Sarasvati Rahasya Upanishad

Aus Yogawiki

Die Sarasvati Rahasya Upanishad (Sanskrit: सरस्वतीरहस्योपनिषत्, IAST: Sarasvatīrahasyopaniṣat) erschließt das „Geheimnis Sarasvatis“ als Einheit von heiliger Rede, Erkenntnis und Brahman. Die zur Gruppe der Shakta Upanishaden gerechnete Schrift wird in der Muktika-Liste dem Krishna Yajurveda zugeordnet. Sie enthält zugleich zahlreiche Mantras aus dem Rigveda und verwendet in der hier zugrunde gelegten Überlieferung dessen Friedensgebet.

Die Seher fragen Ashvalayana, wie jene Erkenntnis erlangt wird, die den Sinn des Wortes „Das“ erschließt. Er antwortet mit einer Verehrung Sarasvatis in zehn Anrufungen. Rituelle Zuordnungen, Lobstrophen und vedische Verse verbinden die Göttin der Rede mit der inneren Kraft des Erkennens. Im späteren Teil spricht Sarasvati selbst über Maya, Ishvara, Jiva und die Unterscheidung von Bewusstsein und seinen Gegenständen.

Die Lehre führt von Bhakti zu Jnana. Die ersehnte Gabe ist nicht nur schöne Rede: Der Text weist auf ein Erkennen, das die Bindung an Körper, Namen und Formen löst. Für Yoga und Meditation bietet er Betrachtungen über das stille Bewusstsein, in dem Gedanken erscheinen, und über die Gegenwart von Sein, Bewusstsein und Wonne in jeder Erfahrung.

Studium, wahrhaftige Rede und Meditation gehören im Sarasvati-Rahasya zusammen.

Sarasvati Rahasya Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Einteilung 1–3 dient der eindeutigen Orientierung: Rahmendialog, zehn Anrufungen und abschließende Lehrverse. Die mit a, b und c bezeichneten Einheiten des zweiten Teils trennen jeweils die Mantraeinrichtung, die Lobstrophe und den vedischen Mantra. Dadurch erhält jeder Vers eine eigene Übersetzung und Worterklärung. Der Meditationsvers vor den zehn Anrufungen ist gesondert wiedergegeben.

Die digitale Grundfassung weist bei den Schlussversen 27–28 eine echte Textauslassung auf. Die fehlenden Halbverse sind nach der Sanskrit-Parallelfassung auf Wikisource wiederhergestellt und an Ort und Stelle vermerkt. Andere unklare Lesarten werden erläutert. Sätze, die über eine Versgrenze gehen, bleiben in den Einzelübersetzungen erkennbar verbunden. Die Worterklärungen lösen Sandhi und Komposita auf. Alle Volltexte geben denselben berichtigten Stand wieder.

Einleitungsvers
pratiyogivinirmuktabrahmavidyaikagocaram |
akhaṇḍanirvikalpaṃ tadrāmacandrapadaṃ bhaje ||

Ich verehre jenen Zustand Ramachandras, der allein durch die Erkenntnis Brahmans zugänglich ist, frei von einem Gegenüber, ungeteilt und ohne unterscheidende Vorstellung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pratiyogi-vinirmukta – frei von einem Gegenüber; brahma-vidyā-eka-gocaram – allein der Brahman-Erkenntnis zugänglich; akhaṇḍam – ungeteilt; nirvikalpam – ohne unterscheidende Vorstellung; tat – jenes; rāmacandra-padam – Zustand Ramachandras; bhaje – ich verehre.

Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; vāk – Rede; me – meine; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet; manaḥ – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āviḥ āviḥ – offen, offenbar; me – mir; edhi – werde, sei; vedasya – des Veda; me – mir, vedisch auch ma; āṇīsthaḥ – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; śrutam – Gehörtes; me – von mir; – nicht; prahāsīḥ – verlasse; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān – Tage und Nächte; sandadhāmi – ich verbinde; ṛtam – das Rechte; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat – jenes; mām – mich; avatu – möge beschützen; vaktāram – den Sprechenden, Lehrenden.

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Erster Teil – Unterweisung und Meditation

1.1. Die Frage der Seher
hariḥ oṃ || ṛṣayo ha vai bhagavantamāśvalāyanaṃ sampūjya
papracchuḥ kenopāyena tajjñānaṃ tatpadārthāvabhāsakam |
yadupāsanayā tattvaṃ jānāsi bhagavanvada || 1 ||

Hari Om. Die Seher verehrten den ehrwürdigen Ashvalayana und fragten ihn: „Durch welches Mittel gewinnt man jene Erkenntnis, die den Sinn des Wortes ‚Das‘ aufleuchten lässt? Durch welche Verehrung erkennst du die Wirklichkeit? Sage es, Erhabener.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: hariḥ oṃ – Hari Om; ṛṣayaḥ – Seher; ha vai – bekräftigende Partikeln; bhagavantam – den Ehrwürdigen; āśvalāyanam – Ashvalayana; sampūjya – verehrt habend; papracchuḥ – fragten; kena upāyena – durch welches Mittel; tat-jñānam – jene Erkenntnis; tat-pada-artha-avabhāsakam – den Sinn des Wortes Das aufleuchten lassend; yat-upāsanayā – durch welche Verehrung; tattvam – Wirklichkeit; jānāsi – erkennst du; bhagavan – Erhabener; vada – sprich.

1.2. Ashvalayanas Antwort
sarasvatī daśaślokyā saṛcā bījamiśrayā |
stutvā japtvā parāṃ siddhimalabhaṃ munipuṅgavāḥ || 2 ||

„Ihr vorzüglichen Weisen, nachdem ich Sarasvati mit den zehn Strophen samt den vedischen Versen und den eingefügten Keimsilben gepriesen und rezitiert hatte, erlangte ich die höchste Vollendung.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarasvatī – Sarasvati, in der Vorlage verkürzte Fügung; daśa-ślokyā – mit dem Zehnstrophen-Lob; sa-ṛcā – mit vedischen Versen; bīja-miśrayā – mit Keimsilben vermischt; stutvā – gepriesen habend; japtvā – rezitiert habend; parām siddhim – höchste Vollendung; alabham – ich erlangte; muni-puṅgavāḥ – ihr vorzüglichen Weisen.

1.3. Die Bitte um die Meditation
ṛṣaya ūcuḥ |
kathaṃ sārasvataprāptiḥ kena dhyānena suvrata |
mahāsarasvatī yena tuṣṭā bhagavatī vada || 3 ||

Die Seher sagten: „Du dem guten Gelübde Treuer, wie wird Sarasvatis Gnade erlangt? Durch welche Meditation wird die erhabene Mahasarasvati erfreut? Sage es.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṛṣayaḥ ūcuḥ – die Seher sagten; katham – wie; sārasvata-prāptiḥ – Erlangung dessen, was Sarasvati zugehört; kena dhyānena – durch welche Meditation; suvrata – du dem guten Gelübde Treuer; mahā-sarasvatī – Mahasarasvati; yena – durch welche; tuṣṭā – erfreut; bhagavatī – die Erhabene; vada – sprich.

1a. Einrichtung des Zehnstrophen-Mantras
sa hovācāśvalāyanaḥ | asya śrīsarasvatīdaśaślokīmahāmantrasya |
ahamāśvalāyana ṛṣiḥ | anuṣṭup chandaḥ | śrī vāgīśvarī devatā |
yadvāgiti bījam | devīṃ vācamiti śaktiḥ | praṇo devīti kīlakam |
viniyogastatprītyarthe | śraddhā medhā prajñā dhāraṇā vāgdevatā
mahāsarasvatītyetairaṅganyāsaḥ ||

Ashvalayana sprach: „Für dieses große Zehnstrophen-Mantra Sarasvatis bin ich, Ashvalayana, der Seher. Das Versmaß ist Anushtubh; die Gottheit ist die ehrwürdige Vagishvari. yadvāk ist der Keim, devīṃ vācam die Kraft und praṇo devī der Riegel. Die Anwendung dient dazu, sie zu erfreuen. Die Zuordnung zu den Körpergliedern erfolgt mit den Namen Shraddha, Medha, Prajna, Dharana, Vagdevata und Mahasarasvati.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ hovāca – er sprach; āśvalāyanaḥ – Ashvalayana; asya – für dieses; śrī-sarasvatī-daśaślokī-mahāmantrasya – große Zehnstrophen-Mantra Sarasvatis; aham – ich; ṛṣiḥ – Seher; anuṣṭup chandaḥ – Anushtubh als Versmaß; śrī-vāgīśvarī – die ehrwürdige Herrin der Rede; devatā – Gottheit; yad-vāk – Anfang einer vedischen Strophe; bījam – Keim; devīm vācam – die göttliche Rede, Mantraanfang; śaktiḥ – Kraft; praṇaḥ devī – die Göttin möge uns fördern, Mantraanfang; kīlakam – Riegel, rituelles Festigungselement; viniyogaḥ – Anwendung; tat-prīti-arthe – zu ihrer Freude; śraddhā – Vertrauen; medhā – Verstandeskraft; prajñā – Einsicht; dhāraṇā – geistiges Festhalten; vāk-devatā – Gottheit der Rede; mahā-sarasvatī – große Sarasvati; etaiḥ – mit diesen; aṅga-nyāsaḥ – Zuordnung zu Körpergliedern.

1b. Meditationsvers
nīhārahāraghanasārasudhākarābhāṃ
kalyāṇadāṃ kanakacampakadāmabhūṣām | uttuṅgapīnakucakumbhamanoharāṅgīṃ vāṇīṃ namāmi manasā vacasā vibhūtyai || 1 ||

Mit Geist und Rede verneige ich mich vor Vani, um an ihrer Fülle teilzuhaben: Sie leuchtet wie Nebel, eine Perlenkette, Kampfer und der Mond; sie schenkt Heil und trägt eine Kette goldener Champaka-Blüten. Ihre anmutige Gestalt ist durch hohe, volle, krugförmige Brüste gekennzeichnet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nīhāra – Nebel; hāra – Perlenkette; ghana-sāra – Kampfer; sudhā-kara – Mond; ābhām – wie diese leuchtend; kalyāṇa-dām – Heil schenkend; kanaka-campaka-dāma-bhūṣām – mit einer Kette goldener Champaka-Blüten geschmückt; uttuṅga-pīna-kuca-kumbha – hohe volle krugförmige Brüste; manohara-aṅgīm – anmutige Gestalt; vāṇīm – Vani, Göttin der Rede; namāmi – ich verneige mich; manasā – mit dem Geist; vacasā – mit der Rede; vibhūtyai – für Fülle, Entfaltung.

Textanmerkung: Die körperliche Beschreibung gehört zur traditionellen Ikonographie der Göttin.

Zweiter Teil – Die zehn Anrufungen Sarasvatis

2.1a. Mantraeinrichtung
oṃ praṇodevītyasya mantrasya bharadvāja ṛṣiḥ | gāyatrī chandaḥ |
śrīsarasvatī devatā | praṇavena bījaśaktiḥ kīlakam | iṣṭārthe viniyogaḥ |
mantreṇa nyāsaḥ ||

Für diesen Mantra ist Bharadvaja der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. Om dient als Keim, Kraft und Riegel. Die Anwendung gilt dem erwünschten Ziel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; bharadvāja – Bharadvaja; ṛṣiḥ – Seher; gāyatrī – Gayatri; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; praṇava – Om, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung; iṣṭa-arthe – für das erwünschte Ziel; viniyogaḥ – Anwendung.

2.1b. Lobstrophe
yā vedāntārthatattvaikasvarūpā paramārthataḥ |
nāmarūpātmanā vyaktā sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die in letzter Wahrheit allein das Wesen der Wirklichkeit des Vedanta ist und sich als Name und Gestalt offenbart.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – die; vedānta-artha-tattva-eka-svarūpā – allein die Wirklichkeit des Vedanta zum Wesen habend; parama-arthataḥ – in letzter Wahrheit; nāma-rūpa-ātmanā – als Name und Gestalt; vyaktā – offenbart; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.1c. Vedischer Mantra
oṃ praṇo devī sarasvatī
vājebhirvājinīvatī || dhīnāmavitryavatu || 1 ||

Om. Möge die Göttin Sarasvati, reich an nährenden Kräften und Schützerin der Einsichten, uns mit ihren Gaben fördern und beschützen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; pra – vorwärts, fördernd; naḥ – uns; devī – Göttin; sarasvatī – Sarasvati; vājebhiḥ – mit nährenden Kräften, Gaben; vājinīvatī – reich an solchen Kräften; dhīnām – der Einsichten; avitrī – Schützerin; avatu – möge beschützen.

2.2a. Mantraeinrichtung
ā no diva iti mantrasya atrirṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | hrīmiti bījaśaktiḥ kīlakam | iṣṭārthe
viniyogaḥ | mantreṇa nyāsaḥ ||

Für diesen Mantra ist Atri der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. hrīṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die Anwendung gilt dem erwünschten Ziel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; atri – Atri; ṛṣiḥ – Seher; triṣṭup – Trishtubh; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; hrīm – hrīṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung; iṣṭa-arthe – für das erwünschte Ziel; viniyogaḥ – Anwendung.

2.2b. Lobstrophe
yā sāṅgopāṅgavedeṣu
caturṣvekaiva gīyate | advaitā brahmaṇaḥ śaktiḥ sā māṃ
pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die Eine, die in den vier Veden mit ihren Haupt- und Nebenwissenschaften besungen wird, die nichtduale Kraft Brahmans.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – die; sa-aṅga-upāṅga-vedeṣu – in den Veden samt Haupt- und Nebenwissenschaften; caturṣu – in den vier; ekā eva – die Eine allein; gīyate – wird besungen; advaitā – nichtdual; brahmaṇaḥ śaktiḥ – Kraft Brahmans; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.2c. Vedischer Mantra
hrīṃ ā no divo bṛhataḥ parvatādā sarasvatī
yajatāgaṃ tu yajñam | havaṃ devī jujuṣāṇā ghṛtācī
śagmāṃ no vācamuśatī śṛṇotu || 2 ||

Hrīm. Von Himmel und hohem Berg her komme die verehrungswürdige Sarasvati zu unserem Opfer. Möge die Göttin unseren Ruf mit Freude annehmen, reich an Opferbutter und uns geneigt unsere heilvolle Rede hören.

Wort-für-Wort-Übersetzung: hrīṃ – Keimsilbe; ā – herbei; naḥ – zu uns; divaḥ – vom Himmel; bṛhataḥ – vom hohen; parvatāt – Berg; sarasvatī – Sarasvati; yajatā – verehrungswürdige; ā gam tu – komme her, textlich auffällige Fügung; yajñam – zum Opfer; havam – Ruf; devī – Göttin; jujuṣāṇā – mit Freude annehmend; ghṛtācī – reich an Opferbutter; śagmām – heilvolle; naḥ – unsere; vācam – Rede; uśatī – uns geneigt, verlangend; śṛṇotu – möge hören.

