Houston Steward Chamberlain

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Houston Steward Chamberlain, 1855-1927 englischer Schriftsteller, der große Teile seines Lebens in Deutschland verbrachte. Houston Steward Chamberlain war einer der Vordenker des Rassismus und des Antisemitismus. Houston Steward Chamberlain beschäftigte sich unter anderem mit Richard Wagner, Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, Shakespeare, Friedlich Schiller, Platon, mit den Upanishaden, Vedanta und Shankaracharya.

Houston Stewart Chamberlain

Houston Steward Chamberlain war ein Verehrer von Richard Wagner und befreundet mit Cosima Wagner. Trotz seiner breiten Bildung entwickelte Houston Steward Chamberlain eine sehr wirre Philosophie, auf welche sich letztlich auch der Nationalsozialismus bezog.

Leben von Houston Steward Chamberlain

Kindheit, Jugend

Houston Steward Chamberlain wurde 1855 in Portsmouth, England geboren. Er entstammte einer wohlhabenden Adelsfamilie. Sein Vater war Admiral, seine Mutter starb bald nach dem Tod.

Seine Kindheit verbrachte Houston Steward Chamberlain bei seiner Großmutter in Versailles, 3 Jahre seiner Jugend in England, dann reiste er mit seiner Tante 9 Jahre durch Europa und heiratete seine Frau Anna Horst.

Schweiz und Dresden

1879 ließ er sich in Genf nieder und begann mit dem Studium der Naturwissenschaften.

Mitte der 1880er Jahre zog er nach Dresden und engagierte sich im Wagner-Club, wurde bekannter von Cosima Wagner, die zu ihm eine Freundschaft entwickelte.

Houston Steward Chamberlain in Wien

1888-1908 verbrachte Houston Steward Chamberlain in Wien. Hier hatte er Kontakt mit dem Wahnfried-Zirkel, dem inneren Wagner-Kreis. Cosima Wagner empfahl im die als Lektüre Arthur de Gobineaus Essay über die Ungleichheit der Menschenrassen (Essai sur l'inégalité des races humaines (1853-1855))

Houston Steward Chamberlainverglich die Aussagen des Buches mit den alltäglich in Wien beobachteten Volkstumskonflikten (z.B. im Zusammenhang mit der Badenischen Sprachenverordnung) und bei ihm setzte sich zunehmend der Gedanke fest, die deutsche Kultur vor „fremden“ Einflüssen und den Folgen „rassischer Durchmischung“ schützen zu müssen. Die „Degeneriertheit“ Wiens, die er zu sehen glaubte, machte ihn umso empfänglicher für die vom Bayreuther Kreis um Cosima Wagner propagierte politische und religiöse „Erlösung“. Wien war neben Bayreuth das zweite große Zentrum des Wagnerkultes. In diesen Umgebungen begann Chamberlain mit der Arbeit an seinem ersten größeren Werk, einer Biographie über den von ihm verehrten Richard Wagner (erschienen 1895), die jedoch den Schwerpunkt nicht auf biographische Daten legt, sondern die Beweggründe Wagners in den Bereichen der Politik, der Philosophie und der Musik wiederzugeben versucht.

Im Februar 1896 begann er die Arbeit für sein Hauptwerk, die "Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts" und schloss das 1.200-seitige Werk in nur 19 Monaten ab. Das Buch wurde zu einem großen Erfolg und löste nach dem Erscheinen zahlreiche Kontroversen aus:

„Die Konventikler und Pamphletisten des primitiven Antisemitismus erhielten eine unerwartete Bestätigung aus dem Bereich der hohen Bildung. Mit der Theorie des Sozialdarwinismus ließen sich Chamberlains Lehren leicht verbinden, das geschah alsbald in alldeutschen Kreisen, die ihn verehrten. Die ,Deutschen Christen’ beriefen sich später auf ihn, ebenso wie auf Paul de Lagarde, Julius Langbehn und Arthur Bonus, den Künder der germanischen Religion.“ (Wanda Kampmann: Deutsche und Juden. Studien zur Geschichte des deutschen Judentums. Lambert Schneider, Heidelberg 1963, S. 319)

Chamberlain schuf mit den Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts ein Standardwerk des theoretischen Rassenantisemitismus, das einen großen Einfluss auf die Vorstellungen Alfred Rosenbergs und später Adolf Hitlers hatte. Aber nicht nur in antisemitischen und deutschnationalen Kreisen fand sich die Leserschaft der Grundlagen. Kaiser Wilhelm II. war ebenso angetan von Chamberlain, wie D. H. Lawrence, Winston Churchill und sogar Albert Schweitzer. Zum herausragenden Erfolg des Buches konstatiert Wanda Kampmann: „Man war am Ende des positivistischen Jahrhunderts der Detailforschung und ihrer widersprüchlichen Ergebnisse müde. (…) und dann war es wohl der Kulturenthusiasmus, die Verklärung von Kunst, Kultur und Religion als schöpferische Leistung des germanischen Geistes, die der Bildungschwärmerei einer breiten Leserschicht entgegenkam, ferner die Rassentheorie, die eine unsicher gewordene Generation in ihrem Selbstgefühl stärkte und nicht zuletzt die Überredungskraft, die von Simplifikation jederzeit ausgeht.“

Houston Steward Chamberlain in Bayreuth

1909-1927 lebte Houston Steward Chamberlain in Bayreuth. Während des 1. Weltkriegs wurde Houston Steward Chamberlain 1916 deutscher Staatsbürger, was ihn außerhalb von Deutschland in Verruf brachte.

