Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya 108 Inspirierende Verse und Mantras

Aus Yogawiki

Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya – inspirierende Verse und Mantras erschließt die Verbindung von heiliger Form, Mantra, Hingabe und geistlicher Verantwortung. Die folgenden Stellen sprechen von Aufrichtigkeit, der verwandelnden Bedeutung der Diksha und einem Lernen, das dem Wohl anderer dienen soll.

Hauptartikel: IAST und deutsche Übersetzung · Sanskrit in Devanagari

Die Verehrung Shivas verbindet sich im Werk mit der Frage nach Ursprung und Ziel der Welt.

Die 108 ausgewählten Stellen aus den Kapiteln 1–3, 15–16, 21, 23, 25 und 32 führen von aufrichtiger Hingabe und der Kraft des Mantras zur Verantwortung für Menschen und heilige Räume. Die Konkordanz verlinkt jede Stelle direkt mit ihrem Sanskrittext und der Übersetzung im Hauptartikel.

Lies zunächst wenige Verse langsam und lass einen Gedanken nachklingen. Einige unmittelbar aufeinanderfolgende Verse bilden zusammen ein Gebet; sie werden in ihrer Reihenfolge belassen. Die Übersetzungen bewahren die religiöse Sprache des Werkes. Verheißungen sind Aussagen des Textes; heutige Anregungen stehen davon getrennt.

Ursprung, Form und aufrichtige Hingabe

1. Ich will ich aus den Agamas eine Sammlung der Merkmale zusammenstellen: geradlinig, kurz gefasst und dennoch vollständig, die vielfältigen Einsetzungen umfassend.

2. Sie soll ohne Zweideutigkeit und von klarem Sinn sein und Dharma, Wunscherfüllung, Wohlergehen und Befreiung vermitteln: zum Nutzen der weniger Verständigen und zur Erinnerung für die Einsichtigen.

3. Hier und dort ist jeweils ein einzelner Teil deutlich erklärt; in keinem einzelnen Werk finden sich sämtliche Teile. Deshalb werden viele Tantras durchgesehen und ihre Lehren hier in geordneter Folge zusammengetragen.

4. Das, woraus diese ganze dreifache Welt mit allem Beweglichen und Unbeweglichen hervorgegangen ist und worin sie sich bei der Weltauflösung wieder auflöst, wird Linga genannt.

5. Man verehre stets mit Hingabe dieses allwissende, alles gewährende, reine und Befreiung schenkende Shiva-Prinzip, auch unter Verzicht auf die aufwendige Bereitstellung der Materialien. [Die Lesart „nyastvā“ ergibt statt des Verzichts ein Darbringen beziehungsweise Bereitstellen.]

6. Der Anblick des Linga bringt heiliges Verdienst; seine Berührung vernichtet Verfehlungen. Seine Verehrung gewährt große Herrschaft, und die Meditation darüber schenkt Befreiung.

7. Dasselbe heilige Verdienst, das ein König durch einen mit Gold, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten ausgestatteten Tempel erlangt, erwerben Arme durch Gras, einfache Wände und dergleichen, wenn sie ohne Falschheit handeln.

Einweihung und die Kraft des Mantras

8. Das individuelle Selbst ist als gebundenes Wesen durch die Fesseln seines eigenen Handelns gefesselt und von Unreinheit umgeben. Durch die Leuchtkraft des Mantras wird diese Unreinheit zerstört, wie Gift und seine Wirkung beseitigt werden. [Der Vergleich ist sprachlich uneben.]

9. Für denjenigen, der vom Shiva-Dharma lebt, wird die frühere Standeszugehörigkeit aufgehoben. Wie Erde, Holz, Metall, Stein und Edelstein durch Bearbeitung eine neue Beschaffenheit gewinnen, so erlangen auch Shudras und andere durch die Verbindung mit Mantras einen hervorgehobenen Zustand.

10. Wie Kupfer und andere Metalle durch die Verbindung mit bereitetem Quecksilber zu Gold werden sollen, so werden Menschen aus allen vier Ständen durch die Verbindung mit Mantras zu Shiva zugehörigen Wesen.

11. Wie Wasser aus Städten, Bächen und anderen Quellen beim Eintritt in die Ganga eins wird, so gelangt ein Shudra oder ein anderer Mensch durch die Einweihung des Herrn zur Shiva-Natur.

12. Durch Diksha wird der Verkörperte befreit und bleibt doch, bereits befreit, im Körper: wie ein Gefäß auf der Töpferscheibe durch deren fortdauernde Bewegung weiter kreist.

13. Wie durch Schlamm getrübtes Wasser in einem Gefäß durch Kataka-Früchte klar wird, so wird der Mensch durch Mantras gereinigt.

14. Wie ein anziehender Stein anzieht und ein drehender zum Drehen bringt, so wird durch die Wirkkraft des Mantras die Unreinheit vernichtet, und der Mensch wird Shiva zugehörig. [Die Bezeichnungen des magnetischen Vergleichs sind nicht völlig eindeutig.]

15. Wie durch die Verbindung mit Sonnenstrahlen Feuer in einem Edelstein entsteht, so entsteht durch die Berührung mit dem Mantra des Herrn die Shiva-Natur im gebundenen Wesen.

16. Die Mantras bestehen ihrem Wesen nach aus Shiva und Shakti und sind von deren Kräften erfüllt. Die shaivitischen Acharyas vermitteln dadurch Shiva-Natur im Bereich des Beweglichen und Unbeweglichen.

17. Wie Ton, Edelsteine und Metalle durch Mantras zum Sitz der Gottheit werden, so gelangt auch der mantrakundige Acharya hier zur Shiva-Natur.

18. Die Götter stehen im Wesen des Mantras; der Mantra ist unmittelbar Maheshvara. Durch Mantras werden Götterbilder, Acharyas und Asketen geheiligt.

19. Wie ein aus Holz, Stein, Metall, Ton oder Edelstein hervorgegangenes und geweihtes Linga verehrungswürdig ist, so auch ein geistlicher Lehrer, der seiner Herkunft nach Shudra ist. [Die Formulierung der ersten Vergleichshälfte ist beschädigt.]

