Saubhagyalakshmi Upanishad
Die Saubhagyalakshmi Upanishad (Sanskrit: सौभाग्यलक्ष्म्युपनिषत्, IAST: Saubhāgyalakṣmyupaniṣat f.) verbindet die Verehrung von Lakshmi mit Yoga, innerem Klang und nichtdualer Versenkung. Die Muktika-Liste ordnet sie dem Rigveda zu; innerhalb der thematischen Gruppen gehört sie zu den Shakta Upanishaden. Saubhāgya bezeichnet Glück, Wohlergehen und günstiges Geschick. Der Text entfaltet diesen Begriff vom religiös erbetenen Gedeihen bis zur Freiheit von eigennützigem Begehren.
Die Götter bitten Adinarayana um Unterweisung. Seine Antwort umfasst drei Bereiche: die Verehrung Shris mit dem Shri Sukta, Mantras und einem Yantra; die innere Sammlung durch Atem und Nada; schließlich ein besonderes System von neun Chakras. Der Kern der Lehre wird im Bild vom Salz im Wasser anschaulich: Wie das Salz im Wasser aufgeht, so beschreibt die Upanishad Samadhi als Einswerden von Geist und Selbst.

Für die Praxis von Yoga und Meditation ist vor allem die Verbindung von Hingabe, Aufmerksamkeit und Loslassen bedeutsam. Der Text sagt ausdrücklich, dass die höchste Vollendung der Shri-Vidya den Begehrensfreien zukommt. Seine subtilen Körperbilder sind in ihrer eigenen Überlieferung zu lesen; das Neun-Chakra-System ist nicht mit jeder heute üblichen Darstellung identisch.
Saubhagyalakshmi Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die Studienfassung enthält den Eröffnungsvers, das Friedensgebet, die vollständige Prosa und die einzelnen Verse der benutzten Sanskritfassung einschließlich Schlussgebet und Kolophon. Die Ziffern 1a–1k und 3a–3k kennzeichnen redaktionelle Prosasinnabschnitte, keine alten Versnummern. Die beiden Meditationsverse des ersten Khanda tragen in der Quelle beide die Zahl 1. Der Yogaabschnitt besitzt die Verse 1–19; die in der digitalen Ausgabe vor Vers 18 stehende Überschrift „Dritter Khanda“ wird hier vor die ausdrückliche Frage nach den neun Chakras gestellt. Die beiden Verse bleiben vollständig erhalten.
Die Worterklärungen lösen Sandhi und Komposita auf. Eckige Klammern kennzeichnen größere Ergänzungen zum Satzverständnis. Unklare Ritual- und Körperbezeichnungen werden an Ort und Stelle erläutert. Das Friedensgebet ist in seiner vollständigen üblichen Worttrennung wiedergegeben. Alle drei Volltexte beruhen auf demselben Textstand.
Einleitungsvers
saubhāgyalakṣmīkaivalyavidyāvedyasukhākṛti |
tripānnārāyaṇānandarāmacandrapadaṃ bhaje ||
Ich verehre den Zustand Ramachandras: die Gestalt der Freude, die durch die befreiende Erkenntnis der Saubhagyalakshmi erkannt wird, die Wonne des dreifüßigen Narayana.
Wort-für-Wort-Übersetzung: saubhāgya-lakṣmī – Lakshmi des Wohlergehens; kaivalya-vidyā – befreiende Erkenntnis; vedya – durch sie zu erkennen; sukha-ākṛti – Gestalt der Freude; tripāt-nārāyaṇa – dreifüßiger Narayana; ānanda – Wonne; rāmacandra-padam – Zustand Ramachandras; bhaje – ich verehre.
Textanmerkung: Der vorgeschaltete Verehrungsvers gehört zum Rahmen der überlieferten Textsammlung.
Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; vāk – Rede; me – meine; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet; manaḥ – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āviḥ āviḥ – offen, offenbar; me – mir; edhi – werde, sei; vedasya – des Veda; me – mir, vedisch auch ma; āṇīsthaḥ – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; śrutam – Gehörtes; me – von mir; mā – nicht; prahāsīḥ – verlasse; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān – Tage und Nächte; sandadhāmi – ich verbinde; ṛtam – das Rechte; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat – jenes; mām – mich; avatu – möge beschützen; vaktāram – den Sprechenden, Lehrenden.
Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.
Erster Khanda – Lakshmi, Mantra und Verehrung
1a. Die Bitte der Götter
hariḥ oṃ || atha bhagavantaṃ devā ūcurhe
bhagavannaḥ kathaya saubhāgyalakṣmīvidyām |
Hari Om. Die Götter sprachen zum Erhabenen: „Erhabener, erkläre uns die Erkenntnis der Saubhagyalakshmi.“
Wort-für-Wort-Übersetzung: hariḥ oṃ – Hari Om; atha – da; bhagavantam – zum Erhabenen; devāḥ – die Götter; ūcuḥ – sprachen; he bhagavan – o Erhabener; naḥ – uns; kathaya – erkläre; saubhāgya-lakṣmī-vidyām – Erkenntnis der Saubhagyalakshmi.
1b. Meditation über Shri
tathetyavocadbhagavānādinārāyaṇaḥ sarve devā
yūyaṃ sāvadhānamanaso bhūtvā śṛṇuta
turīyarūpāṃ turīyātītāṃ sarvotkaṭāṃ
sarvamantrāsanagatāṃ pīṭhopapīṭhadevatāparivṛtāṃ
caturbhujāṃ śriyaṃ hiraṇyavarṇāmiti
pañcadaśargbhirdhyāyet |
Der erhabene Adinarayana antwortete: „So sei es. Ihr Götter, hört alle mit gesammeltem Geist. Man meditiere mit den fünfzehn Versen, die mit hiraṇyavarṇām beginnen, über die vierarmige Shri: Sie hat die Gestalt des Vierten, übersteigt auch das Vierte, ist über alles erhaben, sitzt auf dem Thron aller Mantras und ist von den Gottheiten der Haupt- und Nebenheiligtümer umgeben.“
Wort-für-Wort-Übersetzung: tathā iti – so sei es; avocat – sprach; bhagavān – der Erhabene; ādi-nārāyaṇaḥ – ursprünglicher Narayana; sarve devāḥ – alle Götter; yūyam – ihr; sāvadhāna-manasaḥ – mit aufmerksamem Geist; bhūtvā – geworden; śṛṇuta – hört; turīya-rūpām – von der Gestalt des Vierten; turīya-atītām – das Vierte überschreitend; sarva-utkaṭām – über alles erhaben; sarva-mantra-āsana-gatām – auf dem Sitz aller Mantras befindlich; pīṭha-upapīṭha-devatā-parivṛtām – von Gottheiten der Haupt- und Nebenheiligtümer umgeben; catur-bhujām – vierarmig; śriyam – Shri; hiraṇya-varṇām – die Goldfarbene, Anfang des Shri Sukta; pañcadaśa-ṛgbhiḥ – mit fünfzehn Versen; dhyāyet – man meditiere.
Textanmerkung: turīyātītāṃ folgt der grammatisch stimmigen Parallelfassung; die digitale Grundfassung bietet turīyātītān. Das Shri Sukta wird hier durch seinen Anfang bezeichnet und nicht vollständig zitiert.
1c. Seher, Versmaße und Mantrakräfte
atha pañcadaśa
ṛgātmakasya śrīsūktasyānandakardamaciklītendirāsutā
ṛṣayaḥ | śrīṛṣyādyā ṛcaḥ
caturdaśānāmṛcāmānandādyṛṣayaḥ |
hiraṇyavarṇādyādyatrayasyānuṣṭup chandaḥ |
kāṃsosmītyasya bṛhatī chandaḥ |
tadanyayordvayostriṣṭup | punaraṣṭakasyānuṣṭup |
śeṣasya prastārapaṅktiḥ | śryagnirdevatā |
hiraṇyavarṇāmiti bījam | kāṃso'smīti śaktiḥ |
Für das aus fünfzehn Versen bestehende Shri Sukta werden Ananda, Kardama und Ciklita, die Söhne Indiras, als Seher genannt. Shri ist die Seherin des ersten Verses; für die vierzehn weiteren gelten Ananda und die anderen. Die ersten drei Verse ab hiraṇyavarṇām haben das Versmaß Anushtubh; der mit kāṃso’smi beginnende Vers hat Brihati, die beiden folgenden Trishtubh, die nächsten acht wiederum Anushtubh und der verbleibende Vers Prastarapankti. Shri und Agni sind die Gottheiten. hiraṇyavarṇām ist der Keim, kāṃso’smi die Kraft.
Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – ferner; pañcadaśa-ṛg-ātmakasya – aus fünfzehn Versen bestehenden; śrī-sūktasya – des Shri Sukta; ānanda-kardama-ciklīta – Ananda, Kardama und Ciklita; indirā-sutāḥ – Söhne Indiras; ṛṣayaḥ – Seher; śrī-ṛṣiḥ – Shri als Seherin; ādyā ṛk – erster Vers; caturdaśānām ṛcām – der vierzehn Verse; ānanda-ādy-ṛṣayaḥ – Ananda und die anderen als Seher; ādya-trayasya – der ersten drei; anuṣṭup – Anushtubh; chandaḥ – Versmaß; bṛhatī – Brihati; tad-anyayoḥ dvayoḥ – der beiden folgenden; triṣṭup – Trishtubh; punaḥ – wieder; aṣṭakasya – der Achtzahl; śeṣasya – des verbleibenden; prastāra-paṅktiḥ – Prastarapankti; śrī-agniḥ – Shri und Agni; devatā – Gottheit; bījam – Keim; śaktiḥ – Kraft.
Textanmerkung: Die Aufzählung der Seher ist in der digitalen Vorlage grammatisch gedrängt. Die Auslegung unterscheidet Shri als Seherin des ersten Verses von ihren Söhnen. Die Mantraanfänge werden entsprechend der vorliegenden Ritualüberlieferung wiedergegeben.
1d. Die rituelle Zuordnung zum Körper
hiraṇmayā candrā rajatasrajā hiraṇyā hiraṇyavarṇeti
praṇavādinamontaiścaturthyantairaṅganyāsaḥ |
atha vaktratrayairaṅganyāsaḥ | mastakalocanaśrutighrāṇavadanakaṇṭhabāhudvayahṛdayanābhiguhyapāyūrujānujaṅgheṣu
śrīsūktaireva kramaśo nyaset |
Die Namen Hiranmaya, Candra, Rajatasraja, Hiranya und Hiranyavarna werden in den Dativ gesetzt, mit Om begonnen und mit namaḥ abgeschlossen; mit ihnen vollziehe man die Zuordnung zu den Körpergliedern. Darauf wird ein weiterer Anganyasa beschrieben. Die Verse des Shri Sukta sind der Reihe nach dem Haupt, den Augen, den Ohren, der Nase, dem Mund, der Kehle, den beiden Armen, dem Herzen, dem Nabel, den Geschlechtsteilen, dem After, den Oberschenkeln, den Knien und den Unterschenkeln zuzuordnen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: hiraṇmayā – die Goldene; candrā – die Leuchtende; rajata-srajā – die eine Silberkette Tragende; hiraṇyā – die Goldene; hiraṇya-varṇā – die Goldfarbene; praṇava-ādi – mit Om beginnend; namaḥ-anta – mit namaḥ endend; caturthī-anta – in der Dativform; aṅga-nyāsaḥ – rituelle Zuordnung zu den Körpergliedern; atha – darauf; vaktra-trayaiḥ – wörtlich mit drei Gesichtern, hier unsichere Lesart; mastaka – Haupt; locana – Auge; śruti – Ohr; ghrāṇa – Nase; vadana – Mund; kaṇṭha – Kehle; bāhu-dvaya – beide Arme; hṛdaya – Herz; nābhi – Nabel; guhya – Geschlechtsteile; pāyu – After; ūru – Oberschenkel; jānu – Knie; jaṅghā – Unterschenkel; śrī-sūktaiḥ – mit den Versen des Shri Sukta; kramaśaḥ – der Reihe nach; nyaset – man ordne zu.
Textanmerkung: Die Wendung vaktratrayaiḥ ist textlich unklar. Sie wird nicht als gesicherte zusätzliche Ritualvorschrift ausgelegt. Die Namen sind im Sanskrit zunächst in ihrer Zitierform aufgeführt; der Text verlangt ihre Verwendung im Dativ.
1e. Erster Meditationsvers – Shri auf dem Lotus
aruṇakamalasaṃsthā
tadrajaḥpuñjavarṇā karakamaladhṛteṣṭā'bhītiyugmāmbujā ca |
maṇikaṭakavicitrālaṅkṛtākalpajālaiḥ sakalabhuvanamātā
santataṃ śrīḥ śriyai naḥ || 1 ||
Möge Shri, die Mutter aller Welten, uns beständig Wohlergehen schenken: auf einem rötlichen Lotus sitzend, von der Farbe seiner Pollenfülle, in ihren lotosgleichen Händen die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit sowie zwei Lotusblüten tragend, reich geschmückt mit mannigfaltigen Ornamenten und edelsteinbesetzten Armreifen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: aruṇa-kamala-saṃsthā – auf einem rötlichen Lotus sitzend; tad-rajaḥ-puñja-varṇā – von der Farbe seiner Pollenfülle; kara-kamala – lotusgleiche Hand; dhṛta – getragen; iṣṭa – das Erwünschte, hier Geste des Gewährens; abhīti – Furchtlosigkeit; yugma-ambujā – zwei Lotusblüten; maṇi-kaṭaka – edelsteinbesetzte Armreifen; vicitra-alaṅkṛta – mannigfaltig geschmückt; ākalpa-jālaiḥ – mit einer Fülle von Schmuck; sakala-bhuvana-mātā – Mutter aller Welten; santatam – beständig; śrīḥ – Shri; śriyai – zum Wohlergehen; naḥ – für uns.
