Yamala Yaga nach dem Tantraloka

Aus Yogawiki

Yamala Yaga nach dem Tantraloka bezeichnet die Paarform der Kula-Verehrung, die Abhinavagupta in Tantraloka 29 innerhalb einer größeren Einteilung behandelt. Yamala bedeutet Paar. Der rituelle Zusammenhang umfasst gegenseitige Verehrung, Gaben, die Betrachtung von Shiva und Shakti und eine innere Deutung der Vereinigung. Dieser Artikel erläutert den Textbefund und eine heutige vegetarische, alkoholfreie Paarandacht für Erwachsene.

Die göttliche Paarbeziehung als Gegenstand der Verehrung.

Yamala als eine Form des Kula-Yaga

Das Tantraloka nennt sechs Formen der Kula-Verehrung:

Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
tathātvena samastāni bhāvajātāni paśyataḥ |
dhvastaśaṅkāsamūhasya yāgastādṛśa eva saḥ || 5 ||
tādṛgrūpanirūḍhyarthaṃ manovākkāyavartmanā |
yadyatsamācaredvīraḥ kulayāgaḥ sa sa smṛtaḥ || 6 ||
bahiḥ śaktau yāmale ca dehe prāṇapathe matau |
iti ṣoḍhā kulejyā syātpratibhedaṃ vibhedinī || 7 ||

Übersetzung: Für denjenigen, der alle Erscheinungen als dieses [Kula] sieht und dessen Bündel von Zweifeln aufgelöst ist, hat das Opfer eben diese Natur. Was der Vira mit Geist, Sprache oder Körper vollzieht, um in dieser Wirklichkeit fest zu werden, gilt jeweils als Kula-Yaga. Die Kula-Verehrung besteht in sechs Formen: außen, in der Shakti, im Paar, im Körper, im Weg des Prana und im Geist; jede Form besitzt weitere Unterteilungen.

Fundstelle: Tantraloka 29.5–7, GRETIL.

Diese Lehrverse begründen die Artikelgliederung. Sie geben noch keine komplette Einweihungs- oder Puja-Liturgie vor.

Die Paarform steht damit neben äußeren, körperbezogenen, atembezogenen und geistigen Vollzugsweisen. Der Begriff Yamala wird hier nicht als Name eines zusätzlichen frei erfundenen Tantra-Textes verwendet. Der Artikeltitel bezeichnet ein Thema innerhalb von Kapitel 29.

Die folgenden Abschnitte desselben Kapitels behandeln eine komplexe Ritualordnung. Sie setzen Mantras, Initiation und Kenntnisse voraus, die nicht durch einen einzigen öffentlich ausgeschriebenen Vers ersetzt werden. Die heutige Andacht übernimmt ausgewählte Motive, nicht den Anspruch einer vollständigen historischen Paddhati.

Historische Struktur

Äußerer Rahmen

Das Kapitel behandelt Gefäße, Stoffe, Licht, den Ritualkreis und die Verehrung von Guru und Gottheiten. Wein gehört zum historischen Darbringungssystem der hier einschlägigen Passagen. Seine Ersetzung durch Traubensaft ist eine materielle Veränderung und wird ausdrücklich als heutige Anpassung bezeichnet.

Gegenseitige Verehrung

Die Paarbeziehung erhält ihre rituelle Form durch gegenseitiges Verehren und Sättigen:

Gegenseitige Verehrung – 29.104–105
dvābhyāṃ tu sṛṣṭisaṃhārau tasmānmelakamuttamam |
tāmāhṛtya mitho'bhyarcya tarpayitvā parasparam || 104 ||
antaraṅgakrameṇaiva mukhyacakrasya pūjanam |
yadevānandasandohi saṃvido hyantaraṅgakam || 105 ||

Übersetzung: Durch die beiden vollziehen sich Entfaltung und Rücknahme; deshalb gilt ihr Zusammentreffen als vorzüglich. Nachdem die Partnerin hinzugekommen ist, verehren sie einander und sättigen einander. Auf dem inneren Weg geschieht die Verehrung des Hauptkreises: desjenigen Innersten des Bewusstseins, das die Freude hervorströmen lässt.