20. Wer Materialien wie Ton die Shiva-Natur verleiht, muss selbst Shiva sein; er ist niemals als etwas davon Verschiedenes anzusehen.

21. Wie ein Steuermann Brahmanen und andere rasch ans andere Ufer bringt, so führt der shaivitische Acharya sie mit dem Boot des Mantras zur höchsten Stätte.

22. Entsprechend solchen Abstufungen ist auch die Kraft des Mantras zu verstehen. Deshalb gewährt der von Shiva verkündete Mantra Vollendung und Befreiung als Frucht.

23. Wessen Mutter Vagishi und wessen Vater der raumdurchdringende Shiva ist, wer durch Mantras im Shiva-Opfer neu geboren wurde: Wie könnte dieser wieder ein Shudra sein?

24. Wenn Menschen durch die Shiva-Samskaras nicht Shiva-Natur erlangen könnten, dann könnten auch Zweimalgeborene, Götterbilder und Lehrer durch ihre jeweiligen Riten nicht zu dem werden, als was sie gelten.

25. Daher kommt dem Mantra bei Zurückweisung und Begnadung die vorrangige Bedeutung zu. Gift, Geister, besetzende Mächte und dergleichen werden durch Mantras gebändigt.

26. Was der Guru durch Mantra-Läuterung und Einweihung heiligt, sei es beweglich oder unbeweglich, erlangt dadurch gewiss augenblicklich Shiva-Natur.

27. Allen vier Ständen ist Gnade zu erweisen, und Speise aus allen vier Ständen darf angenommen werden. Dieses bewährte shaivitische Lehrerwesen ist nicht durch die Geburt bestimmt. [Der letzte Ausdruck ist nicht ganz sicher.]

Verantwortung, Lehrer und Lebensführung

28. Der beste Auftraggeber ist aufrichtig, vermögend, hingebungsvoll, innerlich ruhig, achtsam gegenüber den unsichtbaren Folgen seines Handelns, standhaft und bereit, den Sinn der Schriften umzusetzen: Er ist von Sattva geprägt.

29. Der Entschluss zur Einsetzung Shivas soll von Ishvara angeregt sein. Deshalb soll man jene Gurus aufsuchen, die in den entsprechenden Schriften beschrieben werden.

30. Sie sind bescheiden und hingebungsvoll, kennen die Lingas und verstehen die Schriften; sie kennen Sockel, Heiligtümer und Feuergruben und verstehen die Orte und Grundlagen der Weihe.

31. Sie kennen Wochentage, Mondhäuser und die übrigen Zeitbestimmungen sowie die zugehörigen Gottheiten. Frei von Gier und Verblendung sind sie ruhig, selbstbeherrscht und ohne Neid.

32. Sie halten Regeln und Gelübde ein, besitzen Mitgefühl und freundliches Entgegenkommen, sind sattvig, kundig und geschickt und verstehen den Sinn der fünf Überlieferungsströme.

33. Sie stehen fest in der Wahrheit der Prinzipien, haben Zweifel durchschnitten und bewahren die verpflichtende Lebensordnung. Fest in ihren Gelübden, ohne Feindseligkeit gegenüber Menschen, sprechen sie wahr und sind den Wesen liebevoll zugewandt.

34. Der Hausvater besitzt zwei Arten von Söhnen: einen jenseitsbezogenen und einen weltlichen. Der weltliche erbt den Besitz, der geistliche die heilige Lehre.

35. Beim Gelübdehaltenden gilt der geeignete Schüler als Sohn. Für Schulden, Vermögen und die Totengabe ist allein er als zuständig anerkannt.

36. Ein aus der Schülerüberlieferung hervorgegangener Acharya wirkt segensreich und friedensstiftend. Unter den vier Gocaras kommt dem shaivitischen die höchste Stellung zu. [Der letzte Vergleich ist unsicher.]

37. Ein Brahmane wird durch seine eigenen Mantras geheiligt und hält die Pflichten und Gelübde seines Weges ein. Da die menschliche Art gemeinsam ist: Warum Feindschaft gegenüber einem durch Shiva zweimal Geborenen?

38. Männlich, weiblich und geschlechtsneutral sind durch entsprechende Merkmale unterschieden. Bei Brahmanen und den übrigen Ständen liegt eine solche Unterscheidung nicht vor; deshalb ist Geburt allein nicht die maßgebliche Ursache.

39. Wo sich ein vorzüglicher Guru niederlässt, entstehen im betreffenden Land Gedeihen, Sieg, Frieden, Gesundheit und eine Zunahme des Dharma.

40. Heiliger Ort und Gottesverehrung gedeihen dauerhaft. Der Auftraggeber stirbt nicht vor der Zeit und erlangt später Shiva-Natur.

41. Solange der Ruhm dieser Stiftung bekannt ist, bleibt ihr großer Lohn bestehen. Nachdem der Stifter Rudras Stätte erreicht hat, genießt er unvergängliches Glück.

42. Die fünf Samaya-Ordnungen der fünf Überlieferungsströme wurden von Shambhu verkündet. Weil er sie beständig lebt, wird der Lehrer Acharya genannt.

43. Der Acharya wirkt in Shivas Gestalt zum Wohl der Welt. Deshalb soll man den geistlichen Lehrer nicht nur als gewöhnlichen Menschen betrachten.

44. Von Shiva zu Rudra, von dort zu den Göttern, von den Göttern zu den Rishis und von den Rishis zu menschlichen Schülern: So gelangen sämtliche Schriften in die Welt.

45. Man lebe die shaivitische Ordnung, wie sie in der Schrift erklärt und vom Guru gelehrt wird. Sie ist verbindlich zu erfüllen; andernfalls erfolgt ein religiöser Fall.

46. Puja, Homa, Bali-Gabe, Almosen, gekochte Opfergabe und Ehrung des Gastes: Diese sechs Aufgaben soll der Shiva-Acharya erfüllen.