1f. Yantra und Verehrung
tatpīṭhakarṇikāyāṃ sasādhyaṃ śrībījam |
vasvādityakalāpadmeṣu śrīsūktagatārdhārdharcā
tadbahiryaḥ śuciriti mātṛkayā ca śriyaṃ yantrāṅgadaśakaṃ
ca vilikhya śriyamāvāhayet | aṅgaiḥ prathamā vṛttiḥ |
padmādibhirdvitīyā | lokeśaistṛtīyā | tadāyudhaisturīyā
vṛttirbhavati | śrīsūktairāvāhanādi | ṣoḍaśasahasrajapaḥ |
In die Mitte ihres Sitzes schreibe man das Shri-Bija zusammen mit dem Namen des angestrebten Gegenstandes. In die Lotusfelder mit acht, zwölf und sechzehn Blättern schreibe man die entsprechenden Halbverse des Shri Sukta; außerhalb davon die mit yaḥ śuciḥ bezeichnete Formel und die Lautzeichen. Nachdem man Shri und die zehn Glieder des Yantras eingetragen hat, rufe man Shri herbei. Der erste Kreis wird mit den Gliedern verehrt, der zweite mit Padma und den weiteren [Kräften], der dritte mit den Weltenhütern, der vierte mit deren Waffen. Herbeirufung und die übrigen Handlungen erfolgen mit dem Shri Sukta. Die Rezitationszahl beträgt sechzehntausend.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tat-pīṭha-karṇikāyām – in der Mitte ihres Sitzes; sa-sādhyam – zusammen mit dem zu Bewirkenden; śrī-bījam – Shri-Keimsilbe; vasu-āditya-kalā-padmeṣu – in Lotusfeldern mit acht, zwölf und sechzehn Blättern; śrī-sūkta-gata – im Shri Sukta enthalten; ardha-ardha-ṛcā – mit den jeweiligen Halbversen; tad-bahiḥ – außerhalb davon; yaḥ śuciḥ – wer rein ist, zitierter Formeleingang; mātṛkayā – mit der Lautzeichenreihe; yantra-aṅga-daśakam – zehn Glieder des Yantras; vilikhya – eingeschrieben habend; śriyam āvāhayet – man rufe Shri herbei; aṅgaiḥ – mit den Gliedern; prathamā vṛttiḥ – erster Kreis; padma-ādibhiḥ – mit Padma und den anderen; dvitīyā – zweiter; lokeśaiḥ – mit den Weltenhütern; tṛtīyā – dritter; tad-āyudhaiḥ – mit deren Waffen; turīyā – vierter; āvāhana-ādi – Herbeirufung und Weiteres; ṣoḍaśa-sahasra-japaḥ – sechzehntausend Rezitationen.
Textanmerkung: Vasu, Aditya und Kala dienen als traditionelle Zahlwörter für acht, zwölf und sechzehn. lokeśaiḥ folgt der Parallelüberlieferung; die digitale Grundfassung hat sokeśaiḥ. Die knappe Yantraangabe setzt ritualkundliche Erläuterung voraus.
1g. Die einsilbige Formel
saubhāgyaramaikākṣaryā bhṛgunicṛdgāyatrī | śriya ṛṣyādayaḥ |
śamiti bījaśaktiḥ | śrīmityādi ṣaḍaṅgam |
Für die einsilbige Formel der Saubhagya-Rama sind Bhrigu der Seher, Nicrid-Gayatri das Versmaß und Shri die Gottheit. śam ist als Keim und Kraft genannt. Die sechs Glieder beginnen mit śrīm.
Wort-für-Wort-Übersetzung: saubhāgya-ramā-ekākṣaryāḥ – der einsilbigen Formel der Glück spendenden Rama; bhṛguḥ – Bhrigu; nicṛt-gāyatrī – verkürzte Gayatri als Versmaß; śriyaḥ – Shri; ṛṣi-ādayaḥ – Seher und übrige Zuordnungen; śam – zitierte Keimsilbe; iti – so; bīja-śaktiḥ – Keim und Kraft; śrīm-iti-ādi – mit śrīm beginnend; ṣaḍ-aṅgam – sechs Glieder.
Textanmerkung: Die Vorlage nennt bei Keim und Kraft śam, unmittelbar danach śrīm. Diese Differenz bleibt ausdrücklich erhalten; sie wird nicht durch eine unbelegte Angleichung verdeckt. Rama ist hier ein Name Lakshmis, nicht der Name des Helden Rama.
1h. Zweiter Meditationsvers – Shri und die Elefanten
bhūyādbhūyo
dvipadmābhayavaradakarā taptakārtasvarābhā śubhrābhrābhebhayugmadvayakaradhṛtakumbhādbhirāsicyamānā | raktaughābaddhamaulirvimalataradukūlārtavālepanāḍhyā padmākṣī padmanābhorasi
kṛtavasatiḥ padmagā śrīḥ śriyai naḥ || 1 ||
Möge Shri uns immer wieder Wohlergehen schenken: Zwei ihrer Hände tragen Lotusblüten, die anderen gewähren Furchtlosigkeit und Gaben; sie glänzt wie erhitztes Gold. Zwei Elefantenpaare, hell wie weiße Wolken, übergießen sie mit Wasser aus Krügen, die sie mit ihren Rüsseln halten. Ihr Haupt ist mit Rotem umwunden; feinste reine Gewänder und duftende Salben schmücken sie. Sie ist lotusäugig, wohnt an der Brust Padmanabhas und sitzt auf dem Lotus.
Wort-für-Wort-Übersetzung: bhūyāt – möge sein, schenken; bhūyaḥ – immer wieder; dvi-padma – zwei Lotusblüten; abhaya – Furchtlosigkeit; varada – Gaben gewährend; karā – Hände habend; tapta-kārtasvara-ābhā – wie erhitztes Gold glänzend; śubhra-abhra-ābha – weißen Wolken gleichend; ibha-yugma-dvaya – zwei Elefantenpaare; kara-dhṛta-kumbha – mit dem Rüssel gehaltener Krug; adbhiḥ – mit Wasser; āsicyamānā – übergossen werdend; rakta-ogha-ābaddha-mauliḥ – mit roter Fülle umwundenes Haupt; vimala-tara-dukūla – sehr reines feines Gewand; ārtava-ālepana – duftende Salbung; āḍhyā – reich versehen; padma-akṣī – lotusäugig; padmanābha-urasi – an der Brust Padmanabhas; kṛta-vasatiḥ – ihren Wohnsitz genommen habend; padma-gā – auf dem Lotus befindlich; śrīḥ – Shri; śriyai naḥ – zu unserem Wohlergehen.
Textanmerkung: Die genaue Bedeutung des zusammengesetzten Ausdrucks für den roten Kopfschmuck und der Salbenbezeichnung ist unsicher. Die Übersetzung hält sich an den erkennbaren Bildgehalt.
1i. Der Sitz Ramas und neun Kräfte
tatpīṭham | aṣṭapatraṃ vṛttatrayaṃ dvādaśarāśikhaṇḍaṃ
caturasraṃ ramāpīṭhaṃ bhavati | karṇikāyāṃ sasādhyaṃ śrībījam |
vibhūtirunnatiḥ kāntiḥ sṛṣṭiḥ kīrtiḥ sannatirvyuṣṭiḥ
satkṛṣṭirṛddhiriti praṇavādinamo taiścaturthyantairnavaśaktiṃ
yajet | aṅge prathamā vṛtiḥ |
vāsudevādibhirdvitīyā | bālākyādibhistṛtīyā |
indrādibhiścaturthī bhavati |
dvādaśalakṣajapaḥ |
Der Sitz Ramas besteht aus acht Blättern, drei Kreisen, zwölf Tierkreisfeldern und einem Quadrat. In seine Mitte kommt das Shri-Bija mit dem zu Bewirkenden. Man verehre die neun Kräfte Vibhuti, Unnati, Kanti, Srishti, Kirti, Sannati, Vyushti, Satkrishti und Riddhi. Ihre Namen werden im Dativ verwendet, mit Om begonnen und mit namaḥ abgeschlossen. Der erste Kreis gilt den Gliedern, der zweite Vasudeva und den anderen, der dritte Balaki und den anderen, der vierte Indra und den anderen. Die Rezitationszahl beträgt zwölf Lakhs, also 1.200.000.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tat-pīṭham – ihr Sitz; aṣṭa-patram – achtblättrig; vṛtta-trayam – drei Kreise; dvādaśa-rāśi-khaṇḍam – zwölf Tierkreisfelder; catur-asram – quadratisch; ramā-pīṭham – Sitz Ramas; karṇikāyām – in der Mitte; sa-sādhyam – mit dem zu Bewirkenden; śrī-bījam – Shri-Keimsilbe; vibhūtiḥ – Entfaltung, Macht; unnatiḥ – Erhebung; kāntiḥ – Glanz; sṛṣṭiḥ – Schöpfung; kīrtiḥ – Ruhm; sannatiḥ – Demut, Verneigung; vyuṣṭiḥ – Morgenlicht, Aufleuchten; satkṛṣṭiḥ – Satkrishti, Name einer Kraft; ṛddhiḥ – Gedeihen; praṇava-ādi – mit Om beginnend; namaḥ-anta – mit namaḥ endend; caturthī-anta – im Dativ; nava-śaktim – neunfache Kraft; yajet – man verehre; aṅge – bei den Gliedern; prathamā vṛtiḥ – erster Kreis; vāsudeva-ādibhiḥ – mit Vasudeva und den anderen; dvitīyā – zweiter; bālāki-ādibhiḥ – mit Balaki und den anderen; tṛtīyā – dritter; indra-ādibhiḥ – mit Indra und den anderen; caturthī – vierter; dvādaśa-lakṣa-japaḥ – zwölf Lakhs Rezitationen.
Textanmerkung: Satkrishti und Balaki sind in dieser knappen Ritualüberlieferung nicht näher erläutert. vāsudevādibhiḥ folgt der ausführlicheren Parallelfassung.
1j. Namen Lakshmis
śrīlakṣmīrvaradā viṣṇupatnī
vasupradā hiraṇyarūpā
svarṇamālinī rajatasrajā svarṇaprabhā svarṇaprākārā
padmavāsinī padmahastā
padmapriyā muktālaṅkārā candrasūryā bilvapriyā īśvarī
bhuktirmuktirvibhūtirṛddhiḥ samṛddhiḥ kṛṣṭiḥ
puṣṭirdhanadā dhaneśvarī
śraddhā bhoginī bhogadā sāvitrī dhātrī
vidhātrītyādipraṇavādinamontāścaturthyantā
mantrāḥ |
Die Mantras werden aus folgenden Namen gebildet, jeweils im Dativ, mit Om am Anfang und namaḥ am Ende: Shri-Lakshmi, die Gaben Gewährende, Vishnus Gemahlin, die Güter Spendende, die Goldgestaltige, die Goldgeschmückte, die eine Silberkette Tragende, die Goldstrahlende, die von goldenen Mauern Umgebene, die Lotusbewohnerin, die Lotushändige, die Lotusliebende, die Perlgeschmückte, Mond und Sonne, die Bilvaliebende, die Herrin, Genuss, Befreiung, Machtentfaltung, Gedeihen, Fülle, Kultivierung, Nahrung und Wachstum, die Reichtum Spendende, die Herrin des Reichtums, Vertrauen, die Genießende, die Genuss Schenkende, Savitri, die Tragende und die Ordnende.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śrī-lakṣmīḥ – Shri-Lakshmi; varadā – Gaben Gewährende; viṣṇu-patnī – Vishnus Gemahlin; vasu-pradā – Güter Spendende; hiraṇya-rūpā – Goldgestaltige; svarṇa-mālinī – Goldgeschmückte; rajata-srajā – eine Silberkette Tragende; svarṇa-prabhā – Goldstrahlende; svarṇa-prākārā – von goldenen Mauern Umgebene; padma-vāsinī – Lotusbewohnerin; padma-hastā – Lotushändige; padma-priyā – Lotusliebende; muktā-alaṅkārā – Perlgeschmückte; candra-sūryā – Mond und Sonne; bilva-priyā – Bilvaliebende; īśvarī – Herrin; bhuktiḥ – Genuss; muktiḥ – Befreiung; vibhūtiḥ – Machtentfaltung; ṛddhiḥ – Gedeihen; samṛddhiḥ – Fülle; kṛṣṭiḥ – Kultivierung; puṣṭiḥ – Nahrung, Wachstum; dhanadā – Reichtum Spendende; dhana-īśvarī – Herrin des Reichtums; śraddhā – Vertrauen; bhoginī – Genießende; bhogadā – Genuss Schenkende; sāvitrī – Savitri; dhātrī – Tragende; vidhātrī – Ordnende; iti-ādi – und weitere solcher Namen; praṇava-ādi – mit Om beginnend; namaḥ-anta – mit namaḥ endend; caturthī-antāḥ – Dativformen; mantrāḥ – Mantras.
1k. Abschluss der Ritualanweisung
ekākṣaravadaṅgādipīṭham | lakṣajapaḥ |
daśāṃśaṃ tarpaṇam |
daśāṃśaṃ havanam | dvijatṛptiḥ | niṣkāmānāmeva
śrīvidyāsiddhiḥ |
na kadāpi sakāmānāmiti || 1 ||
Glieder und Sitz entsprechen der einsilbigen Formel. Vorgesehen sind hunderttausend Rezitationen, ein Zehntel davon als Trankspende und ein Zehntel als Feueropfer sowie die Bewirtung der Zweimalgeborenen. Die Vollendung der Shri-Vidya kommt allein denen zu, die ohne eigennütziges Begehren sind, niemals den von Begehren Bestimmten.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ekākṣara-vat – wie bei der einsilbigen Formel; aṅga-ādi-pīṭham – Glieder und zugehöriger Sitz; lakṣa-japaḥ – hunderttausend Rezitationen; daśa-aṃśam – ein Zehntel; tarpaṇam – Trankspende, Sättigungsgabe; havanam – Feueropfer; dvija-tṛptiḥ – Bewirtung der Zweimalgeborenen; niṣkāmānām – der Begehrensfreien; eva – allein; śrī-vidyā-siddhiḥ – Vollendung der Shri-Vidya; na kadā api – niemals; sa-kāmānām – der von Begehren Bestimmten; iti – so.
Textanmerkung: Der Text nennt zweimal „ein Zehntel“, ohne den Bezug des zweiten Anteils ausdrücklich zu erklären. Der Artikel setzt dafür keine zusätzliche Rechenregel ein. Die wiederholte Zahl 1 bezeichnet hier den Abschluss des ersten Khanda.
Zweiter Khanda – Yoga, Klang und Samadhi
Zweiter Khanda
dvitīyaḥ khaṇḍaḥ
Zweiter Abschnitt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dvitīyaḥ – zweiter; khaṇḍaḥ – Abschnitt.
