Mudgala Upanishad
Die Mudgala Upanishad (Sanskrit: मुद्गलोपनिषत्, Mudgalopaniṣat f.) ist eine dem Rigveda zugeordnete Samanya Upanishad mit ausgeprägt vaishnavitischer Theologie. In der Muktika-Liste steht sie an 57. Stelle. Ihr Ausgangspunkt ist das berühmte Purusha Sukta des Rigveda: Die Schrift deutet dessen kosmischen Purusha als Vishnu, Hari und Narayana und verbindet das vedische Schöpfungsopfer mit Vedanta, innerer Meditation und Befreiung.
Der Text besteht aus vier Khandas. Der erste erläutert in neun Versen ausgewählte Aussagen des Purusha Sukta. Der zweite beschreibt die vierfache Entfaltung Narayanas und deutet den menschlichen Körper als inneren Opferplatz. Der dritte zeigt, wie der eine Gott von verschiedenen Wesen unter unterschiedlichen Namen verehrt wird. Der vierte unterscheidet das grenzenlose Brahman von körperlichen Schichten, psychischen Bewegungen und sozialen Identitäten und schließt mit traditionellen Verheißungen und Regeln der Weitergabe.

Für den modernen Yoga Aspiranten ist besonders die Verinnerlichung des Opfers bedeutsam: Sinne, Körper, Jahreszeiten, Nahrung und Lebensenergie werden als Teile eines großen Gottesdienstes verstanden. So wird Yoga zur bewussten Hingabe des ganzen Lebens. In der Meditation „Ich bin das höchste Brahman in der Gestalt des Purusha“ soll nicht das persönliche Ego erhöht, sondern seine tiefste Identität mit dem allgegenwärtigen Bewusstsein erkannt werden.
Mudgala Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die folgende Studienfassung gibt jeden nummerierten Vers einzeln wieder. Unnummerierte Prosa wird in vollständige redaktionelle Sinneinheiten gegliedert; diese Gliederung dient nur der Orientierung. Direkt unter jeder einzelnen Einheit steht ihre eigene deutsche Übersetzung und unmittelbar danach ihre vollständige Wort-für-Wort-Erläuterung. Es gibt keine Sammelübersetzungen mehrerer Verse.
Rahmentexte
Eröffnungsvers der Mudgala Upanishad
śrīmatpuruṣasūktārthaṃ pūrṇānandakalevaram |
puruṣottamavikhyātaṃ pūrṇaṃ brahma bhavāmyaham ||
Ich werde zu dem vollkommenen Brahman, das als Purushottama, der höchste Purusha, bekannt ist, dessen Leib vollkommene Glückseligkeit ist und dessen Wesen der erhabene Sinn des Purusha Sukta ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śrīmat-puruṣa-sūkta-artham – den erhabenen Sinn des Purusha Sukta zum Wesen habend; pūrṇa-ānanda-kalevaram – dessen Leib vollkommene Glückseligkeit ist; puruṣottama-vikhyātam – als höchster Purusha bekannt; pūrṇam brahma – das vollkommene Brahman; bhavāmi aham – zu dem werde ich, das bin ich.
Eröffnende Anrufung der Mudgala Upanishad
oṃ vāṅ me manasi pratiṣṭhitā mano me vāci pratiṣṭhitamāvirāvīrma edhi ||
vedasya ma āṇīsthaḥ | śrutaṃ me mā prahāsīranenādhītenāhorātrānsandadhāmyṛtaṃ vadiṣyāmi satyaṃ vadiṣyāmi ||
tanmāmavatu tadvaktāramavatu avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
Om. Möge meine Rede in meinem Geist gegründet sein und mein Geist in meiner Rede. O Selbstleuchtender, werde mir offenbar, werde offenbar. Seid mir beide Träger des Veda. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tag und Nacht. Ich werde das der kosmischen Ordnung Entsprechende sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge Jenes mich schützen; möge Jenes den Sprecher schützen. Möge es mich schützen, möge es den Sprecher schützen, möge es den Sprecher schützen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; vāk me manasi pratiṣṭhitā – meine Rede sei in meinem Geist gegründet; manaḥ me vāci pratiṣṭhitam – mein Geist sei in meiner Rede gegründet; āviḥ āviḥ me edhi – werde mir offenbar, werde offenbar; vedasya me āṇīsthaḥ – seid mir beide Träger beziehungsweise Vermittler des Veda; śrutam me mā prahāsīḥ – möge das Gehörte mich nicht verlassen; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān sandadhāmi – ich verbinde Tage und Nächte; ṛtam vadiṣyāmi – ich werde das der kosmischen Ordnung Entsprechende sprechen; satyam vadiṣyāmi – ich werde Wahrheit sprechen; tat mām avatu – möge Jenes mich schützen; tat vaktāram avatu – möge Jenes den Sprecher schützen.
Erster Khanda – Zusammenfassung des Purusha Sukta
Prosastelle 1.1 – Ankündigung der Auslegung des Purusha Sukta
oṃ puruṣasūktārthanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ
puruṣasaṃhitāyāṃ puruṣasūktārthaḥ saṃgraheṇa procyate |
Om. Wir werden die Bestimmung des Sinnes des Purusha Sukta darlegen. In der Purusha-Samhita wird dessen Bedeutung zusammenfassend erklärt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; puruṣa-sūkta-artha-nirṇayam – die Bestimmung des Sinnes des Purusha Sukta; vyākhyāsyāmaḥ – wir werden erläutern; puruṣa-saṃhitāyām – in der Purusha-Samhita; puruṣa-sūkta-arthaḥ – der Sinn des Purusha Sukta; saṃgraheṇa – zusammenfassend; procyate – wird dargelegt.
Vers 1.1 Mudgala Upanishad
sahasraśīrṣetyatra saśabdo'nantavācakaḥ |
anantayojanaṃ prāha daśāṅgulavacastathā || 1 ||
In dem Ausdruck „tausendköpfig“ bezeichnet das Wort „tausend“ das Unendliche; ebenso besagt die Wendung „zehn Fingerbreiten“, dass seine Ausdehnung unermesslich ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sahasra-śīrṣā iti atra – in der Aussage „tausendköpfig“; sa-śabdaḥ – das betreffende Wort „tausend“; ananta-vācakaḥ – das Unendliche bezeichnend; ananta-yojanam – eine unermessliche Entfernung; prāha – besagt, erklärt; daśa-aṅgula-vacaḥ – die Aussage „zehn Fingerbreiten“; tathā – ebenso.
Vers 1.2 Mudgala Upanishad
tasya prathamayā viṣṇordeśato vyāptirīritā |
dvitīyayā cāsya viṣṇoḥ kālato vyāptirucyate || 2 ||
Durch den ersten Vers wird Vishnus alldurchdringende Gegenwart im Raum ausgesagt; durch den zweiten wird seine Durchdringung der Zeit gelehrt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya prathamayā – durch dessen ersten Vers; viṣṇoḥ – Vishnus; deśataḥ – hinsichtlich des Raumes; vyāptiḥ – Durchdringung, Allgegenwart; īritā – ausgesprochen; dvitīyayā ca – und durch den zweiten; asya viṣṇoḥ – dieses Vishnu; kālataḥ – hinsichtlich der Zeit; ucyate – wird gelehrt.
Vers 1.3 Mudgala Upanishad
viṣṇormokṣapradatvaṃ ca kathitaṃ tu tṛtīyayā |
etāvāniti mantreṇa vaibhavaṃ kathitaṃ hareḥ || 3 ||
Durch den dritten Vers wird erklärt, dass Vishnu Befreiung schenkt; mit dem Mantra, das mit „etāvān“ beginnt, wird Haris Größe verkündet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: viṣṇoḥ – Vishnus; mokṣa-pradatvam – Eigenschaft, Befreiung zu schenken; ca – und; kathitam – erklärt; tu – aber, nun; tṛtīyayā – durch den dritten Vers; etāvān iti mantreṇa – durch das mit „etāvān“ beginnende Mantra; vaibhavam – Größe, Herrlichkeit; kathitam – dargelegt; hareḥ – Haris.
Vers 1.4 Mudgala Upanishad
etenaiva ca mantreṇa caturvyūho vibhāṣitaḥ |
tripādityanayā proktamaniruddhasya vaibhavam || 4 ||
Durch eben dieses Mantra wird auch die Lehre von den vier Vyuhas entfaltet; mit der Wendung „tripād“ wird die Herrlichkeit Aniruddhas verkündet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: etena eva ca mantreṇa – auch durch eben dieses Mantra; catur-vyūhaḥ – die Vierer-Entfaltung aus Vasudeva, Samkarshana, Pradyumna und Aniruddha; vibhāṣitaḥ – ausdrücklich erklärt; tripāt iti anayā – durch diese Wendung „dreifüßig“; proktam – ausgesprochen; aniruddhasya vaibhavam – die Herrlichkeit Aniruddhas.
Vers 1.5 Mudgala Upanishad
tasmādvirāḍityanayā pādanārāyaṇāddhareḥ |
prakṛteḥ puruṣasyāpi samutpattiḥ pradarśitā || 5 ||
Mit der Aussage „Aus ihm entstand Viraj“ wird gezeigt, dass Prakriti und Purusha aus Hari als dem einen Viertel Narayanas hervorgehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt virāṭ iti anayā – durch die Aussage „aus ihm entstand Viraj“; pāda-nārāyaṇāt – aus Narayana in Gestalt des einen Viertels; hareḥ – aus Hari; prakṛteḥ – der Prakriti; puruṣasya api – und auch des Purusha; samutpattiḥ – Hervorgehen, Entstehung; pradarśitā – ist gezeigt worden.
Vers 1.6 Mudgala Upanishad
yatpuruṣeṇetyanayā sṛṣṭiyajñaḥ samīritaḥ |
saptāsyāsanparidhayaḥ samidhaśca samīritāḥ || 6 ||
Mit dem Vers „yat puruṣeṇa“ wird das Schöpfungsopfer beschrieben; ebenso werden die sieben Einfassungen des Opferfeuers und die Brennhölzer genannt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yat puruṣeṇa iti anayā – durch den Vers, der mit „yat puruṣeṇa“ beginnt; sṛṣṭi-yajñaḥ – das Opfer der Schöpfung; samīritaḥ – erklärt, verkündet; sapta – sieben; āsan – waren; paridhayaḥ – Einfassungshölzer des Opferfeuers; samidhaḥ ca – und Brennhölzer; samīritāḥ – wurden genannt.
Vers 1.7 Mudgala Upanishad
taṃ yajñamiti mantreṇa sṛṣṭiyajñaḥ samīritaḥ |
anenaiva ca mantreṇa mokṣaśca samudīritaḥ || 7 ||
Durch das Mantra „taṃ yajñam“ wird das Schöpfungsopfer erklärt; durch eben dieses Mantra wird auch die Befreiung ausgesprochen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam yajñam iti mantreṇa – durch das Mantra, das mit „taṃ yajñam“ beginnt; sṛṣṭi-yajñaḥ – das Schöpfungsopfer; samīritaḥ – erklärt; anena eva ca mantreṇa – auch durch eben dieses Mantra; mokṣaḥ ca – auch Befreiung; samudīritaḥ – vollständig ausgesprochen, verkündet.
Vers 1.8 Mudgala Upanishad
tasmāditi ca mantreṇa jagatsṛṣṭiḥ samīritā |
vedāhamiti mantrābhyāṃ vaibhavaṃ kathitaṃ hareḥ || 8 ||
Durch das Mantra, das mit „tasmāt“ beginnt, wird die Schöpfung der Welt erklärt; durch die beiden Mantras, die mit „vedāham“ beginnen, wird Haris Herrlichkeit verkündet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt iti ca mantreṇa – durch das mit „tasmāt“ beginnende Mantra; jagat-sṛṣṭiḥ – die Erschaffung der Welt; samīritā – erklärt; vedāham iti mantrābhyām – durch die beiden mit „vedāham“ beginnenden Mantras; vaibhavam – Herrlichkeit; kathitam – verkündet; hareḥ – Haris.
