Sattvata Samhita
Sattvata Samhita (Sanskrit: सात्वतसंहिता, Sātvata Saṃhitā, auch Sāttvata Saṃhitā) ist eine grundlegende Schrift des Pancharatra, einer Tradition der Verehrung von Vishnu und Narayana. Im Mittelpunkt steht Vasudeva, der höchste Herr: allgegenwärtig und zugleich dem Menschen liebevoll zugewandt. Die Samhita verbindet Mantra, Meditation, Bhakti und Jnana mit einer ausführlichen Lehre der Gottesverehrung. Ihr höchstes Ziel ist Moksha, die Befreiung aus dem Kreislauf gebundener Existenz.

Wie bewahren wir ein klares Herz, wenn Unruhe und Leidenschaft das Leben bestimmen? Diese Frage prägt bereits den Anfang des Werkes (1.21–23). Die Antwort führt in eine Praxis, die den ganzen Menschen anspricht: den Geist durch Sammlung, das Herz durch Hingabe, das Handeln durch bewusste Verehrung. Was im Tempel als Wasser, Blume oder Licht dargebracht wird, beginnt mit einer inneren Zuwendung.
Ein Bild aus dem Schlusskapitel macht diesen Gedanken anschaulich: Wie ein Fächer den Wind spürbar macht und Reiben verborgenes Feuer hervorbringt, so lässt die Anrufung die Gegenwart des Allgegenwärtigen im Kultbild erfahrbar werden (25.121). Für Yoga-Praktizierende liegt darin eine Einladung: der göttlichen Gegenwart aufmerksam begegnen – im Gebet, in der Stille und im eigenen Tun.
Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras
Was Yoga-Aspiranten aus der Sattvata Samhita lernen können
Die Sattvata Samhita kann helfen, die eigene Praxis mit mehr Aufmerksamkeit und Wärme zu erfüllen. Wer ein Mantra wiederholt, eine Kerze entzündet oder still sitzt, kann sich fragen: Bin ich mit meinem Herzen dabei? Wohin richtet sich mein Geist? In 2.59–60 beschreibt die Schrift, wie die Sinne gesammelt werden und das Denken in klarer Erkenntnis zur Ruhe kommt. Aus dieser Sammlung geht die Verehrung hervor.
Dabei gehört zu ihrer Gottesvorstellung eine große Weite. Wie eine Sonne sich in vielen Gewässern spiegelt, so begegnet der eine Erhabene in verschiedenen Mantraformen (4.33–35). Eine gewählte Gottesgestalt kann dadurch zum vertrauten Mittelpunkt der Praxis werden. Ihre Schönheit, ihr Segen und ihr Mitgefühl geben der inneren Ausrichtung eine konkrete Form.
Auch der Umgang mit anderen gehört zu diesem Weg. Die Schrift nennt Geduld, Hilfsbereitschaft, freundliches Sprechen und Freiheit von Habgier als Qualitäten eines spirituell Übenden (22.5–10). Sie fordert dazu auf, Lebewesen zu schonen und ihnen Furchtlosigkeit zu gewähren (17.328–330). Sammlung und Mitgefühl können einander so im Alltag stärken.
Die heutigen Praxisanregungen dieses Artikels knüpfen an solche Leitgedanken an. Die besonderen Einweihungs-, Mantra- und Tempelrituale gehören hingegen in den Zusammenhang ihrer traditionellen Unterweisung. Für die persönliche Annäherung genügen zunächst eine kurze Zeit der Stille, ein vertrautes Mantra und die Bereitschaft, aufmerksam zu leben.
Ein Zugang für die erste Lektüre
Das umfangreiche Werk lässt sich gut in ausgewählten Abschnitten erschließen. Die vollständige Übersetzung steht weiter unten; für die tägliche Betrachtung bietet sich außerdem die Auswahl von 108 Stellen an.
| Wenn dich besonders bewegt … | Lies zunächst … | Achte dabei auf … |
|---|---|---|
| Innere Ruhe und Sammlung | 2.59–71 und 6.203–214 | Den Weg vom zerstreuten Geist zur stillen Gegenwart. |
| Hingabe und Vertrauen | 4.15–16 und 4.33–35 sowie 14.17 | Mitgefühl und die Freude, aus Liebe zu verehren. |
| Erkenntnis und innere Freiheit | 12.44–46 und 12.99–103 | Das innere Opfer und die befreiende Kraft der Unterscheidung. |
| Praxis im täglichen Leben | 17.328–330 und 22.5–10 | Gewaltlosigkeit, Geduld und einen freundlichen Umgang. |
| Guru und Einweihung | 19.3–7 und 20.33–40 | Die persönliche Eignung des Schülers und Dankbarkeit für geistliche Begleitung. |
| Äußere Verehrung und Gottesnähe | 25.119–128 | Die Anrufung des Herrn und seine Gegenwart im Herzen. |
Lies einige zusammengehörige Verse langsam. Verweile bei einem Gedanken, der dich anspricht, und lass ihn deine nächste Meditation begleiten. Die technischen Abschnitte über Lautanordnungen, Maße oder Opfergeräte kannst du anschließend in ihrem Zusammenhang studieren. Du musst sie für einen ersten Zugang nicht alle zugleich verstehen.
Sattvata Samhita und die Pancharatra-Tradition
Die Sattvata Samhita gehört zu den grundlegenden Samhitas des Pancharatra. Dieses Werk ist zugleich Gotteslehre, Mantralehre, Anleitung zur Verehrung und Darstellung eines Weges zur Befreiung. Seine Kapitel führen von der höchsten Wirklichkeit und ihren Entfaltungen über innere und äußere Verehrung zu Gelübden, Einweihung, geistlicher Befähigung, Bildgestaltung, Tempelbau und Einsetzung der göttlichen Gegenwart.
Die traditionelle Rahmenerzählung ist eine Lehrerfolge: Parashurama sendet Narada zu den Weisen auf dem Malaya-Berg. Narada übermittelt ihnen, was der Diskusträger Vasudeva dem Pflugträger Sankarshana gelehrt hat (1.1–20). Die Autorität der Schrift wird damit als empfangene und weitergegebene Offenbarung dargestellt. Diese heilige Erzählung ist von einer historischen Datierung zu unterscheiden.
Die verwendete Fassung überliefert den Grundtext zusammen mit einem Sanskritkommentar Alaśiṅgabhaṭṭas. Der Kommentar erläutert die Mantras, die Gotteslehre und die Rituale und zieht andere Schriften heran. Seine Erklärungen können das Verständnis fördern; sie werden hier jedoch nicht als zusätzliche Verse der Samhita behandelt.
Was bedeutet Sattvata?
Sātvata beziehungsweise Sāttvata bezeichnet im vorliegenden Zusammenhang die zu Vasudeva gehörende religiöse Überlieferung und ihre Anhänger. Saṃhitā bedeutet Sammlung oder zusammengefügte Überlieferung. Der Titel lässt sich somit sinngemäß als „Sammlung der Sattvata-Lehre“ verstehen.
Die Nähe zum Wort Sattwa, Klarheit und Reinheit, ist für eine spirituelle Betrachtung anregend; sie ersetzt aber nicht die traditionsbezogene Bedeutung des Titels. Die Schrift selbst nennt die beständige, ungeteilte Hingabe sātvatī (1.6) und stellt ihr die Leidenschaft gegenüber, welche die Wahrnehmung trübt (1.21–23).
Vasudeva und die höchste Wirklichkeit
Vasudeva ist in der Samhita der eine Herr und die Grundlage von allem. Seine Hände und Füße, Augen und Gesichter sind überall, heißt es in 1.25–26. Dieses Bild öffnet die Vorstellungskraft: Gottes Gegenwart reicht über jeden einzelnen Ort und jede sichtbare Gestalt hinaus.
Zugleich ist dieser Herr ansprechbar. Aus Mitgefühl nimmt er eine Gestalt an, deren Hände Segen und Furchtlosigkeit schenken (2.69–71). Allgegenwart und persönliche Zuwendung gehören zusammen. Der Mensch darf sich vor ihm sammeln, ihn anrufen und ihm sein Leben anvertrauen.
Für die Meditation eröffnet sich damit eine einfache Betrachtung: Die Gestalt vor meinem inneren Auge verweist auf eine Gegenwart, die größer ist als meine Vorstellung. Ich kann bei einer vertrauten Form verweilen und mich durch sie für das Unbegrenzte öffnen. Diese Betrachtung ist eine heutige Annäherung an die Gotteslehre des Werkes.
Die Vyuhas
Die Vyūhas sind die geordneten Entfaltungen des einen göttlichen Wesens: Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. Die sechs göttlichen Eigenschaften – Erkenntnis, Stärke, Herrschaftsmacht, unverminderte Wirkkraft, Shakti und Glanz – bleiben in allen gegenwärtig. Unterschiede entstehen dadurch, dass bestimmte Eigenschaften vorherrschen und andere begleitend wirken (3.5–15).
| Erscheinung | Vorherrschende Eigenschaften im Zusammenhang von Kapitel 3 | Himmelsrichtung |
|---|---|---|
| Vasudeva | Die sechs Eigenschaften gemeinsam | Osten |
| Sankarshana | Erkenntnis und Stärke | Süden |
| Pradyumna | Herrschaftsmacht und unverminderte Wirkkraft | Westen |
| Aniruddha | Glanz und Shakti | Norden |
Diese Entfaltung ist keine Zerlegung Gottes in voneinander unabhängige Teile. Das Werk betont ausdrücklich ihre Wesensgleichheit. Farben, Handzeichen, Mantras und Orte dienen dazu, die geistige Sammlung zu gestalten. Kapitel 3–5 verbinden diese Formen mit unterschiedlichen Bewusstseinsebenen; der vierte Zustand, Turiya, bleibt dabei ein wichtiger Bezugspunkt der inneren Verehrung.
Guru und Diksha
Ein spiritueller Weg wird durch Unterweisung, Übung und gelebtes Vorbild weitergegeben. In der Sattvata Samhita führt der Guru den Schüler durch Diksha, die Einweihung, in eine verbindliche Praxis von Mantra und Verehrung ein. Die Kapitel 18–22 schildern deren Vorbereitung, Durchführung und die damit verbundene Verantwortung.
Dabei ist die innere Ausrichtung des Schülers zu berücksichtigen. Kapitel 19.3–7 unterscheidet Einweihungen nach ihren Zielen und fordert, die Absicht des Zufluchtsuchenden zu erkennen. Auch unterschiedliche Lebenssituationen werden bedacht. Der Lehrer soll wissen, wen er begleitet und welche Verpflichtungen dieser Mensch erfüllen kann; 21.58–59 greift diese Frage ausdrücklich auf.
Zur empfangenen Unterweisung gehört Dankbarkeit. In 20.33–40 werden die Achtung vor dem Lehrer, der Umgang mit anderen Kundigen und die Gemeinschaft mit Eingeweihten beschrieben. Für heutige Yoga-Praktizierende kann Guru-Dankbarkeit heißen: eine hilfreiche Lehre sorgfältig hören, ihren Sinn erwägen und sie im eigenen Verhalten lebendig werden lassen.

Mantra und Japa
Ein Mantra verbindet in der Sattvata Samhita Klang, göttliche Gestalt und gesammeltes Bewusstsein. Kapitel 2 nennt die höchste Sprache die „Mutter aller Mantras“ und beschreibt ihren Zusammenhang mit dem inneren Klang und dem friedvollen Bewusstsein (2.67–70). Beim Japa, dem wiederholten Sprechen oder inneren Wiederholen, richtet sich der Übende immer neu auf diese Gegenwart aus.
Kapitel 6 führt die Sammlung weiter: Der in Sinnesgegenständen verfangene Geist wird schrittweise zurückgenommen (6.203). Schließlich beschreibt der Text eine Versenkung, in der die Trennung von Meditierendem und Meditationsgegenstand zur Ruhe kommt (6.212–214). Japa steht hier in einem Weg, der vom bewussten Wiederholen zur tiefen inneren Stille führt.
Für die eigene Übung kann daraus eine liebevolle Beständigkeit wachsen. Wiederhole ein vertrautes oder empfangenes Mantra aufmerksam. Wenn Gedanken abschweifen, kehre ruhig zum Klang und zu seiner Bedeutung zurück. Eine kleine, regelmäßig gepflegte Zeit kann der Praxis einen festen Platz im Leben geben.
Viele besondere Mantras des Werkes werden durch ein Buchstabenrad beschrieben: Laute erhalten Plätze auf Achse, Nabe, Speichen und Radkranz. Die gesonderte Mantrasammlung nennt belegte Formeln und ihre Fundstellen. Sie macht kenntlich, wo erst der überlieferte Kommentar die Formel vollständig ausschreibt.
Begleitender Yoga-Vidya-Vortrag über Vishnu.
Arcana und Puja
Arcana und Puja sind Formen ehrfürchtiger Gottesverehrung. Wasser, Blumen, Duft, Licht und Speisen werden dem Herrn dargebracht. Die Sattvata Samhita schildert diese Handlungen mit großer Sorgfalt; ihnen geht die Vergegenwärtigung der Gottheit im Herzen voraus (5.99–110).
Im Ritual wird Aufmerksamkeit konkret: Ein Platz wird gereinigt, eine Gabe vorbereitet, eine Handlung bewusst ausgeführt. Die äußere Sorgfalt kann die innere Hingabe tragen. Zugleich spricht ein Gebet des Werkes aus, dass der Unvergängliche bereits aus seiner eigenen Glückseligkeit erfüllt ist; der Verehrer wendet sich ihm aus Hingabe und zur Verwirklichung des Selbst zu (14.17).
Für eine heutige persönliche Puja kann eine einzelne Blume Ausdruck von Dankbarkeit sein, ein Licht die Hinwendung zu Klarheit, Wasser die Bereitschaft zu innerer Reinigung. Das sind spirituelle Betrachtungen für die eigene Praxis. Lass die gewählte Gabe mit einer ehrlichen inneren Haltung zusammenkommen: Was möchtest du heute dankbar darbringen?
Dhyana und Yoga
Dhyana bedeutet hier, sich gesammelt in die Gegenwart des Göttlichen zu vertiefen. Die beschriebenen Farben, Gesichter, Hände, Waffen und Lichtgestalten geben der Meditation einen bestimmten Inhalt. Besonders eindrücklich sind die den Leidenden zugewandten Gesichter und die mitfühlenden Herzen der Gottgestalten (4.15–16). Wer diese Bilder betrachtet, richtet sich zugleich auf die in ihnen ausgedrückten Qualitäten aus.
Der Weg des Yoga ist eng mit dieser Gottesverehrung verbunden. Die Schrift nennt den achtgliedrigen Yoga (2.7–8), beschreibt das Sammeln der Sinne (2.59–60) und führt zur Versenkung im Samadhi (6.213–214). Im Herzlotus begegnen sich ihre Sprache der Meditation und ihre Sprache der Hingabe.
Als schlichte heutige Anregung kannst du bequem und aufrecht sitzen und den Atem von selbst ruhig fließen lassen. Vergegenwärtige Narayana im Herzen, vielleicht zunächst nur als eine Gegenwart von Güte und Frieden. Wenn du ein vertrautes Mantra wiederholst, lass Klang und Gottesvorstellung zusammenwirken. Verweile zum Abschluss einen Augenblick still und nimm die gesammelte Haltung mit in deinen Tag.
Diese Form der Meditation dient der persönlichen Annäherung. Die ausführlichen Nyasa- und Mantraverfahren der Samhita haben ihre eigene überlieferte Ordnung.
Bhakti und Gotteshingabe
Am Anfang des Werkes wird unerschütterliche Bhakti gewürdigt (1.5–6). Hingabe zeigt sich als Treue: im wiederholten Sich-Zuwenden, im ehrlichen Gebet und in der Bereitschaft, das Leben auf das Göttliche auszurichten. Sie umfasst Handeln, Sprechen und Denken (2.11).
Der Verehrte selbst wird als mitfühlend beschrieben. Er nimmt Gestalt an, um seinen Verehrern Gnade zu schenken (2.69–70), und begegnet den Lebewesen entsprechend den unterschiedlichen Weisen ihres Vertrauens (4.35). Aus dieser Beziehung kann Zuversicht entstehen: Die eigene Bemühung ist von der Hoffnung auf göttliche Zuwendung getragen.
Auch für Zeiten, in denen die Übung stockt, enthält das Werk eine Ermutigung. Bei der Unterbrechung eines Gelübdes sollen Übende nicht mutlos werden (7.122). Für heutige Praktizierende lässt sich daraus eine hilfreiche Haltung gewinnen: einen versäumten Tag eingestehen, den Entschluss erneuern und wieder beginnen. Beständigkeit wächst auch durch dieses geduldige Zurückkehren.
Jnana und spirituelle Erkenntnis
Jnana ist die Erkenntnis der göttlichen Wirklichkeit und der Zusammenhänge, in denen der Mensch lebt und übt. Die Samhita verbindet sie eng mit Hingabe. Wer eine Gottesgestalt verehrt, soll ihre Beziehung zum einen höchsten Herrn verstehen. So erläutert der Text die Wesensgleichheit der Vyuhas und veranschaulicht die Vielfalt der Mantraformen durch die eine Sonne in vielen Gewässern (3.12–15; 4.33–34).
Kapitel 12 macht innere Vorgänge durch kraftvolle Bilder verständlich. Der weit verzweigte Baum des Karma soll entwurzelt werden; der Herr tritt aus Mitgefühl als Unterscheidungskraft im Menschen hervor (12.99–103). In 12.151 werden die Sinne und der rastlose Geist mit einem vielgesichtigen Nachtwanderer verglichen, dem die Pfeile der Unterscheidungskraft begegnen.
Für die eigene Selbstbeobachtung kann dieses Bild fruchtbar werden: Welcher Gedanke stärkt Klarheit? Welche Gewohnheit hält Unruhe in Gang? Erkenntnis vertieft sich, wenn wir solche Fragen aufrichtig stellen und ihre Antwort im Handeln berücksichtigen. Die Samhita führt diese innere Klärung auf die Gegenwart und Gnade des Herrn zurück.
Moksha und das höchste Ziel
Moksha bezeichnet die Befreiung von erneuter gebundener Geburt und das Erreichen der höchsten göttlichen Stätte. Die Sattvata Samhita kennt zugleich Wünsche nach Wohlergehen, Schutz und besonderen Vollendungen. Sie unterscheidet diese Ziele ausdrücklich (2.39–41; 19.3–4).
Für den auf Befreiung gerichteten Weg verbindet sie reine Einsicht, gesammelte Verehrung, Mantra, Vertrauen und Hingabe (3.15–16; 5.110). In 6.212–214 erscheint das Ziel als friedvolle, ungetrübte Fülle von Bewusstsein und Seligkeit. Die Sprache der liebenden Gottesbegegnung und die Sprache tiefer Versenkung stehen hier dicht nebeneinander.
Daraus kann eine Frage für den eigenen Weg entstehen: Worauf richtet sich mein innerstes Streben? Dankbar für Hilfe und gute Lebensumstände zu sein, kann mit der Sehnsucht nach bleibender Freiheit zusammengehen. Die Samhita hält diesen weiten Horizont bis zu ihren Schlusskapiteln offen: Auch das sichtbare Heiligtum dient letztlich einer Hinwendung, die über vergängliche Früchte hinausreicht (24.433).
Ritual und innere Transformation
Das Ritual der Samhita bezieht Körper, Sprache, Vorstellung und Aufmerksamkeit in die Verehrung ein. Der Übende bereitet den Ort, sammelt den Geist, spricht den Mantra und bringt die Gaben dar. Dabei wird der Körper selbst als Ort göttlicher Gegenwart betrachtet (2.58–61). Innere und äußere Verehrung folgen aufeinander und ergänzen sich.
Die Schrift deutet ihre Formen vielfach selbst. Der Diskus wird mit der Zeit, der Vogelkönig mit dem Lebenshauch, die Axt mit Leidenschaftslosigkeit und der Donnerkeil mit makelloser Erkenntnis verbunden (13.30–34). Auch das große innere Opfer erhält eine klare Gestalt: Askese, Verehrung, Japa und Meditation gehören zu ihm (12.44–46). Solche Stellen erschließen die spirituelle Bedeutung der ausführlichen Ritualsprache.
Zur inneren Veränderung gehört die Lebensführung. Geduld, Mitgefühl, freundliches Sprechen und Freiheit von Habgier werden als Qualitäten des Weges genannt (22.5–10). Für heutige Übende liegt hier eine konkrete Verbindung zum Alltag: Die Ruhe nach der Meditation kann das nächste Gespräch prägen; die im Gebet empfundene Dankbarkeit kann zu Hilfsbereitschaft werden.

Sogar die ausführliche Bildlehre führt zu dieser inneren Beziehung zurück. Rechtes Maß und Schönheit sollen die Begegnung mit der Gottgestalt unterstützen; ihre Gegenwart erfreut den Verehrer (24.161–167). Der Tempel und das Bild geben der Zuwendung einen sichtbaren Ort. Das Gebet in 25.127–128 bittet zugleich darum, dass der Herr in das Innere der Menschen eintritt.
Werkstruktur
Die überlieferte Kapitelreihe umfasst 25 Paricchedas. Die Angaben der folgenden Übersicht benennen Inhalte; sie sind nicht durchgehend Übersetzungen alter Kapitelüberschriften. Die letzten Versnummern ergeben zusammen 3.513 Nummernplätze. Wegen Lücken, beschädigter Stellen und teilweise unregelmäßiger Einheiten ist dies keine Zählung von 3.513 vollständig erhaltenen Ślokas.
| Kapitel | Schwerpunkt | Schlussnummer |
|---|---|---|
| 1 | Rahmenerzählung; höchste Wirklichkeit, Vyuhas und Vibhavas | 27 |
| 2 | Ein-Gestalt-Verehrung, Buchstabenrad, Mantra, innere Sammlung | 76 |
| 3 | Vierfache Entfaltung und Mantras auf der Tiefschlafebene | 58 |
| 4 | Traumebene, Vishakhayupa, göttliche Gestalten und Mantras | 46 |
| 5 | Wachzustand, vier Gestalten, innere und äußere Verehrung | 110 |
| 6 | Verehrung der Viergestalt | 224 |
| 7 | Gelübde und ihre Durchführung | 124 |
| 8 | Jahresgelübde | 162 |
| 9 | Innere Verehrung der Vibhava-Gottheiten | 136 |
| 10 | Verehrung der Vibhava-Gottheiten | 58 |
| 11 | Anordnung von Mandala und Opfergruben | 79 |
| 12 | Meditation über die Vibhava-Gottheiten | 245 |
| 13 | Meditation über Schmuck-, Waffen- und weitere Gottheiten | 66 |
| 14 | Darbringung der heiligen Pavitra-Fäden | 34 |
| 15 | Heiliges Bad | 34 |
| 16 | Reinigung von Verfehlungen | 41 |
| 17 | Narasimha-Ritualzyklus | 458 |
| 18 | Vorbereitung der Einweihung | 233 |
| 19 | Einweihung | 180 |
| 20 | Abhisheka und Übertragung der Befähigung | 40 |
| 21 | Verpflichtungen und Lebensführung | 66 |
| 22 | Stufen der Befähigung und ihre Kennzeichen | 67 |
| 23 | Weitere Mantras; der überlieferte Kolophon nennt Einweihungsvorbereitung | 132 |
| 24 | Gottesbilder, Sockel und Tempel | 433 |
| 25 | Einsetzung und Weihe | 384 |
Fünf zentrale Lehren der Sattvata Samhita
- Der eine Herr begegnet in vielen Formen. Wie eine Sonne sich in vielen Gewässern zeigt, so erscheint der Erhabene in unterschiedlichen Mantraformen. Eine vertraute Gottesgestalt kann den Zugang zu dieser umfassenden Wirklichkeit öffnen (3.12–15; 4.33–35).
- Hingabe erfasst Denken, Sprechen und Handeln. Bhakti gewinnt durch Beständigkeit Tiefe. Sie verbindet die innere Zuwendung mit der Weise, wie ein Mensch lebt und anderen begegnet (1.5–6; 2.11; 22.5–10).
- Innere Sammlung trägt die äußere Verehrung. Die Sinne werden gesammelt, die Gottheit wird im Herzen vergegenwärtigt, und daraus entsteht die bewusste Darbringung (2.59–60; 5.99–110).
- Geistliche Unterweisung ist eine verantwortliche Beziehung. Der Guru achtet auf die Ausrichtung und Befähigung des Schülers; der Schüler empfängt die Lehre mit Dankbarkeit und setzt sie in Praxis um (19.3–7; 20.33–40; 21.58–59).
- Das höchste Ziel ist Befreiung. Erkenntnis, Mantra und Hingabe weisen über vergängliche Früchte hinaus zur friedvollen göttlichen Stätte (3.15–16; 5.110; 6.212–214).
Fünf Anregungen für Yoga-Aspiranten
Diese Anregungen übertragen Leitgedanken des Werkes in eine einfache heutige Praxis.
- Gib deinem Mantra einen festen Platz im Tag. Wähle eine kurze Zeit, die sich gut einhalten lässt. Wiederhole ein vertrautes oder empfangenes Mantra und kehre bei Ablenkung ruhig zu seinem Klang zurück. Lass die Übung mit einem Moment der Stille ausklingen.
- Meditiere über Narayanas Gegenwart im Herzen. Vergegenwärtige seine Güte, seinen Segen und seine Furchtlosigkeit. Wenn dir kein deutliches inneres Bild erscheint, verweile bei der stillen Zuwendung und der Bedeutung, die diese Qualitäten für dich haben.
- Mache Guru-Dankbarkeit praktisch. Erinnere dich an eine Unterweisung, die dir Orientierung gegeben hat. Wähle einen Gedanken daraus und setze ihn heute bewusst um – etwa durch Geduld, Wahrhaftigkeit oder eine hilfreiche Handlung.
- Verbinde Bhakti mit Sammlung und Mitgefühl. Halte vor dem Gebet kurz inne und sprich aufmerksam. Lass die innere Zuwendung anschließend in deinen Umgang mit anderen einfließen: durch freundliche Worte, Zuhören und das Schonen von Lebewesen.
- Bringe eine einfache Gabe bewusst dar. Eine Blume, ein Licht oder ein stilles Dankgebet kann eine persönliche Puja bilden. Frage dich dabei, was du innerlich darbringen möchtest: Dankbarkeit, eine Sorge oder den Entschluss, klarer und liebevoller zu handeln.
Sattvata Samhita und andere Tantra Schriften
Die folgenden Schriften eröffnen ergänzende Zugänge zu Mantra, Gottesverehrung, Erkenntnis und Befreiung. Die Gegenüberstellung ist eine Orientierung für die Lektüre; aus einer gemeinsamen Thematik folgt keine direkte historische Abhängigkeit.
| Schrift | Verbindung zur Lektüre der Sattvata Samhita |
|---|---|
| Ahirbudhnya Samhita | Ergänzender Zugang zur Pāñcarātra-Gotteslehre, zu Mantra, göttlicher Wirkkraft und Yoga. |
| Jayakhya Samhita | Vergleich von Mantra, Einweihung, innerer Sammlung und äußerer Verehrung. Alaśiṅgabhaṭṭas Kommentar zieht sie ausdrücklich heran. |
| Lakshmi Tantra | Die Bedeutung der göttlichen Shakti und Lakshmi bietet einen ergänzenden Blick auf Erkenntnis, Mantra und Gnade; auch dieses Werk wird im Kommentar zitiert. |
| Vishnu Samhita | Vergleichbare Fragen nach der Verbindung von Vishnu-Verehrung, Ritual und spirituellem Ziel. |
| Parama Samhita | Ergänzende Lektüre zur Ordnung von Verehrung, Einweihung und dem Weg zum Göttlichen. |
| Paushara Samhita | Der Vergleich setzt die Pāñcarātra-Paushkara-Tradition voraus; gleich oder ähnlich benannte shivaitische Werke dürfen damit nicht vermischt werden. |
| Ishvara Samhita | Ritualordnung und Tempelpraxis sind wichtige Vergleichsfelder. Der vorhandene Kommentar verweist wiederholt auf eine Ishvara-Samhita. |
| Parameshvara Samhita | Ergänzende Betrachtung von Verehrung und Ritualausführung; ebenfalls ausdrücklich im Kommentar herangezogen. |
| Padma Samhita | Vergleich von Bildverehrung, Darbringungen und Praxisordnung; Padma-Textstellen begegnen im Kommentar. |
| Narada Samhita | Für den Vergleich ist die jeweilige Textidentität zu beachten: Nicht jede Narada zugeschriebene Schrift ist dasselbe Werk oder gehört derselben Überlieferung an. |
Begriffe für die Lektüre
Einige Wörter kehren in der Übersetzung häufig wieder. Ihre Grundbedeutung hilft, auch längere Ritualabschnitte im Zusammenhang zu lesen.
| Begriff | Bedeutung im Zusammenhang dieser Ausgabe |
|---|---|
| Vyuha und Vibhava | Vyuha bezeichnet eine geordnete göttliche Entfaltung, besonders die Vierheit Vasudeva, Sankarshana, Pradyumna und Aniruddha. Vibhava bezeichnet eine besondere Erscheinungsform des Herrn. |
| Mantragestalt | Die durch den Mantra vergegenwärtigte göttliche Form. Klang und Gottheit werden in der beschriebenen Verehrung aufeinander bezogen. |
| Nyasa | Das rituelle Auflegen beziehungsweise geistige Zuordnen von Mantras und göttlichen Kräften an bestimmte Körperstellen oder andere Träger. |
| Arghya, Homa und Bali | Arghya ist eine Ehrengabe, häufig besonders zubereitetes Wasser; Homa eine Darbringung ins Feuer; Bali eine an bestimmte Empfänger ausgeteilte Opfergabe. |
| Hervortreten und Rücknahme | Die göttlichen Gestalten werden aus ihrem Ursprung entfaltet und wieder in diesen zurückgeführt. Der Text beschreibt diese Bewegung in Meditation und Ritual. |
| Siddhi | Eine Vollendung oder ein angestrebter Erfolg. Welche Frucht gemeint ist, ergibt sich aus der jeweiligen Stelle; nicht jedes Vorkommen bezeichnet Befreiung. |
Deutsche Übersetzung der Sattvata Samhita
Die folgende Übersetzung erschließt den erhaltenen Grundtext aller 25 Kapitel mit 3.503 nummerierten Einträgen, Sprecherangaben und den überlieferten Kapitelabschlüssen. Lücken und unsichere Stellen sind unmittelbar gekennzeichnet. Die kurzen Texte „Zur Orientierung“ vor den Kapiteln sind Lesehilfen dieser Ausgabe.
Die Übersetzung folgt dem aus der kommentierten IAST-Vorlage ausgegliederten Grundtext. Versnummern bleiben erhalten; über Versgrenzen fortlaufende Sätze werden nicht künstlich abgebrochen. Eckige Klammern kennzeichnen zum Verständnis ergänzte Bezüge oder lokale Textprobleme. Die Begriffe Nabe, Speiche, Radkranz und Achse beziehen sich in den Mantraabschnitten auf das Buchstabenrad. Seine teils beschädigten Angaben werden übersetzt, ohne daraus ungesicherte Rezitationsformeln zu erfinden.
Kapitel 1
Zur Orientierung: Die Rahmenerzählung führt von Parashuramas Auftrag an Narada zum Gespräch zwischen Sankarshana und Vasudeva. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen unter dem Einfluss der Leidenschaft ihre Ausrichtung auf das Göttliche bewahren können.
1.1 Auf dem Malaya-Berg, den Siddhas, Gandharvas und Vidyadharas aufsuchen, weilten Weise, ganz der Verehrung Vishnus hingegeben.
1.2 Eines Tages stieg der göttliche Weise Narada, dessen ganzes Wesen von Gott erfüllt war, vom Himmel dorthin herab; er sehnte sich danach, Rama zu schauen.
1.3 Der Gott mit der Axt erkannte seine unerschütterliche Hingabe und erschien ihm mit einem Herzen voller Mitgefühl.
1.4 Da verehrte der Weise ihn mit freudestrahlendem Gesicht und vor Ergriffenheit aufgerichteten Körperhärchen, indem er sich mit acht Körperteilen zu Boden warf und ihm weitere Ehren erwies.
1.5 Darauf sprach der erhabene Rama mit lieblichen Worten: „Du besitzt eine unerschütterliche Hingabe, die den Samen neuer Geburt vernichtet.
1.6 Diese deine Hingabe entspricht dem Sattvata-Weg; sie ist rein und bleibt immer ungeteilt. Hier aber weilen Weise, die Haris höchste Stätte ersehnen.
1.7 Geh auf mein Wort hin zu ihnen und führe sie in den Sattvata-Weg der heiligen Handlungen ein.“ Nachdem er dem Brahmanen dies zum Wohl der Weisen gesagt hatte,
1.8 entschwand der Gott an jenem Ort wie ein Blitz. Narada nahm das Wort freudig und mit ehrfürchtig geneigtem Haupt entgegen.
1.9 Nachdem er die heilige Stätte mit Blumen verehrt hatte, brach er auf. Er erblickte einen anderen Ashram, in dem viele Zweimalgeborene lebten.
1.10 Dieser war reich an Bäumen, Blüten und Früchten und mit Teichen, Brunnen und Seen versehen. Die dort lebenden vorzüglichen Brahmanen begrüßten den hocherfreuten Weisen ehrerbietig.
1.11 Sie verehrten ihn mit einer Ehrengabe und Wasser für die Füße und ließen ihn auf einem Sitz Platz nehmen. Dann falteten alle die Hände; ihre Augen glichen erblühten Lotusblumen.
1.12 Sie sagten: „Heute ist unsere Geburt durch deinen Anblick fruchtbar geworden.“ Als Narada diese liebevollen, erfreuenden Worte gehört hatte,
1.13 verneigte er sich vor Hrishikesha und sprach seinerseits: „Beste Brahmanen, gewiss halte ich mich selbst für gesegnet und mein Leben für erfüllt,
1.14 weil ich in diesem glückverheißenden Ashram mit euch zusammenkomme. Rama, dessen Wirken mühelos ist, hat mir um euretwillen eine Weisung gegeben.
1.15 Hört nun alle mit gesammeltem Geist. Verehrt von heute an Keshava, den Herrn der Götter,
1.16 nach der verborgenen Überlieferung, die dauerhafte Befreiung gewährt.“ [Die Weisen erwiderten:] „Weiser, du bist die Zuflucht derjenigen, die sich seit Langem hingegeben haben und nach dem Höchsten streben.
1.17 Offenbare uns das Heilbringende, durch das Narayana erreicht wird.“ [Narada sprach:] „Was einst der Träger des Diskus auf die Frage des Pflugträgers hin darlegte,
1.18 was durch die ununterbrochene Überlieferung zu mir gelangt ist, das hört jetzt von mir, ihr Zweimalgeborenen. Als einst das Krita-Zeitalter vergangen und das folgende, Treta genannte Zeitalter angebrochen war,
1.19 nahm Achyuta, der Träger der Welt, eine leicht rötliche Farbe an. Sankarshana bemerkte es und fragte Vishnu ehrerbietig:
1.20 „Was sehe ich da, o Gott: eine Veränderung deiner Gestalt?“ Der Erhabene lächelte und antwortete mit einer Stimme, tief wie eine Gewitterwolke:
1.21 „Es ist nicht mehr jene Zeit, in der die Menschen vorwiegend von reinem Sattva erfüllt waren. Jetzt ist die Welt der Leidenschaft zugewandt; deshalb nehme ich eine ihr entsprechende Erscheinung an.“
1.22 [Sankarshana fragte:] „Durch welches Tun kann verhindert werden, dass eine solche, aus der Eigenart der Zeit entstehende Leidenschaft die Menschen verhüllt, besonders diejenigen, die dir hingegeben sind?“
1.23 [Der Erhabene sprach:] „Von denen, die das höchste, ewige Brahman in seiner dreifachen Weise verehren, bleibt die Leidenschaft fern.“
1.24 [Sankarshana sprach:] „Erhabener, erkläre das dreifache Wesen Brahmans, zu dem man gelangen soll: zum Wohl der Schutzsuchenden und damit ihre Verwirrung schwindet.“
1.25 [Der Erhabene sprach:] „Den Gott, dessen Wesen die sechs göttlichen Eigenschaften sind, dessen Glanz wie ein loderndes Feuer leuchtet, dessen Hände und Füße, Augen, Häupter und Gesichter überall sind,
1.26 bezeichnet man als das Höchste: den einen Herrn, die Grundlage von allem. Mit ihm an erster Stelle gibt es drei weitere Erscheinungen, die sich durch die Eigenschaften wie Erkenntnis unterscheiden.
1.27 Erkenne diese als die Vyuhas; sie gewähren das höchste Heil. Was in mannigfaltigen Gestalten erscheint und die Eigenschaften wie Erkenntnis jeweils vorherrschend oder begleitend besitzt, das erkenne als Vibhava: Es gewährt Lebensfülle und Befreiung.“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, das erste Kapitel mit dem Namen „Frage und Antwort“.
Kapitel 2
Zur Orientierung: Dieses Kapitel verbindet Mantralehre mit innerer Sammlung. Besonders zugänglich sind die Verse 59–71: Sie führen von den Sinnen zum Herzen und zur mitfühlenden Gottesgestalt. Die sozialen Zugangsregeln in 2.8–12 gehören zur historischen Ritualordnung des Werkes.
2.1 Narada sprach: „Beste Zweimalgeborene, nachdem der erhabene Pflugträger dies aus Achyutas Mund gehört hatte, fragte er erneut zum Wohl derjenigen, die sich vor dem Kreislauf des Werdens fürchten:
2.2 [Sankarshana fragte:] ‚Welche Art der Verehrung ist hier für die hingegebenen Verehrer vorgeschrieben? Erkläre sie mir in Kürze, Alldurchdringender.‘
2.3 Der Erhabene sprach: ‚Höre gut. Ich werde dir ausführlich erklären, wonach du gefragt hast. Wer dies erkennt, gelangt nicht wieder zu einer erneuten Geburt.
2.4 Seit Beginn der Schöpfung ist im Herzen der dazu befähigten Brahmanen, die das wahre Brahman unter dem Namen Vasudeva verehren, das Ziel gegenwärtig,
2.5 das die große, Unterscheidung schenkende Lehre, die Brahma-Upanishad, erschließt. Sie enthält die Ordnung der göttlichen Mantras und hat allein die Befreiung zur Frucht.
2.6 Aus ihr ist zur Errettung der Welt eine entsprechende Lehre hervorgegangen. Ich will dir diese ursprüngliche Unterweisung darlegen, die in vielen Ausformungen besteht:
2.7 rein, klar geordnet, mit ihren Geheimnissen versehen, Vollendung und Befreiung schenkend. Für Yogis, die im achtgliedrigen Yoga vollendet und der inneren Verehrung hingegeben sind,
2.8 besteht die Befähigung zur Verehrung des Einen, der im Herzen wohnt. Für vedakundige Brahmanen, deren Verehrung innere und äußere Handlungen verbindet,
2.9 besteht die Berechtigung zur mantraerfüllten Verehrung der vier Vyuhas. Für die Angehörigen der drei weiteren Stände, beginnend mit den Kshatriyas, die wahrhaft Zuflucht genommen haben,
2.10 ist die Teilnahme an den Handlungen der vier Vyuhas ohne diese Mantras vorgesehen. Beim Vibhava-Mantrakreis mit seinen rituellen Handlungen dagegen gilt für diejenigen, deren Unterscheidung noch nicht entfaltet ist,
2.11 die das besitzergreifende „Mein“ abgelegt haben, ihren eigenen Pflichten nachgehen und dem höchsten Herrn durch Handeln, Sprechen und Denken aufrichtig hingegeben sind:
2.12 Alle vier Stände erhalten die Berechtigung, wenn sie den vorgeschriebenen Einweihungsweg durchlaufen haben. Höre nun für die auf diese Weise Eingeführten die ordnungsgemäße, von Mantras begleitete
2.13 Verehrung der einen Gestalt. An einem geeigneten, abgeschiedenen und geschützten Ort bestreiche man den Boden mit duftenden Stoffen.
2.14 Nachdem man ihn mit Räucherwerk gereinigt, mit Ehrengaben und Blumen ausgestattet und das Buchstabenrad angelegt hat, [betrachte man jenes Rad,] in dem das ganze All bis zur Welt Brahmas gegründet ist.
2.15 Sobald es hervortritt, entsteht die Welt; wenn es in sein eigenes Wesen zurückkehrt, vollzieht sich die Auflösung.
2.16 Es wirkt durch Sonne und Mond im Äußeren wie im Inneren. In seiner Achse befindet sich der stets gegenwärtige Laut, der den Herrn bezeichnet.
2.17 In ihm ist der Erhabene als Wesen der Sprache nach verschiedenen Orten geordnet. Die solaren und lunaren Kräfte, beginnend mit a und endend mit dem Visarga,
2.18 stehen als zweimal acht, nach kurzen und langen Vokalen unterschieden, in seiner Nabe. Die natürliche Folge der Wirklichkeitsprinzipien, durch die Laute von ka bis bha bezeichnet, liegt auf den Speichen,
2.19 paarweise geordnet von der Erde bis zur Prakriti, o Pflugträger. Die Zeit, deren Leib das Zählen ist, steht in neunfacher Gestalt am Radkranz,
2.20 von ma bis ha. Am äußeren Umfang ist unmittelbar das Feuer der Zeit gegenwärtig, strahlend wie zehntausend Sonnen.
2.21 Dort steht der Erhabene als abschließender Laut, erfüllt von Myriaden von Flammen. Die Folge der Laute vom Mittelpunkt bis zum Außenrand, bis hin zu ihrem geistigen Abschluss,
2.22 soll man aussprechen und mit Ehrengaben und weiteren Darbringungen verehren: Sie ist der Same der heiligen Erkenntnis, o Herr des Diskus. Dann erschließe man das Mantra, das den höchsten Atman bezeichnet.
2.23 Es strömt wie Unsterblichkeitsnektar und gewährt rasch die Vollendung der Befreiung. Zuerst entnehme man den Laut auf der Achse, dann den sechsten des Radkranzes.
2.24 Mit dem zweiten Laut der Nabe verbunden bildet dieser das zweite Schriftzeichen. Dann nehme man den zweiten Laut der zehnten [Speiche] und setze darunter den zweiten der achten.
2.25 Man verbinde ihn mit dem dreizehnten Laut der Nabe: Dies sei das zweite Schriftzeichen. [Die Wiederholung dieser Zählangabe steht so in der Vorlage.] Dann nehme man den zweiten der neunten [Speiche], verbunden mit dem ersten der vierten [Vokalgruppe] der Nabe.
2.26 Den zweiten Laut der achten [Speiche], für sich allein, erkenne als fünftes Schriftzeichen. Danach nehme man das dreisilbige Wort „vijñāna“, Erkenntnis.
2.27 Den ersten Laut der elften [Speiche], verbunden mit dem zweiten der Nabe, setze man über den dritten Laut des Radkranzes.
2.28 Dies ist das neunte Schriftzeichen des Mantras. Vernimm nun das zehnte: den ersten Laut auf der achten Speiche, versehen mit dem zweiten der Nabe.
2.29 Danach nehme man den zweiten Laut des Radkranzes, dann dessen achten; den dritten desselben Bereiches ordne man über dem fünften an.
2.30 Dies erkenne als das dreizehnte Schriftzeichen. Danach nehme man den zweiten der neunten [Speiche]; über den sechsten Laut des Radkranzes setze man dessen dritten.
2.31 Man verbinde ihn mit dem dritten der Nabe. Nun wird das sechzehnte Schriftzeichen genannt: der zweite Laut der zehnten [Speiche], verbunden mit dem elften der Nabe.
2.32 Danach füge man das Wort „caitanyāya“, dem Bewusstsein, zusammen mit der Ehrerbietung „namaḥ“ hinzu. Dieses Mantra besitzt zweiundzwanzig Schriftzeichen und ist in sechs Wortglieder gegliedert.
2.33 Dabei ist das einsilbige Wortglied Erkenntnis, das viersilbige Stärke; das sechssilbige ist Herrschaftsmacht, das folgende fünfsilbige unverminderte Wirkkraft.
2.34 Das viersilbige Wortglied ist Glanz; das zweisilbige gehört zur Shakti. Glanz, Wirkkraft, Stärke, Shakti, Herrschaftsmacht und Erkenntnis
2.35 entsprechen der Reihe nach Auge, Waffe, Schutzpanzer, Scheitelhaar, Haupt und Herz: den sechs Mantragliedern. Im Samadhi und beim Durchschreiten der verschiedenen geistigen Stufen
2.36 ist das Mantra als formlos, ohne gegliederte Gestalt und vom Wesen Brahmans zu vergegenwärtigen. Bei den vorbereitenden Wegen zu dieser Erfahrung, bei Verehrung, Feueropfer und weiteren Handlungen,
2.37 soll man es in einer Gestalt, mit seinen Gliedern und von seinem Gefolge umgeben betrachten. Durch diese Erscheinung hat der Herr selbst die Eigenschaften wie Erkenntnis sichtbar werden lassen,
2.38 aus Mitgefühl mit den Handelnden und zur beständigen Vollendung ihrer Verehrung. Wird das Mantra jedoch ohne Glieder vergegenwärtigt, so gewährt es kraft Hingabe und Vertrauen
2.39 denjenigen, deren Wesen stets davon durchdrungen ist, gewiss seine Frucht. Wo hauptsächlich die Beständigkeit des Opfers angestrebt wird und Befreiung als begleitende Frucht hinzukommt,
2.40 wisse, dass der Mantraherr dort zur Beseitigung von Hindernissen [mit dem entsprechenden abschließenden Glied zu verwenden ist]. Im umgekehrten Fall reicht das Mantra bis zum Augenglied, o Verständiger. [Die erste Vershälfte ist in der Vorlage nicht eindeutig; der Kontext unterscheidet Waffe und Auge als Abschluss.]
2.41 Denn wo sollten für Menschen mit friedvollem Geist, deren Weg durch die Schau gereinigt ist, Hindernisse bestehen? Das eigene innere Licht wird aus freier Macht nach außen gebracht.
2.42 Jedes Mantra, durch das dies geschieht, gilt als mit dem Auge verbunden. Durch welches Mantra auch immer das unvergleichliche, selbstleuchtende Licht im Innern des Herzens
2.43 in seiner hellen oder dunklen Erscheinung herbeigezogen wird, durch dessen bezeichnenden Laut tritt es hervor. Vernimm nun die rechte Verehrung dieses erhabenen Mantras.
2.44 Erfasse ihre äußere und innere Weise, Reinblickender. Gereinigt, gebadet, in reiner Kleidung und mit beherrschten Sinnen
2.45 soll man schweigend zunächst den Vogelherrn vor dem Eingang zusammen mit dem Diskus durch Blumen, Darbha-Gras und weitere Gaben verehren und dann das Haus des Erhabenen betreten.
2.46 Alle zuvor beschafften Gegenstände für die Verehrung stelle man rechts auf; links stelle man das Wassergefäß hin,
2.47 gefüllt mit gefiltertem Wasser. In der Mitte errichte man den glückverheißenden Sitz aus Ton, Holz, Stein oder Metall, im Maß von einem, zwei oder drei Shama.
2.48 Er sei viereckig, achteckig oder länglich-viereckig, mit vier Füßen versehen und durch vier Umfassungen gegliedert.
2.49 Er besitze einen Ausguss in Gestalt eines Makara-Mauls und die vorgeschriebenen Maße. Darunter, auf der Nordseite, bringe man beweglich oder im Boden eingelassen
2.50 ein regelgerecht gestaltetes Wasserbecken mit Muschel- und Diskuszeichen an. Dann nehme man auf einem Sitz aus Darbha-Gras, Holz oder Fell Platz.
2.51 Im fest eingenommenen Lotussitz vollziehe man Nyasa mit dem erhabenen Mantra. Zuerst lege man es ungeteilt auf das Haupt, wie sich Sonnenlicht ausbreitet.
2.52 Danach lege man es in seiner gegliederten Erscheinung durchdringend auf, beginnend bei den beiden Daumen bis zu den beiden kleinen Fingern.
2.53 Man ordne die fünf Glieder, beginnend mit Erkenntnis und endend mit Wirkkraft, an. Das Augenglied lege man, wie das Grundmantra, durchdringend auf sowie auf die oberen Bereiche der Finger.
2.54 Dann lege man das Mantra vom Scheitelpunkt bis zu den Füßen auf den Körper. Die Erkenntnis ordne man dem Herzen zu, weil sie dort offenbar wird.
2.55 Die Herrschaftsmacht ordne man dem Haupt zu, weil sie über allem steht, dem natürlichen wie dem prinzipiellen Bereich, o Lotusäugiger.
2.56 Der Shakti-Mantraherr gehört zur Flamme, die vom Feuer des Herzens nach oben steigt. Die Stärke wohnt mit dem Lebenshauch in allen Gliedern.
2.57 Die Wirkkraft, die sich durch sämtliche Körperglieder verdichtet, lege man auf die Hände. Jener Glanz, der innere Erkenntnis ist und die Finsternis der Natur aufhebt,
2.58 wird beim Nyasa seinem strahlenden Ort zugeordnet. In diesem Körper, dem Gotteshaus mit vier Rädern und neun Toren,
2.59 vollziehe man auf diese Weise Nyasa und gründe das eigene Selbstverständnis im Mantra. Dann lasse man die nach außen gerichtete Schar der Sinne im Geist zur Ruhe kommen.
2.60 Man lege das Denken in die unterscheidende Einsicht und diese in den Bereich der Erkenntnis. Aus der Vergegenwärtigung der Erkenntnis heraus vollziehe man die auf das Höchste gerichtete Handlung.
2.61 In diesem Körper, dem Gotteshaus mit vier Rädern und neun Toren, befindet sich der nach unten gerichtete Herzlotus, der von der Gegend der Halsgrube herabhängt.
2.62 In der Mitte seiner Fruchtknotenfläche wurzelt das nach oben Gerichtete; oberhalb davon ist die Offenbarung des Klanges, gekennzeichnet durch Sonne, Mond und Feuer.
2.63 Dort ist die Nadi, leuchtend mit diesen drei Lichtern, deren Wesen der noch unentfaltete Klang ist. Sie tritt über den drei Rädern deutlich hervor, o Verständiger.
2.64 Sie steigt durch die Scheitelöffnung über die Sonnenbahn hinaus; durch das Tor des Lebenshauchs durchdringt sie die Unterwelt und gelangt in den ihr zugänglichen Bereich.
2.65 Alles, was Gegenstand geistiger Vorstellung ist, ruht in ihrer Verbindung, wie eine Reihe von Edelsteinen auf einem Faden. Deshalb heißt sie die mittlere Nadi.
2.66 An dem zuvor genannten Zielort, in ihrem Innern, liegt das als Mond und Sonne bezeichnete Gefäßpaar, dessen Kennzeichen Schließen und Öffnen sind.
2.67 Dort weilt, auf Sonne und Lotus gestützt, die höchste Sprache wie eine Biene: Sie ist die Mutter aller Mantras, die Shakti des Herrn, dessen Wesen Frieden ist.
2.68 Sie lässt den aus Lauten bestehenden Ton erklingen, der als Klang-Brahman bezeichnet wird. Er beginnt mit a, endet mit ha und besitzt die Gestalt eines ununterbrochenen Stromes.
2.69 Im Raum am Ende des inneren Klanges weilt der mit Ananta verbundene Gott, friedvoll und seinem Wesen nach reines Bewusstsein. Weil er seinen Verehrern Gnade schenken möchte,
2.70 nimmt der Formlose eine unvergleichliche Gestalt an und erquickt das All mit einem Glanz, der zehntausend Vollmonden gleicht.
2.71 Seine beiden Hände schenken Segen und Furchtlosigkeit; sie tragen die Zeichen von Muschel und Diskus und sind kraftvoll genug, die drei Welten zu retten.
2.72 Wie die Sonne von ihren Strahlen und das Meer von seinen Wellen, so ist er von seinen unkörperlichen Erscheinungen, beginnend mit Achyuta, umgeben.
2.73 Er ist ganz von leuchtendem, nicht stofflichem Schmuck erfüllt, der von Wogen des Unsterblichkeitsnektars überströmt wird. Seine Füße und seine Gestalt bleiben unveränderlich.
2.74 Dann vergegenwärtige man die Ganga, die aus der Höhe, aus der Mitte des Raumlotus, auf das Haupt des Erhabenen herabströmt. Mit diesem nektargleichen Wasser
2.75 gestalte man innerlich sämtliche heiligen Darbringungen, angefangen bei der Ehrengabe. Mit ihnen erfreue man der Reihe nach den ursprünglichen Gott, der im vierten Bewusstseinszustand weilt.
2.76 Man spreche zweimal Om und: „Möge der höchste Herr durch mich erfreut sein.“ Wenn das Wesen des Handelnden seine Aufgabe erfüllt hat, löst der Herr seine zuvor sichtbar gewordene Gestalt wieder auf und verweilt in seinem ewigen Sein.‘“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, das zweite Kapitel.
Kapitel 3
Zur Orientierung: Die vier Vyuhas werden durch ihre Eigenschaften, Gestalten und Mantras beschrieben. Ein Leitgedanke ist ihre Wesensgleichheit: Die Unterschiede ihrer Erscheinung bestehen innerhalb der göttlichen Einheit. Nach 3.47 ist die Vorlage beschädigt.
3.1 Narada sprach: „Ihr großen Weisen, im Fortgang der Unterweisung erläuterte der Herr der Welt erneut die höchste Verehrung des Höchsten in seiner vierfachen Entfaltung, entsprechend dem zuvor Gesagten.
3.2 [Der Erhabene sprach:] Auf der Ebene des Tiefschlafs, unterhalb der durch den Laut ha bezeichneten Lotusmitte, verehre man den Ungeborenen in vierfacher Weise nach der Ordnung des Hervortretens.
3.3 Vernimm, wie dies durch die vier Erkenntnis-Mantras geschieht. Als der Erkennende ist der Erhabene seinem Wesen nach ganz von Brahman erfüllt.
3.4 Wie eine Säule steht er in der Mitte des Lotus und wird selbst zum Gegenstand der Erkenntnis, um den Handelnden, die Brahman verehren, zu helfen.
3.5 Von Osten bis Norden entfaltet Vasudeva, der höchste Herr, sich aus sich selbst nach der Verschiedenheit seiner Eigenschaften, o Pflugträger.
3.6 Ohne sein eigenes Wesen aufzugeben, weilt er im Osten als Gesamtheit der sechs Eigenschaften; im Süden als Erkenntnis, verbunden mit Stärke.
3.7 Im Westen steht er als Herrschaftsmacht und unverminderte Wirkkraft; im Norden weilt der höchste Herr als Glanz und Shakti.
3.8 Obwohl der Erhabene als Vyuhas seinem Wesen nach formlos und durch Eigenschaften gekennzeichnet ist, wird ihm auch hier die bereits beschriebene Gestalt zugeschrieben.
3.9 Auf den beiden schönen Handflächen der zweiten Gestalt erscheinen deutlich als Linienzeichnung das Muschelhorn und der große Pflug.
3.10 Bei der dritten Gestalt ist die rechte Hand durch einen schönen Pfeil gekennzeichnet; bei der vierten durch ein vortreffliches Schwert. Die Muschelzeichen befinden sich auf den Händen. [Der zweite Halbvers enthält eine unsichere Lesung und eine alternative Wortform.]
3.11 Das Zeichen ist entsprechend der Handhaltung nach unten gerichtet, seiner eigenen Ausrichtung nach jedoch nach oben. Mit diesen wenigen sichtbar gewordenen Kennzeichen
3.12 festigt der Übende seine geistige Vergegenwärtigung in diesem Vyuha. Wegen der Ähnlichkeit, des Besitzes aller sechs Eigenschaften und vor allem der Gleichheit
3.13 besteht kein wesentlicher Unterschied, denn sie sind friedvoll und ungeteilt. Zwar habe ich zuvor jeweils zwei Eigenschaften
3.14 für jede Erscheinung des Erhabenen als vorherrschend genannt; dennoch bleiben die übrigen vier Eigenschaften ebenfalls gegenwärtig.
3.15 Bei jeder Gestalt wirken sie stets begleitend mit. Wer so diesen Zustand Brahmans erkennt, der aus eigener Seligkeit besteht und sich als lebendige Regung bekundet,
3.16 und mit gesammeltem Geist und vollkommen reiner Einsicht durch Darbringungen verehrt, die vom Unsterblichkeitsnektar Brahmans erfüllt sind, geht am Ende des Körpers in die makellose Stätte ein.
3.17 Vernimm nun die bereits angekündigten vier Mantras, welche die sechs Eigenschaften Brahmans bezeichnen und den Handelnden dauerhafte Befreiung schenken.
3.18 Man nehme den auf der Achse befindlichen Keimlaut, danach den ersten Laut der Nabe. Den ersten der elften Speiche setze man darunter,
3.19 zusammen mit dem dritten Laut des Radkranzes; dies ist das dritte Schriftzeichen. Danach nehme man den zweiten der achten Speiche, verbunden mit dem ersten Laut der vierten [Vokalgruppe] der Nabe.
3.20 Dann erkenne den neunten Laut des Radkranzes, für sich allein, als fünftes Schriftzeichen. Den zweiten der achten Speiche verbinde man mit dem zweiten Vokal.
3.21 Dies erkenne man als das sechste, den zweiten der zehnten als das siebte Schriftzeichen. Dann nehme man den zweiten der zehnten Speiche und setze ihn über
3.22 den zweiten der achten; dies bildet das achte Schriftzeichen des Mantras. Danach nehme man den ersten der zweiten Speiche und dann den zweiten der achten.
3.23 Es folgen der zweite Laut des Radkranzes, verbunden mit dem elften der Nabe, der erste der elften Speiche für sich und ebenso der dritte des Radkranzes.
3.24 Dann folgt der erste Laut des Radkranzes, versehen mit dem elften der Nabe. Man nehme den sechsten des Radkranzes und setze ihn über dessen fünften.
3.25 Dann verbinde man den dritten Laut des Radkranzes mit dem zweiten der Nabe. Anschließend nehme man den zweiten des Radkranzes für sich allein, o Verständiger.
3.26 Danach füge man die viersilbige Wendung „kartre namaḥ“, Verehrung dem Handelnden, hinzu. Dieses Mantra wird mit einundzwanzig Schriftzeichen angegeben.
3.27 So zählt es in zusammenhängender Form; durch die Aufteilung in Wortglieder kommt ein Schriftzeichen hinzu. Das erste Wortglied besteht aus dem Anfangslaut, das zweite aus fünf Schriftzeichen.
3.28 Das dritte hat sechs Schriftzeichen und das vierte ebenso. Das fünfte erkenne als zweisilbig, das sechste gleichfalls, o Verständiger.
3.29 Vernimm nun das zweite große Mantra. Wer es erkennt und verehrt, erfährt keine erneute Geburt.
3.30 Man nehme den im Mittelpunkt stehenden Laut und danach den ersten der Nabe; mit dem ersten des Radkranzes verbinde man den dreizehnten der Nabe.
3.31 Es folgen der zweite Laut der zweiten Speiche und die Wendung „sarvaśaktyātmane“, dem Wesen aller Kräfte; dann der zweite der zwölften Speiche und der erste der zweiten.
3.32 Dazu kommt der fünfte der äußeren Laute; erkenne diese drei als unverändert. Dann nehme man den zweiten der achten Speiche, verbunden mit dem elften der Nabe.
3.33 Mit den Worten „namo namaḥ“, Verehrung, Verehrung, besitzt das Mantra achtzehn Schriftzeichen. Sein erstes Wortglied ist einsilbig, das folgende dreisilbig.
3.34 Das dritte hat sechs Schriftzeichen, das vierte vier. Die beiden weiteren Wortglieder werden jeweils als zweisilbig bezeichnet. [Die Bezeichnung des vorletzten Gliedes ist in der Vorlage sprachlich gestört.]
3.35 Nun werde ich das dritte Mantra erklären, du Vorzüglicher unter den Mantrakennern. Wer es erkennt, gelangt zu höchster geistiger Reinheit seiner Handlungen.
3.36 Man nehme den Keimlaut in der Mitte, danach den ersten der elften Speiche; darunter setze man den dritten des Radkranzes und darüber den zweiten der Nabe.
3.37 Dann nehme man den ersten Laut der achten Speiche, verbunden mit dem zweiten Vokal. Ebenso nehme man anschließend den ersten Laut der elften Speiche.
3.38 Es folgen der zweite der zehnten Speiche und der achte des Radkranzes; dann der erste Laut des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten der Nabe.
3.39 Den zweiten der zehnten Speiche verbinde man mit dem dreizehnten der Nabe; den zweiten der neunten Speiche mit dem zweiten der Nabe.
3.40 Dann nehme man den zweiten der zehnten Speiche für sich sowie den fünften der äußeren Laute. Darunter setze man den zweiten des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten der Nabe.
3.41 Es folgen der zweite Laut der zehnten Speiche und das dreisilbige Wort „prāṇāya“, dem Lebenshauch. Danach nehme man den ersten der elften Speiche für sich.
3.42 Dann nehme man den dritten des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten der Nabe, anschließend den zweiten der äußeren Laute, verbunden mit dem dreizehnten der Nabe.
3.43 Über den dritten des Radkranzes setze man den zweiten der neunten Speiche. Dann nehme man den ersten des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten der Nabe.
3.44 Es folgt der zweite der äußeren Laute für sich, zusammen mit der Ehrerbietung „namaḥ“. Dieser Mantraherr besitzt dreiundzwanzig Schriftzeichen.
3.45 Die Anzahl seiner Wortglieder entspricht dem zuvor Gesagten; ihre Aufteilung wird nun genannt. Erkenne das erste als einsilbig, das zweite als neunsilbig.
3.46 Das dritte ist zweisilbig, das vierte dreisilbig, das folgende sechssilbig und das danach kommende zweisilbig.
3.47 Höre nun von mir das vierte Mantra: Schon durch seine Erkenntnis erwacht das höchste Bewusstsein.
3.48–57: Diese Versnummern und ein entsprechend vollständiger Text fehlen in der Vorlage. Der anschließend erhaltene Textrest wird unter seiner Schlussnummer 58 wiedergegeben.
3.58 Ebenso erkenne das fünfte [Wortglied]; das abschließende wird als zweisilbig bezeichnet. Wo bei den Wortgliedern eine größere Anzahl von Lauten angegeben wurde, spreche man zu Beginn den ersten Laut der Nabe aus und setze dann das erste Wortglied. [Nur dieser Textrest mit der Schlussnummer 58 ist erhalten; die sichere Zuordnung seiner ersten Zeile sowie der Wortlaut zu den Nummern 48–57 fehlen.]
Kolophon: In der Vorlage fehlt der Kolophon dieses beschädigten Kapitelabschlusses.
Kapitel 4
Zur Orientierung: Die Einheit des Herrn wird im Bild der einen Sonne in vielen Gewässern anschaulich. Achte auch auf die Beschreibung des göttlichen Mitgefühls in 4.15–16. Die Traumebene ist hier eine Ebene der inneren Verehrung und göttlichen Entfaltung.
4.1 Narada sprach: „Brahmanen, darauf erläuterte der Erhabene mit den Augen eines roten Lotus, freundlich und mit heiterem Antlitz, eine weitere Ordnung.
4.2 [Der Erhabene sprach:] Aus Mitgefühl mit den Handelnden lässt er dadurch sein eigenes Wesen auf der Traumebene schrittweise über dem Lotus der Sprachlaute sichtbar werden.
4.3 Man betrachte den makellosen Gott, erfüllt von der ungeteilten, vollkommenen Macht der sechs Eigenschaften, unablässig leuchtend mit ungetrennten weißen und weiteren Strahlen,
4.4 aus eigener Strahlkraft hervorgetreten und auf dem oberen Teil der Lotusmitte ruhend. Dann betrachte man erneut seine göttliche Mantragestalt
4.5 und wie er selbst durch seine eigene Shakti, durch die unsichtbare Gestalt der Zeit, die zuvor beschriebene sichtbare Erscheinung zurücknimmt.
4.6 Nachdem er den mantraerfüllten Gott so in sich aufgenommen hat, o Pflugträger, erfüllt er von der Wurzel bis zur Spitze die Mitte des Lotus mit seinem eigenen Licht.
4.7 Er steht in der Gestalt der Brahman-Säule und durchdringt sein eigenes [Feld], o Verständiger. Von ihm breiten sich vier friedvolle Gestalten nach den Himmelsrichtungen aus.
4.8 Im Osten wird der Erhabene selbst als Vasudeva sichtbar, mit einer weißen Gestalt, deren Glanz das Sonnenlicht übertrifft.
4.9 Darauf erhebt sich im Süden der Herr als Sankarshana, mit einem Glanz gleich dem eines Rubins.
4.10 Im Westen wird er unter dem Namen Pradyumna sichtbar, mit einer Gestalt von überaus leuchtendem Glanz, wie von Sonnenstrahlen erhitztes Metall. [Das genaue Vergleichswort ist in der Vorlage unsicher.]
4.11 Im Norden weilt der höchste Herr als Aniruddha, von der Farbe des klaren Herbsthimmels.
4.12 Die Gestalt aller gilt als der ursprünglichen Erscheinung gleich. Alle haben Lotusaugen und strahlen wie Millionen Sonnen.
4.13 Durch den mondhellen Glanz ihrer Zähne erhellen sie die Himmelsrichtungen. Sie gleichen zehntausend Vollmonden und sind mit Perlenketten und weiterem Schmuck geziert.
4.14 Ihre Gewänder gleichen leuchtendem Unsterblichkeitsnektar; sie tragen herrliche Blumenkränze. In ihren erhobenen Händen halten sie vortreffliche Waffen und bewahren ihre jeweiligen Kennzeichen.
4.15 Die Sohlen ihrer Lotusfüße sind mit Linien in Gestalt von Wasserlilien geschmückt. Ihre Gesichter sind denen zugewandt, die sich verneigen, um deren Leiden zu lindern.
4.16 Ihre Herzen sind voller Mitgefühl; sie wirken für die Errettung der Welt. Sie stehen in einem Flammenkreis, der aus dem Licht ihres eigenen Leibes hervorgegangen ist.
4.17 So ist der Erhabene nach der zuvor beschriebenen Weise zu verehren, jede Erscheinung der Reihe nach gemäß der Ordnung ihres Hervortretens.
4.18 Dann verehre man erneut, bei Aniruddha beginnend bis zur östlichen Gestalt, den höchsten Herrn durch ununterbrochene Darbringungen.
4.19 Die Weisen, die der inneren Verehrung hingegeben sind, vollziehen dies mit völlig reiner Einsicht, mit dem zweimaligen Om und nach dem Verfahren der Rücknahme.
4.20 Nun werde ich das Erkenntnis und Unterscheidung schenkende Mantra dieses erhabenen Gottes erklären, dessen Gestalt sich entfaltet und der Vishakhayupa heißt.
4.21 Man nehme den Laut auf der Achse, danach den ersten der elften Speiche; dann den dritten des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten der Nabe.
4.22 Es folgen der zweite der äußeren Laute für sich und die Wendung „tejorūpāya“, dem Lichtgestaltigen. Danach nehme man den ersten der elften Speiche für sich.
4.23 Dann nehme man den dritten der äußeren Laute, verbunden mit dem zweiten der Nabe, den zweiten der zehnten Speiche und danach den ersten der elften,
4.24 verbunden mit dem elften Vokal. Darauf nehme man den Laut des äußeren Radumfangs, verbunden mit dem zweiten der Nabe.
4.25 Es folgen der zweite der äußeren Laute für sich, ebenso der erste der elften Speiche; dann der dritte des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten Vokal.
4.26 Danach nehme man den zweiten der zehnten Speiche für sich und den ersten der elften, verbunden mit dem elften der Nabe, o Reinblickender.
4.27 Daran schließe man den Laut des äußeren Umfangs, verbunden mit dem dritten der Nabe; dann den zweiten der achten Speiche, verbunden mit dem zweiten der Nabe.
4.28 Es folgen der zweite Laut des Radkranzes und die Ehrerbietung „namaḥ“. Dieses große Mantra besitzt vierundzwanzig Schriftzeichen.
4.29 Sein erstes Wortglied besteht aus der einen Silbe Om. Das zweite wird als dreisilbig, das folgende als fünfsilbig bezeichnet.
4.30 Das vierte hat sechs Schriftzeichen, das fünfte sieben. Das sechste Wortglied dieses Mantras besteht aus zwei Schriftzeichen, o Verständiger.
4.31 Als die mannigfaltigen Mantras ist der ursprüngliche, höchste, alldurchdringende Gott jederzeit im Anfang, in der Mitte und am Ende von allem gegenwärtig.
4.32 In seiner Vierheit der vier Vyuhas, die von der friedvollen bis zur sichtbar entfalteten Erscheinung reicht, ist er vorherrschend auch in den drei weiteren göttlichen Gestalten gegenwärtig.
4.33 Wie die eine Sonne am Himmel sich, indem sie in verschiedenen Gewässern erscheint, als Vielheit zeigt, o Verständiger,
4.34 so nimmt auch der eine Erhabene in den verschiedenen Mantraformen, die in den Ebenen vom vierten Bewusstseinszustand an ruhen, vielfältige Erscheinungen an.
4.35 Dies geschieht zur Begnadung der Lebewesen entsprechend den unterschiedlichen Weisen ihres Vertrauens. Höre nun von mir die vier Mantras,
4.36 die der Reihe nach die weißen und weiteren sichtbaren Gestalten bezeichnen. Man nehme den Laut auf der Achse, den ersten der Nabe und den zweiten der zehnten Speiche.
4.37 Unter den ersten Laut des Radkranzes setze man den dreizehnten der Nabe. Dann folgen der zweite der zwölften Speiche und der zweite der zweiten.
4.38 Dazu kommt der fünfte der äußeren Laute; diese drei erkenne als unverändert. Dann nehme man den zweiten der achten Speiche, verbunden mit dem elften der Nabe.
4.39 Darauf folgt das fünfsilbige Wort „vāsudevāya“, dem Vasudeva. Dieses erste Mantra wird mit dreizehn Schriftzeichen angegeben.
4.40 Nun werde ich die Bildung der anderen der Reihe nach erläutern. Man nehme den Laut auf der Achse und danach den zweiten der Nabe.
4.41 Entsprechend dem vorangehenden Mantra füge man dann die drei Wortglieder hinzu. Anschließend nehme man den fünfzehnten Laut der Nabe, mit Om davor.
4.42 Erkenne den so entstandenen Mantraherrn als mit denselben drei Wortgliedern verbunden. Ebenso nehme man den sechzehnten Laut der Nabe, mit Om davor.
4.43 Er wird vor die Wortglieder mit den bereits genannten Kennzeichen gesetzt. Von diesen drei Mantras entsprechen zwei in ihrer Lautzahl dem zuerst genannten.
4.44 Eines besitzt einen Laut weniger. Höre nun die Aufteilung in Wortglieder: Bei allen bestehen die ersten beiden Wortglieder jeweils aus einem Laut.
4.45 Das dritte ist zweisilbig, das vierte viersilbig. Das fünfte wird bei drei Mantras als fünfsilbig bezeichnet.
4.46 Bei dem einen, das Pradyumna bezeichnet, ist es viersilbig, o Pflugträger. Damit sind zum Wohl der Verehrer die Meditation, die Verehrung und die Mantras des auf der Traumebene Gegenwärtigen in Kürze erläutert.“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, das vierte Kapitel.
Kapitel 5
Zur Orientierung: Die Bewegung zwischen Einheit und Vielheit wird mit den Gestalten des Wachzustands verbunden. Am Kapitelende geht die innere Vergegenwärtigung in äußere Verehrung über; Vertrauen und Hingabe richten sie auf Befreiung aus.
5.1 Narada sprach: „Beste Brahmanen, Hari, der Herr von allem, sprach wiederum deutlich zum Pflugträger, um die Verwirrung der Lebewesen aufzuheben.
5.2 [Der Erhabene sprach:] Jener ewige Lotus, die Grundlage von allem, ruht auf dem See Anantas, bezeichnet durch den Laut kṣa; seine Wurzel ist der Laut a, o Verständiger.
5.3 Sein Stängel ist der Laut ā; alle übrigen Laute bilden seine Blätter. Er erstreckt sich nach den acht Himmelsrichtungen und steht da wie ein Rad.
5.4 Wie der Erhabene zwischen seinen Blättern, auf der darunterliegenden, Wachen genannten Ebene zu verehren und zu vergegenwärtigen ist, wird nun erklärt.
5.5 Man schaue das Höchste, das durch den Keimlaut Om mit seinem eigenen Licht erfüllt ist und sich von der Höhe der Lotusmitte bis zu den Staubfäden erstreckt.
5.6 Dann betrachte man die vier Brahman-Keimlaute, denen Om vorangeht, gleich Kadamba-Blüten und von Hunderten Lichtstrahlen erfüllt.
5.7 Aus ihnen erhebt sich nach der Ordnung der Himmelsrichtungen die vierfache Gestalt des Herrn: deutlich gekennzeichnet, ganz aus Mantra bestehend und außen von seinen Vibhava-Erscheinungen umgeben.
5.8 Diese sind wie winzige Funken aus dem Höchsten hervorgegangen, in ihren bezeichnenden Lauten enthalten und sichtbar geworden.
5.9 Die erste Gestalt des Erhabenen leuchtet wie Schnee, Jasmin und Mond; sie hat vier Arme, ein friedvolles Gesicht und Augen wie Lotusblumen.
5.10 Sie trägt ein gelbes Seidengewand und wird von einem goldenen Banner geschmückt. Ihre vordere rechte Hand schenkt den Furchtsamen Furchtlosigkeit.
5.11 Mit der linken hält sie das erhabene Muschelhorn, den Behälter der heiligen Erkenntnis. Die hintere rechte Hand hält eine Waffe empor. [Ob hier Diskus oder Schwert gemeint ist, ist in der Vorlage unsicher.]
5.12 In der entsprechenden linken Hand ruht die Keule auf dem Erdboden. [Die zweite Gestalt] gleicht einem zinnoberroten Berggipfel, hat ein Gesicht und vier Arme.
5.13 Sie trägt ein Gewand von der Farbe einer Flachsblüte und das Zeichen einer Palme. Ihre beiden vorderen Hände gleichen denen der ersten Gestalt des Herrn.
5.14 An der Stelle des Diskus hält sie den Pflug und an der Stelle der Keule den Stößel. Die dritte Gestalt leuchtet wie eine Schar Glühwürmchen in einer Nacht der Regenzeit,
5.15 trägt ein kostbares Seidengewand und ein Makara-Banner. Sie ist der höchste Herr mit einem Gesicht und vier Armen.
5.16 Ihre beiden vorderen Hände sind wie zuvor zu betrachten, o Verständiger; die hintere linke hält den Sharnga-Bogen und die rechte fünf Pfeile.
5.17 [Die vierte Gestalt] gleicht einem Berg von schwarzem Augensalbenstein und ist in ein ganz weißes Gewand gehüllt. Sie ist vierarmig, großäugig und mit dem Zeichen eines Hirsches geschmückt.
5.18 Auch ihre beiden vorderen Hände sind wie bei der ersten beschrieben. In den beiden weiteren hält sie, von rechts beginnend, Schwert und Schild.
5.19 Alle tragen eine Girlande aus Waldblüten und das Shrivatsa-Zeichen. Auf ihrer Brust leuchtet Kaustubha, der König der Edelsteine.
5.20 Mit schönen Kronen und Diademen, Halsketten, Oberarmreifen und Fußspangen, mit kunstvollen Stirnzeichen und funkelnden Makara-Ohrringen,
5.21 mit herrlichen Kränzen, mannigfaltigen Girlanden und duftenden Salben wie Kampfer geschmückt: So soll man sie stets vergegenwärtigen.
5.22 Bei der Rücknahme vergegenwärtige man den Herrn Aniruddha auf dem Blütenblatt zwischen Osten und Norden, mit einer weißschwarzen Gestalt.
5.23 Auf dem Blatt zwischen Norden und Westen betrachte man Pradyumna bei der Rücknahme mit einer schwarzgelben Gestalt.
5.24 Auf dem Blatt zwischen Westen und Süden vergegenwärtige man bei der gegenläufigen Handlung den Gott Sankarshana mit einer gelbroten Gestalt.
5.25 In der Mitte zwischen Osten und Süden betrachte man Vasudeva, den Herrn der Welt, mit weißrotem Glanz, o Verständiger.
5.26 Weil sein Wesen vollkommen rein ist, gleicht der Alldurchdringende einem Kristall. Durch die Verschiedenheit seiner Orte nimmt er die jeweils zwei Farben auf
5.27 und erscheint in einer gemischten Gestalt, die den Vorgang der Rücknahme kennzeichnet. Nun werde ich der Reihe nach die Mantras der vier Gestalten erklären. Höre!
5.28 Man nehme den Laut in der Achse und danach den ersten der Nabe; darauf den ersten des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten der Nabe. [Das Verbindungswort ist in der Vorlage beschädigt.]
5.29 Dann nehme man den ersten der zehnten Speiche, verbunden mit dem fünften der Nabe; es folgen der dritte und der zweite des Radkranzes, die man
5.30 mit dem zweiten Keimlaut der Nabe kennzeichnet. Danach nehme man den zweiten der neunten Speiche und setze darunter den zweiten der zwölften.
5.31 Man verbinde ihn mit dem fünften der Nabe. Dann folgen der zweite der achten Speiche für sich und ebenso der erste des Radkranzes.
5.32 Den zweiten des Radkranzes verbinde man mit dem zweiten der Nabe; danach füge man ihn nochmals allein hinzu und dann das Wort „yogeśvarāya“, dem Herrn des Yoga.
5.33 Daran schließe man das Wort „cakriṇe“, dem Diskusträger; danach den achten des Radkranzes, verbunden mit dem letzten Laut der Nabe.
5.34 Es folgen der erste der elften Speiche für sich und der erste der achten, verbunden mit dem dritten des Radkranzes; danach setze man das Wort „dhvajāya“, dem mit dem Banner.
5.35 Dann nehme man den ersten der elften Speiche, verbunden mit dem vierten der Nabe; anschließend den zweiten der achten Speiche für sich und den fünften des Radkranzes,
5.36 verbunden mit dem zweiten Vokal. Es folgt ein zweisilbiges Wortglied [in der Vorlage undeutlich als „sase“ überliefert], dann „vāsudevāya“, dem Vasudeva, mit „namaḥ“, Verehrung.
5.37 Das Mantra besitzt sechsunddreißig Schriftzeichen. Nun wird seine Gliederung erklärt: Das erste Wortglied wird als elfsilbig bezeichnet.
5.38 Das zweite ist fünfsilbig, das dritte dreisilbig, das vierte sechssilbig und das fünfte fünfsilbig.
5.39 Erkenne das sechste Wortglied als siebensilbig, du Vorzüglicher unter den Kennern der Wörter. [Für das folgende Mantra] nehme man nach Om den zweiten Laut der Nabe.
5.40 Dann nehme man den achten des Radkranzes, verbunden mit dem vierzehnten der Nabe, und anschließend den zweiten der zehnten Speiche für sich.
5.41 Darunter setze man den letzten Laut der neunten Speiche, verbunden mit dem ersten der vierten [Vokalgruppe] der Nabe. Dann folge der zweite der zehnten Speiche, verbunden mit dem elften Vokal.
5.42 Dann nehme man den achten der äußeren Laute, verbunden mit dem fünfzehnten der Nabe; darauf den fünften des Radkranzes für sich und den zweiten der achten Speiche.
5.43 Diesen Laut versehe man mit dem dritten des Radkranzes. Es folgt der erste der ersten Speiche, verbunden mit dem dritten der Nabe,
5.44 und der zweite der zehnten Speiche, gekennzeichnet durch den elften der Nabe. Darauf setze man das fünfsilbige Wort „tālaketave“, dem mit dem Palmenbanner.
5.45 Danach füge man das fünfsilbige Wort „nīlavāsase“, dem Blaugewandeten, hinzu; dann den ersten der ersten Speiche, verbunden mit dem zweiten Vokal.
5.46 Es folgen der erste des Radkranzes für sich und der erste der elften Speiche. Dann setze man den vierten der äußeren Laute zusammen mit dem zweiten der Nabe unter die beiden. [Die genaue Verbindungsanweisung ist mehrdeutig.]
5.47 Dann folgen der zweite der äußeren Laute für sich und das Wort „saṅkarṣaṇāya“, dem Sankarshana. Man nehme den dritten und den ersten Laut des Radkranzes und verbinde sie mit ā.
5.48 Danach füge man den zweiten der äußeren Laute für sich und „namaḥ“ hinzu. Dieses Mantra umfasst sechsunddreißig Schriftzeichen, o Verständiger.
5.49 Sein erstes Wortglied ist sechssilbig, das folgende fünfsilbig, das dritte zehnsilbig. Die drei folgenden sind jeweils fünfsilbig.
5.50 Nun nehme man den Keimlaut der Achse und danach den fünfzehnten der Nabe. Daran füge man das viersilbige Wort „śārṅgadhṛte“, dem Träger des Sharnga-Bogens.
5.51 Man nehme den ersten des Radkranzes, den ersten der ersten Speiche und den dritten der äußeren Laute; danach das dreisilbige Wort „dhvajāya“, dem mit dem Banner.
5.52 Dann nehme man den dritten der äußeren Laute und den ersten der ersten Speiche; darunter setze man den zweiten Laut der achten Speiche,
5.53 verbunden mit dem zweiten Vokal. Es folgen der fünfte der äußeren Laute und der achte desselben Bereichs für sich; diesen füge man nochmals an,
5.54 verbunden mit dem elften der Nabe. Dann folge das sechssilbige Wort „sanatkumārāya“, dem Sanatkumara, und anschließend das fünfsilbige
5.55 Wort „jagatpriyāya“, dem der Welt Lieben, dann „pradyumnāya namaḥ“, Verehrung dem Pradyumna. Dieses Mantra hat vierunddreißig Schriftzeichen. Höre auch seine Wortglieder.
5.56 Das erste erkenne als sechssilbig, das zweite ebenso; das dritte ist fünfsilbig und das vierte sechssilbig.
5.57 Das fünfte erkenne als fünfsilbig und das sechste als sechssilbig. [Für das nächste Mantra nehme man] den Achsenlaut, den sechzehnten der Nabe und den zweiten der zehnten Speiche
5.58 für sich. Dann nehme man den zweiten der neunten Speiche, mit ebenjenem Laut verbunden; anschließend den ersten der ersten [Speiche].
5.59 Man verbinde diesen Laut mit dem zweiten der Nabe, o Verständiger. Die beiden Laute am Wortanfang sollen am Wortende nochmals stehen.
5.60 Dann nehme man den zweiten der neunten Speiche, den ersten der ersten und den dritten des Radkranzes, verbunden mit dem zweiten Vokal.
5.61 Es folgen der zweite der äußeren Laute für sich und der siebte der Nabe. Danach setze man den zweiten [Laut], versehen mit dem sechsten des Radkranzes.
5.62 Dann nehme man den ersten der zehnten Speiche, über dem fünften des Radkranzes stehend; anschließend den zweiten der vierten Speiche und den zweiten des Radkranzes.
5.63 Mit den beiden verbinde man den zweiten der Nabe. Danach nehme man den zweiten der zehnten Speiche, verbunden mit dem dritten Vokal.
5.64 Es folgen der dritte des Radkranzes, verbunden mit dem fünften der Nabe, und der zweite der neunten Speiche, verbunden mit dem zweiten Vokal.
5.65 Unter diesen setze man den ersten der zehnten Speiche. Dann folgen der zweite des Radkranzes für sich und das Wort „asitavāsase“, dem Dunkelgewandeten.
5.66 Danach füge man „viṣvaksenāya“, dem Vishvaksena, mit der Ehrerbietung hinzu. Dieses Mantra hat zweiunddreißig Schriftzeichen; bei getrennter Betrachtung seiner Wortglieder
5.67 hat es eines mehr. Vernimm nun seine Wortglieder: Das erste ist zweisilbig, das zweite neunsilbig.
5.68 Drei weitere sind fünfsilbig, das sechste gilt als siebensilbig. Für die Zeit der Rücknahme, beim Vergegenwärtigen und Verehren des Herrn,
5.69 höre nun in Kürze vier weitere Mantras. Man nehme den ersten Laut der elften Speiche, verbunden mit dem fünften Vokal,
5.70 dann den dritten des Radkranzes, verbunden mit demselben Vokal; anschließend den siebten der äußeren Laute, verbunden mit dem zweiten Vokal.
5.71 Es folgt der zweite des Radkranzes für sich; am Anfang steht Om, am Ende „namaḥ“. [Für das nächste Mantra nehme man] den achten der äußeren Laute für sich und den zweiten der achten Speiche.
5.72 Diesen verbinde man mit dem zweiten des Radkranzes und dem zweiten der Nabe. Dann folgen der zweite der äußeren Laute für sich und die Ehrerbietung.
5.73 [Für das nächste Mantra nehme man] den Achsenlaut, den ersten der Nabe, den zweiten der dritten Speiche; darunter die beiden [genannten Laute], dann den zweiten der äußeren Laute, verbunden mit dem fünften der Nabe. [Die mittlere Lautanordnung ist im Wortlaut mehrdeutig.]
5.74 Danach nehme man den zweiten der achten Speiche, verbunden mit dem zweiten der Nabe; es folgen der zweite der äußeren Laute für sich und die Ehrerbietung.
5.75 [Für das nächste Mantra nehme man] den Keimlaut der Achse, den zweiten der zwölften Speiche, den ersten der zweiten sowie den fünften des Radkranzes.
5.76 Diese drei bleiben unverändert. Es folgt der zweite der achten Speiche, verbunden mit dem elften Vokal; dann „vāsudevāya namaḥ“, Verehrung dem Vasudeva.
5.77 Das erste Mantra ist siebensilbig, das zweite sechssilbig, das dritte gleicht dem ersten und das vierte hat zwölf Silben.
5.78 Diese vier Mantras besitzen keine weitere Aufteilung in Wortglieder. Wer ihre Anwendung kennt und Vollendung erstrebt, soll sie sorgfältig bewahren.
