Kungiliya Kalaya Nayanar

Aus Yogawiki

Kungiliya Kalaya Nayanar (Tamil: குங்கிலியக் கலய நாயனார், Kuṅkiliyak Kalaya Nāyaṉār; auch Kunguliyakkalaya) war ein tamilischer Shiva-Heiliger aus Tirukkadavur, dem heutigen Tirukkadaiyur, und einer der 63 Nayanars. Er wird besonders wegen seiner Weihrauchopfer verehrt: Sein Name bedeutet sinngemäß „Kalaya mit dem Weihrauch“ (tamil. kuṅkiliyam, duftendes Harz). Seine Lebenslegende erzählt von Armut, unerschütterlicher Liebe und einem Shiva-Linga, das sich vor der Hingabe eines Menschen aufrichtete.

Leben eines Heiligen - das Wort Nayanar bezeichnet meist shaivistische Heilige und Dichter aus Tamil Nadu, Indien.

Shiva

Kungiliya Kalaya Nayanar auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Kungiliya Kalaya Nayanar
Tamil குங்கிலியக் கலய நாயனார் (Kuṅkiliyak Kalaya Nāyaṉār)
Bedeutung des Namens „Kalaya mit dem Weihrauch“
Herkunft Tirukkadavur (heute Tirukkadaiyur), Tamil Nadu; brahmanische Familie
Zeit Nicht sicher datierbar; die Überlieferung stellt ihn in die Zeit von Appar und Sambandar (7. Jahrhundert)
Tradition Einer der 63 Nayanars; tamilische Shiva-Bhakti
Bekannt für Tägliche Weihrauchopfer; das Aufrichten des geneigten Lingams in Tiruppanandal
Wichtigste Quelle Sekkizhars Periya Puranam, Verse 836–870

Leben und Hintergrund

Kalaya entstammte nach der Überlieferung einer brahmanischen Familie in Tirukkadavur, dem mit Markandeya verbundenen Shiva-Heiligtum. Tirukkadavur ist das heutige Tirukkadaiyur, wo Shiva als Amritaghateswarar und die Göttin als Abhirami verehrt werden. Sein Name erinnert an das duftende Harz, das er im Tempel darbrachte. Die Tradition stellt ihn in die Nähe von Appar und Sambandar, die er nach der Überlieferung gastfreundlich in seinem Haus aufnahm, als sie Tirukkadavur besuchten. Eine genaue Datierung seiner Lebensjahre ist nicht gesichert. Seine Frau ist eine entscheidende Mitträgerin der Geschichte, auch wenn die Überlieferung ihren Namen nicht in den Vordergrund stellt.

Die Geschichte von Kungiliya Kalaya Nayanar

Kungiliya Kalaya Nayanar wurde in Tirukadavur im Königreich Chola geboren. Der Gott dieses Ortes heißt Amirda Ghateswarar. Einst kamen Devas und Asuras zu diesem Ort mit einem Gefäß voll Nektar; sie wollten ein Bad nehmen. Daher ließen sie das Gefäß auf dem Boden stehen und gingen zum Fluss. Als sie zu der Stelle zurück kamen, konnten sie das Gefäß nicht mehr heben. Der Topf selbst war in einen Lingam verwandelt worden. Daher ist dieser Lingam nun als der Amrita Lingam bekannt geworden. Markandeya verehrte diesen Lingam und wurde ein unsterblicher sechzehnjähriger Junge.

Die weibliche Gottheit an diesem Ort heißt Abhirami Amman. Abhirami Pattar, ein großer Verehrer der (heiligen) Mutter, sang zu ihren Ehren wundervolle Lieder, und die Mutter, die darüber hoch erfreut war, verwandelte den Neumondtag in einen Vollmondtag, um ihn vor dem Zorn des Königs zu schützen.

Kungiliya Kalaya Nayanar gehörte der Brahmanenkaste an. Man gab ihm diesen Namen, da er immer ein Gefäß (ein Gefäß mit Räucherwerk) in den Händen hielt. Er war der Ansicht, dass es die beste Gottesverehrung war, wenn man Gott Räucherwerk darbrachte. Shiva war höchst zufrieden mit Nayanars inniger Hingabe und seiner wundervollen Verehrung. Er wollte diese Hingabe auf die Probe stellen, damit alle den wahren Glanz seiner großen Gottesverehrung sehen könnten.

Durch Shivas Willen verarmte Nayanar plötzlich. Er verkaufte all sein Hab und Gut. Seine Familie hungerte. Doch er opferte Gott immer noch Räucherwerk. Eines Tages dachte seine pflichtbewusste Gattin: ‚Alles ist verkauft. Nur dieses Mangalyam (eine heilige Schnur mit einem Anhänger, die jede verheiratete Frau stets tragen muss, bis ihr Gatte stirbt, und die erst dann abgenommen wird) ist noch übrig. Ich will es meinem Herrn geben, obwohl es kein Glück verheißt, so etwas zu tun.“

Sie nahm das Mangalyam ab und gab es ihrem Gatten, der es froh entgegennahm. Als er zum Markt ging, um es zu verkaufen, erschien Shiva selbst vor ihm in Gestalt eines Straßenhändlers und sagte ihm, er habe sehr gutes Räucherwerk. Kaum war das Wort Räucherwerk ausgesprochen, da vergaß Nayanar sich und seine Aufgabe. Er kaufte rasch Räucherwerk zum Preis des Mangalyams und begab sich zum Tempel, um es Gott zu opfern.