Vers 1.9 Mudgala Upanishad
yajñenetyupasaṃhāraḥ sṛṣṭermokṣasya ceritaḥ |
ya evametajjānāti sa hi mukto bhavediti || 9 || 1 ||
Mit dem Vers, der mit „yajñena“ beginnt, wird die Lehre von Schöpfung und Befreiung zusammengefasst. Wer dies auf diese Weise erkennt, wird wahrhaftig befreit. Damit endet der erste Khanda.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yajñena iti – mit dem Versanfang „durch das Opfer“; upasaṃhāraḥ – Zusammenfassung, Abschluss; sṛṣṭeḥ – der Schöpfung; mokṣasya ca – und der Befreiung; īritaḥ – ausgesprochen; yaḥ – wer; evam – so; etat jānāti – dies erkennt; saḥ hi – der wahrhaftig; muktaḥ bhavet – möge beziehungsweise wird befreit; iti – so; die zweite Zahl 1 bezeichnet das Ende des ersten Khanda.
Zweiter Khanda – Der kosmische Purusha und das Schöpfungsopfer
Prosastelle 2.1 – Vasudevas geheime Belehrung Indras
atha tathā mudgalopaniṣadi puruṣasūktasya vaibhavaṃ
vistareṇa pratipāditam | vāsudeva indrāya bhagavajjñānamupadiśya
punarapi sūkṣmaśravaṇāya praṇatāyendrāya paramarahasyabhūtaṃ
puruṣasūktābhyāṃ khaṇḍadvayābhyāmupādiśat |
So wurde in der Mudgala Upanishad die Größe des Purusha Sukta ausführlich dargelegt. Nachdem Vasudeva Indra die Erkenntnis des Erhabenen gelehrt hatte, unterwies er den demütig gewordenen Indra für ein noch tieferes Hören erneut in dem höchsten Geheimnis, und zwar anhand zweier Abschnitte über das Purusha Sukta.
Wort-für-Wort-Erläuterung: atha tathā – nun, so; mudgala-upaniṣadi – in der Mudgala Upanishad; puruṣa-sūktasya vaibhavam – die Größe des Purusha Sukta; vistareṇa – ausführlich; pratipāditam – dargelegt; vāsudevaḥ – Vasudeva; indrāya – dem Indra; bhagavat-jñānam – Erkenntnis des Erhabenen; upadiśya – nachdem er gelehrt hatte; punaḥ api – erneut; sūkṣma-śravaṇāya – zum feinen, tieferen Hören; praṇatāya indrāya – dem demütig gewordenen Indra; parama-rahasya-bhūtam – das höchste Geheimnis bildend; puruṣa-sūktābhyām khaṇḍa-dvayābhyām – anhand zweier Abschnitte über das Purusha Sukta; upādiśat – lehrte.
Prosastelle 2.2 – Ankündigung zweier Abschnitte
dvau khaṇḍāvucyete |
Nun werden zwei Abschnitte gelehrt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: dvau – zwei; khaṇḍau – Abschnitte; ucyete – werden ausgesprochen, gelehrt.
Prosastelle 2.3 – Der Purusha nimmt eine sichtbare Gestalt an
yo'ya muktaḥ sa puruṣo nāmarūpajñānāgocaraṃ saṃsāriṇāmatidurjñeyaṃ
viṣayaṃ vihāya kleśādibhiḥ saṃkliṣṭadevādijihīrṣayā
sahasrakalāvayavakalyāṇaṃ dṛṣṭamātreṇa mokṣadaṃ veṣamādade |
Der so bezeichnete Purusha verließ den Bereich, der jenseits der Erkenntnis durch Name und Form liegt und für die im Samsara Lebenden äußerst schwer zu erfassen ist. Aus dem Wunsch, die von Leiden bedrängten Götter und anderen Wesen emporzuheben, nahm er eine glückverheißende Gestalt aus tausend Teilen an, die schon durch ihr Schauen Befreiung schenkt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ ayam uktaḥ saḥ puruṣaḥ – der so bezeichnete Purusha; die elektronische Vorlage trennt hier unsicher yo'ya muktaḥ; nāma-rūpa-jñāna-agocaram – außerhalb der durch Name und Form vermittelten Erkenntnis; saṃsāriṇām – für die im Samsara Lebenden; ati-durjñeyam – äußerst schwer zu erkennen; viṣayam vihāya – diesen Bereich verlassend; kleśa-ādibhiḥ saṃkliṣṭa – von Leiden und Ähnlichem bedrängt; deva-ādi-jihīrṣayā – aus dem Wunsch, Götter und andere emporzuheben; sahasra-kalā-avayava-kalyāṇam – glückverheißend und aus tausend Teilen bestehend; dṛṣṭa-mātreṇa – schon durch das bloße Schauen; mokṣadam – Befreiung schenkend; veṣam ādade – nahm eine Gestalt an.
Prosastelle 2.4 – Durchdringung und Überschreitung der Welten
tena veṣeṇa bhūmyādilokaṃ vyāpyānantayojanamatyatiṣṭhat |
Mit dieser Gestalt durchdrang er die Welten, beginnend mit der Erde, und ragte unermesslich weit über sie hinaus.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tena veṣeṇa – mit dieser Gestalt; bhūmi-ādi-lokam – die Welten, beginnend mit der Erde; vyāpya – nachdem er sie durchdrungen hatte; ananta-yojanam – über eine unermessliche Entfernung; atyatiṣṭhat – ragte er hinaus, überschritt er.
Prosastelle 2.5 – Narayana als alle Zeit
puruṣo nārāyaṇo bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyaccāsīt |
Der Purusha Narayana war das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige.
Wort-für-Wort-Erläuterung: puruṣaḥ nārāyaṇaḥ – der Purusha Narayana; bhūtam – das Vergangene, Gewordene; bhavyam – das Gegenwärtige beziehungsweise Werdende; bhaviṣyat ca – und das Zukünftige; āsīt – war.
Prosastelle 2.6 – Größe über alle Größe
sa ca sarvasmānmahimno jyāyān |
Er ist größer als jede Größe.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ ca – und er; sarvasmāt mahimnaḥ – als jede Größe, Herrlichkeit; jyāyān – größer, erhabener.
Prosastelle 2.7 – Niemand ist größer
tasmānna ko'pi jyāyān |
Darum ist niemand größer als er.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – als er, daher; na kaḥ api – niemand; jyāyān – größer.
Prosastelle 2.8 – Die vierfache Entfaltung
mahāpuruṣa ātmānaṃ caturdhā kṛtvā tripādena parame vyomni cāsīt |
Der Mahapurusha entfaltete sich vierfach und verblieb mit drei Vierteln im höchsten Himmel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahā-puruṣaḥ – der große kosmische Purusha; ātmānam caturdhā kṛtvā – nachdem er sich selbst vierfach gemacht hatte; tri-pādena – mit drei Vierteln; parame vyomni – im höchsten Himmel; ca āsīt – verblieb er.
Prosastelle 2.9 – Die Welten aus Aniruddha-Narayana
itareṇa caturthenāniruddhanārāyaṇena viśvānyāsan |
Durch das andere, vierte Viertel – Aniruddha-Narayana – entstanden die Welten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: itareṇa caturthena – durch das andere, vierte Viertel; aniruddha-nārāyaṇena – durch Aniruddha-Narayana; viśvāni – die Welten, alle Dinge; āsan – waren, entstanden.
Prosastelle 2.10 – Entstehung der Prakriti
sa ca pādanārāyaṇo jagatsraṣṭuṃ prakṛtimajanayat |
Dieser Narayana des einen Viertels brachte Prakriti hervor, um die Welt zu erschaffen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ ca – und dieser; pāda-nārāyaṇaḥ – Narayana als das eine Viertel; jagat sraṣṭum – um die Welt zu erschaffen; prakṛtim – Prakriti; ajanayat – brachte hervor.
Prosastelle 2.11 – Unkenntnis des Schöpfungswerkes
sa samṛddhakāyaḥ sansṛṣṭikarma na jajñivān |
Obwohl er eine voll entfaltete Gestalt besaß, kannte er das Werk der Schöpfung noch nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; samṛddha-kāyaḥ san – obwohl er einen voll entfalteten Leib besaß; sṛṣṭi-karma – das Werk der Schöpfung; na jajñivān – kannte nicht, verstand noch nicht.
Prosastelle 2.12 – Aniruddhas Schöpfungslehre
so'niruddhanārāyaṇastasmai sṛṣṭimupādiśat |
Da lehrte Aniruddha-Narayana ihn die Schöpfung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ aniruddha-nārāyaṇaḥ – dieser Aniruddha-Narayana; tasmai – ihm; sṛṣṭim – die Schöpfung, den Schöpfungsvorgang; upādiśat – lehrte.
Prosastelle 2.13 – Der Körper als inneres Opfer
brahmaṃstavendriyāṇi yājakāni dhyātvā kośabhūtaṃ
dṛḍhaṃ granthikalevaraṃ havirdhyātvā māṃ havirbhujaṃ
dhyātvā vasantakālamājyaṃ dhyātvā grīṣmamidhmaṃ
dhyātvā śaradṛtuṃ rasaṃ dhyātvaivamagnau hutvāṅgasparśātkalevaro vajraṃ hīṣyate |
„O Brahma, meditiere deine Sinne als Opferpriester, den festen, aus Hüllen und Knoten gebildeten Leib als Opfergabe und mich als den Empfänger der Gabe. Betrachte den Frühling als Schmelzbutter, den Sommer als Brennholz und den Herbst als nährende Essenz. Wenn du so im Feuer opferst, wird der Leib durch die Berührung seiner Glieder fest wie ein Diamant.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahman – o Brahma; tava indriyāṇi – deine Sinne; yājakāni dhyātvā – als Opferpriester meditierend; kośa-bhūtam – aus Hüllen bestehend; dṛḍham granthi-kalevaram – den festen, von Knoten geprägten Leib; haviḥ dhyātvā – als Opfergabe meditierend; mām haviḥ-bhujam – mich als Empfänger der Opfergabe; vasanta-kālam ājyam – den Frühling als Schmelzbutter; grīṣmam idhmam – den Sommer als Brennholz; śarad-ṛtum rasam – den Herbst als Essenz, Saft; evam agnau hutvā – nachdem so im Feuer geopfert wurde; aṅga-sparśāt – durch die Berührung der Glieder; kalevaraḥ – der Leib; vajram hi iṣyate – wird wahrhaftig als diamantfest angesehen. Die letzte Wortfolge ist in der elektronischen Vorlage ungewöhnlich verbunden.
Prosastelle 2.14 – Entstehung der Lebewesen
tataḥ svakāryānsarvaprāṇijīvānsṛṣṭvā paśvādyāḥ prādurbhaviṣyanti |
Nachdem er daraufhin alle lebenden Wesen als seine Wirkungen erschaffen hat, treten Tiere und die übrigen Geschöpfe hervor.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tataḥ – daraufhin; sva-kāryān – als seine eigenen Wirkungen; sarva-prāṇi-jīvān – alle lebenden Wesen; sṛṣṭvā – nachdem er erschaffen hat; paśu-ādyāḥ – Tiere und die übrigen Geschöpfe; prādurbhaviṣyanti – werden hervortreten.
Prosastelle 2.15 – Bewegliche und unbewegliche Welt
tataḥ sthāvarajaṅgamātmakaṃ jagadbhaviṣyati |
So entsteht die Welt aus unbeweglichen und beweglichen Wesen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tataḥ – dann, daraus; sthāvara-jaṅgama-ātmakam – aus Unbeweglichem und Beweglichem bestehend; jagat – die Welt; bhaviṣyati – wird entstehen.
Prosastelle 2.16 – Vereinigung von Jiva und Atman
etena jīvātmanoryogena mokṣaprakāraśca kathita ityanusandheyam |
Darin ist zugleich die Weise der Befreiung durch die Vereinigung von Jiva und Atman gelehrt – so soll man darüber nachsinnen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: etena – dadurch, hiermit; jīva-ātmanoḥ yogena – durch die Vereinigung von Jiva und Atman; mokṣa-prakāraḥ ca – auch die Weise der Befreiung; kathitaḥ – ist erklärt; iti anusandheyam – so ist es zu betrachten und meditativ nachzuvollziehen.
Prosastelle 2.17 – Frucht der Erkenntnis des Schöpfungsopfers
ya imaṃ sṛṣṭiyajñaṃ jānāti mokṣaprakāraṃ ca
sarvamāyureti || 2 ||
Wer dieses Schöpfungsopfer und die Weise der Befreiung erkennt, erreicht die Fülle seiner Lebenszeit. Damit endet der zweite Khanda.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; imam sṛṣṭi-yajñam – dieses Schöpfungsopfer; jānāti – erkennt; mokṣa-prakāram ca – und die Weise der Befreiung; sarvam āyuḥ – die volle Lebensspanne; eti – erreicht; die Zahl 2 kennzeichnet den Abschluss des zweiten Khanda.
