Vinashikha Tantra
Vinashikha Tantra (Sanskrit वीणाशिखतन्त्र, IAST Vīṇāśikhatantra), auch Vinasikha Tantra, Vinashikhatantra oder Vinasikhatantra, ist eine Sanskritschrift des shivaitischen Tantra. Sie gehört zum Vamasrotas, dem „linken Überlieferungsstrom“, und stellt die Verehrung Tumburus gemeinsam mit den vier Göttinnen Jaya, Vijaya, Ajita und Aparajita dar. Mantra, Mandala, Mudra, Einweihung und die Vergegenwärtigung göttlicher Kräfte im Körper bilden zentrale Themen.

Die verwendete Textfassung reicht von Vers 1 bis Vers 396. Die vorliegende Wiedergabe enthält sämtliche nummerierten Verse einzeln in IAST mit unmittelbar anschließender eigener deutscher Übersetzung. Danach folgt die vollständige Devanagari-Umschrift. Auch die unnummerierten Anhänge A–D und die Schlussformeln der Vorlage werden aufgenommen.[1]
Name und Schreibweise
Als gut lesbarer deutschsprachiger Artikeltitel wird Vinashikha Tantra gewählt. Das „sh“ gibt das Sanskrit ś wieder; Tantra bleibt als eigenes Wort erkennbar. Die wissenschaftliche Form lautet Vīṇāśikhatantra. Vinasikha Tantra und Vinasikhatantra sind vereinfachte Schreibweisen ohne Kennzeichnung des Unterschieds zwischen s und ś. Eine statistisch belegte Rangfolge ihrer Verbreitung wird hier nicht behauptet.
Vīṇā bezeichnet ein Saiteninstrument, śikhā eine Spitze, einen Schopf oder eine Flamme. Vers 11 verbindet den Namen ausdrücklich mit einer Vina-Grundlage und einer Shikha-Verbindung. Die Verse 354–356 greifen das Bild einer feinen, aufwärts gerichteten Lichtspitze und einer Vina-Grundlage erneut auf. Diese interne Deutung ist für das Werk aussagekräftiger als eine isolierte Übersetzung des Titels als „Tantra der Instrumentenspitze“.
Der Name sollte auch nicht aus dem ähnlich aussehenden vināśa, „Vernichtung“, abgeleitet werden. Die im Sanskrittext überlieferte Vina-Schreibweise besitzt einen langen Anfangsvokal und ein retroflexes ṇ.
Überlieferung und historische Einordnung
Der linke Überlieferungsstrom
Das Vinashikha Tantra ist ein wichtiger erhaltener Zeuge des Vamasrotas. Die Forschung beschreibt diesen als eine frühe shivaitische Überlieferung, die in Süd- und Südostasien verbreitet war. Die Geschichte dieses Traditionsstroms reicht weiter zurück als die erhaltene moderne Druckausgabe. Ein frühes Datum der Tradition ist jedoch nicht automatisch das Entstehungsdatum jedes Verses des Vinashikha Tantra.[2]
Die Bezeichnung „linker Überlieferungsstrom“ benennt zunächst eine historische Einordnung innerhalb der shivaitischen Tantraliteratur. Sie sollte nicht allein als Etikett für moderne Vorstellungen von „linkshändigem Tantra“ verstanden werden. Das Werk besitzt einen bestimmten Gottheitenkreis, eigene Lautzuordnungen und einen ausformulierten Ritualzusammenhang.
Ein historischer menschlicher Einzelverfasser wird hier nicht als gesichert angegeben. Im Text spricht Shiva als göttlicher Lehrer. Diese religiöse Zuschreibung und die historische Überlieferung durch Handschriften und Ausgaben sind unterschiedliche Ebenen.
Verhältnis zu anderen Tantras
Die Devi erklärt in Vers 4, sie habe bereits das Sammohana, das Nayottara und das Shirashcheda gehört. Sie erbittet eine weiterführende Unterweisung, die weniger von aufwendigen Gelübden und Opfermitteln abhängt. Vers 10 nennt die nun folgende Lehre Vinashikha.
Später kehrt dieselbe Frage wieder: In 119–120 stellt die Göttin fest, dass wiederum Verehrung gelehrt wurde, und fragt nach einer Vollendung allein durch Vergegenwärtigung. Der Dialog steigert sich schließlich zur Unterweisung über einen einsilbigen Mantra. Diese wiederholte Bewegung vom ausführlichen Ritual zur verdichteten inneren Anwendung prägt den Aufbau des Werkes.
Ausgabe und Umfang
Teun Goudriaan veröffentlichte 1985 eine Ausgabe mit Einleitung und englischer Übersetzung unter dem Titel The Vīṇāśikhatantra: A Śaiva Tantra of the Left Current. Die hier verwendete elektronische Transkription von Somadeva Vasudeva beruht auf dieser Ausgabe. Für problematische Einteilungen und ausgewählte Lesarten wurde das Digitalisat des Sanskritdrucks herangezogen.[3]
Die Zählung reicht bis 396, enthält jedoch unterschiedliche Strophenumfänge. Vers 7 und Vers 375 sind Halbverse; Vers 138 umfasst drei Halbverse. Vers 110 weist einen unvollständig erhaltenen Schluss auf. Die Schlussformel nennt einen Umfang von dreihundertfünfzig; diese überlieferte Angabe stimmt nicht mit der Nummerierung des Drucks überein. Sie wird als Quellenbefund wiedergegeben und nicht zur Grundlage einer künstlich gekürzten Textfassung gemacht.
Tumburu und die vier Göttinnen

Der Gottheitenkreis besteht aus Tumburu in der Mitte und vier Göttinnen auf den Blättern eines Lotus. Der Text bezeichnet die Göttinnen auch als Schwestern und spricht von ihnen „samt ihrem Bruder“. Tumburu erscheint dabei als viergesichtige, achtarmige göttliche Gestalt. Für das Verständnis dieser Ritualgestalt sind die Beschreibungen des Werkes maßgeblich.
| Gottheit | Platz im Mandala | Farbe nach 28–32 | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Tumburu | Mitte, auf dem Fruchtboden | Vierfarbig | Zentraler Herr des Gottheitenkreises; beschrieben in 96–99. |
| Jaya | Östliches Blatt | Weiß | Beschrieben in 100–101. |
| Vijaya | Südliches Blatt | Rot | Mit Bogen und Eule verbunden, 102–104. |
| Ajita | Westliches Blatt | Gelb beziehungsweise golden | In 106 wird für die dritte Göttin auch die Form Jayanti verwendet. |
| Aparajita | Nördliches Blatt | Schwarz | Beschrieben in 106–108. |
Der vierblättrige Lotus dieses Tantra ist nicht das Shri Yantra. Ebenso entsprechen seine vier Blätter nicht einfach vier Körperchakras. Die räumliche Anordnung dient hier der Verehrung eines bestimmten Gottheitenkreises.
Mantra, Lautschema und Nyasa

Die Verse 51–66 erläutern ein Prastara, ein ausgelegtes Lautschema. Es besitzt neunundvierzig Felder. Anhand von Feldnummern, Lautgruppen, Vokalen und Zeichen wie Bindu werden die Keimsilben des Gottes und der Göttinnen bestimmt.
Solche Stellen sind keine gewöhnliche Aufzählung aussprechbarer Wörter. Zahlen wie „der fünfundzwanzigste“ verweisen auf Positionen innerhalb des zuvor angelegten Schemas. Eine korrekte Deutung muss daher die gesamte Anordnung berücksichtigen. Die Übersetzung bewahrt diese Verweise; sie ersetzt sie nicht durch frei ergänzte Mantras.
Nyasa verbindet Laut und Körper. In 80–91 werden Keimsilben und Prinzipien auf Finger, Gelenke und Körperbereiche bezogen. Die Einsetzung soll nach dem Verständnis des Textes einen Mantra-Leib hervorbringen. Dazu gehören auch Mudras, insbesondere Yoni-Mudra und Haken-Mudra.
Die Verse 137–138 betonen den Unterschied zwischen dem Besitz einer Lehrschrift und der Kenntnis ihrer Anwendung. Das Buch allein gilt nicht als hinreichende Ursache der Vollendung. Im Überlieferungsverständnis des Tantra gehören Erklärung, Einweihung und Vollzug zusammen.
Körper, Atem und Zeit

Die Verse 139–147 beschreiben eine Körpergrundlage zwischen Geschlechtsorgan und Nabel, Leitbahnen und einen Lotus im Nabelbereich. Der Gott wird im Inneren als feine, einer Lampenflamme ähnliche Gestalt betrachtet. Ida, Pingala und Sushumna werden ausdrücklich benannt.
Die Frage nach der richtigen Zeit wird in 233–265 mit der Bewegung dieser inneren Kräfte verbunden. Kala bedeutet hier nicht nur eine äußere Uhrzeit oder einen Kalendertag. Die Einteilung bezieht auch Atembewegungen und ihre Zuordnung zu den Leitbahnen ein. Friedvolle und furchterregende Handlungen erhalten unterschiedliche Zuordnungen; Sushumna wird zudem mit dem Befreiungsweg verbunden.

Der Text nennt fünfundzwanzig Prinzipien, darunter Sinnes- und Handlungsvermögen, Elemente, feine Sinnesgegenstände, Geist, Urteilskraft, Ichprinzip, das Unmanifeste und Purusha. Der Körper erscheint als „Stadt“, die von der göttlichen Gegenwart getragen wird. Diese Vorstellung wird mit dem Bild eines sich drehenden Rades erläutert.
Ritualwirkungen und inneres Ziel
Ein großer Teil des Vinashikha Tantra behandelt beabsichtigte Wirkungen von Mantras und Ritualen: Befriedung, Gedeihen, Schutz, Gefügigmachen, Heranziehen, Verfeindung, Vertreibung und Tötung. Diese historischen Inhalte werden in der Übersetzung als solche wiedergegeben. Sie dürfen nicht nachträglich in harmlose psychologische Übungen umgedeutet werden.
Die Schrift verbindet solche Anwendungen zugleich mit einem weiterführenden Ziel. Vers 362 nennt die Vereinigung mit Shiva. Die abschließenden Verse behandeln Reinigung, Nährung, Erweckung und Entfachung des Mantras sowie seine geistige Wiederholung. Das Werk umfasst damit sowohl weltbezogene Wirksamkeitsansprüche als auch einen Befreiungsanspruch.
Die historischen Heilungs- und Wirkungsversprechen sind Aussagen des Tantra, keine bestätigten medizinischen oder naturwissenschaftlichen Befunde. Die nachfolgenden Ritualbeschreibungen dienen dem Quellenstudium und sind keine Anleitung zur heutigen Durchführung von Schadenshandlungen oder riskanten Verfahren.
Bedeutung für das heutige Studium
Das Vinashikha Tantra erweitert das Bild tantrischer Literatur. Neben den stärker auf Bewusstseinserkenntnis konzentrierten Schriften Shiva Sutra, Spandakarika und Pratyabhijnahridaya zeigt es eine ausgeprägte Ritual- und Mantratradition. Gegenüber Malinivijayottara Tantra und Vijnanabhairava Tantra besitzt es einen eigenen Gottheitenkreis und eigene Verfahren.
Für heutige Leser sind besonders die Verbindung von Laut, Bild und Aufmerksamkeit sowie die wiederholte Frage nach der inneren Bedeutung einer Praxis interessant. Eine heutige Aneignung sollte erkennbar von der historischen Übersetzung unterschieden werden.
1. Lies die Dialogfragen aufmerksam.
Die Göttin fragt mehrfach nach dem Unterschied zwischen äußerer Handlung und innerer Vergegenwärtigung. Notiere beim Svadhyaya, wie die jeweilige Antwort an die frühere anknüpft.
2. Unterscheide Symbolsysteme.
Halte den vierblättrigen Gottheitenlotus, das neunundvierzigteilige Lautschema und die Körperleitbahnen auseinander. Sie erfüllen verschiedene Aufgaben im Text.
3. Verfolge Querverweise.
Wenn ein Vers „wie zuvor“ sagt, suche die vorausgehende Beschreibung. Gerade Mantra- und Nyasa-Anweisungen erschließen sich häufig erst aus mehreren Stellen zusammen.
4. Verbinde das Studium mit ruhiger Sammlung.
Ein Moment stiller Meditation vor oder nach der Lektüre kann die Aufmerksamkeit unterstützen. Er setzt keine Übernahme der besonderen historischen Ritualverfahren voraus.
5. Bewahre Genauigkeit und Verantwortung.
Unterscheide überlieferte Aussagen, unsichere Lesungen und eigene Deutungen. Eine klare Kennzeichnung ist Teil eines sorgfältigen Umgangs mit der Schrift.
Ergänzende Videos
Diese Yoga-Vidya-Meditationen ergänzen das Thema Sammlung und Energiearbeit. Sie sind keine Verskommentare und keine Einführung in die besonderen Rituale des Vinashikha Tantra.
Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Drei-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Hinweise zur Textwiedergabe
Die deutsche Übertragung folgt dem Sanskrit, nicht Goudriaans moderner englischer Übersetzung. Eckige Klammern bezeichnen erklärende Ergänzungen oder Schwierigkeiten des Wortlauts. Ein † markiert eine unsichere Stelle. Wo ein Satz über eine Versgrenze reicht, wird er unter der nächsten Nummer fortgesetzt. Die Zwischenüberschriften nach Versgruppen sind redaktionelle Orientierungshilfen und keine überlieferten Kapitel.
Die elektronische Fassung wurde insbesondere für die Verse 375–396 anhand der Druckausgabe berichtigt: Im Druck ist 375 ein Halbvers, während 396 einen vollständigen Vers bildet. In GRETIL sind die folgenden Halbverse anders zusammengestellt. Die hier verwendete Einteilung entspricht dem Druck. Außerdem wurde in 363 yojitām nach dem Druck anstelle des elektronischen yoṣitām übernommen. Eindeutige Verwechslungen von ṅ und ṭ in den geprüften Wörtern der Verse 57, 59, 80, 84 und 86–89 sind berichtigt.
In Vers 65 werden die in GRETIL ausdrücklich Alexis Sanderson zugeschriebenen Verbesserungsvorschläge übernommen; die abweichende elektronische Lesung wird dort angegeben. Bereits im Druck mit Fragezeichen versehene oder lückenhafte Stellen bleiben kenntlich. Der gezielte Abgleich ist keine vollständige neue kritische Edition. Die Devanagari-Fassung ist eine Umschrift der hier ausgewiesenen Lesefassung.
Vollständiger Text in IAST mit deutscher Übersetzung
Anrufung
oṃ namo mahābhairavāya |
Om. Verehrung dem großen Bhairava.
Verse 1–50
1
kailāsaśikhare ramye nānāratnopaśobhite |
nānādrumalatākīrṇe siddhacāraṇasevite || 1 ||
Auf dem lieblichen Gipfel des Kailasa, geschmückt mit vielerlei Edelsteinen, bedeckt von verschiedenen Bäumen und Schlingpflanzen, aufgesucht von Siddhas und Charanas,
2
tatra devaḥ suraśreṣṭhaḥ krīḍate umayā saha |
stūyamāno mahāsiddhair mahākālādibhir gaṇaiḥ || 2 ||
spielt dort der Gott, der Vorzüglichste der Götter, zusammen mit Uma, gepriesen von großen Siddhas und den Scharen mit Mahakala an der Spitze
3
ṛṣibhiś ca mahābhāgair bhṛgvādyaiḥ surasattamaiḥ |
teṣāṃ madhye samutthāya devī vacanam abravīt || 3 ||
sowie von hochbegnadeten Sehern, Bhrigu und anderen vorzüglichen göttlichen Wesen. In ihrer Mitte erhob sich die Göttin und sprach:
4
śrutaṃ sammohanaṃ tantraṃ tathā nayottaraṃ mahat |
śiraśchedaṃ ca deveśa tvatprasādāt sudurlabham || 4 ||
Durch deine Gnade, Herr der Götter, habe ich das Sammohana Tantra, das große Nayottara und das schwer zugängliche Shirashcheda gehört.
5
vratasādhyāni caitāni yāgasādhyāni vai punaḥ |
anyasārā yato loke prāyo draviṇavarjitāḥ || 5 ||
Diese werden durch Gelübde und Opferverehrung verwirklicht. Die Menschen in der Welt sind jedoch meist ohne Vermögen und auf andere [Mittel] angewiesen.
6
ebhyo 'pi cottaraṃ yasmāt kevalaṃ jñānasiddhidam |
sarvakāmapradaṃ deva yathāvad bījapañcakaṃ || 6 ||
O Gott, [lehre] deshalb das darüber hinausführende, allein durch Wissen Vollendung gewährende und alle Wünsche erfüllende Fünferensemble der Keimsilben in seiner richtigen Form.
7
uttaraṃ hṛdayaṃ hy eṣāṃ bhaktāya dātum arhasi || 7 ||
Du mögest dieses weiterführende Herz jener [Lehren] einem dir Ergebenen schenken.
śrī īśvara uvāca |
8
yan na kasyacid ākhyātaṃ śukrādīnāṃ ca yoginām |
subhaktasya vinītasya gopitaṃ vai guhasya ca || 8 ||
Was niemandem mitgeteilt wurde, auch nicht den Yogis mit Shukra an der Spitze, und selbst dem hingebungsvollen, bescheidenen Guha verborgen blieb,
9
catuḥṣaṣṭiḥ samākhyātāḥ śiṣyās tantreṣu ye mayā |
teṣām api na cākhyātaṃ brahmaviṣṇupuraḥsaraiḥ || 9 ||
was auch jenen vierundsechzig Schülern, die ich in den Tantras genannt habe, mit Brahma und Vishnu an der Spitze, nicht mitgeteilt wurde,
10
tad ahaṃ sampravakṣyāmi cintāratnam ivāparam |
tantraṃ vīṇāśikhaṃ nāma nirvyājenāśusiddhidam || 10 ||
das werde ich nun erklären: das Tantra namens Vinashikha, gleich einem weiteren wunscherfüllenden Juwel, das ohne Täuschung rasch Vollendung verleiht.
11
devītumburusaṃyuktaṃ vīṇādhārasusaṃsthitam |
śikhāyogena iṣyante tena vīṇāśikhā smṛtā || 11 ||
Es ist mit den Göttinnen und Tumburu verbunden und fest auf der Vina-Grundlage gegründet. Durch die Verbindung mit der Spitze [Shikha] wird es bestimmt; deshalb heißt es Vinashikha.
12
yāgam ādau pravakṣyāmi tantrasāraṃ sudurlabham |
tenaiva varadā devyo nityaṃ devi bhavanti hi || 12 ||
Zuerst werde ich die Opferverehrung erklären, den schwer zugänglichen Kern des Tantra. Durch sie werden die Göttinnen stets zu Gewährerinnen von Gaben, o Göttin.
13
gṛhayāgam idaṃ devi yo jānātīha sādhakaḥ |
vratahomād ṛte cāsmin susiddhiṃ labhate param || 13 ||
Ein Praktizierender, der diese häusliche Verehrung kennt, o Göttin, erlangt hierin höchste Vollendung auch ohne Gelübde und Feueropfer.
14
śiṣyāṇām āditaḥ kuryād yāgaṃ kṛtvā parigraham |
nānyathā darśayet tantraṃ na cāsau siddhim āpnuyāt || 14 ||
Zu Beginn soll man nach vollzogener Verehrung die Schüler annehmen. Anders soll man das Tantra nicht zeigen; auch er [der Schüler] würde sonst keine Vollendung erlangen.
15
caturthyām atha pañcamyāṃ navamyām ekādaśīṣu ca |
grahaṇe vāpi kartavyā sarvadā cārkasomayoḥ || 15 ||
[Die Handlung] ist am vierten, fünften, neunten oder elften Mondtag auszuführen oder bei einer Sonnen- beziehungsweise Mondfinsternis.
16
caturthyāṃ yajanaṃ śreṣṭhaṃ saubhāgyakaraṇaṃ mahat |
śrīkāmo yajanaṃ kuryāt pañcamyāṃ susamāhitaḥ || 16 ||
Am vierten Mondtag ist die Verehrung besonders vorzüglich und bewirkt großes Glück. Wer Wohlstand wünscht, vollziehe sie am fünften Tag mit gesammeltem Geist.
17
saṃgrāme vijayārthī vā pararāṣṭravimardanam |
navamyāṃ pārthivaṃ yāgaṃ kurvīta bhaginīpriyam || 17 ||
Wer Sieg in der Schlacht oder die Niederwerfung eines fremden Reiches wünscht, vollziehe am neunten Tag die königliche Verehrung, welche den Schwestern lieb ist.
18
ekādaśyāṃ yajed yas tu śivaloke mahīyate |
sugupte nirjane deśe saridvāpītaṭe 'pi vā || 18 ||
Wer am elften Tag verehrt, wird in Shivas Welt geehrt. An einem gut verborgenen, menschenleeren Ort oder am Ufer eines Flusses oder Wasserbeckens
19
kṛtvādau bhūmisaṃśuddhiṃ sāvitryā deśikottamaḥ |
kṛtvā pūjāṃ prakurvīta śiṣyāṇām adhivāsanam || 19 ||
reinige der vorzügliche Lehrer zuerst den Boden mit Savitri. Nach vollzogener Verehrung führe er die vorbereitende Weihung der Schüler aus.
20
carukaṃ sādhane paścāt sāvitryā dāpayed budhaḥ |
śiṣyāṇāṃ dantakāṣṭhaṃ ca sakṣīraṃdvādaśāṅgulam || 20 ||
Danach lasse der Verständige bei der Vorbereitung eine gekochte Opfergabe mit Savitri austeilen sowie den Schülern ein zwölf Fingerbreiten langes Zahnholz von einem milchsaftführenden Baum.
21
ācamya śiṣyam āhūya pañcatattvapariṣkṛtam |
sāvitryā prokṣayed bhūyas tattvajaptaṃ yathoditam || 21 ||
Nach dem rituellen Wasserschluck rufe er den mit den fünf Prinzipien ausgestatteten Schüler herbei und besprenge ihn erneut mit Savitri, [mit Wasser,] über dem die Prinzipien wie angegeben rezitiert wurden.
22
pramārjayetkuśāgreṇa tasyāṅgāni samālabhet |
ālabhyaiva tu sāvitryā kṣālayet sakalaṃ kramāt || 22 ||
Er streiche mit einer Kushagrasspitze über ihn und berühre seine Glieder. Nach der Berührung wasche er mit Savitri alles der Reihe nach.
23
yāgabhūmau svaśiṣyāṃs tu svapec ca kuśasaṃstare |
rakṣāṃ sadā śatair bījaiḥ kṛtvā dhyātvā ca tāḥ kramāt || 23 ||
Er lasse seine Schüler auf dem Opferplatz auf einem Lager aus Kushagras schlafen. Er bewirke Schutz durch hundertfache [Wiederholung] der Keimsilben und betrachte die [Göttinnen] der Reihe nach.
24
tataḥ prabhāte vimale mukhaṃ prakṣālya sādhakaḥ |
iṣṭāniṣṭāṃ gurau ceṣṭāṃ praṇipatya nivedayet || 24 ||
Am klaren Morgen wasche der Praktizierende sein Gesicht, verneige sich vor dem Guru und berichte ihm die günstigen und ungünstigen Erlebnisse [der Nacht].
25
iṣṭāniṣṭān viditvā tu deśikaḥ sādhakasya tu |
ādau deśe same bhūmau vivikte śalyavarjite || 25 ||
Nachdem der Lehrer die günstigen und ungünstigen [Zeichen] des Praktizierenden erkannt hat, [wähle er] zunächst einen ebenen, abgelegenen und von störenden Gegenständen freien Boden.
26
maṇḍalaṃ saṃlikhet prājño yathāvad vidhipūrvakam |
caturhastaṃ caturdvāram athavā caikahastakam || 26 ||
Der Kundige zeichne dort vorschriftsgemäß ein Mandala mit vier Toren, vier Ellen groß oder auch nur eine Elle.
27
maṇḍalam saṃlikhed divyam śālicūrṇena sūjjvalam |
tatra madhye likhet padmaṃ catuḥpattraṃ sakarṇikam || 27 ||
Mit Reismehl zeichne er das göttliche, hell leuchtende Mandala. In dessen Mitte zeichne er einen vierblättrigen Lotus mit Fruchtboden.
28
śvetāsṛkpītakṛṣṇāni kamalasya dalāni tu |
prāg ārabhya yathānyāyaṃ saumyeśāntāni lekhayet || 28 ||
Die Lotusblätter zeichne er weiß, blutrot, gelb und schwarz, vorschriftsgemäß im Osten beginnend und im Norden endend.
29
karṇikāṃ ca tathā madhye śabalāṃ deśikottamaḥ |
caturmūrtiṃ caturvarṇaṃ svena bijena tumburum || 29 ||
Den Fruchtboden in der Mitte gestalte der vorzügliche Lehrer vielfarbig. [Er betrachte] Tumburu mit seiner eigenen Keimsilbe, viergestaltig und vierfarbig.
30
caturvarṇam īśvaraṃ dhyāyen niviṣṭam karṇikodare |
tataḥ sitāṃ svabījena jayāṃ prāgdale vinyaset || 30 ||
Er meditiere über den vierfarbigen Herrn im Inneren des Fruchtbodens. Dann setze er die weiße Jaya mit ihrer Keimsilbe auf das östliche Blatt.
31
bandhūkakusumaprakhyāṃ vijayāṃ dakṣiṇe dale |
svacchacāmīkaraprakhyām ajitāṃ paścime dale || 31 ||
Auf das südliche Blatt [setze er] Vijaya, leuchtend wie eine Bandhuka-Blüte; auf das westliche Ajita, glänzend wie reines Gold.
32
bhinnāñjanacayaprakhyām uttare cāparājitām |
vinyasya pūjāṃ kurvīta svaiḥ svair bījair yathākramam || 32 ||
Auf das nördliche [setze er] Aparajita, wie eine aufgebrochene Masse schwarzer Augensalbe. Nach dieser Einsetzung verehre er sie der Reihe nach mit ihren jeweiligen Keimsilben,
33
puṣpadhūpaiś ca balibhir yathākālāntaraiḥ śubhaiḥ |
sadvitānapatākāḍhyaṃ sragmālālaṃkṛtaṃ puram || 33 ||
mit Blumen, Räucherwerk und Opfergaben zu den geeigneten Zeiten. Der umhegte Platz sei reich mit Baldachinen und Fahnen versehen und mit Blumenkränzen geschmückt,
34
pradīptadīpakair dikṣu samantād avabhāsitam |
nānābhakṣyānnapānaiś ca svādubhir vyañjanais tathā || 34 ||
ringsum in den Richtungen von brennenden Lampen erhellt, mit vielerlei Speisen und Getränken sowie wohlschmeckenden Beilagen,
35
phalair nānāvidhaiś caiva paritaḥ paryavasthitaiḥ |
kalaśair vāripūrṇaiś ca daśadikṣu vyavasthitaiḥ || 35 ||
mit verschiedenen Früchten ringsum und mit wassergefüllten Krügen in den zehn Richtungen,
36
cūtapallavasaṃvītaiḥ sragmālālaṃkṛtaiḥ śubhaiḥ |
evaṃ yaṣṭvā yathānyāyaṃ śiṣyān āprokṣya vāriṇā || 36 ||
umgeben von Mangoblättern und schönen Blumengirlanden. Nachdem er so vorschriftsgemäß verehrt hat, besprenge er die Schüler mit Wasser.
37
sāvitryā mukham āsādya vāsasā sakalīkṛtān |
svaiḥ svair bījair nyaset puṣpān śiṣyāṇāṃ karayor dvayoḥ || 37 ||
Mit Savitri [behandle er] das Gesicht der durch ein Tuch [verhüllten und rituell] vervollständigten Schüler. Mit den jeweiligen Keimsilben lege er Blumen in ihre beiden Hände.
38
jayāt praveśayen māyāṃ maṇḍalaṃ deśikottamaḥ |
praveśya tatra śiṣyaṃ tu dvitricatuḥpañca eva vā || 38 || †
Der vorzügliche Lehrer führe [sie] von Jaya her in das Mandala ein [der Ausdruck mit »māyā« ist in der Vorlage unklar]. Nachdem er einen Schüler oder zwei, drei, vier oder fünf hineingeführt hat,
39
tato 'gnikāryaṃ kurvīta maṇḍalāt paścime bahiḥ |
ullikhyoddhṛtya sāvitryā kuśān saṃstīrya sarvataḥ || 39 ||
vollziehe er die Feuerhandlung außerhalb des Mandala im Westen. Er ritze [den Boden], hebe [Erde] aus und breite mit Savitri überall Kushagras aus.
40
astrabījena cābhyukṣya gandhatoyena deśikaḥ |
vahnim ādāya tenaiva sāvitryā pūjayet tataḥ || 40 ||
Der Lehrer besprenge [den Platz] mit duftendem Wasser unter Verwendung der Waffenkeimsilbe. Mit derselben nehme er das Feuer auf und verehre es anschließend mit Savitri.
41
tatas tattvatrayaṃ nyasya vahner eva yathākramam |
niruddhamāyātasmāttam aṅkuśena nirodhayet || 41 || †
Dann setze er der Reihe nach die drei Prinzipien in das Feuer ein und halte es mit dem Haken[-Mantra] fest. [Die dazwischenliegende Lautfolge ist in der Vorlage gestört.]
42
māyayācchādayet paścād astreṇaiva prabodhayet |
homadravyasya sarvasya kuryāt tenaiva śodhanam || 42 ||
Danach umhülle er es mit Maya und erwecke es mit dem Waffen[-Mantra]. Mit demselben reinige er sämtliche Stoffe des Feueropfers.
43
tataś ca sarpiṣo homaṃ vidhivat kārayed budhaḥ |
svabījair eva tad dhutvā dīkṣāṃ śiṣyasya kārayet || 43 ||
Der Verständige lasse sodann vorschriftsgemäß geklärte Butter opfern. Nachdem er mit den eigenen Keimsilben geopfert hat, vollziehe er die Einweihung des Schülers.
44
saṃyojya vidhivad bījair mahābhūteṣu pañcasu |
sakale tattvaṃ saṃyojya pariṣṭhāpya pare 'dhvani || 44 ||
Er verbinde [ihn] vorschriftsgemäß durch die Keimsilben mit den fünf großen Elementen, vereinige das Prinzip im gegliederten [Bereich] und gründe [ihn] auf dem höheren Wirklichkeitspfad.
45
niyoktavyaṃ tatas tatra yatrāsavāṃsvaraparam? |
eṣā dīkṣā yathānyāyaṃ bhuktimuktiphalapradā || 45 || †
Dann soll er ihn dort einsetzen, wo [der weitere Wortlaut ist unsicher]. Diese vorschriftsmäßige Einweihung verleiht die Früchte von Welterfahrung und Befreiung.
