Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya

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Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya (Sanskrit: प्रतिष्ठालक्षणसारसमुच्चय, IAST: pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccaya; als Werktitel auch Pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccayaḥ) ist ein shaivitisches Handbuch über die Herstellung, Gestaltung und Weihe heiliger Bilder und Räume. Der Titel bedeutet sinngemäß „Zusammenstellung des Wesentlichen der Merkmale der Weihe“. Das in 32 Ritualabschnitte gegliederte, dem Lehrer Vairocana zugehörige Werk verbindet die Verehrung Shivas mit genauer Kenntnis von Materialien, Bildformen, Tempeln, Mantras und ritueller Verantwortung.

Shiva ist das geistige Zentrum des Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya: Das Linga verweist auf den Ursprung und das Ziel der Welt.

Wie bereitet der Mensch einen Ort für das Göttliche? Diese Frage führt durch das Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya. Stein und Holz, Wasser und Feuer, Wort und innere Sammlung stehen dabei in einem Zusammenhang. Ein geweihtes Linga oder eine Murti ist im Verständnis des Werkes ein wirklicher Mittelpunkt göttlicher Gegenwart. Die ausführlichen Vorschriften sollen dieser Gegenwart eine angemessene Gestalt und einen beständigen Ort im Leben der Gemeinschaft geben.

Bereits am Anfang öffnet sich ein weiter Horizont: Linga heißt das, woraus die bewegliche und unbewegliche Welt hervorgeht und worin sie sich wieder auflöst (1.6). Zugleich würdigt das Werk die schlichte Gabe: Was ein König durch einen kostbaren Tempel erlangt, können Arme durch eine einfache, aufrichtige Stiftung erreichen (1.13). Die Größe der Hingabe lässt sich nicht allein am Wert des Materials ablesen.

Weitere Artikel zum Werk: Sanskrit in Devanagari · Ausgewählte Verse und Mantras.

Was Yoga-Aspiranten aus dem Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya lernen können

Für Menschen, die Yoga und Meditation üben, kann die Begegnung mit diesem Werk den Sinn für Vorbereitung vertiefen. Ein gereinigter Platz, eine bewusst gewählte Gabe und einige Augenblicke der Sammlung lassen eine Handlung zu einem Ausdruck von Bhakti werden. Im historischen Text gehört diese Haltung zu einem viel umfassenderen System der Pratishtha, der feierlichen Einsetzung und Verankerung göttlicher Gegenwart.

Ein Zugang zur Lektüre: Beginne mit der Bestimmung des Linga als Ursprung und Ziel der Welt (1.6), den Eigenschaften des Lehrers (2.15–18) und der Hingabe des eigenen Handelns (16.143–144). Am Werkende öffnet 32.75 den Blick für ein Lernen, das die eigene Tradition vertieft und andere Schriften ernst nimmt. Die 108 ausgewählten Verse bieten einen weiteren, nach Themen geordneten Einstieg.

Drei Zugänge sind besonders hilfreich:

  • Die Form auf ihren Ursprung hin betrachten. Das Linga erinnert an das, was alle Formen trägt und ihre Grenzen übersteigt (1.6–8). Ein äußeres Zeichen kann den Geist zur Kontemplation führen.
  • Sorgfalt mit Aufrichtigkeit verbinden. Materialprüfung und klare Maße nehmen großen Raum ein; zugleich zählt die ehrliche Hingabe des wenig Vermögenden (1.13). Beides fordert Aufmerksamkeit für das, was man tatsächlich darbringen kann.
  • Verantwortung als Teil der Spiritualität verstehen. Vom Acharya werden neben Sachkenntnis auch Ruhe, Selbstbeherrschung, Mitgefühl, Wahrhaftigkeit und Freiheit von Neid verlangt (2.15–18). Ein heiliges Amt soll durch eine entsprechende Lebensführung getragen werden.

Die Aussage, dass Diksha die Herkunftsgrenzen verwandeln kann, ist ebenfalls bedeutsam: Wie Wasser verschiedener Herkunft in der Ganga eins wird, so beschreibt 2.23 die Verwandlung durch Einweihung. Diese Aussage steht innerhalb einer besonderen shaivitischen Überlieferung. Andere Abschnitte bewahren regionale Hierarchien, Ausschlussregeln und scharfe Abgrenzungen gegenüber anderen religiösen Gemeinschaften. Das Werk trägt solche Spannungen in sich; eine aufmerksame Lektüre nimmt sie wahr.

Name, Autor und Überlieferung

Pratiṣṭhā bezeichnet das feste Aufstellen, Einsetzen und rituelle Begründen; lakṣaṇa die kennzeichnenden Merkmale und Regeln; sāra das Wesentliche; samuccaya die Zusammenstellung. Die Kapitelkolophone verwenden auch die kürzeren Bezeichnungen Lakṣaṇasamuccaya und Lakṣaṇasārasamuccaya. In Varianten erscheint Pratiṣṭhātantra.

Die Schlussverse 32.72 und 32.80–81 nennen Vairocana als Lehrer und verbinden seinen Namen mit dem Werk. Er ist hier als shaivitischer Rituallehrer zu verstehen; eine Gleichsetzung mit dem gleichnamigen buddhistischen Buddha oder mit anderen historischen Namensträgern wäre unbegründet. Die Forschung ordnet das Werk dem mittelalterlichen Shaivismus zu; in der Beschreibung von Gudrun Bühnemanns Untersuchung wird das 11. oder 12. Jahrhundert genannt. Eine genaue Lebenszeit ist damit nicht gesichert. Vers 32.72 verbindet seine Lehrerfolge mit der Mattamayura-Tradition; einzelne Namen dieser Überlieferungskette sind unsicher lesbar.

Das Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya versteht sich ausdrücklich als Sammlung aus mehreren Agamas und Tantra Schriften: Kein einzelnes Werk erklärt alle Einzelheiten gleichermaßen, daher werden unterschiedliche Lehrtexte zusammengeführt (1.2–4). Seine Überlieferung ist mit Nepal verbunden. Der zweite Werkteil trägt ausdrücklich die Bezeichnung vairocanīyaḥ, „zu Vairocana gehörig“.

Pratishtha, Murti und göttliche Gegenwart

Pratishtha ist mehr als das räumliche Aufstellen eines Bildes. Im rituellen Verständnis werden Form, Mantra, göttliche Kraft und die durch Einweihung erworbene Befähigung des Lehrers zusammengeführt. Das zweite Kapitel nennt die Mantras ihrem Wesen nach Shiva und Shakti und beschreibt die Weihe von Menschen und Kultbildern in miteinander verwandten Bildern (2.29–33).

Das Linga kann ungegliedert, figürlich oder aus beiden Gestaltweisen verbunden sein; bewegliche und feststehende Formen erhalten unterschiedliche Vorschriften. Murti, Sockel, Heiligtum und Umgebung bilden einen geordneten Zusammenhang. Mandala, Nyasa, Homa und Puja gehören zur rituellen Sprache dieser Ordnung. Ein Mandala ordnet den rituellen Raum; beim Nyasa werden Mantras und göttliche Kräfte einzelnen Körper- oder Bildbereichen zugewiesen. Homa bezeichnet das Feueropfer. Yantra kann je nach Zusammenhang ein Instrument oder eine rituelle Anordnung bezeichnen; seine jeweilige Bedeutung erschließt sich aus der konkreten Vorschrift.

Auch Diksha und Bildweihe sind zu unterscheiden: Die erste betrifft die religiöse Einweihung eines Menschen, die zweite die Einsetzung des Kultbildes. Der Text verbindet beide durch die Wirksamkeit der Mantras und die Autorität des Guru. Sein Schwerpunkt liegt auf Kult- und Tempelhandlungen, in denen innere Vergegenwärtigung, gesprochenes Wort und äußere Gabe zusammenwirken.

Puja als bewusste Verehrung

Aufbau des Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya

Das Werk umfasst 32 Vidhis, also Abschnitte mit rituellen und gestalterischen Vorschriften. Die Zweiteilung in einen ersten Teil bis Kapitel 11 und einen zweiten Teil ab Kapitel 12 ist von dieser durchgehenden Kapitelzählung zu unterscheiden.

Material, Menschen und heilige Gestalt – Kapitel 1–9

Zunächst werden Materialien für Lingas, Waldgang und Vorzeichen behandelt. Dann folgen die Prüfung des Auftraggebers, des Acharya und der Handwerker, die Gewinnung von Holz und Stein sowie die Gestaltung ungegliederter, figürlicher und gemischter Kultbilder. Das umfangreiche sechste Kapitel beschreibt zahlreiche Gottheiten. Sockel, Reittiere und Attribute vervollständigen diesen ersten Themenkreis.

Vorbereitung und Vollzug der Einsetzung – Kapitel 10–20

Zeitwahl und Ritualhalle bereiten die Weihe vor. Feuergruben und Opferlöffel, das Herausarbeiten der Merkmale, rituelle Waschung und vorbereitende Lagerung führen zur Einsetzung der Linga-Formen. Weitere Abschnitte behandeln Chandeshvara, Torbögen und andere Bestandteile der Anlage, Bana-Lingas sowie Banner.

Erneuerung, Baugrund und Architektur – Kapitel 21–30

Die Erneuerung beschädigter oder verfallener Heiligtümer steht neben der Einsetzung von Hallen und Unterkünften. Es folgen Ortsprüfung, das Entfernen störender Einschlüsse im Boden, Vastu-Verehrung, Grundriss- und Tempeltypen, das Verhältnis von Linga und Heiligtum sowie Tore und Hallen.

Wasser, Bäume und erneuerte Verbundenheit – Kapitel 31–32

Auch Teiche, Brunnen, Bäume, Gärten und Haine gehören zur religiös gestalteten Umgebung. Das abschließende Pavitrārohaṇa behandelt das Anlegen heiliger Fäden beziehungsweise Girlanden und beschließt das Werk mit Überlieferungs- und Schlussversen.

Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya und andere Tantra Schriften

Die folgenden Verbindungen betreffen Themen und religiöse Ausrichtung. Eine unmittelbare literarische Abhängigkeit ist damit nicht behauptet.

  • Kamika Agama: Ein Hauptagama des Shaiva Siddhanta, das ebenfalls Tempel, Kultbilder, Weihe und alltägliche Verehrung ausführlich behandelt. Das Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya tritt demgegenüber ausdrücklich als Zusammenstellung aus mehreren Texten auf.
  • Raurava Agama: Die shaivitische Verbindung von Mantra, Einweihung und Befreiung bildet einen gemeinsamen Hintergrund. Der im Yoga Wiki erschlossene Wissensabschnitt des Raurava erklärt vor allem Gotteslehre, Kosmologie und Yoga; das hier behandelte Werk entfaltet besonders die kultische Gestaltung.
  • Mrigendra Tantra: Beide gehören in den weiteren Zusammenhang der shaivitischen Agama-Lehre. Das Mrigendra eröffnet einen breiteren Zugang zu Erkenntnis, Yoga und ritueller Lebensführung; Vairocana konzentriert die Darstellung auf Merkmale, Herstellung und Einsetzung.
  • Netra Tantra: Mantra, Schutz und die Verantwortung des Ritualkundigen verbinden die Themenfelder. Das Netra Tantra gehört zum Bhairava-Kontext und setzt einen ausgeprägten Schwerpunkt auf Schutz- und Befriedungsrituale; im Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya stehen Kultbild und heiliger Raum im Vordergrund.
  • Tantraloka: Abhinavaguptas Werk verbindet Ritual, Einweihung und die Erkenntnis des Bewusstseins in der Trika-Tradition. Es kann helfen, die philosophische Tiefe tantrischen Rituals zu erschließen. Seine nichtduale Systematik darf jedoch nicht ohne Weiteres zur Deutung jedes Verses dieses shaivitischen Weihehandbuchs verwendet werden.

Ein Vergleich mit den Pāñcarātra-Samhitas ist ebenfalls fruchtbar: Auch dort gehören göttliches Bild, Tempel und Mantra zusammen, allerdings im Zentrum der Verehrung von Vishnu beziehungsweise Narayana. Das vorliegende Werk grenzt die Shiva-Weihe in 2.159 ausdrücklich von Pāñcarātra-Mantras ab. Thematische Nähe bedeutet daher keine Austauschbarkeit der Rituale.

Shiva und Shakti: Kapitel 2 beschreibt die Mantras als von beiden getragen. Das Bild dient der allgemeinen Veranschaulichung.

Sanskrit IAST und deutsche Übersetzung

Die folgenden Anweisungen gehören zum traditionellen rituellen bzw. initiatorischen Kontext und werden hier zur Textdokumentation wiedergegeben.

Die Aussagen über Heilwirkungen, magische Ergebnisse, Vorzeichen und soziale Eignung geben die Vorstellungen des historischen Textes wieder. Sie sind von den ausdrücklich als heutige Anregungen formulierten Abschnitten dieses Artikels zu unterscheiden.

Kapitel 1: Materialien des Linga und Eintritt in den Wald

śrīḥ

Heil und Segen!

atha pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccayaḥ

Hier beginnt der Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya.

prārabhyate

Hier beginnt das Werk.

oṃ namastasyai [kh: oṃ namaḥśivāyeti nāsti]

Eingangsverehrung: Om. Verehrung ihr! Die abweichende Anrufung Shivas wird nur im Variantenapparat genannt.

tattvatrayatridahanatriguṇatriliṅga [g: tanutrayeti] kālatrayatribhuvanatrisurīśarīram |
netratrayatripathagāhipavitragotra putrītriśūlabhṛtamīśamahaṃ praṇamya || 1 ||

1.1 Nachdem ich mich vor dem Herrn verneigt habe – dessen Leib die drei Tattvas, die drei Feuer, die drei Gunas, die drei Lingas, die drei Zeiten, die drei Welten und die drei Götter umfasst; der drei Augen besitzt und die dreifach strömende Ganga, Schlangen, die Tochter des heiligen Berggeschlechts und den Dreizack trägt –,

āgamebhyaḥ samākṛṣya kuryāṃ lakṣaṇasaṅgraham |
ṛjusakṣepasaṃpūrṇaṃ sarvasthāpanasaṅkulam [g: sadguṇamiti] || 2 ||

1.2 will ich aus den Agamas eine Sammlung der Merkmale zusammenstellen: geradlinig, kurz gefasst und dennoch vollständig, die vielfältigen Einsetzungen umfassend.

asaṃdigdhaṃ sphuṭārthaṃ ca dharmakāmārthamokṣadam |
hitāya mandabuddhīnāṃ smaraṇāya manīṣiṇām || 3 ||

1.3 Sie soll ohne Zweideutigkeit und von klarem Sinn sein und Dharma, Wunscherfüllung, Wohlergehen und Befreiung vermitteln: zum Nutzen der weniger Verständigen und zur Erinnerung für die Einsichtigen.

kiñcit kvacit sphuṭaṃ cāṅgaṃ naikasmin sarvamaṅgakam [kh: sarvagātrakam] |
bahutantrāṇyato vīkṣya krameṇaikatra likhyate || 4 ||

1.4 Hier und dort ist jeweils ein einzelner Teil deutlich erklärt; in keinem einzelnen Werk finden sich sämtliche Teile. Deshalb werden viele Tantras durchgesehen und ihre Lehren hier in geordneter Folge zusammengetragen.

siddhiliṅgāśritevaṃ śivaproktaṃ śivāgame |
tadā [mu. a, k: tantrā] gamānusāreṇa liṅgaṃ vakṣyāmi sāṃpratam || 5 ||

1.5 So wird im Shiva-Agama die von Shiva verkündete Lehre in Verbindung mit dem Siddhi-Linga überliefert. Diesen Agamas folgend werde ich jetzt das Linga erklären. [Satzanfang unsicher.]

yato jātamidaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram |
līyate pralaye yatra tadidaṃ liṅgamucyate || 6 ||

1.6 Das, woraus diese ganze dreifache Welt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen hervorgegangen ist und worin sie sich bei der Weltauflösung wieder auflöst, wird Linga genannt.

arūpamapramāṇaṃ yattattridhā rūpamānataḥ |
hīnādi [kh: hīmādi] siddhayastasmācchivapūjopacārataḥ || 7 ||

1.7 Was ohne Gestalt und ohne messbare Begrenzung ist, erscheint hinsichtlich Form und Maß dreifach. Durch die ehrenden Handlungen der Shiva-Verehrung gehen daraus die verschiedenen, niedrigeren und weiteren Vollendungen hervor.

dravyānukalpana tyaktvā [k, kh, g: nyastvā] bhaktyā vārādhya tatsadā |
sarvajñaṃ sarvadaṃ śuddhaṃ śivatattvaṃ ca mokṣadam || 8 ||

1.8 Man verehre stets mit Hingabe dieses allwissende, alles gewährende, reine und Befreiung schenkende Shiva-Prinzip, auch unter Verzicht auf die aufwendige Bereitstellung der Materialien. [Die Lesart „nyastvā“ ergibt statt des Verzichts ein Darbringen beziehungsweise Bereitstellen.]

mantraiḥ śivoditaiḥ siddhā mukhyā brahmādilokapāḥ |
ṛṣayo vasavo rudrā gaṇā yakṣā grahoragāḥ ||

1.9 Durch die von Shiva offenbarten Mantras wurden die vornehmsten Weltenhüter, Brahma und die übrigen, sowie Rishis, Vasus, Rudras, Ganas, Yakshas, Planetengottheiten und Schlangenwesen vollendet.

daityā rakṣāṃsi siddhādyāḥ paraiśvaryapadaṃ gatāḥ |
ato narādibhistattu liṅgarūpamupāsyate || 10 ||

1.10 Daityas, Rakshasas, Siddhas und die übrigen gelangten zur Stufe höchster Herrlichkeit. Deshalb wird jenes Prinzip von den Menschen und anderen Wesen in Gestalt des Linga verehrt.

liṅgasya darśanaṃ puṇyaṃ sparśanaṃ pāpanāśanam |
mahārājyapradā pūjā dhyānaṃ mokṣapradāyakam || 11 ||

1.11 Der Anblick des Linga bringt heiliges Verdienst; seine Berührung vernichtet Verfehlungen. Seine Verehrung gewährt große Herrschaft, und die Meditation darüber schenkt Befreiung.

śatāyutāśvamedhānāṃ yajvanāṃ yatphalaṃ [mu. a, k, g, gh: yatphalaṃ lābhato] bhavet |
tatphalaṃ dviguṇaṃ samyag liṅgaikasthāpanāpanāddhruvam || 12 ||

1.12 Welchen Lohn die Opfernden durch eine Million Pferdeopfer erlangen würden: Das Doppelte dieses Lohnes entsteht gewiss durch die rechte Einsetzung auch nur eines einzigen Linga.

prāsāde hemaratnādyairyatpuṇyaṃ [kh: hemaratnāḍhye prasthitaṃ] nṛpaterbhavet |
tadeva tṛṇakuḍyādyairdaridrāṇāmaśāṭhyataḥ || 13 ||

1.13 Dasselbe heilige Verdienst, das ein König durch einen mit Gold, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten ausgestatteten Tempel erlangt, erwerben Arme durch Gras, einfache Wände und dergleichen, wenn sie ohne Falschheit handeln.

devāsuroragaiḥ sthāpye narūpaṃ naivalakṣaṇam |
lakṣaṇaṃ liṅgadhāmādau narebhyo vakṣyate'dhunā [kh: sadā] || 14 ||

1.14 Für Einsetzungen durch Götter, Asuras und Schlangenwesen gelten keine solchen Form- und Merkmalsvorschriften. Für Menschen werden jetzt die Merkmale des Linga, des Heiligtums und der übrigen Bestandteile erläutert.

tatsyāttridhā yathāsaṅkhyamavyaktaṃ vyaktamiśrakam |
liṅgaṃ ca [gh, ṅ: liṅgārcā; kh: liṅgasya] mukhaliṅgaṃ ca puṃstriyau ca napuṃsakam || 15 ||

1.15 Das Kultbild ist der Reihe nach dreifach: ungegliedert, figürlich und gemischt. Dazu gehören das Linga, das mit Gesichtern versehene Linga sowie männliche, weibliche und geschlechtsneutrale Gestalten. [Die Zuordnung der Aufzählung ist sprachlich uneben.]

vipadgṛha [mū. a, k: vipaṭṭasta; gh, ṅ: viyaṭvṛtta] haro vyāpī sadā vahnirivendhanam |
sūryāṣṭāṣṭāsrake [mū. a: puryaṣṭāṣṭā; g: sūryacchāyā] viṣṇurbrahmā vedāsrake vibhuḥ || 16 ||

1.16 Hara durchdringt den betreffenden Teil wie Feuer den Brennstoff; Vishnu ist dem achteckigen, der allwaltende Brahma dem viereckigen Teil zugeordnet. [Die Formbeschreibung des Hara-Teils und die vorangehenden Maßwörter sind beschädigt.]

eṣāmaikyaṃ tribhiryogālliṅgamavyaktakaṃ bhavet |
(vyaktaṃ [kh: ayaṃ cāpacinhāntargataḥ pāṭhaḥ nāśti] mūrdhādisaṃyuktaṃ vyaktāvyaktaṃ dvirūpakam || 17 ||

1.17 Durch die Verbindung dieser drei entsteht ihre Einheit als ungegliedertes Linga. Das figürliche Bild besitzt Kopf und weitere Glieder; das zugleich figürliche und ungegliederte vereinigt beide Gestaltweisen.

pañcadhā vyaktamāvedyaṃ vyaktākhyaṃ saptadhā tathā |
dvyātmakaṃ daśadhā proktaṃ sarvaṃ dvedhā calācalam || 18 ||)

1.18 Eine figürliche Einteilung wird fünffach, eine weitere siebenfach angegeben; die Doppelform gilt als zehnfach. Alle diese Formen werden wiederum in bewegliche und unbewegliche unterteilt. [Die beiden ersten Klassen sind in der Vorlage nicht eindeutig unterschieden.]

avyaktaṃ mokṣadaṃ nūnaṃ vyaktaṃ bhuktipradāyakam |
bhuktimuktipradaṃ miśramityetadrūpato bhavet || 19 ||

1.19 Die ungegliederte Form gewährt gewiss Befreiung, die figürliche weltliche Erfüllung, die gemischte beides: Erfüllung und Befreiung. So erfolgt die Unterscheidung nach der Gestalt.

liṅgaṃ yadātmakaṃ kāryaṃ tanmānaṃ caiva yāddaśam |
śīghraṃ siddhikaraṃ yacca kāmyākāmyāya yadbhavet || 20 ||

1.20 Aus welchem Stoff ein Linga herzustellen ist, welche Maße es haben soll, welches rasch Vollendung bewirkt und was für wunschgebundene oder wunschfreie Verehrung geeignet ist,

taddravyāṇāṃ parīkṣā ca ācāryasya ca lakṣaṇam |
kārukā mūrtipāścaiva vanayātrādikaṃ yathā || 21 ||

1.21 die Prüfung seiner Materialien und die Merkmale des Acharya, der Kunsthandwerker und der Hüter der Götterbilder, ferner der Gang in den Wald und die damit verbundenen Handlungen,

nagā nagādhipā ye ca nadyo yā ye drumādayaḥ |
puṇyasthānavibhāgaśca vāstugrahaṇamarcanam || 22 ||

1.22 die Berge und die großen Gebirge, Flüsse, Bäume und anderes, die Unterscheidung heiliger Orte sowie die Inbesitznahme und Verehrung des Baugrundes,

yathā purastathādvārayogāhṛ [g: dvāre yenokta] tkalaśo'dhvaraḥ |
śivo liṅgavidhiryāgo dhvajaparyantakaṃ tathā || 23 ||

1.23 die vorgesehene Ordnung von Tor, Verbindung, Herzbereich, Krug und Opfer, die Shiva- und Linga-Riten und die Verehrung bis hin zur Aufrichtung des Banners [mehrere Bezüge dieser Themenliste sind unsicher],

pañcasthāpanasaṃyuktaḥ prāsādaścaiva tādṛśaḥ |
yatīnāmāśrayo yādṛk pratiṣṭhā pañcadhā ca yā || 24 ||

1.24 der Tempel mit seinen fünf Einsetzungen, die entsprechende Gestaltung der Unterkunft für Asketen sowie die fünf Arten der Pratishtha,

ṛtunakṣatrayogaśca [mū. a: yośvaiva] vāralagnādhivāsanam |
sthāpane yaśca saṃbhāra ityādyakhilamucyate || 25 ||

1.25 Jahreszeiten, Mondhäuser und astrologische Konstellationen, Wochentage, Aszendenten, die vorbereitende rituelle Lagerung und die Ausstattung für die Einsetzung: All dies und das Weitere wird erläutert.

kuryālliṅgānyayoratnamṛtkāṣṭhopalacitrakaiḥ [mū. a, k: -siddhā-] |
kṣudrakāmāya lohotthaṃ ratnajaṃ bahusiddhidam || 26 ||

1.26 Lingas soll man aus Metall, Edelstein, Ton, Holz und Stein herstellen oder als Bilder darstellen. Ein metallenes dient kleineren Wünschen; ein aus Edelstein gefertigtes verleiht viele Vollendungen.

mṛnmayaṃ sarvakāmārthaṃ dārujaṃ tvāśusiddhidam [mū, a, k: vā susiddhidam] |
khādhāreṇa vyavasthāpyaṃ naśvaraṃ dhātudārujam [mū. a, k, ṅ: naśvaratvāttu dārujam] || 27 ||

1.27 Ein tönernes dient der Erfüllung aller Wünsche, ein hölzernes rascher Vollendung. Die Befestigung von Metall- und Holzformen wird mit ihrer Unterlage und Vergänglichkeit in Zusammenhang gebracht. [Der zweite Halbvers ist unsicher; eine Lesart betont ausdrücklich die Vergänglichkeit des Holzes.]

bhogamokṣapradaṃ śailaṃ tacca veśmani rogadam |
liṅgaṃ ca dvividhaṃ jñeyaṃ [mū. a, k: proktaṃ] calaṃ caivācalaṃ tathā || 28 ||

1.28 Ein steinernes schenkt weltliche Erfüllung und Befreiung; im Wohnhaus gilt es jedoch als krankheitsbringend. Das Linga ist grundsätzlich zweifach zu verstehen: beweglich oder unbeweglich.

calaṃ vairatnajaṃ proktaṃ dhātujaṃ ca calācalam |
sthiralakṣmīpradaṃ haimaṃ rājataṃ caiva rājyadam || 29 ||

1.29 Ein Linga aus Edelstein wird als beweglich bezeichnet; ein metallenes kann beweglich oder feststehend sein. Ein goldenes gewährt beständiges Glück, ein silbernes Herrschaft.

prajāvṛddhikaraṃ tāmraṃ vāṅgamāyuḥ pravardhanam [kh, g: rāṅgamāyuṣya vardhanam] |
vidveṣakārakaṃ kāṃsyaṃ rītijaṃ śatruvālanam || 30 ||

1.30 Ein kupfernes fördert die Nachkommenschaft, ein zinnernes verlängert das Leben. Ein bronzenes dient der Erzeugung von Zwietracht, ein aus Messing gefertigtes der Abwehr von Feinden. [Das letzte Tätigkeitswort ist unsicher.]

rogadaṃ saisakaṃ śatrorāyasaṃ ripunāśanam |
aṣṭalohamayaṃ liṅgaṃ kuṣṭharogakṣayāvaham || 31 ||

1.31 Ein bleiernes soll einem Feind Krankheit bringen, ein eisernes Feinde vernichten. Ein Linga aus acht Metallen wird mit der Beseitigung von Aussatz verbunden.

trilohasambhavaṃ liṅgamantardhānaprasiddhidam |
sikthaṃ kṛtvā mṛdā liptvā taptvodvāsya ca kārukaḥ || 32 ||

1.32 Ein aus drei Metallen entstandenes Linga gewährt die Vollendung des Unsichtbarwerdens. Der Kunsthandwerker stellt zunächst eine Wachsform her, überzieht sie mit Ton, erhitzt sie und entfernt das Wachs.

vikārārkadiśā randhravṛddhyā sikthānprapūrayet |
hemāhibhyāṃ kramātāratāmravaṅgāraghoṣakaiḥ || 33 ||

1.33 Die Form ist nach den vorgeschriebenen Abstufungen und Öffnungsmaßen zu füllen; genannt werden der Reihe nach Gold, Silber, Kupfer, Zinn und weitere Metallbestandteile. [Zahlwörter, Metallbezeichnungen und Satzanschluss sind beschädigt.]

dhūstūrasya [mū, a, k: dhūtyūrasya; g: dhūttūrasya] rasairghṛṣṭva rasaṃ hema tadaṅghrimat |
kāṣṭhaṃ kṣiptvā dṛḍhaṃ tattu śilāghṛṣṭaṃ savālukam || 34 ||

1.34 Quecksilber und Gold werden mit dem Saft des Dhustura zerrieben; dann sind Holz und ein auf Stein zerriebener, mit Sand versehener Bestandteil einzubringen. [Mengenverhältnis und genaue Stofffolge sind unsicher.]

jambīrarasasāmudrapiṣṭaṃ tatpiṣṭakaṃ bhavet |
tayā lavaṇapūrāmbu [mū. tayālabāla pūrāḍhyaṃ] yuktayā lepayedbudhaḥ || 35 ||

1.35 Mit Zitronensaft und Meersalz verrieben entsteht daraus eine Paste. Der Kundige bestreiche das Werkstück mit dieser unter Zusatz der genannten Salzflüssigkeit. [Die genaue Bezeichnung des Zusatzes ist unsicher.]

karāṅguṣṭhena saṃpreryākoṭya koṣṭhikayā tataḥ [ṅ: kaṭyekoṣṭhikayostayoḥ] |
bālakuñcikayā [mū. -kāla] sāmyaṃ nayettatkramaśaḥ śanaiḥ || 36 ||

1.36 Er bearbeite es mit dem Daumen, durch Klopfen und mit der Koṣṭhikā; anschließend bringe er es mit einer feinen Bürste nach und nach behutsam zu einer ebenmäßigen Oberfläche. [„Koṣṭhikā“ ist hier eine unsicher bestimmte Werkstattvorrichtung.]

bhūyo bhūyo'gnisantāpāttridhāliṅgaṃ rasojjhitam |
tato'numā [kh: tato'ntarmā] rjayedyatnānmaṇinā [gh: ye drūkṣā] madanāmbubhiḥ || 37 ||

1.37 Durch wiederholtes Erhitzen im Feuer wird das dreifache Linga vom Quecksilber befreit. Danach poliere er es sorgfältig mit einem Stein und Madana-Flüssigkeit. [Die Bezeichnung des Poliermittels ist nicht sicher.]

punarvahnisthamākṛṣya liṅgaṃ trividharūpakam |
rasaye [mū.: vāsayet] ttāmrajaṃ śilpī hāṭakena sucārūṇā || 38 ||

1.38 Nach erneutem Erhitzen und Herausnehmen soll der Kunsthandwerker das kupferne Linga in seiner dreifachen Gestalt mit schönem Gold überziehen.

dāhe [kh: bāhye] raktaṃ sitaṃ chede nikaṣe kuṅkumaprabham |
guru snigdhaṃ mṛdusparśe [ṅ: mṛduṃ pakve] ṣaḍvidhaṃ hemaśobhanam || 39 ||

1.39 Gutes Gold besitzt sechs Kennzeichen: Beim Erhitzen ist es rot, im Schnitt hell, auf dem Prüfstein von safranartigem Glanz; es ist schwer, geschmeidig und weich beim Berühren.

lohajaṃ pārthivaṃ caiva kuryānmantrairvidhānataḥ |
dhātūdbhavaṃ samākhyātaṃ ratnajādi [mū. a, k: ratnajāpi] vadāmyataḥ || 40 ||

1.40 Metallene und irdene Formen soll man vorschriftsgemäß unter Verwendung von Mantras herstellen. Die aus Metall hervorgehenden Formen sind damit erläutert; nun spreche ich über die aus Edelstein und die weiteren.

āyuṣyaṃ hīrajaṃ jñeyaṃ rogahṛnmauktikodbhavam [kh: mauktikaṃ bhavet ] |
sukhakṛtpuṣparāgotthaṃ vaidūryaṃ śatrudarpahṛt || 41 ||

1.41 Ein Linga aus Diamant gilt als lebensverlängernd, eines aus Perle als krankheitsbeseitigend; eines aus Topas verleiht Glück, eines aus Vaidurya bricht den Stolz des Feindes.

padmarāgaṃ ca lakṣmīdamaindra nīlaṃ yaśaḥ pradam |
liṅgaṃ mārakataṃ puṣṭyai sphaṭikaṃ sarvakāmadam || 42 ||

1.42 Ein Rubin-Linga schenkt Wohlergehen, ein Saphir-Linga Ruhm, ein Smaragd-Linga Gedeihen und ein Kristall-Linga die Erfüllung aller Wünsche.

mahāratnotthaliṅgāni kṣudraratnodbhavānyataḥ |
vaidrumaṃ vaśyakamārthaṃ [g: vadhyakarmārthaṃ] kārketanamamitrahṛt || 43 ||

1.43 Dies sind die Lingas aus großen Edelsteinen; nun folgen diejenigen aus kleineren Schmucksteinen. Koralle dient der Bezwingung, Karketana der Vernichtung von Feinden.

pulakotthaṃ tu vidyākṛdrājāvartamarātihṛt |
baladaṃ jīvajātījaṃ ṭaiṭṭibhaṃ śatrumardanam || 44 ||

1.44 Pulaka vermittelt Wissen, Rajavarta beseitigt Widersacher, Jivajati verleiht Kraft und Taittibha zerschmettert Feinde. [Die historischen Steinnamen lassen sich hier nicht sicher mineralogisch gleichsetzen.]

vidveṣakārakaṃ śauktaṃ [gh: tautthaṃ] śāṅkhaṃ saukhyapradāyakam |
iti prasthānaliṅgāni śuddhimānānyataḥ param || 45 ||

1.45 Muschelschale dient der Erzeugung von Zwietracht, das Schneckenhorn der Gewährung von Glück. So sind diese Linga-Arten beschrieben; anschließend folgen ihre Reinheit und Maße.

dvividhaṃ ratnajaṃ liṅgaṃ nirmitaṃ cāpyanirmitam |
kārukai [kh: kārubhiḥ; mū. a, k: dārubhi] rghaṭitaṃ yacca talliṅgaṃ nirmitaṃ smṛtam || 46 ||

1.46 Ein Edelstein-Linga ist zweifach: bearbeitet oder unbearbeitet. Was durch Kunsthandwerker geformt wurde, gilt als bearbeitet.

svabhāvotthaṃ viśuddhaṃ yadratnajaṃ cāpyanirmitam |
tatpūjyaṃ rājabhiryatnādbhuktimuktyarthibhiḥ sadā || 47 ||

1.47 Ein aus seiner eigenen Natur entstandener, reiner Edelstein ist dagegen unbearbeitet. Könige, die weltliche Erfüllung und Befreiung suchen, sollen ihn stets sorgfältig verehren.

tyajedbindvanvitaṃ raudraṃ śūlāgraṃ [mū.: śūlābhraṃ] cipiṭaṃ kṛśam |
ūrdhvādhovadanaṃ dīrghamadhaḥ sthūlaṃ ca niṣprabham || 48 ||

1.48 Auszusondern sind Stücke mit Flecken, von schrecklicher Wirkung, mit speerartiger Spitze, abgeplattet oder dünn, mit nach oben oder unten gerichteter Öffnung, überlang, am unteren Ende verdickt oder glanzlos,

miśravarṇaṃ tathāvyaṅgaṃ khaṇḍaṃ devopabhuktakam |
chidraṃ [g: sthiraṃ] ca sphuṭitaṃ trastaṃ [mū. a, k, kh: bhrastaṃ] śalyānvitaṃ [g, ṅ: śūlānvitaṃ] surojjhitam || 49 ||

1.49 ferner solche mit vermischter Farbe, Verformungen, Brüchen, früherer Verwendung als Götterbild, Löchern, Rissen, innerer Beschädigung oder Einschlüssen sowie von einer Gottheit aufgegebene Stücke.

tiryak cādhaḥkṛtaṃ yattu hīnaṃ madhye vivarjayet |
rāṣṭragotrajanagrāma [ṅ: kulagrāma] dhanamitrasutānapi [mū, a, g: yutānapi] || 50 ||

1.50 Auch schief oder nach unten gerichtet gearbeitete und in der Mitte verengte Stücke soll man meiden. Solche Mängel bedrohen Land, Geschlecht, Bevölkerung, Dorf, Besitz, Freunde und Kinder,

śasya yānābalābandhubhṛtyānnighnanti tāni ca |
rogaṃ parājayodvegaṃ [ṅ: parākramodvegaṃ] janadveṣaṃ kaliṃ tathā || 51 ||

1.51 ferner Ernte, Fahrzeuge, Frauen, Verwandte und Diener; sie bringen Krankheit, Niederlage, Beunruhigung, Hass unter den Menschen und Streit,

pravāsaṃ duḥkha dāridryaṃ mṛtyuṃ dadyātkramādbhṛśam |
tatsyāddoṣairvinirmuktaṃ dṛḍhaṃ snigdhaṃ prabhānvitam || 52 ||

1.52 Verbannung, Leid, Armut und Tod in entsprechender Folge. Daher soll das Material frei von Fehlern, fest, glatt und leuchtend sein.

aṅgādyaṅgula [gh: mudgādyaṅgula; mū, a, k: muṅgāmuṅgala; ṅ: mudrādyaṅgula] paryantaṃ śāstrajñaiḥ suparī kṣatam |
mahāratnaṃ mahāmūlyaṃ guṇayuktaṃ yajetsadā || 53 ||

1.53 Der nach der Schrift kundig Geprüfte soll einen kostbaren, hochwertigen und mit guten Eigenschaften versehenen Edelstein innerhalb des genannten Größenbereichs verehren. [Die untere Maßangabe ist beschädigt; „Aṅgula“ bezeichnet eine Fingerbreite.]

tasthārcanājjayaḥ śāntirārogyaṃ vipulāḥ śriyaḥ |
supratāpo [kh: saṃpratāpo] yaśaścāyurbhaveyurnṛpateściram || 54 ||

1.54 Durch seine Verehrung sollen dem König Sieg, Frieden, Gesundheit, reicher Wohlstand, große Ausstrahlung, Ruhm und langes Leben zuteilwerden.

mahāratnānmahāsiddhiḥ kṣudrātkṣudrā prajāyate |
nīlaṃ pītaṃ sitaṃ cāpi śastaṃ ratnamanirmitam || 55 ||

1.55 Aus einem großen Edelstein geht große Vollendung hervor, aus einem geringeren eine geringere. Als günstig gelten blaue, gelbe und weiße unbearbeitete Edelsteine.

jaleśavātaviṣṇvindrāgnyantakā vajradevatāḥ |
śaṅkhasphaṭikasaṃkāśaṃ javārambhādaladyuti || 56 ||

1.56 Varuna, Vayu, Vishnu, Indra, Agni und Antaka gelten als Gottheiten des Diamanten. Seine Farben werden mit Schneckenhorn und Kristall, Hibiskusblüte und Bananenblatt verglichen,

haridrārasatulyaṃ ca śaśababhbra?kṣisannibham |
dhautāsyābho dvijātīnāṃ nṛpārhau [nṛpādau, li. pu. pā] pītaraktakau || 57 ||

1.57 ferner mit Kurkumasaft und weiteren Farbtönen [beschädigte Lesung]. Ein heller, gereinigter Glanz gilt für die Zweimalgeborenen als passend, Gelb und Rot für Könige.

vaiśye haritapītau ca dhūsaraṃ tu caturthake |
śūlaṃ cādhordhvato yasya vajraṃ syāttacchivātmakam |
talliṅgamāyuṣo vṛddhayai sarvarogavināśakam || 58 ||

1.58 Für Vaishyas werden Grün und Gelb, für den vierten Stand Grau angegeben. Ein oben und unten zugespitzter Diamant gilt als Shiva zugehörig; ein solches Linga soll das Leben verlängern und alle Krankheiten beseitigen.

sitaṃ raktaṃ kramātpītaṃ kṛṣṇaṃ ca sphaṭikaṃ śubham |
śakrāgni(gnī) casamitroye [gh: śakrāgnicalamitrottha; ṅ: śakrāgnīndrasamitrāye] caturdhā tatkvacinmatam || 59 ||

1.59 Weißer, roter, gelber und schwarzer Kristall gelten der Reihe nach als günstig. Mancherorts wird er nach vier göttlichen Zuordnungen unterschieden. [Die betreffenden Namen sind beschädigt.]

nistaraṅgaṃ guṇopetaṃ tejovatpāṇḍunirmalam |
śaradambunibhaṃ svacchaṃ snigdhaṃ ca sphāṭikaṃ hitam || 60 ||

1.60 Geeignet ist ein Kristall ohne wellige Streifen, von guten Eigenschaften, lichtvoll, hell und rein, durchsichtig wie Herbstwasser und glatt.

citraṃ bindvanvitaṃ rūkṣaṃ sphuṭitaṃ bhinnavarṇakam |
sagarbhamūrmisaṃyuktaṃ jyotirmuktaghanaṃ [muktaṃ punaḥ, iti pāṭhāntara] tyajet || 61 ||

1.61 Bunt gefleckte, punktierte, raue, gerissene, verfärbte, mit Einschlüssen oder Wellen durchzogene und ihres Glanzes beraubte Stücke soll man verwerfen.

savraṇaṃ kīlakopeta śūlāgraṃ cakravarjitam [mū, a, k: vaktravarjitam] |
sthūlaṃ dīrgha kuśaṃ hrasvaṃ madhyādyanteṣu vā kṛśam [mū.: cākṛśam] || 62 ||

1.62 Ebenso beschädigte, mit zapfenartigen Einschlüssen versehene, speerspitzenförmige oder der vorgeschriebenen Rundung entbehrende Stücke; auch solche, die zu dick, zu lang, zu dünn, zu kurz oder an Anfang, Mitte oder Ende verengt sind.

tuṣārākṛtibindvāḍhyaṃ kalikābhiḥ [kh: kaṇikābhiḥ; g: karṇikābhiḥ] supūritam |
anyajātivilagnaṃ ca viddhaṃ bhītikaraṃ tyajet || 63 ||

1.63 Kristall mit reifartigen Flecken, vielen Körnchen, angehaftetem Fremdmaterial oder Durchbohrungen soll man als furchterregend verwerfen.

suṣamaṃ mānasaṃyuktaṃ śāstralakṣaṇalakṣitam |
sphāṭikaṃ liṅgamiṣṭārthaṃ mṛtyujitkāmadaṃ yajet || 64 ||

1.64 Ein ebenmäßiges, maßgerecht geformtes und mit den Schriftmerkmalen versehenes Kristall-Linga soll man verehren: Es gewährt das Erstrebte, überwindet den Tod und erfüllt Wünsche.

sarvalakṣaṇasaṃyuktaṃ svalpadoṣaṃ kvacitsmṛtam [ṅ: kvacinmatam] |
liṅgaṃ sadāgnihotrābhaṃ pūjya no doṣakṛnnṛṇām || 65 ||

1.65 Ein Linga mit allen wesentlichen Merkmalen und nur einem kleinen Mangel wird mancherorts zugelassen. Es ist wie ein beständiges Feueropfer zu verehren und bringt den Menschen dann keinen Schaden.

cārucchatre bhavedrājyaṃ mṛdulaṃ [kh: mṛtyutvaṃ; g: mṛdutvaṃ ; gh: pṛthutvaṃ; ṅ: mṛdbaddhaṃ] mūrdhni [g: mūrtiḥ] vai manāk |
sadā nimnena siddhiḥ syāducce tūccā same samā || 66 ||

1.66 Eine schöne schirmförmige Spitze gewährt Herrschaft; am Kopf wird eine geringe Weichheit beziehungsweise Rundung erwähnt [unsichere Lesung]. Eine niedrige Form bringt niedrige, eine hohe hohe und eine ausgeglichene ausgeglichene Vollendung.

tatra [mū. a, k, ṅ: bhadra] sarvasamaṃ śreṣṭhaṃ yavamadhyaṃ varapradam |
ratnaliṅgaṃ dvidhākhyātaṃ svapīṭhaṃ dhātupīṭhajam [mū, a: sūpīṭhaṃ dhātupīṭhakam] || 67 ||

1.67 Am besten ist die allseits ausgewogene Form; eine gerstenkornartige Mitte gilt als segenspendend. Das Edelstein-Linga ist zweifach: mit einem Sockel aus demselben Stoff oder mit einem Metallsockel.

dhātujaṃ tu svayonisthaṃ [g: tattvayonitthaṃ] siddhimuktipradāyakam |
calaliṅgaṃ dvidhākāryaṃ dhāturatnamayaṃ śubham || 68 ||

1.68 Ein metallenes Linga in der zugehörigen Yoni gewährt Vollendung und Befreiung. Das glückverheißende bewegliche Linga soll man aus zwei Materialklassen herstellen: Metall und Edelstein.

hemādicalaliṅgaṃ syādaṅgulāditripañcakam |
kṣudraratnotthamapyevaṃ svamānā [g: pramāṇā] dvararatnajam || 69 ||

1.69 Ein bewegliches Linga aus Gold und anderen Metallen reicht von einer bis zu fünfzehn Fingerbreiten; dasselbe gilt für kleinere Schmucksteine. Für besonders kostbare Edelsteine ist das Eigenmaß maßgeblich.

tithyantamagrajātīnāṃ nṛpāṇāṃ yāvadindrakam |
vaiśyānāṃ manmathāntaṃ syācchūdrāṇāṃ dvādaśāvadhiḥ [kh: khagagāvapi; gh: śāṅkagajāvadhi] || 70 ||

1.70 Für Brahmanen wird eine Obergrenze von fünfzehn, für Könige von vierzehn, für Vaishyas von dreizehn und für Shudras von zwölf Fingerbreiten genannt. [Die mittleren Zahlen beruhen auf der Deutung der überlieferten Zahlwörter; Varianten weichen ab.]

yakṣādīnāṃ kvacilliṅgaṃ vikārādekaviṃśatiḥ |
calaṃ tadūrdhvaṃ devānāṃ trayoviṃśatikāṅgulam || 71 ||

1.71 Für Yakshas und andere werden mancherorts bewegliche Lingas von sechzehn bis einundzwanzig Fingerbreiten angegeben; darüber liegen die für Götter, bis zu dreiundzwanzig Fingerbreiten.

veśmastha pūjayedatatsaṃsūcyane sthirāṇyataḥ |
acalaṃ khadrūbhasthāyi karādanavasāmakam [mū, a, k, kh: sīsakam] || 72 ||

1.72 Ein solches verehre man im Wohnhaus. Nun werden die feststehenden Formen bezeichnet: Das unbewegliche Linga beginnt bei einer Elle. [Die anschließende Bestimmung von Untergrund und Obergrenze ist beschädigt.]

avyaktaṃ navahastāntaṃ vyaktaṃ pañcaguṇaṃ tathā |
saḍḍhataṃ miśrakaṃ liṅgaṃ nordhvaṃ ca sthiramiṣyate || 73 ||

1.73 Die ungegliederte Form reicht bis neun Ellen; für die figürliche wird das Fünffache genannt, für die gemischte sechs Ellen. Darüber hinaus gilt ein feststehendes Linga nicht als zulässig. [Der Bezug von „Fünffachem“ ist unklar.]

navahastaṃ bhavecchailaṃ trihastaṃ lohajaṃ kvacit |
ṣaḍḍhastānnādhikaṃ vārkṣaṃ pārthivaṃ śailavatsadā || 74 ||

1.74 Ein steinernes kann neun Ellen, ein metallenes mancherorts drei Ellen hoch sein. Ein hölzernes soll sechs Ellen nicht überschreiten; für ein irdenes gilt dieselbe Grenze wie für ein steinernes.

āhastānnavahastaṃ syādetalliṅgaṃ tu mānuṣam |
yakṣarakṣo'suravyāla gandharvāpsarasāṃ kvacit || 75 ||

1.75 Von einer bis neun Ellen reicht das menschliche Linga. Für Yakshas, Rakshasas, Asuras, Schlangenwesen, Gandharvas und Apsaras

kinnarāṇāṃ ca siddhānāṃ hastātpañcadaśaiva tu |
pariṇāhocchrayābhyāṃ ca devānāmekaviṃśatiḥ || 76 ||

1.76 sowie für Kinnaras und Siddhas reicht es von einer bis fünfzehn Ellen; für Götter werden hinsichtlich Umfang und Höhe einundzwanzig genannt.

aihikaṃ tryaṅgulaṃ yāvannordhvaṃ gandhabhavādikam |
pañcāṅgulaṃtu paiṣṭyādyaṃ phalajaṃ svapramāṇataḥ || 77 ||

1.77 Ein für einen zeitlich begrenzten Zweck aus Duftstoff oder ähnlichem gebildetes Linga soll drei Fingerbreiten nicht überschreiten; eines aus Mehlpaste und dergleichen misst fünf, eines aus Früchten folgt deren natürlichem Maß.

gāndha saubhāgyadaṃ liṅgaṃ paiṣṭa bhuktipradāyakam |
sthaṇḍile maṇḍale pūjya syāddīkṣāsthāpanādike [kh: -nānhike; gh: -nāntike] || 78 ||

1.78 Ein Linga aus Duftstoffen gewährt Glück, eines aus Mehlpaste weltliche Erfüllung. Bei Einweihung, Einsetzung und ähnlichen Riten wird es auf einem geebneten Opferplatz oder in einem Mandala verehrt.

ekābdā [mū, a.: ekāṅgā] nyaihikānyatra procyante siddhimicchatām |
prabhumānapradaṃ śāṅkhaṃ [kh: śārṅgaṃ] sainyacchinnāgadantajam || 79 ||

1.79 Für diejenigen, die Vollendung suchen, werden hier solche zeitweiligen Formen mit einer Dauer bis zu einem Jahr beschrieben. Ein Linga aus Schneckenhorn gewährt Ansehen beim Herrscher; anschließend wird ein aus dem Stoßzahn eines im Heer gefallenen Elefanten gefertigtes genannt. [Sein eigener Wirkungsbezug ist nicht eindeutig erhalten.]

kūrmakasika [g: kūrmakāmīka] saṃjātaṃ nṛṇāṃ [gh: nūnaṃ] pātālasiddhidam |
aṇimādinṛkulyotthamanyonyabdārdhataḥ [mū: nyaccharddhataḥ] sadā || 80 ||

1.80 Eine aus dem genannten Schildkrötenmaterial hervorgegangene Form gewährt den Zugang zur Unterwelt, eine aus menschlichem Knochen die Vollendungen wie das Kleinwerden. [Materialbezeichnungen und abschließende Zeitangabe sind unsicher.]

paiṣṭānyaṣṭaprakārāṇi saṅgrīkṛṣṇaka [kh: saddhrikṛṣṭaka; g, ṅ: saṃbaddhakṛṣṭaka] jāni tu |
śālipiṣṭodbhavaṃ puṣṭyai ṣāṣṭikaṃ puṣṭivardhanam [mū,: buddhivardhanam] || 81 ||

1.81 Die aus Mehlpaste gefertigten Formen sind achtfach. Eine aus Shali-Reis dient dem Gedeihen, eine aus schnell reifendem Shashtika-Reis vermehrt die Ernährungskraft. [Der einleitende Stoffname ist beschädigt; eine Variante nennt die Vermehrung der Einsicht.]

gaudhūmaṃ vātarogaghnaṃ yavajaṃ balasaukhyadam |
ripubhedakaraṃ maudgaṃ strīdaṃ śyāmākasambhavam || 82 ||

1.82 Eine aus Weizen beseitigt Vata-Leiden, eine aus Gerste schenkt Kraft und Wohlbefinden; eine aus Mungbohnen spaltet Feinde, eine aus Shyamaka-Hirse gewährt eine Frau.

tilapiṣṭaṃ dharādāyī nīvāraṃ [mū, a, k, g: saiddhārtha] bhayanāśanam |
sukhakṛnnāvanītaṃ tu gomayaṃ roganāśanam || 83 ||

1.83 Eine aus Sesampaste schenkt Land, eine aus Nivara-Reis beseitigt Furcht. Eine aus frischer Butter bringt Glück, eine aus Kuhdung beseitigt Krankheit.

ānnamāyuḥpradaṃ jñeyaṃ gauḍaṃ prītipravardhanam |
nānāphalodbhavaṃ [kh: lohabhavaṃ] liṅgaṃ nānākāmapradāyakam || 84 ||

1.84 Eine aus gekochter Speise gilt als lebensverlängernd, eine aus Rohzucker mehrt Zuneigung. Lingas aus verschiedenen Früchten erfüllen verschiedene Wünsche.

guṇadaṃ saikataṃ bhūri syātsaubhāgyāya lāvaṇam |
uccāṭane tu pāṃśavyaṃ maulaṃ [ṅ: mārṣaṃ] śatrukṣayāvaham || 85 ||

1.85 Eine aus Sand verleiht reichlich gute Eigenschaften, eine aus Salz Glück. Für Vertreibung wird eine aus Staub, für Feindvernichtung eine aus Wurzelmaterial genannt. [Der letzte Stoffname ist unsicher.]

vaṃśāṅkurasamudbhūtaṃ vaṃśavṛddhikaraṃ bhavet |
purakṣobhakaraṃ pauraṃ [mū, a, k, kh, g: ghoraṃ] rāmaṭhaṃ caugryakārakam || 86 ||

1.86 Eine aus Bambussprossen fördert die Fortdauer des Geschlechts. Das als Paura bezeichnete Material erschüttert eine Stadt; Asant dient heftiger Wirkung. [„Paura“ ist nicht sicher bestimmt.]

śatrumṛtyupradaṃ sārjaṃ saiktha [kh: sitthaṃ; g: sandhyaṃ] mākarṣaṇe matam |
mṛdbimbodbhavamiṣṭārthaṃ lepātsyuḥ sarvasaṃpadaḥ || 87 ||

1.87 Sarja-Harz soll Feinden den Tod bringen, Wachs dient der Anziehung. Ein aus Ton gebildetes Bild gewährt das Erstrebte; aus der plastischen Modellierung sollen alle Glücksgüter hervorgehen.

gandhādibimbajāntāni na sthirāṇi calāni no |
tāvatkāla tu [g: tārako'nanta] saṃpūya visṛjya tāni [kh: visarjyaitāni] ke kṣipet || 88 ||

1.88 Die Formen vom Duftstoff-Linga bis zum modellierten Bild sind weder dauerhaft feststehend noch gewöhnliche bewegliche Kultbilder. Man verehre sie während der vorgesehenen Zeit, entlasse dann die Gottheit und gebe sie ins Wasser.

piṣṭāṃ gośarkarāṃ sūkṣmāṃ [gh: śuklāṃ] pakvaciñcāsthiyojitām |
niṣkvāthya [mū: niṣkāṭhya; gh: niṣkāsya; ṅ: niṣkāma] paṭamālepya saṃśoṣya [g: saṃsodhya] pārimārjya ca || 89 ||

1.89 Man verarbeite fein gemahlenes helles Material, hier „Gośarkarā“ genannt, mit reifen Tamarindensamen, koche es aus, bestreiche damit das Tuch, lasse es trocknen und glätte es. [Die genaue Bestimmung des ersten Materials bleibt unsicher.]

khaṭikālaktakākuṣṭanīlīdaradakajjalaiḥ |
dhātubilvarasairlekhyaṃ tridhā liṅgaṃ paṭādike || 90 ||

1.90 Mit Kreide, Lackrot, Akushta [unsicherer Farbname], Indigo, Zinnober, Ruß, mineralischen Farben und Bilva-Saft soll man die dreierlei Kultbilder auf Tuch oder einen entsprechenden Träger malen.

madhurā [kh: mayūrā] citralekhā ca kāryā vai samasandhikā |
balasaṃvartanīcchāyā dṛṣṭi [k, g, ṅ: sṛṣṭi] bhāvāśritā sadā || 91 ||

1.91 Die Bildzeichnung sei anmutig und an den Übergängen gleichmäßig; ihre Schattierung soll Kraft und Ausdruck entfalten und dem Blick sowie der dargestellten Stimmung entsprechen. [Einzelne kunsttechnische Wörter sind unsicher.]

śṛṅgāravīrabībhatsaraudrahāsyabhayānakāḥ |
karuṇādbhutaśāntāśca navabhāvātmikāḥ kvacit || 92 ||

1.92 Mancherorts werden neun Ausdrucksweisen genannt: Liebe, Heldenmut, Abscheu, Zorn, Heiterkeit, Furcht, Mitgefühl, Staunen und Frieden.

paṭajā vitrajā raktā [k, g, gh, ṅ; tajñā] samyaṅmantravidhānataḥ |
svecchayā pūjayedetanmṛnmayānyucyate [mū, a: dyucyate; kh: mayo hyucyate] 'dhunā || 93 ||

1.93 Solche auf Tuch entstandenen Bilder soll der Kundige entsprechend den Mantravorschriften nach eigener Wahl verehren. Nun werden die irdenen Formen erläutert.

apakvaṃ pakvajaṃ [k, ṅ: apaṅkaṃ paṅkajaṃ] kāryaṃ mukhyāmukhyavyavasthayā |
sadyomantreṇa cāpakvaṃ [ṅ: cāpaṅkaṃ] kramānnavakarādikam || 94 ||

1.94 Ungebrannte und gebrannte Formen sind nach ihrer vorrangigen beziehungsweise nachgeordneten Stellung herzustellen. Für die ungebrannte wird das Sadyojata-Mantra genannt; die Maßfolge beginnt bei neun Ellen. [Der Maßanschluss ist unsicher.]

pakvaṃ [ṅ: paṅkaṃ; kh: pakṣaṃ] trihastakaṃ kuryāt ghoramantrānvitaṃ [kh: -rcitaṃ] varam |
dvijādijātibhirmṛdbhiravyaktādi ca kāmataḥ || 95 ||

1.95 Die gebrannte Form fertige man drei Ellen hoch und verbinde sie mit dem Aghora-Mantra. Aus den den verschiedenen Ständen zugeordneten Erden stelle man nach Wunsch ungegliederte und andere Formen her.

padminīṣu nadītīre vṛkṣamūle ca mṛttikāḥ |
vāpīkūpataḍāgeṣu dīrghikāyāḥ samāharet || 96 ||

1.96 Ton sammle man an Lotusteichen, Flussufern und Baumwurzeln, bei Wasserbecken, Brunnen, Teichen und langgestreckten Wasseranlagen.

sumarditamṛdā kāryaṃ pakvaṃ mṛtsaṃbhavaṃ sadā |
puṣṭyai trilohagarbhaṃ ca dhanakoṣavivṛddhaye || 97 ||

1.97 Die gebrannte Tonform soll stets aus gut durchgekneteter Erde hergestellt werden. Zur Förderung des Gedeihens und zur Vermehrung des Schatzes versehe man sie im Inneren mit drei Metallen.

śucyupalāṃśca [mū: śucyutpalāṃ; kh: bhuvyutpalāṃ] saṃgṛhya sadyojātena mantravit |
vāmākhyena citāṃ kṛtvā [ṅ: dhṛtvā] ghoreṇa paridāhya ca || 98 ||

1.98 Der Mantrakundige sammle mit dem Sadyojata-Mantra reine Brennmaterialien [Stoffbezeichnung unsicher], schichte sie mit dem Vama-Mantra auf und brenne sie mit dem Aghora-Mantra.

liṅgaṃ śivāgnināmṛjya [mū., a: mṛdya] puruṣeṇāvalokya ca |
īśānena gṛhītvā tu tataḥ saṃskṛtya pūjayet || 99 ||

1.99 Er reinige das Linga durch das Shiva-Feuer, betrachte es mit dem Purusha-Mantra und nehme es mit dem Ishana-Mantra auf. Danach vollziehe er die Läuterungsriten und verehre es.

pañcatvaṅnimba [mū: tvagnīṃśca] pānīyaṃ bilvamajjā [mū, a: sarja] phalatrayam |
sarjahiṅgupuraṃbola [puraḥ - gugguluḥ | puro guggulurākhyāto iti dharaṇi | bolaḥ - gandharasaḥ, bolagandharasaprāṇaḥ; ityamaraḥ] matasītailameva ca || 100 ||

1.100 Eine Flüssigkeit aus fünf Rinden und Nimba, Bilva-Fruchtmark, die drei Früchte, Sarja-Harz, Asant, Guggulu, Bola-Harz und Leinöl,

sana [sanaḥ = ghaṇṭāpārulivṛkṣe | haskirṇeti bṛhadvācaspatyam] śrībālagodhūmayavamāṣātasīrajaḥ |
mṛdi kṣiptvā vyavasthāpya māsaṃ tāṃ parimṛdya ca || 101 ||

1.101 ferner Sana, Shribala sowie Pulver von Weizen, Gerste, schwarzen Bohnen und Leinsamen gebe man in den Ton; man lasse ihn einen Monat liegen und knete ihn gründlich durch. [Sana und Shribala sind hier als überlieferte Stoffnamen belassen.]

asthibandhaṃ [mū., a, k, kh, gh: asthiratva] dṛḍhaṃ cādau dṛḍhalohena dāruṇā |
śaṇatatvanvitaṃ [k: tatsūtritaṃ] katvā mṛnmayaṃ ghaṭayecchubham || 102 ||

1.102 Zuerst fertige man ein festes tragendes Gerüst aus widerstandsfähigem Metall oder Holz, umwickle es mit Hanffasern und forme darüber das glückverheißende Tonbild.

kṣiptvā dhātvauṣadhīratnalohabrīhīn yathākramam |
ityeteṣāmabhāve tu rasendraṃ vajrasaṃyutam || 103 ||

1.103 Der Reihe nach lege man Mineralien, Heilpflanzen, Edelsteine, Metalle und Reiskörner hinein. Fehlen diese, wird als Ersatz Quecksilber zusammen mit Vajra genannt. [Die genaue stoffliche Bedeutung von „Vajra“ ist hier nicht gesichert.]

supuṣṭaiḥ [ṅ: adhuṣṭaiḥ] karkaraiḥ kṣīradadhibālaguḍānvitaiḥ |
gavyasarjayutaiścaiva lepyaṃ varṇakapuṣṭaye || 104 ||

1.104 Man bestreiche es zur Festigung der Farbschicht mit gutem Körnermaterial, versetzt mit Milch, Dickmilch, frischem Rohzucker, Kuhprodukten und Sarja-Harz. [Das erste Material ist unsicher.]

vanānu [k: vanāndha] kānanaṃ gaccheddārūpalagahītaye |
sadvārarkṣartuyuktenhi cārulagnasamanvite || 105 ||

1.105 Zur Gewinnung von Holz und Stein begebe man sich in einen Wald oder Forst: an einem günstigen Tag, bei geeignetem Mondhaus und passender Jahreszeit sowie unter einem schönen Aszendenten.

tadā gamanakāle tu śakunā [kh: kuśalā] nyatha lakṣayet |
divyāntarikṣabhaumāni śubhāśubhaphalāptaye || 106 ||

1.106 Beim Aufbruch beachte man die Vorzeichen am Himmel, im Luftraum und auf der Erde, die auf günstige oder ungünstige Ergebnisse hinweisen.

suprasannamaruvartmasādityāmbhakṣaṇaprabham |
ityādi śubhakṛddivyamato'śubhakaraṃ tvidam || 107 ||

1.107 Ein heiterer Himmel und günstiges Licht von Sonne und Gestirnen werden als glückverheißende Himmelszeichen genannt. [Die Wortfolge ist beschädigt.] Nun folgen die ungünstigen Zeichen.

ulkāpāto'śanistārāpatanaṃ ketusambhavaḥ |
digdāhastīvravātaśca candrasūryopamardanam [mū, a, kha: pasarjanam] || 108 ||

1.108 Meteorfall, Blitzschlag, Sternschnuppen, das Erscheinen eines Kometen, ein feuriges Leuchten der Himmelsrichtungen, heftiger Wind und die Verfinsterung von Mond oder Sonne.

akasmādgagane śabdaḥ pracyutiḥ phalapuṣpayoḥ |
vāsavṛkṣāgrasaṃsthāyi [ṅ: śramasthāyi] balibhuṅmadhurārutiḥ || 109 ||

1.109 Ein plötzliches Geräusch am Himmel, das Herabfallen von Früchten und Blüten sowie der angenehme Ruf eines Vogels, der auf der Spitze des Wohnbaumes sitzt,

pakṣimaṇḍaliko tadadāntarikṣamidaṃ śubham |
pāṃśvasṛgvarṣaṇaṃ ghoramāntarikṣamaśobhanam || 110 ||

1.110 und entsprechende Vogelscharen werden als günstige Zeichen des Luftraumes genannt. Ein schrecklicher Regen von Staub oder Blut gilt dagegen als ungünstig. [Der Anschluss der vorangehenden Aufzählung ist nicht überall eindeutig.]

pārthivānyadhunā vakṣye nimittāni śubhāni tu |
dadhyakṣatayavā [mū, a: dadhyuddhṛtadharā] dūrvā dīpo gorocanā dhvajaḥ || 111 ||

1.111 Nun nenne ich die günstigen Zeichen auf der Erde: Dickmilch, ungebrochene Reiskörner, Gerste, Durva-Gras, eine Lampe, Gorochana und ein Banner,

śaṅkhaśchatraṃ phalaṃ puṣpaṃ hemadhānyābjasārasāḥ |
govṛṣaśca kharo vājī bhasmākṣo bhūpatirdvipaḥ || 112 ||

1.112 Schneckenhorn, Schirm, Frucht, Blüte, Gold, Getreide, Lotus, Kraniche, Kuh, Stier, Esel, Pferd, Asche, ein König und ein Elefant. [Ein Wort nach „Asche“ ist unsicher.]

paṇyastrīmatsyamāṃsādi darśanādeva śobhanam |
śivaḥ śivodakuṃbhasthaḥ kauśiko vāmataḥ śubhaḥ || 113 ||

1.113 Auch der Anblick einer Kurtisane, von Fisch, Fleisch und dergleichen gilt als günstig. Die anschließende Nennung von Shiva, einem Wasserkrug und einer Eule auf der linken Seite ist teilweise beschädigt; die linke Seite wird als günstig bezeichnet.

savyata [mū. a, gh: savyataḥ = dakṣiṇataḥ savyaṃ tu dakṣiṇe iti haimaḥ | savyaṃ vāme ca dakṣiṇe ityajayaḥ | savataḥ] stvaśubhaṃ viddhi riktakuṃbhādidarśanam |
muktakeśaḥ parākṣepaḥ kṣāro'ṅgāraśca dāru ca || 114 ||

1.114 Rechts dagegen gilt das entsprechende Zeichen als ungünstig; ebenso der Anblick eines leeren Kruges, offenen Haares, ein abweisender Zuruf, Lauge, Kohle und Brennholz.

snehābhyakto naraḥ sarpaḥ kṣapaṇaḥ [gh: pakvaṇaḥ] śākyadaṇḍinau [g: kṛpaṇaḥ śāṭhyadambhinau] |
chinnāṅgo'locano rogī kapālī bhūprakampanaḥ || 115 ||

1.115 Genannt werden ferner ein eingeölter Mann, eine Schlange, ein nackter Asket, ein buddhistischer Mönch und ein Stabträger, ein Mensch mit fehlenden Gliedern, ein Blinder, ein Kranker, ein Schädelträger und ein Erdbeben.

tuṣagomayakarpāsatailatakratṛṇāni ca |
kṣutkṣāmonmattakau tantuścauṣadhīṣaṇasañcayaḥ [g: pañcamaḥ] || 116 ||

1.116 Hülsen, Kuhdung, Baumwolle, Öl, Buttermilch und Gras, ein vom Hunger Ausgezehrter, ein Wahnsinniger, Fäden und eine Ansammlung von Pflanzen werden ebenfalls aufgeführt. [Die letzten Stoffbezeichnungen sind unsicher.]

śubhairgamanamicchanti tvaśubhaiśca nivartanam |
pakṣārdhārdhaṃ tu saṃtyajya prasthānaṃ kriyate śubhe || 117 ||

1.117 Bei günstigen Vorzeichen wünschen die Kundigen den Aufbruch, bei ungünstigen die Umkehr. Man lasse ein Viertel einer Monatshälfte verstreichen und breche dann unter einem günstigen Zeichen auf.

kṛttikādibharaṇyantaṃ prācyādau saptasaptakam |
vedase syādvite [gh: yugāsrau syāddhitaiḥ] yātā tvagnidaṇḍānatikramāt || 118 ||

1.118 Die Mondhäuser von Krittika bis Bharani werden, beginnend im Osten, in vier Siebenergruppen auf die Himmelsrichtungen verteilt. [Die anschließende Vorschrift zum Aufbruch und zu den ausgeschlossenen Richtungen ist beschädigt.]

śaṅkhabherīravaistūryairmāṅgalyairvaidikaiḥ svanaiḥ |
iṣṭādau [kh: indrādau] śaṅkaraṃ śastaṃ prāgīśenduvanaṃ [mū, a, k,: śendravanaṃ] vrajet || 119 ||

1.119 Unter dem Klang von Schneckenhörnern, großen Trommeln und anderen Instrumenten, glückverheißenden Lauten und vedischer Rezitation begebe man sich, Shankara ehrend, in einen Wald im Osten, Nordosten oder Norden.

māghādimāsaṣaṭke ca na riktāyāṃ tithau site |
budhārkendusite jīve vārkṣe prāguttarasthite [gh: sthire] || 120 ||

1.120 Innerhalb der sechs Monate von Magha an wähle man einen Tag der hellen Monatshälfte, der kein Rikta-Tithi ist, vorzugsweise Mittwoch, Sonntag, Montag, Freitag oder Donnerstag, bei einer nach Osten oder Norden orientierten Holzgewinnung. [Der letzte Bezug ist unsicher.]

yogeṣu śubhasaṃjñaṣu karaṇe viṣṭivarjite |
ekāntarāsu [k: ekākarāsu] tārāsu śeṣe cāniṣṭakarmaṇi || 121 ||

1.121 Man wähle glückverheißende Yogas, ein Karana außer Vishti und geeignete, entsprechend abwechselnde Mondhäuser. Die übrigen Zuordnungen gelten für ungünstige beziehungsweise schädigende Handlungen.

meruca mandaraḥ śveto himākhyo hemakūṭakaḥ |
niṣadho nīlagandhākhyaḥ śaṅgīketurnagādhipāḥ || 122 ||

1.122 Meru, Mandara, Shveta, Himavat, Hemakuta, Nishadha, Nila, Gandha, Shringin und Ketu werden als große Berge genannt.

mahendraḥ pāriyātraśca hariścandro'tha śuktimān |
nandākhyo malayo vindhya ujjayanto'tha [k: urjayanta] ṛkṣakaḥ [g: ṛṣyakaḥ] || 123 ||

1.123 Mahendra, Pariyatra, Harishchandra, Shuktiman, Nanda, Malaya, Vindhya, Ujjayanta und Riksha,

śrīśailākhyastathā sahyo vikhyātāḥ kulabhūdharāḥ |
yojanāni daśaiteṣāṃ girīṇāṃ nikaṭe vanam || 124 ||

1.124 ferner Shrishaila und Sahya sind bekannte Hauptgebirge. Als Waldgebiet gilt hier ein Umkreis von zehn Yojanas um diese Berge.

tatprasūta [g: tatvamūla] nadītīre bhavedupavanaṃ sadā |
etatkṣetrotthitā ye tu pāṣāṇāstaravaḥ śubhāḥ || 125 ||

1.125 An den Ufern der dort entspringenden Flüsse befinden sich die zugehörigen Haine. Die in solchen Gebieten entstandenen Steine und Bäume gelten als günstig.

svayameva vrajetkartā taddhito'nyo'pi vā janaḥ |
sācāryaḥ sādhakaḥ śilpijanaiḥ parivataḥ śubhaiḥ || 126 ||

1.126 Der Auftraggeber soll selbst aufbrechen oder jemand, der seinem Wohl dient: zusammen mit dem Acharya, einem Sadhaka und einer Gemeinschaft geeigneter Kunsthandwerker.

caruṃ bhuktvā dadhiprāśya natvā pūrṇaghaṭaṃ tathā |
dhyātvādhaḥ prākṛtaṃ tattvaṃ śivatattvamayīṃ mahīm || 127 ||

1.127 Nachdem man die geweihte gekochte Speise gegessen, Dickmilch gekostet und sich vor einem gefüllten Krug verneigt hat, vergegenwärtige man unter sich das Prakriti-Prinzip und die Erde als vom Shiva-Prinzip erfüllt.

vidyārājñīṃ tato dhyāyedagrato'rghakarāṃ sthitām |
diśo virecya cāstreṇa vighnanāśāya daiśikaḥ || 128 ||

1.128 Dann meditiere der Lehrer über die vor ihm stehende Königin der Vidyas, die eine Arghya-Gabe in Händen hält; mit dem Astra-Mantra reinige er die Himmelsrichtungen, um Hindernisse zu beseitigen.

samyagvihitasambhāro dhyāyamānastrilocanam |
mantrarakṣāvidhi kṛtvā saṃjapa [kh: saṃyajan] nniṣṭadevatām || 129 ||

1.129 Mit vollständig bereiteter Ausstattung meditiere er über den Dreiäugigen, vollziehe den Mantra-Schutzritus und wiederhole das Mantra seiner gewählten Gottheit.

iti lakṣaṇasamuccaye liṅgadravyanirṇayavanapraveśo nāma prathamovidhiḥ || 1 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 1. Ritualabschnitt über „Materialien des Linga und Eintritt in den Wald“.

Kapitel 2: Auftraggeber, Acharya und weitere Beteiligte

Die regionalen und sozialen Rangordnungen dieses Kapitels sind historische Textaussagen. Die Abschnitte zur über Herkunftsgrenzen hinausgehenden Einweihung stehen neben ausdrücklich ausschließenden Regeln.

atha dvitīyaḥ

Nun folgt der 2. Ritualabschnitt.

kartuśca deśikasyāpi śilpināṃ mūrtidhāriṇām |
svarūpaṃ kathyate samyagiṣṭāniṣṭa ca karmaṇi || 1 ||

2.1 Nun werden die Eigenschaften des Auftraggebers, des geistlichen Lehrers, der Kunsthandwerker und der Träger beziehungsweise Hüter der Kultbilder genau erklärt, ebenso die günstigen und ungünstigen Voraussetzungen ihres Handelns.

ṛjurāḍhyaḥ subhaktaśca śāntātmādṛṣṭabhīrukaḥ |
dhīraḥ śāstrārthakārī ca kartā yaḥ sātviko varaḥ || 2 ||

2.2 Der beste Auftraggeber ist aufrichtig, vermögend, hingebungsvoll, innerlich ruhig, achtsam gegenüber den unsichtbaren Folgen seines Handelns, standhaft und bereit, den Sinn der Schriften umzusetzen: Er ist von Sattva geprägt.

dīnaḥ [k: pīnaḥ; kh: vana] śaṭhaḥ kudharmaśca vyasanī rājaso mataḥ |
nāstikastārkikaḥ krūraḥ kartā yastāmaso'dhamaḥ || 3 ||

2.3 Ein bedrückter, unaufrichtiger, schlecht handelnder und von Lastern beherrschter Auftraggeber gilt als rajasig; ein Gottesleugner, bloßer Streitlogiker oder grausamer Mensch als tamasig und niedrig.

īśasaṃcoditābuddhiḥ śivasaṃsthāpane bhavet |
tasmātte guravo'nveṣyā ye tacchāstreṣu bhāṣitāḥ [g: preṣitāḥ] || 4 ||

2.4 Der Entschluss zur Einsetzung Shivas soll von Ishvara angeregt sein. Deshalb soll man jene Gurus aufsuchen, die in den entsprechenden Schriften beschrieben werden.

aujjanyā mādhyadeśāśca kaurūṣakāśca [gh: kaurukṣetrāśca] lāṭajāḥ |
antarvedīpratiṣṭhānaśrāvastyā [mū, a: cāraptyā; g: cārakṣyā; k: cāvantyā] guravo varāḥ || 5 ||

2.5 Als beste Gurus nennt der Text solche aus Ujjayini, Madhyadesha, Kurusha, Lata, Antarvedi, Pratishthana und Shravasti. [Einige Ortsnamen weisen abweichende Lesarten auf.]

rāḍhā vārendrakāstairā gaujarā māgadhāstathā |
āṅgā jāṭodbhavāśceti [kh: āryajāto] saptaite madhyamāḥ smṛtāḥ || 6 ||

2.6 Als mittlere werden sieben Gruppen aus Radha, Varendra, Tira, Gurjara, Magadha, Anga und dem Gebiet der Jatas genannt.

āndhrāḥ kāliṅgakārṇāṭā māhārāṣṭrāśca ḍhakkajāḥ |
vīrajā drāviḍāpauṇḍrāstvaṣṭaiteguravo'dhamāḥ [gh: -tvaṣṭau te-] || 7 ||

2.7 Die acht Gruppen aus Andhra, Kalinga, Karnataka, Maharashtra, Dhakka, Vira, Dravida und Pundra bezeichnet der Text als niedrig.

kāmarūpāśca campākā [k: cāmpākā; kh: laṃpākā; g: panyākā] nepālotthāśca saindhavāḥ |
vāṅgagāndhārapauliṅgā ete saptāntyajā matāḥ || 8 ||

2.8 Sieben weitere, aus Kamarupa, Champaka, Nepal, Sindh, Vanga, Gandhara und Pulinga, werden als äußerste beziehungsweise ausgeschlossene Gruppen eingestuft.

kāñcikāḥ [g: kāthikāḥ; gh: kārakā] kausalāḥ kācchāḥ kāverāḥkauṅkaṇoḍrajāḥ |
saurāṣṭrā devarāṣṭrāśca aṣṭaite [k, kh, g, gh: aṣṭau] ninditā bhṛśam || 9 ||

2.9 Acht Gruppen aus Kanchi, Kosala, Kaccha, Kavera, Konkana, Odra, Saurashtra und Devarashtra werden ausdrücklich getadelt.

aśeṣakāmadāḥ śreṣṭhā madhyamā bhūtidāyinaḥ |
adhamādyāḥ śubhe neṣṭā āryāvarte hi [kh: na] doṣadāḥ || 10 ||

2.10 Die besten sollen alle Wünsche erfüllen, die mittleren Wohlergehen gewähren. Die niedrigeren gelten für glückverheißende Handlungen als ungeeignet und in Aryavarta als schadenbringend. [Eine Variante verneint die letzte Aussage.]

sindhośca karatoyāyā himavadvindhyayorapi |
yo deśo madhyabhāgaḥ syādāryāvartaḥ sa kīrtitaḥ || 11 ||

2.11 Als Aryavarta wird das Gebiet zwischen Sindhu und Karatoya sowie zwischen Himalaya und Vindhya bezeichnet.

catuṣpadāstribodhāśca ṣaṭpadādhvavibhūṣitāḥ |
gotragocarasaṃyuktāḥ samayādyuktalakṣaṇāḥ || 12 ||

2.12 Die geeigneten Lehrer kennen die vier Lehrbereiche, die dreifache Erkenntnis und den sechsfachen Weg; sie gehören einer rituellen Abstammung und einem Gocara an und besitzen die vorgeschriebenen Merkmale vom Samaya an.

catvāro gotrāḥ gāyatrī sāvitrī sarasvatī manonmanīti |
catvāro gocarāḥ śivaḥ; śikhaḥ vimalajyotiḥ; sāvitraśceti [sāvitrāśceti catvāro gocarāḥ; iti likhitapustakeṣu pāṭhaḥ] ||

Unnummerierte Prosa nach 2.12: Die vier Gotras sind Gayatri, Savitri, Sarasvati und Manonmani. Die vier Gocaras sind Shiva, Shikha, Vimalajyotis und Savitra.

ṛcīkātreyadaurvāsagautamā iti antare [kh: catvāra] |
dīkṣāguṇenasaṃpūrṇāṃ [mū, a, k, ṅ: dīkṣāsthāpanasaṃyuktāṃ] ye jānantyatha saṃhitām || 13 ||

2.13 Als weitere Namen werden Richika, Atreya, Durvasas und Gautama genannt. Diejenigen, welche die mit den Eigenschaften der Einweihung ausgestattete Samhita kennen,

ācāryāste tu vijñeyā anyathā lokadāmbhikāḥ |
bhāryāvartodbhavāḥ śaivāḥ sarvalakṣaṇalakṣitāḥ || 14 ||

2.14 sind als Acharyas anzuerkennen; die anderen sind nur gesellschaftliche Heuchler. Genannt werden Shaivas aus Aryavarta, die alle erforderlichen Merkmale besitzen.

vinītā bhaktiyuktāśca liṅgajñāḥ śāstravedakāḥ |
pīṭhadhāmādikuṇḍajñāḥ pratiṣṭhāsthānavedakāḥ || 15 ||

2.15 Sie sind bescheiden und hingebungsvoll, kennen die Lingas und verstehen die Schriften; sie kennen Sockel, Heiligtümer und Feuergruben und verstehen die Orte und Grundlagen der Weihe.

vāratārādikālajñā adhidevapravedakāḥ |
lobhamohaparityaktāḥ śāntā dāntā vimatsarāḥ || 16 ||

2.16 Sie kennen Wochentage, Mondhäuser und die übrigen Zeitbestimmungen sowie die zugehörigen Gottheiten. Frei von Gier und Verblendung sind sie ruhig, selbstbeherrscht und ohne Neid.

niyamavratasaṃpannā dayādākṣiṇyasaṃyutāḥ |
sātvikā nipuṇā dakṣāḥ pañcaśrautārthavedakāḥ [k: -tattvārtha-] || 17 ||

2.17 Sie halten Regeln und Gelübde ein, besitzen Mitgefühl und freundliches Entgegenkommen, sind sattvig, kundig und geschickt und verstehen den Sinn der fünf Überlieferungsströme.

tattvasthāśchinnasaṃdehāḥ samayācārapālakāḥ |
dṛḍhavratājanadrohisatyavāgbhūtavatsalāḥ [g: vāgghatavāsanāḥ] || 18 ||

2.18 Sie stehen fest in der Wahrheit der Prinzipien, haben Zweifel durchschnitten und bewahren die verpflichtende Lebensordnung. Fest in ihren Gelübden, ohne Feindseligkeit gegenüber Menschen, sprechen sie wahr und sind den Wesen liebevoll zugewandt.

ājñābhiṣekasaṃpannāḥ ṣaṭsu karmasu tatparāḥ |
dīkṣitāḥ śivaśāstre smiṃścatvāro brāhmaṇādayaḥ ||19 ||

2.19 Sie haben die bevollmächtigende Weihe empfangen und widmen sich den sechs Aufgaben. Menschen aus allen vier Ständen, beginnend mit den Brahmanen, die in diese Shiva-Lehre eingeweiht sind,

sarvānugrahakṛtyarthamācāryatvena sammatāḥ |
yojitaḥ śivatattve yaḥ śivarūpamavāptavān || 20 ||

2.20 werden als Acharyas anerkannt, um allen Gnade zu vermitteln. Wer mit dem Shiva Tattva verbunden wurde, hat die Gestalt Shivas erlangt.

jātināśo bhavettasya śivadharmopajīvinaḥ |
bhūdārvayo śmaratnānāṃ jātisaṃpādanaṃ yathā |
śūdrādīnāṃ tathā mantrairyuktānāṃ śreṣṭhatā [mū, a, g, ṅ: hīnānāṃ śreṣṭhato] bhavet || 21 ||

2.21 Für denjenigen, der vom Shiva-Dharma lebt, wird die frühere Standeszugehörigkeit aufgehoben. Wie Erde, Holz, Metall, Stein und Edelstein durch Bearbeitung eine neue Beschaffenheit gewinnen, so erlangen auch Shudras und andere durch die Verbindung mit Mantras einen hervorgehobenen Zustand.

tāmrādi syādyathā hema siddhaṃ pāradayogataḥ |
tathaiva mantrasaṃyogāccāturvarṇaḥ śivī bhavet || 22 ||

2.22 Wie Kupfer und andere Metalle durch die Verbindung mit bereitetem Quecksilber zu Gold werden sollen, so werden Menschen aus allen vier Ständen durch die Verbindung mit Mantras zu Shiva zugehörigen Wesen.

nagarīnirjharādyambho gaṅgāṃ prāpyaikatāṃ yathā |
dīkṣāyogāttatheśasya śūdrādiḥ śivatāṃ vrajet || 23 ||

2.23 Wie Wasser aus Städten, Bächen und anderen Quellen beim Eintritt in die Ganga eins wird, so gelangt ein Shudra oder ein anderer Mensch durch die Einweihung des Herrn zur Shiva-Natur.

dīkṣāto mucyate dehī tiṣṭhanmukto'pi vigrahe [g: pavitratā] |
yathā kulālacakrastho'vicchinnaṃ bhramate ghaṭaḥ || 24 ||

2.24 Durch Diksha wird der Verkörperte befreit und bleibt doch, bereits befreit, im Körper: wie ein Gefäß auf der Töpferscheibe durch deren fortdauernde Bewegung weiter kreist.

svakarmabandhanairbaddhaḥ [g: vaśya] paśurātmā malāśritaḥ [mū, a: paśurātmā manoyutaḥ; k, g: prabhurātmā manodyata] |
malaṃ viṣamadaṃ yadvaddhanti vai mantratejasā || 25 ||

2.25 Das individuelle Selbst ist als gebundenes Wesen durch die Fesseln seines eigenen Handelns gefesselt und von Unreinheit umgeben. Durch die Leuchtkraft des Mantras wird diese Unreinheit zerstört, wie Gift und seine Wirkung beseitigt werden. [Der Vergleich ist sprachlich uneben.]

paṅkaiḥ kaluṣitaṃ toyaṃ ghaṭasthaṃ nirmalaṃ yathā [kh: yadvadghaṭasthanirmalam] |
syātkatakaphalairyogāttadvanmantraistu mānavaḥ || 26 ||

2.26 Wie durch Schlamm getrübtes Wasser in einem Gefäß durch Kataka-Früchte klar wird, so wird der Mensch durch Mantras gereinigt.

karṣakaḥ karṣayed [gh: kaṭṭakaḥ kaṭṭayed] yadvad bhrāmako bhrāmayedyathā [kh: bhrāmayedbhrāmako yathā] |
tathaiva mantrasāmarthyānmalaṃ hatvā śivī bhavet || 27 ||

2.27 Wie ein anziehender Stein anzieht und ein drehender zum Drehen bringt, so wird durch die Wirkkraft des Mantras die Unreinheit vernichtet, und der Mensch wird Shiva zugehörig. [Die Bezeichnungen des magnetischen Vergleichs sind nicht völlig eindeutig.]

yathārkakarasaṃyogādvahnirutpadyate maṇeḥ |
tatheśamantrasaṃparkā [mū, a, k, g: saṃyogā] cchivatvaṃ jāyate paśoḥ || 28 ||

2.28 Wie durch die Verbindung mit Sonnenstrahlen Feuer in einem Edelstein entsteht, so entsteht durch die Berührung mit dem Mantra des Herrn die Shiva-Natur im gebundenen Wesen.

śivaśaktyātmakā mantrāḥ śivaśaktibhiranvitāḥ |
śaivācāryāḥ prayacchanti śivatvaṃ sa carācare || 29 ||

2.29 Die Mantras bestehen ihrem Wesen nach aus Shiva und Shakti und sind von deren Kräften erfüllt. Die shaivitischen Acharyas vermitteln dadurch Shiva-Natur im Bereich des Beweglichen und Unbeweglichen.

yathā mṛdratnalohāni [gh: lohaiśca] mantrairgacchanti devatām |
ācāryo'pi [kh: mantra tantra] tathaivātra śivatvaṃ yāti mantravit || 30 ||

2.30 Wie Ton, Edelsteine und Metalle durch Mantras zum Sitz der Gottheit werden, so gelangt auch der mantrakundige Acharya hier zur Shiva-Natur.

mantratattve sthitā devā mantraḥ sākṣānmaheśvaraḥ |
saṃskriyante hi mantraiśca devācāryatapasvinaḥ || 31 ||

2.31 Die Götter stehen im Wesen des Mantras; der Mantra ist unmittelbar Maheshvara. Durch Mantras werden Götterbilder, Acharyas und Asketen geheiligt.

dārvaśmalohamṛdratnajātaṃ liṅgaṃ pratiṣṭhitam |
yathāpūjyaveda [gh: -pūjama-] jñastathā śudro'pi daiśikaḥ || 32 ||

2.32 Wie ein aus Holz, Stein, Metall, Ton oder Edelstein hervorgegangenes und geweihtes Linga verehrungswürdig ist, so auch ein geistlicher Lehrer, der seiner Herkunft nach Shudra ist. [Die Formulierung der ersten Vergleichshälfte ist beschädigt.]

mṛdādidravyajātīnāṃ [mū, a, k, g, ṅ: jātānāṃ] śivatvaṃ yaḥ prayacchati [gh: pradīpayet] |
sa śivaḥ svayameva syānnānyarūpaḥ kadācana || 33 ||

2.33 Wer Materialien wie Ton die Shiva-Natur verleiht, muss selbst Shiva sein; er ist niemals als etwas davon Verschiedenes anzusehen.

sarpadaṣṭā yathā suptāścāṇḍālāntā dvijādayaḥ |
mantrayogādvibudhyante naṣṭāniṣṭaṃ tathā śive || 34 ||

2.34 Wie nach einem Schlangenbiss bewusstlose Menschen, von Brahmanen bis hin zu Chandalas, durch Mantraanwendung wieder erwachen, so wird im Shiva-Weg das Unheil beseitigt.

karṇadhāro yathā pāraṃ dvijādīnnayati [k, kh, g: naukayā yāti tat] kṣaṇāt |
śaivācāryaḥ [mū, a, k: śaivācāryāḥ] paraṃ sthānaṃ tadvattā [kh: tattvato] nmantranaukayā || 35 ||

2.35 Wie ein Steuermann Brahmanen und andere rasch ans andere Ufer bringt, so führt der shaivitische Acharya sie mit dem Boot des Mantras zur höchsten Stätte.

(karṇadhāro [koṣṭhāntargato'yaṃ pāṭhaḥ gh, saṃjñakatāḍapatrapustake vartate, anyeṣu pustakeṣu nāsti] yathāpāraṃ naukayā yāti tatkṣaṇāt |
tathācāryaḥ paraṃ sthānaṃ yāti vai mantranaukayā || 36 ||)

2.36 Wie ein Steuermann mit einem Boot sogleich das andere Ufer erreicht, so erreicht der Acharya mit dem Mantra-Boot die höchste Stätte. [Dieser eingeklammerte Zusatzvers ist laut Variantenapparat nur in einer Handschrift belegt.]

caturdivyābdasāhasraiḥ kṛta [mū, a, k: kṛte] sandhiḥ śataṃ yathā |
śeṣe tvekaikahāniḥ syātsahasre ca śatakramāt [mū, a, k: dveśate kramāt] || 37 ||

2.37 Das Krita-Zeitalter wird mit viertausend göttlichen Jahren und zugehörigen Übergangszeiten beschrieben; bei den folgenden Zeitaltern vermindern sich die Tausender und Hunderter jeweils um eines. [Die Angabe der ersten Übergangszeit ist beschädigt.]

caturyugasahasrānte dinamekaṃ prajāpateḥ |
pitāmahaśataṃ yāvadviṣṇormānaṃ vidhīyate || 38 ||

2.38 Tausend Zyklen der vier Zeitalter bilden einen Tag Prajapatis. Hundert Lebensjahre des Urvaters werden als eine entsprechende Maßeinheit Vishnus bestimmt.

rudrasya [g: candrasya] nimiṣārdhena sahasrāṇi caturdaśa |
vinaśyanti tathopendrā asaṃkhyātāḥ pitāmahāḥ || 39 ||

2.39 Innerhalb einer halben Augenblicksspanne Rudras vergehen vierzehntausend solcher Vishnus und unzählige Brahmas.

īśasya vāsaraikena kṣīyante bahavo harāḥ |
sādākhyanimiṣeṇeśo layaṃ yāti na saṃśayḥ || 40 ||

2.40 An einem einzigen Tag Ishas vergehen viele Haras; in einem Augenblick Sadakhyas löst sich Isha auf, daran besteht kein Zweifel.

svecchayā paratruṭyā [k, g: parakrudhyā] tu sādākhyastatra līyate |
śivātparataraṃ nāsti iti śāstreṣu niścayaḥ || 41 ||

2.41 Durch freien Willen löst sich auch Sadakhya in einem höchsten Augenblick dort auf. Nichts ist höher als Shiva: Dies ist die feste Lehre der Schriften.

evaṃ mānaviśeṣaistu mantravīryaṃ tu tādṛśam |
tasmācchivadito mantraḥ siddhimuktiphalapradaḥ || 42 ||

2.42 Entsprechend solchen Abstufungen ist auch die Kraft des Mantras zu verstehen. Deshalb gewährt der von Shiva verkündete Mantra Vollendung und Befreiung als Frucht.

vāgīśī jananī yasya vyomavyāpī pitā śivaḥ |
mantraiḥ śivādhvare [k: śivapure; kh, g: śivāpure] jātaḥ sa śūdraḥ syātkathaṃ punaḥ || 43 ||

2.43 Wessen Mutter Vagishi und wessen Vater der raumdurchdringende Shiva ist, wer durch Mantras im Shiva-Opfer neu geboren wurde: Wie könnte dieser wieder ein Shudra sein?

mṛdbhavānāṃ ghaṭādīnāṃ saṃskārānnamṛdā yathā [asya samanantaraḥ pāṭho'yaṃ ka pustake prakṣipto yathāḥ- ye viprādikamadvāramabhiṣiktāścaranti te | vedena hatvā dīkṣānyā patitā raurave sphuṭam | tathaiva dīkṣāmantrāṇāṃ tatprakṛtyā samāgatāḥ | iti] |
tathaiva pāpahānaṃ ca prākṛtāstu prajāyate [k: prākṛtaṃ tu na jāyate; kh: na prakṛtyāstu jātaḥ] || 44 ||

2.44 Wie irdene Gefäße durch ihre Bearbeitung nicht einfach in den früheren Zustand der Erde zurückfallen, so werden Verfehlungen aufgehoben und der frühere natürliche Zustand wird nicht wiederhergestellt. [Übersetzt nach der ausdrücklich verneinenden Variante; der Grundtext ist an dieser Stelle beschädigt.]

hatvā dīkṣābhiṣekādīṃścaṇḍena pātitāstu te |
lakṣyā [mū, a, k, kh: loke] viprādikācārānnārakīṇo na tārakāḥ [kh: kārakāḥ] || 45 ||

2.45 Wer Einweihung und Weihe zunichtemacht und wieder ausschließlich nach den früheren Standesbräuchen beurteilt, verfällt der Strafe Chandas und der Hölle; solche Menschen sind keine Retter. [Satzanschluss unsicher.]

narāṇāṃ śivasaṃskārācchivatvaṃ na bhavedyadi |
na bhaveyustadā nūnaṃ dvijā devādidaiśikāḥ || 46 ||

2.46 Wenn Menschen durch die Shiva-Samskaras nicht Shiva-Natur erlangen könnten, dann könnten auch Zweimalgeborene, Götterbilder und Lehrer durch ihre jeweiligen Riten nicht zu dem werden, als was sie gelten.

tasmānmantrapradhānatvaṃ nigrahānugrahaṃ prati |
viṣabhūtagrahādyāśca nigṛhyante hi mantrataḥ || 47 ||

2.47 Daher kommt dem Mantra bei Zurückweisung und Begnadung die vorrangige Bedeutung zu. Gift, Geister, besetzende Mächte und dergleichen werden durch Mantras gebändigt.

mantrasaṃskāradīkṣābhiḥ saṃskṛtaṃ guruṇā yadā |
carācaraṃ prapadyeta śivatvaṃ tatkṣaṇāddhruvam || 48 ||

2.48 Was der Guru durch Mantra-Läuterung und Einweihung heiligt, sei es beweglich oder unbeweglich, erlangt dadurch gewiss augenblicklich Shiva-Natur.

cāturvarṇyamanugrāhyaṃ cāturvarṇyānnabhojanam |
etatsiddhaṃ sadā śaivaṃ gururūpamajanmakam [kh: gururūpamayātmakam] || 49 ||

2.49 Allen vier Ständen ist Gnade zu erweisen, und Speise aus allen vier Ständen darf angenommen werden. Dieses bewährte shaivitische Lehrerwesen ist nicht durch die Geburt bestimmt. [Der letzte Ausdruck ist nicht ganz sicher.]

kaupīnamekhalāyuktā jaṭāyajñopavītinaḥ |
śivāntanāmakāḥ sarve bhasmāṅgā [mū, a, kh, gh, ṅ: bhasmākṣā] brahmacāriṇaḥ || 50 ||

2.50 Sie tragen Lendentuch und Gürtel, verfilzte Haare und die heilige Schnur; ihre Namen enden sämtlich auf „Shiva“. Mit Asche versehen leben sie in Brahmacharya.

dīkṣayā hanyate dīkṣā pūrvadīkṣā hi naśyati |
viśeṣayātu sāmānyā gururapyevameva tu || 51 ||

2.51 Eine Einweihung kann eine frühere Einweihung aufheben: Die besondere hebt die allgemeine auf. Entsprechend ist auch das Verhältnis der Lehrer zu verstehen.

naganāntāstu [mū, a, k, g: nagaṇāntāstu; kh: narāṇāṃ] vaiśeṣāḥ śaivāḥ śivāntasaṃjñakāḥ |
ambhojaṃ paṅkajaṃ yadvattadvacchaivā na cetare || 52 ||

2.52 Die besonderen Shaivas tragen Namen mit der Endung Shiva. Wie „Lotus“ und „im Schlamm geboren“ in einem bestimmten Sinn dasselbe bezeichnen, so gilt die Bezeichnung Shaiva hier für diese und nicht unterschiedslos für alle anderen. [Der Versanfang ist beschädigt.]

hasto'syāstīti hastī syādrūḍhito netaro [mū, a, k, kh: netare] yathā |
tathaiva śivaliṅgānāṃ śaivāḥ pāśupatādayaḥ || 53 ||

2.53 So heißt der Elefant nach festem Sprachgebrauch „der eine Hand beziehungsweise einen Rüssel besitzt“, nicht jedes Wesen mit einer Hand. Ebenso sind die Bezeichnungen der Shiva-Zeichen und der Shaivas, etwa der Pashupatas, nach ihrem besonderen Gebrauch zu verstehen.

tapasvyācāryadevān yaḥ [mū, a: devānāṃ] pūrvarūpeṇa manyate |
liṅgabhedaphalairyukto yātyasau rauravaṃ dhruvam || 54 ||

2.54 Wer Asketen, Acharyas oder Götterbilder nur nach ihrer früheren Beschaffenheit beurteilt, trägt die Schuld einer Verletzung des heiligen Zeichens und gelangt gewiss in die Raurava-Hölle.

dṛṣṭādṛṣṭavirodhena netareṣāṃ tathā vidhiḥ |
anyathā pāpakārī syādityājñā pārameśvarī || 55 ||

2.55 Für andere gilt die entsprechende Vorschrift nicht in derselben Weise, weil sichtbare und unsichtbare Voraussetzungen verschieden sind. Wer anders handelt, begeht eine Verfehlung: So lautet die Anordnung des höchsten Herrn. [Der genaue Bezug ist unklar.]

gurūnnirūpayettasmād dvividhaṃ śaivamuttamam |
brahmacārīgṛhasthatvabhedabhinnaṃ dvidhā sthitam || 56 ||

2.56 Deshalb prüfe man die Gurus. Die vorzüglichen shaivitischen Lehrer werden nach ihrer Lebensform zweifach unterschieden: als Brahmacharins und als Hausleute.

akāmikāmibhedena vakṣyamāṇaguṇānvitam |
kāmyakāmikriyāṃ vacmi sāmprataṃ saṃprabhedataḥ || 57 ||

2.57 Weiter unterscheidet man sie als wunschfrei oder von Wünschen getragen, jeweils mit den noch zu nennenden Eigenschaften. Nun erläutere ich entsprechend die Handlungen mit und ohne bestimmtes Wunschziel.

tapasvya [g: tapasyā; gh: tapasya] kāmināmeva pratiṣṭhādikriyocyate |
bhuktimuktīcchukaḥ kāmī kuryāddīkṣādimājñayā || 58 ||

2.58 Für den wunschfreien Asketen werden Handlungen wie die Pratishtha in diesem Rahmen bestimmt. Wer dagegen weltliche Erfüllung und Befreiung erstrebt, soll Einweihungen und ähnliche Riten mit Erlaubnis ausführen. [Die syntaktische Zuordnung des ersten Halbverses ist unsicher.]

gṛhasthastu dvidhā proktaḥ sāntāniko vratārpakaḥ |
pratiṣṭhādikriyāśeṣā tatkṛtā saṃpraśasyate || 59 ||

2.59 Der Hausvater ist zweifach: Santanika oder Vratārpaka. Die von ihm ausgeführten Handlungen der Pratishtha und die übrigen Riten werden gelobt.

yoṣidyuktaḥ sakeśaśca jaṭādiparivarjitaḥ |
śivādhikāravṛttiryaḥ sa sāntānika ucyate || 60 ||

2.60 Wer verheiratet ist, gewöhnliches Haar trägt statt Asketenflechten und von der befugten Ausübung des Shiva-Dienstes lebt, heißt Santanika.

vratī vratāsamartho yo vidhinā vratamarpayet |
paścātkuryādvivāhaṃ ca gṛhasthaḥ sa vatārpakaḥ || 61 ||

2.61 Ein Gelübdehaltender, der sein Gelübde nicht mehr ausführen kann, übergebe es vorschriftsgemäß und heirate danach. Ein solcher Hausvater heißt Vratārpaka, „einer, der sein Gelübde abgegeben hat“.

brahmacaryaṃ carennityaṃ jaṭābhasmasamanvitaḥ |
bhaikṣyāśī saṃyatātmā ca vratī sa parikīrtitaḥ || 62 ||

2.62 Wer stets keusch lebt, Flechten und Asche trägt, von Almosen isst und sich selbst beherrscht, wird Vratin, Gelübdehaltender, genannt.

gotragocarasa tāvasaṅketaiḥ [k: saṅgataiḥ; kh: saṅkīrtaḥ] kramaśo guruḥ |
puṣpapātābhidhānaṃ tu maṭhī [mū, g: mathī; k: sacī] mudrābhiriṣyate || 63 ||

2.63 Der Guru wird nach Gotra, Gocara und den überlieferten Kennzeichen eingeordnet. Name durch Blumenfall, Klosterzugehörigkeit und rituelle Zeichen werden dabei genannt. [Mehrere Wörter sind unsicher.]

strīsraggandhārthaśayyāsiyānatāmbūlabhūṣaṇam |
sadvastramañjanaṃ tailaṃ nayate ramate hi tam [mū, a, k: ramaterhitaḥ; kh: ramatordhvataḥ; gh: rayaterhitam] || 64 ||

2.64 Frauen, Kränze, Düfte, Vermögen, Betten, Waffen, Fahrzeuge, Betel, Schmuck, gute Kleidung, Augensalbe und Öl werden als Dinge des genussbezogenen Lebens aufgezählt. [Die abschließende Handlungsanweisung ist beschädigt.]

bhuktyai [mū, a: bhujñaṃ; g: bhuñje] sāntānikaṃ nityaṃ bhuktimuktyorvranāpakam [mū, a, g: bhuktimuktivratārpitam; k: bhuktimuktipradārpitam] |
mākṣāya vratinaṃ caiva varayenmatimānnaraḥ || 65 ||

2.65 Ein verständiger Mensch wähle für weltliche Erfüllung den Santanika, für Erfüllung und Befreiung den Vratārpaka, für Befreiung den Vratin.

putrau dvau tu gṛhasthasya pāralaukikalaukikau |
laukiko dravyabhāgī syādvidyābhāk pāralaukikaḥ || 66 ||

2.66 Der Hausvater besitzt zwei Arten von Söhnen: einen jenseitsbezogenen und einen weltlichen. Der weltliche erbt den Besitz, der geistliche die heilige Lehre.

vratiśiṣyasya yacchāstramṛṇaṃ cāthaṃ ca tadguroḥ |
bhrātṛṇaṃ gurvabhāve syādgṛhasthānāṃ svaputrakam [mū, a, k: svaputragam; kh: suputrakaḥ] || 67 ||

2.67 Schriftgut, Schulden und Vermögen des Gelübdehaltenden sind im Zusammenhang mit Lehrer und Schüler zu ordnen; fehlt der Guru, tritt ein geistlicher Bruder ein. Bei Hausleuten geht das Erbe an den eigenen Sohn. [Die erste Satzhälfte ist beschädigt.]

yati [mū, a, k, kh: yadi] putraḥ prapautro vā tatsantānodvāstathā |
ayogyāḥ śivakāryeṣu ghaṇṭāsambandhino haret [g: ghaṇṭāmayuktilohavat] || 68 ||

2.68 Sind Sohn, Urenkel oder weitere Nachkommen für Shiva-Aufgaben ungeeignet, soll die entsprechende Zuordnung zum Tempeldienst entzogen werden. [Der Ausdruck zur „Glockenzugehörigkeit“ lässt die genaue erbrechtliche Regel offen.]

vratinaḥ śiṣyaputraḥ syādyogyaḥ sarveṣu karmasu |
ṛṇe dravye ca piṇḍe ca sa evaikaḥ praśasyate || 69 ||

2.69 Beim Gelübdehaltenden gilt der geeignete Schüler als Sohn. Für Schulden, Vermögen und die Totengabe ist allein er als zuständig anerkannt.

śiṣyāmnāyena sambhūta ācāryaḥ śubhaśāntikṛt |
caturgocaramadhye ca śaivo jyeṣṭhāyate [mū, a, k, g: jyeṣṭhoyateḥ] param || 70 ||

2.70 Ein aus der Schülerüberlieferung hervorgegangener Acharya wirkt segensreich und friedensstiftend. Unter den vier Gocaras kommt dem shaivitischen die höchste Stellung zu. [Der letzte Vergleich ist unsicher.]

sarvānugrahakṛdyasmādādyaḥ sarvagataḥ śivaḥ |
śaivācāryastataḥ śreṣṭhaḥ sthāpayetsarvadevatāḥ [saha devatā, iti pāṭhāntaram] || 71 ||

2.71 Weil der ursprüngliche, allgegenwärtige Shiva allen Gnade erweist, gilt der shaivitische Acharya als der vorzüglichste; er soll alle Gottheiten einsetzen.

dakṣiṇārhottamaṃ pātraṃ darśanānāṃ [g: ttamaḥ pātramarhatānāṃ] śivaḥ prabhuḥ |
bhuktimuktipradātā ca nānyo vai viśvakṛdguruḥ || 72 ||

2.72 Shiva, der Herr, ist das höchste würdige Ziel der Opfergabe unter den religiösen Wegen; als Weltschöpfer und Guru gewährt er weltliche Erfüllung und Befreiung, kein anderer in gleicher Weise.

sarveṣāmeva devānāṃ śaivaḥ sthāpaka iṣyate |
tadabhāve [gh: vadadāve] tu kartavyāḥ svadevavratacāriṇaḥ [kh: vratadhāriṇaḥ] || 73 ||

2.73 Ein Shaiva gilt als Einsetzer sämtlicher Gottheiten. Fehlt ein solcher, sollen diejenigen tätig werden, die das Gelübde der jeweiligen Gottheit einhalten.

janmanā jāyate śūdraḥ kriyayā dvija ucyate |
śrutena śrotriyaścaiva brāhmaṇo brahmacaryataḥ || 74 ||

2.74 Durch Geburt wird man als Shudra geboren; durch die heiligen Riten heißt man zweimalgeboren, durch Schriftstudium ein Schriftkundiger und durch Brahmacharya ein Brahmane.

svamantrasaṃskṛto vipraḥ svakarmavratapālakaḥ |
manuṣyajātisāmānye ko vidveṣaḥ śivadvije || 75 ||

2.75 Ein Brahmane wird durch seine eigenen Mantras geheiligt und hält die Pflichten und Gelübde seines Weges ein. Da die menschliche Art gemeinsam ist: Warum Feindschaft gegenüber einem durch Shiva zweimal Geborenen?

strīpuṃnapuṃsakānāṃ ca yathābhedāstriliṅgataḥ |
na tathā brāhmaṇādīnāṃ tasmājjātirnakāraṇam [g: prakāraṇam] || 76 ||

2.76 Männlich, weiblich und geschlechtsneutral sind durch entsprechende Merkmale unterschieden. Bei Brahmanen und den übrigen Ständen liegt eine solche Unterscheidung nicht vor; deshalb ist Geburt allein nicht die maßgebliche Ursache.

pañca [kh: yaśca] tattvaviśuddhyarthaṃ pañca [kh: yaśca] brahmavinirmitam |
upavītaṃ sadā dhāryaṃ śaivācāryairna cetaraiḥ || 77 ||

2.77 Zur Reinigung der fünf Tattvas sollen shaivitische Acharyas stets die aus den fünf Brahma-Mantras hervorgehende heilige Schnur tragen; für andere gilt diese Bestimmung nicht.

śivo vipraḥ śikhā [kh: śivo] rājā jyotirvicchūdrajātikaḥ |
sāvitra itthamī parṇā proktā nānā śivāgame || 78 ||

2.78 Shiva, Shikha, Jyotis und Savitra werden den verschiedenen Ständen zugeordnet. [Die Zuordnung in der überlieferten Wortfolge ist beschädigt.] Diese Verschiedenheiten werden im Shiva-Agama erläutert.

guruḥ śivaḥ śikhādīnāṃ [kh: śivādīnāṃ] trayāṇāṃ śikhasaṃjñakaḥ |
dvayoḥ syājjyātirityuktaḥ sāvitrastu svagocaraḥ || 79 ||

2.79 Der Guru namens Shiva ist Lehrer der drei weiteren Gruppen, Shikha Lehrer der beiden folgenden, Jyotis entsprechend der nächsten; Savitra bleibt auf den eigenen Gocara bezogen. [Einzelne Namen sind fehlerhaft überliefert.]

kāhalātūryaḍhakkāśrīghaṭikāśaṅkhasusvanaiḥ [mū, a, k, kh, g, ṅ: susvaraiḥ] |
dhvajaiśchatrairyutāḥ sarve śaivācāryā nṛpā iva || 80 ||

2.80 Mit dem Klang von Trompeten, Instrumenten, Trommeln, Glocken und Schneckenhörnern, mit Bannern und Schirmen ausgestattet, erscheinen alle shaivitischen Acharyas wie Könige.

guruḥ śreṣṭhaḥ pratiṣṭheta yatra rāṣṭre ca tatra ca [k: rāṣṭre'dbhuta ca] |
syādvṛddhirvijayaḥ [gh: sthāpiterdevaistatkartā ca] śāntirārogyaṃ dharmavardhanam || 81 ||

2.81 Wo sich ein vorzüglicher Guru niederlässt, entstehen im betreffenden Land Gedeihen, Sieg, Frieden, Gesundheit und eine Zunahme des Dharma.

ebhiśca sthāpite deve kartā jana dhanānvitaḥ |
āyuṣā yaśasā lakṣmyā [gh: lakṣmī] putrapautrairvivardhate [gh: pravardhate] || 82 ||

2.82 Wenn solche Lehrer die Gottheit einsetzen, wächst das Wohlergehen des Auftraggebers durch Angehörige und Besitz, Lebensdauer, Ruhm, Glück, Söhne und Enkel.

pitarastasya nandanti yāvattiṣṭhanti devatāḥ |
tāvadya gasahasrāṇi rudraloke mahīyate || 83 ||

2.83 Seine Vorfahren freuen sich, solange die Gottheiten dort verweilen; für ebenso viele Tausende von Zeitaltern wird er in Rudras Welt geehrt.

sthānasya devatāyāśca ciravṛddhiḥ prajāyate [gh: vṛddhiśca] |
nākāle mriyate kartā parataḥ śivatāṃ vrajet || 84 ||

2.84 Heiliger Ort und Gottesverehrung gedeihen dauerhaft. Der Auftraggeber stirbt nicht vor der Zeit und erlangt später Shiva-Natur.

yāvattatkīrtivikhyātistāvattasya mahāphalam |
padaṃ saṃprāpya rudrasya sukhamakṣayamaśnute || 85 ||

2.85 Solange der Ruhm dieser Stiftung bekannt ist, bleibt ihr großer Lohn bestehen. Nachdem der Stifter Rudras Stätte erreicht hat, genießt er unvergängliches Glück.

athādhamādideśotthā ye cānyatrātininditāḥ [mū, a, k, kh, g, ṅ: nyatra vininditāḥ] |
[k: tāvadyugasahasrāṇi rudraloke mahīyate pāṭho'yaṃ gh pustake'dhikaḥ, aprāsaṅgikaśca] tāṃstu sarvān prayuñjīta krūrakarmasu sarvadā || 86 ||

2.86 Die aus den zuvor als niedrig bezeichneten Gegenden stammenden und die anderweitig ausdrücklich getadelten Ritualkundigen soll man nach dieser Vorschrift für grausame Riten einsetzen.

hīnavyaṅgādhikāṅgāśca kubjavāmanakhañjakāḥ |
vikṛtāḥ śavalā [kh: sacarā] raudrāḥ śaṭhāḥ krūrāḥ [mū: sevā] kuvṛttikāḥ || 87 ||

2.87 Menschen mit fehlenden, verformten oder zusätzlichen Gliedmaßen, Bucklige, Kleinwüchsige, Lahme, Entstellte, Gefleckte, Furchterregende, Betrügerische, Grausame und solche mit schlechtem Lebenswandel,

pāpivyādhitakiñciñjñā devacchāyopajīvinaḥ |
vākkaṇṭhā baghiraḥ sthūlāḥ kunakhāśca kumūrdhajāḥ || 88 ||

2.88 Sündige, Kranke, wenig Kundige, solche, die vom Schatten der Gottheit leben, Menschen mit Sprach- oder Halsfehlern, Taube, stark Beleibte, solche mit schlechten Nägeln oder Haaren,

sūcakāstārkikā vaidyāḥ sevakāḥ karṣakāstathā |
purodhāḥ paṇyajīvī [gh: ścānyajīvī] ca vaṇijo dhātuvādinaḥ || 89 ||

2.89 Denunzianten, Streitlogiker, Ärzte, Diener, Bauern, Hauspriester, vom Verkauf Lebende, Kaufleute und Alchemisten,

liṅgadhārī [gh: cārī] kuśīlāśca [gh: kuśīlātmā] dyūtakārakalampaṭāḥ |
vakranāsāṅgalamboṣṭhā mūrkhāḥ spandanagātrakāḥ || 90 ||

2.90 bloße Zeichenträger mit schlechtem Verhalten, Spieler, Ausschweifende, Menschen mit gekrümmter Nase oder hängenden Lippen, Unverständige und von unwillkürlichem Zittern Betroffene,

kusaṅgākulajā bālāḥ kākasvarānunāsikāḥ |
granthaviplākā [kh: viprocakā] vṛddhā vyasanī samayacyutaḥ || 91 ||

2.91 aus ungünstigen Verbindungen oder Familien Stammende, Kinder, Menschen mit krächzender oder näselnder Stimme, Textverderber, Alte, Lasterhafte und solche, die ihre Samaya-Pflichten verletzt haben,

danturāḥ ślīpadāḥ stabdhā arbudī [k, g: arbhadī] galagaṇḍakāḥ |
etaistu sthāpitā devā dhanāyuḥ putranāśakāḥ || 92 ||

2.92 Menschen mit vorstehenden Zähnen, Elefantiasis, Starrheit, Geschwülsten oder Kropf: Von solchen eingesetzte Götterbilder werden hier als Ursache des Verlusts von Vermögen, Lebensdauer und Kindern bezeichnet.

anyāśramimagāmotthāḥ [kh, gh: magānmottha] punarbhūḥ kuṇḍagolakāḥ |
katthakāḥ [kh, g, gh: kaṇṭhakā] kauśikā [k, g: kaulikā] stajjāstrikarṇādyāśca varjitāḥ || 93 ||

2.93 Aus anderen Lebensordnungen oder aus Maga-Gruppen Stammende, Wiederzugehörige, Kunda und Golaka, Katthaka, Kaushika und deren Nachkommen sowie Trikarna und weitere werden ausgeschlossen. [Mehrere Gruppenbezeichnungen sind unsicher.]

cārvākāścārhatā bauddhāḥ sāṅkhyadarśanino dvijāḥ |
sanyāsavratinaścānye sthāpane nādhikāriṇaḥ || 94 ||

2.94 Charvakas, Jainas, Buddhisten, Brahmanen der Samkhya-Lehre und weitere Entsagungsgelübde haltende Asketen besitzen nach diesem Text keine Befugnis zur Einsetzung.

śākadvīpātpurānītā magā gomāṃsabhakṣakāḥ [kh: -khādakāḥ] |
nirmālyabhakṣyaṇārthaṃ tu śāmbenācyutasūnunā || 95 ||

2.95 Die Magas seien einst von Samba, dem Sohn Achyutas, aus Shakadvipa herbeigebracht worden; der polemische Vers nennt sie Rindfleischesser und verbindet ihre Aufgabe mit dem Verzehr abgelegter Opfergaben.

śaivīṃ dīkṣāṃ vinā yastu śāstramātraprapāṭhakaḥ |
śivādīn sthāpayennityaṃ svayambhūḥ sa narādhamaḥ || 96 ||

2.96 Wer ohne shaivitische Einweihung bloß die Schriften vorliest und aus eigener Vollmacht Shiva und andere Gottheiten einsetzt, wird hier als niedrigster Mensch bezeichnet.

prāpta (kta) naṃ liṅgamutsṛjya yaḥ śaivaṃ vratamācaret [mū, a, k: tu tamāśrayet] |
sa punarbhūḥ parijñeyo varjanīyaḥ śivāgame || 97 ||

2.97 Wer sein früheres religiöses Zeichen aufgibt und danach das shaivitische Gelübde übernimmt, wird in diesem Zusammenhang als Wiederzugehöriger bezeichnet und vom Shiva-Agama ausgeschlossen. [Die genaue gemeinte Ausgangszugehörigkeit bleibt offen.]

svadhave vidyamāne tu jāyate jārato hi yaḥ |
kuṇḍaḥ krūrasvabhāvaḥsyānmṛte patyau tu golakaḥ || 98 ||

2.98 Wer von einem Liebhaber geboren wird, während der rechtmäßige Ehemann noch lebt, heißt Kunda; bei bereits verstorbenem Ehemann heißt er Golaka. Dem ersten schreibt der Text einen grausamen Charakter zu.

ācāryadharmapatnīṣu yo jātaḥ saguroḥ suta |
prāvrājyānnaśyate [mū, a, kh: duṣyate] pūrvaṃ strīyogādaparaṃ tathā || 99 ||

2.99 Wer von der rechtmäßigen Ehefrau eines Acharya geboren wird, ist dessen Sohn. Durch Eintritt in die Entsagung wird eine frühere Bindung aufgehoben, durch erneute Verbindung mit einer Frau die andere. [Die Lesarten unterscheiden sich; der genaue Statuswechsel ist unsicher.]

ubhābhyāṃ yaḥ pranaṣṭaḥ syāttasyāpatyastu katthakaḥ |
trikarṇotthāstrikarṇāśca trikapānātma [mū, a: trikarṇastu tri] karṇakā || 100 ||

2.100 Wer beider Zugehörigkeiten verlustig gegangen ist, dessen Nachkomme heißt Katthaka. Danach werden die aus Trikarna hervorgehenden Gruppen genannt. [Die zweite Vershälfte ist beschädigt.]

nityanainittikāgantugurudevāgnyapūjanāt |
bhasmāṅkurastu [g: gurustu] katthosthastatsutāḥ kauśikādayaḥ || 101 ||

2.101 Wer die tägliche, anlassbezogene und durch Gäste erforderliche Verehrung von Guru, Gottheit und Feuer unterlässt, wird mit den genannten abgewerteten Gruppen verbunden; seine Nachkommen heißen Kaushika und andere. [Mehrere Bezeichnungen sind unsicher.]

bhojakā vratiputrāśca kauśikānyāśca [mū, a: kauśikādyāśca] kutsitāḥ |
rāṣṭrakṣayakarā hyete ye ca paṣāṇḍino narāḥ || 102 ||

2.102 Bhojakas, Söhne von Gelübdehaltenden, Kaushikas und weitere werden getadelt; sie und die als häretisch bezeichneten Menschen gelten als verderblich für das Land.

samayādiṃ vinā mūḍhaḥ sthāpanaṃ kurate tu yaḥ |
śāstrāvalokanādeva caṇḍeśastasya śāsakaḥ || 103 ||

2.103 Wer ohne die Samaya-Verpflichtungen und die weiteren Voraussetzungen allein durch Einsicht in Bücher eine Einsetzung vornimmt, wird von Chandeshvara zur Rechenschaft gezogen.

yo'śaivaḥ sthāpayedīśaṃ lobhavyāmūḍhamānasaḥ |
sa yāti narakaṃ sadyo yājñikaiḥ saha daiśikaḥ || 104 ||

2.104 Ein nicht eingeweihter Nicht-Shaiva, der den Herrn mit von Gier verblendetem Geist einsetzt, gelangt nach dieser Drohung zusammen mit den Opferpriestern sogleich in die Hölle.

pañcasrotaḥ su ye pañcasamayāḥ śaṃbhunoditāḥ |
teṣāmācaraṇānnityamācārya iti kīrtyate || 105 ||

2.105 Die fünf Samaya-Ordnungen der fünf Überlieferungsströme wurden von Shambhu verkündet. Weil er sie beständig lebt, wird der Lehrer Acharya genannt.

ācāryaḥ śivarūpeṇa lokānugrahakārakaḥ |
tasmānna mānavīṃ buddhiṃ kārayeddaiśikaṃ prati || 106 ||

2.106 Der Acharya wirkt in Shivas Gestalt zum Wohl der Welt. Deshalb soll man den geistlichen Lehrer nicht nur als gewöhnlichen Menschen betrachten.

īśaṃ vaktraṃ tathāghoraṃ guhyaṃ cājātasaṃjñakam [mū, a, k: ca jāta-] |
pañcavaktrāṇi devasya pañcāgamavivṛddhaye || 107 ||

2.107 Isha, Vaktra, Aghora, Guhya und Ajata werden als die fünf Gesichter des Gottes zur Entfaltung der fünf Agama-Ströme genannt. [Die Namen erscheinen hier teils in verkürzter oder abweichender Form.]

kāmikaṃ yogajaṃ māntrīṃ [mū, a: cintyaṃ; k, g: cāntyaṃ; kh: mitryaṃ] kāraṇaṃ cājitaṃ tathā |
dīptaṃ sūkṣmaṃ ca sāhasramaṃśuma [kh: asumat] tsuprabhaṃ daśa || 108 ||

2.108 Kamika, Yogaja, Mantri [Variante: Chintya], Karana, Ajita, Dipta, Sukshma, Sahasra, Amshumat und Suprabha sind die zehn genannten Texte,

śivabhedāḥ samākhyātā rudrabhedānataḥ (?) param |
vijayaṃ pāramaiśvaryaṃ niśvāsodgītasaṃjñakam || 109 ||

2.109 die als Shiva-Gruppe bezeichnet werden. Danach folgt die Rudra-Gruppe: Vijaya, Paramaishvarya, Nishvasa und der als Udgita bezeichnete Text,

prodgītaṃ mukhabimbaṃtu siddhaṃ santānameva ca |
narasiṃhaṃ candrahāsaṃ vīraṃ svāyambhurauravam [kh: rocanam] || 110 ||

2.110 Prodgita, Mukhabimba, Siddha, Santana, Narasimha, Chandrahasa, Vira, Svayambhu und Raurava,

mākuṭaṃ kiraṇaṃ caiva lalitaṃ virasaṃ [g: vivaraṃ] param [mū, a, k: smaram] |
([cāpacinhāntargato'yaṃ pāṭhaḥ ka pustake nāsti] rudrabhedāḥ samākhyātā daśāṣṭādaśa cordhvagāḥ || 111 ||

2.111 Makuta, Kirana, Lalita, Virasa und Para [unsichere Titelgestalt]. Damit sind die Rudra-Unterteilungen bezeichnet: zehn und achtzehn gehören zum aufwärts gerichteten Strom.

haraṃ huṅkārakaṃ caiva bindusāraṃ kalā [kh: karā] mṛtam |
davatrāsaṃ ca sutrāsa sāvaraṃ kālasāvaram || 112 ||)

2.112 Hara, Humkaraka, Bindusara, Kalamrita, Davatrasa, Sutrasa, Savara und Kalasavara,

pakṣirājaṃ śikhāyogaṃ śikhāsāraṃ śikhāmṛtam |
pañcabhūta [mū, a: pañcāmṛta] vibhāgaṃ ca śūnyabheda [kh: -mada] vinirṇayam || 113 ||

2.113 Pakshiraja, Shikhayoga, Shikhasara, Shikhamrita, Panchabhutavibhaga und Shunyabhedavinirnaya,

kālakāṇṭhaṃ [kh: maṇikaṇṭhaṃ] ca kālāṅgaṃ kālakūṭaṃ paṭadrumam |
kambojaṃ kambalaṃ kaṅkaṃ kālakuṇḍaṃ kaṭāhakam || 114 ||

2.114 Kalakantha, Kalanga, Kalakuta, Patadruma, Kamboja, Kambala, Kanka, Kalakunda und Katahaka,

suvarṇarekha [k: suvarṇavaṇyaṃ] sugrīvaṃ tottala tottalottaram [mū: totalaṃ totaloktam; kh: tottaratottarottaram] |
gāruḍasya tvime bhedā aṣṭāviṃśatirīritāḥ || 115 ||

2.115 Suvarnarekha, Sugriva, Tottala und Tottalottara: Diese werden als die achtundzwanzig Unterteilungen des Garuda-Stromes angegeben. [Die überlieferte Aufzählung stimmt nicht ohne Weiteres mit der genannten Zahl überein.]

svacchandabhairavaṃ caṇḍaṃ krodhamunmattabhairavam |
asitāṅgaṃ ruruṃ caiva kapālīśaṃ samuccayam || 116 ||

2.116 Svacchandabhairava, Chanda, Krodha, Unmattabhairava, Asitanga, Ruru, Kapalisha und Samuccaya,

aghoraṃ ghoṣaṇaṃ [kh: ghorasaṃ] ghoraṃ niśāsañcāradurmukham |
bhīmāṅgaṃ ḍāmarārāvaṃ [kh: -rāgaṃ] bhīmaṃ vetālamardakam || 117 ||

2.117 Aghora, Ghoshana, Ghora, Nishasanchara, Durmukha, Bhimanga, Damararava, Bhima und Vetalamardaka,

ucchuṣmaṃ vāma [gh: ucchuṣmavāhi] kāpālaṃ śekharaṃ puṣpamadvayam |
triśiraṃ caikapādaṃ tu siddhayogeśvarīmatam || 118 ||

2.118 Ucchushma, Vama, Kapala, Shekhara, Pushpa, Advaya, Trishira, Ekapada und Siddhayogeshvarimata,

pañcāmṛtaṃ prapañcaṃ ca [gh: prapañcāhi] yoginī jāla [gh: jala] sambaram |
viśvarikaṇṭha saṅkocaṃ [mū: vikaṇṭha; kh: jhaṅkāra] tilakodyānabhairavam || 119 ||

2.119 Panchamrita, Prapancha, Yoginijalasambara, Vishva, Rikantha [unsichere Trennung], Sankocha, Tilaka und Udyanabhairava:

evaṃ dvātriṃśatantrāṇi sottarāṇi ca taddvayam |
catuḥ ṣaṣṭipramāṇāni dakṣiṇāsyādbhavāni ca || 120 ||

2.120 So werden zweiunddreißig Tantras genannt; zusammen mit ihren jeweiligen Uttara-Teilen ergeben sie vierundsechzig. Sie sind aus dem südlichen Gesicht hervorgegangen.

nayaṃ nayottara mūkaṃ mohanaṃ mohanāmṛtam |
karapūjāvidhānaṃ tu vīṇātantraṃ taduttaram || 121 ||

2.121 Naya, Nayottara, Muka, Mohana, Mohanamrita, Karapujavidhana, Vinatantra und dessen Uttara,

jayaṃ ca vijayaṃ caiva ajitaṃ cāparājitam |
siddhanityodayaṃ jyeṣṭhaṃ cintāmaṇimahodayam || 122 ||

2.122 Jaya, Vijaya, Ajita, Aparajita, Siddhanityodaya, Jyeshtha, Chintamani und Mahodaya,

vāgbhavaṃ kuhakaṃ citraṃ kāmadhenukadambakam |
ānandarudrabhadrākhyaṃ [kh: bhadrākṣe] kiṅkaraṃ kiṅkarānugam || 123 ||

2.123 Vagbhava, Kuhaka, Chitra, Kamadhenu, Kadambaka, Ananda, Rudra, Bhadra, Kinkara und Kinkaranuga,

anantavijayaṃ śaukraṃ daurvāsaṃ bījabhedakam |
vāmadaṃ vāmadevoktaṃ [mū, a, k: devotthaṃ] caturviṃśatibhedagam [k: bhedajam] || 124 ||

2.124 Anantavijaya, Shaukra, Daurvasa, Bijabhedaka, Vamada und Vamadevokta: Diese werden dem vierundzwanzigfachen Vama-Strom zugeordnet. [Zahl und überlieferte Namenfolge sind nicht widerspruchsfrei.]

halāhalaṃ hayagrīvaṃ karakoṭaṃ kaṭaṅkaṭam |
karoṭaṃ [mū, a, g: kavāṭaṃ; k: kalphoṭaṃ] muṇḍamālaṃ ca kaṅkoṭaṃ khaḍgarāvaṇam [mū, a: vāraṇam] || 125 ||

2.125 Halahala, Hayagriva, Karakota, Katankata, Karota, Mundamala, Kankota und Khadgaravana,

caṇḍāsidhāraṃ huṅkāraṃ hāhākāraṃ śivāravam |
ghorāṭṭahāsamucchiṣṭaṃ ghurghuraṃ duṣṭatrāsakam [mū, a: duṣkṛtāsanam] || 126 ||

2.126 Chandasidhara, Humkara, Hahakara, Shivarava, Ghorattahasa, Ucchishta, Ghurghura und Dushtatrasaka,

vimalaṃ vikaṭaṃ caiva sudhāraṇaṃ [mū: svadhāvaṇaṃ] mahotkaṭam |
yamaghaṇṭaṃ ca bhūtāhvaṃ [mū: bhūtāṅgaṃ; kh: bhūtājyaṃ] viṣabhedamajātajam || 127 ||

2.127 Vimala, Vikata, Sudharana, Mahotkata, Yamaghantha, Bhuta und Vishabheda werden als aus Ajata hervorgegangen genannt.

ityevaṃ śaivatantrāṇi [kh: sūtrāṇāṃ; gh: sūtrāṇi] catuḥṣaṣṭyuttaraṃ śatam |
punarlakṣavibhedana grabhinnaḥ śāstrasaṅgrahaḥ || 128 ||

2.128 So gibt es einhundertvierundsechzig shaivitische Tantras. Durch weitere hunderttausendfache Unterteilungen verzweigt sich die Sammlung der Schriften erneut. [Die Gesamtzahl wird unverändert übernommen.]

śivo rudrastato devā devebhya ṛṣayastathā [mū, a, k: -sadā] |
ṛṣibhyo mānuṣāḥ śiṣyāḥ sarvaśāstrāvatārakāḥ || 129 ||

2.129 Von Shiva zu Rudra, von dort zu den Göttern, von den Göttern zu den Rishis und von den Rishis zu menschlichen Schülern: So gelangen sämtliche Schriften in die Welt.

siddhānto gāruḍaṃ caivaṃ bhairavaṃ vāmabhautikam |
iti sāmayikaṃ proktaṃ śambhunāgamapañcakam || 130 ||

2.130 Siddhanta, Garuda, Bhairava, Vama und Bhautika: Diese fünf Agama-Ströme mit ihren verpflichtenden Ordnungen hat Shambhu gelehrt.

siddhānte caturvarṇānnabhojanaṃ gāruḍe viṣam |
ekatrabhojanaṃ ghore vāme vāmāmṛtaṃ tathā || 131 ||

2.131 Im Siddhanta gehört die Annahme von Speise aus allen vier Ständen dazu, im Garuda-Strom der Umgang mit Gift, im schrecklichen Strom das gemeinsame Essen und im Vama-Strom der „linke Nektar“.

bhūtatantre śavasparśaḥ pañcasrotaḥsvayaṃ vidhiḥ |
ācaret samayān pañca yaḥ sa ācārya ucyate || 132 ||

2.132 Im Bhuta-Tantra gehört die Berührung eines Leichnams dazu. So lautet die Ordnung der fünf Ströme. Wer die fünf Samayas ausübt, heißt Acharya.

ācāramācarecchaivaṃ [mū: caivaṃ] śāstroktaṃ gurubhāṣitam |
tadavaśyaṃ hi kartavyamanyathā patanaṃ bhavet || 133 ||

2.133 Man lebe die shaivitische Ordnung, wie sie in der Schrift erklärt und vom Guru gelehrt wird. Sie ist verbindlich zu erfüllen; andernfalls erfolgt ein religiöser Fall.

pūjā homo balirbhikṣā caruścātithipūjanam |
ṣaṭkarmāṇi tu kāryāṇi śivācāryeṇa no paraiḥ || 134 ||

2.134 Puja, Homa, Bali-Gabe, Almosen, gekochte Opfergabe und Ehrung des Gastes: Diese sechs Aufgaben soll der Shiva-Acharya erfüllen.

vyākhyānaṃ śravaṇaṃ caiva pradānaṃ ca pratigrahaḥ |
dīkṣāṃ ca sthāpanaṃ ceti [mū: caiva] ṣaṭkarmāṇi sadā guroḥ || 135 ||

2.135 Erklären und Hören der Lehre, Geben und Empfangen, Einweihung und Einsetzung: Dies sind die sechs beständigen Aufgaben des Guru.

na dīkṣāṃ sthāpanaṃ kuryācchiṣya ācāryasannidhau |
krośān pañca parityajya gurvādeśāttadācaret || 136 ||

2.136 Ein Schüler soll in der unmittelbaren Nähe seines Acharya keine Einweihung und Einsetzung ausführen. Erst fünf Kroshas entfernt und mit Anweisung des Guru darf er es tun.

samayī samayasthaḥ syātputrakaścāgama [a, k, kh, g, ṅ: putrakaḥ svāgama] śrutiḥ |
sādhakaḥ sādhayetsiddhirācāryo dīkṣayetpaśūn || 137 ||

2.137 Der Samayin steht in der verpflichtenden Ordnung; der Putraka hört die eigene Agama-Lehre; der Sadhaka verwirklicht die Vollendung; der Acharya weiht die gebundenen Wesen ein.

samayādikrameṇaiva yo'bhiṣiktaḥ sa daiśikaḥ |
pratiṣṭhādikriyā tasya na pāṭhādagra [mū, a: pāṭhānnaivāgra; kh: nayāvadagra; g: yāvanta vipra] janmanaḥ || 138 ||

2.138 Wer in der Folge vom Samaya an die erforderlichen Weihen empfangen hat, ist ein geistlicher Lehrer. Ihm stehen Pratishtha und ähnliche Handlungen zu, nicht jemandem allein aufgrund von Textrezitation oder hoher Geburt.

śivādisthāpane samyaṅ nyāyamārgeṇa dhīmatām |
yuktiḥ saṃsūcyate kācidyā coktā pārameśvare || 139 ||

2.139 Für die rechte Einsetzung Shivas und der anderen Gottheiten wird den Einsichtigen nun eine Begründung auf dem Weg folgerichtiger Erwägung dargelegt, wie sie im Parameshvara-Text erklärt ist.

pāṭhādeva dvijo yatra śivaṃ lobhātpratiṣṭhayet |
nāśmādau śivatā tatra hyāṃśave dūrataḥ śivaḥ || 140 ||

2.140 Wo ein Brahmane allein aufgrund seines Lesens aus Gewinnsucht Shiva einsetzt, entsteht im Stein und den anderen Materialien keine Shiva-Natur; Shiva bleibt diesem Vorgang fern. [Das vorletzte Wort ist beschädigt.]

pratiṣṭhayed dvijo yastu pramadāddevatāḥ kvacit |
cāṇḍālo'sāvabhojyānnaḥ pātakī nātra saṃśayaḥ [kh, gh: nārakī bhavet] || 141 ||

2.141 Ein Brahmane, der in solcher Unachtsamkeit Gottheiten einsetzt, wird hier als sündig und einem Chandala gleich bezeichnet; seine Speise soll nicht angenommen werden.

śivasaṃsthāpanādvipraḥ śvayonyāṃ jāyate dhruvam |
anyagotre [mū, a: śrotre; k: tyāśre] kuśā [kh: tre'ṅkuśā] pātānnārakī syād dvijādhamaḥ || 142 ||

2.142 Wer als nicht befugter Brahmane Shiva einsetzt, wird nach der polemischen Drohung als Hund wiedergeboren. Der weitere Halbvers verurteilt den Übergriff in eine fremde Überlieferungszugehörigkeit; seine genaue Formulierung ist beschädigt.

paṭhantyādeśato vedānādeśena yajanti ye |
liṅgādisthāpakā ye ca te cāṇḍālasamā dvijāḥ || 143 ||

2.143 Brahmanen, die auf Bestellung die Veden lesen und opfern und in derselben Weise Lingas einsetzen, werden hier Chandalas gleichgestellt.

śūdre caivaṃ bhavedvṛttaṃ brāhmaṇe na ca vidyate |
mantavyo vipravacchūdraḥ śūdrātpāpatarastu saḥ || 144 ||

2.144 Wenn das entsprechende gute Verhalten bei einem Shudra vorhanden ist, bei einem Brahmanen aber fehlt, soll man den Shudra wie einen Brahmanen achten; jener Brahmane ist dann schlechter als ein Shudra.

viśvāmitro dvijībhūtaḥ kṣatriyo dvijavṛttataḥ |
vṛttātsiddhā vasiṣṭhādyā vyāsenoktaṃ ca bhārate || 145 ||

2.145 Vishvamitra, ursprünglich Kshatriya, wurde durch brahmanisches Verhalten zum Zweimalgeborenen; durch ihren Lebenswandel wurden auch Vasishtha und die übrigen vollendet. So hat Vyasa im Mahabharata erklärt.

agniṣṭomādikānyajñān vihāya sthāpayecchivam |
narake patati kṣipraṃ kartā svapitṛbhiḥ saha || 146 ||

2.146 Wer seine vedischen Opfer wie Agnishtoma aufgibt und stattdessen ohne die entsprechende Befugnis Shiva einsetzt, fällt nach der Drohung zusammen mit seinen Vorfahren rasch in die Hölle.

pratiṣṭhārthe navartante dvijatve na ca ye sthitāḥ |
svabrāhmaṇyaṃ gataṃ teṣāṃ brahmahatyāṃ [brahmahatvaṃ, li, pu] ca saṃsthitam || 147 ||

2.147 Wer weder in der zuständigen Weiheordnung handelt noch in seiner brahmanischen Lebensordnung verbleibt, verliert seine brahmanische Stellung und wird mit schwerer Schuld verbunden. [Der letzte Ausdruck weist eine wichtige Variante auf.]

brāhmaṇyahāra kairvipraiḥ sthāpitā ye śivādayaḥ |
te krūrā dhvaṃsakā jñeyā yajamānakṣayāvahāḥ || 148 ||

2.148 Von solchen Brahmanen eingesetzte Shiva-Bilder und andere Gottheiten gelten als grausam und zerstörerisch und als Ursache des Untergangs des Auftraggebers.

śivādisthāpanādvipra ubhābhyāṃ bhraśyati kṣaṇāt [gh: dvijaḥ] |
dānārcanādyanarhaḥ syādvinaṣṭā brāhmaṇī [mū, a, k, kh, g, ṅ: naṣṭo brāhmaṇo] yathā || 149 ||

2.149 Durch die unbefugte Einsetzung Shivas verliert ein Brahmane augenblicklich beide Stellungen; er wird ungeeignet für Gaben und Ehrung, wie jemand, dessen brahmanischer Status vernichtet ist. [Der Schlussvergleich ist textlich unsicher.]

duṣṭapātrasthitaṃ kṣaudraṃ yadvadamlaṃ tu doṣadam |
tadvadvedāḥ kuviprasthāḥ kartuḥ syuraśubhapradāḥ || 150 ||

2.150 Wie Honig in einem verdorbenen Gefäß sauer und schädlich wird, so sollen die Veden bei einem schlechten Brahmanen dem Auftraggeber Unheil bringen.

śivaḥ śirastathā jyotiḥ sāvitraśca caturthakaḥ |
ete śaivāḥ samākhyātā na tvete brāhmaṇāḥ kvacit || 151 ||

2.151 Shiva, Shiras [wohl dieselbe Gruppe wie zuvor Shikha], Jyotis und als vierte Savitra heißen hier Shaivas; sie werden in diesem rituellen Zusammenhang nicht als Brahmanen bezeichnet.

brahmakṣatriyavaiśyānāṃ śūdrāṇāṃ ca śivādhvare |
saṃskṛtānāṃ yatasteṣāṃ naśyante pūrvajātayaḥ || 152 ||

2.152 Denn bei Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras, die im Shiva-Ritual geheiligt wurden, vergehen die früheren Standeszugehörigkeiten.

ye brahmaṇā na te śaivā ye ca śaivā na te dvijāḥ |
pṛthaṅmantrāgamāveṣāṃ [mū, a, k, kh: -ścaiṣāṃ] vratāni kratavaḥ pṛthak || 153 ||

2.153 Die als Brahmanen Handelnden sind in diesem Sinn keine Shaivas und die als Shaivas Handelnden keine vedischen Zweimalgeborenen. Ihre Mantras und Agamas sind verschieden, ebenso ihre Gelübde und Opfer.

lubdhā dvijādhamā mūrkhāḥ svabrahmaghnā [mū, a, k, kh, g, ṅ: brahmaghnā] vikarmagāḥ |
mugdhāḥ kurvanti ye viprāḥ śivādisthāpanaṃ kalau || 154 ||

2.154 Die Brahmanen, die im Kali-Zeitalter aus Gier und Unwissenheit solche Einsetzungen vollziehen, werden als Zerstörer ihrer eigenen brahmanischen Stellung und als fehlhandelnd verurteilt.

dvijabauddhādiyāgeṣu mantrāḥ śaivādayastathā [mū, a, k, kh: śaivā yatheha na] |
tathaiva śivayāgeṣu na mantrā vaidikādayaḥ || 155 ||

2.155 Wie shaivitische Mantras nicht ohne Weiteres in die Rituale der Brahmanen, Buddhisten und anderer gehören, so gehören vedische und andere Mantras nicht in die Shiva-Rituale. [Der erste Halbvers wird nach der verneinenden Variante verstanden.]

na vede trividhaṃ liṅgaṃ na ca [gh: naiva] prāsādalakṣaṇam |
na dvāraṃ maṇḍapādiśca sthāpanaṃ na śivādike || 156 ||

2.156 Im Veda finden sich nach dieser Argumentation weder das dreifache Linga noch die Merkmale des Tempels, des Tores oder der Halle, ebenso wenig die Einsetzung Shivas und der übrigen Gottheiten.

śivasiddhānta evoktaṃ lakṣaṇaṃ śāṅkarādikam |
tasmācchaivena mantreṇa pratiṣṭheta [mū, a: pratiṣṭheyaṃ] śivādikam || 157 ||

2.157 Diese Merkmale und die Shiva-bezogenen Vorschriften werden im Shiva-Siddhanta gelehrt. Daher soll Shiva mit shaivitischen Mantras eingesetzt werden.

calācala [carācara, li pu pā] prabhedena dvidhā liṅgaṃ śivasya yat |
śivamantraistayoḥ samyak śivatvaṃ nānyamantrataḥ || 158 ||

2.158 Das Linga Shivas ist nach beweglicher und unbeweglicher Form zweifach. Beide erhalten ihre Shiva-Natur rechtmäßig durch Shiva-Mantras, nicht durch andere Mantras.

na vedaiḥ pañcarātraistu ṛṣyuktairnāpi cāgamaiḥ |
nānyadarśanamantrairvā pratiṣṭhā syācchivasya tu || 159 ||

2.159 Weder mit Veden noch mit Pāñcarātra-Texten, nicht mit von Rishis verkündeten anderen Agamas und nicht mit Mantras anderer religiöser Systeme soll die Shiva-Weihe erfolgen.

na vede śaivasaṃskāro nāpi vede śivavratam |
na ca śaivīkriyā vede na ca khaḍgadisiddhayaḥ || 160 ||

2.160 Im Veda werden nach dieser Abgrenzung weder die shaivitischen Samskaras noch die Shiva-Gelübde, die spezifisch shaivitischen Handlungen oder die Vollendungen wie die des Schwertes gelehrt.

garbhādhānādisaṃskārā [k: saṃskārān; kh, gh: saṃskāraiḥ] stribhistraivarṇikaṃ vratam |
agniṣṭomādayo yajñā vedoktā īśvareṇa tu || 161 ||

2.161 Die Samskaras von der Empfängnis an, die Gelübde der drei oberen Stände und Opfer wie Agnishtoma hat der Herr dagegen im Veda verkündet.

cāturvarṇyavrataṃ śaivaṃ caturarthaprasādhanam |
siddhāntasthāpanaṃ dīkṣāṃ noktaṃ vedeṣu śaṃbhunā || 162 ||

2.162 Das shaivitische Gelübde gilt allen vier Ständen und verwirklicht die vier Lebensziele. Die siddhantische Einsetzung und Einweihung hat Shambhu nicht in den Veden gelehrt.

svalpa [g: alpa] bījo vaṭo (?) [kh: ṭaṭā] yadvacchiṣyo'pyevaṃ svabījataḥ |
svamantrabījajā devā na bavhakṣaraḍambarāt [mū, a, k, g: na ca hṛtkaṇṭhaḍambaraiḥ] || 163 ||

2.163 Wie ein Banyanbaum aus einem kleinen Samen entsteht, so geht der Schüler aus seinem eigenen rituellen Samen hervor. Die Gottheiten werden aus ihren eigenen Mantra-Samen geboren, nicht aus dem Prunk vieler Silben.

vandi [k: vahni] dvijajanāśchātrāḥ prakaṭāḥ [g: śrukaṭāḥ] pāṭhajīvinaḥ |
naite śivādhvatattvajñāḥ stāvakā janarañjakāḥ || 164 ||

2.164 Lobsänger, Brahmanen und Schüler, die öffentlich vom Rezitieren leben, sind dadurch noch keine Kenner des Wesens des Shiva-Weges; sie mögen bloß preisen und die Menschen erfreuen.

vedādiśabda [k: śanta; kh: sarva; g: śaṭha] śāstraistu kaiḥ stuto na śivaḥ prabhuḥ |
stutyaiva sthāpanaṃ na syācchivaliṅge calācale [carācare, li. pu. pā.] || 165 ||

2.165 Wer hätte Shiva, den Herrn, nicht mit Worten der Veden und anderer Schriften gelobt? Doch durch Lob allein erfolgt keine Einsetzung in einem beweglichen oder unbeweglichen Shiva-Linga.

pratiṣṭhā pañcadhā yā ca śivenoktā śivāgame |
śaivācāryaistu sā kāryā rudrabrahmārkacakriṇām || 166 ||

2.166 Die fünf Arten der Pratishtha, die Shiva im Shiva-Agama verkündet hat, sollen shaivitische Acharyas für Rudra, Brahma, die Sonne und Vishnu ausführen.

sthāpyāḥsurā [kh: tārā] grahāḥ sarve lokapālāstathoragāḥ [mū, a, k, g: sahoragāḥ] |
yakṣarākṣasayoginyo gaṇā gauryastathāparāḥ || 167 ||

2.167 Einzusetzen sind auch die übrigen Götter und Planetengottheiten, Weltenhüter und Schlangenwesen, Yakshas, Rakshasas, Yoginis, Ganas, Gauri-Gestalten und weitere.

sthityutpattivipattīnāṃ kāraṇaṃ sukhaduḥkhayoḥ |
svasaṃvedye [kh: sukhaṃ vede] 'pi rāgāndhā dvijā īśvaranindakāḥ || 168 ||

2.168 Shiva ist Ursache von Erhaltung, Entstehung und Untergang, von Glück und Leid. Obwohl dies der eigenen Erkenntnis zugänglich sei, beschimpft der Text die von Anhaftung verblendeten Brahmanen als Verächter des Herrn.

śaivāntaḥ pātino ye 'pi pañcārthāḥ [kh: yaścārthāḥ] kārakādayaḥ |
te'pi tyājyāḥ pratiṣṭhādau dūrādbauddhadvijādayaḥ || 169 ||

2.169 Auch Gruppen innerhalb des weiteren Shaivismus, etwa die genannten Pancharthas und Karakas, werden von Pratishtha ausgeschlossen; umso mehr die Buddhisten, vedischen Brahmanen und die übrigen. [Ein Gruppenname ist unsicher.]

tasmācchivātmakenaiva śivācāryeṇa dhīmatā |
śivādisthāpanaṃ kāryaṃ nānyaistu brāhmaṇādibhiḥ || 170 ||

2.170 Deshalb soll ein verständiger Shiva-Acharya, der selbst von Shiva erfüllt ist, die Einsetzung Shivas und anderer Gottheiten vornehmen; andere, etwa bloß vedische Brahmanen, sollen es nicht tun.

svadarśanasthitā nityamācāryāścaiva ṣaḍvidhāḥ |
svakarmābhiratā viprāḥ śaivādyāḥ kāpilāntakāḥ || 171 ||

2.171 Die sechs Arten von Lehrern sollen stets in ihrem eigenen System stehen und den eigenen Aufgaben nachgehen: Brahmanen, Shaivas und die weiteren bis zu den Anhängern Kapilas.

śrutismṛtyarthavidvipraḥ svaśāstravratapālakaḥ |
svaṣaṭkarmānvito nityaṃ nānyakarmā dvijo bhavet || 172 ||

2.172 Ein Brahmane kenne den Sinn von Shruti und Smriti, bewahre die Gelübde seiner Schrift und übe beständig seine sechs Aufgaben aus, nicht die Aufgaben anderer Überlieferungen.

dānaṃ pratigrahaḥ pāṭho yajanaṃ yājanaṃ tathā |
adhyāpanamiti syuśca ṣaṭkarmāṇi sadā dvije || 173 ||

2.173 Geben, Empfangen, Rezitieren, selbst Opfern, für andere Opfern und Unterrichten sind die sechs beständigen Aufgaben eines Brahmanen.

ṛtusevātapo dānaśrāddhavaiśvānarārcanaiḥ [mū: lekhānarārcanaiḥ] |
tṛṇādimūlyabhikṣānnavṛttiḥ syābrāhmaṇo varaḥ || 174 ||

2.174 Ein vorzüglicher Brahmane verbindet ehelichen Verkehr zur rechten Zeit, Askese, Geben, Ahnenriten und die Verehrung des Feuers mit einem einfachen Lebensunterhalt aus dem genannten Erwerb oder Almosenspeise. [Die Bezeichnung des Erwerbs ist unsicher.]

khaḍgajīvo maṣījīvī [mū, a, k, g: makhājīvī] dvārapālo purohitaḥ |
ādeśī vedavikretā ṣaḍete śūdravaddvijāḥ || 175 ||

2.175 Wer vom Schwert, vom Schreiben [Variante: vom Opferdienst], als Torwächter, Hauspriester, auf Bestellung Handelnder oder als Verkäufer des Veda lebt: Diese sechs Arten von Brahmanen werden hier Shudras gleichgestellt.

śrutirvedāḥ samākhyātāḥ smṛtayastūnaviṃśatiḥ |
manurdakṣo vasiṣṭho'triḥ kātyāyano'tha gautamaḥ || 176 ||

2.176 Die Veden heißen Shruti; die Smritis werden als neunzehn bezeichnet. Genannt werden Manu, Daksha, Vasishtha, Atri, Katyayana und Gautama,

yājñavalkyaśca savarto vyāso viṣṇuryamo'ṅgirāḥ |
śaṅkhalikhitahārītaśātātapaparāśarāḥ || 177 ||

2.177 Yajnavalkya, Samvarta, Vyasa, Vishnu, Yama, Angiras, Shankha, Likhita, Harita, Shatatapa und Parashara,

āpastambośanojīvāḥ smṛtayastu taduktayaḥ |
na śaivāditipraṣṭhāyāmete niprā niyāmakāḥ || 178 ||

2.178 Apastamba, Ushanas und Jiva. Ihre Lehren sind die Smritis. Diese Brahmanen sind hier nicht die maßgeblichen Autoritäten für shaivitische Pratishtha. [Die Aufzählung und die zuvor genannte Zahl stimmen nicht glatt überein.]

pratiṣṭhākalpakaumāraṃ kiraṇaṃ [g: keraṇaṃ ma. pā. | kevalaṃ] piṅgalāmatam |
devyā mataṃ mayaṃ nandiṃ pratiṣṭhā pārameśvaram || 179 ||

2.179 Pratishthakalpa, Kaumara, Kirana, Pingalamata, Devyamata, Maya, Nandi und Pratishthaparameshvara,

bhāskaraṃ liṅgakalpaṃ ca vidyāpurāṇavāṭhulam |
śakākhyaṃ vāmadevaṃ ca dvidhā paitāmahaṃ tathā || 180 ||

2.180 Bhaskara, Lingakalpa, Vidyapurana, Vathula, das als Shaka bezeichnete Werk, Vamadeva und das zweifache Paitamaha,

bāṇagargamataṃ yāmyaṃ haṃsākhyaṃ vaiśvakarmakam [mū, a, g: vaiśvasargakam] |
pratiṣṭhātantrāṇyetāni śivoktānyekaviṃśatiḥ || 181 ||

2.181 Banamata, Gargamata, Yamya, Hamsa und Vaishvakarmaka: Dies sind die einundzwanzig von Shiva verkündeten Pratishtha-Tantras.

etebhyaḥ sāramādāya nāradātpauṣkarāttathā |
padmotthamārkaṇḍeyābhyāṃ rambhā [kh: gaurī] siddhādi rambhataḥ [mū, a, k, g: sauryataḥ] || 182 ||

2.182 Aus diesen wurde das Wesentliche entnommen, ebenso aus Narada, Paushkara, Padma, Markandeya und den weiteren genannten Texten. [Die anschließenden Titel sind beschädigt und variieren zwischen Rambha, Gauri, Siddha und Saura.]

ratnaprayojanāccāhitilakebhyastathāparān |
mārtaṇḍāhrayato [kh, g: mārkaṇḍā-] lakṣyaṃ sarvametatsamuccayam [g: sarvatatva-] || 183 ||

2.183 Auch Ratnaprayojana, Ahitilaka und weitere sowie das als Martanda beziehungsweise Markanda gelesene Werk werden genannt. Aus ihnen ist diese gesamte Sammlung der Merkmale zusammengetragen.

bahudhā guhyatantrāṇi naitāni brāhmaṇasya tu |
śivāśramasthitaiḥ śaivaiḥ pratiṣṭhā nānyadarśanaiḥ || 184 ||

2.184 Diese vielfältigen geheimen Tantras gehören nach der Abgrenzung nicht zum Zuständigkeitsbereich des bloß vedischen Brahmanen. Shaivas innerhalb der Shiva-Lebensordnung sollen Pratishtha vollziehen, nicht Angehörige anderer Systeme.

aśaivaiḥ sthāpita liṅgamitarairyaddvijātibhiḥ |
śaivāstanna namasyanti sthāpitaṃ cānyadarśanaiḥ || 185 ||

2.185 Shaivas verneigen sich nach dieser Vorschrift nicht vor einem Linga, das von nichtshaivitischen Brahmanen oder Angehörigen anderer Systeme eingesetzt wurde.

brahmavratesthito [kh: brahmāvrate-] nityaṃ śaivādivratamācaret [k, kh, g: -vṛtti-] |
śaivasaṃskārahīnastu umābhyāṃ patati dvijaḥ || 186 ||

2.186 Wer im brahmanischen Gelübde steht, ohne shaivitische Samskaras die shaivitische Lebensweise beziehungsweise Tätigkeit ausübt, fällt aus beiden Ordnungen heraus.

patite tadgataṃ yacca gṛhītā yā ca dakṣiṇā |
kṛtaṃ yadvratabandhādi tatsarvaṃ niṣphalaṃ bhaven || 187 ||

2.187 Was bei einem solchen Gefallenen empfangen wurde, welche Dakshina er annahm und welche Gelübdebindungen oder anderen Riten er vollzog: All dies gilt als fruchtlos.

svayamanyasvarūpeṇe karmāṇi kriyate tu yat [mū, a, g: nānyakarma tu] |
na bhavedīpsitaṃ tatra vṛthaivāsau phariśramaḥ || 188 ||

2.188 Wer Handlungen in der angemaßten Gestalt einer anderen Zuständigkeit vollzieht, erlangt das Erstrebte nicht; seine Mühe ist vergeblich.

sarvārthagrahaṇe muktiḥ [mū, a: nugrahaṇe yuktiḥ] siddhayaśca śivāgamaiḥ |
śivoktaiśca vinā mantraistadetatprāpyate katham || 189 ||

2.189 Durch Shiva-Agamas werden die Lebensziele, Befreiung und Vollendungen erschlossen. Wie könnten sie ohne die von Shiva verkündeten Mantras erreicht werden?

yadi vedairbhavelliṅgaṃ śūdrādyārādhanaṃ katham |
miśrairvāpyatha doṣādya [k, g: doṣāḍhyaṃ] tkumāradyuktaśāstrataḥ || 190 ||

2.190 Wenn ein Linga allein durch die Veden geweiht würde, wie könnten dann Shudras und andere es verehren? Auch eine Vermischung wird unter Berufung auf Kaumara und andere Schriften als fehlerhaft verworfen.

anyad devaśca mantraśca vidhiścānyaṃ karoti yaḥ |
karmacaṇḍaṃ bhavettasya karma caṇḍālakaśca saḥ || 191 ||

2.191 Wer die Gottheit, den Mantra und das Verfahren verschiedener Systeme miteinander vertauscht, dessen Handlung wird als grausam beziehungsweise verkehrt bezeichnet, und er selbst wird polemisch zum „Handlungs-Chandala“ erklärt.

na svadarśana uktatvānnāpi rāgād [mū, a: navirāgād; k, kh: bhakṣyādyānāpirāgād] dvijādiṣu |
muktisiddhaṃ [mū, a, kh: yuktisiddhaṃ] hitaṃ loke skandoktaṃ cātra likhyate || 192 ||

2.192 Nicht bloß, weil es im eigenen System gelehrt werde, und nicht aus Parteilichkeit gegenüber Brahmanen oder anderen werde dies geschrieben, sondern als eine für die Welt heilsame, von Skanda verkündete und begründete Lehre. [Der Ausdruck „begründet“ folgt der Variante „yuktisiddham“.]

sanakātreyavyāsādyairṛṣibhiryā pracoditā |
kriyā sā na bhavetsādhvī mantrasaṃkaradūṣitā || 193 ||

2.193 Selbst ein von Sanaka, Atreya, Vyasa und anderen Rishis angeregter Ritus gilt nicht als recht, wenn er durch Vermischung von Mantras verdorben ist.

kṣayā viṣayadoṣādyā vedavidyā [mū: devavidyā] pracoditāḥ |
agniṣṭomādayo yadvatpratiṣṭhāpīṣyate tathā || 194 ||

2.194 Wie bei Agnishtoma und anderen vedisch bestimmten Handlungen die vorgeschriebenen Voraussetzungen und Fehler zu beachten sind, so ist es auch bei Pratishtha. [Die erste Vershälfte ist beschädigt.]

dravyābhijanamantrādyaiḥ śaucaśuddhayai prasāritā [k: prasādhitā] |
svargalokaphalā sādhvī vijñeyā vaidikīkriyā || 195 ||

2.195 Die vedische Handlung gilt als gut, wenn Materialien, Herkunft, Mantras und die weiteren Voraussetzungen ihre Reinheit sichern; ihre Frucht ist die Himmelswelt.

svargalokātparibhraṣṭāḥ somādādityamāgatāḥ |
vānaspatyaṃ samāsādya saṃsarantīha yājñikāḥ || 196 ||

2.196 Die Opfernden fallen später aus dieser Himmelswelt zurück: Vom Mond gelangen sie zur Sonne, dann in die Pflanzenwelt und kreisen hier weiter im Samsara.

iṣṭvā kratuśataṃ śakraḥ svargalokamavāptavān |
punaḥ puṇyakriyākṣīṇaḥ sthāvarādiṣu jāyate || 197 ||

2.197 Indra erlangte durch hundert Opfer die Himmelswelt; wenn die verdienstvollen Wirkungen erschöpft sind, wird auch er wieder unter unbeweglichen und anderen Wesen geboren.

satyalokotparaṃ nāsti jñānasyāpi phalaṃ mahat |
tasmātte munayaḥ sarva śaivārthe na viśāradāḥ || 198 ||

2.198 Selbst die große Frucht ihrer Erkenntnis reicht nach dieser polemischen Aussage nicht über Satyaloka hinaus. Deshalb werden jene Weisen nicht als Kenner des shaivitischen Zieles anerkannt.

sarveṣāmeva varṇānāṃ kriyā śaivī phalapradā |
trayāṇāṃ brahmaṇādīnāṃ vedavidyāpracoditā || 199 ||

2.199 Die shaivitische Handlung bringt Menschen aller Stände Frucht; die vedisch vorgeschriebene ist auf die drei Stände von den Brahmanen an bezogen.

svargākhyaphalakāmāya agniṣṭomādike sadā |
yajñe carūpuroḍāśapañcagavyādibhiḥ saha || 200 ||

2.200 In Opfern wie Agnishtoma, deren erstrebte Frucht der Himmel ist, werden gekochte Opfergaben, Opferkuchen, Panchagavya und weitere Stoffe verwendet.

śūdrādernādhikāro'tra vede ca pratiṣidhyate [mū, a, k, kh, g, ṅ: na pratiśiṣyate] |
śūdrādīnāṃ ca yo dadyādvedavidyāprasādhitam || 201 ||

2.201 Shudras und die übrigen besitzen nach dieser Darstellung darin keine Befugnis und werden durch die vedische Ordnung ausgeschlossen. Wer ihnen eine durch vedisches Wissen bereitete Opfergabe gibt,

haviṣyaṃ sa gururyāyāttaiḥ sārdhaṃ narakaṃ dhruvam |
tasmācchaivo vidhiḥ prājñaiḥ śaivairmantraiḥprasādhitaḥ || 202 ||

2.202 gelangt nach der hier ausgesprochenen Drohung als Lehrer mit ihnen in die Hölle. Daher wurde von den Kundigen das shaivitische Verfahren durch shaivitische Mantras ausgearbeitet.

śivādisthāpane yāge dīkṣāyāṃ ca viśeṣataḥ |
sarveṣāmapi varṇānāmanu grahakaraḥ paraḥ || 203 ||

2.203 Bei der Einsetzung Shivas und anderer Gottheiten, beim Opfer und besonders bei der Einweihung vermittelt dieses höchste Verfahren allen Ständen Gnade.

lakṣakoṭi sahasrāṇi viṃśatirarbudāni ca |
koṭikharvāvja vṛndaṃ ca mantrāstvīśādvinirgatāḥ || 204 ||

2.204 Hunderttausender-, Zehnmillionen- und Tausendergrößen, zwanzig Arbudas sowie Koti, Kharva, Abja und Vrinda werden für die aus Isha hervorgegangenen Mantras genannt. [Die Zusammensetzung der Zahl ist nicht eindeutig; die traditionellen Größenbezeichnungen bleiben erhalten.]

dvāsaptatisahasrāṇi koṭi lakṣaṃ tathārbudam |
ayutāni ca pañcāśanmantrā vaktrā [g: rudrā] dviniḥsṛtāḥ || 205 ||

2.205 Zweiundsiebzigtausend, dazu Koti, Laksha und Arbuda sowie fünfzig Ayutas werden für die aus dem Gesicht hervorgegangenen Mantras genannt. [Der genaue Stellenwertanschluss ist unklar.]

triṃśatkoṭisahasrāṇi [gh: viṃśat-] saptāṣṭakaśatāni ca |
niyutāni ca ṣaṭtriśanmantrā rudrādvinirgatāḥ || 206 ||

2.206 Dreißigtausend Kotis, sieben beziehungsweise acht Hunderter und sechsunddreißig Niyutas werden als aus Rudra hervorgegangen angegeben. [Die Zahlfolge ist beschädigt; eine Variante liest zwanzig statt dreißig.]

navakoṭisahasrāṇi pañcāśītyayutāni ca |
koṭiśatāni pañcāśanmantrā vāmādviniḥsṛtāḥ || 207 ||

2.207 Neuntausend Kotis, fünfundachtzig Ayutas und fünfzig Hunderter von Kotis werden für die aus Vama hervorgegangenen Mantras genannt.

saptakoṭisahasrāṇi saptatriṃśacchatāni ca |
śataṃ sahasalakṣaṃ ca sadyojātādvinirgatāḥ || 208 ||

2.208 Siebentausend Kotis, siebenunddreißig Hunderter sowie eine weitere Verbindung von Hundert, Tausend und Laksha werden als aus Sadyojata hervorgegangen bezeichnet. [Die letzte Zahlgruppe ist unklar.]

pañcavaktrodbhavairmantraiḥ śivoktaiḥ siddhimuktidaiḥ |
taistu liṅgādi saṃsthāpyaṃ nānyairvedādicoditaiḥ || 209 ||

2.209 Mit diesen aus den fünf Gesichtern hervorgegangenen, von Shiva verkündeten und Vollendung und Befreiung gewährenden Mantras sollen Lingas und andere Kultbilder eingesetzt werden, nicht mit anderswo, etwa im Veda, vorgeschriebenen.

akārādikṣakārāntāḥ sadāśivāṅganirgatāḥ [mū, a, k, kh, g: śivādvinirgatāḥ] |
taiḥ kṛtaṃ pañcadhā śāstraṃ śaivākhyaṃ siddhimuktidam || 210 ||

2.210 Die Laute von A bis Ksha sind aus dem Leib Sadashivas hervorgegangen. Aus ihnen wurde die fünffache shaivitische Schrift gebildet, die Vollendung und Befreiung vermittelt.

aṇimādimahāsiddhyai siddhyanti khecarādayaḥ |
liṅgāśrayādyathāsiddhāḥ prāguktā vedhasādayaḥ |
tathā vyāḍīndradantādyāḥ kambalā bhāskarā [kh: lābhāsthirā] dayaḥ |
nimatsarā vadantyāśu [kh: drava] siddhāḥ [kh: śivāḥ] śavoktamantrataḥ || 212 ||

2.211–212 Die Khecharas und andere erlangen die großen Vollendungen vom Kleinwerden an. Wie die zuvor genannten Brahma und die übrigen durch die Hinwendung zum Linga vollendet wurden, so auch Vyadi, Indradanta, Kambala, Bhaskara und weitere; frei von Neid verkünden sie die rasche Vollendung durch Shivas Mantras. [Dieser Absatz umfasst den unnummerierten Vers vor 2.212, erschlossen 2.211, und den nummerierten Vers 2.212.]

nāsatyamaiśvaraṃ vākyaṃ ke na siddhā yuge yuge |
samyagvidhānattvajñairdīkṣito mucyate paśuḥ || 213 ||

2.213 Das Wort des Herrn ist nicht unwahr: Wer wäre nicht in den verschiedenen Zeitaltern dadurch vollendet worden? Ein gebundenes Wesen, das von Kennern der rechten Ordnung und der Tattvas eingeweiht wird, wird befreit.

sabījāḥ sasphurāḥ [kh: saphalāḥ] śaivāḥ saceto'gniśivāntagāḥ [mū, kh: sarvato - -ntakāḥ] |
sarvānugrāhakā mantrāścaturvarga [k, g: caturdaśa] prasādhakāḥ || 214 ||

2.214 Die shaivitischen Mantras besitzen Samen und lebendige Wirksamkeit; die weiteren Laut- und Schlussbestimmungen sind beschädigt. Sie vermitteln allen Gnade und verwirklichen die vier Lebensziele.

ṛgatharvatathā sāmavajuśceti krameṇa ca |
prāgyāmyendujalāśāsyairlakṣagranthaiḥ kṛtā śrutiḥ || 215 ||

2.215 Rig-, Atharva-, Sama- und Yajurveda wurden der Reihe nach durch die nach Osten, Süden, Norden und Westen gerichteten Gesichter in großen Textumfängen als Shruti gebildet.

na vigrahātmakā [g: navagrahānmahā] devā vedeṣu stutipūrvakāḥ |
siddhimuktī vinā sarvaṃ śabdamātraparā matāḥ || 216 ||

2.216 Die Veden behandeln die Gottheiten nach dieser Abgrenzung vornehmlich durch Lobpreis, nicht als die hier gemeinten rituellen Gestaltwesen. Ohne die spezifischen Früchte der Vollendung und Befreiung seien sie auf das Wort ausgerichtet.

trayīnibandhahetvarthaṃ trayāṇāṃ ca vrate'dhvare |
īśānoktā śrutiḥ paścāt svargākhyaphalasādhane || 217 ||

2.217 Zur Begründung der dreifachen vedischen Ordnung, der Gelübde und Opfer der drei oberen Stände wurde die Shruti später von Ishana verkündet, um die als Himmel bezeichnete Frucht zu erlangen.

śaivāgamapurāṇeṣu tathā śāstrāntareṣu ca |
avadhūtoktito'jñatvaṃ brahmaviṣṇornamadvaraḥ [kh: rasaṅgatam] || 218 ||

2.218 In shaivitischen Agamas, Puranas und anderen Schriften wird im genannten Ausspruch die Unwissenheit Brahmas und Vishnus angeführt. [Der Bezug auf den Sprecher und die Schlusswörter sind beschädigt.]

āstāṃ tavānyadapi tāvadatulyakakṣa- maiśvaryamīśvarapadasya nimittabhūtam |
tvacceha so'pi bhagavannagato'vasānaṃ viṣṇuḥ pitāmahayutaḥ kimatāparasya || 219 ||

2.219 „Lassen wir deine andere unvergleichliche Herrlichkeit beiseite, die den Rang des höchsten Herrn begründet: Selbst an deiner Erscheinung hier, o Erhabener, fanden Vishnu und der Urvater kein Ende – wie sollten sie erst dein Darüberhinaus erkennen?“ [Das Wort für die Erscheinung ist textlich unsicher.]

avairbramādibhirvedā kṛtāśceddoṣakāriṇaḥ |
gonarāśvādikaṃ hatvā yajvanāṃ narako bhavet || 220 ||

2.220 Wären die Veden von jenen fehlbaren Wesen wie Brahma selbst geschaffen, wären sie fehlerbehaftet; die Opfernden müssten dann für die Tötung von Rindern, Menschen, Pferden und anderem in die Hölle gelangen. [Der Vers formuliert ein hypothetisches Argument.]

sūryaśatāṃ [mū, a, kh, ṅ: ślokasyāsya prathamāntaḥ pāṭhaḥ pustakeṣu] tṛptimanādibodhaṃ svatantratāṃ nityamaluptaśaktim |
anantaśakti ca vibhorviditvā [mū, a, k, kh, g, ṅ: vidhijñā] prāhuḥṣaḍaṅgāni maheśvarasya || 221 ||

2.221 Die Schriftkundigen nennen sechs Wesenszüge Maheshvaras: Allwissenheit, Erfülltheit, anfangslose Erkenntnis, Freiheit, niemals versiegende Kraft und unendliche Macht. [Der erste Ausdruck ist beschädigt; die Wiedergabe folgt dem erkennbaren Sechserkatalog.]

vedāḥ pramāṇāmaśoktāḥ svargaṃ [mū, a: vedaprāmāṇyamīśāttayā svargaḥ] sarvajñakāraṇam |
īśvaraṃ kāraṇa nyāyādvadanti tarkavādinaḥ || 222 ||

2.222 Die Geltung der Veden wird auf ihre Verkündigung durch Isha und auf den allwissenden Ursprung bezogen. Die Vertreter logischer Begründung erklären Ishvara auf dem Weg des Schlusses zur Ursache. [Der erste Halbvers ist beschädigt.]

bhedaḥ sāṅkhyā [k, g: sāndhyā] yanaścaika āślāyako [mū, a, k, kh, g: āśnīyako] dvitīyakaḥ |
śatāniṃdaśa mantrāṇāṃ brāhmaṇo dvisahasrakaḥ || 223 ||

2.223 Shankhayana wird als eine, Ashvalayana als zweite Unterteilung genannt. Dann folgen tausend Mantras und zweitausend als Zahl des Brahmana-Teils. [Namen und Zahlen sind teils beschädigt und keine verlässliche moderne Bestandszählung.]

ṛgvado hi pramāṇena smṛtī dvaipāyanādibhiḥ |
ekonedve sahasre ca mantrāṇāṃ yajuṣastathā || 224 ||

2.224 So wird der Umfang des Rigveda von Dvaipayana und anderen überliefert. Für die Mantras des Yajurveda wird anschließend eine Zahl knapp unter zweitausend angegeben. [Die genaue Zahlform ist beschädigt.]

śatā ne daśa viprāṇāṃ ṣaḍaśītiśca śākhikāḥ |
kāṇva [k, kh, gh: kārṇa] madhyandināsaṃjñā kaṭhī prācyakaṭhī tathā || 225 ||

2.225 Genannt werden ferner tausend für die Brahmana-Texte und sechsundachtzig Zweige; dazu die Zweignamen Kanva, Madhyandina, Kathi und Prachyakathi.

maivāyaṇīyasaṃjñā ca taittirīyābhidhānikāḥ |
vaijavāpa neketyādyāḥ śākhā yajuṣi saṃsthitāḥ || 226 ||

2.226 Maitrayaniya, Taittiriya, Vajavapa und weitere genannte Zweige gehören zum Yajurveda. [Mehrere Namen sind verderbt.]

sāna kauthūma [gh: kaustuma] saṃjñaikā dvitīyā ca carāyaṇī [mū: dharāyaṇī] |
gānānyapi ca catvāri veda āraṇyakastathā || 227 ||

2.227 Beim Samaveda heißt ein Zweig Kauthuma, ein zweiter Charayani. Vier Arten des Gesangs werden genannt, darunter Veda- und Aranyaka-Gesang.

ūha [k, kh, gh: ūhaṃ] ukha [k: ūpyaṃ] caturtha ca mantrā navasahasrakāḥ |
santuḥ śatakāścai brahmaprabhavakāḥ [gh: haṭakāḥ] smṛtāḥ || 228 ||

2.228 Uha und die als vierte genannte weitere Gesangsart folgen. Für die Mantras werden neuntausend angegeben; die anschließende Zahl und die Bestimmung des Brahmana-Teils sind beschädigt.

pa~caviṃśatirevātra sāmno mānaṃ prakīrtitam |
sumanturjājaliścaiva ślokāyanistathāparaḥ [gh: ślokādhyāya-] |
śaunakaḥ pippalādaśca muñjakeśādayo'pare || 229 ||

2.229 Fünfundzwanzig wird hier als weiteres Umfangsmaß des Sama genannt. Sumantu, Jajali, Shlokayani, Shaunaka, Pippalada, Munjakesha und andere

ṛṣibhirbahubhistajjñaiḥ prokto'tharvasamuccayaḥ |
mantrāṇā yutaṃ sāṣṭaśaṃtaṃ copari ṣaṭśatam [gh: copaniṣacchatama] || 230 ||

2.230 haben als viele kundige Rishis die Atharva-Sammlung verkündet. Die Mantrazahl wird als zehntausend zuzüglich achthundert und weiterer sechshundert angegeben. [Der Wortlaut der Zahlgruppe ist unsicher.]

tasmātsvadaśanācāryairmantraḥ kāryastathādhvaraḥ [k: dhvajaḥ] |
śivādīnāṃ prayatnena hyanyathā doṣadāyakāḥ || 231 ||

2.231 Deshalb sollen die Lehrer des jeweiligen eigenen Systems den Mantra und das Ritual für Shiva und die anderen Gottheiten sorgfältig nach ihrer Zuständigkeit anwenden; andernfalls entstehen Fehler.

saugatārhatavedādimantrarvā sthāpite śive |
rāṣṭrarājñobhaveddoṣaḥ [gh: rāṣṭra rājño bhave-] kartu kārayitustathā || 232 ||

2.232 Wenn Shiva mit buddhistischen, jainistischen, vedischen oder anderen fremden Mantras eingesetzt wird, entstehen nach dieser Warnung Schäden für Land und König, Auftraggeber und Ausführenden.

dvijarājanyaviṭaśūdrāḥ śaivasaṃskāravarjitāḥ |
nārakāste[kh: no rakṣiṇaḥ; gh: nārakinaḥ] samākhyātāḥ kartuḥ kulānvakārakāḥ || 233 ||

2.233 Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras ohne shaivitische Samskaras werden bei einem solchen Vollzug als der Hölle verfallen und als schädlich für die Familie des Auftraggebers bezeichnet.

pustakādhyayanādeva liṅgādīn sthāpayeddvijaḥ |
saṃkīrṇavṛttirvijñeyastvabhojyaḥ sarvadā budhaiḥ || 234 ||

2.234 Ein Brahmane, der Lingas allein aufgrund von Bücherstudium einsetzt, gilt als jemand mit vermischter Lebensordnung; die Kundigen sollen seine Speise nicht annehmen.

uparodhātpramādādvā bhuktvā tatra śataṃ japet |
bahurūpasya mantrasya nirdoṣo vai bhavettataḥ || 235 ||

2.235 Wer aus Bedrängnis oder Unachtsamkeit dort gegessen hat, soll den Bahurupa-Mantra hundertmal wiederholen; dadurch wird er nach der Vorschrift vom Fehler frei.

sabalodyeṣa [mū, a, k: sacalo hyeva] vikhyāto nāmamātreṇa sa dvijaḥ |
ācāryo gīyate loke na hyasau pāramārthikaḥ || 236 ||

2.236 Ein solcher Brahmane mag dem Namen nach in der Welt als Acharya bekannt sein; im eigentlichen Sinn ist er es nicht. [Der Versanfang ist beschädigt.]

dīkṣā [kh, gh: vyākhyā] sthāpanamantrādyairvartitastu pitāmahe |
daiśikāstrividhā grāhyoḥprāguktā ye gurukramāt || 237 ||

2.237 Anzunehmen sind die zuvor genannten drei Arten von Lehrern aus der Guru-Folge, die in Einweihung, Einsetzung und Mantra begründet sind. [Einzelne Satzbezüge sind unsicher.]

deva [gh: deve] kartari nāśo [mū, a: vināśo] vābhogo vā yatpratiṣṭhite |
śivatulyo'pi sa tyājyodagdhahasto [mū: grāhyo-] guruḥsa hi || 238 ||

2.238 Wenn bei seiner Einsetzung der Gottheit dem Auftraggeber Untergang oder Ausbleiben der erhofften Frucht widerfährt, soll selbst ein Shiva gleich geachteter Guru als „verbrannte Hand“ gemieden werden. [Der Text formuliert eine rituelle Erfolgsprüfung.]

śaivasaṃskārasaṃpannāḥśāstrajñāḥ sādhakottamāḥ |
pratiṣṭheyuḥ surānsarvānabhāve daiśikasya tu || 239 ||

2.239 Fehlt ein Acharya, dürfen vorzügliche Sadhakas, die die shaivitischen Samskaras empfangen haben und die Schriften kennen, die Gottheiten einsetzen.

vinīto dharmavāndakṣo nirālasyo vimatsaraḥ |
ṛjurlajjānvitaḥ sādhurjitakrodho jitendriyaḥ || 240 ||

2.240 Der Kunsthandwerker sei bescheiden, rechtschaffen, geschickt, unermüdlich, frei von Neid, aufrichtig, schamhaft im guten Sinn und redlich; er habe Zorn und Sinne gemeistert.

lakṣyalakṣaṇamānajño vāstukālādi vedakaḥ |
sudṛṣṭiḥ [k, g: atṛṣṇiḥ] kulajo dhīmānnodvegī sūkta [gh: sūtra] tatparaḥ || 241 ||

2.241 Er kenne Gegenstand, Merkmale und Maße sowie Baugrund, Zeit und die weiteren Voraussetzungen; er besitze einen guten Blick, stamme aus einer geeigneten Familie, sei verständig, nicht aufgeregt und den guten Anweisungen zugewandt.

patraṃ catuṣpadaṃ liṅgastambhaṃ piṇḍiṃ ca rūpakam |
prāsādaṃ maṇḍapaṃ dvāraṃ vidyādyo [vindyādyo, liṃ pu. pā.] hi sa [g: hema] kārukaḥ || 242 ||

2.242 Wer Blattornamente, Vierfüßler, Linga, Säule, Sockel, Bildgestalt, Tempel, Halle und Tor zu gestalten versteht, ist ein Kunsthandwerker.

sarvāvayavasaṃpūrṇāḥ śivasaṃskārasaṃyutāḥ |
śivadharma [gh: karma] vidhānajñā mūrtipā daiśikādayaḥ || 243 ||

2.243 Die Bildhüter und die weiteren Beteiligten sollen körperlich vollständig, durch Shiva-Samskaras geweiht und mit den Vorschriften des Shiva-Dharma vertraut sein.

sahāyāḥ kulajā dhīrāḥ samarthā bhaktitatparāḥ |
vinītā nipuṇā dakṣā gurorādeśavartinaḥ [k, kh: rājñānuvartinaḥ] || 244 ||

2.244 Die Helfer seien von geeigneter Herkunft, standhaft, fähig und der Hingabe zugewandt, bescheiden, sachkundig und geschickt; sie sollen nach der Anweisung des Guru handeln.

iti lakṣaṇasārasamuccaye karturācāryādiparīkṣā nāma dvitīyo vidhiḥ || 2 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 2. Ritualabschnitt über „Auftraggeber, Acharya und weitere Beteiligte“.