Dritter Khanda – Der Eine wird gemäß der Verehrung erfahren
Prosastelle 3.1 – Der eine Gott in vielen Formen
eko devo bahudhā niviṣṭa ajāyamāno bahudhā vijāyate |
Der eine Gott ist in viele Formen eingegangen; obwohl ungeboren, erscheint er als vielfach geboren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ekaḥ devaḥ – der eine Gott; bahudhā niviṣṭaḥ – vielfach eingegangen, in vielen Formen gegenwärtig; ajāyamānaḥ – ungeboren; bahudhā vijāyate – wird vielfach geboren, erscheint in vielen Geburten.
Prosastelle 3.2 – Verehrung als Agni
tametamagnirityadhvaryava upāsate |
Die Adhvaryu-Priester verehren eben diesen als Agni.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam etam – eben diesen; agniḥ iti – als Agni; adhvaryavaḥ – die Adhvaryu-Priester; upāsate – verehren, meditieren über.
Prosastelle 3.3 – Verehrung als Yajus
yajurityeṣa hīdaṃ sarvaṃ yunakti |
Er gilt als Yajus, denn er verbindet wahrhaftig dies alles.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yajuḥ iti – als Yajus, Opferformel; eṣaḥ hi – denn dieser wahrhaftig; idam sarvam – dies alles; yunakti – verbindet, fügt zusammen.
Prosastelle 3.4 – Verehrung als Saman
sāmeti chandogāḥ |
Die Sänger des Samaveda verehren ihn als Saman.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sāma iti – als Saman, heiligen Gesang; chandogāḥ – die Sänger und Kenner des Samaveda.
Prosastelle 3.5 – Alles ruht in ihm
etasminhīdaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitam |
Denn in ihm ist dies alles gegründet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: etasmin hi – denn in diesem; idam sarvam – dies alles; pratiṣṭhitam – gegründet, verankert.
Prosastelle 3.6 – Die Schlangen verehren ihn als Gift
viṣamiti sarpāḥ |
Die Schlangenwesen verehren ihn als Gift.
Wort-für-Wort-Erläuterung: viṣam iti – als Gift; sarpāḥ – die Schlangenwesen.
Prosastelle 3.7 – Die Schlangenkundigen verehren ihn als Schlange
sarpa iti sarpavidaḥ |
Die Kenner der Schlangen verehren ihn als Schlange.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarpaḥ iti – als Schlange; sarpa-vidaḥ – die Schlangenkundigen.
Prosastelle 3.8 – Die Götter verehren ihn als Lebenskraft
ūrgiti devāḥ |
Die Götter verehren ihn als nährende Lebenskraft.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ūrk iti – als Nahrungskraft, Stärke, Lebensenergie; devāḥ – die Götter.
Prosastelle 3.9 – Die Menschen verehren ihn als Fülle
rayiriti manuṣyāḥ |
Die Menschen verehren ihn als Reichtum und Fülle.
Wort-für-Wort-Erläuterung: rayiḥ iti – als Reichtum, Nahrung und Fülle; manuṣyāḥ – die Menschen.
Prosastelle 3.10 – Die Asuras verehren ihn als Maya
māyetyasurāḥ |
Die Asuras verehren ihn als Maya, die Macht der Erscheinung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: māyā iti – als Maya, Erscheinungs- und Gestaltungskraft; asurāḥ – die Asuras.
Prosastelle 3.11 – Die Ahnen verehren ihn als Svadha
svadheti pitaraḥ |
Die Ahnen verehren ihn als Svadha, die ihnen geweihte Opfergabe.
Wort-für-Wort-Erläuterung: svadhā iti – als Svadha, den Ruf und die Gabe an die Ahnen; pitaraḥ – die Ahnen.
Prosastelle 3.12 – Verehrung als göttliches Wesen
devajana iti devajanavidaḥ |
Die Kenner der göttlichen Wesen verehren ihn als göttliches Wesen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: deva-janaḥ iti – als göttliches Wesen; deva-jana-vidaḥ – die Kenner der göttlichen Wesen.
Prosastelle 3.13 – Die Gandharvas verehren ihn als Schönheit
rūpamiti gandharvāḥ |
Die Gandharvas verehren ihn als Schönheit und Gestalt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: rūpam iti – als Gestalt, Schönheit; gandharvāḥ – die Gandharvas.
Prosastelle 3.14 – Die Apsaras verehren ihn als Gandharva
gandharva iti apsarasaḥ |
Die Apsaras verehren ihn als Gandharva.
Wort-für-Wort-Erläuterung: gandharvaḥ iti – als Gandharva; apsarasaḥ – die Apsaras, himmlischen Tänzerinnen.
Prosastelle 3.15 – Der Mensch wird seiner Verehrung gemäß
taṃ yathāyathopāsate tathaiva bhavati |
In welcher Weise man ihn jeweils verehrt, eben dieser Weise entsprechend wird man.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tam – ihn; yathā-yathā – auf welche jeweilige Weise; upāsate – man verehrt, meditiert; tathā eva – genau so; bhavati – wird man.
Prosastelle 3.16 – Meditation „Ich bin das höchste Brahman“
tasmādbrāhmaṇaḥ puruṣarūpaṃ paraṃbrahmaivāhamiti bhāvayet |
Darum soll ein Erkennender meditieren: „Ich bin wahrhaftig das höchste Brahman in der Gestalt des Purusha.“
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – deshalb; brāhmaṇaḥ – der Brahmane, hier der nach Brahman Strebende; puruṣa-rūpam – in der Gestalt des Purusha; param brahma eva aham – ich bin wahrhaftig das höchste Brahman; iti bhāvayet – so soll er vergegenwärtigen und meditieren.
Prosastelle 3.17 – Verwandlung in das Meditierte
tadrūpo bhavati |
Er wird dieser Wirklichkeit gleichgestaltet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tad-rūpaḥ – von dessen Gestalt, ihm gleichgestaltet; bhavati – wird.
Prosastelle 3.18 – Abschluss des dritten Khanda
ya evaṃ veda || 3 ||
So geschieht es dem, der dies erkennt. Damit endet der dritte Khanda.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; evam – so; veda – erkennt, weiß; die Zahl 3 bezeichnet den Abschluss des dritten Khanda.
Vierter Khanda – Die Überwindung der Begrenzungen
Prosastelle 4.1 – Brahman jenseits aller begrenzenden Schichten
tadbrahma tāpatrayātītaṃ ṣaṭkośavinirmuktaṃ ṣaḍūrmivarjitaṃ
pañcakośātītaṃ ṣaḍbhāvavikāraśūnyamevamādisarvavilakṣaṇaṃ bhavati |
Dieses Brahman ist jenseits der drei Leiden, frei von den sechs körperlichen Schichten, unberührt von den sechs Wogen, jenseits der fünf Koshas und leer von den sechs Veränderungen des Werdens. So unterscheidet es sich von allen begrenzenden Merkmalen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tat brahma – dieses Brahman; tāpa-traya-atītam – jenseits der drei Leiden; ṣaṭ-kośa-vinirmuktam – völlig frei von den sechs körperlichen Schichten; ṣaṭ-ūrmi-varjitam – ohne die sechs Wogen; pañca-kośa-atītam – jenseits der fünf Hüllen; ṣaṭ-bhāva-vikāra-śūnyam – frei von den sechs Veränderungen des Werdens; evam-ādi-sarva-vilakṣaṇam – von all diesen und ähnlichen Merkmalen verschieden; bhavati – ist.
Prosastelle 4.2 – Drei Leiden und weitere Dreiheiten
tāpatrayaṃ tvādhyātmikādhibhautikādhidaivikaṃ kartṛkarmakāryajñātṛjñānajñeyabhoktṛbhogabhogyamiti trividham |
Die drei Leiden sind das auf den eigenen Körper und Geist bezogene, das von anderen Wesen verursachte und das von übergeordneten Natur- oder Schicksalsmächten verursachte Leiden. Auch die Erfahrungswelt erscheint in Dreiheiten: Handelnder, Handlung und Ergebnis; Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes; Genießender, Genuss und Gegenstand des Genusses.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tāpa-trayam tu – die Dreiheit der Leiden aber; ādhyātmika – den eigenen Körper und Geist betreffend; ādhibhautika – von anderen Wesen und Elementen herrührend; ādhidaivika – von göttlichen, kosmischen oder schicksalhaften Kräften herrührend; kartṛ-karma-kārya – Handelnder, Handlung und Ergebnis; jñātṛ-jñāna-jñeya – Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes; bhoktṛ-bhoga-bhogyam – Genießender, Genuss und Genossenes; iti tri-vidham – so jeweils dreifach.
Prosastelle 4.3 – Die sechs körperlichen Schichten
tvaṅmāṃsaśoṇitāsthisnāyumajjāḥ ṣaṭkośāḥ |
Haut, Fleisch, Blut, Knochen, Sehnen und Knochenmark sind die sechs körperlichen Schichten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tvak – Haut; māṃsa – Fleisch; śoṇita – Blut; asthi – Knochen; snāyu – Sehne; majjāḥ – Knochenmark; ṣaṭ-kośāḥ – die sechs Schichten beziehungsweise Hüllen.
Prosastelle 4.4 – Die sechs inneren Feinde
kāmakrodhalobhamohamadamātsaryamityariṣaḍvargaḥ |
Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Neid bilden die Gruppe der sechs inneren Feinde.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kāma – Begehren; krodha – Zorn; lobha – Gier; moha – Verblendung; mada – Hochmut, berauschte Selbstüberschätzung; mātsaryam – Neid, Missgunst; iti ari-ṣaṭ-vargaḥ – so die Gruppe der sechs Feinde.
Prosastelle 4.5 – Die fünf Koshas
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayānandamayā iti pañcakośāḥ |
Annamaya, Pranamaya, Manomaya, Vijnanamaya und Anandamaya heißen die fünf Koshas: Nahrungs-, Energie-, Geist-, Erkenntnis- und Glückseligkeitshülle.
Wort-für-Wort-Erläuterung: annamaya – aus Nahrung bestehend; prāṇamaya – aus Lebensenergie bestehend; manomaya – aus Geist und Denken bestehend; vijñānamaya – aus unterscheidender Erkenntnis bestehend; ānandamaya – aus Glückseligkeit bestehend; iti pañca-kośāḥ – so die fünf Hüllen.
Prosastelle 4.6 – Die sechs Veränderungen des Daseins
priyātmajananavardhanapariṇāmakṣayanāśāḥ ṣaḍbhāvāḥ |
Die überlieferte Wortfolge bezeichnet die sechs Veränderungen des bedingten Daseins: Bestehen, Geborenwerden, Wachstum, Umwandlung, Abnahme und Untergang. Die elektronische Sanskritfassung bietet für das erste Glied die schwierige Lesart „priyātma“.
Wort-für-Wort-Erläuterung: priyātma – überlieferte, textlich schwierige Lesart für das erste Daseinsstadium; janana – Geburt; vardhana – Wachstum; pariṇāma – Umwandlung, Reifung; kṣaya – Abnahme, Verfall; nāśāḥ – Untergang, Zerstörung; ṣaṭ-bhāvāḥ – die sechs Daseinsveränderungen. Inhaltlich entspricht die Reihe der verbreiteten Lehre von asti, jāyate, vardhate, vipariṇamate, apakṣīyate, vinaśyati.
Prosastelle 4.7 – Die sechs Wogen
aśanāyāpipāsāśokamohajarāmaraṇānīti ṣaḍūrmayaḥ |
Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter und Tod sind die sechs Wogen, die das verkörperte Dasein bewegen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: aśanāyā – Hunger; pipāsā – Durst; śoka – Kummer; moha – Verblendung; jarā – Alter; maraṇāni – Sterben, Tod; iti ṣaṭ-ūrmayaḥ – so die sechs Wogen.
Prosastelle 4.8 – Die sechs Täuschungen der Identität
kulagotrajātivarṇāśramarūpāṇi ṣaḍ bhramāḥ |
Familie, Abstammungslinie, Geburt beziehungsweise soziale Gruppe, Varna, Lebensstadium und äußere Gestalt sind sechs Täuschungen, wenn sie für das wahre Selbst gehalten werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kula – Familie; gotra – Abstammungslinie; jāti – Geburt, Herkunft oder soziale Gruppe; varṇa – gesellschaftlich-religiöse Klasse; āśrama – Lebensstadium; rūpāṇi – Formen, äußere Gestalten; ṣaṭ bhramāḥ – sechs Irrtümer oder Täuschungen.