Fundstelle: Tantraloka 29.104–105, GRETIL.

Der Satz setzt sich im folgenden Vers fort. Die Lesung erklärt den Gedankengang dieser beiden Verse; sie ist keine isolierte neue Mantraformel.

Die Stelle ist für die heutige Fassung besonders bedeutsam, weil sie die wechselseitige Handlung ausdrücklich benennt. Die Blütengabe des folgenden Ablaufs ist eine ausgewählte einfache Umsetzung dieses Motivs, nicht die Rekonstruktion aller historischen Tarpaṇa-Formen.

Vereinigung im Opferbild

Das Tantraloka erläutert die Vereinigung unter anderem mit der Sprache des Opferfeuers:

Shakti und Shiva im Opferbild – 29.141
śrītattvarakṣaṇe śrīnigame triśiromate ca tatproktam |
kuṇḍaṃ śaktiḥ śivo liṅgaṃ melakaṃ paramaṃ padam || 141 ||

Übersetzung: Im Tattvarakshana, im erhabenen Nigama und in der Lehre des Trishiras wird dies gelehrt: Shakti ist die Opfergrube, Shiva ist das Linga, ihr Zusammentreffen ist die höchste Stätte.

Fundstelle: Tantraloka 29.141, GRETIL.

Der Vers gibt ein rituelles Deutungsbild. Er setzt Feueropfer, Anatomie und Bewusstsein in Beziehung, ohne ihre Bedeutungen gleichförmig zu machen.

Der äußere Paarbezug und die innere Deutung gehören zusammen. Die Passage wird nicht dazu verwendet, gewöhnliche Körpergrenzen, Zustimmung oder persönliche Verantwortung für bedeutungslos zu erklären.

Vorbereitung der heutigen Paarandacht

Bereite zwei Sitzplätze auf gleicher Höhe vor. In der Mitte oder davor stehen ein Shiva-Shakti-Bild, ein Gefäß mit Wasser, zwei Trinkgefäße mit Traubensaft, zwei Blüten, ein Licht und eine vegetarische Speise. Plane ungefähr 45 Minuten für die zeremonielle Andacht. Eine etwaige private intime Phase erhält keinen vorgeschriebenen Zeitumfang.

Beide Erwachsenen besprechen, welche Handlungen gewählt werden: Blüten überreichen, Verneigung, gemeinsames Lesen, stilles Sitzen und gegebenenfalls eine private intime Begegnung. Die Andacht ist auch ohne diese letzte Möglichkeit sinnvoll; sie wird dann als heutige Paar-Puja im Anschluss an das Yamala-Thema bezeichnet. Nicht jede gemeinsame Meditation ist deshalb schon das vollständige historische Yamala-Yaga.

Ein Yantra kann den gemeinsamen Andachtsraum markieren.

Durchführung

1. Sankalpa

Beide formulieren gemeinsam: „Wir verehren die göttliche Gegenwart in dieser Begegnung. Wir handeln freiwillig, hören aufeinander und lassen Raum für verschiedene Erfahrungen.“ Die Vereinbarung bleibt während des gesamten Ablaufs wirksam und veränderbar.

2. Sitz und Überlieferung

Berührt jeweils die eigene Unterlage und sprecht:

Gebet an die tragende Erde
oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||

Übersetzung: Om. Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, allgemeine Puja, Asana-Vorbereitung, Vers 6 und Prosa.

Rezitiert danach:

Gruß an die Lehrer und Ganesha
oṃ gurubhyo namaḥ |
oṃ paramagurubhyo namaḥ |
oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
oṃ gaṇeśāya namaḥ ||

Übersetzung: Om. Verehrung den Lehrern. Verehrung den übergeordneten Lehrern. Verehrung den Lehrern der höheren und weiteren Überlieferung. Verehrung Ganesha.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, allgemeine Puja, Prosa beim Guru-Gruß vor Vers 11.

Die vier in der Quelle nacheinander genannten Grüße werden hier als zusammenhängende Eingangsrezitation gesetzt.