46
tair eva pañcabhis tattvaṃ sakale sakalātmikā |
niṣkale niṣkalā proktā sādhikārādhvanaḥ purā || 46 ||
Durch eben jene fünf [Keimsilben] ist [die Einweihung] im gegliederten Bereich von gegliederter Beschaffenheit; im ungegliederten heißt sie ungegliedert, vor dem mit Zuständigkeiten versehenen Pfad. [Der Satz ist stark verkürzt.]
47
dīkṣayitvā tataḥ śiṣyān sādhikārapare sthitān |
abhiṣicya svabījais tu bījān tebhyaḥ pradāpayet || 47 ||
Nachdem er die Schüler eingeweiht und im höheren Bereich der Berechtigung gegründet hat, begieße er sie mit ihren Keimsilben und teile ihnen diese mit.
48
nivedya samayān tasya hṛnmudrāṅgulidarśanāt |
anujñāṃ sādhakendrasya tasya dadyān mahātmanā || 48 ||
Er erläutere ihre Verpflichtungen, zeige Herzmudra und Fingerstellungen und erteile dem hervorragenden Praktizierenden großherzig die Erlaubnis.
49
tataḥ svavidyānaivedyaṃ bhakṣayet sādhakottamaḥ |
devyaḥ prītā bhavanty eva avaśiṣṭaṃ jale kṣipet || 49 ||
Der vorzügliche Praktizierende verzehre sodann die seiner Vidya dargebrachte Speise. Die Göttinnen werden dadurch erfreut; den Rest gebe er ins Wasser.
50
ācāryaṃ pūjayed bhaktyā sarvasvenāpare vidhā? |
praṇāmaiḥ śaktidānaiś ca yena vā tuṣyate guruḥ || 50 || †
Er verehre den Lehrer mit Hingabe, mit seinem ganzen Besitz [der folgende Ausdruck ist unsicher], mit Verneigungen, Gaben nach Vermögen und allem, wodurch der Guru zufriedengestellt wird.
Verse 51–100
51
sragvī sitoṣṇīṣī caiva sarvālaṃkārabhūṣitaḥ |
uccāsanasthaḥ prāgvaktraḥ kalpayet koṣamaṇḍale || 51 ||
Mit einem Kranz, weißem Turban und sämtlichem Schmuck versehen, auf einem erhöhten Sitz nach Osten gewandt, ordne er [die Laute] im Feldermandala an.
52
gośakṛdbhasmaliptas tu śucau janavivarjite |
susame bhūmideśe tu prastāraṃ prastarec chuciḥ || 52 ||
Mit Asche aus Kuhdung bestrichen, rein, an einem menschenleeren, sauberen und ganz ebenen Ort, lege er das Lautschema aus.
53
caturasram ataḥ kṛtvā prastārarekham ujjvalam |
kuryād ekonapañcāśat koṣṭhakān tu samān śubhān || 53 ||
Er mache es quadratisch und zeichne die Linien deutlich; dabei bilde er neunundvierzig gleichmäßige, schöne Felder.
54
śatārdhārdhāsanāsīnaṃ pañcavargāntabindukam |
śikhāsambhinnamūrdhāntaṃ kaṣākhyaṃ madhyakoṣṭhake || 54 ||
Im mittleren Feld [setze er] den als »kaṣa« bezeichneten [Laut], auf fünfundzwanzig sitzend, mit dem Bindu am Ende der fünf Lautgruppen und mit einer von der Spitze durchdrungenen Oberseite. [Die Zahlen und Bilder sind Lautschlüssel.]
55
vidigdikṣaṃsthakoṣṭheṣu tatpārśve bahir aṣṭasu |
yaśavargān nyased devi aiśānyādiṣu tatkramāt || 55 ||
In die acht äußeren Felder daneben, in Haupt- und Zwischenrichtungen, setze er, Göttin, die mit ya und śa beginnenden Lautgruppen ein, im Nordosten beginnend.
56
āgneyādiṣu koṣṭheṣu napuṃsakacatuṣṭayam |
aiśānyādikramād devi bījadvādaśakaṃ nyaset || 56 ||
In die mit Südosten beginnenden Felder [setze er] die vier geschlechtslosen [Vokale]. In der im Nordosten beginnenden Folge, Göttin, setze er die zwölf Keimlaute ein.
57
tṛtīyapaṅktikoṣṭheṣu caturthe pañcaviṃśakam |
aiśānyādiṣu koṣṭheṣu bījāni kramaśo nyaset || 57 ||
In die Felder der dritten Reihe, im vierten [Bereich] die Fünfundzwanzigergruppe: In die im Nordosten beginnenden Felder setze er die Keimlaute der Reihe nach.
58
prastāram evaṃ prastārya svaravarṇaṃ ca śobhane |
bījaṣoḍaśakaṃ caiva proddharet tu yathākramam || 58 ||
Nachdem er das Lautschema und die Vokale so ausgelegt hat, Schöne, entnehme er auch die sechzehn Keimlaute in der richtigen Folge.
59
kādipaṅktiṃ purākṛtya kramād vyastasamastakam |
koṣṭhaikādaśabījena saṃyuktaṃ pañcaviṃśakam || 59 ||
Er stelle die mit ka beginnende Reihe voran, der Reihe nach einzeln und zusammen; [er verbinde] den fünfundzwanzigsten mit der Keimsilbe des elften Feldes.
60
ātmatattvam iti khyātaṃ vidyākhyaṃ catustriṃśakam |
śivatattvaṃ tu deveśi triṃśakoṣṭheṣu saṃyutam || 60 ||
Dies ist als Atma-Prinzip bekannt; das vierunddreißigste heißt Vidya. Das Shiva-Prinzip, Herrin der Götter, ist mit dem dreißigsten Feld verbunden.
61
tattvatritayam etad dhi nyāsaṃ ca samudāhṛtam |
binduyuktāny aśesāṇi nyastavyāni yathākramam || 61 ||
Damit sind diese drei Prinzipien und ihre Einsetzung erklärt. Sämtliche [Laute] sind mit Bindu versehen und der Reihe nach einzusetzen.
62
atrasiddhiḥ sthitā devi vijñeyā sādhakottamaiḥ |
pañcaviṃśatikoṣṭhasthaṃ prathamaṃ bījam ucyate || 62 ||
Darin ruht die Vollendung, Göttin; dies sollen die vorzüglichen Praktizierenden erkennen. Als erste Keimsilbe gilt die im fünfundzwanzigsten Feld befindliche.
63
dvisaptakoṣṭhakaṃ bījaṃ dvitīyaṃ samudāhṛtam |
tṛtīyam aṣṭakoṣṭhasthaṃ binduyoniḥ caturthakam || 63 ||
Die Keimsilbe des vierzehnten Feldes wird als zweite bezeichnet, die des achten als dritte; die vierte hat Bindu als Ursprung.
64
caturviṃśatikoṣṭhasthaṃ pañcamaṃ bījam ucyate |
bījāni devadevīnāṃ nirṇītāni yathākramam || 64 ||
Als fünfte Keimsilbe gilt die im vierundzwanzigsten Feld befindliche. So sind die Keimsilben des Gottes und der Göttinnen der Reihe nach bestimmt.
65
kālavahnyanilair bījaiḥ kalayā ṣaṣṭhayā yutam |
ardhendubinduśikhayā saṃbhinnāni yathākramam || 65 || †
[Nach den in der Vorlage angeführten Verbesserungsvorschlägen:] Mit den Keimlauten von Zeit, Feuer und Wind, verbunden mit der sechsten Kala, sind sie der Reihe nach mit Halbmond, Bindu und Spitze versehen.
Textanmerkung: Hier sind die beiden in GRETIL Sanderson zugeschriebenen Konjekturen übernommen. Die dortige Ausgangslesung lautet: kālabaddhānilair bījaiḥ kalāyatheṣṭhayā yutam / ardhendu binduśikhayā saṃnibhāni krameṇa tu. Herausgeberanmerkungen gehören nicht zum Vers.
66
bījapañcakam uddhṛtya kathitaṃ devi te kramāt |
kūṭasthās tu smṛtā bījāḥ pañca caiva varānane || 66 ||
Damit habe ich dir, Göttin, die fünf Keimsilben der Reihe nach entnommen und erklärt. Diese fünf gelten als im Lautkomplex ruhende Keimsilben, Schönangesichtige.
67
bījapañcakam abhyasya sarvakāmaphalapradam |
yajanaṃ sampravakṣyāmi sarvasiddhipradāyakam || 67 ||
Nachdem man die fünf Keimsilben geübt hat, welche alle gewünschten Früchte verleihen, [folgt] die Verehrung, die ich nun als Gewährerin sämtlicher Vollkommenheiten erkläre.
68
karasaṃskāram ādau tu kṛtvānena krameṇa tu |
vakṣyamāṇena cānena digbandhaśodhyam eva hi || 68 ||
Zuerst vollziehe man die Reinigung der Hände in dieser Reihenfolge. Durch das noch zu beschreibende [Verfahren] werden auch die Richtungen verschlossen und gereinigt.
69
saṃhārāstreṇa digbandhaḥ prāṇāyāmapuraḥsaraḥ |
prāṇāyāmais tribhir devi ātmānaṃ tu viśodhayet || 69 ||
Das Verschließen der Richtungen erfolgt mit dem Vernichtungswaffen[-Mantra], nach vorausgehender Atemregelung. Durch drei Atemregelungen reinige man sich selbst, Göttin.
70
niṣkramya recayed vāyuṃ navaṃ cākṛṣya pūrayet |
nirodhe kumbhakaḥ proktaḥ prāṇāyāmaṃ prakīrtitam || 70 ||
Man lasse die Luft ausströmen und ziehe neue zur Füllung ein. Das Anhalten heißt Kumbhaka; damit ist die Atemregelung erklärt.
71
dhyātvā kālāgnibījaṃ tu yugāntānalasaprabham |
nyaset pādatale mantrī jvālāmālākulaṃ mahat || 71 ||
Der Mantrakundige betrachte die Keimsilbe des Zeitenfeuers mit dem Glanz des Feuers am Weltende und setze sie unter die Füße, mächtig und voller Flammengirlanden.
72
nirdahec cātmadehaṃ tu vāriṇāplāvayet tataḥ |
dagdhvā tu prākṛtaṃdehaṃ bhasmakūṭam iva sthitam || 72 ||
Er verbrenne [in der Vorstellung] den eigenen Körper und überflute ihn danach mit Wasser. Nachdem der natürliche Körper verbrannt ist und wie ein Aschehaufen daliegt,
73
tataś cāmṛtadhārābhir vidyādehaṃ vicintayet |
sravantaṃ mūrdhni paramaṃ praṇavaṃ ca adhomukham || 73 ||
vergegenwärtige er durch Nektarströme den Vidya-Körper und den höchsten Pranava im Scheitel, nach unten gerichtet und ausströmend,
74
vāruṇāmṛtasaṃyuktaṃ śuddhasphaṭikanirmalam |
kaṣākhyaṃ yat smṛtaṃ bījaṃ rephadvayasamāyutam || 74 ||
verbunden mit dem Nektar des Wassers, rein wie klarer Kristall. Die als »kaṣa« bezeichnete Keimsilbe sei mit zwei r-Lauten verbunden,
75
adha oṃkārasaṃyuktaṃ ūrdhvaṃ bindukabhūṣitam |
anenaiva tu bījena śikhayā bhinnamastakam || 75 ||
darunter mit Om und darüber mit Bindu geschmückt; durch eben diese Keimsilbe ist der Scheitel von der Spitze durchdrungen.
76
dhāraṇāyogamārgeṇa nirdahet sādhakottamaḥ |
dehaṃ saṃśodhayen mantrī ghorapāpaṃ tu kalmaṣam || 76 ||
Auf dem Weg der yogischen Konzentration verbrenne der vorzügliche Praktizierende [die Unreinheit]. Der Mantrakundige reinige den Körper von der Befleckung schwerer Verfehlung.
77
nyāsam ālabhanaṃ kuryād bhaven mantrātmavigrahaḥ |
digbandhabhūmiṃ saṃśodhya cakraśuddhyartham eva ca || 77 ||
Er vollziehe Nyasa und Berührung; so wird sein Leib zu einem Mantra-Leib. Er reinige den Boden der verschlossenen Richtungen und zur Reinigung des Kreises
78
saṃhārāstreṇa kurvīta vighnoccāṭanam eva ca |
hastau saṃśodhayet paścād vidhir eṣa prakīrtitaḥ || 78 ||
vollziehe er mit dem Vernichtungswaffen[-Mantra] auch die Vertreibung der Hindernisse. Anschließend reinige er die Hände; dieses Verfahren wird nun erklärt.
79
kṛtvā tu vidhivan mantrī tataḥ karma samārabhet |
āmaṇibandhanāt pūrvaṃ bharamākhāś ? ca vinyaset || 79 || †
Nachdem der Mantrakundige vorschriftsgemäß gehandelt hat, beginne er die Handlung. Zuerst setze er bis zum Handgelenk [die in der Vorlage unklar bezeichneten Laute] ein.
80
aṅguṣṭhādikaniṣṭhāntaṃ nyased vai bījapañcakam |
aṅguṣṭhād ye tu ye parvā karayor ubhayor api || 80 ||
Vom Daumen bis zum kleinen Finger setze er die fünf Keimsilben ein. Auf die jeweiligen Gelenke beider Hände, beginnend mit den Daumen,
81
ātmatattvaṃ nyasenmūrdhni vidyātattvaṃ dvitīyake |
śivaṃ dadyāt tṛtīyeṣu sarvasiddhiṣu bhāmini || 81 ||
setze er das Atma-Prinzip an die Spitze, das Vidya-Prinzip an das zweite und Shiva an die dritten [Gelenke], o Glanzvolle, für alle Vollkommenheiten.
82
adhastād ātmatattvaṃ tu vidyātattvaṃ tu madhyataḥ |
śivatattvaṃ nyasen mūrdhni haste dehe punaḥ kramāt || 82 ||
Unten das Atma-Prinzip, in der Mitte das Vidya-Prinzip und oben das Shiva-Prinzip: So setze er sie der Reihe nach auf Hand und Körper ein.
83
evaṃ tattvatrayaṃ nyasya tathā kūṭākṣarāṇi tu |
bhūyaś cottarabījāni vinyaset tu varānane || 83 ||
Nachdem er diese drei Prinzipien und die zusammengesetzten Laute eingesetzt hat, setze er ferner die höheren Keimsilben ein, Schönangesichtige.
84
astraṃ caiva tu vinyasya visphuliṅgasamaprabham |
māyayācchādayitvā tu aṅkuśena nirodhayet || 84 ||
Er setze auch die Waffe ein, leuchtend wie Feuerfunken, umhülle [alles] mit Maya und halte es mit dem Haken fest.
85
yonimudrāṃ tato baddhvā kuryāt [tu] sakalāṃ tanum |
etad ālabhanaṃ caiva tava devi prakīrtitam || 85 ||
Dann forme er die Yoni-Mudra und vervollständige den Körper. Damit ist dir, Göttin, auch diese Berührung erklärt.
86
aṅguṣṭhau grathitau kṛtvā karayor ubhayor api |
tarjanīṃ vāmahaste tu prasāryākuñcayed budhaḥ || 86 ||
Er verschränke die Daumen beider Hände. Der Verständige strecke den Zeigefinger der linken Hand aus und krümme ihn dann.
87
eṣā nirodhanī proktā mudreyam aṅkuśasya tu |
vaśyākarṣaṇakāryeṣu prayojyā sādhakottamaiḥ || 87 ||
Diese Mudra des Hakens heißt die Festhaltende. Vorzügliche Praktizierende verwenden sie bei Handlungen des Gefügigmachens und Heranziehens.
88
tarjanī madhyamā caiva anāmā dakṣiṇasya tu |
vāme trīṇi samākramya aṅguṣṭhau ca susaṃsthitau || 88 ||
Zeige-, Mittel- und Ringfinger der rechten Hand übergreifen die drei [entsprechenden Finger] der linken; die beiden Daumen sind gut angelegt.
89
adhastāt sarvataḥ proktā dakṣiṇā tu kaniṣṭhikā |
tarjanyaṅguṣṭhayor madhye yonimudrā prakīrtitā || 89 ||
Der rechte kleine Finger wird darunter, zwischen Zeigefinger und Daumen, angegeben. Dies wird als Yoni-Mudra bezeichnet.
90
ādyaṃ mūrdhni tato bījaṃ dvitīyaṃ mukhamaṇḍale |
kaṭyūrdhve ca tataś cānyaṃ caturthaṃ jānutaḥ kaṭim || 90 ||
Dann setze er die erste Keimsilbe auf den Scheitel, die zweite auf den Gesichtsbereich, eine weitere oberhalb der Hüfte und die vierte von den Knien bis zur Hüfte.
91
āpādajānunī cānyaṃ prasṛtaiś ca karaiḥ kramāt |
evaṃ bījena dehas tu mucyate nātra saṃśayaḥ || 91 ||
Eine weitere [setze er] von den Füßen bis zu den Knien, der Reihe nach mit ausgestreckten Händen. So wird der Körper durch die Keimsilbe zweifellos befreit.
92
vajropalamahāvarṣaṃ coradaṃṣṭrībhayāvaham |
mucyate ca sadā rogair mṛtyurūpair durāsadaiḥ || 92 ||
[Er wird frei von] gewaltigem Hagel und dem bedrohlichen Auftreten von Räubern und Raubtieren sowie stets von schwer bezwingbaren, todesgleichen Krankheiten.
93
ahigaraviṣaśastra- jvarakuṣṭhakṣayādibhiḥ |
mucyate nātra saṃdeho yo 'pi syāt pātakī naraḥ || 93 ||
Von Schlangen, Gift, Waffen, Fieber, Aussatz, Schwindsucht und anderem wird er zweifellos befreit, auch wenn er ein Mensch mit schweren Verfehlungen ist.
94
upalipya śubhe deśe pracchanne janavarjite |
pūrvavad dhastamātraṃ tu likhitvā maṇḍalaṃ śubham || 94 ||
An einem günstigen, verborgenen, menschenleeren Ort bestreiche er den Boden und zeichne wie zuvor ein schönes Mandala von einer Elle.
95
catuḥpattraṃ tu tatrābjaṃ sarvavarṇitakarṇikām |
sitaraktapītakṛṣṇāṃ pūrvādidalasaṃsthitām || 95 ||
Darin [zeichne er] einen vierblättrigen Lotus mit vielfarbigem Fruchtboden; weiß, rot, gelb und schwarz [sind die Gottheiten] auf den im Osten beginnenden Blättern.
96
jayādyaṃ vinyasen mantrī tumburuṃ karṇikopari |
padmāsanopaviṣṭaṃ tu varadānodyatakaram || 96 ||
Der Mantrakundige setze Jaya und die übrigen ein, Tumburu auf den Fruchtboden, im Lotossitz sitzend und mit zum Gabenschenken erhobener Hand,
97
caturvaktramaṣṭabhujaṃ catuṣkāyaṃ trilocanam |
nāgayajñopavītaṃtu śūlapāṇiṃ gadādharam || 97 ||
viergesichtig, achtarmig, vierleibig und dreiäugig, mit einer Schlange als heiliger Schnur, einen Dreizack in der Hand und eine Keule tragend,
98
mukuṭena vicitreṇa śaśāṅkadhṛtaśekharam |
śaktīnāṃ tu priyaṃ devaṃ pāśāṅkuśakaraprabham || 98 ||
mit einer prächtigen Krone und dem Mond am Scheitel, als den den Shaktis lieben Gott, dessen Hände durch Schlinge und Haken glänzen,
99
divyāmbarātapatreṇa divyasragbandhalepanam |
devadevaṃ sadā dhyāyet sūryakoṭisamaprabham || 99 ||
mit göttlichem Gewand und Sonnenschirm, göttlichen Kränzen und Salbung. So meditiere man stets über den Gott der Götter, der wie zehn Millionen Sonnen leuchtet.
100
kṣīrodaphalasaṃkāśāṃ vyāghrayajñopavītinīm |
pretārūḍhāṃ caturvaktrāṃ gadākheṭakadhāriṇīm || 100 ||
[Jaya sei] leuchtend wie »kṣīrodaphala« [eine nicht eindeutig bestimmte Vergleichsbezeichnung], mit einem Tiger als heiliger Schnur, auf einem Leichnam sitzend, viergesichtig, Keule und Schild tragend,
Verse 101–150
101
divyāmbarātapatreṇa hārakeyūrabhūṣitām |
devadevīṃ jayāṃ dhyāyed dīpyamānāṃ svatejasā || 101 ||
mit göttlichem Gewand und Sonnenschirm, geschmückt mit Halskette und Armreifen. Man meditiere über Jaya, die Göttin der Göttinnen, die aus eigenem Licht strahlt.
102
devasyābhimukho mantrī sasmitotphullalocanām |
dāḍimīkusumaprakhyāṃ suragopakasaprabhām || 102 ||
Der Mantrakundige [betrachte Vijaya] dem Gott zugewandt, lächelnd und mit weit geöffneten Augen, wie eine Granatapfelblüte, mit dem Glanz eines roten Indragopa-Insekts,
103
cāpodyatakarāṃ ghorāṃ matsyamāṃsasurāpriyām |
ulūke saṃsthitāṃ devīṃ hārakeyūrabhūṣitām || 103 ||
mit zum Bogen erhobener Hand, furchterregend, Fisch, Fleisch und Wein liebend, auf einer Eule sitzend und mit Halskette und Armreifen geschmückt.
104
raktāmbarātapatreṇa vijayāṃ siddhidāṃ smaret |
dhātucāmīkaraprakhyāṃ pītamālyāmbarapriyām || 104 ||
Er vergegenwärtige Vijaya, die Vollendung verleiht, mit rotem Gewand und Sonnenschirm. [Die folgende Göttin sei] glänzend wie goldenes Erz und gelbe Kränze und Gewänder liebend,
105
ghaṇṭākhaṭvāṅgadharīṃ devīm aśvārūḍhāṃ mahābalām |
sūryāyutapratīkāśīṃ sarvābharaṇabhūṣitām || 105 ||
Glocke und Schädelstab tragend, auf einem Pferd sitzend, von großer Kraft, wie zehntausend Sonnen leuchtend und mit sämtlichem Schmuck versehen.
106
jayantīṃ dhyāyati kṣipraṃ siddhim āpnoti puṣkalām |
bhinnāñjanasamaprakhyāṃ śarvarītimiraprabhām || 106 || †
Wer über Jayanti [hier als Name der dritten Göttin] meditiert, erlangt rasch reiche Vollendung. [Aparajita sei] wie aufgebrochene schwarze Augensalbe und wie nächtliche Finsternis leuchtend,
Textanmerkung: Die dritte Göttin heißt zuvor Ajita; hier liest der Druck Jayanti. Diese Namensvariation wird beibehalten.
107
kṛṣṇakauśeyasaṃvītāṃ muktikāmaṇibhūṣitām |
divyaṃ vimānam ārūḍhāṃ gadākheṭakadhāriṇīm || 107 ||
in schwarze Seide gehüllt, mit Perlen und Edelsteinen geschmückt, auf einem göttlichen Flugwagen sitzend, Keule und Schild tragend.
108
mahārāvādinirghoṣaiś cintayed aparājitām |
gāyatrīṃ vā japantīṃ ca sphāṭikamaṇibhūṣitām || 108 ||
Man betrachte Aparajita unter mächtigen Rufen und Klängen. [Savitri betrachte man] die Gayatri wiederholend und mit Kristalledelsteinen geschmückt,
109
ṛgyajussāmātharvākhyaṃ gāyantīṃ vā tathaiva ca |
sāvitrīṃ divyarūpāṃ tūpaniṣadgāyane ratām || 109 ||
oder die als Rig, Yajus, Saman und Atharvan bezeichneten [Veden] singend: Savitri in göttlicher Gestalt, am Gesang der Upanishaden erfreut.
110
devīnām agrasaṃsthaṃ kṛtabhṛkuṭimukhaṃ cintayed aṅkuśākhyaṃ sampṛṣṭhe cāstrarājaṃ prakaṭitasumahāsṛkvaṇīlelihānam |
saṃkruddhaṃ bhīṣayantaṃ nararudhiravasādigdhadāntākalālaṃ ....... ....... ....... || 110 || †
Vor den Göttinnen betrachte man den Haken[-Gott] mit gerunzeltem Gesicht und an ihrer Rückseite den König der Waffen, der mächtig aufgerissene Mundwinkel zeigt und leckt, zornig und Schrecken erregend, dessen Zähne mit menschlichem Blut und Fett beschmiert sind [der Schluss ist lückenhaft].
111
evaṃ dhyātvā viśālākṣi tataḥ pūjā pravartate |
bhakṣyabhojyavidhānaiś ca gandhapuṣpādibhiḥ kramāt || 111 ||
Nachdem man so meditiert hat, Weitäugige, beginnt die Verehrung: der Reihe nach mit verschiedenen Speisen, Duftstoffen, Blumen und anderem.
112
pūjayet kūṭamadhyasthaṃ tatra madhye vidhānataḥ |
bhūr evāyaṃ pādapadmair hṛdi vāmakare 'thavā || 112 || †
Man verehre vorschriftsgemäß den in der Mitte des Lautkomplexes Befindlichen, dort in der Mitte, [auf der Erde beziehungsweise am Fußlotus; die Formulierung ist unklar], im Herzen oder in der linken Hand.
113
manasā pūjayen nityaṃ siddhikāmaḥ samāhitaḥ |
mahāśaṅkhamayaṃ kuryād athavā kacchapasya tu || 113 ||
Wer Vollendung wünscht, verehre beständig geistig und gesammelt. Oder man fertige [die Grundlage] aus einer großen Muschelschale oder einem Schildkrötenpanzer.
114
sauvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ kulaṃ bhavati siddhidam |
gandhamaṇḍalake vāpi athavā bhasmamaṇḍale || 114 ||
Das aus Gold, Silber oder Kupfer [gebildete] Kula verleiht Vollendung. Auch in einem Mandala aus Duftstoffen oder einem Aschemandala,
115
siddhārthamaṇḍale vāpi athavā hṛdi maṇḍale |
kusumbhamaṇḍale vāpi puṣpamaṇḍalake 'pi vā || 115 ||
in einem Mandala aus weißen Senfkörnern oder im Mandala des Herzens, in einem Saflormandala oder einem Blumenmandala,
116
nāgakeśarajobhir vā likhitvā maṇḍalaṃ śubham |
muktidā siddhidā hy evaṃ bhavantīty avicāraṇāt || 116 ||
oder nachdem man mit Nagakeshara-Staub ein schönes Mandala gezeichnet hat, werden [die Gottheiten] so zweifellos zu Gewährern von Befreiung und Vollendung.
117
sampūjya ca yathānyāyaṃ gandhapuṣpādi yojayet |
darśayed yonimudrāṃ tu kāle karmāṇi kārayet || 117 ||
Nach vorschriftsmäßiger Verehrung bringe man Duftstoffe, Blumen und anderes dar, zeige die Yoni-Mudra und vollziehe die Handlungen zur rechten Zeit.
118
samutpanneṣu kāryeṣu prāṇadraviṇahāriṣu |
pūjitāḥ sādhakaṃ devyaḥ parirakṣanti putravat || 118 ||
Wenn Angelegenheiten auftreten, die Leben oder Besitz bedrohen, beschützen die verehrten Göttinnen den Praktizierenden wie einen Sohn.
śrīdevy uvāca |
119
atrāpi yāgam evoktaṃ viśeṣaḥ ko 'paraḥ prabho |
yathā tu abhyāsamātreṇa siddhir bhavati kāmadā || 119 ||
Die Göttin sprach: Auch hier ist wieder Opferverehrung gelehrt worden. Worin besteht der weitere Unterschied, Herr? [Erkläre,] wie allein durch Übung die wunscherfüllende Vollendung entsteht.
120
kevalaṃ smaraṇād eva tathā tvaṃ vaktum arhasi |
praṇayasva prasādaś ca yadi cāsti maheśvara || 120 ||
Du mögest erklären, wie dies allein durch Vergegenwärtigung geschieht. Erweise deine Zuneigung und Gnade, wenn sie vorhanden sind, großer Herr.
śrī īśvara uvāca |
121
śṛṇuṣvaikamanā bhadre prākṛtaṃ tapasaḥ phalam |
praṇayād atulaṃ vāpi rahasyaṃ paramaṃ padam || 121 ||
Höre mit ungeteiltem Geist, Gütige, die natürliche Frucht der Askese und aus Zuneigung das unvergleichliche Geheimnis, die höchste Stufe.
122
uttarottarayogena tantraṃ te kathitaṃ mayā |
atrāntaram idaṃ jñānaṃ śrutvā bhavati nirvṛtiḥ || 122 ||
In immer weiterführender Weise habe ich dir das Tantra erklärt. Wer dieses darin liegende Wissen hört, erlangt Erfüllung.
123
prastārya pūrvavad varṇaṃ proddhared bījapañcakam |
pūrvavat kramayogena sarvakāmaprasiddhaye || 123 ||
Man lege die Laute wie zuvor aus und entnehme die fünf Keimsilben in der früher beschriebenen Reihenfolge, um sämtliche Wünsche zu verwirklichen.
124
ādau dvātriṃśakaṃ bījaṃ yuktam ekonaviṃśati |
catustriṃśaṃ tato 'dhastād devadevaṃ prakalpayet || 124 ||
Zuerst [nehme man] die zweiunddreißigste Keimsilbe, verbunden mit der neunzehnten, und darunter die vierunddreißigste; so bilde man den Gott der Götter.
125
jayā saptadaśaṃ bījaṃ yuktam ekādaśena tu |
tad eva vijayākhyātā kiṃ tu yuktaṃ na kena cit || 125 ||
Jaya ist die siebzehnte Keimsilbe, verbunden mit der elften. Dieselbe heißt Vijaya, jedoch mit keiner anderen verbunden.
126
pañcaviṃśac chikhābhāji yuktam ekādaśena tu |
ajitāyāḥ samuddiṣṭaṃ caturthyāḥ śṛṇu sāmpratam || 126 ||
Die fünfundzwanzigste, an der Spitze teilhabend und mit der elften verbunden, wird für Ajita angegeben. Höre nun von der vierten [Göttin].
127
varṇaikādaśasaṃyuktaṃ śambhusthaṃ pañcaviṃśakam |
guhyam etat samuddiṣṭaṃ praṣṭavyaṃ nānyataḥ param || 127 ||
Die fünfundzwanzigste, in Shambhu ruhend und mit dem elften Laut verbunden: Dieses Geheimnis ist damit erklärt. Darüber hinaus soll nach nichts Weiterem gefragt werden.
128
sarvakāmapradaṃ devi etad vai bījapañcakam |
uttaraṃ hṛdayaṃ hyetat sarvatantreṣu cottaram || 128 ||
Diese fünf Keimsilben, Göttin, erfüllen alle Wünsche. Dies ist das höhere Herz, das Höchste in sämtlichen Tantras.
