Ajadapramatrisiddhi
Ajadapramatrisiddhi (Sanskrit: आजडप्रमातृसिद्धि ājaḍapramātṛsiddhi f.), auch Ajada Pramatri Siddhi, Ajaḍapramātṛsiddhi oder Ajaḍa-pramātṛ-siddhi, ist eine kurze philosophische Schrift von Utpaladeva. Der Titel lässt sich sinngemäß als „Nachweis des bewussten Erkennenden“ oder „Begründung des nicht-unbewussten Erkenntnissubjekts“ wiedergeben. Ajaḍa bedeutet wörtlich „nicht jaḍa“, also nicht träge, nicht unbewusst; pramātṛ ist der Erkennende und siddhi die Begründung, Feststellung oder der Nachweis.
Das Werk umfasst 27 Verse und gehört in den philosophischen Zusammenhang der Pratyabhijna, der Lehre von der Wiedererkennung. In der Forschung wird die Ajadapramatrisiddhi zusammen mit zwei weiteren kurzen Begründungsschriften Utpaladevas als Teil einer sogenannten Siddhitrayi behandelt. Für den vorliegenden Artikel ist jedoch vor allem die im Text selbst entwickelte Frage entscheidend: Was muss vorausgesetzt werden, damit überhaupt etwas als seiend, nichtseiend, erkannt, erinnert oder miteinander verbunden erfahren werden kann?
Utpaladevas Argumentation läuft darauf hinaus, dass ein bewusster Erkennender vorausgesetzt werden muss, der nicht seinerseits auf die Ebene eines bloß unbewussten Objekts reduziert werden kann. Die Verse unterscheiden dabei zwischen einer begrenzten und einer unbegrenzten Erscheinungsweise desselben Selbstes. Der Kommentar erläutert dies mit den Begriffen Prakasha, Vimarsha, begrenzter Pramātṛ und höchstem Selbst.
Die hier zugrunde gelegte Muktabodha-Ausgabe M00502 enthält neben den 27 Versen eine ausführliche Vṛtti von Haribhatta Shastri (Haribhaṭṭa Śāstrī). Herausgeber der 1921 in der Kashmir Series of Texts and Studies, Band 34, erschienenen Fassung war Madhusudan Kaul Shastri.
Stellung innerhalb der Pratyabhijna-Philosophie
Die Ajadapramatrisiddhi ist kurz, aber philosophisch anspruchsvoll. Sie entfaltet in konzentrierter Form einen Grundgedanken der Pratyabhijna: Die Welt kann nicht aus sich selbst erklären, wie sie erscheint, wie Unterschiede erkannt werden und wie verschiedene Erkenntnismomente miteinander verbunden werden. Für all dies ist Bewusstsein vorausgesetzt.
Die 27 Verse argumentieren schrittweise für einen Erkennenden, der selbst nicht jaḍa, also nicht unbewusst, sein kann. Die beigefügte Vṛtti entfaltet diese Argumentation im Horizont der Pratyabhijna-Lehre und zieht dabei auch Abgrenzungen gegenüber anderen philosophischen Auffassungen. Da die Muktabodha-Datei selbst keine moderne philosophiegeschichtliche Einleitung enthält, werden solche größeren historischen Einordnungen hier bewusst zurückhaltend behandelt.
Die Ajadapramatrisiddhi bleibt dabei nicht bei einer abstrakten Erkenntnistheorie stehen. Besonders in den Versen 16–27 verbindet sie die Analyse des Erkennens mit der Frage nach begrenztem Subjekt, höchstem Selbst, Freiheit, Maya und Nichtdualität.
Die Argumentation in sieben Schritten
1. Sein und Nichtsein brauchen einen Maßstab
Die ersten Verse beginnen überraschend skeptisch. Wenn ein Ding nur „an sich“ betrachtet wird, ohne Beziehung zu Erscheinung und Erkenntnis, lässt sich nicht einmal der Unterschied zwischen Sein und Nichtsein begründen. Das Gleiche gilt zunächst für jaḍa und ajaḍa, das Unbewusste und das Bewusste.
Utpaladeva verschiebt damit die Frage: Nicht nur „Was existiert?“, sondern vor allem: Wodurch kann der Unterschied zwischen Sein und Nichtsein überhaupt festgestellt werden?
2. Erscheinung setzt Bewusstsein voraus
Ein Ding gilt als seiend, insofern es erscheint und bestimmt werden kann. Doch diese Bestimmungen lassen sich nach der Argumentation des Textes nicht unabhängig vom Erkennen erklären; sie verweisen auf Bewusstsein.
Damit verschiebt sich die philosophische Frage vom Objekt zum Bewusstsein: Nicht die Dinge erklären das Erscheinen; vielmehr muss das Erscheinen selbst erklärt werden.
3. Bewusstsein ohne Vimarsha genügt nicht
Verse 9–10 bilden einen entscheidenden Wendepunkt. Wäre Bewusstsein ohne parāmarśa bzw. Vimarsha, also ohne Selbstbezug und reflexive Bestimmung, dann wäre es nach der Argumentation des Textes in sich nicht hinreichend von etwas Unbewusstem unterschieden.
Bewusstsein wird hier daher nicht als bloßes Erscheinen gefasst, sondern als ein Erscheinen, das sich zugleich auf sich selbst beziehen kann. Diese reflexive Dimension wird im Kommentar mit Vimarsha bzw. Pratyavamarsha erläutert.
4. „Dies“ findet seine Vollendung im „Ich“
Die Verse 11–15 führen von idam, „dies“, zu aham, „ich“. Gegenstände erscheinen als „dies“. Doch die Ordnung und Einheit des Erscheinens findet ihren letzten Halt im Ich-Bewusstsein.
