Väterliche Liebe

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Väterliche Liebe ist zunächst die Liebe eines Vaters zu seinen Kindern. Im weiteren Sinne ist die väterliche Liebe die Liebe eines Älteren bzw. Erfahreneren zu einem Jüngeren, dem er etwas beibringen will. In spirituellen Gemeinschaften wie Klöstern und Ashrams wird denjenigen, die schon länger dabei sind, geraten, den neueren Gemeinschaftsmitgliedern in väterlicher Liebe zu begegnen.

Männer aus vier Generationen einer Familie aus Pakistan. Foto: Miansari66 Copyright

Charakteristika der väterlichen Liebe

Väterliche Liebe ist eine Liebe, die mit Liebe die Entwicklung von jemandem betrachtet, der in Entwicklung begriffen ist. Es ist natürlich zunächst die Liebe des Vaters zu seinen Kindern. Ein Vater beschützt seine Kinder, gibt ihnen Aufgaben, freut sich über die Fortschritte der Kinder und zeigt ihnen seine Anerkennung. Ein Vater ist stolz, wenn seine Kinder etwas geleistet haben.

Diese Charakteristika hat die väterliche Liebe im allgemeinen:

Väterliche Liebe in einer spirituellen Gemeinschaft

In spirituellen Gemeinschaften wird meist von der Leitungspersönlichkeit väterliche Liebe erwartet. Nicht umsonst kommt der Ausdruck Abt von Abba, Vater. Und in Indien werden Gurus, Lehrer, ob als Baba bzw. Babaji angesprochen: Baba heißt einfach Vater, genau wie Abba im Aramäischen. Und die Priester der Ostkirche werden oft als Vater bzw. Väterchen angesprochen. Hier wird das Ideal der väterlichen Liebe ausgedrückt: Der spirituelle Lehrer bzw. der Leiter soll den Schülern/Aspiranten Schutz geben, ihnen bei ihrer spirituellen Entwicklung helfen, ihre Fehler liebevoll betrachten, ihnen Aufgaben stellen, geduldig mit ihnen umgehen, letztlich stolz sein auf die spirituelle Entwicklung der Aspiranten.

Im weiteren Sinn wird auch von allen, die schon länger in einer spirituellen Lebensgemeinschaft leben, erwartet, dass sie den neu hinzugekommenen Aspiranten in väterlicher Liebe begegnen. Dabei ist auch wichtig, dass die Älteren den Jüngeren mit Geduld gegenüber stehen, mit Liebe und auch mit Respekt. Der Enthusiasmus der Jugend kann manchmal auch für die Älteren inspirierend sein. So sollten die Älteren den "jugendlichen Enthusiasmus", der ja oft auch "jugendlicher Leichtsinn ist", nicht zu sehr dämpfen -und selbst etwas davon lernen. Auch Väter werden von ihren Kindern jung gehalten - und können von ihnen viel lernen.

Väterliche Liebe als Grundlage von Mentoren

In Amerika spielt das Konzept des Mentors eine große Rolle. Und auch in Deutschland wird der Mentor-Gedanke populärer. In Deutschland wird insbesondere versucht, Rentnern im Mentorentum zu schulen. Grundlage des Mentor-Gedankens ist die väterliche Liebe: Aus einer Art väterlicher Liebe hilft ein Erfahrener einem Jüngeren auf seinem beruflichen Gebiet voranzukommen. Der Mentor erwartet keine Gegenleistung - das Gefühl, jemandem in seiner Entwicklung zu helfen, ist Lohn genug.

Väterliche Liebe als Grundlage der Pädagogik

Auch Pädagogen brauchen väterliche Liebe. Es reicht nicht aus, nur den Stoff zu kennen und pädagogische Konzepte und Techniken zu beherrschen. Ein Pädagoge braucht väterliche Liebe, die sich freut, wenn die Schüler lernen und wachsen.

Väterliche Liebe und Gott

Die Liebe Gottes zu den Menschen wird oft als väterliche Liebe gesehen. Gerade im Christentum wird Gott ja als Vater, als Gottvater angeredet. Das bekannteste christliche Gebet heißt ja Vaterunser. So wird angenommen, dass Gott sich um uns kümmert, uns schützt. Die väterliche Liebe Gottes ist Hilfe bei unserer Entwicklung. Die Aufgaben des täglichen Lebens werden als Aufgaben für Wachstum angesehen. Wir wissen, dass Gott uns geduldig und mit väterlicher Liebe bei der Erledigung unserer Aufgaben zuschaut und unsere Entwicklung betrachtet. Vielleicht ist er ja sogar etwas stolz auf uns...

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Götter und Göttinnen im Hinduismus (2008)
  • Swami Sivananda, Bhakti und Sankirtan, Hrsg.: The Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Ingrid Riedel, Stark wie der Tod ist die Liebe - Das Hohelied. Mit Bildern von Renate Gier (2013)
  • Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken (2011)
  • Albert Schweitzer, Glauben, lieben, handeln (1980)
  • Hansjürgen Verweyen, Ist Gott die Liebe? Spurensuche in Bibel und Tradition (2014)

Weblinks

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