Prosastelle 4.9 – Jiva und höchster Purusha
etadyogena paramapuruṣo jīvo bhavati nānyaḥ |
Durch diese Einheit wird erkannt: Der Jiva ist der höchste Purusha und kein anderer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: etat-yogena – durch diese Verbindung beziehungsweise Einheit; parama-puruṣaḥ – der höchste Purusha; jīvaḥ bhavati – ist der Jiva beziehungsweise wird als Jiva offenbar; na anyaḥ – kein anderer. Der Satz bekräftigt die Nichtverschiedenheit des inneren Selbst vom höchsten Purusha.
Früchte des Studiums
Prosastelle 4.10 – Läuterung durch Feuer
ya etadupaniṣadaṃ nityamadhīte so'gnipūto bhavati |
Wer diese Upanishad beständig studiert, wird – so die traditionelle Verheißung – wie durch Feuer geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; etat upaniṣadam – diese Upanishad; nityam adhīte – beständig studiert und rezitiert; saḥ – der; agni-pūtaḥ bhavati – wird durch Feuer geläutert.
Prosastelle 4.11 – Läuterung durch den Wind
sa vāyupūto bhavati |
Er wird wie durch den Wind geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; vāyu-pūtaḥ – durch den Wind geläutert; bhavati – wird.
Prosastelle 4.12 – Läuterung durch die Sonne
sa ādityapūto bhavati |
Er wird wie durch die Sonne geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ – er; āditya-pūtaḥ – durch die Sonne geläutert; bhavati – wird.
Prosastelle 4.13 – Gesundheit
arogī bhavati |
Er wird frei von Krankheit, verheißt der Text.
Wort-für-Wort-Erläuterung: arogī – gesund, frei von Krankheit; bhavati – wird. Dies ist eine traditionelle Fruchtverheißung, kein medizinisches Wirkversprechen.
Prosastelle 4.14 – Wohlstand
śrīmāṃśca bhavati |
Er wird mit Wohlergehen und Fülle gesegnet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śrīmān – mit Glück, Würde und Wohlstand versehen; ca – und; bhavati – wird.
Prosastelle 4.15 – Gedeihen der Nachkommenschaft
putrapautrādibhiḥ samṛddho bhavati |
Er wird durch Kinder, Enkel und weitere Nachkommen reich gesegnet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: putra-pautra-ādibhiḥ – durch Kinder, Enkel und weitere Nachkommen; samṛddhaḥ – reich, erfüllt, gedeihend; bhavati – wird.
Prosastelle 4.16 – Gelehrsamkeit
vidvāṃśca bhavati |
Er wird wissend und gelehrt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vidvān – wissend, gelehrt; ca – und; bhavati – wird.
Prosastelle 4.17 – Läuterung von schwerer Verfehlung
mahāpātakātpūto bhavati |
Er wird von schwerer Verfehlung geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahā-pātakāt – von einer schweren Verfehlung; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.18 – Läuterung vom Trinken berauschender Getränke
surāpānātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung des Trinkens berauschender Getränke geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: surā-pānāt – vom Trinken berauschenden Getränks; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.19 – Läuterung von verbotener sexueller Verbindung
agamyāgamanātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung einer verbotenen sexuellen Verbindung geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: agamya-āgamanāt – vom Verkehr mit einer Person, zu der eine Verbindung untersagt ist; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.20 – Läuterung vom Inzest mit der Mutter
mātṛgamanātpūto bhavati |
Er wird von der schweren Verfehlung des Inzests mit der Mutter geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mātṛ-gamanāt – vom sexuellen Verkehr mit der Mutter; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.21 – Läuterung von Inzest mit Tochter oder Schwiegertochter
duhitṛsnuṣābhigamanātpūto bhavati |
Er wird von der schweren Verfehlung einer sexuellen Verbindung mit Tochter oder Schwiegertochter geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: duhitṛ – Tochter; snuṣā – Schwiegertochter; abhigamanāt – vom sexuellen Verkehr; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.22 – Läuterung von Golddiebstahl
svarṇasteyātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung des Golddiebstahls geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: svarṇa-steyāt – vom Diebstahl von Gold; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.23 – Eine schwierige überlieferte Lesart
vedijanmahānātpūto bhavati |
Er wird von der in der Vorlage als „Schädigung der vedischen Geburt“ bezeichneten Verfehlung geläutert. Die genaue Lesart und Bedeutung dieser verbunden überlieferten Wortfolge ist unsicher.
Wort-für-Wort-Erläuterung: vedi-janma-hānāt – nach möglicher Auflösung: von der Schädigung beziehungsweise dem Verlust der durch vedische Weihe begründeten „zweiten Geburt“; pūtaḥ bhavati – wird geläutert. Die elektronische Quelle schreibt das Kompositum ohne erläuternde Worttrennung.
Prosastelle 4.24 – Läuterung von unterlassener Gurudienerschaft
guroraśuśrūṣaṇātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung geläutert, dem Guru nicht gedient und nicht auf ihn gehört zu haben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: guroḥ – gegenüber dem Guru; aśuśrūṣaṇāt – vom Nichtdienen, Nichtzuhören oder mangelnden Gehorsam; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.25 – Läuterung von unrechtmäßigem Opfern
ayājyayājanātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung geläutert, für eine nach den damaligen Ritualregeln nicht berechtigte Person geopfert zu haben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ayājya – jemand, für den kein Opfer vollzogen werden soll; yājanāt – vom Vollziehen eines Opfers für ihn; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.26 – Läuterung vom Essen verbotener Speise
abhakṣyabhakṣaṇātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung geläutert, nach den damaligen Regeln verbotene Nahrung gegessen zu haben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: abhakṣya – nicht zu essende, verbotene Speise; bhakṣaṇāt – vom Essen; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.27 – Läuterung von unzulässiger Annahme
ugrapratigrahātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung geläutert, eine belastende oder unzulässige Gabe angenommen zu haben.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ugra-pratigrahāt – von der Annahme einer schweren, gefährlichen oder unzulässigen Gabe; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.28 – Läuterung vom Ehebruch
paradāragamanātpūto bhavati |
Er wird von der Verfehlung des Ehebruchs geläutert.
Wort-für-Wort-Erläuterung: para-dāra-gamanāt – vom Verkehr mit der Ehefrau eines anderen; pūtaḥ bhavati – wird geläutert.
Prosastelle 4.29 – Freiheit von inneren Feinden
kāmakrodhalobhamoherṣyādibhirabādhito bhavati |
Er wird nicht mehr von Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Eifersucht und ähnlichen Regungen bedrängt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kāma – Begehren; krodha – Zorn; lobha – Gier; moha – Verblendung; īrṣyā-ādibhiḥ – von Eifersucht und ähnlichen Regungen; abādhitaḥ bhavati – wird unbedrängt, unbeeinträchtigt.
Prosastelle 4.30 – Freiheit von allen Verfehlungen
sarvebhyaḥ pāpebhyo mukto bhavati |
Er wird von allen Verfehlungen frei.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvebhyaḥ – von allen; pāpebhyaḥ – Verfehlungen, schädlichen Handlungen; muktaḥ bhavati – wird frei.
Prosastelle 4.31 – Purusha in diesem Leben
iha janmani puruṣo bhavati
Noch in diesem Leben verwirklicht er den Purusha.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iha janmani – in diesem Leben, in dieser Geburt; puruṣaḥ bhavati – wird zum Purusha beziehungsweise verwirklicht sein Einssein mit ihm.
Weitergabe der Lehre
Prosastelle 4.32 – Geheimhaltung gegenüber Uneingeweihten
tasmādetatpuruṣasūktārthamatirahasyaṃ rājaguhyaṃ devaguhyaṃ guhyādapi
guhyataraṃ nādīkṣitāyopadiśet |
Darum soll man diese Bedeutung des Purusha Sukta – das überaus tiefe Geheimnis, das königliche und göttliche Geheimnis, geheimer noch als das Geheime – nach traditioneller Vorschrift keinem Uneingeweihten lehren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmāt – deshalb; etat puruṣa-sūkta-artham – diese Bedeutung des Purusha Sukta; ati-rahasyam – überaus geheim; rāja-guhyam – königliches Geheimnis; deva-guhyam – göttliches Geheimnis; guhyāt api guhyataram – geheimer noch als das Geheime; na adīkṣitāya – nicht einem Uneingeweihten; upadiśet – soll man lehren.
Prosastelle 4.33 – Weitere traditionelle Zugangsvoraussetzungen
nānūcānāya | nāyajñaśīlāya | nāvaiṣṇavāya |
Man soll sie nicht jemandem lehren, der die überlieferte Lehre nicht studiert hat, keine Opferdisziplin pflegt oder nicht in der vaishnavitischen Hingabe verwurzelt ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na anūcānāya – nicht einem, der nicht studiert und die Lehre nicht wiederholt hat; na ayajña-śīlāya – nicht einem ohne Opferdisziplin; na avaiṣṇavāya – nicht einem Nicht-Vaishnava. Die Aussagen spiegeln den historischen Einweihungskontext des Textes.
Prosastelle 4.34 – Anforderungen an Haltung und Rede
nāyogine | na bahubhāṣiṇe | nāpriyavādine |
Man soll sie nicht einem Nicht-Yogi, nicht einem Vielredner und nicht einem Menschen mit verletzender Rede lehren.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na ayogine – nicht einem, der kein Yogi ist; na bahu-bhāṣiṇe – nicht einem Vielredner; na apriya-vādine – nicht einem, der Unangenehmes oder Verletzendes spricht.
Prosastelle 4.35 – Ausdauer, Zufriedenheit und Vedastudium
nāsaṃvatsaravedine | nātuṣṭāya | nānadhītavedāyopadiśet |
Man soll sie nicht jemandem lehren, der nicht wenigstens ein Jahr beständig gelernt hat, der unzufrieden ist oder den Veda nicht studiert hat.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na asaṃvatsara-vedine – nicht einem, der nicht über ein Jahr hinweg gelernt hat; na atuṣṭāya – nicht einem Unzufriedenen; na anadhīta-vedāya – nicht einem, der den Veda nicht studiert hat; upadiśet – soll man lehren.
Prosastelle 4.36 – Unterweisung durch den Guru
gururapyevaṃvicchucau deśe puṇyanakṣatre
prāṇānāyamya puruṣaṃ dhyāyannupasannāya
śiṣyāya dakṣiṇakarṇe puruṣasūktārthamupadiśedvidvān |
Ein kundiger Guru soll die Bedeutung des Purusha Sukta an einem reinen Ort und unter einem glückverheißenden Stern lehren. Nachdem er den Atem gesammelt und über den Purusha meditiert hat, spricht er sie dem demütig nahenden Schüler ins rechte Ohr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: guruḥ api evam-vit – ein Guru, der dies erkennt; śucau deśe – an einem reinen Ort; puṇya-nakṣatre – unter einem glückverheißenden Mondhaus; prāṇān āyamya – nachdem er die Lebenskräfte beziehungsweise den Atem gesammelt hat; puruṣam dhyāyan – über den Purusha meditierend; upasannāya śiṣyāya – dem demütig nahenden Schüler; dakṣiṇa-karṇe – ins rechte Ohr; puruṣa-sūkta-artham – die Bedeutung des Purusha Sukta; upadiśet – soll er lehren; vidvān – der Wissende.
Prosastelle 4.37 – Keine gedankenlose Wiederholung
na bahuśo vadet |
Man soll die geheime Unterweisung nicht wahllos immer wieder aussprechen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; bahuśaḥ – häufig, immer wieder; vadet – soll man aussprechen.
Prosastelle 4.38 – Schutz vor Entwertung
yātayāmo bhavati |
Sonst wird sie „abgestanden“, das heißt durch gedankenlose Wiederholung ihrer Kraft und Würde beraubt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yāta-yāmaḥ – abgestanden, über die rechte Zeit hinausgegangen, entwertet; bhavati – wird.
Prosastelle 4.39 – Wiederholte persönliche Unterweisung
asakṛtkarṇamupadiśet |
Dem Ohr des Schülers soll sie jedoch mehr als einmal persönlich anvertraut werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: asakṛt – mehr als einmal, wiederholt; karṇam – dem Ohr, ins Ohr; upadiśet – soll er lehren beziehungsweise anvertrauen.