Textanmerkung: Die Fügung yajatāgaṃ tu ist in der digitalen Vorlage auffällig; die Übersetzung folgt dem erkennbaren vedischen Anrufungssinn.

2.3a. Mantraeinrichtung
pāvakā na iti mantrasya | madhucchanda ṛṣiḥ | gāyatrī
chandaḥ | sarasvatī devatā | śrīmiti bījaśaktiḥ kīlakam |
iṣṭārthe viniyogaḥ | mantreṇa nyāsaḥ ||

Für diesen Mantra ist Madhucchandas der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. śrīṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die Anwendung gilt dem erwünschten Ziel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; madhucchandas – Madhucchandas; ṛṣiḥ – Seher; gāyatrī – Gayatri; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; śrīm – śrīṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung; iṣṭa-arthe – für das erwünschte Ziel; viniyogaḥ – Anwendung.

2.3b. Lobstrophe
yā varṇapadavākyārthasvarūpeṇaiva vartate | anādinidhanānantā sā māṃ pātu
sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die als Laute, Wörter, Sätze und deren Bedeutung besteht, ohne Anfang, Ende oder Grenze.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – die; varṇa – Laut; pada – Wort; vākya – Satz; artha – Bedeutung; svarūpeṇa – in der Gestalt; eva – eben; vartate – besteht; anādi – ohne Anfang; anidhana – ohne Ende; anantā – unbegrenzt; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.3c. Vedischer Mantra
śrīṃ pāvakā naḥ sarasvatī vājebhirvājinīvatī | yajñaṃ
vaṣṭu dhiyā vasuḥ || 3 ||

Śrīm. Möge die läuternde Sarasvati, reich an nährenden Kräften und Gaben, durch Einsicht reich, unser Opfer lieben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śrīṃ – Keimsilbe; pāvakā – läuternd; naḥ – unser; sarasvatī – Sarasvati; vājebhiḥ – mit nährenden Kräften; vājinīvatī – daran reich; yajñam – Opfer; vaṣṭu – möge lieben, wünschen; dhiyā – durch Einsicht; vasuḥ – reich.

2.4a. Mantraeinrichtung
codayitrīti mantrasya madhucchanda ṛṣiḥ | gāyatrī chandaḥ |
sarasvatī devatā | blūmiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ ||

Für diesen Mantra ist Madhucchandas der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. blūṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; madhucchandas – Madhucchandas; ṛṣiḥ – Seher; gāyatrī – Gayatri; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; blūm – blūṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.4b. Lobstrophe
adhyātmamadhidaivaṃ ca devānāṃ samyagīśvarī | pratyagāste
vadantī yā sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die im Inneren des Menschen und im Bereich der Gottheiten die vollkommene Herrin der Götter ist und als Sprechende im Innersten wohnt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: adhyātmam – im Bereich des inneren Selbst; adhidaivam – im Bereich der Gottheiten; ca – und; devānām – der Götter; samyak-īśvarī – vollkommene Herrin; pratyak – nach innen gewandt, im Innersten; āste – wohnt; vadantī – sprechend; – die; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.4c. Vedischer Mantra
blūṃ codayitrī sūnṛtānāṃ
cetantī sumatīnām | yajñaṃ dadhe sarasvatī || 4 ||

Blūm. Als Anregerin wahrer, freundlicher Worte und Erweckerin guter Gedanken hat Sarasvati das Opfer gestiftet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: blūṃ – Keimsilbe; codayitrī – Anregerin; sūnṛtānām – wahrer, freundlicher Worte; cetantī – erweckend, aufmerksam machend; sumatīnām – guter Gedanken; yajñam – Opfer; dadhe – hat gestiftet; sarasvatī – Sarasvati.

2.5a. Mantraeinrichtung
maho arṇa iti mantrasya | madhucchanda ṛṣiḥ | gāyatrī chandaḥ |
sarasvatī devatā | sauriti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

Für diesen Mantra ist Madhucchandas der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. sauḥ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; madhucchandas – Madhucchandas; ṛṣiḥ – Seher; gāyatrī – Gayatri; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; sauḥ – sauḥ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.5b. Lobstrophe
antaryāmyātmanā viśvaṃ trailokyaṃ yā niyacchati |
rudrādityādirūpasthā yasyāmāveśya tāṃ punaḥ | dhyāyanti
sarvarūpaikā sā māṃ pātu sarasvatī |

Möge Sarasvati mich beschützen, die als innerer Lenker die gesamte Dreiwelt regiert. In ihr versenken die Meditierenden die Gestalten Rudras, der Adityas und der übrigen Götter und betrachten sie wieder als die Eine in allen Gestalten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: antaryāmi-ātmanā – als innerer Lenker; viśvam – das Ganze; trailokyam – Dreiwelt; – die; niyacchati – regiert; rudra-āditya-ādi-rūpa-sthā – in Gestalten Rudras, der Adityas und anderer bestehend; yasyām – in der; āveśya – versenkt habend; tām – sie; punaḥ – wieder; dhyāyanti – meditieren; sarva-rūpā ekā – die Eine in allen Gestalten; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

Textanmerkung: rudrādityādirūpasthā folgt der Parallelfassung gegenüber rudrādityārūpasthā.

2.5c. Vedischer Mantra
sauḥ maho arṇaḥ
sarasvatī pracetayati ketunā | dhiyo viśvā virājati || 5 ||

Sauḥ. Sarasvati lässt durch ihr Licht das große Flutenmeer erkennen; sie erhellt alle Einsichten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sauḥ – Keimsilbe; mahaḥ – groß; arṇaḥ – Flutenmeer; sarasvatī – Sarasvati; pracetayati – lässt erkennen, erweckt; ketunā – durch Licht, Erkenntniszeichen; dhiyaḥ – Einsichten; viśvāḥ – alle; virājati – erhellt, leuchtet durch.

2.6a. Mantraeinrichtung
catvāri vāgiti mantrasya ucathyaputra ṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | aimiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

Für diesen Mantra ist Ucathyaputra der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. aiṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; ucathya-putra – Ucathyaputra; ṛṣiḥ – Seher; triṣṭup – Trishtubh; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; aim – aiṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.6b. Lobstrophe
yā pratyagdṛṣṭibhirjīvairvyajyamānānubhūyate | vyāpinī
jñaptirūpaikā sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die allgegenwärtige Eine in der Gestalt reinen Erkennens, die sich den nach innen schauenden Einzelwesen offenbart und von ihnen erfahren wird.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – die; pratyak-dṛṣṭibhiḥ – mit nach innen gerichteter Schau; jīvaiḥ – von den Einzelwesen; vyajyamānā – sich offenbarend; anubhūyate – wird erfahren; vyāpinī – allgegenwärtig; jñapti-rūpā – Erkennen als Gestalt habend; ekā – Eine; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

Textanmerkung: jñapti berichtigt die offenkundig beschädigte Zeichensequenz z`napti nach der Sanskrit-Parallelfassung.

2.6c. Vedischer Mantra
aiṃ catvāri vāk
parimitā padāni tāni vidurbrāhmaṇā ye manīṣiṇaḥ | guhā trīṇi
nihitā neṅgayanti turīyaṃ vāco manuṣyā vadanti || 6 ||

Aim. Die Rede ist in vier Bereiche gegliedert. Die einsichtigen Brahmanen kennen sie. Drei sind im Verborgenen niedergelegt und regen sich nicht; den vierten Bereich der Rede sprechen die Menschen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aiṃ – Keimsilbe; catvāri – vier; vāk – Rede; parimitā – abgemessen, gegliedert; padāni – Bereiche, Schritte; tāni – diese; viduḥ – kennen; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; ye – die; manīṣiṇaḥ – einsichtig; guhā – im Verborgenen; trīṇi – drei; nihitā – niedergelegt; na – nicht; iṅgayanti – regen sich; turīyam – vierten; vācaḥ – der Rede; manuṣyāḥ – Menschen; vadanti – sprechen.

2.7a. Mantraeinrichtung
yadvāgvadantīti mantrasya bhārgava ṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | klīmiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

Für diesen Mantra ist Bhargava der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. klīṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; bhārgava – Bhargava; ṛṣiḥ – Seher; triṣṭup – Trishtubh; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; klīm – klīṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.7b. Lobstrophe
nāmajātyādibhirbhedairaṣṭadhā yā vikalpitā | nirvikalpātmanā
vyaktā sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die durch Unterschiede wie Name und Gattung achtfach unterschieden wird und sich ihrem Wesen nach doch ohne Unterscheidung offenbart.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nāma – Name; jāti – Gattung; ādibhiḥ – und weitere; bhedaiḥ – durch Unterschiede; aṣṭadhā – achtfach; – die; vikalpitā – unterschieden, vorgestellt; nirvikalpa-ātmanā – ihrem unterschiedslosen Wesen nach; vyaktā – offenbart; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.7c. Vedischer Mantra
klīṃ yadvāgvadantyavicetanāni
rāṣṭrī devānāṃ niṣasāda mandrā | catasra ūrjaṃ duduhe
payāṃsi kva svidasyāḥ paramaṃ jagāma || 7 ||

Klīm. Wenn die Rede Unbewusstes ausspricht, hat sie als wohltönende Herrscherin der Götter ihren Sitz genommen. Vierfach hat sie nährende Milch gemolken. Wohin ist wohl ihr höchster Anteil gegangen?

Wort-für-Wort-Übersetzung: klīṃ – Keimsilbe; yat – wenn; vāk – Rede; vadantī – sprechend; avicetanāni – Unbewusstes; rāṣṭrī – Herrscherin; devānām – der Götter; niṣasāda – hat sich gesetzt; mandrā – wohltönend; catasraḥ – vier; ūrjam – Nahrung, Kraft; duduhe – hat gemolken; payāṃsi – Milchströme; kva – wohin; svit – wohl; asyāḥ – ihr; paramam – Höchstes; jagāma – ist gegangen.

2.8a. Mantraeinrichtung
devīṃ vācamiti mantrasya bhārgava ṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | sauriti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

Für diesen Mantra ist Bhargava der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. sauḥ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; bhārgava – Bhargava; ṛṣiḥ – Seher; triṣṭup – Trishtubh; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; sauḥ – sauḥ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.8b. Lobstrophe
vyaktāvyaktagiraḥ sarve vedādyā vyāharanti yām | sarvakāmadudhā
dhenuḥ sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die alle Veden und die übrigen Schriften mit offenbarter und unoffenbarter Rede aussprechen: die Kuh, die alle Wünsche nährt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vyakta-avyakta-giraḥ – mit offenbarter und unoffenbarter Rede; sarve – alle; veda-ādyāḥ – Veden und übrige Schriften; vyāharanti – sprechen aus; yām – welche; sarva-kāma-dudhā – alle Wünsche milchgebend erfüllend; dhenuḥ – Milchkuh; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.8c. Vedischer Mantra
sauḥ devīṃ vācamajanayanta
devāstā viśvarūpāḥ paśavo vadanti | sā no mandreṣamūrjaṃ
duhānā dhenurvāgasmānupasuṣṭutaitu || 8 ||

Sauḥ. Die Götter brachten die göttliche Rede hervor; die Tiere in ihren vielfältigen Gestalten äußern sie. Möge diese wohltönende Milchkuh, die Rede, uns Nahrung und Kraft spendend und von uns gepriesen, zu uns kommen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sauḥ – Keimsilbe; devīm vācam – göttliche Rede; ajanayanta – brachten hervor; devāḥ – Götter; tām – sie; viśva-rūpāḥ – mannigfaltig gestaltet; paśavaḥ – Tiere; vadanti – äußern; – diese; naḥ – uns; mandrā – wohltönend; iṣam – Nahrung; ūrjam – Kraft; duhānā – melkend, spendend; dhenuḥ – Milchkuh; vāk – Rede; asmān – zu uns; upa-suṣṭutā – gepriesen; ā etu – möge herankommen.

2.9a. Mantraeinrichtung
uta tva iti mantrasya bṛhaspatirṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | samiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

Für diesen Mantra ist Brihaspati der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. saṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; bṛhaspati – Brihaspati; ṛṣiḥ – Seher; triṣṭup – Trishtubh; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; sam – saṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.9b. Lobstrophe
yāṃ viditvākhilaṃ bandhaṃ nirmathyākhilavartmanā | yogī yāti
paraṃ sthānaṃ sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, durch deren Erkenntnis der Yogi alle Bindung vollständig zerreibt und zum höchsten Ort gelangt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yām viditvā – sie erkannt habend; akhilam bandham – alle Bindung; nirmathya – zerrieben habend; akhila-vartmanā – auf umfassende Weise; yogī – Yogi; yāti – gelangt; param sthānam – höchsten Ort; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.9c. Vedischer Mantra
saṃ uta tvaḥ paśyanna
dadarśa vācamuta tvaḥ śṛṇvanna śṛṇotyenām | uto tvasmai
tanvaṃ 1 visasre jāyeva patya uśatī suvāsāḥ || 9 ||

Sam. Einer sieht und hat doch die Rede nicht gesehen; ein anderer hört und hört sie doch nicht. Einem anderen wiederum hat sie ihren eigenen Leib enthüllt, wie eine liebende, schön gekleidete Gattin ihrem Mann.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃ – Keimsilbe; uta – und, auch; tvaḥ – einer; paśyan – sehend; na dadarśa – hat nicht gesehen; vācam – Rede; śṛṇvan – hörend; na śṛṇoti – hört nicht; enām – sie; utaḥ – andererseits; tvasmai – einem anderen; tanvam – eigenen Leib; vi sasre – hat enthüllt; jāyā iva – wie eine Gattin; patye – dem Mann; uśatī – liebend; suvāsāḥ – schön gekleidet.

Textanmerkung: Die mitten in tanvam stehende Ziffer 1 der digitalen Vorlage ist eine vedische Vortragsmarkierung, keine Versnummer. Sie wird als solche beibehalten.

2.10a. Mantraeinrichtung
ambitama iti mantrasya gṛtsamada ṛṣiḥ | anuṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | aimiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

Für diesen Mantra ist Gritsamada der Seher, Anushtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. aiṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mantrasya – des Mantras; gṛtsamada – Gritsamada; ṛṣiḥ – Seher; anuṣṭup – Anushtubh; chandaḥ – Versmaß; sarasvatī – Sarasvati; devatā – Gottheit; aim – aiṃ, Keimsilbe; bīja – Keim; śaktiḥ – Kraft; kīlakam – Riegel; mantreṇa – mit dem Mantra; nyāsaḥ – rituelle Zuordnung.

