
dvārāṇi śuklena kapolakāstu raktāstathāpītaruco'thavā syuḥ || 8-66 ||
atrājite -
kapolopakapolāni vahnikoṇādiṣu kramāt |
raktaṃ pītaṃ tathā śyāmaṃ śvetaṃ ca parikalpayet ||
iti |
vahnyādikoṇakoṣṭhāni pītaśyāmāsitāruṇaiḥ || 8-67 ||
pūrayed vātha sarvāṇi kṛṣṇenetyapare jaguḥ |
bāhye tu śuklāruṇakṛṣṇavarṇaiḥ prāgvat samālikhya guṇatrayaṃ tat |
syāt sarvatobhadramidaṃ tu koṇe ṣaṭkoṣṭhakaikīkaraṇena bhadram || 8-68 ||
p. 81) maṇḍaleṣvapi sarveṣu śuklānyabjadalāni tu |
dvārāṇi cātha vīthī syāllatādyairaviśeṣite || 8-73 ||
sarvatobhadrādhikāraḥ |
dvātriṃśadaṃśe caturaśrake'smin sahasrakaṃ saṅkṛtisaṃkhyakaṃ ca |
koṣṭhāni tanmadhyagatattvasaṃkhyaiḥ koṣṭhaiḥ sarojaṃ tu likhet purovat || 8-74 ||
tadbāhyapaṅktyā pīṭhaṃ syāt tadbāhye saptapaṅtibhiḥ |
liṅgāṣṭakaṃ tu vilikhed diksūtrobhayapārśvayoḥ || 8-75 ||
ṛtuvedākṣivedartukoṣṭhaiḥ syāt tiryagāyataiḥ |
pīṭhaṃ sakaṇṭhaṃ brahmādijalapaṭṭāntakaṃ śubham || 8-76 ||
pīṭhopariṣṭāt khalu madhyapaṅktyoryugmasthatkoṣṭhacatuṣṭayena |
liṅgaṃ bhavet tadgatamadhyasūtraṃ madhyāntasaṃvartitamastakaṃ vā || 8-77 ||
antarmukhāni liṅgāni bubhukṣūṇāṃ samālikhet |
viparītaṃ mumukṣūṇāmantaḥpīṭhāni kārayet || 8-78 ||
tatkaṇṭhapīṭhobhayapārśvasaṃsthe bhadre catuṣkoṣṭhavaśād bhavetām |
liṅgāntarāleṣvapi pañcaviṃśaiḥ koṣṭhaistu koṇeṣu latā vidheyāḥ || 8-79 ||
gomūtrikāvat saṃsṛṣṭā rekhāstatkoṣṭhagā yathā |
tathānyarekhālopena latāḥ syurvidigāyatāḥ || 8-80 ||
aśryantareṣu vallīnāṃ patrāṇyapyathavā likhet |
vallyādau saktamūlāni kuṭilāgrādikānyapi || 8-81 ||
tadbāhye paṅktiyugmena vīthīṃ prāgvat tu mārjayet |
vīthīṃ tathā kalpalatāviśeṣairābhūṣya tadbāhyavṛtitraye'pi |
koṣṭhāni vedartuvasuprasaṅkhyaṃ dvārārthamantaḥprabhṛtīha lumpet || 8-82 ||
śobhopaśobhe'pi syātāṃ dvicatuṣṣaḍvilopataḥ || 8-83 ||
triḥ saptakoṣṭhāni pṛthak koṇe koṇe tu mārjayet |
padmādikaṃ bhadrakavat tu sarvamābhūṣayet pañcavidhaistu cūrṇaiḥ |
liṅgāṣṭakaṃ pañcamukhoktavarṇairicchānurūpaṃ paripūrayed vā || 8-84 ||
p. 82) itīdaṃ pārvatīkāntamuktaṃ prāsādamaṇḍalam |
aṣṭaliṅgalatāpadmavīthīprākāramaṇḍitam || 8-85 ||
pārvatīkāntaprāsādādhikāraḥ |
caturaśraṃ caturhastaṃ kṣetraṃ viṃśatibhāgikam |
syāccatuśśatakoṣṭhaṃ tanmadhye'bjaṃ tattvakoṣṭhakaiḥ || 8-86 ||
paṅktyaikayā pīṭhamathaikayā syād vīthī tataḥ paṅkticatuṣṭayena |
taddvāraliṅgaiḥ parito latāḥ syustadbāhyapaṅktyāpi ca bāhyavīthī || 8-87 ||
kuryād bhadrakavat padmapīṭhavīthīryathāvidhi |
pratipaṅkti dvikoṣṭhāṣṭakoṣṭhairdvārāṇi dikṣvapi || 8-88 ||
vīthyantarā dvāranibaddhakoṣṭhatrayeṇa bhūpīṭhamathaikakoṣṭham |
syāt kaṇṭhapīṭhaṃ tvatha toyapaṭṭaṃ koṣṭhaistribhirliṅgamathaikakoṣṭham || 8-89 ||
adhaścordhvaṃ ca tatkoṇān pīṭhakoṣṭhacatuṣṭaye |
koṣṭhāntaḥ koṇagaṃ sūtraṃ koṣṭhasūtrārdhamānataḥ || 8-90 ||
bhramayitvā tyajed bāhye khaṇḍitāśricatuṣṭayam |
pīṭhamevaṃ bhaved ramyaṃ dvādaśāgrairalaṅkṛtam || 8-91 ||
prāgvat samāpūrya tu varṇacūrṇaiḥ padmādivithyantamaśeṣabimbam |
khyātaṃ latāliṅgasamudbhavākhyaṃ tanmaṇḍalaṃ śaṅkaravallabhaṃ yat || 8-92 ||
latāliṅgodbhavādhikāraḥ |
kṣetre ṣoḍaśadhā bhinne caturaśre caturdiśam |
pārvatīkāntavat koṣṭhaiḥ kuryālliṅgacatuṣṭayam || 8-93 ||
madhye'vaśiṣṭairapi vedakoṣṭhairliṅgāntarāleṣvapi tatprasaṃkhyaiḥ |
caturdalābjaṃ svayameva taiḥ syālliṅgeṣu saṃvartitamastakeṣu || 8-94 ||
bhadrāṣṭakaṃ syāt kaṇṭheṣu latāḥ koṇeṣu pūrvavat |
likhitvā maṇḍalaṃ tat syāt pañcabrahmābhidhānakam || 8-95 ||
p. 83) madhye'mbuje vartulakarṇikā syāt pītātra raktā tanukesarālī |
īśastu madhye puruṣādayo'pi suvarṇadigliṅgatā bhavanti || 8-96 ||
asyaiva tu latāsthāneṣvālikhya svastikāni tu |
ekaṃ trīṇi tataḥ pañca koṣṭhalopaḥ kramāt smṛtaḥ || 8-97 ||
etat khalu svastikamaṇḍalābjaṃ kṣetreṣthavā dvādaśabhāgike'smin |
madhye'mbujaṃ ṣoḍaśakoṣṭhakaiḥ syāt syuḥ svastikānyaṣṭadiśāsu tadvat || 8-98 ||
svastikānyapi padmaṃ ca prāgvadāpūrya cūrṇakaiḥ |
svastyarthaṃ svastikaṃ śastaṃ sarvadevābhinandanam || 8-99 ||
svastikābjadvayādhikāraḥ |
kṣetre tathāṣṭādaśabhāgike'smiṃstanmadhyagasvastikanābhimādau |
saṅkalpya lumpet tu catuṣpathābhaṃ samantataḥ koṣṭhakapañcakāni || 8-100 ||
koṣṭhamātrāyatā rekhāḥ kuṭilāḥ svastikākṛtau |
parasparopayoginyaḥ sthāpyāḥ syuḥ śeṣalopataḥ || 8-101 ||
pañcāśadasmin khalu saptakaṃ ca syāt svastikānāṃ saha cārkabhadraiḥ |
madhyeṣu pañcāśadapi dvayaṃ ca syāt sarvatobhadracatuṣpathānām || 8-102 ||
koṇeṣvekaikakoṣṭhāni śiṣṭānyābhūṣayet sitaiḥ |
nīlapītāruṇaśyāmairbhadrāṇyapi catuṣpathān || 8-103 ||
etaddhi sarvatobhadrasvastikaṃ nāma maṇḍalam |
sarvasvastikamityeke prāhuryacchivayoḥ priyam || 8-104 ||
kṣetre'thavā ṣoḍaśadhā vibhakte manvarkadigvasvṛṣibhedite vā |
prāgvad vilopāt khalu maṇḍalāni syuḥ sarvataḥ svastikabhadravanti || 8-105 ||
svastikasarvatobhadrāṇi |
caturaśre dvihaste tu cakrābjaṃ pīṭhavarjitam |
syādekanābhaṃ tallakṣma bhavenmānāṅgulakramāt || 8-106 ||
nidhāya sūtraṃ tvatha padmabindau padmārdhamānena navāṅgulaiśca |
tribhiśca vasvabdhimitairbhrameṇa saroruhaṃ nābhyaranemayaḥ syuḥ || 8-107 ||
p. 84) padmaṃ purovadālikhya nābhiṃ pītena pūrayet |
dalatulyārake cakre dalarekhāḥ prasārya tu || 8-108 ||
likhet tatasteṣvarakān yathāvad dalād dvisaṃkhyeṣvarakeṣu tadvat |
dalāgrasūtrairdalasandhisūtraiḥ prasāritaistāvadihārakāḥ syuḥ || 8-109 ||
vibhajyārabhuvaṃ tredhā dvābhyāmantarathāṅkayet |
matsyavat teṣvathāsphālya sūtrāṇyeṣu likhedarān || 8-110 ||
indīvarāśvatthadalopamā vā te mātuluṅgākṛtayo'thavā syuḥ |
abjacchadābhāśca yavodarā vā madhye kṛśā vātha pipīlikābhāḥ || 8-111 ||
arakāstvaruṇāḥ śyāmāste syurekāntarāḥ kramāt |
ante gorocanābhāḥ syuḥ pīṭāḥ syurarasandhayaḥ || 8-112 ||
nemiṃ tridhā saṃpravibhajya kuryācchuklena madhye tvasitena bāhye |
pītena cāntaḥ paripūrya koṇān kṛṣṇena sasvastikacihnaramyān || 8-113 ||
arasandhyaṃntarālastho bahirnemeḥ paribhramet |
arasandhestu madhyastho vartayedaramūlakam || 8-114 ||
madhye'rakāṇāṃ sthitvā tu vartayedaramadhyakam |
mātuluṅgaphalākārāstvevaṃ sidhyantyarāḥ kramāt || 8-115 ||
arāgrasaṃsthaṃ tvarasandhimūlāt sūtraṃ tathārobhayapārśvasaṃstham |
pṛthak samāsphālya tathārakāḥ syurvistāritendīvarapatrakalpāḥ || 8-116 ||
aramadhye sthito'rāgraṃ kiñcit tyaktvābjapatravat |
arasandherbhramāccāgrabhramādabjadalārakāḥ || 8-117 ||
kṛśāgramūlāḥ pṛthavastu madhye kāryāstṛtīyāṃśatayārasandheḥ |
antaḥ praviṣṭāstu yavodarākhyāḥ sidhyanti te syuḥ kramaśaḥ śitāgrāḥ || 8-118 ||
tridhā vibhajyārakṣetraṃ dvitīyaprathamāṃśayoḥ |
madhye sthitvā bhramaṃ kṛtvā tṛtīyāṃśe dalāgravat || 8-119 ||
ardhacandrābharekhābhyāṃ patrāgraṃ ca samālikhet |
itthamaśvatthapatrābhāstatrārāḥ sambhavanti hi || 8-120 ||
p. 85) vi?tvāraṃsandheratha madhyameṃ'śe tiryagbhramāccobhayatoṃ'śakārdhāt |
rekhādvayāntaḥ kṛśamadhyamakārakāḥ syuḥ (?) pipīlikākroḍasamāhvayārāḥ || 8-121 ||
arasandhyantarā puṣpairvicitrairabhibhūṣya tu |
bimbabāhye'pyathālipte puṣpālībhirvibhūṣayet || 8-122 ||
uktaṃ ca cakrāmbujamekanābhaṃ priyaṃ śivāryāravikeśavānām |
anyāni ca syurnavanābhakāntānyūhyāni cakrāmbujamaṇḍalāni || 8-123 ||
cakrābjādhikāraḥ |
karṇikārdhapramāṇena prāksthasūtrabhramakramāt |
tasyaiva pārśvayogena matsyadvādaśakaṃ bhavet || 8-124 ||
sūtreṣu teṣvāpatitaiḥ sasandhisūtraiśca taddvādaśapatramabjam |
aṣṭacchadābjasya samaṃ prabhedāt syādambujaṃ ṣoḍaśapatraśobham || 8-125 ||
kesaravyomarekhāntasūtrāt tatkesarāgragāt |
matsyavallāñchayitvā syāt pañcapatraṃ tu paṅkajam || 8-126 ||
karṇikādalasandhibhyāṃ prāgvat ṣaṭpatrasiddhaye |
vyomarekhākarṇikābhyāṃ dalāgrasthaṃ tu saptakaiḥ || 8-127 ||
dalasandhikarṇikābhyāṃ dalasandhau nyastamatsyacihnena |
navadalakaṃ syāt sūtraiḥ pañcabhirāsphālya paṅktipatraṃ syāt || 8-128 ||
kesarākāśayormadhyavyomni vinyasya lāñchayet |
ekādaśacchadaṃ tvevaṃ padmaṃ syāt sūtrapātataḥ || 8-129 ||
patrāgrapatrasandhibhyāṃ patrāgre nyasya lāñchite |
āsphālya teṣu sūtrāṇi tat syādabhikṛticchadam || 8-130 ||
ataḥ paraṃ ced dalavṛddhimicched diśānayaivātra yathākrameṇa |
tadūhato matsyavaśena sūtrairlikhet sarojāni yathābhilāṣam || 8-131 ||
dalabhedalakṣaṇam |
p. 86) ardhacandrādikuṇḍānāṃ lakṣmaṇā sūtrapātataḥ |
ardhacandrādibimbāni kuryāt sāmyānusārataḥ || 8-132 ||
iti kuṇḍamaṇḍalavidhiḥ pradhānataḥ kathitaḥ śivādhvaraviśeṣasiddhidaḥ |
bahuśo nirūpya vividhāñ śivāgamāniha deśikendraparitoṣakārakaḥ || 8-133 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre kriyāpāde uparibhāge kuṇḍamaṇḍalapaṭalo'ṣṭamaḥ || 8 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 9: Opfergeräte, Gaben und Reinigung
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 9: Opfergeräte, Gaben und Reinigung
Das Kapitel beschreibt die Geräte und Stoffe des Feueropfers: Schöpflöffel, Reibelholz, Brennholz, Gras, Gefäße und Opfergaben. Es unterscheidet äußere Reinigungsverfahren und die Reinheit des Geistes. Die sozialen Reinheitsgrenzen des historischen Textes bleiben als solche erkennbar.
Kapiteleröffnung. Nun das neunte Kapitel.
Kriyapada 9-1. Ich werde die Merkmale des großen und des kleinen Opferlöffels erklären. Der große Löffel soll eine Elle lang sein, schön aus Palasha-, Khadira- oder Shami-Holz gefertigt. Seine quadratische Schale misst in der besten Ausführung sieben Finger, in der mittleren sechs, in der geringeren fünf. In ihrer Mitte liegt eine Vertiefung, die ein Drittel einnimmt.
Kriyapada 9-2. Die runde Höhlung ist so tief wie breit; außen liegen drei Ränder, mit einem Lotus dazwischen ringsum. Der Hals ist in der Breite rundlich und einen Finger lang. Daran schließt sich eine Spitze von fünf Fingern Länge und ebenso großer Breite an. [Quellenhinweis: Der Ausdruck für die Halsbreite nennt kein eindeutig bestimmbares Zahlenmaß.]
Kriyapada 9-3. In der Halsmitte liegt ein Kanal; die Spitze ist dreieckig. Die längliche Rinne soll das Ghee ausfließen lassen und so groß sein, dass der kleine Finger hineinpasst. Die Rückseite trägt einen Lotus; die ganze Schale gleicht einer Elefantenlippe. Der übrige Teil bildet einen runden Stiel, dessen Ende ebenfalls mit einem Lotus gekennzeichnet ist.
Kriyapada 9-4. Unter dem Lotus misst der Umfang des Stielendes sechs Finger. Der Stiel wird wie ein Unterarm allmählich dicker und misst an seiner Wurzel acht Finger. Dort befindet sich ein Stier oder ein Lotus. Man fertige den überall glatten Opferlöffel aus fehlerfreiem Holz von Bäumen eines geeigneten Ortes.
Kriyapada 9-5, erste Quellmarke. Den kleinen Opferlöffel fertige man aus derselben Holzart, zwei Spannen lang. Seine runde Schale sei einen Finger groß; die beiden Höhlungen darin je einen halben Finger. Zwischen ihnen liegt eine Scheidewand von einem Gerstenkorn. Die glatten, kuhtrittförmigen Mulden fassen ein Karsha Ghee; an der Rückseite liegen zwei Wölbungen vom Maß zweier Gerstenkörner.
Kriyapada 9-5, zweite Quellmarke. Zwischen den beiden Wölbungen verläuft eine gerstenkornbreite Linie. Unter der Schale liegt ein Hals mit Lotusmerkmal, darunter ein gleichmäßiger runder Stiel. Sein Ende misst im Umfang einen Finger, die Wurzel anderthalb. Vom Hals an gleicht er einem Kuhschwanz und wird zur Wurzel hin dicker.
[Nummerierungshinweis: Die gelieferte Fassung wiederholt 9-5 und geht anschließend zu 9-7 über. Keine Marke 9-6 wird erfunden.]
Unnummerierte abweichende Maßangabe nach der zweiten Marke 9-5. Einige lehren, dass die großen Opferlöffel eine Armlänge oder ein Aratni messen.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der beiden Opferlöffel.
Kriyapada 9-7. Man schneide einen Pippala-Zweig, insbesondere von einem Ashvattha, der in einem Shami-Baum gewachsen ist. Aus fehlerfreien, gleichmäßig sechs Finger langen Stücken fertige man das Reibelholz. Sein Umfang beträgt sechs Finger; der Kopf liegt an der Wurzel, der Fuß an der Spitze. In der Mitte liegt die vier Finger messende, zum Feuerreiben geeignete Vertiefung. [Hinweis: Die Holzangabe ist syntaktisch gedrängt; die besondere Verwachsung der beiden Baumarten wird nicht durch eine andere Lesung ersetzt.]
Kriyapada 9-8. Auch das obere Reibelholz soll aus Ashvattha bestehen und sechs Finger messen. Den geraden Drehstab fertige man aus Khadira und nehme eine feste Zugschnur. Damit erzeuge man das Feuer. Als Brennstoff dienen rindenfreie, kernige, gespaltene Stücke geeigneter Bäume; angefacht wird es mit einem Fächer und ähnlichen Geräten.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Das Verfahren mit den Reibehölzern.
Kriyapada 9-9. Zu meiden sind krumme, abgeblätterte, dünne, wurmzerfressene, gespaltene oder von ungeeigneten Orten geholte Hölzer, ebenso kurze, dickrindige, beschädigte, überlange und angebrannte. Die übrigen, an reinen Orten gewachsen und gleichmäßig zugeschnitten, sind geeignet. Als vorzüglich gelten sie, wenn ihr Umfang dem Mittel- beziehungsweise Ringfinger entspricht; solche vom Maß des kleinen Fingers gelten als geringere.
Kriyapada 9-10. Das Brennholzbündel besteht aus achtzehn Hölzern von einer Spanne Länge, nach anderer Angabe von einem Ratni. Drei Einfassungshölzer sind eine Elle lang: das lange liegt im Süden, das dicke im Westen, das dünne und kurze im Norden. Kaushika-, Bala- und Kusha-Gräser gelten der Reihe nach als vorzügliches Darbha-Gras. [Hinweis: Die genaue botanische Identifikation der historischen Grasnamen bleibt offen.]
Kriyapada 9-11. Zu meiden sind Gräser ohne Spitzen, mit Fingernägeln ausgerissene, von Würmern beschädigte, schon für andere Riten verwendete, nach Süden gerichtete, von einem Tiger übersprungene oder anderweitig beeinträchtigte, rauchfarbene und oben vertrocknete. Geeignet sind dunkelgrüne, weiche, frische, geschnittene Gräser, feuchte wie getrocknete. Die Flechtung und Weiteres werden im Kapitel über die Feuerhandlung erklärt.
Unnummerierte Angaben zu Darbha-Gebinden nach 9-11. Eine Flechtung wird aus dreißig Darbha-Halmen gefertigt. Für die Umstreuung von Osten an werden Halme in den durch Ashti, Atyashti, Dhriti und Atidhriti bezeichneten Zahlen verwendet. Ein aus sechsunddreißig Halmen gebundenes Grasbüschel heißt „Schwert der Erkenntnis“; einige nennen zweiunddreißig. Das gewöhnliche Büschel besteht aus zwei Halmen, das besondere aus fünf – so in der Samhita. [Hinweis: Die vier metrischen Zahlenbezeichnungen werden hier als Quellchiffren bewahrt; eine nicht aus dem gelieferten Zusammenhang gesicherte Auflösung wird vermieden.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Das Verfahren für Brennholz und Opfergras.
Kriyapada 9-12. Das Ghee-Gefäß soll einer flachen Schale gleichen, acht Finger breit und halb so hoch sein; sein Ausguss misst vier Finger. Das Gefäß für das bereitgestellte Wasser ist sechs Finger breit und ebenso hoch; das Besprengungsgefäß acht Finger breit und ebenso hoch, mit einem Ausguss.
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara nach 9-12. „Überall ergeben Gefäße aus Gold, Silber, Kupfer und Ton vorzügliche, mittlere beziehungsweise geringere Früchte.“ [Quellenhinweis: Vier Werkstoffe stehen drei Rangbezeichnungen gegenüber; keine zusätzliche Rangstufe wird ergänzt.]
Kriyapada 9-13. Als geringes Gefäß für den Opferbrei gilt eines mit acht Kuduba Inhalt; das mittlere fasst zwölf, das beste sechzehn. Kupfer wird als vorzüglich bezeichnet, anderes als geringer. Der Rührlöffel soll einundzwanzig Finger lang sein; sein runder Kopf misst sieben beziehungsweise fünf Finger, sein hinteres Ende zwei. [Quellenhinweis: Die Verbindung der beiden Kopfmaße ist im gelieferten Satz unklar; die Zahlen bleiben sichtbar.]
Kriyapada 9-14. Geeignet für den Opferbrei sind weißer Shali-Reis, weißer Sechzigtage-Reis, Kalama und Nivara, gereinigt und frei von Hülsen, Steinchen und anderen Beimischungen. Frisches Ghee von der eigenen Kuh gilt als bestes, frisch gekauftes als mittleres und gekauftes, nicht mehr frisches als geringeres; es soll von der Kuh stammen und gefiltert sein.
Kriyapada 9-15. Honig soll in Geruch und Geschmack unverdorben sein; gekauften filtere man erneut. Man nehme frischen gekauften Kristallzucker, Zuckerbrocken und Zuckerrohrmelasse, wobei jeweils das zuvor Genannte höher geschätzt wird. Alles sei rein und auf redliche Weise erworben. Sämtliche Körner für das Feueropfer, Sesam eingeschlossen, seien gewaschen und gereinigt.
Kriyapada 9-16. Auch andere wohlschmeckende Früchte, Wurzeln und weitere Gaben sollen rein und frisch sein. Außer bei Reis und ähnlichen Körnern gilt eine daumengroße Portion als Opfergabe. Bei diesen greife man mit fünf Fingern; für Ghee und andere Flüssigkeiten wird ein gefüllter kleiner Opferlöffel angegeben. Von geröstetem Reis nimmt man eine Handvoll, von Lotus- und anderen Blüten jeweils eine.
Kriyapada 9-17. Von Ranken nimmt man ein vier Finger langes Stück; bei Körnern, Sesam und Mehl gilt der „Rehgriff“. So heißt der Griff von Daumen und Mittelfinger. Duftstoffe haben Kichererbsengröße, Guggulu-Harz die Größe eines Jujubekerns; bei Speisen und großen Früchten gilt eine Aksha-große Portion als Opfergabe. [Hinweis: Das historische Vergleichsmaß Aksha bleibt ohne unbelegte moderne Gewichtsangabe.]
Kriyapada 9-18. Von Datteln, Inguda-Früchten, Trauben, Jujuben, Jambu-Früchten und Blättern nimmt man jeweils eines, vom Zuckerrohr ein Glied. Bei gemischten Speiseopfern nimmt man, was die fünf Finger halten; von Durva drei Spitzen, vom Brennholz jeweils ein Stück.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Maße der Opfergaben.
Kriyapada 9-19. Die Vardhani fasst ein volles Bhara Wasser, der Kumbha ein Khari, der Kalasha ein Drona. Die Karkari wird mit der als „Shiva“ bezeichneten Menge gefüllt, die Ghatika mit einem Adhaka; eine Schale fasst zwei Kuduba. Ein Prasarata-Gefäß, eine Muschel und ebenso die Lampe werden mit einem Kuduba gefüllt. [Quellenhinweis: Die Karkari-Angabe ist in der Vorlage beschädigt beziehungsweise mit Lesungsalternative versehen; die genaue Menge bleibt ungesichert. Die Gefäß- und Volumennamen werden nicht gleichgesetzt.]
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Gefäßmaße.
Kriyapada 9-20. Nun werde ich die Reinigung der Gefäße und Stoffe erklären. Man wasche sie mit Wasser, bis Geruch, anhaftende Salben und Ähnliches verschwunden sind. Man reibe sie auch mit Pulvern ab und wasche sie nochmals mit warmem Wasser. So werden die Gefäße gereinigt; nun folgen besondere Verfahren.
Kriyapada 9-21. Ein Goldgefäß wird mit Wasser gereinigt, sodass der Belag entfernt ist; ein Kupfergefäß mit saurem Wasser, ein silbernes mit Kuhdung. Bronze wird mit Aschenwasser gereinigt, Edelstein mit Sonnenstrahlen oder Wasser. Ein neues Tongefäß reinigt man durch Brennen, ein hölzernes durch Abschaben.
Kriyapada 9-22. Für Eisen wird Reinigung durch Erhitzen gelehrt. Metalle werden durch ihre Bearbeiter gereinigt; auch durch Berührung oder durch Heranbringen an ein Pferdemaul, sofern keine andere Verunreinigung vorliegt. Leder, Seile und Stoffe reinigt man durch Einweichen in Laugenwasser; Flaschenkürbis- und Bambusgefäße mit Wasser und durch Reiben mit Kuhhaaren. [Quellenhinweis: Der Satz über Metall, Berührung und Pferdemaul bleibt in seiner Verknüpfung unsicher. Diese und die folgenden Angaben beschreiben historische rituelle Reinheit.]
Kriyapada 9-23. Auch wassergefüllte Gefäße werden gereinigt, indem man Feuer um sie herumführt. Körner, Früchte, Darbha-Gras, Wurzeln und Opferholz reinigt man durch Besprengen und Waschen. Gefärbte Seiden-, Dukula- und feine Gewänder, deren Farbe beim Begießen mit Wasser ausbleichen würde, werden mit weißem Senf gereinigt.
Kriyapada 9-24. Holz-, Bambus- und Tongefäße sind wegzuwerfen, wenn sie durch Schleim, Speisereste, Ausscheidungen oder gebrauchte Opferreste verunreinigt wurden. Fette werden, sofern keine schwere Verunreinigung vorliegt, durch das Vorüberführen einer Flamme gereinigt; Wasserstellen und Ähnliches nachts durch den Anblick einer Feuerflamme.
Kriyapada 9-25. Erde wird gereinigt, wenn Kühe darauf geweilt haben, wenn ihre Oberfläche umgegraben, gepflügt oder abgetragen wurde. Gebäude reinigt man mit Wasser und gutem Kuhdunganstrich. Auch eine Segenshandlung, das Speisen von Brahmanen oder Abschaben reinigt den Boden. Nach dem Gespräch mit einem als Sünder Geltenden soll ein Gespräch mit einem Brahmanen die Rede reinigen. [Redaktioneller Hinweis: Die soziale Hierarchie dieser Reinheitslehre ist Bestandteil des historischen Textes.]
Kriyapada 9-26. Körper und Geist werden durch Pranayama gereinigt. Nach Berührung von Menschen, die der Text als „unberührbar“ einstuft, soll man bekleidet ins Wasser eintauchen. Nach dem Essen, Niesen, Ausspucken und Gähnen sowie nach dem Anblick von Menschen außerhalb der Kastenordnung und von Hunden vollziehe man das rituelle Wasserschlürfen. [Diese diskriminierende historische Einteilung ist keine heutige spirituelle Handlungsanweisung.]
Kriyapada 9-27. Brunnenwasser wird durch Ausschöpfen gereinigt; große Wassermengen durch kräftige Strömung oder durch Berührung mit Sonnenstrahlen. Feuer wird durch Besprengen mit mantra-geweihtem Wasser gereinigt; rituell unterhaltenes Feuer durch eine Sühnehandlung oder das Verfahren der Feuereröffnung.
Kriyapada 9-28. Duftstoffe und Ähnliches reinigt man durch Besprengen mit Mantrawasser, Milchreis und andere Speisen durch Übergießen mit Ghee. Bei geringfügiger Verunreinigung genügt das Vorüberführen eines brennenden Darbha-Halms. Die Reinigung der übrigen Stoffe ist entsprechend zu erschließen.
Kriyapada 9-29. Allgemein liegt der Grund aller Vorzüglichkeit in der Reinheit der Handlungen, der verwendeten Stoffe und des eigenen Wesens; entscheidend ist dabei die Reinheit des Geistes. Ist der Geist eines Menschen nicht durch Begierde und ähnliche Regungen verdorben, liegen ihm alle vier Lebensziele gleichsam in der Hand.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im Kriyapada, das neunte Kapitel: „Die Merkmale der großen und kleinen Opferlöffel und der weiteren Geräte“.
Zur Besinnung. Der Schlussvers öffnet den Blick von den Gegenständen zum Geist. Für heutige Yoga-Aspiranten liegt darin eine verständliche Anregung: Sorgfalt im äußeren Tun kann von Ehrlichkeit, innerer Klarheit und dem prüfenden Umgang mit den eigenen Wünschen begleitet werden.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 9: Opfergeräte, Gaben und Reinigung
Das Kapitel beschreibt die Geräte und Stoffe des Feueropfers: Schöpflöffel, Reibelholz, Brennholz, Gras, Gefäße und Opfergaben. Es unterscheidet äußere Reinigungsverfahren und die Reinheit des Geistes. Die sozialen Reinheitsgrenzen des historischen Textes bleiben als solche erkennbar.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha navamaḥ paṭalaḥ |
vakṣye sraksuvayośca lakṣaṇamatho srugdhastamātrāyatā
pālāśī khadirodbhavāpi ca tathā syācchāmilī śobhanā |
vedāśraṃ tu mukhaṃ svarāṅgulimitaṃ śreṣṭhaṃ rasairvā śarai -
rmadhyaṃ cāpyadhamaṃ ca nimnamiha tanmadhye tribhāgāstṛtam || 9-1 ||
vistāreṇaṃ samaṃ hi khātamapi tad vṛttaṃ bahirmekhalā -
stisraḥ syuḥ kamalaṃ tathaiva paritastāsāṃ tu madhye bhavet |
kaṇṭho golakavistṛto'ṅgulamito dairghyeṇa taccordhvataḥ
syādagraṃ ca śarāṅgulāyamatho vistāratastatsamam || 9-2 ||
kaṇṭhe syādatha madhyadeśasuṣiraṃ tadvai trikoṇaṃ ghṛtaṃ
nirgaccheddhi yathāyataṃ tadavaṭaṃ yadvat kaniṣṭhā viśet |
tatpṛṣṭhaṃ kamalāṅkitaṃ khalu mukhaṃ sarvaṃ gajoṣṭhopamaṃ
śiṣṭaṃ vartuladaṇḍamasya tu bhavedagraṃ sarojāṅkitam || 9-3 ||
daṇḍāgraṃ pariṇāhataḥ sarasijasyādho yathartvaṅgula
sthūlo'sau kramaśaḥ prakoṣṭhamiva tanmūlaṃ ca vasvaṅgulam |
tatra syādṛpabho'thavā sarasijaṃ ślakṣṇākṛtiḥ sarvato
nirdoṣāñchubhadeśajān kṣitiruhāñchittvā srucaṃ kārayet || 9-4 ||
srunjātaṃ tu bhavet sruvaṃ suvihitaṃ tāladvayāyāmakaṃ
kuryād vartulamaṅgulenaṃ vadanaṃ tasyāvaṭe'rdhāṅgule |
bhittirmadhyagatā smṛtā yavamitā tadgartayoḥ ślakṣṇayoḥ
karṣājyasthitigoṣpadākṛti ca tatpṛṣṭhe yavābhyāṃ sphijau || 9-5 ||
p. 87) sphiṅmadhyena yavapramāṇavihitā rekhā ca vaktrādadhaḥ
kaṇṭhaḥ paṅkajalakṣaṇastu tadadho daṇḍaḥ suvṛttaḥ samaḥ |
daṇḍāgraṃ pariṇāhato'ṅgulamitaṃ mūlaṃ tato'dhyardhataḥ
syād gopucchanibhaṃ galāt prabhṛti tat sthūlaṃ hi mūlaṃ yathā || 9-5 ||
bāhumātryo'ratnimātryo vā sruca ityeke |
sruksruvādhiāraḥ |
chittvā pippalaśākhikāmatha śamīgarbhāṃstathāśvatthato
nirdoṣāṃ(śca) ṣaḍaṅgulāyatasamāñchittvāraṇiṃ kārayet |
syānnāho'sya ṣaḍaṅgulena tu śiro mūle'ṅghriragre smṛto
yonirmadhyagatāṅgulaiḥ śrutimitairmanthānayogyā bhavet || 9-7 ||
aśvatthena tathottarāraṇirapi syāt ṣaḍbhirevāṅgulaiḥ
kuryād bhrāmakamasya khādiramṛjuṃ netraṃ ca rajjuṃ dṛḍhām |
tatrāgniṃ janayet tathendhanamapi tvagvarjitaṃ sāravad
bhinnaṃ śastatarūdbhavaṃ dha(ma)namapyuktaṃ dhavitrādinā || 9-8 ||
araṇividhiḥ |
vakrāḥ śīrṇadalāḥ kṛśāḥ kṛmihatā bhinnāstvaśastāhṛtā
hrasvāḥ sthūlagatatvaco'pyupahatā dīrghāgnidagdhādayaḥ |
varjyāḥ syuḥ samidhaḥ śucisthalabhuvaḥ śeṣāḥ samaṃ cheditā
madhyānāmikayostu nāhasadṛśāḥ śastāḥ kaniṣṭhādhamāḥ || 9-9 ||
idhmo'ṣṭādaśabhiḥ samidbhiruditaḥ prādeśamātro'thavā
ratnyāyāmamitaḥ kvacit paridhayo hastāyatāḥ syustrayaḥ |
dīrgho dakṣiṇatastu paścimaśayaḥ sthūlastanurhrasvakaḥ
saumye kauśikajāśca bālakakuśāḥ śreṣṭhā hi darbhāḥ kramāt || 9-10 ||
vyagrā hastanakhāhṛtāḥ krimihatāḥ karmāntarāyojitā
yāmyā vyāghravilaṅghanādyupahatā dhūmrordhvaśuṣkādayaḥ |
p. 88) varjyāḥ śyāmalakomalāḥ pratinavā lūnārdraśuṣkāstathā darbhāḥ syuryadihāgnikāryapaṭale veṇyādikaṃ cocyate || 9-11 ||
tatra triṃśaddarbhakṛtā veṇiḥ |
aṣṭyatyaṣṭidhṛtyatidhṛtisaṃkhyā vā darbhāḥ, paristaraṇe pūrvāditaḥ syuḥ |
tattvasaṃkhyādarbhairbaddhaṃ kūrcaṃ jñānakhaḍgaḥ, dvātriṃśaddarbhairiti kecit |
darbhadvayena sāmānyam |
darbhapañcakena viśeṣakūrcam iti saṃhitāyām |
idhmābarhiṣāṃ vidhiḥ |
sthālyājyasya bhaveccharāvasadṛśī vistārato'ṣṭāṅgulā
vistārārdhasamucchrayāpi ca bhavennālaṃ ca vedāṅgulam |
vistāreṇa ṣaḍaṅgulocchritasamaṃ pātraṃ praṇītāmbhasāṃ
syādaṣṭāṅgulavistṛtochrayasamā nālānvitā prokṣaṇī || 9-12 ||
atra pauṣkare - sarvatra svarṇarajatatāmramṛnmayāni pātrāṇyuttamamadhyamādhamaphalāni bhavantīti |
aṣṭābhiḥ kuḍubaiḥ prapūritacaruḥ sthālī smṛtātrādhamā
madhyārkasvarasaṃkhyakaiḥ parimitā syāduttamā tāmrajā |
śreṣṭhānyā tvadhamā trisaptakamitā darvyaṅgulānāṃ bhaved
dairghyāt saptaśarāṅgulairiha śirovṛttaṃ tu pucchaṃ dvayāt || 9-13 ||
śālyaḥ syuḥ sitaṣaṣṭikāśca kalamā nīvārajāstaṇḍulāḥ
saṃśuddhāstuṣaśarkarādirahitāḥ śuklāḥ praśastāścaroḥ |
śreṣṭhaṃ yat svapaśorghṛtaṃ navamatha krītaṃ navaṃ madhyamaṃ
krītājyaṃ yadanūtanaṃ tadadhamaṃ gavyaṃ bhaved gālitam || 9-14 ||
kṣaudraṃ gandharasādyadūṣitamapi krītaṃ punargālitaṃ
grāhyaṃ krītasitopalādyabhinavaṃ khaṇḍaṃ gulaṃ caikṣavam |
pūrvaṃ pūrvamiha praśastamakhilaṃ śuddhaṃ ca śuklārjitaṃ
homādeśca tilādidhānyamakhilaṃ prakṣālya saṃśodhitam || 9-15 ||
yaccānyat phalamūlakādi surasaṃ grāhyaṃ viśuddhaṃ navaṃ
tatrāṅguṣṭhamitāhutistu kathitā hyanya(sya ? tra) śālyādiṣu |
syāt pañcāṅgulibhirghṛtaṃ dravaraseṣūktaṃ sruvā pūritaṃ
lājānāṃ khalu muṣṭireva kusumeṣvekaikamabjādiṣu || 9-16 ||
p. 89) vallīnāṃ caturaṅgulaṃ kaṇatile saktuṣvapi syānmṛgī
sāṅguṣṭhā khalu madhyamāṅguliyutā nāmnā mṛgīsaṃjñitā |
gandhānāṃ caṇakīmitaṃ tu badarībījopamaṃ guggulo -
rbhakṣyāṇāṃ ca mahāphalādiṣu bhavedakṣapramāṇāhutiḥ || 9-17 ||
kharjūreṅgudagostanībadarikājambūphalānāṃ tathā
patrāṇāṃ pṛthagekamekamuditā parvaikamikṣorapi |
nānābhakṣyavimiśrahomaviṣaye pañcāṅgulībhirdhṛtaṃ
dūrvāgratritayaṃ tathaiva samidhāmekaikamevāhutiḥ || 9-18 ||
āhutipramāṇam |
syād vardhanyapi pūrṇabhārasalilā kumbhaśca khāryambubhṛd
droṇāmbhaḥparipūritastu kalaśaḥ pū(rṇaḥ ? rṇā)śivāt karkarī |
pūrṇā syād ghaṭikāḍhakena kuḍubadvandvaṃ śarāvaṃ smṛtaṃ
(saṃ)pūrṇaḥ kuḍubena vā prasarataḥ śaṅkhaśca dīpastathā || 9-19 ||
pātramānam |
vakṣye śuddhimapīha pātraviṣayāṃ dravyādikānāṃ tathā
yāvad gandhavilepanādyapagamastāvajjalaiḥ kṣālayet |
cūrṇairapyavagharṣayet punarapi prakṣālya coṣṇairjalaiḥ
prātrāṇāṃ bhavatīha śuddhiradhunā śuddhirviśiṣṭocyate || 9-20 ||
sauvarṇaṃ salilena śudhyati yathā lepāpanodo bhavet
pātraṃ śulbamayaṃ tvathāmlasalilaistārodbhavaṃ gomayāt |
kāṃsyaṃ bhasmajalaistathā maṇimayaṃ sūryāṃśubhirvāmbhasā
mṛtpātraṃ dahanena cedabhinavaṃ tattakṣaṇād dāravam || 9-21 ||
dāhādāyasaśuddhirevamuditā lohāni tatkartṛbhiḥ
sparśād vā turagānanābhigamanācchudhyantyananyāhatau |
śuddhiścarmasu rajjuvastraviṣaye cet kṣāravāriplavāt
syāccālābukavaiṇave'mbupavanaṃ gobālakāgharṣaṇāt || 9-22 ||
p. 90) śuddhiḥ sodakabhājaneṣvapi bhavet paryagnikṛtvā tathā
dhānyānāṃ phaladarbhamūlasamidhāṃ samprokṣaṇādhāvanaiḥ |
kauśeyādidukūlapaṭṭavasanairyānyuptaraṅgāṇi tā -
nyambhassekavirāgakāṇi dhavalaiḥ śudhyanti siddhārthakaiḥ || 9-23 ||
tyājyaṃ dāravavaiṇavādikamatho bhāṇḍaṃ tathā mārtikaṃ
śleṣmocchiṣṭamalādiduṣṭamathavā nirmālyasandūṣitam |
snehānāmapi śuddhirapyupahatirno cedabhidyotanā -
cchudhyetātha jalāśayādiṣu niśāsvagneḥ śikhādarśanāt || 9-24 ||
gobhirvādhyuṣitā nikhānitatalā kṛṣṭāthavā sūddhṛtā
bhūḥ śuddhyed bhavanādikaṃ ca salilaiḥ sadgomayālepitam |
puṇyāhād dvijabhojanena ca tathā collekhanād vā kṣitiḥ
śudhyet pātakinābhibhāṣya vacasāṃ śuddhirdvijābhāṣaṇāt || 9-25 ||
prāṇāyāmaiḥ śudhyati dehaḥ samanaskaḥ spṛṣṭvāspṛśyānapsu nimagnaḥ sahacelaḥ |
jagdhvā yat tad vā kṣutaniṣṭhavinajṛmbhāsvācamyāntejātaśunāmapyavaloke || 9-26 ||
nissāryāmbhaḥ kūpajalādermahadambho vegāt spṛṣṭaṃ vāṃśubhiraṃśoriha śudhyet |
agniḥ śudhyenmantravadambhaḥ pariṣekāt prāyaścittāccāgnimukhādvāhitavahniḥ || 9-27 ||
gandhādīnāṃ mantrajalaiḥ prokṣaṇataḥ syācchuddhiḥ kṣīrānnādiṣu cājyaṃ tvabhighārya |
darbheṇābhidyotanato'lpā prahatiścecchiṣṭānāmapyevamivohyā pariśuddhiḥ || 9-28 ||
sāmānyena śraiṣṭhyaguṇānāmapi hetuḥ karmadravyasvātmasu śuddhirmanaso yā |
śuddhiḥ sā syāt yasya tu rāgādyaviduṣṭā ceccatvāro'pyasya karasthāḥ puruṣārthāḥ || 9-29 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre kriyāpāde sruksruvādilakṣaṇapaṭalo navamaḥ || 9 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 10: Die Aussaat glückverheißender Keime
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 10: Die Aussaat glückverheißender Keime
Die Vorbereitung einer Einweihung oder eines größeren Festes beginnt hier mit der rituellen Aussaat. Gefäße, Samen und Wasser werden geordnet und geweiht; das Wachsen der Keime begleitet mehrere Nächte der Verehrung. Die Deutung der Pflanzen als Vorzeichen gehört zum historischen Ritualverständnis.