2a. Frage nach der höchsten Wirklichkeit
atha hainaṃ devā ūcusturīyayā māyayā nirdiṣṭaṃ
tattvaṃ brūhīti | tatheti sa hovāca |
Die Götter sprachen zu ihm: „Erkläre die Wirklichkeit, auf die durch die Maya des Vierten hingewiesen wurde.“ Er sagte: „So sei es.“
Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; ha – bekräftigende Partikel; enam – zu ihm; devāḥ – Götter; ūcuḥ – sprachen; turīyayā māyayā – durch die Maya des Vierten; nirdiṣṭam – angezeigt; tattvam – Wirklichkeit; brūhi – erkläre; iti – so; tathā – so sei es; saḥ hovāca – er sprach.
2.1. Yoga wird durch Yoga erkannt
yogena yogo jñātavyo yogo yogātpravardhate |
yo'pramattastu yogena sa yogī ramate ciram || 1 ||
Yoga soll durch Yoga erkannt werden; Yoga wächst durch Yoga. Wer im Yoga aufmerksam bleibt, dieser Yogi erfreut sich lange.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yogena – durch Yoga; yogaḥ – Yoga; jñātavyaḥ – zu erkennen; yogāt – aus Yoga, durch Übung; pravardhate – wächst; yaḥ – wer; apramattaḥ – aufmerksam, nicht nachlässig; tu – aber; saḥ yogī – dieser Yogi; ramate – erfreut sich; ciram – lange.
2.2.
samāpayya nidrāṃ sujīrṇe'lpabhojī
śramatyājyabādhe vivikte pradeśe |
sadā śītanistṛṣṇa eṣa prayatno'tha
vā prāṇarodho nijābhyāsamārgāt || 2 ||
Nachdem der Schlaf beendet und die Nahrung gut verdaut ist, esse man wenig. An einem abgeschiedenen Ort, frei von störender Ermüdung, bleibe man stets ruhig und ohne Verlangen. Darin besteht die Bemühung; oder man übe die Atemzügelung auf dem eigenen Übungsweg.
Wort-für-Wort-Übersetzung: samāpayya – beendet habend; nidrām – Schlaf; sujīrṇe – bei gut verdauter Nahrung; alpa-bhojī – wenig essend; śrama – Ermüdung; tyājya – zu beseitigen; abādhe – ohne Störung; vivikte pradeśe – an einem abgeschiedenen Ort; sadā – stets; śīta – kühl, ruhig; nistṛṣṇaḥ – ohne Durst, ohne Verlangen; eṣaḥ prayatnaḥ – diese Bemühung; atha vā – oder; prāṇa-rodhaḥ – Atemzügelung; nija-abhyāsa-mārgāt – auf dem eigenen Übungsweg.
Textanmerkung: sujīrṇe berichtigt das sinnwidrige sijīrṇe der digitalen Fassung nach der Parallelüberlieferung. Die zusammengesetzte Wendung über Ermüdung ist sprachlich unsicher.
2.3.
vaktreṇāpūrya vāyuṃ hutavahanilaye'pānamākṛṣya dhṛtvā
svāṅguṣṭhādyaṅgulībhirvarakaratalayoḥ ṣaḍbhirevaṃ nirudhya |
śrotre netre ca nāsāpuṭayugalamato'nena mārgeṇa samyakpaśyanti pratyayāṃśaṃ praṇavabahuvidhadhyānasaṃlīnacittāḥ || 3 ||
Nachdem sie durch den Mund Luft eingeatmet, Apana zum Sitz des Feuers herangezogen und gehalten haben, verschließen sie mit sechs Fingern beider Hände, den Daumen voran, die beiden Ohren, die beiden Augen und die beiden Nasenöffnungen. Auf diesem Weg schauen diejenigen, deren Geist in vielfältige Meditation über Om versunken ist, einen Anteil der inneren Erkenntnis.
Wort-für-Wort-Übersetzung: vaktreṇa – durch den Mund; āpūrya – gefüllt habend; vāyum – Luft; hutavaha-nilaye – am Sitz des Feuers; apānam – Apana; ākṛṣya – herangezogen; dhṛtvā – gehalten; sva-aṅguṣṭha-ādi-aṅgulībhiḥ – mit den eigenen Fingern, die Daumen zuerst; vara-karatalayoḥ – der beiden Hände; ṣaḍbhiḥ – mit sechs; evam – so; nirudhya – verschlossen; śrotre – beide Ohren; netre – beide Augen; nāsā-puṭa-yugalam – beide Nasenöffnungen; ataḥ – darauf; anena mārgeṇa – auf diesem Weg; samyak – richtig; paśyanti – schauen; pratyaya-aṃśam – Anteil der Erkenntnis; praṇava-bahuvidha-dhyāna – vielfältige Meditation über Om; saṃlīna-cittāḥ – mit darin versunkenem Geist.
Textanmerkung: hutavaha und pratyayāṃśa folgen der Parallelüberlieferung gegenüber hutavala und pratyayāśa. Beschrieben wird eine traditionelle fortgeschrittene Praxis; die Versübersetzung ergänzt keine Atemhaltezeiten.
2.4.
śravaṇamukhanayananāsānirodhanenaiva kartavyam |
śuddhasuṣumnāsaraṇau sphuṭamamalaṃ śrūyate nādaḥ || 4 ||
Dies soll durch das Verschließen von Ohren, Mund, Augen und Nase geschehen. In der gereinigten Bahn der Sushumna wird der Klang deutlich und rein gehört.
Wort-für-Wort-Übersetzung: śravaṇa – Ohren; mukha – Mund; nayana – Augen; nāsā – Nase; nirodhanena – durch Verschließen; eva – eben; kartavyam – zu tun; śuddha – gereinigt; suṣumnā-saraṇau – in der Bahn der Sushumna; sphuṭam – deutlich; amalam – rein; śrūyate – wird gehört; nādaḥ – Klang.
2.5.
vicitraghoṣasaṃyuktānāhate śrūyate dhvaniḥ |
divyadehaśca tejasvī divyagandho'pyarogavān || 5 ||
Im Anahata wird ein Klang gehört, der mit mannigfaltigen Tönen verbunden ist. Der Übende erhält [der Überlieferung zufolge] einen göttlichen Körper, wird strahlend, von göttlichem Duft und frei von Krankheit.
Wort-für-Wort-Übersetzung: vicitra-ghoṣa-saṃyukta – mit mannigfaltigen Tönen verbunden; anāhate – im Anahata, im unangeschlagenen Klang; śrūyate – wird gehört; dhvaniḥ – Klang; divya-dehaḥ – göttlichen Körper habend; ca – und; tejasvī – strahlend; divya-gandhaḥ – göttlichen Duft habend; api – auch; aroga-vān – frei von Krankheit.
Textanmerkung: Die körperlichen Wirkungen sind Heilsverheißungen des Textes.
2.6.
sampūrṇahṛdayaḥ śūnye tvārambhe yogavānbhavet |
dvitīyā vighaṭīkṛtya vāyurbhavati madhyagaḥ || 6 ||
In der Anfangsstufe sei der Yogi im leeren Raum mit erfülltem Herzen. Nachdem die zweite [Bindung] aufgelöst ist, bewegt sich der Lebenshauch in der Mitte.
Wort-für-Wort-Übersetzung: sampūrṇa-hṛdayaḥ – mit erfülltem Herzen; śūnye – im leeren Raum; tu – aber; ārambhe – in der Anfangsstufe; yoga-vān – mit Yoga versehen; bhavet – sei; dvitīyā – die zweite, grammatisch auffällige Form; vighaṭī-kṛtya – aufgelöst habend; vāyuḥ – Lebenshauch; bhavati – wird; madhya-gaḥ – in der Mitte gehend.
Textanmerkung: Der Bezug von dvitīyā ist nicht eindeutig. Die Übersetzung ergänzt „Bindung“ aus dem nachfolgenden Kontext, ohne eine bestimmte Chakra-Zuordnung hinzuzufügen.
2.7.
dṛḍhāsano bhavedyogī padmādyāsanasaṃsthitaḥ |
viṣṇugranthestato bhedātparamānandasambhavaḥ || 7 ||
Der Yogi sei fest im Sitz, im Lotussitz oder in einem anderen geeigneten Sitz verweilend. Durch das Durchbrechen des Vishnu-Knotens entsteht höchste Freude.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dṛḍha-āsanaḥ – fest im Sitz; bhavet – sei; yogī – Yogi; padma-ādi-āsana-saṃsthitaḥ – im Lotus- oder anderen Sitz verweilend; viṣṇu-grantheḥ – des Vishnu-Knotens; tataḥ – darauf; bhedāt – durch Durchbrechen; parama-ānanda-sambhavaḥ – Entstehen höchster Freude.
2.8.
atiśūnyo vimardaśca bherīśabdastato bhavet |
tṛtīyāṃ yatnato bhittvā ninādo mardaladhvaniḥ || 8 ||
Dann gibt es die große Leere und ein gewaltiges Dröhnen wie den Klang einer Kesselpauke. Nachdem die dritte [Bindung] mit Bemühung durchbrochen ist, ertönt ein Klang wie eine Mardala-Trommel.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ati-śūnyaḥ – überaus leer, große Leere; vimardaḥ – gewaltiges Dröhnen, Erschütterung; ca – und; bherī-śabdaḥ – Kesselpaukenklang; tataḥ – dann; bhavet – entstehe; tṛtīyām – die dritte; yatnataḥ – mit Bemühung; bhittvā – durchbrochen habend; ninādaḥ – Ertönen; mardala-dhvaniḥ – Mardala-Trommelklang.
2.9.
mahāśūnyaṃ tato yāti sarvasiddhisamāśrayam |
cittānandaṃ tato bhittvā sarvapīṭhagatānilaḥ || 9 ||
Darauf erreicht er die große Leere, den Sammelort aller Vollkommenheiten. Nachdem dann die Freude des Geistes durchdrungen ist, gelangt der Lebenshauch zu allen Sitzen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: mahā-śūnyam – große Leere; tataḥ – darauf; yāti – erreicht; sarva-siddhi-samāśrayam – Sammelort aller Vollkommenheiten; citta-ānandam – Freude des Geistes; bhittvā – durchdrungen habend; sarva-pīṭha-gata – zu allen Sitzen gelangt; anilaḥ – Lebenshauch.
Textanmerkung: Der zweite Halbvers ist elliptisch. „Durchdringen“ gibt bhittvā wieder; eine besondere anatomische Bedeutung wird nicht ergänzt.
2.10.
niṣpattau vaiṣṇavaḥ śabdaḥ kvaṇatīti kvaṇo bhavet |
ekībhūtaṃ tadā cittaṃ sanakādimunīḍitam || 10 ||
In der Vollendungsstufe ertönt der Vishnu zugehörige Klang als feines Klingen. Dann ist der Geist eins geworden, wie es die Weisen Sanaka und die anderen preisen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: niṣpattau – in der Vollendung; vaiṣṇavaḥ – Vishnu zugehörig; śabdaḥ – Klang; kvaṇati – klingt; iti – so; kvaṇaḥ – feines Klingen; bhavet – entsteht; ekī-bhūtam – eins geworden; tadā – dann; cittam – Geist; sanaka-ādi-muni-īḍitam – von Sanaka und den übrigen Weisen gepriesen.
2.11.
ante'nantaṃ samāropya khaṇḍe'khaṇḍaṃ samarpayan |
bhūmānaṃ prakṛtiṃ dhyātvā kṛtakṛtyo'mṛto bhavet || 11 ||
Indem er das Unendliche dem Begrenzten zugrunde legt und das Ungeteilte im Geteilten erkennt, meditiere er über die Fülle, den ursprünglichen Grund. So wird er einer, der sein Ziel erfüllt hat, und unsterblich.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ante – im Begrenzten, am Ende; anantam – das Unendliche; samāropya – zugrunde gelegt habend; khaṇḍe – im Geteilten; akhaṇḍam – das Ungeteilte; samarpayan – hineinlegend; bhūmānam – Fülle; prakṛtim – ursprünglichen Grund; dhyātvā – meditiert habend; kṛta-kṛtyaḥ – sein Ziel erfüllt habend; amṛtaḥ – unsterblich; bhavet – wird.
2.12.
yogena yogaṃ saṃrodhya bhāvaṃ bhāvena cāñjasā |
nirvikalpaṃ paraṃ tattvaṃ sadā bhūtvā paraṃ bhavet || 12 ||
Indem er Yoga durch Yoga und einen Bewusstseinszustand unmittelbar durch einen anderen zur Ruhe bringt, werde er beständig die höchste, von Vorstellungen freie Wirklichkeit; so wird er zum Höchsten.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yogena – durch Yoga; yogam – Yoga; saṃrodhya – zur Ruhe gebracht habend; bhāvam – Zustand, Vorstellung; bhāvena – durch einen Zustand; ca – und; añjasā – unmittelbar; nirvikalpam – vorstellungsfrei; param tattvam – höchste Wirklichkeit; sadā – beständig; bhūtvā – geworden; param bhavet – werde zum Höchsten.
2.13.
ahaṃbhāvaṃ parityajya jagadbhāvamanīdṛśam |
nirvikalpe sthito vidvānbhūyo nāpyanuśocati || 13 ||
Nachdem der Wissende das Ichgefühl und die Vorstellung einer so beschaffenen Welt aufgegeben hat, ruht er im Vorstellungsfreien und trauert nicht mehr.
Wort-für-Wort-Übersetzung: aham-bhāvam – Ichgefühl; parityajya – aufgegeben habend; jagad-bhāvam – Weltvorstellung; anīdṛśam – nicht von solcher Art, schwer deutbare Bestimmung; nirvikalpe – im Vorstellungsfreien; sthitaḥ – ruhend; vidvān – Wissender; bhūyaḥ – wieder, weiterhin; na api – nicht mehr; anuśocati – trauert.
Textanmerkung: Die Bestimmung anīdṛśam ist dunkel. Sie wird nicht zu einer zusätzlichen metaphysischen These erweitert.
2.14.
salile saindhavaṃ yadvatsāmyaṃ bhavati yogataḥ |
tathātmamanasoraikyaṃ samādhirabhidhīyate || 14 ||
Wie Steinsalz durch seine Verbindung mit Wasser darin gleichförmig aufgeht, so wird das Einswerden von Selbst und Geist Samadhi genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: salile – im Wasser; saindhavam – Steinsalz; yadvat – wie; sāmyam – Gleichförmigkeit; bhavati – entsteht; yogataḥ – durch Verbindung; tathā – so; ātma-manasoḥ – von Selbst und Geist; aikyam – Einssein; samādhiḥ – Samadhi; abhidhīyate – wird genannt.
Textanmerkung: saindhavam und ātmamanasoraikyam berichtigen die erkennbaren Schreibfehler saindhāvam und ātmamanasaurekyam.
