Inneres Kula Yaga
Inneres Kula Yaga ist eine geistig vollzogene Form der Kula-Verehrung. Körper, Atem, Sinne und Bewusstsein werden als Ort der göttlichen Gegenwart betrachtet. Der Artikel stützt sich besonders auf Tantraloka 29.4–7 und 29.176–185 und bietet eine heutige, ausdrücklich gekennzeichnete Meditationsliturgie im Anschluss an diese Verse. Ein äußeres Feuer, Alkohol, Tiergaben oder eine sexuelle Paarhandlung sind für diesen Ablauf nicht vorgesehen.

Kula und die Formen seiner Verehrung
Abhinavagupta beschreibt Kula nicht allein als menschliche Familie oder soziale Gemeinschaft. In dem hier maßgeblichen Vers bezeichnet es die Kraft und Freiheit des höchsten Herrn:
Kula als Kraft des höchsten Herrn – 29.4
kulaṃ ca parameśasya śaktiḥ sāmarthyamūrdhvatā |
svātantryamojo vīryaṃ ca piṇḍaḥ saṃviccharīrakam || 4 ||
Übersetzung: Kula ist die Shakti des höchsten Herrn: Vermögen, Erhabenheit, Freiheit, Kraft, Wirkmacht, verdichtete Ganzheit und die Verkörperung von Bewusstsein.
Fundstelle: Tantraloka 29.4, GRETIL, Dateneingabe Jun Takashima.
Die mehrdeutigen Begriffe vīrya und piṇḍa werden hier entsprechend der Aufzählung weit übersetzt.
Anschließend werden sechs Formen der Verehrung unterschieden:
Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
tathātvena samastāni bhāvajātāni paśyataḥ |
dhvastaśaṅkāsamūhasya yāgastādṛśa eva saḥ || 5 ||
tādṛgrūpanirūḍhyarthaṃ manovākkāyavartmanā |
yadyatsamācaredvīraḥ kulayāgaḥ sa sa smṛtaḥ || 6 ||
bahiḥ śaktau yāmale ca dehe prāṇapathe matau |
iti ṣoḍhā kulejyā syātpratibhedaṃ vibhedinī || 7 ||
Übersetzung: Für denjenigen, der alle Erscheinungen als dieses [Kula] sieht und dessen Bündel von Zweifeln aufgelöst ist, hat das Opfer eben diese Natur. Was der Vira mit Geist, Sprache oder Körper vollzieht, um in dieser Wirklichkeit fest zu werden, gilt jeweils als Kula-Yaga. Die Kula-Verehrung besteht in sechs Formen: außen, in der Shakti, im Paar, im Körper, im Weg des Prana und im Geist; jede Form besitzt weitere Unterteilungen.
Fundstelle: Tantraloka 29.5–7, GRETIL.
Diese Lehrverse begründen die Artikelgliederung. Sie geben noch keine komplette Einweihungs- oder Puja-Liturgie vor.
Die innere Verehrung besitzt damit eine ausdrückliche Textgrundlage. Die untenstehende Reihenfolge aus Sitzvorbereitung, Lesung, inneren Gaben und Abschluss ist dennoch eine redaktionelle Zusammenstellung. Sie wird nicht als vollständige historische Paddhati mit allen überlieferungsspezifischen Mantras bezeichnet.
Rein und unrein
Die nichtduale Betrachtung fragt, ob Erscheinungen außerhalb des Bewusstseins und seiner göttlichen Kraft stehen könnten. Sie kann die starre religiöse Abwertung bestimmter Körper, Speisen oder Empfindungen auflösen. Damit verschwinden jedoch nicht die Unterschiede zwischen hilfreichem und schädlichem Handeln. „Alles erscheint im Bewusstsein“ bedeutet nicht „jede Handlung ist gleichgültig“.