2.10b. Lobstrophe
nāmarūpātmakaṃ sarvaṃ yasyāmāveśya tāṃ punaḥ |
dhyāyanti brahmarūpaikā sā māṃ pātu sarasvatī ||

Möge Sarasvati mich beschützen, die Eine von der Gestalt Brahmans, in der die Meditierenden alles aus Name und Gestalt Bestehende aufgehen lassen, um dann wieder sie selbst zu betrachten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nāma-rūpa-ātmakam – aus Name und Gestalt bestehend; sarvam – alles; yasyām – in der; āveśya – aufgehen gelassen habend; tām – sie; punaḥ – wieder; dhyāyanti – meditieren; brahma-rūpā – Brahman als Gestalt habend; ekā – Eine; – diese; mām – mich; pātu – möge beschützen; sarasvatī – Sarasvati.

2.10c. Vedischer Mantra
aiṃ ambitame
nadītame devitame sarasvatī | apraśastā iva smasi praśastimamba
naskṛdhi || 10 ||

Aim. Beste Mutter, bester Strom, beste Göttin, Sarasvati! Wir sind gleichsam ohne Ansehen. Mutter, schenke uns Ansehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aiṃ – Keimsilbe; ambitame – beste Mutter; nadītame – bester Strom; devitame – beste Göttin; sarasvati – Sarasvati; apraśastāḥ – ohne Ansehen; iva – gleichsam; smasi – wir sind; praśastim – Ansehen, Lob; amba – Mutter; naḥ – uns; kṛdhi – schenke, mache.

Dritter Teil – Lobpreis und Selbsterkenntnis

3.1.
caturmukhamukhāmbhojavanahaṃsavadhūrmama |
mānase ramatāṃ nityaṃ sarvaśuklā sarasvatī || 1 ||

Möge die ganz weiße Sarasvati stets in meinem Geist spielen, die Schwanengefährtin im Wald der lotusgleichen Gesichter des viergesichtigen Brahma.

Wort-für-Wort-Übersetzung: catur-mukha – viergesichtiger Brahma; mukha-ambhoja – lotusgleiches Gesicht; vana – Wald; haṃsa-vadhūḥ – Schwanengefährtin; mama – mein; mānase – im Geist; ramatām – möge spielen, sich erfreuen; nityam – stets; sarva-śuklā – ganz weiß; sarasvatī – Sarasvati.

3.2.
namaste śārade devi kāśmīrapuravāsini |
tvāmahaṃ prārthaye nityaṃ vidyādānaṃ ca dehi me || 2 ||

Verehrung dir, Göttin Sharada, die du in Kashmir wohnst. Ich bitte dich stets: Gewähre mir die Gabe des Wissens.

Wort-für-Wort-Übersetzung: namaḥ te – Verehrung dir; śārade – Sharada; devi – Göttin; kāśmīra-pura-vāsini – in der Stadt beziehungsweise Gegend Kashmir Wohnende; tvām – dich; aham – ich; prārthaye – bitte; nityam – stets; vidyā-dānam – Gabe des Wissens; ca – und; dehi – gib; me – mir.

3.3.
akṣasūtrāṅkuśadharā pāśapustakadhāriṇī |
muktāhārasamāyuktā vāci tiṣṭhatu me sadā || 3 ||

Möge sie stets in meiner Rede wohnen: Rosenkranz und Stachelstab tragend, Schlinge und Buch in den Händen, mit einer Perlenkette geschmückt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: akṣa-sūtra – Rosenkranz; aṅkuśa – Stachelstab; dharā – tragend; pāśa – Schlinge; pustaka – Buch; dhāriṇī – Trägerin; muktā-hāra-samāyuktā – mit einer Perlenkette versehen; vāci – in der Rede; tiṣṭhatu – möge wohnen; me – meiner; sadā – stets.

3.4.
kambukaṇṭhī sutāmroṣṭhī sarvābharaṇabhūṣitā |
mahāsarasvatī devī jihvāgre saṃniviśyatām || 4 ||

Möge die Göttin Mahasarasvati auf meiner Zungenspitze Platz nehmen: mit muschelförmigem Hals, schönen kupferroten Lippen und allem Schmuck geziert.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kambu-kaṇṭhī – mit muschelförmigem Hals; su-tāmra-oṣṭhī – mit schönen kupferroten Lippen; sarva-ābharaṇa-bhūṣitā – mit allem Schmuck geziert; mahā-sarasvatī – Mahasarasvati; devī – Göttin; jihvā-agre – auf der Zungenspitze; saṃniviśyatām – möge Platz nehmen.

3.5.
yā śraddhā dhāraṇā medhā vāgdevī vidhivallabhā |
bhaktajihvāgrasadanā śamādiguṇadāyinī || 5 ||

Sie ist Vertrauen, geistiges Festhalten und Verstandeskraft, die Göttin der Rede und Brahmas Geliebte. Sie wohnt auf der Zungenspitze ihrer Verehrer und schenkt Ruhe des Geistes und die übrigen Tugenden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – die; śraddhā – Vertrauen; dhāraṇā – geistiges Festhalten; medhā – Verstandeskraft; vāk-devī – Göttin der Rede; vidhi-vallabhā – Brahmas Geliebte; bhakta-jihvā-agra-sadanā – auf der Zungenspitze der Verehrer wohnend; śama-ādi-guṇa-dāyinī – Geistesruhe und weitere Tugenden schenkend.

3.6.
namāmi yāminīnāthalekhālaṅkṛtakuntalām |
bhavānīṃ bhavasantāpanirvāpaṇasudhānadīm || 6 ||

Ich verehre Bhavani, deren Haar die Sichel des Herrn der Nacht schmückt, den Nektarstrom, der die Glut des Daseinskreislaufs löscht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: namāmi – ich verehre; yāminī-nātha – Herr der Nacht, Mond; lekhā – Sichel; alaṅkṛta-kuntalām – deren Haar geschmückt ist; bhavānīm – Bhavani; bhava-santāpa – Glut des Daseinskreislaufs; nirvāpaṇa – löschend; sudhā-nadīm – Nektarstrom.

3.7.
yaḥ kavitvaṃ nirātaṅkaṃ bhuktimuktī ca vāñchati |
so'bhyarcyaināṃ daśaślokyā nityaṃ stauti sarasvatīm || 7 ||

Wer ungehinderte Dichtkunst, Lebensgenuss und Befreiung wünscht, soll Sarasvati verehren und sie täglich mit dem Zehnstrophen-Lob preisen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ – wer; kavitvam – Dichtkunst; nirātaṅkam – ungehindert; bhukti-muktī – Lebensgenuss und Befreiung; ca – und; vāñchati – wünscht; saḥ – der; abhyarcya – verehrt habend; enām – sie; daśa-ślokyā – mit dem Zehnstrophen-Lob; nityam – täglich; stauti – preist; sarasvatīm – Sarasvati.

Textanmerkung: Die fehlerhafte Form abhaircya wird zu abhyarcya berichtigt.

3.8.
tasyaivaṃ stuvato nityaṃ samabhyarcya sarasvatīm |
bhaktiśraddhābhiyuktasya ṣaṇmāsātpratyayo bhavet || 8 ||

Wer Sarasvati so täglich verehrt und preist, erfüllt von Hingabe und Vertrauen, dem soll nach sechs Monaten eine Bestätigung zuteilwerden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasya – ihm; evam – so; stuvataḥ – des Preisenden; nityam – täglich; samabhyarcya – verehrt habend; sarasvatīm – Sarasvati; bhakti-śraddhā-abhiyuktasya – mit Hingabe und Vertrauen erfüllt; ṣaṇ-māsāt – nach sechs Monaten; pratyayaḥ – Bestätigung, Gewissheit; bhavet – soll entstehen.

Textanmerkung: Die Frist ist eine Verheißung der Überlieferung, keine überprüfte Zusage für jeden Übenden.

3.9.
tataḥ pravartate vāṇī svecchayā lalitākṣarā |
gadyapadyātmakaiḥ śabdairaprameyairvivakṣitaiḥ || 9 ||

Dann strömt die Rede nach eigenem Wunsch mit anmutigen Lauten hervor, in zahllosen beabsichtigten Worten als Prosa und Dichtung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ – dann; pravartate – strömt hervor; vāṇī – Rede; sva-icchayā – nach eigenem Wunsch; lalita-akṣarā – mit anmutigen Lauten; gadya-padya-ātmakaiḥ – als Prosa und Dichtung; śabdaiḥ – mit Worten; aprameyaiḥ – zahllosen; vivakṣitaiḥ – die man aussprechen möchte.

3.10.
aśruto budhyate granthaḥ prāyaḥ sārasvataḥ kaviḥ |
ityevaṃ niścayaṃ viprāḥ sā hovāca sarasvatī || 10 ||

Selbst eine zuvor ungehörte Schrift wird verstanden; gewöhnlich wird er ein von Sarasvati begnadeter Dichter. So steht es fest, ihr Brahmanen. Darauf sprach Sarasvati:

Wort-für-Wort-Übersetzung: aśrutaḥ – zuvor ungehört; budhyate – wird verstanden; granthaḥ – Schrift; prāyaḥ – gewöhnlich; sārasvataḥ – von Sarasvati begnadet; kaviḥ – Dichter; iti evam – so; niścayam – Gewissheit; viprāḥ – ihr Brahmanen; – sie; ha uvāca – sprach; sarasvatī – Sarasvati.

3.11.
ātmavidyā mayā labdhā brahmaṇaiva sanātanī |
brahmatvaṃ me sadā nityaṃ saccidānandarūpataḥ || 11 ||

„Die ewige Erkenntnis des Selbst habe ich von Brahma selbst empfangen. Mein Brahmansein besteht immer und ewig, da mein Wesen Sein, Bewusstsein und Wonne ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ātma-vidyā – Erkenntnis des Selbst; mayā – von mir; labdhā – empfangen; brahmaṇā eva – von Brahma selbst; sanātanī – ewig; brahmatvam – Brahmansein; me – mein; sadā – immer; nityam – ewig; sat-cit-ānanda-rūpataḥ – aufgrund des Wesens als Sein, Bewusstsein und Wonne.

Textanmerkung: labdhā folgt der grammatisch richtigen Parallelfassung gegenüber labdhvā.

3.12.
prakṛtitvaṃ tataḥ sṛṣṭaṃ sattvādiguṇasāmyataḥ |
satyamābhāti cicchāyā darpaṇe pratibimbavat || 12 ||

Daraus entstand das Sein als Prakriti durch das Gleichgewicht der Eigenschaften Sattva und der übrigen Gunas. Der Widerschein des Bewusstseins erscheint darin als wirklich, wie ein Spiegelbild im Spiegel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prakṛtitvam – Sein als Prakriti; tataḥ – daraus; sṛṣṭam – entstanden; sattva-ādi-guṇa-sāmyataḥ – durch Gleichgewicht von Sattva und den übrigen Gunas; satyam – als wirklich; ābhāti – erscheint; cit-chāyā – Widerschein des Bewusstseins; darpaṇe – im Spiegel; pratibimba-vat – wie ein Spiegelbild.

3.13.
tena citpratibimbena trividhā bhāti sā punaḥ |
prakṛtyavacchinnatayā puruṣatvaṃ punaśca te || 13 ||

Durch dieses Spiegelbild des Bewusstseins erscheint sie wiederum dreifach. Durch die Begrenzung durch Prakriti erscheint für dich wiederum das Sein als Purusha.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tena – durch dieses; cit-pratibimbena – Spiegelbild des Bewusstseins; trividhā – dreifach; bhāti – erscheint; – sie; punaḥ – wiederum; prakṛti-avacchinnatayā – durch Begrenztheit durch Prakriti; puruṣatvam – Sein als Purusha; punaḥ ca – wiederum auch; te – für dich.

Textanmerkung: Die gedrängte zweite Vershälfte lässt den Bezug von te offen. Die Übersetzung gibt ihn wieder, ohne eine zusätzliche Dreiteilung zu erfinden.

3.14.
śuddhasattvapradhānāyāṃ māyāyāṃ bimbito hyajaḥ |
sattvapradhānā prakṛtirmāyeti pratipādyate || 14 ||

Der Ungeborene spiegelt sich in Maya, in der reines Sattva vorherrscht. Die von Sattva bestimmte Prakriti wird Maya genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śuddha-sattva-pradhānāyām – in der reines Sattva vorherrscht; māyāyām – in Maya; bimbitaḥ – gespiegelt; hi – ja; ajaḥ – Ungeborener; sattva-pradhānā – von Sattva bestimmt; prakṛtiḥ – Prakriti; māyā iti – als Maya; pratipādyate – wird bezeichnet.

3.15.
sā māyā svavaśopādhiḥ sarvajñasyeśvarasya hi |
vaśyamāyatvamekatvaṃ sarvajñatvaṃ ca tasya tu || 15 ||

Diese Maya ist die von ihm beherrschte begrenzende Bedingung des allwissenden Ishvara. Ihm gehören Herrschaft über Maya, Einheit und Allwissenheit zu.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sā māyā – diese Maya; sva-vaśa-upādhiḥ – die von ihm beherrschte begrenzende Bedingung; sarvajñasya – des Allwissenden; īśvarasya – Ishvaras; hi – ja; vaśya-māyatvam – Herrschaft über Maya; ekatvam – Einheit; sarvajñatvam – Allwissenheit; ca – und; tasya – ihm; tu – aber.

3.16.
sāttvikatvātsamaṣṭitvātsākṣitvājjagatāmapi |
jagatkartumakartuṃ vā cānyathā kartumīśate || 16 ||

Aufgrund seines sattvischen Wesens, seines Umfassens des Ganzen und seines Zeugeseins auch gegenüber den Welten vermag er die Welt zu schaffen, ungeschaffen zu lassen oder anders zu schaffen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sāttvikatvāt – aufgrund sattvischen Wesens; samaṣṭitvāt – aufgrund des Umfassens des Ganzen; sākṣitvāt – aufgrund des Zeugeseins; jagatām – der Welten; api – auch; jagat – Welt; kartum – zu schaffen; akartum – nicht zu schaffen; – oder; ca – und; anyathā – anders; kartum – zu schaffen; īśate – vermag.

3.17.
yaḥ sa īśvara ityuktaḥ sarvajñatvādibhirguṇaiḥ |
śaktidvayaṃ hi māyāyā vikṣepāvṛtirūpakam || 17 ||

Der mit Allwissenheit und den übrigen Eigenschaften Ausgestattete wird Ishvara genannt. Maya besitzt zwei Kräfte: Projektion und Verhüllung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ – der; saḥ – jener; īśvaraḥ iti uktaḥ – Ishvara genannt; sarvajñatva-ādibhiḥ guṇaiḥ – mit Eigenschaften wie Allwissenheit; śakti-dvayam – zwei Kräfte; hi – ja; māyāyāḥ – Mayas; vikṣepa – Projektion; āvṛti – Verhüllung; rūpakam – von dieser Gestalt.