2.15.
yadā saṃkṣīyate prāṇo mānasaṃ ca pralīyate |
tadā samarasatvaṃ yatsamādhirabhidhīyate || 15 ||
Wenn der Lebenshauch zur Ruhe kommt und der Geist sich auflöst, wird die dann bestehende Gleichheit des Wesens Samadhi genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yadā – wenn; saṃkṣīyate – schwindet, kommt zur Ruhe; prāṇaḥ – Lebenshauch; mānasam – Geist; ca – und; pralīyate – löst sich auf; tadā – dann; sama-rasatvam – Gleichheit des Wesens; yat – welche; samādhiḥ – Samadhi; abhidhīyate – wird genannt.
2.16.
yatsamatvaṃ tayoratra jīvātmaparamātmanoḥ |
samastanaṣṭasaṅkalpaḥ samādhirabhidhīyate || 16 ||
Die hier bestehende Gleichheit von Einzelselbst und höchstem Selbst, in der alle gedanklichen Entwürfe erloschen sind, wird Samadhi genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yat – welche; samatvam – Gleichheit; tayoḥ – der beiden; atra – hier; jīva-ātma – Einzelselbst; parama-ātman – höchstes Selbst; samasta – alle; naṣṭa – erloschen; saṅkalpaḥ – gedanklicher Entwurf; samādhiḥ – Samadhi; abhidhīyate – wird genannt.
2.17.
prabhāśūnyaṃ manaḥśūnyaṃ buddhiśūnyaṃ nirāmayam |
sarvaśūnyaṃ nirābhāsaṃ samādhirabhidhīyate || 17 ||
Frei von Lichtgestalten, frei von Geist und Intellekt, unversehrt, von allem entleert und ohne Erscheinungsbild: Dies wird Samadhi genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: prabhā-śūnyam – frei von Lichtgestalten; manaḥ-śūnyam – frei vom Geist; buddhi-śūnyam – frei vom Intellekt; nirāmayam – unversehrt; sarva-śūnyam – von allem entleert; nirābhāsam – ohne Erscheinungsbild; samādhiḥ – Samadhi; abhidhīyate – wird genannt.
Textanmerkung: Gemeint ist die Abwesenheit unterscheidbarer Bewusstseinsinhalte, nicht eine aus dem Text ableitbare Behauptung völliger Nichtexistenz.
2.18.
svayamuccalite dehe dehī nityasamādhinā |
niścalaṃ taṃ vijānīyātsamādhirabhidhīyate || 18 ||
Auch wenn der Körper sich von selbst bewegt, erkenne man den Verkörperten durch beständigen Samadhi als unbewegt. Dies wird Samadhi genannt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: svayam – von selbst; uccalite dehe – wenn der Körper sich bewegt; dehī – der Verkörperte; nitya-samādhinā – durch beständigen Samadhi; niścalam – unbewegt; tam – jenen; vijānīyāt – man erkenne; samādhiḥ – Samadhi; abhidhīyate – wird genannt.
2.19.
yatrayatra mano yāti tatratatra paraṃ padam |
tatratatra paraṃ brahma sarvatra samavasthitam || 19 || iti || 2 ||
Wohin auch immer der Geist geht, dort ist der höchste Zustand; dort ist das höchste Brahman, überall in gleicher Weise gegenwärtig. Damit endet der zweite Abschnitt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: yatra yatra – wohin auch immer; manaḥ – Geist; yāti – geht; tatra tatra – jeweils dort; param padam – höchster Zustand; param brahma – höchstes Brahman; sarvatra – überall; sama-avasthitam – gleichmäßig gegenwärtig; iti – damit, so; dvitīyaḥ – zweiter Abschnitt, durch die Zahl 2 angezeigt.
Dritter Khanda – Die neun Chakras
Dritter Khanda
tṛtīyaḥ khaṇḍaḥ
Dritter Abschnitt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tṛtīyaḥ – dritter; khaṇḍaḥ – Abschnitt.
Textanmerkung: Die digitale Vorlage setzt diese Überschrift vor die noch zum zweiten Abschnitt gezählten Verse 18–19. Hier steht sie zur Orientierung vor der ausdrücklichen Frage nach den neun Chakras.
3a. Frage nach den neun Chakras
atha hainaṃ devā ūcurnavacakravivekamanubrūhīti |
tatheti sa hovāca
Die Götter sprachen zu ihm: „Lehre die Unterscheidung der neun Chakras.“ Er antwortete: „So sei es.“
Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; ha – bekräftigend; enam – zu ihm; devāḥ – Götter; ūcuḥ – sprachen; nava-cakra-vivekam – Unterscheidung der neun Chakras; anubrūhi – lehre; iti – so; tathā – so sei es; saḥ hovāca – er sagte.
3b. Erstes Chakra – Adhara
ādhāre brahmacakraṃ trirāvṛttaṃ
bhagamaṇḍalākāram | tatra mūlakande śaktiḥ pāvakākāraṃ
dhyāyet | tatraiva kāmarūpapīṭhaṃ sarvakāmapradaṃ bhavati |
ityādhāracakram |
An der Basis liegt das Brahma-Chakra, dreifach gewunden, von der Gestalt eines Yoni-Kreises. Dort, in der Wurzelknolle, meditiere man über Shakti in Feuergestalt. Ebendort liegt das Kamarupa-Heiligtum, das alle Wünsche erfüllt. Dies ist das Adhara-Chakra.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ādhāre – an der Basis; brahma-cakram – Brahma-Chakra; trir-āvṛttam – dreifach gewunden; bhaga-maṇḍala-ākāram – von der Gestalt eines Yoni-Kreises; tatra – dort; mūla-kande – in der Wurzelknolle; śaktiḥ – Shakti; pāvaka-ākāram – in Feuergestalt; dhyāyet – man meditiere; tatra eva – ebendort; kāmarūpa-pīṭham – Kamarupa-Heiligtum; sarva-kāma-pradam – alle Wünsche erfüllend; bhavati – ist; iti – so; ādhāra-cakram – Basis-Chakra.
3c. Zweites Chakra – Svadhishthana
dvitīyaṃ svādhiṣṭhānacakraṃ
ṣaḍdalam | tanmadhye paścimābhimukhaṃ liṅgaṃ
pravālāṅkurasadṛśaṃ dhyāyet | tatraivoḍyāṇapīṭhaṃ
jagadākarṣaṇasiddhidaṃ bhavati |
Das zweite, das Svadhishthana-Chakra, besitzt sechs Blätter. In seiner Mitte meditiere man über ein nach Westen gerichtetes Linga, einem jungen Korallentrieb ähnlich. Dort liegt das Odyana-Heiligtum, das die Vollkommenheit verleiht, die Welt anzuziehen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: dvitīyam – zweites; svādhiṣṭhāna-cakram – Svadhishthana-Chakra; ṣaḍ-dalam – sechsblättrig; tan-madhye – in seiner Mitte; paścima-abhimukham – nach Westen gewandt; liṅgam – Linga; pravāla-aṅkura-sadṛśam – einem jungen Korallentrieb ähnlich; dhyāyet – man meditiere; tatra eva – ebendort; oḍyāṇa-pīṭham – Odyana-Heiligtum; jagad-ākarṣaṇa-siddhi-dam – die Vollkommenheit der Weltanziehung verleihend; bhavati – ist.
3d. Drittes Chakra – Nabel
tṛtīyaṃ
nābhicakraṃ pañcāvartaṃ sarpakuṭilākāram |
tanmadhye kuṇḍalinīṃ bālārkakoṭiprabhāṃ
tanumadhyāṃ dhyāyet | sāmarthyaśaktiḥ sarvasiddhipradā
bhavati |
Das dritte ist das Nabel-Chakra, fünffach gewunden, wie eine gekrümmte Schlange. In seiner Mitte meditiere man über die schlanke Kundalini, leuchtend wie zehn Millionen aufgehende Sonnen. Sie ist die Kraft des Vermögens, die alle Vollkommenheiten schenkt.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tṛtīyam – drittes; nābhi-cakram – Nabel-Chakra; pañca-āvartam – fünffach gewunden; sarpa-kuṭila-ākāram – von der Gestalt einer gekrümmten Schlange; tan-madhye – in seiner Mitte; kuṇḍalinīm – Kundalini; bāla-arka-koṭi-prabhām – wie zehn Millionen junge Sonnen leuchtend; tanu-madhyām – mit schlanker Mitte; dhyāyet – man meditiere; sāmarthya-śaktiḥ – Kraft des Vermögens; sarva-siddhi-pradā – alle Vollkommenheiten schenkend; bhavati – ist.
3e. Herz-Chakra
maṇipūracakraṃ hṛdayacakram |
aṣṭadalamadhomukham | tanmadhye jyotirmayaliṅgākāraṃ
dhyāyet | saiva haṃsakalā sarvapriyā sarvalokavaśyakarī
bhavati |
[Es folgen die Bezeichnungen] Manipura-Chakra und Herz-Chakra. Dieses besitzt acht abwärts gerichtete Blätter. In seiner Mitte meditiere man über ein lichtvolles Linga. Dies ist die Hamsa-Kraft, allen lieb und alle Welten unter ihren Einfluss bringend.
Wort-für-Wort-Übersetzung: maṇipūra-cakram – Manipura-Chakra; hṛdaya-cakram – Herz-Chakra; aṣṭa-dalam – achtblättrig; adho-mukham – nach unten gerichtet; tan-madhye – in seiner Mitte; jyotir-maya – lichtvoll; liṅga-ākāram – Linga-Gestalt; dhyāyet – man meditiere; sā eva – eben diese; haṃsa-kalā – Hamsa-Kraft; sarva-priyā – allen lieb; sarva-loka-vaśyakarī – alle Welten unter ihren Einfluss bringend; bhavati – ist.
Textanmerkung: Die Vorlage reiht maṇipūracakram und hṛdayacakram ohne erklärende Verbindung aneinander. Das achtblättrige Herz ist erkennbar; die Zuordnung des Namens Manipura bleibt in dieser Stelle unklar. Sie wird nicht stillschweigend an das verbreitete Sieben-Chakra-Modell angepasst.
3f. Kehl-Chakra
kaṇṭhacakraṃ caturaṅgulam | tatra vāme iḍā
candranāḍī dakṣiṇe piṅgalā sūryanāḍī tanmadhye suṣumnāṃ
śvetavarṇāṃ dhyāyet | ya evaṃ vedānāhatā siddhidā bhavati |
Das Kehl-Chakra hat eine Ausdehnung von vier Fingerbreiten. Links liegt Ida, der Mondkanal, rechts Pingala, der Sonnenkanal. Zwischen ihnen meditiere man über die weiße Sushumna. Wer so erkennt, dem verleiht Anahata Vollkommenheit.
Wort-für-Wort-Übersetzung: kaṇṭha-cakram – Kehl-Chakra; catur-aṅgulam – vier Fingerbreiten; tatra – dort; vāme – links; iḍā – Ida; candra-nāḍī – Mondkanal; dakṣiṇe – rechts; piṅgalā – Pingala; sūrya-nāḍī – Sonnenkanal; tan-madhye – zwischen ihnen; suṣumnām – Sushumna; śveta-varṇām – weiß; dhyāyet – man meditiere; yaḥ evam veda – wer so erkennt; anāhatā – Anahata, das Unangeschlagene; siddhi-dā – Vollkommenheit verleihend; bhavati – ist.
Textanmerkung: Anāhatā steht hier tatsächlich in der Kehlpassage. Es wird nicht ohne Beleg durch einen anderen Chakranamen ersetzt.
3g. Gaumen-Chakra
tālucakram | tatrāmṛtadhārāpravāhaḥ |
ghaṇṭikāliṅgamūlacakrarandhre rājadantāvalambinīvivaraṃ
daśadvādaśāram | tatra śūnyaṃ dhyāyet | cittalayo bhavati |
Im Gaumen-Chakra fließt der Strom des Unsterblichkeitstranks. In der Öffnung am Grund des Zäpfchen-Lingas befindet sich ein herabhängender Hohlraum mit zehn oder zwölf Speichen. Dort meditiere man über die Leere; dadurch löst sich der Geist auf.
Wort-für-Wort-Übersetzung: tālu-cakram – Gaumen-Chakra; tatra – dort; amṛta-dhārā-pravāhaḥ – Fließen des Unsterblichkeitstrankes; ghaṇṭikā-liṅga – Zäpfchen-Linga; mūla-cakra-randhre – in der Öffnung des Grundkreises; rāja-danta-avalambinī-vivaram – herabhängender Hohlraum bei dem als Königszahn bezeichneten Bereich; daśa-dvādaśa-āram – zehn- oder zwölfspeichig; śūnyam – Leere; dhyāyet – man meditiere; citta-layaḥ – Auflösung des Geistes; bhavati – entsteht.
Textanmerkung: Die zusammengesetzte Lokalisierungsangabe ist nicht eindeutig. Sie beschreibt einen subtilen Meditationsraum und erlaubt keine präzise anatomische Gleichsetzung.
3h. Siebtes Chakra – Brauen
saptamaṃ bhrūcakramaṅguṣṭhamātram | tatra jñānanetraṃ
dīpaśikhākāraṃ dhyāyet | tadeva kapālakandavāksiddhidaṃ
bhavati |
Das siebte ist das Brauen-Chakra, daumengroß. Dort meditiere man über das Erkenntnisauge in Gestalt einer Lampenflamme. Es ist die Wurzel des Schädels und verleiht Vollkommenheit der Rede.
Wort-für-Wort-Übersetzung: saptamam – siebtes; bhrū-cakram – Brauen-Chakra; aṅguṣṭha-mātram – daumengroß; tatra – dort; jñāna-netram – Erkenntnisauge; dīpa-śikhā-ākāram – in Gestalt einer Lampenflamme; dhyāyet – man meditiere; tat eva – eben dieses; kapāla-kanda – Wurzel des Schädels; vāk-siddhi-dam – Vollkommenheit der Rede verleihend; bhavati – ist.
3i. Achtes Chakra – Ajna und Brahmarandhra
ājñācakramaṣṭamam | brahmarandhraṃ nirvāṇacakram |
tatra sūcikāgṛhetaraṃ dhūmraśikhākāraṃ dhyāyet | tatra
jālandharapīṭhaṃ mokṣapradaṃ bhavatīti parabrahmacakram |
Das achte wird Ajna-Chakra genannt; die Brahmanöffnung heißt Nirvana-Chakra. Dort meditiere man über eine rauchfarbene Flammengestalt im nadelfeinen Bereich. Hier liegt das Jalandhara-Heiligtum, das Befreiung gewährt. Dies ist das Parabrahma-Chakra.