Nach dem Untergang des Deutschen Kaiserreichs sah Houston Steward Chamberlain die Ursache für die Niederlage Deutschlands eine konspirative Verschwörung der Juden.

Chamberlain wurde 1922 Ehrenbürger der Stadt Bayreuth; 1988 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft wieder aberkannt. Er hinterließ der Stadt eine große Erbschaft und sein Wohnhaus dient heute als Jean-Paul-Museum. Eine 1937 nach ihm benannte Straße wurde 1947 umbenannt, eine 1958 an einer anderen Stelle der Stadt geschaffene im Jahr 1989 ebenfalls. Das gemeinsame Grab mit seiner Frau Eva geb. von Bülow befindet sich auf dem Stadtfriedhof in Bayreuth.

1923 begegnete er Adolf Hitler, in den er seine Hoffnung setzte, und dem er mehrere Briefe schrieb. Bei seiner Trauerfeier 1927 waren unter anderem Adolf Hitler, Wilhelm von Preußen und Ernst von Hohenlohe-Langenburg.

Wirkung von Houston Steward Chamberlain

Zusammenfassend muss Chamberlain als einer der wichtigsten intellektuellen Wegbereiter des nationalsozialistischen Rassismus gesehen werden. David Clay Large resümiert in seinem Artikel über Richard Wagner und Chamberlain: „Chamberlain selbst hielt sein Verständnis der Rassenfrage für einen Fortschritt gegenüber den Äußerungen Wagners. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, daß die Nationalsozialisten Chamberlains Ideen nicht noch verbessern mußten - es reichte, sie zu einem logischen Abschluß zu bringen und in die Wirklichkeit umzusetzen.“

Houston Steward Chamberlain stand in Kontakt mit der Thule-Gesellschaft (z.B. mit Ernst Boepple). Von Houston Steward Chamberlain ist es nur noch ein Schritt zu Alfred Rosenberg (1893-1946), dem Chefideologen der Nazis.

Houston Steward Chamberlain, Yoga und Vedanta

Houston Steward Chamberlain beschäftigte sich mit Philosophen der Aufklärung wie Immanuel Kant, hatte große Hochachtung vor Shakespeare, Platon, Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe. Er schätzte die Gedanken von Arthur Schopenhauer, durch welchen er zum Studium der Upanishaden, des Vedanta und der Schriften von Shankaracharya inspiriert wurde. Er kannte auch (z.T. persönliche, zum Teil deren Werke) die Indologen August Wilhelm Schlegel, Paul Deussen, Leipold von Schroeder.

Houston Steward Chamberlain bezog sich in seinem Hauptwerk, "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" (1899)auf Advaita Vedanta, die Upanishaden und Shankaracharya.

Er hatte ca. 1903 einen indischen Arzt und Yoga Übenden namens Paira Mall zu Besuch.

1905 veröffentlichte Chamberlain seine Schrift "Arische Weltanschauung", durch welche er den Begriff "Arier" in Deutschland populär machte, und somit einen Begriff aus der Indologie zu einem rassistischen Kampfbegriff machte. Der Ausdruck "Arier" kommt eigentlich aus dem Sanskrit "Arya" und bedeutet "edel" und hatte eigentlich nichts mit Rasse, Volk etc. zu tun. Deutsche Indologen nutzten den Begriff für die Indoeuropäer, die angeblich im 2. Jahrtausend nach Christus in Indien einwanderten. Houston Steward Chamberlain machte dann aus Arier den Begriff für rassenreine Germanen bzw. Deutsche.

Houston Steward Chamberlain bezog sich oft auf den indischen Begriff der Reinheit. In Indien wird Reinheit allerdings eher verstanden als ethische und hygienische Reinheit. Houston Steward Chamberlain verstand ihn vor allem als rassische Reinheit.

Houston Steward Chamberlain verstand unter arischem Denken seine Interpretation von Mahabharata, Bhagavad Gita, Advaita - die allerdings dem Grundgedanken der Einheit, der in diesen Schriften zum Ausdruck kommt, vollkommen entgegen stand. Den Buddhismus mochte Houston Steward Chamberlain nicht. Er unterstellte dem Buddha Geschwätzigkeit und Hass gegen das Menschengeschlecht...

In Houston Steward Chamberlain sieht man: Jede Schrift, auch die erhabendste, kann missinterpretiert werden. Und jede spirituelle Richtung kann missbraucht werden. Es ist immer wieder erstaunlich, wie auch große Denker wie Immanuel Kant und Shankaracharya herangezogen werden, um die menschenverachtendsten Doktrinen zu begründen.

Quellen

Siehe auch