47. Erklären und Hören der Lehre, Geben und Empfangen, Einweihung und Einsetzung: Dies sind die sechs beständigen Aufgaben des Guru.

48. Der Samayin steht in der verpflichtenden Ordnung; der Putraka hört die eigene Agama-Lehre; der Sadhaka verwirklicht die Vollendung; der Acharya weiht die gebundenen Wesen ein.

49. Wer in der Folge vom Samaya an die erforderlichen Weihen empfangen hat, ist ein geistlicher Lehrer. Ihm stehen Pratishtha und ähnliche Handlungen zu, nicht jemandem allein aufgrund von Textrezitation oder hoher Geburt.

50. Wenn das entsprechende gute Verhalten bei einem Shudra vorhanden ist, bei einem Brahmanen aber fehlt, soll man den Shudra wie einen Brahmanen achten; jener Brahmane ist dann schlechter als ein Shudra.

51. Vishvamitra, ursprünglich Kshatriya, wurde durch brahmanisches Verhalten zum Zweimalgeborenen; durch ihren Lebenswandel wurden auch Vasishtha und die übrigen vollendet. So hat Vyasa im Mahabharata erklärt.

52. Wie ein Banyanbaum aus einem kleinen Samen entsteht, so geht der Schüler aus seinem eigenen rituellen Samen hervor. Die Gottheiten werden aus ihren eigenen Mantra-Samen geboren, nicht aus dem Prunk vieler Silben.

53. Wer hätte Shiva, den Herrn, nicht mit Worten der Veden und anderer Schriften gelobt? Doch durch Lob allein erfolgt keine Einsetzung in einem beweglichen oder unbeweglichen Shiva-Linga.

54. Bei der Einsetzung Shivas und anderer Gottheiten, beim Opfer und besonders bei der Einweihung vermittelt dieses höchste Verfahren allen Ständen Gnade.

55. Das Wort des Herrn ist nicht unwahr: Wer wäre nicht in den verschiedenen Zeitaltern dadurch vollendet worden? Ein gebundenes Wesen, das von Kennern der rechten Ordnung und der Tattvas eingeweiht wird, wird befreit.

56. Fehlt ein Acharya, dürfen vorzügliche Sadhakas, die die shaivitischen Samskaras empfangen haben und die Schriften kennen, die Gottheiten einsetzen.

57. Der Kunsthandwerker sei bescheiden, rechtschaffen, geschickt, unermüdlich, frei von Neid, aufrichtig, schamhaft im guten Sinn und redlich; er habe Zorn und Sinne gemeistert.

58. Er kenne Gegenstand, Merkmale und Maße sowie Baugrund, Zeit und die weiteren Voraussetzungen; er besitze einen guten Blick, stamme aus einer geeigneten Familie, sei verständig, nicht aufgeregt und den guten Anweisungen zugewandt.

59. Wer Blattornamente, Vierfüßler, Linga, Säule, Sockel, Bildgestalt, Tempel, Halle und Tor zu gestalten versteht, ist ein Kunsthandwerker.

60. Die Helfer seien von geeigneter Herkunft, standhaft, fähig und der Hingabe zugewandt, bescheiden, sachkundig und geschickt; sie sollen nach der Anweisung des Guru handeln.

Ehrfurcht vor dem Wald und bewusster Beginn

61. Man wähle kräftige, große, gut berindete und dicht belaubte Bäume, die auf gutem Boden stehen, schön und erfreulich anzusehen, gesund und in voller Jugendkraft sind. [Das Wort zur Rinde ist unsicher.]

62. Auch andere schöne Bäume sind geeignet, sofern sie dicht, saftreich, im Kern fest und widerstandsfähig sind und noch keinem anderen Zweck gedient haben.

63. Der Guru ist mit Dakshina, Kleidern und Goldschmuck zu ehren; danach die führenden Handwerker und Helfer mit Blumen und anderen Gaben.

64. „Om. Verehrung dir, Wohnstatt des Glücks, von den Göttern geliebter Herr des Waldes! Gehe von diesem Ort an einen anderen, der gute Eigenschaften besitzt und das Herz erfreut.“

65. „Dieser Gang von uns gilt dem Shiva-Linga und geschieht nach Shivas Anweisung. Was für Shiva getan werden soll, möge auch eure Sache sein.

66. Seid durch diese Bali-Gabe stets erfreut. Verlasst diesen Baum und diesen Ort und zieht in Frieden anderswohin.“

67. „Om. Verehrung, Sieg dem Dreiäugigen, dem Goldbraunen, dem erhabenen Selbst, dem Gütigen, dem Allgestaltigen! Verehrung dem Herrn der Träume!“

68. „Sage mir im Traum vollständig die Wahrheit über alle meine Vorhaben. Durch deine Gnade, Maheshvara, werde ich die Vollendung der Handlung bewirken.“

69. Der Acharya vergegenwärtige sich selbst als Shiva und das Werkzeug als dessen Waffe. Unter Rezitation des Shiva-Astra-Mantras führe er den ersten Hieb aus.

70. An einem günstigen Tag, wenn alle glückverheißenden Vorbereitungen getroffen sind, fertige man nach Anweisung des Guru das Linga in einer der drei Gestaltweisen und mit den vorgeschriebenen Maßen.

Meditation, Hingabe und das Wohl aller

71. Der geistliche Lehrer wahre die Stille und wiederhole den Mantra stets in Verbindung mit der entsprechenden Meditation. Beim Nyasa und bei der Feuerhandlung rezitiere er leise und in den weiteren vorgeschriebenen Weisen.

72. Nachdem er den Nyasa vollzogen hat, meditiere der Mantrakundige über das neunfache, als lebendiges Wesen gegenwärtige Prinzip: von der Gestalt lodernden Feuers und nach allen Seiten ausstrahlend.