3.18.
vikṣepaśaktirliṅgādibrahmāṇḍāntaṃ jagatsṛjet |
antardṛgdṛśyayorbhedaṃ bahiśca brahmasargayoḥ || 18 ||

Die Projektionskraft erschafft die Welt vom feinen Körper bis zum Weltall. Die Unterscheidung zwischen Sehendem und Gesehenem im Inneren sowie zwischen Brahman und Schöpfung im Äußeren [ist Gegenstand der folgenden Aussage].

Wort-für-Wort-Übersetzung: vikṣepa-śaktiḥ – Projektionskraft; liṅga-ādi – beim feinen Körper beginnend; brahmāṇḍa-antam – bis zum Weltall reichend; jagat – Welt; sṛjet – erschafft; antar – im Inneren; dṛk-dṛśyayoḥ – zwischen Sehendem und Gesehenem; bhedam – Unterscheidung; bahiḥ – außen; ca – und; brahma-sargayoḥ – zwischen Brahman und Schöpfung.

Textanmerkung: Der Satz der zweiten Vershälfte wird in 3.19 abgeschlossen.

3.19.
āvṛṇotyaparā śaktiḥ sā saṃsārasya kāraṇam |
sākṣiṇaḥ purato bhātaṃ liṅgadehena saṃyutam || 19 ||

Die andere Kraft verhüllt [diese Unterscheidung]; sie ist die Ursache des Daseinskreislaufs. Das vor dem Zeugen Erscheinende, mit dem feinen Körper Verbundene [wird im nächsten Vers näher bestimmt].

Wort-für-Wort-Übersetzung: āvṛṇoti – verhüllt; aparā śaktiḥ – andere Kraft; – diese; saṃsārasya kāraṇam – Ursache des Daseinskreislaufs; sākṣiṇaḥ purataḥ – vor dem Zeugen; bhātam – Erscheinende; liṅga-dehena – mit dem feinen Körper; saṃyutam – verbunden.

Textanmerkung: Die zweite Vershälfte setzt sich in 3.20 fort.

3.20.
citicchāyāsamāveśājjīvaḥ syādvyāvahārikaḥ |
asya jīvatvamāropātsākṣiṇyapyavabhāsate || 20 ||

Durch das Eindringen des Widerscheins des Bewusstseins wird daraus der Jiva der Erfahrungswelt. Sein Einzelseelesein erscheint durch Übertragung auch am Zeugen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: citi-chāyā-samāveśāt – durch Eindringen des Widerscheins des Bewusstseins; jīvaḥ – Jiva; syāt – wird; vyāvahārikaḥ – zur Erfahrungswelt gehörig; asya – sein; jīvatvam – Einzelseelesein; āropāt – durch Übertragung; sākṣiṇi – am Zeugen; api – auch; avabhāsate – erscheint.

3.21.
āvṛtau tu vinaṣṭāyāṃ bhede bhāte'payāti tat |
tathā sargabrahmaṇośca bhedamāvṛtya tiṣṭhati || 21 ||

Wenn die Verhüllung vernichtet ist und die Unterscheidung aufleuchtet, verschwindet dies. Ebenso besteht die Kraft fort, indem sie die Unterscheidung zwischen Schöpfung und Brahman verhüllt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āvṛtau – wenn die Verhüllung; tu – aber; vinaṣṭāyām – vernichtet; bhede bhāte – wenn die Unterscheidung aufleuchtet; apayāti – verschwindet; tat – jenes; tathā – ebenso; sarga-brahmaṇoḥ – von Schöpfung und Brahman; ca – und; bhedam – Unterscheidung; āvṛtya – verhüllt habend; tiṣṭhati – besteht.

3.22.
yā śaktistvadvaśādbrahma vikṛtatvena bhāsate |
atrāpyāvṛtināśena vibhāti brahmasargayoḥ || 22 ||

Unter dem Einfluss jener Kraft erscheint Brahman als verändert. Auch hier leuchtet durch die Vernichtung der Verhüllung [die Unterscheidung] zwischen Brahman und Schöpfung auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yā śaktiḥ – jene Kraft; tvad-vaśāt – unter deinem Einfluss, hier textlich unsicher; brahma – Brahman; vikṛtatvena – als verändert; bhāsate – erscheint; atra api – auch hier; āvṛti-nāśena – durch Vernichtung der Verhüllung; vibhāti – leuchtet auf; brahma-sargayoḥ – zwischen Brahman und Schöpfung.

Textanmerkung: Die Fügung tvadvaśāt ist in beiden herangezogenen Fassungen auffällig. Der Zusammenhang spricht vom Einfluss der Verhüllungskraft; diese sinngemäße Deutung ist nicht als sichere wörtliche Lesung auszugeben.

3.23.
bhedastayorvikāraḥ syātsarge na brahmaṇi kvacit |
asti bhāti priyaṃ rūpaṃ nāma cetyaṃśapañcakam || 23 ||

Die Unterscheidung lautet: Veränderung gehört zur Schöpfung, niemals zu Brahman. Fünf Aspekte sind zu unterscheiden: Es ist, es erscheint, es ist lieb, Gestalt und Name.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhedaḥ – Unterscheidung; tayoḥ – der beiden; vikāraḥ – Veränderung; syāt – gehört, besteht; sarge – in der Schöpfung; na – nicht; brahmaṇi – in Brahman; kvacit – jemals; asti – es ist; bhāti – es erscheint, leuchtet; priyam – es ist lieb; rūpam – Gestalt; nāma – Name; ca – und; iti – so; aṃśa-pañcakam – fünf Aspekte.

3.24.
ādyatrayaṃ brahmarūpaṃ jagadrūpaṃ tato dvayam |
apekṣya nāmarūpadve saccidānandatatparaḥ || 24 ||

Die ersten drei sind die Gestalt Brahmans, die beiden übrigen die Gestalt der Welt. Unter Beachtung von Name und Gestalt richte man sich ganz auf Sein, Bewusstsein und Wonne aus.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ādya-trayam – die ersten drei; brahma-rūpam – Gestalt Brahmans; jagad-rūpam – Gestalt der Welt; tataḥ dvayam – die beiden übrigen; apekṣya – betrachtend, in Rechnung stellend; nāma-rūpa-dve – die beiden Name und Gestalt; sat-cit-ānanda – Sein, Bewusstsein und Wonne; tat-paraḥ – ganz darauf ausgerichtet.

Textanmerkung: Der gelesene Text hat apekṣya. Die häufig zitierte Parallelstelle des Drig-Drishya-Viveka liest upekṣya, „beiseitelassend“. Die vorliegende Lesung wird nicht stillschweigend durch diese ersetzt.

3.25.
samādhiṃ sarvadā kuryāddhṛdaye vātha vā bahiḥ |
savikalpo nirvikalpaḥ samādhirdvividho hṛdi || 25 ||

Man übe stets Samadhi, im Herzen oder auch außerhalb. Im Herzen ist Samadhi zweifach: mit unterscheidender Vorstellung und ohne unterscheidende Vorstellung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: samādhim – Samadhi; sarvadā – stets; kuryāt – man übe; hṛdaye – im Herzen; – oder; atha vā – oder auch; bahiḥ – außerhalb; savikalpaḥ – mit unterscheidender Vorstellung; nirvikalpaḥ – ohne unterscheidende Vorstellung; samādhiḥ – Samadhi; dvi-vidhaḥ – zweifach; hṛdi – im Herzen.

3.26.
dṛśyaśabdānubhedena sa vikalpaḥ punardvidhā |
kāmādyāścittagā dṛśyāstatsākṣitvena cetanam || 26 ||

Der Samadhi mit Vorstellung ist wiederum zweifach, je nachdem, ob er mit einem Gesehenen oder mit einem Wort verbunden ist. Wünsche und die übrigen Regungen des Geistes sind das Gesehene; Bewusstsein ist als dessen Zeuge [zu meditieren].

Wort-für-Wort-Übersetzung: dṛśya-śabda-anubhedena – je nach Verbindung mit Gesehenem oder Wort; sa-vikalpaḥ – mit Vorstellung; punaḥ – wiederum; dvidhā – zweifach; kāma-ādyāḥ – Wünsche und weitere Regungen; citta-gāḥ – im Geist befindlich; dṛśyāḥ – Gesehenes; tat-sākṣitvena – als dessen Zeuge; cetanam – Bewusstsein.

Textanmerkung: Der abschließende Satzteil setzt sich in 3.27 fort.

3.27.
dhyāyeddṛśyānuviddho'yaṃ samādhiḥ savikalpakaḥ |
asaṅgaḥ saccidānandaḥ svaprabho dvaitavarjitaḥ || 27 ||

Man meditiere [über dieses Bewusstsein]; dies ist der mit dem Gesehenen verbundene Samadhi mit Vorstellung. „Ungebunden, Sein, Bewusstsein und Wonne, aus sich selbst leuchtend, frei von Zweiheit [bin ich].“

Wort-für-Wort-Übersetzung: dhyāyet – man meditiere; dṛśya-anuviddhaḥ – mit dem Gesehenen verbunden; ayam – dieser; samādhiḥ – Samadhi; sa-vikalpakaḥ – mit Vorstellung; asaṅgaḥ – ungebunden; sat-cit-ānandaḥ – Sein, Bewusstsein und Wonne; sva-prabhaḥ – aus sich selbst leuchtend; dvaita-varjitaḥ – frei von Zweiheit.

Textanmerkung: Der vollständige Vers 27 ist nach der Sanskrit-Parallelfassung ergänzt. Die mit „Ungebunden“ beginnende Aussage wird durch asmi in Vers 28 abgeschlossen.

3.28.
asmītiśabdaviddho'yaṃ samādhiḥ savikalpakaḥ |
svānubhūtirasāveśāddṛśyaśabdādyapekṣituḥ || 28 ||

„Ich bin [dies]“: Dies ist der mit Worten verbundene Samadhi mit Vorstellung. Aus dem Eintauchen in den Geschmack der eigenen Erfahrung, für denjenigen, der auf Gesehenes, Worte und Weiteres nicht angewiesen ist, [entsteht der folgende Zustand].

Wort-für-Wort-Übersetzung: asmi – ich bin; iti – so; śabda-viddhaḥ – mit Worten verbunden; ayam – dieser; samādhiḥ – Samadhi; sa-vikalpakaḥ – mit Vorstellung; sva-anubhūti-rasa-āveśāt – aus dem Eintauchen in den Geschmack eigener Erfahrung; dṛśya-śabda-ādi-apekṣituḥ – des auf Gesehenes und Worte Bezogenen, textlich problematisch.

Textanmerkung: Die erste Vershälfte ist nach der Parallelfassung wiederhergestellt. Der zweite Halbvers liest in beiden Digitalfassungen apekṣituḥ; die bekannte Parallelstelle liest upekṣya tu. Die Übersetzung folgt hier dem durch 3.29 bestimmten Zusammenhang der Unabhängigkeit von Gegenständen; die Lesart bleibt ausgewiesen.

3.29.
nirvikalpaḥ samādhiḥ syānnivātasthitadīpavat |
hṛdīva bāhyadeśe'pi yasminkasmiṃśca vastuni || 29 ||

Es entsteht der vorstellungsfreie Samadhi, wie eine Lampe an einem windstillen Ort. Wie im Herzen, so auch im äußeren Bereich, an jedem beliebigen Gegenstand [kann die entsprechende Betrachtung ansetzen].

Wort-für-Wort-Übersetzung: nirvikalpaḥ samādhiḥ – vorstellungsfreier Samadhi; syāt – entsteht; nivāta-sthita-dīpa-vat – wie eine Lampe an einem windstillen Ort; hṛdi iva – wie im Herzen; bāhya-deśe – im äußeren Bereich; api – auch; yasmin kasmiṃś ca vastuni – an jedem beliebigen Gegenstand.

Textanmerkung: Die zweite Vershälfte setzt sich in 3.30 fort. nivāta berichtigt nivānta nach der Parallelfassung.

3.30.
samādhirādyasanmātrānnāmarūpapṛthakkṛtiḥ |
stabdhībhāvo rasāsvādāttṛtīyaḥ pūrvavanmataḥ || 30 ||

Der erste Samadhi besteht darin, Name und Gestalt vom bloßen Sein zu unterscheiden. Das Stillwerden durch das Schmecken dieser Erfahrung gilt, wie zuvor, als der dritte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: samādhiḥ – Samadhi; ādyaḥ – erster; sat-mātrāt – vom bloßen Sein; nāma-rūpa-pṛthak-kṛtiḥ – Absonderung von Name und Gestalt; stabdhī-bhāvaḥ – Stillwerden; rasa-āsvādāt – durch Schmecken der Erfahrung; tṛtīyaḥ – dritter; pūrva-vat – wie zuvor; mataḥ – gilt.

Textanmerkung: Die Quelle erklärt die zweite äußere Form an dieser Stelle nicht ausführlich. Die nachfolgende Sechszahl setzt zwei Dreiergruppen voraus. Eine aus einer anderen Schrift übernommene Zusatzstrophe wird nicht als Quellentext eingefügt.

3.31.
etaiḥ samādhibhiḥ ṣaḍbhirnayetkālaṃ nirantaram |
dehābhimāne galite vijñāte paramātmani |
yatra yatra mano yāti tatra tatra parāmṛtam || 31 ||

Mit diesen sechs Samadhis verbringe man ununterbrochen die Zeit. Wenn die Gleichsetzung mit dem Körper geschwunden und das höchste Selbst erkannt ist, findet sich überall, wohin der Geist geht, die höchste Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: etaiḥ – mit diesen; samādhibhiḥ – Samadhis; ṣaḍbhiḥ – sechs; nayet – man verbringe; kālam – Zeit; nirantaram – ununterbrochen; deha-abhimāne – wenn die Gleichsetzung mit dem Körper; galite – geschwunden; vijñāte – erkannt; parama-ātmani – höchstes Selbst; yatra yatra – wohin immer; manaḥ – Geist; yāti – geht; tatra tatra – jeweils dort; para-amṛtam – höchste Unsterblichkeit.

3.32.
bhidyate hṛdayagranthiśchidyante sarvasaṃśayāḥ |
kṣīyante cāsya karmāṇi tasmindṛṣṭe parāvare || 32 ||

Der Knoten des Herzens wird durchbrochen, alle Zweifel werden zerschnitten und seine Taten verlieren ihre bindende Kraft, wenn jenes geschaut ist, das zugleich das Höchste und das Nächste ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhidyate – wird durchbrochen; hṛdaya-granthiḥ – Knoten des Herzens; chidyante – werden zerschnitten; sarva-saṃśayāḥ – alle Zweifel; kṣīyante – schwinden; ca – und; asya – seine; karmāṇi – Taten; tasmin dṛṣṭe – wenn jenes geschaut ist; para-avare – das Höchste und Nächste.