Der Körper wird im ausgewählten Quellvers ausdrücklich zum Tempel. Die Gaben werden geistig dargebracht und aus der eigenen Erfahrung gewonnen:
Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
kṛtvādhāradharāṃ camatkṛtirasaprokṣākṣaṇakṣālitāmāttairmānasataḥ svabhāvakusumaiḥ svāmodasandohibhiḥ |
ānandāmṛtanirbharasvahṛdayānarghārghapātrakramāt tvāṃ devyā saha dehadevasadane devārcaye'harniśam || 176 ||
Übersetzung: Nachdem ich den tragenden Grund mit dem Besprengen durch den Saft staunender Bewusstheit gereinigt habe, verehre ich dich, Gott, Tag und Nacht zusammen mit der Göttin im Göttertempel des Körpers: mit geistig aufgenommenen Blumen des eigenen Wesens, die ihren eigenen Wohlgeruch verströmen, und mit der kostbaren Arghya-Schale meines Herzens, die vom Nektar der Freude erfüllt ist.
Fundstelle: Tantraloka 29.176, GRETIL.
Die erste Langzusammensetzung der elektronischen Fassung ist schwierig. Die Übersetzung gibt eine zusammenhängende Lesart wieder; daraus werden keine zusätzlichen äußeren Handlungen abgeleitet.
Vorbereitung
Plane 35 bis 50 Minuten. Ein Stuhl oder Meditationskissen genügt. Ein Bild von Shiva und Shakti sowie eine Blüte können den Beginn markieren, sind jedoch nicht erforderlich. Wer ein Licht verwendet, stellt es sicher auf und lässt es während der Meditation ruhig stehen.
Wähle eine Absicht, etwa: „Ich möchte meine Erfahrung ohne vorschnelle Abwertung wahrnehmen und verantwortungsvoll mit ihr umgehen.“ Bereite keinen Zustand absichtlicher Verschmutzung vor. In dieser inneren Form werden Vorstellungen von rein und unrein betrachtet; es wird dafür kein hygienischer Gegensatz inszeniert.

Durchführung
1. Den Körper als Ritualort anerkennen
Setze dich bequem. Spüre Füße oder Sitzfläche, Hände und Atem. Sprich das allgemeine Sitzgebet:
Gebet an die tragende Erde
oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||
Übersetzung: Om. Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.
Fundstelle: Brihat Tantrasara, allgemeine Puja, Asana-Vorbereitung, Vers 6 und Prosa.
Die äußere Sitzvorbereitung bildet den Übergang zur inneren Verehrung. Sie ist aus dem Brihat Tantrasara ergänzend aufgenommen.
2. Guru-Gruß
Erinnere dich an die Überlieferung, aus der die ausgewählten Verse stammen, und an deine tatsächlichen Lehrer. Rezitiere:
Gruß an die Lehrer und Ganesha
oṃ gurubhyo namaḥ |
oṃ paramagurubhyo namaḥ |
oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
oṃ gaṇeśāya namaḥ ||
Übersetzung: Om. Verehrung den Lehrern. Verehrung den übergeordneten Lehrern. Verehrung den Lehrern der höheren und weiteren Überlieferung. Verehrung Ganesha.
Fundstelle: Brihat Tantrasara, allgemeine Puja, Prosa beim Guru-Gruß vor Vers 11.
Die vier in der Quelle nacheinander genannten Grüße werden hier als zusammenhängende Eingangsrezitation gesetzt.
3. Die nichtduale Ausrichtung lesen
Lies Tantraloka 29.4–7 auf Sanskrit oder Deutsch. Wähle einen Ausdruck, beispielsweise „Verkörperung von Bewusstsein“, und lasse ihn einige Atemzüge nachklingen. Die Verse werden als Unterweisung gelesen; ihre Wirkung wird nicht von einer vorgeschriebenen Zahl von Wiederholungen abhängig gemacht.
4. Inneres Wasser
Stelle dir vor, dass klare Aufmerksamkeit durch den Körper strömt. Sie soll nichts Gewaltsames beseitigen, sondern das gegenwärtige Empfinden deutlicher werden lassen. Im Bild des Verses 29.176 ist dies das Besprengen mit staunender Bewusstheit. Verweile zwei Minuten. Die Zeitangabe ist Teil der Anpassung.