5.79 Wer dies erkannt hat, erfreue wie zuvor durch nektargleiche Darbringungen den viergestaltigen Adhokshaja, der von seinen Vibhava-Erscheinungen umgeben ist.
5.80 So wurde aus dem viergliedrigen Rad die Mantrenschar für die vierfache Erscheinung des Herrn samt ihrem Geheimnis in Kürze dargelegt.
5.81 Ungetrennt von der ursprünglichen Gestalt ruht das Höchste wie in einem Samen des Feigenbaums. In seiner höchsten Wirklichkeit ist es frei von allen Tätigkeiten.
5.82 Dies ist die erste, erhabene Viergestalt, ganz aus reinem Bewusstsein bestehend, strahlend wie tausend Feuer, Sonnen und Monde und gekennzeichnet als Stätte der Seligkeit.
5.83 Was der Same aller Tätigkeiten und die Grundlage aller Vorstellungen ist, das erkenne als die zweite Viergestalt, o Reinblickender.
5.84 Sie ist ewig, trägt eine ewige Gestalt und besitzt sonnenähnliche Strahlkraft. Durch Weiß und die weiteren Farben und durch obere und untere Anordnung erscheint sie gegliedert.
5.85 Die dritte Viergestalt ist herrlich wie eine Fülle von Unsterblichkeitsnektar. Sie schenkt Befreiung und Lebensfülle und vernichtet den Samen des gebundenen Werdens.
5.86 Was Erhaltung, Entstehung und Auflösung bewirkt, mit allen Mitteln ausgestattet ist und, über die eigene Natur gebietend, hervortritt und sich wieder zurücknimmt,
5.87 das erkenne als die vierte Viergestalt, unter deren Herrschaft das Weltall steht. Im Krita-Zeitalter nimmt sie vierfach die Erscheinungsformen an, beginnend mit Weiß.
5.88 Im Treta-Zeitalter beginnt die Folge mit Rot und endet mit Weiß, o Verständiger. Im Dvapara-Zeitalter lautet sie Gelb, Schwarz, Weiß und Rot.
5.89 Im Kali-Zeitalter lautet die Reihenfolge Schwarz, Weiß, Rot und Gelb. Auch in den vier Übergangszeiten der Weltalter nimmt der höchste Herr
5.90 eine den einzelnen Erscheinungen gemeinsame Gestalt an. Vernimm sie: Am Ende des Krita-Zeitalters ist sie weißrot, danach rotgelb,
5.91 dann gelbschwarz und schließlich schwarzweiß. Die Unterscheidung erkennt man an den bereits beschriebenen Waffen, Gewändern und Kennzeichen.
5.92 Denn wie könnte man bei ihrer Wesensgleichheit sonst einen Unterschied feststellen? Man ordne so der Reihe nach Weltalter, Jahre, Tage, Nächte, deren Hälften und die Zeitabschnitte der Tageswachen.
5.93 Indem man diese Gliederung innerlich vollzieht, richte man sich stets auf den Herrn aus. In diesem Körper betrachte man ihn auf dem Haupt, im Herzen, im Nabel und darunter,
5.94 für Wohlergehen vom Haupt bis zu den Füßen, für Befreiung in umgekehrter Richtung. An Hals, Schultern, Knien und Knöcheln vergegenwärtige man die Kennzeichen der Übergänge.
5.95 Wer dies nach der Ordnung von Hervortreten und Rücknahme vollzieht, gelangt zum höchsten Ziel. So wurden für die eine Gestalt, die Vyuhas und sämtliche Vibhava-Erscheinungen
5.96 das Hervortreten, die Meditation und die mantraerfüllte Verehrung entsprechend der Verschiedenheit ihrer jeweiligen Orte in einer einheitlichen Sammlung dargelegt.
5.97 Nun wird für alle eine weitere, auf Unterscheidung beruhende Weise erklärt: zunächst ihr Hervortreten, dann die Festigung ihrer Gegenwart in der Vergegenwärtigung.
5.98 Die sechs Eigenschaften, beginnend mit dem ursprünglichen Gott, und die Viergestalt ohne äußere Kennzeichen: Diese drei [hier zusammengefassten Erscheinungsweisen] sind die höchste göttliche Kraft zur Schöpfung. [Die Zusammenzählung ist im knappen Wortlaut nicht völlig eindeutig.]
5.99 Zunächst vergegenwärtige man sie ungetrennt ineinander aufgegangen als den vierten Zustand: stets gegenwärtig, in ihrer eigenen Stätte ruhend, ohne Regung.
5.100 Welche besondere Erscheinung man dann verehren möchte, diese fasse man mit der eigenen Einsicht in einem klaren Entschluss. Unmittelbar darauf
5.101 beginnt die beständige Shakti göttlichen Vermögens von selbst zu schwingen und bringt wie einen Feuerfunken das Mantra hervor, in dem der Mantraübende seinen geistigen Ort gefunden hat.
5.102 Man stelle es sich vor, als sei es wie ein Stern aus dem Raum in die Lotusmitte herabgekommen. Dann betrachte man, wie die zu verehrende Gestalt aus seiner Mitte hervortritt:
5.103 als ursprüngliche Erscheinung, als Gesamtheit der vier Gestalten oder als jede einzelne von ihnen für sich,
5.104 oder als eine Vibhava-Erscheinung von mannigfaltiger Gestalt. Ihre zugehörigen Glieder lege man auf die Lotusblätter.
5.105 Das jeweils zugehörige Gefolge ordne man außerhalb des Lotus an. Bei einem mit Shaktis verbundenen Mantra lege man nach der Ordnung der Himmelsrichtungen Herz und die weiteren Glieder
5.106 in den Bereich der Staubfäden; die Shaktis aber ruhen zwischen den Blättern. Ist der Mantraherr allein, ohne Shaktis und ohne Glieder,
5.107 verehre man ihn nochmals als reinen Klang im Kreis der Blätter. Damit ist die innere Verehrung des Gottes, des höchsten Atman,
5.108 in Kürze vollständig beschrieben. Danach verehre man seine Gestalt äußerlich mit den zuvor bereitgestellten Gaben auf einem Altar, in einem Bild oder in einem Radlotus,
5.109 auf einem aus Gold oder anderem Material gefertigten Rad, auf einem einfachen Lotus oder in der glatten, schlichten Mitte eines glückverheißenden Sitzes.
5.110 Um die Frucht der Befreiung zu erlangen, soll man ihn immer wieder meditativ vergegenwärtigen und mit seinem eigenen Mantra nach der vorgeschriebenen Weise verehren, getragen von Vertrauen und Hingabe.“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, das fünfte Kapitel.
Kapitel 6
Zur Orientierung: Die vielen Darbringungen entfalten eine sorgfältige, aufmerksame Form der Gottesverehrung. Den inneren Höhepunkt bildet der Schlussabschnitt über Sammlung und Samadhi, besonders 6.203–214.
6.1 Narada sprach: „Beste Brahmanen, ich werde nun auch die Verehrung durch stoffliche Gaben vollständig erklären, die der Diskusträger anschließend im Gespräch mit Baladeva darlegte.
6.2 [Der Erhabene sprach:] Alle Blätter, Blumen und sonstigen Gaben, die auf dem Verehrungssitz liegen, nehme man mit der Hand weg und lege sie an einen reinen Ort.
6.3 Den glückverheißenden Sitz reinige man mit Rinderhaaren, Yakschweifhaaren, Pfauenfedern, Kusha-Gras oder einem ganz weißen Tuch.
6.4 Danach wasche man ihn mit reichlich durch ein Tuch gefiltertem Wasser, begleitet vom zwölfsilbigen Mantra, dem Om vorausgeht und folgt.
6.5 Darin vergegenwärtige man den innerlich ruhenden Diskusherrn, der aus allen Welten besteht, allen Gottheiten eine Stätte gibt und sämtliche Grundlagen umfasst.
6.6 Mit Om, seinem eigenen Namen und abschließendem „namaḥ“ verehre man ihn durch Ehrengaben, Salbungen, Räucherwerk und Kränze aus verschiedenen Blumen.
6.7 Dann nehme man vier Krüge aus Gold oder anderem Material, gefüllt mit gefiltertem Wasser und mit Girlanden und weiterem Schmuck versehen.
6.8 Ihr Wasser enthalte Duftstoffe, Heilkräuter, Edelsteine, Früchte, Samen und Kusha-Gras. Man stelle sie auf Unterlagen an die vier äußeren Ecken.
6.9 Mit den Worten „Om, ich bereite die Ehrengabe“ stelle man den Arghya-Krug im Nordwesten auf; ebenso einen Krug im Nordosten für das Wasser zum rituellen Mundspülen.
6.10 Im Südosten stehe der Krug für das Bad, im Südwesten der für das Fußwasser. Dann ordne man vier glückverheißende Krüge mit ihren Nebengefäßen an,
6.11 außen nach der Folge der Himmelsrichtungen, und verehre sie sorgfältig. Von den zuvor genannten Trägern der Verehrung, beginnend mit einem Gottesbild,
6.12 stelle man einen mit guten Kennzeichen in die Mitte. Man entferne die bereits verwendeten Ehrengaben und übrigen Darbringungen und verneige sich.
6.13 Dann reinige man ihn mit Wasser und einem Büschel aus Ushira oder Bambus. Das Arghya-Gefäß sei bereits mit Diskus und weiteren Zeichen versehen oder anderweitig glückverheißend hergerichtet.
6.14 Man fülle es mit Wasser, stelle es vor sich hin und gebe Sesam, Blüten, Durva-Gras und weiße Senfkörner hinein.
6.15 Man halte es auf der Handfläche und wiederhole das Mantra viermal. Dann rufe man den allgegenwärtigen Gott, der die Gestalt des Mantras angenommen hat,
6.16 mit seinem eigenen Mantra herbei, dem das Wort „Komm!“ angefügt ist. Wie der überall vorhandene Wind durch einen Fächer,
6.17 so wird der angerufene Erhabene erfahrbar. Man lasse ihn aus dem Herzlotus in den Spiegel der inneren Vergegenwärtigung eintreten
6.18 und befestige seine Gegenwart auf dem äußeren Altar, sobald das Mantra ausgesprochen ist. Man betrachte das Mantra als aus seiner eigenen Stätte hervorgegangen und herankommend.
6.19 Bis zur Darbringung des Fußwassers und der Ehrengabe stelle man ihn sich stehend vor. Dann denke man ihn als denjenigen, dem die jeweils angemessenen Gaben dargebracht werden.
6.20 Beim Baden, Salben, Überreichen von Gewändern und Kränzen und beim Schmücken [bleibt diese Vorstellung maßgebend]; bei den anderen Darbringungen betrachte man ihn im Lotussitz oder einem entsprechenden Sitz.
6.21 Man vergegenwärtige denselben Herrn wieder sitzend, voller Mitgefühl und einem zugewandt. So verfährt man bei einem Verehrungsträger ohne festes Gottesbild, o Verständiger.
6.22 In einem Gottesbild dagegen kommt er in der Gestalt des Bildes gegenwärtig und bleibt darin. Die gesamte unsichtbare Kraft der Darbringungen nimmt er in sich auf.
6.23 Dem herbeigerufenen Herrn biete man einen vortrefflichen Sitz an und eine allgemeine Fußbank mit weicher Auflage.
6.24 Man bringe Fußwasser, Ehrengabe, Madhuparka und Wasser zum Mundspülen dar; sich selbst mitsamt Kindern und Ehefrau widme man ihm durch die achtgliedrige Niederwerfung.
6.25 Mit hingegebenem Herzen vollziehe man diese Darbringung. Dann lege man beide Hände zu seinen Füßen und richte die folgende Bitte an den Erhabenen:
6.26 „Gott, dieses vortreffliche Bad habe ich für dich bereitet, dazu den großen, reinen und erhabenen Badesitz samt Fußbank.
6.27 Nimm ihn nun zum Baden ein, um mir deine Gnade zu schenken.“ Nachdem man dem Gott den Badesitz dargebracht hat,
6.28 gebe man mit in Hingabe geneigtem Haupt die Ehrengabe auf sein Haupt. Dann biete man ein goldenes, mit Edelsteinen versehenes Auffanggefäß dar.
6.29 Aus dem Fußwasserkrug gebe man Wasser auf seine beiden Lotusfüße; anschließend überreiche man reine Sandalen und ein Badetuch.
6.30 Es folgen ein vortreffliches Gefäß, gefüllt mit duftendem Reis, als Maßgabe, ein Spiegel gleich dem Vollmond und duftendes Wasser
6.31 zum Waschen der Hände; dann eine schöne Fußbank, ein Zahnholz und ein Auffanggefäß für die Mundreinigung.
6.32 Weiter bringe man einen Zungenschaber, Wasser zum Ausspülen des Mundes und erneut Wasser zur rituellen Reinigung dar. Zur anschließenden Salbung
6.33 gebe man reichlich duftendes Öl sowie Pulver aus Weizen und Reis, vermischt mit Kurkumapulver und leicht mit Padmaka aromatisiert.
6.34 Dies diene dem Einreiben. Danach bringe man eine Schale und warmes Wasser für das Bad dar, mit einem Reinigungsmittel aus Ölkuchen vermischt.
6.35 Für das Gesicht gebe man zerriebenes, mit Kampfer vermischtes Sandelholz; für das Bad reichlich Kuhmilch, Sauermilch, geklärte Butter und Honig.
6.36 Es folgen wohlschmeckender Zuckerrohrsaft oder, wenn dieser fehlt, Zuckerwasser; dann Wasser mit Amalaki-Früchten und Wasser mit Lodhra.
6.37 Weiter folgen rotes Sandelholzwasser, vortreffliches Kurkumawasser, Wasser mit Knoten und jungen Pflanzentrieben und dann Tagara-Wasser.
6.38 Danach bringe man Priyangu-Wasser, Nardenwasser, Wasser mit weißen Senfkörnern und Wasser mit sämtlichen Heilkräutern dar.
6.39 Es folgen Wasser mit Blättern und Blüten, Wasser mit Früchten und Samen, Duftwasser und Wasser mit Gold und Edelsteinen.
6.40 Dann folgen Wasser aus heiligen Wallfahrtsorten und Flüssen sowie reines Wasser. Mit dem eigens für das Bad bereiteten Wasser vermischt,
6.41 soll dies alles der Reihe nach, mit Ehrengaben und Blumen verbunden, verwendet werden. Zwischen den einzelnen Waschungen, o Verständiger,
6.42 spüle man nach und bringe aus dem Arghya-Krug die Ehrengabe dar. Einen mit Wasser gefüllten Krug [versehe man] mit Kurkuma und Reiskörnern,
6.43 bestreiche ihn mit Duftstoffen und schmücke ihn mit Girlanden. Man halte ihn in einer Hand, in der anderen eine Schale,
6.44 in der Senfkörner Rauch erzeugen. Man schwenke sie über dem Haupt und bringe sie nach draußen. Dann überreiche man ein sauberes, ungebrauchtes Tuch.
6.45 Ein Tuch dient zum Trocknen des Haares, ein anderes zum Trocknen des Körpers. Es folgen Unter- und Obergewand, beide mit Duft und Räucherwerk durchdrungen.
6.46 Man reinige einen anderen Platz, abseits des Ausgusses des Verehrungssitzes, mit vielen Krügen Wasser und stelle dort
6.47 das Gottesbild mitsamt Sockel auf. Wenn die Verehrung ohne Bild geschieht, stelle man sich den Gott im Raum schwebend vor und wasche alles erneut.
6.48 Dann fülle man die vier Krüge wieder mit Duftwasser. Mit Ausnahme des Badekruges sind die übrigen wie zuvor herzurichten.
6.49 Man lasse den Erhabenen wieder in der Mitte gegenwärtig werden und biete ihm den dritten, mit Edelsteinen besetzten Sitz an. Dort vergegenwärtige man den höchsten Herrn,
6.50 in Hingabe geschmückt mit Blumenkränzen, Sandelholz und weiteren Gaben. Man verehre ihn durch Ehrengabe und Fußwasser und überreiche anschließend Sandalen.
6.51 Erneut gebe man Wasser zum Mundspülen und eine Fußbank. Man salbe ihn hingebungsvoll mit wohlriechendem Sandelholz und weiteren Duftstoffen.
6.52 Man fächle ihm mit einem ausgebreiteten Pfauenfächer Luft zu, biete einen Kamm zum Ordnen der Haare sowie ein Schneidegerät für Blumen und Betel dar.
6.53 Dem Herrn der Götter überreiche man zwei weiße, feine Gewänder, die heilige Schnur und ein Obertuch; danach herrlichen Schmuck von der Krone
6.54 bis zu den Fußspangen. Dazu komme ein kunstvoller Kopfschmuck mit einzelnen Blüten.
6.55 Blumengirlanden seien an Schnüren befestigt und reichten von den Ohren bis zu den Füßen. Man überreiche einen schönen Armreif und dann ein Schutzband,
6.56 aus weißem Faden hergestellt, mit Mineralfarben oder Safran und anderen Farbstoffen bunt gestaltet, mit weicher Baumwolle gefüllt und in Abständen verknotet.
6.57 Es folgen Augensalbe mit einem Stäbchen, duftender Betel, ein goldenes Stirnzeichen und aromatische Mittel zur Erfrischung des Mundes.
6.58 Man bringe Blüten als Ohrschmuck, einen großen runden Spiegel und eine Einfassung aus bunten Blumen dar, leuchtend im Glanz der Edelsteine.
6.59 Man verbrenne reines Guggulu-Harz, verbunden mit gutem Räucherwerk, und bewege dabei den Arm unter lieblichen Glockenklängen.
6.60 Man biete Schuhe, einen weißen Schirm, eine Sänfte und weitere Fahrzeuge bis hin zum Elefanten dar, dazu ein Garuda-Banner mit Fahnen.
6.61 Es folgen ein weißer und ein dunkler Yakschweiffächer sowie eine Geldgabe zur Vervollständigung dieser ehrenden Darbringungen.
6.62 Mit großen Trommeln, Mridangas, Muschelhörnern und weiteren Instrumenten, begleitet von Siegesrufen, mit vielerlei Liedern, Tänzen und Saitenmusik,
6.63 mit Lobpreis-Mantras, Verneigungen, Niederwerfungen und Umwandlungen soll man ihn verehren. Dann biete man dem Herrn einen Speisesitz samt Fußbank dar,
6.64 bedeckt mit einem vortrefflichen Polster aus feinem Stoff und Baumwolle. Aus einem Gefäß bringe man klares, duftendes Wasser zur ehrenden Begrüßung dar.
6.65 Danach überreiche man Madhuparka aus Sauermilch, Honig und geklärter Butter, kühles erfrischendes Wasser und das zuvor genannte Pulver
6.66 zum Reinigen sowie wiederum Wasser zum Mundspülen. Dann führe man eine schöne, reich geschmückte und mit Girlanden versehene Kuh vor.
6.67 Man bringe reichliche Speisegaben dar: viele feste und weichere Speisen, alle Geschmacksrichtungen, beginnend mit süß, sowie Gemüse, Früchte und Wurzeln.
6.68 Dazu gebe man reine, wohlschmeckende Getränke wie Madhuparka und dann Arghya-Wasser für die Reinigung nach allen Speisen.
6.69 Man überreiche Sesam, kostbare Edelsteine und erneut Betel. Dann bestreiche man die Hände mit Duftstoffen und forme die Mudra.
6.70 Die Mittel- und Ringfinger beider Hände verbinde man paarweise, nach außen gerichtet und klar angeordnet, miteinander.
6.71 Von der Wurzel bis zu den Nägeln sollen sie sorgfältig ohne Zwischenraum verbunden sein. Die Handflächen wende man nach oben, ebenso die übrigen Finger.
6.72 Linke und rechte Hand werden unter- und übereinander angeordnet; die Zeigefinger und Daumen strecke man nach oben beziehungsweise einander zugewandt aus.
6.73 Man halte die Geste in der Herzgegend und vollziehe dann Japa mit einer Kristall-Mala oder anhand der eigenen Fingerglieder.
6.74 Man wiederhole das Mantra in der gewünschten Anzahl. Am Ende des Japa verehre man den Herrn mit herrlichen Kränzen, Duft und Räucherwerk; danach ehre man die von Gott erfüllten Menschen.
6.75 Man verehre sie der Reihe nach und reiche ihnen Speisegaben bis hin zur abschließenden Maßgabe. Dann erfreue man den Herrn im Feuer.
6.76 Man errichte eine glückverheißende Opfergrube, deren Maße genau stimmen und den eigenen Möglichkeiten entsprechen, mit vier Einfassungen und der vorgeschriebenen daumenförmigen Gestaltung.
6.77 Ihre Breite ist im Verhältnis zur Vertiefung um ein Drittel oder die Hälfte zu bestimmen. Sie kann die Form eines Diskus, einer Muschel oder eines Lotus haben, rund oder viereckig sein.
6.78 Oder sie sei mit den Kennzeichen von der Keule bis zum Diskus versehen. Auch die für die Feuerhandlung verwendeten Gegenstände, o Verständiger,
6.79 wie die beiden Arten von Opferlöffeln, sollen diese Kennzeichen tragen. Man schmücke und bestreiche die Grube mit reinen Farben, beginnend mit Kalk,
6.80 und mit wohlriechenden Stoffen wie Sandelholz, nach vorheriger Anwendung der fünf Kuhprodukte. Dann ziehe man in ihrer Mitte mit einer Kusha-Spitze, an der Ostseite beginnend,
6.81 eine von Süden nach Norden laufende Linie. Darüber zeichne man drei deutlich sichtbare Linien,
6.82 deren Spitzen nach Osten zeigen, mit Zwischenräumen, von Süden nach Norden fortschreitend. Dann besprenge man die Grube viermal mit Arghya-Wasser unter Rezitation von Om.
6.83 Man verehre sie mit Ehrengaben, Blumen und weiteren Darbringungen und vergegenwärtige sie wie den glückverheißenden Sitz. Wie zuvor vollziehe man ihre Einsetzung mit den Om-Lauten.
6.84 Auf der viereckigen Fläche außerhalb der Grube stelle man nach den vier Haupt- und vier Zwischenrichtungen acht vollständig gefüllte Krüge auf.
6.85 An den vier Seiten und den vier übereinanderliegenden Einfassungen verehre man Vasudeva und die weiteren Gestalten, auf seidenen Sitzen ruhend.
6.86 Auch in den Zwischenrichtungen verehre man sie entsprechend der Rücknahmeordnung von unten nach oben, der Reihe nach durch Ehrengaben und Blumen.
6.87 Weiches Darbha-Gras, trockenen zerkleinerten Stein, Pulver aus getrocknetem Kuhdung und duftenden Stein
6.88 lege man in der Menge des angegebenen Drona-Anteils in die Grube und breite es aus. Dann hole man Feuer in einem Kupfergefäß oder einem anderen Behälter.
6.89 Es kann aus Reibhölzern, aus einem gewöhnlichen Feuer, aus einem Brennstein oder aus einem Spiegel stammen. Mit diesem äußeren Feuer verbinde man das Licht des im Herzen wohnenden Herrn,
6.90 der Kala-Vaishvanara heißt, getragen vom Lebenshauch. Man bewege das Feuer viermal im Kreis und setze es dann in die Grube.
6.91 Vier reine, mit Om geweihte Brennhölzer lege man darüber. Danach reinige man ringsum
6.92 im Uhrzeigersinn mit feuchter Handfläche, seitwärts und nach unten gewandt, ohne die Rückseiten der Nägel zu zeigen.
6.93 Dann lege man gleichmäßige Kusha-Halme aus, deren Wurzeln und Spitzen unversehrt sind, in den einzelnen Richtungen, beginnend im Süden bis zum Norden, mit Zwischenräumen.
6.94 Man lege sie vierfach in vier Gruppen, sodass die Spitzen einander bedecken; ihre Enden weisen nach Osten, von der Ostseite bis zum nördlichen Bereich.
6.95 Darauf ordne man alle Hilfsmittel der Feuerhandlung an, zunächst die Opfergefäße; ebenso rechts von sich.
6.96 Die Materialien stelle man in je zwei Paaren auf. Es seien sechzehn zusammengebundene Brennhölzer vorhanden, o Verständiger,
6.97 ferner ein zweites Bündel aus acht Hölzern und eine aus losen Darbha-Halmen gebildete Unterlage; die beiden Opferlöffel füge man zu diesen vier Gegenständen an einem Ort.
6.98 An einen anderen Ort stelle man Blumenkranz, Räucherwerk, Madhuparka und Samen. Dann lege man Seidenstoff, gereinigtes Haarmaterial, Sitzunterlage, geklärte Butter und Opferbrei bereit.
6.99 Nach den vier Ghee-Schalen stelle man die beiden Pranita-Wassergefäße, den Wasserkrug und das Arghya-Gefäß auf.
6.100 Diese weitere Vierergruppe stelle man vor sich. Brennhölzer von der Länge einer Handspanne und reichliches trockenes Brennmaterial,
6.101 einen Fächer und ein Tuch zum Abwischen des Schweißes lege man links hin. Zunächst reinige man alles mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß.
6.102 Dann nehme man das mit Wasser gefüllte Pranita-Gefäß und lege darin ein aus vier Darbha-Halmen gefertigtes Reinigungsbüschel nieder.
6.103 Man hebe mit der Hand wiederholt Wasser heraus und lasse es in dasselbe Gefäß zurückfließen, während man das Mantra der Viergestalt wiederholt.
6.104 Erneut besprenge man alles mit diesem Wasser unter Verwendung des Grasbüschels. Den Rest gieße man in allen Richtungen über die Grasauflage.
6.105 Man fülle das Gefäß wieder mit Wasser, meditiere darin über den höchsten Herrn, verehre ihn und stelle es anschließend vor sich auf.
6.106 Die Brennhölzer besprenge man mit Arghya-Wasser, teile sie in vier Gruppen und verehre sie mit Ehrengabe und Blumen unter dem zwölfsilbigen Mantra.
6.107 Wenn auch das andere Pranita-Gefäß bereitsteht, gebe man Arghya samt Reinigungsbüschel hinein und ordne darin den Diskus an.
6.108 Darüber vergegenwärtige man die Viergestalt und verehre sie der Reihe nach. Man stelle das Gefäß nördlich auf und verehre erneut.
6.109 Dann nehme man die Ghee-Schale und gieße mit hoch erhobener Hand die zuvor verflüssigte geklärte Butter in das dafür bestimmte Gefäß.
6.110 Man nehme es wieder auf und stelle es sorgfältig vor sich auf eine Unterlage. Vier Darbha-Halme von je zwölf Fingerbreiten Länge
6.111 halte man quer mit nach oben gerichteten Handflächen und mit Zwischenraum, zwischen den Ringfingern und Daumen, sodass ihre Mitte sich senkt.
6.112 Mit ihnen führe man das Ghee viermal heran und viermal weg, abwechselnd zu sich und zum Feuer hin.
6.113 Mit der genannten Anzahl von Om-Rezitationen lege man [die Halme] in die Grube. Dann nehme man die beiden Opferlöffel und entferne mit einem Darbha-Büschel
6.114 den Staub. Man spüle sie mit warmem Wasser, reinige sie mit dem Büschel und erwärme sie in den Flammen.
6.115 Nach dem Besprengen mit Arghya-Wasser verehre man sie und lege sie ab. Aus vier gleichmäßigen Kusha-Halmen mit vielen Seitentrieben, ungebrochenen Spitzen und erhaltenen Wurzeln
6.116 nehme man mit der linken Hand ein Reinigungsbüschel. Für den rechten Ringfinger forme man aus vier Halmen
6.117 einen Ring. Danach berühre man Brennmaterial und weitere Gegenstände mit Tropfen des geweihten Ghees.
6.118 Zur Beseitigung aller Mängel des herbeigebrachten Feuers bringe man nach eigenem Vermögen hundert, fünfzig oder fünfundzwanzig Opfergaben dar:
6.119 mit Ghee benetzte Sesamkörner zusammen mit reiner Opferspeise. Vernimm, wie dies zur Vollendung der Handlung geschehen soll.
6.120 Wenn die Opfergabe erhoben ist, spreche man nach dem Grundmantra die Worte „Reinige das Feuer, reinige es“, mit Om am Schluss.
6.121 Danach bringe der Einsichtige mit demselben Mantra in seiner ordnungsgemäßen Form die volle Schlussgabe dar, im Umfang von vier Pala.
6.122 Für das so von Mängeln gereinigte Feuer vollziehe man erneut ein Opfer, das Erwachen hervorruft und seinen unbeseelten Zustand aufhebt.
6.123 Man spreche das Grundmantra, verbunden mit zweimaligem Om, und bringe tausend oder hundert Opfergaben dar.
6.124 Ebenso erfreue man es mit Ghee und gebe eine volle Schlussgabe. Dann hat es seine bewusste Gegenwart erlangt und schaut den in ihm weilenden Herrn,
6.125 den ungeborenen Vishnu, der sein Leben ist; es nimmt dessen Wesen an. Für den auf Befreiung ausgerichteten Handelnden, der dem wahren Opfer hingegeben ist,
6.126 wird es aus freiem Willen selbst zum Glied der Verehrung. Es entfaltet sich aus der Mitte der Opfergrube vierfach aus sich selbst,
6.127 in einer den stofflichen Elementen zugehörigen Gestalt und nach der Ordnung der Himmelsrichtungen: zuerst im Osten als Ahavaniya-Feuer;
6.128 im Süden weilt es als Sabhya-Feuer, im Westen als Garhapatya-Feuer. Dann steht es im Norden
6.129 als das zum Kochen der Speise dienende Feuer und in der Mitte als das Wesen aller. In der Beziehung von Träger und Getragenem sind seine Erscheinungen miteinander verbunden.
6.130 Glut, Flammen und die brennende Kraft bilden den dreifachen Träger. Das darin Getragene ist der alldurchdringende Empfänger des Opfers,
6.131 der aus sich selbst hervorgegangene Weltenherr, der ewige Vasudeva. Zuerst soll man so die höchste Wirklichkeit des Vaishvanara-Feuers genau erkennen;
6.132 dann wende sich der fest entschlossene, beständige Übende der Handlung zu. Wie zuvor vollziehe man mit Wasser beginnend die Herbeirufung.
6.133 Auch wenn das unveränderliche Wesen jenseits sichtbarer Entfaltung ist, gilt doch: Jede große Mantragestalt des Herrn von allem
6.134 ist als Einheit von Bezeichnetem und Bezeichnendem zu verstehen, o Reinblickender. In der Ordnung der Darbringungen steht sie zugleich als reine gemeinsame Grundlage.
6.135 Dies ist die göttliche Mantrawirklichkeit, soweit sie von den besonderen Mantras zur Übergabe der Gaben unterschieden wird. Man nehme nun das zuvor in vier Gruppen geteilte Brennholz,
6.136 von heiligen Milchsaftbäumen stammend und an beiden Enden mit Ghee begossen, und lege es in die vier mittleren Abschnitte der Grube, zwischen ihren heiligen Begrenzungen.
6.137 Man beginne im Osten und gehe der Reihe nach bis Norden. Die erste Vierergruppe liegt zwischen Nordost- und Südostpunkt.
6.138 Die zweite lege man zwischen Südost und Südwest, die dritte zwischen Südwest und Nordwest.
6.139 Die vierte Vierergruppe wird durch Nordwest- und Nordostpunkt begrenzt. So wird mit dem vierfach gegliederten Brennholz
6.140 die eine Opfergrube für die vier Feuer unterteilt, die einen Leib besitzen und den vier göttlichen Gestalten entsprechen.
6.141 Welches Feuer auch immer für eine bestimmte Gabe oder Handlung wie die Einsetzung benötigt wird, um die jeweilige göttliche Gestalt zu erfreuen,
6.142 dieses nehme man dann sorgfältig aus seinem eigenen Ort. Danach nehme man das zweite Brennholzbündel aus acht Hölzern,
6.143 teile es zunächst in zwei Gruppen und begieße es wie zuvor mit Ghee. Die eine lege man im Süden so hin, dass sie von Südosten
6.144 bis Südwesten reicht, die andere im Norden zwischen Nordwest und Nordost. Dann nehme man Ghee
6.145 und bringe mit dem vierfachen, durch Om eingeleiteten Mantra vier Löffel im Süden und ebenso im Norden dar.
6.146 Erkenne diese beiden als die Augen des Feuers, Sonne und Mond. Der Raum zwischen ihnen gilt als der Mund des Feuers.
6.147 Dort bringe man zunächst der Reihe nach die Gruppe der sieben Brennhölzer dar, jedes mit Ghee begossen, in der vierfachen, reichlichen Anordnung.
6.148 Die Hölzer seien zuvor mit Safran und weiteren Stoffen bestrichen. Dann opfere man der Reihe nach Blumenkranz, Räucherwerk, Madhuparka, Samen, Speise und Ghee.
6.149 Für die Darbringung von Speise und Brennholz gilt folgende Besonderheit: Man stelle den zuvor auf dem geweihten Feuer gekochten Opferbrei vor sich hin,
6.150 öffne zuerst das Gefäß, betrachte den Inhalt und besprenge ihn mit Arghya-Wasser. Dann berühre man ihn mit vier brennenden Darbha-Halmen.
6.151 Unter Mantrarezitation gebe man vier Löffel Ghee hinein. Dann nehme man den Opferlöffel und gebe ebenso viermal [Ghee] hinein.
6.152 Man entnehme einen Speisebissen im Maß von vier Fingerbreiten, lege ihn mit dem Löffel auf Darbha-Gras und gebe darüber wie zuvor Ghee.
6.153 Man bringe vier [Ghee-Gaben] im Feuer dar und danach die Speisegabe. Sorgfältig gebe man erneut vier Löffel Ghee ins Feuer.
6.154 Dann bereite man wieder eine mit Ghee begossene Speisegabe wie zuvor und bringe sie auf dieselbe Weise dar; so verfahre man viermal.
6.155 Nachdem die Speisegaben geopfert wurden, opfere man nochmals Ghee. Am Ende verehre man den Herrn mit Blumen, die dem Wasser entnommen und mit der Ehrengabe verbunden sind,
6.156 viermal, begleitet von Mantras oder Om-Lauten. Danach vollziehe man nach eigenem Vermögen das Feueropfer zur Erlangung der Befreiung.
6.157 Die Zahl der Gaben reiche von hundert bis tausend; dann gebe man die volle Schlussgabe: eine mit den vier Mantras oder vier, jeweils mit einem.
6.158 Erneut vollziehe man die Verehrung wie zuvor. Man wische den Opferlöffel mit Darbha-Gras ab, bis kein Fett mehr daran haftet,
6.159 fülle ihn oder das entsprechende Gefäß mit dem zuvor bereitgestellten Wasser und gieße es außerhalb der Grube, im Osten beginnend, im Uhrzeigersinn aus.
6.160 Mit dem Reinigungsbüschel oder der Hand sprenge man Wasser nach oben und gebe den Rest auf das eigene Haupt. Dann lege man die beiden Opfergeräte mit der Öffnung nach unten
6.161 an ihren Platz. Mit Asche, die mit Wasser vermischt wurde, zeichne man anschließend vier aufrechte Stirnzeichen
6.162 in Gestalt einer Lampenflamme auf Herz, beide Schultern und Stirn. Wenn die Feuerhandlung auf diese Weise abgeschlossen und dargebracht ist,
6.163 wird nun erklärt, wie der Anteil für die Ahnen zu geben ist. Nahe dem Ausguss der Opfergrube lege man Kusha-Halme aus, deren Spitzen nach Süden zeigen,
6.164 oder nahe dem Verehrungssitz, auf dem Boden oder auf ihm. Auf diese Auflage streue man Sesam mit Wasser, das Silber berührt hat.
6.165 Dort vergegenwärtige man der Reihe nach Väter und Großväter. Um sie alle zu sättigen, bringe man zunächst dem Gott
6.166 vier besprengte Speisegefäße oder vier Bissen dar, stelle sie auf die Grasauflage und verehre sie mit Ehrengabe und weiteren Darbringungen.
6.167 Dies geschehe mit den Mantras der Viergestalt nach der Ordnung der Rücknahme. Danach gebe man Sesamwasser, mit Mantra, Name und Gotra verbunden,
6.168 allen der Reihe nach aus dem Arghya-Krug. Zu diesem Zweck lasse man außerdem vier Brahmanen auf Sitzen Platz nehmen,
6.169 Pāñcarātra-Kundige, deren Ausrichtung im höchsten Prinzip gefestigt ist: zwei mit dem Gesicht nach Osten und zwei nach Norden.
6.170 Wenn die Mittel fehlen, lasse man auch nur einen mit dem Gesicht nach Norden Platz nehmen. Man verehre sie dann der Reihe nach wie die Viergestalt,
6.171 mit den jeweils angemessenen Gaben, von Ehrengabe und Salbung bis zur Maßgabe, unter Ausschluss ungeeigneter Dinge.
6.172 Sie sollen gut gesammelt im Schweigen ruhen. Sprachbeherrscht und klar auf Janardana in Gestalt der Speise ausgerichtet,
6.173 erlangen durch ihr Essen die Ahnen dauerhafte Sättigung. Deshalb sollen die rituell Handelnden ein durchbrochenes oder nur scheinbares Schweigen meiden.
6.174 Das reine, ungeteilte Schweigen soll bei allen Verrichtungen bewahrt werden. Ein Schweigen, bei dem man durch Körperzeichen oder undeutliche Nasallaute
6.175 bei geschlossen gehaltenen Lippen kommuniziert, beeinträchtigt die Vollendung. Wer dagegen aus eigenem Verständnis bei allen Verrichtungen richtig handelt,
6.176 ohne erst durch Worte angewiesen zu werden, dessen Schweigen gewährt alle Vollendungen. Deshalb stelle man den beim Ahnenmahl Speisenden, bei göttlichen wie bei Ahnenhandlungen,
6.177 alles wie eine Speisegabe innerhalb des vorgesehenen Bereichs vor sich hin, damit sie bis zum abschließenden Mundspülen schweigen können.
6.178 Bei der regelmäßigen Vishnu-Verehrung sollen Menschen mit ausreichenden Mitteln den Anteil der Ahnen auf diese Weise darbringen.
6.179 Oder man vollziehe nach eigenem Vermögen die Handlung bis zur Sesamwassergabe mit Früchten und Wurzeln und gebe dafür wenigstens einen Bissen an Kühe oder einen Bettelmönch.
6.180 Denn was nach der Verehrung Achyutas mit göttlichen großen Mantras für die Ahnen gegeben wird, sei es wenig oder viel, wird für sie unvergänglich.
6.181 Danach bitte man den höchsten Herrn um das, was zum Erhalt des eigenen Körpers nötig ist. Nach erlangter Erlaubnis vollziehe man ordnungsgemäß das Opfer im eigenen Selbst.
6.182 Man nehme sämtliche Speisen, zuerst die dargebrachte Opfergabe, in ein Gefäß, widme sie dem Gott und reinige sie mit Wasser.
6.183 Innerlich vergegenwärtige man die Viergestalt: wahrhaftig, unsichtbar und die Mängel der Speise aufhebend.
6.184 Der Adhyaksha Genannte ist als Geschmackswesen in der Wohlschmeckendheit der Speise gegenwärtig; Pradyumna ist in ihrer Gestalt, der Pflugträger in ihrer nährenden Kraft.
6.185 Der Essende selbst ist der erhabene, ungeborene Vasudeva. Dann trinke man eine Handvoll Wasser, über die vier Om gesprochen wurden.
6.186 In der Opfergrube des Mundes bringe man mit demselben Mantra vier Speisegaben dar; danach esse man nach Geschmack die gewünschten Bissen.
6.187 Nach erneuter ritueller Reinigung gehe man gesammelt zum Haus des Erhabenen. Zusammen mit Denken, Einsicht und Selbstgefühl lege man sich auf die Erde,
6.188 mit den vier Gliedmaßen wie eine Schildkröte und dem Haupt als fünftem. So vollziehe man die mit Umwandlung verbundene
6.189 achtgliedrige Verneigung. Dann sitze man vor dem Herrn, studiere die Agama-Schrift und erwäge die Bedeutung ihrer Aussagen.
6.190 Wenn die Abenddämmerung gekommen ist, bade man oder wasche sich bis zu den Hüften und wechsle danach die Kleidung.
6.191 Man verehre den Gott mit Ehrengabe, Blumen und weiteren Darbringungen, opfere dann im Feuer und übe Japa nach eigenem Vermögen. Danach suche man das Lager auf.
6.192 Man sammle sich auf den äußerlich verehrten Gott, der in der stützenlosen Stätte ruht, und bleibe mühelos mit dem Licht Aniruddhas verbunden,
6.193 bis der Schlaf eintritt. Um Mitternacht stehe man wieder auf, nachdem Schlafträgheit und Ermüdung überwunden sind.
6.194 Mit Wasser aus dem Kamandalu vollziehe man die rituelle Reinigung, verneige sich vor Guru und Gott und setze sich auf einen Fellsitz.
6.195 Mit den vier Mantras vollziehe man Nyasa nach der Ordnung der Rücknahme: Aniruddha lege man von den Füßen bis zu den Knien auf.
6.196 Das Pradyumna-Mantra lege man von den Knien bis zum Nabel auf, das Sankarshana-Mantra vom Nabel bis zu den Ohren.
6.197 Das vierte lege man von den Ohren bis zur Scheitelöffnung auf. Dann nehme man den gewünschten Sitz ein, etwa den Lotussitz.
6.198 Man gründe das eigene Selbstverständnis in der Viergestalt. Körper, Haupt, Hals und Brust halte man gerade ausgerichtet.
6.199 Der Blick ruhe auf der Nasenspitze, bei weitgehend geschlossenen Augen. Die Zunge liege am Gaumen, die Zahnreihen bleiben etwas voneinander getrennt.
6.200 Die Lippen berühren sich leicht. Die Ellenbogen halte man im Bereich zwischen den Oberschenkeln; die Hände lege man unterhalb des Nabels
6.201 links und rechts entsprechend unter- und übereinander. So halte man den Körper mithilfe des Yogabandes unbeweglich.
6.202 Man ziehe den Bereich des Apana zusammen und öffne ihn nach oben; dabei wirkt der unsichtbare h-Laut ohne den Vokal a. [Dies ist eine knappe Anweisung innerhalb des überlieferten Einweihungsweges.]
6.203 Den in Sinnesgegenständen verfangenen Geist nehme man schrittweise zurück. Man lasse ihn in der Einsicht aufgehen und diese in ihrem eigenen Erkenntnisbereich ruhen.
6.204 Dann sammle man sich selbst im eigenen Selbst zusammen mit den Mantras, der Reihe nach von der Ebene des Wachzustands an. Höre, wie dies geschieht.
6.205 Man vergegenwärtige den zuvor beschriebenen Lotus, besetzt mit sämtlichen Viergestalten, die wie die Mittagssonne leuchten und vollkommen friedvolle Erscheinungen haben.
6.206 Dann wiederhole man das auf der Wachebene befindliche Mantra Aniruddhas hundertmal im Geist, während das eigene Wesen sich ungetrennt damit verbindet.
6.207 Durch die Kraft dieses Mantra-Japa und die Festigung im Einssein entsteht für den Übenden die entsprechende göttliche Größe, verbunden mit Erkenntnis.
6.208 Durch beständige Übung ist nach einem Jahr die Verbundenheit mit dieser Nichtgetrenntheit erreicht. Dann wiederhole man das Pradyumna-Mantra zweihundertmal.
6.209 „Der dort ist, der bin ich“: In dieser Nichtgetrenntheit bleibe man stets. Durch diese fortgesetzte Übung wird der Einsichtige frei von Zweifel
6.210 und erlangt durch ihre Wirkkraft im entsprechenden Zeitraum [den dazugehörigen Zustand]. Nach dieser Reihenfolge, verbunden mit einer Steigerung des Japa,
6.211 soll man sich die gesamte zuvor genannte Mantrenschar erschließen, bis der Erhabene an der beschriebenen Stätte aufleuchtet:
6.212 makellos, mit in den Ursprung zurückgekehrter Gestalt, grenzenlos, ein Schatz von Licht, verdichtetes Bewusstsein und Seligkeit, friedvoll, unvergleichlich und ungetrübt.
6.213 Darin sammle man sich selbst im eigenen Selbst und lasse die Japa-Handlung los, bis durch die Ungetrenntheit von Meditierendem und Meditationsgegenstand völliges Einssein entsteht.
6.214 Wenn der Gott hingegebene Yogi durch Übung in einem Samadhi beständig wird, der von einem getrennten Erkenntnisgegenstand frei ist, gelangt er zu Brahman.
6.215 Danach löse man Meditation und Sitz schrittweise und lasse die Ermüdung weichen. Anschließend ruhe man auf dem Lager für den verbleibenden Teil der Nacht.
6.216 Wenn die Brahma-Muhurta gekommen ist, erhebe man sich, bade, verehre den Herrn der Welt und bringe Brennhölzer dar.
6.217 Dann opfere man nach eigenem Vermögen Sesam, Ghee und weitere Gaben. Um Fehlendes und Überzähliges auszugleichen und sämtliche Handlungen abzuschließen,
6.218 gebe man eine volle Schlussgabe und vollziehe wie zuvor das Besprengen und die weiteren Handlungen. Dann nehme man den auf dem Sitz gegenwärtigen Gott und das Feuer in der Grube zurück,
6.219 ebenso geistig die beiden Nyasas aus dem eigenen Körper. Man schließe sämtliche Darbringungen, beginnend mit der Ehrengabe, vollständig ab.
6.220 Vom Verehrungsplatz und aus der Opfergrube entferne man alle Grasauflagen und übrigen Materialien mitsamt dem aufgetragenen Belag und gebe alles ins Wasser.
6.221 Wer nach dieser Ordnung mit Vertrauen und Hingabe einmal, drei Tage, eine Woche, einen halben Monat oder einen Monat verehrt,
6.222 gelangt zur höchsten Stätte. Wie viel mehr gilt dies für den Verständigen, der fest entschlossen sein ganzes Leben lang darin beständig bleibt!
6.223 So habe ich dir, Reinblickender, die heilige Verehrung der Viergestalt in ihrer äußeren und inneren Weise vollständig und in zusammengefasster Form erklärt.
6.224 Wer sie erkennt, dessen scheinbar unvergänglicher Same der Unwissenheit wird bald vernichtet – sofern er zu den hingegebenen Menschen gehört, deren Wesen durch die Übung durchdrungen ist.“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, das sechste Kapitel mit dem Namen Verehrung der Viergestalt.
Kapitel 7
Zur Orientierung: Ein Gelübde gibt der Hingabe eine verbindliche Form. Neben den Vorschriften stehen Lobpreis, die Bitte um Befreiung und eine Ermutigung: Wenn die Durchführung unterbrochen wird, sollen Übende nicht mutlos werden.
7.1 Narada sprach: „Ihr Zweimalgeborenen, hört nun die zum höchsten Heil führende Handlung, die der gnädige Herr dem Pflugträger anschließend erklärte.
7.2 [Der Erhabene sprach:] Höre von dem heiligen, von Brahman erfüllten Tun, das angesammeltes Unheil verbrennt und denen, die es wahrhaft annehmen, bald Vollendung schenkt.
7.3 Das höchste Brahman, die höchste Stätte, unveränderlich und vierfach entfaltet, erscheint selbst auf der Wachebene in sichtbar vierarmiger Gestalt.
7.4 Es nimmt diese befreiungsschenkende Erscheinung an, um das Leiden des Daseins für die in Handlungen eingebundenen Wesen zu besänftigen.
7.5 Dann führt es nach der Ordnung der Rücknahme die jeweils eigenen vier Gestalten wieder zur Vereinigung und ruht wie zuvor in sich selbst.
7.6 Zur Begnadung der Lebewesen nimmt es wiederum mannigfaltige Gestalten an, ohne den Glanz seines Wesens aufzugeben, und erscheint nach der Folge der Himmelsrichtungen
7.7 in jeweils drei menschlich gestalteten Erscheinungen, die zu Vasudeva und den weiteren gehören und deutlich Diskus und andere Kennzeichen tragen.
7.8 Für die Stände, die mit höheren und weiteren Eigenschaften ausgestattet sind und seit Beginn der Schöpfung keine andere Gottheit verehren, wird es als ihr Ursprung beständig sichtbar.
7.9 Indem die klar Erwachten sich darauf stützen, gelangen sie durch Freigebigkeit, rechtes Handeln, Gelübde und weitere Übungen bald aus dem Samsara zur höchsten Stätte.
7.10 Für denjenigen, der die göttliche Handlung aus Hingabe in Gestalt eines Gelübdes vollzieht, weil er sie als seine Aufgabe erkennt, ist folgende Ordnung vorgesehen.
7.11 Am zehnten Mondtag des Monats Karttika, wenn die Nacht beginnt, reinige man sich innerlich mit Ghee, den fünf Kuhprodukten oder Wasser von den Füßen des Gottesbildes.
7.12 Nachdem man die Verunreinigung aus dem Leib ausgeschieden hat, vergegenwärtige man den Herrn, vollziehe die rituelle Reinigung und nehme Wasser mit Kusha-Gras in die Hand.
7.13 Man gieße es aus und spreche dabei den Entschluss zum Gelübde: „Om, o göttlicher Herr des Gelübdes, dessen Gestalt ewig makellos ist,
7.14 ich will dich, den Ungeborenen, ein Jahr lang durch die vorgeschriebenen Entsagungen erfreuen.“ Gesammelt verbringe man die Nacht auf einer Darbha-Unterlage am Boden.
7.15 Am Morgen des elften Mondtags bade man, meditiere über Adhokshaja und verehre ihn wie zuvor unter seinen verschiedenen glückverheißenden Namen.
7.16 In seinen beiden herabhängenden Händen befinden sich, von rechts beginnend, der strahlend schöne Lotus und die Muschel. Vernimm ihre Anordnung.
7.17 Die glückverheißende, nach oben geöffnete Muschel sitzt zwischen dem gebeugten Zeige- und Mittelfinger und ruht am Rand der Handfläche.
7.18 Ebenso halte er den weißen, erblühten Lotus mit Stängel. Die übrigen Finger reichen etwas über das Handgelenk hinaus.
7.19 Man vergegenwärtige sie zusammen mit dem Daumen herabhängend und nach unten gerichtet. Nachdem alle Handlungen bis zum Feueropfer vollzogen sind, meditiere man ohne Ablenkung.
7.20 Zur Tagesmitte und am Tagesende verehre man erneut, jedoch ohne Bad. Mit mannigfaltigen Lobgesängen von tiefer Bedeutung, mit Gesang und Instrumentalmusik
7.21 verbringe man die Nacht. Am Morgen verehre man nach dem Bad den ungeborenen, vierfachen, nicht sichtbar begrenzten Herrn mit der Handlungsfolge bis zum eigenen rituellen Mahl.
7.22 Wenn der Mond aufgegangen und die Sonne untergegangen ist, vollziehe man eine Verehrung mit der Bitte um Vergebung und werfe sich lang ausgestreckt auf die Erde.
7.23 Dies geschehe viermal in den vier Richtungen; dann umrunde man ihn. Vor jeder Gestalt spreche man die zugehörigen Worte vierfach,
7.24 die sie bezeichnenden Lobpreis-Mantras. Danach lasse man sie in ihr eigenes Wesen eingehen, zusammen mit den Worten, durch die ihre Erscheinung kenntlich wird:
7.25 „Dir gehört der Sieg, Lotusäugiger, Vasudeva von unermesslichem Glanz! Du bist frei von Leidenschaft und anderen Mängeln und verkörperst sämtliche göttlichen Eigenschaften.
7.26 Herr, überragend in Erkenntnis und Stärke, Verehrung dir, Hervorbringer der Welt! Sankarshana, Großäugiger, Allwissender, höchster Herr!
7.27 Gott Pradyumna, dessen Wesen Herrschaftsmacht und Wirkkraft ist, Gebieter der Welten! Verehrung dir, Hrishikesha, Herr von allem, dessen Wesen die Welt ist!
7.28 Du Ursache von Erhaltung, Entstehung, Auflösung und Schutz, du Shakti und Licht! Sieg dir, erhabener Aniruddha, großer ursprünglicher Purusha!“
7.29 Ein Brahmane, der keine eigennützige Frucht begehrt, soll Vishnu nach dieser Ordnung während beider Monatshälften bis zum Ende des Jahres verehren.
7.30 Für Angehörige des Kshatriya-Standes ist die Verehrung dagegen stets mit Sankarshana beginnend und mit Vasudeva endend als Aufgabe vorgesehen.
7.31 Für den Vaishya wird sie mit Pradyumna beginnend und mit dem Stößelträger endend beschrieben; für den rechtschaffenen Shudra mit Aniruddha beginnend und mit Pradyumna endend.
7.32 Vernimm die besondere Anordnung bei der Meditation über die Gestalten: Bei Sankarshana betrachte man in der rechten Hand eine Keule, schön wie ein Lotus,
7.33 die von der nach unten gerichteten Hand leicht in ihrer Mitte mit zwei Fingern, beginnend mit dem Daumen, gehalten wird.
7.34 In der linken Hand befindet sich wie zuvor der Lotus. Vernimm nun Pradyumnas Kennzeichen: In der rechten Hand trägt er ebenso auf zwei Fingern den Waffenherrn, den Diskus.
7.35 Links befindet sich wie zuvor der Lotus. Nun wird die vierte Gestalt beschrieben: Rechts hält sie den Lotus wie die erste, links die bereits genannte Keule.
7.36 So sind Meditation und Verehrung der ursprünglichen Gestalten für die regelmäßigen und anlassbezogenen Pflichten und zum Erlangen des höchsten Heils erklärt.
7.37 Nun wird die Durchführung des Gelübdes für die Stände, beginnend mit den Brahmanen, erläutert, die mit Hingabe eifrig die Befreiung erbitten.
7.38 Am zehnten Mondtag des Monats Shravana vollziehe man alles zuvor Gesagte. Nach der Salbung mit Kusha-Wasser vergegenwärtige man den Gott und spreche:
7.39 „Anfangloser, dessen Wesen alle Geschöpfe umfasst, gewähre mir die höchste Stätte! Zerschneide die Fesseln des Samsara und vertreibe die Finsternis der Unwissenheit!“
7.40 Dann meditiere und verehre man den viergestaltigen Gott wie zuvor mit seinen mittelbaren und unmittelbaren erhabenen Bezeichnungen und den Lobpreisworten, beginnend mit „Dir gehört der Sieg“.
7.41 Man verwende sie zunächst einzeln und dann gemeinsam, für jede Gestalt erneut, entsprechend der Unterscheidung des Bezeichneten und in ihrer umfassenden gemeinsamen Bedeutung.
7.42 So vollziehe man die Verehrung der Reihe nach von Gestalt zu Gestalt, o Verständiger. Niederwerfungen und alle übrigen Handlungen sind entsprechend zu wiederholen.
7.43 Dies gilt bis zum vierten Stand, einschließlich der hier Maudgala Genannten, sofern sie allein Befreiung als Frucht ersehnen. Höre nun, wie die Kennzeichen angeordnet und gehalten werden.
7.44 Bei diesem Gelübde zeigen die vier göttlichen Gestalten ihre Gegenstände seitlich neben dem Körper, außerhalb des Brustbereichs.
7.45 Bei der ersten befindet sich die Keule rechts, deutlich in der Faust gehalten; links wird der erhabene Muschelbehälter vom inneren Bereich her gefasst.
7.46 Den Daumen stelle man sich stets außen auf seinem Umfang ruhend vor. In der vorderen Hand der zweiten Gestalt ist ebenso die erhabene Muschel zu betrachten.
7.47 In ihrer geschlossenen linken Hand steht der Diskus über dem Daumen. Bei Pradyumna befindet sich die Keule links, die klangerfüllte Muschel rechts.
7.48 Aniruddha trägt rechts einen sonnenhellen Lotus; links ruht der Diskus auf dem Zeigefinger. Den Daumen vergegenwärtige man bei den übrigen drei [Fingern] ruhend.
7.49 Durch die derart richtige Meditation erlangt der Übende ihre Frucht. Monat für Monat ist ein Gefäß mit milchhaltiger Speise vorgesehen,
7.50 als Gabe beim jeweiligen Abschluss des Gelübdeabschnitts, verbunden mit Gold, Edelsteinen und Sesam. Für diejenigen, die ohne Eigennutz geloben, ist am Ende auch die Gabe einer Kuh bestimmt.
7.51 Wer besondere Früchte begehrt, gebe jeden Monat ein Gefäß mit Sauermilch und gekochtem Reis, Früchte mit Gold und am Ende eine Landgabe.
7.52 Für Menschen mit geringen Mitteln gelten nach ihrem Vermögen Sesam, ein Wasserkrug und Verehrung mit Blättern und Blumen; eine Goldgabe gilt als Ersatz für eine Kuh.
7.53 Bei Gaben, Verehrung und Gelübdehandlungen der Shudras ist ungekochte Nahrung vorgesehen oder, wenn der Brahmane es wünscht, auch gekochte.
7.54 Durch die Erfüllung der eigenen Aufgabe erreicht man eine Erhöhung, wie sie durch [eine nicht zustehende] Verehrung nicht erreicht wird. Darum soll man stets gemäß der eigenen Befähigung verehren.
7.55 Der Brahmane ist umfassend zur Verehrung Vasudevas und der weiteren Gestalten befugt; dies gilt für Kshatriyas und die anderen nicht in derselben Weise. Deshalb soll man sich an die Vorschrift der Schrift halten.
7.56 Der hier Maudgala Genannte verbringe diese Tage hingebungsvoll mit nur abendlicher Nahrungsaufnahme. Am Anfang und Ende des Gelübdes ist für ihn eine besondere Entsagung vorgeschrieben.
7.57 Brahmanen, die Befreiung erstreben und ihre Pflichten erfüllen wollen, beginnen der Reihe nach in einem selbst gewählten Monat.
7.58 Am zehnten Mondtag soll der Entschluss für zwölf Jahre gefasst werden. Wie zuvor vollende man zunächst ein Jahr mit monatlichen Gaben.
7.59 Wenn das Jahr vorüber ist, erfreue man Jagannatha, den Herrn des Gelübdes. Dann beginne man wieder am entsprechenden Tag des ursprünglichen Anfangsmonats
7.60 und verehre und erfreue den Herrn ein weiteres Jahr wie zuvor. Auf diese Weise vollende man das große zwölfjährige Gelübde.
7.61 An seinem Ende soll der dazu Befugte nach eigenem Vermögen zwölf Brahmanen mit Gaben, Gewändern und Salbungen verehren.
7.62 Der Kshatriya vollziehe dasselbe Gelübde hingebungsvoll mit der Verehrung der ihm zugeordneten Gestalt und den übrigen Handlungen, beginnend im Monat Jyeshtha.
7.63 Der Vaishya beginne im Monat Ashvayuja, der Maudgala im Monat Magha; so ist es der Reihe nach zu bewahren.
7.64 Dieses vortreffliche göttliche Gelübde, das Befreiung als Frucht gewährt, ist für alle Stände vorgesehen und steht ihnen in der beschriebenen Weise offen.
7.65 Es entspricht zehntausend Chandrayana-Gelübden und beseitigt die seit Beginn der Schöpfung angesammelte Befleckung. Nun werde ich ein weiteres vortreffliches Gelübde erklären, das den Handelnden als Aufgabe zukommt,
7.66 denen, die allein Befreiung ersehnen, und anderen innerlich gereiften Menschen. Denjenigen, die ausschließlich die Viergestalt verehren, schenkt es beim Ablegen des Körpers Befreiung.
7.67 Am zehnten Mondtag eines gewünschten Monats gieße man Wasser aus, nachdem man sich wie zuvor vor dem Herrn des Gelübdes verneigt hat, und fasse den Entschluss für zwei Jahre.
7.68 Besonders im Shravana oder Karttika soll man diesen Entschluss fassen. Vom Anfangsmonat bis zum abschließenden Monat
7.69 steigere man die Fastentage jeweils um einen bis zur Zwölfzahl. Nach der Verehrung einschließlich des Feueropfers verehre man wie zuvor die von Gott erfüllten Menschen.
7.70 Im folgenden Jahr verringere man die Zahl der Entsagungstage. Im Anfangsmonat beginne man mit zwölf Nächten.
7.71 Dann lasse man jeweils eine weg, bis das Jahr beendet ist. Das Gelübde schließe man wie zuvor durch Verehrung und die weiteren Handlungen ab.
7.72 So habe ich dir dieses Gelübde mit seiner Ordnung des Zunehmens und Abnehmens erklärt, durch das die ewige Stätte ohne übermäßige Mühsal erreicht wird.
7.73 Höre nun das segensreiche, „Zwölf“ genannte Gelübde, das vortrefflichste unter den Gelübden. Am Ende gewährt es denen ohne besondere Wünsche und denen mit Wünschen dieselbe Frucht.
7.74 Am ersten Tag der hellen Hälfte des Monats Chaitra beginne man die Vorbereitung. Nach Mitternacht bis zum Morgen verehre man Achyuta,
7.75 ohne vollständig zu fasten, und esse nur nachts. Dies wiederhole man bis zum elften Mondtag, o Pflugträger.
7.76 Die Verehrung der Viergestalt geschehe nach der Ordnung der Rücknahme. Am elften Tag esse man nicht; für die Nacht ist Wachbleiben vorgesehen.
7.77 Am zwölften Tag verehre man den ursprünglichen Gott ordnungsgemäß. Wenn die Mittagszeit gekommen ist, ehre man die von ihm erfüllten Menschen.
7.78 Mit Hingabe und entsprechend den eigenen Mitteln verehre man vier, oder auch täglich jeweils einen. Eine Futtergabe an Kühe entsprechend dem eigenen Vermögen soll man niemals auslassen.
7.79 Die dem Gelübde Hingegebenen verbinden dies mit den bereits genannten Gaben. Wenn der entsprechende Tag der dunklen Monatshälfte gekommen ist, o Pflugträger,
7.80 vollziehe man die Verehrung Keshavas und der weiteren Gestalten wie zuvor zu den drei Tagesübergängen. Am zwölften Tag verehre man fastend den Herrn Damodara.
7.81 Von der Verehrung bis zu den Gaben vollziehe man alles nach den Vorschriften der hellen Hälfte. Die weiteren Erscheinungen verehre man nach der Ordnung ihres Hervortretens,
7.82 mit den jeweiligen Gestalten auch nach der Ordnung der Rücknahme, ein Jahr lang unermüdlich. Über jeden dazu befähigten Verehrer wird Adhokshaja erfreut.
7.83 Nun werde ich das besonders segensreiche, „Sechzehn“ genannte Gelübde erklären. In der Nacht des ersten Tages des Monats Ashadha
7.84 nehme man die Verpflichtung wie zuvor an und beginne am Morgen die Verehrung. Zwölf Tage lang verehre man Vamana und die weiteren Gestalten zu den drei Tagesübergängen.
7.85 Am dreizehnten Tag verehre man den Herrn, der die vier Lebensziele gewährt, von Aniruddha bis zur ursprünglichen Gestalt; am folgenden Tag die entsprechende nächste Folge,
7.86 am fünfzehnten Tag die dritte, deren Kennzeichen die friedvoll entfaltete Erscheinung ist. So ist die mit verschiedenen Gestalten verbundene Viergestalt dreifach gegenwärtig.
7.87 Man verehre sie mit höchster Hingabe und faste am elften Tag. Am fünfzehnten vollende man die Verehrung nach der Vorschrift.
7.88 Mit einem durch Vertrauen gereinigten Herzen verehre man vier von Gott erfüllte Menschen. Dann vollziehe man am Tagesende nach der Verehrung das Opfer im eigenen Selbst.
7.89 Ebenso beginne man im Monat Ashvayuja erneut am Anfang der Monatshälfte. Die Verehrung der Erscheinungen, beginnend mit Padmanabha, ist der Reihe nach vorgeschrieben.
7.90 Am elften Tag faste man und vollziehe alles wie zuvor. Im Monat Pausha verehre man dann Narayana und die weiteren Gestalten.
7.91 Am zwölften Tag verehre man diese zwölf und ebenso die drei Vyuha-Folgen. Im Chaitra ist ab dem entsprechenden Anfangstag die Verehrung Vishnus und der weiteren Gestalten
7.92 zusammen mit den drei Vyuha-Folgen für die Kenner des Gelübdes vorgesehen. Wenn das Jahr vollendet ist, vollziehe man eine besondere Verehrung
7.93 und ehre vor dem Herrn nach eigenen Mitteln sechzehn vorzügliche Brahmanen. Für die Gelobenden ist eine Mahlzeit aus dem Rest der Darbringungen heilsam, ohne völlige Sättigung,
7.94 durch göttlich geweihte Speise geheiligt und mit dem Rest des Feueropfers verbunden. Ebenso kann man in der hellen, der dunklen oder in beiden Monatshälften
7.95 in einem gewünschten Monat beginnen und der Reihe nach am Anfang der Monatshälfte elf Monatsherren je einmal verehren.
7.96 Am zwölften Tag verehre man fastend den Herrn des jeweiligen Monats zusammen mit der Viergestalt, ausgehend von der zugehörigen Ursprungserscheinung.
7.97 Erkenne dieses Gelübde als heilig: Es führt Alte, Frauen und Kinder zur Vollendung. Gute Vaishnavas sollen es regelmäßig vollziehen; es ist mit ihrem Leben vereinbar und bereitet keine übermäßige Beschwernis.
7.98 Hausbewohner, Brahmacharins, Waldeinsiedler und Bettelmönche vollziehen es mit den bereits genannten reichen Darbringungen und den ihren Möglichkeiten entsprechenden Gaben.
7.99 Zuvor beschaffe man die Mittel auf eine Weise, die dem Dharma nicht widerspricht, etwa durch das Erbitten von Almosen.
7.100 Wo beim Erlangen von Almosen und anderen Mitteln für den Unterhalt der Familie besonders wenig persönliche Ehre zu erwarten ist, dort soll der Verständige wohnen.
7.101 Was ein Geber hingebungsvoll unter Ehrung des Empfängers gibt, [überträgt nach dieser Lehre] sein ganzes Unheilsames auf den Bedürftigen.
7.102 Wer dagegen auch an geringgeschätztem Erwerb Zufriedenheit findet, von dem weicht der durch das Annehmen einer Gabe entstehende Mangel weit zurück.
7.103 Wer dies erkannt hat, vermittle diese Unterscheidung den geeigneten, hingegebenen und innerlich gereiften Empfängern, anderen aber keinesfalls.
7.104 Wo Geber und Empfänger beide von Unreinheit bestimmt sind, wird die Gabe durch beide verdorben und zerstört sichtbares wie unsichtbares Wohl.
7.105 Nachdem man so die Reinigung des Denkens zusammen mit der Reinigung der inneren Haltung sorgfältig gefestigt hat, suche man ein göttliches Heiligtum auf,
7.106 oder zur Vollendung des Gelübdes ein von Vollendeten begründetes Heiligtum, oder einen schönen Tempel in der Nähe einer Stadt.
7.107 Denn dort kann das Gelübde der Handelnden ohne Hindernisse vollendet werden. Wer in Handeln, Sprechen und Denken rein, in Entsagung beständig und der Praxis zugewandt ist,
7.108 keine andere Gottheit verehrt und wahrhaft von Gott erfüllt ist, richte sich mit klarer Einsicht auf eine Vibhava- oder Vyuha-Erscheinung aus.
7.109 Aufgrund zuverlässiger Überlieferung und mit Hingabe halte er sein Ziel fest. Aus Mitgefühl mit ihm und mit anderen solchen Menschen
7.110 ist der Gott dort von selbst in irdischer Gestalt sichtbar geworden. Erkenne einen solchen Ort als ein göttliches Heiligtum, das Befreiung schenkt.
7.111 Wenn reine Weise, große Seher oder durch Mantras Vollendete zum Frieden der Landesbewohner und zu eigenem Ruhm
7.112 einen Stein auf der Erde als Mantragestalt betrachten oder einen heiligen, ausladenden Baum als Wohnort einer Gottheit erkennen,
7.113 ihn von deren Kraft erfüllen lassen und die zuvor dort gegenwärtige Gottheit entlassen, dann erkenne darin die beschriebene Wohnstätte des Herrn von allem.
7.114 Wenn sie dort die Gegenwart seines eigenen Mantras herstellen, ihn mit der entsprechenden Gestalt verbinden und mit Blättern und Blumen verehren, heißt der Ort ein von Vollendeten begründetes Heiligtum.
7.115 Ein Gottesbild, das Brahmanen oder andere Menschen zur Erlangung einer Frucht und zur Erhebung ihres Geschlechts einsetzen, gilt als gewöhnlicher Tempel.
7.116 So erkenne die festgelegten Merkmale der Gegenwart des allgegenwärtigen Herrn, der zum Gegenstand der rituellen Verehrung geworden ist.
7.117 Vom Eingang des Tempels aus reicht das Vishnu geweihte Feld in alle Richtungen so weit, bis der Klang des Muschelhorns verhallt.
7.118 Bei einer von Vollendeten herabgeführten Gottesgegenwart gilt es als doppelt so weit, bei einer von selbst offenbar gewordenen als dreimal so weit. Am Ende des Körpers erlangen die innerlich Gereiften
7.119 der Reihe nach die Früchte, beginnend mit dem Aufenthalt in derselben Welt wie Gott. Das Denken der Menschen, das durch die Herrschaft ungezügelter Sinne mit Befleckungen bedeckt ist,
7.120 wird in Narayanas Heiligtum zur letzten Stunde gereinigt. Wer diese Gelübde mit einer klaren inneren Ausrichtung vollzieht,
7.121 erlangt das Ersehnte durch die große Stärke dieser Ausrichtung bald. Deshalb sollen Vertrauende, um sichtbare und unsichtbare Früchte zu erlangen,
7.122 diese Gelübde mit bewusstem innerem Entschluss ausführen. Wenn ein Gelübde unterbrochen wird, sollen sie jedoch niemals mutlos werden.
7.123 Schon vom Entschluss an bis zum Ende des Gelübdes übergießt der Erhabene die wahrhaft innerlich Gereiften während der ganzen Zeit mit Unsterblichkeitsnektar.
7.124 Wer dies erkannt hat und sich vor den Gefahren des Samsara fürchtet, soll stets fest auf das Ziel ausgerichtet bleiben, um alles wahrhaft Erstrebte zu erlangen.“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 7 mit dem Namen „Vorschrift des Gelübdes“.
Kapitel 8
Zur Orientierung: Das Jahresgelübde verbindet wiederkehrende Handlungen mit einer beständigen Ausrichtung auf Vasudeva. Die Hinweise auf einfache, verfügbare Gaben in 8.131–132 und das Gebet in 8.148 eröffnen einen besonders nahen Zugang.
8.1 [Der Erhabene sprach:] Dieses ohne Mantra vollzogene Gelübde gilt allgemein für alle Menschen. Höre nun die beiden Mantraweisen, unterschieden nach der hellen und der anderen [Gestalt].
8.2 Zuerst soll man den Guru bitten, denn er vermittelt sichtbare und unsichtbare Früchte. Hat dieser die feste Entschlossenheit [des Schülers] erkannt, soll er dafür ein Radmandala anlegen.
8.3 In seiner Mitte, auf dem Fruchtboden, ist der viergestaltige Herr zu verehren: Vasudeva und die folgenden Gestalten, der Reihe nach in die vier Himmelsrichtungen blickend.
8.4 Danach verehre man die sechs Glieder vom Herzen bis zu den Augen, der Reihe nach mit Arghya und den übrigen Gaben, die der Kenner des Gelübdes zuvor beschafft hat.
8.5 In das rituell vorbereitete Feuer innerhalb der Feuergrube setze man darauf das Rad samt der Schar seiner Mantras ein und sättige [die Gottheiten] der Reihe nach mit Opferhölzern.
8.6 Anschließend [opfere man] reichlich Sesam, vermischt mit Reis und Ghee. Nachdem man jetzt den Kopf mit Arghya-Wasser gereinigt hat,
8.7 lasse man den Schüler Knie und Haupt beugen und trage dem Herrn vor: „Dieser möchte dich verehren und wünscht das Gelübde zu vollziehen.
8.8 Erhabener, erfülle seine Wünsche, damit sein Entschluss zum Ziel gelangt.“ Nachdem man so dem Herrn der Götter das Anliegen vorgetragen hat, lasse man Blumen darbringen.
8.9 Darauf vollziehe [der Schüler] die Niederwerfung mit acht Körpergliedern und die Umwandlung nach rechts, immer wieder ohne Unterbrechung, getragen von Hingabe und Vertrauen.
8.10 Dann ist ihm das Verfahren zusammen mit dem Mantra zu lehren: [Der Laut] am Ende der mit sa bezeichneten Reihe, auf den sechsten Vokal gesetzt und mit Anusvara geschmückt,
8.11 wird als Bija des ersten allgegenwärtigen Herrn, Vasudeva, bezeichnet. Ebendieser [Laut], mit dem Jiva-Bija verbunden, jedoch ohne den sechsten Vokal,
8.12 und mit dem zweiten Vokal versehen, ist der königliche Bija Sankarshanas. Zwischen die beiden [Bestandteile] des ersten Bija setze man ein r.
8.13 Dies ist der dritte Bija, der des Herrn Pradyumna, der alle Wünsche erfüllt. Den auf Jiva gesetzten Laut ha platziere man über dem letzten [Laut der] mit la [bezeichneten Reihe].
8.14 Mit Visarga verbunden ist dies der Bija, der Aniruddha bezeichnet. Alle diese Gestalten haben zwei Arme und gleichen hundert Sonnen und Monden.
8.15 Ihre Unterschiede bestehen hier in ihrem Glanz und in ihrer weißen und den weiteren Erscheinungsfarben. Zwischen Zeige- und Mittelfinger der rechten und linken Hand
8.16 stelle man sich bei der ersten Gestalt Diskus und Muschelhorn oberhalb der beiden Schultern vor. Mit der rechten Hand auf Höhe der Schulterschnur
8.17 umfasst die zweite Gestalt mit geschlossener Faust die Keule, die hinter dem Sitz aufruht; so ist sie zu betrachten. In der entsprechend gehaltenen anderen Hand
8.18 vergegenwärtige man sich den leuchtenden König der Waffen, spielerisch zum Schleudern erhoben. Bei dem Herrn Pradyumna sind die beiden [Waffen] entsprechend vertauscht.
8.19 Bei der vierten Gestalt vergegenwärtige man sich Muschelhorn und Lotus, mit rechter und linker Hand entsprechend emporgezogen, vor dem Bereich der Ohren.
8.20 Dabei verläuft der Stängel des Lotus über seinen Handrücken. Man verbinde den Laut ha mit sa, setze diese Verbindung sechsmal ein
8.21 und verbinde sie nacheinander mit dem zweiten, vierten, sechsten, achten, zwölften und zehnten Vokal. Wisse: Dies sind die [Mantras] vom Herzen bis zu den Augen,
8.22 stets als Hilfsmittel der Mantras der Viergestalt. Zuerst schreibe man den Laut ha dreimal, ebenso den Jiva-Bija;
8.23 auch ka und ksha schreibe man jeweils dreimal. Nachdem man diese zwölf Bijas der Reihe nach angeordnet hat,
8.24 setze man die drei als Wind, Erde und Wasser bezeichneten Laute wiederholt unter alle [Vierergruppen].
8.25 Alle werden mit dem sechsten Vokal und mit Anusvara versehen. Diese sind jeweils als die Bijas von Keshava und den folgenden Gestalten zu verstehen.
8.26 Die Dreiheit ksha, sa und ha schreibe man der Reihe nach viermal. Unter diese zwölf Bijas setze man darauf
8.27 der Reihe nach aus der siebten Lautgruppe den zweiten und den vierten Laut, dann wieder den dritten und vierten, den zweiten und dritten,
8.28 den zweiten und vierten, anschließend nochmals den vierten, den dritten aus der achten [Gruppe] und wieder den dritten aus der siebten.
8.29 Bei der neunten und zwölften [Position] nehme man diese besondere Anordnung vor. Dann setze man über drei von ihnen den Laut r,
8.30 und zwar über die als sechste, siebte und achte bezeichneten; darüber setze man bei allen ein langes i mit Anusvara. So ist für die Schar der Göttinnen
8.31 die Zwölfheit der Bijas erklärt. Ihre Reihenfolge lautet: Shri, Vagishvari, Kanti, Kriya, Shakti, Vibhuti,
8.32 Iccha, Priti, Rati, Maya, Dhi und Mahima. Das mit dem Pranava beginnende Lotusmantra lautet dem Sinn nach: „Svaha der Gestalt des Meeres.“
8.33 Nach „dem in allem sich Bewegenden“ setze man „der Gestalt des Raumes“. Mit Svaha endend und mit dem Pranava beginnend ist dies als Mantra des Muschelhorns erklärt.
8.34 [Auf] Om folgen „der Mutter der Veden“, „du Wissen“ und das Wort Svaha: So ist das Keulenmantra erklärt. Nun wird das des Diskus ausgesprochen.
8.35 Nach Om setze man das fünfsilbige Wort „dem machtvollen Vishnu“, danach das Wort „Zeit“, [dann] „der Gestalt“, Hum und anschließend Phat.
8.36 Dies sind die vier Mantras der vier [Attribute], beginnend mit dem Lotus. Für sämtliche Mantras ist eine gemeinsame Mudra bestimmt: Anjali, die Vereinigung der Hände.
8.37 Man wende sie zusammen mit dem jeweils zugehörigen Mantra an. Die geöffneten Hände werden bis zu den Handgelenken aneinandergelegt.
8.38 Die beiden Unterarme und Ellbogen halte man dabei gerade am Nabel zusammen; danach bewege man die beiden Hände etwas hin und her und nach oben.
8.39 Nachdem man sich geschützt hat, verwende man diese Mudra bei der Verehrung. Man beschaffe ein schon vorhandenes Kultbild oder [fertige] selbst eines mit ebenmäßiger Rückseite,
8.40 das alle vorgeschriebenen Merkmale besitzt und an dem das Herz Freude findet. Oder man fertige aus Gold und ähnlichem Material einen Sitz mit den entsprechenden Merkmalen.
8.41 Er sei zwölf Fingerbreiten breit oder um ein Drittel kleiner, viereckig, mit vier Füßen und halb so hoch wie breit. [Die Maßangabe am Versanfang ist in der Vorlage sprachlich unsicher.]
8.42 Man nehme ein Drittel der jeweiligen Breite und fertige nach diesem Maß in seiner Mitte einen Lotus mit den vorgeschriebenen Merkmalen.
8.43 Außerhalb davon [zeichne man] ein Rad mit zwölf Speichen, mit allen zugehörigen Kennzeichen. [In seiner Mitte sei] das unvergängliche Zeichen Achyutas, das im Herzen von Vollendeten, Göttern und Menschen wohnt,
8.44 das die Form eines sanft eingedrückten erhabenen Fußabdrucks trägt. Im Inneren des Fruchtbodens ist der Abdruck der Lotusfüße anzubringen. [Die Sanskritstelle vor dieser Anweisung ist beschädigt; die Übersetzung gibt den erkennbaren Sinn wieder.]
8.45 So bereite man die Unterlage zu; oder man stelle sich den Sitz mit dem Kultbild vor, dann ohne den Abdruck der Lotusfüße. Anschließend lege man die Feuergrube an,
8.46 in Gestalt eines geöffneten Lotus, mit Rand und Ausflussrinne, beweglich oder an einer Seite fest angeordnet. Danach beginne man die Observanz.
8.47 Die jährliche Verehrung des zwölfgestaltigen Herrn beginnt im Monat Margashirsha und endet im Monat Kaumuda [Karttika].
8.48 Am zehnten Mondtag verehre man Keshava und trinke Panchagavya, über das der Mantra des Monatsherrn gesprochen wurde, mit Wasser, Gold und Kusha-Gras versehen.
8.49 Zuvor esse man ihm dargebrachte Speise mit Ghee und Ähnlichem, jedoch nicht bis zu übermäßiger Sättigung. Danach gebrauche man das Zahnholz.
8.50 Man besprenge das mit Kusha versehene Lager mit Mantrawasser. Auf dem Lager wiederhole man den Mantra hundertachtmal.
8.51 Am elften Mondtag verneige man sich morgens, mittags oder bei Tagesende wiederholt vor Keshava, mit [der Formel], die mit dem Pranava beginnt.
8.52 Dreimal am Tage vollziehe man seine Verehrung mit Hingabe. Das alldurchdringende höchste Licht, gestaltlos und makellos,
8.53 ist eben Vasudeva: In diesem Verständnis verehre man den Herrn mit allen Blumen und sonstigen Gaben, die im Geist wie Nektar erscheinen.
8.54 Danach meditiere man über jene makellose, freie und unvergängliche Lichtgestalt: unvergleichlich, voller Mitgefühl, eine Hand an die Hüfte gelegt,
8.55 mit der rechten Hand den Verehrern Furchtlosigkeit verleihend, reich an Blumen, Schmuck und Gewändern, mit Muschelhorn und Diskus versehen.
8.56 Dann vergegenwärtige man sich, wie aus jener Lichtgestalt auf einmal ein großes, einem gewaltigen Funken gleichendes, unablässig leuchtendes Licht hervortritt.
8.57 Man stelle sich vor, dass dieses die Speichenschar des Rades erfüllt. Darauf betrachte man, wie aus jedem einzelnen Lichtanteil der Reihe nach
8.58 je drei der vierarmigen Gestalten, beginnend mit Keshava, in Weiß und den weiteren Farben hervorgehen. In den rechten und linken hinteren Händen Keshavas und der folgenden Gestalten
8.59 sind diese nach oben gehaltenen Paare der Reihe nach zu erkennen: Muschelhorn, Diskus, Lotus, Vidya [hier Bezeichnung der Keule], wiederum diese, Muschelhorn und König der Waffen,
8.60 dieses [Diskus], Muschelhorn, Lotus, Vidya, Muschelhorn, Diskus, Keule, Diskus, Keule, Diskus, Lotus, Lotus, Diskus, Muschelhorn und schließlich Keule. [Die fortlaufende Attributliste 8.59–60 wird ohne ergänzende Zuordnungstabelle wiedergegeben.]
8.61 Ebenso sind in den beiden vorderen Händen je zwei nach unten gehaltene [Attribute] zu erkennen. Höre diese für die zwölf Gestalten bis Damodara:
8.62 Lotus, Keule, Muschelhorn, Diskus, dieses [Diskus], Lotus, König der Waffen, Muschelhorn, Vidya, Diskus, diese [Keule], Lotus, Muschelhorn, diese [Keule], Lotus,
8.63 Lotus, Muschelhorn, Keule, Muschelhorn, Vidya, Lotus und Diskus. Wieder stelle man sich vor, dass aus jener Schar von Lichtgestalten ein Licht hervortritt.
8.64 Entsprechend der Einteilung Keshavas und der folgenden [Gestalten entsteht] jeweils eine Dreiheit, beginnend mit Shri, die wechselweise durch die drei Attribute, Lotus und die anderen, gekennzeichnet ist.
8.65 Sie sitzen im fest geschlossenen Lotussitz, nach oben und den Himmelsrichtungen zugewandt. Ehrfürchtig fächle man ihnen mit einem weißen Yakschweif zu.
8.66 So [verehre man] die zwölf Göttinnen. Nun wird ihre Erscheinung beschrieben: Ihre Gesichter gleichen sämtlich dem Vollmond, sie tragen Blumen aller Jahreszeiten,
8.67 sind mit sämtlichen glückverheißenden Merkmalen ausgestattet und mit allem Schmuck geschmückt. Die erste Dreiheit leuchtet korallenrot, die nächste wie Champaka-Blüten.
8.68 Die dritte Dreiheit der Göttinnen ist dunkel wie die Blütenrispe des Priyangu. Die vierte Dreiheit betrachte man als so hell wie Jasminblüten.
8.69 In der Hand der ersten betrachte man einen Lotus, in der Hand der zweiten den König der Waffen und bei der dritten ein Muschelhorn. So meditiere man jeweils über jede Dreiergruppe.
8.70 So vergegenwärtige man sich der Reihe nach die erste Dreiheit [und die weiteren] bis zum Ende der viermal drei Gottheiten und vollziehe ihre Verehrung, verbunden mit nächtlichem Wachen.
8.71 Die Nacht verbringe man mit Lobpreisungen, Erzählungen, Instrumentalmusik und Gesängen. Bei ihrem Ende bade man, lege weiße Gewänder an und sei rein.
8.72 Man stelle sich die Gottheit mit dem Mantra des Monatsherrn verbunden vor. Nachdem man die bisherigen Opfergaben entfernt hat, vollziehe man das rituelle Bad.
8.73 Zuerst [bade man] in der Mitte den alleinigen erhabenen Keshava, der das Wesen Vasudevas besitzt, anschließend den im Rad befindlichen,
8.74 auf der östlichen Speiche wohnenden, gestalttragenden und unvergänglichen [Keshava]. Ihm und den übrigen der zwölf gebe man der Reihe nach Bad und weitere Gaben:
8.75 mit Wasser, Panchagavya und danach Milch, mit Dickmilch, Ghee, Honig und Wasser mit allen Heilkräutern,
8.76 mit Samenwasser, Fruchtwasser, Duft- und Blütenwasser und danach mit Gold- und Edelsteinwasser, jedes für sich in einem Krug.
8.77 [Man bringe dar:] weiße Salbe, Blumen, Räucherwerk, Honig, Ghee, Dickmilch, verschiedene reine Speisen und Reis zusammen mit Gerste,
8.78 in einem nach Vermögen angefertigten Silbergefäß. Fehlt ein solches Gefäß, darf wenigstens eine kleine Menge Silber nicht fehlen.
8.79 Danach übergebe man dem Guru mit Hingabe und frohem Inneren die durch den Erhabenen geheiligte Honigspeise und die übrigen Gaben.
8.80 Zunächst esse man Gersten- oder Reisspeise mit Ghee. Von diesem Zeitpunkt an vollziehe man täglich die Verehrung Keshavas,
8.81 der an zwei Orten anwesend ist: wie zuvor in der Mitte und außen zusammen mit seiner Göttin.
8.82 Darauf verehre man der Reihe nach auch Narayana und alle folgenden Gestalten zusammen mit ihren Göttinnen, sorgfältig rechtsherum fortschreitend,
8.83 mit Hingabe und mit Blumen, Räucherwerk und anderen Gaben nach Möglichkeit, bis der zehnte Mondtag der hellen Hälfte des Monats Pausha eintritt.