Kapiteleröffnung. Nun das zehnte Kapitel.
Kriyapada 10-1. Im Kapitel über die sechs Grundbegriffe wurde die Einweihung bereits mit ihrer Begründung vorgestellt. Nun werde ich sie mit ihren Unterarten und den besonderen Befähigungen des guten Lehrers erklären. [Quellenhinweis: Der Versanfang enthält mehrere ausdrücklich fragliche Lesungen; der erkennbare Satzsinn wird wiedergegeben.]
Kriyapada 10-2. Durch die Diksha wird dem gebundenen Wesen Shivas Zustand gegeben: Daher die Ableitung von der Wurzel „geben“. Zugleich schwinden seine Fesseln und sein Gebundensein: Daher die Ableitung von der Wurzel „schwinden“. [Hinweis: Dies ist die traditionelle sinndeutende Erklärung des Wortes Diksha im Text.]
Kriyapada 10-3. Wenn die Sonne auf ihrem nördlichen Weg zieht, bei zunehmendem Mond, an einem günstigen Wochentag, unter einem passenden eigenen Mondhaus, Aszendenten und Mondtag, vollziehe man die Einweihung an einem für den Betreffenden förderlichen Tag.
Kriyapada 10-4. An einem geeigneten Flussufer, bei einem Tempel, in einem Kuhstall, Kloster oder im eigenen Haus errichte man auf gereinigtem Boden eine gut gebaute quadratische Halle mit den vorgeschriebenen Merkmalen.
Kriyapada 10-5. Östlich oder westlich davon, in einem schönen, ungestörten Gebäude, ist die Aussaat glückverheißender Keime zum Schutz und Gedeihen des Auftraggebers vorgesehen.
Kriyapada 10-6. Bei unterschiedlichen Festen, Einweihungen, Installationen und der Pavitra-Zeremonie wird die Handlung glückverheißend, wenn ihr diese Aussaat vorangeht.
Kriyapada 10-7. Am siebten, neunten oder fünften Tag vor dem geeigneten Opfertag, an einem günstigen Tag und zu guter Stunde, vollziehe man das Ritual der glückverheißenden Keime.
Kriyapada 10-8. Drei Arten von Gefäßen sind dafür vorgesehen: Palika, Ghatika und Schale. Ihre Gottheiten sind der Reihe nach Vishnu, der Lotusgeborene Brahma und Shankara.
Kriyapada 10-9. Die beste Palika ist zwanzig Finger hoch und ebenso weit an der Öffnung. Als mittlere und geringere Formen werden zwei weitere Maße genannt, ausgedrückt durch „acht“ und „Jagati“. [Quellenhinweis: Die Zahlenverbindung „aṣṭajagatī“ bleibt unklar; daraus werden keine ergänzten Standardmaße abgeleitet.]
Kriyapada 10-10. Die Fußbreite beträgt die Hälfte davon, die Halsöffnung ein Drittel. Der gesamte verbleibende Teil ist schön stabförmig und hat denselben Umfang wie der Hals.
Kriyapada 10-11. Das Ghatika genannte Gefäß ist eine Spanne hoch und ebenso breit und besitzt fünf Öffnungen: vier in den Himmelsrichtungen und eine in der Mitte, mit gleichmäßig gerundeten Teilen.
Kriyapada 10-12. Die Schale hat eine spannengroße Öffnung, ist ebenso hoch und hat einen Fuß von der halben Größe. Ihr Stiel misst vier Finger im Umfang; ihr erhöhter Hals hat keine Durchbohrung.
Kriyapada 10-13. Wenn möglich, bestehen sie aus Gold, Silber oder Kupfer; andernfalls nehme man neue Tongefäße. Man wasche sie mit Wasser unter Verwendung des Shiva-Waffenmantras, umwinde ihre Hälse mit Schnüren und stelle sie auf.
Kriyapada 10-14. Man fülle die Gefäße mit reiner Erde, Sand und pulverisiertem Kuhdung, versehe sie mit Kusha-Büscheln und ordne sie im schönen Keimhaus unter einem Baldachin an.
Kriyapada 10-15. Man bestreiche den Boden mit Kuhdungwasser, besprenge ihn mit Wasser unter dem eigenen Grundmantra, den Glieder-Mantras und dem Waffen-Mantra und ziehe mit mehlbestäubten Schnüren das Quadrat nach den bereits gelehrten Merkmalen.
Kriyapada 10-16. Zuerst verehre man den Herrn der Hindernisse und lasse vedakundige Personen die Segensverkündigung sprechen. Das beschriebene Quadrat soll einundachtzig Felder besitzen.
Kriyapada 10-17. In die neun mittleren Felder zeichne man mit weißem Farbpulver einen Lotus mit Samengehäuse, acht Blättern und Staubfäden; seine Mitte werde durch Reis gut erhöht.
Kriyapada 10-18. Dort stelle man auf Kusha-Gras einen mit Schnur umwundenen und beräucherten Krug auf, mit Kusha-Büschel und Gold darin. Man fülle ihn mit dem Nektarwasser, das in der inneren Betrachtung aus dem Dvadashanta herabfließt.
Kriyapada 10-19. Seine Öffnung sei mit frischen Pippala- und Mangosprossen, Duftstoffen, Girlanden, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern versehen; seine Abdeckung reich an Reis und Früchten, geschmückt mit zwei Tüchern und Blumen.
Kriyapada 10-20. Man betrachte darin den leuchtenden Mond, den Herrn der Heilpflanzen, im Matrika-Lotus, umgeben vom Sternenkreis und versehen mit den Kalas, die den sechzehn Vokalen verbunden sind.
Kriyapada 10-21. Man verehre ihn mit besonderen Darbringungen und biete Milchreis mit Ghee an. Auf den mit Farbpulver geschmückten Feldern stelle man die einzelnen Keimgefäße auf.
Kriyapada 10-22. Bei Aditya, Marichi, Vivasvat, Yama, dem Herrn des Wassers, Mitra, Soma und Prithividhara,
Kriyapada 10-23. auf deren Feldern, stelle man der Reihe nach die acht Ghatikas auf. Bei Agni, Pushan, Pitr, Dauvara, Roga und Naga,
Kriyapada 10-24. ferner bei Aditi und Ishana ordne man die Schalen an. In den acht Zwischenfeldern, entsprechend der Folge der Haupt- und Zwischenrichtungen,
Kriyapada 10-25. liegen die angegebenen Plätze der Palikas; dort stelle man sie auf. Zuerst zeichne man die Felder und fülle sie mit weißem Pulver.
Kriyapada 10-26. Auf jedes gebe man ein Adhaka Reis und eine Unterlage aus Darbha. Darauf stelle man die Ghatikas und anderen Gefäße und säe die Samen hinein.
Kriyapada 10-27. Schwarze Bohnen, Mungbohnen, Pferdebohnen, Nishpava-Bohnen, Sesam, Shali-Reis, Senf, Marga, Weizen, Shyamaka-Hirse, Vrihi-Reis und Gerste,
Kriyapada 10-28. Priyangu, Adhaki und Bambus: Diese fünfzehn Samenarten in drei Fünfergruppen sind für die beste Keimaussaat angegeben. [Quellenhinweis: „Marga“ ist in dieser Pflanzenliste nicht sicher identifiziert; die Lesung wird nicht in einen erwarteten Pflanzennamen geändert.]
Kriyapada 10-29. Für die mittlere Form nimmt man zwei Gruppen, für die geringere fünf Samenarten. Man wasche die Samen zuerst mit Wasser, anschließend mit Milch,
Kriyapada 10-30. binde sie fest in ein Tuchstück und lasse sie einen Tag im Wasser liegen. Nach dem Herausnehmen warte man zwei Zeitwachen und säe sie dann aus.
Kriyapada 10-31. Der Mond ist die Gottheit der Samen. Weil er nachts seinen Glanz entfaltet, soll der nach Gedeihen Strebende die Samen gerade in der Nacht säen.
Kriyapada 10-32. Zuerst weihe man sie mit dem Herz-Mantra und säe dann mit diesem Gebet: „Dem Dreiäugigen, Sharva, Shankara und Shiva,
Kriyapada 10-33. dem Höchsten aller Welten, dem Ewigen: Verehrung, Verehrung!“ Mit eben diesem Mantra begieße man sie mit Kurkumawasser.
Kriyapada 10-34. Man verehre sie mit den fünf Darbringungen und bedecke sie mit weißen Tüchern. Sieben Nächte lang bringe man Bali-Gaben nach der nun folgenden Ordnung dar.
Kriyapada 10-35. Brahma, die Bhutas, Indra, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas und Pishachas bilden die sieben Empfängergruppen; die Nächte sind der Reihe nach durch ihre Namen bezeichnet.
Kriyapada 10-36. In der ersten, Brahma gewidmeten Nacht besteht die Bali-Gabe aus Speise, Blumen und Kusha. Speise mit Dickmilch, Kurkumapulver, geröstetem Reis, Mehl und Sesam
Kriyapada 10-37. heißt Bhutakrura und ist in der Bhuta-Nacht darzubringen. Speise, Mehl, Milch und Dickmilch, vermischt mit dem Saft der Indravalli,
Kriyapada 10-38. gebe der Lehrer als Bali in der dritten, Indra gewidmeten Nacht. In der vierten, der Gandharva-Nacht, nimmt man Bambusreis mit Milch.
Kriyapada 10-39. In der fünften, Yaksha genannten Nacht besteht die Gabe aus Blumen, Speise, Ghee und Wasser; in der sechsten, der Rakshasa-Nacht, aus roter Speise mit Hülsen und Erde.
Kriyapada 10-40. In der siebten, den Pishachas gewidmeten Nacht gebe man Bohnenspeise, Reis-Hülsenfruchtbrei, Honig und Kurkumapulver, reich an Öl und mit Fleisch.
Kriyapada 10-41. Manche Lehrer nennen die sieben Gruppen anders; auch dies wird hier erklärt: Bhutas, Ahnen und Guhyakas,
Kriyapada 10-42. Nagas, Brahma, Shiva und Vishnu sind dann die Gottheiten der sieben Nächte. Die Bali-Gaben übergebe man jeweils mit ihren Namen, der heiligen Silbe am Anfang und Verehrung am Ende.
Kriyapada 10-43. In der ersten, Bhuta genannten Nacht gebe man Bhutakrura; in der zweiten, der Ahnennacht, Sesam mit Reis.
Kriyapada 10-44. In der dritten, der Yaksha-Nacht, Kokoswasser und gekochten Shali-Reis; in der vierten, der Naga-Nacht, Milch, Teig, Mehl und Wasser.
Kriyapada 10-45. In der fünften, Brahma gewidmeten Nacht, Speise mit Lotussamen und Ghee; in der sechsten, der Shiva-Nacht, Speise mit Kuchen und Ghee.
Kriyapada 10-46. In der siebten, Vishnu gewidmeten Nacht, ist die Bali-Gabe Reis mit Zuckerrohrmelasse und Ghee. Sind es neun Tage, folgen Milchreis und Reis-Hülsenfruchtbrei.
Kriyapada 10-47. Die jeweils bezeichnete Gottheitengruppe verehre man mit der genannten Gabe. Niemand sonst soll die Keime betrachten.
Kriyapada 10-48. Nur der Lehrer soll eintreten oder sein Schüler auf seine Anweisung hin. Anhand der aufgeschossenen Keime soll er dem Auftraggeber günstige und ungünstige Vorzeichen deuten.
Kriyapada 10-49. Dunkle oder schwarze Keime deutet er als Vermögensverlust, seitwärts gewachsene und rötliche als Krankheit, gekrümmte als Leid, nicht aufgegangene als Tod, abgebrochene als Verlust von Stellung, Heimat oder Liebgewonnenem. [Hinweis: Der Text beschreibt hier historische Omenlehre; Pflanzenwuchs liefert keine solche persönliche Krankheits- oder Todesdiagnose.]
Kriyapada 10-50. Weiße oder gelbe, kräftig und vollständig aufgegangene, rasch gewachsene, schöne und langgestreckte Keime gelten als Zeichen dafür, dass der Auftraggeber Glück, Gedeihen, die vollständige Erfüllung seiner Wünsche und Wohlergehen erlangt.
Kriyapada 10-51. Erkennt der Lehrer ungünstige Keime, vollziehe er einen befriedenden Ritus: Er opfere Sesam mit dem Grundmantra, den Glieder- und Brahma-Mantras und schließe mit den heiligen Weltanrufungen. Dadurch soll ein günstiger Ausgang herbeigeführt werden.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das zehnte Kapitel: „Die Darbringung der Keime“.
Zur Besinnung. Die Keimaussaat gibt einer bevorstehenden Handlung Zeit zum Reifen. Als heutige spirituelle Anregung kann sie daran erinnern, einen Entschluss mit Sorgfalt vorzubereiten und sein Wachstum geduldig zu begleiten. Diese Betrachtung ist von den historischen Vorzeichendeutungen des Kapitels zu unterscheiden.

Moderne Begleitung: Shiva-Shakti-Philosophie und Tantra
Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 10: Die Aussaat glückverheißender Keime
Die Vorbereitung einer Einweihung oder eines größeren Festes beginnt hier mit der rituellen Aussaat. Gefäße, Samen und Wasser werden geordnet und geweiht; das Wachsen der Keime begleitet mehrere Nächte der Verehrung. Die Deutung der Pflanzen als Vorzeichen gehört zum historischen Ritualverständnis.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha daśamaḥ paṭalaḥ |
prastu(taiḥ ? tā) pratha (ma) mā (vi ? gama) dīkṣā ṣaṭpadārthapaṭale savicāram |
sadguruṃ tadadhikāraviśeṣaiḥ saprabhedamapi tāṃ kathayiṣye || 10-1 ||
dīyate yadanayā śivabhāvo dīkṣayā hi paśave'tra dadāteḥ |
kṣīyate'sya saha pāśapaśutvaṃ kṣikṣayārthapariniṣṭhitadhātoḥ || 10-2 ||
vittanāthapathayāyini sūrye vṛddhimatyuḍupatau śubhavāre |
svarkṣalagnatithiyogini kuryāt svānukūladivase khalu dīkṣām || 10-3 ||
śastasindhutaṭadevagṛhādau goṣṭhake'pyatha maṭhe svagṛhe vā |
śodhite bhuvi salakṣaṇamiṣṭaṃ maṇḍapaṃ ca sukṛtaṃ caturaśram || 10-4 ||
tasya pūrvadiśi paścimato vā śobhane'tra bhavane suvivikte |
rakṣaṇāya yajamānasamṛddhyai maṅgalāṅkuraviropaṇamiṣṭam || 10-5 ||
utsaveṣu vividheṣvapi dīkṣāsthāpanādiṣu pavitravidhau ca |
maṅgalāṅkuraviropaṇapūrvaṃ maṅgalaṃ bhavati karma kṛtaṃ tat || 10-6 ||
śastayāgadivasāt tu purastāt saptame'hani śubhe navame vā |
pañcame'pi sudine sumuhūrte maṅgalāṅkuravidhiṃ vidadhīta || 10-7 ||
pātramatra vihitaṃ trividhaṃ tat pālikā ca ghaṭikā ca śarāvam |
viṣṇupadmabhavaśaṅkaradaivaṃ tattrayaṃ pṛthaganukramaśaḥ syāt || 10-8 ||
aṅgulāni khalu viṃśatiruccaiḥ pālikā vadanavistarato'pi |
uttamāṣṭajagatīparisaṃkhye madhyamādhamavidhau kathite dve || 10-9 ||
pādavistṛtirato'rdhamitā syāt tantribhāgamitakaṇṭhabilaṃ ca |
daṇḍavadbhavati śiṣṭamaśeṣaṃ kaṇṭhatulyapariṇāhamanojñam || 10-10 ||
uccavistarasamā ghaṭikākhyā tālamātramiha pañcamukhī syāt |
dikṣu tanmukhacatuṣṭayamekaṃ madhyatastu samavartitabhāgam || 10-11 ||
tālavistṛtamukhaṃ tu śarāvaṃ tatsamocchritamato'rdhamitāṅghri |
daṇḍamasya caturaṅgulanābhaṃ kaṇṭhamasya bilavarjyamudagram || 10-12 ||
sambhave kanakarūpyakatāmrairmārtikānyabhinavānyathavā syuḥ |
kṣālitāni salilena śivāstrāt sūtraveṣṭitagalāni nidadhyāt || 10-13 ||
p. 92) śuddhamṛtsikatagomayacūrṇaiḥ pūritāni kuśakūrcayutāni |
maṅgalāṅkuragṛhe savitāne pātrakāṇi vidadhātu manojñe || 10-14 ||
gomayādbhirupalipya tu bhūmiṃ svāṅgamūlamanuyuktajalāstrāt |
prokṣya piṣṭaparirūṣitasūtrairuktalakṣmavihite caturaśre || 10-15 ||
vighnarājamabhipūjya purastāt puṇyakāhamapi vedaviśiṣṭaiḥ |
vācayedadhikamekamaśīteḥ syuḥ padāni kathite caturaśre || 10-16 ||
madhyato navapadairatha śuklaṃ karṇikāṣṭadalakesaraśobhi |
ālikhet sarasijaṃ tu rajobhiḥ śālibhiḥ suvihitocchritamadhyamam || 10-17 ||
tatra sūtraviniveṣṭitakumbhaṃ dhūpitaṃ tu vinidhāya kuśeṣu |
dvādaśāntagalitāmṛtatoyaiḥ pūrayet sakuśakūrcahiraṇyam || 10-18 ||
pippalāmranavapallavagandhairmālyadāmakusumākṣatavaktram |
śālitaṇḍulaphalāḍhyavidhānaṃ vastrayugmakusumairabhirāmam || 10-19 ||
mātṛkāmbujagataṃ tu kalābhiḥ ṣoḍaśasvarayutābhirupetam |
taṃ vibhāvya śiśirāṃśumudaṃśuṃ svauṣadhīśamuḍucakrasametam || 10-20 ||
pūjayet tadupacāraviśeṣaiḥ pāyasaṃ ca saghṛtaṃ vinivedya |
śobhiteṣu rajasātha padeṣu sthāpayet tu pṛthagaṅkurapātram || 10-21 ||
āditye samarīce ca vivasvati yame tathā |
jalādhipe ca mitre ca some ca pṛthivīdhare || 10-22 ||
eṣāṃ padeṣu ghaṭikāḥ sthāpayedaṣṭa vai kramāt |
agnau pūṣaṇi pitrākhye dauvāre roganāgayoḥ || 10-23 ||
aditāvapi ceśāne śarāvāṇyabhivinyaset |
eṣāṃ madhyapadeṣvaṣṭau digvidikkramayogataḥ || 10-24 ||
sthānāni pālikānāṃ tu kathitānyeṣu vinyaset |
padānyādau vilikhyaiṣu śuklacūrṇena pūrayet || 10-25 ||
pṛthakchālyāḍhake kṣiptvā darbhaviṣṭarake pṛthak |
prasthāpya ghaṭikādīni teṣu bījāni vāpayet || 10-26 ||
p. 93) māṣamudgakulasthāni niṣpāvatilaśālayaḥ |
sarṣapā mārgagodhūmaśyāmākavrīhayo yavāḥ || 10-27 ||
priyaṅgavastathāḍhakyo veṇavaścetyanukramāt |
tripañcavargabījāni kathitānyuttamāṅkure || 10-28 ||
vargadvayaṃ madhyame syādadhame bījapañcakam |
bījāni kṣālayitvādbhiḥ kṣīreṇa tadanantaram || 10-29 ||
vastrakhaṇḍe dṛḍhaṃ baddhvā dinamātraṃ jale sthitam |
uddhṛtya yāmadvitaye samatīte tu vāpayet || 10-30 ||
bījānāṃ daivataṃ somaḥ sa rātrau kāntimān yataḥ |
tasmād bubhukṣurbījāni niśāyāmeva vāpayet || 10-31 ||
abhimantrya hṛdā pūrvaṃ mantreṇānena vāpayet |
oṃ tryambakāya śarvāya śaṅkarāya śivāya ca || 10-32 ||
sarvalokapradhānāya śāśvatāya namo namaḥ |
anenaiva tu mantreṇa siñceddhāridravāriṇā || 10-33 ||
pañcopacāreṇābhyarcya cācchādya vasanaiḥ sitaiḥ |
saptarātraṃ baliṃ dadyād vakṣyamāṇakrameṇa tu || 10-34 ||
brahmabhūtendragandharvayakṣarakṣaḥ piśācakāḥ |
gaṇā balibhujaḥ sapta kramāt tannāmalakṣitāḥ || 10-35 ||
sānnapuṣpakuśaṃ brahmarātre tu prathame baliḥ |
annaṃ dadhi niśācūrṇaṃ lājasaktutilānvitam || 10-36 ||
bhūtakrūramiti khyātaṃ bhūtarātre pradāpayet |
indravallīrasonmiśramannaṃ saktupayodadhi || 10-37 ||
indrarātre tṛtīye tu baliṃ dadyāt tu deśikaḥ |
vaiṇavānnaṃ payoyuktaṃ gāndharve syāccaturthake || 10-38 ||
pañcame yakṣarātrākhye puṣpānnājyāmbubhirbaliḥ |
raktānnaṃ satuṣaṃ mṛtsnāyuktaṃ ṣaṣṭhe tu rākṣase || 10-39 ||
p. 94) saptame tvatha paiśāce māṣānnaṃ kṛsaraṃ madhu |
hāridracūrṇaṃ tailāḍhyaṃ sāmiṣaṃ tu pradāpayet || 10-40 ||
anyathā kecidācāryāḥ prāhurvaiḥ gaṇasaptakam |
taccātra kathyate bhūtāḥ pitaro'pi ca guhyakāḥ || 10-41 ||
nāgā brahmā śivo viṣṇurdevatāḥ saptarātriṣu |
praṇavādinamontaiḥ svairnāmabhirdāpayed balim || 10-42 ||
prathame bhūtarātre tu bhūtakrūreṇa dāpayet |
tilaistaṇḍulamiśraistu pitṛrātre dvitīyake || 10-43 ||
tṛtīye nālikerāmbhaḥśālyannairyakṣarātrake |
sakṣīrapiṣṭasaktvadbhirnāgarātre caturthake || 10-44 ||
sapadmākṣānnamājyaṃ ca brahmarātre tu pañcame |
sāpūpānnena sājyena ṣaṣṭhe śaive tu dāpayed || 10-45 ||
gulaudanena sājyena saptame vaiṣṇave baliḥ |
yadā nava syurdivasāḥ pāyasaṃ kṛsaraṃ kramāt || 10-46 ||
uddiṣṭadaivatagaṇamuddiṣṭabalinārcayet |
na kaścidaṅkurāṇyanyo nirīkṣeta kadācana || 10-47 ||
ācārya eva praviśet tacchiṣyo vā tadājñayā |
ārūḍhairaṅkuraiḥ karturnirdiśet tu śubhāśubham || 10-48 ||
śyāmaiḥ kṛṣṇairaṅkurairarthahāniṃ tiryagrūḍhairvyādhimālohitaiśca |
kubjairduḥkhaṃ (tatpra ? tvapra)rūḍhairmṛtiṃ ca brūyād bhagnaiḥ sthānadeśeṣṭahānim || 10-49 ||
śuklaiḥ pītaiḥ samprarūḍhaiḥ supūrṇaiḥ śīghrotpannaiścārubhirvyāyataiśca |
lakṣmīṃ puṣṭiṃ ceṣṭasiddhiṃ samagrāṃ kartā vindedaṅkurairmaṅgalaṃ ca || 10-50 ||
ācāryastatrāṅkureṣvapraśasteṣvālakṣyāsmin śāntikaṃ karma kuryāt |
mūlenāṅgairbrahmabhiścātha hutvā vyāhṛtyantaṃ śobhanaṃ syāt tilaiśca || 10-51 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde aṅkurārpaṇapaṭalo daśamaḥ || 10 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 11: Lehrer, Schüler und Vorbereitung der Einweihung
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 11: Lehrer, Schüler und Vorbereitung der Einweihung
Dieses Kapitel fragt nach der Eignung des Lehrers und des Schülers und beschreibt die Vorbereitung der Diksha. Es führt zahlreiche Agama-Zitate an. Neben Wissen, Mitgefühl und innerer Sammlung nennt es auch Herkunfts- und Körpermerkmale als Zulassungskriterien. Diese historischen, teils diskriminierenden Wertungen sind von heutigen Maßstäben geistlicher Begleitung zu unterscheiden.
Kapiteleröffnung. Nun das elfte Kapitel.
Kriyapada 11-1. Bei Einweihungen und Weihebegießungen prüfe der vorzügliche Lehrer die zuvor genannten günstigen Zeiten: Ort und Zeitpunkt sollen für Schüler und Lehrer förderlich sein.
Kriyapada 11-2. Der Frühling gilt als beste, die kühle Jahreszeit als mittlere, der Sommer als geringere Zeit. Erwünscht ist die helle Mondhälfte. Freitag, Mittwoch, Montag und Donnerstag gelten als günstig; Neumond und die als „leer“ bezeichneten Mondtage sind zu meiden.
Kriyapada 11-3. Als unbehinderte Mondhäuser für Einweihungen und Weihebegießungen werden Tishya und die den Gottheiten Prajesha, Aditi, Soma, Vishnu, Brahma, Indra, Pushan, Wind und Nirriti zugehörigen genannt, ferner das Mitra-Mondhaus und die Uttara-Mondhäuser. [Hinweis: Die Quelle benennt mehrere Mondhäuser über ihre Gottheiten. Diese Benennungen bleiben erhalten, ohne eine hier nicht belegte Zuordnungstabelle einzusetzen.]
Kriyapada 11-4. Der Lehrer bestimme außerdem Aszendent und weitere von Sternkundigen als günstig und frei von Unglück betrachtete Umstände. Dann weihe er die Schüler entsprechend ihrer Befähigung ein.
Kriyapada 11-5. Zum Amt des Acharya berechtigt ist nach dieser Lehre ein Brahmane aus angesehener Gegend und Familie, gelehrt, von gutem Charakter, rein, verständig, mit günstig gedeuteten Körpermerkmalen und freundlichem Wesen.
Kriyapada 11-6. Ein Guru soll der Wahrheit verpflichtet sein, in innerer Ruhe, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit und Dharma feststehen, dem achtgliedrigen Yoga hingegeben und mit Shivas Lehre vertraut sein. Ihn schmücke die achtfache Hingabe an Shiva; er sei freigebig und stets eine Stätte des Mitgefühls.
Kriyapada 11-7. Auch der Schüler soll besonnen, dankbar, von guter Herkunft und gutem Charakter sein, Shiva und dem Guru hingegeben, bescheiden, bereitwillig dienend und großzügig im Geben des Erwünschten. Er sei mit Gierlosigkeit und weiteren guten Eigenschaften versehen.
Kriyapada 11-8. Wer durch Gelehrsamkeit, Charakter, Lebensführung, Vorzüglichkeit, Vermögen und Hingabe Gewicht besitzt und anderen seine Gunst zuwendet, der wird Guru genannt.
Kriyapada 11-9. Wer in den vom Tantra bezeichneten Ländern geboren ist, in Askese lebt und durch Erkenntnis anderen den Weg zum Heil zeigt, ist ein Deshika.
Unnummerierte Worterklärung nach 11-9. „Weil er entsprechend dem Land beziehungsweise der Unterweisung wandelt, heißt er Deshika.“ [Hinweis: Die Quelle spielt mit der Wortverwandtschaft; die Doppeldeutigkeit lässt sich im Deutschen nur erläutern.]
Kriyapada 11-10. Wer hinsichtlich Herkunftsland, Geburt und Lebensführung als geeignet gilt, beim Guru Zuflucht sucht und sein eigenes Wesen durch gute Eigenschaften vervollkommnen will, heißt Schüler.
Unnummerierte grammatische Erklärung nach 11-10. Das Wort wird mit der Endung „kyap“ von der Wurzel „shas“ in der Bedeutung „unterweisen“ gebildet.
Unnummerierte Belegsammlung nach 11-10
Die folgenden Zitate zeigen die unterschiedlichen Kriterien der herangezogenen Traditionen. Die regionale und soziale Rangordnung ist ihre historische Aussage, keine Bewertung heutiger Menschen.
Mahendra. „Die Länder zwischen dem Agastya-Gebiet und dem Himalaya, ausgenommen die acht mit K beginnenden, gelten als geeignet für Lehrer.“ So und Weiteres im Mahendra.
Vira. „Ein gelehrter Zweimalgeborener, der im Land zwischen Kumari und dem Himalaya geboren ist, wo die schwarze Antilope von Natur aus lebt, ist zum Lehramt geeignet.“
Pratishthasamuccaya. „Er stammt aus Aryavarta oder einem anderen Land, ausgenommen die acht mit K beginnenden; er ist von guter Familie, kundig, geschickt, bescheiden und angenehm anzusehen. Er kennt die Grundwahrheiten des Shaiva-Siddhanta und beherrscht die Tantras der Installation.“
Yogashiva-Paddhati. „Die besten Gurus stammen aus Madhyadesha, Kurukshetra, Lata, Ujjayini, Antarvedi, Pratishthana und Avanti. Als sieben mittlere Gruppen gelten Gaudas, aus Suhya Stammende, Tairas, Magadhas, Keralas, Kosalas und Dasharnas. Als geringere werden die aus Karnataka, Maharashtra und Kacchanira Stammenden sowie Kalingas, Lambakas und Kambojas betrachtet. Lehrer aus Kanchi, Kashmir, Saurashtra, Pandya und anderen Ländern sowie aus dem Kaveri-Gebiet und Konkan werden missbilligt.
Auch Kunda und weitere so bezeichnete Personen sowie von Krankheit Betroffene gelten als ungeeignet, selbst wenn sie aus einem anerkannten Land stammen. Wer von einem aus seinem Gelübde Gefallenen oder aus der Gemeinschaft Ausgeschlossenen abstammt, wird als niedrig bezeichnet; die beiden Bhasma und Ankura Genannten sind bei allen Handlungen als missbilligt zu meiden. [Quellenhinweis: Diese Personengruppen und Abstammungsbezeichnungen bleiben in der vorliegenden Passage unzureichend erklärt; ihnen werden keine unbelegten Definitionen hinzugefügt.]
Wer zuvor die Kennzeichen einer anderen Gemeinschaft trug, sie ablegte und später shivaitisch eingeweiht wurde, gilt ebenfalls bei Installationen als missbilligt und nicht zum Lehramt berechtigt. Wer ohne Shiva-Einweihung bloß Lehrtexte vorträgt, heißt ein ‚Selbstentstandener‘ und wird bei shivaitischen Handlungen missbilligt.
Entsagende, Menschen mit fehlenden Gliedmaßen oder abweichender Körpergestalt, von Klosterkost Lebende, …, Bucklige und die als ‚Nasika‘ Bezeichneten werden missbilligt. [Hier fehlt in der Quelle ein mit Sternchen markierter Teil; die letzte Personenbezeichnung ist unklar.]
Karnataka, Kalinga, Kaccha, Kashmir, Konkan, Karahata, Kamboja und Kamarupa heißen die acht mit K beginnenden Länder, die für Lehrer ausgeschlossen werden.“
Vijaya. Einige nennen diese „Kikata“ – so im Vijaya.
Manjari. „Ein grausamer, wenig kundiger, einem Laster ergebener, undankbarer, heuchlerischer oder wieder eingetretener Mann, einer ohne Hingabe an den Guru, ein Neidischer, Sinnengenuss-Süchtiger oder bloßer Streitlogiker ist bei Installationen und anderen Ritualhandlungen zu meiden.“ [Hinweis: Die Personenbezeichnung „punarbhū“ ist in diesem Zusammenhang nicht näher erläutert.]
Devyamata, Verweis auf weitere Verse. Mit Versen, die beginnen „Ein Entsagender, ein Gottesleugner, ein Ambashtha …“, nennt das Devyamata Personen, die nicht zum Guru-Amt geeignet seien. [Die Quelle zitiert hier selbst nur den Anfang; es werden keine fehlenden Verse ergänzt.]
Svayambhuva. „Der Acharya sei ausgeglichen, von Würde, ein Erstgeborener und von sehr feinem Wesen …“ Der anschließende Kommentar erklärt: „Erstgeborener“ bedeutet Brahmane, weil er als zuerst aus Brahma geboren gilt.
Brahmashambhu. „Ein Guru sei durch Herkunftsland, Geburt, Gelehrsamkeit, Erscheinung, Lebensführung, Charakter und weitere Eigenschaften ausgezeichnet, mit innerer Kraft und Ausstrahlung versehen und von einem Guru eingesetzt.“ So und Weiteres bei Brahmashambhu.
Somashambhu. „So wird die Einweihung durch einen Acharya entsprechend seiner Befugnis ausgeführt. Dieser soll aus einem anerkannten Land stammen, von guter Erscheinung, gelehrt und von gutem Charakter sein.“
Matanga. „Der vorzügliche Lehrer hat die Ritualhandlungen selbst kennengelernt, ist rein und geschickt, der Förderung der Schüler ganz hingegeben, kennt Shivas wahres Wesen, ist gelehrt und erkennt den Atman.“
Bhojaraja. So beschaffene Einweihungen, mit der Bhuta-Einweihung beginnend, werden von einem vollgültigen Acharya ausgeführt. Er soll aus Aryavarta oder einem anderen geeigneten Gebiet stammen, mit Gelehrsamkeit, Charakter, guten Eigenschaften und rechter Lebensführung ausgestattet sein und reine Absicht besitzen. [Hinweis: Die Verbindung „bhūtādidīkṣā“ bleibt örtlich unklar; die Bezeichnung wird nicht zu einer anderen Einweihungsart korrigiert.]
Prayogamanjari. „Vorzüglich in Herkunftsland, Familie und Gesinnung, bescheiden, redegewandt und von guter Familie …“
Devyamata. „Der Acharya kennt Shivas Lehre, stammt aus einem anerkannten Land, lebt als Brahmacharin oder Haushälter und ist ganz auf die Hingabe an Shiva ausgerichtet. Er wird Deshika genannt, wenn sein Geburtsmondhaus dem Auftraggeber günstig ist.“
Ajita. „Ein König, der von einem Guru mit allen erforderlichen Merkmalen eingeweiht wird, erlangt alle Wünsche und jenseits Shivas heilsamen Zustand. Ob mit verfilztem Haar, geschorenem Kopf oder Haarbüschel: Ein Zweimalgeborener aus anerkanntem Land, der den wahren Sinn der Shiva-Lehre kennt, Gelehrsamkeit und rechte Lebensführung besitzt und in Rede, Geist und körperlichem Handeln stets allein bei Shiva Zuflucht sucht, wird hier als Acharya für Shiva-Einweihung und verwandte Riten bezeichnet.“
Santanika. „Ein Guru ist gelehrt, von heiterem Wesen, durch Shiva-Einweihung geweiht, mit den Shiva-Agamas vertraut, verständig und ganz der Shiva-Verehrung hingegeben. Er trägt eine Rudraksha-Kette und die drei Aschenstreifen, stammt aus rein geachtetem Land und Geschlecht, besitzt Charakter und rechte Lebensführung und kennt die Wahrheit des Sinnes von Veda und Lehrschriften.“
Sarvajnanottara. „Ein Land, in dem die schwarze Antilope von Natur aus umherzieht und Brahmanen ansässig sind, soll als für Opfer geeignet gelten. Ein Acharya, der unter den entsprechenden Orts- und Zeitbedingungen geboren ist, wird von den Lehrschriften anerkannt.“
Pratishtha-Paddhati. „Er stammt aus günstigem Land, besitzt Würde und kennt Wörter, Sätze und Erkenntnismittel. Am Sinn der Shiva-Lehre findet er Genüge; überall ist er ein Hort des Mitgefühls. Er hat das Acharya-Gelübde erfüllt, ist mit Mantras vertraut, von heiterem Herzen und Gesicht und kennt sich bei der fortlaufenden Ritualausführung mit den Merkmalen des Linga und der weiteren Gegenstände aus.
Seine Abstammungsfolge ist unversehrt; er lebt als Brahmacharin oder Haushälter. Ein Haushälter in erblicher Lehrertradition, der die Regeln und Verpflichtungen wahrt, gilt als vorzüglich. Wer früher ein Bhautika-Brahmacharin war und später Haushälter wird, heißt Bhautika-Haushälter und wird von Kennern Acharya genannt. Auch er ist vorzüglich; sein Sohn wird dann zum Guru einer erblichen Tradition.
Er kennt das Prinzip der Durchdringung durch die Gottheit, beherrscht den sechsfachen Weg und versteht günstige und ungünstige Vorzeichen. Doch wozu viele Worte? Rechte Geburt, umfassende Erkenntnis und Lebensführung sind die drei ersten Eigenschaften. Wer sie besitzt, ist ein vorzüglicher Guru, der die Früchte aller Wünsche gewährt.“ [Hinweis: Bhautika und Santanika sind hier historische Kategorien des Lehrerstandes; ihre unterschiedlichen Herkunftsmodelle bleiben getrennt.]
Mohashurottara. „Wer das Vidya-Gelübde vollendet hat, mit Mantras vertraut, erkenntnisreich und gut gesammelt ist, an der heiligen Asche festhält und als Entsagender bekannt ist, kann Guru sein; ebenso ein Bhautika.“ [Quellenhinweis: Der in der Quelle angeführte Werktitel wird in dieser Form bewahrt.]
Parakhya. „Der Guru, der der Lebensführung eines Brahmanen folgt, soll dies stets beachten. Wer sich so verhält, ist verehrungswürdig; ein Brahman-Kenner ist ein solcher Guru, o Zweimalgeborener!“
Vatulottara. „Von günstig erachteter Geburt, in guter Lebensführung feststehend und aus geeignetem Land stammend; den Ritualhandlungen hingegeben, friedvoll, rechtschaffen und seinem Guru zugetan; den zu ihm Gekommenen Freude bereitend, rein, fest im Gelübde, durch Wissen Furchtlosigkeit gebend, frei von Gier und Unbeständigkeit: Wer würde nicht von Bindung frei, wenn er einen solchen Guru gefunden hat?“
Sarvajnanasamudra, Zitatanfang. „Rechtschaffen, wahrhaftig …“ [Hinweis: Die Quellform des zweiten Wortes ist auffällig; der erkennbare Sinn wird wiedergegeben.]
Paushkara. „Auch wenn er alle äußeren Merkmale vermissen lässt, gilt der Erkenntnisreiche als Guru. Erkenntnis bedeutet die Einsicht in die Wirklichkeitsprinzipien, gestützt auf das Wissen um den sechsfachen Weg.“
Brihatkalottara. „Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas gelten, wenn sie gereinigt sind, als geeignete Übende. Als Acharyas wirken sie von ihrem eigenen Stand aus in der absteigenden Reihenfolge, o Sechsgesichtiger!“ [Hinweis: Die hier zugelassene größere Spannweite bleibt neben den engeren Kriterien anderer Zitate bestehen.]
Fortsetzung der nummerierten Lehre
Kriyapada 11-11. Wozu viele weitere Worte, die das Buch nur schwerer machen? Aufgrund der Vielzahl solcher Agama-Aussagen gilt hier gerade der Brahmane,
Kriyapada 11-12. wenn er eingeweiht, mit den vorgeschriebenen Eigenschaften versehen, freundlich und angenehm sprechend ist, als geeignet zum Guru eines Königs und anderer Menschen – daran besteht nach dieser Lehre kein Zweifel.
