Geschwisterliche Liebe

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Geschwisterliche Liebe ist die Liebe zwischen zwei Geschwistern. Geschwisterliche Liebe ist auch das Ideal der Liebe zwischen zwei Menschen, die auf einer gleichen Ebene sich befinden. Das Ideal der geschwisterlichen Liebe kann auch das Ideal einer hierarchiefreien Gesellschaft sein im Sinne von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit.

Geschwisterliche Liebe

Charakteristika der geschwisterlichen Liebe

Geschwisterliche Liebe

Geschwister sind Brüder und Schwestern, welche die gleichen Eltern haben, alles miteinander teilen, füreinander da sind, und sich in Liebe begegnen. Geschwister können sich auch mal streiten - das tut ihrer geschwisterlichen Liebe keinen Abbruch. Geschwisterliche Liebe ist Liebe, die meist ein ganzes Leben hält. Freunde mögen sich ändern, die "erste Liebe" mag vergehen. Aber die meisten Menschen bleiben ihren Geschwistern in Liebe verbunden. Natürlich ist in Wirklichkeit die Beziehung zwischen Geschwistern nicht so einfach. Aber das Ideal der geschwisterlichen Liebe hat folgende Kriterien:

  • Die Geschwister sind grundsätzlich gleichberechtigt
  • Geschwisterliche Liebe teilt alles, was man hat, miteinander
  • Geschwister helfen einander, beschützen einander
  • Geschwisterliche Liebe braucht keine ständige Bestätigung - dadurch dass man Geschwister ist, ist man füreinander da
  • Geschwisterliche Liebe kommt aus dem Gefühl, zur gleichen Familie zu gehören, gleichen Vater/Mutter zu haben
  • Geschwisterliche Liebe heißt auch, dem anderen zu helfen, sich zu entwickeln. Denn geschwisterliche Liebe beginnt ja im Alter, wo die Kinder im Wachstum sich befinden
  • Geschwisterliche Liebe ist keine geschlechtliche Liebe
  • Geschwisterliche Liebe kann mit gutem Verstehen verbunden sein - muss es aber auch nicht

Geschwisterliche Liebe als Ideal in einer spirituellen Gemeinschaft

Yoga Vidya-Gemeinschaft in Bad Meinberg

In spirituellen Gemeinschaften wie Klöstern und Ashrams gibt es das Ideal der geschwisterlichen Liebe: Alle Gemeinschaftsmitglieder seien sich in geschwisterlicher Liebe zugetan. Alle Gemeinschaftsmitglieder haben das Ideal, alles miteinander zu teilen. Sie helfen einander, beschützen einander. In Klöstern gibt es ja den Abt bzw. die Äbtissin als Vaterfigur bzw. Mutterfigur. Da ist es ganz natürlich, dass die Mönche/Nonnen sich als Bruder und Schwester bezeichnen. Geschwisterliche Liebe kommt auch aus dem Gefühl, Mitglied einer Familie zu sein. Geschwisterliche Liebe ist oft auch konfliktbeladen - das vergessen Einzelkinder oft, die keine Geschwister hatten, die Geschwister vermissen und hoffen in einer spirituellen Lebensgemeinschaft die ideale Geschwisterliebe erfahren zu können. Wer mit unrealistischer Erwartung an die geschwisterliche Liebe in eine spirituelle Lebensgemeinschaft geht, wird irgendwann lernen müssen, mit Enttäuschungen umzugehen. Ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl in einer spirituellen Gemeinschaft ist geprägt von geschwisterlicher Liebe - auch wenn diese nicht konfliktfrei ist.

In Indien werden Schüler/innen des gleichen Lehrers (Guru) als Gurubhai bezeichnet. Gurubhais fühlen sich oft in geschwisterlicher Liebe zugetan - selbst wenn sie sich vorher nie gesehen haben, wird das Entdecken dass sie zur gleichen spirituellen Familie gehören, sofort geschwisterliche Gefühle zutage fördern. Je mehr sich Gemeinschaftsmitglieder von Nichtgemeinschaftsmitgliedern abgrenzen, umso stärker ist oft die Verbundenheit auf der Basis der geschwisterlichen Liebe. So ist dies die Kehrseite der geschwisterlichen Liebe: Die Mitglieder der gleichen Familie sind sich in geschwisterlichen Liebe zugetan...

