Ciriya Tirumatal

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Ciriya Tirumatal (Tamil: சிறிய திருமடல், wissenschaftliche Umschrift: Ciṟiya Tirumaṭal; auch Siriya Tirumadal, Siriya Thirumadal, Chiriya Tirumadal) gehört zu den eindringlichsten Werken der tamilischen Bhakti-Literatur. Es stammt von Tirumangai Alvar (திருமங்கை ஆழ்வார், Tirumaṅkai Āḻvār), einem der zwölf Āḻvārs, und ist Teil des Nalayira Divya Prabandham, der großen Sammlung der tamilischen Vishnu-Bhakti.

Vishnu, der im Ciriya Tirumatal als der alles durchdringende und rettende Herr verehrt wird.

Dieses Gedicht spricht nicht über Gottesliebe aus sicherer Entfernung. Es lässt den Leser erfahren, wie sich ein Leben verändert, wenn die Sehnsucht nach dem Göttlichen alle anderen Wünsche überragt. Tirumangai Alvar spricht in der Stimme der Parakāla Nāyaki: einer Liebenden, deren Herz ganz von Vishnu, Narayana und Krishna ergriffen ist. Was zunächst wie menschliche Liebesnot erscheint, entfaltet sich immer deutlicher als eine umfassende spirituelle Sehnsucht.

Im Ciriya Tirumatal ist diese Sehnsucht keine Schwäche und kein Mangel an Glauben. Sie wird selbst zu einer Form der Gotteserinnerung. Die Nāyaki kann nicht schlafen, sie kann ihr Herz nicht zurückrufen, sie sucht den Geliebten von Heiligtum zu Heiligtum und wiederholt seine Namen. Am Ende ist ihre Liebe stärker als die Angst vor Spott und stärker als der Wunsch, vor anderen unberührt zu erscheinen.

Gerade darin liegt die bleibende Kraft des Werkes für Bhakti Yoga: Spiritualität wird hier nicht nur gedacht, sondern mit dem ganzen Menschen gelebt – mit Verstand und Gefühl, Erinnerung und Körper, Hoffnung und Verwundbarkeit. Wer den göttlichen Namen wiederholt, meditiert, Kirtan singt oder im Gebet nach einer unmittelbaren Beziehung zum Göttlichen sucht, kann in diesem alten tamilischen Gedicht eine überraschend gegenwärtige Stimme finden.

Für tamilische Hindus in Deutschland ist das Werk zugleich ein kostbares Stück religiöser und sprachlicher Heimat. Die Namen von Srirangam, Tiruveṅkaṭam, Kanchipuram, Tirunāṟaiyūr, Tirukkaṇṇapuram und vielen weiteren Divya Desams verbinden Dichtung, Tempelkultur, Pilgertradition und persönliche Gottesliebe. Tamilischer Originaltext, Umschrift und deutsche Übersetzung können dabei verschiedene Generationen und unterschiedliche Zugänge zur Tradition miteinander verbinden.

Oben: eine langsame Rezitation des Ciriya Tirumatal. Der Klang des Tamilischen vermittelt etwas von der inneren Dringlichkeit des Gedichts, die sich in einer Übersetzung nur teilweise wiedergeben lässt.

Was bedeutet Ciriya Tirumatal?

Ciṟiya bedeutet „klein“ oder „kürzer“, tiru ist eine ehrende und sakrale Vorsilbe, und maṭal bezeichnet eine alte tamilische Liebeshandlung und zugleich die daraus entwickelte literarische Gattung. Das Werk ist also das „kleinere heilige Maṭal“ – im Gegensatz zum umfangreicheren Periya Tirumatal desselben Dichters.

Das traditionelle maṭal ēṟutal gehört ursprünglich zur klassischen tamilischen Liebespoetik. Ein von unerfüllter Liebe überwältigter Mann machte seine Liebe öffentlich und nahm dafür Scham, Spott und Entbehrung in Kauf. In älterer tamilischer Norm wurde diese Handlung Frauen nicht zugeschrieben. Tirumangai Alvar überschreitet diese Grenze bewusst: Als Parakāla Nāyaki erklärt die weibliche Sprecherin, dass ihre Liebe zu Gott größer ist als das gesellschaftliche Urteil.

Damit verbindet der Dichter die alte tamilische Akam-Liebespoetik mit der mystischen Gottesliebe der Āḻvārs. Aus menschlicher Liebessehnsucht wird Viraha-Bhakti: die Erfahrung der Trennung von Gott, in der die Abwesenheit des Geliebten seine Gegenwart im Herzen gerade noch intensiver macht.

Stellung im Nalayira Divya Prabandham

Das Ciriya Tirumatal steht im dritten großen Teil des Nalayira Divya Prabandham in der Gruppe der Iyaṟpā-Texte. Es folgt auf das kunstvoll gebaute Tiruveḻukūṟṟirukkai und wird vom Periya Tirumatal gefolgt. Zu Tirumangai Alvars weiteren großen Werken gehören die Periya Tirumoli, das Tirukkuruntantakam und das Tiruneduntantakam.

Die Zählung ist nicht ganz einheitlich. Metrisch bildet das Ciriya Tirumatal ein langes Gedicht im kali-veṇpā-Stil. In der Divya-Prabandham-Tradition wird es zugleich in kleinere Einheiten gegliedert und häufig als 40 Pāsurams gerechnet. Andere traditionelle Zählweisen sprechen von kaṇṇi-Abschnitten. Diese unterschiedlichen Zahlen bezeichnen daher nicht verschiedene Fassungen des Werkes, sondern verschiedene Arten, denselben langen poetischen Strom zu zählen.

Tirumangai Alvar – der Dichter der leidenschaftlichen Bhakti

Tirumangai Alvar gehört zu den eindrucksvollsten Stimmen des tamilischen Vaishnavismus. In der Überlieferung erscheint er als Mann großer Energie: Krieger und Herrscher, Liebender, Pilger, Dichter und schließlich völlig hingegebener Verehrer Narayanas. Seine Dichtung kennt feierliches Gotteslob ebenso wie intime Sehnsucht, Tempelbeschreibung, dramatische Mythenerzählung und die Sprache menschlicher Liebe.

Im Ciriya Tirumatal nimmt Tirumangai Alvar nicht einfach eine literarische Rolle an. Die Gestalt der Parakāla Nāyaki macht eine theologische Wahrheit erfahrbar: Die individuelle Seele, der Jīva, kann sich Gott gegenüber als die Liebende erfahren, die nichts anderes mehr will als Nähe zum Höchsten. Diese Form der Gottesbeziehung steht nahe zu Mādhurya Bhāva, der Verehrung Gottes in der Haltung innigster Liebe.

Krishna mit den Gopīs – die Bildwelt der göttlichen Liebessehnsucht hilft, den Mādhurya Bhāva des Ciriya Tirumatal zu verstehen.

Parakāla Nāyaki – wenn die Seele zur Liebenden wird

Die Sprecherin hat den dunkel glänzenden Herrn gesehen. Von diesem Augenblick an gehört ihr Herz nicht mehr ihr selbst. Farbe und Schmuck verlieren ihren Halt, der Schlaf verschwindet, der kühle Wind wird schmerzhaft, und alle Versuche der Umgebung, ihren Zustand als gewöhnliche Krankheit zu behandeln, scheitern.

Eine kundige Seherin erkennt schließlich den tieferen Grund: Kein gewöhnliches Leiden erklärt den Zustand der jungen Frau. Es ist der Herr mit den tausend Namen – derselbe, der als Vāmana die Welten maß, als Rāma gegen Rāvaṇa kämpfte, als Krishna Butter stahl und auf Kāliya tanzte, als Narasimha erschien und als Retter des Elefanten Gajendra herbeieilte. Dieser Narayana selbst hat ihr Herz ergriffen.

Damit erreicht das Gedicht einen seiner schönsten Wendepunkte: Was von außen wie Krankheit, Verwirrung oder Maßlosigkeit wirken kann, wird im religiösen Horizont des Textes als überwältigende Gottesliebe verstanden.