Kapitel 3: Gewinnung von Holz und Stein

atha tṛtīyaḥ

Nun folgt der 3. Ritualabschnitt.

daiśikaiḥ śilpibhiḥ sārdhaṃ grāhyā ye taravaḥ śubhāḥ |
śilā vā jāti [mū, a, k, g: rājābhi] bhedena adhunaiva nirūpyate [kh: nirūpyante'dhunocyate] || 1 ||

3.1 Nun wird genau bestimmt, welche günstigen Bäume und Steine die geistlichen Lehrer zusammen mit den Kunsthandwerkern nach ihren jeweiligen Arten auswählen sollen.

vanapuṣpākulā bhūryā vāruṇī sā bahūdakā |
kāśmīrī prāci yāmye vā khadiro brahmavṛkṣakaḥ || 2 ||

3.2 Ein Boden mit vielen Waldblumen und reichlich Wasser wird als Varuna zugehörig bezeichnet; Kashmari im Osten oder Süden sowie Khadira und Brahmavriksha werden als Kennzeichen genannt. [Die Zuordnung zum folgenden Bodentyp ist nicht ganz eindeutig.]

yasyāmalikapotāhiśikhigṛdhrāmiṣāśinaḥ |
antargata jalastokaṃ sāgneyī rūpato dharā [kh: parā] || 3 ||

3.3 Wo Bienen, Tauben, Schlangen, Pfauen, Geier und fleischfressende Tiere vorkommen und sich im Inneren nur wenig Wasser findet, gilt die Erde ihrer Beschaffenheit nach als feuerartig.

brīhikṣetraṃ ca yāmye syātkṣīravṛkṣaśca paścime |
saumye toyaṃ ca māhendrī pīlūddālasnuhīyutā [g: dvālastu saṃyutā] || 4 ||

3.4 Reisfelder im Süden, milchsaftführende Bäume im Westen und Wasser im Norden kennzeichnen den Indra-Boden, zusammen mit Pilu, Uddala und Snuhi.

śarkarārkadrumākīrṇā mṛgatṛṣṇānvitā ca yā |
atṛṇāmbuśagālāḍhyā vāyavī sā mahī smṛtā || 5 ||

3.5 Ein mit Kies und Arka-Bäumen bedeckter Boden, über dem Luftspiegelungen erscheinen, ohne Gras und Wasser, aber voller Schakale, gilt als dem Wind zugehörig.

āsu bhūṣu [k, g: āgvavṛkṣa] kramājjātāḥ śilā vṛkṣāstadātmakāḥ |
māhendrīvāruṇījātāḥ śastrāścānye ca garhitāḥ || 6 ||

3.6 Die auf diesen Böden entstandenen Steine und Bäume besitzen jeweils deren Beschaffenheit. Die auf Indra- und Varuna-Boden entstandenen werden empfohlen, die anderen getadelt.

spandano madhukaḥ śipro [k, kh, gh: sipro] rudrākṣo dhavacandane [k: nāgakeśaraḥ] |
śamīdrākṣā surāhvaśca navaite vipraśāntidāḥ || 7 ||

3.7 Spandana, Madhuka, Shipra, Rudraksha, Dhava, Sandelholz, Shami, Draksha und Surahva: Diese neun gelten als friedenspendend für Brahmanen. [Einzelne Baumnamen sind unsicher.]

śrīvṛkṣāragvadhāriṣṭaśirīṣāruṇacandanam |
kadarā [kadaraḥ=śvetakhadiraḥ, iti vācaspatyam] śokaśākaṃ ca śṛṅgī [g: vṛkṣī] ca nṛpabhūtidā || 8 ||

3.8 Shrivriksha, Aragvadha, Arishta, Shirisha, rotes Sandelholz, Kadara, Ashoka, Shaka und Shringi gelten als wohlfahrtsfördernd für Könige.

śyāmābakulakāśmīrījambucampakaśiṃśapāḥ |
saralaḥ panaso bīja ityete vaiśyavṛddhidāḥ || 9 ||

3.9 Shyama, Bakula, Kashmari, Jambu, Champaka, Shimshapa, Sarala, Panasa und Bija gelten als wachstumsfördernd für Vaishyas.

karṇikāro'rjuno nimbaḥ [k, kh, gh: hema] saptasāro'thai [gh: sāraśca] tindukaḥ |
kāñcanāsana [kh: mara] lodhrāśca sāla śūdrasyapuṣṭidāḥ || 10 ||

3.10 Karnikara, Arjuna, Nimba, Saptasara, Tinduka, Kanchana, Asana, Lodhra und Sala gelten als gedeihenspendend für Shudras.

grāhyāḥ snigdhā mahākāyāstvagrāhyāḥ patrasaṅkulāḥ |
subhūsthāḥ [g: asvasthāḥ] śobhanā hṛdyā, ārogyā yauvanodvahāḥ || 11 ||

3.11 Man wähle kräftige, große, gut berindete und dicht belaubte Bäume, die auf gutem Boden stehen, schön und erfreulich anzusehen, gesund und in voller Jugendkraft sind. [Das Wort zur Rinde ist unsicher.]

anye'pi śobhanā [kh: sānamā] vṛkṣā ghanāḥ kṣīrasamanvitāḥ |
sāramadhyā draḍhīyāṃso nānyakāryeṣu yojitāḥ || 12 ||

3.12 Auch andere schöne Bäume sind geeignet, sofern sie dicht, saftreich, im Kern fest und widerstandsfähig sind und noch keinem anderen Zweck gedient haben.

saṃśliṣṭānsphuṭitān vakrān kṛmyādyān koṭarānvitān |
granthitulyaśirāyuktān bṛddhabālāturāṃstarūn || 13 ||

3.13 Verwachsene, gerissene, krumme, von Würmern befallene oder hohle Bäume, solche mit knotigen Adern sowie alte, sehr junge oder kranke Bäume,

śuṣkān vajrāgnidagdhāṃśca khagabhūtādisevitān |
valmikotthāñśmaśānotthān phalāmbhaḥ sevitāṃstyajet || 14 ||

3.14 vertrocknete, von Blitz oder Feuer verbrannte, von Vögeln oder Geistern bewohnte, aus Termitenhügeln oder Verbrennungsstätten gewachsene und durch dauernde Frucht- beziehungsweise Wassereinwirkung beeinträchtigte soll man meiden. [Die letzte Verbindung ist unsicher.]

madhyāvāsānsvayaṃ pātānnadīma [mū, a: nadīdru] marutāhatān |
kharitsaṅgamadevotthāṃstāpasāśramajāṃstyajet [mū, a, k: śrayajāṃ-] || 15 ||

3.15 Ebenso Bäume mitten in Wohnbereichen, von selbst gefallene, durch Flüsse oder Wind beschädigte, an Flusszusammenflüssen oder Heiligtümern stehende und in den Einsiedeleien von Asketen gewachsene.

avalāṃścālayedyastu prāsādān brā hāṇāndrumān [mū, a, k: kvacit] |
acireṇaiva kālena cālako na bhavedasau || 16 ||

3.16 Wer Schutzlose, Tempel, Brahmanen oder Bäume aus ihrer Stellung verdrängt, soll nach kurzer Zeit selbst keinen Bestand mehr haben. [Die erste Bezeichnung ist unsicher.]

vidhimantropacāreṇa teṣāṃ chedanaścālane [mū, a: bhedana-] |
devakārye na doṣaḥ syādityuktaṃ pārameśvare || 17 ||

3.17 Beim Fällen oder Versetzen für einen göttlichen Zweck entsteht jedoch kein Fehler, wenn es mit vorgeschriebenen Mantras und Ehrungen geschieht: So wird im Parameshvara erklärt.

dṛṣṭvā kulakṣaṇaṃ vṛddhi [k, kh, gh, m: vṛkṣa] kuryāttasyādhivāsanam |
śodhayedbhūmibhāgaṃ tu caturdikṣu samantataḥ || 18 ||

3.18 Hat man einen Baum mit geeigneten Merkmalen erkannt, vollziehe man seine vorbereitende Weihe. Man reinige den Boden ringsum in allen vier Richtungen.

dakṣiṇābharguruḥ [g: bhava] pūjyo vastraiḥ svarṇavibhūṣaṇaiḥ |
tataḥ śilpipradhānāśca sahāyāḥkusumādibhiḥ || 19 ||

3.19 Der Guru ist mit Dakshina, Kleidern und Goldschmuck zu ehren; danach die führenden Handwerker und Helfer mit Blumen und anderen Gaben.

yadaivāmantrito vṛkṣaḥ kampate mānavīṃ vadet |
viparīta tadā mantrī dūratastaṃ vivarjayet || 20 ||

3.20 Wenn der angerufene Baum erzittert, mit menschlicher Stimme spricht oder sich ein entgegengesetztes Zeichen zeigt, soll der Mantrakundige ihn aus der Ferne meiden.

kṣālayedvāriṇā vṛkṣa śilāṃ vātha manoramām |
gomayena tato bhūmi lepayitvā gurustadā || 21 ||

3.21 Man wasche den Baum oder den schönen Stein mit Wasser; der Guru bestreiche anschließend den Boden mit Kuhdung.

kṛtāhnika śuvistatra brahmāṅgakṛtavigrahaḥ |
dhyātvā devaṃ ca vijñāpya kṛtvācārghyaṃ vicakṣaṇaḥ [k: kṛtvācāyaṃ vicakṣaṇam] || 22 ||

3.22 Nachdem er seine täglichen Pflichten erfüllt hat, sei er rein und habe seinen rituellen Leib durch die Brahma- und Anga-Mantras gebildet. Er meditiere über die Gottheit, trage die Bitte vor und bereite Arghya.

ātmapūjāṃ purā kṛtvā kuryāddigavalokanam |
astraṃ dhyātvā yajenmantrī [kh: japen-] varmaṇā [mū: carmaṇā] pariveṣṭayet || 23 ||

3.23 Zuerst vollziehe er die Selbstverehrung und richte den Blick in die Himmelsrichtungen. Er vergegenwärtige das Astra-Mantra, verehre beziehungsweise rezitiere es und umschließe den Ort mit dem Schutzmantra.

bhūmiśuddhiṃ tataḥ kṛtvā dakṣiṇe sthaṇḍile yajet |
śiva saṃpūjya vahnistha navadyaṃ ḍhaukayeccarum || 24 ||

3.24 Nach der Bodenreinigung verehre er Shiva auf einem Opferplatz im Süden und im Feuer. Er bringe eine einwandfreie gekochte Opfergabe dar.

mantrasantarpaṇaṃ kṛtvā pūrṇāṃ dadyācchivena tu |
vijñāpya karmaśastrāṇi pūjayettarpayedapi [kh: darpaye] || 25 ||

3.25 Nach der Sättigung der Mantras gebe er mit dem Shiva-Mantra die volle Abschlussgabe. Er melde das Vorhaben an und verehre und sättige die Arbeitswerkzeuge.

diśamāśritya kauverī vāyavīṃ vā samāhitaḥ |
tato vijñāpya deveśa kuryādālaṃbhanaṃ punaḥ [gh: kṛtvācālaṃbhanaṃ purā] || 26 ||

3.26 Gesammelt nehme er eine Stellung im Norden oder Nordwesten ein. Nachdem er den Herrn der Götter unterrichtet hat, vollziehe er die rituelle Berührung.

tajjātīśena kumbhaiśca caturbhiḥ snāpayedapi |
tāḍanaṃ bhasmanāstreṇa prokṣaṇaṃ śivavāriṇā || 27 ||

3.27 Mit dem Mantra des Herrn der betreffenden Art bade er Baum oder Stein aus vier Krügen. Es folgen das rituelle Berühren mit Asche und Astra-Mantra und das Besprengen mit Shiva-Wasser.

lekhanaṃ cāstradarbheṇa varmaṇā [mū, a: carmaṇā] parirakṣaṇam |
vastraṃ trisūtraṃ vṛkṣasya śilāyāśca kuśānvitam || 28 ||

3.28 Mit durch das Astra-Mantra geweihtem Darbha-Gras erfolgt das Anzeichnen, mit dem Schutzmantra die Umhüllung. Baum und Stein erhalten ein Tuch, einen dreifachen Faden und Kusha-Gras.

jñātvā śubhanimittāni [k, g: śubhāni siddhāni] yajetātha gurustarum |
saṃhitoktena mantreṇasnānavastrādikaṃ bhavet || 29 ||

3.29 Nachdem der Guru die günstigen Vorzeichen erkannt hat, verehre er den Baum. Waschung, Bekleidung und die weiteren Ehrungen geschehen mit dem in der Samhita gelehrten Mantra.

gandhena puṣpadhūpābhyāṃ naivedyaiḥ pūjayeddrumam |
dadyād baliṃ ca māṣānnairāmiṣāsavasaṃyutaiḥ || 30 ||

3.30 Mit Duft, Blumen, Räucherwerk und Speisegaben verehre er den Baum. Er bringe Bali-Gaben aus schwarzen Bohnen und gekochter Speise, verbunden mit Fleisch und berauschendem Getränk, dar.

aindrāgāre'tha hotavya rudrasyādraṣṭottaraṃ [vṛkṣasyā-] śatam |
arghaṃ datvā ca vṛkṣasya [mū, a: rudrasya] mantra saṃśrāvyakaṃ vadet || 31 ||

3.31 Im östlichen Ritualraum sind einhundertacht Opfergaben für Rudra beziehungsweise den Baum darzubringen. Nach der Arghya-Gabe spreche man den dem Baum zu Gehör zu bringenden Mantra.

oṃ [praṇavotu yaṃ, mūla, a, kh pustakeṣu nāsti] śrīniketa namastubhyaṃ devajuṣṭavanaspate |
saṅkramānyaditaḥ sthānādguṇavadyanmanoharam || 32 ||

3.32 „Om. Verehrung dir, Wohnstatt des Glücks, von den Göttern geliebter Herr des Waldes! Gehe von diesem Ort an einen anderen, der gute Eigenschaften besitzt und das Herz erfreut.“

oṃ śrī/ hrī vauṣaṭ || iti saṃśrāvyamantraḥ ||

Formel nach 3.32: Om; die Bija-Schreibungen „śrī/ hrī“ bleiben wegen ihrer unsicheren Zeichenform unaufgelöst; Vauṣaṭ ist der rituelle Ausruf. Dies ist der dem Baum zu Gehör zu bringende Mantra.

pūrṇāhutiṃ śivenaiva tato dadyādbahirbalim |
yo yasmin [mū, a, k, g: yatra] vihito mantraḥ śāstre syādbalikarmaṇi || 33 ||

3.33 Dann gebe man mit dem Shiva-Mantra die volle Abschlussgabe und außerhalb die Bali-Gabe. Welcher Mantra für diese Bali-Handlung in der Schrift vorgeschrieben ist,

sa eva balimantraḥ syāt [mū, a, k, g: vihito mantraḥ] svanāmapraṇavo'thavā |
sthāne'smin yāni bhūtāni piśācā rākṣasāśca ye || 34 ||

3.34 genau dieser soll als Bali-Mantra verwendet werden, oder der Eigenname mit vorangestelltem Om. Welche Wesen an diesem Ort weilen – Pishachas, Rakshasas,

siddhāvidyādharā nāgā devāścaiva sadānavāḥ |
tāṃstu saṃpūjya vidhivatpriyavākyaiḥ pratoṣayet || 35 ||

3.35 Siddhas, Vidyadharas, Nagas, Götter und Danavas –, die verehre man vorschriftsgemäß und erfreue sie mit freundlichen Worten.

śivaliṅgārthamasmākaṃ yātrā caiṣā [a: yaiṣā] śivājñayā |
śivārthaṃ yadbhavetkāryaṃ yuṣmākamapi tadbhavet || 36 ||

3.36 „Dieser Gang von uns gilt dem Shiva-Linga und geschieht nach Shivas Anweisung. Was für Shiva getan werden soll, möge auch eure Sache sein.

anena balidānena prītā bhavata sarvadā |
sukhena gacchatānyatra muktvā sthānamidaṃ drumam || 37 ||

3.37 Seid durch diese Bali-Gabe stets erfreut. Verlasst diesen Baum und diesen Ort und zieht in Frieden anderswohin.“

tataścācamya vidhivatsakalī [kh: saphalī] kṛtavigrahaḥ |
śivaṃ saṃpūjya vidhivatsvapnamāṇavakaṃ [mū, a, k, kh, g: vijñāpya-] japet || 38 ||

3.38 Danach vollziehe man die vorgeschriebene Mundspülung und die rituelle Vervollständigung des Leibes, verehre Shiva ordnungsgemäß und rezitiere den Svapnamanavaka-Mantra.

caruṃ prāśya svapettatra kuśatalpeṣuyājñikaḥ [gh: talpe tu yājñike] |
svapnamāṇavakaṃ rātrau śatamaṣṭottaraṃ japet || 39 ||

3.39 Der Opfernde esse die geweihte Speise und schlafe dort auf einem Lager aus Kusha-Gras. In der Nacht wiederhole er den Svapnamanavaka-Mantra einhundertachtmal.

oṃ namo jaya trinetrāya piṅgalāya mahātmane |
vāmāya viśvarūpāya 1 svapnādhipataye namaḥ || 40 ||

3.40 „Om. Verehrung, Sieg dem Dreiäugigen, dem Goldbraunen, dem erhabenen Selbst, dem Gütigen, dem Allgestaltigen! Verehrung dem Herrn der Träume!“

svapne kathaya me tathyaṃ sarvakāryeṣvaśeṣataḥ |
kriyāsiddhiṃ vidhāsyāmi tvatprasādānmaheśvara || 41 ||

3.41 „Sage mir im Traum vollständig die Wahrheit über alle meine Vorhaben. Durch deine Gnade, Maheshvara, werde ich die Vollendung der Handlung bewirken.“

oṃ hili 2 mātaṅgin maheśvara [maheśvara iti pāṭhaḥ kh, gh pustakayornāsti] śūlapāṇe duḥsvapnaṃ hana 2 śubhaṃ darśaya 2 hu/ phaṭ svāhā ||

Formel nach 3.41: Om; die Lautfolge „hili“ mit Wiederholungsziffer; o Matangin, Maheshvara, Dreizackträger! Vernichte den bösen Traum; zeige Günstiges! Die Wiederholungsziffern und die unsichere Schreibung „hu/“ bleiben im Sanskrit erhalten. Phaṭ und Svāhā sind rituelle Ausrufe.

iti svapnamāṇavakamantraḥ |

Dies ist der Svapnamanavaka-Mantra.

nirdhūmaṃ jvalitaṃ [k: phalitaṃ] vakṣaṃ puṣpitaṃ phalitaṃ [k: jvalitaṃ; kh: haritaṃ] śriyā |
rudreṇa cānvitaṃ svapne dṛṣṭvā vācyaṃ śubhaṃ sadā || 42 ||

3.42 Sieht man im Traum den Baum rauchlos leuchtend, blühend, fruchttragend und mit Rudra verbunden, soll man dies als günstig erklären.

sicyamānaṃ tu raktena rakṣobhūtayutaṃ tathā |
kapyuṣṭrairbhakṣamāṇaṃ vā taṃ tyajedaśubha [k: jeccāśubha] pradam || 43 ||

3.43 Sieht man ihn dagegen mit Blut begossen, von Rakshasas und Geistern umgeben oder von Affen und Kamelen zerfressen, soll man ihn als unheilbringend aufgeben.

na śakyate yadā tyaktuṃ lakṣaṇāḍhyaṃ suśobhanam |
juhuyācca tadā snātvāghoraṃ doṣanivṛttaye || 44 ||

3.44 Kann man den mit guten Merkmalen versehenen, sehr schönen Baum nicht aufgeben, so bade man und opfere mit dem Aghora-Mantra zur Beseitigung des Fehlers.

ūrdhvaṃ vanaspatermūrdhā syādadhaḥ pādakalpanā |
aindre saumye tatheśāne avyaktādimukhaṃ kramāt || 45 ||

3.45 Der obere Teil des Baumes wird zum Haupt, der untere zu den Füßen bestimmt. Für die ungegliederte und die weiteren Bildformen werden der Reihe nach Osten, Norden und Nordosten als Gesichtsrichtungen genannt.

īśāśāyāṃ drumaṃ hanyāt siddhādyaistajjapakriyā [mū: jayakriyaḥ] |
kṣaudrājyābhyaktaśastreṇa ghorāstreṇābhimantrya ca || 46 ||

3.46 Man führe den Hieb am Baum auf der nordöstlichen Seite aus, nachdem das Werkzeug mit Honig und Ghee bestrichen und mit dem Aghora- beziehungsweise Astra-Mantra besprochen worden ist. [Ein Ausdruck zu den vorausgehenden Vollzugsarten ist beschädigt.]

ātmānaṃ śivavaddhyātvā śastraṃ caivāstrarūpiṇam |
ācāryaḥ prathamaṃ hanyācchivāstraṃ saṃjapaṃstataḥ || 47 ||

3.47 Der Acharya vergegenwärtige sich selbst als Shiva und das Werkzeug als dessen Waffe. Unter Rezitation des Shiva-Astra-Mantras führe er den ersten Hieb aus.

paścāt sunipuṇaḥ [mū: nipuṇaṃ] śilpī karma kuryādyathoditam |
vārkṣa [g: karka] mantrāntadikkaṃ (?) [g: didaṃ] vai ghaṭayelliṅgamādarāt [k, g: tadanukramāt] || 48 ||

3.48 Danach verrichte der geschickte Handwerker seine Arbeit wie vorgeschrieben und gestalte das hölzerne Linga sorgfältig unter Beachtung von Mantra und Richtung. [Die betreffende Wortverbindung ist beschädigt.]

indreśānaśaśāṅkāśā bhūtidāḥ patatastaroḥ |
saṃchindyātpatitaṃ [mū, a: saṃcintyāt-] vṛkṣamajātenaiva [k, c: jātenaiva; g: mathatenaiva] bhaktimān || 49 ||

3.49 Ein Fallen des Baumes nach Osten, Nordosten oder Norden bringt Wohlergehen. Der Hingebungsvolle zerlege den gefallenen Baum mit dem Ajata-Mantra.

raktakṛṣṇaṃ varaṃ [kh: kṛṣṇāṃbaraṃ] sāraṃ madhyamaṃ pītaraktakam [g: vattarum] |
gṛhṇīyāddāru liṅgārthaṃ tyajedāpāṇḍaraṃ laghu || 50 ||

3.50 Rötlich-schwarzes Kernholz gilt als vorzüglich, gelblich-rotes als mittelmäßig. Man wähle solches Holz für das Linga und verwerfe blasses, leichtes Holz.

yadyathā vṛkṣapārśvaṃ [k, g: pārśvavṛkṣaṃ] tu tattathaiva pratiṣṭhayet |
sthāpitaṃ viparītaṃ tu rāṣṭravibhramamādiśet || 51 ||

3.51 Die ursprüngliche Orientierung des Baumes soll bei der Einsetzung beibehalten werden. Eine umgekehrte Einsetzung gilt als Ursache von Unordnung im Land.

vakṣasyordhvaṃ śiro jñeyamadhomūlaṃ sukhāvaham |
adhaḥ śiro yadā liṅgaṃ tadā gotrakṣayo bhavet || 52 ||

3.52 Der obere Baumteil ist als Haupt, der Wurzelteil als unteres Ende zu verstehen; dies gilt als günstig. Wird das Linga mit dem Haupt nach unten eingesetzt, droht nach der Warnung der Untergang des Geschlechts.

prapāto'nyadiśobhāge vṛkṣasya na sukhāvahaḥ |
tato digdevatāśāntiṃ kuryāddoṣavimuktaye || 53 ||

3.53 Ein Fallen des Baumes in eine andere Richtung ist nicht glückverheißend. Zur Beseitigung des Fehlers vollziehe man eine Befriedung der betreffenden Richtungsgottheit.

pāśupatena śāstreṇa hutvā cāṣṭottaraṃ śatam |
anyadikpātadoṣeṇa mucyate śāntimāpnuyāt || 54 ||

3.54 Durch einhundertacht Opfergaben mit dem Pashupata-Mantra wird der Fehler des Fallens in eine falsche Richtung aufgehoben und Frieden erlangt.

itthaṃ dikśodhanaṃ kṛtvā śivaṃ saṃpūjya tarpayet |
dadyātpūrṇāhutiṃ cāpi tataḥ kāmānavāpnuyāt || 55 ||

3.55 Nach dieser Reinigung der Richtung verehre und sättige man Shiva und bringe die volle Abschlussgabe dar. So sollen die Wünsche erfüllt werden.

pramādādyadi vṛkṣasya chedane rudhiraṃ sravet |
patane madhyabhaṅgaḥ syāttadā homo vidhīyate || 56 ||

3.56 Wenn beim Fällen unerwartet Blut austritt oder der Baum beim Fallen in der Mitte bricht, wird ein Homa vorgeschrieben.

ājyāhutisahasraṃ vai bahurūpeṇa homayet |
dadyātpūrṇāhutiṃ cāpi śivenāśivahāriṇā || 57 ||

3.57 Mit dem Bahurupa-Mantra bringe man tausend Ghee-Gaben und danach mit dem Unheil beseitigenden Shiva-Mantra eine volle Abschlussgabe dar.

juhuyāddurnimitte tu ghoramantraṃ śataṃ [mū, a, k, kh, g, ṅ: ca ghoramantreṇa taṃ] śubham |
śilādāne tathā pūjā dārvādāne yathoditā || 58 ||

3.58 Bei einem ungünstigen Zeichen opfere man hundertmal mit dem Aghora-Mantra. Die Verehrung bei der Steingewinnung ist entsprechend der für die Holzgewinnung beschriebenen auszuführen.

śilāḥ sampratyahaṃ vacmi yuvādistryāditastridhā |
dvijādivarṇabhedena rūpabhedena ca sthitāḥ || 59 ||

3.59 Nun spreche ich über die Steine. Sie werden nach jugendlicher und anderer Beschaffenheit sowie nach weiblicher und anderer Art dreifach, ferner nach den Ständen und nach ihrer Gestalt unterschieden.

dvātriṃśallakṣaṇā hyaṣṭā [kh: jyeṣṭhā] śītidoṣavivarjitāḥ |
yuvatī sā śilā grāhyā triṣu liṅgeṣu netarāḥ || 60 ||

3.60 Ein jugendlicher Stein mit den zweiunddreißig Merkmalen und frei von den achtundachtzig Fehlern ist für die drei Linga-Formen auszuwählen, kein anderer. [Die Zahl der Fehler ist an dieser Stelle verderbt, wird aber in 3.86 bestätigt.]

dharmāyurdhanabhūnāthaprajārāṣṭra [kh: prajānāṃ sva] kulasya ca |
vṛddhiṃ dadyācchilā nūnaṃ taruṇī lakṣaṇānvitā || 61 ||

3.61 Ein junger, mit den guten Merkmalen versehener Stein soll Dharma, Lebensdauer, Besitz, Herrscher, Nachkommenschaft, Land und Familie gedeihen lassen.

ākarau dvau tu vijñeyau vanopavanasaṃjñakau |
trayo'ṅkurā diśastisro gandhāsvādau [mū: gandhasvādau] caturvirdhā || 62 ||

3.62 Zwei Herkunftsgebiete sind zu unterscheiden: Wald und Hain. Hinzu kommen drei Arten von Einsprengseln, drei Richtungen sowie je vier Geruchs- und Geschmacksarten,

rekha nava trayaḥ [mū, a: navāstraya; k, kh: navādhvayaṃ] śabdāścatasro jātayastathā |
tāruṇamekamityevaṃ dvātriṃśallakṣaṇāni tu || 63 ||

3.63 neun Linienarten, drei Klänge, vier Klassen und als ein weiteres Merkmal die Jugendlichkeit: So werden die zweiunddreißig Merkmale zusammengerechnet.

vistīrṇā mahatī sthūlā samādīrghaikavarṇinī |
snigdhānimnā śilā dhanyā siktā puṇyanadījalaiḥ || 64 ||

3.64 Günstig ist ein breiter, großer, massiver, ebenmäßig länglicher und einfarbiger Stein, glatt und ohne Vertiefungen, von Wasser heiliger Flüsse benetzt.

kulādrijā ca bhūguptā bhṛśaṃ gambhīraśabdakṛt |
sugandhī niviḍāṅgī ca dramacchāyāsthitā sadā || 65 ||

3.65 Er stamme aus einem Hauptgebirge, sei in der Erde geborgen gewesen, besitze einen tiefen Klang, angenehmen Geruch und dichtes Gefüge und liege im Schatten eines Baumes.

arogā garbhahīnā ca rekhā kīlakavarjitā |
dṛḍhā manoramā gurvī madhuradhvanibhūṣitā || 66 ||

3.66 Er sei unversehrt, frei von inneren Einschlüssen, störenden Linien und Zapfen, fest, schön, schwer und mit einem angenehmen Klang ausgestattet.

guḍābhayāmranimbānāmāsvādena dvijāditaḥ |
krameṇābjājyagovarvo [mū, a, gh: gocarvī] mūtragandhāḥ śubhāḥśilāḥ || 67 ||

3.67 Der Geschmack wird der Reihe nach mit Rohzucker, Haritaki, Mango und Nimba verglichen; die günstigen Gerüche mit Lotus, Ghee, Kuhfett beziehungsweise Kuhprodukten und Urin, entsprechend den Ständen. [Der dritte Geruchsbegriff ist unsicher.]

meghavīṇāravā ghaṇṭāśaṅkhaśabdāḥ śilā varāḥ |
śāntiṃ jayaṃ dhanaṃ cāyuścāturvarṇye prayacchati || 68 ||

3.68 Die besten Steine klingen wie Donner, Vina, Glocke oder Schneckenhorn. Sie sollen den vier Ständen der Reihe nach Frieden, Sieg, Vermögen und Lebensdauer verleihen.

puṇyatīrthāśritā sādhvī suniṣecyā [k, kh, g, gh: sevyā] suśītalā |
sutejā rūpasaṃpannā dhanadeśendra [kh: śendru] dik sthitā || 69 ||

3.69 Ein guter Stein liegt an einem heiligen Pilgerort, ist gut vom Wasser erreicht, kühl, leuchtend und schön geformt und befindet sich im Norden, Nordosten oder Osten.

pāṇḍarābjopamā śvetā kumudābhā śilā dvijā |
nakṣatraṃ ca mṛgaṃ tasyāstaddevaḥ śaśalāñchanaḥ || 70 ||

3.70 Ein weißer Stein, hell wie weißer Lotus oder Kumuda, gilt als brahmanisch. Sein Mondhaus ist Mrigashirsha, seine Gottheit der Mond.

kulatthābhāruṇāśyāmā hyutpalā [a, k, kh: yā syādutpalā] bhā ca sā nṛpā |
asyā ṛkṣaṃ bhavejjyeṣṭhā devatā ca śatakratu || 71 ||

3.71 Ein Stein von der Farbe der Pferdebohne, rötlich-dunkel oder wie ein blauer Lotus, gilt als königlich. Sein Mondhaus ist Jyeshtha, seine Gottheit Indra.

haritpītā kapotābhā guḍābhā kapilā ca vit |
nakṣatraṃ phalgunī cāsyā devaśca [mū: devatā] bhagasaṃjñakaḥ || 72 ||

3.72 Ein grünlich-gelber, taubenfarbener, rohzuckerfarbener oder gelbbrauner Stein gilt als vaishyisch; sein Mondhaus ist Phalguni, seine Gottheit Bhaga.

māṣapārāvatābhā yā kṛṣṇā śūdreti sā smṛtā |
nakṣatramaśvinau [mū, a: maśvinī] cāsyā devau caivāśvinau [gh: dvau cāśvinau] matau [mū: smṛtau] || 73 ||

3.73 Ein schwarzer Stein von der Farbe schwarzer Bohnen oder einer dunklen Taube gilt als shudrisch. Sein Mondhaus ist Ashvini, seine Gottheiten die beiden Ashvins.

ghanā ca susvanā [mū, a, k: susvarā] snigdhā viśālā bahalacchaviḥ |
śītalā ca sukhasparśā niviḍāṅgī manoramā || 74 ||

3.74 Ein dichter, wohlklingender, glatter, breiter Stein mit kräftiger Oberfläche, kühl, angenehm zu berühren, fest gefügt und schön,

kadalīdalatulyā strīśilā strīṇāṃ sukhārthadā |
ekavarṇaḥsthiraḥsnigdho gajakaṇṭho [kh: ghaṇṭo] pamasvanaḥ || 75 ||

3.75 der einem Bananenblatt ähnelt, gilt als weiblich und soll Frauen Glück bringen. Ein einfarbiger, fester und glatter Stein mit einem Klang wie die Stimme beziehungsweise Glocke eines Elefanten,

vahalo vṛttadīrghaśca vaṭapatranibhacchaviḥ |
pāṣāṇo'ya guru pumān puruṣāṇāṃvibhūtidaḥ || 76 ||

3.76 massiv, rundlich-länglich, von der Erscheinung eines Banyanblattes und schwer, gilt als männlich und soll Männern Wohlergehen verleihen.

napuṃsakaṃ dvirūpaṃ syānnapuṃsakavivṛddhikṛt |
striyā strīpratimā kāryā ṣaṇḍhaṃ ṣaṇḍhena nā nṛbhiḥ || 77 ||

3.77 Ein zweigestaltiger Stein gilt als geschlechtsneutral und soll entsprechend geschlechtsneutralen Wesen Gedeihen bringen. Weibliche Bilder fertige man aus weiblichem Stein, neutrale aus neutralem und männliche aus männlichem.

bhagnakāṃsyasvaraṃ rūkṣaṃ gairikākhaṭikopamam |
śirāḍhyaṃ karkaśaṃ tva rju [k: varja; kh: vakṣya; g: tvajjā] idamaśma napuṃsakam || 78 ||

3.78 Ein Stein, der wie zerbrochene Bronze klingt, rau ist, an Ocker oder Kreide erinnert, viele Adern besitzt und spröde ist, gilt als geschlechtsneutral.

puṃliṅgalakṣaṇopetaḥ pāṣāṇaḥśivakarmasu |
śeṣāṇāṃ strīśilāḥ proktāḥ pīṭhikādyāśca [g: yāśca] śūlinaḥ || 79 ||

3.79 Für Shiva-Handlungen dient Stein mit männlichen Merkmalen. Für die übrigen Teile, insbesondere Sockel und weiteres des Dreizackträgers, werden weibliche Steine vorgeschrieben.

kṛṣṇe sitāṅkarāḥ śrīdāḥ pītāśmani ca lohitāḥ |
sarvavarṇātmake śvetāḥśeṣāśca śubhadāḥ [mū, a, k, kh, g, ṅ: stvaśubhadā] smṛtāḥ || 80 ||

3.80 Weiße Einsprengsel im schwarzen Stein, rote im gelben und weiße in verschiedenfarbigem Stein gelten als glückbringend. Die übrigen werden nach den meisten Varianten als ungünstig bezeichnet.

śvetāḥ padmopamā rekhā dvijātīnāṃ vivṛddhidāḥ [mū: -ddhikṛt] |
raktā pītā ca bhūpasya viśaḥ śyāmakulatthabhāḥ || 81 ||

3.81 Weiße, lotusartige Linien fördern nach dieser Zuordnung Brahmanen; rote und gelbe den König, dunkle und pferdebohnenfarbene die Vaishyas.

śūdrāṇāṃ haritāḥkṛṣṇāḥ svavarṇā [mū, a, k: suvarṇa] dadhikāśca yāḥ |
indracāpopamārekhāḥ sarvāśrīvasubhūtidāḥ || 82 ||

3.82 Grüne und schwarze Linien gelten für Shudras; stärker als die Eigenfarbe leuchtende und regenbogenartige Linien sollen allen Glück, Reichtum und Gedeihen schenken.

hīnarekhottamā hīnā hīnarekhottamā śubhā |
lakṣaṇāḍhyālpadoṣā yā grāhyā sā homaśodhitā [kh: śobhitā] || 83 ||

3.83 Das Verhältnis von höherer und niedrigerer Klasse und Linienart wird hier mit widersprüchlicher Wortfolge beschrieben. Ein Stein mit guten Merkmalen und nur geringen Fehlern ist jedenfalls nach Reinigung durch Homa anzunehmen.

hṛnmantreṇāṅkayeddikṣu sadyomantreṇa coddharet |
indreśānendukāṣṭhāsu tasyā mastakamiṣyate || 84 ||

3.84 Mit dem Herzmantra bezeichne man seine Richtungen und hebe ihn mit dem Sadyojata-Mantra heraus. Sein Haupt soll im Osten, Nordosten oder Norden liegen.

tadūrdhvādho yathā saṅkhyaṃ pṛṣṭhaṃ vaktraṃ ca lakṣayet |
trividheṣvapi liṅgeṣu śilāyāṃ nāparo vidhiḥ || 85 ||

3.85 Ober- und Unterseite bestimme man entsprechend als Rücken und Gesicht. Für alle drei Linga-Arten gilt beim Stein keine andere Grundregel.

digādijātiparyantaṃ dvātriṃśallakṣaṇāḥ śilāḥ |
doṣān vṛddhādikān brūmaścāṣṭāśītiprabhedataḥ || 86 ||

3.86 Die zweiunddreißig Merkmale der Steine, von der Richtung bis zur Klasse, sind erklärt. Nun werden die Fehler, beginnend mit dem Alter, in achtundachtzig Unterteilungen beschrieben.

vṛddhabālakabimbāni chidrakīlakasandhayaḥ |
śūṣiraṃ sphoṭakaṃ [kh, gh: sphāṭikaṃ] vyomaṃ gārā [kh: galā] paṭalajālakam || 87 ||

3.87 Alt, kindlich, kreisförmige Innenzeichnung, Loch, Zapfen, Naht, Hohlraum, Riss, poröse Leere, Gara, Schichtung und Netzstruktur:

dvādaśaite mahādoṣāḥ sarvasthāneṣu varjitāḥ |
lakṣaṇaṃ kathayāmyeṣāṃ saṃkṣepeṇa prabhedataḥ || 88 ||

3.88 Dies sind die zwölf großen Fehler, die an allen Stellen zu meiden sind. Ihre Merkmale werde ich nach den einzelnen Arten kurz erklären.

yā sarpabhekamīnāṅkaiścitratā [mū, a, g: mīnāṅgai-] cātikarkaśā |
niṣṭhurā cātirūkṣā ca vṛddhā kāryavināśinī || 89 ||

3.89 Ein Stein mit schlangen-, frosch- oder fischartigen Zeichnungen, sehr spröde, hart und übermäßig rau, gilt als alt und als verderblich für das Vorhaben.

tanvī mṛdvī ca bālā syādīṣaddagdheṣṭakopamā |
ṭaṅkaghātāsahiṣṇuñca na tāṃ devāya yojayet || 90 ||

3.90 Ein dünner und weicher Stein, der nur schwach gebranntem Ziegel ähnelt und den Schlag des Meißels nicht verträgt, gilt als kindlich. Man soll ihn nicht für ein Götterbild verwenden.

maṇḍalājjāyate garbho garbhāddoṣo'vagamyate |
tasmādbimbātmakaṃ cāśma saṃchindyāddāru vai tathā || 91 ||

3.91 Eine kreisförmige Zeichnung weist auf einen inneren Einschluss, aus diesem wird der Fehler erschlossen. Daher soll man entsprechend gezeichneten Stein und ebenso Holz aufschneiden und prüfen.

sāndrāṇi sarvadṛśyāni daśāṣṭau maṇḍalāni ca |
saptānyāni ca citrāṇi caturdhā lepanaṃ tathā || 92 ||

3.92 Achtzehn deutlich sichtbare einfarbige Rundzeichnungen und sieben weitere gemischte werden genannt; dazu kommen vier Arten der Untersuchung durch Aufstreichen einer Paste.

pāṇḍaraṃ guḍakhaṇḍābhaṃ māñjiṣṭhaṃ raktapītakam |
kāpilaṃ haritālābhaṃ kāpotamalivarṇakam [kh, gh: mallikādhautavarṇakam] || 93 ||

3.93 Hell, rohzuckerfarben, kristallzuckerfarben, krappfarben, rot, gelb, gelbbraun, orpimentfarben, taubenfarben und bienenfarben,

kṛṣṇaṃ nīlaṃ ca madhvābhaṃ cāṣābhaṃ [mū, a, k: vāsābhaṃ] bhasmarūpakam |
kiṃśukābhaṃ kusumbhābhamatasīpuṣpasannibham || 94 ||

3.94 schwarz, blau, honigfarben, blaurackenfarben, aschefarben, palashablütenfarben, saflorfarben und leinblütenfarben:

śuddhāṣṭādaśabimbāni saptacitrāṇyatho bruve |
campakābhaṃ ca nīlābhaṃ miśralohitapītakam || 95 ||

3.95 Dies sind die achtzehn einfarbigen Zeichnungen. Nun nenne ich die sieben gemischten, darunter champakafarbene, blaue und vermischt rote und gelbe,

kṛṣṇaṃ [kh: kṛtsnaṃ] nānāvidhaṃ citraṃ yā [mū, a: cānyadā] spadaṃ śīmikā [mū: śīvikā] tathā |
raktaṃ [kh: rūkṣaṃ] ca pāṇḍaraṃ caiva garbhadoṣān vadāmyata [kh: myaham] || 96 ||

3.96 schwarze und mannigfach bunte sowie die weiteren hellen beziehungsweise rauen Zeichnungen. [Ein Teil der Aufzählung ist beschädigt.] Nun erkläre ich die Fehler der inneren Einschlüsse.

matsyaḥ pāṇḍarake bimbe mriyante'jāvikāstataḥ |
guḍavarṇe śilānyā syāttenāvṛṣṭirbhavecciram || 97 ||

3.97 In einer hellen Rundzeichnung wird ein Fisch angenommen; daraus wird der Tod von Ziegen und Schafen vorausgesagt. In einer rohzuckerfarbenen liegt ein fremder Stein, woraus lange Dürre folgen soll.

khaḍgābhe [mū: khaṇḍābhe] sphāṭike vāpi [gh: vāyo] garbhahṛtsvāmihṛcca tat |
mañjiṣṭhābhe bhavedbhekaḥ śasyanāśo jalādbhayam || 98 ||

3.98 Eine kristallzucker- oder kristallartige Zeichnung wird als schädlich für Leibesfrucht und Eigentümer gedeutet. In einer krappfarbenen wird ein Frosch angenommen, der Ernteschaden und Wassergefahr bedeute.

lohite kṛkalāsaḥ syāt sakuṣṭhadhanahānikṛt |
pīte godhā nṛpaṃ hanyāṅṭavāṃ pīḍākarī ca sā || 99 ||

3.99 In einer roten wird eine Eidechse angenommen, verbunden mit Aussatz und Besitzverlust; in einer gelben ein Waran, der den König töten und Kühe schädigen soll.

ākhuḥkapile śotha [kh: so'tha] śvāsataskarabhītikṛt [gh: bhītidaḥ] |
tālābhe karkaṭaḥpittarogadarbhikṣakṛcca saḥ || 100 ||

3.100 In einer gelbbraunen wird eine Maus angenommen, die Schwellungen, Atemnot und Furcht vor Dieben bedeute; in einer orpimentfarbenen ein Krebs, verbunden mit Gallenleiden und Hungersnot.

bhṛṅgābhe ca viṣaṃ tacca viṣako'pi na vṛṣṭikṛt |
jyeṣṭhā kapotakaṇṭhābhe vyādhidāridryabhītidā || 101 ||

3.101 Eine bienenfarbene Zeichnung wird auf Gift und Regenmangel bezogen. In einer taubenhalsfarbenen wird Jyeshtha angenommen, die Krankheit, Armut und Furcht bringe. [Die erste Zuordnung ist sprachlich unsicher.]

kṛṣṇe'hiḥ sa prajā hanti kartuśca kulanāśakṛt [mū, a, k, g, ṅ: nāśanaḥ] |
nīlake makṣikā sā ca hanyādbhāryāṃ saputrakām [kh: saputrikām] || 102 ||

3.102 In einer schwarzen wird eine Schlange angenommen, die die Bevölkerung und das Geschlecht des Auftraggebers vernichte; in einer blauen eine Fliege, die Frau und Kinder töte.

khadyotaḥ kṣaudravarṇe syāt sa dāridryāgnibhītidaḥ |
nṛpakṣī cāṣavarṇe syāttena kartuḥprajākṣayaḥ || 103 ||

3.103 In einer honigfarbenen wird ein Leuchtkäfer angenommen, verbunden mit Armut und Feuergefahr; in einer blaurackenfarbenen ein Vogel, der den Nachkommen des Auftraggebers schade. [Die Vogelbezeichnung ist unsicher.]

bhasmābhe vālukāḥ khaṃ vā naiḥsvaṃ caurabhayaṃ tataḥ |
kiṃśuke śakragopaḥ syāttena rājño dhanakṣayaḥ || 104 ||

3.104 In einer aschefarbenen werden Sand oder Hohlraum angenommen, verbunden mit Besitzlosigkeit und Diebstahlsgefahr; in einer palashafarbenen ein rotes Indragopa-Insekt, das dem König Vermögensverlust bringe.

śatapādī kusumbhābhe bhavettenāmayo mahān |
atasīpuṣpasaṃkāśe garbhe vidyāt pipīlikā || 105 ||

3.105 In einer saflorfarbenen soll sich ein Hundertfüßer befinden und schwere Krankheit bewirken; in einer leinblütenfarbenen soll man eine Ameise im Inneren erkennen.

tayā cintā bhaya śokaḥ śatruvṛddhiśca jāyate |
ityaṣṭādaśa bimbāni kathitānyatra saṃkhyayā || 106 ||

3.106 Daraus sollen Sorge, Furcht, Trauer und das Erstarken von Feinden entstehen. So sind die achtzehn Rundzeichnungen der Reihe nach erläutert.

guḍavarṇātmake bimbe citrite campakābhayā |
bhaveyuḥ kṛmayo garbhe nāśo dehārthayostataḥ || 107 ||

3.107 In einer rohzuckerfarbenen Rundzeichnung mit champakafarbenen Flecken werden Würmer im Inneren angenommen; daraus folge der Verlust von Leib und Besitz.

nīlacitre bhavetkāko gṛdhro [k: mṛgo] vātha kapotakaḥ |
tena rājā ca mantrī ca kārako mriyate kramāt || 108 ||

3.108 In einer blauen Mischzeichnung werden Krähe, Geier oder Taube angenommen; entsprechend sollen König, Minister oder Auftraggeber sterben.

madhvābhe śavale citrī tayā śasyadhanakṣayaḥ |
raktacitre ca śṛṅgī syāttayā śokabhayaṃ muhuḥ [gh: śokakaraṃ bahu] || 109 ||

3.109 In einer honigfarben gefleckten Zeichnung wird ein als Chitri bezeichnetes Tier angenommen, verbunden mit Verlust von Ernte und Besitz; in einer rot gefleckten ein gehörntes Wesen, das wiederholt Trauer und Furcht bringe. [Die Tiernamen sind nicht sicher bestimmt.]

pītacitre pataṅgaḥ syāt sa vai [gh: sarva] svasthānahānidaḥ |
kṛṣṇacitre ca gonāśaḥ so'nekavyādhikāraka || 110 ||

3.110 In einer gelb gefleckten Zeichnung wird ein fliegendes Insekt angenommen, das den Verlust des eigenen Ortes bedeute; in einer schwarz gefleckten eine als Gonasa bezeichnete Schlange, die viele Krankheiten hervorrufe.

vṛściko bahucitresyācchūlarugviṣabhīṃtidaḥ [g: -syādgala-; gh: -sacchūla-] |
saptaitāni tu citrāṇi jñeyāni bāhyalakṣaṇaiḥ || 111 ||

3.111 In einer vielfarbigen Zeichnung wird ein Skorpion angenommen, verbunden mit stechenden Schmerzen und Giftgefahr. Diese sieben gemischten Arten soll man an äußeren Merkmalen erkennen.

bāhyādyadyupa[mū: dyanupa; g: dyastyupa] labdhirno tadā bhrāntaḥ pralepayet |
caturvikārabhedena garbhaṃ vidyātpralepataḥ || 112 ||

3.112 Ist von außen keine sichere Feststellung möglich, bestreiche man den Stein. An den vier Arten der Veränderung durch die Pasten soll man den inneren Einschluss erkennen.

brahmāṇaṃ karavīraṃ ca ṛddhivṛddhisamanvitam |
saurāṣṭrī tālasaṃyuktaṃ [kh: kalasaṃyuktaiḥ] sauvīreṇa [mū, a: saurīreṇa] ca peṣayet [gh: pāvayet] || 113 ||

3.113 Die als Brahmana und Karavira bezeichneten Stoffe, zusammen mit Riddhi und Vriddhi, Saurashtri und Tala, werden mit Sauvira zerrieben. [Mehrere historische Stoffbezeichnungen sind unsicher.]

tena liptā sthitā [mū: sitā] rātrau vāṣpasvedādisaṃyutāḥ |
bhṛṅgāhī kṛṣṇamatsyaṃ vā jñātvā tā doṣadāstyajet || 114 ||

3.114 Wird der so bestrichene Stein nach einer Nacht dampfig oder schweißartig feucht, erschließe man Bienen, Schlangen oder dunkle Fische im Inneren und verwerfe ihn als fehlerhaft.

triphalāśvaghnamāṃsī ca meghakuṣṭha [k: murata] samanvitāḥ |
piṣṭavaivaṃ samabhāgaṃ tu nārī kṣīreṇa lepayet || 115 ||

3.115 Triphala, Ashvaghna, Mamsi, Megha und Kushtha zerreibe man zu gleichen Teilen mit Frauenmilch und bestreiche damit den Stein.

lepācchimiśimāṃ jñātvā [mū: śilāṃ jñātvā; kh: cchimāṃ japtvā] garbhe vidyānmahāviṣam |
tena karturbhavenmṛtyustasmāttāṃ salile kṣipet || 116 ||

3.116 Zeigt sich dadurch die genannte Veränderung [beschädigte Lesung], soll starkes Gift im Inneren angenommen werden. Es bedeute den Tod des Auftraggebers; deshalb werfe man den Stein ins Wasser.

kṣīrapiṣṭaiḥ pralipyāśma kārīṣaviṣagairikaiḥ |
ahorātroṣite raktaṃ tyājyamūrmānvitaṃ ca yat [kh: kurmānvitaṃ yataḥ] || 117 ||

3.117 Man bestreiche den Stein mit in Milch zerriebenem Kuhdungmaterial, Giftstoff und Ocker. Wird er nach einem Tag und einer Nacht rot oder zeigt die genannte Wellen- beziehungsweise Schildkrötenform, sei er zu verwerfen.

piśācāśvaghnavajrāṇi abhayā vaiṣṇavāṅkitāḥ |
tīkṣṇaṃ rudrajaṭāyuktamavikṣīraiḥ prapeṣya ca || 118 ||

3.118 Pishacha, Ashvaghna, Vajra, Abhaya, der als Vaishnava bezeichnete Stoff, Tikshna und Rudrajata werden mit Schafsmilch zerrieben. [Die Stoffnamen werden wegen unsicherer Identifikation beibehalten.]

liptā śiloṣitā paścātpāṇḍarādi pradarśayet |
dvayordvirūpakaṃ garbhe jñātvā prāgdoṣadāṃstyajet || 119 ||

3.119 Zeigt der damit bestrichene und ruhen gelassene Stein helle oder andere Erscheinungen, erkenne man entsprechend die zweifache Innenbeschaffenheit und verwerfe die zuvor als schädlich bestimmten Arten.

chidraṃ cobhayaśchidraṃ [gh: śchidraiḥ] randhrākāraṃ bahirgatam |
kartustatkulahṛnnūnaṃ gurordadyātkṣayāmayam || 120 ||

3.120 Ein Loch, das beide Seiten durchdringt und außen sichtbar wird, soll das Geschlecht des Auftraggebers zerstören und dem Guru eine auszehrende Krankheit bringen.

kīlakaṃ kīlakākāraṃ kāroḥ kartuśca nāśakṛt |
ṭaṅkāghātādbhidākārī [kh: tādbhayā; mū: tābhidhā] sandhiḥ kartṛvināśakaḥ [mū, a: karturvināśakṛt] || 121 ||

3.121 Ein zapfenartiger Einschluss vernichte Handwerker und Auftraggeber; eine Naht, die beim Meißelschlag aufbricht, den Auftraggeber.

śuṣiraṃ śuṣirākāraṃ kartustadvaṃśanāśakam [mū: kṛt] |
sphoṭaṃ [gh: sphāṭaṃ] sphuṭitakaṃ vidyācchastraghātāntadāyakam || 122 ||

3.122 Ein hohlraumartiger Fehler vernichte dessen Geschlecht. Eine Spaltung oder ein Riss wird mit dem Tod durch einen Waffenhieb verbunden.

sūkṣmagarbhai [mū: garte] rasaṅkhyātaiḥ paritaḥpariveṣṭitaḥ |
vyomākāro bhavedvyoma so'cirātkartṛnāśakaḥ || 123 ||

3.123 Ein Stein, der ringsum von unzähligen feinen Hohlräumen durchsetzt ist, heißt Vyoma, „Leere“; er soll den Auftraggeber bald vernichten.

[cāpāntargato'yaṃ pāṭho mūlapustake nāsti] sphaṭikābhā bhavedgārā [k, kh: ddārā] taṅkabhaṅgakarī ca sā |
tayā kartṛprajānāśaḥ śīghrameva na saṃśayaḥ || 124 ||

3.124 Die als Gara bezeichnete, kristallartige Struktur zerbricht den Meißel. Sie soll rasch den Untergang des Auftraggebers und seiner Nachkommen bewirken. [Dieser Vers fehlt laut Apparat in der Grundhandschrift.]

bhūrjatbagupamo'śmā [mū, a, g: moṣmā] yaḥpaṭalīti sa kīrtitaḥ |
tena kuryānna liṅgāni kṛte ca dvau vinaśyataḥ || 125 ||

3.125 Ein Stein, der Birkenrinde ähnelt, heißt geschichtet. Daraus soll man keine Lingas fertigen; geschieht es doch, gehen beide Beteiligten zugrunde.

jālakaṃ ṣaṭprakāraṃ syānmadhukoṣapuṭomam |
pītaṃ sitaṃ tathā kṛṣṇaṃ raktaṃ nīlaṃ ca miśrakam || 126 ||

3.126 Die Netzstruktur gleicht einer Honigwabe und ist sechsfach: gelb, weiß, schwarz, rot, blau oder gemischt.

nāśaino bandhadaścaiva bhāryāputrārthahṛtkramāt |
navatyardhaṃ mahādoṣā bhedabhinno iti smṛtāḥ || 127 ||

3.127 Diese bewirken der Reihe nach Vernichtung, Fesselung sowie Verlust von Frau, Sohn und Besitz. Insgesamt werden fünfundvierzig Unterarten der großen Fehler angegeben. [Eine Wirkung ist in der Folge nicht gesondert benannt.]

madhyadoṣān pravakṣyāmi nāmnā ṣoḍaśadhā sthitān |
brahmopendravibhāgasthāṃstridhā liṅgeṣvadoṣadān [mū: liṅgeṣu doṣadān] || 128 ||

3.128 Nun werde ich die sechzehn namentlichen mittleren Fehler erläutern. Im Brahma- oder Vishnu-Anteil der dreifachen Lingas gelten sie als weniger beziehungsweise nicht schädlich; eine Variante erklärt auch dort Schaden.

rudrabhāgāśritān duṣṭāṃstyajettānaśubhapradān |
śirā [śirāśabdo'yaṃ tālavyo dantyaścetyūṣmabhede] granthituṣāraiśca vimalaṃ dadu bindubhiḥ || 129 ||

3.129 Liegen sie im Rudra-Anteil, soll man die verderblichen, ungünstigen Steine verwerfen. Genannt werden Adern, Knoten, reifartige Punkte, Verunreinigungen, flechtenartige Flecken und Punkte,

chinnarekhā kurekhā ca makṣikāvarta [gh: varti] hīrakau [k, kh: hīrakaiḥ; gh: hīnakaiḥ] |
viḍālāśvoṣṭragomāyukākapādāṅkitāṃstyajet || 130 ||

3.130 unterbrochene und ungünstige Linien, fliegenartige Zeichen, Wirbel, aderartige Einschlüsse sowie Zeichen von Katzen-, Pferde-, Kamel-, Schakal- und Krähenfüßen.

yā vivarṇalatākārā sā śilā bahudoṣadā |
granthirūponnatagranthirjaṭharāmayadāyaka || 131 ||

3.131 Eine andersfarbige, rankenartige Ader bringt viele Fehler. Ein erhöhter, knotenartiger Knoten wird als Ursache von Bauchleiden angesehen.

padmapatrasthapānīyakaṇikāsadṛśaṃ tu yat |
tuṣāraṃ tadvijānīyā putraśokārtidāyakam [kh, gh: kārakam] || 132 ||

3.132 Was wie kleine Wasserperlen auf einem Lotusblatt aussieht, heißt Reif; es soll Trauer um einen Sohn und Leid bringen.

caturdhā vai malaṃrūpa mīnagandhopalakṣitam |
hemaghoṣāmayaṃ tāmra tadduṣṭaṃ piṅgalāmate || 133 ||

3.133 Vier Arten von Verunreinigung werden an einem fischartigen Geruch erkannt: gold-, bronze-, eisen- und kupferartige Einschlüsse. Nach dem Pingalamata gelten sie als fehlerhaft.

durbhikṣāvṛṣṭidaṃ haimaṃ ghoṣaṃ kartṛvināśakam [kh, gh: śadam] |
janaṃ hantyāyasākrāntā śilā tāmī ca [gh: tāmrācca] śilpinam || 134 ||

3.134 Goldartiges soll Hungersnot und Dürre bringen, bronzeartiges den Auftraggeber vernichten; eisenhaltiger Stein schade der Bevölkerung, kupferhaltiger dem Handwerker.

mṛdī vṛttā ca dhūmrābhā dadruḥ syādatirogadā |
kṛṣṇaḥ pīto'ruṇo binduḥ sa śokabhayarogadaḥ || 135 ||

3.135 Ein weicher, runder, rauchfarbener Fleck heißt Dadru und gilt als stark krankheitsbringend. Ein schwarzer, gelber oder roter Punkt wird mit Trauer, Furcht und Krankheit verbunden.

mūrdhni bindau site mṛtyūrakte pāpa bhaveddhruvam |
pīte dhanakṣayaḥ kartuḥ kṛṣṇe bandho dvayordvidhā || 136 ||

3.136 Ein weißer Punkt am Haupt bedeute Tod, ein roter Verfehlung, ein gelber Besitzverlust des Auftraggebers, ein schwarzer Gefangenschaft; gemischte Farben ergeben entsprechende Verbindungen.

sthūlātidurbalā rūkṣā rekhāhikuṭilā ca yā |
rekhā rekhānubiddhā vā [mū, a, k: ca] pārthivaṃ sā vināśayet || 137 ||

3.137 Eine dicke, sehr schwache, raue oder schlangenartig gekrümmte Linie sowie eine von einer anderen Linie durchschnittene soll den König vernichten.

bhāryāghnī chinnarekhā syād dvitricchinnā sutārthahṛt |
svāmidhnī ca catuśchinnā bahucchinnā kulāntakṛt || 138 ||

3.138 Eine unterbrochene Linie schade der Frau; zwei- oder dreifache Unterbrechung zerstöre Kinder und Besitz, vierfache den Herrn, vielfache das ganze Geschlecht.

dhūmrāṃ nīlāsitā rekhā duḥkhadurbhikṣarogakṛt |
makṣikā makṣikākārā tayā kuṣṭhaṃ sudāruṇam || 139 ||

3.139 Rauchfarbene, blaue und schwarze Linien werden mit Leid, Hungersnot und Krankheit verbunden. Ein fliegenförmiger Fleck soll schweren Aussatz hervorrufen.

āvartaṃ iva cāvarto rudradeśe tu [kh: raṃśeṣu] cetsthitaḥ [mū, a: cotthita] |
tadā nānā gadān kuryāt kartuścaiva na saṃśayaḥ || 140 ||

3.140 Ein wirbelartiger Wirbel im Rudra-Anteil soll dem Auftraggeber verschiedene Krankheiten bringen.

nānā sthāneṣu vāmāṅga āvarto yadi dṛśyate |
tyājyaṃ tadā tridhā liṅgaṃ nṛparāṣṭraprajārthinā || 141 ||

3.141 Wenn an verschiedenen Stellen auf der linken Seite ein Wirbel sichtbar ist, soll jemand, der das Wohl von König, Land und Bevölkerung wünscht, alle drei betreffenden Linga-Formen verwerfen.

lakṣaṇasya tu madhyastha āvarto yadi dṛśyate [kh, gh: jāyate] |
vāmapārśvāśritaḥ kiṃciddhanyādrāṣṭraṃ sarājakam || 142 ||

3.142 Ein Wirbel in der Mitte des Zeichens, etwas zur linken Seite hin, soll das Land mitsamt seinem König schädigen.

raktāṅgī pītahīrā [gh: hīnā] yā sā durbhikṣagadapradā [gh: bhayapradā] |
sarvavarṇā bhṛśaṃ [kh, gh: daśa] nūnaṃ prāṇahṛtkṛṣṇahīrikā || 143 ||

3.143 Ein rötlicher Stein mit gelben Adern bringe Hungersnot und Krankheit. Schwarze Adern in verschiedenfarbigem Stein gelten als lebensbedrohend. [Die Bezeichnung der Adern ist unsicher.]

caturbhiḥ sandhibhiryuktā [mū: pañcabhi-; gh: -muktā] nakhaiḥ pañcabhiragrataḥ |
unnato lakṣyate yaśca [mū: yatra] viḍālāṅghriḥ sa doṣabhāk [kh: kṛt] || 144 ||

3.144 Eine erhabene Form mit vier Gelenkstellen und fünf vorderen Krallen wird als Katzenfuß bezeichnet und gilt als fehlerhaft.

hayoṣṭrajambukadhvāṅkṣapadakākrāntapaṅkavat |
śilāyā rūpamālakṣya tyajettāmaśubhapradām || 145 ||

3.145 Sieht die Steinzeichnung aus wie Schlamm, in den Pferde-, Kamel-, Schakal- oder Krähenfüße getreten sind, soll man den Stein als ungünstig verwerfen.

madhyadoṣāstrayoviṃśadbhedairuktā ime mayā |
svalpadoṣān prakṣyāmi yathā śāstreṣu bhāṣitān || 146 ||

3.146 Diese mittleren Fehler sind in dreiundzwanzig Unterarten erklärt. Nun werde ich die kleinen Fehler erläutern, wie sie in den Schriften gelehrt werden.

tyājyā śilānyasaṃśliṣṭā śliṣṭā yā pādapāṅghriṇā |
valmīkoṣaracityutthā koṣṇā kṣārāmbumadhyagā || 147 ||

3.147 Man meide Stein, der mit anderem Stein verwachsen, mit Baumwurzeln verbunden, aus Termitenhügeln, salzigem Ödland oder Verbrennungsstätten entstanden, lauwarm oder von salzigem Wasser umgeben ist,

apuṇyakṣetrasaṃjātā bhillādijanasevitā |
kudiksthā sūryasantaptā kadutthāmethyadūṣitā [k, g: bhūṣitā] || 148 ||

3.148 ferner aus unheiligen Gegenden stammenden, von Bhillas und anderen Gruppen benutzten, in einer ungünstigen Richtung liegenden, von der Sonne überhitzten und durch Unreines verunreinigten Stein. [Ein Herkunftsbegriff ist beschädigt.]

kugandhā kurasā caiva tathā vajrāgnidūṣitā |
duṣṭajīvasvarā yā ca yojitā nānyakarmaṇi || 149 ||

3.149 Auch übelriechender, schlecht schmeckender, durch Blitz oder Feuer geschädigter, wie ein ungünstiges Tier klingender oder schon für eine andere Arbeit verwendeter Stein wird ausgeschlossen.

cāṇḍālī cāntyajā caiva āsāṃ lakṣaṇamucyate |
yā yopalānulagnā sā snehavicchittikārikāḥ [mū, a: kāraṇam] || 150 ||

3.150 Hinzu kommen die als „Chandali“ und „Antyaja“ bezeichneten Steine; ihre Merkmale werden nun genannt. Ein mit anderem Stein verwachsener Stein soll die Verbundenheit zwischen Menschen zerstören.

adhvadā tarumūlasthā valmīkasthā raṇapradā |
ūṣarasthārthahṛjjñeyā citisthā duḥkhadāyinī || 151 ||

3.151 Ein unter Baumwurzeln liegender soll weite Wege beziehungsweise Fremde bringen, einer aus einem Termitenhügel Kampf, einer aus Ödland Besitzverlust, einer aus einer Verbrennungsstätte Leid.

koṣṇā vidveṣakṛtkṣāra [k, g: vora] vāristhā darbhagatvadā [k, g: durbhagaṃ dadā] |
pāṣadāpuṇyadeśasthā vadhakṛdbhilla [kh: liṅga] sevitā || 152 ||

3.152 Ein lauwarmer Stein erzeuge Zwietracht, einer aus salzigem Wasser Unglück, einer aus unheiligem Land Verfehlung und einer, den Bhillas benutzen, Tötung. [Diese Zuordnungen geben die historischen Wertungen des Textes wieder.]

hutāśayamarakṣo'mbumaruddiksthā yathākramam |
dāhaṃ hāniṃ ca śokaṃ ca naiḥsvaṃ rogaṃ tathāvahet || 153 ||

3.153 Die Richtungen von Feuer, Yama, Rakshasa, Wasser und Wind – Südosten, Süden, Südwesten, Westen und Nordwesten – werden der Reihe nach mit Brand, Verlust, Trauer, Besitzlosigkeit und Krankheit verbunden.

tejohṛtsūyataptā syādaputrādharmakṛtsadā [gh: putrāddhūtāhṛtsadā] |
surāpakṣivasāgandhā udvegajananī śilā || 154 ||

3.154 Ein sonnenverbrannter Stein raube Ausstrahlung; die folgende Aussage über Kinder und Unrecht ist beschädigt. Ein nach Alkohol, Vögeln oder Fett riechender Stein bringe Beunruhigung.

lavaṇā kaṭukā yā ca sā kṣadhātṛptikāriṇī |
vajradagdhāgnidagdhā ca rājño'nalabhayapradā || 155 ||

3.155 Salziger oder scharfer Geschmack wird mit Hunger und fehlender Sättigung verbunden. Von Blitz oder Feuer verbrannter Stein bringe dem König Feuergefahr.

bhinnabhāṇḍoṣṭra [k: bhāṇḍaja] kākahva [mū: kākāṅga] kaṅkapādātirogadā [gh: kaṅkaṇā-] |
anyakarmārthamānītonmādāniṣpattikāriṇī || 156 ||

3.156 Klang wie ein zerbrochenes Gefäß oder wie Kamel, Krähe und Reiher wird mit Krankheit verbunden. Ein für einen anderen Zweck herbeigeschaffter Stein bringe Verwirrung und verhindere das Gelingen. [Die Klangliste ist teilweise beschädigt.]

nistejā bahu [ga: baka] baṇā yā laghuravyaktavarṇinī |
antyajā sā śilā jñeyā dvijādīnāṃ vigarhitā [gh: tu garhitā] || 157 ||

3.157 Ein glanzloser, vielfarbiger, leichter Stein mit undeutlicher Färbung gilt als Antyaja und wird für die Stände von den Brahmanen an verworfen.

dhūmrā [kh: pūjyā] nīlā ca rakṣā yā sthūlaromā manoramā |
nāna varṇā ca cāṇḍalī sā kartuḥ [kh: māna] kulanāśinī || 158 ||

3.158 Ein rauchfarbener, blauer, rauer, grob behaart erscheinender und vielfarbiger Stein heißt Chandali und soll das Geschlecht des Auftraggebers vernichten. [Die Oberflächenbeschreibung enthält eine unpassende beziehungsweise beschädigte Lesung.]

laghudoṣānvitā grāhyā mantrasaṃskārasaskṛtā |
prākṛtānāṃ hitārthāya kāmaṃ muktyarthināṃ nṛṇām || 159 ||

3.159 Stein mit nur geringfügigen Fehlern kann nach Läuterung durch Mantra-Samskaras angenommen werden, zum Wohl gewöhnlicher Menschen und gegebenenfalls der nach Befreiung Strebenden.

antyajā cāntyajānāṃ tu cāṇḍālānāṃ hitāvahā [mū, a, gh: svakā] |
svalpadoṣā ime khyātā viṃśatirlakṣabhedataḥ || 160 ||

3.160 Ein als Antyaja bezeichneter Stein wird dagegen für die entsprechenden ausgegrenzten Gruppen als passend beziehungsweise günstig bezeichnet. Damit sind die kleinen Fehler in zwanzig Arten erklärt.

varṇajātivayo rekhā lāñchanāni ca maṇḍalam |
([copāntargato'yaṃ, k, kh, g pustakeṣu nāsti] jñaya sadbhūmibhūtasya pāṣāṇasya drumasya ca || 161 ||

3.161 Farbe, Klasse, Alter, Linien, Zeichen und Rundzeichnungen sind bei einem aus gutem Boden gewonnenen Stein oder Baum zu erkennen.

alpavarṇā śilā yā syādanyavarṇasya kalpyate |
) tajja tīśena mantreṇa tajjātijananaṃ bhavet || 162 ||

3.162 Ein Stein mit schwach ausgeprägter Farbe kann einer anderen Farbklasse zugeordnet werden. Durch den Mantra des Herrn dieser Klasse soll die entsprechende Zugehörigkeit hervorgerufen werden.

yathābhimatamānena liṅgādyarthaṃ śilāṃ drumam |
lāñcha yatvā yathānyāyaṃ kartayecchodhayedapi || 163 ||

3.163 Man kennzeichne Stein oder Holz für Linga und andere Bilder nach dem gewünschten Maß und lasse sie ordnungsgemäß zuschneiden und reinigen.

yadvarṇaṃ yanmayaṃ liṅgaṃ tanmayaṃ pīṭhamiṣyate |
piṇḍikāsahitaṃ tacca viṣṇubhāgāntamunnatam || 164 ||

3.164 Welche Farbe und welches Material das Linga besitzt, daraus soll auch der Sockel bestehen. Das mit seinem Sockel verbundene Ganze wird bis zum Ende des Vishnu-Anteils in seiner Höhe bestimmt. [Der genaue Maßbezug ist unklar.]

liṅgāyāmena vistīrṇaṃ vartulābhi [mū, a, k, ṅ: vartanābhi] ralaṅkṛtam |
ekakhaṇḍaiva kartavyā piṇḍikā vai śivasya tu || 165 ||

3.165 Der Shiva-Sockel soll in seiner Breite der Linga-Länge entsprechen, mit Rundungen gestaltet sein und aus einem einzigen Stück bestehen.

brahmapīṭhaṃ bahudalaṃ [k, g: ca sadalaṃ] kāryamekadalaṃ tathā |
praṇālamaindrasaumye vā jalādhāramadhastathā || 166 ||

3.166 Das Brahma-Pitha kann mit vielen Blättern oder mit einem Blatt gestaltet werden. Der Wasserablauf liegt im Osten oder Norden, darunter der Wasserbehälter.

lāñchayitvā śilāmādau piṇḍikārthaṃ samāharet |
anyakṣetrādapi grāhyā piṇḍikā liṅgavarṇikā |
na tu brahmaśilā prājñairiti śāstreṣu [k, g: tantreṣu] bhāṣitam || 167 ||

3.167 Den Stein für den Sockel bezeichne und beschaffe man zuerst. Der Sockel darf auch aus einem anderen Gebiet stammen, sofern er dieselbe Farbe wie das Linga besitzt; für die Brahmashila gilt diese Erlaubnis nach den Schriften nicht.

liṅgamūlāvaśiṣṭā tu grāhyā brahmaśilā śubhā |
liṅgachedordhvabhāgasthā tathādho [mū, a, k: tadadho] bhāgagāpi vā || 168 ||

3.168 Als günstige Brahmashila nehme man den Stein, der beim Grundteil des Linga übrigbleibt, oder einen entsprechenden Abschnitt oberhalb beziehungsweise unterhalb des herausgeschnittenen Linga.

liṅgasya sā tribhāgena caturthāṃśena vā bhavet |
ucchrāyena tu liṅgānāmekakhaṇḍo vidhīyate || 169 ||

3.169 Sie soll ein Drittel oder ein Viertel des Linga-Maßes betragen; für ihre Höhe wird ein zusammenhängendes Stück bestimmt. [Die Bezugsrichtung des ersten Maßes ist nicht eindeutig.]

hastamātrasya liṅgasya niḥsārā dvyaṅgulādhikā |
anyeṣāmapi liṅgānāṃ krameṇaikāṅgulādhilā [gh: -ṇaiva-] || 170 ||

3.170 Bei einem eine Elle hohen Linga ragt sie zwei Fingerbreiten darüber hinaus; bei den weiteren Größen wächst der Überstand jeweils um eine Fingerbreite.

yadvā karṇāyataṃ sūtraṃ brahmabhāgasya madhyataḥ |
taccaturthena bhāgena liṅgavistarato'dhikā |
athavā sā rāsāṃśena brahmāṃśo [mū, a, k, g: ca sāṃśena brahmaṇo] 'dhikavistarā |
([cāpāntargatoyaṃ pāṭhaḥ k, g pustakayornāsti] svamānānmekhalā tasyāḥ khātaṃ vā tatpramāṇataḥ || 171 ||

3.171 Alternativ lege man eine Diagonalschnur durch die Mitte des Brahma-Anteils und erweitere die Breite um ein Viertel dieses Maßes; eine weitere Variante nennt ein Sechstel. Rand und Vertiefung folgen den eigenen Maßen. [Der Absatz enthält eine gestörte Verszählung; die erwartete Ziffer 172 fehlt.]

padabhāgo'pi tulyaśca svatalaśca praśasyate |
brahmāṃśādadhikaḥ [gh: brahmāṅgā-] khāto yavai ṣaḍbhiḥ pravistaraḥ || 173 ||

3.173 Der Fußanteil sei entsprechend gleich und die Unterseite eben. Die Vertiefung ist gegenüber dem Brahma-Anteil beim größten Maß um sechs Gerstenkornbreiten weiter.

jyeṣṭho'rdhārdhayavairnyūnāstadanyeṣāṃ krameṇa tu |
ratnādhārāṇi tanmadhye vṛttāni nava [mū: na ca] kalpayet || 174 ||

3.174 Bei den nächstkleineren Formen wird dieses Maß jeweils um ein halbes Gerstenkorn vermindert. In der Mitte bilde man neun runde Vertiefungen zur Aufnahme der Edelsteine.

kāryā kūrmaśilā cāpi [mū: vāpi] śuddhā brahmaśilāpi vā [gh: -dhikā] |
) svamānavistarārdhena bāhulyena samanvitā || 175 ||

3.175 Auch eine reine Kurmashila oder Brahmashila ist herzustellen; ihre Stärke entspricht der Hälfte ihrer eigenen Breite. [Der erste Halbvers gehört zu einem in manchen Handschriften fehlenden Einschub.]

api mānādhikā kāryā na mānāddhrāsayedabudhaḥ |
vārkṣī brahmaśilā vārkṣe liṅge syātpiṇḍikā tathā || 176 ||

3.176 Ein Maßüberschuss ist zulässig; ein Unkundiger soll das Maß nicht unterschreiten. Bei einem hölzernen Linga bestehen auch Brahmashila und Sockel aus Holz.

caturasrāṃ śilāṃ kṛtvā candanena vilepya ca |
arcayedastra [gh: cchatra] puṣpādyairānetuṃ mantravittamaḥ || 177 ||

3.177 Der Mantrakundige fertige den Stein viereckig, bestreiche ihn mit Sandelholz und verehre ihn zur bevorstehenden Überführung mit den vorgesehenen Blumen und weiteren Gaben.

pūjayecca śivaṃ sāṅgaṃ tarpayecca prayatnataḥ |
tāpasāñchivabhaktāṃśca tarpayitvānayedratham || 178 ||

3.178 Er verehre Shiva mit seinen Gliedern und sättige ihn sorgfältig. Nachdem er Asketen und Shiva-Verehrer bewirtet hat, lasse er den Wagen herbeibringen.

taṃ rathaṃ mahiṣāñjyeṣṭhān yojayitvā ca daiśikaḥ |
rathe kṛtvā ca deveśaṃ pūjayitvā tamānayet || 179 ||

3.179 Der Lehrer spanne kräftige Büffel vor den Wagen, setze den Herrn der Götter darauf, verehre ihn und lasse ihn herbeiführen.

śāntirdinedine kāryā yāvatprāptaṃ gṛhaṃ bhavet |
yadā rathe rathāṅgānāṃ [mū: ratharathāṅgānāṃ] pramādātskhalitaṃ bhavet || 180 ||

3.180 Bis das Heiligtum erreicht ist, soll täglich eine Befriedung erfolgen. Wenn unterwegs am Wagen oder an seinen Teilen durch ein Missgeschick etwas ins Stocken gerät,

śivāgniṃ janayitvā tu tarpayedbahurūpiṇam |
śatamaṣṭottaraṃ hutvā mucyate sarvaduṣkṛtaiḥ || 181 ||

3.181 entzünde man das Shiva-Feuer und sättige Bahurupa. Durch einhundertacht Opfergaben soll man von allen daraus entstandenen Fehlern frei werden.

śivaṃ dhyātvā smaredastramardhaṃ liṅge samutkṣipet |
rathaṃ mārgagataṃ kṛtvā śanaiḥ svapuramānayet || 182 ||

3.182 Man meditiere über Shiva, vergegenwärtige das Astra-Mantra und bringe Arghya am Linga dar. Dann führe man den Wagen auf den Weg und bringe ihn langsam in den eigenen Ort.

samīpaṃ yajamānastu pratyudgamya [k, kh: pratyaṅgasya] samarcayet |
śobhāṃ dhvajapatākādyaiḥ strībhirmaṅgalagītakaiḥ || 183 ||

3.183 Der Auftraggeber gehe ihm entgegen und verehre ihn. Er lasse den Weg mit Bannern und Wimpeln schmücken und glückverheißende Gesänge von Frauen erklingen.

kārayitvā dvijān svastivācayitvā tamānayet |
prāsādasyottare pārśve karmakuryānnivedayet || 184 ||

3.184 Nachdem er Brahmanen Segensworte sprechen ließ, führe er ihn heran. An der Nordseite des Tempels soll die Arbeit ausgeführt und das Vorhaben angemeldet werden.

prāsādottaradigbhāge kanyasādivibhāgataḥ |
pañcasaptaikādaśabhiḥ karaiḥ karmakuṭī matā || 185 ||

3.185 Nördlich des Tempels wird die Werkhütte je nach kleiner, mittlerer oder großer Ausführung mit fünf, sieben oder elf Ellen bemessen.

anyadiksaṃsthitā bhadrā gṛhītā vidhinā śilā |
prāsādottaradiggarte kṣiptvā tāṃ pūrayenmṛdā || 186 ||

3.186 Ein guter Stein, der vorschriftsgemäß aus einer anderen Richtung gewonnen wurde, wird in eine Grube nördlich des Tempels gelegt und mit Erde bedeckt.

tasyopari śivaṃ ceṣṭvā vāruṇyāṃ diśi saṃsthitaḥ |
tarpayedastrarājaṃ ca mahāpāśupataṃ ca yat || 187 ||

3.187 Darüber verehre man Shiva, wobei man im Westen steht, und sättige den König der Waffenmantras, den großen Pashupata.

śatamaṣṭottaraṃ hutvā dadyātpūrṇāhutiṃ punaḥ |
evaṃ santarpite hyastre [k, g: jyeṣṭhe] digdoṣairmucyate śilā || 188 ||

3.188 Nach einhundertacht Opfergaben gebe man eine volle Abschlussgabe. Ist das Waffenmantra auf diese Weise gesättigt, wird der Stein von Richtungsfehlern frei.

ākṛṣṭasyāpi [mū, a: ākṛṣṇāṃ-] yasyārthaṃ jñāyate na śiromukham |
tasya liṅgasya sadvipraḥ kanyā śilpī ca pūjitā || 189 ||

3.189 Wenn bei einem bereits herbeigeschafften Stein nicht erkennbar ist, wo Haupt und Gesicht liegen, ehre man einen geeigneten Brahmanen, ein Mädchen und einen Handwerker.

eko'pi yadviśedaṅgaṃ [mū: yaddiśe-] spṛṣṭvā tacca śiromukham |
dhruvaṃ kartavyamityāha bhagavān parameśvaraḥ || 190 ||

3.190 Welche Stelle einer von ihnen berührt oder als solche bezeichnet, die soll als Haupt beziehungsweise Gesicht festgelegt werden: So spricht der erhabene höchste Herr.

anyakarmopayuktā ca saṃskṛtā yena kenacit |
śilāṃ tāṃ varjayedyatnānnaśastā liṅgakarmaṇi || 191 ||

3.191 Ein Stein, der bereits für eine andere Arbeit verwendet oder von irgendjemandem entsprechend bearbeitet wurde, ist sorgfältig zu meiden; er gilt nicht als geeignet für ein Linga.

piṇḍikādidalaṃ sarva vṛṣabhaṃ ca yathāvidhi |
evaṃ dārumayaṃ cāpi [mū, a, k, kh: vāpi] liṅgādidravyamānayet || 192 ||

3.192 So beschaffe man vorschriftsgemäß sämtliche Teile des Sockels und die Stierfigur; entsprechend bringe man auch das Holzmaterial für Linga und die weiteren Bestandteile herbei.

lakṣaṇāḍhyālpadoṣāyāḥ saṃskāre kathyate vidhiḥ |
prāguktareśakāṣṭhāsu śilāṃ nyasya kvacinmate || 193 ||

3.193 Nun wird die Läuterung eines Steins beschrieben, der gute Merkmale und nur geringe Fehler besitzt. Nach einer Überlieferung legt man ihn in eine der zuvor genannten östlichen, nördlichen oder nordöstlichen Richtungen.

ghoramantraśataṃ [mū, a, kh, ṅ: mantreṇa] hutvā ṣaḍaṅgāntaṃ yajeddharam |
athavā mṛtyujetāraṃ vidyāṅgaiḥ [g: vidyāhvaiḥ] ṣaḍbhiranvitam || 194 ||

3.194 Man opfere hundertmal mit dem Aghora-Mantra und verehre Hara mit den sechs Angas; alternativ den Todüberwinder mit seinen sechs Vidya-Gliedern.

itthaṃ muñcantyamī doṣāḥ śirovaktrādimauḍhyajāḥ |
ityanena vidhānena gṛhītvā dāru vāśma [k, kh: raśma] vā || 195 ||

3.195 Auf diese Weise werden Fehler aufgehoben, die aus Unklarheit über Haupt, Gesicht und weitere Zuordnungen entstehen. Nachdem Holz oder Stein so gewonnen wurden,

śobhane divase samyaṅmaṅgale sakale kṛte |
liṅgaṃ gurvājñyā kuryāttridhā mānopalakṣitam || 196 ||

3.196 soll an einem günstigen Tag, wenn alle glückverheißenden Vorbereitungen getroffen sind, nach Anweisung des Guru das Linga in einer der drei Gestaltweisen und mit den vorgeschriebenen Maßen gefertigt werden.

iti lakṣaṇasamuccaye dāruśilāgrahaṇaṃ nāma tṛtīyo vidhiḥ || 3 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 3. Ritualabschnitt über „Gewinnung von Holz und Stein“.

Kapitel 4: Merkmale des ungegliederten Linga

atha caturthaḥ

Nun folgt der 4. Ritualabschnitt.

liṅgamānaṃ pravakṣyāmi caturbhedātmakaṃ bhavet |
caturaṅgulamānena [mū, a, kh, g, gh, ṅ: calamaṅgula-] dvāragarbhakaraiḥ sthitam || 1 ||

4.1 Ich werde die vierfache Bemessung des Linga erklären: nach Fingerbreiten, nach dem Tor, nach dem inneren Heiligtum und nach Ellen.

bhānūsrairjālagairaṣṭa [mū, a, k, kh: bhānūsre jālage'ṣṭābhī] reṇubhiḥ syādaṇurbhṛśam |
keśāgralikṣāyūkābhyāṃ [mū: yūkānāṃ] kramādaṣṭāṣṭabhiryavaḥ || 2 ||

4.2 Acht im Sonnenstrahl am Fenster sichtbare Staubteilchen bilden eine feine Einheit; über Haarspitze, Nisse und Laus gelangt man in jeweils achtfachen Abstufungen zum Gerstenkorn. [Die erste Einheitenfolge ist textlich uneben.]

tuṣahīnairyavaiḥ śreṣṭhairmṛdi sikthe'thavā sthitaiḥ |
tiryak samodaraiḥ proktaṃ mānārthaṃ pārameśvare || 3 ||

4.3 Für die Messung nehme man gute, enthülste Gerstenkörner, die in Erde oder Wachs quer und mit gleichmäßigem Mittelteil nebeneinanderliegen: So lehrt es das Parameshvara.

yavairaṣṭarṣiṣaṭsaṃkhyairjyeṣṭādi tryaṅgulaṃ bhavet |
kalāgolakanetrāṅka [gh: netrāhva] mātrābhirdvyaṅgalaṃ smṛtam || 4 ||

4.4 Acht, sieben beziehungsweise sechs Gerstenkörner ergeben die große, mittlere beziehungsweise kleine Fingerbreite. Zwei Fingerbreiten werden mit den Maßnamen Kala, Golaka, Netra und Matra bezeichnet. [Die Namenfolge ist nicht eindeutig getrennt.]

caturaṅgulakaṃ dharmaḥ śaktyākhyaṃ ca ṣaḍaṅgulam |
ardhahastaṃ vitastiṃ ca tālaṃ ca dvādaśāṅgulam || 5 ||

4.5 Vier Fingerbreiten heißen Dharma, sechs Shakti. Eine halbe Elle, eine Spanne und ein Tala entsprechen zwölf Fingerbreiten.

dvitālakaṃ karaṃ vidyātkareṇa svecchayā kriyā |
liṅgadhāmāsanādīnāṃ sarvakarmavidhau matā || 6 ||

4.6 Zwei Tala bilden eine Elle. Mit diesem Ellenmaß werden die Ausführungen von Linga, Heiligtum, Sitz und den weiteren Bestandteilen bestimmt.

aṅgulādgṛhaliṅgaṃ syādyāvat pañcadaśāṅgulam |
dvāramānāttrisaṃkhyākaṃ navadhā garbhamānataḥ || 7 ||

4.7 Das Haus-Linga reicht von einer bis fünfzehn Fingerbreiten. Aus dem Tormaß ergeben sich drei, aus dem Innenraummaß neun Größen.

navadhā karamānena liṅga dhāgni prapūjayet |
evaṃ liṅgāni ṣaṭtriṃśajjñeyāni jyeṣṭhamānataḥ || 8 ||

4.8 Auch nach dem Ellenmaß gibt es neun Größen für die Linga-Verehrung im Heiligtum. Zusammen ergeben sich nach der großen Maßeinheit sechsunddreißig Lingas.

madhyamānena ṣaṭtriṃśat ṣaṭtriṃśadadhamena ca |
eṣāmaikyena liṅgānāṃ śatamaṣṭottaraṃ bhavet || 9 ||

4.9 Ebenso gibt es sechsunddreißig nach der mittleren und sechsunddreißig nach der kleinen Maßeinheit: zusammen einhundertacht.

eṣāṃ pramāṇabhedena sāmānyena trirūpiṇām |
yāni yāni ca nāmāni tāni tāni pṛthagbruve [kh: bhavet] || 10 ||

4.10 Die jeweiligen Namen dieser nach Größe unterschiedenen, grundsätzlich dreigestaltigen Lingas werde ich einzeln nennen.

bhūmyambvagnyanilākāśaṃ digambarasarūpakam [k: svarūpakam] |
sparśaśabdeśvaro nāsā jihvākṣitvakśrutīśvarāḥ || 11 ||

4.11 Die Herren von Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Richtung, Gestalt, Berührung und Klang sowie die Herren von Nase, Zunge, Auge, Haut und Ohr werden genannt. [Die Trennung einiger Namen ist unsicher.]

uttamāṅgula [ṅguli lipu.] liṅgānāṃ vidyātpañcadaśaiva tu |
vacanagrahaṇotsargānandapragamaneśvarāḥ || 12 ||

4.12 Dies sind die fünfzehn Lingas nach der großen Fingerbreite. Es folgen die Herren des Sprechens, Greifens, Ausscheidens, Genießens und Gehens,

vākpāṇipāyuguhyāṅghrimano'dhyahaṅkṛtīśvarān |
prakṛtīśaḥ pumāṃścaiva madhyānāṃ daśa pañca ca || 13 ||

4.13 der Rede, Hände, Ausscheidungsorgane, Geschlechtsorgane und Füße, des Denkens, der Urteilskraft und des Ichbewusstseins sowie Prakritisha und Purusha: die fünfzehn der mittleren Maßeinheit.

īśvaro'nantarudrau ca śrīkaṇṭhastriśikhastridṛk |
vidyeśvaraḥ patiḥ sraṣṭā garutmāna sakalo'kalaḥ || 14 ||

4.14 Ishvara, Ananta, Rudra, Shrikantha, Trishikha, Tridrik, Vidyeshvara, Pati, Srashtri, Garutmat, Sakala und Akala,

māyāyogeśvarau śarvau [sarvā li. pu] daśapañcādhameṣu tu |
śāntaścājo [mū: tejo] mahātejā dvārmānāduttamaṃ trayam || 15 ||

4.15 Maya, Yogeshvara und Sharva bilden die fünfzehn der kleinen Einheit. Shanta, Aja und Mahatejas sind die drei großen, aus dem Tormaß bestimmten Formen.

sudhāmā tryambakaḥ [kh: ścādau] śuddho madhyamaṃ dvāratastrikam |
skandaḥ sūkṣmo' [mū: skandhaḥ sūryo] mbikānāthastrayaṃ dvārāttathādhamam || 16 ||

4.16 Sudhaman, Tryambaka und Shuddha sind die drei mittleren nach dem Tormaß; Skanda, Sukshma und Ambikanatha die drei kleinen.

caṇḍeśo'tha [mū, g: caṇḍīśo] kapālīśaḥ khaḍgī pāśī dhvajī gadī |
bhujaṅgī vṛṣabhī siṃhī uttamā nava garbhajāḥ || 17 ||

4.17 Chandesha, Kapalisha, Khadgin, Pashin, Dhvajin, Gadin, Bhujangin, Vrishabhin und Simhin sind die neun großen, aus dem Innenraum bestimmten Formen.

([cāpacintānhargato'yaṃ ślokaḥ mūlapustake nāsti] balī śaktī harī raṇī śmaśānī bhairavī tathā |
piṅgī krodhī ca māyī ca madhyamā nava garbhajāḥ || 18 ||)

4.18 Balin, Shaktin, Harin, Ranin, Shmashanin, Bhairavin, Pingin, Krodhin und Mayin sind die neun mittleren nach dem Innenraummaß. [Der eingeklammerte Vers fehlt in der Grundhandschrift.]

agraścāgraḥ pinākī ca cakrī nādī mahābratī |
vyāpī śūlī viśālī [g: kirātī] cetthadhamā nava garbhajāḥ [gh: garbhikāḥ] || 19 ||

4.19 Agra, Agra [doppelt überlieferter Name], Pinakin, Chakrin, Nadin, Mahavratin, Vyapin, Shulin und Vishalin sind die neun kleinen nach dem Innenraummaß.

avyaktaḥ puṃścalīśaśca niyāmako'tha kālajit |
sarvajño'tha vṛṣadhvajo niyāmaḥ pāpahā [gh: niryāmaḥ pāśahā] dhruvaḥ || 20 ||

4.20 Avyakta, Pumshalisha [unsicherer Name], Niyamaka, Kalajit, Sarvajna, Vrishadhvaja, Niyama, Papaha und Dhruva

hasteṣūttmamānena navaliṅgeṣu devatāḥ |
śambhuḥ sthāṇurharo ḍiṇḍī hartā kartā śivo'vyayaḥ || 21 ||

4.21 sind die Gottheiten der neun Lingas nach dem großen Ellenmaß. Shambhu, Sthanu, Hara, Dindin, Hartri, Kartri, Shiva und Avyaya,

navamaśca sureśākhyo madhyamā haratamānataḥ |
bhadro'tha vimalo jyeṣṭho gāṇḍīvaḥ puṣṭivardhanaḥ || 22 ||

4.22 dazu als neunter Suresha, gehören zum mittleren Ellenmaß. Bhadra, Vimala, Jyeshtha, Gandiva und Pushtivardhana,

svayaṃbhūrbhuvaneśaśca śreṣṭhaḥ pālayitā tathā |
navaite hastamānena tvadhamāḥ parikīrtitāḥ || 23 ||

4.23 Svayambhu, Bhuvanesha, Shreshtha und Palayitri heißen die neun nach dem kleinen Ellenmaß.

ekāṅgulādipañcāntamadhamaṃ [gh: ntaṃ kanyasaṃ] calamucyate |
ṣaḍādidaśaparyantaṃ calaliṅgaṃ ca madhyamam || 24 ||

4.24 Ein bewegliches Linga von einer bis fünf Fingerbreiten gilt als klein, eines von sechs bis zehn als mittelgroß.

ekādaśāṅgulādi syāt kramātpañcadaśāntikam |
śreṣṭhaliṅgapramāṇaṃ tajjyeṣṭhādyaṅgulilakṣitam || 25 ||

4.25 Von elf bis fünfzehn Fingerbreiten reicht die vorzügliche Größe, jeweils gemessen nach der großen oder den weiteren Fingerbreiten.

ṣaḍaṅagulaṃ mahāratnairanyaratnairnavāṅgalam |
ravibhirhematārotthaṃ liṅgaṃ śeṣai [mū, a, k: śeṣairanyai] stripañcabhiḥ || 26 ||

4.26 Für kostbare Edelsteine werden sechs, für andere Edelsteine neun, für Gold und Silber zwölf, für die übrigen Stoffe fünfzehn Fingerbreiten genannt.

icchāsiddhiḥ suto dharmaḥ saubhāgyaṃ ca ripukṣayaḥ |
ārogyaṃ rājyasaukhyaṃ ca nṛpaśrījayalokakṛt || 27 ||

4.27 Wunscherfüllung, ein Sohn, Dharma, Glück, Feindvernichtung, Gesundheit, Herrschaftsglück, königlicher Wohlstand, Sieg und die Erlangung einer Welt,

dhairyaṃ tu strīdhanāyuśca liṅgādekāṅgulāditaḥ |
calaliṅgādbhavetkāryaṃ sādhakānāṃ kvacinmate [kh: tsamā] || 28 ||

4.28 Standhaftigkeit, eine Frau, Besitz und Lebensdauer werden den beweglichen Lingas von einer Fingerbreite an zugeordnet. [Die Aufzählung und die Zahl der Größen lassen sich nicht lückenlos aufeinander abbilden.]

ṣoḍaśāṃśaśca vedāstre yugaṃ luptvordhvadeśataḥ |
dvātriṃśatṣoḍaśāṃśāśca koṇayostu vilopayet || 29 ||

4.29 Man teile die viereckige Ausgangsform in sechzehn Teile und nehme oben vier weg; an den Ecken werden Abtragungen nach Zweiunddreißigstel- und Sechzehntelteilungen angegeben. [Die genaue geometrische Zuordnung ist beschädigt.]

catudiveśanātkaṇṭho viṃśatitriyugaistathā |
pārśvābhyāṃ tu viluptābhyāṃ calaliṅgaṃ bhavedvaram [mū, a: ddhru vam] || 30 ||

4.30 Durch das Einziehen der vier Seiten entsteht der Hals; weitere seitliche Abtragungen werden mit zwanzig und zwölf Teilen verbunden. So entsteht das vorzügliche bewegliche Linga. [Die Maße sind nicht sicher rekonstruierbar.]

dhāmno yugartunāgāṃśairdvāraṃ hīnāditaḥ kramāt |
liṅgaṃ dvārocchrayādardhādbhavetpādonataḥ kramāt [mū, a, k, g, ṅ: samāt] || 31 ||

4.31 Das Tor wird nach vier, sechs und acht Teilen des Heiligtums für kleine bis große Ausführungen bemessen. Die Linga-Höhe beträgt die Hälfte, drei Viertel oder die ganze Torhöhe.

garbhārdhenādhamaṃ liṅgaṃ bhūtāṃśaiḥ syāttribhirvaram |
tayormadhye ca sūtrāṇi sapta saṃpādayetsamam || 32 ||

4.32 Das kleine Linga misst die Hälfte des Innenraummaßes, das große drei Fünftel. Dazwischen ziehe man sieben gleichmäßig verteilte Messlinien.

evaṃ syunavasūtrāṇi bhūtasūtraistu madhyamam |
dvyantare rāmarāmaṃ ca liṅgānāṃ dīrghatā nava || 33 ||

4.33 So entstehen neun Linien; die fünfte bestimmt die mittlere Größe. Zu beiden Seiten liegen je drei weitere Abstufungen zwischen den Enden: insgesamt neun Linga-Längen.

hastādvivadhaṃte hasto yāvatsyurnavapāṇayaḥ |
strīya?madhyottamaṃ liṅgaṃ trividhaṃ [k, kh: tridhaiva] trividhātmakam || 34 ||

4.34 Von einer Elle an wächst das Maß jeweils um eine Elle bis auf neun. Kleine, mittlere und große Lingas bilden so jeweils drei Unterarten. [Ein Wort vor „mittlere“ ist beschädigt.]

ekaikaliṅgamadhye ca trīṇi ca [mū, a, k: tu sūtrāṇi trīṇi] pādaśaḥ |
liṅgāni ghaṭayeddhīmān ṣaṭsu vāṣṭāntareṣu vā || 35 ||

4.35 Zwischen den einzelnen Größen ziehe der Kundige weitere Linien in Viertelabständen und gestalte die Lingas entsprechend; auch sechs beziehungsweise acht Zwischenabstände werden genannt. [Der Anschluss der Alternativen ist unsicher.]

sthiradīrghapramaiṣā [mū: sthirā dairghyaprameyā] tu dvāragarbhakarātmikā |
tadekaṃ sthāpayelliṅgaṃ hastātpādajameva vā || 36 ||

4.36 Dies sind die Längenmaße der feststehenden Lingas nach Tor, Innenraum und Elle. Ein solches Linga setze man ein, gegebenenfalls nach einer Unterteilung der Elle in Viertel.

śāntirjīvitamānaṃ ca dvārmānātkramataḥ phalam |
gabhādyaśo'rthaputrastrībhūrjayo'rtho ghṛṣāyuṣī || 37 ||

4.37 Frieden, Leben und Ansehen sind die aufeinanderfolgenden Früchte der Tormaße. Nach den Innenraummaßen werden Ruhm, Besitz, Kinder, Frau, Land, Sieg und weitere Güter einschließlich Lebensdauer genannt. [Die Schlussglieder sind beschädigt.]

muktiḥ puṣṭī ripornāśa āyurjñānaṃ yaśo dhanam |
siddhī rājyaṃ karaiḥ kāryā liṅgādantajāttathā || 38 ||

4.38 Befreiung, Gedeihen, Feindvernichtung, Lebensdauer, Erkenntnis, Ruhm, Vermögen, Vollendung und Herrschaft sind die entsprechenden Früchte der nach Ellen bemessenen Lingas.

([kh. pustake nastyayaṃ, 39 ślokataḥ 50 ślokaṃ yāvat cāpacinhānvargataḥ pāṭhaḥ] liṅgānāmīpsitaṃ dairghyaṃ tena kṛtvāṅgulāni vai |
dhvajādyā yaiḥ svarairbhūtaiḥ śikhibhirvā haretkṛtī || 39 ||

4.39 Man drücke die gewünschte Linga-Länge in Fingerbreiten aus und teile diese zur Bestimmung der Banner-, Ton-, Element- und Feuerklassen durch die jeweils zugehörigen Zahlen.

tānyaṅgulāni yaccheṣa lakṣayecca śubhāśubham |
dhvajādiṣu dhvajaṃ siṃhaṃ vṛṣākhyaṃ ca gajaṃ śubham || 40 ||

4.40 Am verbleibenden Rest erkenne man Günstiges oder Ungünstiges. Unter den Bannerklassen gelten Banner, Löwe, Stier und Elefant als günstig.

aśubhān varjayeddhīmān dhūmaśva [mū: gajāśva] kharavāyasān |
dhvaje rājyaṃ jayaṃ siṃhe vṛṣe lābhaṃ śriyaṃ gaje || 41 ||

4.41 Rauch, Hund, Esel und Krähe soll der Kundige als ungünstig meiden. Das Banner gewährt Herrschaft, der Löwe Sieg, der Stier Gewinn und der Elefant Wohlstand.

dhūme doṣāḥ [gh: dādya] śunā mṛtyuḥ khareṇoccāṭanaṃ sadā |
dhvāṅkṣeṇa sarvanāśaḥ syāttasmāttān parivarjayet || 42 ||

4.42 Rauch bringt Fehler, der Hund Tod, der Esel Vertreibung und die Krähe völlige Vernichtung. Deshalb sind diese Klassen zu vermeiden.

svareṣu ṣaḍjagāndhārapañcamāḥ śubhadāyakāḥ |
lakṣmīprado bhavet ṣaḍjo gāndhāro janavṛddhikṛt || 43 ||

4.43 Unter den Tönen gelten Shadja, Gandhara und Panchama als glückverheißend. Shadja schenkt Wohlstand, Gandhara vermehrt die Bevölkerung.

pañcamaḥ śrīprado nityaṃ bhūmilābhakaro nṛṇām |
ṛṣabheṇārivṛddhiḥ syānmadhyamaḥ sutanāśakṛt [mū, a, k, g, ṅ: śubhanāśanaḥ] || 44 ||

4.44 Panchama gewährt stets Glück und Landgewinn. Rishabha lässt Feinde erstarken, Madhyama vernichtet Kinder beziehungsweise nach einer Variante das Wohlergehen.

dhaivatena kṣayaḥ karturniṣādaḥ sarvanāśakaḥ |
bhūteṣu kṣmācarāścānye toyādyāścāśubhā [gh: toyāḍhyā] bhṛśam || 45 ||

4.45 Dhaivata schädigt den Auftraggeber, Nishada vernichtet alles. Unter den Elementen gilt die Erde als günstig; Wasser und die folgenden als ungünstig.

pṛthvī sarvapradā puṃsāmāpo bhāryākṣayaṅkarāḥ |
sajvaro [k, g: saddhīro] dāhakṛttejo vāyustu kulanāśakṛt || 46 ||

4.46 Erde gewährt den Menschen alles; Wasser schädigt die Ehefrau, Feuer bringt Fieber und Brand, Wind vernichtet die Familie.

bhrātṛputrakalatrārṇanabho nṛpatināśakṛt |
śasto'gniścāhavanīyo dvāvagnī cāśubhau matau || 47 ||

4.47 Raum wird mit dem Verlust von Brüdern, Kindern, Frau und Besitz sowie dem Untergang des Königs verbunden. Unter den Feuern ist das Ahavaniya günstig, die beiden anderen gelten als ungünstig.

ādyo'gniḥ sarvadaḥ puṃsāṃ dvitīyaḥ sutanāśakṛt [mū, a, k: śubha-] |
karturmṛtyuprado hyagnistṛtīyo nṛpabhītidaḥ || 48 ||

4.48 Das erste Feuer gewährt alles, das zweite vernichtet Kinder beziehungsweise günstige Wirkungen; das dritte bringt dem Auftraggeber Tod und Furcht vor dem König.

āyaśūnyeṣu hasteṣu hastādekāṅgulaṃ kṣipet |
ṣaḍvā tadāyabhāgaṃ tu kṛtvaikaṃ saṃkṣipedvaram || 49 ||

4.49 Ergibt die Ellenberechnung keinen günstigen Ertragsrest, füge man je Elle eine Fingerbreite hinzu. Eine weitere Vorschrift nennt sechs beziehungsweise die Unterteilung des Ertragsanteils und einen Abzug um einen Teil. [Die Rechenanweisung ist beschädigt.]

dvibhāgaṃ madhyamenāha trīṇi bhāgāni kanyase |
bhāgeśa cāpyanīśaṃ ca devejyaṃ tulyasaṃjñakam || 50 ||

4.50 Für die mittlere Form werden zwei, für die kleine drei Teile genannt. Danach folgen die Formbezeichnungen Bhagisha beziehungsweise Adya, Anisha beziehungsweise Anadya, Devajya und Tulya. [Die Namen sind uneinheitlich überliefert.]

catvāri liṅgarūpāṇi viṣkambhena tu lakṣapet |
dairghyaṃ māyānvitaṃ kṛtvā liṅgaṃ kuryāttrirūpakam || 51 ||

4.51 Diese vier Linga-Formen unterscheide man nach ihrer Breite. Nach der vorgeschriebenen Längenberechnung gestalte man das Linga mit seinen drei Abschnitten. [Das Wort zur Berechnung ist unsicher.]

caturaṣṭāsra [mū, a: caturasrāsra; k, kh: caturasrāṣṭa] vṛtaṃ ca tattvatrayaguṇātmakam |
uktāyāmasya cārdhāṃśe [mū: cāyāṃśe] nāgāṃśai [k, kh: bhāgārdhaiḥ] rbhāṃjite kramāt || 52 ||

4.52 Viereckig, achteckig und rund umfasst es die drei Prinzipien beziehungsweise Eigenschaften. Die Länge wird nach der angegebenen Halbierung und Achtteilung weiter aufgeteilt.

rasabhūtāmbu [mū: būtāṃśu] ṣaṣṭhāṃśatryaṃśādhikaśatairbhavet |
ādyānādyasurejyāhva [mū: -jyāṅka] tulyānāṃ caturasratā || 53 ||

4.53 Für Adya, Anadya, Surajya und Tulya werden die Maße der viereckigen Form durch die folgenden Zahlwörter bestimmt: sechs, fünf, Wasser, Sechstel, Drittel und Hundert. [Ihre syntaktische Verbindung ist beschädigt; eine verlässliche Formel ist daraus nicht zu gewinnen.]

pañcakatrayamānākhyaṃ vyāsānāhān pravṛddhitaḥ [mū: vyasānāhatya] |
dvidhā bhedādbahūnyatra vakṣyante [k, g: lakṣyante] viśvakamataḥ || 54 ||

4.54 Durch Breiten- und Umfangsvermehrung in der fünffachen beziehungsweise dreifachen Maßordnung entstehen weitere Unterteilungen. Nach der Vishvakarman-Lehre werden hier zahlreiche Formen erläutert. [Die Maßnamen sind unsicher.]

ādyādīnāṃ tridhā sthaulyādyavavṛddhyā tadaṣṭadhā |
tridhā hastājjivākhyaṃ ca yuktaṃ sarvasamena ca || 55 ||

4.55 Die Dicke der Adya-Formen wird dreifach und durch Vermehrung um Gerstenkornbreiten achtfach abgestuft; weitere Teilungen betreffen das Ellenmaß, die als Jiva bezeichnete Größe und die gleichteilige Form. [Der Rechenzusammenhang ist beschädigt.]

pañcaviṃśatibhedānyanādye [mū: liṅgāni na dya] devārcite tathā |
pañca [mū: yaśca] saptatirekatvājjinaibhaktaṃbhavanti hi || 56 ||

4.56 Für Anadya und Devarcita werden je fünfundzwanzig Unterarten genannt; zusammen ergibt sich eine Fünfundsiebzigergruppe, verbunden mit einer weiteren Jina-Zahlteilung. [Die letzte Rechenoperation ist unklar.]

caturdaśasahasrāṇi catuḥ śatayutāni [mū, a, g: śatāyutāni] ca |
evamaṅgulavṛddhyā ca navaikakaragarbhataḥ || 57 ||

4.57 Durch die Vermehrung in Fingerbreiten bei Maßen von einer bis neun Ellen beziehungsweise nach dem Innenraum ergibt sich die angegebene Gesamtsumme von vierzehntausendvierhundert. [Eine Variante verändert die Hunderterangabe.]

teṣāṃ karṇārdhakoṇasthaiśchindyātkoṇāni sūtrakaiḥ |
vistāraṃ saptadhā kṛtvā sthāpyaṃ vā madhyatastrayam || 58 ||

4.58 Mit Schnüren durch die entsprechenden halben Diagonalen schneide man die Ecken ab. Alternativ teile man die Breite in sieben Teile und belasse die mittleren drei.

dvibhāgādūrdhvamaṣṭāṃśo dvyaṣṭāṃśaiḥ [mū: maṣṭāṃśo dvyaṣṭāṃśaiḥ] syācchivāṃśakaḥ [k: cchirāṃśakaḥ] |
ekaikāṃśaṃ caturbhāgaṃ koṇahrāsaṃ dvibhāgataḥ || 59 ||

4.59 Oberhalb der zwei Grundbereiche liegt der achtteilige Abschnitt; für den Shiva-Anteil wird eine weitere Sechzehnteilung genannt. Jede Einheit wird geviertelt und die Ecke um den entsprechenden halben Anteil vermindert. [Die Bezüge sind unsicher.]

tattīryaksūtrasaṃpātāddaśanāsaṃ bhavetpunaḥ |
tadekaikaṃ yugaṃ kṛtvā ekaikāṃśaṃ samāharet || 60 ||

4.60 Durch die Schnittpunkte der Querschnüre entsteht die nächste polygonale Form. Man viertle wiederum jede Einheit und nehme jeweils einen Teil weg. [Der überlieferte Name der Eckenzahl ist beschädigt.]

dvayantayostu kramātsūtrairdaśanāsraṃ punardvidhā |
kvacitkaṇaṃpraveśena lāñchayitvāsiśātanam || 61 ||

4.61 An beiden Enden teile man die betreffende Eckform durch Schnüre erneut zweifach; nach einer anderen Vorschrift zeichne man durch Einziehen der Diagonale an und schneide ab.

ṣoḍaśāsraṃ bhavettadvattadvadeva dviṣoḍaśa |
tanmadhye sūtrasambhrānte rudro bhavati vartulaḥ || 62 ||

4.62 So entsteht eine sechzehnseitige und entsprechend eine zweiunddreißigseitige Form. Durch weitere Schnurführung wird der Rudra-Anteil rund.

śubhārthamāyaiḥ [mū, a, g: ramāyaiḥ] saṃhṛtya bāṇāgninagabhāgibhiḥ |
kṣipedvā śūnyadoṣaghnaṃ hastādekāṅgulaṃ kramāt || 63 ||

4.63 Zur günstigen Ertragsberechnung werden Teilungen durch fünf, drei und sieben genannt. Alternativ füge man je Elle eine Fingerbreite hinzu, um den Fehler eines Nullrestes aufzuheben.

ṣoḍhā brahmādibhiryojyā tattvapakṣa [k, kh: tanupakṣa] guṇaiḥ kramāt |
ṣoḍaśāṃśa kṣipedādye [kh, g, gh: nnādye] vedāṃśamamarorcite [kh: samākhyatrisamaiḥ surāḥ] || 64 ||

4.64 Sechsfach werden die Abschnitte Brahma und den übrigen zugeordnet, mit den Zahlbestimmungen drei, zwei und drei. Bei Adya wird ein Sechzehntel, bei der von Göttern verehrten Form ein Viertel hinzugenommen. [Die Zuordnung der ersten Zahlen ist unsicher.]

deyaṃ heyaṃ [mū, a, k, kh, g, ṅ: deyaṃ] ca vasvaśamādye sarvasamena tu |
piṅgalāyā mate proktamādyāmarārcitena tu || 65 ||

4.65 Ein Achtel ist bei der ersten und der allseits gleichen Form hinzuzunehmen beziehungsweise abzuziehen. So wird es im Pingalamata für Adya und Amararcita gelehrt. [Die Varianten widersprechen sich beim Abzug.]

svāyāmājjinabhāgāsra [mū, a, k, kh, g, ṅ: bhāgāgra] maṅgulātkararandhrataḥ [k, g: vaktrataḥ] |
bhaveyurvardhamānāni vasudviṣaṭ [gh: vasvatviṣaṭ] śatāni ca || 66 ||

4.66 Durch die Teilung der Eigenlänge nach der Jina-Zahl, von Fingerbreiten bis zu den betreffenden Ellenmaßen, entstehen weiter zunehmende Formen; die abschließende Anzahl ist beschädigt.

athādyāditriliṅgānāṃ chāyādoṣavimuktaye |
viśvakarmamataṃ [gh: mate] dṛṣṭvā vaktavyaṃ pīṭhavartanam [gh: pīṭhavartane] || 67 ||

4.67 Um die Fehler der Schattenwirkung bei den drei Formen von Adya an zu vermeiden, ist nach Einsicht in die Vishvakarman-Lehre die Gestaltung des Sockels zu erklären.

adho madhyordhvadeśe ca bhāgatrayasamanvitam |
tacca savasamaṃ liṅgaṃ prāsāde vā gṛhe hitam || 68 ||

4.68 Ein Linga mit drei gleichen Abschnitten unten, in der Mitte und oben heißt Sarvasama, „allseits gleich“. Es ist für Tempel und Haus geeignet.

evaṃ savasamaṃ kāryaṃ sarvakāmaphalapradam |
dvau pādau jānuparyantaṃ caturasrepitāmahaḥ || 69 ||

4.69 So soll man das alle Wünsche erfüllende Sarvasama-Linga gestalten. Die beiden Füße bis zu den Knien entsprechen Brahma im viereckigen Bereich.

tadūrdhvaṃ nābhiparyanta viṣṇuraṣṭāsrake sthitaḥ |
āmūrdhaṃ nābhitaścordhvaṃ vṛttabhāge haraḥ svayam || 70 ||

4.70 Darüber bis zum Nabel steht Vishnu im achteckigen Bereich; vom Nabel bis zum Haupt befindet sich Hara selbst im runden Bereich.

yathāvyakte tathārcāyāṃ mukhaliṅge sthitaḥ kramāt |
pañcadhāvyaktaliṅgāni samapīṭhāni tāni ca || 71 ||

4.71 Wie im ungegliederten Linga, so sind diese Bereiche auch im figürlichen Kultbild und im Gesicht-Linga angeordnet. Die ungegliederten Lingas werden fünffach, mit entsprechenden Sockeln, bestimmt.

tulyākhyaṃ samukhaṃ [gh: sumukhaṃ] kuryādīśānaṃ vā surārcitam |
evaṃ liṅgāni kāryāṇi doṣāya syurato'nyathā |
pañcaliṅgavyavastheyaṃ śirovartinyathocyate [mū, a: vartanamucyate; k, kh: vartanyathocyateḥ] || 72 ||

4.72 Die als Tulya bezeichnete Form kann mit Gesichtern, als Ishana oder als Surarcita gestaltet werden. Die Lingas sind entsprechend herzustellen; Abweichungen bringen Fehler. Nach dieser fünfteiligen Ordnung wird nun die Kopfform erläutert.

chatrābhaṃ kukkuṭāṇḍābhaṃ bālendutrapuṣākṛti |
ekaikasya caturbhedaiḥ kāmyarūpātphala vadet || 73 ||

4.73 Schirmartig, hühnereiförmig, wie der junge Mond oder wie eine Gurke: Jede dieser Kopfformen besitzt vier Unterarten mit entsprechend genannten Wunschfrüchten.

vasvaṃśaiścarame'rthāṃśaiḥ [mū: methāṃśaiḥ] puṇḍarīkaṃ tapakṣayāt |
yaśastena bhavetkarturviśālaṃ dvikṣayācchriye |
śrīvatsaṃ trikṣayāt prītyai [gh: prītiḥ] diṅmardanaṃ catuḥkṣayāt |
cirarājyaprada khyātaṃ chatrabhedāścaturvidhāḥ || 75 ||

4.75 Bei der achtteiligen oberen Bemessung heißt die durch den ersten Abtrag entstehende Form Pundarika und gewährt Ruhm; durch zwei Abtragungen entsteht Vishala für Wohlstand, durch drei Shrivatsa für Zuneigung, durch vier Digmardana für dauerhafte Herrschaft. Dies sind die vier Schirmformen. [Der Absatz umfasst die Stelle der fehlenden Ziffer 74; ein Maßwort ist beschädigt.]

yugāṃśe carame'ṣṭābhirvimalaṃ tattva [k, kh, g, gh: tanu] śātanāt |
mānada [mū: mānāṅga] pakṣa [k, kh, g: padma] lopācca vipulaṃ khyātidaṃ bhavet || 76 ||

4.76 Bei der vierteiligen oberen Bemessung mit weiterer Achtteilung entsteht durch den angegebenen Abtrag Vimala, die Ansehen gewährt; durch den zweiten Abtrag Vipula, die Ruhm schenkt. [Die ersten Maßbezüge sind unsicher.]

vardhamānaṃ trina śācca [mū, k, kh, gh: tribhāgācca] dhanadaṃ [k: padadaṃ; g: vanadaṃ] vedalopanāt |
śrīvāsaṃ putradaṃ kurturdakṣāṇḍaṃ syāccaturvidham || 77 ||

4.77 Durch drei Abtragungen entsteht Vardhamana für Reichtum, durch vier Shrivasa für Kinder des Auftraggebers. So ist die hühnereiförmige Spitze vierfach.

tryaṃśātprāptairyugāṃśaiśca ekahānyāmṛtāhvayam [gh: -hvakam] |
puṣṭidaṃ dvikṣayātpūrṇaṃ mahāhlādakarasadā [kh: tathā] || 78 ||

4.78 Bei der Drittel- und Viertelbemessung entsteht durch einen Abtrag Amrita, die Gedeihen gewährt, durch zwei Purna, die stets große Freude bringt.

tryaṃśatyāgādbala khyātaṃ saubhāgyaṃ ca [kh: saubhāgyadaṃ] yugakṣayāt |
āyudaṃ kumudaṃ jñeyaṃ candaṃ caturvidhaṃ matam [mū: jñeyaṃ candraṃ caturvidham] || 79 ||

4.79 Durch den dritten Abtrag entsteht Bala, durch den vierten die Glück und Lebensdauer gewährende Kumuda. So ist die Mondform vierfach. [Die Verteilung der beiden letzten Wirkungen ist nicht eindeutig.]

ṛtvaśaiścarame vedairvijayaṃ bhavanāśanam |
sarvakāmapradaṃ proktaṃ vināśaṃ dvikṣayācchriye || 80 ||

4.80 Bei der sechsteiligen oberen Bemessung mit vier weiteren Teilen heißt die erste Form Vijaya und beseitigt das Werden beziehungsweise gewährt alle Wünsche; durch zwei Abtragungen entsteht Vinasha für Wohlergehen. [Der erste Wirkungsbegriff ist unsicher.]

trityāgājjayadaṃ bhīmaṃ citrākaṃ [kh: vidāvhaṃ; k, g: citrāṅkaṃ] vedaśātanāt |
ballabhatvaprada tacca caturdhā trapuṣaṃ bhavet || 81 ||

4.81 Durch drei Abtragungen entsteht die siegbringende Bhima, durch vier Chitraka, die Beliebtheit verleiht. So ist die Gurkenform vierfach.

trapuṣaṃ chatra candrābhaṃ kṛkavākvaṇḍakaṃ [mū: kvaṇḍavat] kramāt |
kuryādviprādikāryārthamekaṃ vā kukkuṭāṇḍakam [kh: ṭāṇḍabhaṃ] || 82 ||

4.82 Gurken-, Schirm-, Mond- und Hühnereiform sind der Reihe nach für die Stände von den Brahmanen an vorgesehen; alternativ kann überall die Hühnereiform verwendet werden.

trapuṣādiṣṭasaṃsiddhī rājyaṃ syādātapatrataḥ |
dīrghāyuṣṭvamatha cendoḥ [mū, a, k, kh, g, ṅ: mathārdhendoḥ] kṛkavākvaṇḍataḥ prajñāḥ || 83 ||

4.83 Die Gurkenform vermittelt das gewünschte Gelingen, die Schirmform Herrschaft, die Halbmondform langes Leben und die Hühnereiform Einsicht.

liṅganāhavikārāṃśaṃ kṛtvā tu guṇayettataḥ |
jinaviṃśatiśārdūlairādye brahmādiveṣṭanam || 84 ||

4.84 Man teile den Linga-Umfang nach der angegebenen Sechzehnerzahl und multipliziere für die erste Form mit den Zahlwörtern Jina, zwanzig und Shardula, um die Umfänge von Brahma und den übrigen zu bestimmen. [Die genaue Zahlenzuordnung ist unsicher.]

nakhāt ṣaṣṭi [k, kh: dṛṣṭi] vikārāṃśairanādye ca [mū: vai] tathā bhavet |
vikāreṇa smareṇāṃśatṛtīyāṃśayutena ca || 85 ||

4.85 Für Anadya werden die Zahlwörter Nagel, sechzig und sechzehn verwendet, anschließend eine um ein Drittel vermehrte Sechzehner- beziehungsweise Smara-Bemessung. [Die Rechenvorschrift ist beschädigt.]

bhāgasyārdhavibhāgena yuktāṃśena [k, kh: yuktārkeṇa] surārcite |
bhāgatṛtīyabhāgena nakhacandrānvitena ca || 86 ||

4.86 Für Surarcita werden die Hälfte eines Anteils und danach ein Drittel mit den Zahlwörtern Nagel und Mond verbunden. [Die genaue Umfangsformel bleibt unsicher.]

aṃśatṛtīyabhāgena cātyaṣṭāṃśayutena ca |
sasaptadaśabhiścāṃśaiḥ paridhiḥ syātsamāṃśake [mū: samāhvake] || 87 ||

4.87 Für die gleichteilige Form werden ein Drittel, ein Achtel und siebzehn Anteile zur Umfangsbestimmung genannt. [Der Satz erlaubt keine sichere rechnerische Zusammenfügung.]

caturdoṃrbhirajoveṣṭaṃ [mū, k, kh, gh: rajoveṣṭayai] kṛtvā saptāṃśakaṃ bhujam |
sārdhadvitribhujairviṣṇuḥ sāṅghryekatribhujairharaḥ || 88 ||

4.88 Den Umfang des Brahma-Teils bilde man aus vier Seiten; die Seite wird in sieben Anteile geteilt. Vishnu und Hara werden anschließend mit den überlieferten zweieinhalb- beziehungsweise weiteren Seitenanteilen bemessen. [Die Bruchausdrücke sind beschädigt.]

mūrdhonnate [k, kh: mūrdhnyunnate] mahābhogaḥ pṛṣṭhe golābha eva ca |
yavagarbhe bhavetpuṣṭiḥ pānānnaṃ jaṭharonnate || 89 ||

4.89 Eine erhöhte Spitze gewährt große Erfüllung, ein kugelartig gewölbter Rücken die entsprechende Fülle; eine gerstenkornartige Mitte bringt Gedeihen, eine gewölbte Bauchpartie Speise und Trank.

sarvāṅgavartule saukhyaṃ prajālakṣmīvivardhanam |
samakukṣau bhayaṃ hanyāt sthūlamūle tvarogatā [mū: hyarogatā] || 90 ||

4.90 Allseitige Rundung bringt Glück und vermehrt Nachkommenschaft und Wohlstand. Gleichmäßige Flanken beseitigen Furcht, ein kräftiger Grund gewährt Gesundheit.

śūlābhe vikale mūrdhni prajā hanti sakartṛkāḥ |
nimne ca luñcite kuryāddhanadhānyavināśanam || 91 ||

4.91 Eine speerartige oder unvollständige Spitze vernichtet nach der Warnung Bevölkerung und Auftraggeber. Eine eingesunkene oder abgeschnittene Spitze zerstört Vermögen und Getreide.

kṣataṃ ca mūrdhni yalliṅgaṃ taddhanyātkatṛbhūbhujau |
chidrānvitaṃ ca sadbhāyā [mū, a, k: tathā bhāryā] lalāṭe nimnaka sutam || 92 ||

4.92 Ein am Haupt verletztes Linga schädigt Auftraggeber und König; ein Loch schädigt die Ehefrau, eine Vertiefung an der Stirn den Sohn.

mūrdhni sthūlaṃ ca kartṛghnaṃ cakraṃ cavārthaśilpihṛt |
madhye kṛśaṃ ca śokāya dubhikṣadamadhaḥ kṛśam || 93 ||

4.93 Eine übermäßig dicke Spitze schädigt den Auftraggeber; ein kreisartiger Fehler Besitz und Handwerker. Eine zu dünne Mitte bringt Trauer, ein zu dünner Grund Hungersnot.

hīnāṅge cipiṭāṅga ca bhayaṃ pīḍā ca jāyate |
vraṇitāmayavṛddhiśca durbhikṣaṃ cātikoṭare || 94 ||

4.94 Unvollständige oder abgeplattete Glieder bringen Furcht und Bedrängnis, Wunden eine Zunahme von Krankheit und eine übergroße Höhlung Hungersnot.

hanyāddīrghakṛśe rāṣṭraṃ hrasve vyādhiḥ prakupyati |
dhanaghnaṃ pṛṣṭhanimnaṃ syādrogaṃ pārśve tathodare || 95 ||

4.95 Eine überlange, dünne Form schädigt das Land, eine zu kurze lässt Krankheit aufkommen. Eine Rückenvertiefung vernichtet Besitz; Vertiefungen an Seite und Bauch bringen Krankheit.

suniṣpannaṃ yadā liṅgaṃ ghṛṣṭvā śāṇādibhirbudhaḥ |
samyak sunirvraṇaṃ dhautaṃ tadā cinhāni lakṣayet || 96 ||

4.96 Ist das Linga gut ausgearbeitet, geschliffen, völlig unbeschädigt und gewaschen, untersuche der Kundige seine natürlichen Zeichen.

svastikā [k, g: muṣṭikā] vjāṅkuśacchatracakrāsidhvajakambu ca [gh: kambubhiḥ] |
makarādarśacāpobhisrakkamaṇḍalutoraṇāḥ || 97 ||

4.97 Swastika, Lotus, Elefantenhaken, Schirm, Rad, Schwert, Banner, Schneckenhorn, Makara, Spiegel, Bogen, Girlande, Wassergefäß und Torbogen,

matsyakūrmādribhānvinduyava [mū: ghṛṣa] siṃhākṣasūtrakāḥ |
śrīvatsanandikāvartarathahārebhabhūṣaṇaiḥ || 98 ||

4.98 Fisch, Schildkröte, Berg, Sonne, Mond, Gerstenkorn, Löwe, Gebetskette, Shrivatsa, Nandikavarta, Wagen, Halskette, Elefant und Schmuck,

netrakuṃbhajaṭāliṅgāstrītārāśūlacāmarāḥ |
mayūravājivāsobhistaruvajrapavitrakāḥ || 99 ||

4.99 Auge, Krug, Haarflechte, Linga, Frau, Stern, Dreizack, Wedel, Pfau, Pferd, Gewand, Baum, Donnerkeil und Pavitra,

prāsādakaravahnyarcirbhagākārā [mū, a, g: bhavākārā] ca rekhikāḥ |
liṅgāṅge yatra tatra [gh: yatra yatra] syānnṛparāṣṭravivṛddhidāḥ || 100 ||

4.100 ferner Tempel, Hand, Feuerflamme und Yoni: Linien in solchen Formen sollen überall am Linga König und Land gedeihen lassen.

kabandhakapimārjāravyāghrabhallūkapevakaiḥ |
karaṅkakaṅkagṛdhrāhiśyenakākakharākhubhiḥ || 101 ||

4.101 Rumpf ohne Kopf, Affe, Katze, Tiger, Bär, das als Pevaka bezeichnete Tier, Skelett, Reiher, Geier, Schlange, Falke, Krähe, Esel und Maus,

balākānigaḍolūkapāśasaṃdaṃśakīṭakaiḥ |
pataṅgamuṇḍamāloṣṭra vṛkākāraśvarūpakaiḥ |
yajamānaprajārājñāṃ liṅgaṃ bhīśa kadāyakam [mū: strīśoka] || 102 ||

4.102 Kranich, Fessel, Eule, Schlinge, Zange, Insekt, fliegendes Tier, Schädelgirlande, Kamel, Wolf und Hund: Ein Linga mit solchen Formen bringe Auftraggeber, Bevölkerung und König Furcht und Trauer.

([atra pārthivāditattvānāṃ varṇavibhājane varṇollekhane ca bhinnakramaḥ | ākāśatattvaṃ ca naiva varṇitam | granthāntareṣu tu pañcaiva tattvānāmullekhaḥ samupalabhyate | pāṭho'yamaśuddhaḥ apūrṇa iva ca pratibhāti | śaivāgamavida evātrapramāṇam | tattvavarṇavibhājanakramastu puraścaryārṇavasya prathamataraṅgasya dīkṣāprakaraṇe kulākula cakre prakārāntareṇa kṛtaḥ | sa ca yathā- vāyvagnibhūjalākāśāḥ iti | a ā e ka ca ṭatapayaṣā mārutāḥ i ī ai kha cha ṭha tha pha ra kṣā āgneyāḥ | ṛ ṝ au gha jha ḍha dha bhavasā jalīyāḥ | ḷ ḹ aṃ ṅa ña ṇa na maśahā nābhasāḥ iti |] i ī cha la dvayaṃ [gh: ḷ ḷ] caiva tathā pañcānunāsikāḥ |
ete ca pārthivā varṇā liṅgacinhāni bhūtaye [k: bhūtale] || 103 ||

4.103 I, Ī, Cha, zweimal La beziehungsweise Ḷ und die fünf Nasale werden als Erdlaute genannt; ihre Zeichen am Linga sollen Gedeihen bringen. [Der Herausgeber erklärt die gesamte Laut-Element-Zuordnung 4.103–106 ausdrücklich für fehlerhaft und offenbar unvollständig; sie wird nicht rekonstruiert.]

ū aṃ a ca ḍa ṭā [k, kh, gh: phaṭā] kṣādhaḥkasahājāvasā [mū: kahājava ṛsā] śiti |
ete ca [gh: tu] vāruṇā varṇā prajāyurdhanalābhadāḥ || 104 ||

4.104 Ū, Aṃ, A und weitere, beschädigt aufgezählte Laute gelten als Wasserlaute und sollen Nachkommenschaft, Lebensdauer und Besitzgewinn bringen. [Die genaue Lautliste ist unsicher.]

ṛ-ṝ-āyara aughā o visargaśca dakhāḥ pṛthak |
āgneyā agnisantrāsadurbhikṣavyādhivardhanāḥ || 105 ||

4.105 Ṛ, Ṝ, Ā, Ya, Ra und weitere, einschließlich Visarga, werden als Feuerlaute bezeichnet; sie vermehren Feuerfurcht, Hungersnot und Krankheit. [Die Lautabgrenzung ist beschädigt.]

e o e upagābhāthaṭhaḍhakārāvarṣāviti |
vāyavyā vāyusantrāsakalahādvegakārakāḥ || 106 ||

4.106 E, O und weitere, nur teilweise lesbare Laute gelten als Windlaute und sollen Windgefahr, Streit und Beunruhigung hervorrufen.

miśrāstvete phalaṃ dadyurhīnādhikasamaṃ tataḥ |
sādhane cāstriliṅgaṃ ca digliṅgaṃ caiva vakṣyate [kh: lakṣyate] || 107 ||

4.107 Gemischte Zeichen ergeben entsprechend geringere, stärkere oder ausgeglichene Wirkungen. Nun werden die eckigen und richtungsbezogenen Lingas für besondere Vollzüge erläutert.

ekāsraṃ śatrunāśāya dvyasraṃ putravivṛddhidam |
tryasraṃ cāśeṣasiddhyarthaṃ vedāsraṃ cepsitapradam || 108 ||

4.108 Eine einseitige Form dient der Feindvernichtung, eine zweiseitige dem Gedeihen der Kinder, eine dreiseitige allen Vollendungen, eine viereckige dem Gewünschten.

pañcāsraṃ śatrunāśāya ṣaḍasraṃ bhogadāyakam |
saptāsraṃ dveṣakṛtkhyātamaṣṭāsraṃ kīrtivardhanam || 109 ||

4.109 Eine fünfeckige dient der Feindvernichtung, eine sechseckige der Erfüllung, eine siebeneckige der Zwietracht und eine achteckige der Vermehrung des Ruhmes.

uccāṭane navāsraṃ syāddaśāstraṃ roganāśane |
rudrāsraṃ rogavṛddhyarthaṃ bhayaghnaṃ dvādaśāsrakam || 110 ||

4.110 Eine neuneckige dient der Vertreibung, eine zehneckige der Krankheitsbeseitigung, eine elfeckige der Krankheitsvermehrung und eine zwölfeckige der Beseitigung von Furcht.

kāmāsraṃ śatrunāśāya staṃbhane bhuvanāśrakam |
tithyasraṃ puṇyakṛlliṅgaṃ vikārāsraṃ sukhapradam || 111 ||

4.111 Eine dreizehneckige dient der Feindvernichtung, eine vierzehneckige der Erstarrung, eine fünfzehneckige heiligem Verdienst und eine sechzehneckige dem Glück.

pūrvavatkalpanaiteṣāṃ mānamastakarūpataḥ [k, kh, gh: rūpakam] |
navāvadhikarāntasya śūnyadoṣo na kasyacit || 112 ||

4.112 Maß und Kopfform werden wie zuvor gestaltet. Bis zur Grenze von neun Ellen besitzt keine dieser Formen den betreffenden Nullrestfehler.

vasukṛte diśāliṅge aṅgulaṃ vā karakramāt |
tridhā mānena caikena [gh: caikyena] ṣoḍaśāsraṃ śatadvayam || 113 ||

4.113 Bei der achtfachen Richtungsform und der Abstufung nach Fingerbreiten oder Ellen ergeben sich durch die drei Maßarten die genannte sechzehnfache beziehungsweise zweihundertfache Vielfalt. [Die Gesamtberechnung ist beschädigt.]

taddairghyaiḥ sūryavatkāryo biṣkambho vedabhāgataḥ |
caturaṣṭaṣaḍasraṃ tu indrāṅkaṃ [kh: candrāhvaṃ] vajrarūpakam || 114 ||

4.114 Die Länge wird in zwölf Teile, die Breite nach vier Teilen bemessen. Die viereckig-achteckig-sechseckige Form ist Indras donnerkeilartige Gestalt.

aṣṭāsraṃ pūrvavatkāryaṃ tryasrāṃśa [k, kh: tristryasra] minduyāmyayoḥ |
bindusaṃpātsaṃyogāttiryaksūtrairvivartayet || 115 ||

4.115 Der achteckige Teil entsteht wie zuvor; im Norden und Süden werden die dreiseitigen Anteile angezeichnet und durch Querlinien zwischen den Schnittpunkten geformt.

nāhārdhaṃ rudrabhāgaṃ ca [mū: rudrabhāgena] bāṇāśa [k: bāṇāṃśe] ścaturasrakam |
vasvasrordhvaṃ tu [mū: vasvasrordhe tu] saptāsraṃ śaktyāgneya ca dāhakṛt || 116 ||

4.116 Der halbe Umfang wird im Rudra-Anteil nach fünf Einheiten viereckig bestimmt; über dem achteckigen Teil liegt ein siebeneckiger. Diese Agni-Form gleicht einem Speer und dient dem Verbrennen. [Die Maßfolge ist unsicher.]

kintusvāṃśā [mū: svasāṃ] vinā śatroyāmyaṃ cipiṭakaṃ tataḥ |
nāhārdhaṃ navadhā kṛtvā śarairhṛtpṛṣṭhakoṭibhiḥ || 117 ||

4.117 Die Yama-Form ist abgeplattet und auf den Feind bezogen. Man teile den halben Umfang neunfach und bestimme Herz-, Rücken- und Eckbereiche durch die genannten fünf Teile. [Der Versanfang ist beschädigt.]

pārśvād [mū: pārśve] dvyasrairgrahaiḥṣaḍbhiḥ koṇeṣvambuvināśanāt [mū, a, ṅ: koṇeṣu svavināśakṛt] |
evaṃ cāṣṭāsravṛtaṃ syādyāmyadaṇḍaṃ [mū, a, k, g, ṅ: yāmadaṇḍaṃ] rujapradam || 118 ||

4.118 Durch seitliche, eckbezogene Abtragungen nach den genannten Zweier-, Neuner- und Sechserzahlen entsteht eine achteckig-runde Form, der krankheitsbringende Yama-Stab. [Die Rechenbezüge bleiben unsicher.]

dairghyārdhaṃ [gh: daighyaivaṃ] rudravatkṛtvā bhūtāṃśaiścaturasrakam |
aṣṭāsro'rdha [mū: -'rdhaṃ] daśāstraṃ syātkhaḍgābhaṃ rākṣasaṃ bhayam [k, kh: kṣaye] || 119 ||

4.119 Die halbe Länge wird nach elf, die viereckige Breite nach fünf Teilen bestimmt; achteckige und zehneckige Bereiche bilden die schwertartige Rakshasa-Form, verbunden mit Furcht beziehungsweise Vernichtung.

nāhārdhaṃ munivatkāryaṃ viṣkaṃbhaṃ yugabhāgataḥ |
caturaṣṭāsravṛttaṃ syātpāśavadvāruṇaṃ śubham || 120 ||

4.120 Der halbe Umfang wird nach sieben, die Breite nach vier Teilen bestimmt. Viereckig, achteckig und rund ergibt sich die günstige, einer Schlinge gleichende Varuna-Form.

darghyārdhaṃ ravibhāgena vedāsraṃ [kh: candrāsraṃ] munibhāgataḥ |
kṛśaṃ prāgrūpakaṃ dīrghaṃ calamuccāṭakṛddhvajam || 121 ||

4.121 Die halbe Länge wird zwölffach, der viereckige Bereich siebenfach bestimmt. Die dünne, lange, bewegliche Bannerform dient der Vertreibung. [Ein Gestaltwort ist unsicher.]

kuryātsarvasamaṃ liṅgaṃ sthūlodaravinirmitam |
yākṣaṃ [k: pākṣaṃ; g: mākṣaṃ] gadāgramūrdhānaṃ balavṛddhikaraṃ [gh: dhana-] śivam || 122 ||

4.122 Man gestalte ein allseits gleiches Linga mit kräftiger Mitte und keulenartigem Haupt: die Yaksha-Form, die Kraft beziehungsweise nach einer Variante Reichtum vermehrt.

nāhārdhaṃ rudrabhāgena viṣkaṃbhaṃ ṣaḍvibhāgataḥ [mū: vibhāgajam] |
catuḥpañcāsrakaṃ [mū: caturasrāsrakaṃ] tryasraṃ śūlaṃ raudraṃ tu muktidam || 123 ||

4.123 Halber Umfang und Breite werden nach elf und sechs Teilen bestimmt. Viereckige, fünfeckige und dreieckige Bereiche ergeben die Rudra-Dreizackform, die Befreiung schenkt.

rasabhāga [k, kh, g: rasabhāge] kṛtaṃ nāhaṃ [gh: nāhāt] pakṣāṃśe [kh: pakṣāṃśaiḥ] caturasrakam |
aṣṭāsro' [g: aṣṭāṃśo] rdhaṃ ca vedāsraṃ brāhmaṃ svargāya padmavat || 124 ||

4.124 Bei Sechsteilung des Umfangs und der genannten Zweiteilung entstehen viereckige und achteckige Bereiche: die lotusartige Brahma-Form, die zum Himmel führt. [Ein Halbierungsbezug ist unklar.]

vāhārdhaṃ nagabhāgena viṣkaṃbhaṃ turyabhāgataḥ |
caturaṣṭāsravṛttaṃ syādvaiṣṇavaṃ śaṅkhava [mū, a: śaktivat] cchubham || 125 ||

4.125 Der halbe Umfang wird siebenfach, die Breite vierfach bestimmt. Viereckig, achteckig und rund ergibt sich die günstige Vishnu-Form, einem Schneckenhorn ähnlich.

ṛtūdaye dvibhāgārdhatyāgādvajraśiro bhavet |
rudrāttrihānitaḥ śuktirdaṇḍo digbhyastrihānitaḥ || 126 ||

4.126 Durch die angegebenen Abtragungen an der Sechsteilung entsteht der Donnerkeilkopf; drei Abtragungen an der Elfteilung ergeben die Speerspitze, drei an der Zehnteilung den Stab. [Die erste Bruchangabe ist beschädigt.]

tribhirhṛtai [mū, a, k, kh, g, ṅ: -rhataiḥ] raṃsiḥ śailādbālendurvāruṇe śiraḥ |
kukkuṭāṇḍaṃ ca vāyavye bhūtāṃśāddhi yate gadā || 127 ||

4.127 Durch die entsprechende Dreieroperation am siebenteiligen Maß entsteht das Schwert; die Varuna-Spitze gleicht dem jungen Mond, die Vayu-Spitze einem Hühnerei. Aus der Fünfteilung wird die Keule gewonnen.

grahāṃśāttrivināśātsyāttryunnata śūlasaṃjñakam |
dakṣāṇḍabhaja vaiṣṇośca ittha rekhā maṇerapi || 128 ||

4.128 Aus der Neunteilung entstehen durch dreifachen Abtrag die drei Spitzen des Dreizacks; die Vishnu-Spitze ist hühnereiförmig. Entsprechend werden auch die Linien am Edelstein bestimmt. [Ein Ausdruck zur Eiform ist beschädigt.]

hrasvaṃ dīrghaṃ kṛśaṃ sthūlaṃ kubjaṃ khañjaṃ [gh: khañjakubjaṃ] ca cāmanam |
sphuṭitaṃ garbhavaddaṣṭaṃ sthāpayedābhivārike || 129 ||

4.129 Kurze, überlange, dünne, dicke, gekrümmte, lahm beziehungsweise ungleich erscheinende, zwergenhafte, gerissene, innen fehlerhafte und beschädigte Formen werden für schädigende Riten eingesetzt.

evamavyaktaliṅgāni kīrtitāni śubhāśubham |
vyaktaliṅgāni cānyāni nānā rūpāṇi vacmyataḥ || 130 ||

4.130 So sind die ungegliederten Lingas mit ihren günstigen und ungünstigen Wirkungen erläutert. Nun werde ich die verschiedenen figürlichen Kultbilder beschreiben.

iti [iti pratiṣṭhātantre, likhitapustakeṣu pāṭhaḥ] lakṣaṇasamuccaye'vyaktaliṅgalakṣaṇaṃ nāma [liṅgavartanāvidhiḥ, iti likhita pustakeṣu pāṭhaḥ |] caturtho vidhiḥ || 4 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 4. Ritualabschnitt über „Merkmale des ungegliederten Linga“.

Kapitel 5: Merkmale der figürlichen Kultbilder

atha pañcamaḥ

Nun folgt der 5. Ritualabschnitt.

vyaktārcālakṣaṇaṃ samyagrudānīnāṃ pravakṣyate |
pūrvāṅgulapramāṇena daśapañcāṅgulāṅgulāt || 1 ||

5.1 Nun werden die Merkmale der figürlichen Kultbilder Rudras und der übrigen Gottheiten erklärt. Nach der zuvor bestimmten Fingerbreite reichen sie von einer bis fünfzehn Fingerbreiten.

gṛheṣu pratimā pūjyā nādhikā hi praśasyate |
kvaciddhastapramāṇā sā kvacicca triṃśadaṅgulā || 2 ||

5.2 Solche Bilder sind im Haus zu verehren; größere werden dort nicht empfohlen. Mancherorts wird jedoch eine Elle oder eine Höhe von dreißig Fingerbreiten zugelassen.

adhikāṃsthāpayeddhāmni dvārahastapramāṇikām |
dvārocchrayaṃ vibhajyādāvaṣṭadhaukaṃ [mū, a, k: vaṣṭadhaikaṃ] vidhāya ca || 3 ||

5.3 Größere Bilder setze man im Tempel ein und bemesse sie nach Tor oder Elle. Zuerst teile man die Torhöhe in acht Teile und ziehe einen Teil ab.

punastridhā vibhajyātha bhāgenaikena piṇḍikā |
vidhātavyā dvibhāgena kanyasī pratimā ca sā || 4 ||

5.4 Den Rest teile man dreifach: Ein Teil ergibt den Sockel, zwei das Bild. Dies ist die kleine Ausführung.

dvārdairghyaṃ navadhā kṛtvā tyaktvaikāṃśaṃ tridhā param |
madhyamā syāddvibhāgena [gh: madhyamārcā vibhāgena] kāryaikāṃśena pīṭhikā || 5 ||

5.5 Für die mittlere Ausführung teile man die Torhöhe in neun Teile, lasse einen weg und teile den Rest dreifach: zwei Teile für das Bild, einen für den Sockel.

dvāranāhaṃ tridhā kṛtvā bhāgenaikena piṇḍikā |
kartavyā taddvibhāgena pratimā sottamā matā || 6 ||

5.6 Für die größte Ausführung teile man das ganze Tormaß dreifach: ein Teil für den Sockel und zwei für das Kultbild.

karamāne karādeḥ syādekaikasyottarottaram |
navāntaṃ tritrikānteṣu kanyasādyāḥ prakīrtitāḥ || 7 ||

5.7 Nach Ellen wächst die Höhe von einer Elle an jeweils um eine bis neun; die drei Dreiergruppen gelten als klein, mittel und groß.

garbhakarṇavibhāgena pratimāliṅgagocchrayam |
pīṭha [gh: pīṭhaṃ] dvārapravistāraṃ mayaścakresvake mate || 8 ||

5.8 Maya bestimmt in seiner eigenen Lehre die Höhe von Bild und Linga nach einem Anteil der Diagonale des Innenraumes; auch Sockel und Torbreite werden darauf bezogen.

bāhye tu pratimā kāryā mahatī karamānataḥ |
tithimāsanavatyardhaihīnamadhyottamāstridhā || 9 ||

5.9 Im Freien können große Bilder nach Ellenmaß errichtet werden: fünfzehn, dreißig oder fünfundvierzig Ellen für die kleine, mittlere oder große Art.

sālaṅkārāstridhā bhūtā [mū, a, : striyo bhūtvā] vetālāḥ sthūla [g: sthala] vāmanāḥ |
paṅgurūpāśca [gh: paṅgurūpāḥ sa] kūṣmāṇḍāḥ saptadhārcāśca [mū: dhārvāśca]vartayet || 10 ||

5.10 Geschmückte Gestalten, Bhutas, Vetalas, kräftige Körperformen, Zwerge, lahm erscheinende Gestalten und Kushmandas werden als sieben Bildarten gestaltet. [Der erste Teil der Einteilung ist unsicher.]

nirdoṣocchrāyasaṃyuktāṃ caturasrāyatāṃ śilām |
vibhajya śaktisūtreṇa ṛkṣādibhyaḥ [mū, a, k, kh: ṛkṣyādityaḥ] śubhe dine || 11 ||

5.11 An einem nach Mondhaus und weiteren Merkmalen günstigen Tag teile man einen fehlerfreien, rechteckigen Stein von passender Höhe mithilfe der Achsenschnur ein.

saṃpūjyādau guruṃ kāruṃ kṛtvā svastyayanādikam |
pīṭhātmāśrayajīvāṃśca prabhādīṃśca prakalpayet || 12 ||

5.12 Zuerst ehre man Guru und Kunsthandwerker und lasse Segenshandlungen vollziehen. Dann bestimme man Sockel, tragende Unterlage, lebendige Bildgestalt, Strahlenschein und die übrigen Teile.

vistāravdiguṇaṃ [mū, a, ṅ: vistārāddviguṇaṃ] kṣetraṃ pañcadhā pravibhajya ca |
kṛtvādhoṃśagataḥ [mū: cādhogataḥ] pīṭhaṃ tribhāge jīvakalpanā || 13 ||

5.13 Das Bildfeld sei doppelt so hoch wie breit und werde fünffach geteilt. Der unterste Teil bildet den Sockel, drei Teile die eigentliche Gestalt.

bhūtāṃśena prabhāścaiva antaṃ vidyādharādikam |
sātmāśrayāṃ sadūtīṃ [mū: sabhūtāṃ] ca pratimāṃ vartayettataḥ || 14 ||

5.14 Der fünfte Teil dient dem Strahlenschein, an dessen Rand Vidyadharas und weitere Wesen erscheinen. Danach gestalte man das Bild mit seiner Unterlage und den Begleitgestalten. [Die Bezeichnung der Begleitung ist unsicher.]

sūtrāṇi saptatriṃśatsyustiryaklāṅghriśataṃ tathā |
bhāgaikamaṅgula kṛtvā mahārcāṃ vatayedbudhaḥ || 15 ||

5.15 Man ziehe siebenunddreißig Schnüre; quer werden die genannten hundert Gliederanteile bestimmt. Der Kundige setze einen Anteil als Fingerbreite an und gestalte so das große Bild. [Die Querteilung ist beschädigt.]

dairghyaṃ ca navadhā kṛtvā tatraikaṃ sūryasammitam |
eka bhāge'ṅgulaṃ tasyā [gh: tasyāṃ] stenāṅgaṃ parikalpayet || 16 ||

5.16 Man teile die Körperhöhe in neun Teile und jeden davon in zwölf. Ein solcher Anteil bildet die Fingerbreite, nach der die Glieder bemessen werden.

maulilalāṭanāsābhrūnābhimeḍhrāṅghrikeṣu [k, kh: meḍhrādikeṣu] ca |
maye sūtraṃ samaṃ nyasya ṛjvarcāṃ kārayecchubhām || 17 ||

5.17 Eine gerade Mittelschnur führe durch Haarschmuck, Stirn, Nase, Brauenbereich, Nabel, Geschlecht und Füße. Danach lasse man ein aufrechtes, glückverheißendes Bild herstellen.

pādāṅguṣṭhāllalāṭāntamaṣṭottaraśatāṅgulam |
jīvasyāddairghyamānena pratyaṅgānyadhunā vruve || 18 ||

5.18 Vom großen Zeh bis zur Stirn beträgt die Höhe der eigentlichen Gestalt einhundertacht Fingerbreiten. Nun erkläre ich ihre einzelnen Körperteile.

tālena mukuṭocchrāyastadvistāro daśāṅgulam |
mātrābhistithisaṃkhyābhirmukuṭa [mū, a, k, kh: mukuṭe] veṣṭanaṃ bhavet || 19 ||

5.19 Die Krone ist einen Tala hoch und zehn Fingerbreiten breit; ihr Umfang beträgt fünfzehn Matras. [„Matra“ erscheint als besondere Maßeinheit.]

tālaikaṃ mūrdhni vistāra ucchrāyo golakadvayam |
tālamānaṃ bhavedvakraṃ grīvā ca caturaṅgulā || 20 ||

5.20 Das Haupt ist einen Tala breit und zwei Golakas hoch. Das Gesicht misst einen Tala, der Hals vier Fingerbreiten.

kaṇṭhakūpa dadhaścūcūnābhigugraṃ yathākramam [mū, a, g: parākramam] |
tālaikaikapramāṇaṃ syādūrū tālavinirgamau || 21 ||

5.21 Von der Halsgrube zu den Brustwarzen, von dort zum Nabel und weiter zum Geschlecht beträgt der Abstand jeweils einen Tala; die Oberschenkel folgen der genannten Tala-Bemessung. [Das Maß der Oberschenkel ist verkürzt überliefert.]

dvikale jānunī tasyā jaṅghe caiva dvitālake |
jñeyau gulphau dvinetrau ca pārṣṇīdvyaṅgulake mate [k: kramāt] || 22 ||

5.22 Die Knie messen zwei Kalas, die Unterschenkel zwei Talas; für Knöchel und Fersen werden zwei Netra-Maße beziehungsweise zwei Fingerbreiten genannt.

vṛtte ca tryaṅgulocchrāye pādau saptāṅgulāyatau |
madhye kalādvayocchrāyovagresārdhārdha [kh: sā cārdha] mātrakau || 23 ||

5.23 Die Füße sind gerundet, drei Fingerbreiten hoch und sieben lang. Für die mittlere Höhe werden zwei Kalas, für die vordere eineinhalb beziehungsweise ein halbes Matra angegeben. [Die Bruchlesung ist unsicher.]

tadvistārau (tri) dvinetrau ca aṅguṣṭhatryaṅgulastayo [g: dvayoḥ] |
pañcāṅgulau veṣṭanena sārdhāṅgaladviparvaṇī || 24 ||

5.24 Die Breite beträgt die genannte Netra-Zahl; der große Zeh ist drei Fingerbreiten lang und fünf im Umfang. Seine zwei Glieder messen je eineinhalb Fingerbreiten. [Die Fußbreite ist textlich unsicher.]

pradeśinī ca dairghyeṇa sā ca tryaṅgulakā matā |
tryaṅgulā pariṇāhena kathyante tvadhunāparāḥ || 25 ||

5.25 Die zweite Zehe ist ebenfalls drei Fingerbreiten lang, ihr Umfang beträgt drei Fingerbreiten. Nun folgen die übrigen.

anyādairghyavikārāṃśahīnāveṣṭena cāṣṭabhiḥ |
pādāṅgulyastriparvāṇaḥ parvārdhanakhaśobhitāḥ || 26 ||

5.26 Die weiteren Zehen werden jeweils um ein Sechzehntel der Länge und ein Achtel des Umfangs kleiner. Sie besitzen drei Glieder; die Nägel bedecken jeweils ein halbes Endglied.

pādāṅguṣṭhanakhau nimnāvagre [mū, a, k, kh, ṅ: vatra] kāryau yavonnatau |
kārāṅghri [mū, a, k, kh: nakhāṅghri] talakaṃ raktaṃ nakhāḥ savonnatāruṇāḥ || 27 ||

5.27 Die Großzehennägel sind leicht vertieft und vorn um ein Gerstenkorn erhöht zu gestalten. Handflächen und Fußsohlen sind rot, die Nägel leicht gewölbt und rötlich.

vakṣo dvitālavistāraṃ bāhumūle ṣaḍaṅgule |
upabāhū daśāṣṭāṃśau ṣoḍaśāṅgulakau bhujau || 28 ||

5.28 Die Brust ist zwei Tala breit, die Armansätze sechs Fingerbreiten. Ober- und Unterarm werden mit achtzehn beziehungsweise sechzehn Fingerbreiten bemessen. [Die Gliedbezeichnungen sind nicht konsequent getrennt.]

saptāṅgulakara yāmaḥ pañcāṅgulapravistaraḥ |
bhūtāṅgulā bhavenmadhyā ardhahīnā tvanāmikā || 29 ||

5.29 Die Hand ist sieben Fingerbreiten lang und fünf breit; der Mittelfinger misst fünf, der Ringfinger eine halbe weniger.

tatsamā tarjanī dharmāṅgulāṅgaṣṭakaniṣṭhike |
madhyamādyāstriparvāṇo dviparvāṅguṣṭhako mataḥ || 30 ||

5.30 Der Zeigefinger ist so lang wie der Ringfinger; Daumen und kleiner Finger messen vier Fingerbreiten. Die Finger vom Mittelfinger an besitzen drei Glieder, der Daumen zwei.

madhya [mū: madhyā] gra [mū: yāmātva] kalāyāmastva nthiṅgulārdha vināgrataḥ |
tarjanyanāmikāparva sapādayavavarjitam || 31 ||

5.31 Das Endglied des Mittelfingers misst eine Kala; die weiteren Gliedmaße werden um eine halbe Fingerbreite verändert. Die Glieder von Zeige- und Ringfinger sind um eineinviertel Gerstenkörner kürzer. [Der erste Satz ist beschädigt.]

sā ca dviyavahīnā syātpratipavakaniṣṭhikā |
dvyaṅgulo'ṅguṣṭhakagranthirāsāṃ parvārdhagā nakhāḥ || 32 ||

5.32 Jedes Glied des kleinen Fingers ist wiederum zwei Gerstenkörner kürzer. Das Daumenglied misst zwei Fingerbreiten; die Nägel reichen jeweils über das halbe Endglied.

atha tryaṃśavibhaktāsyaṃ lalāṭaṃ nāsikāmukham |
nāsotsedhaḥ savistārodvyaṅgulo dvipuṭaḥ [mū, a: dvikuṭaḥ] śubhaḥ || 33 ||

5.33 Das Gesicht wird in Stirn, Nase und Mundpartie dreigeteilt. Die Nase ist zwei Fingerbreiten hoch und breit und besitzt zwei wohlgestaltete Flügel.

ardhāṅgulasame vṛtte nāsāyā vivare śubhe |
dvyardhaṃ yavaṃ puṭe sthūle madhye vaśa [k, kh: viṃśaḥ] stribhiryavaḥ || 34 ||

5.34 Die beiden Nasenöffnungen sind rund und je eine halbe Fingerbreite groß. Für die Flügeldicke werden zweieinhalb Gerstenkörner, für die Mitte drei genannt. [Ein Verbindungswort ist beschädigt.]

([koṣṭhāntargato'yaṃ pāṭhaḥ kh. pustake nāsti] nāsādho'rdhāṅgulaṃ gojī gojyā vādho [mū: cādho] ṅgulo'dharaḥ |
adhe'paro'ṅgulakaṃ tu [k, g: ṅ gulakarṇa] dvyaṅgule cibukasthitiḥ || 35 ||

5.35 Unter der Nase liegt die eine halbe Fingerbreite lange Lippenrinne; darunter die eine Fingerbreite hohe Oberlippe, ebenso die Unterlippe. Für das Kinn sind zwei Fingerbreiten vorgesehen.

vedāṅgulaṃ mukha khātaṃ [mū: khyātaṃ] yavamānaṃ tu sṛkkaṇī |
) nāsikāmūlapārśve tu locane dvyaṅgulāyate [g: locanamaṅgulāyate] || 36 ||

5.36 Die Mundöffnung ist vier Fingerbreiten breit, die Mundwinkel messen ein Gerstenkorn. Beiderseits der Nasenwurzel liegen die zwei Fingerbreiten langen Augen.

mīnodarā ca cāpābhā [gh: cavābhā] naradṛk [mū: navadṛk] kumudākṛtiḥ |
indīvarābjapatrābhā paṭolaphalavatstriyāḥ || 37 ||

5.37 Männliche Augen können wie ein Fischbauch, ein Bogen oder eine Kumuda-Blüte gestaltet werden; weibliche wie Blätter des blauen Lotus oder wie eine Patola-Frucht.

tadvistāro'ṅgulaṃ caikaṃ tārā syāttattribhāgikā |
pañcamāṃśaṃ bhavejjyotiḥ sṛkkaṇīsūtratulyataḥ || 38 ||

5.38 Das Auge ist eine Fingerbreite breit; ein Drittel davon bildet die Iris, ein Fünftel die Pupille beziehungsweise den Lichtpunkt. Die Ausrichtung wird auf die Mundwinkellinien bezogen.

rucirau yavamānau ca ghrāpuṭau [mū: dvau puṭau; g: nāsāpuṭau] samasūtrakau |
ardhāṅgulasamā droṇī sārdhadvyaṅguladīrghatā || 39 ||

5.39 Die schönen, gerstenkorngroßen Öffnungen liegen auf gleicher Linie. Die Augenmulde ist eine halbe Fingerbreite breit und zweieinhalb lang. [Die erste Bezeichnung ist als Nasenöffnung überliefert; der Bezug ist unsicher.]

netrārdhe dvyaṅgulāyāme bhruvau dviyavavistarau |
tayora taramātrārdhaṃ striyāṃ yavārdhavistṛte [gh: yathāmbuvistṛte] || 40 ||

5.40 Über den Augen liegen die zwei Fingerbreiten langen und zwei Gerstenkörner breiten Brauen; ihr Abstand beträgt eine halbe Matra. Für weibliche Brauen wird eine halbe Gerstenkornbreite genannt.

kārmakābhe same śaste bhūsamā karṇayo 7 sthitiḥ |
karṇau netradayāyāmau tadardhādvistarastayoḥ || 41 ||

5.41 Die Brauen seien gleichmäßig und bogenförmig. Die Ohren liegen auf Brauenhöhe, sind zwei Netra-Maße lang und halb so breit.

yavadvayonmiti [gh: dvayamiti] vatī śaṣkulī tatsamā bhavet |
kalārdhaṃ (tadukau [mū,a: tuḍhukau; k, g: tuṭukau; kh: tupukau] khalvau ?) pāśau kuryādyathepsitau || 42 ||

5.42 Die innere Ohrmuschel misst zwei Gerstenkörner; die weiteren, beschädigt benannten Ohrteile eine halbe Kala. Die Ohrschlaufen gestalte man nach dem gewünschten Schmuck.

sārdhatalaṃ bhavenmūrdhni karṇayorūrdhvadeśataḥ |
indrasaṅkhyāṅgulaṃ paścātkarṇayorantaraṃ viduḥ || 43 ||

5.43 Über den Ohren misst das Haupt eineinhalb Tala; der rückwärtige Abstand zwischen den Ohren beträgt die durch „Indra“ bezeichnete Fingerbreitenzahl. [Das Zahlwort ist nicht eindeutig aufzulösen.]

sārdhaṃ yavaṃ tu karṇaṃ tu dalaṃ kuryānna cādhikam [kh: narādhikam] |
lalāṭo'ṣṭāṅgulāyāmastryaṅgulaḥ śaṅkha ucyate || 44 ||

5.44 Das Ohrblatt sei eineinhalb Gerstenkörner dick, nicht mehr. Die Stirn misst acht Fingerbreiten, die Schläfe drei.

tadūrdhve dvyaṅgule śuktī [kh: śaktiḥ] tritāla [k: trikāla] veṣṭanaṃ śiraḥ [g: śivaḥ] |
saptāṅgulau kapolau tu sāṅgulau sayavocchrayau || 45 ||

5.45 Darüber liegt der zwei Fingerbreiten große Schläfenbereich; der Kopfumfang beträgt drei Tala. Die Wangen messen sieben Fingerbreiten, ihre Erhebung eine Fingerbreite zuzüglich eines Gerstenkorns. [Ein anatomischer Ausdruck ist unsicher.]

dvikalārdhākṣisṛkkā [mū, a, g: sūktā] tu tvapāṅgau sāyakāṅgulau |
hanū kalā tradīrghau vdikalaścibukodgamaḥ || 46 ||

5.46 Für Augenwinkel und seitliche Augenpartien werden zwei Kalas, ein halbes Maß und fünf Fingerbreiten genannt; die Kieferlänge folgt der Kala-Bemessung, der Kinnvorsprung beträgt zwei Kalas. [Die Zuordnung ist beschädigt.]

grīvāṣṭāṅgulavistārā veṣṭanena dvitālakā [kh, gh: tālikā] |
skandho'ṣṭāṅgulavistārastadāyāmaścatuṣkalā || 47 ||

5.47 Der Hals ist acht Fingerbreiten breit und zwei Tala im Umfang. Die Schulter ist acht Fingerbreiten breit und vier Kalas lang.

trigolāvaśakau khyātau ṣaḍaṅgulapṛthū bhujau |
vistāraḥ kūrparastasmādbhūtāṅgulairyavaistathā || 48 ||

5.48 Die abfallenden Schulterpartien werden mit drei Golakas, die Armbreite mit sechs Fingerbreiten bestimmt; die Ellenbogenbreite beträgt fünf Fingerbreiten mit dem genannten Gerstenkornzusatz. [Der erste Ausdruck ist unsicher.]

pañcāṅgulopabāhū ca tanmadhyaṃ ca [gh: tanmadhye tu] kalādvayam |
caturaṅgulavistāro maṇibandhaḥ prakīrtitaḥ || 49 ||

5.49 Der Unterarm ist fünf Fingerbreiten breit, in seiner Mitte zwei Kalas; das Handgelenk wird mit vier Fingerbreiten Breite beschrieben.

kramāttriguṇakaṃ bāhvoḥ pariveṣṭanametayoḥ |
stanayorantaraṃ tālaṃ tayoḥ prāntau dvinetrakau || 50 ||

5.50 Der Umfang der Arme beträgt jeweils das Dreifache der entsprechenden Breite. Zwischen den Brustwarzen liegt ein Tala; die seitlichen Brustbereiche messen je zwei Netra.

cūcukaṃ yavamātraṃ [gh: cūcūkau yavamātrau] tu dviyavaṃ stanamaṇḍalam |
nābhiḥ pradakṣiṇāvartā nimnato'rdhāṅguloditā || 51 ||

5.51 Die Brustwarze ist ein Gerstenkorn groß, der Brustwarzenhof zwei. Der Nabel dreht sich nach rechts und ist eine halbe Fingerbreite vertieft.

vistāreṇāṅgulaṃ vidyānnābhyadho dvikalodaram |
hṛdviṃśatyaṅgulaṃ proktaṃ nābhideśaścaturdaśa || 52 ||

5.52 Seine Breite beträgt eine Fingerbreite; darunter liegt der Bauchbereich von zwei Kalas. Die Brustmitte ist zwanzig, die Nabelgegend vierzehn Fingerbreiten breit.

aṣṭādaśāṅgulā śreṇī vistāreṇa pracoditā |
pañcādaśāṅgulaṃ [mū, a, k, g: pañcāśadaṅgulaṃ] vakṣo hṛddeśaḥ pañcabhirvinā || 53 ||

5.53 Die Hüftbreite beträgt achtzehn Fingerbreiten. Für den Brustumfang wird fünfzig angegeben, für die Herzgegend fünf weniger. [Der Grundtext liest fünfzehn; die meisten Varianten fünfzig.]

veṣṭanena tato nābhirdvicatvāriśadaṅgulam |
kaṭiḥ saṃveṣṭanenoktā śatācca [k, kh: sa tāvat] dvyadhikāṅgulā || 54 ||

5.54 Der Umfang auf Nabelhöhe beträgt zweiundvierzig Fingerbreiten. Für die Taille nennt der Grundtext einhundertzwei; die Varianten zeigen eine Störung dieser Zahlenangabe.

sphicau pīnau suvṛttau ca samau ca dvikalonnatau |
caturnetrapravistārau gajakumbhopamau śubhau || 55 ||

5.55 Die Gesäßhälften sind kräftig, schön gerundet, gleichmäßig und zwei Kalas erhoben; ihre Breite beträgt vier Netra. Sie gleichen den Stirnwölbungen eines Elefanten.

vṛṣaṇau dvyaṅgulāyāmau tanmadhye mehanasthitiḥ |
mehanastryaṅgulo dairghyātyariṇāhe [mū: pariṇāhāt] ṣaḍaṅgulaḥ || 56 ||

5.56 Die Hoden sind zwei Fingerbreiten lang, dazwischen liegt das männliche Glied. Dieses misst drei Fingerbreiten in der Länge und sechs im Umfang.

tatkośāgraṃ dvinetraṃ ca pariṇāhena kīrtitam |
pāyoścavṛṣaṇasyāntavistāreṇa dvigolakam || 57 ||

5.57 Für die Spitze der Vorhaut werden zwei Netra als Umfang genannt. Der Abstand zwischen After und Hoden beträgt zwei Golakas.

ūrumūle ca tanmadhye jānū dve jānudeśataḥ |
tadadhaḥ piṇḍikāyāṃ ca jaṅghāyāṃ ghaṇṭikordhvataḥ || 58 ||

5.58 An Oberschenkelwurzel, Oberschenkelmitte, Knie, unterhalb des Knies, Wade, Schienbein und oberhalb des Knöchels

ekaikaṃ kṣīyate tālo [gh: tālād] yāvatpañcāṅgula [gh: paścāṅgala] sthitiḥ |
evaṃ vistāra eteṣāṃ veṣṭanaṃ triguṇādhikam || 59 ||

5.59 nimmt die Breite von einem Tala an jeweils um eine Fingerbreite ab, bis fünf Fingerbreiten verbleiben. Der Umfang entspricht jeweils dem Dreifachen.

yavagarbhe kṛśe liṅge karāṅgulyagrake tathā |
bhujajaṅghāgrake caiva svavistārāttriveṣṭanam || 60 ||

5.60 Bei gerstenkornartigen, dünnen Formen, am Geschlecht, an Fingerspitzen sowie an Arm- und Unterschenkelenden beträgt der Umfang ebenfalls das Dreifache der jeweiligen Breite.

etaduktaṃ ca sāmānyaṃ striyāḥ puṃsaśca lakṣaṇam [mū: veṣṭanam] |
nāryaṣṭāṃśā ca tanvaṅgī [mū, a, kh: tattvaṅgī] cakṣuḥ śroṇī stanādhikā || 61 ||

5.61 Damit sind die allgemeinen Merkmale für weibliche und männliche Gestalten erklärt. Die weibliche Gestalt ist achtteilig und schlank, mit stärker betonten Augen, Hüften und Brüsten.

gaṇḍāsthisūtrarāmeṇa (?) tryasraṃ kūrmonnataṃ bhagam |
tanmadhyatastvadhobhāge randhraṃ syāt kuñjaroṣṭhavat || 62 ||

5.62 Die weibliche Scham ist dreieckig und schildkrötenartig gewölbt; in ihrer unteren Mitte befindet sich eine Öffnung, einer Elefantenlippe ähnlich. [Die vorausgehende Linienbemessung ist beschädigt.]

dakṣāṇḍābhaṃ tilākāraṃ devadevyormukhaṃ varam |
vṛttaṃ vedāsrakaṃ cāsyaṃ kuryātpretādirakṣasām || 63 ||

5.63 Das Gesicht von Gott und Göttin sei vorzugsweise hühnereiförmig beziehungsweise sesamkornförmig. Für Pretas und Rakshasas fertige man runde oder viereckige Gesichter.

navāṃśairitare khyātāḥ pradhānā daśabhāgikāḥ |
brahmaviṣṇuharādīnāṃ saṃkṣepāllakṣma cocyate || 64 ||

5.64 Andere Gestalten besitzen neun, die Hauptgottheiten zehn Teile. Die besonderen Merkmale von Brahma, Vishnu und Hara werden nun kurz erklärt.

mukuṭādyaṅgulaikaikaṃ [gh: mukuṭāddvaṅgu-] prakṣipeccaraṇāntike |
vakṣobāhūrujaṅghānāṃ [gh: jaṅghāyāṃ] karādīnāṃ krameṇa tu || 65 ||

5.65 Von der Krone bis zu den Füßen füge man den betreffenden Maßen jeweils eine Fingerbreite hinzu, der Reihe nach bei Brust, Armen, Oberschenkeln, Unterschenkeln, Händen und den übrigen Teilen.

tālaikādaśabhi kuryādbhūtavetālarakṣasām |
dve dve caivāṅgule deye vaktrādiṣu yathākramam || 66 ||

5.66 Bhutas, Vetalas und Rakshasas gestalte man elf Tala hoch; an Gesicht und den folgenden Teilen sind jeweils zwei Fingerbreiten hinzuzufügen.

kiṅkarāḥ sthūlarūpāśca saptatālochrayā matāḥ |
vāmanaḥ pañcatālaśca bhūtāṃśaiḥ paṅgukubjakau || 67 ||

5.67 Diener und gedrungene Gestalten gelten als sieben Tala hoch, Zwerge als fünf; für lahme und bucklige Gestalten wird die entsprechende Fünfteilung genannt.

kūṣmāṇḍakaścatustālairunmānena prakalpayet |
buddhvā buddhvā tu yatnena sūkṣmadṛṣṭyā vicakṣaṇaḥ || 68 ||

5.68 Kushmandas bilde man vier Tala hoch. Der Kundige prüfe dabei immer wieder sorgfältig mit feinem Blick,

poṣaṇaṃ haraṇaṃ kuryātsarvasminneva rūpake |
acatanmānataḥ kāryāḥ sarvāvayavabhūṣitā || 69 ||

5.69 wo an einer Gestalt etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen ist. Nach dem zugehörigen Maß soll das Kultbild mit sämtlichen Gliedern gestaltet werden.

sarvaśāntikarī dhanyā na hīnā nādhikāṅgikā |
sthānakaiḥ karaṇairyuktā pratimaiṣā phalapradā || 70 ||

5.70 Glückverheißend, Frieden stiftend, weder mit fehlenden noch mit überzähligen Gliedern, mit den richtigen Stellungen und Bewegungsformen ausgestattet, schenkt das Bild seine Frucht.

vikṣiptādhomukhī stabdhā hīnā śuṣkā kunetrikā |
vakrāṅgī [mū, a, k, kh, ṅ: cakrāṅgī] cipiṭā dīnā kṛśa [kh: bhūṣa] gātrī ca raudrikā || 71 ||

5.71 Verzerrte, gesenkte, starre, unvollständige, ausgetrocknete, schlechtäugige, gekrümmte, abgeplattete, elende, zu dünne und unpassend schreckliche Formen werden als Fehler genannt.

vikṣiptāṅgī kṣayaṃ kuryāt pāpadādhomukhī matā |
saṅkocakārikā stabdhā hīnavaktrā ca rogadā || 72 ||

5.72 Verzerrte Glieder bringen Verfall, ein gesenktes Gesicht Verfehlung, Starrheit Einschränkung und ein unvollständiges Gesicht Krankheit.

yānaghnī [k, kh: dānaghnī] kaṭihīnā syājjanahṛtpāṇipādataḥ [kh: pādapāṇitaḥ] |
hīnajaṅghārisaukhyāthaṃ śuṣkā syānnṛpanāśinī || 73 ||

5.73 Eine mangelhaft gebildete Taille schädigt Fahrzeuge beziehungsweise Gaben; fehlerhafte Hände und Füße die Menschen, unvollständige Unterschenkel begünstigen Feinde. Eine ausgetrocknete Gestalt vernichtet den König.

śuṣka [g: guhya] pāṇyaṅghrikadyā syādācāryaṃ śuṣkajaṅghikā |
udvegajananī sā tu bhrāmaṇī ca sadā bhavet || 74 ||

5.74 Ausgetrocknete Hände und Füße sowie Unterschenkel werden mit Schaden für den Acharya, mit Beunruhigung und Umherirren verbunden. [Die genaue Zuordnung der ersten Vershälfte ist beschädigt.]

kunetrā netrahṛtkhyātā vakraghrāṇā tu duḥkhaḥkṛt |
vakrāṅgyarthāṅganāśāya cipiṭā duḥkhadāyinī || 75 ||

5.75 Schlechte Augen schädigen das Augenlicht, eine krumme Nase bringt Leid. Gekrümmte Glieder zerstören Besitz und körperliche Unversehrtheit, Abplattung verursacht Leid.

dīnārcā [mū: nīcārcā] śilpinaṃ hanyādraudrī kartṛvināśinī |
dhanaghnī ca [mū: tu] kṛśāṅgī syācchasyaghnī tu kṛśodarī || 76 ||

5.76 Ein elend wirkendes Bild schädigt den Handwerker, ein unpassend schreckliches den Auftraggeber; zu dünne Glieder vernichten Besitz, ein eingefallener Bauch die Ernte.

gaṇḍottamāṅgahṛdvakṣa ādau nimnā dhruvaṃ haret |
suhṛddhanasutāṃstasmātkāryā sallakṣaṇāḥ sadā || 77 ||

5.77 Vertiefungen an Wangen, Haupt, Herz und Brust nehmen nach der Warnung Freunde, Vermögen und Kinder. Deshalb sind Bilder stets mit guten Merkmalen herzustellen.

ṛju [k: ṛjvā; kh: ṛdvā; g: ṛdva] cakṣugataṃ sācī kṛtakaṃ gaṇḍabhītidam [gh: bhītikam] (?) |
chāyāgataṃ ca sarvāṅga [gh: sarvāṅka] bhittikaṃ kṣiptakaṃ tathā || 78 ||

5.78 Es folgen die Bezeichnungen der Stellungen: aufrecht, augengerichtet, seitwärts gewandt und weitere, teils beschädigte Namen; genannt werden auch Schattenstellung, Wandbezug und Ausstreckung.

parāvṛttabhītimāni navasthānāni rūpake |
karaṇāni śataṃ cāṣṭau vyantarā [k, kh: pyantarā] ścātivistarāḥ (?) || 79 ||

5.79 Mit Rückwendung und den übrigen Formen werden neun Stellungen des Bildes gezählt. Hinzu kommen einhundertacht Karanas und zahlreiche Zwischenformen. [Mehrere Stellungsnamen in 5.78–79 sind nicht sicher lesbar.]

iti lakṣaṇasamuccaye vyaktaliṅgalakṣaṇaṃ nāma pañcamo vidhiḥ || 5 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 5. Ritualabschnitt über „Merkmale der figürlichen Kultbilder“.

Kapitel 6: Gestaltung Rudras und weiterer Gottheiten

atha ṣaṣṭhaḥ

Nun folgt der 6. Abschnitt.

navaśaktayaḥ [asya granthasya pūrvabhāgātmake devatā citrasaṃgrahe pustake mudritānāṃ citrāṇāṃ nāmāni kramasaṃkhyā cātra tattatsthāne daktāni atroktalakṣaṇānāmudāharaṇāni tatraiva draṣṭavyāni | yathā- (navaśaktayaḥ) ītyasyodāharaṇe 1 saṃkhyākaṃ citraṃ draṣṭavyam | evaṃ sarvatra jñeyam |] -

Die neun Shaktis. Die anschließenden Herausgeberverweise nennen die Bildnummern einer gesonderten Sammlung von Gottheitszeichnungen; diese Bilder gehören nicht zum hier vorliegenden E-Text.

vṛttasthā jaṭilāstryakṣā agnijvālāsamaprabhāḥ |
kapālābhayahastogrā vāmādyā navaśaktayaḥ || 1 ||

6.1 Die neun Shaktis, beginnend mit Vama, stehen im Kreis, tragen Haarflechten und drei Augen und leuchten wie Feuerflammen. Sie sind furchtgebietend und halten eine Schädelschale beziehungsweise zeigen die Schutzgeste.

śivaḥ [asya 2 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: śiva.

caturbhujo'ravindasthaḥ śivaḥ kundendunirmalaḥ |
dvīpicarmāhibhṛcchāntastryakṣo jaṭendubhūṣitaḥ || 2 ||

6.2 Shiva ist vierarmig, sitzt auf einem Lotus und ist rein wie Jasmin und Mond. Friedvoll, dreiäugig, mit Tigerfell und Schlangen versehen, trägt er Flechten und die Mondsichel.

kapālaśūlapāṇiśca purottānakaradvayaḥ |
aṅgaṣaṭkasamāyuktaḥ śīghraṃ syātsiddhidāyakaḥ || 3 ||

6.3 Er hält Schädelschale und Dreizack; die beiden vorderen Hände sind nach oben geöffnet. Mit den sechs Angas verbunden, gewährt er rasch Vollendung.

śivabhedaḥ [asya 3 saṃ0 ci0 dra0] -

Eine weitere Gestalt Shivas.

sa evābjasthito devo digvāhurdṛktripañcakaḥ |
[atra ka. pustakasyā ṭippaṇī-yuva= īśaḥ, yauvanaḥ=puruṣaḥ, vṛddhaḥ=aghora, strī=vāmadevaḥ, bālaḥ=sadyojātaḥ, iti |] yuvayauvanavṛddhastrībālābhaḥ pañcavaktrabhṛt || 4 ||

6.4 Eine weitere Shiva-Form sitzt ebenfalls auf dem Lotus, besitzt zehn Arme, fünfzehn Augen und fünf Gesichter: als junger Mann, Jugendlicher, Alter, Frau und Kind. [Der Apparat ordnet diese Ishana, Purusha, Aghora, Vamadeva und Sadyojata zu.]

savye kartarikādarśakuṇḍīvaradaśūlabhṛt |
vāmenā [kh: dakṣeṇa; atraiva k. pustakasya ṭippaṇyāṃ akṣamālā iti śabdaśva prakṣiptaḥ] bhayamantrāṅka [gh: mantrāhva] kapālotpalapūra [atrāpi k. pustakasya ṭippaṇyāṃ bījapura iti prakṣiptaḥ] bhṛt || 5 ||

6.5 Links trägt er Schere, Spiegel, Wasserkrug, Segensgeste und Dreizack; rechts Schutzgeste, Mantra-Zeichen beziehungsweise Gebetskette, Schädelschale, Lotus und Zitrusfrucht. [Die Seitenzuordnung und einzelne Attribute variieren.]

hṛtsitaṃ kapilaṃ muṇḍaṃ pītā śikhā sitacchadam |
dṛgraktāsihutāśābhāḥ sarve tryakṣā jaṭānvitāḥ || 6 ||

6.6 Seine sechs Anga-Gestalten erscheinen mit weißem Herzen, gelbbraunem Haupt, gelber Haarspitze und weißem Panzer; die Augen sind rot, die Waffenform feuerfarben. Alle besitzen drei Augen und Haarflechten. [Die Verbindung der Farbnamen ist uneben.]

dvibhujāścakavaktrāśca kapālaśūlapāṇayaḥ |
babhrubhrūśmaśruddā?bhīmamastraṃ pītaṃ svaśastra [k, kh, g: suśastra] bhṛt || 7 ||

6.7 Sie sind zweiarmig und eingesichtig und halten Schädelschale und Dreizack. Die Waffenform ist gelb und furchterregend, mit bräunlichen Brauen, Bart und Haaren sowie ihrer Waffe. [Ein Wort ist beschädigt.]