8.84 Von da an vollziehe man nach dem zuvor genannten Verfahren das ganze Gelübderitual mit dem Narayana genannten Mantra.
8.85 Zuerst verehre man ihn in der Mitte in seiner Ursachengestalt und außen zusammen mit seiner Göttin, den Herrn wie zuvor mit Bad und weiteren Gaben,
8.86 bis zum zwölften Mondtag nach Vorschrift, zusammen mit Keshava. Hier ist jedoch die Verehrung Keshavas anschließend vorgeschrieben.
8.87 Am Abend des zwölften Mondtags bringe man Räucherwerk dar und bitte Keshava, den Vernichter des Leidens, zusammen mit seiner Gemahlin um Nachsicht.
8.88 Am nächsten Tag verehre man mit Hingabe den Gott Narayana zusammen mit den [übrigen] Gestalten bis Damodara,
8.89 in der Mitte wie zuvor Keshava und anschließend im Rad auf Keshavas Speiche; Keshava verehre man mit seiner Gemahlin auf der ihm [Narayana] zugehörigen Speiche.
8.90 So verfahre man täglich bis zu jenem Mondtag des [nächsten] Monats. Danach erfolgt entsprechend die Verehrung der Gestalt Madhava.
8.91 Ist diese Verehrung am zwölften Mondtag des Phalguna vollendet, betrachte man Sankarshana als die höchste [Gestalt], wie zuvor Vasudeva.
8.92 Den in ihm gründenden Govinda rufe man in der Mitte in sichtbarer Gestalt herbei und [vergegenwärtige ihn] im Rad zusammen mit der Göttin; dann verehre man ihn wie zuvor,
8.93 mit Safran, der mit rotem Sandel vermischt ist, ebenso mit roten Blumen, Kränzen und Gewändern sowie mit gekochtem rotem Reis,
8.94 mit Wohlgeruch, mit roten Früchten oder solchen, die mit roten Mineralfarben bestrichen sind, und mit reich geschmückten [Gaben] aus roten Edelsteinen und Korallen.
8.95 Man lege geröstetes Getreidemehl in ein Kupfergefäß und bringe es dar. Wenn seine Verehrung und das Feueropfer vollendet sind, soll der Gelübdeübende,
8.96 nach Ablauf von drei Monaten, wenn der im Inneren gegenwärtige Achyuta zufrieden ist, den in der Gestalt des Guru anwesenden Gott mit Hingabe verehren,
8.97 mit Gewändern, Salben, Kränzen, Armreifen und Fingerringen, nach Vermögen und ohne Unaufrichtigkeit. Beim Fastenbrechen erfreue er darauf
8.98 Vasudeva zusammen mit den drei Gestalten: „Mögen die Shaktis mir Dharma, erfüllte Wünsche und Wohlergehen in dieser Welt schenken.
8.99 Mögen die göttlichen Gestalten stets die Hindernisse der Befreiung stillen. Er, der allezeit ewig rein ist, der höchste Atman, der höchste Herr,
8.100 Vasudeva, sei meine Zuflucht, da ich in den Ozean des Werdens gefallen bin.“ Nachdem man Vasudeva so mit Hingabe erfreut hat,
8.101 und ebenso seine drei Gestalten zusammen mit ihren drei Shaktis, [wende man sich] dem zweiten Erhabenen mit seiner Dreiheit zu,
8.102 dem Sankarshana genannten. Von da an vollziehe man täglich sorgfältig seine Verehrung wie zuvor, entsprechend den wechselnden Monaten.
8.103 Sind darauf drei Monate vergangen und ist jener Tag des Jyeshtha erreicht, [vollziehe man das Ritual] mit dem Trivikrama genannten Mantra; alles Übrige wurde vorher erklärt.
8.104 In der Mitte, im Inneren des Lotus, vergegenwärtige man sich den alldurchdringenden Pradyumna. Man betrachte Trivikrama als dessen Gestalt und verehre ihn.
8.105 Anschließend führe man ihn von seinem Ort zur östlichen Speiche und verehre ihn der Reihe nach in besonderer Weise, ohne seine Gestalt aufzugeben.
8.106 Hier [verwende man] Sandelholz mit Kampfer, leicht mit Safran versetzt, gelbe Salbe sowie entsprechend gelbe Blumen, Früchte und andere Gaben.
8.107 Fehlen gelbe Früchte und Blumen, färbe man sie mit feinem gelbem Mineralpulver oder mit Safran.
8.108 Nach der Verehrung bringe man ein Goldgefäß mit Ghee dar. Fehlt das Gefäß, lege man nach Vermögen Gold auf das Ghee.
8.109 Dann verehre man wie zuvor den Lehrer des Gelübdes, mit Kühen, Gold, Gewändern und weiteren Gaben, sodass er Zufriedenheit findet.
8.110 Nach seiner Verehrung erfreue man beim Fastenbrechen den zweiten Weltenherrn, Sankarshana, indem man Wasser in die Hand nimmt,
8.111 mit demselben zuvor genannten, mit Pranava beginnenden und eine Verneigung enthaltenden Mantra; hier jedoch [spreche man]: „Sankarshana sei meine Zuflucht.“
8.112 Darauf verehre man drei Monate lang die Götter Trivikrama, Vamana und den Herrn Shridhara, bis der zehnte Mondtag der hellen Hälfte erreicht ist.
8.113 Von da an vollziehe man alles mit dem Hrishikesha-Mantra. Ist der entsprechende Zeitpunkt gekommen, vergegenwärtige man sich Aniruddhas höchste Stellung.
8.114 Man betrachte Hrishikesha in seiner Gestalt im Inneren des Lotus; nachdem man ihn vorschriftsgemäß verehrt hat, [verehre man ihn] wie zuvor auf der Speiche des Rades.
8.115 Hier vollziehe man die Verehrung mit königlichen Ehrenbezeugungen und mit Blumen, Reis und Gewändern, dunkel wie Bienen; fehlen solche, [färbe man die Gaben] mit Augenschwärze und Ähnlichem,
8.116 indem man sie sorgfältig einfärbt und dem Gott darbringt. Als Salbe dient hier Safran, vermischt mit schwarzem Agaru.
8.117 Ein Gefäß aus gereinigtem Eisen, mit schwarzen Edelsteinen besetzt und mit schwarzem Sesam gefüllt, bringe man am Ende der Verehrung dar.
8.118 Nachdem man seine Verehrung nach Vermögen mit Hingabe vollzogen hat, erfreue man den dritten [Vyūha] wie zuvor: „Pradyumna sei meine Zuflucht.“
8.119 Dann verehre man Monat für Monat nach Hrishikesha zunächst Padmanabha und danach Damodara.
8.120 Sind so drei Monate vergangen und ist erneut der zehnte Mondtag des Margashirsha erreicht, soll man bei den einzelnen Handlungen
8.121 die vier Mantras der Viergestalt anwenden und unter Nennung der vier Gestalten jene [Gottheit] verehren.
8.122 Auf dem Fruchtboden [verehrt man den Herrn], auf den Blättern von Osten an Herz und weitere [Glieder], in den Zwischenrichtungen die Waffe und vor dem Herrn, bei den Staubfäden, die Augen.
8.123 Auf ihren jeweiligen Speichen verehre man danach die zwölf Gestalten von Keshava an, mit Blumen in vier Farben sowie entsprechenden Gewändern und Salben,
8.124 ebenso mit Esswaren, Speiseopfern, Getränken und reinen Früchten, ferner mit verschiedenen anderen Gaben, Fahnen und Weiterem, Fahrzeugen und Reittieren,
8.125 mit Maßgaben samt Gold, Betel und der Hingabe seiner selbst. Danach sättige man die im Feuer gegenwärtige Schar der Mantras, wie erklärt.
8.126 Dann vollziehe man die zuvor beschriebene besondere Verehrung des Guru. Anschließend bewirte man die Brahmanen und gebe ihnen Opferlohn.
8.127 Man spreche das freudestiftende Gebet wie zuvor: „Aniruddha sei meine Zuflucht.“ Dann bringe man das abschließende Vollopfer dar und spreche danach:
8.128 „Durch dieses vortreffliche Gelübde, das ich heute mit Hingabe vollzogen habe, mögen die vier Gestalten, Vasudeva und die übrigen, zusammen mit ihren Shaktis
8.129 unvergleichliche Freude erfahren und dem dem Werden unterworfenen Menschen Furchtlosigkeit schenken.“ Dieses Gelübde ist segensreich und heilig; es führt vom Weg des Samsara zurück. [Die fehlende Versnummer ist redaktionell zugeordnet.]
8.130 Es verlangt wenig Mühe, ist unkompliziert und schenkt den Menschen unbegrenzte Frucht. Deshalb soll man bei seiner Ausführung nicht den Mut verlieren.
8.131 Menschen mit geringen oder mittleren Mitteln sollen es mit den ihnen zugänglichen Gaben vollziehen, aufrichtig und nach Vermögen, mit Waldblumen und Ähnlichem,
8.132 mit Wasser, Durva-Sprossen und Blättern, mit Japa und nächtlichem Wachen, mit einer Lampe, mit Besprengen, Reinigen und Bestreichen [des Heiligtums].
8.133 Für die Verehrung während des Jahres, für Gaben und für den eigenen Verzehr beschaffe man Reis, geröstetes Getreidemehl, Ghee, Sesam und andere Speisen.
8.134 In den ersten drei Monaten gebe man Reis, nachdem man ihn dargebracht hat. Am zwölften Mondtag, vor der Mahlzeit, ist stets dessen Verzehr vorgesehen.
8.135 In den nächsten [drei Monaten] ist es geröstetes Getreidemehl, im dritten Dreimonatsabschnitt Ghee und im anderen Sesam; ebenso verfahre man beim Verzehr.
8.136 Ist der elfte Mondtag vollständig und überschneidet sich der zwölfte mit ihm, vollziehe man Verehrung und weitere Handlungen am folgenden Tag, am zwölften Mondtag.
8.137 Wer innerhalb des Jahres nur eine [solche Observanz] vollziehen möchte, führe auch dabei das Ritual bis zum Ende der Verehrung mit dem zugehörigen Mantra aus,
8.138 mit den jeweils verfügbaren Blumen und weiteren Gaben sowie den zuvor genannten Gliedern. In der Mitte verehre man die höchste Gestalt und anschließend die ihr zugehörige [besondere Gestalt].
8.139 Für diese allein ist das freudestiftende Gebet unter ihrem eigenen Namen vorgesehen. Ein einziges Fastenbrechen nach der früheren Vorschrift bringt reiche Frucht.
8.140 Deshalb vollziehe man nach eigener Kraft zwei oder drei [Observanzen], erfüllt von Vertrauen. Wenn eine Frau, die keine andere Zuflucht sucht, entsprechend handelt,
8.141 sei sie ohne Ehemann oder von ihrem Ehemann dazu ermächtigt, erlangt auch sie diese [Frucht]. Nun werde ich das vortreffliche viermonatige Gelübde erklären, das Befreiung schenkt.
8.142 Wer es vollzieht, erlangt schon hier seine gewünschten Ziele. Man beschaffe ein ungestörtes Haus oder [einen Ort] in einer nicht überfüllten Gegend,
8.143 nach dem eigenen Vermögen geräumig, viereckig oder länglich, mit Rauchabzug versehen und mit einer Reihe von Fenstern ausgestattet.
8.144 In seiner Mitte errichte man aus Ziegeln und Ähnlichem drei viereckige, voneinander getrennte und etwas über dem Boden erhobene Plattformen.
8.145 Auf der südlichen Plattform lege man die Feuergrube wie zuvor an. In der Mitte [zeichne man] mit einer Mischung aus Sandel, Rocana und Safran,
8.146 mit Kuhmilch verrieben, jeden Monat ein glückverheißendes Rad mit einem sechsblättrigen Lotus im Inneren. Im Norden [errichte man] den Badesitz.
8.147 Am zehnten Tag des zunehmenden Mondes im Monat Ashadha nehme man mit dem Vasudeva genannten Mantra Wasser in die Hand [und spreche]:
8.148 „Erhabener, Lotusäugiger, Herr aller Gelübde, Achyuta! Durch deine Gnade möge mein Gelübde gelingen, damit ich dich erreiche.“
8.149 Dann verehre man am zwölften Mondtag Vasudeva im Inneren des Lotus; auf den Blättern von Osten an [verehre man] die Dreiheit von Sankarshana an,
8.150 in rechtsläufiger Anordnung bis zum Blatt am Ort der Rakshasas [Südwesten]. Vom Blatt am Ort Ishanas [Nordosten] aus [verehre man] die Dreiheit von Aniruddha an
8.151 in der Reihenfolge der Rücknahme bis zum westlichen Blatt. Wieder [verehre man] in der Mitte die Wohnstatt aller Wesen; auf den Speichen des Rades
8.152 vollziehe man der Reihe nach, von Osten an, Einsetzung und Verehrung: Vamana und seine Göttin, den Herzmantra und dann den Kopf,
8.153 Shridhara und seine Gemahlin, Haarschopf und Panzer, Hrishikesha und seine Gattin, die Waffe und danach die Augen.
8.154 Meditation, Bad, Verehrung und Feueropfer samt Japa vollziehe man für alle stets in dieser Reihenfolge.
8.155 Am zwölften Mondtag des Shravana verehre man in der Mitte Sankarshana und auf dessen beiden Blättern Vasudeva; auf den Speichen des Rades wie zuvor
8.156 die Dreiheit von Padmanabha an sowie die Göttinnen und Herz samt den übrigen [Gliedern]. Am zwölften Mondtag des Nabhasya befindet sich dann Pradyumna auf dem Fruchtboden,
8.157 der Erste [Vasudeva] auf dessen Blättern. Auf den Speichen [stehen] die Dreiheit von Narayana an, die Göttinnen und die sechs Glieder, angeordnet wie zuvor.
8.158 Am darauf folgenden zwölften Mondtag verehre man entsprechend Aniruddha und auf dessen Blattpaar der Reihe nach den ursprünglichen Gott,
8.159 [auf den Speichen] Vishnu und die weiteren bis Trivikrama, die Shaktis und die Glieder wie zu Beginn. So [verfahre man] bis zum zwölften Mondtag des Karttika.
8.160 Dann vollziehe man das gesamte Ritual ohne Auslassung mit sämtlichen vortrefflichen Mantras. Am zwölften Mondtag [verehre man] wie zuvor in der Mitte die sechs Glieder in entsprechender Gestalt,
8.161 die göttlichen Gestalten auf den Speichen und die Schar der Gottheiten auf dem Radkranz. Die besondere Verehrung und das Feueropfer bis zum Vollopfer wurden zuvor vorgeschrieben.
8.162 So ist dieses Gelübde mit seinen Besonderheiten in Kürze erklärt. Wer es vollzogen hat, wird hier im Kreislauf erneuten Werdens nicht wieder geboren.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 8 mit dem Namen „Vorschrift des Jahresgelübdes“.
Kapitel 9
Zur Orientierung: Die vielfältigen Erscheinungen des Herrn werden zum Gegenstand innerer Verehrung. Am Ende des Kapitels erhält die Gestalt einen besonderen Platz, an der sich der Geist des Verehrers erfreut.
9.1 [Narada sprach:] Darauf wurde der diskustragende Gott vom Pflugträger befragt. Ihr trefflichen Brahmanen, hört, was ich euch jetzt erzähle.
9.2 [Sankarshana sprach:] Die äußere und innere Verehrung des höchsten Brahman nach der Einteilung seiner feinen Vyuhas habe ich nun richtig verstanden.
9.3 Jetzt möchte ich die rechte Verehrung des Herrn in seinen heiligen Erscheinungsformen hören, die den dem Werden unterworfenen Wesen das Ersehnte schenkt.
9.4 [Der Erhabene sprach:] Du Einsichtsvoller, die große Schar der Erscheinungsgottheiten, die ich dir zuvor genannt habe: Wisse, jede einzelne von ihnen ist dreifach.
9.5 An den Übergängen der vier Weltalter und in den Weltaltern selbst erhebt sie sich, um die Übel zu vernichten, die die Welt erschüttern,
9.6 in weißer, roter und weiterer Gestalt, die Hände mit flammenden Waffen versehen. Bei Beginn, während des Verlaufs und am Ende ihres Wirkens
9.7 nimmt der Eine seine eigene Gestalt auf vielfältige Weise an, zum Heil aller Welten. Dies ist seine grobe, nach Wunsch gestaltete Erscheinung.
9.8 Mit einem nicht zum Kampf erhobenen Leib, weiß wie Jasmin und Mond, im Heldensitz oder einer anderen Haltung verweilend, freudigen Herzens,
9.9 alle Waffen spielerisch haltend, mit friedlichem Antlitz und unerschüttert, vernichtet er durch Erkenntnis alle Fehler derer, die Befreiung suchen.
9.10 Diese offenbarte Gestalt heißt „die Friedvolle“, die vortrefflichste unter den Gestalttragenden. Sie erhellt den rechten Weg derer, deren Inneres dem Samadhi hingegeben ist.
9.11 Jene lichtvolle Erscheinungsgestalt wird „friedvoll“ genannt. Alle [Gestalten] schenken den hingebungsvollen Verehrern sämtliche Früchte,
9.12 ohne Einschränkung bis hin zur Befreiung. Für die Verehrung jeder einzelnen, du Einsichtsvoller, ist ein vierfaches sie bezeichnendes [Mantra] bestimmt:
9.13 ein Namensmantra, ein aus verschiedenen Wörtern bestehendes, eines namens Pinda und eines in Gestalt eines Bija. Mit einem von ihnen rufe man die bezeichnete Gottheit hingebungsvoll an.
9.14 Wo durch einen Pinda-Mantra, einen aus einem Satz hervorgegangenen Mantra oder durch eine Verbindung beider eine einzige, in ihrem Wesen ungeteilte Gottheit verehrt wird,
9.15 soll man beide nach folgendem Verfahren verbinden: An den Anfang des Namensmantras setze man den Bija oder den Pinda-Laut.
9.16 Damit wende man die bezeichnete Gottheit sich zu; oder [man setze ihn] an Anfang und Ende. Den Wortmantra füge man entsprechend in diese Ordnung ein.
9.17 Dann stelle man ihn auf den Sitz des Pranava und versehe ihn mit dem Banner der Verneigung. Da diese beiden ihrem Wesen nach friedvoll sind, besteht zwischen ihnen Einheit.
9.18 Wisse: Namens- und Wortmantra sind durch die Verwirklichung gekennzeichnet. Ein Bija gilt als einsilbig, sei er aus einem Vokal oder aus einem Konsonanten gebildet.
9.19 Aus der Verbindung von Vokalen und Konsonanten entsteht der mehrlautige königliche Pinda-Mantra. Bei den beiden ersten und den beiden letzten der Vokalreihe, du Einsichtsvoller,
9.20 liegt die Mantranatur in ihrer eigenen Form; bei den anderen [entsteht sie] zusammen mit dem Bindu. Ein mit einem einzelnen Vokal oder einem Vokalpaar verbundener
9.21 und mit Anusvara versehener Konsonant besitzt ebenfalls Bija-Natur, du Pflugträger. Die Entfaltung des Om genannten Lautes, strahlend wie ein Lichtstrahl,
9.22 ist durch Bewusstsein gekennzeichnet und ohne Gestalt. Wisse, ihre Bezeichnung ist dreifach: an einer Stelle Pinda, an einer Bija, an einer der unangeschlagene Klang.
9.23 Seine beim Aussprechen deutlich werdende Entfaltung besteht aus vielen Lauten und vielen Wörtern und trägt die Form von Lobpreis und Anrede.
9.24 Dieser unvergängliche Om-Laut verleiht den Bijas und den anderen [Mantras] große Kraft. Deshalb gebe man zuerst mit dem als Satya bezeichneten Pranava den großen Sitz.
9.25 Darauf setze man den Bija, der von diesem Wahren nicht getrennt ist. Durch seine eigene Entfaltung lasse man aus dem Bija die Gestalt hervorgehen.
9.26 Dies [geschehe] immer, wenn die Zeit der Verehrung gekommen ist. Ist das Opfer vollendet, stelle man sich die Auflösung vor wie die von Wasser auf einem erhitzten Stein.
9.27 Es gleicht dem Ausbreiten und Zusammenziehen des Sonnenlichts, du Einsichtsvoller. Die hier erkennbare Verschiedenheit beruht lediglich auf dem jeweiligen rituellen Vorgang.
9.28 Wo weder Bija noch Pinda vorhanden ist, [setze man] nach dem Pranava den ersten Laut des Wortmantras; dieser bezeichnet sein Licht.
9.29 Aus ihm lasse man wie einen Baum den aus den übrigen Lauten bestehenden Leib hervorgehen. Wo ausschließlich ein Bija oder ein Pinda ohne Wortmantra vorliegt,
9.30 wird dem a genannten Laut die Natur des Feldkenners zugewiesen, den übrigen Lauten der Pinda-Gestalt hingegen die Natur des Feldes.
9.31 Beim alleinigen Bija ist das Ruhen in sich selbst sein Sein als Brahman-Laut. Sein Hervortreten aus diesem Eigenzustand ist der Bija; das Aussprechen des Bija ist entsprechend die Gestaltbildung.
9.32 Wie bei den Bijas ist auch bei den Pinda-Mantras das stets gegenwärtige Hervortreten zu verstehen. Der durch Bija-Natur bestimmte Mantra ist die große Kraft Vishnus,
9.33 unermesslich bei den unzähligen verschieden gestalteten Gottheiten, die er bezeichnet. Durch sein richtiges Erkennen, durch Japa, Meditation und Verehrung,
9.34 durch Feueropfer und völliges Aufgehen in ihm erreicht man den samenlosen Zustand. Dabei erlangen die Übenden stets auch die von ihnen gewünschte Vollendung.
9.35 Ebenso geschieht es durch das Erkennen der Mantragestalten des Erhabenen, Pinda und der übrigen. Durch Pinda jedoch [erlangt man] die höchste Festigkeit darin;
9.36 durch den Namensmantra Vielfalt, die sich in verschiedenen Welten entfaltet. Durch das Erkennen des Wortmantras erlangt man sämtliche Stätten.
9.37 Die beiden weiteren Mantraarten, mit Bija oder Pinda verbunden, geben jeweils ihre eigene Frucht. Doch den ersten [Bestandteil] soll man als den höchsten betrachten.
9.38 Denn Achyuta, der Herr aller, besitzt die Gestalt des Feldkenners des Mantras und besteht aus dem Wunsch zu begnadigen als Durchdrungenes und als Durchdringender.
9.39 In der Gestalt des Durchdrungenen schenkt er die höchste Frucht, angefangen bei sämtlichen Genüssen der Erdenwelt bis zur Herrlichkeit der sechs göttlichen Eigenschaften.
9.40 Dem mit einem göttlichen Leib versehenen Handelnden, der des Genusses müde geworden ist, [schenkt er] seine eigene Stätte. Als Feldkenner, Bija und Pinda, ohne verhüllende Begrenzung,
9.41 gewährt er makellose, reine Erkenntnis, die das Erlangen des Selbst schenkt. Der Wortmantra, dessen Wirkweise zum Wachzustand gehört, besitzt den Charakter offenbarter Shakti.
9.42 Ebenso besteht beim Namensmantra, dessen Wirkweise dem Traumzustand entspricht, Einheit. Beim Pinda genannten Mantra, dessen Wirkweise dem Tiefschlaf entspricht, du Einsichtsvoller,
9.43 und beim Bija, dessen Wirkweise dem vierten Zustand entspricht, besteht [ebenfalls] Offenbarung der Shakti. Obwohl diese Offenbarung als bestimmt und mit der Frucht der Erkenntnis verbunden gilt,
9.44 bei den Mantragestalten des Erhabenen, so [gilt doch besonders] für den höchsten Atman, den ursprünglichen Herrn in seiner Viergestalt oder den alleinigen allgegenwärtigen Herrn:
9.45 Wisse, sein vierfaches Mantra schenkt Befreiung und Wohlergehen. Was davon abweichend als unvermischte oder vermischte [Frucht] gelehrt wird,
9.46 entspricht jeweils der inneren Ausrichtung; wisse es so und nicht anders. Hat man dies verstanden, verehre man danach mit den verschiedenen Mantras, du Einsichtsvoller,
9.47 mit den geheimen, sekundären, hauptsächlichen und weiteren [Formen], die Schar der Offenbarungen des Herrn, dessen Wesen großes Licht ist, zusammen mit der Viergestalt.
9.48 Zuvor wurde seine Verehrung auf der Ebene des Wachzustands in einem kleinen Ausschnitt erklärt. Jetzt werde ich sie mit ihren Besonderheiten, mit Mantras, Meditation und Ritual,
9.49 in Kürze darlegen; höre, du Weitäugiger. Der Erhabene Vishakhayupa selbst, mit dem Wunsch, die Welt hervorzubringen,
9.50 tritt allein in seiner Gestalt als Aufseher hervor, indem er die gesamte Herrlichkeit, beginnend mit dem reinen Bewusstsein,
9.51 des auf der ursprünglichen Ebene bestehenden viergestaltigen Herrn in sich aufnimmt, ebenso das Wirken der Gottheiten, die vornehmlich als tragende Grundlagen dienen,
9.52 ihre weißen und anderen Strahlungen, Shri und die übrigen [Shaktis], du Einsichtsvoller, die Bijas der Erscheinungsformen mit ihren Kennzeichen und Waffen,
9.53 die sechs Eigenschaften von Erkenntnis an, alle ihnen zugeschriebenen Shaktis, die acht Kräfte von Anima an und das Hervortreten von Erhaltung, Entstehung und Auflösung.
9.54 Diese zur Viergestalt gehörige Shakti wird „herrscherliche“ genannt. Wie ein großer Lichtfunke aus der Strahlenschar der Sonne heraustritt
9.55 und unabhängig von seinem Ursprung den ganzen Wahrnehmungsraum erfüllt, so [handelt] der höchste Herr aus seiner Freiheit und Vollkommenheit.
9.56 Er verlässt die vier Gestaltzweige von Vasudeva an und besteht als Herr der Schar der Erscheinungsformen.
9.57 Durch seinen geistigen Willen setzt er dieses vortreffliche fünfspeichige Rad in Bewegung, dessen Kennzeichen Entstehung, Erhaltung, Auflösung, Erfahrung und Befreiung sind.
9.58 Man vergegenwärtige ihn sich an seiner eigenen Stätte durch seinen eigenen makellosen Bija. Seinen ganzen Leib vom Scheitel bis zu den Füßen
9.59 stelle man sich wie mit Edelsteinen mit den Bijas der Erscheinungsformen geschmückt vor. Mit diesen der Reihe nach ausgesprochenen [Bijas] und mit einem Nektarstrom wie zuvor
9.60 [verehre man ihn]; durch diese Verehrung gelangt man bald zum Zustand des höchsten Herrn. Höre mit gesammeltem Geist die Schar seiner Bijas.
9.61 Durch seine Gnade erreichen diejenigen, die ganz vom Erhabenen erfüllt sind, die höchste Vollendung. An einem reinen, ansprechenden, sorgfältig bestrichenen und blumengeschmückten Ort,
9.62 mit Sandelpulver versehen und mit gutem Räucherwerk durchduftet, zeichne man erneut das Matrka-Rad, mit folgender abweichender Anordnung,
9.63 durch dessen bloßen Anblick das Unheil in hundert Teile zerfällt: Von Osten an [zeichne man die Laute] bis zum Ende der fünften Gruppe; in der Mitte schreibe man [den Laut] am Ende der Mitte. [Die knappe Positionsanweisung ist mehrdeutig.]
9.64 Die neun Laute von ya an stehen in der Nabe, die sechzehn von a an auf den Speichen, alle von ka an auf dem Radkranz. Was im früheren Rad auf der Achse stand,
9.65 bildet in diesem den äußeren Ring. Danach verehre man nach Vorschrift das aus Klang-Brahman bestehende Rad, der Reihe nach mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben.
9.66 Zuerst entnehme man daraus das, was Ursache aller ist: den nördlich auf der Achse stehenden Laut, geschmückt mit dem ersten [Laut] vom Ende der Speichenreihe.
9.67 Wisse: Dies ist der Bija des Herrn aller, dessen Ursache selbst samenlos ist. Derselbe, mit Visarga versehen, gilt als Bija des Lotusnabeligen.
9.68 [Dann entnehme man] den zweiten der Radkranzgruppe, den sechsten Laut von den Speichen, den achten aus dem Nabenbereich und den gleich gezählten vom Radkranz,
9.69 den ersten des Radkranzes, dann den siebten der Nabe, den fünften auf den Speichen, den vierzehnten von den Speichen und den auf der Achse im Westen stehenden,
9.70 dann den elften, sechzehnten und dreizehnten des Radkranzes, den fünften aus dem Nabenbereich und den neunzehnten des Radkranzes,
9.71 den letzten desselben, den siebten und neunten, du Einsichtsvoller, den dritten der Nabe und danach den gleich gezählten des Radkranzes,
9.72 den zwölften der äußeren [Laute], den zehnten, den auf den sechzehnten folgenden, dann den ersten Laut der Nabe und den fünfzehnten des Radkranzes,
9.73 den vierten Bija der Speichen, dann den vierten der Nabe, den sechsten und vierten des Radkranzes; ebenso entnehme man den mittleren der Achse,
9.74 den dort im Osten stehenden, dann den fünften von außen, den südlichen der Achse und den achtzehnten des Radkranzes,
9.75 den zweiten aus dem Nabenbereich und danach den siebten der Speichen. Dann entnehme man den vierzehnten des Radkranzes und den sechsten der Nabe.
9.76 Alle sind zusammenfassend wie der Ursachen-[Bija] mit dem Kopfzeichen zu verbinden; sie beginnen mit dem Pranava und enden mit der Verneigung, überreich an Strahlkraft.
9.77 Die von ihnen bezeichneten Gottheiten sind der Reihe nach Padmanabha und die folgenden: Padmanabha, Dhruva, Ananta, Shaktyatman, Madhusudana,
9.78 Vidyadhideva, Kapila, Vishvarupa, Vihangama, Krodatman, Vadavavaktra, Dharma und Vagishvara,
9.79 der Gott Ekarnavashaya, Kurma, Pataladharaka, Varaha, Narasimha und Amrtaharana,
9.80 Shripati, Divyadeha, Kantatman, Amrtadharaka, Rahujit, Kalanemighna und der große Parijatahara,
9.81 Lokanatha, Shantatman, Dattatreya, der große Herr, der Erhabene Nyagrodhashayin und dann Ekashrngatanu,
9.82 der Gott Vamanadeha, der alldurchdringende Trivikrama, Nara, Narayana, Hari und Krishna,
9.83 Rama mit der flammenden Axt, der andere Rama mit dem Bogen, Vedavid, der Erhabene Kalkin und der Herr Patalashayana.
9.84 Damit ist dir die hauptsächliche Schar der Offenbarungen in Kürze erklärt. Nun wird die innerhalb der Shakti-Schar herausragende Gruppe von Shaktis genannt:
9.85 Lakshmi, Pushti, Daya, Nidra, Kshama, Kanti, Sarasvati, Dhrti, Maitri, Rati, Tushti und als zwölfte Mati.
9.86 Vernimm von mir die hauptsächlichen Schmuckstücke seines Leibes: die Krone, der strahlende Kaustubha, das durch Unsterblichkeit gekennzeichnete Shrivatsa-Zeichen
9.87 und die Waldblumengirlande; [ferner] Garuda. Höre die hauptsächlichen Waffen: Diskus, Muschelhorn, Keule, Lotus, Pflug, Stößel, Pfeil,
9.88 der Sharnga-Bogen, Schwert und Schild, Stab, die Unheil vernichtende Axt, Schlinge, Haken, Hammer und Donnerkeil zusammen mit dem Speer.
9.89 Dieser ganze Gottheitenkreis samt der Schar der Gliedermantras ruht eingeschmolzen im Leib des Gottes der Götter.
9.90 Ich werde die vortreffliche Götterschar erklären, die als Werkzeug des Weltwerdens dient und unter der Herrschaft der verschiedenen Erscheinungsgestalten steht:
9.91 Zeit, Raum, Lenker, die mit verschiedenen Gliedern ausgestattete Lehre, die Herren des Wissens sowie Shiva zusammen mit Rudra und seinen Scharen,
9.92 die Gruppe der Prajapatis, Indra samt Gefolge, die sieben ursprünglichen Weisen und die anderen, die Planeten mit Sternen und weiteren [Himmelskörpern],
9.93 die Wolken und sämtliche Nagas, die vortreffliche Schar der Apsaras, Heilpflanzen, Tiere und sämtliche Opfer samt ihren Gliedern,
9.94 Wissen und höheres Wissen, Feuer und Wind, Mond und Sonne, Wasser und Erde. So ist dir, du Makellosblickender,
9.95 die große vierundzwanzigfache Ausstattung des Weltwerdens erklärt. Das Weltwerden unmittelbar ist jedoch Pradhana, alldurchdringend und durch Unbewusstheit gekennzeichnet.
9.96 Auch dieses wird durch die Einsetzung von Mantras und Mantraherren verehrungswürdig. So [besteht] der höchste Herr in all diesen und in sämtlichen dem Werden unterworfenen Wesen,
9.97 als innerer Lenker, indem er eine ungeteilte Gestalt annimmt. Dieser Erhabene, dessen Wünsche erfüllt sind, [wirkt] entsprechend seiner eigenen Tätigkeit.
9.98 Wieder auf seine eigene Shakti gestützt, besteht er als Padmanabha: in [einem Lotus, dessen] Wurzel, Stängel, Blätter und Inneres Erde, Wasser, Feuer und Wind [entsprechen],
9.99 in diesem aus vier Prinzipien bestehenden Lotus, im einzigen Ozean des Raumes, auf dem geistigen Ananta-Lager, der Allgegenwärtige mit einem Leib göttlicher Erkenntnis,
9.100 strahlend wie tausend Sonnen, spielerisch auf dem Rücken liegend. Dann [trägt er] in seinem wie verschiedene Edelsteine strahlenden Nabellotus
9.101 aus eigener Kraft Vidya, deren Gestalt Wirkmacht ist; alle verkörperten [Attribute] von der Fahne an umgeben ihn und sind ihm ganz hingegeben.
9.102 So ist die friedvoll offenbarte Erscheinungsgestalt des allgegenwärtigen Herrn mit unendlichem Wirken: Sie gewährt Erfahrung und Befreiung.
9.103 Wie zuvor vergegenwärtige man sie sich auf der vierten Ebene im Raum des Herzlotus. Darunter, in der Mitte des Fruchtbodens, [betrachte man eine Gestalt], glänzend wie ein kostbarer Edelstein,
9.104 die zehn Himmelsrichtungen erhellend, mit verschiedenen [Schmuckformen; wörtlich: am Leib Gewachsenem] versehen, freundlich, sechzehnjährig, mit Augen wie Lotusblätter.
9.105 Man vergegenwärtige sich Dhruva, den Gott, der das Rad des Sternenkreises trägt, den Leib der Keule und die als Grundlage bezeichnete Shakti emporhaltend.
9.106 Er steht als Säule in diesem Weltenhaus, dessen Geschosse voneinander verschieden sind, in der Natur von Raum und Wind.
9.107 Auf dem Fruchtboden vergegenwärtige man sich von Osten bis Nordosten die zwölf [Gestalten] von Ananta bis Sarashayin, im Feuerbereich.
9.108 Ebenso setze man oberhalb der Staubfäden die gleiche Anzahl von Kurma bis Nyagrodhashayin ein, im Kreis der Nektargrundlage.
9.109 Dann [setze man] auf der Ebene der Blätter, auf dem Sonnenrad ruhend, die [Gestalten] von Ekashrnga bis Patalashayin [ein].
9.110 Nachdem man sie so eingesetzt hat, verehre man sie mit geistigen, aus Nektar hervorgegangenen Gaben, durch den Yoga der Meditation, richtig und wie zuvor in der Reihenfolge der Schöpfung.
9.111 Wieder verehre man sie, um die Frucht zu erlangen, in der Verbindung der Rücknahme, von Patalashayana bis hin zu Gaganashayin.
9.112 Die hier für das gemeinschaftliche Herzensopfer genannte Schar der Gottheiten verehre man erneut in einer anderen Reihenfolge nach folgendem Verfahren.
9.113 Die drei Zwölfergruppen wurden als an drei Orten befindlich erklärt. Jede von ihnen setze man gesondert ein und verehre sie der Reihe nach.
9.114 Die nach der zuvor genannten Ordnung jeweils erste Gestalt jeder Zwölfergruppe verehre man zuerst in ihrem ungeteilten Wesen im Inneren des Fruchtbodens.
9.115 Dann lasse man ebendiese in gegliederter Gestalt aus der Mitte hervorgehen und setze sie überall unterhalb des Lotus als tragende Grundlage ein.
9.116 Man verehre sie mit Arghya und weiteren Gaben bis zu den Spitzen der Lotusblätter. Die zweite [Gestalt setze man] in die Mitte des Fruchtbodens, die dritte vor ihr oberhalb der Staubfäden,
9.117 nachdem man über sie meditiert hat; dann [setze man] die Acht auf die acht Blätter. Die zwölfte [vergegenwärtige man] jeweils im Raum wie Padmanabha,
9.118 umgeben von den Gottheiten, die als Werkzeuge des Weltwerdens dienen. Die gesamte Schar der Gliedergottheiten [setze man] außerhalb des Lotus [ein].
9.119 Nach dieser Einsetzung vollziehe man die Verehrung mit göttlichen Gaben wie zuvor: im Kultbild, in der Mitte des Mandala, draußen im Feuer oder im Gewässer.
9.120 Für die im Raum befindliche [Gottheit] sollen mit ihrem eigenen Mantra stoffliche Kränze, Sandel und weitere Gaben auf dem Haupt der in der Mitte des Fruchtbodens eingesetzten Mantragestalt dargebracht werden.
9.121 Denn jenes spiegelt sich im Spiegel des Brahman-Tores. An welcher Gestalt sich der Geist eines Menschen jeweils erfreut,
9.122 sei es zur Erlangung von Erfahrung oder zur Befreiung, diese verehre er dann in der Mitte. Auf sie ausgerichtet vollziehe er die Verehrung, auch wenn sie von ihrem [gewöhnlichen] Ort versetzt ist.
9.123 Da sie verschiedene Vollendungen verleihen, erlangt man ebenso durch die Verehrung der Gliedermantras zusammen mit der Gestalt der Rücknahme das Gewünschte.
9.124 Dabei besteht folgende Besonderheit der Einsetzung; vernimm sie von mir. Zuerst wird [das Verfahren] zum Erlangen aller Vollendungen der Erdenwelt erklärt.
9.125 Wie zuvor verehre man Ekashrnga aus der letzten Zwölfergruppe. Danach setze man den Shri genannten Gliedermantra auf dem Fruchtboden ein.
9.126 Den nächsten vergegenwärtige man sich vor ihm auf den Spitzen der Staubfäden; danach der Reihe nach sechzehn [Mantras], im Inneren und an den Spitzen der Blätter.
9.127 In der Mitte, oberhalb des Mantras, meditiere man wie zuvor über Patalashayin, die höchste Wohnstatt sämtlicher Vollendungen der Unterwelt.
9.128 Begnadet durch dessen Shakti vermag der auf dem Fruchtboden befindliche Mantraherr, als Glied bezeichnet, dem bei ihm Zuflucht Suchenden alle Vollendungen zu schenken.
9.129 Ebenso vergegenwärtige man sich zur Erlangung der Vollendungen der Zwischenwelt stets Sarashayin oben und Ananta unterhalb des Lotus.
9.130 Zur Erlangung sämtlicher Vollendungen des Himmels verehre man den in sich ruhenden Nyagrodhashayana und Kurma an der Wurzel des Lotus.
9.131 Auch diese versetze man, entsprechend den verschiedenen gewünschten Vollendungen, wie den Hauptmantra, überall und stets nach dem zuvor genannten Verfahren.
9.132 Mit diesen und ähnlichen vielfältigen Gaben [verehre man] vorschriftsgemäß die herrscherliche Erscheinungsmacht, die in der dreifachen Schöpfung besteht,
9.133 in der Paushkara, Varaha und Prajapatya genannten, du Einsichtsvoller. In feiner Weise ist sie in jeder einzelnen vollständig gegenwärtig.
9.134 Indem sie körperliche Ausdehnung annimmt, besteht sie [jeweils] mit einem Drittel; nach der genannten Reihenfolge verbunden ist sie in den drei Schöpfungen,
9.135 mit ihrem Gefolge, den Werkzeugen des Weltwerdens und der Schar der Hüter der Himmelsrichtungen ausgestattet, eben diese [Schöpfung] erfüllend.
9.136 Der erste Laut des Namens, geschmückt mit dem ersten [Laut] vom Ende der Speichenreihe, ist nach dem zuvor angegebenen Verfahren mit dem Namen zu verbinden. Dies ist in dieser Ordnung zur Verehrung aller erklärt.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 9 mit dem Namen „Inneres Opfer für die Erscheinungsgottheiten“.
Kapitel 10
Zur Orientierung: Hier folgt die Verehrung der Erscheinungsgottheiten in ihrer äußeren Anordnung. Der Abschluss führt die Mantras wieder zusammen und vergegenwärtigt den Herrn im Raum des eigenen Bewusstseins.
10.1 [Narada sprach:] Ihr Brahmanen, hört nun mit gesammeltem Geist, was der höchste Herr, vom Pflugträger befragt, [erklärte].
10.2 [Sankarshana sprach:] Herr, du hast die äußere Verehrung der Erscheinungsgottheiten im Mandala, im Feuer und im Wasser nicht [ausführlich] erklärt. Lege dies deutlich dar.
10.3 [Der Erhabene sprach:] Auf einem ebenen Boden mit den zuvor genannten günstigen Merkmalen zeichne man ein einziges Mandala für die Verehrung aller,
10.4 viereckig, mit vier Toren, mit Sitz und den weiteren Bestandteilen versehen und in der Mitte mit einem sechsunddreißigblättrigen Lotus geschmückt,
10.5 mit Baldachin und Fahnen umgeben, mit Glöckchen und Spiegeln versehen, geschmückt mit Torbögen, Fächern, Schirmen, Yakschweifen und Kränzen.
10.6 Nachdem man alles Genannte und nicht eigens Genannte entsprechend den früheren Merkmalen vorbereitet hat, setze man den herrscherlichen Bija in die Hände und in den Leib ein.
10.7 Man nehme die feste innere Gewissheit der Wesenseinheit [mit ihm] an, forme die Vaibhavi-Mudra und berühre damit sämtliche Körperglieder.
10.8 Die ganze geordnete Schar der Mantras spreche man der Reihe nach im Geist. So vergegenwärtige man sich zunächst den eigenen Leib als aus sämtlichen Gottheiten bestehend.
10.9 Dann betrachte man das im inneren Rad befindliche Mandala als Träger der Gottheiten, einem glückverheißenden Sitz gleich, und verehre es mit dem Radmantra.
10.10 Danach vollziehe man darin im Geist die jeweils angemessene Einsetzung aller Mantras, begleitet vom Darbringen von Blumen.
10.11 Der Erhabene in seiner Gestalt als Dhruva [steht] in der Mitte des Fruchtbodens. Vom östlichen Blatt an setze man darauf der Reihe nach [die Gestalten] ein, in den Kreis der Himmelsrichtungen blickend,
10.12 von Ananta bis Patalashayin, du Einsichtsvoller. Außerhalb des Lotus setze man von Nordosten bis zum Ort des Feuers [Südosten]
10.13 die vier zuvor genannten Mantras von der Krone an ein. An den vier Richtungen des Sitzes, Norden, Süden, Westen und Osten,
10.14 setze man der Reihe nach zwei Paare von Lakshmi an ein. Ebendort setze man vom nordöstlichen bis zum nordwestlichen Winkel
10.15 je zwei von Kshama bis Mati ein. Außerhalb, nahe beim Sitz, steht vorn der König der Vögel.
10.16 Die Vierheit von Diskus bis Lotus ordne man außerhalb des Sitzes von Shankaras Ort [Nordosten] bis zum Winkel des Windes [Nordwesten] an.
10.17 Ebenso [setze man] die Acht von Pflug bis Axt, jeweils zu zweit, in Norden, Süden, Westen und Osten ein.
10.18 Die Vierheit von Schlinge bis Donnerkeil setze man in Süden, Norden, Westen und Osten; den Speer [ordne man] den vier Winkeln [zu].
10.19 Von dem Feld nahe dem nordöstlichen Winkel bis zum zweiten Feld, das ihm [am Ende des Umlaufs] benachbart ist, rechtsherum fortschreitend,
10.20 nehme man der Reihe nach die Einsetzung der sechzehn von Zeit bis Opfer vor, du Einsichtsvoller, jeweils an ihrem Ort.
10.21 Vidya und Avidya setze man der Reihe nach im nordöstlichen und südwestlichen Winkel ein; Feuer und Wind [stehen] an ihren eigenen Orten.
10.22 Mond und Sonne setze man in die nördliche und südliche Toröffnung, Wasser in das westliche Tor und Erde in das östliche.
10.23 Außerhalb des Mandala verehre man an den vier Winkeln das Unmanifestierte unter dem Namen Bhava; denn kein anderes [Prinzip] gilt als das Weltwerden selbst.
10.24 Dann [vergegenwärtige man] die Zehnheit der durch eigenen Willen [wirkenden] Selbstprinzipien, die zur Vollendung gelangt sind, dem Erhabenen an Macht gleichen und Allwissenheit und weitere Eigenschaften besitzen,
10.25 vom naturbedingten Leiden frei und vom Herrn dazu eingesetzt, über das Weltwerden hinüberzuführen. Man setze sie außerhalb des Mandala ein.
10.26 Upendra [steht] im Osten, Duratikrama im Süden, Mahahrada im Westen und Vasuretas im Norden.
10.27 Den Tejodhara genannten setze man zwischen Osten und Süden ein, Mahakarman im Südwesten und Agrahya zwischen Westen und Norden.
10.28 Im Nordosten [steht] Vardhamana, im Himmelsraum Sakshin; den Adharanilaya genannten vergegenwärtige man sich unterhalb von allem.
10.29 Außerhalb von ihnen setze man mit seinem eigenen Mantra der Reihe der Richtungen nach den König der Waffen ein, der mit seiner eigenen Strahlenschar alles erhellt.
10.30 Nach dieser Einsetzung vollziehe man die Verehrung mit Arghya, Kränzen, Sandel und weiteren Gaben, verbunden mit Mantra und Mudra und durch Betrachtung und andere [Handlungen] gereinigt.
10.31 Dann verehre man den ursprünglichen Gott über allen der Reihe nach genannten [Gestalten], wie zuvor an seiner eigenen Stätte befindlich.
10.32 In der wie zuvor gut vorbereiteten Feuergrube bereite man das Feuer rituell vor und vollziehe darin die Einsetzung aller Mantras wie beim Opfer.
10.33 Zunächst sättige man sie der Reihe nach mit sieben Opferhölzern. Alles durch Mantra Geheiligte [bringe man] jeweils einmal bis zum Ende des Feueropfers [dar].
10.34 Die im Feuer anwesenden Mantras wenden sich dem Übenden zu. Nachdem man sie so gesättigt hat, vollziehe man darauf in Tausender- oder Hunderterzahl
10.35 für jeden einzelnen das Feueropfer mit Sesam und Ghee. Wenn die Sättigung aller vollendet ist, bringe man danach das Vollopfer dar.
10.36 Man begebe sich wieder in das Mandala und vollziehe erneut der Reihe nach die Verehrung aller, allein mit Blumen und Räucherwerk.
10.37 Mit Meditation verbunden wiederhole man sämtliche Mantras der Reihe nach einmal, viermal oder achtmal,
10.38 mit einer sehr glückverheißenden Gebetskette oder an den Gelenken der eigenen Finger. Dann fülle man die hohlen Hände mit Arghya, Blumen und Duftstoffen,
10.39 vergegenwärtige und spreche den alle Gottheiten umfassenden Mantra und bringe dies dar. Nachdem man überall nach dieser Reihenfolge alles mit Hingabe verehrt hat,
10.40 zeige man mit dem Pranava die eine Vaibhavi-Mudra sämtlicher Mantras, tausend Sonnen gleichend und alle Vollendungen schenkend.
10.41 Man lege die beiden Handflächen aneinander und neige die Schar der fingerartigen Ranken nach vorn; zusammen mit den beiden Daumen lasse man dazwischen einen freien Raum.
10.42 Die beiden Handgelenke halte man eng zusammen und ganz unbeweglich. Das hohle Händepaar halte man nach eigener Vorstellung beweglich.
10.43 Die Unterarme und Ellbogen lege man zwischen die Oberschenkel. Sorgfältig geschützt forme man diese Mudra.
10.44 [Dies geschehe] stets zur Erlangung aller Vollendungen, du Makellosblickender: in einer heiligen Wasserstelle, im eigenen Herzlotus, im Bild, auf dem Altar oder auf dem Boden,
10.45 oder im Inneren rauchlosen Feuers. An diesen vier [Arten von Orten] vollziehe man stets die Verehrung der Mantras, zur Vollendung ebenso wie zur Befreiung.
10.46 In der heiligen Wasserstelle [verehre man] mit gefüllten hohlen Händen voll Wasser, im Herzlotus mit Gaben aus dem Nektar der Vorstellung, äußerlich mit stofflichen Gaben von Arghya an,
10.47 im Feuer mit sieben Opferhölzern zuerst und mit Sesam samt Ghee. Hat man an jedem Ort der Reihe nach angemessen verehrt,
10.48 und die Einsetzung oder Zusammenführung vollzogen, versiegele man das richtig Vollbrachte mit der Mudra, die der Gestalt des Mantras entspricht.
10.49 Dadurch kommt es bei den Entsagenden nicht zu einem Hervorbringen [weiterer Bindung] um einer Frucht willen; und die in der Überlieferung bestimmte Zeit bis zum Reifen der Frucht
10.50 kann bei denen, die eine Frucht erstreben, durch Siddhas und andere nicht entzogen werden. Das zu den jeweiligen Zeiten vorgeschriebene Formen der Mudras
10.51 dient über den genannten Zweck hinaus der Beseitigung von Hindernissen. Den rein Opfernden schenken [die Mudras] Freude hinsichtlich der Prinzipien von Handlung und Selbst. [Die Wortverbindung am Versende ist deutungsoffen.]
10.52 Sie vertreibt die Fehler, die sich außen und innen bewegen. Deshalb heißt sie Mudra, auch weil sie das Vollbrachte versiegelt.
10.53 Deshalb forme man sie zunächst natürlich, körperlich gebunden oder geistig und vergegenwärtige sich stets mit dem jeweils eigenen Mantra dessen Durchdringung.
10.54 Obwohl die Schar der Zweige [hier: Finger] von Bewusstsein durchdrungen ist, ist auch dabei der Mantra der leitende Herr; er bringt die betreffende Wirkung hervor.
10.55 Ist dies vollzogen, führe man darauf die Mantras aus dem Mandala wie zuvor in dem Einen zusammen, der im Raum besteht.
10.56 Man vergegenwärtige sich ihn als höchsten Atman und betrachte den Gott als ruhend im Raum des eigenen Bewusstseins, im Herzen, in seinem eigenen Wesen.
10.57 Nach der Verehrung Vishvaksenas ist vorgeschrieben, das nach der Gabe an den Zweimalgeborenen Übriggebliebene, Blumen, Blätter und anderes, ins Wasser zu geben.
10.58 Was zuvor den Mantragestalten als Speisegabe dargebracht wurde, soll man nicht lange vor ihnen stehen lassen, ausgenommen Blumen und Früchte.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 10 mit dem Namen „Verehrung der Erscheinungsgottheiten“.
Kapitel 11
Zur Orientierung: Das Kapitel beschreibt Mandala und Feuergruben. Eine Hilfe zum Verständnis bieten 11.32–40: Die heilige Anordnung wird auf Elemente, Sinne, Geist und Erkenntniskraft bezogen und dadurch als umfassendes Bild der Wirklichkeit gelesen.
11.1 [Narada sprach:] Ihr Herren der Weisen, nachdem der Waldkranzträger dies aus Achyutas Mund gehört hatte, fragte er erneut. Hört jetzt seine Frage.
11.2 [Sankarshana sprach:] Erhabener, ich möchte die Merkmale des Mandala und der Meditation richtig verstehen. Erkläre dies zum Wohl derer, die sich vor dem Weltwerden fürchten.
11.3 [Der Erhabene sprach:] Zuerst bestimme man mithilfe eines Stabes und einer Schnur Osten und Westen. Zwischen diesen beiden Richtungen lege man zunächst vier Schnüre aus.
11.4 Man teile [die Strecke] in zwei gleiche Abschnitte und markiere deutlich die Mitte. Mit der so gewonnenen halben Länge der ostwestlich liegenden Schnur
11.5 erzeuge man im Süden und Norden zwei Schnittpunkte; eine der Ost-West-Schnur gleiche Schnur lege man darüber.
11.6 Wieder trage man in den Richtungen das halbe Maß ab und bestimme die vier Ecken. Mit den vier Schnittpunkten führe man durch Ausspannen die Einteilung aus.
11.7 Vier gleich lange Schnüre [dienen] zur Bestimmung der Ecken des Quadrats. Man teile es in den vier Richtungen in achtzehn gleiche Felder.
11.8 Dort lege man die mit Kreidefarbe gefärbte Schnurschar aus. In der Mitte bilde man auf drei Feldreihen der Reihe nach die Lotusfläche.
11.9 Außerhalb davon [bilde man] mit einer Feldreihe den Sitz mit seinen acht Richtungen. Seine vier Hauptrichtungen lege man aus je vier Feldern an,
11.10 die vier Zwischenrichtungen aus je drei Feldern der Reihe, rechtsherum um den Sitz. Außen trage man von den vier Richtungen her jeweils vier [Felder] im Rechtsumlauf ab.
11.11 Bei jeder dieser Vierergruppen lösche man außen jeweils zwei und dann wiederum außen vier [Linien beziehungsweise Felder], um die Tore herzustellen.
11.12 Nochmals sind der Reihe nach in den Richtungen viermal je ein Feld, innen wie außen, sorgfältig freizumachen.
11.13 Wieder wische man von den Feldern aus innen jeweils sechs aus, um die vollständige Zierform zu bilden. Dort [zeichne man] acht rote Lotusse,
11.14 entsprechend den Richtungen angeordnet, zur Verehrung der Himmelsbewohner. Seitlich von den äußeren Feldern lösche man jeweils drei.
11.15 Das innerhalb dieser drei liegende Feld führe man zu einer Einheit zusammen. Wisse, dies ist die Nebenzierform; man schmücke sie mit einem blauen Lotus.
11.16 Zunächst lösche man von jeder Ecke fünf [Felder] im Umlaufgang. Aus den verbleibenden bilde man die Ecke; außerhalb davon, mit einem Zwischenraum,
11.17 lege man drei Schnüre aus. In der Mitte zeichne man dann einen Lotus mit sechsunddreißig Blättern. Seine Merkmale werden nun erklärt.
11.18 Man lasse zunächst nahe der Sitzfläche ein Viertelfeld frei und ziehe vom Brahma-Ort [der Mitte] aus mit einer Schnur einen Kreis.
11.19 Jeden Zwischenraum zwischen den vier Richtungsschnüren teile man bis zur Kreisgrenze in gleiche Abschnitte entsprechend der Zahl der Blätter.
11.20 Dort lege man hundertvierundvierzig Schnüre aus. Von der im östlichen Feld liegenden Schnur aus bilde man das Lotusblatt
11.21 mit vier Abschnitten. Verstehe, wie dies geschieht: Die beiden Schnüre links und rechts unmittelbar neben dem Zwischenraum
11.22 teile man gleichmäßig und markiere den Punkt innerhalb der Blattspitze. Von diesem Ort aus und mit einer innerhalb dieser Markierung liegenden Schnur
11.23 bilde man zwei Halbmonde mit gleicher Schnurlänge. Wieder begrenze man im Inneren eine Schnur durch jene beiden Schnüre
11.24 und führe die Blattspitze von dort nach außen in die Nähe der Hornspitzen. Auf diese Weise entsteht die zu zeichnende Spitze des Blattes.
11.25 Im Viertel des Abstands zwischen Blattspitze und Brahma-Ort ziehe man den Kreis des Fruchtbodens; mit dem Maß von zwei Anteilen [ziehe man] den Staubfadenbereich.
11.26 Danach ziehe man von der Mitte aus im Bereich der Blattspitzen einen Kreis für den freien Raum. Ist dies getan, fülle man [das Mandala] mit reinen, sehr leuchtenden Farbstoffen.
11.27 Den Fruchtboden stelle man sich als gelb, ausgebreitet, mit erhöhtem Scheitel und Samen versehen vor. Alle Blätter seien strahlend weiß und von Linien durchzogen.
11.28 Auf jedem Blatt zeichne man drei Staubfäden mit rötlichem Glanz. Die Blattzwischenräume seien schwarz, das Äußere des Kreises flammend leuchtend.
11.29 Die Sitzecken seien weiß, seine vier Hauptrichtungen rot; der Umlaufgang habe den Glanz eines Lapislazuli und sei mit Blättergirlanden und Ähnlichem geschmückt.
11.30 Mit Ausnahme des westlichen Abschnitts seien alle Tore wie Lotusblätter [gefärbt]. Alle an den Toren liegenden Zierformen seien schwarz.
11.31 Die Nebenzierformen seien halb so groß und im Inneren entsprechend gestaltet. Die Ecken seien staubfadenfarben und mit weißen Muschelhörnern versehen.
11.32 Außen fertige man die Linienreihe der Reihe nach in Rot, Goldgelb und weiteren Farben. Dann betrachte man [das Mandala] als Gesamtheit des Selbst, einem Leib gleich.
11.33 Wisse: Die weißen, gelben und weiteren Farbpulver sind die Elemente; die Nebenzierformen sind die feinen Wahrnehmungsgegenstände, die Zierformen die inneren Werkzeuge.
11.34 Ebenso sind alle Ecken samt den Toren die Sinnesvermögen. Die äußere Umfassung ist die Dreiheit von Sattva und den übrigen [Gunas].
11.35 Der weit ausgebreitete Umlaufgang ist der Geist; der Sitz wird als Ichbewusstsein bezeichnet. Der Lotus ist die Erkenntniskraft; sein Lenker ist der bewusstseinsartige Purusha in Bija-Gestalt.
11.36 Hier besteht auch der gestaltlose Herr, dessen Wesen Glückseligkeit ist. Allein durch seinen Anblick wird das innere Wesen dauerhaft klar und friedvoll.
11.37 Bei Gebundenen wie Ungebundenen, wenn der Leib dahingefallen ist, bei denen, denen Befreiung zuteilwird, und bei denen, denen hier nur noch eine Geburt verbleibt,
11.38 besteht der Gott außen und innen, dem Erkanntwerden entzogen, [auch] bei den Handelnden. Wie sonst sollte man schon durch seinen bloßen Anblick Freude erfahren? [Der Zusammenhang von 11.37–38 ist sprachlich unsicher.]
11.39 Jedes durch sein eigenes Merkmal bestimmte Prinzip, das seine Existenz ebenso bezeugt wie die innere Erfahrung, ist überall als wirklich erwiesen.
11.40 So erfasse man das zuvor angefertigte Mandala als Wirklichkeit. Es heißt „Welt des Lotusnabeligen“ und bewirkt das Ende allen Leidens.
11.41 Darin setze man dann der Reihe nach jede einzelne Gestalt des höchsten Herrn ein, nachdem man mit dem zuvor angegebenen Bija über sie meditiert hat.
11.42 Höre nun, du Einsichtsvoller, wie auf dem so eingeteilten viereckigen Feld die zuvor genannten Opferstellen herzustellen sind.
11.43 Der fünfte im Osten liegende Knotenpunkt, vom Brahma-Punkt an gezählt, [dient als Ausgangspunkt]. Mit einer dort befestigten Schnur zeichne man ein längliches Zeichen,
11.44 halbmondförmig innerhalb von zwei Feldern. Südlich und nördlich darunter [zeichne man] ebenso zwei gleiche
11.45 quer liegende Zeichen, sodass zwölf Felder aus zwei Reihen zu einer Einheit werden.
11.46 Der vierte Knotenpunkt, vom Brahma-Punkt wie zuvor gezählt, und die beiden seitlich von ihm liegenden Knotenpunkte, jeweils durch einen Knotenpunkt getrennt,
11.47 lassen dies mit der an ihnen befestigten Schnur entstehen. Wieder [nehme man] den zweiten Knotenpunkt, der sich von der Mitte aus nach oben erstreckt,
11.48 und den vierten, der von ihm auf beiden Seiten durch drei Zwischenräume getrennt ist. Mit der dort befestigten Schnur zeichne man wie zuvor einen Halbkreis.
11.49 Man befestige dann am Brahma-Punkt und am sechsten westlich liegenden Knotenpunkt die Schnur und spanne sie aus
11.50 bis in die Nähe der Hornspitze am Grund des Halbkreises. Sind die beiden Schnüre so gelegt, erhält die Opferstelle die Gestalt eines Muschelhorns.
11.51 Außen ist ein dem Feldmaß entsprechender Rand mit Markierungen anzulegen. Verstehe, wie dies mit Schnüren geschieht, die an den zuvor genannten Knotenpunkten liegen.
11.52 Mit einer zwei Felder langen Schnur zeichne man im Osten innerhalb der vier [Punkte] ein Zeichen gleich der Sichel des jungen Mondes.
11.53 Von Nordosten und Südosten aus zeichne man zwei gleiche Zeichen im Maß eines Viertelkreises; dann, um ein Feld erweitert,
11.54 zwei weitere entsprechend gleiche. Nachdem man dies mit den Zeichen markiert hat, lege man von der südlichen und nördlichen Seite zwei Schnüre aus,
11.55 befestigt am siebten Knotenpunkt nach der zuvor genannten Ordnung. Westlich der Jiva-Schnur, an beiden Seiten gelegen,
11.56 markiere man jeweils zwei Felder für die Yoni [Ausflussrinne] in Halbkreisform. Man lege zwei Schnüre an deren Hornspitzen an und spanne sie aus
11.57 bis zum Bereich des ausgehobenen Bodens. Von jenem Feld aus entsteht [eine Form] wie ein Banyanblatt. Eine solche Yoni ist für alle Feuergruben glückverheißend.
11.58 Im Inneren der Yoni zeichne man wieder mit einer Schnur von einem halben Feldmaß zwei Halbkreise, ebenso mit zwei Schnüren verbunden.
11.59 Im Inneren der Grube lasse man ein Viertel des Rasters frei. Den Rest hebe man bis zur Tiefe eines halben Rasterfelds aus oder entsprechend dem zuvor genannten Maß.
11.60 Die Yoni sei um ein Viertel länger und nach hinten erhöht; vorn gleiche sie einer Elefantenlippe und berühre den Rand.
11.61 Man lasse von der Spitze der Yoni aus ein Viertel des vorderen Feldes frei und lege zwei weitere Schnüre an, verbunden mit den vorherigen Schnüren.
11.62 Mit ihnen führe man nach entsprechendem Verhältnis vorn eine Verengung aus. Außen [bilde man] aus drei Feldreihen drei Einfassungen,
11.63 viereckig gestaltet, und darüber die Muschelhornform. Die Höhe der Einfassungen bis zur Muschelhornform entspreche ihrer jeweiligen Breite.
11.64 Die vier Ecken, die zwischen den Einfassungen und dem Muschelhorn liegen, versehe man mit Radzeichen. Deren Merkmale werden nun erklärt.
11.65 Mit einer am Brahma-Punkt befestigten Schnur von vier Feldmaßen ziehe man zuerst in der Mitte des Feldes den Kreis für die Grube, du Einsichtsvoller.
11.66 Außen [bilde man] eine Nabe von einem Feldmaß, außerhalb davon einen zwei Felder breiten Speichenbereich und außen um diesen einen Radkranz von einem Feldmaß.
11.67 Außerhalb davon [errichte man] mit einem Feldmaß eine viereckige Einfassung. Dann ziehe man erneut von der Mitte aus einen Kreis im Speichenbereich.
11.68 Zuerst lege man acht Schnüre in den Haupt- und Zwischenrichtungen aus. Danach füge man acht weitere innerhalb ihrer [Zwischenräume] hinzu.
11.69 Dann sind daraus Speichen zu bilden, du Makellosblickender. Unter Begrenzung durch den inneren Kreis zeichne man auf beiden Seiten jeder Schnur
11.70 mit einer Schnur die Markierung bis zu den Kreisgrenzen von Nabe und Radkranz. Innerhalb des Radkranzkreises [betrage das Maß] ein halbes Feld.
11.71 Zwischen jeweils zwei Speichen bilde man einen Radkranzabschnitt. Die Nabe sei entsprechend ihrer Breite erhöht, die Speichen einem Schildkrötenrücken gleich.
11.72 Den Radkranz gestalte man spiegelglatt, an seinem Ende leicht vertieft. Alles Übrige wurde zuvor erklärt. Höre nun die Lotusform.
11.73 Außerhalb der Nabe ziehe man einen Halb-Feld-Kreis, um die Staubfäden zu bilden; einen weiteren halben [Feldabstand] ziehe man außen um den Speichenbereich.
11.74 Auf diese Weise lasse man den Radkranzkreis entfallen. Dann bilde man entlang der Speichenschnüre die acht Lotusblätter.
11.75 Mit der am Staubfadenkreis begrenzten Schnur [zeichne man] eine Halbmondform; mit zwei an deren Hornspitzen liegenden, außerhalb des Umfangs geführten
11.76 Schnüren bilde man die Blattspitze vom Brahma-Kreisbereich aus. Bei den Staubfäden, die bis zur Wurzel dicht aneinanderstehen, du Einsichtsvoller,
11.77 und so hoch wie der Fruchtboden sind, mache man die Gliederung deutlich sichtbar. An den vier Ecken der Muschelhornform vollziehe man das Übrige wie zuvor.
11.78 Die Yoni [fertige man] mit einem Feldmaß, die Einfassungen mit vier; die Grube sei wie zuvor. Bei der runden [Grube] sind jedoch die Einfassungen rund, bei der viereckigen von entsprechender Form. So sind die fünf Feuergruben erklärt.
11.79 Unter Berücksichtigung der Dauer, der Zahl der Opfergüsse und der Menge der Opferstoffe fertige man sie so in Größen von einer bis zu acht Ellen an.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 11 mit dem Namen „Vorschrift der Opfergruben“.
Kapitel 12
Zur Orientierung: Die Meditationen erschließen zahlreiche Erscheinungsformen des Herrn. Immer wieder wird ihre geistige Bedeutung sichtbar: Das innere Opfer, der Karmabaum und die Kraft der Unterscheidung verbinden die Gottesbilder mit dem Weg der Erkenntnis.
12.1 [Narada sprach:] Ihr Führer der Weisen, nachdem der Stößelträger dies gehört hatte, faltete er die Hände zur hohlen Schale und befragte den Herrn der Welten.
12.2 [Sankarshana sprach:] Du Freude Lakshmis, von dir möchte ich die Merkmale der Meditation über sämtliche Mantras in ihrer jeweiligen Reihenfolge hören.
12.3 [Der Erhabene sprach:] Für die drei hauptsächlichen [Gestalten] bis Dhruva wurde dies zuvor erklärt. Vernimm jetzt [die Meditation] über die übrigen, von Shesha an,
12.4 bis Patalanilaya, entsprechend ihrer Stellung. Der eine Weltenherr [entfaltet sich] durch Shaktis, beginnend mit seiner eigenen Wesenskraft,
12.5 als der Unendliche in Vielheit, aus dem Wunsch, seine Verehrer zu begnaden. Höre die Gestalt, in der dieser Herr aller sich vergegenwärtigt.
12.6 [Ananta gleicht] dem Schneegebirge, sein Antlitz dem Vollmond; er besitzt eine Schar von Schlangenhauben, die durch ihre eigenen Edelsteine sichtbar erstrahlen.
12.7 Mit den beiden rechten Händen trägt er Pflug und Diskus, mit den beiden linken Muschelhorn und Stößel.
12.8 Alle Shaktis sind stets bei ihm gegenwärtig; er ist allwissend und unwandelbar. Er erfüllt, was im Geist der nach innen gewandten Handelnden [erstrebt wird].
12.9 Dann betrachte man Shaktisha, dessen Augen weißen Lotusblüten gleichen, der nach seinem Willen Gestalt annimmt, freundlich und mit lächelndem Antlitz.
12.10 Um die Früchte [der Verehrung] hervorzubringen, drückt er aus Mitgefühl mit seinen Verehrern mit seinen beiden Füßen die Erde nieder; [er hält] die beiden Hände [entsprechend]. [Der Satzanschluss ist unklar.]
12.11 Seine Farbe entspricht dem jeweiligen Weltalter; er hat vier Gesichter und vier Arme. Seine Hände halten verkörperten Diskus und Keule und sind mit unverkörpertem Muschelhorn und Lotus gekennzeichnet.
12.12 Mit dem mondhellen Lotus bringt er die innere Glut zur Ruhe. Für die Menschen reinen Inneren offenbart er das aus verschiedenen Mantras bestehende Wissen,
12.13 richtig und vollständig durch das Muschelhorn, den Herrn der Rede, dessen Gestalt Klang ist. Mit dem Paar von Keule und Diskus, das auf seinen Befehl wartet,
12.14 vernichtet er rasch, sobald er es entsendet, [die Macht] derer, die Gute quälen. Mit dem Narasimha-Gesicht beseitigt er die Furcht vor dem Werden.
12.15 Mit dem nektarartigen Ebergesicht nährt er alle Wesen. Mit dem westlich befindlichen Kapila-Gesicht bewirkt er die Rücknahme.
12.16 Bei denen, die ganz Hingabe und Vertrauen sind, [erscheint er] stets schon durch bloßes Gedenken: im Herzen, im Raum, auf der Erde, im Feuer und im Wasser.
12.17 Für die vier [Stände], beginnend mit den Brahmanen, offenbart er sich selbst aus Mitgefühl vierfach in der Gestalt der Vierheit,
12.18 mit einem ihm gleichen Leib, durch Muschelhorn und Lotus gekennzeichnet, mit verkörpertem Pflug und weiteren [Attributen], jedoch ohne die [zusätzlichen] Gesichter.
12.19 Seine Farbe entspricht dem jeweiligen Stand, gleich oder verschieden, wechselseitig aufeinander bezogen, wie zuvor bestimmt und nicht anders.
12.20 Madhusudana vergegenwärtige man sich wie das Feuer und die Sonne der Weltauflösung, achtarmig, breitschultrig, seine Hände durch Agni und Soma gekennzeichnet.
12.21 Er trägt Muschelhorn und Diskus, ebenso Pfeil und Bogen. Um durch verkörpertes Rajas und Tamas Hervortreten und Zurücktreten [zu bewirken],
12.22 betrachte man ein Händepaar des Herrn an den Ohren. [Danach meditiere man über] den erhabenen Vidyadhideva mit vier Gesichtern und vier Armen,
12.23 mit langem Bart, Haarflechten, Stab, Wassergefäß und Gebetskette, strahlend wie ein geöffneter roter Lotus, eine Hand mit weißem Lotus gekennzeichnet.
12.24 Man vergegenwärtige ihn sich, wie er aus seinen Mündern die Veden von Rigveda an hervorbringt. [Dann betrachte man eine Gestalt] von der Farbe rauchloser Glut, mit Muschelhorn, Lotus und Gebetskette,
12.25 mit der Herrlichkeit eines geöffneten roten Lotus, den verbindenden Faden des Selbst der Gottheiten und weiteren [Wesen]. Über diesen Kapila, Schatzhaus der Strahlkräfte, meditiere man mit der Furchtlosigkeit gewährenden Hand.
12.26 Der Gott, der innen als Herr aller und als Zeuge besteht, trägt wie ein Kristall die aus seiner eigenen Shakti hervorgegangenen Erscheinungen.
12.27 Damit die von Unwissenheit umgebenen Verehrer die wahre Stätte erreichen, [betrachte man] diesen anfangslosen Weltenherrn äußerlich in einer sehr groben Gestalt,
12.28 zwischen Himmel und Erde stehend, als Vishvarupa: mit vielen Gesichtern, Füßen und Händen, mit vielen Makara-Zeichen geschmückt.
12.29 Obwohl er viele Gesichter hat und mit vielen Armen geschmückt ist, besitzt er [in dieser Darstellung] dreiunddreißig verschiedene Gesichter
12.30 und vierundvierzig göttliche große Arme. Brahma, Rudra, Indra, Daksha, Sonne, Mond, die Siddhas und die heilige Offenbarung:
12.31 diese stehen als obere Gesichter über seinem menschlichen Gesicht. Mit den Gesichtern von Pishachas, Feuer, Wind, Bergen, Inseln, Gandharvas und Wasser,
12.32 oberhalb angeordnet, betrachte man das südliche Gesicht des Herrn. Mit Gesichtern, hervorgegangen aus Unterwelten, Richtungen, großen Wolken, Welten, Tierkreiszeichen und Planeten,
12.33 zusammen mit den Sternen, meditiere man über das westliche Gesicht. Mit den Gesichtern von Yakshas, Tod, Wasser, Nagas und weiteren [Wesen], Vasus, Mondhäusern und Rinderscharen,
12.34 oberhalb des Ebergesichts angeordnet, betrachte man das südliche [so die Vorlage; die Richtungsangabe ist fraglich]. [Er trägt] die große Zehnheit der Waffen der Viergestalt, von Lotus an,
12.35 die vier emporgehaltenen goldenen und weiteren Kennzeichen, die acht Waffen der Weltenhüter, ein Buch und eine Gebetskette,
12.36 einen Schöpflöffel, ein goldenes Wassergefäß, die Furchtlosigkeits- und die Wunschgewährungsgebärde, Kusha-Gras, Antilopenfell, einen Schirm und einen schönen weißen Yakschweif,
12.37 die beiden Opferlöffel, zwei Krüge, einen Altar samt Feuer, die vollen Mond- und Sonnenscheiben, den Schlangenkönig, einen Edelsteinspiegel,
12.38 einen Blumenkranz, einen göttlichen Fächer und eine Ranke mit Blättern der Welt. Diese vergegenwärtige man sich in seinen Armen, in entsprechenden Stellungen,
12.39 genau in der angegebenen Reihenfolge, ohne Vertauschung. [Man betrachte ihn, wie er] mit verschiedenartigen, aus seinem Leib hervorgehenden Strahlen diese Welt
12.40 erhellt, den Weltenherrn im Herzlotus und an den anderen [Orten]. Danach vergegenwärtige man sich das Selbst in Hamsa-Gestalt, das das Erkenntnisopfer empfängt,
12.41 mit dem sanften Glanz von Jasmin und Mond, goldenem Schnabel und großem Leib: den höchsten Herrn mit Rajas und Tamas als Füßen und reinem Sattva als Körper.
12.42 Man meditiere über ihn mit Dharma und Adharma als Augen, geschmückt mit dem rechten und linken Flügelpaar, dessen Wesen Feuer und Soma ist.
12.43 Äußerlich meditiere man über ebendiesen im Wasser, dem Schneegebirge gleichend, und verehre Achyuta in Hamsa-Gestalt nach Vorschrift.
12.44 Das eine äußere, aus Stoffen bestehende Opfer besitzt allgemein eine gemeinsame Form. Richtig vollzogen führt es die danach Strebenden zunächst zum Himmel.
12.45 Das eine große Opfer auf dem inneren Altar ist dagegen vierfach: Es besteht stets aus Askese, Verehrung, Japa und Meditation.
12.46 Durch seine Vollendung bewirkt es für die Opfernden Befreiung. Über diesen Opfer-Purusha, Brahman, Vasudeva, den ungeborenen Hari,
12.47 meditiere man in Ebergestalt, glänzend wie ein Berg aus schwarzer Augensalbe, seine Füße durch die Opferglieder gekennzeichnet, die großen Vyahrtis als Hauer tragend.
12.48 Sein Leib ist Bhur, Bhuvah und Svah; sein Geist ist einzig Klang-Brahman. Den bei ihm Zuflucht Suchenden entfernt er unverzüglich den Schlamm der Unwissenheit
12.49 mit der vedischen, unvergänglichen und makellosen Spitze seiner Schnauze, um das Weltwerden der durch Gewohnheitsprägungen durchdrungenen Lebewesen zu stillen.
12.50 Der Erhabene von großer Herrlichkeit, dessen Leib die sechs Eigenschaften vollständig besitzt, nimmt aus seinem eigenen, überaus friedvollen Brahman-Wesen eine Handvoll [Nektar]
12.51 und besprengt damit durch seinen eigenen Glanz die von Fehlern Verbrannten. Bei der äußeren Verehrung [betrachte man] diesen Ungeborenen in grober Gestalt:
12.52 Wie einen vom Wind angefachten Berg rauchloser Glut meditiere man über den überaus Leuchtenden, Pferdegesichtigen, Makellosen,
12.53 mit zum Brahman-Anjali gefalteten Händen, im Wasser befindlich, mit Augen wie flüssiges Gold, mit der Spitze seiner Schnauze den Wasserbrennstoff der drei Welten aufnehmend,
12.54 ihn vollständig zu Asche machend und aus dem Mund ausblasend. [Nun zum] allgemeinen Dharma, makellos, ohne Anfang und Ende, alldurchdringend,
12.55 der selbst für Erwachte ohne eine von seiner Gnade erfüllte Einsicht schwer zu erlangen ist. Höre seine gröbere, höchste Gestalt, um ihn zu erreichen.
12.56 Dem Schneegebirge gleichend, mit freundlichem Gesicht und vier Armen, trägt er Kama und Artha unter dem Zeichen von Muschelhorn und Lotus.
12.57 Durch seinen Willen gewährt er diese beiden denen, die auf dem Weg der Guten stehen. So vergegenwärtige man sich Dharma mit weißer Gebetskette und wunschgewährender Hand.
12.58 Ihm, dessen Gestalt Bewusstsein und dessen Glanz makellos ist, liegt die ganze unvergängliche Wirklichkeit der Sprache als Shakti im eigenen Wesen inne.
12.59 Dann meditiere man über den allgegenwärtigen Vagishvara mit dem edlen Pferdegesicht, dem Feuer eines Sonnensteins gleichend, mit vielen Armen geschmückt.
12.60 Lotus, Gebetskette, einen mit den drei Opferfeuern versehenen Altar, die beiden Opferlöffel mit fließendem Ghee, einen Sitz samt Soma,
12.61 Kusha-Gras, Antilopenfell und Gürtel: diese [betrachte man] in den sechs rechten [Händen]. In seinen linken Händen vergegenwärtige man sich Buch und Muschelhorn,
12.62 Stab, Wassergefäß und Schöpflöffel, diese drei in einer Hand; in der fünften [Hand etwas], gefüllt mit angebauten und wilden Samen für die Opferspeise,
12.63 [sowie] mit Opferlöffel, Wurzeln, Früchten, Blättern, Opferstoffen samt Opferlohn. Eine Camasa-Schale, versehen mit den Geräten aller Lebensstände,
12.64 ist in seinem sechsten Arm zu betrachten, samt den verkörperten Veden von Rigveda an, den Vedangas, Nebenveden, Sakramenten und Opfern.
12.65 Wenn die umgewandelte Erdgrundlage nicht mehr besteht, [verweilt er] im Ozean der Gunas, nachdem er die Vierheit vom Geist an bis zur Prakrti mit seiner Shakti erfüllt hat.
12.66 Der Allwissende besteht so als Purusha. Man vergegenwärtige ihn sich auf dem Schlangenlager ruhend, von goldenem Glanz,
12.67 als den Gott namens Arnavaśayin, umgeben von verkörpertem Diskus und weiteren [Attributen], von Lakshmi massiert und von Nidra, dem Schlaf, umfangen,
12.68 von Priti gefächelt und von Vidya besungen. Danach ist Kurmatman, du Pflugträger, im Geist als Schildkröte zu betrachten,
12.69 von der Farbe flüssigen Goldes, aus eigener Kraft im Wasser ruhend, der Ewige, dessen Füße zwei Paare von Teilkräften, von Shakti an, sind.
12.70 Er ist reich an den Teilkräften von Shakti an und bringt die auf ihm ruhende Dreiheit hervor. [Die nächste Gestalt ist] leinblütenfarben, trägt Muschelhorn, Diskus und Keule,
12.71 ihre Glieder sind die Geräte des Opfers, und sie vermag die Versunkenen emporzuheben. [Danach betrachte man] den Träger der Herrlichkeit seiner eigenen Shakti, mit Willen, Erkenntnis und Handlung als Flammen,
12.72 stets aufleuchtend in Wellen von Funken vielfältiger besonderer Erkenntnis, der die unverminderte, mächtige Verblendung im Herzen zerreißt,
12.73 ein unaussprechliches Brüllen ausstoßend, den ungeborenen höchsten Herrn. Über diesen Gott Narasimha meditiere man, strahlend wie stark erhitztes Gold,
12.74 umgeben von flammenden Feuerfunken, die aus seinem Leib hervorgehen, Diskus und Muschelhorn tragend, von großer und überaus furchterregender Gestalt.
12.75 Mit beiden Händen, die von den Reihen seiner aus reinem Sattva bestehenden Krallen leuchten, gewährt er durch seinen Willen den dem Werden unterworfenen Wesen Segen samt Furchtlosigkeit.
12.76 Über den allgegenwärtigen Amrtaharana meditiere man wie über eine mit Nektar gefüllte Wolke, in gelbem Gewand, mit einem Gesicht und vier Armen,
12.77 eine Hand an die Hüfte gelegt, mit Muschelhorn und Diskus geschmückt, in der Mitte mit der rechten [Hand tragend], eine Berggestalt annehmend. [Der Bezug des letzten Ausdrucks bleibt unklar.]
12.78 Er schenkt seinen Verehrern aus eigenem Willen [das], was von reiner Erkenntnis durchdrungen ist und die Furcht vor karmisch bedingter Geburt nimmt, liebevoll zu seinen Verehrern,
12.79 den durch Aufwühlen des gequirlten Milchozeans offenbar gewordenen Nektar, heilvoll und ein Gegenmittel gegen Hunger, Durst und weitere [Leiden].
12.80 Man betrachte den reinen, unvergänglichen, unvergleichlichen Nektar des Selbst inmitten des Maya genannten Ozeans, [gewonnen] durch das Aufheben der Nahrungsabhängigkeit. [Die letzte Wortverbindung ist deutungsoffen.]
12.81 Über den Gott der Götter, den Herrn Shris, meditiere man mit dem Glanz des Lotusinneren, zwei Hände mit Lotus und König der Waffen geschmückt.
12.82 Die beiden [anderen] reicht er spielerisch bei der Vermählung mit der Göttin dar und offenbart so seine eigene Anfangslosigkeit zusammen mit der Prakrti:
12.83 „Diese Prakrti ist von meinen Händen durchdrungen, ich von ihren natürlichen [Händen]. Denn ich bin die Grundlage dieser Gestalt, und sie besitzt ihr Wesen in mir.“
12.84 Auf diese [Gestalt] gestützt überschreiten die ganz der Meditation Ergebenen leicht und bald diesen schwer zu durchquerenden Ozean der Gunas.
12.85 Den Gott mit vor Wonne bewegten Augen, in aufblühender Jugend, leuchtend wie ein geöffneter roter Lotus, ohne sein eigenes Selbstgedenken aufzugeben,
12.86 vergegenwärtige man sich in der Gestalt einer schönen Frau, die die drei Welten in Staunen versetzt, mit mondhellem Antlitz voller Glückseligkeitsnektar,
12.87 geschmückt mit einer in der Hand gehaltenen Krugform, die Feinde der Götter durch die Pfeile spielerischer Seitenblicke und Worte bezwingend,
12.88 in der Hand eine von Bienenschwärmen bedeckte Mangoranke. [Nun zu Rahujit:] Der furchtbare Rahu identifiziert sich mit der Gestalt der Teilkräfte
12.89 und verschlingt fortwährend in verkörperter und unverkörperter Form die aus Feuer und Soma bestehende Gestalt, die den Handelnden hilfreich ist.
12.90 Derjenige, der innen als Lebenshauch und weitere [Kräfte], außen als Mond und Sonne besteht, ist der Lenker seines Besiegens bei denen, die wahrhafter Meditation hingegeben sind.
12.91 Durch Erkenntnis [ist er] unbewegt; ihn vergegenwärtige man sich äußerlich offenbart, von der Farbe einer blauen Regenwolke, mit Augen wie Lotusblätter,
12.92 in der Hand das erhobene zwölfspeichige [Rad], einer Mittagssonne gleich. Mit der spielerisch an die Hüfte gelegten linken Hand
12.93 hält er eine schwere Keule, die auf dem Erdboden ruht. [Nun zu Kalanemighna:] Der schwer bezwingbare Kranz des Zeitrades, Unwissenheit genannt,
12.94 nimmt eine im Samadhi [erscheinende] Gestalt an und erschüttert durch seine dunkle Kraft Japa, Opfer, Rituale und andere [Übungen].
12.95 Man meditiere über den Gott, der dessen Ausbreitung vernichtet, glänzend wie Lapislazuli, von Erkenntnisstrahlen leuchtend, auf Garuda aus reinem Sattva sitzend,
12.96 geschmückt mit Armen aus wahrem Wissen, deren Wesen verschiedene Waffen sind. Diskus, Lotus, Keule, Pfeil, Haken und Lanze
12.97 [liegen] in den sechs rechten Händen; Speer, Schlinge, Bogen, Stößel, furchtbarer Hammer und Schild in den linken Armen.
12.98 Den Gott Parijatajit vergegenwärtige man sich mit dem Glanz eines Mangoblattes, den Herrn der Götter, dessen Wirken mühelos ist und dessen Heldentaten vielfach wunderbar sind.
12.99 Bei den verkörperten Verehrern, die in fortdauernde Bindung geraten sind, wächst auf dem Boden des Bewusstseins [etwas], vergänglich und doch reizvoll:
12.100 der weit ausgebreitete Karmabaum, einem verzweigten Banyan gleichend, durch die Bindung der Unwissenheit bestimmt, mit Früchten von Verblendung und Maya bedeckt.