Die ganze Menschheit als eine Familie

Wissend, dass geschwisterliche Liebe der Zusammengehörigkeit zu einer Familie bedarf, hat Swami Sivananda gerne gesagt: Fühle dich als Teil der Familie der Menschheit. Siehe jeden als deinen Bruder, deine Schwester an, und sei ihnen in geschwisterlicher Liebe zugetan.

Ob Menschen in der Lage sind, allen anderen Menschen, vielleicht sogar allen Tieren, in geschwisterlicher Liebe zugetan zu sein, ist eine offene Frage...

Geschwisterliche Liebe im Urchristentum

Gerade in den urchristlichen Gemeinden galt das Ideal der geschwisterlichen Liebe. Diese wird gerade in den Paulusbriefen und den Petrusbriefen immer wieder angesprochen. Vermutlich war diese geschwisterliche Liebe in den Urgemeinden Teil der Attraktivität, der Anziehungskraft, des Christentums in den ersten 200 Jahren nach Christus.

Geschwisterliche Liebe in den Yoga Vidya Gemeinschaften

Yoga Vidya an der Nordsee

Yoga Vidya hat mehrere Ashramgemeinschaften als spirituelle Gemeinschaften. Die Mitglieder der Yoga Vidya Lebensgemeinschaften sehen sich als Teil einer Familie und haben als Ideal, in geschwisterlicher Liebe zusammen zu leben, zusammen zu wirken, sich gegenseitig zu unterstützen und miteinander zu teilen.

Eine gewisse Schwierigkeit ist dabei, dass die Yoga Vidya Gemeinschaften offene Gemeinschaften sind, zu denen immer wieder neue Gemeinschaftsmitglieder hinzukommen und alte wieder gehen. Dennoch ist das Gefühl der geschwisterlichen Liebe immer zu spüren - besonders wenn es mal jemandem nicht so gut geht.

Geschwisterliche Liebe als Ideal von Kommunen

In Kommunen, also Lebensgemeinschaften, in denen alles miteinander geteilt wird, spielt die Geschwisterlichkeit, und damit auch die geschwisterliche Liebe, eine besondere Rolle, auch dann, wenn die Kommune ausdrücklich sich nicht als spirituell definiert. Letztlich kann eine Kommune nur in soweit bestehen, wenn das Teilen, das gemeinschaftliche Leben, auch mit geschwisterlicher Liebe verbunden ist.

Geschwisterliche Liebe als Ideal der französischen Revolution

Die französische Revolution prägte die Ideale von Liberté, Egalité, Fraternité, also von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. All diese drei Ideale basieren auf der geschwisterlichen Liebe - sie brauchen auch die geschwisterliche Liebe als Grundlage und emotionale Basis.

Die ganze Welt als eine Familie, als globales Dorf

Heutzutage ist die ganze Welt ein globales Dorf. Die ganze Welt ist eine globale Familie. Mögen alle Menschen sich als Teil einer großen Familie sehen, zu denen auch die Tiere gehören. Und so wie es in einer Familie die Kleinfamilie, die Großfamilie und die Sippe gibt, so kann sich auch die ganze Menschheit in geschwisterlicher Liebe zugetan fühlen - und dennoch auch Kleinfamilien bilden.

Siehe auch

Literatur

  • Stephan Hachtmann, Berührt vom Klang der Liebe: Wege zum Herzensgebet (2012)
  • Thich Nhat Hanh, Jesus und Buddha - Ein Dialog der Liebe (2010)
  • Franz Jalics, Der kontemplative Weg (2010)
  • Johannes XXIII., Das Herz muss voll Liebe sein (2013)
  • Ayya Khema, Das Größte ist die Liebe: Die Bergpredigt und das Hohelied der Liebe aus buddhistischer Sicht (2009)
  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Autobiographie von Swami Sivananda (1999)
  • Swami Sivananda, Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte (1964)
  • Kordula Witjes u.a., Die Liebe wählen: Frère Roger, Taizé 1915-2005 (2013)
  • Petra und Erwin Würth, Zur Liebe befreit: Szenen aus dem Leben des Franziskus von Assisi (2011)
  • Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von Heute

Weblinks

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