Kriyapada 11-13. Wer Herkunft, Charakter und rechte Lebensführung besitzt, dem Guru zugetan ist, bei ihm das Tantra studiert hat und durch die Sadhaka-Einweihung gereinigt wurde,
Kriyapada 11-14. wer mit fester Hingabe die Mantras verwirklicht, der heißt Sadhaka. Er erkenne die Welt des Kreislaufs als ohne bleibenden Kern und die menschliche Geburt als schwer zu erlangen.
Kriyapada 11-15. Er erhebe sein Selbst durch sich selbst und lasse es nicht absinken. Um hier und jenseits Wohlstand und Lebensgenuss zu erlangen, ebenso um Befreiung zu gewinnen,
Kriyapada 11-16. gibt es nach dieser Lehre kein anderes leicht zugängliches und vorzügliches Mittel als die Zuflucht zu Shiva. Wie Zweimalgeborene vor der Einführung in das Studium zu ihren Aufgaben und zum Lernen
Kriyapada 11-17. noch nicht berechtigt sind, sondern erst nach der Upanayana-Zeremonie, so besitzen auch Nichteingeweihte für tantrische Mantras, Verehrung und weitere Handlungen
Unnummerierte Fortsetzung vor 11-18. keine Befugnis. Darum soll man sich durch Shiva weihen lassen.
Unnummerierte Zitateinleitung. Denn es heißt:
Kriyapada 11-18. Wer nicht Rudra geworden ist, soll Rudra nicht innerlich vergegenwärtigen; wer nicht Rudra geworden ist, soll Rudra nicht verehren.
Kriyapada 11-19. Wer nicht Rudra geworden ist, soll Rudra nicht preisen; wer nicht Rudra geworden ist, kann Rudra nicht erlangen. Hat der Verständige das Shiva-Gelübde angenommen, bewahre er es täglich.
Unnummerierte Einführung. Es lautet beispielsweise:
Unnummeriertes Zitat aus dem Shivadharma nach 11-19. „Lieber würde mir der Kopf abgeschlagen, lieber würde ich sterben, als zu essen, ohne zuvor den erhabenen Dreiäugigen verehrt zu haben. In den drei Welten gibt es hier keinen Dharma, der Shivas Verehrung gleichkäme. Wer dies erkannt hat, soll Sadashiva stets mit Sorgfalt verehren.“ [Redaktioneller Hinweis: Die drastische Gelübdesprache unterstreicht die Verbindlichkeit der historischen Observanz; sie ist keine Aufforderung zur Selbstverletzung.]
Kriyapada 11-20. Deshalb sollen Samayins, Sadhakas und Gurus Sadashiva täglich mit sorgsamer Hingabe verehren.
Unnummeriertes, Patanjali zugeschriebenes Zitat nach 11-20. „Selbst wenn jemand nur zufällig eine einzige, schon duftlose Blüte zu deinen Lotusfüßen niederlegt, o Vielgestaltiger, genießt er in dieser Welt wahrlich viele überaus süße Früchte!“ [Quellenhinweis: Die Zuschreibung an Patanjali ist die Angabe dieses Werkes; eine Identität mit dem Verfasser der Yoga-Sutras wird damit nicht behauptet.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das elfte Kapitel: „Die Merkmale des Sadhaka und des Acharya“.
Zur Besinnung. Zwischen den unterschiedlichen historischen Zulassungsregeln treten Eigenschaften hervor, die auch heute verständlich sind: Wissen, Aufrichtigkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl. Besonders bemerkenswert ist das zitierte Paushkara-Wort, das Erkenntnis höher gewichtet als äußere Merkmale. Geistliche Begleitung lässt sich daran prüfen, ob sie Klarheit fördert und Menschen zugewandt bleibt.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 11: Lehrer, Schüler und Vorbereitung der Einweihung
Dieses Kapitel fragt nach der Eignung des Lehrers und des Schülers und beschreibt die Vorbereitung der Diksha. Es führt zahlreiche Agama-Zitate an. Neben Wissen, Mitgefühl und innerer Sammlung nennt es auch Herkunfts- und Körpermerkmale als Zulassungskriterien. Diese historischen, teils diskriminierenden Wertungen sind von heutigen Maßstäben geistlicher Begleitung zu unterscheiden.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels

Moderne Begleitung: Shiva-Shakti-Philosophie und Tantra
Dieser Beitrag erläutert einen allgemeinen Yoga- und Tantra-Zusammenhang; er ist keine Rezitation dieser Schrift.
athaikādaśaḥ paṭalaḥ |
dīkṣābhiṣekeṣvatha deśikendraḥ prākprastutaṃ śobhanakālamiṣṭam |
īkṣeta śiṣyasya gurośca yasmin deśe ca kāle'bhyudayo yathā syāt || 11-1 ||
mukhyo vasantaḥ śiśirastu madhyo grīṣmaḥ kaniṣṭho'bhimato'tra śuklaḥ |
pakṣaḥ sitajñendusure (ḍya) vārāḥ śastāstu varjyā hi kuhūśca riktā || 11-2 ||
tiṣyaprajeśāditisomaviṣṇubrahmendrapūṣānilanair-ṛtāni |
maitrottarāścetyuditānyuḍūnāṃ dīkṣābhiṣekeṣvanavagrahāṇi || 11-3 ||
jyotirvidāṃ cābhimataṃ yadanyallagnādikaṃ śastamaniṣṭahīnam |
niścitya kālaṃ gururatra śiṣyān sandīkṣayet tānadhikāriyuktyā || 11-4 ||
viśiṣṭadeśe ca kule prasūtaḥ syādagrajanmā śrutavān śuśīlaḥ |
śuciḥ sudhīḥ śobhanalakṣaṇāṅgaḥ saumyastathācāryapadādhikārī || 11-5 ||
satyavrataḥ śamadamārjavadharmaniṣṭhaḥ
sāṣṭāṅgayoganirataḥ śivaśāstravid yaḥ |
bhaktyā śive'ṣṭavidhayā samalaṅkṛtaśca
tyāgī sadaiva karuṇānilayo guruḥ syāt || 11-6 ||
dhīraḥ kṛtajñaḥ kulaśīlayukto bhaktaḥ śive cāpi gurau vinītaḥ |
śuśrūṣuratyarthamabhīṣṭadātā śiṣyo'pyalobhādiguṇānvitaḥ syāt || 11-7 ||
śrutaśīlasamācāraśraiṣṭhyasāmarthyabhaktibhiḥ |
garīyānanugṛhṇāti yo'nyān sa gururiṣyate || 11-8 ||
tantracoditadeśeṣu jāto yastapasā caran |
jñānena deśikaḥ sa syācchreyo'nyeṣāṃ ca darśayan || 11-9 ||
deśena caratīti deśikaḥ |
deśena jātyā vṛttena yaḥ śiṣṭo gurusaṃśrayaḥ |
viśeṣayiṣyan svātmānaṃ sa guṇaiḥ śiṣya ucyate || 11-10 ||
śāsuranuśiṣṭāvityasmāddhātoḥ kyapi tu rūpam |
āgastyahimavadbhūbhṛdantarālavyavasthitāḥ |
kakārāṣṭakanirmuktā deśā deśikasammatāḥ ||
ityādi māhendre |
p. 96) kumārīhimavanmadhye svataḥ kṛṣṇamṛgānvite |
(deśe)jātastu yo vidvānācāryatvaṃ dvijo'rhati ||
iti vīre |
āryāvartodbhavo'nyo vā kakārāṣṭakavarjitaḥ |
kulīno nipuṇo dakṣo vinītaḥ priyadarśanaḥ ||
śaivasiddhāntatattvajñaḥ pratiṣṭhātantrapāragaḥ |
iti pratiṣṭhāsamuccaye |
atra yogaśivapaddhatau -
madhyadeśe kurukṣetralāṭojjayinisambhavāḥ ||
antarvedipratiṣṭhānā āvantyāśca gurūttamāḥ |
gauḍāḥ suhyodbhavāstairā māgadhāḥ keralāstathā ||
kosalāśca daśārṇāśca guravaḥ sapta madhyamāḥ |
karṇāṭakamahārāṣṭrakacchanīrodbhavāstathā ||
kaliṅgāścaiva lāmbākāḥ kāmbojāścādhamāḥ smṛtāḥ |
kāñcīkāśmīrasaurāṣṭrapāṇḍyānyaviṣayodbhavāḥ ||
kāverīkoṅkaṇodbhūtā ninditā guravaḥ smṛtāḥ |
kuṇḍādayaśca rogārtā nindyāḥ syurdeśajā api ||
bhraṣṭavratācca patitādutpanno yo narādhamaḥ |
bhasmāṅkurāhvayau tyājyau ninditau sarvakarmasu ||
anyaliṅgī tu tat tyaktvā punaḥ śaive tu dīkṣitaḥ |
so'pi nindyaḥ pratiṣṭhādau deśikatvaṃ ca nārhati ||
śaivadīkṣāmanāsādya śāstramātraprapāṭhakaḥ |
svayambhūrnāma nindyo'sau śaivakarmasu garhitaḥ ||
sannyāsino'ṅgahīnāśca virūpā maṭhabhojanāḥ |
- * *ścaiva kubjādyā nāsikāścaiva ninditāḥ ||
karṇāṭakaliṅgākhyakacchakāśmīravāsinaḥ |
koṅkaṇāḥ karahāṭāśca kāmbojāḥ kāmarūpiṇaḥ ||
p.97) kakārāṣṭakasaṃjñāste deśā deśikavarjitāḥ |
ete kīkaṭā ityeke iti vijaye |
krūro'lpavidyo vyasanī kṛtaghno ḍambhaḥ punarbhūrgurubhaktihīnaḥ |
mātsaryayukto viṣayī kriyāsu varjyaḥ pratiṣṭhādiṣu tārkikaśca ||
iti mañjaryām |
sannyāsī nāstiko'mbaṣṭhaḥ ityādiślokairdevyā mate gurutvānarhāḥ kathitāḥ |
athācāryaḥ samaḥ śrīmānagrajanmā supeśalaḥ
ityādi svāyambhuve |
agrajanmā tu brāhmaṇa eva, brahmaṇaḥ prathamajātatvāt |
deśaja(nma)śrutākāravṛttaśīlaguṇānvitaḥ |
sattvaprabhāvasampanno gururyo guruṇā kṛtaḥ ||
ityādi brahmaśambhuḥ |
itthaṃ yathādhikāreṇa dīkṣācāryeṇa sādhyate |
sa ca saddeśasambhūtaḥ sumūrtiḥ śrutaśīlavān ||
ityādi somaśambhuḥ |
dṛṣṭakarmā śucirdakṣaḥ śiṣyānugrahatatparaḥ |
śivasadbhāvavid vidvānātmavid deśikottamaḥ ||
iti mataṅge |
itthaṃ bhūtādidīkṣā labdhācāryeṇa kriyate |
sa tvāryāvartādideśasambhūtaḥ śrutaśīlaguṇācārasampannaḥ śuddhāśayaḥ syāditi bhojarājaḥ |
śreṣṭho deśakulāśayairvinayavān vāggmī kulīnaḥ ityādi prayogamañjaryām |
ācāryaḥ śivaśāstrajñaḥ śastadeśasamudbhavaḥ |
brahmacārī gṛhastho vā śivabhaktiparāyaṇaḥ ||
yajamānānukūlarkṣajanmā deśika ucyate |
iti devyāmate |
sarvalakṣaṇayuktena guruṇā dīkṣito nṛpaḥ |
sarvān kāmānavāpnoti paratra ca śivāṃ gatim ||
p. 98) jaṭī muṇḍī śikhī vāpi śastadeśasamudbhavaḥ |
śivaśāstrārthatattvajñaḥ śrutavṛttānvito dvijaḥ ||
śivamevāśrito nityaṃ vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ |
ācāryaḥ sa ihoddiṣṭaḥ śivadīkṣādikarmasu ||
ityajite |
anūcānaḥ prasannātmā śivadīkṣābhiṣecitaḥ |
śivāgamajño matimāñ śivapūjāparāyaṇaḥ ||
rudrākṣamālāṃ bibhrāṇastripuṇḍrāṅkitavigrahaḥ |
viśuddhadeśakulajaḥ śīlācārasamanvitaḥ ||
vedaśāstrārthatattvajño jñānavān gururucyate |
iti sāntānike |
kṛṣṇavarṇo mṛgo yasmiṃścaratīha svabhāvataḥ |
taṃ deśaṃ yajñiyaṃ vidyād yaśca viprairadhiṣṭhitaḥ ||
taddeśakālasambhūtastvācāryaḥ śāstrasammataḥ |
iti sarvajñānottare |
śubhadeśodbhavaḥ śrīmān padavākyapramāṇavit ||
śivaśāstrārthasantuṣṭaḥ sarvatra karuṇānidhiḥ |
cīrṇācāryavrato mantrī prasannahṛdayānanaḥ ||
liṅgādilakṣaṇajñānanipuṇaḥ karmasantatau |
ahīnasantatiryastu brahmacārī gṛhī tathā ||
sāntāniko gṛhī śreṣṭhaḥ samayācārapālakaḥ |
bhautiko brahmacārī yaḥ purā paścād gṛhī bhavet ||
sa bhautiko gṛhasthaḥ syāt tajjñairācārya ucyate |
so'pi śreṣṭhaḥ tatsutaśca bhavet sāntāniko guruḥ ||
devatāvyāptitattvajñaḥ ṣaḍvidhādhvaviśāradaḥ |
śubhāśubhanimittajño'pyathavā vistareṇa kim ||
p. 99) samyagjātiḥ parijñānaṃ vṛttaṃ cādyāstrayo guṇāḥ |
yasyaite sa guruḥ śreṣṭhaḥ sarvakāmaphalapradaḥ ||
iti pratiṣṭhāpaddhatau |
pūrṇavidyāvrato mantrī jñānavān susamāhitaḥ |
bhasmaniṣṭho yatiḥ khyāto guruḥ syād bhautiko'pi vā ||
iti mohaśūrottare |
draṣṭavyaṃ guruṇā nityaṃ vipravṛttyanusāriṇā |
ya evaṃ vartate vandyo brahmavit sa gururdvija ! ||
ityādi parākhye |
śubhajātiṃ suvṛttasthaṃ śubhadeśasamudbhavam |
kriyākāṇḍarataṃ śāntaṃ dhārmikaṃ guruvatsalam ||
pratipannajanānandaṃ śaucopetaṃ dṛḍhavratam |
vidyayābhayadātāraṃ laulyacāpalavarjitam ||
evaṃvidhaṃ guruṃ prāpya ko na mucyeta bandhanāt |
iti vātulottare |
dhārmikaḥ satyanādītyādi sarvajñānasamudre |
sarvalakṣaṇahīno'pi jñānavavān gururiṣyate |
jñāna ca tattvavijñānaṃ ṣaḍadhvajñānasaṃśrayam ||
ityādi pauṣkare |
brāhmāṇāḥ kṣatriyā vaiśyā viśuddhāḥ sādhakāḥ smṛtāḥ |
svavarṇādānupūrvyeṇa syurācāryāḥ ṣaḍānana ! ||
iti bṛhatkālottare |
kimarthaṃ bahunoktena granthagauravakāriṇā |
itthamāgamavākyānāṃ bāhulyād vipra eva hi || 11-11 ||
dīkṣitaścoditairyukto guṇaiḥ saumyaḥ priyaṃvadaḥ |
yogyo nṛpagurutve syādanyeṣāṃ ca na saṃśayaḥ || 11-12 ||
p. 100) kulaśīlasamācāraiḥ saṃyukto guruvatsalaḥ |
guroradhītatantraśca pūtaḥ sādhakadīkṣayā || 11-13 ||
saṃsādhayati yo mantrān dṛḍhabhaktiḥ sa sādhakaḥ |
matvāsāraṃ ca saṃsāraṃ mānuṣyaṃ janma durlabham || 11-14 ||
uddharedātmanātmānaṃ nātmānamavasādayet |
ihāmutrārthabhogānāṃ prāptaye cāpi muktaye || 11-15 ||
upāyaḥ sukaro'styanyo nahi mukhyaḥ śivāśrayāt |
dvijānāmanupetānāṃ svakarmādhyayanādiṣu || 11-16 ||
yathādhikāro nāstīha syāccopanayanādanu |
tathā hyadīkṣitānāṃ tu tantramantrārcanādiṣu || 11-17 ||
nādhikāro'styataḥ kuryādātmānaṃ śivasaṃskṛtam |
tathāhi -
nārudraḥ saṃsmared rudraṃ nārudro rudramarcayet || 11-18 ||
nārudraḥ kīrtayed rudraṃ nārudro rudramāpnuyāt |
śivavrata gṛhītvā tu pratyahaṃ pālayet sudhīḥ || 11-19 ||
tadyathā -
varaṃ hi śirasaśchedo varaṃ hi maraṇaṃ mama |
na tvanabhyarcya bhuñjī(yāṃ ? ya) bhagavantaṃ trilocanam ||
na śivārcanatulyo'sti dharmo'tra bhuvanatraye |
iti vijñāya yatnena pūjanīyaḥ sadāśivaḥ ||
iti śivadharme -
ataḥ samayibhiścaiva sādhakairgurubhistathā |
pratyahaṃ yatnamāsthāya pūjanīyaḥ sadāśivaḥ || 11-20 ||
atra patañjalirāha -
yadṛcchayāpyekamapetagandhaṃ tvatpādapadme kusumaṃ nidhāya |
bahūni kāmaṃ bahurūpa ! bhuṅkte palānyaho svādutarāṇi loke ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde sādhakācāryalakṣaṇa ekādaśaḥ paṭalaḥ || 11 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 12: Die Gestalten der Gottheiten und ihres Gefolges
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 12: Die Gestalten der Gottheiten und ihres Gefolges
Dieses Kapitel beschreibt die Gottheiten, die bei der Verehrung Shivas und der Sonne vergegenwärtigt werden. Farben, Sitzformen, Hände und Attribute bilden eine Sprache der Meditation. Die Angaben gehören zu bestimmten historischen Ritualbildern; unterschiedliche überlieferte Formen bleiben nebeneinander stehen.
Kapiteleröffnung. Nun das zwölfte Kapitel.
Kriyapada 12-1. Hier erklären wir die Gestalten der zum Gefolge gehörenden Gottheiten und alles Weitere, was bei ihrer Verehrung besonders zu wissen ist, damit die angestrebte Frucht vollständig erreicht werde.
Kriyapada 12-2. Zuerst verehre man die Sonne, dann zur Befriedung von Hindernissen den Herrn der Hindernisse, … und den Guru. Darauf vollziehe man Shambhus Verehrung und die Feuerhandlung ordnungsgemäß; auch die Begleitgottheiten sind zu verehren. [Quellenhinweis: Vor „Guru“ enthält die Quelle eine mit Sternchen markierte Lücke.]
Kriyapada 12-3. Bei der Sonnenverehrung steht rechts der Torwächter Dandin, ein Schwert tragend. Links steht der schwerttragende, gelbbraune Pingala. Beide tragen rote Gewänder und Schmuck und haben eine furchtgebietende Erscheinung.
Kriyapada 12-4. Der elefantengesichtige Bezwinger der Hindernisse hat einen rötlichen Körper, roten Schmuck, den Mond auf dem Haupt, drei Augen und zwei Arme; er wird täglich auf der rechten Seite verehrt. Der eigene Guru, in glückverheißender Erscheinung, steht in der nordöstlichen Ecke.
Unnummerierte Sitz- und Gliederbeschreibung nach 12-4. Man betrachte den „Überreichen Sitz“: einen goldenen quadratischen Thron, getragen von vier löwengestaltigen Füßen, welche die Weltalter von Krita an darstellen, in Weiß, Rot, Gelb und Schwarz und mit den Namen Vimala und den folgenden. In der Mitte liegt eine runde rote Scheibe, darauf ein entfalteter achtblättriger Lotus als Sitz der Sonne. Auf den Eckblättern von Südosten an verehre man die Glieder, beginnend mit dem Herzen, auf den Blättern der Hauptrichtungen die Waffe und vorn das Auge: rot, in weiblicher Gestalt, mit zum Gruß gefalteten Händen. [Hinweis: Die Quelle nennt hier nur den ersten der Fußnamen ausdrücklich.]
Kriyapada 12-5. Die neun Shaktis, beginnend mit Dipta, tragen rote Gewänder und Schmuck. Sie sind von anmutiger Gestalt und schöner Erscheinung, zinnoberfarben und zweiarmig, mit Begrüßungsgesten. Acht stehen an den Blattspitzen, die neunte im Samengehäuse.
Unnummerierte Anrufungsanweisung nach 12-5. In der Mitte dieses Samengehäuses betrachte man den erhabenen Sonnengott, begleitet von den beiden seitlich stehenden Göttinnen Prabha und Sandhya, und verehre ihn durch Anrufung und die weiteren Handlungen. [Quellenhinweis: Der Name Sandhya erscheint in der Vorlage als fragliche Ergänzung; diese Unsicherheit bleibt bestehen.]
Kriyapada 12-6. Er leuchtet wie eine Bandhuka-Blüte, ist zart, schön gekleidet, von göttlicher Gestalt, zweiarmig und lotusbehändig. Er trägt roten Schmuck, hat kupferrote Lotusaugen, verkörpert den Veda und besitzt einen strahlend goldenen Leib.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-6. Man betrachte den strahlenbekränzten Gott mit heiterem Gesicht, geschmückt mit göttlichen Edelsteinohrringen, Oberarmreifen, Armbändern, Halsketten und weiterem Schmuck.
Kriyapada 12-7. Den Mond betrachte man mit weißem Schmuck, einem entfalteten Lotus in der Hand, kühl strahlend, zweiarmig und hell wie eine Perlenkette. Er ist anmutig, lotusäugig und freundlich und reitet auf einem weißen Pferd.
Unnummerierte Begleitgestalt nach 12-7. Im Nordosten betrachte man Tejashchanda, rot, mit roten Gewändern und weiterem Schmuck, einen Speer in der Hand.
Unnummerierte Einleitung einer anderen Mondgestalt. Oder:
Kriyapada 12-8. Man meditiere über den weißen Mond, mit weißer Kleidung und weißem Schmuck, zweiarmig, eine Keule tragend, auf einem von zehn Pferden gezogenen Wagen, als Gewährer von Gaben.
Kriyapada 12-9. Der erhabene Erdgeborene Mars gleicht einer Bandhuka-Blüte, trägt rote Gewänder und Schmuck und reitet auf einem Widder. Seine Glieder sind anmutig, seine Erscheinung schön; mit vier Händen zeigt er die Gabengeste und trägt Speer, Dreizack und Keule. [Hinweis: Die Arm- und Attributangabe enthält in der Vorlage eine ergänzte Wortfolge.]
Kriyapada 12-10. Der Mondsohn Merkur ist gelb, trägt gelben Schmuck, eine Krone und weitere Zierden und reitet auf einem Löwen. Von göttlicher Gestalt zeigt er die Gabengeste und hält Schwert, Schild und Keule.
Kriyapada 12-11. Dhishana, Jupiter, ist gelb, mit gelbem Schmuck, Kopfbinde und Edelsteinzierden. Er sitzt auf einem goldenen Wagen und trägt Stab, Gebetskette und Wassergefäß und zeigt die Gabengeste.
Kriyapada 12-12. Der erhabene Bhrigu-Sohn Venus ist hell wie eine Perlenkette und trägt weißen Schmuck. Mit Stab, Gebetskette, Gabengeste und Wassergefäß sitzt er auf einem silbernen Wagen, mit Kopfbinde und geschmücktem Leib.
Kriyapada 12-13. Den erhabenen Langsamen, Saturn, betrachte man bei der Verehrung mit dunkelblauem Schmuck und einem Leib wie Augenschwärze. Er trägt Dreizack, Lanze, Pfeil und Bogen und zeigt die Gabengeste; geschmückt sitzt er auf einem Geier beziehungsweise seinem Wagen. [Quellenhinweis: Geier und Wagen werden beide genannt; ihre genaue Verbindung wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 12-14. Rahu trägt schwarzen Schmuck und gleicht frisch gespaltenem dunklem Augenschminkstein. Er hat Dreizack, Schwert und Schild, reiche Gewänder, eine finstere Gestalt und ein furchtbares Gesicht mit weißen Hauern; sein Wagen ist mit mächtigen dunkelblauen Zugtieren versehen. [Hinweis: Die Tierbezeichnung der gelieferten Fassung ist nicht eindeutig auf eine Art festzulegen.]
Kriyapada 12-15. Die vielen Ketus stelle man sich rauchfarben vor, mit rauchfarbenem Schmuck, zwei Armen, deutlich sichtbaren Hauern, Keule und Gabengeste. Sie sind furchtgebietend, auf Geiersitzen und mit Wagen versehen.
Unnummerierte gemeinsame Merkmale nach 12-15. Alle Planeten sind mit Kronen und weiterem Schmuck zu betrachten, jugendlich, den Lauf der Welt in Bewegung haltend und Lebensgenuss, Herrschaft und Gaben gewährend.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Gestalten der Sonnenverehrung.
Kriyapada 12-16. Der Tempel hat Shiva und Shakti zum Wesen. Aus den Wirklichkeitsprinzipien von der Erde bis zur Shakti bestehend, ist er Shivas Gestalt mit dem Namen „Gotteshaus“. Darum soll er zuerst betrachtet und verehrt werden.
Kriyapada 12-17. Das erste Tor im Osten heißt Frieden, das südliche Erkenntnis, das westliche Rückkehr und das nördliche Festigung. Für die täglichen Riten wird das Friedenstor empfohlen.
Kriyapada 12-18. Rechts am Tor betrachte man den weißen, elefantengesichtigen Gott auf einem Lotus, mit Stoßzahn, Stachelstock, Schlinge und Zuckerrohr in den Händen, dickbäuchig, gekrönt, rot geschmückt, mit Mond auf dem Haupt und drei Augen.
Kriyapada 12-19. Links betrachte man Vani, die Göttin der Rede: klar wie Kristall und Mond, mit Geste, Gebetskette, Krug und Buch in den Händen, weiß geschmückt, mit Mond auf dem Haupt und drei Augen, auf einem weißen Lotus sitzend.
Unnummerierter Vorausverweis nach 12-19. Nandisha und Mahakala werden bei der Umhüllung der Torwächter beschrieben.
Kriyapada 12-20. Ganga steht rechts, hell wie ihre hohen klaren Wellen, jung und von göttlicher Gestalt, mit hellem Schmuck und zwei Armen. Sie hält einen Lotus; die andere, linke Hand zeigt deutlich die Begrüßungsgeste. [Hinweis: Bei der Gestenbezeichnung bietet die Quelle eine Lesungsalternative.]
Kriyapada 12-21. Kalindi steht links, dunkelblau wie ihre eigenen Wogen, mit bewegtem Seitenblick, jugendlich und von göttlicher Schönheit. In der linken Hand hält sie einen Lotus, mit der anderen zeigt sie eine halbe Begrüßungsgeste.
Kriyapada 12-22. Die Naracha-Waffe steht auf der Schwelle, glänzend wie ein feiner Blitz und wie Feuer und Sonne. Vastu-Isha wird als Asura vorgestellt, bäuchlings liegend, die Glieder ausgebreitet und den Kopf nach Nordosten gerichtet.
Unnummerierte Erläuterung nach 12-22. Der Vastu-Purusha ist hier also ein Asura, der mit nach unten gewandtem Gesicht und ausgestreckten Händen und Füßen auf der Erde liegt. Vom Herrn des Vastu, Brahma, ist später die Rede.
Kriyapada 12-23. Die tragende Shakti wird weiß beschrieben, wie Mondlicht, dem Raum gleich und von schöner Gestalt. Weil sie auf den Willen des höchsten Herrn hin stets alle Welten trägt, ist sie zuerst zu verehren.
Kriyapada 12-24. Die durch zweiunddreißig Wirklichkeitsprinzipien von der Erde bis zur Vidya verherrlichte Lichtkraft Vishnus heißt Ananta und bildet den Sitz. Ananta ist dabei die Schlange in Gestalt eines Thrones.
Kriyapada 12-25. Die Füße des Thrones sind der Reihe nach Dharma als roter Stier, Erkenntnis als dunkelgrüner Löwe, Leidenschaftslosigkeit als gelbes Geistwesen und Herrschaftsmacht als weißer Elefant.
Unnummerierte abweichende Beschreibung nach 12-25. Andere nennen sie löwengestaltig und weiß, safranfarben, gelb wie Tala und dunkel wie eine Biene.
Unnummerierte Beschreibung der Querstreben. Die vier Querstreben, beginnend mit Adharma, sind schön wie Gold. In der Manjari heißt es entsprechend: „Die Querstreben sind Adharma …“
Kriyapada 12-26. Der Lotus ist weiß, mit acht ausgebreiteten Blättern, einer schönen Reihe von Staubfäden und einem reichen Samengehäuse.
Kriyapada 12-27. In der Sonnenscheibe betrachte man Brahma, viergesichtig, gekrönt, auf einem Schwan, mit hellen Gesichtern und vier Händen: Er trägt Krug und Gebetskette und zeigt die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-28. In der Mondscheibe sitzt Vishnu auf Garuda, wolkendunkel, mit Rad, Muschel, Keule und Lotus. Er trägt Halskette, Girlande, Armreifen, schöne Krone, gelbes Gewand und den Kaustubha-Edelstein.
Kriyapada 12-29. In der Feuerscheibe sitzt der weiße Rudra auf dem Stier, mit Mond auf dem Haupt, drei Augen und zehn Armen. Er trägt Beil, Gazelle, Feuer, Dreizack, Schlange, Donnerkeil und Gebetskette und zeigt die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste. [Quellenhinweis: Die Aufzählung nennt für zehn Arme nur neun eindeutig erkennbare Attribute beziehungsweise Gesten. Ein weiteres wird nicht ergänzt.]
Unnummerierte Erläuterung und Zitat aus dem Vatula nach 12-29. Diese Gottheiten sind so zu betrachten, dass sie Blätter, Staubfäden und Samengehäuse durchdringen. Im Vatula heißt es: „Brahma, Vishnu und Rudra befinden sich in Sonnen-, Mond- und Feuerscheibe; Ishvara durchdringt sie dort. Darüber ist Sadashiva zu verehren.“
Man verehre also Brahma, Vishnu und Rudra als die jeweiligen Scheiben durchdringend in Blättern, Staubfäden und Samengehäuse, ferner Ishvara, der sie durchdringt. Alle vier haben dabei die Funktion, den Sitz des Gottes Sadashiva zu bilden.
Unnummeriertes Zitat des Varuna. „Als den beständigen Ishvara erkenne man den Achtarmigen, Viergesichtigen, kristallhellen Dreiäugigen, dessen heilige Schnur eine Schlange bildet.“
Kriyapada 12-30. Die ringsum stehenden Shaktis, beginnend mit Vama, sind schön und geschmückt. Ihre Farben werden als weiß, rot, dunkel, gelb, dunkelgrün, schwarz, augenschminkfarben, hibiskusrot und mondlichthell genannt; die letzte Angabe erscheint auch als Alternative.
Kriyapada 12-31. Er sitzt im gebundenen Lotussitz, strahlt wie der reine Mond, gleicht einem Sechzehnjährigen und ist von schöner göttlicher Gestalt. Durch die fünf Brahmas hat er fünf Gesichter. Seine Augen sind Sonne, Mond und Feuer, verbunden mit den Kräften des Handelns, Erkennens und Wollens.
Kriyapada 12-32. Er hat zehn Arme. Auf der rechten Seite zeigt er Furchtlosigkeit und Gabengewährung und trägt Speer, Dreizack und Khatvanga-Stab; auf der anderen Seite Schlange, Gebetskette, Damaru-Trommel, blauen Lotus und Zitronatzitrone.
Kriyapada 12-33. Sein Gesicht ist überaus freundlich; er trägt göttliche Girlanden und Gewänder sowie glänzenden Gold- und Edelsteinschmuck. In seinem aufgetürmten Haar strahlt der Mond … So ist dort Sadeshvara zu betrachten. [Quellenhinweis: Nach der Mondbeschreibung ist eine Lücke markiert; der anschließende Wortrest wird nicht ergänzt.]
Kriyapada 12-34. Manche beschreiben die Ishana-Gestalt des allgegenwärtigen Herrn als Sadeshvara gleich; andere als ein Gesicht besitzend, hell wie Mondstein, Gaben gewährend und mit dem Dreizack in der Hand, mondgeschmückt, schön gekleidet und jugendlich.
Kriyapada 12-35. Man betrachte Purusha gelb und safranleuchtend, mit Haargeflecht und Mond auf dem Haupt, Zitronatzitrone und Gebetskette tragend, von göttlicher Gestalt, geschmückt und mit Händen in Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-36. Mit auf die Lippe beißendem Mund, rotbraunem Bart und Haar, furchtbarer Gestalt und roten Gewändern, mit einer Schlange als Kopfbinde, schrecklichen weißen Hauern und grimmigen Schlangen als Schmuck,
Kriyapada 12-37. mit Dreizack, Axt, Schwert, Stab, Khatvanga, Schild, Schlinge und Schädelschale in den Händen und mit Schädeln geschmückt, wolkendunkel: So betrachte man Aghora.
Kriyapada 12-38. Vama betrachte man bandhukarot, anmutig mit weiblicher Grazie, von göttlicher Gestalt, mit Haarbund und Mond, roten Zierden, Gewändern, Salben und Girlanden, Schwert und Schild in den Händen.
Kriyapada 12-39. Sadyojata betrachte man hell wie Mond und Kuhmilch, mit weißem Schmuck, Gewand und Duftsalben, dreiäugig, mit Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, mondgekrönt und in kindlicher Gestalt. [Quellenhinweis: Die zusätzliche Wendung „saptābhāraṃ“ ist nicht sicher verständlich und wird nicht stillschweigend ersetzt.]
Unnummeriertes Zitat aus dem Kalottara nach 12-39. „Vama und die übrigen sind der Reihe nach die Shaktis der acht Gestalten, beginnend mit der Erde. Durch sie gelingt auf Shivas Geheiß die Entfaltung der Welt.“ Weil dies im Kalottara gelehrt wird, werden nun auch die acht Gestalten selbst beschrieben.
Kriyapada 12-40. Die Erdgestalt ist viergesichtig, achtarmig, auf einer Schildkröte, gelb und von göttlicher Schönheit. Sie trägt eine Reisähre und einen blauen Lotus; Berge, Inseln, Meere und Flüsse umgeben ihren Leib.
Kriyapada 12-41. Die Feuergestalt reitet auf einem Widder, ist rötlich, schön im Gesicht, mit fünf Gesichtern und sieben Zungen, einer Flammenkrone und goldenem Schmuck. Die Hände zeigen Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und tragen Speer und Swastika-Zeichen.
Unnummerierte Opferherr-Gestalt nach 12-41. Der Opferherr trägt eine weiße Kopfbinde; sein Körper ist mit frischer Butter bestrichen. Er trägt ein vollständiges schwarzes Tierfell und eine weiße heilige Schnur, ist mit seiner Frau vereint und hält beim Opfer den großen Opferlöffel in der Hand. [Nummerierungshinweis: Diese Passage besitzt in der gelieferten Fassung keine Versmarke 12-42; die nächste Marke lautet 12-43.]
Kriyapada 12-43. Die Sonne steht auf einem Wagen, dessen sieben Pferde die Versmaße sind. Sie gleicht einer Bandhuka-Blüte, hat ein schönes Gesicht und eine anmutige Gestalt, trägt roten Schmuck, Gewänder, Girlanden und Salben, einen Panzer und eine Krone und hält einen Lotus.
Kriyapada 12-44. Die Wassergestalt wird weiß beschrieben, auf einem Krokodil, mit Gabengeste und Schlinge, geschmückt mit mannigfaltigen Perlengehängen und weißen Zierden, mit vier schönen Häuptern beziehungsweise Kronen. [Hinweis: „mauli“ lässt hier beide Bedeutungen zu.]
Kriyapada 12-45. Der Wind reitet auf einer Gazelle, ist rauchfarben, mit kräftigen Gliedern und Schultern, gekrönt, mit gebogenen Brauen, schwarzem Schmuck, vier Gesichtern und vier Armen, Stachelstock und Fahne tragend, von göttlicher Gestalt.
Kriyapada 12-46. Den Raum betrachte man hell wie der offen strahlende Mond, mit Dreizack, Damaru-Trommel, Muschel und Khatvanga in den Händen, mit Halbmond und Haargeflecht auf dem Haupt, dreiäugig und auf einem Stier.
Kriyapada 12-47. Der kühlstrahlende Mond ist hell wie Schnee und Kuhmilch, weiß geschmückt, anmutig und gekrönt. Muschel, Lotus und Keule tragend und Gaben gewährend, soll er auf einem Pferd verehrt werden.
Kriyapada 12-48. Die acht Hüter der Gestalten, beginnend mit Sharva, reiten auf Stieren, haben drei Augen und vier Gesichter, Haargeflecht und Mondsichel. Sie tragen Dreizack, Donnerkeil, Pfeil und Bogen und sind mit Schlangen geschmückt.
Kriyapada 12-49. Ihre Farben sind entsprechend lotusfarben, golden, rot, weiß, gelblich, …, rot und schwarz. Die Herren der Gestalten, beginnend mit Ananta, ebenso die Herren der Vidyas, haben dieselben Farben. [Quellenhinweis: Die Verbindung „śuklāpītāvaraṇā“ lässt eine Position der Farbfolge nicht sicher bestimmen; sie wird nicht durch eine übliche Liste ersetzt.]
Kriyapada 12-50. Die Herren der Vidyas sind im Yoga gesammelt, freundlich im Gesicht, von schöner Gestalt, mit einer am Haarbund befestigten Girlande … Sie sind alle friedvoll, tragen schöne feine Gewänder und halten Schlangen in den Händen. [In der Quelle ist ein Teil der Haarbeschreibung durch Sternchen als fehlend markiert.]
Kriyapada 12-51. Auch die Glieder sind in weiblicher Gestalt zu betrachten, mit weißen, goldenen, roten und schwarzen Farbtönen. Sie haben drei Augen, zeigen die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und tragen Dreizack und Beil. [Quellenhinweis: Die Zuordnung sämtlicher Attribute zu den Gliedergestalten ist im Satz gedrängt; die folgende Überlieferung nennt ausdrücklich zwei Arme.]
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari nach 12-51. „Die Glieder, beginnend mit dem Herzen, sind Frauen in der entsprechenden Gestalt, zweiarmig, mit Händen in Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste; die Waffe ist etwas gelbbraun.“
Kriyapada 12-52. Nandisha steht rechts am Tor: gekrönt, goldfarben, mit etwas hervortretenden Hauern, schönem Gesicht, drei Augen und strahlender, einem Daitya gleichender Gestalt, Dreizack und Keule tragend.
Kriyapada 12-53. Links am Tor steht der Mahakala Genannte, wolkendunkel, schön gekleidet, gekrönt, rot geschmückt, dreiäugig, mit Beil und Keule und etwas hervortretenden Hauern.
Kriyapada 12-54. Bhringisha, dem höchsten Herrn lieb, hat einen ausgezehrten Körper, drei Augen und einen Dreizack. Er gleicht einem Totengeist, mit dünnem langem Bauch und Gesicht, und steht westlich am südlichen Tor.
Kriyapada 12-55. Östlich am südlichen Tor steht der Elefantengesichtige, lackrot, mit Beil und Gebetskette, rotem Schmuck, drei Augen und kurzem Körper; eine Schlange bildet seine heilige Schnur.
Kriyapada 12-56. Am westlichen Tor auf der Nordseite steht Dharma selbst als vierfüßiger Stier: dem Kailasa gleich, weiß wie Schnee und Mondlicht, hochgewachsen, gehörnt, kräftig und mit mächtigem Höcker.
Kriyapada 12-57. Der Sechsgesichtige hat doppelt so viele Augen und Arme, ist rot, reitet auf einem Pfau und trägt Krone und roten Schmuck. Er erscheint als Knabe und hält Feuer, Speer, Gebetskette und weitere Waffen. [Hinweis: Die Quelle zählt hier die übrigen Attribute nicht einzeln auf.]
Kriyapada 12-58. Die jungfräuliche Göttin steht östlich am Nordtor, dunkelblau, auf einem Löwen und rot geschmückt. Ihre Hände tragen Rad, Schwert, Pfeile, Dreizack, Muschel, Schild und Bogen und zeigen die Gabengeste.
Kriyapada 12-59. Chandesha ist von rotem Leib, mit Krone und drei Augen, von göttlicher Gestalt und mit rötlichen Girlanden und Gewändern. Seine Hände tragen Axt, Wassergefäß, Dreizack und Gebetskette.
Kriyapada 12-60. Indra ist gelb, gekrönt und zweiarmig, göttlich geschmückt mit Halsketten, Goldschmuck, Armbändern und Oberarmreifen. Im Osten sitzt er mit den Göttern auf Airavata und trägt den Donnerkeil.
Kriyapada 12-61. Agni glänzt wie geschmolzenes Gold, hat ein schönes Gesicht und die Gestalt eines alten Mannes, goldenen Schmuck und vier Arme. Er zeigt die Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste und trägt Wassergefäß und goldene Gebetskette.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-61. Er befindet sich in seiner flammenumgebenen Scheibe, auf einem Widder, begleitet von Svaha an seiner rechten Seite.
Kriyapada 12-62. Yama, Dharma, der Herr der Verstorbenen, ist dunkel wie eine Regenwolke, kräftig, göttlich gestaltet, vierarmig, gekrönt und schwarz geschmückt. Mit dem Stab in der Hand reitet er auf einem Büffel.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-62. Chitragupta und die übrigen seines Gefolges umgeben ihn.