Vers 15 formuliert dies besonders deutlich: Die Vollendung des als „Dies“ abgehobenen Gegenstandes liegt in seiner Ruhe im eigenen Wesen, die als Vimarsha „Ich bin dies“ bezeichnet wird. Hier verdichtet sich die nichtduale Pointe des Textes.
5. Begrenztes und unbegrenztes Subjekt sind ein Bewusstsein
Vers 16 unterscheidet zwei Erscheinungsweisen desselben Selbstes:
- begrenzt durch Prana und andere Bedingungen – das individuelle Wesen;
- unbegrenzt und ungeteilt – Paramatman.
Der Vers stellt beide nicht als zwei voneinander unabhängige Selbste dar, sondern als begrenzte und unbegrenzte Weise desselben Selbstes.
6. Jivasein beruht auf Nicht-Erkennen
Verse 19–24 untersuchen die scheinbare Gebundenheit des individuellen Subjekts. Prana, Puryashtaka und andere begrenzende Faktoren können nicht der letzte Erkennende sein, denn auch sie werden erkannt.
Der Kommentar erklärt diese Begrenzung im Sinn der Pratyabhijna: Jivasein wird mit akhyāti, Nicht-Erkennen bzw. Nicht-Erfassen der eigenen umfassenderen Natur, verbunden. Der Text behauptet daher keine zweite, von der höchsten Wirklichkeit getrennte Substanz.
7. Das verbindende Ich-Bewusstsein begründet Nichtdualität
Die letzten Verse fragen, was verschiedene Erkenntnisse miteinander verbindet. Wir erkennen nacheinander Blau, Freude, Erinnerung, Vorstellung und andere Inhalte – und wissen dennoch, dass sie zu einem zusammenhängenden Erfahrungsstrom gehören.
Diese verbindende Instanz kann nach der Argumentation des Textes nicht selbst jaḍa, also unbewusst, sein. Der Schlussvers verbindet daher erscheinende Verschiedenheit mit einer nichtdualen Grundlage.
Vollständiger Text in Umschrift mit deutscher Übersetzung
Vers 1
yathā sadasatām naiva viśeṣo 'sti nijātmani |
jadājaḍānām apy evaṃ nāsty asāv iti niścayaḥ || 1 ||
Übersetzung: So wie zwischen Seiendem und Nichtseiendem, jeweils nur in ihrem eigenen Wesen betrachtet, kein Unterschied besteht, so besteht auch zwischen dem Unbewussten und dem Bewussten, je nur in sich betrachtet, kein solcher Unterschied – so lautet die Feststellung.
Vers 2
prakhyopākhyā ca sattā yad yad asattā viparyayaḥ |
naitat svarūpaṃ spṛśati vastuno jñātṛgāmy adaḥ || 2 ||
Übersetzung: Erscheinung und Benennung gelten als Sein; ihr Gegenteil gilt als Nichtsein. Doch dies berührt nicht das Eigenwesen des Gegenstandes, denn jene Bestimmungen gehören zum Erkennenden.
Vers 3
prakhyopākhyāviṣayatāpy arthasyātmā na yujyate |
parāpekṣitayā naikarūpatve sattvalanghanāt || 3 ||
Übersetzung: Auch Gegenstand von Erscheinen und Benennung zu sein, kann nicht das eigentliche Wesen eines Dinges ausmachen: Denn dies hängt von einem anderen ab, und bei wechselnder Gestalt wäre eine einheitliche Seinsbestimmung nicht gesichert.
Vers 4
mā bhūd viśeṣaḥ prakhyādibhāvābhāvau tataḥ punaḥ |
siddhyaty eva viśeṣo 'tra tāvatā ca prayojanam || 4 ||
Übersetzung: Mag also zunächst kein Unterschied bestehen; dennoch unterscheiden sich Sein und Nichtsein dadurch, dass Erscheinen und Bestimmung vorhanden oder nicht vorhanden sind. Für die praktische Unterscheidung genügt dies.
Vers 5
evam apy avabhāsānuṣaktā sattocitā bhavet |
tadapekṣāṃ vinā bhāvābhāvayor aviśiṣṭatā || 5 ||
Übersetzung: Doch selbst so ist Sein nur sinnvoll als mit Erscheinung verbunden. Ohne Bezug auf Erscheinung wären Sein und Nichtsein, jeweils nur in sich selbst, nicht unterscheidbar.
Vers 6
kathaṃ syād aviśeṣo 'tra yāvatārthakriyāṃ hi san |
kuryān nānyas tathāpy artho nirviśeṣo nijātmani || 6 ||
Übersetzung: Wie könnte man sagen, beide seien gleich, wenn das Seiende wirksam handelt und das andere nicht? Dennoch besitzt ein Gegenstand, nur in seinem Eigenwesen betrachtet, dadurch noch keinen selbständigen Unterschied.
Vers 7
evam arthakriyābhāsopādhisaṃbhedam āgataḥ |
sann arthaḥ syāt svarūpeṇa nāsatas tu viśiṣyate || 7 ||
Übersetzung: So mag ein existierender Gegenstand mit den Bedingungen von Wirksamkeit und Erscheinung verbunden sein; seinem bloßen Eigenwesen nach ist sein Unterschied vom Nichtseienden damit noch nicht begründet.
Vers 8
tatrāpy arthakriyā siddhasattākārthe na varṇitā |
samam evānayos tena pratiṣṭhā saṃvidāśrayā || 8 ||
Übersetzung: Auch hier wurde Wirksamkeit nicht als das Wesen eines bereits als seiend feststehenden Gegenstandes erwiesen. Daher haben Sein und Nichtsein gleichermaßen ihre Grundlage im Bewusstsein.