Prosastelle 4.40 – Lehrer und Schüler verwirklichen Purusha
etatkurvāṇo'dhyetādhyāpakaśca iha janmani puruṣo
bhavatītyupaniṣat ||
Wer dies vollzieht – der Lernende ebenso wie der Lehrende – verwirklicht noch in diesem Leben den Purusha. So lautet die Upanishad.
Wort-für-Wort-Erläuterung: etat kurvāṇaḥ – wer dies vollzieht; adhyetā – der Studierende; adhyāpakaḥ ca – und der Lehrende; iha janmani – in diesem Leben; puruṣaḥ bhavati – verwirklicht den Purusha, wird zum Purusha; iti upaniṣat – so lautet die Upanishad.
Abschluss
Abschließendes Shanti Mantra der Mudgala Upanishad
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā mano me vāci pratiṣṭhitamāvirāvīrma edhi ||
vedasya ma āṇīsthaḥ śrutaṃ me mā prahāsīranenādhītenāhorātrānsandadhāmyṛtaṃ vadiṣyāmi satyaṃ vadiṣyāmi ||
tanmāmavatu tadvaktāramavatu avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Möge meine Rede in meinem Geist gegründet sein und mein Geist in meiner Rede. O Selbstleuchtender, werde mir offenbar, werde offenbar. Seid mir beide Träger des Veda. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tag und Nacht. Ich werde das der kosmischen Ordnung Entsprechende sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge Jenes mich schützen; möge Jenes den Sprecher schützen. Möge es mich schützen, möge es den Sprecher schützen, möge es den Sprecher schützen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; vāk me manasi pratiṣṭhitā – meine Rede sei im Geist gegründet; manaḥ me vāci pratiṣṭhitam – mein Geist sei in der Rede gegründet; āviḥ āviḥ me edhi – werde mir offenbar; vedasya me āṇīsthaḥ – seid mir Träger des Veda; śrutam me mā prahāsīḥ – möge das Gehörte mich nicht verlassen; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān sandadhāmi – ich verbinde Tag und Nacht; ṛtam vadiṣyāmi – ich werde das Rechte sprechen; satyam vadiṣyāmi – ich werde Wahrheit sprechen; tat mām avatu – möge Jenes mich schützen; tat vaktāram avatu – möge Jenes den Sprecher schützen; śāntiḥ – Frieden.
Kolophon der Mudgala Upanishad
iti mudgalopaniṣatsamāptā ||
Damit ist die Mudgala Upanishad beendet.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, damit; mudgala-upaniṣat – die Mudgala Upanishad; samāptā – beendet, vollendet.
Mudgala Upanishad: Datierung, Überlieferung, Inhalt und Bedeutung
Name, Einordnung und Aufbau
Der Name der Schrift erinnert an den vedischen Rishi Mudgala. Die erhaltene Upanishad ist jedoch keine einfache Fortsetzung eines einzelnen ihm zugeschriebenen Rigveda-Hymnus. Sie ist eine spätere Auslegung des Purusha Sukta und verbindet vedische Opferbilder mit vaishnavitischer Kosmologie und upanishadischer Selbsterkenntnis.
Die Muktika-Tradition ordnet sie dem Rigveda zu und führt sie als Nummer 57. Die hier verwendete Sanskritfassung besitzt vier Khandas. Nur der erste besteht aus neun fortlaufend nummerierten Versen; die übrigen Teile sind überwiegend Prosa. Die Zahlen 2 und 3 am Ende späterer Abschnitte bezeichnen daher Khanda-Abschlüsse und keine zusätzlichen Einzelverse.
Datierung und Überlieferung
Autor und genaue Entstehungszeit sind unbekannt. Wortschatz, systematische Vaishnava-Theologie und die Lehre von der vierfachen Entfaltung Narayanas sprechen für eine nachvedische, wahrscheinlich mittelalterliche Redaktion. Jan Gonda behandelte die Schrift als späte Upanishad; andere Darstellungen betonen, dass sie ältere vedische Motive mit einer frühen vaishnavitischen Deutung verbindet. Diese Aussagen lassen sich verbinden: Der verwendete Hymnus ist alt, seine erhaltene upanishadische Auslegung deutlich jünger.
Elektronische Ausgaben enthalten einzelne schwierige oder offenbar gestörte Wortfolgen. In diesem Artikel werden sie nicht stillschweigend geglättet. Bei yo'ya muktaḥ, priyātma… und vedijanmahānāt werden die plausibelste Bedeutung und die textliche Unsicherheit nebeneinandergestellt. Eine kritische Edition auf breiter Handschriftengrundlage kann dadurch nicht ersetzt werden.
Der erste Khanda: Auslegung des Purusha Sukta
Die ersten neun Verse sind eine knappe Leseanleitung. „Tausend Köpfe“ meint nicht eine arithmetische Zahl, sondern Unendlichkeit. Die „zehn Fingerbreiten“, um die der Purusha die Welt überragt, werden als Unermesslichkeit gedeutet. Die aufeinanderfolgenden Verse des Purusha Sukta zeigen nach der Mudgala Upanishad Vishnus Allgegenwart in Raum und Zeit, seine befreiende Kraft, die vier Vyuhas, die Entstehung von Prakriti und Purusha sowie das Schöpfungsopfer.
Diese Auslegung ist nicht bloß philologisch. Sie liest den vedischen Hymnus aus dem Blickwinkel einer vaishnavitischen Befreiungslehre. Hari ist nicht nur eine Gottheit innerhalb des Kosmos; er ist der kosmische Purusha, der Ursprung und das innere Selbst aller Wesen.
Der zweite Khanda: Schöpfung als Opfer
Narayana entfaltet sich in vier Viertel. Drei verbleiben im höchsten Himmel; durch das vierte, Aniruddha-Narayana, entstehen die Welten. Diese Lehre steht dem Konzept der vier Vyuhas im Pancharatra nahe. Die Upanishad verbindet sie mit dem Bild des Purusha Sukta, nach dem nur ein Viertel des kosmischen Wesens als sichtbare Welt erscheint.
Aniruddha lehrt Brahma, die Schöpfung als Opfer zu vollziehen. Die Sinne sind Priester, der Körper ist Opfergabe, die Jahreszeiten werden zu Ghee, Brennholz und Essenz. Damit wird der äußere vedische Ritus in den Menschen zurückgenommen. Der Körper ist kein Hindernis, das verachtet werden muss; er wird zum Feld bewusster Darbringung.
Der dritte Khanda: Der Eine unter vielen Namen
Der eine ungeborene Gott tritt in vielen Gestalten hervor. Priester verehren ihn als Agni, Samaveda-Sänger als Saman, Götter als Lebenskraft, Menschen als Reichtum, Ahnen als Svadha und Gandharvas als Schönheit. Die Aufzählung sagt nicht, dass alle Vorstellungen in jeder Hinsicht gleich sind. Sie zeigt vielmehr, dass jede Verehrung ihren Gegenstand durch einen bestimmten Erfahrungs- und Lebenshorizont erfasst.
Der Schlüssel lautet: Der Mensch wird dem ähnlich, worauf er sich beständig ausrichtet. Darum mündet der Abschnitt in die Meditation: „Ich bin das höchste Brahman in der Gestalt des Purusha.“ Gemeint ist nicht die Selbstvergötterung der Persönlichkeit. Das begrenzte Ich soll erkennen, dass sein wahrer Grund nicht von dem universalen Bewusstsein getrennt ist.
Der vierte Khanda: Unterscheidung des Selbst von seinen Hüllen
Die Schrift ordnet die menschliche Erfahrung in Gruppen: drei Leiden, sechs körperliche Schichten, sechs innere Feinde, fünf Koshas, sechs Veränderungen, sechs Wogen und sechs Täuschungen sozialer Identität. Solche Listen dienen Viveka, der Unterscheidung. Alles Beobachtbare verändert sich; Brahman ist nicht auf Haut, Körper, Hunger, Alter, Rolle, Herkunft oder Gemütsbewegung zu reduzieren.
Gerade die Liste von Familie, Abstammung, Jati, Varna, Ashrama und äußerer Gestalt ist philosophisch bedeutsam. Die Upanishad nennt diese Identitäten bhrama, Täuschungen, sofern man sie für das wahre Selbst hält. Damit liefert sie einen inneren Maßstab, an dem auch historisch bedingte soziale Vorschriften des Textes geprüft werden können.

Fruchtverheißungen und historische Ethik
Der Schluss nennt Gesundheit, Wohlstand, Nachkommenschaft und Läuterung von einer Reihe schwerer Verfehlungen. Einige davon werden in drastischer Sprache aufgezählt. Die Passage darf nicht so missverstanden werden, als mache Rezitation begangenes Unrecht folgenlos. In einer verantwortlichen heutigen Lesart bedeutet Läuterung auch Einsicht, Reue, Wiedergutmachung und eine wirkliche Änderung des Handelns.
Ebenso spiegeln die Regeln, wem der Text gelehrt werden dürfe, einen historischen Guru-Schüler- und Initiationskontext. Ihr bleibender Kern liegt in Sorgfalt, Reife, ethischer Vorbereitung, Vertraulichkeit und der persönlichen Verantwortung des Lehrenden – nicht in der pauschalen Abwertung Außenstehender.
Bedeutung für moderne Aspiranten und Yogalehrende
Für heutige Aspiranten bietet die Mudgala Upanishad drei starke Übungen: die kontemplative Lektüre des Purusha Sukta, die Umwandlung alltäglichen Handelns in ein inneres Opfer und die Unterscheidung des Selbst von Körper, Emotion, sozialer Rolle und vergänglichen Lebensphasen. Wer isst, atmet, arbeitet und dient, kann jede Tätigkeit innerlich Narayana darbringen.
Für Yogalehrende ist die Schrift ein Beispiel dafür, wie Veda, Bhakti und Vedanta ineinandergreifen. Sie sollte weder als rein nichtdual noch als bloß sektarisch gelesen werden. Ihr eigener Reichtum besteht gerade darin, den persönlichen Narayana, den kosmischen Purusha und das innerste Brahman zusammenzuschauen. Diese Verbindung kann Unterricht und Praxis vertiefen, wenn textliche Unsicherheiten offen benannt und traditionelle Wirkungsversprechen nicht als medizinische oder naturwissenschaftliche Tatsachen ausgegeben werden.