śivabhedaḥ [asya 4 saṃ0 ci. dra0]-

Eine weitere Gestalt Shivas.

kuṇḍī pāśāṅkuśaṃ ghaṇṭā śūlaṃ ca vāmahastake |
śakti [pā: śānti] vajrākṣamālāsicakrāṇi dakṣiṇe kvacit || 8 ||

6.8 Bei einer anderen Shiva-Form liegen Wasserkrug, Schlinge, Haken, Glocke und Dreizack in den linken Händen; Speer, Donnerkeil, Gebetskette, Schwert und Rad in den rechten.

dvīpicarmavaro'bjastho nāgayajñopavītavān |
ekāsyaḥ pañcavaktro vā tryakṣo jaṭendubhṛcchivaḥ || 9 ||

6.9 Shiva trägt Tigerfell und eine Schlange als heilige Schnur und sitzt auf einem Lotus. Er besitzt ein oder fünf Gesichter, drei Augen, Flechten und Mondsichel.

anantādyāścaturdikṣu raktanīlasitāruṇāḥ |
koṇeṣu caika [mū: caiva] rudrādyāḥ sitāsaṅnīlalohitāḥ || 10 ||

6.10 Ananta und die übrigen stehen in den vier Hauptrichtungen und sind rot, blau, weiß und rötlich; in den Zwischenrichtungen stehen Ekarudra und die weiteren, weiß, blutrot, blau und rot.

sarve cāṣṭabhujāḥ saumyāścaturāsyā jaṭānvitāḥ |
śivāyudhadharāstryakṣāḥ sṛṇyasibhyāṃ vinā kvacit || 11 ||

6.11 Alle sind achtarmig, freundlich, viergesichtig, mit Flechten und drei Augen versehen und tragen Shivas Waffen; mancherorts ohne Haken und Schwert.

digvarṇā [mū, a: digdaṇḍā] jaṭilāstryakṣāḥ sthūlatri [mū, a, kh: stūratrī; gh: stūrastrī] śaladhāriṇaḥ |
puṭāñjalikarāḥ sarve vidyeśāścaikavaktrakāḥ || 12 ||

6.12 Die Vidyeshvaras besitzen die Farben ihrer Richtungen, Flechten, drei Augen und ein Gesicht. Alle halten die Hände zur Verehrung zusammen und tragen den großen Dreizack. [Ein Attributwort ist beschädigt.]

someśvaraḥ [asya 5 saṃ0 ci0 dra0]- (prathama)

Darstellung: someśvara.

sitaścaturbhujastryakṣaḥ kajastho bhūṣaṇānvitaḥ |
varābhayakapālābjajaṭendvajinanāgabhṛt || 13 ||

6.13 Die erste Someshvara-Form ist weiß, vierarmig, dreiäugig, geschmückt und sitzt auf einem Lotus. Sie zeigt Segen und Schutz und trägt Schädelschale, Lotus, Flechten, Mond, Tierfell und Schlangen.

someśvaraḥ [asya 6 saṃ0 ci0 dra0]- (dvitīyaḥ)

Darstellung: someśvara.

kāryaḥ someśvaro raktaścaturāsyo'ṣṭabāhukaḥ |
dakṣiṇe śūlanistriśakuṭhārābhayadhārakaḥ || 14 ||

6.14 Die zweite Someshvara-Form ist rot, viergesichtig und achtarmig. Rechts trägt sie Dreizack, Schwert und Axt und zeigt die Schutzgeste.

ghaṇṭākapālakhaṭvāṅgapāśahastastu vāmake |
muṇḍamālī śavārūḍho dvaitādvaite kramānmataḥ || 15 ||

6.15 Links trägt sie Glocke, Schädelschale, Khatvanga und Schlinge. Sie besitzt eine Schädelgirlande und steht auf einem Leichnam. Die beiden Formen werden der Reihe nach dem dualen und nichtdualen Zusammenhang zugeordnet.

nāṭyeśvaraḥ [ asya. 7 saṃ. ci. dra0]-

Darstellung: nāṭyeśvara.

pīnāṅgaṃ yauvanodbhinnaṃ daśabāhuṃ [g: daśa dhāṅga] trilocanam |
saumyaṃ prahasitāsyaṃ ca candramauliṃ jaṭādharam || 16 ||

6.16 Natyeshvara, der Herr des Tanzes, ist kräftig, jugendlich, zehnarmig und dreiäugig, freundlich, mit lächelndem Gesicht, Mondsichel und Haarflechten.

vyāghracarmāṃśukaṃ śāntaṃ vyālayajñopavītinam |
nāgendramekhalāyuktaṃ sarvābharaṇabhūṣitam [kh: maṇḍitam] || 17 ||

6.17 Er trägt ein Tigerfellgewand, eine Schlange als heilige Schnur, einen Schlangenkönig als Gürtel und sämtlichen Schmuck; seine Erscheinung ist friedvoll.

ūrdhvameḍhraṃ mahādīptaṃ vaiśākhakaraṇe sthitam |
nṛtyantaṃ mahāhṛṣṭamāyudhākula [mū, a: māyudhojjvala] pāṇinam || 18 ||

6.18 Mit aufgerichtetem Glied, stark leuchtend, steht er in der Vaishakha-Tanzstellung. Voll großer Freude tanzt er und hält seine Hände voller Waffen und Attribute.

daṇḍāsiśaktiśūlāni bibhrāṇaṃ dakṣiṇe kare |
balanākārakaṃ bāhumekaṃ kṛtvā hṛdi sthitam || 19 ||

6.19 Rechts trägt er Stab, Schwert, Speer und Dreizack; einen Arm hält er in der genannten gebogenen Tanzgeste vor der Brust. [Der Gestenname ist unsicher.]

kapālaṃ caiva khaṭvāṅgaṃ kheṭakaṃ nāganāyakam |
vāme pratānitabhujaṃ samyak kṛtvā suśobhanam || 20 ||

6.20 Links trägt er Schädelschale, Khatvanga, Schild und Schlangenkönig; einen linken Arm streckt er schön aus.

kapālamālinaṃ divyaṃ suprasannaṃ subhūtidam |
([koṣṭhāntargato'yaṃ pāṭhaḥ k. pustake nāsti] sarvaśāntikaraṃ kuryādityevaṃ saumyarūpakam || 21 ||

6.21 Mit Schädelgirlande, göttlich und heiter, Wohlergehen und Frieden spendend: So gestalte man diese freundliche Form.

vṛṣasthitaṃ haraṃ kuryāddevāsurasamāvṛtam |
skandanandimahākālagaṇeśagaṇasaṃyutam || 22 ||

6.22 Hara soll auf dem Stier stehen, umgeben von Göttern und Asuras, begleitet von Skanda, Nandin, Mahakala, Ganesha und den Ganas.

kūṣmāṇḍādyapsarobhiśca vṛtaṃ vidyādharādibhiḥ |
sānandai rūpasampannairvīkṣyamāṇaṃ maheśvaram [kh, gh: vīkṣamāṇairmaheśvara] || 23 ||

6.23 Kushmandas, Apsaras, Vidyadharas und weitere schöne, freudige Wesen umgeben und betrachten Maheshvara,

divyāmbaraparīdhānaiḥ sarvābharaṇabhūṣitaiḥ |
tadagre ca pranṛtyaṃśca bhṛṅgīkāryaṃ kṛśo bhṛśaḥ || 24 ||

6.24 gekleidet in göttliche Gewänder und geschmückt mit allen Schmuckstücken. Vor ihm soll der sehr magere Bhringin tanzen.

puraḥ prāṅmadhyato'nte ca dīptogrāḥ kāmarūpikāḥ [mū, a, k, kh: dīptāṅgāḥ saumyarūpikāḥ] |
vikṛtāstīkṣṇanāsāścacaurāgnyādipradāḥ [kh: prapadāḥ] kramāt || 25 ||

6.25 Die Stellungen vorn, in der Mitte und am Ende werden mit leuchtenden, schrecklichen beziehungsweise freundlichen Formen verbunden. Verunstaltete Gestalten mit scharfer Nase gelten als Ursache von Diebstahl, Feuer und weiteren Gefahren. [Der Vers ist widersprüchlich überliefert.]

yathārkasya bhavedrūpamādimadhyāntasaṃsthitam |
harasyaivaṃ bhavedarcā sthāne sthāne phalapradā || 26 ||

6.26 Wie die Sonne am Anfang, in der Mitte und am Ende verschieden erscheint, so gewährt auch Haras Bild je nach seiner Stellung unterschiedliche Früchte.

caṇḍabhairavaḥ [asya 8 saṃ0 ci0 dra0]

Darstellung: caṇḍabhairava.

vṛtanetraṃ ca pītāṅgaṃ piṅgabhrūśmaśrumūrdhajam |
bhrukuṭībhīṣaṇaṃ kṛṣṇaṃ lelihānaṃ ca draṃṣṭriṇam || 27 ||

6.27 Chandabhairava besitzt runde Augen, gelbe beziehungsweise dunkle Körperfarbe, bräunliche Brauen, Bart und Haare, furchtbare zusammengezogene Brauen, leckende Zunge und Fangzähne. [Die Farbangaben stehen unaufgelöst nebeneinander.]

muṇḍamālākulaṃ divyaṃ kapālābharaṇojjvalam |
nāgopavītinaṃ dīptaṃ nāgābharaṇabhūṣitam || 28 ||

6.28 Er ist mit Schädelgirlanden bedeckt, leuchtet in Schädelschmuck und trägt Schlangen als heilige Schnur und Schmuck.

vīrāsanaṃ śavasthaṃ ca gajacarmottarīyakam |
caturdaśakaraikāsyaṃ saumyaṃ vyāghrājināmbaram || 29 ||

6.29 Er sitzt in Virasana auf einem Leichnam, trägt ein Elefantenfell als Obergewand und Tigerfell als Kleidung, besitzt vierzehn Arme und ein Gesicht; trotz der schrecklichen Attribute wird er hier auch freundlich genannt.

śūlāsiśaktibāṇāṃśca śāntikaṃ dakṣiṇe kare |
khaṭvāṅgaṃ kheṭakaṃ pāśaṃ cāpābhayakapālakam || 30 ||

6.30 Rechts trägt er Dreizack, Schwert, Speer und Pfeil und zeigt die befriedende Geste; links Khatvanga, Schild, Schlinge, Bogen, Schutzgeste und Schädelschale.

bibhrāṇaṃ vāmahastena [gh: haste ca] dvayośca gajacarma tu |
mātṛbhūtānvitaṃ kuryādbhairavaṃ śāntikārakam || 31 ||

6.31 Mit zwei Händen hält er das Elefantenfell. Umgeben von Müttern und Bhutas ist dieser Bhairava als friedensstiftend darzustellen. [Die überlieferte Attributzählung füllt nicht alle vierzehn Hände eindeutig.]

aghoraghaṇṭeśabhairavaḥ [asya 9 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: aghoraghaṇṭeśabhairava.

etatsarvasamāyuktaṃ kulisamudgarādhikam |
kuryādaghoraghaṇṭeśaṃ dviraṣṭabhujamaṇḍitam || 32 ||

6.32 Aghoraghantesha besitzt dieselbe Ausstattung, dazu Donnerkeil und Keule. Man gestalte ihn mit sechzehn Armen.

([koṣṭhāntargato'yaṃ pāṭhaḥ gh. pustake vartate, anyeṣu nāsti] aṣṭavaktraṃ mahārūpaṃ digvarṇaṃ jinalocanam |
upaviṣṭaṃ sadā kṛṣṇaṃ sarvakāmapradāyakam || 33 ||

6.33 Er ist achtgesichtig, von gewaltiger Gestalt, mit richtungsentsprechenden Farben und vierundzwanzig Augen. Stets dunkel und sitzend, gewährt er alle Wünsche. [Dieser Zusatzvers ist nur in einer Handschrift belegt.]

andhakāntakabhairavaḥ [asya 10 saṃ0 ci. dra0]-

Darstellung: andhakāntakabhairava.

uccālīḍhaṃ [mū, a, k, kh, g, ṅ: ūrdhvālīḍha] sthitaṃ kruddhaṃ prāgrūpaṃ pañcavaktrakam |
aṣṭādaśabhujaṃ kuryādvaradābhaya [g: bhavadābhaya] varjitam || 34 ||

6.34 Andhakantaka erscheint zornig in erhöhter Alidha-Stellung, entsprechend der vorigen Gestalt, mit fünf Gesichtern und achtzehn Armen, ohne Segens- und Schutzgeste.

pāṇidvayasthasacchūlasaṃbhinnāndhakadānavam |
ghṇṭāṃ ḍamarukaṃ caiva kuṭhāraṃ mudgaraṃ [k, g: mudgalaṃ] tathā || 35 ||

6.35 Mit dem in zwei Händen gehaltenen Dreizack durchbohrt er den Dämon Andhaka; hinzu kommen Glocke, Sanduhrtrommel, Axt und Keule.

dhārayantaṃ sphuraddaṃṣṭraṃ bhairavaṃ tvandhakāntakam |
sarvaśatruharaṃ nityaṃ mātṛbhiḥ parivāritam || 36 ||

6.36 Mit hervorleuchtenden Fangzähnen, von den Müttern umgeben, ist Bhairava als Andhakas Vernichter und stets alle Feinde beseitigend darzustellen.

vaidyanāthaḥ [asya 11 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vaidyanātha.

ṣaḍbhujaṃ jaṭilaṃ śvetaṃ trinetraṃ candrabhūṣitam [kh: candramaulinam] |
vyāghrājināṃśuka saumyaṃ nāgayajñopavītinam || 37 ||

6.37 Vaidyanatha ist sechsarmig, weiß, dreiäugig, mit Flechten und Mond geschmückt, freundlich, in Tigerfell gekleidet und mit einer Schlange als heiliger Schnur versehen.

triśūlaṃ cākṣasūtraṃ ca [gh: tu] kapālaṃ kuṇḍikāṃ kramāt |
yāmye saumye ca bibhrāṇa dvābhyāṃ vyākhyānakaṃ tathā || 38 ||

6.38 Dreizack und Gebetskette rechts, Schädelschale und Wasserkrug links; mit den beiden übrigen Händen zeigt er die Lehrgeste.

padmāsanasthitaṃ kuryādvaidyanāthaṃ haraṃ prabhum [kh: vibhum] |
gauraṃ sitāmbaraṃ śāntaṃ kamaṇḍalusamanvitam || 39 ||

6.39 Vaidyanatha, der Herr Hara, sitzt im Lotussitz. Die anschließenden Begleitgestalten sind hell, weiß gekleidet, friedvoll und mit Wassergefäß versehen.

dhanvantari suṣeṇaṃ tu vānarāsyaṃ narāṅgakam |
amṛtāgamahastaṃ ca kuryāttatpārśvayoḥ sadā || 40 ||

6.40 Dhanvantari und Sushena sollen stets an seinen Seiten stehen; genannt werden menschliche Körperform, Affengesicht sowie Nektar und Schrift in den Händen. [Die Einzelzuordnung der Attribute zu beiden Gestalten ist verkürzt.]

sadāśiva [asya 12 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: sadāśiva.

sadāśivaṃ tadākāraṃ [kh: tathā kālaṃ] kuṇḍikādyavivarjitam |
ardhacandrāsanāsīnaṃ śvetarājīvamadhyagam || 41 ||

6.41 Sadashiva besitzt eine entsprechende Gestalt, jedoch ohne den Wasserkrug und die damit verbundenen Attribute. Er sitzt auf einem Halbmondsitz inmitten eines weißen Lotus.

dalāṣṭake ca vidyeśairanantādyaiśca dikṣu ca |
vidikṣu caika [mū, a: caiva] rudrādyaistathā gauryādibhirgaṇaiḥ |
divyasiṃhāsanāsīnaṃ brahmādyaiḥ parivāritam || 42 ||

6.42 Auf den acht Blättern stehen Ananta und die weiteren Vidyeshvaras in den Hauptrichtungen, Ekarudra und die übrigen in den Zwischenrichtungen; Gauri und weitere Scharen begleiten ihn. Auf göttlichem Löwenthron ist er von Brahma und anderen umgeben.

mṛtyuñjayaḥ [asya 13 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: mṛtyuñjaya.

trinetraṃ ṣaḍbhujaṃ [kh, gh: ṣaṭkaraṃ] śāntaṃ jaṭākhaṇḍendumaṇḍitam |
kapālamālinaṃ śvetaṃ yogāsanaṃ kajasthitam || 43 ||

6.43 Mrityunjaya ist dreiäugig, sechsarmig, friedvoll und weiß, mit Flechten, Mondsichel und Schädelgirlande. Er sitzt in Yogahaltung auf einem Lotus.

vyāghracarmāmbaraṃ rudraṃ nāgendrorasi bhūṣitam |
triśūlaṃ cākṣasūtraṃ ca [kh, gh: tu] bibhrāṇaṃ dakṣiṇe kare || 44 ||

6.44 Dieser Rudra trägt Tigerfell und ist auf der Brust mit einem Schlangenkönig geschmückt. Rechts hält er Dreizack und Gebetskette,

kapālaṃ kuṇḍikāṃ savye yogamudrāṃ karadvaye |
kuryānmṛtyuñjayaṃ devaṃ mṛtyurogavināśakam [mū, a, g: -śanam] || 45 ||

6.45 links Schädelschale und Wasserkrug; mit zwei Händen zeigt er die Yogageste. So gestalte man Mrityunjaya, den Überwinder von Tod und Krankheit.

ardhanārīśvaraḥ [asya 14 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: ardhanārīśvara.

ūrdhvastho dvibhujaḥ kāryastvardhanārīśvaro haraḥ |
vāmāṅge lalanā kāryā yoṣidābharaṇānvitā || 46 ||

6.46 Ardhanarishvara wird aufrecht und zweiarmig beschrieben. Die linke Körperhälfte ist weiblich und trägt weiblichen Schmuck.

dakṣiṇe puruṣastryakṣo jaṭānāgendrasaṃyutaḥ |
īśe śūlaṃ kapālaṃ ca vāme jāpyamathotpalam || 47 ||

6.47 Rechts ist er männlich, dreiäugig, mit Flechten und Schlangenkönig. Genannt werden auf Shivas Seite Dreizack und Schädelschale, links Gebetskette und Lotus. [Die vier Attribute passen nicht eindeutig zur vorausgehenden Zweiarmigkeit.]

umeśvaraḥ [asya 15 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: umeśvara.

ardhacandrāsanābjastho jaṭākhaṇḍendumaṇḍitaḥ |
kuṇḍalālaṅkṛtaḥ saumyo dvibhujo dvipicarmabhṛt || 48 ||

6.48 Umeshvara sitzt auf einem Lotus mit Halbmondsitz, trägt Flechten, Mondsichel und Ohrringe und erscheint freundlich, zweiarmig und mit Tigerfell bekleidet.

vāmorusthasurūpomā vāmapāṇirnigūḍhakaḥ |
mithaḥ saṃvīkṣyamāṇāsyo yāmyahastasthitotpalaḥ || 49 ||

6.49 Die schöne Uma sitzt auf seinem linken Oberschenkel; der linke Arm umfasst sie. Beide blicken einander an; in seiner rechten Hand liegt ein Lotus.

devīyāmyakarāśliṣṭaḥ skandhārko darpaṇe'pare (?) |
vidheyaḥ śāstravidvadbhirūrdhvaliṅga umeśvaraḥ || 50 ||

6.50 Die Göttin umarmt ihn mit der rechten Hand und hält in der anderen einen Spiegel. Umeshvara ist mit aufgerichtetem Glied darzustellen. [Ein Wort zum Schulterbereich ist beschädigt.]

rudrāḥ [asya 16, 17 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: rudrā.

ajaikapādahirbudhnyo virūpākṣo virocanaḥ |
haraśca bahurūpaśca tryambakaśca sureśvaraḥ || 51 ||

6.51 Als Rudras werden Ajaikapad, Ahirbudhnya, Virupaksha, Virochana, Hara, Bahurupa, Tryambaka und Sureshvara genannt,

jayanto daśamo rudraḥ śukaprabho'parājitaḥ |
sadyaḥ prabhṛtijau dvau dvau tadvatkuḍyabjasaṃyutāḥ || 52 ||

6.52 ferner Jayanta, als zehnter Rudra Shukaprabha und Aparajita. Je zwei gehen aus Sadyojata und den weiteren Gesichtern hervor; ihre Wassergefäße und Lotusse entsprechen den zuvor beschriebenen Formen. [Zählung und Zuordnung sind uneben.]

([cāpacihnāntargato'yaṃpāṭhaḥ kh. pustake nāsti] ekādaśa kvacidrudrā himakundendusannibhāḥ |
jaṭendumaṇḍitāḥ saumyāstryakṣāḥ sarpopavītinaḥ |
vṛṣasthā varadāḥ kuṇḍīśūlapaṅkajapāṇayaḥ || 53 ||

6.53 Mancherorts werden elf Rudras beschrieben, hell wie Schnee, Jasmin und Mond, freundlich, dreiäugig, mit Flechten, Mondsichel und Schlangenschnur. Auf Stieren stehend, zeigen sie Segen und tragen Wasserkrug, Dreizack und Lotus.

viṣṇuḥ [caturbhuja, dvibhuja, aṣṭabhuja, nārāyaṇasya krameṇa 18, 19, 20. saṃ. ci. dra.]-

Darstellung: viṣṇu.

caturdvyaṣṭabhujaṃ cāru kuryādvā viṣṇurūpakam |
śaṅkhacakrabhṛtaṃ vāme śeṣe śāntigadābhṛtam [gh: karam] || 54 ||

6.54 Vishnu kann schön vier-, zwei- oder achtarmig gestaltet werden. Links trägt er Schneckenhorn und Rad, in den übrigen Händen die friedenspendende Geste und die Keule.

pītakauśeyavastrāḍhyamindīvarasamaprabham |
śrīvatsakaustubhoraskaṃ pīnāṅgaṃ pṛthuvakṣasam || 55 ||

6.55 Er trägt gelbe Seide, leuchtet wie ein blauer Lotus, besitzt Shrivatsa und Kaustubha auf der Brust und ist kräftig mit breitem Brustkorb.

kirīṭakuṇḍalopetaṃ vanamālopaśobhitam |
prasannavadanaṃ saumyaṃ sarvābharaṇabhūṣitam || 56 ||

6.56 Krone, Ohrringe und Waldblumengirlande schmücken ihn; sein Gesicht ist heiter und freundlich, sein Körper mit sämtlichem Schmuck versehen.

ūrdhvaṃ vābjasthitaikāsyaṃ tārkṣyasthaṃ vā catuṣkaram |
śaṅkhacakradhare kārye [gh: dharau kāryau] tatsaumyāgneyapārśvataḥ || 57 ||

6.57 Die vierarmige, eingesichtige Form steht auf einem Lotus oder auf Garuda. Die personifizierten Träger von Schneckenhorn und Rad sind an den genannten nördlichen und südöstlichen Seiten darzustellen.

sarasvatīśriyau tadvadvīṇāpadma [mū, a, g: dharma] kare kramāt |
vāme'bhayapradaṃ śeṣe śaṅkhahastaṃ dvibhāhukam || 58 ||

6.58 Ebenso Sarasvati und Shri, jeweils mit Vina und Lotus. Die zweiarmige Form zeigt links Schutz und hält in der anderen Hand das Schneckenhorn.

saumyarūpaṃ gṛhe kuryāllambapāṇiṃ śubhapradam [mū, a, k, g, gh, ṅ: śukaprabham] |
kruddha udyatahastaśca prāsādasthaḥ sadā mataḥ || 59 ||

6.59 Für das Haus gestalte man eine freundliche, glückverheißende Form mit herabhängender Hand; eine zornige mit erhobener Hand ist für den Tempel bestimmt. [Eine Variante nennt statt „glückverheißend“ eine papageienartige Farbe.]

nīlavarṇaścaturvaktro bhṛśaṃ caivāruṇekṣaṇaḥ |
sandaṣṭauṣṭhapuṭaḥ kruddho viṣṇuraṣṭabhujo mataḥ || 60 ||

6.60 Der achtarmige Vishnu ist blau, viergesichtig, mit stark geröteten Augen und im Zorn aufeinandergepressten Lippen.

gadākhaḍgeṣuśāntiśca bibhrāṇo dakṣiṇe kare |
cakraṃ cāpaṃ ca khetaṃ ca śaṅkhaṃ vāmakare tathā || 61 ||

6.61 Rechts trägt er Keule, Schwert und Pfeil und zeigt die befriedende Geste; links Rad, Bogen, Schild und Schneckenhorn.

viṣṇuścaturbhujo mālī śaṅkhacakragadābjabhṛt |
ekāsyaścaturāsyaśca trimukho vā maye mate || 62 ||

6.62 Der vierarmige Vishnu mit Girlande trägt Schneckenhorn, Rad, Keule und Lotus. Nach Maya kann er ein-, vier- oder dreigesichtig sein.

matsyaḥ [asya 21 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: matsya.

dairghyaṃ kṛtvāṣṭadhā dravyamūrdhvādhomukhapucchakam |
tattryaṃśavistaraṃ caiva puccho'dhaṃ saptabhāgaśaḥ || 63 ||

6.63 Für Matsya teile man das Material der Länge nach achtfach, bestimme oben den Kopf und unten den Schwanz und bemesse die Breite nach drei Teilen. Der Schwanz folgt der halben beziehungsweise siebenteiligen Bemessung. [Der letzte Maßbezug ist unsicher.]

sūtrasya bhramaṇātpṛṣṭhaṃ [k, kh: bhramaṇaṃ dṛṣṭaṃ] tadvajjaṭharavartanam |
hastau kroḍasamīpasthau pādau jaṭharapārśvataḥ || 64 ||

6.64 Durch Führung der Schnur gestalte man Rücken und Bauch. Die Hände liegen nahe der Brust, die Füße seitlich am Bauch.

hastāṅghrī dvitribhāgābhyāmardhāṃśenāsyakalpanam |
ardhāṅgulaṃ tu tannetraṃ dvisārdhaikārdhabhāgataḥ || 65 ||

6.65 Hände und Füße werden nach zwei und drei Teilen bemessen, das Maul nach einem halben. Das Auge misst eine halbe Fingerbreite; die weiteren Bruchmaße sind beschädigt.

mastakāddvidalaṃ tasya krameṇa pravibhajya ca [mū, a, k: tu] |
śeṣaṃ rohitavatkuryānmatsyarūpadhare vibhau [k, kh, g, gh, ṅ: harervidhau] || 66 ||

6.66 Vom Kopf an teile man die beiden Seiten entsprechend ein und gestalte den übrigen Körper wie einen Rohita-Fisch: So erscheint Hari in Fischgestalt.

kūrmaḥ [asya 22 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kūrma.

vedāsrakoṇasūtrārdhaṃ tadvedāṃśaiḥ prakalpya ca |
taddvyaṃśamadhyato vṛttaṃ kalāhīnaṃ tu pārśvayoḥ || 67 ||

6.67 Für Kurma teile man die halbe Diagonale des Quadrats nochmals vierfach. Der mittlere Bereich von zwei Teilen ist rund; an beiden Seiten wird eine Kala abgezogen.

ūrdhvādhayoḥ śirogrīvā pucchaṃ śeṣe karāṅghrike |
dviguṇaṃ pādato dairghyādgrīvāṃ mastakasaṃyutām || 68 ||

6.68 Oben liegen Kopf und Hals, unten der Schwanz, seitlich Hände und Füße. Hals und Kopf zusammen sind doppelt so lang wie ein Fuß.

pṛṣṭhaṃ samunnataṃ cāru pṛthuvedāṃśatodaram [mū, a, k, g, gh, ṅ: dalam] |
nāsākṣinakhakarṇādi jñātvā kūrmaṃ vivartayet || 69 ||

6.69 Der Rücken sei schön gewölbt, der Bauch breit nach der Viertelbemessung. Mit Kenntnis von Nase, Augen, Krallen und Ohren gestalte man die Schildkröte.

varāhaḥ [asya 23 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: varāha.

kandharāṣṭāṅgulāyāmā vadanaṃ golakāṣṭakam |
hanū tadvaktrabhāge ca dairghyātsaptāṅgulau matau || 70 ||

6.70 Varahas Hals ist acht Fingerbreiten lang, das Gesicht acht Golakas. Die Kiefer werden im Gesichtsbereich mit sieben Fingerbreiten Länge bemessen.

saptāṅgulāsyaniṣkrāntaṃ mātraikā nāsikābilam |
daṃṣṭre ca tryaṅgule vaktre sitarṣikalikopame || 71 ||

6.71 Die Schnauze ragt sieben Fingerbreiten vor; eine Nasenöffnung misst eine Matra. Die beiden drei Fingerbreiten langen Hauer sind weiß und knospenartig.

karṇocchrāyau dvinetraṃ ca tanmadhye ṣoḍaśāṅgulam |
prāṅmānādyavahīnaṃ tu cakragāruṇalocanam [gh: locane] || 72 ||

6.72 Die Ohren sind zwei Netra hoch, ihr Abstand beträgt sechzehn Fingerbreiten. Die runden, roten Augen sind gegenüber dem früheren Maß um ein Gerstenkorn kleiner.

āpādakaṇṭhaparyantaṃ nararūpaṃ caturbhujam |
gadācakrābjaśaṅkhāḍhyamālīḍhakaraṇe sthitam || 73 ||

6.73 Von den Füßen bis zum Hals besitzt Varaha menschliche Gestalt mit vier Armen. Er trägt Keule, Rad, Lotus und Schneckenhorn und steht in Alidha-Stellung.

śrīrvāma [mū, a, g: grīvāṃ sa] kurparasthā tu kṣmānantau caraṇānugau |
evaṃ varāharūpaṃ syādvanamālāvibhūṣitam || 74 ||

6.74 Shri befindet sich am linken Ellenbogen, die Erde und Ananta bei seinen Füßen. So ist die mit Waldblumengirlande geschmückte Ebergestalt zu bilden.

nṛsiṃha [asya 24 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: nṛsiṃha.

pūrvarūpaṃ ghanaṃ śvetamuccaskandhaṃ sakesaram |
narāṅgaṃ [gh: varāṅgaṃ] siṃhavaktraṃ ca vṛttākṣaṃ bhrukuṭīyutam [mū, a, k, g, gh, ṅ: mukham] || 75 ||

6.75 Narasimha ist kräftig, weiß, hochschultrig und mit Mähne versehen. Er besitzt Menschenkörper, Löwengesicht, runde Augen und zusammengezogene Brauen.

vivṛtāsyogradaṃṣṭraṃ ca vāmorukṛtadānavam |
tadvakṣo dārayantaṃ ca sphuraccakragadādharam || 76 ||

6.76 Mit geöffnetem Maul und furchtbaren Fangzähnen hält er den Dämon auf dem linken Oberschenkel und zerreißt dessen Brust; zugleich trägt er leuchtendes Rad und Keule.

grasantamiva lokāṃstrīn duḥ sahaṃ dīptatejasam [kh: locanam] |
vanamālānvitaṃ kuryānnarasiṃhaṃ jagatprabhum || 77 ||

6.77 Als verschlänge er die drei Welten, unerträglich an Macht und strahlender Glut, mit Waldblumengirlande: So gestalte man Narasimha, den Herrn der Welt.

vāmanaḥ [asya 25 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vāmana.

prāṅmānaṃ vāmanaṃ kuryād dvibhujaṃ chatradhāriṇam |
jaṭilaṃ kuṇḍikāyuktaṃ gauraṃ śyāmāruṇekṣaṇam || 78 ||

6.78 Vamana erhält die zuvor genannten Zwergenmaße, zwei Arme, Schirm, Haarflechten und Wasserkrug. Er ist hell, mit dunklen und rötlichen Augen.

trivikramaḥ [asya 26 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: trivikrama.

caturbhujaṃ gadāpāṇiṃ śaṅkhacakradharaṃ vibhum |
vāmāṅghryākrāntaviśvaṃ ca tadbhedaṃ tu [mū, a, k: ca] trivikramam || 79 ||

6.79 Als Trivikrama erscheint seine weitere Form vierarmig mit Keule, Schneckenhorn und Rad; mit dem linken Fuß durchschreitet er die Welt.

paraśurāmaḥ [asya 27 saṃ0 ci0 dra0 | atra vāmanatrivikramaḥ iti pāṭho vartate gh. pustake]-

Darstellung: paraśurāma.

dvibāhuṃ jaṭilaṃ tūṇīkuṭhāreṣu dhanuryutaḥ |
śyāmavarṇo bṛhadvakṣo rāmaḥ kṣatrāntakārakaḥ || 80 ||

6.80 Parashurama ist zweiarmig, mit Flechten, Köcher, Axt, Pfeil und Bogen, dunkel und breitbrüstig: Rama, der Vernichter der Kshatriyas.

rāmabhadraḥ [asya 28 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: rāmabhadra.

saumyarūpo viśālākṣaḥ kiñcitpīno dvibāhukaḥ |
jaṭī cāpeṣuhastaśca rāmaḥ kāryo daśāsyahṛt || 81 ||

6.81 Ramabhadra, der Vernichter des Zehnköpfigen, ist freundlich, großäugig, leicht kräftig und zweiarmig, mit Haarflechten sowie Bogen und Pfeil in den Händen.

valabhadraḥ [asya 29 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: valabhadra.

nīlotpaladalaśyāmo dvibhujaḥ pītavastrakam |
gadālāṅgaladhārī ca rāmaḥ kaṃsāntakārakaḥ || 82 ||

6.82 Balabhadra ist dunkel wie ein blaues Lotusblatt, zweiarmig und gelb gekleidet, mit Keule und Pflug. Der Text nennt diesen Rama „Vernichter Kamsas“; die abweichende Zuschreibung bleibt erhalten.

buddhaḥ [asya 30 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: buddha.

śāntātmā lambakarṇaśca gaurāṅgaścīvarāvṛtaḥ |
ūrdhvapadmasthito buddho varadābhayakārakaḥ || 83 ||

6.83 Buddha ist innerlich friedvoll, mit langen Ohrläppchen und hellem Körper, in ein Mönchsgewand gehüllt. Auf einem Lotus stehend, zeigt er Segen und Schutz.

kalkī [asya 31 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kalkī.

dhanustūṇānvitaḥ [kh: tālānvitaḥ; gh: skolānvitaḥ] kalkī mlecchotsādakaro dvijaḥ |
gauro vājisthitaḥ khaḍgī kvacitpiṅgalalocanaḥ || 84 ||

6.84 Kalkin ist ein heller Brahmane auf einem Pferd, mit Bogen, Köcher und Schwert, mancherorts mit bräunlichen Augen; er wird als Vernichter der Mlecchas bezeichnet.

daśadhāhariḥ-

Hari in zehn Gestalten.

matsyakūrmo varāhaśca narasiṃho'tha vāmanaḥ |
rāmo rāmaśca rāmaśca buddhaḥ kalkī ca te daśa || 85 ||

6.85 Fisch, Schildkröte, Eber, Narasimha, Vamana, die drei Ramas, Buddha und Kalkin: Dies sind die zehn Formen Haris.

keśavaḥ [asya 32 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: keśava.

otaprotāstrayogena [anulomavilomenetyarthaḥ] mūrtibhedo nigadyate |
ūrdhvādhaḥ karayoḥ śaṅkhapadme dakṣiṇato mate [k, kh: dakṣiṇabhāgataḥ] || 86 ||

6.86 Durch wechselnde Anordnung der Waffen werden die verschiedenen Gestalten bestimmt. Bei Keshava befinden sich rechts oben das Schneckenhorn und unten der Lotus,

gadācakre tvadhaścordhvaṃ vāmapāṇyoryathākramam |
jvaladagnisamākāraṃ kuryātkeśavarūpakam || 87 ||

6.87 links unten die Keule und oben das Rad. Keshavas Gestalt leuchtet wie loderndes Feuer.

nārāyaṇaḥ [asya 33 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: nārāyaṇa.

ūrdhvādhaḥ padmaśaṅkhau ca karayordakṣayostathā |
vāmayośca gadācakre nīlaṃ nārāyaṇaṃ vapuḥ || 88 ||

6.88 Narayana ist blau; rechts oben trägt er den Lotus, unten das Schneckenhorn, links entsprechend Keule und Rad.

mādhavaḥ [asya 34 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: mādhava.

sudarśanagade cordhvamadhaścaivāpasavyayoḥ |
savyayoḥ kambupadme ca mādhave rukmasannibhe || 89 ||

6.89 Der goldgleiche Madhava trägt rechts oben Sudarshana und unten die Keule, links Schneckenhorn und Lotus.

govindaḥ [asya 35 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: govinda.

cakraṃ gadā tvadhaścordhvaṃ vāmayoḥ karayoḥ kramāt |
ūrdhvādhobjaṃ ca śaṅkhaṃ ca govinde piṅgalātmake [kh: piṅgalāṅgake] || 90 ||

6.90 Govinda ist bräunlich; links liegen unten das Rad und oben die Keule, rechts oben der Lotus und unten das Schneckenhorn.

viṣṇuḥ [asya 36 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: viṣṇu.

śaṅkhamūrdhvamadhaścakraṃ gadā cordhvamadho'mbujam |
vāmadakṣiṇayoḥ kuryātsite viṣṇau kvacinmate || 91 ||

6.91 Beim weißen Vishnu liegen links oben das Schneckenhorn und unten das Rad, rechts oben die Keule und unten der Lotus: So lehrt es eine Überlieferung.

madhusūdanaḥ [asya 37 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: madhusūdana.

urdhvādhaścakraśaṅkhau ca kramāddakṣiṇahastayoḥ |
vāmayośca gadāpadme candrābhe madhusūdane || 92 ||

6.92 Der mondgleiche Madhusudana trägt rechts oben das Rad und unten das Schneckenhorn, links Keule und Lotus.

trivikramaḥ [asya 38 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: trivikrama.

dakṣiṇopari haste ca gadā deyāmbujaṃ tvadhaḥ |
cakramūrdhvamadhaḥ śaṅkhaṃ gaure pūrvatrivikrame || 93 ||

6.93 Beim hellen Trivikrama liegt rechts oben die Keule und unten der Lotus, links oben das Rad und unten das Schneckenhorn.

vāmanaḥ [asya 39 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vāmana.

uparyadhaśca cakraṃ ca śaṅkhaṃ dakṣiṇahastayoḥ |
gadābje śeṣayoḥ pīte vāmane pūrvarūpake || 94 ||

6.94 Beim gelben Vamana der zuvor beschriebenen Gestalt liegen rechts oben das Rad und unten das Schneckenhorn, in den übrigen Händen Keule und Lotus.

śrīdharaḥ [asya 40 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: śrīdhara.

dakṣiṇordhvakare cakraṃ kuryādabjamadhaḥ kare |
gadāśaṅkhaṃ tathā vāme śrīdhare vidrumopame || 95 ||

6.95 Der korallengleiche Shridhara hält rechts oben das Rad und unten den Lotus, links entsprechend Keule und Schneckenhorn.

hṛṣīkeśaḥ [asya 41 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: hṛṣīkeśa.

śaṅkhapadmamadhastūrdhvaṃ gadācakraṃ yathākramam |
suvarṇābhe hṛṣīkeśe pāṇyoḥ savyāpasavyayoḥ || 96 ||

6.96 Der goldglänzende Hrishikesha trägt auf den beiden Seiten Schneckenhorn und Lotus beziehungsweise Keule und Rad, jeweils in der angegebenen unteren und oberen Anordnung. [Die Seitenfolge ist sprachlich verkürzt.]

padmanābhaḥ [asya 42 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: padmanābha.

dakṣiṇordhvakare padmaṃ śaṅkhaṃ cādhastathāpare |
gadādhaścakramūrdhvaṃ ca padmanābhe sitaprabhe || 97 ||

6.97 Der weiß leuchtende Padmanabha hält rechts oben den Lotus und unten das Schneckenhorn, links unten die Keule und oben das Rad.

dāmodaraḥ [asya 43 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: dāmodara.

ūrdhvaṃ śaṅkhamadhaḥ padmaṃ cakraṃ cādho gadordhvataḥ |
dakṣiṇe cottare haste deve dāmodare'ruṇe || 98 ||

6.98 Der rötliche Damodara trägt rechts oben das Schneckenhorn und unten den Lotus, links unten das Rad und oben die Keule.

dvādaśadhāhariḥ-

Hari in zwölf Gestalten.

vāsudevāttrayo jātāstrayaḥ saṃkarṣaṇātkramāt |
pradyumnāccāniruddhācca vijñātavyāstrayastrayaḥ || 99 ||

6.99 Je drei dieser Formen gehen der Reihe nach aus Vasudeva, Samkarshana, Pradyumna und Aniruddha hervor.

pītāmbaradharāḥ sarve vanamālopaśobhitāḥ |
mārgādikārtikāntaṃ ca proktā dvādaśamūrtayaḥ || 100 ||

6.100 Alle tragen gelbe Gewänder und Waldblumengirlanden. Die zwölf Gestalten werden den Monaten von Margashirsha bis Karttika zugeordnet.

vāsudevaḥ [asya 44 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vāsudeva.

śāntaṃ sitaṃ kajārūḍhaṃ vāsudevaṃ caturbhujam |
yogamudrāṃ ca śaṅkhaṃ ca gadācakradharaṃ dvayam || 101 ||

6.101 Vasudeva soll friedvoll, weiß, auf einem Lotus und vierarmig dargestellt werden. Er zeigt die Yoga-Mudra; die übrigen Angaben nennen Muschelhorn, Keule und Diskus. Die Verteilung auf die Hände ist im Vers verkürzt.

vāmamuṣṭyardhamaṅguṣṭhe dakṣiṇo'ṅguṣṭhaveṣṭanam |
mudrāṃ kuryāddhṛdisthāṃ ca aśeṣāghapraṇāśinīm || 102 ||

6.102 Die rechte Daumenpartie umschließt den Daumen der teilweise geschlossenen linken Faust. Diese vor dem Herzen gehaltene Mudra wird als Vernichterin sämtlicher Verfehlungen bezeichnet.

(saṃkarṣaṇaḥ, pradyumnaḥ, aniruddhaḥ, [eṣāṃ 45, 46, 47 saṃ. ci. dra.)

Darstellungen: Samkarshana, Pradyumna und Aniruddha.

caturdoścāruhemābhaṃ kuryātsaṃkarṣaṇaṃ vibhum |
pātraśāntidharaṃ yāmye vāmake padmasīriṇau || 103 ||

6.103 Samkarshana soll vierarmig und von schönem Goldglanz sein. Rechts trägt er ein Gefäß und zeigt die Friedensgeste; links hält er Lotus und Pflug.

smaraṃ cāpeṣubhṛdraktaṃ meghābhamaniruddhakam |
kaumodyā hetirājena pāñcajanyāmbujena ca || 104 ||

6.104 Pradyumna, der Liebesgott, ist rot und trägt Bogen und Pfeil. Aniruddha ist wolkenfarben; ihm werden Kaumodaki, die Königin der Waffen, sowie Panchajanya und Lotus zugeordnet. Mit den Eigennamen sind Keule, Diskus und Muschelhorn bezeichnet.

vāmadakṣiṇayoryuktaṃ kuryānmūlacatuṣkakam |
nārāyaṇādipañcānyatpūrvoktakaraśastrabhṛt || 105 ||

6.105 Diese Attribute sind auf linke und rechte Hände zu verteilen. So gestaltet man die vier Grundformen. Fünf weitere, beginnend mit Narayana, tragen die zuvor genannten Handattribute und Waffen.

tadvadbrahmā ca viṣṇuśca narasiṃhaśca sūkaraḥ |
ebhiryuktaṃ navavyūhaṃ jñātavyaṃ daiśikottamaiḥ || 106 ||

6.106 Entsprechend gehören Brahma, Vishnu, Narasimha und der Eber dazu. Die vorzüglichsten Lehrer sollen diese Zusammenstellung als die neun Vyuhas kennen. Die Aufzählung schließt an die vorangehende Gruppierung an.

dattātreyaḥ [asya 48 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: dattātreya.

dattātreyaṃ vibhuṃ [kh, gh: hariṃ] kuryāddvibhujaṃ yauvanānvitam |
vāmotsaṅgadhṛtaśrīkamardhacandrāsane sthitam || 107 ||

6.107 Dattatreya soll jugendlich und zweiarmig gestaltet werden. Er sitzt auf einem halbmondförmigen Sitz und trägt Shri auf seinem linken Schoß.

vāmapāṇidhṛtāmbhojāṃ surūpā [kh: subhru vā] māyatekṣaṇām |
taddakṣiṇaṃ karaṃ skandhe devadevasya dakṣiṇe || 108 ||

6.108 Sie ist schön gestaltet und hat große Augen. Ihre linke Hand hält einen Lotus, ihre rechte liegt auf der rechten Schulter des Gottes der Götter.

savyāśliṣṭapriyaḥ kāryo dakṣiṇe madyapātrakam |
padmastho ghūrṇitākṣaśca gātṛnartanakairvṛtaḥ || 109 ||

6.109 Er umfängt die Geliebte mit seinem linken Arm und hält rechts einen Weinbecher. Er sitzt auf einem Lotus, mit rollenden Augen, umgeben von Sängern und Tänzern.

dattātreyastvayaṃ [k: dattātreyaḥ svayaṃ] vīro bhuktimuktipradāyakaḥ |
advaitena vidhānena pūjanīyo vipaścitā || 110 ||

6.110 Dieser Dattatreya ist ein Vira, ein geistlicher Held, der Lebensgenuss und Befreiung verleiht. Der kundige Verehrer soll ihn nach einem nichtdualen Verfahren verehren.

jalaśāyī [asya 49 saṃ0 ci0 dra0]-

Der auf dem Wasser Ruhende.

pītavāsāścaturbāhuḥ śaṅkhacakragadādharaḥ |
yoganidrāparāvasthaḥ [kh: dharāvasthaḥ] supto'nantatanūpari || 111 ||

6.111 Der auf dem Wasser Ruhende trägt gelbe Gewänder, hat vier Arme und hält Muschelhorn, Diskus und Keule. In tiefer Yoga-Nidra schläft er auf dem Leib Anantas.

phaṇāsaptānvito'nantaḥ kāryo mastopari prabhoḥ |
pādalagnā dharādevī jalaśāyī grahāvṛtaḥ || 112 ||

6.112 Ananta soll mit sieben Schlangenhauben über dem Haupt des Herrn gestaltet werden. Die Erdgöttin befindet sich bei seinen Füßen; der auf dem Wasser Ruhende ist von den Grahas umgeben.

padmanābhaḥ [asya 50 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: padmanābha.

padmanābhaḥ śriyāyukto bhogitalpagato'pi vā |
ābhyutthapaṅkajārūḍhaḥ pitāmahasamanvitaḥ || 113 ||

6.113 Padmanabha ist mit Shri verbunden und kann auf dem Schlangenlager dargestellt werden. Aus seinem Nabel wächst ein Lotus, auf dem der Urvater Brahma sitzt.

kāmaḥ [asya 51 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kāma.

kāmo [gh: kāryo] gauro yuvā kānto ratiprītyostu madhyataḥ |
sā līḍho nandane rāgī sadā cāpeṣubhṛcchubhaḥ [gh: bhṛtsutaḥ] || 114 ||

6.114 Kama ist hell, jung und anmutig und steht zwischen Rati und Priti. Im Nandana-Garten erscheint er in Alidha-Stellung, voller Leidenschaft, schön und stets mit Bogen und Pfeil.

garuḍaḥ [asya 52 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: garuḍa.

upendrasyāgrataḥ pakṣī guḍākeśaḥ kṛtāñjaliḥ |
tuṅgaghrāṇo [k, kh: tuṅgaghoṇā] narāṅghirvā pakṣijaṅgho narāṅgakaḥ || 115 ||

6.115 Vor Upendra steht der Vogel Garuda mit zusammengelegten Händen und hervortretender Nase. Er hat menschliche Füße oder Vogelunterschenkel und einen menschlichen Oberkörper. Die Bezeichnung Gudakesha bleibt hier als Name der Vorlage stehen.

kṛṣṇāsagghemacandrābho mūrdhādau phaṇibhūṣitaḥ |
vāmajānugato bhūmau tārkṣyaḥ pakṣasamanvitaḥ || 116 ||

6.116 Für seine Färbung werden Schwarz, Blutrot, Gold und Mondglanz genannt; die Zuordnung im zusammengesetzten Wort ist unsicher. Kopf und weitere Körperteile sind mit Schlangen geschmückt. Tarkshya kniet mit dem linken Knie auf dem Boden und besitzt Flügel.

viśvaksenaḥ [asya 53 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: viśvaksena.

indīvaranibhaścakrī pītavāso gadānvitaḥ |
halaśaṅkhavaro mālī viśvakseno harergaṇaḥ || 117 ||

6.117 Vishvaksena, ein Gefolgsmann Haris, ist dunkel wie ein blauer Lotus, trägt gelbe Gewänder und eine Girlande. Ihm werden Diskus, Keule, Pflug, Muschelhorn und die Gewährung eines Segens zugeordnet.

baladevaḥ [asya 54 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: baladeva.

ūrdhvaṃ śvetaṃ caturbāhuṃ sahābhogaṃ halāyudham |
padmasīradharaṃ vāme śeṣe muśalagodvaham [k, kh: khādyayugodvaham] || 118 ||

6.118 Baladeva soll aufrecht, weiß und vierarmig gestaltet werden, mit Schlangenhaube und dem Pflug als Waffe. Links trägt er Lotus und Pflug; die zweite Vershälfte nennt den Stößel, ist aber in der weiteren Attributangabe beschädigt.

haraharī [hariharau, ityapi pāthaḥ | asya0 55 saṃ. ci. dra.]

Darstellung: haraharī.

jaṭārdhamukuṭārdhe ca nordhaliṅgena [gh: nordhva] cānvitam (?) |
ardhe'rdhe bhūṣaṇaiḥ svaiḥ svairyuktamūrdhvaṃ kajasthitam || 119 ||

6.119 Harihara trägt auf der einen Hälfte Flechtfrisur, auf der anderen eine Krone. Jede Hälfte besitzt ihre eigenen Schmuckstücke. Er steht auf einem Lotus. Die Aussage über das aufgerichtete Geschlechtszeichen ist schon in der Vorlage mit einem Fragezeichen versehen und nicht sicher zu bestimmen.

caturbhujaṃ mahātmānaṃ jaṭārdhārdhendubhūṣitam |
akṣamālāṃ triśūlaṃ ca śaṅkhaṃ ca kaumudīṃ kramāt || 120 ||

6.120 Die erhabene Gestalt hat vier Arme; die Hälfte mit der Flechtfrisur ist durch die Mondsichel geschmückt. Als Attribute folgen Rosenkranz, Dreizack, Muschelhorn und Kaumodaki, die Keule.

dakṣiṇottarapāṇibhyāṃ bibhrāṇamadha ūrdhvataḥ |
puṃstrīsvarūpakaṃ kuryācchivanārāyaṇātmakam || 121 ||

6.121 Diese sind der Reihe nach den rechten und linken Händen von unten nach oben zuzuordnen. Die Gestalt verkörpert Shiva und Narayana; der Text bezeichnet sie zugleich als männlich-weibliche Form, was zur vorangehenden Harihara-Beschreibung erklärungsbedürftig bleibt.

brahmavargaḥ [asya 56 saṃ0 ci0 dra0 | atra tu ekasyaiva brahmaṇaścitraṃ vartate na brahmavargasya]-

Die Gruppe Brahmas.

caturmukhaṃ caturbāhuṃ lambakūrcaṃ mahodaram |
brahmāṇaṃ vratinaṃ kuryājjaṭāmukuṭabhūṣitam [kh: bhūṣaṇam] || 122 ||

6.122 Brahma soll vier Gesichter, vier Arme, einen langen Bart und einen großen Bauch besitzen. Er erscheint als Gelübdehaltender, geschmückt mit einer Krone aus verfilztem Haar.

piṅgākṣaṃ saumyarūpaṃ ca sottarīyopavītikam |
kṛṣṇājinaṃ ca tatskandhe vastraṃ cājinavāsasam || 123 ||

6.123 Seine Augen sind gelblichbraun, sein Aussehen freundlich. Er trägt Obergewand und heilige Schnur, dazu ein schwarzes Antilopenfell über der Schulter und ein Fell als Bekleidung.

akṣamālāṃ śruvaṃ tasya daṇḍaṃ vā dakṣiṇe kare |
sruvaṃ [gh: srucaṃ] kamaṇḍaluṃ vāme sakuśājyaghaṭaṃ tathā || 124 ||

6.124 Rechts hält er Rosenkranz und Opferlöffel oder einen Stab. Links trägt er einen weiteren Opferlöffel und Wasserkrug beziehungsweise ein Gefäß mit Opferbutter und Kusha-Gras. Die Varianten unterscheiden die beiden Löffelbezeichnungen.

haṃsārūḍhaṃ kajasthaṃ vā yogapaṭṭāsanā [mū: yogapadmāsanā] nvitam |
gāyatrīṃ caiva sāvitrīmṛṣīṃstatpārśvayostathā || 125 ||

6.125 Er sitzt auf einem Schwan oder einem Lotus, mit einem Yogaband um den sitzenden Körper. An seinen Seiten stehen Gayatri, Savitri und die Rishis.

jaṭilāṃllambakūrcāṃśca vṛddharūpāṃśca lomaśān |
riktavakṣo'kṣikukṣīṃśca sākṣamālākamaṇḍalūn || 126 ||

6.126 Die Rishis besitzen verfilztes Haar, lange Bärte, alte und behaarte Körper. Brust, Augen und Bauch sind eingefallen; sie tragen Rosenkranz und Wasserkrug.

caṇḍī [asya 57 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: caṇḍī.

hemābhāṃ rūpiṇīṃ kuryāttrinetrāṃ yauvanasthitām |
kruddhāmūrdhvasthitāṃ cāru kuryādviṃśatibāhukām || 127 ||

6.127 Chandi soll goldglänzend, schön, dreiäugig und jugendlich dargestellt werden. Sie steht zornvoll aufrecht und besitzt zwanzig Arme.

śūlāsiśakticakrāṇīṣuśaṅkhendrāyudhābhayāḥ |
ḍamaruṃ śastrikāṃ yāmye haste sa bibhratīṃ sadā || 128 ||

6.128 In den rechten Händen trägt sie Dreizack, Schwert, Speer, Diskus, Pfeil, Muschelhorn, Indras Waffe, Damaru und Messer; eine Hand zeigt die Geste der Furchtlosigkeit.

nāgapāśaṃ ca kheṭaṃ ca kuṭhārāṅkuśakārmukam |
ghaṇṭādhvajagadādarśamudgarān vāmahastakaiḥ || 129 ||

6.129 In den linken Händen trägt sie Schlangenschlinge, Schild, Axt, Elefantenhaken, Bogen, Glocke, Banner, Keule, Spiegel und Hammer.

śaṅkhādipañcakaṃ tyaktvā tathā ghaṇṭādipañcakam |
kāryā daśabhujā cāpi saiva devī kvacinmate || 130 ||

6.130 Nach einer anderen Auffassung wird dieselbe Göttin zehnarmig dargestellt: Man lässt die fünf Angaben ab Muschelhorn sowie die fünf ab Glocke fort.

tadadho mahiṣaśchinnamūrdhā patitamastakaḥ |
śastrodyatakaraḥ kruddhastad pīvāsambhavaḥ pumān || 131 ||

6.131 Unter ihr liegt der Büffel mit abgeschlagenem und herabgefallenem Kopf. Aus seinem Hals tritt ein zorniger Mann hervor, dessen Hand eine Waffe erhebt. Das Wort für den Hals ist in der Vorlage entstellt.

śūlabhinno vamadrakto raktabhrūmūdhajekṣaṇaḥ |
siṃhena khādyamānaśca pāśabaddho gale bhṛśam || 132 ||

6.132 Er ist vom Dreizack durchbohrt und speit Blut; Brauen, Haar und Augen sind rot. Ein Löwe zerfleischt ihn, und eine Schlinge liegt fest um seinen Hals.

yāmyāṅghryākrāntasiṃhā ca savyāṅghryālīḍhagāsure |
caṇḍikodyataśastreyamaśeṣaripunāśanī || 133 ||

6.133 Mit dem rechten Fuß tritt Chandika auf den Löwen, mit dem linken steht sie in Alidha-Haltung auf dem Dämon. Sie erhebt ihre Waffen und wird als Vernichterin aller Feinde beschrieben.

navadurgāḥ [asya citrasaṃgrahapustake durgā nāmnā navadurgā nāmnā ca citradvayaṃ vartate, 59, 60 sa. ci. dra0]-

Die neun Durgas.

navapadmātmake sthāne pūjyā durgā svamūrtitaḥ |
ādau madhye tathendrādau navatattvākṣaraiḥ kramāt || 134 ||

6.134 Durga ist in einem aus neun Lotussen bestehenden Platz in ihren eigenen Erscheinungsformen zu verehren: zunächst in der Mitte und dann in den Richtungen, beginnend bei Indra, entsprechend den neun Tattva-Silben.

aṣṭādaśabhujaiḥ kāntapīnavakṣaḥ stanorukā |
mūrdhajaṃ kheṭakaṃ ghaṇṭāmādarśaṃ tarjanīṃ dhanuḥ || 135 ||

6.135 Sie besitzt achtzehn Arme sowie anmutige, volle Brust und Schenkel. In den linken Händen hält sie das Haupthaar des Dämons, Schild, Glocke, Spiegel, die drohend erhobene Zeigefingergeste und Bogen; die Aufzählung setzt sich im folgenden Vers fort.

dhvajaṃ ḍamarukaṃ pāśaṃ bibhratī vāmake'nyataḥ |
śaktimudgaraśūlaṃ ca vajraṃ khaḍgamathāṅkuśam || 136 ||

6.136 Hinzu kommen links Banner, Damaru und Schlinge. Auf der anderen Seite trägt sie Speer, Hammer, Dreizack, Donnerkeil, Schwert und Elefantenhaken.

śaraṃ cakraṃ śalākāṃ ca etairevāyudhairyutā |
śeṣāḥ ṣoḍaśahastāśca añjanī [mū: añjalī] ḍamaruṃ vinā || 137 ||

6.137 Dazu kommen Pfeil, Diskus und Stab. Mit diesen Waffen ist sie ausgestattet. Die übrigen Formen haben sechzehn Hände; die Vorlage lässt dabei die unsicher gelesene „Anjani“ beziehungsweise Anjali-Geste und den Damaru fort.

rudracaṇḍā pracaṇḍā ca caṇḍogrā caṇḍanāyikā |
caṇḍā caṇḍavatī caiva caṇḍarūpāticaṇḍikā || 138 ||

6.138 Die Namen lauten Rudrachanda, Prachanda, Chandogra, Chandanayika, Chanda, Chandavati, Chandarupa und Atichandika.

navamīcaṇḍikā cogrā [gh: navamī caṇḍacogrā] madhyasthāgnipramoditā |
rocanābhāruṇā kṛṣṇā nīlā śuklā ca dhūmrikā [kh: sūkṣmā ca dhūmikā] || 139 ||

6.139 Die neunte, furchtbare Chandika, befindet sich in der Mitte und erfreut sich am Feuer. Als Farben werden Rochana-Gelb, Rot, Schwarz, Blau, Weiß und Rauchfarbe genannt.

pītā ca pānḍurā [gh: pāṇḍarā] jñeyā ālīḍhasthā haristhitā |
mahiṣotthaḥ pumāñśastrī tatkacagrahamuṣṭikāḥ || 140 ||

6.140 Weiter werden Gelb und Blassweiß genannt. Sie stehen in Alidha-Haltung auf einem Löwen. Der aus dem Büffel hervorgetretene Mann trägt eine Waffe; die Göttinnen packen sein Haar mit der Faust.

sthāpyā vṛttena paṅktyā vā ityuktāḥ skandayāmale |
navadurgāḥ pratiṣṭhāpya putrārthāyuravāpnuyāt || 141 ||

6.141 Sie sind kreisförmig oder in einer Reihe aufzustellen; so wird es im Skandayamala gelehrt. Der Text verheißt demjenigen, der die neun Durgas einsetzt, Nachkommenschaft, Wohlstand und langes Leben.

umā [citrasaṃgrahe pustake umāyā gaurī nāmnā citraṃ vartate | atraiva lalitāsarvamaṅgalākaiṭabhyādīnāṃ cāntarhitatvāt tattannāmnā 61, 62, 63, 64, saṃ. ci. dra0 |]-

Darstellung: umā.

pañcāgnigrahasaṃyuktā caturbāhustapaḥ sthitā |
bibhratī daṇḍikākuṇḍyāvakṣasūtraṃ varaṃ kramāt || 142 ||

6.142 Uma steht in Askese, umgeben von den fünf Feuern, und besitzt vier Arme. Der Reihe nach trägt sie Stab, Wassergefäß und Rosenkranz und zeigt die Segensgeste.

vāmadakṣiṇayoḥ pāṇyostapo gaurī mahātmikā |
saiva rambhāvane siddhāgnihīnā lalitānyathā || 143 ||

6.143 Diese Attribute befinden sich an ihren linken und rechten Händen: Sie ist die erhabene Tapo-Gauri. Dieselbe erscheint ohne die Feuer im Bananenhain als vollendete Lalita.

skandhamūrdhvakarā [k, g: sūtrakarā] vāme dvitīye dhṛtadarpaṇā |
yāmye phalāñjanīhastā saubhāgyā tatra cordhvikā [mū, a: cordhikā] || 144 ||

6.144 Eine weitere Form hält links oben ein im Wortlaut unsicheres Attribut, in der zweiten linken Hand einen Spiegel, rechts eine Frucht und ein Salbgefäß. Sie steht aufrecht und heißt Saubhagya.

ardhacandrāsanābjasthā stanāḍhyā ṣaṭcaturbhujā |
trinetrā jaṭilā saumyā nānābharaṇabhūṣitā || 145 ||

6.145 Sie sitzt auf einem Lotus mit halbmondförmigem Sitz, hat volle Brüste und sechs oder vier Arme. Dreiäugig, mit verfilztem Haar und freundlich, ist sie mit vielfältigem Schmuck versehen.

śāntyakṣasūtraṃ padmaṃ ca bibhrāṇā dakṣiṇe kare |
abhayaṃ kuṇḍikāṃ śūlaṃ sthitaṃ vāmakare sadā || 146 ||

6.146 In den rechten Händen zeigt sie die Friedensgeste und hält Rosenkranz und Lotus. Links zeigt sie Furchtlosigkeit und trägt Wassergefäß und Dreizack.

yāmyāṅghrisiṃhapṛṣṭhasthā caturbāhuḥ kvacinmate |
vināvarā bhayābhyāṃ tu kartavyā savamaṅgalā || 147 ||

6.147 Nach einer Auffassung steht ihr rechter Fuß auf dem Rücken eines Löwen. Als Sarvamangala wird sie vierarmig gestaltet, wobei die Hände der Segensgewährung und der Furchtlosigkeit entfallen. Die Vorlage ist bei diesen Gestennamen zusammengezogen.

dvibhujā kaiṭabhī kāyā gauravarṇā surūpiṇī |
śayyārūḍhā prasuptā ca yoganidrā samāśritā || 148 ||

6.148 Kaitabhi soll zweiarmig, hell und schön gestaltet werden. Sie liegt schlafend auf einem Lager und ist in Yoga-Nidra versunken.

kālarātrī [asya 65 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kālarātrī.

ekaveṇī javā [gh: ṣavā] karṇapūrā nānā kharasthitā |
vaṃśotthakarṇikākarṇā tailābhyaktaśarīriṇī || 149 ||

6.149 Kalaratri trägt einen einzigen Haarzopf, Ohrschmuck aus Jaba-Blüten – die Lesart ist unsicher – und sitzt auf einem Esel. Ihre Ohrringe bestehen aus Bambus, ihr Körper ist mit Öl eingerieben. Eine weitere Angabe in der ersten Zeile ist beschädigt.

vāmapāde ca sallohakṛtakhaḍakabhūṣaṇā |
navatyūrdhva [mū, a, k, kh: vardhanyūrdhva] vajā kṛṣṇā kālarātrī bhayaṅkarī || 150 ||

6.150 Am linken Fuß trägt sie eisernen Schmuck, dessen genaue Form unklar ist. Sie ist schwarz und furchteinflößend. Die Wortgruppe über den oberen Körperbereich ist so beschädigt, dass daraus kein verlässliches Bildmerkmal gewonnen werden kann.

mahāśrīḥ [asya 66 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: mahāśrī.

vartulāsyā viśālākṣī madhyakṣāmā suyauvanā |
hemavarṇābjasaṃsthā ca pīnonnatapayodharā || 151 ||

6.151 Mahashri besitzt ein rundes Gesicht, große Augen, eine schlanke Taille und jugendliche Gestalt. Sie ist goldfarben, sitzt auf einem Lotus und hat volle, hohe Brüste.

cārusarvāṅgasaṃpūrṇā sarvābharaṇamaṇḍitā [kh: sayutā] |
sadā yāmyakarāmbhojā vāme śrīḥ śrīphalānvitā || 152 ||

6.152 Alle ihre Glieder sind schön und wohlgeformt; sie trägt sämtlichen Schmuck. In der rechten Hand hält Shri stets einen Lotus, in der linken die Shri-Frucht.

vālavyajanadhāriṇyau kārye tatpārśvayoḥ striyau |
gajau bhṛṅgārahastau ca snāpayantau ca [gh: yantyau tu] pārśvataḥ || 153 ||

6.153 An beiden Seiten stehen Frauen mit Yakhaarwedeln. Zwei Elefanten halten Wassergefäße und übergießen sie von den Seiten.

sarasvatī [asya 67 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: sarasvatī.

śvetābjasthā surūpā ca śvetābharaṇabhūṣitā |
pustā [kh: suptā] kṣamālikāhastā vīṇābhṛdvā sarasvatī || 154 ||

6.154 Sarasvati sitzt auf einem weißen Lotus, ist schön gestaltet und trägt weißen Schmuck. Sie hält Buch und Rosenkranz oder eine Vina.

gaṅgā [asya 68 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: gaṅgā.

śvetā makarasaṃsthā [kh: kamalasaṃsthā] ca ūrdhvakāyā suśobhanā |
kumbhendīvarahastā ca dvārasthā janhuputrikā || 155 ||

6.155 Ganga, Jahnus Tochter, steht weiß und schön mit aufrechtem Körper auf einem Makara. Sie hält Krug und blauen Lotus und befindet sich am Tor.

yamunā [asya 69 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: yamunā.

kūrmārūḍhābjahastā ca dvārasthā kalaśānvitā |
indīvaradalaśyāmā surūpā yamunā tathā || 156 ||

6.156 Ebenso steht Yamuna am Tor, auf einer Schildkröte, mit Lotus und Wasserkrug. Sie ist schön und dunkel wie das Blatt eines blauen Lotus.

tumburuḥ [asya 70 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: tumburu.

sitaṃ saumyaṃ vṛṣārūḍhaṃ jaṭāhīndutridṛgyutam |
dvīpicarmadharaṃ kuryādvīṇāhastaṃ ca tumburum || 157 ||

6.157 Tumburu soll weiß und freundlich gestaltet werden, auf einem Stier reitend, mit Flechtfrisur, Schlangen, Mond und drei Augen. Er trägt ein Raubkatzenfell und hält eine Vina.

mātṛṇāmādito nityaṃ śūlahastamathāpi vā |
anantaraṃ tu mātṛśca brahmāṇyādyāstu sapta ca || 158 ||

6.158 Er steht stets am Anfang der Reihe der Muttergöttinnen; alternativ trägt er einen Dreizack. Danach folgen die sieben Mütter, beginnend mit Brahmani.

brahmāṇī [asya 71 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: brahmāṇī.

gaurīṃ caturmukhīṃ pīnāmakṣamālāsruvānvitām |
kuṇḍyājyapātriṇīṃ vāme brahmāṇīṃ haṃsasaṃsthitam || 159 ||

6.159 Brahmani ist hell, viergesichtig und vollgestaltet. Sie trägt Rosenkranz und Opferlöffel, links Wasserkrug und Buttergefäß, und sitzt auf einem Schwan.

rudrāṇī [asya 72 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: rudrāṇī.

trinetrāṃ śūlahastāṃ ca jaṭākhaṇḍendumaṇḍitām |
kapālamālinīṃ śuklāṃ rudrāṇīṃ vṛṣasaṃsthitām [k, kh, g: vṛṣabhasthitām] || 160 ||

6.160 Rudrani ist dreiäugig, hält den Dreizack und trägt Flechtfrisur und Mondsichel. Sie ist weiß, mit einer Schädelgirlande geschmückt, und sitzt auf einem Stier.

kaumārī [asya 73 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kaumārī.

raktāṃ śaśidharāṃ devīṃ raktamālyāmbarānvitām |
śikhipṛṣṭhasamārūḍhāṃ kaumārīṃ skandarūpiṇīm || 161 ||

6.161 Kaumari ist rot, trägt den Mond, rote Girlanden und rote Gewänder. Auf dem Rücken eines Pfaus verkörpert die Göttin Skandas Gestalt.

vaiṣṇavī [asya 74 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vaiṣṇavī.

cakraśaṅkhagadāpadmacaturhastāṃ [mū, a, g, gh: cakrakhaḍga] ca tārkṣyagām |
śyāmāṃ surūpiṇīṃ kuryādvaiṣṇavīṃ vanamālinīm || 162 ||

6.162 Vaishnavi soll dunkel und schön gestaltet werden, mit einer Waldblumengirlande und auf Garuda. Ihre vier Hände tragen Diskus, Muschelhorn, Keule und Lotus; eine Variante nennt statt des Muschelhorns ein Schwert.

vārāhī [asya 75 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vārāhī.

kṛṣṇāṃ pīnodarāṃ krūrāṃ śūkarāsyāṃ nakāyikām |
suvastrāṃ yauvanodbhinnāṃ nāryābharaṇabhūṣitām || 163 ||

6.163 Varahi ist schwarz, mit vollem Bauch und furchtbarer Erscheinung, einem Ebergesicht und menschlichem Körper; die Körperbezeichnung ist verkürzt überliefert. Sie trägt schöne Gewänder und Frauenschmuck und steht in voller Jugend.

vārāhīṃ mahiṣasthāṃ tu madirādaṇḍadhāriṇīm |
khaḍgakheṭakasaṃyuktāmathavāpi caturbhujām || 164 ||

6.164 Varahi sitzt auf einem Büffel und trägt Wein und Stab. Alternativ wird sie vierarmig gestaltet, zusätzlich mit Schwert und Schild.

indrāṇī [asya 76 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: indrāṇī.

sahasrākṣāṃ gajārūḍhāṃ hemābhāṃ vajradhāriṇīm |
indrāṇīṃ sarvasiddhyarthaṃ vastrālaṅkārasaṃyutām || 165 ||

6.165 Indrani ist tausendäugig, goldglänzend und auf einem Elefanten. Sie trägt den Donnerkeil, Gewänder und Schmuck und wird zur Erlangung aller Siddhis gestaltet.

cāmuṇḍā [asya 77 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: cāmuṇḍā.

gartākṣīṃ kṣīṇadehāṃ tu kṣāmakukṣīṃ bhayaṅkarīm |
vivatāsyāṃ tu daṃṣṭrogrāṃ śave vā kauśike sthitām || 166 ||

6.166 Chamunda hat eingesunkene Augen, einen ausgemergelten Leib und eingefallenen Bauch. Sie ist furchterregend, mit offenem Mund und schrecklichen Hauern, und befindet sich auf einem Leichnam oder einer Eule.

([cāpāntargato'yaṃ ślokaḥ mūla pustake nāsti] lelihānāṃ suraktāṅgī [kh, g: suraktākṣīṃ] jvalatveśābhimaṇḍitām |
dvīpevarmāmbarā kruddhāṃ cāmuṇḍāṃ muṇḍamālinīm || 167 ||)

6.167 Sie leckt mit der Zunge, hat blutrote Glieder – nach einer Variante blutrote Augen – und flammendes Haar. Zornvoll trägt Chamunda ein Raubkatzenfell und eine Girlande abgeschlagener Köpfe. Der Editionsapparat vermerkt, dass dieser eingeklammerte Vers in der Grundhandschrift fehlt.

mātṛrūpāṇi [eṣāmudāharaṇāni 78 taḥ 86 paryantāni citrāṇi draṣṭavyāni]-

Die Gestalten der Mütter.

jaṭilāṃ vartulatryakṣāṃ caturbāhuṃ ca bibhratīm |
kapālaṃ katarīṃ yāmye pāśaṃ śūlaṃ ca vāmake || 168 ||

6.168 Sie hat verfilztes Haar, drei runde Augen und vier Arme. Rechts trägt sie Schädelschale und Schneidemesser, links Schlinge und Dreizack.

kapālakatarīyuktāṃ dvibhujāṃ vāpi piṅgalām |
mātṛsthāne'thavaikāṃ vā tadante ca gaṇeśvaraḥ || 169 ||

6.169 Oder sie ist gelblichbraun und zweiarmig, mit Schädelschale und Messer. Sie steht am Platz der Mütter oder für sich allein. Am Ende der Reihe steht Ganeshvara.

kapālakartarīśūlapāśa bhṛdyāmyasaumyayoḥ |
gajacarmabhṛdūrdhvābhyāṃ ṣaḍdoḥ syādrudracarcikā [citrapustake mahālakṣmī vidyate rudracarcikaiva samucita iva pāṭhaḥ | 78 citraṃ draṣṭavyam |] || 170 ||

6.170 Rudracharchika ist sechsarmig: Rechts und links trägt sie Schädelschale, Messer, Dreizack und Schlinge; die beiden oberen Hände halten ein Elefantenfell. Der Editionshinweis unterscheidet diese Benennung von der abweichenden Beschriftung der Abbildung als Mahalakshmi.

saiva cāṣṭabhujā devī śiroḍamarukānvitā |
tena sā rudracāmuṇḍā [rudracāmuṇḍāyāḥ 79 saṃ0 citraṃ dra0 |] nāṭye [nāṭyeśvaryāḥ 80 saṃ ci0 dra0 |]śvaryatha nṛtyatī || 171 ||

6.171 Besitzt dieselbe Göttin acht Arme und zusätzlich einen Kopf und einen Damaru, heißt sie Rudrachamunda. In tanzender Haltung wird sie Natyeshvari genannt.

iyameva mahālakṣmī [mahālakṣmyāḥ 81 saṃ0 ci0 dra0 |] rūpāviṣṭā caturmukhī |
nṛpājimahiṣebhāṃśca khādantī cet kare sthitān || 172 ||

6.172 In einer weiteren Erscheinung heißt sie Mahalakshmi und hat vier Gesichter. Sie verzehrt Menschen beziehungsweise Könige, Ziegen, Büffel und Elefanten, die sie in den Händen hält; die erste zusammengesetzte Tier- und Menschenbezeichnung ist sprachlich unsicher.

naramuṇḍakarānyatra śeṣadoḥ su ca pūrvavat |
ekāsyā śvetavarṇa ca śvetābharaṇabhūṣitā || 173 ||

6.173 Eine andere Form hält einen Menschenkopf; die übrigen Hände entsprechen der vorherigen Beschreibung. Sie hat ein Gesicht, ist weiß und trägt weißen Schmuck.

pūrvarūpakasaṃpannā nṛtyantī nātiraudrikā |
daśabāhu [kh: śatābāhu] strinetrā ca śastrāsiṃ ḍamaruṃ nṛkam || 174 ||

6.174 Mit den vorher beschriebenen Merkmalen tanzt sie und wirkt nicht übermäßig schrecklich. Sie besitzt zehn Arme und drei Augen; rechts trägt sie Waffen, Schwert, Damaru und einen Menschen. Die Aufzählung ist verkürzt.

bibhrato [asyāḥ 82 saṃ0 ci0 dra0] dakṣiṇe haste vāme ghaṇṭāṃ ca kheṭakam |
khaṭvāṅgaṃ ca triśūlaṃ ca siddhacāmuṇḍikāhvayā || 175 ||

6.175 Links trägt sie Glocke, Schild, Khatvanga und Dreizack. Diese Gestalt heißt Siddhachamundika; die genannten Attribute ergeben ohne weitere Ergänzung nicht die zuvor genannte Zahl der Hände.

siddhayogeśvarī devī sarvasiddhipradāyikā |
etadrūpā bhavedanyā pāśāṅkuśayutāruṇā || 176 ||

6.176 Die Göttin Siddhayogeshvari verleiht alle Siddhis und besitzt diese Gestalt. Eine weitere Form ist rot und trägt zusätzlich Schlinge und Elefantenhaken.

bhairavyā [asyāḥ 83 saṃ0 ci0 dra0 |] khyopaviṣṭā tu bhujadvādaśabhūṣitā |
vetālaśākinīgṛdhrakākolūkaśivākulā || 177 ||

6.177 Sie heißt Bhairavi, sitzt und besitzt zwölf Arme. Sie ist umgeben von Vetalas, Shakinis, Geiern, Krähen, Eulen und Schakalen.

etāḥ sarvā śmaśānasthā mahāmāṃsāgrabhojanāḥ |
ādyāṣṭakamidaṃ khyātaṃ śeṣabhedastu vistaraḥ || 178 ||

6.178 Alle diese Göttinnen befinden sich auf Verbrennungsstätten und nähren sich vorzugsweise von „großem Fleisch“, einem hier verwendeten rituellen Ausdruck. Dies ist die bekannte erste Achtergruppe; die übrigen Unterscheidungen würden eine ausführliche Darstellung erfordern.

kṣāmā śivāvṛtā vṛdvā dvibhujā vivṛtānanā |
danturākṣemakarī syādbhūmau jānukarāsthitā || 179 ||

6.179 Kshemakari ist mager, alt, von Schakalen umgeben, zweiarmig, mit offenem Mund und vorstehenden Zähnen. Sie stützt Knie und Hände auf den Boden.

yakṣiṇyastu [asyāḥ 84 saṃ0 ci0 dra0 |] pradīrghākṣyaḥ śākinyo [asyāḥ 85 saṃ0 ci0 dra0 |] cakradṛṣṭayaḥ |
eṅgā (?) hāsyā mahodaryo rūpiṇyo'psarasaḥ [atraiva kvaciccaṇḍaḥ ityāpi pāṭhaḥ citrapustake] sadā || 180 ||

6.180 Yakshinis haben langgezogene Augen, Shakinis kreisrunde Augen. Der folgende Ausdruck ist bereits in der Vorlage mit einem Fragezeichen versehen. Anschließend werden Lachen und große Bäuche genannt; Apsaras sind stets schön gestaltet. Die genaue Zuordnung der mittleren Angaben bleibt unsicher.

atharudragaṇāḥ

Nun folgen die Rudra-Ganas.

tatrādau yogeśvaraḥ [yogeśvaravīreśvara caṇḍeśvarāṇāṃ citrāṇi vartante kramaśaḥ 87, 88, 89, saṃ0 ci0 dra0 |]-

Zuerst Yogeshvara.

nāsādṛṅmuṇḍitaśmaśruḥ praśānto yogapaṭṭavān |
yogeśvaroratha vīraśca ardhacandrāsane sthitaḥ || 181 ||

6.181 Unter Rudras Gefolge folgt Yogeshvara, sodann Vireshvara: Der Blick ist auf die Nase gerichtet, der Bart geschoren, die Haltung vollkommen ruhig, mit Yogaband. Die Gestalt sitzt auf einem halbmondförmigen Sitz.

savyāṅgulivṛtāṅguṣṭhaṃ vāmamākuñcitāṅgulim |
badhdvā vinyasya hṛdaye'thavottānakaradvayam || 182 ||

6.182 Die Finger der rechten Hand umschließen den Daumen; die Finger der linken sind gebeugt. Die so verbundene Handhaltung wird vor das Herz gelegt. Alternativ liegen beide Hände mit den Handflächen nach oben.

śvetastryakṣo dvibāhuśca jaṭī ṭaṅkākṣamālikaḥ |
pracaṇḍo daṇḍadhārī ca kāryaścaṇḍeśvaro mahān || 183 ||

6.183 Der große Chandeshvara soll weiß, dreiäugig und zweiarmig sein, mit verfilztem Haar, Beil und Rosenkranz. Prachanda trägt einen Stab; die gedrängte Satzfolge unterscheidet die beiden Erscheinungen nur knapp.

gaṇe [asya 90 saṃ0 ci0 dra0 |]-

Darstellung: gaṇe.

gaṇeśaḥ puruṣākāro gajakarṇo gajānanaḥ |
mahodaro vṛhaddeha ekadantastrilocanaḥ || 184 ||

6.184 Ganesha hat menschliche Gestalt, Elefantenohren und ein Elefantengesicht. Sein Bauch und Körper sind groß; er hat einen Stoßzahn und drei Augen.

ghanakāyo bṛhacchuṇḍo gāḍhajaṅdyorujānukaḥ |
divyāmbaradharaḥ kāryo nāgayajñopavītavān || 185 ||

6.185 Sein Körper ist kräftig, sein Rüssel groß; Unterschenkel, Schenkel und Knie sind stark. Er trägt himmlische Gewänder und eine Schlange als heilige Schnur.

caturdaśāṅgulaṃ tasya vistāreṇānanaṃ śubham |
ṣoḍaśāṅgulakaṃ dairghyācchuṇḍaṃ ṣaḍtriṃśadaṅgulam || 186 ||

6.186 Sein schönes Gesicht ist vierzehn Angula breit und sechzehn Angula lang. Der Rüssel misst sechsunddreißig Angula.

arkāṅgula [mū: ardhāṅgula] pṛthugrīvā tryaṅgulā cocchrayeṇa tu |
pīnaḥ samunnatoraskaḥ kartavyo gaṇanāyakaḥ || 187 ||

6.187 Der Hals ist zwölf Angula breit und drei Angula hoch. Der Anführer der Ganas soll mit voller, hochgewölbter Brust gestaltet werden. Die Grundlesart nennt beim ersten Maß abweichend ein halbes Angula.

sagartā [kh: agartā] dyaṅgulā kāryā nābhirvistarato budhaiḥ |
kaṇṭhaguhayāntaraṃ kāryaṃ samaṃ dvātriṃśadaṅgulam || 188 ||

6.188 Der eingetiefte Nabel wird zwei Angula breit gestaltet. Der Abstand zwischen Hals und Scham beträgt zweiunddreißig Angula.

ūrujaṅghe ca kartavye pādau ca dvādaśāṅgulau |
mastakaṃ niviḍaṃ vyastaṃ vāma [mū, a: vāta] kumbhasamunnatam || 189 ||

6.189 Schenkel, Unterschenkel und Füße sind jeweils zwölf Angula lang zu gestalten. Der Kopf ist dicht und ausladend; die linke Stirnwölbung tritt hervor. Die Beschreibung der Kopfform ist sprachlich nicht ganz sicher.

karṇau dṛgantavistārau bāhulyenāṅgulau matau |
randhraṃ randhrāṅgulau kumbhau tanmadhye sūtramānataḥ || 190 ||

6.190 Die Ohren reichen in ihrer Breite bis zu den Augenwinkeln und gelten als ein Angula dick. Für eine Öffnung und die Stirnwölbungen wird ein Neunermaß genannt; ihre Lage ist mit der Messschnur zu bestimmen. Die genaue Maßzuordnung bleibt unklar.

dantakośe [k, g: dantakoṇe] bhavettasya śuṇḍāmūlaṃ daśāṅgulam |
ekaikaṃ hrāsayogena yāvadvedāṅgulasthitiḥ || 191 ||

6.191 Am Ansatz der Stoßzähne misst die Rüsselwurzel zehn Angula. Der Umfang beziehungsweise die Breite nimmt schrittweise um jeweils ein Angula bis auf vier Angula ab.

chidraṃ sārdhāṅgulaṃ cāghraṃ [mū: cāpaṃ] puṣkareṇā samāṅgulam |
pañcatālapradairghyaṃ ca [k, kh: pradairghyāṅga] catustālaviveśanam || 192 ||

6.192 Die Öffnung misst anderthalb Angula; die folgende Angabe zur Rüsselspitze ist beschädigt. Die Körperlänge beträgt fünf Tala, die Ausdehnung vier Tala; die Art der zweiten Gesamtabmessung wird nicht eindeutig benannt.

tāle tāle netrāhvaṃ [mū: netrāṅkaṃ] kṣiptvā sthaulyena vartayet |
svadantaṃ [g: sudaṇḍaṃ] dakṣiṇe pāṇau vāmahaste ca laḍḍukam || 193 ||

6.193 Für die Körperfülle wird jedem Tala ein Zweiermaß hinzugefügt; die Maßbezeichnung ist verkürzt. In der rechten Hand hält er seinen eigenen Stoßzahn, in der linken eine Laddu-Süßigkeit.

paraśuṃ dakṣiṇe dadyādutpalaṃ ca tathetare [gh: tatottare] |
etanmānasamāyuktaṃ sarvalokahitāvaham |
gaṇeśalakṣaṇaṃ proktaṃ caturhastaṃ tu nānyathā [k, kh: stvato'nyathā; gh: tathānyathā] || 194 ||

6.194 Rechts erhält er außerdem eine Axt, in der anderen Hand einen Lotus. So sind die Merkmale des vierarmigen Ganesha mit diesen Maßen gelehrt, zum Wohl aller Welten. Die Varianten weichen bei der abschließenden Einschränkung ab.

heramba [asya 91 saṃ0 ci0 dra0 |]-

Darstellung: heramba.

nāgapāśadharaṃ vāme dakṣiṇe sākṣamālikam [k, kh, gh: mālinam] |
bhujābhyāmadhikaṃ kuryātṣaḍbhujaṃ pūrvavacca tam [g: dvṛtam] || 195 ||

6.195 Als sechsarmige Form erhält er zwei zusätzliche Hände: links eine Schlangenschlinge, rechts einen Rosenkranz. Im Übrigen entspricht er der vorherigen Gestalt.

ebhiryuktaṃ dvihastāḍhyaṃ dakṣiṇaikaṃ prasāritam |
vāmaṃ cābhayadaṃ hastaṃ śubhaṃ cāṣṭabhujānvitam || 196 ||

6.196 Mit zwei weiteren Händen wird er achtarmig: Eine rechte Hand ist ausgestreckt, eine linke gewährt Furchtlosigkeit. So entsteht die glückverheißende achtarmige Form.

vaiśākhakaraṇairyuktaṃ nānābharaṇabhūṣitam [mū: maṇḍitam] |
padmādhastāttu kartavyo mahākhu [mū, a, g, gh: mahokṣa] ścārurūpavān || 197 ||

6.197 Er steht in Vaishakha-Stellung und trägt vielfältigen Schmuck. Unter dem Lotus wird eine schön gestaltete große Maus angebracht. Mehrere Handschriften lesen stattdessen „großer Stier“.

sitapadmopaviṣṭaṃ tu pūrvarūpaṃ caturbhujam |
ṣaḍbhujaścāṣṭabāhuśca prahṛṣṭastāṇḍavākulaḥ || 198 ||

6.198 Die zuerst genannte vierarmige Form sitzt auf einem weißen Lotus. Die sechs- und achtarmigen Formen sind freudig und in heftigen Tandava-Tanz versetzt.

gaṇeśasya tridhā rūpaṃ vighnaghnaṃ sarvasiddhidam |
ādyaṃ sitaṃ gṛhe'bhīṣṭaṃ trividhaṃ suramandire || 199 ||

6.199 Diese drei Gestalten Ganeshas beseitigen Hindernisse und verleihen alle Siddhis. Die erste, weiße Form ist für das Haus erwünscht; im Göttertempel sind alle drei vorgesehen.

skandhaḥ [asya 92 sa0 ci0 dra0 | atraiva ekavaktrakumārasya pṛthak citra dvayaṃ ca vartate 93, 94, saṃ0 ci0 dra0 |]-

Darstellung: skandha.

pattane nagare kāryaḥ pure vāṃtha ṣaḍānanaḥ |
bhujairdvādaśabhiryuktaḥ skando mukhyaḥ surūpakaḥ || 200 ||

6.200 In Hafenort, Stadt oder befestigter Stadt soll die vorzügliche Gestalt Skandas sechs Gesichter und zwölf Arme besitzen und schön gestaltet sein.

śaktiṣupāśanistriṃśataccheṣa [mū: tatado] starjanīyutaḥ |
śāntyā ca dakṣiṇe haste ṣaḍbhirvāmakare tathā || 201 ||

6.201 Rechts trägt er Speer, Pfeil, Schlinge und Schwert; die weiteren rechten Hände zeigen eine drohende Zeigefingergeste und die Friedensgeste. Die sechs linken Hände folgen im nächsten Vers.

śikhipicchadhanuḥ kheṭapatākābhayakukkuṭaiḥ |
gauṇaḥ kṣetre'thavā ṣaḍdorekavaktraḥ praśasyate || 202 ||

6.202 Links trägt er Pfauenfeder, Bogen, Schild, Banner und Hahn und zeigt Furchtlosigkeit. Als nachgeordnete Gestalt auf dem Kultgelände wird eine sechsarmige, eingesichtige Form empfohlen.

bibhrakchattyasivajrāṇi dakṣe ghaṇṭāṃ ca kheṭakam |
yathākramaṃ sadā ṣaḍbhirdakṣiṇottarapāṇibhiḥ || 203 ||

6.203 Diese trägt rechts Speer, Schwert und Donnerkeil, links Glocke und Schild. Die Aussage nennt sechs Hände, führt jedoch nur fünf Attribute eindeutig auf.

grāme vā yadi vāraṇye dvibhujaṃ caikavastrakam |
bibhrachaktiṃ kare yāmye tāmracūḍaṃ tathetare || 204 ||

6.204 Im Dorf oder Wald soll er zweiarmig und mit einem Gewand gestaltet werden. Rechts trägt er den Speer, in der anderen Hand den Hahn. Der Kontext legt eine eingesichtige Form nahe; die überlieferte Lesart lautet jedoch „ein Gewand“.

raktāṅgo raktavaktraśca [k, kh: vastraśca] bālarūpo'tha māṃsalaḥ |
śikhyārūḍhastu śārvo'yaṃ sarvālaṅkārabhaṣitaḥ || 205 ||

6.205 Sein Leib und sein Gesicht sind rot; eine Variante nennt rote Gewänder. Er ist kindlich, kräftig und sitzt auf einem Pfau. Dieser Sohn Shivas ist mit allem Schmuck versehen.

vṛṣabha [asya 95 sa0 ci0 dra0 |]-

Darstellung: vṛṣabha.

piṅgalākhya [mū, a, kh, g, gh: piṅgalākṣa] matāduktaṃ liṅgadairghyaṃ [gh: liṅgadairghyāt | atra ka pustakasthāṭippaṇī-liṅgadairghyaṃ, dīrghavṛṣaṃ tadatmakamiti, yadravyamayaṃ liṅgaṃ tanmayaṃ vṛṣaṃ kuryādityarthaḥ |] tadātmakam |
śilāhemādilohairvā vṛṣaṃ kuryādyathepsitam || 206 ||

6.206 Nach der hier genannten Auffassung Pingalas wird der Stier entsprechend der Länge des Linga und aus demselben Material gefertigt. Stein, Gold und andere Metalle können nach Wunsch verwendet werden.

na caiva śaṅkarārcāyāṃ puro matamatādiha |
sādhāraṇeṣu liṅgeṣu prastāvādvihito vṛṣaḥ || 207 ||

6.207 Die Aussage zur Aufstellung vor dem figürlichen Bild Shankaras ist sprachlich beschädigt. Für die gewöhnlichen Linga-Heiligtümer wird der Stier im vorliegenden Zusammenhang ausdrücklich vorgeschrieben.

karmaitadeva tatrāpi kriyā prāntādhvayoginī |
liṅgatryaṃśojhitaḥ kāryastaddvirāyativigrahaḥ || 208 ||

6.208 Auch dort gilt dasselbe Verfahren, verbunden mit dem entsprechenden rituellen Vollzug. Ein Drittel des Linga-Maßes wird abgezogen; die Länge des Stierkörpers soll das Doppelte des so bestimmten Maßes betragen.

pīṭhapṛṣṭhasamo lakṣmada [k, g: lakṣādra] lopāhitalocanaḥ |
śubhonmolitadṛglakṣma liṅgamastakamastakaḥ || 209 ||

6.209 Die folgende Höhenbeziehung zum Sockel, zu den Augen und zur Spitze des Linga ist beschädigt. Lesbar bleiben der Bezug auf die Oberseite des Sockels, die schön geöffneten Augen und eine Kopfposition, die zur Linga-Spitze in Beziehung gesetzt wird.

prasiddhamanyaktadrūpaṃ tathāpyuddeśa ucyate |
dairghyāccaturaśotyaśāscāṅgulaṃ tena kalpanam || 210 ||

6.210 Obwohl seine Gestalt allgemein bekannt ist, wird sie kurz beschrieben. Die Körperlänge wird in vierundachtzig Teile geteilt; ein solcher Teil dient als Angula-Maß. Das Zahlwort ist in der Vorlage entstellt.

mānānāṃ golakādīnāṃ tairaṅgopāṅgasaṃhatiḥ |
aṣṭanetrapṛthutvaṃ syāproccaistadvaktradīrghatā || 211 ||

6.211 Mit diesen Maßen werden die Rundungen und die Gesamtheit der Haupt- und Nebenglieder bestimmt. Acht Netra-Einheiten werden als Breite genannt; die folgende Zuordnung zu Höhe und Gesichtslänge ist beschädigt.

netre netra [mū: netre netre] same dairghyāttadardhaṃ vistareṇa tu |
tantribhāgaṃ tu tārā syājjyotistatpañcamāṃśataḥ || 212 ||

6.212 Die Augen sind zwei Netra-Einheiten lang und halb so breit. Die Iris beträgt ein Drittel davon; der Lichtpunkt ein Fünftel ihres Maßes.

netrārdhaṃ tu [mū, a, k: netradvikaṃ] bhruvoḥ sthaulyaṃ dairghyaṃ tābhyāṃ dvinetrakam |
nāsāṅgulapramāvṛttā [mū: pramodvṛttā; k, kh: bhramādvṛttā] dvinetraṃ śuṣirāntaram [mū: svaśirāntaram] || 213 ||

6.213 Die Brauen sind ein halbes Netra dick und zwei Netra lang. Für die Rundung der Nase wird ein Angula genannt; der Abstand zwischen den Nasenöffnungen beträgt zwei Netra. Die Varianten weichen beim ersten Brauenmaß ab.

ṣaḍnetravistaraṃ tatra mūle tasyordhvataḥ [mū, k, g: tasyārdhataḥ] punaḥ |
pañcanetraṃ tu vistāraṃ tadūrdhva tu vivardhate [mū: vivarjayet] || 214 ||

6.214 Am Ansatz beträgt die Breite sechs Netra, darüber fünf Netra. Nach der Grundlesart wächst sie weiter oben wieder; eine Variante verlangt dort eine Verminderung.

netrāntaraṃ dvinetraṃ syāntrinetrau tu kapolakau |
caturnetrobhayoḥ [mū, a, k, g: netre tayoḥ] pārśve vaktramānaṃ tu sandhitaḥ || 215 ||

6.215 Der Augenabstand beträgt zwei Netra; jede Wange misst drei Netra. Für die seitliche Mundpartie werden von der Verbindung aus vier Netra angegeben; der genaue Ausgangspunkt ist im Text nicht deutlich.

karṇamūlāttu vaktrāntaṃ pañcanetraṃ prakīrtitam |
tanmūle saptavistāraṃ karṇamūlasamanvitam || 216 ||

6.216 Vom Ohransatz bis zum Mundende werden fünf Netra genannt. An der Basis, einschließlich des Ohransatzes, beträgt die Breite sieben Netra.

karṇamūlaṃ kalādairghyaṃ caturnetraṃ kṛśāgrataḥ |
aṅgulārdhasamaṃ yāvanmūlaṃ pañcakavartulam [mū: vartanam] || 217 ||

6.217 Die Länge des Ohres wird mit einer Kala angegeben, außerdem ein Vier-Netra-Maß; es verjüngt sich zur Spitze bis auf ein halbes Angula. Der Ansatz besitzt ein Fünfermaß der Rundung. Die Maßbezüge sind im überlieferten Wortlaut nicht vollständig eindeutig.

tanmadhye śuṣiraṃ tadvadṛjurekhā tu śaṣkulī |
karṇamūlāttu nāsārdhaṃ sūtrahāsānnayetsamam || 218 ||

6.218 In der Ohrmitte liegt eine Höhlung; die innere Ohrleiste bildet eine gerade Linie. Vom Ohransatz bis zur Nasenmitte wird mit der Messschnur ein entsprechendes Maß abgetragen; das Wort für die genaue Abtragung ist beschädigt.

kiñcillambordhvakāyaḥ [mū, a, k, kh, g, ṅ: bhāgaḥ] syādbhanubhyāṃ śobhanaṃ tathā [mū: yathā] |
śaṅkhamūla dvinetraṃ syādyathāgre netrapādakam || 219 ||

6.219 Die obere Partie soll etwas herabhängen und zusammen mit den Kiefern schön wirken. Der Hornansatz – im Text steht eine unsichere Form von „Horn“ – misst zwei Netra, die Spitze ein Viertel Netra.

tadvaśmantasamaṃ [k, kh: taddhāsāntu] tābhyāmantaraṃ tu dvinetrakam |
pārśvapiṇḍī dvinetrārdhaṃ ṣaḍnetrāgrāvaṭuḥ [g: śrāvaduḥ] smṛtaḥ || 220 ||

6.220 Der Zwischenraum zwischen beiden beträgt zwei Netra. Für die seitliche Wölbung werden anderthalb Netra, für die Nackenpartie sechs Netra genannt. Der Beginn des Verses ist entstellt.

aṣṭanetrā smṛtā grīvā kakudaṃ ca trinetrakam [kh: dvinetrakam] |
dvinetrocchrayatordhvaṃ [mū: ūrdhaṃ] syādvṛttamūrdhvaṃ [k, g: lajūṃ] yathā bhavet || 221 ||

6.221 Der Hals misst acht Netra, der Höcker drei Netra; eine Variante nennt zwei. Nach oben beträgt die Erhebung zwei Netra und soll abgerundet sein.

kakudādho'ṣṭaneṇa [mū: dhordha-] pañcajaṅghā kalā matā |
sandhirnetrādhikaḥ [mū: sadvinetrārdhika] proktaścaturnetropajaṅghikā || 222 ||

6.222 Unterhalb des Höckers wird ein Achtermaß genannt; für den Schenkel folgen fünf Kala. Das Gelenk ist um ein Netra größer, der anschließende untere Beinabschnitt misst vier Netra. Die erste Maßbezeichnung ist beschädigt.

dvyardhanetrau [k: dyardhanetre] tu tasyādho gulphau netradvayaṃ khurau |
gulphārdhaṃ khurikānetraṃ pādasyātparimāṇataḥ || 223 ||

6.223 Darunter werden die Knöchel mit zweieinhalb Netra und die Hufe mit zwei Netra bemessen. Für die Nebenklauen folgen ein halbes Knöchelmaß und eine Netra-Einheit; ihre genaue Beziehung ist nicht eindeutig.

daśasaptadibhirhīne nyūne [k, g: sthūla] jaṅyā tu nāhataḥ |
caturdaśādi tadvaca trihīne copajaṅghrikā || 224 ||

6.224 Für die Umfänge der Beinabschnitte werden abnehmende Zahlenreihen angesetzt: zehn, sieben und weitere kleinere Werte sowie vierzehn mit jeweils drei Einheiten Abnahme. Die vollständige Zuordnung der beschädigten Angaben ist nicht sicher wiederherzustellen.

netrāṣṭādaśakaṃ pṛṣṭhaṃ trinetraṃ trikaṭaṃ punaḥ |
ṣaḍnetrāntastathājñeyā tasmātsyātpucchasantatiḥ || 225 ||

6.225 Der Rücken misst achtzehn Netra, die Kreuzgegend drei Netra. Anschließend wird ein Abstand von sechs Netra genannt; von dort setzt sich der Schwanz fort.

dvinetrā pucchamūne syādagre'ṅgulasamā [gh: -daṅge-] yathā |
tālatrayaṃ pradīrghaṃ syāttālārdhaṃ keśasaṃhatiḥ || 226 ||

6.226 Der Schwanz ist am Ansatz zwei Netra breit und an der Spitze ein Angula. Seine Länge beträgt drei Tala, das Haarbüschel ein halbes Tala.

daśanetrapṛthu pṛṣṭhaṃ sandhau madhye dvibhirvinā [mū: tribhirvinā] |
tribhirvinā tathāgre syāddvinetraṃ kambalastvadhaḥ || 227 ||

6.227 Der Rücken ist zehn Netra breit, an der mittleren Verbindung zwei weniger – nach einer Variante drei weniger – und vorn drei weniger. Die unten hängende Wamme misst zwei Netra.

kukṣideśe samākhyāto nāhaḥ syāttu caturguṇaḥ |
triguṇāstu smṛto'nyatra nābhirnetradvayaṃ bhavet || 228 ||

6.228 In der Bauchgegend beträgt der Umfang das Vierfache, an anderer Stelle das Dreifache des jeweiligen Breitenmaßes. Der Nabel misst zwei Netra.

dvinetraṃ vṛṣaṇaṃ tadvadvistārātpañcanetrakāḥ |
jaṅghā netraṃ smṛta, sandhiḥ ṣaḍnetrā copajaṅghikā || 229 ||

6.229 Auch für die Hoden werden zwei Netra genannt, für ihre Breite fünf. Es folgen Maße für Bein, Gelenk und unteren Beinabschnitt, darunter ein und sechs Netra; die Zuordnung der beschädigten Satzteile bleibt unsicher.

dvinetrau gulphakau viddhi suraḥ sārdhāṅgulādhikaḥ |
khurike'ṅgulimānetu pañcanetratrayaṃ vinā || 230 ||

6.230 Die Knöchel messen zwei Netra. Für die Hufe wird ein Zusatz von anderthalb Angula genannt, für die Nebenklauen ein Angula. Die abschließende Verbindung von fünf und drei Netra ist nicht eindeutig zuzuordnen.

tālanāhaṃ tribhirhāsātpradeśauḥ parikalpayet |
pṛṣṭhagatā ca vijñeyā dyaṅgulādhāṅgulaṃ yathā || 231 ||

6.231 Ein Umfang von einem Tala soll an den betreffenden Stellen durch Abzug von drei Einheiten abgestuft werden. Die folgende Rückenangabe nennt zwei und ein halbes Angula; der genaue Bezug ist beschädigt.

pṛthutvenāṅgulātpādādyathāgre tu gabhīratā |
trimukhā trikalāhāsaḥ pṛṣṭhataścopajaṅghikā || 232 ||

6.232 Weitere Angaben betreffen Breite, Vertiefung zur Spitze hin und den rückwärtigen unteren Beinabschnitt. Die Maße „ein Angula“, „drei Gesichtsmaße“ und „Abnahme um drei Kala“ sind lesbar, ihre geometrische Verbindung jedoch nicht verlässlich erschließbar.

yadyathā labhate śobhāṃ yattathāṅgāni kārayet |
viśvakarmātpunaścānyaṃ vṛṣaṃ vakṣyāmi lāghavāt || 233 ||

6.233 Die einzelnen Glieder sollen so gestaltet werden, wie sie schön erscheinen. Nun werde ich kurz eine weitere Gestaltung des Stieres nach Vishvakarman darlegen.

jīvadairghya samanāhaṃ tadardhaṃ tasya vistaram |
kṣetraṃ vedāsrakaṃ kṛtvā navabhāgānprakalpayet || 234 ||

6.234 Der Umfang soll der Länge des lebendigen Vorbildes entsprechen, die Breite ihrer Hälfte. Man legt ein viereckiges Feld an und teilt es in neun Abschnitte.

navāṃśaistu [kh: navāṅgaistu] bhavetpīṭhaṃ tricaturbhistu jaṅghikā |
tribhāgairagrato [mū: rurdhvato] jaṅghā bhāgaikaṃ tūrdhvato haret || 235 ||

6.235 Der Sockel umfasst neun Teile. Für den unteren Beinabschnitt nennt der Text drei beziehungsweise vier Teile, für den vorderen Beinabschnitt drei; oben wird ein Teil abgezogen. Die genaue Zeichnungsanweisung ist gedrängt überliefert.

adho'dhaṃśāśaṃ [g: mukho'rdhāśaṃ; gh: ardhāśaṃ ca] tato hṛtvā sārdhāśenasya nāsikā |
hṛtvā [mū: kṛtvā] bhāgadvayaṃ cordhvaṃ kāryaṃ nāsālalāṭakam || 236 ||

6.236 Unten wird ein halber Teil abgezogen; die Nase erhält anderthalb Teile. Nach Abzug zweier Teile oben gestaltet man Nasen- und Stirnpartie.

koṇamūtrahṛtārdhāṃśauṃ [kh: kṛtārdhāṅgo] śeṣārdhe śṛṅgamādiśet |
tadadhoṃśāttathā luptvā karśoṃ kṛtvā tu śṛṅgavat || 237 ||

6.237 An der Diagonalschnur wird ein halber Teil abgezogen; im verbleibenden halben Teil ist das Horn anzuordnen. Darunter wird nochmals ein Teil ausgespart und das Ohr entsprechend dem Horn gestaltet. Einzelne Wörter der Konstruktionsanweisung sind beschädigt.

ṛtusārdheṣu [mū: sārdhe tu] sārdhāgnibhāgāṃstu kramaśo haret |
karṇādhaḥ koṇasūtraṃ tu dantordhvārdhahareddhruvam || 238 ||

6.238 Der Text nennt sechseinhalb und dreieinhalb Teile, die nacheinander abzutragen sind. Unterhalb des Ohres wird die Diagonalschnur herangezogen, über den Zähnen ein halber Teil abgezogen. Die erste Maßbeziehung bleibt unklar.

dvyardhābhyā caivabhāgena cūḍaṃ kuryā dvicakṣaṇaḥ |
sārdhabhāgadvayenaiva pṛṣṭhasya parikalpanam [k: parikalpanā] || 239 ||

6.239 Der kundige Gestalter bildet die obere Erhebung mit zweieinhalb Teilen. Für den Rücken werden ebenfalls zweieinhalb Teile angesetzt.

karṇasūtrārdha bhāgena śroṇī pucchoparisthitā |
bhāgoṃ'śaṃ gṛhnya cādhoṃśe tyaktvārdha koṇāsūtrataḥ || 240 ||

6.240 Mit einem halben Teil der vom Ohr ausgehenden Messlinie wird die Hüftpartie über dem Schwanz bestimmt. Die folgenden Abtragungen eines Teils und eines halben Teils an der Diagonale sind im Wortlaut nicht eindeutig verbunden.

tathaiva koṇasūtrārdhabhāgaṃ ṭaṅkaṃ prakalpya ca |
sphicaṃ pucchaṃ sakeśaṃ ca vartayenmatimānnaraḥ || 241 ||

6.241 Ebenso wird an der Diagonalschnur ein halber Teil für die abgesetzte Partie bestimmt. Der verständige Gestalter rundet Gesäß und Schwanz einschließlich der Haare aus.

kroḍaṃ sārdhāṃśataḥ [mū: kroḍasārdhāśataḥ] kukṣiṃ khura [gh pustake- khuraśabdasyasthāne kṣuraśabdo vatate sarvatra] yorantare khuram |
jānurandhraṃ tathā sakthisandhiṃ jaṅgā khuraṃ budhaḥ || 242 ||

6.242 Für Brustunterseite und Bauch werden anderthalb Teile genannt. Der Kundige gestaltet die Hufe samt Zwischenraum, die Knievertiefung, die Schenkelverbindung und die Unterschenkel; die Satzfolge ist beschädigt.

trinetraṃ kambalopetaṃ ghaṇṭācāmarabhūṣitam |
jñātvā lakṣmaṃ prakurvīta vṛṣaṃvṛṣa bharupakam || 243 ||

6.243 Der Stier besitzt drei Augen und eine Wamme und ist mit Glocken und Yakhaarwedeln geschmückt. In Kenntnis dieser Merkmale soll man seine Stiergestalt ausarbeiten.

nandī [asya 96 saṃ0 ca0 dra0 |]-

Darstellung: nandī.

yuvā tryakṣo jaṭācīra [k, kh: jaṭhādhārī] (ro?) raktakāyo dvibāhukaḥ |
sākṣamālī triśūlī ca nandīśo dvārapālakaḥ || 244 ||

6.244 Nandisha, der Torhüter, ist jung, dreiäugig, rot und zweiarmig. Er trägt verfilztes Haar – die anschließende Bekleidungsangabe ist unsicher – sowie Rosenkranz und Dreizack.

mahākālaḥ [asya 97 saṃ0 ca0 dra0 |]-

Darstellung: mahākāla.

caturbāhurviśālāsyaḥ [gh: viśālākṣaḥ] pīnāṅgaśca manoharaḥ |
kūrcavān piṅgakeśaśca muṇḍamālī trilocanaḥ || 245 ||

6.245 Mahakala hat vier Arme, ein breites Gesicht, kräftige Glieder und eine eindrucksvolle Gestalt. Er trägt Bart, gelblichbraunes Haar und eine Schädelgirlande und besitzt drei Augen.

tatkare'siṃ nṛka yāmye śūlaṃ kheṭaṃ ca vāmake |
kṛṣṇagātro mahākālo dvāre vai vāmataḥ sthitaḥ || 246 ||

6.246 Rechts hält er Schwert und einen Menschen, links Dreizack und Schild. Mahakala ist schwarz und steht links am Tor.

bhṛṅgiḥ [asya 98 saṃ0 ca0 dra0 |]-

Darstellung: bhṛṅgi.

kṛśaḥ śirāvanadvāṅgastvasthicarmāvaguṇḍitaḥ |
vṛddharūpaḥ śikhī hṛṣṭaḥ kṣāmakukṣiḥ supāṇḍuraḥ || 247 ||

6.247 Bhringi ist mager, mit hervortretenden Adern, nur von Haut über den Knochen bedeckt. Er erscheint alt, mit Haarschopf, freudig, mit eingefallenem Bauch und sehr blass.

trinetraḥ śūlapāṇiśca kaupīnī ghṛṣṭakūrcakaḥ |
bhṛṅgirīṭīgaṇāścaiva nṛtyannityaṃ śivāgrataḥ || 248 ||

6.248 Er ist dreiäugig, hält den Dreizack, trägt einen Lendenschurz und einen kurz geschnittenen beziehungsweise abgeriebenen Bart. Dieser Gana Bhringiriti tanzt stets vor Shiva.

kūṣmāṇḍaḥ [asya 99 saṃ0 ca0 dra0 |]-

Darstellung: kūṣmāṇḍa.

tryakṣaḥ śveto'tikharvaśca sthūlamūrdhāṅgakukṣikaḥ |
daṇḍī karaṇḍakopetaḥ kūṣmāṇḍaḥpūrvamānataḥ || 249 ||

6.249 Kushmanda ist dreiäugig, weiß und sehr klein, mit dickem Kopf, kräftigen Gliedern und großem Bauch. Er trägt Stab und Kästchen und wird nach den zuvor genannten Maßen gestaltet.

gaṇamūrtiḥ [gaṇasya citraṃ nāsti |]-

Die Gestalt des Gana.

nānārūpadharāścānye vīrabhadrādayo gaṇāḥ |
kāryāste gajagokarṇā nānāvaktrā mahodarāḥ || 250 ||

6.250 Die anderen Ganas, darunter Virabhadra, besitzen unterschiedliche Gestalten. Sie sollen Elefanten- oder Kuhohren, verschiedenartige Gesichter und große Bäuche erhalten.

ghaṇṭeśaḥ [asya 100 saṃ0 ca0 dra0 |]-

Darstellung: ghaṇṭeśa.

ugratejā sito raudraḥ karālo raktadṛktrayaḥ |
lelihānaḥ susaṃkruddho jaṭākhaṇḍendumaṇḍitaḥ || 251 ||

6.251 Ghantesha strahlt furchtbare Energie aus. Er ist weiß, wild und schrecklich, mit drei roten Augen. Er leckt mit der Zunge, ist sehr zornig und trägt Flechtfrisur und Mondsichel.

daṃṣṭrākarālaḥ pīnāṅgo bṛhannādyoccasaṃsthitaḥ [k, kh: dyordhvasaṃsthitaḥ] |
aṣṭādaśa bhujo bhīmo jvaladāyudhapāṇikaḥ || 252 ||

6.252 Seine Hauer sind furchtbar, seine Glieder kräftig; er steht hoch aufgerichtet. Die dazwischenliegende Körperangabe ist beschädigt. Mit achtzehn Armen ist er erschreckend und hält flammende Waffen.

vajrāsidaṇḍacakreṣu musalāṅkuśamudraraiḥ |
ninghandakṣiṇāhastaiśca pāparogamadhaḥ sthitam || 253 ||

6.253 Mit den rechten Händen führt er Donnerkeil, Schwert, Stab, Diskus, Pfeil, Stößel, Elefantenhaken und Hammer und schlägt die unter ihm befindliche personifizierte Krankheit und Verfehlung.

tarjanīṃ kheṭakaṃ śaktiṃ kapālaṃ pāśakārmukam |
ghaṇṭākuṭhārakaṃ vāmaiḥ vibhṛddvābhyāṃ triśūlakam || 254 ||

6.254 Links zeigt er den drohenden Zeigefinger und trägt Schild, Speer, Schädelschale, Schlinge, Bogen, Glocke und Axt. Zwei Hände halten gemeinsam den Dreizack.

ghaṇṭākarṇo vidhātavyo ghaṇṭābharaṇabhūṣitaḥ |
ghaṇṭāmālākulo devaḥ puṇḍarīkājināmbaraḥ || 255 ||

6.255 Ghantakarna soll mit Glockenschmuck und Glockengirlanden gestaltet werden. Der Gott trägt ein Raubkatzenfell.

ādityaḥ [asya 101 saṃ0 ca0 dra0 |]-

Darstellung: āditya.

ekacakro ratho divyastārkṣyāgraja[mū, a, k, kh: nuja]susārathiḥ |
turagaiḥ saptabhiryukta ūrdhvaṃ tatrāsthito raviḥ || 256 ||

6.256 Aditya steht auf einem himmlischen Wagen mit einem Rad, bespannt mit sieben Pferden. Sein kundiger Wagenlenker ist der ältere Bruder Garudas; mehrere Varianten lesen abweichend „jüngerer Bruder“.

lampākaśca vipākaśca śvetaśca śaṅkhanandanaḥ |
kapilo hemabhadraśca bhavaseno hayāḥ kvacit || 257 ||

6.257 In einer Überlieferung heißen die Pferde Lampaka, Vipaka, Shveta, Shankhanandana, Kapila, Hemabhadra und Bhavasena.

gāyatrī bṛhatī coṣṇig jagatī triṣṭuveva ca |
anuṣṭuppaṅktirityuktāśchandāṃsi harayo raveḥ || 258 ||

6.258 Auch die Versmaße Gayatri, Brihati, Ushnih, Jagati, Trishtubh, Anushtubh und Pankti werden als die Pferde der Sonne bezeichnet.

bṛhadvakṣaḥ suraktaśca khelāvān vā mukuṭyatha |
sahasrāṃśurmahātejā maṇikuṇḍalamaṇḍitaḥ || 259 ||

6.259 Der Sonnengott besitzt eine breite Brust, ist kräftig rot und trägt eine Krone. Eine weitere Ausstattungsangabe ist unsicher. Tausendstrahlig, von mächtigem Glanz, ist er mit Edelsteinohrringen geschmückt.

kūpusāṅghriḥ [mū: kakupāṅghriḥ; k, kh: kupupāṅghira] samīpāsiḥ kavacacchannavigrahaḥ |
(1) sanālapatre rājīve bibhratskandhe kare kramāt || 260 ||

6.260 Seine Füße sind mit einer unsicher benannten Bekleidung, wohl Stiefeln, versehen; ein Schwert liegt an seiner Seite, ein Panzer bedeckt seinen Leib. Er hält zwei gestielte, beblätterte Lotusse auf Schulterhöhe.

daṇḍī taddakṣiṇe gauraḥ sthūlatundilakūrcavān |
masībhājanalekhanyau dhārayanhastayordvayoḥ || 261 ||

6.261 Rechts von ihm steht der helle Dandin mit großem Bauch und Bart. In seinen beiden Händen hält er Tintenbehälter und Schreibgriffel.

piṅgalo vāmapārśvetu pratihāraśca daṇḍat |
bālavyajanadhāriṇyau rājñīchāye [saṃjñāchāye, iti sādhu pāṭho bhavet |] tu pārśvayoḥ [mū, a, g: pārścataḥ] || 262 ||

6.262 Links steht Pingala, der Torhüter mit einem Stab. An den Seiten befinden sich Rajni und Chaya mit Yakhaarwedeln; der Herausgeber schlägt anstelle von Rajni den Namen Samjna vor.

ālīḍhakaraṇasthātu sandhyā cāpakarānvitā |
ākṛṣṭakaṇabāṇāca pārśce dakṣiṇake sthitā || 263 ||

6.263 Sandhya steht rechts in Alidha-Haltung, mit Bogen in der Hand und bis zum Ohr gespanntem Pfeil.

vāme caiva tathā vidyā madhyataḥ sarvatomukhī |
athavāśvasamārūḍhaḥ kārya ekastu bhāskaraḥ || 264 ||

6.264 Links befindet sich entsprechend Vidya, in der Mitte Sarvatomukhi. Alternativ wird Bhaskara allein auf einem Pferd reitend gestaltet.

dvādaśadhādityaḥ [eṣāṃ citrāṇi na santi, kevalaṃ dvādaśakoṣṭheṣu dvādaśādityanāmanyeva nirṣṭini |]-

Aditya in zwölf Gestalten.

agre dhyānaraskandho'rdhābjabhṛcchāntido'bhayī |
madhye kuṇḍayakṣamālāvān pūrvārdhe[k, kh, gh: mūrdhnyardha]vedikākaraḥ || 265 ||

6.265 Die folgende Beschreibung mehrerer Sonnenformen ist beschädigt. Lesbar sind eine vordere Meditationshaltung, ein Lotus, die Gesten des Friedens und der Furchtlosigkeit sowie in der Mitte Wassergefäß und Rosenkranz; die abschließende Hand- beziehungsweise Sockelangabe bleibt unsicher.

tarjanyasisapustaḥ syādādityo'tha mahāruciḥ |
anye yamādivanyahyantā[k, kh, g, gh: rakṣāntā]ścaturhastā dviṣaḍdale || 266 ||

6.266 Es folgen drohender Zeigefinger, Schwert und Buch sowie die Namen Aditya und Maharuchi. Die übrigen Formen sind vierarmig und auf einem zwölfblättrigen Lotus angeordnet. Die mit Yama beginnende Richtungsangabe ist nicht einheitlich überliefert.

varadādyabjina [mū, a, k, g: dhyakṣinaḥ] sarce dikpālāstrakarāḥ kramāt |
mudgarasṛṇicakrasrugbhuṃto[mū: srugvanto]'gnyādividiksthitāḥ || 267 ||

6.267 Alle zeigen eine Segensgeste, halten einen Lotus und tragen der Reihe nach die Waffen der Richtungswächter. In den Zwischenrichtungen, beginnend im Südosten, tragen sie Hammer, Elefantenhaken, Diskus und Opferlöffel.

varuṇaḥ sūryaṃnāmā ca sahasrāṃśustathāparaḥ || 268 ||

6.268 Weiter werden Varuna, Surya und Sahasramshu genannt. Dieser nummerierte Abschnitt besteht in der Vorlage nur aus einem Halbvers.

raviṃścai[g: haviḥ]vātha parjanyaḥ sraṣṭā mitro'tha jiṣṇukaḥ |
eter'kā dvādaśa jñeyā meṣādi [gh: jhaṣāni]rāśisaṃsthitāḥ || 269 ||

6.269 Es folgen Ravi, Parjanya, Srashtri, Mitra und Jishnu. Diese zwölf Sonnen sind den Tierkreiszeichen von Widder an zugeordnet; die überlieferte Namensfolge ist nicht vollständig klar gegliedert.

kṛṣṇo rakto manāgraktaḥ pītaḥ pāṇḍurakaḥ sitaḥ |
kapilaḥ pītavarṇaśca śukābho dhavalastathā || 270 ||

6.270 Ihre Farben lauten der Reihe nach Schwarz, Rot, schwaches Rot, Gelb, Blassweiß, Weiß, Gelbbraun, Gelb, Papageiengrün und strahlendes Weiß.

dhūmro nīla iti jñeyā varṇā eṣāṃ yathākramam |
iḍā suṣumnā viśvārcirbindu saṃjñā pramardinī || 271 ||

6.271 Hinzu kommen Rauchfarbe und Blau. Die Namen der Shaktis beginnen mit Ida, Sushumna, Vishvarchis, Bindu, Samjna und Pramardini; die Worttrennung ist an dieser Stelle nicht sicher.

praharṣiṇī mahākālī kalpikā ca prabodhinī |
nīlāmbarā dhanāntaḥ sthā amṛtāhvā ca śaktayaḥ || 272 ||

6.272 Es folgen Praharshini, Mahakali, Kalpika, Prabodhini, Nilambara, die im Wortlaut unsichere Dhanantahstha und Amrita. Die Aufzählung ergibt bei dieser Trennung mehr als die anschließend ausdrücklich verlangten zwölf Namen.

varuṇādikramā jñeyāḥ śaktayo dvāyaśaiva tu |
svadevarupavarṇāṃstāḥ kesarāgreṣu vinyaset || 273 ||

6.273 Die zwölf Shaktis sind in der mit Varuna beginnenden Reihenfolge zu verstehen. Sie besitzen Gestalt und Farbe ihres jeweiligen Gottes und werden an den Spitzen der Lotusstaubfäden angeordnet.

dvidhā mārtiṇḍaḥ [asya 103, 104 saṃ0 ci0 dra0]-

Martanda in zwei Gestalten.

mārtaṇḍaḥ pūrvavatkārya [kh: vajjñeyaḥ] ścaturbāhurviśeṣataḥ |
dakṣiṇo śūladhārī ca vāmahaste kapālabhṛt || 274 ||

6.274 Martanda wird grundsätzlich wie zuvor, jedoch vierarmig gestaltet. Eine rechte Hand hält einen Dreizack, eine linke eine Schädelschale.

śūla[k, g: hala]ṅkāsibhṛtsavye halapāśakapālakam |
dhārayannitare haste dvābhyāmabjau karānakaiḥ || 275 ||

6.275 Eine weitere Form trägt rechts Dreizack, Beil und Schwert, links Pflug, Schlinge und Schädelschale. Zwei weitere Hände halten die Lotusse. Die erste Waffe wird in Varianten ebenfalls als Pflug bezeichnet.

vyomaḥ [asya0 105 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vyoma.

vyomaṃ sūryāgrataḥ [kh: sūryāśritaḥ] kuryācchṛṅgairdvāśabhiryutam |
caturbhiraṣṭabhirvāpi madhye'bje'ṣṭada[so'ṣṭa]lānvitam || 276 ||

6.276 Vor Surya soll ein Vyoma mit zwölf Spitzen errichtet werden, alternativ mit vier oder acht. In der Mitte befindet sich ein achtblättriger Lotus.

jīvatulyapṛthucchrāyaṃ kṛtāsraṃ ṣoḍaśāṃśakam |
vedāṃśapātanātkoṇa marṭāśairatha kambalam [kh: kandharam] || 277 ||

6.277 Breite und Höhe entsprechen dem zugrunde gelegten Hauptmaß. Der viereckige Grundkörper wird in sechzehn Teile geteilt. Vier Teile werden an den Ecken abgetragen; für die folgende Bauteilzone werden acht Teile genannt, doch ihre Bezeichnung ist unsicher.

dvidvayeka[mū, a: siddhayeka]dvayedyekapakṣadvi[kh: pakṣārdha; gh: pakṣādi]yugāṃśauḥ [kh: yatīśaiḥ] ṣoḍaśocchritaiḥ |
tryaṃśapraveśanātkaṇṭhādekaikanirgamaṃ khuram || 278 ||

6.278 Eine Reihe von Teilmaßen bestimmt die sechzehn Einheiten der Höhe. Die Zahlenfolge ist beschädigt und lässt sich nicht verlässlich aufgliedern. Vom Hals aus wird eine Einziehung um drei Teile, am Fußprofil ein schrittweiser Vorsprung um je einen Teil angegeben.

kumbhaṃ kramātpaṭīṃ caiva galakaṃ kaṇṭhapaṭṭikām |
ghaṇṭāṃ ca mekhalāṃ caiva kuryāchṛṅgāṇi koṇataḥ || 279 ||

6.279 Der Reihe nach werden Topfglied, Leiste, kleines Halsglied, Halsband, Glockenform und Gürtelzone gestaltet. An den Ecken befinden sich die Spitzen.

revantaḥ [asya0 106 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: revanta.

aśvārūḍho yuvā kāryo [gh: yuvākāro] dvikaraścārūgātrakaḥ |
kupusīmālakācchanno [mū, a, g: golakācchanno] (?) raktāṅgo bhūṣaṇānvitaḥ |
vāme lasvanapāṇiḥ [k: valanayāṇiḥ]syā ddakṣiṇe madyapātradhṛk [mū: pātrakam] |
prālambyāsakta [mū: pālambyāyya] revanta [gh: revantu]śchatradhārādibhiryutaḥ || 280 ||

6.280 Revanta ist jung, zweiarmig, schön gestaltet und reitet auf einem Pferd. Er ist rot und geschmückt; die Bekleidungsangabe ist beschädigt. Seine linke Hand hält ein unsicher benanntes Attribut, möglicherweise den Zügel, die rechte einen Weinbecher. Mit herabhängenden Beinen wird er von Schirmträgern und weiterem Gefolge begleitet; auch diese Haltungsangabe ist nicht sicher überliefert.

raviparivāraḥ [asya citrodāharaṇaṃ nāsti]-

Das Gefolge der Sonne.

raktakāyā mahātejā dvibhujaḥ khaḍgapadmadhṛk |
nānāratnasuveśāḍhyā [gh: sukhesyāḍhyā]ścaṇḍatejāḥ svabhāvajāḥ || 281 ||

6.281 Das Gefolge der Sonne ist rot, von mächtigem Glanz, zweiarmig und mit Schwert und Lotus ausgestattet. Es trägt vielfältige Edelsteine und schöne Gewänder und besitzt von Natur aus heftige Strahlkraft.

navagrahabhūrtayaḥ [eṣāṃ citrodāharaṇāni citra saṃkhyā 107 taḥ]-

Die Gestalten der neun Planeten.

prāgrūpaṃ [k: prāṅmūkhaṃ] kevalaṃ kuryādgrahāṇāmagrato ravim |
somaṃ saumyaṃ tathā śvetaṃ kuṇḍikājāpyamālinam || 282 ||

6.282 An der Spitze der Grahas gestaltet man Ravi allein in der zuvor beschriebenen Gestalt. Soma ist freundlich und weiß, mit Wasserkrug und Rosenkranz zur Rezitation.

piṅgākṣaṃ bhānvitaṃ raktaṃ kujaṃ śaktyakṣamālinam |
budhaṃ śyāmaṃ yuvānaṃ ca rūpiṇaṃ cāpapāṇinam || 283 ||

6.283 Kuja ist rot und leuchtend, mit gelblichbraunen Augen, Speer und Rosenkranz. Budha ist dunkel, jung und schön und hält einen Bogen.

vṛddhaṃ gauraṃ guruṃ pīnaṃ [mū, a, kh, g, ṅ: pītaṃ] sākṣamālaṃ sakuṇḍikam |
yāmyekākṣaṃ sitaṃ śukraṃ kuṇḍikāmantramālikam || 284 ||

6.284 Guru ist alt, hell und kräftig – nach mehreren Lesarten gelb – und trägt Rosenkranz und Wasserkrug. Shukra ist weiß, auf der rechten Seite einäugig beziehungsweise mit nur einem rechten Auge; er trägt Wassergefäß und Mantra-Rosenkranz.

kṛṣṇaṃ paṅgumadhodṛṣṭiṃ khiṅkhirījāpyamālinam [li. pu.: śaṅkhijī; gh: khiṅkhirītu] |
vyāvṛttāsyaṃ sahāsyaṃ ca piṅgabhrūśmaśrulocanam || 285 ||

6.285 Shani ist schwarz, hinkend und blickt nach unten. Er trägt ein unsicher als Khinkhiri bezeichnetes Attribut und einen Rezitationsrosenkranz. Sein Gesicht ist abgewandt und lächelnd; Brauen, Bart und Augen sind gelblichbraun.

ardhacandrakaraṃ rāhumardhadehaṃ suraktakam [k, g: suvaktrakam] |
triphaṇaṃ [mū, a, k, kh: triphalaṃ] dhūmravarṇābhaṃ naranāgārdharūpiṇam [gh: naraṃ] || 286 ||

6.286 Rahu besitzt nur einen halben Körper, ist kräftig rot und hält eine Mondsichel. Die anschließende Gestalt ist rauchfarben, halb Mensch, halb Schlange und mit drei Schlangenhauben; sie wird im folgenden Vers als Ketu benannt.

dīptakhaḍgadharaṃ [k: dīpakhadga; kh: khadgaṃ dīpa] ketumathavāpi kṛtāñjalim |
etāṃstu dvibhujānsarvānbhūṣaṇāmbarasaṃyutān || 287 ||

6.287 Ketu trägt ein leuchtendes Schwert oder legt die Hände zur Verehrung zusammen. Alle diese Grahas sollen zweiarmig, mit Schmuck und Gewändern versehen gestaltet werden.

hayaṃ grāhaṃ mayūraṃ ca śvahaṃsau bhekarāsabhau |
śakaṭaṃ medhameteṣāmadho yānaṃ kramātsadā || 288 ||

6.288 Unter ihnen stehen der Reihe nach als Fahrzeuge: Pferd, Wassertier, Pfau, Hund, Schwan, Frosch, Esel, Wagen und Wolke. Die letzte Bezeichnung ist in der Vorlage entstellt.

aṣṭanāgamūrtayaḥ [eṣāṃ citrodāharaṇāni citrasaṃkhyā 116 taḥ 123 paryantāni krameṇa iṣṭavyāni |]-

Die Gestalten der acht Nagas.

ananto raktakāyaśca śiraḥ paṅkajamaulikaḥ |
sitaḥ sahasrabhogo hīśvaraḥ [mū, a: hī śiraḥ] kuvalayānvitaḥ || 289 ||

6.289 Ananta hat einen roten Leib und einen Lotus als Zeichen auf dem Kopf. Der folgende Schlangenherrscher ist weiß, mit tausend Windungen beziehungsweise Hauben und einem blauen Lotus; sein Name ist im Vers nicht eindeutig genannt.

raktāṅgaḥ [gh: raktāhvaḥ] svastikopetaḥ sutejāstakṣako mahān |
kṛṣṇaḥ karkoṭakaḥ kaṇṭhe śulkarekhātrayānvitaḥ || 290 ||

6.290 Der große Takshaka ist rot, von starkem Glanz und mit einem Svastika-Zeichen versehen. Karkotaka ist schwarz und trägt drei weiße Linien am Hals.

raktapadmanibhaḥpadmaśiraḥ śuklaḥ subindumān |
śaṅkhavarṇo mahāpadmo mastake kṛṣṇaśūladhṛk [k: śūlakam] || 291 ||

6.291 Padma gleicht einem roten Lotus und besitzt ein weißes Zeichen beziehungsweise einen weißen Punkt auf dem Kopf; die Wortverbindung ist unsicher. Mahapadma ist muschelweiß und trägt einen schwarzen Dreizack auf dem Haupt.

hemābhaḥ śaṅkhāpālaḥ syātsitarekhādharo gale |
kuliko raktadehastu candrārdha [g: candrārka] kṛtamastakaḥ || 292 ||

6.292 Shankhapala ist goldglänzend und trägt eine weiße Linie am Hals. Kulika besitzt einen roten Leib und eine Mondsichel auf dem Kopf; eine Variante nennt Mond und Sonne.

eṅgā [gh: brahmā] (?) dvibāhataḥ saptaphaṇā maṇisamanvitāḥ |
akṣasūtradharāḥ sarve kuṇḍikāpucchasaṃyutāḥ || 293 ||

6.293 Alle sind zweiarmig, mit sieben Schlangenhauben und einem Edelstein versehen. Sie tragen Rosenkranz, Wassergefäß und Schlangenschwanz. Das erste Wort des Verses ist unleserlich beziehungsweise bereits mit einem Fragezeichen versehen.

pañca bhogāstri bhogā [k: bhogaphaṇāgā] vā teṣāṃ jāyāsutādayaḥ |
bhṛtyāścaikaphaṇāḥ kāryāstadrūpā maṇivarjitāḥ || 294 ||

6.294 Ihre Frauen, Söhne und weiteren Angehörigen besitzen fünf oder drei Hauben. Die Diener erhalten eine einzige Haube; ihre Gestalt entspricht den anderen, doch ohne Edelstein.

manasā [asya0 124 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: manasā.

saptabhogāsitā saumyā dvibhujā sarpadhāriṇī |
hārakuṇḍalakeyūraiḥ sadābhara[k: sarvābharaṇa]ṇabhūṣitā || 295 ||

6.295 Manasa ist mit sieben Schlangenhauben versehen, dunkel, freundlich und zweiarmig. Sie trägt Schlangen und ist mit Halsketten, Ohrringen, Armreifen und weiterem Schmuck ausgestattet.

ghaṭapadmopaviṣṭā vā varado dhyānatatparā |
īdṛśī manasā kāryā śrīkaṇṭhamanasambhavā || 296 ||

6.296 Sie sitzt auf einem Gefäß und Lotus beziehungsweise auf einem lotusförmigen Gefäßsitz, gewährt Segen und ist in Meditation vertieft. So soll Manasa gestaltet werden, die aus Shrikanthas Geist hervorging.

jaratkāruḥ [asya0 125 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: jaratkāru.

dvibāhulambakarṇaśca jaratkāruḥ kṛśodaraḥ |
yogapaṭṭāvṛto'bjasthaḥ kuṇḍikā cākṣasūtrabhṛt [mū, a, k: dhṛk] || 297 ||

6.297 Jaratkaru hat zwei Arme, lange Ohren und einen mageren Bauch. Er sitzt auf einem Lotus, vom Yogaband umfasst, und trägt Wasserkrug und Rosenkranz.

manasāparivāraḥ [asya0 126 saṃ0 ci0 dra0]-

Das Gefolge Manasas.

phaṇaikacāruraktāṅgā dvibhujāḥ śiśurūpiṇaḥ |
nānālaṅkārasaṃyuktāvutpalamaṇi bhṛtkarau || 298 ||

6.298 Manasas Gefolge erscheint kindlich, zweiarmig, mit schönem rotem Leib und einer einzelnen Schlangenhaube. Die Gestalten tragen vielfältigen Schmuck sowie Lotus und Edelstein in den Händen.

svaṅgadevī [asya0 127 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: svaṅgadevī.

śyāmalāṅgī ghanoraskā [gh: dhanoruṣkā] saptabhogā caturbhujā |
sudṛṣṭā [g: sukṛṣṇā] jalpamānā ca svotsaṅge putradhāriṇī || 299 ||

6.299 Svangadevi hat einen dunklen Leib, volle Brust, sieben Schlangenhauben und vier Arme. Mit freundlichem Blick spricht sie und trägt einen Sohn auf ihrem Schoß.

parṇavalli [gh: parṇivelli] dharā pāṇau nānālaṅkārabhūṣitā |
padmā [gh: parṇā] nandanapadmastha svāṅgādevī [gh: suṅgādevī] prakīrtitā || 300 ||

6.300 In einer Hand hält sie eine belaubte Ranke und ist mit vielfältigem Schmuck versehen. Die Wendung über ihren Lotussitz und Nandana ist nicht sicher gegliedert. Diese Gestalt wird Svangadevi genannt; eine Variante schreibt Sungadevi.

nakṣatrāṇi [eṣāṃ citrodāharaṇāni citrasaṃkhyā 128 taḥ 154 paryantāni krameṇāśvinyādinakṣatrāṇāṃ citrāṇāṃ draṣṭravyāni tāni caprāyeṇa lakṣaṇe na sammilitāni |]-

Die Mondstationen.

hayebhakṣāgatāgāśva śvaśūkarasamānanāḥ |
basukokakapidvikṣa [gh: dvikka] vyāghravyāghrāsyakaṃ kramāt || 301 ||

6.301 Die Mondstationen werden mit einer Folge von Tiergesichtern dargestellt. Die beschädigte erste Reihe nennt unter anderem Pferd, Elefant, Bär, Ziege, Schlange, Hund und Eber; danach folgen weitere Vogel- und Affenbezeichnungen sowie zweimal Tiger. Eine verlässliche Einzelzuordnung zu allen Nakshatras lässt sich aus diesem Vers allein nicht herstellen.

lulāyayugmaharyaṃkṣasiṃhamārjāravaktrakam |
rakṣodvitayakumbhīra [kumbhīraḥ nakrābhidhojalavaraḥ | kintvasya citrodāharaṇe śukābhidhaḥ; pakṣiveśeṣo vartate | ślokānusāreṇa nakrābhidho jalacara viśeṣa eva bhavitumarhati |] sarpacakrāsyakaṃ [k, kh: nakrāsyakaṃ] ca bham || 302 ||

6.302 Die Reihe setzt sich mit zwei Büffelgesichtern, Löwen- und Bärenformen, einem Katzengesicht, zwei Dämonengesichtern, einem Krokodil und einer Schlangen- beziehungsweise weiteren Krokodilform fort. Der Apparat weist bei Kumbhira ausdrücklich auf einen Widerspruch zwischen Krokodil im Text und Papagei in der Abbildung hin.

mṛgaṝkṣakharoṣṭrāsyamaśvinyādi dvido'nṛju |
aśvinau ca yamo vahniḥ prajendrenduharo'ditiḥ || 303 ||

6.303 Zum Schluss werden Antilopen-, Bären-, Esel- und Kamelgesichter genannt. Die Formen von Ashvini an besitzen zwei Arme; die anschließende Haltungsangabe ist unklar. Die Gottheitenliste beginnt mit den Ashvins, Yama, Feuer, Prajapati, Indra, Mond, Hara und Aditi. Eine gesonderte Nummer 304 fehlt in der Vorlage.

guruḥ sarpaḥ pitāyoniraryamā savitā kramāt |
tvaṣṭā vāyuḥ surendro'gnirmitrendrau yāvatpāmpatiḥ [mū: yātudhāmpatiḥ] || 305 ||

6.305 Es folgen der Reihe nach Guru, die Schlange, der Vater beziehungsweise die Ahnen, Yoni, Aryaman, Savitri, Tvashtri, Vayu, der Götterkönig, Agni, Mitra, Indra und der Herr der Dämonen. Die gedrängte Folge ist nicht durchgehend eindeutig in Einzelzuordnungen aufgeteilt.

viṣṇurvasurajaikādipādahirbudhna [gh: rajaikādyahirbudhna] pūṣakāḥ || 306 ||

6.306 Weiter werden Vishnu, die Vasus, Ajaikapad, Ahirbudhnya und Pushan genannt. Die Vorlage bietet hier nur einen Halbvers; die Wortverbindung um Ajaikapad ist entstellt.

rāśayaḥ [eṣāṃ citrodāharaṇāni citrasaṃkhyā 155 taḥ 166 paryantāni draṣṭavyāni |]-

Die Tierkreiszeichen.

matsyau dvau ca bhavenmīno riktakumbho naro ghaṭaḥ |
pumān gadī savīṇā ca yoṣitta [k, kh, gh: yoṣicca] nmithunaṃ dhanuḥ || 307 ||

6.307 Das Tierkreiszeichen Fische besteht aus zwei Fischen; Wassermann ist ein Mann mit leerem Krug. Zwillinge ist ein Paar aus einem Mann mit Keule und einer Frau mit Vina. Die Beschreibung des Schützen beginnt im nächsten Vers.

aśvajaṅgho naraścāpī mṛgavaktro naro ṛṣaḥ [kh: davaḥ; gh: jhaṣe] (1) |
strī naustholkāsibhṛtkanyā tulādhāro narastulā || 308 ||

6.308 Schütze ist ein Bogenschütze mit Pferdeunterleib. Es folgt eine beschädigte Beschreibung eines Mannes mit Tiergesicht, offenbar zum Steinbock. Jungfrau ist eine Frau auf einem Boot mit Fackel und Schwert; Waage ist ein Mann, der eine Waage trägt.

meṣādyāḥ pañca caivānye [gh: evādye] svanāmatulyarūpakāḥ || 309 ||

6.309 Die übrigen fünf Zeichen, beginnend mit Widder, besitzen eine ihrem Namen entsprechende Gestalt.

indraḥ [asya0 167 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: indra.

sahasrākṣo gajārūḍho vajrahasto cca [kh: hastodhva] bāhukaḥ |
hemābhaḥ sakirīṭaśca devarājaḥ surāvṛtaḥ || 310 ||

6.310 Indra ist tausendäugig und sitzt auf einem Elefanten. Er hält den Donnerkeil mit erhobenem Arm, glänzt wie Gold und trägt eine Krone. Der Götterkönig ist von Gottheiten umgeben.

agniḥ [asya0 168 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: agni.

piṅgabhrūśmaśrukeśākṣaḥ pīnāṅgajaṭharo'ruṇaḥ |
chāgasthaḥ [asya sthāne mṛgo vartate citrapustake] sākṣasūtrograḥ saptārciḥ śaktidhārakaḥ || 311 ||

6.311 Agni besitzt gelblichbraune Brauen, Bart, Haare und Augen. Seine Glieder und sein Bauch sind kräftig, seine Farbe ist Rot. Er sitzt auf einer Ziege, trägt Rosenkranz und Speer und besitzt sieben Flammen. Der Apparat vermerkt, dass die Abbildung stattdessen ein Wildtier zeigt.

yamaḥ [asya0 169 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: yama.

īṣatpīto [gh: ṣaddīno] yamaḥ kāryo daṇḍahasto bhayaṅkaraḥ |
raktahṛkpāśabhṛtkṛṣṇo mahiṣasthogradūtavān || 312 ||

6.312 Yama soll etwas gelblich gestaltet werden; später im selben Vers wird er schwarz genannt. Er ist furchterregend, mit Stab, roten Augen und Schlinge. Er sitzt auf einem Büffel und ist von furchtbaren Boten begleitet.

niṛtiḥ [asya0 170 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: niṛti.

daṃṣṭrāvān raktadṛkkruddho nirṛtirbikṛtānanaḥ |
puṃsthita khaḍgahastaśca nīlābho rākṣasāvṛtaḥ || 313 ||

6.313 Nirriti besitzt Hauer, rote Augen, zornigen Ausdruck und ein entstelltes Gesicht. Er steht auf einem Menschen, hält ein Schwert, ist dunkelblau und von Rakshasas umgeben.

varūṇaḥ [asya0 171 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: varūṇa.

makarasthaḥ sitaḥ saumyaḥ pāśahasto mahodaraḥ |
sarvābharaṇasaṃyukto varūṇaḥ pītavastrabhṛt || 314 ||

6.314 Varuna ist weiß und freundlich, mit großem Bauch und einer Schlinge in der Hand. Er sitzt auf einem Makara, trägt allen Schmuck und gelbe Gewänder.

vāyuḥ [asya0 172 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vāyu.

pīno [gh: pīto] gauro'thavā śyāmaḥ kuñcitabhrūścalātmakaḥ |
raktakṣo [gh: raktāsyo] raktavāsaśca mṛgasthaścaṅkuśī dhvajī || 315 ||

6.315 Vayu ist kräftig, hell oder dunkel, mit gebogenen Brauen und bewegter Erscheinung. Er hat rote Augen und rote Gewänder, sitzt auf einer Antilope und trägt Elefantenhaken und Banner.

kuberaḥ [li. pu.: vaiśravaṇāḥ]-

Darstellung: kubera.

meṣasthito ghanaḥ saumya pīto yakṣāvṛto gadī |
dhaneśo varadaḥ kāryo nānābharaṇamaṇḍitaḥ || 316 ||

6.316 Kubera, der Herr des Reichtums, sitzt auf einem Widder. Er ist kräftig, freundlich und gelb, von Yakshas umgeben, trägt eine Keule, gewährt Segen und ist vielfältig geschmückt.

īśanaḥ [asya0 173 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: īśana.

tryakṣaḥ sito jaṭī śulī vṛṣastho'sthivibhūṣitaḥ |
īśāno'hīndubhṛccaite lokapālā dvibāhavaḥ || 317 ||

6.317 Ishana ist dreiäugig und weiß, mit verfilztem Haar, Dreizack und Knochenschmuck. Er sitzt auf einem Stier und trägt Schlange und Mond. Diese Richtungswächter sind zweiarmig.

viśvakarmā [li. pu.: lokapālamūrtayaḥ| asya0 174 saṃ0 ci0 dra0 | asya0 175 saṃ0 ci0 dra0]-]

Darstellung: viśvakarmā.

dvibhujaḥ pītadehastu [asya0 175 saṃ0 ci0 dra0] jaṭādhārī kajāsanaḥ |
viśvakarmā sadā gauro jñānamudrākṣasūtrabhṛt || 318 ||

6.318 Vishvakarman ist zweiarmig, gelb beziehungsweise hell, trägt verfilztes Haar und sitzt auf einem Lotus. Er zeigt die Geste der Erkenntnis und hält einen Rosenkranz.

hanumān [asya0 176 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: hanumān.

vivṛtārūṇavaktraśca ūrdhvapucchordhvamūrdhajam |
ālīḍhakaraṇāsaktaṃ mahākāyaṃ subhīṣaṇam || 319 ||

6.319 Hanuman besitzt einen geöffneten roten Mund, einen aufgerichteten Schwanz und aufstehendes Haar. Er nimmt Alidha-Stellung ein, ist von gewaltigem Körper und sehr furchterregend.

dīrghadaṃṣṭrānakhairyuktaṃ piṅgākṣaṃ [gh: piṅgāṅgaṃ] bhūṣaṇānvitam |
pītadhvajadharaṃ vāme tarjanīṃ vā hṛdagrataḥ || 320 ||

6.320 Er hat lange Hauer und Nägel, gelblichbraune Augen und Schmuck. Links hält er ein gelbes Banner oder zeigt vor dem Herzen den drohend erhobenen Zeigefinger.

prasāritabhujaṃ kuryādadrihastaṃ tu dakṣiṇe |
saṃpīḍya rākasān padbhyāṃ muñcannādaṃ[mū, a, kh, g: padbhyāmuccapādaṃ]marutsutam || 321 ||

6.321 Sein rechter Arm ist ausgestreckt und hält einen Berg. Der Sohn des Windes zerdrückt Rakshasas mit den Füßen und stößt ein Brüllen aus; mehrere Varianten verändern die letzte Haltungsangabe.

kinnaraḥ [bahuvacanānto'yaṃ śabdaḥ likhita prastakeṣu | asya0 177 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kinnara.

eṅgrā (?) yakṣāṅghrikāḥ kāryā vīṇāhastāśca kinnarā |
skandhayakṣānvitā nityaṃ kartavyā yoṣidanvitāḥ || 322 ||

6.322 Die Kinnaras halten Vinas und erscheinen mit Frauen. Die Angaben zu Füßen und Schultern enthalten beschädigte, mit Yakshas verbundene Bezeichnungen; daraus lässt sich die genaue Mischgestalt nicht sicher ableiten.

vidyādharaḥ [asya0 178 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: vidyādhara.

yakṣānvitāntarikṣasthāḥ khaḍgahastāḥ surūpiṇaḥ |
mālābhṛto'thavā hṛṣṭāḥ khasthā vidyādharāḥ sadā || 323 ||

6.323 Die Vidyadharas befinden sich im Luftraum, sind schön und halten Schwerter oder freudig Girlanden. Eine weitere Verbindung zu Yakshas wird im Wortlaut genannt, bleibt aber syntaktisch unklar.

pretavetālaḥ [li. pu: pretavetālau | asya0 179 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: pretavetāla.

dīrghāḥ khaḍgadharāḥ kṛṣṇāḥ piśācā durbalāṅgakāḥ |
piṅgavarvara[mū: carcara]keśāśva vetālā vikṛtānanāḥ [g: vibṛtānanāḥ] || 324 ||

6.324 Die Pishachas sind langgestreckt, schwarz und schwachgliedrig und tragen Schwerter. Die Vetalas haben gelblichbraunes, wirres Haar und entstellte Gesichter.

kṣetrapālaḥ [li. pu: kṣetrapālāḥ | asya0 180 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: kṣetrapāla.

babhru keśogradaṃṣṭrāsyāḥ kṛṣṇavarṇā bhayaṅkarāḥ |
kapālamālinaḥ śūladhārīṇaḥ kṣetrapālakāḥ || 325 ||

6.325 Die Kshetrapalas besitzen braunes Haar, furchtbare Hauer und Gesichter und sind schwarz und erschreckend. Sie tragen Schädelgirlanden und Dreizacke.

kinnarādyāḥ [eṣāṃ (kinnaragaṇānāṃ) citrodāharaṇāni citrasaṃkhyā 181 taḥ 189 paryantāni prāyeṇa draṣṭavyāni |]-

Kinnaras und weitere Wesen.

godhājagṛghravaktrāśca śivāsūcīmukhāstathā |
kṛśā mahodarāḥ pretā khalva[g: khalu]gallāśca lomaśāḥ || 326 ||

6.326 Die Pretas haben Gesichter von Waranen, Ziegen, Geiern oder Schakalen, auch nadelförmige Münder. Sie sind mager, mit großen Bäuchen, eingefallenen beziehungsweise kahlen Wangen und behaarten Körpern; die Wangenbezeichnung ist unsicher.

yoginyaḥ [pāṭho'yaṃ likhitapustakeṣu nāsti | atroktacatuḥ ṣaṣṭiyoginīṣu ilā, līlā, layā, lolā, laṅkāḥ laṅkeśī, lālasā, vimalā, etāsāṃ citrodāharaṇāni na dṛśyante gaṇanāyāmapi catuḥ ṣaṣṭisaṃkhyātaḥ adhikaṃ vartate |]-

Die Yoginis.

yoginyaṣṭaṣṭākaṃ vakṣye aindryādīśāntacakravṛt [mū, a, g: cakravat] |
svāṅgavarṇadharāḥ sarvā yathoktaṃ brahmayāmale || 327 ||

6.327 Nun werde ich die acht Achtergruppen der Yoginis darlegen, im Richtungsrad von Indras Richtung bis zu Ishanas Richtung. Alle tragen die ihnen eigene Körperfarbe, wie es im Brahmayamala gelehrt wird.

akṣobhyā ṝkṣakarṇīca rākṣasī kṣaṇapā kṣayā |
piṅgākṣī cākṣayākṣapā [gh: kṣeya] ilā līlā layā tathā || 328 ||

6.328 Die Namensreihe beginnt mit Akshobhya, Rikshakarni, Rakshasi, Kshanapa, Kshaya, Pingakshi, Akshaya und Akshapa; es folgen Ila, Lila und Laya. Die Schreibungen einzelner Namen weichen in den anschließenden Beschreibungen ab.

lolā laṅkātha [g: sakṣātha] laṅkeśī lālasā bimalā punaḥ |
hutāśā ca viśālākṣī huṅkārā vaḍavāmukhī || 329 ||

6.329 Weiter folgen Lola, Lanka, Lankeshi, Lalasa, Vimala, Hutasha, Vishalakshi, Humkara und Vadavamukhi.

hāhāravā mahākrūrā krodhanā tu bhayānanā |
sarbajñā taralā tārā ṛgvedā tu hayānanā || 330 ||

6.330 Danach Haharava, Mahakrura, Krodhana, Bhayanana, Sarvajna, Tarala, Tara, Rigveda und Hayanana.

sārākhyā rasasaṅgrāhī saravā [gh: sabarā] tālajaṅghikā |
raktākṣī suprasiddhā tu vidmujjihvā karaṅkiṇī || 331 ||

6.331 Es folgen Sara, Rasasangrahi, Sarava – nach einer Variante Sabara –, Talajanghika, Raktakshi, Suprasiddha, Vidyujjihva und Karankini.

meghanādā pracaṇḍogrā kālakarṇī varapradā |
candrā candravalī caiva prapañcā pralayāntikā || 332 ||

6.332 Weiter Meghanada, Prachandogra, Kalakarni, Varaprada, Chandra, Chandravali, Prapancha und Pralayantika.

vicuvaktrā piśācī ca piśitāśā ca lolupā [k: calālayā] |
yamanī tapanī caiva vāmanī vikṛtānanā || 333 ||

6.333 Dann Vichuvaktra, Pishachi, Pishitasha, Lolupa, Yamani, Tapani, Vamani und Vikritanana.

vāyuvegā bṛhatkukṣī vikṛtā viśvarūpikā |
yamajihvā jayantī ca durjayā ca yamāntikā || 334 ||

6.334 Es folgen Vayuvega, Brihatkukshi, Vikrita, Vishvarupika, Yamajihva, Jayanti, Durjaya und Yamantika.

viḍālī revatī caiva pretanā vijayāntikā |
catuḥ ṣaṣṭiriyaṃ devyā mūrtibhedā nigadyate || 335 ||

6.335 Schließlich Vidali, Revati, Pretana und Vijayantika. Dies werden die vierundsechzig Erscheinungsformen der Göttin genannt. Die überlieferte Aufzählung überschreitet bei fortlaufender Zählung diese Zahl; darauf weist bereits der Editionsapparat hin.

pūrvāṣṭakā [āsāṃ 190 taḥ 197 saṃ0 ci0 krameṇa draṣṭa0]-

Die östliche Achtergruppe.

vajrāsyabhayabhṛdyāsye kaṃkheṭaphalabhṛttataḥ |
hemābhā bhūṣaṇāḍhyā syādakṣobhyā karisaṃsthitā || 336 ||

6.336 Akshobhya ist goldglänzend, reich geschmückt und sitzt auf einem Elefanten. Rechts trägt sie Donnerkeil und Schwert und zeigt Furchtlosigkeit, auf der anderen Seite Schädelschale, Schild und Frucht; einzelne Attributwörter sind stark zusammengezogen.

ṛkṣakaṇyatigaurā [kh: dakṣakarṇāti] ca kambubāṇābhayāvahā |
dhanuḥ kapābhṛtsaumye ṝkṣasthā tarjanīyutā || 337 ||

6.337 Rikshakarni ist sehr hell und sitzt auf einem Bären. Sie trägt Muschelhorn und Pfeil und zeigt Furchtlosigkeit; links hält sie Bogen und Schädelschale und erhebt den drohenden Zeigefinger.

karābhyāṃ mastakasyordhvaṃ pretabhṛddhastapādayoḥ |
pretasthā rāghasī gaurī kārdhakatarikānvitā || 338 ||

6.338 Rakshasi ist hell und steht auf einem Leichnam. Mit zwei Händen hält sie einen weiteren Leichnam an Händen und Füßen über ihrem Kopf. Dazu trägt sie Schädelschale und Messer; ihr Name erscheint hier entstellt.

kṣapaṇā campakābhā ca dakṣiṇe mudgarāṅkuśam |
kapālaṃ ca phalaṃ saumye dhatte kubjanṛsaṃsthitā || 339 ||

6.339 Kshapana ist champakablütenfarben. Rechts trägt sie Hammer und Elefantenhaken, links Schädelschale und Frucht. Sie steht auf einem buckligen Menschen.

kṣayā kūrmasthitā gaurī tvakṣasūtraghaṭānvitā |
vāme kapālapicchī [k, kh: piṇḍī] bhṛtsarvālaṅkāramaṇḍitā || 340 ||

6.340 Kshaya ist hell, sitzt auf einer Schildkröte und trägt Rosenkranz und Krug. Links hält sie Schädelschale und Federwedel; sie ist mit allem Schmuck versehen.

piṅgākṣī piṅgakeśī syādvabhruvarṇā hayasthitā |
kauśeyapāśabhṛdyāmye vāme cāṅkuśakheṭinī || 341 ||

6.341 Pingakshi hat gelblichbraunes Haar und einen braunen Leib und sitzt auf einem Pferd. Rechts trägt sie Seidenstoff und Schlinge, links Elefantenhaken und Schild.

vṛkārūḍhā la-varṇā [ra-varṇā, raktavarṇetyarthaḥ |] ca cārūrgātrākṣayā bhavet |
kuṭhārāśanibhṛdyāmye saumye pāśāṅkuśānvitā || 342 ||

6.342 Akshaya sitzt auf einem Wolf, hat schöne Glieder und ist rot; die Farbangabe wird im Apparat als Abkürzung erklärt. Rechts trägt sie Axt und Donnerkeil, links Schlinge und Elefantenhaken.

śavasthā nṛtyatī pītā śaktībhakadhanuṣkarā |
yāmye ḍamaruśūleṣumastahastākṣapā matā || 343 ||

6.343 Akshapa ist gelb und tanzt auf einem Leichnam. Die Attributliste nennt Speer, Bogen, Damaru, Dreizack, Pfeil und Kopf sowie ein beschädigtes weiteres Wort. Die Verteilung auf die Hände lässt sich nicht vollständig sichern.

āgneyāṣṭakā [āsāṃ citrodāharaṇāni 198 taḥ 205 saṃ0 ci0 dra0 |]-

Die südöstliche Achtergruppe.

śaktikhadgadharā tryakṣā vāme kheṭakapālinī |
raktā bahirsthitā tvīlā krīḍantī dahanaiḥ saha || 344 ||

6.344 Ila ist rot und dreiäugig. Sie trägt Speer und Schwert, links Schild und Schädelschale. Sie spielt mit Flammen; die Angabe ihres Standortes ist unsicher und kann mit Feuer verbunden sein.

līlāvatī ca dakṣasthā [mū: yakṣasthā | ṝkṣasthā, iti sādhuḥ pāṭhaḥ, citre'yi bhallukāsane sthitā |] līlā raktajaṭānvitā |
bibhrāṇā paṭṭiśaṃ pāśaṃ vāme mastārdhamambujam || 345 ||

6.345 Lila erscheint spielerisch, mit roten Haarflechten. Ihr Reittier ist unsicher überliefert; der Herausgeber schlägt aufgrund der Abbildung einen Bären vor. Sie trägt Pattisha und Schlinge, links eine Schädelhälfte und einen Lotus.

mūṣārūḍhā layā raktā yāmye daṇḍāsidhāriṇī |
kartarīkārdhabhṛdvāme tarjanyākṛṣṭasṛkkikā || 346 ||

6.346 Laya ist rot und reitet auf einer Maus. Rechts trägt sie Stab und Schwert, links Messer und Schädelhälfte. Mit dem Zeigefinger zieht sie einen Mundwinkel auseinander.

katarīṃ mārjanīṃ sūryaṃ saumye picchaṃ nṛkaṃ kare |
śūlaṃ ruruyutaṃ dvābhyāṃ dhatte lolā sūsārase (?) || 347 ||

6.347 Lola trägt Messer, Kehrbesen und ein als Sonne bezeichnetes Attribut, auf der anderen Seite Federwedel und einen Menschen. Zwei Hände halten einen Dreizack zusammen mit einem Ruru-Wildtier. Ihre Stand- oder Sitzangabe ist bereits in der Vorlage mit einem Fragezeichen versehen.

vāme lulāyamuṇḍaṃ ca tatpaśyantyasṛgraktakam |
laṅkeśorusthitā laṅkā carvantīṃ [mū: varṣantī] piśitaṃ ghanam || 348 ||

6.348 Lanka hält links einen Büffelkopf und betrachtet das Blutrote daran. Sie befindet sich auf dem Schenkel Lankeshas und kaut ein großes Stück Fleisch; eine Variante verändert das entsprechende Tätigkeitswort.

saphaṇā [mū, a, g: triphalā]sakakheṭendro modakāṃsi ca dakṣiṇe |
śoṇā laṅkeśvarī kuṇḍe ūrdhvabālāṃ ca [mū: ūrvālācaraṇe] bibhratī || 349 ||

6.349 Lankeshvari ist rot und befindet sich in einem Becken. Die beschädigte Attributfolge nennt eine Schlangenhaube, einen Schild und Modaka-Süßigkeiten; eine weitere Angabe betrifft ein erhobenes Mädchen beziehungsweise Beine und ist nicht zuverlässig zu bestimmen.

dakṣiṇe varadaścakraṃ vāme kaṃ kambujaṃ [mū, a, k, g, gh, ṅ: kambukaṃ] kare |
bibhrāṇā kolagā raktā lālāsṛglālāsā matā || 350 ||

6.350 Lalasa ist rot und sitzt auf einem Eber, mit Speichel und Blut am Mund. Rechts zeigt sie Segen und trägt einen Diskus, links Schädelschale und Muschelhorn; die letzte Attributbezeichnung ist variantenreich.

dvipasthā vimalā raktā tryakṣālaṅkārabhūṣitā |
kartarīkumbhabhṛdyāme saumye pāśakapālinī [kh: kadhāriṇī] || 351 ||

6.351 Vimala sitzt auf einem Elefanten, ist rot, dreiäugig und geschmückt. Rechts hält sie Messer und Krug, links Schlinge und Schädelschale.

yāmyāṣṭakā [āsāṃ0 206 taḥ 213 saṃ0 ci0 dra0 |]-

Die südliche Achtergruppe.

kṛṣṇā hutāśanājasthā jvālinī dakṣiṇe sruvā |
vāme cābhayahastā syādviṣṭarājyaghaṭānvitā || 352 ||

6.352 Hutashana ist schwarz und flammend und sitzt auf einer Ziege. Rechts hält sie einen Opferlöffel; links zeigt sie Furchtlosigkeit. Dazu werden ein Sitz beziehungsweise eine Unterlage und ein Buttergefäß genannt; die genaue Handverteilung ist unklar.

śūkarāsyā viśālākṣī yoṣitskandhasthitā sitā |
kartaryabhayabhṛdyāmye vāme kaṇṭākapālinī || 353 ||

6.353 Vishalakshi ist weiß und hat ein Ebergesicht. Sie steht auf den Schultern einer Frau. Rechts trägt sie ein Messer und zeigt Furchtlosigkeit, links hält sie eine Schädelschale und ein unsicher als Dorn beziehungsweise Glocke lesbares Attribut.

mīnāsyā mīnasaṃsthā ca huṅkārā sākṣamālikā |
musalaṃ bibhratī yāmye somye ca phalapallavau || 354 ||

6.354 Humkara hat ein Fischgesicht und sitzt auf einem Fisch. Rechts trägt sie Rosenkranz und Stößel, links Frucht und Blattspross.

paryaṅkā vaḍavāsyā syādaṅkābhyāṃ bibhratī śiśa |
samatsya [gh: samatse]kārdhabhṛdvāme matsyamanyatra vāsitā || 355 ||

6.355 Vadavasya sitzt mit untergeschlagenen Beinen und hält ein Kind im Schoß. Links trägt sie eine Schädelhälfte mit Fisch, auf der anderen Seite einen weiteren Fisch; die genaue Formulierung ist beschädigt.

tarjanyabhayabhṛtsaumye [k, g: saumye ca] yāmye daṇḍakapālinī [kh: kadhāriṇī] |
hāhāravā sitā krūrā rāsabhāsyā kharāsanā [mū, a, g, gh: kharānanā] || 356 ||

6.356 Haharava ist weiß und furchtbar, mit Eselsgesicht und auf einem Esel sitzend. Links zeigt sie den drohenden Zeigefinger und Furchtlosigkeit, rechts trägt sie Stab und Schädelschale.

lulāyāsyā lulāyasthā mahākrūrā sitā bhavet |
vāme masīghaṭīṃ pāśaṃ lekhanīdaṇḍabhṛttataḥ || 357 ||

6.357 Mahakrura ist weiß, mit Büffelgesicht und auf einem Büffel. Links hält sie Tintenfass und Schlinge, auf der anderen Seite Schreibgriffel und Stab.

māṃsakhaṇḍaṃ kare yāmye khādantī krodhanā sitā |
vāme samadiraṃ pātraṃ [g: śūlaṃ] bibhratī jambuke sthitā || 358 ||

6.358 Krodhana ist weiß und sitzt auf einem Schakal. Sie isst ein Fleischstück aus der rechten Hand; links trägt sie ein Gefäß mit Wein, nach einer Variante einen Dreizack.

kṛṣṇā bhayānanā gṛghre daṃṣṭogrāsthivibhūṣitā |
yāmye'syāḥ khiṅkhirīṃ (?) śūlaṃ kharparaṃ lelihānyataḥ || 359 ||

6.359 Bhayanana ist schwarz, sitzt auf einem Geier und besitzt furchtbare Hauer und Knochenschmuck. Die Attributfolge nennt rechts Khinkhiri – bereits in der Vorlage fraglich – und Dreizack sowie eine Schädelschale auf der anderen Seite. Sie leckt mit der Zunge.

naṝtyāṣṭakā [āsāṃ0 214 taḥ 221 saṃ0 ci0 dra0 |]-

Die südwestliche Achtergruppe.

kaṃśūlapustabhṛdvāme muṇḍaṃ ḍamarukaṃ śabam |
bibhrāṇobhājina [ibha arjinam iti cchedaḥ |] dvābhyāṃ sarvajñā pretagāsitā || 360 ||

6.360 Sarvajna ist dunkel und sitzt auf einem Leichnam. Links trägt sie Schädelschale, Dreizack und Buch, auf der anderen Seite Kopf, Damaru und Leichnam. Zwei weitere Hände halten ein Elefantenfell.

jānukṣiptau karau nyasya udyantī taralāyatā [k: u/dmatī taraṇāyatā] (?) |
śalaḍamaruhastā ca godhāgā taralāsitā || 361 ||

6.361 Tarala ist dunkel und sitzt auf einem Waran. Zwei Hände sind auf die Knie gelegt; ihre aufsteigende oder sich erhebende Bewegung ist sprachlich beschädigt. Weitere Hände tragen Dreizack und Damaru.

tārāgaṇairvṛtā tārā kṛṣṇolūka sthitā nṛkam |
śavārdhaṃ bibhratī saumye śūlaṃ mugdaramanyataḥ || 362 ||

6.362 Tara ist schwarz, von Sternengruppen umgeben und sitzt auf einer Eule. Links hält sie einen Menschen und einen halben Leichnam, auf der anderen Seite Dreizack und Hammer.

ṝgvedābjasthitā kṛṣṇā jñānamudrāṃca bibhratī |
dakṣiṇo jāpyayāmālāṃ ca vāme pusta kamaṇḍalum || 363 ||

6.363 Rigveda ist schwarz und sitzt auf einem Lotus. Rechts zeigt sie die Erkenntnisgeste und trägt einen Rezitationsrosenkranz, links Buch und Wasserkrug.

kabandhasthāsitā raudrā turagāsyā hayānanā [k: hayāsanā] |
śūrpamuṇḍakarā yāmye'nyatra śephālikākabhṛt || 364 ||

6.364 Hayanana ist dunkel, wild, mit Pferdegesicht und auf einem kopflosen Rumpf. Rechts trägt sie Worfelkorb und Kopf; die linken Attribute enthalten die unsichere Bezeichnung Shephalika und eine verkürzte Schädelbezeichnung.

chinnahastaśave kṛṣṇā sārā sthūlajaṭādharā |
khadvāṅgaṃ rurukaṃ saumye śūlolke bibhratī tataḥ || 365 ||

6.365 Sara ist schwarz, mit dichten Haarflechten, und steht auf einem Leichnam mit abgetrennten Händen. Links trägt sie Khatvanga und ein Ruru-Wildtier, auf der anderen Seite Dreizack und Fackel.

śavasthā rasasaṅgrāhī [k: varasaṅgrāhī] nṛtyantī jaṭilāsitā |
kaśūlāndhakakaṅkālabhṛdadvayo ścamavāsinī || 366 ||

6.366 Rasasangrahi ist dunkel, mit verfilztem Haar, und tanzt auf einem Leichnam. Sie trägt Schädelschale, Dreizack, Andhaka und Skelett; die genaue Attributgliederung ist unsicher. Zwei Hände halten beziehungsweise spannen ein Fell.

śave tadṛgdvije pṛṣṭhe kaniṣṭhā saravāsitā ?[mū: bhavanā; kh, gh: śavarā] |
vāme karoghadhāpāśaṃ[k, kh, g: dyathānāsaṃ; gh: pavānāsaṃ]ghaṇṭeśūlkadharānyathaḥ || 367 ||

6.367 Sarava beziehungsweise Shavara ist dunkel. Die Standbeschreibung mit Leichnam, Vogel und Rücken ist beschädigt. Lesbar sind ferner links eine Schlinge sowie auf der anderen Seite Glocke und Fackel; ein weiteres Attribut lässt sich nicht sicher bestimmen.

vāruṇāṣṭakā [āsāṃ0 222 taḥ 229 saṃ0 ci0 dra0 |]-

Die westliche Achtergruppe.

tārkṣyasthā tālajaṅghākhyā sukāntā sphaṭikaprabhā |
śaṅkhakheṭakahastogrā yāmye svastikakhaḍgabhṛt || 368 ||

6.368 Talajangha sitzt auf Garuda, ist sehr schön und glänzt wie Kristall. Sie trägt Muschelhorn und Schild sowie rechts ein Svastika-Zeichen und Schwert und wirkt furchtbar.

gaṇḍāruḍhāca raktākṣī raktāpānā śaśiprabhā |
gadādhvajadharā yāmye vāme pāśakapālabhṛt || 369 ||

6.369 Raktakshi ist mondglänzend, trinkt Blut und sitzt auf einem Nashorn. Rechts trägt sie Keule und Banner, links Schlinge und Schädelschale.

vidyujjihvā sitā krūrā savye sīrakapālabhṛt [mū: kapālinī] |
cakrasthā cakrakaṭṭārīdhārīṇī [kh: cakravākaśca cakrasthā] dakṣiṇe kare || 370 ||

6.370 Vidyujjihva ist weiß und furchtbar. Links trägt sie Pflug und Schädelschale, rechts Diskus und Messer. Sie sitzt auf einem Rad; eine Variante verändert die Verbindung von Sitz und Diskus.

grāhasthā cāmaracchatrabhṛddūtīyugasaṃyutā |
kumbhapāśadharāśvetā kroḍaputrā karaṅkiṇī || 371 ||

6.371 Karankini ist weiß, sitzt auf einem Wassertier und trägt einen Sohn im Schoß. Sie hält Krug und Schlinge und ist von zwei Botinnen mit Yakhaarwedel und Schirm begleitet.

candrābhā meghanādā syādkhaḍgakheṭakadhāriṇī |
jalairvṛtā ghanārūḍhā taḍinmaṇḍalamaṇḍitā || 372 ||

6.372 Meghanada glänzt wie der Mond und trägt Schwert und Schild. Sie sitzt auf einer Wolke, ist von Wasser umgeben und mit einem Kranz von Blitzen geschmückt.

nakrasthā syātpracaṇḍogrā yāmye syātkartarīphalam |
kapālaṃ muṇḍamanyatra śatrughnāḥ sphaṭikatviṣaḥ || 373 ||

6.373 Prachandogra sitzt auf einem Krokodil. Rechts trägt sie Messer und Frucht, links Schädelschale und Kopf. Sie glänzt wie Kristall und wird als Vernichterin der Feinde bezeichnet.

śuklā jhaṣāsanā raudrā bibhratpadmākṣasūtrakam |
kālakarṇī jagatkhyātā karṇe kālavibhūṣaṇā || 374 ||

6.374 Kalakarni ist weiß, wild und sitzt auf einem großen Fisch. Sie trägt Lotus und Rosenkranz; an ihren Ohren befindet sich dunkler Schmuck. Sie ist in der Welt bekannt.

vṛṣadaṃśasthitā śvetā varadā rupunāśinī |
kartaryabhayabhradyāmye śūla [gh: pūra] pāśadharānyataḥ || 375 ||

6.375 Varada ist weiß, sitzt auf einer Katze und vernichtet Feinde. Rechts trägt sie ein Messer und zeigt Furchtlosigkeit, links hält sie Dreizack und Schlinge.

vāyavyāṣṭakā [āsāṃ0 230 taḥ 237 saṃ0 ci0 dra0]-

Die nordwestliche Achtergruppe.

candrā haṃsasthitā gaurī vedāsyendvarkayoḥ kramāt |
kamaṇḍalukuśavyagrā cātrasūtrasruvānvitā || 376 ||

6.376 Chandra ist hell und sitzt auf einem Schwan. Die folgende Verbindung von vier Gesichtern, Mond und Sonne ist sprachlich unsicher. Genannt werden Wasserkrug, Kusha-Gras, Rosenkranz und Opferlöffel.

yāmye'bhayākṣamālābhṛccheṣe'bjadhvajadhāriṇī |
candrāvalī ca hemābhā kṛṣṇasāramṛgāsanā || 377 ||

6.377 Chandravali ist goldglänzend und sitzt auf einer Schwarzbockantilope. Rechts zeigt sie Furchtlosigkeit und trägt einen Rosenkranz, in den übrigen Händen Lotus und Banner.

phalasraganvitā yāmye kambukuṇḍīdharānyataḥ |
gajayānā prapañcākhyā gaurī viśvaprapañcikā || 378 ||

6.378 Prapancha ist hell, reitet auf einem Elefanten und entfaltet die Vielfalt der Welt. Rechts trägt sie Frucht und Girlande, auf der anderen Seite Muschelhorn und Wassergefäß.

kapisthā sāndraśākhābhṛtkhāmbarā pralayāntikā |
khādantyāmraphalaṃ nityaṃ kapyāsyā gaura varṇinī || 379 ||

6.379 Pralayantika ist hell, hat ein Affengesicht und sitzt auf einem Affen. Sie trägt einen dicht belaubten Zweig, ist mit dem Luftraum bekleidet, also nackt, und isst stets Mangofrüchte.

picuvaktrā mṛgavyālapiṅgalā yāmyasaumyayoḥ |
bhindipālakakheṭābhyāṃ prāsāsibhyāṃ ca saṃyutā [gh: saṃyuge] || 380 ||

6.380 Pichuvaktra ist gelblichbraun und mit einem Wildtier beziehungsweise Raubtier verbunden; die genaue Tierbezeichnung ist unsicher. Rechts und links trägt sie Bhindipala-Wurfwaffe, Schild, Speer und Schwert.

kākāsyā śyenagā gaurī piśācī raktamaṇḍitā [k, g: vaktramaṇḍitā] |
kaṃ phalaṃ kartarīṃ khaḍgaṃ bibhratī saumyayāmyayoḥ || 381 ||

6.381 Pishachi hat ein Krähengesicht, sitzt auf einem Falken und ist hell und mit Blut geschmückt. Links und rechts verteilt trägt sie Schädelschale, Frucht, Messer und Schwert.

phalatūladharā vāme yāmye śastrāsidhāriṇī |
kharasthā babhruvarṇa syātpiśitāśātidurbalā || 382 ||

6.382 Pishitasha ist braun, äußerst schwach und sitzt auf einem Esel. Links hält sie Frucht und Baumwolle beziehungsweise einen Wattebausch, rechts eine Waffe und ein Schwert.

nṛtyantī lolupā pītā rathasthā yāmyasaumyayoḥ |
dhvana iḍamaru[gh: dhvajaṃ ḍamaru]kartaryau pāśaṃ picchaṃ ca bibhratī || 383 ||

6.383 Lolupa ist gelb und tanzt auf einem Wagen. Die rechte und linke Attributfolge nennt Banner, Damaru, Messer, Schlinge und Federwedel; die erste Lesart ist beschädigt, eine Variante bestätigt „Banner“.

uttarāṣṭakā [āsāṃ0 238 taḥ 245 saṃ0 ci0 dra0]-

Die nördliche Achtergruppe.

gadāpaṭṭiśabhṛtsaumye śūlatomariṇī tataḥ |
vamanī [g: ramaṇī] puṣpakasthā syādgaurī yakṣagaṇānvitā || 384 ||

6.384 Vamani – nach einer Variante Ramani – ist hell, sitzt auf dem Pushpaka-Fahrzeug und ist von Yakshas umgeben. Links trägt sie Keule und Pattisha, auf der anderen Seite Dreizack und Wurfspieß. Der Name weicht von Yamani in der vorausgehenden Liste ab.

sarpāsyā sarpagā svaṅgī [gh: vaṅgā] gautyugrā tapanī varā |
svaphaṇā[k, g: suphaṇā]yāna bhāje [k: nubhogā; kh: dhārabhāge] ca nyastahastā bhavediyam || 385 ||

6.385 Tapani hat ein Schlangengesicht, einen wohlgestalteten hellen Leib und eine furchtbare Erscheinung. Sie sitzt auf einer Schlange und legt die Hände auf deren Hauben beziehungsweise auf den entsprechenden Teil ihres Reittiers; die genaue Angabe ist beschädigt.

pītā gehākhuge bhāsyā vāmanī bibhratī kare |
kuṭhāraṃ laḍḍukaṃ vāme'kṣamālī panasaṃ tataḥ || 386 ||

6.386 Vamani ist gelb und sitzt auf einer Hausmaus. Ihre Gesichtsbezeichnung ist unsicher. Links trägt sie Axt und Laddu, auf der anderen Seite Rosenkranz und Jackfrucht.

śūlabhinnalulāyasya siṃhākṛṣṭaśarīriṇāḥ |
jihvābhṛdvajriṇī pītā caturdorvikṛtānanā || 387 ||

6.387 Vikritanana ist gelb und vierarmig. Sie hält die Zunge eines vom Dreizack durchbohrten Büffels, dessen Körper von einem Löwen gezerrt wird, und trägt einen Donnerkeil.

śaṅkhapūraṇikā dvābhyāṃ nṛkābhayakarādvayoḥ |
dvihaṃsavadrathasthā syāttālābhā vāyuvegikā || 388 ||

6.388 Vayuvegika bläst mit zwei Händen ein Muschelhorn; die beiden anderen halten einen Menschen und gewähren Furchtlosigkeit. Sie sitzt auf einem Wagen mit zwei Schwänen und besitzt einen als Tala bezeichneten Farbglanz, dessen genaue Bedeutung hier unsicher ist.

bhāsasthā syādvṛhatkukṣiḥ saumye muṇḍakapālabhṛt |
mahākāyā ca gauryaṅka[mū: gauryarka]kartarī bhṛnnṛkādanī || 389 ||

6.389 Brihatkukshi ist hell und von großem Leib und sitzt auf einem Raubvogel. Links trägt sie Kopf und Schädelschale; sie hält einen Menschen im Schoß und ein Messer und wird als Menschenverzehrende dargestellt. Die Wortverbindung um Schoß beziehungsweise Sonne ist variantenreich.

uṣṭrasthā bikṛtā gaurī bhayakṛdvikṛtānanā |
tūraṃ ḍamaruṃ yāmye'syāḥ śeṣe khaṭvāṅgamastakam || 390 ||

6.390 Vikrita ist hell, furchterregend und von entstelltem Gesicht und sitzt auf einem Kamel. Rechts trägt sie Blasinstrument und Damaru, in den übrigen Händen Khatvanga und Kopf.

kheṭaśaṅkhābjabhṛdvāme gadācakrāsibhṛttataḥ |
vīndrasthā [vīndrapakṣirājaḥ] viśvarūpā syāddhemābhā vanamālinī || 391 ||

6.391 Vishvarupa glänzt wie Gold, trägt eine Waldblumengirlande und sitzt auf dem König der Vögel. Links hält sie Schild, Muschelhorn und Lotus, auf der anderen Seite Keule, Diskus und Schwert.

aiśānyaṣṭakā [āsāṃ0 243 taḥ 253 saṃ0 ci0 dra0]-

Die nordöstliche Achtergruppe.

musalaṃ mugdaraṃ yāmye paraśuṃ bandhanaṃ tataḥ |
bibhratī yamajihvākhyā karālā mahiṣasdhitā || 392 ||

6.392 Yamajihva ist furchtbar und sitzt auf einem Büffel. Rechts trägt sie Stößel und Hammer, auf der anderen Seite Axt und Fessel.

nṛtyantī vṛṣagā ścetā yāmye ḍamarūtūlabhṛt [gh: tūra bhṛt] |
sadaityamuṇḍaśūlogrā [li. pu: sadaityaśūlamuṇḍogrā] jayantī vāmahastayoḥ || 293 ||

6.293b Jayanti ist weiß und tanzt auf einem Stier. Rechts trägt sie Damaru und ein als Baumwolle beziehungsweise Blasinstrument überliefertes Attribut, links Dreizack mit Dämon und Kopf. Die Vorlage nummeriert diesen Vers erneut 293; seiner Position nach entspricht er 393.

khaḍgakuntayutā [gh: kumbhīdyatā; mū: kuṇḍayutā] raudrāścāruḍhā durjayā matā |
nānābhūtāvṛtā śvetā durgakānanasaṃsthitā || 294 ||

6.294b Durjaya ist wild, weiß und auf einem Pferd. Sie trägt Schwert und Lanze, ist von verschiedenartigen Geisterwesen umgeben und befindet sich in einem schwer zugänglichen Wald. Die Vorlage wiederholt die Nummer 294; der Position nach ist 394 gemeint.