12.101 Um seine Entwurzelung zu vollbringen, tritt der Weltenherr aus Mitgefühl stets mit einem bloßen Teil seiner selbst in den Menschen ein, dem seine Gnade gilt.
12.102 Er wird zur Unterscheidungskraft, trägt ausgebreitete Erkenntnisarme, hat Herrschermacht, Dharma, Leidenschaftslosigkeit und Ruhe als Gesichter und trägt die Bewusstseinskraft.
12.103 Er nimmt die Waffenschar der Selbstbeherrschung und die Schar der Observanzen auf und besiegt die Sinne und weiteren [Kräfte], die den Handelnden Fehler bringen.
12.104 Seine Gestalt als Besieger der Götter vergegenwärtige man sich mit zwölf Armen, mit göttlichen Kränzen und Gewändern bekleidet und göttlichem Schmuck geschmückt,
12.105 viergesichtig, schönäugig, die Geliebte auf seinen linken Schoß gesetzt. Schwert, Diskus, Keule, Pfeil, Stößel und den vortrefflichen Baum
12.106 [trägt er] in den sechs rechten Händen; Muschelhorn, Haken, Bogen, Schirm und Schlangenschlinge befinden sich in den linken Armen des Herrn.
12.107 Mit dem sechsten, einen Lotus tragenden Arm umarmt er die Göttin. Die Göttin, deren Hand an seiner Schulter ruht und deren Geist stets auf ihn gerichtet ist, [Die Lesart „Schulter“ ist in der Vorlage fraglich.]
12.108 fächelt ihm ehrfürchtig mit einem weißen Yakschweif zu. [Nun betrachte man] Lokanatha, den Weitäugigen, von allen Göttern verehrt,
12.109 auf einem von Menschen [getragenen] Löwenthron, mit geschlossenen Augen, im Lotussitz sitzend, von einem Glanz wie das Innere des Lotus.
12.110 Seine Einsicht ist von Mitgefühl erfüllt; seine Hände tragen Muschelhorn und Lotus. Er zeigt die drei Wege Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und wahren Dharma.
12.111 Danach vergegenwärtige man sich den Datta genannten, die unbefleckte Gestalt der Erkenntnis. Für Menschen, Weise und Götter, deren Inneres dem Samadhi hingegeben ist,
12.112 die einen ersten Geschmack [des Höchsten] erfahren haben und dem Brahman-Weg folgen, erhellt er mit der Fülle seines eigenen Lichtes diesen Pfad.
12.113 Er hält die [äußere] Tätigkeit der Lebenswinde samt dem Geist zurück. Die Offenbarung, die geistigen [Übungen] und ebenso die Verhaltensordnungen,
12.114 die Stände und Lebensstadien schützt er. Im einzigen Ozean des Geistes, auf dem unbewegten Baum der Erkenntniskraft,
12.115 reich an der Ranke des Ichbewusstseins, vergegenwärtige man ihn sich oben befindlich, dunkel wie ein Berg in der Regenzeit und an Strahlkraft dem Feuer gleich.
12.116 Er vernichtet das Netz der Hindernisse, die Ansammlung von Schlaf und Trägheit, in der Gestalt eines vortrefflichen Zweimalgeborenen, einem sich öffnenden Lotus gleich.
12.117 Über ihn meditiere man zweiarmig, Stab, Kusha-Gras und Gebetskette tragend. [Dann betrachte man] den Herrn Nyagrodhashayana, dessen mondhelle Zähne die Unwissenheit besiegen,
12.118 ruhend, leicht auf dem Rücken, zweiarmig, in Kindgestalt, ebenso ohne Waffen, im Geschmack friedvollen Schlafes verweilend.
12.119 Ohne sein eigenes Wesen aufzugeben, entlässt und zieht er durch die Kraft der Yogamaya mit Aus- und Einatmen
12.120 alles bis zur Welt Brahmas ein, das gesamte aus Pradhana hervorgehende Wirken. [Dann betrachte man] in nichtmenschlicher Gestalt mit verhüllten Gliedern,
12.121 inmitten des Wassers seiner eigenen Maya den Lenker, geschmückt mit Erkenntnis und den übrigen Eigenschaften als Flossen.
12.122 Man betrachte ihn mit einem einzigen Horn geschmückt, das aus ihm selbst hervorgegangene Brahman [tragend]; am Ende des Weltzyklus trägt er
12.123 die weite Erde in Bootsform zusammen mit der Schar der Prajapatis, mit einem makellosen Leib wie eine Menge von Perlen.
12.124 Er, der Erhabene in Fischgestalt, hat niemals geschlossene Augen. [Nun zu Vamana:] Aus Mitgefühl [verweilt er] stets selbst für die Einsichtigen, die das Werden fürchten,
12.125 im Herzen, zehntausend Sonnen gleichend, und besiegt mit dem Stab der Ordnung die furchtbare Macht der Unwissenheit samt der feindlichen Schar der Sinne.
12.126 Bald gewährt er Brahman-Freude zum wahren Glück. Über ebendiesen meditiere man klein von Gestalt, dunkel und mit Lotusblattaugen,
12.127 die Welten in seinem Inneren bergend, mit Haarflechten und Bastgewand geschmückt, einen Schirm in seiner linken Hand, einen Vishnu-Stab in der anderen.
12.128 Der unendliche Erhabene übersteigt als Sonne des Wachens den Glanz von Sonne, Mond und Feuer und besteht als der Vierte, Träger der Bewusstseinsherrlichkeit,
12.129 ohne [persönliches] Verlangen von seiner Stätte aus die nektarhelle, Freude erzeugende Shakti zu den geläuterten Handelnden aussendend.
12.130 Über ebendiesen meditiere man als den, der über die drei Welten hinwegschreitet, von grünlichem Glanz, mit einer Schar von Armen geschmückt, die verschiedene Mudras und Waffen tragen.
12.131 Er trägt Schild und den stabartig [erhobenen] Fuß, der Feinde vernichtet, und die heilige Vaijayanti als Siegeszeichen für die Götter, die Sieg erstreben. [Die erste Satzverbindung ist unsicher.]
12.132 Schwert, Diskus, Keule, Stab, Pfeil, Haken, Hammer, Speer, Axt und ein großer Berg: diese zehn [trägt er] in den rechten Armen.
12.133 Muschelhorn, Wurfspieß, Sharnga-Bogen, Schlinge, Dreizack, Baum, Donnerkeil, Messer, Pflug und großen Stößel:
12.134 diese sind in den linken Händen zu betrachten. Zehn weitere [Hände] bilden Mudras: Furcht, Staunen, Herzberührung, Ergreifen des Zopfes und Ergreifen des Halses
12.135 sind die fünf Mudras des Herrn, die in den fünf linken Händen zu betrachten sind. Wunschgewährung, Wohlergehen, Vereinigung und Furchtlosigkeit
12.136 sowie Verbergen vergegenwärtige man sich in den gleich vielen rechten Händen. [Nun zu den vier Gestalten:] Von ihm ist der Weltzusammenhang samt den Sinnen für die unermesslichen Selbste erklärt,
12.137 in der Wesensform der sechs Eigenschaften, ohne die zuvor genannten Gestalten. Vierfach ist er zu vergegenwärtigen, ohne Kennzeichen und Waffen.
12.138 Stets schützen sie die Vierheit von Japa, Yoga, Ritual und Askese, die wahres Wohlergehen und Befreiung schenkt:
12.139 Nara und die weiteren bis Krishna, nach Wunsch einzeln oder zusammen. Nara [betrachte man] korallenfarben, mit halb geöffneten Augen,
12.140 das innere Wesen nach innen gesammelt, den Geist einzig auf Klang-Brahman gerichtet, den durch Wörter bestimmten Mantra unmerklich rezitierend,
12.141 geschmückt mit einer kristallenen Gebetskette in der Hand, mit der linken Hand die Umläufe der Gebetskette zählend.
12.142 Danach meditiere man über den Gott Narayana, weiß wie ein Kumuda-Lotus, mit zum Brahman-Anjali gefalteten Händen, friedvoll, den Geist in den Herzlotus gelegt,
12.143 das eigene Selbst mit der höchsten unvergänglichen Stätte verbindend. Danach meditiere man über Hari, goldglänzend, ein Wassergefäß tragend,
12.144 eine Hand auf dem Sitz, den Ritualteil lehrend, unablässig die Schriften, voran das Pancharatra, vortragend.
12.145 Krishna, dunkel wie ein blauer Lotus, mit erhobenen Armen und Haarflechten, auf einem Fuß stehend und den Lebenswind beherrschend,
12.146 vergegenwärtige man sich als strenger Askese hingegeben, eine, drei, sechs, zwölf Nächte und länger, Fasten von einem halben Monat oder einem Monat lehrend.
12.147 Alle tragen ein schwarzes Antilopenfell als Obergewand und ockerfarbene Kleidung. Alle tragen die Kennzeichen des Brahman und sind ganz dem Brahman hingegeben.
12.148 Sie führen vornehmlich jeweils eine Übung aus, um die Guten anzuregen. Den jeweiligen Zeitpunkt berücksichtigend sind alle sämtlichen [Übungen] hingegeben.
12.149 Der Erhabene fällt mit der Kraft der Ungebundenheit, die „wahre Axt“ heißt, die fest verwurzelten Karmabäume der Handelnden.
12.150 Über ebendiesen meditiere man zweiarmig, mit dem Glanz der aufgehenden Sonne, in das Fell einer schwarzen Antilope gekleidet, die Hand mit der heiligen Axt gekennzeichnet.
12.151 Den furchtbaren Nachtwanderer Geist, dessen Gesichter die zehn Sinne sind, bringt er bei den Yogis mit der Pfeilschar der Unterscheidungskraft zur Ruhe.
12.152 Über ebendiesen All-Atman meditiere man mit dem Glanz einer wasserreichen Wolke, mit Augen wie rote Lotusse, die Hände mit Bogen und Pfeil gekennzeichnet.
12.153 Den aus Rede bestehenden Vedenkreis, dessen Merkmal der Glanz seines eigenen Wesens ist und der aus ihm selbst hervorgeht, gliedert er selbst dreifach, beginnend mit Pashyanti,
12.154 der Reihe nach in den Bereichen von Erkenntnis, Lebenswind und Herz hervortretend. Auch diesen Erhabenen vergegenwärtige man sich mit dem Glanz der Leinblüte,
12.155 in der linken Hand ein Buch über den Sinn aller Schriften haltend, mit der rechten den Sinn der Schrift wirklichkeitsgemäß lehrend.
12.156 Um denen, deren Erkenntnis dem jeweiligen Weltalter entspricht, Mühsal zu ersparen, gliedert der Kenner der drei Zeiten den einen Veda vierfach.
12.157 [Zum Schutz] derer, die Gabe und Dharma lieben, Opfer und Verehrung vollziehen, Askese und Selbststudium ergeben und von erneuter Geburt befreit sind,
12.158 und um Befähigung und Erkenntnis zu offenbaren, tritt der Weltenherr im Boden ihres Herzlotus hervor.
12.159 Er besteigt das Pferd des Geistes, ergreift die Waffen seiner eigenen Eigenschaften und entwurzelt rasch [das], was aus Hunderten früherer Geburten entstanden ist:
12.160 das Netz der auf Sinnesgegenstände gerichteten Prägungen, damit reine Erkenntnis verwirklicht wird. Über ihn meditiere man auf einem edlen Pferd, den Leib mit einem Panzer bedeckt,
12.161 mit weißem Turban an der Stirn, nicht allzu langen Haarflechten, von der Farbe flüssigen Goldes, zwischen zwei Köchern,
12.162 mit Pfeil und Bogen in den Händen, mit Schwert, Lanze und Axt, Opfer, Studium und Geben schützend,
12.163 die dem Unrecht hingegebenen Nicht-Aryas niederwerfend. [Nun zu Patalashayin:] Das Prinzip, das alle Prinzipien trägt, den alldurchdringenden, aus allen Shaktis bestehenden [Herrn],
12.164 der in den Eigenschaften aller Sinne aufscheint und doch aller Sinne ledig ist, die Grundlage der Welten, betrachte man unterhalb von ihnen,
12.165 auf dem Ananta-Lager ruhend, mit dem Glanz des Weltuntergangsfeuers, von Reihen lodernder Flammen umgeben und in ein Feuergewand gehüllt,
12.166 von der verkörperten Waffenschar von Diskus an umringt. Lakshmi steht bei seinen Füßen, Cinta rechts vom Herrn,
12.167 Nidra befindet sich bei seinem Haupt und Pushti zu seiner Linken. Damit ist die Meditation über die hauptsächlichen Gottheiten in Kürze erklärt.
12.168 Wer sie erkennt, bei dem weichen Geburt, Tod, Alter und Krankheit. Diejenigen, deren Offenbarung in den drei Welten nicht durch Waffen, Gewänder und Banner deutlich wird,
12.169 tragen dennoch eine Schar von Kennzeichen an den Füßen, auf der Stirn, am Schulterband, am Rücken, auf beiden Handflächen,
12.170 im Haarwuchs und auf dem Haupt, damit die Handelnden sie erkennen. Selbst bei einem samsarischen Wesen, das von Natur Vishnu zugehörig ist,
12.171 weicht das Zeichen Achyutas nicht; wie viel weniger bei einer Erscheinungsgestalt! Die Freiheit aller, sich nach Willen zu bewegen, von der ich zuvor gesprochen habe,
12.172 zeigt sich in Füßen, Armen, Farben und Gesichtern, in großer, mittlerer und kleiner Gestalt, in der Zahl von eins bis vielen; sie ist überall und immer zu sehen.
12.173 Doch soll man keine fremde Gestalt schaffen; die Gestaltung [erfolgt als] frei gewählte Gestalt. Denn im Weltenhaus besitzt jede Gottheit ihr besonderes Wirken
12.174 zur Zeit von Erhaltung, Rücknahme und Schöpfung. Obwohl diese feste Ordnung besteht, [geschieht] dennoch nach dem Willen des Erhabenen [Folgendes]:
12.175 Aus der Gruppe der Viergestalt, die auf den Lotusblättern steht, ebenso aus den Erscheinungsgottheiten, du Lotusblattäugiger,
12.176 trägt einer, Shaktyatman, zur Begnadung der innerlich Geläuterten eine in vielen Unterscheidungen entfaltete Gestalt auf einem edlen Reittier.
12.177 Durch Gedenken, Meditation und Verehrung dieser [Gestalt] erreicht der Mensch bald das im Herzen Gewünschte. Höre, wie ich sie erkläre.
12.178 Satya, Suparna, Garuda, Tarkshya und Vihageshvara: Dies ist die fünffache Entfaltung des fünffachen Lebenshauchs.
12.179 Dessen ganzer Leib bis zu den Füßen menschlich ist, zweiarmig und schneeweiß, das ist Satya, die Gottheit des Prana.
12.180 Suparna glänzt wie ein Rubin, makellos, mit goldenen Augen; Garuda ist goldfarben, mit gebogenen Brauen und rötlichen Augen.
12.181 Tarkshya hat seitwärts blickende Augen und gleicht einer Regenwolke; der fünfte ist bunt und besitzt Augen wie flüssiges Gold.
12.182 Suparna und die folgenden sind vierarmig, freundlich gestaltet und unerschüttert. Alle besitzen Vogelfüße und sind mit einem Flügelpaar geschmückt,
12.183 mit herabhängendem Bauch und kräftigen Gliedern, mit Ohrringen und weiterem Schmuck versehen, mit gebogenen Brauen, schön gerundeten Augen, gebogenem Schnabel und lächelndem Gesicht.
12.184 Sie stehen den Lebenswinden von Apana an vor, sind sehr stark und großleibig. Der fünfte hat hier einen roten Schnabel.
12.185 Die linke Hand des ersten befindet sich unter dem Fuß des Getragenen; seine rechte wird von einer strahlend weißen Gebetskette erhellt.
12.186 Ebenso sind zwei Arme Suparnas zu verstehen. Die andere linke Hand liegt auf Nabelhöhe, aufwärts geöffnet, in einer Staunensgebärde.
12.187 Die rechte, aufwärts geöffnet, ist mit einem Blumenstrauß gefüllt. Wisse: Bei Garuda bilden zwei [Hände] vor dem Herzen Anjali.
12.188 Beim vierten bilden zwei Hände ebendort eine geschlossene Schale. In der rechten [Hand] ist ein Nektarkrug, in der linken eine gefährliche Schlange:
12.189 dies ist das übrige Händepaar des fünften. Die [anderen Hände] der drei entsprechen den beiden [zuvor beschriebenen]. Wenn die rechte Hand vom Fuß des Getragenen betreten wird,
12.190 ist die Gebetskette in die linke zu versetzen. Bei demjenigen, dessen beide Handflächen unter den Füßen des Getragenen liegen,
12.191 wisse, dass die Gebetskette fortfällt; er ist das vom Erhabenen erfüllte Reittier. Zur Begnadung geneigt sitzt [der Herr] auf dem Lotussitz der Vogelflügel,
12.192 mit dem vortrefflichen Polster seines eigenen Glanzes und seiner eigenen Wirkmacht versehen, im Lotussitz oder einer anderen Haltung, allein oder zusammen mit Shri.
12.193 Wenn die Lage seiner Glieder deutlich sichtbar ist, wisse, dass dies Garudasana heißt. Sein Unterleib samt Bauch wird vom schnellfliegenden [Vogel] verdeckt,
12.194 der während des Flugs mit seinem Kopf [bedeckt], aus kraftvollem Herabstoßen [oder: Ausstrahlen von Kraft]; [dies geschieht] für Aufgaben in anderen Welten und aus Liebe zu den Meditierenden. [Der erste Halbvers ist unsicher.]
12.195 Damit er unmittelbar geschaut werde, heißt er Garudavahana. Deshalb vergegenwärtige man sich den erhabenen Vishnu, der diese Gestalt trägt,
12.196 zur Vollendung herbeigerufen, in sitzender Haltung. Mit eingezogenem linken Fuß, auf einem Lotus oder auf dem Vogel ruhend,
12.197 vernichtet er das Widrige für die gewünschten Früchte und das von anderen [feindlich] Beabsichtigte. Bis zum rechten Knie so unbewegt wird Achyuta vergegenwärtigt.
12.198 Er wird den Meditierenden günstig für sämtliche Vollendungen bis zur Befreiung. Von den Strebenden wird er insgesamt in gerader Haltung ruhend vergegenwärtigt.
12.199 Ebenso ist es bei Svastika und weiteren [Sitzhaltungen]; diese sind jedoch ohne Reittier vorgesehen, auf einem Sockel, Lotus oder Löwenthron.
12.200 Auch der Herr der Vögel trägt hier durch seine Yoga-Macht eine Schar von Armen samt Gesichtern, mit Schlangenkönigen und vortrefflichen Waffen versehen,
12.201 auf Befehl des Herrn oder aus eigenem Antrieb zu dessen Freude, damit die Welt überwunden werde und die Zufluchtsuchenden Frieden finden.
12.202 In unterschiedlicher Gestalt, in verschiedenen anderen Welten, bewegt sich der eine Held mit ungehindertem Gang.
12.203 Höre jetzt von mir, wie die Gestalt Shaktishas, der ihn bestiegen hat, in zahlreichen Unterscheidungen erscheint.
12.204 Mit der rechten [Hand] gewährt er den dem Werden unterworfenen Wesen stets Frieden, mit der linken trägt er das Muschelhorn mit den zuvor genannten Merkmalen.
12.205 Dies ist die alleinige zweiarmige Gestalt Shaktishas. In dieser Gestalt tritt er wiederum sechsfach auf,
12.206 jeweils mit einer Schar von Gemahlinnen, beginnend mit einer. Wie zuvor ist die mit Lakshmi verbundene eine herrscherliche Gestalt.
12.207 Die zweite wird als zwischen Shri und Pushti befindlich bezeichnet; eine weitere ist von der Vierheit von Shri bis Maya umgeben.
12.208 Die vierte wisse als von der Sechsheit von Shuddhi an umgeben, die fünfte von der Acht von Shri bis Pushti.
12.209 Die sechste wisse als mit den zwölf von Lakshmi an verbunden. [Zur Vierheit gehören] Shridevi, Kirtidevi und Jayadevi, du Pflugträger,
12.210 als vierte die Maya des Erhabenen, die diese Welt bindet. [Die Sechsheit lautet:] Shuddhi, Niranjana, Nitya, Jnanashakti, Aparajita,
12.211 und die schöne Prakrti. So ist die Sechsheit erklärt, die alle Vollendungen schenkt. [Die Acht:] Lakshmi, Shabdanidhi, Sarvakamada, Pritivardhani,
12.212 Yashaskari, Shantida, Tushtida und Pushtida. Die Zwölfheit der Göttinnen, die bei der Verehrung der Erscheinungsformen Ruhm schenkt,
12.213 beginnend mit Lakshmi, ist auch bei dieser Unterscheidung des höchsten Herrn zu verstehen. Wieder ist entsprechend eine siebenfache Unterscheidung des Vierarmigen zu erkennen.
12.214 Dabei [trägt er] jedoch Muschelhorn und Diskus in den beiden linken Händen. Mit der ersten [rechten] schenkt er dieser Welt ewigen Frieden,
12.215 mit der zweiten rechten trägt er die Keule. Wiederum [erscheint er] mit den vier Händen nach der zuvor genannten Reihenfolge,
12.216 indem er die vier [Attribute] von Lotus an wechselseitig trägt, in zwölffacher Gestalt, allein und ohne Shakti.
12.217 Diese Zwölfheit besteht wiederum zusammen mit einer Schar von Shaktis, von einer an aufsteigend, sechsfach, du Lotusäugiger.
12.218 So besteht er mit vierarmigem Leib in vielerlei Weise. Wiederum siebenfach, beginnend mit sechs Armen, mit zunehmender Armzahl,
12.219 besteht der Gott auf vielfältige Weise; verstehe, wie dies ist: sechsarmig, achtarmig, zehn- und zwölfarmig,
12.220 mit vierzehn oder sechzehn Händen und mit achtzehn geschmückt. Bei allen ist die Unterscheidung, vom Alleinsein an, wie zuvor siebenfach.
12.221 Höre von mir ihre jeweilige Bestimmung durch die Anordnung der Waffen. Der Sechsarmige trägt rechts Schwert, Lotus und Keule,
12.222 mit den drei linken [Händen] Bogen samt Pfeil, Muschelhorn und die vortreffliche Waffe [Diskus]. Der Achtarmige [trägt] rechts Keule, Stößel, Diskus und Schwert,
12.223 links Muschelhorn, Haken, Schlinge und Bogen samt Pfeil. Beim Zehnarmigen sind die rechten [Hände] mit Schwert, Pfeil, Keule, Lotus und Speer versehen,
12.224 [die linken mit] Bogen, Muschelhorn, Diskus, Schwert und Furchtlosigkeitsgebärde. Der mit zwölf Armen Geschmückte trägt in den sechs rechten Händen
12.225 Lotus, Schwert, Diskus, Pfeil, Keule und Haken; in den linken Muschelhorn, Schlinge, Furchtlosigkeitsgebärde, Speer, Stößel und Bogen.
12.226 Der Vierzehnarmige trägt in den sieben linken Armen Muschelhorn, Keule, Haken, Schlinge, Stößel, Hammer und Pflug,
12.227 [in den rechten] Stab, Lotus, Donnerkeil, Diskus, Schwert, Speer und Axt. Der Sechzehnarmige trage in den hauptsächlichen [rechten] Händen, zusammen mit dem Hammer,
12.228 Furchtlosigkeit, Lotus, Schwert, Speer, Stab, Wunschgewährung und Haken. Muschelhorn, Diskus, Keule, Donnerkeil, Schlinge, Pflug und Bogen
12.229 samt Wunschgewährung trägt der Weltenbesieger in den acht linken Händen. Lotus, Schwert, Keule, Donnerkeil, Diskus, Pfeil, Wunschgewährung und Haken
12.230 sowie Stab trägt der Achtzehnarmige in den rechten Händen. Muschelhorn, Furchtlosigkeit, Pflug, Speer, Hammer, Stößel, Bogen,
12.231 unvergleichliche Axt und Schlinge trägt der allgegenwärtige Herr in den linken Armen, um die Bösen zu bezwingen und die Guten zu schützen.
12.232 Wieder führt der von unermesslicher Macht gerade diese besonderen Gestalten durch bloße [Vertauschung] zweier eigener Gesichter zu weiteren Unterscheidungen.
12.233 Zum Wohl derer, die den Löwenglanz nicht ertragen, die dem Ahnenweg ergeben sind und sich vor dem Samsara von Frauen und weiteren [Bindungen] fürchten,
12.234 vertausche der Herr das linke und rechte Gesicht zwischen dem nektarartigen Bereich und dem feurigen, stets rechten [Bereich].
12.235 Auch zur Mehrung und zur Beruhigung des Glanzes, du Lotusäugiger, [geschieht dies]. Aus diesem außen und innen wirksamen Grund
12.236 besteht der Erhabene im gemeinsamen Wesen, nachdem er Feuer und Soma ausgeglichen hat. Indem er das offenbarte Vagisha-Gesicht über das Haupt erhebt,
12.237 tritt er von der Grundlage an mit fünfgesichtigem Leib auf vielerlei Weise hervor, zur Selbstverwirklichung der Meditierenden, die Klang-Brahman lieben.
12.238 Um alle Welten von der Unterwelt an zu erfüllen, nimmt dieser Träger verschiedener Leiber wiederum in jeder einzelnen Unterscheidung
12.239 zehnfach weiße und andere Gestalten an. Ohne die Gesichter von Narasimha an, mit der Herrlichkeit der Allwissenheit versehen,
12.240 trägt Aniruddha diese Gestalten auf Tarkshya. Ebenso trägt Pradyumna einen [solchen] Leib, Garuda besteigend.
12.241 Auch Sankarshana entfaltet sich vielfältig, auf Suparna reitend. Der Gott, der All-Atman, steht auf Satya und tritt vielfach hervor,
12.242 um das Leiden der Wesen, Götter, Siddhas, Menschen und weiterer, zu stillen. Die aus dem Ursprung hervorgegangenen Farben der vier [gelten] auch in den anderen Gestalten.
12.243 Wenn bei der vierarmigen ursprünglichen Gestalt und einer anderen Gestalt Vishnus Farbe und Kennzeichen gleich sind, bewirken ihre beiden Banner die Unterscheidung.
12.244 Durch das rechts befindliche, Tala genannte Banner erhält die eigene Gestalt stets zusammen [mit ihm] ihre besondere Erscheinungsform. [Die syntaktische Zuordnung ist unsicher.]
12.245 Denn entsprechend ihrer Aufgabe sind auch die vier [Attribute] von Lotus an in den Händen der Gestalten unverkörpert oder verkörpert, friedvoll oder zum Wirken erhoben.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 12 mit dem Namen „Meditation über die Erscheinungsgottheiten“.
Kapitel 13
Zur Orientierung: Schmuck und Waffen der Gottgestalten erhalten eigene Meditationen und Bedeutungen. Besonders 13.30–34 zeigen, wie äußere Zeichen auf Zeit, Lebenshauch, Erkenntnis und innere Sammlung verweisen.
13.1 [Der Erhabene sprach:] Bei diesem Opfer auf einem einzigen Sitz, das allen gemeinsam ist, sind die Krone und sämtliche weiteren [Attribute] in besonderer Gestalt zu betrachten,
13.2 vierarmig, viergesichtig, mit Gewändern, Kränzen und Schmuck versehen. Bei der Verehrung in besonderen Einzelopfern dagegen
13.3 ist für alle stets ein Leib mit einem Gesicht und zwei Armen vorgeschrieben. Die Krone hat ein freundliches Antlitz, ist goldfarben und groß von Gestalt,
13.4 umgeben von Strahlen in vielerlei Gestalten, in der Haltung der Vidyadharas im Luftraum stehend.
13.5 Den Kaustubha, König der Edelsteine, vergegenwärtige man sich wie einen Rubinberg, die zehn Himmelsrichtungen erhellend, mit geschlossenen Füßen stehend,
13.6 vor der Mitte der Brust die mit eigenen Händen gebildete Schale haltend, ebenso eine weitere über seinem Kopf.
13.7 Dann betrachte man Shrivatsa, einem Kristallberg gleichend, im geschlossenen Lotussitz sitzend, die Hände an die eigenen Seiten gelegt,
13.8 mit den beiden Haupthänden die Schildkröten-Mudra haltend. Die erhabene Girlande ist bunt, reizend,
13.9 mit allen Düften versehen, freundlich, ihr Gesicht leicht geöffnet [lächelnd]. Den König der Waffen vergegenwärtige man sich, in seinem eigenen Strahlenkreis sich rasch bewegend,
13.10 auf den Befehl des Herrn wartend, klein von Gestalt und rotäugig. Den Lotus [betrachte man] jasminweiß, freundlich, mit leicht lächelndem Gesicht,
13.11 einen süßen, dem Gehör wohltuenden Klang hervorbringend. Die Keule [betrachte man] einem Goldberg gleichend, schlank und mit Augen wie blaue Lotusse,
13.12 den Himmelsraum mit dem aus ihr hervorgehenden Strahlennetz erhellend. Das Muschelhorn [betrachte man] dem Schneegebirge gleichend, mit Lotusaugen,
13.13 aus seinen Mündern den Wesensgehalt der Agamas und weiteren [Lehren] hervorbringend. Den Pflug [betrachte man] einer Abendwolke gleichend, mit furchterregenden Augen,
13.14 mit mageren Gliedern, hohen Schultern, diamantfestem Leib und gewaltiger Kraft. Den Stößel [betrachte man] mit schlankem Bauch, von Reihen strahlender Flammen umgeben,
13.15 einem Haufen Glut gleichend, lang und überaus hart. Die Pfeilwaffe in Pfeilgestalt [sei] dunkel wie ein blaues Lotusblatt,
13.16 vielgestaltig, scharf, weitblickend und von wilder Kraft. Der Bogen [sei] goldhell und mit einem Netz von Glöckchen geschmückt,
13.17 in die eigene Hand schlagend, mit dem Donnern einer großen Wolke. Über Nandaka meditiere man tanzend, mit dem eigenen Glanz besetzt,
13.18 dem Herbsthimmel gleichend, die Zahnreihen aufeinanderbeißend. Den Schild [betrachte man] sonnengleich und freundlich gestaltet,
13.19 unablässig mit seinem Mund gewaltsam Waffenscharen verschlingend. Den Stab vergegenwärtige man sich mit geballter Faust, rotem Leib und roten Augen,
13.20 als Gestalt des Zorns, mit den eigenen Zähnen auf die Unterlippe beißend. Die Axt [sei] regenbogenfarben und von furchtbarer Kraft,
13.21 mit Augen wie flüssiges Gold und Haarflechten aus lodernden Flammen. Die Schlinge [sei] von Schlangenscharen umgeben, mit einer Blitzzunge, furchterregend,
13.22 hellgolden glänzend, mit grimmigem Gesicht und roten Augen. Den Haken [betrachte man] mager, langarmig und mit gelbbraunen Augen,
13.23 mit weit aufgerissenem grimmigem Gesicht, glänzend wie ein aufgebrochener Berg schwarzer Augensalbe. Den Hammer [betrachte man] hundertfach strahlend, breitschultrig und großleibig,
13.24 mit Haarflechten, freundlich, mit Augen wie weiße Lotusse. Den Donnerkeil [betrachte man] diamantglänzend, mit langen weißen Nägeln,
13.25 mit einem durch Hauer furchterregenden Gesicht und feurigen Goldaugen. Den Speer [betrachte man] blitzhell, mit Gesicht und Augen wie beruhigtes Feuer,
13.26 immer wieder tiefes Wolkendonnern hervorbringend. Alle diese Waffenherren warten auf den Befehl des allgegenwärtigen Herrn.
13.27 Sie stehen auf, bewegen sich oder verharren in wohlgeordneten Stellungen, die Hände an die Hüften gelegt oder Yakschweif und Fächer erhoben.
13.28 Mit Ausnahme der Vierheit von Krone an und des Lotus ist bei den anderen die rechte Hand, welche die Schar der Bösen bedroht,
13.29 während der Meditation zu vergegenwärtigen. Auf dem Haupt aller ist jeweils das eigene bekannte Kennzeichen in seiner nichtmenschlichen Form zu betrachten.
13.30 Die Krone ist als Feuer zu erkennen, Kaustubha als Sonne; Shrivatsa ist der Mond selbst, die Girlande sind die sechs Jahreszeiten von Madhava an.
13.31 Den König der Vögel wisse als Lebenshauch, den Diskus als Zeit, du Einsichtsvoller. Der Lotus ist der Herr der Wasser, die Keule die Göttin Sarasvati.
13.32 Das Muschelhorn ist der Raum, der Pflug die Pflanzen, der Stößel der Schlangenkönig; die Pfeile sind Klang und die übrigen [Sinnesqualitäten], den Bogen wisse als ausgleichende Kraft.
13.33 Nandaka sind sämtliche Lehrschriften, der Schild gilt als Erde. Der Stab ist als Ordnung zu erkennen, die Axt gilt als Leidenschaftslosigkeit.
13.34 Die Schlinge ist Maya, der Haken Verlangen, der Hammer Ichbewusstsein; der Donnerkeil ist makellose Erkenntnis, der Speer wird als Samadhi bezeichnet.
13.35 Höre nun der Reihe nach die Meditation über die Schar der schönen Göttinnen, die für den vielgestaltigen Herrn mit oder ohne tragende Unterlage genannt wurde.
13.36 Cinta glänzt wie Indras Bogen, Lakshmi wie ein roter Lotus; Pushti ist goldhell, Kirti weiß wie ein Kumuda-Lotus.
13.37 Jaya gleicht dem Sonnenglanz, Maya gilt als schwarz wie Augensalbe; Shuddhi gleicht der Kimshuka-Blüte, Niranjana der Gunja-Saat.
13.38 Nitya leuchtet wie Bandhujiva, Jnanashakti ist weißrötlich; Aparajita ist als von der Farbe eines geöffneten blauen Lotus zu erkennen.
13.39 Prakrti glänzt wie ein roter Lotus, Sarasvati ist weißgelb; die alle Wünsche gewährende Siddhi gleicht einem Saphir.
13.40 Pritivardhani ist als zinnoberfarben zu erkennen; Yashaskari ist milchhell, Shantida leuchtet korallenrot.
13.41 Tushti gleicht Schnee, Daya einem Vaidurya-Edelstein, Nidra einem Magnetstein; Kshama leuchtet gelbrot.
13.42 Kanti gleicht einem Spiegel, Dhrti leuchtet wie Gorocana; Maitri gleicht der Bandhuka-Blüte, Rati dem roten Ocker.
13.43 Mati besitzt Smaragdglanz. Alle haben freudige Gesichter, tragen göttliche Kränze und Gewänder und sind mit vielerlei Schmuck geschmückt.
13.44 Mit göttlichen Girlanden und Umhüllungen versehen, blicken sie auf ihren eigenen Herrn. Von den vier zuvor genannten Shaktis des auf dem Lager ruhenden Herrn
13.45 fächelt die im Osten stehende dem Ungeborenen zu; die drei in den drei anderen Richtungen sind seiner Massage hingegeben.
13.46 Wo Shri allein beim Herrn ist, wurde ihre Anordnung zuvor erklärt: Wo Shri allein beim Herrn ist, [steht sie] links oder rechts.
13.47 Wo das Paar Shri und Pushti ist, [sitzen sie] rechts und links, im Lotussitz auf den beiden Vogelflügeln.
13.48 Eine Hand ist reich mit einem Lotusstängel versehen, die andere hält einen sanften [gerundeten] Krug. Der ursprüngliche Leib des Alldurchdringenden besteht aus Feuer und Soma;
13.49 entsprechend ist sein Shakti-Paar unvermengt und unterschiedlich bestimmt. Lakshmi gilt als die Kraft des Erfahrenden, Pushti wird als die Kraft des Handelnden bezeichnet.
13.50 Zusammen mit ihm, der aus Mitgefühl mit der Welt zur Erfahrung herabsteigt, tritt dieses unvergängliche Shakti-Paar hervor.
13.51 Dessen Entfaltung in Vielheit ist beschrieben. Die Vierheit der Göttinnen im Inneren der vier Richtungsblätter
13.52 [trägt] der Reihe nach die Waffen Axt, Schlinge und Haken [die Aufzählung ist unvollständig beziehungsweise syntaktisch unsicher]. Die Sechsheit steht im Staubfadennetz, davon zwei im Osten und Westen,
13.53 je zwei im Norden und Süden. In ihren linken Händen [sind] Muschelhorn, Diskus, Keule, Pflug, Pfeilwaffe und das heilvolle Nandaka.
13.54 Bei den vortrefflichen acht Gemahlinnen, die in der Mitte der Blätter sitzen, ist in den linken Händen von Anfang an folgende Acht zu erkennen:
13.55 Shriphala-Frucht, Gebetskette, Kranz, Spiegel, Blumenrispe, Sitz, Glöckchen und Waffenschar, du Lotusäugiger.
13.56 Bei den zwölf ist die Hand als Frieden und Furchtlosigkeit verleihend zu verstehen. Alle sind wechselweise mit einem Yakschweif gekennzeichnet.
13.57 Sie sitzen im Svastika-Sitz, innerlich freudig. Bei dieser Gruppe von zwei bis zwölf [Göttinnen], du Pflugträger,
13.58 entstehen durch weiße und andere Farben, durch Vertauschen der Kennzeichen, durch gleiche Kennzeichen oder deren Weglassen,
13.59 durch wechselseitige Wunschgewährungs- und Furchtlosigkeitshände und durch das Alleinsein zahlreiche Unterschiede; diese sind wie zuvor zu verstehen.
13.60 Die übrige Götterschar, die als Werkzeug des Weltwerdens dient, ist wohlbekannt, du Einsichtsvoller; jedoch [trägt sie] Lotus und weitere [Zeichen] wie zuvor.
13.61 Die übrige [Schar] der Götter ist die Ausstattung des Weltwerdens. Wer ihnen allen stets mit Hingabe, Vertrauen und Gelübden ergeben ist, [Der erste Halbvers wiederholt die Vorlage von 13.60.]
13.62 und nach solcher Meditation mit den unmittelbar zu berührenden und den übrigen Gaben die Verehrung vollzieht, erlangt bald die gewünschte Frucht bis hin zur Befreiung.
13.63 Oder man verehre mit Hingabe die erwünschte Gestalt, umgeben vom Gefolge von Krone bis Waffen,
13.64 oder ohne Gefolge, durch ihre eigene Meditation bestimmt. Durch Verehrung verleiht sie gewiss ihre eigene Stätte samt der [gewünschten] Frucht.
13.65 Hat der Übende dies verstanden, vollziehe er die Verehrung nach seiner inneren Neigung, mit sämtlichen reinen Gaben, die seinen eigenen Kräften entsprechen,
13.66 im Herzen, auf dem Altar, äußerlich im Kultbild, im Tempel oder im eigenen Haus: in einem ansprechenden, abgeschiedenen, geheiligten Raum, ohne zahlreiche Umfassungsmauern, frei von Rauch, Hitze und ähnlichen Störungen.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 13 mit dem Namen „Meditation über die Gottheiten der Schmuckstücke und Waffen“.
Kapitel 14
Zur Orientierung: Die Darbringung der heiligen Fäden verbindet rituelle Sorgfalt mit der Bitte um Vergebung. Im Gebet von 14.17 erscheint die Verehrung als Ausdruck der Hingabe an den bereits in sich erfüllten Herrn.
14.1 [Narada sprach:] Ihr Herren der Weisen, der Pflugträger befragte Vishnu, damit die täglichen und die anlassbezogenen Handlungen ununterbrochen [gewahrt werden können].
14.2 [Sankarshana sprach:] Lotusäugiger, wer mit durch Vertrauen gereinigtem Geist den Entschluss gefasst hat, dich bis zum Lebensende täglich zu verehren,
14.3 bei dem aber durch einen unvorhergesehenen Ausfall oder das Fehlen von Gaben [ein Mangel] entsteht: Wie dieser gestillt wird, möchte ich jetzt erfahren.
14.4 [Der Erhabene sprach:] Wenn jemandem die Gaben fehlen, ohne dass Habgier der Grund ist; wenn jemand Krcchra und andere [Observanzen] mangels Kraft aufgeben muss;
14.5 wenn durch Fieber oder andere Krankheiten die täglichen Handlungen ausfallen; wenn jemand das Viermonatsgelübde ohne eigene Entscheidungsfreiheit nicht vollziehen kann:
14.6 Höre, du Einsichtsvoller, was für jeden als heilsam vorgesehen ist. Die unmittelbar zu berührenden Gaben werden durch eine entsprechende Geldgabe ergänzt.
14.7 Die als zu Herzen gehend bezeichneten [Speisegaben ergänze man] mit einer von Opferbutter durchtränkten [Gabe]; für die dienenden Ehrenbezeugungen sind Samen [als Ersatz] vorgesehen. [Die erste Anweisung ist in der Vorlage verkürzt.]
14.8 Die viermonatige Selbstbeschränkung, verbunden mit besonderer Verehrung, ergänzt Gelübde wie Krcchra und Candrayana.
14.9 Eine schöne, bunte Fadenschnur, einer Perlenkette gleichend, stillt bei den Verehrern stets die Unterlassungen des täglichen Rituals.
14.10 Man fertige sie an einem günstigen Tag innerhalb der vier Monate, vom Vollmond des Ashadha bis zum
14.11 Vollmondtag des Karttika; diese mondbezogene Zeit ist die letztgenannte [Rangstufe]. Vom Eintritt [der Sonne] in den Krebs bis zum Ende ihres Aufenthalts in der Waage
14.12 liegt die acht Halbmonate umfassende Sonnenzeit, die als mittlere bezeichnet wird. Die mit dem elften Mondtag beginnende und endende, durch das Viermonatsgelübde bestimmte Zeit
14.13 wisse als die Vishnu-Zeit, die höchste, die alle Vollendungen schenkt. Kann man wegen irgendeines Hindernisses diese Zeit nicht einhalten,
14.14 ist auch eine andere Zeit mit Candrayana und weiteren [Observanzen] zu erfüllen. Darin ist die Ergänzung des Opfers vorschriftsgemäß auszuführen.
14.15 An den drei zuvor genannten, durch Vollmond und weitere [Termine] bestimmten Tagen vollziehe man das Ritual der heiligen Schnur, mit Fasten und den vorbereitenden Handlungen.
14.16 Am zehnten Mondtag verehre man [den Herrn] und opfere bei Einbruch der Nacht im Feuer. Man lade den Herrn der Götter ein, bringe Arghya und dann Räucherwerk dar [und spreche]:
14.17 „Unvergänglicher, du bist durch die Gaben deiner eigenen Glückseligkeit ewig erfüllt. Dennoch verehre ich dich, von Hingabe erfüllt, um das Selbst zu verwirklichen.“
14.18 So sprechend bringe man Mundduftmittel und weitere [Gaben] sowie das Zahnholz dar. Nach der Verehrung mit Wohlgerüchen [bereite man] aus weißen Fäden
14.19 eine schöne heilige Schnur oder viele gleiche. Nach Vermögen färbe man sie schön mit Safran und weiteren Stoffen.
14.20 Man schmücke sie mit gestielten goldenen Blumen, die mit verschiedenen Edelsteinen geschmückt sind, oder mit ansprechenden silbernen.
14.21 Man lege sie in ein neues, beräuchertes Gefäß, bedecke sie mit einem Tuch, verehre sie mit dem Pranava und stelle sie vor den Herrn.
14.22 Man umwinde das Gotteshaus außen und innen und den Opferraum mit einer weißen, vierfachen oder entsprechend vervielfachten Schnur.
14.23 Dann bitte man die Gemeinschaft derer, die den fünf Tageszeiten [der Verehrung] ergeben sind, die sechs Pflichten ausüben, und die Schar der Vishnu-Asketen:
14.24 „In eurer Gegenwart werde ich morgen den Herrn mit Hingabe verehren. Seid deshalb anwesend, aus dem Wunsch, mir eure Gunst zu erweisen.“
14.25 Am elften Mondtag vollziehe man Bad und weitere Handlungen mit besonderer Sorgfalt, den Ritualteil bis zum Feueropfer. Danach, Japa und Lobpreis hingegeben,
14.26 verbringe man die Nacht wachend vor dem zu Verehrenden. Am Morgen verehre man den Herrn der Götter erneut vorschriftsgemäß.
14.27 Mit dem Pranava schmücke man ihn vom Haupt an mit dem Schmuck und den vielen seiner Gestalt entsprechenden [Schnüren]. Mit gefalteten Händen spreche man:
14.28 „Weder aus Überheblichkeit noch aus Verblendung habe ich eine Handlung unterlassen. Herr aller, du weißt alles, da du im Herzen wohnst.
14.29 Ich [handelte] nach Vermögen und nicht aus eigenem Wunsch [zur Unterlassung], höchster Herr. Um dessentwillen habe ich diese Handlung zu deiner Freude vollzogen.“
14.30 So sprechend verehre man vier Angehörige des Pancharatra, in ihnen den Erhabenen erkennend, nach Vermögen mit Obergewändern und Geldgaben.
14.31 Ebenso [verehre man] Brahmacarins, Asketen und Gurus mit den Gaben bis hin zur heiligen Schnur. Nachdem man sie mit verschiedenen reinen Speisen gesättigt hat,
14.32 bitte man um Nachsicht, begleite sie ein Stück und nehme danach die zuvor dargebrachte Speise zu sich. Am folgenden Tag vollziehe man die rituelle Zurücknahme nach Vorschrift.
14.33 Man entferne die Kränze und weiteren [Gaben] oder bringe sie täglich [neu] dar, solange sie nicht verwelken; oder man entferne sie am vierten Tag,
14.34 nach einer besonderen Verehrung, zur jeweils vorgesehenen Zeit für die Ausführenden. Ist dies so getan, erlangen die Verehrer beständige Vollendung und in jeder Hinsicht das im Herzen Ersehnte.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 14 mit dem Namen „Vorschrift des Auflegens der heiligen Schnüre“.
Kapitel 15
Zur Orientierung: Das heilige Bad wird im Zusammenhang der Gottesverehrung beschrieben. Die Bitte in 15.17–19 erkennt Gott selbst als heilige Stätte und als Grund von allem an.
15.1 [Der Erhabene sprach:] Nachdem man die Ergänzungshandlung für Askese, Gaben, Gelübde und die vorgeschriebenen täglichen Handlungen sowie für sämtliche Opfergaben vollzogen hat,
15.2 führe man am nächsten, vierten oder siebten Tag das Bad der verehrten Mantragestalt an einer heiligen Wasserstelle oder einem Zusammenfluss durch,
15.3 in einem zum Meer fließenden Fluss, einem natürlich entstandenen Gewässer oder See: zur Freude des höchsten Herrn, zur Stillung des eigenen Leidens,
15.4 zur Freude der Götter, zur Sättigung der Ahnen, zur Kräftigung der Wesen und zum Gedeihen der Welten,
15.5 zur Beruhigung der Fehler des Landes und zum Wohl von Kühen und Brahmanen. [Man nehme] vielfach verzweigtes Darbha-Gras mit ungebrochener Spitze, samt Wurzel und noch ohne Blüte.
15.6 Nach Osten gewandt nehme man es zuerst mit dem Pranava aus der Erde. Mit ebendiesem lasse man seine Wurzel wie zuvor [göttlich] besetzt sein.
15.7 Den mittleren, nach unten liegenden Stängel verehre man mit dem Herrn der Mantras und vergegenwärtige ihn sich als vom großen Atman durchdrungen.
15.8 Wisse, dies ist die Entfaltung des höchsten Atman namens Adhyaksha. Der hohe, unter den Stängeln hervorragende Halm mit vielen inneren Kammern
15.9 wird als Purusha-Prinzip mit den Eigenschaften Anima und weiteren aufgefasst. Sein zweifach bestimmter, mit Hamsa verbundener bezeichnender [Mantra] ist anzuwenden.
15.10 Mit vier äußeren Stängeln knüpfe man die Vierheit von Citta bis zum Unmanifestierten, nach unten gewandt, jeweils mit ihren eigenen Wörtern,
15.11 die mit dem Pranava beginnen und mit Namah enden, alldurchdringend und von feinem Wesen. Ebenso knüpfe man die fünf [Sinne] vom Gehör an unter ihrem eigenen Namen,
15.12 danach die Handlungsorgane, dann die fünf feinen Wahrnehmungsgegenstände und danach die fünf Elemente bis hin zur Erde.
15.13 Mit den übrigen Stängeln binde man dies wie ein Floß zusammen, ausgenommen die Schar der Spitzen, bis zum nach oben gewandten Bereich,
15.14 und etwas darüber hinaus, damit die nach der Zahl der Prinzipien angeordnete Stängelschar nicht wieder auseinandergeht.
15.15 Wenn die Stängel auseinanderweichen oder einer von ihnen bricht, entsteht eine Veränderung [der rituellen Ordnung]. Deshalb binde man sie fest zusammen.
15.16 Hat man so zuerst das Pavitraka aus Darbha-Rispen hergestellt, richte man darauf die jeweils zugehörige Mantrameditation.
15.17 Man verehre es mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben, schmücke es und spreche: „Du allein bist die heilige Wasserstelle, Erhabener, du allein die höchste Wohnstatt.
15.18 Ich weiß wahrhaft, dass alles allein in dir gegründet ist. Dennoch hast du den segenspendenden Ritualteil gelehrt.
15.19 Diesen vollziehe ich heute, im Wunsch nach deiner Gnade.“ So trage man das Anliegen der erhabenen Mantragestalt vor, die das Höhere und das Niedere umfasst.
15.20 Man lege sie in ein Blattgefäß oder auf einen heiligen Wagen. Begleitet vom Klang der Veden, Gesängen, Muschelhörnern und glückverheißenden [Darbietungen]
15.21 bringe man sie zur heiligen Wasserstelle und stelle dort am Ufer den Wagen nach Osten gerichtet auf. Dann nehme man das Pavitraka
15.22 und lege es auf die linke Handfläche, gleichsam auf den Erdkreis; mit der rechten Hand halte man es in der Mitte.
15.23 Man steige ins Wasser und tauche zusammen mit ihm unter. Zu diesem Zeitpunkt stellen sich dort unverzüglich
15.24 sämtliche heiligen Wasserstellen der drei Welten ein. Wo die Mantragestalt auch nur einen Augenblick zum Schutz in einem Gewässer verweilt,
15.25 kommen alle heiligen Stätten und Wasserstellen zusammen. Wie viel mehr dort, wo der Erhabene Adhokshaja in Mantragestalt,
15.26 vom Übenden gebeten, mit dem Gedanken, alle zu begnaden, badet! Wenn ein Wissender, der die Wahrheit kennt, nach diesem Verfahren eine heilige Wasserstelle aufsucht
15.27 und Verwandte, Freunde und andere baden lässt, erlangen sie durch die Gnade der Mantragestalt bald mühelos die Frucht der Wallfahrt.
15.28 Dieses Verfahren soll jedoch ohne jenen Wagen und ohne Instrumentalmusik geschehen. Wisse, du Einsichtsvoller, folgende Besonderheit dieser Handlung:
15.29 Die allgemeine, unvergängliche, bewusstseinsartige Gestalt des Herrn betrachte man als Jivahamsa, verbunden mit der besonderen Bezeichnung [des Einzelnen].
15.30 Man stelle sich das Pavitraka in dessen Gestalt vor und lasse ihn dann mit Wasser baden. So [vollziehe man] mit demselben oder mit vielen [Pavitrakas] für viele andere
15.31 das Bad mit [Gras-]Sitzen, auch für weit Entfernte. Wenn das Bad so vollendet ist, du Einsichtsvoller, [lege man] am zweiten Tag
15.32 jene [Mantragestalt] auf einen verehrten Wagen, verehre sie vorschriftsgemäß und veranstalte das Yatra genannte Fest, mit Speisengaben beginnend,
15.33 mit Tanz, Gesang und Instrumentalmusik, verbunden mit nächtlichem Wachen, hingebungsvoll eine, zwei oder drei Nächte lang.
15.34 Wer einmal am Ende des Jahres das Fest mit Bad und weiteren Handlungen für den Herrn der Mantras vollzieht, erlangt die höchste Vollendung.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 15 mit dem Namen „Vorschrift des heiligen Bades“.
Kapitel 16
Zur Orientierung: Das Kapitel behandelt die Reinigung von Verfehlungen und die Möglichkeit der Umkehr. Reue und Zuflucht stehen neben einer anschaulichen Frage: Woran wird göttliche Gnade im Menschen erkennbar? Die Antwort nennt unter anderem Klarheit, Standhaftigkeit, Zufriedenheit und Freigebigkeit.
16.1 [Narada sprach:] Ihr Herren der Weisen, der Herr wurde wieder vom Waldkranzträger befragt. Was dem Wohl aller Welten dient, werde ich nun erklären.
16.2 [Sankarshana sprach:] Gott, wie sollen die Brahmanen und die anderen, die sich dieser Ordnung angeschlossen haben, eingeweiht werden? Dies möchte ich wissen.
16.3 [Der Erhabene sprach:] Höre, du Pflugträger, in Kürze die dreifache, alle Vollendungen schenkende Weise der Einweihung für die zuvor der Reihe nach genannten Stände.
16.4 Ein Mensch mit den zuvor genannten Merkmalen, von sehr fester Entschlossenheit, erkennt [seine Lage], fürchtet die Gefahr des Samsara und wünscht Nirvana.
16.5 Fest durch Leidenschaftslosigkeit und nicht flatterhaft, verweilt er lange im Haus des Guru in dienender Haltung, frei von Überdruss und Unruhe.
16.6 Hat man sein ernstes Verlangen erkannt, rufe man ihn herbei, lasse ihn vor sich sitzen und frage nach seinem Tun und Unterlassen seit Beginn seiner Erinnerung bis zu diesem Augenblick.
16.7 Man erkenne genau die Stärke seiner Fehler und reinige ihn sorgfältig mit den vorgeschriebenen Sühnübungen, beginnend mit Krcchra und Atikrcchra.
16.8 Ist er zu den vielen belastenden [Übungen] nicht fähig, du Pflugträger, so [verpflichte man ihn] bis zum Klarwerden des Geistes oder für zwölf Tage
16.9 zu maßvoller, reiner, nicht erbettelter Nachtmahlzeit, zu Lobpreis, Reinigung, Bad und zur Beschaffung von Blumen und weiteren [Gaben],
16.10 in einer Niederlassung der Vishnu-Verehrer oder einem göttlichen und ähnlichen Heiligtum des Herrn, sowie zur unablässigen Betrachtung des Gottesbildes vom Sockel an.
16.11 Wer von edler Geburt ist, zuvor durch schlechte Taten befleckt war, jetzt aber durch Hingabe an den Erhabenen seinen Geist gereinigt hat,
16.12 faste einen Tag und eine Nacht und lasse Nägel und Haare entfernen. Dann bereite man Panchagavya samt Kusha-Wasser mit den Herz- und weiteren [Mantras] zu.
16.13 Man wiederhole darüber die Mantras von Vasudeva an vierhundertmal. So lasse der Einsichtige ihn vier Tage lang damit baden.
16.14 Täglich viermal, vom Morgen bis zum Einbruch der Nacht, fülle er jeweils die Brahma-Wasserstelle [an der Hand] und trinke vier [Portionen].
16.15 Mit den der Reihe nach vorgeschriebenen Mantras vollziehe er dazwischen das rituelle Schlürfen. Am Ende esse er ohne volle Sättigung, mit Milch und Ghee versetzte Speise,
16.16 oder verbringe die vier Tage und Nächte mit Früchten und Wurzeln. So ist für diejenigen, die mit Hingabe Zuflucht genommen und sich auch nach lebenslangem Unrecht davon abgewandt haben,
16.17 von mir heute die höchste leibreinigende Sühneübung samt Brahmakurca erklärt worden.
16.18 Zuerst erkenne man die Schwere der dreifachen Fehler und gebe, soweit möglich, fortgesetzt Gold und weitere Gaben.
16.19 Bei geringem Fehlverhalten vermindere man die zuvor vorgeschriebene Zeit der Reihe nach um ein Viertel; dann trinke man Brahmakurca.
16.20 Nach Zeit und Rang des Standes wird eine gemeinsame, alle Befleckungen vernichtende Sühne für sämtliche [Menschen] erklärt.
16.21 Zuerst erkenne man die zunehmende Schwere des Fehlverhaltens. Der treffliche Zweimalgeborene tilge es durch zwei-, drei- oder vierfache Monatszeiten.
16.22 Ein Angehöriger des Krieger-, Händler- oder Shudra-Standes verlängere jeweils um einen Monat, ausgehend von einem Monat und den weiteren Zeiten in der entsprechenden Reihenfolge.
16.23 Selbst wer zuvor schlecht handelte, alles aß, undankbar war oder die heilige Ordnung leugnete: Wenn er mit Vertrauen beim ursprünglichen Gott Zuflucht sucht,
16.24 wisse, dass dieses Wesen durch die Macht des höchsten Atman frei von Fehlern ist. Wie viel mehr derjenige, der von Reue bewegt in dieser Lehre feststeht,
16.25 vom Unrecht ablässt und im Schatten der Hingabe Zuflucht sucht! Für die so von ihren Fehlern Gereinigten [vollziehe man], um die in vielen Geburten erworbene
16.26 Befleckung zu vernichten, du Einsichtsvoller, zunächst die Narasimha-Einweihung und erteile ihnen [die Unterweisung] mit dem Mantra.
16.27 [Man ordne an] die rechte äußere und innere Verehrung eben dieses Herrn in seiner Erscheinungsform für vier Monate,
16.28 acht Monate oder ein Jahr, nachdem man zuvor die Stärke ihrer inneren Haltung erkannt hat. Erkennt man bei den Menschen guter Gesinnung die Gnade des höchsten Herrn,
16.29 vollziehe man anschließend die Einweihung in die Erscheinungsformen, die Vyuhas und die feine [Form]. [Sankarshana fragte:] An welchen Zeichen ist bei den Übenden, nach dem Schwinden des Unheils,
16.30 durch rechte Verehrung die Gnade des Mantras zu erkennen, Herr der Kamala? [Der Erhabene sprach:] An unvergleichlicher Klarheit des Geistes und stark zunehmender Ausstrahlung,
16.31 an Eigenschaften wie Standhaftigkeit, Begeisterung, Zufriedenheit und Freigebigkeit. Bei denen, die dies besitzen, wisse man: Die Mantragestalt hat sich ihnen zugewandt.
16.32 Wenn die Anwendung von Friedensriten und weiteren Handlungen schon nach kurzer Zeit Erfolg hat, ist aus diesem Grund zu erkennen,
16.33 dass das Verbrennen der Verfehlungen vollendet und der König der Mantras gnädig geworden ist. Wenn er bei entsprechender Anwendung bald Dharma, Wunscherfüllung und Wohlergehen gewährt,
16.34 auch die acht Kräfte von Anima an und verschiedene Yoga-Vollendungen samt Selbstverwirklichung, gelten [die Mantragottheiten] als ganz zufriedengestellt.
16.35 An welcher Erscheinungsgestalt jemandes Geist Freude findet, mit dieser vollziehe man seine Einweihung zur Stillung der Befleckung.
16.36 Er verehre sie und werde für die zuvor genannte Zeit [dazu] verpflichtet, um seine Eignung zu prüfen, bis bei allen Dingen Frieden [eingetreten ist].
16.37 Mit dem Narasimha-Mantra oder einem anderen gewünschten Mantra, durch Einweihung, Verehrung, Feueropfer, Japa, Gelübde und weitere [Übungen],
16.38 auch durch die bloße, besonders hervortretende friedenspendende Handlung ohne Anima und weitere Siddhis, erkenne man, dass die Verfehlung vernichtet ist.
16.39 Nach dieser Zeit soll man dann [weiter] betrachten, du Lotusblattäugiger. Zur Erlangung der Vollendungen der Erscheinungsformen und der Herrlichkeit der sechs Eigenschaften,
16.40 um das höchste Heil und göttliche Entfaltung zu erlangen, empfange man die vortrefflichen drei Einweihungen von einem darum gebetenen, wohlgesinnten und zustimmenden Lehrer.
16.41 Oder dieser selbst, von Mitgefühl erfüllt, vollziehe sie auch ungebeten für die von Verfehlungen Gereinigten, die sich fürchten und Zuflucht suchen, die vorbereitet und mit der Handlung zur Abwaschung des Unheils verbunden sind.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 16 mit dem Namen „Verfahren zur Stillung des Unheils“.
Kapitel 17
Zur Orientierung: Der umfangreiche Narasimha-Zyklus umfasst Schutzrituale, Gelübde, Darbringungen und Unterweisung zur Befreiung. Für die ethische Ausrichtung sind 17.328–330 besonders bedeutsam: Das Leben anderer soll geschont werden. Die Aussagen über Krankheiten und Heilwirkungen gehören zur religiösen Vorstellungswelt des Textes; sie sind keine heutige medizinische Anleitung.
17.1 [Narada sprach:] Ihr vortrefflichen Weisen, wieder wurde der Herr Shris vom mächtigen Pflugträger zum Wohl derer befragt, die das Weltwerden fürchten.
17.2 [Sankarshana sprach:] Durch welches Verfahren wird der Erhabene Narasimha, der Beschützer des Alls, den Menschen gnädig, die ihn verehren?
17.3 [Der Erhabene sprach:] Höre, wie ich den Mantra der Erscheinungsform erkläre, der Vollendung und Befreiung schenkt und die Verblendung der Verkörperung besiegt,
17.4 den ewigen [Mantra] des großen Narasimha, der nach Willen Gestalt annimmt. Das zuvor erklärte Buchstabenrad [zeichne man] auf gut geschütztem Boden,
17.5 der sorgfältig bestrichen ist; nachdem man es vorschriftsgemäß verehrt hat, entnehme man ihm den Mantra von vielfacher wunderbarer Macht.
17.6 Zuerst nehme man den Pranava; danach setze man den neunten der Nabenlaute, darüber den vierzehnten der Speichen.
17.7 Darüber setze man den in dessen Innerem liegenden Laut kugelförmig. Dieser mit Namah endende Laut bezeichnet den höchsten Atman.
17.8 Die sechs Eigenschaften von Erkenntnis an wurden zuvor als Herz und weitere [Glieder] erklärt. Für sie schreibe man diesen Laut allein sechsmal.
17.9 Man verbinde ihn der Reihe nach mit dem zweiten, vierten, sechsten, zwölften, letzten und vierzehnten [Laut] der Speichengruppe.
17.10 Alle außer dem fünften versehe man wie den Bija mit dem Kopfzeichen. Bei allen steht der Pranava zuerst; am Ende der eigenen Benennung
17.11 folgen jeweils die zugehörigen Abschlusslaute, der Reihe nach bis Vaushat. Mit [der Formel] „Om, Verehrung dem erhabenen Narasimha“,
17.12 diesem zwölfsilbigen Mantra, vergegenwärtige man sich [den Herrn] zuvor leibhaftig und verehre ihn mit dem ersten [Bija] samt seinen Gliedern, außen und innen gegenwärtig.
17.13 Wer die Befugnis erlangt hat, mit diesem Mantra eingeweiht ist, stets Hingabe und Vertrauen pflegt, einsichtig und von Zweifel befreit ist,
17.14 stets Freude am Auftrag des Guru hat, sich von Netzen streitsüchtiger Worte fernhält, seinen eigenen Aufgaben treu ist, Waldeinsiedler oder Hausvater:
17.15 Höre das Verfahren, nach dem er den Mantra verehren soll. Zuerst beschaffe er alle Gaben auf rechtmäßige Weise.
17.16 Gebadet, die Haare gebunden, schweigend, in reiner Kleidung, mit Arghya und Blumen, vollziehe er die Verehrung der Torhüter und weitere [Vorbereitungen] und setze sich dann auf den Sitz.
17.17 Mit Atemregelung und den beiden Konzentrationen vollziehe er die Reinigung der Elemente, mit dem Mantra allein, verbunden mit innerer Vorstellung.
17.18 Er meditiere über den Gott im Nabelbereich, sammle die Befleckung und stoße sie, durch den Atemweg hervorgegangen, bis zum Dvadashanta [Zwölf-Finger-Endpunkt] aus.
17.19 Den von Verfehlung freien Mantraherrn ziehe er zusammen mit dem Windkreis durch die Nasenspitze ein, um den Leib zu erfüllen.
17.20 Er meditiere über ihn im Herzen bei angehaltenem Atemstrom, um den Geist zu beruhigen und den Lebenswind zu meistern.
17.21 Dann entlasse er ganz langsam nur den Atem nach außen. Mit Ausnahme der abschließenden Ausatmung [verfahre man] so bei den anderen [Atemphasen] jeweils fortschreitend,
17.22 stets nach Vermögen mit einer zeitlichen Verminderung. Im Dvadashanta [betrachte man] dann den Mantraherrn, erhitztem Gold gleichend,
17.23 tausend Sonnen gleichend, inmitten eines runden Kreises; so vergegenwärtigt verbrenne man den eigenen, von den feinen Elementen gelösten Leib.
17.24 An der Spitze der großen Zehe des rechten Fußes meditiere man über den Shikha-Laut, in Gestalt des Weltuntergangsfeuers und von Flammen umgeben.
17.25 Dadurch betrachte man den eigenen Leib als ringsum brennend. Die aus dem Leib entstandene Flamme stelle man sich als im Herrn der Mantras aufgelöst vor.
17.26 Man richte den Geist auf diese göttliche, ganz friedvolle Gestalt und besprenge den eigenen Leib mit dem Nektarstrom aus dem eigenen Mantra.
17.27 Dann ziehe man dieses Bild samt Mantra herbei und setze es ins Herz ein. Danach setze man den strahlenden zwölfsilbigen [Mantra] in die beiden Hände ein,
17.28 vom Handgelenk bis zu den Nagelspitzen, mit dem Wurzelmantra voran. Herz und die weiteren bis zur Waffe [setze man] auf die Finger vom Daumen an,
17.29 jeweils paarweise auf alle [entsprechenden Finger]; die Augen [ruhen] an den Nagelspitzen. Vom Haupt bis zu den Füßen setze man den zwölfsilbigen [Mantra] in den Leib ein.
17.30 Ebenso setze man in sein Inneres den Wurzelmantra als Lebensprinzip ein. Die sechs Glieder vom Herzen bis zu den Augen [setze man] an ihre eigenen Stellen,
17.31 mit den jeweils zugehörigen Fingerpaaren, als Licht ohne Gestalt. Shrivatsa [setze man] links auf die Brust, glänzend wie der Vollmond.
17.32 Kaustubha setze man ins Herz, von brennendem Strahlenglanz, und an den Hals die aus verschiedenen Lotus- und Waldblumen entstandene Waldgirlande.
17.33 Den Lotus setze man in die rechte, das Muschelhorn in die linke Hand; wieder die Keule in die Lotushand und den königlichen Diskus in die Muschelhornhand.
17.34 Dann setze man das Schwert in die rechte und den Bogen in die linke Hand. Von der Schulter an ist rechts Shri einzusetzen, links entsprechend
17.35 Pushti bis zum Knöchel; in die Mitte des Mundes Sarasvati und hinten Nidra. Dann forme man mit beiden Händen
17.36 die Mudra, vergegenwärtige sich die Meditationsgestalt und denke: „Ich bin die Gottheit.“ Danach [bereite man], mit Pranava, jeweils eigenem Namen und Verneigung,
17.37 den Sitz von Shesha an bis zum Feuer. Nachdem man ihn eingenommen hat, bilde man ebendiesen im eigenen Herzen.
17.38 Darüber mache man das eigene makellose, dem Brahman entsprechende Bewusstsein frei von gedanklichen Unterscheidungen. Durch den Willen entfaltet es sich
17.39 als höchste Klangschwingung, wiederum als deren Leuchten und auch als Offenbarung. Wenn entsprechend die Auflösung geschieht,
17.40 ist dies als Entlassung zu verstehen, sobald die Ritualfolge vollendet ist. Dies ist die Reihenfolge beim Herabführen der nacheinander genannten Mantras.
17.41 Ihre Kennzeichen, Handlungen, Meditation und Gestaltung muss der Verehrer bei jeder einzelnen Handlung stets kennen.
17.42 Dann vollziehe man die Einsetzung der Mantras des Herrn, jedoch ohne die Handeinsetzung. Man meditiere [über ihn] und [verehre ihn] mit aus der Vorstellung entstandenen, höchst reinigenden Gaben.
17.43 Nach der Verehrung bis zum Japa führe man ihn nach außen herab und verehre ihn. Mit rechter und linker Hand und dem Herz-Bija betrachte man
17.44 Sonne und Mond und bewirke damit das Verbrennen und erneute Hervorbringen der Opferstoffe. Man nehme Wasser in ein Gefäß und gebe hinein
17.45 strahlend weißen Reis zusammen mit Blumen und Duftstoffen, durch den Herzmantra geweiht. Oft bespräche man ihn mit dem mit Pranava beginnenden Herzmantra.
17.46 Mit daraus entnommenem Wasser besprenge man unter Aussprechen des Waffenmantras den eigenen Sitzplatz und die Opfergeräte.
17.47 Vom gemalten Gottesbild entferne man die bereits gebrauchten Blumen und weiteren [Gaben]; dann wische man den Staub mit einem Tuch ab.
17.48 Bei einem Bild aus Metall und ähnlichem Material vollziehe man das Abwaschen mit Duftwasser. Den Boden bestreiche man mit Kuhdung und Wasser.
17.49 Dort zeichne man ein Mandala, nachdem man es zuvor gleichmäßig mit Schnüren abgeteilt hat: viereckig, mit vier Toren, geschmückt mit Umlaufgang, Sitz und Lotus.
17.50 Außerhalb des Lotus [zeichne man] ein Rad mit drei Naben, Radkranz und sechs Speichen, mit reinen weißen und weiteren Farben oder mit entsprechend schönen Blumen,
17.51 mit wohlriechenden Stoffen von Sandel an, mit Senf, Sesam und Reis, oder man fülle es vollständig mit Pulver aus sämtlichen Heilkräutern.
17.52 Dann verehre man das Arghya-Gefäß mit Blumen und den ungeteilten Mantras. Man entnehme ihm etwas Wasser in ein anderes Gefäß
17.53 und verehre den Yogasitz, verbunden mit innerer Betrachtung, der Reihe nach mit dem jeweiligen Namen, dem Pranava voran und Namah am Ende.
17.54 In der Mitte vergegenwärtige man sich Anantesha, den Herrn, dessen Wesen die Grundlage aller ist; von Südosten bis Nordosten [setze man] die Vierheit von Dharma an [ein].
17.55 Von Osten bis Norden setze man dann Adharma und die folgenden ein. Darüber meditiere man über den Lotus unter seinem eigenen Namen, und entsprechend darüber
17.56 vergegenwärtige man sich die darauf ruhende Sonne, den Mond im Staubfadenbereich und das Feuer auf dem Fruchtboden. Dann verehre man [dies] mit Duftstoffen und weiteren Gaben.
17.57 Nachdem man zuerst die Gurulinie und Ganesha und die übrigen verehrt und die Erlaubnis erhalten hat, nehme man einen Krug mit günstigen Merkmalen.
17.58 Man fülle ihn mit Wasser, über das der Waffenmantra gesprochen wurde, und lege zuerst Gold, einen Edelstein, Samen, Heilkräuter und gute Früchte hinein.
17.59 Man [füge] eine beblätterte Blütenrispe von Mango oder anderen Bäumen hinzu, umwinde den Hals mit Seidentuch und Kranz und bestreiche ihn mit Sandel.
17.60 Darin verehre man der Reihe nach den Mantra samt seinen Gliedern und Umhüllungen. Im Osten außerhalb des Mandala lege man einen Blumenring aus,
17.61 über den der Sitzmantra gesprochen wurde, und stelle den Krug darauf. Dann ist der Mantra mit makellosem Strahlenglanz aus dem Herzen herabzuführen,
17.62 durch Handlung, Geist und Rede auf dem Weg der Vollendung durch die Übenden, ohne dass er sein eigenes Wesen verlässt, wie das Sonnenbild im Wasser.
17.63 Durch die Handlung sende man ihn aus, mit der Stimme spreche man den Mantra, verbunden mit dem Wort „Komm!“, und im Geist vergegenwärtige man seine Gestalt.
17.64 Nach dieser Herbeirufung gebe man mit Hingabe Arghya und Fußwasser. Die Verehrung aller offenbar gegenwärtigen Mantras von der Wurzel an
17.65 vollziehe man mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben, mit dem jeweils eigenen [Mantra] an seinem Ort. Die aus dem Leib des Herrn hervorgegangene Vierheit von Herz an
17.66 setze man auf die Lotusblätter von Osten bis Norden; die Waffe der Reihe nach auf die Blätter in Südosten, Nordosten, Südwesten und Nordwesten.
17.67 Die Augen [setze man] in das Staubfadennetz, das Rad auf die drei Naben; Shrivatsa, Kaustubha und die Waldgirlande [ordne man dort an].
17.68 Auf den drei nördlich und westlich liegenden Speichen des Rades setze man der Reihe nach Lotus, die Spitzscharfe [Keule] und Nandaka ein.
17.69 Auf den östlich und südlich liegenden [Speichen] setze man die Dreiheit Bogen, König der Waffen und Muschelhorn ein. Rechts vom Gott
17.70 setze man auf den Radkranz die Göttin Shri, links Pushti, hinten Nidra und vorn Sarasvati.
17.71 Links und rechts [setze man] zwei Köcher auf den Umlaufgang. An den Toren setze man wiederum die Waffe ein, in den vier Ecken die Mudra.
17.72 Dann [setze man] die Weltenhüter mit ihren Waffen an ihre Orte außerhalb des Mandala. Nach dieser Einsetzung meditiere man über die Mantraentfaltung in ihrer jeweiligen Stellung.
17.73 [Man meditiere über] den alle Gottheiten umfassenden Gott, den Schatz aller Strahlkräfte, mit sämtlichen Merkmalen vollständig versehen, mit Allwissenheit und den übrigen Eigenschaften,
17.74 glänzend wie stark erhitztes Gold, mit vollkommenen Gliedern, hoch gepriesen, mit furchtbarem Raubtiergesicht und Augen wie brennende Sonnen,
17.75 mit Haaren bedeckt, die einer Fülle von Blitzen gleichen, mit [Händen] wie rötliche Lotusblätter und Nägeln härter als der Donnerkeil,
17.76 mit bewegter Mähne wie Schlangenkönige, glänzend wie Hunderte von Millionen Monden, aus den Körperöffnungen mit den Lebenswinden inneres Feuer ausspeiend,
17.77 mit dem Donnern einer Weltuntergangswolke den eigenen bezeichnenden Laut hervorbringend, im Flammenkreis des Weltuntergangsfeuers befindlich,
17.78 mit sechs Waffen und acht Armen, die Welten durchdringend, den Herrn, dessen Glieder mit göttlichem Duft gesalbt sind und der göttliche Gewänder trägt,
17.79 mit göttlichen Kränzen und Umhüllungen versehen, mit göttlichem Schmuck geschmückt, mit Kaustubha auf der Brust und mit Shrivatsa geziert,
17.80 geschmückt mit einer Waldgirlande aus Edelsteinen, Gold und schönen Perlen, samt der heiligen Schnur: [so betrachte man] den höchsten Herrn.
17.81 Seine Arme tragen die leuchtenden vortrefflichen Waffen von Lotus an. Rechts [betrachte man] den Lotus, weiß wie der Milchozean.
17.82 Links meditiere man über das edle Muschelhorn, den Pranava-Klang in sich bergend, heller als hundert Schneegebirge. Keule und Schwert, flammend leuchtend,
17.83 [liegen] im rechten Händepaar; den Diskus mit dem Glanz des Zeitfeuers samt dem Bogen [betrachte man] in den beiden linken Händen. Mit zwei [weiteren] Händen
17.84 vergegenwärtige man sich die Unwissenheit zerreißende, Karma genannte Mudra des Herrn. Ebenso meditiere man über den Herzmantra, weiß wie ein Kumuda-Lotus.
17.85 Den Kopf-[Mantra] vergegenwärtige man sich rötlich wie einen Rubinberg, den Shikha-Mantra in entsprechender Gestalt wie einen Stein aus schwarzer Augensalbe.
17.86 Wie einen allseits von der Sonne erhitzten Goldberg betrachte man zur Meditationszeit den Panzermantra.
17.87 Von tausend Flammen umgeben, glänzend wie Magnetstein und erfüllt von der Kraft aller Waffen: So wird der Waffenmantra beschrieben.
17.88 Der königliche Augenmantra gleicht einem Gipfel rauchloser Glut. Die [Attribute] sind mit eigenem Glanz als zweiarmige vortreffliche Personengestalten zu betrachten,
17.89 von Kaustubha an samt den Waffen; Keule und Girlande [haben] Frauengestalt. Shri leuchtet wie das Innere eines geöffneten Lotus und trägt einen Lotusstängel,
17.90 [einen] mondstrahlgleichen weißen Yakschweif haltend. Pushti gleicht dem Vollmond und trägt in der Hand
17.91 einen goldenen Krug, ganz mit Nektar gefüllt. Sarasvati ist kristallhell und hält ein Buch der Erkenntnis.
17.92 Die erhabene Nidra betrachte man einem geöffneten blauen Lotus gleich, die Hand mit einer Gebetskette gekennzeichnet. Alle tragen einen Yakschweif,
17.93 sind dem Gott der Götter zugewandt und mit Gewändern und Schmuck geziert. Nach dieser Meditation vollziehe man die Verehrung mit Blumen und weiteren Gaben,
17.94 mit Bädern, Salben, Gewändern, Kränzen, Räucherwerk und Lampen, mit honigvermischter Dickmilch und mit Milch samt Ghee,
17.95 mit verschiedenen wohltuenden, schmackhaften, kräftigenden, reinen und glückverheißenden Speisegaben, mit sämtlichen jahreszeitlichen Früchten und Wurzeln der sechs Geschmacksrichtungen,
17.96 verehrt, von Fehlern frei und mit Mudra und Mantra gekennzeichnet: mit stofflichen oder meditativen [Gaben], gekochten Samen oder mit Feueropfer und weiteren [Handlungen].
17.97 Dann bereite man die eigenen Hände mit Wasser, Berührung und weiteren [Handlungen] vor und forme vor dem Herrn die dreigipflige Mudra.
17.98 Die drei Finger der rechten Hand betrachte man als die drei Opferfeuer, ihre Spitzen deutlich aufgerichtet; der kleine Finger wird vom Daumen bedeckt.
17.99 Der Gott ist von aller Gestalt, jenseits der Finsternis und trägt Feuerform; er ist jenseits der drei Gunas und überschreitet die drei Wege.
17.100 Frei von den groben Eigenschaften ist dieser Offenbarte, im Geist verehrt. Man forme mit beiden Händen vor dem Herzen eine Schale,
17.101 mit dicht aneinanderliegenden Fingern: Dies gilt als Herz-Mudra. Je ein Fingerpaar, vom Daumen bis zum kleinen Finger,
17.102 wird getrennt aus dieser Schale herausgeführt, ebenso beginnend mit dem kleinen Finger. Daraus entstehen der Reihe nach Kopf-, Shikha-, Panzer-, Waffen- und Augen-Mudra.
17.103 Bei dieser Mudra liegt das Daumenpaar im Inneren der Hände. Beginnend mit dem Zeigefinger bis zum kleinen [wisse die Zuordnung] zu Shri und den übrigen.
17.104 Für die anderen verehrten [Gottheiten] ist der Reihe nach, jeweils mit dem eigenen Mantra, diese Herz-Mudra samt der Kopf-[Mudra] wiederholt anzuwenden.
17.105 Die [Hände] sind einander zugewandt und verbunden, die Finger greifen ineinander; dabei liegt die rechte Hand oben, die andere unten.
17.106 Dies ist die zuvor erklärte, Unwissenheit zerreißende Mudra. Nachdem man die Schar der Mudras so geformt und den Herrn erneut verehrt hat,
17.107 vollziehe man nach Vermögen Japa, hundertachtmal. Für sämtliche Herz- und übrigen [Gliedermantras] ist entsprechend eine [Wiederholung] vorgeschrieben.
17.108 Da [diese] Glieder des Rituals sind, entsteht andernfalls durch das Ausbleiben ihres Japa kein Fehler. Man verehre den höchsten Herrn und verneige sich mit acht Körpergliedern.
17.109 Man gedenke seiner, empfange seine Erlaubnis und verehre ihn dann im Feuer. Dazu fertige man eine Feuergrube mit guten Merkmalen an und bereite sie zuvor durch die Weihehandlungen vor.
17.110 Man verehre sie mit Arghya, Blumen und weiteren Gaben und setze darin das Feuer ein, gut brennend, rauchlos und durch Anschlagen und weitere [Handlungen] gereinigt.
17.111 Nach der Verehrung mit Arghya und Nimbura-Blüten stelle man sich vor: Die gesonderte sechste Eigenschaft der Eigenschaftsgruppe, die Tejas heißt,
17.112 gehört dem höchsten Brahman und ist das Gemeinsame aller Strahlkräfte. Nach dieser Betrachtung setze man [das Feuer] mit dem Augenmantra in die Mitte der Grube.
17.113 Mit trockenen, reinen Brennstoffen mache man es rauchlos. Nach der Verehrung mit Opferhölzern [vergegenwärtige man] darin den Mantrakreis,
17.114 meditiere über ihn, verehre ihn wie zuvor und sättige den Gott samt Gefolge mit Sesam und Ghee in Tausender- oder Hunderterzahl.
17.115 Man bringe das Vollopfer richtig dar und trage die Zahl der Opfergaben vor. Dann [führe man] die reinen, fastenden, gereinigten und mit verbundenen Augen versehenen
17.116 Verehrer hinein, die Blumen in den Händen halten. Man lasse sie diese in das Mandala werfen und löse die Augenbinde.
17.117 Darauf sind Gott, Feuer, Guru und Krug wiederholt mit achtgliedrigen Niederwerfungen und Rechtsumwandlungen zu verehren.
17.118 Wenn zu dieser Zeit aus ihrer Hingabe ihre Eignung erkannt ist, vollziehe man für sie entsprechend ihrer starken, mäßigen oder weiteren [Befähigung] die Einweihung.
17.119 Zur Reinigung des Manifestierten opfere der Einsichtige hundertachtmal Sesam und ebenso Ghee mit dem zwölfsilbigen [Mantra].
17.120 Danach bringe man das Vollopfer dar und verehre die Mantragestalt mit Arghya und weiteren Gaben. Dann [opfere man] mit der Schar der Gliedermantras in der zuvor genannten Zahl
17.121 zur Reinigung des Unmanifestierten und bringe danach das Vollopfer dar. Ebenso [opfere man] mit dem Wurzel-Bija, um das eigene Wesen hervorzubringen.
17.122 Mit Pranava am Anfang und Namah am Ende vollziehe man unermüdlich das Feueropfer. Man meditiere über ihn als von Bindung frei, rein, friedvoll, alldurchdringend
17.123 und von allem Bewusstsein erfüllt. Dann bringe der Mantrakenner aus Mitgefühl mit den Verehrern das Vollopfer mit dem Wurzelmantra dar.
17.124 Anschließend lasse er die Verpflichtungen hören, vor Krug, Feuer und Mandala: „Durch die Hingabe, durch die du Diesseitiges und Jenseitiges erlangt hast,
17.125 sollst du niemals in Handlung, Geist oder Rede nachlassen. Ohne [zwingenden] Grund soll man Bad und die übrigen [Pflichten] nicht unterlassen.
17.126 Lebenslang, nach Vermögen, wo immer man sich aufhält, verehre man die Mantraschar an den Orten vom Herzen an,
17.127 mit stofflichen Gaben wie Blumen und Wasser; fehlen diese, vollziehe man im Herzen wie zuvor geistige Verehrung, mit Einsetzung beginnend.
17.128 Man betrachte Mantraherrn, Guru und Mantra als gleichwesentlich und wahre die höchste Vertraulichkeit von Mantra, Mandala und Mudras.
17.129 Vor einem Löwen oder Tiger oder einem anderen Tier von entsprechender Gestalt verneige man sich schon von fern. Dessen Fell betrete man nirgends,
17.130 trete nicht mit dem Fuß darauf und berühre auch kein daraus gefertigtes Lager. Essgefäße aus Lotusblättern und Ashvattha-Blättern
17.131 sind zu meiden, ebenso ein mit Muschelhorn, Lotus und weiteren [heiligen Zeichen] gekennzeichneter Sitz. Am elften Mondtag halte man Nachtmahlzeit oder völligen Nahrungsverzicht.
17.132 An sämtlichen zwölften Mondtagen vollziehe man besondere Verehrung, ebenso an Sonnenwenden und den weiteren Sonneneintritten.
17.133 Niemals versuche man mit einem noch nicht verwirklichten eigenen Mantra, Störungen durch Geister oder Besessenheit oder Krankheiten auszutreiben.
17.134 Ein durch den Mantra entstandenes Vollendungszeichen, das man im Traum oder unmittelbar erfahren hat, soll man niemandem außer dem Guru mitteilen.
17.135 Wo immer der Narasimha-Bija sichtbar ist, verneige man sich, verehre ihn mit Wortblumen und umwandle ihn nach rechts.
17.136 Hat man wegen einer Trennung Tränen vergossen oder Trauer erfahren, soll man ohne Bad keine Sättigungsgaben für Gott, Feuer und Ahnen vollziehen.
17.137 Außerhalb der Zeit vom Anwachsen des Nabels [wohl: Geburt und Nabelversorgung] soll man bei einer als Sutaka bezeichneten Verunreinigung das zuvor Genannte sorgfältig unterlassen. [Die zeitliche Bestimmung ist unklar.]
17.138 Die Überlieferung, aus der die eigene Praxis hervorgegangen ist, soll man sorgfältig ehren und bewahren.
17.139 Nach Vermögen schütze man Brahmanen und die übrigen sowie Arme und Schutzlose.“ So erteile man den hingebungsvollen, geläuterten Verehrern die Verpflichtungen,
17.140 durch deren Bewahrung man die Frucht des Mantras erlangt. Nach diesem Opfer vollziehe man dann die Besprengung mit dem Krug,
17.141 zuerst für sich, danach für die Verehrer. Dann erbitte man die Speisegabe, nehme den eingesetzten König der Mantras zurück und gebe sie einem Brahmanen.