Von Aram, Porul und Inbam zur einen Sehnsucht

Am Anfang nennt das Gedicht drei klassische menschliche Ziele: aṟam – ethisches und dharmisches Leben –, poruḷ – tragfähige materielle Ordnung und Wohlstand – und iṉpam – Freude und Liebe. Die Sprecherin argumentiert provokativ zugunsten der unmittelbar erfahrenen Liebe. Das ist keine systematische Zurückweisung von Moksha oder Dharma, sondern Teil der dramatischen Rolle der verliebten Nāyaki: Für sie ist eine ferne, abstrakte Vollendung weniger wirklich als die Gegenwart des geliebten Herrn.

Später wird deutlich, dass ihre Liebe gerade nicht gewöhnliches Begehren bleibt. Ihr Denken kreist um Gottes Namen, Avatāras, Tempel und heilige Orte. Das sinnliche Vokabular der klassischen Liebesdichtung wird zur Sprache einer alles erfassenden Bhakti.

Vollständige deutsche Übersetzung

Die folgende Übersetzung gibt den gesamten Sinnverlauf des Ciriya Tirumatal in seiner Reihenfolge wieder. Sie ist bewusst flüssig und gut lesbar formuliert. Das klassische Tamil ist stark verdichtet; einzelne Bilder und Satzperioden reichen über viele Zeilen hinweg. Deshalb wird nicht künstlich jeder tamilische Halbvers in einen deutschen Einzelsatz gezwungen.

Taniyan – einleitender Lobvers

Tirumangai Alvar, geschmückt mit einer herrlichen Girlande blühender Muḷḷi-Blüten, der freigebige Herr von Tiruvāli, der machtvolle Kaliyaṉ, dessen Schwert die Dunkelheit des Kali-Zeitalters durchschneidet, schenkte uns dieses Maṭal, damit mein Herz nicht wie im Feuer des aufgehenden Mondes verbrenne.

1. Die Erde und die drei Ziele des Menschen

Seht die Erdgöttin: Ihre Brüste sind die wolkenumhüllten Berge, das Meer ist ihr Gewand, die strahlende Sonne ihr Stirnschmuck, die mächtigen Flüsse liegen wie kostbare Ketten auf ihrer Brust, die dunklen Wolken sind ihr Haar, und die Wasser umschließen sie wie eine schützende Grenze.

Die Menschen dieser Erde sprechen von drei großen Zielen: aṟam, dem rechten Leben; poruḷ, Besitz und tragfähiger Lebensordnung; und iṉpam, Liebe und Freude. Wer die erfüllende Liebe wirklich erlangt, sagt die Sprecherin in ihrer leidenschaftlichen Logik, hat damit auch die beiden anderen Güter berührt.

Manche reden noch von einem anderen Ziel, einem fernen Zustand, aus dem man niemals zurückkehrt. Aber wer, fragt die Liebende, würde den unmittelbar sichtbaren, schönen Hasen verlassen, um einer Krähe nachzulaufen? So spricht nicht der nüchterne Philosoph, sondern ein Herz, für das die Gegenwart des Geliebten alles andere überstrahlt.

2. Der eine Blick, der alles verändert

„Ihr jungen Frauen, hört, was mir widerfuhr!“

Ich band mein dunkles Haar auf, richtete meinen Schmuck, zog den Gürtel fest, schmückte meine lanzenförmigen Augen mit dunkler Salbe und stand da, einen schönen Ball in der Hand.

Da kam einer die breite Straße entlang – der Herr mit Augen wie rote Lotusblüten. Unter dem Klang der Trommeln tanzte er mit zwei Töpfen, und alle Menschen freuten sich an seinem Anblick. Die Frauen riefen mich: „Komm und sieh!“

Ich ging hin. Seit diesem Augenblick ist nichts mehr wie zuvor. Die dunkle, leuchtende Farbe meines Körpers schwand; meine Armreifen wurden locker und glitten von den dünn gewordenen Armen. Was immer man zu meinem Trost sagte, ich konnte es nicht mehr aufnehmen. Mein Verstand war von ihm fortgetragen.

3. Die Mutter sucht nach einer Heilung

Meine Mutter sah meinen Zustand und hatte Mitleid. Sie sprach süß wie ein Papagei. Sie brachte heiligen Staub, versuchte Schutzriten und griff sogar zu Mitteln, die sie zuvor nie gebraucht hatte. Doch die Krankheit meines Herzens wich nicht, meine Verwirrung endete nicht, meine frühere Farbe kehrte nicht zurück.

Da sagten erfahrene ältere Frauen: „Lasst eine kundige Frau kommen und das Zeichen deuten. Dann wird offenbar werden, wer hinter diesem Zustand steht.“

4. Die Seherin erkennt Narayana

Eine dunkelhaarige kaṭṭuvicci, eine kundige Deuterin und Seherin, kam. Sie warf einige Reiskörner in eine schöne Worfelschale, betrachtete ihre Lage, erbebte, bekam Gänsehaut und versank in ihre Schau.

Dann sprach sie: „Der mit den tausend Namen!“

Noch einmal deutete sie auf seinen dunklen, wolkenfarbenen Körper. Sie zeigte die rechtsgewundene Muschel in seiner Hand. Sie sprach von der duftenden Tulasī-Girlande.

„Fürchtet euch nicht“, sagte sie. „Kein Geist und kein gewöhnliches Wesen hat eure Tochter krank gemacht. Ich weiß, wer es ist. Soll ich euch sagen, wer ihr Herz ergriffen hat?“

5. Wer ist dieser, der ihr Herz genommen hat?

Wer maß mit seinen Füßen die Welten?

Wer ließ Laṅkā in Trümmer fallen?

Wer schützte die Menschen vor dem vernichtenden Regen?

Wer ließ den Milchozean quirlen?

Seht: Er ist es.

Er hütete die Rinder. Er nahm im Weltenende alles in sich auf und ließ die Schöpfung wieder hervorgehen. Und derselbe unermessliche Herr wurde in Āyppāḍi zum Kind.

6. Krishna stiehlt die Butter

Krishna als Gopāla. Das Ciriya Tirumatal erinnert ausführlich an seine Kindheit unter den Kuhhirten.

Eines Tages stand Yaśodā, schön geschmückt, mit schmaler Hüfte, zarten Füßen und roten Lippen, am Butterfass. Lange schlug sie den Joghurt, bis sich die Butter sammelte. Schweiß stand auf ihrer Stirn. Sorgfältig gab sie die Butter in ein anderes Gefäß und hängte es hoch an einer festen Schlinge auf. Dann ging sie fort.

Krishna hatte so getan, als schlafe er. Kaum war sie weg, erhob er sich. Er streckte die Arme tief in das Gefäß, nahm die Butter heraus und aß – und wurde dennoch nicht satt. Dann stieß er auch noch den Topf mit Buttermilch um und legte sich wieder hin, als wüsste er von nichts.

Yaśodā kam zurück. Sie sah den leeren Buttertopf und die verschüttete Buttermilch. Wer außer diesem wunderbaren Kind hätte es getan? Voll Sorge und Zorn band sie ihn vor den Augen des ganzen Dorfes mit einem langen Strick an den Mörser. Und der Herr des Weltalls stand da wie ein kleiner Junge, der sich vor seiner Mutter fürchtet.

Welch ein Geheimnis der Bhakti: Der Unendliche lässt sich von der Liebe binden.

7. Krishna auf dem Kaliya

Und derselbe Herr ging zum großen Wasser, in dem der schreckliche Schlangenkönig Kaliya mit seinen zahllosen Hauben herrschte. Krishna forderte ihn heraus, sprang auf seine Köpfe und tanzte mit seinen heiligen Füßen auf ihnen, bis der Stolz und die Gewalt des Schlangenwesens gebrochen waren.