Textanmerkung: Der Vers steht auch in der Mundaka Upanishad 2.2.8.

3.33.
mayi jīvatvamīśatvaṃ kalpitaṃ vastuto nahi |
iti yastu vijānāti sa mukto nātra saṃśayaḥ || 33 ||

In mir sind Einzelseelesein und Herrsein nur vorgestellt, nicht in Wirklichkeit vorhanden. Wer dies erkennt, ist befreit; daran besteht kein Zweifel.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: mayi – in mir; jīvatvam – Einzelseelesein; īśatvam – Herrsein; kalpitam – vorgestellt; vastutaḥ – in Wirklichkeit; na hi – nicht; iti – so; yaḥ tu – wer aber; vijānāti – erkennt; saḥ muktaḥ – der ist befreit; na atra saṃśayaḥ – daran besteht kein Zweifel.

Ende der Unterweisung
ityupaniṣat ||

So lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – so; upaniṣat – Upanishad.

Shanti-Mantra am Schluss
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; vāk – Rede; me – meine; manasi – im Geist; pratiṣṭhitā – gegründet; manaḥ – Geist; vāci – in der Rede; pratiṣṭhitam – gegründet; āviḥ āviḥ – offen, offenbar; me – mir; edhi – werde, sei; vedasya – des Veda; me – mir, vedisch auch ma; āṇīsthaḥ – möget ihr beide heranführen, auf Rede und Geist bezogen; śrutam – Gehörtes; me – von mir; – nicht; prahāsīḥ – verlasse; anena adhītena – durch dieses Studium; ahaḥ-rātrān – Tage und Nächte; sandadhāmi – ich verbinde; ṛtam – das Rechte; vadiṣyāmi – ich werde sprechen; satyam – Wahrheit; tat – jenes; mām – mich; avatu – möge beschützen; vaktāram – den Sprechenden, Lehrenden.

Friedensruf am Schluss
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Schlussformel
iti sarasvatīrahasyopaniṣatsamāptā ||

Damit ist die Sarasvati-Rahasya-Upanishad beendet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; sarasvatī-rahasya-upaniṣat – Sarasvati-Rahasya-Upanishad; samāptā – beendet.

Sarasvati Rahasya Upanishad – Datierung, Inhalt und Bedeutung

Überlieferung und Datierung

Die Sarasvati Rahasya Upanishad gehört zur späteren upanishadischen Literatur. Sie verbindet vedische Hymnen mit der rituellen Sprache von Keimsilben, Nyasa und Mantraeinrichtung sowie mit einer ausgearbeiteten nichtdualen Erkenntnislehre. Diese Verbindung lässt verschiedene Traditionsschichten erkennen. Ein genaues Entstehungsjahr ist auf Grundlage der herangezogenen Fassungen nicht zu sichern.

Die traditionelle Zuordnung zum Krishna Yajurveda ist von den im Text zitierten Rigveda-Versen zu unterscheiden. Auch das Gebet vāṅ me manasi pratiṣṭhitā gehört in dieser Überlieferung zur Textgestalt. Die Schrift lässt sich deshalb nicht allein aus einem einzelnen Veda-Zitat oder einem Friedensgebet einer anderen Textgruppe zuweisen. Ihre überlieferten Digitalfassungen enthalten Fehler; der ausgewiesene Vergleich der Verse 27–28 ist für eine vollständige Lesefassung besonders wichtig.

Sarasvati als Rede und Erkenntniskraft

Die zehn Anrufungen stellen Sarasvati als allgegenwärtige Erkenntniskraft dar. Sie ist der Sinn des Vedanta und erscheint zugleich als Laut, Wort, Satz, Name und Gestalt. Die in den Veden besungene Göttin ist damit sowohl Zugang zur Wahrheit als auch deren lebendige Ausdruckskraft. Die rituelle Verehrung und die philosophische Betrachtung stehen im Text nebeneinander.

Die vedischen Verse erschließen verschiedene Bilder: Sarasvati als Strom, als Schützerin guter Gedanken und als nährende Kuh der Rede. Besonders anschaulich ist der Vers über den Hörenden, der dennoch nicht hört, und den Sehenden, der dennoch nicht sieht. Erkenntnis erschöpft sich nicht in äußerem Kontakt mit Worten. Die Rede muss sich dem Menschen in ihrem Sinn erschließen. Das Gebet, dass Rede und Geist ineinander gegründet sein mögen, gibt diesem Anliegen eine praktische Form.

Die vier Bereiche der Rede werden erwähnt, aber im vedischen Vers nicht mit allen späteren technischen Namen erläutert. Eine Deutung durch Para, Pashyanti, Madhyama und Vaikhari kann als spätere Auslegung hilfreich sein; sie ist von den tatsächlich hier stehenden Worten zu unterscheiden.

Maya, Ishvara und Jiva

Im dritten Teil beschreibt Sarasvati ihre Wirklichkeit als Sat-Chit-Ananda. Das Bewusstsein erscheint in der Prakriti wie ein Spiegelbild. Die von reinem Sattva bestimmte Maya steht unter Ishvaras Herrschaft. Für die Erklärung der Bindung unterscheidet der Text zwei Kräfte: Vikshepa, die Projektion, und Avarana, die Verhüllung.

Projektion lässt die Welt vom feinen Körper bis zum Weltall erscheinen. Verhüllung verdeckt die Unterscheidung zwischen Sehendem und Gesehenem sowie zwischen Brahman und der Schöpfung. Der Jiva gehört zur Erfahrungswelt; seine Begrenztheit wird dem inneren Zeugen zugeschrieben. Erkenntnis löst diese Übertragung. Sie macht sichtbar, dass Veränderung zur Erscheinung gehört, während Brahman nicht zu einem veränderlichen Gegenstand wird.

Die fünf Aspekte der Erfahrung

Der Text nennt fünf Aspekte: asti, es ist; bhāti, es erscheint; priyam, es ist lieb; rūpa, Gestalt; und nāma, Name. Die ersten drei werden Brahman, die letzten beiden der Welt der Bestimmungen zugeordnet. Diese Unterscheidung kann als konkrete Betrachtung dienen: Ein Gedanke oder Gegenstand hat eine wechselnde Gestalt und einen Namen, erscheint jedoch immer innerhalb von Sein und Bewusstsein.

Dabei ist die Liebe beziehungsweise Anziehung nicht als Forderung zu verstehen, jeden unangenehmen Gegenstand angenehm zu finden. Die Lehre betrachtet die grundlegende Bejahung des Seins und die Wonne des Selbst. Die philosophische Unterscheidung kann mitten in alltäglichen Erfahrungen geübt werden, ohne äußere Verantwortung zu verleugnen.

Samadhi und verwandte Schriften

Die Upanishad unterscheidet Savikalpa Samadhi und Nirvikalpa Samadhi. Die erste Form kann von wahrgenommenen Regungen oder von einem kontemplativen Wort ausgehen. Wünsche und Gedanken werden als Gesehenes erkannt; das Bewusstsein wird als ihr Zeuge betrachtet. Die Wortbetrachtung lautet sinngemäß: Ich bin ungebunden, Sein, Bewusstsein und Wonne, aus mir selbst leuchtend und frei von Zweiheit.

Die Sammlung ohne solche Stützen wird durch die windstille Lampe veranschaulicht. Innere und äußere Betrachtung werden unterschieden, auch wenn die vorliegende Überlieferung nicht jede Unterform gleich ausführlich erklärt. Mehrere Verse stehen dem Drig Drishya Viveka sehr nahe. Diese Parallele hilft beim Verständnis; sie berechtigt nicht dazu, abweichende Stellen unbemerkt durch dessen Text zu ersetzen. Der Vers vom zerschnittenen Herzensknoten stammt auch aus der Mundaka Upanishad.

Bedeutung für die heutige Praxis

Sarasvati-Verehrung kann Lernen, Wahrhaftigkeit und sorgfältigen Gebrauch der Sprache stärken. Wer mit Shraddha studiert, aufmerksam zuhört und das Verstandene prüft, verwirklicht bereits etwas vom Anliegen des Eingangsgebets. Die spirituelle Praxis gewinnt an Tiefe, wenn schöne Worte von innerer Klarheit und verantwortlichem Handeln begleitet sind.

Die Erkenntnislehre lädt dazu ein, Gedanken wahrzunehmen, ohne jeden Gedanken zum Selbst zu erklären. Regelmäßige Meditation, Manana und aufrichtige Hingabe unterstützen sich dabei. Die abschließende Aussage geht über alle Rollen hinaus: Einzelseelesein und Herrsein sind Bestimmungen, die in der höchsten Wirklichkeit ihre trennende Geltung verlieren.

Gesammeltes Lernen und beständige Meditation vertiefen die Erkenntnis des Selbst.

Video zur Vertiefung: Yoga, Samkhya und Vedanta

Der Vortrag erläutert philosophische Hintergründe der Yogatradition und ergänzt das Studium der Upanishad.

Vollständiger Text in Devanagari

Hier der Devanagari Text der Sarasvati Rahasya Upanishad.

Einleitungsvers
प्रतियोगिविनिर्मुक्तब्रह्मविद्यैकगोचरम् ।
अखण्डनिर्विकल्पं तद्रामचन्द्रपदं भजे ॥

Shanti-Mantra
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।
आविरावीर्म एधि ।
वेदस्य म आणीस्थः ।
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन्मामवतु ।
तद्वक्तारमवतु ।
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥

Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

१.१. Die Frage der Seher
हरिः ॐ ॥ ऋषयो ह वै भगवन्तमाश्वलायनं सम्पूज्य
पप्रच्छुः केनोपायेन तज्ज्ञानं तत्पदार्थावभासकम् ।
यदुपासनया तत्त्वं जानासि भगवन्वद ॥ १ ॥

१.२. Ashvalayanas Antwort
सरस्वती दशश्लोक्या सऋचा बीजमिश्रया ।
स्तुत्वा जप्त्वा परां सिद्धिमलभं मुनिपुङ्गवाः ॥ २ ॥

१.३. Die Bitte um die Meditation
ऋषय ऊचुः ।
कथं सारस्वतप्राप्तिः केन ध्यानेन सुव्रत ।
महासरस्वती येन तुष्टा भगवती वद ॥ ३ ॥

१a. Einrichtung des Zehnstrophen-Mantras
स होवाचाश्वलायनः । अस्य श्रीसरस्वतीदशश्लोकीमहामन्त्रस्य ।
अहमाश्वलायन ऋषिः । अनुष्टुप् छन्दः । श्री वागीश्वरी देवता ।
यद्वागिति बीजम् । देवीं वाचमिति शक्तिः । प्रणो देवीति कीलकम् ।
विनियोगस्तत्प्रीत्यर्थे । श्रद्धा मेधा प्रज्ञा धारणा वाग्देवता
महासरस्वतीत्येतैरङ्गन्यासः ॥

१b. Meditationsvers
नीहारहारघनसारसुधाकराभां
कल्याणदां कनकचम्पकदामभूषाम् । उत्तुङ्गपीनकुचकुम्भमनोहराङ्गीं वाणीं नमामि मनसा वचसा विभूत्यै ॥ १ ॥

२.१a. Mantraeinrichtung
ॐ प्रणोदेवीत्यस्य मन्त्रस्य भरद्वाज ऋषिः । गायत्री छन्दः ।
श्रीसरस्वती देवता । प्रणवेन बीजशक्तिः कीलकम् । इष्टार्थे विनियोगः ।
मन्त्रेण न्यासः ॥

२.१b. Lobstrophe
या वेदान्तार्थतत्त्वैकस्वरूपा परमार्थतः ।
नामरूपात्मना व्यक्ता सा मां पातु सरस्वती ॥

२.१c. Vedischer Mantra
ॐ प्रणो देवी सरस्वती
वाजेभिर्वाजिनीवती ॥ धीनामवित्र्यवतु ॥ १ ॥

२.२a. Mantraeinrichtung
आ नो दिव इति मन्त्रस्य अत्रिरृषिः । त्रिष्टुप् छन्दः ।
सरस्वती देवता । ह्रीमिति बीजशक्तिः कीलकम् । इष्टार्थे
विनियोगः । मन्त्रेण न्यासः ॥

२.२b. Lobstrophe
या साङ्गोपाङ्गवेदेषु
चतुर्ष्वेकैव गीयते । अद्वैता ब्रह्मणः शक्तिः सा मां
पातु सरस्वती ॥

२.२c. Vedischer Mantra
ह्रीं आ नो दिवो बृहतः पर्वतादा सरस्वती
यजतागं तु यज्ञम् । हवं देवी जुजुषाणा घृताची
शग्मां नो वाचमुशती शृणोतु ॥ २ ॥

२.३a. Mantraeinrichtung
पावका न इति मन्त्रस्य । मधुच्छन्द ऋषिः । गायत्री
छन्दः । सरस्वती देवता । श्रीमिति बीजशक्तिः कीलकम् ।
इष्टार्थे विनियोगः । मन्त्रेण न्यासः ॥

२.३b. Lobstrophe
या वर्णपदवाक्यार्थस्वरूपेणैव वर्तते । अनादिनिधनानन्ता सा मां पातु
सरस्वती ॥

२.३c. Vedischer Mantra
श्रीं पावका नः सरस्वती वाजेभिर्वाजिनीवती । यज्ञं
वष्टु धिया वसुः ॥ ३ ॥

२.४a. Mantraeinrichtung
चोदयित्रीति मन्त्रस्य मधुच्छन्द ऋषिः । गायत्री छन्दः ।
सरस्वती देवता । ब्लूमिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ॥

२.४b. Lobstrophe
अध्यात्ममधिदैवं च देवानां सम्यगीश्वरी । प्रत्यगास्ते
वदन्ती या सा मां पातु सरस्वती ॥

२.४c. Vedischer Mantra
ब्लूं चोदयित्री सूनृतानां
चेतन्ती सुमतीनाम् । यज्ञं दधे सरस्वती ॥ ४ ॥

२.५a. Mantraeinrichtung
महो अर्ण इति मन्त्रस्य । मधुच्छन्द ऋषिः । गायत्री छन्दः ।
सरस्वती देवता । सौरिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ।

२.५b. Lobstrophe
अन्तर्याम्यात्मना विश्वं त्रैलोक्यं या नियच्छति ।
रुद्रादित्यादिरूपस्था यस्यामावेश्य तां पुनः । ध्यायन्ति
सर्वरूपैका सा मां पातु सरस्वती ।