Wort-für-Wort-Übersetzung: ājñā-cakram – Ajna-Chakra; aṣṭamam – achtes; brahma-randhram – Brahmanöffnung; nirvāṇa-cakram – Nirvana-Chakra; tatra – dort; sūcikā-gṛha – nadelfeiner Bereich, wörtlich Nadelhaus; itaram – anderer, hier unklare Anschlussform; dhūmra-śikhā-ākāram – rauchfarbene Flammengestalt; dhyāyet – man meditiere; jālandhara-pīṭham – Jalandhara-Heiligtum; mokṣa-pradam – Befreiung gewährend; bhavati – ist; iti – so; para-brahma-cakram – Chakra des höchsten Brahman.
Textanmerkung: Die Fügung sūcikāgṛhetaram ist unsicher. Auch die Verbindung von Ajna und Brahmarandhra folgt hier der Quelle; sie entspricht nicht einfach der heute häufigsten Chakra-Zuordnung.
3j. Neuntes Chakra – Akasha
navamamākāśacakram | tatra ṣoḍaśadalapadmamūrdhvamukhaṃ
tanmadhyakarṇikātrikūṭākāram | tanmadhye ūrdhvaśaktiḥ |
tāṃ paśyandhyāyet | tatraiva pūrṇagiripīṭhaṃ
sarvecchāsiddhisādhanaṃ bhavati |
Das neunte ist das Akasha-Chakra. Dort befindet sich ein aufwärts gerichteter sechzehnblättriger Lotus; die Mitte seines Blütenbodens hat die Gestalt eines Dreigipfels. Darin ist die aufwärts gerichtete Shakti. Man schaue sie und meditiere über sie. Hier liegt das Purnagiri-Heiligtum, das die Erfüllung aller Wünsche bewirken soll.
Wort-für-Wort-Übersetzung: navamam – neuntes; ākāśa-cakram – Raum-Chakra; tatra – dort; ṣoḍaśa-dala-padmam – sechzehnblättriger Lotus; ūrdhva-mukham – aufwärts gerichtet; tan-madhya-karṇikā – in seiner mittleren Blütenmitte; trikūṭa-ākāram – dreigipflige Gestalt; tan-madhye – darin; ūrdhva-śaktiḥ – aufwärts gerichtete Shakti; tām – sie; paśyan – schauend; dhyāyet – man meditiere; tatra eva – ebendort; pūrṇagiri-pīṭham – Purnagiri-Heiligtum; sarva-icchā-siddhi-sādhanam – Mittel zur Erfüllung aller Wünsche; bhavati – ist.
3k. Verheißung des Studiums
saubhāgyalakṣmyupaniṣadaṃ
nityamadhīte yo'gnipūto bhavati | sa vāyupūto bhavati | sa
sakaladhanadhānyasatputrakalatrahayabhūgajapaśumahiṣīdāsīdāsayogajñānavānbhavati | na sa punarāvartate na sa punarāvartata
ityupaniṣat |
Wer die Saubhagyalakshmi-Upanishad täglich studiert, wird durch Feuer und Wind gereinigt. Er wird mit Reichtum, Getreide, guten Kindern und einer Gefährtin, Pferden, Land, Elefanten, Vieh, Büffelkühen, Dienerinnen und Dienern sowie Yoga und Erkenntnis ausgestattet. Er kehrt nicht wieder, er kehrt nicht wieder. So lautet die Upanishad.
Wort-für-Wort-Übersetzung: saubhāgya-lakṣmī-upaniṣadam – die Saubhagyalakshmi-Upanishad; nityam – täglich; adhīte – studiert; yaḥ – wer; agni-pūtaḥ – durch Feuer gereinigt; bhavati – wird; saḥ – er; vāyu-pūtaḥ – durch Wind gereinigt; sakala – alles, umfassend; dhana – Reichtum; dhānya – Getreide; sat-putra – gute Kinder, Söhne; kalatra – Gattin, Gefährtin; haya – Pferde; bhū – Land; gaja – Elefanten; paśu – Vieh; mahiṣī – Büffelkuh; dāsī – Dienerin; dāsa – Diener; yoga – Yoga; jñāna – Erkenntnis; vān – damit versehen; na punar-āvartate – kehrt nicht wieder; iti upaniṣat – so lautet die Upanishad.
Textanmerkung: Die Güterliste und die Befreiungsverheißung gehören zur religiösen Lobpreisung des Studiums. Die Nennung von Bediensteten spiegelt die Gesellschaft des Textes.
Shanti-Mantra am Schluss
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.
Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; vāk – Rede; me – meine; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet; manaḥ – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āviḥ āviḥ – offen, offenbar; me – mir; edhi – werde, sei; vedasya – des Veda; me – mir, vedisch auch ma; āṇīsthaḥ – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; śrutam – Gehörtes; me – von mir; mā – nicht; prahāsīḥ – verlasse; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān – Tage und Nächte; sandadhāmi – ich verbinde; ṛtam – das Rechte; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat – jenes; mām – mich; avatu – möge beschützen; vaktāram – den Sprechenden, Lehrenden.
Friedensruf am Schluss
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.
Schlussformel
iti śrīsaubhāgyalakṣmyupaniṣatsamāptā ||
Damit ist die ehrwürdige Saubhagyalakshmi-Upanishad beendet.
Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; śrī – Ehrentitel; saubhāgya-lakṣmī-upaniṣat – Saubhagyalakshmi-Upanishad; samāptā – beendet.
Saubhagyalakshmi Upanishad – Datierung, Inhalt und Bedeutung
Datierung und Überlieferung
Die Saubhagyalakshmi Upanishad gehört zur späteren upanishadischen Literatur. Ihre Verbindung von Göttinnenverehrung, ausführlicher Mantraeinrichtung, Yantra, Nyasa und subtiler Körperlehre verweist auf ein Milieu, in dem tantrische und yogische Traditionen bereits entwickelt waren. Daraus ergibt sich jedoch kein sicheres einzelnes Entstehungsjahr. Die Zuordnung zum Rigveda ist eine Überlieferungszuordnung und bedeutet nicht, dass die ganze Schrift aus der Zeit der ältesten Rigveda-Hymnen stammt.
Die erhaltenen Fassungen sind nicht in jeder Einzelheit einheitlich. Gerade die Verse über Klang und Samadhi sowie die Bezeichnungen der Chakras verlangen Aufmerksamkeit. Der vorliegende Artikel folgt im Umfang der Fassung mit neunzehn Yogaversen. Offenkundige Schreibfehler wurden nach Parallelüberlieferung beziehungsweise grammatischer Eindeutigkeit berichtigt; unklare Stellen sind benannt. Eine Handschriftenedition wird damit nicht ersetzt.
Vom Shri Sukta zur inneren Fülle
Der erste Khanda setzt das Shri Sukta voraus. Statt die fünfzehn Hymnenverse abzuschreiben, nennt er ihren Anfang und erläutert die rituelle Verwendung. Die Göttin erscheint auf dem Lotus, golden leuchtend, mit gebenden und schützenden Händen. Die Elefanten des zweiten Meditationsbildes unterstreichen königliche Würde, Fruchtbarkeit und lebensspendende Fülle. Die Bilder helfen, die Aufmerksamkeit auf eine verehrungswürdige Gestalt zu sammeln.
Die vielen Namen Lakshmis reichen von Gold, Nahrung und Wohlergehen bis zu Shraddha, Befreiung und göttlicher Ordnung. Darin liegt eine Spannung, die der Text selbst ausspricht: Er verheißt äußeres Gedeihen und erklärt zugleich die Vollendung für unvereinbar mit eigennützigem Verlangen. Für eine spirituelle Auslegung ist deshalb nicht nur die gewünschte Gabe entscheidend, sondern die innere Haltung. Dankbarkeit und Großzügigkeit können die Bitte um Wohlergehen begleiten, ohne die Gottheit auf eine Erfüllungsinstanz persönlicher Wünsche zu verkürzen.
Yoga, Klang und die Ruhe des Geistes
Der zweite Khanda der Saubhagyalakshmi Upanishad beginnt mit einer einfachen Einsicht: Yoga wird durch Yoga erkannt. Das Studium eröffnet den Weg; die eigene regelmäßige Übung lässt seinen Sinn wachsen. Der Text nennt Maßhalten, einen ruhigen Ort und Wachheit. Anschließend beschreibt er eine fortgeschrittene Atem- und Sinneszügelung und verschiedene Klangwahrnehmungen. Diese Stellen gehören in den Zusammenhang einer überlieferten Unterweisung; sie liefern keine allgemeingültige moderne Anleitung für Atemhalteübungen.
Die Klangbilder führen von deutlich unterscheidbaren Tönen zu Sammlung und Nirvikalpa Samadhi. Das Salzgleichnis erklärt dieses Ziel ohne technische Einzelheiten. Der Geist verliert seine Vorstellung, für sich allein zu bestehen, wie Salz im Wasser seine gesonderte Gestalt verliert. Die Verse über die Gleichheit von Jivatman und Paramatman geben dieser Erfahrung eine nichtduale Deutung. Dass das Selbst auch bei einem bewegten Körper als unbewegt erkannt werden kann, richtet den Blick über eine bloß äußerliche Bewegungslosigkeit hinaus.
Die neun Chakras
Im dritten Khanda der Saubhagyalakshmi Upanishad werden subtile Sitze von der Basis bis zum Raum über dem Haupt genannt. Die Folge umfasst Adhara, Svadhishthana, Nabel, Herz, Kehle, Gaumen, Brauen, Ajna beziehungsweise Brahmarandhra und Akasha. Einige Bezeichnungen sind im überlieferten Text gedrängt oder unklar. Besonders die Verbindung von Manipura und Herz sowie von Ajna und Brahmarandhra darf nicht durch stillschweigende Anpassung an heutige Schaubilder verdeckt werden.
Die Lotusbilder, Lichtgestalten und heiligen Orte bilden eine symbolische Meditationslandschaft. Kundalini, Ida, Pingala und Sushumna verbinden den Körper mit einer Bewegung der Aufmerksamkeit. Die angegebenen Kräfte und Vollkommenheiten sind Aussagen der religiösen Überlieferung. Das Erkenntnisziel bleibt die Freiheit von begrenzendem Ichgefühl.
Verhältnis zu anderen Schriften und Bedeutung heute
Die Göttinnenverehrung verbindet die Saubhagyalakshmi Upanishad mit der Devi Upanishad, Tripura Upanishad und Bhavana Upanishad. Seine Klang- und Versenkungslehre steht den Themen der Nadabindu Upanishad, Hamsa Upanishad und Hatha Yoga Pradipika nahe. Das Salzgleichnis und die Definitionen des Samadhi zeigen die gemeinsame Sprache verschiedener yogischer Überlieferungen; sie beweisen für sich allein keine bestimmte Richtung der Textabhängigkeit.
Für heutige Übende kann der Text zu einer ausgewogenen Verbindung von Bhakti, geistiger Disziplin und Selbsterkenntnis anregen. Lakshmi-Verehrung lässt sich mit Dankbarkeit für Nahrung und Lebensmöglichkeiten, verantwortlichem Umgang mit Gütern und tätiger Hilfsbereitschaft verbinden. Die einfache tägliche Sammlung bleibt dabei wichtiger als das Streben nach außergewöhnlichen Erfahrungen. Wer liest, betet und meditiert, kann immer wieder fragen: Nährt diese Praxis meine Anhaftung oder macht sie mich freier, klarer und liebevoller?

Video zur Vertiefung: Yoga, Samkhya und Vedanta
Der Vortrag erläutert philosophische Hintergründe der Yogatradition und ergänzt das Studium der Upanishad.