8. Rama – für Sita gegen die Mächte der Gewalt

Er war auch Rāma. Als Śūrpaṇakhā sich ihm näherte, wurde sie zurückgewiesen und verstümmelt; ihr Verwandter Khara fiel im Kampf. Und um Sītā willen spannte Rāma seinen Bogen gegen Rāvaṇa, den mächtigen Herrscher von Laṅkā. Seine zehn Häupter fielen, und der Herr mit den roten Lotusaugen vernichtete die Macht, die Sītā geraubt hatte.

9. Narasimha – der Herr, der für seinen Verehrer erscheint

Er erschien als Narasimha, halb Mensch, halb Löwe. Mit seinen scharfen Nägeln riss er die Brust des gewaltigen Hiraṇyakaśipu auf. Blut bedeckte den besiegten Dämon; der siegreiche Herr erhob sich in seiner furchterregenden Gestalt.

Hinter diesem gewaltigen Bild steht die bekannte Botschaft der Narasimha-Erzählung: Der Ruf des Verehrers Prahlāda bleibt nicht unbeantwortet. Wo Bhakti vollkommen ist, ist Gott selbst in einer Säule nicht fern.

10. Vamana misst die Welten

Dann erschien er als Vāmana, der kleine Brahmane. Er trat vor König Mahābali und bat: „Gib mir Land, nur drei Schritte weit.“

Als das Geschenk durch das Wasser-Ritual bestätigt war, wuchs der kleine Bittsteller ins Unermessliche. Mit seinen Schritten umfasste er die Welten. Der Kleine war der Grenzenlose.

11. Das Quirlen des Milchozeans

Als Devas und Asuras den Milchozean quirlen wollten, wurde der große Berg zur Quirlstange und die Schlange zur Schnur. Der Herr trug die Last und sorgte dafür, dass das gewaltige Werk gelingen konnte. Er ist der, dessen Brust die duftende Tulasī-Girlande schmückt.

12. Gajendra ruft: „Narayana!“

Ein mächtiger Elefant geriet in einem tiefen Lotusteich in die Gewalt eines Krokodils. Im Kampf schwanden seine Kräfte. Mit dem langen Rüssel nahm er eine Lotusblüte auf und rief:

„Nārāyaṇa! O Herr von der Farbe eines kostbaren Edelsteins! O du, der auf der Schlange ruht! Komm! Nimm diese Not von mir!“

Da kam der Herr. Seine Empörung galt dem Leid seines Verehrers. Er zerschnitt die Macht des Krokodils und befreite den Elefanten aus seiner Not.

Die Seherin schloss: „Dieser Herr mit den tausend Namen ist es, der eure Tochter mit dieser unheilbaren Sehnsucht erfüllt hat.“

13. Die Mutter versteht

Als meine Mutter hörte, dass kein fremder Geist und kein Dämon die Ursache war, sagte sie zu den Frauen mit den lanzenförmigen Augen:

„Wenn es wirklich Er ist – wird er ihr dann seine duftende Tulasī-Girlande verweigern? Ist sie nicht seine Dienerin? Kein anderer hat Macht über sie.“

Damit war wenigstens eines klar geworden: Mein Zustand war keine gewöhnliche Krankheit. Mein Herz gehörte dem Herrn.

14. Die Krankheit der Trennung

Seit ich seinen dunklen, regenwolkenfarbenen Leib gesehen habe, wandere ich umher und spreche immer wieder von ihm. Selbst der kühle Wind dringt in meinen Körper und schmerzt. Ich weiß nicht mehr, wie ich mich vor dieser Sehnsucht schützen soll.

Lange schwieg ich aus Furcht davor, dass die Frauen der Stadt mich verspotten und mein Name zum Gerede wird. Aber wie lange kann ein Herz schweigen, das nur noch ihn kennt?

15. Das Herz wird zum Boten – und kehrt nicht zurück

„Komm, mein törichtes Herz“, sagte ich. „Geh zu dem edelsteinfarbenen Herrn. Frage ihn, ob er uns seine herrliche Tulasī-Girlande geben wird. Sprich leise, damit die Gleichgültigen es nicht hören. Und ganz gleich, ob er freundlich antwortet oder dich fortschickt: Kehre zu mir zurück.“

Mein Herz ging.

Doch es kam nicht wieder.

Es folgte dem Herrn, der dunkel ist wie das Meer, und vergaß mich. Nun bin ich selbst in der Stadt zum Gegenstand des Geredes geworden.

16. Wie Wachs im Feuer

Hier gibt es niemanden mehr, der wirklich nach mir fragt. Meine Seele schmilzt wie Wachs am Mund einer Flamme.

Wenn die ganze Stadt schläft, schließen sich meine langen Augen nicht. Ich spreche immer wieder die Namen des Höchsten aus.

Wer eine Liebe kennt, die weit ist wie das dunkle Meer – wie sollte der noch sein Leben nach dem Tadel anderer richten?

17. Vāsavadattā als Beispiel mutiger Liebe

Man erzählt von Vāsavadattā, der hochgeachteten Frau. Sie ließ ihre Gefährtinnen zurück und folgte auf offener Straße dem von ihr geliebten König, obwohl seine Lage schwierig und erniedrigend war.

Hat die Welt sie deshalb wirklich ihrer Würde beraubt?

Und wer will nun zu mir kommen und mir beibringen, ich solle ruhig bleiben? Wer mich von der Suche nach dem Geliebten zurückhalten will, kann in dieser Stunde nicht mein Führer sein.

18. Ich werde ihn in allen heiligen Orten suchen

Der lotusäugige Krishna – im Ciriya Tirumatal wird der eine Herr in vielen heiligen Orten und vielen göttlichen Taten gesucht.

Ich werde gehen, bis ich seinen dunklen Leib sehe.

Ich werde nach Tiruveṅkaṭam gehen, nach Tirukkōvalūr, zum ummauerten Kāñci, nach Ūragam und Pēragam; nach Tiruveḷḷaṟai und Tiruveḵkā; nach Tiruvāli, Taṇkāl, Tirunāṟaiyūr und Tiruppuliyūr; in das von Gärten umgebene Śrīraṅgam und nach Tirukkaṇṇamaṅgai.

Ich werde ihn in Tiruviṇṇagar suchen, in Tirukkaṇṇapuram, Tiruccēṟai, Tiruvaḻuntūr, Tirukkuṭantai, Kaṭigai, Kaṭalmallai, Tiruviṭaventai und Tirunīrmalai; in Tirumāliruñcōlai, Tirumōgūr, im gepriesenen Badarī und in Vaṭa-Madurai.

Ich werde keinen dieser heiligen Orte auslassen.

So wird das Gedicht auch zu einer großen inneren und äußeren Pilgerreise. Die Divya Desams sind nicht nur Punkte auf einer Landkarte: Jeder Ort ist eine neue Gelegenheit, den einen Geliebten in einer besonderen Gestalt zu erfahren.

19. Tausend Namen – und der endgültige Entschluss

Ich werde von ihm sprechen – von dem, der den Stoßzahn des wilden Elefanten brach; von dem, der einen anderen Elefanten aus tödlicher Not rettete; von dem hohen Herrn mit den roten Augen; von dem Träger der honigduftenden Tulasī-Girlande; von dem Lotusäugigen.

Ich werde seine unzähligen Herrlichkeiten und seine tausend Namen immer wieder aussprechen.

Und dann werde ich auf die große Straße gehen.

Mag die ganze Stadt mich tadeln – ich werde nicht von meinem Entschluss ablassen. Auf dem schönen Palmyra-Maṭal werde ich öffentlich meine Liebe zu ihm bekennen.

Hier endet das Werk nicht in stiller Resignation, sondern in einem Akt unerschrockener Bhakti: Die Liebe zu Gott wird nicht länger verborgen.

Der traditionell angefügte Kambar-Vers

„Ihr Frauen mit leuchtender Stirn – ich werde nicht aufhören. Die Welt soll es wissen. Bis der Herr, der einst emporwuchs und alle Welten maß, sich mir schenkt, werde ich im öffentlichen Platz von Tirunāṟaiyūr das Maṭal vollziehen.“

Dieser Schlussvers wird in der Überlieferung Kambar zugeschrieben und ist vom Hauptgedicht Tirumangai Alvars zu unterscheiden.