Unnummerierte Nirriti-Gestalt zwischen 12-62 und 12-64. Nirriti, der Herr der Rakshasas, ist schwarz, mit Hauern und Schwert, mit dunklen Girlanden und Gewändern. Er ist furchtbar und zugleich schön gestaltet, steht in seiner eigenen Himmelsrichtung und reitet auf einem Menschen. Rakshasa-Scharen umgeben ihn. [Nummerierungshinweis: Eine Marke 12-63 steht in der gelieferten Fassung nicht.]
Kriyapada 12-64. Varuna betrachte man klar und hell wie Schnee, Mond und Kristall, mit gelbem Schmuck, gekrönt und schön, freundlich und geschmückt, auf einem Krokodil, die Schlinge tragend.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-64. Ganga, Yamuna und die weiteren Flüsse in göttlicher Gestalt sowie Nagas umgeben ihn.
Kriyapada 12-65. Vayu ist rauchfarben, anmutig und jugendlich, mit dunkelblauem Schmuck und vier Armen, auf einer Gazelle. Man betrachte den Gott mit Halskette, Fahne und Stachelstock, begleitet von den Maruts.
Kriyapada 12-66. Der Herr der Yakshas glänzt golden, mit sanften honigbraunen Augen und göttlichem Schmuck. Er reitet auf einem Menschen und trägt eine Keule; etwas dickbäuchig und kräftig, mit kurzen Armen, ist er von den Schatzgestalten umgeben.
Kriyapada 12-67. Ishana ist perlenfarben, mit Dreizack, drei Augen, weißem Schmuck, Haargeflecht und Mondsichel. Er ist friedvoll, reitet auf einem Stier und gilt als Anteil Shivas und Herr der Vidyas.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-67. Verkörperte Vidyas umgeben ihn.
Kriyapada 12-68. Brahma gleicht geschmolzenem Gold, reitet auf einem Schwan, besitzt vier Gesichter und Arme, Haargeflecht und schöne Gestalt. Er trägt Gebetskette, großen und kleinen Opferlöffel, Wassergefäß und Kusha-Gras.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-68. Links ist Savitri, rechts Sarasvati; Schöpfungsherren, Götter und alle Welten umgeben ihn. Seine Fahne trägt Kusha-Gras. [Hinweis: Für vier Arme werden mehr als vier Gegenstände genannt; ihre Verteilung bleibt offen.]
Kriyapada 12-69. Ananta ist von allen Schlangenherren verehrt, von weißrötlichem Glanz und friedvoller Gestalt, göttlich geschmückt, auf einem Lotus, mit Rad in der Hand und der Erde als Hauptschmuck zu betrachten.
Unnummerierte Fortsetzung nach 12-69. Sein Haupt strahlt im Licht der Edelsteine auf seinen tausend Schlangenhauben.
Kriyapada 12-70. Virabhadra gleicht einer weißen Muschel, reitet auf einem Stier, hat drei Augen, Schlangenschmuck, Haargeflecht und Mondsichel. Obwohl furchtbar, ist er überaus segensreich; unter einem Banyanbaum weilend trägt er Dreizack und Beil.
Kriyapada 12-71. Die Göttin Brahmi ist rötlich, mit vier Gesichtern und vier Armen, auf einem Schwan, beim Palasha-Baum. Göttlich geschmückt trägt sie Wassergefäß und Gebetskette und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-72. Maheshvari ist weiß und weilt beim Plaksha-Baum, mit Haargeflecht und Mondsichel, drei Augen und Schlangenschmuck. Sie reitet auf einem Stier, trägt Beil und Dreizack und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-73. Kaumari gleicht einer Bandhuka-Blüte und ist schön mit rötlichem Schmuck versehen. Sie trägt Speer und Gebetskette, zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, besitzt göttliche Gestalt und eine Pfauenfahne und steht beim Udumbara-Baum.
Kriyapada 12-74. Vaishnavi ist wolkendunkel, in gelbes Gewand gekleidet, beim Shri-Baum, mit Krone und anderem Schmuck. Auf Garuda trägt sie Muschel und Rad und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-75. Varahi reitet auf einem Widder, trägt Pflug, Rad und Lotus, hat dunkelblauen Schmuck und gleicht dunklem, frisch gespaltenem Augenschminkstein. Ihr Gesicht ist das einer Sau mit Hauern, furchtbar und schön; sie weilt beim Karanja-Baum. [Quellenhinweis: Der Widder wird als Reittier ausdrücklich genannt; eine geläufigere andere Zuordnung wird nicht eingesetzt.]
Kriyapada 12-76. Aindri ist dunkel, mit schönen Girlanden und Salben, golden geschmückt. Sie trägt Donnerkeil und Schlinge und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste. Im Schatten des Wunschbaums reitet sie auf einem Elefanten mit vier Stoßzähnen.
Kriyapada 12-77. Chamunda ist schwarz, furchtbar und berggroß, beim Banyanbaum, rot geschmückt und auf einem Totengeist. Sie trägt Dreizack, Schwert, Damaru-Trommel und Schädelschale sowie eine Girlande aus Kriegerköpfen und Eingeweiden.
Kriyapada 12-78. Der Herr der Hindernisse ist elefantengesichtig, dunkel wie Augenschwärze, mit Beil und Gebetskette und Händen in Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste, rot geschmückt … Der Erhabene freut sich über Speisen und reitet auf einer Maus. [Quellenhinweis: In der Mitte des Verses fehlt eine mit Sternchen bezeichnete Passage.]
Kriyapada 12-79. Auch die vielen anderen Mütter der Welt, in unterschiedlichen Erscheinungen, mit schönen Farben und Waffen, sind zu betrachten: beim Shiva-Opfer versammelt, zufrieden und freundlich, nachdem sie Verehrung empfangen haben.
Kriyapada 12-80. Nivritti glänzt golden, ist gekrönt, vierarmig und von göttlicher Gestalt. Weiß geschmückt sitzt sie auf einem Lotus, trägt Donnerkeil, Gebetskette und Lotus und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-81. Pratishtha ist klar wie Kristall, mit rotem Schmuck, Krone und vielen Edelsteinen. Auf einem roten Lotus sitzend ist sie mit Schlinge, Gebetskette und Lotus sowie der Furchtlosigkeitsgeste zu betrachten.
Kriyapada 12-82. Die Kala Vidya ist gunjasamenrot, mit Haargeflecht, drei Gesichtern und Mondschmuck. Göttlich geschmückt sitzt sie auf einem Lotus, trägt Speer, Gebetskette und Lotus und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-83. Die Shanti Genannte ist schwarz, trägt schwarze Gewänder und weitere Zierden, hat vier Arme und vier Gesichter, Schlangenschmuck und Haargeflecht. Sie trägt Fahne und Gebetskette und zeigt die Furchtlosigkeitsgeste. [Ein viertes Handattribut nennt die Quelle hier nicht ausdrücklich.]
Kriyapada 12-84. Shantyatita ist klar und weiß wie Muschel, Milch und Kristall, fünfgesichtig, mit Haargeflecht und Mondsichel, weiß geschmückt auf einem Lotus. Sie trägt Lotus und Gebetskette und zeigt Gaben- und Furchtlosigkeitsgeste.
Kriyapada 12-85. Das innere Atman-Prinzip wird auf einem Lotus sitzend beschrieben, viergesichtig, kräftig gelb, ganz in Meditation gesammelt. Zwei Arme bilden im Schoß die Geste, die oberen Hände tragen Gebetskette und Krug; Gestalt und Schmuck sind göttlich.
Kriyapada 12-86. Das Vidya-Prinzip ist wolkendunkel und von göttlicher Gestalt, mit den Lotusformen der achtgliedrigen feinstofflichen Hülle verbunden. Es trägt Wassergefäß, Lotus, Rad, Gebetskette und Wissensträger und zeigt Furchtlosigkeits- und Erkenntnisgeste. [Quellenhinweis: Die Zusammensetzungen für feinstoffliche Hülle und Handattribute sind gedrängt; der „Wissensträger“ wird nicht unbelegt als ein bestimmtes Buchobjekt festgelegt.]
Kriyapada 12-87. Das Shiva-Prinzip betrachte man mondweiß, vierarmig und viergesichtig, göttlich gestaltet, mit Beil und Gebetskette, auf einem Lotus, mit Haargeflecht und Meditationsgeste, in Samadhi versunken.
Kriyapada 12-88. Die unzähligen weiteren friedlichen und furchtbaren Herren der Scharen, in vielfältigen Gestalten, mit schönen Gewändern und Waffen, sind in den zehn Richtungen zu vergegenwärtigen. Sie werden später in diesem Werk kurz beschrieben.
Kriyapada 12-89. Die Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil, sind der Reihe nach gelb, rot, schwarz, blau, blitzfarben, vielfarbig, golden sowie von Flammen-, Mond- und Sonnenglanz zu erkennen.
Kriyapada 12-90. Jede einzelne Waffe soll als schutzkräftige, Hindernisse vernichtende, schöne Menschengestalt vorgestellt werden, in der Himmelsrichtung ihres jeweiligen Weltenhüters, rot geschmückt und zweiarmig, mit gefalteten Händen und dem eigenen Waffenzeichen als Haupt.
Unnummerierte Ergänzung nach 12-90. Keule und Speer sind dabei weiblich.
Kriyapada 12-91. Sie gleicht dem Feuer am Weltende, strahlt wie zehn Millionen Sonnen und speit aus ihren von Hauern entstellten Gesichtern dichte Flammen,
Kriyapada 12-92. hat viele Gesichter und Augen und unzählige, durch viele Waffen furchtbare Arme, mit denen sie Geschosse auf die Widersacher schleudert;
Kriyapada 12-93. ihre heilige Schnur ist eine Schlange, ihr Schlangenschmuck furchtbar. Sie trägt rote Duftsalben und Gewänder, eine Kopfgirlande und Eingeweideschmuck,
Kriyapada 12-94. umgeben von vielen Geistwesen mit Löwen-, Raubtier-, Schlangen-, Geier-, Hunde-, Tiger-, Eber- und Elefantengesichtern, schrecklich durch ihr lautes Gelächter.
Kriyapada 12-95. Sie schützt die Shiva-Verehrer, vernichtet alle Bedrängnis, … fremde göttliche Mächte … und hält feindliche Heere zurück. [Quellenhinweis: Die Wortgruppe vor der Heeresabwehr steht bereits in der Vorlage in Klammern mit Fragezeichen; ihr genaues Verb ist nicht gesichert.]
Kriyapada 12-96. Damit ist die Gestalt der Pashupata-Waffe kurz beschrieben. Nun folgt die Aghora-Waffe: einem frisch gespaltenen Berg aus dunklem Augenschminkstein gleich, überaus furchtbar in rotem Schmuck,
Kriyapada 12-97. mit hauerentstelltem Gesicht und aufrecht flammenden Haaren. Rechts hält sie das untere Ende des Dreizacks, einen Vetala und ein Schwert; auf der anderen Seite
Kriyapada 12-98. trägt sie mit ihren acht Armen Damaru-Trommel, Schädelschale, Glocke und die Mitte des Dreizacks. Die allgegenwärtige Gestalt trägt ein Tigerfell als Gewand. [Quellenhinweis: Acht Arme werden genannt, aber die Verteilung der erhaltenen Attribute ist nicht vollständig eindeutig.]
Kriyapada 12-99. Sie trägt eine Girlande aus frisch abgeschlagenen, blutenden Gesichtern tapferer Krieger und eine aus Spinnen und Skorpionen, die vom Hals bis über die Knie reicht,
Kriyapada 12-100. Fußringe, Hüftschnur, Bauchband, Oberarmreifen, Armbänder, Halsschmuck, Ohrringe und Ohrzierden
Kriyapada 12-101. sowie die heilige Schnur. Sie steht auf edelsteinbesetzten Sandalen, hat den linken Fuß vorgestellt und erscheint furchtbar wie beim Beginn eines Kampfes.
Kriyapada 12-102. Als alle Bedrängnis beseitigend und … zerbrechend wird sie vergegenwärtigt. So meditiere man über die Aghora-Waffe mit dem beschriebenen Gefolge. [Quellenhinweis: Das Objekt des „Zerbrechens“ fehlt in der mit Sternchen markierten Lücke. Die gewaltsame Bildsprache gehört zum historischen Schutzritual.]
Kriyapada 12-103. So wurden die Gestalten der Hauptgottheit, des Sitzes und der Glieder, der Herren der inneren Tore und der Weltenhüter sowie der Waffen, die als Umhüllungen bezeichnet werden,
Kriyapada 12-104. hier sämtlich in ihren Hauptzügen erklärt. Bei Verehrung und weiteren Handlungen, in täglichen und anderen Riten, sind sie jeweils in der zugehörigen Weise zu vergegenwärtigen.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das zwölfte Kapitel: „Die Gestalten der Umhüllungen und der weiteren Gottheiten“.
Zur Besinnung. Friedliche und furchtbare Bilder stehen hier nebeneinander. Sie erschließen sich aus ihrer jeweiligen Aufgabe im Ritual. Eine heutige Betrachtung kann bei der tragenden Shakti, der Sammlung der Meditationsgestalten oder den Gesten der Furchtlosigkeit ansetzen, ohne die gesamte historische Bildwelt zu einer einheitlichen modernen Lehre umzudeuten.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 12: Die Gestalten der Gottheiten und ihres Gefolges
Dieses Kapitel beschreibt die Gottheiten, die bei der Verehrung Shivas und der Sonne vergegenwärtigt werden. Farben, Sitzformen, Hände und Attribute bilden eine Sprache der Meditation. Die Angaben gehören zu bestimmten historischen Ritualbildern; unterschiedliche überlieferte Formen bleiben nebeneinander stehen.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha dvādaśaḥ paṭalaḥ |
atra brūmaḥ parivārocitānāṃ mūrtīścānyat sakalaṃ daivatānām |
yad vijñeyaṃ yajanādau viśeṣād yenāpi syāt phalasiddhiḥ samagrā || 12-1 ||
iṣṭvā sūryaṃ prathamaṃ vighnaśāntyai vighnādhīśaṃ tada * * guruṃ ca |
śambhoḥ pūjāṃ vidadhītāgnikāryaṃ kṛtvā samyak parivārāśca pūjyāḥ || 12-2 ||
sūryārcāyāmatha taddvārapālo daṇḍī khaḍgaṃ vidadhad dakṣiṇasthaḥ |
khaḍgī vāme kapiśaḥ piṅgalākhyo raktākalpāvapi tau caṇḍaveṣau || 12-3 ||
vighnān nighnan dviradāsyo'ruṇāṅgo raktākalpaḥ śaśimaulistrinetraḥ |
pūjyo nityaṃ dvibhujo dakṣiṇasthaḥ śubhakalpaḥ svaguruśceśakoṇe || 12-4 ||
prabhūtāsanaṃ nāma hiraṇmayaṃ caturaśrapīṭhaṃ kṛtādicaturyugaiḥ sitaraktapītakṛṣṇavarṇasiṃhākṛtibhirvimalādināma-bhiścatuṣpādairvidhṛtaṃ tanmadhyavartulāruṇabimbopari vikasitāṣṭadalaṃ sūryapadmāsanaṃ vicintya tasyāgnyādikoṇadaleṣu hṛdayādyaṅgāni digdaleṣvastraṃ purato netraṃ ca raktavarṇāni strīveṣāṇi kṛtāñjalīni pūjayet
raktākalpā lalitāṅgyaḥ suveṣāḥ sindūrābhā nava yāḥ śaktayastāḥ |
pratrāgrasthā navamī karṇikāyāṃ dīptādyāstu dvibhujā vandanībhiḥ || 12-5 ||
tatpadmakarṇikāmadhyāvasthitaṃ bhagavantaṃ bhāskaramubhayapārśvasthitaprabhā(sandhyā?)saṃjñābhyāṃ devībhyāṃ sahitaṃ dhyātvāvāhanādibhirabhyarcayet |
bandhūkābhaṃ sukumāraṃ suveṣaṃ divyākāraṃ dvibhujaṃ padmahastam |
raktākalpaṃ kamalātāmranetraṃ vedātmānaṃ vilasadrukmadeham || 12-6 ||
divyairmaṇikuṇḍalāṅgadakaṭakahārādibhirābharaṇairvibhūṣitaṃ prasannavadanaṃ bhānumālinaṃ devaṃ dhyāyet |
śuklākalpaṃ vikasatpadmahastaṃ prāleyāṃśuṃ dvibhujaṃ hāragauram |
kamrākāraṃ kamalākṣaṃ prasannaṃ candraṃ dhyāyed dhavalāśvādhirūḍham || 12-7 ||
aiśānyāṃ tejaścaṇḍaṃ raktaṃ raktāmbarādibhirābhūṣitaṃ śūlahastaṃ dhyāyet |
athavā -
śvetaḥ śvetāmbarākalpo dvibhujastu gadādharaḥ |
daśāśvarathamārūḍhaścandro dhyeyo varapradaḥ || 12-8 ||
p. 102) raktākalpo varadaṃ śakti śū(le dorbhi)rbibhrad yugasaṃkhyairgadāṃ ca |
meṣārūḍho lalitāṅgaḥ suveṣo bandhūkābho bhagavān bhūmijaḥ syāt || 12-9 ||
pītākalpo varadaṃ cāpi khaḍgaṃ dorbhiścarmāpyatha bibhrad gadāṃ ca |
divyākāro makuṭī bhūṣitāṅgaḥ siṃhārūḍhaḥ śaśijaḥ pītavarṇaḥ || 12-10 ||
pītākalpo dhiṣaṇaḥ pītavarṇo daṇḍākṣasragvaradān kuṇḍikāṃ ca |
dorbhirbibhrat kanakasyandanasthaḥ syāduṣṇīṣī maṇibhirbhūṣitāṅgaḥ || 12-11 ||
śvetākalpo bhagavān hāragauro daṇḍākṣasragvaradān kuṇḍikāṃ ca |
dorbhirbibhrad rajatasyandanasthaḥ syāduṣṇīṣī bhṛgujo bhūṣitāṅgaḥ || 12-12 ||
nīlākalpo dhṛtaśūlo'ñjanābhaḥ prāsaṃ bibhrad varadaṃ ceṣucāpe |
gṛdhrārūḍhaḥ svarathe bhūṣitāṅgo dhyeyo mando bhagavānarcanādau || 12-13 ||
kṛṇākalpaḥ sphuṭabhinnāñjanābhaḥ śūlī khaḍgī dhṛtacarmāmbarāḍhyaḥ |
dhvāntākāraḥ sitadaṃṣṭrotkaṭāsyo rāhurnīlairharivīrai rathe svāt || 12-14 ||
dhūmrākalpā dvibhujāḥ spaṣṭadaṃṣṭrā dhūmrābhāsāḥ sagadāste varāḍhyāḥ |
raudrākārāḥ khalu gṛdhrāsanasthā dhyeyā naikā rathinaḥ ketavaḥ syuḥ || 12-15 ||
sarve grahāḥ kirīṭādibhirbhūṣaṇairvibhūṣitā yuvāno lokayātrāpravartakā bhogaiśvaryavarapradā dhyeyāḥ syuḥ |
sūryapūjāmūrtayaḥ |
prāsādaṃ yacchivaśaktyātmakaṃ tacchaktyantaiḥ syād vasudhādyaistu tattvaiḥ |
śaivī mūrtiḥ khalu devālayākhyetyasmād dhyeyā prathamaṃ cābhipūjyā || 12-16 ||
śāntidvāraṃ prathamaṃ pūrvataḥ syād vidyā yāmye tvatha paścānnivṛtiḥ |
kauberaṃ yat tadapi syāt pratiṣṭhā śāntidvāraṃ khalu nityeṣu śastam || 12-17 ||
mātaṅgāsyo dhavalaḥ paṅkajastho dvāre dantī sṛṇipāśekṣuhastaḥ |
dhyeyastundī makuṭī dakṣiṇe syād raktākalpaḥ śaśimaulistrinetraḥ || 12-18 ||
tadvad vāṇī sphaṭikenduprakāśā mudrākṣasrakkalaśagranthapāṇi |
śubhrākalpā śaśimaulistrinetrā vāme dhyeyā sitapadmopaviṣṭā || 12-19 ||
nandīśamahākālau dvārapālāvaraṇe vakṣyete|
gaṅgā tuṅgasvataraṅgācchavarṇā divyākārā yuvatirdakṣiṇe syāt |
gaurākalpā dvibhujāmbhojahastā vanda(nyo ?nyā)nyasphuṭavāmaikapāṇiḥ || 12-20 ||
p. 103) kālindī syānnijakallolanīlā lolāpāṅgā yuvatirdivyarūpā |
vāme tvabjaṃ dadhatī vāmapāṇāvanyenārdhaṃ dhṛtavandanyamudrā || 12-21 ||
nārācāstraṃ tanuvidyutprakāśaṃ dehalyāṃ ca sthitamagnyarkakalpam |
vāstvīśaḥ syādasuro'dhomu(khā ? kho)'ṅgānyākīryaiśe kṛtaśīrṣaḥ śayānaḥ || 12-22 ||
tatra vāstupuru(ṣo)'dhomukhaḥ prasāritapāṇipādo bhūmau śayāno hyasuraḥ |
vāstvadhipatirbrahmā parato jñeyaḥ |
ādhārākhyā dhavalā śaktiruktā jyotsnāprakhyā gaganābhā surūpā |
lokān sarvān parameśecchayā yā dhatte nityaṃ prathamaṃ tena pūjyā || 12-23 ||
dvātriṃśadbhiḥ khalu tattvairdharādyairvidyāntaistairmahitaṃ viṣṇutejaḥ |
ānantaṃ tat kathitaṃ hyāsanaṃ syāt pīṭhākāraḥ sa tu nāgo hyanantaḥ || 12-24 ||
dharmaṃ raktaṃ vṛṣarūpaṃ tu siṃhaṃ jñānaṃ śyāmaṃ tvatha bhūtaṃ tu pītam |
vairāgyaṃ syād gajarūpaṃ sitāṅgaṃ caiśvaryaṃ ca kramaśaḥ pīṭhapādāḥ || 12-25 ||
sitakāśmīratālālivarṇān siṃhākṛtīnityanye |
pīṭhasyeṣāḥ syuradharmādayo ye catvāraste kanakākāraramyāḥ |
īṣāścādharmamityādi mañjaryām |
padmaṃ śuklaṃ vitatāṣṭacchadaṃ syāt kiñjalkālyā ruciraṃ karṇikāḍhyam || 12-26 ||
saure bimbe caturāsyaḥ kirīṭī haṃsārūḍhaḥ kalaśaṃ cākṣamālām |
brahmā bibhrad varadaṃ cābhayākhyaṃ hastairdhyeyaḥ sitavaktraścaturbhiḥ || 12-27 ||
saumye bimbe garuḍe meghanīlaścakraṃ śaṅkhaṃ gadayābjaṃ dadhānaḥ |
hārī mālī kaṭakī satkirīṭī viṣṇuḥ pītaṃ vasanaṃ kaustubhaṃ ca || 12-28 ||
agnerbimbe vṛṣabhe candramauliḥ śveto rudro daśabāhustrinetraḥ |
ṭaṅkaiṇāgnitriśikhāhīṃśca bibhrad vajrākṣasragvaradābhītipāṇiḥ || 12-29 ||
ete'tra patrakesarakarṇikāvyāpitvena dhyeyāḥ |
yathā vātule -
brahmā viṣṇuśca rudraśca sūryendvanalabimba(pāḥ ? gāḥ) |
īśvarastatra ca vyāpī tasmāt pūjyaḥ sadāśivaḥ ||
iti |
brahmaviṣṇurudrān maṇḍalavyāpitvena patrakesarakarṇikāsu tadvyāpinamīśvaraṃ cārcayediti |
sadāśivadevasyāsanatvena caturṇāmapyadhikāraḥ |
atrāha varuṇaḥ -
p. 104) aṣṭabāhuścaturvaktraḥ sphaṭikābhastrilocanaḥ |
nāgayajñopavītī ca vijñeyo dhruva īśvaraḥ ||
iti |
śvetā raktā tvasitā pītavarṇā śyāmā kṛṣṇā (cā)ñjanā syājjapābhā |
jyotsnābhā vetyuditā cārurūpā vāmādyā yāḥ parito bhūṣitāṅgyaḥ || 12-30 ||
baddhapadmāsanaḥ śuddhacandraprabhaḥ ṣoḍaśābdopamaścārudivyākṛtiḥ |
brahmabhiḥ pañcabhiḥ pañcavaktraḥ kriyājñānaśaktispṛhārkenduvahnīkṣaṇaḥ || 12-31 ||
paṅktisaṃkhyairbhujaiḥ sābhayeṣṭaprade śaktiśūle dadhaccāpi khaṭvāṅgakam |
dakṣiṇe cānyataḥ sarpamakṣasrajaṃ ḍāmarūkotpale bījapūraṃ tathā || 12-32 ||
suprasannānano divyamālyāmbaro bhūṣaṇairbhūṣito hemaratnojjvalaiḥ |
jāṭajūṭasphuraccandra + pūrakaścintanīyo bhavet tatra sādeśvaraḥ || 12-33 ||
sādeśābhaṃ vibhumīśānarūpaṃ kecit prāhurhyapare tvekavaktram |
candrāśmābhaṃ varadaṃ śūlapāṇiṃ candrottaṃsaṃ varaveṣaṃ yuvānam || 12-34 ||
kāśmīrābhaṃ sakapardendumauliṃ bījāpūraṃ dadhataṃ cākṣamālām |
divyākāraṃ varadābhītihastaṃ dhyāyet pītaṃ puruṣaṃ bhūṣitāṅgam || 12-35 ||
daṣṭoṣṭhāsyaṃ kapilaśmaśrukeśaṃ bhīmākāraṃ dhṛtaraktāmbarāḍhyam |
sarpoṣṇīṣaṃ sitadaṃṣṭrākarālaṃ sarpaiścograiralibhirbhūṣitāṅgam || 12-36 ||
dorbhiḥ śūlaṃ paraśuṃ cāsidaṇḍau khaṭvāṅgākhyaṃ dadhataṃ carmapāśau |
hetīrdhyāyet sakapālaṃ kapālaiḥ sālaṅkāraṃ ghananīlaṃ tvaghoram || 12-37 ||
bandhūkābhaṃ lalitaṃ strīvilāsaṃ divyākāraṃ dhṛtadhammillakendum |
raktābhūṣāvasanālepamālyaṃ vāmaṃ dhyāyed dhṛtacarmāsihastam || 12-38 ||
sadyojātaṃ śaśigokṣīragauraṃ śuklākalpāmbaragandhaṃ trinetram |
saptābhāraṃ varadābhītihastaṃ candrāpīḍaṃ smaratāṃ bālaveṣam || 12-39 ||
pṛthivyādyaṣṭamūrtīnāṃ vāmādyāḥ śaktayaḥ kramāt |
jagatpravṛttisaṃsiddhiryābhiḥ sidhyecchivājñayā ||
iti kālottaroditatvāt |
ato'ṣṭamūrtayo'pi svarūpataḥ pradarśyante -
pṛthvīmūrtiścaturāsyāṣṭabāhuḥ kūrmārūḍhā dadhatī divyarūpā |
pītā śāliprasavaṃ cotpalaṃ ca sādridvīpāmbudhinadyāvṛtāṅgī || 12-40 ||
p. 105) meṣārūḍho varadābhītiśaktīrbibhraddhastairaruṇaḥ svastikaṃ ca |
jvālāmālāmakuṭaḥ pañcavaktro hemākalpaḥ sumukhaḥ saptajihvaḥ || 12-41 ||
śvetoṣṇīṣo navanītāktadehaḥ sāṅgaṃ carmāpi ca kṛṣṇaṃ dadhānaḥ |
patnyā yuktaḥ sitayajñopavītiḥ srukpāṇiḥ syād yajamāno'dhvarasthaḥ ||
saptacchandasturagasyandanastho bandhūkābhaḥ sumukhaścārurūpaḥ |
raktākalpāmbaramālyānulepaḥ sūryo varmī makuṭī padmahastaḥ || 12-43 ||
ambhomūrtiḥ kathitā śuklavarṇā nakrārūḍhā varapāśau dadhānā |
muktājālairvividhairbhūṣitāṅgī śubhrākalpā yugamauliḥ sumauliḥ || 12-44 ||
eṇārūḍhaḥ pavano dhūmravarṇaḥ pīnāṅgāṃso makuṭī kuñcitabhrūḥ |
kṛṣṇākalpaścaturāsyo'ṅkuśī ca divyākāro yugabāhurdhvajī syāt || 12-45 ||
ākāśo'pi sphuṭitenduprakāśo dorbhiḥ śūlaṃ ḍāmarūkaṃ ca śaṅkham |
khaṭvāṅgaṃ cādadhadardhendumaulistryakṣo dhyeyaḥ sakapardo vṛṣasthaḥ || 12-46 ||
prāleyāṃśurhimagokṣīragauraḥ śuklākalpo lalitāṅgaḥ kirīṭī |
śaṅkhāmbhoje varadākhyaṃ gadāṃ cābibhrad dorbhisturagastho'bhipūjyaḥ || 12-47 ||
śarvādyaṣṭau vṛṣavāhāstrinetrā vedāsyāste sakapardendukhaṇḍāḥ |
śūlaṃ vajraṃ śara(cāpau) dadhānā nāgākalpāḥ khalu te mūrtipāḥ syuḥ || 12-48 ||
tadvadvarṇaiḥ kamalasvarṇaraktāḥ śuklāpītāvaraṇā raktakṛṣṇāḥ |
mūrtīśāste syuranantādayo ye vidyādhīśā api varṇaiḥ samānāḥ || 12-49 ||
yogopetāḥ sumukhāścārurūpā dhammilāgragrathitasra * * * |
saumyāḥ sarve sudukulāmbarāḍhyā vidyādhīśāḥ kathitā nāgahastāḥ || 12-50 ||
yoṣidrūpāṇyapi cāṅgāni varṇaiḥ śvetasvarṇāruṇakṛṣṇānibhāni |
dhyeyāni syād varadābhītikāḍhyaṃ tryakṣaṃ teṣāmapi śūlaṃ ca ṭaṅkam || 12-51 ||
atra mañjaryāṃ -
hṛdayādīni cāṅgāni tadrūpā dvibhujāḥ striyaḥ |
varadābhītihastāḥ syurastraṃ kiñcit tu piṅgalam ||
iti |
p. 106) nandīśākhyo makuṭī svarṇavarṇa kiñciddaṃṣṭrī sumukho dakṣiṇasthaḥ |
dvāre śūlī gadayāvasthitaḥ syād daityākāro dyutimān satrinetraḥ || 12-52 ||
meghaśyāmaḥ śubhaveṣaḥ kirīṭī raktākalpo dhṛtaṭaṅkastrinetraḥ |
dvāḥstho vāme gadayāvasthitaḥ san daṃṣṭrī kiñcit sa mahākālasaṃjñaḥ || 12-53 ||
nirmāṃsāṅgo dhṛtaśūlastrinetraḥ pretākāraḥ kṛśadīrghodarāsyaḥ |
bhṛṅgīśākhyaḥ parameśapriyo'sau yāmyadvāre sa bhavet paścimasthaḥ || 12-54 ||
lakṣāvarṇo dhṛtaṭaṅkākṣamālo raktākalpo gajavaktrastrinetraḥ |
hrasvāṅgaḥ syādahiyajñopavītī yāmyadvāre khalu pūrvasthito'sau || 12-55 ||
kailāsābho himacandrāṃśugaurastuṅgaḥ śṛṅgī bahalāṅgaḥ kakudmān |
dharmaḥ sākṣād vṛṣarūpī catuṣpāt paścāddvāḥsthaḥ khalu kauberabhāge || 12-56 ||
ṣaḍvaktro'smād dviguṇākṣaśca dorbhiryukto raktaḥ śikhivāhaḥ kirīṭī |
raktākalpaḥ śikhiśaktyakṣamālāpūrvā hetīrvidadhad bālaveṣaḥ || 12-57 ||
kanyā devī dadhatī nīlavarṇā cakrāsīṣūṃstriśikhaṃ śaṅkhakheṭe |
dorbhiścāpaṃ varadaṃ siṃhavāhā raktākalpā dhanadadvārapūrve || 12-58 ||
saṃraktāṅgaḥ paraśuṃ cāpi kuṇḍīṃ bibhrad dorbhistriśikhaṃ cākṣamālām |
caṇḍeśaḥ syānmakuṭī satrinetro divyākaro'ruṇamālyāmbarāḍhyaḥ || 12-59 ||
i(ndrā ? ndraḥ)pīto makuṭī yugmabāhurhārairniṣkaiḥ kaṭakaiścāṅgadādyaiḥ |
divyākalpo dhṛtavajrāśaniḥ syāt prācyāṃ devaiḥ saha cairāvatasthaḥ || 12-60 ||
taptasvarṇadyutiragniścaturbhirdorbhirbibhrad varadaṃ cābhayaṃ ca |
kuṇḍīṃ tadvajjapamālāṃ ca haimīṃ haimākalpaḥ sumukho vṛddhaveṣaḥ || 12-61 ||
jvālāveṣṭitasvamaṇḍalastho dakṣiṇabhāgāśritayā svāhayā sahito meṣārūḍhaśca |
nīlābhrābho balavān daṇḍapāṇirdivyākāro yugabāhuḥ kirīṭī |
kṛṣṇākalpo mahiṣaṃ cādhirūḍhaḥ pretādhīśaḥ khalu dharmo yamaḥ syāt || 12-62 ||
citraguptādibhiḥ svagaṇaiḥ parivṛtaśca |
rakṣodhīśo nir-ṛtiḥ kṛṣṇavarṇo daṃṣṭrī khaḍgī śitimālyāmbarāḍhyaḥ |
bhīmākāro'pi ca ramyākṛtiḥ syāt svāśāsaṃsthaḥ puruṣaṃ cādhirūḍhaḥ ||
rakṣogaṇairāvṛtaśca |
p. 107) prāleyendusphaṭikasvacchavarṇaḥ pītākalpo makuṭī bhūṣitāṅgaḥ |
nakrārūḍho dhṛtapāśaḥ surūpo devo dhyeyo varuṇaḥ syāt prasannaḥ || 12-64 ||
gaṅgāyamunādibhirdivyarūpiṇībhirnāgaiśca parivṛtaḥ |
dhūmro vāyurlalitāṅgo yuvā syānnīlākalpo yugabāhurmṛgasthaḥ |
hārī bibhrad dhvajamapyaṅkuśaṃ ca dhyeyo devaḥ sahitaḥ syānmarudbhiḥ || 12-65 ||
hemābhāso madhupiṅgākṣasaumyo divyākalpo naravāho gadādhṛk |
tundī kiñcid bahalo hrasvabāhuryakṣādhīśo nidhibhiścāvṛtaḥ syāt || 12-66 ||
muktāvarṇo dhṛtaśūlastrinetraḥ śvetākalpaḥ sakapardendukhaṇḍaḥ |
saumyākāro vṛṣavāhaḥ śivāṃśo vidyādhīśo bhavatīśānadevaḥ || 12-67 ||
vidyāmūrtibhiḥ parivṛtaśca |
taptasvarṇapratimo haṃsabāho vaktrairyuktaḥ sa caturbhirbhujaiśca |
sākṣasraksruksruvakuṇḍīkuśāṃśca bibhrad brahmā sakapardaḥ surūpaḥ || 12-68 ||
vāmataḥ sāvitryā dakṣiṇataḥ sarasvatyā ca prajāpatirbhirdevaiśca samastalokaiḥ parivṛtaḥ kuśadhvajaśca |
nāgādhīśairakhilaiḥ sevyamānaḥ śvetāraktaprabhayā saumyarūpaḥ |
divyākalpaḥ kamale cakrahasto dhyeyo'nanto vasudhāśekharaḥ syāt || 12-69 ||
sahasraphaṇāmaṇikiraṇodbhāsitottamāṅgaḥ syāt |
śaṅkhaprakhyo vṛṣavāhastrinetro nāgākalpaḥ sakapardendukhaṇḍaḥ |
bhīmākāro'pyatibhadro vaṭādhaḥ śūlī ṭaṅkī nivasan vīrabhadraḥ || 12-70 ||
haṃsārūḍhā tvaruṇābhā caturbhirvaktrairdorbhirdhṛtakuṇḍyakṣamālā |
brāhmī devī nivasantī palāśe divyākalpā varadābhītihastā || 12-71 ||
plakṣe śvetā sakapardendurekhā ṭaṅkaṃ śūlaṃ varadaṃ cābhayaṃ ca |
ukṣārūḍhā dadhatī satrinetrā nāgākalpā khalu māheśvarī syāt || 12-72 ||
bandhūkābhā hyaruṇākalparamyā śaktyakṣasragvaradābhītipāṇiḥ |
divyākārā samayūradhvajā yā kaumārī syāt sphuṭamaudumbarasthā || 12-73 ||
meghaśyāmā dhṛtapītāmbarāḍhyā śrīvṛkṣasthā sakirīṭādibhūṣā |
śaṅkhaṃ cakraṃ varadaṃ cābhayaṃ ca tārkṣyārūḍhā dadhatī vaiṣṇavī syāt || 12-74 ||
p. 108) meṣārūḍhā halacakrābjahastā nīlākalpā sphuṭabhinnāñjanābhā |
vārāhī syāt savarāhāsyadaṃṣṭrā ghorā ramyā nivasantī karañje || 12-75 ||
aindrī śyāmā varamālyānulepā vajraṃ pāśaṃ varadābhītike ca |
hemākalpā dadhatī kalpavṛkṣacchāyāsaṃsthā sacaturdantivāhā || 12-76 ||
kṛṣṇā raudrī vaṭavṛkṣe'drikalpā śūlaṃ khaḍgaṃ ḍāmarukaṃ kapālam |
raktākalpā dadhatī pretavāhā cāmuṇḍā syād bhaṭamuṇḍāntramālā || 12-77 ||
vighnādhīśo gajavaktro'ñjanābhaṣṭaṅkākṣasragvaradābhītihastaḥ |
raktākalpaḥ śrī * * * * * * bhakṣyaiḥ prīto bhagavānākhuvāhaḥ || 12-78 ||
sarvā loke vividhā mātaro'nyā nānāveṣāḥ śubhavarṇāyudhāḍhyāḥ |
tāstāstuṣṭāḥ śivayā(gassa ? ge sa) metā dhyeyāḥ pūjāmadhigamya prasannāḥ || 12-79 ||
rukmaprakhyā sakirīṭā caturbhirdorbhirvajraṃ dadhatī cākṣamālām |
ambhojaṃ cāpyabhayaṃ divyarūpā śubhrākalpāmbujasaṃsthā nivṛttiḥ || 12-80 ||
raktākalpā sphaṭikasvacchavarṇā pāśākṣasrakkamalābhītihastā |
nānāratnairmukuṭādyairupetā dhyeyā raktāmbujasaṃsthā pratiṣṭhā || 12-81 ||
guñjāraktā sakapardā trivaktrā candrottaṃsā dhṛtaśaktyakṣamālā |
abjāsīnā jalajābhītihastā divyākalpā khalu vidyā kalā syāt || 12-82 ||
dorbhirvaktrairapi yuktā caturbhiḥ kṛṣṇā kṛṣṇairvasanādyairupetā |
sarpākalpā sakapardā dhvajākṣasrak sābhītiḥ kathitā śāntisaṃjñā || 12-83 ||
śaṅkhakṣīrasphaṭikasvacchagaurā pañcāsyā syāt sakapardendukhaṇḍā |
padmākṣasragvaradābhītipāṇiḥ śubhrākalpā jalaje śāntyatītā || 12-84 ||
padmāsīnaṃ caturāsyaṃ supītaṃ dhyānaikāgraṃ dvibhūjāṅkasthamudram |
ūrdhvākṣasrakkalaśaṃ divyarūpaṃ divyākalpaṃ kathitādhyātmatattvam || 12-85 ||
meghānīlaṃ śritapuryaṣṭakābjairdorbhiḥ kuṇḍīṃ jalajāryakṣamālāḥ |
vidyādhāraṃ tvabhayaṃ bodhamudrāṃ vidyātattvaṃ vidadhad divyarūpam || 12-86 ||
induśvetaṃ sacaturbāhuvaktraṃ divyākāraṃ dhṛtaṭaṅkākṣamālam |
padmāsīnaṃ sakapardaṃ samudraṃ saktaṃ dhyeyaṃ śivatattvaṃ samādhau || 12-87 ||
p. 109) saumyāsaumyāstvapare cāpyasaṃkhyā nānārūpā varaveṣāyudhāḍhyāḥ |
smartavyāste daśadiksthā gaṇeśā ye vakṣyante parato'smin samāsāt || 12-88 ||
pītaṃ raktaṃ tvatha kṛṣṇaṃ ca nīlaṃ vidyutprakhyaṃ bahurūpaṃ suvarṇam |
agnijvālāśaśisūryadyutīni vajrādīni kramaśo'strāṇi vidyāt || 12-89 ||
rakṣādakṣaṃ nijalokeśadiksthaṃ vighnānnighnaṃ puruṣākāraramyam |
raktākalpaṃ dvibhujaṃ svāṅkaśīrṣaṃ prāñjalyastraṃ khalu tattadvidheyam || 12-90 ||
tatra gadā śaktiśca striyau |
kalpānalasamaprakhyaṃ koṭisūryasamaprabham |
daṃṣṭrākarālavadanairvamadagniśikhākulam || 12-91 ||
anekavaktranayanamanekāyudhabhīṣaṇaiḥ |
bhujairanantaiḥ śastrāṇi muñcantaṃ paripanthiṣu || 12-92 ||
vyālayajñopavītāḍhyaṃ nāgabhūṣaṇabhīṣaṇam |
raktagandhāmbaradharaṃ śiromālāntrabhūṣitam || 12-93 ||
siṃhavyālāhigṛdhraśvavyāghrakroḍadvipānanaiḥ |
bhūtaiḥ parivṛtaṃ naikairaṭṭahāsavibhīṣaṇaiḥ || 12-94 ||
rakṣakaṃ śivabhaktānāṃ sarvopadravanāśanam |
(hedanaṃ paradivyānāṃ?) parasainyanivāraṇam || 12-95 ||
rūpaṃ pāśupatāstrasya proktametat samāsataḥ |
bhinnāñjanagiriprakhyaṃ raktākalpasubhīṣaṇam || 12-96 ||
daṃṣṭrākarālavadanaṃ pradīptordhvaśiroruham |
śūlasya mūlaṃ vetālaṃ khaḍgaṃ dakṣiṇato'nyataḥ || 12-97 ||
bhujairḍamarukaṃ caiva kapālaṃ ghaṇṭayāṣṭabhiḥ |
śūlamadhyaṃ ca dadhataṃ vyāghracarmāmbaraṃ vibhum || 12-98 ||
sadyaḥkṛttasravadraktasadbhaṭānanamālikām |
lūtavṛścikamālāṃ ca (ghaṇṭā ? kaṇṭhā) dājānulaṅghinīm || 12-99 ||
nūpure kaṭisūtraṃ ca kroḍabandhaṃ tathāṅgadaiḥ |
kaṭakāni tathā niṣkaṃ kuṇḍalottaṃsakāni ca || 12-100 ||
p. 110) upavītaṃ ca bibhrāṇamākrāntamaṇipādukam |
agravinyastasavyāṅghriṃ yuddhopakramabhīṣaṇam || 12-101 ||
nikhilopadravaharaṃ smṛtaṃ * * * bhañjanam |
aghorāstramiti dhyāyed yathoktaparivārakam || 12-102 ||
itthaṃ mūlāsanāṅgāni garbhadvāreśalokapaiḥ |
astrāṇyāvaraṇākhyāni teṣāṃ yā mūrtayaḥ smṛtāḥ || 12-103 ||
tāḥ sarvā mukhyaśo hyatra kathitāḥ pūjanādiṣu |
yathāyathāvat smartavyā nityādiṣviha karmasu || 12-104 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde āvaraṇādimūrtipaṭalo dvādaśaḥ || 12 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 13: Sonnenverehrung und Shiva-Puja
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 13: Sonnenverehrung und Shiva-Puja
Das Kapitel verbindet die vorbereitende Verehrung der Sonne mit der Puja für Shiva. Reinigung, innere Vergegenwärtigung, Anrufung, Gaben und Mantrawiederholung bilden einen zusammenhängenden Ablauf. Eingeschobene Formeln werden hier in ihrer deutschen Bedeutung wiedergegeben; ihre überlieferten Keim- und Schlusslaute stehen in den getrennten Sanskritfassungen.