73. In der Meditation auf die Durchdringung gegründet, vergegenwärtige man das Linga als höchste, alles durchdringende Gleichheit, fest gestützt und von beständigem Weg beziehungsweise beständiger Meditation, und setze es ein. [Der Satzanfang und die letzte Bestimmung weisen unsichere Lesarten auf.]

74. Man meditiere im Linga über den höchsten Shambhu: mit fünf Gesichtern und drei Augen, mit zehn Armen und geschmückt mit einer Krone aus verfilchten Haaren.

75. Inmitten des Mondes befindet sich das Feine; inmitten des Feinen die Sonne; inmitten der Sonne der Friedvolle und inmitten des Friedvollen Shiva.

76. Die vier menschlichen Lebensziele – Dharma, Wohlergehen, Wunscherfüllung und Befreiung – erlangt man von Shiva durch Einsetzung, Verehrung, Mantrawiederholung und Meditation.

77. Nachdem man wieder vor die Gottheit getreten ist, trage man dem erhabenen Hara die Bitte vor: ‚Was immer ich Gutes oder Unrechtes getan habe, unwissentlich oder wissentlich –‘

78. ‚All das habe ich dir zusammen mit mir selbst dargebracht.‘ Zu diesem Zeitpunkt soll dem Shiva-Yogi die gebührende Gabe gegeben werden.

79. Man vergegenwärtige im Linga und im Sockel der Reihe nach die Kraft der Erkenntnis und die Kraft des Handelns. So soll ein feststehendes oder bewegliches Linga mit vorausgehender Verehrung eingesetzt werden.

80. Ein Guru, der den wahren Sinn der zuverlässigen Agamas kennt, ruhig ist und die Unterweisung empfangen hat, der Erkenntnis besitzt, führt hinüber – selbst wenn ihm alle äußeren Kennzeichen fehlen.

81. ‚Möge stets Frieden sein für den König, den Auftraggeber und die Menschen, ebenso für uns und für die Handwerker! Sei uns wohlgesinnt, o Bhava!‘

82. Der Anfangslose, Allgegenwärtige ist in allen Himmelsrichtungen hingebungsvoll zu verehren. Einem Menschen, der Befreiung sucht, gewährt der Herr sie mühelos, wo immer er sich befindet.

83. Nachdem man sich die Erde in ihrer dreifachen, davon erfüllten Gestalt vergegenwärtigt hat, verehre man sie. Dort verehre man auch den Vastu-Purusha, der alle Gottheiten in sich umfasst. [Die vorangehende Beschreibung stellt die Erde als schön geschmückte weibliche Gestalt dar.]

Erneuerung, Fest und dankbares Lernen

Festliche Verehrung schenkt der Gemeinschaft einen gemeinsamen Ausdruck der Dankbarkeit.

84. Um Versäumnisse bei der jährlichen Verehrung und den anderen Pflichten zu vervollständigen, soll man während des Gelübdes der vier Monate das Pavitra anlegen.

85. Waschung, Puja, Japa, Homa, Meditation und die vertrauensvolle Bitte gehören zum Anlegen des Pavitra; es geschieht mit den vertrauten Mantras in Beziehung zu den drei Tattvas.

86. „Du bist eingeladen, o Herr der Götter. Diese Verehrung habe ich dir dargebracht. Nimm sie an, Mahadeva, du Ursprung aller rituellen Ordnung!“

87. Was davon nicht vollständig beschafft werden kann, stelle man sich geistig vor. Man bereite ein Gefäß und besprenge die Pavitra-Fäden mit Shiva-Wasser.

88. Hingebungsvoll vollziehe man das Bad mit durch ein Tuch gefiltertem Wasser, mit Panchagavya und den fünf süßen Stoffen; dazwischen spüle man jeweils mit Wasser.

89. Nach dem Bad mit duftendem Wasser und den übrigen Stoffen trockne man mit einem Tuch ab, reiche das achtgliedrige Arghya, salbe und verehre die Gottheit.

90. Auch die ausführenden Arbeiter ehre er nach seinen Möglichkeiten; durch Gold, Kleidung oder freundliche Worte stelle er sie zufrieden.

91. „Om, Purna, große Vidya, deren Kennzeichen die Fülle aller Dinge ist: Mache hier in diesem Tempel stets alles vollständig!“

92. Mit Wimpeln, Bannern, Lampen und Speisegaben schmücke man das Haus. Die Nacht verbringe man in festlicher Feier mit Tanz, Gesang und klangvollen Instrumenten.

93. Die Lehrer, großen Shiva-Yogis und Träger der heiligen Zeichen erfreue man nach den eigenen Mitteln mit Hingabe, durch Kleidergaben, Bewirtung und weitere Geschenke.

94. Wer das glückverheißende Pavitra-Anlegen so in der beschriebenen Weise vollzieht, wird von allen Verfehlungen frei und in Rudras Welt geehrt.

95. Wenn ein Asket das Viermonatsgelübde wegen Krankheit, Gefahr oder anderer Unfähigkeit nicht einhalten kann, verehre er Shiva, verneige sich und entlasse das Pavitra.

96. Deshalb soll man auch solche zeitweiligen Formen verehren, selbst ohne die förmliche dauerhafte Pratishtha. Mit ihren jeweiligen Mantras gewähren sie nach dem Wort des Herrn Wunscherfüllung und Vollendung.

97. Das Linga besteht aus allen Gottheiten, und es ist in allem gegenwärtig. Mit den vorgeschriebenen Mantras eingesetzt, gewährt es Dharma, Wunscherfüllung, Wohlergehen und Befreiung.

98. Wenn ein einziges Linga eingesetzt oder verehrt wird, sind damit alle Gottheiten verehrt und eingesetzt. Deshalb soll man es seinem wahren Wesen entsprechend verehren und einsetzen.

99. Das gebundene Wesen betrachtet selbst den deutlich sichtbaren Armreif an der eigenen Hand erst im Spiegel; die ganze Welt, die mit den Zeichen von Linga und Yoni versehen ist, sieht es dagegen nicht.