Tamilischer Originaltext

Wichtig für das Yoga-Wiki: Der folgende Text verwendet bewusst keine <poem>-Tags. Jede einzelne tamilische Textzeile endet mit <br>, damit die Zeilenumbrüche im Yoga-Wiki zuverlässig erhalten bleiben.

Taniyan

முள்ளிச் செழுமலரோதாரன் முளைமதியம்
கொல்லிக்கு என்னுள்ளம் கொதியாமே — வள்ளல்
திருவாளன் சீர்க்கலியன் கார்க்கலியை வெட்டி
மருவாளன் தந்தான் மடல்.

Ciriya Tirumatal – vollständiger Tamiltext

காரார் வரைக்கொங்கை கண்ணார் கடலுடுக்கை
சீரார் சுடர்ச்சுட்டி செங்கலுழிப் பேராற்று
பேரார மார்பின் பெருமா மழைக்கூந்தல்
நீராரவேலி நிலமங்கை என்னும் இப்
பாரோர் சொலப்பட்ட மூன்றன்றே — அம்மூன்றும்
ஆராயில் தானே அறம் பொருள் இன்பம் என்று
ஆரார் இவற்றின் இடையதனை எய்துவார்
சீரார் இருகலையும் எய்துவர் — சிக்கெனமற்று
ஆரானும் உண்டென்பார் என்பதுதான் அதுவும்
ஓராமையன்றே? உலகத்தார் சொல்லும் சொல்
ஓராமையாமாறு அது உரைக்கேன் கேளாமே
காரார் புரவியேழ் பூண்ட தனியாழி
தேரார் நிரைகதிரோன் மண்டலத்தைக் கீண்டு புக்கு
ஆராவமுதம் அங்கெய்தி — அதில் நின்றும்
வாராதொழிவது ஒன்றுண்டே — அதுநிற்க
ஏரார் முயல்விட்டு காக்கைப்பின் போவதே?
ஏரார் இளமுலையீர் என்தனக்கு உற்றதுதான்
காரார் குழலெடுத்துக்கட்டி — கதிர்முலையை
வாரார வீக்கி மணிமேகலை திருத்தி
ஆரார் அயில்வேற்கண் அஞ்சனத்தின் நீரணிந்து
சீரார் செழும்பந்து கொண்டடியா நின்றேன் நான்
நீரார் கமலம்போல் செங்கண்மால் என்றொருவன்
பாரோர்களெல்லாம் மகிழப் பறைகறங்க
சீரார் குடம் இரண்டேந்தி — செழுந்தெருவே
ஆரார் எனச்சொல்லி ஆடும் அதுகண்டு
ஏரார் இளமுலையார் என்னையரும் எல்லாரும்
வாராயோ என்றார்க்குச் சென்றேன் என்வல்வினையால்
காரார் மணிநிறமும் கைவளையும் காணேன் நான்
ஆரானும் சொல்லிற்றும் கொள்ளேன் — அறிவழிந்து
தீரா உடம்பொடு பேதுறுவேன் கண்டிரங்கி
ஏரார் கிளிக்கிளவி எம்மனைதான் வந்து என்னை
சீரார் செழும்புழுதிக் காப்பிட்டு — செங்குறிஞ்சித்
தாரார் நறுமாலை சாத்தற்கு — தான்பின்னும்
நேராதன ஒன்று நேர்ந்தாள் — அதனாலும்
தீராது என்சிந்தை நோய் தீராது என்பேதுறவு
வாராது மாமை அதுகண்டு மற்றாங்கே
ஆரானும் மூதறியும் அம்மனைமார் சொல்லுவார்
பாரோர் சொலப்படும் கட்டுப்படுத்திரேல்
ஆரானும் மெய்ப்படுவன் என்றார் — அதுகேட்டு
காரார் குழற்கொண்டை கட்டுவிச்சி கட்டேறி
சீரார் சுளகில் சிலநெல் பிடித்தெறியா
வேரா விதிர்விதிரா மெய்சிலிர் ஆக்கைமோவா
பேராயிரமுடையான் என்றாள் — பேர்த்தேயும்
காரார் திருமேனி காட்டினாள் — கையதுவும்
சீரார் வலம்புரியே என்றாள் — திருத்துழாய்த்
தாரார் நறுமாலை கட்டுரைத்தாள் கட்டுரையா
நீரேதும் அஞ்சேன்மின் நும்மகளை நோய்செய்தான்
ஆரானும் அல்லன் அறிந்தேன் அவனை நான்
கூரார் வேற்கண்ணீர் உமக்கு அறியக் கூறுகேனோ
ஆரால் இவ்வையம் அடியளப்புண்டதுதான்
ஆரால் இலங்கை பொடிபொடியா வீழ்ந்தது — மற்று
ஆராலே கன்மாரி காத்ததுதான் — ஆழிநீர்
ஆரால் கடைந்திடப்பட்டது — அவன் காண்மின்
ஊரா நிரை மேய்த்து உலகெல்லாம் உண்டுமிழ்ந்தும்
ஆராத தன்மையனாய் ஆங்கு ஒருநாள் ஆய்ப்பாடி
சீரார் கலையல்குல் சீரடிச் செந்துவர்வாய்
வாரார் வனமுலையாள் மத்தாரப் பற்றிகொண்டு
ஏரார் இடைநோவ எத்தனையோர் போதுமாய்
சீரார் தயிர் கடைந்து வெண்ணை திரண்டதனை
வேரார் நுதல் மடவாள் வேறோர் கலத்திட்டு
நாரார் உறியேற்றி நன்கமைய வைத்ததனை
போரார் வேற்கண் மடவாள் போந்தனையும் பொய்யுறக்கம்
ஓராதவன்போல் உறங்கி அறிவுற்று
தாரார் தடந்தோள்கள் உள்ளளவும் கைநீட்டி
ஆராத வெண்ணை விழுங்கி — அருகிருந்த
மோரார் குடமுருட்டி முன்கிடந்த தானத்தே
ஓராதவன்போல் கிடந்தானைக் கண்டவளும்
வாராத்தான் வைத்தது காணாள் — வயிறடித்திங்கு
ஆரார் புகுதுவார்? ஐயர் இவரல்லால்
நீராம் இதுசெய்தீர் என்றோர் நெடுங்கயிற்றால்
ஊரார்கள் எல்லாரும் காண உரலோடே
தீரா வெகுளியளாய்ச் சிக்கென ஆர்த்தடிப்ப
ஆரா வயிற்றினோடு ஆற்றாதான் — அன்றியும்
நீரார் நெடுங்கயத்தை சென்றலைக்க நின்றுரப்பி
ஓராயிரம் பணவெங் கோவியல் நாகத்தை
வாராய் எனக்கென்று மற்றதன் மத்தகத்து
சீரார் திருவடியால் பாய்ந்தான் — தன்சீதைக்கு
நேராவான் என்றோர் நிசாசரிதான் வந்தாளை
கூரார்ந்த வாளால் கொடிமூக்கும் காதிரண்டும்
ஈராவிடுத்து அவட்கு மூத்தோனை — வெந்நரகம்
சேராவகையே சிலைகுனித்தான் — செந்துவர்வாய்
வாரார் வனமுலையாள் வைதேவி காரணமா
ஏரார் தடந்தோள் இராவணனை — ஈரைந்து
சீரார் சிரமறுத்துச் செற்றுகந்த செங்கண்மால்
போரார் நெடுவேலோன் பொன்பெயரோன் ஆகத்தை
கூரார்ந்த வள்ளுகிரால் கீண்டு — குடல்மாலை
சீரார் திருமார்பின் மேல்கட்டி — செங்குருதி
சோராக் கிடந்தானைக் குங்குமத்தோள் கொட்டி
ஆரா எழுந்தான் அரியுருவாய் — அன்றியும்
பேர் வாமனனாகிய காலத்து — மூவடிமண்
தாராய் எனக்கென்று வேண்டிச் சலத்தினால்
நீரேற்று உலகெல்லாம் நின்றளந்தான் மாவலியை
ஆராத போரில் அசுரர்களும் தானுமாய்
காரார் வரைநட்டு நாகம் கயிறாக
பேராமல் தாங்கிக் கடைந்தான் — திருத்துழாய்
தாரர்ந்த மார்வன் தடமால் வரைபோலும்
போரானை பொய்கைவாய்க் கோட்பட்டு நின்றலறி
நீரார் மலர்க்கமலம் கொண்டு ஓர் நெடுங்கையால்
நாராயணாவோ! மணிவண்ணா! நாகணையாய்!
வாராய்! என் ஆரிடரை நீக்காய் — எனவெகுண்டு
தீராத சீற்றத்தால் சென்றிரண்டு கூறாக
ஈரா அதனை இடர்க்கடிந்தான் எம்பெருமான்
பேராயிரமுடையான் பேய்ப்பெண்டீர் நும்மகளை
தீரா நோய் செய்தான் என உரைத்தாள் — சிக்கெனமற்று
ஆரானும் அல்லாமை கேட்டு எங்கள் அம்மனையும்
போரார் வேற்கண்ணீர் அவனாகில் பூந்துழாய்
தாராதொழியுமே? தன்னடிச்சி அல்லளே? — மற்று
ஆரானும் அல்லனே என்றொழிந்தாள் — நான் அவனைக்
காரார் திருமேனி கண்டதுவே காரணமா
பேராப் பிதற்றாத் திரிதருவன் — பின்னையும்
ஈராப் புகுதலும் இவ்வுடலைத் தண்வாடை
சோராமறுக்கும் வகையறியேன் — சூழ்குழலார்
ஆரானும் ஏசுவர் என்னும் அதன் பழியை
வாராமல் காப்பதற்கு வாளா இருந்தொழிந்தேன்
வாராய் மடநெஞ்சே வந்து — மணிவண்ணன்
சீரார் திருத்துழாய் மாலை நமக்கருளி
தாரான் தருமென்று இரண்டத்தில் ஒன்றதனை
ஆரானும் ஒன்னாதார் கேளாமே சொன்னக்கால்
ஆராயுமேலும் பணிகேட்டு அதன்றெனிலும்
போராது ஒழியாதே போந்திடு நீ என்றேற்கு
காரார் கடல்வண்ணன் பின்போன நெஞ்சமும்
வாராதே என்னை மறந்ததுதான் — வல்வினையேன்
ஊரார் உகப்பதே ஆயினேன் — மற்றெனக்கிங்கு
ஆராய்வார் இல்லை அழல்வாய் மெழுகுபோல்
நீராய் உருகும் என்னாவி — நெடுங்கண்கள்
ஊரார் உறங்கிலும் தான் உறங்கா — உத்தமன்தன்
பேராயினவே பிதற்றுவன் — பின்னையும்
காரார் கடல்போலும் காமத்தர் ஆயினார்
ஆரே பொல்லாமை அறிவார்? அதுநிற்க
ஆரானும் ஆதானும் அல்லள் அவள் காணீர்
வாரார் வனமுலை வாசவதத்தை என்று
ஆரானும் சொல்லப்படுவாள் — அவளும்தன்
பேராயம் எல்லாம் ஒழியப் பெருந்தெருவே
தாரார் தடந்தோள் தளைக்காலன் பின்போனாள்
ஊரார் இகழ்ந்திடப்பட்டாளே? — மற்றெனக்கிங்கு
ஆரானும் கற்பிப்பார் நாயகரே? — நான் அவனைக்
காரார் திருமேனி காணும் அளவும்போய்
சீரார் திருவேங்கடமே திருக்கோவலூரே
மதிற்கச்சி ஊரகமே பேரகமே
பேரா மருதிறுத்தான் வெள்ளறையே வெஃகாவே
பேராலி தண்கால் நறையூர் திருப்புலியூர்
ஆராமம் சூழ்ந்த அரங்கம் — கணமங்கை
காரார் மணிநிறக் கண்ணனூர் விண்ணகரம்
சீரார் கணபுரம் சேறை திருவழுந்தூர்
காரார் குடந்தை கடிகை கடல்மல்லை
ஏரார் பொழில்சூழ் இடவெந்தை நீர்மலை
சீராரும் மாலிருஞ்சோலை திருமோகூர்
பாரோர் புகழும் வதரி வடமதுரை
ஊராயவெல்லாம் ஒழியாமே நான் அவனை
ஓரானை கொம்பொசித்து ஓரானை கோள்விடுத்த
சீரானை — செங்கண் நெடியானை தேன்துழாய்த்
தாரானை — தாமரைபோல் கண்ணானை எண்ணருஞ்சீர்
பேராயிரமும் பிதற்றி — பெருந்தெருவே
ஊரார் இகழிலும் ஊராதொழியேன் நான்
வாரார் பூம் பெண்ணை மடல்.