17.142 Man bitte den Gott überall dort um Nachsicht, wohin man ihn herabgeführt hat. Mit den übrigen Speisegaben verehre man dann den Herrn der Scharen,
17.143 Vishvaksena genannt, der mit Arghya und weiteren Gaben verehrt wurde. Danach [bringe man] mit dem Herz-[Mantra] Caru-Speise samt Wasser [dar].
17.144 Außerhalb des Verehrungsplatzes lege der Mantrakenner das Opfer für die Wesen rechtsherum von Osten bis Nordosten aus.
17.145 Dann vollziehe man die Entlassung, nachdem man alles zurückgenommen hat, und gebe Blätter, Blumen, Früchte und die weiteren [Gaben] ins Wasser.
17.146 Wunschlos, um der Reinigung willen, nehme man zuvor eine kleine Portion, verbinde sich innerlich mit dem Mantra und esse sie schweigend.
17.147 Nach dem Essen, wenn die Nacht beginnt, vollziehe man Mantra-Japa und dann Meditation, mit Wassersättigung beginnend.
17.148 Ebenso soll der Verehrer stets im verbleibenden Teil der Nacht bis zum Sonnenaufgang Meditation mit Japa üben.
17.149 Nachdem der Mantrakenner auf diese Weise täglich verehrt hat, wiederhole er den Mantra achthunderttausendmal. Dann wird der König der Mantras wirksam verwirklicht.
17.150 Er schenkt die im Herzen gewünschten, jeweils angemessenen Vollendungen. Rudras, Adityas, Indra, den Weisen und den Verehrern habe ich
17.151 die Lehre entsprechend dem Geist der Welt und den unterschiedlichen Weltaltern verkündet: Opfer, Opfergeräte, reine Kultbilder und weitere [Dinge].
17.152 Dies sollst du zur eigenen Vollendung stets richtig und ohne Widerspruch aus den Agamas und von deren Kennern erfahren.
17.153 Was hier knapp erklärt ist, wird anderswo ausführlich dargelegt. Hat man den Mantra durch Brahmacarya und andere Selbstbeschränkungen verwirklicht,
17.154 durch Ernährung mit Milch, Gerstenspeise, Gemüse, Wasser, Ghee, Wurzeln und Früchten, so höre, wie der Mantrakenner ihn bei Friedensriten und anderen [Handlungen] anwenden soll.
17.155 Zuerst erkenne man durch die aus dem eigenen Körper hervorgehenden, auch allgemein bekannten Zeichen und durch entsprechende Träume den Bestand des Lebens.
17.156 Dann suche man einen schönen, von störenden Fremdkörpern freien Ort auf, von einem Netz aus Schilf und Stoff bedeckt, oder ein Haus.
17.157 Dort zeichne man das Mandala mit allen Geräten, mit [einem Stoff], der Sandelpulver und Kampfer enthält,
17.158 mit duftendem Reismehl nach den zuvor erklärten Merkmalen. [Dann bereite man Krüge], unbeschädigt, mit guten Merkmalen, mit gefiltertem Wasser gefüllt,
17.159 im Inneren Gold, Edelsteine, Heilkräuter, Baumzweige, Durva-Gras und Früchte bergend, mit beräuchertem, neuem, trockenem Tuch umhüllt,
17.160 auf guter Unterlage stehend. Außen um das Mandala setze man die acht Krüge in Haupt- und Zwischenrichtungen mit gleichmäßiger Schnureinteilung ein.
17.161 [Die Nebenkrüge seien] mit weißem Überzug und Sandel bestrichen, mit Puffreis und Reis gefüllt, am Hals mit weißem Tuch und mit weißen Blumenkränzen versehen,
17.162 Perlen im Inneren bergend und mit Samenschalen geschmückt. Diese acht Nebenkrüge setze man so auf die [Haupt-]Krüge.
17.163 Man befestige darüber einen weißen Baldachin mit weißen Yakschweifen und umbinde die acht Krüge siebenfach mit weißer Schnur,
17.164 mit einer ununterbrochenen festen [Schnur] bis zum Halsbereich. Ist dies so vorbereitet, bade man und vollziehe Einsetzung und weitere [Handlungen].
17.165 Mit Kurkumawasser und Sandel schreibe man mit einem weißen Durva-Spross auf ein sehr glattes Birkenrindenblatt den Namen, in den [Laut] sa eingeschlossen.
17.166 Man verbinde ihn mit dem Bija, der am Ende der Speichen steht. Außen herum zeichne man einen achtblättrigen Lotus mit Fruchtboden.
17.167 Den vierten Nabenlaut schreibe man nach unten gerichtet auf die acht Blätter. In dessen Inneres schreibe man danach den Mantraherrn mit jenem [Namen] im Dativ,
17.168 mit Verneigung und Pranava im Inneren. Außen um den Lotus schreibe man dann den neunten Radkranzlaut zweifach, nach oben und nach unten gerichtet.
17.169 Man umwickle [das Blatt] mit weißer Schnur und lege es in den Arghya-Krug. Diesen stelle man auf eine Unterlage aus Reismehl vor dem Mandala.
17.170 Man rufe den Mantra wie zuvor aus der Herzenshöhle in das Mandala und verehre dort den Herrn der Mantras mit weißen Gaben.
17.171 Man meditiere über ihn samt Gefolge in der Vollmondscheibe, Nektarsaft hervorbringend, hundert Monden gleichend.
17.172 Am Ende der Verehrung spreche man: „Gewähre, gewähre großen Frieden!“ Dann [opfere man] im nördlichen Bereich, in einer Feuergrube von Vollmondform,
17.173 mit Milch, Reis, Honig, Ghee, Guggulu, Sesam und Sandel sieben Nächte lang.
17.174 Von Milch lebend verehre man den höchsten Herrn in den acht Tages- und Nachtwachen. Nach dem Feueropfer besprenge man die im Krug befindliche [Gestalt] mit kühler Milch
17.175 und Wasser, täglich zu den acht Wachen. Nach dem Bad vergegenwärtige man sich den Mantraherrn über der Scheitelöffnung,
17.176 Nektar ausströmend; so entsteht beständiger Frieden. Oder man nehme ein irdenes, geflochtenes oder hölzernes Gefäß,
17.177 bilde darin mit gekochtem Reis eine Lotusform und entzünde mit Ghee in aus Teig gefertigten Gefäßen
17.178 acht Lampen. Dann vollziehe man die Verehrung mit den entsprechenden Opfergaben und streue darüber sieben gekochte Samenarten.
17.179 Auf den verehrten Wasserkrug stelle man ein Räuchergefäß mit ununterbrochenem Rauchstrom. Dreimal täglich bringe man ein Bali-Opfer dar,
17.180 zur Befriedung der Landeshüter und ebenso der Wesen. Dahinter lasse man einen ununterbrochenen Wasserstrom über sieben Schritte hin fließen,
17.181 mit dem Waffenmantra zur Beruhigung der Bali-Mantras. Damit ist das Friedensverfahren erklärt. Vernimm nun das Verfahren zur Förderung des Gedeihens.
17.182 Wie zuvor fertige man das Mandala mit Saflorpulver, vermischt mit Safranpulver, an und schmücke es mit rotem Sandel.
17.183 Die acht Nebenkrüge fülle man mit Wildreis, schönen kupferfarbenen Sesamsamen und Jujubefrüchten.
17.184 Die Hauptkrüge samt den Nebenkrügen umwinde man mit roter Schnur. Alles Übrige, was hier vorgeschrieben ist, gestalte man jeweils rot.
17.185 Dann, gebadet und nach vollzogener Einsetzung, schreibe man den Namen mit Rocana und Lackwasser, mit einem kräftigen Darbha-Spross,
17.186 wie zuvor in das Lotusinnere. Auf die Blätter setze man den Bija nach unten gerichtet; höre genau, wie ich dies erkläre.
17.187 Unter den neunzehnten Laut des Radkranzes setze man den dritten Bija der Nabe; darunter den fünften der Speichen,
17.188 mit dem vorletzten [Laut] der Speichen als Kopfzeichen versehen und mit dem zehnten [Laut] des äußeren Bereichs [verbunden]. In dessen Inneres setze man den auf dem vierten Nabenlaut ruhenden Bija.
17.189 Den Lotus setze man dann in das Innere des siebten Nabenlauts. Den Bija, verbunden mit dem Wort „Gedeihen“ und dem wiederholten „Bewirke!“
17.190 schreibe man mit Pranava voran außen in die acht Richtungen. Man umwinde [das Blatt] mit roter Schnur und lege es in einen Krug mit Honigwasser.
17.191 Nachdem man ihn wie zuvor aufgestellt hat, schütze man die Hauptrichtungen mit Herz und den übrigen [Mantras], die Zwischenrichtungen mit dem Waffenmantra, oben und unten mit dem Augenmantra.
17.192 Dann rufe man die korallenrote Mantragestalt herbei und verehre sie, darauf die ganze Mantraschar bis zu den Waffen der Weltenhüter.
17.193 Vorgesehen ist Verehrung mit roten, dornenlosen, wohltuenden Blumen. Als Speisegabe [diene] Zuckerreis mit Rajamudga-Bohnen.
17.194 Man bereite verschiedene mit Rohzucker gefärbte Speisen. Wenn möglich, soll alles rot sein; ist dies nicht möglich,
17.195 färbe man es mit Safran oder irgendeiner roten Mineralfarbe. Nachdem man alles bis zum Japa vollzogen hat, führe man das Feueropfer aus,
17.196 mit Ghee und den zuvor genannten Sesamsamen, mit Zucker und Jujubefrüchten. Nach dem Vollopfer vollziehe man die Besprengung mit Zuckerwasser,
17.197 wie zuvor, für den Herrn der Mantras, in dessen Inneres die Zielperson aufgenommen ist. Danach vollziehe man das Bali-Ritual nach dem zuvor genannten Verfahren.
17.198 Nach sieben oder drei Nächten entsteht großes Gedeihen; durch die Macht des Königs der Mantras [geschieht dies] stets nach diesem Verfahren.
17.199 Nun höre genau, wie der Mantrakenner mit diesem Mantra die Kräftigung eines anderen oder seiner selbst vollziehen soll.
17.200 [Man bereite] ein geschmücktes Mandala in vier Farben, mit Gewändern, Kränzen, Spiegeln, Glöckchen und Fächern versehen.
17.201 Mit Ghee, Honig, Dickmilch und gut aufgekochter Milch fülle man sorgfältig jeweils zwei Nebenkrüge getrennt.
17.202 Dann fülle man Gefäße mit Madhuka-Früchten, Kampfer, Trauben und Amalaki-Früchten und setze sie auf die Öffnungen der Krüge.
17.203 Schalen mit Sprossen, mit kühlem Wasser besprengt, mit weißem Überzug und Sandel bestrichen und mit weißen Blumen versehen,
17.204 mit weißem Arghya besprengt, ordne man zwischen den Krügen an. Sämtliche weißen, roten und goldfarbenen Blumen und weiteren [Gaben],
17.205 die für die Ehrenbezeugung bestimmt sind, beschaffe man sorgfältig. Nach den täglichen Pflichten, in reiner Kleidung und den Löwenmantra tragend,
17.206 [schreibe man] mit safranhaltiger Milch, etwas Zuckerrohrsaft und Honig auf Birkenrinde oder Stoff, in die Mitte des Lautes sa,
17.207 das Namenswort; außen herum zeichne man einen vierblättrigen Lotus, außerhalb davon einen mit doppelt so vielen Blättern, mit Fruchtboden und Staubfäden.
17.208 Danach [zeichne man] einen zwölfblättrigen, außen um ihn einen sechzehnblättrigen, dann einen vierundzwanzigblättrigen und außerhalb davon einen Kreis.
17.209 Die fünf Bijas sind auf alle Blätter nach unten gerichtet zu setzen, der Reihe nach vom ersten Lotus an; höre sie.
17.210 [Man nehme] den siebten Nabenlaut, der über dem vierten der Nabe steht; ebendiese Verbindung von oberem und unterem [nehme man] wiederum.
17.211 Dann setze man den dritten der Nabe unter die beiden; [danach] den siebten der Nabe unten und deren vierten darüber.
17.212 Dann nehme man den siebten und setze den dritten unter ihn; darunter ordne man den neunzehnten Laut der Radkranzgruppe an.
17.213 Wieder nehme man entsprechend [den Laut] des Radkranzes, auf dem Rücken des siebten der Nabe; darunter setze man den dritten aus dem Nabenbereich.
17.214 Allen gebe man den ersten der Nabe, verbunden mit dem fünften der Speichen, als Sitz; danach versehe man sie der Reihe nach mit dem Kopfzeichen,
17.215 dem neunten des Radkranzes und dem vorletzten der Speichen, endend mit dem vierten Nabenlaut. Hier [steht] in der Mitte wie zuvor der König der Mantras.
17.216 Dann setze man den Bija allein, zwischen zwei Vaushat-Wörter eingeschlossen, in die Blattzwischenräume des vierblättrigen [Lotus].
17.217 Man verbinde den siebten Nabenlaut mit dem letzten der Speichen; damit verbunden setze man [den Bija] in die Zwischenräume des achtblättrigen [Lotus].
17.218 Mit ebendemselben durchsetze man den vierten der Nabe, setze den vortrefflichen Bija in dessen Inneres und ordne ihn in den Zwischenräumen des zwölfblättrigen [Lotus] an.
17.219 Dann setze man den mit dem Wort Vashat verbundenen Bija, kühlem Wasser gleichend, in die Zwischenräume des sechzehnblättrigen [Lotus].
17.220 Den siebten Bija der Nabe, auf deren viertem sitzend, schmücke man mit dem vierzehnten der Speichen und deren letztem.
17.221 In diese Einfassung eingeschlossen, großen Nektar ausströmend, setze man [den Bija] wie zuvor rechtsherum auf den äußeren Lotus.
17.222 Dann nehme man den vierten Nabenlaut, auf deren siebtem stehend, und kennzeichne ihn mit dem neunten Bija des Radkranzes und dem ersten vom Speichenende.
17.223 Dieser Bija ist zahllos und lückenlos, wellenförmig außerhalb der äußersten Lotusumfassung anzuwenden.
17.224 Nachdem man dies geschrieben hat, umwinde man es mit weißer, roter und gelber Schnur und lege es in einen Krug, gefüllt mit Honig, Zuckerrohrsaft und Mangowasser.
17.225 Man bestreiche ihn mit Sandel, versehe ihn mit einem Blumenkranz und stelle ihn am genannten Ort auf. Dann verehre man den Herrn der Mantras,
17.226 in der Mitte des Herzlotus, zusammen mit seinem Gefolge, von der Farbe klaren Kristalls und kühler als Schnee.
17.227 Man meditiere über ihn über der Scheitelöffnung [und über] einen weißen, nach unten gerichteten Lotus. Im Inneren seines Fruchtbodens vergegenwärtige man sich den Himmelskreis,
17.228 erhellt von Mondstrahlen und sämtlichen Sternen, erfüllt von den weit verteilten Strömen, die aus dem Himmelsfluss hervorgehen.
17.229 Dann richte man bei der Verehrung des Herrn der Reihe nach die innere Betrachtung auf die zuvor genannten Gaben, von Arghya und Blumen an.
17.230 Welche Gabe man sich auch vorstellt, man betrachte sie jeweils als nektarartig, rasch vom Himmel herabfallend und vom Nektarstrahl durchtränkt.
17.231 Den König der Mantras vergegenwärtige man sich unmittelbar als Nektargestalt, durch die jeweils aus Nektar entstandenen [Gaben] gestärkt, erfreut, eingetaucht und überflutet.
17.232 Dann führe man ihn aus dem Herzen herab und verehre ihn äußerlich mit den entsprechenden Mitteln. Nach der Verehrung meditiere man über ihn im Feuer und sättige ihn
17.233 mit Bilva- und Amalaki-Früchten, mit Ghee benetzt, mit frischen Durva-Sprossen und Sesam samt Kuhmilch, vermischt mit Puffreis und Reis,
17.234 mit Zucker, Ghee und Blumen. Danach bringe man das Vollopfer dar und vollziehe mit Honig, Milch und Wasser die Besprengung der Mantragestalt.
17.235 Mit Ghee, Milchreis, Milchspeise und guten Früchten vollziehe man wie zuvor die Bali-Gabe; so entsteht Kräftigung.
17.236 Nun werde ich das Schutzverfahren richtig und in seiner Ordnung erklären, durch dessen bloßes Erkennen man stets von Krankheit frei werde.
17.237 Es dient allgemein zur Abwehr aller bekannten Fehler, insbesondere der unbekannten. Verstehe es genau.
17.238 Durch Bedrängnis von Sternen und Planeten geraten die Körperbestandteile aus dem Gleichgewicht; durch dieses Ungleichgewicht treten Krankheiten wie Fieber hervor.
17.239 Bei diesem Ausbruch befallen Besessenheitswesen von Brahmarakshasas an, Shakinis, Bhutas und Vetalas die verkörperten Wesen.
17.240 Als Ursache aller wisse früher vollbrachtes Karma. Durch Wirkmacht, Mantra, Erkenntnis und Askese,
17.241 durch Japa, Studium, Feueropfer, verschiedene Gaben und die Anwendung von Mantras und Heilkräutern schwindet es rasch.
17.242 Unter allen hat hier jedoch der Mantra den Vorrang: Durch sein bloßes Gedenken dringen die Besessenheitswesen und die übrigen nicht ein.
17.243 Man bereite die Unterlage zur Verehrung Narasimhas wie erklärt und fülle die Nebenkrüge mit Samen samt weißem Senf.
17.244 Auf die Öffnungen der Nebenkrüge stelle man weite Gefäße mit Früchten, gefüllt mit Sesam und Senf.
17.245 Außerhalb setze man gleichmäßig acht Eisenpfeile in die Richtungen. An ihre Halsbereiche binde man mit festem Faden
17.246 das große Heilkraut Bhutajata, versehen mit Pfauenfedern, geschmückt mit abgestreifter Schlangenhaut und zusammen mit einem Shami-Zweig.
17.247 Mit fünffarbiger Schnur umwinde man die acht Pfeile dreimal, von Norden an der Reihe nach rechtsherum.
17.248 Zwischen den acht gefüllten Krügen stelle man der Reihe nach acht Lampen auf erhöhten Unterlagen auf.
17.249 In Kupfergefäßen [brennen sie] mit Senföl; die gelben Dochte seien mit Maharajata [Farbstoff; Lesart unklar] gefärbt.
17.250 Dann vollziehe man mit gebundenem Haarschopf und schweigend wie zuvor den Richtungsschutz, im Geist die Vertreibung aller Störungen beabsichtigend.
17.251 Man verehre den Herrn der Mantras mit vielerlei schönen, gewünschten Blumen, Räucherwerk, Speisegaben, Esswaren, Früchten und Wurzeln.
17.252 Dann opfere man sämtliche Samen samt weißem Senf, Sesam mit Senföl und Ghee sowie Früchte.
17.253 Nach der Meditation bringe man zur Mittagszeit das Vollopfer dar. Den zu Schützenden reinige man zuvor gründlich durch Salbung und weitere [Handlungen],
17.254 besprenge ihn mit Bädern aus Gold, Edelsteinen und Heilkräutern und führe ihn hinein. Man berühre ihn schlagend mit der Waffenblume und betrachte ihn von den Füßen an.
17.255 Man lasse ihn Knie und Haupt beugen und übergebe ihn dem Gott. Nach Norden gewandt [setze man ihn] auf einen umgrenzten Sitz,
17.256 mit dem Waffenzeichen und mit Arghya und weiteren [Gaben] versehen. Dann vollziehe man für ihn die Einsetzung mit dem Mantra samt seinen sechs Gliedern,
17.257 geistig in die Finger und an die eigenen Stellen seines Leibes. Vor ihm zeichne man dann ein sechseckiges Mandala mit einem Rad,
17.258 von einer Schar von Flammen umgeben. Darin stelle man [Krüge] auf, nach der zuvor genannten Anordnung und ganz mit Duftwasser gefüllt,
17.259 sieben Krüge: einer in der Mitte und [die übrigen] an seinen Achsenpunkten. Zwischen den Ecken [stelle man] sechs Lampen wie zuvor auf.
17.260 Im mittleren Krug verehre man den Herrn der Mantras samt seinen Gliedern. Mit der mit Pranava beginnenden [Formel] „Verehrung den Wesen Narasimhas“ verehre man
17.261 in den Ecken die Fehler vernichtende Schar der Verehrer des Erhabenen. Nach ihrer angemessenen Verehrung mit Blumen, Räucherwerk und weiteren Gaben
17.262 vollziehe man der Reihe nach den Richtungsschutz mit durch den Waffenmantra geweihten Senfsamen. Dann berühre man den Leidenden schlagend von den Füßen bis zum Haupt.
17.263 Mit dem Fächer der eigenen Hand ziehe man das Netz der Störungen aus dessen Leib und werfe es in den Raum oder auf den Erdboden.
17.264 Dann nehme man ein rauchloses, stark leuchtendes Feuergefäß und vollziehe darin ohne [weiteres] Brennholz das Feueropfer mit weißem Senf und Sesam,
17.265 mit dem Wurzelmantra oder dem Waffenmantra hundertachtmal: „Beschütze, beschütze den und den“, verbunden mit Svaha.
17.266 Diese Worte füge man an das Ende des Mantras an und kreise die Opfergabe über dem Haupt. Dann nehme man Guggulu zusammen mit weißem Senf,
17.267 bespreche es und beräuchere ihn, nachdem man ihn mit einem Tuch bedeckt hat. Darauf stelle man ein Wassergefäß zum Feuergefäß.
17.268 Sämtliche übrigen Speisegaben lege man mit Wasser in ein anderes [Gefäß], dazu einen mit Safran und weiteren Stoffen gefärbten Tierersatz,
17.269 im Geist als [Gabe] für die in den Körperbestandteilen sitzenden Störungen bestimmt. „Wessen Bedrängnis hier in den Körperbestandteilen und Sinnen besteht,
17.270 möge, nachdem [der Verursacher] diese Bali-Gabe genommen hat, durch die Wahrheit des Löwen stets nachlassen.“ Abwechselnd mit linker und rechter Hand
17.271 vollziehe man ungezählte Opfergaben, verbunden mit Bali und Rechtsumkreisungen. Danach wasche man die Bali-Hand mit durch den Waffenmantra geweihtem Wasser.
17.272 Man nehme Asche aus der Feuergrube oder aus verbranntem Kuhdung und bespreche sie oft mit dem Waffenmantra. Von der Stirn bis zu den Füßen
17.273 zeichne man aufrechte Stirnzeichen, auch auf Rücken und beiden Seiten. Danach erfreue man ihn mit dem Mantra samt „Heil sei dir!“ und mit Arghya-Wasser,
17.274 mit Tropfen aus dem Mantrakrug. Man meditiere über die Mantragestalt in der Vollmondscheibe, zehntausend Vollmonden gleich,
17.275 in der Scheitelöffnung des zu Behandelnden, großen Nektar ausströmend; damit besprenge man den Körperbaum bis zu den Nägeln.
17.276 Nach diesem Vollzug verehre man erneut die Mantragestalt im Mandalakrug. Diesen Krug stelle man im Schlafraum an der Kopfseite auf,
17.277 auf einen mit Tuch versehenen Sockel, mit einem Tuch bedeckt. Auch dort stelle man acht gefüllte Krüge in Haupt- und Zwischenrichtungen auf.
17.278 [Man bereite] ununterbrochen strömendes Räucherwerk, ein Lampengefäß mit Ghee und weiteren [Stoffen], Früchte, Blumen, Heilkräuter, Lampen, Puffreis, weißen Senf und Dickmilch.
17.279 Man stelle die Gefäßgruppe davor und bringe bei Einbruch der Nacht Bali dar, zur Stillung aller Störungen.
17.280 In einem Gefäß sammle man, was für den Herrn bereitgestellt wurde, sorgfältig [auch das] von lebensförderndem Räucherwerk und Lampen.
17.281 Das den Wesen Gegebene [lege man] in ein anderes oder für die sechs jeweils gesondert, schmücke es mit der eigenen Lampe und stelle es auf den zugehörigen Krug.
17.282 Man gedenke des Mantras samt Waffenmantra und den Worten „Beschütze, beschütze!“, kreise [die Gaben] der Reihe nach über dem Haupt des zu Schützenden, wie sie dargebracht wurden.
17.283 Dann gebe man wiederum meinen innerlich reinen Verehrern, die das Bali tragen, durch den Waffenmantra geweihte Senfsamen in die Hand.
17.284 Nach dem Besprechen zeichne man mit Asche ein Tilaka auf ihre Stirn. Der Mantrakenner lasse die Bali-Gabe zunächst in tiefem Wasser forttragen.
17.285 Auch auf einem freien Platz, am Fuß eines Baumes oder außerhalb von Dorf oder Stadt ist das Niederlegen des Götter- und Wesenopfers bei diesem Ritual vorgeschrieben.
17.286 Das zuvor genannte Feuergefäß, mit Senfsamen rauchend, zusammen mit jenem Bali-Gefäß und Wasser,
17.287 lege man nahe einem Brunnen, einem Teich oder einem Baum ab. Nach dem Niederlegen des Bali vollziehe man das rituelle Schlürfen und wasche Füße und Hände.
17.288 Auf dem sorgfältig bestrichenen Boden um den gereinigten Schutzbedürftigen, auf dessen Haupt und in das Lampengefäß streue man Senfsamen,
17.289 nachdem man sie oft mit dem vom Wurzelmantra eingerahmten Waffenmantra besprochen hat. Sieben Nächte lang binde man täglich [solche Samen] in sein Gewand.
17.290 Durch dieses Verfahren entsteht bei den Bedrängten stets anhaltender Schutz der Körperflüssigkeiten und Körperbestandteile.
17.291 Dann bleibe man selbst nach vollzogener Einsetzung mit einem Helfer im Schutzraum, auf bestrichenem Boden, mit Kusha und Antilopenfell bedeckt,
17.292 von Milch lebend oder fastend, Meditation und Japa ergeben. Zu Beginn, in der Mitte und am Ende der Nachtabschnitte vollziehe man
17.293 richtig Verehrung und Feueropfer, verbunden mit Bali-Gaben, mit geröstetem Getreidemehl samt Wasser, Honig und Ghee.
17.294 Nach Ablauf des ersten Nachtabschnitts ist Bali vorgesehen aus Gersten-, Weizen- und Reismehl mit Rohzuckerwasser.
17.295 Mit der Hand forme man drei Arten von Süßspeisen: rund, lampenflammenförmig und einer Mangofrucht gleich.
17.296 Mit diesen ungekochten, milchhaltigen [Gaben] bringe man um Mitternacht Bali dar. Mit gut zerriebenem schwarzem Sesam und ungekochten Samen,
17.297 Reis, Kurkumapulver, Dickmilch, Durva-Sprossen und Früchten [bringe man] nach Ablauf der Nacht Bali außerhalb des Schutzhauses [dar].
17.298 Man lege es an einer Stelle des Weges oder auf einem gereinigten Platz nieder. Dann bespreche man die Samen von sieben Getreidearten in einer Schale,
17.299 gebe sie einer Brahmanentochter und nehme von ihr [zurück]: drei Handvoll in ein Gefäß, sieben in ein anderes,
17.300 elf in ein weiteres. Die drei Gefäße [setze man] dann auf die Krüge. Der Mantrakenner [bespreche sie] mit dem vom Waffenmantra eingerahmten Löwen-Bija,
17.301 hundertachtmal, doppelt und dreifach, der Reihe nach. Damit [nehme man] aus den Wasserkrügen jeweils [eine Gabe] und lege sie nieder,
17.302 eine auf dem Boden, die anderen im Wasser, morgens, mittags und bei Tagesende. Bis zum Abschluss vollziehe man diese allgemeine Sättigung der Wesen.
17.303 Am folgenden Tag verehre man die Mantragestalt im Mandala, opfere im Feuer nach Vorschrift und bringe das Vollopfer dar.
17.304 Mit weißem Reismehl zeichne man ein achteckiges Mandala, darin einen sechsblättrigen Lotus innerhalb eines Muschelhorns.
17.305 Außen stelle man wie zuvor acht Krüge samt Lampen auf. In seine Mitte bringe man den Schutzkrug herab, der an der Kopfseite stand.
17.306 Zuvor entferne man von ihm Arghya, Kränze und Salben und gieße einen weiteren Strom kühlen Wassers ein, um ihn aufzufüllen.
17.307 In dem Maße, wie das darin befindliche Wasser abnimmt, entstehe beim zu Schützenden eine Zunahme sämtlicher Körperbestandteile.
17.308 Man verehre ihn mit neuen Kränzen, Gewändern, Arghya, Salben und weiteren Gaben und verehre darin danach den Herrn der Mantras wie zuvor.
17.309 Man sättige ihn mit einer duftenden, durch Mantra dargebrachten Speisegabe, durch die bei den Menschen eine starke Zunahme des Blutbestandteils entstehe.
17.310 Arghya, Blumen, Farbpulver, Räucherwerk und Lampen, soweit sie mit dem Mantra verbunden wurden: All dies nehme man stets zurück und gebe es ins Wasser.
17.311 Die gesamte Verwendung des Übrigen vollziehe man wie zuvor erklärt. Am dritten Tag fertige man dann ein viereckiges Mandala an,
17.312 zeichne darin eine sechseckige Umfassung samt Lotus und [ordne] dort die Krugschar an, durch Lampen voneinander getrennt.
17.313 Nach der Verehrung sättige man die Brahmanen mit der durch Mantra dargebrachten [Speise]. Am vierten Tag zeichne man in ein rundes Mandala
17.314 ein strahlendes achtspeichiges Rad, darin ein Feuerhaus. Dort verehre man die Mantragestalt und vollziehe den Schutz wie zuvor.
17.315 Man verehre eine jungfräuliche Tochter eines trefflichen Zweimalgeborenen und ebenso ein Brahmanenmädchen angemessen und gebe beiden die dargebrachte Speise.
17.316 Am fünften Tag fertige man ein achteckiges Mandala, darin ein Muschelhorn; in dessen Inneres zeichne man
17.317 den König der Waffen, Wohnstatt der Wesen, mit Nabe, Altar und fünf Speichen. Zuvor ordne man Krüge und Lampen an.
17.318 Man verehre den Gott mit verschiedenen Speisegaben, Blumen und Weiterem. Nachdem man die vom Gott genossene Speise niedergelegt hat, verfahre man wie zuvor.
17.319 Am sechsten Tag fertige man innerhalb der Umfassung ein Dreieck und ein großes siebenspeichiges Rad, das aus den sieben Welten besteht.
17.320 Darin zeichne man in die vier Richtungen zwei Paare von Keulen. In seiner Mitte verehre man die Mantragestalt in dem Krug vorschriftsgemäß.
17.321 Nach der Verehrung nehme man die Speisegabe und lege sie erhöht ab, sodass Krähen und andere Luftbewohner sie verzehren können.
17.322 Am siebten Tag fertige man ein viereckiges Mandala mit vier Toren. In die vier Ecken zeichne man vier Muschelhörner.
17.323 In die Mitte zeichne man einen Lotus, geschmückt mit zahllosen Blättern, und auf dessen Fruchtboden ein zwölfspeichiges Rad.
17.324 In die acht Richtungen stelle man acht Krüge mit Lampen. Dort vollziehe man nach Ablauf von sechs Tagen die Verwendung
17.325 der Speisegabe samt Opferlohn als Mantrakenner. So nehmen der Reihe nach Fleisch und die übrigen Körperbestandteile zu.
17.326 Büffel, Ziege, Rohzucker, Hirsch, Hase, Pfau und Cakravaka-Vogel: diese Siebenheit [diene] den sieben Tagen.
17.327 Für die in den Körperbestandteilen wohnenden fleischessenden Wesen ist [dies] aus Mehlteigen mit Säften und weiteren Zutaten herzustellen, keinesfalls als lebendes bewegliches Wesen.
17.328 Wer um des eigenen oder eines anderen Wohls willen nach Heil strebt, soll keine Lebewesen verletzen, besonders wenn er Leben wünscht.
17.329 Durch das Töten von Lebewesen nimmt die Lebensdauer der Menschen gewiss ab; durch das Gewähren von Furchtlosigkeit an die Wesen erlangt man eine Zunahme des Lebens.
17.330 Langes Leben, Gesundheit, Herrschermacht, große Überwindung vorzeitigen Todes, Kraft, Lebensglanz, Festigkeit und Mut entstehen aus dem Mantra, nicht aus dem Leben anderer.
17.331 Mantraverehrung, Japa, Feueropfer und Gaben von Gold, Kühen und Weiterem bewirken bei den in Sattva Ruhenden diesseitiges und jenseitiges Gedeihen.
17.332 Nach Ablauf des siebten Tages bitte man die im Mandala befindliche [Gottheit] um Nachsicht und nehme Farbpulver, Bali-Gaben und das Übrige wie zuvor fort und lege sie ab.
17.333 Damit ist das Schutzverfahren für die Kranken erklärt. Besonders [ist es] Schutz für Gesunde, die Erfahrungen genießen,
17.334 für der Praxis ergebene Verehrer, die an die heilige Ordnung glauben und das Gute wünschen; stets ist es durch einen dem Ritual hingegebenen Mantrakenner auszuführen.
17.335 Wo durch dieses Verfahren sogar der Leib geschützt wird, verleihen die Wesen umfassendes weltliches Wohlergehen.
17.336 Nun erkläre ich den tragbaren Schutz, einen Schmuck des Leibes, der nach dem bloßen Vollzug des Rituals schon durch das Tragen schützt.
17.337 Wie zuvor schreibe man das Namenswort, an Anfang und Ende vom Pranava umschlossen. Den Bija, der den Namen trägt, setze man in das Innere des Pranava.
17.338 Damit bilde man drei Windungen und [setze] alles in das Innere des Löwen-[Bija]. Der König der Bijas wird vom zehnten Bija des Radkranzes umgeben.
17.339 Den Bija ohne au setze man auf den siebten der Nabe, verbinde ihn mit sämtlichen Speichenlauten und fülle damit [die Figur].
17.340 Außen herum bilde man einen sechsblättrigen Lotus, mit Raum [Zwischenraum oder Raumlaut] versehen. Auf die sechs Blätter setze man Herz und die übrigen bis zu den Augen.
17.341 Man schreibe den Namen, in den vier Richtungen vom Pranava umschlossen, mit dem wiederholten Wort „Beschütze!“ in die sechs Blattzwischenräume.
17.342 Außen zeichne man ein zwölfspeichiges Rad mit Nabe und Radkranz. Den achten Bija der Nabe setze man zwischen dessen Speichen.
17.343 Unter Auslassung der Speichenlaute vom siebten bis zum zehnten verbinde man [ihn] der Reihe nach mit den übrigen Speichenlauten samt Bindu.
17.344 Man setze die Worte „Vernichte, vernichte die Störungen des und des“ ein; in sämtliche Zwischenräume [setze man] den Waffenmantra wie zuvor.
17.345 Die Worte „Bewahre, bewahre den und den“, innerhalb des zwölfsilbigen [Mantras], setze man auf die Radnabe und ebenso in den Radkranzbereich.
17.346 Dann zeichne man sorgfältig der Reihe nach außerhalb des Mantrarades Kreise, Dreiecke, Halbmonde und viereckige Umfassungen,
17.347 mit Bindu, Svastika, Lotus und Donnerkeil gekennzeichnet. Mit dem ersten und zweiten der Nabe, dem vierten und dem davorliegenden
17.348 verbinde man sie der Reihe nach als Vierheit von Lauten. Den Namen samt dem Wort „Beschütze!“ umschließe man mit dem Bija samt seinen sechs Gliedern
17.349 und fülle damit das runde Mandala. Das äußere dritte [Mandala] fülle man wie zuvor mit dem zwölfsilbigen [Mantra],
17.350 oder das zweite und vierte. Außen in die acht Richtungen setze man ihn der Reihe nach, mit dem wiederholten „Beschütze!“, jedoch ohne Namen.
17.351 Man mische Rocana, Kampfer und Safran mit Milch einer braunen Kuh und mit dem Saft ihres Dungs,
17.352 verrühre es mit Kurkumawasser oder Flusswasser und schreibe [die Figur] mit einer Pfauenfeder auf Birkenrinde, an einem Tag
17.353 mit günstiger Konstellation, gutem Aszendenten und aufgehendem Planeten. Man verehre sie, umwickle sie mit einer Schnur und dann mit edlem Metall.
17.354 Man trage sie stets am Haupt, Hals oder rechten Arm; frei von schicksalhaften Störungen gedeiht man ohne Kummer.
17.355 Von Gefahren durch Wesen frei lebt man lebenslang. Wenn der mit Störungen behaftete Mantrakenner für andere oder für sich selbst sein Ziel erreicht hat,
17.356 durch diese gute, Frieden schenkende Handlung, bitte er den vortrefflichen Mantra sorgfältig um Nachsicht,
17.357 mit Verehrung, Feueropfer, Japa und weiteren [Handlungen], um andere Vollendungen zu erlangen. Wer nun durch den vortrefflichen Mantra die Verwirklichung des Dharma wünscht,
17.358 höre in Kürze das Verfahren zu ihrer Erlangung. Um den Ahnen, deren Reiskloßgaben unterbrochen wurden, wieder solche Gaben darzubringen,
17.359 auch zur Freude des Weltschöpfers und zum eigenen Schutz, faste man am Neumondtag und [verehre] den im Mandala befindlichen Herrn.
17.360 Man rufe ihn nach dem früheren Verfahren herbei und bringe hingebungsvoll Fußwasser, Arghya, Blumen, Räucherwerk und Gaben von Gold, Kühen und Weiterem dar,
17.361 mit Sesam versehene Speisegaben und reine Wassergefäße samt Kusha und Sesam, sowie Wasser in den eigenen hohlen Händen.
17.362 Durch die Gnade der Mantragestalt erreicht man bald die ewige Stätte und führt sogar in der Hölle befindliche Ahnen zum Himmel.
17.363 Mit Blättern, Blumen, Früchten, Speisen, Getreide, Dickmilchreis und Weiterem, mit Säften, Speisen, guten Düften, Gewändern und edlen Metallen,
17.364 mit Korallen, Perlen und Rubinen: Wer nach Vermögen mit all diesem hingebungsvoll den König der Mantras im Bild oder Mandala verehrt,
17.365 fastend am Vollmond beim Shadashitimukha [besonderer Sonnenkalendertermin], im Wunsch nach der Frucht von Opfer und Dharma, erlangt diese gewiss.
17.366 Wer den großen Dharma einer Pilgerreise zu heiligen Wasserstellen wünscht, verehre zuerst richtig und der Reihe nach den König der Mantras im Mandala.
17.367 Dann, mit gesammelten Materialien, verehre man mit einem Bad beginnend ein von Vollendeten installiertes Bild, ein von Siddhas stammendes oder ein selbst geschaffenes,
17.368 mit Krügen voll Panchagavya, Dickmilch, Milch, Ghee, Honig und Zuckerrohrwasser, mit sämtlichen Heilkräutern, Düften, Edelsteinen, Früchten und Blumen versehen,
17.369 mit dem Mantra samt seinen Gliedern besprochen, mit hundertacht Früchten gefüllt, dazwischen Krüge mit reinem Wasser und Arghya.
17.370 Wenn man dies mit durch Vertrauen gereinigtem Geist vollendet, erlangt man bald die zuvor erklärte Gnade des Mantraherrn.
17.371 Wer bei einem Sonneneintritt fastet, den Mantraherrn ins Mandala ruft und mit jahreszeitlichen Früchten und Blumen verehrt,
17.372 sieben Tage von Früchten und Wurzeln lebt, dreimal täglich badet und wiederholt achtgliedrige Niederwerfungen mit Rechtsumwandlungen vollzieht,
17.373 erlangt gewiss dauerhaft die aus diesem Gelübde entstandene [Frucht]. Wer nun durch eine gewünschte Gabe Dharma erstrebt,
17.374 faste und beherrsche sich am Tag der Tagundnachtgleiche und richte den Geist auf den aus der Gabe gewünschten Dharma.
17.375 Man bereite ein schönes Mandala samt Feuerstätte vor; mit aus Kuhprodukten bestehenden Speisegaben, Esswaren, Früchten und Wurzeln,
17.376 mit vortrefflichen Kränzen, Räucherwerk, Lampen, Sesam, Feueropfer- und Wassergefäßen verehre man richtig und sättige [den Herrn] im Feuer
17.377 mit Opferhölzern, Ghee, Sesam samt Ghee und Reis. Dadurch wächst der Dharma mehr als hundertfach gegenüber der stofflichen Gabe [allein].
17.378 Oder man fertige zur südlichen Sonnenwende ein glückverheißendes Mandala, rufe den Mantraherrn herbei und verehre ihn nach Vorschrift,
17.379 mit Kränzen, Salben, Räucherwerk, großen Lampen mit Ghee und Weiterem, mit Rohzuckerstücken besetzten Speisen, Milch und Reis-Hülsenfruchtbrei,
17.380 mit Kokoswasser, geröstetem Getreidemehl und Ghee. Danach sättige man die Mantragestalt im Feuer mit Ghee und weiteren [Gaben].
17.381 Durch dieses Verfahren erlangt man den Dharma von Opfer und gemeinnützigem Werk. Bei Mond- und Sonnenfinsternis faste man einen Tag und eine Nacht, sei rein,
17.382 bereite zunächst ein Mandala mit sämtlichen Geräten, setze darin den vortrefflichen Mantra ein und verehre ihn nach Vermögen.
17.383 Danach sättige man ihn im Feuer mit Opferhölzern oder Ghee und Weiterem. Anschließend wiederhole man den vortrefflichen Mantra im Geist, mit Meditation verbunden,
17.384 als Mantrakenner mit der Gebetskette in der Hand, bis Mond oder Sonne wieder sichtbar sind. Man erlangt unbegrenzte Frucht von Verehrung, Feueropfer und Japa.
17.385 Dies ist für Verehrer ohne Vermögen bestimmt, deren Inneres allein auf den Mantra gerichtet ist, denen die Mittel der Praxis fehlen und die ihre Frucht wünschen.
17.386 Durch Bad, Meditation, Yoga, Japa, Feueropfer, gutes Gelübde, gute Speise und Trank, Geben und [Ausgleich] sämtlicher anlassbedingter Unterlassungen
17.387 ist die Verwirklichung des Dharma besonders für Vermögende erklärt. Wer nun vom Mantra bald die Erlangung von Wohlstand wünscht,
17.388 sei er Brahmacarin, Hausvater, Waldeinsiedler oder Asket, bereite das Opfer richtig vor und verehre darin sieben Tage den König der Mantras,
17.389 nach Vermögen, dreimal täglich badend und nur nachts essend. Dreimal täglich sättige er ihn im Feuer mit Ghee und jahreszeitlichen
17.390 Bilva-Früchten, Amalaki-Früchten und Lotussen, bei deren Fehlen mit Kusha-Sprossen. [Nun folgt] die Zeit für den, der vom Mantraherrn die Frucht wünscht.
17.391 In der hellen Hälfte des Vaishakha, verbunden mit dem günstigen Shravana [Mondhaus], soll man fastend eine große Verehrung des Mantraherrn vollziehen,
17.392 auf dem Boden, im Mandala, im Bild oder in einem Wasserkrug. Dann verehre man an den rechten und linken Füßen des Mantraherrn
17.393 Ganga und Yamuna mit Verneigung und Pranava. Einen Krug fülle man mit Wasser, vermischt mit dem Wasser seiner Füße,
17.394 schmücke ihn schön mit Blumen, Gewändern und Salben und setze auf seine Öffnung [ein Gefäß] mit Sesam, Gold [Lesart der Vorlage: „Feueropfer“] und Früchten,
17.395 gefüllt mit Honig, Ghee, Zucker und Weiterem, mit Dickmilchreis und anderen [Speisen], einen großen gefüllten Krug oder ein geflochtenes Gefäß.
17.396 Zuerst bringe man dies der Mantragestalt dar, samt guten Sandalen und Schirm. Dann rufe man einen würdigen Empfänger herbei,
17.397 schmücke ihn mit Kranz, Sandel, Arghya, Räucherwerk und Gewand, gebe ihm mit dem Mantra Arghya-Wasser in die Hand und danach den Krug.
17.398 Man übergebe ihn zur Freude des Weltursprungs. Auch jener [Empfänger] soll, ganz darauf ausgerichtet, dem Mantrakenner höchste Freude zusprechen, du Einsichtsvoller.
17.399 Ebenso sollen diejenigen aus den Ständen von den Brahmanen an, die beim heilvollen Narayana Zuflucht genommen haben, zur Stillung ihrer eigenen Verfehlungen
17.400 baden und Ahnen und Götter verehren; am Zusammenfluss zweier heiliger Flüsse steigen sie bis zum Nabel ins Wasser und mit reinen gefüllten hohlen Händen
17.401 vollziehen sie das Opfer für den Erhabenen und geben einem trefflichen Brahmanen [eine Gabe], damit die Götter, die in allen Welten wohnen, [erreicht werden],
17.402 damit die Ahnen der eigenen Familie, die stets das Shraddha wünschen, Shvetadvipa erreichen und damit die eigene Nachkommenschaft gedeihe.
17.403 Lassen wir den zwölften Mondtag der hellen und dunklen Hälfte beiseite, du Makellosblickender: Für die durch Hingabe an den Erhabenen Gereinigten [gilt] auch jeder andere Mondtag,
17.404 wenn er mit Shravana oder Abhijit verbunden ist, als Bestandteil [der Praxis] zur Erlangung sämtlicher Früchte.
17.405 Deshalb faste man an ihm und verehre den König der Mantras reichlich oder nach Vermögen, damit die Zuwendung der Mantragestalt verwirklicht werde.
17.406 Welche Gaben hier auch gegeben werden, Kühe, Land, Gold und Weiteres, passend für Menschen, die [bestimmte] Handlungen vollzogen haben,
17.407 sie schenken den Gebenden Frucht und festigen das Weltwerden. Ebendiese Gaben jedoch, richtig den hingebungsvollen, geläuterten Verehrern gegeben,
17.408 die die Füße des Erhabenen zu erreichen wünschen, dienen zur Stillung des Weltwerdens. [Dies beruht auf] der Aussage, dass Achyuta, Hari überall ist,
17.409 Vishnu, Narayana, Hamsa, der Herr, der aus allen Shaktis besteht. In der Erkenntnishandlung ist er als in der Gestalt der Gabe entfaltet zu erkennen,
17.410 in dreifacher Unterscheidung, wie Blasen und andere [Formen] im Wasser. So erkenne man Gabe, eigenes Selbst und Empfänger als Narayana,
17.411 zuerst in einer gemeinsamen Einsicht; dann sind diese drei gesondert und mit ihren Besonderheiten zu erkennen, wenn die Zeit des Gebens gekommen ist.
17.412 Zuerst erfasse man im eigenen Geist den als Mittel dienenden Gegenstand: „Dies ist ein kleiner, unvergänglicher Ausdruck der Wirkmacht dessen, dessen Shakti unendlich ist.
17.413 Ich, das innere Selbst, das sich mit dem Leib des Gebenden identifiziert, bin der Herr. In den Zustand des Empfängers ist, aus dem Wunsch, mich zu begnaden,
17.414 der fünfgestaltige Gott selbst eingegangen, in Gestalt der fünf Elemente.“ So wissend, mit dem zwölfsilbigen oder dem eigenen [Mantra] im Leib eingesetzt,
17.415 stütze man sich auf den überzeugend vergegenwärtigten Mantra und [betrachte] dann Gabe, Feueropfer und Weiteres; ohne das eigene Wesen aufzugeben, meditiere man [darüber] wie über eine große Strahlenfülle.
17.416 Danach verehre man [die Gabe] ohne Mantra mit Arghya, Blumen und Salben. Mit dem zwölfsilbigen Löwenmantra oder dem eigenen, ohne Gliedermantras,
17.417 vollziehe man die Gestaltbildung des höchsten Atman, der zum Empfänger geworden ist. Man verehre ihn vorschriftsgemäß mit Gewändern, Kränzen und Salben
17.418 und gebe die Gabe samt Wasser, zur Freude des Erhabenen. Auch jener, dessen Inneres vom Erhabenen erfüllt ist, soll [ihm] Freude bereiten.
17.419 Dadurch nimmt die Gabe bei den Kennern Achyutas Erkenntnisnatur an. Narayana, das höchste Brahman, ist in den Zustand des bezeichnenden Klanges eingegangen,
17.420 um die Verblendung der Verehrer zu stillen, die vom Feuer des Samsara gequält sind. Deshalb vollziehe man mit seinem eigenen Mantra die Gabe seiner Gestalt,
17.421 mit dem zwölfsilbigen [Mantra] voran oder mit irgendeinem anderen. Den Unendlichen, Makellosen so in dieser Gestalt umfassend,
17.422 verehre man die Mantragestalt stets vorschriftsgemäß. So verehre man durch das Darbringen der Gabe den Höchsten in Mantragestalt.
17.423 Wiederum [verehre man ihn] als großen Mantra zur Verwirklichung guter Gelübde, wodurch der Gelübdeübende durch das Gelübde des Erhabenen Brahman-Natur erreicht.
17.424 Das für die nach der höchsten Stätte Strebenden vielfach unterschiedene Gelübde samt Gabe, Askese und Opfer verehre man vorschriftsgemäß in der Betrachtung als Brahman,
17.425 damit es den Vishnu-Verehrern bald die Frucht der Befreiung schenke. Das Opfer mit dem Leib aus vielerlei stofflichen Bestandteilen und seinen zahlreichen Merkmalen
17.426 führe man mit dem Opfermantra in verkörperte Gestalt und verehre es zuerst so. Man opfere bis zum Abschluss; nach dem Vollopfer erlange man Gold [so die vorliegende Lesart; der Zusammenhang ist unsicher].
17.427 Was bei Gaben, Gelübden, Askese und Opferhandlungen darzubringen ist oder wo zuvor etwas gegeben wurde,
17.428 ebendies allein ist zuerst für das nachfolgende Opfer zu bereiten. Das so Geweihte esse man dann als reinigende, mit der Opfergabe verbundene Speise.
17.429 Schon drei Nächte werden für die Gutes wirkenden Verehrer fruchtbar; wie viel mehr für diejenigen, die dazu fähig sind und sich an die Vorschrift halten,
17.430 die Gabe und Dharma lieben, Gelübde und Opfer vollziehen, das künftige Weltwerden fürchten, wenig Vermögen besitzen und Heil erstreben.
17.431 Mit Opferhölzern von Shami, Palasha, Bilva und Amalaki vollziehe man die Sättigung der Mantragestalt; auch im Wasser mit Wasser.
17.432 Nach Ablauf von sieben Tagen erhebe man den Mantra aus dem Mandala und vollziehe gesammelt hunderttausend Wiederholungen, mit Meditation verbunden,
17.433 in Brahmacarya lebend, schweigend, schlechte Nahrung meidend, auf Laugenkost, sauren Reisbrei und Öl verzichtend, frei von Gier,
17.434 stets auf Kusha und Antilopenfell schlafend, ohne Hochmut und Neid. [Man betrachte] eine sich drehende Gestalt, erhitztem Gold gleichend,
17.435 mit vielen Schneiden versehen, vorn im Raum befindlich; in deren Nabe vergegenwärtige man sich die Mantragestalt, unbewegt und zugewandt,
17.436 mit dem Glanz verschiedenfarbiger Edelsteine, aus ihrem Leib Mengen von Gold und anderen Metallen sowie gute Edelsteine von Mondstein an hervorbringend.
17.437 So meditiere man, wiederhole den Mantra und verehre zwischendurch, der Observanz treu bis zum Abschluss. Am Ende des Japa wird der Herr des Reichtums selbst
17.438 dem Befehl unterworfen und dienstbereit, mit sich selbst und seinem Vermögen. Er erfüllt den Bittenden ihre Wünsche; [der Übende] genießt selbst unablässig,
17.439 mit langem Leben und Gesundheit versehen durch die Macht des Mantraherrn. Bei Vermögenden, die genießen, regt sich bald Verlangen.
17.440 Dessen Verwirklichung werde ich zum Wohl der Übenden erklären. Wie zuvor fertige man an einem reinen, ansprechenden
17.441 und geschützten Ort ein Mandala, rufe den Mantraherrn hinein und verehre ihn drei oder sieben Nächte; danach opfere man im Feuer.
17.442 Nach dem zuvor genannten Verfahren vollziehe man Japa und Meditation. Man meditiere über Hari, die große Grundlage aller, rubinfarben.
17.443 In seiner Mitte meditiere der Mantrakenner über den vortrefflichen Mantra, korallenrot und wie die Bandhujiva-Blüte leuchtend; er wiederhole ihn in der zuvor genannten Zahl.
17.444 Der Übende richte den Geist auf den Genuss mit Frauen. Am Ende des Japa begehren ihn hier, furchtsam, entbrannt und von Leidenschaft bewegt,
17.445 Göttinnen, Kinnara-Frauen, Yaksha- und Gandharva-Mädchen, Siddha-Frauen, Himmelsnymphen und sämtliche Menschen- und Naga-Frauen.
17.446 Lebenslang dienen sie diesem vortrefflichen Übenden mit Handlung, Geist und Rede, durch die Macht dieses Mantras.
17.447 Welchen Wunsch man auch hegt, beginnend mit dem Hervorholen [von Wesen oder Schätzen] aus der Unterwelt: Durch hunderttausend Wiederholungen und entsprechendes Feueropfer gewährt ihn der König der Mantras.
17.448 Nun werde ich für den Mantrakenner, der vom Genuss der Wünsche abgelassen hat, die befreiende Unterweisung wahrheitsgemäß erklären.
17.449 Mit freudigem Inneren bereite man erneut das vortreffliche Opfer und verehre darin den vortrefflichen Mantra der Reihe nach während der zuvor genannten Zeit.
17.450 Man sättige ihn nach Vorschrift in der Feuergrube oder im Wasser mit Wasser, zur Beseitigung aller Fehler und zur Sühne.
17.451 Man wiederhole [den Mantra] zehntausendmal oder nach Vermögen in der zuvor genannten Zahl. Dann vergegenwärtige man sich gesammelt den Mantra in der Mitte des Herzlotus,
17.452 an sämtlichen Haarporen von Hunderten edelsteingleicher Flammen umgeben. Man mache das eigene Bewusstsein ganz zu ihm und verbrenne mit dessen Feuerstrahlen
17.453 den ganzen Elementeleib. Von ihm gelöst besteht man nun, der Sonne und dem König der Vögel gleich, in der eigenen Gestalt des Mantras.
17.454 Dann meditiere man darüber, wie die eigene Mantragestalt sich langsam verwandelt: einer Lichtkugel gleich, frei von sämtlichen Gliedern und Körperteilen.
17.455 Diese Lichtkugel [betrachte man] danach als weit und [zugleich] bestimmt, alldurchdringend, von Klangnatur, von Wesensnatur und bewusstseinsartig.
17.456 Auch daraus entferne man ganz allmählich die als Ich-bin-heit bezeichnete Selbstzuschreibung, sodass man selbst dauerhaft Brahman wird.
17.457 So ist die Verehrung des großen Narasimha in seiner Erscheinungsgestalt, verbunden mit den Vollendungen, in Kürze erklärt.
17.458 Dies soll meinen reinen, selbstbeherrschten Verehrern gelehrt werden, die den täglichen Handlungen ergeben sind und deren Geist vom Samsara beunruhigt ist.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 17 mit dem Namen „Verfahren für die Erscheinungsgestalt Narasimha“.
Kapitel 18
Zur Orientierung: Die Vorbereitung der Einweihung wird als äußerer und innerer Vorgang entfaltet. Die Betrachtung des Karmarades in 18.128–132 macht deutlich, dass die beschriebenen Handlungen auf ein Erwachen aus Bindung zielen.
18.1 [Narada sprach:] Als dies gesagt war, ihr Herren der Weisen, sprach Kamapala erneut zu Hari, aus dem Wunsch, der Welt Gnade zu erweisen:
18.2 [Sankarshana sprach:] Für die Zweimalgeborenen, die Gewissheit erlangt haben, deren Verfehlungen völlig geschwunden sind und die diese Stufenfolge betreten haben,
18.3 möchte ich jetzt die genaue Bestimmung der drei Einweihungen erfahren, Erhabener. Durch ihren Empfang möge der Verehrer des Erhabenen bald sein Ziel erreicht haben.
18.4 [Der Erhabene sprach:] Bei günstigem Mondhaus, Mondtag und Aszendenten, unter günstigem Planetenblick, nehme man für die vorbereitende Weihe der Verehrer einen Bodenplatz in Besitz,
18.5 in einer heiligen, geeigneten, ansprechenden, von Guten aufgesuchten Gegend, reich an guter Erde, Wasser, Früchten und Blumen, mit Opferholz und Kusha versehen,
18.6 durch Kühe, Feldfrüchte und Reis begünstigt und frei von schädlichen Kleintieren. Dort wähle man einen dem Stand entsprechenden Boden mit den zuvor genannten Merkmalen,
18.7 frei von allen Mängeln, von günstigen Vögeln und Wildtieren besucht, [eine Gegend], die mit glückverheißenden Heiligtümern, Klöstern, Viehställen, Märkten und Häusern,
18.8 Gewässern, Einsiedeleien und Feldern gut geordnet durchsetzt ist, frei von Überschwemmungsgefahr und kraftvoll von guten Menschen genutzt,
18.9 von Wäldern, Hainen, Dörfern und Stadtteilen umgeben. Ob eigener Boden verfügbar ist oder nicht: Bei den Brahmanen und den übrigen
18.10 begründe man entsprechend dem Stand durch Verehrung mit dem eigenen Mantra das rituelle Besitzrecht. Zuerst hebe man [den Boden] aus und erkenne ihn als von Mängeln frei.
18.11 Man fülle ihn mit guter Erde, dazwischen mit kleinen Steinen, stampfe ihn fest und besprenge ihn danach mit Panchagavya.
18.12 Mit Gold und edlen Edelsteinen versehen, ebne und bestreiche man ihn. Dort vollziehe man die Verehrung des Herrn bis zur Meditation wie zuvor.
18.13 Die Bali-Gabe für die Wesen, die Sättigung der Kühe und [die Bewirtung] der Brahmanen bis zum Opferlohn vollende man dort.
18.14 Nach vorheriger Bestimmung von Osten und den übrigen Richtungen [errichte man] einen geschmückten Pavillon, in den Ecken durch jeweils zwei gute Säulen geziert,
18.15 in der Mitte mit einem irdenen Sockel ausgestattet. Seine Breite gilt für die Brahmanen und die übrigen bis zu den Shudras als gleich.
18.16 [Der Sockel sei] achteckig, rund oder viereckig, mit Untersockel; seine Höhe beginne bei acht Fingerbreiten und nehme jeweils um eine ab.
18.17 Bei allen fertige man den Untersockel halb so hoch wie den Sockel. Die Breite der Untersockel betrage das Doppelte der Sockelhöhe.
18.18 An den Untersockel anschließend, entsprechend dessen Maß erhöht, fertige man im Westen eine Sitzplattform von gut einer Elle [Länge].
18.19 Die Speisegabe stelle man nach dem Darbringen auf den Untersockel. Auf dessen Südseite [errichte man], mit innerem Durchgang,
18.20 mit freiem Fenster, Plattform und Feuergrube sowie mit guter Tür und Riegel versehen, einen Feueropferpavillon.
18.21 Mit Wasser und Kuhdung, die mit dem Waffenmantra besprochen sind, bestreiche man [beide] und gestalte sie vorschriftsgemäß schön. So [entstehen] die beiden Pavillons.
18.22 Bei fehlendem Vermögen ist die vorbereitende Weihe im Haus eines Zweimalgeborenen vorgesehen, oder für die Schüler im Haus des Lehrers. Dort vollziehe man die Inbesitznahme,
18.23 wie zuvor mit Verehrung beginnend und mit der Sättigung der Wesen endend. Gekochter Reis, Dickmilch, Puffreis und Ghee, von Honigwasser durchtränkt,
18.24 werden als Sättigung der Wesen bezeichnet. Ohne dies bleiben sie dort außen fortwährend zornig und wünschen schweres Verderben.
18.25 Deshalb ist sorgfältig vorgeschrieben: Sobald der Ort zum heiligen Feld gemacht ist, bringe man überall und stets Bali dar, damit die Vollendung ohne Hindernis geschieht.
18.26 Danach lasse man zum Glück einen langen, schönen Glockenklang ertönen, erhebe [den Mantra] wie zuvor von seinem eigenen Ort und spreche den großen Pranava.
18.27 Dann bringe man hinein: Puffreis, guten weißen Senf, Früchte von Shriphala an, Sandel und weitere [Duftstoffe], Rocana,
18.28 Blumen von weißen an, Blütenrispen ihrer Bäume, grüne Darbha-Halme mit Spitzen, sämtliche Edelsteine und Gold,
18.29 alle Heilkräuter, Rinde, Kardamom und weitere gute Duftstoffe, Padmaka, Shankhapushpa, Vishnukranta und Kundara,
18.30 je sieben Getreide- und Samenarten sowie sechs gleiche [Portionen; Satzbau unsicher], reichlich gereinigten Shali-, Shyamaka- und Wildreis,
18.31 die fünf Kuhprodukte in Gefäßen aus Udumbara-Holz, ebenso viele weitere dichte Gefäße,
18.32 auch neue Gefäße für den fortlaufenden Gebrauch, für Fußwasser, rituelles Schlürfen und das Darbringen von Dickmilchreis,
18.33 Gefäße aus Gold und weiteren [Metallen] oder Schalen aus weichen Blättern, weiße feine Gewänder und zwei neue Gewandpaare,
18.34 heilige Schnur samt Obergewand, zwei reinweiße gewaschene Gewänder, seidene Reinigungsschnüre, Armreif und Fingerring,
18.35 eine kristallene Gebetskette sowie eine dreifache Zählhilfe aus Blättern beziehungsweise Samen, einen zwölfspeichigen Diskus aus fünf Metallen samt Muschelhorn,
18.36 eine Decke, ein Yogaband, ein Tuch für die Augen, Antilopenfell, Grasmatte, feines Tuch, Seidenband, Holzsandalen und Schuhe,
18.37 Stab, Empfangsgefäß, Schirm und acht [Gefäße] voll Weizen, Kränze in vier Farben, schöne, reine und leichte
18.38 grüne Blattmengen mit dunklem Gras, Guggulu, gutes Räucherwerk, Lampenöl und Dochte,
18.39 Spiegel, Räuchergefäß, Glocke, Gefäße für Arghya und Weiteres, Farbpulver, zwei Zeichenwerkzeuge, Pflanzschale und weißen kleinen Krug,
18.40 fünf sehr feste, fünf Fingerbreiten lange Kusha-[Nachbildungen] aus Gold oder anderem [Material], mit Lack gefärbte Schnur, reinweiße [Schnur], Schere und Rasiermesser,
18.41 acht Schäfte mit Spitzen und Pfauenfedern, hoch und mit festen Spitzen, aus Metall, Ton oder Holz,
18.42 mit weißem Überzug und weiteren Farben gefärbt, samt ihren Unterlagen, kleinen Schalen, Wasserkrügen, Gießgefäß und schönem Karavi-Gefäß,
18.43 einen Krug ohne schwarze Stelle, Wurzelrest oder inneren Defekt samt Unterlage, Kochtopf, Wassergefäß, Schöpflöffel, Deckel und Herd,
18.44 einen neuen glückverheißenden Sitz mit vier Füßen, viereckig oder länglich, Maßgabe beziehungsweise Geld, Betel und einen Vorrat an Zahnhölzern,
18.45 Feuerreibehölzer mit trockenem Kuhdung und einen feuererzeugenden Stein, Opferhölzer von Palasha und Durva, Umlegehölzer mit Spitzen,
18.46 reichlich trockenes Brennholz, mit Ghee bestrichenen Sesam und Reis sowie die zuvor genannten Feueropfergeräte von den beiden Opferlöffeln an,
18.47 alles bis zum Wedel, samt zwei großen Gefäßen. Von den zuvor genannten Gaben bringe man alles hinein, was als Bestandteil
18.48 der Verehrung auf dem Bodenaltar dient, nachdem man dies erkannt hat. Der Lehrer [handelt] aus dem Wunsch, die dem Werden unterworfenen Verehrer des Herrn zu begnaden,
18.49 die göttliche Erfahrungen oder die Stätte des höchsten Heils wünschen. Was jeweils als körperlicher Gegenstand [die einzelnen Ritualglieder] ergänzt,
18.50 gebe er zusammen mit dem ewigen, unmanifestierten Prinzip, dem heiligen Mantra-Brahman: die Mantraentfaltung samt Bedeutung, Rishi und Weiterem gemäß der Überlieferung.
18.51 Sie schenkt den Wunschvollen Frucht, den Wunschlosen Befreiung. Dann, mit Helfern, gebadet und nach vollzogenen Tagespflichten wie zuvor,
18.52 trete er ein, verweile im Westen nach Osten gewandt und setze sich nach rituellem Schlürfen im Lotussitz oder einer anderen Haltung auf das Fell im Umlaufgang.
18.53 Mit welchem Mantra er aufgrund seiner Befugnis dem Schüler Gnade erweisen soll, mit ebendiesem samt seinen Gliedern vollziehe er sämtliche Handlungen.
18.54 Soll die Begnadung durch sämtliche Erscheinungsmantras geschehen, um zur gesamten Verehrung zu berechtigen oder die Zwölfheit zu erlangen,
18.55 vollziehe er die beiden Konzentrationen mit dem Vishakhayupa-Mantra. Er durchdringe den Leib mit dessen Bija und [verwende] wie zuvor die damit besprochenen,
18.56 zuvor nach Vermögen beschafften [Gaben] zur Ausstattung. Zuerst [schmücke er sich] mit Salben, Gewändern, Armreifen und Fingerring,
18.57 mit großem weißem Turban und weißem Kranz, Mundduftstoffen samt Betel und einem Stirnzeichen.
18.58 Den Leib so schön ausgestattet und durch ein Yogaband gehalten, setze er den herrscherlichen Bija in die Mitte des Herzlotus ein,
18.59 in die Hände den Padmanabha-[Bija], in den Leib den Dhruva genannten. Mit den übrigen berühre er wie zuvor vom Haupt bis zu den Füßen.
18.60 In Hände und Leib setze er den herrscherlichen Bija samt Gliedern ein. Nachdem er dies richtig bis zur Mudra vollzogen hat, nehme er
18.61 mit den Händen Muschelhorn und Diskus auf, mit dem jeweils eigenen Mantra besprochen. Eins mit ihnen geworden, lege er sie danach auf den Boden.
18.62 Er betrachte alles dort Vorhandene und beginne die Handlung. Was sich im Gießgefäß befindet, bespreche er mit dem Waffenmantra.
18.63 Damit bestreiche, reinige und reibe er den Opferplatz. Wieder [setze er] an dessen Brahma-Grenze, um den Glanz zu vermehren,
18.64 Gold, weitere Edelsteine und Samen ein. Dann fülle er vier Gefäße mit gefiltertem Wasser.
18.65 In das erste lege er Sandel und weitere [Duftstoffe], zuerst weißen Senf, ungebrochene Körner, Kusha-Spitzen, Reis und Sesam,
18.66 edle Metalle samt Edelsteinen und Früchten. In das zweite [gebe er] vier Tropfen: Dickmilch, Honig, Ghee und Milch,
18.67 mit einer Kusha-Spitze, samt Safran, Blumen, Sesam und Reis. Durva, Vishnukranta, Shyamaka, Shankhapushpika
18.68 und Padmaka [gebe er] in das dritte, zusammen mit Kundara-Pulver. Rinde, Kardamom und alle weiteren [Gewürze], Kampfer und Sandel
18.69 gebe er in das vierte. Die Zugabe all dieser glückverheißenden Stoffe zu den vier [Gefäßen] vollziehe er mit dem Herzmantra.
18.70 Mit dem Wurzelmantra samt Waffenmantra bespreche er dies alles und verehre es mit Blumen und weiteren Gaben durch ebendiesen samt seinen sechs Gliedern.
18.71 Der Reihe nach ist alles bei allen [Gefäßen] als nektargleich zu betrachten. Bei Herbeirufung, Vergegenwärtigung, Festhalten, Verehrung
18.72 und Entlassung vollziehe man die Arghya-Gabe stets aus dem ersten Gefäß. Mit dessen Wasser vollziehe man auch Ehrung und Umsprengung,
18.73 Wasserherbeiführung, Gabe, Erfreuung und freudestiftende Handlung. Die Besprengung sämtlicher Gegenstände [geschehe] mit Wasser aus einem anderen [Gefäß].
18.74 Zu Beginn aller Handlungen und ebenso bei ihrem Abschluss, zur Beruhigung von Mangel und Übermaß und von Irrtümern des Erkennens,
18.75 ist dem Herrn in Mantragestalt stets diese Arghya-Gabe darzubringen, bei der Verehrung von Hauptkrügen, Nebenkrügen, Feuergruben, Mantra- und Waffenkrug,
18.76 bei der Verehrung der Wesen, Gurus und weiteren, du Einsichtsvoller, zur Verehrung von kundigem Schüler und eigenem Selbst sowie bei jeder genannten und ungenannten Verehrung.
18.77 Fußwasser gebe man stets aus dem dritten Gefäß, Wasser zum rituellen Schlürfen zur jeweiligen Zeit aus dem vierten.
18.78 Nachdem man zuvor das in einem eigenen Gefäß befindliche Panchagavya mit dem hauptsächlichen Arghya-Wasser besprengt hat, bereite man es wie zuvor mit Herz und den übrigen [Mantras] zu.
18.79 Man füge Kusha-Wasser mit dem Waffenmantra hinzu und bespreche es mit dem ursprünglichen [Mantra]. Dann [bereite man es] mit beiden Händen, deren Wesen Feuer und Soma ist,
18.80 zur Verwendbarkeit und besprenge mit diesem Wasser sämtliche beschafften Gegenstände, mit den Kusha-Halmen an der Spitze des Grassitzes.
18.81 Alle Samen und Getreidearten samt weißem Senf bespreche man mit dem Waffenmantra und betrachte sie als der Waffe gleich.
18.82 Zur Stillung von Hindernissen werfe man sie rasch in die zehn Richtungen, sammle sie mit einem Pfauenfederbüschel und lege sie im Osten nieder.
18.83 Um diese herum zeichne man mit Sandel und Weiterem den König der Waffen. Das Karaka-Gefäß samt Krug schmücke man wie zuvor,
18.84 mit Gaben bis zum Obergewand, und betrachte beide als verkörpert. Den Leib ihrer Gottheit schaue man als schön wie den Raum.
18.85 In ihre Mitte rufe man Vishakhayupa und verehre ihn der Reihe nach bis zur Mudra. Das südlich von ihm befindliche
18.86 Karaka [Gefäß; hier abweichende Wortform] betrachte man als Waffenleib. Darin meditiere man über den Waffenmantra und verehre ihn vorschriftsgemäß,
18.87 als die Hindernisse bis zum Ende des Rituals vernichtend. Der Wissende, mit [dem Mantra der] Waffe und gefalteten Händen, bitte:
18.88 „Herr des Alls, nimm dieses von mir errichtete Opferhaus an. Sei bis zum Abschluss bei den Gliedern des Rituals gegenwärtig, Allgegenwärtiger.“
18.89 Dann führe man einen ununterbrochenen Strom von Waffenwasser an der Wand entlang, rechtsherum von Osten bis zu demselben Ort zurück, unter entsprechender Vergegenwärtigung.
18.90 Man stelle [das Gefäß] nieder und vollziehe zusammen mit dem Krug eine Rechtsumwandlung. Nach der Arghya-Gabe für beide [bereite man] im Osten eine obere und untere [Unterlage],
18.91 einen verehrten, mit Tuch bedeckten und mit dem Diskusmantra besprochenen glückverheißenden Sitz. Darauf setze man auf die Unterlage
18.92 den Mantrakrug samt Waffe, verehre ihn und verneige sich. Dann setze man die zuvor genannte Schar der Richtungshüter in den Richtungen ein.
18.93 Nach ihrer Verehrung mit Waffen- und Herzmantra, mit dem Pranava, dem eigenen Namen und anschließender Verneigung,
18.94 verehre man Torbögen, Fahnen und Weiteres mit Arghya und anderen Gaben. Dann meditiere man in der Mitte der Feueropferstätte über den zuvor erklärten Sitz.
18.95 Dort verehre man den Herrn in der zuvor genannten Reihenfolge und vollziehe wie zuvor in der verehrten Feuergrube die Sättigung bis zum Vollopfer.
18.96 Dann verehre man die Wesen des Erhabenen samt dem Herrn des Feldes mit Arghya, Blumen und Weiterem und nehme die Bali-Gabe im Gefäß auf.
18.97 Nach folgenden Worten lege man sie außerhalb des Opferhauses nieder: „Die Wesen, die Vishnu hingegeben sind, und diejenigen, die ihnen folgen,
18.98 mögen zufrieden das Bali annehmen und mir Heil gewähren.“ Mit gewaschenen Füßen und nach rituellem Schlürfen betrete man das Opferhaus.
18.99 Im Feuerhaus bereite man den im Osten stehenden Herd vor; aus der Kochstätte [führe man das Feuer] von seinem Ort in die Feuergrube. [Die Verbindung der Ortsangaben ist unsicher.]
18.100 Den Kochtopf wasche man mit dem Waffenmantra, bestreiche ihn außen mit Kuhdung und innen mit Duftstoffen und erhitze ihn mit brennendem Kusha.
18.101 Man schlage ihn mit der Waffenblume an, umwinde seinen Hals vierfach mit weißer, mit dem Panzermantra besprochener Schnur und verehre ihn mit Arghya und weiteren Gaben.
18.102 Man setze ihn auf den Herd und gebe Honig, Ghee und Milch hinein. Wenn die gereinigte Milch gekocht ist, gebe man mit dem Waffenmantra Reis hinein.
18.103 Mit dem Wurzelmantra rühre man um, betrachte [die Speise] mit dem Augenmantra, nehme sie mit dem Herzmantra herunter, begieße sie [mit Ghee] und rühre mit dem Shikha-Mantra.
18.104 Mit dem Kopfmantra bestreiche und wasche man [den Topf] mit ganz klarem Wasser. Mit Asche, Sandel und weiteren Stoffen schmücke man ihn mit aufrechten Zeichen.
18.105 An anderer Stelle innerhalb des Mandala setze man ihn auf einen Grassitz. Zur Vollendung des Caru vollziehe man das Feueropfer bis zum Vollopfer.
18.106 Den einleitenden Ghee-Guss vollziehe man als Feuer- und Nektargestalt, mit dem Hamsa-Laut samt Bindu, eingerahmt von Isha und Abjanabha,
18.107 ebenso mit Vaushat, Vashat und dem Pranava-Paar. Denn sein Bestehen ist hier untrennbar mit beiden verbunden.
18.108 Deshalb vergegenwärtige man sich die Speise, ins Herz aufgenommen und oben wie unten von der zuvor genannten Einfassung umschlossen.
18.109 Wenn das Sampata-Feueropfer der Stoffvereinigung samt Vollopfer vollzogen ist, entnehme man [die Speise] mittels Opfergabe in drei Gefäße.
18.110 Man verwende sie vorschriftsgemäß auf dem Bodenaltar, im Krug und im Feuer. Den dadurch geheiligten Rest bedecke man mit Kusha und teile ihn auf.
18.111 Mit Wurzel-, Waffen- und Augenmantra opfere man der Reihe nach dreihundert [Gaben] und führe [das Ritual] durch das Vollopfer erneut zur Vollständigkeit.
18.112 Dann fertige man im Norden ein Mandala mit Kuhdung und Weiterem. Darin lege man einen Grassitz mit Spitzen nach Osten, mit Kusha und dem Herzmantra.
18.113 In dessen Mitte stelle man den Schüler mit geschlossenen Füßen und aufrechtem Leib, nach Osten gewandt, Sprache und Geistbewegung beherrschend, mit gefalteten Händen.
18.114 Wie zuvor besprenge man ihn mit Wasser unter dem Waffenmantra und berühre sein Haupt mit ebendemselben und mit leuchtenden Senf- und Sesamsamen.
18.115 Um die aus anfangslosen Prägungen entstandenen Bindungen zu lockern, [fahre man] mit dem auf Phat endenden Waffenmantra und einer Kusha-Spitze von den Füßen
18.116 bis zum Haarschopf empor, damit die Wegfolge geradlinig wird. Man vergegenwärtige ihn sich wie von einem Netz durch die Mantraschar durchdrungen und umgeben.
18.117 Mit dem Augenmantra verbinde man seine Augen mit einem Tuch. Zuvor fülle man seine hohlen Hände mit Gut, Arghya, Blumen und Düften.
18.118 Man fasse ihn an der Hand oder am Arm und stelle den jungen Schüler vor sich. Man lasse ihn mit geneigtem Haupt die Gabe der hohlen Hände in die Gottesstätte werfen.
18.119 Nachdem seine Augen geöffnet sind, ohne dass andere Menschen [ihn] sehen, erkenne man an ihm, der den heilsamen Weg betreten hat, das Zeichen der Hingabe:
18.120 Gänsehaut, Sehnsucht, Freude und Freudentränen, verbunden mit Verneigung, Japa, Worten und Rechtsumwandlung in den Richtungen.
18.121 Man erkenne sein gereinigtes Inneres und denke: „Dieser ist geeignet.“ Dann betrachte man das eigene Selbst als Achyuta
18.122 und vergegenwärtige sich in der rechten Hand, inmitten von Rad und Lotus, die Schar der Hauptgottheiten, jede an ihrer eigenen höchsten Stätte,
18.123 mit der eigenen Strahlenfülle alles erhellend. Mit dieser Achyuta-Hand samt Wasser berühre man ihn.
18.124 Auf dem Rücken seiner blumengefüllten hohlen Hände [vergegenwärtige man] die dort ruhende Dreiheit bis zum Ende der Mantraschar, zur Stillung der Hindernisse der Befreiung.
18.125 Man führe ihn wieder herbei und verehre mit dem Mantra den höchsten Herrn. Zuvor erkenne man das innere Bestehen als Verhältnis von Träger und Getragenem,
18.126 von Erde und den weiteren [Prinzipien] bis zur Erkenntniskraft, ebenso der Prägungen und des Selbst. Dann vollziehe man ihre Trennung durch Meditation, Verehrung und weitere [Handlungen].
18.127 Das Karmarad besteht auf das Selbstprinzip gestützt. Auf diesem Rad ruht die Siebenheit bis zur Erkenntniskraft.
18.128 Unwissenheit, Begrenzung des Durchdringens sowie Erfahrung von Freude, Schmerz und Weiterem [entstehen] für das allwissende Selbstprinzip durch das Sichstützen auf das Karmarad.
18.129 Dieses unstete, stets anwachsende Karmarad besteht, auf die Grundlage von Erde an gestützt, nur so lange,
18.130 bis das karmisch gebundene Selbst durch die allwissende Shakti erweckt wird. Erwacht vermag es dieses [Rad] stets anzuhalten,
18.131 durch Handeln, das mit Mantraverehrung beginnt und in Erkenntnis gründet. Deshalb soll man die zur Person gehörende Grundlage von Erde an, deren Kern Sattva ist,
18.132 jetzt festhalten und saftlos, zu ödem Boden geworden machen; dadurch geht der Karmabaum zugrunde, nachdem die Bewusstseinsfrucht von ihm befreit ist.
18.133 Zur Reinigung des Selbst vollziehe man deshalb auf dem Boden vor dem Allwissenden der Reihe nach die Verehrung der Mantras der Elementherren.
18.134 Mit geistiger Betrachtung durchdrungen, gemeinsam und von Mantraherren gelenkt, meditiere man über den Weg von Erde bis Erkenntniskraft wie zuvor als sechsblättrigen [Lotus].
18.135 In seiner Mitte [setze man] Abjanabha ein; im Osten oberhalb der Staubfäden die Sechsheit von Vishvarupa bis Kshmadhara.
18.136 Den ersten Laut ihrer eigenen Namen bis [zum Namen] Erde führe man zuvor in Bija-Form. Damit vergegenwärtige man sich der Reihe nach ihre Einsetzung wie zuvor, innerhalb ihrer Kraft.
18.137 Den Erdbija [setze man] auf die sechs Blattspitzen und an die Wurzeln. Man verehre [die Gruppe] zuerst ungeteilt als Grundlage aller Sinne.
18.138 Dann [betrachte man] die übereinander bis zur Erkenntniskraft befindlichen [Prinzipien], getrennt durch Gruppen von Bewusstseinswinden im Raum.
18.139 Wieder verehre man sie richtig mit unterscheidendem Blick auf dem Weg der Rücknahme. [Man betrachte] mit seinem eigenen Bija das gelbe, vierfach [viereckig] gekennzeichnete, mit Donnerkeil versehene
18.140 Erdprinzip als goldenen Lotus und verehre in seiner Mitte den Varaha-Mantra der Reihe nach samt Gliedern und Umfassung.
18.141 Man lasse es in seiner Ursache ruhen, mit Umhüllung versehen. Dann [betrachte man] oberhalb des Erdkreises eine halbmondförmige
18.142 Umfassung mit Lotuszeichen, mit großem weißem Lotus im Inneren. Darin vergegenwärtige man sich Sarashaya und verehre ihn.
18.143 Darüber stelle man sich zuerst ein feuriges Dreieck vor, übersät mit edelsteingleichen Flammenfunken und mit Svastikas gekennzeichnet.
18.144 Darin verehre man Narasimha, in der Mitte auf einem Edelsteinlotus. Darüber [betrachte man] eine weiße runde Umfassung, mit Sternenscharen gezeichnet,
18.145 von einem blauen Lotus eingenommen; darin vergegenwärtige man sich den auf dem Vogel Sitzenden. Darüber [betrachte man] den gestaltlosen Raum, allein durch Klang gekennzeichnet.
18.146 Darin meditiere man über den ersten Laut, sonnengleich, samt Lotus, und verehre dort den Gott Vagishvara nach Vorschrift.
18.147 Im Raum innerhalb seines Fruchtbodens vergegenwärtige man sich dann eine Lotusgestalt mit dem Glanz verschiedener Edelsteine, die aus den Bewegungen des Geistes besteht.
18.148 In ihrer Mitte verehre man Vishvarupa, den Herrn des Geistes. Darüber [betrachte man] einen nektarbergenden Lotus, Millionen Mondstrahlen gleich,
18.149 der durch sich selbst das eigene Selbst trägt. Darin ist Abjanabha, der Herr der Erkenntniskräfte, zu verehren.
18.150 So führe man der Reihe nach die Herrenschar von Geruch, Geschmack, Form, Berührung, Klang, Geist und Erkenntniskraft aus dem Höchsten herab und verehre sie.
18.151 Nach jeder Verehrung setze man sie wieder ebendort ein. Die Laute als Ursprünge der Elemente, Strahlen den Lotusblüten gleich,
18.152 vergegenwärtige man sich in ihrem Bestehen und Zurückgehen in die Ich-Kraft, als anfangslose Prägungsform, ungeteilt im Selbst vorhanden,
18.153 aus sämtlichen Samen hervorgegangen und Padmanabha tragend, aus allen Sinnesbereichen herausgetreten und vom eigenen Herrn getrennt,
18.154 als schwingende Gestalt, abgefallen und ohne Grundlage. Man verehre sie mit dem Pranava, wenn die Zeit der Einweihung gekommen ist.
18.155 Nachdem man so die Siebenheit der Elemente mit ihrem stofflichen und göttlichen Aspekt verehrt hat, verehre man danach selbst [den Herrn] und lasse den Schüler mit gefalteten Händen [verehren].
18.156 Dann begebe man sich zum Feuer und meditiere nach drei Wachen. Rechts von sich [setze man den Schüler] auf einen Darbha-Sitz im Radhaus.
18.157 Mit der eigenen, Kusha haltenden Hand ergreife er den rechten Fuß des Guru und verweile durch Berührung und Weiteres in Wesenseinheit [mit ihm].
18.158 Mit dem Bija vergegenwärtige man sich den lichtvollen Herrn von den Füßen bis zum Haarschopf, der plötzlich [das] voneinander löst, was anfangslos und ohne Körpergestalt entstanden ist:
18.159 das vielfältige Prägungsrad, das auf dem Leidensweg antreibt. Mit darauf gerichtetem Geist vergegenwärtige man sich die Einheit der Nadis.
18.160 Ebenso [betrachte man] die Trennung der Karmas und opfere mit Panzer- und Waffenmantra der Reihe nach zwölf Sesamgaben samt Ghee.
18.161 Man betrachte: „Dieser ist von mir im höchsten Atman zur Vollendung zu führen“, und gebe zuerst acht Ghee-Opfer mit dem Wurzelmantra.
18.162 Man berühre sein Haupt mit dem Ghee enthaltenden Opferlöffel und opfere mit dem Erkenntniswort, dann wieder mit [dem Mantra], dessen Wesen alle Eigenschaften sind.
18.163 Mit den jeweiligen Zwischenhandlungen vollziehe man das Feueropfer in der zuvor genannten Zahl, richtig bis zur Herrscherstufe und ebenso bis zum Augen-[Mantra].
18.164 So vollendet entsteht das Sampata-Feueropfer. Es ist durch die Größe des Mantras mit sämtlichen Weihen versehen auszuführen.
18.165 Dadurch wird [der Schüler] jetzt und künftig ein Gefäß für Anima und weitere Kräfte, durch rechte Verehrung des Herrn und geeignete Übung.
18.166 Nach dem Sampata-Opfer sättige man die Mantras jeweils einmal mit Ghee und verehre sie; dann trage man dem Herrn vor:
18.167 „Die vielfältige Karmamasse samt Prägungen dieses handelnden Selbstprinzips habe ich durch deine Shakti zum Stillstand gebracht.“
18.168 Danach opfere man zur Sühne mit dem vom Bija eingeschlossenen eigenen Glied-[Mantra] sieben [oder: acht; Zahlbezeichnung unsicher] geformte [Gaben].