Seine Frau wartete geduldig auf seine Rückkehr und da er auch nach Einbruch der Nacht noch nicht zurück war, brachte sie die Kinder zu Bett und verharrte betend. Gott hatte große Freude an dem edlen Paar. Die treue Frau war bereit, sich sogar von dem heiligsten Schmuck um des Dienstes an ihrem Herrn und Gatten willen zu trennen. Im Kural heißt es: „Regen wird fallen, wenn eine Frau darum bittet, die vom Morgen bis zum Abend keinem anderen Gott dient als ihrem Gatten.“ In jener Nacht erschien Shiva in ihrem Traum und segnete sie mit allen Annehmlichkeiten des Wohlstands.

Sie erwachte aus ihrem Schlaf und war erstaunt, alle Arten von Reichtümern in ihrem Haus zu finden. Sie preiste Gott mit Liedern. Sogleich bereitete sie ein schönes Mahl und wartete auf die Rückkehr ihres Mannes.

Nachdem er Nayanars Frau gesegnet hatte, erschien Shiva dem Nayanar im Tempel und sagte: „Du edle Seele, ich bin unendlich erfreut über deine Hingabe. Deine pflichtbewusste Frau wartet daheim auf dich mit Milch und Speisen. Bitte geh nach Hause.“ Erst da wurde sich Nayanar wieder unserer Welt bewusst! Er kehrte nach Haus zurück und fand sein Heim durch die Gnade Gottes in einen Himmel verwandelt. Auch Shiva Bhaktas hatten sich in großer Zahl im Haus versammelt und alle preisten Gott. Der Nayanar betrachtete den Reichtum, den Gott ihm beschert hatte, als Eigentum der Shiva Bhaktas und diente ihnen.

Einst wollte Nayanar den Tempel von Tiruppanandal besuchen. Die Gottheit dieses Tempels ist Arunasatesar. Thatakai war die Tochter eines Asuras. Sie wünschte sich einen Sohn und verehrte den Shiva Lingam regelmäßig. Eines Tages wollte sie zum Abschluss ihrer Anbetung den Lingam mit einer Girlande bekränzen. Als sie die Girlande mit beiden Händen hochhob, begann ihr Tuch von der Taille zu rutschen. Sie hielt es mit den Ellenbogen fest und konnte daher ihre Hände (und die Girlande) nicht hoch genug heben. Um ihr zu helfen, lehnte sich Gott zu einer Seite und nahm die Girlande entgegen. Viele Menschen versuchten, den Lingam wieder aufzurichten, doch vergebens. Nayanar hörte, dass der König der Gegend darüber bestürzt war und wollte, dass der Lingam wieder aufgerichtet werde. Nayanar wollte dem König helfen. Er band den Lingam mit einem Band (dem Band der Gottesliebe) an seinem Nacken fest und zog sanft daran. Der Lingam richtete sich wieder auf! Devas ließen Blumen vom Himmel regnen. Alle waren verwundert und erkannten Nayanars Größe und seine immense Hingabe zu Gott. Nachdem er weiter Gott Shiva und Seinen Bhaktas gedient hatte, ereichte Nayanar die Göttliche Wohnstätte.

Shiva: Gottesliebe verbindet das heilige Bild mit dem eigenen Leben.

Betrachtungen zur Lebensgeschichte

Die ausführlichste Quelle für Kalayas Leben ist das Periya Puranam von Sekkizhar.[1] Die Fassungen der Geschichte unterscheiden sich in einzelnen Zügen. So erscheint der Händler, der Kalaya das Harz anbietet, in manchen Erzählungen als Shiva selbst, in anderen als gewöhnlicher Kaufmann. Und die Fülle, die das Haus der Familie in der Nacht erfüllt, wird in der Überlieferung oft Kubera zugeschrieben, dem Gott des Reichtums, der auf Shivas Geheiß handelt.

Der Duft, der sein Leben erfüllte

Kalaya hatte einen Dienst gefunden, den er mit ganzem Herzen ausübte. Wenn der Rauch im Heiligtum aufstieg, war dies für ihn eine Gabe seiner Liebe. Der Herr von Tirukkadavur, der in der Markandeya-Legende die Macht des Todes überwindet, war die Zuflucht seines Lebens. Kalaya wollte diese Nähe nicht nur denken; er wollte sie durch seine Hände und durch eine sichtbare Opfergabe ausdrücken.

Der kostbare Tausch

Das Opfer der Frau, die ihren goldenen Eheschmuck, das Tali oder Mangalyam, hergibt, ist ein eigener Verzicht: Sie überließ ihrem Mann etwas, das mit ihrer gemeinsamen Lebensgeschichte verbunden war. Als Kalaya dem Händler mit dem Weihrauch begegnete, traten seine Sorge, seine Armut und sein Bedürfnis nach Sicherheit für einen Augenblick ganz hinter die Liebe zurück.