Vers 9
saṃvid apy aparāmarśarūpā cet tad asāv api |
abhāvena jaḍenātha tulyaiva prāgvad ātmani || 9 ||
Übersetzung: Wenn aber auch das Bewusstsein ohne Selbstbezug, ohne Vimarsha, wäre, dann wäre es in seinem eigenen Wesen ebenso wie Nichtsein oder etwas Unbewusstes.
Vers 10
saivaṃ bhūtātmanā svenāpy alabdhapariniṣṭhitiḥ |
katham anyasya bhāvasya pratiṣṭhāspadatām iyāt || 10 ||
Übersetzung: Ein solches Bewusstsein, das nicht einmal in seinem eigenen Wesen festen Bestand erlangt, könnte unmöglich anderen Dingen Grund und Bestand verleihen.
Vers 11
idam ity ucitaḥ saṃvit prakāśe 'nyasya vastunaḥ |
pratiṣṭhātmakatāṃ gacched aham ity ātmanā punaḥ || 11 ||
Übersetzung: Als „Dies“ ist Bewusstsein geeignet, ein anderes Ding erscheinen zu lassen; festen Bestand gewinnt es jedoch in der Form „Ich“, als sein eigenes Selbst.
Vers 12
vyatireketarābhyām hi niścayo 'nyajaḍātmanoḥ |
vyavasthitiḥ pratiṣṭhā ca siddhir nirvṛttir ucyate || 12 ||
Übersetzung: Durch Bejahung und Verneinung wird der Unterschied zwischen dem Anderen, dem Unbewussten, und dem Selbst bestimmt. Dies wird als Ordnung, Bestand, Vollendung und Verwirklichung bezeichnet.
Vers 13
evam ātmany asatkalpāḥ prakāśasyaiva santy amī |
jaḍāḥ prakāśa evāsti svātmanaḥ svaparātmabhiḥ || 13 ||
Übersetzung: So sind die unbewussten Dinge, für sich selbst betrachtet, gleichsam nichtseiend; sie bestehen nur durch Beziehung zum Licht. Das Licht allein besteht aus sich selbst und erscheint als Selbst und als Anderes.
Vers 14
na caivānubhavo 'py asti bhinnābhinnaviniścayam |
muktvānvayasya prakāśasya vimarśarahitātmanaḥ || 14 ||
Übersetzung: Auch Erfahrung wäre nicht möglich, wenn das verbindende Licht ohne Vimarsha wäre und keine Bestimmung von Verschiedenheit und Nichtverschiedenheit vollziehen könnte.
Vers 15
idam ity asya vicchinnavimarśasya kṛtārthatā |
yā svasvarūpe viśrāntir vimarśaḥ so 'ham ity ayam || 15 ||
Übersetzung: Die Vollendung dessen, was als getrenntes „Dies“ erfasst wird, besteht darin, in seinem eigenen Wesen zur Ruhe zu kommen. Eben diese Ruhe ist jener Vimarsha: „Ich bin dies.“
Vers 16
dvidhā sa eṣa evātmā mito 'parimitas tathā |
prāṇādinā niruddho 'ṇuḥ paramātmā tv akhaṇḍitaḥ || 16 ||
Übersetzung: Dieses eine Selbst erscheint zweifach: begrenzt und unbegrenzt. Durch Prana und die übrigen Begrenzungen eingeschlossen ist es das endliche Wesen; als ungeteiltes Selbst ist es Paramatman.
Vers 17
ubhayo 'py eṣa paryantabhūmiḥ sarvārthasaṃvidām |
eka evānusandhānād ato 'nyo nopapadyate || 17 ||
Übersetzung: Beide Formen desselben Selbst sind der letzte Grund, in dem alle Erkenntnisse von Gegenständen zur Ruhe kommen. Da es das eine verbindende Bewusstsein ist, kann kein zweites letztes Subjekt angenommen werden.
Vers 18
na cāpy avyatirekātmavimarśātmany ahaṃvidi |
bhāti paryantavartinyāṃ bhāsanād adhikaṃ jaḍam || 18 ||
Übersetzung: Im letzten, alles umfassenden Ich-Bewusstsein, dessen Wesen ungetrennter Vimarsha ist, erscheint nichts Unbewusstes, das über dieses Leuchten hinaus eine eigene Wirklichkeit besäße.
Vers 19
na siddho 'prathanād eva jñānādisamavāyy api |
tat prāṇādi prameyaṃ syān na pramātānyato bhramāt || 19 ||
Übersetzung: Auch ein mit Eigenschaften wie Erkenntnis ausgestattetes begrenztes Subjekt ist ohne eigenes Erscheinen nicht endgültig erwiesen. Prana und die übrigen Faktoren sind daher Gegenstände des Erkennens und nicht aus sich selbst der höchste Erkennende.
Vers 20
yady apy arthasthitiḥ prāṇapuryaṣṭakaniyantrite |
jīve niruddhā tatrāpi paramātmani sā sthitā || 20 ||
Übersetzung: Obwohl im begrenzten Jiva, der durch Prana und Puryashtaka bestimmt ist, die Ordnung der Gegenstände eingeschränkt erscheint, ruht auch diese Ordnung letztlich im höchsten Selbst.
Vers 21
tadātmanaiva tasya syāt kathaṃ prāṇena yantraṇā |
sādhitā pratyabhijñāyām akhyāter jīvatā param || 21 ||
Übersetzung: Wie könnte das höchste Selbst, wenn jenes begrenzte Subjekt in Wahrheit mit ihm identisch ist, tatsächlich durch Prana gefesselt werden? Die Pratyabhijna hat gezeigt: Jivasein beruht letztlich auf Nicht-Erkennen.