129
yāni kāni ca karmāṇi sarvāṇy etais tu kārayet |
pañcaviṃśatikoṣasthaṃ yuktaṃ vai ṣoḍaśena tu || 129 ||
Alle Handlungen, welche auch immer es sind, soll man mit ihnen vollziehen. [Der Laut] im fünfundzwanzigsten Feld, verbunden mit dem sechzehnten,
130
astram etat samuddiṣṭam asmiṃs tantre ca suvrate |
punar etadbījayuktaṃ viṃśakena samanvitam || 130 ||
ist in diesem Tantra als Waffe angegeben, Gelübdetreue. Derselbe Keimlaut wiederum, verbunden mit dem zwanzigsten,
131
māyā hy eṣā samuddiṣṭā śivasyānantarūpiṇī |
ādikoṣṭhakabījaṃ tu adhastāṣṭādaśasaṃyutam || 131 ||
wird als Maya bezeichnet, Shivas unendlich gestaltige [Kraft]. Die Keimsilbe des ersten Feldes sei darunter mit der achtzehnten verbunden.
132
aṣṭatriṃśatikoṣasthaṃ tasyopari niyojayet |
aṅkuśoddharaṇaṃ hy etad devīnāṃ saṃnirodhane || 132 ||
Den [Laut] des achtunddreißigsten Feldes setze man darüber. Dies ist die Gewinnung des Hakens zum Festhalten der Göttinnen.
133
bindupuñjasametā hi nyastavyā tu yathākramam |
pañcaviṃśatikoṣasthaṃ tad eva paramākṣaram || 133 ||
Mit einer Ansammlung von Bindus versehen ist [die Lautgestalt] der Reihe nach einzusetzen. Eben jener höchste Laut im fünfundzwanzigsten Feld,
134
navatriṃśasamāyuktaṃ bījaṃ gāyatrisaṃjñakam |
etad bījavaraṃ divyaṃ yojyam ālabhanādike || 134 ||
verbunden mit dem neununddreißigsten, ist die Keimsilbe namens Gayatri. Dieser göttliche, vorzügliche Keimlaut ist bei Berührung und anderen [Ritualhandlungen] zu verwenden.
135
catustriṃśatikoṣasthaṃ pañcaviṃśatiyojitam |
sarvakarmasamuddiṣṭaṃ bījaṃ sāvitrisaṃjñitam || 135 ||
Der im vierunddreißigsten Feld befindliche [Laut], verbunden mit dem fünfundzwanzigsten, ist als Keimsilbe namens Savitri für alle Handlungen bestimmt.
136
ardhenduśikhayā devi lāñchitāni tu pūrvavat |
prayogaṃ cāsya vakṣyāmi siddhir yenāśu jāyate || 136 ||
Wie zuvor sind sie mit Halbmond und Spitze gekennzeichnet, Göttin. Nun erkläre ich ihre Anwendung, durch die rasch Vollendung entsteht.
137
prayogaṃ kāraṇaṃ devi granthaśāstram akāraṇam |
sarvatra sulabhaṃ śāstraṃ prayogaṃ tu sudurlabham || 137 ||
Die Anwendung ist die Ursache, Göttin; das Lehrbuch allein ist nicht die Ursache. Lehrschriften sind überall leicht zugänglich, die Anwendung jedoch schwer zu erlangen.
138
prayogarahitā mantrā naiva siddhipradāḥ smṛtāḥ |
hṛtpadme yogavinyāsaṃ dhyātvā vai bījapañcakam |
gatiṃ devaṃ tu vijñāya tataḥ karma samārabhet || 138 || †
Mantras ohne Anwendung gelten nicht als Vollendung verleihend. Man meditiere über die yogische Einsetzung der fünf Keimsilben im Herzlotus. Nachdem man den Gott und seine Bewegung erkannt hat, beginne man die Handlung.
Textanmerkung: Dieser nummerierte Eintrag besteht auch im Druck aus drei Halbversen.
śrīdevy uvāca |
139
kīdṛśaḥ sa bhaved devo gatis tasya tu kīdṛśī |
dehasthaṃ tu kathaṃ vidyād vaktum arhasi śaṅkara || 139 ||
Die Göttin sprach: Wie ist jener Gott beschaffen und wie seine Bewegung? Wie erkennt man ihn im Körper? Du mögest es erklären, Shankara.
śrī īśvara uvāca |
140
meḍhranābhyantare devi kandamūlākṛtir bhavet |
dvāsaptatisahasrāṇi nāḍīr ādhārasaṃsthitāḥ || 140 ||
Zwischen Geschlechtsorgan und Nabel, Göttin, befindet sich [eine Grundlage] in Gestalt einer Wurzelknolle. Zweiundsiebzigtausend Leitbahnen ruhen auf dieser Grundlage.
141
nābhideśe sthito granthis tatra padmaṃ vyavasthitam |
karṇikā padmamadhyasya tatra sādhyaṃ vyavasthitam || 141 ||
Im Nabelbereich liegt ein Knoten; dort befindet sich ein Lotus. In der Mitte des Lotus liegt der Fruchtboden, und darin ruht das zu Verwirklichende.
142
karṇikāsuṣirānte tu yā kalā cordhvagāminī |
tasyā madhye sthito devaḥ sa tu dīpaśikhopamaḥ || 142 ||
Im Inneren der Höhlung des Fruchtbodens befindet sich die aufwärts steigende Kala. In ihrer Mitte ruht der Gott, einer Lampenflamme gleich.
143
śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ visphuliṅgārkasaṃnibham |
vārimārutasaṃkīrṇaṃ vālāgraśatabhāgakam || 143 ||
[Er ist] wie reiner Kristall, wie Feuerfunken und Sonne, von Wasser und Wind durchzogen, ein Hundertstel einer Haarspitze groß.
144
vāyuvāhanam ārūḍhaṃ śabdātītam anāmayam |
sampratyayaṃ tu gamyo 'sau vahate dehamadhyataḥ || 144 ||
Auf dem Wind als Fahrzeug sitzend, jenseits des Lautes und frei von Leiden, ist er durch unmittelbare Erfahrung zugänglich und bewegt sich aus der Körpermitte.
145
iḍāmadhyagato vāpi piṅgalāntargato 'pi vā |
suṣumnāntargataś caiva viṣuvaṃ samudāhṛtam || 145 ||
Er befindet sich im Inneren der Ida oder der Pingala oder innerhalb der Sushumna; [dies] wird als Gleichstand bezeichnet.
146
iḍā tu vāmajā proktā dakṣiṇe piṅgalā smṛtā |
anayor madhye suṣumnā tu sṛṣṭisaṃhārakārikā || 146 ||
Ida wird als links befindlich bezeichnet, Pingala als rechts. Zwischen diesen beiden liegt Sushumna, welche Hervorbringung und Rücknahme bewirkt.
147
iḍā śāntikapuṣṭyarthe mṛtyūccāṭana piṅgalā |
suṣumnā mokṣadā caiva jīvamārgānusāriṇī || 147 ||
Ida dient Befriedung und Gedeihen, Pingala Tötung und Vertreibung. Sushumna verleiht Befreiung und folgt dem Weg der Lebensseele.
148
piṅgalāntargataṃ dhyātvā raktavarṇaṃ vicintayet |
māraṇoccāṭanādīni tataḥ karmāṇi kārayet || 148 ||
Wenn man [den Gott] innerhalb der Pingala meditiert, stelle man ihn rot vor. Dann vollziehe man Handlungen der Tötung, Vertreibung und Ähnliches.
149
amṛtāntargataṃ jñātvā dhyāyet tuhinasaṃnibham |
śāntipuṣṭivaśākarṣaṃ tadā karmāṇi kārayet || 149 ||
Hat man ihn innerhalb des Nektars erkannt, meditiere man ihn schneegleich. Dann vollziehe man Befriedung, Gedeihen, Gefügigmachen und Heranziehen.
150
vratayogādisaṃsiddhiṃ mūlamantreṣu kārayet |
tad atra japamātreṇa mantrī sādhayate kṣaṇāt || 150 ||
Die Vollendung von Gelübden, Yoga und anderem bewirke man mit den Grundmantras. Hier aber verwirklicht der Mantrakundige dies durch bloße Wiederholung in einem Augenblick.
Verse 151–200
151
aprasūtā mṛtā yoṣit prāptayauvanam eva ca |
tasyāḥ pāṃśulikāṃ gṛhya vāmabhāge vicakṣaṇaḥ || 151 ||
[Bei einer Anziehungshandlung] nehme der Verständige ein Kleidungsstück einer verstorbenen jungen Frau, die noch nicht geboren hat, und auf der linken Seite
152
likhen nāmākṣaraṃ tatra devīnām kūṭasaṃsthitam |
vāmāṅgojjvalaraktena sādhakaḥ saṃyatavrataḥ || 152 ||
schreibe der im Gelübde gefestigte Praktizierende die Namenslaute hinein, innerhalb des Lautkomplexes der Göttinnen, mit leuchtendem Blut von der linken Körperseite.
153
striyaṃ caiva likhet tatra gavāṃ rocanayā punaḥ |
anulomair vihanyas tu vāmapādena cākramet || 153 ||
Dort zeichne er außerdem mit Gorochana eine Frau. Mit [den Keimsilben] in vorwärts gerichteter Reihenfolge [wirke er darauf ein] und trete mit dem linken Fuß darauf.
154
tatkṣaṇād ānayec chīghraṃ yā strī dvādaśayojanāt |
puruṣasya tathā proktaṃ dakṣiṇāṅge tu kārayet || 154 ||
Dadurch soll er eine zwölf Yojanas entfernte Frau augenblicklich herbeiführen. Für einen Mann ist dasselbe Verfahren auf der rechten Seite angegeben.
155
athābhicārakaṃ kuryāt samidhānāṃ tathāsthibhiḥ |
rājikāviṣaraktāktaṃ śmaśāne homam ārabhet || 155 ||
Soll eine Schadenshandlung vollzogen werden, beginne man auf dem Leichenverbrennungsplatz ein Feueropfer mit Knochen als Brennmaterial, bestrichen mit schwarzem Senf, Gift und Blut.
156
nagno muktaśikho bhūtvā kapālatrayasaṃsthitaḥ |
samidhāṣṭaśataṃ homaṃ rātrau kuryād vicakṣaṇaḥ || 156 ||
Nackt, mit gelöstem Haar und auf drei Schädeln sitzend, vollziehe der Kundige nachts ein Feueropfer mit hundertacht Brennstoffgaben.
157
homānte tu tataḥ śakraṃ kṛṣṇavarṇam vicintayet |
triśūlena vinirbhinnaṃ daṇḍena tāḍitaṃ śiraḥ || 157 ||
Am Ende des Opfers betrachte er Shakra schwarz, von einem Dreizack durchbohrt und am Kopf von einem Stab geschlagen.
158
sādhako ghorarūpeṇa kruddhaḥ saṃraktalocanaḥ |
saptāhān nāśayed indraṃ kiṃ punar mānuṣādikam || 158 ||
Der Praktizierende sei furchterregend, zornig und mit blutroten Augen. In sieben Tagen soll er Indra vernichten können – um wie viel mehr einen Menschen oder andere Wesen.
159
tyaktena tu kusumbhena śatenāṣṭottareṇa tu |
trisandhyaṃ dhārayed rātrau agnikāryaṃ tu kārayet || 159 ||
Mit abgelegtem Saflor [vollziehe er] hundertacht [Gaben]; zu den drei Tagesübergängen halte er [die Übung] ein und nachts vollziehe er die Feuerhandlung.
160
sādhyaṃ tu sādhakaś caiva raktavarṇaṃ vicintayet |
homānte tu dhyāyet sādhyaṃ vihvalaṃ ca sammūrchitam || 160 ||
Der Praktizierende betrachte die Zielperson und sich selbst als rot. Am Ende des Opfers meditiere er über die Zielperson als verstört und bewusstlos,
161
aṅkuśena hato mūrdhni māyāpāśena veṣṭitam |
rājānaṃ rājapatnīṃ vā saptāhād vaśam ānayet || 161 ||
vom Haken am Scheitel getroffen und von Mayas Schlinge umwunden. So soll er einen König oder eine Königin in sieben Tagen gefügig machen.
162
gṛhītvā tu mahāmāṃsaṃ dadhimadhvājyasaṃyutam |
āhutyaṣṭasahasreṇa sadyotkarṣaṇam uttamam || 162 ||
Man nehme »großes Fleisch« [Menschenfleisch], verbunden mit Dickmilch, Honig und geklärter Butter. Durch achttausend Opfergaben [erfolge] unmittelbar ein besonders starkes Heranziehen.
163
ātmanaḥ sādhyabījaṃ ca pañcadevyā catuṣṭayam |
nāḍīmadhyagataṃ dhyātvā ekīkṛtya vicakṣaṇaḥ || 163 ||
Der Verständige betrachte die eigene Keimsilbe und die der Zielperson sowie die Vierheit der Göttinnen im Inneren der Leitbahn und vereinige sie.
164
nāḍīmārgānusāreṇa praveśya sādhyavigraham |
anenaiva prayogeṇa trailokyaṃ vaśam ānayet || 164 ||
Dem Weg der Leitbahn folgend lasse er [sie] in den Körper der Zielperson eintreten. Durch eben diese Anwendung soll er die drei Welten gefügig machen.
165
ata uccāṭanaṃ kuryāc chatrūṇāṃ baladarpitām |
śuṣkāṇi nimbapattrāṇi dhvajāgrāṇi tathaiva ca || 165 ||
Nun [folgt] die Vertreibung von Feinden, die auf ihre Stärke stolz sind. [Man nehme] trockene Neemblätter sowie Fahnenspitzen,
166
nṛvālaṃ citibhasmaṃ ca kākapakṣāgrapicchakam |
kaṭutailaviṣaṃ raktaṃ tenāloḍya tu homayet || 166 ||
menschliche Haare, Scheiterhaufenasche und die Spitzen von Krähenfedern, mische sie mit scharfem Öl, Gift und Blut und opfere sie im Feuer.
167
caṇḍālāgniṃ samāhṛtya citikāṣṭhaṃ samindhayet |
uccāṭayet trirātreṇa tyaktabandhusuhṛjjanān || 167 ||
Man hole Feuer von einem Chandala und entzünde Holz vom Scheiterhaufen. In drei Nächten soll man [die Feinde] vertreiben, sodass sie Verwandte und Freunde zurücklassen.
168
vāmahastatale candraṃ dhyātvā sampūrṇamaṇḍalam |
bījapañcakasaṃyuktaṃ yasya taṃ darśayet karam || 168 ||
Man meditiere in der linken Handfläche über den vollen Mondkreis mit den fünf Keimsilben. Wem man diese Hand zeigt,
169
darśanād vaśam āyānti ye 'pi hantuṃ samudyatāḥ |
yaṃ yaṃ spṛśati hastena dāsatvam upagacchati || 169 ||
der soll schon durch den Anblick gefügig werden, selbst wenn er zum Töten entschlossen war. Wen man mit der Hand berührt, der gerät in Dienerschaft.
170
dakṣiṇe 'py eva vai haste vinyased ravimaṇḍalam |
yaṃ spṛśed darśayed yaṃ tu vidviṣṭāḥ suhṛdāny api || 170 ||
Ebenso setze man in die rechte Hand den Sonnenkreis ein. Wen man damit berührt oder wem man sie zeigt, [der wird] verfeindet, selbst wenn zuvor Freundschaft bestand.
171
nimbasthavāyasaṃ gṛhya śvapākenāvatāritam |
bījair etair viparyastais tailābhyaktaṃ citāhutam || 171 ||
Man nehme eine auf einem Neembaum sitzende Krähe, die von einem Shvapaka heruntergeholt wurde, bestreiche sie mit Öl und opfere sie mit diesen Keimsilben in umgekehrter Reihenfolge im Scheiterhaufenfeuer.
172
tad bhasma viṣaraktāktaṃ kṛṣṇānte raktavāsasaḥ |
parijapya sahasraṃ tu vilomair bījapañcakaiḥ || 172 ||
Deren Asche bestreiche man mit Gift und Blut. Am Ende der dunklen Monatshälfte, in rotem Gewand, bespreche man sie tausendmal mit den fünf Keimsilben in umgekehrter Reihenfolge.
173
yaṃ spṛśed bhasmanā tena kākavad bhramate mahīm |
vidviṣṭaḥ sarvalokānāṃ yadi śakrasamo bhavet || 173 ||
Wen man mit dieser Asche berührt, der soll wie eine Krähe über die Erde irren, von allen Menschen verabscheut, selbst wenn er Shakra gleicht.
174
yathātmani tathā sādhye bījaṣoḍaśakaṃ nyaset |
javāpuṣpasamaprakhyau dvāv etau paricintayet || 174 ||
Wie in sich selbst setze man die sechzehn Keimsilben in der Zielperson ein. Beide betrachte man leuchtend wie Hibiskusblüten,
175
jātīhiṅgulakapakṣau lākṣārasasamaprabhau |
padmasampuṭamadhyasthau ubhau tau sādhyasādhakau || 175 ||
mit den Farben von Jati und Zinnober, glänzend wie Lacksaft, beide – Zielperson und Praktizierender – im Inneren eines geschlossenen Lotus.
176
aṅkuśaṃ sādhyaguhye tu daṇḍaṃ cātmani guhyataḥ |
kusumbharaktasaṃkāśau māyātantvabhiveṣṭitau || 176 ||
Der Haken [befinde sich] im Geschlechtsbereich der Zielperson, der Stab im eigenen; beide seien saflorrot und von Mayas Faden umwunden.
177
pañcarātraṃ trirātraṃ vā niḥśabdo dhyānapāragaḥ |
vaśam ānayate kṣipraṃ nṛpatiṃ mānagarvitam || 177 ||
Wer schweigend und in Meditation geübt fünf oder drei Nächte [so meditiert], soll rasch einen auf seine Würde stolzen König gefügig machen.
178
dvijayoṣin mṛtā yā tu tasyā gṛhyaṃ tu karpaṭam |
kṛṣṇacaturdaśyāṃ gṛhītvā cityaṅgārais tadudbhavaiḥ || 178 ||
Man nehme das Tuch einer verstorbenen Frau aus einem zweimalgeborenen Stand am vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte und [schreibe] mit Kohlen von ihrem Scheiterhaufen
179
bījair vidarbhitaṃ nāma yasya yasya ca veśmani |
nikhanyate sa vai kṣipraṃ prayāti yamasādanam || 179 ||
den von Keimsilben umschlossenen Namen. Bei wessen Haus dies vergraben wird, der soll rasch zu Yamas Wohnstätte gelangen.
180
tato vidyāvrataślāghī kīrtyādibhir alaṃkṛtaḥ |
sādhyate 'nena prayogeṇa mriyate cāvikalpataḥ || 180 ||
Auch wer auf Vidya und Gelübde stolz und mit Ruhm und anderen Vorzügen geschmückt ist, wird durch diese Anwendung überwältigt und soll unweigerlich sterben.
181
gavāṃ rocanayā caiva yasya nāma vidarbhitam |
bījair etaiḥ samāyuktair ālikhya prakṣiped budhaḥ || 181 ||
Der Verständige schreibe den Namen eines Menschen mit Gorochana, von diesen verbundenen Keimsilben umschlossen, und lege [das Beschriebene]
182
pātraṃ madhvājyasampūrṇaṃ śatam āvartayed drutam |
mumukṣor api tasyāstraṃ śāntipuṣṭiś ca jāyate || 182 ||
in ein mit Honig und geklärter Butter gefülltes Gefäß. Er wiederhole [den Mantra] rasch hundertmal; auch für einen nach Befreiung Strebenden entstehen dadurch Schutz, Befriedung und Gedeihen.
183
śatajapto jalenāpi tato vā mucyate sadā |
vyādhighātasamidbhis tu vyādhinātyantapīḍitaḥ || 183 ||
Auch durch hundertmal besprochenes Wasser wird man stets befreit. Wer von Krankheit überaus bedrängt ist, [verwende] Brennhölzer des »Krankheitsvernichters«.
184
aṣṭottaraśatenaiva āhutīnāṃ na saṃśayaḥ |
kṣīrāktena tu deveśi rogī rogād vimucyate || 184 ||
Durch hundertacht Opfergaben, mit Milch bestrichen, o Herrin der Götter, soll der Kranke zweifellos von seiner Krankheit frei werden.
185
juhoti yas tu satataṃ dravyaṃ tasya gṛhe tu yat |
kurvanto 'pi vyayaṃ nityam akṣayatvaṃ ca gacchati || 185 ||
Welchen Stoff jemand fortwährend opfert, dieser wird in seinem Haus unerschöpflich, auch wenn täglich davon verbraucht wird.
186
nityaṃ kālajapenāpi sarveṣāṃ jāyate priyaḥ |
tejasvī balasampanno nāpy asau pīḍyate bhayaiḥ || 186 ||
Durch beständige Wiederholung zur festgesetzten Zeit wird er allen lieb, glänzend und kraftvoll; auch wird er nicht von Ängsten bedrängt.
187
śrīkāmaḥ śrīphalaṃ juhyāt padmaṃ cājyamadhuplutam |
lakṣaikena mahāvitto mantrī lakṣadvayena tu || 187 ||
Wer Wohlstand wünscht, opfere Bilvafrüchte und Lotus, getränkt mit geklärter Butter und Honig. Durch hunderttausend [Gaben] wird er sehr reich; durch zweihunderttausend [erlangt er eine weitere Steigerung].
188
lakṣatrayeṇa pṛthvīśo nirjitārir bhaved dhruvam |
sarvakāmas tilaṃ juhyāt prāpnuyāt tu na saṃśayaḥ || 188 ||
Durch dreihunderttausend wird er gewiss zum Herrn der Erde, der seine Feinde besiegt hat. Wer alle Wünsche erfüllt sehen möchte, opfere Sesam; zweifellos wird er [die Frucht] erlangen.
189
lakṣeṇaikena deveśi sādhakaḥ sa jitendriyaḥ |
tyaktena naramāṃsena chāgasya piśitena vā || 189 ||
Durch hunderttausend [Gaben], Herrin der Götter, [vollendet sich] jener sinnenbeherrschte Praktizierende. Mit abgelegtem Menschenfleisch oder Ziegenfleisch
190
lakṣamātrahutenāśu yad iṣṭaṃ tad avāpnuyāt |
kṛṣṇāgopayasā sārdhaṃ nṛmāṃsaṃ taṇḍulānvitam || 190 ||
erlangt er durch hunderttausend Feueropfer rasch das Gewünschte. Menschenfleisch zusammen mit der Milch einer schwarzen Kuh und Reis
191
pāyasaṃ śavavaktre tu juhuyāt tāvatandritaḥ |
yāvad uttiṣthate pretaḥ kiṃ karomīti so 'bravīt || 191 ||
[bereite er als] Milchreis und opfere ihn unermüdlich in den Mund eines Leichnams, bis der Tote sich erhebt und fragt: »Was soll ich tun?«
192
mārgitavyaṃ yad iṣtaṃ tu labhanīyaṃ yaśasvini |
guḍikāñjanapādukaṃ khanyaṃ vā rājyam eva ca || 192 ||
Dann ist das Gewünschte zu erbitten und zu empfangen, Ruhmreiche: eine Zauberpille, Augensalbe, Schuhe, ein unterirdischer Schatz oder ein Königreich,
193
vidhānaṃ śakranāśaṃ ca pādaleparasāyanam |
eteṣāṃ prārthitaṃ caikaṃ dattvāgacchati nānyathā || 193 ||
ein Verfahren zur Vernichtung Shakras, Fußsalbe oder ein Lebenselixier. Nachdem [der Geist] eines dieser gewünschten Dinge gegeben hat, geht er fort, anders nicht.
194
uddhatā yā mṛtā yoṣit tasyā gṛhyāṅgulīyakam |
abhimantrya imair bījair anulomaiḥ śatena tu || 194 ||
Von einer aufgehängten verstorbenen Frau nehme man einen Ring und bespreche ihn mit diesen Keimsilben in vorwärts gerichteter Reihenfolge hundert
195
aṣtādhikena mantrajñaḥ sādhyanāma vidarbhayet |
yasyā dadāti tadvad āste striyāyāḥ sādhakottamaḥ || 195 || †
und acht Mal. Der Mantrakundige füge den Namen der Zielperson dazwischen ein. Der vorzügliche Praktizierende gebe ihn der betreffenden Frau [der Satzanschluss ist unklar].
196
ākarṣyati tāṃ kṣipraṃ yadi syād urvaśīsamā |
yojanānāṃ śatasyāpi dūreṇāpi samarpitam || 196 ||
Er soll sie rasch heranziehen, selbst wenn sie Urvashi gleicht und hundert Yojanas entfernt ist.
197
puruṣasya bhaved devi uddhatasya yaśasvini |
kākamāṃsaṃ gṛhītvā tu nimbatailasamāyutam || 197 ||
Für einen Mann [verwende man den Ring] eines aufgehängten Mannes, Göttin, Ruhmreiche. [Für ein weiteres Verfahren] nehme man Krähenfleisch mit Neemöl.
198
śmaśānāgniṃ samādhāya śigrukāṣṭhena sādhayet |
juhuyāt saptarātraṃ tu yasya nāmnā tu sādhakaḥ || 198 ||
Man entzünde Feuer vom Leichenverbrennungsplatz mit Shigru-Holz. In wessen Namen der Praktizierende sieben Nächte lang opfert,
199
vidviṣto dṛśyate loke eṣa vidveṣaṇaṃ param |
ato 'nyat sampravakṣyāmi rahasyam idam adbhutam || 199 ||
der soll in der Welt verhasst erscheinen. Dies ist die höchste Verfeindungshandlung. Nun werde ich ein weiteres wunderbares Geheimnis erklären.
200
yad viditvā maheśāni siddhim āpnoti puṣkalām |
svakāle samprayogeṇa siddhis tantreṣu kīrtitā || 200 ||
Wer es kennt, große Herrin, erlangt reiche Vollendung. Die Tantras lehren Vollendung durch die Anwendung zur jeweils eigenen Zeit.
Verse 201–250
201
tataḥ svakālaṃ kurvīta svāni karmāṇi sādhakaḥ |
sādhyahṛtpadmasaṃsthaṃ tu dhyātvādau bījapañcakam || 201 ||
Der Praktizierende vollziehe also seine Handlungen zur jeweils eigenen Zeit. Zuerst meditiere er über die fünf Keimsilben im Herzlotus der Zielperson.
202
kurvīta manasā pūjām itāyāpravato ? padā |
māyayācchādayet paścāt sādhyam antobahiryutam || 202 || †
Er vollziehe geistige Verehrung [der folgende Ausdruck ist unsicher]. Danach umhülle er die Zielperson innen und außen mit Maya.
203
māyākamalanālena sādhyam āveṣtam ānayet |
tataḥ svātmīkam ānīya māyātattvaślathīkṛtam || 203 ||
Mit dem Lotusstängel der Maya führe er die Zielperson umschlungen herbei. Dann bringe er sie zu sich und lockere das Maya-Prinzip.
204
punas tat sthāpayitvā tu sammukhaḥ sādhakottamaḥ |
nyastavyaṃ tu yad ādau tu ? sādhye vai bījapañcakam || 204 || †
Er stelle sie wieder vor sich hin; der vorzügliche Praktizierende setze wie zu Beginn die fünf Keimsilben in die Zielperson ein. [Die Vorlage markiert den Satz als unsicher.]
205
māyāveṣtitaṃ tan mantrī japed aṣṭaśataṃ tataḥ |
sādhyanāmākṣaropetaṃ tatprabuddhāsane sthitam || 205 ||
Der Mantrakundige wiederhole dies, von Maya umhüllt und mit den Namenslauten der Zielperson versehen, hundertacht Mal, auf dem erweckten Sitz verweilend.
206
evaṃ devi tataḥ śīghraṃ dhvastajānuśiroruhaḥ |
ākṛṣto vidhinānena sādhyaḥ kiṃkarito mahān || 206 ||
So wird die Zielperson, Göttin, durch dieses Verfahren rasch herangezogen, mit niedersinkenden Knien und [gelöstem] Haupthaar, und selbst ein Mächtiger wird zum Diener gemacht.
207
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi baddhe ruddhe 'pi mokṣaṇam |
yathā saṃharate śakraṃ tatprayogam idaṃ śṛṇu || 207 ||
Nun werde ich die Befreiung eines Gebundenen oder Eingeschlossenen erklären. Höre diese Anwendung, durch die man Shakra vernichten soll.
208
sādhyahṛtkamalāntaḥsthaṃ dhyātvaivaṃ bījapañcakam |
kurvīta pūrvavat pūjāṃ suṣumnāyāganirgadā ? || 208 || †
Man meditiere so über die fünf Keimsilben im Herzlotus der Zielperson und vollziehe die Verehrung wie zuvor [die anschließende Wendung über Sushumna ist unklar].
209
saṃhārāstraṃ tato mantrī tumburuṃ mūrdhni vinyaset |
devīnāṃ ca tatas tena sādhyam āvṛtya yogavit || 209 ||
Dann setze der Mantrakundige die Vernichtungswaffe auf Tumburus Scheitel und ebenso auf die [Scheitel] der Göttinnen; damit umgebe der Yogakundige die Zielperson.
210
tatra yo mūrdhni tenaiva jvalitānalavarcasā |
dṛṣtvā taṃ manasā bhūyo mūrcchitaṃ bhuvi vihvalam || 210 ||
Mit jener auf dem Scheitel [befindlichen Kraft], die wie loderndes Feuer glänzt, betrachte er sie im Geist erneut als bewusstlos und verstört auf dem Boden.
211
hṛdi baddhvāṅkuśenaiva ānayed ātmano 'ntikam |
tatas tvadhomukhaṃ sthāpya pīḍitaṃ chardayed asṛk || 211 ||
Er binde sie mit dem Haken am Herzen und führe sie zu sich. Dann stelle er sie mit dem Gesicht nach unten vor, gequält und Blut erbrechend.
212
paścāt tu hṛdaye tasya nyastavyaṃ bījapañcakam |
proddhṛtya sādhyanāmaivaṃ saṃhārāstravidarbhitam || 212 ||
Danach sind die fünf Keimsilben in ihr Herz einzusetzen. Man entnehme so den Namen der Zielperson und umschließe ihn mit der Vernichtungswaffe.
213
evaṃ vigatarakṣaṃ tu syāpyudgataṃ tu ? tataḥ |
japed aṣṭasahasraṃ tu jvālāmālābhir āvṛtam || 213 || †
So [betrachte man sie] ihres Schutzes beraubt [unsicherer Wortlaut] und wiederhole [den Mantra] achttausendmal, von Flammengirlanden umgeben.