5. Innere Blüten
Vergegenwärtige nacheinander drei Haltungen: Aufrichtigkeit, Geduld und Mitgefühl. Lege jede davon in der Vorstellung wie eine Blüte im Herzraum ab. Diese drei konkreten „Blüten“ sind redaktionell gewählt; der Quellvers spricht allgemeiner von Blumen des eigenen Wesens. Bei jeder inneren Gabe kann einmal der folgende Namensgruß gesprochen werden:
Gruß an die höchste Göttin
oṃ namaḥ paradevatāyai |
Übersetzung: Om. Verehrung der höchsten Gottheit, hier der höchsten Göttin.
Fundstelle: Kamakhya Tantra, Eingangsverehrung vor Kapitel 1.
6. Die Arghya-Schale des Herzens
Nimm eine einfache gegenwärtige Freude wahr: einen ruhigen Atemzug, Dankbarkeit oder die Möglichkeit, still zu sitzen. Stelle dir das Herz als Schale vor, die diese Erfahrung der göttlichen Gegenwart darbringt. Fehlt ein angenehmes Gefühl, bringe stattdessen die ehrliche Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Zustand dar. Ein bestimmtes Glückserlebnis ist keine Voraussetzung.
7. Vollständige geistige Verehrung
Rezitiere jetzt den oben ausgeschriebenen Vers Tantraloka 29.176 einmal vollständig. Verweile anschließend still bei seinem Gesamtbild: der Körper als Tempel, das Herz als Gabe, Shiva und Shakti als ungetrennte Gegenwart. Wiederhole den Vers bei Bedarf ein zweites Mal; dies ist keine historische Zählvorschrift.
8. Sinne als Opfergaben
Höre ein Geräusch, bemerke einen Körperkontakt und nimm einen Gedanken wahr. Versuche nicht, diese Erscheinungen zu stoppen. Betrachte sie jeweils als Inhalt, der im Bewusstsein erscheint und wieder vergeht. Dazu wird ergänzend die innere Opferformel des Kaulavali Nirnaya verwendet:
Innere Opferung der Sinnesbewegungen
dharmādharmahavirdīpta ātmāgnau manasā srucā |
suṣumnāvartmanā nityamakṣavṛttīrjuhomyaham ||
svāhā ||
Übersetzung: In das Feuer des Selbst, das durch die Opfergabe von Dharma und Adharma aufleuchtet, opfere ich mit dem Geist als Opferlöffel beständig die Bewegungen der Sinne auf dem Weg der Sushumna. Svaha.
Fundstelle: Kaulavali Nirnaya 5.55; 5.56 schreibt den Abschluss mit svāhā vor.
Dharma und Adharma werden hier als Gegenstände innerer Hingabe genannt. Daraus folgt keine Aufhebung der Verantwortung gegenüber anderen.
Die Verbindung dieses Verses mit der vorangehenden Tantraloka-Lesung ist eine heutige Zusammenstellung. Die ursprüngliche Stelle des Kaulavali Nirnaya steht in einem Maithuna-Zusammenhang; hier wird ihre innere Opferbedeutung ausdrücklich übertragen.
9. Die Unterscheidung betrachten
Lass einen milden, alltäglichen Gegensatz auftauchen: angenehm und unangenehm, willkommen und unerwünscht. Beobachte, dass beide Erfahrungen wahrgenommen werden können. Vermeide dafür besonders belastende Erinnerungen. Die Übung besteht in offener Wahrnehmung, nicht in der Behauptung, alle Inhalte müssten gleich geschätzt werden.
Lies anschließend:
Darbringung von Bewusstsein – 29.181–182
saṃvinmātrasthitaṃ devīcakraṃ vā saṃvidarpaṇāt |
viśvābhogaprayogeṇa tarpaṇīyaṃ vipaścitā || 181 ||
yatra sarve layaṃ yānti dahyante tattvasañcayāḥ |
tāṃ citiṃ paśya kāyasthāṃ kālānalasamaprabhām || 182 ||
Übersetzung: Oder der Einsichtige soll den Göttinnenkreis, der allein im Bewusstsein ruht, durch Darbringung von Bewusstsein und durch die Hinwendung zur gesamten Erfahrungswelt sättigen. Betrachte dieses im Körper gegenwärtige Bewusstsein, in dem alles zur Auflösung kommt und die Gesamtheit der Tattvas verbrennt: Es leuchtet wie das Feuer am Ende der Zeit.
