Rudrahridaya Upanishad
Die Rudrahridaya Upanishad (Sanskrit: रुद्रहृदयोपनिषत्, rudrahṛdayopaniṣat) gehört zur Gruppe der Shaiva Upanishad und wird in der Muktika-Liste dem Krishna Yajurveda zugeordnet. Im Mittelpunkt steht die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.
Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem Gleichsetzung der Gottheiten und ihrer Kräfte; Uma und Lakshmi; nichtsektarische Erkenntnis hinter sektarischen Namen. Sie verbindet die Autorität der Upanishaden mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.

Für heutige Übende ist entscheidend, dass Yoga hier nicht auf Körperübungen verkürzt wird. Studium, ethische Läuterung, Meditation, Hingabe und Selbsterkenntnis bilden einen Zusammenhang. Historische Ritualvorschriften oder außergewöhnliche Wirkungsbehauptungen werden in diesem Artikel als Quelleninhalt erklärt; sie sind nicht automatisch moderne Übungs- oder Heilversprechen.
Rudrahridaya Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die folgende Studienfassung gibt jeden nummerierten Vers einzeln wieder. Unmittelbar unter jedem Vers beziehungsweise jeder klar abgegrenzten Prosas Sinneinheit stehen die deutsche Übersetzung und die Wort-für-Wort-Erläuterung. Sanskrit-Komposita und Sandhi-Verbindungen werden dort, wo eine künstliche Trennung irreführend wäre, ausdrücklich als zusammenhängende Wortgruppe erklärt.
Eröffnungsvers der Rudrahridaya Upanishad
yadbrahma rudrahṛdayamahāvidyāprakāśitam |
tadbrahmamātrāvasthānapadavīmadhunā bhaje ||
Traditioneller Eröffnungsvers zur Verehrung der Lehre über die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhaje – ich verehre; yadbrahma rudrahṛdayamahāvidyāprakāśitam tadbrahmamātrāvasthānapadavīmadhunā – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Traditioneller Eröffnungsvers zur Verehrung der Lehre über die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu.“.
Shanti-Mantra der Rudrahridaya Upanishad
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe (Om); mā – nicht; möge nicht; śāntiḥ – Frieden; saha nāvavatu nau bhunaktu vīryaṃ karavāvahai tejasvināvadhītamastu vidviṣāvahai – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, …“.
Textabschnitt 1 Rudrahridaya Upanishad
hariḥ oṃ ||
Jetzt, in diesem Augenblick, nehme ich Zuflucht in jenem Reinen Zustand des
Wort-für-Wort-Erläuterung: hariḥ – Hari; oṃ – Om, die heilige Silbe (Om).
1. Vers Rudrahridaya Upanishad
hṛdayaṃ kuṇḍalī bhasmarudrākṣagaṇadarśanam |
tārasāraṃ mahāvākyaṃ pañcabrahmāgnihotrakam || 1 ||
Herz, Kundalini, heilige Asche, die Schau der Rudraksha-Schar, die Essenz des befreienden Mantras, die große Aussage, die fünf Brahmans und das Feueropfer – dies sind die Themen der Lehre.
Wort-für-Wort-Erläuterung: hṛdayaṃ kuṇḍalī bhasmarudrākṣagaṇadarśanam tārasāraṃ mahāvākyaṃ pañcabrahmāgnihotrakam – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Herz, Kundalini, heilige Asche, die Schau der Rudraksha-Schar, die Essenz des befreienden Mantras, die große Aussage, die fünf Brahmans und das Feueropfer – dies sind die Themen der Lehre.“.
2. Vers Rudrahridaya Upanishad
praṇamya śirasā pādau śuko vyāsamuvāca ha |
ko devaḥ sarvadeveṣu kasmindevāśca sarvaśaḥ || 2 ||
Nachdem Shuka sich mit dem Kopf zu den Füßen verneigt hatte, sprach er zu Vyasa: „Wer ist der Gott in allen Göttern, und in welchem Gott sind sie alle gegründet?“
Wort-für-Wort-Erläuterung: pādau – beide Füße; ha – wahrlich; überlieferte Erzählpartikel; devaḥ – Gott; das Leuchtende; sarvaśaḥ – in allem Respekt; praṇamya śirasā śuko vyāsamuvāca ko sarvadeveṣu kasmindevāśca – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Nachdem Shuka sich mit dem Kopf zu den Füßen verneigt hatte, sprach er zu Vyasa: „Wer ist der Gott in allen Göttern, und in welchem Gott sind sie alle gegründet?““.