Vers 22
nārthavyavasthā prāṇādāv ahaṃbhāvanirodhataḥ |
prakāśasyātmaviśrāntir ahaṃbhāvo hi kīrtitaḥ || 22 ||
Übersetzung: In Prana und den anderen begrenzten Trägern kann die Ordnung der Dinge nicht letztgültig gegründet sein, weil dort das volle Ichsein gehemmt ist. Das Ruhen des Lichtes in sich selbst wird nämlich „Ichsein“ genannt.
Vers 23
uktā saiva ca viśrāntiḥ sarvāpekṣānirodhataḥ |
svātantryam atha kartṛtvaṃ mukhyam īśvaratāpi ca || 23 ||
Übersetzung: Eben dieses Ruhen, weil es von jeder Abhängigkeit frei ist, wird Freiheit genannt; es ist wahres Handeln und ebenso die eigentliche Herrschaft des Ishvara.
Vers 24
māyābhidās tacchakter eva cānyāprasiddhitaḥ |
tadakhyātimayaṃ hy etaj jagannirmātṛteśitā || 24 ||
Übersetzung: Maya ist nichts anderes als eine Bezeichnung für eben diese Kraft, da keine andere unabhängige Ursache erwiesen ist. Durch ihr Nicht-Erkennen erscheint diese Welt; die Macht, sie hervorzubringen, ist Ishvaratva.
Vers 25
ekaiva cānusaṃdhānāt sā proktā sarvasaṃvidām |
svasaṃvedanaparyāyamātṛtattvam anādi tat || 25 ||
Übersetzung: Weil sie die Einheit aller einzelnen Erkenntnisse durch verbindendes Wiedererkennen herstellt, wird diese eine Kraft als das anfangslose Prinzip des Erkennenden bezeichnet – als Selbstgewahrsein selbst.
Vers 26
bhāvavyavasthā yan niṣṭhā tasyāhaṃbhāvabhāginaḥ |
vyāpitvam anusaṃdhānaṃ taj jaḍasya na yujyate || 26 ||
Übersetzung: Der bewusste Erkennende, in dem die Ordnung aller Dinge gegründet ist und der am vollen Ichsein teilhat, besitzt durch dieses verbindende Bewusstsein Allgegenwart. Für etwas Unbewusstes ist dies nicht möglich.
Vers 27
tato bhede tu bhāsasya ghaṭate bhāsamānatā |
tenoktam pratyabhijñāyāṃ tadadvayamayaṃ jagat || 27 ||
Übersetzung: So kann gerade innerhalb der erscheinenden Verschiedenheit das Erscheinen wirklich stattfinden. Deshalb heißt es in der Pratyabhijna: Diese Welt ist ihrem Wesen nach nichtdual.
Vollständiger Text in Devanagari
Vers 1
यथा सदसताम् नैव विशेषो ऽस्ति निजात्मनि |
जदाजडानाम् अप्य एवं नास्त्य असाव् इति निश्चयः || १ ||
Vers 2
प्रख्योपाख्या च सत्ता यद् यद् असत्ता विपर्ययः |
नैतत् स्वरूपं स्पृशति वस्तुनो ज्ञातृगाम्य अदः || २ ||
Vers 3
प्रख्योपाख्याविषयताप्य अर्थस्यात्मा न युज्यते |
परापेक्षितया नैकरूपत्वे सत्त्वलऽऽन्घनात् || ३ ||
Vers 4
मा भूद् विशेषः प्रख्यादिभावाभावौ ततः पुनः |
सिद्ध्यत्य एव विशेषो ऽत्र तावता च प्रयोजनम् || ४ ||
Vers 5
एवम् अप्य अवभासानुषक्ता सत्तोचिता भवेत् |
तदपेक्षां विना भावाभावयोर् अविशिष्टता || ५ ||
Vers 6
कथं स्याद् अविशेषो ऽत्र यावतार्थक्रियां हि सन् |
कुर्यान् नान्यस् तथाप्य अर्थो निर्विशेषो निजात्मनि || ६ ||
Vers 7
एवम् अर्थक्रियाभासोपाधिसंभेदम् आगतः |
सन्न् अर्थः स्यात् स्वरूपेण नासतस् तु विशिष्यते || ७ ||
Vers 8
तत्राप्य अर्थक्रिया सिद्धसत्ताकार्थे न वर्णिता |
समम् एवानयोस् तेन प्रतिष्ठा संविदाश्रया || ८ ||
Vers 9
संविद् अप्य अपरामर्शरूपा चेत् तद् असाव् अपि |
अभावेन जडेनाथ तुल्यैव प्राग्वद् आत्मनि || ९ ||
Vers 10
सैवं भूतात्मना स्वेनाप्य अलब्धपरिनिष्ठितिः |
कथम् अन्यस्य भावस्य प्रतिष्ठास्पदताम् इयात् || १० ||
Vers 11
इदम् इत्य उचितः संवित् प्रकाशे ऽन्यस्य वस्तुनः |
प्रतिष्ठात्मकतां गच्छेद् अहम् इत्य आत्मना पुनः || ११ ||
Vers 12
व्यतिरेकेतराभ्याम् हि निश्चयो ऽन्यजडात्मनोः |
व्यवस्थितिः प्रतिष्ठा च सिद्धिर् निर्वृत्तिर् उच्यते || १२ ||
Vers 13
एवम् आत्मन्य असत्कल्पाः प्रकाशस्यैव सन्त्य अमी |
जडाः प्रकाश एवास्ति स्वात्मनः स्वपरात्मभिः || १३ ||
Vers 14
न चैवानुभवो ऽप्य अस्ति भिन्नाभिन्नविनिश्चयम् |
मुक्त्वान्वयस्य प्रकाशस्य विमर्शरहितात्मनः || १४ ||
Vers 15
इदम् इत्य अस्य विच्छिन्नविमर्शस्य कृतार्थता |
या स्वस्वरूपे विश्रान्तिर् विमर्शः सो ऽहम् इत्य अयम् || १५ ||
Vers 16
द्विधा स एष एवात्मा मितो ऽपरिमितस् तथा |
प्राणादिना निरुद्धो ऽणुः परमात्मा त्व् अखण्डितः || १६ ||
Vers 17
उभयो ऽप्य एष पर्यन्तभूमिः सर्वार्थसंविदाम् |
एक एवानुसन्धानाद् अतो ऽन्यो नोपपद्यते || १७ ||
Vers 18
न चाप्य अव्यतिरेकात्मविमर्शात्मन्य अहंविदि |