214
tatas tu karmaṇānena tenaiva tu vidhānataḥ |
sādhyaḥ prayāti nidhanaṃ mṛtyur āntima ? kampayet || 214 || †
Durch diese vorschriftsgemäße Handlung soll die Zielperson den Tod erleiden [der weitere Ausdruck über Tod und Erzittern bleibt unsicher].
215
ity etat kathitaṃ devi samāsādyaṃ tu pūrvaśaḥ |
yathā saṃharate śakraṃ baddhe ruddhe 'tha mokṣaṇāt || 215 ||
Damit ist dir, Göttin, das zuvor aufzugreifende [Verfahren] erklärt: wie man Shakra vernichten soll, um einen Gebundenen oder Eingeschlossenen zu befreien.
216
krodhena mahatā dīptaḥ prayogam idam ārabhet |
suṣumnāyāṃ yadā devaḥ svayaṃcāreṇa vartate || 216 ||
Von großem Zorn entflammt beginne man diese Anwendung, wenn der Gott sich aus eigener Bewegung in Sushumna befindet.
217
suṣumnāntargataṃ dhyātvā raktavarṇaṃ vicintayet |
vidveṣoccāṭanādīni tataḥ karmāṇi kārayet || 217 ||
Man meditiere ihn innerhalb der Sushumna und stelle ihn rot vor. Dann vollziehe man Verfeindung, Vertreibung und weitere Handlungen.
218
bījapañcakadevasya vargāntarayutasya ca |
varṇāntayāgam ekānte sadā gopitaṃ tan mayā || 218 ||
Die Verehrung jenseits der Lautgruppen, in Abgeschiedenheit, [betrifft] den Gott der fünf Keimsilben, verbunden mit einer anderen Gruppe; dies habe ich stets verborgen gehalten.
219
tadā tu sarvakāryāṇāṃ siddhaye śṛṇu suvrate |
kusumbharajasāloḍyaṃ śālīnāṃ piṣṭakena ca || 219 ||
Höre nun, Gelübdetreue, was zur Vollendung sämtlicher Handlungen dient. Mit Saflorstaub vermischtem Reismehl,
220
bhasmanā candanenāpi nāgakeśarajena vā |
sugandhaiś ca vicitraiś ca likhec ca susamāhitaḥ || 220 ||
mit Asche, Sandelholz oder Nagakeshara-Staub und mit vielfältigen Duftstoffen zeichne man [das Mandala] in vollkommener Sammlung.
221
vargātītasya garbhe tu nyaset padmaṃ caturdalam |
tatra sabhrātṛkā devyaḥ pūjayed bījapañcake || 221 ||
In das Innere des die Lautgruppe Übersteigenden setze man einen vierblättrigen Lotus. Dort verehre man die Göttinnen samt ihrem Bruder innerhalb der fünf Keimsilben.
222
evaṃ pūjitamātrās tu sarvadāsarvakāmadāḥ |
bhavanti niyataṃ[nityaṃ] dharmakāmārthamokṣadāḥ || 222 ||
Sobald sie so verehrt sind, gewähren sie stets sämtliche Wünsche und verleihen gewiss Dharma, Begehren, Wohlstand und Befreiung.
223
yāgam evaṃ ca kṛtvānte tato lakṣatrayaṃ japet |
tataḥ siddhim avāpnoti brahmaghno 'pi hi nānyathā || 223 ||
Nach Abschluss dieser Verehrung wiederhole man [den Mantra] dreihunderttausendmal. Dann erlangt selbst ein Brahmanentöter Vollendung, anders nicht.
224
manasā cintitaṃ kāmaṃ tadā prabhṛtim āpnuyāt |
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi japasya vidhim uttamam || 224 ||
Von da an erlangt er den im Geist erwogenen Wunsch. Nun werde ich das höchste Verfahren der Mantrawiederholung erklären.
225
ekāsanasthito mantrī yāgaṃ kṛtvā vidhānavit |
ekacittaḥ prasannātmā vāmahastākṣasūtradhṛk || 225 ||
Nach vollzogener Verehrung bleibe der verfahrenskundige Mantrapraktizierende auf einem Sitz, mit einem einzigen Gedanken und heiterem Inneren, die Gebetskette in der linken Hand.
226
japakarma sadākuryād viśeṣam aparaṃ śṛṇu |
vaśyakāmo japaṃ kuryād anulomair vidarbhitam || 226 ||
So vollziehe er stets die Wiederholung. Höre eine weitere Besonderheit: Wer Gefügigmachen wünscht, wiederhole [den Mantra] in vorwärts gerichteter Folge und mit eingeschobenen
227
bījair etair yathānyāyaṃ sādhyanāmākṣarānvitaiḥ |
kālaṃ tatra vijānīyāt kālasiddhiḥ pravartate || 227 ||
Namenslauten der Zielperson, verbunden mit diesen Keimsilben in der richtigen Weise. Dabei muss er die Zeit kennen; daraus entsteht die zeitgerechte Vollendung.
228
māraṇe pratilomais tu sādhyanāma tu pūrvataḥ |
vidveṣe 'pi vilomais tu phaṭkārāntaṃ prayojayet || 228 ||
Beim Töten [verwende er] die umgekehrte Folge, den Namen der Zielperson vorangestellt. Auch bei Verfeindung verwende er die umgekehrte Folge mit phaṭ am Ende.
229
māraṇe pratilomais tu hūṃphatkārānta dyan ? takaiḥ |
oṃ svāhā namo 'ntais tu vaśyākarṣaṇakarmasu || 229 || †
Beim Töten [verwende er] die umgekehrte Folge mit hūṃ und phaṭ am Ende [der weitere Wortlaut ist unsicher]; bei Gefügigmachen und Heranziehen oṃ, svāhā und namas als Endungen.
230
homayed evam evaṃ tu sarvaṃ kuryād vicakṣaṇaḥ |
namaskāro japasyānte svāhā home prakīrtitam || 230 ||
Ebenso opfere er im Feuer; der Einsichtige vollziehe alles auf diese Weise. Am Ende der Wiederholung ist die Verneigungsformel angegeben, beim Feueropfer svāhā.
231
svaśoṇitāktaṃ laśunaṃ māraṇe pratihomayet |
uccātane kākapakṣaṃ vaśye jātiṃ tu homayet || 231 ||
Beim Töten opfere er mit eigenem Blut bestrichenen Knoblauch, beim Vertreiben Krähenfedern und beim Gefügigmachen Jasmin.
232
vidveṣe śleṣa śigruṃ ca homayed avicāraṇāt |
ākarṣaṇe bakulapuṣpaṃ homayec ca vicakṣaṇaḥ || 232 ||
Beim Verfeinden opfere er Shlesha und Shigru, ohne zu zögern; beim Heranziehen opfere der Einsichtige Bakula-Blüten.
233
sarve yāgasamuddiṣtāḥ kālajñasya yaśasvini |
yena kālaṃ ca vai jñātaṃ tena jñātaḥ sadāśivaḥ || 233 ||
Alle Verehrungen sind für den Zeitkundigen bestimmt, Ruhmreiche. Wer die Zeit erkannt hat, hat Sadashiva erkannt.
234
sadāśive parijñāte siddhiṃ śāmyanti sādhakāḥ |
kālatattvaṃ ca vijñeyaṃ tattvātsiddhiḥ pravartate || 234 ||
Wenn Sadashiva erkannt ist, gelangen die Praktizierenden zur Vollendung. Das Prinzip der Zeit ist zu erkennen; aus [der Erkenntnis] des Prinzips entsteht Vollendung.
235
tattvahīnā na sidhyanti prayatnenāpi sādhakāḥ |
tasmāt sarvaprayatnena kālatattvaṃ vidur budhāḥ || 235 ||
Ohne [Erkenntnis] des Prinzips gelangen die Praktizierenden selbst bei großer Anstrengung nicht zur Vollendung. Deshalb erkennen die Verständigen mit aller Sorgfalt das Prinzip der Zeit.
236
kriyākālaṃ ca vai śūnyaṃ na sidhyantīha sādhakāḥ |
tasmāt kriyāṃ ca kālaṃ ca asaṃjñeyaṃ prayatnataḥ || 236 ||
Ohne Handlung und Zeit gelangen die Praktizierenden hier nicht zur Vollendung. Deshalb sind Handlung und Zeit sorgfältig zu erfassen. [Die letzte Verbform der Vorlage ist auffällig.]
śrīdevy uvāca |
237
sa kālaś ca kathaṃ jñeyo yo 'sāv uktas tvayā prabho |
kālahīnānṛtaṃ manye sarvam eva ca śaṅkara || 237 ||
Die Göttin sprach: Wie ist jene Zeit zu erkennen, von der du gesprochen hast, Herr? Ohne Zeitkenntnis halte ich alles für unwahr, Shankara.
śrī īśvara uvāca |
238
śṛṇu devi paraṃ guhyaṃ kālatattvātmavigraham |
yaj jñātvā tu sukhenaiva siddhir bhavati mantriṇām || 238 ||
Höre, Göttin, das höchste Geheimnis, die eigentliche Gestalt des Zeitprinzips. Wenn die Mantrakundigen es erkannt haben, entsteht ihnen mühelos Vollendung.
239
ayutaṃ dve ca vijñeyāḥ ṣoḍaśaiva śatāni ca |
caturviṃśatisaṃkrāntyā dvādaśāṅgulagatāgate || 239 ||
Einundzwanzigtausendsechshundert [Atembewegungen] sind zu erkennen, mit vierundzwanzig Übergängen und einem Kommen und Gehen über zwölf Fingerbreiten.
240
śarīre tu yathā devi sthitaṃ sakalaniṣkalam |
tathā haṃsaṃ pravakṣyāmi sādhakānāṃ hitāya vai || 240 ||
Wie das Gegliederte und Ungegliederte im Körper ruht, Göttin, so werde ich Hamsa zum Wohl der Praktizierenden erklären.
241
pādau pāyur upastham ca hastau vāgindriyas tathā |
śrotratvakcakṣuṣā jihvā nāsikā ca tathāparā || 241 ||
Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan, Hände und Sprachvermögen; Gehör, Haut, Augen, Zunge und Nase;
242
pṛthvy āpas tathā tejo vāyur ākāśam eva ca |
śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca raso gandhas tathaiva ca || 242 ||
Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum; Klang, Berührung, sichtbare Gestalt, Geschmack und Geruch;
243
mano buddhir ahaṃkāro avyaktam puruṣas tathā |
pañcaviṃśatitattvāni śarīre tu vidur budhāḥ || 243 ||
Geist, Urteilskraft, Ichprinzip, das Unmanifeste und Purusha: Diese fünfundzwanzig Prinzipien erkennen die Verständigen im Körper.
244
ebhir ādhārabhūtais tu ādheyo dhyāyate sadā |
ādhāraṃ puram ity uktaṃ puruṣaś cādheya ucyate || 244 ||
Auf der Grundlage dieser [Prinzipien] wird stets das von ihnen Getragene meditiert. Die Grundlage heißt »Stadt«, Purusha heißt das darin Getragene.
245
hṛtpadme karṇikāvastha ūrdhvagāmī sadātmakaḥ |
niṣkalasya tu devasya punar ādhārasaṃsthitiḥ || 245 ||
Er befindet sich im Fruchtboden des Herzlotus, steigt aufwärts und ist seinem Wesen nach beständig. Dies ist wiederum das Ruhen des ungegliederten Gottes auf einer Grundlage.
246
tatpuruṣam ādhārādheyaṃ niṣkalaṃ paramaṃ śivam |
ṣatkauśikaśarīraṃ tu tattvānāṃ pañcaviṃśatiḥ || 246 ||
Jener Purusha, Grundlage und Getragenes, ist der ungegliederte höchste Shiva. Der aus sechs Hüllen bestehende Körper [umfasst] die fünfundzwanzig Prinzipien.
247
daśavāyusamāyuktaṃ nāḍībhir vyāpitaṃ puram |
śarīraṃ triguṇaṃ caiva sarvadaivatasaṃyutam || 247 ||
Die Stadt ist mit zehn Winden verbunden und von Leitbahnen durchzogen; der Körper besitzt die drei Gunas und ist mit sämtlichen Gottheiten verbunden.
248
anenādhiṣthitaṃ devi cakravat parivartate |
yathā tāragaṇaṃ sarvaṃ grahanakṣatramaṇḍalam || 248 ||
Von diesem getragen, Göttin, dreht er sich wie ein Rad. Wie die gesamte Sternenschar und der Kreis der Planeten und Sternbilder,
249
dhruvādhiṣthitaṃ tat sarvam acalaṃ parivartate |
tadvac charīraṃ devasya sarvabījagaṇaṃ hi yat || 249 ||
vom feststehenden Polarstern getragen, kreisen, so [verhält sich] der Körper des Gottes, der die ganze Schar der Keimsilben umfasst.
250
śivenādhiṣthitaṃ jñātvā tantre siddhim avāpnuyāt |
trikubjikutilākārā ṣaṣṭhasvarasamanvitā || 250 ||
Wer ihn als von Shiva getragen erkennt, erlangt Vollendung im Tantra. [Die betreffende Lautgestalt] ist dreifach gekrümmt, gebogen und mit dem sechsten Vokal verbunden.
Verse 251–300
251
śaktir binduvinirbhinnā dehasthā sakalātmakā |
asyās tejaḥśikhā sūkṣmā mṛṇālatantusaṃnibhā || 251 ||
Die Shakti ist von Bindu durchdrungen, im Körper befindlich und von gegliederter Beschaffenheit. Ihre feine Lichtspitze gleicht einem Faden im Lotusstängel.
252
jyotirūpā ca sā jñeyā tasyānte tu punaḥ śivaḥ |
akārādikṣakārāntam ābrahmabhuvanaṃ jagat || 252 ||
Sie ist als Lichtgestalt zu erkennen; an ihrem Ende wiederum steht Shiva. Die Welt von a bis ksha und bis zur Welt Brahmas
253
asmiṃś codpadyate sarvaṃ tatraiva pralayaṃ bhavet |
eṣa devaḥ paraḥ sūkṣma ādhārādheyasaṃsthitaḥ || 253 ||
entsteht vollständig in ihm und löst sich dort wieder auf. Dieser höchste, feine Gott ruht als Grundlage und Getragenes.
254
ayane viṣuve caiva āgneyāmṛtakāraṇam |
yadā vāruṇamārgastha iḍāmadhyagato bhavet || 254 ||
Bei den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen [ist er] Ursache von Feuer und Nektar. Wenn er auf dem Wasserweg im Inneren der Ida liegt,
255
himakundendusaṃkāśo vijñeyaḥ śucikarmaṇi |
dvādaśādityasaṃkāśaḥ piṅgalāntargato yadā || 255 ||
ist er bei reinen Handlungen als Schnee, Jasmin und Mond gleichend zu erkennen. Wenn er sich im Inneren der Pingala befindet, gleicht er zwölf Sonnen.
256
aruṇānalasaṃkāśaṃ raudrakarmaṇi yojayet |
suṣumnāyāṃ yadā deva upaśānto vahaty asau || 256 ||
Wie rötliches Feuer setze man ihn bei furchterregenden Handlungen ein. Wenn der Gott in Sushumna fließt, ist er ganz friedvoll.
257
mokṣamārgam idaṃ devi jyotīrūpaṃ parāparam |
eṣa devo gatiś caiva kālatattvātmavigrahaḥ || 257 ||
Dies ist der Weg der Befreiung, Göttin, lichtgestaltig, höher und niedriger [umfassend]. Dieser Gott und seine Bewegung sind die eigentliche Gestalt des Zeitprinzips.
258
sādhakasya hitārthāya paramārtham udāhṛtam |
etatsarvaṃ samākhyātaṃ kālatattvātmavigraham || 258 ||
Zum Wohl des Praktizierenden ist die höchste Bedeutung erklärt worden. Dies alles ist als die eigentliche Gestalt des Zeitprinzips dargelegt,
259
trisaṃsthe tu samāsena sarvatantreṣu siddhidam |
nāḍīsaṃsthaṃ yathā karma kurute mantriṇaḥ sadā || 259 ||
kurz in seinen drei Standorten, Vollendung verleihend in allen Tantras. Wie der Mantrakundige die in den Leitbahnen gegründete Handlung stets ausführt,
260
tad ahaṃ sampravakṣyāmi śṛṇu tvaṃ ca varānane |
iḍā ca piṅgalā caiva nāḍyau dve samudāhṛte || 260 ||
das werde ich erklären; höre, Schönangesichtige. Ida und Pingala sind als die beiden Leitbahnen genannt.
261
yato nityaṃ cared devaḥ kramaśaś ca nivartate |
tāny ātmavatakarmāṇi prayuktaṃ kurute prabhuḥ || 261 ||
Durch sie bewegt sich der Gott beständig und kehrt der Reihe nach zurück. Der Herr vollzieht die entsprechenden, auf ihn selbst bezogenen Handlungen, wenn er eingesetzt wird.
262
sa eva kurute karma bījanāḍīprayogataḥ |
ayaṃ kālaḥ samākhyātas tṛtvedaya ? samanvitaḥ || 262 || †
Er selbst vollzieht die Handlung durch die Anwendung von Keimsilbe und Leitbahn. Dies wird als Zeit bezeichnet, verbunden mit [einem in der Vorlage unklaren Ausdruck].
263
dehastham kathitaṃ devi ṛtuyuktas tu sādhakaḥ |
jñātvā kālaṃ ca tattvaṃ tu tataḥ karma samārabhet || 263 ||
Das im Körper Befindliche ist erklärt, Göttin. Der mit der rechten Zeit verbundene Praktizierende erkenne Zeit und Prinzip und beginne dann die Handlung.
264
śāntikaṃ pauṣtikaṃ cāpi vidveṣoccāṭanaṃ tathā |
vaśyākarṣaṇakaṃ kuryād yadi kālaṃ vijānate || 264 ||
Befriedung, Gedeihen, Verfeindung, Vertreibung, Gefügigmachen und Heranziehen soll er vollziehen, wenn er die Zeit kennt.
265
saumyāni saumyakāle tu raudre raudrāṇi kārayet |
anyakālakṛtaṃ karma vṛthā bhavati sādhake || 265 ||
Friedvolle Handlungen vollziehe er in friedvoller Zeit, furchterregende in furchterregender. Eine zu anderer Zeit vollzogene Handlung bleibt für den Praktizierenden vergeblich.
266
tasmāt sarvaprayatnena kāle karmāṇi kārayet |
svaraktaṃ gocanaṃ caiva tathā sindūram eva ca || 266 ||
Deshalb vollziehe er die Handlungen mit aller Sorgfalt zur rechten Zeit. [Für eine Anwendung nehme man] eigenes Blut, Gorochana und Zinnober,
267
kusumbharajaḥsammiśraṃ dadhimadhvājyasaṃyutam |
khadirai raktasamidhair athavā raktacandanaiḥ || 267 ||
vermischt mit Saflorstaub, Dickmilch, Honig und geklärter Butter; [man verwende] rote Brennhölzer aus Khadira oder rotem Sandelholz.
268
atra digdhvā hunen mantrī saptāhād vaśam ānayet |
pratimāṃ lavaṇamayīṃ kṛtvā śatābhimantritāṃ budhaḥ || 268 ||
Der Mantrakundige bestreiche sie damit und opfere sie; nach sieben Tagen soll er Gefügigkeit bewirken. Oder der Verständige fertige eine Salzfigur und bespreche sie hundertmal.
269
pādau prabhṛti hotavyaṃ yāvad aṣṭaśataṃ bhavet |
trisandhyām ekacittas tu amoghavaśyatāṃ nayet || 269 ||
Von den Füßen beginnend opfere er, bis hundertacht [Gaben] erreicht sind. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu den drei Tagesübergängen soll er unfehlbar Gefügigkeit bewirken.
270
saikthīṃ tu pratimāṃ kṛtvā tryūṣaṇena tu lepayet |
pratimāsu susampūrṇaṃ kaṇṭakair madanodbhavaiḥ || 270 ||
Er fertige eine Wachsfigur und bestreiche sie mit den drei scharfen Gewürzen. Mit Dornen des Madana-Baums [versehe er] die vollständig gestaltete Figur.
271
vidarbhya pādau guhyaṃ ca lalātaṃ ca vicakṣaṇaḥ |
kucayugme ca devīnām agrato nikhaneta tu || 271 ||
Der Einsichtige durchsteche Füße, Geschlechtsbereich, Stirn und beide Brüste und vergrabe sie vor den Göttinnen,
272
adhomukhāṃ viliptāṅgāṃ rājikālavaṇena tu |
vāmanāsikaraktena nāmamantrair vidarbhitām || 272 ||
mit dem Gesicht nach unten, die Glieder mit schwarzem Senf und Salz bestrichen. Mit Blut aus dem linken Nasenloch [schreibe er] den von Mantras umschlossenen Namen.
273
likhitvā hṛdaye kuryād vahniṃ prajvālya copari |
rājikālavaṇaṃ caiva hotavyāṣtaśataṃ budhaḥ || 273 ||
Er bringe ihn am Herzen an und entzünde darüber ein Feuer. Der Verständige opfere hundertacht Gaben von schwarzem Senf und Salz.
274
trisandhyām eva saptāhāt trailokyaṃ vaśam ānayet |
kulālakaranirmukta- mṛdā pratimayīkṛtā || 274 ||
Zu den drei Tagesübergängen [ausgeführt], soll er nach sieben Tagen die drei Welten gefügig machen. Eine Figur sei aus Ton gefertigt, der aus der Hand eines Töpfers genommen wurde.
275
tenaiva kaṇtakair viddhvā svasthānasthais tu mantriṇaḥ |
bhage vā athavā liṅge sanmantrāṇy aṣṭaśatāni tu || 275 ||
Diese durchbohre der Mantrakundige mit denselben Dornen an den entsprechenden Stellen, an der Yoni oder am Linga, mit hundertacht Mantra[wiederholungen].
276
sūtrayed guhyadeśe tu gṛṇan mantraṃ tu sarvadā |
saptāhād ānayed vaśyaṃ striyaṃ vā puruṣam api vā || 276 ||
Er durchziehe den Geschlechtsbereich mit einem Faden und spreche dabei beständig den Mantra. Nach sieben Tagen soll er eine Frau oder einen Mann gefügig herbeiführen.
277
mānuṣāsthimayaṃ kīlaṃ kṛtvā tu caturaṅgulam |
kṣīravṛkṣaṃ bhage likhya liṅgaṃ vā kīlayet tataḥ || 277 ||
Er fertige einen vier Fingerbreiten langen Pflock aus menschlichem Knochen, zeichne Yoni oder Linga an einen Milchsaftbaum und durchbohre [die Zeichnung].
278
ṣaṇḍilas tu bhavet sādhya ārdrayogo na saṃśayaḥ |
uddhṛtena bhaven mokṣaṃ nātra kāryā vicāraṇā || 278 || †
Die Zielperson soll dadurch impotent werden [der Ausdruck »ārdrayoga« bleibt unklar]. Nach dem Herausziehen erfolgt Befreiung; daran soll nicht gezweifelt werden.
279
madhūkā śvetapadmaṃ ca rocanā nāgakeśaram |
tagaraṃ caiva sūkṣmelam añjanaṃ samabhāgikam || 279 ||
Madhuka, weißer Lotus, Gorochana, Nagakeshara, Tagara und kleiner Kardamom [ergeben] eine Augensalbe zu gleichen Teilen.
280
kanyayā piṣitaṃ kṛtvā yāgaṃ kṛtvā yathoditam |
sahasrāṣtādhikaṃ japtvā japena yajane tataḥ || 280 ||
Ein Mädchen soll [die Stoffe] zermahlen; man vollziehe die Verehrung wie angegeben und wiederhole [den Mantra] tausendachtmal bei der Verehrung.
281
sarvalokeṣu dṛśyante kāmadevasamo 'pi tat |
vicareta mahīṃ kṛtsnāṃ nātra kāryā vicāraṇā || 281 ||
Dann soll man allen Menschen wie der Liebesgott erscheinen und die gesamte Erde durchwandern können; daran soll nicht gezweifelt werden.
282
mañjiṣthā kunduruś caiva haridre dve tu pīṣayet |
piṣtvā pūrvavidhānena tato guhyaṃ pralepayet || 282 ||
Man zermahle Manjishtha, Kunduru und die beiden Haridra-Arten nach dem zuvor beschriebenen Verfahren und bestreiche damit den Geschlechtsbereich.
283
pravṛtte maithune kāle patir dāsaṃ kariṣyati |
meṣalocanamūlaṃ tu kambalyā kṣīrasādhitam || 283 ||
Wenn der Geschlechtsverkehr beginnt, soll dies den Gatten zum Diener machen. [Bei einer weiteren Anwendung nehme man] die Wurzel von Meshalochana, mit der Milch einer Kambali [Tierbezeichnung] zubereitet.
284
śmaśāne sādhayen mantrī rātrau kāṣṭhais tadudbhavaiḥ |
kapālair guṇḍayed aṅgaṃ raktavāsoparicchadam || 284 ||
Der Mantrakundige bereite sie nachts auf dem Leichenverbrennungsplatz mit dorther stammendem Holz zu. Mit Schädeln [als Gefäßen oder Geräten] bestäube er den Körper, in rotes Gewand gehüllt.
285
udvartano 'bhayo hy eṣa vajravat syāṅkuśopamaḥ |
bhakṣayed deśayet kaṃcit kāmāṅkuśavinirgataḥ || 285 || †
Diese Einreibung [wird] als Furchtlosigkeit [verleihend bezeichnet]; [ihre Wirkung] sei vajragleich und einem Haken vergleichbar. Man lasse jemanden [davon] essen oder zeige es ihm [der Wortlaut ist gestört].
286
puruṣo vaśam āyāti strī vā madanagarvitā |
vālmīkamṛttikāṃ gṛhya balīvardaṃ tu kārayet || 286 ||
Ein Mann oder eine auf ihre erotische Kraft stolze Frau soll dadurch gefügig werden. Man nehme Erde aus einem Ameisenhügel und fertige einen Stier.
287
kanyākartitasūtreṇa tasya nāsāṃ pravedhayet |
athavā padmasūtreṇa raktacandanalepitam || 287 ||
Mit einem von einem Mädchen gesponnenen Faden oder mit einem Lotusfaden durchbohre man dessen Nase; [die Figur sei] mit rotem Sandelholz bestrichen.
288
raktapuṣpaiḥ samabhyarcya sarvārṇavaṃ samānayet |
sādhyasya vilikhen nāma svaraktena vṛṣodare || 288 ||
Nach Verehrung mit roten Blumen führe man die gesamte Lautfolge herbei. Mit eigenem Blut schreibe man den Namen der Zielperson in den Bauch des Stiers.
289
śrīvṛkṣakotare sthāpya sādhyam evaṃ vaśīkuru |
anenaiva mṛdā meṣaṃ kārayen mantravit sadā || 289 ||
Man stelle ihn in die Höhlung eines Bilvabaums und mache so die Zielperson gefügig. Oder der Mantrakundige fertige aus derselben Erde einen Widder.
290
meṣasūtreṇa vai nāsāṃ vedhayet pūrvavac chuciḥ |
devīnām agrataḥ sthāpya tasya nāsāṃ pracālayet || 290 ||
Rein durchbohre er dessen Nase wie zuvor mit einem Wollfaden. Er stelle ihn vor die Göttinnen und bewege dessen Nase.
291
yaṃ yaṃ vijñāpayet kāmaṃ taṃ taṃ prāpnoti sādhakaḥ |
ete yogavarā devi mayā tava udāhṛtāḥ || 291 ||
Welchen Wunsch der Praktizierende vorträgt, den erlangt er. Diese vorzüglichen Anwendungen habe ich dir erklärt, Göttin.
292
varṇānām udare yāgaṃ sarvakāmaprasiddhidam |
evam eva magarbhasthaṃ māraṇe samprayojayet || 292 ||
Die Verehrung im Inneren der Laute verleiht die Erfüllung sämtlicher Wünsche. Auf dieselbe Weise verwende man [die Gottheit] im Inneren des ma zum Töten.
293
gavāṃ rocanayā likhya evam eva prayojayet |
sodaremūkatāṃ kuryād vāgīśam api mūkayet || 293 ||
Mit Gorochana geschrieben wende man sie ebenso an. Im Inneren des sa soll man Stummheit bewirken und selbst den Herrn der Rede verstummen lassen.
294
nityam ākarṣayet proktam ākārodare pūjitā |
mahāpuruṣavarastrīṇāṃ japamānā tu kīrtanāt || 294 ||
Beständiges Heranziehen wird gelehrt, wenn sie im Inneren des ā verehrt wird; durch ihre Wiederholung und Anrufung [wirkt sie auf] große Männer und vorzügliche Frauen.
295
jñānāṅkuśagatā pūjā kṣipraṃ prāyeṣu vastuṣu |
unmaneṣv atha ghoreṣu sākāreṇa tu sādhayet || 295 ||
Die im Erkenntnishaken befindliche Verehrung [wirkt] rasch bei den betreffenden Gegenständen. Bei Verwirrung und furchterregenden [Zuständen] vollende man [die Handlung] mit sa.
296
ekārodarayāgena bhavaty arthapradāyikā |
vakāramadhyagā caiva vaśīkaraṇakarmaṇi || 296 ||
Durch Verehrung im Inneren des e wird sie zur Gewährerin von Besitz. Im Inneren des va [wirkt sie] beim Gefügigmachen.
297
dharmārthamokṣadā caiva puṣṭitejovivardhanī |
bhavati niyatā devi haṃsamadhyeṣu pūjitam || 297 ||
Im Inneren von Hamsa verehrt, Göttin, gewährt sie gewiss Dharma, Wohlstand und Befreiung und vermehrt Gedeihen und Glanz.
298
bhañjane yadi sainyānāṃ bhakārajathare sthitam |
bhavati niyatā kṣipraṃ kṣemanābhigarīyasī || 298 || †
Zur Zerschlagung von Heeren befindet sie sich im Bauch des bha. Sie wird gewiss rasch [wirksam; der Ausdruck über »kṣema« und »nābhi« ist unklar].
299
māraṇe tu prayoktavyaṃ phatkārānte vyavasthitā |
vidveṣaṃ tu prayacchanti jakārajatharesthitā || 299 ||
Beim Töten ist sie mit phaṭ am Ende einzusetzen. Im Bauch des ja befindlich bewirken [die Göttinnen] Verfeindung.
300
śatrukulocchādaṃ kuryāt hūṃ phatkārānte vyavasthitā |
svalpaprāyeṣu kāryeṣu yakārajatharodare || 300 ||
Mit hūṃ und phaṭ am Ende soll man die Familie des Feindes auslöschen. Bei eher kleinen Vorhaben [verehre man sie] im Inneren des ya.