Kapiteleröffnung. Nun das dreizehnte Kapitel.
Kriyapada 13-1. Nun werde ich die Sonnenverehrung erklären, die Hindernisse bei der Shiva-Verehrung befrieden soll. Nach dem Bad, der Andacht zur Tageswende und den sättigenden Wassergaben gehe man zum Verehrungsraum,
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-2. wasche die Füße, vollziehe das rituelle Wasserschlürfen und verehre die beiden Torwächter mit ihren Namen: „Verehrung dem Dandin! Verehrung dem Pingala!“
Kriyapada 13-2. Man trete ein, setze sich und vollziehe die Atemregelung.
Kriyapada 13-3. Mit den durch den Waffen-Mantra gereinigten Händen lege man die Glieder-Mantras, vom Herzen beginnend, nieder. Man betrachte sich selbst als Sonnengott und fülle das Arghya-Gefäß wie beschrieben.
Kriyapada 13-4. Man versehe es mit den acht Bestandteilen, lege darin Grund- und Glieder-Mantras nieder und verehre sie. Danach besprenge man damit sich selbst, den Platz und die Gesamtheit der Verehrungsstoffe mithilfe von Kusha-Gras.
Unnummerierte Formeln nach 13-4. „Verehrung dem Ganapati! Verehrung den Gurus!“
Kriyapada 13-5. So verehre man rechts den Herrn der Hindernisse und nördlich den Guru. Den überreichen Thron namens Prabhutasana verehre man mit dessen Namen, vorangestellt die heilige Silbe und der Gruppenanfang.
Kriyapada 13-6. Nach der Verehrung seines Namens verehre man die vier Löwenfüße: Vimala, Sara, Aradhya und Sukha, jeweils mit „Parama“ davor.
Kriyapada 13-7. Ihre Namen werden mit der heiligen Silbe und dem Gruppenanfang samt Punkt versehen und mit Verehrung abgeschlossen. Ebenso verehre man den höchsten Atman und den Lotus-Sitz der Sonne.
Kriyapada 13-8. Dipta, die Leuchtende; Sukshma, die Feine; Jaya, die Siegreiche; Bhadra, die Segensreiche; Vibhuti, die Macht; Vimala, die Makellose; Amogha, die Unfehlbare; und Vidyuta, die Blitzende: Diese acht verehre man der Reihe nach auf den Blättern der acht Richtungen.
Kriyapada 13-9. Den Namen der Shaktis stelle man den zweiten Laut der siebten Gruppe, durch die langen Vokale unterschieden und mit Punkt versehen, voran; am Ende stehe Verehrung.
Kriyapada 13-10. Als neunte verehre man im Samengehäuse Sarvatomukhi, „die nach allen Seiten Gewandte“, mit der heiligen Silbe voran. Danach zeige man die aufstrahlende Mudra und betrachte den Sonnengott,
Kriyapada 13-11. in der runden Scheibe seines eigenen Glanzes auf einem weißen Lotus stehend, in der beschriebenen Gestalt, mit festem Geist im Herzen.
Kriyapada 13-12. Man fülle die zum Anjali geformten Hände mit Blumen, spreche den Khashotka-Mantra verbunden mit dem Grundmantra und rufe ihn aus dem Lotus des Dvadashanta mit der Anrufungs-Geste herbei.
Kriyapada 13-13. Gut gesammelt stelle man ihn mit der Aufstellungs-Geste im Lotus auf, mache ihn mit der Gegenwarts-Geste gegenwärtig und halte ihn mit der Nishthura-Geste fest.
Kriyapada 13-14. Mit der Kuh-Geste lade man ihn zum freundlichen Annehmen ein, gebe Arghya und weitere Gaben mit dem Khashotka-Mantra und verehre ihn mit Grund- und Glieder-Mantras. Dann zeige man Lotus- und Scheiben-Geste.
Kriyapada 13-15. Nach der Gabe von Bad, Gewand und heiliger Schnur verehre man der Reihe nach die Glieder, beginnend mit dem Herzen, auf den Blättern in Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten.
Kriyapada 13-16. In der Mitte liegt das Auge, in den Hauptrichtungen die Waffe, jeweils mit dem eigenen Abschluss. Für Herz und die weiteren Glieder zeige man die Kuh-Geste, für das Auge die Stier-Geste,
Kriyapada 13-17. für die Waffe die erschreckende Geste. Danach verehre man erneut mit Duftstoffen und anderen Gaben. In den Hauptrichtungen, beginnend im Osten, verehre man Mond, Merkur, Jupiter
Kriyapada 13-18. und Venus; in Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten die Planeten Mars, Saturn, Rahu und Ketu.
Kriyapada 13-19. Man verwende ihre Namen, mit der heiligen Silbe und dem jeweiligen Anfangslaut samt Punkt voran. Mit der Begrüßungs-Geste lade man sie zum Annehmen ein und verehre den Sonnengott mit Duftstoffen und weiteren Gaben
Kriyapada 13-20. bis zur Speisegabe, ebenso die Planeten in ihrer Reihenfolge. Man zeige Lotus- und Scheiben-Geste und erfreue sie damit.
Kriyapada 13-21. Nach Japa gemäß den eigenen Kräften gebe man Arghya und entlasse die Gottheiten. Mit der Zurücknahme-Geste ziehe man die Mantras, den Gott mit seinen Gliedern und die Planeten zurück
Kriyapada 13-22. und vereinige sie mit der Sonnenscheibe im Herzen oder im Dvadashanta. Sämtliche gebrauchten Opferreste und weiteren Rückstände übergebe man Tejashchanda,
Kriyapada 13-23. im Nordosten, mit seinem eigenen Namen, dem die heilige Silbe und der Gruppenanfang vorangehen. Überall werden die Namen bei der Verehrung im Dativ und mit Verehrung am Schluss verwendet.
Unnummerierte Abschnittsmarke. Die Behandlung der Sonnenverehrung.
Kriyapada 13-24. Man lege den Pavitra-Grasring ab, vollziehe das Wasserschlürfen und verehre das Tor. Mit gewöhnlichem Arghya und Blumen besprenge man es unter dem Shiva-Waffenmantra.
Unnummerierte Formeln und Fortsetzung vor 13-25. „Verehrung dem Ganapati! Verehrung der Sarasvati!“ So verehre man die beiden rechts und links am oberen Türbalken. „Verehrung der Ganga! Verehrung der Yamuna!“
Kriyapada 13-25. So verehre man im oberen Bereich auf der südlichen und nördlichen Seite.
Unnummerierte Formeln vor 13-26. „Verehrung dem Nandisha! Verehrung dem Mahakala!“
Kriyapada 13-26. So verehre man die beiden unten rechts und links an den Türpfosten. Eine Blume, als flammende Waffe vergegenwärtigt, welche die Scharen der Hindernisse vertreibt,
Kriyapada 13-27. werfe man mit dem Shiva-Waffenmantra wie einen Pfeil in den Verehrungsraum. Mit drei Fersenstößen vertreibe man die irdischen Hindernisse, mit Fingerschnippen die im Luftraum,
Kriyapada 13-28. mit den Zeigefingern die himmlischen. Danach stelle man Indra und die übrigen Götter im Geist in ihren eigenen Richtungen auf.
Unnummeriertes Zitat aus der Manjari nach 13-28. „Man stelle Indra und die übrigen Weltenhüter, mit ihren Waffen zum Schutz bereit, in den zehn Richtungen auf und trete dann selbst in das Mandala ein.“
Kriyapada 13-29. Man trete mit dem rechten Fuß ein, ohne die Schwelle zu berühren, halte sich dabei an den nördlichen Pfosten und wende sich dann zurück.
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-30. Man lege eine Blume auf die Schwelle und vergegenwärtige sie als flammende Waffe, welche die Hindernisscharen abwehrt. Danach: „Verehrung dem Vastu-Purusha! Verehrung Brahma, dem Herrn des Vastu!“
Kriyapada 13-30. Diese Gabe bringe man am Brahma-Platz dar.
Unnummerierte Fortsetzung und Sitzformel vor 13-31. Man betrachte das Opferhaus und die Geräte im Uhrzeigersinn. „Verehrung dem Ananta-Sitz!“
Kriyapada 13-31. So verehre man den eigenen Sitz und nehme darauf nach Norden gewandt Platz.
Kriyapada 13-32. Man vollziehe die Reinigung der Elemente mit Austrocknung und den weiteren Verfahren. Nach der zuvor beschriebenen Weise bilde man die mit Duftstoff befeuchtete Shiva-Hand,
Kriyapada 13-33. dann die Linga-Geste und die Hand-Schildkrötengeste. Man vollziehe an sich den Nyasa der achtunddreißig Kalas, wie gelehrt.
Kriyapada 13-34. Im Herzlotus rufe man den Grundmantra, dessen Wesen Shiva ist, an und lege die sechs Glieder-Mantras, beginnend mit dem Herzen, am eigenen Körper nieder.
Kriyapada 13-35. Man vollziehe die Erhebung in den höchsten Zustand und betrachte: „Ich bin Shiva.“ Mit der großen Mudra bereite man sich selbst die innere Zustimmung und Öffnung.
Kriyapada 13-36. Durch dreimaliges Händeklatschen, Fingerschnippen, Blicke und die Lautzeichen des Zeigefingers vertreibe man die Hindernisse. Man mache die Richtungen frei, reinige sie und umschließe sie schützend.
Kriyapada 13-37. Nach dieser Reinigung des Ortes vergegenwärtige man den Mantra auf dem Löwenthron: Sadashiva im Licht-Linga, im Inneren des Herzlotus,
Kriyapada 13-38. daumengroß. Mit unbewegtem Geist verehre man ihn innerlich mit vollkommenen Gaben in der rechten Reihenfolge, mit der ganzen Ehrerbietung für einen Weltenherrscher.
Kriyapada 13-39. Mit Strömen höchsten Nektars sättige man Shiva im Feuer der Nabelgrube. Im Zwischenraum zwischen den Brauen, im Inneren des aufstrahlenden Punktes,
Kriyapada 13-40. meditiere man über Shiva als das Höchste und Feinste. Nach Vollendung des inneren Opfers betrachte man Sadashiva als mit dem eigenen Selbst eins und schütze den Ort.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 13-40. „Nach dreimaligem Händeklatschen stelle man sich durch den Waffen-Mantra eine aufragende Schutzmauer vor und außerhalb davon durch den Panzer-Mantra einen ausgehobenen Graben.“
Kriyapada 13-41. Man fülle das besondere Arghya, wie im Kapitel über die Darbringungen gelehrt, verehre es und besprenge mit seinem Wasser mithilfe von Kusha-Gras den eigenen Kopf.
Kriyapada 13-42. Mit duftender Asche ziehe man ordnungsgemäß die drei Streifen. Sind so das eigene Wesen und der Ort gereinigt, vollziehe man die Reinigung der Stoffe.
Kriyapada 13-43. Man betrachte die genannten Verehrungsstoffe mit dem Kraftblick und besprenge sie mit Arghya-Wasser, mithilfe der Kusha-Wurzeln oder des Grasbüschels, unter dem Panzer-Mantra.
Kriyapada 13-44. Man berühre sie und wiederhole den Ajata- oder Herz-Mantra für die Duftstoffe; für die Gewänder den Vama- oder Kopf-Mantra.
Kriyapada 13-45. Für Schmuck und Girlanden verwende man den Krishna- oder Haarspitzen-Mantra, für Speisegaben und Früchte den Purusha- oder Panzer-Mantra.
Kriyapada 13-46. Für lose Blüten und Ähnliches verwende man Ishana oder die Gayatri; für Dickmilch und Milch den Panzer-Mantra, für Ghee den Haarspitzen-Mantra.
Kriyapada 13-47. Zucker weihe man mit dem Herz-Mantra, Honig und Wasser mit dem Haarspitzen-Mantra, das Übrige mit dem Grundmantra. Auf alle diese Stoffe sprenge man Tropfen des Arghya-Wassers.
Kriyapada 13-48. Mit Sandel und dem Grundmantra zeichne man ein Stirnzeichen. Nach dem Besprengen lege man mit demselben Mantra eine Blume auf den eigenen Kopf.
Unnummerierter Übergang nach 13-48. Damit ist die Reinigung der Stoffe erklärt. Nun wird die Reinigung des Mantras beschrieben.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Man spreche den Mantra langsam aufwärts, beginnend mit drei Maßeinheiten und weiter in dieser Folge, bis der Zustand der Vollendung erreicht ist; sein Geist … Durch die Zuflucht zur reinen Wirklichkeit erfolgt so die Reinigung des Mantras.“ [Quellenhinweis: Die Aussage über den Geist enthält eine durch Sternchen markierte Lücke.]
Kriyapada 13-49. Danach reinige man das Linga nach der im Kapitel über die Darbringungen gelehrten Reihenfolge.
Kriyapada 13-50. Rein gesinnt fülle man mit kleinen Krügen reines Wasser in Vardhani und Kumbha und öffne mit dem Waffen-Mantra den inneren Heiligtumsraum.
Kriyapada 13-51. Zuerst bringe man gewöhnliches Arghya mit der Shiva-Gayatri dar, … mit Blumen und Räucherwerk …; dann gebe man damit erneut Arghya. [Zwei Passagen fehlen in der gelieferten, mit Sternchen gekennzeichneten Textstelle.]
Kriyapada 13-52. Man entferne die gebrauchten Opfergaben, wiederhole die fünf Brahma-Mantras und lege sogleich eine Blume auf den Kopf des Linga.
Kriyapada 13-53. Bei einem fest installierten Linga übergebe man die alten Gaben Chanda, mit Arghya voran; bei einem beweglichen gebe man sie ins Wasser oder an einen entsprechenden Ort. Mit Herz- und Waffen-Mantra besprengtem Wasser
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-53. wasche man zuerst den Sockel, anschließend das Linga. [Quellenhinweis: Bei der Übergabe an Chanda ist die Wortverbindung in der Vorlage ausdrücklich unsicher.]
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Sorgfältig wasche man das Linga gerade mit der rechten Hand. Das Linga mitsamt Wasseraufnahme reinige man zuerst mit Waffen-Mantrawasser; danach begieße man es unter Mantrarezitation mit gewöhnlichem Arghya-Wasser.“
Kriyapada 13-54. Beim Begießen, bei der Verehrung und den weiteren Handlungen lasse man den Kopf des Linga niemals leer,
Kriyapada 13-55. sondern versehe ihn mit Duftstoffen, Blumen und anderen Gaben: Dies bewirkt nach der Lehre die göttliche Gegenwart. So sind die Reinigungen des eigenen Wesens, des Ortes, der Stoffe, des Mantras und des Linga
Unnummerierte Fortsetzung und Formel vor 13-56. als fünf Reinigungen von Shiva-Verehrern auszuführen; ohne sie wird die Verehrung nicht anerkannt. „Verehrung dem Ganapati!“
Kriyapada 13-56. Damit verehre man den Herrn der Scharen in der nordwestlichen Ecke,
Unnummerierte Fortsetzung und Formel vor 13-57. oder im Südwesten den rötlichen Elefantengesichtigen auf einem Lotus in der beschriebenen Gestalt. „Verehrung den Gurus!“ [Quellenhinweis: Das Farbadjektiv „vāruṇaṃ“ in der gelieferten Verbindung ist unklar; die Zuordnung bleibt örtlich unsicher.]
Kriyapada 13-57. Ebenso verehre man die Gurus im Nordosten und vergegenwärtige ihre zuvor beschriebene Gestalt und weiteren Merkmale,
Unnummerierte Fortsetzung und Kommentar nach 13-57. mit gewöhnlichem Arghya, Duftstoffen und weiteren Gaben bis zur Speisegabe, nach den eigenen Möglichkeiten. „Gurus“ meint hier fünf: den eigenen Guru, den Guru des Gurus, den höchsten Guru, den verehrungswürdigen Guru und den höchst verehrungswürdigen Guru. „Verehrung der tragenden Shakti!“
Kriyapada 13-58. Diese Shakti auf dem Schildkrötenstein ist unterhalb des Sitzes zu verehren.
Unnummerierte Fortsetzung und Formel vor 13-59. Sie gleicht dem Keim eines Lotussamens. „Verehrung dem Ananta-Sitz!“ Damit verehre man die auf dem Brahma-Stein ruhende Grundlage.
Kriyapada 13-59. Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftsmacht verehre man der Reihe nach
Kriyapada 13-60. als die beschriebenen Thronfüße von Südosten bis Nordosten. Adharma, Unwissenheit und fehlende Leidenschaftslosigkeit verehre man in den Hauptrichtungen,
Kriyapada 13-61. ferner mangelnde Herrschaftsmacht, von Osten beginnend an den Thronteilen. Die Namen stehen im Dativ, verbunden mit der heiligen Silbe und dem Herzkeim.
Unnummerierte Fortsetzung vor 13-62. So sind allgemein die Umhüllungen zu verehren, soweit nichts Besonderes vorgeschrieben wird. Es folgt die heilige Silbe mit dem Herzkeim.
Kriyapada 13-62. Damit verehre man unterhalb des Randes den entsprechenden Teil in der Nähe der Erkenntnis.
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-63. Ebenso verehre man die darüber liegende obere Decke in der Richtung der Herrschaftsmacht. „Verehrung dem Lotus! Verehrung dem Samengehäuse!“ [Hinweis zu 13-62: Der Bezug des ersten verehrten Teils bleibt im Quellsatz unvollständig; kein Gegenstand wird ergänzt.]
Kriyapada 13-63. Nach dieser Verehrung werden auf den Staubfäden der Reihe nach die acht Shaktis, beginnend mit Vama,
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 13-64. sämtlich in den zuvor beschriebenen Richtungen und Sitzen verehrt. „Verehrung der Vama! Verehrung der Manonmani!“
Kriyapada 13-64. Als neunte Shakti verehre man Manonmani im Samengehäuse.
Unnummerierte Formeln und Anweisung nach 13-64. „Verehrung der Sonnenscheibe! Verehrung Brahma, dem Herrn der Sonnenscheibe!“ So verehre man sie und betrachte ihre Durchdringung von den Spitzen der Lotusblätter an.
„Verehrung der Mondscheibe! Verehrung Vishnu, dem Herrn der Mondscheibe!“
Kriyapada 13-65. So verehre man beide und betrachte ihre Durchdringung von den Spitzen der Staubfäden an.
Unnummerierte Formeln und Anweisungen nach 13-65. „Verehrung der Feuerscheibe! Verehrung Rudra, dem Herrn der Feuerscheibe!“ So verehre man Scheibe und Scheibenherrn in der Mitte des Samengehäuses.
„Verehrung der Raumscheibe! Verehrung Shivas Sitz!“ So ist der beschriebene Sitz zu verehren.
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara. „So stelle man sich an einem unbeweglichen Linga einen festen Sitz vor. Beim beweglichen Linga besteht der Unterschied, dass der Sitz beweglich und unbeweglich ist. Nachdem man es nach dem Begießen auf einen Sockel oder ein Mandala gestellt hat, verehre man dort den Gott im beweglichen Linga auf seinem nun festen Sitz.“
Kriyapada 13-66. Dann fülle man die zum Anjali geformten Hände mit Blumen.
Unnummerierte Formeln und Anweisung nach 13-66. „Verehrung Shivas Gestalt!“ Damit lege man am Gestalt-Linga die beschriebenen Merkmale nieder. „Verehrung der Ishvara-Gestalt, deren Wesen Erkenntnis und Handeln sind!“
Kriyapada 13-67. Auf die fünf Brahma-Gesichter lege man ferner die achtunddreißig Kalas
Kriyapada 13-68. mit ihren eigenen Mudras, entsprechend der beim Nyasa gelehrten Reihenfolge. Erneut forme man die Hände mit Blumen zum Anjali und vergegenwärtige darin den Gott Sadashiva.
Kriyapada 13-69. Man entfalte seinen aus Vidya bestehenden Leib und spreche, verbunden mit heiliger Silbe, Herzkeim, Grund- und Herz-Mantra: „Verehrung dem Vidya-Leib!“ Dies lege man in der Gestalt nieder.
Kriyapada 13-70. Dann erhebe man die mit Blumen gefüllten Hände, verbinde heilige Silbe und Herzkeim mit dem Sadya-Grundmantra und spreche den Mantra mit gedehntem Abschluss.
Kriyapada 13-71. Aus dem Herzlotus heraus betrachte man Shiva als höchstes Licht, dem feinen Klang gleich. Man führe ihn aufwärts zum Dvadashanta-Lotus und vereinige ihn mit dem ungeteilten Shiva.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 13-71. „Man setze die Lauterhebung fort, bis der Bereich des Ungeteilten erreicht ist. Ganz in der Betrachtung dieses Zustandes versunken, schaue man ihn im aufstrahlenden Strahlenkreis, im hervorgetretenen Punkt. Für die Anrufung nehme man ihn von dort vertrauensvoll auf und lege ihn mit festem Geist in dem vor einem stehenden, als Ziel bestimmten Leib nieder.“
Kriyapada 13-72. So rufe man Shambhu mit der Anrufungs-Geste herbei, wie gelehrt. Mit heiliger Silbe, Herzkeim und Vamadeva stelle man den Allgegenwärtigen durch die Aufstellungs-Geste auf.
Kriyapada 13-73. Nach heiliger Silbe, Herzkeim und Gesichts-Mantra mache man ihn durch die Geste gegenwärtig. Nach heiliger Silbe, Herzkeim und Aghora halte man ihn mit der Nishthura-Geste
Kriyapada 13-74. fest. Erneut fülle und erhebe man die Hände mit Blumen und spreche die Abschlüsse für Verehrung, Ahnengabe, Feueropfer und Weihung sowie Herz- und Panzer-Mantra.
Kriyapada 13-75. Man füge die Blütenhände zusammen und umschließe ihn mit beiden Händen schützend. Die Glieder lege man mit ihren eigenen Mantras an den jeweiligen Stellen Shivas nieder.
Kriyapada 13-76. Dabei vergegenwärtige man der Reihe nach die Bedeutungen von Anrufung und den weiteren Handlungen, wie sie im Kapitel über die Darbringungen erläutert wurden.
Kriyapada 13-77. Wie das Feuer durch seine Flammen und die Sonne durch ihre Strahlen, so ist Shiva durch seine eigenen Glieder kraftvoll und unangreifbar.
Kriyapada 13-78. Sein Herz ist sein wahres Wesen; sein Haupt ist die Eigenschaft, über alles zu herrschen. Die über ihm stehende Haarspitze bedeutet seine von niemand anderem abhängige Verfügungsmacht.
Kriyapada 13-79. Seine Lichtkraft ist durch ihr eigenes Wesen geschützt und gegenüber anderen unterschiedslos wirksam. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem Schutzpanzer wird sie mit dessen Namen bezeichnet.
Kriyapada 13-80. Seine unwiderstehliche, von anderen nicht aufhaltbare Macht ist die Waffe: Mit ihr schleudert er jene, die Hindernisse verursachen, rasch weit fort.
Kriyapada 13-81. So vollziehe man die Gestaltung der Glieder auch im Gedenken an diese Worte Brahmashambhus. Mit dem Grundmantra verwandle man die Gegenwart in Nektar.
Kriyapada 13-82. Die beschriebene Einladung zum Annehmen geschehe durch die große Mudra. Das besondere Arghya, das Fußwasser und das Wasser zum Mundreinigen bringe man mit dem Herz-Mantra dar,
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-82. abgeschlossen jeweils mit den Rufen für Verehrung, Ahnengabe und Feueropfer.
Unnummerierte abweichende Reihenfolge. Einige lehren, zuerst Fuß- und Mundwasser und danach Arghya zu geben.
Kriyapada 13-83. Mit dem Herz-Mantra und dem Weihungsruf am Ende gebe man Arghya auf die fünf Häupter,
Kriyapada 13-84. lege Durva-Gras, Blumen und ungebrochene Reiskörner auf sein Haupt und verehre Sadashiva mit guten Duftstoffen, Blumen und Räucherwerk.
Kriyapada 13-85. Den Gott auf dem Badepodest begieße man nach der beschriebenen Weise. Man trockne ihn mit einem Tuch, gebe Fußwasser an die Füße und dann auf das Haupt
Kriyapada 13-86. Arghya, anschließend Mundwasser, Gewänder und Schmuck. Erneut verehre man den Allgegenwärtigen in der Reihenfolge von Sitz, Gestalt und den übrigen Teilen.
Kriyapada 13-87. Mit der beschriebenen Duftpaste bestreiche man ihn mitsamt dem Sockel und schmücke ihn mit Goldplatten, Halsketten, Girlanden, Blumen und Blättern,
Kriyapada 13-88. mit Blumenschnüren und Timinda genannten Schmuckgebilden. Bei jeder Gabe spreche man die heilige Silbe, den Grundmantra und „Verehrung Shiva“.
Kriyapada 13-89. So lege man die jeweilige Gabe auf Shiva. Die Brahma-Gestalten verehre man auf seinen fünf Gesichtern der Reihe nach mit den Brahma-Mantras,
Kriyapada 13-90. beginnend mit Ishana; die Glieder verehre man an Shambhus Körpergliedern mit ihren Mantras. Dann führe man die Brahma-Gestalten aus Shivas Gesichtern hervor,
Kriyapada 13-91. ebenso die Glieder aus seinen Körpergliedern, leuchtend wie Lichter, die an einem Licht entzündet werden. Man betrachte ihre beschriebenen Formen und lege sie in der Mitte der Blätter nieder.
Kriyapada 13-92. Ishana lege man im Samengehäuse oder im Nordosten vorn nieder; die übrigen auf den Blättern ihrer Richtungen, sitzend und Shiva zugewandt.
Kriyapada 13-93. Herz und die folgenden Glieder bis zum Panzer lege man auf die Blätter in Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten; die Waffe der Reihe nach in die Hauptrichtungen.
Kriyapada 13-94. Das Auge lege man vor Shambhu mit seinem eigenen Mantra nieder. Nach Betrachtung ihrer beschriebenen Formen verehre man sie nacheinander mit Fußwasser und Arghya.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu nach 13-94. „Für sie gibt es keine gesonderte schützende Umschließung, keine Nektarisierung, kein Bad, keine Lampengestaltung und keine eigene Gestaltung der Glieder.“
Kriyapada 13-95. Man gebe das beschriebene Räucherwerk und läute dabei mit der linken Hand die Glocke: zuerst für den Gott, danach der Reihe nach für die Brahma-Gestalten und Glieder.
Kriyapada 13-96. Rakshasas, Asuras, Yakshas, Pishachas und Brahmarakshasas weichen nach der Vorstellung des Textes dem Glockenklang; Räucherwerk bewirkt die göttliche Gegenwart.
Kriyapada 13-97. Man zeige die Lampe im Lampengefäß und stelle sie im Nordosten ab. Ebenso vollziehe man das kreisend dargebrachte Arati nach der beschriebenen Weise.
Kriyapada 13-98. Weil Shiva im Shiva-Linga gegenwärtig ist und die Welt in Shiva gründet, gilt das Schwenken des Lichtes vor ihm als Befriedung der Welt.
Kriyapada 13-99. Bei Räucherwerk, Licht, Speisegabe, Bali und Feueropfer ist der Opferabschluss zu verwenden; bei den übrigen Darbringungen der Verehrungsabschluss.
Kriyapada 13-100. Alles ausdrücklich Genannte und auch das nicht eigens Genannte wird mit dem Herzkeim vollzogen. Danach reiche man die Speisegabe, wie im Kapitel über die Darbringungen beschrieben.
Kriyapada 13-101. Dem Gott gebe man sie mit dem Grundmantra, den Brahma-Gestalten und Gliedern die halbe Menge. Für die Glieder sind einzelne Gefäße vorgesehen, andernfalls ein gemeinsames.
Kriyapada 13-102. Man biete ihm Trinkwasser an, dann Wasser zum Waschen der Hände, ein Mittel zum Abreiben der Hände und Wasser zur Mundreinigung,
Kriyapada 13-103. Betel und Mundduft, Augensalbe und Spiegel, Schirm und zwei Wedel, ebenso Tanz, Gesang und Instrumentalmusik.
Kriyapada 13-104. Man preise ihn mit den feierlichen fünf großen Klängen und glückverheißenden Hymnen und betrachte Sadashiva froh, mit der Göttin Prakriti vereint.
Unnummerierte Fortsetzung und Quellenkommentar nach 13-104. Mit diesen und weiteren Darbringungen erfreue man ihn. Hierzu sagt Brahmashambhu: „Dann erfreue man ihn, froh und mit Prakriti vereint.“
Kriyapada 13-105. Eine goldene heilige Schnur, Durva-Spitzen und ungebrochene Reiskörner
Unnummerierte Fortsetzung und Ausführungsanweisung nach 13-105. bilden den täglichen Pavitra-Schmuck; man lege ihn mit dem Grundmantra auf Shiva. Man spreche den Grundmantra, verbunden mit den drei Wirklichkeitsprinzipien und dem Opferabschluss, und lege den Pavitra-Schmuck auf das Haupt des Linga.
Kriyapada 13-106. Was bei der Verehrung zu wenig oder zu viel war, misslang oder ausgelassen wurde,
Kriyapada 13-107. das reinigt und schützt er; deshalb heißt er Pavitraka. Danach vollziehe man die Erhebung der Prakriti in den höchsten Zustand.
Kriyapada 13-108. Man spreche den höchsten Mantra und lege Prasada wie zuvor nieder; mit der bereits verwendeten Mudra lade man ihn ordnungsgemäß zum Annehmen ein.
Kriyapada 13-109. Erneut verehre man mit Blumen und Räucherwerk und schwenke das Arati. Rechts von Shiva, auf einem Lotus, lege man die Gebetskette, versehen mit Grund- und Glieder-Mantras,
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-109. und verehre sie mit Duftstoffen und den weiteren Gaben bis zum Räucherwerk.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu zur Gebetskette. „Die Zusammenbindung der Perlen, die den Sinnen gleichen und die erwünschten sichtbaren und unsichtbaren Früchte hervorbringt, heißt Gebetsschnur. Sie hat hundertacht Perlen samt Meru, oder die Hälfte oder ein Viertel davon, und ist mit allen Mantras geweiht.“ [Quellenhinweis: Die Formulierung lässt offen, ob der Meru in die Zahl eingeschlossen wird; es wird keine zusätzliche Perle stillschweigend ergänzt.]
Kriyapada 13-110. Wer Befreiung wünscht, übe Japa mit fünfundzwanzig Perlen, wer Reichtum wünscht, mit dreißig.
Kriyapada 13-111. Wer Gedeihen wünscht, mit siebenundzwanzig, für Glück mit vierundfünfzig, für die Erfüllung aller Wünsche mit hundertacht.
Kriyapada 13-112. Die von einer jungen Frau gefertigte Schnur ist dreifach gedreht und wiederum dreifach verbunden. Die Perlen sind einander zugewandt aufgefädelt, der Meru bildet den Abschluss am Kopf. [Die Quelle enthält bei „gefertigt“ eine Lesungsalternative.]
Kriyapada 13-113. Man nehme eine vom Guru erhaltene Gebetsschnur, andernfalls eine selbst gefertigte. Für Befreiung übe man Japa mit Kusha-Knoten, für Wohlstand mit Edelsteinen und Gold.
Kriyapada 13-114. Brahmanen und Kshatriyas verwenden günstige, reine, maßgerechte und gleichmäßige Perlen; Vaishyas und Shudras Putrajiva-Samen. Rudraksha dürfen alle verwenden. [Die erste Materialangabe bleibt im Vers unausgesprochen; die soziale Einteilung wird als historische Vorschrift bewahrt.]
Kriyapada 13-115. Die Rudrakshas sind nach der Überlieferung aus Rudra selbst hervorgegangen und haben Shiva zum Wesen. Wer mit ihnen Japa übt und sie trägt, soll dadurch Rudras Zustand erlangen.
Unnummeriertes Zitat aus dem Shivadharma nach 13-115. „Selbst Tiere, die mit Rudrakshas verbunden waren, gelangten zu Shivas Zustand.“ [Dies ist eine religiöse Verheißung der zitierten Überlieferung.]
Kriyapada 13-116. Von der einmündigen bis zur sechzehnmündigen Form … kommen hier verschiedene Rudrakshas vor; sie werden als beste, mittlere und geringere unterschieden. [In der Quelle fehlt eine mit Sternchen markierte Passage.]
Kriyapada 13-117. Acht-, elf- und sechzehnmündige gelten als vorzüglich. Die einmündige Rudraksha ist schwer zu finden und gilt als die beste der besten.
Kriyapada 13-118. Drei-, vier- und fünfmündige sind leicht erhältlich und gelten als geringere; die übrigen als mittlere. Alle sollen die genannten Früchte gewähren.
Kriyapada 13-119. Man verehre die Gebetskette zuerst, erfülle sie mit Nektar und übe dann Japa. Während man den Mantra spricht, ziehe man langsam eine Perle nach der anderen weiter.
Kriyapada 13-120. Für Befreiung verwende man Daumen und Zeigefinger, für Lebensgenuss den Daumen mit dem Mittelfinger; für Gedeihen die übrigen Finger, ausgenommen den kleinen.
Kriyapada 13-121. Japa ist dreifach: laut, flüsternd und rein geistig. Lauter Japa ergibt nach dieser Einteilung die geringere Frucht, geistiger die mittlere Vollendung.
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-121. Flüsternder Japa gibt die vorzüglichste Frucht; darum soll der Kundige ihn verwenden. [Quellenhinweis: Diese Rangfolge wird bewahrt und nicht einer aus anderen Schriften bekannten Ordnung angeglichen.]
Unnummerierter Kommentar aus Bhoja. Weil geistiger Japa nur mit großer Anstrengung gelingt, äußerlich lauter Japa aber die geringere Vollendung erbringt, ist flüsternder Japa als allgemein geeignete Form anzuwenden. Alle drei Formen sollen weder hastig noch schleppend, weder mit undeutlichen Lauten noch mit zerstreutem Geist ausgeführt werden. Bei täglichen und anlassbezogenen Riten übe man mit gesammeltem Geist, nach Osten oder Norden gewandt. So Bhoja.
Unnummeriertes Zitat aus dem Brihatkalottara. „Ungezählten Japa und ungezähltes Feueropfer eignen sich Asuras und Rakshasas an. Japa ohne Schweigsamkeit und Reinheit gilt deshalb als den Pishachas zugehörig.“
Kriyapada 13-122. Nach dem im Ritualtext vorgeschriebenen Japa widme man die Verehrung und sich selbst
Unnummerierte Fortsetzung nach 13-122. Shiva, damit Mantra und Verehrung ihre Vollendung finden.
Unnummerierte Anweisung aus Bhojaraja. Danach bringe der nach Lebensgenuss Strebende Japa, Verehrung und sich selbst zu den Füßen des Gottes dar: in drei Handvoll duftendem Wasser, vermischt mit Kusha, Blumen und Sandel, eingeschlossen durch den Herz-Mantra, geschützt durch die Waffe und umhüllt vom Panzer-Mantra. Mit den drei Versen spreche er dabei: „Möge dies mir zur Erlangung der Frucht dienen.“
Kriyapada 13-123. Ist er ein Befreiungssuchender, spreche er: „O Gott, möge diese Handlung für mich keine neue Bindung bewirken!“
Unnummerierter Übergang. Darauf die heilige Silbe.
Kriyapada 13-124. Du hütest das Geheimnis jenseits des Geheimen. Nimm unseren vollzogenen Japa an, durch den mir dank deiner Gnade die in dir gründende Vollendung zuteilwird.
Kriyapada 13-125. Was immer wir stets tun, o Gott, Gutes oder Schlechtes: Lass es für mich, der ich in Shivas Zustand ruhe, vergehen, o Shankara! [In der Sanskritfassung stehen vor der Bitte zwei Keimlaute; sie sind dort unverändert bewahrt und tragen keine gesicherte eigene Satzübersetzung.]
Kriyapada 13-126. Shiva ist der Geber, Shiva der Genießende; Shiva ist diese ganze Welt. Shiva vollzieht überall das Opfer. Der, der Shiva ist, bin ich selbst.
Kriyapada 13-127. So bringe man stets sich selbst, Japa und Verehrung voller Hingabe dar, verneige sich vor Shiva und empfange seine Zustimmung.
Kriyapada 13-128. Man vollziehe die beschriebene Feuerhandlung vollständig und ordnungsgemäß, vereinige den im Feuer gegenwärtigen Shiva mit dem Linga und ebenso das Feuer.
Kriyapada 13-129. Die einzelne Umhüllung führe man in die Gesichter und Glieder des Gottes zurück, den Gott in die Linga-Gestalt. Erneut, mit Arghya voran,
Kriyapada 13-130. verehre man ihn mit der achtfachen Blumengabe und entlasse ihn unter Fortbestand seiner Gegenwart. Yoga-Sitz, Gestalt, Shiva und seine fünf Glieder
Kriyapada 13-131. bilden diese acht; man verehre sie gesondert mit acht Mantras. Die Entlassung wird als zweifach überliefert: mit bleibender Beziehung und ohne bleibende Beziehung.
Kriyapada 13-132. Bei einem dauerhaft angenommenen Linga, sei es fest installiert oder beweglich, erfolgt die Entlassung mit bleibender Beziehung, damit Shivas Gegenwart fortbesteht.
Kriyapada 13-133. Bei gewöhnlichen Lingas dagegen ist die Entlassung ohne bleibende Beziehung vorgesehen. Solche gewöhnlichen Lingas sind nur vorübergehend: aus Ton,
Kriyapada 13-134. Sand, Teig, frischer Butter, Kuhdung, Früchten, gezeichnet oder aus Speise. So gibt es acht gewöhnliche Formen.
Kriyapada 13-135. Man fertige sie unmittelbar an, rufe Shankara sogleich darin herbei, verehre ihn ordnungsgemäß und entlasse ihn ohne bleibende Beziehung.
Kriyapada 13-136. Für ihre Installation gibt es weder Wasserlagerung noch rituelles Niederlegen, weder einen bestimmten Mondtag noch ein bestimmtes Mondhaus und auch keine ausführliche Festlegung der Merkmale.
Kriyapada 13-137. Man verehre sie sogleich mitsamt dem Sitz, entlasse die Gegenwart und gebe die Darstellung ins Wasser. Dasselbe Verfahren gilt auf einem Bodenaltar, im Feuer und im Spiegel,
Kriyapada 13-138. bei der Verehrung im Krug, im Wasser und im eigenen Selbst. Auf einem Quadrat, das mit reinem Kuhdungwasser bestrichen ist,
Kriyapada 13-139. gestalte man innerlich den Sitz, verehre ihn, rufe die Gottheit ordnungsgemäß herbei und verehre sie. Das Bad erfolgt hier geistig, nicht äußerlich.