śūlabāṇadharā yāmye dhanuḥ śaktidharā [k, kh: karā] tataḥ |
śakaṭasthātidhorāsyā kṣīravarṇā yamāntikā [mū, a: yavāntikā] || 395 ||

6.395 Yamantika ist milchweiß, von äußerst furchtbarem Gesicht und sitzt auf einem Wagen. Rechts trägt sie Dreizack und Pfeil, auf der anderen Seite Bogen und Speer.

mārjārasthā viḍālī ca viḍālākṣī [kh, gh: viśālākṣī] bhavetsitā |
vāme karaṃ [k, kh, g, gh: tūraṃ] ca khaṭvāṅgaṃ śūlaṃ ṭaṅkaṃ [gh: ghaṇṭaṃ] ca bibhratī || 296 ||

6.296b Vidali ist weiß, hat Katzenaugen und sitzt auf einer Katze. Links trägt sie ein unsicheres Attribut, nach mehreren Varianten ein Blasinstrument, sowie Khatvanga; die weiteren Hände tragen Dreizack und Beil, nach einer Variante Glocke. Die Vorlage wiederholt 296; der Position nach entspricht dies 396.

kṛśā piśācavakratrogrā pretasthā revatī [gh: potasthā raivatī] matā |
triśūlayaṣṭi [k, kh, g, gh, ṅ: kaṃ śalayaṣṭi]bhṛdyāmye bhindipālagadāsibhṛt || 397 ||

6.397 Revati ist mager, mit furchtbarem Pishacha-Gesicht, und sitzt auf einem Leichnam; eine Variante nennt ein Boot. Ihre Attribute umfassen Dreizack, Stab, Bhindipala, Keule und Schwert. Die genaue Verteilung ist wegen abweichender Lesarten unsicher.

kundābhā pretanā tryakṣā vikṛtāsthā savasthitā |
kartarīśūlabhṛtsūrye (saumye) vāme muṇḍakapālabhṛt || 398 ||

6.398 Pretana glänzt wie eine Kunda-Blüte, hat drei Augen und eine entstellte Erscheinung und steht auf einem Leichnam. Sie trägt Messer und Dreizack sowie links Kopf und Schädelschale; die erste Richtungsangabe ist in der Vorlage korrigiert.

ścetavarṇā bṛṣasthā ca vijayā vijayapradā |
śūlaṃ ḍamaruṃ yāmye'syāḥ kārdhakhaṭvāṅgadhṛk tataḥ || 399 ||

6.399 Vijaya ist weiß, sitzt auf einem Stier und verleiht Sieg. Rechts trägt sie Dreizack und Damaru, auf der anderen Seite Schädelhälfte und Khatvanga.

divyāmbaradharāḥ sarvāḥ sarvābharaṇabhūṣitāḥ |
kartavyāḥ śilpibhirnityaṃ yoginyo'śeṣasiddhidāḥ || 400 ||

6.400 Alle Yoginis sollen von den Künstlern mit himmlischen Gewändern und sämtlichem Schmuck gestaltet werden. Der Text bezeichnet sie als Verleiherinnen aller Siddhis.

bhairavaḥ [asya0 254 saṃ0 ci0 dra0]-

Darstellung: bhairava.

bhairavaścārkahastaḥ syāccaturāsyo jaṭendubhṛt |
khaḍgāṅkuśakuṭhāreṣu viśvābhayakṛdarkataḥ [gh: dakṣataḥ] || 401 ||

6.401 Bhairava hat zwölf Arme und vier Gesichter und trägt Flechtfrisur und Mond. Rechts hält er Schwert, Elefantenhaken, Axt und Pfeil und gewährt der Welt Furchtlosigkeit.

cāpatriśūlakhaṭvāṅgapāśakārdhakaro'nyataḥ |
gajacarmadharo dvābhyāṃ kṛttivāso'hibhūṣitaḥ || 402 ||

6.402 Auf der anderen Seite trägt er Bogen, Dreizack, Khatvanga, Schlinge und Schädelhälfte. Zwei Hände halten ein Elefantenfell. Er trägt ein Fellgewand und ist mit Schlangen geschmückt.

tryakṣo daṃṣṭrākarālograḥ pracaṇḍāṭṭāṭṭahāsavān |
pralayāmbudavarṇābho muṇḍakāpālamālinaḥ (kaḥ) || 403 ||

6.403 Er ist dreiäugig, mit furchtbaren Hauern und wildem Ausdruck, und stößt gewaltiges Gelächter aus. Seine Farbe gleicht einer Wolke bei der Weltauflösung; er trägt Girlanden aus Köpfen und Schädeln.

kūrmadharāmbupotābja[g: pātrābja]pretahṛdāsanāsthitaḥ [mū: sanasthitaḥ] |
caṇḍākhyo mātṛmadhye tu saṃsthitaḥ pītakūrcabhṛt [gh: pīnakūrkhadhṛk] || 404 ||

6.404 Sein Sitz wird in einer verdichteten Folge mit Schildkröte, Erde, Wasserfahrzeug beziehungsweise Gefäß, Lotus und Herz eines Leichnams beschrieben. Als Chanda befindet er sich inmitten der Mütter und trägt einen gelblichen Bart; die genaue Schichtung des Sitzes ist unsicher.

khavilomāgniparyantaṃ dairghyāt khekaikabhedataḥ [k: dairghyāṣṭaikaikabhedataḥ; gh: dīrghāṣaikaikabheditaḥ] |
tatṣaḍaṅgāni [g: taṃtsuta] jātyanataiḥ khānvitaṃ ca kramādyajet || 405 ||

6.405 Die anschließende Mantra-Anweisung ist stark verschlüsselt und teilweise beschädigt. Sie beschreibt eine Folge von Lautableitungen mit Ausdrücken wie „Raum“, „umgekehrt“ und „Feuer“ sowie sechs Glieder, die der Reihe nach zu verehren sind. Daraus wird hier keine vermeintlich sichere Rezitationsformel rekonstruiert.

mandirāṅgibalārūḍhaṃ svavarṇānugrahānvitam |
nādabindvindusaṃyuktaṃ [k, g: bindusaṃyuktaṃ] mātṛnāthānta [kh: nāthāṅga]dīpitam || 406 ||

6.406 Der betreffende Laut wird mit seiner eigenen Farbe, Anugraha, Nada, Bindu und Mondsichel verbunden und durch einen Abschluss beim Herrn der Mütter entfaltet. Die vorausgehenden Laut- und Trägerangaben sind beschädigt; eine eindeutige Mantra-Auflösung ist deshalb nicht möglich.

saṃkṣepāddevatāmūrtiḥ kathitā vartanī mayā |
guhyadevānyarūpāṇāṃ sve sve śāstre viniścayaḥ || 407 ||

6.407 In Kürze habe ich die Gestaltung der Götterbilder beschrieben. Über geheime Gottheiten und andere Erscheinungsformen entscheidet jeweils die ihnen eigene Schrift.

ūrdhvāsīnāya yānasthāḥ suptā caivāntarikṣagāḥ |
pañcadhā pratimāḥ khyātā mānataḥ saptadhā tathā || 408 ||

6.408 Kultbilder werden in fünf Haltungen unterschieden: stehend, sitzend, auf einem Fahrzeug befindlich, liegend und im Luftraum schwebend. Nach ihren Maßen werden sie außerdem in sieben Gruppen eingeteilt.

ekasminneva dehe syuryathāṅgāni pṛthak pṛthak |
tatheśvarātsurā sarve kāryakāraṇabhedataḥ || 409 ||

6.409 Wie an einem einzigen Körper die einzelnen Glieder verschieden sind, so gehen alle Gottheiten aus Ishvara hervor, unterschieden nach Wirkung und Ursache.

iti lakṣaṇasamuccaye rudrādi vyaktaliṅga vartanaṃ nāma ṣaṣṭo vidhiḥ || 6 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 6. Ritualabschnitt über „Gestaltung Rudras und weiterer Gottheiten“.

Kapitel 7: Zehn Gestaltungen der gemischten Linga-Formen

atha saptamaḥ

Nun folgt der 7. Ritualabschnitt.

vyaktāvyaktaṃ pravakṣyāmi daśabhedairvyavasthitam |
pañcāsyādi yathāliṅgaṃ bhavetsuvyaktapañcakam [mū, a: lakṣaṇam] || 1 ||

7.1 Nun werde ich das zugleich figürliche und ungegliederte Linga in seinen zehn Formen erklären: fünf mit Gesichtern, beginnend mit fünf Gesichtern, und fünf stärker figürlich ausgeprägte Formen.

pañcāsyaṃ caturāsyaṃ ca tridvokāsyaṃ bhavetkramāt |
pañcavaktramaniṣṭeṣu caturvaktraṃ sukhāvaham || 2 ||

7.2 Der Reihe nach gibt es fünf-, vier-, drei-, zwei- und eingesichtige Formen. Die fünfgesichtige wird bei Unheil eingesetzt; die viergesichtige bringt Glück.

trivaktraṃ śāntidaṃ nityaṃ dvivaktraṃ cābhicārikam |
ekavaktraṃ syādrogaghnaṃ nādhikāmyaṃ calācalam || 3 ||

7.3 Die dreigesichtige verleiht stets Frieden, die zweigesichtige gehört zu schädigenden Ritualen. Die eingesichtige gilt als krankheitsbeseitigend. Die abschließende Einschränkung zu beweglichen und unbeweglichen Formen ist im Wortlaut unsicher.

ekadvitrimukhaṃ vāpi prāsāde pūrvavaktrakam |
caturmukhaṃ tu khādhāre [gh: mukhe sukhādhāre; k: tu prasāde] pañcāsyaṃ vā caturmukham || 4 ||

7.4 Ein-, zwei- und dreigesichtige Formen erhalten im Tempel ein nach Osten blickendes Hauptgesicht. Für die vier- und fünfgesichtige Form folgt eine beschädigte Angabe, die vermutlich den allseitig beziehungsweise vierseitig geöffneten Tempel betrifft.

sitottānaṃ trinetraṃ ca maulikuṇḍala[mū: kuntala]śobhitam |
liṅgamūrdhnisthita vaktramaiśānaṃ tvīśamīkṣakam [mū: vīkṣakam] || 5 ||

7.5 Das Ishana-Gesicht an der Spitze des Linga ist weiß, nach oben gewandt und dreiäugig. Es ist mit Krone und Ohrringen geschmückt und blickt aufwärts; die abschließende Blickbezeichnung ist variantenreich.

raktavarṇaṃ sutejaskaṃ tryambakaṃ maulimaṇḍitam |
siṃhāsyaṃ [gh: siṃhāghraṃ] śmaśrukeśāḍhyaṃ maindraṃ tatpurūṣānanam || 6 ||

7.6 Tatpurushas Gesicht im Osten ist rot und sehr leuchtend, dreiäugig und mit einer Krone geschmückt. Es hat ein löwenartiges Antlitz sowie reichen Bart- und Haarwuchs.

kṛṣṇaṃyāmyamaghorāsyaṃ [mū, a, k, g: kṛṣṇavarṇamaghorākhyaṃ] piṅgakūrca subhāsuram [mū, a, k, g: śubhāṃ śubham] |
daṃṣṭrākarālaṃ vṛttākṣaṃ jvalatkeśādibhūṣitam || 7 ||

7.7 Aghoras Gesicht im Süden ist schwarz, mit leuchtendem gelblichbraunem Bart. Es besitzt furchtbare Hauer, runde Augen und flammendes Haar.

vāmavaktraṃ bhavetpītaṃ saumyaṃ dhanadadiksthitam |
kāntālaṅkārakeśādi [k, kh: keśāṃḍhya; g: keśāśca] tilakolakamaṇḍitam || 8 ||

7.8 Vamadevas Gesicht im Norden ist gelb und freundlich. Es trägt anmutigen Schmuck, schön gestaltetes Haar, Stirnzeichen und Locken.

vārūṇāsyaṃ sitaṃ sadyaścandra maulijaṭādharam |
tryakṣaṃ pīnaṃ yuvākāraṃ suprasannaṃ suśobhamam || 9 ||

7.9 Sadyojatas Gesicht im Westen ist weiß und trägt Flechtfrisur und Mond. Es ist dreiäugig, voll, jugendlich, sehr freundlich und schön.

vineśānaṃ caturvaktraṃ trimukhaṃ tvajavarjitam |
sadyaḥ puṃbhyāṃ dvivaktraṃ syātpuruṣeṇaikavaktrakam || 10 ||

7.10 Bei vier Gesichtern entfällt Ishana, bei drei außerdem das als Aja bezeichnete Gesicht. Zwei Gesichter bestehen aus Sadyojata und Purusha; die eingesichtige Form besitzt Purushas Gesicht.

tulyaviṣkambhataḥ siddhe pūjā bhāgordhva vistṛte [kh: bhāgor'dhavistaraḥ; g: bhāge'rdhavistṛte] |
tatvairliṅgaṃ grahairbhakte hṛtvāmbhoṃśo vidikṣu ca || 11 ||

7.11 Bei entsprechend festgelegtem Durchmesser wird der Verehrungsabschnitt erweitert. Der Vers nennt eine Neunteilung und das Abtragen von Teilen in den Zwischenrichtungen, doch die genaue geometrische Zuordnung ist beschädigt.

madhyasūtrodbhamā [mū: sūtrabhramā] liṅgaṃ tālapañcakaveṣṭitam |
digvibhāgena tadvaktraṃ [mū: tadvaktaṃ] bhūtavedānanaṃ sadā || 12 ||

7.12 Das Linga wird von der Mittelschnur aus geformt und besitzt einen Umfang von fünf Tala. Die Gesichter werden entsprechend den Himmelsrichtungen verteilt, bei der fünf- oder viergesichtigen Form.

ajāta [mū: sujāta] vadanadravyaṃ trigolakaṃ triṣu kṣipet |
tadvaddyāsye dvimātrākhyamekāsye tritrikāṅgulān || 13 ||

7.13 Das für die Gesichter vorgesehene Material wird in drei Rundungen beziehungsweise Bereichen abgetragen. Bei der zweigesichtigen Form wird ein Zweiermaß genannt, bei der eingesichtigen eine Folge von drei Angula; die Konstruktionsangabe ist sprachlich nicht zuverlässig auflösbar.

tryāsyamaṣṭādaśāṃśaiśca [mū: saptadaśāsraiśca] liṅgaṃ syādravibhāgataḥ |
hṛtvā koṇeṣu randhrāṃśairliṅgaṃ ṣaṭtālaveṣṭitam || 14 ||

7.14 Für die dreigesichtige Form nennt der Text achtzehn Teile, eine Variante siebzehn, und eine weitere Zwölfteilung des Linga. An den Ecken werden neun Teile abgetragen; der Umfang des Linga beträgt sechs Tala. Das Verhältnis der beiden Teilungen bleibt unsicher.

dhṛtyaṃśena dvivaktraṃ syānmadhye [gh: tu madhye] liṅgamathaindrakam |
([cāpacinhāntargato'yaṃ pāṭho g. pustake nāsti]dvābhyāṃ dvābhyāṃ ca tatrāsyaṃ liṅgaṃ saptāsyaveṣṭitam || 15 ||

7.15 Für die zweigesichtige Form wird eine Achtzehnteilung genannt. Das Linga liegt in der Mitte; die anschließende Ostangabe und die zweimal zwei Gesichtsteile sind gedrängt überliefert. Der Umfang wird mit sieben Gesichtsmaßen angegeben.

triṃśadaṅgulavistāraṃ tālamānāsya nirgamam |
) navatyaṅgulakaṃ [gh: tryaṅgulakaṃ] vṛttādekāsyaṃ pūrvavaktrakam || 16 ||

7.16 Die eingesichtige, nach Osten gerichtete Form besitzt dreißig Angula Breite und einen Gesichtsvorsprung von einem Tala. Ihr Umfang beträgt neunzig Angula; eine abweichende Lesart nennt drei Angula. Der erste Halbvers ist gemeinsam mit dem Ende des vorangehenden Verses in einer Handschrift nicht enthalten.

pūjāṃśe navadhābhakte liṅgamucce [mū, a, k, kh, g, ṅ: mūrdhve] tribhāgataḥ |
tadadhaḥṣaḍvibhāgena śivavaktrāṇi vartayet || 17 ||

7.17 Man teilt den Verehrungsabschnitt in neun Teile. Die obersten drei gehören der Linga-Spitze; in den sechs darunterliegenden Teilen gestaltet man Shivas Gesichter.

tadvaktraṃ [kh: tadvakṣaḥ] skandhayormūlaṃ bhāgaikena galaṃ tathā |
cibukoṣṭhau vibhāgena [mū, a, k, kh: ca bhāgena] nāsālalāṭastakam || 18 ||

7.18 Gesicht und Schulteransätze werden bestimmt; der Hals erhält einen Teil. Kinn und Lippen sowie Nase, Stirn und Kopf werden in entsprechenden Abschnitten angelegt. Die Verbindung der letzten Körperbezeichnungen ist beschädigt.

kramato guṇabhāgena cārūmauliṃ tadūrdhvataḥ |
liṅgapārśce dvibhāgena bhāgaṃ tyaktvā tadūrdhvataḥ || 19 ||

7.19 Darüber wird die schöne Krone mit drei Teilen gestaltet. Seitlich am Linga werden zwei Teile angesetzt und oben ein Teil ausgespart; der genaue Anschluss an die vorausgehenden Maße bleibt unsicher.

jūṭādīṃśca prayatnena pūrvoktā pratimā yathā |
pañtrāsyādyekavaktrāntamayameva vidhiḥ punaḥ || 20 ||

7.20 Haarflechten und weitere Merkmale werden sorgfältig wie beim zuvor beschriebenen Kultbild gestaltet. Dieses Verfahren gilt gleichermaßen für die fünfgesichtige bis zur eingesichtigen Form.

vṛttākāraṃ tataḥ śeṣaṃ śiraśdvātrādikaṃ kramāt |
pañcānanādikaṃ proktaṃ suvyaktamadhudanocyate || 21 ||

7.21 Der verbleibende Teil wird rund gestaltet, anschließend Kopf und weitere Merkmale. Damit sind die Formen mit fünf und weniger Gesichtern beschrieben; nun folgen die stärker figürlich ausgeprägten Formen.

prāguktapañcavaktrāṇi sarvaiṃraṅgairyutāni ca |
dvibāhūnyūrdhvadehāni viṣṇavantacaraṇāni ca || 22 ||

7.22 Die zuvor genannten fünf Gesichter werden mit allen zugehörigen Körpergliedern verbunden. Die Gestalten besitzen zwei Arme und aufrechte Oberkörper; die Angabe über ihre Füße beziehungsweise ihren unteren Abschluss ist beschädigt.

kuryāṃcca svadigīśānaṃ sākṣamālātriśūlinam [gh: śānamakṣamālā triśūlakam] |
pūrvakāye pumāṃsaṃ tu mātuluṅgākṣaśalinam [k, kh: sūtritam] || 23 ||

7.23 Ishana wird in seiner Richtung mit Rosenkranz und Dreizack gestaltet. Der östliche Purusha trägt eine Zitronenfrucht und einen Rosenkranz; die zweite Attributbezeichnung ist variantenreich.

yāmye'ghoramanākṣīnaṃ ghaṇṭāśūladharaṃ sadā |
stryākāramuktare guhyaṃ darpaṇotpalasaṃyutam || 24 ||

7.24 Im Süden steht Aghora mit Glocke und Dreizack. Im Norden erscheint die weibliche Gestalt mit Spiegel und Lotus. Eine zusätzliche Zustandsangabe bei Aghora ist unsicher.

paścime'jātaka rūpa varadābhayapāṇikam |
suvyakta pañcadhāhyevamāsyovatābidhisaṃsthitam [mū: saṃyutam] || 25 ||

7.25 Im Westen befindet sich die als Ajata bezeichnete Form mit den Gesten der Segensgewährung und Furchtlosigkeit. So sind die fünf stark figürlichen Formen nach der zuvor beschriebenen Anordnung der Gesichter gestaltet.

pañcadvitriyamaikena [gh: pañcācitrayamekenda] sampūrṇaṅga na tatkramāt |
evaṃ niṣpādya liṅgāni piṇḍikāṃ vartayettataḥ || 26 ||

7.26 Entsprechend werden fünf, vier, drei, zwei oder eine vollständige Gestalt ausgeführt; die Zahlenfolge ist in der Vorlage entstellt. Nachdem man die Lingas so fertiggestellt hat, gestaltet man ihren Sockel.

iti lakṣaṇasamuccaye vyaktāvyaktaliṅgānāṃ daśadhā vartanaṃ nāma saptamo vidhiḥ athoṣṭama || 7 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 7. Ritualabschnitt über „Zehn Gestaltungen der gemischten Linga-Formen“.

Kapitel 8: Gestaltung des Sockels

atha aṣṭamaḥ

Nun folgt der 8. Ritualabschnitt.

piṇḍikā sāmprataṃ vakṣye athāṣṭamaḥ ca trividhe śubhom |
mahatyāḥ prātamāyāśca digliṅgādeśca sādhane || 1 ||

8.1 Nun, im achten Abschnitt, werde ich die glückverheißenden Sockel für die drei Linga-Arten, große Kultbilder und die Lingas der Richtungswächter erklären. Der Eingangsvers ist sprachlich beschädigt.

piṇḍikā syādumādevī liṅgaṃ ca parameśvaraḥ |
navajñāṃ kārayettasmātkadācidubhayorapi || 2 ||

8.2 Der Sockel ist die Göttin Uma, das Linga ist Parameshvara. Deshalb soll man keinem von beiden jemals Geringschätzung entgegenbringen.

liṅganāhapravistīrṇā ucchraye viṣṇusammitā |
piṇḍikā tu samākhyātā na hīnā nādhikā śubhā || 3 ||

8.3 Die Breite des Sockels entspricht dem Umfang des Linga, seine Höhe dem Vishnu-Abschnitt. Ein glückverheißender Sockel ist weder kleiner noch größer als dieses Maß.

svatānaṣaṣṭhabhāgena [k, kh: svatāla] bāhulyena [gh: bāhalyena]samanvitā |
mekhalā tattribhāgena khātaṃ tattryṃśahīnakam || 4 ||

8.4 Seine Stärke beträgt ein Sechstel des eigenen Grundmaßes. Für den umlaufenden Rand wird ein Drittel davon angesetzt; die Vertiefung ist um ein Drittel vermindert.

svamānapādahīnaṃ vā trividhaṃ samudāhṛtam [mū: tadudāhṛtam] |
madhye vṛttaṃ samālikhya vartayetkhātamādarāt || 5 ||

8.5 Alternativ wird das eigene Maß um ein Viertel vermindert; so werden drei Möglichkeiten genannt. In der Mitte zeichnet man einen Kreis und arbeitet die Vertiefung sorgfältig aus.

([canhāntargato'yaṃ pāṭho ga pustake nāsti]bahisthaṃ mavyagaṃ caiva bāhulyaṃ [gh: bāhalyaṃ] sadṛśaṃ yathā |
vṛttasūtrātsamārabhya khātaṃ vai hrāsayetkramām || 6 ||)

8.6 Äußere und mittlere Stärke sollen einander entsprechen. Von der Kreislinie aus wird die Vertiefung schrittweise vermindert. Dieser Vers fehlt nach dem Editionsapparat in einer Handschrift.

tāvadyāvacchanairdhyā mekhalākhātamāpnuyāt |
arvāg dairghyatribhāgena mekhalāvartanaṃ bahiḥ || 7 ||

8.7 Man verfährt so, bis die Vertiefung allmählich den umlaufenden Rand erreicht. Außen wird der Rand mit einem Drittel der Länge ausgeformt; die genaue Bezugslänge ist nicht eindeutig.

praṇālaṃ pīṭhamadhyasthaṃ dairghye [mū: dairghya] mūlatribhāgakam |
mukhe tadardhavistāraṃ tantribhāge'mbunirgamaḥ || 8 ||

8.8 Der Ablauf liegt mittig am Sockel. Für seine Länge wird ein Drittel des Grundmaßes genannt. Die Mündung ist halb so breit; ein Drittel davon dient dem Wasserabfluss.

sthaulyaṃ cāpi praṇālasya jalabhṛddalasaṃthitam |
kaṇṭhādūrdhvaṃ sadā hyevamanyathā doṣadāyakam || 9 ||

8.9 Die Stärke des Ablaufs richtet sich nach der Schicht des Wasserbeckens. Er liegt stets oberhalb des Halsgliedes; eine andere Anordnung gilt im Text als fehlerhaft.

guhyavaktrasthitaṃ nityaṃ praṇālaṃ cottaraplavam |
ṣaṣṭhāṃśaveśanātkaṇṭhaścalānāṃ pañcamena vā || 10 ||

8.10 Der Ablauf liegt an der als verborgen bezeichneten Seite und fällt nach Norden ab. Der Hals wird um ein Sechstel eingezogen, bei beweglichen Formen alternativ um ein Fünftel.

na vedāsrāṣṭakaṃ sarvaṃ pīṭhaṃ śvabhrasamānyathā [mū: catraṃ ca nā; g: pītaṃ putraṃ ca nā; kh: sūtrasamā] |
avyakte miśrake svāṃśe [mū: bhyāṃśe; g: dyāṃśe] brahmaviṣṇu[kh, gh: viṣṇo]svarūpataḥ || 11 ||

8.11 Die folgende Vorschrift zu viereckigen und achteckigen Partien ist beschädigt. Sie unterscheidet beim ungegliederten und gemischten Linga die eigenen Abschnitte entsprechend Brahma und Vishnu.

pīṭhikāvistaratryaṃśe khātaṃ tanmadhyato bhavet |
liṅgasthaulyapramāṇena samāsraṃ digvidiksthitam || 12 ||

8.12 Die Vertiefung liegt in der Mitte eines Drittels der Sockelbreite. Sie entspricht der Stärke des Linga und wird gleichmäßig nach Haupt- und Zwischenrichtungen ausgerichtet.

caturasramathāṣṭāsraṃ brahmaviṣṇuvibhāgataḥ |
samantājjyeṣṭhaliṅgasya yavaiḥ ṣaḍbhirvivardhitam || 13 ||

8.13 Entsprechend Brahma- und Vishnu-Abschnitt ist sie viereckig beziehungsweise achteckig. Beim größten Linga wird sie ringsum um sechs Yava erweitert.

ardhārdhanyūnamanyeṣāṃ kanyase [kanīyase, ityarthaḥ] dviyavaḥ sadā |
liṅgavannirmalā śuddhā kartavyā piṇḍikā budhaiḥ || 14 ||

8.14 Bei den übrigen Größen vermindert sich dieser Zuschlag jeweils um ein halbes Yava; beim kleinsten beträgt er stets zwei Yava. Der kundige Gestalter soll den Sockel ebenso makellos und rein wie das Linga ausführen.

aṣṭāsraṃ jyeṣṭhaliṅgasya dṛśyaṃ pañcayavādhikam |
śeṣāṇāṃ liṅgānāmardhārdha hrāsayedyavam || 15 ||

8.15 Beim größten Linga soll der sichtbare achteckige Abschnitt um fünf Yava erweitert sein. Bei den übrigen Lingas vermindert man diesen Zuschlag jeweils um ein halbes Yava.

praveśaḥ ṣaḍvidhaḥ prokto brahmabhāgasya bhūtale |
kāmānāṃ vasutastasya bhedān brūmaḥ samāsataḥ || 16 ||

8.16 Für das Einlassen des Brahma-Abschnitts in den Boden werden sechs Arten angekündigt. Ihre Unterschiede, entsprechend den gewünschten Ergebnissen, sollen kurz erklärt werden.

vibhakte tvaṣṭadhā brāhme tridhārdhobhāga eva vā |
caturbhāgaḥ samasto vā praśasyate ca pañcadhā || 17 || (ka)

8.17 Der Brahma-Abschnitt wird in acht Teile geteilt. Genannt werden drei Teile, ein halber Teil, vier Teile oder der ganze Abschnitt; die gedrängte Lesart ist nicht eindeutig. Der Vers spricht am Ende von fünf empfohlenen Möglichkeiten, obwohl zuvor sechs angekündigt wurden.

brahmabhāgapraveśaṃ ca jñātvā pīṭhaṃ prakalpayet |
pīṭhikāyāḥ samucchrāyaṃ vikārāṃśena bhājayet || 18 ||

8.18 Nachdem man das Einlassmaß des Brahma-Abschnitts bestimmt hat, entwirft man den Sockel. Seine Höhe wird in sechzehn Teile geteilt.

ekenāṅghrirdharāsīno jaṅghā turyāṃśake bhavet |
guṇābhāge tathā kumbhaḥ kumbhapaṭṭi tu bhāgataḥ || 19 ||

8.19 Ein Teil bildet den im Boden sitzenden Fuß, vier Teile den Schaft. Drei Teile bilden das Topfglied, ein Teil dessen Abschlussleiste.

rāmabhāgena kaṇṭhaśca tanvaṃśai[k, kh: tatvaṃśaiḥ; g: tathāṃśaiḥ]rgalapaṭṭikā |
pakṣabhāge [k, kh: pakṣābhāge] jalādhāra ekāṃśe śeṣapaṭṭikā || 20 ||

8.20 Drei Teile erhält der Hals, ein Teil die Halsleiste, zwei Teile das Wasserbecken und ein Teil die verbleibende Abschlussleiste. Die Bezeichnung des Maßes der Halsleiste ist beschädigt.

praveśanirgamau caiva bhāgaikaikena [mū: bhāgenaikena] kaṇṭhataḥ |
bāṇamatānusāreṇa kanyasī [kanīyasītyarthaḥ]tthaṃ payodharā || 21 ||

8.21 Einziehung und Vorsprung erfolgen vom Hals aus jeweils um einen Teil. Dies ist nach Banas Auffassung die kleinste Form des Wasser tragenden Sockels.

samāsātpnocyate cānyā pūrṇakumbhā harapriyā [kh: kumbhodarapriyā] |
([(ka) ataḥ paraṃ k, kh. pustakayoradhiko'yaṃ pāṭhaḥ- pīṭhikāyāśca bāhulyaṃ tvāgame'ṣṭāsrakasya vai 1 cinhāntargataḥ pāṭho gh. pustake nāsti |] dyaṃśaṃ niveśayedbhūmau tribhāgaiḥ padapaṭṭikā || 22 ||)

8.22 Eine weitere, Shiva liebe Form namens Purnakumbha wird kurz beschrieben. Zwei Teile werden in die Erde eingelassen; drei Teile bilden die Fußleiste. Der zweite Halbvers fehlt in einer Handschrift.

dvābhyāṃ paṭṭopa[mū, a, g: paṭṭo'tha || iti ||] paṭṭī syāddhasākhyāt [k, kh, g: tu] tribhirmatā |
paṭṭopapaṭṭikā kaṇṭho galapaṭṭaṭdayupapaṭṭikā || 23 ||

8.23 Zwei Teile bilden Leiste und Nebenleiste; für die folgende, unsicher benannte Zone werden drei Teile genannt. Danach folgen Leiste, Nebenleiste, Hals, Halsleiste und weitere Nebenleiste.

ekaikenārthibhiḥ (?) kumbho ghaṭo'rdhāṃdevamevaḥ tu |
mekhalā paṭṭikā kintu bhāgakena tadūrdhvataḥ || 24 ||

8.24 Diese erhalten jeweils einen Teil; die Angabe zum Topfglied und Gefäß ist beschädigt. Oberhalb davon besitzt die umlaufende Randleiste einen Teil.

madhyotthaṃ (tthā) pūrṇaṃkumbhākhyā dvātriṃśatriṃśadbhāganirmitā [kh: pīṭhikā] |
ucchrāyārdha tu pīṭhyāḥ (ṭhī) syādrudrabhāge dvidhā kṛte || 25 ||

8.25 Die mittlere Form heißt Purnakumbha und wird in zweiunddreißig Teile gegliedert; das Zahlwort ist im Grundtext verdoppelt beziehungsweise entstellt. Eine weitere Höhenangabe setzt den Sockel zur Hälfte des in zwei Teile gegliederten Rudra-Abschnitts in Beziehung.

guṇāṃśaiḥ khurapaṭṭītu dvābhyāṃ paṭṭopapaṭṭikā |
tribhiraljaṃ dvipaṭṭau (hi) tu dvābhyāṃ dvābhyā tathāmbujam || 26 ||

8.26 Das Hufprofil mit Leiste erhält drei Teile, Leiste und Nebenleiste zwei. Es folgen ein Lotus mit drei Teilen, zwei Leisten und ein weiterer Lotus mit jeweils zwei Teilen; die Gliederung ist nicht völlig eindeutig.

hīnopahīnika kaṇṭhaḥ paṭṭa[mū: ṣaṅka]ścaivopapaṭṭikā |
dvābhyāṃ dvābhyāṃ kramā[mū, a, k: tathā]tpadyaṃ sārdhāśe galanirgamaḥ || 27 ||

8.27 Kleinere Zwischenprofile, Hals, Leiste, Nebenleiste und Lotus werden der Reihe nach mit Zweiermaßen versehen. Der Halsvorsprung beträgt anderthalb Teile; einige Profilnamen sind beschädigt.

itthamevaṃ galādūrdhvamekāṃśenordhvapaṭṭikā |
kaṇṭhadvayena [mū: kathadvayena] saṃyuktā ṣaḍbhiḥ padmairvibhūṣitā || 28 ||

8.28 Oberhalb des Halses wird entsprechend verfahren; die oberste Leiste erhält einen Teil. Die Form besitzt zwei Halsglieder und ist mit sechs Lotussen geschmückt.

padmākulābhidhāneyanuttamānāṃ sadaiva tu |
samvartākhyā jalādhārā viṣṇubhāgāntamucchritā || 29 ||

8.29 Diese vorzügliche Form heißt Padmakula, „lotusreich“. Der als Samvarta bezeichnete Wasserbehälter reicht in der Höhe bis zum Ende des Vishnu-Abschnitts.

pūrvoktanālakhātādiyuktā vṛttā prakīrtitā |
liṅganāhatriveṣṭena vṛttāvyaktasya piṇḍikā || 30 ||

8.30 Er ist rund und besitzt den zuvor beschriebenen Ablauf und die Vertiefung. Beim ungegliederten Linga ist der Sockel rund und sein Umfang wird als dreifacher Linga-Umfang angegeben.

vyaktasya tu bhavedvāpī tannāhasamadīrghatā |
taddīrghatvārdhavistārāttadardhānnālakocchrayau || 31 ||

8.31 Beim figürlichen Kultbild ist er beckenförmig; seine Länge entspricht dem Umfang der Gestalt. Die Breite ist halb so groß; Ablauf und Höhe werden wiederum aus der Hälfte bestimmt.

praṇālamānavacchubhraṃ paridhī tryaṃśamadhyataḥ |
ucchraye daśadhābhakte padaṃ kumbhaṃ tathā galam || 32 ||

8.32 Die Vertiefung richtet sich nach dem Ablaufmaß; die folgende Angabe zu Rand und mittlerem Drittel ist beschädigt. Die Höhe wird in zehn Teile gegliedert; genannt werden Fuß, Topfglied und Hals.

vṛtta jalāśrayaṃ laghnyā (?) ddyaṃśaṃ dyaṃśena kalyayet |
khuraṃ jaṅyā ca kūrṇauṃ ca kaṇṭhaṃ caivopakaṇṭhikām [k, kh: pakarṇikām] || 33 ||

8.33 Der runde Wasserbehälter wird mit Zweieranteilen gestaltet, soweit die beschädigte Lesart erkennen lässt. Eine weitere Profilfolge beginnt mit Hufglied, Schaft, Topfglied, Hals und Nebenhals.

vṛtaṃ tatpaṭṭikāṃ caiva jalādharaṃ tathaiva [gh: dhārāntameva] ca |
ekayugmaikapakṣaikayugmaikagalāṃśakaiḥ || 34 ||

8.34 Es folgen Rundglied, dessen Leiste und das Wasserbecken. Die angegebenen Teile wechseln zwischen eins und zwei; die überlieferte Zahlenfolge ist nicht vollständig klar auf die Profile zu beziehen.

madhyārdhānāṃ [gh: madhyarcānāṃ] bhavetpiṇḍī subhaktā dvādaśāṃśakaiḥ |
ṣoḍaśāṃśakṛtocchāye jyeṣṭhānāmāsane sadā || 35 ||

8.35 Für mittlere Kultbilder wird der Sockel in zwölf Teile gegliedert. Der Sitz der größten Kultbilder erhält eine Höhe von sechzehn Teilen.

pakṣenduyugmacandrāgnitanudyekadvisomakaiḥ |
caraṇapaṭṭikākumbha paṭṭikā galapaṭṭikā || 36 ||

8.36 Die Maßfolge beginnt mit zwei, eins, zwei, eins und drei Teilen; der verbleibende Wortlaut ist beschädigt. Dazu gehören Fuß, Leiste, Topfglied, weitere Leiste und Halsleiste.

vṛttaṃ tatpaṭṭikādhāraṃ mekhalāpaṭṭikā bhavet |
aṣṭadigravihastaiśca hīnamadhyottamāstribhiḥ || 37 ||

8.37 Es folgen Rundglied, dessen Leiste, Wasserträger und Randleiste. Für die drei Größen werden acht, zehn und zwölf Hasta genannt.

piṇḍikā syānmahārcānāṃ dvikhaṇḍāmbudhareva vā |
praveśogdamabāhulyācchū bhranālādi [kh: mānādi] pūrvavat || 38 ||

8.38 So wird der Sockel großer Kultbilder gestaltet, alternativ als zweiteiliger Wasserträger. Einziehungen, Vorsprünge, Stärke, Vertiefung und Ablauf entsprechen den zuvor beschriebenen Regeln.

abhūṣaṇā prabhāhīnā pratimaikārdhasaṃsthitā |
tattryaṃśātpīṭhavistārastatpādonasamucchrayaḥ || 39 ||

8.39 Für ein einzelnes Kultbild ohne Schmuck und ohne Strahlenkranz wird ein Drittel seines Maßes als Sockelbreite bestimmt. Die Höhe ist um ein Viertel kleiner. Die einleitende Maßbeziehung der Gestalt ist beschädigt.

pṛthūcchayau kalārkāṃśau hyekatatvaika[k: tastveka]candrataḥ |
saha kumbho galo vṛtto vedāsrā paṭṭikā kramāt || 40 ||

8.40 Breite und Höhe werden mit sechzehn beziehungsweise zwölf Teilen angesetzt. Die Profilfolge nennt Topfglied, Hals, Rundglied und viereckige Leiste; die dazwischenstehende Zahlenreihe ist nicht sicher lesbar.

praveśavṛttaśeṣākhyā tvardhaiṃkārdhaistribhiḥ kajam |
([cāpāntargato'yaṃ pāṭhaḥ kh. pustake nāsti] anyatra tvevamevaṃ syātsaṃvṛttātkarṇa[gh: saṃvṛttāhvaṃtu]pīṭakam || 41 ||

8.41 Einziehungen und verbleibende Rundprofile erhalten halbe beziehungsweise ganze Teile, der Lotus drei Teile. Eine andere Form heißt Samvritta; der anschließende Sockelname ist variantenreich.

mukhaliṅge'dhikā kāryā caturasrā dvikhaṇḍikā |
suślakṣṇāśliṣṭasandhiśca rupeṇāmbudharādivat || 42 ||

8.42 Beim Mukhalinga wird ein größerer, viereckiger Sockel aus zwei Stücken gefertigt. Er soll sehr glatt sein, mit dicht schließender Fuge und einer Gestalt wie die zuvor beschriebenen Wasserträger.

tāmrai rūpyaiśca haimai rvā pādaśoṃ'śai[k, gh: pādapāṃśaiḥ]rnibandhitā |
sahasrāhve [mū: sahasragṅke] śatākhye ca bedrāsrā caikakhaṇḍikā |
keṣāṃcittu mate vyaktaliṅge tu chatramastake || 43 ||

8.43 Die Teile werden mit kupfernen, silbernen oder goldenen Verbindungen befestigt; das genaue Verbindungsteil ist unsicher benannt. Für die tausend- und hundertfach bezeichneten Lingas ist ein viereckiger Sockel aus einem Stück vorgesehen. Eine weitere Auffassung betrifft figürliche Lingas und einen schirmförmigen Abschluss, bleibt jedoch verkürzt.

liṅgahīne bhavenbhṛtyuradhike vyāghayo bhṛśam |
tasmālliṅgānugaṃ pīṭhaṃ kartavyaṃ kartṛjīvane || 44 ||

8.44 Der Text verbindet ein zu kleines Linga mit Tod, ein zu großes mit schweren Krankheiten. Deshalb soll der Sockel dem Linga entsprechen, zum Schutz des Lebens des Auftraggebers. Diese Folgen sind rituelle Aussagen des Werkes.

liṅgena pīṭhikākrāntā pīṭhaṃ vā [mū, a, g: pīṭhasthā] liṅgato'dhikam |
yadi syāt pīḍyate rogaiḥ kartā rāṣṭraṃ gurūstathā [gh: stadā] || 45 ||

8.45 Wird der Sockel vom Linga übermäßig eingenommen oder ist er gegenüber dem Linga zu groß, so würden nach dem Text Auftraggeber, Land und Lehrer von Krankheiten bedrängt.

tasmānnyūnādhikau kāryau hari[k: hara]brahmāṃśakāvubhau |
ucchrayeṇa triliṅgānāṃ na nyūno nādhiko hareḥ || 46 ||

8.46 Daher werden Brahma- und Vishnu-Abschnitt mit entsprechenden Zu- und Abschlägen gestaltet. Bei den drei Linga-Arten soll die Höhe nicht vom Vishnu-Maß abweichen; der erste Satzteil ist mehrdeutig.

svāyāmaṃ tvajinaṃ [k, kh: svayāmāntajitaṃ] kṛtvā sārdhāṣṭāṃśaiḥ kajāsanam |
munisārdhādhikaiḥ śambhuṃ kuryādāḍhyaṃ [k: dādyaṃ; gh: dārḍhyaṃ] vasorharim || 47 ||

8.47 Eine weitere Maßreihe nennt für den Lotus-Sitzenden Brahma achteinhalb Teile, für Shambhu siebeneinhalb und für Hari acht. Die vorausgehende Bestimmung des Grundmaßes und die Qualitätsbezeichnung am Ende sind beschädigt.

sapādāṣṭāṃśakaistryakṣaṃ cakriṇa maṅgalāṃśataḥ [mū: maṅgalāṃśakaḥ] |
pādonāṣṭāṃśato brahmā kāryaṃ cānāḍhyakaṃ kvacit || 48 ||

8.48 Für den Dreiäugigen werden achteinviertel Teile, für den Diskusträger ein unsicher als Mangala bezeichnetes Maß und für Brahma sieben und drei Viertel Teile genannt. Dies ist eine weitere, als geringer bezeichnete Ausführung.

ekāṃśena harocchrāyaṃ viṣṇumaṣṭāṃśakaistadā |
ekaṃ surārcite liṅge brahmā saptāṃśake dhruvam || 49 ||

8.49 Die Höhe Haras, Vishnus mit acht Teilen und Brahmas mit sieben Teilen wird erneut abgestuft. Die zusätzliche Einserangabe und der Bezug auf das von Göttern verehrte Linga sind nicht eindeutig verbunden.

prasiddhamākaraścānyadgrāhyā varṇasamāśilā |
sitādivarṇāvarṇānāṃ [k, g: pītādivarṇa] pīṭhādyā na vivarṇajāḥ || 50 ||

8.50 Stein soll aus einem bekannten Vorkommen stammen und eine entsprechende Farbe besitzen. Für die historischen Varna-Zuordnungen werden passende Farben, beginnend mit Weiß, verlangt; Sockel sollen keine davon abweichende Färbung aufweisen.

svāṃśa [gh: svāṅga]piṇḍisthitaṃ liṅgaṃ śailadhātvādijaṃ śubham |
ratnajā vātha lohairvā viśeṣātkīrtaye'dhunā || 51 ||

8.51 Glückverheißend ist ein Linga aus Stein, Metall oder anderem Material auf einem maßgerechten Sockel. Besonderheiten von Edelstein-Lingas und Metallsockeln werden nun erklärt.

mauktike sphaṭike tārī [g: tāyī] (?) pauṣparāge tu tāmrajā |
vaiḍūryādyuttame nityaṃ hemajā piṇḍikā varā || 52 ||

8.52 Für Perle und Bergkristall wird offenbar ein silberner Sockel genannt; das Wort ist bereits in der Vorlage fraglich. Für Topas gilt ein kupferner, für vorzügliche Steine wie Vaidurya ein goldener Sockel als besonders geeignet.

pañcadhā vā tridhā vāpi ratnajaṃ vibhajetpunaḥ [gh: purā] |
bhāgadrayamathikaṃ vā vinyaset piṇḍikāvaṭau || 53 ||

8.53 Das Edelstein-Linga wird in fünf oder drei Teile gegliedert. Zwei Teile oder ein entsprechender größerer Anteil werden in die Sockelöffnung eingesetzt; die Zusatzangabe ist unsicher.

bhāgatrayeṇa vā dvābhyāṃ pūjābhāgaṃ prakalpayem |
mekhalādivibhāgo'syāḥ pūrvavatsamudāhṛtaḥ || 54 ||

8.54 Drei beziehungsweise zwei Teile bilden den Verehrungsabschnitt. Die Einteilung von Rand und weiteren Sockelgliedern entspricht den bisherigen Angaben.

liṅgapraveśanimnaṃ tu liṅgasaṃsthānavistaram |
na nyūnaṃ nādhikaṃ mānātśobhanaṃ [mū, a, kh: sbatalaṃ; gh: sutalaṃ] śvabhramiṣyate || 55 ||

8.55 Die Tiefe der Öffnung entspricht dem einzulassenden Teil des Linga, ihre Breite dessen Form. Als schön gilt eine Öffnung, die weder kleiner noch größer als das erforderliche Maß ist.

sabraṇe cānyaje (?) mṛtyurvaktre ca dhanasaṃkṣayaḥ |
pīṭhadoṣātkṣayo nāryāḥ kāro kartuṃśca sarvadā || 56 ||

8.56 Ein beschädigter Sockel wird im Text mit Tod verbunden, ein schiefer mit Vermögensverlust. Sockelfehler werden außerdem als schädlich für Frau, Handwerker und Auftraggeber gedeutet. Ein zusätzliches Fehlerwort ist unsicher überliefert.

vṛttā cāpi ca [mū: yāpī ca; k, kh: pīṭha] vedāsrā avyaktādau bhavetkramāt |
bhuktimuktyubhayaprāptyai anyaḥ [mū, a, g: prāptau anyaḥ] kāmyasya hetave || 57 ||

8.57 Für die ungegliederten und weiteren Formen werden der Reihe nach runde und viereckige Sockel genannt, zur Erlangung von Lebensgenuss und Befreiung. Andere Formen dienen besonderen Wünschen.

dharā bhadrā ca yakṣī ca vajrītryasrācha maṇḍalā [mū, a, g: vajrābhā śrāntamaṇḍalā] |
padmārdhendugaṇākhyā ca kāmadā śubhamastake || 58 ||

8.58 Die Namen lauten Dhara, Bhadra, Yakshi, Vajri, Tryasra, Mandala, Padma, Ardhendu und Gana. Sie gelten als wunscherfüllend; die abschließende Wendung ist beschädigt.

vedāsrā samakoṣṭhā ca dharāsyāddharaṇīpradā |
dvimekhalā ca vedāsrā bhadrā yogarddhidāyinī || 59 ||

8.59 Dhara ist viereckig, mit gleichmäßigen Feldern, und verleiht nach dem Text Landbesitz. Bhadra ist ebenfalls viereckig, besitzt zwei umlaufende Ränder und verleiht yogische Entfaltung.

yakṣī trimekhalā vṛttā mahiṣī gopradāyinī [gh: pradāyika] |
ṣaḍasrāyuḥ pradā vajrī mekhalātritayānvitā || 60 ||

8.60 Yakshi ist rund und besitzt drei Ränder; ihr werden Büffel und Kühe als Ertrag zugeschrieben. Vajri ist sechseckig, mit drei Rändern, und gilt als lebensverlängernd.

tryasrā trimekhalā[k, g, gh: dvimekhalā]yuktā śatruśaṅkocadāyikā [gh: kārikā] |
maṇḍalā pūrṇacandrābhā tvarthadā pañcamekhalā || 61 ||

8.61 Tryasra ist dreieckig und besitzt drei, nach mehreren Varianten zwei Ränder; sie soll Feinde einengen. Mandala gleicht dem Vollmond, besitzt fünf Ränder und verleiht Wohlstand.

khurābja [g: karābja] karṇikākaṇṭhakarṇikābjadalaśrayaiḥ [mū, a, k, kh, ṅ: jalāśrayaiḥ] |
candrāmburuparāmai [k: ke dharā vāme] kāgnidyaṃśaistithi bhājitaiḥ || 62 ||

8.62 Die Lotusform wird in fünfzehn Teile gegliedert. Ihre Profile umfassen Fuß, Lotus, Fruchtboden, Hals, weiteren Fruchtboden und Lotusblätter beziehungsweise Wasserbecken. Die überlieferte Zahlenfolge ist nicht eindeutig zuzuordnen.

karṇikātu praveśārdhaṣoḍārdha sakesarā |
vṛttā padmapuṭākārā karṇiko bhayacumbitā || 63 ||

8.63 Der Fruchtboden wird eingezogen und mit Staubfäden versehen. Die Gestalt ist rund und ähnelt einer Lotusschale, mit beidseitig anschließenden Fruchtbodenprofilen; die Einzelmaße sind beschädigt.

putrāyuḥ śrīpradā padmā tvardhendrābhā ca śāntidā |
aṣṭakoṇā gaṇākhyātā [mū: khyā tu] muktidā [gh: bhuktidā] syāddvimekhalā || 64 ||

8.64 Padma verleiht nach dem Text Nachkommenschaft, langes Leben und Wohlergehen. Die halbmondförmige Form bringt Frieden. Die achteckige Gana-Form besitzt zwei Ränder und gewährt Befreiung; eine Variante liest Lebensgenuss.

liṅgadairghyapravistārā viṣṇuṃ yāvatsamunnatā |
pūrvoktamekhalāgartanālakādisamanvitā || 65 ||

8.65 Ihre Breite entspricht der Länge des Linga, ihre Höhe reicht bis zum Vishnu-Abschnitt. Sie besitzt die zuvor beschriebenen Ränder, Vertiefung und Ablauf.

liṅgāstrīṇāṃ prasaṅkhyānaistasya pīṭhe'srayo matāḥ |
vistarokchrayanālādi sarbaṃ pūrvoṃditaṃ kramāt || 66 ||

8.66 Die Zahl der Ecken des Sockels richtet sich nach den Ecken der jeweiligen Lingas. Breite, Höhe, Ablauf und weitere Merkmale entsprechen der vorausgehenden Darstellung.

daśadigīśaliṅgānāṃ svāyāmyugasūtrakaiḥ |
saṃveṣṭya vartayetpiṇḍīṃ kartuḥ kāmaprasādhikam || 67 ||

8.67 Für die Lingas der zehn Richtungswächter legt man mit Messschnüren entsprechend der eigenen Länge den Sockel an. Er gilt als Erfüller der Wünsche des Auftraggebers.

aindrīṃ baiścānarīṃ yāmyāṃ naiṝtīṃ vāruṇīṃ tathā |
mārūtīṃ dhānadīṃ raudrīṃ vaiṣṇāvīṃ brahmajāṃ sadā || 68 ||

8.68 Diese Formen heißen Aindri, Vaishvanari, Yamya, Nairriti, Varuni, Maruti, Dhanadi, Raudri, Vaishnavi und Brahmaja.

ainghrāṃ sūtraṃ pūro datvā pārścayormatsyayugmakam |
sūtramadhye'rdhasūtreṇa matsyān koṇeṣu sarvataḥ || 69 ||

8.69 Zuerst legt man die östliche Messschnur an und konstruiert seitlich zwei fischförmige Schnittfiguren. Von der Mitte aus werden mit einer halben Schnurlänge entsprechende Schnittfiguren an den Ecken angelegt.

catuḥ sutrīṃ punardatvā sādhayeccaturasrikām |
vedāsraṃ piṇḍikākṣetraṃ kuṇḍānāmapi sarvadā || 70 ||

8.70 Mit vier weiteren Schnüren wird das Quadrat bestimmt. Das viereckige Feld dient sowohl dem Sockel als auch den Feuergruben.

turyāṃśe karṇasūtrārdha gṛhītvā bhrāmya yatnataḥ |
madhyānmadhyagataṃ sūtraṃ [k, kh: sūtraiḥ] koṇaṃ saṃveṣdya cāparam || 71 ||

8.71 Man nimmt die Hälfte der Diagonalschnur im Viertelbereich und schlägt sorgfältig einen Bogen. Weitere Linien verbinden Mittelpunkte und umfassen eine Ecke; die genaue Reihenfolge ist im Wortlaut nicht sicher.

kṣetraṃ kṛtvā śarāṃśaṃ tu kṛtvā cottaratoṃ'śakam |
tatsūtradvayasaṃyogātsādhayedvā triparṇikām [mū, a: bodhiparṇikām] || 72 ||

8.72 Das Feld wird in fünf Teile geteilt, einer davon nördlich angelegt. Durch Verbindung zweier Schnüre entsteht eine dreiblättrige Form; die Grundlesart nennt ein Bodhi-Blatt.

kṣetraṃ catudhā [kh: tu navadhā] kṛtvā tu dyaṃśau ca pārśvataḥ |
saṃbhrāmya madhyataḥ sūtraṃ sādhayedardhacandrikām || 73 ||

8.73 Man teilt das Feld in vier, nach einer Variante neun Teile, und setzt seitlich zwei Teile an. Durch Schwenken der Schnur von der Mitte aus wird die Halbmondform konstruiert.

vibhajya pañcadhā kṣetraṃ bhāgaikaikaṃ pradāya ca |
rakṣo'gnisaumyakāṣṭhāsu ta trisūtrya[k, kh: trisatryā]trikoṇikām || 74 ||

8.74 Das Feld wird fünffach geteilt. Je ein Teil wird im Südwesten, Südosten und Norden angesetzt; drei Schnüre bestimmen daraus das Dreieck.

saptabhāgīkṛte jhetre (nya[cinhāntargato'yaṃ pāṭho mū. a. g. pustakeṣu nāsti]stbhaikāṃśaṃ bahistataḥ [gh: bahisthitiḥ] |
madhyādhasūtrasaṃbhrāntaiḥ piṇḍikā vartulā [gh: vartanād] bhavet || 75 ||

8.75 Das Feld wird in sieben Teile geteilt und ein Teil außerhalb angesetzt. Durch einen Kreisschlag mit der halben Schnur von der Mitte aus entsteht der runde Sockel.

madhyātkoṇe vikārāṃśaṃ tyaktvā vṛtte kṛte sati |
turyāsravṛttayormadhye yamandvoḥ sūtrapātanam || 76 ||

8.76 Von der Mitte zur Ecke wird ein bestimmter Teil abgetragen und ein Kreis gezeichnet. Zwischen Quadrat und Kreis werden weitere Schnurlinien gelegt; die Maßbezeichnung und ihre Zahl sind beschädigt.

tatsūtrā[gh: tatsūtraṃ]bdrahsūtrāntaṃ [gh: sūtrārdhaṃ] tiryavakoṇeṣu sūtrakaiḥ |
bhavetṣaḍasrikāpiṇḍī śeṣarekhāvithopanāt [kh, gh: lekhāvilopanāt] || 77 ||

8.77 Von diesen Schnurlinien beziehungsweise ihren Mittelpunkten werden quer Linien zu den Ecken gezogen. Nach Entfernen der übrigen Hilfslinien entsteht der sechseckige Sockel.

naga bhāgī kṛte kṣetre) bhāgaika erito nyaset |
sūtramadhyārdha sabṛttādabjā syāt [g: dabjābhā] pūrvacoditā || 78 ||

8.78 Das Feld wird in sieben Teile gegliedert und ein Teil angesetzt. Mit der halben Schnur von der Mitte aus entsteht durch Rundung die zuvor beschriebene Lotusform.

navadhā bhājite kṣetre tathāṃśaṃ [kh: tayāṃśaṃ] bāhyataḥ kṣipet |
madhyasūtrārdha bhāgena [kh, gh: dvibhāgena] koṇāni hrāsayedatha || 79 ||

8.79 Das Feld wird in neun Teile gegliedert und ein Teil außen angefügt. Mit einer halben Mittelschnur werden anschließend die Ecken beschnitten; eine Variante nennt zwei Teile.

jināṃśe bahirekāṃśaṃ hṛtvā [mū, a, kh, g: kṛtvā] koṇārdhalāñchanaiḥ |
koṇaiḥ [gh: koṇā] sūtraparicchinnaiḥ kuryādaṣṭāsrikāṃ sadā || 80 ||

8.80 Bei einer Vierundzwanzigteilung wird außen ein Teil abgetragen beziehungsweise angesetzt. Mit Eckhalbierungen und den durch Schnüre abgeschnittenen Ecken entsteht das Achteck.

aṣṭāṃśe bahirekāṃśaṃ nyastvā koṇādhasūtrakaiḥ |
saṃchidyāsrīṃśca saṃchidya kṛtvā tu daśamāstrikam [k, gh: daśabhāṃśikīm] || 81 ||

8.81 Bei einer Achtteilung wird außen ein Teil angesetzt. Mit Schnüren über die halben Eckbereiche werden die Ecken abgeschnitten; der Text nennt anschließend eine zehnteilige beziehungsweise zehneckige Gestalt.

koṇāntau dvau ca hṛtvāṃśau [mū, a: pūrvāśaiḥ] sūtraṃ sapātya koṇataḥ |
kartavyā ṣoḍakāṃśaistu [gh: śaivaṃ] piṇḍikā keśavāśrayā [gh: ścaye] || 82 ||

8.82 An den beiden Eckenden werden zwei Teile abgetragen und Schnüre von den Ecken aus gezogen. So entsteht mit sechzehn Teilen der Keshava zugehörige Sockel.

ṣoḍhā vibhajya ca kṣetraṃ kṛtvaikāṃśaṃ tu vāhyataḥ |
pūrvavatyoḍaśaṃśaistu kuryād dvātriṃśadasrikām || 83 ||

8.83 Man teilt das Feld in sechs Teile, setzt einen Teil außen an und verfährt wie zuvor mit sechzehn Teilungen. Daraus wird der zweiunddreißigeckige Sockel gefertigt.

caturāsrā bhavedaindrī sā sainyastambhane matā |
āgneyī bodhipatrābhā pintarogāgnidāhakṛt || 84 ||

8.84 Die Indra-Form ist viereckig und gilt als geeignet, ein Heer zum Stillstand zu bringen. Die Agni-Form gleicht einem Bodhi-Blatt; der Text verbindet sie mit Gallenleiden und Feuerbrand, doch die genaue Wirkungsrichtung des zusammengesetzten Ausdrucks bleibt unsicher.

ardhaṃcandrākṛtiryāmyā śatrūṇāṃ kṣayakārikā |
trikoṇā rākṣasājāṃ tu deśo[k: dveṣo; gh: doṣo] cchadakarī sadā [gh: tusā] || 85 ||

8.85 Die Yama-Form ist halbmondförmig und soll Feinde vernichten. Die Rakshasa-Form ist dreieckig; die ihr zugeschriebene Vertreibungswirkung bezieht sich je nach Lesart auf Land, Feindschaft oder Fehler.

vārūṇī [gh: vārūṇā] maṇḍalākārā sa cāpyāyanakāriṇī |
vāyavyā ca ṣaḍasroktā śatrūccāṭanakārikā || 86 ||

8.86 Die Varuna-Form ist rund und soll nähren und stärken. Die Vayu-Form ist sechseckig und wird zur Vertreibung von Feinden eingesetzt.

padmākārā parā saumyā dhanapuṣṭipradā sadā |
raudrī tvaṣṭāsrikā [g: raṣṭāśrikā] jñeyā muktidā sārināśinī || 87 ||

8.87 Die nördliche Form ist lotusförmig und soll Reichtum und Gedeihen verleihen. Die Rudra-Form ist achteckig, gewährt Befreiung und vernichtet Feinde.

vaiṣṇavī ṣoḍaśāsrā tu ripumardanakārikā |
dvātriṃśadasrikā vāhnī svargākhyāphaladāyinī || 88 ||

8.88 Die Vishnu-Form ist sechzehneckig und soll Feinde bezwingen. Die zweiunddreißigeckige Form verheißt den Himmel; hier wird sie Vahni zugeordnet, während die vorherige Liste eine Brahma-Form erwarten lässt. Der Widerspruch bleibt bestehen.

rakṣo vīndesvarāntasthā gromeṣu keśavājayoḥ |
ardhacandropamā nīlaṃ śeṣaḥ kodaṇḍavadbhavet || 89 ||

8.89 Die folgende Vorschrift verbindet Richtungen beziehungsweise Gottheiten mit weiteren Gestaltangaben. Sicher lesbar sind Halbmondform, Blau und eine bogenähnliche übrige Partie; der beschädigte Wortlaut erlaubt keine zuverlässige Zuordnung.

svāyudhairlāñchitāḥ sarvāḥ sendunālāḥ svadikasthitāḥ |
piṇḍīmāmastakādīnāṃ karotyevaṃ vidhaṃ phalam || 90 ||

8.90 Alle sind mit den Waffen ihrer Gottheiten gekennzeichnet, besitzen mondförmige Abläufe und befinden sich in ihrer jeweiligen Richtung. Solche Sockelgestaltungen bringen nach dem Text die genannten Wirkungen hervor; die Schlussformulierung ist beschädigt.

bhagamadhye sthitaṃ liṅgaṃ liṅgādho bhagasaṃsthitiḥ |
bhagaliṅgāṅkita sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram || 91 ||

8.91 Das Linga steht inmitten der Yoni, und unter dem Linga befindet sich die Yoni. Die ganze dreifache Welt, Bewegliches und Unbewegliches, ist von Yoni und Linga gekennzeichnet.

śaktyatho [gh: śaktyantā] (thā) thāraśaktiśca umā syātpīṭharupiṇa [gh: rūpikā] |
śivaliṅgaṃ paraṃ taccaṃ tayoryogā[gh: tayoryāgāt]nmahatphalam || 92 ||

8.92 Uma als tragende Kraft erscheint in Gestalt des Sockels. Das Shiva-Linga ist die höchste Wirklichkeit; aus ihrer Verbindung erwächst große Frucht. Eine Variante spricht von ihrer Verehrung.

viṣṇubhāgāntavistīrṇā tadadhaṃ dala[gh: tadardhadala]nirmītā |
dalāṅghrigartikā kūrmoṃ [mū, gh: kūrma] vedāsrā valiṅgartinī || 93 ||

8.93 Die folgende Beschreibung der Brahma-Platte nennt eine Breite bis zum Vishnu-Abschnitt, eine halb so große Blattgestaltung, eine Schildkrötenform und eine viereckige Linga-Vertiefung. Die Bezüge zwischen den einzelnen Profilen sind beschädigt.

brahmādhocchraya vedāsra ta tridhā vistarekajama [gh: vedāsrā tantridhā vistaraikajā] |
caturasraṃ ta[gh: rasrayaṃśataṃ]dgartaṃ syād brahmāṃśa[gh: brahyāṅgaṃ]tu prakalpitam || 94 ||

8.94 Unter dem Brahma-Abschnitt liegt eine viereckige Form; ihre Höhe und eine Dreiteilung der Breite werden genannt. Die viereckige Vertiefung wird entsprechend dem Brahma-Abschnitt angelegt.

kvacitliṅgārdhabistārā tadardhe ca[k, kh, gh: tadarthoccā]yugāsrikā |
tadpādaśvabhrikā sāvjā grahagartā śilā bhavet || 95 ||

8.95 Nach einer anderen Vorschrift beträgt die Breite die Hälfte des Linga-Maßes und die Höhe wiederum die Hälfte davon. Die viereckige Steinplatte besitzt Lotusgestaltung und neun Vertiefungen; eine weitere Tiefenangabe nennt ein Viertel.

kṛtvā sāṣṭa [k: thāṣṭa] dalāmbhojaṃ madhye patreṣu(su) khātakam |
kāryā brahmaśilānyārthi[gh: nyo'rtho]bṛttā tryasrā tu[gh: tryasrānta] sādhane || 96 ||

8.96 Man gestaltet einen achtblättrigen Lotus und Vertiefungen in der Mitte und in den Blättern. Eine andere Brahma-Platte ist je nach rituellem Zweck rund oder dreieckig; der Übergang der Formen ist unsicher überliefert.

devapīṭhaṃ tatheśāno vṛṣo brahmaśilāpi ca |
ekajaṃ caika varṇaṃ vā śubhametadato'śubham || 97 ||

8.97 Götterbild, Sockel, Ishana-Form, Stier und Brahma-Platte sollen aus demselben Material oder wenigstens von gleicher Farbe sein. Dies gilt als günstig, das Gegenteil als ungünstig.

suniṣpanneṣu liṅgeṣu mānala [kh: nāla] kṣaṇavatsu ca |
mūlyaṃ samavadhāryādau vaṇijo daiśikottamaḥ || 98 ||

8.98 Sind die Lingas mit richtigen Maßen und Merkmalen fertiggestellt, soll der vorzügliche Lehrer zunächst mit dem Händler den Preis vereinbaren.

svaprajānṛpavṛddhyarthaṃ prāgācāryaṃ tu lakṣayet |
paścādijādvipāṣaṇḍāṃ stato mūlyaṃ prakāśayet || 99 ||

8.99 Zum Gedeihen des eigenen Volkes und des Königs soll zuerst der Acharya berücksichtigt werden, danach die weiteren religiösen Beteiligten; ihre Gruppenbezeichnung ist beschädigt und schließt Pashandas ein. Anschließend wird der Preis bekanntgegeben.

vīrakramā[gh: vīrakrayā]dgṛhītaṃ sadvarṣā[mū: sadaddhā]paryuṣitaṃ yadā |
tadārdhenādhvaraṃ kṛtvā liṅgaṃ sthāpyaṃ suvāsare [mū, a, g: surāsure] || 100 ||

8.100 Ist das Linga durch einen als Vira-Kauf bezeichneten Erwerb erhalten worden und längere Zeit, offenbar ein Jahr, liegen geblieben, wird eine ergänzende Opferhandlung mit einem halben Anteil verlangt. Danach setzt man es an einem günstigen Tag ein. Erwerbsart, Zeitangabe und Anteil sind im Wortlaut nicht sicher überliefert.

iti lakṣaṇasamuccaye pīṭhavartanaṃ nāmāṣṭamo vidhiḥ || 8 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 8. Ritualabschnitt über „Gestaltung des Sockels“.

Kapitel 9: Reittiere und Attribute

atha navamaḥ

Nun folgt der 9. Ritualabschnitt.

triśūlam

Der Dreizack.

dikpatīnāṃ harādīnāṃ śūlādyastrāṇi ca bruve |
vedāsre grahabhakte [k, kh, gh: vedāsraṃ grahabhaktaṃ] syānmadhye śūlaṃ tu randhrataḥ || 1 ||

9.1 Ich beschreibe nun Dreizack und weitere Waffen Haras und der Richtungswächter. Für den Dreizack wird ein quadratisches Feld in neun Teile geteilt; die Spitze liegt in dessen Mitte.

ardhārdhāṃśaistu pakṣābhyāmutpalaṃ [gh: mutpala] mukulākṛtiḥ |
tyaktvā [gh: tyājyā] sārdhau dvivistārau ṣaḍbhirdirdhau bhramānmatau || 2 ||

9.2 Seitlich werden halbe Teile angesetzt, sodass die Form einer Lotusknospe entsteht. Nach Abtrag von anderthalb Teilen werden zwei breite und sechs lange Bereiche genannt; ihre Rundung ist nach der Messlinie zu bilden. Die genaue Maßverknüpfung ist unsicher.

śaṅge dve śūlapārśve ca [gh: tu] tvagasthikali[k, kh: kāla]kopame |
tadghṛttau dvyardhadīrdhau ca kartavyau ca suśobhanau || 3 ||

9.3 Zu beiden Seiten der Mittelspitze liegen zwei weitere Spitzen, verglichen mit Haut, Knochen und einer Knospe; das Vergleichswort ist variantenreich. Ihre Rundungen sollen zweieinhalb Teile lang und schön gestaltet sein.

madhye mūlā[mū, a, gh: śūlā]rdhadairghyeṇa tvadho vedyabjamaṇḍitā |
vedyadhastāttridhā dairghyāddaṇḍaḥ kāryastrivistara || 4 ||

9.4 In der Mitte wird die halbe Länge des Grundmaßes angesetzt. Darunter befindet sich ein mit Lotus geschmücktes Sockelglied. Unter diesem wird der Stab mit einer dreifachen Längenbeziehung und einer Breite von drei Teilen gestaltet; die Bezugslänge ist nicht eindeutig.

luptvā rekhāṃ sītaiḥ śūlaṃ rakte daṇḍe kuśeśayam |
site rekhā bhaveddaṇḍa aiśyāmeva triśūlakam || 5 ||

9.5 Nach Entfernen der Hilfslinien wird der Dreizack weiß gefärbt. Der Stab ist rot, der Lotus weiß; eine weiße Linie läuft am Stab entlang. Der Dreizack gehört in die Ishana-Richtung.

vajram-

Der Vajra.

kṛtvā daṇḍaṃ triśūlādho vajraṃ pītaṃ sitāmbujam |
madhye śṛṅgaṃ tu pītaṃ vā harite pakṣaśaṅgake || 6 ||

9.6 Für den Donnerkeil wird ein Stab wie unter dem Dreizack gestaltet. Der Vajra ist gelb, sein Lotus weiß. Die mittlere Spitze ist gelb, die seitlichen Spitzen grün.

pakṣaśṛṅgaṃ yadā pīta tadāntarharitaṃ bhavet |
evaṃ saṃkṣepato vajraṃ khyātamindrasya pūrvataḥ || 7 ||

9.7 Sind die seitlichen Spitzen gelb, so ist das Innere grün. So ist Indras Donnerkeil, der im Osten liegt, kurz beschrieben.

śaktiḥ-

Die Lanze.

daṇḍādyaṃ prāk triśūlaṃ ca pakṣaśṛṅge yadā kṛte [gh: hrate] |
lohitaṃ madhyamaṃ śṛṅgaṃ [k, kh: śūlaṃ] vahneḥ śaktistadā diśi || 8 ||

9.8 Stab und Grundgestalt entsprechen dem Dreizack. Werden die seitlichen Spitzen entfernt und die mittlere rot gestaltet, entsteht Agnis Speer in dessen Richtung. Eine Lesart sagt statt „entfernt“ lediglich „gestaltet“.

daṇḍaḥ-

Der Stab.

dairghyāṃśaṃ jinavatkṛtvā vedādyugmātpravistaraḥ |
mūle cāgre ca daṇḍasya kāryo vṛttāgramūlataḥ || 9 ||

9.9 Für den Stab wird die Länge in vierundzwanzig Teile gegliedert. Am unteren und oberen Ende werden Breiten von vier beziehungsweise zwei Teilen genannt; beide Enden sind rund zu gestalten.

muṣṭigrāhe sitatryaṃśāddaṇḍamadhye sitāmbujam |
vedādvahiḥsitā rekhā[mū, a: vedhā]kṛṣṇā yāmye yamasya tu || 10 ||

9.10 Der Griffbereich ist weiß und umfasst drei Teile; in der Mitte des Stabes befindet sich ein weißer Lotus. Der Stab Yamas im Süden ist schwarz, mit weißen Außenlinien; die genaue Einbindung des Vierermaßes ist beschädigt.

khaḍgaḥ-

Das Schwert.

saptāṅgaṃ caturasraṃ syānmadhyādhoṃśena gañjakam |
bṛttāgraṃ pādasaṃveśātkoṇamūlaṃ [kh, gh: kāmamūlaṃ] suśobhanam || 11 ||

9.11 Für das Schwert wird ein viereckiges Feld in sieben Teile gegliedert. Unten in der Mitte entsteht mit einem Teil der Knauf, mit runder Spitze und einer Einziehung um ein Viertel; die Basis ist schön eckig gestaltet.

tadūrdhve sārdhabhāgena tryaṃśadairghyādbhramātsadā |
valkalam khaṇḍacandrābhaṃ tanmadhyordhvadvisārdhata [mū, a, k, kh: madhye'rdha] || 12 ||

9.12 Darüber wird mit anderthalb Teilen und einer Länge von drei Teilen durch Rundung eine halbmondförmige Partie gebildet. In ihrer Mitte folgt ein Maß von zweieinhalb Teilen; die Profilbezeichnung ist unsicher.

antardaṇḍāṃśataḥ [gh: daṇdyaṃ śataḥ] kāryā madhyasthūlaṃ dvayoḥ [kh: tvadhaḥ] kṛśā |
tatsame'pyunnataṃ madhye mukhaṃ tanmūlapakṣayoḥ || 13 ||

9.13 Im Innern liegt ein stabförmiger Teil, in der Mitte stärker und an beiden Enden schmaler. Eine gleich hohe mittlere Partie und seitliche Ansätze werden beschrieben; die genaue Griffform ist aus dem beschädigten Wortlaut nicht sicher abzuleiten.

ardhāṃśapṛthulau gucchau tryaṃśāddārghau kalenduvat |
muṣṭiṃ saṃvartayedevaṃ pītaṃ vā sitarūpakam || 14 ||

9.14 Zwei Büschel beziehungsweise Endstücke sind je einen halben Teil breit und drei Teile lang und gleichen Mondsicheln. So formt man den Griff, gelb oder weiß.

tanmukhaṃ pārśvayoḥ kuryādbhāgārdho'rdhapravistṛtam (?) |
muṣdyucchrayāccaturdhāto dīrghaḥ khaḍgāgrabartulaḥ || 15 ||

9.15 Seitlich wird die anschließende Partie jeweils um einen halben Teil verbreitert. Die Klinge ist viermal so lang wie die Höhe des Griffs und besitzt eine gerundete Spitze. Die erste Maßangabe ist bereits in der Vorlage fraglich.

dhūmrābhā syātsitā dhārā bhāgārdhavistaraṃ jalam |
bhṛṅgābhaṃ tryaṃśasantyāgātkhaḍgo nairṛtarākṣase || 16 ||

9.16 Die Klinge ist rauchfarben, ihre Schneide weiß; eine halbteilige Zone und eine bienenschwarze Färbung werden genannt. Nach Abzug dreier Teile entsteht die Schwertform für Nirriti im Südwesten; die Farb- und Maßzuordnung bleibt teilweise unsicher.

paṭṭiśaḥ-

Die Pattisha-Stangenwaffe.

paṭṭiśaṃ khaḍgasaṃkāśaṃ caturdhārā[mū: caturdhā vā]samanvitam |
prasaṅgādgaditaṃ śastramakṣobhya yoginīpriyam || 17 ||

9.17 Der Pattisha gleicht einem Schwert, besitzt jedoch vier Schneiden. Diese Waffe wird beiläufig erwähnt und als der Yogini Akshobhya lieb bezeichnet.

pāśaḥ-

Die Schlinge.

jinabhāgīkṛte nāhe pṛthutvaṃ tattribhāgataḥ |
mukhapucchārdhamādyante digdeśairyugamadhyataḥ || 18 ||

9.18 Für die Schlinge wird das Gesamtmaß in vierundzwanzig Teile gegliedert; die Breite beträgt ein Drittel. Kopf und halber Schwanz liegen an den Enden; die weitere Zehner- und Zweieraufteilung ist gedrängt überliefert.

madhye rekhādvibhāgānte vṛttavadvāmadakṣayoḥ |
bhrāmya dvau dvau dvibhāgābhyāṃ madhyakoṣṭhadvaye budhaḥ || 19 ||

9.19 In der Mitte werden nach zwei Teilen Linien angelegt. Links und rechts schlägt der Kundige Rundungen mit jeweils zwei Teilen in den beiden mittleren Feldern.

(koṇasūtraṃ [cinhāntargato'yaṃ pāṭha gh. pustake nāsti] bhavettatra madhyarekhāpralopayoḥ |
granthirūpaṃ yathā samyak tathā tatparilopayet || 20 ||

9.20 Dort wird eine Diagonalschnur angelegt. Die Mittellinien werden so entfernt, dass eine deutliche Knotenform entsteht. Dieser Abschnitt fehlt in einer Handschrift.

agre madhyāṃśake vaktraṃ baddhaṃ [mū: vajraṃ baddhaṃ] bakulasannibham |
tadadhoṃśena [kh: 'ṅgena] vaktraṃ syānnāsākṣirasanānvitam || 21 ||

9.21 Vorn im mittleren Teil wird ein geschlossener, einer Bakula-Blüte ähnlicher Kopf gestaltet. Darunter liegt das Gesicht mit Nase, Augen und Zunge.

tadadhobhāgamadhyasthādbhrāmayedardhacandravat |
tadadhaḥ pārśvayordyaṃśe karṇasūtraṃ dvayoḥ samam || 22 ||

9.22 Von der Mitte des darunterliegenden Teils aus wird eine Halbmondkurve geschlagen. Darunter werden auf beiden Seiten in einem Zweierbereich gleiche Diagonalen angelegt.

phaṇaso'śvattha[k: phaṇasaṣvabja; kh: phaṇasāṣṭaka]patrābho madhye paṅkajalāñchitaḥ |
tryaṃśādho hrāsayetpucchaṃ svāṃśaṃ [gh: svāṃśa] tryaṃśena vāṇataḥ || 23 ||

9.23 Die Schlangenhaube gleicht einem Ashvattha-Blatt und trägt in der Mitte ein Lotuszeichen. Der Schwanz wird nach unten über drei Teile verjüngt; die anschließende Pfeil- beziehungsweise Maßangabe ist beschädigt.

śeṣarekhāvilopena [gh: lepena] rekhābhirmadhyaśobhitaḥ |
sito'hiḥ kṛṣṇajihvāsyo raktākṣaśca suśobhanaḥ || 24 ||

9.24 Man entfernt die übrigen Hilfslinien und schmückt die Mitte mit Linien. Die Schlange ist weiß, mit schwarzer Zunge und schwarzem Mund, roten Augen und schöner Gestalt.

sammukhaḥ sitakālaśca [gh: kolaśca] kvacicchyāmo bhayaṅkaraḥ |
vārūṇyāṃ vārūṇaḥ pāśaḥ kartavyo diśi daiśikaḥ || 25 ||

9.25 Sie blickt nach vorn und ist weiß und schwarz, bisweilen dunkel und furchterregend. Der Lehrer soll Varunas Schlinge in dessen westlicher Richtung gestalten.

dhvajaḥ-

Das Banner.

ṣoḍaśāṃśaṃ tu viṣkambhaṃ luptvā rāmaṃ tu koṇataḥ |
vāyukoṇe'mbutaḥ proktaṃ[k, kh: koṇāmbutatproktaṃ]tryaṃśena tu ca darpaṇam [mū: tadarpaṇam] || 26 ||

9.26 Für das Banner wird die Breite in sechzehn Teile geteilt; an einer Ecke werden drei abgetragen. Die weitere Konstruktion setzt im Nordwesten an und nennt eine spiegelähnliche Partie mit drei Teilen; die Richtungsfolge ist beschädigt.

tanmūrnimadhyato dyaśāccandrārdha bāṇato bhramāt |
candrārdhātkoṇato dyaṃśaṃ lopayejjalata[mū: dyantataḥ]stataḥ || 27 ||

9.27 Über deren Mitte wird mit zwei Teilen eine Halbmondform durch einen Bogen gebildet. Von deren Ecke aus werden zwei Teile abgetragen; die folgende Richtungsangabe ist unklar.

randhrādho gugmatastyaktvā tatkoṇānnavabhāgagān |
adho bhūtena vistārāttiryaksūtrāddvirūrdhvataḥ || 28 ||

9.28 Unterhalb einer Öffnung werden zwei Teile ausgespart, von der Ecke aus neun Teile angesetzt. Unten beträgt die Breite fünf Teile; Querlinien und ein weiterer Zweierabstand bestimmen den Verlauf. Die Satzverbindung ist beschädigt.

kvacidrambhādalābhāsā kadalīpatravistarā |
taddyaṃśena ṝjuṃ kuryād dhvajaṃ vā kuṭilāhivat || 29 ||

9.29 Das Banner kann einem Bananenblatt gleichen und dessen breite Form besitzen. Mit zwei Teilen wird es gerade gestaltet oder wie eine gewundene Schlange.

rohitamatsyapucchābhaṃ dyaṃśasaṃveśanātsadā |
nairṝtyātpañcaveśena sūtraṃ vinyasya koṇataḥ || 30 ||

9.30 Durch eine Einziehung um zwei Teile gleicht es dem Schwanz eines Rohita-Fisches. Von Südwesten aus wird nach einer Einziehung um fünf Teile eine Schnur von der Ecke angelegt.

bhrāmayetṣaṭpado'rdhena tadadho dyaṃśataḥ punaḥ |
īśānātsaptapūrveṇa saptaveśādbhramātpunaḥ || 31 ||

9.31 Man schlägt eine Rundung mit einem halben Sechsermaß, darunter nochmals mit zwei Teilen. Vom Nordosten aus folgt ein Siebenermaß und eine Einziehung um sieben Teile; die genaue geometrische Folge bleibt unsicher.

(tadadho [cinhāntargataḥ pāṭho mūlapustake nāsi] dyaṃśataḥ pārśvātsūtraṃ saṃbhrāmayettataḥ |
darpaṇātprāgjalaśāṃcca brahmasūtrāhibhāgataḥ || 32 ||)

9.32 Darunter wird von der Seite aus mit zwei Teilen ein weiterer Bogen geschlagen. Die anschließende Anweisung verbindet die spiegelartige Partie, Osten, Wasser-Richtung und Mittelschnur, ist aber nicht sicher lesbar. Der Vers fehlt in der Grundhandschrift.

daṇḍaḥ kṣetrasamaḥ kāryo dyaṃśena vistaro rūṇaḥ |
śeṣarekhā [mū, a, k, kh, g, ṅ: śeṣaveśā] vināśena vāyordhvajaśca mārute || 33 ||

9.33 Der Stab ist so lang wie das zugrunde gelegte Feld, zwei Teile breit und rot. Nach Entfernen der übrigen Hilfslinien wird Vayus Banner im Nordwesten angeordnet.

śiro[ṅ: śito; k, kh: padmaṃ]darpaṇakhaṇḍendurdhvajaḥ pīto'thavā harit || 34 ||

9.34 Kopf beziehungsweise Lotus, Spiegelpartie und Mondsichel des Banners sind gelb oder grün zu färben. Dieser Abschnitt besteht nur aus einem Halbvers.

gadāḥ-

Die Keule.

nāhamekaṃ [gh: rnāhamarkaṃ] dvidhā kṛtvā vistaraṃ tadbhūtāṃśataḥ |
ādyante sambikā dvābhyāṃ vṛttamekena pārśvayoḥ || 35 ||

9.35 Für die Keule wird das Gesamtmaß halbiert; die Breite beträgt ein Fünftel. An den Enden werden mit zwei Teilen unsicher benannte Glieder gestaltet, seitlich mit einem Teil Rundungen.

bhāgaikaṃ pārśvayorluptvā madhye pītaṃ [gh: padmaṃ] sitaṃ jalaiḥ (le) |
pītā gadāruṇai rekhā madhyarekhā śukaprabhā || 36 ||

9.36 Seitlich wird je ein Teil abgetragen. Die Mitte enthält eine gelbe beziehungsweise lotusförmige und eine weiße Partie. Die Keule ist gelb, mit roten Linien und einer papageiengrünen Mittellinie.

ādyante śṛṅkhalā kāryā madhyarekhā[g, gh: madhyabhāgā]valambinī |
kaṭikāṅghrisamā vṛttā catasro rekhikāstathā || 37 ||

9.37 An den Enden wird eine Kette angebracht, die entlang der Mittellinie herabhängt. Hinzu kommen vier runde Linien beziehungsweise Bänder entsprechend Taille und Fuß; die Maßbeziehung ist unsicher.

pītavarṇena tāḥ [k, kh: sā; g: tataḥ] kāryā haritena kvacitsitā |
kuverāstraṃ bhavedevaṃ somakāṣṭhāsthitaṃ sadā || 38 ||

9.38 Diese werden gelb, teilweise grün oder weiß gestaltet. So entsteht Kuberas Waffe, die stets im Norden steht.

padmam-

Der Lotus.

brahmāstraṃ [gh: brahmāṇḍaṃ] vartayetpadmaṃ sārakesarakarṇikam |
suśvetaṃ raktanemyāḍhyamīśendrāntarasaṃsthitam || 39 ||

9.39 Brahmas Waffe ist ein Lotus mit ausgeprägten Staubfäden und Fruchtboden. Er ist strahlend weiß, mit rotem Rand, und liegt zwischen Nordosten und Osten.

sudarśanacakram-

Das Sudarshana-Rad.

vedāsraṃ ravibhirbhaktaṃ madhyādaṃśādbhramādbhavet |
nābhimadhyāntato'śena [gh: madhyāttu tāṃśena] mekhalā bhramato bhavet || 40 ||

9.40 Für den Sudarshana-Diskus wird ein Quadrat in zwölf Teile gegliedert. Von der Mitte aus schlägt man einen Kreis mit einem Teil; um die Nabe entsteht mit einem weiteren Teil der Ring.

nābhimadhyātpunarbhrāntvā mekhalābahiragnitaḥ |
tadvattatparatoṃ'śena bhramāccakraṃ tu vartulam || 41 ||

9.41 Von der Nabenmitte aus wird nochmals ein Kreis bis drei Teile außerhalb des Ringes geschlagen. Ein weiterer Kreis mit einem zusätzlichen Teil ergibt den runden Diskus.

nābhimadhyāntare rekhāṃ bilupya parivartapet |
aṣṭadikṣvārakāstvaṣṭau kkacidvā ṣoḍaśārakāḥ || 42 ||

9.42 Die Hilfslinien zwischen Nabe und Ring werden entfernt. In den acht Richtungen liegen acht Speichen, alternativ sechzehn.

indīvaradalābhā ca[kh: bhāso]cakrayugmāsu puṣyavat |
cakrādhaḥ prāntatattryaṃ[k, kh: madhyato dyaṃśā]śādvivistārādrasabhāgikam [kh: masūrī cāsatonnatā] || 43 ||

9.43 Ihre Gestalt gleicht Blättern des blauen Lotus; die Verbindung mit den beiden Kreisringen ist beschädigt. Unter dem Diskus wird ein sechs Teile umfassendes Glied genannt, dessen Breite und Lage durch Zweier- und Dreiermaße bestimmt werden.

tadadho vedavistārā vṛttākhyā tu tathoṃcchrayāt |
ekenoccā pravistārā paṭṭikā caturasrikā || 44 ||

9.44 Darunter folgt ein rundes Glied mit vier Teilen Breite und entsprechender Höhe. Eine viereckige Leiste besitzt einen Teil Höhe und Breite; die zweite Maßbeziehung ist nicht ganz eindeutig.

rasa bhāgena [g: vasubhāgena] sā kāryā pārśvato ṝju vā kramāt [kh: ṛtuvarjanāt; k, g, gh: ṛtuvatkramāt] |
cakrasyāsanamevaṃ tu raśmayaḥ paritastataḥ || 45 ||

9.45 Diese wird mit sechs, nach einer Variante acht Teilen ausgeführt; ihre Seiten sind gerade beziehungsweise entsprechend abgestuft. So entsteht der Sitz des Diskus. Ringsum folgen die Strahlen.

mūrdhni tryaṃśātsamucchrāyaḥ pārśvayorardhabhāgataḥ |
bhramādabjakalī[kh: karī]prakhyā cakramadhye vyavasthitā || 46 ||

9.46 Oben sind sie drei Teile hoch, seitlich wird eine Rundung mit einem halben Teil angelegt. Die in der Mitte des Diskus angeordnete Form gleicht einer Lotusknospe.

śeṣādvā [kh: śeṣābdhiṃ; gh: śeṣādvīṃ] siddhidīrghāṇi pṛthutvāṃśāṃśavartanāt |
aṣṭau saṃkhyāḥ prakartavyāḥ pārśve caivāpare tathā || 47 ||

9.47 Die übrigen Strahlen werden nach den angegebenen Längen und Breiten gestaltet. Es sind acht auf einer Seite und ebenso auf der anderen anzulegen; die genaue Längenbezeichnung ist beschädigt.

raśmayo'sṛksitaṃ pīṭhaṃ śeṣerekhā vināśanam |
kṛpāṇapāśayorantaḥ sudarśanaṃ harerlikhet || 48 ||

9.48 Die Strahlen sind blutrot, der Sitz weiß. Die übrigen Hilfslinien werden entfernt. Haris Sudarshana zeichnet man zwischen Schwert und Schlinge, also zwischen den entsprechenden Richtungen.

triśūlādīni śastrāṇi saumyamūrdhni śubhāni tu |
prākśiraskau [mū, a, g: śirasthau] gadādaṇḍau svabhāgairaṃśasādhanam || 49 ||

9.49 Dreizack und weitere Waffen werden mit ihren Spitzen nach Norden ausgerichtet. Keule und Stab zeigen mit dem Kopf nach Osten. Ihre Gestaltung erfolgt nach den jeweils festgelegten Anteilen.

īśādiviṣṇuparyantaṃ lokeśānāṃ svakāyudham |
jñeyaṃ śūlādicakrāntaṃ taddikkāntibalātmakam || 50 ||

9.50 Von Ishana bis Vishnu gehört jedem Weltenhüter seine eigene Waffe, vom Dreizack bis zum Diskus. Sie verkörpert Glanz und Kraft der jeweiligen Richtung.

karaṇe'nya [k, kh, gh: kinaṇe'nyat] prakāreṇa trikākhyaḥ [gh: trikākhye] punaranyathā |
uktānyastrāṇi bāṇākhyā (dyā) ghaṇṭebhādyatha vakṣyate || 51 ||

9.51 Andere Herstellungsweisen werden im Trika und weiteren Zusammenhängen genannt; die genaue Schrift- oder Verfahrensbezeichnung ist beschädigt. Nach den Waffen folgen nun Glocke, Elefant und weitere Formen.

ghaṇṭā-

Die Glocke.

aṣṭadhā bhājite kṣetre madhye pārśvād[gh: pārśvau]dvirūrdhvataḥ |
bhāgārdhena dalaṃ kuryādvṛttāsraṃ bṛttapaṭṭike [k, kh: pakṣapaṭṭike] || 52 ||

9.52 Für die Glocke wird das Feld in acht Teile geteilt. In der Mitte werden seitlich und oben Zweiermaße angesetzt; mit einem halben Teil gestaltet man die Wandung sowie runde Rand- und Leistenprofile.

bhāgārdhena śiraḥ sthūlaṃ pakṣayorardhanirgamam |
grīvādvā vistarārdhādvā skandhārdhāṃśavinirgamau (maḥ) [mū: skandhāddyaṃśavinirgamaiḥ] || 53 ||

9.53 Der Kopf erhält eine Stärke von einem halben Teil und seitlich je einen halben Teil Vorsprung. Vom Hals beziehungsweise von der halben Breite aus wird die Schulter um einen halben Teil vorgezogen; eine Variante nennt zwei Teile.

vṛttākāreṇa pakṣābhyāṃ sārdhavedāvatāraṇam |
caturbhāgapravistārau (ro) bhāgārdhapakṣayoryutaḥ || 54 ||

9.54 Die Seiten werden rund über viereinhalb Teile nach unten geführt. Die Breite beträgt vier Teile, seitlich jeweils um einen halben Teil ergänzt.

karṇasūtreṇa tatkāryaṃ [gh: kāryau] tadadho'rdhārdhaniṣkramāt [gh: tadadho'rdhaviniṣkramāt] |
ucchrāyārdhaṃ tu vistārā paṭṭikātritayānvitā || 55 ||

9.55 Dies wird mit der Diagonalschnur bestimmt; darunter folgen weitere halbe Vorsprünge. Die Breite beträgt die Hälfte der Höhe, und drei Leisten werden angefügt.

śeṣabhāgavināśena [mū, a, k, kh, g, ṅ: viśeṣeṇa] ghaṇṭā hyevaṃ surapriyā |
padmaskandhāddvibhāgena kartavyā lakṣaṇānvitā || 56 ||

9.56 Nach Entfernen der übrigen Teile entsteht die den Göttern liebe Glocke. Von der Lotusschulter aus wird sie mit zwei Teilen und den erforderlichen Merkmalen gestaltet.

hāradhārāvalīyuktā pāśalālū[k: lolūka]kamaṇḍitā |
susvarā [gh: susvanā] kāṃsyajā śreṣṭhā svadevāyudhamaratakā [mū: vādyadharāntarā] || 57 ||

9.57 Sie besitzt Reihen von Girlanden und Linien sowie herabhängenden Schlingenschmuck. Am besten ist sie aus Bronze und von schönem Klang. Eine abschließende Verzierung bezieht sich auf die Waffe der eigenen Gottheit; die Lesarten weichen stark ab.

vāhanāḥ-

Die Reittiere.

vedāsramaṣṭadhā kṛtvā saṃlakṣya vartayetkramāt |
gajāśvo'śvataroṣṭrāṃśca tadārohāṃstu tryaṃśataḥ || 58 ||

9.58 Für die Reittiere wird ein Quadrat in acht Teile geteilt. Darin gestaltet man Elefanten, Pferde, Maultiere und Kamele; ihre Reiter erhalten drei Teile.

ekāṃśena [gh: ekāṃśonā] tadūrdhve ca gogavayalulāyakāḥ |
bhaveyuḥ paśavo'pyanye mṛgagardabhagaṇḍakāḥ || 59 ||

9.59 Rinder, Gayals und Büffel werden mit einem darüberliegenden Teil beziehungsweise nach einer Variante um einen Teil kleiner bemessen. Ebenso folgen andere Tiere wie Antilopen, Esel und Nashörner.

vyulaghya [gh: vyulaṃdha] gāvyajaśvānastenākṣālakṣamāhikāḥ [gh: stunākṣo lakṣasāhikā] (?) |
jalonā vyāghrakapyuṣṭrā lakṣādārjanakastathā (?) || 60 ||

9.60 Der Vers nennt weitere Abstufungen für Rinderartige, Ziegen, Hunde, Tiger, Affen und Kamele. Die Wörter und Maßangaben sind an mehreren Stellen beschädigt und bereits mit Fragezeichen versehen; eine zuverlässige Maßübersetzung ist nicht möglich.

pañcāśonāstathā kāryā babhruśaśakamūṣakāḥ [mū: maśaka] |
ṣaḍūnād [gh: ṣaḍūnā grāha] grāhagodhā syānnakramatsyāvadhau [mū: matsyāvarau; g: matsyāvakai] sadā || 61 ||

9.61 Braune Kleintiere beziehungsweise Mungos, Hasen und Mäuse werden um fünf Teile kleiner gestaltet. Bei Wassertieren und Waranen werden sechs Teile abgezogen; die abschließende Zuordnung von Krokodilen und Fischen ist beschädigt.

iti lakṣaṇasamuccaye vāhanāyudhavartanaṃ nāma navamo vidhiḥ || 9 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 9. Ritualabschnitt über „Reittiere und Attribute“.

Kapitel 10: Prüfung von Jahreszeit und Tag

atha daśamaḥ

Nun folgt der 10. Ritualabschnitt.

ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi kālalagnādiniścayam |
dvitruṭibhyāṃ lavaḥ prokto niṣeṣo dvilavātmakaḥ || 1 ||

10.1 Nun erkläre ich die Bestimmung von Zeit, Aszendent und weiteren Umständen. Zwei Truti bilden einen Lava, zwei Lava einen Nimesha; die letzte Bezeichnung ist in der Vorlage entstellt.

daśapañcanimeṣaistu kāṣṭhoktā kālavedibhiḥ |
triṃśatkāṣṭhāḥ kālaṃ vidyātkṣaṇaṃ triṃśatkalāṃ budhaḥ || 2 ||

10.2 Die Zeitkundigen nennen fünfzehn Nimesha eine Kashtha. Dreißig Kashtha bilden eine Kala, dreißig Kala einen Kshana.

kṣaṇairdvādaśabhirjñeyo muhūrtastattvavedibhiḥ |
tābhyāṃ nāḍyatha nāḍībhyāṃ kṣīṇābhyāṃ [kh: hīnābhyāṃ] ṣoḍaśāṃśakaiḥ || 3 ||

10.3 Zwölf Kshana bilden nach den Sachkundigen einen Muhurta. Zwei davon ergeben eine Nadi; aus zwei Nadi, um Sechzehntel vermindert, wird die folgende Einheit bestimmt. Die überlieferte Reihe weicht von gebräuchlichen Zeitrechnungen ab und wird nicht stillschweigend vereinheitlicht.

ghaṭī catasṛbhistābhiḥ praharaḥ parikīrtitaḥ |
tairaṣṭabhirahorātraṃ pakṣastairdaśapañcabhiḥ || 4 ||

10.4 Diese Einheit heißt Ghati; vier davon bilden einen Prahara. Acht Prahara sind Tag und Nacht, fünfzehn solche Tage eine Monatshälfte.

tābhyāṃ māsastu māsābhyāmṛtustairayanaṃ tribhiḥ |
tābhyāṃ saṃvatsaraḥ proktastaiḥ śataiḥ puruṣāyuṣaḥ || 5 ||

10.5 Zwei Monatshälften bilden einen Monat, zwei Monate eine Jahreszeit, drei Jahreszeiten ein Halbjahr. Zwei Halbjahre bilden ein Jahr; hundert Jahre gelten als menschliche Lebensspanne.

nakṣatre yatra tatrāpi sarvakālaṃ dvipakṣayoḥ |
mumukṣoḥ sthāpanaṃ śastaṃ yateḥ kāmārthino bruve [mū, a, g: dhruvam] || 6 ||

10.6 Für einen nach Befreiung strebenden Asketen ist die Einsetzung zu jeder Zeit, unter jeder Mondstation und in beiden Monatshälften empfohlen. Nun spreche ich von den Bedingungen für jemanden, der bestimmte Ergebnisse wünscht.

prābṛṣi sthāpanaṃ siddhayai bhaveccharadi yogadam |
hemante jñānadaṃ liṅgaṃ śiśire sarvabhūtidam || 7 ||

10.7 Die Einsetzung in der Regenzeit führt nach dem Text zur Vollendung, im Herbst zum Yoga. Im frühen Winter verleiht sie Erkenntnis, im späten Winter umfassendes Gedeihen.

lakṣmīpradaṃ vasante ca grīṣme ca jayaśāntidam |
yatīnāṃ sarvakāleṣu liṅgasyāropaṇaṃ matam || 8 ||

10.8 Im Frühling bringt sie Wohlergehen, im Sommer Sieg und Frieden. Für Asketen gilt die Einsetzung des Linga zu allen Zeiten als zulässig.

uttarāśāṃ gate bhānau liṅgasthāpanamuttamam |
dakṣiṇetvayane[mū, a, g: dakṣiṇāśāyane]'pūjyaṃ trivarṣordhvaṃ bhayāvaham || 9 ||

10.9 Die beste Zeit ist der nördliche Lauf der Sonne. Eine Einsetzung während ihres südlichen Laufes gilt als nicht empfehlenswert und soll nach drei Jahren Furcht beziehungsweise Gefahr bringen.

kṣmādigrahaṇavinyāsau padaṣaṭkaṃ dhvajāntikam [mū: dhvajādikam] |
kṣayāya bṛddhaye syācca yāmye saumye'pare ravau || 10 ||

10.10 Vom Erwerb des Bodens bis zur Aufstellung des Banners werden sechs Handlungsschritte genannt. Bei südlichem beziehungsweise nördlichem Sonnenlauf werden ihnen Niedergang oder Wachstum zugeschrieben; der Wortlaut ist stellenweise beschädigt.

kartṛnṛpaprajārāṣṭrasthānanāmamarasya [k, kh: macarasya] ca |
ṣaṭṣaṇmāsottarāṃstryabdānmayamatātphalaṃ kramāt || 11 ||

10.11 Nach Mayas Auffassung treten die Folgen für Auftraggeber, König, Volk, Land, Heiligtum und Gottheit in Abständen von jeweils sechs Monaten innerhalb dreier Jahre ein. Die letzte Namensverbindung ist unsicher.

saṅgrahe sthāpanaṃ neṣṭaṃ tathā vai dakṣiṇe'yane |
abhicāro bhavettatra sthāpite dakṣiṇe'yane || 12 ||

10.12 Eine Einsetzung unter einer als Samgraha bezeichneten ungünstigen Planetenkonstellation sowie im südlichen Sonnenhalbjahr ist unerwünscht. Während des südlichen Sonnenlaufes wird sie schädigenden Ritualen zugeordnet.

saṅgrahe sthāpite liṅge vyādhibhiḥ pīḍyate prajā |
kumārāḥ saṃprapīḍyante kanyānāśaśca jāyate || 13 ||

10.13 Wird das Linga unter jener Konstellation eingesetzt, so würden nach dem Text Krankheiten das Volk bedrängen, Knaben leiden und Mädchen zugrunde gehen.

sumahāñśastrakopaśca tadārājñāṃ prajāyate |
kartuḥ kṣayaḥ sadāśoko gṛhe bhavati dāruṇaḥ || 14 ||

10.14 Auch schwerer bewaffneter Konflikt der Könige, Niedergang des Auftraggebers und anhaltende schwere Trauer im Haus werden damit verbunden.

tasmānna sthāpayeddevaṃ saṅgrahe dakṣiṇāyane |
śubhārthī na pravarteta devyā mantrādiśāstrataḥ [k, kh: matādi] || 15 ||

10.15 Deshalb soll, wer Günstiges anstrebt, die Gottheit weder unter Samgraha noch im südlichen Sonnenhalbjahr einsetzen. Der Vers beruft sich dabei auf die Mantra- beziehungsweise Lehrschriften der Göttin.

pārthivaḥ pālayeddharmaṃ svarāṣṭraśubhakāṅkṣakaḥ |
tasmātsthānaṃ guruṃ [mū: sthānagurū] prāpya rakṣaye [kh: rakṣārthaṃ]dābhicārikam || 16 ||

10.16 Der König soll den Dharma schützen und das Wohl seines Landes wünschen. Nachdem er Heiligtum und Lehrer aufgesucht hat, soll er vor schädigender Ritualwirkung schützen; die genaue syntaktische Beziehung ist beschädigt.

pakṣārdhenaṃ grahasthānāṃ [mū, a, k, gh: gṛhe sthāpyaṃ] yāvaddinakṛduttare |
sthāpanaṃ tu prakartavyaṃ śiśirādāvṛtutraye || 17 ||

10.17 Die Einsetzung ist während der drei Jahreszeiten ab dem späten Winter auszuführen, solange die Sonne nördlich läuft. Die einleitende Vorschrift zu einer halben Monatshälfte und den Planeten beziehungsweise dem Haus ist variantenreich und unklar.

sa dine sitapakṣe ca sa bārarkṣabibhūṣite |
sacandratārakāyoge [mū: vyacandratārakāyoge; k: candratārakayoge tu] sulagnakaraṇānvitate || 18 ||

10.18 Sie erfolgt am Tag, in der hellen Monatshälfte, unter geeignetem Wochentag und Nakshatra, bei günstiger Mond- und Sternbeziehung sowie günstigem Aszendenten und Karana.

dvaitadeve [mū: dvaite deve] pratiṣṭhā syānmitre ca sitapakṣake |
advaite caiva kṛsṇe'pi mantramūrti prabhedataḥ || 19 ||

10.19 Für dualistisch verstandene Gottheiten und gemischte Formen erfolgt die Weihe in der hellen Monatshälfte. Bei nichtdualen Formen ist auch die dunkle Hälfte möglich, entsprechend den Unterschieden der Mantra-Gestalten.

dvaitāsiddhāntakī raudrī śatavarṣāṇi tiṣṭhati [k: varṣābhitiṣṭhati] |
pāñcarātrārharet miśrā [mū: pañcārātrīharermiśrā] pañcāśadvarṣasaṃsthitiḥ || 20 ||

10.20 Die dualistische Rudra-Weihe des Siddhanta besteht nach dem Text hundert Jahre. Die gemischte Pancharatra-Weihe Haris besitzt eine Dauer von fünfzig Jahren; die Satzform ist beschädigt.

advaitā auravī sātu vāmadakṣiṇamantrajā [kh: mantritā] |
śātābdorvbaṃ tu sā tiṣṭhedvāṇaliṅgaṃ svayambhubat [mū: liṅgāśrayaṃ bhavet] || 21 ||

10.21 Die nichtduale, aus linken und rechten Mantras hervorgehende Weihe – ihre Traditionsbezeichnung ist unsicher – besteht über hundert Jahre hinaus. Ein Bana-Linga gilt dabei wie ein selbstentstandenes Linga; eine Variante verbindet die Aussage anders.

pratiṣṭhāśabdasaṃsiddhi pratipūrvā ttu [mū: pūrvācca] tiṣṭhateḥ |
bahvarthatvānipātānāṃ saṃskārādau pratiṣṭhitiḥ [gh: pratiḥ sthitaḥ] || 22 ||

10.22 Das Wort Pratishtha wird aus der Wurzel stha, „stehen“, mit dem Präfix prati erklärt. Wegen der vielfältigen Bedeutungen solcher Partikeln kann es unter anderem eine rituelle Zurüstung bezeichnen.

arthastadayametasya gīyate śāvdikaijanaiḥ |
saṃskṛtā dravyasanmantrasaṃskṛtiryā suragya ca || 23 ||

10.23 Die Sprachkundigen erläutern seinen Sinn als die Heiligung der Gottheit durch aufbereitete Materialien und wirksame, geweihte Mantras. Der Vers ist grammatisch beschädigt, doch dieser Zusammenhang bleibt erkennbar.

āsīnā cai suptā ca yānasthordhvāntarikṣagā |
pratimāṃ pañcabhedaistu pratiṣṭhā pañcadhoditā [kh, gh: coditā] || 24 ||

10.24 Kultbilder sind sitzend, liegend, auf einem Fahrzeug, stehend oder im Luftraum befindlich. Entsprechend diesen fünf Bildformen wird die Weihe fünffach unterschieden.

tāstu pakṣesite kāryādvitīyādau tithiṣvatha |
dvitīyāyumati [gh: maviḥ] dadyāttṛtīyā putrasaṃpadaḥ || 25 ||

10.25 Diese Weihen sollen in der hellen Monatshälfte an geeigneten Tithis ab dem zweiten erfolgen. Dem zweiten Tag wird langes Leben, dem dritten Nachkommenschaft und Gedeihen zugeschrieben.

pañcamī ca śriya nityaṃ saptamī roganāśanam |
daśamī bhūmilābhaṃ [k, kh: bhūmivṛdviṃ] ca saubhāgyaṃ ca trayodaśī || 26 ||

10.26 Der fünfte bringt Wohlergehen, der siebte beseitigt nach dem Text Krankheiten. Der zehnte verleiht Landgewinn, der dreizehnte Glück.

nānāvidhaṃ dhanaṃ dhānyaṃ [mū: dhanaṃ nūnaṃ; kh: dhiya paraṃ] porṇamāsītithiḥ sadā |
ekartuśaṅkarairnandā bhadrā pakṣarṣibhānubhiḥ || 27 ||

10.27 Der Vollmondtag bringt vielfältigen Reichtum und Getreide. Die Nanda-Gruppe umfasst den ersten, sechsten und elften Tithi; die Bhadra-Gruppe den zweiten, siebten und zwölften.

jayā rāmāhikāmaiḥ syādriktā vedagrahendrakaiḥ |
bāṇadiktithibhiḥ pūrṇā hīnatulyāhitāḥ kramāt || 28 ||

10.28 Jaya umfasst den dritten, achten und dreizehnten, Rikta den vierten, neunten und vierzehnten, Purna den fünften, zehnten und fünfzehnten Tithi. Die abschließende Abstufung nach gering, gleich und günstig ist nicht eindeutig zugeordnet.

etāḥ śukle'nulomāḥ syurbahule ca vilomataḥ |
vṛhaspatirdvipañcāyurbudyo jayadhanāni ca || 29 ||

10.29 In der hellen Monatshälfte gelten diese Reihen vorwärts, in der dunklen rückwärts. Donnerstag wird mit einer unsicheren Zweier-/Fünferangabe und Lebensdauer verbunden, Mittwoch mit Sieg und Reichtum.

sampadarkaḥ śubhaṃ śukraścandra śāntiprarohaṇe |
karka [gh: karki] vṛṣatulācāpastrīsiṃhagrāhayugmake || 30 ||

10.30 Sonntag bringt Gedeihen, Freitag Günstiges, Montag Frieden und Wachstum. Es beginnt eine Aufzählung der Zeichen: Krebs, Stier, Waage, Schütze, Jungfrau, Löwe, Steinbock und Zwillinge.

matsyaghaṭālimeṣeṣu dineśānāṃ pradhānatā |
ṣaḍaṣṭacaturoyāmāccatū rāśikrameṇa tu || 31 ||

10.31 Es folgen Fische, Wassermann, Skorpion und Widder. Die Vorrangstellung der Tagesherren wird diesen Zeichen in Gruppen von vier zugeordnet, mit sechs, acht und vier Yama; die genaue Zeitbeziehung ist im Wortlaut nicht eindeutig.

puṣya[g: yasya]rohiṇikāhastātprāgāṣāḍhottarā dvije |
punarvasvanurādhā ca citrā jyeṣṭhā mahībhuji || 32 ||

10.32 Für Brahmanen werden Pushya, Rohini, Hasta und die beiden Ashadha genannt. Für Könige gelten Punarvasu, Anuradha, Chitra und Jyeshtha.

dhaniṣṭhāśravaṇā (ṇau) vaiśye yugmabhādrapadāstathā |
aśvinī revatī śūdre svātīphalgunikādvayam || 33 ||

10.33 Für Vaishyas werden Dhanishtha, Shravana und die beiden Bhadrapada genannt. Für Shudras gelten Ashvini, Revati, Svati und die beiden Phalguni. Dies sind historische soziale Zuordnungen des Textes.

caturvarṇye maghā śrīdā mūlārdrābharaṇīmṛgāḥ |
ete pravīṇa[mū, a, gh: pravaṇi]lokānāṃ (?) catvāryevāntyaje tathā || 34 ||

10.34 Magha gilt für alle vier Varnas als glückbringend. Mula, Ardra, Bharani und Mrigashirsha werden einer sprachlich unsicher bezeichneten Gruppe und anschließend den Antyajas zugeordnet. Der beschädigte Wortlaut erlaubt keine sichere soziale Einzelzuordnung.

jayārogyakarastiṣyo rohiṇī dhanavṛddhidā |
hastā siddhipradā liṅge āyurdāṣāḍhayugmakam || 35 ||

10.35 Tishya verleiht Sieg und Gesundheit, Rohini vermehrt Reichtum. Hasta gewährt bei der Linga-Weihe Vollendung, die beiden Ashadha langes Leben.

punarvasuḥ sukhaṃ dadyādanurādhā tu sampadam |
citrātvarthasukhaṃ [kh: tvarthaṃ sukha] nityaṃ jyeṣṭhā rogavināśakṛt || 36 ||

10.36 Punarvasu bringt Glück, Anuradha Gedeihen. Chitra gewährt Wohlstand und Freude, Jyeshtha gilt als krankheitsbeseitigend.

dhaniṣṭhārikṣayaṃ dadyājjñānarddhīḥ śravaṇaḥ sadā |
yugmabhādrapradā vṛddhiṃ bahumitrāṇi cāśvinī || 37 ||

10.37 Dhanishtha vernichtet nach dem Text Feinde, Shravana bringt Erkenntnis und Entfaltung. Die beiden Bhadrapada bewirken Wachstum, Ashvini viele Freunde.

revatī puṣṭidā nityaṃ svātī kuryāddhanaṃ bahu |
phalgunīdvitayaṃ vṛddhiṃ bharaṇī ripubhedadā [k, kh, gh: ripubhedam] || 38 ||

10.38 Revati nährt und stärkt, Svati bringt viel Reichtum. Die beiden Phalguni fördern Wachstum; Bharani spaltet die Feinde.

ārdrā saubhāgyasaṃpattiṃ mūlā (laṃ) ca nṛpasatkriyām |
mṛga śāntiprado nityaṃ dhanyā śatabhiṣāntyaje || 39 ||

10.39 Ardra bringt Glück und Gedeihen, Mula königliche Ehrung, Mrigashirsha Frieden. Shatabhisha wird als günstig für Antyajas bezeichnet.

aśleṣā kṛttikā caiva viśākhā ca śubhapradā |
śasto jīvo navarddhīṣu saptasthāneṣu sarvadā || 40 ||

10.40 Auch Ashlesha, Krittika und Vishakha werden als günstig genannt. Für Jupiter werden vorteilhafte Stellungen angegeben; die Zahlenverbindung um neun und sieben ist beschädigt und wird nicht zu einer vermeintlich sicheren Häuserliste ergänzt.

budhaḥ ṣaḍadvaya[mū: ṣaḍaṣṭa]ṣṭaturyeṣu diksaptabhū (ṣaḍ)vinā śira(si)taḥ |
saptartutriśādisthaḥ śaśāṅko baladastathā || 41 ||

10.41 Für Merkur werden sechste, zweite beziehungsweise achte und vierte Positionen genannt. Für Venus werden bestimmte Ausnahmen, darunter zehn und sieben, angegeben. Der Mond gilt an siebten, sechsten, dritten und weiteren Positionen als stärkend; die Zahlenfolge ist nicht durchgehend eindeutig.

ravirdaṃśatriṭsastho rāhustridaśaṣaḍgataḥ |
ṣaṭtristhānagataḥ śastā[mū, a, k, g, ṅ: śreṣṭhā]mandāṅgārakaketavaḥ || 42 ||

10.42 Für die Sonne werden zehnte, dritte und sechste Stellung, für Rahu dritte, zehnte und sechste genannt. Saturn, Mars und Ketu gelten an sechster und dritter Stelle als günstig.

śubhāḥ krūrāsva pāpāśca sarva ekādaśasthitāḥ |
eṣāṃ dṛṣṭirmunauṃ pūrṇā tvārddhikī grahabhūtayoḥ || 43 ||

10.43 Alle Planeten, günstige ebenso wie wilde und ungünstige, sind im elften Haus günstig. Ihr Aspekt ist im siebten vollständig, im neunten und fünften halb.

pādikī rāmadiksthāne [mū: sthānye] vasvarddhau [k, g: vasvaṣṭau] pādavarjitā |
dvitīyā saṃpadākhyā tu caturthī kṣemasaṃjñitā [gh: saṃjñikā] || 44 ||

10.44 Im dritten und zehnten beträgt er ein Viertel, im achten und vierten drei Viertel; die Viererbezeichnung ist beschädigt. Die zweite Tara heißt Sampad, die vierte Kshema.

ṣaṣṭhī ca sādhikā tārā tvaṣṭamī mitranāmikā |
navamī cātimitrā syādetāḥ pañca balapradāḥ || 45 ||

10.45 Die sechste Tara heißt Sadhika, die achte Mitra, die neunte Atimitra. Diese fünf verleihen Stärke.

prītiḥ saubhāgyamāyuṣmānsukarmāśobhano dhṛtiḥ |
vṛddhiḥ siddhirdhravaḥ sādhyo varīyāñchi[mū, a, g: ñchubha]vaśulkakau || 46 ||

10.46 Die günstigen Yogas beginnen mit Priti, Saubhagya, Ayushman, Sukarman, Shobhana, Dhriti, Vriddhi, Siddhi, Dhruva, Sadhya, Variyan, Shiva und Shukla.

brahmendrauca śubhaśceti yogāḥ satsaṃjñakāḥ śubhāḥ |
cava ca bālavaṃ cava kaulavaṃ taitilaṃ tathā || 47 ||

10.47 Hinzu kommen Brahma, Indra und Shubha. Diese Yogas gelten als günstig. Die Karana-Liste beginnt mit Bava, Balava, Kaulava und Taitila; die erste Bezeichnung ist in der Vorlage entstellt.

garaṃ ca vaṇijaṃ caiva śakuniṃ ca catuṣyadam |
nāgaṃ kiṃstughnamarthāya viṣṭihīnaṃ tu pakṣayoḥ || 48 ||

10.48 Es folgen Gara, Vanija, Shakuni, Chatushpada, Naga und Kimstughna. In beiden Monatshälften wird Vishti für das angestrebte günstige Ergebnis ausgeschlossen.

pādanyūna (nā) caturnāḍī [k: pādanyūnaścaturmātro] bhogaḥ syānmīnameṣayoḥ [gh: meṣamīnayoḥ] |
vṛṣakumbhau tu bhuñjāte catasraḥ pādavarjitāḥ || 49 ||

10.49 Die Durchgangsdauer von Fische und Widder beträgt vier Nadi weniger ein Viertel. Für Stier und Wassermann wird ebenfalls vier weniger ein Viertel genannt. Diese Verdoppelung wird wie überliefert wiedergegeben.

makaro mithunaṃ pañca cāpāliharikarkaṭāḥ |
pādonāḥ ṣaṭ tulākanye ghaṭikāḥ sārdhapañca tu || 50 ||

10.50 Steinbock und Zwillinge erhalten fünf Ghati; Schütze, Skorpion, Löwe und Krebs sechs weniger ein Viertel; Waage und Jungfrau fünfeinhalb.

kesarī ca vṛṣaḥ kumbhaḥ sthirāḥ syuḥ siddhidāyakāḥ |
caraṃ dhanustulāmeṣāḥ prāgyugmaṃ mīnakanyake || 51 ||

10.51 Löwe, Stier und Wassermann sind feste Zeichen und verleihen Vollendung. Schütze, Waage und Widder werden als beweglich genannt; danach folgen Zwillinge, Fische und Jungfrau als weitere Gruppe. Diese Textordnung wird nicht nach einem anderen astrologischen System korrigiert.

karkaṭo makarau'liśca pravajyākāryaṃnāśakāḥ |
sthiraḥ śubhagrahairdṛṣṭaḥ śasto lagnaḥ śubhāśritaḥ || 52 ||

10.52 Krebs, Steinbock und Skorpion werden mit Entsagung beziehungsweise Vernichtung des Vorhabens verbunden. Ein fester Aszendent ist günstig, wenn wohltätige Planeten ihn ansehen und besetzen.

guruśukrabudharyukto lagno dadyaddhānāyuṣā |
rājya saukhya dhanaṃ [kh, gh: balaṃ] putrān yaśā dharmādikaṃ bahu || 53 ||

10.53 Ein mit Jupiter, Venus und Merkur verbundener Aszendent verleiht nach dem Text Reichtum, Lebensdauer, Herrschaft, Glück, Söhne, Ruhm, Dharma und vieles Weitere.

prathamaḥ [mū, g: prabalaḥ] saptamasturyo daśamaḥ kendra ucyate |
guruśukrabudhāstatra sarvasiddhipradāyakāḥ || 54 ||

10.54 Das erste, siebte, vierte und zehnte Haus heißen Kendra. Jupiter, Venus und Merkur an diesen Stellen verleihen alle Vollendungen.

tryekādaśacaturthasthā [kh: ekādaśa] lagnātpāpagrahāḥ śubhāḥ |
ato'nye'niṣṭakāryārthe [mū, a, g, gh: ato'niṣṭakakarmārthe] yojyāstithyādayo budhaiḥ || 55 ||

10.55 Ungünstige Planeten werden im dritten, elften und nach der Grundlesart vierten Haus vom Aszendenten als günstig bezeichnet; eine Variante verändert die Reihe. Andere Konstellationen von Tithi und weiteren Faktoren werden von Kundigen für ungünstige beziehungsweise schädigende Zwecke eingesetzt.

suyoge śāśvatodharmastārāyāṃ puṣṭijīvitam |
sulagne ca mahābhogo viṣuve cepsitaṃ phalam || 56 ||

10.56 Ein guter Yoga bringt beständigen Dharma, eine günstige Tara Stärkung und Leben, ein guter Aszendent großen Lebensgenuss und die Tagundnachtgleiche das erwünschte Ergebnis.

ṣaḍaśītimukhe puṇye tvayane ca mahātithau [gh: mahattithau] |
ṝddhirārogyamaiśvaryaṃ devasthāpanato bhavet || 57 ||

10.57 Bei den als Shadashitimukha bezeichneten heiligen Sonnenübergängen, an Sonnenwenden und großen Tithis soll die Einsetzung einer Gottheit Entfaltung, Gesundheit und Herrschaft verleihen.

sandhyāgate kulagne ca pratyastamitasugrahe [mū, a, k, gh: saṅgrahe] |
durṝkṣe durgrahe [gh: kugrahe] viṣṭau nakṣatre caiva saṅgrahe || 58 ||

10.58 Ungünstig sind Dämmerung, schlechter Aszendent, untergegangene günstige Planeten, schlechte Mondstationen, ungünstige Planetenstellungen, Vishti und die als Samgraha bezeichnete Konstellation.

durnimitte tathotpāte candrasūryopamardane |
eteṣu sthāpitā devāḥ kṣayadurbhikṣarogadā || 59 ||

10.59 Ebenso werden schlechte Vorzeichen, außergewöhnliche Störungen sowie Mond- und Sonnenfinsternis ausgeschlossen. Unter solchen Umständen eingesetzte Gottheiten würden nach dem Text Niedergang, Hungersnot und Krankheiten bringen.

tasmāddinaṃ parīkṣyādau yajñopaskaramāharet |
triṣvekameva [gh: tiṣṭeka] niṣpannaṃ liṅgaṃ tiṣṭhati yacciaram |
bhaveddoṣakaraṃ tasmātprā [gh: drīka]vasthāpitaṃ varapradam || 60 ||

10.60 Deshalb prüft man zuerst den Tag und beschafft dann die Opferausstattung. Bleibt eine fertiggestellte Linga-Form lange uneingesetzt, gilt dies als fehlerhaft; eine baldige Einsetzung wird als segensreich bezeichnet. Die Wendung über eine von drei Formen ist beschädigt.

iti lakṣaṇasamuccaye ṛtvādidinaparīkṣaṇaṃ nāma daśamo vidhiḥ || 10 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 10. Ritualabschnitt über „Prüfung von Jahreszeit und Tag“.

Kapitel 11: Errichtung der Ritualhalle

athaikādaśaḥ

Nun folgt der 11. Ritualabschnitt.

jyeṣṭhaliṅgakrameṇaiva maṇḍapaṃ kārayettridhā |
triṃśaddhastādibhiścānyo daśahānyā kvacinmate || 1 ||

11.1 Entsprechend der Größenfolge der Lingas soll die Ritualhalle in drei Größen errichtet werden. Nach einer Auffassung beginnt man mit dreißig Hasta und vermindert jeweils um zehn.

hastairdvādaśabhiścānyo dviguṇairmadhyamo mataḥ |
triguṇairjyeṣṭha ityevaṃ [gh: jyeṣṭamityevaṃ] kārayedanyathāpi vā || 2 ||

11.2 Nach einer anderen beträgt die kleinste Halle zwölf Hasta, die mittlere das Doppelte und die größte das Dreifache. Auch eine weitere Einteilung ist möglich.

hastāṃstu dvādaśārabhya kramād dvaudvau pravardhya ca |
aṣṭāviṃśatiparyantaṃ vidadhyānmaṇḍapānnava || 3 ||

11.3 Man beginnt bei zwölf Hasta und vergrößert jeweils um zwei bis auf achtundzwanzig. So entstehen neun Hallengrößen.

ghano ghoṣo virājaśca kāñcanaḥ kāmarāmakau |
suveśo ghargharā dakṣo maṇḍapā nāmato [gh: nāmmatā] nava [mū: daśa] || 4 ||

11.4 Die neun Namen lauten Ghana, Ghosha, Viraja, Kanchana, Kama, Rama, Suvesha, Gharghara und Daksha. Die Grundhandschrift sagt abweichend „zehn“.

dhāma[k: dhāmnaḥ sakāśāddhāmapramāṇaṃ sūtrāntaraṃ tyaktvetyarthaḥ]sūtrāntaraṃ kṛtvā kuryādyāgasya maṇḍapam |
prāsādasyāgradeśe ca nāsannena ca dūrataḥ || 5 ||

11.5 Die Opferhalle wird vor dem Tempel errichtet, weder unmittelbar daneben noch weit entfernt. Als Zwischenraum dient ein Tempelmaß, wie der Variantenkommentar die entsprechende Messschnurangabe erklärt.

vāstvadhidevatāmiṣṭvā kuryāddhīnādimaṇḍapān |
jānumātroddhṛte śalye prāgīśenduplave kṛte || 6 ||

11.6 Nach Verehrung der Vastu-Gottheit errichtet man die kleinen und weiteren Hallen. Zuvor entfernt man störende Bodeneinschlüsse bis zur Knietiefe und stellt ein Gefälle nach Osten, Nordosten oder Norden her.

kṣetraṃ tridhobhayoḥ kṛtvā stambhānkoṇeṣu yojayet |
vedāsrān vartulān vāpi avakrān yājñikān dṛḍhān || 7 ||

11.7 Man teilt das Feld in beiden Richtungen dreifach und setzt die Säulen an die Schnitt- beziehungsweise Eckpunkte. Sie sind viereckig oder rund, gerade, aus rituell geeignetem Holz und fest.

dvādaśaiva tato bāhye madhye [mū: bāhyamadhye] stambhacatuṣṭayam |
taccūḍāśalyabandhena yojayed dvārakadvayam || 8 ||

11.8 Außen stehen zwölf Säulen, innen vier. Ihre oberen Zapfen werden verbunden; hinzu kommen zwei Tür- beziehungsweise Rahmenkonstruktionen, deren genaue Anordnung verkürzt ist.

śikhāṅghrikaṃ tribhiḥ kāṣṭhairvalikāṃ tasya copari |
ṣaḍbhistu paṭalaiśchannaṃ ghanādi maṇḍapatrayam || 9 ||

11.9 Mit drei Hölzern werden die oberen Stützen und darüber die Dachträger angebracht. Die ersten drei Hallen, beginnend mit Ghana, sind mit sechs Dachflächen gedeckt.

kāñcanādikamapyevaṃ tritayaṃ kintu kaṇṭhayuk |
aṣṭabhirmarkaṭairyuktaṃ dvārakaiśca tribhiryutam || 10 ||

11.10 Ebenso werden die drei Hallen ab Kanchana ausgeführt, jedoch mit einer Halszone, acht als Markata bezeichneten Dachstützen und drei Rahmenkonstruktionen.

ūrdhvaṃśaṃ [gh: ūrdhvaṅga] bandhanairbaddhaṃ sallohaiḥ śastadārubhiḥ |
aṣṭabhiśchadanaiśchannaṃ suveśāditrayaṃ bhavet || 11 ||

11.11 Die oberen Balken werden mit Eisenverbindungen und geeignetem Holz fest verbunden. Die drei Hallen ab Suvesha besitzen acht Dachflächen.

pakṣo[g: akṣo]nnatiḥ pṛthatryaṃśo dviguṇā tacchikhonnatiḥ |
upajaṃghāṣṭakī caiṣāṃ vistarākīdṛśamunnatām || 12 ||

11.12 Die seitliche Höhe beträgt ein Drittel der Breite, die Firsthöhe das Doppelte davon. Für acht Nebenstützen folgt eine Höhenangabe, die im Wortlaut beschädigt ist.

vistarārkāṃśamānena bhūmau stambhānniveśayet |
tena mānena kaṇṭhaḥ syānmaṇḍapāntaramucyate || 13 ||

11.13 Die Säulen werden um ein Zwölftel der Breite in den Boden eingelassen. Dasselbe Maß gilt für die Halszone. Nun wird eine weitere Hallenform beschrieben.

dvārocchrayāntaraṃ tyaktvā gṛhaliṅge gṛhāgrataḥ |
jayākhyo daśahastaśca vidhātavyo ghanākṛtiḥ || 14 ||

11.14 Für ein Haus-Linga wird vor dem Haus ein Abstand in Höhe des Tores freigelassen. Dort errichtet man die zehn Hasta große Halle Jaya in der Gestalt der Ghana-Halle.

mahārcāyāstuvinyāse bhaveyurmaṇḍapāstrayaḥ |
suveśasadṛśāḥ kintu stambhaviṃśativarttitāḥ [kh, g, gh: vardhitā] || 15 ||

11.15 Für die Einsetzung großer Kultbilder gibt es drei Hallenformen. Sie gleichen Suvesha, besitzen jedoch zwanzig zusätzliche beziehungsweise entsprechend vermehrte Säulen; die Lesarten unterscheiden sich.

kaṇṭhadvayasamāyuktā [kh: sabhoktā vā] dhārakaiḥ pañcabhiryutāḥ |
lohakaṇṭakasambaddhakapibhirjinasayutāḥ || 16 ||

11.16 Sie haben zwei Halszonen, fünf Träger und vierundzwanzig Dachstützen, die mit eisernen Stiften verbunden sind.

suvaddhāśca daḍhāścaiva dvādaśacchadanānvitāḥ [mū: dvādaśābjadalānvitāḥ] |
śatārdhahasto vipulaḥ pañcone vibhramo [kh: vipuro] bhavet || 17 ||

11.17 Sie sind fest und sicher zusammengefügt und besitzen zwölf Dachflächen. Vipula misst fünfzig Hasta, Vibhrama fünf weniger; eine Variante verändert den zweiten Namen.

catvariṃśatkaro bhūtiḥ kṣetre tatvapade kṛte |
saṃyojyāḥ karṇagāṃstambhānityevaṃ maṇḍapatryam || 18 ||

11.18 Bhuti misst vierzig Hasta. Das Feld wird in fünfundzwanzig Felder geteilt und die Säulen an den Ecken angeordnet. Dies sind die drei großen Hallen.

caturasrāñcaturdvārāścatustoraṇabhūṣitāḥ |
kartavyā maṇḍayāḥ sarve madhye pīṭhasamanvitāḥ || 19 ||

11.19 Alle Hallen sollen viereckig sein, vier Türen und vier Torbögen besitzen und in der Mitte mit einem Altar versehen sein.

ekahastaṃ samārabhya yāvadaṣṭakaraṃ kramāt |
sāmānyātsarvapīṭhāni kvacidanyamate'nyathā || 20 ||

11.20 Allgemein werden die Altäre von einem bis zu acht Hasta bemessen. Nach anderen Auffassungen kann die Einteilung abweichen.

maṇḍapasya tribhāgena pīṭhaṃ syāccaturasrakam |
kūrmaṃ pṛṣṭhonnataṃ madhye dvādaśāṃśasamucchritam || 21 ||

11.21 Der viereckige Altar nimmt ein Drittel der Hallenbreite ein. In der Mitte ist er wie ein Schildkrötenrücken gewölbt und um ein Zwölftel seines Maßes erhöht.

tricatuvyañcahāraṃ vā saptahāramathāpi vā |
aiṣṭakaṃ sarvasidhyartha dvaciduktaṃ matāntare || 22 ||

11.22 Nach einer anderen Auffassung wird er zur Erlangung aller Vollendungen aus drei, vier, fünf oder sieben Ziegelschichten errichtet.

trihāraṃdurjaya caiva caturhāra subhīṣaṇam |
pañcahāraṃ viśālākṣaṃ saptahāraṃ sutārakam || 23 ||

11.23 Der dreischichtige heißt Durjaya, der vierschichtige Subhishana, der fünfschichtige Vishalaksha und der siebenschichtige Sutaraka.

avakraṃ śalyahīnaṃ ca manojñaṃ lakṣaṇānvitam |
siddhānte bālukāpūrṇa pīṭhaśayyānvitaṃ [gh: savyānvitaṃ] śubham || 24 ||

11.24 Er soll gerade, frei von störenden Einschlüssen, ansprechend und maßgerecht sein. Im Siddhanta gilt eine mit Sand gefüllte Anordnung mit Altar und Lager als günstig.

kuṇḍāṣṭakasamāyuktaṃ tāntramaṇḍalabhūṣitam |
vastrairnānāvidhaiśchannaṃ maṇḍapaṃ stammasaṃyutam || 25 ||

11.25 Die säulengetragene Halle besitzt acht Feuergruben, ist mit tantrischen Mandalas geschmückt und mit vielfältigen Stoffen bedeckt.

pīṭhordhva ca vittāna tu kadalībṛnda [gh: vindu] śobhitam |
lambapuṣpasrajaṃ kuryātsaghaṇṭācāmarāmvaram || 26 ||

11.26 Über dem Altar wird ein Baldachin angebracht, mit Gruppen von Bananenpflanzen, herabhängenden Blumengirlanden, Glocken, Yakhaarwedeln und Stoffen geschmückt.

varaganghānvitaṃ cāru digbrajaṃ [mū, a, k, kh, g, ṅ: digdhvajaṃ] kalaśākulam |
pītaṃ raktaṃ tathā kṛṣṇaṃ ghūmraṃ śveta śukaprabham || 27 ||

11.27 Hinzu kommen edle Düfte, schöne Richtungsbanner und zahlreiche Krüge. Die Farben beginnen mit Gelb, Rot, Schwarz, Rauchfarbe, Weiß und Papageiengrün.

hemābhaṃ sphāṭikaṃ pītaṃ puṣṭhayaṃ cendrādikān dhvajān |
navaitāndhavalā [mū: ñchachalān]ñchāntau raudre kṛṣṇānprayojayet || 28 ||

11.28 Es folgen Goldglanz, Kristallweiß und Gelb. Diese neun Banner werden von Indras Richtung an zur Stärkung verwendet. Für Friedensrituale sind sie weiß, für wilde Rituale schwarz.

pañcahastā dhvajāḥ kāryā vaipulyena dvihaskāḥ |
saptahastāḥ patākāstu viṃśatyaṅgulavistarāḥ || 29 ||

11.29 Die Banner sind fünf Hasta lang und zwei Hasta breit. Die schmalen Fahnen sind sieben Hasta lang und zwanzig Angula breit.

daṇḍahastapraviṣṭāstu dhvajānāṃ pañcahastakāḥ |
daśahastāḥ patākānāṃ pañcamāṃśa [mū: pañcahasta] praveśitāḥ || 30 ||

11.30 Die Stangen der Banner sind fünf Hasta lang und einen Hasta tief eingelassen. Die Fahnenstangen sind zehn Hasta lang und um ein Fünftel eingelassen; die Grundlesart nennt abweichend fünf Hasta.

kvacidanyaprakāreṇa dhvajānāṃ mānaminyate |
saptabhirdaśabhiḥ kāryā viṃśā yāścakarairdhvajāḥ || 31 ||

11.31 Nach einer anderen Vorschrift werden die Banner sieben, zehn und zwanzig Hasta lang gestaltet.

kanyase madhyame jyeṣṭhe vaipulyāttu dvihastakāḥ |
dvacidaṣṭakarāyāmā vistāreṇa dvihastakāḥ || 32 ||

11.32 Dies gilt für kleine, mittlere und große Formen; ihre Breite beträgt zwei Hasta. Eine weitere Angabe nennt acht Hasta Länge und zwei Hasta Breite.

madhyamāstu tadardhena hīnā madhyārdhato [gh: madhyordhvato] dhvajāḥ |
vastrairdṛḍhairnabairnityaṃ devakāryeṣu pūjitāḥ || 33 ||

11.33 Die mittleren sind halb so groß, die kleinen wiederum halb so groß wie die mittleren. Für göttliche Handlungen werden stets neue, feste Stoffe geschätzt.

dhvajairathapatākābhirbhūṣayenmaṇḍapānvahiḥ |
tāmrā lauhāśca raupyāśca haimāḥ prāgāditoraṇāḥ [mū, a, kh, g: prasādatoraṇāḥ] || 34 ||

11.34 Mit Bannern und Fahnen schmückt man die Hallen von außen. Die Torbögen von Osten an können aus Kupfer, Eisen, Silber und Gold bestehen.

kucandanaṃ laghuṃ śvetaṃ candanāmaradārujāḥ |
pūrvādidikṣu vinyasyāstoraṇā bhūtaye kramāt || 35 ||

11.35 Als Hölzer werden rotes Sandelholz, ein unsicher als Laghu bezeichnetes Holz, weißes Sandelholz und Devadaru genannt. Die Torbögen werden zum Gedeihen der Reihe nach in den Richtungen von Osten an errichtet.

madhukacūtakāśmīrī palāśāścārthaśāntidāḥ [mū, k: cāthaddhisadāḥ] |
vaikaṅkataśamībilvakhādirāḥ śatrunāśanāḥ [kh: nāśakāḥ; gh: vāsye] || 36 ||

11.36 Madhuka, Mango, Kashmari und Palasha dienen Wohlstand und Frieden. Vaikankata, Shami, Bilva und Khadira werden zur Vernichtung von Feinden genannt.

nyagrodhaśca palāśaśca udumbaro'tha sidhrakaḥ |
aśvatthaścāpi mādhūka plakṣo bilvāṣṭamaḥ kvacit || 37 ||

11.37 Eine weitere Achterreihe umfasst Nyagrodha, Palasha, Udumbara, Sidhraka, Ashvattha, Madhuka, Plaksha und Bilva.

eteṣāṃ toraṇānyaṣṭau pūrvādyaṣṭāsyamaṇḍape |
prāgīśavahnikoṇiṣu pūrvāsyaṃ tritayaṃ bhavet || 38 ||

11.38 Aus diesen werden acht Torbögen von Osten an für eine achtseitige Halle gefertigt. Die drei im Osten, Nordosten und Südosten blicken nach Osten.

vāyavye nairṛte vāpi [gh: vāsye] paścimāsyaṃ tu maṇḍape |
saumye saumyananaṃ kāryaṃ yāmye yāmyānanaṃ matam || 39 ||

11.39 Die im Nordwesten und Südwesten blicken nach Westen; im Norden blickt der Torbogen nach Norden, im Süden nach Süden.

śālakoṭaja [mū: śālakau dhvaja] śākotthāḥ sāralāḥ puṣṭi bhūtidāḥ |
nyagroghodumbarāśvatthalpakṣavṛkṣodbhavāḥ śubhāḥ || 40 ||

11.40 Torbögen aus Shala, Kutaja, Shaka und Sarala bringen nach dem Text Stärkung und Gedeihen. Auch Nyagrodha, Udumbara, Ashvattha und Plaksha gelten als günstig.

yatheṣṭametadaprāptau kāryāḥ prāgāditoraṇāḥ |
caturasrāstvathāṣṭāsrā vṛttā vā cakranirbraṇāḥ || 41 ||

11.41 Sind diese Materialien nicht verfügbar, können die Torbögen nach Möglichkeit hergestellt werden. Ihre Pfosten sind viereckig, achteckig oder rund, gerade und unbeschädigt; die Gerade-Angabe ist im Text entstellt.

tajjaṅghe pañcahaste ca tadardhātu lalāṭakam |
jaṅghāyāśca lalāṭasya caikahastapraveṣṭanam [kh: hastaṃ praveṣṭitam] || 42 ||

11.42 Die beiden Pfosten sind fünf Hasta hoch, der Querbalken halb so lang. Für Pfosten und Querbalken wird ein Umfang von einem Hasta angegeben.

tadūrdhvatastriśūlaṃ ca triṃśatyaṅgalamucchritam |
ghaṇṭācāmarasadvastra puṣpasnagrāndha dhūpanaiḥ || 43 ||

11.43 Darüber befindet sich ein dreißig Angula hoher Dreizack. Glocken, Yakhaarwedel, gute Stoffe, Blumengirlanden, Düfte und Räucherwerk dienen der folgenden Verehrung.

saṃpūjyatoraṇān vaktramantreṇa [mū, a, kh: toraṇāyuktamantreṇa] svāsu dikṣu ca |
jaṅghādau devatā nyastvā (sya) bhūmau hastau praropayet || 44 ||

11.44 Man verehrt die Torbögen in ihren Richtungen mit dem jeweiligen Gesichtsmantra. Nach Einsetzung der Gottheiten in Pfosten und weitere Teile werden die Pfosten einen Hasta tief in die Erde gesetzt; die Numerusform ist sprachlich uneben.

jaṅghāsu vasavo hyasyā [kh: nyasya] lalāṭe ca yugādhipāḥ |
śṛṅge dvādaśarāśisthāḥ sve sve rūdrārkacakriṇaḥ || 45 ||

11.45 In den Pfosten werden die Vasus, im Querbalken die Herren der Weltzeitalter eingesetzt. In den Spitzen befinden sich, ihren jeweiligen Tierkreiszeichen entsprechend, Rudras, Sonnenformen und Diskusträger.

āpo dharo dhruvañceti somaścaivānilo'nalaḥ |
pratyūṣaśca prabhāsaśca ete'ṣṭau vasavaḥ smṛtāḥ || 46 ||

11.46 Die acht Vasus heißen Apa, Dhara, Dhruva, Soma, Anila, Anala, Pratyusha und Prabhasa.

kṛte śrīkaṇṭhanāmeśau dvāpare śaṅkaraḥ prabhuḥ |
traitāyuge tvanattākhyaḥ kalau svāmī sadāśivaḥ || 47 ||

11.47 Im Krita-Zeitalter wird der Herr Shrikantha genannt, im Dvapara Shankara, im Treta Ananta und im Kali der Herr Sadashiva. Die Anfangsformulierung ist beschädigt.

indrāntakajalendūrnāṃ dikṣu svāsu niveśayet |
mīnādīnāṃ ca rāśīnāṃ tritayaṃ tritayaṃ kramāt || 48 ||

11.48 Man setzt sie in die Richtungen Indras, Yamas, Varunas und des Mondes ein. Die Tierkreiszeichen werden, bei Fische beginnend, jeweils in Dreiergruppen verteilt.

sthāṇuṃ śivaṃ paśornāthamugraṃ śarva trilocanam |
īśvarāvyaṃ ca rudraṃ śaṅkaraṃ śambhujñakam || 49 ||

11.49 Die Rudra-Namen beginnen mit Sthanu, Shiva, Pashunatha, Ugra, Sharva, Trilochana, Ishvara, Rudra, Shankara und Shambhu. Eine Wortverbindung um Ishvara ist unsicher.

maheśvaraṃ mahādevaṃ mīnāditritaye [kh: tritayaṃ] kramāt |
viṣṇvarkayoḥ prathiṣṭhāne viṣṇvindradīnprakalpayet || 50 ||

11.50 Es folgen Maheshvara und Mahadeva. Sie werden der Reihe nach den Dreiergruppen ab Fische zugeordnet. Bei Vishnu- und Sonnenweihen werden entsprechend Vishnu und die weiteren zugehörigen Gottheiten eingesetzt; die zweite Namensangabe ist variantenreich.

viśvāyanamahā mūrtirvikāśākhyamahābalāḥ |
pūrvāditoraṇā dhyakṣaścatvāromī'prakīrtitāḥ || 51 ||

11.51 Die vier Herren der Torbögen von Osten an heißen Vishvayana, Mahamurti, Vikasha und Mahabala.

jātabījasarāvaiśca vardhamānaiḥ sasarṣapaiḥ |
bahirevamalaṅkṛtya tataścābhyantare punaḥ || 52 ||

11.52 Außen schmückt man die Halle außerdem mit Schalen gekeimter Samen, Wachstumsgefäßen und Senfsamen. Danach folgt die Ausstattung des Inneren.

aṣṭau ghaṭakapāṭāśca dvārasthāḥ pallavānvitāḥ |
suratnau [mū, a, kh: saratnau] ṣaghigarbhāśca saṃpūrṇā gandhavāriṇāḥ || 53 ||

11.53 An den Türen stehen acht Krüge mit Blattzweigen, kostbaren Steinen und Heilpflanzen im Innern, gefüllt mit duftendem Wasser. Ein Wort bei den Türgefäßen ist beschädigt.

candanaiścarcitā, sthāpyāḥ kaṇṭhe vastrairvibhūṣitāḥ |
dīpākṣataphalairyuktā dvāḥ pālāṣṭakamantritāḥ [kh: ṣṭasamanvitāḥ] || 54 ||

11.54 Sie werden mit Sandel bestrichen und am Hals mit Stoffen geschmückt. Lampen, ungebrochene Reiskörner und Früchte gehören dazu; sie werden mit den Mantras der acht Torhüter versehen.

śāntaśiśiraparjanyā viśokāpyāyakāmṛtāḥ |
rūdrovīra [k: vīta] iti jñeyā aṣṭau kalaśadevatāḥ || 55 ||

11.55 Die acht Kruggottheiten heißen Shanta, Shishira, Parjanya, Vishoka, Apyayaka, Amrita, Rudra und Vira; eine Variante liest beim letzten Namen Vita.

kumudaḥ kumudākṣaśca [mū, a, k, g, gh: ravyaśca] puṇḍarīko'tha vāmanaḥ |
pañcamaḥ śaṅku[k, g: śambhu]karṇākhyaḥ sarvanetrastathāparaḥ || 56 ||

11.56 Die Bannergottheiten beginnen mit Kumuda, Kumudaksha, Pundarika, Vamana, Shankukarna und Sarvanetra. Mehrere Namen besitzen abweichende Lesarten.

sumukhāhna [k, g: sumukhāṅkaḥ] prasiddhaśca tathā vai supratiṣṭhitaḥ [mū: vaidyapratiṣṭhitaḥ] |
ekaikabhūtakoṭībhirāvṛtā dhvajadevatāḥ || 57 ||

11.57 Hinzu kommen Sumukha und Supratishthita. Jede dieser Bannergottheiten ist von einer Koti, also zehn Millionen, Geisterwesen umgeben.

nandīśaśca mahākālo dakṣo bhṛṅgī caturmukhaḥ [gh: ca durmukhaḥ] |
dāraḥ sitāsitaśceti vijñeyā dvārapālakāḥ || 58 ||

11.58 Die Torhüter heißen Nandisha, Mahakala, Daksha, Bhringi, Chaturmukha – nach einer Variante Durmukha –, Dara, Sita und Asita.

maṇḍapasya bahiścūtamālāparivṛtaṃ matam |
rambhāṣṭakasamāyukta kṣetrapālāṣṭakanvitam || 59 ||

11.59 Außen wird die Halle von Mangoblattgirlanden umgeben. Sie besitzt acht Bananenpflanzen und die acht Kshetrapalas.

hetukastripuraghnaśca agnyākhyaścāgnijihvakaḥ |
kālaḥ karālikaikāṅghrirbhīmo'ṣṭau kṣetrapālakāḥ || 60 ||

11.60 Diese heißen Hetuka, Tripuraghna, Agni, Agnijihva, Kala, Karalika, Ekanghri und Bhima.

kirātādikathācitraiśchannakāṣṭapaṭaiḥ kaṭaiḥ |
baddhadvāratraye tasmin bāhayetpaścimānanam || 61 ||

11.61 Drei Türen werden mit Holztafeln oder Matten verschlossen, die Bilder von Erzählungen wie der Kirata-Geschichte tragen. Der Zugang beziehungsweise die Bewegung erfolgt durch die westliche Öffnung; das Tätigkeitswort ist nicht eindeutig.

antyajaścapacādīṃśca tathānyāśramadīkṣitān |
praveśayenna [mū: ttu] tatraiva kuryādyāgasya rakṣaṇam [kh: maṇḍapam] || 62 ||

11.62 Antyajas, Shvapachas und Angehörige anderer Einweihungsordnungen sollen nach dieser historischen Ausschlussregel nicht eingelassen werden. So verlangt der Text die Bewachung des Rituals. Diese soziale Vorschrift wird dokumentiert, nicht als heutige Praxis empfohlen.

lakṣya[mū, a, k, g, gh, ṅ: lakṣma]snānādikāryārtha vimalaṃ maṇḍapottare |
prāsādasya pramāmena sapīṭhaṃ dvicchadānvitam [k: dvikarānvitam] || 63 ||

11.63 Nördlich der Halle wird für das Herausarbeiten der Merkmale und weitere vorbereitende Handlungen die Vimala-Halle errichtet. Sie entspricht dem Tempelmaß, besitzt einen Altar und zwei Dachflächen; eine Variante verändert die Dachangabe.

prāsādottaratorraudyāṃ diśi vā cārurūpiṇam |
catuśchadaṃ catuṣkoṇaṃ vīraṃ vimalamānataḥ || 64 ||

11.64 Nördlich oder nordöstlich des Tempels wird eine schöne viereckige Halle mit vier Dachflächen errichtet. Sie heißt Vira und entspricht dem Maß der Vimala-Halle.

snānākhyamaṇḍapaṃ ramyaṃ snānopaskara bhūṣitam |
koṇe dhvajavitānāḍyaṃ kadalīcūtamaṇḍitam || 65 ||

11.65 Diese ansprechende Badehalle ist mit Badegeräten ausgestattet, an den Ecken mit Bannern und Baldachin und außerdem mit Bananen- und Mangoschmuck.

ekatoraṇamekāsyaṃ tanmadhye vedikāṃ śubhām |
maṇḍapārdhapratāṇena caturyāṃśasamucchritām [kh, gh: svacaturthāṃśamucchritam] || 66 ||

11.66 Sie besitzt einen Torbogen und einen Zugang. In ihrer Mitte steht ein günstiger Altar von halber Hallenbreite und einem Viertel dieser Breite als Höhe.

aiṣṭikīṃ bālukāyuktāṃ saumyanālāṃ dvimekhalām |
kurvīta vātha sāmānyaṃ maṇḍape vedikādvayam || 67 ||

11.67 Er wird aus Ziegeln errichtet, mit Sand versehen, mit Ablauf nach Norden und zwei umlaufenden Rändern. Alternativ kann eine gemeinsame Halle zwei Altäre enthalten.

ekasyāṃ lakṣaṇoddhāramanyasyāṃ majjanakriyā [gh: mārjanakriyām] |
kuryāttantadhyataḥ pīṭhaṃ bhadrākhyaṃ kṣīravṛkṣajam || 68 ||

11.68 Auf dem einen werden die Merkmale herausgearbeitet, auf dem anderen erfolgt die Waschung. In ihrer Mitte wird ein Bhadra-Sitz aus dem Holz eines Milchsaftbaumes angefertigt.

ṣoḍaśāṅgusabhucchrāyaṃ dviguṇaṃ vistṛtaṃ dṛḍham |
vistāradviguṇaṃ dairghyaṃ kanyasānāṃ sadaiva tu || 69 ||

11.69 Für die kleinsten Formen ist er sechzehn Angula hoch, doppelt so breit und fest. Seine Länge beträgt wiederum das Doppelte der Breite.

caturaṅgulavṛddhiḥ syādanyeṣāṃ tu kramātkramāt [k: kramo matāt] |
pīṭhamānamiti proktaṃ kuṭīmānamato bruve || 70 ||

11.70 Bei den weiteren Größen nimmt das Maß jeweils um vier Angula zu. Damit sind die Sitzmaße beschrieben; nun folgen die Maße der Gerätehütte.

maṇḍapārdhāpare bhāgo prāgāsyopaskarāya ca |
pracchannā dvicchadā kāryā kuṭikā parirakṣitā || 71 ||

11.71 Im westlichen Bereich, in einem Abstand beziehungsweise Teilmaß von einer halben Halle, wird eine nach Osten geöffnete Hütte für die Geräte errichtet. Sie ist geschlossen, besitzt zwei Dachflächen und wird bewacht; die Lageangabe ist gedrängt überliefert.

iti lakṣaṇasamuccaye maṇḍapavidhānaṃ nāmaikādaśo vidhiḥ || 11 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 11. Ritualabschnitt über „Errichtung der Ritualhalle“.

Kapitel 12: Feuergruben und Opferlöffel

atha dvādaśaḥ

Nun folgt der 12. Ritualabschnitt.

muṣṭimānaṃ śatārdhe ca śate vāratnimātrakam |
sahasre tvatha hotavye kuryātkuṇḍaṃ karātmakam || 1 ||

12.1 Für fünfzig Opfergaben ist die Feuergrube faustgroß, für hundert einen Aratni, also eine Elle, groß. Bei tausend Opfergaben erhält sie ein Hasta als Maß.

dvihastamayute tacca lakṣahome catuṣkaram |
aṣṭahastātmakaṃ kuṇḍaṃ koṭihomeṣu [mū: kvaciddhomeṣu] nādhikam || 2 ||

12.2 Bei zehntausend Gaben misst sie zwei Hasta, bei hunderttausend vier. Für eine Koti, zehn Millionen, beträgt ihr Maß acht Hasta und nicht mehr.

pīṭhavadvartayetkuṇḍaṃ svapramāṇātmagartakam |
soṣṭhaṃ samekhalaṃ tacca yathā [kh: tathā] yonivibhūṣitam || 3 ||

12.3 Man gestaltet die Feuergrube entsprechend den Sockelformen, mit einer ihrem Grundmaß entsprechenden Tiefe. Sie besitzt Randlippe, umlaufenden Absatz und Yoni.

kṣetrārkāṃśena tasyoṣṭhaṃ syāttadvedartu bhāgataḥ |
mekhalāpṛthutocchrāyā kuṇḍākārā tu mekhalā || 4 ||

12.4 Die Randlippe misst ein Zwölftel des Feldes. Breite und Höhe des Absatzes werden mit einem Viertel beziehungsweise Sechstel dieses Maßes bestimmt; die Form des Absatzes folgt der Grube.

kuṇḍatryaṃśapravistārā yonirucchrāyatastathā |
kuṇḍārdhena tu dīrghā syātkaṇṭhoṣṭhau [mū, a, gh: kaṇṭhoṣṭhī] bodhipatravat || 5 ||

12.5 Die Yoni ist ein Drittel der Grube breit und entsprechend hoch, halb so lang wie die Grube und mit Hals und Lippen wie ein Bodhi-Blatt gestaltet.

muṣṭyādikaraparyantaṃ kuṇḍānāṃ yonimekhale |
prokte cātha tato'nyeṣāṃ vṛddhirdvyaṅgulikākramāt || 6 ||

12.6 Diese Maße für Yoni und Randabsatz gelten für Gruben von Faustgröße bis zu einem Hasta. Bei größeren nehmen die Maße jeweils um zwei Angula zu.

sarveṣāṃ tu prakartavyā mekhalaikā ca lāghavāt [kh: meghavat] |
atha trimekhalāḥ kāryā yugānalayavāṅgulāḥ [k, kh, gh: parāṅgulāḥ] || 7 ||

12.7 Der Einfachheit halber kann bei allen Gruben ein einziger Absatz gestaltet werden. Alternativ sind drei Absätze mit vier, drei und zwei Angula vorgesehen; das letzte Zahlwort ist beschädigt.

uparyuparivistārā dyavaṅgulai [k: tryaṅgulai] kāṅgulonnatāḥ |
ṣaḍbāṇambutripa [k, g: dvitri] kṣaistu vistārādaṅgulaiḥ kramāt || 8 ||

12.8 Ihre Breiten werden nach oben entsprechend abgestuft; die Höhen betragen zwei beziehungsweise ein Angula, wobei die Lesarten abweichen. Eine weitere Folge nennt sechs, fünf, vier, drei und zwei Angula Breite.

dvirāmārṇa (bdhī) ṣuṣaḍbhiśca bāhulyātpañcamekhalāḥ |
hastamātre vidhiḥ śeṣe dyavaṅgulāṅgulavardhanāt || 9 ||

12.9 Für fünf Absätze werden Stärken beziehungsweise Höhen von zwei, drei, vier, fünf und sechs Angula genannt. Dies gilt für die ein Hasta große Grube; bei den übrigen wachsen die Maße um zwei beziehungsweise ein Angula.

madhyasūtrācca saṃbhrāmya vṛttaṃ dyaṅgulake dvidhā |
puro vedāṅgulaṃ tatra pakṣasūtradvayaṃ punaḥ || 10 ||

12.10 Von der Mittelschnur aus werden zwei Rundungen mit zwei Angula geschlagen. Davor wird ein Bereich von vier Angula abgetragen und mit zwei seitlichen Schnüren bestimmt.

oṣṭhaścāṅgulato nābhiḥ kaṇṭhaścoṣṭhasamaḥ kvacit [mū: samonnatiḥ] |
avyaktasthāpane kuṇḍaṃ vṛttaṃ sarvāsu dikṣu ca || 11 ||

12.11 Die Lippe misst ein Angula, ebenso die Nabel- beziehungsweise Mittelpartie; der Hals entspricht der Lippe. Bei der Einsetzung eines ungegliederten Linga sind die Feuergruben in allen Richtungen rund.

bhuktau muktau tathā puṣṭau jīrṇoddhāre viśeṣataḥ [mū: tathaiva ca] |
sadā home tathā śāntau aidra [mū: evaṃ; k: ekaṃ] vāruṇadiggatam [kh: lakṣaṇadigbhavam] || 12 ||

12.12 Dies gilt für Lebensgenuss, Befreiung, Stärkung, besonders für Erneuerungsweihen sowie für tägliche Feueropfer und Friedensrituale. Eine einzelne Grube kann im Osten oder Westen liegen; die Richtungslesarten variieren.

vyaktapraropaṇe tvaindraṃ dikṣvaṣṭāsu yugāsrakam |
evaṃ svadikṣu dīkṣāyāṃ bhuktimuttyarthasādhane || 13 ||

12.13 Bei der Einsetzung figürlicher Bilder sind die Gruben in den acht Richtungen viereckig. Ebenso werden sie bei Einweihungen zur Erlangung von Lebensgenuss und Befreiung in den eigenen Richtungen verwendet.

vyaktāvyaktapratiṣṭhāyāṃ vṛttaṃ vedāsrakuṇḍakam |
digvidikṣu prayoktavye bhogamokṣaphalāptaye || 14 ||

12.14 Bei der Weihe gemischter Linga-Formen werden runde und viereckige Gruben in Haupt- und Zwischenrichtungen eingesetzt, um Lebensgenuss und Befreiung zu erlangen.

śatrudāhakaraṃ kuṇḍamāgneyyāṃ bodhipatravat |
śāntau dveṣe [k: śāntodvege] kvacidyāmyāṃ khaṇḍacandropamaṃ matam || 15 ||

12.15 Eine südöstliche, bodhiblattförmige Grube wird dem Verbrennen von Feinden zugeordnet. Eine halbmondförmige im Süden wird teils für Frieden, teils für Verfeindung genannt; eine Variante verbindet die Angabe mit Beunruhigung.

kṣayāya rākṣasaṃ tryasraṃ ṣaḍasraṃ vāyavaṃ gatau |
padmābhaṃ puṣṭikṛdyākṣyaṃ kvacidapyarthasādhane [k, kh, g, gh: nāśane] || 16 ||

12.16 Eine dreieckige im Südwesten dient nach dem Text der Vernichtung, eine sechseckige im Nordwesten der Entfernung. Die lotusförmige im Norden stärkt; beim weiteren Zweck unterscheiden sich die Lesarten zwischen Erlangung und Vernichtung von Wohlstand.

aṣṭāsraṃ bhayakṛdraudraṃ jñānamuktipradaṃ kvacit |
evaṃ yathecchayā kuryātkuṇḍānaṣṭau svavittataḥ || 17 ||

12.17 Die achteckige Rudra-Grube soll Furcht erzeugen, nach anderer Anwendung Erkenntnis und Befreiung verleihen. So gestaltet man nach Zweck und Mitteln acht Gruben.

aiśānādi[kh: aiśānācca; gh: śeṣānādi]caturdikṣu pañcakuṇḍāni vaktrataḥ |
troṇi pūrvāpareśāne kuṇḍakaṃ vāyudiksthitam [gh: svadiksthitam] || 18 ||

12.18 Alternativ gibt es fünf Gruben, bezogen auf die Gesichter und die vier Richtungen mit Nordosten, oder drei im Osten, Westen und Nordosten. Eine einzelne liegt nach der Grundlesart im Nordwesten, nach einer Variante in der jeweils eigenen Richtung.

vedikātaḥ parityajya triṃśadaṅgulamantaram |
madhyamajyeṣṭhayoretatsaptasaptāṅgulādhikam || 19 ||

12.19 Zwischen Altar und Grube bleibt ein Abstand von dreißig Angula. Bei mittleren und großen Anlagen wird er jeweils um sieben Angula vergrößert.

pālāśīṃ paridhiṃ dikṣu nyasetprāguttarāsrikām |
viṣṭarān kuṇḍapārśve tu ṣaṭtriśaddarbhajāṃstathā || 20 ||

12.20 Man legt Einfassungshölzer aus Palasha in die Richtungen, mit den Enden nach Osten und Norden. Neben der Grube liegen Sitzunterlagen aus sechsunddreißig Darbha-Halmen.

vṛttānveṇīnibhā[k, g: karīnibhān]nvāpi srugvṛddhyai pañcameṣagam [gh: mekhalān] |
ṣoḍaśāṅguladairdhyaṃ tu ṣaḍekanavadarbhajam || 21 ||

12.21 Sie sind rund oder wie ein Zopf geflochten. Eine weitere Grasunterlage für den Opferlöffel wird mit sechzehn Angula Länge und einer Folge von sechs, eins und neun Halmen beschrieben; die genaue Zahl und Flechtung sind beschädigt.

yajñadārūdbhavo vahniḥ sūryakāntamaṇestu yaḥ |
dvāvetau bhuktimuktyarthau viprādigṛhato'thavā || 22 ||

12.22 Feuer aus rituell geeignetem Holz oder aus einem Sonnenstein dient Lebensgenuss und Befreiung. Alternativ wird es aus dem Haus eines Brahmanen oder anderer geeigneter Personen geholt.

utkṛtya kuṭṭanaṃ kuryādvajrarekhāṃ tathāsanam |
vāgīśvaryārcanaṃ kuryādvījaprakṣepaṇādikam || 23 ||

12.23 Nach dem Ausschachten und Feststampfen zeichnet man die Vajra-Linien und bereitet den Sitz. Man verehrt Vagishvari und vollzieht das Einbringen des Samens und die weiteren symbolischen Handlungen.

saṃhitoktāgnisaṃskāro [mū: hyagnisaṃskāraiḥ]garbhādhānādikaṃ ca yat |
prokṣaṇārcanahomaśca ghṛtaśuddhyādipūrvavat || 24 ||

12.24 Die Heiligung des Feuers erfolgt nach der Samhita, beginnend mit Garbhadhana. Besprengen, Verehren, Feueropfer und Reinigung der Opferbutter werden wie zuvor beschrieben ausgeführt.

praṇītaṃ ca hṛdā pūjyaṃ[mū: pṛṣṭha]gandhapuṣpādibhiḥ kramāt |
devīṃ visarjya dikṣvāsyānvidikṣvaṅgāni homayet || 25 ||

12.25 Das bereitgestellte Wasser wird mit dem Herzmantra, Düften und Blumen verehrt. Nach Verabschiedung der Göttin opfert man den Gesichtern in den Hauptrichtungen und den Gliedern in den Zwischenrichtungen.

svāhākāraṃ tu home tu pūrṇāyāṃ vauṣaḍeva hi [mū: tu] |
suvauṣaṭ śāntike kuryādvaṣaḍāpyāyane hitam || 26 ||

12.26 Beim gewöhnlichen Feueropfer lautet der Abschluss Svaha, bei der vollständigen Gabe Vaushat. Für Friedenshandlungen wird Suvaushat, zur Stärkung Vashat verwendet.

svadhā pitṛkriyāyāṃ tu phaṭkāraṃ kṣayakarmaṇi [g: jayakarmaṇi] |
vidveṣe hū/ vaśe hrī/ [gh: hī/] ca japārcāyāṃ[kh: rcādau]namastathā || 27 ||

12.27 Für Ahnenhandlungen gilt Svadha, für Vernichtung Phat. Bei Verfeindung und Unterwerfung nennt der Text die unsicher geschriebenen Bijas „hū/“ und „hrī/“; bei Rezitation und Verehrung Namah. Die unsicheren Bija-Zeichen werden nicht zu einer vollständigen Formel ergänzt.

teṣāṃ nāmādigā varṇā mātrā dvādaśabheditāḥ |
mātrābhirbhedito[mū: śchedito]hyeko varṇo dvādaśadhā sthitaḥ || 28 ||

12.28 Die Anfangslaute ihrer Namen werden durch zwölf Vokalformen unterschieden. So erscheint ein einzelner Laut durch die Vokalzeichen in zwölf Gestalten.

brahmaṇāṃ vācakā hrasvā dīrghāḥ syuraṅgavācakāḥ |
sānusvaro bhavennetramastraṃ[kh: mantraṃ]visargabheditam || 29 ||

12.29 Kurze Vokale bezeichnen die Brahma-Mantras, lange die Gliedmantras. Mit Anusvara wird das Auge bezeichnet, mit Visarga die Waffe; eine Variante liest an der letzten Stelle allgemein Mantra.

bindunā bheditāḥ sarve dīpakena samanvitāḥ |
ante[kh: anya]jātisamāyuktāḥ prayoktavyāśca mantriṇā || 30 ||

12.30 Alle werden mit Bindu und einem einleitenden beziehungsweise aktivierenden Laut versehen. Am Ende kommt der jeweilige rituelle Abschluss hinzu. So soll der Mantrakundige sie verwenden.

evaṃ jñātvā kriyāṃ kuryādvarṇarūpaṃ tadātmakam |
ghṛtaṃ tilān yavān kṣīraṃ vrīhīn bhakṣyāṇi dadhyapi || 31 ||

12.31 In Kenntnis dieses Zusammenhangs soll man die Handlung entsprechend ihrer Lautgestalt ausführen. Als Opferstoffe werden Butter, Sesam, Gerste, Milch, Reis, Speisen und saure Milch genannt.

samidhaḥ pāyasaṃ puṣpaṃ kandaṃ mūlaṃ phalaṃ madhu |
saktupiṣyākatakrānnaṃ juhuyānnityakarmaṇi || 32 ||

12.32 Hinzu kommen Opferhölzer, Milchreis, Blumen, Knollen, Wurzeln, Früchte, Honig, geröstetes Mehl, Ölkuchen, Buttermilch und gekochte Speise für die tägliche Handlung.

ghṛtasya kārṣiko homaḥ kṣīrasya madhunastathā |
śuktimātrāhutirdadhnaḥ prasṛtiḥ pāyasasya tu [gh: ca] ||

12.33 Eine Gabe Butter, Milch oder Honig beträgt ein Karsha. Saure Milch wird in Muschelschalenmenge, Milchreis in einer Prasriti-Menge geopfert. Die Versnummer 33 fehlt in der Vorlage; die Zeilen stehen zwischen 32 und 34.

bhakṣyāṇāmakṣamātrā syāllājānāṃ muṣṭisaṃmitam |
mālūraṃ roganāśāya lakṣmyarthaṃ ca kuśeśayam || 34 ||

12.34 Feste Speisen werden in einer Aksha-großen Menge, Puffreis faustweise gegeben. Bilva wird im Text der Beseitigung von Krankheiten, Lotus dem Wohlergehen zugeordnet.

khaṇḍatrayaṃ ca mūlānāṃ phalānāṃ svapramāṇataḥ |
paṃcaphalāni[mū: palāni]sūkṣmāṇi annānāṃ grāsakhaṇḍataḥ || 35 ||

12.35 Wurzeln werden in drei Stücke geteilt, Früchte nach ihrer natürlichen Größe verwendet. Von kleinen Früchten nimmt man fünf; eine Variante nennt stattdessen ein Gewichtsmaß. Gekochte Speise wird in bissenweisen Portionen gegeben.

prādeśāḥ samidhaḥ sarvāḥ samacchedāstvaganvitāḥ |
agranthyasphuṭitāvakrāḥ plakṣavṛkṣasamudbhavāḥ || 36 ||

12.36 Alle Opferhölzer sind eine Handspanne lang, gleichmäßig geschnitten, mit Rinde, ohne Knoten, Risse oder Krümmung. Plaksha wird als geeignet genannt.

śrīvṛkṣaḥ khadiraḥ parṇī palāśaśamyudumbarāḥ |
vaikaṅkato hyapāmārgaḥ pippalaḥ śāntipuṣṭidaḥ || 37 ||

12.37 Ferner gelten Bilva, Khadira, Parni, Palasha, Shami, Udumbara, Vaikankata, Apamarga und Pippala als Frieden und Stärkung verleihend.

ākṛṣṭau khadiraḥ śastaḥ saubhāgye madanāhvayaḥ [kh: damanāhvayaḥ] |
aniṣṭe janturomāṇi dveṣe śleṣmāntaśigrukau || 38 ||

12.38 Für Anziehung wird Khadira, für Glück der als Madana bezeichnete Baum genannt. Für schädigende Handlungen nennt der Text Tierhaare, für Verfeindung Shleshmantaka und Shigru. Dies sind historische Ritualzuordnungen.

proccāṭane yakārau [gh: pakārau]ca savisargau ca homayet |
taddhūlyā kākapakṣaṃ ca nidhane nimbaśoṇitam || 39 ||

12.39 Für Vertreibung werden zwei mit Visarga versehene, unsicher als Ya bezeichnete Laute sowie Staub und eine Krähenfeder genannt. Für Tötungsrituale folgen Nimba und Blut; die genaue Stoffverbindung ist beschädigt. Die Stelle wird als historische Textaussage wiedergegeben.

arkaḥ palāśagāyatrīmārgāśvatthamudumbarāḥ |
śamī dūrvā kuśā havyā arkādigrahaśāntaye || 40 ||

12.40 Zur Befriedung der neun Grahas von der Sonne an dienen der Reihe nach Arka, Palasha, das als Gayatri bezeichnete Holz, Apamarga, Ashvattha, Udumbara, Shami, Durva und Kusha.

agneḥ śubhāśubhaṃ vidyādvarṇagandhasvabhāvataḥ |
padmarāgendranīlārkaśuddhasphaṭikahemavat || 41 ||

12.41 Ob das Feuer günstig ist, erkennt man nach Farbe, Geruch und Verhalten. Als günstig werden Ähnlichkeiten mit Rubin, Saphir, Sonne, reinem Bergkristall und Gold genannt.

śubho haritapāṇḍustu varjanīyo'śubho'nalaḥ [gh: nalo śubhaḥ] |
snigdhaḥ pradakṣiṇāvartaḥ (śīkhī santarpitaḥ [mū: saṃpiṇḍitaḥ] śubhaḥ || 42 ||

12.42 Grünlichblasses Feuer gilt als ungünstig und zu meiden; eine Variante widerspricht der Schlussbewertung. Glänzende, rechtsläufige und gut genährte Flammen gelten als günstig.

madhvājyakṣīrabilvārkapuragndhaśca śobhanaḥ |
nirgandhaḥ pāṇḍaro rūkṣaḥkṛṣṇāṅgāranibhaśca yaḥ || 43 ||

12.43 Günstig ist ein Geruch wie Honig, Butter, Milch, Bilva, Arka und Harz. Ungünstig sind Geruchlosigkeit, Blässe, Trockenheit und ein Aussehen wie schwarze Kohle.

tathonmārgapravṛttaśca [gh: tastho-] sadhūmo vānalo'śubhaḥ |
evaṃ jñātvāprakartavyo [gh: yāge-] homastenāthavā na vā || 44 ||

12.44 Auch in falscher Richtung laufendes oder stark rauchendes Feuer gilt als ungünstig. Nach dieser Prüfung entscheidet man, ob das Feueropfer mit diesem Feuer ausgeführt wird.

agnikāryavidhiḥ proktaḥ sarvakāmārthasādhakaḥ |
adhivāsanadīkṣāyāmabhiṣeke tathaiva ca || 45 ||

12.45 Damit ist das Verfahren des Feuerdienstes beschrieben, das allen gewünschten Zwecken dient, bei vorbereitender Lagerung, Einweihung und Abhisheka.

khādiraṃ tu srubaṃ [kh, gh: sruksrurva] kuryātsthūlaṃ cāṅgulamānataḥ |
gopucchasadṛśaṃ cāru hastadaghnāvraṇaṃ dṛḍham || 46 ||

12.46 Der kleine Opferlöffel Sruva wird aus Khadira gefertigt, ein Angula stark, schön wie ein Kuhschwanz verjüngt, einen Hasta lang, fest und unbeschädigt.

agre tu tryaṅgulaṃ vṛttaṃ karṣājyapūrṇapuṣkaram |
tatkhātaṃ tryaṅgulaṃ [k: dvyaṅgulaṃ] madhye seturdviyavavistaraḥ || 47 ||

12.47 Seine vordere Schale ist rund und drei Angula groß und fasst ein Karsha Opferbutter. Die Vertiefung misst drei, nach einer Variante zwei Angula; ein mittlerer Steg ist zwei Yava breit.

candanadvayakāśmīrīdārūdumbarabodhijāḥ |
āmrīvaikaṅkatī baijī srukpālāśyatha śaiṃśapī || 48 ||

12.48 Der große Opferlöffel Sruk kann aus den beiden Sandelhölzern, Kashmari, Devadaru, Udumbara, Bodhi-Baum, Mango, Vaikankata, dem unsicher bezeichneten Baiji, Palasha oder Shimshapa bestehen.

ṣaḍtriṃśadaṅgulā dairghyāt [mū, a, k, kh, g: dīrghā] taddaṇḍo rviśadaṅgulaḥ |
ṣaḍaṅgulaparīṇāho vedyaṣṭonnativistarā [k, g: dvedvyaṣṭo-] || 49 ||

12.49 Er ist sechsunddreißig Angula lang, sein Stiel zwanzig Angula. Der Stielumfang beträgt sechs Angula; für den Schalenblock werden vier Angula Höhe und acht Angula Breite genannt, mit abweichenden Lesarten.

tanmadhye tryaṅgulaṃ khātaṃ vṛttaṃ vedāsrameva vā |
mekhalābjāṣṭapatrāḍhyaṃ sarpiḥ [k: sandhiḥ] kuḍavasammitam || 50 ||

12.50 In seiner Mitte befindet sich eine drei Angula große runde oder viereckige Vertiefung, mit Rand und achtblättrigem Lotus. Sie fasst ein Kudava Opferbutter.

caturaṅgulakaṃ paścātsaṃsthāpya dvyaṅgulaṃ haret |
vedyagrakoṇayoḥ [gh: vedagrahaṇayoḥ] kaṇṭhastvaṅgulaikaṃ tatastayoḥ || 51 ||

12.51 Hinten werden vier Angula angesetzt und zwei abgetragen. An den vorderen Ecken des Schalenblocks folgt ein Hals von einem Angula; die genaue Reihenfolge der Abtragungen ist gedrängt.

vedikātulyakaṃ mūle dairdhyātsaptāṅgulānanam |
dvyaṅgulāgrapramāṇaṃ ca gajoṣṭhasadṛśaṃ bhavet || 52 ||

12.52 Der Ausguss ist am Ansatz so breit wie der Schalenblock und sieben Angula lang. Seine Spitze misst zwei Angula und gleicht einer Elefantenlippe.

vedyāsyamadhyagaṃ[gh: vedyā madhyamagaṃ]randhraṃ puṣkarāsyaṃ nayetsamam |
kaniṣṭhāṅgulivatsthūlaṃ sarpinirgamanāya ca || 53 ||

12.53 Von der Mitte der Schale führt eine gleichmäßige Öffnung beziehungsweise Rinne zum Ausguss. Sie ist so stark wie ein kleiner Finger und dient dem Abfließen der Butter.

yugāṅgulo ghaṭaḥkāryo [k: lodyataḥ-] daṇḍamūlasuśobhanaḥ |
aṅgulaiśca caturbhiśca daṇḍāgre copavedikā || 54 ||

12.54 Am Stielansatz wird ein schönes topfförmiges Glied von vier Angula gestaltet. Am anderen Stielende befindet sich eine Nebenplatte von ebenfalls vier Angula.

dvayameva suniṣpannaṃ prakṣālyoṣṇāmbunā tataḥ |
tau santāpya kuśaiḥ spṛṣdavā mūlamadhyāgrataḥ kramāt || 55 ||

12.55 Sind beide Löffel gut fertiggestellt, werden sie mit warmem Wasser gewaschen und erwärmt. Dann berührt man sie der Reihe nach an Ansatz, Mitte und Spitze mit Kusha-Gras.

hṛdayena samabhyarcya gandhapuṣpādibhistataḥ |
samunnatatanurdadyātpūrṇāṃ vai [k, g: pūrṇāyāṃ] nābhige ghaṭe || 56 ||

12.56 Man verehrt sie mit dem Herzmantra, Düften und Blumen. Mit aufgerichtetem Körper und dem Gefäß auf Nabelhöhe bringt man die vollständige Opfergabe dar.

ekaikatattvahomānte kāryā pūrṇāvasānake |
tasminkāle pradānaṃ ca gurave deyamādarāt || 57 ||

12.57 Am Ende jedes Tattva-Opfers und beim Abschluss wird eine vollständige Gabe dargebracht. Zu diesem Zeitpunkt soll man dem Guru ehrerbietig das Geschenk überreichen.

iti lakṣaṇasamuccaye kuṇḍasruksruvalakṣaṇaṃ nāma [vartanāvidhiḥ vi0 pu0] dvādaśo vidhiḥ || 2 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 12. Ritualabschnitt über „Feuergruben und Opferlöffel“.

Kapitel 13: Herausarbeiten der Merkmale

atha trayodaśaḥ

Nun folgt der 13. Ritualabschnitt.

yajamānānukūle'hni sambhāre sakale kṛte |
pūrṇakumbhādimāṅgalye nimitte pūrvacocite [codite bhū] || 1 ||

13.1 Man beginnt an einem für den Auftraggeber günstigen Tag, wenn alle Materialien bereitstehen und die zuvor genannten glückverheißenden Zeichen, darunter volle Krüge, vorhanden sind.

vandino gāyakā [gāyanāḥ li0 pu0 pā0] viprāḥ śaṅkhavāditravādakāḥ |
maṅgalārthaṃ prayoktavyāḥ śobhārthaṃ ca tathā striyaḥ || 2 ||

13.2 Lobredner, Sänger, Brahmanen, Muschelhornbläser und Instrumentalisten werden für den festlichen Segen eingesetzt, ebenso Frauen zur Verschönerung der Feier.

vibhave [mū: vistare] sati śaivākhyā brāhmaṇāstu prakīrtitāḥ |
na cāyaṃ niyamo hyatra brāhmaṇānāṃ parigrahe || 3 ||

13.3 Wenn die Mittel es erlauben, werden shaivitische Brahmanen genannt. Ihre Heranziehung ist hier jedoch keine zwingende Vorschrift.

na vedoccāramātreṇa kiñcidatra prasādhyate |
utsave maṅgalārthe tu samyagvedasvanaḥ smṛtaḥ || 4 ||

13.4 Durch bloßes Rezitieren des Veda wird die Weihe hier nicht bewirkt. Bei einem Fest gilt der Veda-Klang allerdings als angemessener Ausdruck des Segens.

jyotirjñānaṃ pradhānaṃ syātpratiṣṭhāyāḥ śivāgame |
sarvārambheṣu tatpūjyaṃ na vedastatra kāraṇam || 5 ||

13.5 Im Shiva-Agama ist für die Weihe die Kenntnis der Himmelszeichen maßgeblich. Sie wird bei jedem Beginn geehrt; der Veda ist dafür nicht die entscheidende Grundlage.

śūdro vāpyatha vaiśyo vā brāhmaṇo vātha kṣatriyaḥ |
jyotirjñānārthatattvajño daivajño jāyate yataḥ || 6 ||

13.6 Ob jemand Shudra, Vaishya, Brahmane oder Kshatriya ist: Wer die Bedeutung und Grundlagen der Himmelskunde versteht, wird dadurch zum kundigen Deuter.

na jātiḥ pūjyate hyatra śaivajñāne yathā guruḥ |
jñānaṃ saṃpūjyate nityaṃ na jātistatra kāraṇam || 7 ||

13.7 Hier wird nicht die Herkunft verehrt, ebenso wie beim Guru im Shiva-Wissen. Stets wird die Erkenntnis geehrt; die Herkunft ist dafür nicht der Grund.

svaśāstralakṣaṇopetaṃ jyotirjñānaviśāradam |
nipuṇaṃ supraṇītaṃ ca pratyayānekadarśakam || 8 ||

13.8 Der Deuter soll die Merkmale seiner Fachschrift kennen, in der Himmelskunde erfahren, geschickt und gut geschult sein und vielfältige Belege beziehungsweise bestätigte Zusammenhänge aufzeigen können.

hitāhitopadeśajñamekacittaṃ jitendriyam |
sra'vastragandhadhūpādyairdaivajñaṃ saṃprapūjayet || 9 ||

13.9 Er soll Günstiges und Ungünstiges verständlich erklären können, gesammelt sein und seine Sinne beherrschen. Ihn verehrt man mit Girlanden, Gewändern, Düften, Räucherwerk und weiteren Gaben.

tataḥ saṃpūjito vidvāndaivajño lagnatatparaḥ |
ghaṭikāśaṅkuyogena pratiṣṭhālagnamādiśet || 10 ||

13.10 Der so geehrte Gelehrte widmet sich dem Aszendenten und bestimmt mithilfe von Wasseruhr und Schattenstab den Zeitpunkt der Weihe.

śivajñānātparaṃ jñānaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati |
sarvopāyānvitaṃ puṇyaṃ dharmakāmārthamokṣadam || 11 ||

13.11 Eine Erkenntnis höher als die Shiva-Erkenntnis hat es nach der Überzeugung des Textes nie gegeben und wird es nie geben. Sie enthält alle Mittel, ist heilig und gewährt Dharma, Lebensgenuss, Wohlstand und Befreiung.

yannasādhyaṃ śivajñāne tadvedeṣu nasiddhyati [mū: na tadvedeṣu] |
yannasādhyaṃ tu vedeṃṣu tatsusādhyaṃ śivāgame || 12 ||

13.12 Was sich durch Shiva-Erkenntnis nicht verwirklichen lässt, gelingt auch in den Veden nicht; was dort nicht gelingt, sei im Shiva-Agama leicht zu verwirklichen. Dies ist die konfessionelle Vorrangbehauptung des Werkes.

yannadṛṣṭaṃ śivajñāne na tadvedeṣu dṛṣyate |
lokopacāramātraṃ syādutsavovibhave [mū: -dutsave] sati |
nacaitatkāraṇaṃ [gh: caitaiḥ-] vedaiḥ pratiṣṭhāyāḥ śivāgame || 13 ||

13.13 Was in der Shiva-Erkenntnis nicht zu finden ist, findet sich demnach auch nicht in den Veden. Bei ausreichenden Mitteln gehört das Fest zum gesellschaftlichen Brauch; vedische Handlungen sind im Shiva-Agama nicht die Ursache der Weihewirkung.

ajñānināṃ pravodhāya śreyo'rthaṃ[mū: jñeyojtha/]maṅgalāya ca |
devyāmatātsamākṛṣya likhitaṃ leśato mayā || 14 ||

13.14 Zur Unterweisung der Unkundigen, zu ihrem Heil und zum Segen habe ich dies aus dem Devyamata entnommen und in Kürze niedergeschrieben.

mṛdādhairgomayenātha bhasmanāstrāmbubhiḥ kramāt |
śodhayitvā tato liṅgaṃ rathe tvāropya yatnataḥ || 15 ||

13.15 Man reinigt das Linga der Reihe nach mit Erde und weiteren Mitteln, Kuhdung, Asche und mit dem Waffenmantra geweihtem Wasser. Dann hebt man es sorgfältig auf einen Wagen.

lakṣadhārālayaṃ [k, gh: lakṣma-] ramyaṃ nayelliṅgaṃ śanaiḥ śanaiḥ |
ākarṣayecca nāgāśvairmahiṣairvā bṛṣai ratham || 16 ||

13.16 Langsam bringt man das Linga zur schönen Halle für das Herausarbeiten seiner Merkmale. Der Wagen wird von Elefanten, Pferden, Büffeln oder Stieren gezogen.

aniṣṭorathabhaṅgādo [mū: aniṣṭe-] habyaṃ ghoraśataṃ [mū: -gataṃ] śubham |
avatāryāgataṃ liṅgaṃ syandanasthaṃ prayatnataḥ || 17 ||

13.17 Bei einem ungünstigen Zwischenfall wie dem Bruch des Wagens werden hundert Gaben mit dem Aghora-Mantra als ausgleichend genannt. Nach der Ankunft hebt man das Linga vorsichtig vom Wagen.