Fundstelle: Tantraloka 29.181–182, GRETIL.
Das Verbrennen ist hier eine innere Bewusstseinsmetapher, kein körperlicher Feuerritus.
10. Stille und Abschluss
Verweile fünf Minuten ohne weiteres inneres Gestalten. Wenn Gedanken kommen, bemerke sie und kehre zum einfachen Gegenwärtigsein zurück. Öffne die Augen, spüre den Boden und rezitiere:
Bitte um Nachsicht
kṣamasva |
Übersetzung: Verzeihe; sieh mir Unvollkommenheiten nach.
Fundstelle: Brihat Tantrasara, Ucchishta-Ganesha-Puja, Ende der Prosa zu Vers 20.
Die Übertragung als kurzer Abschluss auch anderer angepasster Rituale ist redaktionell.
Beende die Andacht mit einem konkreten Entschluss, der Mitgefühl oder Aufrichtigkeit im Alltag stärkt. Das ist die Rückbindung der nichtdualen Betrachtung an verantwortliches Handeln.
Verhältnis zu äußeren Ritualen
Inneres Kula-Yaga kann als eigene meditative Verehrung verstanden werden. Es ist nicht nötig, dafür jede historische äußere Praxis nachzustellen. Zugleich darf die geistige Deutung nicht als Beweis verwendet werden, alle äußeren Tantra-Riten seien nur verschlüsselte Meditation gewesen. Die Quellen kennen verschiedene Vollzugsweisen und stellen sie in Beziehung zueinander.
Begleitvideo
Aufbau, Logik und Bestandteile einer Puja. Das Video ist im Yoga-Vidya-Wiki beim zugehörigen Thema eingebunden. Es dient der ergänzenden Einordnung, nicht als Dokumentation der hier zusammengestellten Ritualfassung.
Vollständige Rezitationstexte und ausgewählte Quellverse
Die folgenden Abschnitte enthalten sämtliche in dieser Artikelfassung ausgeschriebenen Sanskritrezitationen und die zur Lesung aufgenommenen Quellverse. Lehrverse und Handlungsbeschreibungen sind als solche kenntlich gemacht; sie sind nicht automatisch zusätzliche Mantras. Der Sanskritanhang ist vollständig für diese Auswahl, nicht eine Vollausgabe der genannten Tantras. Deutsche Absichtserklärungen und praktische Regieanweisungen stehen im Ablauf.
Sanskrit in IAST
Kula als Kraft des höchsten Herrn – 29.4
kulaṃ ca parameśasya śaktiḥ sāmarthyamūrdhvatā |
svātantryamojo vīryaṃ ca piṇḍaḥ saṃviccharīrakam || 4 ||
Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
tathātvena samastāni bhāvajātāni paśyataḥ |
dhvastaśaṅkāsamūhasya yāgastādṛśa eva saḥ || 5 ||
tādṛgrūpanirūḍhyarthaṃ manovākkāyavartmanā |
yadyatsamācaredvīraḥ kulayāgaḥ sa sa smṛtaḥ || 6 ||
bahiḥ śaktau yāmale ca dehe prāṇapathe matau |
iti ṣoḍhā kulejyā syātpratibhedaṃ vibhedinī || 7 ||
Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
kṛtvādhāradharāṃ camatkṛtirasaprokṣākṣaṇakṣālitāmāttairmānasataḥ svabhāvakusumaiḥ svāmodasandohibhiḥ |
ānandāmṛtanirbharasvahṛdayānarghārghapātrakramāt tvāṃ devyā saha dehadevasadane devārcaye'harniśam || 176 ||
Gebet an die tragende Erde
oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||
Gruß an die Lehrer und Ganesha
oṃ gurubhyo namaḥ |
oṃ paramagurubhyo namaḥ |
oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
oṃ gaṇeśāya namaḥ ||
Gruß an die höchste Göttin
oṃ namaḥ paradevatāyai |
Innere Opferung der Sinnesbewegungen
dharmādharmahavirdīpta ātmāgnau manasā srucā |
suṣumnāvartmanā nityamakṣavṛttīrjuhomyaham ||
svāhā ||
Darbringung von Bewusstsein – 29.181–182
saṃvinmātrasthitaṃ devīcakraṃ vā saṃvidarpaṇāt |
viśvābhogaprayogeṇa tarpaṇīyaṃ vipaścitā || 181 ||
yatra sarve layaṃ yānti dahyante tattvasañcayāḥ |
tāṃ citiṃ paśya kāyasthāṃ kālānalasamaprabhām || 182 ||
Bitte um Nachsicht
kṣamasva |
Sanskrit in Devanagari
Diese Schriftfassung wurde aus den oben dokumentierten IAST-Lesungen transliteriert. Sie ist keine unabhängig kollationierte Sanskritedition.