Kriyapada 13-140. Dies ist das Verfahren auf dem Bodenaltar; das Übrige vollziehe man wie zuvor. Ebenso bei figürlichen Darstellungen aus Ton, auf Stoffen
Kriyapada 13-141. und in Bildern: Vor ihnen verehre man mit trockenen Blumen. Figürliche Darstellungen aus Gold, Silber oder Edelstein
Kriyapada 13-142. verehre man in allem wie das gestaltlose Linga. Für Kupfer, Messing und Bronze wird Reinigung mit sauren Stoffen und Ähnlichem gelehrt.
Kriyapada 13-143. Ihr Bad vollziehe man zu besonderen Anlässen, nicht täglich. Bei Entlassungen ohne bleibende Beziehung verehre man zuerst mit der achtfachen Blumengabe,
Kriyapada 13-144. entlasse die Gottheit, lege die heilige Silbe nieder und verehre dort Chandesha. Auch ihn entlasse man und vereinige die Mantras der Reihe nach mit dem Herzlotus.
Unnummerierter Kommentar nach 13-144. Dieses Verfahren gilt für den gewöhnlichen Bodenaltar. Bei dauerhaft angenommenen, festen oder beweglichen Lingas geschieht die Entlassung ausschließlich mit bleibender Beziehung.
Unnummeriertes Zitat aus Brahmashambhu. „Die Entlassung ohne bleibende Beziehung gilt für das gewöhnliche Linga. Beim dauerhaft angenommenen wurde zuvor die Entlassung mit bleibender Beziehung gezeigt. Auch beim beweglichen Linga bleibt die Beziehung bestehen; beim Bodenaltar besteht sie danach niemals fort.“
Unnummeriertes Zitat aus dem Paushkara. „Bei einem dauerhaft angenommenen, festen oder beweglichen Linga wird eine Entlassung ohne bleibende Beziehung als schwerer Fehler bezeichnet.“
Unnummerierte weiterführende Erklärung und Ritualanweisung. „Zu günstiger Zeit, unter günstigem Mondhaus und günstiger Stunde wird das Linga ordnungsgemäß installiert und die Mantra-Gestalt eingesetzt. Von diesem Zeitpunkt an wohnt Shiva selbst in diesem Linga. Bei seiner täglichen Verehrung sind Anrufung und Entlassung deshalb als zeremonielle Handlungen anerkannt, die das Vollziehen der Verehrung ermöglichen.
Wie man bei einem verkörperten Wesen im Wachzustand die Verbindung mit den Tätigkeiten der Welt sieht, so verhält es sich hier mit Anrufung und den folgenden Handlungen. Wie beim tiefen Schlaf die Tätigkeit gegenüber allen äußeren Gegenständen aufhört und allein Bewusstsein verbleibt, so wird am Ende der Verehrung die Entlassung mit bleibender Beziehung verstanden.
Für Shiva, der in einem festen oder beweglichen Linga installiert ist, gilt dasselbe wie für das Feuer in seiner Grube: Zu den entsprechenden Zeiten wird es für das Feueropfer erweckt und am Ende dort wieder verborgen. Ebenso verhält es sich mit Anrufung und den weiteren Handlungen bei einem installierten Linga.
Bei der Entlassung mit bleibender Beziehung gebe man Shambhu Arghya, zeige die höchste Mudra von ihm abgewandt und hebe mit dem Waffen-Mantra die Glieder zurück. Mit der Zurücknahme-Geste betrachte man Shiva und vereinige ihn mit der verkörperten und unverkörperten Gestalt. [Quellenhinweis: Die Verbindung „mūrtāmūrtau“ ist bereits in der Vorlage mit Fragezeichen versehen; ihr genauer Bezug bleibt unsicher.]
Man verehre ihn mit der achtfachen Blumengabe und betrachte ihn als ungeteilt. Danach ziehe man mit der Zurücknahme-Geste die Mantras aus den Arghya- und anderen Gefäßen zurück, verehre sie und trete hinaus. Mit dem Panzer-Mantra schütze beziehungsweise verschließe man den inneren Heiligtumsraum. [Hinweis: Das entsprechende Verb ist im Quellwortlaut unklar; die funktionale Wiedergabe bleibt vorläufig.]
Draußen wasche man Füße und Hände, vollziehe das Wasserschlürfen, meditiere über Shiva und wiederhole zur Reinigung von Auslassungen und Fehlern die Samhita-Mantras. Dann gebe man eine Spende als Darbringung an Shiva.“
[Nummerierungshinweis: Nach 13-144 folgen in der gelieferten Datei die unnummerierten Zitate und Anweisungen; die nächste Marke lautet 13-172. Für den Zwischenabschnitt wird keine eigene Verszählung erfunden.]
Kriyapada 13-172. So wurde nach Prüfung unterschiedlicher shivaitischer Samhitas die Verehrung Sadashivas mit einer Umhüllung erklärt: Sie soll die erwünschte Vollendung bringen, ist heilsam und segensreich und erfreut die Shiva-Verehrer.
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das dreizehnte Kapitel: „Die Verehrung mit einer Umhüllung“.
Zur Besinnung. Die äußeren Gaben werden von innerer Vergegenwärtigung getragen. Besonders klar spricht die Bitte des Befreiungssuchenden: Die eigene Praxis möge keine neue Bindung erzeugen. Für heutige Yoga-Aspiranten kann dies eine Einladung sein, Hingabe auch als Loslassen des Anspruchs auf persönliche Erträge zu verstehen.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 13: Sonnenverehrung und Shiva-Puja
Das Kapitel verbindet die vorbereitende Verehrung der Sonne mit der Puja für Shiva. Reinigung, innere Vergegenwärtigung, Anrufung, Gaben und Mantrawiederholung bilden einen zusammenhängenden Ablauf. Eingeschobene Formeln werden hier in ihrer deutschen Bedeutung wiedergegeben; ihre überlieferten Keim- und Schlusslaute stehen in den getrennten Sanskritfassungen.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha trayodaśaḥ paṭalaḥ |
atha sūryārcanaṃ vakṣye śivārcāvighnaśāntidam |
snātvā sandhyāmupāsyātha santarpyārcanamandiram || 13-1 ||
gatvā dhautāṅghrirācamya taddvāḥsthāvākhyayārcayet |
oṃ daṇḍine namaḥ |
oṃ piṅgalāya namaḥ |
antaḥ praviśyopaviśya kṛtvā tu prāṇasaṃyamam || 13-2 ||
astra śuddhakaro'ṅgāni hṛdayādīni vinyaset |
ātmānaṃ bhāskaraṃ dhyāyan yathoktārghyaṃ tu pūrayet || 13-3 ||
sāṣṭāṅgaṃ vinyaset tatra mūlāṅgānyarcayedapi |
tatprokṣitātmasthānārcādravyacakrakuśaistataḥ || 13-4 ||
oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ |
oṃ guṃ gurubhyo namaḥ |
iti dakṣiṇato vighnaṃ guruṃ cottarato yajet |
tatprabhūtāsanaṃ pīṭhaṃ tāravargādipūrvakam || 13-5 ||
svanāmnābhyarcya tatpādāṃścaturo'tha harīn yajet |
vimalaṃ sāramārādhyaṃ sukhaṃ paramapūrvakam || 13-6 ||
p. 111) tārabindvantavargādiyuktākhyābhirnamontakam |
tathaiva paramātmānaṃ sūryapadmāsanaṃ tathā || 13-7 ||
dīptāṃ sūkṣmāṃ jayāṃ bhadrāṃ vibhūtiṃ vimalāmapi |
amoghāṃ vidyutāṃ cāṣṭādigdaleṣu kramād yajet || 13-8 ||
saptamasya dvitīyaṃ tu svarairdīrghairvibheditam |
sabindumādau śaktīnāṃ namaścānte niyojayet || 13-9 ||
navamīṃ karṇikāyāṃ ca tārādiṃ sarvatomukhīm |
iṣṭvātha prasphuranmudrāṃ darśayedatha bhāskaram || 13-10 ||
vṛttasvatejobimbasthaṃ śvetapadmopari sthitam |
proktamūrtidharaṃ devaṃ sañcintya sthiradhīrhṛdā || 13-11 ||
puṣpairañjalimāpūrya khaṣotkaṃ mūlasaṃyutam |
uccārya dvādaśāntābjāt tadāvāhanamudrayā || 13-12 ||
āvāhya sthāpayet padme sthāpanyā susamāhitaḥ |
sannidhānyā sannidhāpya ruddhvā taṃ niṣṭhurākhyayā || 13-13 ||
dhenvā prarocyāthārghyādīn dattvā caiva khaṣotkinā |
sāṅgamūlena cārādhya padmaṃ bimbaṃ ca darśayet || 13-14 ||
snānavastropavītāni dattvāṅgāni yajet kramāt |
hṛdayādīni vahnīśarakṣovāyudaleṣvatha || 13-15 ||
madhye netraṃ tataścāstraṃ digdaleṣu svajātibhiḥ |
dhenumudrāṃ hṛdādīnāṃ darśayed govṛṣāṃ dṛśaḥ || 13-16 ||
trāsanīmapi cāstrasya punargandhādibhiryajet |
prāgādidikṣu somaṃ ca budhaṃ caiva bṛhaspatim || 13-17 ||
pūjayed bhārgavaṃ cāgnirakṣovāyvīśadiggatān |
aṅgārakaṃ śanaiścāraṃ rāhuṃ ketumiti grahān || 13-18 ||
tārādisvāhvayādyarṇairbindvantairatha nāmabhiḥ |
vandanyā tu prarocyaitān gandhādyairatha bhāskaram || 13-19 ||
p. 112) nivedyāntaṃ tu sampūjya grahāṃścaiva yathākramam |
padmākhyāṃ bimbamudrāṃ ca darśayitvābhinandayet || 13-20 ||
yathāśakti japitvātha dattvārghyaṃ tu visarjayet |
saṃhṛtya mudrayā mantrān sāṅgaṃ devaṃ grahānapi || 13-21 ||
hṛdaye dvādaśānte vā sūryabimbe niyojayet |
tannirmālyādikaṃ sarvaṃ tejaścaṇḍāya dāpayet || 13-22 ||
tāravargādipūrveṇa svanāmnaiveśagocare |
sarvatra nāmabhiḥ pūjā syāccaturthyā namontakaiḥ || 13-23 ||
sūryapūjādhikāraḥ |
atha tyaktvā pavitraṃ tadācamya dvāramarcayet |
sāmānyārghyeṇa puṣpaiśca prokṣya dvāraṃ śivāstrataḥ || 13-24 ||
oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ |
oṃ saṃ sarasvatyai namaḥ |
(iti) dakṣiṇavāmasthāvūrdhvaudumbarake yajet |
oṃ gaṅgāyai namaḥ |
oṃ yamunāyai namaḥ |
ūrdhvabhāge yajedevaṃ dakṣiṇottarabhāgayoḥ || 13-25 ||
oṃ naṃ nandīśāyā namaḥ |
oṃ maṃ mahākālāya namaḥ |
iti dakṣiṇavāmasthau dvāraśākhāśritāvadhaḥ |
jvaladastrātmakaṃ puṣpaṃ vighnasaṅghanibarhaṇam || 13-26 ||
nārācavacchivāstreṇa pūjāgehodare kṣipet |
pārṣṇighātaistribhirbhaumāñchoṭikābhirnabhogatān || 13-27 ||
tarjanībhirdiviṣṭhāṃśca vighnānutsārayet kramāt |
tatastu manasendrādīn svāśāsu sthāpayet (sva ? su)rān || 13-28 ||
atra mañjaryām -
indrādīṃllokapālāṃśca sāyudhān rakṣaṇodyatān |
daśadikṣu pratiṣṭhāpya maṇḍalāntarviśet svayam ||
iti |
antardakṣiṇapādena dehalīmaspṛśan viśet |
drāgāśrityottarāṃ śākhāṃ tataḥ pratinivṛtya tu || 13-29 ||
p. 113) jvaladastrātmakaṃ puṣpaṃ dehalyāṃ sthāpayet smaran |
vighnaughavāraṇaṃ paścāt
oṃ vāṃ vāstupuruṣāya namaḥ |
oṃ vāstvadhipataye brahmaṇe namaḥ |
brahmasthāne'rpayediti || 13-30 ||
pradakṣiṇaṃ yāgṛhaṃ vīkṣyopakaraṇānyapi |
oṃ aṃ anantāsanāya namaḥ |
iti svāsanamabhyarcya tatrāsīnottarāmukhaḥ || 13-31 ||
śoṣaṇādividhānaṃ ca bhūtaśuddhiṃ samācaret |
pūrvoktamārgād gandhārdraṃ śivahastaṃ vidhāya tu || 13-32 ||
kalayelliṅgamudrāṃ ca karakacchavikāṃ punaḥ |
aṣṭātriṃśatkalānyāsaṃ kṛtvātmani yathoditam || 13-33 ||
āvāhya hṛdayāmbhoje mūlamantraṃ śivātmakam |
hṛdayādyaṅgamantraistu ṣaḍbhirātmani vinyaset || 13-34 ||
paramīkaraṇaṃ kṛtvā śivo'hamiti bhāvayet |
mahāmudrāṃ samāyojya prarocyātmānamātmanā || 13-35 ||
tālatrayacchoṭikābhirvīkṣaṇaistarjanīsvanaiḥ |
vighnān hatvā viricyāśāḥ śodhayitvāvakuṇṭhya tu || 13-36 ||
āśrayaṃ śodhayitvaivaṃ mantraṃ siṃhāsane smaran |
hṛtpuṇḍarīkakuhare jyotirliṅge sadāśivam || 13-37 ||
aṅguṣṭhamātraṃ manasā siddhairdravyairyathākramam |
pūjayenniścaladhiyā cakravartyupacārataḥ || 13-38 ||
paramāmṛtaviṣyandairnābhikuṇḍe'nale śivam |
santarpayecca bhrūmadhye prasphuradbindugahvare || 13-39 ||
dhyātvā śivaṃ paraṃ sūkṣmamantaryāgaṃ samāpya tu |
svaikyaṃ sadāśivaṃ dhyātvā rakṣārthaṃ cāśrayasya tu || 13-40 ||
p. 114) yathā brahmaśambhuḥ -
tālatrayamathāstreṇa prākāraṃ ca samudgatam |
tadbahiḥ khānitaṃ śvabhraṃ tanutrāṇena kalpayet ||
iti |
yathopacārapaṭale viśeṣārghyamihoditam |
āpūryābhyarcya tattoyaiḥ svaśiraḥ prokṣayet kuśaiḥ || 13-41 ||
sagandhabhasmanā kṛtvā tripuṇḍrāṇi yathāvidhi |
viśuddhātmāśrayastvevaṃ dravyaśuddhiṃ samācaret || 13-42 ||
yathoktapūjādravyāṇi śaktidṛṣṭyāvalokya tu |
kuśamūlena vā kūrcādarghyatoyaistu varmaṇā || 13-43 ||
abhyukṣyālabhya tu japedajātena hṛdāthavā |
gandhaṃ tatastu vāmena śirasā vāmbarāṇyapi || 13-44 ||
kṛṣṇena vātha śikhayā bhūṣaṇāni srajo'pi ca |
puṃsā vā varmaṇā vāpi naivedyaṃ ca phalādikam || 13-45 ||
īśena vātha gāyattryā muktapuṣpādikaṃ tu yat |
kaṅkaṭena dadhikṣīraṃ ghṛtaṃ tu śikhayā punaḥ || 13-46 ||
śarkarāṃ hṛdayenātha śikhayā kṣaudramambu ca |
mūlena śiṣṭaṃ caiteṣu kṣipedarghyāmbuśīkarān || 13-47 ||
lalāṭe tilakaṃ kṛtvā candanenaiva mūlataḥ |
mūlenāropayet puṣpaṃ prokṣya cātha svamastake || 13-48 ||
dravyaśuddhiḥ kṛtaivaṃ syānmantraśuddhirathocyate |
yathā brahmaśambhuḥ -
trimātrādikrameṇordhvaṃ mantramuccārayecchanaiḥ |
yāvanniṣṭhāpadaprāptistanmana * * * * ṇaḥ ||
mantraśuddhirbhavedevaṃ śuddhatattvasamāśrayāt |
iti |
liṅgaśuddhiṃ tataḥ kuryādupacāroditakramāt || 13-49 ||
p. 115) gaḍḍukairvardhanīkumbheṣvāpūrya salilaṃ śuciḥ |
garbhāgāramathāstreṇa samudghāṭya prasannadhīḥ || 13-50 ||
sāmānyārghyaṃ puro dattvā gāyatryā śivasaṃjñayā |
- * * puṣpairdhūpaṃ ca * * * dattvārghyaṃ ca punastayā || 13-51 ||
apanīya tu nirmālyamāvartya brahmapañcakam |
puṣpaṃ sapadi talliṅgamastake vinidhāya tu || 13-52 ||
sthirālaṅge(catu ? tu ca)daṇḍāya dadyādarghyapuraḥsaram |
cale jalādau prakṣipya hṛdayāstrāmbusekataḥ || 13-53 ||
piṇḍikāṃ kṣālayet pūrvaṃ liṅgaṃ ca tadanantaram |
yathāha brahmaśambhuḥ -
yatnene kṣālayelliṅgaṃ dakṣiṇenaiva pāṇinā |
viśuddhaṃ sajalādhāraṃ liṅgamastrāmbhasā purā ||
sāmānyārghyajalaiḥ paścādabhiṣiñcet tu mantravat |
iti |
aśūnyamastakaṃ liṅgamabhiṣekārcanādiṣu || 13-54 ||
gandhapuṣpādibhiḥ kuryāt taddhi sānnidhyakārakam |
itthamātmāśrayadravyamantraliṅgaviśuddhayaḥ || 13-55 ||
kartavyāḥ pañca śaivānāṃ nānyathārcanamiṣyate |
oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ |
anena vāyukoṇe tu pūjayed gaṇanāyakam || 13-56 ||
nair-ṛte vāruṇaṃ padme proktarūpaṃ gajānanam |
oṃ guṃ gurubhyo namaḥ |
gurūnapi tathaiśāne proktarūpādikān smaran || 13-57 ||
sāmānyārghyeṇa gandhādyairnivedyāntaṃ tu śaktitaḥ |
gurūnityanena guruṃ, paramaguruṃ, parameṣṭhiguruṃ, pūjyaguruṃ, mahāpūjyaguruṃ ceti pañcagurūniti yāvat |
oṃ hām ādhāraśaktaye namaḥ |
pīṭhādhaḥ pūjanīyeti śaktiḥ kūrmaśilāgatā || 13-58 ||
mṛṇālabījāṅkurābhā
oṃ hām anantāsanāya namaḥ
iti brahmaśilāgatā |
p. 116) dharmaṃ jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryaṃ cārcayet kramāt || 13-59 ||
āgneyādīśaparyantaṃ pīṭhapādān yathoditān |
adharmamapi cājñānamavairāgyaṃ diśāsvapi || 13-60 ||
anaiśvaryaṃ ca pīṭheṣu prāgādiṣu yajet kramāt |
tārahṛdbījasaṃyuktacaturthyantaistu nāmabhiḥ || 13-61 ||
pūjyānyāvaraṇāni syuḥ sāmānyenāviśeṣite |
oṃ hām |
adhastānmekhalāyāstaditīṣṭvā jñānasannidhau || 13-62 ||
ūrdhvacchadaṃ tathordhvasthamaiśvaryāśāgataṃ yajet |
oṃ hāṃ padmāya namaḥ |
oṃ hāṃ karṇikāyai namaḥ |
itīṣṭvā kesareṣvaṣṭau kramād vāmādiśaktayaḥ || 13-63 ||
pūjyāḥ sarvā dikṣu yathā sūpaviṣṭāḥ puroditāḥ |
oṃ hāṃ vāmāyai namaḥ |
oṃ hāṃ manonmanyaiḥ namaḥ |
navamīṃ karṇikāyāṃ tu yajecchaktiṃ manonmanīm || 13-64 ||
oṃ hāṃ sūryamaṇḍalāya namaḥ |
oṃ hāṃ sūryamaṇḍalādhipataye brahmaṇe namaḥ |
iti padmadaleṣvagrād vyāptiṃ saṃcintya pūjayet |
oṃ hāṃ somamaṇḍalāya namaḥ |
oṃ hāṃ somamaṇḍalādhipataye viṣṇave namaḥ |
ityādi kesarāgrād vā vyāptiṃ dhyātvā yajed dvayam || 13-65 ||
oṃ hāṃ vahnimaṇḍalāya namaḥ |
oṃ hāṃ vahnimaṇḍalādhipataye rudrāya namaḥ |
iti tatkarṇikāmadhye bimbabimbādhipau yajet |
oṃ hāṃ vyomamaṇḍalāya namaḥ |
oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ |
iti proktāsanaḥ pūjyaḥ
atra pauṣkare -
iti sthiraṃ sthire liṅge tvāsanaṃ kalpayed yadā |
calaliṅge viśeṣaḥ syādāsanaṃ taccalācalam ||
p. 117) snapanānantaraṃ nyasya pīṭhe vā maṇḍale'thavā |
tatra sthirāsanaṃ devaṃ calaliṅgasthamarcayet ||
iti |
puṣpairāpūrya cāñjalim || 13-66 |||
oṃ hāṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ |
anena mūrtiliṅge tu vinyaset proktalakṣaṇam |
oṃ hāṃ hāṃ jñānakriyātmikāyai īśvaramūrtaye namaḥ |
brahmapañca(ka)vaktreṣu cāṣṭātriṃśat kalāstathā || 13-67 ||
vinyaset svasvamudrābhirmūrtau nyāsoditakramāt |
punaḥ puṣpāñjaliṃ baddhvā tasyāṃ devaṃ sadāśivam || 13-68 ||
vidyādehaṃ vibhajyātha tārahṛnmūlahṛdyutam |
vidyādehāya natyantamuktvā mūrtau tu vinyaset || 13-69 ||
puṣpāñjalimathodyamya tārahṛdbījasaṃyutam |
sadyamūlena sandhāya plutāntaṃ mantramuccaran || 13-70 ||
hṛdayābjāt paraṃ jyotirdhyāyennādasamaṃ śivam |
nītvordhvaṃ dvādaśāntābjaṃ śive saṃyojya niṣkale || 13-71 ||
yathāha brahmaśambhuḥ -
tāvaduccārayed yāvat prāptaṃ niṣkalagocaram |
tadbhāvabhāvanāviṣṭaḥ prasphuradraśmimaṇḍale ||
bindāvabhyuditaṃ dhyāyannāvāhanavidhiṃ prati |
tasmādādāya visrabdhaḥ sthiradhīḥ purataḥ sthite ||
nyasellakṣīkṛte dehe
iti |
evamāvāhayecchambhumāvāhanyā yathoditam |
tārahṛdvāmadevaistu sthāpanyā sthāpayed vibhum || 13-72 ||
p. 118) tārahṛdvaktramuccārya mudrayā sannidhāpayet |
praṇavaṃ hṛdayāghorāvuktvā taṃ niṣṭurākhyayā || 13-73 ||
nirodhayet punaḥ puṣpairāpūryodyamya cāñjalim |
uktvā namaḥsvadhāsvāhāvauṣaḍ hṛtkavacāni tu || 13-74 ||
puṣpāñjaliṃ samāyojya hastābhyāmavakuṇṭhayet |
aṅgāni ca yathāsthānaṃ svairmantrairvinyasecchive || 13-75 ||
āvāhanādikānāṃ tu ye ye'rthāḥ sampradarśitāḥ |
paṭale tūpacārākhye tāṃstānatra smaran kramāt || 13-76 ||
svairarcirbhiryathā vahnirbhānubhirbhānumān yathā |
samartho duṣpradharṣaśca tadvadaṅgairnijaiḥ śivaḥ || 13-77 ||
hṛdayaṃ tasya sadbhāvaḥ śiraḥ sarveśitā guṇāḥ |
vaśitvamaparādhīnaṃ yacchikhā sopari sthitā || 13-78 ||
svabhāvaguptamanyeṣāṃ samarthamaviśeṣataḥ |
tejaḥ kavacasādharmyāt tannāmnā vyapadiśyate || 13-79 ||
yo'sāvaprasahastasya pratāpo'vāritaḥ paraiḥ |
so'stramasyati yenāśu dūramantaradāyakān || 13-80 ||
ityapi brahmaśambhūkte smaraṇenāṅgakalpanām |
vidhāya kuryānmūlenāsyāmṛtīkaraṇaṃ tathā || 13-81 ||
proktaṃ prarocanaṃ cāpi tanmahāmudrayā bhavet |
viśeṣārghyaṃ ca pādyaṃ cāpyācāmaṃ hṛdayena tu || 13-82 ||
namontaṃ ca svadhāntaṃ ca svāhāntaṃ ca nivedayet |
pūrvaṃ pādyācamanīye dattvā paścādarghyamiti kecit |
hṛdaiva vauṣaḍantena dattvārghyaṃ pañcamūrdhasu || 13-83 ||
dūrvāpuṣpākṣatavrātaṃ tacchirasyadhiropayet |
sadgandhapuṣpadhūpaiśca sampūjya tu sadāśivam || 13-84 ||
snānavedigataṃ devaṃ snāpayeduktamārgataḥ |
nirmṛjya vāsasā pādyaṃ padbhyāṃ dattvātha mastake || 13-85 ||
p. 119) drāgarghyaṃ cāpyathācāmaṃ vastrāṇyābharaṇāni ca |
punarāsanamūrtyādikrameṇārādhayed vibhum || 13-86 ||
yathoktagandhakalkena samālipya sapīṭhakam |
hemapaṭṭaiśca hāraiśca mālābhiḥ kusumairdalaiḥ || 13-87 ||
puṣpapratisarābhiśca tamiṇḍābhiśca bhūṣayet |
praṇavaṃ ca tathā mūlaṃ śivāya nama ityapi || 13-88 ||
pratidravyaṃ samuccārya tattadāropayecchive |
brahmāṇi pañcavaktreṣu brahmābhiḥ kramaśo'rcayet || 13-89 ||
īśānādīni vai śambhoraṅgeṣvaṅgāni tairyajet |
tataḥ śivasya vaktrebhyo brahmāṇyāhṛtya tānyatha || 13-90 ||
śivāṅgebhyastathāṅgāni dīpād dīpānivojjvalan |
proktarūpādikaṃ dhyāyan dalamadhyeṣu vinyaset || 13-91 ||
tatkarṇikāyāmīśānamaiśānyāṃ purato nyaset |
yathādiśaṃ daleṣvanyānāsīnāṃñchivasammukham || 13-92 ||
agnīśarakṣovāyvāśādaleṣu hṛdayādikam |
kavacāntaṃ tu vinyasya dikṣvastraṃ tu kramānnyaset || 13-93 ||
netraṃ ca purataḥ śambhostattanmantreṇa vinyaset |
dhyātvā yathoktarūpāṇi pādyārghyaiḥ pūjayet kramāt || 13-94 ||
atra brahmaśambhuḥ -
nāvakuṇṭhanameteṣāmamṛtīkaraṇaṃ na ca |
snapanaṃ dīpakḷptiśca na pṛthak cāṅgakalpanā ||
iti |
yathoktadhūpaṃ dadyāt tu ghaṇṭāṃ vāmena nādayan |
devāya pūrvaṃ tadanu brahmāṅgānāṃ yathākramam || 13-95 ||
rākṣasāścāsurā yakṣāḥ piśācā brahmarākṣasāḥ |
naśyanti ghaṇṭāśabdena dhūpaḥ sānnidhyakārakaḥ || 13-96 ||
p. 120) dīpaṃ ca dīpapātrasthaṃ darśayitveśagocare |
avatārya yathoktaṃ tad bhrāmyamārātrikaṃ tathā || 13-97 ||
śivaliṅge śivo yasmācchive viśvaṃ pratiṣṭhitam |
dīpanīrāñjanaṃ tasya jagacchāntikaraṃ smṛtam || 13-98 ||
dhūpe dīpe ca naivedye balau home tathaiva ca |
svāhāśabdaḥ prayoktavyaḥ śeṣeṣu syānnamaskṛtiḥ || 13-99 ||
uktānuktaṃ ca yat sarvaṃ hṛdbījena vidhīyate |
nivedyaṃ tu tato dadyādupacāroditaṃ yathā || 13-100 ||
mūlenaiva tu devasya brahmāṅgānāṃ tadardhataḥ |
pṛthak pātreṣu vāṅgānāṃ no cedekatra vā smṛtam || 13-101 ||
pānīyaṃ ca nivedyāsmai dadyāddhastāvasecanam |
hastodvartanakaṃ caiva dadyādācamanīyakam || 13-102 ||
tāmbūlaṃ mukhavāsaṃ cāpyañjanaṃ darpaṇaṃ tathā |
chatraṃ ca cāmare tadvannṛttaṃ gītaṃ ca vāditam || 13-103 ||
śrīmatpañcamahāśabdaiḥ stutiḥ stātraiśca maṅgalaiḥ |
prakṛtyā sahitaṃ devyā hṛṣṭaṃ dhyātvā sadāśivam || 13-104 ||
evamādibhiranyaiśca tadā tamabhinandayet |
atra tadā tadabhinandayet |
prakṛtyā sahitaṃ hṛṣṭamiti brahmaśambhuḥ |
sauvarṇamupavītaṃ ca dūrvāgrāṇyakṣatāni ca || 13-105 ||
pavitraṃ naityakaṃ tvetanmūlenāropayecchive |
mūlaṃ tattvatrayopetaṃ svāhāntamuccārya pavitraṃ liṅgamūrdhanyāropayet |
yadyūnamadhikaṃ vātha pūjāyāṃ skhalitaṃ cyutam || 13-106 ||
tat pāvayet trāyate ca yasmāt tasmāt pavitrakam |
prakṛteḥ paramībhāvasampattyarthamanantaram || 13-107 ||
paramāntrikamuccārya prāsādaṃ pūrvavannyaset |
prarocya ca yathānyāyaṃ mudrayā prāgupāttayā || 13-108 ||
p. 121) puṣpairdhūpaiḥ punaśceṣṭvā bhrāmyamārātrikaṃ bhavet |
śivasya dakṣiṇe bhāge padme mūlāṅga(rhi ? rbhi)tām || 13-109 ||
akṣamālāṃ tu gandhādyairdhūpāntamabhipūjayet |
atra
akṣāṇāmakṣakalpānāṃ saṃyamo yaḥ prasūyate |
dṛṣṭādṛṣṭaphalaṃ ceṣṭamakṣasūtraṃ taducyate ||
śatenāṣṭādhikaṃ cā(ṣṭa ? kṣa)makṣāṇāṃ meruṇā saha |
tadardhenātha pādena saṃskṛtaṃ sarvaśambaraiḥ ||
iti brahmaśambhuḥ |
mokṣārthī pañcaviṃśatyā dhanārthī triṃśatā japet || 13-110 ||
puṣṭyarthī saptaviṃśatyā catuḥpañcāśatā śriyai |
sarvakāmaphalāvāptyai śatenāṣṭādhikena tu || 13-111 ||
kanyāka(rti ?lpi)tasūtreṇa trivṛtā triguṇena tu |
proktaṃ tu sammukhairakṣairgrathitaṃ merumūrdhani || 13-112 ||
akṣasūtraṃ gurorlabdhaṃ tadabhāve svanirmitam |
kuśabandhairjapenmuktyai ratnairhaimaiśca bhūtaye || 13-113 ||
brāhmaṇaḥ kṣatriyo vāpi śubhaiḥ śuddhairmitaiḥ samaiḥ |
viṭchūdrau putrajīvaistu rudrākṣaiḥ sarva eva hi || 13-114 ||
rudrākṣāstu svayaṃ rudrādutpannāste śivātmakāḥ |
tairjapan dhārayaṃścainān rudratvamadhigacchati || 13-115 ||
atra
paśavo'pi hi rudrākṣaiḥ saṃyuktāḥ śivatāṃ gatāḥ |
iti śivadharme |
yāvat ṣodaśavaktrāntamekavaktrādibhedataḥ |
- * * prabhavantīha śreṣṭhamadhyādhamāśca te || 13-116 ||
aṣṭaikādaśavaktrau ca ṣoḍaśāsyā(ntato ? statho)ttamāḥ |
rudrākṣastvekavadano durlabho hyuttamottamaḥ || 13-117 ||
tricatuḥpañcavaktrāśca kaniṣṭhāḥ sulabhāśca te |
śeṣāstu madhyamāḥ proktāḥ sarve coktaphalapradāḥ || 13-118 ||
p. 122) (saṃ)pūjyākṣasrajaṃ pūrvamamṛtīkṛtya vai japet |
mantramuccārayannakṣamekaikaṃ karṣayecchanaiḥ || 13-119 ||
mokṣāyāṅguṣṭhatarjanyā bhogārthī madhyayā yutam |
tyaktvā kaniṣṭhamanyābhiraṅgulībhistu puṣṭaye || 13-120 ||
trividhastu japaḥ sa syāduccopāṃśū ca mānasaḥ |
ucco'dhamaphalastadvanmānaso madhyasiddhidaḥ || 13-121 ||
upāṃśuḥ śreṣṭhaphaladastasmāt tena japed budhaḥ |
atra mānasasyātiyatnasādhyatvād (bhāṣya ? bāhya)syādhamasiddhirūpatvādupāṃśuḥ sādhāraṇarūpatvāt prayojyaḥ |
trividho'pi na druto na vilambito nāspaṣṭākṣaro na cānyamanasā kartavyaḥ |
nityanaimittikeṣu prāṅmukhodaṅmukhena vā ekacittena kāryaḥ iti bhojaḥ |
atra -
asaṃkhyā (tu ? taṃ) japaṃ homaṃ gṛhṇantyasurarākṣasāḥ |
amauninā cāśucinā tataḥ paiśācako japaḥ ||
iti bṛhatkālottare |
kalpoktaṃ tu japaṃ kṛtvā pūjāmātmānameva ca || 13-122 ||
mantrapūjādisiddhyarthaṃ śivāya vinivedayet |
atra bhojarājaḥ - tato hṛnmantrasampuṭamastrarakṣitaṃ kavacāvaguṇṭhitaṃ kuśapuṣpacandanonmiśragandhodakaculukatraye japaṃ pūjāmātmānaṃ ca tribhiḥ ślokairmamāstu phalasādhanamiti devapādayornivedayed bubhukṣuḥ iti |
mumukṣuścedidaṃ karma māstu me deva ! bandhakam || 13-123 ||
iti |
om |
guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavati me yena tvatprasādāt tvayi sthi(tam ? tā) || 13-124 ||
yatkiñcit kurmahe deva ! sadā sukṛtaduṣkṭam |
tanme śivapadasthasya huṃ kṣaṃ kṣapaya śaṅkara ! || 13-125 ||
śivo dātā śivo bhoktā śivaḥ sarvamidaṃ jagat |
śivo yajati sarvatra yaḥ śivaḥ so'hameva tu || 13-126 ||
p. 123) nivedyaivaṃ sadātmānaṃ japaṃ pūjāṃ ca (bhu ? bha)ktitaḥ |
tato namaskṛtya śivaṃ labdhānujñaḥ śivena tu || 13-127 ||
yathoktamagnikāryaṃ tu samyak kṛtvā samāpya ca |
agniṣṭhaṃ tu śivaṃ liṅge samāyojyānalaṃ tathā || 13-128 ||
athaikāvaraṇaṃ deve vaktrāṅgeṣu niyojayet |
devaṃ ca liṅgamūrtau tu punararghyapurassaram || 13-129 ||
aṣṭapuṣpikayābhyarcya sāpekṣaṃ taṃ visarjayet |
yogapīṭhaṃ ca mūrtiśca śivastasyāṅgapañcakam || 13-130 ||
ityaṣṭau pṛthagaṣṭābhirmantraiḥ satkṛtya pūjayet |
sāpekṣo nirapekṣaśca visargo dvividhaḥ smṛtaḥ || 13-131 ||
liṅge parigṛhīte tu (sthire)vātha cale'pi vā |
sāpekṣaṃ tu visargaḥ syācchivasānnidhyakāraṇāt || 13-132 ||
nirapekṣaṃ tu sāmānyaliṅgeṣūdvāsanaṃ smṛtam |
sāmānyānyapi liṅgāni kṣaṇikāni hi mṛnmayam || 13-133 ||
saikataṃ piṣṭajaṃ cātha nāvanītaṃ ca gomayam |
phalajaṃ likhitaṃ cānnamiti sāmānyamaṣṭadhā || 13-134 ||
etāni sadyo nirmāya tadaivāvāhya śaṅkaram |
pūjayitvā yathānyāyaṃ nirapekṣaṃ visarjayet || 13-135 ||
naiṣāṃ jalādhivāso vā sthāpane śayanaṃ na ca |
na tithirna ca nakṣatraṃ lakṣaṇodhāraṇaṃ nahi || 13-136 ||
sadyaḥ sapīṭhaṃ sampūjya visṛjyāpsu kṣipecca tat |
ayameva vidhistulyaḥ sthaṇḍile'gnau ca (ta ? da)rpaṇe || 13-137 ||
kumbhe jale ca pūjāyāmātmanyapi sadā bhavet |
viśuddhagomayāmbhobhirvilipte caturaśrake || 13-138 ||
parikalpyāsanaṃ ceṣṭvā tatrāvāhya yathāvidhi |
pūjayet snapanaṃ tvatra mānasaṃ tu na bāhyataḥ || 13-139 ||
p. 124) sthaṇḍile syād vidhirayaṃ śeṣaṃ pūrvavadācaret |
tadvat sakalaliṅgeṣu mārttikeṣu paṭādiṣu || 13-140 ||
citreṣvapi purasteṣāṃ nirambukusu(mānya? maṃ ya)jet |
hemaraupyamayānāṃ ca ratnajānāṃ ca pūjanam || 13-141 ||
sakalānāṃ prakurvīta sarvaṃ niṣkalaliṅgavat |
tāmrārakūṭakāṃsyānāmamlādyaiḥ śodhanaṃ smṛtam || 13-142 ||
naimittikeṣu snapanaṃ kuryānnityaṃ na kārayet |
nirapekṣavisargeṣu prāgārādhyāṣṭapuṣpayā || 13-143 ||
visṛjya praṇavaṃ nyasya tasmiṃścaṇḍeśamarcayet |
tamapyudvāsya mantrāṃśca hṛtpadme yojayet kramāt || 13-144 ||
ayaṃ vidhiḥ sāmānyasthaṇḍila eva |
parigṛhītānāṃ sthiracalaliṅgānāṃ visargaḥ sāpekṣa eva |
yathā brahmaśambhuḥ -
nirapekṣavisargastu liṅge sādhāraṇe mataḥ |
parigṛhītaliṅge tu sāpekṣaḥ prāk pradarśitaḥ ||
calaliṅge'pi sāpekṣo nirapekṣaḥ sthaṇḍile sadā |
iti |
atra pauṣkare'pi-
parigṛhītaliṅgasya sthirasyātha calasya vā |
nirapekṣavisarge tu mahān doṣo'bhidhīyate ||
apica
praśastakālanakṣatramuhūrtādau vidhānataḥ |
liṅge pratiṣṭhā kriyate mantramūrtividhānataḥ ||
tadāprabhṛti talliṅge vasatyātmaiva yacchivaḥ |
tasya pratidinārcāyāmāvāhanavisarjane ||
tatpūjāpratipattyarthaṃ sammate hyaupacārike |
viśvakriyānusandhānaṃ dṛṣṭaṃ dehaṃ śarīriṇaḥ ||
yathā jāgradavasthāyāṃ tathāsyāvāhanādikam |
nivṛttākhilabāhyārthakriyā cinmātraśeṣitā ||
p. 125) yathā suṣuptyavasthāyāṃ sthitirdṛṣṭā śarīriṇaḥ |
tathā pūjāvasāne tu sāpekṣodvāsanaṃ smṛtam ||
liṅge sthire cale vāpi pratiṣṭhitaśivasya tu |
yathā hi tasya kuṇḍe'gneḥ kālekāle prabodhanam ||
homādau kriyate (cā)nte tatra tasyaiva gopanam |
tathā syāt sthāpite liṅge vidhirāvāhanādikaḥ ||
sāpekṣe tu visarge'rghyaṃ dattvā śambhoḥ parāṅmukham |
mudrāṃ parāṃ darśayitvā cotthāpyāṅgāni cāstrataḥ ||
saṃhāriṇyā śiva dhyātvā mūrtāmūrtau(?)niyojayet |
aṣṭapuṣpikayābhyarcya dhyāyet taṃ niṣkalātmakam ||
tataścārghyādipātrebhyo mantrān saṃhṛtimudrayā |
sampūjya niṣkramya bahirgarbhāgāraṃ tu varmaṇā ||
vihāya tadbahirgatvā kṣalitāṅghrikaradvayaḥ |
ācamyātha śivaṃ dhyātvā cyutaskhalitaśuddhaye ||
japitvā saṃhitāmantrān dānaṃ dadyācchivārpaṇam |
iti |
itīdamekāvaraṇaṃ tu pūjanaṃ sadāśivasyoditamiṣṭasiddhidam |
nirūpya nānāvidhaśaivasaṃhitāḥ śivaśaṅkaraṃ śaivajanapriyaṅkaram || 13-172 ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde ekāvaraṇārcanāpaṭalastrayodaśaḥ || 13 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 14: Shiva-Verehrung mit fünf Umhüllungen
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 14: Shiva-Verehrung mit fünf Umhüllungen
Die einfache Anordnung des vorherigen Kapitels wird hier zu fünf konzentrischen Gruppen von Gottheiten erweitert. Der Text unterscheidet wiederum zwischen fest installierten und beweglichen Lingas. Seine praktische Rücksicht bleibt deutlich: Fehlende äußere Gaben können innerlich vorgestellt werden.
Kapiteleröffnung. Nun das vierzehnte Kapitel.