Beide Elemente sind allgemeine Puja-Texte aus dem Brihat Tantrasara, die den heutigen Rahmen ergänzen. Es wird nicht behauptet, Abhinavagupta schreibe genau diese Abfolge vor.

3. Die sechs Formen vergegenwärtigen

Lies Tantraloka 29.5–7 einmal. Nimm die Paarform als eine mögliche Gestalt der Verehrung wahr. Damit wird die konkrete Begegnung in einen größeren geistigen Zusammenhang gestellt, ohne andere Lebensformen abzuwerten.

4. Gegenseitige Puja

Überreicht einander eine Blüte. Jede Person verneigt sich vor der anderen. Lies anschließend Tantraloka 29.104–105 auf Sanskrit oder Deutsch. Beide können als Antwort sagen: „Ich ehre die göttliche Gegenwart in dir und achte dich als eigenständigen Menschen.“ Diese Antwort ist neu formuliert.

5. Wasser, Licht und Speise

Stellt Wasser und Speise vor das Bild, zeigt das Licht und hebt die beiden Traubensaftgefäße kurz als Darbringung an. Sprecht bei jeder Gabe:

Gruß an die höchste Göttin
oṃ namaḥ paradevatāyai |

Übersetzung: Om. Verehrung der höchsten Gottheit, hier der höchsten Göttin.

Fundstelle: Kamakhya Tantra, Eingangsverehrung vor Kapitel 1.

Die Formel aus dem Kamakhya Tantra dient als bewusst ausgewählte allgemeine Göttinnenverehrung. Die alkoholfreie Getränkegabe und ihre einfache Handhabung sind Anpassungen gegenüber dem historischen Weinsystem des Tantraloka.

6. Nichtduale Betrachtung

Lies langsam:

Vergegenwärtigung der Shaktis – 29.64
nāhamasmi nacānyo'sti kevalāḥ śaktayastvaham |
ityevaṃvāsanāṃ kuryātsarvadā smṛtimātrataḥ || 64 ||

Übersetzung: Ich bin kein abgesondertes Ich, und es gibt kein abgesondertes Anderes: Ich bin allein die Shaktis. Diese innere Prägung soll man sich immer wieder durch Erinnerung zu eigen machen.

Fundstelle: Tantraloka 29.64, GRETIL.

„Abgesondert“ erläutert den nichtdualen Sinn; es steht nicht als eigenes Sanskritwort im Vers. Die GRETIL-Schreibung @ wird als Avagraha wiedergegeben.

Sitzt danach drei Minuten still. Betrachtet, dass Wahrnehmen, Empfinden und Antworten in einem lebendigen Bewusstseinszusammenhang erscheinen. Unterschiedliche Bedürfnisse und Grenzen werden dadurch nicht aufgehoben.

7. Gewählte Paarphase

Die gemeinsame Phase kann aus stillem Sitzen und aufmerksamer Anwesenheit bestehen. Wenn beide eine private sexuelle Vereinigung wünschen, kann sie außerhalb der gesprochenen Zeremonie folgen. Ihre Einordnung in den hier erläuterten Zusammenhang erfolgt über gegenseitige Verehrung und die bewusste Rückbindung an die Unterweisung. Körperliche Techniken, das Darbringen von Körperflüssigkeiten und spezielle Höhepunktvorgaben werden in dieser heutigen Fassung nicht angeleitet.

Eine Änderung des Wunsches beendet die entsprechende Handlung ohne religiöse Abwertung. Die Person vor dir ist maßgeblicher als die Vorstellung, einen rituellen Plan vollständig erfüllen zu müssen.

8. Rückkehr zur inneren Verehrung

Setzt euch wieder bequem. Lies den folgenden Vers als zusammenfassende geistige Puja:

Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
kṛtvādhāradharāṃ camatkṛtirasaprokṣākṣaṇakṣālitāmāttairmānasataḥ svabhāvakusumaiḥ svāmodasandohibhiḥ |
ānandāmṛtanirbharasvahṛdayānarghārghapātrakramāt tvāṃ devyā saha dehadevasadane devārcaye'harniśam || 176 ||

Übersetzung: Nachdem ich den tragenden Grund mit dem Besprengen durch den Saft staunender Bewusstheit gereinigt habe, verehre ich dich, Gott, Tag und Nacht zusammen mit der Göttin im Göttertempel des Körpers: mit geistig aufgenommenen Blumen des eigenen Wesens, die ihren eigenen Wohlgeruch verströmen, und mit der kostbaren Arghya-Schale meines Herzens, die vom Nektar der Freude erfüllt ist.

