Gustav Meyrink

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Gustav Meyrink, 1868 geboren als Gustav Meyer in Wien, 1932 gestorben in Starnberg/Bayern, war ein bedeutender Schriftsteller, zeitweise Theosoph, Esoteriker und langjährig Yoga Übender.

Gustav Meyrink, um 1886

Gustav Meyrink und Yoga

Gustav Meyrink leitete in Prag ein Bank- und Wechselgeschäft. 1892 trat er in die Theosophische Gesellschaft ein. Er gründete in Prag eine Loge und wurde von Annie Besant in den inneren Kreis der Theosophen aufgenommen. Gustav Meyrink erhielt von Annie Besant regelmäßig Lehrbriefe zum Yoga. Nach einiger Zeit verließ er wieder die theosophische Gesellschaft.

Mitte der 1890er Jahre hatte Gustav Meyrink eine Phase von drei Monaten intensiver Yoga Praxis: Er wurde zum Vegetarier, übte täglich über 8 Stunden Meditation und Pranayama.

Gustav Meyrink distanzierte sich allerdings von manchen eigenartigen Auswüchsen der Theosophischen Bewegung und insbesondere von der Ariosophie.

Nach 1900 gab es immer wieder Zirkusvorführungen „indischer Yogis“, welche fortgeschrittene Asanas demonstrierten. Gustav Meyrink erwähnte immer wieder „Ein wirklicher Yogi ist unzulänglich und öffentlichen Schauspielen abgeneigt“ (März, Halbmonatszeitschrift für deutsche Kultur, Heft 08, 1907, S. 168).

Ab 1914 intensierte Gustav Meyrink seine Yoga Praxis wieder. Laut Gustav Binder (in seiner Biographie „Gustav Meyrink“, S. 489) traf Gustav Meyrink 1914 einen indischen Brahmanen, der ihn im Yoga unterrichtete. Gustav Meyrink beschäftigte sich in der Folgezeit auch mit Asanas, die er vor allem as dem Buch „Fakire und Fakirtum im alten und neuen Indien“ von Richard Schmidt entnahm. 1922 sagte er in einem Interview im Allgemeein Handelsblatt, dass Yoga „wohl das einzige Gebiet (ist), von dem ich sagen darf, dass ich es verstehe. Es ist kein Buch darüber erschienen, das ich nicht studiert hätte.“ (Smit: Gustav Meyrink, S. 222).

Gustav Meyrink praktizierte Yoga weiter bis zu seinem Lebensende. Er schrieb an seinen Prager Verleger Oldrich Neubert 1929, drei Jahre vor seinem Tod: „Der Grund weshalb ich so lange schwieg, war: die ganzen Tage waren für mich ausgefüllt mit fast ununterbrochenen Yoga Übungen. Ich konnte nichts anderes tun und denken“ (Binder: Gustav Meyrink, S. 671).

Leben von Gustav Meyrink

Gustav Meyrinks Kindheit und Jugend

Gustav Meyrink wurde 1868 in Wien als unehelicher Sohn des württembergischen Staatsministers Karl von Varnbüler und der Hofschauspielerin Marie Meyer geboren. Gustav Meyrink verbrachte seine Schulzeit in München, Hamburg und Prag. Von 1889-1902 leitete er mit Johann David Morgenstern ein Prager Bank- und Wechslergeschäft. 1902 musste er das Geschäft aufgeben.

1903-1932

1903 wurde Gustav Meyrink Redakteur der Wiener Satirezeitschriften Lieber Augustin und Simplicissimus.

1905 zog Gustav Meyrink nach München und arbeitete als freier Schriftsteller arbeitete.

Von 1911 bis zu seinem Tod 1932 lebte Gustav Meyrink in Starnberg bei München. 1927 konvertierte Gustav Meyrink vom Protestantismus zum Mahayana-Buddhismus.

Die Zentren seines literarischen Schaffens waren Prag und München. Zu beiden pflegte er zeitlebens eine innige Hassliebe.

Gustav Meyring als Schriftsteller

Als einer der Ersten im deutschen Sprachraum (nach Paul Scheerbart und E.T.A. Hoffmann) verfasste Meyrink phantastische Romane. Während sein Frühwerk mit dem Spießbürgertum seiner Zeit abrechnet (Des deutschen Spießers Wunderhorn), befassen sich seine späteren, häufig im alten Prag spielenden Werke hauptsächlich mit übersinnlichen Phänomenen und dem metaphysischen Sinn der Existenz (Der Golem, Das grüne Gesicht, Der weiße Dominikaner, Der Engel vom westlichen Fenster). In diesen Romanen sowie in verschiedenen Artikeln äußerte Meyrink, selbst schon früh Mitglied der theosophischen Loge Germania, esoterisch-mystische Ansichten, die unter anderem religiös-messianische Ideen und Elemente des Buddhismus, aus jüdischer und christlicher Mystik sowie aus Theosophie und Alchemie enthielten. Im Rosenkreuzertum und der Theosophie des 20. Jahrhunderts sowie allgemein unter esoterisch interessierten Menschen stoßen seine Werke auf besonderes Interesse. Gustav Meyrink nahm – wie auch Thomas Mann – an Sitzungen mit dem österreichischen Medium Willi Schneider teil, die vom Freiherrn Albert von Schrenck-Notzing in München durchgeführt wurden, und publizierte auch über Parapsychologie (An der Grenze des Jenseits).