3. Vers Rudrahridaya Upanishad
kasya śuśrūṣaṇānnityaṃ prītā devā bhavanti me |
tasya tadvacanaṃ śrutvā pratyuvāca pitā śukam || 3 ||
„Durch wessen beständigen Dienst werden mir alle Götter wohlgesinnt?“ Nachdem der Vater diese Worte gehört hatte, antwortete er seinem Sohn Shuka.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kasya – für wen, wessen; bhavanti – sie werden; sie sind; tasya – dessen; von ihm; śrutvā – hören; śuśrūṣaṇānnityaṃ prītā devā me tadvacanaṃ pratyuvāca pitā śukam – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „„Durch wessen beständigen Dienst werden mir alle Götter wohlgesinnt?“ Nachdem der Vater diese Worte gehört hatte, antwortete er seinem Sohn Shuka.“.
4. Vers Rudrahridaya Upanishad
sarvadevātmako rudraḥ sarve devāḥ śivātmakāḥ |
rudrasya dakṣiṇe pārśve ravirbrahmā trayo'gnayaḥ || 4 ||
Rudra ist das Selbst aller Götter, und alle Götter sind ihrem Wesen nach Shiva. An Rudras rechter Seite stehen Sonne, Brahma und die drei Feuer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: rudraḥ – Rudra; sarve – alle; devāḥ – die Götter; o Götter; dakṣiṇe – rechts; sarvadevātmako śivātmakāḥ rudrasya pārśve ravirbrahmā trayo'gnayaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist das Selbst aller Götter, und alle Götter sind ihrem Wesen nach Shiva. An Rudras rechter Seite stehen Sonne, Brahma und die drei Feuer.“.
5. Vers Rudrahridaya Upanishad
vāmapārśve umā devī viṣṇuḥ somo'pi te trayaḥ |
yā umā sā svayaṃ viṣṇuryo viṣṇuḥ sa hi candramāḥ || 5 ||
An seiner linken Seite stehen die Göttin Uma, Vishnu und Soma. Uma selbst ist Vishnu, und Vishnu ist der Mond.
Wort-für-Wort-Erläuterung: umā – Uma; devī – die Göttin; viṣṇuḥ – Vishnu; te – sie; dir (je nach Zusammenhang); trayaḥ – drei; sā – sie; diese; svayaṃ – sich selbst; sa – er, dieser; hi – denn; gewiss; vāmapārśve somo'pi yā viṣṇuryo candramāḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „An seiner linken Seite stehen die Göttin Uma, Vishnu und Soma. Uma selbst ist Vishnu, und Vishnu ist der Mond.“.
6. Vers Rudrahridaya Upanishad
ye namasyanti govindaṃ te namasyanti śaṅkaram |
ye'rcayanti hariṃ bhaktyā te'rcayanti vṛṣadhvajam || 6 ||
Wer Govinda verehrt, verehrt auch Shankara; wer Hari in Hingabe ehrt, ehrt ebenso den Herrn mit dem Stierbanner.
Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; dir (je nach Zusammenhang); śaṅkaram – über Shankara; bhaktyā – andächtig; ye namasyanti govindaṃ ye'rcayanti hariṃ te'rcayanti vṛṣadhvajam – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Wer Govinda verehrt, verehrt auch Shankara; wer Hari in Hingabe ehrt, ehrt ebenso den Herrn mit dem Stierbanner.“.
7. Vers Rudrahridaya Upanishad
ye dviṣanti virūpākṣaṃ te dviṣanti janārdanam |
ye rudraṃ nābhijānanti te na jānanti keśavam || 7 ||
Wer den dreiäugigen Shiva ablehnt, lehnt auch Janardana ab; wer Rudra nicht erkennt, erkennt auch Keshava nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: te – sie; dir (je nach Zusammenhang); na – nicht; jānanti – sie wissen, erkennen; ye dviṣanti virūpākṣaṃ janārdanam rudraṃ nābhijānanti keśavam – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Wer den dreiäugigen Shiva ablehnt, lehnt auch Janardana ab; wer Rudra nicht erkennt, erkennt auch Keshava nicht.“.
8. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudrātpravartate bījaṃ bījayonirjanārdanaḥ |
yo rudraḥ sa svayaṃ brahmā yo brahmā sa hutāśanaḥ || 8 ||
Von Rudra geht der Same aus, und Janardana ist sein Schoß. Rudra selbst ist Brahma, und Brahma ist das Opferfeuer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bījaṃ – samen; rudraḥ – Rudra; sa – er, dieser; svayaṃ – sich selbst; brahmā – Brahma, der Schöpfergott; rudrātpravartate bījayonirjanārdanaḥ yo hutāśanaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Von Rudra geht der Same aus, und Janardana ist sein Schoß. Rudra selbst ist Brahma, und Brahma ist das Opferfeuer.“.