18.169 Dadurch geht bei dem einsichtsvollen, an Geburt gebundenen Wesen die vermischte, aufzugebende Erscheinungsform zugrunde.
18.170 Danach ist der Dharma anzunehmen, dessen einzige Frucht Befreiung ist; in vielfältiger Weise wendet er sich [dem Schüler] zu, oder Achyuta [wendet sich ihm darin zu],
18.171 wodurch die innen verborgene Unwissenheit rasch vergeht. Dann nehme man eine rötliche Schnur und mache sie zuvor vielfach,
18.172 betrachte sie mit dem Augen-[Mantra], reinige sie mit Waffenwasser und bemesse sie vom Haarschopf bis zur großen Zehe des [Schülers].
18.173 Man vergegenwärtige sie sich als Sitz aller leidvollen Bindungen und trete auf dem Götterweg in die Nähe des Bewusstseins des Schülers.
18.174 Den Namen versehe man am Anfang mit Pranava und am Ende mit Hum Phat, schließe ihn in den Herzmantra ein und [führe ihn] auf dem Ahnenweg
18.175 zusammen mit der Schnur herbei. Mit dem Augen-[Mantra] bringe man [beide] zur Gleichheit, verehre sie mit Arghya und Weiterem und umhülle sie mit dem mächtigen Panzer-[Mantra].
18.176 Mit [der Formel] „Om, Hrm, der Verzehrenden, Hrm, Svaha“ opfere man sieben geformte [Gaben]. Dann [verwende man] weißes Pulver, mit dem Waffenmantra besprochen,
18.177 berühre schlagend den Schülerleib und trete bis zu dessen [innerem] Bereich ein. Nach dem Wort für Kraft spreche man: „Löse den und den.“
18.178 Mit der Bezeichnung der Erkenntnis an Anfang und Ende ziehe man ihn heraus, lasse ihn der eigenen Erkenntniskraft folgen und meditiere über ihn wie über eine Sternenkugel.
18.179 Man verbinde ihn innerlich mit der Schnur durch den Hamsa-Laut samt Bindu, im Inneren von Nadi und Pranava; [man vergegenwärtige] die im Leib verwurzelte Kraft.
18.180 So bilde man aus der Schnur den aus Prägungen bestehenden, Ativahika [hinübertragend] genannten Leib, durch die eigene Selbstkraft vergegenwärtigt,
18.181 vom Bala-Mantra umschlossen. Dafür opfere man danach zwölfmal mit den Worten: „Om, dem Selbst Svaha.“
18.182 Man nehme die künftigen, durchdringenden und reine Erfahrungen gewährenden Bindungen auf, die sich hier stets auf Erkenntnis und die übrigen [Kräfte] stützen,
18.183 und verbinde sie an ihren eigenen Orten mit ihren eigenen Mantras ebendort. Die der Reihe nach Verehrten sättige man.
18.184 Wisse nun, dass das Prägungsrad, obwohl alldurchdringend und auf der Prinzipienschar beruhend, ein bestimmtes Bestehen besitzt.
18.185 Unter der Form der Durchdringung durch die Prinzipien [besteht es] im aus fünf Elementen gebildeten Leib bis zu Knöcheln, Knien, Hüfte, Brust, Ohren, Brauen und Scheitelhöhle:
18.186 die sieben Bereiche von Erde bis Erkenntniskraft der Reihe nach. Das Ichbewusstsein und die daraus entstandenen vielfältigen Unterschiede,
18.187 auch die anderen aus Citta entstandenen, bestehen zusammen mit dem Geist; ebenso die aus Zeit und Erkenntniskraft entstandenen und die ihnen vorausgehenden weiteren,
18.188 in zahlreichen Unterscheidungen, ruhen auf der Erkenntniskraft. Das Weltall mit vierzehn Welten, mit vielfacher Anordnung,
18.189 hundert Kotis weit, von vier [wörtlich: „der Hälfte von acht“] Geburtsarten bewohnt, ist stets als fest auf der Erde ruhend zu erkennen. [Die Zahlverbindung ist in der Vorlage auffällig.]
18.190 Die Vierheit der Zustände von Wachen an besteht im Wasser. Die vielen Tausende von Millionen verschiedenartigen Mantras, du Einsichtsvoller,
18.191 zusammen mit Yoga-Vollendungen, ruhen auf der Feuerstufe. Für die Prinzipien der Viergestalt mit Befreiungsleibern
18.192 in ruhendem und hervorgetretenem Wesen ist die Anordnung auf der Windstufe zu erkennen. Für Erkenntnis und die übrigen, zu vielen Shaktis gewordenen [Kräfte], du Pflugträger,
18.193 ist der Raum die Grundlage der Teilkräfte; ihre Gestalt wird nicht wahrgenommen. Die Laute von a an stehen auf der sechsten, geistigen Stufe.
18.194 In diesem erklärten sechsfachen Weg [sind] die mit den Lautmaßen verbundenen [Kräfte]. So wirft und zieht [der Herr] sie spielerisch zur Reinigung aus und ein.
18.195 Auf der Stufe der Erkenntniskraft besteht der Herr [über] die Karmaprinzipien. Nachdem er [den Menschen] zuerst von Fehlern befreit und ihn durchdrungen hat,
18.196 nimmt er seine eigene Kraft zurück und geht in ewigen Frieden ein. Von Patalashayana bis Madhusudana
18.197 betrachte man jeweils sieben, sieben [und zuletzt] sechs [Gestalten] in den fünf [Prinzipien] von Erde an. Im Geist steht entsprechend die Dreiheit von Shaktisha an.
18.198 In der Erkenntniskraft [steht] der lotusnabelige Gott, der Herr aller. Wiederum ist bei allen, zusammen mit ihren eigenen Vollendeten, auf der Erdenstufe,
18.199 die vierzehnfach unterteilt ist, das glückverheißende Bestehen zu erkennen. Man erkenne ihre starke, mäßige und weitere, mit Hingabe verbundene Haltung
18.200 und bestimme nach der jeweiligen Grundlage für alle den Aufenthalt an ihrer eigenen Stätte. Dies ist bei der vorbereitenden Weihe der Erscheinungseinweihung
18.201 die erklärte Reihenfolge. Höre nun die der anderen [Einweihung]. Von den Füßen bis zum Nabelbereich [betrachte man den Leib] durch die großen Elemente von Erde an
18.202 vierfach bis Wind durchdrungen, darüber wiederum vom Raum bis zum Herzen erfüllt und von dort bis zum Haarschopf
18.203 vom Geist durchdrungen. In ebendieser Reihenfolge stehen Aniruddha und die folgenden bis Sankarshana,
18.204 den sechsfachen Weg einnehmend; der jenseits des Weges [Vasudeva] steht in der Erkenntniskraft. Das Selbstprinzip aufnehmend, treten sie wie zuvor in Gestalt.
18.205 Diese durchdringenden Gestalten sind jeweils von zahllosen gleichgestaltigen, ganz der Hingabe ergebenen [Wesen] umgeben; auf den Erdenebenen
18.206 in der zuvor genannten Zahl bestehen alle stets in allen. Zuerst betrachte man sie ungeteilt, wie das Wasser der sechs Handlungen.
18.207 Man stelle sich alles bis zum Haarschopf von Erde und den weiteren [Prinzipien] durchdrungen vor. Den unmanifestierten Viergestaltigen, von Klanggestalt und ohne Form,
18.208 nur durch die Eigenschaften unterschieden, betrachte man ebendort wie den Raum. Mit einem nicht fassbaren Leib aus seinem eigenen Wesen,
18.209 in die Erkenntniskraft eingegangen und stets hervorgetreten, nimmt er durch seine eigene Shakti, ohne [persönliches] Begehren, den Jiva samt dem darüber Befindlichen auf.
18.210 Seine eigene Wirkmacht löst er durch die eigene Shakti auf und besteht friedvollen Wesens. Für die Verehrer reiner Gesinnung, die einzig seine Füße ersehnen
18.211 und von seiner Wirkmacht durchdrungen sind, offenbart er sich überall. Deshalb: Was immer erfahrbar, aufzugeben oder begrenzt ist,
18.212 dies alles tritt für die innerlich Geläuterten stets in seinem Wesen hervor. So ist zu Beginn die ewige, allen gemeinsame Grundlage namens Vidya
18.213 zu erkennen; danach geht auch sie in eine nicht mehr allgemeine [besondere] Form über und wird selbst bis zur Befreiung zum Bestandteil der Jivas,
18.214 in feiner, vollständiger Gestalt wie ein Diamant, du Einsichtsvoller. Zur Einweihungszeit ist dies bei den Schülern wie erklärt zu verstehen.
18.215 Ebenso erkenne man es wiederum am Schnurleib. Zuerst teile man ihn siebenfach und markiere die Verbindungsstellen mit Safran und Weiterem.
18.216 Dann knüpfe man von vier Seiten mit den jeweiligen Ursachen-[Mantras], mit Pranava an Anfang und Ende und mit dem jeweiligen Namenswort verbunden.
18.217 Nachdem man so mit den entsprechenden Gaben und dem Herz-[Mantra] das abschließende Vollopfer vollzogen hat, bringe man [die Schnur] zur im Mandala befindlichen [Gottheit] und trage dem Herrn das Erklärte vor.
18.218 Man bedecke sie mit dem Panzer-[Mantra] und lege sie vor den Krug. Dann verehre man zusammen mit dem Schüler erneut den allgegenwärtigen All-Atman,
18.219 mit Rechtsumwandlungen, Verneigungen und verschiedenen Lobpreisworten. Auf einem bestrichenen Boden, innerhalb oder außerhalb des Mandala,
18.220 stelle man ihn an den jeweils bestimmten Ort und lasse ihn das mit Augen- und Herzmantra besprochene Panchagavya, Caru und Zahnholz gebrauchen.
18.221 Beim benutzten und fortgeworfenen Zahnholz prüfe man das Gelingen. Wenn es im Norden, Westen oder Nordosten liegt, seine Spitze nach Osten gerichtet,
18.222 wisse dies als Zeichen des Gelingens, andernfalls als das Gegenteil. Zu dessen Aufhebung opfere man hundertmal mit dem Virya-Mantra.
18.223 Räucherwerk, Salben und weitere [Stoffe], Farbpulver, Krüge und andere [Geräte], Sesam samt Ghee und andere geeignete [Gaben], du Pflugträger,
18.224 nehme man auf, stelle sie nach Norden und bedecke sie mit einem mit dem Panzermantra besprochenen, unbenutzten, neuen, reinweißen Tuch.
18.225 Nach der Verehrung mit dem Waffenmantra, Blumen, Räucherwerk und Salben bitte man den auf dem Boden befindlichen Gott um Nachsicht und setze ihn ins Feuer oder in den Krug ein.
18.226 Dann lege man auf reinem Boden, auf einem mit dem Herzmantra besprochenen Kusha-Lager, den Schüler mit dem Haupt nach Osten [nieder], mit einem durch den Bala-Mantra geweihten Haken [geschützt].
18.227 Seinen Leib hülle man mit dem Herz-[Mantra] ein und lasse ihn unter Gedenken an den Hauptmantra schlafen, damit er einen Traum empfange. Mit durch den Herzmantra geweihtem Sesam
18.228 samt weißem Senf umgebe man ihn außen. Weiter außen setze man mit dem Paksha-Mantra die Acht wie zuvor in die Richtungen ein.
18.229 Auch diese umwinde man rechtsherum vierfach mit weißer Schnur und dem Panzer-[Mantra]. Dann trete man aus dem Pavillon.
18.230 Nachdem man selbst Zahnholzgebrauch und weitere Handlungen vollzogen hat, schlafe man auf einem Darbha-Lager am Boden, mit dem Kopf nach Süden,
18.231 den auf seinem Lager ruhenden Schüler mit beiden Füßen berührend und im Geist den befreienden Erhabenen bittend:
18.232 „Om, weise mich an, Weltenherr, Allwissender, im Herzen Ruhender! Dorthin werde ich diesen Handelnden führen, der dir ganz hingegeben ist.“
18.233 Hat man die Erlaubnis erhalten, vollziehe man die Verbindung der Schüler damit. Wo immer [sie erfolgt], dort wird ihr [Aufenthalt] gewiss beständig sein.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 18 mit dem Namen „Vorschrift der vorbereitenden Einweihung“.
Kapitel 19
Zur Orientierung: Die Einweihung wird entsprechend dem Ziel und der inneren Ausrichtung des Schülers unterschieden. Ihre ausführlichen Abläufe stehen im Zusammenhang mit Erkenntnis, dem Lautweg und dem Erreichen der friedvollen göttlichen Stätte.
19.1 [Narada sprach:] Ihr Brahmanen, diese Adhivasa genannte vorbereitende Einweihung wurde dem Pflugträger von Achyuta erklärt. Darauf fragte er ihn erneut:
19.2 [Sankarshana sprach:] Gott, aus deinem Lotusmund möchte ich zum Wohl der Vishnu-Verehrer in Kürze die Vorschrift der Einweihung hören.
19.3 [Der Erhabene sprach:] Höre die eine und doch vielfach gestaltete Einweihung für die im Samsara Lebenden. Wer sie empfängt, erreicht am Ende des Leibes die ersehnte Stätte.
19.4 Eine schenkt allein Befreiung, eine andere Erfahrung und Befreiung; eine dritte gibt den Erwachten jeweils allein Erfahrung.
19.5 Alle sind mit Zustimmung des Lehrers richtig durchzuführen, damit die von Hingabe durchdrungenen und innerlich geläuterten Schüler die Frucht erlangen.
19.6 Für Alte, Frauen und geläuterte Kinder sind sie auch ohne die schwer auszuführende Gesamtheit der Verhaltensvorschriften heilsam.
19.7 Nachdem man dies zuerst zusammen mit dem Zufluchtsuchenden erwogen und dessen innere Absicht erkannt hat, ist eine [dieser Einweihungen] zu vollziehen, du Einsichtsvoller.
19.8 Nach Mitternacht stehe der Guru vom Lager auf, nehme das Wassergefäß, vollziehe draußen das rituelle Schlürfen und trete wieder ein.
19.9 Er vergegenwärtige sich vor sich die Waffe, einem Feuerhaufen gleich, und trete in den darin befindlichen Gott ein. Damit ist das Mantrabad vollzogen,
19.10 durch das die Befleckung von Schlaf und Verblendung stets vergeht. Dann [nehme er] Pflöcke, kleine Krüge und Farbpulver mit dem vortrefflichen Waffenmantra auf,
19.11 unter Gedenken; mit diesen [zeichne er] auf dem mit trockenem Kuhdung geriebenen Boden das zuvor erklärte Mandala.
19.12 Zur Wahrung seiner guten Form sind Pflöcke in die Ecken zu setzen; einen setze man in die Mitte, um die Lotuskurven zu bestimmen.
19.13 So gerät es während der Nacht nicht im Geringsten aus dem Maß. Denn bei großem Mangel oder Übermaß entsteht ein Fehler für Guru und Schüler.
19.14 Deshalb ist es stets mit großer Sorgfalt zu bewahren. In der Frühe vollziehe man zuerst die täglichen Pflichten, mit dem Bad beginnend.
19.15 Man rufe den Schüler und befrage ihn nach günstigen oder ungünstigen Träumen. [Günstig ist, wenn er] die Gruppe der vier Gestalten in ihren jeweiligen Richtungen sieht,
19.16 in einer Reihe angeordnet, sitzend oder aufgestanden, oder eines der göttlichen Prinzipien daraus mit seinen besonderen Merkmalen,
19.17 die Schar der Offenbarungsformen oder ihre Kennzeichen, die göttliche Frauenschar, vollständig oder eine einzelne,
19.18 die ganze Ausstattung des Weltwerdens oder einzelne daraus, Rudra, Indra, Mond, Sonne, Wasser, Feuer und Wind,
19.19 Brahmanen, die das Pancharatra kennen und der Verehrung ergeben sind, Zweimalgeborene, die die drei Veden laut rezitieren oder vortragen,
19.20 Asketen reinen Sattvas, im wahren Brahman-Zustand ruhend, Berge, Kränze, Sandel und andere Düfte, einen vortrefflichen Baum,
19.21 Gärten, Frauen, Lusthaine, Teiche, Paläste, große Häuser, Früchte, Samen und Heilkräuter oder einen frisch gebrannten Wasserkrug,
19.22 Kühe, Elefanten, einen Fluss, Wagen, ein geschmücktes Mädchen, ein Kind, süßen glückverheißenden Gesang, Trommel, Flöte und Saiteninstrument,
19.23 einen See mit Kranichen und voller Lotusse, einen ausgebreiteten weißen Schirm, Gold und andere Metalle, Edelsteinscharen und Kuhprodukte,
19.24 neue Seidenstoffe, reine unbenutzte Gewänder, König, Hauspriester, Vasall, Königin und Spiegel,
19.25 Schneefall, guten Regen, das Aufsteigen großer Wolken am Himmel, Blut, frisches Fleisch, Fliegen im Raum und eine Stätte mit berauschendem Trank,
19.26 Scharen günstiger Vögel und Tiere, ein Götterbild und einen weißen Yakschweif. Diese und weitere derartige [Träume] wisse als Vollendung verheißend.
19.27 Höre nun in Kürze die unerwünschten Träume: Verwelken, Erdbeben, eine überaus schreckliche Finsternis,
19.28 Nebel, Meteorfall, ein das Herz erschütternder Donnerschlag, das Eintreten in eine Grube, Dickmilchreis und das Essen gekochten Fleisches,
19.29 Rollen, die Zerstörung eines Wagens, Ghee, der Verlust eigener Glieder oder Zähne, Esel und Kamel, übermäßiges Lachen, ein von Affen und Bären erfüllter Wald,
19.30 ein raucherfüllter, verbrannter, in schwarze Gewänder gehüllter Ort, das Austrocknen von Flüssen und Weiterem sowie Gegenströmung.
19.31 Das Zerbrechen von Boot, Fahrzeug, Fahne, Schirm oder Baum verheißt ebenfalls Misslingen; das Herabsteigen von Berg oder Baum, Nacktheit, das Sehen eines Toten,
19.32 Bestreichen mit Fett, Ruß, Öl oder Ghee, Stehen in tiefem Schlamm, Büffel, Schlange, ein schwarzer Mann, das Gehen nach Süden, Hunger,
19.33 das Ausreißen von Nägeln und Haaren, Knochenbruch und ähnliches plötzliches [Unglück]: Diese und weitere solche [Träume] sind ungünstig, du Einsichtsvoller.
19.34 Ob ein günstiger oder ungünstiger Traum eingetreten ist, man bedenke ihn im Herzen und vollziehe eifrig Verehrung und Feueropfer, die Unheil vernichten.
19.35 Nach dem erklärten Verfahren führe man den Gott herab und verehre ihn der Reihe nach; nach angemessener Sättigung vollziehe man [das Ritual] bis zum Vollopfer.
19.36 Im nordöstlichen Winkel oder im nördlichen Bereich des Opferhauses, im zuvor beschriebenen, runden oder viereckigen Mandala,
19.37 stelle man den gebadeten Schüler mit Kranz und Gewand, nach vollzogener Einsetzung. Man betrachte, berühre schlagend und besprenge ihn, berühre ihn wie zuvor mit Darbha.
19.38 Man bereite den auf der Erde befindlichen Empfänger der Gnade wie ein Kultbild vor. Nachdem man ihn vom Fuß an mit der Mantrahand berührt hat,
19.39 lege man die flammende Mantrahand, die den Leidenssamen besiegt, auf sein Haupt. Man nehme ihn an der Hand und gehe in die Nähe der Gottesstätte.
19.40 Man stelle ihn links von sich, bedecke erneut seine Augen und lasse ihn die hohlen Hände samt Arghya ausgießen. Mit geöffneten Augen
19.41 schaue er die höchste Lichtstätte, den Mantra, der reine Frucht schenkt. Zu diesem Zeitpunkt gebe man jedem einen geeigneten Namen,
19.42 einen geheimen, hauptsächlichen oder sekundären, wie es angemessen ist. Allgemein [diene] ein Name von Vasudeva an, aus der eigenen Gliederung, bei allen vier [Ständen],
19.43 oder jeweils ein besonderer, der Reihe nach. Bei Brahmanen [sei er] durch die zwölf Gestalten bestimmt und ende auf „Svamin“.
19.44 Bei Kshatriyas bilde man ihn wiederum zwölffach mit der Endung „Deva“, oder mit „Pani“ beziehungsweise „Dhara“, ein Kennzeichen oder eine Waffe vorangestellt,
19.45 bei den Herrschern entsprechend mit der Benennung eines Banners oder Kennzeichens. Ebenso mit der Endung „Vardhana“ und einer Gestalt oder einem Kennzeichen voran
19.46 ist er für Vaishyas bestimmt, mit „Dasa“ am Ende für Shudrageborene. Danach stehe man auf und verneige sich vor Mandala, Krug und Guru.
19.47 Der Lehrer gehe zusammen mit dem Schüler zur Feuergrube. Nach dem Feueropfer zur lückenlosen Vollendung des vollzogenen Rituals
19.48 werde er zur Waffengestalt, berühre [den Schüler] schlagend und trete wie zuvor in dessen Herz ein. Er trenne [das Selbst] von der Lebenskraft und führe es herbei,
19.49 lasse es in den eigenen Ort eintreten und bringe es dort wie einen Feuerfunken in deutliche Absonderung; dann atme er es zusammen mit dem Lebenswind aus,
19.50 auf dem linken Weg in die eigene Stätte, durch den Herz-[Mantra] an Anfang und Ende umschlossen. Durch ebendiese mit Mantra verbundene Handlung,
19.51 von innerer Betrachtung und Meditation durchdrungen, gebe man das aus Vater und Mutter bestehende Geburtsgehäuse auf. Dann gebe man mit dem Panzermantra, siebenmal besprochen,
19.52 dem [Schüler] eine andere heilige Schnur und jedem das, was für ihn bestimmt ist. Für den, der tatsächlich stets die Haltung des Dieners angenommen hat,
19.53 aus einer nicht alkoholtrinkenden Familie stammt, die weltlichen Pflichten verlassen hat, zuverlässig in Brahman gründet und dem Ritualsystem ergeben ist,
19.54 ist als Shudrageborenen die Kuhgabe vorgesehen, sonst nicht. Wenn die Begnadung vollzogen wird, ist bei Mantras, die mit Vaushat, Svaha oder Vashat enden,
19.55 diese Endung durch die Verneigung zu ersetzen. Was er an Arghya, Blumen und weiteren Opfermitteln besitzt,
19.56 gut vorbereitet oder noch nicht vollendet, wird durch Hingabe für das Ritual tauglich. Für die anderen Verehrer ist beim Opfermittel
19.57 zuerst die rechte Abwendung [von Unreinheit; Lesart unklar] mit Betrachtung und Besprengen bestimmt; vor dem Bild oder Mandala das Werfen von Blumen, du Einsichtsvoller,
19.58 und als Gelübde eine einzige Nachtmahlzeit oder völliges Fasten. Nachdem man so die Schar der Stände durch Weihen gereinigt hat,
19.59 vollziehe man mit dem Herrn samt seinen Gliedern die sühnende Sättigung, der Reihe nach tausend [Gaben] samt einem Zehntel.
19.60 Man gehe zum Herrn im Krug, verehre ihn und nehme die dort liegende Schnur. Den Schüler lasse man aufrecht stehen und spanne die Schnur entsprechend aus.
19.61 Man vergegenwärtige sich den Mantraherrn sichtbar im Feuer und schaue den Weg unmittelbar im Herrn, im Schüler, in der Schnur und im eigenen Selbst.
19.62 Seinen inneren Selbstaspekt vergegenwärtige man sich im Mantraleib, den göttlichen Aspekt führe man in das eigene Selbst herab,
19.63 den stofflichen Aspekt [setze man] in die Schnur, alle drei in den Schülerleib. An das Ende des Wurzelmantras setze man mit Verneigung die Worte „dem höchsten Atman“
19.64 und opfere vier Gaben. Ebenso spreche man „dem feinen Atman“, dann „dem groben Atman“
19.65 und danach „dem All-Atman“. Dann meditiere man über die ganze heilsame Wegeschar im eigenen Leib, von den Zehenspitzen bis zum Haarschopf,
19.66 nach der erklärten Reihenfolge, auch in ihrer dreifachen Unterscheidung. Die räumliche Anordnung von Erde und den übrigen [Prinzipien] ist ihr stofflicher Aspekt.
19.67 Die jeweilige eigene Wirkmacht ist als ihr göttlicher Aspekt zu erkennen. Für die sie leitenden Mantras wird der innere Selbstaspekt bestimmt.
19.68 Dann verlasse man die beiden Wege und nehme Zuflucht zum Dvadashanta. Zum Wurzelmantra geworden, gehe man darauf mit der eigenen Erkenntniskraft
19.69 zur Brahman-Torstelle des Schülers und von dort auf dem mittleren Weg zur Erdstufe. Deren Kraft mache man sich zu eigen,
19.70 samenartig, vom Herzmantra umschlossen, mit Verbindungsgliedern als Leib, mit Samen verschiedener Welteneier und vielerlei Anordnungen versehen.
19.71 So nehme man alle Kräfte bis zur Erkenntniskraft einzeln und der Reihe nach in jene Einfassung des Herzmantras auf.
19.72 Man betrachte [den Herrn] als zweifach, den Leib durch die eigene innere Eigenschaft und durch das höchste durchdringende Wesen tragend,
19.73 von jenem Zeitpunkt bis zum Ende des Erfahrungsverbrauchs, du Einsichtsvoller. Nachdem man so die Elementkräfte aus dem Schülerleib zurückgenommen hat,
19.74 betrete man richtig auf ebendemselben Weg den Schnurleib, trete dort leuchtend hervor und offenbare [sie] durch den Geist wie zu Beginn.
19.75 Man nehme die inneren Mantras samt den zu Elementen gewordenen [Kräften] auf, auch die in sich ruhenden, ewigen, erkennenden, reinen [Prinzipien] samt Mantras.
19.76 Dann trete man aus der Schnur heraus und gehe zum Feuerort. Dort vollziehe man durch die Verbindung der Glieder die Wesensgleichheit der Mantras.
19.77 Die zusammengeführten Mantras lasse man jeweils an ihrem Ort im Höchsten bestehen, dessen Merkmal Allwissenheit ist, der alles durchdringt und allen gemeinsam ist.
19.78 Dann kehre der Lehrer durch das Brahman-Tor in den eigenen Leib zurück, nehme den Opferlöffel und sättige die Mantraschar wie erklärt,
19.79 zusammen mit den Prinzipien, mit dem eigenen Namen und dem Pranava voran, wiederum in der Verbindung der Zusammenschöpfung zwölfmal.
19.80 Mit der Einatmung ziehe man [das Selbst] aus dem Herzlotus des Schülers ins eigene Herz. Dann [nehme man] den Erdbija, von Offenbarung befreit und von höchstem Wesen,
19.81 mit der Erkenntniskraft, in Erkenntnis eingeschlossen, aus dem Feuer ins Herz auf. Auf dem Pranava-Sitz ruhend atme man ihn in den Lotus des Schülers aus.
19.82 Man vergegenwärtige sich das Bewusstsein des Schülers als eines, das zwei Formen trägt: als Kraftträger und als Kraft. Als Kraft betrachte man es
19.83 innerhalb des Erdprinzips in der Feuergrube; als Kraftträger atme man es wieder aus und setze es mit dem eigenen Namen auf dem mittleren Weg in den Leib ein.
19.84 Man verbinde es mit dessen Sammlung, die allein durch Japa und Meditation gekennzeichnet ist. Ebendiesen Erdbija führe man durch das Feueropfer mit dem Herzmantra
19.85 zu seinem rechten Nutzen in einen feinen Leib: mit Svaha am Ende zur Vollendung von Erfahrung, mit Namah am Ende zur Vollendung der Befreiung.
19.86 Zur Erlangung von Erfahrung und Befreiung hat derselbe beide Merkmale. Am Ende der Handlungen füge man das Wort „Vollende!“ hinzu.
19.87 So verleihe man dem im Herzlotus befindlichen [Selbst] in einem feinen Leib durch den Kopf-[Mantra] die jeweilige Befugnis.
19.88 Mit dem Shikha-Mantra vollziehe man dessen Erfahrung durch hundert [Opfergaben]; mit dem Panzer-[Mantra] vergegenwärtige man die Erlangung der Frucht und ihr Aufgehen.
19.89 Mit dem Augen-[Mantra] bewirke man volle Sättigung und ebenso das Bestehen darin. Durch den Waffenmantra erfolgt das Aufgeben, verbunden mit Ablösung.
19.90 Mit dem Wurzelmantra nehme man es dann wieder auf und mache es sich zu eigen; ebenso seine durchdringende Kraft aus der Feuergrube.
19.91 Zur Stillung des Erdprinzips des zu Weihenden, das keine Grundlage mehr hat, vollziehe man mit dem Waffenmantra das Feueropfer in der vorherigen Zahl, du Einsichtsvoller.
19.92 Man fülle den Opferlöffel mit Ghee, schneide den Erdabschnitt von der Hauptschnur ab und löse ihn zusammen mit dem Vollopfer im Feuer an seinem eigenen Ort auf.
19.93 Mit dem aus dem Herzlotus hervorgetriebenen Wurzelmantra sende man durch Ausatmung aus dem eigenen Leib rasch die Kraft des Schülers aus.
19.94 Man vergegenwärtige sich den ursprünglichen Weltenweg als darunter liegend und von ihr berührt, während sie getrennt bleibt, wie ein Lotusblatt vom Wassertropfen.
19.95 Über dem im Schülerleib festgehaltenen Erdbija, der die Offenbarung umfasst und ganz von seiner eigenen Kraft erfüllt ist,
19.96 atme man den Kraftträger aus, mit seiner gesonderten Bestimmung wie zuvor. In diesem Augenblick offenbaren dessen Herren den im Bija befindlichen Weg in seiner wirklichen Ordnung
19.97 aus Gnade, damit er Vollendung erlange. Man betrachte den Schüler als leidenschaftslos, im Geist denkend:
19.98 „Dies ist jenes Erdprinzip, ein vergebliches Leidensgefängnis. Jetzt ist dessen große Ausdehnung in den Zustand des bloßen Prinzips übergegangen.
19.99 Wie konnte ich darin verweilen, dessen [Grenzen] sich für mich nicht mehr ausbreiten?“ Wie ein Vogel, aus dem Käfig befreit, glücklich verweilt,
19.100 aufwärts fliegend und emporgetragen, so [ist] der Schüler durch die Kraft des Mantras. Dann trage man der Schar und demjenigen, der ihr als Herr vorsteht, vor:
19.101 „Durch die Wirkmacht eurer Gnade sei seine Erdeigenschaft überall und stets richtig gebändigt.
19.102 Bis zum Ende des Leibes möge die feine Geruchsqualität bei ihm ruhig bleiben, der sich richtig der Lehre des höchsten Herrn angeschlossen hat.
19.103 Herr und Lenker der Erde, von heute an sollst du für diesen Handelnden die Hindernisse der Befreiung vernichten.“
19.104 Nach diesem Vortrag und Auftrag sind die Opfergaben der Reihe nach darzubringen. Wieder ziehe man ihn samt Kraft durch die Einatmung herbei.
19.105 In seinen Leib setze man wie zuvor den Wasserbija samt Grundlage ein; in der Mitte der Feuergrube vergegenwärtige man die Jiva-Kraft wie zuvor.
19.106 Dann atme man den Kraftträger dorthin aus und verbinde ihn anschließend durch Atemstillstand mit jener Sammlung wie zuvor, du Einsichtsvoller.
19.107 Man verleihe ihm durch Feueropfer, Meditation und Weiteres den höheren Wasserleib und vollziehe darin für ihn alles, mit der Befugnis beginnend.
19.108 Zusammen mit dem Wasserabschnitt der Schnur lasse man [das Prinzip] wie zuvor niedergehen und betrachte das mit seiner Stätte verbundene Wasserprinzip als von ihm durchdrungen.
19.109 Der dortigen Mantraschar samt ihrem Herrn trage man wie zuvor vor und weise den Geschmack an wie [zuvor] den Geruch.
19.110 So führe man ihn bis zum Geist, oberhalb des Lautweges. Mit dem letzten Glied oder, nach Wunsch, mit der Strahlkraft der Waffe,
19.111 erhebe man ihn wie zuvor und verbinde ihn mit dem Bereich der Erkenntniskraft. Den durch den Wurzel-[Mantra] vom sechsfachen Weg befreiten und zu Bewusstsein gelangten Schüler
19.112 vergegenwärtige man sich frei von den Hüllen der Prinzipien, eins mit dem friedvollen Atman, als Kraft im Feuer, sein Ziel auf der höchsten Stufe erreicht.
19.113 Mit dem herrscherlichen Bija, verbunden mit dem zuvor genannten reinen Sein, verbinde man ihn dann mit der Sammlung, die von Erfahrungsgegenständen frei ist,
19.114 in der er die eingeschmolzene bloße Zweiheit samt Freude nicht mehr erkennt. Zur Herbeiführung dieses [Zustands] opfere man hundert Gaben.
19.115 Durch den eigenen Geist führe man mit ebendemselben alles zur Gleichheit, die gesamte Folge der Worte samt dem Netz der Erfahrungsgegenstände in ihrer Ordnung.
19.116 Ganz wellenlos geworden, bringe man das höchste Vollopfer dar. Dann kehre der Guru zur Ich-bin-heit zurück und gebe erneut Opfergaben
19.117 mit dem Herrn der Bijas, damit beim Schüler ein Abweichen von der Befreiung aufhöre, mit vom Om-Laut umschlossenen Worten, den Geist auf die Stätte gerichtet.
19.118 Man spreche: „Werde allwissend!“ und opfere zwölf Gaben. „Werde ebenso, Erhabener, makellos und ohne Stütze,
19.119 Herr aller, alle Kraft, vollkommen erfüllt, unwandelbar, selbstbeherrscht, alldurchdringend, die sechs Eigenschaften in sich bergend, unveränderlich, unbefleckt,
19.120 ewig, von ewig hervortretender Erkenntnis, ewig glückselig, ganz ungeteilt, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Tod, Vasudeva, von Herrlichkeit erfüllt.“
19.121 So geworden, vollziehe man erneut [die Festigung] durch das Vollopfer. Bei der Einweihung in die Erscheinungsformen [ruht] der Befreiungssuchende auf der herrscherlichen Stufe,
19.122 von wo aus er nach dem Fall des Leibes bald die höchste göttliche Lichtstätte erreicht, allein durch den Willen des Herrn, du Einsichtsvoller.
19.123 Den Erfahrung Wünschenden [setze man] auf die Padmanabha-Stufe, den beides Wünschenden auf beide Stufen, durch die Verbindung von Kraftträger und Kraft auf dem Erkenntnisweg.
19.124 Bis zum Fall des Leibes verbleibe er [dort], nachdem man ihn von jener [niederen] Stufe erhoben hat. Wie das im Holz verborgene Feuer, herausgelöst,
19.125 nicht wieder mit dem Holz gleich wird, so wird der Mensch, auf einem anderen Weg eingesetzt, danach nicht erneut mit jenem [früheren] identisch.
19.126 Man lasse ihn aus dem Samadhi hervortreten, stelle ihn vor sich und lehre ihn richtig seinen hellen und dunklen Weg,
19.127 der ungeteilt und doch verschieden gestaltet im höchsten Atman besteht. Das höchste, unwandelbare Brahman, frei von Erkennbarem und Erkennendem,
19.128 tritt aus eigener Kraft selbst als Klang-Brahman hervor, der höchste Herr, zur Befreiung aller Lebewesen.
19.129 Wisse, dies ist der unmanifestierte Laut; wie der feine Klang einer Saite tritt er selbst zum Bestehen vielfach als einzelne Laute hervor.
19.130 Ohne die Gnade der Viergestalt gelangen selbst vedakundige Brahmanen hinsichtlich dieses ersten Lautes nicht zur Gewissheit.
19.131 Der Erhabene in Klanggestalt tritt als Teilkraft hervor, wodurch die ihm hingegebenen Handelnden ihn erfassen können.
19.132 Solange keine makellose Gestalt aus den Teilkräften der sechs Eigenschaften hervorgeht, sage: Womit könnte sonst das Gestaltlose erfasst werden?
19.133 Alle Prinzipien bestehen aus Teilkräften und sind durch Hervorgang und Rücknahme bestimmt: die zuvor genannten von Vasudeva bis Adhyaksha, wie erklärt.
19.134 Aus den Prinzipien gehen die mit Anima und weiteren Eigenschaften versehenen Mantras hervor, verbunden mit Anteilen der sechs Teilkraftglieder; ihre Zahl ist nicht feststellbar.
19.135 Durch sie wird mitsamt seinen Gestaltungen der als Zustandsweg bezeichnete Bereich von Turiya an offenbart, zum Selbstgewinn der Handelnden, zur Verblendung und zu deren Ende.
19.136 Das aus vierzehn Welten bestehende All besitzt die Natur der drei Gunas. Diese unreine Welt besteht fortwährend gesondert als Erfahrbares und zu Erreichendes.
19.137 So ist der sechsfache Weg erklärt, bestimmt durch Aufzugebendes und Anzunehmendes. Der Weltenweg und der Zustandsweg, mit Ausnahme der Turiya-Stufe,
19.138 sind aufzugeben; das Übrige ist für die Handelnden im Verhältnis dazu anzunehmen. Doch auch das zu Erreichende tritt, relativ betrachtet, auf die Seite des Aufzugebenden.
19.139 Es ist jedoch ein Mittel, jene höchste wellenlose Stätte zu erlangen. Für den durch Einweihung Bereiteten, der auf der Stufe der Unterscheidung ruht,
19.140 ist bei solcher Betrachtung dasjenige, worin deutlich Ruhe entsteht, das höchste, unvergängliche Brahman namens Vasudeva.
19.141 Wie der Raum vielen Atomen Aufenthalt bietet, so ist [dieser Bereich] als Wohnstatt der anfangslos unerwachten Jivas
19.142 zu erkennen, der Zwischenraum von Welten und Zuständen. Ohne [besondere] Willenszuwendung des Herrn spielen die Mantras mit ihnen
19.143 in diesem aus Maya bestehenden zweifachen Weg durch freude- und schmerzvolle Früchte. Für die von des Herrn Willen durchdrungenen Verehrer des höchsten Herrn,
19.144 für Gurus und Eingeweihte, deren Inneres der Verehrung hingegeben ist, stehen die Mantras oberhalb beider Wege und warten auf ihren Auftrag.
19.145 Sie führen die Handelnden kraftvoll aus den beiden Maya-Wegen zur eigenen Stätte, damit sie Erfahrungen wie Anima erlangen.
19.146 Denjenigen, der dieser Erfahrungen überdrüssig geworden ist, treiben sie durch ihre eigene Kraft und entsprechend ihrer Tätigkeit zum nektargleichen Prinzipienweg,
19.147 wo er, dort ruhend, Anima und die übrigen [Kräfte] wie Grashalme achtet. Die makellosen Prinzipienherren und weiteren, seiner Begnadung zugewandt,
19.148 führen ihn richtig zum Aufgehen im ewigen Weg der Teilkräfte. Dieses ist Brahman aus den sechs Eigenschaften, Vasudeva, der den Weg als Gestalt trägt.
19.149 Er verbindet ihn im ewigen Zusammenhang mit dem eigenen Selbst mit dem Klang-Brahman genannten Weg; dort ruhend erreicht er selbst
19.150 durch dessen vollkommenes Erkennen die ganz friedvolle Stätte des Erhabenen. [Sankarshana sprach:] Gott, erkläre mir: Was kennzeichnet die Erkenntnis des Lautweges,
19.151 durch die der auf dem Weg Gehende das wahre Vasudeva-Sein erlangt? [Der Erhabene sprach:] Für das Selbst, das von den Hüllen der fünf Wege befreit ist und sein eigenes Sein gewonnen hat,
19.152 tritt der aus verschiedenen Lauten bestehende Klang in unmittelbare Erfahrung, in Gestalt eines ununterbrochenen Stroms, mit den zuvor genannten Merkmalen.
19.153 Als dessen Wesen ist die Gesamtheit der Viergestalt zu erkennen, durch Hervorgang und Rücknahme verbunden, durch Klang und Leuchten bestimmt.
19.154 Von a bis sa und von ha bis zum Ende von a [verläuft die Folge]. Beim Hervorgang ist ha der Dvadashanta der vier Gestalten. [Die komprimierte Lautanweisung bleibt ohne spekulative Rekonstruktion.]
19.155 Die Gesamtheit meiner Viergestalt ist als dessen Wesen zu erkennen. In dieser Gesamtheit der Lautentfaltung ist durch Erkenntnis-Samadhi zu erkennen:
19.156 Ruhe, Hervortreten, Durchdringung und Offenbarung, von Vasudeva an. Hier ist jede einzelne Gestalt ebenso zu verstehen,
19.157 zusammenfassend mit der Vierheit von Ruhe an verbunden und entsprechend in stabförmiger Anordnung bestehend.
19.158 Die zwölf Konzentrationen sind durch zwölf innere Selbstaspekte bestimmt; sie bilden die Stufenleiter, über die man in den höchsten Dvadashanta eintritt.
19.159 So führe man den im Inneren des Herzlotus bestehenden Lautweg des Eingeweihten in Offenbarung: Dies ist sein Bestehen als Klang-Brahman.
19.160 Man besprenge den Feuerboden mit dem herbeigeführten Wasser und ebenso sich selbst zusammen mit dem Schüler, damit die Vollendung lückenlos sei.
19.161 Wie zuvor bringe man mit Asche die Kennzeichen an, verneige sich vor dem Feuer, stehe auf und gehe mit ihm zum Heiligtum Achyutas.
19.162 Nach der Verehrung des Weltenherrn trage man die Observanzen des Schülers vor, in Kürze, mit ihren Besonderheiten und Abstufungen entsprechend seiner Eignung.
19.163 Dann lehre man ihn richtig die Verehrung im Herzen, den mit Mudra verbundenen Mantra, Einsetzung und Meditation voran,
19.164 sowie die Lehre dessen, was zu tun ist, knapp und ausführlich. Danach soll er in [des Lehrers] Gegenwart alles der Ordnung gemäß ausführen.
19.165 Dann vollziehe er die Verehrung des Guru mit sich selbst, mit Vermögen und weiteren [Gaben]. [Der Guru] fülle die rechte Hand mit Wasser aus dem Arghya-Gefäß,
19.166 bespreche es mit dem Mantra der sechs Glieder und gieße es auf sein Haupt. Mit dem Pranava vergegenwärtige er sich in der Hand einen sonnengleichen Kreis.
19.167 Darin setze er wie zuvor ungeteilt die Schar der Erscheinungsgottheiten ein, verehre sie im Geist und lege [die Hand] mit Segen auf dessen Haupt:
19.168 „Mein Sohn, bald möge dir die Vollendung der Erscheinungsformen zuteilwerden, wie erklärt und wie gewünscht, verbunden mit der Herrlichkeit der Befreiung.“
19.169 Damit sind die Merkmale der Erscheinungseinweihung erklärt, gemeinsam für die ganze dabei angewandte Mantraschar.
19.170 Mit welchem Mantra für jemanden die Einweihung zu vollziehen ist, dessen zugehörige [Glieder] sind nach dem zuvor angegebenen Verfahren
19.171 wie erklärt einzusetzen. Wie bei der Gesamtheit verfahre man mit Herz und den übrigen bis zum Wurzelmantra.
19.172 Zusammen mit der Prinzipienschar betrachte man stets ihren inneren Selbstaspekt und vollziehe dann die Verehrung wie zuvor.
19.173 Bei [Mantras mit] fünf Gliedern ist für die Augenhandlung der Herz-Bija vorgesehen. Bei Mantras ohne Glieder ist für die den Gliedermantras zugeschriebenen Handlungen
19.174 der Pranava zusammen mit dem Handlungswort anzuwenden. Nach diesem Verfahren ist stets [die Einweihung] für diejenigen zu vollziehen, die Vyūha-Einweihung wünschen.
19.175 Dabei ist jedoch bei jeder einzelnen Handlung die zuvor genannte Vierheit der Bijas von Vasudeva an anzuwenden.
19.176 Ebenso ist bei der Brahman-Einweihung der ursprüngliche Mantra für die gesamte Handlungsfolge anzuwenden, wie zuvor sechsfach geteilt,
19.177 in seiner jeweiligen eigenen Form bei den genannten Gelegenheiten. Hier gilt jedoch die Anrufung der Gottheit in der Einzahl.
19.178 Die Verbindung ist in Kürze entsprechend der vorbereitenden Weihe zu verstehen. Diese beiden ewigen Einweihungen haben keine andere Frucht als Befreiung.
19.179 Doch auch dabei verleiht die zur Viergestalt gehörige Einweihung den Geläuterten zuerst kraftvoll die Erfahrung der sechs Eigenschaften, du Lotusäugiger.
19.180 Die Frucht von Kränzen, Sandel und weiteren [Gaben] sowie der Feueropferstoffe geht bei der Brahman-Einweihung zusammen mit der Prakrti in Auflösung ein.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 19 mit dem Namen „Vorschrift der Einweihung“.
Kapitel 20
Zur Orientierung: Die Weihebegießung überträgt eine geistliche Befähigung und Aufgabe. Der Schluss lenkt die Aufmerksamkeit auf den Guru, auf Dankbarkeit und auf die Gemeinschaft mit anderen Eingeweihten.
20.1 [Narada sprach:] Ihr vortrefflichen Weisen, nachdem der Diskusträger dem Pflugträger so die Merkmale der Einweihung richtig erklärt hatte, sprach er erneut:
20.2 [Der Erhabene sprach:] Für den, der das Mandala geschaut hat, die Lehre wahrheitsgemäß kennt, der Verehrung ergeben ist und den Stand eines Putraka erreicht hat,
20.3 soll der Guru zu jener Zeit die Weihebegießung des guten Schülers vollziehen, damit er sämtliche Mantras verwirkliche oder die Lehrbefugnis erlange.
20.4 In Gegenwart von Kennern des göttlichen Prinzips, den fünf Tageszeiten der Verehrung Ergebenen, Meistern der Samhitas und Lehrern,
20.5 zielbewussten Asketen und großherzigen Übenden errichte man vor dem Gott einen viereckigen Pavillon,
20.6 mit sämtlichen Geräten und in der Mitte einem glückverheißenden Sitz. Darin vollziehe man die für den Sitz erklärte Verbindung von Ananta an.
20.7 Nach seiner Verehrung mit Arghya, Blumen und Weiterem setze man den Schüler darauf, dem Gott zugewandt, im geschlossenen Lotussitz und mit gefalteten Händen,
20.8 von Frauen besungen, von Sängern gepriesen, vom Klang der Muschelhörner und weiterer [Instrumente] umgeben und von glückverheißenden Rezitationen begleitet,
20.9 den höchsten Mantra wiederholend und über Achyuta meditierend. Man verehre [ihn] mit acht Gliedern [der Verehrung] und nehme den Vishnu-Krug.
20.10 Mit dem darin gegenwärtigen Mantra bespreche man ihn tausend- oder hundertmal, auf rechte Vollendung gerichtet.
20.11 Zur Vollendung betrachte man ihn wie flüssiges Gold, begieße [den Schüler] und spreche aus dem Inneren des Herzlotus den mit Svaha endenden Mantra gedehnt aus.
20.12 Entsprechend spreche man ihn mit Namah am Ende, betrachte ihn kristallrein, lasse ihn durch die Scheitelöffnung hervortreten und vergegenwärtige ihn im Herzlotus des [Schülers].
20.13 [Es ist] Brahman mit dem Leib der Bewusstseinskraft, durch Wonne und Glückseligkeit gekennzeichnet. Man übertrage im Geist richtig die gesamte eigene Befugnis
20.14 und übergebe die verehrte, reine, göttliche Sammlung der Agamas, eine glückverheißende Verehrungsunterlage, Gebetskette und Glöckchen,
20.15 die beiden Opferlöffel, Yogaband, Muschelhorn und Diskus, Wassergefäß, Opferschale samt Arghya-Gefäß, Darbha und ausgebreitetes schwarzes Antilopenfell,
20.16 Sandalen, Fußbank, Schirm, Sitz, Spiegel, Pfauenfederfächer, weißen Yakschweif und das Banner des Erhabenen,
20.17 den angemessenen Stab und zwei ockerfarbene Leinengewänder. Man lasse ihn vom Sitz aufstehen, sammle das gesamte Badewasser
20.18 und gebe es an einen reinen Ort. Danach verehre man den Gott und sättige ihn um dieses [Schülers] willen im Feuer bis zum Vollopfer.
20.19 Man bitte nach dem zuvor genannten Verfahren um Nachsicht und vollziehe von Mandala samt Feuergrube und von der Arghya-Gefäßgruppe aus die Bali-Gabe,
20.20 für die Wesen mit gekochtem Reis samt Wasser, unter Aussprechen des Waffenmantras, nachdem man außerhalb des Opferhauses einen Bali-Kreis angelegt hat.
20.21 Zuerst vollziehe man die innere Bali-Gabe rechtsherum; dann [gebe man] nach oben, folgende Worte sprechend, den Rest außen im Mandala:
20.22 „Verehrung sei allen Wesen Achyutas, immerdar, samt den Richtungshütern und ihren Waffen. Frieden sei uns und diesem Schüler.“
20.23 Man nehme die Verehrung und Weiteres zurück und [verfahre] mit dem Rest der dargebrachten Gaben wie zuvor. Dann [verehre man] in der Mitte eines runden Mandala im Inneren eines weißen Lotus
20.24 den Gott, den Lehrer aller Götter, den Herrn, mit den Restgaben. Nach seiner Sättigung im Feuer vollziehe man seine Entlassung.
20.25 Seine [Gaben] lege man in eine Erdgrube oder ins Wasser. Man betrachte jenes zwölfspeichige Rad auf dem Opferboden,
20.26 setze es in sich selbst ein und verehre es mit Arghya, Blumen und Weiterem. Darin stelle man ein mit Wasser gefülltes Karaka-Gefäß auf.
20.27 In dessen Mitte verehre man mit dem Virya-Mantra die vortreffliche Mantrawaffe. Einen anderen [Krug] mit günstigen Merkmalen, gefüllt mit Honig, Wasser und Milch,
20.28 den Arghya-Krug, [stelle man] davor und [vergegenwärtige] darin die Waffe auf dem Rad. Man verehre ihn angemessen und bespreche ihn achthundertmal.
20.29 Mit dem durch Vashat umschlossenen Wurzelmantra füge man wiederum in sein Inneres den Laut sa ein, wie zuvor Nektar tragend.
20.30 Mit Mantrawasser wecke man alle aus dem Schlaf, indem man dessen Wasserstrom unter Meditation und Rezitation darbringt.
20.31 Dann verteile man unter ihnen den nektarartigen Mantratrank. Die vortreffliche Waffe mit Nektar und Weiterem setze man anschließend samt Mantra auf das Rad.
20.32 Man nehme diesen Wasserkrug und führe unter Aussprechen des Waffenmantras den Wasserstrom wie zuvor im Kreis. Dann stelle man ihn in die Mitte,
20.33 fülle ihn ganz mit Wasser und versehe ihn mit Früchten. Nun vollziehe der Schüler mit gesammeltem Geist die Verehrung des Guru,
20.34 wie die Verehrung des Erhabenen, hingebungsvoll mit Handlung, Geist und Rede. Alle für das Opfer gebrauchten Materialien übergebe er ihm.
20.35 Er lege beide Hände samt dem Haupt an dessen Füße und bitte ihn mit größter Sorgfalt und durch Vertrauen gereinigtem Geist um Nachsicht.
20.36 Ebenso verehre er die Kenner des Pancharatra, Asketen, Studienabsolventen und weitere [Anwesende] nach Vorschrift und gebe ihnen nach Vermögen Opferlohn.
20.37 Nach der Zeit des dienenden Massierens empfange er die Erlaubnis des Guru und esse zusammen mit vielen früher eingeweihten Brüdern,
20.38 sowie anderen Verehrern des Erhabenen, Freunden, Angehörigen und Verwandten. Wenn [der Guru] mit seinen Schülern zur gegebenen Zeit fortgeht, anderswohin oder ebendort,
20.39 begleite er ihn nach dessen Wunsch und kehre erst zurück, nachdem er sich zu seinen Füßen niedergeworfen und ihn vielfach rechtsherum umwandelt hat.
20.40 Denn für die hingebungsvollen, geläuterten Verehrer ist der Guru die höchste Zuflucht für alle Vollendungen bis zur Befreiung; deshalb gilt es, seine Gnade zu gewinnen.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 20 mit dem Namen „Vorschrift der Weihebegießung“.
Kapitel 21
Zur Orientierung: Die Verpflichtungen betreffen Verehrung, Lebensführung und den Umgang mit anderen. Bei ihrer Weitergabe soll der Lehrer die tatsächliche Befähigung des Schülers beachten; der Wesenskern wird am Ende in fünf Bindungen der Hingabe zusammengefasst.
21.1 [Narada sprach:] Ihr vortrefflichen Zweimalgeborenen, hört jetzt, was der Erhabene, der All-Atman, vom Palmbannerträger befragt [erklärte].
21.2 [Sankarshana sprach:] Weltenherr, welcher Art sind die Verpflichtungen, die der Guru dem Eingeweihten erteilen soll, der sich dieser Lehre angeschlossen hat?
21.3 [Der Erhabene sprach:] Bei jeder einzelnen Verpflichtung, die aus dem Mund des Guru hervorgeht, spreche der Schüler: „So sei es“, damit das Feuer des Kummers gestillt werde.
21.4 Man betrete weder den Schatten des Guru noch den der Gottheit, auch nicht auf einem Fahrzeug. Die Angehörigen des Guru sind stets wie der Guru selbst anzusehen.
21.5 Sein Lager, seinen Sitz, sein Fahrzeug und Weiteres grüße man ehrerbietig. Alle Arbeiten in seinem Haus verrichte man stets unermüdlich.
21.6 In seiner Gegenwart soll man nicht auf einem [gleichrangigen] Sitz oder zu seiner Rechten verweilen; man sei wohlbeherrscht, zügle die Rede und warte auf seinen Auftrag.
21.7 In seiner Nähe stehe man nicht für andere auf. Zweifel löse man nicht ohne seine Anweisung.
21.8 Die Auslegung der Agamas, Yogaübung und Konzentration: Diese notwendigen Übungen vollziehe man im eigenen Haus, nicht im Haus des Guru.
21.9 Man esse nicht aus einem Gefäß, das mit Muschelhorn, Diskus oder Lotus gekennzeichnet ist. Einen so gekennzeichneten Stein, ein Holzstück, einen Erdklumpen oder ein Brett
21.10 betrete man nicht mit dem Fuß und verwende es nicht als Sitz. Für Kenner der Lehre des Erhabenen, deren Inneres der Verehrung ergeben ist,
21.11 vollziehe man stets angemessene Verehrung nach Vermögen. Den Tempel des Gottes der Götter, einen Pancharatra-Lehrer,
21.12 Ashvattha- und Banyanbaum, Kuh, Gemeinschaft der Guten und Haus des Guru umwandle man mit Abstand rechtsherum, das Kultbild des Herrn aus der Nähe.
21.13 Mit lang ausgestreckten Niederwerfungen verneige man sich in die vier Richtungen. Nicht auf einem Fahrzeug oder Sandalen stehend, nicht mit Schuhen an den Füßen
21.14 und nicht zerstreuten Geistes betrete man das Haus des Erhabenen. Während einer Lehrdarlegung vollziehe man kein Aufstehen und Begrüßen. [Der zweite Halbvers steht in der Vorlage nach eingeschobenem Kommentar.]
21.15 Nicht den Hingabelosen, nicht den Unverständigen, besonders nicht den Leugnern der heiligen Ordnung und den Spottlustigen soll man Zutritt [zur Unterweisung] gewähren.
21.16 Die Lehre des höchsten Herrn soll man nicht ungeehrt öffnen, nicht vor Anhängern anderer [Gottheiten] und nicht bloß, um deren Zweifel zu stillen.
21.17 Man offenbare sie nicht aus Habgier, nicht zu Unrecht und nicht aus Furcht. Neuartige, geeignete, wohlriechende Früchte, Blumen und weitere [Gaben]
21.18 sollen nicht genossen werden, ohne sie Guru, Gott und Feuer darzubringen. Von einem Dieb, Gefallenen, Grausamen, von Heuchelei, Habgier oder Rausch Erfüllten
21.19 und von einem Hingabelosen nehme man keine Geldgabe als Ehrung an. Wer ein Gottesbild nimmt und zum Lebensunterhalt damit
21.20 durch Stadt- und Marktstraßen wandert: Diesen gewerblichen Tempeldiener soll man weder ansehen noch berühren noch mit ihm sprechen.
21.21 Wer dagegen im Dorf oder in der Stadt die Erzählung des Erhabenen singt, diesen Lobpreiser des Herrn verehre man stets.
21.22 Wer Vishnu-Gelübden ergeben ist, in Vishnus Heiligtum wohnt, Gespräche und Erzählungen über Vishnu liebt, Vishnus Heiligtum reinigt,
21.23 Vishnu-Verehrer preist, Vishnus Dharma folgt oder für die Vishnu-Verehrer das Nötige beschafft, ist stets wie Vishnu zu ehren.
21.24 Morgens stehe man auf und sammle stets selbst mit dem Waffenmantra und gesammeltem Geist im eigenen Garten Blumen und weitere Gaben zur Verehrung.
21.25 Oder man gehe zu ihrer ungestörten Beschaffung in den Wald. Von dornenlosen oder auch von dornigen Bäumen stammend,
21.26 angenehm, wohlriechend und für das Ritual geeignet, sind alle weißen und weiteren [Blumen] anzunehmen. Stark unangenehm riechende sind ungeeignet, ebenso unbekannte.
21.27 Was auf Kreuzungen, an Shivas Stätten oder auf Verbrennungsplätzen wächst, durch Blitzschlag und Weiteres beschädigt oder von Würmern und Insekten bedeckt ist,
21.28 an Blättern, Blumen, Früchten und Weiterem, ist sorgfältig zu meiden. Wohlriechende Wasserblumen in Weiß, Rot und weiteren Farben
21.29 sind als reine [Gaben] stets zur Verehrung zu verwenden. Ebenso sind auf der Erde wachsende Blätter samt Sprossen
21.30 und jahreszeitliche [Gewächse] für die tägliche Verehrung bestimmt. Im Haus ist Verehrung mit Oleanderblüten nicht vorgesehen,
21.31 besonders für den Wunschvollen, der mit Siddhis und [besonderen] Wesen verbunden ist. Sonst besteht kein Fehler; bei Stechapfel und ähnlichen [Blüten] besteht ein Fehler.
21.32 Frisch beschaffte, nicht verwelkte [Blumen] dürfen entsprechend gekauft werden; man bringe sie, mit Wasser besprengt, dar und nicht anders.
21.33 Durch den Blick der Mantrakenner werden sie rasch von Fehlern frei; für diejenigen, deren Inneres dem Herzmantra ergeben ist, sind sie durch Hingabe gereinigt.
21.34 Man esse nicht aus einem Bronzegefäß und bringe dem Gott Madhuparka und Weiteres nicht darin dar, wenn eine andere Möglichkeit besteht.
21.35 Auch Räucherwerk brenne man nicht in irdenen oder eisernen Gefäßen. Als Räucherstoff gebe man Guggulu mit Ghee, bei dessen Fehlen einen anderen,
21.36 zusammen mit Glockenklang. Für Lampen meide man Fett, Mark, ungeeignetes Öl und mit Öl vermischtes Ghee.
21.37 Für Madhuparka sind Milch und Dickmilch von Schafen nicht günstig. Reisbrei aus Pferdebohnen, Kodrava-Hirse oder schwarzem Reis ist nicht vorgesehen.
21.38 Weder ungekochte Speise noch Fleisch noch mit saurem Reiswasser versetzte [Speise]. Während der Verehrung soll man nicht hastig aufstehen,
21.39 bis die Handlung vollendet ist, auch nicht wegen irgendeiner Bedrängnis. Schmutz von Unterlage, Gottesbild oder glückverheißendem Sockel
21.40 entferne man nicht mit Dornen oder Eisen, sondern nur mit weichen Bürsten und Ähnlichem. Man bade und schlafe nicht nackt und schweige nicht gegenüber dem Guru.
21.41 Man berühre nichts Speiserestverunreinigtes und esse nicht im Gotteshaus, nicht unmittelbar am Feuer und nicht in einem durch Alkohol verunreinigten Haus.
21.42 Den eingeweihten Verehrern ist der Sinn dieser Lehre zu erklären; den anderen die Dharma-Lehre, mit einem von Habgier freien Geist.
21.43 Man betreue stets die Schüler, die Vishnu verehren. Eigenschaften wie Hochmut, Neid, Kleinlichkeit, Habgier und Verblendung
21.44 sind lebenslang schrittweise zu vermindern. Menschen aus anderen Gegenden, die unerwartet Zuflucht suchen
21.45 und deren Inneres Narayana ergeben ist, erteile man die gewünschte Unterweisung. Mit jemandem, der weder das Prinzip Achyutas noch den Sinn des Pancharatra kennt,
21.46 noch die heilige Vishnu-Einweihung mit ihren in verschiedenen Schriften genannten Merkmalen, gehe man keine Verbindung ein, da seine Stufenfolge anders ist.
21.47 Den Sinn der Lehre und die Schriften soll man hier weder absichtlich noch aus Unwissenheit verderben, ohne die überlieferte Reihenfolge zu beachten.
21.48 Ist ein Merkmal des Schriftsinns verloren, befrage man einen zuverlässigen Verehrer des Erhabenen, einen Kenner der Merkmale, für seine Aufrichtigkeit bekannt und erfahren.
21.49 Bei Mudras, Mandalas und Mantras soll man stets durch die Unterweisung der Gurus zu Zweifelsfreiheit gelangen.
21.50 Die Eignung der allwissenden Mantras soll man, abgesehen vom Schauen des Mandala, nicht ohne den Anteil innerer Hingabe untersuchen.
21.51 Im Nabelrad, Herzlotus, Wurzelknoten, in der Halsgrube, zwischen den Brauen und in der Scheitelöffnung: An diesen Orten ist der König der Mantras
21.52 sonnengleich zu vergegenwärtigen, in der Fremde, auf dem Lager und unterwegs. Fleisch von Wildtieren, Ebern und Fischen esse man nicht,
21.53 ebenso keines von Hamsa-Vögeln und Schildkröten, keine Wassernussfrüchte und keine Lotussamen. Man besteige nicht die Spitze eines Banyanbaumes,
21.54 schaue nicht zu, wenn er gefällt wird, und berühre sein Blatt nicht mit dem Fuß. An einem heiligen Feld, einer großen Pilgerstätte, einer vortrefflichen Siddha-Einsiedelei,
21.55 in einer Gemeinschaft der Vishnu-Verehrer oder an einer Offenbarungsstätte Achyutas angekommen, lege man ein Mandala oder ein zwölfspeichiges Rad an
21.56 und vollziehe das Viermonatsgelübde vorschriftsgemäß, du Einsichtsvoller. Oder im eigenen Haus, mit Selbstbeschränkung, nachdem man ein Rad an die Wand gezeichnet hat,
21.57 mit vierfarbigem Pulver oder vor einem Kultbild. Diese Verpflichtungen, verbunden mit den zuvor genannten,
21.58 erteile der Guru stets den Verehrern, die sie erfüllen können. Nachdem der Lehrer einen Verehrer als dazu fähig erkannt hat,
21.59 lege er ihm zuerst alle dar; dann verpflichte er ihn auf diejenigen, die er tatsächlich erfüllt, damit er nicht wieder davon abfällt.
21.60 Auf den Verletzer der Verpflichtungen stürzen die Hindernisbringer samt Hindernissen zu; die Vollendungen wenden sich ab, und Bedrängnisse entstehen.
21.61 Wer dies weiß, erfülle sie aufmerksam. Nachdem der Guru im Geist den Ozean der Regeln gequirlt und dessen Wesenskern genommen hat,
21.62 erteile er aus Mitgefühl die Fünfheit der Verpflichtungen: Hingabe an Feuer, Guru, Mantra, Schrift und den zu ihr Berechtigten.
21.63 Durch die beständige, rechte Bewahrung dieser fünf, nicht durch die eigenmächtige Ausführung anderer [Handlungen] nach Belieben,
21.64 entfalten sich bei den Geeigneten die im Herzen gewünschten Vollendungen. Wer jedoch mit unreinem Geist nur unter Zwang
21.65 die Verpflichtungen bewahrt, versinkt auf dem dunklen Weg. In dem Maße, wie man sie mit ganz klarem Geist bewahrt, gelangt das eigene Selbst der nach Heil Strebenden zur Klarheit.
21.66 Gewiss entsteht Heil für die von Trübung Freien, die hier auf dem guten Weg stehen: Samayin, Sadhaka, Acharya und Putraka.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 21 mit dem Namen „Vorschrift der Verpflichtungen“.
Kapitel 22
Zur Orientierung: Die unterschiedlichen Befähigungen auf dem Weg werden beschrieben. Der Anfang nennt persönliche Qualitäten wie Geduld, Mitgefühl und freundliches Sprechen; spätere Abschnitte behandeln Lernen, Lehren und das Prüfen von Aussagen.
22.1 [Sankarshana sprach:] Gott, jetzt möchte ich die Merkmale dieser vier kennen. An welchen Zeichen sind sie zu erkennen, und wodurch ist ihre Unterscheidung bestimmt?
22.2 [Der Erhabene sprach:] Wer von Würde, vertrauensvoll, einsichtig und sehr fest im Gelübde ist, wahr spricht, den Erhabenen verehrt, maßvoll isst und frei von Bindung ist,
22.3 der Verehrung des Guru fest ergeben, von beständiger Einsicht und unermüdlich, in einer guten Vishnu-Familie geboren und durch gute Weihen gut bereitet,
22.4 zuvor von Mutter und Vater zur rechten Befähigung geführt, frei von Vermischung, selbstbeherrscht und voll Scheu vor dem Jenseits,
22.5 nach Gemeinschaft mit Guten verlangend, begierig, den Sinn der Lehre zu kosten, eifrig in deren Sammlung und auf dem Weg der Rechtschaffenen stehend,
22.6 stets guten Handlungen ergeben, unverzagt, von innerer Kraft, geduldig, standhaft, mitfühlend und den Guten hilfreich,
22.7 in sauberen Gewändern und stets reinen Leibes, freundlich sprechend, mit heiterem Gesicht, ohne Gier nach fremdem Besitz,
22.8 frei vom Begehren nach fremden Ehefrauen, auf der Stufe wahrer Unterscheidung ruhend; oder aus dem Krieger-, Händler- oder Shudra-Stand, ohne Gier nach Alkohol und Fleisch,
22.9 Reinheit und Selbststudium ergeben, zufrieden, stets tätig, Speisereste meidend, den Leib mit dem eingebrannten Diskuszeichen versehen,
22.10 großherzig, auf die Aufgabe von Hochmut, Neid und Kleinlichkeit gerichtet, stets bei Götter- und Ahnenriten tätig, frei von heuchlerischem Verhalten,
22.11 alle für das Ritual untauglichen Stoffe meidend, liebevoll zu Mutter, Vater und guten Verwandten,
22.12 die gegebenen Anweisungen erfüllend, furchtlos und stets einen niedrigen Sitz bevorzugend, stets darauf gerichtet, dass alle einen höheren Stand erreichen,
22.13 stets geschmückt mit guter Einsicht, die allein auf die Erhebung der Familie zielt: Durch die Gnade des Guru, anderswo, im eigenen Haus oder im Haus des Guru,
22.14 erlangt er das bloße Schauen der Mantragestalt im Mandala und wird durch den Blick des Guru und durch Besprengung geweiht.
22.15 Schon dadurch erkennt er: „Jetzt ist mein Ziel erreicht.“ Von diesem Zeitpunkt an erbittet er vom wohlgesinnten Lehrer
22.16 unablässig den Sinn der Schrift, mit dem Wortlaut beginnend. Nach dem Hören erwägt er die Bedeutungen an einem einsamen, ungestörten Ort.
22.17 Auch wenn er ganz erfüllt ist und aufgefordert wird, gerät er nicht in Hochmut. Er unterweist nicht andere aus Gier, um seinen eigenen Vorteil zu erreichen.
22.18 Er drängt den Sinn der Lehre nicht auf, sondern bittet unablässig [um Unterweisung]. Auch wenn er in einer Versammlung angegriffen wird, gerät er nicht aus der Fassung.
22.19 Dann denkt er nicht: „Ich werde die Streitenden besiegen.“ Über Feuergrube, Mandala, Mudra, Waffen, Sockel, Bild und Tempel,
22.20 samt ihren Mantras sammle er stets [das Wissen] in seinem Geist. An Sonnenwenden und weiteren Zeiten, wenn möglich täglich,
22.21 lasse er den Gott verehren oder vollziehe selbst die Mantraverehrung. Vom Guru angewiesen, verneige er sich vor den Füßen der Lehrer.
22.22 Man soll sie nicht so ausforschen, dass sie missgestimmt werden. Nachdem man sie angemessen erfreut hat, frage man nach Unverstandenem oder Vergessenem,
22.23 nach Erfasstem oder Gewusstem. Wenn die Lehrer dazu auffordern, zeige man die für einen bestimmte eigene Mudra, nachdem man ihre Vertraulichkeit gewahrt hat.
22.24 Durch Weihe und gehörten Wortlaut vorbereitet, erbitte man dann vom eigenen Guru, mit der Verehrung des Erhabenen beginnend, die höhere Stufe namens Putraka.
22.25 Ist der eigene Guru nicht anwesend, bitte man den von ihm eingesetzten [Vertreter]; fehlt auch dieser, der Reihe nach einen anderen, der ein guter Vishnu-Verehrer ist,
22.26 jedoch keinen, der einer anderen Lehre folgt. Denn bei einem Guru, der kein Vishnu-Verehrer ist, [wird] das Ritualsystem samt Mantras und die aus den gemeinsamen Stoffen entstehende Frucht
22.27 gewiss fruchtlos; deshalb meide man ihn. Bei den Handelnden entsteht beständige Frucht durch die Unterscheidung von Stoff, Mantra, Handlung und innerer Haltung;
22.28 bei den Nichthandelnden hingegen durch Nichtunterscheidung, bei denen, die überall gleiche Einsicht haben und deren Inneres sich am Selbst erfreut,
22.29 die von weltlichem Verhalten frei sind und das Opfer als Leib tragen. So erkenne man, mit wem eine Verbindung fruchtbar ist,
22.30 und suche stets bei ihm Zuflucht zur diesseitigen und jenseitigen Vollendung. An diesen angeborenen, ungekünstelten Zeichen
22.31 sollen die Lehrer den Samayin genannten Schüler erkennen, der nach Geburt vierfach ist. Ebenso sind die drei weiteren von Putraka an zu erkennen.
22.32 Höre nun seine Besonderheit. Wenn der Guru erkannt hat, dass [der Schüler] durch Anwendung und Unterweisung in einem kleineren, mittleren oder höheren Umfang des Agama
22.33 sein Ziel erreicht hat, rufe er ihn zur Begnadung in Achyutas Heiligtum.
22.34 Nach Betrachtung und weiteren [Vorbereitungen] lasse er ihn erfreut die hohlen Hände mit Arghya, Blumen und ungebrochenem Reis richtig in die Mantragestalt der Gottesstätte ausgießen.
22.35 Von diesem Zeitpunkt an ist ihm Verehrung allein durch den Mantra, ohne Meditation und Einsetzung und ohne Feuersättigung,
22.36 im Bild oder auf dem Boden gestattet, um die Befähigungsstufe zu erreichen. Der Guru spricht nach dem allgemeinen Verfahren: „Verehre Achyuta.“
22.37 Er antwortet: „So sei es“, nimmt dessen Wort an und verweilt stets freudig, den Schriftsinn bedenkend und durch seine eigene Mudra gekennzeichnet,
22.38 nach Vermögen für Unterhalt und Wohlergehen des Guru sorgend, dessen Verehrung ergeben, den Geist auf ihn gerichtet und ihm hingegeben.
22.39 Wird er dazu aufgefordert, trage er auf dessen Anweisung den erkannten höchsten Schriftsinn zum Ruhm des eigenen Guru vor, jedoch ohne Mantra und Mudra,
22.40 nachdem er ihn mit eigener Einsicht richtig bedacht hat, in der Versammlung der Vishnu-Verehrer, sodass er unter den Menschen nicht zum Anlass von Neid wird.
22.41 Dieser Schüler heißt Putraka und ist stets mehr als ein leiblicher Sohn. Höre nun von mir die Besonderheit des Sadhaka genannten [Schülers].
22.42 Wie zuvor eingeweiht, ist er ganz der Mantraverehrung ergeben, mit sämtlichen gottgemäßen Handlungen vom Bad an,
22.43 zur Vollendung des eigenen Selbst, nicht um die Welt zu beeindrucken, im Wald, an einem Heiligtum oder im ansprechenden eigenen Haus.
22.44 Er vollziehe Mantradienst, Arghya-Gabe und das große Mantragelübde. Diese höchste Verpflichtung soll er stets bewahren:
22.45 Welche außerordentliche Erfahrung und welche durch die Kraft im Selbst gewonnene Glückseligkeit er erlangt, dieses Wunderbare soll er niemandem mitteilen außer dem Guru, nach dessen Verehrung.
22.46 Mit der eigenen Mudra versehen, stets seiner eigenen Aufgabe mit Vertrauen ergeben: Dieser ist als Sadhaka zu erkennen, vom Erhabenen erfüllt.
22.47 Wer die zuvor genannten Zeichen besitzt, besonders befähigt und vom Guru zur Begnadung der Verehrer eingesetzt ist,
22.48 wer die Wörter der Wortmantras samt ihrer Bedeutung kennt, als Verhältnis von Bezeichnetem und Bezeichnendem, mit oder ohne Glieder,
22.49 für die Einsetzung in Hände, Leib, Lotus und Rad, in gleicher oder ungleicher, einfacher oder mannigfacher [Anordnung],
22.50 und ihre Anwendung auf Gegenstände entsprechend der Bedeutung, ihre Durchdringung des Weges durch Kenntnis von Meditation und Gottheit,
22.51 und wer das kennzeichenlose Klang-Brahman-Sein der Gottheiten durch ihre eigenen zuvor genannten Laute richtig versteht,
22.52 wer die Vermischung der Agamas anhand ihrer Aussagen erkennt: Dabei ist die Aussage dreifach, göttlich, von Weisen gesprochen
22.53 oder menschlich, du Lotusäugiger. Verstehe ihre Unterscheidung: Was bedeutungsreich, zweifelsfrei, klar, knapp und beständig ist,
22.54 das ist die Aussage des höchsten Herrn, durch seinen Auftrag wirksam und befreiend. Was Vollendungen preist und zu [Praxis] anregt,
22.55 alle erfreut, tiefgründig ist und Gewissheit herbeiführen kann, das wisse als Aussage eines Weisen, geeignet, Gewissheit zu schaffen.
22.56 Was sinnlos, unzusammenhängend, bedeutungsarm, bloßer Wortprunk ist und die ursprüngliche Aussage nicht zur Erfüllung führt, gilt als menschliche Aussage.
22.57 Sie ist aufzugeben, Quelle unheilvoller Ergebnisse und zur Hölle führend. Was hingegen einen anerkannten Sinn wiedergibt, zusammenhängend und treffend ist,
22.58 ist, auch wenn es eine menschliche Aussage ist, wie das Wort eines Weisen anzunehmen. Die Überlieferung, die aus solchen annehmbaren Aussagen entsteht, du Einsichtsvoller,
22.59 wisse als vollständige Darlegung des guten Weges und als Vorschriftenlehre. Wer aufgrund ihrer Geltung alles wahrheitsgemäß erwägt
22.60 und stets ohne Widerspruch zwischen Früherem und Späterem ausführt, so für die Verehrer beauftragt, Kenner von Wörtern, Sätzen und Erkenntnismaßstäben,
22.61 mit seiner eigenen Mudra geschmückt und stets den Diskus tragend wandelt, dieser ist als Lehrer zu erkennen, mit allen Eigenschaften der Verpflichteten versehen.
22.62 Wer sich anders darstellt, obwohl er auf einer anderen Stufe eingesetzt ist, und dabei ein Begehren im Herzen trägt, dieser Niedrige geht zur Hölle.
22.63 Wer die Stufenfolge aufgibt, wird kein Gefäß für die Vollendungen. [Nur der erste Halbvers ist erhalten.]
22.64 … den eigenen Brauch, die eigene Geburtszugehörigkeit, das eigene Gotra und das Haus des eigenen Guru. [Nur der zweite Halbvers ist erhalten; das zugehörige Verb fehlt.]
22.65 Deshalb soll der nach Heil Strebende stets weder Hochmut noch aufgrund dessen Verlusts [Minderwertigkeit pflegen]; ein Sich-Über- oder Unterordnen ist nirgends [eigenmächtig] zu betreiben. [Wegen der vorausgehenden Lücke bleibt der Zusammenhang unsicher.]
22.66 [Sankarshana sprach:] Gott, welche Merkmale kennzeichnen die vier Mudras, durch deren Kenntnis die Vierheit bis zum Lehrer erkannt wird?
22.67 [Der Erhabene sprach:] Die früher für Narahari erklärte Fünfheit von Kopf-Mudra an: Wisse, dass daraus unter Weglassen des Daumens und mit der Reihe nach verminderter Fingerzahl die Vierheit für die vier [Stufen] bis zum Guru entsteht, entsprechend ihrer Stellung.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 22 mit dem Namen „Vorschrift der unterschiedlichen Mudras der Berechtigten“.
Kapitel 23
Zur Orientierung: Dieses Kapitel erschließt weitere Mantras durch Wörter, Laute und ihre Anordnung. Es verlangt eine besonders genaue Lektüre. Beschädigte Angaben bleiben gekennzeichnet, damit aus ihnen keine ungesicherte Rezitationsformel entsteht.
23.1 [Narada sprach:] Ihr vortrefflichen Brahmanen, was nun der Herr der Götter, von Kamapala befragt, [lehrte], werde ich in Kürze erzählen.
23.2 [Sankarshana sprach:] Gott, die Schar der Bijas der Erscheinungsgottheiten habe ich verstanden. Jetzt möchte ich ihre Gesamtheit von Pinda-Mantras kennen.
23.3 [Der Erhabene sprach:] Vernimm von mir mit aufmerksamen Geist die Schar der Pinda-Mantras für die Gottheiten in der zuvor genannten Reihenfolge.
23.4 … darunter den nördlichen [Laut] der Achse; man schmücke [ihn] mit dem letzten der Speichen. [Nur dieser zweite Halbvers ist erhalten; die vorangehende Anweisung fehlt.]
23.5 Dann nehme man den nördlichen [Laut] des Achsenbereichs und setze darunter den zweiten Bija des Radkranzes; auf dessen Sitz [stehe] der mittlere aus der Mitte.
23.6 Man setze den siebten der Nabe auf den sechsten der Unterlage und den achten darüber. Wisse, dies ist der dritte [Pinda].
23.7 Dann nehme man den achten aus dem Nabenbereich, auf dem sechsten der Speichen sitzend; danach setze man der Reihe nach unter den zweiten der Nabe
23.8 den dritten desselben Bereichs, den siebten und den vierten. Dann nehme man den ersten des Radkranzes und setze darunter den siebten der Nabe,
23.9 darunter wiederum den dritten desselben Bereichs. Danach nehme man den neunten der Nabe und setze darüber und darunter
23.10 den dortigen zweiten. Wisse, dies ist der siebte Pinda. Über den sechsten der Speichen setze man den ersten der Nabe,
23.11 den siebten und achten jeweils darüber, der Reihe nach. Dann [nehme man] den achten aus dem Nabenbereich, über den siebten gesetzt,
23.12 und darunter den mittleren der Achse; dies ist als neunter erklärt. Wieder setze man über den fünften der Speichen den dritten der Nabe,
23.13 darüber den dritten von außen: Dieser gilt als zehnter Pinda. Den zweiten aus dem Nabenbereich, darüber dessen dritten,
23.14 darüber den Anfang und das Ende des Radkranzes: Dies gilt als elfter. Dann setze man den siebten zum vierten der Nabe
23.15 und darunter den ersten des Radkranzes: Dies gilt als zwölfter. Man nehme den dreißigsten des Radkranzes und verbinde darunter der Reihe nach
23.16 den siebten, vierten und ersten der Nabe, du Einsichtsvoller. Alle sitzen auf dem sechsten der Speichen: Dies ist der dreizehnte Pinda.
23.17 Man nehme den vierten der Nabe, setze darüber den siebten und darüber den neunten. Wisse, dies ist der vierzehnte.
23.18 Über und unter den vierten Laut des Radkranzes setze man den zweiten des Nabenbereichs. Dies gilt als fünfzehnter.
23.19 Man nehme den zwanzigsten von außen und verbinde ihn danach mit dem sechsten samt dem letzten aus dem Speichenkreis.
23.20 Über und unter den siebten Radkranzlaut setze man den zweiten aus dem Nabenbereich. Wisse, dies ist der siebzehnte.
23.21 Den neunten des Nabenbereichs setze man über den siebten. Dann setze man den achten der Nabe über den siebten
23.22 und darunter den zweiten aus demselben Nabenkreis, über den dreizehnten der Speichen: Dies ist der neunzehnte.
23.23 Den vierten der Nabe, darüber deren dritten und darüber den dortigen siebten: Wisse, dies ist der zwanzigste.
23.24 Über den zweiten Nabenlaut setze man den achten und darunter danach den sechsten der Speichen, du Pflugträger.
23.25 Den neunten des Nabenbereichs setze man über den dritten und darunter den zweiten. Höre den dreiundzwanzigsten:
23.26 Den achten, siebten, zweiten und ersten der Nabe verbinde man der Reihe nach über dem sechsten der Speichen.
23.27 Man nehme den siebten des Radkranzes, darunter den siebten der Nabe und darunter deren dritten. Dies gilt als vierundzwanzigster.
23.28 [Man nehme] den dritten der Nabe, darüber den zweiten und darüber den ersten des Radkranzes. Nun wird der sechsundzwanzigste erklärt:
23.29 Den dritten Nabenlaut setze man auf den sechsten der Speichen und darüber den siebten. Vernimm einen weiteren:
23.30 [Man nehme] den fünfundzwanzigsten des Radkranzes und setze darüber und darunter den siebten der Nabenlaute sowie den fünften der Speichengruppe.
23.31 Man nehme den ersten und zweiten des Radkranzes und setze darunter den mittleren der Achse, du Einsichtsvoller. Dies gilt als achtundzwanzigster.
23.32 [Es folgen] der neunte und siebte der Nabe, der dritte und [nochmals] dritte. Dann nehme man den nördlichen der Achse und setze darunter
23.33 den dritten und zweiten aus dem Nabenbereich. Danach nehme man den zweiten der Nabe, den siebten und vierten,
23.34 [dann] den dritten der Nabe und über ihn den ersten von außen. Danach [setze man] den neunten der Nabe über den mittleren der Achse.
23.35 Über den achten der Nabe setze man dann den zweiten, danach den sechsten der Speichen unter ebendiesen.
23.36 Über den sechsten der Speichen setze man den ersten der Nabe, den auf ihn folgenden und den achten. Vernimm den sechsunddreißigsten:
23.37 Man verbinde den siebten, dritten und vierten des Nabenkreises und setze darüber den dreißigsten der Speichen [so die Vorlage; bei sechzehn Speichen ist diese Angabe problematisch].
23.38 Oder [nehme man] den neunten, dritten und zweiten der Nabe; wisse, dies ist der siebenunddreißigste. Dann entnehme man dem Nabenbereich
23.39 den ersten auf dem sechsten der Speichen sitzend, darüber den zweiten und darüber den neunten. Alle Pindas außer dem ersten
23.40 sind mit dem ersten vom Ende der Speichen als Kopfzeichen zu schmücken. Sie enden mit Namah, beginnen mit dem Pranava und sind mit ihren eigenen Namenswörtern verbunden.
23.41 Wo ohne den ersten vom Speichenende ein Vokal darüber oder darunter steht, zusammen mit dem ersten Nabenlaut oder allein,
23.42 lasse man ihn weg. Dann bilde man zur Verehrung aller mit dem jeweils eigenen Pinda die Glieder wie bei Narasimha.
23.43 Verneigung, Pranava, Name und zugehöriger Abschlusslaut [sind anzuwenden] entsprechend der Handlung. Bis zur erklärten Verehrung vollziehe der auf Befreiung Ausgerichtete
23.44 die gesamte Anwendung der aus Bija, Pinda und Wörtern entstandenen [Mantras]. Bei ihrer Verehrung ist jedoch die Vaibhavi-Mudra zu zeigen.
23.45 Ihre Gliedermudras sind für die Glieder mit den eigenen Mantras anzuwenden. Alles, was ich mit dem Löwenmantra erklärt habe, ist gemeinsam [gültig],
23.46 mit Einweihung beginnend, als Verwirklichung der vier Lebensziele durch die Mantras. Höre nun die Merkmale der Wortmantras,
23.47 ohne die die Verehrung derer, die ihr Sein gewonnen haben, nicht erfolgt. [Man setze die Worte:] „Dem Weltübersteigenden“, das reine Wort „dem Wissen Verleihenden“,
23.48 „dem Lotusnabeligen“ und danach „dem Alldurchdringenden“. Wisse, [dieser Mantra hat] vierundzwanzig Silben. Höre einen weiteren mit gleicher Zahl:
23.49 „Dem Lichtgestaltigen“, das fünfsilbige Wort „der Raumgestalt“, danach „Dhruva“, dann das dreisilbige „höchsten“,
23.50 die vier Silben „Stättenerlangung“ und das dreisilbige „der Ursache“. [Danach:] „Ananta“, dann „dem Unbegrenzten“,
23.51 „der Grundlage aller“ und zuletzt „dem die Shakti Tragenden“. Dieser zählt zwanzig [Silben]. Höre nun den zweiundzwanzigsilbigen:
23.52 Man setze „Verehrung dem Erhabenen“, dann „Vasudeva“, „dem Selbst aller Shaktis“ und „dem unendliche Gestalt Besitzenden“.