Traditionell angefügter Kambar-Vers

ஊராதொழியேன் உலகறிய ஒண்ணுதலீர்
சீரார் முலைத்தடங்கள் சேரளவும் — பாரெல்லாம்
அன்றோங்கி நின்றளந்தான் நின்ற திருநறையூர்
மன்றோங்க ஊர்வன் மடல்.

Wissenschaftliche Umschrift

Die folgende Umschrift ist schriftgetreu und ISO-15919-orientiert. Sie unterscheidet insbesondere ṭ, ṇ, ḷ, ḻ, ṟ, ṉ sowie die langen Vokale ā, ī, ū, ē, ō. Auch hier steht nach jeder Zeile ein <br>; <poem> wird nicht verwendet.

Taniyan in Umschrift

muḷḷic ceḻumalarōtāraṉ muḷaimatiyam
kollikku eṉṉuḷḷam kotiyāmē — vaḷḷal
tiruvāḷaṉ cīrkkaliyaṉ kārkkaliyai veṭṭi
maruvāḷaṉ tantāṉ maṭal.

Ciriya Tirumatal – vollständige Umschrift

kārār varaikkoṅkai kaṇṇār kaṭaluṭukkai
cīrār cuṭarccuṭṭi ceṅkaluḻip pērāṟṟu
pērāra mārpiṉ perumā maḻaikkūntal
nīrāravēli nilamaṅkai eṉṉum ip
pārōr colappaṭṭa mūṉṟaṉṟē — ammūṉṟum
ārāyil tāṉē aṟam poruḷ iṉpam eṉṟu
ārār ivaṟṟiṉ iṭaiyataṉai eytuvār
cīrār irukalaiyum eytuvar — cikkeṉamaṟṟu
ārāṉum uṇṭeṉpār eṉpatutāṉ atuvum
ōrāmaiyaṉṟē? ulakattār collum col
ōrāmaiyāmāṟu atu uraikkēṉ kēḷāmē
kārār puraviyēḻ pūṇṭa taṉiyāḻi
tērār niraikatirōṉ maṇṭalattaik kīṇṭu pukku
ārāvamutam aṅkeyti — atil niṉṟum
vārātoḻivatu oṉṟuṇṭē — atuniṟka
ērār muyalviṭṭu kākkaippiṉ pōvatē?
ērār iḷamulaiyīr eṉtaṉakku uṟṟatutāṉ
kārār kuḻaleṭuttukkaṭṭi — katirmulaiyai
vārāra vīkki maṇimēkalai tirutti
ārār ayilvēṟkaṇ añcaṉattiṉ nīraṇintu
cīrār ceḻumpantu koṇṭaṭiyā niṉṟēṉ nāṉ
nīrār kamalampōl ceṅkaṇmāl eṉṟoruvaṉ
pārōrkaḷellām makiḻap paṟaikaṟaṅka
cīrār kuṭam iraṇṭēnti — ceḻunteruvē
ārār eṉaccolli āṭum atukaṇṭu
ērār iḷamulaiyār eṉṉaiyarum ellārum
vārāyō eṉṟārkkuc ceṉṟēṉ eṉvalviṉaiyāl
kārār maṇiniṟamum kaivaḷaiyum kāṇēṉ nāṉ
ārāṉum colliṟṟum koḷḷēṉ — aṟivaḻintu
tīrā uṭampoṭu pētuṟuvēṉ kaṇṭiraṅki
ērār kiḷikkiḷavi emmaṉaitāṉ vantu eṉṉai
cīrār ceḻumpuḻutik kāppiṭṭu — ceṅkuṟiñcit
tārār naṟumālai cāttaṟku — tāṉpiṉṉum
nērātaṉa oṉṟu nērntāḷ — ataṉālum
tīrātu eṉcintai nōy tīrātu eṉpētuṟavu
vārātu māmai atukaṇṭu maṟṟāṅkē
ārāṉum mūtaṟiyum ammaṉaimār colluvār
pārōr colappaṭum kaṭṭuppaṭuttirēl
ārāṉum meyppaṭuvaṉ eṉṟār — atukēṭṭu
kārār kuḻaṟkoṇṭai kaṭṭuvicci kaṭṭēṟi
cīrār cuḷakil cilanel piṭitteṟiyā
vērā vitirvitirā meycilir ākkaimōvā
pērāyiramuṭaiyāṉ eṉṟāḷ — pērttēyum
kārār tirumēṉi kāṭṭiṉāḷ — kaiyatuvum
cīrār valampuriyē eṉṟāḷ — tiruttuḻāyt
tārār naṟumālai kaṭṭuraittāḷ kaṭṭuraiyā
nīrētum añcēṉmiṉ nummakaḷai nōyceytāṉ
ārāṉum allaṉ aṟintēṉ avaṉai nāṉ
kūrār vēṟkaṇṇīr umakku aṟiyak kūṟukēṉō
ārāl ivvaiyam aṭiyaḷappuṇṭatutāṉ
ārāl ilaṅkai poṭipoṭiyā vīḻntatu — maṟṟu
ārālē kaṉmāri kāttatutāṉ — āḻinīr
ārāl kaṭaintiṭappaṭṭatu — avaṉ kāṇmiṉ
ūrā nirai mēyttu ulakellām uṇṭumiḻntum
ārāta taṉmaiyaṉāy āṅku orunāḷ āyppāṭi
cīrār kalaiyalkul cīraṭic centuvarvāy
vārār vaṉamulaiyāḷ mattārap paṟṟikoṇṭu
ērār iṭainōva ettaṉaiyōr pōtumāy
cīrār tayir kaṭaintu veṇṇai tiraṇṭataṉai
vērār nutal maṭavāḷ vēṟōr kalattiṭṭu
nārār uṟiyēṟṟi naṉkamaiya vaittataṉai
pōrār vēṟkaṇ maṭavāḷ pōntaṉaiyum poyyuṟakkam
ōrātavaṉpōl uṟaṅki aṟivuṟṟu
tārār taṭantōḷkaḷ uḷḷaḷavum kainīṭṭi
ārāta veṇṇai viḻuṅki — arukirunta
mōrār kuṭamuruṭṭi muṉkiṭanta tāṉattē
ōrātavaṉpōl kiṭantāṉaik kaṇṭavaḷum
vārāttāṉ vaittatu kāṇāḷ — vayiṟaṭittiṅku