śeṣe sthānasthite deve śaṅkhavāditra nisvanaiḥ |
aṣṭāṅgasaṃskṛtaṃ cārghaṃ dattvā liṅgaṃ praveśayet || 18 ||

13.18 Wenn die Gottheit am vorgesehenen Ort steht, lässt man Muschelhörner und Instrumente erklingen. Man reicht ein aus acht Bestandteilen bereitetes Arghya und führt das Linga hinein.

rakṣoghnaṃ tiladarbhāmbudadhyakṣatapayoyavaiḥ |
hemapātrādigairetairarghaṃ dadyā dathāṣṭabhiḥ || 19 ||

13.19 Dieses schützende Arghya besteht aus Sesam, Darbha, Wasser, saurer Milch, ungebrochenen Reiskörnern, Milch und Gerste sowie einem achten, im beschädigten Wortlaut nicht sicher getrennten Bestandteil. Man reicht es aus einem goldenen oder entsprechenden Gefäß.

kartā dadyāttatastvarghamācāryādibhya eva tu |
pādaśaucaṃ tata kṛtvā pāduke sthāpayetpunaḥ || 20 ||

13.20 Danach bringt der Auftraggeber dem Acharya und den anderen Arghya dar. Nach der Fußwaschung stellt er die Fußsandalen wieder bereit.

dadyātsa caturaṃ pīṭhaṃ tatrasthaṃ śivavaṅgurum |
kuṅkumāgurukarpūrairlimpeta samacandanaiḥ || 21 ||

13.21 Er bietet einen viereckigen Sitz an und verehrt den darauf sitzenden Guru wie Shiva. Er salbt ihn mit Safran, Agaru, Kampfer und Sandel.

susragdāmasudhūpaṃ ca cāruvastradvayaṃ sitam |
mukuṭaṃ kuṇḍalaṃ caiva hārakeyūrakaṅkaṇau || 22 ||

13.22 Er überreicht schöne Blumengirlanden, gutes Räucherwerk, zwei schöne weiße Gewänder, Krone, Ohrringe, Halskette, Oberarmreifen und Armbänder.

saratnāṃ mudrikāṃ dadyādratnāḍhyaṃ kaṭisūtrakam |
saṃpūjya guruve dadyātpañcadhenūśca [k, kh: -dhunūḥ sva] vittataḥ || 23 ||

13.23 Hinzu kommen ein Edelsteinring und ein edelsteinbesetzter Hüftgürtel. Nach der Verehrung schenkt er dem Guru entsprechend seinen Mitteln fünf Kühe.

yatīnāmadhvare darbheḥsragdāmnā vā vibhūṣayet |
gṛhasthānāṃ vidhau samyagvittaśāṭhyaṃ na kārayet || 24 ||

13.24 Beim Ritual eines Asketen kann der Schmuck aus Darbha-Gras oder Blumengirlanden bestehen. Beim Ritual eines Haushälters soll nicht durch vorgetäuschte Armut an den Mitteln gespart werden.

api mūrtidharānpaścāghanegdovastrabhūṣaṇaiḥ |
pradhānaśilpinaṃ tadvagdandhapuṣpaistathetarān || 25 ||

13.25 Danach ehrt man auch die Träger der göttlichen Formen mit Geld, Gewändern und Schmuck, ebenso den leitenden Künstler. Die anderen erhalten Düfte, Blumen und weitere Gaben.

sakarpūraṃ ca tāmbūlaṃ datvā vijñāpayegdu [mū, gh: dadyādvijñāpame] rum |
bhavatpādaprasādānme kṛtsnaṃ yāgaphalaṃ bhavet || 26 ||

13.26 Nach Darbringung von Betel mit Kampfer richtet man an den Guru die Bitte: „Durch die Gnade deiner Füße möge mir die vollständige Frucht des Opfers zuteilwerden.“

dharmavṛddhirdhruvā loke ācandrārkavasundharam |
pādalagno vadetkartā kuru [gh: kuyuḥ] (rve) karmatvadājñayā || 27 ||

13.27 „Möge der Dharma in der Welt beständig wachsen, solange Mond, Sonne und Erde bestehen. Auf deine Anweisung hin vollziehe ich die Handlung.“ So spricht der Auftraggeber, zu den Füßen des Gurus geneigt.

punarācamya mantrajño [gh: mantreṇa] vastrapūtena vāriṇā |
prakṣālya pāṇipādaṃ ca triḥ pibedambu vītritam || 28 ||

13.28 Der Mantrakundige vollzieht erneut die Mundreinigung mit durch Stoff gefiltertem Wasser. Er wäscht Hände und Füße und trinkt dreimal reines Wasser.

saṃvṛtyāṅguṣṭhāmūlena [ṅ: saṃbhṛtyā] triḥ pramṛjyā [gh: dviḥ prasṛjya] ttato mukham |
saṃhitābhistribhiḥ pūrvamāsyamevamupaspṛśet || 29 ||

13.29 Mit dem Daumenansatz wischt er dreimal den Mund ab; eine Variante nennt zweimal. Zuvor beziehungsweise dabei berührt er den Mund mit den drei Samhita-Mantras.

aṅguṣṭhena pradeśinyā ghrāṇaṃ paścādanantaram |
aṅgūṣṭhānāmikābhyāṃ tu cakṣuḥśrotre punaḥ punaḥ || 30 ||

13.30 Mit Daumen und Zeigefinger berührt er danach die Nase, mit Daumen und Ringfinger wiederholt Augen und Ohren.

kaniṣṭhāṅguṣṭhābhyāṃ nābhiṃ hṛdayaṃ tu talena vai |
sarvābhistu śiraḥ paścādvāhū cāgreṇa saṃspṛśet || 31 ||

13.31 Mit kleinem Finger und Daumen berührt er den Nabel, mit der Handfläche das Herz, mit allen Fingern den Kopf und anschließend mit den Fingerspitzen die Arme.

prāgastreṇa tritālena puṣpaṃ prakṣepayed guruḥ |
yāgālayaṃ praviśyātha khaḍgabījaiḥ surecitaiḥ || 32 ||

13.32 Der Guru wirft mit dem Waffenmantra und dreimaligem Händeklatschen eine Blume. Nach Eintritt in die Opferhalle verwendet er die deutlich gesprochenen Schwert-Bijas.

dikśuddhiṃ vidadhītāśu tato muñcanti guhyakāḥ |
bhūtaśuddhiṃ tataḥ kuryānmūrtyādisakalīkṛtam || 33 ||

13.33 Damit reinigt er die Richtungen, sodass die Guhyakas weichen. Danach vollzieht er die Reinigung der Elemente und die rituelle Vervollständigung mit Gestalt- und weiteren Mantras.

nyāsānte karaṇejyāścayathoktaṃ [k, kh, g: karaṇājñāśca-] saṃhitāntare (?) |
dvādaśāṅgulamutsiktaṃ sitoṣṇīṣavidhārakaḥ || 34 ||

13.34 Am Ende des Nyasa folgen Gesten und Verehrungen entsprechend der jeweiligen Samhita; der Wortlaut ist hier fraglich. Er trägt einen weißen Turban, der zwölf Angula hoch aufragt.

bhāvanābhirjaṭābhiśca sitabhasmavidhūlitaḥ |
bhavedyajñe sadācāryaḥ śrīkaṇṭharūpadhārakaḥ || 35 ||

13.35 Durch Visualisierung, Haarflechten und Bestäubung mit weißer Asche soll der gute Acharya während des Opfers die Gestalt Shrikanthas annehmen.

śivamantrātmako vyāpī śivaścāhaṃ svayaṃ prabhuḥ |
ityevaṃ nirvikalpena cetasā cintayetsadā || 36 ||

13.36 Mit ungeteilter Aufmerksamkeit soll er stets betrachten: „Ich bin von Shiva-Mantras erfüllt, alldurchdringend; ich selbst bin Shiva, der Herr.“

śivasaṃsthāpane hyevaṃ bhairave bhairavātmakam |
yadyadrūpo bhaveddevastattadrūpastudaiśikaḥ [k, g: -rūpo'stu-] || 37 ||

13.37 So verfährt er bei der Einsetzung Shivas, bei Bhairava als Bhairava. Welche Gestalt die Gottheit besitzt, diese Gestalt nimmt der Lehrer an.

ātmasthaṃ pūjayedīśaṃ paścādargheṣu mantravit |
tenārdhavāriṇā prokṣya sarvaṃ puṣpaphalādikam || 38 ||

13.38 Der Mantrakundige verehrt zuerst den in ihm selbst gegenwärtigen Herrn, dann in den Arghya-Gefäßen. Mit diesem Arghya-Wasser besprengt er Blumen, Früchte und sämtliche übrigen Dinge.

astreṇa vikirebdrīhīnsthalyādi [ñchalyādi li0 pu0 pā0] vidhnaśāntaye |
varmaṇā saṅgahetpaścāccāmarairvātha picchakaiḥ [gh: piñjakaiḥ] || 39 ||

13.39 Mit dem Waffenmantra streut er Reis aus, um Hindernisse und störende Einflüsse zu befrieden. Danach sammelt er ihn mit dem Schutzmantra, mit Yakhaarwedeln oder Federwedeln, wieder ein.

śivakuṃbhaṃ tato nyasya śivamantrāṅga [mū: mantrāṅka] saṃyutam |
gandhāmbuphalaratnāḍhyamoṣadhīvastrasaṃyutam [gh: maṇḍitam] || 40 ||

13.40 Er stellt den Shiva-Krug auf und versieht ihn mit Shiva- und Gliedmantras. Er enthält Duftwasser, Früchte, Edelsteine und Heilpflanzen und ist mit Stoff geschmückt.

cūtapatrākṣatāsyaṃ ca gandhamālyādipūjitam |
aiśyāṃ diśyastrasaṃyuktaṃ sthāpayedambaropari || 41 ||

13.41 Seine Öffnung trägt Mangoblätter und ungebrochenen Reis; er wird mit Düften und Girlanden verehrt. Im Nordosten wird er zusammen mit der Waffe auf einem Tuch aufgestellt.

dhārāṃ dadyādavicchinnāmīśādīśāntaveṣṭanām |
vinyasya [gh: nyastvā] kalaśāṃstatra tāṃśca dakṣiṇato'rcayet || 42 ||

13.42 Ein ununterbrochener Wasserstrahl umzieht den Bereich vom Nordosten aus bis wieder zum Nordosten. Dort werden die Krüge aufgestellt und von ihrer Südseite aus verehrt.

suvarṇarūpyatāmrotthairmṛnmayairvā nṛpakramāt |
śivādikalaśāḥ kāryā dvarasthāḥ [gh: dvāsthārcā] snāpayettathā || 43 ||

13.43 Die Shiva- und weiteren Krüge bestehen je nach Rang beziehungsweise Mitteln aus Gold, Silber, Kupfer oder Ton. Auch die Gottheiten an den Türen werden gewaschen; die Formulierung ist variantenreich.

tāni nyasetkarīrāṇi pūrvoktāni ca sāṃpratam |
vitānaṃ mañcamāṃśena [gh: māsyena] prāguktairdhvajatoraṇān || 44 ||

13.44 Nun werden die zuvor genannten Stützen beziehungsweise pflanzlichen Schmuckelemente aufgestellt, außerdem Baldachin, Lager, Banner und Torbögen. Ein Maßwort beim Lager ist unsicher.

evaṃ kṛtvā tu saṃrakṣya liṅgasthānaṃ tato[k, g: liṅgaṃ sthaṇḍilato]vrajet |
tatra [mū: tataḥ] pūrvaṃ kṣipetpuṣpaṃ khaḍgena tatra [mū: tattva] saṃsthitam || 45 ||

13.45 Nach diesem Aufbau und seiner rituellen Sicherung geht man zum Platz des Linga. Zuerst wirft man dort eine mit dem Schwertmantra geweihte Blume.

astreṇa vikiraṃ kuryāttoraṇaṃ [k, kh: suvarṇa] paścimānanaiḥ |
indrendviśāgradarbhāśva stṛṇīyādakṣatāṃ śucīn || 46 ||

13.46 Mit dem Waffenmantra wird ausgestreut. Die anschließende Angabe zu Torbogen und westlicher Ausrichtung ist beschädigt. Reiner Darbha mit Spitzen nach Osten, Norden und Nordosten sowie ungebrochener Reis werden ausgebreitet.

sadyojātena mantreṇa dadyātpaṭṭaṃ satūlikam |
arghaṃ datvā tu vaktreṇa dhūpaṃ vai madhyagena tu || 47 ||

13.47 Mit dem Sadyojata-Mantra legt man eine Decke mit Polster aus. Arghya wird mit dem Gesichtsmantra, Räucherwerk mit dem mittleren Mantra dargebracht.

hṛdā protthāpayeddevaṃ guhyena sthāpayecchivam |
avyaktādīni liṅgāni prāgindvīśaśirāṃsi ca || 48 ||

13.48 Mit dem Herzmantra hebt man die Gottheit an, mit dem geheimen Mantra legt man Shiva nieder. Die ungegliederte und die weiteren Linga-Formen erhalten der Reihe nach Kopfenden nach Osten, Norden und Nordosten.

kramaśaḥ śvāpaye [mū: śāyayet; kh: sādhayet] ttāni tūlikāyāṃ sadā gurūḥ |
mantranyāsaṃ tu tatkuryātsāmānyaṃ [kh: vrataṃ kuryāt] sarvatantragam || 49 ||

13.49 Der Guru legt sie so auf das Polster. Dann vollzieht er den allgemeinen Mantra-Nyasa, der allen Tantras gemeinsam ist.

oṃ namo bhagavate rudrāya hiraṇyanetrāya [gh: retase] mahātmane śivāya |
śivarūpāya hā/ hau/ [mū: hā/ hā/] namo namaśceti mantrayet |
hiraṇyaretomantrasthitaye [kh, gh: mantratritaya] liṅgānām |
sahasrāṃke śatāṃke [gh: sahasrāhvaṃ śatākhye] ca rekhā utkīrayettataḥ |
maṇirekhāṃ kramādyasya yasya [mū: tasya] tāṃ tāṃ vadāmyaham || 50 ||

13.50 Die vorangestellte Anrufung bedeutet: „Om. Verehrung dem erhabenen Rudra, dem Goldäugigen – nach einer Variante dem Goldsamigen –, dem großen Selbst, Shiva, dem von Shivas Gestalt! … Verehrung, Verehrung!“ Die Bija-Schreibungen „hā/ hau/“ bleiben unaufgelöst. Die Prosa verbindet die Formel mit dem Hiranyaretas-Mantra und der Festigung der Lingas. Danach werden die Linien der tausend- und hundertfach bezeichneten Lingas eingeritzt; nun erkläre ich jeweils ihre Mani-Linien.

ekādhikanavatyaṃśamūrdhvatiryak khagāṃśakaiḥ |
tyaktvaikaṃ syātsahasrāṃśaṃ [gh: sahasrāsraṃ] liṅgaṃ viṣamasūtrakaiḥ || 51 ||

13.51 Die Höhe wird in einundneunzig Teile gegliedert, quer wird ein unsicher bezeichnetes Maß angesetzt und ein Teil ausgelassen. Mit ungeraden Linienzahlen entsteht das tausendfach gegliederte Linga; die genaue Rechenfolge ist beschädigt.

vṛtte pañcāśadaṃśastu tiryagdvāviṃśatiḥ kvacit |
ūrdhvādhoṃśaparityāgātpunarvṛttiṃ dvidhāṃśataḥ || 52 ||

13.52 Nach einer anderen Vorschrift wird der Umfang in fünfzig, die Querrichtung in zweiundzwanzig Teile gegliedert. Oben und unten werden Teile ausgespart, danach wird mit Zweieranteilen weiter gerundet.

mūrdhni saṃvartayetteṣu sūtrābhyāṃ chatrarekhayā |
antarluptvā sahasrāṇi bhavatyantaritaiḥ sadā || 53 ||

13.53 Am Kopf werden die Linien entsprechend einer Schirmkontur zusammengeführt. Durch Entfernen innerer Hilfslinien entstehen die voneinander getrennten tausend Gliederungen.

umendupiṇḍikā nityaṃ liṅgamīśā divākaraḥ |
sahasrāśāvṛto [gh: sahasrāsra yuto] bhānustasmāddaśaśatāvṛtaḥ || 54 ||

13.54 Uma und Mond entsprechen dem Sockel, Ishana und Sonne dem Linga. Die Sonne ist von tausend Strahlen umgeben; deshalb besitzt diese Form tausend Gliederungen.

sauraṃ sahasre caivaṃ [mū, a, g: sāhasrikāraṃ; gh: saivaikaṃ] syādvrāhmaṃ liṅgaśatāvṛtam |
kapālādyairyutairbhinne puṇyakṛtsa mahāghahṛt [k, g: suhṛt] || 55 ||

13.55 Die tausendfache Form gehört zur Sonne, die von hundert Lingas umgebene zu Brahma. Die folgende Aussage über Schädel und weitere Glieder ist beschädigt; die Form wird als verdienstvoll und schwere Verfehlungen beseitigend bezeichnet.

pañcabhāgodayaṃ kṛtvā tyaktvaikaṃ [gh: ṛkṣaikaṃ] bhāgamūrdhvataḥ |
tattvabhāgo'rdhavaṃpātādbhavelliṅgaṃ śatādhikam || 56 ||

13.56 Man teilt die Höhe in fünf Teile und lässt den obersten aus. Durch eine Fünfundzwanzigteilung und eine im Wortlaut unsichere Halbierung entsteht das hundertfach bezeichnete Linga.

pratidhāmasahasrāṇi śatāni bāsthire [k: cāsthire] tathāḥ |
calaliṅghaṃ gṛhe'pyevaṃ liṅgabhedādi vā punaḥ [k, g, gh: pāpanut] || 57 ||

13.57 Solche tausend- oder hundertfachen Formen können als unbewegliche Lingas in Heiligtümern und als bewegliche im Haus bestehen. Die Varianten unterscheiden sich darin, ob der Schluss weitere Linga-Arten oder Sündenbeseitigung nennt.

madendu [kh: mahendu] kuṅkumāktaistu sūtrakairmānahetave |
rekhāmutkirayelliṅge uttame ca yavāṣṭakam || 58 ||

13.58 Mit gefärbten, unter anderem mit Safran bestrichenen Messschnüren trägt man die Linien auf dem Linga ab. Beim größten beträgt das Linienmaß acht Yava; ein weiterer Farbstoff ist unsicher benannt.

navamāṃśahṛdanyeṣāṃ kuryādyāvatkarāntikam |
teṣvanttare'ntaroktaṃ vāniṣṭa [gh: tvariṣṭa] kṛddhastahīnake [k, kh, g: vastrahīnake] || 59 ||

13.59 Bei den übrigen Größen wird das Maß abgestuft bis zur Größe von einem Hasta vermindert. Die genaue Neuntelregel und die abschließende Warnung bei kleineren Formen sind beschädigt.

rekhānyāsaḥ samākhyāta [gh: vyāsāḥ samākhyātāḥ] tadardhādavaṭaṃ śubham |
samaṃ samatalaṃ tacca manojñaṃ lakṣaṇānvitam || 60 ||

13.60 So ist die Anlage der Linien beschrieben. Ihre Vertiefung beträgt die Hälfte des Linienmaßes; sie soll gleichmäßig, eben, ansprechend und maßgerecht sein.

evaṃ tu yā bhavedrekhā tāṃ protkīrya [k, kh, gh: tāmutkīyaṃ] sukhāvahām |
madhyasūtraṃ samaṃ [mū: sūtrasamaṃ] kṛtvā lalāṭādavatārayet || 61 ||

13.61 Die glückbringende Linie wird entsprechend eingeritzt. Man richtet die Mittelschnur gleichmäßig aus und führt sie von der Stirnpartie nach unten.

trayaṃśo'rdhe vāthavā pāde lakṣaṇaṃ kaṇṭhatastvadhaḥ |
grīvāsyāgrāllalāṭā [gh: syāghrā-] cca naivordhvakramaṇācchubham || 62 ||

13.62 Das Kennzeichen liegt ein Drittel, eine Hälfte oder ein Viertel unterhalb des Halses. Ein Aufsteigen über Hals-, Gesichts- oder Stirnpartie gilt als ungünstig; die genaue Zuordnung der Alternativen ist unsicher.

alakṣyaṃ lakṣyakāryāya jyotirlakṣaṇakarma tat [k, kh, g: lakṣaṇakaṃ matam] |
sarvālakṣaṇanāśāya rekhālakṣaṇamucyate || 63 ||

13.63 Damit das nicht sichtbar Gekennzeichnete erkennbar werde, wird diese Handlung als Licht- beziehungsweise Kennzeichenhandlung beschrieben. Das Linienkennzeichen dient der Beseitigung aller ungünstigen Merkmale.

sūtrābhyāmantaraṃ kuryājyeṣṭhasya tu grahāṅgulaiḥ |
anyeṣāmaṅgulaikaikaṃ hṛtvainaṃ [kh, gh: hṛtvaikaṃ] sthāpayetkramāt || 64 ||

13.64 Beim größten Linga beträgt der Abstand zwischen den beiden Schnüren neun Angula. Bei den übrigen Größen vermindert man ihn der Reihe nach um je ein Angula.

cetā dīptā pramopā ca dhātrī māyā matī śivā |
caṇḍā lakṣmī sumedhā ca maṇirekhā daśoditāḥ || 65 ||

13.65 Zehn Mani-Linien werden angekündigt: Cheta, Dipta, Pramoda, Dhatri, Maya, Mati, Shiva, Chanda, Lakshmi und Sumedha. Einige Namen sind im Vers leicht entstellt.

vasubhāgīkṛte rudre tyaktvāṃśatrayamūrdhvataḥ |
pañcāṃśe latraṇaṃ [gh: pañcāsallakṣaṇaṃ] jñeyaṃ bhāgaikaṃ tasya cāntaram [kh: cottaram] || 66 ||

13.66 Der Rudra-Abschnitt wird in acht Teile gegliedert, oben werden drei ausgespart. In den verbleibenden fünf Teilen liegt das Kennzeichen; sein Abstand beträgt einen Teil.

ūrdhvaṃ sūtradvayaṃ tyaktvā prāṅmānaṃ pakṣasūtrayoḥ |
tiryaṅmadhyasthitātsūtrātpakṣasūtrāvatāraṇam || 67 ||

13.67 Oben werden zwei Schnurlinien freigelassen und das vorherige Maß an den Seitenschnüren angesetzt. Von der mittleren Querlinie aus führt man die Seitenschnüre nach unten.

bhāgadvayāntikaṃ yāvattyaktvādhobhāgasaṅgamam |
sadhyāntarārdhakaṃ prānte tvantaraṃ [kh: prāntaṃ vartulaṃ] tasya kārayet || 68 ||

13.68 Sie reichen bis zu einem Abstand von zwei Teilen, unter Aussparung der unteren Verbindung. Am Ende wird ein halber Zwischenraum beziehungsweise eine Rundung angelegt; die Lesarten variieren.

liṅgasya yāddaśo mūrdhā lakṣaṇasyāpi tādṛśaḥ |
māmānyāntara [kh: sāmānyottara] liṅgānāṃ cetā syātprathamoditā || 69 ||

13.69 Der Kopf des Linienkennzeichens soll dem Kopf des Linga entsprechen. Die zuerst genannte Cheta gilt allgemein für die entsprechenden Linga-Größen; die Größenbezeichnung ist beschädigt.

kāryā cetāthavā dīptā rekhā hastapramāṇake |
tribhakteṃ'śaika [k, kh, g: 'sraika; gh: -'graika] saṃtyakte dvyaṃśaṃ randhraḥ ṣaḍasrake [mū, a, k, gh: randhraiḥ ṣaḍasrakaiḥ] || 70 ||

13.70 Bei einem ein Hasta großen Linga wird Cheta oder Dipta verwendet. Man teilt dreifach und lässt einen Teil aus; für die verbleibenden zwei Teile folgt eine beschädigte Angabe zu Öffnung und Sechseckform.

rāmairdvābhyāṃ yavāsyābhā pakṣasūtraṃ tṛtīyake |
dīprākhyā lakṣya [gh: lakṣma] rekhā ca gaditā bhogamokṣadā || 71 ||

13.71 Mit Drei- und Zweiermaßen entsteht eine gerstenkornartige Gestalt; im dritten Bereich liegt die Seitenschnur. Diese Kennzeichenlinie heißt Dipta und verleiht Lebensgenuss und Befreiung.

dvihastake pramodākhyā tithibhāgakṛtodaye |
navāṃśo'rdhaparityakte ṣaṣṭhe bhāge tridhā kṛte || 72 ||

13.72 Beim zwei Hasta großen Linga heißt die Linie Pramoda. Die Höhe wird in fünfzehn Teile gegliedert; nach Auslassung von neun Teilen wird der sechsteilige Rest dreifach geteilt. Die Angabe zur oberen Hälfte ist sprachlich unsicher.

madhyasūtrasya madhyaṃ tu bhramaṇādubhayorapi |
yavākārebhanetrābhā pakṣasūtraṃ vinā bhavet || 73 ||

13.73 Von der Mitte der Mittelschnur aus wird nach beiden Seiten gerundet. Die Form gleicht einem Gerstenkorn oder Elefantenauge und besitzt keine Seitenschnur.

dhātrī trihastake liṅge vibhakte [k, kh, gh: tribhakte] rudrasaṃjñake |
tyakttvādho dvyekabhāgaṃ tu dvau caivādho'ṣṭadhā punaḥ || 74 ||

13.74 Beim drei Hasta großen Linga heißt sie Dhatri. Der Rudra-Abschnitt wird gegliedert; unten werden zwei beziehungsweise ein Teil ausgespart und eine weitere Achtteilung vorgenommen. Die genaue Zahlenfolge ist beschädigt.

tadūrdhvekena mūrdhā syādruṇaṃ tyaktvā guṇāntikam |
tyaktvaikaṃ bhrāmayetsūtraṃ yāvatpṛṣṭhāntamāśrite || 75 ||

13.75 Darüber bildet ein Teil den Kopf. Nach weiteren Auslassungen von drei beziehungsweise einem Teil wird die Schnur bis zur hinteren Grenze geschwenkt. Die Abfolge ist nicht vollständig sicher.

catuṣkare bhavenmāyā vikāraharabhājite |
ūrdhvaṃ ṣaṭka [k: ūrdhvaṣaṭka] parityāgāddigbhāgalakṣaṇaṃ tathā || 76 ||

13.76 Beim vier Hasta großen Linga heißt sie Maya. Der Hara-Abschnitt wird in sechzehn Teile gegliedert; nach Auslassung von sechs oberen Teilen umfasst das Kennzeichen zehn Teile.

ūrdhvaṃ vedāṃśakaṃ [mū: vedāṅgakaṃ] tyakttvā laghubhūtraṃ [k, kh: lambasūtraṃ] tato bhavet |
adho bhāgadvayaṃ muktvā saṅgamaḥ pṛṣṭhatastayoḥ || 77 ||

13.77 Oben werden vier Teile ausgespart; dann folgt die senkrechte Schnur. Nach Auslassung zweier unterer Teile verbinden sich die beiden Linien auf der Rückseite.

matī [kh: satī] pañcakare liṅge śivāṃśe tithibhājite |
agre muniparityakte lakṣaṇaṃ syātphaṇisthite || 78 ||

13.78 Beim fünf Hasta großen Linga heißt sie Mati, nach einer Variante Sati. Der Shiva-Abschnitt wird in fünfzehn Teile gegliedert; nach Auslassung von sieben oberen Teilen befindet sich das Kennzeichen im verbleibenden Achterbereich.

tattryaṃśe cordhvatastyakte lambanaṃ tryaṃśato bhavet |
tryaṃśayo [k, g: dvyaśayoḥ] styaktayoścādhaḥ pṛṣṭhataḥ sūtrasaṅgatiḥ || 79 ||

13.79 Oben werden drei Teile ausgespart; die herabhängende Linie erhält drei Teile. Nach Auslassung dreier, nach Varianten zweier unterer Teile treffen die Schnüre auf der Rückseite zusammen.

eḍḍhastake śivā tatra ṣoḍaśāṃśaṃ bhaveddharaḥ |
ṣaḍaṃśādūrdhvatastyakttvā kakudbhāge ca lakṣaṇam || 80 ||

13.80 Beim sechs Hasta großen Linga heißt sie Shiva. Der Hara-Abschnitt wird in sechzehn Teile gegliedert; sechs obere Teile werden ausgelassen und das Kennzeichen im verbleibenden Bereich angelegt. Das letzte Maßwort ist unsicher.

tribhāgātpañcabhāgāntaṃ bhāmayetpakṣasūtrake |
āgho vihāya [mū: vidhāya] bhāgau dvau melakaṃ syāttayoḥ sadā || 81 ||

13.81 Die Seitenschnüre werden vom dritten bis zum fünften Teil gerundet. Nach Auslassung zweier unterer Teile treffen sie zusammen.

saptahastātmake liṅge caṇḍākhyā lakṣaṇaṃ bhavet |
pūjābhāge vikārāṃśe rekhādhaḥ saptavarjite || 82 ||

13.82 Beim sieben Hasta großen Linga heißt das Kennzeichen Chanda. Der Verehrungsabschnitt wird in sechzehn Teile geteilt; sieben Teile unterhalb beziehungsweise außerhalb der Linie werden ausgelassen. Die Richtung dieser Auslassung ist nicht eindeutig.

turyāṃśā [kh: tulyāṃśā] lambanaṃ cādho dvyaṃśo vādhaḥ parityajet |
yasyottare [k, g: yasyāntare] 'bjikākārā saṅgati pṛṣṭhamadhyataḥ || 83 ||

13.83 Die herabhängende Linie erhält vier Teile; unten werden zwei ausgespart. Die Verbindung in der Mitte der Rückseite gleicht einem Lotus.

karāṣṭadaghnake liṅge pūrvavadbhāgakalpite |
lakṣmīsaṃjñā matā rekhā lambanaṃ [k: lakṣaṇaṃ] guṇabhāgataḥ || 84 ||

13.84 Beim acht Hasta großen Linga wird die Teilung wie zuvor angelegt. Die Linie heißt Lakshmi; ihr herabhängender Abschnitt umfasst drei Teile.

edameva sumedhākhyā lakṣaṇaṃ navahastake |
dvibhāge lambanaṃ [mū, a, g: lakṣaṇaṃ] tasya saṅgastvekāṃśavarjanāt || 85 ||

13.85 Beim neun Hasta großen Linga heißt sie entsprechend Sumedha. Der herabhängende Abschnitt umfasst zwei Teile; die Verbindung erfolgt nach Auslassung eines Teils.

na yojyā lambarekhārdhe viṣṇvaṃśe kasyacinmatam |
pakṣasūtre paraṃ kāryaṃ tadadho lambanaṃ haret || 86 ||

13.86 Nach einer Auffassung darf die herabhängende Linie nicht in den Vishnu-Abschnitt reichen. Nur die Seitenschnüre werden entsprechend geführt; der darunterliegende Überhang wird entfernt.

kvacijjñānakriyāśaktī vyāpinyau sakalākalau |
tasmātsyādviṣṇusamparkaḥ pakṣasūtre'va [kh: sūtre ca] lambane || 87 ||

13.87 Nach anderer Auffassung sind Erkenntnis- und Handlungskraft allgegenwärtig, gegliedert und ungegliedert. Deshalb dürfen Seitenschnüre und herabhängende Linie den Vishnu-Abschnitt berühren.

etāsāmiṣyate mūrdhā chatraśīrṣagajekṣaṇam |
chatrābhaṃ kukkuṭāṇḍe tu bālendvābhe yavopamam || 88 ||

13.88 Für diese Linien werden verschiedene Kopfformen verlangt: Beim schirmförmigen Linga ein Elefantenauge, beim hühnereiförmigen ein Schirm, beim jungmondförmigen ein Gerstenkorn. Die erste Wortverbindung ist gedrängt.

dakṣāṇḍaṃ trapuṣābhe tu trapuṣaṃ candramastake |
yaśo rājyaṃ dhanaṃ putraṃ saubhāgyaṃ jīvitaṃ kramāt || 89 ||

13.89 Beim gurkenförmigen Linga folgt eine eiförmige Linie, beim mondförmigen eine gurkenförmige. Ruhm, Herrschaft, Reichtum, Nachkommenschaft, Glück und Lebensdauer werden der Reihe nach als Ergebnisse genannt.

dadyurgajekṣaṇādīni ṣaḍetāni śirāṃsyatha |
etadvāṇamataṃ proktaṃ lakṣaṇaṃ sārvaliṅgikam || 90 ||

13.90 Diese sechs Kopfformen, beginnend mit dem Elefantenauge, verleihen die genannten Ergebnisse. Damit ist Banas Lehre über die Kennzeichen aller Lingas beschrieben; die überlieferte Zuordnung umfasst nicht an jeder Stelle eindeutig sechs Paare.

kvacidrudraratirbhaṅkttvā bhānvaṃśāllakṣaṇaṃ [gh: sādhāṃśā] bhavet |
nava vaikaika [mū, a, g: na caivaikaika] santyāgādardhātpādordhvalambanam || 91 ||

13.91 Eine weitere Vorschrift teilt den Rudra-Abschnitt und bildet das Kennzeichen aus zwölf Teilen. Neuner- und Einserabzüge sowie ein Überhang von einer Hälfte beziehungsweise einem Viertel werden genannt; die genaue Konstruktion ist beschädigt.

aśvatthapatravadrūpaṃ vartayegduhyalakṣaṇam |
praṇālasyārdhavistārātpīṭhāvaṭakalendu vā || 92 ||

13.92 Das geheime Kennzeichen soll wie ein Ashvattha-Blatt geformt werden. Weitere Maßbezüge betreffen die halbe Ablaufbreite, die Sockelvertiefung und eine Mondsichel; ihre Verbindung bleibt unsicher.

dve yūke pañcalikṣāśca rekhayorantaraṃ bhavet |
rekhāpṛthutvaṃ sāṅghrī tu dve likṣe mūrdhaje tathā || 93 ||

13.93 Der Abstand der beiden Linien beträgt zwei Yuka und fünf Liksha. Für die Linienbreite werden zwei Liksha mit einem Viertel genannt; eine weitere Haarmaß-Angabe schließt sich an. Diese sehr kleinen Maße bleiben in ihren traditionellen Einheiten erhalten.

ekāṅgulādiliṅgānāṃ lohajānāṃ kvacinmate |
vṛddhirekhā tathā sthānaṃ marmakaṃ cādivarjitam || 94 ||

13.94 Nach einer Auffassung werden bei Metall-Lingas ab einem Angula Größe Linien und Positionen entsprechend vergrößert, wobei empfindliche Stellen ausgespart bleiben. Die Formulierung am Ende ist beschädigt.

sthānavṛddhyā bhavetteṣāṃ lakṣaṇaṃ pūrvavadyathā |
sūkṣmāṇāmapi liṅgānāṃ trirāśikṛtalakṣaṇam || 95 ||

13.95 Mit zunehmender Größe wächst das Kennzeichen nach den zuvor genannten Regeln. Auch bei sehr kleinen Lingas wird es durch Verhältnisrechnung bestimmt.

śubhakṛnmarmasantyāgādanyathā kṛtadoṣadam |
digīśānāṃtu liṅgānāṃ svakāmaphalasādhane || 96 ||

13.96 Das Aussparen empfindlicher Stellen gilt als günstig; andernfalls entstehen nach dem Text Fehler. Bei den Lingas der Richtungswächter richtet sich das Kennzeichen nach dem gewünschten Ergebnis.

nijāyudhasamākārāṃ maṇirekhāṃ vilekhayet |
śūlaṃ vajraṃ ca śaktiṃ ca tikṣṇāgraṃ kambukaṃ tathā || 97 ||

13.97 Man zeichnet ihre Mani-Linie in Gestalt der jeweils eigenen Waffe: Dreizack, Donnerkeil, Speer, scharfe Spitze und Muschelhorn werden genannt.

daṇḍābjāsisusaṃjñābhaṃ [mū: svasaṃjñātaṃ; g: svaya jñātaṃ] vṛttaṃ pāśaṃ dhvajaṃ gadām [mū, a, gh: tathā] |
liṅghavadvartayedrekhāṃ hemasūcyā tvanantaram || 98 ||

13.98 Es folgen Stab, Lotus, Schwert, runde Schlinge, Banner und Keule. Die Linie wird der Linga-Gestalt entsprechend ausgeführt, anschließend mit einer goldenen Nadel eingeritzt.

uttarābhimukho bhūtvā jyeṣṭhasyaiva trimāṣayā |
dvimāṣayā tato'nyasya kanyasasyaikamāṣayā || 99 ||

13.99 Dabei wendet man sich nach Norden. Für die größte Form wiegt die Nadel drei Masha, für die nächste zwei, für die kleinste einen Masha.

utkīrayeyurastreṇa śilpijo gurvanujñayā |
snigdhā samā ca gambhīrā ṛjvī sarvārthadā bhavet || 100 ||

13.100 Mit Erlaubnis des Gurus ritzen die Künstler unter dem Waffenmantra. Eine glatte, gleichmäßige, ausreichend tiefe und gerade Linie gilt als alle Zwecke fördernd.

sthūlā vakrā kṛśā bhinnā rūkṣāyurarthanāśanī |
śastramāmantrya śastreṇa vilikheddakṣiṇena tu || 101 ||

13.101 Eine zu dicke, krumme, zu dünne, unterbrochene oder raue Linie wird als lebens- und wohlstandsmindernd gedeutet. Man weiht das Werkzeug mit dem Waffenmantra und ritzt mit der rechten Hand beziehungsweise dem südlichen Mantra; die Formulierung ist mehrdeutig.

pūrayenmadhusarpibhyāṃ svanetreṇa vicakṣaṇaḥ |
avyaktānāṃ sthirāṇāṃ ca brahmarekhāvidhistvayam [gh: vidhiḥ svayam] || 102 ||

13.102 Der Kundige füllt die Linie mit Honig und Butter unter dem eigenen Augenmantra. Dies ist das Verfahren der Brahma-Linie für ungegliederte, unbewegliche Lingas.

aiśāne [neśāne li0 pu0 pā0] bāṇaliṅge ca ratnajānāṃ calātmake |
sarvameva śirasthatvamīśānasya hi lakṣaṇam || 103 ||

13.103 Bei Ishana-, Bana-, Edelstein- und beweglichen Lingas wird die gesamte obere Partie als Ishanas Kennzeichen verstanden; die Satzverknüpfung ist beschädigt.

pūrvamantreṇa [kh: maṇḍala] saṃsiddhaṃ bāṇaliṅgasya lakṣaṇam |
svakāntimaṇiratnotthalakṣma vā dhātuje [k, kh: lakṣme vā pātraje] kvacit || 104 ||

13.104 Das Kennzeichen des Bana-Linga ist bereits durch den vorherigen Mantra vollendet. Bei Edelsteinen kann es durch den eigenen Glanz gegeben sein; die abschließende Aussage zu Metallformen ist variantenreich.

calānāṃ ca sthirāṇāṃ ca vyaktānāṃ netrasaṃskṛtiḥ [mū: mantrasaṃskṛti] |
aṅgulādyekaikaśaḥ [k, kh, gh: dyekakeśaḥ] syādyūkā hastavṛddhitaḥ || 105 ||

13.105 Bei beweglichen und unbeweglichen figürlichen Bildern erfolgt die Heiligung der Augen. Die Linienmaße wachsen mit Angula- beziehungsweise Hasta-Größen in Haar- und Yuka-Maßen; die genaue Staffelung ist beschädigt.

rekhāpṛṣṭhārdhagarte'rcādvau [g: gartāṃdvā] netronmīlanaṃ kvacit |
saumyābhayā pradātrī ca vīrā hṛṣṭā prabodhikā || 106 ||

13.106 Die Augenöffnung wird nach einer Vorschrift in der halben Tiefe der Linienvertiefung vorgenommen. Die günstigen Blickarten beginnen mit freundlich, furchtbefreiend, gebend, heldenhaft, freudig und erweckend.

hāsyā kāruṇikā kāma yogasthā divyadṛṣṭayaḥ |
krūrā kruddhā karālā ca bhīṣaṇā vikṛtādbhutā || 107 ||

13.107 Es folgen lächelnd, mitfühlend, liebend und yogisch gesammelt: dies sind göttliche Blicke. Wilde Formen besitzen grausame, zornige, schreckliche, furchterregende, entstellte und wunderbare Blicke.

ūrdhvādhograsinī bhītā ghorādīnāṃ tu dṛṣṭayaḥ |
netratribhāgamadhye tu tārakākhyaṃ prakīrtitam || 108 ||

13.108 Hinzu kommen nach oben oder unten gerichtete, verschlingende und erschrockene Blicke für Aghora und verwandte Formen. Die Iris liegt im mittleren Drittel des Auges.

tārātṛtīyabhāgena jyotirāsāṃ prakalpayet |
nordhvaṃ nādho natiryagvā na nyunādhikavibhramā || 109 ||

13.109 Der Lichtpunkt beträgt ein Drittel der Iris. Der Blick soll nicht unpassend nach oben, unten oder seitwärts gerichtet und nicht durch zu kleine oder zu große Drehung entstellt sein.

na binduśakalā [gh: kalaśāḥ] rūkṣā dṛṣṭisyācchubhadāyiti |
saumyā dvādaśa [kh: ṣṭādaśa] vṛddhyarthaṃ snigdharekhāsudṛṣṭayaḥ || 110 ||

13.110 Er soll weder punktförmig, zerbrochen noch rau wirken, sondern günstig sein. Für Wachstum werden zwölf, nach einer Variante achtzehn freundliche Blickformen mit glatten Linien und schönem Ausdruck genannt; die vorherige Liste ist damit nicht vollständig eindeutig abgestimmt.

vṛttākṣā rākṣasādyāśca teṣāṃ krūrādidṛṣṭayaḥ |
lakṣaṇodgharaṇe dadyādghenuṃ ca gurave sadā |
jñātvaivaṃ [kh: kṛtvaivaṃ] vidhinā samyak tatastānyadhivāsayet [k, g, gh: snānādhivāsanam] || 111 ||

13.111 Rakshasas und ähnliche Gestalten besitzen runde Augen und die wilden Blickarten. Beim Herausarbeiten der Merkmale soll dem Guru eine Kuh gegeben werden. Danach vollzieht man ordnungsgemäß die vorbereitende Lagerung beziehungsweise Waschung und Lagerung.

vasateradhipūrvasya bhāve lyuṭ [gh: ghñ] pratyaye kṛte |
adhivāsana ityeṣa [k, g: ityevaṃ; gh: vāsadhighohyeṣa] prayogaḥ siddhimeti ca || 112 ||

13.112 Das Wort Adhivasana wird aus der Wurzel vas, „wohnen“, mit dem Präfix adhi und einem Substantivsuffix erklärt. So ergibt sich diese Bezeichnung.

gūrvādisahito vāso rātrau niyamapūrvakaḥ |
etasyārthau [gh: etasyārtho] nipātānāmanekārthatayā mataḥ || 113 ||

13.113 Gemeint ist das nächtliche Verweilen zusammen mit dem Guru und weiteren Beteiligten unter Einhaltung der Regeln. Diese Deutung beruht auf der vielfältigen Bedeutung der Präfixe.

astreṇābhyakṣaṇaṃ kṛtvā tṛtīyenābhimantrayet |
nareṇārghaṃ [navenārvaṃ] pradadyācca pādyaṃ cājātakena tu || 114 ||

13.114 Man besprengt mit dem Waffenmantra und weiht mit dem dritten Mantra. Arghya wird mit dem Purusha-Mantra, Fußwasser mit dem Ajata-Mantra dargebracht; einzelne Mantranamen sind verkürzt überliefert.

vāso liṅgāya guhyena ajātena vilepanam |
pañcamena srajaṃ dadyāddhūpaṃ vai dakṣiṇena tu || 115 ||

13.115 Das Linga erhält mit dem geheimen Mantra ein Gewand, mit Ajata Salbung, mit dem fünften eine Girlande und mit dem südlichen Räucherwerk.

purūkundurūlohaiśca sarjacandanavānaraiḥ |
śrīvāsasaralābhyāṃ ca khaṇḍadhūpaiśca dhūpayet || 116 ||

13.116 Man räuchert mit Harzen und Duftstoffen wie Pura, Kunduru, Sarja, Sandel, Shrivasa und Sarala sowie Räucherbrocken. Zwei weitere Stoffnamen sind unsicher überliefert.

hṛdā deyaṃ pavitraṃ tu pradīpaṃ madhyamena tu |
naivedyāni tṛtīyena anuktaṃ hṛdayena tu || 117 ||

13.117 Das Pavitra wird mit dem Herzmantra, die Lampe mit dem mittleren, Speisegaben mit dem dritten Mantra dargebracht. Für nicht ausdrücklich zugeordnete Gaben gilt der Herzmantra.

chādayedvastrayugmena guhyamantreṇa daiśikaḥ |
mūrdhni nidrāghaṭaḥ sthāpyo rudrajaptaḥ supūjitaḥ || 118 ||

13.118 Der Lehrer bedeckt das Linga mit zwei Tüchern unter dem geheimen Mantra. Am Kopfende wird der gut verehrte Schlafkrug aufgestellt, über den Rudra-Mantras rezitiert wurden.

kapilā bandhayetpañca arogāḥsupayasvinīḥ |
caturdvāreṣu ceśāne tatkṣīreṇa caruṃ śrapet || 119 ||

13.119 An den vier Türen und im Nordosten werden fünf gesunde, milchreiche braune Kühe angebunden. Aus ihrer Milch bereitet man den Charu-Opferbrei.

caruṃ prāśya svapettatra vihite dantadhāvane |
gurūmūrtidharaiḥkartāsahitaḥ kuśasaṃstare || 120 ||

13.120 Nach dem Essen des Charu und der vorgeschriebenen Zahnreinigung schläft der Auftraggeber zusammen mit Guru und Murti-Trägern auf einem Lager aus Kusha-Gras.

susvapne siddhiranyatra juhuyānmadhyagaṃ guruḥ |
dvitīye'hni kṛtasnānaḥ karyā patnyanvito vratī || 121 ||

13.121 Ein guter Traum gilt als Zeichen des Gelingens; andernfalls opfert der Guru mit dem mittleren Mantra. Am zweiten Tag badet der Auftraggeber und hält gemeinsam mit seiner Frau die rituelle Regel ein.

guruḥ samūrtipaiḥ snāto vastrābharaṇabhūṣitaḥ |
kṛtamaṅgalanirghoṣairdevasnānādikaṃ caret || 122 ||

13.122 Der Guru und die Murti-Hüter baden, legen Gewänder und Schmuck an und beginnen unter glückverheißenden Klängen mit der Waschung der Gottheit und den weiteren Handlungen.

iti lakṣaṇasamuccaye lakṣaṇoddhāravidhikathanaṃ nāma trayodaśo vidhiḥ || 13 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 13. Ritualabschnitt über „Herausarbeiten der Merkmale“.

Kapitel 14: Waschung der drei Linga-Formen

atha caturdaśaḥ

Nun folgt der 14. Ritualabschnitt.

śivaḥ sarvagataḥ sūkṣmaḥ svayamutkarṣate'khilam |
sphuṭamācāryarūpeṇa mantraśattyā [g: mantreṇa sa] carācaram || 1 ||

14.1 Shiva ist alldurchdringend und subtil. In der sichtbaren Gestalt des Acharya erhebt er selbst durch Mantra-Kraft alles Bewegliche und Unbewegliche.

sarveṣāmapi varṇanāmavatīrṇaḥ kaleśvarāt [k, g: varāt] |
anugrahāya lokānāṃ gurutvaṃ syācchivecchayā || 2 ||

14.2 Zum Segen der Welten ist er für alle Varnas vom Herrn der Kalas herabgekommen. Dass jemand Guru ist, geschieht durch Shivas Willen.

ayutairdvijavedaśaiḥ samayī tatsamo bhavet [kh: mācaret] |
tadayutaiñca putrāhva [kh: patrāṅka] staistāvadbhiñca sādhakaḥ || 3 ||

14.3 Ein Samayin wird zehntausend vedakundigen Brahmanen gleichgesetzt; ein Putraka wiederum zehntausend Samayins, ein Sadhaka ebenso vielen Putrakas. Dies ist die geistliche Rangordnung des Textes.

daśabhistu sahasraistairācāryaḥ śivaśāsane |
tebhyo dānārcanairbhaktyā [gh: bhūkatvā] phalaṃ syādvāsukerma [k, g: vādyakarma; kh: vāstukarma] tāt || 4 ||

14.4 In Shivas Lehre entspricht ein Acharya zehntausend Sadhakas. Hingebungsvolle Gaben und Verehrung an diese bringen Frucht nach Vasukis Auffassung; die Namenslesart ist nicht einheitlich.

sakalīkaraṇāṃ kṛtvā deve [mū: vede; k, kh: dehe] hyarghādikaṃ ca yat |
tatañcābhyukṣaṇaṃ liṅge arghapūṣpākidhūpanaiḥ || 5 ||

14.5 Nach der rituellen Vervollständigung der Gottheit beziehungsweise des eigenen Körpers folgen Arghya und weitere Gaben. Das Linga wird besprengt und mit Arghya, Blumen und Räucherwerk verehrt.

tailenābhyaṅgayelliṅgaṃ dūrvākāṇḍaśatena ca |
guhmena [kh: śuddhena] svayamācāryaḥ pañcātkartā kulaiḥ saha [gh: kulena ca] || 6 ||

14.6 Der Acharya salbt das Linga selbst mit Öl, unter Verwendung von hundert Durva-Stängeln und dem geheimen Mantra. Danach handelt der Auftraggeber zusammen mit seiner Familie.

tatkālamaṅgalaṃ gītaṃ gāyantyo 'vidhavāḥ śubhāḥ |
dadyāttāsāṃ guḍaṃ dhānyaṃ paryaṭaṃ [gh: parvpaṭaṃ] lavaṇaṃ kvacit || 7 ||

14.7 Währenddessen singen Frauen, deren Ehemänner leben, glückverheißende Lieder. Man gibt ihnen Rohzucker, Getreide, ein unsicher als Paryata bezeichnetes Geschenk und teilweise Salz.

tatastvavidhavā cāṣṭau sarbalakṣaṇasaṃyutāḥ |
savyāpasavyasūtreṇa saṃspṛśeyuḥ kuśena vā || 8 ||

14.8 Acht solche Frauen mit den erwünschten Merkmalen berühren das Linga mit rechts- und linksgeführter Schnur oder mit Kusha-Gras. Die Auswahlregel gehört zum historischen Ritualkontext.

svapayanti [k, gh: snapayanti] punastāstu nirmatsyanti punaḥ punaḥ |
vidhinā snapanaṃ [g: apayanti] pañcādācareddaiśikaḥ svayam || 9 ||

14.9 Sie waschen und reinigen es wiederholt. Danach vollzieht der Lehrer selbst die regelrechte rituelle Waschung.

mṛtsāgomayagomutrabhasmadugdhairyathākramam |
pañcagavyena daghnā vā madhunā pañcavalkalaiḥ || 10 ||

14.10 Der Reihe nach werden Erde, Kuhdung, Kuhurin, Asche, Milch, Panchagavya, saure Milch, Honig und ein Absud aus fünf Baumrinden verwendet.

aṣṭasaptārkanāgāṃśaira [kh: nāgāṅkaiḥ] gnisaptavikārakaiḥ |
nakhāgni [kh: navāgni] pañcabhiḥ snānaṃ palāśai [kh: palārdhe] rekahastake || 11 ||

14.11 Für ein ein Hasta großes Linga nennt der Text eine Mengenfolge von acht, sieben, zwölf, acht, drei, sieben, sechzehn, zwanzig, drei und fünf Pala. Mehrere Zahlwörter und die abschließende Maßeinheit sind variantenreich; die genaue Zuordnung zu den Stoffen bleibt unsicher.

nānāphalairathāṣṭābhiḥ puṣpāṇāṃ ca śatena ca |
snāpayedguhyamantreṇa rudrairvā hṛdayena vā || 12 ||

14.12 Danach wäscht man es mit acht verschiedenen Früchten und hundert Blumen, unter dem geheimen Mantra, den Rudra-Mantras oder dem Herzmantra.

yavagodhūmajaiñcūrṇairbilvacūrṇaistathāparaiḥ |
udvartya snāpayetpañcātsvacchena gandhavāriṇā || 13 ||

14.13 Man reibt es mit Mehl aus Gerste und Weizen sowie Bilva-Pulver und weiteren Pulvern ab. Danach wird es mit klarem Duftwasser gewaschen.

sarvauṣadhipalenāpi ratnatoyena śaktitaḥ |
tathā kāñcanatoyena gośṛṅgasalilena ca || 14 ||

14.14 Nach Vermögen verwendet man Wasser mit einem Pala der Gesamtheit der Heilpflanzen, Edelsteinwasser, Goldwasser und Wasser aus einem Kuhhorn.

dhānyodakena cecchātastato gandhodakena ca |
sitavastreṇa deveśaṃ parimṛjya [mū, a: parityajya] sugandhinā || 15 ||

14.15 Nach Wunsch folgen Getreidewasser und Duftwasser. Danach trocknet man den Herrn der Götter mit einem weißen, wohlriechenden Tuch ab.

etalliṅge'nyadarcāsu snānaṃ syādbhāskare mate |
svaiḥ svairmantrairharādīnāṃ miśrāṇamapi sarvadā || 16 ||

14.16 Dies gilt für das Linga. Für figürliche Bilder folgt nach Bhaskaras Auffassung eine weitere Waschung; bei Hara und den anderen sowie den gemischten Formen werden stets die jeweils eigenen Mantras verwendet.

jalena pañcagavyena pañcabhirmadhuraistathā |
mṛtkaṣāyauṣadhībhiśca dhāgryā tīrthadhunījalaiḥ || 17 ||

14.17 Die Reihe beginnt mit Wasser, Panchagavya, den fünf süßen Stoffen, Erde, Rindenabsud, Heilpflanzen, Dhatrifrucht sowie Wasser heiliger Stätten und Flüsse.

sāgarodakaratnāmbugandhapuṣpaphalodakaiḥ |
mahāsnānena diksnānaiḥ snāpyaṃ ṣoḍaśabhiḥ kramāt || 18 ||

14.18 Es folgen Meerwasser, Edelsteinwasser, Duft-, Blumen- und Fruchtwasser, das große Bad und die Richtungsbäder. So werden sechzehn Waschungen der Reihe nach vollzogen.

astrādbhirdhūlirsaśuddyai prathamaṃ snāpayecchivam |
kṣīraṃ gostāmravarṇāyā īśena bhāgapañcakam || 19 ||

14.19 Zuerst wäscht man Shiva mit durch den Waffenmantra geweihtem Wasser, um Staub zu entfernen. Für Panchagavya nimmt man fünf Teile Milch einer kupferfarbenen Kuh und weiht sie mit Ishana.

śuklāyā dadhi ca grāhyaṃ caturbhāgaṃ nareṇa ca |
kapilāyā ghṛtaṃ gośca aghoreṇāgnibhāgikam || 20 ||

14.20 Vier Teile saure Milch einer weißen Kuh werden mit Purusha geweiht. Drei Teile Butter einer braunen Kuh erhalten den Aghora-Mantra.

gomūtraṃ nīlavarṇayā guhyena dvayabhāgakam |
kṛṣṇayā gomayaṃ khasthamajena sarvadā [mū: sampadā] śuci || 21 ||

14.21 Zwei Teile Urin einer dunkelblauen beziehungsweise dunklen Kuh werden mit dem geheimen Mantra, ein Teil frischer reiner Dung einer schwarzen Kuh mit Aja geweiht. Die Mengenbezeichnung des Dungs ist verkürzt.

madhyendrayamayakṣāmbudiksthe tāmrādipātrage [mū: pātrataḥ] |
śivenaikattvamāloḍya pañcabhirvātha kāpilam || 22 ||

14.22 Die Bestandteile stehen in Kupfer- oder entsprechenden Gefäßen in der Mitte sowie im Osten, Süden, Norden und Westen. Mit dem Shiva-Mantra werden sie vermischt; alternativ stammen alle fünf von einer braunen Kuh.

kuśāmbunārdhabhāgaṃ ca sādākhyenābhimantritam |
ebhistu paṃcabhiryuktaiḥ snānamarcādiśodhanam || 23 ||

14.23 Ein halber Teil Kusha-Wasser, mit Sadakhya geweiht, kommt hinzu. Das Bad mit diesen fünf verbundenen Stoffen gilt als Reinigung der Kultbilder.

payodadhighṛtaṃ kṣaudraṃ khaṇḍaiḥ syātpañca mādhuram |
īśānavaktraghorāhvaguhyājātākhyamantritaiḥ [gh: -kaiḥ] || 24 ||

14.24 Die fünf süßen Stoffe sind Milch, saure Milch, Butter, Honig und Zucker. Sie werden mit Ishana, dem Gesichtsmantra, Aghora, dem geheimen Mantra und Ajata geweiht.

valmīkagirigaṅgāditīrajebhahradoddhṛtāḥ |
vṛṣaśṛṅgasamutkhātāḥ pavakāśrayasambhavāḥ || 25 ||

14.25 Für die Erdwaschung nimmt man Erde von Ameisenhügeln, Bergen, Ufern der Ganga und anderer Gewässer, von Elefantenwasserstellen, durch Stierhörner aufgeworfene Erde und Erde einer Feuerstätte.

nṛpadvārācaturmārgamṛtsābhiśca viśuddyati |
ajena kṣālanātpṛthvīkramatastu kalāvatā || 26 ||

14.26 Hinzu kommen Erde vom Königstor und von einer Kreuzung. Die Waschung mit dem Ajata-Mantra reinigt; die abschließende Beziehung zu Erde und Kalas ist gedrängt überliefert.

bakulodumbarāśokavaṭabodhitvacāṃ jalaiḥ |
kavoṣṇaistu tṛtīyena snānaṃ ṭaṅkakṣatāpaham || 27 ||

14.27 Lauwarmes Wasser mit Rinden von Bakula, Udumbara, Ashoka, Vata und Bodhi-Baum wird unter dem dritten Mantra verwendet. Es soll die Verletzungen durch das Bildhauerwerkzeug ausgleichen.

ṛddhivṛddhisahā [mahā bhū0 pā0] siṃhīkanyācchinnā bahuprajā |
nidigdhikā balāmūlaiḥ snānaṃ guhyena doṣahṛt || 28 ||

14.28 Eine Waschung mit den Wurzeln beziehungsweise Pflanzenteilen von Riddhi, Vriddhi, Saha, Simhi, Kanya, Chinna, Bahupraja, Nidigdhika und Bala unter dem geheimen Mantra beseitigt nach dem Text Fehler.

tvakpatramustanāgāhvatoyagranthyādibhiḥ [-prajñādibhiḥ] saha |
dhātryā snānānmahītyakte [gh: vyakte] sadyojātena śuddhyati || 29 ||

14.29 Dhatri wird zusammen mit Rinde, Blatt, Musta, Nagahva, Toya, Granthi und weiteren Duft- oder Heilpflanzen verwendet. Das Bad mit Sadyojata reinigt die aus der Erde hervorgegangene Gestalt; die Mittelgruppe ist variantenreich.

sugandhiśālipiṣṭena gāyatryā mantritena ca |
samudvartya mahādevaṃ tīrthotthaiḥ snāpayejjalaiḥ || 30 ||

14.30 Mit duftendem Reismehl, geweiht durch die Gayatri, reibt man Mahadeva ab. Danach wäscht man ihn mit Wasser heiliger Pilgerstätten.

ajāgandhiprayāgaśca [kh: prayogācca] kedāraṃ bhairavaṃ tathā |
puṣkaraṃ naimiṣāraṇyaṃ tīrthaṃ ca varūṇaṃ tathā || 31 ||

14.31 Genannt werden Ajagandhi, Prayaga, Kedara, Bhairava, Pushkara, Naimisharanya und die heilige Stätte Varuna.

etattīrthāmbususnānānnareṇa tvagvi [g: deśatvayi] śuddhyati |
jāhnavī yamunā kauśī sarayū śoṇanarmadā || 32 ||

14.32 Das Bad mit ihrem Wasser unter Purusha reinigt die Oberfläche beziehungsweise Haut. Die heiligen Flüsse beginnen mit Jahnavi, Yamuna, Kaushi, Sarayu, Shona und Narmada.

kāverī gaṇḍakī sindhu [mū: caiva] strisrotā candrabhāgikā |
saptagodāvarītyetāḥ puṇyanadyo mahājalaiḥ || 33 ||

14.33 Es folgen Kaveri, Gandaki, Sindhu, Trisrota, Chandrabhaga und Saptagodavari. Ihre heiligen Wasser werden zur Waschung verwendet.

snānātpunanti carcānāṃ viśveśaṃ [gh: viṣṇavaṃśaṃ] guhyamantrataḥ |
kṣārakṣīradadhisnehekṣurasodasurodakāḥ || 34 ||

14.34 Unter dem geheimen Mantra reinigen sie die Kultbilder beziehungsweise nach einer Variante den Vishnu-Abschnitt. Die Meeresarten beginnen mit Salz, Milch, saurer Milch, Fett, Zuckerrohrsaft und Wein.

svādugarbhodakāśceti jñeyāstvaṣṭau ca sāgarāḥ |
eteṣāmambubhiḥ snāyyaṃ sparśaśuddhyai [mū: snānātsparśaśuddho] nareṇa tu || 35 ||

14.35 Hinzu kommen Süßwasser und das als Garbha bezeichnete Wasser: So werden acht Meere genannt. Mit ihrem Wasser wäscht man unter Purusha zur Reinigung der Berührung; die kosmologische Aufzählung bleibt wie überliefert.

puṣparāgaṃ ca vaidūryaṃ vajraṃ caiva samauktikam |
sphāṭikaṃ padyarāgaṃ ca rājāvartaḥsuvidrumam || 36 ||

14.36 Für Edelsteinwasser werden Topas, Vaidurya, Diamant, Perle, Bergkristall, Rubin, Rajavarta und Koralle genannt.

nilaṃ marakataṃ caiva karketanaṃ suṭiṭṭibham [gh: ṭiṭibham] |
etadratnodakaiḥ snānaṃ mahābhūtikaraṃ param || 37 ||

14.37 Es folgen Saphir, Smaragd, Karketana und das unsicher bezeichnete Sutittibha. Das Bad mit diesem Edelsteinwasser gilt als besonders großes Gedeihen verleihend.

aghoramantrapūtaistu liṅgarupaviśodhakam |
karpūrāgurukastūrīkāśmarīcandanādikaiḥ || 38 ||

14.38 Mit Aghora geweiht reinigt es die Gestalt des Linga. Für das Duftbad folgen Kampfer, Agaru, Moschus, Kashmari, Sandel und weitere Stoffe.

jātīlavaṅgakarkolai ścaturjātasugandhikaiḥ |
snāpayedgandhatoyena ajātenābhimantritam || 39 ||

14.39 Hinzu kommen Jati, Gewürznelke, Karkola und die vier Duftstoffe. Mit Ajata geweihtes Duftwasser dient der Waschung.

gandhadoṣavināśāya dharā [kh: parā] bramhaviśuddhaye |
puṇḍarīkābjamālūranīlaraktotpalārkajam [gh: -kam] || 40 ||

14.40 Es beseitigt nach dem Text Geruchsfehler und reinigt den Erd- beziehungsweise Brahma-Abschnitt. Die Blumenliste beginnt mit weißem Lotus, Lotus, Bilva, blauem und rotem Wasserlotus und Arka.

mālatītagarāśokahemacacpakamallikāḥ |
sahakārāśvamāraṃ ca punnāgabakulāni ca || 41 ||

14.41 Es folgen Malati, Tagara, Ashoka, goldfarbener Champaka, Mallika, Mango, Ashvamara, Punnaga und Bakula.

karṇikāroḍrakahlāraṃ kundaṃ kumudayūthikā |
pāṭalādroṇanepālī [k, kh: remālī] kuśakiṃśukasiṃhikāḥ || 42 ||

14.42 Weiter Karnikara, Udra, Kahlara, Kunda, Kumuda, Yuthika, Patala, Drona, Nepali, Kusha, Kimshuka und Simhika. Einige Pflanzennamen sind variantenreich und werden nicht botanisch gleichgesetzt.

kadambaṃ cātimuktaṃ ca kuṭajaṃ nāgapuṣpakam |
mṛdukundābjapatrī [k, kh: mucukundā-] ca vṛṣarṣibukapuṣpakam || 43 ||

14.43 Hinzu kommen Kadamba, Atimukta, Kutaja, Nagapushpa, eine unsicher als Mridukunda beziehungsweise Muchukunda gelesene Pflanze, Abjapatri und weitere beschädigte Blumennamen.

ebhiranyaiḥ pavitraiśca snānaṃ śabdaviśuddhikṛt |
bilāmramocanāraṅga panasaṃ nālikerakam || 44 ||

14.44 Das Bad mit diesen und anderen reinen Blumen gilt als Reinigung des Klanges. Die Fruchtliste beginnt mit Bilva, Mango, Banane, Orange, Jackfrucht und Kokosnuss.

kakko (ṅko) lāmalakaṃ drākṣā jātīphalaparupakam |
dāḍimodumbaraṃ jambū karjū/raṃ [gh: vekṣuraṃ] tālabimbakam [mū: bilvakam] || 45 ||

14.45 Es folgen Kakkola, Amalaki, Weintraube, Muskatfrucht, Parupaka, Granatapfel, Udumbara, Jambu, Dattel, Palmyrafrucht und Bimba; einzelne Namen besitzen abweichende Lesarten.

prācīnāmalakaṃ pīlu kapitthaṃ bakulaṃ tathā |
vadarībījapūraṃ ca kava [k, gh: kara] mardaṃ satindukam || 46 ||

14.46 Weiter Prachinamalaka, Pilu, Kapittha, Bakula, Jujube, Zitronatzitrone, Karamarda und Tinduka.

pūgādikaṃ yathālābhamīśānāghoramantritam |
phalasnānamidaṃ pupyaṃ karturicchāphalapradam || 47 ||

14.47 Arekanuss und weitere verfügbare Früchte werden mit Ishana und Aghora geweiht. Dieses heilige Fruchtbad soll dem Auftraggeber das gewünschte Ergebnis verleihen.

toyekṣvāmrarasairvāpi brīhyādyaiḥ pañcabhiḥ saha |
tilagodhumasugdādi yavadhānyapriyaṅgubhiḥ || 48 ||

14.48 Für das große Bad werden Wasser, Zuckerrohr- oder Mangosaft sowie Getreide verwendet: Reis, Sesam, Weizen, Mungbohnen, Gerste und Priyangu erscheinen in der Liste, die zugleich von fünf Arten spricht.

pūrvoktamṛttikāgandhaṃ kusumauṣadhisaṃyutam |
pañcabrahmodbhavairmantrairmahāsnānaṃ śubhapradam || 49 ||

14.49 Hinzu kommen die zuvor genannten Erden, Düfte, Blumen und Heilpflanzen. Das große Bad unter den fünf Brahma-Mantras gilt als glückverheißend.

kadambapallavāsyena kumbhenendraṃ narānvitam |
saśālmalena cāgneyaṃ hṛnmantrai snānamuttaman || 50 ||

14.50 Das östliche Richtungsbad erfolgt aus einem Krug mit Kadamba-Zweigen an der Öffnung unter Purusha. Das südöstliche verwendet Shalmali und den Herzmantra.

jambūpatravaṭā yāmyaṃ snānaṃ cāghoramantrataḥ |
sāśokena tu rakṣojaṃ śikhamantrānvitaṃ varam || 51 ||

14.51 Das südliche Bad verwendet Jambu-Blätter und Aghora. Das südwestliche erfolgt mit Ashoka unter dem Shikha-Mantra.

āpyaṃ [mū: snāpya] bodhidalāsyena snānaṃ cājātamantritam |
cūtāsyena tu vāyavyaṃ snānaṃ varmasamanvitam || 52 ||

14.52 Das westliche Bad verwendet Bodhi-Blätter und Ajata. Das nordwestliche nimmt Mangoblätter und den Schutzmantra.

saumyaṃ vaṭacchadāsyena snānaṃ vāmābhimantritam |
sabhasmabilvapatrāsyasnānamaiśaṃ śiro'nvitan || 53 ||

14.53 Das nördliche Bad erfolgt mit Vata-Blättern unter Vama. Das nordöstliche verwendet Asche und Bilva-Blätter und wird mit dem Kopfmantra verbunden.

nāgapatrānanasnānamā [gh: snānaṃ sā] nantaṃ netramaṇḍitam |
brahmapatravatā brāhmaṃ sakuśena samanvitam || 54 ||

14.54 Das Ananta-Bad verwendet Naga-Blätter und den Augenmantra. Das Brahma-Bad erfolgt mit Brahma-Blättern und Kusha; die zweite Mantrazuordnung wird nicht ausdrücklich ausgeschrieben.

bherīśaṅkharavaistūryaiḥ kāhalādhvanibhiḥ kalaiḥ |
varastrīmaṅgalodgītaiḥ snāpayedvṛṣabhadhvajam || 55 ||

14.55 Unter Trommeln, Muschelhörnern, Instrumenten, hellen Trompetenklängen und glückverheißenden Gesängen der Frauen wäscht man den Gott mit dem Stierbanner.

tato nirmatsya (2) cāstreṇa hṛdā vāca [k: tvāca] mayecchivam |
arghaṃ dattvā tu vaktreṇa vastreṇākarṣayejjalam || 56 ||

14.56 Danach reinigt man ihn mit dem Waffenmantra und reicht mit dem Herzmantra Mundspülwasser. Nach Arghya unter dem Gesichtsmantra nimmt man das Wasser mit einem Tuch ab.

yathā śive tathaivārke viṣṇvādau ca samācaret |
snānādi svaisvakairmantraiñcaturmṛtsnāspvihādhikāḥ || 57 ||

14.57 Wie bei Shiva verfährt man bei der Sonne, Vishnu und weiteren Gottheiten mit ihren jeweils eigenen Mantras. Vier zusätzliche Erden werden genannt; die abschließende Zahlenangabe ist beschädigt.

kuśamūlodbhavakroḍapadyagoṣṭhamṛdastvimāḥ |
nāne pūrvoktamṛtsnāñca śastā dvādaśaviṣṇubhiḥ || 58 ||

14.58 Diese stammen von Kusha-Wurzeln, einer vom Eber aufgewühlten Stelle, einem Lotusplatz und einem Kuhstall. Zusammen mit den zuvor genannten Erden gelten sie unter den zwölf Vishnu-Mantras als geeignet.

dvātriṃśatṣoḍaśāṣṭabhiḥ kṛmbhai snātyaṃ navādibhiḥ [k: narādibhiḥ] |
calārcāsu prayatnena sthāvare dvīguṇaṃ kramāt || 59 ||

14.59 Bewegliche Kultbilder werden mit zweiunddreißig, sechzehn, acht oder neun und weiteren Krügen gewaschen. Bei unbeweglichen Formen werden die Zahlen jeweils verdoppelt; die Neunerangabe besitzt eine abweichende Lesart.

naivedyaṃ tailapātraṃ ca snānavastraṃ śalākikam |
dattvā tu śilpināmarcābhimantrya tato'rcayet || 60 ||

14.60 Den Künstlern gibt man Speisegaben, das Ölgefäß, das Badetuch und das kleine Werkzeug. Danach wird das Kultbild mit Mantras geweiht und verehrt.

evaṃ pakvamṛdādīnāṃ liṅgānāṃ dravyapañcakam |
citrādilepya [k: -lekhya] pustānāṃ darpaṇasnānamiṣyate || 61 ||

14.61 Für Lingas aus gebranntem Ton und den weiteren genannten Materialien werden fünf Stoffe verwendet; die genaue Stoffgruppe bleibt verkürzt. Bei gemalten, modellierten und aus vergänglicher Masse gefertigten Bildern wird ein Spiegelbad vorgeschrieben.

iti lakṣaṇasamuccaye tridhāliṅgamnānaṃ nāma caturdaśovidhiḥ || 14 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 14. Ritualabschnitt über „Waschung der drei Linga-Formen“.

Kapitel 15: Vorbereitende rituelle Lagerung

atha pañcadaśaḥ

Nun folgt der 15. Ritualabschnitt.

lohādidhātu [mū, g, gh: ṛtu] liṅgāni pratyekaṃ bhautikāni tu |
śabdātsparśācca rūpācca rasādgandhācca vai kramāt || 1 ||

15.1 Die Lingas aus Metall und anderen Stoffen bestehen jeweils aus den Elementen und stehen der Reihe nach mit Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch in Verbindung.

svabījodbhāvanodghātairekādi kramapañcakaiḥ |
viśodhya khādibhūtāni tato mūrtiṃ tu kārayet || 2 ||

15.2 Durch Hervorbringen und Auflösen mittels der eigenen Bijas, in Folgen von eins bis fünf, reinigt man die Elemente vom Raum an. Danach bildet man die göttliche Gestalt.

nyasedvarṇātmakānnudrānnavyaktādi [g: -ktāni] trirūpake |
pañcabrahma tato'ṅgāni kalāḥ sarvāḥ śivasya ca || 3 ||

15.3 In die drei Formen, ungegliedert und die weiteren, setzt man die aus Lauten bestehenden Rudras ein, sodann die fünf Brahma-Mantras, die Glieder und sämtliche Kalas Shivas.

tato vastraṃ ca gandhaṃ ca puṣpaṃ dhūpaṃ ca dīpakam |
naivedyaṃ pūrvavaddadyādrocanāṃ mūrdhamantritām || 4 ||

15.4 Danach bringt man wie zuvor Gewand, Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise dar, außerdem Rochana, geweiht mit dem Kopfmantra.

añjanaṃ naitramantreṇa darpaṇaṃ puruṣeṇa tu |
chatramīśānadevena cāmaraṃ naramantrataḥ [gh: mantritam] || 5 ||

15.5 Augensalbe wird mit dem Augenmantra, der Spiegel mit Purusha, der Schirm mit Ishana und der Yakhaarwedel mit dem Nara-Mantra dargebracht.

evamiṣṭvā mahādevaṃ maṇḍapaṃ saṃpraviśya ca |
bālukā vikiretpīṭhe tṛṇakeśādivarjitāḥ || 6 ||

15.6 Nachdem man Mahadeva so verehrt hat, betritt man die Halle und streut auf dem Altar Sand aus, frei von Gras, Haaren und anderen Verunreinigungen.

ananta pūjayetpīṭhe hṛdā ca dhyānapūrvakam |
prāgagrāṃstṛṇuyāddarbhānajātenottarāgrakān || 7 ||

15.7 Auf dem Altar verehrt man Ananta mit dem Herzmantra und vorausgehender Meditation. Mit Ajata breitet man Darbha aus, dessen Spitzen nach Osten und Norden weisen.

tadūrdhvaṃ vinyasenkhadvāṃ hemaratnavibhūṣitām |
dharmādicaraṇāñchambhośtathādharmādigātrakān || 8 ||

15.8 Darüber stellt man ein mit Gold und Edelsteinen geschmücktes Bett auf. Seine Füße werden als Dharma und weitere Kräfte Shambhus, seine übrigen Glieder als Adharma und weitere Gegenkräfte betrachtet.

tacchādane tu tūlyabjaṃ cintyaṃ [kh: śilpa] vāmādikesaram |
vidyeśvaradalaṃ tatra maṇḍala [kh: maṇḍapaṃ] trayakarṇikam || 9 ||

15.9 Auf der Decke stellt man sich einen Lotus vor: Seine Staubfäden sind Vama und die weiteren Shaktis, seine Blätter die Vidyeshvaras und sein Fruchtboden die drei Mandalas.

iḍāyāṃ jalasaṃsthāyāmutthāpyeśaṃ rathaṃ nayet |
sunimittaiḥ śubhairvādyairmaṅgalaiḥ stutivācakaiḥ || 10 ||

15.10 Wenn Ida dem Wasserzustand zugeordnet ist, hebt man den Herrn an und bringt ihn auf den Wagen. Günstige Zeichen, schöne Musik, Segenshandlungen und Lobpreis begleiten dies; die einleitende Atem- beziehungsweise Zeitangabe ist verkürzt.

vitānacāmaracchatrairvidhṛtaiḥ śobhanairdhvajaiḥ |
agre bhṛṅgāradhārāśca mucchadbhirgurubhiśtathā || 11 ||

15.11 Baldachine, Yakhaarwedel, Schirme und schöne Banner werden getragen. Voran gehen Lehrer, die Wasserströme aus Gießgefäßen auslaufen lassen.

āpyadvārapraveśaśca yāgasthānaṃ maheśvaram |
talpe prākśirasaṃ nidrākumbhaṃ tacchīrṣake nyaset || 12 ||

15.12 Maheshvara wird durch das westliche Tor in den Opferbereich gebracht und mit dem Kopf nach Osten auf das Bett gelegt. An sein Kopfende stellt man den Schlafkrug.

śatajaptamadhoreṇa tato devaṃ prapūjayet |
thāṇuśca nīlakaṇṭhaśca mahādevaḥ śivastathā || 13 ||

15.13 Über den Krug wird hundertmal Aghora rezitiert; danach verehrt man die Gottheit. Die folgende Namensreihe beginnt mit Sthanu, Nilakantha, Mahadeva und Shiva.

rudraśca śaṅkaraścaiva nīlalohitasaṃjñakaḥ |
īśāno dhanado bhīmastryambakaḥ pārvatīpatiḥ || 14 ||

15.14 Es folgen Rudra, Shankara, Nilalohita, Ishana, Dhanada, Bhima, Tryambaka und Parvatipati.

dvādaśaite'tra [mū, a, k, g: tu] saṃpūjya mārgādau yoganāyakāḥ |
dīpairgandhaiśca puṣpaiśca dhūpaiścaiva yathākramam || 15 ||

15.15 Diese zwölf Yoga-Herren werden von Margashirsha an der Reihe nach mit Lampen, Düften, Blumen und Räucherwerk verehrt.

naivedyairvividhaiḥ puṇyaiḥ [gh: puṣpaiḥ] pāyasādyaistu khāghakaiḥ |
lopikā [k: kāyikā] npūrikānpūpā [gh: pūpai] nmaṇḍalakānmodakāndadhi || 16 ||

15.16 Man bringt vielfältige heilige Speisen dar: Milchreis, Gebäck, Lopika, Purika, Kuchen, runde Kuchen, Modaka und saure Milch.

laḍḍūkānbaṭakānphenān guḍakṣīraṃ guḍaudanam |
parpaṭaṃ [mū: paryaṭaṃ] ghṛtapūraṃ ca khaṇḍavartisitaudanam || 17 ||

15.17 Hinzu kommen Laddu, Vataka, schaumartiges Gebäck, Milch mit Rohzucker, süßer Reis, Papad, mit Butter gefülltes Gebäck, Zuckerformen und weißer Reis.

nānābhakṣyāṇi divyāni phalāni vividhāni ca |
khaḍgottamastathā mantrī [gh: śastrī] vāgu [g: bāṇa] lyopaskaraṃ śubham (?) || 18 ||

15.18 Weiter werden vielfältige köstliche Speisen und Früchte genannt. Die anschließende Geräteangabe mit Schwert und Mantrakundigem ist bereits in der Vorlage fraglich und lässt sich nicht zuverlässig übersetzen.

tāmbūlaṃ ca sakarpūraṃ sahakārasamanvitam |
saharuṃ [kh: saphalaṃ] sthitipātraṃ ca madhupātraṃ patadgraham [k: tadguham; g: draham] || 19 ||

15.19 Betel mit Kampfer und Mango-Duft beziehungsweise Mango, ein Standgefäß, ein Honig- oder Weingefäß und ein Auffanggefäß werden bereitgestellt. Ein zusätzliches Attribut ist beschädigt.

śaṅkhamuṇḍi [k: vaśu; kh, gh: vuṇḍaṃ] stathā śuktiṃ mañcikoparisaṃsthitam |
yadanuktamihadravyaṃ peṣaṇyādi [kh: praveśyādi; gh: peśinyādi] ca yadgṛhe || 20 ||

15.20 Muschelhorn, ein unsicher bezeichnetes Gefäß und eine Muschelschale stehen auf einem kleinen Tisch. Auch nicht ausdrücklich genannte Haushaltsgeräte, etwa zum Mahlen, gehören dazu.

tatpradadyādaśāṭhyeta ghoramantreṇa yatnataḥ |
tataḥ śīrṣonnate puṇye geḍḍuke [k: gaṇḍuke] ca suśobhane || 21 ||

15.21 All dies bringt man ohne Knauserei sorgfältig unter dem Aghora-Mantra dar. Danach wird ein schönes, reines Polster mit erhöhtem Kopfteil vorbereitet.

śayirtu sthā [kh: svā] payelliṅgaṃ piṇḍikāsahitaṃ prabhum |
abhyajya madhusarpibhyāṃ dadyātsiddhārthakānbahūn || 22 ||

15.22 Darauf legt man den Herrn als Linga zusammen mit seinem Sockel nieder. Man salbt ihn mit Honig und Butter und streut reichlich weiße Senfsamen aus.

dakṣiṇāṃ mūrtimāśritya vinyasenmantranāyakam |
dukūlai raktavastrairvā devaṃ saṃchādya rakṣayet || 23 ||

15.23 Von der südlichen Gestalt aus setzt man den Herrn der Mantras ein. Man bedeckt die Gottheit mit feinem Stoff oder roten Gewändern und schützt sie.

mahāpāśupatāstreṇa tato mūrtidharānyajet |
dvātriṃśatṣoḍaśāṣṭau ca nṛpādīnāṃ yathākramam || 24 ||

15.24 Der Schutz erfolgt mit der großen Pashupata-Waffe. Danach verehrt man die Murti-Träger: für Könige und die weiteren Auftraggeber werden der Reihe nach zweiunddreißig, sechzehn oder acht genannt.

sādhakāstu vinācāryai putrakāḥ sādhakairvinā |
samayī putrakābhāve sarvābhāve svaṃyaṃ guruḥ || 25 ||

15.25 Fehlen Acharyas, übernehmen Sadhakas; fehlen diese, Putrakas; fehlen Putrakas, Samayins. Fehlen alle, handelt der Guru selbst.

vidyeśvararān ganeśāṃścarlakeśān bhairaveśvarān |
vidyeśān muktikāmān bhūktyarthaṃ ca gaṇeśvarān || 26 ||

15.26 Als Gottheiten der Murti-Träger werden Vidyeshvaras, Gana-Herren, Weltenhüter und Bhairavas verwendet. Wer Befreiung wünscht, verehrt Vidyeshvaras; für Lebensgenuss Gana-Herren.

p 32) sādhanārthe tu lokeśānadvaite bhairaveśvarān |
mūrtiśattyanvitāścaistvetā mūrtyadhidevatā ṣajet || 27 ||

15.27 Für besondere Verwirklichungen dienen die Weltenhüter, im nichtdualen Zusammenhang die Bhairavas. Diese werden mit ihren Murti-Shaktis als Herren der jeweiligen Gestalten verehrt.

kṣmāvahniyajamānārkayvindavo'thakham |
mūrtayastu samākhyātā mūrtiśānavacmi sāṃpratam || 28 ||

15.28 Die acht Murtis sind Erde, Feuer, Opferherr, Sonne, Wasser, Wind, Mond und Raum. Die Folge ist im Text stark zusammengezogen. Nun folgen ihre herrschenden Gottheiten.

śarvaḥ paśupatiścogro rudro bhavastathaivaca |
īśāno devadevaśca [mū: stu] bhīmo mūrtyadhidevatāḥ || 29 ||

15.29 Diese heißen Sharva, Pashupati, Ugra, Rudra, Bhava, Ishana, Devadeva und Bhima.

dhārīkā dīptiratyugrā [mū: matyugrā] jyotsnā cetā balotkaṭā |
dhātrī vibhvī ca vikhyātāḥ samāsānmūrtiśaktayaḥ || 30 ||

15.30 Die zugehörigen Murti-Shaktis heißen Dharika, Dipti, Atyugra, Jyotsna, Cheta, Balotkata, Dhatri und Vibhvi.

anantīśaśca sūkṣmaśca śivottamaikalocanaḥ |
ekarudrastrimūrtiśca śrīkaṇṭhaśca [mū, a, g: śrīkhaṇdaśca] śikhaṇḍakaḥ || 31 ||

15.31 Die Vidyeshvaras sind Ananta, Sukshma, Shivottama, Ekalocana, Ekarudra, Trimurti, Shrikantha und Shikhandaka.

umā caṇḍī gaṇādhyakṣo mahākālo'tha nandikaḥ |
bhṛṅgīśaśca vṛṣaścaiva saṇmukhāntā gaṇeśvarāḥ || 32 ||

15.32 Die Gana-Herren sind Uma, Chandi, Ganadhyaksha, Mahakala, Nandika, Bhringisha, Vrisha und Shanmukha.

asitāṅga rūruścaṇḍaḥ krogha unmattakasmatathā |
kapālī bhīṣaṇaśceva saṃhāro bhairaveśvarāḥ || 33 ||

15.33 Die Bhairavas heißen Asitanga, Ruru, Chanda, Krodha, Unmatta, Kapali, Bhishana und Samhara.

itareṣāṃ kvacicchastre caturdvaikakramānmatāḥ |
catvāro'jātakādyākhyā viṣṇarudrau tatheśvaraḥ || 34 ||

15.34 Nach manchen Schriften werden für andere Anwendungen vier, zwei oder eine Gottheit verwendet: die vier ab Ajata, dann Vishnu und Rudra, schließlich Ishvara.

vimalo'tha viśālaśca sārasvato mahāmukhaḥ |
lelivāsura [k: hāmbara] śāstā ca phaṇyāśī [mū, a, g: phayyāśī] kuṇḍadevatāḥ || 35 ||

15.35 Die Gottheiten der Feuergruben heißen Vimala, Vishala, Sarasvata, Mahamukha, Leli, Vasura beziehungsweise eine abweichende Namensform, Shastri und Phanyashi. Die letzten Namen sind beschädigt und nicht sicher zu trennen.

brāhmyādyā mātaro loke indrādyā lokapālakāḥ |
prasiddhāḥ sarvaśāstreṣu śāstre'sminpūrvacoditāḥ [gh: citāḥ] || 36 ||

15.36 Die Muttergöttinnen ab Brahmi und die Richtungswächter ab Indra sind aus allen entsprechenden Schriften bekannt und wurden auch in diesem Werk zuvor beschrieben.

daivajñaṃ brāhmaṇaṃ ceṣṭvā praviśedyāgamaṇḍapam |
āhṛtya sarvasambhāramācāryo mantravigrahaḥ || 37 ||

15.37 Nach Verehrung des Himmelskundigen und der Brahmanen betritt der Acharya, dessen Körper aus Mantras besteht, die Opferhalle. Er lässt sämtliche Materialien herbeibringen.

śivaṃ praṇamya vijñāpya brahmāṅgakṛtavigrahaḥ |
dikṣu vidikṣu saṃsthāpya mūrtimānsujitendriyān || 38 ||

15.38 Er verneigt sich vor Shiva und richtet seine Bitte an ihn. Mit einem durch Brahma- und Gliedmantras geformten Körper stellt er die selbstbeherrschten Murti-Träger in Haupt- und Zwischenrichtungen auf.

prāṅmukhodaṅmukhānsamyakkuṇḍasthāneṣu vai tataḥ |
prāgādyanukrameṇaiva mantrametānpravācayet || 39 ||

15.39 Sie sitzen an den Feuergruben mit Blick nach Osten oder Norden. Der Reihe nach von Osten an lässt er sie die entsprechenden Mantras sprechen.

palaiḥ ṣaṣṭyuttame liṅge madhyādyardhārdhavarjanāt |
homapātraṃ tathā hyarghaṃ daśanyūnaṃ nṛpakramāt || 40 ||

15.40 Für das größte Linga wird ein Opfergefäß von sechzig Pala genannt; bei mittleren und weiteren Größen wird jeweils halbiert. Das Arghya-Gefäß nimmt nach Rang des Auftraggebers um jeweils zehn ab; die genaue Staffelung ist verkürzt.

sauvarṇaṃ rājataṃ vāpi tāmrajaṃ vāpyasaṃbhavāt |
ājyapūrṇaṃ tathā pātramaikaikasya pradāpayet || 41 ||

15.41 Die Gefäße bestehen aus Gold oder Silber, andernfalls aus Kupfer. Jedem wird ein mit Opferbutter gefülltes Gefäß übergeben.

viṣṭarāṇyarghapātrāṇi samiddarbhendhanāni [gh: nādi] ca |
gandhapuṣpopahārāṃśva sruksruvau lakṣaṇānvitau || 42 ||

15.42 Dazu gehören Sitzunterlagen, Arghya-Gefäße, Opferholz, Darbha, Brennstoff, Düfte, Blumen, Gaben und maßgerecht gefertigte Sruk- und Sruva-Löffel.

pṛthaṅnivedayetteṣāṃ mūrtipānāṃ vicakṣaṇaḥ |
sitāmbaradharāḥ sarve sitacandanacarcitāḥ || 43 ||

15.43 Der Kundige übergibt diese jedem Murti-Hüter einzeln. Alle tragen weiße Gewänder und sind mit weißem Sandel bestrichen.

sitamālyānvitā [kh: citā] hṛṣṭāḥ svamūrtigatamānasāḥ |
tāniṣṭvā svarṇavastrādyaistatastāṃstu samādiśet || 44 ||

15.44 Sie tragen weiße Girlanden, sind freudig und richten ihren Geist auf die eigene Murti. Nach Verehrung mit Gold, Gewändern und weiteren Gaben werden sie angewiesen.

japetpāśupataṃ prāgvai aghorāstraṃ ca dakṣiṇe |
khādakaṃ paścime caiva khuri [gh: khari] kāstraṃ tathottare || 45 ||

15.45 Im Osten wird Pashupata, im Süden Aghorastra, im Westen Khadaka und im Norden die Khurika-Waffe rezitiert.

svāsanasthā jitadvandvāḥ sarvasaṃbhārasaṃyutāḥ |
śāstrasadbhāvakarmajñāḥ kuṇḍasaṃskārapūrvakam || 46 ||

15.46 Auf ihren eigenen Sitzen, über die Gegensatzpaare hinaus gesammelt, mit sämtlichen Materialien versehen und mit der inneren Bedeutung der Ritualschrift vertraut, beginnen sie mit der Heiligung der Feuergrube.

ekatantrodbhavairmantrairjanayeyuḥ [mū, a, k: -mantro-] śivānalam |
evaṃ tu mūrtipāḥ sarve kṛtvā sthaṇḍilatarpaṇam || 47 ||

15.47 Mit Mantras aus ein und demselben Tantra erzeugen sie das Shiva-Feuer. Alle Murti-Hüter vollziehen so die Sättigung des rituellen Bodenfeldes.

dadyuḥ pūrṇāhutiḥ pañcātsthāpakena samanvitāḥ |
sthāpakaśca śirodeśe pūrvasambhārasaṃbhṛtaḥ || 48 ||

15.48 Danach bringen sie gemeinsam mit dem einsetzenden Priester die vollständige Gabe dar. Dieser befindet sich am Kopfende und verfügt über die zuvor genannten Materialien.

sitoṣṇīṣa dharo maunī sitavastrānulepanaḥ |
ekacitto jitakrodhaḥ śraddadhāno jitendriyaḥ || 49 ||

15.49 Er trägt weißen Turban, weiße Gewänder und weiße Salbung, wahrt Schweigen, ist gesammelt, frei von Zorn, vertrauensvoll und sinnenbeherrscht.

kuṇḍasaṃskārapūrvaṃ tu [k, g: saṃpūrṇaṃ] śivāgniṃ janayetsudhīḥ |
janite tarpite vahnau dadyātpūrṇāhutiṃ tataḥ || 50 ||

15.50 Nach der Heiligung der Feuergrube erzeugt der verständige Priester das Shiva-Feuer. Ist es hervorgebracht und genährt, bringt er die vollständige Gabe dar.

santarpyāsanavaktrāṅgaṃ [kh: vajrāṅgaṃ] mantragrāmaśeṣataḥ |
tiryagūrdhvāgamotthairvā prāguktavidhimantrataḥ || 51 ||

15.51 Er sättigt Sitz, Gesichter, Glieder und die gesamte Mantra-Gruppe nach den zuvor genannten Regeln oder mit Mantras der horizontalen und aufwärts gerichteten Agama-Ströme.

siddhimuktipradā mantrā guptyuktāḥ sarvakarmaṇi |
dhātuḥ śabdaniṣedhārthaṃ syānmatriguptabhāṣaṇe || 52 ||

15.52 Mantras, die Vollendung und Befreiung verleihen, werden bei allen Handlungen geschützt beziehungsweise leise gesprochen. Der Vers erklärt die Wurzel mantri durch verborgenes Sprechen und den Ausschluss lauten Klanges.

maunayuktaḥ sadā mantraṃ japettaddhyānasaṃyutaḥ |
nyāsane homakārye tu upāṃścādi ca daiśikaḥ || 53 ||

15.53 Der Lehrer soll den Mantra stets schweigend und mit der zugehörigen Meditation rezitieren. Bei Nyasa und Feueropfer geschieht dies leise beziehungsweise nach den entsprechenden abgestuften Rezitationsweisen.

mūrtipairastrajāpaiśca vinā [mū, g: sadā] saṃsthāpite hare |
savighno jāyate yāgastasmānmūrtidharānyajet [gh: nyaset] || 54 ||

15.54 Wird Hara ohne Murti-Hüter und Rezitation der Waffenmantras eingesetzt, entstehen nach dem Text Hindernisse im Opfer. Deshalb soll man die Murti-Träger verehren beziehungsweise einsetzen.

trayorakṣaṇahetvarthaṃ rañjanārthamadhīmatām |
krūraśabdaniṣedhārthaṃ maṅgalārthaṃ sadaiva tu || 55 ||

15.55 Zum Schutz des Dreifachen, zur Freude der weniger Kundigen, zum Überdecken unheilvoller Geräusche und für den Segen werden weitere Rezitatoren bestellt. Der Bezug von „dreifach“ bleibt unbestimmt.

vedaśāstrārthatatvajñānmṛdupāṭhāñjitendriyān |
svaśāstralakṣaṇopetānbrāhmaṇānsusamāhitān || 56 ||

15.56 Sie sollen Bedeutung und Grundlagen von Veda und Shastra kennen, sanft rezitieren, ihre Sinne beherrschen, die Merkmale ihrer eigenen Überlieferung erfüllen und gesammelt sein.

saṃpūjya gandhapuṣpādyaiḥ kuryāttānsvastivācakān |
caturdikṣubahiḥ paścādācāryastānniveśayet [sanni-] || 57 ||

15.57 Nach Verehrung mit Düften, Blumen und weiteren Gaben setzt der Acharya sie als Sprecher der Segensworte außen in den vier Richtungen ein.

bahvacānprāgdiśi sthāpya yāmye cātharvaṇāṃstathā |
paścime vājasaneyāṃśchandogānuttareṇa tu || 58 ||

15.58 Die Rigveda-Rezitatoren stehen im Osten, die Atharvaveda-Rezitatoren im Süden, die Vajasaneyins im Westen und die Samaveda-Sänger im Norden.

svadikṣu sthāpayitvā tāndevyā matānusārataḥ |
samādiśya tato viprānnadyuktāndvā pradarśanāt || 59 ||

15.59 So stellt man sie nach dem Devyamata in ihren Richtungen auf und weist sie an. Die Schlusswendung über ihre weitere Bestimmung beziehungsweise Darstellung ist beschädigt.

śrīsūktaṃ pāvamānīṃ ca nāsadāśīṃ ca vājikam [k: nam] |
vṛṣākapiṃ ca maitraṃ ca bahvṛcaḥ paścime japet || 60 ||

15.60 Der Rigveda-Rezitator soll Shrisukta, Pavamani, Nasadiya, Vajika, Vrishakapi und das Mitra-Lied rezitieren. Hier wird ihm abweichend von Vers 58 der Westen zugeordnet.

devabrataṃ ca puṃsāma jyeṣṭasāma rathantaram |
bhāruṇḍāni ca sāmāni vāmadevaṃ tathaiva ca || 61 ||

15.61 Die Samaveda-Stücke heißen Devavrata, Pumsaman, Jyeshthasaman, Rathantara, Bharunda und Vamadeva.

uttarāṃ diśamāsthāya chandogastu japetsadā |
rudraṃ puruṣasūktaṃ ca ślokādhyāyaṃ ca śukriyam || 62 ||

15.62 Der Samaveda-Sänger rezitiert sie im Norden. Danach beginnt die Liste für den Yajurveda: Rudra, Purushasukta, Shlokadhyaya und Shukriya.

brāhmaṇānmitramaitraṃ ca adhyuryuḥ pūrvato japet |
atharvāṅgirasaṃ [gh: gratharvaśirasaṃ] caiva skanda [mū: skandha] sūktaṃ tathaiva ca || 63 ||

15.63 Hinzu kommen Brahmana-Texte und Mitra-Maitra. Der Adhvaryu rezitiert sie im Osten, wiederum abweichend von Vers 58. Die Atharva-Liste beginnt mit Atharvangirasa beziehungsweise Atharvashiras und Skandasukta.

kṣurikaṃ [k, kh: khurikaṃ] nīlarudraṃ ca garbhopaniṣadādikam |
kālīṃ karālikaṃ rudraṃ yāmye cātharvaṇo japet [nāyamaskākaṃ dvārapālaniveśanakramaḥ sūktapāṭhakramaśca kramo'yaṃ matāntaraviṣayakamiti] || 64 ||

15.64 Es folgen Kshurika, Nilarudra, Garbhopanishad, Kali, Karalika und Rudra, zu rezitieren im Süden. Der Editionskommentar erklärt diese Richtungs- und Textordnung ausdrücklich als die einer anderen Lehrmeinung.

liṅgodbhavaṃ tadaṅgāni pavitraṃ gaṇapāṭhakam |
stotramantravidaścānye japeyu[kh, gh: paṭheyu]rdakṣiṇe sadā || 65 ||

15.65 Andere Kenner von Hymnen und Mantras rezitieren im Süden Lingodbhava samt Gliedern, Pavitra und Ganapatha.

tataścārghaṃ tu datvā vai ālabheta gurūḥ śivam |
padākhyaṃ brahmaṇā cāpi [mū: ṇo vāpi] svakalādyakṣarānvitaiḥ [k, kh, gh: piṇḍairvā svakalānvitaiḥ] || 66 ||

15.66 Nach Darbringung von Arghya berührt der Guru Shiva. Er setzt die als Pada bezeichneten Brahma-Mantras beziehungsweise zusammengezogene Mantra-Gestalten mit ihren Kalas und Lauten ein; die Lesarten unterscheiden sich.

nyasya [nyāstvā, li0 pu0 pā0] dhyāyettato mantrī [kh: mantraṃ] jīvabhūtaṃ navātmakam |
jvaladagnisamākāraṃ visphurantaṃ samantataḥ || 67 ||

15.67 Danach meditiert der Mantrakundige über den neunfachen Herrn als lebendige Gegenwart: von der Gestalt lodernden Feuers, nach allen Seiten aufleuchtend.

puryaṣṭakasamāyuktaṃ sadaiva mantranāyakam |
sarvaṃ śuddhyati tenaiva jagasthāvarajaṅgamam || 68 ||

15.68 Dieser Herr der Mantras ist stets mit dem Puryashtaka, dem achtteiligen subtilen Körper, verbunden. Durch ihn wird die ganze bewegliche und unbewegliche Welt gereinigt.

adhaḥ śaktiranantākhya kālāgnirnarakāstataḥ [mū: navakāḥ-] |
avicī rauravaścaiva mahāraurava eva ca || 69 ||

15.69 Unten liegt die tragende Shakti, dann Ananta, das Zeitfeuer und die Höllen. Genannt werden Avichi, Raurava und Maharaurava.

rasātalaṃ ca pātālaṃ mahātalaṃ gabhastikam |
nitalāhvaṃ varāhvaṃ ca ābhāsākhyaṃ ca saptamam || 70 ||

15.70 Die sieben Unterwelten heißen Rasatala, Patala, Mahatala, Gabhastika, Nitala, Vara und Abhasa; die Namen werden wie in der Vorlage wiedergegeben.

bhūrlokaśca bhuvaḥ svaśca maharloko janastapaḥ |
satyamūrdhvakramā hyete [kh, gh: dete] brahmā viṣṇustato [gh: tathā] haraḥ || 71 ||

15.71 Aufwärts folgen Bhur, Bhuvar, Svar, Mahar, Jana, Tapas und Satya. Danach werden Brahma, Vishnu und Hara genannt.

dvisaptabhuvanānyantardigrudraśatasaṃyutam |
brahmāṇḍaṃ [g: brahmāntaṃ] caṇḍarūpaṃ syāccaturāsyo'dhidaivatam || 72 ||

15.72 Diese zweimal sieben Welten befinden sich im Weltenei, zusammen mit den hundert Richtungs-Rudras. Das Weltenei besitzt eine furchtbare Gestalt; sein Herr ist der Viergesichtige Brahma.

śatakoṭyuchrayaṃ mānāttatsarma yojanaiḥ pṛthu |
urvitattvaṃ samākhyātaṃ jalādidviguṇaṃ [kh: digguṇaṃ] kramāt || 73 ||

15.73 Seine Höhe beträgt hundert Koti Yojana, seine Breite ebenso viel. Dies wird als Erd-Tattva bezeichnet; Wasser und die folgenden Bereiche verdoppeln sich der Reihe nach.

kṣmāmbutejomarutkhāni gandhaśca rasarūpakau |
sparśaḥśabdaśca pañcaiva tanmātrāṇi yathākramam || 74 ||

15.74 Die fünf Elemente sind Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Ihnen entsprechen die subtilen Sinnesqualitäten Geruch, Geschmack, Gestalt, Berührung und Klang.

nāsājihvākṣicarmāṇi śrotrabuddhīndriyāṇi ca |
gudaṃ guhyaṃ karāṅghī ca savākka [mū, a, gh: sarvān] rmendriyāṇi ca || 75 ||

15.75 Nase, Zunge, Augen, Haut und Ohren sind die Erkenntnisorgane. Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan, Hände, Füße und Sprache bilden die Handlungsorgane.

manobuddhirahaṅkāraḥ satvādi ca guṇatrayam |
pumān rāgaśca vidyā ca niyatiśca kulāntakaḥ [mū: kalāntakaḥ] || 76 ||

15.76 Es folgen Manas, Buddhi, Ahamkara, die drei Gunas ab Sattva, Purusha, Raga, Vidya, Niyati sowie Kala und Zeit. Die letzten beiden Bezeichnungen sind im Wortlaut zusammengezogen beziehungsweise entstellt.

māyā caiva tathāvidyādhīśvarākhyaḥ sadāśivaḥ [k: stathā śivaḥ] |
śaktiścebhyaḥ parastācca śivākhyaḥ paramo'vyayaḥ || 77 ||

15.77 Darüber liegen Maya, die reine Vidya, Ishvara, Sadashiva und Shakti. Jenseits davon steht der höchste, unvergängliche Shiva.

śiktistho viśvabandhuśca [gh: bandhaśca] mantraiḥ śuddhaḥ [mū: siddhaḥ] śivaṃ vrajet |
pañcabhūtaṃ ca tanmātraṃ buddhiḥ karmendriyaṇi ca || 78 ||

15.78 Der in Shakti befindliche, mit der Welt verbundene Jiva gelangt, durch Mantras gereinigt, zu Shiva. Die folgende Zusammenfassung beginnt mit den fünf Elementen, den Sinnesqualitäten und den Erkenntnis- und Handlungsorganen.

manobuddhirahaṅkāraḥ prakṛtirguṇasaṃyutā |
caturviṃśatitattvāni prakṛtirvāmakarṇagāḥ || 79 ||

15.79 Zusammen mit Manas, Buddhi, Ahamkara und der gunahaften Prakriti ergeben sie vierundzwanzig Tattvas. Die abschließende Zuordnung zum linken Ohr ist im Wortlaut nicht sicher eingebunden.

tvaksaṃsthaḥ puruṣaḥ prokto rāgākhyaḥ snāyujālake |
([asau cāpacihnāntargataḥ pāṭhaḥ kha. pustake nāsti] māṃse'vidyā samākhyātā niyatirhṛdaye sthitā || 80 ||

15.80 Purusha wird der Haut, Raga dem Netz der Sehnen zugeordnet. Avidya beziehungsweise begrenztes Wissen liegt im Fleisch, Niyati im Herzen. Der eingeklammerte Abschnitt fehlt in einer Handschrift.

kalākoṣe'srake [gh: kope-] kālo māyā prāṇeṣvavasthitā |
vidyā coṣṭhasthitā [gh: gatā] nityamīśvaro bindusaṃsthitaḥ || 81 ||)

15.81 Kala liegt in der Hülle, Zeit im Blut, Maya in den Lebenskräften, Vidya an den Lippen und Ishvara im Bindu. Die erste Körperzuordnung ist variantenreich.

nāde sadāśivo jñeyaḥ śaktisthā indhikādayaḥ |
pañcaviṃśacca tattvāni piṇḍīkāyāṃ sthitāni tu || 82 ||

15.82 Sadashiva liegt im Nada; Indhika und die weiteren Kräfte befinden sich in Shakti. Fünfundzwanzig Tattvas werden dem Sockel zugeordnet.

vidyārājena śuddhyanti tadūrdhve niṣkalaḥ śivaḥ |
mantrabhūtaṃ śivaṃ tatra vinyasetsiddhimuktaye || 83 ||

15.83 Sie werden durch den König der Vidyas gereinigt. Darüber ist der ungegliederte Shiva. Dort setzt man Shiva in Mantra-Gestalt ein, zur Vollendung und Befreiung.

tritattvamātmatattvādyaṃ vedāsrādyamajādike |
nyasya tu bhāvayedvyāptiṃ śivarūpaṃ ca yatparam || 84 ||

15.84 Die drei Tattva-Gruppen, beginnend mit Atma-Tattva, werden in die viereckigen und weiteren Abschnitte ab dem Brahma-Bereich eingesetzt. Man betrachtet ihre Durchdringung und die höchste Shiva-Gestalt.

dharādipuruṣaṃ yāvadvidyāntāṃ ca dharādikam [mū: vanādikam; kh, gh: rāgāvikam; k: dhanādikam] |
īśvarādiśivāntaṃ ca tritayaṃ [kh: tritatvaṃ] homayetkvacit || 85 ||

15.85 Eine Dreiteilung umfasst Erde bis Purusha, die folgenden begrenzenden Prinzipien bis Vidya sowie Ishvara bis Shiva. Diesen drei Gruppen wird geopfert; die mittlere Ausgangsbezeichnung ist beschädigt.

hute'ghore sahasre vā brahmāṃśaṃ ca sevayedguruḥ |
śivakumbhāmbunā tadvattadūrdhve ca harestanum || 86 ||

15.86 Nach tausend Aghora-Gaben benetzt der Guru den Brahma-Abschnitt mit Wasser aus dem Shiva-Krug. Entsprechend verfährt er darüber mit dem Vishnu-Abschnitt.

tadūrdhve ca hunedrudraṃ siktvā darbhaiḥ spṛśetkramāt |
pañcabrahma ca digdhavya[digvācya, mū0 pā0]mekādiśatapañcakam || 87 ||

15.87 Darüber opfert er für Rudra, besprengt und berührt die Bereiche der Reihe nach mit Darbha. Den fünf Brahma-Mantras werden in den Richtungen ein- bis fünfhundert Gaben zugeordnet; die Satzform ist beschädigt.

aṅgāni daśamāṃśena homayettatkalāḥ kramāt |
varṇarudrādividyeśāṃllokeśān gaṇanāyakān || 88 ||

15.88 Den Gliedern wird jeweils ein Zehntel geopfert, danach ihren Kalas, den Laut-Rudras, Vidyeshvaras, Weltenhütern und Gana-Herren.

hemenāpyāyanaṃ kṛtvā śrapayetpūrvavaccarum |
([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mū, g, gh, pustakeṣu nāsti] susvinnaṃ nāpi dagdhaṃ ca śaivairmantraiḥ prasādhitam || 89 ||

15.89 Nach der Stärkung durch das Opfer – die Vorlage liest an dieser Stelle „Gold“ – bereitet man wie zuvor Charu: gut gekocht, nicht verbrannt und durch Shiva-Mantras geweiht.

śivakumbhe tathā deve dattvātha juhuyāccarum |
pūrṇāhutiṃ śivenāto yāgasya paripūrtaye || 90 ||

15.90 Man bringt davon dem Shiva-Krug und der Gottheit dar und opfert anschließend Charu. Zur Vollendung des Opfers folgt eine vollständige Gabe mit dem Shiva-Mantra.

kartṛgṛhītajapyācca pūrṇāṃ dadyāttu daiśikaḥ |
tasminkāle gurau dānaṃ dadyādvittānusārataḥ [gh: nurūpataḥ] || 91 ||

15.91 Auch nach der vom Auftraggeber übernommenen Rezitation bringt der Lehrer eine vollständige Gabe dar. Zu diesem Zeitpunkt erhält der Guru eine den Mitteln entsprechende Gabe.

gorhemakhuraśṛṅgiṇyāḥ śataṃ vārdhaṃ tadardhakam |
dakṣiṇārdhena [gh: ṇendreṇa] hastena punarhomaṃ pradāpayet || 92 ||

15.92 Genannt werden hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Kühe mit goldgeschmückten Hufen und Hörnern. Die anschließende Vorschrift zur rechten Hand und erneuten Opfergabe ist beschädigt.

tataḥ saṃpūrṇatāṃ yāti bahurūpaśate hute |
prāyaścitte tathā vighne mahāstraṃ homayettataḥ || 93 ||

15.93 Durch hundert Opfergaben an Bahurupa wird die Handlung vollständig. Zur Sühne und bei Hindernissen opfert man danach mit der großen Waffe.

iti kṛtvā vidhiṃ samyaktato devaṃ prabodhayet |
rātrau mahotsavaḥ kāryaḥ śaṅkhabheryādinisvanaiḥ || 94 ||

15.94 Nach ordnungsgemäßem Vollzug weckt man die Gottheit. Nachts wird ein großes Fest mit Muschelhörnern, Trommeln und weiteren Klängen gefeiert.

gāyanairnartakaiḥ śiṣṭairnandidhoṣaiḥ sumaṅgalaiḥ |
nayettāṃ śarvarīṃ sarvāṃ yatistotraravaiḥ śubhaiḥ || 95 ||

15.95 Die ganze Nacht verbringt man mit guten Sängern und Tänzern, glückverheißenden Freudenrufen und den heiligen Lobgesängen der Asketen.

eka [kh: evaṃ] tripañcarātraṃ vā saptāhaṃ vādhivāsanam [kh: vāpi vāsaram] |
suśobhitaṃ rathaṃ kṛtvā vastradhvajavitānakaiḥ || 96 ||

15.96 Die vorbereitende Lagerung kann eine, drei oder fünf Nächte oder eine Woche dauern. Danach schmückt man einen Wagen mit Gewändern, Bannern und Baldachinen.

cāmarairhemadaṇḍaiśca chatrai raukmābjadaṇḍibhiḥ [mū: daṇḍabhiḥ] |
annādyaiḥ pūritaṃ sarvai rathamāropayecchivam || 97 ||

15.97 Hinzu kommen Yakhaarwedel mit goldenen Griffen und Schirme mit goldenen Lotusstäben. Der Wagen wird mit Speisen und weiterer Ausstattung gefüllt; dann hebt man Shiva hinauf.

yajettūryaninādena dīpadarpaṇasaṃyutaiḥ |
padmāṅkaiḥ [gh: padmākaiḥ] kalaśaiḥ śubhrairgītaiḥ pāṭhairanekaśaḥ || 98 ||

15.98 Man verehrt ihn unter Instrumentalklängen, mit Lampen, Spiegeln, reinen lotusgezeichneten Krügen, Gesängen und vielfältigen Rezitationen.

veṣṭayennagaraṃ vāpi puraṃ vā dhāma vā śanaiḥ |
rathaṃ sthāpya valiṃ dadyād guhyakebhyo muhurmuhuḥ || 99 ||

15.99 Langsam umzieht man Stadt, befestigten Ort oder Heiligtum. Wiederholt hält der Wagen an, und den Guhyakas werden Bali-Gaben dargebracht.

gacchelliṅgapuraḥ kartā sagotro daiśikāgrataḥ |
prasādāgre ca saṃsthāpya liṅgasyārthaṃ pradāpayet || 100 ||

15.100 Der Auftraggeber geht mit seinen Verwandten vor dem Linga, vor dem Lehrer. Vor dem Tempel stellt man das Linga auf und reicht ihm Arghya; die Vorlage schreibt das Wort verkürzt beziehungsweise fehlerhaft.

homayedvāstunāthāṃśca tattva [mū: tadvat] saṃsthitamānasaḥ |
prāguktalakṣaṇaṃ tatra paścātkūrmaśilāṃ nyaset || 101 ||

15.101 Gesammelt opfert man den Vastu-Herren. Danach legt man die Schildkrötenplatte mit den zuvor beschriebenen Merkmalen ein.

iti lakṣaṇasamuccaye'dhivāsanaṃ nāma pañcadaśo vidhiḥ || 15 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 15. Ritualabschnitt über „Vorbereitende rituelle Lagerung“.

Kapitel 16: Einsetzung der drei Linga-Formen

Die heutige Puja veranschaulicht die Hinwendung zur Gottheit; die Weihevorschriften des Werkes besitzen ihren eigenen Überlieferungskontext.

atha ṣoḍaśaḥ

Nun folgt der 16. Ritualabschnitt.

prāsādaṃ prokṣayetsarvamastrajaptena vāriṇā |
tadgarbhaṃ sūtrayetpaścānmadhyasthāna yathāpnuyāt || 1 ||

16.1 Man besprengt den ganzen Tempel mit Wasser, über das der Waffenmantra rezitiert wurde. Danach vermisst man das Heiligtumsinnere mit Schnüren, um den mittleren Platz zu bestimmen.

garbhakarṇāyataṃ sūtraṃ kṛtvā bhāgacatuṣṭayam |
tadekāṃśapramāṇena madhye kūrmaśilāsthitiḥ || 2 ||

16.2 Die Diagonalschnur des Innenraums wird in vier Teile geteilt. Ein solcher Teil bestimmt die Lage beziehungsweise Ausdehnung der Schildkrötenplatte in der Mitte.

na madhye sthāpayelliṅgaṃ naiva madhyaṃ parityajet |
madhyasthaṃ hanti kartāraṃ brahmavedhā nasaṃśayaḥ || 3 ||

16.3 Das Linga soll weder genau in der Mitte stehen noch die Mitte vollständig verlassen. Eine exakt mittige Stellung gilt wegen der Verletzung des Brahma-Punktes als tödlich für den Auftraggeber.

tasmādośaṃ samāśritya tatthitiḥ sūtramānataḥ |
dvāraṃtu saptadhā kṛtvā madhyekāṃśaṃ rathaṃ [k, kh: rasaṃ] punaḥ || 4 ||

16.4 Deshalb wird seine Lage nach dem Schnurmaß etwas nach Nordosten versetzt. Die Tür wird in sieben Teile, der mittlere Teil nochmals in sechs geteilt; das letzte Zahlwort ist entstellt.

saumye dvau dakṣiṇe dvyaśaṃ [g: tvaṃśaṃ] tyaktvā tatsūtramānataḥ [kh: ntasūtrasaṃsthitiḥ] |
pratyakṣaṃ mantrasānnidhyamācandrārkaṃ prapūjya ca [kh, gh: te] || 5 ||

16.5 Im Norden und Süden werden je zwei Teile ausgespart und die entsprechende Schnurlage bestimmt. Dort soll die unmittelbare Mantra-Gegenwart bestehen und verehrt werden, solange Mond und Sonne währen.

subhikṣaṃ kṣemamārogyaṃ vijayaṃ rāṣṭravardhanam |
sarvasatva [kh: sandhi] śubhaṃ kuryādīśadiksaṃsthitaḥ śivaḥ || 6 ||

16.6 Shiva in der nordöstlich ausgerichteten Lage soll Nahrungssicherheit, Schutz, Gesundheit, Sieg, Wachstum des Landes und das Wohl aller Wesen bewirken.

nṛpāṇāṃ tu hitaṃ prācyāmāgneyyāmagnijīvinām |
dhvajānāṃ ? rākṣasāśāyāṃ vāyavyāṃ nṛtyagītinām || 7 ||

16.7 Eine östliche Lage gilt als günstig für Könige, eine südöstliche für Berufe mit Feuer. Für den Südwesten nennt der Text eine unsichere, bereits mit Fragezeichen versehene Gruppe; der Nordwesten gilt Tänzern und Sängern.

kauveryāṃ godvijādīnāṃ kārukāṇāṃ vidikṣu ca |
aiśānīmāśritaṃ saukhyaṃ yajamānaḥ kulaiḥ saha || 8 ||

16.8 Der Norden wird mit Kühen und Brahmanen, die Zwischenrichtungen mit Handwerkern verbunden. Eine nordöstliche Ausrichtung bringt nach dem Text dem Auftraggeber und seiner Familie Glück.

madhye tu mriyate kartā na ca madhyātpracālayet |
madhyātpracālitaṃ liṅgaṃ bhaveddoṣāvahaṃ yataḥ [pahaṃ] || 9 ||

16.9 Die exakte Mitte wird erneut als gefährlich bezeichnet; dennoch darf das Linga nicht aus dem mittleren Bereich verschoben werden. Eine solche Verschiebung gilt ebenfalls als fehlerhaft.

kauveryāmāśrite liṅge kartṛduḥkhaṃ dvijavyathā |
aindryāṃ tu mriyate rājā kṣatriyāṇāṃ vyathā bhavet || 10 ||

16.10 Bei fehlerhafter Verschiebung nach Norden drohen dem Auftraggeber Leid und Brahmanen Bedrängnis; nach Osten werden Tod des Königs und Leiden der Kshatriyas genannt.

yāmyāyāṃ ca viśāṃ pīḍā vāruṇyāṃ śudrajanmanām |
tapasvināmathaiśānyāṃ nair-ṛtyāṃ rāṣṭravibhramaḥ || 11 ||

16.11 Im Süden werden Vaishyas, im Westen Shudras betroffen. Im Nordosten leiden Asketen, im Südwesten gerät das Land in Unordnung.

āgneyyāmagnitaḥ pīḍā vāyavyāṃ taskarādbhayam |
yathā praveśayelliṅgaṃ tatphalaṃ yattaducyate || 12 ||

16.12 Im Südosten wird Feuergefahr, im Nordwesten Furcht vor Dieben genannt. Nun folgen die Wirkungen der unterschiedlichen Einlasstiefen.

praviṣṭe cāṣṭame bhāge brahmabhāgasya bhūtale |
śāntiśreyaskaraṃ liṅgaṃ kartṛsthāpakaśilpinām || 13 ||

16.13 Wird ein Achtel des Brahma-Abschnitts in den Boden eingelassen, gilt das Linga als Frieden und Heil für Auftraggeber, einsetzenden Priester und Künstler bringend.

liṅgasya niścitā pūjā tathā pādapraveśane |
tribhāgasya praveśe tu modante sarvadehinaḥ || 14 ||

16.14 Bei einem Viertel Einlasstiefe ist die Verehrung des Linga gesichert. Bei drei Teilen Einlasstiefe erfreuen sich alle verkörperten Wesen; der Bezug zur vorangegangenen Achtteilung ist vorausgesetzt.

pañcabhāgapraveśe tu kartṛsthāpakaśilpinām |
prajā cārdhapraveśe tu vardhante sacatuṣpadāḥ || 15 ||

16.15 Fünf Teile werden mit dem Wohl von Auftraggeber, Priester und Künstler verbunden. Bei halber Einlasstiefe wachsen Volk und vierfüßige Tiere.

samastabrahmabhāgasya praveśe sthāpakādayaḥ |
kartā ca bandhubhiḥ sārdhaṃ prāpnuvanti mahatsukham || 16 ||

16.16 Wird der gesamte Brahma-Abschnitt eingelassen, erlangen Priester, Auftraggeber und dessen Angehörige nach dem Text großes Glück.

tato [mū: tathā] niveśayelliṅgaṃ sunirvighnaṃ [kh: sanīviṣṭaṃ] yathā bhavet |
cālite tu mahadduḥkhaṃ khaṃ sphuṭite dravyasaṃkṣayaḥ || 17 ||

16.17 Das Linga wird so eingesetzt, dass es fest und unbehindert steht. Bewegt es sich, gilt dies als großes Leid verursachend; bei Rissen droht Vermögensverlust. Ein zusätzliches Wort ist beschädigt.

vakre tu hīyate pūjā bhrānte tu kalaho rujā (?) |
saśabde rāṣṭrabhaṅgaḥ syātpraṇate vyādhisambhavaḥ || 18 ||

16.18 Schiefstellung mindert nach dem Text die Verehrung, Verdrehung bringt Streit und Krankheit. Ein Geräusch beim Einsetzen wird mit Landeszerfall, Neigung mit Erkrankung verbunden; die mittlere Lesart ist fraglich.

viśīrṇe sarvanāśaḥ syātkampite rāṣṭravibhramaḥ |
eṣāṃ tu sambhavaṃ jñātvā doṣāṇāṃ [mū, a, k, kh, g: śeṣāṇāṃ] mūrtipaiḥ saha || 19 ||

16.19 Zerbrechen gilt als umfassender Untergang, Zittern als Unordnung im Land. Erkennt man einen solchen Fehler, handelt der Lehrer gemeinsam mit den Murti-Hütern.

vijñāpyeśaṃ tu santarptha sthaṇḍile daiśikottamaḥ |
śatamaṣṭottaraṃ hutvā ekaikasya tu sambhave || 20 ||

16.20 Er richtet eine Bitte an den Herrn und sättigt ihn auf dem rituellen Bodenfeld. Für jeden aufgetretenen Fehler bringt er hundertacht Gaben dar.

aghoreṇa śivenānte pūrṇāṃ datvā tataḥ śubham |
sthāpyamānaṃ yadā liṅgaṃ sthitaṃ vā madhyataḥ śubham || 21 ||

16.21 Diese erfolgen mit Aghora, am Ende eine vollständige Gabe mit Shiva. Danach wird die Einsetzung beziehungsweise die feststehende mittige Lage als günstig betrachtet.

dvāraṃ [mū: dvāḥ] samaṃ tribhāgonaṃ [k, kh: tribhāgena] madhyato liṅgamucchrayam |
jyeṣṭhādīnāṃ tu veśmānāṃ dehalīsamasūtrataḥ || 22 ||

16.22 Die Höhe des Linga wird zur Türhöhe und zur Schwellenlinie der großen und weiteren Tempel in Beziehung gesetzt: gleich hoch oder um ein Drittel vermindert. Die genaue Größenstaffel ist im Wortlaut nicht eindeutig.

jñātvaivamādyaśaktyā tu kūrmākhyā pūrvanirmitā |
rasakūrmānvitā yojyā tadūrdhve cāparāśilā || 23 ||

16.23 Nach dieser Bestimmung wird die zuvor gefertigte Schildkrötenplatte mit der ursprünglichen Shakti verbunden. Sie enthält eine Rasa-Schildkröte; darüber wird eine weitere Steinplatte gelegt.

brahmaśilāpramāṇena khātakaṃ pūrvaśodhitam |
iṣṭvā rājaśilāṃ tatra śaktimantreṇa vinyaset || 24 ||

16.24 Die Vertiefung entspricht dem Maß der Brahma-Platte und ist zuvor gereinigt. Nach Verehrung setzt man dort die als Raja-Platte bezeichnete Platte mit dem Shakti-Mantra ein.

anantākhyāparāśaktirvijñāpyasanadhāriṇī |
śivājñayā tvayā devi sthātavyamihasarvadā || 25 ||

16.25 Die höchste Shakti Ananta, Trägerin des Sitzes, wird angeredet: „O Göttin, auf Shivas Gebot sollst du immer hier verweilen.“

vyāptirdhyānāśrayo bhūtvā samatvaṃ sarvagaṃ param |
sāvaṣṭambhaṃ sthirādhvānaṃ [mū: dhyānaṃ] liṅgaṃ sañcintya vinyaset || 26 ||

16.26 Man macht die Meditation der Durchdringung zur Grundlage, betrachtet die höchste allgegenwärtige Gleichheit und setzt das Linga ein, nachdem man es als fest gestützt und im beständigen Weg gegründet vorgestellt hat.

oṃ vyāpini namo'nante śāśvate susthire dhruve |
amale [kh: acare; gh: amare] sakalādhāre hrī/ la/ hrī/ tiṣṭha cāmba he [mū: cāsure] || 27 ||

16.27 „Om. O Alldurchdringende, Verehrung! O Unendliche, Ewige, Feststehende, Beständige, Makellose, Trägerin von allem! … Verweile, o Mutter!“ Die Bijas „hrī/ la/ hrī/“ sind unsicher geschrieben und bleiben unaufgelöst. Die anschließende Prosa bezeichnet dies als Mantra zur Einsetzung der Brahma-Platte.

iti [ityayaṃ pāṭhaḥ likhitapustakeṣu nāsti] brahmaśilāropaṇamantraḥ |

udaṅmukho'sramantreṇa prokṣayecchivavāriṇā |
śvabhrapracchādanaṃ vasraṃ kṛtvā [k, kh: hṛtvā] śvabhraṃ viśodhayet || 28 ||

16.28 Nach Norden gewandt besprengt man mit dem Waffenmantra und Shiva-Wasser. Man legt das Tuch über die Vertiefung beziehungsweise nimmt es nach einer Variante ab und reinigt die Vertiefung.

darbhairūllikhya saṃprokṣya śivena śivavāriṇā |
vilipya candanenādau dhūpayitvā śilātalam || 29 ||

16.29 Man streicht sie mit Darbha aus, besprengt sie unter Shiva mit Shiva-Wasser, bestreicht zunächst die Steinfläche mit Sandel und räuchert sie.

sahiraṇyena hastena nyasedratnānyathecchayā |
svadigīśena mantreṇa hṛdā vā praṇavena vā || 30 ||

16.30 Mit goldtragender Hand legt man die Edelsteine nach Maßgabe der Möglichkeiten ein, unter dem Mantra des jeweiligen Richtungswächters, dem Herzmantra oder Om.

pañcavaktreṇa vā nyasya vidyeśvareṇa vā kvacit |
gavyapāyasasaṃmiśragugguludrava [gh: dravya] lepitāḥ || 31 ||

16.31 Alternativ verwendet man die fünf Gesichtsmantras oder Vidyeshvara. Die Aufnahmen werden mit einer Mischung aus Milchreis von Kuhmilch und flüssigem Guggulu-Harz bestrichen.

ratnādhārāḥ purā kāryā ratnādisthāpanaṃ tataḥ |
mate mate'nyathā jñātvā svekchayā vā nyasedguruḥ || 32 ||

16.32 Zuerst werden diese Edelsteinaufnahmen hergestellt, danach Edelsteine und weitere Stoffe eingelegt. Der Guru kennt die Unterschiede der Lehrmeinungen und wählt die entsprechende Ordnung.

vajramauktikavaidūryaśaṅkhasphaṭikapuṣpakam |
indranīlaṃca sunīlaṃ pūrvādikramato nyaset || 33 ||

16.33 Von Osten an legt man Diamant, Perle, Vaidurya, Muschelschale, Bergkristall, Pushpaka, Indranila und Sunila ein.

vidrumaṃ mauktikālābhe rājāvartaṃ ca vinyaset |
vaidūryasyāpyalābhe tu nīlaṃ vā padmarāgakam || 34 ||

16.34 Fehlt die Perle, werden Koralle beziehungsweise Rajavarta als Ersatz genannt. Fehlt Vaidurya, verwendet man einen blauen Stein oder Rubin.

vajraṃ sūryāṅkakaṃ nīlaṃ mahānīlaṃ sumauktikam |
puṣpakaṃ padmarāgaṃ ca vaidūryaṃ prāgdiśāditaḥ || 35 ||

16.35 Eine weitere Reihenfolge von Osten an lautet Diamant, Sonnenstein, Nila, Mahanila, Perle, Pushpaka, Rubin und Vaidurya.

sunīlasya yadālābhastadā marakarta nyaset |
aprāptau padmarāgasya [k, kh, gh: puṣparāgasya] saugandhikaṃ matāntarān || 36 ||

16.36 Fehlt Sunila, nimmt man Smaragd. Fehlt Rubin beziehungsweise nach Varianten Topas, verwendet man nach anderen Lehrmeinungen Saugandhika.

hematāmramayoraṅga [gh: vaṅga] tātāraṃ ghoṣasīsakam |
nirupyaitāni vinyase [gh: sannyase] dindrādīśāntagocarāt || 37 ||

16.37 Die Metallfolge von Osten bis Nordosten nennt Gold, Kupfer, Eisen, Zinn, Silber, Glockenmetall und Blei. Die Zahl der eindeutig getrennten Namen bleibt hinter den acht Richtungen zurück; ein Wort ist entstellt.

haritālaṃ śilāṃ caiva añjanaṃ [gh: añcanaṃ] cābhrakaṃ tathā |
kāśīvamatha sindūraṃ mākṣikaṃ gairikaṃ nyaset || 38 ||

16.38 Als Mineralstoffe werden Haritala, Manahshila, Anjana, Glimmer, Kasisa, Sindura, Makshika und roter Ocker eingelegt. Dies ist die historische Stoffliste des Rituals.

gandhakaṃ cāñjanābhāve sindūrasyathā [k, kh: sya ca] pāradam |
saurāṣṭrī māthikālābhe gairikasya tu rocanām || 39 ||

16.39 Als Ersatz nennt der Text Schwefel für Anjana, Quecksilber für Sindura, Saurashtri für Makshika und Rochana für roten Ocker.

tālaṃ śilāṃ ca kāsīsaṃ mākṣikaṃ sūtrakaṃ nyaset |
sauvarṇaṃ gairikaṃ gandhaṃ bhṛṅgaṃ [mū: bhṛṅga abhrakamityarthaḥ] pūrvādikaṃ kvacit || 40 ||

16.40 Eine andere Reihenfolge von Osten an nennt Tala, Shila, Kasisa, Makshika, einen unsicheren Sutra-Stoff, einen goldfarbenen Stoff, Ocker, Schwefel und Glimmer; die Worttrennung ist nicht sicher und ergibt keine eindeutige Achterreihe.

brīhigodhūmahavyāṃśca māṣamūdgayavāṃstathā |
nīvārāścāpi śyāmākānpūrṇadyāṃśca niveśayet || 41 ||

16.41 An Getreide werden Reis, Weizen, ein unsicher als Havya bezeichnetes Korn, Urdbohnen, Mungbohnen, Gerste, Wildreis und Shyamaka genannt; die abschließende Füllungsangabe ist beschädigt.

godhūmāśca yavāścaiva tilamudgaulikāḥ kramāt |
syāmākānsarṣapāṃ [mū: māṣakāṃ] ścaiva brīhīṃścāpi tathā [mū: tato] nyaset || 42 ||

16.42 Eine weitere Folge nennt Weizen, Gerste, Sesam, Mungbohnen, eine unsichere Ulika-Art, Shyamaka, Senf beziehungsweise Urdbohnen und Reis.

māṣān brīyerabhāvena mudgasya caṇakānnyaset |
sidhārthaṃ ca vinā karṅguśyāmākā bhāvataḥ kapim [kapi stṛṇadhānyaviśeṣaḥ] || 43 ||

16.43 Fehlt Reis, nimmt man Urdbohnen, statt Mungbohnen Kichererbsen, statt weißem Senf Kangu-Hirse, statt Shyamaka das im Apparat als Kleingetreide erklärte Kapi.

candanaṃ candanaṃ raktaṃ ladhūka [laghukaṃ = aguruḥ] cāñjanaṃ nyaset |
uśīraṃ viṣṇusaṃjñaṃ ca sahāṃ ca lakṣaṇaṃ kvacit || 44 ||

16.44 Eine Pflanzenfolge nennt Sandel, rotes Sandelholz, Laghu, im Apparat als Agaru erklärt, Anjana, Ushira, die Vishnu genannte Pflanze, Saha und Lakshana.

sahāṃ ca viṣṇunāmāṃ ca lohitaṃ candanaṃ ladhu |
candanaṃ sāri vākuṇṭha [mū: kumbha] muśīraṃ śaṅkhapuṣpikām || 45 ||

16.45 Eine andere nennt Saha, Vishnu-Pflanze, rotes Sandelholz, Laghu, Sandel, Sariva, einen unsicheren Kuntha- beziehungsweise Kumbha-Stoff, Ushira und Shankhapushpi. Die Trennung ist nicht durchgehend eindeutig.

sadyojātādibhirmantraiḥ ratnalohāni dhātukān |
bījāni cauṣadhīraṣṭau kumbhayitvā nyasenkramāt || 46 ||

16.46 Edelsteine, Metalle, Mineralstoffe, Samen und die acht Heilpflanzen werden mit den Mantras ab Sadyojata geweiht und der Reihe nach eingesetzt.

rasendro madhyato deyaḥ sarvairetaiḥ samanvitaḥ |
dravyādhike mahādoṣo guñjāmādhaiḥ karakramāt || 47 ||

16.47 In die Mitte wird Quecksilber zusammen mit den übrigen Stoffen gegeben. Zu große Mengen gelten als schwerer Fehler; die Mengen werden nach der Linga-Größe in Gunja-Einheiten bemessen.

ratnādī [g: vasādī] nāṃmasaṃpūrṇā ? sasūtraṃ cādipañcakam |
nyasedvajraṃ tathā [gh: tadā] hema tālaṃ tavān sahāṃ kramāt || 48 ||

16.48 Sind die vollständigen Stoffgruppen nicht verfügbar, wird eine Fünferauswahl genannt: Diamant, Gold, Tala, Gerste und Saha. Der einleitende Satz ist bereits in der Vorlage beschädigt.

daradaṃ pāradābhāve vajrābhāve tu kāñcanam |
hemābhāve nyasettāraṃ gairirka tālakaṃ vinā || 49 ||

16.49 Quecksilber kann nach dem Text durch Darada, Diamant durch Gold, Gold durch Silber und Tala durch roten Ocker ersetzt werden.

yavābhāve tilāndadyā [kh: śreṣṭhā] llājjakaṃ sahāṃ vinā |
nyasetsarvaṃ gurusvekaṃ rasendraṃ vāpyasambhave || 50 ||

16.50 Statt Gerste nimmt man Sesam, statt Saha Lajjaka. Der Guru legt alle verfügbaren Stoffe ein oder, wenn dies nicht möglich ist, nur Quecksilber; der Bezug von „nur einem“ ist verkürzt.

kūrmakṣmāṃ merumukṣāṇaṃ padmaṃ vā lakṣaṇānvitam |
eṣāmekatamaṃ madhye nyasenbrahmaśilāvaṭe || 51 ||

16.51 In die Mitte der Brahma-Plattenvertiefung setzt man eine der maßgerecht gestalteten Formen: Schildkröte, Erde, Meru, Stier oder Lotus.

śilāścabhracatuḥ ṣaṣṭhibhāgāt karṇāvaṭaṃ pṛthu |
nimnavyāsārdhatastasya daleṣvaṣṭasu [mū: dalāveṣṭaṃ sva] madhyataḥ || 52 ||

16.52 Die Steinvertiefung wird in vierundsechzig Teile gegliedert; eine kleinere mittlere Vertiefung und deren halbes Breitenmaß als Tiefe werden genannt. Acht Blätter umgeben die Mitte; die erste Maßzuordnung ist beschädigt.

hemaṃ tāmraṃ ca tāraṃ ca kūrmaṃ prāglakṣaṇānvitam |
haimīṃ vā rupyajī pṛthvī meruṃ saurarṇajaṃ sadā || 53 ||

16.53 Die Schildkröte kann aus Gold, Kupfer oder Silber bestehen und besitzt die früher genannten Merkmale. Die Erde wird aus Gold oder Silber, der Meru aus Gold gefertigt.

vṛṣabhaṃ tārajaṃ haimaṃ tāmraṃ vā lakṣaṇairyutam |
padmamaṣṭāyasaṃ nyasya haimaṃ tārajameva vā || 54 ||

16.54 Der Stier besteht aus Silber, Gold oder Kupfer und besitzt seine Kennzeichen. Der Lotus kann aus acht Metallen, Gold oder Silber bestehen.

hastamātrasya liṅgasya kūrmādyamaṃśa [k: māṣa] mānakam |
śeṣāṇāṃ kramavṛddhīnāṃ bāṇamatānnavāntikam [kh: -nyavā-] || 55 ||

16.55 Für ein ein Hasta großes Linga wird die Schildkröte und die entsprechende Einlage mit einem Masha bemessen; die Grundlesart hat eine beschädigte Maßeinheit. Nach Banas Auffassung wächst dies mit den Größen bis neun.

mṛttikāṃ parvatāgrotthāṃ sarito vā taṭodbhavām |
rajataṃ ca yavāṃścaiva kūrmeṇa saha vinyaset || 56 ||

16.56 Mit der Schildkröte werden Erde von einem Berggipfel oder Flussufer, Silber und Gerste eingelegt.

samaṃ dvārekṣaṇaṃ śastaṃ [gh: śāstraṃ] rāṣṭre rājyajayā [kh: bhayā] vaham |
tatra saṃsthāpite liṅge yajamānaḥ pravardhate || 57 ||

16.57 Die Einlage soll gerade zur Tür blicken. Dies gilt als Sieg und Herrschaft im Land fördernd; auf einem so eingesetzten Linga gedeiht der Auftraggeber.

kāñcanaṃ sarvabījāni pṛthivyā saha vinyaset |
tasyāṃ vyavasthite rudre prajā nityaṃ pramodate || 58 ||

16.58 Mit der Erdform werden Gold und sämtliche Samen eingelegt. Wird Rudra darauf eingesetzt, erfreut sich nach dem Text das Volk beständig.

madhukaṃ cākṣataṃ caiva tvañjanaṃ [mū, a, g: puñcanaṃ] meruṇā saha |
śrīkāmastu nyasenmadhye deva [kh: deśa] vṛddhyarthameva vā || 59 ||

16.59 Mit Meru legt man Madhuka, ungebrochenen Reis und Anjana ein. Diese mittlere Einlage dient dem Wunsch nach Wohlergehen oder dem Wachstum des Heiligtums beziehungsweise Landes.

godhūmakaṃ caṇaṃ [kh: godhūmaṃ kāñcanaṃ] sarpirdvūrvāṃ gorocanāṃ tathā |
gośṛṅgamṛttikāṃ caiva vṛṣeṇa saha vinyaset || 60 ||

16.60 Mit dem Stier werden Weizen, Kichererbsen beziehungsweise nach einer Variante Gold, Butter, Durva, Gorochana und von Kuhhörnern aufgeworfene Erde eingelegt.

mahokṣaṃ vinyasenmadhye dvārādiksaṃmukhaṃ samam |
tatra praropite [mū, a, g, ṅ: prabodhite] deve cāturvarṇyaṃ ca vardhate [kh: nandate] || 61 ||

16.61 Der große Stier steht in der Mitte und blickt gerade zur Tür. Wird die Gottheit darauf eingesetzt, gedeihen nach dem Text alle vier Varnas.

hāṭakaṃ kṛśarāṃścāpi padmena saha vinyaset |
tasminvyavasthite nāthe śrīvṛddhiścaiva sampadaḥ [kh: ñcirasaṃpadaḥ] || 62 ||

16.62 Mit dem Lotus werden Gold und Krishara, ein Getreide-Hülsenfruchtbrei, eingelegt. Die darauf eingesetzte Gottheit verleiht Wachstum des Wohlergehens und Besitzes.

athavā padmarāgaṃ tu kāñcanaṃ pāradānvitam |
dravyāṇāmapyalābhe tu teṣāmekatamaṃ nyaset || 63 ||

16.63 Alternativ verwendet man Rubin und Gold mit Quecksilber. Sind die Stoffe nicht verfügbar, genügt einer von ihnen.

ratnanyāso mayākhyātaḥ saṃprāpyaḥ prāptito yathā |
evaṃ dravyāṇi sarvāṇi vividhaṃ [mū: niviḍaṃ] sanniveśya ca || 64 ||

16.64 So habe ich die Edelsteineinlage entsprechend den verfügbaren Mitteln beschrieben. Alle diese Stoffe werden sorgfältig beziehungsweise dicht angeordnet.

rasena gugguloḥ pañcātsaṃskṛtena vileyayey |
śilāsamāni randhrāṇi kṛtvā netraṃ tathopari || 65 ||

16.65 Danach verbindet man sie mit aufbereitetem Guggulu-Harz. Die Öffnungen werden bündig mit der Steinfläche geschlossen; darüber folgt eine Augenmantra-Handlung, deren Formulierung verkürzt ist.

varmaṇāstreṇa saṃrakṣya digīśebhyo baliṃ kṣipet |
samācamya kṛtanyāso juhuyādasinā śatam || 66 ||

16.66 Man schützt mit Schutz- und Waffenmantra und bringt den Richtungswächtern Bali dar. Nach Mundreinigung und Nyasa opfert man hundertmal mit dem Schwertmantra.

śilāsūtracyutiśchidre niṣedhāya śivena vā |
vāstospatiṃ tato hutvā pīṭhaṃ śvabhraṃ nirūpayet || 67 ||

16.67 Dies dient dem Ausgleich von Fehlern an Stein, Messschnur oder Öffnung; alternativ verwendet man Shiva. Nach dem Opfer für Vastospati prüft man Sockel und Vertiefung.

kṣīradārukṛtaṃ liṅgaṃ pīṭhaśvabhre niyojayet |
niḥ sandhiḥ suḍṛḍhaṃ tacca vidadhīta prayatnataḥ || 68 ||

16.68 Ein aus Milchsaftbaumholz gefertigtes Linga beziehungsweise Passstück wird in die Sockelöffnung eingesetzt. Man sorgt sorgfältig für fugenlosen, festen Sitz.

paścādarghaṃ ca dhūpaṃ ca dadyālliṅgeṣu bhāvitaḥ [gh: bhāvikāḥ] |
tataḥ suyantritaṃ daṇḍe badhnīyādvālatantunā || 69 ||

16.69 Danach bringt man dem Linga gesammelt Arghya und Räucherwerk dar. Es wird gut gesichert an einer Tragstange mit Haarseilen befestigt.

tūryamaṅgalanirghoṣairyatnādutthāpayocchivam |
vandivṛndaravaiḥ stotraiḥ śobhanaiḥ śakunairbhṛśam [mū: śaṅkalaiḥ-] || 70 ||

16.70 Unter Musik, Segensrufen, Lob der Sänger und günstigen Vorzeichen hebt man Shiva vorsichtig an.

yajamāno vrajettatra vṛtaḥ sarve svakairjanaiḥ |
mūrtipaiḥ śilpibhiḥ sārdhamanulagnaiḥ śive tadā || 71 ||

16.71 Der Auftraggeber geht mit all seinen Angehörigen dorthin, zusammen mit den Murti-Hütern und Künstlern, die sich eng bei Shiva halten.

tadagrato gururgacchetsugṛhītārghabhājanaḥ |
dvāradeśāgate liṅge ardhaṃ datvā praveśayet || 72 ||

16.72 Voran geht der Guru mit dem sicher gehaltenen Arghya-Gefäß. Wenn das Linga an die Tür gelangt, reicht er Arghya und führt es hinein.

dvārabandhaṃ vinā dvārādaspṛśan taṃ praveśayet |
dvārabandhānvite dhāmni nabhaseva tadūrdhvataḥ || 73 ||

16.73 Ist noch kein Türrahmen eingesetzt, führt man es durch die Öffnung, ohne sie zu berühren. Bei vorhandenem Rahmen wird es von oben durch den freien Raum eingebracht.

yatnātpraveśayedgarbhaṃ [g: lliṅgaṃ] yathā kuḍyaṃ na saṃspṛśet |
digvyomasparśanātkuryāttaddiśyuktāṃ ca dakṣiṇām || 74 ||

16.74 Man bringt es vorsichtig in das Innere, ohne die Wände zu berühren. Wird eine Richtungsseite oder die obere Öffnung berührt, ist die für diese Richtung bestimmte Ausgleichsgabe zu leisten.

hema tāmraṃ lulāyaṃ ca khaḍgaṃ muktāṃ suvastrakam |
śaṅkhaṃ dhenu/ gurordadyādindrādispṛṣṭidoṣahṛt || 75 ||

16.75 Von Osten an werden Gold, Kupfer, Büffel, Schwert, Perle, gutes Gewand, Muschelhorn und Kuh als Gaben an den Guru genannt, um die entsprechenden Berührungsfehler auszugleichen.

bhadrapīṭhe tataḥ sthāpyo dvāragarbhāntare prabhuḥ |
ardhaṃ datvā hṛdāsthāpya [mū: hṛdotthāpya] muhūrte sadguṇe guruḥ || 76 ||

16.76 Zwischen Tür und Heiligtumsinnerem stellt man den Herrn auf den Bhadra-Sitz. Nach Arghya hebt beziehungsweise setzt ihn der Guru mit dem Herzmantra zum günstigen Zeitpunkt.

liṅgaṃ pīṭhaṃ tathā kaṇṭhaṃ jalādhāraṃ yathākramam |
vinyasettūryaśabdena nimitte viṣuve sthite || 77 ||

16.77 Linga, Sockel, Halsglied und Wasserbecken werden der Reihe nach unter Instrumentalklang eingesetzt, wenn das günstige Gleichgewichtszeichen vorliegt. Vishuva kann hier den ausgeglichenen Zustand des Atems bezeichnen; die Stelle ist knapp.

aṅguṣṭhamucchritaṃ [gh: mutsṛtaṃ] kṛtvā muṣṭiṃ badhvā tu dakṣiṇām |
piṇḍikāyāṃ nyaselliṅgamaṅguṣṭhena spṛśedguruḥ || 78 ||

16.78 Der Guru schließt die rechte Hand zur Faust und richtet den Daumen auf. Beim Einsetzen des Linga in den Sockel berührt er es mit dem Daumen.

umāmaheśamantrābhyāṃ sandhānaṃ mokṣakāṅkṣiṇām |
śivomāmantrayogena sandhānaṃ bhūtikāṅkṣiṇām || 79 ||

16.79 Für Befreiungsuchende erfolgt die Verbindung mit den Mantras von Uma und Mahesha; für Gedeihen mit den Mantras von Shiva und Uma in der entsprechenden Reihenfolge.

āsanaṃ ca punardeyamabhisandhānakāraṇam |
mūrtyādyaṅkāvasānaṃ tu punarevaṃ tu vinyaset || 80 ||

16.80 Zur erneuten Verbindung wird auch der Sitz wieder eingesetzt. Danach wiederholt man den Nyasa von der Murti bis zu den Gliedern; das letzte Wort ist entstellt.

svatantravihitairmantrairāsanaṃ tatra vinyaset |
mūrti śaṃbhuṃ [k, kh, g: mūrtīśaṃ tu] tathāṅgāni paramīkaraṇaṃ tataḥ || 81 ||

16.81 Mit den im eigenen Tantra vorgeschriebenen Mantras setzt man Sitz, Murti beziehungsweise Murti-Herr, Shambhu und Glieder ein. Danach folgt die Erhebung zur höchsten Identität.

niro [mū: nibo] dhanājña (khya) yā mudrā saṃhitoktavidhānataḥ |
rudrādīnāṃ tu sarveṣāṃ sthāpanaṃ tathvataḥ [k: ca tataḥ] kramāt || 82 ||

16.82 Mit der Nirodhana-Mudra erfolgt die Festigung nach der Samhita. So werden Rudra und die weiteren Gottheiten der Reihe nach ihrem Wesen entsprechend eingesetzt.

āsanaṃ mūrtiḥ śambhuśca pakṣāṃstrīṃśca tritattvataḥ |
ātmavidyāḥ śivaṃ caiva bhāvayedanupūrvataḥ || 83 ||

16.83 Sitz, Murti und Shambhu werden als drei Ebenen betrachtet, entsprechend Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva.

anantādyāḥ śikhaṇḍāntā āsanasthāśca ye smṛtāḥ |
vidyāṅgai [mū, kh: vidyāṅkai] ścaiva saṃyuktā ātmatattve vyavasthitāḥ || 84 ||

16.84 Die auf dem Sitz befindlichen Vidyeshvaras von Ananta bis Shikhandin, verbunden mit Vidyas und Gliedern, gehören zum Atma-Tattva.

śaktayañca smṛtāstisraḥ pañcabrahmasamanvitāḥ |
vidyātattve sthitā hyete sādhikāre vidurbudhāḥ || 85 ||

16.85 Die drei Shaktis zusammen mit den fünf Brahma-Mantras befinden sich im Vidya-Tattva, im Bereich ihrer jeweiligen Befugnis; so verstehen es die Kundigen.

śaktidvayaṃ śivāṅgaśca śivatattvaṃ samāśritāḥ |
tritattvavyāptirākhyātā panthānaḥ [g: adhvānaḥ] ṣaḍvidhāstviha || 86 ||

16.86 Die beiden weiteren Shaktis und Shivas Glieder gehören zum Shiva-Tattva. Damit ist die Durchdringung der drei Tattvas erklärt; hier bestehen außerdem die sechs Wege des Adhvan.

śataikakoṭivistāraṃ nojanaistatsamocchrayam |
brahmāantaṃ [kh: brahmāṇḍaṃ] pārthivaṃ tattvaṃ jalādidviguṇaṃ kramāt || 87 ||

16.87 Das Erd-Tattva als Weltenei besitzt hundertundeine Koti Yojana Breite und dieselbe Höhe. Wasser und die folgenden Bereiche verdoppeln sich nacheinander. Die Zahl weicht von der früheren Angabe ab.

śaktyādiśaktiparyantaṃ pañcadaivādhidaivatam |
triṃśatpañcādhikaṃ tattvaṃ sanmārgaṃ pīṭhamaiśvaram || 88 ||

16.88 Der Bereich von der tragenden Shakti bis zur höchsten Shakti umfasst fünfunddreißig Tattvas und wird von fünf Gottheiten beherrscht. Er bildet den göttlichen Sitz und Weg; die Wortverbindung am Ende ist gedrängt.

dhyātvā liṅge paraṃ [mū: liṅgadharaṃ] śambhuṃ pañcabaktraṃ trilocanam |
bhujaistu daśabhiryuktaṃ jaṭāmukuṭamaṇḍitam [kh, gh: dhāriṇam] || 89 ||

16.89 Im Linga meditiert man über den höchsten Shambhu, fünfgesichtig, dreiäugig, mit zehn Armen und einer Krone aus Haarflechten.

candrārdhakṛtamūrdhānaṃ nāgayajñopavītinam |
gaṇairdevaistathā siddhaiḥ stūyamānaiḥ samāyutam || 90 ||

16.90 Er trägt die Mondsichel auf dem Kopf und eine Schlange als heilige Schnur. Ganas, Götter und Siddhas umgeben ihn und preisen ihn.

tataḥ paramasadbhāvamīśānaṃ bindurūpiṇam [mū: rūpakam] |
sadyolātena saṃcintya vāmadevena vinyaset || 91 ||

16.91 Danach betrachtet man Ishana in seinem höchsten Wesen als Bindu, mit Sadyojata, und setzt ihn mit Vamadeva ein.

dehī dehe yathā yogaṃ dravyaṃ bhogīva [mū: ca] saṅgatam |
bodhakriyāniviṣṭaṃ tu jñeyaṃ jñānāśritaṃ smaret || 92 ||

16.92 Wie der Verkörperte mit dem Körper und der Genießende mit seinem Gegenstand verbunden ist, so betrachtet man die Gegenwart als in Erkenntnis und Handlung eingegangen und das Erkennbare als auf Erkenntnis gegründet.

nādamadhye sthito bindurbindumadhye sthito dhvaniḥ |
dhvanimadhyagatā tārā tārāmadhyagateḥ śaśī || 93 ||

16.93 Im Nada liegt der Bindu, im Bindu der Dhvani, im Dhvani die Tara und in deren Mitte der Mond.

śaśīmadhyagataṃ sūkṣmaṃ sūkṣmamadhyagato raviḥ |
ravimadhyagataḥ śāntaḥ śāntamadhyagataḥ śivaḥ || 94 ||

16.94 Im Mond liegt das Subtile, im Subtilen die Sonne, in der Sonne das Friedvolle und im Friedvollen Shiva.

sūryendubimbayoryadvaddekī [mū: devī] bhūtāmṛtā kalā [kh: matīkalā] |
atrāpi ca tathā smṛtvā dṛkkriyāṃ sa [k, kh: kriyāṃśaṃ] nniveśayet || 95 ||

16.95 Wie in Sonnen- und Mondscheibe die unsterbliche Kala zur Einheit gelangt, so betrachtet man es auch hier und setzt Erkenntnis und Handlung ein.

praguṇe kriyamāṇe tu dikprānte [gh: digbhrānte] calanaṃ yadi |
tadā digdevatāhomaḥ kāryā śāntiśca doṣahṛt || 96 ||

16.96 Kommt es beim Geraderichten zu einer Verschiebung in eine Richtung, werden Opfer für deren Gottheit und eine den Fehler ausgleichende Friedenshandlung ausgeführt.

yasyāṃ diśi calelliṅgaṃ tasyāṃ śāntiṃ ca kārayet |
anyathā tu bhavedghoraṃ kartṛrāṣṭravirūpakam || 97 ||

16.97 In der Richtung, in die sich das Linga bewegt hat, ist dieser Ausgleich vorzunehmen. Andernfalls drohe dem Auftraggeber und dem Land schweres Unheil.

tasmāttadvāharna dadyādindrādīnāṃ yathāsthitam |
gajaṃ chāgaṃ lulāyaṃ ca dāsīṃ matsyaṃ mṛgāvikam || 98 ||

16.98 Deshalb gibt man entsprechend den Richtungswächtern ihre Reittiere als Gabe: Elefant, Ziege, Büffel, eine Dienerin, Fisch, Antilope und Schaf werden genannt. Die Menschenübergabe ist eine historische Vorschrift des Textes.

vṛthaṃ pratyagrataḥ samyaktanmūlyaṃ [mū: sūtraṃ] vātha śāntaye |
pakṣasūtraṃ tato dadyādṛjvarthaṃ lambasūtrakam || 99 ||

16.99 Es folgt der Stier. Alternativ wird der entsprechende Geldwert zur Befriedung gegeben. Danach legt man Seiten- und Lotschnur an, um die gerade Stellung zu prüfen.

punarnacālayelliṅgaṃ yadīcchechreya ātmanaḥ |
calile śabdite bhrānte praṇate svasthite kramāt || 100 ||

16.100 Wer sein eigenes Heil wünscht, soll das Linga danach nicht erneut bewegen. Bewegungen, Geräusche, Verdrehung, Neigung und Stand werden der Reihe nach beurteilt.

grāmahṛdrāṣṭrahṛccaiva rogado bhraṃśavṛddhikṛt |
śvabhrarandhraṃ ca [kh, gh: sandhiṃ ca] sampūrya [kh: sampūjya] kṣīralohamalaiḥ [mū: le---tmalaiḥ] śubhaiḥ || 101 ||

16.101 Der Text verbindet die Fehler mit Verlust des Dorfes oder Landes, Krankheit und Niedergang; guter Stand bringt Wachstum. Öffnung und Fugen werden mit geeigneten Stoffen gefüllt; die Bezeichnung mit Milch und Metallrückständen ist beschädigt.

sikatāpaṅkabālaiśca [gh: patkarālaiḥ] śaṅkhacūrṇa [kh: śaṅkhamūla] samanvitaiḥ |
tataḥ śāntighaṭāmmobhiḥ snānaṃ mūrtidharāḥ svakam || 102 ||

16.102 Hinzu kommen Sand, Lehm, Haare beziehungsweise Fasern und Muschelpulver. Danach vollziehen die Murti-Träger mit dem Wasser der Friedenskrüge die ihnen zugeordnete Waschung.

prakurvanti tataḥ paścādācāryaḥ snāpayecchivam |
toyakṣīradadhikṣaudraghṛtatoyāntarātmakaiḥ || 103 ||

16.103 Anschließend wäscht der Acharya Shiva mit Wasser, Milch, saurer Milch, Honig, Butter und dazwischen erneut Wasser.

ambhaścatuṣpalaiḥ pūrṇaṃ gaḍḍūkaṃ [gaḍḍūkaṃ=bhṛṅgāre jalapātrabhede iti śabdaratnāvalyām] hemajādikam |
mugdā [k, kh: muṅgā] dyaṅgulamātrasya calasya sthāpane hitam || 104 ||

16.104 Für ein kleines bewegliches Linga von ungefähr einem Angula wird ein goldenes oder entsprechendes Gießgefäß genannt, das vier Pala Wasser fasst. Die einleitende Größenbezeichnung ist beschädigt.

śeṣāṇāṃ cāṅgulaṃ vṛdyā vṛddhistripali [mū, a: pala] kāmbubhiḥ |
hastamātre sthire liṅge gaḍḍūkaṃ prasthasammitam || 105 ||

16.105 Mit jedem weiteren Angula wächst die Wassermenge um drei Pala. Bei einem unbeweglichen Linga von einem Hasta fasst das Gießgefäß ein Prastha.

anyeṣāṃ karavṛddhyā syādvṛddhiraṣṭapalaiḥ kramāt |
abhyaṅgasnāpanaṃ ca syānmahāsnānaṃ ca śaṅkare || 106 ||

16.106 Bei den größeren nimmt die Menge je zusätzlichem Hasta um acht Pala zu. An Shankara werden Salbung, Waschung und großes Bad vollzogen.

pañcaviṃśatibhiścaiva śatārdhadvisahasrakaiḥ |
palaiḥ kramācca [mū: kramāṇi] liṅgānāṃ calasthiradvirū [gh: trirū] piṇām || 107 ||

16.107 Für die beweglichen, unbeweglichen und weiteren Formen nennt der Text fünfundzwanzig, fünfzig und zweitausend Pala. Die Formenzahl ist zwischen zwei und drei variantenreich, sodass die vollständige Zuordnung unsicher bleibt.

kṣmādiśaktyantatattveṣu tattvatattveṣu ye sthitāḥ |
surādayo'pi ye cānye [kh: cāsya] samānadeśagāstathā || 108 ||

16.108 Alle Gottheiten und anderen Wesen, die in den einzelnen Tattvas von Erde bis Shakti und in den entsprechenden Bereichen wohnen, werden berücksichtigt.

adhikārapāda [kh, gh: pade] śuddhiḥ paramīkaraṇe layaḥ |
sthānabhāga [gh: bhoga] sthitāṃ teṣāmadhaścopari madhyataḥ || 109 ||

16.109 Auf der Ebene ihrer Befugnis erfolgt Reinigung, bei der Erhebung zum Höchsten Auflösung. Ihre Plätze und Erfahrungsbereiche liegen unten, oben und in der Mitte.

sthānaṃ [kh, g: snānaṃ] kṛtvā nyasenmantrān yathātmani samīhitam |
āsanādyaṃ yathāśāstraṃ vaktraṃ kaṃ [kh, gh: vaktrāṅgaṃ] ca kalāvṛtam || 110 ||

16.110 Nach der Waschung beziehungsweise Einrichtung setzt man die Mantras so ein, wie man sie im eigenen Körper vorgesehen hat: Sitz und weitere Glieder nach der Schrift, Gesichter und Glieder umgeben von Kalas.

icchāśaktiṃ nyaśedvṛtte mūrtiṃ vidyāṅgarsayutām |
kriyāhvāṃ pīṭhamadhyasthāṃ jñānāhvāṃ [gh: jñānākhyāṃ] tadadhaḥ punaḥ || 111 ||

16.111 In den runden Abschnitt setzt man die Willenskraft und die mit Vidya-Gliedern verbundene Murti ein. Die Handlungskraft liegt in der Sockelmitte, die Erkenntniskraft darunter.

snānaṃ vidhivaddevānāṃ [gh: vidhi ca devānāṃ] sānnidhyasya tu kāraṇam |
sarvamantrādisaṃyukto lokānugrahakāmyayā || 112 ||

16.112 Die regelrechte Waschung der Gottheiten ist ein Mittel ihrer Gegenwart. Verbunden mit allen Mantras und aus dem Wunsch nach dem Segen der Welt folgt die Bitte.

atra liṅge mahādeva bhava sannidhimānsadā |
sūryācandramasauyāvadyāvattiṣṭhati medinī || 113 ||

16.113 „Mahadeva, sei in diesem Linga immer gegenwärtig! Solange Sonne und Mond bestehen, solange die Erde steht …“

tāvattvayātra deveśa sthātavyaṃ svecchayā prabho |
evamuktvā śivājñāṃ tu mantramūrtau maheśvare || 114 ||

16.114 „… so lange sollst du, Herr der Götter, hier aus freiem Willen verweilen, o Herr!“ Nach diesen Worten wird Shivas Gebot in Maheshvara als Mantra-Gestalt verankert.

prāṇadarpāgnisaṃhārakṛdbhū [gh: hṛbhdū] myambucalātmakam |
rūdrendubindunādākhyaṃ jīvabhūtaṃ śivaṃ nyaset || 115 ||

16.115 Man setzt den lebendigen Shiva ein, verbunden mit einer verschlüsselten Folge aus Lebensatem, Feuer, Auflösung, Erde, Wasser, Rudra, Mond, Bindu und Nada. Der beschädigte Lautcode erlaubt keine sichere Rekonstruktion einer Rezitationsformel.

(li [ayaṃ cāpacihnāntargataḥ pāṭha kha pustakenāsti] ṅgamūrdhni karaṃ nyasya śivamaṣṭaśataṃ japet |
tena sānnaidhyamāyānti vaktrāṅgāni punarnyaset || 116 ||

16.116 Die Hand wird auf die Spitze des Linga gelegt und der Shiva-Mantra hundertachtmal rezitiert. Dadurch tritt die Gegenwart ein; anschließend werden Gesichter und Glieder erneut eingesetzt. Dieser Abschnitt fehlt in einer Handschrift.

dikṣu cordhvādivaktrāṇi śaktīḥ pīṭhe tu vinyaset |
) aghoraṃ hṛdayaṃ dhyātvā vinyaseddhṛdayaṃ tataḥ || 117 ||

16.117 Die Gesichter werden in den Richtungen und nach oben, die Shaktis im Sockel eingesetzt. Man meditiert über Aghora als Herz und vollzieht dort den Herz-Nyasa.

puruṣaṃ tu śivaṃ tasya [gh: śirasyasya] śiraḥ sthāne vicintayet |
śikhā īśānadevena śikhābhūtaṃ vicintayet || 118 ||

16.118 Purusha wird am Kopf als dessen göttliche Gestalt betrachtet. Ishana bildet die Shikha, den oberen Haarschopf beziehungsweise Scheitelbereich.

([cāpāntargato'yaṃ pāṭhaḥ gh pustake nāsti] kavacaṃ vāmadevaṃ tu dhyāyedguhyādi sarvataḥ |
) sadyojāpaṃ nyasedastraṃ haste śūlādikaṃ punaḥ || 119 ||

16.119 Vamadeva wird als Schutzpanzer vom geheimen Bereich aus ringsum betrachtet. Sadyojata wird als Waffe eingesetzt, danach Dreizack und weitere Waffen in den Händen.

dvaitādvaitāstu ye mantrā vāgyuktā tā [k: śaktyāntān] (stā) nnirodhayet [mū: nibodhayet] |
mudrā śaktīśvarī yā tu pāraṃparyakramāgatā || 120 ||

16.120 Die Mantras dualer und nichtdualer Lehren werden festgehalten beziehungsweise gefestigt. Dazu dient die Shaktishvari-Mudra, die in der Lehrerfolge überliefert ist; die erste Lautangabe ist beschädigt.

tāṃ pradarśyātmabhāvena prayogastu gurau sthitaḥ |
tābhyāṃ svavasthitā [gh: syācca sthitā] mantrā ācandrārkaṃ śivājñayā || 121 ||

16.121 Man zeigt sie in innerer Identität. Ihre Anwendung wird beim Guru erlernt. Durch Mantra und Mudra bleiben die Mantras auf Shivas Gebot gegenwärtig, solange Mond und Sonne bestehen.

dvaite nirodhanaṃ kuryānmṛtyañjayena varmaṇā |
advaite'ghoramantreṇa svahṛdayena vā bhavet || 122 ||

16.122 Im dualen Verfahren erfolgt die Festigung mit Mrityunjaya und dem Schutzmantra, im nichtdualen mit Aghora oder dem eigenen Herzmantra.

ajātādyāstu yā mudrāḥ pañcānukramataḥ sthitāḥ |
tābhireva spṛśelliṅgaṃ piṇḍikā sahitaṃ guruḥ || 123 ||

16.123 Mit den fünf Mudras von Ajata an berührt der Guru der Reihe nach Linga und Sockel.

āhvānāsthāpanā śambho nirodhā niṣkurā [kh, gh: niṣṭhurā] tathā |
praṇāmā pañcāmīmudrāsyānāṃ pañcamukhī kramāt [mū: mukhakramāt] || 124 ||

16.124 Die fünf Mudras heißen Anrufung, Einsetzung, Festigung, Nishkura beziehungsweise Nishthura und Verneigung. Sie entsprechen der Folge der fünf Gesichter.

piṇḍikā tu jaganmātā liṅgaṃ tātaścalācale [gh: liṅgāntāntaścarācare] |
saṃyogaḥ śivagauryoryaḥ pratiṣṭhā sābhidhīyate [gh: pragīyate] || 125 ||

16.125 Der Sockel ist die Mutter der Welt, das Linga der Vater des Beweglichen und Unbeweglichen. Die Verbindung von Shiva und Gauri wird Pratishtha, Einsetzung beziehungsweise Weihe, genannt.

dharmārdhakāmamokṣārthaṃ puruṣārthacatuṣṭayam |
sthāpanejyājapadhyānaiḥ śivādvai labhate sadā || 126 ||

16.126 Die vier menschlichen Lebensziele – Dharma, Wohlstand, Lebensgenuss und Befreiung – erlangt man nach dem Text durch Einsetzung, Verehrung, Rezitation und Meditation von Shiva.

prākkartākhyeśvarāntaṃ [mū: śvarākṣyaṃ] ca liṅgaṃ tatpratimāpi vā |
durgāyāmīśvarī bhānāvādityo mādhavo harau || 127 ||

16.127 Der Name des Auftraggebers steht vor der Endung Ishvara beim Linga oder Bild. Bei Durga verwendet man Ishvari, beim Sonnengott Aditya und bei Hari Madhava.

pratiṣṭhitaṃ yadā liṅgaṃ tadīśāśāsthitau guruḥ [k, g: sthāpita śivadaiśikaiḥ] |
japetpāśupataṃ divyaṃ sarvasaṃpūrti [gh: saṃpūrṇa] kārakam || 128 ||

16.128 Nach der Einsetzung steht der Guru im Nordosten und rezitiert den göttlichen Pashupata-Mantra, der alles vervollständigt.

gurorastrāmbunā [kh: mbhasā] snānaṃ kartuḥ sivaghaṭāmbunā |
bhūṣaṇādīn gurordatvā kartādyāccarukaṃ tataḥ || 129 ||

16.129 Der Guru badet mit dem Wasser des Waffenkruges, der Auftraggeber mit dem Shiva-Krugwasser. Nach Übergabe von Schmuck und weiteren Gaben an den Guru isst der Auftraggeber Charu.

evaṃ pratiṣṭhitaṃ liṅgaṃ vasudhānyadhanāvaham |
rāṣṭre subhikṣamārogyaṃ kuryāccaurādi [kh: caurāri] nāśanan || 130 ||

16.130 Ein so eingesetztes Linga bringt nach dem Text Besitz, Getreide und Reichtum, Nahrungssicherheit und Gesundheit im Land und beseitigt Diebe und weitere Gefahren.

rājā vijayamāpyoti svasamī (sumantrī) svaprajābalam ? [gh: susatrī suprajābalā] |
sthāpakasya sadā vṛddhirye ca tatropajīvinaḥ [kh, gh: yoginaḥ] || 131 ||

16.131 Der König erlangt Sieg; die beschädigte weitere Wendung betrifft gute Berater, Volk und Stärke. Der einsetzende Priester und die vom Heiligtum Lebenden beziehungsweise Yogis erfahren beständiges Wachstum.

oṣadhyo dhenavo vṛkṣyastadyuktā māhiṣā vṛṣāḥ |
śilpinaḥ karmakartāraḥ sarve yānti śivālayam || 132 ||

16.132 Pflanzen, Kühe, Bäume, die beteiligten Büffel und Stiere, Künstler und ausführenden Arbeiter gelangen nach der religiösen Verheißung des Textes alle zu Shivas Stätte.

śivamantrātmakaṃ liṅgaṃ sthāpitaṃ śivadaiśikaiḥ |
bhuktimuktipradaṃ jñeyamanyathā tu viparyayaḥ || 133 ||

16.133 Ein von Shiva-Lehrern eingesetztes, aus Shiva-Mantras bestehendes Linga gilt als Lebensgenuss und Befreiung verleihend. Bei abweichendem Vollzug werde das Gegenteil bewirkt.

dadyādvastraṃ sragaṃ gandhaṃ dhūpaṃ naivedyadīpakau |
devāya lepanaṃ bhūṣāṃ bhojyaṃ dānaṃ ca sammatam [gh: santatam] || 134 ||

16.134 Der Gottheit bringt man Gewand, Girlande, Duft, Räucherwerk, Speise, Licht, Salbung und Schmuck dar. Auch Mahlzeiten und Gaben sollen bereitgestellt werden.

turye'hnī śivayogibhyo dvijādibhyaśca yatnataḥ |
tataścaṇḍeśvaraṃ devaṃ sthāpayedvidhinā guruḥ || 135 ||

16.135 Am vierten Tag versorgt man besonders Shiva-Yogis, Brahmanen und weitere Gäste. Danach setzt der Guru Chandeshvara nach der Regel ein.

pāpaghno madhunā lepo rajanyā pittaroganut |
rocanayākṣirogaghnaḥ phalijyāṃ [mū: kalinyā] ca priyaṅkaraḥ || 136 ||

16.136 Der Text schreibt Honigsalbung Sündenbeseitigung, Kurkuma den Ausgleich von Gallenleiden und Rochana die Beseitigung von Augenkrankheiten zu. Ein unsicher benannter weiterer Stoff soll Zuneigung fördern. Dies sind historische religiöse Wirkungsbehauptungen.

tilānāṃ ca pitṛprītyai ripughnaḥ padmakesaraḥ |
nāgapuṣpaṃ subhikṣāya saptāhaṃ ca phalaṃ kramāt || 137 ||

16.137 Sesam erfreut die Ahnen, Lotusstaubfäden sollen Feinde beseitigen, Nagapushpa Nahrungssicherheit bringen. Die Wirkungen werden einer siebentägigen Anwendung zugeordnet.

arghaṃ snānaṃ tathā pūjā aṣṭame'hani śaṅkare |
candanāgurukapūrakuṅkumādyaiśca lepanam || 138 ||

16.138 Am achten Tag bringt man Shankara Arghya, Bad und Verehrung sowie Salbung mit Sandel, Agaru, Kampfer, Safran und weiteren Düften dar.

bahurūpeṇa mantreṇa vastraṃ dhūpaṃ [kh: puṣpaṃ] pavitrakam |
ajena [k, kh: añjanaṃ] rocanāṃ caiva darpaṇaṃ puruṣeṇa tu || 139 ||

16.139 Mit Bahurupa werden Gewand, Räucherwerk beziehungsweise Blumen und Pavitra dargebracht. Ajata wird mit Rochana verbunden, nach Varianten wird auch Augensalbe genannt; der Spiegel erhält Purusha.

īśānena tu puṣpāṇi mukuṭaṃ kuṇḍalaṃ tathā |
kaṭakaṃ kaṭisūtraṃ ca paṭṭabandhaṃ ca yadbhavet || 140 ||

16.140 Mit Ishana bringt man Blumen, Krone, Ohrringe, Armreifen, Hüftgürtel und Kopfbinde dar.

chatra [mū, a, g: sūtra] dhvajavitānāni cāmaraṃ puṣpadāmakam [k: darpaṇādikam] |
kvacittenaiva guhyairvā sarvāṇyetāni dāyayet || 141 ||

16.141 Schirm, Banner, Baldachin, Yakhaarwedel und Blumengirlande beziehungsweise Spiegel werden ebenfalls damit oder mit dem geheimen Mantra überreicht.

evaṃ sapūjitaṃ kṛtvā devadevaṃ tadeśvaram [g: maheśvaram] |
praṇamya daṇḍavadbhamau śanairgacchetpradakṣiṇam || 142 ||

16.142 Nach dieser Verehrung des Herrn der Götter verneigt man sich lang ausgestreckt auf dem Boden und umschreitet ihn langsam nach rechts.

purataḥ punarāgatya vijñāpyo bhagavānharaḥ |
sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ vāpi ajñānājjñānataḥ kṛtam || 143 ||

16.143 Wieder vor ihm stehend spricht man zu Hara: „Was ich Gutes oder Schlechtes, unwissentlich oder wissentlich getan habe …“

tatsarvamātmanā sārdhaṃ mayā tubhyaṃ niveditam |
tasminkāle pradātavyā dakṣiṇā śivayogine || 144 ||

16.144 „… all das habe ich dir zusammen mit mir selbst dargebracht.“ Zu diesem Zeitpunkt soll dem Shiva-Yogi die Dankesgabe überreicht werden.

ācāryāyottamā deyā sādhakāyāṅghrivarjitā |
putrakāyārdhato deyā samayibhyaśca pādikā || 145 ||

16.145 Der Acharya erhält die volle höchste Gabe, der Sadhaka drei Viertel, der Putraka die Hälfte, der Samayin ein Viertel.

athetaravratibhyaśca pādikaiva hi dakṣiṇā |
yathāśakti dvijātibhyo dadyāddānaṃ yathāvidhi || 146 ||

16.146 Andere Gelübdehaltende erhalten ebenfalls ein Viertel. Den Brahmanen und weiteren Geeigneten gibt man nach Kräften ordnungsgemäße Gaben.

sthapatiṃ kārukāṃścaiva dīnāndhakṛpaṇādikān |
tauryikāngāyakānnartṛnnādyena tu toṣayet [kh, gh: tarpayet] || 147 ||

16.147 Baumeister, Handwerker, Arme, Blinde, Bedürftige, Instrumentalisten, Sänger und Tänzer werden mit Nahrung und weiteren Gaben zufriedengestellt.

rātrau mahotsavaṃ kuryācchaṅkhatūryādinisvanaiḥ |
ekarātraṃ trirātraṃ vā saptarātramathāpi vā || 148 ||

16.148 Nachts feiert man ein großes Fest mit Muschelhörnern und Instrumenten, eine, drei oder sieben Nächte lang.

daśāhaṃ ca prakurvīta mahāntaṃ ca paricchadam |
śāsanādyaṃ yatīśābhyāṃ dadyādvittānusārataḥ [kh, gh: rūpataḥ] || 149 ||

16.149 Auch zehn Tage sind möglich, mit reicher Ausstattung. Nach Vermögen übergibt man Stiftungsurkunden und weitere Zuwendungen an Asketen und Gottheit.

sarvasamaṃ sahasrāhvaṃ [mū, k, g: srāṅkaṃ] dvidhā datvādhvapaṅktigam [mū: svapaṅkti; kh: ṣṭapaṅkti] |
pumādibhyo divāśuddhiṃ vidyādi tacchatāvṛtam || 150 ||

16.150 Die besondere Behandlung des tausendfach gegliederten Linga wird auf zwei Ebenen und den Adhvan bezogen. Die Angaben zu Purusha, Vidya, Reinigung und hundertfacher Gliederung sind stark beschädigt; eine vollständige Einzelanweisung lässt sich daraus nicht sicher gewinnen.

sahasrāhve śatāhve ca liṅge bhinnādhvakaṃ [mū: ṣkakaṃ; g: ṣṭakaṃ] purā |
cetasaḥ [k, kh: cetaḥ saṃ] sthāpanaṃ kuryātpratiṣṭhā pūrvavatsthirā [mū: sthirā] || 151 ||

16.151 Bei tausend- und hundertfach gegliederten Lingas wird zuvor die gegliederte Ordnung der Wege innerlich eingesetzt. Die feste Einsetzung erfolgt im Übrigen wie beschrieben.

daśamāṃśe kṛte kṣetre tanmadhye'śacatuṣṭayam |
yugabhāgāścaturdikṣu luptvaikaikaṃ tu koṇataḥ || 152 ||

16.152 Das Feld wird in zehn Teile gegliedert. Vier Teile liegen in der Mitte, je vier in den vier Richtungen; an den Ecken wird jeweils ein Teil abgetragen.

evaṃ sahasrakoṇāni [kh, gh: koṣṭhāni] kuryādekādhikāni tu |
sthāpyāni teṣu liṅgāni tatsaṅgayābhirvidhānataḥ || 153 ||

16.153 So sollen tausendundein Felder beziehungsweise Ecken entstehen. Darin werden ebenso viele Lingas nach der Vorschrift eingesetzt. Die knapp überlieferte Konstruktion erklärt diese Gesamtzahl nicht vollständig.

pūrvavatteṣu yāgaḥ syālliṅgeṣu trividhātmasu |
hīnānāṃ tu vidhiśvāyaṃ jyeṣṭhānāṃ sthitipūrvakam || 154 ||

16.154 Für die drei Linga-Arten erfolgt das Opfer wie zuvor. Dieses Verfahren gilt den kleineren Formen; bei großen geht die Aufstellung voraus.

lakṣaṇoddharaṇaṃ kṛtvā ratnādikaṃ [g: ratnodakaṃ] nyasettataḥ |
tatrānayenmahāliṅgaṃ yantrayogena buddhimān || 155 ||

16.155 Nach Herausarbeiten der Merkmale legt man Edelsteine und weitere Stoffe ein. Der Kundige bringt das große Linga mithilfe einer Hebevorrichtung heran.

aṣṭāsraṃ madhyataḥ kṛtvā dvayorante ca vartulam |
madhye cāṣṭārasaṃyuktaṃ dṛḍhakāṣṭhena maṇḍitam || 156 ||

16.156 Ein kräftiges Holz wird in der Mitte achteckig und an beiden Enden rund gearbeitet. In der Mitte erhält es acht Speichen beziehungsweise Hebelarme.

saṃsthāpya musalīprāntau stambhasthaṃ randhrayordvayoḥ |
liṅgādīni dṛḍhairvadhvā carmajaidṛḍhatantubhiḥ || 157 ||

16.157 Die beiden walzenartigen Enden lagern in zwei Öffnungen von Stützen. Das Linga wird mit festen Lederriemen beziehungsweise starken Seilen gesichert.

tataścā [k: tatastaṃ; kh, gh: paścāttat] karṣayecchīghramārakān [mū: mākarād] bahubhirjanaiḥ |
kharametatsamākhyātaṃ yantramutthāpanāya ca || 158 ||

16.158 Viele Menschen ziehen beziehungsweise drehen die Hebelarme. Diese Hebevorrichtung heißt Khara und dient dem Aufrichten.

suvṛtta [mū: svavṛtta] sthūlakāṣṭhāṃśamusalīdvitayaṃ tu vā |
musalyantāduraḥ [kh: puraḥ] kāṣṭhavedheṣu viniyojayet || 159 ||

16.159 Alternativ verwendet man zwei dicke, gut gerundete Holzwalzen. Ihre Enden werden in Bohrungen der Tragholzkonstruktion eingesetzt.

dhūḥ [kh: triḥ] pṛṣṭhe kāṣṭhapaṭṭaṃ tu yojayellohakaṇṭakaiḥ |
syātpaṭṭaśakaṭaṃ tvevaṃ bṛhalliṅgādikarṣaṇe || 160 ||

16.160 Auf dem hinteren Tragteil wird mit eisernen Stiften eine Holzplattform befestigt. So entsteht ein Plattformwagen zum Transport großer Lingas.

dhūrnāsārandhrayoścarmarajjubhyāmāmayedvṛṣam |
dhavamālūrabilvādyairanyairvā dṛḍhadārūbhiḥ || 161 ||

16.161 Mit Lederriemen an Zugholz und Nasenöffnung wird ein Stier eingespannt. Die tragenden Hölzer bestehen aus Dhava, Malura, Bilva oder anderem festem Holz.