भाति पर्यन्तवर्तिन्यां भासनाद् अधिकं जडम् || १८ ||
Vers 19
न सिद्धो ऽप्रथनाद् एव ज्ञानादिसमवायय अपि |
तत् प्राणादि प्रमेयं स्यान् न प्रमातान्यतो भ्रमात् || १९ ||
Vers 20
यद्य अप्य अर्थस्थितिः प्राणपुर्यष्टकनियन्त्रिते |
जीवे निरुद्धा तत्रापि परमात्मनि सा स्थिता || २० ||
Vers 21
तदात्मनैव तस्य स्यात् कथं प्राणेन यन्त्रणा |
साधिता प्रत्यभिज्ञायाम् अख्यातेर् जीवता परम् || २१ ||
Vers 22
नार्थव्यवस्था प्राणादाव् अहंभावनिरोधतः |
प्रकाशस्यात्मविश्रान्तिर् अहंभावो हि कीर्तितः || २२ ||
Vers 23
उक्ता सैव च विश्रान्तिः सर्वापेक्षानिरोधतः |
स्वातन्त्र्यम् अथ कर्तृत्वं मुख्यम् ईश्वरतापि च || २३ ||
Vers 24
मायाभिदास् तच्छक्तेर् एव चान्याप्रसिद्धितः |
तदख्यातिमयं ह्य एतज् जगन्निर्मातृतेशिता || २४ ||
Vers 25
एकैव चानुसंधानात् सा प्रोक्ता सर्वसंविदाम् |
स्वसंवेदनपर्यायमातृतत्त्वम् अनादि तत् || २५ ||
Vers 26
भावव्यवस्था यन् निष्ठा तस्याहंभावभागिनः |
व्यापित्वम् अनुसंधानं तज् जडस्य न युज्यते || २६ ||
Vers 27
ततो भेदे तु भासस्य घटते भासमानता |
तेनोक्तम् प्रत्यभिज्ञायां तदद्वयमयं जगत् || २७ ||
Die Ajadapramatrisiddhi in einer zusammenhängenden deutschen Übersetzung
So wie Sein und Nichtsein, jeweils nur in sich selbst betrachtet, keinen unterscheidenden Maßstab besitzen, so gibt es auch zwischen Unbewusstem und Bewusstem, nur je für sich genommen, noch keinen solchen Unterschied – das ist die Ausgangsthese. Erscheinen und begriffliche Bestimmung kennzeichnen das Sein; ihr Gegenteil kennzeichnet das Nichtsein. Doch dies berührt nicht das Eigenwesen des Gegenstandes, denn jene Bestimmung gehört zum Erkennenden. Auch Gegenstand von Erscheinen und Benennung zu sein, kann nicht das eigentliche Wesen eines Dinges ausmachen: Denn dies hängt von einem anderen ab, und bei wechselnder Gestalt wäre eine einheitliche Seinsbestimmung nicht gesichert. Mag also zunächst kein Unterschied bestehen; dennoch unterscheiden sich Sein und Nichtsein dadurch, dass Erscheinen und Bestimmung vorhanden oder nicht vorhanden sind. Für die praktische Unterscheidung genügt dies. Doch selbst so ist Sein nur sinnvoll als mit Erscheinung verbunden. Ohne Bezug auf Erscheinung wären Sein und Nichtsein, jeweils nur in sich selbst, nicht unterscheidbar. Wie könnte man sagen, beide seien gleich, wenn das Seiende wirksam handelt und das andere nicht? Dennoch besitzt ein Gegenstand, nur in seinem Eigenwesen betrachtet, dadurch noch keinen selbständigen Unterschied. So mag ein existierender Gegenstand mit den Bedingungen von Wirksamkeit und Erscheinung verbunden sein; seinem bloßen Eigenwesen nach ist sein Unterschied vom Nichtseienden damit noch nicht begründet. Auch hier wurde Wirksamkeit nicht als das Wesen eines bereits als seiend feststehenden Gegenstandes erwiesen. Daher haben Sein und Nichtsein gleichermaßen ihre Grundlage im Bewusstsein. Wenn aber auch das Bewusstsein ohne Selbstbezug, ohne Vimarsha, wäre, dann wäre es in seinem eigenen Wesen ebenso wie Nichtsein oder etwas Unbewusstes. Ein solches Bewusstsein, das nicht einmal in seinem eigenen Wesen festen Bestand erlangt, könnte unmöglich anderen Dingen Grund und Bestand verleihen. Als „Dies“ kann Bewusstsein einem anderen Gegenstand Erscheinung geben; wirklichen Bestand gewinnt es jedoch als „Ich“, in der Form des eigenen Selbst. Durch Bejahung und Verneinung wird der Unterschied zwischen dem Anderen, dem Unbewussten, und dem Selbst bestimmt. Dies wird als Ordnung, Bestand, Vollendung und Verwirklichung bezeichnet. So sind die unbewussten Dinge, für sich selbst betrachtet, gleichsam nichtseiend; sie bestehen nur in Beziehung zum Licht des Bewusstseins. Das Licht allein ist in seinem eigenen Wesen und in den Formen von Selbst und Anderem wirklich. Auch Erfahrung wäre nicht möglich, wenn das verbindende Licht des Bewusstseins ohne Vimarsha wäre und nicht bestimmen könnte, was verschieden und was nicht verschieden ist. Die Vollendung dessen, was als getrenntes „Dies“ erfasst wird, besteht darin, in seinem eigenen Wesen zur Ruhe zu kommen. Eben diese Ruhe ist jener Vimarsha: „Ich bin dies.