100. Um Vollendung und Befreiung der Hingebungsvollen zu ermöglichen und aus dem Wunsch nach ihrem Wohl wurde dies alles aus den Agamas aufgenommen und als überlieferte Lehre niedergeschrieben. [Der Name beziehungsweise Ausdruck „śikhabhāṣitam“ ist nicht eindeutig.]

101. Aus einer zu knappen Darstellung eines einzelnen Agama entsteht keine vollständige Gewissheit; übermäßige Ausführlichkeit kann Furcht und Verwirrung erzeugen. Deshalb wurde hier ein mittlerer Umfang gewählt.

102. Sundara und andere haben die Pratishtha erklärt; auch ich, dessen Kraft gering ist, habe sie erläutert. Wenn Garuda fliegt, warum sollten dann nicht auch die Bienen fliegen?

103. Die Bedeutungen vieler Schriften sind wie Stoffe durch die Fäden dieses Werkes gut miteinander vernäht. Von den Acharyas ausgesprochen, sollen sie die Kälte des Nichtwissens vertreiben. [Der Schluss des Bildes ist textlich unsicher.]

104. Vor dem Fußlotus meines Guru verneige ich mich mit dem Haupt auf der Erde: Er beseitigt die dreifache Unreinheit aus Maya, Karma und dem weiteren Mala, ist als Erkenntnisleib erschienen, mit Shambhu ungetrennt verbunden, den Weisen bekannt, Urdhvavaktra genannt, ein berühmter Fürst der Acharyas, dem Wohl aller Menschen zugewandt und in der reinen shaivitischen Lebensordnung gegründet.

105. Das Studium des eigenen Tantra, die begründete Auseinandersetzung und die Einsicht in andere Tantras sind Eigenschaften, die bei einem kundigen shaivitischen Acharya Verständnis und geistige Kraft fördern.

106. Was ich mit geringer Einsicht zum Wohl der geistlichen Lehrer gesagt habe, mögen die Gelehrten verständig aufnehmen und das schlecht Gesagte in gut Gesagtes verwandeln.

107. „Om, Bhadra, bringe den Menschen jederzeit Gutes und Wohlergehen! Göttin, sei stets Spenderin von Leben, Wunscherfüllung und Wohlstand!“

108. Solange der ehrwürdige Ananta die Erde über der tragenden Shakti hält, solange Meru inmitten der von den Meeren umgebenen Erde steht und solange der klare Himmel durch die Edelsteine von Mond, Sonne und Sternen erstrahlt: So lange möge dieser Ruhm Vairocanas in Buchgestalt in der Welt bestehen.

Konkordanz der ausgewählten Verse

Auswahl Kapitel und Originalvers
1 1.2
2 1.3
3 1.4
4 1.6
5 1.8
6 1.11
7 1.13
8 2.25
9 2.21
10 2.22
11 2.23
12 2.24
13 2.26
14 2.27
15 2.28
16 2.29
17 2.30
18 2.31
19 2.32
20 2.33
21 2.35
22 2.42
23 2.43
24 2.46
25 2.47
26 2.48
27 2.49
28 2.2
29 2.4
30 2.15
31 2.16
32 2.17
33 2.18
34 2.66
35 2.69
36 2.70
37 2.75
38 2.76
39 2.81
40 2.84
41 2.85
42 2.105
43 2.106
44 2.129
45 2.133
46 2.134
47 2.135
48 2.137
49 2.138
50 2.144
51 2.145
52 2.163
53 2.165
54 2.203
55 2.213
56 2.239
57 2.240
58 2.241
59 2.242
60 2.244
61 3.11
62 3.12
63 3.19
64 3.32
65 3.36
66 3.37
67 3.40
68 3.41
69 3.47
70 3.196
71 15.53
72 15.67
73 16.26
74 16.89
75 16.94
76 16.126
77 16.143
78 16.144
79 16.169
80 16.200
81 21.45
82 23.34
83 25.9
84 32.1
85 32.21
86 32.24
87 32.29
88 32.33
89 32.34
90 25.4
91 25.111
92 32.37
93 32.38
94 32.39
95 32.41
96 32.60
97 32.61
98 32.62
99 32.65
100 32.66
101 32.67
102 32.68
103 32.69
104 32.73
105 32.75
106 32.77
107 25.108
108 32.81

Wichtige Mantras

Die hier folgenden vollständig lesbaren Anrufungen sind im Sanskrit ausdrücklich belegt. Die Auswahl umfasst ausgeschriebene Anrufungen und vollständige Gebete; sie bildet keine zusammenhängende Anleitung zur Durchführung der Tempelweihe. Namen wie Sadyojata, Aghora oder Pashupata sind für sich keine vollständig ausgeschriebenen Rezitationsformeln.

Eingangsverehrung

oṃ namastasyai

ओं नमस्तस्यै

Bedeutung: „Om. Verehrung ihr!“

Textstelle: Eingangsformel vor 1.1. Die weibliche Anrede wird nicht stillschweigend in „Shiva“ verändert. Der Variantenapparat nennt eine abweichende Shiva-Anrufung; sie gehört nicht zum hier abgedruckten Grundtext.

Bitte an den Herrn der Götter

āmantrito'si deveśa pūjāmupahṛtā mayā |
gṛhāṇemāṃ mahādeva samastavidhikāraṇa ||

आमन्त्रितोऽसि देवेश पूजामुपहृता मया |
गृहाणेमां महादेव समस्तविधिकारण ||

Bedeutung: „Du bist eingeladen, Herr der Götter. Diese Verehrung habe ich dir dargebracht. Nimm sie an, Mahadeva, du Ursprung aller rituellen Ordnung!“

Textstelle: 32.24, Einladung im Pavitrarohana-Ritual. Die grammatisch unebene Verbindung „pūjāmupahṛtā“ bleibt im Sanskrit erhalten.