Mudgala Upanishad – vollständiger Text in Devanagari
श्रीमत्पुरुषसूक्तार्थं पूर्णानन्दकलेवरम् ।
पुरुषोत्तमविख्यातं पूर्णं ब्रह्म भवाम्यहम् ॥
ॐ वाङ् मे मनसि प्रतिष्ठिता मनो मे वाचि प्रतिष्ठितमाविरावीर्म एधि ॥
वेदस्य म आणीस्थः । श्रुतं मे मा प्रहासीरनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधाम्यृतं वदिष्यामि सत्यं वदिष्यामि ॥
तन्मामवतु तद्वक्तारमवतु अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥
ॐ पुरुषसूक्तार्थनिर्णयं व्याख्यास्यामः
पुरुषसंहितायां पुरुषसूक्तार्थः संग्रहेण प्रोच्यते ।
सहस्रशीर्षेत्यत्र सशब्दोऽनन्तवाचकः ।
अनन्तयोजनं प्राह दशाङ्गुलवचस्तथा ॥ १ ॥
तस्य प्रथमया विष्णोर्देशतो व्याप्तिरीरिता ।
द्वितीयया चास्य विष्णोः कालतो व्याप्तिरुच्यते ॥ २ ॥
विष्णोर्मोक्षप्रदत्वं च कथितं तु तृतीयया ।
एतावानिति मन्त्रेण वैभवं कथितं हरेः ॥ ३ ॥
एतेनैव च मन्त्रेण चतुर्व्यूहो विभाषितः ।
त्रिपादित्यनया प्रोक्तमनिरुद्धस्य वैभवम् ॥ ४ ॥
तस्माद्विराडित्यनया पादनारायणाद्धरेः ।
प्रकृतेः पुरुषस्यापि समुत्पत्तिः प्रदर्शिता ॥ ५ ॥
यत्पुरुषेणेत्यनया सृष्टियज्ञः समीरितः ।
सप्तास्यासन्परिधयः समिधश्च समीरिताः ॥ ६ ॥
तं यज्ञमिति मन्त्रेण सृष्टियज्ञः समीरितः ।
अनेनैव च मन्त्रेण मोक्षश्च समुदीरितः ॥ ७ ॥
तस्मादिति च मन्त्रेण जगत्सृष्टिः समीरिता ।
वेदाहमिति मन्त्राभ्यां वैभवं कथितं हरेः ॥ ८ ॥
यज्ञेनेत्युपसंहारः सृष्टेर्मोक्षस्य चेरितः ।
य एवमेतज्जानाति स हि मुक्तो भवेदिति ॥ ९ ॥ १॥
अथ तथा मुद्गलोपनिषदि पुरुषसूक्तस्य वैभवं
विस्तरेण प्रतिपादितम् । वासुदेव इन्द्राय भगवज्ज्ञानमुपदिश्य
पुनरपि सूक्ष्मश्रवणाय प्रणतायेन्द्राय परमरहस्यभूतं
पुरुषसूक्ताभ्यां खण्डद्वयाभ्यामुपादिशत् ।
द्वौ खण्डावुच्येते ।
योऽय मुक्तः स पुरुषो नामरूपज्ञानागोचरं संसारिणामतिदुर्ज्ञेयं
विषयं विहाय क्लेशादिभिः संक्लिष्टदेवादिजिहीर्षया
सहस्रकलावयवकल्याणं दृष्टमात्रेण मोक्षदं वेषमाददे ।
तेन वेषेण भूम्यादिलोकं व्याप्यानन्तयोजनमत्यतिष्ठत् ।
पुरुषो नारायणो भूतं भव्यं भविष्यच्चासीत् ।
स च सर्वस्मान्महिम्नो ज्यायान् ।
तस्मान्न कोऽपि ज्यायान् ।
महापुरुष आत्मानं चतुर्धा कृत्वा त्रिपादेन परमे व्योम्नि चासीत् ।
इतरेण चतुर्थेनानिरुद्धनारायणेन विश्वान्यासन् ।
स च पादनारायणो जगत्स्रष्टुं प्रकृतिमजनयत् ।
स समृद्धकायः सन्सृष्टिकर्म न जज्ञिवान् ।
सोऽनिरुद्धनारायणस्तस्मै सृष्टिमुपादिशत् ।
ब्रह्मंस्तवेन्द्रियाणि याजकानि ध्यात्वा कोशभूतं
दृढं ग्रन्थिकलेवरं हविर्ध्यात्वा मां हविर्भुजं
ध्यात्वा वसन्तकालमाज्यं ध्यात्वा ग्रीष्ममिध्मं
ध्यात्वा शरदृतुं रसं ध्यात्वैवमग्नौ हुत्वाङ्गस्पर्शात्कलेवरो वज्रं हीष्यते ।
ततः स्वकार्यान्सर्वप्राणिजीवान्सृष्ट्वा पश्वाद्याः प्रादुर्भविष्यन्ति ।
ततः स्थावरजङ्गमात्मकं जगद्भविष्यति ।
एतेन जीवात्मनोर्योगेन मोक्षप्रकारश्च कथित इत्यनुसन्धेयम् ।
य इमं सृष्टियज्ञं जानाति मोक्षप्रकारं च
सर्वमायुरेति ॥ २ ॥
एको देवो बहुधा निविष्ट अजायमानो बहुधा विजायते ।
तमेतमग्निरित्यध्वर्यव उपासते ।
यजुरित्येष हीदं सर्वं युनक्ति ।
सामेति छन्दोगाः ।
एतस्मिन्हीदं सर्वं प्रतिष्ठितम् ।
विषमिति सर्पाः ।
सर्प इति सर्पविदः ।
ऊर्गिति देवाः ।
रयिरिति मनुष्याः ।
मायेत्यसुराः ।
स्वधेति पितरः ।
देवजन इति देवजनविदः ।
रूपमिति गन्धर्वाः ।
गन्धर्व इति अप्सरसः ।
तं यथायथोपासते तथैव भवति ।
तस्माद्ब्राह्मणः पुरुषरूपं परंब्रह्मैवाहमिति भावयेत् ।
तद्रूपो भवति ।
य एवं वेद ॥ ३ ॥
तद्ब्रह्म तापत्रयातीतं षट्कोशविनिर्मुक्तं षडूर्मिवर्जितं
पञ्चकोशातीतं षड्भावविकारशून्यमेवमादिसर्वविलक्षणं भवति ।
तापत्रयं त्वाध्यात्मिकाधिभौतिकाधिदैविकं कर्तृकर्मकार्यज्ञातृज्ञानज्ञेयभोक्तृभोगभोग्यमिति त्रिविधम् ।
त्वङ्मांसशोणितास्थिस्नायुमज्जाः षट्कोशाः ।
कामक्रोधलोभमोहमदमात्सर्यमित्यरिषड्वर्गः ।
अन्नमयप्राणमयमनोमयविज्ञानमयानन्दमया इति पञ्चकोशाः ।
प्रियात्मजननवर्धनपरिणामक्षयनाशाः षड्भावाः ।
अशनायापिपासाशोकमोहजरामरणानीति षडूर्मयः ।
कुलगोत्रजातिवर्णाश्रमरूपाणि षड् भ्रमाः ।
एतद्योगेन परमपुरुषो जीवो भवति नान्यः ।
य एतदुपनिषदं नित्यमधीते सोऽग्निपूतो भवति ।
स वायुपूतो भवति ।
स आदित्यपूतो भवति ।
अरोगी भवति ।
श्रीमांश्च भवति ।
पुत्रपौत्रादिभिः समृद्धो भवति ।
विद्वांश्च भवति ।
महापातकात्पूतो भवति ।
सुरापानात्पूतो भवति ।
अगम्यागमनात्पूतो भवति ।
मातृगमनात्पूतो भवति ।
दुहितृस्नुषाभिगमनात्पूतो भवति ।
स्वर्णस्तेयात्पूतो भवति ।
वेदिजन्महानात्पूतो भवति ।
गुरोरशुश्रूषणात्पूतो भवति ।
अयाज्ययाजनात्पूतो भवति ।
अभक्ष्यभक्षणात्पूतो भवति ।
उग्रप्रतिग्रहात्पूतो भवति ।
परदारगमनात्पूतो भवति ।
कामक्रोधलोभमोहेर्ष्यादिभिरबाधितो भवति ।
सर्वेभ्यः पापेभ्यो मुक्तो भवति ।
इह जन्मनि पुरुषो भवति
तस्मादेतत्पुरुषसूक्तार्थमतिरहस्यं राजगुह्यं देवगुह्यं गुह्यादपि
गुह्यतरं नादीक्षितायोपदिशेत् ।
नानूचानाय । नायज्ञशीलाय । नावैष्णवाय ।
नायोगिने । न बहुभाषिणे । नाप्रियवादिने ।
नासंवत्सरवेदिने । नातुष्टाय । नानधीतवेदायोपदिशेत् ।
गुरुरप्येवंविच्छुचौ देशे पुण्यनक्षत्रे
प्राणानायम्य पुरुषं ध्यायन्नुपसन्नाय
शिष्याय दक्षिणकर्णे पुरुषसूक्तार्थमुपदिशेद्विद्वान् ।
न बहुशो वदेत् ।
यातयामो भवति ।
असकृत्कर्णमुपदिशेत् ।
एतत्कुर्वाणोऽध्येताध्यापकश्च इह जन्मनि पुरुषो
भवतीत्युपनिषत् ॥
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता मनो मे वाचि प्रतिष्ठितमाविरावीर्म एधि ॥
वेदस्य म आणीस्थः श्रुतं मे मा प्रहासीरनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधाम्यृतं वदिष्यामि सत्यं वदिष्यामि ॥
तन्मामवतु तद्वक्तारमवतु अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
इति मुद्गलोपनिषत्समाप्ता ॥
Mudgala Upanishad – vollständiger Text in IAST
śrīmatpuruṣasūktārthaṃ pūrṇānandakalevaram |
puruṣottamavikhyātaṃ pūrṇaṃ brahma bhavāmyaham ||
oṃ vāṅ me manasi pratiṣṭhitā mano me vāci pratiṣṭhitamāvirāvīrma edhi ||
vedasya ma āṇīsthaḥ | śrutaṃ me mā prahāsīranenādhītenāhorātrānsandadhāmyṛtaṃ vadiṣyāmi satyaṃ vadiṣyāmi ||
tanmāmavatu tadvaktāramavatu avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
oṃ puruṣasūktārthanirṇayaṃ vyākhyāsyāmaḥ
puruṣasaṃhitāyāṃ puruṣasūktārthaḥ saṃgraheṇa procyate |
sahasraśīrṣetyatra saśabdo'nantavācakaḥ |
anantayojanaṃ prāha daśāṅgulavacastathā || 1 ||
tasya prathamayā viṣṇordeśato vyāptirīritā |
dvitīyayā cāsya viṣṇoḥ kālato vyāptirucyate || 2 ||
viṣṇormokṣapradatvaṃ ca kathitaṃ tu tṛtīyayā |
etāvāniti mantreṇa vaibhavaṃ kathitaṃ hareḥ || 3 ||
etenaiva ca mantreṇa caturvyūho vibhāṣitaḥ |
tripādityanayā proktamaniruddhasya vaibhavam || 4 ||
tasmādvirāḍityanayā pādanārāyaṇāddhareḥ |
prakṛteḥ puruṣasyāpi samutpattiḥ pradarśitā || 5 ||
yatpuruṣeṇetyanayā sṛṣṭiyajñaḥ samīritaḥ |
saptāsyāsanparidhayaḥ samidhaśca samīritāḥ || 6 ||
taṃ yajñamiti mantreṇa sṛṣṭiyajñaḥ samīritaḥ |
anenaiva ca mantreṇa mokṣaśca samudīritaḥ || 7 ||
tasmāditi ca mantreṇa jagatsṛṣṭiḥ samīritā |
vedāhamiti mantrābhyāṃ vaibhavaṃ kathitaṃ hareḥ || 8 ||
yajñenetyupasaṃhāraḥ sṛṣṭermokṣasya ceritaḥ |
ya evametajjānāti sa hi mukto bhavediti || 9 || 1 ||
atha tathā mudgalopaniṣadi puruṣasūktasya vaibhavaṃ
vistareṇa pratipāditam | vāsudeva indrāya bhagavajjñānamupadiśya
punarapi sūkṣmaśravaṇāya praṇatāyendrāya paramarahasyabhūtaṃ
puruṣasūktābhyāṃ khaṇḍadvayābhyāmupādiśat |
dvau khaṇḍāvucyete |
yo'ya muktaḥ sa puruṣo nāmarūpajñānāgocaraṃ saṃsāriṇāmatidurjñeyaṃ
viṣayaṃ vihāya kleśādibhiḥ saṃkliṣṭadevādijihīrṣayā
sahasrakalāvayavakalyāṇaṃ dṛṣṭamātreṇa mokṣadaṃ veṣamādade |
tena veṣeṇa bhūmyādilokaṃ vyāpyānantayojanamatyatiṣṭhat |
puruṣo nārāyaṇo bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyaccāsīt |
sa ca sarvasmānmahimno jyāyān |
tasmānna ko'pi jyāyān |
mahāpuruṣa ātmānaṃ caturdhā kṛtvā tripādena parame vyomni cāsīt |
itareṇa caturthenāniruddhanārāyaṇena viśvānyāsan |
sa ca pādanārāyaṇo jagatsraṣṭuṃ prakṛtimajanayat |
sa samṛddhakāyaḥ sansṛṣṭikarma na jajñivān |
so'niruddhanārāyaṇastasmai sṛṣṭimupādiśat |
brahmaṃstavendriyāṇi yājakāni dhyātvā kośabhūtaṃ
dṛḍhaṃ granthikalevaraṃ havirdhyātvā māṃ havirbhujaṃ
dhyātvā vasantakālamājyaṃ dhyātvā grīṣmamidhmaṃ
dhyātvā śaradṛtuṃ rasaṃ dhyātvaivamagnau hutvāṅgasparśātkalevaro vajraṃ hīṣyate |
tataḥ svakāryānsarvaprāṇijīvānsṛṣṭvā paśvādyāḥ prādurbhaviṣyanti |
tataḥ sthāvarajaṅgamātmakaṃ jagadbhaviṣyati |
etena jīvātmanoryogena mokṣaprakāraśca kathita ityanusandheyam |
ya imaṃ sṛṣṭiyajñaṃ jānāti mokṣaprakāraṃ ca
sarvamāyureti || 2 ||
eko devo bahudhā niviṣṭa ajāyamāno bahudhā vijāyate |
tametamagnirityadhvaryava upāsate |
yajurityeṣa hīdaṃ sarvaṃ yunakti |
sāmeti chandogāḥ |
etasminhīdaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitam |
viṣamiti sarpāḥ |
sarpa iti sarpavidaḥ |
ūrgiti devāḥ |
rayiriti manuṣyāḥ |
māyetyasurāḥ |
svadheti pitaraḥ |
devajana iti devajanavidaḥ |
rūpamiti gandharvāḥ |
gandharva iti apsarasaḥ |
taṃ yathāyathopāsate tathaiva bhavati |
tasmādbrāhmaṇaḥ puruṣarūpaṃ paraṃbrahmaivāhamiti bhāvayet |
tadrūpo bhavati |
ya evaṃ veda || 3 ||
tadbrahma tāpatrayātītaṃ ṣaṭkośavinirmuktaṃ ṣaḍūrmivarjitaṃ
pañcakośātītaṃ ṣaḍbhāvavikāraśūnyamevamādisarvavilakṣaṇaṃ bhavati |
tāpatrayaṃ tvādhyātmikādhibhautikādhidaivikaṃ kartṛkarmakāryajñātṛjñānajñeyabhoktṛbhogabhogyamiti trividham |