śivikākhye catuṣkāṣṭhe yantre dve ghaṭayed dṛḍhe |
brahmasthāne [gh: viṣṇusthāne] drutaṃ liṅgaṃ kīlakaistāḍitaṃ [mū: stholitaṃ] dṛḍhaiḥ || 162 ||

16.162 Zwei feste Vorrichtungen aus jeweils vier Hölzern bilden die als Shivika bezeichnete Trage. Das Linga wird am Brahma-, nach einer Variante Vishnu-Abschnitt, mit kräftigen Keilen gesichert; ein Tätigkeitswort ist beschädigt.

tanmantrabhyāṃ samutthāpya śilāpārśve'tha vinyaset |
ratnādhārordhvato [mū: dhārārdhato] nyasya kāṣṭhapaṭṭaṃ samaṃ hṛḍham || 163 ||

16.163 Mit den entsprechenden Mantras hebt man es an und stellt es neben der Steinplatte ab. Über der Edelsteinaufnahme wird ein ebenes, festes Holzbrett gelegt.

tatra viśrāmayelliṅgaṃ tataḥ śvabhre kṣipecchanaiḥ |
saumyāṣṭakaṃ vibhidyārghairdigvidigyojitaistataḥ || 164 ||

16.164 Darauf lässt man das Linga ruhen und senkt es dann langsam in die Vertiefung. Die anschließende Anweisung zu acht hellen beziehungsweise nördlichen Teilen und Haupt- und Zwischenrichtungen ist beschädigt.

vastrairāveṣṭitaṃ ślakṣṇairiṣṭakāveṣṭitaṃ bahiḥ |
bālukāpūritaṃ kṛtvā jalādhāraṃ nyasettataḥ || 165 ||

16.165 Es wird mit glatten Tüchern umhüllt, außen mit Ziegeln umgeben und der Zwischenraum mit Sand gefüllt. Dann setzt man das Wasserbecken auf.

tatsikateṣṭakāṃ kṛtvā [g: dhṛtvā] snāpya mantrānnyasettataḥ |
pūjāṃ homaṃ ca jāpyaṃ ca kuryādbalyādi pūrvavat || 166 ||

16.166 Nach Handhabung beziehungsweise Entfernen von Sand und Ziegeln wäscht man es und setzt die Mantras ein. Verehrung, Feueropfer, Rezitation und Bali erfolgen wie zuvor.

calaliṅgaṃ dvidhā kāryaṃ pṛthakpīṭhaikapīṭhakam |
cāndraṃ vibhinnapīṭhaṃ tu sauryaṃ cābhinnapīṭhakam || 167 ||

16.167 Bewegliche Lingas sind zweifach: mit getrenntem oder mit einheitlichem Sockel. Die getrennte Form gilt als lunar, die ungetrennte als solar.

sve sve kṣetre mahīvāybormantranyāsaṃ tu liṅgayoḥ |
rasairvajrauṣadhībhiśca pṛthakpīṭhaṃ tu yojayet || 168 ||

16.168 In den entsprechenden Erd- und Windbereichen beider Formen vollzieht man den Mantra-Nyasa. Der getrennte Sockel wird mit Bindemitteln und als Vajra bezeichneten Pflanzenzubereitungen verbunden.

dhyātvā jñānakriyāśaktiṃ liṅgapīṭhai yathākramam |
itthaṃ sthiraṃ calaṃ liṅgaṃ saṃsthāpyaṃ yāgapūrvakam || 169 ||

16.169 Man meditiert über Erkenntnis- und Handlungskraft in Linga und Sockel. So werden unbewegliche und bewegliche Lingas mit vorausgehendem Opfer eingesetzt.

vyaktāhvasthāpanaṃ vakṣye pañcabhedaṃ matāntare |
ūrdhvāsīnā ca suptā ca yānasthā cāntarikṣagā || 170 ||

16.170 Nun beschreibe ich nach einer anderen Lehrmeinung die Einsetzung der figürlichen Formen: stehend, sitzend, liegend, auf einem Fahrzeug und im Luftraum befindlich.

āsāṃ netrakriyāpūrvaṃ snānādhivāsanaṃ tataḥ |
homaṃ ca rathayātradi svamantraiḥ pīṭhapūrvakam || 171 ||

16.171 Bei ihnen gehen Augenöffnung, Waschung und vorbereitende Lagerung voraus. Feueropfer, Wagenprozession und weitere Handlungen erfolgen mit den eigenen Mantras, beginnend mit dem Sockel.

saptabhāgīkṛte garbhe brahmasthānaṃ tu madhyataḥ |
rakṣaḥ sura [rakṣo'sura li0 pu0 pā0] manuṣyāṇāṃ madhyatoṃ'śaiḥ kramāttribhiḥ || 172 ||

16.172 Das Heiligtumsinnere wird in sieben Teile gegliedert; in der Mitte liegt der Brahma-Platz. Von dort folgen in drei Teilen die Bereiche der Rakshasas, Götter und Menschen; die erste Gruppenbezeichnung ist variantenreich.

manuṣyasurayormadhye tvarcāṅghrī sthāpayetsadā |
rakṣoṃ'śe sthāpanaṃ neṣṭaṃ dhanāyurdhānyanāśanāt || 173 ||

16.173 Die Füße des Bildes werden zwischen Menschen- und Götterbereich aufgestellt. Die Rakshasa-Zone gilt als ungeeignet, da sie Reichtum, Lebensdauer und Getreide vernichte.

kuḍyalagnā na kartavyā svasthānasyā tu bhūtidā |
kuḍyena saha saṃyuktā yajamānaṃ vināśayet || 174 ||

16.174 Das Bild soll nicht an die Wand angelehnt werden. Auf seinem eigenen Platz bringt es Gedeihen; mit der Wand verbunden gelte es als schädlich für den Auftraggeber.

tatra brahmaśilāṃ nyasya pīṭhapṛṣṭhārdha [kh: pṛthvardha] vistarām |
sadardhamucchṛyaṃ tasyā navagarbhābjasaṃyutām || 175 ||

16.175 Dort legt man die Brahma-Platte ein. Ihre Breite beträgt die Hälfte der Sockelrückseite beziehungsweise Sockelbreite, die Höhe wiederum die Hälfte. Sie besitzt einen Lotus mit neun Vertiefungen.

pūrvavadratnavinyāso diṅmantreṇetareṇa tu |
ūrdhvārcā tejasā yojyā āsīnā varuṇena tu || 176 ||

16.176 Die Edelsteineinlage erfolgt wie zuvor, mit Richtungs- oder anderen geeigneten Mantras. Das stehende Bild wird mit Feuer, das sitzende mit Varuna beziehungsweise Wasser verbunden.

śayitā pārthivenaiva yānasthā cāntarikṣagā |
vāyunā sthāpayetprāgvaid dvaite'dvaite nirodhanam || 177 ||

16.177 Das liegende wird mit Erde, das auf einem Fahrzeug oder im Luftraum befindliche mit Wind eingesetzt. Die Festigung erfolgt entsprechend dualem oder nichtdualem Verfahren.

parivārānvitā devā dharādyānvyāpya saṃsthitāḥ |
kṣmādipumāvadhau brahmā kādimāyāntake'cyutaḥ || 178 ||

16.178 Die Gottheiten samt Gefolge durchdringen die Bereiche von Erde an. Brahma umfasst Erde bis Purusha, Achyuta den folgenden Bereich bis Maya; dessen Anfang ist beschädigt überliefert.

vidyāntāgnyādike rūdraśceśo calā [balā] dibinduke |
sādākhyaḥ khādinādāntaḥ śaktītyādiparāvidhiḥ [gh: nvyādiparāvadhi] || 179 ||

16.179 Rudra reicht bis Vidya, Ishvara bis Bindu, Sadakhya bis Nada und Shakti bis zum höchsten Bereich. Die jeweiligen unteren Ausgangspunkte sind in der verschlüsselten Folge nicht durchgehend eindeutig.

apsaro yakṣarakṣāṃsi vidyādhṛdahikinnarāḥ |
bhūtavetālaśākinyo grahanakṣatrarāśayaḥ || 180 ||

16.180 Apsaras, Yakshas, Rakshasas, Vidyadharas, Schlangenwesen, Kinnaras, Bhutas, Vetalas, Shakinis, Grahas, Nakshatras und Tierkreiszeichen werden aufgezählt.

samudrāḥ kṣetrapā nadya [kh: palādyā] ṛṣirbrahmā digādayaḥ |
urvītattve sthitāḥ śodhyā [kh: sādhyā] jarāyujodbhijāṇḍajāḥ || 181 ||

16.181 Hinzu kommen Meere, Kshetrapalas, Flüsse, Rishis, Brahma und Richtungswesen. Sie befinden sich im Erd-Tattva und sind dort zu reinigen, ebenso aus Gebärmüttern, Pflanzen und Eiern hervorgehende Wesen.

kṣoṇī kālaḥ sadā jñeyo vārī saṅkaṇottamaḥ |
pradyumno vahvitattvasthāstvaniruddhaḥ samīraṇe || 182 ||

16.182 Die Erde wird Kala zugeordnet, Wasser dem höchsten Samkarshana, Feuer Pradyumna und Wind Aniruddha. Die erste und zweite Namensform sind im Wortlaut verkürzt.

brahmā vyoma samākhyāto mano nārāyaraṇaḥ smṛtaḥ |
dhīrviṣṇuḥ kasarī garso vāsudevaḥ pumānmataḥ || 183 ||

16.183 Brahma entspricht dem Raum, Narayana dem Manas, Vishnu der Buddhi, die Löwengestalt dem Ahamkara und Vasudeva dem Purusha. Die mittlere Verbindung ist beschädigt.

matsyaḥ kūrmo vahāhaśca narasiṃho'tha vāmanaḥ |
rāmo rāmaśca rāmaśca buddhaḥ kalkī dharāditaḥ || 184 ||

16.184 Die zehn Erscheinungen Matsya, Kurma, Varaha, Narasimha, Vamana, die drei Ramas, Buddha und Kalki werden den Bereichen von Erde an zugeordnet.

kvacidbhūḥ keśavaḥ prokto nārāyaṇo jalādhipaḥ |
mādhavo vahnitattve tu govindo marutātmakaḥ || 185 ||

16.185 Nach einer anderen Ordnung ist Keshava Erde, Narayana Herr des Wassers, Madhava Feuer und Govinda Wind.

viṣṇurviyatsamākhyāto mano vai madhusūdanaḥ |
buddhistrivikramo jñeyo garvo ca vāmanaḥ sadā || 186 ||

16.186 Vishnu ist Raum, Madhusudana Manas, Trivikrama Buddhi und Vamana Ahamkara.

avyaktaḥ [gh: avyakte] śrīdharaḥ khyāto hṛṣīkeśaḥ pumānmataḥ |
padmanābhaḥ sadāśaktirdāmodaraḥ sadeśvaraḥ [kh: maheśvaraḥ] || 187 ||

16.187 Shridhara ist das Unentfaltete, Hrishikesha Purusha, Padmanabha Shakti und Damodara der mit Ishvara verbundene höchste Bereich.

kṣmāmbubahnimarutkhāni manobuddhirahaṅkṛtiḥ |
avyaktaḥ puruṣaḥ śaktiḥ parorkā dvādaśa kramāt || 188 ||

16.188 Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum, Manas, Buddhi, Ahamkara, Unentfaltetes, Purusha, Shakti und das Höchste entsprechen der Reihe nach den zwölf Sonnen.

mitraścaiva tathā viṣṇurvaruṇaḥ [gh: jiṣṇu] sūrya eva ca [kh: sūryasaṃjñakaḥ] |
sahasrāṃśuśca dhātā ca tapanaḥ savitā tathā || 189 ||

16.189 Ihre Namen beginnen mit Mitra, Vishnu, Varuna – nach einer Variante Jishnu –, Surya, Sahasramshu, Dhatri, Tapana und Savitri.

gabhastiraviparjanyasraṣṭāntāstattvanāyakāḥ |
etattattve [kh: etettattva] sthitā rudrā mārgādikārtikāntagāḥ || 190 ||

16.190 Es folgen Gabhasti, Ravi, Parjanya und Srashtri als Herren der Tattvas. In denselben Bereichen stehen die Rudras, den Monaten Margashirsha bis Karttika zugeordnet.

tryakṣaścomāpatiḥ sthāṇurnīlakaṇṭhaścaturthakaḥ |
mahādevaḥ śivo rudraḥ śaṅkaro nīlalohitaḥ || 191 ||

16.191 Diese heißen Tryaksha, Umapati, Sthanu, Nilakantha, Mahadeva, Shiva, Rudra, Shankara und Nilalohita.

īśāno dhanado bhīmo dvādaśaite tu viśvapāḥ |
tathoktā navadurgāśca ambikādigaṇāśca ye || 192 ||

16.192 Es folgen Ishana, Dhanada und Bhima: zwölf Weltenhüter. Entsprechend gelten die zuvor genannten neun Durgas und die Gruppen ab Ambika.

hariharārdhanārīśā ye cānye rudramūrtayaḥ |
yoginyo vividhākārāstathānye pūrvacoditāḥ || 193 ||

16.193 Ebenso Harihara, Ardhanarishvara, weitere Rudra-Gestalten, die Yoginis verschiedener Erscheinung und die übrigen zuvor beschriebenen Gottheiten.

uparyupari te sarve sthitāstattvādhvagāḥ surāḥ |
parivārānvitāḥ śodhyā māyā [gh: mayā] tattvāvadhau matā || 194 ||

16.194 Sie alle stehen übereinander auf dem Tattva-Weg und werden samt Gefolge bis zur Maya-Ebene gereinigt.

dharātattvādividyāntā dvātriṃśadātmatattvajāḥ |
vidyāṅgāni ca vidyeśāḥ saṃsthāpyāścātmatattvataḥ || 195 ||

16.195 Die zweiunddreißig Bereiche von Erde bis Vidya werden dem Atma-Tattva zugeordnet. Vidya-Glieder und Vidyeshvaras sind entsprechend darin einzusetzen. Diese Zusammenfassung wird in ihrer überlieferten Zählweise wiedergegeben.

tisraḥ śaktaya īśaśca pañcabrahmāṇi [gh: brahmāṇi; mū: tu] tatra ca |
sthāpayejjñānatattveṣu [k, gh: śaktidvayaṃ] śivatattve śivātmakāḥ || 196 ||

16.196 Die drei Shaktis, Ishvara und die fünf Brahma-Mantras werden im Erkenntnis- beziehungsweise Vidya-Tattva eingesetzt. Im Shiva-Tattva folgen die Shiva-haften Kräfte; eine Variante nennt ausdrücklich die beiden Shaktis.

śivatattve [gh: sayojanaṃ] śivāṅgāni sadākhyaṃ śivatattvagam |
pratitattvaṃ surāṇāṃ tu sthāpanāṅgani lakṣayet || 197 ||

16.197 Shivas Glieder und Sadakhya gehören zum Shiva-Tattva. Für jedes Tattva sind die Bestandteile der Einsetzung seiner Gottheiten zu beachten.

mūrtirnāma ca mantraśca sopacāraśca śodhanam |
tattvasaṃśodhanaṃ [mū, a: bodhanaṃ] caiva sthāpanaṃ rodhanaṃ [kh: bodhane] kramāt || 198 ||

16.198 Diese beginnen mit Gestalt, Name, Mantra, Gaben, Reinigung, Tattva-Reinigung, Einsetzung und Festigung.

bhogāvāhyadhikārau ca layaśca paramīkriyā |
daityādīnāmathānyeṣāṃ dvādaśāṅgāni ropaṇe || 199 ||

16.199 Es folgen Erfahrungsbereich, Anrufung beziehungsweise ein entsprechender Außenbereich, Befugnis, Auflösung und Erhebung zum Höchsten. Der Text spricht von zwölf Bestandteilen; die gedrängte Wortfolge lässt die genaue Abgrenzung nicht vollständig erkennen.

sadāgamārthatattvajñaḥ śānto labdhopadeśakaḥ |
sarvalakṣaṇahīno'pi jñānavāṃstārako guruḥ || 200 ||

16.200 Ein Guru, der die wahre Bedeutung des Agama kennt, friedvoll ist und Unterweisung empfangen hat, vermag hinüberzuführen, selbst wenn ihm alle äußeren Kennzeichen fehlen: Entscheidend ist sein Wissen.

saṃsārasāgare ghore pratiṣṭhāvartmanaukayā [mū: dharmanaukayā] |
tārayitvā nayetkartṛniṣṭadevasya yatpuram [k, kh: satpuram] || 201 ||

16.201 Mit dem Boot des Weiheweges beziehungsweise nach einer Variante des Dharma führt er den Auftraggeber über den furchtbaren Ozean des Samsara zur Stätte seiner erwählten Gottheit.

adhvānaṃ yo najānāti nāsau jānāti dīkṣitum |
pratiṣṭhāṃ na ca devānāṃ tasmātsyādadhbavidguruḥ || 202 ||

16.202 Wer den Adhvan nicht kennt, versteht weder Einweihung noch Götterweihe. Deshalb soll der Guru die Wege der Wirklichkeit kennen.

vīrabhadramataṃ dṛṣṭā likhitaṃ hitakāmyayā |
dviśaktigarbhagānāṃ tu sthāpanāyākhilaṃ guroḥ || 203 ||

16.203 In Kenntnis der Lehre Virabhadras habe ich dies zum Wohl anderer niedergeschrieben: die Aufgabe des Gurus bei der Einsetzung der von den beiden Shaktis umfassten Formen.

mūrtibhedātkriyāmantraphalānāṃ bheda iṣyate |
dvaitādvaitaṃ tathā miśramajñānācca viparyayaḥ || 204 ||

16.204 Mit den unterschiedlichen Murtis unterscheiden sich Handlungen, Mantras und Ergebnisse, ebenso duale, nichtduale und gemischte Verfahren. Unkenntnis führt zur Verwechslung.

vyaktāvyapratiṣṭhāyāṃ dṛgunmīlanapūrvikā |
kāryā sā pūrvavatkṛtsnā avyaktake'pyayaṃ vidhiḥ || 205 ||

16.205 Bei der Weihe der gemischten Linga-Form beginnt man mit der Augenöffnung und führt die gesamte Handlung wie zuvor aus. Auch für das ungegliederte Linga gilt das entsprechende Verfahren.

brahmavasvartubhaktaṃ vā ardhaddhitrīśabhāgikam |
veśanaṃ caikavaktre tu ardhaṃ sarvaṃ trivaktrake || 206 ||

16.206 Für die Einlasstiefe folgen Teilungen des Brahma-Abschnitts in acht oder sechs Teile sowie Halb-, Zwei- und Dreieranteile. Bei der eingesichtigen Form werden diese Maße angewandt, bei der dreigesichtigen Hälfte oder Ganzes; die Zahlenfolge ist beschädigt.

dvayaṃ sarvaṃ caturāsye [gh: caturasraṃ] ṣaṭ pañca vā trivaktrake |
catuḥ sahāsamastaṃ vā pañcānane kvacinmatam || 207 ||

16.207 Bei vier Gesichtern werden zwei Teile oder der ganze Abschnitt genannt, bei drei Gesichtern sechs oder fünf. Bei fünf Gesichtern gelten nach einer Auffassung vier, sechs oder sämtliche Teile. Die vorausgesetzten Teilungsmaßstäbe sind nicht eindeutig.

tatpārśve yojayetpiṇḍīṃ caturasrāṃ dvikhaḍinīm |
avyaktākhye [gh: suvyaktākhye] tathā kāryā tryaṃśādhikajalāśravā || 208 ||

16.208 Seitlich fügt man den viereckigen, zweiteiligen Sockel an. Bei der ungegliederten beziehungsweise nach einer Variante stärker figürlichen Form wird der Wasserträger um ein Drittel vergrößert.

liṅgaṃ praseśayetpīṭhe pīṭhaṃ vā [k, kh: pīṭhe'rcā] liṅgapārśvayoḥ |
sthāpya saṃsthāpya susthāpya pratiṣṭhoktā tridhā [kh: kriyā] kramāt || 209 ||

16.209 Entweder führt man das Linga in den Sockel ein oder fügt den Sockel seitlich an das Linga. Die Weihe wird der Reihe nach als Sthapya, Samsthapya und Susthapya dreifach bezeichnet; die erste Handlung und die Dreierbenennung sind nicht vollständig parallel.

vidhiniṣpāditaṃ samyaṅmitravatsaukhyadaṃ bhavet |
duṣprayuktaṃ punastattu śatruvadbhayakṛdbhavet || 210 ||

16.210 Ordnungsgemäß vollzogen bringt sie wie ein Freund Glück; fehlerhaft angewandt erzeugt sie wie ein Feind Furcht.

tasmātsamyakpravijñāya sthāpanaṃ sukhakṛnmatam |
anyathā karmavaiguṇyādubhayoraśubhapradam || 211 ||

16.211 Deshalb gilt eine in voller Kenntnis richtig ausgeführte Einsetzung als glückbringend. Durch fehlerhaften Vollzug entsteht andernfalls Unheil für beide Beteiligten.

dvijairbauṃddhairmagairnagnaiḥkaulairlākula [mū: lokula] kārakaiḥ |
liṅgaṃ vā śilpibhirnyastaṃ punaḥ saṃskāramarhati || 212 ||

16.212 Ein von Brahmanen, Buddhisten, Magas, nackten Asketen, Kaulas, Lakula-Anhängern oder bloßen Handwerkern eingesetztes Linga bedarf nach dieser konfessionellen Vorschrift erneuter Weihe. Die Aufzählung dokumentiert die Abgrenzung des Werkes gegenüber anderen Ritualtraditionen.

mukhaliṅge sahasrāhve śatāhve vyaktasaṃjñake [gh: śatākhye'vyaktake] |
avyaktākhye [gh: suvyaktākhye] sthirārcāyāṃ caṇḍakḷptiśca vakṣyate || 213 ||

16.213 Für Mukhalingas, tausend- und hundertfach gegliederte, figürliche, ungegliederte und unbewegliche Kultbilder wird nun die Einrichtung Chandas beschrieben. Die Benennungen der mittleren Formen variieren.

iti lakṣaṇasamuccaye tridhā liṅgaropaṇaṃnāma [śabdo'yaṃ likhitapustakeṣu nāsti] ṣoḍaśo vidhiḥ || 16 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 16. Ritualabschnitt über „Einsetzung der drei Linga-Formen“.

Kapitel 17: Einsetzung Chandeshvaras

atha saptadaśaḥ

Nun folgt der 17. Ritualabschnitt.

caturthe'hni kṛtasnāno yajamāno yajetsadā |
gurūrmūrtidharān sarvāngandhādikanakāmbaraiḥ || 1 ||

17.1 Am vierten Tag badet der Auftraggeber und verehrt Guru und sämtliche Murti-Träger mit Düften, Gold und Gewändern; die grammatische Verknüpfung des Gurus ist verkürzt.

tataḥ śivatanurbhūtvā ardhakumbhāstrarakṣaṇam |
kṛtvā prāgvadguruḥ sarvaṃ liptapīṭhe puraṃ nyaset || 2 ||

17.2 Der Guru nimmt Shivas Gestalt an, schützt Arghya, Krug und Waffenbereich wie zuvor und zeichnet auf dem bestrichenen Altar das rituelle Feld.

prārdhacandravatkṛtvā jaladvāreka [kh: dhāraika] śobhitam |
sitājāṣṭadalopetaṃ madhye karṇikayānvitam || 3 ||

17.3 Es ist halbmondförmig, mit einer Wasseröffnung, einem weißen achtblättrigen Lotus und einem Fruchtboden in der Mitte.

dvihastaṃ kanyase liṅge hastadaghnāmbubhāgike |
karṇikāṃ kesarānsandhiṃ dalāgrānmadhvataḥ kramāt || 4 ||

17.4 Beim kleinsten Linga beträgt das Feld zwei Hasta, der Wasserbereich einen Hasta. Fruchtboden, Staubfäden, Verbindungen und Blattspitzen werden von der Mitte aus angelegt.

pītena karṇikā kāryā haritaṃ pañcapuṣkaram |
sitalohitapītāni kesarāṇi kramājjinaiḥ || 5 ||

17.5 Der Fruchtboden ist gelb, eine fünffache Lotuspartie grün. Die Staubfäden sind weiß, rot und gelb, in einer Vierundzwanzigerordnung; die genaue Verteilung ist nicht deutlich.

śvetapatrāṇi rekhā ca raktakṛṣṇāntarāṇi ca |
site tu mekhalādvāre anyeṣāṃ karavṛddhitaḥ [asya ślokārdhasya kh pustake bhinnaḥ pāṭho vartatesite tu śvetapatrāṇi raktakṛṣṇottarāṇi ca iti |] || 6 ||

17.6 Blätter und Linien sind weiß, Zwischenräume rot und schwarz. Rand und Tor sind weiß. Bei größeren Anlagen wächst das Maß jeweils um einen Hasta.

tato nirmālyamākṛṣya caturthe'hni kṛtaṃ [kh: sthita] ca yat |
aiśānyāṃ tadvyavasthāpya [k: tadava-] naivedyaṃ ca visarjayet [gh: visarjya ca] || 7 ||

17.7 Am vierten Tag entfernt man die bis dahin verbliebenen Opferreste, legt sie im Nordosten ab und nimmt auch die Speisegaben fort.

pañcasvādubhirāsnāpya gandhādyaiḥ pūjayecchivam |
toṣito [gh: yojito] 'vidhavodgītai [mū: dhavāgītai] rmaṅgalaistūryanisvanaiḥ || 8 ||

17.8 Man wäscht Shiva mit den fünf süßen Stoffen und verehrt ihn mit Düften und weiteren Gaben, unter Segensgesängen verheirateter Frauen und Instrumentalklang.

yajeyurarūṇaiḥ sūtrairveṣṭitaiḥ [gh: veṣṭhite] sammatādibhiḥ |
tato vijñāpayedīśaṃ caṇḍeśeṣṭyai gurūstadā || 9 ||

17.9 Die Verehrung verwendet rote umgelegte Schnüre und weitere vorgeschriebene Mittel; ein Stoffname ist beschädigt. Dann bittet der Guru den Herrn um Erlaubnis zur Chandesha-Verehrung.

tatra caṇḍeśvaraṃ dhyātvā svavaktrāṅgapradīpitam |
yajedgandhādibhirhomastatkuṇḍe syācchataṃ śatam || 10 ||

17.10 Er meditiert dort über Chandeshvara, durch dessen eigene Gesichts- und Gliedmantras erhellt, und verehrt ihn mit Düften. In seiner Feuergrube werden jeweils hundert Gaben dargebracht.

devī hyāgarbhapuṃstvāni [mū.: hyāgaccha puṃstvāpi] sīmantaṃ jātanāma ca |
niṣkrāntyannaśikhākarmavratodvāhamukhāṅkakaiḥ [mū.: sukhāṃśakai] || 11 ||

17.11 Die Feuer-Samskaras umfassen Empfängnis, Pumsavana, Scheitelung, Geburt, Namengebung, ersten Ausgang, erste feste Nahrung, Haarschnitt, Gelübde und Hochzeit. Die einleitende Wortfolge und die abschließende Mengenangabe sind beschädigt.

vāgīśvarīṃ ca vidyeśaṃ hutvā saṃśraṣayeccarum |
pañcabhirbrahmābhiḥ sāṅgaiścaṇḍādīn juhuyāttataḥ || 12 ||

17.12 Nach Opfer für Vagishvari und Vidyeshvara kocht man Charu. Dann opfert man mit den fünf Brahma-Mantras samt Gliedern an Chanda und sein Gefolge.

prasādagarbhamānena kṛtvādau [kh: dvau] caṇḍaveśma ca |
caṇḍeśvaraṃ vyavasthāpva aiśānyāṃ jagatībahiḥ || 13 ||

17.13 Chandas Schrein wird nach dem Maß des Tempelinnenraums errichtet. Chandeshvara wird im Nordosten außerhalb der Tempelplattform eingesetzt.

śivatejaḥ samudbhūtaṃ raudraṃ krūraṃ bhayāvaham |
śāsanaṃ mūrtivaktrāṅgaṃ yajeccaṇḍaṃ vidhānataḥ [gh: vidhānavat] || 14 ||

17.14 Chanda entspringt Shivas Glanz, ist wild, streng und furchterregend. Man verehrt ihn nach der Vorschrift mit Gebot, Murti, Gesichtern und Gliedern.

jñānaśaktipadairmantrairhuṃ phaṭkārasamanvitaiḥ |
caṇḍopapadasaṃyuktaiḥ prāgvaccaṇḍeśvaraṃ yajet || 15 ||

17.15 Die Mantras enthalten die Bezeichnungen von Erkenntnis und Kraft, die Ausrufe Hum und Phat sowie den Namen Chanda. Damit verehrt man Chandeshvara wie zuvor.

dhyāyenna vāmbudābhāsaṃ caturvaktraṃ caturbhujam |
tryakṣaṃ candrajaṭājūṭaṃ dīptāsyaṃ phaṇikaṅkaṇam || 16 ||

17.16 Man meditiert über ihn wie eine frische Wolke, mit vier Gesichtern, vier Armen und drei Augen, Mond und Haarflechten, leuchtendem Antlitz und Schlangenarmreifen.

śūlaṭaṅkodyataṃ hastaṃ kamaṇḍalvakṣamālikam |
mahoragopavītaṃ ca prapannārtivināśanam || 17 ||

17.17 Er hält erhobenen Dreizack und Beil sowie Wasserkrug und Rosenkranz. Eine große Schlange bildet seine heilige Schnur; er beseitigt das Leid der Schutzsuchenden.

kṛtvā prāṇairyathātmasthaṃ caṇḍaṃ [kh: svasthaṃ] tatra niveśayet |
ādhāraśaktipadme tu samayādiniyāmakam || 18 ||

17.18 Wie man Chanda durch die Lebenskräfte in sich selbst gegenwärtig gemacht hat, setzt man ihn dort auf dem Lotus der tragenden Shakti ein, als Hüter der Verpflichtungen.

śivārcācarū naivedyabhakṣaṇaṃ laṅghanaṃ [mū: lakṣaṇaṃ] srajām |
pradānaṃ dīkṣitasyāpi śivājñayā nivāritam || 19 ||

17.19 Das Essen von Shivas Charu und Speisegaben, das Überschreiten seiner Girlanden und deren Weitergabe sind nach dieser Ordnung auf Shivas Gebot selbst Eingeweihten untersagt.

adyārabhya tvayā caṇḍa stheyaṃ yāvaddharastviha |
jñānato'jñānato vāpi nyūnādhikaṃ kṣamasva me || 20 ||

17.20 „Von heute an sollst du, Chanda, hier verweilen, solange Hara hier ist. Vergib mir, was wissentlich oder unwissentlich zu wenig oder zu viel getan wurde.“

tvametatsannidhau [kh: tvameva-] tiṣṭha śivārthaparirakṣayā |
nirmālyavartanaṃ tubhyaṃ pradattaṃ hi śivājñayā || 21 ||

17.21 „Bleibe in seiner Nähe, um Shivas Besitz zu schützen. Auf Shivas Gebot ist dir die Verfügung über die Opferreste übertragen.“

lehyacoṣyānnapānāditāmbūlaṃsragvilepanam |
dhūpaṃ dīpaṃ ca nirmālyaṃ tyaktvā vastrārthabhūṣaṇam || 22 ||

17.22 Dazu zählen Leck- und Saugspeisen, Essen, Getränke, Betel, Girlanden, Salben, Räucherwerk und Licht. Gewänder, Geld und Schmuck werden von dieser Nirmalya-Kategorie ausgenommen.

diśāṃ baliṃ tato dadyādācāryāya ca [mū: yaiva] dakṣiṇām |
dhenumekāṃ [mū: dhenvātmakaṃ] vṛṣaścaikaṃ khuraśṛṅgasamanvitam || 23 ||

17.23 Danach bringt man den Richtungen Bali und dem Acharya die Dankesgabe dar: eine Kuh und einen Stier mit entsprechend geschmückten Hufen und Hörnern.

purūṣaḥ siddhiyukto'pi dānalaṅghanabhakṣaṇāt |
nirmālyasya patet kṣipraṃ dvaitaliṅge vidhistvayam || 24 ||

17.24 Selbst ein Mensch mit Siddhis fällt nach dem Text rasch durch Weitergabe, Überschreiten oder Essen solcher Opferreste. Diese Vorschrift gilt ausdrücklich für das dualistisch geweihte Linga.

snānaṃ pūjā tathā homo bhāskare'hni caturthake |
tejaścaṇḍasya yāgaśca sarvaḥ syātpūrvavadvidhiḥ || 25 ||

17.25 Beim Sonnengott erfolgen am vierten Tag Bad und besondere Verehrung. Das Opfer an Tejashchanda und die übrigen Handlungen entsprechen dem zuvor beschriebenen Verfahren.

dvaitātmake cale liṅge vinā caṇḍaṃ tu pūrvavat |
tannirmālyaṃ kṣipedapsu garbhe cāgnau visarjanam [gh: vivarjanam] || 26 ||

17.26 Bei einem beweglichen dualen Linga entfällt Chanda; das übrige Verfahren bleibt gleich. Die Opferreste werden in Wasser, Erde oder Feuer gegeben; die letzte Handlungsbezeichnung besitzt eine abweichende Lesart.

dvyāsyaṃ ca pañcavaktraṃ ca tadvatsuvyaktakaṃ ca yat |
rāṣṭropadravasiddhyarthaṃ tatsthāpyaṃ guhyadeśataḥ || 27 ||

17.27 Zwei- und fünfgesichtige sowie entsprechend stark figürliche Formen, die für besondere Wirkungen auf Unruhen im Land bestimmt sind, werden an verborgenen Orten eingesetzt. Die genaue Zielrichtung der Wirkungsangabe ist verkürzt.

śmaśāne vṛkṣamūle vā aṭavyāṃ hradasannidhau |
abhrāvakāśe nagāgre [kh: bhrācakāse nagāgreṣu] svāśāyāṃ phaladāyakam || 28 ||

17.28 Genannt werden Verbrennungsstätte, Baumwurzel, Wald, Nähe eines Sees, freier Raum und Berggipfel. In der eigenen Richtung sollen sie das gewünschte Ergebnis bringen.

digliṅgaṃ cāhitāsraṃ [mū: tāmraṃ] ca guhāyāmaihikārthakṛt |
svārthamantrasthitistena caṇḍeśo na sthireṣvapi || 29 ||

17.29 Richtungs-Lingas und eine unsicher benannte weitere Form in einer Höhle dienen diesseitigen Zielen. Wegen ihrer besonderen Mantra-Gegenwart wird dort auch bei unbeweglichen Formen kein Chandesha eingesetzt.

viṣṇoścaturthikā snānaṃ pūjā caiva viśeṣikā |
(vi [cārpā cihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ kha pustake nāsti] ṣvaksenaṃ yajedabje homadānādipūrvavat || 30 ||

17.30 Bei Vishnu erfolgen am vierten Tag Bad und besondere Verehrung. Vishvaksena wird auf einem Lotus verehrt; Feueropfer und Gaben entsprechen dem früheren Verfahren.

paṭapustakavahnīnāṃ nāgayakṣendrayoginām |
gaṇavargāmbikānāṃ ca nanirmālyaṃ śive yathā ) || 31 ||

17.31 Bei Bildern auf Stoff, modellierten Figuren, Feuer, Nagas, Yakshas, Indra, Yogis, Gana-Gruppen und Ambika gelten die Opferreste nicht in derselben Weise wie bei Shiva. Dieser Abschnitt fehlt in einer Handschrift.

vidyāntamaihike [k, kh, gh: bimbā-] liṅge nirmālyaṃ caṇḍavarjite |
purī sāgaradaityādyā ṛṣidigdevatāgrahāḥ || 32 ||

17.32 Bei auf diesseitige Zwecke gerichteten, bis zur Vidya-Ebene reichenden Lingas ohne Chanda wird die Nirmalya-Regel anders behandelt. Es folgen Stadt-, Meer-, Daitya-, Rishi-, Richtungs- und Graha-Gottheiten.

apyete dvaitadharmasthā na nirmālyaḥ śubhapradāḥ |
dīkṣāsthāpanayāgotthaṃ [mū: yāgāthaṃ] nirmālyaṃ naiva doṣakṛt || 33 ||

17.33 Auch wenn diese im dualen Verfahren stehen, gelten ihre Reste nicht als das ausgeschlossene Nirmalya. Opferreste aus Einweihung, Einsetzung und Opfer sind hier nicht fehlerbringend; der Geltungsbereich ergibt sich aus der vorangehenden Unterscheidung.

svayaṃbhūrbāṇaliṅgaṃ ca mahadbhiḥ sthāpitaṃ ca yat |
dvaitādvaitānī tānyatra sāmānyani ca siddhaye || 34 ||

17.34 Selbstentstandene Lingas, Bana-Lingas und von großen Heiligen eingesetzte Formen sind für duale, nichtduale und gemeinsame Verfahren zur Vollendung geeignet.

kṣetrapālo'ṣṭaliṅgaṃ ca dattātreyaśca bhairavaḥ |
mārtaṇḍaścetyathādvaite nirmālyaṃ caṇḍavarjitam || 35 ||

17.35 Bei Kshetrapala, achtfachen Lingas, Dattatreya, Bhairava und Martanda gilt im nichtdualen Verfahren die Opferrestverehrung ohne Chanda.

sveṣṭaliṅgagataṃ pūtaṃ puṣpādisiddhidaṃ hi tat |
sveṣṭaṃ na darśayelloke advaite vidhikalpitam || 36 ||

17.36 Blumen und weitere Gaben der eigenen erwählten Gottheit sind rein und verleihen Vollendung. Die eigene erwählte Form soll nach der nichtdualen Vorschrift nicht öffentlich zur Schau gestellt werden.

ahaitāste tu vijñeyā vāmadakṣiṇamantrajāḥ |
divyatoyādikaṃ teṣāṃ snāne'rghe tarpaṇe hitam || 37 ||

17.37 Diese Formen entstehen aus linken und rechten Mantras und sind als nichtdual zu verstehen. Göttliches Wasser und entsprechende Stoffe sind für Bad, Arghya und Sättigung geeignet.

tasmai sveṣṭāya yaddattaṃ caruvattannasaṃśayaḥ |
naivedyaṃ bhrātṛputrāṇāṃ bhaginīnāṃ ca dāpayet || 38 ||

17.38 Was der eigenen erwählten Gottheit dargebracht wurde, gilt wie geweihter Charu. Die Speisegabe darf Brüdern, Söhnen und Schwestern gereicht werden.

prāśitena ca tena syātpāpanāśo'ṇimādikāḥ |
siddhirlabheta no citraṃ liṅgasannihitaṃ yadā [gh: sadā] || 39 ||

17.39 Ihr Verzehr wird mit Sündenbeseitigung und Siddhis wie Anima verbunden, sofern die göttliche Gegenwart im Linga besteht. Dies ist die religiöse Verheißung des Textes.

anena vidhinā siddhā brahmopendrādayaḥ surāḥ |
jayadrathādayo'pyanya ityāha bhagavāñchivaḥ || 40 ||

17.40 Durch dieses Verfahren hätten Brahma, Upendra und andere Götter sowie Jayadratha und weitere Menschen Vollendung erlangt; so spricht der erhabene Shiva.

iti lakṣaṇasamuccaye caṇḍeśvarasthāpanaṃ nāma saptadaśo vidhiḥ || 17 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 17. Ritualabschnitt über „Einsetzung Chandeshvaras“.

Kapitel 18: Torbögen, Säulen und weitere Einsetzungen

athaṣṭādaśaḥ

Nun folgt der 18. Ritualabschnitt.

sthāpayennāma [gh: ttāṃ sa] mantraiḥ svairaṇḍajodbhijjarāyujān |
nayanonmīlanādyeṣāṃ pūrvavatsakalaṃ bhavet || 1 ||

18.1 Wesen aus Eiern, Pflanzen und Gebärmüttern werden mit ihren jeweiligen Namensmantras eingesetzt. Augenöffnung und alle weiteren Handlungen erfolgen wie zuvor.

tyajantyapūjitaṃ mantrā (ntraṃ) [mū: mantrai] rātnaṃ lauhaṃ ca śailajam |
dārumṛjjaṃ kramānmāsaṃ pañcamaṃ [mū: māsātpañcapaṃ] cāhavarjanāt || 2 ||

18.2 Mantras verlassen nach dem Text nicht mehr verehrte Bilder aus Edelstein, Metall, Stein, Holz und Ton nach abgestuften Fristen. Die Monats- und Tagesangaben sind beschädigt; eine sichere Fristentabelle lässt sich nicht daraus gewinnen.

lepyacitrāgamānāṃ ca dhāraṇābhirviśodhanam |
snānādi mānasaṃ kāryaṃ tathā ratnaśilādikam || 3 ||

18.3 Bei modellierten, gemalten und schriftförmigen Darstellungen erfolgt die Reinigung durch innere Konzentration. Bad und weitere Handlungen werden geistig vollzogen; Edelsteine und Steinmaterialien werden entsprechend berücksichtigt.

netronmīlanamityādi pūrvavaccāsanādikam |
nimrabukusumaiḥ pūjā yayā citraṃ na naśyati || 4 ||

18.4 Augenöffnung, Sitz und weitere Schritte erfolgen wie zuvor. Die Verehrung soll mit wenig feuchten Blumen geschehen, damit das Gemälde nicht zerstört wird; das Feuchtigkeitswort ist entstellt.

toraṇaṃ rūpakākṣīṇi [kh: kārkāṇi] sthānaṃ pūjāhutiṃ [mū: hnutiṃ] balim |
kṛtveṣṭvā vāstunaścādau [gh: nṛṃścādau] ratnāni viniveśya [mū, kh: ratnādini niveśya] ca || 5 ||

18.5 Bei Torbögen werden Gestalt, Augenöffnung, Platzbestimmung, Verehrung, Feueropfer und Bali ausgeführt. Zuerst verehrt man die Vastu-Gottheit und legt Edelsteine und weitere Stoffe ein.

diṅmātreṇa gramātpañcāttoraṇaṃ pariropya ca |
vasūṃ [mū: vastraṃ su] ñca stambhayornyasya dineśāṃsta [mū: rnyaseddiśāṃ tadva] dudumbare || 6 ||

18.6 Danach setzt man den Torbogen mit dem jeweiligen Richtungsmantra ein. In die beiden Pfosten werden die Vasus, in den Querbalken die Sonnen eingesetzt.

śailālīnāmathānyeṣāṃ stambhādīnāmayaṃ vidhiḥ |
śule'pyavaṃ yajantyaṅgaṃ yuktā daṇḍe ca dīpanī ? || 7 ||

18.7 Dieses Verfahren gilt auch für steinerne und andere Säulen. Beim Dreizack werden entsprechend die Glieder verehrt; die anschließende Zuordnung zum Stab und zu Dipani ist beschädigt.

aṣṭapatre site padme kārṇikākesarojvale |
ekadvitrikare pūjyaḥ śivavadbhagavānguruḥ || 8 ||

18.8 Auf einem weißen achtblättrigen Lotus mit leuchtendem Fruchtboden und Staubfäden, ein, zwei oder drei Hasta groß, wird der erhabene Guru wie Shiva verehrt.

mūrtivaktrāṅasaṃyuktastataḥ śivaśataṃ japet |
aghoraṃ paścimāsyaṃ vā hotavyaṃ japasaṃṅkhyayā || 9 ||

18.9 Verbunden mit Murti, Gesichtern und Gliedern rezitiert man hundertmal Shiva. Aghora oder der westliche Gesichtsmantra werden in derselben Zahl geopfert.

saumyāśāyāṃ nyasenmuktau pūrvato bhūktihetave |
veṣṭitaṃ vastrayugmena yogamīṭhaṃ dṛḍhaṃ varam || 10 ||

18.10 Für Befreiung wird im Norden, für Lebensgenuss im Osten ein fester Yogasitz aufgestellt und mit zwei Tüchern umhüllt.

tatrānantamatheṣṭvādau tato'nyaṃ vā [k, kh, gh: nyasya] guruṃ svakan |
tanmantratattva [k, kh: tanu] māvāhya ananyeśaṃ guruṃ [mū: svakaṃ] yajet || 11 ||

18.11 Zuerst verehrt man darauf Ananta, dann setzt man den eigenen Guru ein. Man ruft seine Mantra-Gestalt an und verehrt ihn als mit dem Herrn ungetrennt.

grāhyāvaṅghrī ajātena nyasetpīṭheṃ (ṭhaṃ) saguhyakam |
tatsānnidhyaṃ tvaghoreṇa deyaścārgho nareṇa tu || 12 ||

18.12 Mit Ajata ergreift man seine Füße; der Sitz wird mit dem geheimen Mantra bereitet. Mit Aghora wird die Gegenwart gefestigt, Arghya mit Purusha gereicht.

īśānena srajā [kh: sama] bhyarcya hṛlliṅgaṃ mudrayānvitaḥ |
paṭāvṛtakarastiṣṭhecchivavat sa guruḥ [mū: svaguruḥ] svayam || 13 ||

18.13 Mit Ishana verehrt man ihn durch eine Girlande. Mit Herz-Linga und Mudra, die Hand von einem Tuch bedeckt, verweilt der Guru selbst wie Shiva; die innere Handlungsfolge ist knapp.

nānālaṅkāravastrādyaiḥ kartā taṃ pūjayedgurum |
mukuṭaiḥ kuṇḍalairhāraiḥ keyūraiḥ kaṭakai [kh, gh: kaṅkaṇaiḥ] stathā || 14 ||

18.14 Der Auftraggeber verehrt den Guru mit vielfältigem Schmuck und Gewändern, mit Krone, Ohrringen, Halsketten, Oberarmreifen und Armbändern.

mekhalābrahmasūtraiśca nūpuraiścāṃgulīyakaiḥ |
nānāprakāravāsobhiriṣṭvā dadyācca dakṣiṇām || 15 ||

18.15 Hinzu kommen Gürtel, heilige Schnur, Fußringe, Fingerringe und unterschiedliche Gewänder. Nach der Verehrung bringt er die Dankesgabe dar.

rājāno maṇḍalaśreṣṭhaṃ [g: jyeṣṭhaṃ] viṣayaṃ maṇḍalādhipaḥ |
viṣayādhipatirgrāmaṃ kṣetraṃ grāmādhipastathā || 16 ||

18.16 Ein König schenkt einen vorzüglichen Bezirk, ein Bezirksherrscher einen Verwaltungsbereich, dessen Herr ein Dorf und ein Dorfherr ein Feld.

mattebhayugalaṃ tasmai satsu varṇavibhūṣitam |
aṣṭau hayānmahāvegānnukmābharaṇabhūṣitān [kh, gh: māṇḍatān] || 17 ||

18.17 Genannt werden außerdem zwei prächtige, goldgeschmückte Elefanten und acht schnelle Pferde mit Goldschmuck.

gosahasraṃ payoyuktaṃ hemabhāraṃ suśobhanam |
dāsān dāsīḥ subhakṣyāṃśca śayanaṃ cāmbaraṃ varam || 18 ||

18.18 Weiter tausend milchgebende Kühe, eine schöne Last Gold, männliche und weibliche Dienende, gute Speisen, Bett und vorzügliches Gewand. Die Übergabe von Menschen wird als historische Textvorschrift dokumentiert.

chatracāmarabhṛṅgāraṃ vyajanaṃ pādukāṃ tathā |
gṛhopaskaraṇaṃ sarvaṃ bhaktipūrvaṃ nivedayet || 19 ||

18.19 Schirm, Yakhaarwedel, Gießgefäß, Fächer, Sandalen und die gesamte häusliche Ausstattung werden hingebungsvoll überreicht.

nṛpādīnāmidaṃ dānaṃ tadardhārdhaṃ krameṇa tu |
vittānurodhato'nyeṣāmaṣṭāṃśena [gh: maṃśāṣṭena] guruṃ prati || 20 ||

18.20 Diese Gaben gelten für Könige und die folgenden Rangstufen, jeweils halbiert. Andere geben nach ihren Mitteln einen Achtelanteil an den Guru.

bhrātṛputrakalatraiśca bandhubhṛtyajanaiḥ saha |
nivedayettathātmānaṃ tato vijñāpayedgurum || 21 ||

18.21 Mit Brüdern, Söhnen, Ehefrau, Verwandten und Dienenden bringt man auch sich selbst dar und richtet die folgende Bitte an den Guru.

bhagavansarvadharmajña sarvadharmaparāyaṇa |
adya me saphalaṃ janma yatsaṃsāramahārṇavāt || 22 ||

18.22 „Erhabener, Kenner und Erfüller allen Dharmas! Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, denn aus dem großen Ozean des Samsara …“

uddhṛto'haṃ tvayā nātha kleśitastvaṃ kṣamasvaṃ me |
tatastu sthāpako hṛsṭo yajamānena pūjitaḥ || 23 ||

18.23 „… hast du mich herausgehoben, o Herr. Ich habe dich Mühe gekostet; vergib mir!“ Der vom Auftraggeber verehrte einsetzende Priester ist daraufhin erfreut.

pratiṣṭhāyāḥ phalaṃ kartre dadāti sakalaṃ tataḥ |
dīkṣasthāpanayāgānte parvaṇyabhyāgate tathā || 24 ||

18.24 Er überträgt dem Auftraggeber die gesamte Frucht der Weihe. Dies gilt am Ende von Einweihung, Einsetzung und Opfer sowie an Festtagen und bei der Ankunft des Gurus.

mantralābhe ca siddhau ca viśuddhā syātśubhe kṣaṇe |
asaṃpūjya guruṃ mohānmūrtipānatha jāpinaḥ || 25 ||

18.25 Auch beim Empfang eines Mantras, bei einer Vollendung und in einem reinen günstigen Augenblick wird diese Verehrung vollzogen. Wer aus Verblendung Guru, Murti-Hüter und Rezitatoren nicht ehrt …

naiva tatphalamāpnoti sthāpakasya hi tadbhavet |
sarvaṃ saduṣkaraṃ [k, kh: supuṣkalaṃ] kāryaṃ mahāpuṇyajigīṣayā || 26 ||

18.26 … erlangt nach dem Text die Frucht nicht; sie fällt dem einsetzenden Priester zu. Wer großes Verdienst anstrebt, soll die anspruchsvolle Handlung vollständig ausführen.

anyathā na bhavetpuṇyaṃ doṣa eva tu jāyate |
nirdravye hanti kartāraṃ mantrahīne tu daiśikam || 27 ||

18.27 Andernfalls entstehe kein Verdienst, sondern ein Fehler. Fehlende Materialien schaden nach dieser Ritualdeutung dem Auftraggeber, fehlende Mantras dem Lehrer.

dānahīne tu taddharmaṃ tadrāṣṭraṃ cānnahīnake |
dhenuhīne tathaivāyuḥ prajā vai puṣpahīnake || 28 ||

18.28 Fehlende Gaben mindern den Dharma, fehlende Nahrung schädigt das Land, fehlende Kuhgaben die Lebensdauer, fehlende Blumen das Volk.

brīhihīne tathā śasyaṃ homahīne tu varṣaṇam |
putraṃ yāge ca nirvastre pramadā dhūpahīnake || 29 ||

18.29 Fehlender Reis schädigt die Ernte, fehlendes Feueropfer den Regen, fehlende Gewänder die Söhne und fehlendes Räucherwerk die Frauen.

gandhahīne bhavedrogastejohṛddīpahīnake |
niṣpatāke prajā hanti balihīne tathā kulam || 30 ||

18.30 Fehlende Düfte werden mit Krankheit, fehlende Lampen mit Verlust der Strahlkraft, fehlende Fahnen mit Schaden für das Volk und fehlender Bali mit Schaden für die Familie verbunden.

dāridryaṃ hemahīne syāttasmātpūrṇavidhau phalam |
pratiṣṭhārthaṃ prakalpyādau dravyaṃ yacchuci śāśvatam || 31 ||

18.31 Fehlendes Gold wird mit Armut verbunden. Daher liegt die Frucht im vollständigen Verfahren. Zuerst bestimmt man für die Weihe ein rechtmäßig reines und dauerhaft verfügbares Vermögen.

tadyugāṃśaṃ vibhajyātha kṛtvārdhaṃ liṅgasadmani [gh: dharmaliṅgasanmanī] |
tryaṃśena sthāpanaṃ tatra caturthāṃśaṃ punastridhā || 32 ||

18.32 Dieses wird in vier Teile gegliedert: Die Hälfte dient Linga und Tempel, der dritte Viertelanteil der Einsetzung. Das letzte Viertel wird nochmals dreigeteilt.

sthāpakāya tu tatraikaṃ dānārthaṃ tu dvitīyakam |
tṛtīyaṃ bhojanādyarthaṃ kartā dharmāya kalpayet || 33 ||

18.33 Ein Drittel davon erhält der einsetzende Priester, eines dient weiteren Gaben, das dritte Mahlzeiten und Versorgung. So plant der Auftraggeber zum Zweck des Dharma.

anyāyārthairbalairvāpi saṃpratāryāpi kārayet |
yāgakāleṣu datvā ca arthe nāpratipādanam || 34 ||

18.34 Wer die Handlung mit unrechtmäßigem, gewaltsam oder betrügerisch erworbenem Vermögen ausführen lässt oder beim Opfer zugesagte Gaben nicht tatsächlich übergibt …

sūcyāsye narake tiṣṭhetkartā hyācandratārakam |
yāgasyopaskaraḥ pūto gurorgrāhyaḥ sa maṇḍapaḥ || 35 ||

18.35 … bleibt nach dem Text in der Hölle Suchyasya, solange Mond und Sterne bestehen. Die gereinigte Opferausstattung samt Opferhalle steht dem Guru zu.

snānākhyaḥ śilpinastadvadupaskarasamanvitaḥ |
yaddravyaṃ liṅga [gh: yalliṅgagarbha] bhogyaṃ ca dhāmagarbhe niveśitam || 36 ||

18.36 Die Badehalle mit ihrer Ausstattung erhält entsprechend der Künstler. Die für den Gebrauch des Linga bestimmten, im Tempelinneren niedergelegten Gegenstände …

taccaṇḍeśāya dātavyamarthaṃkoṣaṃ [k, kh: kāmaṃ] ca pālayet |
guruyāgavidhiḥ proktaḥ siddhaliṅgavidhiḥ sthitaḥ || 37 ||

18.37 … werden Chandesha übergeben; das Vermögen und die Schatzkammer sind zu bewahren. Damit ist das Verfahren der Guru-Verehrung beschrieben; es folgt das Verfahren für bereits vollendete Lingas.

iti lakṣaṇasamuccaye toraṇāstambhagrahapūjā [gh: gurupūjā] jarāyujādi bhūtādi [k, kh: śabdo] sthāpanaṃ nāma aṣṭādaśo vidhiḥ || 18 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 18. Ritualabschnitt über „Torbögen, Säulen und weitere Einsetzungen“.

Kapitel 19: Bana-Lingas, Fahrzeuge, Tore und weitere Einsetzungen

athaikonaviṃśaḥ

Nun folgt der 29. Ritualabschnitt. Die Eingangsüberschrift nennt irrtümlich den neunzehnten statt des neunundzwanzigsten Abschnitts.

ye rudrā liṅgarūpeṇa sthitāste sarvasiddhidāḥ |
lokānugrahahetvarthaṃ svayaṃ bhāvātsvayaṃbhuvaḥ || 1 ||

19.1 Rudras, die als Lingas bestehen, verleihen alle Vollendungen. Zum Segen der Welt entstehen sie aus eigener Gegenwart und heißen deshalb selbstentstanden.

svayaṃbhūliṅgavadbāṇaliṅgaṃ bhuktyai ca muktaye |
sahasraphalamanyasmāddadyātsthāpanapūjanāt || 2 ||

19.2 Wie ein selbstentstandenes Linga dient auch ein Bana-Linga Lebensgenuss und Befreiung. Seine Einsetzung und Verehrung sollen tausendfache Frucht gegenüber anderen Formen bringen.

śrīśaile kālikāgarte liṅgādrau kanyakāśrame |
kanyātīrthe ca nepāle mahendre cāmareśvare || 3 ||

19.3 Genannt werden Shrishaila, Kalikagarta, Lingadri, Kanyakashrama, Kanyatirtha, Nepal, Mahendra und Amareshvara.

sthitāni bāṇa [mū: cātha] liṅgāni śivatattvakṛtāni ca |
saritpravāhasaṃsthānaṃ bāṇaliṅgasamākṛtiḥ || 4 ||

19.4 Dort befinden sich Bana-Lingas, die aus Shiva-Tattva bestehen. Auch eine durch Flussströmung gebildete Gestalt mit der Form eines Bana-Linga gehört dazu.

yadanyadapi boddhavyaṃ liṅgaṃ sarvasukhāvaham |
yātrāvantyatha bhogyānī [gh: gāni] mantravanti sphuranti ca || 5 ||

19.5 Weitere solche Lingas gelten als umfassend glückbringend. Sie sind mit Festzügen, Gaben und Mantras verbunden und offenbaren ihre Gegenwart.

tāni mantrabalāllakṣmīḥ svayamevopabhuñjate |
tathānyaiḥ sthāpitānyatra ṛṣidevaiḥ suroragaiḥ [kh: gaṇaiḥ] || 6 ||

19.6 Durch die Kraft der Mantras genießen sie selbst die dargebrachte Fülle. Ebenso gelten hier Formen, die von Rishis, Göttern und himmlischen Schlangenwesen beziehungsweise Ganas eingesetzt wurden.

siddhidāni svatantrāṇi bhogādyāni srayanti [kh, gh: ḍhyāni] ca |
sphuṭitādini vaktrā (krā) ṇi na duṣṭānyarthasiddhaye || 7 ||

19.7 Sie verleihen Vollendung, besitzen eigene Wirksamkeit und sind mit Gaben versehen. Risse, Krümmungen und ähnliche Merkmale gelten bei ihnen nicht als Hindernis des angestrebten Ergebnisses.

grahaṇaṃ bāṇaliṅgasya sthāpanaṃ cocyate'dhunā |
snātairupoṣitairbhaktaiḥ śivayāgakṛtai [gh: yāge kṛte] rbhṛśam || 8 ||

19.8 Nun werden Entnahme und Einsetzung eines Bana-Linga erklärt. Die Beteiligten baden, fasten und vollziehen hingebungsvoll die Shiva-Verehrung.

vijñāpayettato devaṃ mamānugrahahetave |
svecchayāgaccha bāṇeśa yatra sthānaṃ [gh: sthāne] mayepsitam || 9 ||

19.9 Dann bittet man die Gottheit: „Banesha, komm aus freiem Willen zu meinem Segen an den von mir gewünschten Ort!“

tatrānīyādhivāsaṃ ca kuryātsnānādi pūrvavat |
juhuyāddakṣiṇaṃ vaktraṃ vyāhṛtiṃ vā śivasya tu || 10 ||

19.10 Dorthin gebracht, erhält sie vorbereitende Lagerung, Bad und weitere Handlungen wie zuvor. Man opfert mit dem südlichen Gesichtsmantra oder Shivas Vyahriti.

svecchayā vā [mū: dhvā] vibhūtyarthaṃ śodhyo no [kh: svadhyāno] vā vimuktaye |
mūrtilakṣaṇasūtrāṇāṃ pūrvādyā [kh, gh: pravādyo] bhramaṇādikaḥ || 11 ||

19.11 Für Gedeihen kann nach Wunsch eine Reinigung erfolgen, für Befreiung wird sie teilweise nicht verlangt. Die folgende Angabe zu Gestaltmerkmalen, Messschnüren und Ausrichtung ist beschädigt.

vidhinoktastathāpyatraḥ sānnidhyaṃ nityameva hi |
nityodayāni liṅgāni śuddhāśuddhodayāni ca || 12 ||

19.12 Obwohl das Verfahren solche Handlungen nennt, ist die Gegenwart hier stets vorhanden. Die Lingas werden nach beständiger beziehungsweise reiner und unreiner Offenbarung unterschieden.

āsane saṃsthitaṃ no vā śaktisthaṃ mūrtisaṃsthitam [mū: yutam] |
calaṃ sthiraṃ vibhūtyarthaṃ sthāpyaṃ citsannidhānataḥ || 13 ||

19.13 Ob auf einem Sitz oder ohne ihn, in Shakti oder in einer Murti gegründet, beweglich oder unbeweglich: Für Gedeihen wird das Linga unter Vergegenwärtigung des Bewusstseins eingesetzt.

caturthīhoma caṇḍeśo [kh: candreṇo] viśeṣo'dhvā na vidyate |
mantrasādhanayogeṣu sādhakaiḥ su [kh, gh: saṃ] pratiṣṭhite || 14 ||

19.14 Feueropfer am vierten Tag, Chandesha und besondere Adhvan-Behandlung entfallen hier. Bei einer durch Sadhakas vorgenommenen Einsetzung zur Mantra-Verwirklichung folgt eine besondere Regel.

vidhiḥ syātpūrvajo yadvattadvadanyatra [mū: pyatra] vā bhavet |
prāksaṃskṛte'thavā bāṇe [mū: tyātha bāṇena] punareva vidhiḥ svakaḥ || 15 ||

19.15 Dort gilt das ursprünglich zugehörige Verfahren wie bei anderen Formen. Auch an einem bereits geweihten Bana-Linga kann das eigene Verfahren erneut ausgeführt werden.

mantranyaste'thavā dvaite'dvaite vā syānnasaṅkaraḥ |
tatra nyāso hī yo liṅge tena tatsannidhānavat || 16 ||

19.16 Duale und nichtduale Mantra-Einsetzungen sollen nicht vermischt werden. Der jeweils im Linga vollzogene Nyasa bestimmt seine entsprechende Gegenwart.

liṅgārohe kṛte cetthaṃ yukte'nyasminsa pūrvavat |
tathāpi tatra sānnidhyaṃ kartavyaṃ daiśikaiḥ sadā || 17 ||

19.17 Wird nach einer solchen Einsetzung eine andere Verbindung hergestellt, ist das frühere Verfahren zu beachten. Die Lehrer sollen die Gegenwart dabei ausdrücklich verankern.

hutvāghorasahasraṃ ca madhunāktairudumbaraiḥ |
tatastu daiśikān pañca bhojayetsiddhikāmyayā || 18 ||

19.18 Man opfert tausendmal mit Aghora und honigbestrichenem Udumbara-Holz. Danach bewirtet man fünf Lehrer mit dem Wunsch nach Vollendung.

tāḍanāmasinākṛṣṭimiḍayā muṣṭinā graham |
dvaite'tra vidhinā [g: mantra binā] kṛtvādvaite mantraṃ praropayet || 19 ||

19.19 Schlagen beziehungsweise rituelles Antippen erfolgt mit dem Schwertmantra, Heranziehen über Ida, Ergreifen mit der Faust-Mudra. Nach diesem dualen Verfahren wird der Mantra nichtdual eingesetzt; die Übergangsregel ist knapp.

advaitadvaitasaṃrohe svamantrānna parityajet |
abhyāgatastathā [gh: gato yathā] pūjyaḥ svāṃśasthaḥ siddhikṛdbhavet || 20 ||

19.20 Beim Wechsel zwischen nichtdualem und dualem Verfahren darf der eigene Mantra nicht aufgegeben werden. Der hinzukommende wird wie ein Gast verehrt und in seinem eigenen Bereich zur Vollendung wirksam.

dhāmagarbhaṃ tu sūtraṃ tu tyaktvā bhūmyagrataḥ pūrā |
vṛṣasya maṇḍapī kāryā [maṇḍapaḥ kāryaḥ iti sādhu pāṭhaḥ] prāsādagarbhamānataḥ || 21 ||

19.21 Vor dem Tempel wird ein Abstand nach dem Innenraummaß freigelassen. Dort errichtet man die Stierhalle entsprechend der Größe des Heiligtumsinneren.

tatrāropya vṛṣo yatnātsambhāre sakale kṛte |
utkīryājyādhivāsyātha [mū: vāsārthaṃ] snānaṃ pūjāpipūrvavat || 22 ||

19.22 Wenn alles bereitsteht, bringt man den Stier sorgfältig dorthin. Herausarbeiten der Merkmale, Salbung, Lagerung, Bad und Verehrung erfolgen wie zuvor.

tritattvaṃ juhuyādbrahmavṛkṣotthasamidhaḥ kramāt |
secyaḥ saṃpā [gh: sapā] tatoyena nyasedratnādikaṃ tataḥ || 23 ||

19.23 Den drei Tattva-Gruppen wird der Reihe nach mit Holz des Brahma-Baumes geopfert. Man besprengt den Stier mit dem entsprechenden Opferwasser und legt Edelsteine und weitere Stoffe ein.

tato vṛṣaṃ nyasetpīṭhe tattve sthiracale sthite |
vṛṣabhadhvajamantreṇa mūrtyaṅgāni paraṃ tathā || 24 ||

19.24 Danach setzt man den Stier auf den Sockel, in den zugehörigen festen und beweglichen Tattva-Bereichen. Mit dem Vrishabhadhvaja-Mantra folgen Murti, Glieder und höchste Identität.

nākālamṛtyurno vyādhirnopasargabhayaṃ jane [janaiḥ li0 pu0 pā0] |
rājā ca vijayī tatra yatra samyag [mū: śasya] vṛṣasthitaḥ || 25 ||

19.25 Wo der Stier richtig eingesetzt ist, soll es nach dem Text keinen vorzeitigen Tod, keine Krankheit und keine Furcht vor Störungen geben; der König ist siegreich.

vṛṣo dharmastu devasya guṇo jñānakriyātbhakaḥ |
dhatte ca samvidaṃ yasmā [mū: saśridaṃ yasmā; kh: saṃvidheḥ syā] ddharmastenocyate budhaiḥ || 26 ||

19.26 Der Stier ist Dharma, eine Eigenschaft der Gottheit aus Erkenntnis und Handlung. Weil er das Bewusstsein trägt, nennen ihn die Kundigen Dharma.

kṛtādhivāsanaṃ vastraprāvṛtaṃ mālyabhūṣitam |
muhūrte maṅgale sthāpya dviguṇaṃ phalamaśnute [mū: saṃyutam] || 27 ||

19.27 Nach vorbereitender Lagerung, in Gewänder gehüllt und mit Girlanden geschmückt, wird er zu einem günstigen Zeitpunkt eingesetzt. Dies soll doppelte Frucht bringen.

śṛṅgārka [mū: śṛṅgārga] saṃyutaṃ prāgvad vyomādityāgrato bhavet |
tārkṣyo'pyevaṃ svamantreṇa vāhanānyaparāṇyapi || 28 ||

19.28 Das Vyoma mit seinen Spitzen wird entsprechend vor Aditya eingesetzt. Ebenso Garuda mit seinem eigenen Mantra und die übrigen Reittiere. Damit endet der Abschnitt über ihre Einsetzung.

iti devānāṃ vāhanasthāpanam

yajamānānukūle'hni sambhāre vihite'khile |
yajedgurvādikaṃ kartā sthāṇḍilaṃ ca tato guruḥ || 29 ||

19.29 An einem für den Auftraggeber günstigen Tag, wenn alle Materialien bereitstehen, verehrt er Guru und weitere Beteiligte. Der Guru bereitet das rituelle Bodenfeld.

nandyādidṛkkriyā snānaṃ pūjā homaṃ ca pūrvavat |
bhāgasparśaṃ ca śuddhiṃ ca vidadhītākhilaṃ kramāt || 30 ||

19.30 An Nandin und den anderen Türfiguren vollzieht man Augenöffnung, Bad, Verehrung und Feueropfer wie zuvor. Berührung der Teilbereiche und Reinigung erfolgen der Reihe nach.

dvāradeśāttataścādha iṣṭvā vāstunaraṃ sudhīḥ |
ratnādi pūrvavannyasya [nnyastvā li0 pu0 pā0] rudraṃ hutvā ca śāntaye || 31 ||

19.31 Unterhalb der Türstelle verehrt man den Vastu-Menschen, legt wie zuvor Edelsteine ein und opfert Rudra zur Befriedung.

suvastrāveṣṭitadvāraṃ śivāstradigghaṭairvṛtam [mū: ryutam] |
tanmadhyānmadhyamunmucya kiñciduttarato nyaset || 32 ||

19.32 Der Türrahmen wird mit guten Stoffen umhüllt und von Shiva-, Waffen- und Richtungskrügen umgeben. Man lässt die exakte Mitte frei und setzt ihn etwas nördlich davon ein.

yavarakṣoghnabilvāni [mū: cihnāhvā; g: cihnāṅkā] phalinī gadatantrikā |
tilābrīhiśca [mū: homaṃ ca] rogaghnaṃ rocanāṃ ca sahāṃ tathā || 33 ||

19.33 Gerste, schützende Senfsamen, Bilva, Phalini, eine unsichere Gadatantrika-Pflanze, Sesam, Reis, ein krankheitsbeseitigender Stoff, Rochana und Saha werden zusammengestellt.

gośṛṅgebhara (hra) dotkhātamṛtsnā dūrvā dadhīni ca |
varavastrodare badhdvā rakṣaṇārthamudumbare || 34 ||

19.34 Hinzu kommen von Kuhhörnern aufgeworfene Erde, Erde einer Elefantenwasserstelle, Durva und saure Milch. In ein gutes Tuch gebunden wird dies zum Schutz am Querbalken angebracht.

dehalyāṃ śākhayormūghni [gh: rvyomni] ātmavidyā śivaṃ nyaset |
saptasaptāhutistatra tattve tattve tu [kh: tri] homayet || 35 ||

19.35 In Schwelle, Pfosten und oberem Abschluss setzt man Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva ein. Für jedes werden sieben Gaben geopfert.

sthiraṃ caivāprameyaṃ ca bodhākhyaṃ nityasaṃjñakam |
vyāpinaṃ cāvināsaṃ ca tṛptāhvaṃ juhuyātkramāt || 36 ||

19.36 Dabei opfert man der Reihe nach an Sthira, Aprameya, Bodha, Nitya, Vyapin, Avinasha und Tripta.

nandyādipratihārau ca anyāṃścātra vinirmitān |
svanāmabhiḥ pratiṣṭhāpya pūrṇaṃ datvā diśāṃ balim || 37 ||

19.37 Nandin und die weiteren Torhüter sowie alle dort gestalteten Figuren werden mit ihren eigenen Namen eingesetzt. Es folgen vollständige Opfergabe und Bali für die Richtungen.

guruṃ mūrtidharaṃ [gh: bhṛtaḥ] kārūn pūjayecca svaśaktitaḥ |
kartā tu dvārivaktre syāddigvyome [k: digghāme] ca bhavecchubham || 38 ||

19.38 Der Auftraggeber verehrt Guru, Murti-Träger und Künstler nach Kräften. Die abschließende Aussage zur Türfront und zum Richtungsraum ist beschädigt. Damit endet die Türeinsetzung.

iti dvārasthāpanam |

atheṣṭvādau [mū: ndrādau] jape [kh: yaje] drudraṃ hutvā cāṣṭottaraṃ śatam [k, g: śubham] |
gurvādau dakṣiṇāṃ datvā indrādīnāṃ baliṃ tathā || 39 ||

19.39 Für die folgende Herzeinsetzung verehrt man zunächst, rezitiert Rudra und bringt hundertacht Gaben dar. Guru und andere erhalten die Dankesgabe, Indra und die Richtungswächter Bali.

dhāturatnauṣadhībījairlohaiḥ sarvaiḥ puroditaiḥ |
vastrabaddhairyutaṃ kṛtvā sudine tattvasaṃsthitaḥ || 40 ||

19.40 Die zuvor genannten Mineralstoffe, Edelsteine, Heilpflanzen, Samen und Metalle werden in Stoff gebunden und an einem günstigen Tag mit dem entsprechenden Tattva verbunden.

dadhisarpiṣpayaḥ kṣaudrapāyasaiḥ paripūrya ca |
dhāmagarbheṃśukāghrāte nyaseddhṛtpadmavad ghaṭam || 41 ||

19.41 Ein Krug wird mit saurer Milch, Butter, Milch, Honig und Milchreis gefüllt und im Tempelinneren wie ein Herzlotus eingesetzt. Eine Stoff- beziehungsweise Raumangabe ist beschädigt.

praṇavādhāraśaktyabjamūrtibhūtaṃ ghaṭaṃ nyaset |
sauvarṇaṃ rājataṃ vāpi tāmraṃ vā bhūtyapekṣayā || 42 ||

19.42 Der Krug verkörpert Om, tragende Shakti, Lotus und Murti. Je nach gewünschtem Gedeihen besteht er aus Gold, Silber oder Kupfer.

gandhāktaṃ gandhavatpuṣpamālālaṅkṛtakaṇṭhakam |
cūtāśokavaṭāśvatthadalabhūṣitavaktrakam [kh: cakrakam] || 43 ||

19.43 Er ist mit Duft bestrichen, am Hals mit duftenden Blumengirlanden und an der Öffnung mit Mango-, Ashoka-, Vata- und Ashvattha-Blättern geschmückt.

kṛtarakṣaṃ [k: raktaṃ] vidhāyāṇuṃ [mū: yāsra; k, kh: yāṇḍaṃ] tattvamāhṛtya yojayet |
yadvidhānamupādānaṃ vyaktisthānaṃ parāparam [ mū: sthānamavāpatum] || 44 ||

19.44 Nach rituellem Schutz wird das subtile Wesen beziehungsweise Weltenei geformt und mit dem herangeführten Tattva verbunden. Die folgende Bestimmung von Grundlage, Erscheinungsort und höherem und niederem Bereich ist beschädigt.

sarvātmanā [mū: gurvātmāna] mabhinnaṃ tatsandhāyāṇuṃ vidaṃśakāt [mū: tvadmi daṃśakān] |
gṛṇhīyātprāṇaśaktyaiva śivājñāṃ saṃprabodhayet || 45 ||

19.45 Der Lehrer verbindet dies als ungetrennt mit dem Selbst aller. Durch die Kraft des Atems ergreift er das subtile Prinzip und vergegenwärtigt Shivas Gebot; ein Ausdruck zur Herkunft ist unsicher.

saṃhṛtya kumbhakaṃ kṛtvā sthitvā kiñcidacintakaḥ |
utkīlya [mū: unmīlya] hu/phaḍāvasthaṃ sphurannārātanūpamam || 46 ||

19.46 Nach Einziehen des Atems hält er ihn an und verweilt kurz ohne Gedanken. Dann löst beziehungsweise öffnet er mit der unsicher geschriebenen Hum-Phat-Folge die leuchtende, subtile Gestalt.

dvādaśāntātsamādāya recakena ghaṭe nyaset |
tatrābhi [gh: tatrāha] vādakaṃ dehaṃ nyasettasadguṇa [gh: taguṇa] bodhakam [k, g: rodhakam] || 47 ||

19.47 Vom Dvadashanta her wird sie mit dem Ausatmen in den Krug eingesetzt. Dort setzt man den zugehörigen Körper und die seine Eigenschaften erweckende beziehungsweise festigende Kraft ein.

kalādidhāraṇīprāntaṃ sveśvaraṃ [kh: śekharaṃ; g: mekhalaṃ] svapadāṇubhiḥ |
oṃ kalāyai [g: tuṅgalāyai] namaskṛtya tathaiva ca kalābhṛte || 48 ||

19.48 Von Kala bis Erde werden die jeweiligen Bereiche mit ihren eigenen Mantras eingesetzt. Ausdrücklich genannt werden „Om, Verehrung der Kala“ und die Verehrung ihres Trägers.

diśā na yojya śeṣādhva [mū: śeṣārthaṃ] prayogastattvadarśinā |
daśanāḍī daśaprāṇāḥ karaṇāni tadīśvarān || 49 ||

19.49 Der Kenner der Tattvas verbindet auch die Richtungen und den übrigen Adhvan. Insbesondere werden zehn Nadis, zehn Lebenskräfte, die Organe und ihre Herren eingesetzt.

nyasedviśeṣatasteṣāṃ nāmāni tānyataḥ kramāt |
iḍā ca piṅgalā caiva suṣumnā ca tathā bhavet || 50 ||

19.50 Ihre Namen beginnen mit Ida, Pingala und Sushumna.

gāndhārī hastijihvā ca pūṣā caiva yaśā [mū, a, k, kh, g, gh: yathā] tathā |
alambuṣā kuhuścaiva śaṅkhinī daśamī smṛtā || 51 ||

19.51 Es folgen Gandhari, Hastijihva, Pusha, Yasha beziehungsweise die beschädigte entsprechende Namensform, Alambusha, Kuhu und als zehnte Shankhini.

daśaprāṇavahā hyetā nāḍayaḥ parikīrtitāḥ |
prāṇo'pānaḥ samānaśca udāno vyāna eva ca || 52 ||

19.52 Dies sind die zehn Kanäle, welche die Lebenskräfte führen. Die Lebenskräfte beginnen mit Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana.

nāgaḥ kūrmaḥ kṛkākhyaśca devadatto dhanañjayaḥ |
vākpāṇipādaśiśnāni sapāyūni kriyāgaṇāḥ || 53 ||

19.53 Hinzu kommen Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhananjaya. Die Handlungsorgane sind Sprache, Hände, Füße, Geschlechtsorgan und Ausscheidungsorgan.

śrotraṃ tvakcakṣuṣījihvā nāsā cittaṃ ca tīvrajāḥ |
agnīndropendraturyāsyavibhrāntāḥ patayaḥ kramāt || 54 ||

19.54 Die Erkenntnisorgane sind Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase, dazu Chitta. Als Herren der Handlungsorgane werden Agni, Indra, Upendra, der Viergesichtige und eine beschädigte fünfte Bezeichnung genannt.

khadigvāyvarkavārīndrāśvininiśākarāstathā |
patayo dhī [gh: hī] ndriyāṇāṃ tu yojyāḥ pūjā [mū: pūjyā] viśeṣataḥ || 55 ||

19.55 Die Herren der Erkenntnisorgane werden in einer gedrängten Folge mit Raum beziehungsweise Richtungen, Wind, Sonne, Wasser, Indra, Ashvins und Mond verbunden. Sie sind besonders einzusetzen und zu verehren; die Zuordnung ist nicht vollständig eindeutig.

vikārapūrakatvena māyākālaniyāmike |
sva [mū: su] sādhyasādhakatvena prerakatvena mantrayoḥ || 56 ||

19.56 Maya und die Zeit- beziehungsweise Niyati-Kräfte werden entsprechend ihrer ergänzenden und begrenzenden Funktion verbunden. Mantras werden unter dem Gesichtspunkt von zu Verwirklichendem, Verwirklichendem und Antrieb eingesetzt.

yojyaḥ sahāṇubhirdevo [kh: sadā nṛ-] vyāpakatvena dhīmatā |
tadaṅgāni tataḥ sarvaṃ nirundhyādrodhamudrayā || 57 ||

19.57 Der Verständige verbindet die Gottheit samt den subtilen Mantras als alldurchdringend. Danach werden ihre Glieder und alles Weitere mit der Festigungs-Mudra verankert.

hutvā sānnidhyameteṣāṃ vidhicchidraṃ nivartayet |
tataśca vedikābandhaḥ kaṇṭhamāmalasārakaḥ [mū: sāmalasāvakāḥ] || 58 ||

19.58 Durch Opfer wird ihre Gegenwart hergestellt und ein Verfahrensmangel ausgeglichen. Danach folgen Altarabschluss, Hals und Amalasaraka, das gerippte obere Bauglied.

vedikācaturasre tu [mū: rasreṇa] vidyeśānmūrdhni ceśvaraḥ |
kumbhe sadāśivaṃ nyasya śaktiṃ ca grahacūlake || 59 ||

19.59 Im viereckigen Altarbereich liegen die Vidyeshvaras, oben Ishvara, im Krug Sadashiva und in der Bekrönung Shakti.

sarvatattvātmakaṃ dhāma tattattvaṃ procyate kramāt |
dharāmbho'gnimarudvyoma bhūtānāṃ [kh: cūḍānāṃ] kramataḥ sthitiḥ || 60 ||

19.60 Der Tempel besteht aus allen Tattvas; nun werden sie der Reihe nach erklärt. Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum besitzen ihre entsprechenden Funktionen.

dhāraṇaiḥ saṅgrahe pāke vyūhe svāsthe [mū: hāsye] ca dhāmni tu |
dhūpapuṣpasthito gandho raso naivedyatastathā || 61 ||

19.61 Im Tempel zeigen sie sich im Tragen, Zusammenhalten, Reifen beziehungsweise Brennen, Anordnen und Freiraum. Geruch liegt in Räucherwerk und Blumen, Geschmack in der Speisegabe.

rathakārye [gh: rakṣākādye] sthitaṃ rūpaṃ sparśo masṛṇakarkaśe |
śabdastauryādikastatra śukāghrā nāsikā sadā || 62 ||

19.62 Gestalt liegt in den gestalteten Baupartien, Berührung in Glätte und Rauheit, Klang in Musik und Instrumenten. Die Shukanasa gilt stets als Nase.

piṇḍikā rasanā tasya mañjarīvedike dṛśau |
tvaksudhājālakaṃ śrotre cāgnī tasyā [kh: vāgnī taṃ pakṣa] kṣanāsikā || 63 ||

19.63 Der Sockel ist seine Zunge; Spitze und Altarbereiche werden als Augen bezeichnet. Putz ist Haut, Gitteröffnungen sind Ohren. Die abschließende Verbindung zu Feuer, Augen und Nase ist beschädigt.

karau mūle sthitaḥ pādaḥ pāyustatra rasānanaḥ [mū: daśānana] |
caṇḍadravyasamo vacca [gh: gavyāgamo] upasthaḥ pīṭhanālakaḥ || 64 ||

19.64 Hände und Füße werden tragenden Baugliedern zugeordnet; die Ausflussöffnung entspricht dem Ausscheidungsorgan, die Sockelrinne dem Geschlechtsorgan. Eine dazwischenliegende Zuordnung zu Chandas Bereich ist unsicher.

sthāpanāmbupari [mū: dyupari] srāvo manaḥ sūtraprakalpane |
niścayaḥ syādahaṅkāro buddhistadvyavasāyake || 65 ||

19.65 Das Ausfließen des Weihwassers und die Planung mit der Messschnur werden mit inneren Funktionen verbunden: Manas liegt in der Planung, Ahamkara in der Festlegung, Buddhi in der entschiedenen Ausführung.

([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mūla, ga pustakayornāsti] varṇake ca guṇā jñeyāḥ prakṛtiśca guṇākṛtiḥ [kh, gh: tadākṛtiḥ] |
kāraṇaṃ puruṣo hṛtstho rāgastatrādiśaktigaḥ || 66 ||

19.66 Die Gunas liegen in den Farben, Prakriti in der gesamten Gestalt. Purusha ist der im Herzen befindliche Grund, Raga liegt in der anfänglichen Kraft. Dieser Abschnitt fehlt in zwei Handschriften.

vidyā vivecane hyatra niyatirniyame smṛtā |
preraṇe [k, kh: pūraṇe] ca kalā tatra kālasaṅkhyā vayasthitā || 67 ||

19.67 Vidya liegt im Unterscheiden, Niyati in der Regelung, Kala im Anregen beziehungsweise Ausfüllen, Zeit in Zahl und Alter.

māyātattvā [gh: tatrā] tmanaikatve vidyā prāsādagocare |
śivāyatanavijñānaviveko vidyayeśvaraḥ || 68 ||

19.68 Maya liegt in der Identifikation mit den Tattvas, reine Vidya im Bereich des Tempels. Die unterscheidende Erkenntnis des Shiva-Heiligtums wird mit Ishvara verbunden; die Satzgliederung ist unsicher.

adhiṣṭhāne'dhidaivatye samāptau ca sadāśivaḥ |
sāmarthye dhāraṇāśaktirbahiradhyātmike'dhvani || 69 ||

19.69 Sadashiva liegt in Leitung, göttlicher Herrschaft und Vollendung. Die tragende Shakti liegt im Vermögen, sowohl im äußeren als auch im inneren Weg.

vyāpakatvācchivo hyevaṃ proktaḥ [kh: prāpta] prāsādarūpakaḥ |
piṇḍikā jagatīkhyātā prāsādo liṅgamiṣyate || 70 ||

19.70 Durch seine Alldurchdringung besitzt Shiva so die Gestalt des Tempels. Die Plattform wird als Sockel, der Tempel als Linga verstanden.

tayoḥ kāryā pratiṣṭheti śambhunā bhāṣitaṃ kvacit |
trīn devāṃśca kramānnyasya brahmaviṣṇumaheśvarān || 71 ||

19.71 Ihre gemeinsame Weihe wird nach einer Überlieferung von Shambhu gelehrt. Der Reihe nach werden Brahma, Vishnu und Maheshvara eingesetzt.

jaṅghā skandhā tu mūrdhnyante videhaṃ ca tadūrdhvataḥ |
sthirākhyaṃ bhavasaṃjñaṃ ca dāravaṃ juhuyātpunaḥ || 72 ||

19.72 Sie liegen in Schaft, Schulter und oberem Abschluss; darüber das Körperlose. Danach opfert man mit den als Sthira und Bhava bezeichneten Mantras und Holzgaben; die letzte Benennung ist beschädigt.

iti lakṣaṇasamuccaye bāṇaliṅgādi yānadvārahṛtsaṃsthāpanaṃ nāmaikonaviṃśo vidhiḥ || 19 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 19. Ritualabschnitt über „Bana-Lingas, Fahrzeuge, Tore und weitere Einsetzungen“.

Kapitel 20: Einsetzung der Banner

atha viṃśatiḥ

Nun folgt der 20. Ritualabschnitt.

īśānaṃ grahacūlaṃ vā kalaśaṃ vātha mūrdhani |
sthāpayedvidhinā samyak dhvajalkṛptimato bruve || 1 ||

20.1 Ishana, die Bekrönung oder der Kalasha werden ordnungsgemäß auf der Tempelspitze eingesetzt. Nun beschreibe ich die Einrichtung des Banners.

nānāprakāramīśānaṃ mate mate ca tadyathā |
cūlyaṃ (laṃ) kumbhaṃ dhvajaṃ cātra lakṣaṇāni vadettathā || 2 ||

20.2 Zuerst werden die je nach Lehrmeinung unterschiedlichen Formen Ishanas sowie die Merkmale von Spitze, Krug und Banner erläutert.

([pāpāntargato'yaṃ pāṭhaḥ ka pustake nāsti] mūlaliṅgasamaṃ kuryādīśānaṃ tanmayā [mū: tadantā samayā] kṛti |
śailotthaṃ śailaje dhāmni devehyevā [gh: hyaṃ vā] kvacinmate || 3 ||

20.3 Ishana wird entsprechend dem Haupt-Linga und aus demselben Material gestaltet. Bei einem steinernen Tempel ist er aus Stein; eine weitere Variante ist beschädigt. Der Abschnitt fehlt in einer Handschrift.

amalāsāravistārāt ṣaṭtriṃśattithibhāgataḥ |
tryaṃśāntryaṃśā [gh: tryaṃśāśā sā] ttribhāgonādīśasyānāhavistarau || 4 ||

20.4 Aus der Breite des Amalasaraka werden durch Sechsunddreißig- beziehungsweise Fünfzehnteilung und Dreieranteile Umfang und Breite Ishanas bestimmt. Die Abzugsfolge ist nicht eindeutig überliefert.

liṅgātribhāgahīnaṃ syādīśānaṃ vā surārcitam |
mervādīnāṃ [kh: sarvādīnāṃ] pradhānānāmanyeṣāṃ [mū: manyathā] liṅgavadyathā || 5 ||

20.5 Alternativ ist Ishana um ein Drittel kleiner als das Haupt-Linga. Bei vorzüglichen Tempeltypen wie Meru und den übrigen gelten entsprechende Linga-Maße.

dārūtthe [kh: dāruke] dārujaṃ viddhi tviṣṭikāsambhave tathā |
grahacūlaṃ [k, g: cūḍa] tu śailaṃ vā veṣṭitaṃ kalaśena vā || 6 ||

20.6 Bei Holztempeln besteht die Bekrönung aus Holz, bei Ziegeltempeln entsprechend aus geeignetem Material. Sie kann auch aus Stein bestehen oder außen von einem Kalasha umgeben sein.

tatsthaulyaṃ daśamāṃśena dhāmamastakavistarāt |
caturasrāṣṭakaṃ vṛttaṃ trisamaṃ liṅgadairghyavat || 7 ||

20.7 Ihre Stärke beträgt ein Zehntel der Breite des Tempelkopfes. Wie das Linga gliedert sie sich in gleich lange viereckige, achteckige und runde Abschnitte.

grīvāvyāsārdhadairghyaṃ vā sthaulyaṃ nāhāṅghribhāgataḥ |
liṅgavaccākhilaṃ kuryādbāhye vā ghaṭaveṣṭitam || 8 ||

20.8 Alternativ entspricht ihre Länge dem halben Halsdurchmesser, ihre Stärke einem Viertel des Umfangs. Alles wird wie beim Linga gestaltet, gegebenenfalls außen mit einem Krug umhüllt.

kaṇṭhavyasārdhavistīrṇaṃ devyā mate'tha bhāskare |
dhāmaiṣvāṃśācca [mū: dhāme'ṣṭāṃśā; kh: dhvaṃśācca] bāṇākhye saptāṃśād dvyaṃśato'ṇḍakāt || 9 ||

20.9 Nach Devyamata und Bhaskara beträgt die Kalasha-Breite die Hälfte des Halsdurchmessers. Banas Lehre nennt weitere Bezüge zum fünften beziehungsweise siebten Teil des Tempels und zum Eikörper; die Zahlenfolge ist beschädigt.

pārśve dhāmaṣaḍaṃśācca vyāsaṃ vyāsāddvidhocchrayam |
ṛtvarka bhājitaṃ kṛtvā kalaśaṃ vartayedbudhaḥ || 10 ||

20.10 Eine weitere Breite beträgt ein Sechstel des Tempelmaßes, die Höhe das Doppelte der Breite. Der Kundige teilt Breite und Höhe in sechs beziehungsweise zwölf Teile und gestaltet den Kalasha.

pādonāṃśādadhaḥ paṭṭī ṣaḍaṃśena tu vistarā |
bhāgaikena ca kumbho'sya kumbhapaṭṭī tu pādataḥ || 11 ||

20.11 Die untere Leiste ist drei Viertel eines Teils hoch und sechs Teile breit. Das Topfglied erhält einen Teil, seine Leiste ein Viertel.

sacūlā [kh, g, gh: cacūli] tryaṃśavistārā tvardhāṃśena samucchritā |
madhyadvyaṃśācca [gh: sva] koṇaṃ ca adhyaṣṭāṃśocchrayāsthitau || 12 ||

20.12 Die Spitze beziehungsweise ihr Ansatz ist drei Teile breit und einen halben Teil hoch. In der Mitte folgen Zweiermaße und eine Höhe von siebeneinhalb Teilen; die geometrische Beziehung ist unsicher.

yāmyakoṇād dvibhāge tu yāmye skando bhavetkramāt |
anyakoṇādyugāṃśasthe yāmyādho vṛttamābhramāt || 13 ||

20.13 Von der südlichen Ecke werden zwei Teile zur Schulter abgetragen. Von einer anderen Ecke aus wird mit vier Teilen eine untere Rundung geschlagen.

tathaiva bhrāmayetsūtraṃ kalaśasyottarāṃśataḥ |
tataścordhvaikabhāgena grīvā dvibhāgavistarā || 14 ||

20.14 Ebenso schwenkt man die Schnur an der nördlichen Seite des Kalasha. Darüber entsteht ein Hals von einem Teil Höhe und zwei Teilen Breite.

kapolau yugavistārau bhāgārdhāṃśocchrayobhavet |
tadūrdhvo'rdhāṃśataḥ kālaḥpadmaṃ dvivistarocchrayam || 15 ||

20.15 Die seitlichen Wölbungen sind vier Teile breit und einen halben Teil hoch. Darüber folgt ein halbteiliger Abschnitt und ein Lotus von zwei Teilen Breite und Höhe.

ghaṭapārśve murā [gh: ṣurā] māṃśairlohanimnāyatāścalāḥ |
sacūlyādūrdhvataḥ padmo ghaṭāsyaṃ cāmrapallavi || 16 ||

20.16 An den Seiten des Kruges werden metallene, herabhängende Teile genannt; ihre Maßangabe ist beschädigt. Über der Spitze liegt der Lotus, an der Krugöffnung Mangolaub.

yāgālayādisambhārasnāne yā gurudakṣiṇā |
ratnanyāsādi homaśca mantranyāsādi pūrvavat || 17 ||

20.17 Opferhalle, Ausstattung, Waschung, Guru-Gabe, Edelsteineinlage, Feueropfer und Mantra-Nyasa erfolgen wie zuvor.

brahmarekhāṃ vineśādi tadādhāraśilopari |
brahmājyārdhānta [mū: ṣuddhānta; k, kh: rdhājānu] viṣṇūrdhvaṃ sthāpayenmantra [mū, a: mata] bhedataḥ || 18 ||

20.18 Ishana und die weiteren Bekrönungen werden ohne Brahma-Linie auf ihrer Unterlage eingesetzt. Die Angaben zum Brahma- und Vishnu-Abschnitt unterscheiden sich nach Mantra und sind teilweise beschädigt.

īśānaṃ saṃpraveśaṃ ca brahmāṃśaṃ vedavatkṛte |
dvyaṃśaṃ tryaṃśaṃ samastaṃ ca jyeṣṭhādikramataḥ kvacit || 19 ||

20.19 Für Ishanas Einlassung teilt man den Brahma-Abschnitt vierfach. Je nach Größe werden zwei Teile, drei Teile oder der ganze Abschnitt eingelassen.

ratnajaṃ vātha dhātūtthaṃ sūkṣmaliṅgaṃ yathecchayā |
prakṣipya kalaśāḥ kāryāḥ kvacidīśādi yatnataḥ || 20 ||

20.20 Nach Wunsch kann ein kleines Linga aus Edelstein oder Metall eingelegt werden. Darüber wird sorgfältig der Kalasha gefertigt; bisweilen werden Ishana und die weiteren Formen entsprechend eingesetzt.

trinetracaṇḍikā [k, kh: candrikā] dhāmnoḥ śūlena parirakṣitaḥ |
viṣṇudhāmni ca cakreṇa anyeṣāṃ svāyughairapi || 21 ||

20.21 Tempel des Dreiäugigen und Chandikas werden durch einen Dreizack geschützt, Vishnu-Tempel durch den Diskus, die übrigen durch die jeweils eigenen Waffen.

liṅgonmanyātha śūlaṃ ca ghaṭābjo [mū, a: śvetābjo] pari vinyaset |
vāmā jyeṣṭhāhvayā raudrī svaśaktitrayakalpitā || 22 ||

20.22 Über dem Kruglotus setzt man den Dreizack ein, verbunden mit der höchsten Linga-Kraft; das Wort Unmani ist gedrängt überliefert. Seine drei Kräfte heißen Vama, Jyeshtha und Raudri.

dvātriṃśadaṅgulaṃ jyeṣṭhe madhye hīne'ṣṭahānitaḥ [mū, a: hīnake] |
haimaṃ raupyamayojamvā prāgvatsaṃsthāpya [k, gh: saṃsnāpya] mantrataḥ || 23 ||

20.23 Bei der größten Form ist er zweiunddreißig Angula groß, bei mittlerer und kleiner jeweils acht weniger. Er besteht aus Gold, Silber oder Eisen und wird wie zuvor mit Mantras eingesetzt beziehungsweise gewaschen.

jñānākhyecchākriyāhvābhiḥ śaktibhiḥ kalpitaṃ kvacit |
karīraṣaṣṭhabhāgena cakraṃ syātsama [kh: sa ca] vartulam || 24 ||

20.24 Nach anderer Auffassung entsprechen die drei Spitzen Erkenntnis-, Willens- und Handlungskraft. Der runde Diskus wird mit einem Sechstel des tragenden Gliedes bemessen; dessen Bezeichnung ist unsicher.

jīvadairghyasamo daṇḍastatthaulyaṃ tajjināṃśataḥ |
cūliketaradevānāṃ sthāpanīyāḥ pramāṇataḥ || 25 ||

20.25 Der Stab entspricht der Länge des Hauptmaßes, seine Stärke einem Vierundzwanzigstel. Die Bekrönungen anderer Gottheiten werden nach ihren entsprechenden Maßen eingesetzt.

devanāhādbhaveddairghyaṃ sthaurlyaṃ tadaṣṭamāṃśataḥ |
indīvaradalābhā sā svabījaiścūlikā sadā || 26 ||

20.26 Ihre Länge entspricht dem Umfang der Gottheit, die Stärke einem Achtel davon. Die Spitze gleicht einem Blatt des blauen Lotus und wird stets mit den eigenen Bijas geweiht. Damit endet die Einsetzung von Ishana, Krug, Bekrönung und Waffen.

itīśānakalaśagrahacūlīyūpa [k, g, gh: yudha] sthāpanam ||

Damit endet die Einsetzung von Ishana, Krug, Planeten, Bekrönung und Opferpfahl; eine Variante nennt an der letzten Stelle Waffen.

dhvajaṃ vinātra yā kīrtiḥ sā rakṣobhirgrahādibhiḥ |
gṛhyate sakalā nityaṃ dānahomādibhiḥ saha || 27 ||

20.27 Fehlt ein Banner, so werden nach dem Text sämtliche Verdienste des Heiligtums einschließlich Gaben und Feueropfer von Rakshasas und Grahas ergriffen.

yathā suphalito [ṅ: yuḥ phalito; svaḥ phalito ityādi pāṭhaḥ] vṛkṣo rakṣyate hi phalārthibhiḥ |
tathā dharmaphalārthāya dhāmavṛkṣadhvajena tu || 28 ||

20.28 Wie Menschen, die Früchte wünschen, einen fruchttragenden Baum schützen, so schützt das Banner den Tempelbaum um der Frucht des Dharma willen.

tasmāttatra dhvajaḥ sthāpyo vidhinā mānasaṃyutaḥ |
nānāgamānusāreṇa leśatastaṃ vadāmyataḥ || 29 ||

20.29 Deshalb wird dort ein maßgerechtes Banner nach der Vorschrift eingesetzt. Seine Regeln aus verschiedenen Agamas werden nun kurz dargelegt.

prāsādapādavistārastadardhārdhāṃśataḥ [kh: ṅgataḥ] kvacit |
dhāmno dviguṇadairghyaḥ syātsārdhārdhāttatsamo dhvajaḥ || 30 ||

20.30 Die Breite wird zum Fußmaß des Tempels und dessen Hälften in Beziehung gesetzt. Die Länge kann das Doppelte, Anderthalbfache oder Einfache des Tempelmaßes betragen; die mittlere Bruchangabe ist gedrängt.

dvihastavistaro vātha bhūmiṃ pārṣṇimathāpi vā |
kvacinmate tadardhānyathā prāpsyatvadhoditaḥ [mū: prāptyātha coditaḥ] || 31 ||

20.31 Eine weitere Breite beträgt zwei Hasta oder orientiert sich an einem Boden- beziehungsweise Sockelmaß. Andere Auffassungen nennen dessen Hälfte; die Schlussformulierung ist beschädigt.

svadairghyaṣoḍaśāṃśena kvaciduktaśca vistarāt |
sarvārthaśāntaye śuklaḥ kāmārthe dikpatiprabhaḥ || 32 ||

20.32 Nach einer Vorschrift beträgt die Breite ein Sechzehntel der eigenen Länge. Für allgemeines Wohl und Frieden ist das Banner weiß, für besondere Wünsche hat es die Farbe des Richtungswächters.

svavāhanāṅkita [mū, a: nvitaṃ] ścordhvaṃ kiṅkiṇīcāmarairyutaḥ |
svadevarūpakaiścitraḥ svaśaktyā śobhitaḥ kvacit || 33 ||

20.33 Oben trägt es das Zeichen des eigenen Reittiers und ist mit Glöckchen und Yakhaarwedeln versehen. Es zeigt Bilder der eigenen Gottheit und teilweise ihrer Shakti.

mañjaryāstryaṃśato daṇḍastatpādonārdhataḥ kvacit |
itthaṃ grahartu [kh, gh: indragrahe tu] hasto vā kramājjyeṣṭhādiko bhavet || 34 ||

20.34 Die Stange wird aus einem Drittel der Tempelspitze oder daraus abgeleiteten Halb- und Viertelmaßen bestimmt. Alternativ werden neun und sechs Hasta sowie eine weitere beschädigte Größenstaffel genannt.

vaṃśavṛddhikaro vaṃśo dharmārthau [k, kh, ṅ: dharmārthe] śālasaindurau |
uktāṅghri pañca tatkāryaṃ tvaśubhau śeluśigrukau [mū, a, ṅ: śirbhkau] || 35 ||

20.35 Bambus soll das Geschlecht vermehren; Shala und Sindura dienen Dharma und Wohlstand. Ein weiterer Fünferbezug ist beschädigt. Shelu und Shigru gelten als ungeeignet.

bhaṅge cāropyamāṇe tu karturmṛtyurbhaveddhruvam |
śāntihome kṛte saukhyaṃ dakṣiṇāsyena [mū: dyena] nānyathā || 36 ||

20.36 Bricht die Stange beim Aufrichten, deutet der Text dies als Todesgefahr für den Auftraggeber. Ein Friedensopfer mit dem südlichen Gesichtsmantra soll den Fehler ausgleichen.

prāsādapṛṣṭhadeśe ca ūcuḥ kaiściddhvajāśrayam [mū: ucurdhvajāśrayaṃ kvacit; kh: uccacchavidhvajāśrayaḥ] |
aiśāne vā pradeśe ca mārute vānyathāpare || 37 ||

20.37 Manche bestimmen die Rückseite des Tempels als Bannerplatz, andere den Nordosten oder Nordwesten.

śikharasya śarāṃśena caturthena guṇena vā |
utta [mū: ukta] mādidhvajādhāraṃ mastakārdhena vā kvacit || 38 ||

20.38 Die Bannerunterlage wird aus einem Fünftel, Viertel oder Drittel der Tempelspitze bestimmt, nach anderer Auffassung aus der Hälfte des Kopfgliedes, entsprechend der Größenklasse.

pūrvavanmaṇḍapādi syātsnānenajyā [mū, k, gh: snāneṣu] dhvajayaṣṭiṣu |
hemādi [mū a, kh, g, gh, ṅ: homādi] ratnavinyāsa āsanaṃ prākkrameṇa tu || 39 ||

20.39 Halle, Waschung und Verehrung der Bannerstange, Feueropfer, Edelsteineinlage und Sitz folgen dem früher beschriebenen Ablauf.

mūrtibhūrtaṃ nyaseddaṇḍaṃ sakalīkaraṇaṃ tataḥ |
dhvaje tu niṣkalaṃ tadvattathai [gh: tatrai] vāṅgāni yatpunaḥ [gh: ṣaṭsu ca] || 40 ||

20.40 Die Stange wird als Murti eingesetzt und rituell vervollständigt. Im Banner liegt entsprechend das Ungegliederte; auch die Glieder werden dort eingesetzt.

ātmavidyāṃ nyaseddaṇḍe śivatattvaṃ dhvaje tathā |
bhuvaneśānpunastatra vighnanāśāya siddhaye || 41 ||

20.41 Atma- und Vidya-Tattva liegen in der Stange, Shiva-Tattva im Banner. Darin werden die Weltenherren zur Beseitigung von Hindernissen und zur Vollendung eingesetzt.

ātmavān śāṃbhavān śāntān [gh: śāktān] svāyudhodyatavigrahān |
samyāgdhyātvā [kh: jñātvā] tu tānsarvāṃstatastvāropayedguruḥ || 42 ||

20.42 Der gesammelte Guru meditiert über sie als Shiva- beziehungsweise Shakti-hafte, friedvolle Gestalten mit erhobenen eigenen Waffen und richtet dann das Banner auf.

dhvajamantrāstramantreṇa yojayitvā nyasetkvacit |
aghoramatha śaivaṃ vā yadvā pāśupataṃ mahat || 43 ||

20.43 Es wird mit Banner- und Waffenmantra verbunden. Alternativ verwendet man Aghora, den Shiva-Mantra oder den großen Pashupata.

prakhyātamaiśvare śāstre vighnasaṃghāta [kh: saṃpāta] nāśanam |
gandhādi brahmamuṇḍena dadyādvidyādhipena vā || 44 ||

20.44 Dieser ist in der Ishvara-Lehre als Vernichter aller Hindernisse bekannt. Düfte und weitere Gaben werden mit Brahmamunda oder dem Herrn der Vidya dargebracht.

puruṣṭutena [mū, ṅ: ṣṇutena] naivedyaṃ balikarma hṛdaiva tu |
dhyāyetsūryasahasrābhaṃ pralayāmbudanisvanam || 45 ||

20.45 Speise wird mit Purushtuta, Bali mit dem Herzmantra gegeben. Man meditiert über die göttliche Gestalt wie tausend Sonnen, mit einem Klang wie die Wolken der Weltauflösung.

pradīptadaśanaprāntaṃ prakāśamukhakandaram |
tryakṣaṃ taḍillātajihvaṃ dīptabhrūśśrumūrdhajam || 46 ||

20.46 Die Zahnreihen lodern, die Mundhöhle leuchtet. Sie ist dreiäugig, mit blitzförmiger Zunge und flammenden Brauen, Bart und Haaren.

sarpopavītaśūlāsiśaktimudgaradhāriṇam |
caturbhujaṃ caturvaktraṃ sphuraccandrārdhaśekharam [kh, ṅ: digambaram] || 47 ||

20.47 Sie trägt eine Schlange als heilige Schnur sowie Dreizack, Schwert, Speer und Hammer, besitzt vier Arme und vier Gesichter und eine leuchtende Mondsichel; eine Variante nennt Nacktheit.

devadānavarakṣogradarpitānāṃ vimardanam |
dhvajasyārohaṇaṃ kuryādupacāraṃ ca daiśikaḥ || 48 ||

20.48 Sie zerschlägt den Hochmut von Göttern, Danavas und wilden Rakshasas. Unter dieser Betrachtung richtet der Lehrer das Banner auf und bringt die Gaben dar.

mantraiḥ phaḍantagaiḥ sarvairhṛdayādivibhāgaśaḥ |
dhvajāgre tu gururlagna iṣṭamantraṃ japaṃstadā [mū: japettadā] || 49 ||

20.49 Alle verwendeten Gliedmantras enden auf Phat. Beim vorderen Ende des Banners verweilt der Guru und rezitiert den erwählten Mantra.

pradakṣiṇātrayaṃ kṛtvā kartāraṃ sanniyojayet |
yajamānastato lagno bhāryāputrakulaiḥ saha || 50 ||

20.50 Nach dreimaliger Rechtsumkreisung weist er den Auftraggeber an. Dieser schließt sich mit Ehefrau, Söhnen und Familie an.

pariveṣṭya tridhā dhāma praṇamya ca punaḥ punaḥ |
yathā vidhūyate vātairdhvajaḥ prāsādamastake || 51 ||

20.51 Sie umschreiten den Tempel dreimal und verneigen sich wiederholt. Wie das Banner auf der Tempelspitze vom Wind bewegt wird …

tathā kartā tyajetpāpaṃ saptajanmārjitaṃ kṣaṇāt |
rāṣṭre śāntirjayī rājā sukhinyaḥ syuḥ prajāstathā || 52 ||

20.52 … so soll der Auftraggeber augenblicklich die in sieben Leben angesammelten Verfehlungen abwerfen. Dem Land werden Frieden, dem König Sieg und dem Volk Glück verheißen.

susūtayastriyo dharmaḥ subhikṣārogyameva ca |
hemalakṣapradānācca puṇyaṃ koṭiguṇaṃ dhvajāt |
jīrṇoddhāre kṛte karturdhvajānte maulikaṃ phalam || 53 ||

20.53 Weiter werden leichte Geburten, Dharma, Nahrungssicherheit und Gesundheit genannt. Das Banner bringe vielfach größeres Verdienst als eine große Goldgabe. Bei einer Erneuerungsweihe erreicht der Auftraggeber mit dem abschließenden Banner die grundlegende Frucht des Rituals.

iti lakṣaṇasamuccaye īśānādidhvajaniveśānākhyānaṃ nāma viṃśovidhi || 20 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 20. Ritualabschnitt über „Einsetzung der Banner“.

Kapitel 21: Erneuerung verfallener Heiligtümer

athaikāviṃśaḥ

Nun folgt der 21. Ritualabschnitt.

atha jīrṇāṃśca duṣṭāṃśca liṅgādīṃśca [g: dīnāṃ] surojjhitān |
āśrayantīha satvāni bhūtavetālarākṣasāḥ || 1 ||

21.1 Verfallene und beschädigte Lingas und andere Kultbilder, die von den Gottheiten verlassen sind, werden nach der Vorstellung des Textes von Bhutas, Vetalas und Rakshasas besetzt.

mahābhayakarā nityaṃ subhṛśaṃ krūrarūpiṇaḥ |
kurvanti doṣasaṅghyātaṃ yatra rāṣṭreṣu te [g: pure] sthitāḥ || 2 ||

21.2 Diese furchterregenden, äußerst wilden Wesen verursachen dort, wo sie wohnen, eine Fülle von Schäden im Land.

mahotpātaṃ dharānāśaṃ camūbhaṅgaṃ parābhavam |
durbhikṣaṃ dāruṇaṃ rogaṃ prajānāśaṃ daridratām || 3 ||

21.3 Genannt werden große Unheilszeichen, Verlust des Landes, Niederlage des Heeres, Demütigung, Hungersnot, schwere Krankheiten, Bevölkerungsverlust und Armut.

udvegaṃ ca vivādaṃ [g: viṣādaṃ] ca vitāśaṃ cātmajārthayoḥ |
pīḍā gobrāhmaṇādīnāṃ rājño duḥkhaṃ kuśīlatām || 4 ||

21.4 Hinzu kommen Unruhe, Streit beziehungsweise Niedergeschlagenheit, Verlust von Kindern und Vermögen, Bedrängnis von Kühen und Brahmanen, Leid des Königs und schlechtes Verhalten.

pratāpasatvahāniṃ ca lobhamohādiyuktatām |
śatruvyasanapīḍā ca cintā ca mahatī bhavet || 5 ||

21.5 Ferner Verlust von Macht und Mut, Gier, Verblendung, Bedrängnis durch Feinde und Unglück sowie große Sorge.

duṣṭaliṅge sthite rāṣṭre prajā prājño na śobhanan |
tasmāduddharaṇaṃ kāryaṃ vidhinā mantrapūrvakam || 6 ||

21.6 Ein beschädigtes Linga im Land gilt deshalb als ungünstig für Volk und Herrscher. Es soll nach der Vorschrift und mit Mantras herausgenommen werden.

vidhiṃ vinoddhṛtaṃ liṅgaṃ mantrahīnaistvadaiśikaiḥ |
rāṣṭraṃ pittena saṃpīḍya bhūpamucchādaye [k: mutsādaye; kh: munmādaye] ddhruvam || 7 ||

21.7 Wird es ohne Regel, Mantras und qualifizierten Lehrer entfernt, drohten dem Land schwere Leiden und dem König Vertreibung beziehungsweise Verwirrung. Diese Folgen sind religiöse Deutungen des Textes.

tasmādrājā svarāṣṭreṣu liṅgādyuddhārayeddrutam |
gobrāhmaṇaprajānāṃ ca svarāṣṭrasya ca vṛddhaye || 8 ||

21.8 Deshalb soll der König die sachgerechte Erneuerung von Lingas in seinem Land veranlassen, zum Gedeihen von Kühen, Brahmanen, Volk und Land.

jīrṇoddhāraṃ pravakṣyāmi yathā śāstreṣu bhāṣitam |
sunakṣatre dine yoge sadvāre kartṛśobhane || 9 ||

21.9 Nun beschreibe ich die Erneuerung, wie sie in den Schriften gelehrt wird. Sie beginnt unter günstigem Nakshatra, Tag, Yoga und Wochentag, passend zum Auftraggeber.

yāmyāyāmathavaiśānyāṃ kuryātprāguktamaṇḍapam [kh: maṇḍalam] |
pracchannaṃ saṃskṛtaṃ ramyaṃ jaladvāraika [kh: dhāraika] toraṇam || 10 ||

21.10 Im Süden oder Nordosten errichtet man die zuvor beschriebene Halle: geschlossen, gereinigt, schön und mit einem westlichen Tor beziehungsweise Wasserzugang; die Lesart ist unsicher.

rambhācandana [gh: bandhana] mālyāḍhyaṃ vitāna [kh: vimāna] dhvajasaṅkulam |
pūrvavadvedikāṃ ramyāṃ śivakumbhāstrarakṣitām || 11 ||

21.11 Sie ist mit Bananenpflanzen, Sandel beziehungsweise Bändern, Girlanden, Baldachinen und Bannern geschmückt. Der schöne Altar wird wie zuvor durch Shiva-Krug und Waffenmantra geschützt.

gurumūrtidharānsamyagiṣṭvādau kanakāmbaraiḥ [mū, a: ndrādau kalaśāmbaraiḥ] |
bālukāpūrite pīṭhe sthaṇḍile pūjayeddharam || 12 ||

21.12 Zuerst ehrt man Guru und Murti-Träger mit Gold und Gewändern. Auf dem sandgefüllten Altar beziehungsweise Bodenfeld verehrt man Hara.

śivaliṅgadharānpañca bhojayed ghṛtapāyasai || 13 ||

21.13 Fünf Träger eines Shiva-Linga werden mit Butter und Milchreis bewirtet. Dieser nummerierte Abschnitt besteht nur aus einem Halbvers.

arkopendrādike viprānaṣṭau santarpayedbhṛśam |
dakṣiṇāṃ vittato dadyād brūyuḥ śaṃ rāṣṭrabhūpayoḥ || 14 ||

21.14 Bei der Sonne, Vishnu und weiteren Gottheiten bewirtet man acht Brahmanen reichlich und gibt nach Vermögen eine Dankesgabe. Sie sprechen Segen für Land und König.

sahasraṃ juhuyād ghoraṃ mahāstraṃ vātha daiśikaḥ |
trisvādūktaistu [ṅ: dvikṣestu] yajñāṅgai [gh: yajñāṅgo] dūrvāṃ kuṇḍe tu vartule || 15 ||

21.15 Der Lehrer opfert tausendmal mit Aghora oder der großen Waffe, in einer runden Feuergrube, mit Opferhölzern und Durva, bestrichen mit den drei süßen Stoffen.

guruḥ pūrṇāhutiṃ dadyāttasmai kartā ca [kh: kartārtha] dhenukām |
mūrtibhṛdbhyastato dānaṃ bhūtadigdevatābalim || 16 ||

21.16 Der Guru bringt die vollständige Gabe dar, der Auftraggeber schenkt ihm eine Kuh. Danach erhalten die Murti-Träger Gaben, die Wesen und Richtungswächter Bali.

raudrīṃ śāntiṃ tataḥ kṛtvā vijñāpya ca maheśvaram |
labdhānujño [kh: natvānujño] mahādevātkuryālliṅgādikoddhṛtim || 17 ||

21.17 Nach der Rudra-Friedenshandlung richtet man eine Bitte an Maheshvara. Erst nach empfangener Erlaubnis Mahadevas nimmt man Linga und weitere Teile heraus.

tatpuṣpāstreṇa saṃtāḍya vadeśa (da) straṃ [k, kh: tatsthaṃ] śivājñayā |
yadatra saṃsthitaṃ satvaṃ tyaktvā cānyatra yātu tat [k: yāntvataḥ] || 18 ||

21.18 Man berührt sie mit einer unter dem Waffenmantra geweihten Blume und spricht auf Shivas Gebot: „Was immer an Wesen hier wohnt, möge diesen Ort verlassen und anderswohin gehen.“

śivājñaivaṃ pradattāto [mū: ttā te] tyajettatvaṃ mahāstrataḥ |
tato'bhiṣicya liṅgādyamastrajaptena [mū: mantraṇajaptena] vāriṇā || 19 ||

21.19 So wird Shivas Befehl erteilt und das betreffende Wesen mit der großen Waffe verabschiedet. Danach besprengt man Linga und weitere Teile mit Waffenmantra-Wasser.

sthāpako yajamālasya hemajaṃ kaṅkaṇaṃ kare |
utthāpane prabadhnīyādityuktaṃ śambhunā kvacit || 20 ||

21.20 Beim Herausheben bindet der einsetzende Priester dem Auftraggeber einen goldenen Armreif um. So hat es Shambhu nach einer Überlieferung gelehrt.

baddhvā svarṇākhya [gh: varṇākṣa] pāśena liṅgaṃ pāśupatena ca |
vṛṣayoḥ kakude (di) baddhvā varmaṇā bālatantunā || 21 ||

21.21 Das Linga wird mit einer als golden bezeichneten Schlinge unter Pashupata gebunden. Mit Haarseil und Schutzmantra verbindet man es mit den Höckern zweier Stiere.

hemakarṣajasīreṇa [gh: sāreṇa] madhvaktenottarāmukhaḥ |
īśāśādīḥ kramātsarvāḥ khādakena guruḥ khanet || 22 ||

21.22 Nach Norden gewandt gräbt der Guru von Nordosten an ringsum mit einem honigbestrichenen kleinen Pflug aus einem Karsha Gold, unter dem Khadaka-Mantra.

tārasārottame bhāvādanyasmin māṣavarjanāt |
pāśasīrayugaṃ [kh: sārayuta] kuryādbalavantau tathā vṛṣau || 23 ||

21.23 Für weitere Größen werden Silber und abgestufte Gewichte unter Abzug von Masha genannt. Schlinge und Pflug werden entsprechend gefertigt; die beiden Stiere sollen kräftig sein. Die genaue Materialstaffel ist beschädigt.

vṛṣau ca khurikaiḥ preṣya nandī śaṅkharaveṇa tu (?) |
jarjaraṃ calitaṃ bhagnaṃ [kh: rugṇaṃ] sphuṭitaṃ vajradūṣitam [mūu, a g: dhvajadūṣitam] || 24 ||

21.24 Unter Khurika-Mantras, Freudenrufen und Muschelhornklang werden die Stiere zum Ziehen veranlasst. Zu entfernen sind verwitterte, verschobene, zerbrochene, gerissene oder vom Blitz beschädigte Formen; die Grundlesart nennt abweichend ein Banner.

mahādoṣānvitaṃ dagdhaṃ vikalāṅgaṃ kṛśaṃ ca yat |
sthūlaṃ vā durniviṣṭaṃ ca yacca pīḍākaraṃ bhuvi || 25 ||

21.25 Ebenso solche mit schweren Fehlern, verbrannte, unvollständige, zu dünne, zu dicke, schlecht eingesetzte oder sonst schädliche Formen.

sthāpitaṃ vikalairdravyai stathonmānādivarjitam |
eṣāṃ kuryāccikitsāṃ ca vyāghitasyeva bheṣajam || 26 ||

21.26 Auch aus ungeeigneten Stoffen oder ohne richtige Maße eingesetzte Bilder sind zu behandeln, wie man einen Kranken mit einem Heilmittel versorgt.

teṣāṃ lekhye ca bhede ca chede coddharaṇe [kh: chedanoddharaṇaṃ] tathā |
kriyamāṇe na doṣo'sti mantravarjitayā [tatā] yataḥ || 27 ||

21.27 Ihr Überarbeiten, Teilen, Beschneiden oder Herausnehmen ist dann nicht fehlerhaft, da die Mantra-Gegenwart zuvor entzogen wurde.

liṅgaṃ pīṭhaṃ śilāmarcāṃ vyomatārkṣyādikaṃ vṛṣam |
pakvamṛcchailaratnotthaṃ kṣipedvāmena nityake || 28 ||

21.28 Linga, Sockel, Steinplatte, Bild, Vyoma, Garuda und Stier aus gebranntem Ton, Stein oder Edelstein werden unter Vama an einen dauerhaften Wasserort gegeben. Die Ortsbezeichnung ist verkürzt überliefert.

dārūdbhavamaghoreṇa dahecchivāgninā ghṛtaiḥ |
lohaṃ sarvaṃ viniṣpāṭya punastatraiva vinyaset || 29 ||

21.29 Holzformen verbrennt man unter Aghora mit Butter im Shiva-Feuer. Metall wird vollständig zerlegt beziehungsweise eingeschmolzen und kann dort erneut verwendet werden.

dagdhaṃ maṇimayaṃ bhraṣṭaṃ tejasāśmavadutsṛjet |
lepyaṃ citraṃ paṭaṃ pustaṃ saṃskṛtya cāgninā [mū, kh: dhāmni vā] kṣipet || 30 ||

21.30 Verbrannte oder ihrer Strahlkraft beraubte Edelsteinformen werden wie Stein aufgegeben. Modellierte, gemalte, auf Stoff oder vergänglicher Masse gefertigte Bilder werden nach ritueller Behandlung dem Feuer übergeben; eine Variante nennt das Heiligtum.

patitotpāṭitaṃ vakraṃ saridbhītānyamantrajam |
aduṣṭaṃ vidhinoddhṛtya sthāpayedyāgapūrvakam || 31 ||

21.31 Gefallene, herausgerissene, schief gewordene, durch Flusswasser bedrohte oder ohne Mantras eingesetzte, materiell aber unbeschädigte Formen werden ordnungsgemäß herausgenommen und nach einem Opfer erneut eingesetzt.

yathā na spṛśati dvāraṃ tathā liṅgaṃ praveśayat |
brahmaśilādikaṃ sarvaṃ sthāpayetpūrvavatkramāt || 32 ||

21.32 Das Linga wird so hineingebracht, dass es die Tür nicht berührt. Brahma-Platte und sämtliche übrigen Teile werden wie zuvor der Reihe nach eingesetzt.

prākpramāṇaṃ tadākāraṃ prāgdravyeṇa vinirmitam |
liṅgādi cāparaṃ sthāpyamadhike vā phalaṃ bahu || 33 ||

21.33 Ein Ersatz-Linga oder anderes Bild soll das frühere Maß, dieselbe Gestalt und dasselbe Material besitzen. Eine größere Ausführung wird mit größerer Frucht verbunden.

liṅgapīṭhālayārcānāṃ kṣitauṃ yāvatsthitirbhavet |
tāvatkalpasahasrāṇi tatkartā tatpure vaset || 34 ||

21.34 Solange Linga, Sockel, Heiligtum und Bild auf der Erde bestehen, soll der Auftraggeber entsprechend viele tausend Kalpas in der göttlichen Stadt wohnen.

pārthivānāṃ phalaṃ cedaṃ [kh: caivaṃ] dāravāṇāṃ tato'dhikam |
([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mūla ga gha pustakeṣu nāsti] dviguṇaṃ cāśmajānāṃ ca sīsakānāṃ tato'dhikam || 35 ||

21.35 Dies gilt für Erdformen; bei Holz ist die Frucht größer, bei Stein doppelt und bei Blei wiederum größer. Der zweite Halbvers fehlt in mehreren Handschriften.

dviguṇaṃ trapujānāṃ ca ghoṣajānāṃ tato'dhikam |
dviguṇaṃ rītijānāṃ ca sulvajānāṃ tato'dhikam || 36 ||)

21.36 Bei Zinn wird erneut Verdoppelung genannt, bei Glockenmetall eine weitere Steigerung, bei Messing Verdoppelung und bei Kupfer wiederum mehr. Auch dieser Vers fehlt in mehreren Handschriften.

dviguṇaṃ tārajānāṃ [gh: caśmajānāṃ] ca hemajānāṃ tato'dhikam |
dviguṇaṃ ratnajānāṃ tu ratnādhikye'dhikaṃ phalam || 37 ||

21.37 Bei Silber ist die Frucht doppelt, bei Gold größer, bei Edelstein nochmals doppelt; je wertvoller der Stein, desto größer die Frucht.

sthāpayecca [gh: sthāpayedaṅga] śataṃ hutvā [ṅ: gatvā] cālayecca sahasrataḥ |
ghoreṇa vā mahāstreṇa dviguṇaṃ dhāmacālane || 38 ||

21.38 Zur Einsetzung werden hundert Gaben, zur Bewegung tausend mit Aghora oder der großen Waffe genannt. Beim Versetzen eines Tempels wird die Zahl verdoppelt.

sukhaduḥkhasthitānāṃ tu liṅgādicālanāddhruvam |
tvaritaṃ mriyate jantū rauravaṃ ca mṛto vrajet || 39 ||

21.39 Wer ein fest bestehendes Linga oder Kultbild ohne den erforderlichen Anlass bewegt, dem droht nach dem Text rascher Tod und Raurava-Hölle. Die einleitende Wendung „in Glück und Leid bestehend“ ist nicht eindeutig.

īśānaṃ vā ghaṭaṃ cūlaṃ dvāraṃ hṛdaṅghrikādikam |
jīrṇādhāmni [kh: jīrṇoddhāra] kramātsarvaṃ pūrvoktavidhinā haret || 40 ||

21.40 Bei der Erneuerung werden Ishana, Krug, Bekrönung, Tür, Herz-Einlage, Fußteile und die übrigen Elemente der Reihe nach mit dem beschriebenen Verfahren entfernt.

prāsādamantradehaṃ tu khaḍge nyastra prapūjayet |
dārupaṭṭāvṛtaṃ liṅgaṃ kṛtvā tu ghaṭayedgṛham || 41 ||

21.41 Den Mantra-Körper des Tempels setzt man vorübergehend in ein Schwert ein und verehrt ihn dort. Das Linga wird mit Holzplatten geschützt; dann wird das Gebäude wiederhergestellt.

pūrvavatpadamāropva dvārādiṃ ca dhvajāntakam |
siddhe dhāmnyaṅgasaṃyogaṃ kuryādākṛṣya khaḍgataḥ || 42 ||

21.42 Fundament beziehungsweise Standortordnung, Tür und alle Teile bis zum Banner werden wie zuvor eingerichtet. Ist der Tempel fertig, zieht man die Gegenwart aus dem Schwert zurück und verbindet sie mit den Baugliedern.

jīrṇamuddhṛtamāropya prāyaścittāya homayet |
acchidrapūrṇatā yena syādaghoraśatena tu || 43 ||

21.43 Nach Entfernung der alten und Einsetzung der erneuerten Form opfert man hundertmal Aghora zum Ausgleich, damit vollständige, lückenlose Ganzheit entsteht.

kṣamayecca praṇamyeśaṃ tvadājñayā mayoddhṛtam |
liṅgādi sthāpitaṃ [sthāpakaṃ] yacca tatkṣamasva mamopari || 44 ||

21.44 Man verneigt sich vor dem Herrn und bittet: „Auf dein Gebot habe ich Linga und weitere Teile entfernt und eingesetzt. Vergib mir, was dabei geschehen ist.“

rājñaḥ kartuḥ prajānāṃ ca śāntirbhavatu sarvadā |
asmākaṃ śilpināṃ cāpi suprīto bhava he bhava [gh: tava] || 45 ||

21.45 „Möge stets Frieden sein für König, Auftraggeber und Volk, auch für uns und die Künstler. Sei uns wohlgesinnt, o Bhava!“

tataḥ kartā praṇamyādau daṇḍavadbhūtale gurum |
taṃ khaḍgaṃ kaṅkaṇaṃ dhenuṃ dadyātsopaskarau vṛṣau || 46 ||

21.46 Danach wirft sich der Auftraggeber vor dem Guru auf die Erde und übergibt ihm Schwert, Armreif, Kuh und die beiden Stiere samt Ausrüstung.

iti lakṣaṇasamuccayeṃ jīrṇoddhāravidhikathanaṃ nāmaikaviṃśo vidhiḥ || 21 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 21. Ritualabschnitt über „Erneuerung verfallener Heiligtümer“.

Kapitel 22: Hallen und Unterkünfte für Asketen

atha dvāviṃśaḥ

Nun folgt der 22. Ritualabschnitt.

advaita [mū, ṅ: advaite] devatābhyastu kāryaṃ maṇḍalatarpaṇam |
ekahastaṃ samārabhya aṣṭahastāvadhikramāt || 1 ||

22.1 Für nichtdual verehrte Gottheiten ist eine Sättigung im Mandala auszuführen. Seine Größe reicht in Stufen von einem bis acht Hasta.

vīthikādvārakoṇāḍhyamekābjaṃ dvārakairyutam [kh: mekākṣaṃ gātrakai] |
lokapālāyudhopetaṃ maṇḍalaṃ sārvadaivikam || 2 ||

22.2 Das allgemeine Göttermandala besitzt Umgang, Tore, Ecken, einen Lotus und die Waffen der Richtungswächter.

devamudrānvitaṃ divyaṃ khyātaṃ mudrālayāhvayam |
yaccatuṣkoṇagāḥ śaṅkhāḥ śrīvatsākhyaṃ herestu tat || 3 ||

22.3 Mit göttlichen Zeichen versehen heißt es Mudralaya. Befinden sich Muschelhörner in den vier Ecken, heißt es Shrivatsa und gehört Hari.

pūrvoktapaṅgajairyuktaṃ karṇikā pṛthugātrakam |
padmārghapṛthuvīthīkaṃ vīthyardhaṃ kaṇṭhakādimat [kh, gh: kaṇṭa-] || 4 ||

22.4 Es besitzt den zuvor beschriebenen Lotus, einen breiten Fruchtboden und Körperbereich. Der Umgang ist halb so breit wie der Lotus, Hals- und weitere Torpartien halb so breit wie der Umgang.

padmasūtrasamaṃ dvāraṃ guṇarekhābahirmatam |
athānyannavadurgādi navanābhaṃ taducyate || 5 ||

22.5 Das Tor entspricht dem Lotus-Schnurmaß und liegt außerhalb der drei Linien. Nun folgt das Navanabha-Mandala für die neun Durgas und verwandte Gruppen.

dvātriṃśadacchake [kh, gh: daṃśake] kṣetre madhye'bjaṃ ṣoḍaśāṃśakaiḥ |
gātrakaṃ [k, kh: gātraṃkaṃ] vīthikādvābhyāṃ dikṣu padmāṣṭakaṃ tathā || 6 ||

22.6 Das Feld wird in zweiunddreißig Teile geteilt. Der mittlere Lotus umfasst sechzehn, Körperzone und Umgang je zwei; in den Richtungen liegen acht weitere Lotusse.

mekhalaikāṃśato bāhye dvābhyāṃ kaṇṭhakapolakau |
padmamānaṃ [mū: mālaṃ] bhaveddvāramekena prativāraṇā || 7 ||

22.7 Außen liegt ein Rand von einem Teil; Hals und seitliche Torwangen erhalten zwei. Das Tor entspricht dem Lotusmaß, die Sperr- beziehungsweise Vorzone einem Teil.

vaiṣṇave bhairave yāge yoginī sthāpane tathā |
maṇḍalaṃ navanābhākhyaṃ [mū, a: bhāgākhya] putrāyurdhanavṛddhidam [kh: vardhanam] || 8 ||

22.8 Navanabha wird bei Vishnu- und Bhairava-Opfern sowie der Einsetzung von Yoginis verwendet. Es soll Nachkommenschaft, Lebensdauer und Reichtum vermehren.

śālicandanagodhūmayavairvā cūrṇitaiḥ sitaiḥ |
gairikeṅgudasindūrai raktamiṣṭa [kh: siktha] kayāthavā || 9 ||

22.9 Weiß erhält man aus pulverisiertem Reis, Sandel, Weizen oder Gerste. Rot entsteht aus Ocker, Inguda, Sindura oder Ziegelpulver.

pītaṃ tālema vā śāliharidrācūrṇaikairbhavet |
marmurai [kh: sumurai] rarciraṅgāraistuṣairvā dagdhakaiḥ śitim [mū: śitaiḥ || 10 ||

22.10 Gelb wird aus Haritala oder einer Mischung aus Reis- und Kurkumapulver gewonnen. Schwarz entsteht aus Kohle oder verbrannten Spelzen; ein weiterer Stoffname ist beschädigt.

kṛṣṇaikāṃśena pītābhyāṃ haridrābilvapatrakai |
sitābhyāmasitāṃśena aikyaṃ syāddhūmra [gh: dhūma] varṇakam || 11 ||

22.11 Ein Teil Schwarz mit zwei Teilen Gelb ergibt Grün; auch Kurkuma und Bilva-Blätter werden genannt. Zwei Teile Weiß mit einem Teil Schwarz ergeben Rauchfarbe.

pūrayenmaṇḍalaṃ varṇairetaiḥ saṃśobhate yathā |
na hīnā nādhikāvakrā kāryā rekhā suśobhanā || 12 ||

22.12 Mit diesen Farben füllt man das Mandala ansprechend aus. Die Linien sollen weder zu dünn noch zu dick oder krumm sein.

hināyāṃ putranāśaḥ syādadhikāyāṃ mahāgadaḥ |
vakrāyāmarthanāśaḥ syād vyastasthe varṇake ripuḥ || 13 ||

22.13 Zu dünne Linien werden mit Verlust von Kindern, zu dicke mit schwerer Krankheit, krumme mit Vermögensverlust und vertauschte Farben mit Feinden verbunden.

mumukṣoḥ sthāpane'dvaite dīkṣāyāṃ maṇḍalaṃ matam |
aśeṣaguṇadaṃ tasmātsthaṇḷiṃ vālukāmayam || 14 ||

22.14 Für Befreiungsuchende ist bei nichtdualer Einsetzung und Einweihung ein Mandala vorgesehen, das alle Vorzüge verleiht. Alternativ wird ein Bodenfeld aus Sand verwendet.

atha [g: aṣṭa] tāpasaveśmārthaṃ prāsādakaraṇāya ca |
tayoḥ sthānāni puṇyāni kathayāmi mahītale || 15 ||

22.15 Nun nenne ich die heiligen Orte auf der Erde für Asketenunterkünfte und Tempelbauten.

nagendre kulaśaile ca kṣetropakṣetrake tathā |
sandohe nimnagākūle siddhakṣetreṣu [gh: sthāneṣu] sarvataḥ || 16 ||

22.16 Geeignet sind große Berge, Kulagebirge, Kshetras und Upakshetras, die als Sandoha bezeichneten Orte, Flussufer und Stätten der Vollendeten.

himabaddhemakūṭādrī niṣadho gandhamādanaḥ |
mālyavāñśṛṅginīlau ca ṛkṣaśceme'drināyakāḥ || 17 ||

22.17 Die großen Berge heißen Himalaya, Hemakuta, Nishadha, Gandhamadana, Malyavat, Shringin, Nila und Riksha.

malayo vijayaḥ sahyaḥ pāriyātro'rbudastathā |
śrīśailaścaiva vindhyaśca mahendraśca kulācalāḥ || 18 ||

22.18 Die Kulagebirge sind Malaya, Vijaya, Sahya, Pariyatra, Arbuda, Shrishaila, Vindhya und Mahendra.

prayāgaḥ kāśikākolā cāṭṭahāsā jayantyapi |
caritraikāmrakaṃ devīkoṭṭaṃ kṣetrāṇyathāṣṭa ca [k, g: ṇyathācaraḥ] || 19 ||

22.19 Die acht Kshetras heißen Prayaga, Kashika, Kola, Attahasa, Jayanti, Charitra, Ekamraka und Devikotta.

kāśmīramarupāṭalyastumulailā [mū, k, kh, g, ṅ: tadyamailā] pustathā |
virajaścairuḍaḥ [mū: rutaḥ] puṇḍra ścopakṣetrāṇyamūni ca || 20 ||

22.20 Als Upakshetras werden Kashmir, Maru, Patali, ein beschädigter Tumulaila- beziehungsweise Tadyamaila-Name, Viraja, ein unsicherer Ruda-Name und Pundra genannt. Die Achterreihe ist nicht eindeutig erhalten.

kubjikojjayinīpṛṣṭāparastīrā [mū, kh, ṅ: parastrī raṃ] ṅku śādrikau |
māyāpuryatha jālākhyamete sandohasaṃjñakāḥ || 21 ||

22.21 Die Sandoha-Liste nennt Kubjika, Ujjayini, Prishta, Parastira, Ankusha, Adri, Mayapuri und Jala; die Worttrennung mehrerer Ortsnamen ist unsicher.

narmadā yamunā gaṅgā godāvarī punaḥ punā |
pañcanadyatha sindhuśca sarasvatyaṣṭanimnagā || 22 ||

22.22 Die acht Flüsse sind Narmada, Yamuna, Ganga, Godavari, Punahpuna, Panchanadi, Sindhu und Sarasvati.

śrāvastī kīkaṭo lāṭaḥ kurukṣetrojjihānakāḥ |
antarvedī pratiṣṭhānaṃ yājñiko deśa iṣyate || 23 ||

22.23 Als Opferland gelten Shravasti, Kikata, Lata, Kurukshetra, Ujjihana, Antarvedi und Pratishthana.

dāruvanaṃ śmaśānaṃ ca puṣkaraṃ naimiṣaṃ tathā |
karavīro mahākālaḥ saugandhyupavanaṃ [kh: paraṇaṃ] vanam || 24 ||

22.24 Weiter genannt werden Daruvana, Verbrennungsstätten, Pushkara, Naimisha, Karavira, Mahakala und der duftende Hain Saugandhya.

vaṭaikaliṅgādityādi sthāpitānāṃ ca sannidhiḥ [gh: sannidheḥ] |
bāṇasvayaṃbhuliṅgānāṃ padmakhaṇḍataḍāgayoḥ || 25 ||

22.25 Geeignet ist die Nähe bestehender Vata-, Ekalinga-, Aditya- und weiterer Heiligtümer, von Bana- und selbstentstandenen Lingas, Lotusbeständen und Teichen. Die erste Namensgruppe ist gedrängt.

vadaryāśramatīrthāni dhunīnāṃ saṅgamastathā |
siddhadevālayo grāma nagaraṃ kheṭakaṃ puram || 26 ||

22.26 Hinzu kommen Badaryashrama, Pilgerstätten, Flusszusammenflüsse, vollendete Tempel, Dörfer, Städte, kleinere befestigte Orte und Burgen.

pattanaṃ ratikṛddeśaḥ sāmānyagirinimnagā |
puṇyasthānamathānyacca siddhasthānānyamūni ca || 27 ||

22.27 Auch Hafenorte, erfreuliche Landschaften, gewöhnliche Berge und Flüsse sowie andere heilige Orte gelten als Stätten der Vollendung.

deśeṣveteṣu kurvīta yati [gh: yadi] devādikāśramam |
gṛhṇīyādbhūmimādau tu śāsanena krayeṇa vā || 28 ||

22.28 Dort errichtet man Unterkünfte für Asketen und Gottheiten. Zuerst erwirbt man den Boden durch rechtsgültige Schenkungsurkunde oder Kauf.

noparodhadbalādvāpi na caiva prāksaridvahā |
ādau kurmādyateḥ sthānamīśādīnāṃ tato yataḥ || 29 ||

22.29 Er darf nicht durch Bedrängung oder Gewalt genommen werden; eine weitere Einschränkung betrifft früheren Flusslauf. Zuerst wird die Asketenunterkunft, danach der Tempel für Ishana und die weiteren Gottheiten errichtet.

na tāpasāḥ sureśasthā vaseyuścenmaṭhādhipāḥ |
maṭhamāśritya ye liṅgamarcayanti kubuddhayaḥ || 30 ||

22.30 Asketen sollen nicht als wirtschaftliche Herren des Klosters über die Gottheit verfügen. Wer unter Berufung auf das Kloster das Linga aus eigennützigen Gründen verehrt …

lolupāste samākhyātā na mokṣaṃ prāpnuvanti te |
yadīcchennarakaṃ gantuṃ putrapautrādibhiḥ saha || 31 ||

22.31 … wird als habgierig bezeichnet und erlangt nach dem Text keine Befreiung. Wer mit Söhnen und Enkeln in die Hölle gehen wolle …

tadekāhaṃ praphurvīta maṭhāpatyaṃ [kh: mānayanti] śivālaye |
īdṛgjñātvā [mū: īdṛṅmatvā] yathākāmaṃ sthāpayetsacarācaram || 32 ||

22.32 … brauche nur einen Tag solche eigennützige Klosterherrschaft in einem Shiva-Tempel auszuüben. In Kenntnis dieser Warnung richtet man bewegliche und unbewegliche Formen angemessen ein.

atha bhūmiparīkṣārthaṃ grāhyāgrāhyaṃ vadāmyaham |
indrāgniyamarakṣo'mbuvāyvīndvīśa [k, kh, gh: vāyvarthīśa] plavā mahī || 33 ||

22.33 Nun erkläre ich zur Bodenprüfung, was anzunehmen und abzulehnen ist. Das Gefälle kann nach Osten, Südosten, Süden, Südwesten, Westen, Nordwesten, Norden oder Nordosten weisen.

kramātkuryācchriyaṃ [g: cchivaṃ] dāhaṃ mṛtyuṃ rogaṃ daridratām |
ripurmānaṃ sukhaṃ ca syānmadhyamā sarvataḥ plavā || 34 ||

22.34 Diesen Richtungen werden der Reihe nach Wohlergehen, Brand, Tod, Krankheit, Armut, Feinde, Ehre und Glück zugeschrieben. Von der Mitte nach allen Seiten abfallender Boden gilt als mittelmäßig.

devasya vipulo bhogo nejyā nāśaśca [kh: na jñā nāśaśca] vajrabhīḥ |
bhaṅgaḥ pīto'rtha ijyā [mū: iṣṭa] syātpūrvādervasudhāplavāt || 35 ||

22.35 Eine weitere Reihe betrifft die Gottheit: reiche Versorgung, mangelnde Verehrung, Untergang, Blitzgefahr, Bruch, Bedrängnis, Reichtum und Verehrung werden mit den Gefällerichtungen verbunden. Einzelne Wörter sind beschädigt.

madhyaplavā kulaṃ hanyādityuktā bhūḥ śubhāśubhā |
kramādagniriporbhītiḥ kalirarbhaka [mū: vacchaka] saṃkṣayaḥ [gh: sajñakaḥ] || 36 ||

22.36 Zur Mitte abfallender Boden gilt als familiengefährdend. Es folgt die Wirkung von Brunnenlagen, beginnend mit Feuergefahr, Feindesfurcht, Streit und Verlust von Kindern.

strīcalā strakṣayo vṛddhiḥ śāntiḥ prāgādikūpataḥ |
nadīpraveśitā [kh: ṣṭitā] śastā pūrvādi paścime'pi vā || 37 ||

22.37 Die übrigen Brunnenrichtungen werden mit Unbeständigkeit der Frauen, Verlust, Wachstum und Frieden verbunden. Ein Flusszugang im Osten oder Westen wird als günstig genannt; die Richtungsfolge ist verkürzt.

yāmye vā nottarasyāṃ ca na caivodaka [k, gh: caikodaka] saṃyutā |
na dakṣiṇasthau vanādrī ca paścime vā vana [mū: vācanaṃ] śubham || 38 ||

22.38 Die anschließende Regel zu Flüssen im Süden und Norden sowie Wasseransammlung ist widersprüchlich überliefert. Wald und Berg unmittelbar im Süden werden ausgeschlossen; im Westen wird Wald als günstig bezeichnet.

dhāmavāpyau ca saumye ca aiśānyāṃ ca sarovaraḥ |
vaṭaḥ prācyāṃ yamāśāyāṃ yajñāṅgo bodhirabdiśi || 39 ||

22.39 Ein Tempel beziehungsweise Teich liegt günstig im Norden, ein See im Nordosten. Vata gehört in den Osten, der Opferbaum in den Süden, Bodhi in den Westen.

plakṣaścottarataḥ śastaḥ samastā vyastakā amī |
jayantīdāḍimīśyāmāpunnāgāriṣṭapādapā || 40 ||

22.40 Plaksha gilt im Norden als günstig. Diese Bäume können zusammen oder einzeln stehen. Jayanti, Granatapfel, Shyama, Punnaga und Arishta folgen als weitere geeignete Pflanzen.

yatratatrasthabhāgāṅge [mū: śubhāśārgo] gṛhabhuvyapare śubhāḥ |
bahudarbhavatī viprā kṣatriyā ca śarākulā || 41 ||

22.41 Diese und andere gelten auf dem Hausgrund als günstig; die genaue Richtungsangabe ist beschädigt. Darbha-reicher Boden wird als brahmanisch, mit Schilf bewachsener als kshatriyahaft bezeichnet.

snigdhadūrvānvitā vaiśyā śudrāsośīrakāśikā |
phalapuṣpavatīsnigdhā snigdhagulmoṣadhīdrumāḥ || 42 ||

22.42 Boden mit saftiger Durva gilt als vaishyahaft, mit Ushira und Kasha als shudrahaft. Günstig sind frucht- und blumenreiche, frische Sträucher, Kräuter und Bäume.

p 102) gāvo'tha mānuṣāśvā vā ramante yatra nityaśaḥ |
ekavarṇā ghanā tulyā yamāmbudiśi connatā || 43 ||

22.43 Gut ist Boden, auf dem Kühe, Menschen und Pferde gern verweilen, der einfarbig, dicht und eben ist und im Süden und Westen höher liegt.

vistīrṇā sādṛḍhā śastā śubhagandhātmagandhikā |
candanāgurukāśmīracandrābjotpalacampakāḥ || 44 ||

22.44 Er soll weit, fest und von gutem natürlichem Duft sein, etwa wie Sandel, Agaru, Safran, Kampfer, Lotus, Wasserlotus oder Champaka. Die folgende Nummer 45 fehlt in der Vorlage.

pāṭalānāgajātyaśca mallikāmadirāsavāḥ |
śālībhamadadadhyājyadugdhānyetatsugandhinī || 46 ||

22.46 Weitere günstige Düfte gleichen Patala, Nagablüte, Jati, Mallika, Wein, fermentiertem Getränk, Reis, Elefantenbrunstsekret, saurer Milch, Butter oder Milch.

pṛthagdhā miśragandhābhūścāturyarṇyeṣu bhūtidā |
grīṣmakāle ca yā śītā uṣmaṇā śiśire'nviyā || 47 ||

22.47 Solche Düfte, einzeln oder gemischt, gelten für die vier Varnas als gedeihlich. Günstiger Boden ist im Sommer kühl und im Winter warm.

prāvṛṣyubhayasaṃsparśā sā dvijādi [k, kh: dvijāti] sukhāvahā |
mṛdaṅgaveṇuvīṇā ca [gh: vīṇābda] dundubhyādiśubhasvanā [mū: śubhātmanā] || 48 ||

22.48 In der Regenzeit besitzt er beide Berührungsqualitäten und bringt den Menschen Glück. Auch ein Klang wie Mridanga, Flöte, Vina oder Trommel gilt als günstig.

vibhūtikāriṇī kṣoṇī [k: yā tu] cāturvarṇyasya sarvadā |
śvetāprajā [k, gh: grajā] hyagandhā ca raktā rājyāśiṣodvahā [mū: miṣo vṛṣā] || 49 ||

22.49 Solcher Boden verleiht den vier Varnas Gedeihen. Weißer Boden wird der ersten Gruppe zugeordnet, roter mit Herrschaft verbunden; die Geruchsangabe beim weißen Boden ist beschädigt.

pītā vaiśyā tathā kṣārā śūdrā kṛṣṇā malodvahā |
guḍā [mū: śubhā] bhayānamranimbānāṃ svādādviprādijāmahī [kh: sā mahī] || 50 ||

22.50 Gelber Boden gilt als vaishyahaft, schwarzer mit einer unsicheren salzigen beziehungsweise unreinen Eigenschaft als shudrahaft. Geschmacksvergleiche mit Rohzucker, einer unsicheren zweiten Frucht, Mango und Nimba werden den Gruppen zugeordnet.

śāntirjayaṃ dhanaṃ cāyuḥ kramāddadyāddvijāditaḥ [kh: titaḥ] |
āṣāḍhā kṛttikā jyeṣṭhā tathā śatabhiṣā ca bham || 51 ||

22.51 Die Böden verleihen der Reihe nach Frieden, Sieg, Reichtum und Lebensdauer. Als Nakshatras werden Ashadha, Krittika, Jyeshtha und Shatabhisha genannt.

varuṇāgnīndravātāśca kramāttu devatāḥ [mū: ttaddevatā] smṛtāḥ |
svajāti brāhmaṇī vāpi yathālābhaṃ ca gṛhyate [mū: pūjyate] || 51 ||

22.51b Ihre Gottheiten werden als Varuna, Agni, Indra und Wind angegeben; die Zuordnung ist nicht durchgehend mit üblichen Nakshatra-Listen identisch. Man wählt den der eigenen Gruppe entsprechenden oder brahmanischen Boden, je nach Verfügbarkeit. Die Vorlage wiederholt hier die Nummer 51.

varjanīyā vasātailavartigandhā [ṅ: yujyate] ca yā kṣitiḥ |
raktāṅgāraśilāyuktā [k: randhrā-] kṛmikīṭavatī ca yā || 52 ||

22.52 Zu meiden ist Boden, der nach Fett, Öl oder Docht riecht, mit Blut, Kohle, Steinen, Würmern oder Insekten durchsetzt ist.

nimnā gartānvitā rūkṣā soṣaracchidrakardamā |
seṣṭakācitikeśāsthibhasmavalmīkaśarkarā [k, kh: jarjarā] || 53 ||

22.53 Ebenso tiefer, löchriger, rauer, salziger, rissiger oder schlammiger Boden mit Ziegelresten, Brandstätten, Haaren, Knochen, Asche, Ameisenhügeln und Kies.

vāmāvartajalādiksthā saṅkīrṇa na praśasyate |
bahvāpadbahuvarṇā ca vajrāgnihyaricauradā [mū, ṅ: ṣairadā] || 54 ||

22.54 Linksdrehendes Wasser und vermischte, unübersichtliche Verhältnisse gelten als ungünstig. Vielfarbigem Boden werden viele Gefahren, Blitz, Feuer, Feinde und Diebe zugeschrieben.

na tasyāṃ vasatī śarma na dharmo nātmajo dhanam |
yoṣidduścāriṇī tatra rujo rājabhayaṃ bhavet || 55 ||

22.55 Dort gebe es nach dem Text weder Sicherheit noch Dharma, Nachkommenschaft oder Reichtum; außerdem werden untreue Frauen, Krankheiten und Furcht vor dem König behauptet.

śivakharāśvanādāḍhyā bhinnabhāṇḍanibhasvanā |
kākakaṅgoṣṭraśabdā vā sarvaiṣāmasuravāvahā || 56 ||

22.56 Boden mit Schakal-, Esel-, Pferde-, Krähen-, Reiher- oder Kamelrufen oder einem Klang wie ein zerbrochenes Gefäß gilt als für alle unheilvoll.

sadaivoṣṇā sadā śītā karkaśā vāṣpaśaṅkulā |
drāgambha [mū, k, ṅ: prāgambhaḥ] śoṣikā neṣṭā dhanāyughnī saśilpikā [kh: samalpikā] || 57 ||

22.57 Stets heißer oder stets kalter, rauer, dampfiger Boden, der Wasser rasch aufsaugt, wird abgelehnt und mit Verlust von Vermögen und Lebensdauer verbunden. Eine Schlussbezeichnung ist beschädigt.

khāte ca karamātre ca pāṃśubhiḥ paripūrite |
nyūnā samādhikā jñeyā hīnamadhyottamā kṣitiḥ || 58 ||

22.58 Man gräbt eine ein Hasta große Grube und füllt sie mit dem Aushub wieder auf. Reicht die Erde nicht, genau oder überreichlich, gilt der Boden als gering, mittel oder vorzüglich.

āpūrya gartamambhobhirgate padaśate tataḥ |
syustri [mū, a, k, ṅ: muṣṭi] dvyekāṅgulahrāsāddhīnamadhyottamā bhuvaḥ || 59 ||

22.59 Man füllt die Grube mit Wasser und geht hundert Schritte. Ist der Wasserstand danach um drei, zwei oder ein Angula gesunken, gilt der Boden entsprechend als gering, mittel oder vorzüglich; die Grundlesart des ersten Maßes weicht ab.

gartasthānānnisiśvetaraktapītāsitatviṣām |
puṣpāṇāṃ mlāyate yatnā [gh: yatno] ttasya sā bhūrdvijāditaḥ [kh: titaḥ] || 60 ||

22.60 Nachts legt man weiße, rote, gelbe und schwarze Blumen in die Grube. Aus ihrem Welken wird die Eignung für die jeweiligen Varnas beurteilt; die entscheidende Verneinung beziehungsweise Nichtwelken-Regel ist nicht eindeutig überliefert.

āmakumbhāsyagandhājyapūriteṣu [mū, k: tekhva] śarāvake |
dvijādīnāṃ sitādyāśca jvalitāvartayo niśi || 61 ||

22.61 In einer Schale an einem ungebrannten Krug werden duftende Butter und weiße sowie weitere farbige Dochte für die jeweiligen Gruppen bereitgestellt und nachts entzündet.

prāgādivaktramantraisthā (stā) iṣṭasthāne samāvṛte |
nirvāpyaḥ [mū: nirvāntyaḥ] prajvalantyaśca svajātisukhaduḥkhadā || 62 ||

22.62 Mit den Gesichtsmantras von Osten an stehen sie am gewählten, geschützten Ort. Erlöschen oder Weiterbrennen wird als Unglück beziehungsweise Glück der entsprechenden Gruppe gedeutet.

proktalakṣmakramābhāve yathāprāptiparigrahaḥ |
varṇasaṃpādanaṃ kṛtvā svaiḥ svairjātīsamasvaraiḥ [mū, gh: tīśaśambarai] || 63 ||

22.63 Fehlen die beschriebenen Merkmale, wählt man den verfügbaren Boden und stellt durch die zugehörigen Mantras die gewünschte Zuordnung her. Die genaue Lautangabe ist beschädigt.

parīkṣyaivaṃ bhuvaṃ yatnād vāhayitvā vaped yavān |
sapta pañca trirātre syāddhīnādi [k, kh: dviśādi] rohaṇātridhā || 64 ||

22.64 Nach sorgfältiger Prüfung wird der Boden gepflügt und Gerste gesät. Keimung nach sieben, fünf oder drei Nächten kennzeichnet geringe, mittlere oder gute Qualität.

hitā dvijāya vedāsrā rājño'ṣṭāsrāyatā [mū, gh, ṅ: ṣṭāṃśāyatā] mahī |
vaiśyāya ca ṣaḍaṃśāsrā śūdrāya hyāyatā śubhā || 65 ||

22.65 Für Brahmanen gilt ein Quadrat als günstig, für Könige ein längliches Achteck, für Vaishyas eine sechsteilige beziehungsweise sechseckige Form, für Shudras ein Rechteck.

pṛthudviguṇadīrghā ca chinnakarṇādvikoṇikā |
vakrā [mū, gh, ṅ: vajrā] rdhendudviko [k, ṅ: triko] ṇābhā vṛttā ṣaṭkoṇikā ca yā || 66 ||

22.66 Es folgen als problematische Formen: doppelte Länge gegenüber der Breite, abgeschnittene Ecken, zwei Spitzen, Krümmung, Halbmond, zwei- beziehungsweise dreieckige Form, Kreis und Sechseck. Die Reihe ist variantenreich.

yānakṣayaṃ bhayaṃ vipre strīputradhananāśanam |
mṛtyurvyādhistathā pāpaṃ kramāddadyātpalaṃ mahī || 67 ||

22.67 Ihnen werden Verlust von Fahrzeugen, Furcht, Verlust von Frau, Kindern und Vermögen, Tod, Krankheit und Verfehlung zugeschrieben. Wegen der unsteten Formenliste ist die Einzelzuordnung nicht vollständig sicher.

gosūryāsyāttriśūlābhā sūryākārāhi vajrikā [kh, gh: varjikā; g: pṛṣṭhābhā] |
śakaṭā dvipa [gh: dvija] pṛṣṭhābhā diṅmūḍhā ca karoti vai || 68 ||

22.68 Weitere ungünstige Grundrisse gleichen Kuhgesicht, Sonnenform, Dreizack, Schlange beziehungsweise Donnerkeil, Wagen und Elefantenrücken oder sind falsch nach den Richtungen orientiert. Einzelne Formnamen sind beschädigt.

prajānāśaṃ priyāsvāsthyaṃ [mū, gh, ṅ: svāmya] rogaṃ naiḥsvaṃ śirorujam |
śokaṃ ca sarvanāśaṃ ca sarvalokakṣayaṃ kramāt || 69 ||

22.69 Als Folgen nennt der Text Bevölkerungsverlust, Unwohlsein der Geliebten, Krankheit, Armut, Kopfschmerz, Trauer, umfassenden Untergang und Schaden für alle Menschen.

pañcāsrā bodhipatrābhā gṛdhragodhoṣṭra [k, kh: gāvoṣṭra] sannibhā |
yavapipīlikāmadhyā dundubhīpaṭahodarī || 70 ||

22.70 Auch fünfeckige, bodhiblattartige, geier-, waran- oder kamelähnliche, gerstenkornartige, in der Mitte ameisenschmale sowie trommelbauchförmige Grundstücke werden genannt.

mīnabhūdārapṛṣṭhābhā karikoṣṭhasamā ca yā |
nānādoṣakarā hyetāḥ sarveṣāmeva varjitāḥ || 71 ||

22.71 Fisch-, Eberrücken- und elefantenbauchähnliche Formen gelten ebenfalls als verschiedenartig fehlerbringend und für alle zu meiden.

dhanyā tvanyā kumārī ca pūrvalakṣaṇalakṣitā |
prāgvidhānena sā grāhyā yadi nopahatā bhavet || 72 ||

22.72 Günstig ist unbebauter, unberührter Boden mit den zuvor genannten Merkmalen. Er wird nach der beschriebenen Regel angenommen, sofern er nicht beeinträchtigt ist.

śvapacāntyajanīcairvā kravyādbhiḥ paśupakṣibhiḥ |
yā sevitā sadā pṛthvī koṣṇā [k: koṣo] sṛgvajradūṣitā || 73 ||

22.73 Auch von gesellschaftlich ausgeschlossenen Gruppen oder fleischfressenden Tieren und Vögeln genutzter, durch Blut, Hitze oder Blitz beeinträchtigter Boden wird im folgenden Vers weiter beurteilt. Die soziale Wertung gehört zur historischen Reinheitslehre.

bhasmeṣṭakāsthipāṣāṇaśarkarāpāṃśusaṃyutā |
api grāhyā [k: grāhya] guṇāḍhyā sā gṛhadhāmnoḥ suśodhitā || 74 ||

22.74 Selbst Boden mit Asche, Ziegeln, Knochen, Steinen, Kies und Staub kann bei sonst guten Eigenschaften nach gründlicher Reinigung für Haus und Tempel verwendet werden.

śatadhā vāhayitvā tu hemaphālairhalairmahīm |
śuddhyarthaṃ sthāpayettatra māsān pañca ca [k, ṅ: pañcaiva] gokulam || 75 ||

22.75 Dazu wird er hundertmal mit Pflügen mit goldenen Pflugscharen bearbeitet. Zur Reinigung lässt man fünf Monate eine Kuhherde dort verweilen.

tataḥ pravāpayedbrīhīn yājñiyā/śca tilādikān [kh: ḍhakān] |
pakvaśasyena saṃskṛtya ghaṭayeddhāma [kh: vāsa] veśmanī || 76 ||

22.76 Danach sät man Reis und Opferpflanzen wie Sesam. Ist die Ernte gereift und der Boden dadurch vorbereitet, errichtet man Tempel und Wohnhaus.

evaṃ viśodhitāṃ bhūmiṃ samīkṛtyopalepayet |
tataḥ prasādhayetkāṣṭhāṃ gṛhādīnāṃ taducyate || 77 ||

22.77 Der so gereinigte Boden wird eingeebnet und bestrichen. Danach bestimmt man die Richtungen für die Gebäude; dies wird nun erklärt.

tiṣyavedhena tu prācīṃ citrāsvātyantareṇa vā |
mīnayogena kauberīṃ dhruvayogena cānayet || 78 ||

22.78 Osten wird durch Beobachtung von Tishya oder zwischen Chitra und Svati bestimmt. Norden kann durch eine fischförmige Schnittkonstruktion oder den Polarstern gewonnen werden.

viṣuve nirmalākāśe tadbhūmau maṇḍale kṛte |
nyasettanmadhyataḥ śaṅkuṃ khādiraṃ dvādaśocchrayam || 79 ||

22.79 Zur Tagundnachtgleiche bei klarem Himmel zeichnet man einen Kreis auf dem Boden und stellt in seine Mitte einen zwölf Angula hohen Khadira-Stab.

ṣaḍaṅgulapariṇāhaṃ parito rudrarekhitam |
tacchāyāyāḥ praveśena paścimāṃ diśamaṅkayet || 80 ||

22.80 Sein Umfang beträgt sechs Angula; ringsum werden elf Linien beziehungsweise Markierungen angelegt. Beim Eintritt des Schattens in den Kreis markiert man Westen.

prācīṃ ca nirgame tasyāstatra sūtraṃ ca vinyaset |
mīnayogyāṃ tathā yāmyāṃ saumyāśāṃ ca prasādhayet || 81 ||

22.81 Beim Austritt markiert man Osten und spannt dazwischen eine Schnur. Mithilfe der fischförmigen Schnittfigur bestimmt man Süden und Norden.

catuṣkoṇāni diṅmadhyāt kṣetrasyaivārdhasūtrataḥ |
vedāsraṃ ca catuḥsūtraṃ pātatastatra siddhyati || 82 ||

22.82 Von den Richtungsmitten aus bestimmt man mit halber Feldschnur die vier Ecken. Durch vier Schnüre entsteht das Quadrat.

prāgāsyāṃ daśadhā nāḍyo [mū: nānyo] bhūtvā (?) nāmāni ca bruve |
śāntā yaśovatī kāntā viśālā [kh: vilāsā] prāṇavāhinī || 83 ||

22.83 Es werden zehn nach Osten laufende Linien, Nadis genannt, angelegt. Ihre Namen beginnen mit Shanta, Yashovati, Kanta, Vishala beziehungsweise Vilasa und Pranavahini.

matī vasumatī [mū, ṅ: satī vargasatī; k, g: matī bahumatī] nandā subhadrā ca manoramā |
uttarāsyāṃ daśānyā ca ekāśītyaṅghrikārikā || 84 ||

22.84 Es folgen Mati, Vasumati, Nanda, Subhadra und Manorama. Zehn weitere laufen nach Norden; zusammen bilden sie ein Raster mit einundachtzig Feldern.

hariṇī suprabhā lakṣmīrvibhūtirvimalā śriyā |
jayā jvālā viśokā ca smṛtaitā sūtrapātataḥ || 85 ||

22.85 Deren Namen beginnen mit Harini, Suprabha, Lakshmi, Vibhuti, Vimala, Shri, Jaya, Jvala und Vishoka. Die angekündigte Zehnerreihe enthält im überlieferten Vers nur neun klar getrennte Namen.

īśādyaṣṭāṣṭakaṃ dikṣu yajedīśaṃ cayaṃ jayam |
śakramarkaṃ tathā satyaṃ bhṛśaṃ vyomaṃ ca pūrvataḥ || 86 ||

22.86 Außen werden von Nordosten an acht Gottheiten je Seite verehrt. Die östliche Reihe lautet Isha, Chaya, Jaya, Shakra, Arka, Satya, Bhrisha und Vyoman; die ersten Namen sind variantenreich.

havyavāhaṃ [mātariśca iti pāṭhe sādhu.ḥ] ca pūṣāṇaṃ vitathaṃ saumyameva ca |
kṛtāntamatha gāndharvaṃ bhṛṅgaṃ mṛgaṃ ca dakṣiṇe || 87 ||

22.87 Im Süden folgen Havyavaha – der Herausgeber schlägt Matarishvan vor –, Pushan, Vitatha, Saumya, Kritanta, Gandharva, Bhringa und Mriga.

pitaraṃ dvārapālaṃ ca sugrīvaṃ puṣpadantakam |
varuṇaṃ daityaśoṣau ca yakṣmāṇaṃ paścime sadā || 88 ||

22.88 Im Westen stehen Pitri, Dvarapala, Sugriva, Pushpadanta, Varuna, Daitya, Shosha und Yakshman.

rogāhi [gh: vegāhi] mukhyabhallāṭaṃ somadiśya [somāhira iti pāṭhe sādhuḥ] ditiṃ ditim |
navāntapadago brahmā pūjyo'nye dvipadaṅghrikāḥ || 89 ||

22.89 Im Norden folgen Roga, Ahi, Mukhya, Bhallata, Soma und weitere beschädigt verbundene Namen sowie Aditi und Diti. Brahma erhält die neun mittleren Felder; andere innere Gottheiten jeweils zwei.

brahmeśāntarakoṣṭhasthamāpākhyaṃ tu padadvaye |
tathādhaścāpavatsākhyaḥ kendrāntare tu ṣaṭpade || 90 ||

22.90 Zwischen Brahma und Isha liegt Apa auf zwei Feldern, darunter Apavatsa. Es folgt eine sechsfeldrige Zone zwischen den Hauptbereichen; ihre Gottheit wird erst im Zusammenhang der weiteren Verse klar.

marīcikāgnimadhye tu savitā dvipadasthitaḥ |
sāvitrī tadadho dvyaṅghre vivasvān ṣaṭpade tvadhaḥ || 91 ||

22.91 Zwischen Marichi und Agni liegt Savitri auf zwei Feldern, darunter Savitri in weiblicher Form auf zwei weiteren. Vivasvat befindet sich südlich auf sechs Feldern.

pitṛbrahmāntare dvisthamindraṃ mitraṃ tvadho jayam |
varuṇabrahmaṇormadhye mitrākhyaṃ ṣaṭpade yajet || 92 ||

22.92 Zwischen Pitri und Brahma liegt Indra auf zwei Feldern, darunter eine als Mitra beziehungsweise Jaya verbundene Gestalt. Zwischen Varuna und Brahma verehrt man Mitra auf sechs Feldern.

roga [gh: vega] brahmāntare nityaṃ dvisthaṃ ca rudradāsakam |
tadadho dvyaṅghrikaṃ [k, kh: ṅghrigaṃ] yakṣmāṃ ṣaḍsu [k, kh, gh: ṣaḍsthaṃ] saumye dharādharam || 93 ||

22.93 Zwischen Roga und Brahma liegt Rudradasa auf zwei Feldern, darunter Yakshman auf zwei. Im Norden liegt Dharadhara auf sechs Feldern.

carakī skandavaidāryau kandarpaḥ pūtanā tathā |
jambhapāpapilīpicchān yaje [k, g: nyase] dīśādibāhyataḥ || 94 ||

22.94 Außerhalb werden von Nordosten an Charaki, Skanda, Vaidari, Kandarpa, Putana, Jambha, Papa und Pilipiccha eingesetzt. Einzelne Namensgrenzen sind unsicher.

ekāśītipadaṃ veśma maṇḍapaśca śatāṅghrikaḥ |
pūrvavaddevatāḥ pūjyā brahmāntāḥ ṣoḍaśāṃśake [kh, ṅ: śātmake] || 95 ||

22.95 Das Wohnhaus besitzt einundachtzig, die Halle hundert Felder. Die Gottheiten werden wie zuvor verehrt; Brahma erhält im Hundertfeldraster sechzehn Felder.

marīciśca vivasvāṃśca mitraḥ pṛthvīdharastathā |
daśakoṣṭhasthitā dikṣu tvanye ceśādikoṇagāḥ || 96 ||

22.96 Marichi, Vivasvat, Mitra und Prithvidhara besitzen je zehn Felder in den Hauptrichtungen. Die übrigen befinden sich an den Ecken von Nordosten an.

daityamātāharau khāgnī mṛgākhyāpitarau tathā |
pāpasaṃjñānilau devā sārdhasārdhāṅghrisaṃsthitāḥ || 97 ||

22.97 Die Folge Daityamata, Hara, Raum, Feuer, Mriga, Pitri, Papa und Wind wird mit jeweils anderthalb Feldern verbunden. Die Namensgliederung ist beschädigt.

pratyekaṃ balimantrāśca marmavedhādivañcanam |
devavāstuvidhau sarvaṃ vakṣye śalyoddhṛti kramāt || 98 ||

22.98 Die einzelnen Bali-Mantras und die Vermeidung von Verletzungen empfindlicher Punkte werden im Verfahren des Götter-Vastu nach der Entfernung von Bodeneinschlüssen ausführlich erklärt.

nagarāṭṭālaharmyādi toraṇagrāmayościtiḥ [k, kh: sthitiḥ] |
stambhapūjādi [mū: pūrādi] vāstūktaṃ bhinnaṃ kvacicca kūpavat [mū, ṅ: rūpavat] || 99 ||

22.99 Für Städte, Türme, Paläste, Torbögen und Dörfer sowie Säulenverehrung gelten die jeweiligen Vastu-Regeln, teils mit Abweichungen wie bei Brunnen; die Schlusslesart ist unsicher.

yatyāṅghrikaṃ pravakṣyāmi saṃkṣepeṇa yathākramam |
sadigviṃśatkaro dairghyātsaptaviṃśativistṛtaḥ || 100 ||

22.100 Nun beschreibe ich kurz die Asketenunterkünfte. Die erste ist dreißig Hasta lang und siebenundzwanzig breit.

śivāśramaḥ śikhākhyasya [ṅ: śivākhyasya] caturhīnaḥ sadobhayoḥ |
rudradviguṇitaṃ nāhātpṛthujyotirvinā tribhiḥ || 101 ||

22.101 Dies ist der Shiva-Ashrama. Die Shikha genannte Form ist in beiden Richtungen vier Hasta kleiner. Die Jyotis-Form erhält zweiundzwanzig Hasta Länge und drei weniger als Breite.

syādgrahadviguṇaṃ dairghyāttithayaścaiva vistarāt |
sāvitrasyālayaṃ kuryādyeṣāṃ pṛthu digaṃśataḥ [kh, ṅ: digantaram] || 102 ||

22.102 Die Savitra-Unterkunft ist achtzehn Hasta lang und fünfzehn breit. Ein Zehntel der jeweiligen Breite dient als weiteres Baumaß.

kujaḥ [gh: kuḍyaṃ] pṛthūpajaṅghoccā kuḍyaṃ tattriguṇo [kh: dvguṇo] cchrayam |
kuḍyasūtrasamā vīthī vīthībhedādanekadhā || 103 ||

22.103 Dieses bestimmt Wandstärke und Höhe des unteren Sockels; die Wandhöhe ist das Dreifache, nach einer Variante Doppelte. Der Umgang entspricht dem Wand-Schnurmaß; seine Unterschiede ergeben mehrere Typen.

kuvendraṃ [k, kh, ṅ: tadendraṃ] pañcavīthībhirvīrāṃ vīthīṃ vināgrataḥ |
śrījaya [kh, ṅ: śrīkuśa] spṛṣṭhato hīno bhadrograṃ [k, kh, ṅ: rudrograṃ] pārśvayorvinā || 104 ||

22.104 Ein Typ mit fünf Umgängen besitzt einen unsicheren Namen; Vira fehlt der vordere Umgang, Shrijaya beziehungsweise Shrikusha der hintere, Bhadrogra beziehungsweise Rudrogra die seitlichen.

garbhapṛthusamā vīthī tadardhārdhena vā kvacit |
vīthyardhenopavīthyāḍhya [mū: thyādya] mekadvitripurānvitam || 105 ||

22.105 Der Umgang ist so breit wie der Innenraum oder halb beziehungsweise ein Viertel so breit. Ein Nebenweg ist halb so breit wie der Umgang. Die Unterkunft kann ein, zwei oder drei Geschosse besitzen.

yatīnāṃ gṛhametaddhi khyātaṃ gocarabhedataḥ |
sāmānyānyaṃ gṛhaṃ [gh: nyadgṛhaṃ] vacmi sarveṣāṃ sarvakāmadam || 106 ||

22.106 Dies sind die nach Gocara unterschiedenen Asketenhäuser. Nun beschreibe ich allgemeine Häuser, die allen gewünschten Zwecken dienen.

ekadvitricatuḥśālamaṣṭaśālaṃ yathākramam |
ekaṃ yāmyaṃ ca saumyāsyaṃ dve cetpaścātpuromukham || 107 ||

22.107 Sie besitzen eine, zwei, drei, vier oder acht Hallen. Bei einer liegt sie im Süden und blickt nach Norden; bei zweien kommt eine westliche mit Blick nach Osten hinzu.

catuḥśālaṃ tu saṃmukhyāttayorindrenduyuktayoḥ |
siddhārthamambuyāmye ca indrāpye [kh: indrākhya] yamasūryakam || 108 ||

22.108 Mit östlicher und nördlicher Halle entsteht die vierseitige Anlage. Die Kombination Westen–Süden heißt Siddhartha, Osten–Westen Yamasurya.

prāksaumyasthe ca daṇḍākhyaṃ [kh: chavidaṇḍākhyaṃ] prāgyāmye vātasaṃjñakam |
āpyendau gṛhacūlyākhyaṃ kācāhvaṃ yāmyasaumyayoḥ || 109 ||

22.109 Osten–Norden heißt Danda, Osten–Süden Vata, Westen–Norden Grihachuli, Süden–Norden Kacha.

siddhārthe dhanasaṃprāptirmṛtyuḥ syādyamasūryake |
daṇḍākhye rājato daṇḍo vātākhye kalahaḥ sadā || 110 ||

22.110 Siddhartha bringt nach dem Text Reichtum, Yamasurya Tod, Danda königliche Strafe und Vata beständigen Streit.

gṛhacalyāṃ dhanaṃ naśyetkāce jñātiviruddhayaḥ |
vinā saumyaṃ hiraṇyākhyaṃ triśālaṃ taddhanarddhikṛt [mū, a, ṅ: hṛt; kh: tadbahiḥ kṛtaḥ] || 111 ||

22.111 Grihachuli wird mit Vermögensverlust, Kacha mit Verwandtenstreit verbunden. Eine dreiseitige Anlage ohne Nordhalle heißt Hiranya und vermehrt nach der Grundlesart Reichtum; Varianten weichen ab.

pūrvaśālāvihīnaṃ syātsukṣetravṛddhidāyakam |
yāmye hīne bhaveccūlī [mū: cchūlā] triśālaṃ vittahṛtparam || 112 ||

22.112 Ohne Osthalle heißt sie Sukshetra und bringt Wachstum. Ohne Südhalle heißt sie Chuli und gilt als stark vermögensmindernd.

pakṣaghnaṃ [k: yakṣamaghnaṃ] jalahīnokaḥ sutaghnaṃ bahuśatrukṛt |
indrādikramato vacmi [mū: vahni] dhvajādyaṣṭau gṛhāṇyaham || 113 ||

22.113 Ohne Westhalle heißt sie Pakshaghna, gefährdet nach dem Text Söhne und schafft Feinde. Nun werden acht Hauszuordnungen von Osten an angekündigt.

prācyāṃ vyāmiśramāvāsa [mū: śrusāvāsa] magnau bhasmamahānasam |
yāmye rasakriyāśayyā varma [varcaḥ] śastrāṇi rakṣasi || 114 ||

22.114 Im Osten liegen gemischte Wohnbereiche, im Südosten Aschenstelle und Küche. Im Süden befinden sich Verarbeitung von Säften beziehungsweise Stoffen und Schlafräume, im Südwesten Toilette oder Rüstung und Waffen; die Lesarten unterscheiden sich.

dhanabhuktvambuveśmāpye śasyagandhau ca mārute |
saumye dhanaṃ paśūn kuryādīśe dīkṣāsurālayam || 115 ||

22.115 Im Westen liegen Vorrat, Speise- und Wasserbereich, im Nordwesten Getreide und Duftstoffe. Im Norden befinden sich Geld und Tiere, im Nordosten Einweihungsraum und Heiligtum.

svāmihastamitaṃ veśma vistarāyāmapiṇḍakam |
dviguṇaṃ hastasaṃyuktaṃ kṛtvāṣṭāṃśairhṛtaṃ tathā || 116 ||

22.116 Man misst das Haus mit dem Hasta des Besitzers. Das aus Breite und Länge gewonnene Maß wird verdoppelt, um das Hasta-Maß ergänzt und durch acht geteilt.

taccheṣo yaḥ sthitastena vāyasāntaṃ [ṅ: vāvyāntaṃ] dhvajādikam |
tapaḥ pakṣāgnivedeṣu rasādyambarato bhavet || 117 ||

22.117 Der Rest bestimmt die Reihe von Dhvaja bis zum letzten, als Krähe bezeichneten Typ. Die anschließende Zahlenfolge ist beschädigt und wird nicht zu einer sicheren Berechnungstabelle ergänzt.

sarvanāśakaraṃ veśma madhye cānte ca saṃsthitam |
tasmācca [mū, gh: tatsyācca] navame bhāge śubhakṛnnilayo mataḥ || 118 ||

22.118 Bestimmte mittlere und endständige Lagen gelten als alles vernichtend. Der neunte Bereich wird als günstig für die Unterkunft genannt; die vorausgesetzte Teilung ist verkürzt.

tanmadhye maṇḍapaḥ śastaḥ samo vā dviguṇāyataḥ |
prāgāpye cenduyāmye vā haṭṭa [k: haste] evaṃ gṛhāvalī || 119 ||

22.119 In dessen Mitte ist eine Halle günstig, quadratisch oder doppelt so lang wie breit. Häuserreihen können ostwestlich oder nordsüdlich angeordnet werden, entsprechend einer Marktanlage.

ekaikabhavanāsyāni dikṣvaṣṭāṣṭakasaṅkhyayā |
īśādiditikāntāni phalānyeṣāṃ yathākramam || 120 ||

22.120 Auf jeder Seite gibt es acht mögliche Türlagen, den Gottheiten von Isha bis Diti zugeordnet. Ihre Ergebnisse folgen nun.

bhayaṃ nārīcalatvaṃ ca jayo vṛddhiḥ pratāpakaḥ [kh: prabhāvakaḥ] |
dharmaḥ kaliśca naiḥsvaṃ ca prāgdvāreṣu yathākramam [k, gh: ṣvaṣṭakaṃ dhruvam] || 121 ||

22.121 Die acht östlichen Türen werden der Reihe nach mit Furcht, Unbeständigkeit der Frauen, Sieg, Wachstum, Macht, Dharma, Streit und Armut verbunden.

dāhaḥ sukhaṃ suhṛnnāśo dhananāśo mṛtirdhanam |
śilpitvaṃ tanayaḥ syācca yāmyadvāraphalāṣṭakam || 122 ||

22.122 Die südlichen gelten als Brand, Glück, Freundesverlust, Vermögensverlust, Tod, Reichtum, handwerkliches Geschick und Nachkommenschaft bewirkend.

āyuḥ prāgrājya [k, kh, gh: prābrājya] śasyāni dhanaśāntyarthasaṃkṣayaḥ |
śotharogaśca [mū, k, gh: śoṣaṃ rogaṃ ca] pāpaṃ ca jaladvārātphalāni ca || 123 ||

22.123 Im Westen folgen Lebensdauer, Herrschaft beziehungsweise Entsagung, Ernte, Reichtum, Frieden, Vermögensverlust, Schwellung oder Schwindsucht und Verfehlung. Die achtgliedrige Abgrenzung ist wegen der Varianten nicht eindeutig.

rogo [k, kh: rogā] madārtimukhyatvaṃ cārthāyuḥ kṛśatāmatiḥ |
mānaśca dvārataḥ proktamuttarasyāṃ diśi kramāt || 124 ||

22.124 Im Norden werden Krankheit, Bedrängnis durch Übermut, Vorrang, Reichtum, Lebensdauer, Magerkeit, Einsicht und Ehre genannt; die Wortgrenzen sind teilweise unsicher.

dārviṣṭakāśmamṛjjaṃ vā jālālakavibhūṣitam |
cārvībhistabhmamālābhiḥ kapāṭaiḥ sārgalairyutam || 125 ||

22.125 Die Unterkunft kann aus Holz, Ziegeln, Stein oder Erde bestehen. Sie wird mit Fenstergittern, schönen Säulenreihen und verriegelbaren Türen versehen.

kṛtvaivaṃ tāpasaṃ sthānaṃ vāstudevāṃśca pūjayet |
homena [ṅ: doṣa ca] tarpayetsarvān maṇḍape purato guruḥ || 126 ||

22.126 Nach Errichtung der Asketenstätte verehrt man die Vastu-Gottheiten. Der Guru sättigt sie alle durch Feueropfer in der vorgelagerten Halle.

tataścārghāmbunāsicya [kh: secyaṃ] sadvārābhyantaraṃ gṛham |
veśmasaṃsthāpane kāle guruṃ santoṣya bhaktitaḥ || 127 ||

22.127 Danach besprengt man das Haus einschließlich Tür und Innerem mit Arghya-Wasser. Zur Einweihung stellt man den Guru durch hingebungsvolle Gaben zufrieden.

diśāṃ baliṃ bahirdatvā yatīnāṃ bhojanaṃ tataḥ |
gṛhopaskaraṇaṃ sarvaṃ dattvā śayyāsanādikam || 128 ||

22.128 Außen werden den Richtungen Bali-Gaben gebracht, dann die Asketen bewirtet. Man übergibt die gesamte Hausausstattung, Betten, Sitze und weitere Geräte.

yatiṃ saṃsthāpayettridvyekavarṣaṃ vārdhakaṃ tataḥ [ṅ: tadardhaṃ vā tadardhakam] |
sveṣṭadevālayaṃ kuryāttallakṣaṇamathocyate || 129 ||

22.129 Man lässt einen Asketen dort wohnen; die folgende Frist nennt drei, zwei, ein Jahr beziehungsweise deren Hälften und ist variantenreich. Danach errichtet man das Heiligtum der eigenen erwählten Gottheit. Dessen Merkmale werden nun erklärt.

iti lakṣaṇasamuccaye maṇḍapayatyādigṛhasthāpane dvāviṃśo vidhiḥ || 22 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 22. Ritualabschnitt über „Hallen und Unterkünfte für Asketen“.