Anrufung des Herrn der Gelübde

oṃ namo vrateśvarā pūraya pūraya svāhā |

ओं नमो व्रतेश्वरा पूरय पूरय स्वाहा |

Bedeutung: „Om. Verehrung dem Herrn der Gelübde. Vervollständige, vervollständige! Svaha!“

Textstelle: ausgeschriebene Formel in 32.32. Die Anrede „vrateśvarā“ ist unregelmäßig überliefert und wird nicht eigenmächtig korrigiert. Die Formel gehört zur rituellen Ergänzung von Versäumnissen beim Pavitrarohana.

Anrede an den Baum

oṃ śrīniketa namastubhyaṃ devajuṣṭavanaspate |
saṅkramānyaditaḥ sthānādguṇavadyanmanoharam ||

ओं श्रीनिकेत नमस्तुभ्यं देवजुष्टवनस्पते |
सङ्क्रमान्यदितः स्थानाद्गुणवद्यन्मनोहरम् ||

Bedeutung: Om. Verehrung dir, Wohnstatt des Glücks, von den Göttern geliebter Herr des Waldes! Gehe von diesem Ort an einen anderen, der gute Eigenschaften besitzt und das Herz erfreut.

Textstelle: 3.32. Gebet vor der Holzgewinnung. Das einleitende Om fehlt nach dem Apparat in einigen Handschriften.

Bitte um Klarheit im Traum

oṃ namo jaya trinetrāya piṅgalāya mahātmane |
vāmāya viśvarūpāya 1 svapnādhipataye namaḥ ||

svapne kathaya me tathyaṃ sarvakāryeṣvaśeṣataḥ |
kriyāsiddhiṃ vidhāsyāmi tvatprasādānmaheśvara ||

ओं नमो जय त्रिनेत्राय पिङ्गलाय महात्मने |
वामाय विश्वरूपाय १ स्वप्नाधिपतये नमः ||

स्वप्ने कथय मे तथ्यं सर्वकार्येष्वशेषतः |
क्रियासिद्धिं विधास्यामि त्वत्प्रसादान्महेश्वर ||

Bedeutung: Om. Verehrung, Sieg dem Dreiäugigen, dem Goldbraunen, dem erhabenen Selbst, dem Gütigen, dem Allgestaltigen! Verehrung dem Herrn der Träume! Sage mir im Traum vollständig die Wahrheit über alle meine Vorhaben. Durch deine Gnade, Maheshvara, werde ich die Vollendung der Handlung bewirken.

Textstelle: 3.40–41. Verse des Svapnamanavaka-Zusammenhangs. Die isolierte Ziffer 1 nach viśvarūpāya bleibt als Vorlagenzeichen sichtbar; sie ist kein Sanskritwort. Die nachfolgende Bija-Formel wird wegen unsicherer Schrägstrichzeichen nicht zu einer neuen Rezitationsfassung erweitert.

Bitte um Schutz des Hauses

oṃ viśantu bhūtale nāgā lokapālāśca kāmadāḥ |
asmin gṛhe tu tiṣṭhantu āyurbalakarāḥ sadā ||

ओं विशन्तु भूतले नागा लोकपालाश्च कामदाः |
अस्मिन् गृहे तु तिष्ठन्तु आयुर्बलकराः सदा ||

Bedeutung: Om. Mögen die Nagas und die Wünsche erfüllenden Weltenhüter in diesen Boden eintreten! Mögen sie stets in diesem Haus verweilen und Lebensdauer und Kraft schenken.

Textstelle: 23.55. Beim Einsetzen der rituellen Pfähle. Die anschließende unsicher geschriebene Bija-Folge ist nicht Teil dieser gesondert wiedergegebenen Versanrufung.

Bali-Anrufung der Feuerkräfte

oṃ agnibhyo'thasarvebhyo ye cānye tasmāśritāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi puṇyamodanamuttamam ||

ओं अग्निभ्योऽथसर्वेभ्यो ये चान्ये तस्माश्रिताः |
बलिं तेभ्यः प्रयच्छामि पुण्यमोदनमुत्तमम् ||

Bedeutung: Om. Allen Feuerkräften und allen anderen, die sich auf sie stützen, bringe ich diese Bali-Gabe dar: reine, vorzügliche gekochte Speise.

Textstelle: 23.64. Anrufung im Südosten, im Rahmen der rituellen Grundstücksbegrenzung.

Bali-Anrufung im Südwesten

nair- ṛtyādhipatiścaiva nair-ṛtyāṃ ye ca rākṣasāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi sarve gṛhṇantu mantritāḥ ||

नैर्- ऋत्याधिपतिश्चैव नैर्-ऋत्यां ये च राक्षसाः |
बलिं तेभ्यः प्रयच्छामि सर्वे गृह्णन्तु मन्त्रिताः ||

Bedeutung: Dem Herrn des Südwestens und den Rakshasas, die im Südwesten weilen, bringe ich diese Bali-Gabe dar. Mögen alle Angerufenen sie annehmen.

Textstelle: 23.65. Dieser eingeklammerte Vers fehlt laut Apparat in mehreren Handschriften. Die Trennung nair-ṛtya wird wie überliefert belassen.

Bali-Anrufung der Windkräfte

oṃ namo vāyurājebhyo ye cānye tatsamāśritāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi puṇyamodanamuktamam ||

ओं नमो वायुराजेभ्यो ये चान्ये तत्समाश्रिताः |
बलिं तेभ्यः प्रयच्छामि पुण्यमोदनमुक्तमम् ||

Bedeutung: Om. Verehrung den Herren des Windes und allen anderen, die sich auf sie stützen. Ihnen bringe ich diese Bali-Gabe dar: reine, vorzügliche gekochte Speise.

Textstelle: 23.66. Anrufung der entsprechenden Richtungswesen. Die unregelmäßige Schreibung muktamam ist nicht stillschweigend korrigiert.

Bali-Anrufung der Rudras

oṃ rudrebhyaśca sarvebhyo ye cānye tatsamāśritāḥ |
baliṃ tebhyaḥ prayacchāmi gṛhṇantu sumanotsukāḥ ||

ओं रुद्रेभ्यश्च सर्वेभ्यो ये चान्ये तत्समाश्रिताः |
बलिं तेभ्यः प्रयच्छामि गृह्णन्तु सुमनोत्सुकाः ||

Bedeutung: Om. Allen Rudras und allen anderen, die sich auf sie stützen, bringe ich diese Bali-Gabe dar. Mögen sie sie freudig und bereitwillig annehmen.