23.53 [Es folgen:] „Dem Kraftselbst“, das Wort „groß“ und „Purusha“, die Worte „Verblendung und Maya“ und danach „dem Vernichter“,
23.54 „dem stets Hervorgetretenen“ und das viersilbige Wort „alle Shakti“. Dieser gilt als siebenundzwanzigsilbig.
23.55 [Es folgen:] „Dem Vedakenner“, „dem die Welt Erfreuenden“, danach „dem Weltenherrn“ und „dem höchsten Atman“.
23.56 Dieser hat zwanzig Silben. Höre den siebzehnsilbigen: Man setze „dem Erkenntnis-Selbst“, danach das Wort „Bewusstsein“,
23.57 „dessen Inneres Licht ist“ und „von friedvoller Gestalt“. [Danach:] „Dem von unendlicher Kraft“, „dem Alldurchdringenden“,
23.58 „dem aus der Welt Bestehenden“ und „Vishvarupa“. Dieser ist mit einundzwanzig Silben erklärt. Höre einen anderen:
23.59 Man nehme „reines Sattva“, dann „in der Herzenshöhle ruhend“, danach „dem höchsten Hamsa“ und „dem im Geist Wandelnden“.
23.60 Er hat neunzehn Silben. Nun nehme man „der Opfergestalt“, danach „dem im Weltinneren Bestehenden“,
23.61 dann „Welt“ und „Varaha“ sowie „dem Herrn der Entfaltungen“. Dieser hat vierundzwanzig Silben.
23.62 Man setze „Verehrung dem Erhabenen“, dann „dem untermeerischen Feuer“, die Wortverbindung „Weltwasser als Brennstoff“ und „entflammte“,
23.63 „Kraft“, danach Phat. Dieser gilt als von gleicher Silbenzahl. [Dann setze man:] „Dem in allem Wandelnden“, „heitere“,
23.64 „Gestalt“ und zuletzt „dem Dharma-Selbst“. Dieser hat sechzehn Silben. Höre nun den geheimsten:
23.65 Man setze „dem Herrn allen Wissens“, danach „dem Herrn der Rede“, dann „Sprich, sprich!“ und „die Fülle der Rede“.
23.66 Dieser hat neunzehn Silben. Einen weiteren werde ich dir erklären: „Dem Yoga-Herrschermacht Verleihenden“, „dem Geschmack des Yogaschlafs“,
23.67 „hingegeben“, „dem erhabenen, auf dem Wasser Ruhenden“. Dieser zählt vierundzwanzig Silben; der nächste eine mehr [die folgende Zählung weicht davon ab].
23.68 Man nehme „Erhabener“, „dem von unendlicher Stärke und Kraft“, „dem Lichtartigen“, dann das zweisilbige „dem Weltenträger“
23.69 und zuletzt „dem Schildkröten-Selbst“. Wisse, dieser Mantra hat sechsundzwanzig Silben, du Bester der Mantrakenner.
23.70 „Dem, dessen Leib die Opferglieder sind“, „dem Ursprünglichen“, danach „groß“ und „Varaha“, dann „dem uralten Purusha“;
23.71 darauf setze man „Geschöpfe“ und zuletzt „dem Herrn“. Dieser Mantra hat vierundzwanzig Silben, du Bester der Mantrakenner.
23.72 Man setze „Verehrung dem Erhabenen“, danach „Narasimha“, dann „du Schatz des Glanzes“ und „Schlage, schlage!“
23.73 Danach [folgen] fünf Silben: „aus verkehrtem Handeln entstanden“, zuletzt „die Übeltat“. Dieser hat siebenundzwanzig Silben.
23.74 Man nehme „du Nektargestalt“, danach „dem Selbst von Erkenntnis und Stärke“, „dem Herrn aller“, „Erhabener“. Dieser hat neunzehn Silben.
23.75 Man nehme die Worte „Lotusäugiger“, „höchster Herr“, danach „sämtlich“, „Glück und Wohlergehen“,
23.76 „du Schatz“, „gewünschte“ und „Vollendung verleihend“, dann „alles Leid“ und „du Feuer seiner Stillung“,
23.77 „von seliger Schönheit“, danach „Lakshmi“ und „dem Herrn“. Er hat fünfzig Silben abzüglich drei.
23.78 Man nehme „Seiendes und Nichtseiendes“, danach „der Gestalt“, „dem Höchsten der Welt“ und „du Nektarschatz“.
23.79 Dieser sechzehnsilbige Mantra ist für den Herrn Kantatman erklärt. [Danach:] „Dem höchsten Purusha“, dann „ungehindert“,
23.80 „der Kraft“, „Herr aller“, „sämtliche furchtbaren Gefahren“ und danach „abwendend“.
23.81 Dieser Mantra ist als siebenundzwanzigsilbig erklärt. Höre weiter: Man entnehme „dem Lenker“, danach „der Weltursache“,
23.82 „der Brücke“, verbunden mit „höchstes Brahman“, und anschließend Om. Der Mantra ist als sechzehnsilbig erklärt. Nun spreche ich weiter:
23.83 Zuerst setze man „unvergleichlich“, danach „Macht“, „du große Herrlichkeit“, dann „große Maya“,
23.84 anschließend „Zeiger“ und zuletzt „dem Palmbannerträger“. Dieser Mantra ist in Kürze als vierundzwanzigsilbig erklärt.
23.85 Man setze „dem friedvollen Selbst“, danach „Yama“, „dem auf Niyama Ruhenden“ und „dem höchste Fülle Verleihenden“,
23.86 dann „Narayana“. Er gilt als von gleicher Zahl wie der vorherige. [Danach:] „Das Weltwerden zerbrechend“,
23.87 dann „dem Erhabenen“, „Dattatreya“, „Stände und Lebensstadien“ und „Dharma“,
23.88 „annehmend“ und den Pranava. Er gilt als achtundzwanzigsilbig. [Danach:] „Dem aus allen Welten Bestehenden“, „dem Allwissenden“,
23.89 „dem Herrn aller“ und „dem auf dem Banyan Ruhenden“. Dieser hat dreiundzwanzig Silben. Vernimm einen anderen:
23.90 Man nehme „Wesen“, danach „dem Fördernden“, „dem All-Atman“, dann „makellose“,
23.91 „Wohnstatt“ und „dem Träger“. Dieser König der Mantras gilt als zweiundzwanzigsilbig.
23.92 Man nehme „Vishnu“, dann „dem Waffenlosen“, „dem aus Brahman Bestehenden“, „dem Haarflechtenträger“ und „dem Stabträger“.
23.93 Man setze „erkannte“, zuletzt „Herrlichkeit“. Dieser Mantra hat sechsundzwanzig Silben. Vernimm den folgenden:
23.94 Man nehme „alle“, danach „durchdringend“ und das glückverheißende fünfsilbige „dem Tausendstrahligen“,
23.95 dann „Trivikrama“, „unbegrenzte“ und „Macht“. Er gilt als dreiundzwanzigsilbig.
23.96 [Es folgen:] „Dem Herrn Nara“, „dem vortrefflichsten Purusha“, „dem der Meditation über das Selbst Hingegebenen“, dessen letzte zwei Silben gesondert genannt werden.
23.97 Dieser Mantra hat einundzwanzig Silben. Vernimm den nächsten: Man setze „Narayana“, dann „unübertrefflich“,
23.98 „aus Glückseligkeit bestehend“, „ohne Selbstüberhebung“ und „der Stätte hingegeben“. Dieser hat fünfundzwanzig Silben.
23.99 Man nehme „dem Höchsten“, danach „dem höchsten Atman“, „dem Herrn des Yoga“ und „Hari“. Dieser Mantra hat sechzehn Silben.
23.100 Zuerst nehme man die sieben Silben „Verehrung dem höchsten Atman“, danach „Krishna“ und das dreisilbige „Lotus“,
23.101 dann „Blatt“, „dem weitäugigen“, „dem in Brahman Gründenden“ und „Brahman“. Danach zählt er achtundzwanzig Silben.
23.102 Man nehme „Erhabener“, „Feuer am Ende des Weltalters“, danach „Glanz“ und „Samsara“,
23.103 „dem Zerschneider der Bindung“. Dieser gilt als zweiundzwanzigsilbig. [Dann:] „Dem Viergestaltigen“, „dem aus den vier Wegen Bestehenden“,
23.104 „dem Träger von Pfeil und Sharnga“, „dem mit dem Glanz eines Herbstlotus“, danach „dem Erhabenen“, „liebliche“,
23.105 und „Gestalt“. Er gilt als achtunddreißigsilbig. [Danach setze man:] „klar“, „höchste Wirklichkeit“,
23.106 „dem Vedakenner“, „dem Wissenden“, „dem Alldurchdringenden“ und zuletzt das weitere zweisilbige Wort „Herr“.
23.107 Dieser ist mit zwanzig Silben erklärt. Höre den nächsten: Man setze „Garuda“, danach „als Reittier“,
23.108 „mit allen Waffen zum Einsatz erhoben“, „Stille das Unheil!“, dann „Schüttle, schüttle“ und „die Karmabindungen“.
23.109 Darauf setze man „Schütze den Dharma!“ und spreche „Vernichte den Adharma!“. Dieser Mantra hat vierunddreißig Silben. Ich erkläre weiter:
23.110 [Es folgen:] „Der Rücknahmegestalt“, „dem Flammenlicht des Zeitfeuers“, „dem in der Unterwelt Ruhenden“, „Unwissenheitsfesseln“,
23.111 „ihre Menge, schlage, schlage!“ und danach der Pranava. Dieser fünfunddreißigsilbige gilt als alle Vollendungen bewirkend.
23.112 Alle sind mit dem Pranava geschmückt und mit der Verneigung geziert. Vergegenwärtigt, verehrt, meditiert und besonders wiederholt,
23.113 gibt es nichts, was sie den mit Hingabe gut Handelnden auf Erden nicht gewähren. Höre nun die Merkmale der Mantras der Kennzeichen samt Waffen.
23.114 Man setze „von tausend Strahlen“, danach „durchsetzt“ und „dem Leib“. [Der Mantra] der Krone hat dreizehn Silben.
23.115 Man nehme „gewünschte“, danach „Vollendung verleihend“, dann „großer Wunsch-“ und „dem Edelstein“.
23.116 Wisse, er hat fünfzehn Silben. Höre einen weiteren mit zehn: [Man setze] „sämtliche Kennzeichen“ und danach „Fülle verleihend“.
23.117 Man nehme „Glück“, dann das dreisilbige „du Mutter“ und „du Allesgebende“. Auch dieser hat zehn Silben.
23.118 „Dem Lebenshauch-Selbst, Satya“: Wisse, dies sind sieben Silben. „Dem Zeitbewirker, dem Diskus, Phat“ ist als achtsilbig erklärt.
23.119 Man setze „dem All-Atman“, danach „dem Allesgebenden“. Wisse, dies hat neun Silben. Höre danach den achtsilbigen:
23.120 Man nehme „du Wissen“, danach „von den Herren des Wissens verehrt“. [Beim nächsten] setze man zuerst „der Klanggestalt“, dann „dem Muschelhorn“; er gilt als achtsilbig.
23.121 Man setze „du Schatz des Saftes“, danach „furchtbar“ und zuletzt „dem Schrecklichen“. Dies gilt als zehnsilbig.
23.122 Zuerst [setze man] „dem Herrn der Welten“ und „dem zur Säule Gewordenen“. Wisse, er hat dreizehn Silben. Vernimm den nächsten:
23.123 „Der Hülle der Sinne, der Pfeilwaffe“ hat zehn Silben. [Dann:] „Dem Donnern des Windes am Weltende“, „vom Blitz erleuchtete“,
23.124 „Strahlkraft“: sechzehn Silben. Höre danach neun Silben: Man setze „große Maya“, dann die zwei Silben „Bindung“,
23.125 und „vernichtend“. Höre eine Formel gleicher Zahl: Man nehme „alle Waffen verschlingend“ und danach „hingegeben“.
23.126 [Dann:] „Dem Erhitzenden“, danach „dem Vernichter des Hochmuts“. Wisse, dies hat elf Silben. Nun werden neun Silben erklärt:
23.127 „Dem Zerschneiden der Unwissenheit“ und danach „hingegeben“. [Dann:] „Der die drei Welten verblendenden Gestalt“: neun Silben.
23.128 „Alles heranziehend“, „du aus großer Maya Bestehender“: zwölf Silben. Danach entnehme man eine neunsilbige [Formel]:
23.129 zuerst „ungebrochen“, danach „dem von Heldenkraft“. Höre danach sieben Silben:
23.130 „Dem Stillenden des Hochmuts“. Vernimm fünf Silben: „Du Lichtbekränzte“. So sind zweiundzwanzig [Formeln] genannt.
23.131 Wie zuvor sind sie an Anfang und Ende eingerahmt und mit dem eigenen Namenswort geschmückt. Das Namenswort füge man stets nach dem letzten Laut der angegebenen Silbenzahl an.
23.132 Bei den vierzehn Waffenmantras der Reihe nach bis zum Speer setze man wie beim Diskus nach dem Namen das Wort Phat.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 23 mit dem Namen „Vorschrift der vorbereitenden Einweihung“.
Kapitel 24
Zur Orientierung: Die ausführlichen Maß- und Bauvorschriften betreffen Gottesbild, Sockel und Tempel. Einen Schlüssel zur spirituellen Bedeutung geben 24.161–167: Rechtes Maß und Schönheit sollen die Begegnung mit der göttlichen Gegenwart unterstützen.
24.1 [Narada sprach:] Ihr vortrefflichen Brahmanen, nachdem die Merkmale der Mantras so deutlich gehört waren, wurde der Erhabene erneut vom Palmbannerträger befragt.
24.2 [Sankarshana sprach:] Wenn ein Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra, vom Erhabenen erfüllt und nach täglicher Verehrung verlangend, einen aus Mantra bestehenden Leib
24.3 als Gegenstand der Betrachtung schaffen möchte, wie lautet dafür die Vorschrift? [Der Erhabene sprach:] Es kann gemalt, aus Ton, Holz, Stein oder gutem Metall gefertigt sein.
24.4 [Der Erhabene sprach:] Für Zweimalgeborene, die Frucht erstreben, ist ein entsprechend unterschiedliches Bild geeignet. Für Wunschlose besteht diese Unterscheidung nicht; ein verfügbares [Bild] widerspricht [ihrer Praxis] nicht.
24.5 Ein gemaltes Bild wisse als auf Wand, Holz oder Stoff beruhend. Nach der Reihenfolge der Stände ist das auf Stoff ausgeführte wiederum vierfach:
24.6 aus Baumwolle, Seide, Leinen oder Hanf. Ebenso besteht das Tonbild aus weißem und weiterem [Ton]; das Holzbild ist vielfältig:
24.7 aus Ashvattha, Brahmavrksa, Shriparni, Devadaru, Sala, Tala, Shashavanti und Indusara.
24.8 Je zwei wisse den Brahmanen und den übrigen der Reihe nach zugeordnet. Andere tief verwurzelte, kernreiche und für das Opfer geeignete [Bäume]
24.9 sind allen vier bei Bildherstellung und ähnlichen Arbeiten gemeinsam, für Erfahrung und Befreiung, wie Stein- und Tonbilder.
24.10 [Metallbilder bestehen] aus Silber, Gold, Kupfer oder Messing. So [sind] Erden, Stoffe, Steine, Metalle und Bäume,
24.11 sämtliche Edelsteine von Diamant an, durch Weiß, Rot und weitere Farben gekennzeichnet, für Fruchtstrebende besonders zugeordnet. Je nach Verfügbarkeit oder Fehlen
24.12 führe man sie jedoch durch richtiges Japa, Feueropfer und Verehrung mit den eigenen Gestaltmantras sowie durch Verehrung ihrer Ursachen zur gemeinsamen Verwendbarkeit.
24.13 Bei der Beschaffung von Stein und Ton verehre man Erde und Berg samt Indra; entsprechend für Stoff und Holz Varuna samt dem Herrn des Waldes,
24.14 bei der Verbindung von Metallen samt Edelsteinen Sonne, Mond und Feuer. Ohne edelsteintragende Metallfassung, ohne geeigneten Verehrungsort
24.15 und ohne Verehrungssitz mit Rad, Lotus und Weiterem ist ein Edelsteinbild für Meditierende zur Vollendung der Meditation nicht empfohlen,
24.16 wenn es allein, klein und ohne maßgerechte Glieder ist. Wegen seines Vorrangs unter den Ständen und Lebensstadien und seiner Herrschaft über alles
24.17 ist der König, da er die Gestalt der Götter von den Elementherren an trägt und eine besondere Stellung innehat, stets zu den besten und weiteren Materialien berechtigt.
24.18 Wie viel mehr derjenige, der keine Frucht erstrebt und stets Hingabe und Vertrauen pflegt! Wer dies verstanden hat und ein gemaltes Bild wünscht, verfahre sorgfältig folgendermaßen.
24.19 Zuerst verehre man Guhyakas und Hausgottheiten mit dem Herz-[Mantra], Arghya und Weiterem. [Eine Unterlage voller] Schmutz, Asche, Spreu, Kohle, Haare, Insekten, Nägel,
24.20 Wurzeln, Dornen, Haut und Knochen, sei es Steinplatte oder Wand, bringt gewiss Unheil. Deshalb entferne man zuerst vier Fingerbreiten
24.21 Tonschicht von der Wand, etwas mehr als die Bildfläche. Mit Ton, der von den genannten Mängeln frei ist und mit Panchagavya samt Wasser
24.22 geknetet wurde, fülle man den Wandabschnitt erneut. Von einer Holztafel entferne man zuvor mit einem Werkzeug die Oberfläche in der Dicke einer Antilopenhaut,
24.23 um sie zu reinigen. Einen eben vom Webstuhl genommenen Stoff wasche man siebenmal mit Wasser, das mit dem Waffenmantra besprochen ist.
24.24 Mit dem Herzmantra samt Waffenmantra, verbunden mit dem Gestaltmantra, [nehme man Erde] von einer heiligen Wasserstelle, einem Flussufer, einem heiligen Feld oder Berg.
24.25 Man entferne die mit Fehlern vermischte obere [Schicht] und nehme Erde auf. Diese zerreibe und trockne man auf sorgfältig bestrichenem Boden.
24.26 Hanf-, Woll-, Baumwoll- und Flachsfäden zerkleinere man zuvor mit einem Stein und mische sie samt Sand darunter.
24.27 Man durchtränke [die Mischung] mit Panchagavya, das wenig Kuhdung und reichlich Milch, Ghee und Weiteres enthält, sowie mit Khadira-Abkochung,
24.28 mit weißem Senf-, Lein- und Sesamöl. In ein eisernes oder anderes Gefäß gegeben, lasse man sie drei Wochen durchfeuchten,
24.29 ohne Einwirkung von Wind, Feuer, Sonne und Mond. Daraus vollende man das Bild, innen mit geeignetem Holz versehen.
24.30 Metalle wasche man wie den Stoff und reinige sie dann wieder mit Asche, die entsprechend mit dem Mantra besprochen ist.
24.31 Wer hingebungsvoll die Herstellung eines Bildes unternimmt, vollziehe überall mit dem Waffenmantra, zur ungehinderten Befriedung,
24.32 Verehrung, Feueropfer und Bali-Gaben für die Wesen samt Opferlohn. Dies gilt allgemein zur Zeit der richtigen Materialentnahme.
24.33 Nun wird die Besonderheit bei der Beschaffung von gutem Stein und Holz erklärt. Bei jedem Beginn beobachte man die Vorzeichen,
24.34 besonders bei der Reise in den Wald. Durch ein günstiges [Zeichen] entsteht Heil, durch ein ungünstiges wird die Reise von Hindernissen begleitet.
24.35 Durch Unterbrechung, Japa, Friedens- und Segensriten und die Rückkehr aus jenem Wald verbrennt der gut Handelnde [das Unheil].
24.36 Vor der Reise verehre man die Mantragestalt, erbitte ihre Erlaubnis und grüße sie. Man esse den Rest der Opfergabe, halte sich an den linken Weg [Bedeutung hier unsicher] und beherrsche die Sinne.
24.37 Nach dem Aufstehen bei glückverheißendem Aufgang vergegenwärtige man sich nach Osten gewandt den Mantra. Zuvor erkenne man die Gestalt oder deren besondere Erscheinung
24.38 und gehe in die ihr zugehörige Richtung, falls das nicht möglich ist in eine andere, begleitet von aufmerksamen Helfern und Handwerkern.
24.39 Man gehe mit Puffreis, Dickmilch, ungebrochenen Körnern und Krügen, Blumen voran. Frohsinn, große Begeisterung und Zucken auf der rechten Körperseite,
24.40 günstige Worte, Muschelhornklang, Saiten- und Instrumentalmusik, Früchte, Kühe, Elefanten, Pferde, Brahmanen, Mädchen, ein neues Gefäß, Erde, Dickmilch,
24.41 frisches Fleisch, Schmuck, berauschender Trank, Feuer, Ghee, Milch, gekochte Speise, Reissamen und weitere [Samen], Darbha und gute Baumrispen,
24.42 Schirm, Gewand, Fahne, Fahrzeug, Rocana, Safran, Honig, Spiegel, Yakschweif und Metalle außer Waffen,
24.43 Edelsteine, ein Gottesbild, ein vom Trank Berauschter, der nicht verzagt ist, lebende Fische und jedes Zeichen, das dem Geist keine Bedrückung bringt:
24.44 All dies ist beim Sehen vortrefflich; was Bedrückung bringt, ist ungünstig. Vom Bereich der eigenen Haustür bis zu sieben Schritten auf dem Weg
24.45 gibt das beim Schreiten erscheinende Vorzeichen entsprechend Frucht. Hat man Stadt oder Dorf eine halbe oder ganze Krosha hinter sich gelassen,
24.46 achte man auf Tierzeichen von Mungo an. Jenseits einer vollen und einer halben Krosha ist das Sehen von Wildtieren heilsam.
24.47 Wenn die Richtung, in die man geht, klar ist, [verheißt dies] besonderes Gelingen. Klarer Himmel und hell strahlende Sonne und weitere [Himmelskörper] fördern die Vollendung.
24.48 Ein angenehmer, sanfter, rechtsherum gerichteter, beständiger Wind und eine Zeit ohne himmlische oder andere unheilvolle Erscheinungen zeigen Gelingen an.
24.49 Hamsa, Papagei, Bharadvaja-Vogel, Kuckuck, Bachstelze, Pfau, Biene, Cakravaka und weitere Luftbewohner sind günstig.
24.50 Unter den Landbewohnern [sind günstig] friedliche Mungos, weiße Schlange, Hauseidechse, Moschusratte und Schakal; sie alle zu sehen ist günstig.
24.51 Unter den Wildtieren zeigen Hirsch, Löwe, Tiger, Hase und Leopard Gelingen an. Für alle ist vorgesehen,
24.52 dass sie sich besonders rechtsherum bewegen; beim Schakal ist die Gegenrichtung günstig. Sanfter Vogelruf und ähnlicher Klang fördern Gelingen und Wohlbefinden.
24.53 Entsteht bei der Gewinnung von Materialien ein [ungünstiges] Vorzeichen und ist Warten nicht möglich, vollziehe man die zuvor genannte Befriedung,
24.54 mit besonderen [Gaben] und Opferlohn zur Reinigung des Geistes. Man betrete das Feld nach Vorschrift und prüfe es mit dem eigenen Erkenntnislicht.
24.55 Man suche einen guten Stein oder einen für die Arbeit geeigneten Baum. Zu meiden ist ein überalterter [Stein], ebenso einer mit verwitterter Oberfläche,
24.56 mit Brüchen, vom Waldbrand verbrannt, klanglos, rau, sandig, löchrig, fleckig oder schalenförmig abblätternd,
24.57 einer Maus, einem Frosch, Fisch, einer Schlange, Katze oder einem Hasen gleichend, mit einem Adernetz in eigener oder fremder Farbe durchzogen.
24.58 Fehlt das zuvor beschriebene Material, ist die Verwendung der folgenden geeignet: tauben-, papageien- oder lotusfarben, honig-, krapp- oder schwarzbohnenfarben,
24.59 schwer, angenehm, schön und glatt; auch ein anderer [solcher Stein] ist empfohlen, in ansprechendem Boden eingebettet oder auf dem Grund eines Gewässers,
24.60 von einem vortrefflichen Baum bedeckt, in Waldreihen liegend, von Rankenscharen oder Heilkräutern umgeben,
24.61 über Kniehöhe aufragend, aus einem einzigen Felsblock bestehend. Nach oben gerichtet schenkt er Befreiung, nach unten Erfahrung,
24.62 in eine Himmelsrichtung gewandt beides. Mit dem Kopf nach Osten [dient er] Wohlergehen und langem Leben; nach der anderen [südlichen] Richtung soll er Ruhm und Ansehen mehren.
24.63 Nach Westen [gewandt] schenkt er Nachkommenschaft, Gesundheit und Frieden; mit dem Kopf nach Norden gibt er Gedeihen, Aufstieg und gute Einsicht.
24.64 Zuvor bestimme man so Rücken, Schenkel, Füße und Kopf. Mit dem Bala-[Mantra] samt Virya hebe man ihn zusammen mit den Handwerkern heraus.
24.65 Man lege ihn im Norden nach Osten gewandt oder im Osten nach Norden gewandt auf ebenen Boden, führe den Mantraherrn herab und verehre ihn mit Kranz, Sandel und Weiterem.
24.66 Man meditiere über ihn im Stein eingeschlossen, verehre ihn und opfere dann in einer Feuergrube oder auf dem Boden an einer der beiden genannten Richtungsstellen.
24.67 Nach dem Vollopfer verbringe man den Tag mit Meditation und Japa. Bei Einbruch der Nacht vollziehe man Verehrung und sättige die Wesen mit Bali-Gaben.
24.68 Mit im Leib eingesetzten Mantras esse man den Rest der Speisegabe. Südlich davon schlafe man auf Darbha, mit dem Kopf nach Osten, den Mantra wiederholend,
24.69 wie zuvor zum Empfang eines Traumes. Am Ende der Nacht stehe man auf, vollziehe die eigenen Pflichten und opfere zur Befriedung eines ungünstigen Traumes.
24.70 Einen deutlich günstigen, das Herz erfreuenden Traum begrüße man: [Wenn man] den Berg, das eigene Selbst, den Ort, den Stein oder die Bodenstelle
24.71 kristallrein, wie erhitztes Gold oder wie einen Gipfel rauchloser Glut sieht, erlangt man rasch Heil. [Die Vorlage zählt hier irrtümlich 21; die Folge ergibt 71.]
24.72 Dann nehme man ein Werkzeug samt Hammer, mit dem Waffenmantra besprochen, und schlage nach Osten gewandt viermal vom Kopfbereich an,
24.73 oder von den Füßen oder der Mitte, zuvor die [gewünschte] Frucht bedenkend. Man forme ihn rechteckig, trenne ihn vom Sockel und bringe ihn auf eine Vorrichtung.
24.74 Oder man bringe ihn mit getrenntem Sockel bedeckt in eine gute Werkstätte. Nach dem förderlichen früheren Verfahren entnehme man einen Stein
24.75 für den Sockel, nach Wunsch in anderer Farbe oder in derselben. Wie bei Steinen in der Beziehung von Teil und Ganzem, du Einsichtsvoller,
24.76 gilt bei Holz, Metall und Edelsteinen im Mangelfall Entsprechendes als günstig. Wenn Material verfügbar ist, schaffe man keine Ungleichheit oder Vertauschung.
24.77 Zur selben Zeit beschaffe man einen guten Stein für die Edelsteingrundlage. Für die Dreiheit sind männlich, weiblich und neutral bestimmte Steine geeignet.
24.78 [Die erste Verwendung] wisse als Bild. Fehlt [passendes Material], [nehme man] alles aus dem Bildstein. Aus dem für Edelsteingrundlage und Sockel bestimmten Stein ist ein Gottesbild untersagt.
24.79 Für Gestalten wie Lakshmi schenken die jeweils eigenen Steine alle Vollendungen. Ein Stein, der beim Anschlagen Feuerfunken
24.80 mit Klang abgibt, gilt als männlich; ein glanzloser mit Klang als weiblich. Wenn an Anfang, Mitte und Ende weder Feuer noch Klang entstehen,
24.81 ist er als neutral zu erkennen; an seinem eigenen Platz gibt er Frucht. Damit ist die Steingewinnung erklärt. Nun wird die Holzgewinnung gelehrt.
24.82 [Man wähle] einen bis in die Berge zugänglichen [Baum], unverletzt, gerade, groß, krankheitsfrei und nicht zuvor durch Krallen von Löwen und anderen verwundet,
24.83 nicht durch Wind, Blitz oder Waldbrand seiner Kraft beraubt, nicht außerhalb [des geeigneten Gebiets], auf erhöhtem Boden mit guten Merkmalen und guter Beschaffenheit stehend.
24.84 Wie zuvor vollziehe man zuerst seine vorbereitende Weihe und verehre am folgenden Tag die in ihm wohnende Gottheit von unbekannter Gestalt mit den Worten:
24.85 „Verehrung dir, dessen Selbst hier Zuflucht hat, und dem Herrn aller. Verzeih, steige anderswohin herab; bleibe hier als Bewusstseins-Selbst.“
24.86 Dann [verwende man] eine mit Waffenwasser gereinigte und mit Ghee und Weiterem bestrichene [Säge], wiederhole den vortrefflichen Mantra mit Vaushat und schneide mit Säge und anderen [Werkzeugen].
24.87 Fällt er nach Osten, Norden oder Nordosten, ist dies als günstig zu erkennen. Bei anderem Fall vollziehe man Verehrung und weitere [Befriedungen].
24.88 Den für die Gottheit bestimmten Teil bringe man herbei, ohne das Unbrauchbare. Wenn man ein sehr ausgedehntes Holzbild herstellen möchte,
24.89 mit vielen Armen, Gesichtern und Waffen geschmückt, ist es kein Fehler, passende, maßgerechte und gute Einzelteile aus jenem Baum zu verwenden.
24.90 Denn durch Hingabe und Vertrauen besteht alles aus Lauten. Nachdem man so zuvor eines der Materialien hingebungsvoll
24.91 beschafft hat, schaffe man die gewünschte Gestalt. Höre dafür zuerst das allgemeine Maß der friedvollen [Gestalt],
24.92 das gerade, unveränderte, durchdringende, eine Gestalt bildende. Auf sehr ebenem, glattem Boden trage man dieses Maß auf
24.93 und bestimme die Merkmale der Glieder, von der Breite an. Ein Hundertachtel der eigenen [Bild-]Höhe ist eine Fingerbreite, Angula.
24.94 Zwei Angula heißen Kala, Netra, Golaka oder Bhava. Ein Achtel einer Angula wird Yava genannt.
24.95 Bei Bildherstellung und Weiterem ist ein Tala als sechs Kala zu verstehen. Gesicht, [Abstände zu] Brust, Nabel, Genital und Boden [werden] in Tala gemessen; ebenso die beiden Oberschenkel.
24.96 Die Unterschenkel [haben] entsprechend zwei Kala [Lesart beziehungsweise Anschluss unsicher]; Knöchel, Knie und Hals jeweils drei Angula. So ist das Höhenmaß erklärt.
24.97 Bei Bildern mit Haarflechten füge man außerhalb des Maßes je nach langer oder kurzer [Frisur] vier oder drei Kala hinzu.
24.98 Die Haarkrone hat drei, fünf oder sieben Spitzen und ist acht Kala hoch; bei Haarflechtenlosen [gestalte man] eine schöne Krone oberhalb der Stirn.
24.99 Verkleinerung und Vergrößerung nach Tala sind hier entsprechend vorzunehmen, in den genannten Abschnitten jeweils um eine Angula.
24.100 Für Mund, Nase und Stirn teile man das Gesicht in drei Teile. Nach vorn rage die Nase eine Kala vor, einer Sesamblüte gleich.
24.101 Breite und Höhe ihrer beiden Flügel betragen eine halbe Kala. Das Maß der Oberlippenrinne unterhalb der Nasenspitze betrage vier Yava.
24.102 Sie sei von der Nasenspitze um ebendieses Maß von vier Yava getrennt. Die Oberlippe messe eine halbe Angula, die Unterlippe eine Angula.
24.103 Das Kinn wisse als eine Golaka, die beiden Mundwinkel [als Abstand] vier Angula. In der Mitte des ersten Nasenabschnitts
24.104 bilde man Augen- und Ohröffnungen. Die Augen seien eine Kala voneinander entfernt, eine Kala lang und eine halbe Kala breit.
24.105 Ist [das Auge] wie ein Utpala-Blatt, [gilt dieses Maß]; die Lotusblattform mache man um zwei Yava größer. Die runde Iris messe die Hälfte des Auges.
24.106 [Die Iris sei] ein Drittel der Länge bei der ersten [Form], bei der anderen um eineinhalb Yava größer. Die Pupille betrage ein Fünftel davon.
24.107 Auch ein Drittel ist dafür vorgesehen, du Lotusblattäugiger. Die Augenhöhle [messe] zwölf Yava, in der Breite um eine Yava größer,
24.108 in der Länge zweieinhalb Angula. Die Brauenranken gelten als zwei Kala, in der Mitte zwei Yava [dick], jungen Mondsicheln gleich und allmählich verjüngt.
24.109 Ihr Zwischenraum sei eine halbe Kala, ihre Spitzen auf gleicher Linie. Die Ohren seien zwei Angula breit und zwei Golaka lang.
24.110 Der Rand [des Ohrs; Vorlage: „Hals“] sei zwei Yava, die beiden Gelenkstellen vier Yava. Die Mitte zwischen ihnen wisse entsprechend; die Vertiefung betrage hier eineinhalb Angula.
24.111 Die Öffnung betrage eine halbe Kala, das Ohrläppchenmaß nach Geschmack von einer Angula bis zu zwei Kala; die dabei entstehende Ungleichheit
24.112 wisse ohne die innere Öffnung als vier Yava. Mit Ohrblatt und zugehörigen Teilen sind so die beiden Ohren bestimmt.
24.113 Die Stirn sei vier Kala; die beiden Erhebungen [messen] zwei Golaka, in der Höhe drei Angula und vorn eine Angula Breite.
24.114 Aus dem Haarbereich hervorgehend, oberhalb der Stirn, fertige man eine gebogene Lockenschar im Maß einer halben Kala.
24.115 Den Wangensaum führe man gleichmäßig vom Ohr zum Hals. Dazwischen bilde man zwei gerundete Wangen, durch die zuvor genannten [Maße] begrenzt.
24.116 Den Kopfumfang wisse als sechsunddreißig Angula. Der Abstand über den Kopf zwischen den beiden Ohrspitzen
24.117 betrage sechzehn Angula, ebenso hinten zwischen den [Ohr-]Rändern. Eineinhalb Tala sind als Abstand von der Stirn bis zur Scheitelhöhle zu verstehen.
24.118 Der Hals gleiche einem schönen Muschelhorn. An Wurzel, Mitte und Spitze beträgt sein Umfang zwölf Kala, einundzwanzig Angula
24.119 und achtzehn Angula; seine Breite jeweils ein Drittel davon. An seiner Wurzel [liegen] breite, hohe, rundlich längliche, gleichmäßige Schultern.
24.120 Ihre Dicke beträgt sechs Angula. Nun wird das Armmaß erklärt: Der obere Schulterteil [misst] drei Kala, bis zum Gelenk sechs Kala.
24.121 Vom Gelenk bis zum Handgelenk gilt das Maß als neun Kala. Vom Handgelenk bis zum Ende des Mittelfingers gilt die Hand als sieben Angula [die Maßfolge ist in der Vorlage nicht widerspruchsfrei].
24.122 Das Maß des Mittelfingers ist als um eine Kala geringer zu verstehen. Ring- und Zeigefinger sind um vier Yava kürzer.
24.123 Daumen und kleiner Finger sind als zwei Kala zu verstehen. Der Daumen besitzt zwei Glieder; alle Finger sind eine Angula breit.
24.124 Von der Wurzel bis zum Ende vermindere man bei allen jeweils um eine Yava. Die Nägel bilde man im halben Maß des Endglieds, einem Linga gleich.
24.125 Der Umfang der Daumenwurzel beträgt vier Angula; bei drei [anderen] Fingern ist er als um vier Yava geringer zu verstehen.
24.126 Beim kleinen Finger [beträgt er] eineinhalb Kala; die Umfangsverminderung geschieht wie zuvor. Vorn ist der Daumen eine Angula, die drei anderen sechs Yava [breit].
24.127 Der kleine [Finger] ist vorn eine halbe Angula [breit]; die Mitte wisse entsprechend verjüngt. Die Hand [messe] vorn, mit ihrem eigenen Kennzeichen, zwei Kala und eine Angula.
24.128 Ihre Fläche sei leicht vertieft und mit Linien der Kennzeichen geschmückt. Bis zur Fingerwurzel betrage die Dicke der Hand eine Angula und zwei Yava,
24.129 am Handgelenk gilt sie als eine Angula und vier Yava. In der Mitte ist ihre Dicke um eine halbe Kala geringer erklärt.
24.130 Der Armumfang am Handgelenk beträgt sechs Kala. Am Gelenk wisse ihn als sieben Kala und eine Angula, vermindert um drei Yava.
24.131 An der Wurzel [beträgt er] neun Golaka, vermindert um eine halbe Angula; entsprechend oberhalb des Gelenks. Die Breite [bestimme man] auch hier wie zuvor.
24.132 Auch hier ist die innere Abnahme nach dem Augenschein wie zuvor selbst zu gestalten. Einen Tala vom Halsansatz entfernt, mit ebendiesem Abstand voneinander,
24.133 bilde man die beiden Brüste gleichmäßig, ihre Verbindungslinie fleischig. Die Herzgegend sei eine halbe Golaka vertieft, darüber mit dem König der Edelsteine versehen.
24.134 Von den Brüsten aus messen die Flanken drei Kala. Der Brustwarzenhof [misst] drei Yava; die Warze ist eine Yava hoch und ebenso breit.
24.135 Das Achselmaß wird als eine Netra und dreieinhalb Yava erklärt. Der Rücken sei, ohne das Schultermaß, bis zur Schultergrenze gleichmäßig,
24.136 einer Rinne ähnlich und in der mittleren Masse fleischig. Den Umfang zwischen den Achseln wisse als fünf Tala, du Schönäugiger.
24.137 Zwei Tala verdoppelt, vermindert um zwei Angula und vermehrt um drei Yava: Dies wisse als Bauchumfang.
24.138 Der Nabelkreis ist als eine Kala minus drei Yava zu verstehen; seine Tiefe ist um weitere drei Yava geringer bestimmt.
24.139 Der Umfang in Nabelhöhe beträgt drei Tala und drei Netra. Für den Hüftumfang gilt dieses Maß [zuzüglich] sechs Golaka.
24.140 Die beiden vollen Gesäßhälften gleichen den Stirnwölbungen eines Elefanten, jeweils fünf Golaka im Umfang. Die Gesäßfalte gilt an der Wurzel als zwei Angula,
24.141 im weiteren Verlauf als eine Angula. Das Glied gilt als drei Kala, seine Vorhaut als vier Yava, sein Umfang als sechs Angula.
24.142 Die Hoden seien zwei Angula lang und an Wurzel und Ende gleich breit. Die runde Afteröffnung wisse als zwei Angula im Umfang.
24.143 Das Oberschenkelmaß ist in der Mitte als neun Angula zu verstehen, an der Wurzel sechs Kala, am Ende drei Kala.
24.144 Die Kniescheibe [messe] zwei Kala minus eine Angula in der Breite und vier Yava in der Höhe.
24.145 An der Unterschenkelwurzel ist der Umfang als neun Golaka zu verstehen, in der Mitte vierzehn Angula und danach fünfeinhalb Angula.
24.146 Auch hier wisse die Breite als ein Drittel des Umfangs, entsprechend der Breite an Mitte, Wurzel und Ende.
24.147 Bei den Armen, ihrer Mitte, der Fingerschar, den beiden Oberschenkeln und den Unterschenkeln ist eine dem Elefantenrüssel entsprechende Form zu schaffen.
24.148 Die Fußlänge gilt als ein Tala samt einem Anteil [genauer Anteil unklar]. Die Fersen sind zwei Golaka breit, in der Mitte eine Kala und eine Angula.
24.149 Vorn [beträgt die Breite] drei Kala; die Dicke eine Kala. Nahe dem großen Zeh ist der Fuß als um drei Yava geringer bestimmt.
24.150 Die Dicke am Knöchel beträgt eine Kala und eine Angula. Von der Wurzel des kleinen Zehs bis zum Knöchel [beträgt] die Rundung eine Angula.
24.151 Am Ende des Unterschenkels beträgt der Umfang sieben Locana; vorn wird er um eine Kalā vermindert. [Der genaue Bezug des zweiten Maßes ist nicht eindeutig.]
24.152 Nachdem der Fuß auf diese Weise mit einem Rücken wie dem einer Schildkröte vollendet ist, bestimme die Länge der großen Zehe aus der Fußlänge mit drei Aṅgula. [Die Rechenbeziehung bleibt im Wortlaut unklar.]
24.153 Ihr Umfang beträgt fünf Aṅgula, o Pflugträger. Die zweite Zehe soll ihre Länge um zwei Yava übertreffen.
24.154 Die mittlere Zehe ist so lang wie die große Zehe; die folgende ist um ein Sechzehntel kürzer als die mittlere.
24.155 Ebenso verfahre mit der nächsten. Diese Zehen haben wie zuvor drei Glieder und Nägel, deren Wölbung dem Rücken einer Schildkröte gleicht.
24.156 Der Umfang der zweiten Zehe beträgt zwei Kalā weniger eine halbe Kalā; bei den übrigen wird er jeweils um vier Yava vermindert.
24.157 Ihre Breite beträgt jeweils ein Drittel ihres Umfangs. Alle Glieder sollen wohlgerundet, sanft, ebenmäßig und glückverheißend sein.
24.158 Die beiden Eckzähne außerhalb der Zahnreihe ragen sieben Yava hervor; für die vier mittleren Zähne wird eine Höhe von zwei Yava angegeben.
24.159 Für die seitlich anschließenden Zähne beträgt das Maß vier Yava. Die Zahnbreite beträgt an der Spitze drei Yava, an der Wurzel zwei Yava.
24.160 In der Mitte beträgt sie anderthalb [Yava]. Alle Zähne stehen ohne Zwischenräume. Die Haare drehen sich nach rechts und entspringen in ungerader Zahl: Das gilt als glückverheißend.
24.161 Dieses festgelegte Maß ist zuträglich und verlässlich. Hinzukommen soll eine anziehende Erscheinung, geschmückt durch schöne Gestalt und Anmut.
24.162 Wisse, dass beide stets aufeinander bezogen sind. Mitunter tritt die Schönheit über das festgelegte Maß hinaus hervor.
24.163 Mitunter überdeckt das rechte Maß die Anmut. So wird in der Welt selbst ein Armer geachtet, wenn er außergewöhnlich schön ist,
24.164 und auch ein Unschöner, wenn er sehr reich ist; nicht aber einer, dem Schönheit und Besitz fehlen. Ebenso ist ein Kultbild ungeeignet, wenn ihm beides fehlt.
24.165 Besitzt es wenigstens eine dieser Eigenschaften, ist es grundsätzlich annehmbar, o Einsichtiger. Wo rechtes Maß und Schönheit zusammenkommen, wirkt zum Segen der Verehrer
24.166 die Kraft der Gegenwart des Mantras fruchtbar. Im sichtbaren Kultbild begegnet sie dem Menschen, der es in rechter Weise erkennt,
24.167 und erfreut ihn rasch, obwohl sie selbst gestaltlos ist. Wer dies weiß, bemühe sich um die Vollendung von Maß, Höhe, Proportion und Schönheit.
24.168 Bei einer aufrechten Gestalt mit gleichgestellten Füßen beträgt deren Abstand drei Aṅgula; bei versetzten Füßen beträgt er vorn ein Tāla.
24.169 Zwischen den beiden Fersen sind zwei Golaka anzusetzen. Um die Lage des mittleren Brahmakanals und der beiden seitlichen Bahnen festzulegen,
24.170 richte mit einer Messschnur die rechte und die linke Körperhälfte gleichmäßig aus. Beim Bild mit gleichgestellten Füßen führe die Schnur von der Stirn bis zur Spitze des Geschlechtsglieds.
24.171 Die ausgespannte Schnur soll den Bereich zwischen Nabel und Herz, die Nasenspitze und den Haaransatz oberhalb des Stirnzeichens decken.
24.172 Beim Bild mit versetzten Füßen führe sie bis zur Spitze der rechten großen Zehe. Die Ebenmäßigkeit der Glieder ist von Abschnitt zu Abschnitt herzustellen,
24.173 und zwar bei allen Bildern mithilfe der Messschnur, damit Unregelmäßigkeiten verschwinden. Aus vier, drei und zwei Ansichten sorgfältig geprüft, sind sie glückverheißend.
24.174 Eine ungeprüfte Anordnung der Glieder am Kultbild ist ungünstig. Beim Pferdegesichtigen beträgt die Stirnbreite zwölf Aṅgula,
24.175 die Länge acht Locana und vorn vier Aṅgula. Die Nasenöffnungen haben eine Weite von einer halben Kalā und sind durch einen Bhāga getrennt.
24.176 Die beiden Kiefer messen acht Aṅgula; entsprechend die beiden Mundwinkel. Die beiden Ohrmuscheln messen in der Mitte zwei Aṅgula und sind zwei Kalā hoch.
24.177 Der Nasenrücken misst zwei Aṅgula, darüber zwei Kalā. Die Öffnung des Mundes beträgt vorn der Reihe nach zwei Yava.
24.178 Diese Weite vermindere bis zum Kieferende um einen Yava-Anteil. Die beiden Seiten des Nasenrückens liegen zusammen und sind in der Mitte vertieft.
24.179 Zwischen Auge und Nase beträgt der Abstand zweieinhalb Yava. Der Rand der Augenhöhle wird um einen Yava angehoben. [Die technische Formulierung ist nicht ganz eindeutig.]
24.180 Stirn und Haaransatz sind wie zuvor; zwischen den Augen liegen eine Kalā und ein Aṅgula. Beim Antlitz Nṛsiṃhas sind ringsum acht Locana anzusetzen.
24.181 Vom Halsbereich aus lege acht [Maßeinheiten] an, ohne die Ohren einzurechnen; unter Einbeziehung des Maßes beider Ohren führe die Anlage bis zur Stirn.
24.182 Nach dem zuvor angegebenen Maß soll die Nase den Ausdruck heftigen Aufbrausens zeigen: mit weit geöffneten Nasenlöchern und ausgeprägtem Nasenrücken.
24.183 Die Nasenöffnungen übertreffen das frühere Maß um drei Yava. Für die oberen Gesichtsteile und die Augen werden zusätzlich Golaka- und Kalā-Anteile angegeben. [Die Zuordnung ist im überlieferten Satz unsicher.]
24.184 Die Unterlippe misst ein Aṅgula und vier Yava; der Mund viereinhalb Kalā. Der verbleibende Längenanteil entfällt auf den Kiefer.
24.185 Seine Öffnung beträgt ein Netra und einen Yava; sie vermindert sich von vorn bis zu den Mundwinkeln auf ein Aṅgula.
24.186 Die beiden staunend geöffneten Augen sind vollkommen rund und halb so groß [wie das zuvor genannte Maß]. Die Ohren haben die frühere Breite; ihre Höhe ist um eine halbe Kalā vermindert.
24.187 Die zusammengehörigen Brauen gleichen Mondsicheln und messen drei Golaka. Ihr Zwischenraum beträgt eine Kalā und hat eine große, muschelartig gewundene Form.
24.188 Am Kopf soll deutlich ein Mähnenkranz von einem Bhāga Breite ausgearbeitet werden. Das Antlitz des Erdenträgers [Varāha] hat eine Länge von anderthalb Tāla.
24.189 An der Stirn beträgt seine Breite dieses Maß weniger zwei Aṅgula; bei der friedvollen Gestalt des Herrn, wenn er sich erhebt, weniger eine Kalā.
24.190 Die Schnauzenpartie ist ein Viertel dieses Maßes breit. Oben hat sie dieselbe Dicke, unten eine Dicke von einem Aṅgula.
24.191 Das Maß der beiden Kiefer beträgt siebeneinhalb Aṅgula. Der Rest entfällt auf die Mundöffnung zwischen den Mundwinkeln.
24.192 Vorn beträgt ihre Öffnung eine halbe Kalā mit deren Hälfte; an den beiden Mundwinkeln ist ein Aṅgula anzusetzen.
24.193 Die Nasenöffnungen entsprechen der zuvor für den Mund angegebenen Form; die Hauer sind zweieinhalb Kalā hoch. Der Nasenrücken gleicht wie zuvor dem Rücken eines Bananenblattstiels.
24.194 Die Ohren entsprechen denen des Pferdegesichtigen; zwischen ihren Spitzen liegen sieben Kalā. Die Augen sind entsprechend gebildet, doch an den Enden zugespitzt und um einen Yava kleiner.
24.195 Der Hals dieser Gestalten übertrifft die für die friedvolle Gestalt angegebenen Maße in jedem Bereich um zwei Aṅgula. [Ein Wort der Vorlage ist beschädigt.]
24.196 Bei Nṛhari sollen die für die einzelnen Glieder festgelegten Maße, abgesehen von ihrer Höhe, in Umfang und Breite um eine halbe Kalā vergrößert werden.
24.197 Brust, Hüfte, Bauch, Schultern und Gesäß werden um eine Kalā vergrößert; ebenso die Nagelflächen. Sein Körper soll kräftig und fleischig sein,
24.198 ganz bedeckt mit stark gekräuselten, nach rechts gewundenen Haaren. Bei Gestalten mit drei, vier oder fünf Gesichtern, das aufwärts gerichtete ausgenommen,
24.199 vermindere die Maße des rechten und linken Gesichts um zwei Golaka. Für das nördliche Gesicht gilt die für das Löwengesicht genannte Öffnung.
24.200 Zur Erlangung der Befreiung sollen die Blicke der vier Gesichter auf gleicher Höhe liegen. Für Gesundheit, Genuss und Erlösung dagegen senke
24.201 die Blickrichtung rechts und links um ein halbes Aṅgula. Das westliche Gesicht soll mit dem östlichen übereinstimmen,
24.202 und zwar hinsichtlich Vorsprung, Länge und Breite von Nase, Augen, Brauen und Ohren. Das südliche Gesicht ist günstig, wenn sein Blick etwas schräg zum Boden gerichtet ist.
24.203 Ebenso verleiht das nördliche Gesicht mit Eberschnauze und entsprechenden Augen alle Vollendungen. Die Gegenwart seines Mantras zeigt sich darin, dass es seine besondere Wirkung erkennen lässt. [Der zweite Halbvers ist sprachlich beschädigt.]
24.204 Andernfalls zieht sich der König der Mantras in Ruhe zurück. Aufgrund seiner beständigen Gegenwart aber werden Geister, Vetālas und Rākṣasas beeinflusst:
24.205 Sie fliehen schon vor dem Anblick oder treten beim Anblick ein; nachdem sie die Weisung des Mantrakundigen ehrfürchtig angenommen haben, ziehen sie fort.
24.206 Deshalb bemühe man sich darum, dass die Gegenwart im Kultbild entsteht. [Der folgende Satz lautet überliefert widersprüchlich:] „Denn durch seine Gegenwart beginnt niemand etwas Gutes.“ Eine verneinende oder ausschließende Partikel könnte fehlen; eine sichere Ergänzung ist hier nicht möglich.
24.207 Das fünfte Gesicht des fünfantlitzigen Herrn soll Eberhauer, Löwenaugen und eine flache Nase besitzen.
24.208 Seine Ober- und Unterlippe sollen einander entsprechen; deutlich sichtbar ist zwischen ihnen ein Abstand von einem halben Aṅgula.
24.209 Die Zahnreihe soll an Wurzel, Mitte und Spitze gleichmäßig sein. Beide Wangen sind gerundet und treten um eine halbe Kalā hervor.
24.210 Der Bart misst vorn zwei Kalā, danach eine Kalā und eine halbe Kalā. Die verbindende Flechte soll nach dem früher genannten Maß glückverheißend gestaltet sein.
24.211 Den Löwen-, Eber- und Pferdegesichtern verleihe einen friedvollen Ausdruck. Als Maßstab diene die sichtbare, in der gewöhnlichen Erfahrung erkennbare Gestalt.
24.212 Für die friedvolle Gestalt des Erdenträgers gilt die beim Pferdegesicht beschriebene Mundöffnung; für Nṛhari gilt die ursprünglich bei ihm angegebene.
24.213 Ebenso verfahre bei der Ausbildung der Gesichtsglieder des Herrn, des Gebieters der Kräfte. Mit Halsketten, Fußringen, Gewändern, Girlanden, Armreifen und Oberarmringen geschmückt,
24.214 mit Blumenkränzen, heiliger Schnur, Armschmuck, Krone und anderen Zierden versehen, wird das Bild einer Mantragestalt zu einem Mittel der Vollendung.
24.215 Für das zuvor in fünf Formen beschriebene Reittier, dessen Gottheit der Lebenshauch ist, bemiss das Gesicht mit dem Tāla des zugehörigen Kultbilds.
24.216 Die Stirn misst zwei Aṅgula, der Haarknoten zwei Locana; der Hals ist zwei Aṅgula hoch und die Brust fünf Kalā.
24.217 Der Bauch misst acht Aṅgula, die Hüfte fünf Aṅgula in der Höhe; die Oberschenkel sind neun Aṅgula hoch, die Knie zwei Aṅgula.
24.218 Die Unterschenkel sind acht Aṅgula hoch und die Fußknöchel zwei Aṅgula. Der Halsumfang beträgt einen Śama weniger eine Kalā. [Die Vorlage schreibt an dieser Stelle „śamam“.]
24.219 Die Breite seiner Glieder entspricht stets der des Kultbilds; der Bauchumfang übertrifft sie um den entsprechenden Anteil.
24.220 Der Hüftumfang ist um vier Netra größer. Der Umfang der Oberschenkel an ihrer Wurzel entspricht dem beim Kultbild angegebenen.
24.221 Dasselbe gilt für die Mitte und das Ende der Unterschenkel. Der Fuß ist fünf Kalā lang und vier Aṅgula breit.
24.222 An der Fersenpartie beträgt das Maß drei Aṅgula; die große Zehe misst eine halbe Kalā. Die übrigen Zehen werden, auf die Fußlänge bezogen, nacheinander um einen Yava kleiner.
24.223 Die Nabelöffnung ist deutlich ausgebildet und ein halbes Locana breit. Vom Handgelenk bis zur Spitze des Mittelfingers sind neun Aṅgula anzusetzen.
24.224 Die Hand ist drei Kalā breit; ihre Nägel sind spitz und hervortretend. Die Schulterkuppe hat eine Höhe von zwei Locana.
24.225 Das Paar aus Oberarm und Unterarm misst zwei Tāla. Der Umfang des Oberarms übertrifft den des Kultbilds um eine halbe Kalā.
24.226 Die für das Kultbild genannte gute Ausführung gilt auch hier. Die Brustpartie tritt um ein Locana hervor; die Augen gleichen in Rundung und Weite Lotusblättern. [Der Satzbau ist unregelmäßig.]
24.227 Das Brauenpaar gleicht dem Nṛsiṃhas, die Nasenspitze dem Schnabel eines Papageis. Sie ist eine halbe Kalā lang; der Nasenrücken gleicht dem Rücken eines Elefanten.
24.228 Die beiden Flügel reichen in ihrer eigenen Länge bis zur Bauchgegend; ihre Breite beträgt die Hälfte ihrer Länge, und sie gleichen den Flügeln eines Schwans.
24.229 Der hundertfach verzweigte Schwanz ist doppelt so lang wie ein Flügel. Dieses Maß samt Flügeln und Gliedern gehört zur Satya-Gestalt.
24.230 Wisse, dass es grundsätzlich für alle gilt. Nun werden die besonderen Unterschiede genannt: Verkürze beide Oberschenkel um drei Aṅgula,
24.231 ebenso die Höhe der Unterschenkel. Deren Umfang an der Wurzel entspricht dem beim Kultbild genannten Handgelenk, o Einsichtiger.
24.232 Am Knie beträgt er die Hälfte davon, vermehrt um ein halbes Aṅgula. Die Schwimmhaut des Fußes ist sechs Aṅgula breit.
24.233 Im Übrigen gelten für alle die bei Satya genannten Maße. Doch die Flügel, ohne die Füße gerechnet, haben eine Breite von der Hälfte ihrer Länge.
24.234 Bei allen fünf Formen im Flug entspricht die Flügelspanne ihrer eigenen Körperlänge; bei stehenden Formen beträgt sie die Hälfte.
24.235 Nimm diese Maße, doch ohne Schwanz, Brauen und Flügel: So erhältst du die Kennzeichen der Vāmana-Gestalt, o Pflugträger.
24.236 Nimm von Stirn, Nase und Mund zusammen drei Aṅgula ab und gestalte oben auf dem Kopf einen Knoten aus verfilztem Haar,
24.237 sodass die gesamte Höhe bis zum Ende des Haarknotens fünf Tāla beträgt. Damit sind die Merkmale des Kultbilds in Kürze erklärt. Nun wird der Sockel beschrieben.
24.238 Für sitzende Bilder soll er quadratisch sein; für aufgerichtete Bilder stets rechteckig.
24.239 Als andere Formen kommen ein Kreis beziehungsweise eine längliche Rundform in Betracht. Welche Höhe das Kultbild auch besitzt – in den aus kleinsten Maßeinheiten abgeleiteten Aṅgula, nach dem Maß des Verehrers
24.240 oder nach der Tempeltür bemessen –, diese Höhe bestimmt die Länge des Sockels; seine Breite beträgt die Hälfte.
24.241 Lasse oberhalb der Tür zunächst einen, zwei oder drei Zwölftelanteile frei; unten beträgt die Sockelhöhe drei solcher Teile. [Die Maßanweisung ist sprachlich nicht völlig klar.]
24.242 Mit den verbleibenden Anteilen wird die stehende Gestalt ausgeführt; ebenso eine auf ihrem Reittier sitzende, in geringer, mittlerer oder größter Ausführung.
24.243 Für eine sitzende Gestalt ist eine Sockelhöhe von vier Zwölftelanteilen vorgeschrieben; seine Breite beträgt grundsätzlich die Hälfte des Kultbilds,
24.244 gegebenenfalls vermindert um ein Drittel oder ein Viertel, entsprechend den Begleitfiguren. Für die vierfache Gestalt dagegen
24.245 ist die unverminderte Sockelausdehnung nach allen Richtungen vorgeschrieben. Dies gilt für die nach vier Richtungen blickende Gestalt; bei der nur in eine Richtung blickenden
24.246 beträgt die Länge das Doppelte, wenn sie von Emblemen umgeben ist, und das Anderthalbfache, wenn sie nicht davon umgeben ist. Die Dicke wurde zuvor genannt.
24.247 Wisse, dass sich die Anzahl jeweils nach den unterschiedlichen Kennzeichen richtet. Die erste Form ist der Sitz auf Ananta, die zweite der Sitz auf dem Vogel,
24.248 die dritte trägt das Lotuszeichen, die vierte den Diskus als Schmuck. So ergeben sich insgesamt sechzehn Grundformen der Sockel.
24.249 Höre nun nochmals in Kürze von ihren Unterschieden. Die Kennzeichen werden an den verschiedenen Seiten des Sockelhalses angebracht.
24.250 Durch wechselnde Anordnung der zugehörigen Glieder, durch das Vorhandensein oder Fehlen von Diskus und Lotus an ihrer Stelle,
24.251 durch deren wechselseitige Verbindung und durch Ananta oder den Vogel an den Seiten ergeben sich weitere, paarweise gebildete Varianten.
24.252 Mit dem Lotus oben entstehen zwei Formen, mit dem Diskus außerhalb davon weitere; entsprechend sind bei einer Anordnung unten jeweils zwei zu erkennen.
24.253 Zwei Lotusse oben und ein Diskus unten ergeben wiederum zwei Formen; durch Vertauschung des Paares entsteht eine weitere, o Einsichtiger.
24.254 Je nachdem, ob Diskus und Lotuspaar innen oder außen stehen, und durch ihre Vertauschung ergeben sich oben vier Formen,
24.255 und entsprechend unten nochmals vier. Diese acht Sockelformen können oben oder unten
24.256 jeweils mit einem einzelnen Diskus oder Lotus versehen werden. Die Diskusformen sollen um einen gemeinsamen Mittelpunkt angeordnet sein;
24.257 ebenso die zahlreichen Blütenblätter, versehen mit einer leicht hervortretenden Fruchtkapsel. Damit habe ich dir die vielfältige Anordnung der Embleme erklärt.
24.258 Höre nun vom Grundsockel, auf dem sie angebracht werden. Teile zunächst seine Höhe in zwanzig gleiche Abschnitte.
24.259 Ein Abschnitt entfällt auf den Fuß, je drei auf Schaft und vasenförmigen Teil, einer auf die Halsleiste und sechs darüber auf den Hals. [Die Zahl „sechs“ ist in der Vorlage verstümmelt.]
24.260 Ein Abschnitt gehört zur Halsschnur, drei zum schalenförmigen Teil und zwei zum oberen Abschluss.
24.261 Der Fuß soll nach allen vier Seiten um die Hälfte seines eigenen Maßes über die Grundfläche vorspringen, o Hochverständiger.
24.262 Gestalte den vasenförmigen Teil ganz rund und schmücke ihn mit Blättern und Zierleisten; den Ansatz des Halses ziehe ringsum um zwei Teile ein.
24.263 Der Hals selbst wird um einen weiteren Teil eingezogen. Der Vorsprung der Halsschnur soll dem Einzug des Halses entsprechen.
24.264 Unterhalb der Schale lasse ein Viertel des Maßes der Halsschnur vorspringen; bis zum Rand hin ist die Schale entsprechend zu verjüngen.
24.265 Die Kanten von oberem Abschluss, Vase und Schaft sollen miteinander fluchten. Schmücke die Schale wie die Vase mit Speichen oder Lotusblättern.
24.266 Lasse oben ringsum einen Rand von vier Teilen stehen und arbeite innerhalb davon eine Vertiefung von einem Teil Tiefe aus.
24.267 In der Mitte der Breitseite soll ein Auslauf um ein Drittel dieses Maßes hervortreten; zunächst wird er quadratisch über die Sockelfläche hinausgeführt.
24.268 Teile seine Vorderseite in drei Abschnitte und vermindere die beiden seitlichen vom Ansatz her jeweils um ein Viertel, sodass die Form einer Pflugschar entsteht.
24.269 Teile Vorderseite und Ansatz nochmals jeweils in drei Abschnitte und vertiefe die Mitte so, dass das Wasser rasch abfließt.
24.270 So entsteht die Form einer Eberschnauze, o Einsichtiger. Der Auslauf kann auch wie eine Muschel oder wie das Maul eines Makara gestaltet werden.
24.271 Dies sind die vorgeschriebenen Merkmale des Wasserablaufs an Sockeln. Bei kleineren beweglichen Ritualbildern bis zum genannten Maß soll man ihn nicht anbringen,
24.272 besonders nicht bei gemalten, aus Lehm oder Holz gefertigten und beweglichen Bildern, ebenso wenig bei dem quadratischen Sockel der vierfachen Gestalt.
24.273 Denn ein vor dem Antlitz verlaufender Ablauf beeinträchtigt den rituellen Erfolg. Wo er keinen Zweck erfüllt, entsteht durch sein Fehlen keinerlei Mangel.
24.274 Beim gemeinsamen Träger dagegen soll der Sockel einen Ablauf besitzen; auch der Sitz soll entsprechend mit einem Ablauf versehen sein. [Das letzte Wort ist orthographisch unsicher.]
24.275 Wo der Verehrer täglich eine Waschung mit reichlichem Wasser und anderen Flüssigkeiten vollzieht, wäre das Fehlen eines Ablaufs tatsächlich ein Versäumnis.
24.276 Ebenso ist er für Sockel vorgeschrieben, die große Bilder aus Metall oder Stein tragen, damit die zu besonderen Anlässen vollzogenen Waschungen möglich sind.
24.277 Bei einem Ritualbild auf einem glückverheißenden Sitz vollziehe die Waschung regelmäßig mit Dickmilch, Milch, geklärter Butter und anderem, je nach Verfügbarkeit.
24.278 Leite diese Flüssigkeiten mit Wasser sorgfältig zu einem geeigneten Bodenplatz oder in ein Auffanggefäß, sodass Lebewesen nicht darauf treten. Dies gilt als segensreich.
24.279 Aus diesem Grund wird der Ablauf sowohl vorgeschrieben als auch unter bestimmten Umständen untersagt. Beachte bei der Installation die Ausrichtung der Gottheiten.
24.280 Bei nach Osten oder Westen blickenden Bildern ist ein nach Norden führender Ablauf günstig; bei nach Norden oder Süden blickenden ist er stets nach Osten vorgesehen.
24.281 Beim Bild auf dem glückverheißenden Sockel liegt er zur linken Seite der Gottheit und dient dem Gelingen der Verehrung; die umgekehrte Anordnung führt zum gegenteiligen Ergebnis.
24.282 Dies gilt entsprechend für den Sockel. Nun wird der Tempel beschrieben: An einem glückverheißenden Tag, unter einem günstigen Mondhaus und bei günstig gestellten Planeten,
24.283 bei festem Aszendenten und festem Teilzeichen, reinen Aspekten, während des nördlichen Sonnenlaufs, frei von Himmelszeichen des Unheils, in der hellen Monatshälfte und bei klarem Himmel,
24.284 nachdem die Baugrube bis zum Wasser ausgehoben und wie zuvor beschrieben wieder gefüllt wurde, auf einem fehlerfreien Baugrund mit allen guten Merkmalen,
24.285 wenn nur noch ein Teil der Auffüllung fehlt und der Boden sorgfältig geglättet ist, teile ihn wie zuvor mit Schnüren nach allen Richtungen in vierundsechzig Felder.
24.286 Gebadet, weiß gekleidet, mit einer Girlande geschmückt, nach vollzogenem Nyāsa und mit vollkommen ruhigem Geist, versehen mit allen Hilfsmitteln und einem Arghya-Gefäß,
24.287 nehme der Lehrer den glückverheißenden Krug auf und meditiere im Herzen über Acyuta. Zusammen mit Ekāyana-Brahmanen, die dem heiligen Āgama ergeben sind,
24.288 und mit Kennern der Ṛgveda und der übrigen Veden, deren ganze Ausrichtung dem Erhabenen gilt, betrete er den Tempelgrund und stelle den Krug in der Mitte auf.
24.289 Er vollziehe die rituelle Betrachtung des Bodens, das Berühren beziehungsweise Schlagen, das Besprengen und das Begießen mit den fünf Kuhprodukten sowie mit Wasser, das durch den Waffenmantra geheiligt ist.
24.290 Die geschmückten Brahmanen lasse er die vier zuvor genannten Mantras vom Oṃ bis zum Reinigungsmantra sowie den Segensruf für den glückverheißenden Tag rezitieren.
24.291 Die Ṛgveda-Kenner rezitieren das Śākuna-Sūkta, die Yajurveda-Kenner den mit „bhadra“ beginnenden Text, die Sāmaveda-Kenner „iḍā māya“ und die Atharvaveda-Kenner „śāntā dyauḥ“.
24.292 Beginnend in der nordöstlichen Ecke, in den Reihen von Osten an, verehre er auf jedem Feld mit dem zwölfsilbigen Mantra und dem jeweiligen Namen
24.293 den Vāstupuruṣa, dessen Körper aus den Gottheiten besteht; die Formel enthält Oṃ und die Verehrungswendung. Er opfere Dickmilch, Girlanden, Sandel und anderes.
24.294 Mit reinen, sattvigen Gaben sättige er ihn anschließend im Feuer. Höre nun, wie die Aufstellung der Krüge vollzogen wird.
24.295 Schmücke den Platz wie zuvor mit Torbögen und anderem. Vor dem Eingang des zentralen Heiligtums, außerhalb seiner Grundfläche,
24.296 errichte einen vortrefflichen Pavillon mit sämtlichen Geräten; innerhalb von acht Feuergruben liegt eine erhöhte Fläche von acht Hasta.
24.297 Die Feuergruben samt Einfassung messen je zwei Hasta und haben die zuvor genannten Merkmale; der umlaufende Gang misst drei Hasta. So ergibt sich ein Gesamtmaß von achtzehn Śama.
24.298 An jeder Feuergrube sind die Hilfsmittel wie zuvor bereitzustellen. Die eigene Feuergrube lege der Lehrer im Norden auf ebenem Boden an.
24.299 Im Süden lasse er den Gott wie zuvor gegenwärtig werden und verehre ihn der Reihe nach auf dem Sthaṇḍila der erhöhten Fläche.
24.300 Nachdem er ihn nach Wunsch gesättigt hat, entnehme er die Feuer und übertrage sie in die zuvor entsprechend vorbereiteten Feuergruben der Himmelsrichtungen.
24.301 Ebenso verfahre der Reihe nach bei den Feuergruben der Zwischenrichtungen: Entnimm das Feuer und verehre es. Dann setze nach der Ordnung des Hervorgehens in den vier Hauptrichtungen
24.302 vier Ekāyana-Brahmanen ein, die Vāsudeva und die folgenden Namen tragen. Weise sie an, mit ihren jeweiligen Formeln ohne feste Begrenzung
24.303 bis zum Abschluss der Handlung Sesam und Reis mit geklärter Butter zu opfern. Nach der Ordnung der Rückkehr verfahre entsprechend von der nordwestlichen bis zur nordöstlichen Richtung.
24.304 Die vier Vertreter der Ṛgveda und der übrigen Veden bereite zuvor rituell vor und setze sie dort ein. Mit den reinigenden Texten ihrer eigenen Überlieferungszweige, die Acyuta kennzeichnen,
24.305 sollen auch sie ordnungsgemäß und mit hingebungsvollem Geist das Feueropfer vollziehen. Danach begebe sich der Lehrer mit weiteren Brahmanen zur nordöstlichen Ecke.
24.306 Dort stelle er die zuvor genannten Waschungsmittel, beginnend mit den fünf Kuhprodukten, jeweils in gesonderten Krügen bereit.
24.307 Nachdem er sie mit Arghya und anderen Gaben verehrt und mit dem zwölfsilbigen Mantra besprochen hat, bringe er die zuvor beschafften Krüge samt ihren Steinplatten herbei.
24.308 Sie bestehen aus vortrefflichem Metall oder aus neuem Stein; fehlen solche, aus gleichmäßigem, gut gebranntem und festem Ton.
24.309 Sie sind zwölf Aṅgula breit und ebenso hoch; bei entsprechendem Vermögen doppelt so groß. Für Könige sind goldene Krüge günstig. [Ein Wort bei der Größenangabe ist beschädigt.]
24.310 Beschaffe ebenso viele quadratische Steinplatten von zwölf Aṅgula Breite und einer Dicke von einem Drittel dieses Maßes.
24.311 Stelle die Krüge ordnungsgemäß nach dem zuvor genannten Verfahren auf. Möglich ist auch ein einzelnes muschelförmiges Gefäß; sein Hals soll drei Aṅgula hoch sein,
24.312 entsprechend breit, seine Höhlung acht Aṅgula. Oder es wird eine große, sehr weiße Muschel ohne seitlichen Vorsprung verwendet.
24.313 Für einen König ist sie vorgeschrieben, innen gereinigt und mit ungebrochenen Reiskörnern versehen. Bestreiche und weihe das Gefäß so innen und außen.
24.314 Dann versehe es mit Früchten, Gold und anderen Kostbarkeiten, mit Heilpflanzen, Duftstoffen, Samen, Getreide, Korallen und Perlen.
24.315 Schmücke es mit feinen Tüchern, Zieraten und vortrefflichen Girlanden. An jedem einzelnen Gefäß vollziehe mit dem zwölfsilbigen Mantra
24.316 den Nyāsa zur Vollendung seiner göttlichen Gestalt, mit Oṃ als Ausdruck seines Bewusstseinswesens. Danach verehre es mit vielfältigen Gaben von Arghya bis Bali.
24.317 Verfahre ebenso mit den Steinplatten. Anschließend bringe die Krüge samt Platten zu den Feuergruben und stelle sie auf ihre Unterlagen.
24.318 Bereite danach den gemeinsamen Grundstein dort oder außerhalb des Pavillons in gleicher Weise vor. Vergegenwärtige ihn mit Oṃ
24.319 als strahlend von tausend Lichtstrahlen und leuchtend wie die Sonnenscheibe. Verehre dann den Mantra und sättige ihn mit hundert Opfergaben.
24.320 In der Mitte stelle seinen Krug auf, mit Gliedern und Gefolge, der alle Kräfte in sich trägt. Der Kenner der Brahmanwirklichkeit vergegenwärtige den alldurchdringenden Herrn,
24.321 oben und ringsum begleitet von den Kräften Vāk und den übrigen, die mit den Gelübdegestalten verbunden und ihrem Wesen nach ungetrennt sind.
24.322 Dort lasse er die Brahmanen die Entfaltung des Selbst rezitieren; der König der Mantras, von Oṃ am Anfang und Ende umschlossen, dient der Erfahrung des Selbst. [Der Satz verbindet Rezitation und Vergegenwärtigung in verkürzter Form.]
24.323 Nachdem er ihn ordnungsgemäß verehrt und gesättigt hat, setze er Vāsudeva und die folgenden Gestalten in die Krüge der Hauptrichtungen ein.
24.324 In die Krüge der Zwischenrichtungen setze er wie zuvor Aniruddha und die folgenden ein. Er lasse die vier Namensmantras der vierfachen Gestalt rezitieren,
24.325 nach der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr. Dann lasse er die Ṛgveda-Kenner hingebungsvoll das Puruṣa-Sūkta und die Yajurveda-Kenner den mit „yuñjate“ beginnenden Text sprechen.
24.326 Die Sāmaveda-Kenner, ganz auf den Erhabenen ausgerichtet, singen das Rathantara-Sāman; die Atharvaveda-Kenner rezitieren die mit „sahasraśiras“ beginnenden Mantras.
24.327 Alle genannten Handlungen können auch an einem einzigen Krug vollzogen werden, o Einsichtiger; entsprechend das Feueropfer allein in der mittleren Feuergrube.
24.328 Doch die Mantras sind in ihrer festgelegten Reihenfolge zu rezitieren. Vollziehe so das Sampāta-Opfer bis zur abschließenden Vollgabe.
24.329 Die höchste Gesamtheit der großen Kräfte, deren Wesen göttliche Wirkmacht ist und die ungeteilt in den Mantras und ihren Gestalten gegenwärtig ist,
24.330 soll mit Oṃ und den jeweiligen Namen mit den Steinplatten verbunden werden: Jñānabhāsā, Nivasati, Anantabalā, Prabhā,
24.331 Sarvagā, Brahmavadanā, Dyotakī, Satyavikramā und Sampūrṇā heißen die Kräfte, welche das All tragen.
24.332 Die als Krugunterlage bezeichnete Steinplatte erkenne als Sarvagā, die alldurchdringende, ungeteilte Kraft des höchsten Herrn, in der seine Wirkmacht allgemein gegenwärtig ist.
24.333 Nachdem er mit dem Grundmantra und dem Scheitelmantra gesättigt hat, lasse er die Ekāyana-Kenner mit dem Mantra „ajasya nābhau adhi ekam“ opfern, o Pflugträger.
24.334 Mit derselben Ausrichtung sollen die Ṛgveda-Kenner das Asyavāmīya rezitierend opfern, die anderen mit den Gāyatrī-Formeln.
24.335 Die Brahmanen sollen recht opfern und darin seine Allgegenwart erkennen. Nachdem der Lehrer selbst die Vollgabe dargebracht hat, verehre er erneut den auf der erhöhten Fläche gegenwärtigen Gott.
24.336 Er bringe den Wesen Bali dar, vollziehe das rituelle Mundspülen und gehe zum Brahmanbereich des Tempelgrunds. Dort lege er den großen Stein nieder.
24.337 Dabei vergegenwärtige er mit Oṃ den Diskusmantra samt Ananta und die sechs Wege, die darin keimhaft enthalten sind; so verehre er ihn.
24.338 Mit der gesamten Schar der Mantras und mit Arghya und weiteren Gaben verehre er den Stein. In seiner Mitte stelle er den Mantrakrug so auf, dass er zur Tür blickt.
24.339 Die übrigen Krüge stelle er mit ihren jeweiligen Mantras an die vorgesehenen Richtungsplätze. Dann bedecke jeden Krug mit der Steinplatte seiner zugehörigen Kraft.
24.340 Fülle mit dem Waffenmantra die Zwischenräume der Krüge mit weicher Erde, Sand und Mörtel aus, damit sie unerschütterlich feststehen.
24.341 Umhülle sie mit feinen Tüchern. Die Ṛgveda-Kenner lasse das mit „ā tvā hārṣam“ beginnende Sūkta, die Sāmaveda-Kenner das Pratiṣṭhā-Sāman rezitieren.
24.342 Die im Brahman gegründeten, innerlich gesammelten Männer sollen wiederholt den Kraftmantra sprechen, verbunden mit dem zwölfsilbigen Mantra und mit Oṃ am Ende.
24.343 Mit Oṃ vergegenwärtige der Lehrer, dass alles, was als Name, Form und Handlung in den Kräften der göttlichen Gestalten besteht, zu einem einzigen Leib geworden ist.
24.344 Mit dem zwölfsilbigen Mantra und den zu Herzen gehenden Begleitformeln verehre er dort erneut seine verehrungswürdige Gottgestalt, die Schatzkammer des Lichts.
24.345 Dann lasse er die Pāñcarātrika den mit „oṃ bhagavan bhogaiḥ“ beginnenden Text, die Ṛgveda-Kenner „arcāmi te“ und die Sāman-Kenner das Arcā-Sāman rezitieren.
24.346 Auf dem so geheiligten Tempelgrund lege er in den Haupt- und Zwischenrichtungen acht Steinplatten von zwölf Aṅgula Maß nieder,
24.347 mit guten Merkmalen, gewaschen und sorgfältig verehrt. In ihnen verankere er der Reihe nach die Eigenschaften des Erkenntnisvermögens.
24.348 Dharma und die folgenden setze er von Südosten bis Nordosten ein; die vier Gegensätze, beginnend mit Adharma, von Osten bis Norden.
24.349 Auf dem Boden zwischen den Steinen lege er der Reihe nach die sechs Gruppen der Laute nieder, vom ersten bis zum letzten Laut.
24.350 So bilde er das vom Wort-Brahman durchdrungene Netz der Erkenntniskraft und verankere es als verbindenden Faden im Tempelboden.
24.351 Ebenso lege er für die Hofmauer acht Steine nieder und verankere in ihnen sorgfältig die zuvor genannten Herren der Himmelsrichtungen.
24.352 Im Zwischenraum stelle er sich den Diskus vor, kreisend wie Funken eines Feuers. Mit dem Laut kṣa vergegenwärtige er den Hofgrund als davon durchdrungen.
24.353 Darunter vergegenwärtige er den weit ausgebreiteten Śeṣa, darüber den Herrn des Raumes. Außerhalb der Hofmauern setze er samt Waffen und Gefolge
24.354 die acht Gottheiten von Indra an ein, von Osten bis Nordosten, in entsprechend vorbereitete, im Boden versenkte Steine.
24.355 Nachdem er sie mit ihren Namen verehrt hat, lasse er die Ṛgveda-Kenner „klībo na viddhān“, die Yajurveda-Kenner „ye devāḥ“ rezitieren,
24.356 und die Sāmaveda-Kenner das Devavrata. Dann trete er hinein, stelle sich vor die Mantragestalt und vergegenwärtige die Durchdringung der kosmischen Wege,
24.357 die aus dem Keim hervorsprosst und nach und nach sichtbar wird. Von der Steinunterlage der Krüge bis zum Tempelsockel
24.358 ist der zuvor erklärte Weg der Welten in seiner Ordnung zu betrachten; bis zur Höhe des inneren Heiligtums schaue er den Weg der Wörter.
24.359 Der Weg der Mantras reicht bis zur Śukanāsā, der Weg der Wirklichkeitsprinzipien bis zur Plattform, der Weg der Kalās bis zum Halsbereich und der Weg der Laute darüber hinaus.
24.360 Nachdem er alles zuvor abgestimmt hat, beginne er den Tempelbau. Die Maße werden mit geeigneten Hasta samt Aṅgula festgelegt und können gegenüber dem Grundmaß etwas kleiner oder größer sein.
24.361 Bis zu vierundzwanzig Hasta, gegebenenfalls um ein Tāla vermindert oder vermehrt, gelten für das innere Heiligtum als günstig und erfolgbringend.
24.362 Bilde zunächst das Produkt der Flächenmaße in Aṅgula oder Hasta, teile es durch acht und prüfe den verbleibenden Rest.
24.363 Die Reste eins bis acht heißen Fahne, Rauch, Löwe, Hund, Stier, Esel, Elefant und Krähe. Glückverheißend sind davon
24.364 die mit eins, drei, fünf und sieben bezeichneten; sie sind überall vorgesehen. Die äußere Mauerstärke beträgt ein Sechstel der Weite des inneren Heiligtums.
24.365 Lasse ringsum einen Zwischenraum desselben Maßes und errichte eine weitere Mauer. Auf diese Weise ergibt sich samt den Mauern
24.366 eine Tempelgrundfläche, deren Breite das Doppelte der Weite des inneren Heiligtums beträgt. Für einen Tempel mit nur einer Mauer ist als Grundmaß
24.367 das Maß des inneren Heiligtums zuzüglich eines Drittels vorgeschrieben, mit passendem Umgang. Auch dabei prüfe durch Verkleinerung oder Vergrößerung die günstige Āya-Berechnung.
24.368 So ist das Maß der Tempelgrundfläche ohne Terrasse und Sockel zu verstehen. Höre nun das Maß einschließlich dieser Bauteile. [Die letzte Aufforderung wird in der Vorlage wörtlich wiederholt.]
24.369 Die Terrasse ist mit einem Sechstel, einem Viertel oder einem Drittel des Heiligtumsmaßes vorgesehen; entsprechend ergibt sich die Breite ihrer Anlage.
24.370 Nach den vier Richtungen wird sie erweitert; von fünf Teilen werden drei angesetzt, und in der Mitte ist ein Vorsprung von einem Drittel vorgesehen. [Die zusammengehörigen Maßbezüge sind nicht eindeutig überliefert.]
24.371 Von jeder Ecke her ziehe den verbleibenden Teil jeweils um einen Anteil ein. Der Sockel ist so hoch wie das innere Heiligtumsmaß oder die Hälfte davon.
24.372 Die Anordnung der Kennzeichen und die Teilung des Tempelsockels entsprechen den beim Sockel erklärten Regeln; an den vier Seiten sind vielfältige Formen mit Ananta und den übrigen anzubringen.
24.373 Die Tempelhöhe mache nach Wunsch zum Dreifachen, Zweieinhalbfachen oder Doppelten seiner Grundbreite.
24.374 Teile sie zunächst in zweiundzwanzig gleiche Abschnitte. Ein Abschnitt bildet wie beim Sockel die untere Basis.
24.375 Darüber ist der Wandschaft vorgesehen, in der Höhe dem inneren Heiligtumsmaß entsprechend, geschmückt mit Gottheiten, die dem Hervortreten der Welt dienen.
24.376 Über dem Wandschaft errichte mit zwei Abschnitten, gegebenenfalls etwas mehr oder weniger, den Sockel des Turmaufsatzes nach den zuvor genannten Merkmalen.
24.377 Seine Einzüge und Vorsprünge betragen jeweils einen halben Abschnitt. Darüber ist ein Turmaufsatz mit neun Geschossen vorgesehen.
24.378 Um seine Verjüngung zu bestimmen, nimm zunächst eine Schnur von der vorgesehenen Höhe. Spanne sie von einer Ecke am oberen Ende des Wandschafts aus,
24.379 sodass sie den Sockel des Turmaufsatzes gerade berührt, und befestige sie außerhalb des Tempels am Boden, o Klarblickender.
24.380 Führe die Schnur von der Ecke nach oben und markiere sie schrittweise bis zur Höhe des Turmes. Verfahre so an allen vier Seiten.
24.381 Führe die Markierung von Ecke zu Ecke weiter, o Einsichtiger, bis die aufstrebende Turmform einem Kumuda-Blütenblatt gleicht.
24.382 Nachdem diese Form aufgezeichnet und durch die Messschnur festgelegt wurde, teile sie nochmals in zehn Abschnitte, um die einzelnen Geschosse auszuführen.
24.383 Der oberste Abschnitt bildet den Āmalaka-Abschluss; die übrigen Abschnitte bilden die Geschosse. Für diese lege nun
24.384 die Abnahme und Zunahme fest: Unter Berücksichtigung der Geschosslage werden gleich bemessene Gruppen von vier, drei, zwei und einem Aṅgula angesetzt,
24.385 jeweils vom eigenen Geschoss aus nach unten, der Reihe nach, beginnend mit dem vorhergehenden Geschoss und fortschreitend zu den tieferen.
24.386 Der Abstand zwischen ihnen beträgt ein Sechzehntel ihres Maßes. An jedem sind entsprechend seiner Lage unterschiedliche Sockelgliederungen auszuführen,
24.387 mit Diskussen, verschiedenartigen Lotussen, sämtlichen Erscheinungsformen des Herrn oder verkörperten Emblemen, die in Tanz und Gesang dargestellt sind.
24.388 Am obersten Geschoss gestalte einen ungegliederten oberen Abschluss von einem Neuntel des oberen Maßes, der um ein Viertel seines eigenen Maßes vorspringt.
24.389 Teile den Rest in drei Abschnitte: Einer bildet wie zuvor den Sockel des runden Abschlusses, der zweite den Hals und der dritte darüber
24.390 einen ebenmäßigen, schönen Rundkörper wie die Frucht des Āmalaka-Baums. Teile den oberen Abschluss in neun Teile; vier davon bilden den umlaufenden Plattformrand.
24.391 Der Hals ist drei Teile breit, der Rundkörper misst fünf Teile. Teile das innere Heiligtum zunächst in fünf, sieben oder neun Abschnitte.