Kula als Kraft des höchsten Herrn – 29.4
कुलं च परमेशस्य शक्तिः सामर्थ्यमूर्ध्वता ।
स्वातन्त्र्यमोजो वीर्यं च पिण्डः संविच्छरीरकम् ॥ ४ ॥
Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
तथात्वेन समस्तानि भावजातानि पश्यतः ।
ध्वस्तशङ्कासमूहस्य यागस्तादृश एव सः ॥ ५ ॥
तादृग्रूपनिरूढ्यर्थं मनोवाक्कायवर्त्मना ।
यद्यत्समाचरेद्वीरः कुलयागः स स स्मृतः ॥ ६ ॥
बहिः शक्तौ यामले च देहे प्राणपथे मतौ ।
इति षोढा कुलेज्या स्यात्प्रतिभेदं विभेदिनी ॥ ७ ॥
Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
कृत्वाधारधरां चमत्कृतिरसप्रोक्षाक्षणक्षालितामात्तैर्मानसतः स्वभावकुसुमैः स्वामोदसन्दोहिभिः ।
आनन्दामृतनिर्भरस्वहृदयानर्घार्घपात्रक्रमात् त्वां देव्या सह देहदेवसदने देवार्चयेऽहर्निशम् ॥ १७६ ॥
Gebet an die tragende Erde
ॐ पृथ्वि त्वया धृता लोका देवि त्वं विष्णुना धृता ।
त्वञ्च धारय मां नित्यं पवित्रं कुरु चासनम् ॥
Gruß an die Lehrer und Ganesha
ॐ गुरुभ्यो नमः ।
ॐ परमगुरुभ्यो नमः ।
ॐ परापरगुरुभ्यो नमः ।
ॐ गणेशाय नमः ॥
Gruß an die höchste Göttin
ॐ नमः परदेवतायै ।
Innere Opferung der Sinnesbewegungen
धर्माधर्महविर्दीप्त आत्माग्नौ मनसा स्रुचा ।
सुषुम्नावर्त्मना नित्यमक्षवृत्तीर्जुहोम्यहम् ॥
स्वाहा ॥
Darbringung von Bewusstsein – 29.181–182
संविन्मात्रस्थितं देवीचक्रं वा संविदर्पणात् ।
विश्वाभोगप्रयोगेण तर्पणीयं विपश्चिता ॥ १८१ ॥
यत्र सर्वे लयं यान्ति दह्यन्ते तत्त्वसञ्चयाः ।
तां चितिं पश्य कायस्थां कालानलसमप्रभाम् ॥ १८२ ॥
Bitte um Nachsicht
क्षमस्व ।
Vollständige deutsche Übersetzung der Rezitationstexte
Kula als Kraft des höchsten Herrn – 29.4
Kula ist die Shakti des höchsten Herrn: Vermögen, Erhabenheit, Freiheit, Kraft, Wirkmacht, verdichtete Ganzheit und die Verkörperung von Bewusstsein.
Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
Für denjenigen, der alle Erscheinungen als dieses [Kula] sieht und dessen Bündel von Zweifeln aufgelöst ist, hat das Opfer eben diese Natur. Was der Vira mit Geist, Sprache oder Körper vollzieht, um in dieser Wirklichkeit fest zu werden, gilt jeweils als Kula-Yaga. Die Kula-Verehrung besteht in sechs Formen: außen, in der Shakti, im Paar, im Körper, im Weg des Prana und im Geist; jede Form besitzt weitere Unterteilungen.
Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
Nachdem ich den tragenden Grund mit dem Besprengen durch den Saft staunender Bewusstheit gereinigt habe, verehre ich dich, Gott, Tag und Nacht zusammen mit der Göttin im Göttertempel des Körpers: mit geistig aufgenommenen Blumen des eigenen Wesens, die ihren eigenen Wohlgeruch verströmen, und mit der kostbaren Arghya-Schale meines Herzens, die vom Nektar der Freude erfüllt ist.
Gebet an die tragende Erde
Om. Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.
Gruß an die Lehrer und Ganesha
Om. Verehrung den Lehrern. Verehrung den übergeordneten Lehrern. Verehrung den Lehrern der höheren und weiteren Überlieferung. Verehrung Ganesha.
Gruß an die höchste Göttin
Om. Verehrung der höchsten Gottheit, hier der höchsten Göttin.
Innere Opferung der Sinnesbewegungen
In das Feuer des Selbst, das durch die Opfergabe von Dharma und Adharma aufleuchtet, opfere ich mit dem Geist als Opferlöffel beständig die Bewegungen der Sinne auf dem Weg der Sushumna. Svaha.
Darbringung von Bewusstsein – 29.181–182
Oder der Einsichtige soll den Göttinnenkreis, der allein im Bewusstsein ruht, durch Darbringung von Bewusstsein und durch die Hinwendung zur gesamten Erfahrungswelt sättigen. Betrachte dieses im Körper gegenwärtige Bewusstsein, in dem alles zur Auflösung kommt und die Gesamtheit der Tattvas verbrennt: Es leuchtet wie das Feuer am Ende der Zeit.
Bitte um Nachsicht
Verzeihe; sieh mir Unvollkommenheiten nach.
Quellen, Textstand und Bearbeitung
- Abhinavagupta: Tantraloka, Sanskrit bei GRETIL, Kapitel 29, besonders 29.4–7, 29.176 und 29.181–185. Sanskrit nach GRETIL; deutsche Arbeitsübersetzungen dieser Artikelfassung.
- Kaulavali Nirnaya, Muktabodha Digital Library, M00231, 5.55–56: innere Opferformel, hier ausdrücklich aus ihrem Paarritual-Kontext übertragen.
- Brihat Tantrasara, M00013: Sitzgebet und Guru-Gruß. Kamakhya Tantra, M00132: Eingangsverehrung.
- Die zehnteilige Meditationsliturgie, die Auswahl der inneren Blüten und die Zeitangaben sind eine heutige Anpassung.
Die Herkunft jeder Rezitation ist zusätzlich unmittelbar beim Text angegeben. Moderne Ablaufentscheidungen, Zeitangaben, Zählumfänge und Ersatzgaben gelten nur dort als Quellenangaben, wo dies ausdrücklich vermerkt ist. Sonst gehören sie zur gekennzeichneten heutigen Anpassung. Bija-Silben erhalten keine erfundene Wortübersetzung. Religiöse Fruchtverheißungen werden als Aussagen der Überlieferung wiedergegeben.
Siehe auch
- Yoni Puja nach dem Kamakhya Tantra
- Duti Puja und Shakti Puja
- Maithuna im Kaula Tantra
- Shmashana Sadhana
- Shava Sadhana
- Ucchishta Ganapati Sadhana
- Ucchishta Matangi Puja
- Nagna Sadhana
- Panchamundi Asana Sadhana
- Ambubachi Rituale der Kamakhya
- Maithuna Dharana nach dem Vijnana Bhairava
- Meditation über die erinnerte Vereinigung
- Yamala Yaga nach dem Tantraloka
- Kaulavali Nirnaya
- Kamakhya Tantra
- Brihat Tantrasara
- Tantraloka
- Vijnana Bhairava Tantra
- Weitere tantrische Rituale
- Weitere Pujas
Seminare
Die folgenden Angebote betreffen allgemeine Ritual-, Meditations- und Bhakti-Praxis. Die Verlinkung bezeichnet kein Seminarangebot zu den historischen Sonderritualen dieses Artikels.
Hinduistische Rituale
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…
Bhakti Yoga
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
- 08.11.2026 - 08.11.2026 Diwali - das Fest des Lichts
Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…