Verse 301–350
301
dehanyāsaṃ punar vakṣye abhedyaṃ parameśvari |
vinyasya karaṇān sākṣān mahābhūteṣu pañcasu || 301 ||
Nun werde ich erneut die unzerstörbare Einsetzung in den Körper erklären, höchste Herrin. Nachdem man die Wirkkräfte unmittelbar in die fünf großen Elemente eingesetzt hat,
302
dehe tattvatrayaṃ nyasya prāṇāyāmapuraḥsaraḥ |
śarīre vinyased devi pūrvam uktakrameṇa tu || 302 ||
setze man nach vorausgehender Atemregelung die drei Prinzipien in den Körper ein, Göttin, in der zuvor genannten Reihenfolge.
303
māyayācchādayitvā tu aṅkuśena nirodhayet |
yoniṃ baddhvā tataḥ paścāt sādhakaḥ susamāhitaḥ || 303 ||
Man umhülle [ihn] mit Maya und halte ihn mit dem Haken fest. Dann forme der Praktizierende in vollkommener Sammlung die Yoni[-Mudra].
304
svadehe namasā mantrī kalpoktena tu karmaṇā |
kuryāt sarvāṇi kāryāṇi tataḥ siddhir na saṃśayaḥ || 304 ||
Im eigenen Körper vollziehe der Mantrakundige mit namas sämtliche Handlungen nach dem im Ritualhandbuch angegebenen Verfahren. Dann entsteht zweifellos Vollendung.
305
nayottarāditantreṣu kalpoktaṃ karma kārayet |
athavādaśalakṣāṇi japed yas tu vidhānataḥ || 305 ||
Man vollziehe die im Nayottara und anderen Tantras vorgeschriebene Handlung. Oder wer vorschriftsgemäß eine Million [Wiederholungen] rezitiert,
306
tataḥ sabhrātṛkā devyaḥ sādhakasyāgrataḥ sthitāḥ |
varam iṣtaṃ prayacchanti trayātītaṃ padaṃ hi yat || 306 ||
vor dem stehen die Göttinnen samt ihrem Bruder und gewähren die gewünschte Gabe: jene Stufe, welche die Dreiheit übersteigt.
307
bījapañcakam etad dhi na deyaṃ yasya kasyacit |
vargāntanirguṇākrāntaṃ samyag vai bījapañcakam || 307 ||
Diese fünf Keimsilben dürfen nicht beliebigen Menschen gegeben werden. Die fünf Keimsilben sind richtig vom als »jenseits der Lautgruppe und eigenschaftslos« Bezeichneten durchdrungen.
308
evam eva purā kṛtvā jñātvaivaṃ hi vidhānataḥ |
bījāni bījayet prājñaḥ tataḥ karma samārabhet || 308 ||
Nachdem der Kundige zuvor genau so gehandelt und das Verfahren erkannt hat, setze er die Keimsilben ein und beginne dann die Handlung.
309
evaṃ vidhānavid yas tu hīno vā sarvalakṣaṇaiḥ |
api pātakasaṃyuktaḥ sa siddhiphalabhāg bhavet || 309 ||
Wer dieses Verfahren kennt, wird an der Vollendungsfrucht teilhaben, selbst wenn ihm sämtliche [günstigen] Merkmale fehlen und er mit schweren Verfehlungen belastet ist.
310
vargāntanirguṇākhyasya asyāpi paramaṃ smṛtam |
hṛdayaṃ devadevīnām ekākṣaram ataḥ param || 310 ||
Auch für das als »jenseits der Lautgruppe und eigenschaftslos« Bezeichnete gilt ein Höchstes: darüber hinaus das einsilbige Herz des Gottes und der Göttinnen.
311
yatra sabhrātṛkā devyaḥ kūṭadehā vyavasthitāḥ |
nātaḥ parataro mantras triṣu lokeṣu vidyate || 311 ||
Darin ruhen die Göttinnen samt ihrem Bruder mit einem aus dem Lautkomplex bestehenden Körper. In den drei Welten gibt es keinen höheren Mantra.
312
gopitavyaṃ prayatnena tantrasāraṃ sudurlabham |
mamāpi gopitaṃ devi sarvajñenāpi sarvadā || 312 ||
Dieser schwer zugängliche Kern des Tantra ist sorgfältig geheim zu halten. Auch ich, der Allwissende, habe ihn stets verborgen, Göttin.
313
niścayaṃ mama baddhvānta ? yac ca devena bhāṣitam |
tvayāpi caivam evaṃ hi rakṣaṇīyaṃ prayatnataḥ || 313 || †
[Der Beginn über die innere Gewissheit ist in der Vorlage unklar.] Was der Gott ausgesprochen hat, sollst auch du auf dieselbe Weise sorgfältig bewahren.
314
cintāratnam idaṃ guhyaṃ vratasādhanavarjitam |
anusmaraṇāmātreṇa samyagjñāya krameṇa tu || 314 ||
Dieses geheime Wunschjuwel bedarf keiner Gelübde und aufwendigen Verwirklichung. Allein durch Vergegenwärtigung, nach richtigem, schrittweisem Erkennen
315
varṇayāgakrameṇaiva pūrvoktena yathākramam |
sidhyate nātra saṃdehaḥ sarvakāmas tu mantriṇām || 315 ||
und nach der zuvor beschriebenen Folge der Lautverehrung wird den Mantrakundigen zweifellos jeder Wunsch erfüllt.
316
śāntikaṃ pauṣtikaṃ caiva vidveṣoccāṭanaṃ tathā |
vaśyākarṣas tathā nāśaṃ sarvaṃ sidhyati sādhake || 316 ||
Befriedung, Gedeihen, Verfeindung, Vertreibung, Gefügigmachen, Heranziehen und Vernichtung: Alles gelingt dem Praktizierenden.
317
śukreṇa sarvatobhadre mahāsammohane tathā |
nirmathya kathito devi dadhno ghṛtam ivoddhṛtam || 317 ||
Von Shukra wurde [dies] im Sarvatobhadra und ebenso im Mahasammohana durch Ausquirlen erklärt, Göttin, wie Butter aus Dickmilch gewonnen wird.
318
parīkṣya guruṇā śiṣyaṃ gurudevāgnipūjakam |
tasya deyam idaṃ tantraṃ na ca nāstikanindake || 318 ||
Nachdem der Guru den Schüler geprüft hat, der Lehrer, Gottheit und Feuer verehrt, soll ihm dieses Tantra gegeben werden, nicht einem Verneiner oder Verleumder.
319
na dīkṣitā na sidhyanti sthitāḥ kalpaśatair api |
svayaṃgṛhītamantrāś ca nāstikā vedanindakāḥ || 319 ||
Nicht Eingeweihte erreichen selbst nach hundert Weltaltern keine Vollendung, ebenso wenig diejenigen, die Mantras eigenmächtig nehmen, die Verneiner und die Verächter der Veden,
320
samayebhyaḥ paribhraṣtās tathā tantravidūṣakāḥ |
gurūṇāṃ viheṭhanaparās tantrasāravilopakāḥ || 320 ||
diejenigen, die von den Verpflichtungen abgefallen sind, das Tantra verunglimpfen, Lehrer quälen oder den Kern des Tantra zerstören.
321
yoginībhiḥ sadā bhraṣṭāḥ kathyante dharmalopakāḥ |
iti tathyaṃ mahādevi surāsuranamaskṛtam || 321 ||
Sie gelten als von den Yoginis stets Verworfene, als Zerstörer des Dharma. Dies ist wahr, große Göttin, [und wird] von Göttern und Asuras ehrfürchtig anerkannt.
322
sāram etad dhi tantrasya tasya tatsthaṃ mahānaye |
ājñā bhagavataś caiva śivasya paramātmanaḥ || 322 ||
Dies ist der Kern des Tantra, der darin im großen Lehrweg ruht, und das Gebot des erhabenen Shiva, des höchsten Selbst.
śrīdevy uvāca |
323
śrutaṃ mayā mahādeva vīṇāsadbhāvam uttamam |
tantraṃ vīṇāśikhaṃ nāma durlabhaṃ tridaśeṣv api || 323 ||
Die Göttin sprach: Ich habe, großer Gott, das höchste wahre Wesen der Vina gehört, das Tantra namens Vinashikha, das selbst unter den Göttern schwer zugänglich ist.
324
vargāntanirguṇākhyasya asyāpi paramaṃ ca yat |
ekākṣaraṃ paraṃ guhyaṃ bhuktimuktipradāyakam || 324 ||
Was aber selbst noch das Höchste des als »jenseits der Lautgruppe und eigenschaftslos« Bezeichneten ist: das einsilbige höchste Geheimnis, das Welterfahrung und Befreiung verleiht,
325
gopitaṃ tu tvayā deva sārabhūtaṃ maheśvara |
tapasā durdharāllabdhaṃ yac ca jñānaṃ śivodbhavam || 325 ||
diesen Kern hast du verborgen, Gott, großer Herr, ebenso das aus Shiva entstandene Wissen, das durch schwer zu ertragende Askese erlangt wurde.
326
prasādaṃ kuru deveśa yatra siddhir dhruvaṃ sthitā |
prāpte kaliyuge ghore saṃkate bahupātake || 326 ||
Erweise Gnade, Herr der Götter, [und lehre das,] worin Vollendung gewiss ruht. Wenn das furchtbare Kali-Zeitalter gekommen ist, bedrängend und reich an Verfehlungen,
327
sarvasrotaḥprapannānām āśu siddhir yathā nṛṇām |
prasādaṃ kuru deveśa kaḥ parampārate mama || 327 || †
[lehre,] wie Menschen, die den verschiedenen Überlieferungsströmen folgen, rasch Vollendung erlangen. Erweise Gnade, Herr der Götter; wer könnte mich sonst hinüberführen? [Der letzte Ausdruck ist gestört.]
328
alpaprajñāḥ kumatayo bahuvyākulacetasā |
tantraṃ naivādhigacchanti na caiva bahudhā śrutam || 328 ||
Menschen von geringer Einsicht, mit verkehrtem Denken und vielfach zerstreutem Bewusstsein verstehen das Tantra nicht, auch wenn sie viel gehört haben.
329
iti deva tvayā pūrvaṃ kathitaṃ guruṇātmanā |
asmākam api saṃkṣepāt kathayasva maheśvara || 329 ||
So hast du selbst zuvor als Lehrer gesprochen, Gott. Erkläre es auch uns in kurzer Form, großer Herr.
śrī īśvara uvāca |
330
aho svabhāvaprakṛte kimpraśnāsi punaḥ 'punaḥ |
yan mayā kathitaṃ pūrvaṃ tad gṛhāṇa subhāṣitam || 330 ||
Ach, du mit deiner eigenen Natur! Warum fragst du immer wieder? Nimm an, was ich zuvor wohlgesprochen erklärt habe.
śrīdevy uvāca |
331
na bhūyaḥ paripṛcchāmi praśnam ekā garīyasī |
vāram ekaṃ kuru vyaktaṃ prasādaṃ sūkṣmagocaram || 331 ||
Die Göttin sprach: Ich frage danach nicht erneut; nur diese eine Frage ist überaus wichtig. Offenbare einmal deine Gnade, welche das Feine zum Gegenstand hat.
śrī īśvara uvāca |
332
śṛṇu devi prayatnena sūkṣmāt sūkṣmataraṃ mahat |
prayogaṃ sarvatantrāṇām uttaraṃ sarvasiddhaye || 332 ||
Höre aufmerksam, Göttin, die große, feiner als das Feine beschaffene Anwendung, welche sämtliche Tantras überragt und allen Vollkommenheiten dient.
333
yena saṃsmṛtamātreṇa siddhir hastatale sthitā |
nāyāso na vrataś caiva na tapaś ca maheśvari || 333 ||
Durch ihre bloße Vergegenwärtigung liegt die Vollendung in der Hand. Es bedarf keiner Mühe, keines Gelübdes und keiner Askese, große Herrin,
334
nāgnikarma na caivārcā smaraṇāt siddhidaḥ smṛtaḥ |
śṛṇuṣvaikākṣaraṃ devi sadbhāvaparasaṃhitam || 334 ||
keiner Feuerhandlung und keiner äußeren Verehrung. Sie gilt als durch Vergegenwärtigung Vollendung verleihend. Höre, Göttin, den einsilbigen [Mantra], der mit dem höchsten wahren Wesen verbunden ist.
335
śarīraṃ tattvarājānaṃ jātavedasi saṃsthitam |
śikhāyāṃ saṃsthito devo bindudevī jayā smṛtā || 335 ||
Der Körper [ist] der König der Prinzipien, im Feuer befindlich. In der Spitze ruht der Gott; als Göttin des Bindu gilt Jaya.
336
yaścātrordhvaṃ bhaved devi saukaraḥ parikīrtitaḥ |
tantudevaṃ vijānīyān makāraṃ bindudevatām || 336 ||
Was darüber liegt, Göttin, wird als zum Eber gehörend bezeichnet. Man erkenne den Fadengott und den Laut ma als Bindu-Gottheit.
337
evaṃ tu pañcadhā devi tattvarājaṃ tu kīrtitam |
caturviṃśatikoṣthe tu yo mantranāyakaḥ smṛtaḥ || 337 ||
So ist der König der Prinzipien als fünffach erklärt, Göttin. Derjenige Mantraführer, der im vierundzwanzigsten Feld angegeben ist,
338
tattvarāja iti khyāta ūnaviṃśaty adhaḥ smṛtaḥ |
viṃśakena svareṇaiva bindumūrdhnā tu pīḍitam || 338 ||
heißt König der Prinzipien; darunter gilt der neunzehnte [Laut], verbunden mit dem zwanzigsten Vokal und oben von Bindu gekennzeichnet.
339
eṣa ekākṣaraḥ proktas tvatpriyārthaṃ varānane |
suṣiraṃ tattvarājānaṃ jātavedasi saṃsthitam || 339 ||
Dieser Einsilbige ist dir zuliebe erklärt, Schönangesichtige. [Man betrachte] den hohlen König der Prinzipien, im Feuer befindlich.
340
viṣṇor upari dīptena japel lakṣatrayaṃ budhaḥ |
ākarṣayed drumāṇy eṣa mṛgapakṣisarīsṛpān || 340 ||
Über Vishnu leuchtend wiederhole ihn der Verständige dreihunderttausendmal. Dadurch soll er Bäume, Wildtiere, Vögel und Kriechtiere heranziehen.
341
mānuṣāṇāṃ tu kā cintā ākarṣaṇavidhiṃ prati |
ekādaśamaḥ saṃyuktas tattvarājena śobhane || 341 ||
Was wäre dann beim Heranziehen von Menschen noch zu bedenken? Der elfte [Laut], mit dem König der Prinzipien verbunden, Schöne,
342
śirasā bindubhinnena hṛdi caiṣa nigadyate |
saptaviṃśa śiraḥ proktaṃ triṃśamas tu śikhā bhavet || 342 ||
mit einer von Bindu durchdrungenen Oberseite, wird als Herz bezeichnet. Der siebenundzwanzigste gilt als Kopf, der dreißigste als Haarschopf.
343
ūnacatvāriṃśatir devi tattvo 'yaṃ kavacaḥ smṛtaḥ |
ṣoḍaśasvarasaṃyuktam etad astraṃ prakīrtitam || 343 ||
Der neununddreißigste, Göttin, gilt als Schutzpanzer dieses Prinzips. Mit dem sechzehnten Vokal verbunden heißt es Waffe.
344
netraṃ tu kathitaṃ devi viṃśatyakṣarayojitam |
eṣa ekākṣaro devi ṣaḍaṅgaḥ samudāhṛtaḥ || 344 ||
Als Auge ist es erklärt, Göttin, verbunden mit dem zwanzigsten Laut. Damit ist dieser Einsilbige, Göttin, samt seinen sechs Gliedern beschrieben.
345
haṃso māyāyukto devi nārācāstravidarbhitaḥ |
savisarganayapadaṃ bījāntasthaṃ(?) ū ī siddhikarī nṛṇām(?) || 345 || †
Hamsa ist mit Maya verbunden, Göttin, und von der Pfeilwaffe umschlossen. [Der weitere Text nennt Visarga, eine Stellung im Inneren der Keimsilbe sowie ū und ī; Satzbau und Lesung sind ausdrücklich unsicher.]
346
ha ra tra vṛddhiṃ karoti .... .... |
māyāṅkuśanirodhās te sarvamantragaṇādayaḥ || 346 || †
ha, ra, tra bewirken Vermehrung [Textlücke]. Maya und Haken halten diese sämtlichen Mantragruppen und die übrigen [Kräfte] fest.
347
kramaśo yojayen mantri yadīcched dīrgham ātmani |
sarvam etat parityajya kuryān mantraparigraham || 347 ||
Der Mantrakundige setze [sie] der Reihe nach ein, wenn er für sich lange [Lebensdauer] wünscht. Oder er lasse all dies beiseite und nehme den Mantra an.
348
ātmātīndriyādhārāṇāṃ kṛtvā kartavyaṃ muhur muhuḥ |
padārthavidhisaṃyuktaṃ yan mayā gaditaṃ purā || 348 || †
[Die Anordnung] des Selbst, der Sinne und ihrer Grundlagen vollziehe er immer wieder, verbunden mit dem Verfahren der Wortbedeutungen, das ich zuvor erklärt habe. [Die Satzkonstruktion ist unregelmäßig.]
349
tad anena prayogeṇa kartavyaṃ siddhim icchatā |
dhyāyet sindūrasadṛśaṃ vaśyākarṣaṇakarmaṇi || 349 ||
Wer Vollendung wünscht, soll es durch diese Anwendung vollziehen. Bei Gefügigmachen und Heranziehen meditiere er [die Gottheit] zinnoberrot.
350
māraṇe kṛṣṇavarṇaṃ tu vidveṣe vāmarūpakam |
uccāte dhūmravarṇaṃ tu śvetaṃ caiva puṣṭyarthinā || 350 ||
Beim Töten [meditiere er sie] schwarz, bei Verfeindung in widriger Gestalt, bei Vertreibung rauchfarben; wer Gedeihen wünscht, [meditiere sie] weiß.
Verse 351–396
351
mayūragrīvasadṛśaṃ stambhane cintayet sadā |
sarvavarṇadharaṃ caiva sarvakāmikam eva ca || 351 ||
Beim Erstarrenlassen betrachte man [sie] stets wie einen Pfauenhals; für sämtliche Wünsche als Trägerin aller Farben.
352
sarvendriyāṇāṃ kurvīta upahāre mahādhipe |
hṛtpadmakarṇikordhvaṃ tu suṣiraṃ tatra cintayet || 352 ||
Bei der Zurücknahme sämtlicher Sinne, große Herrin, betrachte man oberhalb des Fruchtbodens des Herzlotus eine Höhlung,
353
sphuliṅgaṃ karṇikārūpaṃ nirdhūmatejarūpiṇam |
dhūmajvālāvinirmuktaṃ sūryakoṭisamaprabham || 353 ||
einen Funken in Gestalt des Fruchtbodens, von rauchlosem Licht, frei von Rauch und Flammen, glänzend wie zehn Millionen Sonnen.
354
tasyordhve tu śikhā sūkṣmā nirmalā sphātikopamā |
nityaṃ sā sevyate yuktair yogibhir niṣkalā parā || 354 ||
Darüber befindet sich eine feine Spitze, rein wie Kristall. Diese höchste, ungegliederte [Kraft] wird von gesammelten Yogis stets verehrt.
355
ūrṇātantusamākārā ūrdhvasrotā nirupamā |
tatra madhye gataṃ paśyed devyā guhyottarambhavā || 355 ||
Sie gleicht einem Wollfaden, strömt aufwärts und ist unvergleichlich. Darin sehe man das aus dem höheren Geheimnis der Göttin Entstandene.
356
vālāgraśatabhāgākhyā- vīṇādhārāsusaṃsthitā |
dhyāyeta nityaṃ yogīndraḥ sūkṣmaguhyasamudbhavām || 356 ||
Als ein Hundertstel einer Haarspitze beschrieben, ruht sie fest auf der Vina-Grundlage. Der Herr der Yogis meditiere beständig über sie als aus dem feinen Geheimnis hervorgegangen.
357
kṛtvā pūrvaṃ tu vinyāsaṃ sakalābāhyasaṃsthitam |
evaṃ varṇavibhāgaṃ tu jñātvā siddhim avāpnuyāt || 357 ||
Zuvor vollziehe man die Einsetzung, im gegliederten äußeren [Bereich] ruhend. Wer so die Gliederung der Laute erkennt, erlangt Vollendung.
358
vaśyākarṣaṇakarmāṇi vācayā sa kariṣyati |
vīṇāśikhāyāḥ sarvasvaṃ cintāratnam ivāparam || 358 ||
Handlungen des Gefügigmachens und Heranziehens vollzieht er durch das Wort. Dies ist der gesamte Schatz des Vinashikha, gleich einem weiteren Wunschjuwel.
359
etad bījavaraṃ prāpya yathepsasi tathā kuru |
ājñā bhagavataś caiṣā sarvadāvyabhicāriṇī || 359 ||
Nachdem du diese vorzügliche Keimsilbe empfangen hast, handle nach deinem Wunsch. Dies ist das stets unfehlbare Gebot des Erhabenen.
360
dhyātavyā sā prayatnena yadīcchet siddhim ātmanaḥ |
yajanaṃ yājanaṃ caiva saṃyogaṃ ca layaṃ tathā || 360 ||
Wer für sich Vollendung wünscht, soll sorgfältig darüber meditieren. Eigenes Verehren und Verehrenlassen, Vereinigung und Auflösung
361
samayākṣarabījaṃ ca akṣarākṣarayojitam |
rakṣaṇīyaṃ tvayā bhadre prayatnena suniścalam || 361 ||
sowie die aus Verpflichtung und Laut bestehende Keimsilbe, Laut mit Laut verbunden: Dies sollst du, Gütige, sorgfältig und unerschütterlich bewahren.
362
etad guhyaṃ samākhyātaṃ tava snehād vicakṣaṇi |
etaj jñātvā tu mantrajñaḥ śivasāyujyatāṃ vrajet || 362 ||
Aus Zuneigung zu dir habe ich dieses Geheimnis erklärt, Einsichtige. Wer es kennt und des Mantras kundig ist, gelangt zur Vereinigung mit Shiva.
363
evaṃ vilayatāṃ yāti vidhinānena yojitām |
amalīkṛtadehas tu vidhinānena sādhakaḥ || 363 || †
So gelangt [die Kraft], durch dieses Verfahren verbunden, zur Auflösung. Durch dieses Verfahren hat der Praktizierende seinen Körper gereinigt.
Textanmerkung: Der Druck, S.84, liest yojitām; die elektronische Fassung hat yoṣitām. Hier wird die Drucklesung übernommen.
364
amalīkṛtaṃ tanmantraṃ hṛccakre viniyojayet |
somamaṇḍalamadhyasthaṃ dhyāyet kundendusaprabham || 364 ||
Den gereinigten Mantra setze er in das Herzrad ein. Er meditiere ihn in der Mitte des Mondkreises, leuchtend wie Jasmin und Mond.
365
amṛtena tu siñcanti lāntīsagatilitena ? tu |
evam āpyāyito mantraḥ sarvasiddhiprado bhavet || 365 || †
[Die Kräfte] begießen ihn mit Nektar [der weitere Ausdruck ist unsicher]. So genährt verleiht der Mantra sämtliche Vollkommenheiten.
366
evam āpyāyanaṃ kṛtvā bindumadhyevicakṣaṇaḥ |
aṣṭottarasahasraṃ tu mantrāṇāṃ mantravij japet || 366 ||
Nachdem er diese Nährung vollzogen hat, wiederhole der einsichtige Mantrakundige [den Mantra] in der Mitte des Bindu tausendachtmal.
367
paramīkaraṇaṃ hy etan mantrasyāpyāyanaṃ smṛtam |
śivībhūtas tu mantro vai sādhayed akhilaṃ jagat || 367 ||
Dies gilt als Erhebung zum Höchsten und als Nährung des Mantras. Zum Shiva geworden, soll der Mantra die ganze Welt beherrschen können.
368
sūryacakraniruddhaṃ tu śirasi samavasthitam |
japet hūṃkārasahitaṃ bodhanaṃ parikīrtitam || 368 ||
Im Sonnenkreis festgehalten und auf dem Scheitel befindlich wiederhole man ihn zusammen mit hūṃ. Dies wird als Erweckung bezeichnet.
369
ādityacakramadhyasthaṃ vahninā saṃnirodhitam |
nirdahate mantraṃ devi yadā karma na kurvati || 369 ||
Befindet sich der Mantra in der Mitte des Sonnenkreises und ist von Feuer umschlossen, verbrennt man ihn, Göttin, wenn er die Handlung nicht vollzieht.
370
śikhāmadhyagataṃ dhyātvā sahasraṃ parivartayet |
mantram evaṃ samuddiṣtaṃ guhyaśaktipradīpanam || 370 ||
Man meditiere ihn in der Mitte der Spitze und wiederhole ihn tausendmal. So ist für den Mantra das Entfachen seiner geheimen Kraft erklärt.
371
dahanaṃ cāgninā kāryaṃ hūṃkāreṇa prabodhayet |
dīpanaṃ tu śikhāmadhye mantrāṇāṃ mantravādinām || 371 ||
Das Verbrennen erfolgt durch Feuer; mit hūṃ soll man erwecken. Das Entfachen der Mantras erfolgt für Mantrapraktizierende in der Mitte der Spitze.
372
amalīkurutesūryaś candreṇāpyāyanaṃ smṛtam |
śivīkurvīta bindusthaṃ mantrī mantraṃ tu yogavit || 372 ||
Die Sonne reinigt; durch den Mond erfolgt die Nährung. Der Yogakundige soll den im Bindu befindlichen Mantra zu Shiva machen.
373
evaṃ mantraviśuddhas tu candrasūryasamanvitam |
dīpanaṃ śaktinā nityaṃ japen mantrī samāhitaḥ || 373 ||
Mit so gereinigtem Mantra, verbunden mit Mond und Sonne und beständigem Entfachen durch Shakti, wiederhole der Mantrakundige in Sammlung.
374
amṛtodbhavakāle tu mantrī yatnena niścayāt |
vaśam ānayate kṣipraṃ viśvaṃ manata ? saṃśayaḥ || 374 || †
Zur Zeit des Aufgehens des Nektars soll der Mantrakundige mit Sorgfalt und Entschlossenheit rasch die Welt gefügig machen [der letzte Ausdruck ist unsicher].
375
yāvatī māyā mantrāṇāṃ sarveṣāṃ kathitā mayā || 375 || †
Die gesamte Wirkmacht sämtlicher Mantras habe ich erklärt.
Textanmerkung: Dieser Eintrag ist im Druck, S.85, ein Halbvers. Von hier bis 396 folgt die Zuordnung der Halbverse der gedruckten Ausgabe, nicht der abweichenden elektronischen Zusammenstellung.
376
vidhir atra krame cāyaṃ paścād vakṣye jape vidhim |
yajanakāle samprāpte ekacittaḥ samāhitaḥ || 376 ||
Dies ist hier das Verfahren in seiner Reihenfolge; anschließend werde ich das Verfahren bei der Wiederholung erklären. Wenn die Zeit der Verehrung gekommen ist, sei man mit einem einzigen Gedanken gesammelt.
377
hṛtpadme karṇikāsīna- devatārpitamānasaḥ |
śikhābinduṃ vinirdhārya tanmantraṃ hṛdi saṃsthitam || 377 ||
Man richte den Geist auf die Gottheit im Fruchtboden des Herzlotus. Nachdem man Spitze und Bindu festgelegt hat, [betrachte man] den Mantra im Herzen.
378
putavarṇavidhānaṃ syād akṛtoccāranisvanam |
svasthacitto hy asammūḍha alākūrdhvasthitātmanaḥ || 378 || †
Die Anordnung der umschließenden Laute erfolge ohne hörbares Aussprechen, mit in sich ruhendem, unverwirrtem Bewusstsein und nach oben gerichtetem Inneren [der letzte Ausdruck ist gestört].
379
avicchinnaṃ drutaṃ caiva avilambitam eva ca |
tāvan mantrī japen mantraṃ yāvac cittaṃ na khidyate || 379 ||
Ununterbrochen, zügig und ohne Verzögerung wiederhole der Mantrakundige den Mantra so lange, wie der Geist nicht ermüdet.
380
alabhya mama mantraṃ syād drutaṃ kālasya sidhyati |
japaṃ kṛtvā tu medhāvī nānyam etat samarpayet || 380 || †
[Der erste Halbvers ist sprachlich gestört; er verbindet Mantra, Zeit und rasche Vollendung.] Nach vollzogener Wiederholung soll der Einsichtige dies keinem anderen übergeben.
381
mantrī kurvīta yatnena yathārthatvaṃ nibodhata |
prathame vāyavī proktā dvitīyā tv analā smṛtā || 381 ||
Der Mantrakundige handle sorgfältig; erkennt die wirkliche Bedeutung. Als erste gilt die dem Wind zugehörige [Form], als zweite die dem Feuer zugehörige.
382
tṛtīyā caiva māhendrī vāruṇī tu tathāpare |
oṃkārapūrvato mantraṃ namaskārāntayojitam || 382 ||
Als dritte [gilt] die zu Mahendra gehörige, als weitere die zu Varuna gehörige. Der Mantra beginne mit Om und ende mit der Verneigungsformel.
383
bījapiṇḍaṃ tu madhyasthaṃ mudrāyuktaṃ sadā yajet |
kṣipram arthas tathā karma bhuktibhogaṃ sudurlabham || 383 ||
Den Keimsilbenkomplex in der Mitte verehre man stets zusammen mit der Mudra. Rasch [erlangt man] Besitz, Handlung und schwer zugängliche Genüsse der Welterfahrung.
384
sādhayen manasā sarvaṃ bījamudrāprayogataḥ |
hūṃkāram adito nyastam namaskārāntavyavasthitam || 384 ||
Durch die Anwendung von Keimsilbe und Mudra vollende man alles im Geist. [Der Mantra sei] mit hūṃ am Anfang und der Verneigungsformel am Ende versehen.
385
uccātayet sarvaduṣtān daityabhūtagrahāṃs tathā |
oṃkārayojitasyādau svāhākārāvasānataḥ || 385 ||
Man soll alle Übelgesinnten sowie Daityas, Geister und ergreifende Mächte vertreiben. [Bei einer anderen Anwendung sei der Mantra] mit Om am Anfang und svāhā am Ende versehen.
386
agnikāryaprayogo 'yaṃ kṣipram arthaṃ prasādhayet |
oṃkārasamputaṃ piṇḍaṃ rakāreṇa tu dīpakam || 386 ||
Dies ist die Anwendung bei der Feuerhandlung; sie soll rasch das Ziel verwirklichen. Man umschließe den Lautkomplex mit Om und entfache ihn durch ra.