Kriyapada 14-1. Nun werde ich die erwünschte Verehrung mit fünf Umhüllungen erklären: für den fünfgesichtigen Sadashiva, dessen Leib aus den fünf Mantras besteht, oder für seine eingesichtige Form, entsprechend der bereits beschriebenen Ordnung.
Kriyapada 14-2. Alles zuvor Gelehrte, von der Sonnenverehrung bis zu Shivas Sitz, gilt auch hier. Bei den verkörperten Brahma-Gestalten gibt es jedoch eine in der Prayogamanjari genannte Besonderheit.
Kriyapada 14-3. Ishana hat hier fünf Gesichter, Tatpurusha und die übrigen jeweils vier. Auch die Herren der Vidyas haben vier Gesichter und tragen Pfeil, Dreizack, Donnerkeil und Bogen.
Kriyapada 14-4. Alles Übrige, ihre Farben und weiteren Merkmale, entspricht der Verehrung mit einer Umhüllung. Was über die Gestalten in den fünf Umhüllungen zu wissen ist, wurde im Kapitel über die Gestalten erklärt.
Kriyapada 14-5. Man betrachte Sadashiva auf einem Lotus, fünfgesichtig, zehnarmig, kristallklar und weiß, mit der Mondsichel im gebundenen Haargeflecht, dreiäugig und einem Sechzehnjährigen gleich,
Kriyapada 14-6. rechts mit Schlange, Glocke, Furchtlosigkeitsgeste, Stachelstock und Schlinge, in den übrigen Händen der Reihe nach Dreizack, Axt, Schwert, Donnerkeil und Feuer,
Kriyapada 14-7. mit einer Schlange als heiliger Schnur, reich geschmückt, in ein unvergleichliches Raubtierfell gekleidet, mit bläulichem Hals und Asche auf dem Körper, durch jede besondere Schönheit anmutig.
Kriyapada 14-8. So betrachte und verehre man ihn wie zuvor im Samengehäuse des Lotus. Oder man betrachte ihn eingesichtig, vierarmig, mondgekrönt und freundlich, mit den drei Augen von Erkenntnis, Handeln und Wollen.
Kriyapada 14-9. Er trägt Gebetskette, Dreizack, Khatvanga und Schädelschale, ist geschmückt, hell wie eine Herbstwolke, mit Haargeflecht und auf einem Lotus sitzend. So verehre man ihn.
Kriyapada 14-10. Gesichter und Glieder zusammen bilden die erste Umhüllung, die Herren der Vidyas die zweite, Uma und die folgenden Gottheiten die dritte, Indra und die übrigen Weltenhüter mitsamt den Müttergruppen die vierte.
Kriyapada 14-11. Die zuvor genannten zehn Waffen, beginnend mit dem Donnerkeil, bilden die fünfte. Man verehre sie mit ihren Namen im Dativ, Herzkeim und heiliger Silbe voran und Verehrung am Ende.
Unnummerierte Einleitung. Im Einzelnen:
Kriyapada 14-12. Außerhalb des Lotus verehre man die Herren der Vidyas, außerhalb der Tore Uma und die folgenden. Im äußeren Umgang verehre man die Weltenhüter und außerhalb von ihnen die Waffen.
Kriyapada 14-13. Ananta, Sukshma, Shivottama und Ekanetra werden jeweils auf eigenen Lotusblüten verehrt, die an den Enden der östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Blätter auf dem Sitz liegen.
Kriyapada 14-14. Danach Shikhandin, Shrikantha und Ekanetra in den Ecken von Südosten an … Dies sind der Reihe nach die Herren der Vidyas. [Quellenhinweis: Der Vers enthält eine lange Sternchenlücke und wiederholt Ekanetra nach 14-13. Die Liste wird weder ergänzt noch vereinheitlicht.]
Kriyapada 14-15. Uma und Chanda, Nandisha und Mahakala, Ganeshvara und Bhringi, Stier und Skanda stehen an den Toren, beginnend im Norden.
Kriyapada 14-16. Diese werden paarweise an den vier Toren von Norden an verehrt, bei Pavitra-Zeremonien und weiteren Anlässen, beim fest installierten Linga und in der als „Jayavali“ bezeichneten Anordnung. [Quellenhinweis: Die letzte Ortsbezeichnung bleibt in diesem Zusammenhang unklar.]
Kriyapada 14-17. Die Weltenhüter sind Indra, Agni, Yama, Nirriti, Varuna, Vayu, Vaishravana und Ishana.
Kriyapada 14-18. Brahma, der Herr der oberen Welt, steht zwischen Ishana und Indra; Ananta, der Herr der unteren Welt, zwischen Nirriti und Varuna.
Kriyapada 14-19. Sie herrschen der Reihe nach über Götter, Lichtkräfte, Verstorbene, Rakshasas, Wasser, Lebenshauche, Yakshas, Erkenntnisse, Welten und Schlangen.
Kriyapada 14-20. Mit Reittieren und Gefolge werden sie verehrt, unter Hinzufügung der Bezeichnung „Gefolgsmann Rudras“; ebenso werden ihre eigenen Begleiter verehrt.
Unnummerierte Zusatzanweisung und Formel nach 14-20. In der Nähe Kuberas verehre man auch den Mond mit der Anrufung „Dem Soma, dem Herrn der Mondhäuser“ und dem weiteren Abschluss. Die vollständige Anrufung Indras bedeutet: „Verehrung dem Indra, Herrn der Götter, mit Waffen, Reittier und Gefolge, dem Gefolgsmann Rudras! Verehrung seinen Begleitern!“
Kriyapada 14-21. Mit solchen Mantras verehre man sie in den zehn Richtungen von Osten an. Innerhalb der Umhüllung der Weltenhüter werden außerdem die folgenden Gottheiten verehrt.
Unnummerierte Formel und Zitat aus dem Lalita nach 14-21. „Verehrung dem Stier!“
„Indra wird im Osten am Platz des Stieres verehrt, wenn dort ein Stier vorhanden ist. Beim fest installierten Linga ist der Stier zu verehren; beim beweglichen Linga ist kein Stier vorgesehen.“ [Quellenhinweis: Die erste Zeile des Zitats enthält eine auffällige Wortverbindung; ihre genaue Abgrenzung bleibt unsicher.]
Kriyapada 14-22. Westlich von Yama verehre man Virabhadra nach Westen gewandt und den Herrn der Hindernisse nach Osten gewandt; zwischen beiden die Mütter.
Unnummerierte Mütter-Anrufungen nach 14-22. „Verehrung dem Virabhadra! Verehrung dem Ganapati! Verehrung der Brahmani! Verehrung der Maheshvari! Verehrung der Kaumari! Verehrung der Vaishnavi! Verehrung der Varahi! Verehrung der Indrani! Verehrung der Mahakali, Chamunda!“ Vor ihnen verehre man nochmals sämtliche Mütter: „Verehrung den Müttern! Verehrung allen Mütterscharen!“
Kriyapada 14-23. Etwas südöstlich von Nirriti verehre man Shasta mit seinem eigenen Namen; nahe bei Vayu, etwas nordöstlich, verehre man Skanda.
Kriyapada 14-24. Etwas westlich von Kubera verehre man Durga mit ihrem eigenen Mantra; etwas südwestlich von Ishana Chandesha mit seinem Mantra.
Kriyapada 14-25. Man entnehme den vierten und letzten Laut der fünften Gruppe, versehen mit dem fünften und dem Feuer-Vokal, mit der heiligen Silbe voran; dann das Wort „Chanda“, Panzer
Unnummerierte Fortsetzung und Formeln vor 14-26. und Waffe: Dies ist der siebensilbige Mantra Chandeshvaras. Man verehre auch mit „Verehrung dem Chanda!“ und „Verehrung dem Chandesha!“ [Hinweis: Die Lautchiffren bleiben als solche bewahrt; daraus wird keine normalisierte Rezitationsform rekonstruiert.]
Kriyapada 14-26. Die genannten Gottheiten vom Stier bis Chanda sind
Unnummerierte Fortsetzung nach 14-26. beim fest installierten Linga zu verehren, nicht beim beweglichen und auch nicht auf dem Bodenaltar.
Unnummeriertes Zitat aus dem Lalita. „Bei der täglichen Verehrung eines beweglichen Linga oder eines Bodenaltars verehre man keinen Stier. Auch die sieben Mütter, Chanda und Skanda sind dort nicht vorgesehen. Zu besonderen Anlässen, etwa beim Pavitra-Ritus, ist ihre Verehrung jedoch besonders angezeigt.“
Kriyapada 14-27. Außerhalb der Umhüllung der Weltenhüter verehre man Donnerkeil und die übrigen Waffen mit ihren eigenen Namen,
Kriyapada 14-28. ihre jeweilige Gestalt vergegenwärtigend, der Reihe nach in den zehn Richtungen. Mit den verfügbaren Duftstoffen und weiteren Gaben verehre man die Gottheiten der Umhüllungen.
Kriyapada 14-29. Was von diesen Gaben nicht vorhanden ist, stelle man sich im Geist vor. Festzug und Bali-Darbringung sind beim fest installierten Linga vorgeschrieben.
Kriyapada 14-30. Bei der Verehrung eines beweglichen Linga oder Bodenaltars vollziehe man diese beiden nicht. Wenn die Mittel vorhanden sind, gelten dagegen Gesang, Tanz und Instrumentalmusik
Kriyapada 14-31. allgemein als empfehlenswert, sowohl bei festen als auch bei beweglichen Darstellungen. Die Feuerhandlung vollziehe man überall ordnungsgemäß.
Unnummerierte Fortsetzung nach 14-31. Ebenso vollziehe man anlassbezogene Riten wie die Chaitra- und Pavitra-Zeremonie.
Kriyapada 14-32½. So wurde die in Shivas Tantras vorgeschriebene Shiva-Verehrung mit fünf Umhüllungen ordnungsgemäß erklärt. Durch sie sollen verkörperte Wesen ohne Mühe diesseitigen und jenseitigen Lebensgenuss und Befreiung erlangen. [Die originale Halbversmarke 32½ bleibt erhalten; die Aussage ist eine Verheißung des Werkes.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das vierzehnte Kapitel: „Das Verfahren der Verehrung mit fünf Umhüllungen“.
Zur Besinnung. Die aufwendige Anordnung schließt die innere Gabe ausdrücklich ein: Was äußerlich fehlt, darf im Geist dargebracht werden. Für heutige Yoga-Aspiranten ist darin eine ermutigende Einsicht zu finden: Aufmerksamkeit und Hingabe hängen nicht allein von der Fülle verfügbarer Gegenstände ab.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 14: Shiva-Verehrung mit fünf Umhüllungen
Die einfache Anordnung des vorherigen Kapitels wird hier zu fünf konzentrischen Gruppen von Gottheiten erweitert. Der Text unterscheidet wiederum zwischen fest installierten und beweglichen Lingas. Seine praktische Rücksicht bleibt deutlich: Fehlende äußere Gaben können innerlich vorgestellt werden.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha caturdaśaḥ paṭalaḥ |
pūjāṃ tu pañcāvaraṇaṃ pravakṣye sapañcamantrātmatanorabhīṣṭām |
pañcānanasyeha sadāśivasyāpyekānanasyoditatulyakalpām || 14-1 ||
pūrvoditaṃ sarvamihāpi tulyaṃ sasūryapūjādi śivāsanaṃ ca |
syād brahmaṇā mūrtigato'tra kaścit prayogamañjaryudito viśeṣaḥ || 14-2 ||
īśānasaṃjñastviha pañcavaktraścaturmukhāstatpuruṣādayaḥ syuḥ |
vidyeśvarāścātra caturmukhāste śaratriśūlāśanicāpahastāḥ || 14-3 ||
p. 126) eṣāṃ ca śeṣaṃ sakalaṃ purovad varṇādyamekāvaraṇoditānām |
jñeyaṃ ca pañcāvaraṇasthitānāṃ mūrttyāhvaye yatpaṭale taduktam || 14-4 ||
sapañcavaktraṃ kamale niṣaṇṇaṃ dvipañcabāhuṃ sphaṭikāvadātam |
kapardabaddhendukalaṃ trinetraṃ sadāśivaṃ ṣoḍaśavarṣakalpam || 14-5 ||
bhujaṅgaghaṇṭābhayadāṅkuśān svaiḥ pāśaṃ bhujairdakṣiṇato dadhānam |
tathā triśūlaṃ paraśuṃ ca khaḍgaṃ vajraṃ ca vahniṃ kramaśo'paraiśca || 14-6 ||
nāgopavītaṃ suvibhūṣitāṅgaṃ tarakṣucarmāpratimaṃ vasānam |
ānīlakaṇṭhaṃ bhasitāṅgarāgaṃ niḥśeṣasaundaryaviśeṣaramyam || 14-7 ||
sañcintya tatpaṅkajakarṇikāyāṃ prāgvad yajedapyathavaikavaktram |
dorbhiścaturbhiryutamindumauliṃ jñānakriyecchātridṛśaṃ prasannam || 14-8 ||
dhṛtākṣamālātriśikhaṃ kramāt taṃ yajet sakhaṭvāṅgakapālakhaṇḍam |
vibhūṣitaṃ śāradanīradābhaṃ kapardinaṃ paṅkajasanniviṣṭam || 14-9 ||
sahāṅgavaktrāvaraṇaṃ tadekaṃ vidyeśvarairāvaraṇaṃ dvitīyam |
umādibhiścāvaraṇaṃ tṛtīyamindrādibhirmātṛgaṇaiścaturtham || 14-10 ||
vajrādibhiḥ prāguditairdaśāstraiḥ syāt pañcamaṃ tvāvaraṇam yathāvat |
hṛttārapūrvairnijanāmadheyairyajeccaturthyā(ca)namontametān || 14-11 ||
tadyathā -
padmabāhye tu vidyeśānumādīn dvārabāhyataḥ |
tadbāhyavīthyāṃ lokeśānastrāṇyeṣāṃ bahiryajet || 14-12 ||
pūjyo hyanantastvatha sūkṣmanāmā śivottamaścāpi tathaikanetraḥ |
prāgdakṣiṇāpyendudalāntapīṭhavyavasthitābjeṣu pṛthaṅniviṣṭāḥ || 14-13 ||
tataḥ śikhaṇḍī śrīkaṇṭhaścaikanetro'nalādiṣu |
- * * * * * * * vidyeśāsta ime kramāt || 14-14 ||
umācaṇḍau ca nandīśamahākālau gaṇeśvaraḥ |
bhṛṅgī ca vṛṣabhaskandāvudagdvārādiṣu sthitāḥ || 14-15 ||
eta evottarāśādicaturdvāreṣu yugmaśaḥ |
pūjyāḥ pavitrādiṣu ca sthiraliṅge jayāvalau || 14-16 ||
p. 127) indro'gniśca yamaścātha nir-ṛtirvaruṇastathā |
vāyurvaiśravaṇastadvadīśānaścāpi lokapāḥ || 14-17 ||
ūrdhvalokādhipo brahmā syādīśānendramadhyagaḥ |
adholokādhipo'nanto rakṣovaruṇamadhyagaḥ || 14-18 ||
surāṇāṃ tejasāṃ tadvat pretānāṃ rakṣasāmapi |
jalānāṃ prāṇayakṣāṇāṃ jñānānāṃ lokabhoginām || 14-19 ||
kramādete'dhipatayaḥ savāhaparivārakāḥ |
rudrapārṣadaśabdāntāḥ pūjyāstatpārṣadāstathā || 14-20 ||
dhanadasya samīpe tu somāya nakṣatrādhipataya ityādinā somaṃ ca yajet |
oṃ hām indrāya surādhipataye sāyudhavāhanaparivārāya rudrapārṣadāya namaḥ |
tatpārṣadebhyo namaḥ |
ityādimantraiḥ pūrvādidaśāśāsu yajedimān |
lokapālāvṛtāveva pūjyāḥ syurdevatāḥ punaḥ || 14-21 ||
oṃ hāṃ vṛṣabhāya namaḥ |
indraḥ prācyāṃ vṛṣasthāne jyo'sti vṛṣabho yadi |
sthiraliṅge vṛsaḥ pūjyo na cale vṛṣabhaḥ smṛtaḥ ||
iti lalite |
paścād yamād vīrabhadraḥ pūjyaḥ pratyaṅmukho bhavet |
prāṅmukhaścaiva vighneśastayormadhyena mātaraḥ || 14-22 ||
oṃ laṃ vīrabhadrāya namaḥ |
oṃ gaṃ gaṇapataye namaḥ |
oṃ vyoṃ brahmāṇyai namaḥ |
oṃ māṃ māheśvaryai namaḥ |
oṃ kāṃ kaumāryai namaḥ |
oṃ hāṃ vaiṣṇavyai namaḥ |
oṃ heṃ vārāhyai namaḥ |
oṃ hoṃ indrāṇyai namaḥ |
oṃ hūṃ mahākālyai cāmuṇḍāyai namaḥ |
etāsāmagrataḥ punaḥ sarvamātṝrarcayet |
oṃ mātṛbhyo namaḥ |
oṃ sarvamātṛgaṇebhyo namaḥ iti |
p. 128) nir-ṛteḥ kiñcidāgneyyāṃ śāstāraṃ svākhyayā yajet |
vāyostu nikaṭe kiñcidaiśānyāṃ skandamarcayet || 14-23 ||
kuberāt paścime kiñcid yajed durgāṃ svamantrataḥ |
īśānānnair-ṛte kiñciccaṇḍeśaṃ mantrato yajet || 14-24 ||
pañcamasya caturthyāntyau pañcamāgnisvarānvitau |
praṇavādyau samuddhṛtya caṇḍaśabdaṃ ca varma ca || 14-25 ||
astraṃ ca saptavarṇaḥ syā(nmanuśca)ṇḍeśvarasya tu |
oṃ caṇḍāya namaḥ |
oṃ caṇḍeśāya namaḥ iti cārcayet |
vṛṣabhādyāstu caṇḍāntyā yāḥ proktā devatāstvimāḥ || 14-26 ||
sthiraliṅge tu pūjyāḥ syurna cale sthaṇḍile'pi ca |
yathā lalite -
cale vā sthaṇḍile nityavidhau na vṛṣabhaṃ yajet |
na saptamātarastatra caṇḍaḥ skando'pi neṣyate ||
naimittike pavitrādau caiṣāṃ pūjā viśiṣyate ||
iti |
likeśāvaraṇād bāhye vajrādīni svanāmabhiḥ || 14-27 ||
svarūpataśca saṃsmṛtya daśadikṣu kramād yajet |
yathopapattyā gandhādyairyajedāvaraṇasthitān || 14-28 ||
yadasampannameteṣāṃ manasā tat prakalpayet |
utsavo balidānaṃ ca sthiraliṅge vidhīyate || 14-29 ||
na calasthaṇḍilārcāsu dvayametat samācaret |
vibhave sati gītaṃ ca nṛttaṃ vādyādikaṃ ca yat || 14-30 ||
sāmānyena praśastaṃ hi sthireṣvapi caleṣu vā |
tathāgnikāryaṃ sarvatra prakurvīta vidhānataḥ || 14-31 ||
p. 129) tadvaccaitrapavitrādyaṃ kuryānnaimittikaṃ vidhim |
itthaṃ sapañcāvaraṇaṃ śivārcanaṃ proktaṃ yathāvacchivatantracoditam |
yenaihikāmuṣmikabhogamuktayaḥ prāpyāstvayatnena bhavanti dehinām || 14-32½ ||
iti "srīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde pañcāvaraṇapūjāvidhiścaturdaśaḥ paṭalaḥ || 14 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
Kapitel 15: Die Feuerhandlung
Ritual / Kriya – deutsche Handlungsfolge
Kriyapada, Kapitel 15: Die Feuerhandlung
Das Feueropfer wird hier als ein Vorgang der Reinigung, Belebung und Darbringung beschrieben. Das Feuer durchläuft sinnbildlich die Stationen eines menschlichen Lebens; anschließend wird Shiva darin verehrt. Den Abschluss bilden Gaben an viele Wesen und die Versorgung von Gästen und Bedürftigen. Die langen Prosapassagen erhalten redaktionelle Abschnittsbezeichnungen, ohne eine neue Verszählung zu bilden.
Kapiteleröffnung. Nun das fünfzehnte Kapitel.
Unnummerierte Vorbereitung vor 15-1
P1. Eintritt und Reinigung der Feuergrube. Man trete in das Feuerhaus ein, gehe im Uhrzeigersinn umher, wiederhole den Grundmantra und prüfe die Opferstoffe. Der Yoni der Feuergrube gegenüber setze man sich nach Norden gewandt. Mit dem eigenen Blick und unter Wiederholung des Grundmantras betrachte man die Grube, schlage sie mit dem Waffen-Mantra an, besprenge sie mit dem Panzer-Mantra, grabe sie mit dem Waffen-Mantra aus, hebe mit demselben das Material heraus und bringe es wieder ein. Mit dem Herz-Mantra fülle man sie und gleiche sie damit aus; Besprengen, Feststampfen, Fegen und Bestreichen vollziehe man mit dem Waffen-Mantra.
Shantyatita, Shanti, Vidya, Pratishtha und Nivritti vergegenwärtige und verehre man als Kalas im Inneren der Grube, in der Mitte, im Osten, Süden, Westen und Norden, jeweils mit ihrem Namen, der heiligen Silbe voran und Verehrung am Ende. Dann umgebe man die Grube mit einer dreifachen Schnur unter dem Panzer-Mantra. Mit „Verehrung der aus Kalas bestehenden Feuergrube!“ stelle man sie sich als aus Kalas gebildet vor und verehre sie.
Mit den drei Wirklichkeitsprinzipien ziehe man mittels der Spitze eines Opferholzes drei Linien nach Osten oder Norden; mit dem Waffen-Mantra eine weitere quer dazu. Ihre Gottheiten sind Brahma, Vishnu, Rudra und Shiva. Mit drei Kusha-Halmen und dem Waffen-Mantra mache man sie donnerkeilfest und bilde die Wegkreuzung.
P2. Vagishvari, Vagishvara und das Herbeibringen des Feuers. In der Mitte der Grube lege man einen Darbha-Sitz nieder: „Verehrung dem Sitz Vagishvaris und Vagishvaras!“ Darauf meditiere man über Vagishvari: dunkel, nach ihrer Monatsblutung gebadet, frisch jugendlich, göttlich gestaltet und geschmückt, voller Verlangen. Mit heiliger Silbe, Herzkeim und ihrem Namen, abgeschlossen durch Verehrung, rufe und verehre man sie. Ebenso verehre man Vagishvara in ihr entsprechender Gestalt.
Danach bringe man Feuer herbei, das unter umfassender Mantrarezitation aus Reibehölzern erzeugt wurde, aus einem Brennstein stammt oder aus dem Haus eines vedakundigen Brahmanen geholt wurde. Es liege in einem Kupfer- oder anderen geeigneten Gefäß, mit rauchfreiem Brennholz, als Flamme oder glühende Kohle. Den dem leichenverzehrenden Feuer zugehörigen Anteil entferne man. Das übrige Feuer betrachte man mit dem Grundmantra, besprenge es mit dem Waffen-Mantra, umhülle es mit dem Panzer-Mantra und schütze es mit der Waffe.
P3. Die Vereinigung der drei Feuer. Dieses äußere Feuer betrachte man als aufsteigende Lichtgestalt. Selbst Shiva geworden, entnehme man dem eigenen Stirnauge das aus dem Punkt hervorgehende Feuer, mit seinem Keimlaut, vom Herz-Mantra umschlossen. Durch Einatmen verbinde man es mit dem äußeren Feuer. Dann ziehe man mit seinen eigenen Namen das Feuer der inneren Grube durch die Pingala-Nadi heran, führe es beim Ausatmen durch das rechte Nasenloch heraus und vereinige es mit dem Feuer im Gefäß. [Hinweis: Das Heranführen und Ausatmen wird hier als rituelle innere Vorstellung beschrieben; die genaue Bewegungsfolge bleibt im Quellsatz gedrängt.]
So vereinige man die drei Feuer. Mit „Verehrung dem Bewusstsein des Feuers!“ und dessen eigenem Keim lege man Bewusstsein in das Feuer. Derselbe Keim, mit den langen Vokalen verbunden, bildet die sechs Glieder vom Herzen an. Damit weihe man das Feuer, erfülle es durch den Grundmantra mit Weihungsabschluss und die Kuh-Geste mit Nektar, verehre es mit dem Herz-Mantra und schütze es mit dem Panzer-Mantra.
P4. Zeugung und Entwicklung des Feuerkindes. Man nehme das Gefäß mit beiden Händen und betrachte die Erregung Vagishvaris und Vagishvaras, die nach der Entkleidung durch den Waffen-Mantra im Nordosten auf einem göttlichen Lager vereinigt sind. Man erhebe das Feuergefäß bis zur Kehle, führe es dreimal über der Grube im Kreis und knie auf dem Boden. Das Feuer sei einem selbst zugewandt; man betrachte es als Shivas Samen und bringe es mit dem Grundmantra durch die Nadi der Shakti in die Grube.
Das verstreute Feuer sammle man mit dem Waffen-Mantra. Man lege der Göttin innerlich wieder ein Gewand an und stelle sich Reinigung, Wasserschlürfen und die weiteren Handlungen vor. Mit dem Panzer-Mantra bedecke man das Feuer mit Brennholz und fache es mit einem Fächer an. Zum Schutz der Leibesfrucht binde man Vagishvari an die rechte Hand ein Darbha-Armband, das mit dem Waffen-Mantra geweiht wurde.
Für die Empfängniszeremonie verehre man mit Sadyojata und opfere fünf Sesamgaben mit dem Herz-Mantra. Ebenso vollziehe man mit Vamadeva und dem Kopf-Mantra die Zeremonie für die Entwicklung des Kindes, mit Aghora und dem Haarspitzen-Mantra das Scheiteln des Haares der Schwangeren. Mit „Verehrung dem Leib der achtgliedrigen feinstofflichen Hülle!“ stelle man sich einen Leib vor und gebe mit einer Kusha-Spitze unter dem Haarspitzen-Mantra einen Wassertropfen hinein, der das Lebewesen verkörpert.
Mit fünf Sesamgaben vergegenwärtige man die fünf Gesichter des Feuers, beginnend mit Sadya, und bilde ebenso die Glieder aus. Auch die Reinigung der Gesichter vollziehe man entsprechend. Danach betrachte man Vagishvari als Wöchnerin und das Feuer als neugeborenen Knaben. Durch Verehrung mit Tatpurusha und Opfergaben mit dem Panzer-Mantra wird die Geburtszeremonie vollzogen.
P5. Reinigung nach der Geburt und Einfassung. Mit Arghya-Wasser und dem Waffen-Mantra besprenge man die Grube. Das zur Umstreuung verwendete Darbha und das Grasarmband entferne man. Um die rituelle Geburtsunreinheit aufzuheben, besprenge man Vagishvari, den Gott und den Knaben mit Waffen-Mantrawasser und stelle sich Bad, Gewänder, Schmuck und weitere Gaben im Geist vor.
Man streue Darbha am Rand der Grube aus. Zur Entfernung des Speichels opfere man fünf Palasha-Hölzer mit Spitzen, je eine Spanne lang und mit Ghee bestrichen, unter dem Waffen-Mantra. Danach umgebe man die Grube mit einer aus dreißig Darbha-Halmen gefertigten Flechtung, deren Spitzen nach Osten und Norden weisen, und lege die vorgeschriebenen Einfassungshölzer nieder.
Auf den Unterlagen dieser Hölzer rufe man im Osten Brahma, im Süden Shankara, im Westen Vishnu und im Norden Ananta und Ishvara an. Man verehre sie mit dem Herzkeim und ihren Namen, ebenso die Weltenhüter in ihren Richtungen und die Waffen, und verkünde Shivas Befehl: „Hört, Brahma, Indra, Vishnu und die übrigen Götter mit euren Waffen! Schützt auf Shivas Geheiß dieses Shiva-Feuer, jeder an seinem eigenen Platz!“
P6. Weihe der Opferlöffel. Nach dieser Schutzanordnung wasche man großen und kleinen Opferlöffel unter dem Waffen-Mantra, nehme sie zusammen mit vier Darbha-Halmen auf, betrachte sie mit dem Herz-Mantra, erhitze sie mit dem Waffen-Mantra und wasche sie mit dem Kopf-Mantra. Erneut erhitze und wasche man sie. Den kleinen Löffel lege man ab und nehme den großen.
Mit den Darbha-Spitzen wische man dessen Spitze ab: „Dem Shiva-Prinzip!“ Mit der Mitte des Darbha die Löffelmitte: „Dem Vidya-Prinzip!“ Mit den Wurzeln die Löffelwurzel: „Dem Atman-Prinzip!“ Wieder vergegenwärtige man an Wurzel, Mitte und Spitze Brahma, Vishnu und Rudra als Herren des Atman- und der folgenden Prinzipien. Man schabe und wasche den Löffel und lege ihn rechts, nach unten gewandt, auf das ausgebreitete Darbha. Ebenso weihe man den kleinen Löffel und lege ihn daneben, ebenfalls abwärts gewandt. Im großen Löffel verehre man Shakti, im kleinen Shiva, mit ihren eigenen Namen. Mit dreifacher Schnur um die Hälse sind beide für die Handlung geeignet.
P7. Bereitgestelltes Wasser und erste Ghee-Weihe. Rechts von der Grube verehre man nochmals Brahma auf einem Grasbüschel. Im Norden bereite man einen Darbha-Sitz, fülle das Gefäß für das bereitgestellte Wasser samt Pavitra-Grasring und erhebe es mit beiden Kusha-haltenden Händen bis zur Nase. Mit Brahmas Zustimmung stelle man es auf seinen Sitz: „Du bist Varuna!“ Darin verehre man Vishnu: „Verehrung Vishnu, dem Vernichter der Feinde des Opfers!“ [Quellenhinweis: In der Gefäßanweisung steht zusätzlich das unklare Wort „granthaṃ“; seine syntaktische Funktion bleibt offen.]
Nun betrachte man das wie beschrieben gefilterte Ghee im vorgesehenen Gefäß mit dem Herz-Mantra, besprenge es mit dem Waffen-Mantra und setze es auf die nördlich liegende Glut. Man erwärme es über der südöstlichen Ecke der Grube. Selbst Brahma geworden, opfere man mit einer Kusha-Spitze einen Ghee-Tropfen: „Brahma die Opfergabe!“ Danach erwärme man es mit Kusha über der nordöstlichen Ecke; selbst Vishnu geworden, opfere man einen Tropfen: „Vishnu die Opfergabe!“
P8. Läuterung des Ghee. Man stelle das Ghee auf Kusha an der Yoni ab und weihe es mit dem Herz-Mantra. Zwei Darbha-Halme entzünde man und führe sie unter dem Panzer-Mantra dreimal leuchtend über das Ghee. Dann werfe man das brennende Darbha ins Feuer und wasche die Hände.
Die beiden Hände betrachte man als helle und dunkle Mondhälfte. Mit Daumen und Ringfingern fasse man Spitze und Wurzel des Pavitra-Grases und ziehe es unter dem Panzer-Mantra dreimal zu sich hin durch das Ghee. Man wasche es, ziehe es erneut zum Feuer hin durch und wasche es wieder; dann ziehe man es mit dem Herz-Mantra nach beiden Seiten hindurch. Man löse den Pavitra-Ring, wasche ihn und gebe ihn ins Feuer: Dies ist die Läuterung. Danach entzünde man Kusha, führe es als Licht über das Ghee und werfe es ins Feuer.
P9. Das Öffnen der Feueraugen und des Mundes. In der rechten und linken Hälfte des Ghee stelle man sich die erste und zweite Mondhälfte mit Ida und Pingala vor, in der Mitte die Übergangszeiten und Sushumna. Mit dem kleinen Opferlöffel nehme man Ghee von rechts und links und opfere in das rechte und linke Auge des Feuers: „Agni die Opfergabe! Soma die Opfergabe!“ Danach opfere man ins Stirnauge: „Agni und Soma die Opfergabe!“ Nun nehme man Ghee und opfere in den Mund des Feuers: „Agni, dem Vollender des wohl Dargebrachten, die Opfergabe!“
So öffne man den Mund des Feuers. Mit der Kuh-Geste erfülle man das Ghee mit Nektar, schütze es mit dem Waffen-Mantra und umhülle es mit dem Panzer-Mantra. Dies ist die Weihe des Ghee.
Dieses Verfahren gilt in der ersten Mondhälfte. In der zweiten besteht der Unterschied darin, dass man in die Augen mit „Agni“, „Surya“ und „Agni und Surya“ opfert; alles Übrige geschieht wie zuvor. Danach gebe man einen Tropfen des geweihten Ghee in Ghee, Milch, Honig und die weiteren Stoffe und weihe sie mit dem Herz-Mantra. Dadurch gelten auch sie als geweiht.
P10. Gestalt und Zungen des Shiva-Feuers. Man meditiere über Shiva-Feuer wie über Sadashiva: fünfgesichtig, mit Haargeflecht als Krone, sieben Zungen und drei Augen in jedem Gesicht, vier Armen mit Furchtlosigkeits- und Gabengeste, Speer und Swastika-Zeichen, guten Düften, Girlanden, Gewändern, göttlichem Schmuck und freundlichem Gesicht. Vier Zungen liegen in den vier seitlichen Gesichtern, drei im mittleren. Bei Einweihungen und Installationen sind sie sattvisch, bei schädigenden Riten tamasisch, bei wunscherfüllenden rajasisch. Im Einzelnen:
Kriyapada 15-1. … Hiranya, die Goldene; Gagana, der Himmelsraum; und Rakta, die Rote: So heißen die sieben sattvischen Zungen. [Quellenhinweis: Die gesamte erste Vershälfte fehlt als Sternchenreihe; nur diese drei Namen der Siebenerliste sind erhalten.]
Kriyapada 15-2. Kali, die Schwarze; Karali, die Schreckliche; Vilohita, die Tiefrote; Manojava, die Gedankenschnelle; Dhumravarna, die Rauchfarbene; Sphulingini, die Funkensprühende; und Vishvaruchi, die Allleuchtende: Dies sind die sieben tamasischen Zungen des Feuers.
Kriyapada 15-3. Karali, die Schreckliche; Dhumini, die Rauchende; Shveta, die Weiße; Lohita, die Rote; Bhadralohita, die Glückverheißend-Rote; Suvarna, die Goldene; und Padmaraga, die Rubinfarbene: Diese sieben Zungen sind rajasisch.
Unnummerierte Fortsetzung nach 15-3
P11. Begießen und Verbinden der fünf Gesichter. Nachdem man das Shiva-Feuer so betrachtet hat, begieße man seine Gesichter mit Opferghee. Die Anrufungen bedeuten: „Der Sadyojata-Gestalt die Opfergabe! Dem Verborgenen des Vamadeva die Opfergabe! Dem Herzen Aghoras die Opfergabe! Dem Gesicht Tatpurushas die Opfergabe! Dem Haupt Ishanas die Opfergabe!“ So begieße man jedes Gesicht.
Sogleich verbinde man die Gesichter. Man opfere paarweise: „Der Sadyojata-Gestalt und dem Verborgenen des Vamadeva! Dem Verborgenen des Vamadeva und dem Herzen Aghoras! Dem Herzen Aghoras und dem Gesicht Tatpurushas! Dem Gesicht Tatpurushas und dem Haupt Ishanas!“ Jeweils folgt der Opferabschluss.
Nach dieser paarweisen Verbindung spreche man die fünf Keime von Ishana bis Sadya, mit der heiligen Silbe voran. Man nehme Ghee im kleinen Opferlöffel und opfere unter der Anrufung Ishanas, Tatpurushas, Aghoras, Vamadevas und Sadyojatas in einem einzigen ununterbrochenen Ghee-Strom: von Südosten nach Nordwesten, weiter bis Südwesten und von dort bis Nordosten. So vollziehe man die Vereinigung der Gesichter. [Quellenhinweis: Der Schlussruf der vollständigen Sanskritanrufung ist in der gelieferten Fassung auffällig; er wird dort unverändert bewahrt.]
Die Vereinigung bedeutet außerdem, dass die übrigen Gesichter in das jeweils hauptsächliche eingehen. Im täglichen Ritual ist Sadyojata das Hauptgesicht; daher gehen die anderen in dieses ein.
P12. Zitat aus der Samhita zur Vorrangstellung der Gesichter. „Bei der täglichen Handlung gilt Sadya als das hauptsächliche Gesicht. Sonst ist das obere Gesicht das hauptsächliche, und das andere ist ihm untergeordnet. Bei anlassbezogenen und wunscherfüllenden Riten ist jeweils eigens angegeben, welches Gesicht Vorrang besitzt; mit diesem werden die übrigen vereinigt. Bei der Einweihung eines Befreiungssuchenden gilt Ishanas Gesicht als das hauptsächliche; zum Erlangen sichtbarer Erfolge das östliche, bei schädigenden Riten das südliche; für Befriedung und Gedeihen das nördliche namens Vamadeva.“
P13. Namengebung und Abschluss der ersten fünf Weihen. Beim täglichen Ritual stelle man sich Sadyojata als Hauptgesicht in der Größe der Feuergrube vor und verehre es: „Verehrung Sadyojata!“ Dann opfere man fünf Gaben mit „Ishana die Opfergabe!“ und gebe dem Feuer seinen Namen: „Du bist Shiva-Feuer, der Opferverzehrer!“
Danach verehre man Vagishvari und Vagishvara mit ihren eigenen Namen, opfere jedem einmal Ghee und entlasse beide in den Dvadashanta. Aus dem so durch fünf Weihen geweihten Feuer nehme man einen Teil heraus und bewahre ihn für Bali und andere Handlungen sowie zum Kochen von Opferbrei und Opferkuchen und für Räucherwerk.
P14. Zitat aus der Samhita zum Koch- und Opferfeuer. „Opferbrei und Opferkuchen sind auf dem durch fünf Weihen geweihten Feuer zu kochen, in das die Gottheit noch nicht angerufen wurde. Das Feueropfer dagegen wird nach der Anrufung vollzogen.“
P15. Die elf weiteren Lebensweihen. Mit dem Grundmantra und Weihungsabschluss vollziehe man nun durch jeweils drei gesonderte Ghee-Gaben elf weitere Weihen: erstes Hinaustragen, erste feste Nahrung, erste Haarschur, Einführung zum Studium, Beginn des Studiums, Übernahme des Gelübdes, Entlassung aus dem Gelübde, Godana, Rückkehr nach dem Studium, Heirat und Einrichtung des eigenen Feuers. Alle geschehen mit dem Grundmantra. [Hinweis: Godana bezeichnet hier die im Lebensweihen-Zusammenhang so benannte Zeremonie; der Text erläutert sie an dieser Stelle nicht näher.]
P16. Andere Reihenfolge nach der Manjari. In der Manjari heißt es: „Bei den Weihen des Shiva-Feuers werden unterschiedliche Verfahren beobachtet. Man vollziehe sämtliche sechzehn Handlungen, beginnend mit der Empfängnis.“ Die dortigen Verse werden hier so ausgeführt:
Mit dem zehnlautigen Vyomavyapi vollziehe man Empfängnis, Entwicklung des Kindes, Scheitelzeremonie, Geburtszeremonie und Namengebung, jeweils durch acht Opfergaben. Mit der Shiva-Gayatri vollziehe man das erste Hinaustragen, mit Ishana die erste Nahrung, mit Tatpurusha die Haarschur, wiederum mit Ishana die Einführung zum Studium. Danach folgen mit den Brahma-Mantras von Sadya an der Reihe nach Beginn des Studiums, Gelübdeübernahme, Gelübdeentlassung, Godana und Rückkehr nach dem Studium; mit dem zehnlautigen Vyomavyapi die Heirat und mit Prasada die Einrichtung des Feuers.
Nur mit Feuer, das nach einem dieser beiden Wege geweiht ist, gelingen nach dieser Lehre die täglichen, anlassbezogenen und wunscherfüllenden Ritualhandlungen der Shiva-Verehrer.
P17. Vollopfer und Anrufung Shivas im Feuer. Nun opfere man die volle Gabe. Man fülle mit dem kleinen Löffel den großen mit Ghee, lege den kleinen nach unten gewandt darüber und eine Blume auf die Spitze des großen. Beide Stiele fasse man gemeinsam mit beiden Händen in der Muschel-Geste, stehe mit eng zusammenstehenden Füßen auf und richte den Blick auf die Löffelspitze. Man spreche den mit dem Herz-Mantra verbundenen Grundmantra und dem Weihungsabschluss und gieße den Ghee-Strom aus.
Mit Zustimmung des Shiva-Feuers rufe man Shiva im Herzlotus des Feuers an, in der Reihenfolge von Shiva-Sitz, Gestalt, Gliedern und Umhüllung. Man vollziehe die Handlungen bis zur Einladung zum Annehmen und verehre ihn nach den verfügbaren Mitteln mit Arghya und den weiteren Gaben bis zum Licht. Danach stelle man die Nadi-Verbindung zwischen den beiden Shiva-Gegenwarten her. [Hinweis: Der Quellsatz verbindet Vollopfer und anschließende Anrufung sehr knapp; seine Handlungen sind hier in derselben Folge gegliedert.]
P18. Zitat aus dem Paushkara zur inneren Verbindung. „Mit dem Licht, das aus der Nasenspitze des im Feuer gegenwärtigen Shiva hervortritt, stelle man durch die Pingala-Nadi bis zum Ende der Handlung die Verbindung her. Jede dargebrachte Opfergabe betrachte man als Nektarstrom, der auf dem Sushumna-Weg beider Shiva erfreut.“
P19. Opferstoffe und Beobachtung des Feuers. Nun opfere man mit dem Grundmantra die vorgeschriebenen Gaben: Ghee, enthülsten Reis, unenthülsten Reis, Opferhölzer und Opferbrei. Den Gestalten und Gliedern gebe man jeweils ein Zehntel der für Shiva bestimmten Menge. Auch zu besonderen Anlässen opfere man die jeweils vorgeschriebenen Stoffe in der angegebenen Weise.