Fundstelle: Tantraloka 29.176, GRETIL.

Die erste Langzusammensetzung der elektronischen Fassung ist schwierig. Die Übersetzung gibt eine zusammenhängende Lesart wieder; daraus werden keine zusätzlichen äußeren Handlungen abgeleitet.

Verweile fünf Minuten beim Bild des Körpers als Tempel und des Herzens als kostbarer Gabe. In diesem Abschluss kann die Aufmerksamkeit von äußeren Handlungen in eine stille Verehrung übergehen.

9. Dank, Speise und Abschluss

Bedankt euch wechselseitig mit Namen. Sprich:

Bitte um Nachsicht
kṣamasva |

Übersetzung: Verzeihe; sieh mir Unvollkommenheiten nach.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, Ucchishta-Ganesha-Puja, Ende der Prosa zu Vers 20.

Die Übertragung als kurzer Abschluss auch anderer angepasster Rituale ist redaktionell.

Teilt die Speise und trinkt aus den eigenen Gefäßen. Räumt den Altar gemeinsam auf. Ein kurzes Gespräch darüber, was passend war und was bei einer Wiederholung anders sein sollte, gehört zur heutigen sorgsamen Gestaltung der Paarandacht.

Verhältnis zu den anderen Artikeln

Maithuna im Kaula Tantra behandelt vor allem die Ritualstruktur des Kaulavali Nirnaya im Vergleich mit dem Tantraloka. Der vorliegende Artikel konzentriert sich auf Abhinavaguptas Einteilung und die gegenseitige Verehrung. Duti Puja und Shakti Puja legt den Schwerpunkt auf die Verehrung der Partnerin. Die Themen überschneiden sich; sie sind keine drei vollständig voneinander unabhängigen historischen Religionen oder Lehrsysteme.

Begleitvideo

Aufbau, Logik und Bestandteile einer Puja. Das Video ist im Yoga-Vidya-Wiki beim zugehörigen Thema eingebunden. Es dient der ergänzenden Einordnung, nicht als Dokumentation der hier zusammengestellten Ritualfassung.

Vollständige Rezitationstexte und ausgewählte Quellverse

Die folgenden Abschnitte enthalten sämtliche in dieser Artikelfassung ausgeschriebenen Sanskritrezitationen und die zur Lesung aufgenommenen Quellverse. Lehrverse und Handlungsbeschreibungen sind als solche kenntlich gemacht; sie sind nicht automatisch zusätzliche Mantras. Der Sanskritanhang ist vollständig für diese Auswahl, nicht eine Vollausgabe der genannten Tantras. Deutsche Absichtserklärungen und praktische Regieanweisungen stehen im Ablauf.

Sanskrit in IAST

Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
tathātvena samastāni bhāvajātāni paśyataḥ |
dhvastaśaṅkāsamūhasya yāgastādṛśa eva saḥ || 5 ||
tādṛgrūpanirūḍhyarthaṃ manovākkāyavartmanā |
yadyatsamācaredvīraḥ kulayāgaḥ sa sa smṛtaḥ || 6 ||
bahiḥ śaktau yāmale ca dehe prāṇapathe matau |
iti ṣoḍhā kulejyā syātpratibhedaṃ vibhedinī || 7 ||

Gegenseitige Verehrung – 29.104–105
dvābhyāṃ tu sṛṣṭisaṃhārau tasmānmelakamuttamam |
tāmāhṛtya mitho'bhyarcya tarpayitvā parasparam || 104 ||
antaraṅgakrameṇaiva mukhyacakrasya pūjanam |
yadevānandasandohi saṃvido hyantaraṅgakam || 105 ||