387
sādhayen manasā dhyātvā kāmārthaś ca yathepsitam |
suptaṃ bodhayate mantrī śīghraṃ siddhim avāpnuyāt || 387 ||
Indem man im Geist meditiert, verwirkliche man Begehren und Besitz nach Wunsch. Der Mantrakundige erweckt den schlafenden [Mantra] und soll rasch Vollendung erlangen.
388
oṃkāraś ca rakāraś ca phaṭkāraś caiva madhyataḥ |
madhye vargāntapiṇḍas tu karma kuryād yathepsitam || 388 ||
Om, ra und phaṭ [werden] in der Mitte [angeordnet]; in der Mitte [steht] der Lautkomplex am Ende der Gruppe. So vollziehe man die gewünschte Handlung.
389
hūṃkāram ādau ante ca hakāraś cādimadhyataḥ |
japan tu bodhayen mantrī api suptam acetanam || 389 ||
hūṃ [steht] am Anfang und Ende, ha am Anfang und in der Mitte. Durch Wiederholung erwecke der Mantrakundige selbst den schlafenden, unbewussten [Mantra].
390
hūṃkāraś ca rakāraś ca phaṭkāram ādimadhyataḥ |
kruddhas tu jāpayen mantrī yadākarma na kurvati || 390 ||
hūṃ, ra und phaṭ [stehen] am Anfang und in der Mitte. Zornig wiederhole der Mantrakundige [ihn], wenn er die Handlung nicht ausführt.
391
oṃkārasamputaṃ kṛtvā namaskārāntayojitam |
japet piṇḍākṣaraṃ mantrī sarvasiddhikaraṃ param || 391 ||
Man umschließe [ihn] mit Om und verbinde ihn am Ende mit der Verneigungsformel. Der Mantrakundige wiederhole den höchsten Lautkomplex, der sämtliche Vollkommenheiten bewirkt.
392
śāntikapauṣtikaṃ karma śubheṣu aśubheṣu ca |
kṣipram āvāhane siddhir homabījaprayogataḥ || 392 ||
[Dies gilt] für Handlungen der Befriedung und des Gedeihens, in günstigen und ungünstigen [Lagen]. Beim Herbeirufen entsteht rasch Vollendung durch die Anwendung der Feueropferkeimsilbe.
393
homayet phalabījāni dhānyabījatṛṇāni ca |
payasā vāpi śuddhena homakarma hy udāhṛtam || 393 ||
Man opfere Fruchtsamen, Getreidesamen und Gräser. Auch mit reiner Milch ist die Feuerhandlung gelehrt.
394
madhunā ghṛtasaṃyuktaṃ tilaṃ juhyād vicakṣaṇi |
sādhayet sarvakarmāṇi vaṣatkṛtaṃ japiṣyati || 394 ||
Man opfere Sesam zusammen mit Honig und geklärter Butter, Einsichtige. So vollende man sämtliche Handlungen; man rezitiere mit vaṣaṭ.
395
sarveṣāṃ guhyamantrāṇāṃ bījamudrāṃ prayojayet |
aprakāśyam idaṃ guhyaṃ śivavaktrād viniḥsṛtam || 395 ||
Bei sämtlichen geheimen Mantras wende man die Keimsilbenmudra an. Dieses nicht öffentlich zu verbreitende Geheimnis ist aus Shivas Mund hervorgegangen.
396
yas tv idaṃ dhyāyate nityaṃ pūjayen manasā japet |
sa bhuṅkte vipulān bhogān īśānāntapadaṃ labhet || 396 ||
Wer es beständig meditiert, geistig verehrt und wiederholt, genießt reiche Freuden und erlangt die bis zu Ishana reichende Stufe.
Überlieferte Schlussformel
vīṇāśikhā sārdhaśatatrayaṃ yāmalatantraṃ samāptam iti
Damit ist Vinashikha, das Yamala-Tantra von dreihundertfünfzig [Versen], abgeschlossen. [Die Umfangsangabe gehört zur Schlussformel und weicht von der tatsächlichen Nummerierung ab.]
Unnummerierte Anhänge A–D
Diese kurzen Zusätze stehen nach dem nummerierten Grundtext in der Ausgabe. Ihre knappen, teilweise unregelmäßigen Laut- und Wortformen bleiben als Quellenbefund erkennbar.
Anhang A
hūṃkārādau svāhānte ākarṣaṇe |
Beim Heranziehen: hūṃ am Anfang, svāhā am Ende.
oṃkārādau vauṣat ante śāntike |
Bei Befriedung: Om am Anfang, vauṣaṭ am Ende.
oṃkārādau su vaṣaḍ ante pauṣtike |
Beim Gedeihen: Om am Anfang, [su] vaṣaṭ am Ende. Die zusätzliche Silbe su steht in der Vorlage.
oṃkārādau vaṣaḍante 'mṛtīkaraṇe |
Beim Unsterblichmachen: Om am Anfang, vaṣaṭ am Ende.
phat phat māraṇe |
Beim Töten: phaṭ, phaṭ. Die Vorlage schreibt hier phat.
oṃ kṣraṃ saṃhārāstra |
Om kṣraṃ: die Vernichtungswaffe.
Anhang B
kṣa puruṣa/prakṛti buddhi/ahaṅkāra manaḥ |
kṣa: Purusha, Prakriti, Urteilskraft, Ichprinzip und Geist.
ja śabdasparśarasarūpagandha tanmātraṃ |
ja: die feinen Sinnesgegenstände Klang, Berührung, Geschmack, sichtbare Gestalt und Geruch.
bha pṛthivī āpa teja vāyu ākāśa pañcamahābhūta |
bha: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum – die fünf großen Elemente.
/ma/śrotratvaccakṣurjihvāghrāṇa buddhīndriya |
ma: Gehör, Haut, Auge, Zunge und Geruchssinn – die Erkenntnisvermögen.
ha/vākpāṇipādapāyūpastha karmendriya |
ha: Rede, Hand, Fuß, Ausscheidungsorgan und Geschlechtsorgan – die Handlungsvermögen.
Anhang C
jaya brāhmani bhūmi |
Jaya: Brahmanin und Erde.
vijaya kṣatrāṇi / āpa |
Vijaya: Angehörige des Kriegerstandes und Wasser.
ajita / vaisani / teja |
Ajita: Angehörige des Vaishya-Standes [Vorlage: vaisani] und Feuer.
aparājita sūdrani / vāyu |
Aparajita: Angehörige des Shudra-Standes [Vorlage: sūdrani] und Wind.
tumburu akāśa śūnya nirguṇa |
Tumburu: Raum, Leere, Eigenschaftslosigkeit.
Anhang D
kṣakāraḥ puruṣaḥ sākṣāt makāraḥ prakṛtiḥ smṛtā |
Der Laut kṣa ist unmittelbar Purusha; der Laut ma gilt als Prakriti.
mahān hakāram ity āhur ahaṃkāras tu ya smṛtaḥ |
Mahat nennen sie den Laut ha; als Ichprinzip gilt ya.
oṃkāras tu manaḥ proktaṃ kathitaṃ devi te kramāt |
Om ist als Geist erklärt. Dies ist dir, Göttin, der Reihe nach erläutert.
Abschließender Kolophon
vīṇāśikhaṃ vāmatantraṃ sampūrṇam | śubham astu |
Das Vinashikha, das Vama-Tantra, ist vollständig. Möge Heil sein.
Vollständige Devanagari-Fassung
Die folgende Umschrift entspricht derselben Lesefassung und derselben korrigierten Verszuordnung. † verweist auf die oben gekennzeichnete Unsicherheit; Fragezeichen und Lückenzeichen stammen aus der Textgrundlage. Die Anhänge sind nicht in die Verszählung einbezogen.
वीणाशिखतन्त्रम्
ॐ नमो महाभैरवाय ।
Devanagari: Verse 1–50
कैलासशिखरे रम्ये नानारत्नोपशोभिते ।
नानाद्रुमलताकीर्णे सिद्धचारणसेविते ॥ 1 ॥
तत्र देवः सुरश्रेष्ठः क्रीडते उमया सह ।
स्तूयमानो महासिद्धैर् महाकालादिभिर् गणैः ॥ 2 ॥
ऋषिभिश् च महाभागैर् भृग्वाद्यैः सुरसत्तमैः ।
तेषां मध्ये समुत्थाय देवी वचनम् अब्रवीत् ॥ 3 ॥
श्रुतं सम्मोहनं तन्त्रं तथा नयोत्तरं महत् ।
शिरश्छेदं च देवेश त्वत्प्रसादात् सुदुर्लभम् ॥ 4 ॥
व्रतसाध्यानि चैतानि यागसाध्यानि वै पुनः ।
अन्यसारा यतो लोके प्रायो द्रविणवर्जिताः ॥ 5 ॥
एभ्यो ऽपि चोत्तरं यस्मात् केवलं ज्ञानसिद्धिदम् ।
सर्वकामप्रदं देव यथावद् बीजपञ्चकं ॥ 6 ॥
उत्तरं हृदयं ह्य् एषां भक्ताय दातुम् अर्हसि ॥ 7 ॥
श्री ईश्वर उवाच ।
यन् न कस्यचिद् आख्यातं शुक्रादीनां च योगिनाम् ।
सुभक्तस्य विनीतस्य गोपितं वै गुहस्य च ॥ 8 ॥
चतुःषष्टिः समाख्याताः शिष्यास् तन्त्रेषु ये मया ।
तेषाम् अपि न चाख्यातं ब्रह्मविष्णुपुरःसरैः ॥ 9 ॥
तद् अहं सम्प्रवक्ष्यामि चिन्तारत्नम् इवापरम् ।
तन्त्रं वीणाशिखं नाम निर्व्याजेनाशुसिद्धिदम् ॥ 10 ॥
देवीतुम्बुरुसंयुक्तं वीणाधारसुसंस्थितम् ।
शिखायोगेन इष्यन्ते तेन वीणाशिखा स्मृता ॥ 11 ॥
यागम् आदौ प्रवक्ष्यामि तन्त्रसारं सुदुर्लभम् ।
तेनैव वरदा देव्यो नित्यं देवि भवन्ति हि ॥ 12 ॥
गृहयागम् इदं देवि यो जानातीह साधकः ।
व्रतहोमाद् ऋते चास्मिन् सुसिद्धिं लभते परम् ॥ 13 ॥
शिष्याणाम् आदितः कुर्याद् यागं कृत्वा परिग्रहम् ।
नान्यथा दर्शयेत् तन्त्रं न चासौ सिद्धिम् आप्नुयात् ॥ 14 ॥
चतुर्थ्याम् अथ पञ्चम्यां नवम्याम् एकादशीषु च ।
ग्रहणे वापि कर्तव्या सर्वदा चार्कसोमयोः ॥ 15 ॥
चतुर्थ्यां यजनं श्रेष्ठं सौभाग्यकरणं महत् ।
श्रीकामो यजनं कुर्यात् पञ्चम्यां सुसमाहितः ॥ 16 ॥
संग्रामे विजयार्थी वा परराष्ट्रविमर्दनम् ।
नवम्यां पार्थिवं यागं कुर्वीत भगिनीप्रियम् ॥ 17 ॥
एकादश्यां यजेद् यस् तु शिवलोके महीयते ।
सुगुप्ते निर्जने देशे सरिद्वापीतटे ऽपि वा ॥ 18 ॥
कृत्वादौ भूमिसंशुद्धिं सावित्र्या देशिकोत्तमः ।
कृत्वा पूजां प्रकुर्वीत शिष्याणाम् अधिवासनम् ॥ 19 ॥
चरुकं साधने पश्चात् सावित्र्या दापयेद् बुधः ।
शिष्याणां दन्तकाष्ठं च सक्षीरंद्वादशाङ्गुलम् ॥ 20 ॥
आचम्य शिष्यम् आहूय पञ्चतत्त्वपरिष्कृतम् ।
सावित्र्या प्रोक्षयेद् भूयस् तत्त्वजप्तं यथोदितम् ॥ 21 ॥
प्रमार्जयेत्कुशाग्रेण तस्याङ्गानि समालभेत् ।
आलभ्यैव तु सावित्र्या क्षालयेत् सकलं क्रमात् ॥ 22 ॥
यागभूमौ स्वशिष्यांस् तु स्वपेच् च कुशसंस्तरे ।
रक्षां सदा शतैर् बीजैः कृत्वा ध्यात्वा च ताः क्रमात् ॥ 23 ॥
ततः प्रभाते विमले मुखं प्रक्षाल्य साधकः ।
इष्टानिष्टां गुरौ चेष्टां प्रणिपत्य निवेदयेत् ॥ 24 ॥
इष्टानिष्टान् विदित्वा तु देशिकः साधकस्य तु ।
आदौ देशे समे भूमौ विविक्ते शल्यवर्जिते ॥ 25 ॥
मण्डलं संलिखेत् प्राज्ञो यथावद् विधिपूर्वकम् ।
चतुर्हस्तं चतुर्द्वारम् अथवा चैकहस्तकम् ॥ 26 ॥
मण्डलम् संलिखेद् दिव्यम् शालिचूर्णेन सूज्ज्वलम् ।
तत्र मध्ये लिखेत् पद्मं चतुःपत्त्रं सकर्णिकम् ॥ 27 ॥
श्वेतासृक्पीतकृष्णानि कमलस्य दलानि तु ।
प्राग् आरभ्य यथान्यायं सौम्येशान्तानि लेखयेत् ॥ 28 ॥
कर्णिकां च तथा मध्ये शबलां देशिकोत्तमः ।
चतुर्मूर्तिं चतुर्वर्णं स्वेन बिजेन तुम्बुरुम् ॥ 29 ॥
चतुर्वर्णम् ईश्वरं ध्यायेन् निविष्टम् कर्णिकोदरे ।
ततः सितां स्वबीजेन जयां प्राग्दले विन्यसेत् ॥ 30 ॥
बन्धूककुसुमप्रख्यां विजयां दक्षिणे दले ।
स्वच्छचामीकरप्रख्याम् अजितां पश्चिमे दले ॥ 31 ॥
भिन्नाञ्जनचयप्रख्याम् उत्तरे चापराजिताम् ।
विन्यस्य पूजां कुर्वीत स्वैः स्वैर् बीजैर् यथाक्रमम् ॥ 32 ॥
पुष्पधूपैश् च बलिभिर् यथाकालान्तरैः शुभैः ।
सद्वितानपताकाढ्यं स्रग्मालालंकृतं पुरम् ॥ 33 ॥
प्रदीप्तदीपकैर् दिक्षु समन्ताद् अवभासितम् ।
नानाभक्ष्यान्नपानैश् च स्वादुभिर् व्यञ्जनैस् तथा ॥ 34 ॥
फलैर् नानाविधैश् चैव परितः पर्यवस्थितैः ।
कलशैर् वारिपूर्णैश् च दशदिक्षु व्यवस्थितैः ॥ 35 ॥
चूतपल्लवसंवीतैः स्रग्मालालंकृतैः शुभैः ।
एवं यष्ट्वा यथान्यायं शिष्यान् आप्रोक्ष्य वारिणा ॥ 36 ॥
सावित्र्या मुखम् आसाद्य वाससा सकलीकृतान् ।
स्वैः स्वैर् बीजैर् न्यसेत् पुष्पान् शिष्याणां करयोर् द्वयोः ॥ 37 ॥
जयात् प्रवेशयेन् मायां मण्डलं देशिकोत्तमः ।
प्रवेश्य तत्र शिष्यं तु द्वित्रिचतुःपञ्च एव वा ॥ 38 ॥ †
ततो ऽग्निकार्यं कुर्वीत मण्डलात् पश्चिमे बहिः ।
उल्लिख्योद्धृत्य सावित्र्या कुशान् संस्तीर्य सर्वतः ॥ 39 ॥
अस्त्रबीजेन चाभ्युक्ष्य गन्धतोयेन देशिकः ।
वह्निम् आदाय तेनैव सावित्र्या पूजयेत् ततः ॥ 40 ॥
ततस् तत्त्वत्रयं न्यस्य वह्नेर् एव यथाक्रमम् ।
निरुद्धमायातस्मात्तम् अङ्कुशेन निरोधयेत् ॥ 41 ॥ †
माययाच्छादयेत् पश्चाद् अस्त्रेणैव प्रबोधयेत् ।
होमद्रव्यस्य सर्वस्य कुर्यात् तेनैव शोधनम् ॥ 42 ॥
ततश् च सर्पिषो होमं विधिवत् कारयेद् बुधः ।
स्वबीजैर् एव तद् धुत्वा दीक्षां शिष्यस्य कारयेत् ॥ 43 ॥
संयोज्य विधिवद् बीजैर् महाभूतेषु पञ्चसु ।
सकले तत्त्वं संयोज्य परिष्ठाप्य परे ऽध्वनि ॥ 44 ॥
नियोक्तव्यं ततस् तत्र यत्रासवांस्वरपरम्? ।
एषा दीक्षा यथान्यायं भुक्तिमुक्तिफलप्रदा ॥ 45 ॥ †
तैर् एव पञ्चभिस् तत्त्वं सकले सकलात्मिका ।
निष्कले निष्कला प्रोक्ता साधिकाराध्वनः पुरा ॥ 46 ॥
दीक्षयित्वा ततः शिष्यान् साधिकारपरे स्थितान् ।
अभिषिच्य स्वबीजैस् तु बीजान् तेभ्यः प्रदापयेत् ॥ 47 ॥
निवेद्य समयान् तस्य हृन्मुद्राङ्गुलिदर्शनात् ।
अनुज्ञां साधकेन्द्रस्य तस्य दद्यान् महात्मना ॥ 48 ॥
ततः स्वविद्यानैवेद्यं भक्षयेत् साधकोत्तमः ।
देव्यः प्रीता भवन्त्य् एव अवशिष्टं जले क्षिपेत् ॥ 49 ॥
आचार्यं पूजयेद् भक्त्या सर्वस्वेनापरे विधा? ।
प्रणामैः शक्तिदानैश् च येन वा तुष्यते गुरुः ॥ 50 ॥ †
Devanagari: Verse 51–100
स्रग्वी सितोष्णीषी चैव सर्वालंकारभूषितः ।
उच्चासनस्थः प्राग्वक्त्रः कल्पयेत् कोषमण्डले ॥ 51 ॥
गोशकृद्भस्मलिप्तस् तु शुचौ जनविवर्जिते ।
सुसमे भूमिदेशे तु प्रस्तारं प्रस्तरेच् छुचिः ॥ 52 ॥
चतुरस्रम् अतः कृत्वा प्रस्ताररेखम् उज्ज्वलम् ।
कुर्याद् एकोनपञ्चाशत् कोष्ठकान् तु समान् शुभान् ॥ 53 ॥
शतार्धार्धासनासीनं पञ्चवर्गान्तबिन्दुकम् ।
शिखासम्भिन्नमूर्धान्तं कषाख्यं मध्यकोष्ठके ॥ 54 ॥
विदिग्दिक्षंस्थकोष्ठेषु तत्पार्श्वे बहिर् अष्टसु ।
यशवर्गान् न्यसेद् देवि ऐशान्यादिषु तत्क्रमात् ॥ 55 ॥
आग्नेयादिषु कोष्ठेषु नपुंसकचतुष्टयम् ।
ऐशान्यादिक्रमाद् देवि बीजद्वादशकं न्यसेत् ॥ 56 ॥
तृतीयपङ्क्तिकोष्ठेषु चतुर्थे पञ्चविंशकम् ।
ऐशान्यादिषु कोष्ठेषु बीजानि क्रमशो न्यसेत् ॥ 57 ॥
प्रस्तारम् एवं प्रस्तार्य स्वरवर्णं च शोभने ।
बीजषोडशकं चैव प्रोद्धरेत् तु यथाक्रमम् ॥ 58 ॥
कादिपङ्क्तिं पुराकृत्य क्रमाद् व्यस्तसमस्तकम् ।
कोष्ठैकादशबीजेन संयुक्तं पञ्चविंशकम् ॥ 59 ॥
आत्मतत्त्वम् इति ख्यातं विद्याख्यं चतुस्त्रिंशकम् ।
शिवतत्त्वं तु देवेशि त्रिंशकोष्ठेषु संयुतम् ॥ 60 ॥
तत्त्वत्रितयम् एतद् धि न्यासं च समुदाहृतम् ।
बिन्दुयुक्तान्य् अशेसाणि न्यस्तव्यानि यथाक्रमम् ॥ 61 ॥
अत्रसिद्धिः स्थिता देवि विज्ञेया साधकोत्तमैः ।
पञ्चविंशतिकोष्ठस्थं प्रथमं बीजम् उच्यते ॥ 62 ॥
द्विसप्तकोष्ठकं बीजं द्वितीयं समुदाहृतम् ।
तृतीयम् अष्टकोष्ठस्थं बिन्दुयोनिः चतुर्थकम् ॥ 63 ॥
चतुर्विंशतिकोष्ठस्थं पञ्चमं बीजम् उच्यते ।
बीजानि देवदेवीनां निर्णीतानि यथाक्रमम् ॥ 64 ॥
कालवह्न्यनिलैर् बीजैः कलया षष्ठया युतम् ।
अर्धेन्दुबिन्दुशिखया संभिन्नानि यथाक्रमम् ॥ 65 ॥ †
बीजपञ्चकम् उद्धृत्य कथितं देवि ते क्रमात् ।
कूटस्थास् तु स्मृता बीजाः पञ्च चैव वरानने ॥ 66 ॥
बीजपञ्चकम् अभ्यस्य सर्वकामफलप्रदम् ।
यजनं सम्प्रवक्ष्यामि सर्वसिद्धिप्रदायकम् ॥ 67 ॥
करसंस्कारम् आदौ तु कृत्वानेन क्रमेण तु ।
वक्ष्यमाणेन चानेन दिग्बन्धशोध्यम् एव हि ॥ 68 ॥
संहारास्त्रेण दिग्बन्धः प्राणायामपुरःसरः ।
प्राणायामैस् त्रिभिर् देवि आत्मानं तु विशोधयेत् ॥ 69 ॥
निष्क्रम्य रेचयेद् वायुं नवं चाकृष्य पूरयेत् ।
निरोधे कुम्भकः प्रोक्तः प्राणायामं प्रकीर्तितम् ॥ 70 ॥
ध्यात्वा कालाग्निबीजं तु युगान्तानलसप्रभम् ।
न्यसेत् पादतले मन्त्री ज्वालामालाकुलं महत् ॥ 71 ॥
निर्दहेच् चात्मदेहं तु वारिणाप्लावयेत् ततः ।
दग्ध्वा तु प्राकृतंदेहं भस्मकूटम् इव स्थितम् ॥ 72 ॥
ततश् चामृतधाराभिर् विद्यादेहं विचिन्तयेत् ।
स्रवन्तं मूर्ध्नि परमं प्रणवं च अधोमुखम् ॥ 73 ॥
वारुणामृतसंयुक्तं शुद्धस्फटिकनिर्मलम् ।
कषाख्यं यत् स्मृतं बीजं रेफद्वयसमायुतम् ॥ 74 ॥
अध ओंकारसंयुक्तं ऊर्ध्वं बिन्दुकभूषितम् ।
अनेनैव तु बीजेन शिखया भिन्नमस्तकम् ॥ 75 ॥
धारणायोगमार्गेण निर्दहेत् साधकोत्तमः ।
देहं संशोधयेन् मन्त्री घोरपापं तु कल्मषम् ॥ 76 ॥
न्यासम् आलभनं कुर्याद् भवेन् मन्त्रात्मविग्रहः ।
दिग्बन्धभूमिं संशोध्य चक्रशुद्ध्यर्थम् एव च ॥ 77 ॥
संहारास्त्रेण कुर्वीत विघ्नोच्चाटनम् एव च ।
हस्तौ संशोधयेत् पश्चाद् विधिर् एष प्रकीर्तितः ॥ 78 ॥
कृत्वा तु विधिवन् मन्त्री ततः कर्म समारभेत् ।
आमणिबन्धनात् पूर्वं भरमाखाश् ? च विन्यसेत् ॥ 79 ॥ †
अङ्गुष्ठादिकनिष्ठान्तं न्यसेद् वै बीजपञ्चकम् ।
अङ्गुष्ठाद् ये तु ये पर्वा करयोर् उभयोर् अपि ॥ 80 ॥
आत्मतत्त्वं न्यसेन्मूर्ध्नि विद्यातत्त्वं द्वितीयके ।
शिवं दद्यात् तृतीयेषु सर्वसिद्धिषु भामिनि ॥ 81 ॥
अधस्ताद् आत्मतत्त्वं तु विद्यातत्त्वं तु मध्यतः ।
शिवतत्त्वं न्यसेन् मूर्ध्नि हस्ते देहे पुनः क्रमात् ॥ 82 ॥
एवं तत्त्वत्रयं न्यस्य तथा कूटाक्षराणि तु ।
भूयश् चोत्तरबीजानि विन्यसेत् तु वरानने ॥ 83 ॥
अस्त्रं चैव तु विन्यस्य विस्फुलिङ्गसमप्रभम् ।
माययाच्छादयित्वा तु अङ्कुशेन निरोधयेत् ॥ 84 ॥
योनिमुद्रां ततो बद्ध्वा कुर्यात् [तु] सकलां तनुम् ।
एतद् आलभनं चैव तव देवि प्रकीर्तितम् ॥ 85 ॥
अङ्गुष्ठौ ग्रथितौ कृत्वा करयोर् उभयोर् अपि ।
तर्जनीं वामहस्ते तु प्रसार्याकुञ्चयेद् बुधः ॥ 86 ॥
एषा निरोधनी प्रोक्ता मुद्रेयम् अङ्कुशस्य तु ।
वश्याकर्षणकार्येषु प्रयोज्या साधकोत्तमैः ॥ 87 ॥
तर्जनी मध्यमा चैव अनामा दक्षिणस्य तु ।
वामे त्रीणि समाक्रम्य अङ्गुष्ठौ च सुसंस्थितौ ॥ 88 ॥
अधस्तात् सर्वतः प्रोक्ता दक्षिणा तु कनिष्ठिका ।
तर्जन्यङ्गुष्ठयोर् मध्ये योनिमुद्रा प्रकीर्तिता ॥ 89 ॥
आद्यं मूर्ध्नि ततो बीजं द्वितीयं मुखमण्डले ।
कट्यूर्ध्वे च ततश् चान्यं चतुर्थं जानुतः कटिम् ॥ 90 ॥
आपादजानुनी चान्यं प्रसृतैश् च करैः क्रमात् ।
एवं बीजेन देहस् तु मुच्यते नात्र संशयः ॥ 91 ॥
वज्रोपलमहावर्षं चोरदंष्ट्रीभयावहम् ।
मुच्यते च सदा रोगैर् मृत्युरूपैर् दुरासदैः ॥ 92 ॥
अहिगरविषशस्त्र- ज्वरकुष्ठक्षयादिभिः ।
मुच्यते नात्र संदेहो यो ऽपि स्यात् पातकी नरः ॥ 93 ॥
उपलिप्य शुभे देशे प्रच्छन्ने जनवर्जिते ।
पूर्ववद् धस्तमात्रं तु लिखित्वा मण्डलं शुभम् ॥ 94 ॥
चतुःपत्त्रं तु तत्राब्जं सर्ववर्णितकर्णिकाम् ।
सितरक्तपीतकृष्णां पूर्वादिदलसंस्थिताम् ॥ 95 ॥
जयाद्यं विन्यसेन् मन्त्री तुम्बुरुं कर्णिकोपरि ।
पद्मासनोपविष्टं तु वरदानोद्यतकरम् ॥ 96 ॥
चतुर्वक्त्रमष्टभुजं चतुष्कायं त्रिलोचनम् ।
नागयज्ञोपवीतंतु शूलपाणिं गदाधरम् ॥ 97 ॥
मुकुटेन विचित्रेण शशाङ्कधृतशेखरम् ।
शक्तीनां तु प्रियं देवं पाशाङ्कुशकरप्रभम् ॥ 98 ॥
दिव्याम्बरातपत्रेण दिव्यस्रग्बन्धलेपनम् ।
देवदेवं सदा ध्यायेत् सूर्यकोटिसमप्रभम् ॥ 99 ॥
क्षीरोदफलसंकाशां व्याघ्रयज्ञोपवीतिनीम् ।
प्रेतारूढां चतुर्वक्त्रां गदाखेटकधारिणीम् ॥ 100 ॥
Devanagari: Verse 101–150
दिव्याम्बरातपत्रेण हारकेयूरभूषिताम् ।
देवदेवीं जयां ध्यायेद् दीप्यमानां स्वतेजसा ॥ 101 ॥
देवस्याभिमुखो मन्त्री सस्मितोत्फुल्ललोचनाम् ।
दाडिमीकुसुमप्रख्यां सुरगोपकसप्रभाम् ॥ 102 ॥
चापोद्यतकरां घोरां मत्स्यमांससुराप्रियाम् ।
उलूके संस्थितां देवीं हारकेयूरभूषिताम् ॥ 103 ॥
रक्ताम्बरातपत्रेण विजयां सिद्धिदां स्मरेत् ।
धातुचामीकरप्रख्यां पीतमाल्याम्बरप्रियाम् ॥ 104 ॥
घण्टाखट्वाङ्गधरीं देवीम् अश्वारूढां महाबलाम् ।
