Guru Har Rai

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Guru Har Rai (16 Januar 1630 – 6 Oktober 1661) wurde im Jahre 1630 n. Chr. von Gurditas Gemahlin Nihal Kaur oder Nathi in Kiratpur geboren. Er war ein besonnener und zufriedener Mensch. Er hatte keinerlei kriegerische Ambitionen und zog es vor, ein friedliches und zurückgezogenes Leben zu führen.

Das Leben von Gurdita, dem Sohn von Guru Hargobind, fand ein frühzeitiges Ende, als er gerade erst vierundzwanzig Jahre alt war. Er war zur Jagd gewesen und einer seiner Sikhs hatte eine Kuh mit einem Reh verwechselt und diese getötet. Die Kuhhirten wollten den Mann erst freilassen, wenn Guardita die Kuh wieder zum Leben erweckte. Obwohl Guardita die Macht dazu hatte, wollte er zuerst dem Wunsch der Hirten nicht nachkommen, denn er wusste nur zu gut, dass dem Guru, seinem Vater, solche Wunder missfielen. Aber um seinen Jagdgenossen zu retten, legte er schließlich doch seinen Stab auf den Kopf der Kuh und sagte: "Steh auf und friss Gras." Kaum hatte er diese Worte gesprochen, sprang die Kuh auf und lief zu der übrigen Herde. Als Guru Hargobind von diesem Wunder hörte, wurde er sehr böse. Er sprach: "Es gefällt mir ganz und gar nicht, dass du dich aufführst, als seist du Gott gleich und könntest Tote wieder zum Leben erwecken." Guardita war zutiefst betroffen über die Zurechtweisung seines Vaters. Er nahm respektvoll Abschied und ging zu den Gräbern von Budhan Shah. In der Nähe der Gräber legte er eine Liegestätte aus Gras aus, stieß seinen Stab in die Erde, legte sich nieder und gab seine Seele auf. Als sein Vater davon hörte, war er eher erfreut.

Artikel aus dem Buch „Lives of Saints“ von Swami Sivananda, Divine Life Society, 2009.

Guru Har Rai unterstützt Dara Shikoh

Guru Har Rai half Dara Shikoh, dem Sohn von Shah Jahan, im Kampf um den Thron. Prinz Aurangazeb tat einige Tiger-Schnurrhaare in das Essen seines Bruders Prinz Dara Shikoh, um ihn loszuwerden. Dieser wurde daraufhin sehr krank. Die besten Ärzte wurden zu Rate gezogen und entschieden, dass nur eine Arznei ihm helfen könnte: eine Myrobalan (Frucht), allerdings mit einem Gewicht von achtundzwanzig Unzen und ein Gewürznelke, die ein Masha wiegt. So eine große Myrobalan Frucht und so eine schwere Gewürznelke waren jedoch nirgends aufzutreiben. Dem Großmogul wurde geraten, sich an Guru Har Rai zu wenden. Shah Jahan sträubte sich anfangs dagegen. Später jedoch schickte er dem Guru einen Brief, in dem er ihn demütig um Hilfe bat. Der Guru holte darauf eine Myrobalan Frucht und eine Gewürznelke mit der benötigten Größe aus seinem Vorratsraum und gab sie dem Boten des Moguls. Zusätzlich gab er ihm einige Perlen mit, welche feingemahlen mit der anderen Medizin vermischt werden sollten. Dies wurde Dara gegeben, die Tiger-Schnurrhaare wurden aus seinem Körper geleitet und er erlangte wieder seine Gesundheit.

In späteren Jahren jedoch wurde Dara von Aurangazeb gefangengenommen und hingerichtet.

Har Rai versuchte, mit dem neuen Großmogul Aurangazeb Frieden zu schließen. Als Aurangazeb bald darauf Har Rai bat, am Hofe des Moguls zu erscheinen, fürchtete der Guru aber Verrat und sandte seinen ältesten Sohn an seiner Stelle. Aurangazeb behielt Ram Rai an seinem Hof für eine recht lange Zeit und behandelte ihn mit großem Respekt. Ram Rai hatte die strikte Order von seinem Vater bekommen, seinem Glauben treu zu bleiben und nicht von ihm abzuweichen, wie immer die Umstände sich auch entwickeln würden.

Aurangazeb lernte in dieser Zeit vieles über die Religion der Sikh von Ram Rai. Er verehrte aufs Höchste den Heiligen Granth, denn er war zu der Meinung gekommen, dass die Glaubensgrundsätze des Sikhismus in vielem mit den Lehrsätzen des Islam übereinstimmten. Eines Tages fiel Aurangazeb ein Satz in den Sikh-Schriften in Rag Asa auf und er fragte Ram Rai nach seiner Bedeutung. Der Satz bezog sich auf das körperliche Leid eines Muselman (Moslem) nach dem Tod. Die Asche der Moslems würde zu Töpferton werden; aus ihr würden Behälter und Ziegel geformt werden; sie würden laut aufschreien, wenn sie dann zersprangen. Ram Rai dachte, dass dieser Satz den Mogul sehr kränken würde, da dieser in seinem Glauben sehr voreingenommen war. Deshalb ersetzte er das Wort "Muselman" mit dem Wort "Beiman" (Ungläubiger), um ihn zufrieden zu stellen.

Dies kam als Nachricht zu Ohren von Guru Har Rai. Der Guru sagte erbost, dass kein Sterblicher jemals die Worte von Guru Nanak ändern dürfte und dass er den Mann, der es gewagt hatte, dies zu tun, nie mehr sehen wollte. Er erließ einen Befehl, dass ein wahrer Sikh keinerlei Verbindung mehr mit Ram Rai oder seiner Nachkommenschaft haben durfte. Derjenige, welcher sich diesem Befehl widersetzte, würde exkommuniziert werden.

Der Guru sagte: "Das Amt des Guru ist wie die Milch der Tigerin, welche nur in einer goldenen Tasse aufgefangen werden darf. Nur derjenige ist es wert innezuhaben, welcher bereit ist, sein Leben dafür hinzugeben. Ram Rai soll mir bloß nicht mehr unter die Augen treten. Soll er doch bei Aurangazeb hausen und Geld an seinem Hofe anhäufen."

Ram Rai bat darauf den Guru um Vergebung. In Kiratpur wartete er persönlich auf seinen Vater. Es wurde ihm jedoch keine Verzeihung gewährt. Ram Rais Bitte um eine Aussprache unter vier Augen wurde zurückgewiesen. Ihm wurde befohlen, Kiratpur sofort zu verlassen.

Als Guru Har Rai sein Ende nahen fühlte, beschloss er, unverzüglich Har Krishan als seinen Nachfolger einzusetzen. In Gegenwart aller versammelten Magnaten setzte der Guru seinen Sohn Har Kishan, der immer noch ein Kind war, auf den Thron. Er legte eine Kokusnuss und fünf Küchlein vor ihm aus und umkreiste ihn viermal. Zum Schluss malte er einen Tilaka auf Har Kishans Stirn. Die gesamte Versammlung erhob sich und brachte dem jungen Guru ihre Ehrerbietung dar.

Guru Har Rai verstarb 1661 n. Chr. im Alter von zweiunddreißig Jahren in Kiratpur. Er regierte als Guru für einen Zeitraum von siebzehn Jahren.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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