Ark'hi

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Ark'hi, auch Arsheya Upanishad, ist eine Upanishad, die in der Oupnek'hat-Sammlung aufgeführt wird. Sie zeigt ein Treffen zwischen den Rishis Vishvamitra, Jamadagni, Bharadvaja, Gautama und Vasishtha, bei welchem sie ihr Verständnis über das Wesen des Brahman austauschen.

"Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?" Zitat: Ark'hi

Ark'hi (Arsheya Upanishad) mit Erläuterungen von Paul Deussen

Artikel aus "Upanishaden. Die Geheimlehre des Veda“ in der Übersetzung von Paul Deussen, herausgegeben von Peter Michel, Marix Verlag, 2. Auflage, 2007, Wiesbaden, S. 1019 - 1024.

Einleitung

Der Deutung des Namens Ark'hi als Arshika (von Rishika), welche Weber, Literaturgesch., 2. Aufl., S. 180 aufstellt, ist die andere, ebenfalls von Weber (Ind. Stud. IX, 48) gegebene als Arsheya (von Rishi) entschieden vorzuziehen, da der Inhalt in einem Gespräche der fünf altvedischen Rishis, Visvamitra, Jamadagni, Bharadvaja, Gautama und Vasistha, über das Wesen des Brahman besteht. [...] Die fünf Rishis unseres Stückes definieren das Brahman der Reihe nach als den Luftraum, den Akasa, das Sonnenlicht, das Blitzlicht und dasjenige, de quo non possunt dicere: hoc et illud est, wo wahrscheinlich im Texte die Yajnavalkya-Formel Neti, Neti stand (vgl. über dieselbe oben S. 413. 448). Weitere Rückbeziehungen scheinen, wie die Nachweisungen zeigen, bis herab zu Prasna und möglicherweise Mandukya vorzukommen. Im übrigen ist die Haltung des Stückes ziemlich altertümlich; wir dürfen in ihm einen schönen Nachklang der Gedanken der alten Upanishaden erkennen.

Ark'hi

Es geschah einmal, daß die Rishis zusammenkamen, um die Wahrheit zu erforschen; nicht um einander zu widerlegen, sondern um von einander die Wahrheit zu erfahren.

Da sprach, um sein Wissen zu zeigen, zuerst Visvamitra: "Was auf Erden und im Himmel ist, unbeweglich, in nichts anderem enthalten, alles in sich enthaltend, dem Akasa gleich, der unbeweglich alles enthält und in nichts enthalten ist, in dem auch die dröhnenden, von Blitz schimmernden Wolken furchtbar brüllend dahinziehen, - dieses weiß ich als das Brahman. Denn wenn man es auch mit Feuer verbrennte und mit Wasser benetzte und mit ledernen Riemen bände und zusammenknüpfte und mit Eisenhämmern schlüge und mit Nadeln durchstäche und auf Nägeln bettete und mit Eisennägeln durchbohrte und mit Schmutz überwürfe und mit der Axt behaute und ins Herz stieße, so würde dies alles doch keine Spur an ihm zurücklassen, niemand kann es binden und niemand über es hinauskommen."

Aber der Rishi Jamadagni billigte diese Rede nicht, denn er bedachte, daß, was auf Erden und im Himmel ist, vergänglich ist und begrenzt ist, weil es zwischen der Erde und dem Himmel ist, und er sprach: "Wovon du redest, o Visvamitra, das ist diese Luftraumwelt (Antarikshaloka); diese weiß ich als eine Machtentfaltung (Mahiman) des Brahman, nicht als das Brahman, denn diese Luftraumwelt ist in ihm enthalten. Wer diese Luftraumwelt, welche seine Machtentfaltung und in ihm enthalten ist, verehrt, der ist, wie diese Luftraumwelt, in Brahman enthalten und vergänglich. Und wer diese Luftraumwelt als das Brahman verehrt, der erleidet fort und fort den Vergang, darum daß er diese Machtentfaltung, die in Brahman ist, verehrt und nicht das Brahman weiß."

Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"

Da sprach Jamadagni: "Dasjenige, in welchem Erde und Himmel sind, welches die Erde und den Himmel in sich gegründet hat, und selbst in nichts anderem gegründet ist, zu welchem niemand gelangen noch auch es sehen kann, und welches von nichts anderem umgeben ist, - dieses weiß ich als das Brahman. Denn in ihm laufen vielfach um die Weltlichter und vergehen nicht und fallen nicht herunter, auch verirren sie sich nicht und werden nicht müde; und wenn einer sein ganzes Leben durch liefe, so könnte er doch nicht bis zu ihm gelangen noch auch es sehen.

Einige sagen[1]: es sei das Wasser Apas); andere: die Finsternis (Tamas, Rigv. 10,129,2); noch andere: das Licht; wieder andere: der Prana; und manche: der Akasa; und noch andere: der Atman."

Aber der Rishi Bharadvaja billigte diese Rede nicht und sprach: "Wer dieses also weiß, der weiß nicht davon die höchste Wahrheit; denn auch dieses, welches du weißt, ist vergänglich; denn was innerhalb der Welt ist, ist begrenzt und darum mangelhaft, und dadurch macht es auch das, was außerhalb der Welt ist, [begrenzt und somit] mangelhaft. Auch dieses weiß ich als eine Machtentfaltung des Brahman und nicht als das Brahman; es ist der Bhutakasa (der Raum als Element), welcher diese Welt umgibt und doch innerhalb [des Brahman] ist. Wer diesen Bhutakasa, welcher seine Machtentfaltung und in ihm enthalten ist, verehrt, der ist, wie dieser Bhutakasa, in Brahman enthalten und vergänglich. Und wer diesen Bhutakasa als das Brahman verehrt, der tut übel daran und erleidet fort und fort den Vergang. Wer aber diesen Bhutakasa nur als in Brahman enthalten weiß und verehrt, der kommt zu vollem Alter und macht sich alles untertan."

Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"

Da sprach Bharadvaja: "Jenes Licht, welches in der Sonnenscheibe ist und immer umläuft und schimmert und glüht und sehr hell ist und alles zu sich hin richtet, - dieses weiß ich als das Brahman. Denn es ist sich immer gleich und erscheint gleich aus der Ferne und Nähe, und ist nach allen Seiten zuge wandt (Chand. 2,9,1 und die Anm.); und ob man auch laufen und springen möchte, um es zu erreichen, so kann man es doch nicht erreichen, noch dazu hingelangen; denn in der Nähe erscheint es fern und in der Ferne nah, und keiner vermag es, seine Größe zu überwinden."

Aber der Rishi Gautama billigte diese Rede nicht und sprach: "Auch dieses ist vergänglich; denn nur solange es mit der Sonnenscheibe verbunden ist, besteht ihr Licht. Auch wird ihr Licht von Weisen und Unweisen, Nichtdenkenden, Gemeinen, wie sie auf den Inseln und in den Gebirgen wohnen, und zu denen die Schriftoffenbarung nicht gelangt ist, auch von diesen durch bloßes Hinsehen erblickt; das Brahmanlicht aber ist nicht von dieser Art, denn niemand, dem es nicht gelehrt worden, kann dasselbe schauen. Ich weiß das Sonnenlicht als eine Machtentfaltung des Brahman. Wer das Sonnenlicht als eine Machtentfaltung des Brahman also weiß und verehrt und den goldnen Mann (Purusha), welcher im Inneren der Sonne gesehen wird mit goldenem Haar, bis in die Nagelspitzen ganz von Gold[2], - wer also das Sonnenlicht verehrt, der ist groß unter allen Wesen, der ist von allem die Grundlage und der Stützpunkt, der kommt zu vollem Alter, und alles lebt in seinem Schatten. Die Sonne, wenn sie aufgeht, kann des Brahman Größe nicht überschreiten, sondern ist ihm untergeben und geht auf nach seinem Befehl (vgl. Kath. 4,9). Wer nun die Sonne als durch sich selbst aufgehend weiß und verehrt, der tut übel daran und erleidet fort und fort den Vergang. Wer aber das Licht der Sonne als eine Machtentfaltung des Brahman weiß und verehrt, und weiß, daß sie auf sein Geheiß aufgeht, der geht ein in Lichtwesenheit und kommt zu vollem Alter, und alles lebt in seinem Schatten, wer dieses, also wissend, verehrt."

Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"

Da sprach Gautama: "Jener leuchtende und dahinfahrende Blitz, welcher in der Ferne nah und in der Nähe fern erscheint, dem nichts Geschleudertes an Schnelligkeit gleichkommt, - diesen weiß ich als das Brahman."

Der Weise Vasishtha

Aber der Rishi Vasistha billigte diese Rede nicht und sprach: "An dem Dröhnen der Wolke und dem Schimmer wird der Blitz erkannt, und danach ist er verschwunden. Von Weisen und Nichtweisen wird er durch bloßes Hinsehen erblickt, indem sie ihn einander zeigen; das Brahmanlicht aber ist nicht von dieser Art; denn niemand, dem es nicht gelehrt worden, kann dasselbe schauen; und wem es gelehrt worden, der schaut das Brahmanlicht im eigenen Herzen. Ich weiß das Licht des Blitzes als eine Machtentfaltung des Brahman, nicht als Brahman. Wer den Blitz als eine Machtentfaltung des Brahman weiß und verehrt, der gelangt zur Machtentfaltung, kommt zu vollem Alter, und alles lebt in seinem Schatten."

Und jener sprach: "Was weißt denn du, das immer bleibt und nicht vergeht?"

Und Vasishtha überlegte bei sich und sprach: "Dasjenige, von dem sie sagen: "es ist nicht so, es ist nicht so" (Neti, Neti), das ist das Brahman. Dieses Brahman ist der Atman, ohn' Ende, ohne Alter, ohne Ufer; nicht außerhalb und nicht innerhalb, allwissend, lichtgestaltig, ohne Hunger und ohne Durst; er führt aus dem Nichtwissen zu dem anderen Ufer hinüber (vgl. Avidyayah, Param Param Tarayasi, Prasna 6,8); er ist das Licht im Herzen; er ist der Herr des Weltalls, der Gebieter des Weltalls, der Fürst des Weltalls (Brih. 4,4,22), die Stätte des Weltalls; ihn überwindet keiner; er ist Schöpfung und Vergang der Wesen (vgl. Mand. 1,5); er ist der preiswerte Hüter des Weltalls.

Als diesen Atman verehrten die Nachkommen des [Asvapati] Kaikeya das Feuer Vaisvanara (Satap. Br. 10,6,1: Chand. 5,11-24). Als diesen verehrten sie bei den Opfern den Indra, weil er den Heerscharen Hilfe gewährt und die Opfer veranlaßt und sehr groß ist und die Spenden entgegennimmt; denn er ist der Hüter der Wesen, und alles geht ihn an und preist ihn mit den Sprüchen des Veda. Seine Schatzkammer ist die ganze Erde, er tötet den Dämon Ahi. Er ist im Weltmeer, er verleiht jedem Tüchtigkeit durch seine Macht; wer ihn kennt, ruft ihn an vor allem Tun."

Als die Rishis diese Rede des Vasistha hörten, da stimmten sie zu, daß man das Brahman also wissen muß, zollten ihm daselbst Verehrung und wurden seine Schüler.

Verehrung dem Agni! Verehrung dem Indra! Verehrung dem Prajapati! Verehrung dem Brahman!

Fußnoten

  1. Dieser Absatz fällt aus dem Ton des Ganzen heraus und gibt sich dadurch ziemlich deutlich als eine schon im Sanskrit-Original vorhandene Interpolation zu erkennen.
  2. Die Übereinstimmung mit Chand. 1,6,6 ist so weitgehend, daß wir wohl ein Zitat dieser Stelle annehmen und die Übersetzung dementsprechend gestalten dürfen.

Siehe auch

Literatur

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