सूर्यायुतप्रतीकाशीं सर्वाभरणभूषिताम् ॥ 105 ॥
जयन्तीं ध्यायति क्षिप्रं सिद्धिम् आप्नोति पुष्कलाम् ।
भिन्नाञ्जनसमप्रख्यां शर्वरीतिमिरप्रभाम् ॥ 106 ॥ †
कृष्णकौशेयसंवीतां मुक्तिकामणिभूषिताम् ।
दिव्यं विमानम् आरूढां गदाखेटकधारिणीम् ॥ 107 ॥
महारावादिनिर्घोषैश् चिन्तयेद् अपराजिताम् ।
गायत्रीं वा जपन्तीं च स्फाटिकमणिभूषिताम् ॥ 108 ॥
ऋग्यजुस्सामाथर्वाख्यं गायन्तीं वा तथैव च ।
सावित्रीं दिव्यरूपां तूपनिषद्गायने रताम् ॥ 109 ॥
देवीनाम् अग्रसंस्थं कृतभृकुटिमुखं चिन्तयेद् अङ्कुशाख्यं सम्पृष्ठे चास्त्रराजं प्रकटितसुमहासृक्वणीलेलिहानम् ।
संक्रुद्धं भीषयन्तं नररुधिरवसादिग्धदान्ताकलालं ....... ....... ....... ॥ 110 ॥ †
एवं ध्यात्वा विशालाक्षि ततः पूजा प्रवर्तते ।
भक्ष्यभोज्यविधानैश् च गन्धपुष्पादिभिः क्रमात् ॥ 111 ॥
पूजयेत् कूटमध्यस्थं तत्र मध्ये विधानतः ।
भूर् एवायं पादपद्मैर् हृदि वामकरे ऽथवा ॥ 112 ॥ †
मनसा पूजयेन् नित्यं सिद्धिकामः समाहितः ।
महाशङ्खमयं कुर्याद् अथवा कच्छपस्य तु ॥ 113 ॥
सौवर्णं रजतं ताम्रं कुलं भवति सिद्धिदम् ।
गन्धमण्डलके वापि अथवा भस्ममण्डले ॥ 114 ॥
सिद्धार्थमण्डले वापि अथवा हृदि मण्डले ।
कुसुम्भमण्डले वापि पुष्पमण्डलके ऽपि वा ॥ 115 ॥
नागकेशरजोभिर् वा लिखित्वा मण्डलं शुभम् ।
मुक्तिदा सिद्धिदा ह्य् एवं भवन्तीत्य् अविचारणात् ॥ 116 ॥
सम्पूज्य च यथान्यायं गन्धपुष्पादि योजयेत् ।
दर्शयेद् योनिमुद्रां तु काले कर्माणि कारयेत् ॥ 117 ॥
समुत्पन्नेषु कार्येषु प्राणद्रविणहारिषु ।
पूजिताः साधकं देव्यः परिरक्षन्ति पुत्रवत् ॥ 118 ॥
श्रीदेव्य् उवाच ।
अत्रापि यागम् एवोक्तं विशेषः को ऽपरः प्रभो ।
यथा तु अभ्यासमात्रेण सिद्धिर् भवति कामदा ॥ 119 ॥
केवलं स्मरणाद् एव तथा त्वं वक्तुम् अर्हसि ।
प्रणयस्व प्रसादश् च यदि चास्ति महेश्वर ॥ 120 ॥
श्री ईश्वर उवाच ।
शृणुष्वैकमना भद्रे प्राकृतं तपसः फलम् ।
प्रणयाद् अतुलं वापि रहस्यं परमं पदम् ॥ 121 ॥
उत्तरोत्तरयोगेन तन्त्रं ते कथितं मया ।
अत्रान्तरम् इदं ज्ञानं श्रुत्वा भवति निर्वृतिः ॥ 122 ॥
प्रस्तार्य पूर्ववद् वर्णं प्रोद्धरेद् बीजपञ्चकम् ।
पूर्ववत् क्रमयोगेन सर्वकामप्रसिद्धये ॥ 123 ॥
आदौ द्वात्रिंशकं बीजं युक्तम् एकोनविंशति ।
चतुस्त्रिंशं ततो ऽधस्ताद् देवदेवं प्रकल्पयेत् ॥ 124 ॥
जया सप्तदशं बीजं युक्तम् एकादशेन तु ।
तद् एव विजयाख्याता किं तु युक्तं न केन चित् ॥ 125 ॥
पञ्चविंशच् छिखाभाजि युक्तम् एकादशेन तु ।
अजितायाः समुद्दिष्टं चतुर्थ्याः शृणु साम्प्रतम् ॥ 126 ॥
वर्णैकादशसंयुक्तं शम्भुस्थं पञ्चविंशकम् ।
गुह्यम् एतत् समुद्दिष्टं प्रष्टव्यं नान्यतः परम् ॥ 127 ॥
सर्वकामप्रदं देवि एतद् वै बीजपञ्चकम् ।
उत्तरं हृदयं ह्येतत् सर्वतन्त्रेषु चोत्तरम् ॥ 128 ॥
यानि कानि च कर्माणि सर्वाण्य् एतैस् तु कारयेत् ।
पञ्चविंशतिकोषस्थं युक्तं वै षोडशेन तु ॥ 129 ॥
अस्त्रम् एतत् समुद्दिष्टम् अस्मिंस् तन्त्रे च सुव्रते ।
पुनर् एतद्बीजयुक्तं विंशकेन समन्वितम् ॥ 130 ॥
माया ह्य् एषा समुद्दिष्टा शिवस्यानन्तरूपिणी ।
आदिकोष्ठकबीजं तु अधस्ताष्टादशसंयुतम् ॥ 131 ॥
अष्टत्रिंशतिकोषस्थं तस्योपरि नियोजयेत् ।
अङ्कुशोद्धरणं ह्य् एतद् देवीनां संनिरोधने ॥ 132 ॥
बिन्दुपुञ्जसमेता हि न्यस्तव्या तु यथाक्रमम् ।
पञ्चविंशतिकोषस्थं तद् एव परमाक्षरम् ॥ 133 ॥
नवत्रिंशसमायुक्तं बीजं गायत्रिसंज्ञकम् ।
एतद् बीजवरं दिव्यं योज्यम् आलभनादिके ॥ 134 ॥
चतुस्त्रिंशतिकोषस्थं पञ्चविंशतियोजितम् ।
सर्वकर्मसमुद्दिष्टं बीजं सावित्रिसंज्ञितम् ॥ 135 ॥
अर्धेन्दुशिखया देवि लाञ्छितानि तु पूर्ववत् ।
प्रयोगं चास्य वक्ष्यामि सिद्धिर् येनाशु जायते ॥ 136 ॥
प्रयोगं कारणं देवि ग्रन्थशास्त्रम् अकारणम् ।
सर्वत्र सुलभं शास्त्रं प्रयोगं तु सुदुर्लभम् ॥ 137 ॥
प्रयोगरहिता मन्त्रा नैव सिद्धिप्रदाः स्मृताः ।
हृत्पद्मे योगविन्यासं ध्यात्वा वै बीजपञ्चकम् ।
गतिं देवं तु विज्ञाय ततः कर्म समारभेत् ॥ 138 ॥ †
श्रीदेव्य् उवाच ।
कीदृशः स भवेद् देवो गतिस् तस्य तु कीदृशी ।
देहस्थं तु कथं विद्याद् वक्तुम् अर्हसि शङ्कर ॥ 139 ॥
श्री ईश्वर उवाच ।
मेढ्रनाभ्यन्तरे देवि कन्दमूलाकृतिर् भवेत् ।
द्वासप्ततिसहस्राणि नाडीर् आधारसंस्थिताः ॥ 140 ॥
नाभिदेशे स्थितो ग्रन्थिस् तत्र पद्मं व्यवस्थितम् ।
कर्णिका पद्ममध्यस्य तत्र साध्यं व्यवस्थितम् ॥ 141 ॥
कर्णिकासुषिरान्ते तु या कला चोर्ध्वगामिनी ।
तस्या मध्ये स्थितो देवः स तु दीपशिखोपमः ॥ 142 ॥
शुद्धस्फटिकसंकाशं विस्फुलिङ्गार्कसंनिभम् ।
वारिमारुतसंकीर्णं वालाग्रशतभागकम् ॥ 143 ॥
वायुवाहनम् आरूढं शब्दातीतम् अनामयम् ।
सम्प्रत्ययं तु गम्यो ऽसौ वहते देहमध्यतः ॥ 144 ॥
इडामध्यगतो वापि पिङ्गलान्तर्गतो ऽपि वा ।
सुषुम्नान्तर्गतश् चैव विषुवं समुदाहृतम् ॥ 145 ॥
इडा तु वामजा प्रोक्ता दक्षिणे पिङ्गला स्मृता ।
अनयोर् मध्ये सुषुम्ना तु सृष्टिसंहारकारिका ॥ 146 ॥
इडा शान्तिकपुष्ट्यर्थे मृत्यूच्चाटन पिङ्गला ।
सुषुम्ना मोक्षदा चैव जीवमार्गानुसारिणी ॥ 147 ॥
पिङ्गलान्तर्गतं ध्यात्वा रक्तवर्णं विचिन्तयेत् ।
मारणोच्चाटनादीनि ततः कर्माणि कारयेत् ॥ 148 ॥
अमृतान्तर्गतं ज्ञात्वा ध्यायेत् तुहिनसंनिभम् ।
शान्तिपुष्टिवशाकर्षं तदा कर्माणि कारयेत् ॥ 149 ॥
व्रतयोगादिसंसिद्धिं मूलमन्त्रेषु कारयेत् ।
तद् अत्र जपमात्रेण मन्त्री साधयते क्षणात् ॥ 150 ॥
Devanagari: Verse 151–200
अप्रसूता मृता योषित् प्राप्तयौवनम् एव च ।
तस्याः पांशुलिकां गृह्य वामभागे विचक्षणः ॥ 151 ॥
लिखेन् नामाक्षरं तत्र देवीनाम् कूटसंस्थितम् ।
वामाङ्गोज्ज्वलरक्तेन साधकः संयतव्रतः ॥ 152 ॥
स्त्रियं चैव लिखेत् तत्र गवां रोचनया पुनः ।
अनुलोमैर् विहन्यस् तु वामपादेन चाक्रमेत् ॥ 153 ॥
तत्क्षणाद् आनयेच् छीघ्रं या स्त्री द्वादशयोजनात् ।
पुरुषस्य तथा प्रोक्तं दक्षिणाङ्गे तु कारयेत् ॥ 154 ॥
अथाभिचारकं कुर्यात् समिधानां तथास्थिभिः ।
राजिकाविषरक्ताक्तं श्मशाने होमम् आरभेत् ॥ 155 ॥
नग्नो मुक्तशिखो भूत्वा कपालत्रयसंस्थितः ।
समिधाष्टशतं होमं रात्रौ कुर्याद् विचक्षणः ॥ 156 ॥
होमान्ते तु ततः शक्रं कृष्णवर्णम् विचिन्तयेत् ।
त्रिशूलेन विनिर्भिन्नं दण्डेन ताडितं शिरः ॥ 157 ॥
साधको घोररूपेण क्रुद्धः संरक्तलोचनः ।
सप्ताहान् नाशयेद् इन्द्रं किं पुनर् मानुषादिकम् ॥ 158 ॥
त्यक्तेन तु कुसुम्भेन शतेनाष्टोत्तरेण तु ।
त्रिसन्ध्यं धारयेद् रात्रौ अग्निकार्यं तु कारयेत् ॥ 159 ॥
साध्यं तु साधकश् चैव रक्तवर्णं विचिन्तयेत् ।
होमान्ते तु ध्यायेत् साध्यं विह्वलं च सम्मूर्छितम् ॥ 160 ॥
अङ्कुशेन हतो मूर्ध्नि मायापाशेन वेष्टितम् ।
राजानं राजपत्नीं वा सप्ताहाद् वशम् आनयेत् ॥ 161 ॥
गृहीत्वा तु महामांसं दधिमध्वाज्यसंयुतम् ।
आहुत्यष्टसहस्रेण सद्योत्कर्षणम् उत्तमम् ॥ 162 ॥
आत्मनः साध्यबीजं च पञ्चदेव्या चतुष्टयम् ।
नाडीमध्यगतं ध्यात्वा एकीकृत्य विचक्षणः ॥ 163 ॥
नाडीमार्गानुसारेण प्रवेश्य साध्यविग्रहम् ।
अनेनैव प्रयोगेण त्रैलोक्यं वशम् आनयेत् ॥ 164 ॥
अत उच्चाटनं कुर्याच् छत्रूणां बलदर्पिताम् ।
शुष्काणि निम्बपत्त्राणि ध्वजाग्राणि तथैव च ॥ 165 ॥
नृवालं चितिभस्मं च काकपक्षाग्रपिच्छकम् ।
कटुतैलविषं रक्तं तेनालोड्य तु होमयेत् ॥ 166 ॥
चण्डालाग्निं समाहृत्य चितिकाष्ठं समिन्धयेत् ।
उच्चाटयेत् त्रिरात्रेण त्यक्तबन्धुसुहृज्जनान् ॥ 167 ॥
वामहस्ततले चन्द्रं ध्यात्वा सम्पूर्णमण्डलम् ।
बीजपञ्चकसंयुक्तं यस्य तं दर्शयेत् करम् ॥ 168 ॥
दर्शनाद् वशम् आयान्ति ये ऽपि हन्तुं समुद्यताः ।
यं यं स्पृशति हस्तेन दासत्वम् उपगच्छति ॥ 169 ॥
दक्षिणे ऽप्य् एव वै हस्ते विन्यसेद् रविमण्डलम् ।
यं स्पृशेद् दर्शयेद् यं तु विद्विष्टाः सुहृदान्य् अपि ॥ 170 ॥
निम्बस्थवायसं गृह्य श्वपाकेनावतारितम् ।
बीजैर् एतैर् विपर्यस्तैस् तैलाभ्यक्तं चिताहुतम् ॥ 171 ॥
तद् भस्म विषरक्ताक्तं कृष्णान्ते रक्तवाससः ।
परिजप्य सहस्रं तु विलोमैर् बीजपञ्चकैः ॥ 172 ॥
यं स्पृशेद् भस्मना तेन काकवद् भ्रमते महीम् ।
विद्विष्टः सर्वलोकानां यदि शक्रसमो भवेत् ॥ 173 ॥
यथात्मनि तथा साध्ये बीजषोडशकं न्यसेत् ।
जवापुष्पसमप्रख्यौ द्वाव् एतौ परिचिन्तयेत् ॥ 174 ॥
जातीहिङ्गुलकपक्षौ लाक्षारससमप्रभौ ।
पद्मसम्पुटमध्यस्थौ उभौ तौ साध्यसाधकौ ॥ 175 ॥
अङ्कुशं साध्यगुह्ये तु दण्डं चात्मनि गुह्यतः ।
कुसुम्भरक्तसंकाशौ मायातन्त्वभिवेष्टितौ ॥ 176 ॥
पञ्चरात्रं त्रिरात्रं वा निःशब्दो ध्यानपारगः ।
वशम् आनयते क्षिप्रं नृपतिं मानगर्वितम् ॥ 177 ॥
द्विजयोषिन् मृता या तु तस्या गृह्यं तु कर्पटम् ।
कृष्णचतुर्दश्यां गृहीत्वा चित्यङ्गारैस् तदुद्भवैः ॥ 178 ॥
बीजैर् विदर्भितं नाम यस्य यस्य च वेश्मनि ।
निखन्यते स वै क्षिप्रं प्रयाति यमसादनम् ॥ 179 ॥
ततो विद्याव्रतश्लाघी कीर्त्यादिभिर् अलंकृतः ।
साध्यते ऽनेन प्रयोगेण म्रियते चाविकल्पतः ॥ 180 ॥
गवां रोचनया चैव यस्य नाम विदर्भितम् ।
बीजैर् एतैः समायुक्तैर् आलिख्य प्रक्षिपेद् बुधः ॥ 181 ॥
पात्रं मध्वाज्यसम्पूर्णं शतम् आवर्तयेद् द्रुतम् ।
मुमुक्षोर् अपि तस्यास्त्रं शान्तिपुष्टिश् च जायते ॥ 182 ॥
शतजप्तो जलेनापि ततो वा मुच्यते सदा ।
व्याधिघातसमिद्भिस् तु व्याधिनात्यन्तपीडितः ॥ 183 ॥
अष्टोत्तरशतेनैव आहुतीनां न संशयः ।
क्षीराक्तेन तु देवेशि रोगी रोगाद् विमुच्यते ॥ 184 ॥
जुहोति यस् तु सततं द्रव्यं तस्य गृहे तु यत् ।
कुर्वन्तो ऽपि व्ययं नित्यम् अक्षयत्वं च गच्छति ॥ 185 ॥
नित्यं कालजपेनापि सर्वेषां जायते प्रियः ।
तेजस्वी बलसम्पन्नो नाप्य् असौ पीड्यते भयैः ॥ 186 ॥
श्रीकामः श्रीफलं जुह्यात् पद्मं चाज्यमधुप्लुतम् ।
लक्षैकेन महावित्तो मन्त्री लक्षद्वयेन तु ॥ 187 ॥
लक्षत्रयेण पृथ्वीशो निर्जितारिर् भवेद् ध्रुवम् ।
सर्वकामस् तिलं जुह्यात् प्राप्नुयात् तु न संशयः ॥ 188 ॥
लक्षेणैकेन देवेशि साधकः स जितेन्द्रियः ।
त्यक्तेन नरमांसेन छागस्य पिशितेन वा ॥ 189 ॥
लक्षमात्रहुतेनाशु यद् इष्टं तद् अवाप्नुयात् ।
कृष्णागोपयसा सार्धं नृमांसं तण्डुलान्वितम् ॥ 190 ॥
पायसं शववक्त्रे तु जुहुयात् तावतन्द्रितः ।
यावद् उत्तिष्थते प्रेतः किं करोमीति सो ऽब्रवीत् ॥ 191 ॥
मार्गितव्यं यद् इष्तं तु लभनीयं यशस्विनि ।
गुडिकाञ्जनपादुकं खन्यं वा राज्यम् एव च ॥ 192 ॥
विधानं शक्रनाशं च पादलेपरसायनम् ।
एतेषां प्रार्थितं चैकं दत्त्वागच्छति नान्यथा ॥ 193 ॥
उद्धता या मृता योषित् तस्या गृह्याङ्गुलीयकम् ।
अभिमन्त्र्य इमैर् बीजैर् अनुलोमैः शतेन तु ॥ 194 ॥
अष्ताधिकेन मन्त्रज्ञः साध्यनाम विदर्भयेत् ।
यस्या ददाति तद्वद् आस्ते स्त्रियायाः साधकोत्तमः ॥ 195 ॥ †
आकर्ष्यति तां क्षिप्रं यदि स्याद् उर्वशीसमा ।
योजनानां शतस्यापि दूरेणापि समर्पितम् ॥ 196 ॥
पुरुषस्य भवेद् देवि उद्धतस्य यशस्विनि ।
काकमांसं गृहीत्वा तु निम्बतैलसमायुतम् ॥ 197 ॥
श्मशानाग्निं समाधाय शिग्रुकाष्ठेन साधयेत् ।
जुहुयात् सप्तरात्रं तु यस्य नाम्ना तु साधकः ॥ 198 ॥
विद्विष्तो दृश्यते लोके एष विद्वेषणं परम् ।
अतो ऽन्यत् सम्प्रवक्ष्यामि रहस्यम् इदम् अद्भुतम् ॥ 199 ॥
यद् विदित्वा महेशानि सिद्धिम् आप्नोति पुष्कलाम् ।
स्वकाले सम्प्रयोगेण सिद्धिस् तन्त्रेषु कीर्तिता ॥ 200 ॥
Devanagari: Verse 201–250
ततः स्वकालं कुर्वीत स्वानि कर्माणि साधकः ।
साध्यहृत्पद्मसंस्थं तु ध्यात्वादौ बीजपञ्चकम् ॥ 201 ॥
कुर्वीत मनसा पूजाम् इतायाप्रवतो ? पदा ।
माययाच्छादयेत् पश्चात् साध्यम् अन्तोबहिर्युतम् ॥ 202 ॥ †
मायाकमलनालेन साध्यम् आवेष्तम् आनयेत् ।
ततः स्वात्मीकम् आनीय मायातत्त्वश्लथीकृतम् ॥ 203 ॥
पुनस् तत् स्थापयित्वा तु सम्मुखः साधकोत्तमः ।
न्यस्तव्यं तु यद् आदौ तु ? साध्ये वै बीजपञ्चकम् ॥ 204 ॥ †
मायावेष्तितं तन् मन्त्री जपेद् अष्टशतं ततः ।
साध्यनामाक्षरोपेतं तत्प्रबुद्धासने स्थितम् ॥ 205 ॥
एवं देवि ततः शीघ्रं ध्वस्तजानुशिरोरुहः ।
आकृष्तो विधिनानेन साध्यः किंकरितो महान् ॥ 206 ॥
अतः परं प्रवक्ष्यामि बद्धे रुद्धे ऽपि मोक्षणम् ।
यथा संहरते शक्रं तत्प्रयोगम् इदं शृणु ॥ 207 ॥
साध्यहृत्कमलान्तःस्थं ध्यात्वैवं बीजपञ्चकम् ।
कुर्वीत पूर्ववत् पूजां सुषुम्नायागनिर्गदा ? ॥ 208 ॥ †
संहारास्त्रं ततो मन्त्री तुम्बुरुं मूर्ध्नि विन्यसेत् ।
देवीनां च ततस् तेन साध्यम् आवृत्य योगवित् ॥ 209 ॥
तत्र यो मूर्ध्नि तेनैव ज्वलितानलवर्चसा ।
दृष्त्वा तं मनसा भूयो मूर्च्छितं भुवि विह्वलम् ॥ 210 ॥
हृदि बद्ध्वाङ्कुशेनैव आनयेद् आत्मनो ऽन्तिकम् ।
ततस् त्वधोमुखं स्थाप्य पीडितं छर्दयेद् असृक् ॥ 211 ॥
पश्चात् तु हृदये तस्य न्यस्तव्यं बीजपञ्चकम् ।
प्रोद्धृत्य साध्यनामैवं संहारास्त्रविदर्भितम् ॥ 212 ॥
एवं विगतरक्षं तु स्याप्युद्गतं तु ? ततः ।
जपेद् अष्टसहस्रं तु ज्वालामालाभिर् आवृतम् ॥ 213 ॥ †
ततस् तु कर्मणानेन तेनैव तु विधानतः ।
साध्यः प्रयाति निधनं मृत्युर् आन्तिम ? कम्पयेत् ॥ 214 ॥ †
इत्य् एतत् कथितं देवि समासाद्यं तु पूर्वशः ।
यथा संहरते शक्रं बद्धे रुद्धे ऽथ मोक्षणात् ॥ 215 ॥
क्रोधेन महता दीप्तः प्रयोगम् इदम् आरभेत् ।
सुषुम्नायां यदा देवः स्वयंचारेण वर्तते ॥ 216 ॥
सुषुम्नान्तर्गतं ध्यात्वा रक्तवर्णं विचिन्तयेत् ।
विद्वेषोच्चाटनादीनि ततः कर्माणि कारयेत् ॥ 217 ॥
बीजपञ्चकदेवस्य वर्गान्तरयुतस्य च ।
वर्णान्तयागम् एकान्ते सदा गोपितं तन् मया ॥ 218 ॥
तदा तु सर्वकार्याणां सिद्धये शृणु सुव्रते ।
कुसुम्भरजसालोड्यं शालीनां पिष्टकेन च ॥ 219 ॥
भस्मना चन्दनेनापि नागकेशरजेन वा ।
सुगन्धैश् च विचित्रैश् च लिखेच् च सुसमाहितः ॥ 220 ॥
वर्गातीतस्य गर्भे तु न्यसेत् पद्मं चतुर्दलम् ।
तत्र सभ्रातृका देव्यः पूजयेद् बीजपञ्चके ॥ 221 ॥
एवं पूजितमात्रास् तु सर्वदासर्वकामदाः ।
भवन्ति नियतं[नित्यं] धर्मकामार्थमोक्षदाः ॥ 222 ॥
यागम् एवं च कृत्वान्ते ततो लक्षत्रयं जपेत् ।
ततः सिद्धिम् अवाप्नोति ब्रह्मघ्नो ऽपि हि नान्यथा ॥ 223 ॥
मनसा चिन्तितं कामं तदा प्रभृतिम् आप्नुयात् ।
अतः परं प्रवक्ष्यामि जपस्य विधिम् उत्तमम् ॥ 224 ॥
एकासनस्थितो मन्त्री यागं कृत्वा विधानवित् ।
एकचित्तः प्रसन्नात्मा वामहस्ताक्षसूत्रधृक् ॥ 225 ॥
जपकर्म सदाकुर्याद् विशेषम् अपरं शृणु ।
वश्यकामो जपं कुर्याद् अनुलोमैर् विदर्भितम् ॥ 226 ॥
बीजैर् एतैर् यथान्यायं साध्यनामाक्षरान्वितैः ।
कालं तत्र विजानीयात् कालसिद्धिः प्रवर्तते ॥ 227 ॥
मारणे प्रतिलोमैस् तु साध्यनाम तु पूर्वतः ।
विद्वेषे ऽपि विलोमैस् तु फट्कारान्तं प्रयोजयेत् ॥ 228 ॥
मारणे प्रतिलोमैस् तु हूंफत्कारान्त द्यन् ? तकैः ।
ॐ स्वाहा नमो ऽन्तैस् तु वश्याकर्षणकर्मसु ॥ 229 ॥ †
होमयेद् एवम् एवं तु सर्वं कुर्याद् विचक्षणः ।
नमस्कारो जपस्यान्ते स्वाहा होमे प्रकीर्तितम् ॥ 230 ॥
स्वशोणिताक्तं लशुनं मारणे प्रतिहोमयेत् ।
उच्चातने काकपक्षं वश्ये जातिं तु होमयेत् ॥ 231 ॥
विद्वेषे श्लेष शिग्रुं च होमयेद् अविचारणात् ।
आकर्षणे बकुलपुष्पं होमयेच् च विचक्षणः ॥ 232 ॥
सर्वे यागसमुद्दिष्ताः कालज्ञस्य यशस्विनि ।
येन कालं च वै ज्ञातं तेन ज्ञातः सदाशिवः ॥ 233 ॥
सदाशिवे परिज्ञाते सिद्धिं शाम्यन्ति साधकाः ।
कालतत्त्वं च विज्ञेयं तत्त्वात्सिद्धिः प्रवर्तते ॥ 234 ॥
तत्त्वहीना न सिध्यन्ति प्रयत्नेनापि साधकाः ।
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन कालतत्त्वं विदुर् बुधाः ॥ 235 ॥
क्रियाकालं च वै शून्यं न सिध्यन्तीह साधकाः ।
तस्मात् क्रियां च कालं च असंज्ञेयं प्रयत्नतः ॥ 236 ॥
श्रीदेव्य् उवाच ।
स कालश् च कथं ज्ञेयो यो ऽसाव् उक्तस् त्वया प्रभो ।
कालहीनानृतं मन्ये सर्वम् एव च शङ्कर ॥ 237 ॥
श्री ईश्वर उवाच ।
शृणु देवि परं गुह्यं कालतत्त्वात्मविग्रहम् ।
यज् ज्ञात्वा तु सुखेनैव सिद्धिर् भवति मन्त्रिणाम् ॥ 238 ॥
अयुतं द्वे च विज्ञेयाः षोडशैव शतानि च ।
चतुर्विंशतिसंक्रान्त्या द्वादशाङ्गुलगतागते ॥ 239 ॥
शरीरे तु यथा देवि स्थितं सकलनिष्कलम् ।
तथा हंसं प्रवक्ष्यामि साधकानां हिताय वै ॥ 240 ॥
पादौ पायुर् उपस्थम् च हस्तौ वागिन्द्रियस् तथा ।
श्रोत्रत्वक्चक्षुषा जिह्वा नासिका च तथापरा ॥ 241 ॥
पृथ्व्य् आपस् तथा तेजो वायुर् आकाशम् एव च ।
शब्दः स्पर्शश् च रूपं च रसो गन्धस् तथैव च ॥ 242 ॥
मनो बुद्धिर् अहंकारो अव्यक्तम् पुरुषस् तथा ।
पञ्चविंशतितत्त्वानि शरीरे तु विदुर् बुधाः ॥ 243 ॥
एभिर् आधारभूतैस् तु आधेयो ध्यायते सदा ।
आधारं पुरम् इत्य् उक्तं पुरुषश् चाधेय उच्यते ॥ 244 ॥
हृत्पद्मे कर्णिकावस्थ ऊर्ध्वगामी सदात्मकः ।
निष्कलस्य तु देवस्य पुनर् आधारसंस्थितिः ॥ 245 ॥
तत्पुरुषम् आधाराधेयं निष्कलं परमं शिवम् ।
षत्कौशिकशरीरं तु तत्त्वानां पञ्चविंशतिः ॥ 246 ॥
दशवायुसमायुक्तं नाडीभिर् व्यापितं पुरम् ।
शरीरं त्रिगुणं चैव सर्वदैवतसंयुतम् ॥ 247 ॥
अनेनाधिष्थितं देवि चक्रवत् परिवर्तते ।
यथा तारगणं सर्वं ग्रहनक्षत्रमण्डलम् ॥ 248 ॥
ध्रुवाधिष्थितं तत् सर्वम् अचलं परिवर्तते ।
तद्वच् छरीरं देवस्य सर्वबीजगणं हि यत् ॥ 249 ॥
शिवेनाधिष्थितं ज्ञात्वा तन्त्रे सिद्धिम् अवाप्नुयात् ।
त्रिकुब्जिकुतिलाकारा षष्ठस्वरसमन्विता ॥ 250 ॥
Devanagari: Verse 251–300
शक्तिर् बिन्दुविनिर्भिन्ना देहस्था सकलात्मका ।
अस्यास् तेजःशिखा सूक्ष्मा मृणालतन्तुसंनिभा ॥ 251 ॥
ज्योतिरूपा च सा ज्ञेया तस्यान्ते तु पुनः शिवः ।
अकारादिक्षकारान्तम् आब्रह्मभुवनं जगत् ॥ 252 ॥
अस्मिंश् चोद्पद्यते सर्वं तत्रैव प्रलयं भवेत् ।
एष देवः परः सूक्ष्म आधाराधेयसंस्थितः ॥ 253 ॥
अयने विषुवे चैव आग्नेयामृतकारणम् ।
यदा वारुणमार्गस्थ इडामध्यगतो भवेत् ॥ 254 ॥
हिमकुन्देन्दुसंकाशो विज्ञेयः शुचिकर्मणि ।
द्वादशादित्यसंकाशः पिङ्गलान्तर्गतो यदा ॥ 255 ॥
अरुणानलसंकाशं रौद्रकर्मणि योजयेत् ।
सुषुम्नायां यदा देव उपशान्तो वहत्य् असौ ॥ 256 ॥
मोक्षमार्गम् इदं देवि ज्योतीरूपं परापरम् ।
एष देवो गतिश् चैव कालतत्त्वात्मविग्रहः ॥ 257 ॥
साधकस्य हितार्थाय परमार्थम् उदाहृतम् ।
एतत्सर्वं समाख्यातं कालतत्त्वात्मविग्रहम् ॥ 258 ॥
त्रिसंस्थे तु समासेन सर्वतन्त्रेषु सिद्धिदम् ।
नाडीसंस्थं यथा कर्म कुरुते मन्त्रिणः सदा ॥ 259 ॥
तद् अहं सम्प्रवक्ष्यामि शृणु त्वं च वरानने ।
इडा च पिङ्गला चैव नाड्यौ द्वे समुदाहृते ॥ 260 ॥
यतो नित्यं चरेद् देवः क्रमशश् च निवर्तते ।
तान्य् आत्मवतकर्माणि प्रयुक्तं कुरुते प्रभुः ॥ 261 ॥
स एव कुरुते कर्म बीजनाडीप्रयोगतः ।
अयं कालः समाख्यातस् तृत्वेदय ? समन्वितः ॥ 262 ॥ †
देहस्थम् कथितं देवि ऋतुयुक्तस् तु साधकः ।
ज्ञात्वा कालं च तत्त्वं तु ततः कर्म समारभेत् ॥ 263 ॥
शान्तिकं पौष्तिकं चापि विद्वेषोच्चाटनं तथा ।
वश्याकर्षणकं कुर्याद् यदि कालं विजानते ॥ 264 ॥