Brahmashambhu sagt: „Mit innerlich gesammeltem Geist beobachte man Farben, Gerüche, Flammen und Geräusche des Feuers, in denen sich Gelingen und Misslingen zeigen. Günstig ist ein glänzendes, nach rechts wirbelndes Feuer, dessen Klang die Ohren erfüllt, dessen Flamme stets aufwärts geht und geschlossen zusammensteht. [Quellenhinweis: Eine Wortverbindung in der Beschreibung der aufsteigenden Flamme ist unklar.] Man opfere weder in unentzündetes noch in rauchendes oder brennstoffloses Feuer. In hell brennendes, züngelndes Feuer soll geopfert werden, damit die Handlung gelingt.“
P20. Zitat aus dem Lalita zu Feuerzeichen. „Ein Feuer mit weißen, gelben oder rötlichen Flammen, blitzfarben oder gelbbraun, glänzend und rechtsdrehend, bewirkt das Gelingen der Handlung. Schwarzes, graues, rauchfarbenes, fleckiges oder linksdrehendes, raues oder funkenreiches Feuer wird als unheilbringend bezeichnet. Zu seiner Befriedung opfere man Sesam und Ghee mit den Samhita-Mantras und Shivas Weltanrufungen; dann soll ein günstiges Ergebnis entstehen.“ [Dies sind historische Ritualdeutungen, keine verlässliche Vorhersage künftiger Ereignisse.]
P21. Vollendung des täglichen Feueropfers. Die einzelnen Gaben opfere man mit ihren jeweiligen Mudras. An Fest- und Übergangstagen verdopple man Verehrung, Japa und Feueropfer gegenüber dem täglichen Maß. Drei Portionen Opferbrei begieße man jeweils gesondert mit Ghee und opfere sie der Reihe nach mit dem großen Löffel und dem Grundmantra. Für Gestalten und Glieder opfere man einmal mit der Hand.
Man besprenge mit dem Wasser des Besprengungsgefäßes unter dem Waffen-Mantra, reiche Betel, erfreue die Gottheit durch Umwandlung im Uhrzeigersinn, Verneigung und Lob und nehme heilige Asche an sich. Mit „Vergib!“ löse man die Nadi-Verbindung. Dann opfere man mit den Weltanrufungen, vorangestellt heilige Silbe und Herzkeim, hebe Gestalten und Glieder mit dem Waffen-Mantra zurück und vereinige sie an ihren zugehörigen Stellen mit dem im Feuer gegenwärtigen Shiva. Den Gott halte man im Herzen des Feuers gegenwärtig und bewahre das tägliche Feuer in derselben Grube.
P22. Tägliche Neuentzündung und Feuer unterwegs. Oder man verehre täglich Feuer und Shiva und ziehe mit der Zurücknahme-Geste und dem Einatmen die Feuer-Mantras zurück. Shiva und Feuer führe man der Reihe nach zum Dvadashanta und vereinige sie mit dem eigenen Herzen. Man entlasse Shiva und Feuer in den eigenen inneren Punkt oder ins Herz, erzeuge täglich neues Feuer und opfere darin.
Ist unterwegs oder aus anderem Grund keine Feuergrube vorhanden, bestreiche man ein quadratisches Feld von der Größe einer Kuhhaut mit Kuhdung, errichte darauf aus reinem Sand einen Bodenaltar, weihe ihn durch Betrachten und die weiteren Verfahren, setze das Feuer ein und opfere.
P23. Erlöschen des Feuers und Reinheit der Geräte. Erlischt versehentlich das Feuer, in dem Shiva gegenwärtig ist, soll man nach der historischen Vorschrift drei Nächte fasten, Aghora wiederholen und nach Kräften Ghee und Sesam opfern. Erlischt dagegen das Shiva-Feuer, nachdem Shiva entlassen wurde, soll man einen Tag und eine Nacht fasten, tausend Aghora-Wiederholungen samt Feueropfer vollziehen, das Feuer neu einsetzen und wieder opfern. [Diese Fastenangaben gehören zur historischen Sühneordnung.]
Bei der täglichen Handlung werden großer und kleiner Opferlöffel, Einfassungshölzer und Grasflechtung durch Waschen gereinigt und können danach wieder für das tägliche Feueropfer verwendet werden. Asche und Ähnliches aus dem Feuer mit gegenwärtigem Shiva gelten nicht als verbrauchte Opferreste; nach Shivas Entlassung gelten dieselben Stoffe als nicht zu berührende Opferreste.
P24. Bali nach der Feuerhandlung. Nachdem man Shiva und Feuer so zurückgehalten hat, entlasse man die Gottheiten der Einfassungshölzer und ihrer Unterlagen. Vor oder nördlich der Grube verehre man mit Duftstoffen und weiteren Gaben und bringe vom übrigen Opferbrei Bali dar.
In den vier Hauptrichtungen von Osten an sind die Empfänger Rudras, Mütter, Scharen und Yakshas; in den Ecken von Nordosten bis Nordwesten Planeten, Asuras, Rakshasas und Nagas. In der Mitte gibt man den Mondhäusern, außerhalb der Mondhäuser zwischen den Rudra-Gruppen und in den Ecken von Nordosten an den Tierkreiszeichen, den Allgötterscharen, dem Hüter des Feldes und Durga. Man verwendet jeweils ihre Namen, mit heiliger Silbe voran und Opferabschluss.
In einem zweiten Mandala gebe man in den zehn Richtungen von Osten an Indra und den übrigen der Reihe nach Bali, mit ihren Namen, heiliger Silbe voran und Verehrung am Ende. Außerhalb des Mandalas streue man ringsum aus: „Den Krähen und den übrigen die Opfergabe!“ Dann ziehe man die Bali-Mantras zurück und spreche auf einem im Hof angelegten Mandala:
Kriyapada 15-4. Die Rudras, deren Handlungen furchtbar sind und die an furchtbaren Orten wohnen, ebenso alle Friedlichen, die an friedlichen Orten wohnen,
Kriyapada 15-5. die Mütter von furchtbarer Gestalt und die Herren der Scharen: Mögen sie alle mit wohlgesinntem Herzen diese Bali-Gabe annehmen!
Unnummerierte Gebetsfortsetzung nach 15-5. Mögen sie mir rasch Vollendung gewähren und mich stets vor Gefahren schützen!
P25. Abschluss am Linga. Mit den anschließenden Schutz- und Waffenlauten bringe man Bali dar. Man wasche Hände und Füße, vollziehe das Wasserschlürfen und gebe in umgekehrter Folge beim Linga Arghya. Die Glieder der Darbringung ziehe man wie zuvor zurück, vereinige sie mit dem Linga und entlasse den Erhabenen auf die beschriebene Weise.
Unnummerierte Hausrituale vor 15-6½
P26. Herdopfer vor der Mahlzeit. Ist der Shiva-Anhänger Haushälter und möchte essen, soll er zuerst Herdopfer, Haus-Bali, die Gabe für alle Götter und die zehn Richtungs-Gaben vollziehen und danach speisen. Man gebe den ersten Anteil des gekochten Essens in ein Gefäß, entzünde das Herdfeuer, bestreiche den Platz mit Kuhdung und besprenge ihn mit Arghya-Wasser. Feuer und die nun genannten Gottheiten verehre man mit Duftstoffen, Blumen und ungebrochenem Reis und opfere mit Ghee vermischte Speise.
Die Empfänger sind Agni, Soma, Savitri, Brihaspati, Prajapati, sämtliche Vishvedevas, alle Götter und Agni als Vollender des wohl Dargebrachten. Man verehre sie mit heiliger Silbe und Verehrungsabschluss und opfere mit dem Opferabschluss. Nach dem Besprengen mit Arghya-Wasser bringe man den Hausgottheiten Bali dar.
P27. Die Hausgottheiten. Am Herd rechts und links Dharma und Adharma; am Vorrats- beziehungsweise Gärgefäß dem Umschwung des Daseinskreislaufs; am Wassergefäß dem Wassernektar, Varuna. Am Haupteingang des Hauses dem Herrn der Hindernisse und der Herrlichkeit des Tores. Am Mahlstein: „Du Glückverheißende!“ Am Mörser: „Du Furchtbare, Kotṭaharika!“ Am Stößel: „Dem Freund Balabhadras, der großen Schlagwaffe!“ Am Besen: „Dem Tod, dem für die Götter Geeigneten!“ Am Kopfende des Bettes: „Kama, dessen Waffen Blumen sind!“ Unter der mittleren Säule: „Skanda, dem Herrn des Hauses!“ [Quellenhinweis: Die knappen Geräteanrufungen enthalten uneinheitliche grammatische Formen und einzelne unklare Namen; sie werden nicht nach einer anderen Ritualfassung vereinheitlicht.]
P28. Gabe an alle Götter und Wesen. Danach bringe man in einem runden Mandala in der Hausmitte die Gabe für alle Götter dar. Die Namen lauten: „Brahma, den Vasus, den Rudras, den Adityas, den Sadhyas, den Mondhäusern, der Erde, den auf der Erde wandelnden Wesen, dem Luftraum, den im Luftraum wandelnden Wesen, den unterhalb Wandelnden, dem Himmel, den im Himmel wandelnden Wesen, den Richtungen und den in den Richtungen wandelnden Wesen.“
So gebe man die Gaben im Uhrzeigersinn. In der Mandala-Mitte: „Vishnu, dem Herrn aller Wesen, der durch Meditation erreichbar ist!“ Die Namen werden mit heiliger Silbe voran und Verehrung am Ende verwendet.
P29. Ahnengaben. Danach lege man die heilige Schnur in der Ahnenweise über die rechte Schulter und bringe außerhalb des Mandalas im Süden, gegen den Uhrzeigersinn, die Gaben dar: „Den Ahnen, zu denen Soma mit den Vätern, Yama mit den Angiras und Agni als Träger der Ahnengaben gehören: Ahnengabe und Verehrung! Den Feuer-Ahnen: Ahnengabe und Verehrung! Allen Ahnen: Ahnengabe und Verehrung!“ So streue man der Reihe nach aus, gehe hinaus und bringe den Richtungs-Gottheiten Bali dar.
P30. Die zehn Richtungen und die ungenannten Empfänger. „Indra, nimm dies an, Verehrung! Östliche Richtung Indras, nimm dies an, Verehrung!“ Entsprechend verfahre man mit „Agni“ und den übrigen bis Ishana für die acht Weltenhüter und ihre Richtungen. Nach oben, in Brahmas Richtung: „Suparna und Sauparni!“ Nach unten, in Anantas Richtung: „Dem Naga und der Mutter der Nagas!“ Man verehre mit Duftstoffen und weiteren Gaben.
Dann streue man eine mit Duftstoffen und Blumen verbundene Gabe aus: „Krähen, Würmer, Verstorbene, aus der Gemeinschaft Ausgeschlossene, Hunde, als Hundeesser Bezeichnete, Übertreter der Verpflichtungen und alle übrigen: Mögen sie diese Bali-Gabe annehmen! Verehrung!“ Den Rest lege man auf die Erde. [Die soziale Einteilung ist die historische Sprache des Textes; alle genannten Gruppen werden hier in die Gabe einbezogen.]
P31. Versorgung anderer vor dem eigenen Essen. Man wasche Hände und Füße und vollziehe das Wasserschlürfen. Gäste, Ankömmlinge, Schutzsuchende, Kinder, Alte, Blinde, Arme, Verlassene und andere Bedürftige versorge man nach den eigenen Kräften mit Essen und Trinken. Danach esse man nach dem dafür beschriebenen Verfahren. [Quellenhinweis: Die gelieferte Form „andān“ ist auffällig; „Blinde“ gibt den naheliegenden Sinn wieder, ohne die Sanskritlesung zu ändern.]
Kriyapada 15-6½. So wurde dieses den Shiva-Anhängern liebe, in den shivaitischen Tantras begründete Feueropfer erklärt. Durch es soll die tägliche Verehrung des Herrn vollständig werden, Frucht tragen und dem Wohl der Welt dienen. [Quellenhinweis: Der Ausdruck für das Feueropfer im ersten Versviertel enthält eine ausdrückliche Lesungsalternative; der sichere Gesamtsinn wird wiedergegeben. Die originale Halbversmarke bleibt erhalten.]
Kolophon. So endet in der ehrwürdigen Ishanashivagurudeva Paddhati, im Siddhantasara, im oberen Teil, im Kriyapada, das fünfzehnte Kapitel: „Die Feuerhandlung“.
Zur Besinnung. Das Kapitel endet beim Teilen von Nahrung. Nach den vielgestaltigen inneren Bildern und rituellen Handlungen richtet sich die Aufmerksamkeit auf Gäste, Schutzsuchende und Bedürftige. Für heutige Yoga-Aspiranten kann gerade diese Verbindung von Sammlung und Fürsorge eine tragfähige Anregung sein.
Sanskrittext (IAST)
Kriyapada, Kapitel 15: Die Feuerhandlung
Das Feueropfer wird hier als ein Vorgang der Reinigung, Belebung und Darbringung beschrieben. Das Feuer durchläuft sinnbildlich die Stationen eines menschlichen Lebens; anschließend wird Shiva darin verehrt. Den Abschluss bilden Gaben an viele Wesen und die Versorgung von Gästen und Bedürftigen. Die langen Prosapassagen erhalten redaktionelle Abschnittsbezeichnungen, ohne eine neue Verszählung zu bilden.
Zur deutschen Übersetzung dieses Kapitels
atha pañcadaśaḥ paṭalaḥ |
athāgniśaraṇaṃ praviśya pradakṣiṇaṃ parikrāman mūlaṃ japan homadravyāṇi nirīkṣya kuṇḍayonyabhimukha upaviśya udaṅmukho'tha (kva ? sva)dṛṣṭyā mūlaṃ japan kuṇḍaṃ nirīkṣyāstreṇa santāḍya varmaṇābhyukṣyāstreṇa khātvāstreṇoddhṛtya tenāvatīrya hṛdayenābhipūrya tena samīkṛtya secananikuṭṭanasammārjanālepanānyastreṇa kṛtvā śāntyatītāṃ śāntiṃ vidyāṃ pratiṣṭhāṃ nivṛttiṃ ca madhyaprāgdakṣi(ṇo ? ṇapaścimo)-ttarāśāsu kuṇḍāntāḥ kalāḥ saṃsmṛtyābhyarcya tārādisvākhyābhirnamontakamatha trisūtryā kavacena kuṇḍaṃ paridhāpya oṃ kalāmayāya kuṇḍāyaṃ namaḥ iti kalāmayaṃ parikalpyeṣṭvātha tattvatrayeṇa prāgāyatā vā udagāyatā vā samidagreṇa tisro rekhāḥ punarekā tiryagāyatāstramantreṇa kāryāḥ |
tāsāṃ brahmaviṣṇurudraśivā devatāḥ |
tathāstreṇa tribhiḥ kuśairvajrīkṛtya catuṣpathaṃ ca kuṇḍamadhye oṃ vāgīśvarīvāgīśvarāsanāya namaḥ iti darbhāsanaṃ vinyasya tatra śyāmāmṛtusnātāṃ navayauvanālaṅkṛtadivyarūpāṃ divyākalpāṃ rāgiṇīṃ vāgīśvarīṃ dhyātvā tārahṛdbījanāmabhirnamontamāvāhyābhyarcya tadanurūparūpādikaṃ vāgīśvaraṃ ca tathābhyarcyānantaraṃ sarvātmanā japitena janitamaraṇermaṇijaṃ vā śrotriyagṛhād vāgnimānīya tāmrādipātrasthitanirdhūmendhanajvālaṃ jvaladaṅgāramātraṃ kravyādāṃśaṃ parityajya mūlena nirīkṣyāstreṇa saṃprokṣya varmaṇāvaguṇṭhyāstreṇa saṃrakṣya tamevaṃ bhautikamagnimutapatajjyotirākāraṃ dhyātvā svayaṃ śivātmā svalalāṭanetrād oṃ raumityagnibījena hṛdayasampuṭena baindavamagnimādāya pūrakeṇa bhautike'gnau saṃyojyātha svanāmabhiḥ kuṇḍāgniṃ recakena piṅgalānāḍyā samākṛṣya dakṣiṇanāsikayā niḥsārya pātrasthe'gnau yojayet |
p. 130) ityagnitrayamekīkṛtya agnicaitanyāya namaḥ iti svabījenāgnau caitanyaṃ vinyasya tadeva bījaṃ dīrghaiḥ svaraiḥ saṃyuta hṛdayādīni ṣaḍaṅgāni bhavanti |
tairagnimabhimantrya vauṣaḍantena mūlena dhenvāmṛtīkṛtya hṛdābhipūjya varmaṇā saṃrakṣya karābhyāṃ gṛhītvā vāgīśvarīvāgīśvarayorastrā(gni ? nni)rambarayorīśānakoṇe divyaśayane saṅgatayoḥ kṣobhaṃ vicintyāgniṃ pātrasthamākaṇṭhāduddhṛtya kuṇḍasyopari triḥparikramya jānubhyāṃ bhūmau sthitaḥ svābhimukhamagniṃ śivabījaṃ dhyātvā śakternāḍyā mūlena prakṣipya vikīrṇamastreṇaikīkṛtya vastraṃ paridhāpya śaucamācamanādi manasā saṅkalpyendhanaiḥ kavacenācchādya dhavitreṇa prajvālya garbharakṣārthaṃ darbhakaṅkaṇamastrajapitaṃ vāgīśvaryā dakṣiṇahaste baddhvātha garbhādhānāya sadyojātenābhyarcya tilairāhutipañcakaṃ hṛdayena hutvā tathā vāmena śirasā ca puṃsavanamathāghoreṇa śikhayā ca sīmantonnayanaṃ kṛtvā oṃ hāṃ puryaṣṭakadehāya namaḥ iti dehaṃ saṅkalpya jalabinduṃ kuśāgreṇa jīvabhūtaṃ śikhayā prakṣipya tilāhutipañcakena sadyādipañcavaktrāṇi vahneḥ saṅkalpyāṅgakalpanāṃ ca tathā vidhāya vaktraniṣkṛtiṃ ca tadvat sampādyānantarameva vāgīśvarīṃ prasūtāṃ jātakumāramagniṃ ca dhyātvā tatpuruṣeṇābhyarcya varmaṇā hutvā jātakarma bhavati |
athārghyajalairastreṇa kuṇḍaṃ pariṣicya paristaraṇadarbhāṃśca darbhakaṅkaṇaṃ ca tyaktvā sūtakanivṛttaye vāgīśavarīṃ devaṃ kumāraṃ cāstrajalaiḥ samprokṣya snānavasanavibhūṣaṇādikaṃ manasaiva saṅkalpya darbhaiḥ kuṇḍakaṇṭhe paristīrya lālāpanodanārthaṃ pañcapalāśasamidhaḥ sāgrāḥ prādeśasammitā ghṛtāktāḥ śastreṇa juhoti |
tatastriṃśaddarbhaiḥ kṛtayā prāguttarāgrayā veṇyā kuṇḍaṃ saṃveṣṭya yathoktaparidhīn vinyasya teṣu paridhiviṣṭareṣu prācyāṃ brahmāṇaṃ dakṣiṇe śaṅkaraṃ paścime viṣṇumuttare'nantamīśvaraṃ cāvāhya hṛdbījapūrvaṃ svanāmabhirabhyarcya lokapālāṃśca svāśāsvastrāṇi ceṣṭvā śivājñāṃ śrāvayet |
bho bho brahmendraviṣṇvādyā devāḥ sāstrāḥ śivājñayā śivāgnimenaṃ rakṣadhvaṃ svāvakāśeṣvāsthitā iti rakṣāṃ vidhāya (sruksruvāvastre) prakṣālyādāya darbhacatuṣṭayasahitau hṛdā (na ? nirī) kṣyāstreṇa pratāpya śirasā prakṣālya punaḥ pratāpya saṃkṣālya sruvaṃ vinyasya srucamādāya darbhāgraiḥ sruco'graṃ oṃ hāṃ śivatattvāyeti sammṛjya madhyaṃ darbhamadhyena vidyātattvāyetyatha mūlaṃ darbhamūlenātmatattvāyeti sammṛjya punarmūlamadhyāgreṣu
p. 131) brahmaviṣṇurudrātmatattvādyadhipatīn saṃsmṛtyollikhya prakṣālya dakṣiṇataḥ prastaradarbheṣvadhomukhaṃ vinyasya tadvat sruvamapi saṃskṛtya srucaḥ samīpe'dhomukhaṃ darbheṣu vinyasya sruci śaktiṃ sruve śivaṃ ca svanāmnābhyarcya ca trisūtryāveṣṭitagrīvau karmayogyau bhavataḥ |
punaḥ kuṇḍād dakṣiṇato brahmāṇaṃ kūrceṣviṣṭvā kauberyāṃ darbhāsanaṃ dattvā granthaṃ praṇītāpātra sapavitramadbhirāpūrya sakuśābhyāṃ pāṇibhyāmānāsamuddhṛtya brahmaṇānujñātaḥ praṇītāsane oṃ hāṃ varuṇo'sīti vinyasya oṃ hāṃ yajñārisūdanāya viṣṇave namaḥ iti praṇītāsu viṣṇumabhyarcyāthājyaṃ yathoktamuktapātre gālitaṃ hṛdā nirīkṣyāstreṇa prokṣyottare'ṅgāre'dhiśritya kuṇḍordhvavahnikoṇe pratāpya svayaṃ brahmamūrtiḥ oṃ hāṃ brahmaṇe svāheti kuśāgreṇājyabinduṃ hutvāthaiśānyāṃ kuṇḍopari kuśaiḥ pratāpya svayaṃ viṣṇumūrtiḥ oṃ hāṃ vi(ṣṇu ?ṣṇave)svāheti kuśāgreṇājyabinduṃ hutvājyaṃ yonau kuśeṣu vinyasya hṛdayenābhimantrya darbhadvayaṃ prajvālya kavacenājye'bhidyotya triṣkṛtvāthāgnau darbhotmukaṃ prāsya hastau prakṣālya tau śuklakṛṣṇau pakṣau saṃsmṛtya sāṅguṣṭhānāmikābhyāṃ pavitrāgre mūle ca gṛhītvātmābhimukhaṃ kavacena trirutplāvya pavitraṃ prakṣālya punaragnerabhimukhamutplāvya prakṣālya punarhṛdayenobhayata utplāvya pavitramunmucya prakṣālyāgnau prāsyediti pavitrīkaraṇam |
atha kuśānudyotyājye nīrājyāgnau kṣipet |
atha dakṣiṇottarayorājyabhāgayoḥ pūrvāparapakṣāviḍāpiṅgalānāḍiyuktau madhye ca parvaṇī suṣumnāṃ ca saṅkalpya oṃ hāṃ agnaye svāhā oṃ hāṃ somāya svāhā iti dakṣiṇottarayorājyabhāgayorājyaṃ sruveṇādāyāgnerdakṣiṇavāmanetrayorhutvānantaraṃ oṃ hāṃ agnīṣo mābhyāṃ svāheti lalāṭanetre juhoti |
athājyaṃ gṛhītvā oṃ hāṃ agnaye sviṣṭakṛte svāheti agnermukhe juhuyādityagnervaktrodghāṭanaṃ vidhāya dhenvāmṛtīkṛtyāstreṇa saṃrakṣya kavacenāvaguṇṭhayedityājyasaṃskāraḥ |
ayaṃ vidhiḥ pūrvapakṣe |
viśeṣaścāparapakṣe agnaye sūryāyāgnisūryābhyāmiti netreṣu juhoti śeṣaṃ pūrvavat |
atha saṃskṛtyājyabinduṃ ghṛtakṣīramadhvādiṣu prakṣipya hṛdayenābhimantrayet |
tāni ca saṃskṛtāni bhavanti |
atha śivāgniṃ sadāśivavat pañcavaktraṃ jaṭāmakuṭaṃ saptajihvaṃ (prī ? pra)timukhaṃ trinetramabhayavaradaśaktisvastikacaturbāhuṃ sugandhamālyāmbaradharaṃ divyābharaṇaṃ prasannānanaṃ dhyāyet |
caturmukheṣu
p. 132) catasro jihvāḥ tisro madhyame |
tāśca dīkṣāpratiṣṭhādiṣu sāttvikāḥ kṣudreṣu tāmasāḥ kāmyeṣu rājasāḥ |
tad yathā -
- * * * * * * * * * * * * * * * |
hiraṇyā gaganā raktāḥ syurjihvāḥ sapta sāttvikāḥ || 15-1 ||
kālī karālī ca vilohitā ca manojavā caiva tu dhūmravarṇā |
sphuliṅginī viśvaruciśca jihvāstamoguṇāḥ sapta bhavanti vahneḥ || 15-2 ||
karālī dhūminī śvetā lohitā bhadralohitā |
suvarṇā padmarāgā ca jihvāḥ sapteti rājasāḥ || 15-3 ||
tamevaṃbhūtaṃ śivāgniṃ saṃcintyātha vaktrābhidhāraṇaṃ kuryāt |
oṃ hāṃ sadyojātamūrtaye svāhā |
oṃ hāṃ vāmadevaguhyāya svāhā |
oṃ hāṃ aghorahṛdayāya svāhā |
oṃ hāṃ tatpuruṣavaktrāya svāhā |
oṃ hāṃ īśānamūrdhāya svāha iti yathāvaktramabhighāryānantarameva vaktrasandhānaṃ vidadhyāt |
oṃ hāṃ sadyojātamūrtaye vāmadevaguhyāya svāhā |
oṃ hāṃ vāmadevaguhyāghorahṛdayāya svāhā |
oṃ hāṃ aghorahṛdayāya tatpuruṣavaktrāya svāhā |
oṃ hāṃ tatpuruṣavaktrāyeśānamūrdhāya svāhā iti dvandvaśo hutvā vaktrāṇi sandhāyātheśānādibījapañcakaṃ praṇavapūrvakaṃ sadyāntamuccāryājyaṃ sruveṇa gṛhītveśānatatpuruṣāghoravāmadevasadyojātebhyaṃ vāhetyāgnikoṇād vāyukoṇaṃ tathā nair-ṛtyantaṃ tasmāccaiśānāntamavicchinnayā ghṛtaikadhārayā hutvā vaktraikīkaraṇaṃ kuryāt |
kiñcānyeṣāṃ vaktrāṇāṃ pradhānavaktre'nupraveśo vaktraikīkaraṇam |
tacca nityakarmaṇi sadyasya pradhānatvādanyeṣāṃ tadanupraveśo draṣṭavyaḥ |
yathā saṃhitāyāṃ -
nityakarmaṇi sadyasya mukhyatvamadhigamyate |
anyatrordhvamukhaṃ mukhyaṃ guṇatvamitarasya tuṃ ||
naimittike ca kāmye ca yasya vaktrasya mukhyatā |
tatra tatra samuddiṣṭaṃ tasyaikīkaraṇaṃ paraiḥ ||
tathā(mumu)kṣordīkṣāyāṃ mukhyaṃ hīśamukhaṃ smṛtam |
dṛṣṭasiddhyāptaye pūrvaṃ dakṣiṇaṃ kṣudrakarmasu ||
uttaraṃ vāmadevākhyaṃ śāntikaṃ pauṣṭikaṃ tathā |
iti |
pradhānavaktraṃ nityakarmaṇi sadyojātaṃ kuṇḍapramāṇaṃ smṛtvā sadyojātāya nama ityabhyarcya oṃ hāṃ īśānāya svāheti pañcāhutīrhutvā oṃ hāṃ śivāgnirhutāśano'sīti nāma kuryāt |
p. 133) tato vāgīśvarīvāgīśvarau svanāmnārādhya sakṛtsakṛdājyaṃ hutvā tau dvādaśānte visarjayet |
athaivaṃ pañcasaṃskārasaṃskṛtādagneḥ kiñciduddhṛtya balyādau rakṣayeccarupuroḍāśadhūpādyartham |
yathoktaṃ saṃhitāyāṃ -
pākyāścarupuroḍāśāḥ pañcasaṃskārasaṃskṛte |
anāvāhitadeve'gnau homastvāvāhite bhavet ||
iti |
atha mūlena vauṣaḍantena pṛthagājyāhutitrayeṇaikādaśasaṃskārān kuryāt |
tadyathā - upaniṣkrāmaṇānnaprāśanacaulopayanopākarmavratasaṃgrahaṇavratot-sarjanagodānasamāvartanavivāhādhānāni mūlenaiva kuryāt |
atra mañjaryāmuktaṃ - śivāgneḥ saṃskāreṣu prakārabhedo dṛśyate garbhādhānapurassarāśca sakalāḥ kuryāt kriyāḥ ṣoḍaśaḥ ityādibhiḥ ślokaiḥ yaduktaṃ daśākṣaravyomavyāpinā garbhādhānapuṃsavanasīmantonnayanajātakarmanāmakaraṇaṃ pṛthagaṣṭāṣṭāhutībhiścaikaikaśaḥ kramāddhutvā niṣpādya śivagāyatryopaniṣkrāmaṇamīśānenānnaprāśanaṃ tatpuruṣeṇa caulaṃ punarīśānenopanayanamatha sadyādibrahmabhirupākarmavratasaṅgrahaṇa-vratotsargagodānasamāvartanādi krameṇa kṛtvā daśākṣaravyomavyāpinā vivāhaṃ prāsādenāgnyādhānamityuktayormārgayoranyatamena saṃskṛtenaivāgninā nityanaimittikakriyākāṇḍakāmyāni śaivānāṃ sidhyanti nānyathā |
atha pūrṇāṃ juhoti |
tataḥ srucamājyena sruveṇāpūrya srugupari sruvamadhomukhaṃ nidhāya srugagre puṣpaṃ ca taddaṇḍau saṃhatau śaṅkhamudrayā pāṇibhyāṃ gṛhītvotthāya śliṣṭasamapādastiṣṭhan srugagradattadṛṣṭirhṛdayayuktamūlaṃ vauṣaḍantamuccāryājyadhārāṃ śivāgnerlabdhānujñaḥ śivāsanādikrameṇa sāṅgamūrtyāvaraṇamagnerhṛdayakamale śivamāvāhya prarocanāntaṃ kṛtvārghyādibhirdīpāntairyathopapattyabhyarcya śivayornāḍīsandhānaṃ vidadhyāt |
yathā pauṣkare -
vahnisthaśivanāsāgranirgatajyotiṣā saha |
sandhānaṃ piṅgalānāḍyā kṛtvā karmasamāpanāt ||
hūyamānaṃ haviryat tat sudhāviṣya(nda ? ndi) cintayet |
dvayoḥ suṣumnāmārgeṇa śivasyāhlādakāraṇam ||
iti |
p. 134) athājyataṇḍulavrīhisamiccarubhiryathoddiṣṭairhavirbhirmūlena juhuyāt |
tatra śivād daśāṃśaṃ mūrtīnāmaṅgānāṃ ca naimittikeṣvapi tatra tatra vihitairhavirbhiryathoddiṣṭaṃ juhoti |
atra brahmaśambhuḥ -
agnervarṇāṃśca gandhāṃśca śikhāḥ śabdāṃśca lakṣayet |
siddhyasiddhyorabhivyaktau bhāvitenāntarātmanā ||
snigdhaḥ pradakṣiṇāvartaḥ śrutipracchāditadhvaniḥ |
nityamūrdhvagamocchiṣṭān saṃpiṇḍitaśikhaḥ śubhaḥ ||
apradīpte na hotavyaṃ sadhūme nāpyanindhane |
pradīpte lelihāne'gnau hotavyaṃ karmasiddhaye ||
iti |
tathāca lalite -
śuklapītāruṇaśikho vidyudvarṇo'tha piṅgalaḥ |
snigdhaḥ pradakṣiṇāvartaḥ karmasiddhikaro'nalaḥ ||
kṛṣṇadhūsaradhūmrābhaḥ karbūro vāpradakṣiṇaḥ |
rukṣo vā viṣphuliṅgāḍhyaḥ prokto'gniraśubhāvahaḥ |
tacchāntyai saṃhitāmantraiḥ śivavyāhṛtibhistathā |
tilājyābhyāṃ tathā hutvā śubhameva phalaṃ bhavet ||
iti |
tattanmudrābhistattajjuhuyāt |
nityād dviguṇaṃ parvasu pūjājapahomān kuryāt |
caroravadānatrayaṃ krameṇa pṛthakpṛthagabhighārya srucā mūlena juhuyāt |
sakṛnmūrtyaṅgā(nā ? ni) hastenātha prokṣaṇījalairastreṇa pariṣicya tāmbūlaṃ ca nivedya pradakṣiṇanamaskārastutibhiḥ prasādya bhasma cālabhya kṣamasvetyuktvā nāḍīsandhānaṃ visṛjya praṇavahṛdayabījādibhirvyāhṛtībhirhutvā mūrtyaṅgānyastreṇoddhṛtyāgnisthe śive yathāsthānaṃ saṃyojya devaṃ cāgnerhṛdaye sannirudhya naityikamagniṃ tasminneva kuṇḍe rakṣayet |
athavā pratidinamagniṃ śivaṃ ca sampūjya saṃhāramudrayā pūrakeṇa vahnermantrān saṃhṛtya śivamagnimapi krameṇa dvādaśāntamānīya svahṛdi sanniyojayet |
śivamagniṃ svabindusthāne hṛdaye vodvāsya pratyahamagniṃ janayitvā juhoti |
mārgagamanādau kuṇḍābhāve gomayena gocarmamātraṃ caturaśramaṇḍalamupalipya tatra viśuddhābhiḥ sikatābhiḥ sthaṇḍilaṃ kṛtvā nirīkṣaṇādibhiḥ saṃkṛtyāgnimādhāya
p.135) hotavyam |
atra saśivāgneḥ pramādād nirvāṇe sati trirātramupoṣito'ghoraṃ japet |
ājyatilairyathāśakti juhuyāt |
yadyapi udvāsitaśivaśivāgninirvāṇe'horātramupoṣyāghorasahasrajapahomau kṛtvā punarādhāya juhuyāt |
nityakarmaṇi sruksruvakarmaṇi paridhiveṇīnāṃ prakṣālanena śuddhiḥ, nitya(karmaho)mopayogitvaṃ ca nirdiṣṭam |
saśive'gnau bhasmādikaṃ nirmālyaṃ na bhavati |
tadevodvāsitaśive nirmālyamaspṛśyaṃ syāt |
evaṃ śivamagniṃ ca nirudhya paridhiviṣṭarān devāṃścodvāsya kuṇḍasya purato vottare gandhādibhiriṣṭvā caruśe(ṣe)ṇa baliṃ dadyāt |
tatra prāgādicaturdikṣu rudramātṛgaṇayakṣebhyo'thaiśānavāyavyānteṣu grahāsurarākṣasanāgebhyastanmadhye nakṣatrebhyaḥ punarnakṣatrabāhyato rudrādīnāmantarīśānādikoṇeṣu rāśibhyo viśvadevagaṇebhyaḥ kṣetrapālāya durgāyai ca tārādisvanāmabhiḥ svāhāntairbaliṃ dattvā dvitīyamaṇḍalake pūrvādidaśadikṣu yathākramamindrādibhyastārādisvanāmabhirnamontairbaliṃ dattvā maṇḍalabāhye sarvato vikiran oṃ vāyasādibhyaḥ svāheti dadyāt |
atha balimantrān saṃhṛtya prāṅgaṇe kṛtamaṇḍale
ye rudrā raudrakarmāṇo raudrasthānanivāsinaḥ |
saumyāścaiva tu ye kecit saumyasthānanivāsinaḥ || 15-4 ||
mātaro raudrarūpāśca gaṇānāmadhipāśca ye |
sarve suprītamanasaḥ pratigṛhṇantvimaṃ balim || 15-5 ||
siddhiṃ yacchantu me kṣipraṃ bhayebhyaḥ pāntu māṃ sadā |
oṃ chaṃ chaḥ huṃ phaṭ |
anena baliṃ dattvā hastapādau prakṣālyācamya prātilomyena liṅgāntikerghyaṃ dattvā bhogāṅgāni prāgvat saṃhṛtya liṅge niyojya bhagavantamuktaprakāreṇa visarjayet |
atha śivāśramī gṛhasthaśced bhoktumicchan cullihomagṛhabalivaiśvadevadaśabalīn kṛtvā bhuñjīta |
tatra pākāgrānnaṃ pātre prakṣipya cullyāmagniṃ prajvālya gomayenopalipyārghyajalaiḥ pariṣicya gandhapuṣpākṣatairagniṃ ca vakṣyamāṇadevatāścārādhyānnamājyamiśraṃ juhoti |
agnaye somāya savitre bṛhaspataye prajāpataye viśvebhyo devebhyaḥ sarvebhyo devebhyaḥ agnaye sviṣṭakṛte ca praṇavādinamontaiḥ sampūjya svāhāntairhutvārghyajalaiḥ pariṣicya gṛhadevatābhyo balimupāharet |
tatra cullyāṃ dakṣiṇavāmayoḥ dharmāyādharmāya sandhābhāṇḍe saṃsāraparivartanāya udakabhāṇḍe
p. 136) jalāmṛtāya varuṇāya gṛhasya pradhānadvāre vighnarājāya dvāraśriyai ca peṣaṇyāṃ subhage ulūkhale oṃ raudre koṭṭaharike musale balabhadrapriyāya mahāpraharaṇāya mārjanyāṃ mṛtyave devocite śayanīyaśirasi kāmāya kusumāyudhāya madhyastambhasyādhaḥ skandāya gṛhādhipataye tadanantaraṃ vāstumadhye vṛttamaṇḍalake vaiśvadevabalimupāharet |
tatra madhye brahmaṇe vasubhyaḥ rudrebhyaḥ ādityebhyaḥ sādhyebhyo nakṣatrebhyaḥ pṛthivyai pṛthivīcarebhyo bhūtebhyaḥ antarikṣāya antarikṣacarebhyo bhūtebhyaḥ adhaścarebhyaḥ dive divicarebhyo bhūtebhyaḥ digbhyaḥ dikcarebhyo bhūtebhya iti pradakṣiṇavṛttyā baliṃ dattvā viṣṇave sarvabhūtapataye dhyānagamyāya iti maṇḍalamadhye eteṣāṃ praṇavādinamontaiḥ svanāmabhirbaliṃ vikṣipyātha prācīnāvītī maṇḍalād bahirdakṣiṇato'pasavyena somaḥ pitṛmān yamo'ṅgirasvānagnikavyavāhanādayo ye pitaraḥ tān pitṝn svadhā namaḥ agnipitṛbhyaḥ svadhā namaḥ sarvapitṛbhyaḥ svadhā namaḥ iti yathākramaṃ prakṣipya bahirnirgatya digdevatābhyo balimupāharet |
tatra oṃ indrāya pratigṛhṇa namaḥ oṃ aindryai diśe pratigṛhṇa namaḥ athāgnaya ityādibhiścaivamīśānāntamaṣṭalokapālānādiśāntaṃ prakṣipya oṃ suparṇāsauparṇyai cetyūrdhvāyāṃ brahmadiśi nāgāya nāgamātra ityanantadiśyadhaḥ iti gandhādibhirabhyarcya oṃ vāyasāḥ krimayaḥ pretāḥ patitāḥ śvānaḥ śvapacāḥ samayabhedakāḥ ye cānye te imaṃ baliṃ pratigṛhṇantu namaḥ iti gandhapuṣpānvitaṃ prakṣipya śeṣaṃ bhūmau vinikṣipya hastau pādau pādau prakṣālyācamyātithīnabhyāgatānāśritān bālān vṛddhānandān dīnānanāthānanyānapyarthino'nnena pānena ca svaśaktyā toṣayitvā bhojanoktavidhānena bhuñjīta |
ityuktaṃ yajanamidaṃ śivā(yathāgne ? gamāgnau)
śaivānāṃ priyamiti śaivatantrasiddham |
yena syāt pratidivasaṃ sadeśapūjā
sampūrṇā diśati phalaṃ jagaddhitaṃ ca || 15-6½ ||
iti śrīmadīśānaśivagurudevapaddhatau siddhāntasāre uparibhāge kriyāpāde'gnikāryapaṭalaḥ pañcadaśaḥ || 15 ||
Praxis-Erläuterung
Dieses Kapitel wird als Teil einer zusammenhängenden Śaiva-Kriyā gelesen. Maße, Materialien, Mantras, Nyāsas und Reihenfolgen werden nicht aus moderner Praxis ergänzt; maßgeblich bleibt die überlieferte Kapitelordnung.
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Textgrundlage
Grundlage sind die vollständigen Projektfassungen des Kriyāpāda der Īśānāśivagurudeva Paddhati: Kapitel 1–30 nach M00018 und Kapitel 31–64 nach M00233, jeweils mit deutscher Übersetzung und IAST. Originale Kapitelzählung, Lesarten, Maße und Ritualreihenfolgen werden beibehalten.
Siehe auch
- Ishanashivagurudeva Paddhati
- Shiva
- Puja
- Homa
- Diksha
- Pratishtha
- Linga
- Vastu
- Abhisheka
- Nyasa
- Mudra
- Mantra
- Shaiva Siddhanta
Seminare
- 03.11.2026 - 03.11.2026 Mantra-Konzert mit Gruppe Mudita
Herzöffnung pur
21:10 - 22:00 Uhr- Gruppe Mudita
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Asana Intensiv - Musikalisch-Meditativ
Yoga und Musik ergänzen sich ideal. Jede Asana wird von Musik, Mantra Gesang und anderen Klängen auf deiner Reise nach innen begleitet! Die Yoga Stell…- Gopi Jana Kretschmer da Conceição
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