२.५c. Vedischer Mantra
सौः महो अर्णः
सरस्वती प्रचेतयति केतुना । धियो विश्वा विराजति ॥ ५ ॥

२.६a. Mantraeinrichtung
चत्वारि वागिति मन्त्रस्य उचथ्यपुत्र ऋषिः । त्रिष्टुप् छन्दः ।
सरस्वती देवता । ऐमिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ।

२.६b. Lobstrophe
या प्रत्यग्दृष्टिभिर्जीवैर्व्यज्यमानानुभूयते । व्यापिनी
ज्ञप्तिरूपैका सा मां पातु सरस्वती ॥

२.६c. Vedischer Mantra
ऐं चत्वारि वाक्
परिमिता पदानि तानि विदुर्ब्राह्मणा ये मनीषिणः । गुहा त्रीणि
निहिता नेङ्गयन्ति तुरीयं वाचो मनुष्या वदन्ति ॥ ६ ॥

२.७a. Mantraeinrichtung
यद्वाग्वदन्तीति मन्त्रस्य भार्गव ऋषिः । त्रिष्टुप् छन्दः ।
सरस्वती देवता । क्लीमिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ।

२.७b. Lobstrophe
नामजात्यादिभिर्भेदैरष्टधा या विकल्पिता । निर्विकल्पात्मना
व्यक्ता सा मां पातु सरस्वती ॥

२.७c. Vedischer Mantra
क्लीं यद्वाग्वदन्त्यविचेतनानि
राष्ट्री देवानां निषसाद मन्द्रा । चतस्र ऊर्जं दुदुहे
पयांसि क्व स्विदस्याः परमं जगाम ॥ ७ ॥

२.८a. Mantraeinrichtung
देवीं वाचमिति मन्त्रस्य भार्गव ऋषिः । त्रिष्टुप् छन्दः ।
सरस्वती देवता । सौरिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ।

२.८b. Lobstrophe
व्यक्ताव्यक्तगिरः सर्वे वेदाद्या व्याहरन्ति याम् । सर्वकामदुधा
धेनुः सा मां पातु सरस्वती ॥

२.८c. Vedischer Mantra
सौः देवीं वाचमजनयन्त
देवास्ता विश्वरूपाः पशवो वदन्ति । सा नो मन्द्रेषमूर्जं
दुहाना धेनुर्वागस्मानुपसुष्टुतैतु ॥ ८ ॥

२.९a. Mantraeinrichtung
उत त्व इति मन्त्रस्य बृहस्पतिरृषिः । त्रिष्टुप् छन्दः ।
सरस्वती देवता । समिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ।

२.९b. Lobstrophe
यां विदित्वाखिलं बन्धं निर्मथ्याखिलवर्त्मना । योगी याति
परं स्थानं सा मां पातु सरस्वती ॥

२.९c. Vedischer Mantra
सं उत त्वः पश्यन्न
ददर्श वाचमुत त्वः शृण्वन्न शृणोत्येनाम् । उतो त्वस्मै
तन्वं १ विसस्रे जायेव पत्य उशती सुवासाः ॥ ९ ॥

२.१०a. Mantraeinrichtung
अम्बितम इति मन्त्रस्य गृत्समद ऋषिः । अनुष्टुप् छन्दः ।
सरस्वती देवता । ऐमिति बीजशक्तिः कीलकम् । मन्त्रेण न्यासः ।

२.१०b. Lobstrophe
नामरूपात्मकं सर्वं यस्यामावेश्य तां पुनः ।
ध्यायन्ति ब्रह्मरूपैका सा मां पातु सरस्वती ॥

२.१०c. Vedischer Mantra
ऐं अम्बितमे
नदीतमे देवितमे सरस्वती । अप्रशस्ता इव स्मसि प्रशस्तिमम्ब
नस्कृधि ॥ १० ॥

३.१.
चतुर्मुखमुखाम्भोजवनहंसवधूर्मम ।
मानसे रमतां नित्यं सर्वशुक्ला सरस्वती ॥ १ ॥

३.२.
नमस्ते शारदे देवि काश्मीरपुरवासिनि ।
त्वामहं प्रार्थये नित्यं विद्यादानं च देहि मे ॥ २ ॥

३.३.
अक्षसूत्राङ्कुशधरा पाशपुस्तकधारिणी ।
मुक्ताहारसमायुक्ता वाचि तिष्ठतु मे सदा ॥ ३ ॥

३.४.
कम्बुकण्ठी सुताम्रोष्ठी सर्वाभरणभूषिता ।
महासरस्वती देवी जिह्वाग्रे संनिविश्यताम् ॥ ४ ॥

३.५.
या श्रद्धा धारणा मेधा वाग्देवी विधिवल्लभा ।
भक्तजिह्वाग्रसदना शमादिगुणदायिनी ॥ ५ ॥

३.६.
नमामि यामिनीनाथलेखालङ्कृतकुन्तलाम् ।
भवानीं भवसन्तापनिर्वापणसुधानदीम् ॥ ६ ॥

३.७.
यः कवित्वं निरातङ्कं भुक्तिमुक्ती च वाञ्छति ।
सोऽभ्यर्च्यैनां दशश्लोक्या नित्यं स्तौति सरस्वतीम् ॥ ७ ॥

३.८.
तस्यैवं स्तुवतो नित्यं समभ्यर्च्य सरस्वतीम् ।
भक्तिश्रद्धाभियुक्तस्य षण्मासात्प्रत्ययो भवेत् ॥ ८ ॥

३.९.
ततः प्रवर्तते वाणी स्वेच्छया ललिताक्षरा ।
गद्यपद्यात्मकैः शब्दैरप्रमेयैर्विवक्षितैः ॥ ९ ॥

३.१०.
अश्रुतो बुध्यते ग्रन्थः प्रायः सारस्वतः कविः ।
इत्येवं निश्चयं विप्राः सा होवाच सरस्वती ॥ १० ॥

३.११.
आत्मविद्या मया लब्धा ब्रह्मणैव सनातनी ।
ब्रह्मत्वं मे सदा नित्यं सच्चिदानन्दरूपतः ॥ ११ ॥

३.१२.
प्रकृतित्वं ततः सृष्टं सत्त्वादिगुणसाम्यतः ।
सत्यमाभाति चिच्छाया दर्पणे प्रतिबिम्बवत् ॥ १२ ॥

३.१३.
तेन चित्प्रतिबिम्बेन त्रिविधा भाति सा पुनः ।
प्रकृत्यवच्छिन्नतया पुरुषत्वं पुनश्च ते ॥ १३ ॥

३.१४.
शुद्धसत्त्वप्रधानायां मायायां बिम्बितो ह्यजः ।
सत्त्वप्रधाना प्रकृतिर्मायेति प्रतिपाद्यते ॥ १४ ॥

३.१५.
सा माया स्ववशोपाधिः सर्वज्ञस्येश्वरस्य हि ।
वश्यमायत्वमेकत्वं सर्वज्ञत्वं च तस्य तु ॥ १५ ॥

३.१६.
सात्त्विकत्वात्समष्टित्वात्साक्षित्वाज्जगतामपि ।
जगत्कर्तुमकर्तुं वा चान्यथा कर्तुमीशते ॥ १६ ॥

३.१७.
यः स ईश्वर इत्युक्तः सर्वज्ञत्वादिभिर्गुणैः ।
शक्तिद्वयं हि मायाया विक्षेपावृतिरूपकम् ॥ १७ ॥

३.१८.
विक्षेपशक्तिर्लिङ्गादिब्रह्माण्डान्तं जगत्सृजेत् ।
अन्तर्दृग्दृश्ययोर्भेदं बहिश्च ब्रह्मसर्गयोः ॥ १८ ॥

३.१९.
आवृणोत्यपरा शक्तिः सा संसारस्य कारणम् ।
साक्षिणः पुरतो भातं लिङ्गदेहेन संयुतम् ॥ १९ ॥

३.२०.
चितिच्छायासमावेशाज्जीवः स्याद्व्यावहारिकः ।
अस्य जीवत्वमारोपात्साक्षिण्यप्यवभासते ॥ २० ॥

३.२१.
आवृतौ तु विनष्टायां भेदे भातेऽपयाति तत् ।
तथा सर्गब्रह्मणोश्च भेदमावृत्य तिष्ठति ॥ २१ ॥

३.२२.
या शक्तिस्त्वद्वशाद्ब्रह्म विकृतत्वेन भासते ।
अत्राप्यावृतिनाशेन विभाति ब्रह्मसर्गयोः ॥ २२ ॥

३.२३.
भेदस्तयोर्विकारः स्यात्सर्गे न ब्रह्मणि क्वचित् ।
अस्ति भाति प्रियं रूपं नाम चेत्यंशपञ्चकम् ॥ २३ ॥

३.२४.
आद्यत्रयं ब्रह्मरूपं जगद्रूपं ततो द्वयम् ।
अपेक्ष्य नामरूपद्वे सच्चिदानन्दतत्परः ॥ २४ ॥

३.२५.
समाधिं सर्वदा कुर्याद्धृदये वाथ वा बहिः ।
सविकल्पो निर्विकल्पः समाधिर्द्विविधो हृदि ॥ २५ ॥

३.२६.
दृश्यशब्दानुभेदेन स विकल्पः पुनर्द्विधा ।
कामाद्याश्चित्तगा दृश्यास्तत्साक्षित्वेन चेतनम् ॥ २६ ॥

३.२७.
ध्यायेद्दृश्यानुविद्धोऽयं समाधिः सविकल्पकः ।
असङ्गः सच्चिदानन्दः स्वप्रभो द्वैतवर्जितः ॥ २७ ॥

३.२८.
अस्मीतिशब्दविद्धोऽयं समाधिः सविकल्पकः ।
स्वानुभूतिरसावेशाद्दृश्यशब्दाद्यपेक्षितुः ॥ २८ ॥

३.२९.
निर्विकल्पः समाधिः स्यान्निवातस्थितदीपवत् ।
हृदीव बाह्यदेशेऽपि यस्मिन्कस्मिंश्च वस्तुनि ॥ २९ ॥

३.३०.
समाधिराद्यसन्मात्रान्नामरूपपृथक्कृतिः ।
स्तब्धीभावो रसास्वादात्तृतीयः पूर्ववन्मतः ॥ ३० ॥

३.३१.
एतैः समाधिभिः षड्भिर्नयेत्कालं निरन्तरम् ।
देहाभिमाने गलिते विज्ञाते परमात्मनि ।
यत्र यत्र मनो याति तत्र तत्र परामृतम् ॥ ३१ ॥

३.३२.
भिद्यते हृदयग्रन्थिश्छिद्यन्ते सर्वसंशयाः ।
क्षीयन्ते चास्य कर्माणि तस्मिन्दृष्टे परावरे ॥ ३२ ॥

३.३३.
मयि जीवत्वमीशत्वं कल्पितं वस्तुतो नहि ।
इति यस्तु विजानाति स मुक्तो नात्र संशयः ॥ ३३ ॥

Ende der Unterweisung
इत्युपनिषत् ॥

Shanti-Mantra am Schluss
ॐ वाङ्मे मनसि प्रतिष्ठिता ।
मनो मे वाचि प्रतिष्ठितम् ।
आविरावीर्म एधि ।
वेदस्य म आणीस्थः ।
श्रुतं मे मा प्रहासीः ।
अनेनाधीतेनाहोरात्रान्सन्दधामि ।
ऋतं वदिष्यामि ।
सत्यं वदिष्यामि ।
तन्मामवतु ।
तद्वक्तारमवतु ।
अवतु मामवतु वक्तारमवतु वक्तारम् ॥

Friedensruf am Schluss
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Schlussformel
इति सरस्वतीरहस्योपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text der Sarasvati Rahasya Upanishad in Sanskrit in der IAST Transliteration

Einleitungsvers
pratiyogivinirmuktabrahmavidyaikagocaram |
akhaṇḍanirvikalpaṃ tadrāmacandrapadaṃ bhaje ||

Shanti-Mantra
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

1.1. Die Frage der Seher
hariḥ oṃ || ṛṣayo ha vai bhagavantamāśvalāyanaṃ sampūjya
papracchuḥ kenopāyena tajjñānaṃ tatpadārthāvabhāsakam |
yadupāsanayā tattvaṃ jānāsi bhagavanvada || 1 ||

1.2. Ashvalayanas Antwort
sarasvatī daśaślokyā saṛcā bījamiśrayā |
stutvā japtvā parāṃ siddhimalabhaṃ munipuṅgavāḥ || 2 ||

1.3. Die Bitte um die Meditation
ṛṣaya ūcuḥ |
kathaṃ sārasvataprāptiḥ kena dhyānena suvrata |
mahāsarasvatī yena tuṣṭā bhagavatī vada || 3 ||

1a. Einrichtung des Zehnstrophen-Mantras
sa hovācāśvalāyanaḥ | asya śrīsarasvatīdaśaślokīmahāmantrasya |
ahamāśvalāyana ṛṣiḥ | anuṣṭup chandaḥ | śrī vāgīśvarī devatā |
yadvāgiti bījam | devīṃ vācamiti śaktiḥ | praṇo devīti kīlakam |
viniyogastatprītyarthe | śraddhā medhā prajñā dhāraṇā vāgdevatā
mahāsarasvatītyetairaṅganyāsaḥ ||

1b. Meditationsvers
nīhārahāraghanasārasudhākarābhāṃ
kalyāṇadāṃ kanakacampakadāmabhūṣām | uttuṅgapīnakucakumbhamanoharāṅgīṃ vāṇīṃ namāmi manasā vacasā vibhūtyai || 1 ||

2.1a. Mantraeinrichtung
oṃ praṇodevītyasya mantrasya bharadvāja ṛṣiḥ | gāyatrī chandaḥ |
śrīsarasvatī devatā | praṇavena bījaśaktiḥ kīlakam | iṣṭārthe viniyogaḥ |
mantreṇa nyāsaḥ ||

2.1b. Lobstrophe
yā vedāntārthatattvaikasvarūpā paramārthataḥ |
nāmarūpātmanā vyaktā sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.1c. Vedischer Mantra
oṃ praṇo devī sarasvatī
vājebhirvājinīvatī || dhīnāmavitryavatu || 1 ||

2.2a. Mantraeinrichtung
ā no diva iti mantrasya atrirṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | hrīmiti bījaśaktiḥ kīlakam | iṣṭārthe
viniyogaḥ | mantreṇa nyāsaḥ ||

2.2b. Lobstrophe
yā sāṅgopāṅgavedeṣu
caturṣvekaiva gīyate | advaitā brahmaṇaḥ śaktiḥ sā māṃ
pātu sarasvatī ||