सौम्यानि सौम्यकाले तु रौद्रे रौद्राणि कारयेत् ।
अन्यकालकृतं कर्म वृथा भवति साधके ॥ 265 ॥
तस्मात् सर्वप्रयत्नेन काले कर्माणि कारयेत् ।
स्वरक्तं गोचनं चैव तथा सिन्दूरम् एव च ॥ 266 ॥
कुसुम्भरजःसम्मिश्रं दधिमध्वाज्यसंयुतम् ।
खदिरै रक्तसमिधैर् अथवा रक्तचन्दनैः ॥ 267 ॥
अत्र दिग्ध्वा हुनेन् मन्त्री सप्ताहाद् वशम् आनयेत् ।
प्रतिमां लवणमयीं कृत्वा शताभिमन्त्रितां बुधः ॥ 268 ॥
पादौ प्रभृति होतव्यं यावद् अष्टशतं भवेत् ।
त्रिसन्ध्याम् एकचित्तस् तु अमोघवश्यतां नयेत् ॥ 269 ॥
सैक्थीं तु प्रतिमां कृत्वा त्र्यूषणेन तु लेपयेत् ।
प्रतिमासु सुसम्पूर्णं कण्टकैर् मदनोद्भवैः ॥ 270 ॥
विदर्भ्य पादौ गुह्यं च ललातं च विचक्षणः ।
कुचयुग्मे च देवीनाम् अग्रतो निखनेत तु ॥ 271 ॥
अधोमुखां विलिप्ताङ्गां राजिकालवणेन तु ।
वामनासिकरक्तेन नाममन्त्रैर् विदर्भिताम् ॥ 272 ॥
लिखित्वा हृदये कुर्याद् वह्निं प्रज्वाल्य चोपरि ।
राजिकालवणं चैव होतव्याष्तशतं बुधः ॥ 273 ॥
त्रिसन्ध्याम् एव सप्ताहात् त्रैलोक्यं वशम् आनयेत् ।
कुलालकरनिर्मुक्त- मृदा प्रतिमयीकृता ॥ 274 ॥
तेनैव कण्तकैर् विद्ध्वा स्वस्थानस्थैस् तु मन्त्रिणः ।
भगे वा अथवा लिङ्गे सन्मन्त्राण्य् अष्टशतानि तु ॥ 275 ॥
सूत्रयेद् गुह्यदेशे तु गृणन् मन्त्रं तु सर्वदा ।
सप्ताहाद् आनयेद् वश्यं स्त्रियं वा पुरुषम् अपि वा ॥ 276 ॥
मानुषास्थिमयं कीलं कृत्वा तु चतुरङ्गुलम् ।
क्षीरवृक्षं भगे लिख्य लिङ्गं वा कीलयेत् ततः ॥ 277 ॥
षण्डिलस् तु भवेत् साध्य आर्द्रयोगो न संशयः ।
उद्धृतेन भवेन् मोक्षं नात्र कार्या विचारणा ॥ 278 ॥ †
मधूका श्वेतपद्मं च रोचना नागकेशरम् ।
तगरं चैव सूक्ष्मेलम् अञ्जनं समभागिकम् ॥ 279 ॥
कन्यया पिषितं कृत्वा यागं कृत्वा यथोदितम् ।
सहस्राष्ताधिकं जप्त्वा जपेन यजने ततः ॥ 280 ॥
सर्वलोकेषु दृश्यन्ते कामदेवसमो ऽपि तत् ।
विचरेत महीं कृत्स्नां नात्र कार्या विचारणा ॥ 281 ॥
मञ्जिष्था कुन्दुरुश् चैव हरिद्रे द्वे तु पीषयेत् ।
पिष्त्वा पूर्वविधानेन ततो गुह्यं प्रलेपयेत् ॥ 282 ॥
प्रवृत्ते मैथुने काले पतिर् दासं करिष्यति ।
मेषलोचनमूलं तु कम्बल्या क्षीरसाधितम् ॥ 283 ॥
श्मशाने साधयेन् मन्त्री रात्रौ काष्ठैस् तदुद्भवैः ।
कपालैर् गुण्डयेद् अङ्गं रक्तवासोपरिच्छदम् ॥ 284 ॥
उद्वर्तनो ऽभयो ह्य् एष वज्रवत् स्याङ्कुशोपमः ।
भक्षयेद् देशयेत् कंचित् कामाङ्कुशविनिर्गतः ॥ 285 ॥ †
पुरुषो वशम् आयाति स्त्री वा मदनगर्विता ।
वाल्मीकमृत्तिकां गृह्य बलीवर्दं तु कारयेत् ॥ 286 ॥
कन्याकर्तितसूत्रेण तस्य नासां प्रवेधयेत् ।
अथवा पद्मसूत्रेण रक्तचन्दनलेपितम् ॥ 287 ॥
रक्तपुष्पैः समभ्यर्च्य सर्वार्णवं समानयेत् ।
साध्यस्य विलिखेन् नाम स्वरक्तेन वृषोदरे ॥ 288 ॥
श्रीवृक्षकोतरे स्थाप्य साध्यम् एवं वशीकुरु ।
अनेनैव मृदा मेषं कारयेन् मन्त्रवित् सदा ॥ 289 ॥
मेषसूत्रेण वै नासां वेधयेत् पूर्ववच् छुचिः ।
देवीनाम् अग्रतः स्थाप्य तस्य नासां प्रचालयेत् ॥ 290 ॥
यं यं विज्ञापयेत् कामं तं तं प्राप्नोति साधकः ।
एते योगवरा देवि मया तव उदाहृताः ॥ 291 ॥
वर्णानाम् उदरे यागं सर्वकामप्रसिद्धिदम् ।
एवम् एव मगर्भस्थं मारणे सम्प्रयोजयेत् ॥ 292 ॥
गवां रोचनया लिख्य एवम् एव प्रयोजयेत् ।
सोदरेमूकतां कुर्याद् वागीशम् अपि मूकयेत् ॥ 293 ॥
नित्यम् आकर्षयेत् प्रोक्तम् आकारोदरे पूजिता ।
महापुरुषवरस्त्रीणां जपमाना तु कीर्तनात् ॥ 294 ॥
ज्ञानाङ्कुशगता पूजा क्षिप्रं प्रायेषु वस्तुषु ।
उन्मनेष्व् अथ घोरेषु साकारेण तु साधयेत् ॥ 295 ॥
एकारोदरयागेन भवत्य् अर्थप्रदायिका ।
वकारमध्यगा चैव वशीकरणकर्मणि ॥ 296 ॥
धर्मार्थमोक्षदा चैव पुष्टितेजोविवर्धनी ।
भवति नियता देवि हंसमध्येषु पूजितम् ॥ 297 ॥
भञ्जने यदि सैन्यानां भकारजथरे स्थितम् ।
भवति नियता क्षिप्रं क्षेमनाभिगरीयसी ॥ 298 ॥ †
मारणे तु प्रयोक्तव्यं फत्कारान्ते व्यवस्थिता ।
विद्वेषं तु प्रयच्छन्ति जकारजथरेस्थिता ॥ 299 ॥
शत्रुकुलोच्छादं कुर्यात् हूं फत्कारान्ते व्यवस्थिता ।
स्वल्पप्रायेषु कार्येषु यकारजथरोदरे ॥ 300 ॥
Devanagari: Verse 301–350
देहन्यासं पुनर् वक्ष्ये अभेद्यं परमेश्वरि ।
विन्यस्य करणान् साक्षान् महाभूतेषु पञ्चसु ॥ 301 ॥
देहे तत्त्वत्रयं न्यस्य प्राणायामपुरःसरः ।
शरीरे विन्यसेद् देवि पूर्वम् उक्तक्रमेण तु ॥ 302 ॥
माययाच्छादयित्वा तु अङ्कुशेन निरोधयेत् ।
योनिं बद्ध्वा ततः पश्चात् साधकः सुसमाहितः ॥ 303 ॥
स्वदेहे नमसा मन्त्री कल्पोक्तेन तु कर्मणा ।
कुर्यात् सर्वाणि कार्याणि ततः सिद्धिर् न संशयः ॥ 304 ॥
नयोत्तरादितन्त्रेषु कल्पोक्तं कर्म कारयेत् ।
अथवादशलक्षाणि जपेद् यस् तु विधानतः ॥ 305 ॥
ततः सभ्रातृका देव्यः साधकस्याग्रतः स्थिताः ।
वरम् इष्तं प्रयच्छन्ति त्रयातीतं पदं हि यत् ॥ 306 ॥
बीजपञ्चकम् एतद् धि न देयं यस्य कस्यचित् ।
वर्गान्तनिर्गुणाक्रान्तं सम्यग् वै बीजपञ्चकम् ॥ 307 ॥
एवम् एव पुरा कृत्वा ज्ञात्वैवं हि विधानतः ।
बीजानि बीजयेत् प्राज्ञः ततः कर्म समारभेत् ॥ 308 ॥
एवं विधानविद् यस् तु हीनो वा सर्वलक्षणैः ।
अपि पातकसंयुक्तः स सिद्धिफलभाग् भवेत् ॥ 309 ॥
वर्गान्तनिर्गुणाख्यस्य अस्यापि परमं स्मृतम् ।
हृदयं देवदेवीनाम् एकाक्षरम् अतः परम् ॥ 310 ॥
यत्र सभ्रातृका देव्यः कूटदेहा व्यवस्थिताः ।
नातः परतरो मन्त्रस् त्रिषु लोकेषु विद्यते ॥ 311 ॥
गोपितव्यं प्रयत्नेन तन्त्रसारं सुदुर्लभम् ।
ममापि गोपितं देवि सर्वज्ञेनापि सर्वदा ॥ 312 ॥
निश्चयं मम बद्ध्वान्त ? यच् च देवेन भाषितम् ।
त्वयापि चैवम् एवं हि रक्षणीयं प्रयत्नतः ॥ 313 ॥ †
चिन्तारत्नम् इदं गुह्यं व्रतसाधनवर्जितम् ।
अनुस्मरणामात्रेण सम्यग्ज्ञाय क्रमेण तु ॥ 314 ॥
वर्णयागक्रमेणैव पूर्वोक्तेन यथाक्रमम् ।
सिध्यते नात्र संदेहः सर्वकामस् तु मन्त्रिणाम् ॥ 315 ॥
शान्तिकं पौष्तिकं चैव विद्वेषोच्चाटनं तथा ।
वश्याकर्षस् तथा नाशं सर्वं सिध्यति साधके ॥ 316 ॥
शुक्रेण सर्वतोभद्रे महासम्मोहने तथा ।
निर्मथ्य कथितो देवि दध्नो घृतम् इवोद्धृतम् ॥ 317 ॥
परीक्ष्य गुरुणा शिष्यं गुरुदेवाग्निपूजकम् ।
तस्य देयम् इदं तन्त्रं न च नास्तिकनिन्दके ॥ 318 ॥
न दीक्षिता न सिध्यन्ति स्थिताः कल्पशतैर् अपि ।
स्वयंगृहीतमन्त्राश् च नास्तिका वेदनिन्दकाः ॥ 319 ॥
समयेभ्यः परिभ्रष्तास् तथा तन्त्रविदूषकाः ।
गुरूणां विहेठनपरास् तन्त्रसारविलोपकाः ॥ 320 ॥
योगिनीभिः सदा भ्रष्टाः कथ्यन्ते धर्मलोपकाः ।
इति तथ्यं महादेवि सुरासुरनमस्कृतम् ॥ 321 ॥
सारम् एतद् धि तन्त्रस्य तस्य तत्स्थं महानये ।
आज्ञा भगवतश् चैव शिवस्य परमात्मनः ॥ 322 ॥
श्रीदेव्य् उवाच ।
श्रुतं मया महादेव वीणासद्भावम् उत्तमम् ।
तन्त्रं वीणाशिखं नाम दुर्लभं त्रिदशेष्व् अपि ॥ 323 ॥
वर्गान्तनिर्गुणाख्यस्य अस्यापि परमं च यत् ।
एकाक्षरं परं गुह्यं भुक्तिमुक्तिप्रदायकम् ॥ 324 ॥
गोपितं तु त्वया देव सारभूतं महेश्वर ।
तपसा दुर्धराल्लब्धं यच् च ज्ञानं शिवोद्भवम् ॥ 325 ॥
प्रसादं कुरु देवेश यत्र सिद्धिर् ध्रुवं स्थिता ।
प्राप्ते कलियुगे घोरे संकते बहुपातके ॥ 326 ॥
सर्वस्रोतःप्रपन्नानाम् आशु सिद्धिर् यथा नृणाम् ।
प्रसादं कुरु देवेश कः परम्पारते मम ॥ 327 ॥ †
अल्पप्रज्ञाः कुमतयो बहुव्याकुलचेतसा ।
तन्त्रं नैवाधिगच्छन्ति न चैव बहुधा श्रुतम् ॥ 328 ॥
इति देव त्वया पूर्वं कथितं गुरुणात्मना ।
अस्माकम् अपि संक्षेपात् कथयस्व महेश्वर ॥ 329 ॥
श्री ईश्वर उवाच ।
अहो स्वभावप्रकृते किम्प्रश्नासि पुनः ऽपुनः ।
यन् मया कथितं पूर्वं तद् गृहाण सुभाषितम् ॥ 330 ॥
श्रीदेव्य् उवाच ।
न भूयः परिपृच्छामि प्रश्नम् एका गरीयसी ।
वारम् एकं कुरु व्यक्तं प्रसादं सूक्ष्मगोचरम् ॥ 331 ॥
श्री ईश्वर उवाच ।
शृणु देवि प्रयत्नेन सूक्ष्मात् सूक्ष्मतरं महत् ।
प्रयोगं सर्वतन्त्राणाम् उत्तरं सर्वसिद्धये ॥ 332 ॥
येन संस्मृतमात्रेण सिद्धिर् हस्ततले स्थिता ।
नायासो न व्रतश् चैव न तपश् च महेश्वरि ॥ 333 ॥
नाग्निकर्म न चैवार्चा स्मरणात् सिद्धिदः स्मृतः ।
शृणुष्वैकाक्षरं देवि सद्भावपरसंहितम् ॥ 334 ॥
शरीरं तत्त्वराजानं जातवेदसि संस्थितम् ।
शिखायां संस्थितो देवो बिन्दुदेवी जया स्मृता ॥ 335 ॥
यश्चात्रोर्ध्वं भवेद् देवि सौकरः परिकीर्तितः ।
तन्तुदेवं विजानीयान् मकारं बिन्दुदेवताम् ॥ 336 ॥
एवं तु पञ्चधा देवि तत्त्वराजं तु कीर्तितम् ।
चतुर्विंशतिकोष्थे तु यो मन्त्रनायकः स्मृतः ॥ 337 ॥
तत्त्वराज इति ख्यात ऊनविंशत्य् अधः स्मृतः ।
विंशकेन स्वरेणैव बिन्दुमूर्ध्ना तु पीडितम् ॥ 338 ॥
एष एकाक्षरः प्रोक्तस् त्वत्प्रियार्थं वरानने ।
सुषिरं तत्त्वराजानं जातवेदसि संस्थितम् ॥ 339 ॥
विष्णोर् उपरि दीप्तेन जपेल् लक्षत्रयं बुधः ।
आकर्षयेद् द्रुमाण्य् एष मृगपक्षिसरीसृपान् ॥ 340 ॥
मानुषाणां तु का चिन्ता आकर्षणविधिं प्रति ।
एकादशमः संयुक्तस् तत्त्वराजेन शोभने ॥ 341 ॥
शिरसा बिन्दुभिन्नेन हृदि चैष निगद्यते ।
सप्तविंश शिरः प्रोक्तं त्रिंशमस् तु शिखा भवेत् ॥ 342 ॥
ऊनचत्वारिंशतिर् देवि तत्त्वो ऽयं कवचः स्मृतः ।
षोडशस्वरसंयुक्तम् एतद् अस्त्रं प्रकीर्तितम् ॥ 343 ॥
नेत्रं तु कथितं देवि विंशत्यक्षरयोजितम् ।
एष एकाक्षरो देवि षडङ्गः समुदाहृतः ॥ 344 ॥
हंसो मायायुक्तो देवि नाराचास्त्रविदर्भितः ।
सविसर्गनयपदं बीजान्तस्थं(?) ऊ ई सिद्धिकरी नृणाम्(?) ॥ 345 ॥ †
ह र त्र वृद्धिं करोति .... .... ।
मायाङ्कुशनिरोधास् ते सर्वमन्त्रगणादयः ॥ 346 ॥ †
क्रमशो योजयेन् मन्त्रि यदीच्छेद् दीर्घम् आत्मनि ।
सर्वम् एतत् परित्यज्य कुर्यान् मन्त्रपरिग्रहम् ॥ 347 ॥
आत्मातीन्द्रियाधाराणां कृत्वा कर्तव्यं मुहुर् मुहुः ।
पदार्थविधिसंयुक्तं यन् मया गदितं पुरा ॥ 348 ॥ †
तद् अनेन प्रयोगेण कर्तव्यं सिद्धिम् इच्छता ।
ध्यायेत् सिन्दूरसदृशं वश्याकर्षणकर्मणि ॥ 349 ॥
मारणे कृष्णवर्णं तु विद्वेषे वामरूपकम् ।
उच्चाते धूम्रवर्णं तु श्वेतं चैव पुष्ट्यर्थिना ॥ 350 ॥
Devanagari: Verse 351–396
मयूरग्रीवसदृशं स्तम्भने चिन्तयेत् सदा ।
सर्ववर्णधरं चैव सर्वकामिकम् एव च ॥ 351 ॥
सर्वेन्द्रियाणां कुर्वीत उपहारे महाधिपे ।
हृत्पद्मकर्णिकोर्ध्वं तु सुषिरं तत्र चिन्तयेत् ॥ 352 ॥
स्फुलिङ्गं कर्णिकारूपं निर्धूमतेजरूपिणम् ।
धूमज्वालाविनिर्मुक्तं सूर्यकोटिसमप्रभम् ॥ 353 ॥
तस्योर्ध्वे तु शिखा सूक्ष्मा निर्मला स्फातिकोपमा ।
नित्यं सा सेव्यते युक्तैर् योगिभिर् निष्कला परा ॥ 354 ॥
ऊर्णातन्तुसमाकारा ऊर्ध्वस्रोता निरुपमा ।
तत्र मध्ये गतं पश्येद् देव्या गुह्योत्तरम्भवा ॥ 355 ॥
वालाग्रशतभागाख्या- वीणाधारासुसंस्थिता ।
ध्यायेत नित्यं योगीन्द्रः सूक्ष्मगुह्यसमुद्भवाम् ॥ 356 ॥
कृत्वा पूर्वं तु विन्यासं सकलाबाह्यसंस्थितम् ।
एवं वर्णविभागं तु ज्ञात्वा सिद्धिम् अवाप्नुयात् ॥ 357 ॥
वश्याकर्षणकर्माणि वाचया स करिष्यति ।
वीणाशिखायाः सर्वस्वं चिन्तारत्नम् इवापरम् ॥ 358 ॥
एतद् बीजवरं प्राप्य यथेप्ससि तथा कुरु ।
आज्ञा भगवतश् चैषा सर्वदाव्यभिचारिणी ॥ 359 ॥
ध्यातव्या सा प्रयत्नेन यदीच्छेत् सिद्धिम् आत्मनः ।
यजनं याजनं चैव संयोगं च लयं तथा ॥ 360 ॥
समयाक्षरबीजं च अक्षराक्षरयोजितम् ।
रक्षणीयं त्वया भद्रे प्रयत्नेन सुनिश्चलम् ॥ 361 ॥
एतद् गुह्यं समाख्यातं तव स्नेहाद् विचक्षणि ।
एतज् ज्ञात्वा तु मन्त्रज्ञः शिवसायुज्यतां व्रजेत् ॥ 362 ॥
एवं विलयतां याति विधिनानेन योजिताम् ।
अमलीकृतदेहस् तु विधिनानेन साधकः ॥ 363 ॥ †
अमलीकृतं तन्मन्त्रं हृच्चक्रे विनियोजयेत् ।
सोममण्डलमध्यस्थं ध्यायेत् कुन्देन्दुसप्रभम् ॥ 364 ॥
अमृतेन तु सिञ्चन्ति लान्तीसगतिलितेन ? तु ।
एवम् आप्यायितो मन्त्रः सर्वसिद्धिप्रदो भवेत् ॥ 365 ॥ †
एवम् आप्यायनं कृत्वा बिन्दुमध्येविचक्षणः ।
अष्टोत्तरसहस्रं तु मन्त्राणां मन्त्रविज् जपेत् ॥ 366 ॥
परमीकरणं ह्य् एतन् मन्त्रस्याप्यायनं स्मृतम् ।
शिवीभूतस् तु मन्त्रो वै साधयेद् अखिलं जगत् ॥ 367 ॥
सूर्यचक्रनिरुद्धं तु शिरसि समवस्थितम् ।
जपेत् हूंकारसहितं बोधनं परिकीर्तितम् ॥ 368 ॥
आदित्यचक्रमध्यस्थं वह्निना संनिरोधितम् ।
निर्दहते मन्त्रं देवि यदा कर्म न कुर्वति ॥ 369 ॥
शिखामध्यगतं ध्यात्वा सहस्रं परिवर्तयेत् ।
मन्त्रम् एवं समुद्दिष्तं गुह्यशक्तिप्रदीपनम् ॥ 370 ॥
दहनं चाग्निना कार्यं हूंकारेण प्रबोधयेत् ।
दीपनं तु शिखामध्ये मन्त्राणां मन्त्रवादिनाम् ॥ 371 ॥
अमलीकुरुतेसूर्यश् चन्द्रेणाप्यायनं स्मृतम् ।
शिवीकुर्वीत बिन्दुस्थं मन्त्री मन्त्रं तु योगवित् ॥ 372 ॥
एवं मन्त्रविशुद्धस् तु चन्द्रसूर्यसमन्वितम् ।
दीपनं शक्तिना नित्यं जपेन् मन्त्री समाहितः ॥ 373 ॥
अमृतोद्भवकाले तु मन्त्री यत्नेन निश्चयात् ।
वशम् आनयते क्षिप्रं विश्वं मनत ? संशयः ॥ 374 ॥ †
यावती माया मन्त्राणां सर्वेषां कथिता मया ॥ 375 ॥ †
विधिर् अत्र क्रमे चायं पश्चाद् वक्ष्ये जपे विधिम् ।
यजनकाले सम्प्राप्ते एकचित्तः समाहितः ॥ 376 ॥
हृत्पद्मे कर्णिकासीन- देवतार्पितमानसः ।
शिखाबिन्दुं विनिर्धार्य तन्मन्त्रं हृदि संस्थितम् ॥ 377 ॥
पुतवर्णविधानं स्याद् अकृतोच्चारनिस्वनम् ।
स्वस्थचित्तो ह्य् असम्मूढ अलाकूर्ध्वस्थितात्मनः ॥ 378 ॥ †
अविच्छिन्नं द्रुतं चैव अविलम्बितम् एव च ।
तावन् मन्त्री जपेन् मन्त्रं यावच् चित्तं न खिद्यते ॥ 379 ॥
अलभ्य मम मन्त्रं स्याद् द्रुतं कालस्य सिध्यति ।
जपं कृत्वा तु मेधावी नान्यम् एतत् समर्पयेत् ॥ 380 ॥ †
मन्त्री कुर्वीत यत्नेन यथार्थत्वं निबोधत ।
प्रथमे वायवी प्रोक्ता द्वितीया त्व् अनला स्मृता ॥ 381 ॥
तृतीया चैव माहेन्द्री वारुणी तु तथापरे ।
ओंकारपूर्वतो मन्त्रं नमस्कारान्तयोजितम् ॥ 382 ॥
बीजपिण्डं तु मध्यस्थं मुद्रायुक्तं सदा यजेत् ।
क्षिप्रम् अर्थस् तथा कर्म भुक्तिभोगं सुदुर्लभम् ॥ 383 ॥
साधयेन् मनसा सर्वं बीजमुद्राप्रयोगतः ।
हूंकारम् अदितो न्यस्तम् नमस्कारान्तव्यवस्थितम् ॥ 384 ॥
उच्चातयेत् सर्वदुष्तान् दैत्यभूतग्रहांस् तथा ।
ओंकारयोजितस्यादौ स्वाहाकारावसानतः ॥ 385 ॥
अग्निकार्यप्रयोगो ऽयं क्षिप्रम् अर्थं प्रसाधयेत् ।
ओंकारसम्पुतं पिण्डं रकारेण तु दीपकम् ॥ 386 ॥
साधयेन् मनसा ध्यात्वा कामार्थश् च यथेप्सितम् ।
सुप्तं बोधयते मन्त्री शीघ्रं सिद्धिम् अवाप्नुयात् ॥ 387 ॥
ओंकारश् च रकारश् च फट्कारश् चैव मध्यतः ।
मध्ये वर्गान्तपिण्डस् तु कर्म कुर्याद् यथेप्सितम् ॥ 388 ॥
हूंकारम् आदौ अन्ते च हकारश् चादिमध्यतः ।
जपन् तु बोधयेन् मन्त्री अपि सुप्तम् अचेतनम् ॥ 389 ॥
हूंकारश् च रकारश् च फट्कारम् आदिमध्यतः ।
क्रुद्धस् तु जापयेन् मन्त्री यदाकर्म न कुर्वति ॥ 390 ॥
ओंकारसम्पुतं कृत्वा नमस्कारान्तयोजितम् ।
जपेत् पिण्डाक्षरं मन्त्री सर्वसिद्धिकरं परम् ॥ 391 ॥
शान्तिकपौष्तिकं कर्म शुभेषु अशुभेषु च ।
क्षिप्रम् आवाहने सिद्धिर् होमबीजप्रयोगतः ॥ 392 ॥
होमयेत् फलबीजानि धान्यबीजतृणानि च ।
पयसा वापि शुद्धेन होमकर्म ह्य् उदाहृतम् ॥ 393 ॥
मधुना घृतसंयुक्तं तिलं जुह्याद् विचक्षणि ।
साधयेत् सर्वकर्माणि वषत्कृतं जपिष्यति ॥ 394 ॥
सर्वेषां गुह्यमन्त्राणां बीजमुद्रां प्रयोजयेत् ।
अप्रकाश्यम् इदं गुह्यं शिववक्त्राद् विनिःसृतम् ॥ 395 ॥
यस् त्व् इदं ध्यायते नित्यं पूजयेन् मनसा जपेत् ।
स भुङ्क्ते विपुलान् भोगान् ईशानान्तपदं लभेत् ॥ 396 ॥
वीणाशिखा सार्धशतत्रयं यामलतन्त्रं समाप्तम् इति ।
Devanagari: Anhänge A–D
Anhang A
हूंकारादौ स्वाहान्ते आकर्षणे ।
ओंकारादौ वौषत् अन्ते शान्तिके ।
ओंकारादौ सु वषड् अन्ते पौष्तिके ।
ओंकारादौ वषडन्ते ऽमृतीकरणे ।
फत् फत् मारणे ।
ॐ क्ष्रं संहारास्त्र ।
Anhang B
क्ष पुरुष/प्रकृति बुद्धि/अहङ्कार मनः ।
ज शब्दस्पर्शरसरूपगन्ध तन्मात्रं ।
भ पृथिवी आप तेज वायु आकाश पञ्चमहाभूत ।
/म/श्रोत्रत्वच्चक्षुर्जिह्वाघ्राण बुद्धीन्द्रिय ।
ह/वाक्पाणिपादपायूपस्थ कर्मेन्द्रिय ।
Anhang C
जय ब्राह्मनि भूमि ।
विजय क्षत्राणि / आप ।
अजित / वैसनि / तेज ।
अपराजित सूद्रनि / वायु ।
तुम्बुरु अकाश शून्य निर्गुण ।
Anhang D
क्षकारः पुरुषः साक्षात् मकारः प्रकृतिः स्मृता ।
महान् हकारम् इत्य् आहुर् अहंकारस् तु य स्मृतः ।
ओंकारस् तु मनः प्रोक्तं कथितं देवि ते क्रमात् ।
वीणाशिखं वामतन्त्रं सम्पूर्णम् । शुभम् अस्तु ।
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Literatur
- Teun Goudriaan (Hrsg. und Übers.): The Vīṇāśikhatantra: A Śaiva Tantra of the Left Current. Motilal Banarsidass, Delhi 1985. Ausgabe mit Einleitung und englischer Übersetzung.
- Somadeva Vasudeva: elektronische Transkription des Vīṇāśikhatantra nach Goudriaans Ausgabe, bereitgestellt bei GRETIL.
- Pongsit Pangsrivongse: „A Preliminary Investigation into the Religious Profile of King Jitāmitramalla of Bhaktapur Through his Compositional and Scribal Works“. The Journal of Hindu Studies 17/2, 2024, S.200–227. Zur historischen Einordnung der Vama-Tradition.
Siehe auch
- Tantra, Shiva, Bhairava, Devi und Shakti
- Tumburu, Mantra, Bija, Matrika und Bindu
- Mandala, Mudra, Nyasa, Diksha und Puja
- Ida, Pingala, Sushumna, Nadi und Pranayama
- Shiva Sutra, Spandakarika, Pratyabhijnahridaya und Paratrimsika
- Malinivijayottara Tantra, Vijnanabhairava Tantra und Kularnava Tantra
- Yogini Hridaya und Nitya Shodashikarnava
- Guru, Sadhana, Svadhyaya und Meditation
Weblinks
- GRETIL: Vinasikhatantra – Sanskrittext
- Digitalisat von Goudriaans Ausgabe
- Fachaufsatz zur religiösen Überlieferung Nepals mit Einordnung der Vama-Tradition
- Yoga – Grundlagen und Praxis
- Meditation – Einführung und Anleitungen
Quellen und Anmerkungen
- ↑ Vinasikhatantra, elektronische Transkription von Somadeva Vasudeva nach Teun Goudriaans Ausgabe, Delhi 1985. GRETIL: Text mit Angaben zur Grundlage. Die elektronische Zuordnung der Halbverse ab Nummer 375 wurde hier anhand des Drucks, S.85–86, berichtigt.
- ↑ Pongsit Pangsrivongse: „A Preliminary Investigation into the Religious Profile of King Jitāmitramalla of Bhaktapur Through his Compositional and Scribal Works“. The Journal of Hindu Studies 17/2, 2024, S.200–227, insbesondere die Einordnung der Vama-Tradition unter Bezug auf Alexis Sanderson. Fachaufsatz.
- ↑ Teun Goudriaan (Hrsg. und Übers.): The Vīṇāśikhatantra: A Śaiva Tantra of the Left Current. Motilal Banarsidass, Delhi 1985. Sanskrittext insbesondere S.65–87. Digitalisat.
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