Textstelle: 23.67. Im Zusammenhang der vier Richtungsanrufungen. Der folgende Vers 23.68 verlangt ergänzende Rahmung mit Om und Svaha; hier werden keine zusätzlichen Silben in den zitierten Vers eingesetzt.

Nanda: Freude und Schutz

oṃ nande nandinī pusāṃ tvāmatra sthāpayāmyaham |
atra tvaṃ tiṣṭha saṃhṛṣṭā yāvadācandratārakam ||

āyuḥ kāmaṃ śriyaṃ nande dehi tvaṃ sarvadā nṛṇām |
asmin rakṣā sadā kāryā prāsāde yatnatastvayā ||

ओं नन्दे नन्दिनी पुसां त्वामत्र स्थापयाम्यहम् |
अत्र त्वं तिष्ठ संहृष्टा यावदाचन्द्रतारकम् ||

आयुः कामं श्रियं नन्दे देहि त्वं सर्वदा नृणाम् |
अस्मिन् रक्षा सदा कार्या प्रासादे यत्नतस्त्वया ||

Bedeutung: Om. O Nanda, die du Menschen erfreust, ich setze dich hier ein. Verweile hier voller Freude, solange Mond und Sterne bestehen. Schenke den Menschen stets Lebensdauer, Wunscherfüllung und Wohlergehen, o Nanda! In diesem Tempel sollst du stets sorgfältig Schutz gewähren.

Textstelle: 25.106–107. Einsetzungsgebet für die als Nanda vergegenwärtigte Fundamentplatte. Die fehlerhafte Form pusāṃ bleibt im Sanskrit erhalten.

Bhadra: Segen und Wohlergehen

oṃ bhadre sarvadā bhadraṃ puṃsāṃ hitāvahā sadā |
āyurdā kāmadā devi śrīpradā sarvadā bhava ||

ओं भद्रे सर्वदा भद्रं पुंसां हितावहा सदा |
आयुर्दा कामदा देवि श्रीप्रदा सर्वदा भव ||

Bedeutung: Om. O Bhadra, stets Glückverheißende, den Menschen immer zum Wohl! Göttin, sei stets Lebensdauer, Wunscherfüllung und Wohlergehen schenkend.

Textstelle: 25.108. Einsetzungsgebet für die als Bhadra vergegenwärtigte Fundamentplatte.

Jaya: Beständigkeit und Gelingen

oṃ jaye sarvadā hyatra tiṣṭha tvaṃ sthāpitā mayā |
nityaṃ jayāvahā devi svāmini śrīpradā bhava ||

ओं जये सर्वदा ह्यत्र तिष्ठ त्वं स्थापिता मया |
नित्यं जयावहा देवि स्वामिनि श्रीप्रदा भव ||

Bedeutung: Om. O Jaya, von mir eingesetzt, verweile immer hier. Göttin, bringe stets Sieg und schenke dem Herrn der Stiftung Wohlergehen.

Textstelle: 25.109. Einsetzungsgebet für Jaya im Fundamentritual.

Rikta: Überwindung des Mangels

oṃ rikte riktadoṣaghne siddhimuktiprade śubhe |
sarvadā sarvadoṣaghne tiṣṭhatvamīśarūpake ||

ओं रिक्ते रिक्तदोषघ्ने सिद्धिमुक्तिप्रदे शुभे |
सर्वदा सर्वदोषघ्ने तिष्ठत्वमीशरूपके ||

Bedeutung: Om. O Rikta, die du den Fehler der Leere beseitigst, Vollendung und Befreiung schenkst, Glückverheißende, die du alle Fehler aufhebst: Verweile stets in dieser Gestalt des Herrn.

Textstelle: 25.110. Einsetzungsgebet für Rikta. Die Bitte gehört zum Tempelritual und ist keine unabhängig davon überlieferte allgemeine Heilformel.

Purna: Fülle

oṃ pūrṇe tvaṃ mahāvidye sarvasandohalakṣaṇe |
sarvaṃ saṃpūrṇamevātra prāsāde kuru sarvadā ||

ओं पूर्णे त्वं महाविद्ये सर्वसन्दोहलक्षणे |
सर्वं संपूर्णमेवात्र प्रासादे कुरु सर्वदा ||

Bedeutung: Om. O Purna, große Vidya, deren Wesen die Fülle aller Dinge ist: Mache hier in diesem Tempel stets alles vollständig.

Textstelle: 25.111. Einsetzungsgebet für Purna im Zusammenhang der fünf Fundamentplatten.

Bitte um bleibende göttliche Gegenwart

atra liṅge mahādeva bhava sannidhimānsadā |
sūryācandramasauyāvadyāvattiṣṭhati medinī ||

tāvattvayātra deveśa sthātavyaṃ svecchayā prabho |

अत्र लिङ्गे महादेव भव सन्निधिमान्सदा |
सूर्याचन्द्रमसौयावद्यावत्तिष्ठति मेदिनी ||

तावत्त्वयात्र देवेश स्थातव्यं स्वेच्छया प्रभो |

Bedeutung: Mahadeva, sei in diesem Linga stets gegenwärtig! Solange Sonne und Mond bestehen und die Erde dauert, so lange bleibe hier aus deinem eigenen Willen, Herr der Götter, o Herr!

Textstelle: 16.113–114, bis zur Mitte von 114. Die vollständig zitierte Bitte endet vor der anschließenden Ritualanweisung. Sie gehört zur Einsetzung des Linga.

Hingabe des eigenen Handelns

sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ vāpi ajñānājjñānataḥ kṛtam |
tatsarvamātmanā sārdhaṃ mayā tubhyaṃ niveditam |

सुकृतं दुष्कृतं वापि अज्ञानाज्ज्ञानतः कृतम् |
तत्सर्वमात्मना सार्धं मया तुभ्यं निवेदितम् |

Bedeutung: Was ich Gutes oder Schlechtes, unwissentlich oder wissentlich getan habe, all dies habe ich dir zusammen mit mir selbst dargebracht.