2.2c. Vedischer Mantra
hrīṃ ā no divo bṛhataḥ parvatādā sarasvatī
yajatāgaṃ tu yajñam | havaṃ devī jujuṣāṇā ghṛtācī
śagmāṃ no vācamuśatī śṛṇotu || 2 ||

2.3a. Mantraeinrichtung
pāvakā na iti mantrasya | madhucchanda ṛṣiḥ | gāyatrī
chandaḥ | sarasvatī devatā | śrīmiti bījaśaktiḥ kīlakam |
iṣṭārthe viniyogaḥ | mantreṇa nyāsaḥ ||

2.3b. Lobstrophe
yā varṇapadavākyārthasvarūpeṇaiva vartate | anādinidhanānantā sā māṃ pātu
sarasvatī ||

2.3c. Vedischer Mantra
śrīṃ pāvakā naḥ sarasvatī vājebhirvājinīvatī | yajñaṃ
vaṣṭu dhiyā vasuḥ || 3 ||

2.4a. Mantraeinrichtung
codayitrīti mantrasya madhucchanda ṛṣiḥ | gāyatrī chandaḥ |
sarasvatī devatā | blūmiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ ||

2.4b. Lobstrophe
adhyātmamadhidaivaṃ ca devānāṃ samyagīśvarī | pratyagāste
vadantī yā sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.4c. Vedischer Mantra
blūṃ codayitrī sūnṛtānāṃ
cetantī sumatīnām | yajñaṃ dadhe sarasvatī || 4 ||

2.5a. Mantraeinrichtung
maho arṇa iti mantrasya | madhucchanda ṛṣiḥ | gāyatrī chandaḥ |
sarasvatī devatā | sauriti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

2.5b. Lobstrophe
antaryāmyātmanā viśvaṃ trailokyaṃ yā niyacchati |
rudrādityādirūpasthā yasyāmāveśya tāṃ punaḥ | dhyāyanti
sarvarūpaikā sā māṃ pātu sarasvatī |

2.5c. Vedischer Mantra
sauḥ maho arṇaḥ
sarasvatī pracetayati ketunā | dhiyo viśvā virājati || 5 ||

2.6a. Mantraeinrichtung
catvāri vāgiti mantrasya ucathyaputra ṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | aimiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

2.6b. Lobstrophe
yā pratyagdṛṣṭibhirjīvairvyajyamānānubhūyate | vyāpinī
jñaptirūpaikā sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.6c. Vedischer Mantra
aiṃ catvāri vāk
parimitā padāni tāni vidurbrāhmaṇā ye manīṣiṇaḥ | guhā trīṇi
nihitā neṅgayanti turīyaṃ vāco manuṣyā vadanti || 6 ||

2.7a. Mantraeinrichtung
yadvāgvadantīti mantrasya bhārgava ṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | klīmiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

2.7b. Lobstrophe
nāmajātyādibhirbhedairaṣṭadhā yā vikalpitā | nirvikalpātmanā
vyaktā sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.7c. Vedischer Mantra
klīṃ yadvāgvadantyavicetanāni
rāṣṭrī devānāṃ niṣasāda mandrā | catasra ūrjaṃ duduhe
payāṃsi kva svidasyāḥ paramaṃ jagāma || 7 ||

2.8a. Mantraeinrichtung
devīṃ vācamiti mantrasya bhārgava ṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | sauriti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

2.8b. Lobstrophe
vyaktāvyaktagiraḥ sarve vedādyā vyāharanti yām | sarvakāmadudhā
dhenuḥ sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.8c. Vedischer Mantra
sauḥ devīṃ vācamajanayanta
devāstā viśvarūpāḥ paśavo vadanti | sā no mandreṣamūrjaṃ
duhānā dhenurvāgasmānupasuṣṭutaitu || 8 ||

2.9a. Mantraeinrichtung
uta tva iti mantrasya bṛhaspatirṛṣiḥ | triṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | samiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

2.9b. Lobstrophe
yāṃ viditvākhilaṃ bandhaṃ nirmathyākhilavartmanā | yogī yāti
paraṃ sthānaṃ sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.9c. Vedischer Mantra
saṃ uta tvaḥ paśyanna
dadarśa vācamuta tvaḥ śṛṇvanna śṛṇotyenām | uto tvasmai
tanvaṃ 1 visasre jāyeva patya uśatī suvāsāḥ || 9 ||

2.10a. Mantraeinrichtung
ambitama iti mantrasya gṛtsamada ṛṣiḥ | anuṣṭup chandaḥ |
sarasvatī devatā | aimiti bījaśaktiḥ kīlakam | mantreṇa nyāsaḥ |

2.10b. Lobstrophe
nāmarūpātmakaṃ sarvaṃ yasyāmāveśya tāṃ punaḥ |
dhyāyanti brahmarūpaikā sā māṃ pātu sarasvatī ||

2.10c. Vedischer Mantra
aiṃ ambitame
nadītame devitame sarasvatī | apraśastā iva smasi praśastimamba
naskṛdhi || 10 ||

3.1.
caturmukhamukhāmbhojavanahaṃsavadhūrmama |
mānase ramatāṃ nityaṃ sarvaśuklā sarasvatī || 1 ||

3.2.
namaste śārade devi kāśmīrapuravāsini |
tvāmahaṃ prārthaye nityaṃ vidyādānaṃ ca dehi me || 2 ||

3.3.
akṣasūtrāṅkuśadharā pāśapustakadhāriṇī |
muktāhārasamāyuktā vāci tiṣṭhatu me sadā || 3 ||

3.4.
kambukaṇṭhī sutāmroṣṭhī sarvābharaṇabhūṣitā |
mahāsarasvatī devī jihvāgre saṃniviśyatām || 4 ||

3.5.
yā śraddhā dhāraṇā medhā vāgdevī vidhivallabhā |
bhaktajihvāgrasadanā śamādiguṇadāyinī || 5 ||

3.6.
namāmi yāminīnāthalekhālaṅkṛtakuntalām |
bhavānīṃ bhavasantāpanirvāpaṇasudhānadīm || 6 ||

3.7.
yaḥ kavitvaṃ nirātaṅkaṃ bhuktimuktī ca vāñchati |
so'bhyarcyaināṃ daśaślokyā nityaṃ stauti sarasvatīm || 7 ||

3.8.
tasyaivaṃ stuvato nityaṃ samabhyarcya sarasvatīm |
bhaktiśraddhābhiyuktasya ṣaṇmāsātpratyayo bhavet || 8 ||

3.9.
tataḥ pravartate vāṇī svecchayā lalitākṣarā |
gadyapadyātmakaiḥ śabdairaprameyairvivakṣitaiḥ || 9 ||

3.10.
aśruto budhyate granthaḥ prāyaḥ sārasvataḥ kaviḥ |
ityevaṃ niścayaṃ viprāḥ sā hovāca sarasvatī || 10 ||

3.11.
ātmavidyā mayā labdhā brahmaṇaiva sanātanī |
brahmatvaṃ me sadā nityaṃ saccidānandarūpataḥ || 11 ||

3.12.
prakṛtitvaṃ tataḥ sṛṣṭaṃ sattvādiguṇasāmyataḥ |
satyamābhāti cicchāyā darpaṇe pratibimbavat || 12 ||

3.13.
tena citpratibimbena trividhā bhāti sā punaḥ |
prakṛtyavacchinnatayā puruṣatvaṃ punaśca te || 13 ||

3.14.
śuddhasattvapradhānāyāṃ māyāyāṃ bimbito hyajaḥ |
sattvapradhānā prakṛtirmāyeti pratipādyate || 14 ||

3.15.
sā māyā svavaśopādhiḥ sarvajñasyeśvarasya hi |
vaśyamāyatvamekatvaṃ sarvajñatvaṃ ca tasya tu || 15 ||

3.16.
sāttvikatvātsamaṣṭitvātsākṣitvājjagatāmapi |
jagatkartumakartuṃ vā cānyathā kartumīśate || 16 ||

3.17.
yaḥ sa īśvara ityuktaḥ sarvajñatvādibhirguṇaiḥ |
śaktidvayaṃ hi māyāyā vikṣepāvṛtirūpakam || 17 ||

3.18.
vikṣepaśaktirliṅgādibrahmāṇḍāntaṃ jagatsṛjet |
antardṛgdṛśyayorbhedaṃ bahiśca brahmasargayoḥ || 18 ||

3.19.
āvṛṇotyaparā śaktiḥ sā saṃsārasya kāraṇam |
sākṣiṇaḥ purato bhātaṃ liṅgadehena saṃyutam || 19 ||

3.20.
citicchāyāsamāveśājjīvaḥ syādvyāvahārikaḥ |
asya jīvatvamāropātsākṣiṇyapyavabhāsate || 20 ||

3.21.
āvṛtau tu vinaṣṭāyāṃ bhede bhāte'payāti tat |
tathā sargabrahmaṇośca bhedamāvṛtya tiṣṭhati || 21 ||

3.22.
yā śaktistvadvaśādbrahma vikṛtatvena bhāsate |
atrāpyāvṛtināśena vibhāti brahmasargayoḥ || 22 ||

3.23.
bhedastayorvikāraḥ syātsarge na brahmaṇi kvacit |
asti bhāti priyaṃ rūpaṃ nāma cetyaṃśapañcakam || 23 ||

3.24.
ādyatrayaṃ brahmarūpaṃ jagadrūpaṃ tato dvayam |
apekṣya nāmarūpadve saccidānandatatparaḥ || 24 ||

3.25.
samādhiṃ sarvadā kuryāddhṛdaye vātha vā bahiḥ |
savikalpo nirvikalpaḥ samādhirdvividho hṛdi || 25 ||

3.26.
dṛśyaśabdānubhedena sa vikalpaḥ punardvidhā |
kāmādyāścittagā dṛśyāstatsākṣitvena cetanam || 26 ||

3.27.
dhyāyeddṛśyānuviddho'yaṃ samādhiḥ savikalpakaḥ |
asaṅgaḥ saccidānandaḥ svaprabho dvaitavarjitaḥ || 27 ||

3.28.
asmītiśabdaviddho'yaṃ samādhiḥ savikalpakaḥ |
svānubhūtirasāveśāddṛśyaśabdādyapekṣituḥ || 28 ||

3.29.
nirvikalpaḥ samādhiḥ syānnivātasthitadīpavat |
hṛdīva bāhyadeśe'pi yasminkasmiṃśca vastuni || 29 ||

3.30.
samādhirādyasanmātrānnāmarūpapṛthakkṛtiḥ |
stabdhībhāvo rasāsvādāttṛtīyaḥ pūrvavanmataḥ || 30 ||

3.31.
etaiḥ samādhibhiḥ ṣaḍbhirnayetkālaṃ nirantaram |
dehābhimāne galite vijñāte paramātmani |
yatra yatra mano yāti tatra tatra parāmṛtam || 31 ||

3.32.
bhidyate hṛdayagranthiśchidyante sarvasaṃśayāḥ |
kṣīyante cāsya karmāṇi tasmindṛṣṭe parāvare || 32 ||

3.33.
mayi jīvatvamīśatvaṃ kalpitaṃ vastuto nahi |
iti yastu vijānāti sa mukto nātra saṃśayaḥ || 33 ||

Ende der Unterweisung
ityupaniṣat ||

Shanti-Mantra am Schluss
oṃ vāṅme manasi pratiṣṭhitā |
mano me vāci pratiṣṭhitam |
āvirāvīrma edhi |
vedasya ma āṇīsthaḥ |
śrutaṃ me mā prahāsīḥ |
anenādhītenāhorātrānsandadhāmi |
ṛtaṃ vadiṣyāmi |
satyaṃ vadiṣyāmi |
tanmāmavatu |
tadvaktāramavatu |
avatu māmavatu vaktāramavatu vaktāram ||

Friedensruf am Schluss
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Schlussformel
iti sarasvatīrahasyopaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung der Sarasvati Rahasya Upanishad

Einleitungsvers

Ich verehre jenen Zustand Ramachandras, der allein durch die Erkenntnis Brahmans zugänglich ist, frei von einem Gegenüber, ungeteilt und ohne unterscheidende Vorstellung.

Shanti-Mantra

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

1.1. Die Frage der Seher

Hari Om. Die Seher verehrten den ehrwürdigen Ashvalayana und fragten ihn: „Durch welches Mittel gewinnt man jene Erkenntnis, die den Sinn des Wortes ‚Das‘ aufleuchten lässt? Durch welche Verehrung erkennst du die Wirklichkeit? Sage es, Erhabener.“

1.2. Ashvalayanas Antwort

„Ihr vorzüglichen Weisen, nachdem ich Sarasvati mit den zehn Strophen samt den vedischen Versen und den eingefügten Keimsilben gepriesen und rezitiert hatte, erlangte ich die höchste Vollendung.“

1.3. Die Bitte um die Meditation

Die Seher sagten: „Du dem guten Gelübde Treuer, wie wird Sarasvatis Gnade erlangt? Durch welche Meditation wird die erhabene Mahasarasvati erfreut? Sage es.“

1a. Einrichtung des Zehnstrophen-Mantras

Ashvalayana sprach: „Für dieses große Zehnstrophen-Mantra Sarasvatis bin ich, Ashvalayana, der Seher. Das Versmaß ist Anushtubh; die Gottheit ist die ehrwürdige Vagishvari. yadvāk ist der Keim, devīṃ vācam die Kraft und praṇo devī der Riegel. Die Anwendung dient dazu, sie zu erfreuen. Die Zuordnung zu den Körpergliedern erfolgt mit den Namen Shraddha, Medha, Prajna, Dharana, Vagdevata und Mahasarasvati.“

1b. Meditationsvers

Mit Geist und Rede verneige ich mich vor Vani, um an ihrer Fülle teilzuhaben: Sie leuchtet wie Nebel, eine Perlenkette, Kampfer und der Mond; sie schenkt Heil und trägt eine Kette goldener Champaka-Blüten. Ihre anmutige Gestalt ist durch hohe, volle, krugförmige Brüste gekennzeichnet.

2.1a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Bharadvaja der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. Om dient als Keim, Kraft und Riegel. Die Anwendung gilt dem erwünschten Ziel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.1b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die in letzter Wahrheit allein das Wesen der Wirklichkeit des Vedanta ist und sich als Name und Gestalt offenbart.

2.1c. Vedischer Mantra

Om. Möge die Göttin Sarasvati, reich an nährenden Kräften und Schützerin der Einsichten, uns mit ihren Gaben fördern und beschützen.

2.2a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Atri der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. hrīṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die Anwendung gilt dem erwünschten Ziel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.2b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die Eine, die in den vier Veden mit ihren Haupt- und Nebenwissenschaften besungen wird, die nichtduale Kraft Brahmans.