“ Dieses eine Selbst erscheint zweifach: begrenzt und unbegrenzt. Durch Prana und die übrigen Begrenzungen eingeschlossen ist es das endliche Wesen; als ungeteiltes Selbst ist es Paramatman. Beide Formen desselben Selbst sind der letzte Grund, in dem alle Erkenntnisse von Gegenständen zur Ruhe kommen. Da es das eine verbindende Bewusstsein ist, kann kein zweites letztes Subjekt angenommen werden. Im letzten, alles umfassenden Ich-Bewusstsein, dessen Wesen ungetrennter Vimarsha ist, erscheint nichts Unbewusstes, das über dieses Leuchten hinaus eine eigene Wirklichkeit besäße. Auch ein mit Eigenschaften wie Erkenntnis ausgestattetes begrenztes Subjekt ist ohne eigenes Erscheinen nicht endgültig erwiesen. Prana und die übrigen Faktoren sind daher Gegenstände des Erkennens und nicht aus sich selbst der höchste Erkennende. Obwohl im begrenzten Jiva, der durch Prana und Puryashtaka bestimmt ist, die Ordnung der Gegenstände eingeschränkt erscheint, ruht auch diese Ordnung letztlich im höchsten Selbst. Wie könnte das höchste Selbst, wenn jenes begrenzte Subjekt in Wahrheit mit ihm identisch ist, tatsächlich durch Prana gefesselt werden? Die Pratyabhijna hat gezeigt: Jivasein beruht letztlich auf Nicht-Erkennen. In Prana und den anderen begrenzten Trägern kann die Ordnung der Dinge nicht letztgültig gegründet sein, weil dort das volle Ichsein gehemmt ist. Das Ruhen des Lichtes in sich selbst wird nämlich „Ichsein“ genannt. Eben dieses Ruhen, weil es von jeder Abhängigkeit frei ist, wird Freiheit genannt; es ist wahres Handeln und ebenso die eigentliche Herrschaft des Ishvara. Maya ist nichts anderes als eine Bezeichnung für eben diese Kraft, da keine andere unabhängige Ursache erwiesen ist. Durch ihr Nicht-Erkennen erscheint diese Welt; die Macht, sie hervorzubringen, ist Ishvaratva. Weil sie die Einheit aller einzelnen Erkenntnisse durch verbindendes Wiedererkennen herstellt, wird diese eine Kraft als das anfangslose Prinzip des Erkennenden bezeichnet – als Selbstgewahrsein selbst. Der bewusste Erkennende, in dem die Ordnung aller Dinge gegründet ist und der am vollen Ichsein teilhat, besitzt durch dieses verbindende Bewusstsein Allgegenwart. Für etwas Unbewusstes ist dies nicht möglich. So kann gerade innerhalb der erscheinenden Verschiedenheit das Erscheinen wirklich stattfinden. Deshalb heißt es in der Pratyabhijna: Diese Welt ist ihrem Wesen nach nichtdual.
Zentrale Begriffe
Ajaḍa – bewusst, nicht-unbewusst
Der Titel beginnt mit einer Verneinung: a-jaḍa. Jaḍa bedeutet unbewusst, träge, nicht selbst erkennend. Ajaḍa bezeichnet demgegenüber das, was nicht unbewusst ist – lebendiges, selbstbezogenes Bewusstsein.
Die Wahl dieses Ausdrucks ist philosophisch wichtig. Der Text argumentiert nicht einfach mit einem vorausgesetzten metaphysischen Selbst, sondern versucht zu zeigen, dass die letzte Grundlage des Erkennens nicht selbst die Merkmale eines unbewussten Gegenstandes besitzen kann.
Pramātṛ – der Erkennende
Pramātṛ ist das Subjekt des Erkennens. Im gewöhnlichen Leben erscheint dieses Subjekt begrenzt: „Ich sehe“, „ich denke“, „ich erinnere mich“. Utpaladeva fragt jedoch, was dieses „Ich“ über verschiedene Erkenntnismomente hinweg zusammenhält.
Der im Text gesuchte letzte Pramātṛ ist daher nicht mit einem einzelnen psychologischen Zustand gleichzusetzen. Er soll gerade die Kontinuität und Verknüpfung verschiedener Erkenntnisse erklären.
Prakasha und Vimarsha
Prakasha ist das Licht des Erscheinens. Vimarsha ist die Fähigkeit dieses Lichtes, sich selbst zu erfassen. Im nichtdualen Kashmir-Shivaismus gehören beide untrennbar zusammen.