Die Geschichte bleibt jedoch nicht bei einer hungernden Familie stehen. Der Duft seiner Opfergabe und der Duft einer wieder möglichen Mahlzeit gehören am Ende zusammen. Als Kalaya nach Hause kam, erkannte er die Fülle als Gnade, und sein wiedergewonnener Wohlstand wurde zur Grundlage weiteren Dienens. Die Legende möchte keine Gleichgültigkeit gegenüber Angehörigen lehren; sie führt die gefährdete Familie ausdrücklich in Versorgung und Geborgenheit zurück. In ihrer Bildsprache antwortet die göttliche Fürsorge auf eine Liebe, die sich ganz verschenkt hat.

Das Linga, das sich aufrichtete

Bei der Begebenheit in Tiruppanandal hatte der König mit großer Kraft versucht, das geneigte Shiva Linga aufzurichten. Selbst mächtige Helfer und Zugtiere hatten nichts erreicht. Kalayas Kraft lag in seiner Hingabe: Indem er das Seil an seinem eigenen Hals befestigte, legte er in einer dramatischen Geste sein Leben in Shivas Hand. Noch bevor menschliche Stärke den Ausschlag geben konnte, richtete sich das Linga auf. Das Wunder gehört zur Heiligenlegende; die gefährliche Handlung ist keine nachzuahmende Übung.

Was der aufsteigende Rauch erzählen kann

In einer heutigen geistlichen Betrachtung verbinden sich beide Geschichten durch das Loslassen des Stolzes. Weder Besitz noch königliche Macht können göttliche Nähe erzwingen. Kalayas Gabe ist seine aufrichtige Zuwendung. Auch ein kleines Ritual kann diese Tiefe gewinnen, wenn es nicht mechanisch vollzogen wird. Eine Blume, ein Licht oder ein still gesprochenes Mantra kann zum Ausdruck eines ganzen Herzens werden. Der aufsteigende Duft erinnert daran, dass Liebe sich ausbreitet, ohne etwas festhalten zu müssen.

Spirituelle Bedeutung

Seine Überlieferung verbindet äußere Puja und innere Hingabe. Das Harz ist eine konkrete Gabe; der eigentliche Duft ist die liebevolle Aufmerksamkeit. Für eine verantwortliche heutige Praxis gehören Andacht und Fürsorge für die Familie zusammen. Die Wunderbilder lassen sich als Vertrauen auf Gnade lesen, ohne daraus ein Versprechen auf materiellen Gewinn zu machen.

Wie im biblischen Buch Hiob erzählt die Geschichte von einem Gottesverehrer, dessen Treue durch Verlust und Not geprüft wird und der am Ende reich gesegnet wird. Beide Erzählungen fragen, ob die Liebe zu Gott auch dann besteht, wenn äußere Güter wegfallen.

Werke und weiterführende Texte

Eigene literarische Werke sind für diese Persönlichkeit nicht gesichert überliefert. Die wichtigste ausführliche Quelle ist das von Sekkizhar im 12. Jahrhundert gedichtete Periya Puranam, das zwölfte Buch des Tirumurai. Seine Verse 836–870 erzählen beziehungsweise würdigen diesen Lebensweg.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten

Appar und Sambandar werden in seiner Überlieferung mit gastfreundlicher Aufnahme verbunden. Markandeya teilt mit ihm den heiligen Ort Tirukkadavur, ebenso wie der spätere Dichter Abhirami Bhattar, der dort die Abhirami Antati sang. Pugazhthunai Nayanar kennt in seiner Legende ebenfalls die Not eines Verehrers, dessen täglicher Tempeldienst durch göttliche Hilfe weitergehen kann.

Anregungen für Yoga und Meditation

Eine einfache Opferhandlung kann deinen Yoga vertiefen: Stelle eine Blume an einen würdigen Platz und widme ihre Schönheit dem Göttlichen. In der anschließenden Meditation lass mit jeder Ausatmung ein wenig Anspannung los. Weihrauch ist dafür nicht erforderlich; entscheidend ist die innere Sammlung.

Symbolbild für das Licht der Erkenntnis im Herzen.

Eine Anregung zum Weitertragen

Bringe heute eine kleine Gabe mit großer Aufmerksamkeit dar. Lass die Liebe, die sie ausdrückt, anschließend auch einem Menschen in deinem Alltag zugutekommen.

Videos zur Vertiefung

Diese Videos laden dazu ein, die angesprochenen Themen durch eigene Praxis zu vertiefen.

Satsang "Anekdoten" mit Sukadev - Yoga Vidya Live, 10.06.2023, 20:00 Uhr

Herz-Chakra Segensmeditation

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. ↑ Sekkizhar: Periya Puranam, Verse 836–870 (tamilischer Originaltext, Project Madurai). Die Erzählung folgt der Heiligenüberlieferung; die geistlichen Betrachtungen sind heutige Auslegungen.

Weblinks

Multimedia

Spirituelle Entwicklung: Krankheit und Leiden, Vortrag von Sukadev Meditation: Göttliche Gegenwart

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