Shakti und Shiva im Opferbild – 29.141
śrītattvarakṣaṇe śrīnigame triśiromate ca tatproktam |
kuṇḍaṃ śaktiḥ śivo liṅgaṃ melakaṃ paramaṃ padam || 141 ||

Gebet an die tragende Erde
oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||

Gruß an die Lehrer und Ganesha
oṃ gurubhyo namaḥ |
oṃ paramagurubhyo namaḥ |
oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
oṃ gaṇeśāya namaḥ ||

Gruß an die höchste Göttin
oṃ namaḥ paradevatāyai |

Vergegenwärtigung der Shaktis – 29.64
nāhamasmi nacānyo'sti kevalāḥ śaktayastvaham |
ityevaṃvāsanāṃ kuryātsarvadā smṛtimātrataḥ || 64 ||

Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
kṛtvādhāradharāṃ camatkṛtirasaprokṣākṣaṇakṣālitāmāttairmānasataḥ svabhāvakusumaiḥ svāmodasandohibhiḥ |
ānandāmṛtanirbharasvahṛdayānarghārghapātrakramāt tvāṃ devyā saha dehadevasadane devārcaye'harniśam || 176 ||

Bitte um Nachsicht
kṣamasva |

Sanskrit in Devanagari

Diese Schriftfassung wurde aus den oben dokumentierten IAST-Lesungen transliteriert. Sie ist keine unabhängig kollationierte Sanskritedition.

Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
तथात्वेन समस्तानि भावजातानि पश्यतः ।
ध्वस्तशङ्कासमूहस्य यागस्तादृश एव सः ॥ ५ ॥
तादृग्रूपनिरूढ्यर्थं मनोवाक्कायवर्त्मना ।
यद्यत्समाचरेद्वीरः कुलयागः स स स्मृतः ॥ ६ ॥
बहिः शक्तौ यामले च देहे प्राणपथे मतौ ।
इति षोढा कुलेज्या स्यात्प्रतिभेदं विभेदिनी ॥ ७ ॥

Gegenseitige Verehrung – 29.104–105
द्वाभ्यां तु सृष्टिसंहारौ तस्मान्मेलकमुत्तमम् ।
तामाहृत्य मिथोऽभ्यर्च्य तर्पयित्वा परस्परम् ॥ १०४ ॥
अन्तरङ्गक्रमेणैव मुख्यचक्रस्य पूजनम् ।
यदेवानन्दसन्दोहि संविदो ह्यन्तरङ्गकम् ॥ १०५ ॥

Shakti und Shiva im Opferbild – 29.141
श्रीतत्त्वरक्षणे श्रीनिगमे त्रिशिरोमते च तत्प्रोक्तम् ।
कुण्डं शक्तिः शिवो लिङ्गं मेलकं परमं पदम् ॥ १४१ ॥

Gebet an die tragende Erde
ॐ पृथ्वि त्वया धृता लोका देवि त्वं विष्णुना धृता ।
त्वञ्च धारय मां नित्यं पवित्रं कुरु चासनम् ॥

Gruß an die Lehrer und Ganesha
ॐ गुरुभ्यो नमः ।
ॐ परमगुरुभ्यो नमः ।
ॐ परापरगुरुभ्यो नमः ।
ॐ गणेशाय नमः ॥

Gruß an die höchste Göttin
ॐ नमः परदेवतायै ।

Vergegenwärtigung der Shaktis – 29.64
नाहमस्मि नचान्योऽस्ति केवलाः शक्तयस्त्वहम् ।
इत्येवंवासनां कुर्यात्सर्वदा स्मृतिमात्रतः ॥ ६४ ॥

Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
कृत्वाधारधरां चमत्कृतिरसप्रोक्षाक्षणक्षालितामात्तैर्मानसतः स्वभावकुसुमैः स्वामोदसन्दोहिभिः ।
आनन्दामृतनिर्भरस्वहृदयानर्घार्घपात्रक्रमात् त्वां देव्या सह देहदेवसदने देवार्चयेऽहर्निशम् ॥ १७६ ॥