Kapitel 23: Bestimmung von Ort und rituellem Gelände

atha trayoviṃśaḥ

Nun folgt der 23. Ritualabschnitt.

prācyādāpyānta [k, kh, gh: dyāpanta] māvāsāsuracchāyā bhavedyadi |
bhayaṃ dāhaṃ rujaṃ [mū: bhava] mṛtyurnaiḥsvaṃ kuryātkramātsadā || 1 ||

23.1 Fällt der Schatten eines Götterheiligtums auf Wohnhäuser in den Richtungen von Osten bis Westen, werden der Reihe nach Furcht, Brand, Krankheit, Tod und Armut vorhergesagt.

dvyucchrāya [g, gh: dhruva] dviguṇaṃ sūtraṃ tyaktvā kuryāttu saumyataḥ |
jagatyekaṃ pṛthurvāpi [kh: pṛthgvāpi] kecitprāhuḥ surālayam || 2 ||

23.2 Im Norden soll man einen Abstand nach der doppelten Höhe beziehungsweise einem verdoppelten Schnurmaß freilassen. Andere bestimmen ein Plattform- oder Breitenmaß als Abstand des Heiligtums; die erste Formel ist beschädigt.

yavamānātpradhānādau prāguktastrividhaḥ karaḥ |
teṣāṃ madhye bhavedekaḥ karturicchāvaśena tu || 3 ||

23.3 Die drei zuvor genannten Hasta-Maße beruhen auf unterschiedlichen Yava-Maßen. Der Auftraggeber kann eines davon wählen.

caturviṃśatibhiścānyaḥ prakṛto'ṅguṣṭhakairmataḥ |
pañcahasto'thavā kāryaḥ ṣaṭcaturaṅgulaḥ smṛtaḥ || 4 ||

23.4 Ein weiteres natürliches Hasta besteht aus vierundzwanzig Daumenbreiten. Die folgende Alternative mit fünf Hasta sowie sechs und vier Angula ist beschädigt und wird nicht als sichere Maßeinheit vereinheitlicht.

sarvāṇyetāni [gh: va hi] vāstūni samahastaiḥ pramāpayet |
viṣamaistu na [mū: mastena] mādhyāni māghyadoṣo mahānbhavet || 5 ||

23.5 Alle Bauanlagen sind mit demselben einheitlichen Hasta zu vermessen. Unterschiedliche Maßstäbe dürfen nicht vermischt werden, da daraus große Maßfehler entstehen.

aṅgula sārdhamardhaṃ vā pādonaṃ satribhāgikam |
āya [kh: āpa] doṣaviśuddhyarthaṃ dāpayettatra buddhimān || 6 ||

23.6 Zum Ausgleich der Aya-Berechnung kann der Kundige ein, anderthalb, ein halbes, drei Viertel oder ein Drittel Angula hinzufügen; die Bruchfolge ist gedrängt.

sāravannirvraṇaṃ śastamṛjuṃ cāṅgula [mū: caivāti] vartulam |
tryaṅgulaṃ pariṇāhena jinasaṅkhyāṅgulāyatam || 7 ||

23.7 Der Messstab besteht aus festem, unbeschädigtem, geradem Holz, ist rund, drei Angula im Umfang und vierundzwanzig Angula lang.

mūlarekhātrayopetamagrerekhādvayānvitam |
hastadārusamāsena vyākhyātaṃ vāstusādhanam || 8 ||

23.8 Er besitzt am unteren Ende drei Linien, am oberen zwei. Damit ist der Hasta-Messstab als Werkzeug der Bauplanung kurz beschrieben.

caturhastapramāṇokto dhanurhastordhva [k, ṅ: daṇḍotha; gh: daṇḍordhva] sādhane |
sahasraṃ dhanuṣāṃ krośo gavyūtirdviguṇaṃ smṛtam || 9 ||

23.9 Vier Hasta bilden einen Dhanus für größere Messungen. Tausend Dhanus sind ein Krosha, zwei Krosha eine Gavyuti.

gavyūtidviguṇaṃ jñeyaṃ yojanaṃ parisaṅkhyayā |
ekaṃ daśaśataṃ jñeyaṃ sahasramayutaṃ punaḥ || 10 ||

23.10 Zwei Gavyuti bilden ein Yojana. Die Zahlenreihe beginnt mit eins, zehn, hundert, tausend und Ayuta.

niyuta prayutaṃ vidyādarbudaṃ nyarbudaṃ tathā |
vṛndaṃ kharvaṃ nikharvaṃ ca śaṅkhaṃ vai padmasaṃjñakam || 11 ||

23.11 Es folgen Niyuta, Prayuta, Arbuda, Nyarbuda, Vrinda, Kharva, Nikharva, Shankha und Padma.

samudro madhyamantākhyaṃ parākhyaṃ paramaṃ tathā |
parārdhaṃ sarva [kh, gh: meva] mākhyātaṃ daśavṛddhyuttarottaram || 12 ||

23.12 Weiter Samudra, Madhya, Anta, Para, Parama und Parardha. Jede Stufe ist zehnmal so groß wie die vorherige.

evametāni coktāni saṅkhyāsthānāni sūribhiḥ |
purasya sarvato dikṣu sabāhyābhyantareṣu ca || 13 ||

23.13 So haben die Gelehrten die Zahlenstellen erklärt. Nun geht es um die inneren und äußeren Bereiche einer Stadt in allen Richtungen.

dvāre dvāre caturdikṣu śriyaṃ vaiśravaṇaṃ tathā |
kuryādabhimukhāvaitau grāmasna nagarasya ca || 14 ||

23.14 An jedem Tor in den vier Richtungen von Dorf und Stadt gestaltet man Shri und Vaishravana einander beziehungsweise dem Ort zugewandt.

prākāra [k: prāsāda] parikhābāhye kāryāḥ prāsādakalpanāḥ |
dhanuḥ [kh: punaḥ] śate'thavā kāryaṃ [k, gh: sārdhe] tathā dhanuḥ śatadvaye || 15 ||

23.15 Tempel werden außerhalb von Umfassungsmauer und Graben errichtet, etwa in einem Abstand von hundert, anderthalbhundert oder zweihundert Dhanus; die mittlere Zahl steht in einer Variante.

sarvatrābhimukhāḥ śastā na praśastāḥ parāṅmukhāḥ |
prākpratīcyāgato madhye vaṃśo dakṣiṇasomataḥ || 16 ||

23.16 Überall gelten dem Ort zugewandte Gottheiten als günstig, abgewandte als ungünstig. Die mittleren Achsen verlaufen ostwestlich und südnördlich.

ubhayoḥ pārśvataḥ kāryāḥ prāsādā vaṃśavarjitāḥ |
paścime prāṅmukhāḥ śastā aindryāṃ [gh: aindrāḥ] paścimasaṃmukhā || 17 ||

23.17 Tempel werden beiderseits dieser Achsen errichtet, die Achsen selbst bleiben frei. Im Westen blickt der Tempel nach Osten, im Osten nach Westen.

udagdakṣiṇagāścānye prāṅmukhāḥ paścimānanāḥ |
nottarābhimukhāḥ śastāḥ kadāciddakṣiṇāmukhāḥ || 18 ||

23.18 Nördliche und südliche Tempel können ebenfalls nach Osten oder Westen blicken. Nordausrichtung wird nicht empfohlen, Südausrichtung nur in bestimmten Fällen.

kintu daitya [k, kh: caitya] sabhāmuktyā [mū: yuktā] mātṛpakṣavināyakān |
dṛṣṭvā devyāmataṃ hyeta [mū, k, gh: matāddhyeta] dākṛṣya parilekhitam || 19 ||

23.19 Ausnahmen betreffen Daitya- beziehungsweise Chaitya-Anlagen, Versammlungshallen sowie Mütter-, Yaksha- und Vinayaka-Heiligtümer; die Gruppenfolge ist beschädigt. Diese Angaben wurden dem Devyamata entnommen.

prāguktasthānake divye yatra yasya surasthitiḥ |
tadādau kīrtyate sthityai kurtuḥ kīrtiśubhecchayā || 20 ||

23.20 Nun wird erläutert, welche Gottheit an welchem der zuvor genannten heiligen Plätze stehen soll, zum Ruhm und Wohl des Auftraggebers.

vivṇvindra [k, ṅ: viṣṭvindra] bhānavaścaindre āgneyāṃśe'gni [kh: yāmāgni] bhāskarau |
hanūmadbhūtavetālamātṛkālāstu dakṣiṇe || 21 ||

23.21 Im Osten stehen Vishnu, Indra und die Sonne, im Südosten Agni und Bhaskara. Im Süden stehen Hanuman, Bhutas, Vetalas, Mütter und Kala.

pitaro bhadrakālī ca daityarakṣāṃsi rākṣase |
samudrā varuṇo nadyo viśvāmitro'psaro [k, g, gh: śmaro] jale || 22 ||

23.22 Im Südwesten stehen Ahnen, Bhadrakali, Daityas und Rakshasas. Im Westen befinden sich Meere, Varuna, Flüsse, Vishvamitra und Apsaras; beim letzten Namen gibt es eine abweichende Lesart.

vāyuḥ kātyāyanī nāgāḥ satī [ṅ: gāsatī] bhāsyaśca mārute |
saumye skando viśākhaśca sthāpyā yakṣā grahāstathā || 23 ||

23.23 Im Nordwesten stehen Vayu, Katyayani, Nagas und weitere beschädigt benannte Formen. Im Norden setzt man Skanda, Vishakha, Yakshas und Grahas ein.

īśāne bhairavā rudrā madhye brahmā caturmukhaḥ |
purādyabhimukhā devāḥ śubhāḥ svasthānasaṃsthitā || 24 ||

23.24 Im Nordosten stehen Bhairavas und Rudras, in der Mitte der viergesichtige Brahma. Auf ihren eigenen Plätzen und dem Ort zugewandt gelten die Gottheiten als günstig.

parāṅmukho vinā sthānānnadīdevāśrayeṇa vā |
kṛte devaṃ likhetsaumyaṃ tatkuḍrye purasammukham || 25 ||

23.25 Ist ein Heiligtum wegen besonderer Orts- oder Flussverhältnisse abgewandt, malt man an seine Wand eine freundliche Gottheit, die dem Ort zugewandt ist.

yathā pure tathā grāme pattane nagare sadā |
sthāpyā dhāmajagatyāṃ tu prāsādāṅgeṣu devatāḥ [mū, ṅ: svadevatāḥ] || 26 ||

23.26 Wie in der befestigten Stadt gilt dies auch in Dorf, Hafenort und Stadt. Auf der Tempelplattform und an den Baugliedern werden die zugehörigen Gottheiten eingesetzt.

śamya [gh, ṅ: śasyā] śokāmramālūrāḥ śubhāḥ syuścottarasthitāḥ |
kaṭukaṇṭakinastiktāḥ piśācākhyādipādapāḥ || 27 ||

23.27 Shami, Ashoka, Mango und Malura gelten nördlich als günstig. Scharfe, dornige und bittere Bäume sowie die als Pishacha bezeichneten Arten werden problematisiert.

akṣīriṇaśca ye cānye śāstraduṣṭāśca bhūruhāḥ |
prāsādasya samīpasthāḥ sarvadoṣāvahā nṛṇam || 28 ||

23.28 Auch andere milchsaftlose oder in der Schrift missbilligte Bäume nahe am Tempel gelten als fehlerbringend.

rakṣobhūtaiḥ samākrāntā duṣṭapakṣisamāśritāḥ |
aśakta [gh: asak] cchedane teṣāṃ ropayetkṣīriṇo'ntare || 29 ||

23.29 Sie werden als von Rakshasas, Bhutas und ungünstigen Vögeln bewohnt vorgestellt. Können sie nicht entfernt werden, pflanzt man milchsaftführende Bäume dazwischen.

nāgakesarapunnāgajambīrāriṣṭadāḍimāḥ |
nāraṅganārikelau ca panasāśca sacampakāḥ || 30 ||

23.30 Als geeignete Zwischenpflanzung werden Nagakesara, Punnaga, Jambira, Arishta, Granatapfel, Orange, Kokospalme, Jackfrucht und Champaka genannt.

jayantī ketakī kubjabījakau [gh: kundabījako] mātuluṅgakaḥ |
saralonandikāvartatālāgastyatimuktakāḥ || 31 ||

23.31 Es folgen Jayanti, Ketaki, Kubja beziehungsweise Kunda, Bijaka, Zitronatzitrone, Sarala, Nandikavarta, Palmyra, Agastya und Atimukta.

kramukaḥ karavīraśca pārāvatādijātayaḥ |
ebhirantaritāḥ krūrā bhūruhāḥ syuḥ sukhapradāḥ || 32 ||

23.32 Weiter Arekapalme, Oleander und Paravata-Arten. Von solchen Pflanzen getrennt sollen die ungünstigen Bäume unschädlich und erfreulich werden.

diksthānaniyamaḥ proktaḥ surāṇāṃ saviśeṣataḥ |
śivasya niyamo nāsti prāsādakaraṇaṃ prati || 33 ||

23.33 Damit sind die besonderen Richtungsregeln der Gottheiten beschrieben. Für Shiva gibt es hinsichtlich des Tempelortes keine solche Einschränkung.

anādiḥ sarvagaḥ pūjyo dikṣu sarvāsu bhaktitaḥ |
mumukṣoryatra tatreśo dadyānmuktiṃ tu helayā || 34 ||

23.34 Er ist anfangslos, allgegenwärtig und in allen Richtungen hingebungsvoll zu verehren. Dem Befreiungsuchenden kann der Herr überall mühelos Befreiung schenken.

digbhedānkāmināmiṣṭamaiśādi phalamucyate |
pātālakhecarīsiddhiḥ śatrudāhaśca śāntayaḥ || 35 ||

23.35 Für Menschen mit besonderen Wünschen werden hingegen Richtungswirkungen von Nordosten an genannt: Vollendung in der Unterwelt, Fähigkeit des Fliegens, Verbrennen von Feinden und Frieden.

ripūcchāda [tsāda iti pāṭhāntaram] ścirāyuṣṭvaṃ koṣaḥ puṣṭipradaṃ kramāt |
grāmādīśendravahnisthāḥ paścimāsyāḥ surāḥ śubhāḥ || 36 ||

23.36 Es folgen Vertreibung von Feinden, langes Leben, Schatz und Stärkung. Gottheiten im Nordosten, Osten und Südosten eines Ortes sind günstig, wenn sie nach Westen blicken.

dakṣiṇādyuttarāntāśā [mū: rāśāsu] saṃsthitāḥ prāṅmukhā hitāḥ |
adhikaṃ vā samaṃ hinaṃ pūrvāyāmādibādhakam || 37 ||

23.37 Von Süden über Westen bis Norden sind ostwärts blickende Formen günstig. Ein Tempel darf eine ältere Anlage weder durch größere noch gleiche oder kleinere Abmessungen beeinträchtigen.

prāsādādi na kartavyaṃ kuryāccenmṛtyumāpnuyāt |
ubhayodviguṇocchrāyā kuryāttyaktvāgrataḥ kṣitau || 38 ||

23.38 Ein solcher behindernder Bau gilt als lebensgefährdend. Vor der älteren Anlage ist ein Abstand nach dem Doppelten der Höhen beider Gebäude freizuhalten.

pṛṣṭhataccobhayornāhaṃ tatpādāgraṃ ca pārśvayoḥ |
bhinnanābhau vidhiścāyaṃ na doṣo'bhinnanābhike || 39 ||

23.39 Hinten wird ein Umfangs- beziehungsweise Breitenmaß beider, seitlich ein Viertel davon genannt. Diese Regel gilt bei getrennten Zentren; bei gemeinsamer Anlage besteht der Fehler nicht.

koṇādi dhāmnya [kh, g: dhānya] doṣāya nāyakasyāṅgabhūtataḥ |
evaṃ bāṇamatājjñātvā harisūryādi ropayet || 40 ||

23.40 Ecken und andere vorspringende Teile gelten bei einem zugehörigen Nebentempel nicht als störend, weil er Glied des Hauptbaus ist. Nach Banas Lehre setzt man so Vishnu, Sonne und andere ein.

svayambhūrbāṇaliṅgāntāṃ rudrakādhā [mū: ntarudrabādhā] nacāparaiḥ |
svayambhūte sahasraikaṃ mahadbhiḥ śatapañcakam || 41 ||

23.41 Selbstentstandene und Bana-Lingas beziehungsweise Rudra-Heiligtümer dürfen nicht durch andere bedrängt werden. Für selbstentstandene wird ein Schutzbereich von tausendundein, für von großen Heiligen eingesetzte von fünfhundert genannt.

kṣetraṃ śataikahastaṃ syālliṅge narapratiṣṭhite |
sthāvare kṣetramityevaṃ jagatyantaṃ yaterbhuvi |
tatrotpannaṃ hi nirmālyaṃ mṛte jantau vimocanam || 42 ||

23.42 Bei einem von Menschen eingesetzten unbeweglichen Linga beträgt der Bereich hundertundein Hasta. Für Asketen reicht er bis zum Plattformrand. Dort Entstandenes gilt als Nirmalya; wer dort stirbt, dem wird Befreiung verheißen.

yajamānānukūle'hni sunimitte samāhitaḥ |
praviśya bhūmiṃ tāṃ dhīmānudagīśānagocare || 43 ||

23.43 An einem günstigen Tag für den Auftraggeber und bei guten Vorzeichen betritt der Kundige gesammelt den Boden und begibt sich in den nördlichen beziehungsweise nordöstlichen Bereich.

paṭāvṛte sugupte tu parīkṣayecca yatnataḥ |
dhānyakambuphalairyuktaṃ candonena sucarcitam || 44 ||

23.44 Dort wird an einem mit Stoff abgeschirmten, gut geschützten Platz sorgfältig geprüft. Ein Krug wird mit Getreide, Muschel und Früchten versehen und mit Sandel bestrichen.

vastrakaṇṭhaṃ dṛrḍha śastaṃ ratnauṣadhyambupūritam |
nyasettatra ghaṭaṃ divyaṃ tūryamaṅgalanisvanaiḥ || 45 ||

23.45 Er ist fest, günstig, am Hals mit Stoff geschmückt und mit Edelsteinen, Heilpflanzen und Wasser gefüllt. Unter Musik und Segensrufen wird er aufgestellt.

arghyādi [k, g: avyādhi] vidhinā tasmin viśvakarmamate'rcayet [k, kh: karmāṇamarcayet] |
paraśuṃ muṣṭilāṃ sūtraṃ kīlakāṃśca taduttare || 46 ||

23.46 Darin verehrt man Vishvakarman mit Arghya und weiteren Gaben. Nördlich davon legt man Axt, Handwerkzeug, Messschnur und Pflöcke bereit.

sthāpayitvā tu saṃsnāpya pūjayecca yathākramam |
punnāgaśastavṛkṣotthāḥ kīlakāḥ ekajātayaḥ || 47 ||

23.47 Diese werden gewaschen und der Reihe nach verehrt. Die Pflöcke bestehen aus Punnaga oder einem anderen geeigneten Baum, sämtlich aus derselben Holzart.

sudṛḍhā yājñikodbhūtā vṛttā vā caturasrakāḥ |
aṣṭāṅgulapraveṣṭena śaṅkavaḥ [mū, a, ṅ: śaṅkaraḥ] karadīrdhakāḥ || 48 ||

23.48 Sie sind sehr fest, aus Opferholz, rund oder viereckig, acht Angula im Umfang und einen Hasta lang.

vedāsraṃ sādhayettatra sūtrapātena pūrvavat |
śaṅkuṃ niveśayettasminnāja [kh: nnaja] gatyāḥ krameṇa tu || 49 ||

23.49 Mit Schnüren bestimmt man wie zuvor das Quadrat. Darin werden die Pflöcke entsprechend der Plattformordnung eingesetzt; eine Negation ist beschädigt.

madhusarpidadhikṣīdairliptamūlāḥ sacandanāḥ |
suvastrairveṣṭitāḥ sarve sudhūpenaiva dhūpitāḥ || 50 ||

23.50 Ihre unteren Enden sind mit Honig, Butter, saurer Milch, Milch und Sandel bestrichen. Alle sind in gute Stoffe gehüllt und mit gutem Räucherwerk beduftet.

sālaktakatrisūtrāśca sitaiḥ puṣpaiśca pūjitāḥ |
adhomūlordhvagāgrāśca ṛjurūpāḥ suśobhanā || 51 ||

23.51 Sie tragen drei mit Lackrot gefärbte Schnüre und werden mit weißen Blumen verehrt. Das Wurzelende weist nach unten, die Spitze nach oben; sie sind gerade und schön.

analādiṣu koṇeṣu tāḍayellohamudgaraiḥ |
kīlakān grāhayitvā [mū, ṅ: prāhayitvā] vai gacchedagnidiśaṃ prati || 52 ||

23.52 Von der südöstlichen Ecke an schlägt man sie mit eisernen Hämmern ein. Nach Übernahme der Pflöcke begibt man sich nach Südosten.

śuklāmbaradharo dhīmānācāryaḥ prāṅmukhaḥ sthitaḥ |
dakṣiṇena samutthāpya vāmahastena muṣṭinā || 53 ||

23.53 Der verständige Acharya trägt weiße Gewänder und steht nach Osten gewandt. Mit der rechten Hand hebt er den Hammer, mit der linken umfasst er den Pflock.

gṛhītvā kīlakaṃ bhūmāvavakraṃ dhārayedṛjum |
tāḍayaṃśca japenmantraṃ prāṅnimittāni lakṣayet || 54 ||

23.54 Er hält ihn gerade und ohne Neigung auf dem Boden. Beim Schlagen rezitiert er den Mantra und achtet auf die auftretenden Vorzeichen.

oṃ viśantu bhūtale nāgā lokapālāśca kāmadāḥ |
asmin gṛhe tu tiṣṭhantu āyurbalakarāḥ sadā || 55 ||

23.55 „Om. Mögen die Nagas und die wunscherfüllenden Weltenhüter in den Erdboden eintreten. Mögen sie stets in diesem Haus bleiben und Leben und Kraft fördern.“ Die anschließende Bija-Formel besitzt mehrere unsichere Lesarten und wird nicht vereinheitlicht; die Prosa nennt sie Banas Mantra zum Einsetzen der Pflöcke.

oṃ skrī/ krī/ hrī/ hū/ svāhā [mantro'yaṃ mūlapustake nāsti | oṃ maṃ vaṃ hrī/ hū/ svāhā kha ṅa | oṃ krī/ hrī/ phaṭ svāhā ka pā0 |] |

Om; es folgen die unsicher notierten Keimsilben „skrī/ krī/ hrī/ hū/“ und der Opferruf Svaha. Der Apparat bietet andere Lautfolgen und vermerkt das Fehlen der Formel in einer Vorlage. Eine sichere sprachliche Übersetzung der Keimsilben ist nicht möglich.

iti bāṇamate kīlakāropaṇamantraḥ ||

ghātāṣṭakaṃ svayaṃ dadyāddaiśiko mantravigrahaḥ [k, g: vittamaḥ] |
tataḥ pradhānakārūkastāḍayecca viśedyathā || 56 ||

23.56 Der Lehrer als Mantra-Gestalt führt selbst acht Schläge aus. Danach schlägt der leitende Künstler weiter, bis der Pflock eindringt.

hataṃ tanna [k, g: hatatattvā; kh: tadantaṃ] viśedbhūmau tadā tanniṣpattiriṣyate |
praviśecceddrutaṃ sarvaṃ kartustatrāśubhaṃ tadā || 57 ||

23.57 Dringt er trotz Schlägen nicht weiter ein, wird dies als Festigkeit beziehungsweise Gelingen beurteilt. Verschwindet er hingegen sofort vollständig im Boden, gilt das als ungünstig für den Auftraggeber.

bhinne hanyātsutaṃ [kh: tmaja] bhāryāṃ karturnāśaśca bhaṅgataḥ |
śanaiḥ śanairadho gacchetkāryasiddhiṃ vinirdiśet || 58 ||

23.58 Spaltung wird mit Schaden für Sohn und Frau, Bruch mit Untergang des Auftraggebers verbunden. Langsames, gleichmäßiges Eindringen zeigt Gelingen an.

aindryāṃdipraṇate śaṅkau bhayaṃ [kh, gh: dhanaṃ] dāho daridratā |
bhayamarthakṣatīrogaḥ sukhaṃ mānaṃ kramādbhavet || 59 ||

23.59 Neigt sich der Pflock nach Osten und den folgenden Richtungen, werden der Reihe nach Furcht beziehungsweise Reichtum, Brand, Armut, Furcht, Vermögensverlust, Krankheit, Glück und Ehre vorhergesagt.

kīlakaḥ kuñcito mūrdhni prahāreṇa bhavedyadi |
āyuḥ putrārthavṛddhiḥ syāccyute hastādbhayaṃ mahat || 60 ||

23.60 Wird der Pflockkopf durch den Schlag etwas gebogen, soll dies Leben, Nachkommenschaft und Vermögen vermehren. Fällt er aus der Hand, gilt dies als große Gefahr.

kauśaṃ vā vālvajaṃ mauñjaṃ śāṇaṃ cārdhāṅgulaṃ śubham |
sūtraṃ niveśayacchaṅkau yathā tanna vimuñcati || 61 ||

23.61 Eine gute Schnur aus Kusha, Balvaja, Munja oder Hanf, einen halben Angula stark, wird so am Pflock befestigt, dass sie sich nicht löst.

mukte ca mriyate putraśchinne kartā vinaśyati |
tasmātsugranthitaṃ kṛtvā dakṣiṇena tu veṣṭayet || 62 ||

23.62 Lösen wird mit Tod des Sohnes, Reißen mit Untergang des Auftraggebers verbunden. Deshalb wird sie fest geknotet und rechtsläufig umgelegt.

caturasrīkṛte kṣetre baliṃ kīleṣu dāpayet |
āgneyyāṃ tanmukho bhūtvā mantramuccārayedimam || 63 ||

23.63 Ist das Feld zum Quadrat bestimmt, werden an den Pflöcken Bali-Gaben dargebracht. Nach Südosten gewandt spricht man folgenden Mantra.

oṃ agnibhyo'thasarvebhyo ye cānye tasmāśritāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi puṇyamodanamuttamam [mū, ṅ: sarve gṛhṇantu mantritāḥ] || 64 ||

23.64 „Om. Allen Feuern und den anderen, die bei ihnen wohnen, bringe ich diese Bali-Gabe dar, heiligen, vorzüglichen Reis.“ Eine Variante lautet am Ende: „Mögen alle die mit Mantra geweihte Gabe annehmen.“

([cāpāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mū, a, k, kh, pustakeṣu nāsti] nair- ṛtyādhipatiścaiva nair-ṛtyāṃ ye ca rākṣasāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi sarve gṛhṇantu mantritāḥ || 65 ||

23.65 „Dem Herrn des Südwestens und den Rakshasas, die im Südwesten wohnen, bringe ich diese Bali-Gabe dar. Mögen alle die mit Mantra geweihte Gabe annehmen.“ Dieser Vers fehlt in mehreren Handschriften.

oṃ namo vāyurājebhyo ye cānye tatsamāśritāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi puṇyamodanamuktamam [mū, a, ṅ: gṛhṇantu puṇyamodanam] || 66 ||

23.66 „Om. Verehrung den Windkönigen und den anderen, die bei ihnen wohnen. Ihnen bringe ich diese Bali-Gabe dar, heiligen, vorzüglichen Reis.“ Eine Variante fordert ausdrücklich zur Annahme auf.

oṃ rudrebhyaśca sarvebhyo ye cānye tatsamāśritāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi gṛhṇantu sumanotsukāḥ || 67 ||

23.67 „Om. Allen Rudras und den anderen, die bei ihnen wohnen, bringe ich diese Bali-Gabe dar. Mögen sie sie freudig und wohlgesinnt annehmen.“

sarve gṛhṇantu vai hṛṣṭā svāhākārāntayojitāḥ |
dhruvādi dīpitā mantrāḥ kumbhayitvā nivedayet || 68 ||

23.68 „Mögen alle sie erfreut annehmen!“ Die Mantras werden mit Om eingeleitet und mit Svaha abgeschlossen; nach ihrer rituellen Zusammenfassung wird die Gabe dargebracht.

evamagnyādayo devāḥ krameṇānena pūjitāḥ |
tarpitāstuṣṭamanaso bhavanti karmasiddhidāḥ || 69 ||

23.69 So werden Agni und die weiteren Gottheiten der Reihe nach verehrt und gesättigt. Zufrieden gewähren sie das Gelingen der Handlung. Die folgende Prosa bezeichnet dies als Pflockeinsetzungs-Mantras nach der genannten göttlichen Lehre.

iti deva matāt kīlakāropaṇamantrāḥ |

snāyūtthaṃ carmajaṃ vāpi sūtraṃ kaiṭamathāśubhe |
kaṭukaṇṭakiśākhoṭakalikākhyāśca [kotthāśca ayaṃ pāṭhaḥ sādhuḥ] śaṅkavaḥ || 70 ||

23.70 Schnüre aus Sehnen, Leder oder tierischen Fasern sowie Pflöcke aus scharfen, dornigen und bestimmten Shakhota- oder Kalika-Hölzern werden ungünstigen Handlungen zugeordnet; einzelne Namen sind beschädigt.

tataścānantare vāstuṃ samāvakraṃ [mū, a, k, kh, ṅ: vāstusamācakraṃ] yajettataḥ |
nādhikaṃ sukhadaṃ karturdoṣā ete sadādhike || 71 ||

23.71 Danach verehrt man das gleichmäßig und gerade bestimmte Vastu-Feld. Es darf nicht über das Maß hinausragen; Übermaß wird mit den folgenden Fehlern verbunden.

vairaṃmārī [mū: nārī] vināśaśca mṛtyurogo'rthanāśanam |
pravāstastaskarādbhītiḥ prāgādyādhikasūtrataḥ || 72 ||

23.72 Bei überstehenden Schnüren von Osten an werden Feindschaft, Seuche beziehungsweise Verlust der Frau, Tod, Krankheit, Vermögensverlust, Verbannung und Diebesfurcht genannt. Die Achtgliederung ist nicht vollständig eindeutig.

evaṃ jñātvā tu sūtrāṇi hemnā ratnena vā likhet |
raupyeṇa vā nirarthānāmartha [kh: māṣa] vṛddhayai dvijātitaḥ || 73 ||

23.73 In Kenntnis dessen zeichnet man die Linien mit Gold, Edelstein oder Silber, zur Vermehrung des Vermögens entsprechend den sozialen Zuordnungen.

śastrāyo'sthiradāṅgāraśṛṅga [k, ṅ: gṛhe] dārviṣṭakāśmabhiḥ |
tṛṇairvā [mū: tūṇairvā] likhite vāstau doṣā ete bhavanti ca || 74 ||

23.74 Zeichnen mit Waffe, Eisen, Knochen, Zahn, Kohle, Horn, Holz, Ziegel, Stein oder Gras wird dagegen mit ungünstigen Folgen verbunden.

mṛtyuśca bandhanaṃ daṇḍo dāhaḥ kṣayo'rthanāśanam |
caurādbhayamathocchāda [kh: tsāda; gh: malācchāda] iṣṭahānirgadaḥ kramāt || 75 ||

23.75 Diese heißen Tod, Gefangenschaft, Strafe, Brand, Niedergang, Vermögensverlust, Diebesfurcht, Vertreibung, Verlust des Geliebten und Krankheit.

pādenoccāṭanaṃ lekhā [mū: śeṣā] dapasmāraṃ nakhena ca |
ajinena bhavedvyādhistasmāddhemnā likhetsadā || 76 ||

23.76 Zeichnen mit dem Fuß wird mit Vertreibung, mit dem Fingernagel mit Anfallsleiden, mit Fell mit Krankheit verbunden. Deshalb verlangt der Text Gold als Zeichenmittel.

tacca sraga [k, kh: tatra gatvā] kṣatairvāstumiṣṭvā dhāmantu sūtrayet |
tatkāle lakṣayecchalyaṃ viśeṣeṇa taducyate || 77 |

23.77 Nach Verehrung des Vastu mit Girlanden und ungebrochenem Reis vermisst man den Tempel. Dabei achtet man besonders auf verborgene Bodeneinschlüsse; dies wird nun erläutert. Die Vorlage schließt diese Versnummer nur mit einem einzelnen Strich ab.

iti lakṣaṇasamuccaye sthānadeśayāga [gh: vedasthānavegayāga] lakṣaṇanirṇaye trayoviṃśo vidhiḥ || 23 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 23. Ritualabschnitt über „Bestimmung von Ort und rituellem Gelände“.

Kapitel 24: Entfernen störender Bodeneinschlüsse

atha caturviṃśaḥ

Nun folgt der 24. Ritualabschnitt.

śalyoddhāraṃ pravakṣyāmi sāmprataṃ dhāmasadmanoḥ |
lipte susaṃskṛte sthāne tanyamāne [g: tatpramāṇe] ca sūtrake || 1 ||

24.1 Nun erkläre ich das Entfernen störender Bodeneinschlüsse bei Tempeln und Wohnhäusern. Der Platz ist bestrichen und gut vorbereitet, während die Messschnur gespannt wird.

tanmadhye'nte samīpe vā satvānāṃ darsanaṃ yadi |
kīrtanaṃ [gh: kīrtitaṃ] vā dhvanirvā syādyadi vā sūtralaṅghanam [mū, a: lakṣaṇam] || 2 ||

24.2 Erscheinen in seiner Mitte, am Rand oder nahebei Wesen, werden sie genannt oder gehört oder überschreiten sie die Schnur, so wird dies als Zeichen gedeutet.

tadā vai tatra śalyaṃ tu vidyādyatra gṛhī sthitaḥ |
mahāmarmāsthiśalyena bhayaṃ karturmahadbhavet || 3 ||

24.3 An der Stelle des Hausbesitzers vermutet man dann einen entsprechenden Einschluss. Knochen an einem besonders empfindlichen Punkt gelten als große Gefahr für den Auftraggeber.

asthisthaṃ bhidyate [mū: vidyate] kuḍyaṃmaśubhaṃ kurūte sadā |
tasmādākarṣayecchalyaṃ tadbhavaṃ tatpramāṇataḥ || 4 ||

24.4 Auf Knochen gegründete Wände werden als rissgefährdet und unheilbringend beschrieben. Deshalb soll man den vermuteten Einschluss in der entsprechenden Tiefe entfernen.

mārjārasūtralakṣyādi [k, kh: laṅghādi] tadasthi rāsabhasya vā |
khareṇa kharajaṃ nābhyāmuccāṭaḥ syātprabhorbhayam || 5 ||

24.5 Überschreitet eine Katze die Schnur, werden Katzen- oder Eselknochen vermutet; bei einem Esel Eselknochen in Nabeltiefe. Ihnen werden Vertreibung und Gefahr für den Herrn zugeschrieben.

śvāsthiśalyaṃ śuno nityamudvegastena jāyate |
ajāvibhyāṃ gavāsthi syāttayorvāsthi suniścitam || 6 ||

24.6 Ein Hund deutet auf Hundeknochen, die Unruhe bringen sollen. Ziege und Schaf zeigen Rinderknochen oder Knochen der eigenen Art an.

gavāsthnā cātidāridryaṃ gopīḍā chāgalāsthitaḥ |
āvikādbaddhināśaḥ [kh: buddhināśaḥ] syādaśvajaṃ bhekajaṃ gavā || 7 ||

24.7 Rinderknochen werden mit großer Armut, Ziegenknochen mit Leiden der Kühe, Schafknochen mit Verlust von Wachstum beziehungsweise Einsicht verbunden. Eine Kuh kann Pferde- oder Froschreste anzeigen.

vājijācca gavāṃ nāśo dharmārthau bhekajātsutaḥ [k, g, gh: nmudaḥ] |
aśvena māhiṣaṃ vidyā [mū, gh: vindyā] dgajenoṣṭrodbhavaṃ tathā || 8 ||

24.8 Pferdeknochen sollen Rinderverlust, Froschreste Dharma, Wohlstand und Freude beziehungsweise Nachkommenschaft bringen. Ein Pferd zeigt Büffel-, ein Elefant Kamelknochen an.

tajjāmaśvatareṇāsthnā tribhirduḥ śīlatā bhavam |
jambukāsthi lulāyena mṛgarkṣābhyāṃ [k, kh: gājābhyāṃ] tadaṅgajam || 9 ||

24.9 Ein Maultier weist auf entsprechende Knochen; die drei zuletzt genannten Arten werden mit schlechtem Verhalten verbunden. Ein Büffel zeigt Schakalknochen, Wildtiere und Bären beziehungsweise Elefanten ihre eigenen Reste an.

tribhiḥ paropajīvitvaṃ vārāhaṃ śivayā ruje |
vyāghrāsthi śūkareṇa syāttena daṣṭe [k, kh: daṃṣṭre] riporbhayam || 10 ||

24.10 Drei dieser Funde bedeuten Abhängigkeit von anderen. Ein Schakal weist auf Eberreste und Krankheit, ein Schwein auf Tigerknochen und Feindesfurcht.

vyāghreṇa hastijaṃ śalyaṃ daurbhāgyodvegakṛcca tat |
murmuraṃ [kh: mutsaraṃ] karabheṇātha pāṇḍarāṅgasapāṃśukau [ kh: pāṇḍuroga sapāṇḍukaiḥ] || 11 ||

24.11 Ein Tiger zeigt Elefantenknochen an, verbunden mit Unglück und Unruhe. Ein Kamel weist auf Kohlereste; die anschließende Deutung blasser Erscheinungen ist beschädigt.

narau [mū, ṅ: navau] dṛṣṭvā tuṣāṅgārabhasmapāṃśūṃśca lakṣayet |
bhasmāṅgāreṇa dāhaḥ syātpravāsaḥ pāṃśunā drutam || 12 ||

24.12 Beim Auftreten entsprechender Menschen beziehungsweise Erscheinungen werden Spelzen, Kohle, Asche oder Staub vermutet. Asche und Kohle gelten als Brandzeichen, Staub als Zeichen baldiger Abwesenheit.

tuṣeṇa dhānyanāśaḥ syādyaja [gh: śaśca yaja] mānagṛhe sadā |
sūtre santānya [kh, gh: tāḍya] māne tu vyomno viṣṭhāprapātataḥ || 13 ||

24.13 Spelzen sollen Getreideverlust im Haus verursachen. Fällt beim Spannen der Schnur Kot aus der Luft, folgt eine andere Deutung.

gṛhasyādho [sthādho li0 pu0 pā0] nidhānaṃ syādvāstvaṅge tatpramāṇataḥ |
vṛṣabheṇa nidhānaṃ ca gomūtrādrajataṃ viduḥ || 14 ||

24.14 Darunter wird ein Schatz vermutet, entsprechend dem betroffenen Teil des Vastu-Körpers. Auch ein Stier zeigt einen Schatz an, Kuhurin Silber.

suvarṇaṃ tatpurīṣeṇa dhanaputraṃvivṛddhidam |
śiśunā hasite dhānyaṃ gṛhasyādhaḥ [sthādhaḥ li0 pu0 pā0] sukhāvaham || 15 ||

24.15 Kuhdung zeigt Gold an, das Vermögen und Nachkommenschaft vermehren soll. Lacht ein Kind, wird unter dem Haus Getreide als glückbringender Fund vermutet.

tanmūtreṇa tu kūpaḥ syānmaraṇaṃ tena jāyate |
śvamūtreṇa ca rītiḥ syādvaṅgaṃ [mū, gh, ṅ: vaṃśaṃ] tadviṣṭhayā sadā || 16 ||

24.16 Sein Urin deutet auf einen Brunnen, dem eine Todeswirkung zugeschrieben wird. Hundeurin zeigt Messing, Hundekot Zinn an.

ajāvikāmalāttāmraṃ rītikātyartha [mū: dyartha; kh, gh: nyartha] nāśakṛt |
vṛṣadaṃśamalādvaṅgaṃ hastasthadhana [k: stridhana; kh: strīdaśa] hānidam ||17 ||

24.17 Kot von Ziege und Schaf zeigt Kupfer beziehungsweise Messing an, mit Vermögensverlust verbunden. Katzenkot weist auf Zinn und Verlust bereits vorhandenen Vermögens.

śuktisaṅkīrtanācchuktiḥ sukhaśāntipradāyikā |
śāntadiggajarjācca kartuścādho nidhiḥ sthitaḥ || 18 ||

24.18 Die Erwähnung einer Muschelschale zeigt eine solche im Boden an und gilt als Frieden und Glück bringend. Elefantenruf aus einer friedvollen Richtung deutet auf einen Schatz unter dem Auftraggeber.

yatkakupsaṃsthitaḥ sūryastisro duṣṭāstadādikāḥ |
śāntāstu phaladāśeṣā drekkāṇoccagrahodayāt || 19 ||

24.19 Die Richtung der Sonne und die beiden folgenden gelten als ungünstig, die übrigen als friedvoll und fruchtbringend. Dekan und erhöhte Planetenstellungen werden zusätzlich berücksichtigt; die Verbindung ist knapp.

pakṣīṇāṃ śāntadiksthānāṃ nidhirmadhuravāsitāt |
kravyānmṛgavihaṅgānāṃ kīrtanātsyāttadasthi ca || 20 ||

24.20 Süße Vogelrufe aus friedvollen Richtungen zeigen einen Schatz an. Die Erwähnung fleischfressender Tiere oder Vögel weist auf deren Knochen.

eteṣāmasthito mṛtyuryadi noddhriyate tu tat |
mūṣikeṇākhujo mūrdhā saputradhananāśakṛt || 21 ||

24.21 Werden solche Knochen nicht entfernt, sollen sie Tod bringen. Eine Maus zeigt einen Mäuseschädel an, dem Verlust von Kindern und Vermögen zugeschrieben wird.

tadbhavaṃ babhrugodhābhyāṃ te ca bandhuvipattide |
sarpāsthi sarpato jñeyaṃ tallakṣmīdhananāśadam [kh: balanāśanam] || 22 ||

24.22 Mungo und Waran weisen auf eigene Reste, verbunden mit Unglück für Verwandte. Eine Schlange zeigt Schlangenknochen, die Wohlergehen und Vermögen beziehungsweise Stärke vernichten sollen.

kūrmeṇa kūrmajaṃ śalyaṃ vidyādyāgapravṛddhikṛt |
śaṅkhācchaṅkhāsthi kāmārthaṃ kuryādviṣāṇajaṃ viduḥ || 23 ||

24.23 Eine Schildkröte weist auf Schildkrötenreste, die Wissen und Opfer fördern. Muschelzeichen deuten auf Muschelreste und Wunscherfüllung; eine weitere Hornzuordnung schließt sich verkürzt an.

gośṛṅgeṇa dhanaṃ dhānyaṃ mṛtyuḥ syānmāhiṣeṇa tu |
aiṇenākṣigadānmṛtyurāyasāllohajaṃ sadā || 24 ||

24.24 Kuhhorn gilt als Reichtum und Getreide bringend, Büffelhorn als tödlich, Antilopenhorn als Augenleiden und Tod verursachend. Eisenzeichen weisen auf Eisen.

vṛṣadaṃśasya mūtrācca tena bandhaśca niḥ svatā |
keśeṣṭakāśmanāṃ śabdāddarśanāttadbhavaṃ matam || 25 ||

24.25 Auch Katzenurin zeigt nach dem Text Eisen an, verbunden mit Gefangenschaft und Armut. Erwähnung oder Sichtung von Haaren, Ziegeln und Steinen deutet auf entsprechende Funde.

bhayaṃ syādiṣṭakāśmabhyāṃ taccūrṇābhyāmanirvṛtiḥ |
keśena duḥkhajīvitvaṃ tṛṇātparṇācca tadbhavam [kh: tadbhayam; k, g: tadvṛtam] || 26 ||

24.26 Ziegel und Steine gelten als furchtbringend, ihr Pulver als Unruhe verursachend, Haare als Zeichen eines leidvollen Lebens. Gras und Blätter weisen auf ihre eigenen Reste.

vyāghistārṇena bālānāṃ parṇātparopajīvitā |
nṛśalyāt strīcalatvaṃ syādbrahmahatyā na saṃśayaḥ || 27 ||

24.27 Grasreste werden mit Krankheit von Kindern, Blätter mit Abhängigkeit verbunden. Menschenknochen gelten als Zeichen weiblicher Unbeständigkeit und der schweren Verfehlung der Brahmanentötung.

ṣaṭpañcāśattu śalyāni sattvānāmiṅgitena ca |
tanmadhye dvādaśeṣṭāni śeṣāṇyaniṣṭakṛnti ca || 28 ||

24.28 Sechsundfünfzig Arten von Einschlüssen werden aus dem Verhalten von Wesen erschlossen. Zwölf davon gelten als erwünscht, die übrigen als ungünstig.

ārambhe śakunātpraśnācchabdātkaṇḍūyanādapi |
śilpino yajamānasya tvanyeṣāṃ tanniyoginām || 29 ||

24.29 Zu Beginn deutet man Vogelzeichen, Fragen, Geräusche und das Kratzen am Körper des Künstlers, Auftraggebers oder anderer Beteiligter.

vijñeyaṃ liṅgataḥ [mū, ṅ: dadhataḥ] śalyaṃ [g: puṇyaṃ] yāstudehe na saṃśayaḥ |
yannāma yasya śabdaśca [k, kh: śalyaśca] śṛṇuyāttattadātmakam || 30 ||

24.30 An diesen Zeichen wird ein Einschluss im Vastu-Körper erkannt. Was mit Namen oder Laut vernommen wird, gilt als Hinweis auf einen entsprechenden Gegenstand.

nirvikāro yadā pṛcchecchabdādirahito'thavā |
niḥ śalyā tu tadā bhūmiḥ kathitavyā ca daiśikaiḥ || 31 ||

24.31 Wird eine Frage ohne körperliche Regung und ohne begleitende Geräusche oder Zeichen gestellt, sollen die Lehrer den Boden als frei von Einschlüssen bezeichnen.

vāstvaṅge saṃsthite śalye bhavetkarturaśobhanam |
tasmāttaduddharecchalyaṃ tacca tasmiṃstaducyate || 32 ||

24.32 Ein Einschluss in einem Vastu-Glied gilt als ungünstig für den Auftraggeber. Deshalb wird er entfernt; nun folgen die einzelnen Zuordnungen.

śiraḥ kaṇḍūyane śalyaṃ mūrdhoṃtthaṃ stanamātrataḥ |
putrāṇāṃ maraṇaṃ tena bandhubhiḥ syādviyogitā || 33 ||

24.33 Kratzen am Kopf zeigt Schädelreste in Brusttiefe an, verbunden mit Tod von Kindern und Trennung von Verwandten.

bhrūpṛṣṭhe hema vā kācaṃ [kh: kāmaṃ] śubhāśubhakaraṃ bhavet [kh: karatrayāt] |
netrakaṇḍūyanānmuktā śrādā tadaṅgamānataḥ || 34 ||

24.34 An der Brauenrückseite deutet es auf Gold oder Glas, günstig beziehungsweise ungünstig; eine Variante nennt drei Hasta Tiefe. Augenkratzen zeigt Perlen in entsprechender Körpertiefe an und gilt als glückbringend.

mukhasaṃsparśanātkāṣṭhaṃ mūrdhoṃdbhavamathāpi vā |
tābhyāṃ hastadvayena syāddāridryaṃ maraṇaṃ kramāt || 35 ||

24.35 Berührung des Mundes zeigt Holz oder Schädelreste in zwei Hasta Tiefe an. Ihnen werden Armut beziehungsweise Tod zugeschrieben.

dantāddantaṃ tribhirhastaistena syātphalasaṃkṣayaḥ [gh: vāhanakṣaya] |
vidrumaṃ hema tāraṃ vā karṇakaṇḍūyane bhavet || 36 ||

24.36 Berührung der Zähne weist auf Zähne in drei Hasta Tiefe und Verlust von Ertrag beziehungsweise Fahrzeugen. Ohrenkratzen zeigt Koralle, Gold oder Silber an.

tanmānātsaṃsthitaṃ śalyamārogyaśubhaśāntikṛt |
grīvāyāṃ sparśane graivaṃ śṛṅkhalā vātha lohajā || 37 ||

24.37 Diese liegen in einer dem berührten Körperteil entsprechenden Tiefe und sollen Gesundheit, Heil und Frieden bringen. Halsberührung zeigt Halsknochen oder eine Eisenkette an.

vṛṣadaṃśakaraṅkaṃ vā taduddharetkaradvaye [gh: traye] |
bhavaṃ [k, kh: graivaṃ] mṛtyupradaṃ śalyaṃ bhāryāghnī śṛṅkhalā tathā || 38 ||

24.38 Auch ein Katzenskelett wird genannt; die Tiefe beträgt zwei, nach einer Variante drei Hasta. Halsknochen gelten als tödlich, die Kette als schädlich für die Ehefrau.

mārjārapañjareṇa syādvināśaḥ putrabhāryayoḥ |
aṅgaspharśādbhavedāṅgaṃ tanmānādbahurogadam || 39 ||

24.39 Das Katzenskelett wird mit Verlust von Sohn und Frau verbunden. Berührung anderer Glieder deutet auf entsprechende Knochen in entsprechender Tiefe und viele Krankheiten.

phalake phalakaṃ [kh: hastalakṣaṇajaṃ] vidyāttanmānādarthanāśakṛt |
kakṣābhyāṃ kṛṣṇalohaṃ tu tanmānādduḥkhadaṃ bhṛśam || 40 ||

24.40 Berührung einer flachen Schulter- beziehungsweise Rückenpartie zeigt ein Brett an, verbunden mit Vermögensverlust. Achselberührung deutet auf schwarzes Eisen und großes Leid.

bāhau tajjaṃ parāṃ bhūtikārakaḥ kaṇṭhamātrataḥ |
dakṣiṇe ca kare pṛṣṭhe kapālaṃ vātha mṛnmayam || 41 ||

24.41 Armberührung zeigt Armreste in Halstiefe, denen große Entfaltung zugeschrieben wird. Berührung des rechten Handrückens weist auf Schädel- oder Tonscherben.

kaṭimātreṇa kartunnastana [gh: kartestutena] putrasya ca kramāt (?) |
vāmahaste ca saṃspṛṣṭe khaṭvāpādastadaṅgataḥ || 42 ||

24.42 Sie liegen in Hüfttiefe und gelten als schädlich für Auftraggeber beziehungsweise Sohn; der Satz ist bereits fraglich überliefert. Berührung der linken Hand zeigt ein Bettbein an.

jānumātrādadho'vaśyaṃ [g: 'raṇyaṃ] dhanastrīnāśakārakam |
pārśvakaṇḍūyane vidyānnarārdhena tu pāṃśulīm || 43 ||

24.43 Dieses liegt unterhalb der Knietiefe und soll Vermögens- und Frauenverlust bringen. Kratzen an der Seite weist auf eine staubige beziehungsweise erdige Einlage in halber Menschenhöhe.

netrarogo bhavettasya udvegaśca muhurmuhuḥ |
udare paśuśalyaṃ syātkaṭimātre'tiśokadam || 44 ||

24.44 Damit werden Augenkrankheit und wiederkehrende Unruhe verbunden. Bauchberührung zeigt Tierknochen in Hüfttiefe und große Trauer an.

hṛdaye hṛdbhavaṃ cādhaḥ kṣuttṛḍdaṃ tatpramāṇataḥ |
pṛṣṭhena pṛṣṭhajaṃ śalyaṃ śaukaraṃ vātha kūrparam || 45 ||

24.45 Herzberührung weist auf Reste aus der Herzgegend in entsprechender Tiefe, verbunden mit Hunger und Durst. Rückenberührung zeigt Rückenknochen oder Eber- beziehungsweise Ellbogenreste.

tanmānāddveṣakṛlloke śaukarādāmayo mahān |
kaṭiṣpṛṣṭenāyaḥ kaṇṭho dvikarādho'rthanāśadaḥ || 46 ||

24.46 Rückenknochen gelten als Feindschaft erzeugend, Eberreste als schwere Krankheit. Hüftberührung weist auf einen Eisenstift zwei Hasta tief und Vermögensverlust.

sphicostrapu ca tanmānā [k, kh, g, gh: mātrā] tkaṭirogapradaṃ tu tat |
śepha [k: meha] sparśāvrilohotthaṃ karādhaḥ pramadāpaham || 47 ||

24.47 Berührung des Gesäßes zeigt Zinn in entsprechender Tiefe und Hüftleiden. Berührung des Geschlechtsorgans weist auf einen Gegenstand aus drei Metallen einen Hasta tief und Verlust der Frau.

ūrdhvorūrūdbhavaṃ vātha dārūjaṃ sardhahastataḥ |
strīduḥśīlorujācchalyāddāruśalyāddhanāpaham || 48 ||

24.48 Schenkelberührung zeigt Schenkelknochen oder Holz in anderthalb Hasta Tiefe an. Die Knochen werden mit schlechtem Verhalten der Frau und Leiden, Holz mit Vermögensverlust verbunden.

jānunorjaṅghayoḥsthūṇā bhaṇḍikāṃ [mū: bhānukā] nāpitasya [gh: vāpi tasya] vā |
hastamātrādadhaḥ syāttu mṛtyurjaṅghāśca bandhunām [kh: bandhamān] || 49 ||

24.49 Berührung von Knien und Unterschenkeln deutet auf Pfosten oder Barbiergerät in einem Hasta Tiefe. Unterschenkelreste gelten als tödlich beziehungsweise als Gefangenschaft für Angehörige.

nāpitopaskarā [mū, ṅ: pakṣavā] dduḥkhaṃ dāridryaṃ parajīvanam |
jaṅghāsparśāttadasthi syādadhaścaikādaśāṅgulāt || 50 ||

24.50 Barbiergeräte werden mit Leid, Armut und Abhängigkeit verbunden. Unterschenkelberührung kann auch entsprechende Knochen elf Angula tief anzeigen.

([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mū, a pustakayornāsti] tena ca syādvadhaḥ karturmṛtyuḥ paścānnasaṃkayaḥ |
gulphābhyāmaścapādaḥ syādadhastvaṣṭādaśāṅgulāt || 51 ||

24.51 Diese gelten als Zeichen von Gewalt und anschließendem Tod des Auftraggebers. Knöchelberührung zeigt einen Pferdefuß achtzehn Angula tief an. Dieser Abschnitt fehlt in zwei Handschriften.

tenārthapaśunāśaśca pravāso duḥkhajīvitam |
pādasparśādgajāsthi syātkaṇṭhaśālmalameva ca || 52 ||

24.52 Damit werden Verlust von Vermögen und Tieren, Abwesenheit und leidvolles Leben verbunden. Fußberührung deutet auf Elefantenknochen oder dorniges Shalmali-Holz.

dvādaśāṅgulamānāttatpravāsamṛtidaṃ kramāt |
rītī [mū: sthiti] citramayo'ṅguṣṭhānmṛdā [kh, gh: khaṭī] vā barhi [mū, kh: bahi] citritā || 53 ||

24.53 Diese liegen zwölf Angula tief und sollen Abwesenheit beziehungsweise Tod bringen. Berührung der großen Zehe zeigt Messing, einen bunt verzierten Gegenstand oder bemalten Ton an; die Stofffolge ist unsicher.

ṣoḍaśāṅgulato'dhastātkramācchokeṣṭanāśanam |
tryaṅgulībhirhayāsthi syādgomṛtiḥ sārdhatālataḥ || 54 ||

24.54 In sechzehn Angula Tiefe werden damit Trauer und Verlust des Geliebten verbunden. Berührung der drei mittleren Zehen zeigt Pferdeknochen in anderthalb Tala Tiefe und Rindertod an.

kāṃsyaṃ kaniṣṭhayārthaghnaṃ jñeyamaṣṭāṅgulādadhaḥ |
carma pādatalādrukmaṃ bhavedaṣṭāṅgulaiḥ sadā || 55 ||

24.55 Die kleine Zehe weist auf Bronze acht Angula tief, verbunden mit Vermögensverlust. An der Fußsohle werden Leder beziehungsweise Gold in derselben Tiefe genannt.

pārṣṇikaṇḍūyane tālātkapālābhre ca duḥkhade |
gātrāṇāṃ sparśanādvidyānnānāśalyāni buddhimān || 56 ||

24.56 Fersenkratzen zeigt Schädelreste oder Glimmer in einer Tala-Tiefe und Leid an. So erschließt der Kundige aus Körperberührungen verschiedene Einschlüsse.

([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭha, mūlapustake nāsti] sikatābhasmalohāsthimaṇimuktādi vāstugam |
bahvaṅgasparśanānnityaṃ śalyāni vividhāni ca || 57 ||

24.57 Werden viele Körperteile berührt, deutet dies auf vielfältige Einschlüsse wie Sand, Asche, Eisen, Knochen, Edelsteine und Perlen. Der Vers fehlt in der Grundhandschrift.

tāni talliṅgamānena tatphalāni ca [gh: tataḥ phalāni] pūrvavat |
) śālyānivikṛtaḥ kartuścatvāriṃśacca sapta ca || 58 ||

24.58 Tiefe und Folgen richten sich nach den jeweiligen Zeichen wie zuvor. Siebenundvierzig Einschlussarten werden aus den Regungen des Auftraggebers erschlossen.

teṣu pañca śubhānyūcurdvicatvāriṃśadanyathā |
khanyamāne bhuvo garte labhyante vāstuno yadi || 59 ||

24.59 Fünf davon gelten als günstig, zweiundvierzig als ungünstig. Werden beim Ausgraben des Baugrunds die folgenden Dinge gefunden, gilt eine andere Bewertung.

hemavidrumatārāṇi ratnāni vividhāni ca |
maṇimuktātha [mū: muktāśca] gośṛṅgaṃ śaṅkhaśuktī sadaiva tu || 60 ||

24.60 Gold, Koralle, Silber, verschiedene Edelsteine, Perlen, Kuhhorn, Muschelhorn und Muschelschale werden als günstig aufgeführt.

sajīvāvatha nirjīvau bhekakūrmau śubhapradau |
tadā sarvārthasiddhyarthaṃ sthāpayecchūbhra [ṅ: cchatra] madhyataḥ || 61 ||

24.61 Auch Frosch und Schildkröte, lebendig oder tot, gelten als günstig. Zur Erlangung aller Zwecke wird der entsprechende Fund in die Mitte der Öffnung gelegt; die Ortsbezeichnung ist variantenreich.

utkhāte naramātre tu gṛhe śalyaṃ na doṣakṛt |
toyāntikaṃ sthitaṃ śalyaṃ prāsāde doṣadaṃ nṛṇām || 62 ||

24.62 Bei einem Wohnhaus gelten Einschlüsse unterhalb einer ausgehobenen Menschenhöhe nicht mehr als Fehler. Beim Tempel können sie bis zum Grundwasser als störend gelten.

tasmātkhādhārikīṃ bhūmīṃ khanettoyāntikaṃ budhaḥ |
kvacidrudrasahasre tu hute doṣo na jāyate || 63 ||

24.63 Deshalb soll der Kundige den tragenden Boden bis zum Wasser ausheben. Nach einer Auffassung entfällt der Fehler auch nach tausend Rudra-Opfergaben.

suradhāmasame garte bāṇaliṅgālaye śate |
hute śalyairna doṣaḥ syājjānvadho [gh: dyātvadho] yāgamaṇḍape || 64 ||

24.64 Bei einem Bana-Linga-Heiligtum werden hundert Gaben und eine dem Tempel entsprechende Grube genannt. In der Opferhalle gelten Einschlüsse unter Knietiefe nicht als störend; die Formulierung ist verkürzt.

vāstoḥ parigrahe cādau padasaṃsthāpane tathā |
bhittinyāse viśeṣeṇa yajedvāstuṃ trikālikam || 65 ||

24.65 Vastu wird dreimal verehrt: bei der Übernahme des Grundstücks, bei der Feldaufteilung und besonders bei der Anlage der Wände.

sadvāre śobhane lagne sadṛkṣendubale śubhe |
garta [mū, gh" garbha] pramāṇataḥ samyagliptenādyānvite same || 66 ||

24.66 Dies geschieht an günstigem Wochentag, bei gutem Aszendenten, Nakshatra und starkem Mond, auf einer ebenen, gut bestrichenen Fläche entsprechend dem Maß der Grube beziehungsweise des Innenraums.

iti lakṣaṇasamuccaye śalyoddhāranirṇaye caturviṃśo vidhiḥ || 24 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 24. Ritualabschnitt über „Entfernen störender Bodeneinschlüsse“.

Kapitel 25: Vastu-Verehrung und Anordnung der Felder

atha pañcaviṃśaḥ

Nun folgt der 25. Ritualabschnitt.

yajamānaḥ śucirdhīraḥ sitavastravilepanaḥ |
ācāryaḥ sthapatiścaiva daivajño'pi guṇānvitaḥ || 1 ||

25.1 Der Auftraggeber sei rein und gefasst, trage weiße Kleidung und weiße Salben. Acharya, Baumeister und Astrologe sollen die erforderlichen Eigenschaften besitzen.

sarvān sitāmbarānetān yajamānastu pūjayet |
sthapatirviśvakarmā tu daivajño nandikeśvaraḥ || 2 ||

25.2 Der Auftraggeber ehre diese sämtlich weiß gekleideten Männer. Der Baumeister gilt dabei als Vishvakarman, der Astrologe als Nandikeshvara.

sa eva bhūtale vidvān śrīkaṇṭhaḥ sthāpakaḥ svayam |
pūjayitvā tu tānsarvāṃstoṣayitvā kṣamāpayet || 3 ||

25.3 Der kundige Einsetzer verkörpert auf Erden Shrikantha selbst. Nachdem der Auftraggeber alle verehrt und zufriedengestellt hat, bitte er sie um Nachsicht.

parikarmakarā ye'pi te'pi pūjyāḥ svaśaktitaḥ |
hiraṇyavastradānena vāgbhirvā tāṃstu toṣayet || 4 ||

25.4 Auch die ausführenden Arbeiter ehre er nach seinen Möglichkeiten; durch Gold, Kleidung oder freundliche Worte stelle er sie zufrieden.

tataścācamya vidhivadācāryaḥ śilpibhiḥ [gh, ṅ: śilpinā] saha |
yajñadravyāṇi saṃhṛtya viśedbhūmiṃ samāhitaḥ || 5 ||

25.5 Dann vollziehe der Acharya die vorgeschriebene Mundspülung, sammle mit den Handwerkern die Opfermaterialien und betrete konzentriert den Baugrund.

uttarābhimukho bhūtvā sakalīkṛtavigrahaḥ |
ātmapūjāmarghapātraṃ kṛtvā dravyāṇi śodhayet || 6 ||

25.6 Nach Norden gewandt versehe er seinen Körper mit den rituellen Gliedern, vollziehe Selbstverehrung und bereite das Arghya-Gefäß; anschließend reinige er die Materialien.

astrajaptaiḥ kuśairvidvānastreṇollikhya sarvataḥ |
siñcayedambhasā bhūmiṃ tathā gandho [kh; gaṅgo] dakena ca || 7 ||

25.7 Mit Kusha-Gräsern, über denen der Astra-Mantra gesprochen wurde, ritze er den Boden ringsum unter dem Astra-Mantra an und besprenge ihn mit Wasser sowie Duftwasser.

gandhatoyākṣatairmadhye kṛtvā vedāsramaṇḍalam |
surūpāṃ pramadārūpāṃ śuddhālaṅkārabhūṣitām || 8 ||

25.8 In der Mitte zeichne er mit Duftwasser und ungebrochenen Reiskörnern ein viereckiges Mandala. Die Erde stelle er sich als schöne Frau mit reinen Schmuckstücken vor.

tanmayāṃ tāṃ tridhāvasthāṃ dhyātvā saṃpūjayenmahīm |
sarvadevamayaṃ vāstupuruṣaṃ tatra pūjayet || 9 ||

25.9 Er meditiere über die Erde in ihrer dreifachen, davon erfüllten Gestalt und verehre sie. Dort verehre er den Vastu-Purusha als Verkörperung aller Gottheiten.

tato vilipya tatkṣetraṃ caturasraṃ samantataḥ |
ghaṭikāśaṅkuyogena nakṣatradarśanena vā || 10 ||

25.10 Er bestreiche das quadratische Gelände ringsum. Mit Wasseruhr und Schattenstab oder durch Beobachtung der Gestirne …

yatnānnirūpya daivajño viśuddhaṃ lagnamādiśet |
lagnavelāvirodhena sūtraṃ bhūmau prapātayet || 11 ||

25.11 … bestimme der Astrologe sorgfältig den reinen, günstigen Aszendenten. Zum entsprechenden Zeitpunkt spanne man die Messschnur über den Baugrund.

śriyā yaśovatī kāntā supriyā vimalā śivā [mū, a, kh, ṅ: śriyaḥ] |
suśobhā bhānukī cetāḥ prāṅmukhyo navanāḍikāḥ || 12 ||

25.12 Die neun nach Osten verlaufenden Linien heißen Shri, Yashovati, Kanta, Supriya, Vimala, Shiva, Sushobha, Bhanuki und Chetas.

dhanā dhānyā [gh: dhanyā] viśālā ca sthirā drutāsavā niśā |
vidrumā vibhavetyetā uttarāsyā navoditāḥ || 13 ||

25.13 Die neun nach Norden verlaufenden heißen Dhana, Dhanya, Vishala, Sthira, Druta, Asava, Nisha, Vidruma und Vibhava; die Worttrennung der mittleren Namen ist unsicher.

aṣṭāṣṭakapadaṃ kṣetraṃ karṇasūtradvayānitam |
kṛtvā yajeddharādīnāṃ nava [mū, a: bhava] tyardhaṃ divaukasām || 14 ||

25.14 So entsteht ein Feld aus acht mal acht Teilfeldern mit zwei Diagonalschnüren. Darin verehre man die Gottheiten der Erde und die übrigen; die überlieferte Zahlenangabe ihrer Gesamtheit ist undeutlich.

padārdhe tvīśvare caiśyāṃ yajedghṛtplutākṣataiḥ |
toyotpalaiśca parjanyaṃ jayaṃ piṣṭa [gh: yajeddiṣṭaṃ] patākayā || 15 ||

25.15 Im nordöstlichen halben Feld verehre man Ishvara mit in Ghee getränkten Reiskörnern, Parjanya mit Wasser und Lotusblüten, Jaya mit einem aus Teig gefertigten Banner.

ratnairindraṃ raviṃ dhūmrairvitānena yajedgurum |
godhūmādyairdvayoḥ satyaṃ bhṛśaṃ māṣo [gh: māṃso] danaistathā || 16 ||

25.16 Indra verehre man mit Edelsteinen, Ravi mit dem als „dhūmra“ bezeichneten Material, Guru mit einem Baldachin; Satya in zwei Feldern mit Weizen und Ähnlichem, Bhrisha mit Urdbohnenreis. Eine Variante nennt Fleischreis.

vyomākhyaṃ pakṣimāṃsaiśca evaṃ prāgdiśi devatāḥ |
agnyadhaḥ koṣṭhake vahniṃ [mū, g: bāhuṃ] paiṣṭakottha śruveṇa vā || 17 ||

25.17 Der Vyoma genannte Gott erhält Vogelfleisch; so werden die östlichen Gottheiten verehrt. Im Feld unter der Feuerecke verehre man Agni mit einem aus Teig gefertigten Opferlöffel.

pūṣāṇāṃ ca yajennityaṃ hemnā ca vitathaṃ dvayoḥ |
kṣaudraṃ gṛhakṣatāyātha caṇakānnaṃ yamāya ca || 18 ||

25.18 Pushan und Vitatha in zwei Feldern werden mit Gold verbunden; die genaue Satzverknüpfung ist uneben. Grihakshata erhält Honig, Yama Kichererbsenreis.

gandharvāya dvayorgandhān bhṛṅgāya khagajihvikam |
koṣṭhakā [gh: koṣṭhārdhe] ddakṣiṇe dadyānnīlaṃ yavaṃ mṛgāya ca || 19 ||

25.19 Gandharva erhält in zwei Feldern Duftstoffe, Bhringa Vogelzungen; Mriga erhält im südlichen Feld beziehungsweise nach einer Variante im halben Feld blaues Material und Gerste.

dadyātpitre tilānnaṃ ca nandine dantadhāvanam |
sugrīvāya dvayoryāvī puṣpadantāya darbhakam || 20 ||

25.20 Pitri erhält Sesamreis, Nandin ein Zahnholz, Sugriva in zwei Feldern Gerste, Pushpadanta Darbha-Gras.

padmaṃ pracetase dadyādasurāya surāṃ dvayoḥ |
ghṛtāmbu ketave dhānāḥ paṅkaverddhe tu [kh, gh: vetra] paścime || 21 ||

25.21 Varuna erhält einen Lotus, Asura in zwei Feldern berauschenden Trank, Ketu Ghee und Wasser. Die Gabe gerösteter Körner im westlichen halben Feld ist in beschädigter Form überliefert.

maṇḍājyaṃ vāyave tvardhaṃ nāgāya nāgakesaram |
dvayoḥ khādyāni mukhyāya mudgānnaṃ yakṣapāya [mū: apūpānnaṃ kṣayāya] ca || 22 ||

25.22 Vayu erhält im halben Feld Reissud und Ghee, Naga Nagakesara-Blüten, Mukhya in zwei Feldern Speisen und der Herr der Yakshas Mungbohnenreis.

somāya pāyasakṣaudre śālakaṃ liṅga [mū: mālūkaviga] yordvayoḥ |
dityai lopīmadityai ca pūpā [kh, ṅ: sūpā] nardhe'tha saumyataḥ || 23 ||

25.23 Soma erhält Milchreis und Honig. Die folgende Zuordnung zu zwei Feldern ist unsicher; Diti erhält die „lopī“ genannte Speise, Aditi Kuchen im nördlichen halben Feld.

āpāya ca payaḥ koṣṭha īśādhastvīśakoṇataḥ |
tadadhaḥ koṣṭhake dadyādāpavatsāya vai dadhi || 24 ||

25.24 Apa erhält Milch im nordöstlichen Feld unter Isha, Apavatsa im darunterliegenden Feld saure Milch.

marīcaye balirdeyā catuṣpādeṣu laḍḍukaiḥ |
agnyadhaḥ koṣṭhake nityaṃ sāvitryai [kh, g: savitre] ca kuśāmbhasā || 25 ||

25.25 Marichi erhält Laddu-Kugeln in vier Feldern. Im Feld unter der Feuerecke verehre man Savitri mit Kusha-Wasser; eine Variante liest hier Savitr.

tadadho guḍapūpādi [kh, gh: pūpāni] sāvitre'tha pradāpayet |
vivasvate'ruṇāṃ dadyāccandanaṃ caturaṅghriṣu || 26 ||

25.26 Darunter gebe man Savitr Kuchen aus Rohrzucker und Ähnliches. Vivasvat erhält roten Sandel in vier Feldern.

rakṣo'dhaḥ koṇakoṣṭhe tu indrāyānnaṃ niśānvitam |
indrajayāya tasyādho ghṛtānnaṃ koṇakoṣṭhake || 27 ||

25.27 Im Eckfeld unter der südwestlichen Ecke erhält Indra mit Kurkuma vermischten Reis; Indrajaya erhält im darunterliegenden Eckfeld Ghee-Reis.

catuṣpade pra [kh, gh: ṣpadeṣu] dātavyaṃ mitrāya guḍapāyasam |
vāṭvadhaḥ koṇadeśe tu rudrāya pakṣimāṃsakam || 28 ||

25.28 Mitra erhält in vier Feldern Milchreis mit Rohrzucker. Im Eckbereich unter der nordwestlichen Ecke erhält Rudra Vogelfleisch.

tadadhaḥ koṇakoṣṭhe tu yakṣāyārdraṃ palaṃ tathā |
mahīdharāyamāṣānnaṃ samāṃsaṃ caturaṅghriṣu || 29 ||

25.29 Im darunterliegenden Eckfeld erhält Yaksha frisches Fleisch; Mahidhara erhält in vier Feldern Urdbohnenreis mit Fleisch.

madhye catuṣpadasthāya brahmaṇe tilataṇḍulāḥ |
etānvastrādibhiśceṣṭvā tato rakṣo'ṣṭakaṃ kramāt || 30 ||

25.30 Brahma, der die vier mittleren Felder einnimmt, erhält Sesam und Reis. Nach ihrer Verehrung mit Gewändern und weiteren Gaben folgen die acht Rakshasas.

gartādbahiratheśādau yajedrakṣo'ṣṭakaṃ budhaḥ |
carakīṃ māṃsasarpibhyāṃ skandaṃ kṛsarapāyasam [mū, gh: yāsṛjā] || 31 ||

25.31 Außerhalb der Grube verehre der Kundige die acht Rakshasas, im Nordosten beginnend: Charaki mit Fleisch und Ghee, Skanda mit Krishara und Milchreis; eine Variante nennt Blut.

raktapadmairvidārīṃ [gh: viḍālīṃ] ca kandarpaṃ ca palodanaiḥ |
pūtanāṃ palapittābhyāṃ māṃsāsṛgbhyāṃ ca jambhakam || 32 ||

25.32 Vidari erhält rote Lotusblüten, Kandarpa Fleischreis, Putana Fleisch und Galle, Jambhaka Fleisch und Blut.

pittāsṛgasthibhiḥ pāpaṃ pilipicchaṃ srajāsṛjā [kh, ṅ: sṛjāsṛjā] |
rakṣomātṛgaṇeśebhyaḥ piśācādi eva ca || 33 ||

25.33 Papa erhält Galle, Blut und Knochen, Pilipiccha einen Kranz und Blut. Auch die Gruppen der Rakshasas, Mütter und Ganas sowie Pishachas und weitere Wesen …

pitṛbhyaḥ kṣetrapālebhyo baliṃ dadyātprakāmataḥ |
abhāvādbhaktamāṃsena [kh, ṅ: bhakṣamāṣeṇa] etānājyākṣatena vā || 34 ||

25.34 … ebenso die Ahnen und Feldhüter erhalten reichliche Bali-Gaben. Fehlen die genannten Stoffe, nennt der Text Reis und Fleisch, eine Variante Speisen und Urdbohnen, oder Ghee und ungebrochene Reiskörner.

lājairaśāṭhyato [kh: sādhyato] vāpi kuśapuṣpeṇa vā yajet |
asantarpyāpyaniṣṭvaitān prāsādādīnnakārayet || 35 ||

25.35 Auch Puffreis oder Kusha-Gras und Blumen dürfen ohne Knausrigkeit dargebracht werden. Ohne diese Wesen zu sättigen und zu verehren soll man Tempel und ähnliche Bauten nicht errichten.

aniṣpattivināśābhyāmubhayordharmadharmiṇoḥ |
purotpanno mahāvīryaḥ sarvabhūtabhayāvahaḥ || 36 ||

25.36 Sonst drohten dem religiösen Werk und seinem Träger Misslingen und Untergang. Einst entstand ein gewaltiges Wesen, das allen Lebewesen Furcht einflößte.

devairyo nihito [g, gh: nihate] bhūmau sa vāstupuruṣo mataḥ |
yāvadūrvīsthirā loke tāvadvāstunaraḥ sthitaḥ || 37 ||

25.37 Die Götter legten es auf die Erde; dieses Wesen heißt Vastu-Purusha. Solange die Erde in der Welt besteht, bleibt auch der Vastu-Mensch bestehen.

saṃhāre tu layaṃ yāti devairgrahādibhiḥ saha |
sarveṣu vāstukāryeṣu pūjayedvāstunāyakam || 38 ||

25.38 Bei der Weltauflösung geht er gemeinsam mit Göttern, Planeten und weiteren Mächten unter. Bei allen Bauhandlungen verehre man deshalb den Herrn des Baugrundes.

tenāsau vartate nityaṃ tadupāyaḥ śivājñayā |
vistāro'sya samantācca śatakoṭistu yojanaiḥ || 39 ||

25.39 Durch diese Verehrung wird er nach Shivas Gebot beständig erhalten. Seine Ausdehnung wird ringsum mit hundert Koti Yojanas angegeben.

sthitaḥ kṣmāmakhilāṃ vyāpya yajetsaṅkalpya tattanum |
īśakoṇe śirastasya aṃśo bāhuśca pūrvataḥ || 40 ||

25.40 Er durchdringt die gesamte Erde. Man verehre ihn, indem man sich seinen Leib vorstellt: Der Kopf liegt im Nordosten, Schulter und Arm im Osten.

kūrparo jānumāgneye yāmye jaṅghāṅghrirākṣase |
upabāhūruhastaśca pārśvaścaivāgnideśataḥ || 41 ||

25.41 Ellbogen und Knie liegen im Südosten, Unterschenkel im Süden, die Füße im Südwesten. Unterarm, Oberschenkel, Hand und Seite werden ebenfalls dem südöstlichen Bereich zugeordnet.

evamevāpasavye syātsomānilāmbunair-ṛte |
caturasrasthistvevaṃ vāstunātho mahītale || 42 ||

25.42 Spiegelbildlich verläuft die andere Körperseite über Norden, Nordwesten und Westen zum Südwesten. So liegt der Herr des Baugrundes in quadratischer Anordnung auf der Erde.

yadākāraṃ bhavetkṣetramuttānaṃ sa tadākṛtiḥ |
kuḍyādirohaṇe kāle mūrdhādīni na pīḍayet || 43 ||

25.43 Sein ausgestreckter, nach oben gewandter Körper nimmt jeweils die Gestalt des Grundstücks an. Beim Errichten von Mauern und anderen Bauteilen dürfen Kopf und weitere empfindliche Stellen nicht bedrängt werden.

īśarakṣaḥ sthitaṃ sūtraṃ mūrdhānaṃ tasya lakṣayet |
jalādindro gaṇā [kh, g: galā] darkaḥ sugrīvātsatyago mataḥ || 44 ||

25.44 Die von Nordosten nach Südwesten laufende Schnur bezeichnet seine Hauptachse beim Kopf. Weitere Verbindungslinien laufen von Varuna zu Indra, von Gana zu Ravi und von Sugriva zu Satya; ein Name ist durch Varianten unsicher.

bhaumātsomo yamādbhallo gandharvācca bṛhaspatiḥ |
etadvaṃśa [mū, a: ttvaṃśa] gatā nāḍya upavaṃśagatāsvimāḥ || 45 ||

25.45 Von Bhauma zu Soma, von Yama zu Bhalla und von Gandharva zu Brihaspati verlaufen weitere Hauptlinien. Dies sind die Hauptadern; nun folgen die Nebenadern.

gṛhakṣatājjalādhyakṣo gaṇottamānniśākaraḥ |
bhallāṭādbhāskaraṃ yāvanmahendrādyamadevatā || 46 ||

25.46 Sie verlaufen von Grihakshata zum Wasserherrn, vom höchsten Gana zum Mond, von Bhallata zur Sonne und von Mahendra zu Yama.

upavaṃśagatā nāḍyo devasthitirathocyate |
mūrdhni ceśāditī nityamāpodityau ca netrayoḥ || 47 ||

25.47 Dies sind die Nebenadern. Nun folgt die Lage der Gottheiten: Isha und Aditi befinden sich am Kopf, Apa und Diti an den Augen.

āpākhyo vaktradeśasthastvāpavatso gale tathā |
jayo giristardaśasyau somādyāḥ pañca bāhugāḥ || 48 ||

25.48 Apa befindet sich im Gesicht, Apavatsa am Hals. Die folgende Zuordnung von Jaya und weiteren Namen ist beschädigt; die fünf mit Soma beginnenden Gottheiten liegen am Arm.

vāme cendrādayaḥ pañca rudro yakṣopabāhugau |
sāvitrī savitā tadvadupabāhau karau hṛdi || 49 ||

25.49 Am linken Arm liegen die fünf mit Indra beginnenden; Rudra und Yaksha liegen am Unterarm, ebenso Savitri und Savitr am anderen Unterarm. Die Hände liegen beim Herzen.

dharādharo marīciśca stanayorubhayorapi |
nābhau brahmā sthito nityaṃ pārśvayorjaṭhareṣu [mū, a, ṅ: jaṭharasya] ca || 50 ||

25.50 Dharadhara und Marichi befinden sich an den beiden Brüsten, Brahma am Nabel. An den Seiten des Bauches …

sthitau mitravivasvantau vāstorindrajayo gude |
śephasīndrasuhṛtkhyātaḥ pāpādyāḥ sapta paṅktigāḥ [mū, a: pañjikāḥ] || 51 ||

25.51 … befinden sich Mitra und Vivasvat, Indrajaya am After, Indrasuhrid am Geschlecht. Die sieben mit Papa beginnenden stehen in einer Reihe.

jānvādijaṅghayoḥ sarve brahmādyāḥ sapta dakṣiṇāḥ |
pitumṛśau (mṛgau) ca [mū: pivyamṛṣiśca] pādasthau ityuktā [mū: ityetā] vāstudevatā || 52 ||

25.52 An Knien und Unterschenkeln befinden sich die sieben südlichen, mit Brahma beginnenden Gottheiten. Pitri und Mriga befinden sich an den Füßen. So sind die Vastu-Gottheiten beschrieben.

kathyante tvadhunā vāstormarmopamarmasandhayaḥ |
mūrdhāsyahṛtstanaunābhirmahāmarmāṇi pañca ca || 53 ||

25.53 Nun werden die empfindlichen Hauptstellen, Nebenstellen und Verbindungen des Vastu erklärt. Kopf, Mund, Herz, die beiden Brüste und Nabel bilden fünf Gruppen großer empfindlicher Stellen.

pādamadhyopamarmāṇi śeṣarekhāstu sandhayaḥ |
vaṃśopavaṃśarekhāḥ syuḥ śūlaṣaṭkamathāśaniḥ || 54 ||

25.54 Die Feldmitten sind Nebenstellen, die übrigen Linien Verbindungen. Haupt- und Nebenachsen bilden Dreizack-, Sechser- und Blitzfiguren …

catukaṃ ca catuṣkoṇe laṅgūlaṃ ca padordhvataḥ |
īśāgnipitaro vāyuḥ sadā śūleṣvavasthitāḥ || 55 ||

25.55 … sowie Viererfiguren in den vier Ecken und eine schwanzartige Linie oberhalb der Füße. Isha, Agni, die Ahnen und Vayu befinden sich stets an den Dreizackstellen.

āpavatso'tha sāvitrī jayadāsaścatuṣkagāḥ [gh: catuṣṭagā] |
biddhe marmaṇi mṛtyuḥ syātputrāṇāmupamarmaṇi || 56 ||

25.56 Apavatsa, Savitri und Jayadasa befinden sich an Viererstellen. Das Durchstoßen einer Hauptstelle verheißt der Text als Tod, das einer Nebenstelle als Tod der Söhne.

sandhau mitrārtha [kh: mitrāṇi] hāniśca vaṃśe vaṃśakṣayastathā |
upavaṃśe bhavetpīḍā garbhanāśastriśūlake || 57 ||

25.57 Eine verletzte Verbindung soll Freunde und Vermögen schädigen, eine Hauptachse das Geschlecht zugrunde richten, eine Nebenachse Schmerzen und ein Dreizack Fehlgeburt verursachen.

ṣaṭke ca bahuvairitvaṃ catuṣke vāhanakṣayaḥ |
lāṅgūle ca śirorogaṃ devavedheṣu pīḍanam || 58 ||

25.58 Eine Sechserstelle soll zahlreiche Feinde, eine Viererstelle Verlust von Fahrzeugen, die Schwanzstelle Kopfleiden und eine Gottheitsstelle Bedrängnis bringen.

mūrdhni karturvināśaḥ syāttasmādetān vivartayet |
padātṣoḍaśabhāgena śiromānamihoditam || 59 ||

25.59 Eine Verletzung des Kopfes soll den Tod des Auftraggebers bewirken; deshalb vermeide man diese Stellen. Die Kopfzone wird mit einem Sechzehntel eines Feldes bemessen.

arkadigvasubhāgaiśca vaṃśādīnāṃ bhavetkramāt |
sthūlamānamidaṃ proktaṃ sūkṣmamānamihocyate || 60 ||

25.60 Für Hauptachsen und die folgenden Bereiche gelten nacheinander ein Zwölftel, Zehntel und Achtel. Dies ist das gröbere Maß; nun folgt das feinere.

ekāṅgulaṃ samārabhya tvekaikayavahānitaḥ |
somataḥ pūrvato vāpi sūtrasañcālanātkamāt || 61 ||

25.61 Man beginne mit einem Angula und vermindere jeweils um ein Gerstenkorn. Durch entsprechendes Verschieben der Schnur nach Norden oder Osten …

kuḍyastambhādivinyāse vedhadoṣo na jāyate |
jñānato'jñānato vāpi marmavedho yadā bhavet || 62 ||

25.62 … vermeidet man beim Setzen von Mauern und Säulen die beanstandeten Überschneidungen. Wird eine empfindliche Stelle wissentlich oder unwissentlich verletzt, …

aghoraśatahomena tadā śāntiḥ prajāyate |
ityuktā vāstupūjātra gṛhaprāsādayoḥ sadā || 63 ||

25.63 … soll ein Homa mit hundert Aghora-Darbringungen Befriedung bewirken. Damit ist die Vastu-Verehrung für Wohnhaus und Tempel beschrieben.

īśaśceśānarudro'sau parjanyo meghanāyakaḥ |
tvaṣṭuḥ suto jayantākhyo mahendro devanāyakaḥ || 64 ||

25.64 Isha ist Ishana-Rudra, Parjanya der Wolkenherr, Jayanta ein Sohn Tvashtris, Mahendra der Herr der Götter.

sūryaścāditiputraśca satyo dharmādhipo mahān |
vṛṣaḥ skando [kh; nṛpaskandho; g: bhṛśa. skando] nabho vyoma vahni [gh, ṅ: tvagni] rvaiśvānaro mataḥ || 65 ||

25.65 Surya ist der Sohn Aditis, Satya der große Herr des Dharma; Vrisha beziehungsweise Bhrisha wird mit Skanda gleichgesetzt, Nabhas mit dem Himmelsraum und Vahni mit Vaishvanara.

pūṣā [mū, a, gh: pūrvā; kh: prathā] tu pṛṣadevastu dadhīcirvitathastathā |
gṛhakṣataḥ kujaḥ [g: kajaḥ] khyāto yamaḥ kālaśca rocanaḥ [gh: ścarācare] || 66 ||

25.66 Pushan wird mit dem unsicher überlieferten Namen Prishadeva verbunden, Vitatha mit Dadhichi, Grihakshata mit Kuja und Yama mit Kala; der abschließende Ausdruck ist unklar.

viśvāvasuśca gandharvo bhṛṅgīśo durbalo gaṇaḥ |
mṛgaḥ [mū, a, g, gh: yamaḥ] svasā mṛṣā tṛṣṇā pitā syādrākṣasādhipaḥ || 67 ||

25.67 Gandharva ist Vishvavasu, Bhringisha der schwache Gana. Die Wortfolge zu Mriga, Schwester, Unwahrheit und Durst ist gestört; Pitri wird als Rakshasa-Herr bezeichnet.

dauvārikaḥ smṛto nandī sugrīvaścaṇḍabhairavaḥ |
puṣpadanto gaṇaśreṣṭho varuṇaśca jalādhipaḥ || 68 ||

25.68 Der Torhüter ist Nandin, Sugriva Chandabhairava, Pushpadanta der hervorragende Gana und Varuna der Herr des Wassers.

daityāmātyo bhavecchukraḥ śoṣaḥ keturudāhṛtaḥ |
pāpo manda iti khyāto vego vāpuśca kīrtitaḥ || 69 ||

25.69 Der Minister der Daityas ist Shukra, Shosha wird als Ketu erklärt, Papa als Manda, also Saturn; der letzte Name wird mit Vayu verbunden, ist aber uneben geschrieben.

nāgaśca vāsukiḥ prokto mukhyanāmā bṛhaspatiḥ |
bhallāṭo yakṣarājāsau somaścandro'mṛtātmakaḥ || 70 ||

25.70 Naga ist Vasuki, Mukhya Brihaspati, Bhallata der Yaksha-König und Soma der Mond, dessen Wesen Nektar ist.

samākhya [kh, gh: ṛgākhyaḥ] śvarako vaidyaḥ suramātā [gh: surāmbā cā] ditirbhavet |
daityamātā ditiścoktā āpaścaiva himācalaḥ || 71 ||

25.71 Ein unsicher überlieferter Name wird mit dem Arzt Charaka verbunden. Aditi ist die Mutter der Götter, Diti die Mutter der Daityas und Apa der Himalaya.

āpavatsa umādevī marīcī brahmajottamaḥ |
savitā cāparo hyarkaḥ sāvitrī brahmapatnikā || 72 ||

25.72 Apavatsa ist die Göttin Uma, Marichi der hervorragende Sohn Brahmas; Savitr ist eine weitere Sonnenform, Savitri die Gemahlin Brahmas.

vivasvānaryamā khyāta indrasuhṛdupendrakaḥ |
indrajidrakṣasaḥ [mū: indradāsaḥ] putro mitro bhānustṛtīyakaḥ || 73 ||

25.73 Vivasvat heißt Aryaman, Indrasuhrid ist Upendra, Indrajit der Sohn des Rakshasa; Mitra ist eine dritte Sonnenform.

rudradāsaḥ pracāṇḍākhyo yakṣmākhyaḥ somarudrakaḥ |
dharādharo hyanantaḥ syādbrahmā caturmukho mataḥ || 74 ||

25.74 Rudradasa heißt Prachanda, Yakshma ist Soma-Rudra, Dharadhara ist Ananta und Brahma der Viergesichtige.

paryāyo'yaṃ murāṇāṃ tu yaḥ proktaḥ pārameśvare |
so'trokto na [gh, ṅ: sotroktena] ca rakṣādyāḥ pūrvoktāste hi [kh, ṅ: te'pi] rākṣasā || 75 ||

25.75 Diese Gleichsetzungen der Götternamen werden aus dem Parameshvara-Text übernommen. Die zuvor genannten Rakshasas sind die bereits erklärten Wesen; der Satzübergang ist uneben.

kādihāntairdha [gh: ntordhva] rārūḍhairbinduyuktairharādiśān |
āpādīllokamātrastairyajedbrahmadhruveṇa [gh: sthairjaye-] ca || 76 ||

25.76 Die Gottheiten von Hara an verehre man mit den Buchstaben von Ka bis Ha, verbunden mit dem Erdzeichen und Bindu. Die Vorschrift für Apa und die folgenden Namen ist beschädigt; Brahma wird mit dem festen Laut, Om, verehrt.

dīrghāṣṭakaika [gh, ṅ: kaikṣlāṃ] bindvāḍhyaiścarakyādyāṃśca rākṣasān |
praṇavādinamo'ntaistānsvāhāntānbalikarmaṇi || 77 ||

25.77 Charaki und die weiteren Rakshasas erhalten die acht langen Vokale mit Bindu. Die Formeln beginnen mit Om und enden mit Namah; bei Bali-Gaben enden sie mit Svaha.

pādone [kh, ṅ: pādena] pūrite khāte padamādau nyasetkvacit |
na kevaleṣṭakāśmādyai kevalaiścalanaṃ yataḥ || 78 ||

25.78 Mitunter setzt man die Fundamentsteine, nachdem die Grube zu drei Vierteln gefüllt ist. Man verwende nicht allein Ziegel oder Steine, weil eine solche Füllung beweglich bleiben kann.

bhūkampānmārutādvatha vātaśaṅkābhayaṃ bhavet |
mṛdvāluke [mū: ddaruke] ṣṭakāśmābhi prāktasmātpūrayecca tat || 79 ||

25.79 Erdbeben und Wind könnten sie lockern und Gefahr verursachen. Deshalb fülle man zunächst mit Erde, Sand, Ziegeln und Steinen.

mṛdāṣṭāṅgulayāpūrya hastān pūrāśmabhistataḥ |
ambhasāplāvya vākocya [gh: koṭya; kh, g, ṅ: vākopya] hastipādaistu yājñikaiḥ || 80 ||

25.80 Man fülle eine acht Angula starke Erdschicht und danach Steinschichten, deren Maß hier uneben angegeben ist. Mit Wasser durchtränkt werde die Füllung mit elefantenfußartigen Stampfern aus Opferholz verdichtet.

dairghyāttrivedavasvaṃśairvyāsa [mū: vyoma] dalāvaṭaṃ kramāt |
kapūrṇaśakaṭānkuryātsamorvī [ṅ: samauṣvī] sūtrakāṣṭhakaiḥ || 81 ||

25.81 Die folgende Anweisung nennt Drittel, Viertel und Achtel der Länge, die halbe Breite, Wagenladungen und waagerecht ausgerichtete Schnurhölzer. Ihre genaue konstruktive Zuordnung lässt sich aus dem überlieferten Wortlaut nicht zuverlässig gewinnen.

nītvā pādonnatā tacca [mū: nnatātvaṃ] tato vāstuṃ yajetpunaḥ |
samopaliptake śvabhre taddvārāgre ca maṇḍape || 82 ||

25.82 Nach einer weiteren Erhöhung um ein Viertel verehre man Vastu erneut. Die Grube werde eben verstrichen; vor ihrem Zugang errichte man eine Ritualhalle.

kadalīcūtamālāḍhye toraṇadhvajaśobhite |
vidhinā hemavastrādyairgurvādīnsudine yajet || 83 ||

25.83 Sie sei mit Bananenpflanzen, Mangogirlanden, Torbögen und Bannern geschmückt. An einem günstigen Tag ehre man Guru und weitere Beteiligte mit Gold, Gewändern und den vorgeschriebenen Gaben.

śivakumbhāstra [mū, ṅ: mbhāstu] dikkumbhāṃstanmadhye sthāṇḍilaṃ tathā |
śivamiṣṭvā tato havyamiṣṭakuṇḍe [gh: muktakuṇḍe] yathāvidhiḥ || 84 ||

25.84 Man richte Shiva-, Astra- und Richtungskrüge sowie in ihrer Mitte einen Opferplatz ein, verehre Shiva und opfere vorschriftsmäßig im dafür bestimmten Feuerbecken.

vāstudevāṃstathāghoraṃ pāśupataṃ ca homayet |
sadrātnoṣadhayo dhātubrīhipāradasaṃyutān || 85 ||

25.85 Man opfere für die Vastu-Gottheiten und mit Aghora- und Pashupata-Mantras. Die Krüge werden mit Edelsteinen, Heilpflanzen, Mineralien, Reis und Quecksilber versehen.

vastrakaṇṭhānvitān kumbhānnyaseddhemādikān kramāt |
([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mū, a, g, gh pustakeṣu nāsti] anantaṃ madhyato nyasya nidhīṃścāṣṭau tataḥ kramāt) || 86 ||

25.86 Krüge aus Gold oder anderen Materialien, mit Stoff am Hals, werden nacheinander eingesetzt. Der eingeklammerte Zusatz nennt Ananta in der Mitte und anschließend acht Schätze; er fehlt in mehreren Handschriften.

caturo'gnyādikoṇeṣu aindrādau [mū: aindryādau] caturo'parān |
padmaṃ caiva mahāpadmaṃ makaraṃ kacchapaṃ tathā || 87 ||

25.87 Vier Schätze kommen in die mit Südosten beginnenden Ecken, vier weitere in die mit Osten beginnenden Himmelsrichtungen: Padma, Mahapadma, Makara und Kacchapa …

mukundanandanolāṃśca śaṅkhaṃ cetyaṣṭa vai nidhin |
oṃ kārādyānnamo'ntāṃśca madhyaścāntān yathākramān || 88 ||

25.88 … Mukunda, Nanda, Nila und Shankha bilden die acht Schätze. Ihre Namensformeln beginnen mit Om und enden mit Namah; eine zusätzliche Lautvorschrift ist beschädigt.

nyasedgururnidhīnetān punastāṃścalayenna tu |
nyasya [nyastvā li0 pu0 pā0] śilāṣṭake devān kvacidaṣṭa [mū: diṣṭa] tanuṃ śivam || 89 ||

25.89 Der Guru setze diese Schätze ein und bewege sie danach nicht wieder. In einer anderen Anordnung setzt er auf acht Steinen die acht Gestalten Shivas ein.

kumbhāṣṭake nidhīśāṃśca sannirudhya [kh: ruddha] padaṃ nyaset |
naveṣṭakā [mū: na ceṣṭakā] śilā vāpi koṇeṣvagnyādiṣu kramāt || 90 ||

25.90 Die Schatzherren werden in acht Krügen festgehalten, dann folgt die Steinsetzung. Neun Ziegel oder Steine werden von Südosten an in den Ecken und den übrigen vorgesehenen Positionen eingesetzt.

siṃhāṅkitāścatasraśca dharmādyaṅghryādikānnyaset |
tatrānyāḥ pañca padmāṅkāstāsvekā [mū: dyekā] madhyadeśataḥ || 91 ||

25.91 Vier tragen Löwenzeichen und verkörpern die mit Dharma beginnenden Füße des Sitzes. Fünf weitere tragen Lotuszeichen; einer davon liegt in der Mitte.

ādhāraśaktisaṃjñāśca dharmādyānprāgdiśāditaḥ |
śarvādyā bhīmaparyantāḥ śilāṣṭakeṣu devatā || 92 ||

25.92 Der mittlere heißt Adhara-Shakti; Dharma und die weiteren beginnen im Osten. Auf acht Steinen befinden sich die Gottheiten von Sharva bis Bhima.

svanāmādyarṇa [mū, ṅ: varṇa] mantraiśca snānapūjādipūrvakān |
pītatvāntāṅghrirūpāṃśca dharmādyāṃśca [gh: rmādisyā] vṛṣādikān || 93 ||

25.93 Nach Waschung und Verehrung werden sie mit Mantras aus den Anfangsbuchstaben ihrer Namen eingesetzt. Dharma und die übrigen werden als Füße beziehungsweise Stierformen mit einer unsicher überlieferten Farbreihe visualisiert.

sthiramāsanamadhvānaṃ [gh: madbāṇaṃ] dhyātvā sragbhiḥ prakalpayet |
anyatroktāḥ kvacitkumbhāḥ śilāścāpyatha pañca ca || 94 ||

25.94 Man meditiere den festen Sitz und den kosmischen Weg und schmücke mit Kränzen. Anderswo werden stattdessen fünf Krüge und fünf Steine genannt.

nyaset prāṅmadhyato'śmānaṃ [kh: manāt] tataścāgnyādi koṇataḥ |
padmaṃ caiva mahāpadmaṃ makaraṃ kacchapaṃ tathā || 95 ||

25.95 Man setze zuerst den Stein im östlichen Mittelbereich und dann die übrigen von Südosten an in die Ecken. Die Schätze heißen Padma, Mahapadma, Makara, Kacchapa …

śaṅkhaṃ ca pañcamaṃ ceha [kh, ṅ: caiva] svasaṃjñābhirnidhīnnyaset |
prāsādaṃ sūtrayitvā tu kuṃḍyavistaramadhyataḥ || 96 ||

25.96 … und als fünfter Shankha. Sie werden mit ihren Namen eingesetzt. Nach dem Verschnüren des Tempelgrundrisses bestimmt man die Mitte der Mauerbreite.

karṇasūtrasame sthāne śilānyāsavidhirmataḥ |
caturasrāḥ śilāḥ kāryāḥ samantātkarasammitāḥ || 97 ||

25.97 Wo sie mit der Diagonalschnur zusammentrifft, wird die Steinsetzung vorgenommen. Die Steine seien quadratisch und auf jeder Seite einen Hasta breit.

vistarasya [kh: rastu] tribhāgena bāhulyena samucchritāḥ [kh: samucchritā] |
aiṣṭakāstvaiṣṭake kāryāḥ śaile śailāḥ śilāḥ śubhāḥ || 98 ||

25.98 Ihre Dicke betrage ein Drittel der Breite. Bei einem Ziegeltempel verwende man Ziegel, bei einem Steintempel geeignete Steine.

nandā bhadrā jayā riktā pūrṇākhyā pañcamī matā |
akṣatairvedikāṃ kṛtvā [mū, a, kh: vedikā kāryā] tasyordhve viniveśitāḥ || 99 ||

25.99 Die fünf heißen Nanda, Bhadra, Jaya, Rikta und Purna. Auf einem aus ungebrochenen Reiskörnern bereiteten Altar werden sie aufgestellt.

āgnepyādiṣu koṇeṣu nandādyā avatārayet [kh: tānayet] |
tūryamaṅgalanirghoṣairnimittaiḥ śobhanaiḥ śubhaiḥ || 100 ||

25.100 Von der südöstlichen Ecke an bringe man Nanda und die übrigen an ihren Platz, begleitet von Instrumenten, glückverheißenden Klängen und günstigen Zeichen.

prathamaṃ sthāpayennandāṃ śarīraviṣuveṇa tu |
anyāḥ krameṇa nyastavyāḥ svadiksthā mantriṇā tataḥ || 101 ||

25.101 Zuerst setze man Nanda beim körperlichen Vishuva-Zustand ein, dem ausgeglichenen Atemübergang. Dann setze der Mantrakundige die übrigen nacheinander an ihre jeweilige Richtung.

samakarṇāḥ sthirāḥ kṛtvā snāpyāḥ pūjyāḥ krameṇa tu |
astratoyena prathamaṃ mṛttikādyaiḥ punastu taiḥ || 102 ||

25.102 Er richte sie mit gleichen Diagonalen fest aus, bade und verehre sie der Reihe nach: zuerst mit Astra-Wasser, anschließend mit Erde und den weiteren Waschstoffen.

snāpayitvā śilāstāstu hemavarṇāḥ śuśobhanāḥ |
vidyārūpāstu tā dhyātvā parituṣṭāḥ smitānanāḥ || 103 ||

25.103 Nach dem Bad meditiere er die Steine als goldfarbene, herrliche Vidya-Göttinnen, erfreut und mit lächelnden Gesichtern.

āvāhya sthāpayenmantrī vidhinā mantravāriṇā |
sudṛḍhai [g: suvṛtaiḥ] mṛnmayaiḥkumbhairvittāḍhyairhemanirmitaiḥ || 104 ||

25.104 Der Mantrakundige rufe sie herbei und setze sie nach der Vorschrift mit Mantrawasser ein. Dafür dienen feste Tonkrüge, bei wohlhabenden Auftraggebern goldene.

vastreṇa toyamuddhṛtya candanena vilepayet |
vastrādyaiḥ [mū, a, kh, g, ṅ: vastrādi] pūjanaṃ kṛtvā naivedyaṃ sannivedayet |
kṛtvaitannāmamantreṇa śilāṃ mantrī [gh: mantraiḥ] prasādhayet || 105 ||

25.105 Er trockne das Wasser mit einem Tuch ab, salbe mit Sandel, verehre mit Gewändern und weiteren Gaben und reiche Speisen. Danach spreche er mit dem Namensmantra die jeweilige Steingöttin an.

oṃ nande nandinī pusāṃ tvāmatra sthāpayāmyaham |
atra tvaṃ tiṣṭha saṃhṛṣṭā yāvadācandratārakam || 106 ||

25.106 „Om, Nanda, die du den Menschen Freude schenkst, hier setze ich dich ein. Bleibe hier freudig, solange Mond und Sterne bestehen!“

āyuḥ kāmaṃ śriyaṃ nande dehi tvaṃ sarvadā nṛṇām |
asmin rakṣā sadā kāryā prāsāde yatnatastvayā || 107 ||

25.107 „Nanda, schenke den Menschen stets Leben, Erfüllung ihrer Wünsche und Wohlstand! Diesen Tempel sollst du beständig und sorgfältig beschützen.“

oṃ bhadre sarvadā bhadraṃ puṃsāṃ hitāvahā sadā |
āyurdā kāmadā devi śrīpradā sarvadā [kh: svāminaḥ śrīpadā] bhava || 108 ||

25.108 „Om, Bhadra, bringe den Menschen jederzeit Gutes und Wohlergehen! Göttin, sei stets Spenderin von Leben, Wunscherfüllung und Wohlstand!“

oṃ jaye sarvadā hyatra tiṣṭha tvaṃ sthāpitā mayā |
nityaṃ jayāvahā devi svāmini śrīpradā bhava || 109 ||

25.109 „Om, Jaya, bleibe stets hier, von mir eingesetzt! Göttin, bringe dem Tempelherrn beständig Sieg und schenke ihm Wohlstand!“

oṃ rikte riktadoṣaghne siddhimuktiprade śubhe |
sarvadā sarvadoṣaghne tiṣṭhatvamīśarūpake || 110 ||

25.110 „Om, Rikta, du beseitigst die Mängel des Leeren, schenkst Vollendung und Befreiung, Glückverheißende! Du tilgst alle Fehler; bleibe stets in der Gestalt des Herrn!“

oṃ pūrṇe tvaṃ mahāvidye sarvasandohalakṣaṇe |
sarvaṃ saṃpūrṇamevātra prāsāde kuru sarvadā || 111 ||

25.111 „Om, Purna, große Vidya, deren Kennzeichen die Fülle aller Dinge ist: Mache hier in diesem Tempel stets alles vollständig!“

teṣāmupari vinyasyāḥ śilāḥ pañca krameṇa tu |
śivājñayā niropyāstu [mū, a, g, ṅ: nobodhyāstu] nandādyā liṅgavatsadā || 112 ||

25.112 Darüber werden die fünf Steine nacheinander eingesetzt. Nanda und die übrigen werden durch Shivas Gebot wie ein Linga eingesetzt und unterwiesen; die Verbform besitzt abweichende Lesarten.

evaṃ prasādya nandādyā madhye kūrmaṃ yajetsudhīḥ |
kāryoṃ'smin kumbhavinyāse śivavinyāsavadvidhiḥ || 113 ||

25.113 Nachdem der Kundige Nanda und die anderen so erfreut hat, verehre er in der Mitte die Schildkröte. Beim Einsetzen des Kruges gilt ein Verfahren entsprechend der Shiva-Einsetzung.

ratnalohastathā dhātubījauṣadhisapāradaiḥ |
kṣiptvaivaṃ kumbhagarbheṣvaṣṭau vā pañca [gh: kumbha] nidhīnnyaset || 114 ||

25.114 Edelsteine, Metalle, Mineralien, Samen, Heilpflanzen und Quecksilber werden in die Krüge gegeben; so setzt man acht oder fünf Schätze ein.

nyastavyādhāraśaktiśca śilāsūpari [kh, ṅ: mupari] pūrvavat |
sādhidevāśca [kh: so'pi devo'pi] buddhyantaṃ pīṭhabandhā [mū: vasma] vasānataḥ (?) || 115 ||

25.115 Über den Steinen wird wie zuvor Adhara-Shakti eingesetzt. Die weitere Anweisung zu den zugehörigen Gottheiten, Buddhi und dem Abschluss des Sockelverbandes ist ausdrücklich unsicher überliefert.

kṛtvā mahotsavaṃ rātrau datvā digrakṣasāṃ balim |
gurvādibhyo'śanaṃ dānaṃ datvā kāryopajaṅghikā || 116 ||

25.116 Nach einem großen nächtlichen Fest, Bali-Gaben an die Richtungshüter und Rakshasas sowie Speisung und Geschenken für Guru und andere errichte man den Unterbau, die Upajanghika.

śikharārdhātpṛthustryaṃśāccopajaṅghoṃttamocchrayaḥ |
madhyamo'ṅghrivihīnastu jyeṣṭhārdhenādhamo mataḥ [kh: nārdhamānataḥ] || 117 ||

25.117 Die größte Höhe dieses Unterbaus wird aus einem Drittel der Breite und der halben Turmhöhe abgeleitet; die genaue Beziehung ist sprachlich uneben. Die mittlere Form ist um ein Viertel vermindert, die kleinste halb so groß wie die größte.

brahmopendrārkadevānāṃ bhavejjyeṣṭhopajaṅghikā |
aghamā cetareṣāṃ tu śivasya tu yathecchayā || 118 ||

25.118 Für Brahma, Upendra und den Sonnengott ist die größte Upajanghika vorgesehen, für die übrigen die kleinste; bei Shiva ist die Wahl freigestellt.

madhye śvabhraṃ parityajya liṅgārdhaṃ viṣṇuvistaram |
śilā kūrmādikāryāya paritaḥ saṃprapūrayet || 119 ||

25.119 In der Mitte lasse man eine Vertiefung im Maß des halben Linga beziehungsweise der Breite seines Vishnu-Teils frei, damit Schildkrötenstein und weitere Bestandteile eingesetzt werden können. Ringsum fülle man auf.

pīṭhamadhye site padme'rkasurā [gh: svarā] dyarṇabheditaiḥ |
mūrtimūlāṅgabhūte ca dhyātvā vāstuṃ yajetpunaḥ || 120 ||

25.120 Auf einem weißen Lotus in der Sockelmitte meditiere und verehre man Vastu erneut mit den durch die zwölf Vokale unterschiedenen Lautformen sowie Wurzel-, Gestalt- und Gliedermantras; die Vokallesung folgt hier der verständlicheren Variante.

samopajaṅghikāṃ kṛtvā jagatīyāvadeva hi |
tūryamaṅgalaśabdena prāsādaṃ tatra sūtrayet || 121 ||

25.121 Man gleiche den Unterbau bis zur Plattform aus und vermesse dort den Tempel unter Instrumentenklang und glückverheißenden Lauten.

iti lakṣaṇasamuccaye vāstupūjāpadasaṃsthāpanaṃ nāma pañcaviṃśo vidhiḥ || 25 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 25. Ritualabschnitt über „Vastu-Verehrung und Anordnung der Felder“.

Kapitel 26: Grundrisse und fünfgliedrige Tempelformen

atha ṣaḍviṃśaḥ

Nun folgt der 26. Ritualabschnitt.

tridvyaṣṭartu [mū, a, ṅ: tryeddhetuṃ; kh: tryavīvṛtta; gh: tryarthatu] guṇaḥ syuśca prāsādā liṅga [kh, ṅ: dālliṅga] mānataḥ |
ardhena liṅgadairghyeṇa bhittayo vistṛtāḥ kramāt || 1 ||

26.1 Die Tempelmaße werden als Vielfache des Linga-Maßes angegeben; die einleitende Zahlenreihe mit drei, zwei, acht und sechs ist stark variantenbehaftet. Die Mauerbreite wird auf die halbe Linga-Länge bezogen.

ṣoḍaśāṅghrau [gh: śāṃśī] kṛte kṣetre vedāṃśairgarbhamadhyataḥ |
tadaṃśatulyavīthyastu syurarkāṃśaistu bhittayaḥ || 2 ||

26.2 Teilt man das Gelände in sechzehn Felder, nimmt der Innenraum die vier mittleren ein. Die Umgänge entsprechen dieser Einheit; für die Mauern werden zwölf Teile genannt.

pañcaviṃśatikāṅghrau vā madhyaikāṃśena piṇḍikā |
tadgarbho'ṣṭābhiraṃśaiḥ syādvikārāṃśaistu bhittayaḥ || 3 ||

26.3 Bei einer Einteilung in fünfundzwanzig Felder nimmt die Pindika das mittlere Feld ein, der sie umgebende Innenraum acht Felder und die Mauern die sechzehn übrigen.

miśrārcāvyaktaliṅgānāṃ tridvisārdhadvi [kh: sārdhāṅghri] bhāgikaiḥ |
kaniṣṭhādikramādgarbhaḥ kvacidbhittestu vardhanam || 4 ||

26.4 Bei gemischten Kultformen und ungegliederten Lingas werden für den Innenraum, von der kleinsten Form an, drei, zwei und zweieinhalb Teile genannt; die Reihenfolge und eine Variante sind uneben. Mitunter wird die Mauer vergrößert.

ṣaḍviṃśa [kh, gh: triṃśa] tpadaviṣkambho viṃśatyaṃśaistu bhittayaḥ |
garbhavyomasya cārkeṇa pīṭhī madhye yugāṃśataḥ || 5 ||

26.5 Die Gesamtbreite beträgt nach der Grundlesung sechsundzwanzig, nach Varianten sechsunddreißig Teile. Zwanzig entfallen auf die Mauern, zwölf auf den Innenraum und vier in der Mitte auf den Sockel; nur die zweite Gesamtzahl passt zu dieser Summe.

bhittivistaramānena liṅgaṃ dairghyeṃ [kh, g: : liṅgadairghyaṃ] bhavetkvacit |
dviguṇaṃ tat kvacitproktaṃ prāsāde rasabhājite || 6 ||

26.6 Mitunter entspricht die Linga-Länge der Mauerbreite, anderswo ihrem Doppelten, wenn der Tempel in sechs Teile geteilt wird.

dhāmatulyātha pādonā cārdhena jagatī tridhā |
jyeṣṭhādyā nirgamā jñeyā nemī tatpādavarjitā || 7 ||

26.7 Der Vorsprung der Jagati-Plattform besitzt drei Größen: gleich dem Tempelmaß, um ein Viertel vermindert oder halb so groß. Die Nemi-Einfassung ist jeweils um ein Viertel kleiner.

sa jagatyā paraṃ [kh, gh: tyātparaṃ] chandaṃ kramaḥ [gh: brūmaḥ] ṣaṭtriṃśa [kh, gh, ṅ: viṃśa] daṃśakaiḥ |
yugāṅghrermadhyato garbhaḥ syāttadekena piṇḍikā || 8 ||

26.8 Nun folgt eine weitere Grundrissanordnung mit der Plattform. Die Gesamtteilung schwankt zwischen sechsunddreißig und zwanzig Teilen; in der Mitte werden vier für den Innenraum und einer für die Pindika genannt.

ravibhāgena kuḍyāni bhramāṇāttu nakhāṃśakaiḥ |
aṣṭāviṃśatibhirbhittiḥ sā syāt stambhakumārikā || 9 ||

26.9 Zwölf Teile betreffen die Mauern, zwanzig den Umgang und achtundzwanzig eine weitere Mauer mit kleinen Säulen; die Maßbezüge werden im Text nicht eindeutig auseinandergehalten.

dṛḍhāsāraiścaturdikṣu maṇḍapastriṃśadaṃśakaiḥ |
catuḥ stāmbhāśca tanmadhye dvādaśa syuḥ kumārikāḥ || 10 ||

26.10 In allen vier Richtungen liegen Hallen mit kräftigen Stützen in einer Dreißigerteilung. In ihrer Mitte stehen vier Säulen und zwölf kleinere Säulen.

tisrastisrastu koṇeṣu stambhau cāgre kumārike |
pārśvayo ragratā vāpi kuryādāsārasaṃyute || 11 ||

26.11 Je drei kleinere Säulen befinden sich in den Ecken; vorne stehen zwei weitere Säulen. Seitlich oder vorne versehe man die Anordnung mit tragenden Bauteilen.

sabhittiḥ koṇabhittirvā tvabhittirapi cāparaḥ |
sakoṇastambhasaṃyukto maṇḍapaśca tridhā mataḥ || 12 ||

26.12 Die Halle besitzt drei mögliche Formen: mit durchgehenden Wänden, nur mit Eckwänden oder ohne Wände, dann mit Ecksäulen.

tadvaccatuṣkikāḥ [tuṣṭikā li0 pu0 pā0] kāryāḥ pārśvayoḥ pṛṣṭhatastridhā |
dvādalāṃśaistu tān sarvān prāsāde cottamodike || 13 ||

26.13 Entsprechende viersäulige Vorbauten entstehen an beiden Seiten und hinten. Für die größte Tempelform nennt der Text hierfür zwölf Teile.

ṣaḍbhāgau rathakaṃ madhyaṃ tribhiścoparathau tathā |
vedairanu [gh: stanu] rathau kuryādbhūtaikena [kh: bhūtakoṇaiḥ] tathānyataḥ || 14 ||

26.14 Der mittlere Mauervorsprung, Ratha, erhält sechs Teile, die beiden Nebenrisalite je drei; für die weiteren Anurathas werden vier beziehungsweise fünf Teile genannt, wobei der Schluss variantenbehaftet ist.

madhyādekadvirāmāṃśaiḥ pravelātparitaḥ kramāt |
jagatīmaṃśato dhṛtvāveṣṭanāṃśaṃ tu lopayet || 15 ||

26.15 Von der Mitte aus erfolgt die Abstufung ringsum um einen, zwei und drei Teile. Man halte einen Teil für die Plattform fest und lasse den Anteil der Umfassung weg.

rasāṃśairbalabhī sthāpyā caturdikṣu ca madhyataḥ |
vidikṣu koṇadhāmāni vasvaṃśairmaṇḍapaiḥ saha || 16 ||

26.16 In den Mitten der vier Himmelsrichtungen setze man eine Valabhi in sechs Teilen an; in den Zwischenrichtungen Eckheiligtümer mit Hallen in acht Teilen.

bhāgaikaṃbāhyato datvā [g: dadyāt] śeṣamadhyāṃśakān bhavet [kh, g: haret] |
samasūtrāṅkake chede samabhāgādvivartayet || 17 ||

26.17 Man gebe außen einen Teil hinzu und bearbeite die übrigen mittleren Anteile. Bei einem Schnitt auf gleicher Schnurlinie wende man die gleichen Teilmaße an; die Verben sind unsicher überliefert.

jagatyā bhramaṇāyāśca maṇḍapasya ca bhittiṣu |
cāru surālayastambhabalabhīśikharāṇi ca || 18 ||

26.18 An den Wänden der Plattform, des Umgangs und der Halle bringe man schöne kleine Heiligtümer, Säulen, Valabhis und Turmformen an.

kuḍyaṃ [kh: kuṭāśca] ca puṣkaraṃ caiva rūpakaṃ patravallikām |
taddevasya kuthaṃ [mū, a, g, gh: kathāṃ] vāpi ghaṭayeyuḥ śuśilpinaḥ || 19 ||

26.19 Gute Handwerker gestalten Wand- beziehungsweise Dachformen, Lotusmotive, Figuren, Blattranken und Darstellungen der Geschichten der jeweiligen Gottheit; die letzte Lesung folgt „kathā“ im Apparat.

jñātvā jñātvā ca tadbhagānamuktān vṛddhibhittibhiḥ |
vāstumānamiti khyātaṃ liṅgamānamathocyate || 20 ||

26.20 Die nicht ausdrücklich genannten Teile bestimmt man mit Kenntnis der vergrößerten Wandmaße. Dies heißt Bemessung nach dem Baugrund; nun folgt die Bemessung nach dem Linga.

liṅgadviguṇito garbhastadardhānmadhya āsanam |
pīṭhārdhāṃśa [mū: rdhācca] tadaṃśābhyāṃ dvābhittyośca vistaraḥ || 21 ||

26.21 Der Innenraum misst das Doppelte des Linga, der mittlere Sitz die Hälfte davon. Für Tür und Mauer werden die halbe Sockeleinheit und eine volle Einheit als Breiten genannt.

bhitteryoṃ vistaro bāhyajaṅghātantusamucchritā |
mañjarī tu dvibhāgābhyāṃ mañjaryardhena nāsikā || 22 ||

26.22 Die äußere Wandzone, Jangha, ist so hoch wie die Mauer breit. Der Turmkörper, Manjari, erhält zwei Teile, die Nasika die halbe Höhe des Turmkörpers.

nāsikārdhaṃ [gh: kordhvaṃ] tu yaccārdhaṃ tena skandho bhavetsadā |
pañcāṃśaistatpṛthutvaṃ ca tathordhvastryaṃśakairgalaḥ || 23 ||

26.23 Ein Viertel der Nasika-Höhe bestimmt die Schulterzone. Ihre Breite beträgt fünf Teile; darüber liegt der Hals mit drei Teilen.

kapolāmalasārau ca bhāgārdhārdhavinirgamau |
tryaṃśa [gh: dvyaṃśā] rdhāṃśadvibhāgārdhaiḥ kramādgrīvādikocchrayaḥ || 24 ||

26.24 Kapola und Amalasaraka ragen um einen halben beziehungsweise Viertelteil vor. Für die Höhen vom Hals an nennt der Text nacheinander drei, einen halben, zwei und einen halben Teil; eine Variante beginnt mit zwei.

kapolaṃ vedikātulyamīśāno liṅgamānataḥ |
dhāmārdhātbhramaṇa kāryā tadardhena ca bhittayaḥ || 25 ||

26.25 Kapola entspricht der Vedika, Ishana dem Linga-Maß. Der Umgang erhält das halbe Tempelmaß, seine Mauern wiederum dessen Hälfte.

pradakṣiṇāgrato dhāmno dviguṇo maṇḍapaḥ sadā |
maṇḍapārdhapramāṇena purato mukhamaṇḍapaḥ || 26 ||

26.26 Vor dem Umgang liegt eine Halle von doppeltem Tempelmaß. Davor liegt eine Eingangshalle von halbem Maß dieser Halle.

mukhākhyamaṇḍapārdhena karaṇīyā catuṣkikā |
catuṣkikāgrato nityaṃ jagatī dhāmamānataḥ || 27 ||

26.27 Die viersäulige Vorhalle misst die Hälfte der Eingangshalle. Vor ihr erstreckt sich die Jagati-Plattform im Maß des Tempels.

jagatyardhapramāṇena koṇadhāmāni [gh: dhāmādi] vartayet |
tatsamā balabhī diksthāḥ svamānamaṇḍapānvitāḥ || 28 ||

26.28 Die Eckheiligtümer besitzen das halbe Plattformmaß. Ebenso groß sind die Valabhis in den Hauptrichtungen, mit Hallen ihres eigenen Maßes.

tatropajaṅghikārdhe [kh, gh: kordhve] tu padapīṭhaṃ vivartayet |
prāsādaturyabhāgena tryaṃśairvā tatsamucchrayam || 29 ||

26.29 Über beziehungsweise nach der Grundlesung in halber Höhe des Unterbaus forme man den Fußsockel. Seine Höhe beträgt ein Viertel oder Drittel des Tempelmaßes.

ṣaḍaṅgā [gh: ṣaḍaṃśā] dhikadhāmnastu vistārastasya kathyate |
taducchrayaṃ haraṃ kṛtvā sādhāṃśe khura [gh: kṣura] paṭṭikā || 30 ||

26.30 Seine Breite übertrifft das Tempelmaß um sechs Angulas. Die folgende Höhenteilung ist beschädigt; für die Khura-Leiste wird ein halber beziehungsweise eineinhalb Teile nahegelegt, aber nicht eindeutig festgelegt.

sāṅghridvābhyāṃ bhavetkumbhaḥ pādena kumbhapaṭṭikā |
dvibhāgābhyāṃ bhave [gh: tathā] tkaṇṭhastadagreṃ [gh: ṣaḍ] 'śaṃguṇaṃ bhavet || 31 ||

26.31 Der Kumbha-Wulst erhält zweieinviertel Teile, seine Leiste ein Viertel, der Hals zwei Teile. Die anschließende Multiplikationsangabe ist unsicher.

ekena galapaṭṭī syād dvitīye valitāṅkikā [kh, gh: ṅkitā] |
tṛtīyenopapaṭṭī tu tapāṃśā [kh: tathāṅgā] ccaturasrikā || 32 ||

26.32 Eine Einheit erhält die Halsleiste, eine zweite die gebogene Leiste, eine dritte die Unterleiste; danach folgt ein viereckiges Profil, dessen Teilmaß beschädigt ist.

pādonāṃśena haṃsākhyā tatpādenārdha [gh: nordhva] paṭṭikā |
taddhyaṃśamaṣṭadhā kṛtvā taiśca padmaṃ vivartayet || 33 ||

26.33 Das Hamsa-Profil erhält drei Viertel eines Teils, seine obere beziehungsweise nach Grundlesung halbe Leiste ein Viertel davon. Die folgenden zwei Teile teile man in acht und gestalte daraus den Lotus.

ekāṃśena praveśaḥ syāt ṣaḍaṃśe [gh: ṣaḍaṅge] nāravindakam |
karṇikā śaśibhāgena vistārāccādhunocyate || 34 ||

26.34 Ein Teil entfällt auf den Rücksprung, sechs auf die Lotusform und einer auf die Karnika, den Fruchtboden. Nun folgen die Breitenmaße.

jinīkṛte tu pīṭhārdhe madhthe rathakamaṣṭabhiḥ |
tanmadhye tu dvibhāgābhyāṃ praveśo gṛha [g: graha] hetave || 35 ||

26.35 Teilt man die halbe Sockelbreite in vierundzwanzig, erhält der mittlere Ratha acht Teile. In dessen Mitte liegen zwei Teile als Rücksprung für die Nische beziehungsweise den Raum.

praveśaḥ punaraṃśe ca madhyasthe rathake sadā |
evameva tu jaṅghāyāmañjaryā vedikāvadhiḥ || 36 ||

26.36 Im mittleren Ratha erfolgt ein weiterer Rücksprung um einen Teil. Entsprechend verfahre man an der Jangha und am Turmkörper bis zur Vedika.

jaṅghikāmūlamadhye tu [kh: madhyeṣu] balabhīṃ vartayecchubhām |
prāsādaśikharaṃ vāpi brūyāmuparathādikān || 37 ||

26.37 In der Mitte am Fuß der Jangha forme man eine schöne Valabhi oder einen Tempelturm. Nun folgen die Nebenrisalite.

nagairuparathaṃ kuryānnavāṃśaiḥ koṇabandhanam |
pīṭhādyabjāntamucchrāye praveśaśca nigadyate || 38 ||

26.38 Der Uparatha erhält sieben Teile, der Eckverband neun. Die Rücksprünge werden nun vom Sockel bis zum Lotus in der Höhe beschrieben.

khurapraveśamardhena kumbhamekāṃśatastathā |
ardhena paṭṭikāṃ kuryāddvābhyāṃ kaṇṭhapraveśakam || 39 ||

26.39 Der Khura springt um einen halben Teil zurück, der Kumbha um einen; die Leiste erhält einen halben, der Hals einen Rücksprung von zwei Teilen.

kaṇṭhapraveśa [kh, ṅ: paṭṭārdha] śaniṣkāsā tathā balitapaṭṭikā |
ardhāṃśena tadūrdhve tu kāryā caivopapaṭṭikā || 40 ||

26.40 Die gebogene Leiste springt entsprechend dem Halsrücksprung wieder vor. Darüber bilde man eine Unterleiste von einem halben Teil.

tatsamā nirgamenāpi paṭṭikā caturasrikā |
tryāṅghripraveśo haṃsa [gh: dvyaṃśa] statpaṭṭyardhapraveśataḥ || 41 ||

26.41 Die viereckige Leiste besitzt den gleichen Vorsprung. Das Hamsa-Profil springt um drei Viertel zurück, seine Leiste um die Hälfte dieses Rücksprungs.

nirgamāṃśena [kh: māṅgena] padmasya prāksārdhāṃśapraveśanam |
sandhipatrānvitaṃ [kh: ṅkita] padmaṃ vidadhīta suśobhanam || 42 ||

26.42 Der Lotus springt um einen Teil vor, nachdem darunter ein Rücksprung von eineinhalb Teilen liegt. Man gestalte ihn schön mit Blättern an den Verbindungen.

ardhāṃśaveśanāddhāma karṇikoparisasthitam |
śilotthaṃ padapīṭhaṃ syādevaṃ dārviṣṭakāmaye || 43 ||

26.43 Mit einem Rücksprung von einem halben Teil steht der Tempelkörper auf der Karnika. So entsteht der steinerne Fußsockel; entsprechend gilt es für Holz- und Ziegelbauten.

pṛṣṭhārdhadviguṇā jaṅghā jaṅghādviguṇamañjarī |
taducchrayaṃ grahaṃ kṛtvā jaṅghā tanmadhyato guṇaiḥ || 44 ||

26.44 Die Jangha wird mit dem Doppelten einer hier als „pṛṣṭhārdha“ überlieferten Basis bemessen; der Turmkörper ist doppelt so hoch wie die Jangha. Teilt man die gemeinsame Höhe in neun, entfallen drei auf die Jangha.

rasāṃśarmañjarī kāryā tadardhācchukanāsikā |
vedibandhavaraṇḍā [mū, a: vavaṇḍā] dinnigadāmyanupūrvaśaḥ || 45 ||

26.45 Sechs Teile erhält der Turmkörper, dessen halbe Höhe die Shukanasika. Nun werden Vedibandha und Varanda-Gesimse der Reihe nach beschrieben.

jaṅghikārdhapṛthau sārdhajināṃśairdhāṃśakairbahiḥ |
ucchraye dhāmaturyāṃśāttasminnidrāṃśakekṛte || 46 ||

26.46 Die Breite wird aus der halben Jangha und einer Teilung in vierundzwanzigeinhalb abgeleitet; der weitere Ausdruck ist beschädigt. Die Höhe beträgt ein Viertel des Tempelmaßes und wird in vierzehn Teile geteilt.

taddvyaṃ [mū, a: tardhye] śābhyāṃ ca kurvīta paṭṭikāṃ caturasrikām |
sārdhatrayeṇa kumbhaḥ syāttadardhe kumbhapaṭṭikā || 47 ||

26.47 Zwei Teile erhält die viereckige Leiste, dreieinhalb der Kumbha; dessen Leiste wird mit der Hälfte angegeben, wobei der genaue Bezugswert unklar bleibt.

ṛtubhāgātmakaṃ caitatkathitaṃ khurasaṃjñakam [gh: saṃjñitam] |
bhāgārdhena tu kaṇṭhaḥ syātkalaśaśca guṇāṃśataḥ || 48 ||

26.48 Dieses als Khura bezeichnete Glied umfasst sechs Teile. Der Hals erhält einen halben Teil, der Kalasha drei.

tatpaṭṭikārdhabhāgena vedāṃśaḥ [gh: vedāṃśaiḥ] kalaśo varaḥ |
praveśāccaikataḥ kaṇṭhāścārdhe [mū: sārdhe] nirgamapaṭṭikā || 49 ||

26.49 Seine Leiste erhält einen halben Teil, der größere Kalasha vier. Der Hals springt um einen Teil zurück; die Leiste springt um einen halben Teil vor, nach einer Variante um eineinhalb.

caturasrāṃśataḥ paṭṭī kumbhasya pādacendrataḥ [kh: candrataḥ] |
kumbhapaṭṭī tu pādena kupālyā dyaṃśataḥ sthitā || 50 ||

26.50 Die viereckige Leiste erhält einen Teil. Die anschließende Maßangabe zum Kumbha ist beschädigt; für seine Leiste wird ein Viertel und für das folgende Profil ein Teil genannt.

evaṃ vivartayeyuśca śilpinaḥ śāstravittamāḥ |
tribhiḥ khurādibhiryuktaṃ vedībandhābhidhānakam || 51 ||

26.51 So sollen kundige Handwerker die Glieder gestalten. Die Verbindung der drei mit Khura beginnenden Profile heißt Vedibandha.

vedībandhacaturthāṃśādbadurmiḥ (?) [g: dudvartiḥ] syāttadūrdhnataḥ |
kṛteṣu triṣu bhāgeṣu pādonāṃśātpraveśikān || 52 ||

26.52 Darüber liegt ein Bauteil mit unsicherem Namen, dessen Höhe ein Viertel des Vedibandha beträgt. Nach Dreiteilung entstehen Rücksprünge von drei Vierteln eines Teils.

pādānnirgamapaṭṭī ca kumbhanirgamabhāgataḥ |
bhāgena caturasrākhyā paṭṭikā sārdhataḥ sthitā || 53 ||

26.53 Eine Leiste springt um ein Viertel vor, der Kumbha um einen Teil. Eine viereckige Leiste wird mit einem Teil und eine weitere Lage mit eineinhalb angegeben.

eṃko dvābhyāṃ sapaṭṭiḥ syādbāhyatryaṃśapraveśataḥ |
khuṃrakumbhavatī jaṅghā jyeṣṭhānāṃ pādamānataḥ || 54 ||

26.54 Die folgende Gliederung nennt einen und zwei Teile mit Leiste sowie einen äußeren Rücksprung von drei Teilen. Die mit Khura und Kumbha ausgestattete Jangha wird bei der größten Form auf das Fußmaß bezogen.

dhāmārkāṃśācca jaṅghordhve [kh: jaṅghārdhaṃ] kartavyā lambinī budhaiḥ |
yāvaccinnavakāṃ vāpi patravalyāthavā varā || 55 ||

26.55 Oben an der Jangha bringe der Kundige eine herabhängende Zierde von einem Zwölftel des Tempelmaßes an, mit ausgeschnittenen Formen oder schönen Blattranken; ein Ausdruck bleibt unsicher.

tilakāntaraśobhāḍhyā muktāhārāvalīyutā |
caturthāṃśaśca jaṅghordhve vibhajya vasubhāgataḥ || 56 ||

26.56 Sie sei zwischen den Tilaka-Motiven prächtig und mit Reihen von Perlenschnüren versehen. Ein Viertel oberhalb der Jangha wird in acht Teile geteilt.

dhṛtvaikaṃ sadadhaḥ paścannavaghā tattu kārayet |
tatrārdhena praveśākhyaṃ paṭṭikāṃ tu vi [kh: bhuvi] vartayet || 57 ||

26.57 Einen Teil halte man zurück und teile das darunterliegende Stück erneut in neun; der Wortlaut ist stellenweise gestört. Eine Rücksprungleiste erhält darin einen halben Teil.

tathā niṣkāśikārdhena bhāgena caturastrikā |
pādonāṃśena haṃsākhyā [kh; hastākhyā] paṭṭī tatpadato bhavet || 58 ||

26.58 Ebenso erhält die Vorsprungleiste einen halben Teil, die viereckige Leiste einen ganzen. Das Hamsa-Profil erhält drei Viertel, seine Leiste ein Viertel davon.

tribhirbhāgairvaraṇḍākhyā kaṇṭhapaṭṭītu bhāgataḥ |
tatpaṭṭī pādataḥ kāryā pādonāṃśena nirgamā || 59 ||

26.59 Drei Teile erhält das Varanda-Gesims, einen die Halsleiste. Deren weitere Leiste erhält ein Viertel, ihr Vorsprung drei Viertel eines Teils.

tatra trikaṭapaṭṭī syāt tryaṃśairvedāsrikāṃśataḥ |
bhāgamekaṃ tridhā kṛtvā praveśaścaika bhāgataḥ || 60 ||

26.60 Dort folgt eine Trikata-Leiste in drei Teilen, die viereckige Leiste in einem. Ein weiterer Teil wird gedrittelt; ein Drittel bildet den Rücksprung.

kaṇṭhasūtraḥ samaḥkāryo dvitīye nirgamā tathā |
paṭṭikā tu prakartavyā dvitīyenopanirgamā || 61 ||

26.61 Er liege auf gleicher Linie mit der Halsschnur. Das zweite Drittel bildet den Vorsprung; eine Leiste mit weiterem Vorsprung wird entsprechend dem zweiten Teil gestaltet.

balitaṃ dvyaṃśapādonātpādāttatpaṭṭikā bhavet |
balitāhvaṃ tribhi [kh: ṅkāstribhi] rbhāgairgrahāṃśaistu kaṭirbhavet || 62 ||

26.62 Das gebogene Profil erhält eindreiviertel Teile; seine Leiste ein Viertel. Ein weiteres Valita-Glied erhält drei Teile, die Taille neun.

eko bhāgo rasāṃśaistu tatrakaṇṭho dvibhāgataḥ |
kaṇṭhasūtrādviśetkaṭho bhāgāttatpaṭṭikordhvaḥ [mū: kārdhataḥ] || 63 ||

26.63 Ein Teil wird in sechs geteilt; darin erhält der Hals zwei Anteile. Der folgende Rücksprung von der Halsschnur und die obere Leiste werden mit je einem Anteil verbunden; der Text ist uneben.

bhāgena haṃsaniṣkāśo dvibhāge caturasrikā |
bhūmerjaṅghānitambau ca kīrtitau tvaṣṭṭa śāstrataḥ || 64 ||

26.64 Ein Teil entfällt auf den Hamsa-Vorsprung, zwei auf die viereckige Leiste. So sind Wandzone und Hüftzone des Geschosses nach der Lehre Tvashtris beschrieben.

vasubhāgāgrapādaṃ tu vedyardhāṃśaṃ [g: rdhaṃ sa] prakalpayet |
tadadhaḥ sārdhapakṣāṃśaṃ vistāreṇa tu kārayet || 65 ||

26.65 Die vordere Partie wird in acht geteilt und auf die halbe Vedika bezogen. Der darunterliegende Abschnitt soll in der Breite zweieinhalb Teile erhalten.

tatra sārdhāṃśataḥ skandha taccheṣaṃ ṣoḍaśāṃśakam [kh: śātmakam] |
vedyāḥ kaṭyāśca madhyāṃśā [kh: dhyāṅgā] ccaturaḥ pādavarjitān || 66 ||

26.66 Davon erhält die Schulter eineinhalb Teile; der Rest wird in sechzehn geteilt. In der Mitte zwischen Vedika und Taille werden dreidreiviertel Teile angesetzt.

kṛtvā [mū: hatvā] vikārabhāgāṃśca kaṭyūrdhvaṃ skandhakāvadhiḥ |
ekaikena tu bhāgega viśetkaṇṭhaka [kh, ṅ: kaṃ kaṇṭha] sūtrataḥ || 67 ||

26.67 Von der Taille bis zur Schulter erfolgt eine Sechzehnerteilung. Je ein Teil springt gegenüber der Halsschnur zurück.

koṇapiṇḍyādi [mū, gh: piṇḍyahi] vistārānnavamenodakāntaram |
bhavedanurathaḥ ṣadbhiḥ saptamenodakāntaram || 68 ||

26.68 Bei der Breite der Eck-Pindika und weiterer Glieder bildet der neunte Teil einen Wasserkanal. Der Anuratha besitzt sechs Teile, der siebte bildet wiederum einen Wasserkanal.

madhyarathordhvamaṣṭāṃśairevaṃ vidyājjināṃśakaiḥ |
bhūḥ [mū, ṅ: bhūḥ] kaṭiskandhayormadhye pañcātriṃśadbhirābhajet || 69 ||

26.69 Der obere mittlere Ratha erhält acht Teile; die Gesamtteilung beträgt vierundzwanzig. Den Bereich zwischen Taille und Schulter teile man in fünfunddreißig.

navāṃśaiścocchritā prāgbhūḥ śeṣāstvekaikahānitaḥ |
koṇānurathakādīnāṃ vṛttapraveśa ucyate || 70 ||

26.70 Das erste Geschoss ist neun Teile hoch; die folgenden sind jeweils um einen Teil niedriger. Nun werden die gekrümmten Rücksprünge der Eck- und Zwischenrisalite beschrieben.

pratyekaṃ [mū, gh: patraikaṃ] bhūmikāveśo bāhyārdhena bhavetsadā |
tadvaccaturthabhāgena praveśo'nurathasya ca || 71 ||

26.71 Jedes Geschoss springt außen um einen halben Teil zurück; der Anuratha entsprechend um ein Viertel.

evaṃ saṅkocayet [g: ṅkāraye] prājño madhyasthaṃ rathakaṃ sadā |
luptvā bhāgān bhuvāṃ svāṃ svāṃ sarvāsāṃ ca yathākramam || 72 ||

26.72 Ebenso verenge der Kundige den mittleren Ratha, indem er bei jedem Geschoss die jeweils zugehörigen Teile der Reihe nach abzieht.

kṛtvendrāṃśāttato bhūmiṃ prathamāṃ vartayedbudhaḥ |
pādonadvyaṃśataḥ kumbhastatpaṭṭī pādato bhavet || 73 ||

26.73 Nach einer Vierzehnerteilung gestalte man das erste Geschoss. Der Kumbha erhält eindreiviertel Teile, seine Leiste ein Viertel.

kaṇṭhārdhena tathā paṭṭī pārśvayorubhayorapi |
pādonadyaṃśato madhye puṭākhyaṃ vṛttagarbhakam [kh, ṅ: gartakam] || 74 ||

26.74 Hals und Leiste auf beiden Seiten erhalten je einen halben Teil. In der Mitte liegt eine runde Puṭa-Nische von eindreiviertel Teilen.

tadgarbhapārśvayostryaṃśādantahayau ca kīrtite [kh, gh, ṅ: kirtyate] |
kumbhopame ca te kārye churikāpakṣayostathā || 75 ||

26.75 An beiden Seiten dieser Nische werden als „antahaya“ überlieferte Bauteile mit drei Teilen genannt; ihre Bezeichnung bleibt unklar. Sie sollen Kumbha-Form besitzen und seitlich bei den Churika-Gliedern liegen.

vedāsrā paṭṭikā kāryā pādahīnā tu kumbhikā |
pādena kumbhapaṭṭī tu cārdhena galapaṭṭikā || 76 ||

26.76 Man forme eine viereckige Leiste, eine kleine Kumbha-Form von drei Vierteln, deren Leiste von einem Viertel und eine Halsleiste von einem halben Teil.

kaṇṭhapadmārdhato jñeyā bhāgena caturasrikā [mū: raṣṭikā] |
kumbhārdhena tathā paṭṭī kaṇṭhastatpaṭṭīkārdhataḥ || 77 ||

26.77 Hals und Lotus werden mit einem halben, die viereckige Leiste mit einem ganzen Teil bemessen. Eine weitere Leiste entspricht dem halben Kumbha, der Hals der Hälfte seiner Leiste.

ṣaḍbhāgeṣvevamevaṃ tu vartayetkoṇayoḥ sudhīḥ |
pādonadvyaṃśato madhye puṭaśvabhraṃ vivartayet [mū, ṅ: varjayet ] || 78 ||

26.78 So verfahre der Kundige in sechs Teilen an beiden Ecken. In der Mitte forme er eine Puṭa-Vertiefung von eindreiviertel Teilen; eine Variante verlangt ihre Weglassung.

pārśvayormekhale vṛtte tryaṃśaiḥ [g: dvyaṃśai] pūrṇenduśālikām |
trikaṇṭhakocchrayaṃ dvābhyāṃ pakṣayostatra vartayet || 79 ||

26.79 Seitlich liegen runde Gürtelprofile. Eine vollmondförmige Chandrashala erhält drei Teile, nach einer Variante zwei; beiderseits gestalte man ein Trikantha-Profil von zwei Teilen Höhe.

candraśālāyamadhyordhveṃ tryaṃśaiḥ śikharikā tathā |
aṅghrī tad [mū: aṅghrīna; gh: adyūbha] dvyaṃśato madhyaṃ [gh: mastaṃ] lavalīphalavadbhavet || 80 ||

26.80 Über der Mitte der Chandrashala erhebt sich eine kleine Turmform von drei Teilen. Die anschließende Angabe zu Fuß und Mittelstück ist gestört; das Mittelstück wird mit einer Lavali-Frucht verglichen.

tanmūrdhni cāṅghriṇā paṭṭī praveśaḥ paṭṭikārdhataḥ |
nirgamākhyā parāṃśena [gh: parārdhena] caturasrāṃśato bhavet || 81 ||

26.81 Auf ihrem Kopf liegt eine Leiste von einem Viertel; ihr Rücksprung beträgt die halbe Leiste. Eine weitere vorspringende Leiste und eine viereckige Form werden anschließend mit Teilmaßen versehen, deren Bezug unsicher ist.

kumbhapaṭṭīṃ ca bhāgārdhādbhāgārdhārdhena [mū: rdhe pra] sādhayet |
tanmadhye tilakaṃ kāryamevaṃ tryaṃśairvaraṇḍikā || 82 ||

26.82 Die Kumbha-Leiste erhält einen halben Teil, ein weiteres Glied dessen Hälfte. In ihrer Mitte liegt ein Tilaka-Motiv; so entsteht ein Varandika-Gesims von drei Teilen.

evaṃ manvaṃśataḥ prāgbhūścatasro'nyāstithikramāt |
rūpaṃ koṇarathasyaivaṃ vakṣye coparathaṃ tvataḥ || 83 ||

26.83 Das erste Geschoss hat damit vierzehn Teile, die vier anderen werden nach einer Fünfzehnerfolge angeordnet. So ist die Form des Eckrisalits beschrieben; nun folgt der Uparatha.

ṣaṣṭibhāgocchrayaṃ kṛtvā tatrāṃśāścaturasrikā |
kumbhaikenārdhataḥ paṭṭī kaṇṭhaścārdhāṃśatastathā || 84 ||

26.84 Seine Höhe wird in sechzig Teile geteilt. Die viereckige Leiste erhält einen Teil, der Kumbha einen, seine Leiste einen halben und der Hals ebenfalls einen halben.

bhāgamekaṃ tridhā kṛtvā kaṇṭhapaṭṭyaṃśato bhavet |
vṛttapaṭṭī ca niṣkrāntā bhāgabhāgena kalpayet || 85 ||

26.85 Ein Teil wird gedrittelt; daraus entstehen Halsleiste, runde Leiste und deren Vorsprung, jeweils mit einem solchen Anteil.

tadvatpārśve ca niṣpādyaṃ śikharīmadhyadeśataḥ |
aṃśe gartālakaṃ tajña tatpārśvayorguṇāṃśataḥ || 86 ||

26.86 Entsprechend verfahre man an den Seiten und in der Mitte der kleinen Turmform. Die Nischenvertiefung erhält einen Teil, die seitlichen Partien je drei.

vijñeyā tuharī prājñairbhāgocchrayā śikharyatha |
ūrdhvādhastilakākrāntā madhyasthānordhvataḥ sthitā || 87 ||

26.87 Der als Tuhari bezeichnete Schmuck und die kleine Turmform werden mit einem Teil Höhe verbunden. Ober- und unterhalb liegen Tilaka-Motive; das mittlere Glied erhebt sich darüber.

pārśvayośca tuharyāstu kartavye vedikārike |
caturbhāgaiścaturbhāgaiḥ śeṣānyāścandraśālikā || 88 ||

26.88 Beiderseits der Tuhari forme man kleine Vedikas von je vier Teilen; die verbleibenden Partien bilden Chandrashalas.

tisṛbhi [kh, ṅ: triṃśati] stisṛbhiḥ kāryoḥ samucchrāyo mahīkramāt |
evaṃ pañcadaśākhyātāḥ pañcabhūmīnduśālikāḥ || 89 ||

26.89 Die Höhen nehmen nach den Geschossen in Dreierschritten zu beziehungsweise ab; eine Variante liest dreißig. So werden fünfzehn Chandrashalas an fünf Geschossen beschrieben.

madhyarathaka [kh: madhye rathasya] vistāraṃ sārdharamāṃśakairbhajet |
sārdhena madhyatastatra rathakārdhaṃ samudgatas || 90 ||

26.90 Die Breite des mittleren Ratha teile man in dreieinhalb Teile. In der Mitte springt seine halbe Breite mit eineinhalb Teilen hervor.

rathārdhabhāgaveśena dvyaṃśataḥ pārśvatastathā [mū: sadā] |
ṣaṣṭibhāgasamucchāyaṃ kuryādardhenduśālikām || 91 ||

26.91 Durch einen Rücksprung um einen halben Ratha-Anteil und seitlich zwei Teile forme man eine Halbmond-Chandrashala, deren Höhe in sechzig Teile geteilt wird.

tatraikāṃśena vedāsrā kumbhākhyāścaikabhāgataḥ |
kumbhapaṭṭīṃ tathā kaṇṭhamardhena parikalpayet || 92 ||

26.92 Die viereckige Form und der Kumbha erhalten je einen Teil, Kumbha-Leiste und Hals je einen halben.

dvidhā vibhajya bhāgaikaṃ kaṇṭhapaṭṭyatha kumbhikā [gh: vṛttikā] |
([cāpacihnāntargato'yaṃ pāṭhaḥ mū, a, kh pustakeṣu nāstu] caturasrā tathā kāryā bhāgabhāgena nirmitā || 93 ||

26.93 Ein Teil wird halbiert und auf Halsleiste und kleines Kumbha- beziehungsweise Rundprofil verteilt. Der eingeklammerte, in mehreren Handschriften fehlende Zusatz verlangt außerdem eine viereckige Leiste aus einem Teil.

tatra madhye puṭārdhaṃ syātpādona dvyaṃśamucchritam |
khaneśca tilakopetaṃ tadbāhye'rdhenduśālikā || 94 ||

26.94 In der Mitte liegt eine halbe Puṭa-Nische von eindreiviertel Teilen Höhe, mit Tilaka-Schmuck an der Vertiefung; außen folgt eine Halbmond-Chandrashala.

vṛttarūpā tu sā kāryā sārdhadvābhyāṃ samucchritā |
) tanmadhye śikharī dvyaṃśā ucchritātimanoramā || 95 ||

26.95 Diese sei rund und zweieinhalb Teile hoch; hier endet der eingeklammerte Zusatz. In ihrer Mitte erhebt sich eine besonders schöne kleine Turmform von zwei Teilen.

pārśve trikaṇṭhakaṃ ramyaṃ dvyaṃśatastatsamunnatam |
tatpārśvārdhārathe'pyevaṃ kartavyārdhendaśālikā || 96 ||

26.96 Seitlich liegt ein schönes Trikantha-Profil von zwei Teilen Höhe. Am seitlichen halben Ratha ist entsprechend eine Halbmond-Chandrashala anzubringen.

tadvadvaraṇḍakādanyadvartayedvedabhāgataḥ |
uparyupari ca trīṇi ekaṃ [mū, a, kh, g, ṅ: evaṃ] bhūsūtratulyataḥ || 97 ||

26.97 Weitere Glieder über dem Varanda werden in vier Teilen gestaltet. Drei liegen übereinander, eines auf der Linie des Geschosses; die Lesart „eines“ ist unsicher.

pañcabhūvedikāntā ca [mū: kāṃ tāvat] kāryā candrārdhaśālikā |
madhyarathasya karmedaṃ vedikādyamathocyate || 98 ||

26.98 Bis zur Vedika des fünften Geschosses führt man die Halbmond-Chandrashalas fort. Damit ist die Gestaltung des mittleren Ratha beschrieben; nun folgen Vedika und weitere obere Glieder.

prāguktavedikocchrāyaṃ sārdhadvyaṃśaṃ tu kārayet |
pādātpraveśapaṭṭī syānnirgamā paṭṭikāṅghritaḥ || 99 ||

26.99 Die zuvor genannte Vedika-Höhe erhält zweieinhalb Teile. Rücksprung- und Vorsprungleiste messen jeweils ein Viertel.

haṃsapaṭṭī tu bhāgena pādonā ca kapotikā |
pādena caturasrāsyātsā garbhārdhapravistarā || 100 ||

26.100 Die Hamsa-Leiste erhält einen Teil, die Kapotika drei Viertel und die viereckige Leiste ein Viertel. Deren Breite entspricht der halben Innenraumbreite.

vedyāścoparibhāgastu vistāttryaṃśako mataḥ |
haṃsākhyāntārdhasūtrācca ṣaḍvibhāgastaducchrayaḥ || 101 ||

26.101 Der obere Bereich der Vedika wird in der Breite mit drei Teilen angesetzt. Von der halben Schnurlinie am Ende des Hamsa-Profils aus beträgt die Höhe sechs Teile.

tatrāṃśādgalavistāraḥ kapolanirgamāṃśataḥ |
kapolādaṃśaniṣkāśādamalāsāravistaraḥ || 102 ||

26.102 Der Hals ist einen Teil breit, Kapola springt einen Teil vor. Ein weiterer Vorsprung um einen Teil bestimmt die Breite des Amalasaraka.

pakṣīśoccā bhavedgrīvā tadasraikaṃ guṇaṃ bhajet |
ardhena galapaṭṭī ca upapaṭṭyaparārdhataḥ || 103 ||

26.103 Die Halszone besitzt eine durch ein unsicheres Zahlwort angegebene Höhe und wird weiter in drei geteilt. Halsleiste und Unterleiste erhalten jeweils einen halben Teil.

vṛttākhyā tattva [kh, gh: tanu] bhāgena tatpārśvā [g: tatpaścā] ccaturasrikā |
dvābhyāṃ cāmalasārākhyaṃ parito vṛttamucchritam || 104 ||

26.104 Das Rundprofil erhält einen Anteil, dessen Zahlwort zwischen „tattva“ und „tanu“ schwankt; seitlich folgt die viereckige Leiste. Der ringsum runde Amalasaraka ist zwei Teile hoch.

vikāradalasaṃyuktaṃ tadūrdhvaikaṃ guṇaṃ [kh, gh: yugaṃ] bhajet |
ekena caturasrā syād dvābhyāṃ haṃsakapotikā || 105 ||

26.105 Er besitzt sechzehn Blätter. Darüber erfolgt eine weitere Teilung, deren Zahl zwischen drei und vier schwankt: ein Teil für die viereckige Leiste, zwei für Hamsa und Kapotika.

kapola [gh: kapāṭa] ghaṭanāṃśena bhavedevaṃ tu mastakam |
anyārthe [kh: kanyārdhe] 'pyevamevaṃ tu prāsādaṃ ghaṭayed dṛḍham || 106 ||

26.106 Mit einem Teil für die Kapola-Ausbildung entsteht so der Kopfabschluss. Entsprechend baue man auch bei einer anderen vorgesehenen Größe einen festen Tempel; der Bezug des ersten Wortes im zweiten Halbvers bleibt unsicher.

prāsādapṛthupañcāṃśādamalākhyaṃ tribhāgataḥ |
sabhūtāṃśaistribhiḥ kāryo ghaṭastaddviguṇocchrayaḥ || 107 ||

26.107 Die Tempelbreite wird in fünf Teile geteilt, der Amalaka erhält davon drei. Für den Krugabschluss folgt eine beschädigte Angabe mit drei und fünf; seine Höhe soll doppelt so groß sein.

aghoro dakṣiṇe sthāpyaścottare vāmasaṃjñakaḥ |
pūrvatonāñjale [gh: ñjalai] rvājo jaṅghāṅgadvāstathaiva [mū: tvāttathaiva] ca (?) || 108 ||

26.108 Im Süden setze man Aghora ein, im Norden Vama. Die östliche Gottheit und ihre Haltung sowie die anschließende Angabe zur Wandzone sind beschädigt und nicht sicher übersetzbar.

śikharārdhe'pyavasthāpyāḥ surāśca rathamadhyataḥ |
kvacidbhairavanāṭyeśagauryarko dakṣiṇāditaḥ || 109 ||

26.109 Auch auf halber Turmhöhe setzt man Gottheiten in die Mitte der Risalite. Mitunter stehen von Süden an Bhairava, Natyesha, Gauri und Arka.

śikharaṃ bhūṣatedetairindrādyairvā svadiksthitaiḥ |
pūrvoktodgamapṛṣṭhāghrā [kh: pṛthvāsrā] tajjaṅghāmadhyato mukham || 110 ||

26.110 Mit ihnen oder mit Indra und den übrigen Richtungshütern an ihren eigenen Richtungen schmückt man den Turm. Die anschließende Anweisung zur Vorderseite in der Mitte der Jangha besitzt unsichere Maßwörter.

bhavejjyeṣṭhādikaṃ tacca tadūrdhveṃ pūrvavatkaṭiḥ |
tatkaṭyardhasamucchrāyaṃ pravibhajyāṣṭabhāgataḥ || 111 ||

26.111 Diese Vorderform wird in großer, mittlerer und kleiner Ausführung gestaltet; darüber liegt wie zuvor die Taille. Die halbe Taillenhöhe teile man in acht.

tattryaṃśairvartayetprāgvadrathakānekabhūmikān |
tryaṃśakaiścandraśālāṃ dvayaṃśato madhyataḥ puram || 112 ||

26.112 Mit drei Teilen forme man wie zuvor die mehrgeschossigen Risalite; drei Teile erhält die Chandrashala, zwei der mittlere Baukörper.

tatrasthaṃ jīvarūpaṃ ca ghaṭayetsundaraṃ budhaḥ |
pārśvayoścandraśālāyāstrikaṇṭhaṃ [mū: kaṇṭha] dvyaṃśato bhavet || 113 ||

26.113 Darin gestalte der Kundige eine schöne lebendige Figur. An beiden Seiten der Chandrashala befindet sich ein Trikantha-Profil von zwei Teilen.

pṛṣṭhataścandraśālāyā bheryekena tu vartulā |
madhyārdhe [gh, ṅ: madhyordhve] candraśālāyāstvaṃśāścinnarakaṃ matam || 114 ||

26.114 Hinter der Chandrashala liegt eine runde, trommelartige Form von einem Teil. Über beziehungsweise in halber Höhe ihrer Mitte nennt der Text ein weiteres, als „chinnaraka“ überliefertes Glied; das Wort ist unsicher.

ekena śikharaṃ cordhveṃ tilakākārakaṃ ca tat |
evaṃ tatpārśvataḥ kāryāścārdhenduśālikādayaḥ || 115 ||

26.115 Darüber liegt ein Teil für einen tilakaförmigen Turmabschluss. Entsprechend gestaltet man seitlich Halbmond-Chandrashalas und weitere Formen.

vāstubhūṣaṇamaśmotthamuktamanyāni ca bruve || 116 ||

26.116 Damit ist der steinerne Bauschmuck beschrieben; nun werde ich die übrigen Formen erklären.

iti lakṣaṇasamuccaye talacchandavāstubhūṣaṇākhya sāmānyapañcarathakaprāsādavartanā nāma [nāmeti pāṭhaḥ likhitapustakeṣu nāsti] ṣaḍviṃśo vidhiḥ || 26 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 26. Ritualabschnitt über „Grundrisse und fünfgliedrige Tempelformen“.

Kapitel 27: Tempeltypen mit Umgang

atha saptaviṃśaḥ

Nun folgt der 27. Ritualabschnitt.

athānyathā surāvāsāñjyeṣṭhādīṃstrīn yathākramam |
rathakernavasapteṣusaṅkhyairarkamatād bruve || 1 ||

27.1 Nun beschreibe ich nach der Lehre des Sonnengottes drei weitere Tempelformen, von der größten an, mit neun, sieben und fünf Risaliten.

mañjaryā mūlavistārairbhavennavatibhāgike |
randhrādi vasusaptāṃśairmadhyārdharathako grahaiḥ || 2 ||

27.2 Die Grundbreite des Turmkörpers wird in neunzig Teile geteilt. Von der Ecke an werden neun, acht und sieben Teile genannt; der mittlere halbe Ratha erhält neun.

sapādaikaikabhāgena jalamārgo viśetsamam |
rathakāḥ sārdhacatvāraścatvāraśca chalāgamāḥ || 3 ||

27.3 Jeder Wasserkanal springt gleichmäßig um eineinviertel Teile zurück. Für Risalite werden viereinhalb und für die als „chalāgama“ überlieferten Glieder vier Teile genannt.

nava tryaṃśo [kh: navatyaṃśo] cchrayāttasyā mañjaryā manubhi [kh: maṇubhi] rmahī |
tataścaikaikasantyāgāt ṣaḍaṇḍaṃ nava [g, gh: nnannava] bhūmikāḥ || 4 ||

27.4 Die Turmhöhe wird nach einer Variante in neunzig Teile geteilt; die Grundlesung ist uneben. Das erste Geschoss erhält vierzehn Teile, jedes folgende einen weniger. So entstehen neun Geschosse; die zusätzliche Bezeichnung „sechseiförmig“ ist nicht klar zugeordnet.

vedikāṃ bāhyataḥ kṛtvā candraśālādi bhūṣitāḥ |
vidyādharāmarairyuktaṃ syādevaṃ jyeṣṭhakhadrumaḥ || 5 ||

27.5 Außen liegt eine Vedika, geschmückt mit Chandrashalas und anderen Formen sowie Vidyadharas und Göttern. So entsteht der größte Khadruma-Typ.

vistāre ṣaṣṭibhāgāḍhye manibhiḥ koṇabandhanam |
upākhyaḥ sāṅgribāṇena munibhi [gh: saptabhiḥ] ścāṇukaṃ bhavet || 6 ||

27.6 Bei einer Breite von sechzig Teilen wird der Eckverband mit einer unsicheren Zahl bemessen. Der Uparatha erhält fünfeinviertel Teile, der Anuratha sieben.

munibhīrathakārdhaṃ syāt sapādāṃśaiḥ kramādviśet |
jalāntaraṃ tribhirevaṃ jalārdhaṃ tvekameva [kh: tvevameva] tu || 7 ||

27.7 Der mittlere halbe Ratha erhält sieben Teile; die Rücksprünge betragen jeweils eineinviertel. Für den Wasserzwischenraum nennt der Text drei Teile, für dessen Hälfte einen; die Angaben stimmen rechnerisch nicht ohne Weiteres überein.

rathāḥ sapta bhuvaḥ sapta sapta tryaṃśo [kh: tyaṃśo] cchraye kṛte |
kāmāṃśaiḥ prathamābhūmirekaikahrāsayogataḥ || 8 ||

27.8 Sieben Risalite und sieben Geschosse gehören zu dieser Form; die Höhe wird nach einer Variante in siebzig geteilt. Das erste Geschoss erhält dreizehn Teile, jedes weitere einen weniger.

āsaptabhāgataḥ kāryā mahyaḥ [g: sapta] sapta suśobhanāḥ |
candraśālādi pratrāḍhyā pūrvavadvedikā bahiḥ || 9 ||

27.9 So entstehen sieben schöne Geschosse, deren kleinstes sieben Teile misst. Sie tragen Chandrashalas und Blattschmuck; außen liegt wie zuvor eine Vedika.

ekonadaśamāṃśāstu kṛtvā vistarato budhaḥ |
bhūtāṃśena tu koṇaḥ syādvedenoparathastathā || 10 ||

27.10 Für die Breite nennt die Überlieferung „eines weniger als zehn“, also neun Teile. Die anschließend genannten fünf Teile für die Ecke und vier für den Uparatha zeigen jedoch einen unklaren Maßbezug.

madhye cāṇu [g: cāru; gh: cātha] ratho bāṇaiḥ pādonāṃśāṃśakairbahiḥ |
evaṃ śeṣārdhakaṃ kāryaṃ pañcabhūrathakānvitam || 11 ||

27.11 Der mittlere Anuratha erhält fünf Teile; außen erfolgen Abstufungen um jeweils drei Viertel. Entsprechend gestalte man die andere Hälfte: Die Form besitzt fünf Geschosse und Risalite.

śatārdhāṃśocchrayaṃ kṛtvā ravibhiḥ prāktanī [kh: prokṣaṇī] mahī |
rūpanāśātkramādanyā vasvantāḥ pañcabhūmayaḥ || 12 ||

27.12 Die Höhe wird in fünfzig Teile geteilt. Das erste Geschoss erhält zwölf, jedes folgende einen weniger, sodass die fünf Geschosse mit acht enden.

vedāsravṛttayormadhye tatkṣetraṃ yugabhāgikam |
kṛtvaikenatu saṃveśamādyaḥ koṇaratho bhavet || 13 ||

27.13 Den Bereich zwischen Quadrat und Kreis teile man in vier. Durch einen Rücksprung von einem Teil entsteht der erste Eckrisalit.

madhyārdharathako dvyaṃśaḥ praveśātpratiṣidhyati |
pañcamī rathakairdhāma tathānyadbhūta bhāgataḥ [gh: gaśaḥ || 14 ||

27.14 Der mittlere halbe Ratha besitzt zwei Teile und wird durch den Rücksprung begrenzt. So entsteht der Tempel mit fünf Risaliten; eine weitere Form wird in fünf Teile geteilt.

bhavetsaptarathānyasyastu [mū, gh: ḍhyastu] tathaiva rasabhāgikaiḥ |
ekaikena praveśastu dvābhyāṃ madhyardhago rathaḥ || 15 ||

27.15 Diese besitzt sieben Risalite. Eine weitere Einteilung umfasst sechs Teile; jeweils einer dient dem Rücksprung, zwei dem mittleren halben Ratha.

evaṃ navaratho jyeṣṭhaḥ prāsādaḥ śaṅkaroditaḥ |
vistaro vedyadhoḥ yaḥ syāttathā mañjarikocchritiḥ || 16 ||

27.16 So entsteht die größte, von Shankara gelehrte Form mit neun Risaliten. Die Breite unter der Vedika entspricht dabei der Höhe des Turmkörpers.

etau tithyaṃśato bhaktau jyeṣṭhā madhyā harāditaḥ [kh, gh: rāṃśataḥ] |
adhamo navabhāgaiḥ syātsthūlāmadhyakṛśāstridhā || 17 ||

27.17 Beide Maße werden bei der größten Form in fünfzehn, bei der mittleren in elf und bei der kleinsten in neun geteilt. So unterscheidet man breite, mittlere und schlanke Ausführungen; die mittlere Zahl folgt der verständlichen Variante.

vistārārdhonnatā jaṅghā madhyame pādavarjitā |
tatulyā kanyase dhāmni śikharaṃ dviguṇaṃ triṣu || 18 ||

27.18 Die Jangha-Höhe wird zunächst mit der halben Breite, für die mittlere Form mit einer Verminderung um ein Viertel und für die kleinste mit Gleichheit angegeben; die Bezugsgrößen bleiben uneben. Der Turm ist bei allen dreien doppelt so hoch.

arkapuṣpā yavākārā tathā dīpaśikhopamā |
sārdhadviguṇapādonā triguṇā mañjarī tridhā || 19 ||

27.19 Der Turmkörper gleicht einer Arka-Blüte, einem Gerstenkorn oder einer Flammenspitze. Seine drei Höhenverhältnisse werden als zweieinhalb, zweidreiviertel und dreifach beschrieben.

jaṅghāvistarasārdhatrisūtrakairbhramaṇādbha (bha) vet |
jaṅghārdhārdhasthite [g: sārdhastate] sūtre vṛttaṃ kaṅkaṭanācchubham || 20 ||

27.20 Mit Schnüren vom Dreieinhalbfachen der Jangha-Breite wird die Krümmung gezogen. Eine weitere Schnur liegt bei einem Viertel der Jangha; durch das Ansetzen des Zeichengeräts entsteht ein schöner Kreis beziehungsweise Bogen.

hīnāḥ syurlakṣaṇairhīnāstrirathāstrivarāḥ kvacit |
teṣāṃ koṇadvayaṃ bāṇairekaikena jalacyutiḥ || 21 ||

27.21 Kleinere Formen besitzen weniger Kennzeichen; mitunter sind drei gute Dreiratha-Formen vorgesehen. Ihre beiden Ecken erhalten je fünf Teile, der Wasserabfluss je einen.

sā vistārasamaśvabhrā dhāmabhiḥ parimaṇḍitam |
madhyaratho (') hi bhāgena kāryo viṃśatibhāgikaḥ || 22 ||

27.22 Dessen Tiefe entspricht seiner Breite, und er wird von kleinen Heiligtumsformen eingefasst. Der mittlere Ratha erhält einen Teil innerhalb einer Zwanzigerteilung; der Maßbezug ist nicht eindeutig.

triṃśadbhāgasamucchrāye rudrāṃśaiḥ prathamā mahī |
anyā diggrahabhāgaiḥ syādbhūmikā pūrvavadvarā || 23 ||

27.23 Bei dreißig Teilen Gesamthöhe erhält das erste Geschoss elf, die anderen zehn und neun. Die Geschosse werden wie zuvor schön gestaltet.

prāsādo liṅgataḥ svāṃśo brahmādyāste'tra ca trayaḥ |
caturaṣṭāsravṛttāśca tadbhedāścāpare trayaḥ || 24 ||

27.24 Der Tempel folgt seinem Linga in drei Grundformen, Brahma und den übrigen entsprechend: viereckig, achteckig und rund. Davon gibt es drei weitere Abwandlungen.

vedāsradīrghakāccāsrādaṣṭāsrā [gh: 'ṣṭāsro] tṣoḍaśāsrakaḥ |
vṛttāvṛttāyataḥ [kh, ṅ: dvṛttādayaḥ] ṣaṭsyustannāmāni vadāmyataḥ || 25 ||

27.25 Aus dem Quadrat entsteht das längliche Viereck, aus dem Achteck das Sechzehneck und aus dem Kreis die längliche Rundform. So ergeben sich sechs; nun folgen ihre Namen.

virājāhvo [mū, a, ṅ: jāṅko] yugāsraśca dīrghaḥ sa eva puṣpakaḥ |
aṣṭāsraḥ syāttripiṣṭākhyaḥ [kh, ṅ: viṣṭākhyaḥ] ṣoḍaśāsro himāṃśukaḥ || 26 ||

27.26 Das Quadrat heißt Viraja, seine längliche Form Pushpaka; das Achteck heißt Tripishta beziehungsweise Trivishta, das Sechzehneck Himamshuka.

vṛtto'rkaḥ satu [mū: sapta; kh: syatu] dīrghaḥ syānmaṇikākhyaśca paścime |
etebhyo'ṣṭādaśānye syuruttamādyāstu [gh: dyāṃśca] vacmi tān || 27 ||

27.27 Der Kreis heißt Arka, die längliche Rundform zuletzt Manika. Aus diesen entstehen achtzehn weitere; ich beschreibe sie von der größten Form an.

kāliṅgā nāgarā lāṭā varāṭā drāviḍāstathā |
gauḍā iti ca ṣoḍhaite prāsādāśca sarekhakāḥ || 28 ||

27.28 Kalinga, Nagara, Lata, Varata, Dravida und Gauda bilden sechs Tempelarten mit ihren charakteristischen Konturlinien.

latinaḥ kuṭṭinaścaiva śekharī [kh: khecarī] cakriṇastathā |
gāndhāro bhaumajaścāpi prāsādāḥ ṣaṭ smṛtāstvime || 29 ||

27.29 Latina, Kuttina, Shekhari, Chakrin, Gandhara und Bhaumaja sind sechs weitere genannte Tempelformen.

dhāmanā balabhī strī ca sthitikṛcca napuṃsakam |
avyaktavyaktamiśrāṇāṃ liṅgāṇāṃ syātkramādgṛham || 30 ||

27.30 Der Tempelbau gilt als männlich, die Valabhi als weiblich und der Sthitikrit als geschlechtsneutral. Sie dienen nacheinander ungegliederten, figürlichen und gemischten Linga-Formen als Wohnstätte.

jyeṣṭhaṃ sārdha [gh: ṣṭhāśārdha] dvayocchrāyaṃ madhyamaṃ cāṅghrivardhitam |
triguṇāṃ cādhamaṃ caitat [gh: caiva] sapādaṃ savitānikam [gh" mānikam] || 31 ||

27.31 Die größte Ausführung ist zweieinhalbfach hoch, die mittlere um ein Viertel höher und die kleinste dreifach. Mit dem oberen Abschluss nennt der Text zusätzlich ein Viertel; die genaue Zuordnung bleibt uneben.

ṣaḍḍhaṃ ca dviguṇocchrāyaṃ bāṇaśāstre prakīrtitam |
uttamādikaraiśca syādekaikasya tridhā gatiḥ || 32 ||

27.32 Die neutrale Form besitzt nach der Bana-Lehre doppelte Höhe. Durch große, mittlere und kleine Hasta-Maße erhält jede Form wiederum drei Größen.

haimaṃ raupyaṃ mahārcā ca liṅgaṃ gāndhāragaṃ śubham |
hīnapravyātmakaṃ neṣṭaṃ krūraṃ mānādhike sthitam || 33 ||

27.33 Ein goldenes oder silbernes Linga beziehungsweise ein kostbares Kultbild gilt im Gandhara-Tempel als günstig. Minderwertiges Material ist unerwünscht; ein grausamer Charakter wird mit übermäßigem Maß verbunden.

tasmānmānāṅghrichandāsyaṃ nāthārathakabhūmikā |
vṛttaśṛṅgenduśālākhyaṃ lakṣaṇaṃ daśadhocyate || 34 ||

27.34 Deshalb werden zehn Merkmalsgruppen aufgezählt: Maß, Fuß, Grundriss, Vorderseite, Nasika, Risalit, Geschoss, Rundung, Turmspitze und Chandrashala; einzelne Wortgrenzen sind unsicher.

śatārdhātpañcahānyā syurdaśahastāttato [gh: hastonnatā] nava |
gāndhāraśuddhadhāmāni liṅgametatpramāṇataḥ || 35 ||

27.35 Von fünfzig Hasta an vermindert man jeweils um fünf bis auf zehn: So entstehen neun reine Gandhara-Tempelmaße. Das Linga richtet sich nach diesem Maß.

ṣaṭtriṃśāṃśa [gh: śata] ścatustyāgāccaturhastāvadhikramāt |
ete navati [mū: navani] vandhārāḥ prasādā liṅgamānataḥ || 36 ||

27.36 Eine weitere Reihe beginnt bei sechsunddreißig und sinkt in Viererschritten bis auf vier Hasta. Der anschließende Ausdruck nennt „neunzig“ Gandhara-Tempel, während eine Variante auf neun weist; die Überlieferung ist hier widersprüchlich.

merumandarakailāsavimāno bhadrako [kh, ṅ: rudrako] bhavet |
śrīvatsokapa [mū: strovatso rūpa] nandākhyāstvete vairājajā nava || 37 ||

27.37 Meru, Mandara, Kailasa, Vimana, Bhadra, Shrivatsa, der beschädigt überlieferte Name „Ukapa“ und Nanda werden als neun aus Viraja hervorgegangene Formen genannt. Die Liste enthält in dieser Gestalt keine sicher abgrenzbaren neun Namen.

balabhī vajrapadmaśca valayāṅko haristathā |
vṛṣebhahasatārkṣyāntāḥ kramātsyurnavabhedataḥ [kh: bhavedataḥ] || 38 ||

27.38 Valabhi, Vajra, Padma, Valaya, Hari, Vrisha, Ibha, Hamsa und Tarkshya bilden eine weitere Neunergruppe.

balabhīcchandakaṃ dhāma jyeṣṭhaṃ puṣpakasambhavam |
vajrastripiṣṭapaścandrātpadma'rkā [gh: padmārkau] dvalayo hariḥ || 39 ||

27.39 Die große Valabhi-Grundrissform entsteht aus Pushpaka, Vajra aus Tripishtapa, Padma aus der Mondform und Valaya aus Arka; die anschließende Verbindung zu Hari ist uneben.

maṇikā [mū: maṇikād] vṛṣabho nāgo haṃsatārkṣyauṃ navaiva tu |
aṣṭādaśa pradhānācca prāsādāstūbhayātmakāḥ || 40 ||

27.40 Manika wird mit Stier, Elefant, Schwan und Tarkshya verbunden. Die zwei Neunergruppen ergeben achtzehn Hauptformen der Tempel.

etadaṃśodbhavāścānye vakṣyante bhedataḥ kramāt |
mālyāvānmalayaścaiva supārśvo merurambhavāḥ || 41 ||

27.41 Weitere entstehen durch Verbindung ihrer Teile; sie werden nun unterschieden. Malyavat, Malaya und Suparshva gehen aus Meru hervor.

merumandarabhinnaḥ syāddhimavāṃścārumūrtikaḥ |
vimānamandarābhyāṃ [g: ṇḍalābhyāṃ] ca bhinnaḥ śrīparvato bhavet || 42 ||

27.42 Himavat entsteht durch Verbindung von Meru und Mandara und besitzt schöne Gestalt. Shriparvata entsteht aus Vimana und Mandara.

samudgakaḥ [kh, g: muṅgakaḥ] samākhyātaḥ kelāso mandarā [g: maṇḍalā] nvitaḥ |
latā ghaṇṭā [mū: latāyāśca] vibhānau ca vimānādbhavataḥ [kh: vidyā] sadā || 43 ||

27.43 Die Verbindung von Kailasa und Mandara heißt Samudgaka. Lata und Ghanta werden als aus Vimana hervorgehend genannt; die Wortfolge ist variantenbehaftet.

bhadrādbhavenmahābhadro nalinaḥ sarvabhadrakaḥ [mū: tā mukhaṃ] |
śrīvatsādvardhamānākhyo mālā śrīvatsasaṃjñakaḥ || 44 ||

27.44 Aus Bhadra entstehen Mahabhadra, Nalina und Sarvabhadra; aus Shrivatsa Vardhamana, Mala und eine erneut Shrivatsa genannte Form.

nandirvṛddhiśca khādhārastṛtīyaḥ parikīrtitaḥ |
śālāgṛhaṃ viśālaṃ ca brahmamandiramandire [kh: maṇḍale] || 45 ||

27.45 Nandi, Vriddhi und als dritter Khadhara werden genannt. Es folgen Shalagriha, Vishala und Brahmamandira; ihr Ableitungszusammenhang ist im Wortlaut unklar.

bhuvajaṃ śikhikā [mū: śivikā] veśmaprabhavo valabhībhavāḥ |
ardhagṛhaṃ kuṭīrākhyaṃ sthitikṛcca gṛhādhipāt || 46 ||

27.46 Bhuvaja, Shikhika beziehungsweise Shivika und Veshmaprabhava entstehen aus Valabhi. Ardhagriha, Kutira und Sthitikrit entstehen aus Grihadhipa.

