Dvandva

Aus Yogawiki
Freude-Leid-Masken

Dvandva (Sanskrit: द्वन्द्व dvandva n.) Paar, ein Paar von zwei gegensätzlichen Eigenschaften (Guna; wie kalt und warm, Glück und Unglück etc.), Gegensatzpaar; Zweifel, Unsicherheit; Kampf, Streit, Ärger; (Grammatik‏‎:) eine bestimmte Art von Kompositum.

Ein Dvandvatita ist dann jemand, der von den Dvandvas, den Gegensatzpaaren, nicht beeindruckt wird. Ein Dvandvatita, auch Dwandwatita geschrieben, ist unabhängig von Hitze und Kälte, von Vergnügen und Schmerz, von Lob und Tadel, von Erfolg und Misserfolg.


Sukadev über Dvandva

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Dvandva

Dvandva heißt Paar, Dvandva heißt Zweiheit, Dvandva kommt von Dva – Dva heißt zwei – und ist dann Dva-Dva, also ist die Zwei-Zweiheit. Aber Dvandva ist in Wahrheit nur eine Zweiheit. Was damit gemeint ist, ist insbesondere ein Paar, aber insbesondere auch ein Gegensatzpaar. Gerade wenn die Bhagavad Gita von den Dvandvas spricht oder insbesondere das Yoga Sutra, dann sind dort Gegensatzpaare gemeint. Und die Bhagavad Gita wie auch Patanjali empfiehlt, über die Dvandvas hinauszuwachsen, zum Dvandvatita zu werden, also jemand, der über die Zweiheiten hinausgewachsen ist.

Was sind hier die Dvandvas, über die man hinauswachsen sollte? Die Dvandvas sind Hitze und Kälte, Vergnügen und Schmerz, Lob und Tadel, Schönes wie auch weniger Schönes, Gesundheit und Krankheit, gute Stimmung, schlechte Stimmung, all das wechselt sich ab, reich – arm, Glück – Unglück. Das sind die ganzen Dvandvas in diesem Universum. Und ein Yogi lernt, von Dvandvas unabhängig zu werden. Er kann zum einen zum Drashta werden, also zum Beobachter, auch Sakshi genannt, also jemand, der alles beobachtet. Und ein Yogi kann sich bewusst sein: "Ja, auf der physischen Ebene gibt es Dvandvas, auf der physischen Ebene ist alles in Bewegung." Auf der physischen Ebene gibt es ständige Bewegung, daher auch Shiva Nataraja, der kosmische Tänzer. Oder im Sankhya würde man sagen, alles befindet sich in Parinama, in beständiger Veränderung.

Aber es gibt etwas, was jenseits der Dvandvas ist. Und das, was jenseits der Dvandvas ist, das ist das wahre Bewusstsein, das höchste Selbst, jenseits der Dvandvas ist der göttliche Kern. Du kannst dich auf eine äußere Ebene begeben und dann sind die Dvandvas da. Oder du kannst nach innen gehen und auch in eine höhere Wirklichkeit, und dort gibt es nur Verbindung und Einheit. Patanjali sagt im Yoga Sutra, dass Asana hilft, die Angriffe der Dvandvas zu überwinden. In den Asanas, also in den Yoga Asanas wie auch in der Meditationshaltung, lernst du, einfach sitzen zu bleiben. Dir mag es im Raum zu kalt sein oder zu warm sein, du bleibst sitzen. Es mag sich eine Fliege auf deine Nase setzen, du bleibst sitzen. Du magst plötzlich an irgendetwas denken, was nicht so schön war, und du magst an etwas denken, was besonders schön war, du bleibst einfach ruhig sitzen. Indem du ruhig sitzen bleibst in einer Asana und dabei auch deinen Geist in eine Asana des Annehmens und der Beständigkeit bringst, lernst du, dass die Dvandvas kommen und gehen werden. Und so wirst du zum Dvandva Tita, zum einen zum Beispiel sogar, wenn du es lernst, einfach sitzen zu bleiben, was auch immer geschieht. Also, Dvandva – Gegensatzpaar. Dvandva – die Pole, zwischen denen das Leben hin- und hergeht. Und das Ziel ist es, zum Dvandva Tita zu werden, jemand, der über die Gegensatzpaare hinausgeht.

Altindische Grammatik (Vyakarana)

Das Dvandva ist eine Art Kompositum (Samasa), das aus einer Verbindung von zwei oder mehr Substantiven, die mit "und" aufzulösen ist, besteht. Im Deutschen entspräche etwa die Bildung "schwarz-weiß" (d.h. "schwarz und weiß") diesem Typ. Es gibt zwei Unterarten des Dvandva:

Verbindung von zwei Substantiven

An ein solches Kompositum treten die Endungen des Duals, z. B.:

  • mātā-pitarau (Nominativ Dual m.) "Mutter und Vater", d.h. "die Eltern"

Verbindung von mehr als zwei Substantiven

An ein solches Kompositum treten die Endungen des Neutrums (Singular oder Plural). Diese Art des Dvandva wird im Sanskrit gern benutzt, ganze Listen und Aufzählungen zu bilden. Der Länge solcher Komposita sind theoretisch keine Grenzen gesetzt, z. B.:

  • aśva-hasti-ratha-bhṛtyāni (Nominativ Plural n.) "Pferde, Elefanten, Streitwagen und Diener."

Siehe auch

Literatur

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