Die Ajadapramatrisiddhi argumentiert dafür, dass bloßes Erscheinen ohne Selbstbezug nicht genügt, um die Ordnung von Erkennen und Gegenstand zu erklären. Der Kommentar verbindet diese Selbstbezüglichkeit mit Freiheit und schöpferischer Wirksamkeit.
Aham und Idam
Aham – „Ich“ – und idam – „dies“ – sind Grundpole der Pratyabhijna. Idam bezeichnet das Objektive, Abgegrenzte, Erscheinende. Aham bezeichnet die selbstbezogene Seite des Bewusstseins.
Der Schlussvers lässt Nichtdualität und erscheinende Verschiedenheit ausdrücklich nebeneinander stehen: Gerade im Bereich des Unterschieds findet Erscheinung statt, ohne dass damit eine zweite, vom Bewusstsein unabhängige letzte Wirklichkeit behauptet wird.
Svatantrya – Freiheit
Vers 23 verbindet das Ruhen des Bewusstseins in sich selbst ausdrücklich mit Svatantrya, Freiheit. Weil das höchste Bewusstsein für sein Sein und Erkennen nichts außerhalb seiner selbst benötigt, ist es frei. Diese Freiheit ist zugleich seine eigentliche Handlungsfähigkeit und seine Ishvara-Natur.
Bedeutung für Meditation und Selbsterforschung
Die Ajadapramatrisiddhi ist kein Meditationshandbuch. Ihre Argumentation lässt sich jedoch für heutige Leser in eine Form philosophischer Selbsterforschung übertragen.
Wenn ein Gedanke erscheint: Wer weiß, dass dieser Gedanke da ist? Wenn der Gedanke vergeht: Was ermöglicht die Erinnerung daran? Wenn Körperempfindungen wechseln: Was verbindet die verschiedenen Momente der Erfahrung? Und wenn auch das persönliche Ich als Gedanke oder Gefühl beobachtet werden kann: Was ist dann der tiefere Erkennende?
Solche Fragen führen in die Richtung der Meditation und der Selbsterforschung. Der Text sucht den letzten Erkennenden nicht als ein weiteres Objekt neben den übrigen Objekten. Er argumentiert vielmehr für diejenige bewusste Instanz, in der Erkenntnisse erscheinen und miteinander verbunden werden.
Zur ergänzenden Vertiefung von Bewusstsein und Meditation kann ein Yoga-Vidya-Video eingebunden werden:
{#ev:youtube|btZbC9PPAQc}
Ein weiteres Yoga-Vidya-Video kann die Auseinandersetzung mit Shiva und nichtdualer Bewusstseinsphilosophie ergänzen:
{#ev:youtube|S4WxWG_D11Y}
Inspirationen aus der Ajadapramatrisiddhi
„Sein ist nur sinnvoll als mit Erscheinung verbunden.“
evam apy avabhāsānuṣaktā sattocitā bhavet |
tadapekṣāṃ vinā bhāvābhāvayor aviśiṣṭatā || 5 ||
Inspiration: Was bedeutet es zu sagen, etwas „ist“? Utpaladeva führt die Aufmerksamkeit vom bloßen Gegenstand auf das Wunder des Erscheinens selbst.
„Bewusstsein ohne Selbstbezug wäre dem Unbewussten gleich.“
saṃvid apy aparāmarśarūpā cet tad asāv api |
abhāvena jaḍenātha tulyaiva prāgvad ātmani || 9 ||
Inspiration: Bewusstsein ist nicht bloß ein neutrales Licht. Es besitzt die geheimnisvolle Fähigkeit, um sich selbst zu wissen.
„Das getrennte Dies findet seine Ruhe im Ich.“
idam ity asya vicchinnavimarśasya kṛtārthatā |
yā svasvarūpe viśrāntir vimarśaḥ so 'ham ity ayam || 15 ||
Inspiration: Die Welt erscheint als „dies dort“. In tiefer Erkenntnis kann das scheinbar Fremde wieder in der einen Bewusstseinswirklichkeit zur Ruhe kommen.
„Dasselbe Selbst ist begrenzt und unbegrenzt.“
dvidhā sa eṣa evātmā mito 'parimitas tathā |
prāṇādinā niruddho 'ṇuḥ paramātmā tv akhaṇḍitaḥ || 16 ||
Inspiration: Die Begrenztheit des Menschen ist nach dieser Lehre nicht sein letztes Wesen. Das begrenzte Subjekt ist eine Erscheinungsweise des ungeteilten Selbstes.
„Ruhe in sich selbst ist Freiheit.“
uktā saiva ca viśrāntiḥ sarvāpekṣānirodhataḥ |
svātantryam atha kartṛtvaṃ mukhyam īśvaratāpi ca || 23 ||
Inspiration: Freiheit bedeutet hier nicht, möglichst viele äußere Möglichkeiten zu besitzen, sondern in einer Bewusstseinsfülle zu ruhen, die für ihr Sein nichts außerhalb ihrer selbst benötigt.
„Die Welt ist nichtdual.“
tato bhede tu bhāsasya ghaṭate bhāsamānatā |
tenoktam pratyabhijñāyāṃ tadadvayamayaṃ jagat || 27 ||
Inspiration: Nichtdualität leugnet nicht die sichtbare Vielfalt. Sie fragt nach dem einen Licht, in dem Vielfalt überhaupt erscheinen kann.
Verhältnis zu anderen Schriften
Die Ajadapramatrisiddhi lässt sich besonders gut neben Utpaladevas Ishvara Pratyabhijna Karika lesen. Bereits der beigefügte Kommentar verweist ausdrücklich auf die Pratyabhijna-Lehre, und mehrere zentrale Begriffe – Aham, Vimarsha, Svatantrya, Maya und der höchste Pramātṛ – gehören in denselben philosophischen Zusammenhang.