ārār pukutuvār? aiyar ivarallāl
nīrām ituceytīr eṉṟōr neṭuṅkayiṟṟāl
ūrārkaḷ ellārum kāṇa uralōṭē
tīrā vekuḷiyaḷāyc cikkeṉa ārttaṭippa
ārā vayiṟṟiṉōṭu āṟṟātāṉ — aṉṟiyum
nīrār neṭuṅkayattai ceṉṟalaikka niṉṟurappi
ōrāyiram paṇaveṅ kōviyal nākattai
vārāy eṉakkeṉṟu maṟṟataṉ mattakattu
cīrār tiruvaṭiyāl pāyntāṉ — taṉcītaikku
nērāvāṉ eṉṟōr nicācaritāṉ vantāḷai
kūrārnta vāḷāl koṭimūkkum kātiraṇṭum
īrāviṭuttu avaṭku mūttōṉai — vennarakam
cērāvakaiyē cilaikuṉittāṉ — centuvarvāy
vārār vaṉamulaiyāḷ vaitēvi kāraṇamā
ērār taṭantōḷ irāvaṇaṉai — īraintu
cīrār ciramaṟuttuc ceṟṟukanta ceṅkaṇmāl
pōrār neṭuvēlōṉ poṉpeyarōṉ ākattai
kūrārnta vaḷḷukirāl kīṇṭu — kuṭalmālai
cīrār tirumārpiṉ mēlkaṭṭi — ceṅkuruti
cōrāk kiṭantāṉaik kuṅkumattōḷ koṭṭi
ārā eḻuntāṉ ariyuruvāy — aṉṟiyum
pēr vāmaṉaṉākiya kālattu — mūvaṭimaṇ
tārāy eṉakkeṉṟu vēṇṭic calattiṉāl
nīrēṟṟu ulakellām niṉṟaḷantāṉ māvaliyai
ārāta pōril acurarkaḷum tāṉumāy
kārār varainaṭṭu nākam kayiṟāka
pērāmal tāṅkik kaṭaintāṉ — tiruttuḻāy
tārarnta mārvaṉ taṭamāl varaipōlum
pōrāṉai poykaivāyk kōṭpaṭṭu niṉṟalaṟi
nīrār malarkkamalam koṇṭu ōr neṭuṅkaiyāl
nārāyaṇāvō! maṇivaṇṇā! nākaṇaiyāy!
vārāy! eṉ āriṭarai nīkkāy — eṉavekuṇṭu
tīrāta cīṟṟattāl ceṉṟiraṇṭu kūṟāka
īrā ataṉai iṭarkkaṭintāṉ emperumāṉ
pērāyiramuṭaiyāṉ pēyppeṇṭīr nummakaḷai
tīrā nōy ceytāṉ eṉa uraittāḷ — cikkeṉamaṟṟu
ārāṉum allāmai kēṭṭu eṅkaḷ ammaṉaiyum
pōrār vēṟkaṇṇīr avaṉākil pūntuḻāy
tārātoḻiyumē? taṉṉaṭicci allaḷē? — maṟṟu
ārāṉum allaṉē eṉṟoḻintāḷ — nāṉ avaṉaik
kārār tirumēṉi kaṇṭatuvē kāraṇamā
pērāp pitaṟṟāt tiritaruvaṉ — piṉṉaiyum
īrāp pukutalum ivvuṭalait taṇvāṭai
cōrāmaṟukkum vakaiyaṟiyēṉ — cūḻkuḻalār
ārāṉum ēcuvar eṉṉum ataṉ paḻiyai
vārāmal kāppataṟku vāḷā iruntoḻintēṉ
vārāy maṭaneñcē vantu — maṇivaṇṇaṉ
cīrār tiruttuḻāy mālai namakkaruḷi
tārāṉ tarumeṉṟu iraṇṭattil oṉṟataṉai
ārāṉum oṉṉātār kēḷāmē coṉṉakkāl
ārāyumēlum paṇikēṭṭu ataṉṟeṉilum
pōrātu oḻiyātē pōntiṭu nī eṉṟēṟku
kārār kaṭalvaṇṇaṉ piṉpōṉa neñcamum
vārātē eṉṉai maṟantatutāṉ — valviṉaiyēṉ
ūrār ukappatē āyiṉēṉ — maṟṟeṉakkiṅku
ārāyvār illai aḻalvāy meḻukupōl
nīrāy urukum eṉṉāvi — neṭuṅkaṇkaḷ
ūrār uṟaṅkilum tāṉ uṟaṅkā — uttamaṉtaṉ
pērāyiṉavē pitaṟṟuvaṉ — piṉṉaiyum
kārār kaṭalpōlum kāmattar āyiṉār
ārē pollāmai aṟivār? atuniṟka
ārāṉum ātāṉum allaḷ avaḷ kāṇīr
vārār vaṉamulai vācavatattai eṉṟu
ārāṉum collappaṭuvāḷ — avaḷumtaṉ
pērāyam ellām oḻiyap perunteruvē
tārār taṭantōḷ taḷaikkālaṉ piṉpōṉāḷ
ūrār ikaḻntiṭappaṭṭāḷē? — maṟṟeṉakkiṅku
ārāṉum kaṟpippār nāyakarē? — nāṉ avaṉaik
kārār tirumēṉi kāṇum aḷavumpōy
cīrār tiruvēṅkaṭamē tirukkōvalūrē
matiṟkacci ūrakamē pērakamē
pērā marutiṟuttāṉ veḷḷaṟaiyē veḵkāvē
pērāli taṇkāl naṟaiyūr tiruppuliyūr
ārāmam cūḻnta araṅkam — kaṇamaṅkai
kārār maṇiniṟak kaṇṇaṉūr viṇṇakaram
cīrār kaṇapuram cēṟai tiruvaḻuntūr
kārār kuṭantai kaṭikai kaṭalmallai
ērār poḻilcūḻ iṭaventai nīrmalai
cīrārum māliruñcōlai tirumōkūr
pārōr pukaḻum vatari vaṭamaturai
ūrāyavellām oḻiyāmē nāṉ avaṉai
ōrāṉai kompocittu ōrāṉai kōḷviṭutta
cīrāṉai — ceṅkaṇ neṭiyāṉai tēṉtuḻāyt
tārāṉai — tāmaraipōl kaṇṇāṉai eṇṇaruñcīr
pērāyiramum pitaṟṟi — perunteruvē
ūrār ikaḻilum ūrātoḻiyēṉ nāṉ
vārār pūm peṇṇai maṭal.