Bis heute gelten insbesondere die Romane "Der Golem", "Der weiße Dominikaner" und "Der Engel vom westlichen Fenster" als hervorragende Einführungen in esoterisches bzw. mystisches Denken. Unter anderem Thorwald Dethlefsen, der in den 1980er Jahren Esoterik Bestseller Autor war, empfahl diese Romane von Gustav Meyrink jedem, der Esoterik verstehen wollte.

Gustav Meyrink als Übersetzer

Meyrink war auch als Übersetzer tätig: Er übersetzte zum Beispiel die Werke von Charles Dickens und Rudyard Kipling. Für den Leipziger List-Verlag besorgte er außerdem die 1928 veröffentlichte Übertragung von George Sylvester Vierecks und Paul Eldridges Meine ersten 2000 Jahre: Autobiographie des Ewigen Juden.

Gustav Meyrink als Beinahe-Auftrags-Schriftsteller

Während des Ersten Weltkriegs kam Meyrink mit der Freimaurerei in Berührung. Dies trug sich wie folgt zu: Gustav Meyrink wurde 1917 vom Auswärtigen Amt in Berlin aufgefordert einen propagandistischen okkulten Roman zu schreiben, in dem der Öffentlichkeit suggeriert werden sollte, dass die Freimaurerei insgesamt, insbesondere jedoch die französische und italienische Freimaurerei die Schuld am Krieg trage. Dafür bekam Meyrink eine große Menge freimaurerischer Literatur vom Auswärtigen Amt. Der Roman sollte auch ins Englische und Schwedische übersetzt werden und in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren weltweit verteilt werden. Gustav Meyrink wurde aber eher von der Freimaurerei fasziniert - und erkannte, dass sie mit dem ersten Weltkrieg gar nichts zu tun hatte. So wurde ihm der Auftrag wieder entzogen.

Gershom Sholem und Gustav Meyrink

Gershom Scholem, einer der bedeutendsten Erforscher der jüdischen Mystik, besuchte Meyrink 1921 in Starnberg, vor allem, um mit ihm über Details seines Romans "Der Golem" zu diskutieren. Sechzig Jahre später charakterisierte er Meyrink als einen "damals berühmten Schriftsteller, der eine außerordentliche Begabung für antibürgerliche Satire mit einer nicht weniger ausgeprägten für mystische Marktschreierei verband, die sich vor allem in haarsträubenden, teilweise sehr eindrucksvollen, aber nicht ganz ernsten Kurzgeschichten niederschlug, deren literarische Qualität erst in unserer Zeit von Jorge Luis Borges übertroffen worden ist."

Verschiedenes zu Gustav Meyrink

Dr. Henri Clemens Birven erwähnt in seinem Buch „Lebenskunst in Yoga und Magie.“ (Origo Verlag, Zürich 1953.), dass er zusammen mit Gustav Meyrink und Dr. Ernst Peithman, einem prominenten Vertreter der Gnostisch-Katholischen Kirche, Forschungen über die mysteriöse Identität der Begründerin des Golden Dawn betrieben haben soll.

1958 wurde die Meyrinkgasse in Wien-Liesing nach ihm benannt.

Mitgliedschaften, Lehrer

Gustav Meyring fühlte sich in telepathischem Kontakt mit Ramana Maharshi, dem Guru von Paul Brunton.

Meyrink war Mitglied mehrerer Geheimbünde.

  • In Prag war Meyrink Mitglied der theosophischen OkkultistenlogeZum blauen Stern“, in der er den Schriftsteller Karl Weinfurter kennenlernte. Die Loge tagte entweder in seiner Wohnung oder in einem Prager Cafe.
  • Gustav Meyrink war eines der ersten Mitglieder der deutschen Theosophischen Gesellschaft, deren innerer Abteilung, der „Esoterischen Schule“ (Esoteric Section) er sich später anschloss. Allerdings blieb er nicht lange Mitglied
  • Unter dem Ordensnamen „Bruder Dagobert“ war er Mitglied des Illuminatenordens (IO)
  • Unter dem Logennamen „Kama, Censor of the R.O.O.o.S.B. war er Mitglied im Kerning-Orden.
  • Angehöriger in der „Bruderschaft der alten Riten vom heiligen Gral im großen Orient von Patmos“.
  • Und ganz weltlich: Gustav Meyrink war auch Mitglied des Schachclubs Starnberg 1920 e.V. Gustav Meyring wurde drei Mal Clubmeister beim Schachclub Starnberg 1920 e.V. (1920/21, 1921/22, 1930/31)

Werke von Gustav Meyrink

Quellen