24.392 Lasse die beiden seitlichen Abschnitte frei und bilde mit den mittleren die hervortretende Tempelnase; ihr Vorsprung beträgt die Hälfte des Heiligtumsmaßes,
24.393 oder ein Viertel beziehungsweise ein Drittel. Sie kann mit Säulen oder ohne sie ausgeführt werden, ist halb so hoch wie der Turm und gleicht einem Lotusblatt.
24.394 Sie soll oberhalb des Turmsockels liegen und mit göttlichen Darstellungen geschmückt sein. Anschließend errichte einen besonders schönen Pavillon mit Säulen,
24.395 geschmückt mit dem König der Vögel auf dem Bali-Platz. Bei einem Tempel mit vier Türen sind in den übrigen Richtungen drei weitere Pavillons vorzusehen.
24.396 Ein Pavillon kann innerhalb eines weiteren Pavillons liegen und drei Eingänge besitzen. Oder gestalte die Anlage ohne Pavillon, mit einem Ausgang nach Wunsch.
24.397 Die Haupt- und Nebenvorsprünge richten sich nach dem Heiligtumsmaß; sie treten um ein Zehntel oder ein Zwölftel hervor, o Pflugträger,
24.398 oder um ein Sechzehntel. Sie sollen wie ein Radkranz gestaltet sein, mit den seitlichen Flächen aller vier Richtungen verbunden und mit Sockelgliederungen geschmückt.
24.399 An den vier Seiten des Turmes vollende oberhalb des Sockels die Reihen kleiner Nasenaufsätze entsprechend der Anordnung der Vorsprünge.
24.400 In der Mitte der vier Seiten lege gleichmäßige Türen an. Ihre Breite beträgt ein Drittel, Viertel, Fünftel oder Sechstel der Weite des inneren Heiligtums.
24.401 Ihre Höhe beträgt das Doppelte; sie besitzen drei, fünf oder neun Rahmenleisten und sind mit zwei Türhütern oder mit Krügen und Elefantenstoßzähnen geschmückt.
24.402 Die Einsetzung der Tür vollziehe ordnungsgemäß mit Mantras: Wasche sie mit dem Grundmantra und verehre sie mit dem Herzmantra durch Arghya und weitere Gaben.
24.403 An der Wurzel der Rahmenpfosten lege Metalle und Edelsteine nieder und verankere dort den Mantra, der alles trägt.
24.404 Meditiere über den Ewigen als Erkenntnis und Wirken; mit dem Scheitelmantra setze die beiden Türpfosten rechts und links ein.
24.405 Mit dem Herzmantra verankere darüber den ursprünglichen höchsten Herrn; rufe ihn im Raum des Herzens als im Himmelsraum gegenwärtig an und verehre ihn.
24.406 Zweierlei Metall, Edelsteine, weißen Senf, Sesam, Sandel und andere Duftstoffe, Milch, Dickmilch, geklärte Butter und Honig,
24.407 Reis, alle Samen und Heilpflanzen samt Korallen hülle mit dem Augenmantra in ein feines Tuch und lege sie oberhalb der Tür nieder,
24.408 sichtbar zur Erlangung von Lebensgütern, unsichtbar zur Erlangung der Befreiung. Darüber verankere den vollständigen Dharma mit seinen vier Füßen.
24.409 Lasse die Ṛgveda-Kenner den mit „catvāri śṛṅgā“ beginnenden Text rezitieren. Nach den zugehörigen Feueropfern bringe mit dem Grundmantra die Vollgabe dar.
24.410 Dies kann vor oder nach der Installation des Kultbilds geschehen, je nachdem, was die bauliche Anlage des Heiligtums des Herrn erfordert.
24.411 Ein solcher Tempel heißt „Unendliche Welt“ und gewährt alle Wünsche sowie Befreiung. Wie beim Sockel sind vier Grundformen des Tempels zu unterscheiden,
24.412 und nach Baugliederung und Anordnung zahlreiche weitere. Er wird mit Vogelkönigen, Löwen und Krügen geschmückt, die den Schatzwesen gleichen,
24.413 sowie mit Stufenreihen, die Muschel- und Lotuszeichen tragen, entsprechend der Türanlage und dem Sockel.
24.414 Die Ausdehnung des Vorplatzes nach jeder Richtung richtet sich nach dem aus dem inneren Heiligtum gewonnenen Flächenmaß und nach der Terrasse, o Pflugträger. [Die Bezeichnung „aruṇa“ ist hier technisch unklar.]
24.415 Bei einer Anlage mit Terrasse gilt deren Maß ringsum. Man kann es um ein Viertel vergrößern oder um die mit einem Viertel beginnenden Anteile vermindern.
24.416 Berücksichtige zuvor die Anordnung der Heiligtümer im Hof. Mit Tempeln in drei weiteren Richtungen heißt die Anlage vierteilig.
24.417 Zusammen mit dem ursprünglichen Heiligtum und den Eckheiligtümern heißt sie fünfteilig; mit drei weiteren Tempeln in den Richtungen ist sie als achtteilig zu erkennen.
24.418 Ohne den mittleren Tempel, mit jeweils zwei in den Richtungen, wird eine zehnteilige Anlage genannt; mit ihm besitzt sie einen Teil mehr. [Die Zählung setzt zuvor genannte Bauteile voraus und ist im knappen Wortlaut nicht vollständig aufgeschlüsselt.]
24.419 Mit zwei Tempeln an den Seiten des Torbaus heißt sie zwölfteilig; zusammen mit dem mittleren Tempel
24.420 trägt sie die Bezeichnung „vermehrt“. Eine darüber hinausgehende Anlage heißt „unendlich“. Die beiden Tempel am Eingang sollen einander gegenüberstehen.
24.421 Die Tempel in den drei übrigen Richtungen blicken auf den Haupttempel; für die Ecktempel ist jeweils eine paarweise Gegenüberstellung vorgesehen.
24.422 Bei zwei frei gewählten Tempeln richte die Eingänge passend aus; zwei an den Ecken gelegene Tempel sollen einander zugewandt sein.
24.423 In einer Anlage mit unbegrenzt vielen Heiligtümern können die Türen der Tempel ohne Bedenken in die gewünschten Richtungen weisen, o Einsichtiger.
24.424 Dabei entsteht zwischen ihnen kein Fehler gegenseitiger Durchschneidung, weil sie als Glieder zum Hauptheiligtum gehören.
24.425 Die Höhe der Umfassungsmauer ist mit der Hälfte, einem Drittel oder einem Viertel des Hofmaßes günstig; ihre Breite wird entsprechend aus ihrer Höhe bestimmt.
24.426 Gestalte sie wie einen Sockel, glatt oder mit oberem Abschluss, versehen mit Zinnen und Darstellungen verschiedener Gottheiten.
24.427 Bei einer Anlage mit nur einem Heiligtum kann der Hof eine niedrige Umfassungsmauer besitzen oder lediglich eine Einfassung, o Einsichtiger.
24.428 Bei Anlagen von zwei bis zwölf Heiligtümern, die alle in dieselbe Richtung blicken, liegt der Hof rechteckig
24.429 oder länglich rund ausgebreitet, mit den Tempeln nach den beschriebenen Merkmalen. Denn Tempel und besonders ihre Höfe
24.430 sowie die quadratischen und anders geformten Sockel sollen stets in wechselseitiger, aufeinander abgestimmter Beziehung stehen, o Einsichtiger,
24.431 entsprechend dem verfügbaren Baugrund, der Gestalt des Kultbilds, den verschiedenen angestrebten Früchten und der Schönheit.
24.432 Ein Quadrat gewährt Landgewinn, ein Rechteck Wohlstand, ein Kreis die Erfüllung aller Wünsche und eine längliche Rundform Erlösung.
24.433 Denen, die sichtbare und unsichtbare Früchte erstreben, gewähren die Welten von Mahat an einen zu Viṣṇu gehörenden Aufenthaltsort, Gesundheit und vortreffliches Land. Den Viṣṇu-Verehrern aber, die frei von Begehren sind, gewähren sie am Ende des Vergehens die höchste Stätte.
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 24 mit dem Namen „Merkmale von Kultbild, Sockel und Tempel“.
Kapitel 25
Zur Orientierung: Die Installation verbindet das sichtbare Bild mit Mantra, Meditation und Anrufung. Das Gebet in 25.119–128 führt in die innere Mitte des Kapitels: Der Allgegenwärtige möge erfahrbar werden und den Menschen Gnade schenken. Der Abschluss würdigt hingebungsvolles Geben und die verantwortliche Weitergabe der Lehre.
25.1 [Narada sprach:] O Brahmanen, ich erkläre nun die Einsetzung des Mantrakultbilds, wie sie der Lehrer aller Welten vom Träger des Alls vernommen hat. [Die grammatische Verbindung der ersten Zeile ist unregelmäßig.]
25.2 Sie gewährt den Angehörigen der gesellschaftlichen Stände die begehrten Lebensgüter und den Menschen der vier Lebensstadien durch innere Ruhe die Befreiung.
25.3 Den dem Opferdharma Ergebenen hilft sie, dessen Früchte zu erlangen. Errichte wie zuvor vor dem Tempel, wo der Platz es erlaubt, einen Pavillon,
25.4 quadratisch, mit vier Türen und mit Girlanden aus Darbha-Gras gegliedert; fehlt dort Platz, an anderer Stelle mit einem Eingang in der gewünschten Richtung.
25.5 Sein Maß reicht von vierzehn bis dreißig Hasta; kleinere Ausführungen bis hinab zu sechs Hasta richten sich nach der Größe des Kultbilds.
25.6 In der Mitte ist eine erhöhte Fläche anzulegen: vierzehn Teile für die Plattform und je acht für die umgebenden Bereiche. Sie sei ringsum wohlgestaltet und glatt, aus gebrannten Ziegeln und ähnlichem Material. [Die knappe Maßangabe wird nach der Erläuterung des vorhandenen Kommentars verstanden.]
25.7 Bei diesem allgemeinen Verfahren beginnt ihre Höhe bei einem Tāla; mit zunehmender beziehungsweise abnehmender Größe wird sie schrittweise um Aṅgula angepasst.
25.8 In der Mitte der erhöhten Fläche liegt das Maṇḍala. Für Maṇḍala, Lager und Feuerplatz sind der Reihe nach zwei, drei und acht Anteile vorgesehen. Das Maṇḍala ist quadratisch, mit vier Toren und mit Diskus und Lotus geschmückt. [Die Zuordnung der Anteile folgt der Erläuterung des vorhandenen Kommentars.]
25.9 Im Süden befindet sich das Lager, im Norden wie zuvor die Feuergrube: zwei Hasta groß, mit Einfassung und den glückverheißenden Zeichen von Diskus und Lotus.
25.10 Darunter beziehungsweise im östlichen Bereich lege eine quadratische Grube mit bandförmiger Einfassung an; im Süden eine mit dem Diskuszeichen,
25.11 im Westen eine runde, im Norden eine schöne mit Lotuszeichen; an allen Ecken solche mit Muschelzeichen. Ihre Maße entsprechen der oberen Grube.
25.12 Bei den vier kleineren Pavillongrößen bis zu zehn Hasta haben alle Gruben nur eine Einfassung; die Hauptgrube besitzt jedoch sämtliche Einfassungen.
25.13 Die noch kleineren Pavillons besitzen nur eine Feuergrube. Bei ihnen misst die erste Grube einschließlich Einfassung zweiundzwanzig Aṅgula.
25.14 Das Maß vermindert sich jeweils um zwei Aṅgula bis auf sechzehn Aṅgula beim sechs Hasta großen Gebäude; die Einfassung kann auch zusätzlich bemessen werden.
25.15 Die erste Höhe beträgt acht Hasta und nimmt danach um jeweils einen halben Hasta zu. Bei kleineren Ausführungen bis sechs Hasta soll die Höhe nicht weiter vermindert werden.
25.16 Bei den vier Größen von dreizehn Hasta abwärts vermindere sie der Reihe nach um acht, sieben, fünf und vier Aṅgula.
25.17 Entsprechend bestimmen sich Breite und Höhe der Waschungshäuser; diese sind jedoch in der Mitte mit Sandpodesten ausgestattet.
25.18 Diese haben eine Breite von zwei beziehungsweise vier Vierzehnteln und die zuvor genannte Höhe. In einer der drei gewünschten Richtungen vom Waschungs- oder vorderen Gebäude aus
25.19 errichte ein glückverheißendes Haus für die Augenöffnung, halb so groß wie das Hauptgebäude, mit gutem Podest, Lager und Segenskrügen.
25.20 Alle Handlungsplätze schmücke mit Eckpfosten und umhülle sie mit feinen Tüchern; versieh sie wie zuvor mit Diskus und den übrigen Zeichen.
25.21 Eine standfeste, kräftig gestützte Vorrichtung soll das Waschwasser auffangen können. Ihre Länge übertrifft das Sandpodest um die Hälfte, entsprechend der anfänglichen Größenfolge.
25.22 Sie wird um einen halben Hasta vergrößert oder um vier Aṅgula verkleinert; ihre Breite beträgt die Hälfte ihrer Länge. So fertige sie mit einem Ablauf an.
25.23 Stelle sie in die Mitte des Sandpodests. Für die Türen in den Richtungen des Opferhauses ist der entsprechende Zwischenraum vorzusehen.
25.24 Bei Vergrößerung wird ein halber Śama angesetzt, bei Verkleinerung ein Maß von einer Kalā an. [Das erste Maßwort ist in der Vorlage ausdrücklich unsicher.] Außen errichte Torbögen aus festem, zuvor verehrtem Holz.
25.25 Sie sind fünf Hasta hoch und werden um einen halben oder einen ganzen Hasta vergrößert; bei anderweitiger Ausführung sollen sie nicht verkleinert werden.
25.26 Bei fünf Hasta Höhe wird ein Śama im Boden versenkt; bei Zunahme um einen halben Śama erhöhe die Einlasstiefe jeweils um zwei Kalā. [Die Negation im überlieferten Satz macht die erste Maßregel unsicher.]
25.27 Der Abstand der Pfosten beträgt ein Drittel der nach dem Versenken verbleibenden Länge. Alle Torbögen tragen Diskusbanner und sind mit Tüchern, Girlanden und Blütenbüscheln geschmückt.
25.28 Bestreiche sie mit Kalk, gelben Farben, Sandel und anderem. Höre nun, wie diese verschiedenen Teile in einem einzigen Raum zusammengefasst werden,
25.29 wenn für die Handlung im Opferhaus Vermögen oder Baugrund fehlen. Die Fläche ist fünfunddreißig Hasta lang und ein Viertel davon breit.
25.30 In ihrer Mitte lege sieben erhöhte Flächen von vier Hasta an; zwischen ihnen lasse jeweils einen Tāla frei.
25.31 Vermindere die Flächen schrittweise bis auf zwei Hasta; die Zwischenräume vermindere von acht Aṅgula an jeweils um zwei Aṅgula.
25.32 Bei beengten Flächen beträgt der Zwischenraum zwei Golaka. Entsprechend wird auch die Höhe aller Flächen bestimmt.
25.33 Der umlaufende Gang richtet sich nach dem jeweiligen Podestmaß. Bei Platzmangel kann die Anlage auch aus den beiden zuerst genannten Pavillons bestehen.
25.34 In der Mitte liegt das Maṇḍala-Podest; südlich davon, in seiner Nähe, befinden sich der Lagerplatz und der Aufstellungsplatz der Krüge.
25.35 Entsprechend erfolgt links die Sättigung der Mantras mit Opfergaben, an einem weiteren Platz das Feueropfer mit den Texten der Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda und der übrigen Offenbarung.
25.36 Die Augenöffnung ist am Lagerplatz auf einem besonderen Lager vorzunehmen. Die Hüter der Gestalten und Kräfte in den acht Tempelrichtungen verfahren wie zuvor erklärt,
25.37 auf Sthaṇḍilas oder in Feuergruben. Oder der Lehrer vollziehe selbst das zugehörige Feueropfer in seiner eigenen vortrefflichen, die vier Veden verkörpernden Feuergrube.
25.38 Bei fehlenden Hilfsmitteln oder wenn geeignete Hüter der Gottgestalten fehlen, kann er sämtliche auf die Gestalten bezogenen Handlungen selbst vollziehen.
25.39 Wer für eine Aufgabe geeignet ist, den setze er dort ein. Ein weiser Mantralehrer, dem Hauptlehrer ebenbürtig,
25.40 und in den Handlungen erfahren, ist bei allen Anlässen einzusetzen. Der Hauptlehrer selbst behalte den Sinn der Feueropfer und Verehrungshandlungen im Bewusstsein,
25.41 von der Hervorbringung bis zum abschließenden Nyāsa, ohne seinen Geist abzulenken. Nachdem die in der Einweihungsvorschrift erklärte Krugverehrung samt Feueropfer vollzogen ist,
25.42 stelle er die Banner zusammen mit den Torbögen auf: acht Banner, von Osten an, unterschieden durch Weiß, Rot und die weiteren Farben.
25.43 Setze sie auf der mittleren Opferplattform ein, auch nach der Ordnung der Rückkehr; verehre dort entsprechend die Vierheit von Satya an.
25.44 Die Ṛgveda-Kenner lasse den mit „uta devā“ beginnenden Text sprechen. Außen verehre er mit sämtlichen Lauten den Diskus am Torbogen.
25.45 Die Sāmaveda-Kenner lasse das den Türhütern zugehörige Sāman singen. Dann gehe er, umgeben von den Gestaltträgern, die Arghya und Blumen tragen,
25.46 dorthin, wo der Herr des Alls samt Sockel und Brahmastein steht. Dort vollziehe er an ihnen die rituelle Betrachtung, das Berühren beziehungsweise Schlagen und die weiteren Reinigungen.
25.47 Dann wasche er sie mit den Waschkrügen, die durch Diskus- und Waffenmantra geheiligt sind, mit weißem Senf, den fünf Kuhprodukten, Erd- und Aschenwasser,
25.48 mit Wasser aus Ameisenhügelerde und mit Heilpflanzenwasser, das unter dem Zeichen des Diskus steht. Nach Abspülen, Verehrung und Einreiben spüle er mit Waffenmantra-Wasser nach.
25.49 Verehre ihn mit Arghya, binde mit demselben Mantra geheiligten weißen Senf vorn an seine rechte Hand und lasse den Ṛgveda-Text
25.50 „rakṣohaṇam“ rezitieren; bringe alle Schutzsteine am Schutzband an. Hülle das Bild in ein gutes Tuch und setze es auf einen vortrefflichen Wagen.
25.51 Rechts von ihm ordne die Rezitatoren der Texte zum Beginn der Handlung an; links jeweils vier Brahmanen der Ṛgveda, Sāmaveda und der weiteren Veden.
25.52 Der Lehrer selbst gehe voraus, den Waffenmantra vergegenwärtigend und Hindernisse beseitigend, begleitet von Tanz, Gesang, Instrumenten, Lobpreis und Segensrezitation.
25.53 Mit den Ṛgveda-Kennern lasse er „idaṃ viṣṇur vicakrame“ sprechen, danach die Ekāyana-Kenner den mit „oṃ namo brahmaṇe“ beginnenden Text.
25.54 Ebenso lasse er das Śākuna-Sūkta zusammen mit dem Śrī-Sūkta rezitieren. Bedürftige beschenke er nach seinen Möglichkeiten mit Gold und anderem und führe die Bilder
25.55 an ihren Platz auf dem Opfergelände oder in das Innere des Tempels, der nach dem noch zu beschreibenden Verfahren mit Edelsteinen, Steinplatten und anderem ausgestattet ist.
25.56 Zuvor vollziehe er am Handlungsplatz die bereits erklärte Weihe der Materialien; an den Steinen und übrigen Gegenständen führe er eine kurze Waschung samt Verehrung aus.
25.57 Lege die Edelsteine ordnungsgemäß nieder und setze den Sockel und die weiteren Teile ein. So verfahre beim großen Kultbild; am beweglichen Ritualbild vollziehe er das gesamte Verfahren.
25.58 Die Verankerung der Mantras geschieht beim Aufgang des günstigen Aszendenten. Alles bis zur großen Waschung und die übrigen zugehörigen Handlungen
25.59 sind bis zur Vollgabe auszuführen. Plane dies zuvor so, o Einsichtiger, dass der glückverheißende Zeitpunkt nicht versäumt wird.
25.60 So verfahre auch bei gemalten und anderen Bildern, denen ein Brahmastein mit Edelsteinen fehlt, o Lotusäugiger.
25.61 Waschung und weitere Handlungen geschehen bei ihnen am Ritualbild oder an einem daneben aufgestellten Spiegel. Fehlt ein Ritualbild, vollziehe die Lagerung und die übrigen Handlungen auf einem Sitz.
25.62 Alles vom feierlichen Einzug bis zum Fest ist entsprechend auszuführen. Nachdem das Kultbild so hereingebracht und aufgestellt ist,
25.63 unter einem fest aufgerichteten hölzernen Torbogen, bringe die Waffenmantra-Opfer dar. Stelle dann unbeschädigte Waschkrüge aus Gold oder anderem Material bereit,
25.64 mit den zuvor beschriebenen Öffnungen, ebenmäßig und ohne Risse. Reinige sie durch Betrachtung und die übrigen Handlungen mit dem Herzmantra.
25.65 Besprich sie einzeln mit dem zwölfsilbigen Mantra und verehre sie anschließend mit demselben Mantra durch Arghya, Girlanden, Sandel und andere Gaben.
25.66 Vollziehe nach Vermögen das zu ihrer Herbeibringung gehörende Feueropfer bis zur Vollgabe; fülle sie dann der Reihe nach mit den vorgesehenen Stoffen.
25.67 Drei Krüge enthalten die zuvor genannten Stoffe für Fußwasser, Arghya und Mundspülung. In einen weiteren kommt Erde von heiligen Flussstellen, vom Anfang, der Mitte und dem Ende von Bergen und anderen Orten,
25.68 von einem See, der Spitze eines Ameisenhügels, von einer durch einen Elefantenstoßzahn aufgewühlten Stelle, vom Pflug, vom Horn eines Stiers und von einem Reisfeld,
25.69 sowie aus einem Lotusbestand. Ein anderer Krug enthält Kuhdung; ein weiterer Asche aus einem Waldbrand, aus der Küche
25.70 und aus den drei heiligen Feuern. In einen anderen Krug kommen die fünf Kuhprodukte zusammen mit Kuśa-Wasser.
25.71 Ein Krug enthält Öl samt geklärter Butter, ein weiterer Wasser aus dem Opfergefäß. In einen anderen kommt ein Absud aus Palāśa, Khadira, Aśvattha, Śamī und rotem Sandelholz,
25.72 in einen weiteren Triphalā-Wasser. Vacā, Śatāvarī, Kanyā, Vyāghrī, Siṃhī, Kṛtāñjali,
25.73 Golomī, Siṃhalomī, Kuṣṭha, Bhūtajaṭā und Mahāgaruḍavegā kommen in einen weiteren Krug, o Pflugträger.
25.74 Mahānīlā, Galūcī, Sahadevī, Śatāvarī, Viṣṇukrāntā, Kārkoṭā, Sāhvā und Vahniśikhā kommen in einen anderen.
25.75 Yaṣṭī, Vārāhakarṇī und Gajapippalī kommen in einen weiteren; reinigende Früchte, beginnend mit Śrīphala, in einen anderen.
25.76 Weitere Krüge enthalten Dickmilch, Milch und geklärte Butter, zwei weitere Honig und Zuckerrohrsaft. Lotuswurzeln lege in zwei weitere Krüge.
25.77 In einen kommen Blütenstände heiliger Bäume, besonders milchsaftführender, zusammen mit Blüten, Blättern und Früchten.
25.78 Ein anderer enthält blühende Ranken von Jasmin und weiteren Pflanzen. Rocanā, die beiden Rajanī-Arten, Balā, Moṭā und Padmaka
25.79 kommen als Fünfergruppe in einen Krug [die Zählung der aufgezählten Stoffe bleibt unklar]. Darbha, Dūrvā-Sprossen und Reis- beziehungsweise Getreidesprossen lege in einen weiteren.
25.80 Weiße und andere Senfsamen, die als duftend bezeichnete Priyaṅgu-Pflanze sowie Nāgakesara lege in einen anderen Krug.
25.81 Sieben angebaute und sieben wildwachsende Pflanzen kommen in zwei Krüge. Safran, Sandel, Harz und Kampfer
25.82 bilden die Vierheit eines weiteren Kruges. Ein anderer enthält glückverheißende Metalle wie Kupfer und Gold, ein weiterer eine große Sammlung von Edelsteinen.
25.83 In zwei weitere lege Korallen und Perlen. Einer enthält Arghya-Wasser, zwei weitere Flusswasser und Wasser von heiligen Badeplätzen.
25.84 Hinzu kommen ein Krug mit sämtlichen Heilpflanzen, einer mit sehr kühlem Wasser und einer mit duftenden Blumen. Diese werden als vierzig Krüge bezeichnet.
25.85 Stelle sie links von der Gottheit auf, von der südöstlichen bis zur südwestlichen Ecke, jeweils paarweise,
25.86 in zehn Reihen. Weitere Krüge stelle hinter ihr auf, von Nordosten bis Südosten,
25.87 und fülle sie ausschließlich mit kühlem Wasser. Vom Nordosten aus stelle am Lager nochmals sieben Gruppen von Krügen auf,
25.88 gefüllt mit Duftwasser, bis zur nordwestlichen Richtung. Alle stehen auf Unterlagen und sind mit reinem Wasser gefüllt.
25.89 Dann verehre sie mit dem zwölfsilbigen Grundmantra. Umwinde sie zuvor mit Fäden und bedecke sie anschließend.
25.90 Verbinde sie vorschriftsmäßig mit Schnüren und hülle sie in Tuch. Nach dieser Darbringung bereite das Lager in zweifacher Weise,
25.91 mit sämtlichen Ausstattungsstücken. Darunter verehre Ananta, darüber den allgegenwärtigen Herrn nach der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr.
25.92 Lasse das Sarpa-Sāman und die aus Erkenntnis und Kraft bestehende Namensformel rezitieren. Nach einhundertacht Opfergaben mit dem Grundmantra gestalte
25.93 das Maṇḍala mit reinen, glückverheißenden Farben, beginnend mit Weiß. Opfere zur Behebung von Mangel und Übermaß und bereite danach die Feuergruben vor.
25.94 Nahe jeder Feuergrube verehre in einem Krug die vierfache Gottgestalt nach der Ordnung des Hervorgehens und der Rückkehr,
25.95 oder in den Hauptrichtungen Herz und die übrigen Glieder, in den Zwischenrichtungen den König der Waffenmantras. Nach der entsprechenden Vollgabe lasse „pūrṇāt pūrṇam“ rezitieren,
25.96 von den Ekāyana-Kennern, anschließend die zugehörige Verkündigung von den Yajurveda-Kennern. Dann besprenge das Bild mit dem Waffenmantra und dem Wasser des Segenskruges.
25.97 Danach wasche es mit dem Erdwasser. Lasse dabei die Kūṣmāṇḍa-Texte und anschließend die Kraftmantras rezitieren.
25.98 Bei der Waschung mit dem Kuhdungkrug lasse „iha gāvaḥ“ sprechen; bei der Aschewaschung den Mantra „bhūtis tvam“.
25.99 Danach wasche mit den fünf Kuhprodukten und lasse die vier Mantras rezitieren. Verehre wie zuvor und spüle ordnungsgemäß mit Wasser aus dem Opfergefäß.
25.100 Nach Abspülen und Verehrung lege das Bild auf das besondere Lager. Der Lehrer selbst heilige einen Metallstift mit dem Augenmantra.
25.101 Das höchste Licht vergegenwärtigend, zeichne er die Augen leicht vor. Mit einem so geheiligten Werkzeug soll der gebadete und rituell betrachtete Bildhauer
25.102 sie nach dem vorgeschriebenen Verfahren deutlich ausarbeiten. Die Sāmaveda-Kenner lasse das Vāruṇa-Sāman zusammen mit dem Cāndra-Sāman singen.
25.103 Fülle dann Honig und geklärte Butter in zwei Metallgefäße und opfere mit dem Grundmantra, der auf Vauṣaṭ endet.
25.104 Mit der vom Herzmantra umschlossenen Formel besprenge das Bild und meditiere über die Mondscheibe auf seinem Haupt, die einen Strom von Unsterblichkeit ausgießt, um die Bearbeitung zu befrieden.
25.105 Gib den Metallstift und die übrigen Werkzeuge samt Entlohnung den Handwerkern. Danach soll der Auftraggeber dem Lehrer eine Kuh schenken.
25.106 Auch den übrigen Hütern der Gottgestalten gebe er nach Vermögen Entlohnung. Danach vollziehe der Lehrer das innere Verbrennen samt erneuter Belebung.
25.107 Lege wie zuvor den zwölfsilbigen Mantra vom Scheitel aus zur Bildung der göttlichen Gestalt auf. Auf den durch Besprengen und anderes gereinigten, mit der siebenfachen Durchdringung versehenen Sockel
25.108 setze das Bild hinab und umhülle es unten und oben mit zwei Tüchern. Dann wasche es mit dem Herzmantra aus den der Reihe nach genannten Krügen, in zweimal sechs Umläufen.
25.109 Die Brahmanen lasse den mit „oṣadhīnām“ beginnenden Offenbarungstext und anschließend die Ṛgveda-Kenner „yā oṣadhayaḥ“ und die folgenden Verse rezitieren.
25.110 Nachdem die Krüge bis auf zehn zur Waschung verwendet sind, sollen vier Gestaltträger mit vier Krügen
25.111 ordnungsgemäß waschen, begleitet von Ṛgveda, Sāmaveda und den übrigen Texten. Die Ṛgveda-Kenner rezitieren „ud uttamam“, die Yajurveda-Kenner „draviṇam“.
25.112 Danach singt der Sāman-Kenner das Vāruṇa-Sāman; der Atharvaveda-Kenner spricht „ayaṃ te varuṇaḥ“. Anschließend folgt der Ṛgveda-Text „pavitraṃ te“.
25.113 Die Yajurveda-Kenner lasse „vasoḥ pavitram“, die Sāmaveda-Kenner das Sāman „pavitraṃ te“ vortragen. Dann fordere die Ekāyana-Kenner auf,
25.114 die Hüter der Gottgestalten gemeinsam, die vier Pāvamānī-Texte zu rezitieren; anschließend den höchsten Mantra der Vyūhas, der mit „bhagavān“ beginnt.
25.115 Danach folgen der Reinigungsmantra und „idaṃ viṣṇur vicakrame“. Mit einem Krug, der durch sämtliche Mantras der Erscheinungsformen geheiligt ist,
25.116 begieße das Bild; mit einem weiteren, durch die Vyūha-Mantras geheiligten, vollziehe die Waschung. Nach der Verehrung bringe mehr als hundert Opfergaben dar.
25.117 Lasse das Bild ordnungsgemäß von Oṃ durchdrungen sein. Die Ṛgveda-Kenner lasse „mā prakāma“, die Yajurveda-Kenner „agne āyuḥ“ rezitieren,
25.118 danach das Sāman „prāṇāpāna“, anschließend „prāṇāya vai namaḥ“. Die Ekāyana-Brahmanen lasse den höchsten, mit „yātavya“ bezeichneten Mantra sprechen. [Die Textanfänge sind teils verkürzt oder unsicher überliefert.]
25.119 Dann spreche der Verehrer, in Meditation und mit ganz gesammeltem Geist: „Oṃ. Ich rufe den Gemahl Lakṣmīs herbei, vor dessen beiden Füßen sich die Scharen der Unsterblichen neigen: die unermessliche Ursache der Welten, den Ursprünglichen mit ewigem Leib, der auf Oṃ thront und dessen Gestalt tausend Vollmonden, Sonnen und Feuern gleicht.
25.120 Ihn, über den zu meditieren ist, den Höchsten, den alle Kenner der Veden erkennen sollen; ihn in den Gestalten des Ebers, Kapilas, des Menschenlöwen und des Friedvollen; dessen Leib Śrīvatsa und das große Kaustubha-Juwel schmücken und dessen Hände Keule, Lotus, Muschel und Diskus halten.
25.121 Obwohl du überall gegenwärtig bist, Erhabener, rufe ich dich herbei, wie man mit einem Fächer den Wind hervorruft. Wie verborgenes Feuer durch Reiben hervortritt, so trittst auch du, angerufen, in das Kultbild ein.
25.122 Girlandenträger, Acyuta, Allgegenwärtiger, Verkörperung des höchsten Selbst, Allwissender, Herr, höchster Gebieter, Allmächtiger: Komm, erweise mir Erbarmen, nimm das Kultbild an und empfange heute diese Verehrung, um mir deine Gnade zu schenken.“
25.123 Dann trockne das Bild mit einem Tuch und verehre es mit den zuvor genannten Gaben von Arghya bis zur Entlohnung. Die Ṛgveda-Kenner lasse
25.124 den Mantra „arcāya te“, die Sāmaveda-Kenner das Sāman „arcitas tu“ und die entsprechenden Kenner den mit „bhagavān“ beginnenden Text rezitieren. Nachdem das Feuer gesättigt ist,
25.125 preise den Herrn mit dem Jitante-Mantra; lasse die Sāman-Kenner erneut das Rathantara zusammen mit dem Gāyatra-Sāman singen.
25.126 Wiederhole den zwölfsilbigen Mantra, bilde die Mudrā und verneige dich mit acht Körpergliedern. Dann richte an den Erhabenen, der alle Wesen hervorbringt, die Bitte:
25.127 „Erfreue jetzt durch diese deine verkörperte Gestalt die Menschen der Stadt, welche die Wahrheit noch nicht erkannt haben.
25.128 Wenn du in ihr Inneres eintrittst, werden sie schon nach kurzer Zeit von Verfehlungen frei, die aus tausend früheren Geburten stammen.“
25.129 So bitte den Erhabenen, den Herrn, der den Welten Gnade schenkt. Lege die Hände an seine Füße und lasse die Ṛgveda-Kenner
25.130 den mit „uttiṣṭha“ beginnenden Vers sprechen. Setze das Bild auf einen festen, gut gesicherten heiligen Wagen, versehen mit Milch, geklärter Butter, Dickmilch und gekochtem Reis,
25.131 mit süßer Speise und Früchten, zur Befriedung von Hungersnot und Auszehrung. Lasse danach die Ṛgveda-Kenner das Asyavāmīya rezitieren,
25.132 und die entsprechenden Kenner den mit „daśārdha“ beginnenden Kraftmantra, o Einsichtiger. Der Lehrer selbst wiederhole den Schutzpanzer-Mantra, am Anfang und Ende vom Herzmantra umschlossen.
25.133 Führe den Wagen umher, während in allen Richtungen Bali dargebracht wird; verteile wie zuvor Edelsteine, Gold und Tücher.
25.134 Verehre nach Vorschrift die göttlichen und anderen Heiligtümer, die Kenner des Pāñcarātra, die Entsagenden und die Brahmacārins.
25.135 Beschenke auch die Brahmanen, die den sechs Pflichten obliegen, und die Bedürftigen. Solange der Wagen mit dem Mantrakultbild hundert Schritte zurücklegt,
25.136 begleitet vom Klang der Instrumente, erlangt der disziplinierte Verehrer, wenn er Früchte erstrebt, reichlichen Opferlohn.
25.137 Halte dann den Wagen beim Torbogen an und verehre den Herrn mit Fußwasser, Arghya, Blumen und Räucherwerk. Verneige dich und lasse rezitieren:
25.138 „uttiṣṭha“, den zwölfsilbigen Mantra und den vollständigen Jitante-Text. Während das Puruṣa-Sūkta gesprochen wird, führe das Bild in das Opferhaus.
25.139 Lege es mit dem Herzmantra auf das Lager und vollende das Prozessionsfeueropfer. Dann verehre bei seinem Haupt in einem Krug auf einer Diskusunterlage,
25.140 der die zuvor genannten Merkmale besitzt, den Augenmantra, vom Waffenmantra umschlossen. Verehre das auf dem Lager ruhende Bild erneut mit Arghya, Blumen und anderen Gaben.
25.141 Bedecke es mit einem Tuch unter Rezitation des Schutzpanzer-Mantras. Stelle dich nahe den Füßen des Herrn auf und lege die Mantras der Embleme an ihren jeweiligen Stellen nieder.
25.142 Dann lege von den Füßen aus an zwölf Körperstellen Dāmodara und die folgenden Namen sowie die Mantras ihrer Kräfte auf, strahlend und alldurchdringend.
25.143 Mit dem Herrscher-Bīja vergegenwärtige sie in ihrer jeweiligen Anordnung, von den Füßen aus ganz von ihm durchdrungen; ebenso mit dem vortrefflichen Mantra.
25.144 Nach der zuvor erklärten Ordnung der Rückkehr vergegenwärtige das innere Licht als den allgegenwärtigen Herrn in Gestalt des Wortes und sodann als die höchste Stätte.
25.145 Erkenne sie als vollkommen friedvoll und alldurchdringend, einem Meer ohne Wellen gleich. Die Pāñcarātrika lasse den mit „vidyāṃ gadām“ beginnenden Text rezitieren,
25.146 den Mantra der Niederlegung im Körper und anschließend den als Dhāraṇā bezeichneten. Die Ṛgveda-Kenner lasse „jīmūtasya“ und „nāsad āsīt“ sprechen.
25.147 Mit diesen Mantras opfere in dieser Reihenfolge Sesam und geklärte Butter, jeweils ein halbes Viertel von hundert [die traditionelle Zahlenformulierung ist hier nicht eindeutig], o Einsichtiger.
25.148 Bringe ordnungsgemäß die Vollgabe dar, welche die Rücknahme kennzeichnet. Dann vergegenwärtige wie zuvor das höchste Brahman im Hervortreten,
25.149 kraft seines eigenen Wesens, das alle Kräfte umfasst, als Lebensmacht und Stärke, wie ein Duftstoff sich als Duft entfaltet,
25.150 wie ein Same als Baum und das Meer als Blase. So nimmt der Herr des Alls in seinem eigenen Spiegel der Kraft seinen Stand in der unaussprechlichen Kraft
25.151 und nimmt aus freier Selbstbestimmung einen aus Mantra bestehenden Leib an, o Einsichtiger, damit er vollkommen verehrt werden kann.
25.152 Vergegenwärtige seine Entfaltung in die Vielheit und die Gesamtheit der Bewusstseinskeime, deren Leuchtkraft verdunkelt worden ist,
25.153 in der Verschiedenheit hervorgetreten durch die mächtige, gestaltlose Finsternis des Nichtwissens, deren Wesen Beständiges und Unbeständiges umfasst. [Der Bezug des langen Satzes bleibt teilweise unsicher.]
25.154 So meditiere über den Grundmantra im Herzlotus des Kultbilds. Mit den Strahlen seiner sechs Kräfte
25.155 nimmt er dessen stofflichen Leib auf dem zuvor genannten Weg in sich zurück. Danach vergegenwärtige erneut seine makellose eigene Gestalt,
25.156 wie sie nach dem früheren Verfahren die Form des Bilds annimmt. Wenn der höchste Herr so als Mantra seine eigenständige Gegenwart entfaltet hat,
25.157 fordere die Atharvaveda-Kenner zur Rezitation von „sahasraśirasaṃ devam“ auf. Der Mantrameister lasse die Brahmanen „dhātar adhyakṣa“ sprechen,
25.158 „yo viśvataścakṣuḥ“ und „dhyātavyo bhavati“, danach „dvā suparṇā“ und wiederum „ato devāḥ“.
25.159 Die Ṛgveda-Kenner rezitieren das Puruṣa-Sūkta, danach „paratamā“. Dann verehre den Herrn der Mantras, der auf dem Lager im Kultbild gegenwärtig ist.
25.160 Zur Begründung seiner bleibenden Gegenwart verankere und vergegenwärtige ihn bis zum Abschluss im Maṇḍala und verehre ihn mit großem Aufwand.
25.161 Sättige ihn ordnungsgemäß samt seinen Gliedern, zusammen mit den Gestaltträgern. Entnimm mit dem Mantra Wasser aus dem Krug der eigenen Gottgestalt in ein Gefäß.
25.162 Alle, die Ekāyana-Kenner und die übrigen, gießen es der Reihe nach über das Haupt des Kultbilds. Danach sättige den Mantra samt Gefolge
25.163 mit reichlicher geklärter Butter und anderen Gaben und bringe die Vollgabe dar. Die Elemente, von der Erde an, sind als Glieder zum Leib des Kultbilds geworden;
25.164 obwohl sie bei ihrer Einsetzung vollständig sind, sollen sie zu einer geschlossenen Einheit verbunden und alle seit Beginn entstandenen Lücken befriedet werden.
25.165 Zur Kräftigung der Mantras vollziehe daher das Stoffopfer: jeweils zwölf Gaben, mit jeder der vier Herzformeln.
25.166 Berühre zunächst den Bereich von den Füßen bis zu den Knien und opfere geklärte Butter; vom Knie bis zum Nabel entsprechend Dickmilch.
25.167 Vom Nabel bis zu den Ohren opfere Milch, von den Ohren bis zum Scheitel Honig. Vermische dann alles und opfere unter Berührung des gesamten Körpers.
25.168 Bereite den Sockel gesondert wie das Kultbild vor, ebenso den Brahmastein beziehungsweise die dem Lebenshauch zugeordnete Gottheit, je nachdem, was vorgesehen ist.
25.169 Hülle sie in bunte Tücher und vollziehe dann mit dem Diskusmantra das Feueropfer für den Brahmastein mit einhundertacht Gaben.
25.170 Die Ṛgveda-Kenner und die übrigen opfern dafür jeweils mit ihren Gāyatrī-Formeln, die Ekāyana-Kenner mit „ajasya nābhau“ und den weiteren Mantras.
25.171 Vergegenwärtige den Sockel als Sitz der Gottheiten, als Verkörperung der kosmischen Wege und Elemente und als gesondert bestehendes Erfahrungsfeld.
25.172 Der Lehrer selbst opfere mit Oṃ, die anderen mit den Vyāhṛtis und wiederum andere mit dem Grundmantra, der auf Oṃ endet, o Pflugträger.
25.173 Dann ist das Reittier mit seinem Mantra zu sättigen; die übrigen opfern mit seinem Namen, Oṃ am Anfang und Svāhā am Ende.
25.174 Die so Gesättigten werden erst nach der Vollgabe verankert, mithilfe des Sitzes samt Wasser, innerer Vergegenwärtigung und Japa,
25.175 in den eigenen, aus Laut bestehenden, gestaltlosen Formen des Gottes, des Herrn aller Wesen, und ebenso des als Offenbarungswort gegenwärtigen Herrn.
25.176 Nachdem dies geschehen ist, setze die Hüter der Gottgestalten in den Richtungen seitlich der Feuergruben ein und sättige sie mit Milchreis.
25.177 Nach Empfang der Entlohnung sollen sie den Mantra erfreuen. Dann vergegenwärtige den schlafenden Gott und hülle ihn schützend ein.
25.178 Verehre ihn und verneige dich; lasse dort alle eintreten, die Lobpreis rezitieren oder sich Tanz und Gesang widmen.
25.179 Die in den Zwischenrichtungen Stehenden wiederholen Oṃ, die in den Hauptrichtungen den zwölfsilbigen Mantra. Dann gehe mit Arghya, Blumen und ungebrochenen Reiskörnern in der Hand zum Tempel.
25.180 Vertreibe Hindernisse mit weißem Senf, der durch den Waffenmantra geheiligt ist. Nach diesem Verfahren kann die Grube bereits zuvor oder erst jetzt in der Mitte ausgehoben werden.
25.181 Teile das nach festem Maß bestimmte innere Heiligtum in sieben Abschnitte, von der Tür aus mit gleichmäßig gespannten Schnüren nach allen Richtungen.
25.182 Die Bereiche von der Türmitte aus haben als zugeordnete Wesen Piśācas, Menschen, Götter und den höchsten Puruṣa.
25.183 Bei den installierten Gestalten außer der vierfachen Gottgestalt führt die Verehrung vom jeweils eigenen Platz aus bald zum Erfolg, o Einsichtiger.
25.184 Wird der Gott jedoch verehrt, während der Verehrer den Götterbereich betritt, entstehen viele Hindernisse. Deshalb ist dieser Bereich von ihm zu meiden.
25.185 Bei der Installation der vierfachen Gestalt auf einem glückverheißenden göttlichen Sockel, o Pflugträger, ist die mittlere, dem Stein entsprechende Stelle
25.186 sorgfältig über dem mittleren Feld des inneren Heiligtums anzuordnen. Danach lasse hinten einen zugehörigen Abschnitt frei.
25.187 Am Ende zweier Steinfelder ist die Anordnung vorzunehmen, o Einsichtiger; vor dem Kultbild erstreckt sich die Verehrungsplattform über zwei Abschnitte.
25.188 Dies ist bei der Aufstellung eines rechteckigen Sockels günstig. Entsprechend gilt die Vorschrift für einen quadratischen, doch dabei, o Pflugträger,
25.189 ist die Plattform für die tägliche Verehrung nach vorn zu verschieben. Wer den Gott stets unmittelbar auf dem Sockel verehrt,
25.190 soll den Stein in der Mitte einsetzen. So sind entsprechend der Art der Verehrung und der erstrebten Frucht
25.191 die Kultbilder samt Sockeln richtig aufzustellen. Der Götter- und Menschenbereich gewährt diesseitige und jenseitige Früchte.
25.192 Der Götter- und Brahmanbereich gewährt die acht diesseitigen Vorzüge. Für die Befreiung gilt die Vorschrift allgemein für jene, die frei von Begehren sind.
25.193 Wird die Mitte aus baulichen Gründen erneut geöffnet, vollziehe das Verfahren nochmals: Spüle die Grube mit Waffenmantra-Wasser und bestreiche sie mit dem Herzmantra mit Sandel und anderem.
25.194 Verankere darin die in den Krügen gegenwärtigen Mantras nach dem früheren Verfahren durch geistige Sammlung jeweils an ihrem eigenen Ort.
25.195 Nach der vorgeschriebenen Verehrung bis zur Vollgabe setze dort den Stein ein, mit einer Dicke von sechs, fünf oder vier Golaka.
25.196 Für Wohlergehen soll der feste Stein etwas über den Sockel hinausragen, für Befreiung vollständig vom Sockel umfasst sein. Zuvor sind neun Vertiefungen in ihm anzubringen.
25.197 Lasse dabei den geeigneten Mantra „pratiṣṭhā asi“ rezitieren. Von Osten an lege nach der Ordnung des Hervorgehens jeweils fünf Stoffe
25.198 in die Vertiefungen des Steins: im Osten Diamant, Gold, Auripigment, Uśīra und Reis; im Süden
25.199 Saphir, Eisen, Kāṃsīsa, Sandel und Sesam; im Westen Perle, Silber und Quecksilber,
25.200 sowie Uśīra und Mungbohnen; im Norden Rubin, Bronze, Rājapāṣāṇa und Rājendra zusammen mit Kichererbsen. [Die beiden letzten Stoffnamen sind nicht sicher zu bestimmen.]
25.201 In der Mitte lege zuvor Viśaṅka nieder [Stoffbezeichnung unklar]. Danach ordne außen in den Zwischenrichtungen nach der Ordnung der Rückkehr die übrigen Stoffe jeweils gesondert an.
25.202 Im Nordosten Vaiḍūrya, Metall, Cakrāṅga, Glimmer und schnell reifenden Reis; im Nordwesten Topas, Harītavī,
25.203 Gaurikā, Śārikā und Linsen; im Südwesten Mahānīla, Zinn, Mākṣika-Mineral,
25.204 Gerste und Aguru; im Südosten Bergkristall, Kupfer, Realgar, Weizen und Śaṅkhapuṣpikā. [Einige Mineral- und Pflanzennamen der Liste bleiben unbestimmt.]
25.205 In die Mitte kommen anschließend alle Stoffe. Verschließe die Vertiefungen mit einer Masse und verehre an jeder Stelle den Mantra samt seinen Gliedern.
25.206 Die Yajurveda-Kenner lasse die sechs mit „ca me“ verbundenen Abschnitte rezitieren. Darüber setze den Sockel; in seine Höhlung lege
25.207 einen Diskus aus acht Metallen. Darüber kommt, o Einsichtiger, die jeweils eigene Unterlage nach der besonderen Zuordnung der zwölf Gestalten.
25.208 Darüber lege einen goldenen Lotus oder einen aus demselben Metall beziehungsweise Kupfer. Bei der vierfachen Gottgestalt werden diese fünf Stücke in ihrer Reihenfolge angeordnet.
25.209 Beim Diskus lege Ananta nieder, bei der Schildkröte Fisch und Schildkröte [die Zuordnung im überlieferten Wortlaut ist widersprüchlich]; beim Fisch Schildkröte und Ananta, bei jener Fisch und Ananta.
25.210 Für alle ist der Lotus vorgesehen; für ihn lege Ananta nieder. Bei der Installation des Vogelkönigs im Pavillon wird ein Diskus verwendet.
25.211 Vollziehe die zugehörige Sättigung bis zur Vollgabe. Gemeinsam mit den Gestaltträgern ist wie zuvor die Handlung mit Darbha und Wasser auszuführen.
25.212 Dann wecke und verehre den Gott und sprich: „Du, dessen Wesen Mantra ist, nimm deine feurige Gestalt zurück.
25.213 Nimm eine friedvolle Erscheinung an, um hier zu bleiben, höchster Herr. Verehrung sei dir, Hṛṣīkeśa! Erhebe dich, höchster Herr.
25.214 Um mir Gnade zu schenken, nimm deinen Platz auf dem Sockel ein.“ Dann enthülle der Mantrameister mit dem Herzmantra den aus dem Schlaf erwachten Herrn.
25.215 Hebe ihn mit dem Gestaltmantra und der Kraft der Gestaltträger empor, trage ihn durch den Torbogen hinaus und vollziehe vier Rechtsumgänge
25.216 um den Tempelsockel. Halte vor der Tür an, bringe Fußwasser, Arghya und Mundspülung dar und führe ihn mit dem Herzmantra hinein,
25.217 ohne die Türpfosten oder andere Teile zu berühren. Die Kenner lasse „catuścakra“ und anschließend „puram ekādaśa“ rezitieren.
25.218 Umwickle zuvor den Stiel seines Fußlotus mit weißem Seidentuch, das durch den Schutzpanzer-Mantra geheiligt ist, unter Rezitation des Scheitelmantras.
25.219 Bringe Feuer und Soma ins Gleichgewicht; setze das Bild mit dem von Oṃ umschlossenen Grundmantra ein und lasse den Atem links ausströmen.
25.220 Lasse der Reihe nach die beiden Mantras mit den Kennzeichen der Installation rezitieren. Vergegenwärtige die eigene friedvolle, aus Brahman bestehende Gestalt des Herrn.
25.221 Weil er zum Wohl aller mit seinen sechs Eigenschaften hervorgetreten ist, rücke ihn vom Brahmanfeld ein wenig in den Götterbereich,
25.222 damit Befreiung und die weiteren Früchte sicher erlangt werden. Löse dann mit dem Herzmantra das Schutzband an seiner Hand.
25.223 Bringe mit dem Arghya-Mantra dem gesamten Leib die Gabe dar und vergegenwärtige den Grundmantra. Mit einer festen Bindemasse, die durch Herz- und Waffenmantra geheiligt ist,
25.224 verbinde Kultbild, Sockel und Stein zu einer Einheit. Meditiere dann über den Grundmantra als vollkommen friedvolles Brahman.
25.225 Vergegenwärtige, dass er alles von der Unterlage bis zur Spitze des Banners durchdringt. Nachdem diese allgemeine Verbindung hergestellt ist, wird sie im Einzelnen entfaltet:
25.226 als grobstofflich, fein und höchst. Die sechs grobstofflichen Formen reichen bis zum Stein, die feinen befinden sich im Sockel und die höchsten im Leib des Kultbilds.
25.227 Am Fuß des Sockels lege die Gottheiten auf, die dem Hervortreten der Welt dienen; oberhalb des Sockels, ohne diese,
25.228 setze die Gottheiten der Erscheinungsformen von unten nach oben wie zuvor ein, beginnend beim vasenförmigen Teil; den Höchsten vergegenwärtige im Kultbild.
25.229 Durch diese Anordnung aller Gottheiten wird ein Nyāsa vollzogen, der einem wunscherfüllenden Juwel gleicht und Vollendung schenkt.
25.230 Nun ist in der Mitte des Pavillons, dem Gott der Götter zugewandt, noch innerhalb desselben günstigen Zeitabschnitts der König der Vögel aufzustellen,
25.231 der zuvor gewaschen, gesalbt und mit seinem eigenen Mantra zusammen mit dem Kultbild und der Erkenntniskraft vorbereitet wurde. Denn bei gesonderten Gegenständen,
25.232 ob nahe dem Kultbild oder anderswo, o Pflugträger, die bei dieser Gelegenheit zu seinen Gliedern werden,
25.233 muss bis hin zum Reittier alles mit entsprechender Meditation und Verehrung ausgeführt werden; ihre Handlungen dürfen nicht unterschiedslos behandelt werden.
25.234 Hebe ihn deshalb wie das Kultbild aus dem Opferhaus empor, trage ihn rechts um den Gott und bringe ihn an den Installationsplatz.
25.235 In eine einzige mittlere Vertiefung lege die fünf Stoffe von Diamant an. Darüber kommt nur die eine zuvor genannte Unterlage.
25.236 Setze ihn wie zuvor ein. Über seinem Sockel vergegenwärtige die Weltenordnung, in seinem Leib das Übrige, dessen Wesen Bewusstsein ist.
25.237 Der Mantrameister lasse die Brahmanen entsprechend „suparṇo 'si“ rezitieren. Nachdem er ihn mit dem Waffenmantra verehrt hat, gehe er zum Heiligtum.
25.238 Dort wasche er den Herrn mit den hinten aufgestellten Krügen, zusammen mit allen Gestaltträgern und in der festgelegten Reihenfolge.
25.239 Zuerst handelt der Ṛgveda-Kenner mit Aghamarṣaṇa und wiederholter Gāyatrī; anschließend der Lehrer selbst mit den vierfach besprochenen Krügen.
25.240 Der Yajurveda-Kenner begießt mit sechs Krügen, die durch Herz und die übrigen Gliedmantras geheiligt sind; danach wieder der Lehrer selbst, anschließend der Sāman-Kenner.
25.241 Nach weiteren sechs Krügen handelt wieder der Lehrer, dann ebenso der Atharvaveda-Kenner; dazwischen werden Krüge mit wiederholtem Reinigungsmantra verwendet.
25.242 Anschließend soll zusammen mit den Ekāyana-Kennern gewaschen werden, mit Mantras der vier Gottgestalten, die vielfach innerlich vergegenwärtigt wurden.
25.243 Wasche mit dem Krug; nimm dann den verbleibenden, besprich ihn hundertmal mit dem Grundmantra und dem Mantra der ursprünglichen Gestalt.
25.244 Gieße ihn zusammen mit den anderen über das Haupt des Gottes der Götter und lasse alle den Jitante-Text sprechen. Danach reinige mit Waffenmantra-Wasser
25.245 den Tempel und vollziehe die zuvor erklärte Verehrung vom Sitzangebot bis zur abschließenden Darbringung, diesmal ohne weitere Waschung.
25.246 Entlohne besonders den Lehrer und die Gestaltträger. Verneige dich vor dem Gott und bitte ihn mit Handlung, Geist und Wort:
25.247 „Gott, du bist in das Kultbild eingegangen. Dass ich dich beim Lagern und den anderen Handlungen in die jeweils erforderliche Lage gebracht habe, vergib mir, Acyuta.“
25.248 Nach dieser Verneigung und Bitte um Vergebung gehe rückwärts hinaus, dem Gott zugewandt. Vollziehe die Mundspülung, bringe Bali dar und gehe wieder ins Heiligtum.
25.249 Verehre dort den Herrn wie zuvor vom Sitzangebot bis zur Waschung, mit enthüllten Krügen auf Getreidepodesten,
25.250 die mit dem Herzmantra verehrt und ganz mit Wasser gefüllt sind; zusammen mit den Gestaltträgern, wie zuvor abwechselnd,
25.251 vollziehe die Waschung nach dem vorgeschriebenen Verfahren. Wenn der Tempel wieder vom Wasser befreit ist, verehre erneut wie zuvor
25.252 Acyuta mit den Gaben vom Sitz bis zur abschließenden Übergabe. Bilde die Mudrā, wiederhole den Mantra, preise ihn, bitte um Vergebung und gehe hinaus.
25.253 Der Mantrameister selbst bringe hundert, tausend oder einhundertacht Opfergaben dar, mit dem Mantra samt Gliedern und Gefolge, in zusammenhängender Rezitation.
25.254 Die Gestaltträger opfern je hundertmal mit den Gāyatrīs, denen Oṃ vorangeht; die Ekāyana-Kenner ebenso oft mit ihren eigenen Namensformeln.
25.255 Lasse dann die Gestaltträger der Ṛgveda und der übrigen Veden, zuletzt die Ekāyana-Kenner, die Vollgabe darbringen und der Reihe nach rezitieren:
25.256 „pūrṇāt pūrṇam“ und den mit „pūrṇam asi“ beginnenden Mantra. Der Lehrer selbst bringe mit dem Verehrungsmantra samt Gliedern die Gabe dar.
25.257 Sättige dann mit Bali alle Wesen und die übrigen Empfänger. Tritt ein, vollziehe die Mundspülung und bitte den im Krug gegenwärtigen Gott um Vergebung,
25.258 ebenso wie zuvor den im Maṇḍala und anschließend den in der Feuergrube gegenwärtigen. Schmücke den Lehrer und die übrigen mit Armreifen und anderem Schmuck.
25.259 Übergib dem Lehrer oder seinem Sohn die Opferausstattung, vom Kultbild bis zu den Ekāyana-bezogenen Gegenständen, samt allen Hilfsmitteln,
25.260 mit Dienerinnen, Arbeitern und reinen Tempeldienern. [Die Übergabe von Menschen spiegelt die historische Sozialordnung.] Fertige dann wie zuvor einen Krug aus Stein oder Metall,
25.261 mit dem Maß von zwei Golaka. Weihe ihn zusammen mit dem Mantrakultbild an einem anderen günstigen Tag im vorschriftsmäßigen Opferpavillon,
25.262 ordnungsgemäß und mit sämtlichen Hilfsmitteln; vollziehe an beiden die vollständigen Handlungen von der Waschung an.
25.263 Setze das Bild in den mit Herz und den übrigen Mantras versehenen Krug. Schmücke es rein mit Tüchern, Schmuck und Blumen; mit Arghya und Blumen in der Hand
25.264 steige langsam mit den Gestaltträgern bis zum oberen Ende des Tempels hinauf. Dort vollziehe zunächst die Handlungen vom Sitzangebot bis zum Abspülen.
25.265 Führe den Bīja-Nyāsa oder das gesamte zur Anrufung erklärte Verfahren aus. Bringe das Bild samt Krug in die Mitte und setze es ein,
25.266 mit dem Grundmantra, am Anfang und Ende vom Herzmantra umschlossen, o Pflugträger. Stelle dort zunächst die eine Verbindung mit dem Höchsten her,
25.267 danach die zuvor erklärte allgemeine Verbindung der Kalās. Verehre, bedecke mit Tuch und bringe es mithilfe von Mörtel in feste Gestalt.
25.268 An dem darüberliegenden Körper vollziehe wie erklärt die Handlung samt Gliedern; danach weihe den Tempel nach dem früher beschriebenen Weg.
25.269 Bestreiche und verehre ihn und schmücke ihn mit Girlanden und anderem. Bei seiner Weihe lasse die Brahmanen wie zuvor rezitieren.
25.270 Verankere dort selbst in Meditation den Schutzpanzer-Mantra. Nachdem alles nach diesem Verfahren bis zur Vollgabe vollzogen ist,
25.271 lasse die Sāmaveda-Kenner das mit „āroha“ beginnende Sāman singen. Setze den Diskus in die Mitte des Āmalaka-Abschlusses,
25.272 in der gewünschten Form, zu einer Himmelsrichtung oder zum Himmel gewandt, auf einem Stab mit dem Laut seiner Kraft, strahlend wie eine glühende Sonne.
25.273 Lege in ihm den Diskusmantra und den zuvor erklärten Lautweg nieder, nach der Ordnung des Hervortretens und Zurückkehrens, zunächst in seiner erkennbaren Form.
25.274 Erkenne zuvor, dass er die stoffliche Gestalt angenommen hat; erst dann stelle die Verbindung nach oben her, nicht auf andere Weise, o Einsichtiger.
25.275 Wer den Diskus wahrhaft als die eine Gestalt erkennt, die makellos, friedvoll und als „friedvoll hervorgetreten“ bezeichnet wird,
25.276 erlangt in diesem Kreislauf des Daseins die Würde eines Weltenherrschers unter den Menschen aller Lebensstadien und unter allen, die dem Dharma ergeben sind.
25.277 Als Verkörperung des Wort-Brahman ist er vollkommen und ohne äußere Stütze, innen und außen in allen gegenwärtig, makellos und befreiend. [Das Wort vor „ohne Stütze“ ist beschädigt.]
25.278 Dem Milchozean gleich, wie tausend Sonnen leuchtend, ohne einzelne Glieder und mit scharfem Rand: Das ist der als „friedvoll“ bezeichnete Diskus, der Yoga schenkt.
25.279 Wenn er dagegen aus eigener Freiheit in vielfältigen Gliedern erscheint und seine eigene Wirksamkeit nach allen Richtungen ausbreitet,
25.280 mit schwach angedeutetem Kranz, Nabe und Linien zwischen den Speichen, dann erkenne ihn als den „friedvoll hervorgetretenen“, Wünsche gewährenden Diskus.
25.281 Was in der friedvollen Gestalt bewusst enthalten bleibt, nachdem alles vollbracht ist, tritt mit Nabe und den übrigen Teilen in Tätigkeit: Dieser König der Diskusse heißt der „hervorgetretene“.
25.282 Wird der Mantra in ihm verehrt, gilt auch der Diskus als verehrt. Durch hingebungsvolles Japa und Sättigung gewährt er allen die jeweiligen Ziele.
25.283 Nachdem der gewünschte Diskus, der alle Hindernisse vernichtet, so installiert und verehrt ist, stelle unmittelbar danach
25.284 den vorbereiteten Bannerstab mit dem Scheitelmantra auf, um ein Drittel höher als der Turm und mit dem König der Vögel geschmückt.
25.285 Das Banner sei verschiedenfarbig und mit kleinen Glöckchen geschmückt; es reiche ununterbrochen von der Stabspitze bis zur halben Turmhöhe.
25.286 Seine Breite beträgt ein Zwölftel oder ein Achtzehntel seiner Länge. Vergegenwärtige zuvor den Waffenmantra in dem als Emblem dienenden Tuch,
25.287 befestige es an der Spitze des Bannerstabs und verehre es mit Duftstoffen und weiteren Gaben. Damit habe ich die Installation von Menschen gefertigter Kultbilder erklärt,
25.288 o Lotusäugiger, in eigenständigen Heiligtümern. Wird sie so ohne Vermischung der Ordnungen vollzogen, schenkt sie Vollendung.
25.289 Bei Menschen, die die Verehrungsverfahren vermischen, bleibt der Erfolg dagegen aus. Wie der Herr auf einem einzigen Sitz und an einem einzigen Ort in vier, drei, zwei oder weiteren Gestalten
25.290 selbst in der Welt erscheint, um den Wesen Gnade zu schenken, in vielfältiger eigener Form, so geschieht auch seine Einsetzung im Himmel und andernorts.
25.291 Dies sollen Menschen nicht eigenmächtig nachahmen, selbst wenn sie die Pflichten der Stände kennen und vielfältige Vergegenwärtigungen beherrschen; auch nicht jene, die gleichmütig und aus Mitgefühl tätig sind,
25.292 rein, mit unterschiedlichen Ritualhandlungen vertraut, Verehrer verschiedener Gottheiten, allein Oṃ sprechend, friedvollen Geistes und frei von Neid,
25.293 Kenner der Mantras, Mudrās, Reihenfolgen, Meditationen, Hervorbringung und Auflösung und fähig, die aus einer Vermischung entstehenden Fehler zu beseitigen. [Die lange Satzverbindung ist nicht durchgehend eindeutig.]
25.294 Ist der Weltenlehrer als Verkörperung der Erkenntnis richtig installiert, soll man in Bezug auf ihn keine davon abweichende Mantra- und Ritualform einführen.
25.295 Beim Installationsopfer sollen die der menschlichen Ordnung folgenden Menschen den Tempel samt Unterlage und den dem Hervortreten zugehörigen Sockel für die Gottheiten der Erscheinungsformen entsprechend einrichten. [Der Satzanschluss ist unsicher.]
25.296 Wer aber in einem Heiligtum oder auf dem Sitz zuvor installierter Gottheiten des Daseinskreislaufs ein Bild des Erhabenen anfertigt
25.297 und es aus Verblendung dort einsetzt, für den und für das Kultbild entsteht große Gefahr, mit nachteiligen Folgen hier und jenseits.
25.298 Das Bild empfängt von den Verehrern nicht die höchste Verehrung; entsprechend erlangt auch der Auftraggeber nicht die höchste Frucht.
25.299 Bei einem größeren Kultbild und einem entsprechend weiten Sockel, der keine abhängige Einordnung erfordert, ist die gleichzeitige Installation der Erscheinungsgottheiten jedoch nicht widersprüchlich.
25.300 Zu einem anderen Zeitpunkt oder für einen anderen Zweck ist die Einsetzung einer weiteren Gestalt auf dem Sockel des Erhabenen nicht vorgesehen, außer als Ersatz für eine bereits eingesetzte.
25.301 Dass die dem Welthervortreten dienenden Gottheiten im Maṇḍala verehrt werden, bedeutet nicht, dass sie gemeinsam auf einem einzigen Sockel aufzustellen sind.
25.302 Wer die Reihenfolge verändert oder sie auf gesonderten Sockeln links und rechts so anordnet, dass die Rechtsordnung der Gottheiten missachtet wird,
25.303 zerstört selbst den hohen Ruhm des mit Entlohnung versehenen Installationsopfers.
25.304 Ein rechts vom älteren Bild aufgestelltes größeres Bild vermindert dessen Kraft. Für das neu aufgestellte ist es dagegen günstig, wenn das ältere größer bleibt.
25.305 Gleichheit von Stellung, Wirksamkeit und Vermögen wird hier nicht zugelassen. Auch auf einem erhöhten Sitz bleibt ein maßlich kleineres Bild geringer.
25.306 Ein zu kleines Maß beeinträchtigt nach dieser Lehre das Glück der Kinder der Auftraggeber sowie das körperliche Wohlergehen des Bildstifters und des Installierenden. [Der letzte Satzteil ist beschädigt.]
25.307 Eine links vorgenommene Aufstellung kann gleich groß, kleiner oder größer sein. Berücksichtige dies und führe die Einsetzung nach Vermögen gesondert aus.
25.308 Zur Erlangung von Vollendung und Befreiung geschieht die Verehrung im Heiligtum. Wo Torbau, Hof, Terrasse, Tempel
25.309 und das Bild des Erhabenen samt Sockel so angeordnet sind, dass die Verehrer sie mit Bali und Räucherwerk ordnungsgemäß rechts umschreiten können,
25.310 erkenne dieses Heiligtum als Śvetadvīpa gleich. Dies ist die vorzügliche Anordnung; andere sind nachgeordnet.
25.311 Die vorzügliche Anordnung gewährt die volle Frucht, eine ihr nur ähnliche eine entsprechende geringere. Die zuvor genannten, recht aufgestellten Gestalten des ursprünglichen Gottes
25.312 sollen von Brahmanen nicht ohne einen geeigneten Platz als Kultbilder täglich verehrt werden. Im Haus stehen sie auf dem Sockel, außerhalb auch auf einer Blattunterlage beziehungsweise Bildtafel. [„patra“ ist hier mehrdeutig.]
25.313 Sie sind von ihnen stets zu verehren, für Wohlergehen wie für Befreiung, mit oder ohne Reittier, außerhalb oder im eigenen Haus.
25.314 Könige und die übrigen Stände sollen sie dagegen nicht als Kultbilder, sondern im Maṇḍala verehren. Alle auf Suparṇa stehenden Gestalten dürfen Brahmanen und Könige als Kultbilder
25.315 im eigenen Haus und andernorts stets verehren. Entsprechend dürfen die übrigen bis zu den Vaiśyas von den dafür geeigneten Menschen verehrt werden,
25.316 zusammen mit den verschiedenen Formen des Herrn der Kräfte. Der Herr der Kräfte ohne Reittier soll von Brahmanen und anderen nicht als gesondertes Kultbild täglich verehrt werden,
25.317 mitten unter der Familie im eigenen Lebensumfeld; bei Menschen ohne entsprechende Schulung ist eine friedvolle Gestalt erforderlich.
25.318 Wenn das Antlitz des Erhabenen, das die drei Welten erschreckt, sichtbar dargestellt wird, können selbst zu gutem Zweck angefertigte Bilder im Haus ungünstig wirken. [Die Formulierung ist syntaktisch schwierig.]
25.319 Solche Darstellungen sollen besonders von wohlhabenden Menschen, die Lebensgüter besitzen und Vollendung erstreben, außen an Palästen, Tempeln und entsprechenden Plätzen angebracht werden.
25.320 Wegen mangelnder Leuchtkraft sollen im Haus keine Bilder aus Lehm, Stein oder Holz hergestellt werden, ausgenommen bei friedvollen Entsagenden, die beständig auf Befreiung ausgerichtet sind.
25.321 Außerhalb dürfen alle solche Bilder errichten; dort verleihen Mond, Sonne und die übrigen Lichter ihnen fortwährend großen Glanz.
25.322 Für alle Gottgestalten, bis hin zur Einzelform, o Einsichtiger, ebenso für ihre weiteren Formen und die Scharen der Erscheinungsformen,
25.323 auch deren weitere Ausprägungen, wo immer sie stehen, sind zur Verehrung stets folgende Formeln günstig:
25.324 Oṃ mit der Verehrungswendung für die Sockelverehrung sowie die bekannten vier Namensmantras der vierfachen Gottgestalt
25.325 zusammen mit dem Jitante-Text für die Verehrung. Wer töricht ohne den Mantra anders verfährt und bewegliche Kultbilder verehrt,
25.326 oder im Haus einen Gott verehrt, dessen Mantra er nicht kennt, zieht einen Fehler auf sich. Wer bei einem beweglichen Kultbild die allgemeinen Mantras auslässt
25.327 oder eine besondere Gestalt mit einem unpassenden Gesamtmantra verehrt, erzeugt bald eine Vermischung, die ihm zum Fehler wird.
25.328 Wer dies weiß, soll stets aufmerksam bei den rituellen Handlungen sein, besonders wenn er dem Leben als Haushälter verpflichtet ist.
25.329 Bei Schäden vom Aufbrechen des Bodens bis zum Banner ist beim Herausnehmen die Fünfergruppe der Mantras, beginnend mit Oṃ, anzuwenden,
25.330 bei Feueropfer und Verehrung sowie bei Hervorbringung und Rücknahme. Bewegt sich der Baugrund, entferne alles vom Banner an
25.331 bis zum Grundstein und setze es entsprechend wieder ein. Bei einem Bruch des Diskus oder Tempels entferne das Kultbild samt den darüberliegenden Teilen, o Einsichtiger.
25.332 Bei einem Bruch des Sockels entferne das Bild, bei einem Bruch des Bilds dieses selbst. Was immer entfernt werden soll, verehre zuerst.
25.333 Sättige mit Honig, geklärter Butter, Guggulu, Milch, Dickmilch, Puffreis und anderem der Reihe nach sowie mit hundert oder tausend Sesamopfern.
25.334 Lasse die Schar der Mantras aus dem Herzen hervortönen und lege sie darin nieder, leuchtend wie ein Netz. Alle zuvor verankerten Bewusstseinskräfte
25.335 treten dort hinein; dann nimm die Mantraschar wieder zurück. Alle Ṛgveda-Kenner lasse „uttiṣṭha“ und die entsprechenden Kenner weitere Texte rezitieren.
25.336 Zu Beginn der Handlung und an ihrem Ende spreche den mit „paramāṃ prakṛtim“ beginnenden Text. Mit den vier Namensmantras von Aniruddha an vollziehe jeweils gesondert
25.337 das Feueropfer; danach mit sämtlichen Lauten ihrer Namen in umgekehrter Reihenfolge, von Oṃ am Anfang und Ende umschlossen, wie zuvor in den acht Richtungen
25.338 des Tempels. Ebenso ist mit den Gāyatrīs und den Namensformeln von Vāsudeva an zu opfern. Nach dem Feueropfer, gemeinsam mit den anderen,
25.339 vollziehe zuvor am eigenen Leib den Nyāsa mit dem Reittiermantra samt Gliedern, ebenso für die Reittiere, und berühre dann den Brahmanträger. [Der letzte Gegenstandsbezug ist unklar.]
25.340 Bewege das Bild mit dem Herzmantra und hebe es unter Wiederholung des Waffenmantras heraus. Lege es auf eine Trage oder einen Wagen und versenke es in tiefem Wasser.
25.341 Danach wiederhole zur Sühne den Namensmantra tausendmal; opfere die Hälfte dieser Zahl zur vollständigen Befriedung.
25.342 Erfreue wie zuvor alle nach Vermögen mit Gold und anderem; sättige den Lehrer und die übrigen mit Speise und Getränken.
25.343 Mit freudigem Geist sollen sie unter Rezitation des zwölfsilbigen Mantras die Fehlerfreiheit aussprechen. Dann installiere das herausgenommene oder neu angefertigte Bild erneut.
25.344 Der Lehrer, der ganz vom Erhabenen erfüllt ist, verwende stets die allgemeinen Mantras der vier Gottgestalten zusammen mit Oṃ.
25.345 Denn für die Kenner des Brahman gibt es in Wahrheit keinen Mantra und keine Gottgestalt außerhalb von Oṃ und der vierfachen Gottgestalt. [Die überlieferte Zeile lässt die erforderliche Verneinung nur aus dem Zusammenhang erschließen.]
25.346 Oṃ ist der entfaltete Mantra des vierfachen Gottes. In diesem Wissen vollziehe die Handlungen von der Installation bis zur Herausnahme.
25.347 Wer nach ordnungsgemäßer Verehrung, ohne das Kultbild zu bewegen, an göttlichen und anderen Heiligtümern hingebungsvoll Erneuerungen vornimmt, [Der überlieferte Versschluss wiederholt Wörter aus 25.348; die deutsche Satzfolge gibt den erkennbaren Zusammenhang wieder.]
25.348 am Banner, am reinen Tempel, am Sockel, am Strahlenkranz oder an der Basis, oben geschmückt mit Lotussen und anderem aus gutem Metall, Stein oder Holz,
25.349 mit einem oder mehreren Blättern, durch Eisen und weitere Befestigungen sicher verbunden, schön und reich an Glanz wie Sonne, Mond und Feuer,
25.350 der begründet in der Welt bleibenden Ruhm und erlangt am Ende mit seinen Familien sicher eine Stätte, beginnend mit der Vereinigung mit Gott.
25.351 Wer dem Herrn Embleme und Armringe anlegt, aus Gold und anderen Materialien gefertigt und reich am Glanz verschiedener Edelsteine,
25.352 dessen Verfehlungen werden abgewaschen. Er erlangt einen reinen Leib und verbindet sich mit rechter Erkenntnis, durch die er nicht mehr in das Werden zurückkehrt.
25.353 Wer zum eigenen Heil und zur Beendigung allen Leidens von der Zehenspitze bis zum Knöchel, bis zum Knie oder bis zur Schulter
25.354 einen goldenen oder anderen Schutzüberzug, reich an Edelsteinen, Perlen und Korallen, nach seinem Vermögen mit großer Hingabe dem im Kultbild gegenwärtigen Acyuta anlegt,
25.355 gelangt mit Kindern, Vieh und Angehörigen zur höchsten Stätte. Wer dagegen aus Verblendung Armringe, Fußringe und anderen Schmuck,
25.356 der an der Gestalt des Erhabenen befestigt ist, entfernt, findet nach dieser Lehre bleibenden Aufenthalt in Avīci. Wer den berechtigten Brahmanen, die den fünf täglichen Zeiten folgen,
25.357 den Pāñcarātra-kundigen Zweimalgeborenen, die Vollendung erstreben, und den einer ununterbrochenen Überlieferung angehörenden, auf Nārāyaṇa ausgerichteten Menschen,
25.358 den Asketen, Gelübdehaltenden, Studienabsolventen und Brahmacārins oder anderen Verehrern, die sich der Reinigung des Heiligtums und ähnlichen Diensten widmen,
25.359 zur Freude des höchsten Herrn ein ordentlich errichtetes Gebäude mit Hallen und weiteren Räumen aus Stein und gebrannten Ziegeln übergibt,
25.360 gefüllt mit angebautem und wildwachsendem Getreide, mit gesicherter Versorgung und mit Händlern, Haushalten, Arbeitern und Wächtern ausgestattet,
25.361 der erlangt unermessliche Frucht für die Dauer von Mond und Sternen, bleibenden Bestand in der Welt und unvergänglichen Ruhm.
25.362 Wer vor dem Sockel für die Durchführung der Verehrung eine schöne, glückverheißende Anlage nach den zuvor genannten Merkmalen schafft, geeignet für die Darbringung und Verwendung der Gaben,
25.363 oder für die äußere Verehrung der mit heiligen Handlungen und Brahmanopfer Beschäftigten, der wird von der dreifachen Schuld gegenüber Menschen, Ahnen und Göttern frei.
25.364 Ein Bali-Sockel mit Garuḍa in der Mitte, mit Diskus und Lotus geschmückt, viereckig oder rund und wie eine Feuergrube mit einem Umgang versehen,
25.365 den jemand hingebungsvoll außerhalb des Heiligtums Acyutas errichtet, führt ihn auf mondhellen Himmelswagen zur unvergänglichen Stätte.
25.366 Wer dem Herrn einen ummauerten Garten übergibt, mit vielfältigen Blumen und Früchten, mit Brunnen und zahlreichen Bäumen,
25.367 mit lotusbedeckten Wasserbecken, Tieren und Vögeln, der genießt zunächst im Nandana-Garten die Freuden und gelangt danach zu Acyutas Wohnstatt.
25.368 Wer dem Ursprung der Welt ein Landstück schenkt, reich an Feldfrüchten oder duftendem Reis, ein ringsum durch Wasserläufe versorgtes Feld,
25.369 der erlangt eine unvergängliche Dauer, geht nach Śvetadvīpa und wohnt dort gleich dem Erhabenen.
25.370 Wer nach Verehrung eine Rinderherde mit einem vortrefflichen Stier für Waschung, Opfergaben und Mantradienst einem Viṣṇu-Kultbild übergibt,
25.371 wird bald von Fehlern frei und gelangt in Viṣṇus Welt. Wer einen Elefanten, Wagen, edlen Hengst oder eine wohlgestaltete Lampenschale,
25.372 einen Fächer, Fliegenwedel, Schirm, Instrumente, eine Gruppe von Tempeltänzerinnen, schöne Gewänder, feine Stoffe und kostbaren Schmuck,
25.373 einen Baldachin, eine Siegesgirlande, gemalte Blatt- und Rankenmuster, eine wohlklingende Glocke und ein schönes Räuchergefäß,
25.374 eine Wasserkanne, einen Spiegel, einen Wasserkrug, einen großen Reibstein für Duftstoffe sowie die zuvor genannten anderen Dinge und verschiedene Getreidearten
25.375 Hari mit Hingabe schenkt, erlangt seine Welt. Wer eine zum Antlitz des Herrn blickende Gestalt, die eine Lampenschale trägt,
25.376 oder eine große Lampe, eine Vorrichtung in Schildkröten- oder anderer Gestalt, auf einem geeigneten Sitz stehend und mit kunstvollen Behältnissen geschmückt,
25.377 oder ein verschiedenartig gearbeitetes Pult für die heiligen Schriften dem Gott der Götter gläubig darbringt, o Einsichtiger, gelangt zu seiner Stätte. [Einige Gerätebezeichnungen in 25.376 sind unsicher.]
25.378 Was immer man mit Hingabe den Menschen schenkt, die seiner Verehrung ergeben sind, indem man den Ursprung der Welt vor Augen stellt, das erlangt Unvergänglichkeit.
25.379 So, o Brahmanen, die ihr in der Ordnung des Dharma steht, wurde der Pflugträger vom Gott der Götter unterwiesen, aus dem Wunsch, allen Gnade zu schenken.
25.380 Durch die Gnade des Trägers der Welt habe ich dies zur Erlangung der Befreiung empfangen und nun vor euch allen wahrheitsgemäß dargelegt.
25.381 Diese höchste, Verfehlungen tilgende, heilige und reinigende Lehre gewährt die zweifache Vollendung. Sie soll Menschen mit gutem Inneren vermittelt werden, deren Wesen von Hingabe erfüllt ist,
25.382 achtsamen Verehrern, die dem Lotusäugigen dienen und Opfer, Befreiung, guten Ruf und Gemeinschaft mit Heiligen erstreben.
25.383 Vor Menschen dagegen, die nur Genuss suchen, ohne Hingabe sind, sich an Wortverdrehungen erfreuen, auf unrechtmäßige Weise herantreten oder die heilige Ordnung bestreiten, soll sie bewahrt werden.
25.384 Wer diesen Sinn vor Ungeeigneten schützt und Geeigneten weitergibt, ist mir verehrungswürdig. Heil sei mit euch! Ich gehe nun.“
Kolophon: Hier endet im heiligen Pancharatra, in der heiligen Sattvata Samhita, Kapitel 25 mit dem Namen „Vorschrift der Installation und weiterer Riten“.
Vom Lesen zur inneren Gegenwart
Am Ende der langen Wege durch Mantras, Bilder und heilige Handlungen steht die Bitte um Nähe: Der allgegenwärtige Herr möge in das Kultbild und in das Innere der Menschen eintreten (25.119–128). In diesem Gebet finden die sorgfältige äußere Verehrung und die Sehnsucht des Herzens zusammen.
Für die eigene Praxis darf etwas davon ganz einfach werden. Ein vertrautes Mantra, aufmerksam wiederholt. Ein Augenblick der Stille vor einer wichtigen Handlung. Eine Gabe, die aus Dankbarkeit geschieht. Ein freundliches Wort, das einem anderen Menschen Mut macht. Solche kleinen Schritte können die Erinnerung an das Göttliche durch den Tag tragen.
Die Sattvata Samhita verbindet große spirituelle Ziele mit beständiger Zuwendung. Ihre Bilder des Segens, der Furchtlosigkeit und des Mitgefühls laden dazu ein, die Praxis von diesen Qualitäten erfüllen zu lassen. So kann die Lektüre weiterwirken: im ruhiger werdenden Geist, im offenen Herzen und in der Bereitschaft, dem Leben mit mehr Güte zu begegnen.
Weiterführendes Vishnu-Video aus dem Yoga-Vidya-Wiki; ergänzend zur eigenen Lektüre.
Siehe auch
- Pancharatra
- Vishnu
- Narayana
- Vasudeva
- Lakshmi
- Bhakti
- Mantra
- Japa
- Guru
- Diksha
- Puja
- Arcana
- Dhyana
- Jnana
- Moksha
- Sadhana
- Bewusstsein
- Ahirbudhnya Samhita
- Jayakhya Samhita
- Lakshmi Tantra
Literatur
- Satvata Samhita with the Commentary of Alashinga Bhatta. Academy of Sanskrit Research, Melkote, 2009; der Literaturhinweis der digitalen Vorlage nennt Band II. Weiterführender Editionshinweis, nicht als selbständig kollationierte Ausgabe verwendet.
- Sudhakar Malaviya: Satvata Samhita: A Pancaratra Agama. Sanskrittext mit Hindiübersetzung. Chowkhamba Sanskrit Series Office, 2007. Weiterführender Literaturhinweis nach den Angaben der digitalen Vorlage.
Weblinks
Seminare
Kundalini Yoga
- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Arjuna Wingen
- 06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung
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- 26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online
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- 30.10.2026 - 01.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
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- 04.11.2026 - 04.11.2026 Einführung in die Chakratherapie - Online Workshop
Uhrzeit: 18 - 21 Uhr
Ein Chakra ist ein feinstoffliches Kraftzentrum des Körpers, welches wichtige Körperfunktionen steuert und bestimmten Organen zug…- Beate Menkarski
Textgrundlage
Grundlage ist die digitale IAST-Fassung der Sātvatasaṃhitā mit dem Kommentar Alaśiṅgabhaṭṭas in 25 Kapiteln. Die Datei enthält Herkunftshinweise auf Wisdomlib, aber keine vollständige bibliographische Dokumentation ihrer editorischen Grundlage. Eine unabhängige Kollation mit einem Druck wurde nicht vorgenommen. Historische Entstehungsdaten werden deshalb hier nicht als gesicherte Jahreszahlen angegeben.
Grundtext, Kommentar, Fremdzitate und Variantenapparat wurden für die Sanskritfassungen getrennt. Die Devanagari-Fassung ist aus diesem IAST-Grundtext abgeleitet. Sie bezeugt keine zusätzliche Handschrift oder unabhängige Lesart. Insbesondere Kapitel 3 nach Vers 47, der Bereich 22.63–64 und die erste Hälfte von 23.4 sind beschädigt. Nummerierungsfehler und örtliche Unsicherheiten werden in den Sanskritseiten vermerkt. Der vollständig erhaltene Umfang des Werkes darf daher nicht allein aus den Kapitelendnummern abgeleitet werden.
Die verwendeten Bilddateinamen, Videoeinbindungen und RSS-Adressen sind im Yoga-Vidya-Wiki belegt: Medien zu Vishnu auf der Seite Vishnu, das Sivananda-Bild und die Feeds für Kundalini Yoga und Energiearbeit auf Kundalini Yoga, der Chakra-Feed auf Chakra und der Schriften-Feed auf Indische Schriften. Sie dienen der begleitenden Veranschaulichung und belegen nicht den Wortlaut der Samhita.
Sanskrit in IAST · Sanskrit in Devanagari · 108 inspirierende Verse und Mantras