Thematisch lässt sich die Schrift außerdem mit den Shiva Sutra, der Spanda Karika, dem Pratyabhijnahridaya Kṣemarājas und dem Tantraloka Abhinavaguptas lesen. Während die Ajadapramatrisiddhi streng argumentativ vorgeht, entfalten diese Texte verwandte Einsichten in aphoristischer, systematischer oder tantrisch-praktischer Form.
Thematisch lässt sich die Schrift außerdem mit dem Pratyabhijnahridaya vergleichen, das die Beziehung zwischen universellem Bewusstsein, begrenztem Subjekt und Wiedererkennen in knapper systematischer Form entfaltet. Eine direkte Abhängigkeit wird damit nicht behauptet.
Abschließende Betrachtung
Die Ajadapramatrisiddhi beginnt mit einer scheinbar abstrakten Frage nach Sein und Nichtsein und endet mit einer nichtdualen Aussage über die ganze Welt. Dazwischen liegt ein präziser philosophischer Weg: Dinge können ihre eigene Erkennbarkeit nicht aus sich selbst erklären; Erscheinung verweist auf Bewusstsein; Bewusstsein muss selbstbezogen sein; das getrennte „Dies“ findet seinen Grund im „Ich“; das individuelle Ich wiederum ruht im unbegrenzten Erkennenden.
Damit führt der Text von einer erkenntnistheoretischen Analyse zu einer nichtdualen Deutung des Erkennenden. Die Verse versuchen nicht bloß eine Behauptung aufzustellen, sondern entwickeln dafür eine Folge von Argumenten über Erscheinung, Selbstbezug, Ichsein und die Verbindung einzelner Erkenntnisse.
Für Yoga-Aspiranten lässt sich daraus eine meditative Fragestellung gewinnen: Was ist in wechselnden Wahrnehmungen, Gedanken und Erinnerungen das verbindende Moment des Erkennens? Die Pratyabhijna-Tradition deutet diese Frage als Weg zur Wiedererkennung des eigenen Bewusstseinsgrundes.
Textgrundlage
Grundlage dieses Artikels sind ausschließlich die vom Nutzer bereitgestellten Muktabodha-Dateien M00502, Ājaḍapramātṛsiddhi in Umschrift und Devanagari. Die Datei nennt Utpaladeva als Autor, Haribhaṭṭa Śāstrī als Kommentator und Madhusudan Kaul Shastri als Herausgeber. Sie beruht auf Band 34 der Kashmir Series of Texts and Studies und wurde 1921 in Srinagar veröffentlicht.
Die 27 nummerierten Verse bilden den Primärtext. Die jeweils anschließenden Prosapassagen gehören zur Vṛtti Haribhaṭṭa Śāstrīs und wurden für Erläuterungen herangezogen, aber nicht mit den Versen vermischt. Nach Vers 27 folgt ein in eckigen Klammern überlieferter Editionsvers, der die Abfassung der Vṛtti im Śaka-Jahr 1841 nennt, sowie das Schlusskolophon. Diese Stücke gehören nicht zu den 27 Primärversen Utpaladevas. Ajadapramatrisiddhi, Sanskrit अजडप्रमातृसिद्धि ajaḍapramātṛsiddhi f., Titel eines Werkes. Ajadapramatrisiddhi ist ein Sanskrit Substantiv Femininum, also ein Hauptwort weiblichen Geschlechts, ist ein Titel eines Werkes.

Verschiedene Schreibweisen für Ajadapramatrisiddhi
Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann: Ajadapramatrisiddhi auf Devanagari wird geschrieben अजडप्रमातृसिद्धि, in der IAST wissenschaftlichen Transkription mit diakritischen Zeichen "ajaḍapramātṛsiddhi", in der Harvard-Kyoto UmSchrift "ajaDapramAtRsiddhi", in der Velthuis Transkription "aja.dapramaat.rsiddhi", in der modernen Internet Itrans Transkription "ajaDapramAtRRisiddhi", in der SLP1 Transliteration "ajaqapramAtfsidDi", in der IPA Schrift "əɟəɖəprəmɑːt̪ɹ̩sid̪d̪ʰi. Sanskrit Wörter können auch in anderen indischen Schriften als Devanagari geschrieben werden. Ajadapramatrisiddhi in der Tamil Schrift, die in Tamil Nadu benutzt wird, wird geschrieben அஜடப்ரமாதஸித்தி, in der Malayalam Schrift, die in Kerala populär ist, അജഡപ്രമാതൃസിദ്ധി, in Gurmukhi, die im Punjab verwendet wird, ਅਜਡਪ੍ਰਮਾਤਸਿਦ੍ਧਿ ".
Video zum Thema Ajadapramatrisiddhi
Ajadapramatrisiddhi ist ein Wort aus der Sanskrit Sprache. Sanskrit ist auch die Sprache von Ayurveda und Yoga. Hier ein Video zu diesem Thema:
Ähnliche Sanskrit Wörter wie Ajadapramatrisiddhi
Hier einige Links zu Sanskritwörtern, die entweder vom Sanskrit oder vom Deutschen her ähnliche Bedeutung haben wie Ajadapramatrisiddhi:
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Siehe auch
- Utpaladeva
- Pratyabhijna
- Ishvara Pratyabhijna Karika
- Kashmir Shivaismus
- Trika
- Shiva
- Paramashiva
- Bewusstsein
- Prakasha
- Vimarsha
- Aham
- Svatantrya
- Shiva Sutra
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- Meditation
- Selbsterforschung
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- Vahana
- Ayurveda Therapeuten Ausbildung Baustein Seminare
- Verbindung
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