Vollständiger Text in Devanagari - Saubhagyalakshmi Upanishad
Einleitungsvers
सौभाग्यलक्ष्मीकैवल्यविद्यावेद्यसुखाकृति ।
त्रिपान्नारायणानन्दरामचन्द्रपदं भजे ॥
Shanti-Mantra
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।
आविरावीर्म एधि ।
वेदस्य म आणीस्थः ।
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन्मामवतु ।
तद्वक्तारमवतु ।
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥
Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
१a. Die Bitte der Götter
हरिः ॐ ॥ अथ भगवन्तं देवा ऊचुर्हे
भगवन्नः कथय सौभाग्यलक्ष्मीविद्याम् ।
१b. Meditation über Shri
तथेत्यवोचद्भगवानादिनारायणः सर्वे देवा
यूयं सावधानमनसो भूत्वा शृणुत
तुरीयरूपां तुरीयातीतां सर्वोत्कटां
सर्वमन्त्रासनगतां पीठोपपीठदेवतापरिवृतां
चतुर्भुजां श्रियं हिरण्यवर्णामिति
पञ्चदशर्ग्भिर्ध्यायेत् ।
१c. Seher, Versmaße und Mantrakräfte
अथ पञ्चदश
ऋगात्मकस्य श्रीसूक्तस्यानन्दकर्दमचिक्लीतेन्दिरासुता
ऋषयः । श्रीऋष्याद्या ऋचः
चतुर्दशानामृचामानन्दाद्यृषयः ।
हिरण्यवर्णाद्याद्यत्रयस्यानुष्टुप् छन्दः ।
कांसोस्मीत्यस्य बृहती छन्दः ।
तदन्ययोर्द्वयोस्त्रिष्टुप् । पुनरष्टकस्यानुष्टुप् ।
शेषस्य प्रस्तारपङ्क्तिः । श्र्यग्निर्देवता ।
हिरण्यवर्णामिति बीजम् । कांसोऽस्मीति शक्तिः ।
१d. Die rituelle Zuordnung zum Körper
हिरण्मया चन्द्रा रजतस्रजा हिरण्या हिरण्यवर्णेति
प्रणवादिनमोन्तैश्चतुर्थ्यन्तैरङ्गन्यासः ।
अथ वक्त्रत्रयैरङ्गन्यासः । मस्तकलोचनश्रुतिघ्राणवदनकण्ठबाहुद्वयहृदयनाभिगुह्यपायूरुजानुजङ्घेषु
श्रीसूक्तैरेव क्रमशो न्यसेत् ।
१e. Erster Meditationsvers – Shri auf dem Lotus
अरुणकमलसंस्था
तद्रजःपुञ्जवर्णा करकमलधृतेष्टाऽभीतियुग्माम्बुजा च ।
मणिकटकविचित्रालङ्कृताकल्पजालैः सकलभुवनमाता
सन्ततं श्रीः श्रियै नः ॥ १ ॥
१f. Yantra und Verehrung
तत्पीठकर्णिकायां ससाध्यं श्रीबीजम् ।
वस्वादित्यकलापद्मेषु श्रीसूक्तगतार्धार्धर्चा
तद्बहिर्यः शुचिरिति मातृकया च श्रियं यन्त्राङ्गदशकं
च विलिख्य श्रियमावाहयेत् । अङ्गैः प्रथमा वृत्तिः ।
पद्मादिभिर्द्वितीया । लोकेशैस्तृतीया । तदायुधैस्तुरीया
वृत्तिर्भवति । श्रीसूक्तैरावाहनादि । षोडशसहस्रजपः ।
१g. Die einsilbige Formel
सौभाग्यरमैकाक्षर्या भृगुनिचृद्गायत्री । श्रिय ऋष्यादयः ।
शमिति बीजशक्तिः । श्रीमित्यादि षडङ्गम् ।
१h. Zweiter Meditationsvers – Shri und die Elefanten
भूयाद्भूयो
द्विपद्माभयवरदकरा तप्तकार्तस्वराभा शुभ्राभ्राभेभयुग्मद्वयकरधृतकुम्भाद्भिरासिच्यमाना । रक्तौघाबद्धमौलिर्विमलतरदुकूलार्तवालेपनाढ्या पद्माक्षी पद्मनाभोरसि
कृतवसतिः पद्मगा श्रीः श्रियै नः ॥ १ ॥
१i. Der Sitz Ramas und neun Kräfte
तत्पीठम् । अष्टपत्रं वृत्तत्रयं द्वादशराशिखण्डं
चतुरस्रं रमापीठं भवति । कर्णिकायां ससाध्यं श्रीबीजम् ।
विभूतिरुन्नतिः कान्तिः सृष्टिः कीर्तिः सन्नतिर्व्युष्टिः
सत्कृष्टिरृद्धिरिति प्रणवादिनमो तैश्चतुर्थ्यन्तैर्नवशक्तिं
यजेत् । अङ्गे प्रथमा वृतिः ।
वासुदेवादिभिर्द्वितीया । बालाक्यादिभिस्तृतीया ।
इन्द्रादिभिश्चतुर्थी भवति ।
द्वादशलक्षजपः ।
१j. Namen Lakshmis
श्रीलक्ष्मीर्वरदा विष्णुपत्नी
वसुप्रदा हिरण्यरूपा
स्वर्णमालिनी रजतस्रजा स्वर्णप्रभा स्वर्णप्राकारा
पद्मवासिनी पद्महस्ता
पद्मप्रिया मुक्तालङ्कारा चन्द्रसूर्या बिल्वप्रिया ईश्वरी
भुक्तिर्मुक्तिर्विभूतिरृद्धिः समृद्धिः कृष्टिः
पुष्टिर्धनदा धनेश्वरी
श्रद्धा भोगिनी भोगदा सावित्री धात्री
विधात्रीत्यादिप्रणवादिनमोन्ताश्चतुर्थ्यन्ता
मन्त्राः ।
१k. Abschluss der Ritualanweisung
एकाक्षरवदङ्गादिपीठम् । लक्षजपः ।
दशांशं तर्पणम् ।
दशांशं हवनम् । द्विजतृप्तिः । निष्कामानामेव
श्रीविद्यासिद्धिः ।
न कदापि सकामानामिति ॥ १ ॥
Zweiter Khanda
द्वितीयः खण्डः
२a. Frage nach der höchsten Wirklichkeit
अथ हैनं देवा ऊचुस्तुरीयया मायया निर्दिष्टं
तत्त्वं ब्रूहीति । तथेति स होवाच ।
२.१. Yoga wird durch Yoga erkannt
योगेन योगो ज्ञातव्यो योगो योगात्प्रवर्धते ।
योऽप्रमत्तस्तु योगेन स योगी रमते चिरम् ॥ १ ॥
२.२.
समापय्य निद्रां सुजीर्णेऽल्पभोजी
श्रमत्याज्यबाधे विविक्ते प्रदेशे ।
सदा शीतनिस्तृष्ण एष प्रयत्नोऽथ
वा प्राणरोधो निजाभ्यासमार्गात् ॥ २ ॥
२.३.
वक्त्रेणापूर्य वायुं हुतवहनिलयेऽपानमाकृष्य धृत्वा
स्वाङ्गुष्ठाद्यङ्गुलीभिर्वरकरतलयोः षड्भिरेवं निरुध्य ।
श्रोत्रे नेत्रे च नासापुटयुगलमतोऽनेन मार्गेण सम्यक्पश्यन्ति प्रत्ययांशं प्रणवबहुविधध्यानसंलीनचित्ताः ॥ ३ ॥
२.४.
श्रवणमुखनयननासानिरोधनेनैव कर्तव्यम् ।
शुद्धसुषुम्नासरणौ स्फुटममलं श्रूयते नादः ॥ ४ ॥
२.५.
विचित्रघोषसंयुक्तानाहते श्रूयते ध्वनिः ।
दिव्यदेहश्च तेजस्वी दिव्यगन्धोऽप्यरोगवान् ॥ ५ ॥
२.६.
सम्पूर्णहृदयः शून्ये त्वारम्भे योगवान्भवेत् ।
द्वितीया विघटीकृत्य वायुर्भवति मध्यगः ॥ ६ ॥
२.७.
दृढासनो भवेद्योगी पद्माद्यासनसंस्थितः ।
विष्णुग्रन्थेस्ततो भेदात्परमानन्दसम्भवः ॥ ७ ॥
२.८.
अतिशून्यो विमर्दश्च भेरीशब्दस्ततो भवेत् ।
तृतीयां यत्नतो भित्त्वा निनादो मर्दलध्वनिः ॥ ८ ॥
२.९.
महाशून्यं ततो याति सर्वसिद्धिसमाश्रयम् ।
चित्तानन्दं ततो भित्त्वा सर्वपीठगतानिलः ॥ ९ ॥
२.१०.
निष्पत्तौ वैष्णवः शब्दः क्वणतीति क्वणो भवेत् ।
एकीभूतं तदा चित्तं सनकादिमुनीडितम् ॥ १० ॥
२.११.
अन्तेऽनन्तं समारोप्य खण्डेऽखण्डं समर्पयन् ।
भूमानं प्रकृतिं ध्यात्वा कृतकृत्योऽमृतो भवेत् ॥ ११ ॥
२.१२.
योगेन योगं संरोध्य भावं भावेन चाञ्जसा ।
निर्विकल्पं परं तत्त्वं सदा भूत्वा परं भवेत् ॥ १२ ॥
२.१३.
अहंभावं परित्यज्य जगद्भावमनीदृशम् ।
निर्विकल्पे स्थितो विद्वान्भूयो नाप्यनुशोचति ॥ १३ ॥
२.१४.
सलिले सैन्धवं यद्वत्साम्यं भवति योगतः ।
तथात्ममनसोरैक्यं समाधिरभिधीयते ॥ १४ ॥
२.१५.
यदा संक्षीयते प्राणो मानसं च प्रलीयते ।
तदा समरसत्वं यत्समाधिरभिधीयते ॥ १५ ॥
२.१६.
यत्समत्वं तयोरत्र जीवात्मपरमात्मनोः ।
समस्तनष्टसङ्कल्पः समाधिरभिधीयते ॥ १६ ॥
२.१७.
प्रभाशून्यं मनःशून्यं बुद्धिशून्यं निरामयम् ।
सर्वशून्यं निराभासं समाधिरभिधीयते ॥ १७ ॥
२.१८.
स्वयमुच्चलिते देहे देही नित्यसमाधिना ।
निश्चलं तं विजानीयात्समाधिरभिधीयते ॥ १८ ॥
२.१९.
यत्रयत्र मनो याति तत्रतत्र परं पदम् ।
तत्रतत्र परं ब्रह्म सर्वत्र समवस्थितम् ॥ १९ ॥ इति ॥ २ ॥
Dritter Khanda
तृतीयः खण्डः
३a. Frage nach den neun Chakras
अथ हैनं देवा ऊचुर्नवचक्रविवेकमनुब्रूहीति ।
तथेति स होवाच
३b. Erstes Chakra – Adhara
आधारे ब्रह्मचक्रं त्रिरावृत्तं
भगमण्डलाकारम् । तत्र मूलकन्दे शक्तिः पावकाकारं
ध्यायेत् । तत्रैव कामरूपपीठं सर्वकामप्रदं भवति ।
इत्याधारचक्रम् ।
३c. Zweites Chakra – Svadhishthana
द्वितीयं स्वाधिष्ठानचक्रं
षड्दलम् । तन्मध्ये पश्चिमाभिमुखं लिङ्गं
प्रवालाङ्कुरसदृशं ध्यायेत् । तत्रैवोड्याणपीठं
जगदाकर्षणसिद्धिदं भवति ।
३d. Drittes Chakra – Nabel
तृतीयं
नाभिचक्रं पञ्चावर्तं सर्पकुटिलाकारम् ।
तन्मध्ये कुण्डलिनीं बालार्ककोटिप्रभां
तनुमध्यां ध्यायेत् । सामर्थ्यशक्तिः सर्वसिद्धिप्रदा
भवति ।
३e. Herz-Chakra
मणिपूरचक्रं हृदयचक्रम् ।
अष्टदलमधोमुखम् । तन्मध्ये ज्योतिर्मयलिङ्गाकारं
ध्यायेत् । सैव हंसकला सर्वप्रिया सर्वलोकवश्यकरी
भवति ।
३f. Kehl-Chakra
कण्ठचक्रं चतुरङ्गुलम् । तत्र वामे इडा
चन्द्रनाडी दक्षिणे पिङ्गला सूर्यनाडी तन्मध्ये सुषुम्नां
श्वेतवर्णां ध्यायेत् । य एवं वेदानाहता सिद्धिदा भवति ।
३g. Gaumen-Chakra
तालुचक्रम् । तत्रामृतधाराप्रवाहः ।
घण्टिकालिङ्गमूलचक्ररन्ध्रे राजदन्तावलम्बिनीविवरं
दशद्वादशारम् । तत्र शून्यं ध्यायेत् । चित्तलयो भवति ।
३h. Siebtes Chakra – Brauen
सप्तमं भ्रूचक्रमङ्गुष्ठमात्रम् । तत्र ज्ञाननेत्रं
दीपशिखाकारं ध्यायेत् । तदेव कपालकन्दवाक्सिद्धिदं
भवति ।
३i. Achtes Chakra – Ajna und Brahmarandhra
आज्ञाचक्रमष्टमम् । ब्रह्मरन्ध्रं निर्वाणचक्रम् ।
तत्र सूचिकागृहेतरं धूम्रशिखाकारं ध्यायेत् । तत्र
जालन्धरपीठं मोक्षप्रदं भवतीति परब्रह्मचक्रम् ।
३j. Neuntes Chakra – Akasha
नवममाकाशचक्रम् । तत्र षोडशदलपद्ममूर्ध्वमुखं
तन्मध्यकर्णिकात्रिकूटाकारम् । तन्मध्ये ऊर्ध्वशक्तिः ।
तां पश्यन्ध्यायेत् । तत्रैव पूर्णगिरिपीठं
सर्वेच्छासिद्धिसाधनं भवति ।
३k. Verheißung des Studiums
सौभाग्यलक्ष्म्युपनिषदं
नित्यमधीते योऽग्निपूतो भवति । स वायुपूतो भवति । स
सकलधनधान्यसत्पुत्रकलत्रहयभूगजपशुमहिषीदासीदासयोगज्ञानवान्भवति । न स पुनरावर्तते न स पुनरावर्तत
इत्युपनिषत् ।
Shanti-Mantra am Schluss
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।
आविरावीर्म एधि ।
वेदस्य म आणीस्थः ।
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन्मामवतु ।
तद्वक्तारमवतु ।
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥
Friedensruf am Schluss
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
Schlussformel
इति श्रीसौभाग्यलक्ष्म्युपनिषत्समाप्ता ॥
Saubhagyalakshmi Upanishad - Vollständiger Sanskrit Text in IAST
Einleitungsvers
saubhāgyalakṣmīkaivalyavidyāvedyasukhākṛti |
tripānnārāyaṇānandarāmacandrapadaṃ bhaje ||
Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
1a. Die Bitte der Götter
hariḥ oṃ || atha bhagavantaṃ devā ūcurhe
bhagavannaḥ kathaya saubhāgyalakṣmīvidyām |
1b. Meditation über Shri
tathetyavocadbhagavānādinārāyaṇaḥ sarve devā
yūyaṃ sāvadhānamanaso bhūtvā śṛṇuta
turīyarūpāṃ turīyātītāṃ sarvotkaṭāṃ
sarvamantrāsanagatāṃ pīṭhopapīṭhadevatāparivṛtāṃ
caturbhujāṃ śriyaṃ hiraṇyavarṇāmiti
pañcadaśargbhirdhyāyet |
1c. Seher, Versmaße und Mantrakräfte
atha pañcadaśa
ṛgātmakasya śrīsūktasyānandakardamaciklītendirāsutā
ṛṣayaḥ | śrīṛṣyādyā ṛcaḥ
caturdaśānāmṛcāmānandādyṛṣayaḥ |
hiraṇyavarṇādyādyatrayasyānuṣṭup chandaḥ |
kāṃsosmītyasya bṛhatī chandaḥ |
tadanyayordvayostriṣṭup | punaraṣṭakasyānuṣṭup |
śeṣasya prastārapaṅktiḥ | śryagnirdevatā |
hiraṇyavarṇāmiti bījam | kāṃso'smīti śaktiḥ |
1d. Die rituelle Zuordnung zum Körper
hiraṇmayā candrā rajatasrajā hiraṇyā hiraṇyavarṇeti
praṇavādinamontaiścaturthyantairaṅganyāsaḥ |
atha vaktratrayairaṅganyāsaḥ | mastakalocanaśrutighrāṇavadanakaṇṭhabāhudvayahṛdayanābhiguhyapāyūrujānujaṅgheṣu
śrīsūktaireva kramaśo nyaset |
1e. Erster Meditationsvers – Shri auf dem Lotus
aruṇakamalasaṃsthā
tadrajaḥpuñjavarṇā karakamaladhṛteṣṭā'bhītiyugmāmbujā ca |
maṇikaṭakavicitrālaṅkṛtākalpajālaiḥ sakalabhuvanamātā
santataṃ śrīḥ śriyai naḥ || 1 ||
1f. Yantra und Verehrung
tatpīṭhakarṇikāyāṃ sasādhyaṃ śrībījam |
vasvādityakalāpadmeṣu śrīsūktagatārdhārdharcā
tadbahiryaḥ śuciriti mātṛkayā ca śriyaṃ yantrāṅgadaśakaṃ
ca vilikhya śriyamāvāhayet | aṅgaiḥ prathamā vṛttiḥ |
padmādibhirdvitīyā | lokeśaistṛtīyā | tadāyudhaisturīyā
vṛttirbhavati | śrīsūktairāvāhanādi | ṣoḍaśasahasrajapaḥ |
1g. Die einsilbige Formel
saubhāgyaramaikākṣaryā bhṛgunicṛdgāyatrī | śriya ṛṣyādayaḥ |
śamiti bījaśaktiḥ | śrīmityādi ṣaḍaṅgam |
1h. Zweiter Meditationsvers – Shri und die Elefanten
bhūyādbhūyo
dvipadmābhayavaradakarā taptakārtasvarābhā śubhrābhrābhebhayugmadvayakaradhṛtakumbhādbhirāsicyamānā | raktaughābaddhamaulirvimalataradukūlārtavālepanāḍhyā padmākṣī padmanābhorasi
kṛtavasatiḥ padmagā śrīḥ śriyai naḥ || 1 ||
1i. Der Sitz Ramas und neun Kräfte
tatpīṭham | aṣṭapatraṃ vṛttatrayaṃ dvādaśarāśikhaṇḍaṃ
caturasraṃ ramāpīṭhaṃ bhavati | karṇikāyāṃ sasādhyaṃ śrībījam |
vibhūtirunnatiḥ kāntiḥ sṛṣṭiḥ kīrtiḥ sannatirvyuṣṭiḥ
satkṛṣṭirṛddhiriti praṇavādinamo taiścaturthyantairnavaśaktiṃ
yajet | aṅge prathamā vṛtiḥ |
vāsudevādibhirdvitīyā | bālākyādibhistṛtīyā |
indrādibhiścaturthī bhavati |
dvādaśalakṣajapaḥ |
1j. Namen Lakshmis
śrīlakṣmīrvaradā viṣṇupatnī
vasupradā hiraṇyarūpā
svarṇamālinī rajatasrajā svarṇaprabhā svarṇaprākārā
padmavāsinī padmahastā
padmapriyā muktālaṅkārā candrasūryā bilvapriyā īśvarī
bhuktirmuktirvibhūtirṛddhiḥ samṛddhiḥ kṛṣṭiḥ
puṣṭirdhanadā dhaneśvarī
śraddhā bhoginī bhogadā sāvitrī dhātrī
vidhātrītyādipraṇavādinamontāścaturthyantā
mantrāḥ |
1k. Abschluss der Ritualanweisung
ekākṣaravadaṅgādipīṭham | lakṣajapaḥ |
daśāṃśaṃ tarpaṇam |
daśāṃśaṃ havanam | dvijatṛptiḥ | niṣkāmānāmeva
śrīvidyāsiddhiḥ |
na kadāpi sakāmānāmiti || 1 ||
Zweiter Khanda
dvitīyaḥ khaṇḍaḥ
2a. Frage nach der höchsten Wirklichkeit
atha hainaṃ devā ūcusturīyayā māyayā nirdiṣṭaṃ
tattvaṃ brūhīti | tatheti sa hovāca |
2.1. Yoga wird durch Yoga erkannt
yogena yogo jñātavyo yogo yogātpravardhate |
yo'pramattastu yogena sa yogī ramate ciram || 1 ||
2.2.