śrīkaṇṭhaḥ svastikaḥ khaḍgaḥ kuliśaḥ svastiko gadā |
cakraṃ svastikasaṃjñācca vijayaḥ sapta [kh, ṅ, gh: sasta] vajrajāḥ || 47 ||

27.47 Shrikantha, Svastika, Khadga, Kulisha, ein weiterer Svastika, Gada, Chakra und Vijaya erscheinen in einer unebenen Namensreihe. Der Text zählt sieben aus Vajra entstandene Formen und verbindet Chakra mit Svastika; die genaue Siebenergliederung bleibt unsicher.

padmānmahāravindaṃ syātkumudotpalakau trayaḥ |
dundubhī mukulī cakramuṣṇīṣī śaṅkhasaṃjñakaḥ || 48 ||

27.48 Aus Padma entstehen drei: Maharavinda, Kumuda und Utpala. Es folgen Dundubhi, Mukuli, Chakra, Ushnishi und Shankha …

drumavṛkṣoghaṭaśceti saptaite valayānujāḥ |
ṛkṣako bhūṣaṇaścaiva bhūdharaḥ śrījayastathā || 49 ||

27.49 … sowie Drumavriksha und Ghata als sieben Nachkommen des Valaya. Rikshaka, Bhushana, Bhudhara und Shrijaya …

pṛthvīdharo vṛṣotthācca catuṣaṣṭiprabhedataḥ |
prāsādā bāṇaśāstroktāstvetadbhedo'tivistaraḥ || 50 ||

27.50 … sowie Prithvidhara werden mit Vrisha verbunden. Die Bana-Lehre nennt vierundsechzig Tempelabwandlungen; ihre weitere Unterteilung ist sehr umfangreich.

dvātriśacca sahasrāṇi catuḥ śatayutāni ca |
uktāni bhedabhinnāni dhāmnāṃ vai pārameśvare || 51 ||

27.51 Im Parameshvara werden insgesamt zweiunddreißigtausendvierhundert unterschiedliche Tempelformen gelehrt.

caturvaktrasya liṅgasya caturasraścaturmukhaḥ |
prāsādo brahmaṇo'pyukto natvanyeṣāṃ kadācana || 52 ||

27.52 Für das viergesichtige Linga und für Brahma ist ein quadratischer Tempel mit vier Vorderseiten vorgesehen, keinesfalls für andere Gottheiten in dieser besonderen Zuordnung.

sarverṣā vibudhānāṃ ca liṅgasya [g: vidhasya] trimukhasya ca |
ekadvāro yugāsraśca prāsādaḥ parikīrtitaḥ || 53 ||

27.53 Für alle Gottheiten und für ein dreigesichtiges Linga wird ein viereckiger Tempel mit einem Eingang beschrieben.

ekavaktrasya liṅgasya pratimā yā bhavasya ca |
vṛtto maheśvarasyoktaḥ prāsādo'yaṃ na kasyacit || 54 ||

27.54 Für ein eingesichtiges Linga und ein Bild Bhavas ist ein runder Tempel vorgesehen. Diese besondere Form gehört Maheshvara und keiner anderen Gottheit.

caturmukhasya liṅgasya caturdvārastathā paraḥ |
prāsādo vartulaḥ proktaḥ īśvarasya na kasyacit || 55 ||

27.55 Ein weiterer runder Tempel mit vier Toren dient dem viergesichtigen Linga. Auch er ist Ishvara vorbehalten.

ekavaktrastathāṣṭāsro viṣṇoścaiva bhavasya ca |
caturdvāraḥ punarayaṃ bhavasya brahmaṇastathā || 56 ||

27.56 Die achteckige Form mit einer Vorderseite dient Vishnu und Bhava; dieselbe mit vier Eingängen dient Bhava und Brahma.

caturasrāyatā ye ca tathā vṛttāyatāḥ pare |
ekadvārāḥ smṛtāḥ sarve prasādā lakṣaṇānvitāḥ || 57 ||

27.57 Längliche viereckige und längliche runde Tempel besitzen nach dieser Merkmalslehre jeweils einen Eingang.

muktā liṅgaṃ maheśasya tathā ca kamalāsanam (?) |
sarvāsāṃ pratimānāṃ tu prāsādāḥ samudāhṛtāḥ || 58 ||

27.58 Abgesehen vom Linga Maheshas und vom Lotus-Thronenden werden diese Tempelformen für die übrigen Kultbilder genannt. Der Vers ist in der Vorlage ausdrücklich unsicher markiert.

ucyante padasaṃsthāśca śreṣṭhāṣṭādaśa vāmagāḥ [kh: dhāmagā] |
karasaṅkhyāṃ dvidhā bhattṅkā mervādīnāṃ ca kārayet (?) || 59 |

27.59 Nun folgen die Grundrissanordnungen der achtzehn vorzüglichen Tempel. Bei Meru und den übrigen wird die in Hasta angegebene Zahl halbiert; der Vers ist unsicher überliefert und endet in der Vorlage nur mit einem Einzelstrich.

harāṃśaiśca bahirbhittirdaśāṅgai [kh, g: daśāṃśai] randhrakārikām |
rudrāṃśaiśca krauḍabhittiṃ grahā/śaiḥ suśiraṃ tathā || 60 ||

27.60 Für die äußere Mauer werden elf Teile, für einen Hohl- beziehungsweise Dunkelraum zehn, für die innere Mauer elf und für den Hohlraum neun genannt.

navabhāgaiśca pīṭhārdhaṃ śeṣāṃśāñcaivameva hi |
itthaṃ meruḥ śatāṃśaḥ syānmandarā [g: maṇḍalā] diśca kathyate || 61 ||

27.61 Die halbe Sockelbreite erhält neun Teile; die übrigen Anteile werden entsprechend angesetzt. So ergibt sich für Meru eine Hundertteilung. Nun folgen Mandara und die weiteren Formen.

bāhyapīṭhaṃ [kh, gh: bāhyakuśvaṃ] tamobhittirgarbhapīṭhārdhameva ca |
bhāgaikaikaṃ kramāttyaktvā evamānandanādbhavet || 62 ||

27.62 Beim äußeren Sockel, bei den Mauern des dunklen Umgangs, beim Innenraum und bei der halben Sockelbreite wird jeweils ein Teil abgezogen. So schreitet die Reihe bis Nandana fort.

athāhibhājite kṣetre śaphayugmanakhāṃśakaiḥ [kh, gh: tmakaiḥ] |
yugairbhittiścaravaṃkuḍyaṃ [ṅ: saṃkuḍyaṃ] garbhapīṭhaṃ tapena tu || 63 ||

27.63 Eine weitere Feldteilung verwendet das Zahlwort „ahi“, dessen Wert hier nicht sicher feststeht. Die Folge nennt Hufpaar, zwanzig, vier und zwölf als Maßwörter für Mauern, Innenraum und Sockel; ihre Zuordnung ist beschädigt.

kuḍyamandhārikābhittirbhramaḥ pīṭhaṃ bhavetkramāt |
dvārtriṃśajjinabhūpāṣṭacandrāśaiśca navāṃśake || 64 ||

27.64 Für Außenmauer, Dunkelgangmauer, Umgang und Sockel folgt eine ebenfalls unebene Zahlenreihe: zweiunddreißig, vierundzwanzig, sechzehn, acht und eins, bezogen auf eine Neunerteilung.

catuḥ ṣaṣṭipade kṣetre madhye pīṭaṃ yugāṃśakaiḥ |
suśiraścārkabhāgaiśca viṃśadṛkṣaiśca bhittayaḥ || 65 ||

27.65 Bei vierundsechzig Feldern besitzt der mittlere Sockel vier, der Hohlraum zwölf und die Mauern zwanzig beziehungsweise siebenundzwanzig Teile; der zweite Mauerbezug ist nicht eindeutig.

dantajinavikārāṃśādbāhyacchandodgamaḥ [kh: bhramaḥ] kramāt |
parito ghaṭanāttatra na kāryā kuḍya pīḍanā || 66 ||

27.66 Der äußere Grundrissvorsprung beziehungsweise Umgang wird mit zweiunddreißig, vierundzwanzig und sechzehn Teilen verbunden. Die ringsum angebrachten Formen dürfen die Mauer nicht beeinträchtigen.

sārka [kh: arkai] śatāṃśakaṃ kṣetraṃ kṛtvā tiryagguṇāṃśakam |
karṇasūtrāṇi koṇeṣu koṇādrāmāṃśakaṃ [gh: mārdhakaṃ] haret || 67 ||

27.67 Man teile das Feld in hundertzwölf Teile und ziehe die Diagonalschnüre quer durch die Ecken. Von jeder Ecke nehme man drei Teile weg; eine Variante nennt eineinhalb.

bhūtāṃśaiḥ piṇḍikā kāryā grahabhūtāgnilopanāt |
randhrāddhi rāmabhāgaiḥ syādrathaṃkāṇāṃ vyavasthitiḥ || 68 ||

27.68 Die Pindika erhält fünf Teile. Durch Wegnahme von neun, fünf und drei Teilen und weitere Dreierteilungen werden die Risalite angeordnet; die genaue geometrische Folge bleibt uneben.

madhye kāmartubhāgaiśca nirgamastasya tatra ca |
paritaśca caturdikṣu karmādyā rathakā nava || 69 ||

27.69 In der Mitte werden Vorsprünge mit dreizehn und sechs Teilen angegeben. Ringsum in jeder der vier Richtungen liegen neun Risalite, von der Ecke an.

sārdhadviguṇa āpā [kh: stvāpā] dāducchrayastasya tu kvacit |
nitambaskandhayormadhye dviśatābhyāṃ vibhajya ca || 70 ||

27.70 Mitunter beträgt die Höhe vom Fuß an das Zweieinhalbfache. Den Bereich zwischen Hüfte und Schulter teile man in zweihundert.

kāryādyābhūrnakhāṃśaiśca tyajeccaikaikamanyataḥ |
candraśālānvitāpyevaṃ yāvatṣoḍaśabhūmayaḥ || 71 ||

27.71 Das erste Geschoss erhält zwanzig Teile, jedes weitere einen weniger. So entstehen sechzehn mit Chandrashalas versehene Geschosse.

kvacidviṣamabhūruktā [mū: rūkṣā] rathakā viṣamā yathā |
catuḥ śṛṅgānvitā [kh, gh: ṅkitā] nāsāścatasraḥ śikharārdhagāḥ || 72 ||

27.72 Mitunter wird eine ungerade Geschosszahl verlangt, entsprechend der ungeraden Risalitzahl. Vier Nasikas mit vier Spitzen liegen auf halber Turmhöhe.

vedikābhūḥ kaṭiḥ kaṇṭhaḥ kapolāmalasārakaḥ |
pūrvavatsaśalaṃ merorvedāsyaśataśṛṅgiṇaḥ || 73 ||

27.73 Vedika, Geschoss, Taille, Hals, Kapola und Amalasaraka entsprechen den früheren Angaben. So entsteht der vierseitige Meru mit hundert Spitzen und den zugehörigen Hallen.

yāmyendrenduśukāṅghryeṣu [kh: graṣu] herambādityamaṅgalāḥ |
taddvāramānato'nyasya liṅgaṃ navakaraṃ tathā || 74 ||

27.74 An südlichen, östlichen und nördlichen Shukanasa-Partien werden Heramba, Aditya und Mangala genannt. Eine weitere Maßangabe bezieht sich auf die Tür; das Linga wird mit neun Hasta bemessen.

śukanāsāgrataścordhvaṃ siṃhaḥ syādvikṛtā [kh: vivṛtā] nanaḥ |
prāggrīvanirgamārdhena dairghyaṃ siṃhasya kīrtitam || 75 ||

27.75 Vorn oberhalb der Shukanasa steht ein Löwe mit geöffnetem beziehungsweise verzerrtem Rachen. Seine Länge beträgt die Hälfte des Vorsprungs des vorderen Halsgliedes.

tattribhāgocchritaṃ tasya tattulyaṃ vistaraṃ smṛtam |
vistarocchrāyamānena kartavyo mastakocchrayaḥ || 76 ||

27.76 Seine Höhe beträgt ein Drittel seiner Länge, seine Breite entspricht dieser Höhe. Die Kopfhöhe wird nach Breite und Höhe bemessen.

tattribhāgocchritā [gh: tthitā] grīvā śukanāsārdha [gh: sordhva] madhyataḥ |
prāggrīvanirgamenaiva nāsāgraṃ tasya nirgatam [mū: nirgamaḥ] || 77 ||

27.77 Der Hals ist ein Drittel davon hoch und liegt in der Mitte über beziehungsweise auf halber Höhe der Shukanasa. Seine Schnauze ragt entsprechend dem vorderen Halsvorsprung hervor.

siṃhaḥ pipīlikāmadhyastvapāṅgakṛtapucchakaḥ |
bṛhatkaṭirbhahoraskaḥ kartavyaḥ kesarānvitaḥ [atra keśarānvitaḥ iti likhitapustakeṣu tālavyaḥ pāṭhaḥtasya ke śīryate iti vigrahe sādhuḥ |] || 78 ||

27.78 Der Löwe besitzt eine ameisenschmale Mitte, einen seitlich geführten Schwanz, kräftige Hüften, breite Brust und eine Mähne. Die Vorlage erläutert die Schreibvariante des Wortes für „Mähne“ im Apparat.

lelihānordhvakaṇṭhastu svapīṭhopari saṃsthitaḥ |
grīvādhārā bhavedvedī prāsādārdhapravistarāt || 79 ||

27.79 Mit leckender Zunge und erhobenem Hals steht er auf seinem eigenen Sockel. Die den Hals tragende Vedika ist halb so breit wie der Tempel.

vedikopari karṇeṣu siṃhāḥ syurvikṛtānanāḥ |
svamānavistārāyāmā mastakanyastapucchakā || 80 ||

27.80 Auf den Ecken der Vedika stehen weitere Löwen mit geöffnetem Rachen, entsprechend ihren eigenen Breiten- und Längenmaßen, mit über den Kopf gelegten Schwänzen.

vedivyāma [kh, gh: vyāsa] tribhāgena dairdhyaṃ teṣāṃ prakīrtitam |
siṃhāḥ svalakṣaṇepetāḥ kartavyāḥ kesarāvintāḥ || 81 ||

27.81 Ihre Länge beträgt ein Drittel der Vedika-Breite. Die Löwen sollen ihre besonderen Kennzeichen und Mähnen besitzen.

vedyupari tathā dikṣu catvāro nararūpiṇāḥ |
lambanena samāyuktāścandraśālāsamāsrakāḥ || 82 ||

27.82 Auf der Vedika stehen in den vier Himmelsrichtungen vier menschliche Gestalten, mit herabhängendem Schmuck und zu den Chandrashalas passenden Kanten.

digvedairaṭasarogātrividyābhṛdgraha [kh: bhūgṛha] kinnaraḥ |
mātṛbhirgaṇavidyeśairbhuṣayennavarbhūmikāḥ || 83 ||

27.83 Die Geschosse schmücke man mit Richtungshütern, Apsaras, Vidyadharas, Planeten beziehungsweise einer unsicheren weiteren Gruppe, Kinnaras, Müttern, Ganas und Vidyeshvaras. Die Anzahl der Geschosse ist hier uneben geschrieben.

garbhāśmamañjarījaṃ yattena pātabhayaṃ bhavet |
tasmātkuryādapāṃ mārge dve dve randhrai mahīkramāt || 84 ||

27.84 Wasser beziehungsweise Belastung im Inneren des steinernen Turmkörpers kann Einsturzgefahr verursachen; der einleitende Ausdruck ist verkürzt. Deshalb lege man auf jedem Geschoss je zwei Öffnungen in den Wasserwegen an.

meruḥ |

Die Tempelform meru.

kṛtvā caturaśītyaṃśaṃ koṇātsārdhadvayaṃ tyajet |
rāmāṃśaistatra piṇḍī syādṛtuvedayamāṃśakaiḥ || 85 ||

27.85 Für Mandara teile man das Feld in vierundachtzig Teile und nehme an den Ecken zweieinhalb weg. Die Pindika erhält drei Teile; weitere Abstufungen werden mit sechs, vier und zwei bemessen.

praveśanirgamau tatra madhye bhūpendrabhānubhiḥ |
niṣkrāntirdiśadiśyaiva navaiva rathakā matāḥ || 86 ||

27.86 Rücksprünge und Vorsprünge werden in der Mitte mit den Zahlwörtern sechzehn, vierzehn und zwölf verbunden. In jeder Richtung ergeben sich neun Risalite.

kaṭivedyantarasthāne dvyekaṣaṣṭiyutaṃ śatam |
kṛtvāṣṭādaśabhirbhūḥ syādanyaikaikaṃ vinā kramāt || 87 ||

27.87 Der Raum zwischen Taille und Vedika wird nach der unebenen Zahlenfügung in einhundertzweiundsechzig Teile geteilt. Das erste Geschoss erhält achtzehn, jedes weitere einen weniger.

bhuvaścaturdaśaivaṃ syuḥ puṣkarāpāśrayānvitāḥ |
caturdvāraṃ caturnāsaṃ vicitrakuharairyutam || 88 ||

27.88 So entstehen vierzehn Geschosse mit Lotusformen und Stützen. Der Tempel besitzt vier Türen, vier Nasikas und vielfältige Nischen.

prāguktavedikākaṇṭhamastakaiḥsaṃyutaṃ śubham |
daśonaśataśṛṅgaṃ ca vidadhyānmandaraṃ sudhīḥ || 89 ||

27.89 Mit den zuvor beschriebenen Vedikas, Hälsen und Kopfabschlüssen, schön und mit neunzig Spitzen, errichte der Kundige den Mandara.

mandaraḥ |

Die Tempelform mandara.

ṣaṭtriṃśadaṃśake kṣetre caturaṃśāstu [kh, ṅ: sśāṃśa] koṇataḥ |
guṇaṃ rūpaṃ tadagre ca [kh, ṅ: bhūḥ] tiryagvahniṃ vināśayet || 90 ||

27.90 Für Kailasa wird das Gelände in sechsunddreißig Teile geteilt. Von der Ecke aus werden vier, drei und einer sowie quer drei Teile abgezogen; die genaue Reihenfolge ist variantenbehaftet.

vedenoparathaṃ sthāpyaṃ guṇacandrānalāṃśakam |
tadvalluptvā [kh: llabdhvā] ntare madhyārdharathaṃ sthāpayejjalaiḥ || 91 ||

27.91 Der Uparatha erhält vier Teile. Nach weiteren Abzügen von drei, einem und drei Teilen setze man in der Mitte den halben Ratha mit vier Teilen an.

koṇādārabhya śeṣārdhamevamevaṃ tu vartayet |
śikharaṃ dvyucchrayaṃ sārdhaṃ kṛtvā kaṭyūrdhva [mū: kaṭyartha] mādivat || 92 ||

27.92 Von der Ecke aus gestalte man die andere Hälfte entsprechend. Der Turm erhält zweieinhalbfache Höhe; oberhalb der Taille gilt die zuvor beschriebene Anordnung.

kṛtvā sā [gh: kṛtāṃśā] ṅghriśataṃ saikaṃ prathamābhūrnṛpāṃśataḥ |
śeṣaikaikaparityāgādarkabhūmīsamucchrayam || 93 ||

27.93 Die Gesamthöhe wird mit einer beschädigten Angabe um hundert Teile bemessen. Das erste Geschoss erhält sechzehn, jedes weitere einen weniger; insgesamt entstehen zwölf Geschosse.

caturnāsikavaktraṃ ca candraśālāmarānvitāḥ [mū, ṅ: parānvitam] |
aśītiśṛṅgasayuktaṃ kailāsaṃ ghaṭayedvaram || 94 ||

27.94 Mit vier Nasikas und Vorderseiten, Chandrashalas und Gottheiten sowie achtzig Spitzen gestalte man den herrlichen Kailasa.

kailāsaḥ |

Die Tempelform kailāsa.

manu [kh: mantra] dvidhākṛte kṣetre rudrahṛdviṃśadāśrutiḥ |
trikṣayādvāmataḥ koṇastayostambhastanukṣayāt || 95 ||

27.95 Für Vimana wird das Feld nach der Grundlesung durch Verdopplung von vierzehn geteilt. Die folgende Folge von elf, Herz, zwanzig und Abzug von drei ist beschädigt; sie betrifft Ecke und Säule und erlaubt keine sichere Maßrekonstruktion.

uparathaṃ jalāṃśena ratha tryaṃśena madhyataḥ |
itthamevāparārdhaṃ syāccatu [mū: ca catu] rdikṣu samantataḥ || 96 ||

27.96 Der Uparatha erhält vier Teile, der mittlere Ratha drei. Die andere Hälfte wird ebenso gestaltet, ringsum in allen vier Richtungen.

śṛṅgastambhānugairmadhye śikharaiḥ sendusālakaiḥ |
sakapāṭārgalairvedaghaṭairnāga [mū: ghaṭanāṅga] gavākṣakaiḥ || 97 ||

27.97 Dazu kommen Spitzen, Säulen, mittlere Türmchen mit Chandrashalas, Türen mit Riegeln, vier Krugformen und elefantenartige Gavaksha-Fenster.

kṛtvā pañcanavatyaṃśaṃ [mū, a: tyūrdhvaṃ] prāgbhūḥ kaṭyūrdhvamindrataḥ |
tadūrdhvaikaikasaṃhrāsātkartavyā bhūmayo daśa || 98 ||

27.98 Oberhalb der Taille wird die Höhe in fünfundneunzig Teile geteilt. Das erste Geschoss erhält vierzehn, jedes weitere einen weniger; so entstehen zehn Geschosse.

bhūmaṃ dhāmā rathāḥ pañca valabhīlāñchitau rathau |
kuharāṇi surairmadhye rathake syurvimānakau || 99 ||

27.99 Der Bau besitzt fünf Risalite, davon zwei mit Valabhis. Im mittleren Ratha liegen Nischen mit Gottheiten und kleine Vimana-Formen.

ardho ghaṭakapāṭaistu parasparasamīkṣakaiḥ |
dvāraikāṣṭa [gh: kāṅghri] samādyeśaḥ (?) saptatibhirviṣāṇakaiḥ || 100 ||

27.100 Einander gegenüberliegende Halbkrug- und Türformen werden genannt. Die folgende Tür- und Maßangabe ist ausdrücklich unsicher; der Vimana besitzt siebzig Spitzen.

vimānam |

Die Tempelform vimānam.

śakradviguṇite kṣetre ṣaḍbhistanmadhyato rathaḥ |
bhāgaikaikena saṃveśāttryaṃśaiścoparadhau matau || 101 ||

27.101 Für Bhadra teile man das Feld in das Doppelte von vierzehn, also achtundzwanzig. Der mittlere Ratha erhält sechs Teile, die Uparathas nach Rücksprüngen von jeweils einem Teil je drei.

dvābhyāmanurathaḥ kāryaḥ koṇabandho guṇātmakaiḥ [kh: ṇāṃśakaiḥ] |
sāndhāraścaturāsyaśca vedā"ghro bhramaṇānvitaḥ || 102 ||

27.102 Die Anurathas erhalten je zwei Teile, der Eckverband drei. Der Tempel besitzt einen umschlossenen Umgang, vier Vorderseiten und vier Füße beziehungsweise Grundansätze.

sakūṭaśṛṅga saptārciścandraśālānvitai rathaiḥ |
vidyādhārākulai ramyairbhadraḥ syāt ṣaṣṭiśṛṅgavān || 103 ||

27.103 Mit Dach- und Turmspitzen, strahlenden Formen, Chandrashala-Risaliten und schönen Vidyadhara-Gruppen versehen, besitzt Bhadra sechzig Spitzen.

bhadraḥ |

Die Tempelform bhadra.

bhūmau bhūmau kuṭī dvau dvau tatra kāṣṭhādhipā daśa |
bhadrabhāgairmahābhadraḥ proktaḥ sopānaśobhitaḥ || 104 ||

27.104 Auf jedem Geschoss liegen je zwei kleine Heiligtümer mit den zehn Richtungshütern. Nach den Maßen des Bhadra entsteht, mit Treppen geschmückt, Mahabhadra.

mahābhadraḥ |

Die Tempelform mahābhadra.

bhadravattala [mū, a, kh, ṅ" vartala] cchandena samo'dhastādvivartitaḥ |
upariṣṭādvimānāṃśaḥ [mū, a, ṅ: nātma] kramato merumandarau || 105 ||

27.105 Die untere Grundrissanordnung entspricht Bhadra. Darüber folgen Teile des Vimana und nacheinander Meru und Mandara …

kailāso nandanoyuktaḥ śrīvatso bhadrasaṃjñakaḥ |
sarvātmā śikharaiḥ kāryaḥ sarvatobhadrako yataḥ || 106 ||

27.106 … Kailasa, Nandana, Shrivatsa und Bhadra. Weil diese Form alle verbindet und mit ihren Turmformen ausgestattet ist, heißt sie Sarvatobhadra, „nach allen Seiten günstig“.

saptabhūrathakaiyukto vedāṅghryāsyairbhramānvitaḥ |
sapuṣkakaraścaturdikṣu cāru catuṣkikānvitaḥ |
caturghaṭasamopetaḥ sopānavalabhīyutaḥ [kh, gh: mukhaḥ || 107 ||

27.107 Sie besitzt sieben Geschosse mit Risaliten, vier Füße und Vorderseiten, einen Umgang, Lotusformen in den vier Richtungen, schöne viersäulige Vorhallen, vier Krugabschlüsse, Treppen und Valabhis.

sarvatobhadraḥ |

Die Tempelform sarvatobhadra.

ṣaṭtriṃśadaṃśake kṣetre trityāgā [kh, ṅ: trivṛtyā; g: tribhāgā] tkoṇavartanam [mū, a, g, ṅ: vartulam] |
tadvatpiṇhyambu [mū, aṅ: piṇḍāmbu] nopākhyaḥ śareṇānurathaḥ sadā || 108 ||

27.108 Für Ruchaka wird das Feld in sechsunddreißig Teile geteilt; durch Wegnahme von drei entsteht die Eckform. Pindika und Uparatha werden mit Wasserkanälen verbunden, der Anuratha erhält fünf Teile; die mittleren Wörter sind unsicher.

madhyārdhe'gnibhiranyatra tvevaṃ saptaratho'dhikaḥ [kh: rcikaḥ; gh: rvikaḥ; ṅ: rdhikaḥ] |
kūṭānvitenduśālā syāda digdvārāṅghryāsyako rucaḥ || 109 ||

27.109 Der mittlere halbe Ratha erhält drei Teile; die andere Hälfte wird entsprechend gestaltet. So entstehen sieben Risalite, Chandrashalas mit Dachformen und Eingänge beziehungsweise Vorderseiten in den Richtungen.

rucakaḥ |

Die Tempelform rucaka.

daśāṃśetu [mū: anu] kṛte kṣetre madhye ca rathakastribhiḥ |
sārdhenānurathau kāryau koṇaścaiva dvibhāgataḥ [gh: ratho koṇaṃ koṇaṃ caiva vibhāgataḥ] || 110 ||

27.110 Für Shrivatsa wird das Feld in zehn geteilt. Der mittlere Ratha erhält drei Teile, die Anurathas je eineinhalb und die Eckformen je zwei.

rathāḥ pañcabhuvaścaikāṅghryā catuḥ śikharāṇi ca |
ratho dhāmāṅkito bhūśca kuharīmadhyago rathaḥ [gh: rave] || 111 ||

27.111 Die Form besitzt fünf Risalite und eine unklar überlieferte Geschoss- und Fußgliederung sowie vier Turmspitzen. Die Risalite tragen Heiligtumsformen; der mittlere besitzt eine Nische.

kuhareṣu narā nārya siṃhavyāghrebhapakṣiṇaḥ |
bhṛgādayaḥ sahe [kh: sade] tyevaṃ śrīvatsaḥ syāddhareḥ priyaḥ || 112 ||

27.112 In den Nischen stehen Männer und Frauen, Löwen, Tiger, Elefanten, Vögel sowie Bhrigu und weitere Gestalten. So entsteht Shrivatsa, der Hari lieb ist; ein Schlusswort bleibt unsicher.

śrīvatsaḥ |

Die Tempelform śrīvatsa.

caturasraśca sāndhāro bhadra [kh: rudra] gatistribhūmikaḥ |
siṃhaskandho'malāsārairyuktaḥ kāryo gṛhādhipaḥ || 113 ||

27.113 Der Grihadhipa beziehungsweise Griharaja sei viereckig, mit Umgang und drei Geschossen, nach dem Bhadra-Schema gestaltet, mit Löwenschultern und Amalasaraka-Abschlüssen.

gṛharājaḥ |

Die Tempelform gṛharāja.

indrāṃ [kh: nidraṃ] śake kṛte dhāmni koṇāḥ syājjalahānitaḥ |
dvābhyāṃ cānurathau kāryau vedāṃśairmadhyamo rathaḥ [gh: go raveḥ] || 114 ||

27.114 Für Nandana wird das Tempelfeld in vierzehn Teile geteilt. Die Ecken entstehen durch Abzug der Wasserkanäle; die Anurathas erhalten je zwei, der mittlere Ratha vier Teile.

ekāṅghriḥ saptabhūmiśca pañcarekhenduśālikaḥ [gh: rathenduśālikam] |
nānāsurākulo ramno [mū, a, ṅ: varmyo] nandanaḥ suranandanaḥ || 115 ||

27.115 Mit einem Fußansatz, sieben Geschossen, fünf Konturlinien beziehungsweise Risaliten und Chandrashalas, schön und mit vielerlei Göttern erfüllt, erfreut Nandana die Gottheiten.

nandanaḥ |

Die Tempelform nandana.

iti lakṣaṇasamuccaye sāndhāranavaprāsādavartanā nāma [nāmeti pāṭhaḥ likhitapustakeṣu nāsti] saptaviṃśo vidhiḥ |

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 27. Ritualabschnitt über „Tempeltypen mit Umgang“.

Kapitel 28: Linga-Maße und Merkmale des Heiligtums

athāṣṭāviṃśaḥ

vedāṃśe sāṅghri [kh, gh: sraścāṅghri] dīrghe ca nakhāṃśaiḥ śaiṣagarbhiṇi |
pārśvayoḥ pañcabhirbhitiḥ pṛṣṭhe'gre syācca sarvataḥ [kh: sārdhataḥ] || 1 ||

28.1 Die längliche Grundform wird mit vier Teilen und einer Verlängerung um ein Viertel beschrieben; für den verbleibenden Innenraum nennt der Text zwanzig Teile. Seitlich erhalten die Mauern je fünf, hinten und vorne folgt eine unklare beziehungsweise variantenweise eineinhalb betragende Angabe.

daśabhāgī [kh, gh: māṃśī] kṛte kṣetre madhye cārdha [gh: cordhva] ratho mataḥ |
upākhyo'nurathaḥ koṇaścaturardhāṃśataḥ [kh, ṅ: rdhāṃśatataḥ] kramāt || 2 ||

28.2 Bei einer Zehnerteilung liegt in der Mitte der halbe Ratha. Uparatha, Anuratha und Ecke werden anschließend mit vier halben Anteilen verbunden; die genaue Verteilung bleibt unsicher.

tanupakṣāgnisaṃveśāccheṣa evaṃ puro'pare [gh: pure pure] |
pārśvārdhe rudrabhāge syānmadhyāttryaṃśai [kh: graṃśaiḥ] ryugairjalaiḥ || 3 ||

28.3 Durch Rücksprünge von einem, zwei und drei Teilen entsteht die verbleibende Vorder- und Rückseite. Die halbe Seitenfläche wird in elf geteilt und von der Mitte an mit drei, vier und vier Teilen bemessen.

rathātiratha [gh: nuratha] koṇāni tvekaikenodakāntaram |
valabhīcandraśālāsyā catu [gh: vadyā catu] rnāsāsyasaṃyutā || 4 ||

28.4 Diese entfallen auf Ratha, weiteren Risalit und Ecke; jeweils ein Teil bildet den Wasserzwischenraum. Die Valabhi besitzt Chandrashala-Vorderseiten und vier Nasikas.

grahocchritā [gh: tthitā] guṇairjaṅghā tryaṃśasthāḥ saptabhūmayaḥ |
bherīnduśālikā dvābhyāṃ meruṇā [gh: mekena] śikharonnatiḥ || 5 ||

28.5 Die Höhe wird in neun geteilt, davon drei für die Jangha. Sieben Geschosse werden mit einer weiteren Dreierteilung verbunden; Trommel- und Chandrashala-Form erhalten zwei Teile, die Turmspitze nach einer Variante einen.

dairghye kṛtvā vikārāṃśaṃ vistāre ravi [kh: ca tri] bhāgikam |
kaṅkaṭāṃśaṃ tu saṅkocya śikharaṃ dakṣabhāgataḥ || 6 ||

28.6 Die Länge wird in sechzehn, die Breite in zwölf Teile geteilt; eine Variante nennt drei. Mit dem Zeichengerät verenge man die Kontur und gestalte den Turm nach einer weiteren, als „dakṣa“ überlieferten Maßteilung.

ūrdhvasūtraprasapātātstrīdhāmā śrīpuṭopamā |
mervādyābhāḥ kvacitkāryāḥ ṣaṭsiṃhāḥ kumbhamastakā || 7 ||

28.7 Durch Herabführen der oberen Schnur entsteht die weibliche Tempelform, einem schönen Behältnis vergleichbar. Mitunter gleicht sie Meru und den anderen Formen und besitzt sechs Löwen sowie Krugabschlüsse.

vedāsrādaṣṭadhā bhaktyā [bhaktvā iti pāṭhaḥ sādhuḥ] dadyādākṛṣya ṣoḍaśa |
dviṣaṭkapārśvayoryojyaṃ dvau dvau prāṇārthamagrataḥ || 8 ||

28.8 Vom Quadrat aus wird in acht geteilt, dann werden sechzehn Teile durch Verlängerung hinzugefügt. Zwölf liegen an den Seiten, jeweils zwei vorne für den Zugang beziehungsweise die Belebung; das letzte Fachwort ist mehrdeutig.

garbhamarkairmayaḥ prāha tathānye jinanāśanāt |
vedārthai [gh: garbhārkai] rnāsikā kalpyā vedāsryā [gh: dāsyā] ghrācalasyake [kh, c: valabhya] || 9 ||

28.9 Maya gibt den Innenraum mit zwölf Teilen an; andere nennen eine Verminderung um vierundzwanzig, deren Bezugsmaß fehlt. Die Nasika wird mit vier beziehungsweise nach Variante zwölf Teilen verbunden; der Schluss zur viereckigen Valabhi ist beschädigt.

valabhī |

Die Tempelform valabhī.

bāhye cāṣṭāsrake vajra [mū, gh: vaktra] stvekāṅghryāsyeṣu bhūmikaḥ |
garbhavṛtto'rthavedāsro aṣṭāṃśo vā surādhipe || 10 ||

28.10 Der Vajra ist außen achteckig und besitzt eine Vorderseite mit einem Fußansatz und entsprechender Geschossgliederung. Sein Innenraum ist rund, halbviereckig oder für den Götterherrn achtteilig; die zweite Form ist unklar bezeichnet.

vajraḥ |

Die Tempelform vajra.

daśanāsro [gh: nāsyo] bhavetpadmaṃ ṣoḍaśāsra kvacinmate |
vṛtto vābjena saṃyuktaḥ ṣoḍaśārdha [gh: śordhva] dalena ca || 11 ||

28.11 Padma besitzt nach einer Lesung zweiunddreißig Ecken, nach anderer sechzehn. Er kann auch rund sein und einen Lotus mit acht beziehungsweise nach Variante sechzehn oberen Blättern tragen.

tadvatsandhidalopeto garbhavṛttaḥ suśobhanaḥ |
ekadvāraikanāsaśca padmanāmā surālayaḥ || 12 ||

28.12 Mit Blättern an den Verbindungen, schönem rundem Innenraum, einer Tür und einer Nasika entsteht der Padma genannte Tempel.

padmam |

Die Tempelform padmam.

vedāsrakoṇasūtrārdhādaṣṭamāṃśonnato bhramāt |
vṛttaḥ san valayāhvaḥ syātparito valayānvitaḥ || 13 ||

28.13 Aus der halben Diagonalschnur des Quadrats und einer Erhöhung um ein Achtel wird durch Kreisführung die runde Valaya-Form erzeugt, ringsum mit Ringprofilen versehen.

valayāntarapatrāṇi kaṅkaṭānāṃ tu garbhavat |
vedīgalāmalāsāraṃ [mū, kh, ṅ: sārdhaṃ] pūrvavannāsikāṃ vinā || 14 ||

28.14 Die Blätter zwischen den Ringen und die Zeichengerät-Maße entsprechen dem Innenraum. Vedika, Hals und Amalasaraka werden wie zuvor gestaltet, jedoch ohne Nasika.

valayaḥ |

Die Tempelform valaya.

yugāsre ghrāsame kṣetre nyāsāddhṛ [gh: sārdhaṃ] ttasya bāhyataḥ |
madhye vṛttonnato'grāsyaṃ [gh: togrāghraṃ] siṃhairaṣṭabhiranvitaḥ || 15 ||

28.15 Auf einem quadratischen Feld von entsprechendem Vordermaß wird außen die Rundform angesetzt. In der Mitte erhebt sich eine runde Form mit vorderem Eingang und acht Löwen.

karṇa [kh, gh: skandha] koṇe yugāṅghryāsyaiḥ [gh: sthaḥ] karikumbhavidāribhiḥ |
prāsādaḥ siṃhasaṃjño'yaṃ narasiṃhāmarapriyaḥ [gh: homa'marapriyaḥ] || 16 ||

28.16 An den Schulter- beziehungsweise Eckstellen stehen die Löwen vierfüßig und mit sichtbaren Gesichtern, als spalteten sie die Stirnhöcker von Elefanten. Dieser Tempel heißt Simha und ist Narasimha lieb.

siṃhaḥ |

Die Tempelform siṃha.

sāṅgri [mū, a: svāṅghri] vṛttāyate kṣetre jaṅghā stambhānvito bhavet |
nāsāgarbhaśca vedāsrau pañcabhūmyucchrayo vṛṣaḥ || 17 ||

28.17 Vrisha steht auf einem um ein Viertel verlängerten runden Grundriss. Seine Jangha besitzt Säulen; Nasika und Innenraum sind viereckig. Er ist fünf Geschosse hoch.

vedāsrātkoṇamṛtrācca karīṣvaṃśe mato bhramāt |
pṛṣṭhe vṛtto'rdhakoṇāsra [kh, gh: dvikoṇāgro] garbhavattuṅganāsikaḥ || 18 ||

28.18 Die Gaja-Form wird aus Quadrat und Diagonalschnur durch eine unsicher überlieferte Acht- beziehungsweise Fünferteilung und Rundung gewonnen. Hinten ist sie rund, vorne besitzt sie halbe Eckformen und eine hohe, dem Innenraum entsprechende Nasika.

gajaḥ |

Die Tempelform gaja.

ṣoḍaśāṅghrau kṛte kṣetre vṛttagarbhe śukāghrayā [kh, ṅ: ghrayoḥ] |
jaṅgayā ca vimānasya kaṭyā bhadrāhvayasya ca || 19 ||

28.19 Bei einer Sechzehnerteilung mit rundem Innenraum verbindet man Shukanasa und Jangha des Vimana mit der Taillenzone des Bhadra …

śrīvatsasya ca mañcaryā haṃso bhavatī lāñchitaḥ |
tattulyakaṭidhāmabhyāṃ pārśvayoḥ satatordhvayoḥ [kh, ṅ: tatadvayoḥ] || 20 ||

28.20 … und dem Turmkörper des Shrivatsa. So entsteht der Hamsa-Typ. Seitlich stehen entsprechende Taillen- und Tempelformen; der Schluss ist variantenbehaftet.

brahmāṇaṃ sthāpayed dvyaṃśe [kh, gh: dvaṃśedvyanta] dvyaṃśāyorhariśaṅkarau |
kartu [gh: kāntā] ricchā vaśādanyo nyastavyo vā śubhapradaḥ || 21 ||

28.21 Im mittleren Zweierbereich setze man Brahma ein, an den beiden Enden Hari und Shankara. Nach Wunsch des Auftraggebers kann auch eine andere glückverheißende Gottheit eingesetzt werden.

haṃsaḥ |

Die Tempelform haṃsa.

yugāsreṣvaṣṭa [kh, gh: pṛṣṭha] pādāsre nasāpakṣau ca [mū: pañcaiva] garbhavat |
jaṅghā stambhavatī kāryā tuṅgāghrā [mū, a: tuṅgāgrā] pakṣasaṃyutā || 22 ||

28.22 Die Tarkshya-Form verwendet ein Quadrat mit einer unsicheren achtteiligen beziehungsweise rückwärtigen Gliederung. Nasika und Flügel entsprechen dem Innenraum; die Jangha besitzt Säulen, eine hohe Vorderform und Seitenflügel.

garbhaḥ ṣaḍasrakastārkṣyaḥ sakuṭāḥ [mū: śaktayaḥ] pañcābhūmayaḥ |
sasaryaṃ kaṭikaṇṭhāsyaṃ viṣṭiṣṭe [gh: ṣṇviṣṭe] tviṣṭakāmaye || 23 ||

28.23 Der Innenraum des Tarkshya ist sechseckig; fünf Geschosse tragen kleine Dachformen. Taille, Hals und Vorderseite werden mit weiteren Bauteilen verbunden; der Ziegelbau wird Vishnu zugeordnet, doch die Wortfolge ist beschädigt.

bhramaṇā kaṇṭhapāśākhye [kh, ṅ: maṇḍapasyākhya; gh: sasyākhye] catuṣke koṇadhāmabhiḥ |
dikṣu sarve balabhyādyāḥ sopānajagatīyutāḥ || 24 ||

28.24 Vier Umgänge beziehungsweise Hallen tragen Eckheiligtümer. In den Hauptrichtungen liegen Valabhis und weitere Formen, mit Treppen und Plattformen.

tārkṣyaḥ |

Die Tempelform tārkṣya.

vistāradviguṇocchrāyo jaṅghaikāṃśe napuṃsakam |
ūrdhve cārdhena haṃsaḥ syādgarbhatulyā tu vedikā || 25 ||

28.25 Die neutrale Tempelform ist doppelt so hoch wie breit; die Jangha erhält einen Teil. Darüber liegt ein halber Teil für das Hamsa-Profil; die Vedika entspricht dem Innenraum.

śikharairdikṣu saṃyukta galakāmalasārakam |
śeṣārdhena ghaṭopetaḥ [kh: ghaṇṭāntena] ṣaṇḍhasya gṛhakṛtyavat [kh, gh: kṛtyatha] || 26 ||

28.26 Turmformen in den Richtungen, Hals und Amalasaraka bilden den oberen Aufbau. Die verbleibende Hälfte trägt einen Krug beziehungsweise nach Variante einen Glockenabschluss. So wird die Sthitikrit genannte neutrale Form gestaltet.

sthitikṛtā (t) |

Die Tempelform sthitikṛtā (t).

nāgayakṣāsurādināṃ triyugmaikakarā matāḥ |
kakṣapuṭopamāsre tu grīvāmastakabhūṣitaḥ || 27 ||

28.27 Für Nagas, Yakshas, Asuras und ähnliche Wesen werden drei, zwei oder ein Hasta hohe Bauten vorgesehen, mit einem einem Kastenfach vergleichbaren Grundriss und Hals- und Kopfschmuck.

itarā hīnāhīnalakṣaṇaḥ |

Die übrigen Formen mit geringeren oder vollständigen Merkmalen; die Überschrift ist grammatisch uneben.

mervādi [kh, ṅ: sarvādi] garuḍānteṣu nāgarīvartanoditā |
nāgarīsadṛśī lāṭī kintu sā dārunirmitā || 28 ||

28.28 Von Meru bis Garuda beziehungsweise Tarkshya wurde die Nagari-Bauweise beschrieben. Lati gleicht ihr, besteht jedoch aus Holz.

adhikaiḥ karmabhirjaṅghācandraśālādharāsu ca |
pramāṇānnāgarīṃ kṛtvā [g: dhṛtvā] vārāṭīṃ kīrtitā budhaiḥ || 29 ||

28.29 Durch zusätzliche Gestaltung an Jangha, Chandrashalas und tragenden Teilen bei Beibehaltung der Nagari-Maße entsteht die von den Kundigen Varati genannte Bauweise.

sapatravarṇikāstambhapaṭṭibhṛ [gh: paṅktidhṛ] dyatra jaṅghikā |
mekhalāntarapatrāṇi drāviḍī sā nigadyate || 30 ||

28.30 Wo die Jangha Säulen und Leisten mit Blatt- und Farbenschmuck trägt und Blätter zwischen den Gürtelprofilen liegen, heißt die Bauweise Dravidi.

sapādatriguṇocchrāyairvimānīkaṭimekhalāḥ |
prāsādapādaniṣkāśāsyapaṭṭavakulīyutā [mū: matā] || 31 ||

28.31 Es folgen dreieinviertelfache Höhen, Vimana-Taille und Gürtelprofile sowie um ein Viertel des Tempelmaßes vorspringende Vorderleisten und Bakuli-Formen; die genaue Zuordnung ist sprachlich uneben.

kālindī gauḍikātulyā pañcikā [kh, gh, ṅ: meñcikā] pādacandrikā |
ityuktā kiñciduddeśātsthūlarūpeṇa śāstrataḥ || 32 ||

28.32 Kalindi wird mit Gaudika verglichen; die anschließenden Bezeichnungen für Bank-, Fuß- und Mondglieder sind unsicher. So wurden die Bauweisen nach der Lehrschrift nur kurz in ihren Grundzügen umrissen.

nāgarīmadhyadeśe tu saukhyadāvartinī matā |
vārāṭyādyāḥ svadeśe [kh: vāstudeśe] tu anyeṣvanyā ca duḥkhadā || 33 ||

28.33 Nagari gilt im mittleren Land als wohltuend. Varati und die übrigen sollen in ihren eigenen Regionen verwendet werden; ihre Verwendung anderswo bezeichnet der Text als leidbringend.

miśrakā bahusaṅkīrṇā naiva kāryā subhārthinā |
śuddhā [kh: śubhā] eva tu kartavyāḥ prayatnena matāntare || 34 ||

28.34 Wer Gutes erstrebt, soll nach einer anderen Lehrmeinung keine stark vermischten Formen herstellen, sondern sorgfältig reine beziehungsweise günstige Typen gestalten.

jñātvā jñātvā vidhāsyanti [mū: vidhātavyāḥ] kārukāḥ sūkṣmakarmabhiḥ |
prāsādalakṣaṇaṃ proktaṃ nāsādvāramathocyate || 35 ||

28.35 Die Handwerker sollen die Regeln immer wieder verstehen und durch feine Arbeit umsetzen. Damit sind die Tempelmerkmale beschrieben; nun folgen Nasika und Tür.

iti lakṣaṇasamuccaye liṅgamānaprāsādalakṣaṇaṃ nāmāṣṭāviṃśo vidhiḥ || 28 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 28. Ritualabschnitt über „Linga-Maße und Merkmale des Heiligtums“.

Kapitel 29: Einsetzung und Merkmale des Tempeltores

athaikonaviṃśaḥ

Nun folgt der 29. Ritualabschnitt. Die Eingangsüberschrift nennt irrtümlich den neunzehnten statt des neunundzwanzigsten Abschnitts.

vedāṅghrekāṅdhrya [gh: kārya] hīnāṅghyā prāsādāstrividhā matāḥ |
garbhānugarbhasūtrārdhā [gh: trādvā] nāsāvistaracoditāḥ || 1 ||

29.1 Die Tempel werden als vierfüßig, einfüßig und fußlos unterschieden. Die Nasika-Breite bestimmt sich nach der halben Schnurlinie des Innenraums oder des zugehörigen Nebenraums; die Überlieferung schwankt.

pañcadhā nirgamastasyā utta [mū, a, ṅ: dutta] mādiprabhedataḥ |
yugartuvasukāṣṭhāṃśairgarbhasyārdhena mānataḥ || 2 ||

29.2 Ihr Vorsprung besitzt fünf Größen, von der größten an: Er wird auf ein Viertel, Sechstel, Achtel, Zehntel und die Hälfte des Innenraummaßes bezogen; die Reihenfolge ist nicht glatt.

rathaiḥsapteṣu vāmādyā [mū, ṅ: vāmājyā; kh, gh: rāmādyā] bhūmikā viṣamairyutāḥ |
toyāntarasamopetā bhāgaiḥ prāsādavattridhā || 3 ||

29.3 Sie erhält sieben beziehungsweise fünf Risalite und eine ungerade Geschosszahl, beginnend mit einer unsicher überlieferten Zahl. Mit Wasserzwischenräumen versehen wird sie wie der Tempel in drei Größen gestaltet.

śikhārārdhocchrayāḥ kāryāścandraśālā vibhūṣitāḥ |
patrāṅkurādi [mū: ṅgulādi] śṛṅgādyā bherīcicchurakā [gh: cchivukā] nvitāḥ || 4 ||

29.4 Ihre Höhe beträgt die halbe Turmhöhe. Chandrashalas, Blätter, Knospen, Spitzen, Trommelformen und weitere, unklar benannte Zierglieder schmücken sie.

taccūḍā tilakopetāstadūrdhve haribhūṣitāḥ |
saṃskṛtya sthāpanāyeddevāṃścandragarbhe tu pūrvavat || 5 ||

29.5 Ihre Bekrönung trägt Tilaka-Motive, darüber Löwenschmuck. Nach der Zurichtung setze man wie zuvor die Gottheiten in die Chandrashala-Nischen ein.

navāṃśānmadhyato'gniḥ syādbhramādbherī guṇakṣayāt |
aṣṭādaśāṃśa [mū, ṅ: daśāsra] santyāgatparidhau śukanāsikā || 6 ||

29.6 Bei einer Neunerteilung erhält die Mitte drei Teile. Durch Rundung und Abzug von drei entsteht die Trommelform; für den Umfang der Shukanasika wird ein Abzug von achtzehn Teilen genannt, dessen Bezug unklar bleibt.

arthadhāmāgrato dvāra madhyataḥ samadiksthitam |
sarvakāmaprasidhdyarthaṃ pūrvameva tu kārayet || 7 ||

29.7 Das Tor liege mittig vor dem Tempel und genau in einer Himmelsrichtung. Zur Erfüllung aller Wünsche soll es nach Osten weisen.

paścimaṃ [mū, ṅ: pārśvarśā] siddhimūttyarthaṃ saumyaṃ śāntyarthapuṣṭidam |
krūrakarmaṇi yāmye ca tathā kuryādvidakṣu tat [g: ca] || 8 ||

29.8 Ein westliches Tor dient nach dem Text Vollendung und Befreiung, ein nördliches Frieden und Gedeihen; für grausame Riten wird ein südliches genannt. Entsprechend können Zwischenrichtungen verwendet werden.

ekadvitrimukha liṅga prāgeva dvāramiṣyete |
prāgbhrāmā [mū, a: ggrāmā] dyādi saumyastu sa [gh: myanta tva] vyaktāvyaktayorapi || 9 ||

29.9 Bei Lingas mit einem, zwei oder drei Gesichtern wird ein östlicher Eingang gewünscht. Die weitere Richtungsfolge von Osten bis Norden betrifft figürliche und ungegliederte Formen, ist aber beschädigt.

surādagnāndrasarvārthe liṅgārcāyā [gh: nte liṅgārcyayo] stu vāruṇe |
cāmuṇḍā bhairave yāmya [kh, g: bhāsyaṃ] dvāraṃ yāmyendudikṣu vā || 10 ||

29.10 Die erste Zuordnung von Gottheiten und Richtungen ist gestört. Für Linga- und Bildverehrung wird Westen genannt, für Chamunda und Bhairava Süden beziehungsweise Süden und Norden.

caṇḍyaśca bhadrakālyāśca saumye caindre'tha vāruṇe |
kuryād dvāraṃ caturdikṣu brāhmavedāsyaliṅgayoḥ || 11 ||

29.11 Für Chandi und Bhadrakali werden nördliche, östliche oder westliche Tore vorgesehen. Bei Brahma und dem viergesichtigen Linga errichte man Tore in allen vier Richtungen.

digvidiksaṃsthitāḥ sarve pūrvāparānanāḥ śubhāḥ |
digvalabhīnduyāmyāsyātkoṇadhāmācca saṃukhāḥ || 12 ||

29.12 Gottheiten in Haupt- und Zwischenrichtungen gelten mit östlicher oder westlicher Ausrichtung als günstig. Die weitere Anordnung von Valabhis und Eckheiligtümern verlangt zugewandte Vorderseiten; die genaue Richtungsfolge bleibt unklar.

dhāmamānātridhā dvāraṃ jaṅghāṃ vistarabhāgataḥ |
turyarasāhi [mū: rasādi] bhāgena jyeṣṭhamadhyādhamaṃ kramāt || 13 ||

29.13 Nach dem Tempelmaß gibt es drei Türgrößen: ein Viertel, Sechstel und Achtel der Breite der Jangha für größte, mittlere und kleinste Form; das letzte Zahlwort ist variantenbehaftet.

rudrāntādviṣṇuparyantātkeśavāntācca [mū, gh: vārdhācca] tatpṛthu |
ekadvitrikarādīnāṃ dvāraṃ syālliṅgamānataḥ || 14 ||

29.14 Nach dem Linga-Maß richten sich die Breiten nach den Enden des Rudra-, Vishnu- und Keshava-Teils bei Lingas von einem, zwei, drei und mehr Hasta. Die genaue Zuordnung der drei Bezugspunkte ist uneben.

kanyasaṃ cottame dhāmni madhyamaṃ madhyame sadā |
uttamaṃ kanyase dvāraṃ garbhamānādathocyate || 15 ||

29.15 Im größten Tempel verwende man das kleinste Tor, im mittleren das mittlere, im kleinsten das größte. Nun folgt die Bemessung nach dem Innenraum.

tricaturbhūtabhāgena jyeṣṭhamadhyamakanyasam |
hīnādīnāṃ bhaved dvāraṃ garbhakaṇṭha [kh, gh: karṇa] vibhājite || 16 ||

29.16 Teilt man die Diagonale beziehungsweise nach Grundlesung den Hals des Innenraums durch drei, vier und fünf, ergeben sich größte, mittlere und kleinste Tore für die entsprechenden Tempelgrößen.

piṇḍikākoṇavistāraṃ kṣudre dhāmni kvacinmatam |
ucchrayo dviguṇo dvārādanyathāvāsaṃ ucyate || 17 ||

29.17 Bei kleinen Tempeln wird mitunter die Diagonalbreite der Pindika als Türmaß verwendet. Die Türhöhe beträgt das Doppelte der Breite. Nun folgt eine weitere Bemessung.

aṅgulaiḥ śataṣaṣṭyādyairdaśahānikrameṇa tu |
dvārāṇi daśa siddhāni catvāryagrāṇi [mū, a, g: bhrāṇi] teṣu ca || 18 ||

29.18 Beginnend bei hundertsechzig Angulas und jeweils um zehn vermindert entstehen zehn bewährte Türhöhen. Die ersten vier gelten als groß.

trīṇyatra [kh: ṇbhra] madhyamāni syustrīṇyeva kanyasāni tu |
ucchrayārdhena vistāra ucchrayo vā tridhādhikaḥ || 19 ||

29.19 Drei gelten als mittel und drei als klein. Die Breite beträgt die halbe Höhe; alternativ wird die Höhe mit einem zusätzlichen Drittel angegeben, dessen Bezug unklar bleibt.

diṅnāgādyaṅgulairvāpi dvāraṃ śubhakaraṃ kramāt |
ucchrayārdhena vistīrṇā śākhā viṣamasaṅkhyayā || 20 ||

29.20 Auch mit den Zahlwörtern zehn und acht beginnende Angula-Maße werden als günstig genannt. Die Breite des Rahmens wird auf die halbe Höhe bezogen; seine Zierbänder besitzen ungerade Anzahl.

tatsamo dviguṇo'ṣṭonaḥ prathamodumbarasya ca |
śākhāpṛthutvamaṅnyūnaṃ dalaṃ bāhukayormatam || 21 ||

29.21 Für den ersten Türsturz werden Gleichheit, Verdopplung und Verminderung um acht genannt; die Maße sind nicht eindeutig zugeordnet. Die Rahmenbreite und Dicke der seitlichen Pfosten werden anschließend miteinander verbunden.

trīṣvadrigrahasaṅkhyābhiḥ śākhābhirdvāramiṣṭadam |
mahārcādhāmni keṣāñcidrudraśākhānvitaṃ matam || 22 ||

29.22 Türen mit drei, sieben oder neun Zierbändern gelten als wunscherfüllend. Für Tempel kostbarer Kultbilder lehren manche elf Bänder.

vistāraṃ nakhavatkṛtvā bāhalyaṃ tithibhājitam |
daṇḍaśākhā rasāṃśena tamākhyāśrama [gh: traya] bhāgikā || 23 ||

29.23 Für die dreibändige Tür teile man die Breite in zwanzig und die Dicke in fünfzehn. Das Stabband erhält sechs Teile, das dunkle Zwischenprofil nach einer Variante drei.

bhūtabhāgena rūpākhyā tvandha [mū, a, gh, ṅ: tvanu] kārī tanuḥ sthitā |
marīcī yugmataḥ kāryā mūlākhyā viṣapeṇa tu || 24 ||

29.24 Das Figurenband erhält fünf Teile, das dunkle Zwischenprofil einen. Das Strahlenband erhält zwei; das Wurzelband folgt einem unsicher überlieferten Maßwort.

daṇḍadviśatimā [kh, gh, ṅ: ti sā] dvau dvau sārdhamevaṃ [kh: meke] ca sāyakaiḥ |
sarvāndha [mū, ṅ: nu] kārikāveśo mūlaśākhāsamo bhavet || 25 ||

29.25 Die Tiefenfolge vom Stabband an nennt zwei, zwei, eineinhalb und fünf Teile, ist jedoch beschädigt. Alle dunklen Zwischenprofile reichen so tief wie das Wurzelband.

triśākhadvāram |

Die Tür mit drei Zierbändern.

triṃśadaṃśasya vistāra [kh, gh: pravistāro] dvṛddhibhāgāddalaṃ tayoḥ |
vibhajya dvārabāhyā ca bhūtā syāddaṇḍaśākhikā || 26 ||

29.26 Für die fünfbändige Tür wird die Breite in dreißig geteilt; eine weitere Teilung betrifft die Dicke. Außen erhält das Stabband fünf Teile.

pṛthutvenāndhakārīndoḥ praviṣṭā [mū: pratiṣṭhā] ntarasāṃśataḥ |
khalva [mū: khalu] śākhāścaturveśā [mū: rvedāt] tsārdhāmbuvistareṇa tu || 27 ||

29.27 Das dunkle Zwischenprofil ist einen Teil breit und liegt nach dem Text sechs Teile zurück. Das folgende Band wird mit vier Teilen Rücksprung und viereinhalb Teilen Breite bemessen; sein Name ist unsicher.

pādonavistarā kāryā cāndhakāryāntaveśanāt |
dvipraveśātpṛthutveśo stambhaśākhābhavediyam || 28 ||

29.28 Es folgt ein drei Viertel breites Glied hinter dem dunklen Zwischenprofil. Das Säulenband besitzt zwei Teile Rücksprung; seine Breitenangabe ist beschädigt.

ṣaḍveśā [mū, a, ṅ: kharveśā] dandhakārī ca pādonāṃśapravistarāt |
aṃsādbhī [gh: aṃkhaso] rūpaśākhādyāḥ [gh: khāyāḥ] pṛthutā viṣaṣeṇa tu (?) || 29 ||

29.29 Das dunkle Zwischenprofil liegt sechs Teile zurück und ist drei Viertel breit. Das Figurenband wird mit einer unsicheren Breitenangabe verbunden; die Vorlage markiert den Vers selbst als zweifelhaft.

pādonāṃśena vistārā dhvāntākhyaṃ [mū: krāntākhyaṃ] tu praveśataḥ |
sapādadvyaṃśavistārā marīcīṣupraveśataḥ || 30 ||

29.30 Das Dhvanta genannte dunkle Profil ist drei Viertel breit. Das Strahlenband ist zweieinviertel Teile breit und liegt fünf Teile zurück.

patraśākhāsu [mū: kheṣu] vistārā bāhalyenārkabhāgataḥ |
śobhānurūpataḥ kāryāḥ paṭṭikādyāstu śilpibhiḥ || 31 ||

29.31 Blattbänder werden nach der Breite gestaltet; für die Dicke werden zwölf Teile genannt. Die Handwerker sollen Leisten und weitere Profile passend zur Schönheit des Ganzen bilden.

pañcaśākhādvāram |

Die Tür mit fünf Zierbändern.

aśītyardhāṃśavistārā bhaveddakṣaṃ tathā dale |
daṇḍāndhakārikānāma [gh, ṅ: nāga] śāntākhyā rūpaśākhikā || 32 ||

29.32 Für die siebenbändige Tür beträgt die Breitenteilung vierzig, die Dickenteilung verwendet ein unsicheres „dakṣa“-Maß. Die Folge beginnt mit Stab, dunklem Zwischenprofil, Naga- beziehungsweise einem unklaren Band, Shanta und Figurenband.

andhārī patraśākhā syād dhvāntākhyāstambhaśākhikā [gh, ṅ: nāmikā] |
andhakārī tu rūpākhyā cāndhakārī marīcikā || 33 ||

29.33 Es folgen dunkles Zwischenprofil, Blattband, Dhvanta, Säulenband, dunkles Zwischenprofil, Figurenband, wiederum dunkles Zwischenprofil und Strahlenband.

nāmāśā [kh, gh: nāsāsrāṃ] mūlaśākhāntaṃ kramādbhāgānnadho mataḥ [mū: nnibodhata] |
sārdhabhūtāṃśasārdhaikayugaikasārdhavāribhiḥ || 34 ||

29.34 Danach folgen ein unsicher benanntes Profil und das Wurzelband. Die Breitenfolge beginnt mit fünfeinhalb, eineinhalb, vier, einem und viereinhalb Teilen.

tayā [kh: tapo] mbubhavasārdhadvitanupakṣaikaturyakaiḥ [kh, gh: tūryaikapakṣakaiḥ] |
bāṇāṃśānmūlaśākhā ca daṇḍāddatupraveśanam || 35 ||

29.35 Die anschließende Zahlenreihe nennt unter anderem zwölf beziehungsweise einen unklaren Wert, vier, elf, zweieinhalb, einen, zwei, einen und vier. Das Wurzelband erhält fünf; anschließend folgen die Rücksprünge vom Stabband an.

guṇartuyugabāṇākhyaiḥ kramātsaptanavāṃśakaiḥ |
śākhāṅge [mū: śākhāṃśa] paṭṭikā kāryā śobhārthe ca vicakṣaṇauḥ || 36 ||

29.36 Diese betragen nacheinander drei, sechs, vier, fünf, sieben und neun Teile. Kundige Handwerker sollen an den Bändern passende Zierleisten anbringen.

saptaśākhādvāraṃ |

Die Tür mit sieben Zierbändern.

dalāgnyaṃśātu rudrāṃśātpāśaḥ [kh, gh: vyāsaḥ] kāryaḥśatārdhataḥ |
daṇḍānukārikā nāma [kh, gh: nāga] dhvāntākhyāstambhaśākhikā || 37 ||

29.37 Für die neunbändige Tür werden Breite und Dicke mit einer beschädigten Teilungsfolge aus drei, elf und fünfzig verbunden. Die Profilfolge beginnt mit Stab, Zwischenprofil, Naga, Dhvanta und Säulenband.

andhakārī mṛṇālākhyā tvandha [kh, gh: syādandha] kārī varuthikā [kh, gh, ṅ: ca rūpikā] |
dhvāntākhyā patraśākhā ca tathāndhakārikā punaḥ || 38 ||

29.38 Es folgen dunkles Zwischenprofil, Lotusfaserband, dunkles Zwischenprofil, Varuthika beziehungsweise Figurenband, Dhvanta, Blattband und erneut dunkles Zwischenprofil.

stambhāndhākhyā ca rūpāhvā [mū, ṅ: pāṅkā] tvandhakārī marīcikā |
patraśākhā kramātkāryā sārdheṣusārdhacandravat || 39 ||

29.39 Dann folgen Säule, dunkles Profil, Figurenband, dunkles Zwischenprofil, Strahlenband und Blattband. Die Maßfolge beginnt mit fünfeinhalb und eineinhalb Teilen.

yugaikapañcarūpāṇi vedaikayugasaṃjñakaiḥ |
tanuturyaśaśāṅkākhyabāṇaikajalasaṅkhyayā || 40 ||

29.40 Es folgen vier, eins, fünf, eins, vier, eins, vier, eins, vier, eins, fünf, eins und vier; die Satzverknüpfung der Maßreihe ist uneben.

bhavāśvinau ca vedaistu daṇḍārdviśatiṣaḍdvikaiḥ [mū: paṭṭikaiḥ] |
sārdha [mū, ṅ: sārka] pañcāmbu [mū: ñcāṅga] sapteṣumunirandhrāṇi rudrakaiḥ || 41 ||

29.41 Die nächste Reihe nennt elf, zwei und vier; vom Stabband an folgen zwei, eine beschädigte Zahl, sechs, zwei, fünfeinhalb, vier, sieben, fünf, sieben, neun und elf. Die Maßzuordnung ist nicht sicher rekonstruierbar.

mūlaśākhāsamāveśātsarvāndhakārikāsu ca |
śākhāṃ saṃkṣepayitvā tu jñeyā rācī [kh, g, gh, ṅ: cārī] tu paṭṭikā || 42 ||

29.42 Alle dunklen Zwischenprofile reichen bis zur Tiefe des Wurzelbandes. Durch entsprechende Verengung des Bandes entsteht eine schöne Leiste; die verständlichere Lesung lautet „cārī“.

navaśākhādvāram |

Die Tür mit neun Zierbändern.

vibhajya pṛthubāhulye ṣaṣṭyaṃśairmuniṣaḍguṇaiḥ |
daṇḍāndhakārikānāgatamastambhāndhakārikā || 43 ||

29.43 Für die elfbändige Tür teile man Breite und Dicke nach sechzig und einer weiteren unklaren Zahlenfügung mit sieben, sechs und drei. Die Reihe beginnt mit Stab, dunklem Zwischenprofil, Naga, Tamas, Säule und dunklem Zwischenprofil.

patranāmāndhakārī ca rūpākhyā dhvānta [mū: dvāra] nāmikā |
nāgāndhakārīkāhvaṃ ca stambhāndhakārikā punaḥ || 44 ||

29.44 Es folgen Blattband, dunkles Zwischenprofil, Figurenband, Dhvanta, Nagaband, dunkles Zwischenprofil, Säule und nochmals dunkles Zwischenprofil.

patratamāṅkikā rūpā tvandhakārī mṛnālikā |
andhākhyā tu marīcyaṅkā mūlaśākheti kīrtitā || 45 ||

29.45 Dann folgen Blattband, dunkles Profil, Figurenband, dunkles Zwischenprofil, Lotusfaserband, dunkles Profil, Strahlenband und Wurzelband.

sārdhabhūtaistu sārdhaikayugaikapakṣa [kh, gh, ṅ: pañca] candrakaiḥ |
vedaikasārdhairvedaistu bhavāmburūpa [kh, gh: tapa] turyakaiḥ || 46 ||

29.46 Die Breitenreihe beginnt mit fünfeinhalb, eineinhalb, vier, eins, zwei beziehungsweise fünf, eins, vier, eineinhalb, vier, elf, vier und einem beziehungsweise zwölf; der Schluss ist variantenbehaftet.

candravāritapāmbhobhirekānvitanuyugmakaiḥ |
sārdhāmbunā sthitirjñeyā śākhādvārikayoḥ kramāt || 47 ||

29.47 Die Folge setzt sich mit eins, vier, zwölf, vier, eins, eins, zwei und viereinhalb fort. Daraus soll die Stellung der Türbänder hervorgehen; die beschädigte Reihe erlaubt jedoch keine lückenlos sichere Einzelzuordnung.

bhūtapakṣartuturyāṃśaiḥ sapteṣuvasuṣaṭkaraiḥ |
arkendrābhyāṃ praveśaḥ syādgāndhārīṇāṃ tu pūrvavat [kh: mūlavat] || 48 ||

29.48 Die Rücksprünge werden mit fünf, zwei, sechs, vier, sieben, fünf, acht, sechs, zwölf und vierzehn Teilen angegeben. Für die dunklen Zwischenprofile gilt wie zuvor die Tiefe des Wurzelbandes.

śākhaikādaśadvām |

Die Tür mit elf Zierbändern; die Überschrift ist verkürzt überliefert.

śākhocchrayacaturthāṃśe pratīhārau tvadhaḥ sthitau |
jāhravīyamune cāpi tatpārśve bhāravāhikā || 49 ||

29.49 Im unteren Viertel der Rahmenhöhe stehen die beiden Torhüter, daneben Ganga und Yamuna sowie lasttragende Gestalten.

cārvībhiḥ patravallībhirmithunaiḥ kinnarādibhiḥ |
vidyādharaiśca śobhāḍhyaiḥ saghaṭairnāga [mū, kh, ṅ: pāṭalāṅga] yugmakaiḥ || 50 ||

29.50 Schöne Blattranken, Liebespaare, Kinnaras, prächtige Vidyadharas, Krüge und Naga-Paare …

śeṣaṃ svastikamālābhiḥ śrīvatsābjopalāntajaiḥ [kh, gh: ṇḍajaiḥ] |
śobhayadyatnataḥ śākhāstadhanayaiśca suśobhanaiḥ || 51 ||

29.51 … ferner Svastika-Girlanden, Shrivatsa-Zeichen, Lotusblüten, Vögel nach einer Variante und andere schöne Motive sollen die übrigen Türbänder sorgfältig schmücken.

śrīryakṣeśo gaṇeśo vā vyākhyārudro'tha mṛtyujit |
prathamodumbare (?) sthāpyāḥ sarvāvayavaśobhitāḥ || 52 ||

29.52 Auf dem ersten Türsturz stehen Shri, der Yaksha-Herr, Ganesha, der lehrende Rudra oder Mrityunjaya, jeweils mit allen schönen Gliedern; die Bezeichnung des Türsturzes ist in der Vorlage fraglich markiert.

brahmaviṣṇe (ṣṇva) tare rudro dvayantaśvebhānano guhaḥ |
grahāśca mātāro vevyo nādyavyāpārasaṃsthitāḥ || 53 ||

29.53 Rudra steht zwischen Brahma und Vishnu, an den Enden Ganesha und Guha. Planeten, Mütter und Göttinnen werden in Tanz und Tätigkeit dargestellt.

tasyopari vyavasthāyyāḥ śilpinodumbare (?) kramāt |
lalāṭaṃ śobhanaṃ cordhvaṃ nāgadantānvitaṃ dṛḍham || 54 ||

29.54 Diese Figuren setzt der Handwerker darüber auf die weiteren Sturzglieder. Oben liegt ein schöner, fester Stirnbalken mit Nagadanta-Konsolen.

śākhāpṛthusamau kṛtvā taducchrayasamau [gh: pṛthra] munī |
dvārocchrayārdhapādena karapādadvayena vā || 55 ||

29.55 Weitere Glieder entsprechen der Rahmenbreite beziehungsweise -höhe; ein Ausdruck mit dem Zahlwort sieben ist beschädigt. Für eine Höhenverminderung werden ein Achtel der Türhöhe oder zwei Viertel eines Hasta genannt.

hīnāpañjī bhavenordhvamu [gh: bharaṇordhva] jyate nāgabhāgatha |
śatārdhāṃśā [kh: rdhāṅgā] dhikaṃ kṛtvā parvaṇī rāmabhāgataḥ || 56 ||

29.56 Die Anweisung zum oberen Aufbau und seinen Gelenken ist stark beschädigt. Lesbar bleiben eine Teilung mit acht, eine Erhöhung um fünfzig Anteile und Gelenke von drei Teilen.

khurakā yama [kh: padma] bhāgena stambhīcaiva dvibhāgataḥ |
tribhirguṇagiritryaṃśairdvi dvibhāge khuradvayam || 57 ||

29.57 Khura-Profile erhalten zwei Teile, das Säulenglied ebenfalls zwei. Es folgen drei, drei, sieben und drei als Maßzahlen sowie zwei Khura-Glieder von je zwei Teilen.

andhārī tanubhāgena ṣaḍbhāge khurajaṅghikā |
pañcāṃśena [mū: ṅgena] guṇādhānaṃ vikārāṃśaiśca muṇḍakam [gh: aṇḍajam] || 58 ||

29.58 Das dunkle Zwischenprofil erhält einen Teil, die Khura-Jangha sechs, das als „guṇādhāna“ bezeichnete Glied fünf und der Kopfabschluss sechzehn.

skandhamālākhyavedāṃśaiścūlikaṃ yugalāṃśataḥ |
kāryaścaturyamāṃśaiśca dehalī vyāghrapaṭṭikā || 59 ||

29.59 Der Schulterkranz erhält vier Teile, die Spitze zwei. Schwelle und Vyaghra-Leiste werden mit vier und zwei Teilen gestaltet.

dvāraṃ sunirmitaṃ [kh: munimitaṃ] kṛtvā prāsādaṃ kuḍyamadhyataḥ |
sarva [mū: sa ca] vedhavināśāya kiñciduttarato nyaset || 60 ||

29.60 Die gut gefertigte Tür setze man in die Mitte der Tempelmauer, leicht nach Norden verschoben, um die beanstandeten Achsenüberschneidungen zu vermeiden.

doṣāḥ kṣayādayaḥ syuśca dvāre vedhā [mū, a, g, gh, ṅ: vedā] nvite sadā |
tasmāttadvarjanānārthāya gurorjñātvaṃ [kh: rājñā] taducyate || 61 ||

29.61 Bei einer von solchen Überschneidungen betroffenen Tür drohten nach dem Text Verfall und weitere Schäden. Zur Vermeidung werden die vom Guru zu erlernenden Regeln nun erklärt.

gṛhaviddhe sadā rāgo dhīnāśaścatvareṇa tu |
rathyā [mū, gh: ratha] viddhe pravāsaḥ syāccatuṣpathena rūkṣatā || 62 ||

29.62 Eine gegenüberliegende Hausachse soll Bindung oder Leidenschaft bewirken, ein Platz Verlust der Urteilskraft, eine Straße Aufenthalt in der Fremde und eine Kreuzung Härte.

trivartmanā [kh: carmaṇā] śiraḥ śūlaṃ śṛṅgāṭena [gh: ṭe ca] mahadbhayam |
vṛkṣeṇa vittanāśaśca [gh: stu] stambhena parabhṛtyatā || 63 ||

29.63 Eine Dreistraßengabelung soll Kopfschmerz, ein weiterer Straßenknoten große Furcht, ein Baum Vermögensverlust und eine Säule Dienstbarkeit gegenüber anderen bringen.

toraṇena bhaveddveṣo bhogapaṭṭyā tvaherbhayam |
koṇena rājadaṇḍaḥ syād vibhramo dvāraśākhayā || 64 ||

29.64 Ein Torbogen soll Feindschaft, eine Bhoga-Leiste Schlangenfurcht, eine Gebäudeecke königliche Strafe und ein Türpfosten Verwirrung verursachen.

dhvajena dhananāśaḥ syāt khanīgartena śūnnatā |
śatrorbhayaṃ ca kūpena devabiddheba bandhanam || 65 ||

29.65 Ein Banner soll Geldverlust, eine Grube Verödung, ein Brunnen Feindesfurcht und ein gegenüberliegendes Götterheiligtum Gefangenschaft bringen.

vāpībiddhe tvapasmāraḥ paṅkeneṣṭavināśanam [mū: dam] |
bhasmanā paśunāśaḥ syādvardhamānena govyadhā || 66 ||

29.66 Ein Teich soll Anfallsleiden, Schlamm Verlust des Geliebten, Asche Verlust von Vieh und eine Vardhamana-Form Leiden der Kühe verursachen.

sutanāśastvapākena cuhlībiddhena niḥ svatā |
vaktreṇa ca suhṛ [gh: cakrena vasu] dogastvālindaśravaṇena bhīḥ || 67 ||

29.67 Ein als „apāka“ überliefertes Objekt soll Kinderverlust, eine Feuerstelle Armut, eine Vorderseite Krankheit eines Freundes beziehungsweise nach Variante Verlust von Besitz und das Ende einer Veranda Furcht bringen.

sabhābiddhena dāridryamudakena dhanakṣayaḥ |
rathabiddhe bhayaṃ kṣaudraṃ [gh: kṣudraṃ (kṣudrābhirmakṣikābhiḥ kṛtamityarthaḥ)] śvabhreṇātha sutakṣayaḥ || 68 ||

29.68 Eine Versammlungshalle soll Armut, Wasser Geldverlust, ein Wagen Furcht und eine Vertiefung bei einem Honig- beziehungsweise Insektenbezug Kinderverlust verursachen; die letzte Verbindung ist unklar.

chāyābiddhena dāridryaṃ toyabhāṇḍena durmatiḥ |
kaṇḍanyā [kuṇḍalyā] dhananāśaḥ syācchilābiddhe rujā tathā || 69 ||

29.69 Schatten soll Armut, ein Wassergefäß schlechten Verstand, ein Stampf- beziehungsweise Ringgerät Geldverlust und ein Stein Krankheit bringen.

tasmādvedhaparityāgaṃ kuryātkartuḥ śubhecchayā |
uccaprākāradānena tacchedoddharaṇena vā || 70 ||

29.70 Wer dem Auftraggeber Gutes wünscht, vermeide deshalb diese Achsenkonflikte: durch eine hohe Umfassungsmauer oder durch Abschneiden beziehungsweise Entfernen des störenden Gegenstandes.

tadbhūmidviguṇatyāgādvedhadoṣo na jāyate |
śalyasthā vāthavātyuccā kartāraṃ hanti dehalī || 71 ||

29.71 Bei einem Abstand vom Doppelten der betreffenden Grundausdehnung entsteht der Vedha-Fehler nicht. Eine auf einem schädlichen Einschluss stehende oder übermäßig hohe Schwelle soll den Auftraggeber töten.

nīcā cayotthitā [kh: yoṣitaṃ; ṅ: yosthitaṃ] nūnaṃ dhana [gh: dhanaṃ] vistarahīnikā |
liṅgārdhocchayanī kāryā sārcāyāṃ pīṭhikocchrayā || 72 ||

29.72 Eine zu niedrige oder zu schmale Schwelle wird mit Vermögensminderung verbunden; die erste Satzhälfte ist beschädigt. Sie soll halb so hoch wie das Linga beziehungsweise bei einem Kultbild so hoch wie dessen Sockel sein.

lobhaḥ kopo bhavecchoko dvāre mānavivarjite |
adhaśca vistṛte dvāre ruk syāt strīvātha cañcalā || 73 ||

29.73 Eine maßwidrige Tür soll Habgier, Zorn und Trauer hervorrufen. Eine nach unten zu breite Tür soll Krankheit oder Unbeständigkeit der Frau verursachen.

dadyādrūkṣā [kh: kukṣyā] marya madhye strīsvāmyaṃ vā pṛthūrdhvataḥ [g: pūrvavat] |
kṣayaṃ pipīlikāmadhyaṃ kulaghnaṃ śaṅkhakaṇṭhakam || 74 ||

29.74 Eine in der Mitte zu breite Tür soll Härte, eine oben breite weibliche Vorherrschaft bringen; die erste Fügung ist beschädigt. Eine ameisenschmale Mitte soll Schwund, ein muschelförmiger Hals Untergang der Familie bringen.

vaktraṃ gomahiṣīṇāṃ ca bhṛtyānāṃ ca kṣayapradam |
bhinna śākhe kṣayodvāre digbhrānte sthānavibhramaḥ || 75 ||

29.75 Eine verzerrte Vorderform soll Kühe, Büffel und Diener schädigen. Gebrochene Türbänder sollen Verfall, falsche Ausrichtung Verlust des Standortes bewirken.

purāṇanava [g: vana] saṃyukte dāridyaṃ bahubhartutā |
jarjare viparīte vā dhananāśaḥ sadā nare || 76 ||

29.76 Die Verbindung von altem und neuem Material soll Armut und mehrere Herren bringen, ein morsches oder verkehrt eingesetztes Tor Geldverlust.

vyādhicchidrānvite kubje kaliḥ syāt puṃsaśabdake |
svayamudvāṭite tadvat pīḍitāhitatā [g: dvitatā] nanāt || 77 ||

29.77 Löcher werden mit Krankheit, Krümmung mit Streit verbunden. Ein menschenähnlich klingendes oder von selbst aufspringendes Tor gilt ebenfalls als unheilvoll; die anschließende Fügung über Druck und Öffnung ist gestört.

unmādaḥ kulahṛnmṛtyurmūladvārātphaphaṃ kramāt |
dvāra [kh: vāma] biddhaṃ tyajedveśma kulakṣayabhayātsadā || 78 ||

29.78 Wahnsinn, Familienverlust und Tod werden als aufeinanderfolgende Folgen von Fehlern des Haupttores genannt. Ein Haus mit schädlich getroffener Tür solle man aus Furcht vor Familienuntergang meiden.

sāmānyavedha ityukto gṛhaprāsādayormayā |
bedhyabedhakayorvāstvostyaktvā dviguṇamantaram || 79 ||

29.79 So habe ich die allgemeinen Vedha-Regeln für Wohnhaus und Tempel erklärt. Zwischen betroffenem Bau und störendem Gegenstand halte man den doppelten Abstand frei.

yatheṣṭaṃ sakalaṃ [gh: kalaśa] kāryaṃ kṛtaṃ yacchubhaśāntikṛt |
sarveṣāṃ śubhadā yāśca dvārādīnāṃ ca tā bruve || 80 ||

29.80 Dann darf nach Wunsch gebaut werden; die angemessene Gestaltung soll Glück und Frieden bringen. Nun nenne ich günstige Maßberechnungen für Türen und andere Bauteile.

dvārdairdhyavistarau yau ca sāṅgalau karasaṅkhyayā |
tāvekīkṛtya saṃchindyāttrīṣvadryaṣṭābhireva vā || 81 ||

29.81 Länge und Breite der Tür in Hasta einschließlich der Angula-Reste werden addiert. Diese Summe teile man durch drei, fünf, sieben oder acht.

jñānaṃ vāso kṣayaścārgnerbhūtāyāna [gh: yonā/] guṇāñśṛṇu |
sthairyamāpyāyanaṃ dīptirgamo mādhyasth [gh: madhyastha] yameva ca || 82 ||

29.82 Die drei Reste werden mit Erkenntnis, Wohnen und Verfall verbunden. Die fünf Elementreste bedeuten Festigkeit, Zunahme, Leuchten, Bewegung und Mittellage.

suhṛddhanaṃ paśucayaḥ prāgrājyaṃ [gh: prāvrājyaṃ] kāmikācyutiḥ |
viṣādaśceti cādryaṃśe phalaṃ saptasu [gh: sapteṣu] dehinām || 83 ||

29.83 Die sieben Reste werden mit Freunden, Vermögen, Viehzuwachs, Herrschaft beziehungsweise Entsagung, begehrter Erfüllung, Verlust und Niedergeschlagenheit verbunden; die Trennung der mittleren Glieder ist unsicher.

taccheṣo yastu te'rcāyāstadādyaṣṭāntakāḥ sadā |
viṣamāḥ śubhadāstatra samāścāniṣṭakarmasu || 84 ||

29.84 Bei der Achterteilung gelten die ungeraden Reste als günstig; die geraden werden für unerwünschte beziehungsweise feindselige Handlungen verwendet. Die Reihe wird auf das jeweilige Kultbild bezogen.

dhvajasiṃhavṛṣebhākhyā dikṣu prācyādiṣu sthitāḥ |
dhūmaḥścā ca kharo dhvāṅkṣaḥ samā ete vidik sthitāḥ || 85 ||

29.85 Banner, Löwe, Stier und Elefant liegen in den vier Hauptrichtungen, beginnend im Osten. Rauch, Hund, Esel und Krähe bilden die geraden Werte in den Zwischenrichtungen.

dhāmaścārdhāsa [gh: tryardhāṃśa] nādīnāṃ dhvajādyā ye [g: nyāya] guṇāstvime |
strī [kh, gh: śrīḥ] saubhāgyasutāyurdo dharmavṛddhikaro [kh, gh, ṅ: prado] dhvajaḥ || 86 ||

29.86 Diese Maßqualitäten gelten für Tempel und die genannten Sitzformen. Das Banner verheißt Wohlstand beziehungsweise eine Frau, Glück, Kinder, langes Leben und Zunahme des Dharma.

jayārogyārthamitrādi sarvasiddhikaro harīḥ |
strīputrārthān vṛṣo dadyādaśeṣasukhadaḥ [gh, ṅ: śubhadaḥ] karī || 87 ||

29.87 Der Löwe verheißt Sieg, Gesundheit, Vermögen, Freunde und sämtliche Erfolge. Der Stier schenkt Frau, Kinder und Besitz, der Elefant umfassendes Glück.

rogatāpāgnido nityaṃ dhūmaḥ sarvārthanāśanaḥ [ gh: śakaḥ] |
vyādhimṛtyupradātoktaḥ sārameyo'rthagotrahṛt || 88 ||

29.88 Rauch verheißt Krankheit, Hitze, Feuer und Verlust aller Güter. Der Hund gilt als Spender von Krankheit und Tod sowie als Vernichter von Vermögen und Geschlecht.

śeṣoccāṭanavidveṣaviyogavadhadaṇḍadaḥ |
kṛśatāraukṣyadāridryaṃ sarvāniṣṭakaraḥ kharaḥ || 89 ||

29.89 Vertreibung, Feindschaft, Trennung, Tötung und Strafe werden genannt; der Esel bringt nach dieser Deutung Magerkeit, Härte, Armut und alles Unerwünschte.

patnosutacamū [kh: śubha dasu] dravyasaṃpadāyuḥ kṣayapradaḥ |
śokamohakalivyādhibandhādikṛcca vāyasaḥ || 90 ||

29.90 Die Krähe verheißt Verlust von Frau, Kindern, Gefolge, Besitz, Wohlstand und Lebenszeit sowie Trauer, Verblendung, Streit, Krankheit und Gefangenschaft.

yavau dvau caturo vāpi yavānaṅgulameva vā |
āyāṃśca yojayejjñātvā syādāyaścottamo yathā || 91 ||

29.91 Man füge nach sachkundiger Berechnung zwei oder vier Gerstenkornbreiten oder einen Angula hinzu, damit sich ein möglichst günstiger Maßrest ergibt.

kṛtvaivaṃ sthāpayed dvāraṃ prāguktavidhipūrvakam || 92 ||

29.92 Nach dieser Herstellung setze man die Tür mit dem zuvor beschriebenen Ritual ein.

iti lakṣaṇasamuccaye devadvārasthāpanalakṣaṇaṃ nāmaikonatriṃśo vidhiḥ |

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 29. Ritualabschnitt über „Einsetzung und Merkmale des Tempeltores“.

Kapitel 30: Hallen und weitere Bauteile

atha triṃśaḥ

Nun folgt der 30. Ritualabschnitt.

vāstuyāgaṃ purā kṛtvā maṇḍapasya puroditam |
padapīṭhordhva [kh, g: ṭhārdhataḥ] taḥ kāryaṃ vedībandhādi dhāmavat || 1 ||

30.1 Nach der zuvor beschriebenen Vastu-Verehrung für die Halle errichte man über dem Fußsockel Vedibandha und weitere Glieder wie beim Tempel.

prāsādavalabhīstambhairbhūṣayedbāhyabhittiṣu |
itareṣāṃ ca karmādyairnottamānāṃ samaṇḍapaiḥ || 2 ||

30.2 Die Außenwände schmücke man mit kleinen Tempeln, Valabhis und Säulen. Bei den anderen Formen gelten entsprechende Bauteile; die Abgrenzung zu den größten Hallen ist im Satz unklar.

tadvatsārdhaśca pādonād [mū: pādānāṃ] dviguṇo vātha maṇḍapaḥ |
stambhāddhinādayaśca syuḥ sapta [saptā li0 pū0] viṃśatirevahi || 3 ||

30.3 Die Halle kann dem Tempelmaß entsprechen, eineinhalbfach, eindreiviertelfach oder doppelt so groß sein. Nach der Säulenanzahl werden siebenundzwanzig Formen unterschieden.

ṣaṭstambhāstatra ca śreṣṭhāḥ kathyante nāmarūpataḥ |
rucakākhyaśca vedāsrastvaṣṭāsro vajrasaṃjñakaḥ || 4 ||

30.4 Zunächst werden sechs vorzügliche Säulenformen nach Namen und Gestalt genannt: Ruchaka ist viereckig, Vajra achteckig.

ṣoḍaśāsro'tivajrākhyo daśanāsraḥ pralīnakaḥ |
manthāno [mū, a, ṅ: santāno] vedaṣaṣṭyāsro vṛtto manmathanāmakaḥ || 5 ||

30.5 Ativajra ist sechzehneckig, Pralinaka zweiunddreißigeckig, Manthana vierundsechzigeckig und Manmatha rund.

dvādaśāṅgulavistāro dvārocchrāyasamucchrayaḥ |
sāmānyaḥsthambha ityeṣa [kh: tyevaṃ] yojanīyastu kanyase || 6 ||

30.6 Die gewöhnliche Säule ist zwölf Angulas breit und so hoch wie die Tür. Sie wird bei der kleinsten Ausführung eingesetzt.

caturaṅgulavṛddhyā syād vardhante vistareṇa ca |
prāsādamānapādonāt stambhocchrāyaḥ kvacinmataḥ || 7 ||

30.7 Die Breite wächst jeweils um vier Angulas. Mitunter wird die Säulenhöhe auf drei Viertel des Tempelmaßes festgelegt.

padmāṅkitā [g: ṣaḍveṅkitā; g: ṣaḍdvyaṅkitā] mbupatrāsyakumbhairbhāradharaistvadhaḥ |
madhye hārāvalībhiḥ syuruparyamalasārakaiḥ || 8 ||

30.8 Unten tragen Lotuszeichen, Wasserblattmotive, Krugformen und Lastträger den Schmuck; in der Mitte liegen Kettenreihen, oben Amalasaraka-Abschlüsse.

stambhātstri [mū: mbhāstri] kaṭipatraiśca mahāsāraistvaliṅgakaiḥ [kh: lindukaiḥ] |
jaṅghālaṃbanyadhobhāgāducchrayānmaṇḍapo bhavet || 9 ||

30.9 Weitere Säulenglieder umfassen Trikati-Blätter und große tragende beziehungsweise unklar benannte Stücke. Die Hallenhöhe richtet sich nach der Unterkante des herabhängenden Schmucks an der Jangha.

caturaṣṭayutaistambhairitareṣāṃ tu maṇḍapaḥ |
sāmānyātsarvaśāstreṣu ye proktāstān vadāmyataḥ || 10 ||

30.10 Für andere Bauten gibt es Hallen mit vier oder acht Säulen. Nun nenne ich die allgemein in den Lehrschriften beschriebenen Typen.

susūtraścāpabhadraśca siṃho dvipadasaṃjñakaḥ |
karṇikāraśca haryakṣaḥ [kh: hanyākhyaḥ] sugrīvo maṇi [kh, gh: māna] bhadrakaḥ || 11 ||

30.11 Susutra, Chapabhadra, Simha, Dvipada, Karnikara, Haryaksha, Sugriva und Manibhadra …

mānavo nandanaścaiva tāpaśca śatru [mū, ṅ: śatryu] nandanaḥ |
śuśīlaśca viśālaśca yajñabhadraḥ śrutīśvaraḥ [gh: dharaḥ || 12 ||

30.12 … Manava, Nandana, Tapa, Shatrunandana, Sushila, Vishala, Yajnabhadra und Shrutishvara …

vāstusaṅkīrṇako nāmnāa viṣamākhyastathāparaḥ |
śrīvatsaśca jayaścaiva jayabhadro'tha buddhibhṛt || 13 ||

30.13 … Vastusamkirnaka, Vishama, Shrivatsa, Jaya, Jayabhadra und Buddhibhrit …

kauśalyaḥ puṣpanandākhyaḥ suvrataḥ puṣpabhadrakaḥ |
puṣpakānta iti khyātāḥ sapta [saptā li0 pu0 pā0] viṃśatimaṇḍapāḥ || 14 ||

30.14 … Kaushalya, Pushpananda, Suvrata, Pushpabhadra und Pushpakanta heißen die siebenundzwanzig Hallen.

dvādaśādidvivṛddhyā syuścatuḥ ṣaṣṭyavasānataḥ |
stambhakramāt kaniṣṭhādyā uktāḥ śāstrānusārataḥ || 15 ||

30.15 Ihre Säulenzahl beginnt bei zwölf und wächst jeweils um zwei bis auf vierundsechzig. So sind sie nach der Lehrschrift von der kleinsten an geordnet.

sudṛḍhaiḥ śobhanaiḥ sthāpyāḥ śilākāṣṭhādibhirvaraiḥ |
tanmadhye cordhvatastadvadekadvitrivimānakāḥ || 16 ||

30.16 Sie werden aus besonders festen und schönen Steinen, Hölzern oder anderen geeigneten Materialien errichtet. In ihrer Mitte erheben sich entsprechend ein, zwei oder drei Vimana-Aufbauten.

kāryā grīvāmalāsārakalaśaiśca samanvitāḥ [kh, ṅ: ṅkitāḥ] |
tryasravṛttārdhacandrābhavasvasraṣoḍaśāsrakaḥ || 17 ||

30.17 Diese besitzen Hals, Amalasaraka und Kalasha. Die Grundformen sind dreieckig, rund, halbmondförmig, achteckig und sechzehneckig.

rājyasiddhiripūcchādasutadravyapradaḥ kramāt |
sarvāṇyetāni dadyācca phalāni caturasrakaḥ || 18 ||

30.18 Sie verheißen der Reihe nach Herrschaft, Vollendung, Vertreibung von Feinden, Kinder und Besitz. Die viereckige Form soll alle diese Früchte gewähren.

maṇḍapalakṣaṇam |

Die Merkmale der Halle.

pūrvataśca vṛṣo nāmāgneyyāṃ ca [mū, g: nāmā ca] nāyakesarī |
valabhīchandako yāmye nair-ṛtyāṃ garuḍaḥ smṛtaḥ || 19 ||

30.19 Im Osten liegt die Vrisha genannte Halle, im Südosten Nara-Kesarin, im Süden die Valabhi-Grundform und im Südwesten Garuda.

śrīvṛkṣakastathāpyāṃ syādvā [ṅ: pāsye vā] yavye ṣoḍaśāsrakaḥ |
purāgajastu saumyāyāṃ tathaiśyāṃ sarvabhadrakaḥ || 20 ||

30.20 Im Westen liegt Shrivrikshaka, im Nordwesten die sechzehneckige Form, im Norden Puragaja und im Nordosten Sarvabhadra.

maṇḍapāstu [gh: pāśca] smṛtā miśrā ete yojyāstu sādhane |
caturasrādike bhede kuṇḍavṛtte vivartitaḥ || 21 ||

30.21 Diese gelten als gemischte Hallenformen und werden für besondere Ritualziele eingesetzt. Ihre viereckigen und weiteren Grundrisse entsprechen den Formen der Feuerbecken.

taddiśābhāgavikṣiptāstatkāryakaraṇe hitāḥ |
sārdhaitāḥ sādhane yojyā liṅgāni nānyathā kvacit || 22 ||

30.22 In die passenden Richtungsbereiche gesetzt dienen sie den jeweiligen Handlungen. Sie und die zugehörigen Lingas sollen entsprechend in der Sadhana verwendet werden, nicht beliebig anders.

caturasraṃ [mū, ṅ: tithihastaṃ] samaṃ kṛtvā tithihastaṃ jaghanyake |
madhyamādyā dvivṛddhyā ca vibhajetkāmabhāgataḥ || 23 ||

30.23 Für die kleinste Tanzhalle bilde man ein Quadrat von fünfzehn Hasta; die mittlere und größte wachsen jeweils um zwei. Man teile es in dreizehn Abschnitte.

parito bhittayoṃ'śena tribhiraṃśaiśca vīthikā |
stambhānvitāḥ puraḥ pṛṣṭhe tryaṃśaistryaṃśaiśca garbhakāḥ || 24 ||

30.24 Ringsum erhalten die Mauern je einen Teil, die Gänge drei und Säulen. Vorne und hinten liegen Räume von jeweils drei Teilen.

dvegṛhe madhyataḥ kārye bāhya [ṅ: vādya] sopānahetave |
tayorbhittī tathāṃśena tryaṃśairdāraṃ ca madhyataḥ || 25 ||

30.25 In der Mitte werden zwei Räume für äußere Treppen eingerichtet. Ihre Mauern erhalten einen Teil; in der Mitte liegt eine Tür von drei Teilen.

tadūrdhvaṃ bhuvi kartavyaṃ madhye stambha [mū, g: dvāra] catuṣṭatam |
satu lopakulaṃ kuryāccatur [g: dvṛtta] bhittīśca koṇagāḥ || 26 ||

30.26 Im Obergeschoss stehen in der Mitte vier Säulen. Die weitere Anweisung zu einem offenen Bereich ist beschädigt; an den Ecken liegen vier Mauern.

caturbhitti [gh: rvīthi] ścaturdvāri paritastambhamālikā |
mattavāraṇasaṃyuktamūrdhvaṃ mūrdhvamucchadanānvitam || 27 ||

30.27 Vier Mauern beziehungsweise nach einer Variante vier Gänge, vier Türen, eine umlaufende Säulenreihe und Mattavarana-Seitenräume gehören dazu; darüber folgen die Dachlagen.

madhye vimānikāyuktaṃ sugrīvāmalasārakām |
sapadmakalaśaṃ kuryāccitrākhyaṃ nṛtyamandiram || 28 ||

30.28 In der Mitte steht ein kleiner Vimana mit schönem Hals, Amalasaraka sowie Lotus und Krugabschluss. So entsteht die Chitra genannte Tanzhalle.

nāṭyaśālālakṣaṇam |

Die Merkmale der Tanzhalle.

sthūlacūleṣṭakākūṭaṃ snigdhamṛtpaṅkasevitam [kh: śobhitam] |
khalīcūrṇaiśca saṃśudhya [kh, gh: saṃguṇḍya] cūrṇairmāṣodbhavaistathā || 29 ||

30.29 Für den Bodenbelag bereite man eine grobe Lage aus Ziegelmaterial, verbunden mit fettem Lehm. Man bestreue beziehungsweise reinige sie mit Ölkuchenpulver und Mehl aus Urdbohnen.

āmrātakodakaiḥ sicya kramāt tryahaṃ tu chādayet |
āguṇḍya [mū, a, ṅ: śuṇṭhya; g: galya] sārṣapaiścūrṇaiḥ paścādāstṛṇuyāt sudhīḥ || 30 ||

30.30 Mit Amrataka-Wasser besprengt bleibt sie drei Tage bedeckt. Anschließend reibe beziehungsweise bestreue man sie mit Senfpulver und breite die Schicht sorgfältig aus.

āmrātakāmbunā bhūyaḥ paścādākoṭya mudgaraiḥ |
yāvaddarpaṇasaṃkāśaṃ śaivālaiśchādayettataḥ || 31 ||

30.31 Erneut mit Amrataka-Wasser befeuchtet wird sie mit Schlägeln verdichtet, bis sie spiegelglatt ist. Danach decke man sie mit Wasserpflanzen beziehungsweise Algen ab.

vyahā [ṅ: ahā] dākṛṣya śaivālāllimpet [gh: llipyeta] piṇyākakalkalaiḥ |
viśrāmyaikāṃ tato [g: mya kārutāṃ] rātriṃ gomayena vilepayet || 32 ||

30.32 Nach einer unsicher angegebenen Zahl von Tagen entferne man diese und bestreiche mit einer Paste aus Ölkuchen. Nach einer Nacht Ruhe folgt ein Auftrag aus Kuhdung.

kṣodalakṣaṇam |

Die Merkmale des verdichteten Bodenbelags.

dagdhvā gośarkarāstūpaṃ tato'bhiṣicya yatnataḥ |
śaṇaphalyāṅghikāṣāyai [g: sādyai] stopalatārasena vā || 33 ||

30.33 Für den Kalkverputz brenne man einen Haufen des als „gośarkarā“ bezeichneten Materials und lösche ihn sorgfältig mit einem Absud aus Hanffrüchten beziehungsweise Wurzeln oder mit dem Saft einer unsicher benannten Ranke.

āṃmrātakāṅghritoyena triphalākvāthakārite [kh: vāriṇā] |
utsvinna [mū: utsvinya] māṣatoyena svinnabilvāmbunāpi vā || 34 ||

30.34 Auch Wasser von Amrataka-Wurzeln, Triphala-Abkochung, Kochwasser von Urdbohnen oder von gekochten Bilva-Früchten werden genannt.

kolāvimāṃśutoyairvā takranadya [kh: takranavyā; gh: vakrakravyā; ṅ: takrakaṃvyau] mbunāpi vā |
tataścolūkhalādyaistu sthūlacūrṇāni kārayet || 35 ||

30.35 Weitere Möglichkeiten sind Wasser von Kola-Früchten und Schaffleisch sowie Buttermilch und Flusswasser; die Fügung ist variantenbehaftet. Danach zerstoße man das Material mit Mörsern zu grobem Pulver.

sūryaiḥ [g: puṣpaiḥ] prasphoṭya saṃgṛhya taccūrṇāni nicakṣaṇaḥ |
sthālyāgarbhe tu saṃsthāpya tato drayāṇi niḥkṣipet || 36 ||

30.36 Der Kundige siebe beziehungsweise schlage das Pulver durch ein Gerät, dessen Name als „sūrya“ überliefert ist, sammle es in einem Gefäß und füge die weiteren Stoffe hinzu.

sārdraṃ [kh: sāndraṃ] lulāyacarmātha śaṇatantūṃśca kuṭṭitān |
sikrāta [mū, gh, ṅ: sikatā] gavyadugdhāni sarjatailātasīrajaḥ || 37 ||

30.37 Dazu gehören feuchte Büffelhaut, zerschlagene Hanffasern, Sand nach der verständlichen Variante, Kuhmilch, Sarja-Harzöl und Leinsamenpulver.

dadhyumātailatoyena saṃsthāpya nakhavāsaram |
āmrātakāmbubhiḥ piṣṭaṃ sthūlāsyā dugdhi [g: vāru] kāhvayā || 38 ||

30.38 Mit saurer Milch, Leinöl und Wasser angesetzt bleibt die Mischung zwanzig Tage stehen. Mit Amrataka-Wasser verrieben entsteht die grobe, Dugdhika genannte Masse.

etairdravyairyutā cānyā ślakṣṇapiṣṭairvarā sudhā |
sammardya guḍadadhnā tān saṃllimpe [gh, ṅ: tapalipye] ddugdhikopari || 39 ||

30.39 Eine weitere, besonders gute Kalkmasse enthält dieselben Stoffe fein vermahlen. Mit Rohrzucker und saurer Milch verrieben wird sie über die Dugdhika-Schicht aufgetragen.

sudhālakṣaṇam |

Die Merkmale des Kalkverputzes.

liṅkhādisandhidārḍhyārthaṃ vajralepamihocyate |
ślakṣṇa [mū, g, ṅ: lakṣa] pāṣāṇacūrṇaṃ tu meṣaśṛṅga/ sucūrṇitam || 40 ||

30.40 Zur Festigung der Fugen an Lingas und anderen Werken wird nun Vajralepa, der „diamantfeste Kitt“, erklärt: feines Steinpulver und sorgfältig zermahlenes Widderhorn …

kārayedvālukāmiśramumātailena mardayet |
kvāthena meṣaśṛṅgasya atasīcūrṇamiśritam || 41 ||

30.41 … werden mit Sand vermischt und mit Leinöl verrieben, außerdem mit einer Widderhorn-Abkochung und Leinsamenpulver.

sammardya saṃpacettāvadyāvattatsamatāṃ gataḥ |
vajralepaḥ samakhyātastathā sarjasamanvitaḥ || 42 ||

30.42 Man verreibe und koche die Mischung, bis sie gleichmäßig ist. Dieser mit Sarja-Harz versetzte Stoff heißt Vajralepa.

atha niṣṭhurabandhena procyate saviśeṣataḥ [mū, ṅ: sāvaśeṣataḥ] |
madhūcchiṣṭena kalkaiśca śāṇajaiḥ sudṛḍhairnavaiḥ || 43 ||

30.43 Nun folgt eine besondere feste Verbindung: mit Bienenwachs und Pasten aus neuen, kräftigen Hanffasern …

guggulaṃ vālukāmiśraṃ cūrṇaṃ pāṣāṇasasbhavam [kh: saṃyutam] |
atasītailasammiśraṃ mardayitvā supācitam || 44 ||

30.44 … sowie Guggulu, Sand und Steinpulver, vermischt mit Leinöl, gründlich verrieben und gekocht.

vajralepaḥ saṃmākhyātaḥ bhūmibandhastvataḥ [kh, ṅ: vajrabandhastataḥ] param |
suraveśmagṛhādīnāṃ bhūmibandho nigadyate || 46 ||

30.46 Auch dies heißt Vajralepa. Nun folgt die Bodenbindung für Tempel, Häuser und andere Gebäude. Die Vorlage springt hier von Vers 44 zu 46; ein eigenständig nummerierter Vers 45 fehlt.

vajralepalakṣaṇam |

Die Merkmale des Vajralepa-Kitts.

mṛttikeṣṭakacūrṇaistu piṇyākenānvitaistathā |
sthiratoyopamā kāryā bhūmistu sutalā samā || 47 ||

30.47 Mit Erde, Ziegelpulver und Ölkuchen bereite man einen festen, völlig ebenen Boden, glatt wie stilles Wasser.

evaṃ bhūmiṃ samāṃ kṛtvā paścād bhūbandhamārabhet [kh: caret] |
gṛhītvā vāluvāḥ śreṣṭhāḥ snigdhāścākhaṇḍitā budhaḥ [kh: stathā] || 48 ||

30.48 Nach dieser Einebnung beginne man die Bodenbindung. Der Kundige nehme guten, glatten und unzerbrochenen Sand.

gṛhītvāmra [ṅ: tvārdra] tvacaṃ vṛkṣāt piṣṭvā kalkaṃ tu kārayet |
tatkalkaṃ kārayet piṇḍaṃ viśoṣyaṃ piṇḍamātape || 48 ||

30.48b Er nehme Mangobaumrinde, zermahle sie zu Paste, forme daraus Klumpen und trockne diese in der Sonne. Die Originalnummer 48 ist hier wiederholt; die Kennung „48b“ dient nur der Unterscheidung.

evaṃ saṃśodhya [gh: śoṣya] tatkalkaṃ saptavārān punaḥ punaḥ |
tato maṇḍena saṃmardya bhūmibandhaṃ tu kārayet || 49 ||

30.49 Diesen Reinigungs- beziehungsweise Trocknungsvorgang wiederhole man siebenmal. Dann verreibe man die Masse mit Reissud und verwende sie zur Bodenbindung.

athavānyena yogena bhūmibandho vidhīyate |
kuryād bhūmiṃ samaṃ ramyaṃ susthitaṃ jalapūritam || 50 ||

30.50 Eine andere Methode der Bodenbindung lautet: Man bereite einen schönen, ebenen, festen und mit Wasser gesättigten Boden.

pūrvoktaścaiva yaḥ kalko niryāsaṃ tasya dāpayeṃt |
dravyaṃ kālānurūpeṇa yojayedbhāgasammitam || 51 ||

30.51 Der zuvor genannten Paste füge man Harz hinzu. Die Stoffmenge richte sich nach der Jahreszeit und dem angegebenen Mischungsverhältnis.

yathākālānurūpeṇa bhāgasaṅkhyā tu kathyate |
grīyme nu pañcabhāgāḥ syuḥ śītakāle tathā trayaḥ || 52 ||

30.52 Die jahreszeitlichen Anteile werden so angegeben: im Sommer fünf Teile, in der kalten Jahreszeit drei.

tryardhaṃ śaradi dātavyaṃ dvyaṃśo varṣāsamāgame |
evaṃ dattvā tu yaḥ pūrvaṃ bandho'tra kathitaḥ kṣiteḥ || 53 ||

30.53 Im Herbst sind dreieinhalb Teile hinzuzugeben, zu Beginn der Regenzeit zwei. Damit wird die zuvor beschriebene Bodenbindung ausgeführt.

tato vilipya kūrceṃna śuṣke śuṣke krameṇa tu |
toyena hatakūrcaṃ tu dāpayettadvicakṣaṇaḥ || 54 ||

30.54 Man trage die Mischung mit einem Pinsel oder Bündel auf, jeweils nachdem die vorige Schicht getrocknet ist. Anschließend befeuchte der Kundige mit einem in Wasser getauchten Pinsel.

kaṣāyaṃ picchilaṃ caiva niryāso valkalaṃ tathā |
śālmalītindukādīnāṃ bhūmibandhe praśasyate || 55 ||

30.55 Gerbstoffhaltige und schleimige Auszüge, Harz und Rinde von Shalmali, Tinduka und ähnlichen Bäumen werden für die Bodenbindung empfohlen.

iṣṭakādārvayo'śmādi yatsaṃkhyaṃ devaveśmani [gh: sadmani] |
tāvadvarṣasahasrāṇi kartā nandati tatpure [gh: tpuram] || 56 ||

30.56 So viele Ziegel, Hölzer, Eisenstücke und Steine ein Tempel enthält, so viele Tausende Jahre soll sich sein Erbauer nach der religiösen Verheißung in der Stadt der Gottheit erfreuen.

bhūbandhalakṣaṇam |

Die Merkmale der Bodenbindung.

pañcasthāḥ pañcaherambā vighnarūpāḥ śivājñayā |
ārambhe kaṭināsāsu [kh, g: rāsnāyu] skandhe mūrdhni yathākramam || 57 ||

30.57 Nach Shivas Gebot befinden sich fünf Herambas als Hindernisgestalten an fünf Bauphasen beziehungsweise Stellen: beim Beginn, an Taille, Nasika, Schulter und Kopfabschluss.

ālasyo mohanaścāpi vibhramaḥ śāsakastathā |
pañcamaḥ kāladaṇḍākhyaḥ sānvayāḥ phaladāyakāḥ || 58 ||

30.58 Sie heißen Alasya, Mohana, Vibhrama, Shasaka und als fünfter Kaladanda. Ihrem Namen entsprechend bringen sie ihre Wirkungen hervor.

ālasyaṃ cālasaḥ kuryānmohaṃ kuryācca mohanaḥ |
vibhrāntiṃ vibhramaḥ kuryācchāsakaḥ śāsayetsadā || 59 ||

30.59 Alasya verursacht Trägheit, Mohana Verblendung, Vibhrama Verwirrung und Shasaka Züchtigung.

kāladaṇḍo mahāraudraḥ kuryād daṇḍabhayaṃ [kh: mbhamayaṃ] mahat |
ete suragṛhe vighnā yāvatte tu na pūjitāḥ || 60 ||

30.60 Der furchtbare Kaladanda verursacht große Furcht vor Strafe. Solange diese Gestalten nicht verehrt werden, bilden sie Hindernisse beim Tempelbau.

sthaṇḍile vā pure ceṣṭvā sitādyāścoktarūpataḥ |
ṣaḍaṅgairāvṛtāḥ sarve vighnaghnā balihomakaiḥ || 61 ||

30.61 Auf einem Opferplatz oder vor dem Bau verehre man sie in den beschriebenen weißen und anderen Gestalten. Mit ihren sechs Gliedern umgeben werden sie durch Bali und Homa zu Beseitigern der Hindernisse.

gurvajñātā aniṣṭāśca doṣānkurvantyanekadhā |
tasmādādau ca santarpyāḥ śrāddhe nānvīmukhāstathā || 62 ||

30.62 Dem Guru unbekannt und unverehrt verursachen sie vielerlei Fehler. Deshalb sättige man sie am Anfang, wie die Nandimukha-Ahnen beim Shraddha.

bighnanāśāya gaṇeśapūjā |

Ganesha-Verehrung zur Beseitigung von Hindernissen.

yatra [kh: yantra g: patra] rūpaṃ dvidhā vidyāt sthalajaṃ jalajaṃ tadhā |
sthalajaṃ gotrasambhūtaṃ śilābhedasamaṃ dhanam || 63 ||

30.63 Blattornamente besitzen zwei Grundformen: an Land und im Wasser entstanden. Die Landform stammt von Bergen beziehungsweise einer Pflanzenfamilie und ist dicht wie eine Steinstruktur; die Lesung des ersten Wortes schwankt zwischen Blatt und anderem Gerät.

sthalajaṃ vipulākhyaṃ syāt patitaṃ cordhvagaṃ dvidhā [g: tathā] |
jalajamabjakandotthaṃ tilakāṅkaṃ tri [mū: ka.ṃ karṇi; kh: kāhvāṃ tri; ṅ: kākānti] bhedakam || 64 ||

30.64 Die Landform heißt Vipula und besitzt eine herabhängende sowie eine aufstrebende Variante. Die Wasserform stammt von Lotusknollen und besitzt drei Tilaka-Abwandlungen.

ghanagranthiviśālāṅkaṃ viṭikāṅkaraśobhitam |
vipulaṃ bahuśākhāṅgaṃ [kh: lākhyaṃ] lakṣaṃ komalamadrijam || 65 ||

30.65 Vipula zeigt dichte Knoten, breite Zeichen, kleine Stiele und Sprosse, zahlreiche Äste und weiche Formen; sie gilt als bergentsprungen.

paṭṭikā [g: viṭikā] ṭilakaṃ caikaṃ tribhaṃgaṃ [gh: tribhagaṃ] ca dvitīyakam |
tṛtīyaṃ padmamardhajaṃ [mū: vardhaja] lakṣmaitattilakasya ca || 66 ||

30.66 Ein Typ trägt ein Leisten-Tilaka, der zweite eine dreifache Biegung, der dritte einen halben Lotus. Dies sind die Kennzeichen dieser Tilaka-Formen.

agre bhavet sarojāṅgaṃ kvacidbhinnaṃ sukomalam |
sphāraṃ kuṭilasaṃ [ṅ: lajaṃ] sarpi pronnataṃ vitataṃ sphuṭam || 67 ||

30.67 An der Spitze liegt ein Lotusglied, stellenweise geöffnet und sehr zart, weit entfaltet, gebogen, rankend, aufgerichtet, ausgebreitet und deutlich gegliedert.

kando [gh: kundo] dbhavamidaṃ vaktraṃ śobhanaṃ vārisambhavam |
pañcadhā daśarekhābhiḥ ṣaṣṭhaṃ sakala [kh, gh: sabala] rūpakam || 68 ||

30.68 Diese schöne wassergeborene Vorderform entspringt einer Knolle. Fünf Formen werden mit zehn Linien gestaltet; eine sechste besitzt die vollständige beziehungsweise kräftige Gestalt.

sthalajaṃ jalajaṃ caiva jñeyaṃ dvādaśabhedakam |
kalinda [gh: kāliṅga] koladaṣṭrārdraṃ kaṇṭakaiḥ paritairyutam || 69 ||

30.69 Land- und Wasserformen ergeben zusammen zwölf Arten. Eine weitere Beschreibung nennt Kalinda beziehungsweise Kalinga, Wildschweinhauer und ringsum Dornen; die genaue Verbindung ist beschädigt.

nīlaṃ sukomalaṃ veṇu/ [kh: meru] bindurekhakhādyabhaṅguram |
kaṇṭakairmeṣaśṛṅgābhaiḥ patraṃ bālābhajaṃ bhavet || 70 ||

30.70 Das Blatt ist dunkelblau, sehr zart, mit Bambus- beziehungsweise Meru-Bezug, Punkten und Linien und nicht brüchig; einzelne Wörter sind unsicher. Seine Dornen gleichen Widderhörnern, seine Form jungem Wachstum.

dhanaṃ havyākulaṃ [kh: dadākula; g: phaṭākulaṃ] pītaṃ niviḍāṅgaṃ visarpi ca |
agastimukulākāraṃ kanakaṃ [kh: kaṇṭhakaṃ] pāvanāhvakam [kh: kaṇṭhakaṃ] || 71 ||

30.71 Dicht, gelb, eng gegliedert und rankend, mit Knospen wie die des Agasti, wird eine goldene beziehungsweise dornige, Pavana genannte Form beschrieben; die Namen schwanken.

bhāskaraṃ vitataṃ kuryāddharitaṃ sucayā [kh: tāṃśukayā] kulam |
śvapucchavacca vṛttāgraṃ mārjāramukha [kh: nakha] bhaṅguram || 72 ||

30.72 Man gestalte eine leuchtende, ausgebreitete, grüne Form voller feiner Spitzen. Ihr rundes Ende gleicht einem Hundeschwanz; die Krümmungen gleichen Katzenkrallen nach der verständlicheren Variante.

śukāsyaiḥ kaṇṭhakairvāsṛṅ nāgaraṃ patramucyate |
aurvāru [kh, gh: airvāru] tantuvṛttāgraṃ kaṇṭhakaṃ sarpasarpaṇam || 73 ||

30.73 Mit papageienschnabelartigen Dornen heißt das Blatt Nagara; ein weiterer Ausdruck ist unklar. Seine Fasern gleichen Gurkenranken, mit runden Enden und schlangenartig kriechenden Spitzen.

paraspareṇa saṃpṛktaṃ [mū, ṅ: saṃvṛktaṃ] bahuparyasti [kh, gh, ṅ: baddhaparyāsti] patrakam |
vistṛtaṃ kuñcitāgraṃ ca śvetaṃ raktāsyaśobhitam || 74 ||

30.74 Die Blätter sind ineinander verschlungen und vielfach umgewendet, breit, an den Enden gekrümmt, weiß und mit roten Vorderseiten geschmückt.

taruṇaṃ piñjarāgaṃ ca karkaśaṃ cātikarkaśam |
granthipatrāṅkurairyuktaṃ viparyastaiḥsadordhvagam || 75 ||

30.75 Sie sind jung, gelblichrot, rau bis sehr rau, mit Knoten, Blättern und Sprossen, gegenläufig und stets aufwärts strebend.

līlālolavikāśāṅgaṃ pallavaiḥ susamākulam |
kvacicchinaṃ kvacidbhinnaṃ kvacit patrārdhaveṣṭitam || 76 ||

30.76 Spielerisch bewegt entfalten sie sich, dicht von jungen Blättern erfüllt, hier eingeschnitten, dort geteilt, anderswo halb von einem Blatt umschlungen.

palāladhūmasaṅkāśaṃ drāviḍaṃ patramīdṛśam |
pūrvoktavallicitrāḍhyaṃ hṛdyaṃ cāru surekhitam || 77 ||

30.77 Ein solches Blatt, strohrauchfarben, heißt Dravida. Es trägt die zuvor beschriebenen Rankenbilder, ist anmutig, schön und klar gezeichnet.

sarvākārairvimiśraṃ ca patraṃ tadveśaraṃ [kh: dvai khara] smṛtam |
mūlemadhya tathāgre ca vṛddhaṃ taruṇaśākhikam || 78 ||

30.78 Die Mischung sämtlicher Formen heißt Vesara-Blatt. An Wurzel, Mitte und Spitze besitzt es größere Formen und junge Zweige.

likhet trikaṇṭhakaṃ [gh: kaṇṭakaṃ] sarvaṃ patraikaṃ patralakṣmavat [ṅ: yat] |
śilpibhirguṇitaṃ kṛtvā paścāt patrāṇi saṃlikhet || 79 ||

30.79 Man zeichne zunächst die gesamte dreispitzige Grundform entsprechend den Blattmerkmalen. Nachdem die Handwerker sie maßgerecht ausgearbeitet haben, zeichnen sie die einzelnen Blätter.

stambhakumbhānane dvāre rathe coparathe tathā |
nirgataṃ rājahaṃsasya pucchāt kakṣācca [mū: kandācca] kiṃ nṛṇām || 80 ||

30.80 An Säulenkrügen, Vorderseiten, Türen, Haupt- und Nebenrisaliten gehen diese Ranken aus dem Schwanz eines königlichen Schwans oder aus der Achsel beziehungsweise Knolle von Kinnara-Gestalten hervor; der Schluss ist leicht beschädigt.

iti lakṣaṇasamuccaye maṇḍapādivartinīlakṣaṇaṃ nāma [śabdo'yaṃ li0 pu0 nāsti] triṃśo vidhiḥ || 30 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 30. Ritualabschnitt über „Hallen und weitere Bauteile“.

Kapitel 31: Teiche, Brunnen, Bäume und Gärten

athaikatriṃśaḥ

Nun folgt der 31. Ritualabschnitt.

tritaye puṣkariṇyādau bhūgṛhasthāpane sadā |
yajettadvāstu [mū, gh: dardhastu] devāṃśca vedāsre rudrabhākike || 1 ||

31.1 Bei der Einsetzung der drei mit dem Lotusbecken beginnenden Wasseranlagen sowie von unterirdischen Räumen verehre man die Vastu-Gottheiten auf einem viereckigen, in elf Teile gegliederten Plan.

triṣu triṣu ca koṣṭheṣu [mū, kh, gh, ṅ: koṣṭheṣu] yajedatra harādikān |
dikpadeṣu marīcyādyā madhye tattveṣu vedhasas || 2 ||

31.2 In jeweils drei Feldern verehre man Hara und die folgenden Gottheiten, in den Richtungsfeldern Marichi und die übrigen, in der Mitte Brahma auf den zugehörigen Prinzipienfeldern.

aṣṭāpadīṃśca [ṅ: padāṃśca] koṇāsthān dvidbayāṅghriṣu madhyataḥ |
brahmasthāne site padme [mū, ṅ: pakṣe] kālāgniṃ pūjayettataḥ || 3 ||

31.3 Die acht Eckgottheiten erhalten paarweise Felder. Danach verehre man Kalagni auf einem weißen Lotus am Brahma-Platz in der Mitte.

mūrtyaṅga [mū, ṅ: mūrdhnyaṅga] ṣaṭkasaṃyuktaṃ svanāmādyakṣareṇa ca |
hāṭakeśaṃ baleśaṃ [ṅ: caleśaṃ] ca punaścātibalaṃ tathā || 4 ||

31.4 Er besitzt Gestalt und sechs Glieder und wird mit dem Anfangsbuchstaben seines Namens verehrt. Auf den Lotusblättern folgen Hatakesha, Balesha und Atibala …

mahodaraṃ mahābdhiṃ ca [kh, ṅ: mahāviśva] kumbhārṇavaṃ tathā punaḥ |
saptamaṃ ca virūpākṣaṃ bhrukuṭīśaṃ daleṣu ca || 5 ||

31.5 … Mahodara, Mahabdhi beziehungsweise Mahavishva, Kumbharnava, als siebter Virupaksha und Bhrukutisha.

prāgādīśāntagandhādyaistathānanttadi [kh, ṅ: nandādi] gātrake |
karkoṭāntaṃ svamantreṇa pūjayejjaladiggṛhe || 6 ||

31.6 Von Osten bis Nordosten verehre man sie mit Duft und weiteren Gaben. Ebenso verehre man mit ihren eigenen Mantras Ananta und die übrigen Nagas bis Karkota in der Wasseranlage; die mittlere Wortfolge ist beschädigt.

bāhyeṣu ca carakyādīn balihomena tarpayet |
tathā grahādilokeśānnraupyā [mū, kh, g, ṅ: nopyā] nnāgāṣṭakāṃstataḥ [kh: tathā] || 7 ||

31.7 Außen sättige man Charaki und die übrigen mit Bali und Homa, ebenso Planeten und Welthüter. Dann setze man die acht Nagas ein; die Grundlesung bezeichnet sie als silbern.

ananttādyaṃ mahāpadmaṃ takṣakaṃ kulikaṃ tathā |
śaṅkhaṃ vāsukiṃ caiva padmaṃ karkoṭakāntakam || 8 ||

31.8 Sie heißen Ananta, Mahapadma, Takshaka, Kulika, Shankha, Vasuki, Padma und zuletzt Karkotaka.

snānejyān (?) [mū, a, ṅ: sthānajñān] pūrvataḥ kṛtvā sunimitte suvāsare |
pūrvādīśāntagānnyasya madhye coṣadhikā [mū, ṅ: roṣāpahā] dhikān || 9 ||

31.9 Nach Waschung und Verehrung an einem günstigen Tag und unter günstigen Zeichen setze man sie von Osten bis Nordosten ein. In die Mitte kommen Heilpflanzen und weitere Stoffe.

phalinyuśīrayaṣṭyāhvasahāhilocanāṃ hrikam |
vaṃsakūrcārtha [gh: rasakūmreṣu] ratnābjagaṅgāmbu [kh: gandhāmbu] pañcagavyakam || 10 ||

31.10 Genannt werden Phalini, Ushira, Yashti, Saha, Ahilochana und weitere unsicher geschriebene Pflanzen, Bambusbündel, Edelsteine, Lotus, Ganga- beziehungsweise Duftwasser und Panchagavya.

athodakaṃ [kh, g, gh, ṅ: arghodaka] kṣipedvāpyāṃ tanmadhye tvahipaṣṭi [kh, ṅ: ṣaṣṭi] kān |
vinyased dviguṇaṃ śvabhrātpādonāṃ vā vasādhikām [mū, g: vādhisārdhakām] || 8 ||

31.8b Dann gieße man Wasser beziehungsweise Arghya-Wasser in das Becken und setze in seiner Mitte den Naga-Stab ein. Seine Länge beträgt das Doppelte der Tiefe; die Alternativen mit Viertelabzug oder Mehrmaß sind beschädigt. Die Vorlage wiederholt hier die Nummer 8 anstelle der erwarteten 11.

sālasundarikādīnāṃ dṛḍhāṃ dṛṅmānapūrvikām [g: saṃyutān] |
susnāpya gandhavastrādyaiḥ saṃpūjyānantamantrataḥ || 12 ||

31.12 Der Stab bestehe aus festem Sala-, Sundarika- oder anderem geeigneten Holz und werde nach den vorgeschriebenen Maßen hergestellt. Nach gründlichem Bad verehre man ihn mit Duft, Stoffen und weiteren Gaben unter dem Ananta-Mantra.

tenaivāropayenmadhye rakṣāyai bhogiyaṣṭikām |
vedatūryaninādena [kh: tūryena vādena] dhvajavatsakale kṛte [mū, ṅ: viṃśa; g, gh: vaṃśa] || 13 ||

31.13 Mit demselben Mantra errichte man den Schlangenstab in der Mitte zum Schutz. Vedarezitation und Instrumentenklang begleiten das wie beim Banner vollständig ausgeführte Ritual.

saptabhogasukūṭāya viśvā [mū, a, gh: diksthā] dhārasthitāya ca |
hū/ hū/ anantāya [kh: anantanāgāya] nāgādhipataye namaḥ || 14 ||

31.14 „Dem mit sieben herrlichen Schlangenhauben, der als Träger der Welt besteht: Hū/ hū/; Verehrung Ananta, dem Herrn der Nagas!“ Die beiden Keimsilben sind mit Schrägstrichen unsicher notiert und werden nicht stillschweigend normalisiert.

anantamantraḥ |

Der Ananta-Mantra.

astrodakena cābhyukṣya pāśupatena pāśayet |
khurikenāvadhāryeṣa [mū, a, ṅ: jyeṣṭha] guhyenāmbhasi vā kṣipet || 15 ||

31.15 Man besprenge mit Astra-Wasser und binde mit dem Pashupata-Mantra. Die anschließende Anweisung zu einem Messer beziehungsweise einem abweichend gelesenen Glied und zum Einsetzen ins Wasser unter einem geheimen Mantra ist beschädigt.

nānā [mū, a, ṅ: tāra] pāśakaraḥ kartā japan pāśupataṃ guruḥ |
kapilāpuccha [kh, g: vāmadevaṃ] lagno'tra santaredyajamānakaḥ || 16 ||

31.16 Der Guru rezitiert Pashupata und vollzieht die beschriebenen Bindungen; die Zuordnung zum Auftraggeber ist uneben. Der Auftraggeber durchquere das Wasser, am Schwanz einer braunen Kuh festhaltend; eine Variante nennt stattdessen Vamadeva.

tatra tīrṇo bhavetkartā ghorāṃ vaitaraṇīṃ nadīm |
tataścāṣṭaśataṃ homaṃ bahurūpeṇa homayet || 17 ||

31.17 Damit gilt er im Ritual als einer, der den schrecklichen Vaitarani-Fluss überschritten hat. Danach bringe man hundertacht Homa-Gaben mit dem Bahurupa-Mantra dar.

tarpayedvaruṇaṃ devaṃ somadevaṃ [kh: dattvā santoṣayet] ca vā kvacit |
caruṃ saṃśādhayettena śāntiṃ tenaiva kārayet || 18 ||

31.18 Man sättige Varuna und, nach einer Lesung, Soma. Mit diesem Mantra bereite man Charu und vollziehe die Befriedung.

pūrṇāṃ dadyād gururhṛṣṭaḥ śivenāśivahariṇā |
tāṃ ca gāṃ gurave dadyāt toṣayecca [gh: khāgnyena] svavittataḥ || 19 ||

31.19 Der erfreute Guru bringe die volle Abschlussgabe mit dem Unheil beseitigenden Shiva-Mantra dar. Der Auftraggeber schenke ihm die Kuh und stelle ihn nach seinen Vermögensverhältnissen zufrieden.

kūpe'pyevaṃ kṛte'rkāṃśe sārdhadvyāṅghristhāsthamīśvaram |
khāgnīna [kh: gogryūṇa] pitṛrugvā [mū: yugvā] yuditīśānpūjayettathā || 20 ||

31.20 Beim Brunnen verfahre man entsprechend mit einer Zwölferteilung. Die folgende Zuordnung Ishvaras zu zweieinhalb Feldern und weiterer Gottheiten zu Himmels-, Feuer-, Ahnen- und Windbereichen ist stark beschädigt.

aṣṭau tvāpādikāṃścaiva padaikaikeṣu koṇataḥ |
dikṣvarkeṣu marīcyādyān madhyeṣaṭpadakeṣvajam [gh: dhvajaḥ] || 21 ||

31.21 Die acht mit Apa beginnenden Gottheiten erhalten je ein Eckfeld. Marichi und die übrigen liegen in den zwölf Richtungsfeldern, der Ungeborene in den sechs mittleren Feldern.

kūpāṅghrīśe [gh: npīṭhā] pare bhāge tāranāgāṣṭakāvṛtam |
tanmadhye kālarudreśaṃ pūjya gandhādipūrvavat || 22 ||

31.22 An der beim Brunnen vorgesehenen Stelle verehre man Kalarudreshvara in der Mitte, umgeben von den acht Nagas und den zugehörigen Lauten, mit Duft und den zuvor genannten Gaben; die Ortsangabe ist unsicher.

hutvā dadyād baliṃ tebhyo gurave gāṃ tato guruḥ |
pañcagavyaṃ kṣipetkūpe gaṅgāmantrāmbunā saha || 23 ||

31.23 Nach Homa bringe man ihnen Bali dar und schenke dem Guru eine Kuh. Der Guru gieße Panchagavya zusammen mit durch den Ganga-Mantra geweihtem Wasser in den Brunnen.

kartāraṃ prokṣayetpaścādguruḥ śāntyambunā bhṛśam |
śakttyā kartāśayedviprān prārthayitvāśiṣo'rthivat [kh, gh: rmithaḥ] || 24 ||

31.24 Danach besprenge der Guru den Auftraggeber reichlich mit Friedenswasser. Dieser speise Brahmanen nach seinen Möglichkeiten und erbitte ihren Segen.

aiṣṭake vāśmaje kūpe dhīrajjudṛḍhamālikām |
karāntarasthadārvībhirdhaṭībhirdārucakrakam || 25 ||

31.25 Bei einem Ziegel- oder Steinbrunnen baue man ein hölzernes Rad mit einer festen Seilkette und daran im Abstand von einem Hasta befestigten hölzernen Gefäßen.

yuktaṃ tadgraha [kh: dbham] ṇāttoyaṃ nālābhyāṃ karṣayennaraḥ |
nālārdhe [kh, gh: nālau dve] sthāpayettatra [kh, gh: dviṣṇu; g: vipra] prasuptaṃ yāgapūrvakam || 26 ||

31.26 Durch Betätigung dieses Geräts schöpfe man Wasser und leite es durch zwei Rinnen. Dort setze man nach vorausgehender Verehrung den liegenden Vishnu ein; diese verständliche Lesung steht im Variantenapparat.

puṣkariṇyādiṣaṭkeṣu śileṣṭakākṛteṣu vā |
jalatalpo hariḥsthāpyo gaṅgānāgāhvayo'thavā [mū, ṅ: nāgārddhayo] || 27 ||

31.27 Bei den sechs mit dem Lotusbecken beginnenden Wasseranlagen aus Stein oder Ziegeln setze man Hari auf seinem Wasserlager ein, alternativ Ganga und eine Naga-Gestalt; die letzte Verbindung ist variantenbehaftet.

yateḥ syānāya vāpyādīn kuryāt prāgīśasaumyataḥ |
udyāneṣu surāgre vā [kh, ṅ: greṣu] dikṣu kūpaṃ ca pūrvavat || 28 ||

31.28 Für die Wohnung eines Asketen lege man Becken und ähnliche Anlagen im Osten, Nordosten oder Norden an, in Gärten oder vor Heiligtümern. Brunnen werden wie zuvor nach den Richtungen angeordnet.

kūpavatsarvakhāteṣu vidhānaṃ cākhilaṃ tu tat |
kṣepaṇaṃ vapanaṃ yacca savyāsavyena kārayet || 29 ||

31.29 Das gesamte Verfahren für den Brunnen gilt auch für alle anderen gegrabenen Wasseranlagen. Einbringen und Aussäen erfolgen mit entsprechender Rechts- und Linksbewegung.

bilvavṛkṣādivṛkṣāṇāṃ nyāsādi majja [g: mārja] nārcanam |
svaistārakaiḥ prakuryācca tilairhomaṃ ca madhyagaiḥ || 30 ||

31.30 Bei Bilva-Bäumen und anderen Bäumen vollziehe man Nyasa, Waschung beziehungsweise Reinigung und Verehrung mit den jeweils eigenen Tara-Lauten. In der Mitte bringe man Sesam als Homa-Gabe dar.

ārāmodyānake'pyevamaiśānyāṃ vṛkṣamāśritam |
pūrvāgāre'tha hotavyaṃ vṛkṣāṇāṃ vṛkṣadaivatam || 31 ||

31.31 Ebenso verfahre man bei Hainen und Gärten, im Nordosten bei einem Baum. In der östlichen Halle opfere man für die jeweilige Baumgottheit.

nyāsārcanādikaṃ kṛtsnaṃ svairmantrairyatibhojanam |
bāṇamatātsamādāya likhitaṃ ca tadakṣaraiḥ || 32 ||

31.32 Alle Einsetzungen und Verehrungen erfolgen mit den eigenen Mantras; Asketen werden gespeist. Diese Vorschrift wurde aus der Bana-Lehre übernommen und mit ihren eigenen Worten niedergeschrieben.

iti lakṣaṇasamuccaye puṣkariṇīkūpavṛkṣodyānārāmasthāpanaṃ nāmai [nāmeti śabdo li0 pu0 nāsti] katriṃśo vidhiḥ || 31 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 31. Ritualabschnitt über „Teiche, Brunnen, Bäume und Gärten“.

Kapitel 32: Pavitrarohana und Schlussverse

atha dvātriṃśaḥ

Nun folgt der 32. Ritualabschnitt.

sāṃvatsarikapūjādau nyūnasaṃpūraṇāya vai [kh, g: ca] |
pavitrārohaṇaṃ [mū: ropaṇaṃ] kāryaṃ cāturmāsyaṃ vrataṃ caran || 1 ||

32.1 Um Versäumnisse bei der jährlichen Verehrung und den anderen Pflichten zu vervollständigen, soll man während des Gelübdes der vier Monate das Pavitra anlegen.

āṣāḍhe śrāvaṇe vāpi nabhasye vā tato na tu |
pakṣayośceṣṭa [kh, g: sveṣṭa] devānāṃ vahnipratipadādiṣu [kh: ditaḥ] || 2 ||

32.2 Dies geschehe im Ashadha, Shravana oder Bhadrapada, nicht später; in beiden Monatshälften gelten die jeweiligen Tage von Pratipad an für die verehrten Gottheiten.

jvalanabrahmagaurīṇāṃ herambasya ca bhoginām |
rudrārka [kh: rudrāṇaṃ] śaṅkarāṇāṃ ca caṇḍīyamaviḍaujasāma || 3 ||

32.3 Genannt werden Agni, Brahma, Gauri, Heramba, die Schlangenwesen, Rudra, die Sonne, Shankara, Chandi, Yama und Indra,

viṣṇumanmathaśambhūnāṃ paurṇamāsyāṃ tathā punaḥ |
sarveśvara [kh: ṣveva] pitṛṇāṃ ca pavitrārohaṇaṃ matam || 4 ||

32.4 ferner Vishnu, Manmatha und Shambhu; für den Vollmond werden wiederum der Allherr und die Vorfahren genannt. So ist das Anlegen des Pavitra bestimmt. [Die Zuordnung der einzelnen Gottheiten zu den Tagen ist nicht überall eindeutig.]

nirūpya sthānakaṃ cādau gṛhītvā dantadhāvanam [g: daṇḍadhāraṇam; (k) 24 adhyāyasya 49 ślokādārabhyaitāvatparyanto bhāga ka putake khaṇḍitaḥ] |
mṛdbhasmavastrapatrādi tathā sūtraṃ ca saptadhā || 5 ||

32.5 Zuerst bestimme man den Ort und beschaffe Mittel zur Zahnreinigung, Erde, Asche, Tücher, Blätter und weiteres sowie Fäden in sieben Materialarten.

kṣaumaṃ mauñjaṃ ca śāṇaṃ vā kauśaṃ paṭṭajameva vā |
pādma kārpāsajaṃ sūtraṃ dvijakanyādinirmitam || 6 ||

32.6 Diese bestehen aus Leinen, Munja-Gras, Hanf, Kusha-Gras, Seide, Lotusfasern oder Baumwolle und werden nach der Vorschrift von einer Brahmanentochter oder einer entsprechend geeigneten Person gefertigt.

triguṇaṃ triguṇīkṛtya jyeṣṭhādiliṅgamānataḥ |
) (ka) daśāṅgulāntarāgranthiścaikaikāṅgulihānitaḥ || 7 ||

32.7 Man verdrehe drei Stränge wiederum dreifach und richte sich nach dem Maß des größeren und der kleineren Lingas. Die Knotenabstände beginnen bei zehn Fingerbreiten und werden jeweils um eine Fingerbreite vermindert.

dvyaṅgulāntaṃ bhaveccheṣau hastānte ca navādike |
sūtraiḥ sāṣṭaśatairjyeṣṭho cānyada [mūṅ: yanmitrā; k, gh: cānyatrā] ṣṭāṣṭahānitaḥ || 8 ||

32.8 Die weiteren Abstände reichen bis zu zwei Fingerbreiten. Für die größeren Maße, von neun Ellen abwärts bis zu einer, wird das größte Pavitra mit einhundertacht Fäden versehen; bei den übrigen werden jeweils acht abgezogen. [Der Maßanschluss ist uneben.]

granthayastantusaṃkhyātā viṣamagranthayaḥ kvacit |
rocanākuṅkumāktaiśca madacandraistu śaktitaḥ || 9 ||

32.9 Die Knotenzahl entspricht der Zahl der Fäden; mancherorts wird eine ungerade Knotenzahl vorgeschrieben. Nach Vermögen bestreiche man sie mit Gorochana, Safran, Moschus und Kampfer.

rajanyā dhātubhirvāpi granthīṃstāṃstu suśobhayet |
tritattve trīṇi kāryāṇi caturthaṃ cāvalaṃbajam || 10 ||

32.10 Auch mit Kurkuma oder mineralischen Farben verschönere man die Knoten. Für die drei Tattvas fertige man drei Fäden, dazu einen vierten, herabhängenden.

sudhautāni pavitrāṇi pīṭhe liṅgeca mūrdhani |
sarvārthapūraṇaṃ dadyāt pṛṣṭhapīṭhe caturthakam || 11 ||

32.11 Die gut gewaschenen Pavitra-Fäden lege man an Sockel, Linga und Haupt an. Der vierte, der alle Ziele erfüllt, wird am rückwärtigen Sockelbereich angebracht.

āpādācca lalāṭāntaṃ hṛtkaṇṭhāntaṃ svadehataḥ |
sāṣṭaśatāṅghri [kh: tāṅki] varṇākhyaiḥ syustantugranthayaḥ kramāt || 12 ||

32.12 Vom Fuß bis zur Stirn sowie bis zum Herzen oder Hals richte man die Länge nach dem eigenen Körper aus. Fäden und Knoten werden den genannten einhundertacht Laut- beziehungsweise Gliederbestimmungen zugeordnet. [Die Zahlbezüge sind beschädigt.]

svabāhukaratālāntaiḥ padavarṇaṃ sutattvagaiḥ |
sthaṇḍile hariśambhostu dale kesarakoṇake || 13 ||

32.13 Die Maße richten sich auch nach Arm, Hand und Handfläche sowie nach Wörtern, Lauten und Tattvas. Bei Hari und Shambhu auf dem Opferplatz werden Blütenblätter, Staubfäden und Winkel berücksichtigt.

brahmaviṣṇuharādīnāṃ dvātriṃśadbhirvivṛddhitaḥ [kh: rdivṛddhitaḥ] |
sūtraiśca granthayo'nyeṣāṃ tathā daśaika [g: dalaika] hānitaḥ || 14 ||

32.14 Für Brahma, Vishnu, Hara und die übrigen werden Vermehrungen um zweiunddreißig Fäden genannt; für andere entsprechende Verminderungen der Knoten um zehn beziehungsweise eines. [Die genaue Berechnungsfolge ist nicht sicher.]

mūrdhāvalaṃbijānvantaṃ pratimānāṃ pavitrakam |
vṛṣasya śṛṅgapādāntaṃ pavitraṃ liṅgavanmatam || 15 ||

32.15 Bei figürlichen Bildern reicht das herabhängende Pavitra vom Haupt bis zu den Knien. Beim Stier reicht es von den Hörnern bis zu den Füßen und wird nach den Regeln für das Linga behandelt.

prāsādamaṭha [mū, ṅ: matha] veśmāni sūtreṇaikeya veṣṭayet |
itareṣāṃ tu devānāṃ pavitraṃ syāt trisūtrakam [gh: trakaiḥ] || 16 ||

32.16 Tempel, Kloster und Haus umwinde man mit einem einzigen Faden. Für die übrigen Gottheiten besteht das Pavitra aus drei Strängen.

calaliṅgasya dairghyeṇa sthaṇḍile granthayaḥ samāḥ |
kvacidvitastimātraṃ ca śatārdhārdhārdhasūtrakam [kh, gh: trakaiḥ] || 17 ||

32.17 Beim beweglichen Linga folgt die Länge seinem Maß; auf dem Opferplatz sind die Knoten gleichmäßig. Mancherorts wird eine Spanne als Länge und eine durch wiederholtes Halbieren von hundert bestimmte Fadenzahl genannt. [Die Zahlform ist nicht eindeutig.]

padavarṇakalābhiḥ syustattvendrarudratantavaḥ |
dvijārkajinasaṃkhyābhiḥ sthirasthaṇḍilagehinām || 18 ||

32.18 Wörter, Laute und Kalas bestimmen die Fäden in Beziehung zu Tattvas, Indra und Rudra; weitere Zahlwörter werden für feststehende Bilder, Opferplätze und Häuser angeführt. [Die konkrete Zahlenzuordnung ist unsicher.]

paṭacitrāgamānāṃ ca bhavedgranthistrisūtrakam |
gurvarthātmārthayoḥ sūtraistakarmai [kh, gh: tkāmai] kādaśa kramāt || 19 ||

32.19 Für Tuchbilder und Agama-Bücher ist ein dreisträngiger Faden mit Knoten vorgesehen. Für den Guru und für den eigenen Gebrauch werden anschließend besondere Fadenzahlen bis elf genannt. [Ein Zahlwort ist beschädigt.]

ṣaṭtriṃśattattvasaṃkhyānairgranthayo naba pañcadhā |
kaniṣṭhāmūlakakṣāntaṃ skandhanābhyūrdhvamānakam || 20 ||

32.20 Knoten werden nach der Zahl der sechsunddreißig Tattvas sowie in neuner- und fünferbezogenen Ordnungen gebildet. Die Längen reichen von der Wurzel des kleinen Fingers bis zur Achsel und orientieren sich an Schulter, Nabel und den höheren Körperstellen. [Die Zuordnung ist nicht vollständig klar.]

snānaṃ pūjā japaṃ homaṃ dhyānaṃ vijñaptimeva ca |
pavitrārohaṇaṃ kuryādiṣṭamantraistritattvataḥ || 21 ||

32.21 Waschung, Puja, Japa, Homa, Meditation und die vertrauensvolle Bitte gehören zum Anlegen des Pavitra; es geschieht mit den vertrauten Mantras in Beziehung zu den drei Tattvas.

prāgyāmyendupratīcīṣu kramātsthitairdvijātibhiḥ [kh: dvibhiḥ] |
dadyāt pavitrakaṃ tadvadvahnyādidikṣu cetaraiḥ || 22 ||

32.22 Die Brahmanen stehen der Reihe nach im Osten, Süden, Norden und Westen und reichen die Pavitra-Fäden dar; die übrigen stehen entsprechend in den Zwischenrichtungen, beginnend mit Südosten.

śuciḥ snāho'hnikīṃ pūjāṃ kṛtvā vai śeṣikāṃ kvacit |
tripañcasūtrakairvāpi hṛdā cāmantrarṇa vibhoḥ [k, kh, ṅ: prabhoḥ] || 23 ||

32.23 Rein und gebadet vollziehe man die tägliche Puja, gegebenenfalls eine besondere Verehrung, und lade den Herrn mit dem Herzmantra und Fäden aus drei oder fünf Strängen ein.

āmantrito'si deveśa pūjāmupahṛtā mayā |
gṛhāṇemāṃ mahādeva samastavidhikāraṇa || 24 ||

32.24 „Du bist eingeladen, o Herr der Götter. Diese Verehrung habe ich dir dargebracht. Nimm sie an, Mahadeva, du Ursprung aller rituellen Ordnung!“

mṛdaṃ sāmalagandhāmbusubhasmadantadhāvanam |
pañcagavyaṃ kamātteṣu tālacandranalohakam || 25 ||

32.25 Erde, duftendes Wasser mit Amalaka, reine Asche, Mittel zur Zahnreinigung, Panchagavya und die weiteren genannten Stoffe sind der Reihe nach darzubringen. [Die abschließende Materialfolge ist beschädigt.]

śilāṃ vā rocanāṃ caiva svamantreṇopayojayet |
homadravyāṇi sarvāṇi sakuśānyaparāparānane || 26 ||

32.26 Auch Stein beziehungsweise Gorochana verwende man mit dem jeweiligen Mantra. Sämtliche Homa-Stoffe mitsamt Kusha-Gras werden bei den entsprechenden Gesichtern bereitgelegt.

kajjalaṃ kuṅkumaṃ tailaṃ śalākā keśaśodhanam |
tāmbūlaṃ guhyake dadyāt sājyaṃ caru nare punaḥ || 27 ||

32.27 Rußschminke, Safran, Öl, Stäbchen zur Anwendung, Mittel zur Haarpflege und Betel gebe man bei Guhya; bei Purusha dagegen die mit Ghee versehene gekochte Opfergabe.

yaṣṭyakṣasūtrakaupīnabhikṣāpātrāṇi dakṣiṇo |
aiśānyāmāsanaṃ chatraṃ pāduke yogapaṭṭakam || 28 ||

32.28 Stab, Gebetskette, Lendentuch und Bettelschale gehören in den Süden; Sitz, Schirm, Sandalen und Yogagurt in den Nordosten.

yatna [kh: pada] saṃpannameteṣāṃ manasā tatprakalpayet |
pātraṃ kṛtvā pavitrāṇi prokṣitāni śivāmbhasā || 29 ||

32.29 Was davon nicht vollständig beschafft werden kann, stelle man sich geistig vor. Man bereite ein Gefäß und besprenge die Pavitra-Fäden mit Shiva-Wasser.

kṛṣṇājinādicchādya mantrasaṃhitayālabhet |
gandhaṃ puṣpaṃ ca dhūpādyaṃ sākṣataṃ ca pavitrakam || 30 ||

32.30 Man bedecke sie mit einem schwarzen Antilopenfell oder einer entsprechenden Decke und berühre sie unter Rezitation der Mantra-Samhita. Duft, Blumen, Räucherwerk, ungebrochene Reiskörner und das Pavitra gehören zu den Gaben.

paṭhenmantrottamaṃ vidvānāmantreṇa padātmakam |
śivaṃ nivedayenmūrdhni recakenāmṛtīkṛtam || 31 ||

32.31 Der Kundige rezitiere den höchsten, aus Wörtern bestehenden Mantra mit der Einladungsformel. Durch das Ausatmen zum Nektar verwandelt, bringe er die Gabe Shiva am Haupt dar.

oṃ namo vrateśvarā pūraya pūraya svāhā |
sopavāso vadedrātrau naktaṃ nakṣatrameva vā |
prātaḥ snātaḥ śuciḥ śuddhaḥ pūjāṃ kuryātsvavittataḥ || 32 ||

32.32 „Om, Verehrung dem Herrn der Gelübde! Vervollständige, vervollständige! Svaha!“ Fastend spreche man dies nachts; alternativ wird eine abendliche Mahlzeit unter den Sternen genannt. Am Morgen bade man, sei rein und vollziehe die Verehrung nach den eigenen Mitteln. [Die Anrede „vrateśvarā“ ist unregelmäßig überliefert.]

vastrapūtena toyaina pañcagavyena bhaktitaḥ |
pañcabhirmadhuraiḥ snānaṃ jalāntarairvirukṣaṇam || 33 ||

32.33 Hingebungsvoll vollziehe man das Bad mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser, mit Panchagavya und den fünf süßen Stoffen; dazwischen spüle man jeweils mit Wasser.

gandhatoyādibhiḥ snānaṃ toyamākṛṣya vāsasā |
aṣṭāṅgo'rghaṃ pradāyātha samālabhya prapūjayet || 34 ||

32.34 Nach dem Bad mit duftendem Wasser und den übrigen Stoffen trockne man mit einem Tuch ab, reiche das achtgliedrige Arghya, salbe und verehre die Gottheit.

śivakumbhāstrarakṣā ca maṇḍalaṃ śāstracoditam |
vastraiḥ saṃchāditaṃ veśma ghaṭācāmarabhūṣaṇaiḥ || 35 ||

32.35 Der Shiva-Krug, Schutz durch das Astra-Mantra und das von der Schrift vorgeschriebene Mandala gehören dazu. Das Heiligtum wird mit Tüchern, Krügen, Yakschweifwedeln und Schmuck versehen,

puṣpamālāṃ pralambarntī vastrairnānāvidhairvaraiḥ |
kadalīcūtamālābhirjātabījasarocakaiḥ [k, kh, g, gh, ṅ: sarāvakaiḥ] || 36 ||

32.36 mit herabhängenden Blumengirlanden, verschiedenen schönen Stoffen, Bananenpflanzen, Mangogirlanden und Gefäßen mit gekeimten Samen.

patākādhvajadīpādyairnaivedyaiḥ śobhayedgṛham |
nṛtyagītaiḥ kalairvādyairnayedrātriṃ mahotsavaiḥ || 37 ||

32.37 Mit Wimpeln, Bannern, Lampen und Speisegaben schmücke man das Haus. Die Nacht verbringe man in festlicher Feier mit Tanz, Gesang und klangvollen Instrumenten.

daiśikāñchivayogīndrāṃlliṅginaśca svavittataḥ |
bhakttyā santoṣayet sarvān vastradānādibhojanaiḥ || 38 ||

32.38 Die Lehrer, großen Shiva-Yogis und Träger der heiligen Zeichen erfreue man nach den eigenen Mitteln mit Hingabe, durch Kleidergaben, Bewirtung und weitere Geschenke.

evaṃ kṛtvā yathoktaṃ tu pavitrārohaṇaṃ śubham |
sarvapāpavinirmukto rudraloke mahīyate || 39 ||

32.39 Wer das glückverheißende Pavitra-Anlegen so in der beschriebenen Weise vollzieht, wird von allen Verfehlungen frei und in Rudras Welt geehrt.

ekarātraṃ trirātraṃ vā pavitraṃ dhārayedgṛhī |
khaṭvāśayanamithyokti [kh, gh, ṅ: thyāvān] strīyātrāmiṣavarjakaḥ || 40 ||

32.40 Ein Hausvater trage das Pavitra eine oder drei Nächte. Währenddessen meide er das Schlafen auf einer erhöhten Bettstatt, Unwahrheit, Geschlechtsverkehr, Reisen und Fleischspeise.

cāturmāsyamasāmarthyā [mū: samāsevyā] dyatīnāṃ rugbhayāditaḥ [ṅ: rditaḥ] |
pūjāṃ kṛtvā śivaṃ natvā pavitraṃ ca visarjayet || 41 ||

32.41 Wenn ein Asket das Viermonatsgelübde wegen Krankheit, Gefahr oder anderer Unfähigkeit nicht einhalten kann, verehre er Shiva, verneige sich und entlasse das Pavitra.

kārtikyāṃ mahatīṃ pūjāṃ pūrvavanmaṇḍalādikam |
kṛtvā kṣipetpavitrāṇi śivāgnau vā sadāmbhasi || 42 ||

32.42 Am Karttika-Vollmond vollziehe man eine große Puja mit Mandala und den übrigen zuvor genannten Bestandteilen; danach gebe man die Pavitra-Fäden ins Shiva-Feuer oder in Wasser.

dīkṣito yo na kuryādvai pavitrārohaṇaṃ vibhoḥ |
syātprāyaścityadhogāmī kṛto rudro'bda [mū, ṅ: drākta] koṭiśaḥ || 43 ||

32.43 Ein Eingeweihter, der das Pavitra-Anlegen für den Herrn unterlässt, bedarf der Sühne und sinkt nach dieser Warnung herab. [Die anschließende Aussage über Rudra und Millionen Jahre ist beschädigt.]

pavitrārohaṇavidhiḥ |

Die Vorschrift zum Anlegen des Pavitra.

hemaliṅgāddhanādhyakṣo [k, kh: rcanātryakṣo] viśvedevāśca tārajāt |
tāmraliṅgārcanādarkaḥ piśāco vaṃśasambhavāt || 44 ||

32.44 Durch ein goldenes Linga wurde der Herr des Reichtums vollendet, durch ein silbernes die Vishvedevas, durch die Verehrung eines kupfernen die Sonne und durch ein aus Bambus entstandenes ein Pishacha.

saṃsiddhā vasavo ghoṣādrītijānmaruto'rcanāt |
sīsajā [mū: sīsakā] dguhyakāḥ sarve lohādrakṣo'surāntakāḥ || 45 ||

32.45 Die Vasus erlangten Vollendung durch Bronze, die Maruts durch Messing; die Guhyakas durch Blei, Rakshasas, Asuras und weitere durch Eisen. [Die letzte Gruppenverbindung ist nicht eindeutig.]

trilohānmātaraḥ sarvā mārtaṇḍastvaṣṭalohajāt |
vajrāt surendramārkaṇḍau [mū: mārtaṇḍau] mauktikāccharvarīprabhuḥ || 46 ||

32.46 Alle Mütter wurden durch ein dreimetallenes Linga vollendet, Martanda durch eines aus acht Metallen; Indra und Markanda durch Diamant, der Mondherr durch Perle.

pauṣparāgācchuyācāryo vaidūryādrāghavo nṛpaḥ |
padmarāgāddhutāśaśca indranīlārcanāddhariḥ || 47 ||

32.47 Durch Topas der genannte Lehrer [Name beschädigt], durch Vaidurya König Raghava, durch Rubin Agni und durch Verehrung eines Saphir-Linga Hari.

bāṇo mārakatālliṅgatsphāṭikotthājjalādhipaḥ |
vaidrumāsyārcanānnāgāḥ śukraḥ kārketanātsadā || 48 ||

32.48 Bana wurde durch ein Smaragd-Linga vollendet, der Herr des Wassers durch Kristall, die Nagas durch Koralle und Shukra durch Karketana.

palakotthātta vāgīśo rājāvartācchanaiścara [k: ddhaneśvaraḥ] |
paulastyo jīvajātibhyaṣṭai [k, kh: tījārhai] ṭṭibhātsiddhakinnarāḥ || 49 ||

32.49 Vagisha durch Pulaka, Shani durch Rajavarta [Variante: der Herr des Reichtums], Paulastya durch Jivajati, Siddhas und Kinnaras durch Taittibha.

tutthajācca baliḥ siddhaḥ praśāntavān |
aśvinau pakvamṛdbhūtādgandharvā dārasambhavāt || 50 ||

32.50 Bali erlangte durch Tuttha Vollendung; ein weiterer Bezug auf Befriedung ist unvollständig. Die Ashvins wurden durch gebrannten Ton vollendet, die Gandharvas durch Holz.

brahmā śailodbhavātsiddho munayaḥ paṭacitrajāt |
gandhodbhavācca [gh: dbhūtācca] kandarpaḥ pauṣpaliṅgāddigambaraḥ || 51 ||

32.51 Brahma erlangte Vollendung durch Stein, die Weisen durch gemalte Tuchbilder, Kandarpa durch Duftstoff und der Himmelsbekleidete durch ein Blumen-Linga.

śārṅga [mū, g: śārga] saṃsevanāddakṣo gajadantācca māruti |
kūrmakauśi (kasi) kasabhūtādvāsukinayināyakaḥ || 52 ||

32.52 Daksha durch die Verehrung der als Sharnga bezeichneten Form, Maruti durch Elfenbein und Vasuki, der Schlangenfürst, durch das genannte Schildkrötenmaterial. [Die Stoffnamen sind teils unsicher.]

nakulā [kh: lāsthya] (ccā) rcanātsiddho hariścandro narādhipaḥ |
ambarīṣaśca saṃsiddho [gh, ṅ: eva surādayaḥ siddhā] liṅgasaṃsthāpanārcanāt || 53 ||

32.53 König Harishchandra wurde durch die Verehrung der Nakula-Form vollendet [Variante: Mangustenknochen], und Ambarisha durch Einsetzung und Verehrung des Linga.

aṣṭapiṣṭāṅgajā [kh: abjapiṣṭodbhavā] lliṅgādaṣṭau siddhā gaṇeśvarāḥ |
nāvanītāttu saṃsiddho [mū, ṅ: tātkujaḥ] dhanvantariśca [g: stu] somapāḥ || 54 ||

32.54 Die acht Gana-Herren wurden durch Lingas aus acht Mehlpasten vollendet; Dhanvantari und der Soma-Trinker durch frische Butter. [Die Namenszuordnung variiert.]

audanasyārcanāttārkṣyo gauḍaliṅgādbudhastathā |
nānāphalotthaliṅgāni vidhinā sevitāni ca || 55 ||

32.55 Garuda durch die Verehrung gekochter Reisspeise, Budha durch ein Rohzucker-Linga. Aus verschiedenen Früchten entstandene Lingas wurden vorschriftsgemäß verehrt,

tena te munayaḥ siddhā bālakhilyā mahodayāḥ |
saikatādviśvakarmā ca śacīśo lavaṇo [mū: ścalano] dbhavāt || 56 ||

32.56 und dadurch erlangten die großen Valakhilya-Weisen Vollendung. Vishvakarman wurde durch Sand vollendet, der Gemahl Shachis durch Salz.

vibhīṣaṇaśca pāṃśūtthān mūlotthāccarako'rcanāt |
vaṃśāṅkurotthaliṅgācca sagaro nāma pārthivaḥ || 57 ||

32.57 Vibhishana durch Staub, Charaka durch Wurzelmaterial und König Sagara durch ein Linga aus Bambussprossen.

paurājjayadratho rājā rāhū rāmaṭhajārcanāt [mū: sambhavāt] |
sarjaliṅgācca [gh, ṅ: mayācca; gh: bimbāt] saumitro yoginyaḥ sikthasambhavāt || 58 ||

32.58 König Jayadratha durch Paura, Rahu durch Asant, Sumitras Sohn durch Sarja-Harz und die Yoginis durch Wachs.

lepajātpadmajā devī mṛlliṅgā [mū, a: ardhāntaḥkarma] tpañcapāṇḍavāḥ |
aihikasyāśrayātsiddhā likhitā bahuśāstrataḥ || 59 ||

32.59 Die lotusgeborene Göttin durch eine modellierte Form und die fünf Pandavas durch ein Ton-Linga. Diese Vollendeten, die sich auf zeitweilige Formen stützten, sind aus vielen Schriften zusammengestellt.

aihikāni yajettasmātpratiṣṭhārahitānyapi |
svairmantraiḥ kāma [gh: svairdhāntaiḥ kāma] dāni syuḥ siddhidānīśavākyataḥ || 60 ||

32.60 Deshalb soll man auch solche zeitweiligen Formen verehren, selbst ohne die förmliche dauerhafte Pratishtha. Mit ihren jeweiligen Mantras gewähren sie nach dem Wort des Herrn Wunscherfüllung und Vollendung.

sarvadevamayaṃ liṅgaṃ liṅgaṃ sarveṣu saṃsthitam |
sthāpitaṃ vidhi [kh: śiva] mantraistu dharmakāmārthamokṣadam || 61 ||

32.61 Das Linga besteht aus allen Gottheiten, und es ist in allem gegenwärtig. Mit den vorgeschriebenen Mantras eingesetzt, gewährt es Dharma, Wunscherfüllung, Wohlergehen und Befreiung.

ekasmiṃsthāpite liṅga iṣṭe vākhiladevatāḥ |
pūjitāḥ sthāpitāśca syuḥ pūjyaṃ sthāpyaṃ ca tattvataḥ || 62 ||

32.62 Wenn ein einziges Linga eingesetzt oder verehrt wird, sind damit alle Gottheiten verehrt und eingesetzt. Deshalb soll man es seinem wahren Wesen entsprechend verehren und einsetzen.

sarvayajñatapodānatīrthadeveṣu [gh: vedeṣu] yatphalam |
tatphalaṃ koṭiguṇitaṃ sthāpya liṅgaṃ labhetphalam || 63 ||

32.63 Welche Frucht sämtliche Opfer, Askesen, Gaben, Pilgerorte und Götterverehrungen gewähren: Durch die Einsetzung eines Linga soll man diese Frucht zehnmillionenfach erlangen.

yo liṅgaṃ sthāpayedekaṃ [mū: devaṃ] vidhipūrvaṃ sadakṣiṇam |
sarvāgamoditaṃ puṇyaṃ [mū: sarvaṃ] koṭikoṭiguṇaṃ bhavet [kh, gh: labhet] || 64 ||

32.64 Wer auch nur ein Linga vorschriftsgemäß und mit der gebührenden Gabe einsetzt, erlangt das in allen Agamas verkündete Verdienst in unermesslicher Vervielfachung.

hastasthakaṅgaṇaṃ spaṣṭaṃ darpaṇenekṣate paśuḥ |
liṅgāṅkitaṃ jagatkṛtsnaṃ bhagāṅkaṃ nāpi paśyati || 65 ||

32.65 Das gebundene Wesen betrachtet selbst den deutlich sichtbaren Armreif an der eigenen Hand erst im Spiegel; die ganze Welt, die mit den Zeichen von Linga und Yoni versehen ist, sieht es dagegen nicht.

siddhimuktisusi [kh, gh, ṅ: prasi] ddhyarthaṃ bhaktānāṃ [mū: bhattyā sa] hitakāmyayā |
gṛhītvāgamataḥ sarvaṃ likhataṃ śikhabhāṣitam || 66 ||

32.66 Um Vollendung und Befreiung der Hingebungsvollen zu ermöglichen und aus dem Wunsch nach ihrem Wohl wurde dies alles aus den Agamas aufgenommen und als überlieferte Lehre niedergeschrieben. [Der Name beziehungsweise Ausdruck „śikhabhāṣitam“ ist nicht eindeutig.]

saṃkṣepaikāgabhaṃ dṛṣṭvā na sasyak sarvaniścayaḥ |
vistarādbhīśca mohaḥ syāttamānmadhyataraṃ kṛtam || 67 ||

32.67 Aus einer zu knappen Darstellung eines einzelnen Agama entsteht keine vollständige Gewissheit; übermäßige Ausführlichkeit kann Furcht und Verwirrung erzeugen. Deshalb wurde hier ein mittlerer Umfang gewählt.

sundarādyaiḥ pratiṣṭhoktā mayāpyuktālpaśaktinā |
yadi vrajati vai tārkṣyaḥ kiṃ na yāntīha ṣaṭpadāḥ || 68 ||

32.68 Sundara und andere haben die Pratishtha erklärt; auch ich, dessen Kraft gering ist, habe sie erläutert. Wenn Garuda fliegt, warum sollten dann nicht auch die Bienen fliegen?

bahuśāstrārthavastrādyā [mū: strārthā] granthasūtraiḥ susūtritāḥ |
ajñānaśītanāśāya kaṇṭhācāryai [kh, g, ṅ: vācyatyu] dīritāḥ || 69 ||

32.69 Die Bedeutungen vieler Schriften sind wie Stoffe durch die Fäden dieses Werkes gut miteinander vernäht. Von den Acharyas ausgesprochen, sollen sie die Kälte des Nichtwissens vertreiben. [Der Schluss des Bildes ist textlich unsicher.]

śabdākṣarānyano yogātsaṃjñāliṅgapragopanaiḥ |
anuktaḥ [mū, a: ānandaḥ] sudhiyāṃ madhye kaścitteno [gh: vistenu] palakṣyate || 70 ||

32.70 Durch Verbindungen von Wörtern und Silben sowie durch das Verbergen von Namen und Kennzeichen wird unter den Einsichtigen jemand erkennbar, ohne ausdrücklich genannt zu werden. [Der Bezug der verschlüsselten Anspielung bleibt offen.]

āsīdgopālabhūpaḥ sakalavasumatībhūṣaṇe doṣahīnastasyāṅgāśo [gh: syāṃśāhvo] mahātmā kṛtanṛpatiyatirdhīranāthaḥ pṛthuśrīḥ |
tatputraḥ [mū, a, g: tattasmāt] prāptakīrtirvacanacaturimā viśruto bhūmicakre [kh, gh: radhīnākhyalokānukampaḥ] cakre so'yaṃ [kh, gh: śāstraṃ] pratiṣṭhāvidhimatilalitaṃ pañcavaktropagītam || 71 ||

32.71 Es gab einen König Gopala, makellos als Schmuck der ganzen Erde. In der anschließenden Folge werden ein großer, königlicher Asket und ein durch gewandte Rede berühmter Nachkomme genannt, der eine schöne Vorschrift der Pratishtha nach der Lehre des Fünfgesichtigen verfasste. [Die Eigennamen und genealogischen Bezüge sind beschädigt; eine sichere Rekonstruktion unterbleibt.]

śrīmanmattamayūrajo harasamaḥ śaivo'rjuna [k, kh: ve kule] dyotakaḥ prakhyāto vimalādikaḥ śivaparaścācāryavaryoṃ'bhavat |
pūjyo nirbhayabhūmipasya ca gurustenābhiṣiktaḥ svayaṃ jñānīśānaśivastadaṅghrijanito vairocano daiśikaḥ || 72 ||

32.72 Ein vorzüglicher, Shiva gleicher Acharya aus der Mattamayura-Tradition war berühmt; sein Name begann mit Vimala. Er war dem König Nirbhaya als Guru verehrungswürdig. Von ihm wurde Jnanishanashiva persönlich geweiht; aus dessen Füßen, das heißt als sein Schüler, ging der geistliche Lehrer Vairocana hervor. [Die Namens- und Satzteilung ist stellenweise unsicher.]

māyākarmādijātatrividhamalaharo jñānadehāvatīrṇaḥ śambhoścābhedarūpo munijanaviditaścordhvavaktrābhidhānaḥ |
ācāryendraḥ prasiddhaḥ sakalajanahitaḥ śuddhaśaivāśramastho- yastatasyāhaṃ namāmi kṣitinihitaśirāḥ pādapadmaṃ gurorme || 73 ||

32.73 Vor dem Fußlotus meines Guru verneige ich mich mit dem Haupt auf der Erde: Er beseitigt die dreifache Unreinheit aus Maya, Karma und dem weiteren Mala, ist als Erkenntnisleib erschienen, mit Shambhu ungetrennt verbunden, den Weisen bekannt, Urdhvavaktra genannt, ein berühmter Fürst der Acharyas, dem Wohl aller Menschen zugewandt und in der reinen shaivitischen Lebensordnung gegründet.

siddhāntadvayaṭaṅkaśākataka [kh, gh: dṛkca gāruḍa] (ṭa) bṛhattīkṣṇogradaṃṣṭraśca yojihvā yasya sakesarāṇi ca tathā [mū, a, g, ṅ: siratayā] savyāpasavyāgamau |
vistīrṇākhilabhūtatantranakharo vairocanaḥ kesarī |
so'yaṃ mattamṛgebhadarpadalano bhūkānena bhrāmyati || 74 ||

32.74 Vairocana wird als Löwe gepriesen: Die Siddhanta-Lehren bilden seine gewaltigen scharfen Zähne, die rechten und linken Agamas Zunge und Mähne, die ausgedehnten Bhuta-Tantras seine Krallen. Er zerbricht den Stolz der berauschten Elefanten und durchstreift die Erde. [Mehrere Wörter des Vergleichs sind beschädigt.]

svatantrādhyayanaṃ vādaḥ paratantrāvalokanam |
tadvidyācāryaśaivāya buddhimedhākaro guṇaḥ || 75 ||

32.75 Das Studium des eigenen Tantra, die begründete Auseinandersetzung und die Einsicht in andere Tantras sind Eigenschaften, die bei einem kundigen shaivitischen Acharya Verständnis und geistige Kraft fördern.

vasantatilakaṃ tvādau dīpyante sragdharāstathā |
śeṣāścānuṣṭubho madhye guṇasāhasrikaṃ kṛtam || 76 ||

32.76 Am Anfang steht das Versmaß Vasantatilaka; auch Sragdhara-Verse leuchten hervor, während dazwischen überwiegend Anushtubh-Verse stehen. Das Werk wird als mit tausendfachen Vorzügen ausgestattet bezeichnet. [Der letzte Ausdruck ist nicht eindeutig.]

hitāya daiśikānāṃ yaduktaṃ svalpadhiyāmayā |
duruktaṃ [k, g: vatna ṭaṅkaḥ pāṣāṇadāraṇa ityamaraḥ | śākaṭo bhāra ācita ityamaraḥ | ] sūktamājñāya tatkariṣyanti paṇḍitāḥ || 77 ||

32.77 Was ich mit geringer Einsicht zum Wohl der geistlichen Lehrer gesagt habe, mögen die Gelehrten verständig aufnehmen und das schlecht Gesagte in gut Gesagtes verwandeln.

nānyadarśayine deyametacchāstraṃ magāya ca |
śaivebhya etaddātavyamarthataḥ śāstrataḥsadā || 78 ||

32.78 Diese Schrift soll nach der Vorschrift nicht an Anhänger anderer Systeme und nicht an Magas weitergegeben werden; den Shaivas soll sie stets mit ihrem Sinn und ihrer Lehre vermittelt werden.

paropaṃ [g, gh, ṅ: parāy] yācanāccaurāt [mū, a, ṅ: ddoṣaḥ] snehāt śithisabandhanāt |
kaṇṭakā [k, kh, gh, ṅ: valmīkā] khujalāgnibhyo mā rakṣetyāha pustakam || 79 ||

32.79 „Schütze mich vor fremder Wegnahme, Ausleihen oder Entwendung, vor Öl, lockerer Bindung, Ameisen beziehungsweise Termiten, Mäusen, Wasser und Feuer“, sagt das Buch. [Die ersten Gefährdungen sind durch Lesarten unterschiedlich bestimmt.]

dhatte'nantākhyarudro bhuvamuparigato yadva [k, kh: yāva] dādhāraśakte- rjambudvīpasya madhye śikharivaravṛto yāvadāste [kh: bhṛto yāvadāste] sumeruḥ |
yāvaccandrārkatārāmayaruciruciraṃ prasphuratyantarikṣaṃ [kh, gh: puṣkaraṃ rājatīyaṃ] |
tāvadvairocanasya pravicaratu guroḥ pustarupātra kīrtiḥ || 80 ||

32.80 Solange der als Ananta bekannte Rudra die Erde über der tragenden Shakti hält, solange Sumeru von großen Bergen umgeben inmitten Jambudvipas steht und solange der Himmel von Mond, Sonne und Sternen leuchtet: So lange möge der Ruhm des Guru Vairocana hier in Buchgestalt weiterwandern.

yāvacchrīmānananto dharati vasumatīmūrdhvamādhāraśakte [kh: maghādiyuktāṃ ; gh: ttāra śaktyā] |
ryāvatsaptottarī [mū, a, ṅ: ptārṇavī] yārṇavavṛtapṛthivīmadhyago [kh, gh: madhyato] merurasti |
yāvaccandrārkatārāgaṇamaṇibhi [k, kh: ghṛṇibhi] ridaṃ bhrājate śubhramabhra [mū, gh, ṅ: mambhaḥ] tāvadvairocanīyā jagati ciramiyaṃ pustarupāstu kīrtiḥ || 81 ||

32.81 Solange der ehrwürdige Ananta die Erde über der tragenden Shakti hält, solange Meru inmitten der von den Meeren umgebenen Erde steht und solange der klare Himmel durch die Edelsteine von Mond, Sonne und Sternen erstrahlt: So lange möge dieser Ruhm Vairocanas in Buchgestalt in der Welt bestehen.

iti śrī (pratiṣṭhātantre) pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccaye pavitrārohaṇaṃ nāma dvātriṃśo vidhiḥ || 32 ||

Kolophon: So endet im Lakshana-Sara-Samuccaya der 32. Ritualabschnitt über „Pavitrarohana und Schlussverse“.

|| samāpto'yaṃ granthaḥ ||

|| śivam ||

Werkschluss: Hiermit ist dieses Werk vollendet. Heil!

Spirituelle Bedeutung von Pratishtha

Das Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya lädt dazu ein, äußere Handlungen mit einem tragenden geistigen Bezug zu verbinden. In 1.6 ist das Linga auf Ursprung und Auflösung der gesamten Welt bezogen; 1.11 würdigt den Anblick, die Berührung und die Verehrung des Linga und nennt Meditation als Weg zur Befreiung. So kann die Begegnung mit der sichtbaren Form den Blick über ihre Begrenzung hinaus öffnen.

Die vielen Einzelvorschriften machen zugleich deutlich, dass Heiligung für den Verfasser Aufmerksamkeit, Kenntnis und eine verlässliche Überlieferung verlangt. Die innere Ausrichtung trägt die äußere Handlung. Besonders deutlich wird dies in der Bitte um bleibende Gegenwart: Mahadeva möge im Linga verweilen, solange Sonne, Mond und Erde bestehen (16.113–114). Der heilige Ort wird damit einer dauerhaften Beziehung von Verehrung, Fürsorge und Erinnerung anvertraut.

Tempel, Murti und göttliche Gegenwart

Ein Tempel gibt der Verehrung Dauer. Eine Murti oder ein Linga ermöglicht die wiederkehrende Hinwendung: Menschen bringen Gaben, sammeln sich, empfangen Prasad und tragen die Erinnerung an das Heilige in ihren Alltag. Diese heutige Beschreibung der Begegnung ergänzt die historische Rituallehre; sie ersetzt nicht deren eigenes Verständnis von realer Weihe und göttlicher Gegenwart.

Der Vergleich des einfachen und des kostbaren Tempels in 1.13 bleibt besonders ermutigend. Aufrichtigkeit ist auch dort möglich, wo die Mittel klein sind. Ein bescheidener Platz kann mit großer Ehrfurcht gepflegt werden. Zu dieser Fürsorge gehören auch die Menschen, die ihn schaffen: Kapitel 25.4 verlangt, die ausführenden Arbeiter nach den eigenen Möglichkeiten mit Gaben oder freundlichen Worten zu ehren. Heilige Räume wachsen durch das Zusammenwirken vieler Hände.

Gemeinsame Puja verbindet Gaben, Aufmerksamkeit und Hingabe. Die Abbildung zeigt heutige Verehrung, keine Rekonstruktion eines einzelnen Ritus des Werkes.

Äußere Weihe und innere Heiligung

Die Anforderungen an den Acharya nennen Mitgefühl, Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung und Freiheit von Neid (2.15–18). Dadurch erhält die äußerlich genaue Handlung eine ethische Tiefe. Wer für einen heiligen Raum Sorge trägt, ist auch zu einem sorgsamen Umgang mit Menschen aufgerufen.

In 16.143–144 wird das eigene Handeln ausdrücklich dargebracht: Gutes und Unrechtes, wissentlich und unwissentlich Geschehenes, zusammen mit dem eigenen Selbst. Diese Bitte gibt der Hingabe eine persönliche Tiefe. Sie lädt dazu ein, ehrlich auf das eigene Leben zu schauen und sich mit dem ganzen Herzen dem Göttlichen zuzuwenden.

Auch Erneuerung gehört zu diesem Weg. Das abschließende Pavitrarohana dient der Ergänzung von Versäumnissen (32.1); Fest, Gesang und die dankbare Ehrung der Lehrenden begleiten es (32.37–38). Als heutige Anregung kann daraus erwachsen, die eigene Praxis regelmäßig zu erneuern: den Platz pflegen, ein vertrautes Mantra wiederholen, in Meditation still werden und einen Menschen bewusst wertschätzen.

Der Schluss des Werkes verbindet diese Hingabe mit Lernbereitschaft. Das Studium der eigenen Schrift und die Einsicht in andere Tantras werden gemeinsam gewürdigt (32.75). In 32.77 bittet der Verfasser die Kundigen sogar, das weniger gut Gesagte zu verbessern. Spirituelle Treue darf so mit Bescheidenheit, offenem Fragen und wachsender Erkenntnis einhergehen.

Vertiefung: Puja und Hingabe

Fünf zentrale Lehren des Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya

  1. Das Linga weist auf den Ursprung aller Formen. Die Definition in 1.6 umfasst die bewegliche und unbewegliche Welt und ihre Rückkehr in den Ursprung.
  2. Aufrichtige Hingabe ist nicht vom Reichtum abhängig. Kapitel 1.13 stellt die einfache Stiftung der Armen neben den kostbaren Tempel des Königs.
  3. Mantra ist im Ritual eine göttliche Wirkkraft. Kapitel 2.29–31 verbindet die Mantras mit Shiva und Shakti und erklärt daraus ihre weihende Bedeutung.
  4. Heilige Gegenwart will gepflegt und die Hingabe erneuert werden. Die Bitte um bleibende Gegenwart (16.113–114) und die Ergänzung von Versäumnissen (32.1) verbinden Weihe mit fortdauernder Verantwortung.
  5. Geistliche Verantwortung verlangt Charakter und Können. Die Merkmale des Acharya in 2.15–18 verbinden Fachwissen mit Ruhe, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl.

Fünf Anregungen für heutige Yoga-Aspiranten

Die folgenden Anregungen sind eine heutige Anwendung allgemeiner Motive des Werkes, keine Kurzfassung seiner Weihevorschriften.

  1. Bereite einen kleinen Platz bewusst vor. Reinige deinen Meditationsplatz und stelle nur das auf, was deine Sammlung unterstützt.
  2. Bringe etwas Einfaches mit ganzem Herzen dar. Eine Blume oder eine Schale Wasser kann Ausdruck von Dankbarkeit sein. Erinnere dich an die Würdigung der schlichten Gabe in 1.13.
  3. Verbinde dein vertrautes Mantra mit Stille. Wiederhole ein Mantra deines eigenen spirituellen Weges und verweile anschließend einige Augenblicke in der Meditation.
  4. Pflege auch deine Haltung. Nimm eine der genannten Eigenschaften – etwa Wahrhaftigkeit, Mitgefühl oder Freiheit von Neid – als konkrete Aufgabe in den Tag mit.
  5. Ehre Menschen und Orte, die Praxis ermöglichen. Begegne Lehrenden, Mitübenden und heiligen Räumen achtsam; hilf bei der Pflege und bewahre Dankbarkeit gegenüber Guru und Tradition. Beziehe auch die oft unsichtbare Arbeit der Helfenden ein, wie 25.4 es nahelegt.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Alle 32 Vidhis sind mit ihrem vollständigen überlieferten Sanskritbestand und einer zugeordneten deutschen Bearbeitung wiedergegeben. Wo die Vorlage keine sichere zusammenhängende Übersetzung zulässt, benennt die deutsche Fassung die lesbaren Bestandteile und die verbleibende Unsicherheit. Die 108 ausgewählten Stellen besitzen eine Konkordanz; die Mantra-Auswahl beruht auf der Sichtung des gesamten Werkes.


Grundlage ist der elektronische Text des Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00065, Revision 0 vom 16. Juni 2009, in IAST und Devanagari. Der Quellenkopf nennt die Erfassung unter der Leitung von Mark S. G. Dyczkowski und die Lizenz Creative Commons BY-NC 4.0. Die vorliegende Anordnung, deutschen Begleittexte und Übersetzungen sind redaktionelle Bearbeitungen; die im Ausgangstext genannten Nutzungsbedingungen bleiben zu beachten.

Das Titelblatt des ersten Teils nennt Vedacharya Damodara Sharma als Herausgeber unter der Aufsicht von Pandit Buddhisagara Sharma und die Durchsicht gemeinsam mit Vedantashastri Pandit Babukrishna Sharma; als herausgebende Institution erscheint die königliche Bibliothek Nepals. Die pauschale Angabe „Pre-1900“ im elektronischen Katalogkopf ist nicht als gesichertes Erscheinungsjahr der zugrunde liegenden Druckausgabe übernommen.

Die 32 Kapitel werden als Vidhis gezählt. Der Kolophon von Kapitel 12 nennt zwar ausdrücklich den zwölften Vidhi, schließt aber mit der Ziffer 2; diese Ziffer bleibt im Sanskrit stehen. Auch die fehlende Versziffer vor 1.10 wird nicht stillschweigend in den Sanskrit eingesetzt: Die entsprechende deutsche Übersetzung trägt zur Orientierung die erschlossene Nummer 1.9. Im zweiten Kapitel fehlt die Ziffer 211; der betreffende Text ist mit 2.212 verbunden. Weitere Besonderheiten sind die unnummerierte Stelle 12.33, die Einzelstrich-Endungen von 23.77 und 27.59, wiederholte Nummern in Kapitel 6 und 22 sowie 30.48 und 31.8 und der Sprung von 30.44 zu 30.46. Wiederholte Nummern erhalten ausschließlich in den deutschen Kennungen einen Buchstabenzusatz, etwa 30.48b. Die deutsche Kapitelzählung folgt der durchgehenden Werkgliederung; die Eingangsüberschrift von Kapitel 29 nennt irrtümlich neunzehn. Herausgeberlesarten in eckigen Klammern sind Varianten und Anmerkungen, keine zusätzlichen Verse des Grundtextes. Sie bleiben im Sanskrit dokumentiert.

Physische Druckseitenmarker wurden entfernt; der Sanskritwortlaut wurde nicht neu transkribiert. Unsichere Stellen werden in der deutschen Übersetzung örtlich benannt. Historische Stoffnamen sind nicht überall sicher mit heutigen Mineralien oder Pflanzen gleichzusetzen. Ritual- und Wirkungsangaben sind als Aussagen des Textes übersetzt. Ausdrücke für religiöse oder soziale Gruppen und abwertende Urteile werden aus Gründen der Texttreue erhalten und nicht als heutige Bewertung übernommen.

Literatur und Quellen

  • Pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccayaḥ. Muktabodha-E-Text M00065, IAST und Devanagari, Revision vom 16. Juni 2009. Muktabodha Digital Library.
  • Gudrun Bühnemann: The Hindu Pantheon in Nepalese Line Drawings: Two Manuscripts of the Pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccaya. Indica Books, Varanasi 2003. Weiterführende Untersuchung insbesondere zum sechsten Kapitel und zur Ikonographie. Bibliographischer Nachweis.
  • Wiedergabe der Buchbeschreibung mit der vorsichtigen Einordnung ins 11. oder 12. Jahrhundert.
  • Puja im Yoga Wiki: Beleg für die verwendete Videoeinbindung und Seminarfeeds; keine Textquelle der Sanskritübersetzung.

Siehe auch

Seminare

Puja und hinduistische Rituale

30.10.2026 - 01.11.2026 Rituale für die Verstorbenen

Mit Ritualen unseren Ahnen Kraft schenken, damit sie in die nächsthöheren lichtvollen Welten aufsteigen können. Wir selbst erfahren dadurch Trost und…
Maharani Fritsch de Navarrete
08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts

Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…
Sukadev Bretz

Bhakti Yoga

23.10.2026 - 25.10.2026 Die Magie einer erfüllten Beziehung

Wie man einen Frosch zum Prinzen macht und umgekehrt. Basierend auf über 500 Jahren Weisheit werden dir sehr tiefe Missverständnisse zwischen Mann und…
Sadbhuja Dasa
23.10.2026 - 25.10.2026 Ein Wochenende mit den Göttern 2.0

Du wirst mitgenommen auf eine spannende Reise zu den Göttern. Die Götter werden lebendig durch die Geschichten, die erzählt werden. Du wirst erfahren…
Divya Jyoti van Neerbos

Sanskritische Titelblätter der Textgrundlage

śrīḥ

nepālarājakīya-

pustakālayasthahastalikhitaprācīnapustakānām

anyatamaḥ

pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccayaḥ

tasyāyam

ekādaśādhyāyaparyantaḥ

prathamo bhāgaḥ

paṇḍitabuddhisāgaraśarmaṇo'dhyakṣatāyāṃ

vedācāryadāmodaraśarmaṇā saṃpāditaḥ

saṃpādakena vedāntaśāstri paṃ bābukṛṣṇaśarmaṇā ca

saṃśodhitaḥ

nepālarājakīyapustakālayataḥ prakāśitaḥ

rāṣṭriyābhilekhālayasthahastalikhitapustakānāma

anyatamaḥ

vairocanīyaḥ

pratiṣṭhālakṣaṇasārasamuccayaḥ

tasyāyam

dvādaśādhyāyato dvātriṃśādhyāyaparyantaḥ

dvitīyo bhāgaḥ

paṇḍitabuddhisāgaraśarmaṇo'dhyakṣatāyāṃ vedācāryapaṃ. dāmodaraśarmaṇā saṃpāditaḥ vedāntaśāstriyapaṃ. bābukṛṣṇaśarmaṇā

saṃśodhitaḥ

rāṣṭriyābhilekhālayataḥ prākaśitaḥ

prathamasaṃskaraṇam