2.2c. Vedischer Mantra

Hrīm. Von Himmel und hohem Berg her komme die verehrungswürdige Sarasvati zu unserem Opfer. Möge die Göttin unseren Ruf mit Freude annehmen, reich an Opferbutter und uns geneigt unsere heilvolle Rede hören.

2.3a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Madhucchandas der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. śrīṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die Anwendung gilt dem erwünschten Ziel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.3b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die als Laute, Wörter, Sätze und deren Bedeutung besteht, ohne Anfang, Ende oder Grenze.

2.3c. Vedischer Mantra

Śrīm. Möge die läuternde Sarasvati, reich an nährenden Kräften und Gaben, durch Einsicht reich, unser Opfer lieben.

2.4a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Madhucchandas der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. blūṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.4b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die im Inneren des Menschen und im Bereich der Gottheiten die vollkommene Herrin der Götter ist und als Sprechende im Innersten wohnt.

2.4c. Vedischer Mantra

Blūm. Als Anregerin wahrer, freundlicher Worte und Erweckerin guter Gedanken hat Sarasvati das Opfer gestiftet.

2.5a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Madhucchandas der Seher, Gayatri das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. sauḥ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.5b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die als innerer Lenker die gesamte Dreiwelt regiert. In ihr versenken die Meditierenden die Gestalten Rudras, der Adityas und der übrigen Götter und betrachten sie wieder als die Eine in allen Gestalten.

2.5c. Vedischer Mantra

Sauḥ. Sarasvati lässt durch ihr Licht das große Flutenmeer erkennen; sie erhellt alle Einsichten.

2.6a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Ucathyaputra der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. aiṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.6b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die allgegenwärtige Eine in der Gestalt reinen Erkennens, die sich den nach innen schauenden Einzelwesen offenbart und von ihnen erfahren wird.

2.6c. Vedischer Mantra

Aim. Die Rede ist in vier Bereiche gegliedert. Die einsichtigen Brahmanen kennen sie. Drei sind im Verborgenen niedergelegt und regen sich nicht; den vierten Bereich der Rede sprechen die Menschen.

2.7a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Bhargava der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. klīṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.7b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die durch Unterschiede wie Name und Gattung achtfach unterschieden wird und sich ihrem Wesen nach doch ohne Unterscheidung offenbart.

2.7c. Vedischer Mantra

Klīm. Wenn die Rede Unbewusstes ausspricht, hat sie als wohltönende Herrscherin der Götter ihren Sitz genommen. Vierfach hat sie nährende Milch gemolken. Wohin ist wohl ihr höchster Anteil gegangen?

2.8a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Bhargava der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. sauḥ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.8b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die alle Veden und die übrigen Schriften mit offenbarter und unoffenbarter Rede aussprechen: die Kuh, die alle Wünsche nährt.

2.8c. Vedischer Mantra

Sauḥ. Die Götter brachten die göttliche Rede hervor; die Tiere in ihren vielfältigen Gestalten äußern sie. Möge diese wohltönende Milchkuh, die Rede, uns Nahrung und Kraft spendend und von uns gepriesen, zu uns kommen.

2.9a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Brihaspati der Seher, Trishtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. saṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.9b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, durch deren Erkenntnis der Yogi alle Bindung vollständig zerreibt und zum höchsten Ort gelangt.

2.9c. Vedischer Mantra

Sam. Einer sieht und hat doch die Rede nicht gesehen; ein anderer hört und hört sie doch nicht. Einem anderen wiederum hat sie ihren eigenen Leib enthüllt, wie eine liebende, schön gekleidete Gattin ihrem Mann.

2.10a. Mantraeinrichtung

Für diesen Mantra ist Gritsamada der Seher, Anushtubh das Versmaß und Sarasvati die Gottheit. aiṃ dient als Keim, Kraft und Riegel. Die rituelle Zuordnung erfolgt mit dem Mantra.

2.10b. Lobstrophe

Möge Sarasvati mich beschützen, die Eine von der Gestalt Brahmans, in der die Meditierenden alles aus Name und Gestalt Bestehende aufgehen lassen, um dann wieder sie selbst zu betrachten.

2.10c. Vedischer Mantra

Aim. Beste Mutter, bester Strom, beste Göttin, Sarasvati! Wir sind gleichsam ohne Ansehen. Mutter, schenke uns Ansehen.

3.1.

Möge die ganz weiße Sarasvati stets in meinem Geist spielen, die Schwanengefährtin im Wald der lotusgleichen Gesichter des viergesichtigen Brahma.

3.2.

Verehrung dir, Göttin Sharada, die du in Kashmir wohnst. Ich bitte dich stets: Gewähre mir die Gabe des Wissens.

3.3.

Möge sie stets in meiner Rede wohnen: Rosenkranz und Stachelstab tragend, Schlinge und Buch in den Händen, mit einer Perlenkette geschmückt.

3.4.

Möge die Göttin Mahasarasvati auf meiner Zungenspitze Platz nehmen: mit muschelförmigem Hals, schönen kupferroten Lippen und allem Schmuck geziert.

3.5.

Sie ist Vertrauen, geistiges Festhalten und Verstandeskraft, die Göttin der Rede und Brahmas Geliebte. Sie wohnt auf der Zungenspitze ihrer Verehrer und schenkt Ruhe des Geistes und die übrigen Tugenden.

3.6.

Ich verehre Bhavani, deren Haar die Sichel des Herrn der Nacht schmückt, den Nektarstrom, der die Glut des Daseinskreislaufs löscht.

3.7.

Wer ungehinderte Dichtkunst, Lebensgenuss und Befreiung wünscht, soll Sarasvati verehren und sie täglich mit dem Zehnstrophen-Lob preisen.

3.8.

Wer Sarasvati so täglich verehrt und preist, erfüllt von Hingabe und Vertrauen, dem soll nach sechs Monaten eine Bestätigung zuteilwerden.

3.9.

Dann strömt die Rede nach eigenem Wunsch mit anmutigen Lauten hervor, in zahllosen beabsichtigten Worten als Prosa und Dichtung.

3.10.

Selbst eine zuvor ungehörte Schrift wird verstanden; gewöhnlich wird er ein von Sarasvati begnadeter Dichter. So steht es fest, ihr Brahmanen. Darauf sprach Sarasvati:

3.11.

„Die ewige Erkenntnis des Selbst habe ich von Brahma selbst empfangen. Mein Brahmansein besteht immer und ewig, da mein Wesen Sein, Bewusstsein und Wonne ist.

3.12.

Daraus entstand das Sein als Prakriti durch das Gleichgewicht der Eigenschaften Sattva und der übrigen Gunas. Der Widerschein des Bewusstseins erscheint darin als wirklich, wie ein Spiegelbild im Spiegel.

3.13.

Durch dieses Spiegelbild des Bewusstseins erscheint sie wiederum dreifach. Durch die Begrenzung durch Prakriti erscheint für dich wiederum das Sein als Purusha.

3.14.

Der Ungeborene spiegelt sich in Maya, in der reines Sattva vorherrscht. Die von Sattva bestimmte Prakriti wird Maya genannt.

3.15.

Diese Maya ist die von ihm beherrschte begrenzende Bedingung des allwissenden Ishvara. Ihm gehören Herrschaft über Maya, Einheit und Allwissenheit zu.

3.16.

Aufgrund seines sattvischen Wesens, seines Umfassens des Ganzen und seines Zeugeseins auch gegenüber den Welten vermag er die Welt zu schaffen, ungeschaffen zu lassen oder anders zu schaffen.

3.17.

Der mit Allwissenheit und den übrigen Eigenschaften Ausgestattete wird Ishvara genannt. Maya besitzt zwei Kräfte: Projektion und Verhüllung.

3.18.

Die Projektionskraft erschafft die Welt vom feinen Körper bis zum Weltall. Die Unterscheidung zwischen Sehendem und Gesehenem im Inneren sowie zwischen Brahman und Schöpfung im Äußeren [ist Gegenstand der folgenden Aussage].

3.19.

Die andere Kraft verhüllt [diese Unterscheidung]; sie ist die Ursache des Daseinskreislaufs. Das vor dem Zeugen Erscheinende, mit dem feinen Körper Verbundene [wird im nächsten Vers näher bestimmt].

3.20.

Durch das Eindringen des Widerscheins des Bewusstseins wird daraus der Jiva der Erfahrungswelt. Sein Einzelseelesein erscheint durch Übertragung auch am Zeugen.

3.21.

Wenn die Verhüllung vernichtet ist und die Unterscheidung aufleuchtet, verschwindet dies. Ebenso besteht die Kraft fort, indem sie die Unterscheidung zwischen Schöpfung und Brahman verhüllt.

3.22.

Unter dem Einfluss jener Kraft erscheint Brahman als verändert. Auch hier leuchtet durch die Vernichtung der Verhüllung [die Unterscheidung] zwischen Brahman und Schöpfung auf.

3.23.

Die Unterscheidung lautet: Veränderung gehört zur Schöpfung, niemals zu Brahman. Fünf Aspekte sind zu unterscheiden: Es ist, es erscheint, es ist lieb, Gestalt und Name.

3.24.

Die ersten drei sind die Gestalt Brahmans, die beiden übrigen die Gestalt der Welt. Unter Beachtung von Name und Gestalt richte man sich ganz auf Sein, Bewusstsein und Wonne aus.

3.25.

Man übe stets Samadhi, im Herzen oder auch außerhalb. Im Herzen ist Samadhi zweifach: mit unterscheidender Vorstellung und ohne unterscheidende Vorstellung.

3.26.

Der Samadhi mit Vorstellung ist wiederum zweifach, je nachdem, ob er mit einem Gesehenen oder mit einem Wort verbunden ist. Wünsche und die übrigen Regungen des Geistes sind das Gesehene; Bewusstsein ist als dessen Zeuge [zu meditieren].

3.27.

Man meditiere [über dieses Bewusstsein]; dies ist der mit dem Gesehenen verbundene Samadhi mit Vorstellung. „Ungebunden, Sein, Bewusstsein und Wonne, aus sich selbst leuchtend, frei von Zweiheit [bin ich].“

3.28.

„Ich bin [dies]“: Dies ist der mit Worten verbundene Samadhi mit Vorstellung. Aus dem Eintauchen in den Geschmack der eigenen Erfahrung, für denjenigen, der auf Gesehenes, Worte und Weiteres nicht angewiesen ist, [entsteht der folgende Zustand].

3.29.

Es entsteht der vorstellungsfreie Samadhi, wie eine Lampe an einem windstillen Ort. Wie im Herzen, so auch im äußeren Bereich, an jedem beliebigen Gegenstand [kann die entsprechende Betrachtung ansetzen].

3.30.

Der erste Samadhi besteht darin, Name und Gestalt vom bloßen Sein zu unterscheiden. Das Stillwerden durch das Schmecken dieser Erfahrung gilt, wie zuvor, als der dritte.

3.31.

Mit diesen sechs Samadhis verbringe man ununterbrochen die Zeit. Wenn die Gleichsetzung mit dem Körper geschwunden und das höchste Selbst erkannt ist, findet sich überall, wohin der Geist geht, die höchste Unsterblichkeit.

3.32.

Der Knoten des Herzens wird durchbrochen, alle Zweifel werden zerschnitten und seine Taten verlieren ihre bindende Kraft, wenn jenes geschaut ist, das zugleich das Höchste und das Nächste ist.

3.33.

In mir sind Einzelseelesein und Herrsein nur vorgestellt, nicht in Wirklichkeit vorhanden. Wer dies erkennt, ist befreit; daran besteht kein Zweifel.“

Ende der Unterweisung

So lautet die Upanishad.

Shanti-Mantra am Schluss

Om. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede. Offenbare dich mir, du Offenbares! Möget ihr beide mir den Veda erschließen. Möge das von mir Gehörte mich nicht verlassen. Durch dieses Studium verbinde ich Tage und Nächte. Ich werde das Rechte sprechen; ich werde die Wahrheit sprechen. Möge jenes mich beschützen, möge es den Lehrenden beschützen. Möge es mich beschützen; möge es den Lehrenden beschützen, den Lehrenden beschützen.

Friedensruf am Schluss

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Schlussformel

Damit ist die Sarasvati-Rahasya-Upanishad beendet.

Fünf Empfehlungen für die spirituelle Praxis

  1. Heilige deine Rede. Sprich wahrhaftig, freundlich und überlegt. Beginne dein Studium mit der Bitte, dass Geist und Worte übereinstimmen.
  2. Lerne mit Hingabe und Unterscheidungskraft. Verbinde Sarasvati-Verehrung mit täglichem Lesen, Nachdenken und sorgfältigem Prüfen des Verstandenen.
  3. Erkenne Gedanken als Wahrgenommenes. Wünsche, Sorgen und Erinnerungen erscheinen im Bewusstsein. Betrachte den stillen Zeugen, ohne dich in jeder Regung zu verlieren.
  4. Vertiefe einen klaren Gedanken. Meditiere über die Aussage: Mein innerstes Wesen ist ungebundenes Sein, Bewusstsein und Wonne. Lass die Worte in stille Betrachtung münden.
  5. Trage die Erkenntnis ins Leben. Wenn du anderen begegnest, erinnere dich an das Bewusstsein jenseits wechselnder Namen und Gestalten. Lass daraus Geduld, Respekt und Hilfsbereitschaft wachsen.

Quellen und Literatur

  • Sanskrit Documents: Sarasvatīrahasyopaniṣat.
  • Wikisource: Sarasvatīrahasyopaniṣat, Sanskrit-Parallelfassung, besonders für jñapti, labdhā und die vollständigen Verse 27–28.
  • Vergleichsstellen: Rigveda 1.3.10–12; 1.164.45; 2.41.16; 8.100.10–11; 10.71.4; Mundaka Upanishad 2.2.8; Drig-Drishya-Viveka, Lehre von Maya und den Samadhiformen.
  • Deutsche Übersetzung und Worterklärungen wurden für diesen Artikel aus dem Sanskrit erarbeitet. Berichtigungen gegenüber der Digitalfassung: jñapti, yadvāk, rudrādityādi, śṛṇ, abhyarcya, labdhā, sāttvika, kuryāddhṛdaye und nivāta; die fehlenden Halbverse 27–28 sind aus der Parallelfassung ergänzt. Die unsicheren Lesarten tvadvaśāt und apekṣituḥ sind eigens besprochen. Das Eingangsgebet enthält das in der Digitalfassung ausgefallene mā entsprechend dem Schlussgebet.

Siehe auch

Ähnliche Upanishaden: Devi Upanishad, Bahvricha Upanishad, Tripura Upanishad, Tripuratapini Upanishad, Bhavana Upanishad, Saubhagyalakshmi Upanishad, Mundaka Upanishad, Shukarahasya Upanishad.

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