Kambar-Vers in Umschrift

ūrātoḻiyēṉ ulakaṟiya oṇṇutalīr
cīrār mulaittaṭaṅkaḷ cēraḷavum — pārellām
aṉṟōṅki niṉṟaḷantāṉ niṉṟa tirunaṟaiyūr
maṉṟōṅka ūrvaṉ maṭal.

Die großen Vishnu-Erzählungen im Ciriya Tirumatal

Ein besonderer Reiz des Werkes liegt darin, dass Tirumangai Alvar die persönliche Liebesgeschichte der Nāyaki mit dem gesamten Kosmos der Vishnu-Überlieferung verbindet. Die Seherin erkennt den Geliebten an seinen Taten:

Damit geschieht etwas Spirituelles: Die Sprecherin liebt nicht bloß eine schöne Gestalt. In dieser einen Gestalt erkennt sie nach und nach den Herrn, der durch alle Zeiten hindurch schützt, trägt, rettet und sich seinen Verehrern nähert.

„Narayana!“ – der Ruf aus der Not

Die Gajendra-Episode gehört zu den bewegendsten Stellen des Gedichts. Der Elefant hat seine eigene Kraft erschöpft. Erst in äußerster Not erhebt sich sein Ruf zu Narayana.

Für die Bhakti-Tradition ist dies ein machtvolles Bild der Prapatti, der Zuflucht zu Gott. Gajendra kämpft, solange er aus eigener Kraft kämpfen kann. Erst als diese Kraft nicht mehr genügt, wird sein Ruf ganz einfach und ganz vollständig: Nārāyaṇa!

Darin kann auch für Yoga-Aspiranten eine tiefe Erinnerung liegen. Übung, Disziplin und eigene Anstrengung sind wichtig – aber sie sind nicht das Ganze des spirituellen Lebens. Es gibt Augenblicke, in denen ein aufrichtiges Gebet, das aus dem ganzen Herzen kommt, mehr sammelt und öffnet als viele komplizierte Gedanken.

Om Namo Narayanaya bei Yoga Vidya. Das Mantra ruft Narayana an – denselben göttlichen Namen, der im Zentrum des Gajendra-Abschnitts des Ciriya Tirumatal steht.

Viraha – die spirituelle Kraft der Trennung

In Bhakti Yoga kann die schmerzhafte Erfahrung der Gottesferne selbst zu einer Form der Gottesnähe werden. Dies ist das Paradox des Viraha. Wer Gott vermisst, denkt ununterbrochen an Gott. Die Trennung sammelt den Geist auf den Geliebten.

Diese Erfahrung begegnet auch in anderen großen tamilischen Bhakti-Werken. Andal spricht in der Nachiyar Tirumozhi mit großer Intensität von ihrer Sehnsucht nach Krishna; Nammalvar gestaltet in der Tiruvaymoli immer wieder weibliche Stimmen der Gottesliebe. Auf shaivischer Seite kennt auch das Tevaram die leidenschaftliche, persönliche Hinwendung zu Gott, während Tiruvasagam die Seele mit außergewöhnlicher Innigkeit vor Shiva stellt.

So steht das Ciriya Tirumatal in einer großen tamilischen Tradition: Das Höchste wird nicht nur gedacht. Es wird gesucht, angerufen, vermisst und geliebt.

Das Herz als Bote

Besonders fein ist die Szene, in der die Nāyaki ihr eigenes Herz zu Vishnu schickt. Das Herz soll fragen, ob der Herr seine Tulasī-Girlande schenken wird – und danach zurückkehren.

Doch das Herz kehrt nicht zurück.

Die Szene ist zugleich poetisch, zärtlich und tiefgründig. Was soll das Herz tun, wenn es endlich dort angekommen ist, wohin es immer wollte? In der Sprache der Bhakti bedeutet dies: Das Herz, das zu Gott geschickt wird, entdeckt, dass es im Grunde schon immer ihm gehört hat.

Auch Yoga-Aspiranten können darin ein starkes Bild für Meditation und Mantra finden. Gewöhnlich wandert der Geist von Wunsch zu Wunsch. Wird er jedoch immer wieder auf das Göttliche ausgerichtet, kann die Bindung an die eigene Unruhe allmählich schwächer werden. Das Ciriya Tirumatal drückt diese Erfahrung nicht philosophisch, sondern in der Sprache der Liebe aus: Das Herz kehrt nicht zurück, weil es beim Geliebten Heimat gefunden hat.

Die Tulasī-Girlande als Zeichen der Gnade

Immer wieder richtet sich die Sehnsucht auf Vishnus duftende Tulasī-Girlande. In der äußeren Handlung möchte die Nāyaki ein sichtbares Zeichen der Erwiderung erhalten. Spirituell kann die Girlande als Zeichen der Nähe und Gnade verstanden werden.

Die Bitte lautet nicht nach Reichtum, Macht oder Anerkennung. Sie lautet im Grunde: Gib mir etwas, das von dir kommt. Lass mich wissen, dass ich zu dir gehöre.

Darin liegt eine zeitlose Einfachheit der Bhakti.

Ciriya Tirumatal und die Divya Desams

Der lange Ortskatalog am Ende des Werkes ist keine bloße geographische Aufzählung. Tirumangai Alvar war der große Pilgerdichter unter den Āḻvārs. Seine Verse verbinden den transzendenten Vishnu mit konkreten Tempeln, Flüssen, Hügeln, Städten und Landschaften.

Im Ciriya Tirumatal wird aus der Sehnsucht eine Pilgerbewegung: Wenn der Geliebte sich hier nicht zeigt, sucht die Nāyaki ihn am nächsten heiligen Ort – und am nächsten. So wird die ganze Landschaft zu einer Karte der Gegenwart Gottes.

Verwandte Texte sind insbesondere Tirumangai Alvars Periya Tirumoli, die zahllose Divya Desams besingt, sowie das größere Periya Tirumatal. Für den umfassenderen Zusammenhang der tamilischen Vaishnava-Bhakti sind außerdem Tiruvaymoli, Tiruppavai, Nachiyar Tirumozhi, Periyalvar Tirumoli und Amalanadipiran bedeutsam.