Textstelle: 16.143b–144a. Vollständiger Wortlaut der an Hara gerichteten Hingabe; die umgebenden Halbverse enthalten die Anweisung zum Sprechen und zur Lehrergabe.

Bitte an Chandeshvara

adyārabhya tvayā caṇḍa stheyaṃ yāvaddharastviha |
jñānato'jñānato vāpi nyūnādhikaṃ kṣamasva me ||

tvametatsannidhau tiṣṭha śivārthaparirakṣayā |
nirmālyavartanaṃ tubhyaṃ pradattaṃ hi śivājñayā ||

अद्यारभ्य त्वया चण्ड स्थेयं यावद्धरस्त्विह |
ज्ञानतोऽज्ञानतो वापि न्यूनाधिकं क्षमस्व मे ||

त्वमेतत्सन्निधौ तिष्ठ शिवार्थपरिरक्षया |
निर्माल्यवर्तनं तुभ्यं प्रदत्तं हि शिवाज्ञया ||

Bedeutung: Chanda, von heute an sollst du hier bleiben, solange die Erde besteht. Vergib mir, was wissentlich oder unwissentlich zu wenig oder zu viel getan wurde. Bleibe hier gegenwärtig zum Schutz dessen, was Shiva gehört. Durch Shivas Gebot ist dir die Verwaltung der bereits dargebrachten Gaben anvertraut.

Textstelle: 17.20–21. Gebet bei der Einsetzung Chandeshvaras. Die unebene Form yāvaddharastviha bleibt unverändert; Nirmalya bezeichnet hier die aus Shivas Verehrung hervorgegangenen Gaben.

Dank an den Guru

bhagavansarvadharmajña sarvadharmaparāyaṇa |
adya me saphalaṃ janma yatsaṃsāramahārṇavāt ||

uddhṛto'haṃ tvayā nātha kleśitastvaṃ kṣamasvaṃ me |

भगवन्सर्वधर्मज्ञ सर्वधर्मपरायण |
अद्य मे सफलं जन्म यत्संसारमहार्णवात् ||

उद्धृतोऽहं त्वया नाथ क्लेशितस्त्वं क्षमस्वं मे |

Bedeutung: Erhabener, du kennst alle religiösen Pflichten und bist ihnen ganz hingegeben. Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, denn du hast mich aus dem großen Ozean des Samsara emporgehoben, o Herr. Ich habe dich bemüht; vergib mir!

Textstelle: 18.22–23a. Vollständige Anrede an den Guru im Zusammenhang der Einsetzung. Sie ist ein Gebet der Dankbarkeit und kein ergänzter Bija-Mantra.

Rituelle Schlusswörter und unsichere Bija-Schreibungen

In 12.26–27 werden folgende vollständig lesbare Ausrufe benannt:

IAST Devanagari Im Text genannte Verwendung
svāhā स्वाहा Feueropfer
vauṣaṭ वौषट् volle Abschlussgabe
suvauṣaṭ सुवौषट् Befriedungsritus
vaṣaṭ वषट् Stärkung und Auffüllung
svadhā स्वधा Ahnenritual
phaṭ फट् zerstörender Ritus; eine Variante nennt Siegesritus
namaḥ नमः Japa und Verehrung

Dies sind rituelle Ausrufe; sie werden nicht durch erfundene wörtliche Bedeutungen ersetzt. Die Sanskritformen in der Tabelle sind als zitierte Grundformen geschrieben. Sie bilden allein keine vollständigen komplexen Ritualmantras.

Die Vorlage enthält außerdem Schrägstrichschreibungen wie „hā/“, „hau/“, „hrī/“, „hū/“ und „la/“. Sie stehen unter anderem nach 3.32 und 3.41, in 13.50, 16.27, nach 23.55 und in 31.14. Ohne gesicherte Auflösung werden daraus keine nachträglich vervollständigten Bija-Folgen gebildet. Im vollständigen IAST-Text und in der Devanagari-Ausgabe bleiben sie samt Lesarten erhalten. Die in 19.48 genannten Kala-Anrufungen sind in eine rituelle Anweisung eingebettet und werden ebenfalls nicht zu einer eigenständigen längeren Formel ergänzt.

Die Verse in den Alltag mitnehmen

Wähle einen Vers und lies ihn langsam. Frage dich, welche konkrete Haltung er in dir stärken kann: Aufrichtigkeit, Mitgefühl, Sorgfalt oder Dankbarkeit. Verweile danach in Meditation. Vielleicht nimmst du die Aufrichtigkeit der einfachen Gabe, die freundliche Ehrung der Helfenden oder die Bereitschaft zum Weiterlernen in deinen Tag mit. Eine kleine Handlung kann dem gelesenen Gedanken Ausdruck geben: den Übungsplatz pflegen, jemandem danken oder eine unbedachte Handlung berichtigen. So begleitet die Schrift deine Yoga-Praxis. Die umfassende Tempelweihe bleibt an ihre eigene Unterweisung gebunden.

Wer den Zusammenhang vertiefen möchte, findet im Hauptartikel die vollständige Übersetzung und den Vergleich mit Kamika Agama, Mrigendra Tantra, Netra Tantra und Tantraloka. Die Devanagari-Ausgabe ermöglicht die begleitende Sanskritlektüre.

Shiva und Shakti als Bezugspunkte der im Text beschriebenen Mantra-Kraft.

Textgrundlage

Muktabodha-E-Text M00065, IAST und Devanagari, Revision vom 16. Juni 2009, Quellenlizenz CC BY-NC 4.0. Die Stellenangaben beziehen sich auf die 32 Vidhis. Vollständiger Sanskritbestand und deutsche Übersetzung: Pratishtha Lakshana Sara Samuccaya.

Siehe auch

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