tvaṅmāṃsaśoṇitāsthisnāyumajjāḥ ṣaṭkośāḥ |
kāmakrodhalobhamohamadamātsaryamityariṣaḍvargaḥ |
annamayaprāṇamayamanomayavijñānamayānandamayā iti pañcakośāḥ |
priyātmajananavardhanapariṇāmakṣayanāśāḥ ṣaḍbhāvāḥ |
aśanāyāpipāsāśokamohajarāmaraṇānīti ṣaḍūrmayaḥ |
kulagotrajātivarṇāśramarūpāṇi ṣaḍ bhramāḥ |
etadyogena paramapuruṣo jīvo bhavati nānyaḥ |
ya etadupaniṣadaṃ nityamadhīte so'gnipūto bhavati |
sa vāyupūto bhavati |
sa ādityapūto bhavati |
arogī bhavati |
śrīmāṃśca bhavati |
putrapautrādibhiḥ samṛddho bhavati |
vidvāṃśca bhavati |
mahāpātakātpūto bhavati |
surāpānātpūto bhavati |
agamyāgamanātpūto bhavati |
mātṛgamanātpūto bhavati |
duhitṛsnuṣābhigamanātpūto bhavati |
svarṇasteyātpūto bhavati |
vedijanmahānātpūto bhavati |
guroraśuśrūṣaṇātpūto bhavati |
ayājyayājanātpūto bhavati |
abhakṣyabhakṣaṇātpūto bhavati |
ugrapratigrahātpūto bhavati |
paradāragamanātpūto bhavati |
kāmakrodhalobhamoherṣyādibhirabādhito bhavati |
sarvebhyaḥ pāpebhyo mukto bhavati |
iha janmani puruṣo bhavati
tasmādetatpuruṣasūktārthamatirahasyaṃ rājaguhyaṃ devaguhyaṃ guhyādapi
guhyataraṃ nādīkṣitāyopadiśet |
nānūcānāya | nāyajñaśīlāya | nāvaiṣṇavāya |
nāyogine | na bahubhāṣiṇe | nāpriyavādine |
nāsaṃvatsaravedine | nātuṣṭāya | nānadhītavedāyopadiśet |
gururapyevaṃvicchucau deśe puṇyanakṣatre
prāṇānāyamya puruṣaṃ dhyāyannupasannāya
śiṣyāya dakṣiṇakarṇe puruṣasūktārthamupadiśedvidvān |
na bahuśo vadet |
yātayāmo bhavati |
asakṛtkarṇamupadiśet |
etatkurvāṇo'dhyetādhyāpakaśca iha janmani puruṣo
bhavatītyupaniṣat ||
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā mano me vāci pratiṣṭhitamāvirāvīrma edhi ||
vedasya ma āṇīsthaḥ śrutaṃ me mā prahāsīranenādhītenāhorātrānsandadhāmyṛtaṃ vadiṣyāmi satyaṃ vadiṣyāmi ||
tanmāmavatu tadvaktāramavatu avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti mudgalopaniṣatsamāptā ||
Mudgala Upanishad – vollständige deutsche Übersetzung
Eröffnungsvers der Mudgala Upanishad
Ich werde zu dem vollkommenen Brahman, das als Purushottama, der höchste Purusha, bekannt ist, dessen Leib vollkommene Glückseligkeit ist und dessen Wesen der erhabene Sinn des Purusha Sukta ist.
Eröffnende Anrufung der Mudgala Upanishad
Om. Möge meine Rede in meinem Geist gegründet sein und mein Geist in meiner Rede. O Selbstleuchtender, werde mir offenbar, werde offenbar. Seid mir beide Träger des Veda. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tag und Nacht. Ich werde das der kosmischen Ordnung Entsprechende sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge Jenes mich schützen; möge Jenes den Sprecher schützen. Möge es mich schützen, möge es den Sprecher schützen, möge es den Sprecher schützen.
Prosastelle 1.1 – Ankündigung der Auslegung des Purusha Sukta
Om. Wir werden die Bestimmung des Sinnes des Purusha Sukta darlegen. In der Purusha-Samhita wird dessen Bedeutung zusammenfassend erklärt.
Vers 1.1 Mudgala Upanishad
In dem Ausdruck „tausendköpfig“ bezeichnet das Wort „tausend“ das Unendliche; ebenso besagt die Wendung „zehn Fingerbreiten“, dass seine Ausdehnung unermesslich ist.
Vers 1.2 Mudgala Upanishad
Durch den ersten Vers wird Vishnus alldurchdringende Gegenwart im Raum ausgesagt; durch den zweiten wird seine Durchdringung der Zeit gelehrt.
Vers 1.3 Mudgala Upanishad
Durch den dritten Vers wird erklärt, dass Vishnu Befreiung schenkt; mit dem Mantra, das mit „etāvān“ beginnt, wird Haris Größe verkündet.
Vers 1.4 Mudgala Upanishad
Durch eben dieses Mantra wird auch die Lehre von den vier Vyuhas entfaltet; mit der Wendung „tripād“ wird die Herrlichkeit Aniruddhas verkündet.
Vers 1.5 Mudgala Upanishad
Mit der Aussage „Aus ihm entstand Viraj“ wird gezeigt, dass Prakriti und Purusha aus Hari als dem einen Viertel Narayanas hervorgehen.
Vers 1.6 Mudgala Upanishad
Mit dem Vers „yat puruṣeṇa“ wird das Schöpfungsopfer beschrieben; ebenso werden die sieben Einfassungen des Opferfeuers und die Brennhölzer genannt.
Vers 1.7 Mudgala Upanishad
Durch das Mantra „taṃ yajñam“ wird das Schöpfungsopfer erklärt; durch eben dieses Mantra wird auch die Befreiung ausgesprochen.
Vers 1.8 Mudgala Upanishad
Durch das Mantra, das mit „tasmāt“ beginnt, wird die Schöpfung der Welt erklärt; durch die beiden Mantras, die mit „vedāham“ beginnen, wird Haris Herrlichkeit verkündet.
Vers 1.9 Mudgala Upanishad
Mit dem Vers, der mit „yajñena“ beginnt, wird die Lehre von Schöpfung und Befreiung zusammengefasst. Wer dies auf diese Weise erkennt, wird wahrhaftig befreit. Damit endet der erste Khanda.
Prosastelle 2.1 – Vasudevas geheime Belehrung Indras
So wurde in der Mudgala Upanishad die Größe des Purusha Sukta ausführlich dargelegt. Nachdem Vasudeva Indra die Erkenntnis des Erhabenen gelehrt hatte, unterwies er den demütig gewordenen Indra für ein noch tieferes Hören erneut in dem höchsten Geheimnis, und zwar anhand zweier Abschnitte über das Purusha Sukta.
Prosastelle 2.2 – Ankündigung zweier Abschnitte
Nun werden zwei Abschnitte gelehrt.
Prosastelle 2.3 – Der Purusha nimmt eine sichtbare Gestalt an
Der so bezeichnete Purusha verließ den Bereich, der jenseits der Erkenntnis durch Name und Form liegt und für die im Samsara Lebenden äußerst schwer zu erfassen ist. Aus dem Wunsch, die von Leiden bedrängten Götter und anderen Wesen emporzuheben, nahm er eine glückverheißende Gestalt aus tausend Teilen an, die schon durch ihr Schauen Befreiung schenkt.
Prosastelle 2.4 – Durchdringung und Überschreitung der Welten
Mit dieser Gestalt durchdrang er die Welten, beginnend mit der Erde, und ragte unermesslich weit über sie hinaus.
Prosastelle 2.5 – Narayana als alle Zeit
Der Purusha Narayana war das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige.
Prosastelle 2.6 – Größe über alle Größe
Er ist größer als jede Größe.
Prosastelle 2.7 – Niemand ist größer
Darum ist niemand größer als er.
Prosastelle 2.8 – Die vierfache Entfaltung
Der Mahapurusha entfaltete sich vierfach und verblieb mit drei Vierteln im höchsten Himmel.
Prosastelle 2.9 – Die Welten aus Aniruddha-Narayana
Durch das andere, vierte Viertel – Aniruddha-Narayana – entstanden die Welten.
Prosastelle 2.10 – Entstehung der Prakriti
Dieser Narayana des einen Viertels brachte Prakriti hervor, um die Welt zu erschaffen.
Prosastelle 2.11 – Unkenntnis des Schöpfungswerkes
Obwohl er eine voll entfaltete Gestalt besaß, kannte er das Werk der Schöpfung noch nicht.
Prosastelle 2.12 – Aniruddhas Schöpfungslehre
Da lehrte Aniruddha-Narayana ihn die Schöpfung.
Prosastelle 2.13 – Der Körper als inneres Opfer
„O Brahma, meditiere deine Sinne als Opferpriester, den festen, aus Hüllen und Knoten gebildeten Leib als Opfergabe und mich als den Empfänger der Gabe. Betrachte den Frühling als Schmelzbutter, den Sommer als Brennholz und den Herbst als nährende Essenz. Wenn du so im Feuer opferst, wird der Leib durch die Berührung seiner Glieder fest wie ein Diamant.“
Prosastelle 2.14 – Entstehung der Lebewesen
Nachdem er daraufhin alle lebenden Wesen als seine Wirkungen erschaffen hat, treten Tiere und die übrigen Geschöpfe hervor.
Prosastelle 2.15 – Bewegliche und unbewegliche Welt
So entsteht die Welt aus unbeweglichen und beweglichen Wesen.
Prosastelle 2.16 – Vereinigung von Jiva und Atman
Darin ist zugleich die Weise der Befreiung durch die Vereinigung von Jiva und Atman gelehrt – so soll man darüber nachsinnen.
Prosastelle 2.17 – Frucht der Erkenntnis des Schöpfungsopfers
Wer dieses Schöpfungsopfer und die Weise der Befreiung erkennt, erreicht die Fülle seiner Lebenszeit. Damit endet der zweite Khanda.
Prosastelle 3.1 – Der eine Gott in vielen Formen
Der eine Gott ist in viele Formen eingegangen; obwohl ungeboren, erscheint er als vielfach geboren.
Prosastelle 3.2 – Verehrung als Agni
Die Adhvaryu-Priester verehren eben diesen als Agni.
Prosastelle 3.3 – Verehrung als Yajus
Er gilt als Yajus, denn er verbindet wahrhaftig dies alles.
Prosastelle 3.4 – Verehrung als Saman
Die Sänger des Samaveda verehren ihn als Saman.
Prosastelle 3.5 – Alles ruht in ihm
Denn in ihm ist dies alles gegründet.
Prosastelle 3.6 – Die Schlangen verehren ihn als Gift
Die Schlangenwesen verehren ihn als Gift.
Prosastelle 3.7 – Die Schlangenkundigen verehren ihn als Schlange
Die Kenner der Schlangen verehren ihn als Schlange.
Prosastelle 3.8 – Die Götter verehren ihn als Lebenskraft
Die Götter verehren ihn als nährende Lebenskraft.
Prosastelle 3.9 – Die Menschen verehren ihn als Fülle
Die Menschen verehren ihn als Reichtum und Fülle.