Inspiration für Yoga-Aspiranten

Das Ciriya Tirumatal ist kein Handbuch für Hatha Yoga und kein philosophisches Lehrgedicht wie die Bhagavad Gita. Seine spirituelle Praxis liegt im Herzen. Einige Impulse können auch heutige Yoga-Aspiranten berühren:

1. Lass Spiritualität wirklich wichtig werden. Die Nāyaki behandelt Gott nicht als einen Punkt unter vielen. Ihre Sehnsucht erfasst das ganze Leben. Für den modernen Menschen kann das bedeuten: Gib Meditation, Gebet, Mantra und ethischem Leben einen wirklichen Platz – nicht nur die übrig gebliebene Zeit.

2. Rufe den göttlichen Namen. Das Werk kulminiert im Rufen der tausend Namen. Japa sammelt den Geist und gibt dem Herzen eine Richtung. Für die Vishnu-Tradition ist besonders Om Namo Narayanaya ein zentrales Mantra.

3. Mache auch die Sehnsucht zur Praxis. Nicht jede Meditation ist lichtvoll. Manchmal erscheint Gott fern, die Praxis trocken und das Herz unruhig. Das Ciriya Tirumatal sagt gewissermaßen: Auch dieses Vermissen kann ein Weg sein, wenn es dich tiefer zum Göttlichen führt.

4. Suche das Heilige immer wieder neu. Die Nāyaki zieht von Tempel zu Tempel. Ein Yoga-Aspirant kann dies innerlich verstehen: Wenn ein Zugang nicht lebendig ist, suche einen anderen – Kirtan, stille Meditation, Seva, Studium, Pilgerfahrt, Puja oder Naturerfahrung. Das Göttliche ist größer als eine einzige Methode.

5. Fürchte dich nicht vor tiefer Hingabe. Die Sprecherin ist bereit, den Spott der Menschen zu ertragen. Spirituell muss das nicht bedeuten, provokativ zu sein. Es kann bedeuten, die eigene Gottesbeziehung nicht aus Angst vor fremden Urteilen klein zu machen.

Bedeutung für tamilische Hindus in Deutschland

Für tamilische Hindus in Deutschland kann das Ciriya Tirumatal mehrere Generationen miteinander verbinden. Ältere Familienmitglieder erkennen die Sprache der Tempel, die Namen der Divya Desams und die Geschichten von Krishna, Rama, Narasimha und Vamana. Jüngere Menschen, die Tamil vielleicht nicht mehr vollständig lesen, können über Umschrift und deutsche Übersetzung einen neuen Zugang finden.

Gerade deshalb stehen in diesem Artikel Tamiltext, wissenschaftliche Umschrift und deutsche Übersetzung nebeneinander. Keine dieser Ebenen ersetzt die andere:

  • Der Tamiltext bewahrt Klang, Rhythmus und kulturelle Heimat.
  • Die Umschrift hilft beim Lesen und Rezitieren.
  • Die deutsche Übersetzung öffnet Bedeutung und spirituellen Zusammenhang.

So kann ein alter tamilischer Bhakti-Text auch in Deutschland lebendig bleiben – nicht nur als historisches Dokument, sondern als Gebet, Dichtung und Einladung zur Gottesliebe.

Ciriya Tirumatal im Vergleich mit anderen tamilischen Schriften

Das Werk wird besonders verständlich, wenn man es mit anderen Texten des Yoga-Vidya-Wikis zusammenliest.

Die Tiruppavai von Andal führt in gemeinschaftliche, freudige Krishna-Bhakti. Die Nachiyar Tirumozhi zeigt Andals persönlichere und teilweise sehr intensive Brautsehnsucht. Nammalvar entfaltet in der Tiruvaymoli eine umfassende Theologie der Gottesnähe, Gottesferne und Hingabe. Tirumangai Alvars eigene Periya Tirumoli verbindet Bhakti mit der Pilgergeographie Südindiens; das Periya Tirumatal steigert die Maṭal-Thematik noch weiter.

Zum breiteren tamilischen Horizont gehören auch Kamba Ramayanam, Tevaram, Tiruvasagam, Tirumantiram und Periya Puranam. Sie vertreten unterschiedliche Traditionen und theologische Akzente, zeigen aber gemeinsam, wie tief Tamil als Sprache religiöser Erfahrung, Philosophie und Hingabe gewirkt hat.

Schluss – wenn Liebe stärker wird als die Angst vor dem Urteil

Das Ciriya Tirumatal beginnt mit einer Welt voller großer Ziele und endet mit einem einzigen, unerschütterlichen Entschluss.

Dazwischen liegt eine ganze spirituelle Landschaft: ein Tanz Krishnas auf der Straße, die Sorge einer Mutter, die Schau einer Seherin, die Kindheit des butterstehlenden Gottes, Rāmas Kampf, Narasimhas Macht, Vāmanas Weltschritte, das Quirlen des Ozeans, der verzweifelte Ruf Gajendras und eine Pilgerreise durch die heiligen Orte Vishnus.

Doch all diese Geschichten führen zurück in ein einziges Herz.

Dieses Herz sagt: Ich habe ihn gesehen. Nun kann ich nicht mehr so leben, als hätte ich ihn nicht gesehen.

Vielleicht liegt darin die tiefste Inspiration des Werkes. Spirituelles Leben beginnt oft mit Interesse, Wissen oder Übung. Es vertieft sich, wenn aus Wissen Beziehung wird; wenn aus einer Idee von Gott eine lebendige Gegenwart wird; wenn Mantra nicht nur gesprochen, sondern gerufen wird; wenn Meditation nicht nur Technik, sondern Begegnung wird; wenn Bhakti nicht mehr eine Praxis unter anderen ist, sondern das Herz selbst.

Parakāla Nāyaki ist bereit, ihren Ruf, ihre gesellschaftliche Sicherheit und ihre Scham zu überschreiten – nicht aus gewöhnlicher Rebellion, sondern weil ihre Liebe größer geworden ist als ihre Angst.

Der Yoga-Aspirant muss kein Maṭal durch die Straßen tragen. Doch er kann sich von der kompromisslosen Ausrichtung der Parakāla Nāyaki berühren lassen und sich fragen:

Was würde sich in meinem Leben verändern, wenn die Sehnsucht nach dem Göttlichen stärker würde als meine Zerstreuung, stärker als meine Bequemlichkeit und stärker als meine Sorge darum, was andere denken?

Dann wird das Ciriya Tirumatal zu mehr als einem großen Werk alter tamilischer Dichtung. Es wird zu einer Einladung, das Göttliche nicht nur zu kennen, sondern zu suchen; nicht nur von Hingabe zu sprechen, sondern das Herz immer wieder dorthin zu geben, wo es seine tiefste Heimat findet.

Siehe auch

Quellen und Textgrundlage

  • Project Madurai: Nālāyira Tivya Pirapantam, Teil 4 – historische elektronische Gesamtausgabe mit dem Ciriya Tirumatal. Die betreffende Passage weist in der Webfassung einzelne ältere Encoding- bzw. Konvertierungsprobleme auf; der Tamiltext wurde daher mit weiteren elektronischen Fassungen abgeglichen.
  • Śrīvaiṣṇavam: Ciṟiya Tirumaṭal – für die saubere Unicode-Lesung des Tamiltexts herangezogen.
  • Prabandham4000: Tirumaṅgaiyāḻvār – Siṛiya Tirumaḍal – Umschrift, Gliederung und ausführliche englische Bedeutungserläuterungen zum Abgleich.
  • Tamil Virtual Academy: Darstellung zu Tirumangai Alvar, Ciṟiya Tirumaṭal und den unterschiedlichen traditionellen Zählweisen.
  • Norman Cutler: Songs of Experience: The Poetics of Tamil Devotion. Indiana University Press.
  • S. R. Ramanujan: The Lord of Vengadam.
  • Swami Sivananda: Lives of Saints, Divine Life Society – zum Hintergrund der Āḻvārs und der Bhakti-Tradition.

Weblinks