samāpayya nidrāṃ sujīrṇe'lpabhojī
śramatyājyabādhe vivikte pradeśe |
sadā śītanistṛṣṇa eṣa prayatno'tha
vā prāṇarodho nijābhyāsamārgāt || 2 ||
2.3.
vaktreṇāpūrya vāyuṃ hutavahanilaye'pānamākṛṣya dhṛtvā
svāṅguṣṭhādyaṅgulībhirvarakaratalayoḥ ṣaḍbhirevaṃ nirudhya |
śrotre netre ca nāsāpuṭayugalamato'nena mārgeṇa samyakpaśyanti pratyayāṃśaṃ praṇavabahuvidhadhyānasaṃlīnacittāḥ || 3 ||
2.4.
śravaṇamukhanayananāsānirodhanenaiva kartavyam |
śuddhasuṣumnāsaraṇau sphuṭamamalaṃ śrūyate nādaḥ || 4 ||
2.5.
vicitraghoṣasaṃyuktānāhate śrūyate dhvaniḥ |
divyadehaśca tejasvī divyagandho'pyarogavān || 5 ||
2.6.
sampūrṇahṛdayaḥ śūnye tvārambhe yogavānbhavet |
dvitīyā vighaṭīkṛtya vāyurbhavati madhyagaḥ || 6 ||
2.7.
dṛḍhāsano bhavedyogī padmādyāsanasaṃsthitaḥ |
viṣṇugranthestato bhedātparamānandasambhavaḥ || 7 ||
2.8.
atiśūnyo vimardaśca bherīśabdastato bhavet |
tṛtīyāṃ yatnato bhittvā ninādo mardaladhvaniḥ || 8 ||
2.9.
mahāśūnyaṃ tato yāti sarvasiddhisamāśrayam |
cittānandaṃ tato bhittvā sarvapīṭhagatānilaḥ || 9 ||
2.10.
niṣpattau vaiṣṇavaḥ śabdaḥ kvaṇatīti kvaṇo bhavet |
ekībhūtaṃ tadā cittaṃ sanakādimunīḍitam || 10 ||
2.11.
ante'nantaṃ samāropya khaṇḍe'khaṇḍaṃ samarpayan |
bhūmānaṃ prakṛtiṃ dhyātvā kṛtakṛtyo'mṛto bhavet || 11 ||
2.12.
yogena yogaṃ saṃrodhya bhāvaṃ bhāvena cāñjasā |
nirvikalpaṃ paraṃ tattvaṃ sadā bhūtvā paraṃ bhavet || 12 ||
2.13.
ahaṃbhāvaṃ parityajya jagadbhāvamanīdṛśam |
nirvikalpe sthito vidvānbhūyo nāpyanuśocati || 13 ||
2.14.
salile saindhavaṃ yadvatsāmyaṃ bhavati yogataḥ |
tathātmamanasoraikyaṃ samādhirabhidhīyate || 14 ||
2.15.
yadā saṃkṣīyate prāṇo mānasaṃ ca pralīyate |
tadā samarasatvaṃ yatsamādhirabhidhīyate || 15 ||
2.16.
yatsamatvaṃ tayoratra jīvātmaparamātmanoḥ |
samastanaṣṭasaṅkalpaḥ samādhirabhidhīyate || 16 ||
2.17.
prabhāśūnyaṃ manaḥśūnyaṃ buddhiśūnyaṃ nirāmayam |
sarvaśūnyaṃ nirābhāsaṃ samādhirabhidhīyate || 17 ||
2.18.
svayamuccalite dehe dehī nityasamādhinā |
niścalaṃ taṃ vijānīyātsamādhirabhidhīyate || 18 ||
2.19.
yatrayatra mano yāti tatratatra paraṃ padam |
tatratatra paraṃ brahma sarvatra samavasthitam || 19 || iti || 2 ||
Dritter Khanda
tṛtīyaḥ khaṇḍaḥ
3a. Frage nach den neun Chakras
atha hainaṃ devā ūcurnavacakravivekamanubrūhīti |
tatheti sa hovāca
3b. Erstes Chakra – Adhara
ādhāre brahmacakraṃ trirāvṛttaṃ
bhagamaṇḍalākāram | tatra mūlakande śaktiḥ pāvakākāraṃ
dhyāyet | tatraiva kāmarūpapīṭhaṃ sarvakāmapradaṃ bhavati |
ityādhāracakram |
3c. Zweites Chakra – Svadhishthana
dvitīyaṃ svādhiṣṭhānacakraṃ
ṣaḍdalam | tanmadhye paścimābhimukhaṃ liṅgaṃ
pravālāṅkurasadṛśaṃ dhyāyet | tatraivoḍyāṇapīṭhaṃ
jagadākarṣaṇasiddhidaṃ bhavati |
3d. Drittes Chakra – Nabel
tṛtīyaṃ
nābhicakraṃ pañcāvartaṃ sarpakuṭilākāram |
tanmadhye kuṇḍalinīṃ bālārkakoṭiprabhāṃ
tanumadhyāṃ dhyāyet | sāmarthyaśaktiḥ sarvasiddhipradā
bhavati |
3e. Herz-Chakra
maṇipūracakraṃ hṛdayacakram |
aṣṭadalamadhomukham | tanmadhye jyotirmayaliṅgākāraṃ
dhyāyet | saiva haṃsakalā sarvapriyā sarvalokavaśyakarī
bhavati |
3f. Kehl-Chakra
kaṇṭhacakraṃ caturaṅgulam | tatra vāme iḍā
candranāḍī dakṣiṇe piṅgalā sūryanāḍī tanmadhye suṣumnāṃ
śvetavarṇāṃ dhyāyet | ya evaṃ vedānāhatā siddhidā bhavati |
3g. Gaumen-Chakra
tālucakram | tatrāmṛtadhārāpravāhaḥ |
ghaṇṭikāliṅgamūlacakrarandhre rājadantāvalambinīvivaraṃ
daśadvādaśāram | tatra śūnyaṃ dhyāyet | cittalayo bhavati |
3h. Siebtes Chakra – Brauen
saptamaṃ bhrūcakramaṅguṣṭhamātram | tatra jñānanetraṃ
dīpaśikhākāraṃ dhyāyet | tadeva kapālakandavāksiddhidaṃ
bhavati |
3i. Achtes Chakra – Ajna und Brahmarandhra
ājñācakramaṣṭamam | brahmarandhraṃ nirvāṇacakram |
tatra sūcikāgṛhetaraṃ dhūmraśikhākāraṃ dhyāyet | tatra
jālandharapīṭhaṃ mokṣapradaṃ bhavatīti parabrahmacakram |
3j. Neuntes Chakra – Akasha
navamamākāśacakram | tatra ṣoḍaśadalapadmamūrdhvamukhaṃ
tanmadhyakarṇikātrikūṭākāram | tanmadhye ūrdhvaśaktiḥ |
tāṃ paśyandhyāyet | tatraiva pūrṇagiripīṭhaṃ
sarvecchāsiddhisādhanaṃ bhavati |
3k. Verheißung des Studiums
saubhāgyalakṣmyupaniṣadaṃ
nityamadhīte yo'gnipūto bhavati | sa vāyupūto bhavati | sa
sakaladhanadhānyasatputrakalatrahayabhūgajapaśumahiṣīdāsīdāsayogajñānavānbhavati | na sa punarāvartate na sa punarāvartata
ityupaniṣat |
Shanti-Mantra am Schluss
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||
Friedensruf am Schluss
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Schlussformel
iti śrīsaubhāgyalakṣmyupaniṣatsamāptā ||
Saubhagyalakshmi Upanishad - Vollständige deutsche Übersetzung
Einleitungsvers
Ich verehre den Zustand Ramachandras: die Gestalt der Freude, die durch die befreiende Erkenntnis der Saubhagyalakshmi erkannt wird, die Wonne des dreifüßigen Narayana.
Shanti-Mantra
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.
Friedensruf
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
1a. Die Bitte der Götter
Hari Om. Die Götter sprachen zum Erhabenen: „Erhabener, erkläre uns die Erkenntnis der Saubhagyalakshmi.“
1b. Meditation über Shri
Der erhabene Adinarayana antwortete: „So sei es. Ihr Götter, hört alle mit gesammeltem Geist. Man meditiere mit den fünfzehn Versen, die mit hiraṇyavarṇām beginnen, über die vierarmige Shri: Sie hat die Gestalt des Vierten, übersteigt auch das Vierte, ist über alles erhaben, sitzt auf dem Thron aller Mantras und ist von den Gottheiten der Haupt- und Nebenheiligtümer umgeben.“
1c. Seher, Versmaße und Mantrakräfte
Für das aus fünfzehn Versen bestehende Shri Sukta werden Ananda, Kardama und Ciklita, die Söhne Indiras, als Seher genannt. Shri ist die Seherin des ersten Verses; für die vierzehn weiteren gelten Ananda und die anderen. Die ersten drei Verse ab hiraṇyavarṇām haben das Versmaß Anushtubh; der mit kāṃso’smi beginnende Vers hat Brihati, die beiden folgenden Trishtubh, die nächsten acht wiederum Anushtubh und der verbleibende Vers Prastarapankti. Shri und Agni sind die Gottheiten. hiraṇyavarṇām ist der Keim, kāṃso’smi die Kraft.
1d. Die rituelle Zuordnung zum Körper
Die Namen Hiranmaya, Candra, Rajatasraja, Hiranya und Hiranyavarna werden in den Dativ gesetzt, mit Om begonnen und mit namaḥ abgeschlossen; mit ihnen vollziehe man die Zuordnung zu den Körpergliedern. Darauf wird ein weiterer Anganyasa beschrieben. Die Verse des Shri Sukta sind der Reihe nach dem Haupt, den Augen, den Ohren, der Nase, dem Mund, der Kehle, den beiden Armen, dem Herzen, dem Nabel, den Geschlechtsteilen, dem After, den Oberschenkeln, den Knien und den Unterschenkeln zuzuordnen.
1e. Erster Meditationsvers – Shri auf dem Lotus
Möge Shri, die Mutter aller Welten, uns beständig Wohlergehen schenken: auf einem rötlichen Lotus sitzend, von der Farbe seiner Pollenfülle, in ihren lotosgleichen Händen die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit sowie zwei Lotusblüten tragend, reich geschmückt mit mannigfaltigen Ornamenten und edelsteinbesetzten Armreifen.
1f. Yantra und Verehrung
In die Mitte ihres Sitzes schreibe man das Shri-Bija zusammen mit dem Namen des angestrebten Gegenstandes. In die Lotusfelder mit acht, zwölf und sechzehn Blättern schreibe man die entsprechenden Halbverse des Shri Sukta; außerhalb davon die mit yaḥ śuciḥ bezeichnete Formel und die Lautzeichen. Nachdem man Shri und die zehn Glieder des Yantras eingetragen hat, rufe man Shri herbei. Der erste Kreis wird mit den Gliedern verehrt, der zweite mit Padma und den weiteren [Kräften], der dritte mit den Weltenhütern, der vierte mit deren Waffen. Herbeirufung und die übrigen Handlungen erfolgen mit dem Shri Sukta. Die Rezitationszahl beträgt sechzehntausend.