Bitte um Nachsicht
क्षमस्व ।

Vollständige deutsche Übersetzung der Rezitationstexte

Das Kula-Yaga und seine sechs Formen – 29.5–7
Für denjenigen, der alle Erscheinungen als dieses [Kula] sieht und dessen Bündel von Zweifeln aufgelöst ist, hat das Opfer eben diese Natur. Was der Vira mit Geist, Sprache oder Körper vollzieht, um in dieser Wirklichkeit fest zu werden, gilt jeweils als Kula-Yaga. Die Kula-Verehrung besteht in sechs Formen: außen, in der Shakti, im Paar, im Körper, im Weg des Prana und im Geist; jede Form besitzt weitere Unterteilungen.

Gegenseitige Verehrung – 29.104–105
Durch die beiden vollziehen sich Entfaltung und Rücknahme; deshalb gilt ihr Zusammentreffen als vorzüglich. Nachdem die Partnerin hinzugekommen ist, verehren sie einander und sättigen einander. Auf dem inneren Weg geschieht die Verehrung des Hauptkreises: desjenigen Innersten des Bewusstseins, das die Freude hervorströmen lässt.

Shakti und Shiva im Opferbild – 29.141
Im Tattvarakshana, im erhabenen Nigama und in der Lehre des Trishiras wird dies gelehrt: Shakti ist die Opfergrube, Shiva ist das Linga, ihr Zusammentreffen ist die höchste Stätte.

Gebet an die tragende Erde
Om. Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.

Gruß an die Lehrer und Ganesha
Om. Verehrung den Lehrern. Verehrung den übergeordneten Lehrern. Verehrung den Lehrern der höheren und weiteren Überlieferung. Verehrung Ganesha.

Gruß an die höchste Göttin
Om. Verehrung der höchsten Gottheit, hier der höchsten Göttin.

Vergegenwärtigung der Shaktis – 29.64
Ich bin kein abgesondertes Ich, und es gibt kein abgesondertes Anderes: Ich bin allein die Shaktis. Diese innere Prägung soll man sich immer wieder durch Erinnerung zu eigen machen.

Geistige Verehrung im Tempel des Körpers – 29.176
Nachdem ich den tragenden Grund mit dem Besprengen durch den Saft staunender Bewusstheit gereinigt habe, verehre ich dich, Gott, Tag und Nacht zusammen mit der Göttin im Göttertempel des Körpers: mit geistig aufgenommenen Blumen des eigenen Wesens, die ihren eigenen Wohlgeruch verströmen, und mit der kostbaren Arghya-Schale meines Herzens, die vom Nektar der Freude erfüllt ist.

Bitte um Nachsicht
Verzeihe; sieh mir Unvollkommenheiten nach.

Quellen, Textstand und Bearbeitung

  • Abhinavagupta: Tantraloka, Sanskrit bei GRETIL, Kapitel 29: 29.5–7 zur Einteilung, 29.10–28 zum äußeren Rahmen, 29.64 zur inneren Betrachtung, 29.104–117 zur Paarverehrung, 29.141 zum Opferbild und 29.176 zur geistigen Puja.
  • Brihat Tantrasara, Muktabodha Digital Library, M00013: allgemeines Sitzgebet, Guru-Gruß und kurze Bitte um Nachsicht. Kamakhya Tantra, M00132: Eingangsverehrung.
  • Der konkrete heutige Ablauf, die verwendeten Ersatzgaben und die gegenseitigen deutschsprachigen Erklärungen sind Anpassungen. Sie werden nicht als eigenständige alte Paddhati ausgegeben.

Die Herkunft jeder Rezitation ist zusätzlich unmittelbar beim Text angegeben. Moderne Ablaufentscheidungen, Zeitangaben, Zählumfänge und Ersatzgaben gelten nur dort als Quellenangaben, wo dies ausdrücklich vermerkt ist. Sonst gehören sie zur gekennzeichneten heutigen Anpassung. Bija-Silben erhalten keine erfundene Wortübersetzung. Religiöse Fruchtverheißungen werden als Aussagen der Überlieferung wiedergegeben.

Siehe auch

Seminare

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