Prosastelle 3.10 – Die Asuras verehren ihn als Maya
Die Asuras verehren ihn als Maya, die Macht der Erscheinung.
Prosastelle 3.11 – Die Ahnen verehren ihn als Svadha
Die Ahnen verehren ihn als Svadha, die ihnen geweihte Opfergabe.
Prosastelle 3.12 – Verehrung als göttliches Wesen
Die Kenner der göttlichen Wesen verehren ihn als göttliches Wesen.
Prosastelle 3.13 – Die Gandharvas verehren ihn als Schönheit
Die Gandharvas verehren ihn als Schönheit und Gestalt.
Prosastelle 3.14 – Die Apsaras verehren ihn als Gandharva
Die Apsaras verehren ihn als Gandharva.
Prosastelle 3.15 – Der Mensch wird seiner Verehrung gemäß
In welcher Weise man ihn jeweils verehrt, eben dieser Weise entsprechend wird man.
Prosastelle 3.16 – Meditation „Ich bin das höchste Brahman“
Darum soll ein Erkennender meditieren: „Ich bin wahrhaftig das höchste Brahman in der Gestalt des Purusha.“
Prosastelle 3.17 – Verwandlung in das Meditierte
Er wird dieser Wirklichkeit gleichgestaltet.
Prosastelle 3.18 – Abschluss des dritten Khanda
So geschieht es dem, der dies erkennt. Damit endet der dritte Khanda.
Prosastelle 4.1 – Brahman jenseits aller begrenzenden Schichten
Dieses Brahman ist jenseits der drei Leiden, frei von den sechs körperlichen Schichten, unberührt von den sechs Wogen, jenseits der fünf Koshas und leer von den sechs Veränderungen des Werdens. So unterscheidet es sich von allen begrenzenden Merkmalen.
Prosastelle 4.2 – Drei Leiden und weitere Dreiheiten
Die drei Leiden sind das auf den eigenen Körper und Geist bezogene, das von anderen Wesen verursachte und das von übergeordneten Natur- oder Schicksalsmächten verursachte Leiden. Auch die Erfahrungswelt erscheint in Dreiheiten: Handelnder, Handlung und Ergebnis; Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes; Genießender, Genuss und Gegenstand des Genusses.
Prosastelle 4.3 – Die sechs körperlichen Schichten
Haut, Fleisch, Blut, Knochen, Sehnen und Knochenmark sind die sechs körperlichen Schichten.
Prosastelle 4.4 – Die sechs inneren Feinde
Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut und Neid bilden die Gruppe der sechs inneren Feinde.
Prosastelle 4.5 – Die fünf Koshas
Annamaya, Pranamaya, Manomaya, Vijnanamaya und Anandamaya heißen die fünf Koshas: Nahrungs-, Energie-, Geist-, Erkenntnis- und Glückseligkeitshülle.
Prosastelle 4.6 – Die sechs Veränderungen des Daseins
Die überlieferte Wortfolge bezeichnet die sechs Veränderungen des bedingten Daseins: Bestehen, Geborenwerden, Wachstum, Umwandlung, Abnahme und Untergang. Die elektronische Sanskritfassung bietet für das erste Glied die schwierige Lesart „priyātma“.
Prosastelle 4.7 – Die sechs Wogen
Hunger, Durst, Kummer, Verblendung, Alter und Tod sind die sechs Wogen, die das verkörperte Dasein bewegen.
Prosastelle 4.8 – Die sechs Täuschungen der Identität
Familie, Abstammungslinie, Geburt beziehungsweise soziale Gruppe, Varna, Lebensstadium und äußere Gestalt sind sechs Täuschungen, wenn sie für das wahre Selbst gehalten werden.
Prosastelle 4.9 – Jiva und höchster Purusha
Durch diese Einheit wird erkannt: Der Jiva ist der höchste Purusha und kein anderer.
Prosastelle 4.10 – Läuterung durch Feuer
Wer diese Upanishad beständig studiert, wird – so die traditionelle Verheißung – wie durch Feuer geläutert.
Prosastelle 4.11 – Läuterung durch den Wind
Er wird wie durch den Wind geläutert.
Prosastelle 4.12 – Läuterung durch die Sonne
Er wird wie durch die Sonne geläutert.
Prosastelle 4.13 – Gesundheit
Er wird frei von Krankheit, verheißt der Text.
Prosastelle 4.14 – Wohlstand
Er wird mit Wohlergehen und Fülle gesegnet.
Prosastelle 4.15 – Gedeihen der Nachkommenschaft
Er wird durch Kinder, Enkel und weitere Nachkommen reich gesegnet.
Prosastelle 4.16 – Gelehrsamkeit
Er wird wissend und gelehrt.
Prosastelle 4.17 – Läuterung von schwerer Verfehlung
Er wird von schwerer Verfehlung geläutert.
Prosastelle 4.18 – Läuterung vom Trinken berauschender Getränke
Er wird von der Verfehlung des Trinkens berauschender Getränke geläutert.
Prosastelle 4.19 – Läuterung von verbotener sexueller Verbindung
Er wird von der Verfehlung einer verbotenen sexuellen Verbindung geläutert.
Prosastelle 4.20 – Läuterung vom Inzest mit der Mutter
Er wird von der schweren Verfehlung des Inzests mit der Mutter geläutert.
Prosastelle 4.21 – Läuterung von Inzest mit Tochter oder Schwiegertochter
Er wird von der schweren Verfehlung einer sexuellen Verbindung mit Tochter oder Schwiegertochter geläutert.
Prosastelle 4.22 – Läuterung von Golddiebstahl
Er wird von der Verfehlung des Golddiebstahls geläutert.
Prosastelle 4.23 – Eine schwierige überlieferte Lesart
Er wird von der in der Vorlage als „Schädigung der vedischen Geburt“ bezeichneten Verfehlung geläutert. Die genaue Lesart und Bedeutung dieser verbunden überlieferten Wortfolge ist unsicher.
Prosastelle 4.24 – Läuterung von unterlassener Gurudienerschaft
Er wird von der Verfehlung geläutert, dem Guru nicht gedient und nicht auf ihn gehört zu haben.
Prosastelle 4.25 – Läuterung von unrechtmäßigem Opfern
Er wird von der Verfehlung geläutert, für eine nach den damaligen Ritualregeln nicht berechtigte Person geopfert zu haben.
Prosastelle 4.26 – Läuterung vom Essen verbotener Speise
Er wird von der Verfehlung geläutert, nach den damaligen Regeln verbotene Nahrung gegessen zu haben.
Prosastelle 4.27 – Läuterung von unzulässiger Annahme
Er wird von der Verfehlung geläutert, eine belastende oder unzulässige Gabe angenommen zu haben.
Prosastelle 4.28 – Läuterung vom Ehebruch
Er wird von der Verfehlung des Ehebruchs geläutert.
Prosastelle 4.29 – Freiheit von inneren Feinden
Er wird nicht mehr von Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Eifersucht und ähnlichen Regungen bedrängt.
Prosastelle 4.30 – Freiheit von allen Verfehlungen
Er wird von allen Verfehlungen frei.
Prosastelle 4.31 – Purusha in diesem Leben
Noch in diesem Leben verwirklicht er den Purusha.
Prosastelle 4.32 – Geheimhaltung gegenüber Uneingeweihten
Darum soll man diese Bedeutung des Purusha Sukta – das überaus tiefe Geheimnis, das königliche und göttliche Geheimnis, geheimer noch als das Geheime – nach traditioneller Vorschrift keinem Uneingeweihten lehren.
Prosastelle 4.33 – Weitere traditionelle Zugangsvoraussetzungen
Man soll sie nicht jemandem lehren, der die überlieferte Lehre nicht studiert hat, keine Opferdisziplin pflegt oder nicht in der vaishnavitischen Hingabe verwurzelt ist.
Prosastelle 4.34 – Anforderungen an Haltung und Rede
Man soll sie nicht einem Nicht-Yogi, nicht einem Vielredner und nicht einem Menschen mit verletzender Rede lehren.
Prosastelle 4.35 – Ausdauer, Zufriedenheit und Vedastudium
Man soll sie nicht jemandem lehren, der nicht wenigstens ein Jahr beständig gelernt hat, der unzufrieden ist oder den Veda nicht studiert hat.
Prosastelle 4.36 – Unterweisung durch den Guru
Ein kundiger Guru soll die Bedeutung des Purusha Sukta an einem reinen Ort und unter einem glückverheißenden Stern lehren. Nachdem er den Atem gesammelt und über den Purusha meditiert hat, spricht er sie dem demütig nahenden Schüler ins rechte Ohr.
Prosastelle 4.37 – Keine gedankenlose Wiederholung
Man soll die geheime Unterweisung nicht wahllos immer wieder aussprechen.
Prosastelle 4.38 – Schutz vor Entwertung
Sonst wird sie „abgestanden“, das heißt durch gedankenlose Wiederholung ihrer Kraft und Würde beraubt.
Prosastelle 4.39 – Wiederholte persönliche Unterweisung
Dem Ohr des Schülers soll sie jedoch mehr als einmal persönlich anvertraut werden.
Prosastelle 4.40 – Lehrer und Schüler verwirklichen Purusha
Wer dies vollzieht – der Lernende ebenso wie der Lehrende – verwirklicht noch in diesem Leben den Purusha. So lautet die Upanishad.
Abschließendes Shanti Mantra der Mudgala Upanishad
Om. Möge meine Rede in meinem Geist gegründet sein und mein Geist in meiner Rede. O Selbstleuchtender, werde mir offenbar, werde offenbar. Seid mir beide Träger des Veda. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tag und Nacht. Ich werde das der kosmischen Ordnung Entsprechende sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge Jenes mich schützen; möge Jenes den Sprecher schützen. Möge es mich schützen, möge es den Sprecher schützen, möge es den Sprecher schützen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Kolophon der Mudgala Upanishad
Damit ist die Mudgala Upanishad beendet.
Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Mudgala Upanishad
1. Lies das Purusha Sukta kontemplativ.
Nimm jeweils einen Vers, lies ihn langsam und frage, wie das Bild des kosmischen Menschen deine Sicht auf Welt und Selbst erweitert.
2. Mache den Alltag zum inneren Opfer.
Widme Essen, Arbeit, Atem und Sinneswahrnehmung dem Göttlichen. Das Opfer besteht dann nicht im Verlust, sondern in der Befreiung vom egoistischen Besitzanspruch.
3. Übe Viveka gegenüber allen Hüllen.
Beobachte Körper, Gefühle, Rollen und Lebensphasen als veränderlich. Verneine sie nicht, aber verwechsle sie nicht mit dem unveränderlichen Selbst.
4. Richte den Geist auf das Höchste aus.
Der Mensch wird dem ähnlich, worüber er beständig meditiert. Pflege deshalb Gedanken, Mantras und Handlungen, die Weite, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl stärken.
5. Verbinde Erkenntnis mit Verantwortung.
Spirituelle Läuterung ersetzt weder Reue noch Wiedergutmachung. Echte Erkenntnis zeigt sich daran, dass schädliches Verhalten abnimmt und heilsames Handeln wächst.
Literatur und Quellen
- Mudgala Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage bei Sanskrit Documents
- Mudgala Upanishad – englische Vergleichsübersetzung von A. G. Krishna Warrier
- Jan Gonda: „The Mudgalopaniṣad“. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde Südasiens, Band 12–13, 1968/1969, S. 101–113.
- Klaus G. Witz: The Supreme Wisdom of the Upaniṣads. Motilal Banarsidass, 1998.
- T. M. P. Mahadevan: Upaniṣads: Selections from 108 Upaniṣads. Motilal Banarsidass.
- Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga
Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Übersetzung und die Wort-für-Wort-Erläuterungen wurden für diesen Artikel neu erarbeitet. Sanskrit-Komposita werden dort, wo eine künstliche Zerlegung den Sinn verdunkeln würde, als vollständige Sinngruppen erklärt. Traditionelle Fruchtverheißungen werden als Aussagen des Quellentextes wiedergegeben und nicht als wissenschaftlich oder medizinisch garantierte Wirkungen verstanden.
Siehe auch
- Vasudeva Upanishad
- Purusha Sukta
- Narayana Upanishad
- Tripadvibhuti-Mahanarayana Upanishad
- Vishnu
- Narayana
- Vedanta
- Bhakti Yoga
- Jnana Yoga
- Upanishaden
Weblinks
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