1g. Die einsilbige Formel
Für die einsilbige Formel der Saubhagya-Rama sind Bhrigu der Seher, Nicrid-Gayatri das Versmaß und Shri die Gottheit. śam ist als Keim und Kraft genannt. Die sechs Glieder beginnen mit śrīm.
1h. Zweiter Meditationsvers – Shri und die Elefanten
Möge Shri uns immer wieder Wohlergehen schenken: Zwei ihrer Hände tragen Lotusblüten, die anderen gewähren Furchtlosigkeit und Gaben; sie glänzt wie erhitztes Gold. Zwei Elefantenpaare, hell wie weiße Wolken, übergießen sie mit Wasser aus Krügen, die sie mit ihren Rüsseln halten. Ihr Haupt ist mit Rotem umwunden; feinste reine Gewänder und duftende Salben schmücken sie. Sie ist lotusäugig, wohnt an der Brust Padmanabhas und sitzt auf dem Lotus.
1i. Der Sitz Ramas und neun Kräfte
Der Sitz Ramas besteht aus acht Blättern, drei Kreisen, zwölf Tierkreisfeldern und einem Quadrat. In seine Mitte kommt das Shri-Bija mit dem zu Bewirkenden. Man verehre die neun Kräfte Vibhuti, Unnati, Kanti, Srishti, Kirti, Sannati, Vyushti, Satkrishti und Riddhi. Ihre Namen werden im Dativ verwendet, mit Om begonnen und mit namaḥ abgeschlossen. Der erste Kreis gilt den Gliedern, der zweite Vasudeva und den anderen, der dritte Balaki und den anderen, der vierte Indra und den anderen. Die Rezitationszahl beträgt zwölf Lakhs, also 1.200.000.
1j. Namen Lakshmis
Die Mantras werden aus folgenden Namen gebildet, jeweils im Dativ, mit Om am Anfang und namaḥ am Ende: Shri-Lakshmi, die Gaben Gewährende, Vishnus Gemahlin, die Güter Spendende, die Goldgestaltige, die Goldgeschmückte, die eine Silberkette Tragende, die Goldstrahlende, die von goldenen Mauern Umgebene, die Lotusbewohnerin, die Lotushändige, die Lotusliebende, die Perlgeschmückte, Mond und Sonne, die Bilvaliebende, die Herrin, Genuss, Befreiung, Machtentfaltung, Gedeihen, Fülle, Kultivierung, Nahrung und Wachstum, die Reichtum Spendende, die Herrin des Reichtums, Vertrauen, die Genießende, die Genuss Schenkende, Savitri, die Tragende und die Ordnende.
1k. Abschluss der Ritualanweisung
Glieder und Sitz entsprechen der einsilbigen Formel. Vorgesehen sind hunderttausend Rezitationen, ein Zehntel davon als Trankspende und ein Zehntel als Feueropfer sowie die Bewirtung der Zweimalgeborenen. Die Vollendung der Shri-Vidya kommt allein denen zu, die ohne eigennütziges Begehren sind, niemals den von Begehren Bestimmten.
Zweiter Khanda
Zweiter Abschnitt.
2a. Frage nach der höchsten Wirklichkeit
Die Götter sprachen zu ihm: „Erkläre die Wirklichkeit, auf die durch die Maya des Vierten hingewiesen wurde.“ Er sagte: „So sei es.“
2.1. Yoga wird durch Yoga erkannt
Yoga soll durch Yoga erkannt werden; Yoga wächst durch Yoga. Wer im Yoga aufmerksam bleibt, dieser Yogi erfreut sich lange.
2.2.
Nachdem der Schlaf beendet und die Nahrung gut verdaut ist, esse man wenig. An einem abgeschiedenen Ort, frei von störender Ermüdung, bleibe man stets ruhig und ohne Verlangen. Darin besteht die Bemühung; oder man übe die Atemzügelung auf dem eigenen Übungsweg.
2.3.
Nachdem sie durch den Mund Luft eingeatmet, Apana zum Sitz des Feuers herangezogen und gehalten haben, verschließen sie mit sechs Fingern beider Hände, den Daumen voran, die beiden Ohren, die beiden Augen und die beiden Nasenöffnungen. Auf diesem Weg schauen diejenigen, deren Geist in vielfältige Meditation über Om versunken ist, einen Anteil der inneren Erkenntnis.
2.4.
Dies soll durch das Verschließen von Ohren, Mund, Augen und Nase geschehen. In der gereinigten Bahn der Sushumna wird der Klang deutlich und rein gehört.
2.5.
Im Anahata wird ein Klang gehört, der mit mannigfaltigen Tönen verbunden ist. Der Übende erhält [der Überlieferung zufolge] einen göttlichen Körper, wird strahlend, von göttlichem Duft und frei von Krankheit.
2.6.
In der Anfangsstufe sei der Yogi im leeren Raum mit erfülltem Herzen. Nachdem die zweite [Bindung] aufgelöst ist, bewegt sich der Lebenshauch in der Mitte.
2.7.
Der Yogi sei fest im Sitz, im Lotussitz oder in einem anderen geeigneten Sitz verweilend. Durch das Durchbrechen des Vishnu-Knotens entsteht höchste Freude.
2.8.
Dann gibt es die große Leere und ein gewaltiges Dröhnen wie den Klang einer Kesselpauke. Nachdem die dritte [Bindung] mit Bemühung durchbrochen ist, ertönt ein Klang wie eine Mardala-Trommel.
2.9.
Darauf erreicht er die große Leere, den Sammelort aller Vollkommenheiten. Nachdem dann die Freude des Geistes durchdrungen ist, gelangt der Lebenshauch zu allen Sitzen.
2.10.
In der Vollendungsstufe ertönt der Vishnu zugehörige Klang als feines Klingen. Dann ist der Geist eins geworden, wie es die Weisen Sanaka und die anderen preisen.
2.11.
Indem er das Unendliche dem Begrenzten zugrunde legt und das Ungeteilte im Geteilten erkennt, meditiere er über die Fülle, den ursprünglichen Grund. So wird er einer, der sein Ziel erfüllt hat, und unsterblich.
2.12.
Indem er Yoga durch Yoga und einen Bewusstseinszustand unmittelbar durch einen anderen zur Ruhe bringt, werde er beständig die höchste, von Vorstellungen freie Wirklichkeit; so wird er zum Höchsten.
2.13.
Nachdem der Wissende das Ichgefühl und die Vorstellung einer so beschaffenen Welt aufgegeben hat, ruht er im Vorstellungsfreien und trauert nicht mehr.
2.14.
Wie Steinsalz durch seine Verbindung mit Wasser darin gleichförmig aufgeht, so wird das Einswerden von Selbst und Geist Samadhi genannt.
2.15.
Wenn der Lebenshauch zur Ruhe kommt und der Geist sich auflöst, wird die dann bestehende Gleichheit des Wesens Samadhi genannt.
2.16.
Die hier bestehende Gleichheit von Einzelselbst und höchstem Selbst, in der alle gedanklichen Entwürfe erloschen sind, wird Samadhi genannt.
2.17.
Frei von Lichtgestalten, frei von Geist und Intellekt, unversehrt, von allem entleert und ohne Erscheinungsbild: Dies wird Samadhi genannt.
2.18.
Auch wenn der Körper sich von selbst bewegt, erkenne man den Verkörperten durch beständigen Samadhi als unbewegt. Dies wird Samadhi genannt.
2.19.
Wohin auch immer der Geist geht, dort ist der höchste Zustand; dort ist das höchste Brahman, überall in gleicher Weise gegenwärtig. Damit endet der zweite Abschnitt.
Dritter Khanda
Dritter Abschnitt.
3a. Frage nach den neun Chakras
Die Götter sprachen zu ihm: „Lehre die Unterscheidung der neun Chakras.“ Er antwortete: „So sei es.“
3b. Erstes Chakra – Adhara
An der Basis liegt das Brahma-Chakra, dreifach gewunden, von der Gestalt eines Yoni-Kreises. Dort, in der Wurzelknolle, meditiere man über Shakti in Feuergestalt. Ebendort liegt das Kamarupa-Heiligtum, das alle Wünsche erfüllt. Dies ist das Adhara-Chakra.
3c. Zweites Chakra – Svadhishthana
Das zweite, das Svadhishthana-Chakra, besitzt sechs Blätter. In seiner Mitte meditiere man über ein nach Westen gerichtetes Linga, einem jungen Korallentrieb ähnlich. Dort liegt das Odyana-Heiligtum, das die Vollkommenheit verleiht, die Welt anzuziehen.
3d. Drittes Chakra – Nabel
Das dritte ist das Nabel-Chakra, fünffach gewunden, wie eine gekrümmte Schlange. In seiner Mitte meditiere man über die schlanke Kundalini, leuchtend wie zehn Millionen aufgehende Sonnen. Sie ist die Kraft des Vermögens, die alle Vollkommenheiten schenkt.
3e. Herz-Chakra
[Es folgen die Bezeichnungen] Manipura-Chakra und Herz-Chakra. Dieses besitzt acht abwärts gerichtete Blätter. In seiner Mitte meditiere man über ein lichtvolles Linga. Dies ist die Hamsa-Kraft, allen lieb und alle Welten unter ihren Einfluss bringend.
3f. Kehl-Chakra
Das Kehl-Chakra hat eine Ausdehnung von vier Fingerbreiten. Links liegt Ida, der Mondkanal, rechts Pingala, der Sonnenkanal. Zwischen ihnen meditiere man über die weiße Sushumna. Wer so erkennt, dem verleiht Anahata Vollkommenheit.
3g. Gaumen-Chakra
Im Gaumen-Chakra fließt der Strom des Unsterblichkeitstranks. In der Öffnung am Grund des Zäpfchen-Lingas befindet sich ein herabhängender Hohlraum mit zehn oder zwölf Speichen. Dort meditiere man über die Leere; dadurch löst sich der Geist auf.
3h. Siebtes Chakra – Brauen
Das siebte ist das Brauen-Chakra, daumengroß. Dort meditiere man über das Erkenntnisauge in Gestalt einer Lampenflamme. Es ist die Wurzel des Schädels und verleiht Vollkommenheit der Rede.
3i. Achtes Chakra – Ajna und Brahmarandhra
Das achte wird Ajna-Chakra genannt; die Brahmanöffnung heißt Nirvana-Chakra. Dort meditiere man über eine rauchfarbene Flammengestalt im nadelfeinen Bereich. Hier liegt das Jalandhara-Heiligtum, das Befreiung gewährt. Dies ist das Parabrahma-Chakra.
3j. Neuntes Chakra – Akasha
Das neunte ist das Akasha-Chakra. Dort befindet sich ein aufwärts gerichteter sechzehnblättriger Lotus; die Mitte seines Blütenbodens hat die Gestalt eines Dreigipfels. Darin ist die aufwärts gerichtete Shakti. Man schaue sie und meditiere über sie. Hier liegt das Purnagiri-Heiligtum, das die Erfüllung aller Wünsche bewirken soll.
3k. Verheißung des Studiums
Wer die Saubhagyalakshmi-Upanishad täglich studiert, wird durch Feuer und Wind gereinigt. Er wird mit Reichtum, Getreide, guten Kindern und einer Gefährtin, Pferden, Land, Elefanten, Vieh, Büffelkühen, Dienerinnen und Dienern sowie Yoga und Erkenntnis ausgestattet. Er kehrt nicht wieder, er kehrt nicht wieder. So lautet die Upanishad.
Shanti-Mantra am Schluss
Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.
Friedensruf am Schluss
Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Schlussformel
Damit ist die ehrwürdige Saubhagyalakshmi-Upanishad beendet.
Fünf Empfehlungen für die spirituelle Praxis aus der Saubhagyalakshmi Upanishad
- Übe regelmäßig und aufmerksam. Reserviere täglich eine ruhige Zeit für Japa und Meditation. Yoga wächst durch gelebten Yoga.
- Verbinde Lakshmi-Verehrung mit Großzügigkeit. Danke für das Empfangene und teile, was du teilen kannst. Lass dein Streben nach Wohlergehen auch anderen dienen.
- Lass eigennütziges Verlangen los. Erinnere dich an die ausdrückliche Lehre des Textes: Die Vollendung der Shri-Vidya gehört zur Begehrensfreiheit.
- Suche innere Ruhe. Pflege Maßhalten und einen gesammelten Geist. Wenn du Klang oder Atem betrachtest, bleibe gelassen und erzwinge keine Erfahrung.
- Erkenne das Selbst im Alltag. Betrachte das Salzgleichnis und die Gegenwart Brahmans überall. Handle aufmerksam, während du dich an den stillen inneren Zeugen erinnerst.
Quellen und Literatur
- Sanskrit Documents: Saubhāgyalakṣmyupaniṣat, Sanskritfassung mit neunzehn Yogaversen.
- Saubhāgyalakṣmyupaniṣat, Sanskrit-Druckfassung als PDF, Nr. 118 der dortigen Sammlung.
- Satsangdhara: Sanskrittext mit Marathi-Erläuterung, zum Vergleich einzelner Lesarten.
- Deutsche Übersetzung und Worterklärungen: für diesen Artikel aus dem Sanskrit erarbeitet. Die Sanskrit-Schreibungen rāmacandra, turīyātītāṃ, caturdaśānām, lokeśaiḥ, vāsudevādibhiḥ, sujīrṇe, hutavaha, pratyayāṃśa, saindhava und ātmamanasoraikyam sind gegenüber den fehlerhaften digitalen Formen berichtigt. Die betreffenden Stellen sind erläutert; unsichere technische Angaben bleiben als solche kenntlich.
- Swami Krishnananda: Die Upanishaden, Online-Buch
- Paul Deussen: Klassische Upanishaden, Online-Auswahl
- Swami Sivananda: Vedanta für Anfänger. Yoga Vidya Verlag.
Siehe auch
Ähnliche Upanishaden: Devi Upanishad, Tripura Upanishad, Bhavana Upanishad, Sarasvati Rahasya Upanishad, Nadabindu Upanishad, Hamsa Upanishad, Yogashikha Upanishad, Shandilya Upanishad.
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- 09.10.2026 - 11.10.2026 Meditation Intensiv Schweigend
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