9. Vers Rudrahridaya Upanishad
brahmaviṣṇumayo rudra agnīṣomātkaṃ jagat |
puṃliṅgaṃ sarvamīśānaṃ strīliṅgaṃ bhagavatyumā || 9 ||
Rudra umfasst Brahma und Vishnu; die Welt besteht aus Feuer und Soma. Alles Männliche ist Ishana, alles Weibliche die erhabene Uma.
Wort-für-Wort-Erläuterung: jagat – Welt; Universum; brahmaviṣṇumayo rudra agnīṣomātkaṃ puṃliṅgaṃ sarvamīśānaṃ strīliṅgaṃ bhagavatyumā – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra umfasst Brahma und Vishnu; die Welt besteht aus Feuer und Soma. Alles Männliche ist Ishana, alles Weibliche die erhabene Uma.“.
10. Vers Rudrahridaya Upanishad
umārudrātmikāḥ sarvāḥ grajāḥ sthāvarajaṅgamāḥ |
vyaktaṃ sarvamumārūpamavyaktaṃ tu maheśvaram || 10 ||
Alle beweglichen und unbeweglichen Geschöpfe sind von Uma und Rudra durchdrungen. Alles Offenbare ist Umas Gestalt, das Unoffenbare Maheshvara.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvāḥ – alle; tu – aber; hingegen; umārudrātmikāḥ grajāḥ sthāvarajaṅgamāḥ vyaktaṃ sarvamumārūpamavyaktaṃ maheśvaram – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Alle beweglichen und unbeweglichen Geschöpfe sind von Uma und Rudra durchdrungen. Alles Offenbare ist Umas Gestalt, das Unoffenbare Maheshvara.“.
11. Vers Rudrahridaya Upanishad
umā śaṅkarayogo yaḥ sa yogo viṣṇurucyate |
yastu tasmai namaskāraṃ kuryādbhaktisamanvitaḥ || 11 ||
Die Vereinigung von Uma und Shankara wird Vishnu genannt. Wer sich ihr voller Hingabe verneigt, verehrt diese Einheit.
Wort-für-Wort-Erläuterung: umā – Uma; yaḥ – wer, welcher; sa – er, dieser; yogo – yoga; tasmai – ihm; śaṅkarayogo viṣṇurucyate yastu namaskāraṃ kuryādbhaktisamanvitaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Die Vereinigung von Uma und Shankara wird Vishnu genannt. Wer sich ihr voller Hingabe verneigt, verehrt diese Einheit.“.
12. Vers Rudrahridaya Upanishad
ātmānaṃ paramātmānamantarātmānameva ca |
jñātvā trividhamātmānaṃ paramātmānamāśrayet || 12 ||
Nachdem man den Atman als individuelles Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst in dreifacher Weise erkannt hat, soll man im höchsten Selbst Zuflucht nehmen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ca – und; jñātvā – erkannt habend; ātmānaṃ paramātmānamantarātmānameva trividhamātmānaṃ paramātmānamāśrayet – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Nachdem man den Atman als individuelles Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst in dreifacher Weise erkannt hat, soll man im höchsten Selbst Zuflucht nehmen.“.
13. Vers Rudrahridaya Upanishad
antarātmā bhavedbrahmā paramātmā maheśvaraḥ |
sarveṣāmeva bhūtānāṃ viṣṇurātmā sanātanaḥ || 13 ||
Brahma ist das innere Selbst, Maheshvara das höchste Selbst, und Vishnu ist das ewige Selbst aller Wesen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: paramātmā – das Höchste Wesen; maheśvaraḥ – o großer Herr, o Maheshvara; antarātmā bhavedbrahmā sarveṣāmeva bhūtānāṃ viṣṇurātmā sanātanaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Brahma ist das innere Selbst, Maheshvara das höchste Selbst, und Vishnu ist das ewige Selbst aller Wesen.“.
14. Vers Rudrahridaya Upanishad
asya trailokyavṛkṣasya bhūmau viṭapaśākhinaḥ |
agraṃ madhyaṃ tathā mūlaṃ viṣṇubrahmamaheśvarāḥ || 14 ||
Am Weltenbaum der drei Welten sind Vishnu, Brahma und Maheshvara gleichsam Spitze, Mitte und Wurzel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: asya – sein, von diesem; tathā – so; ebenso; trailokyavṛkṣasya bhūmau viṭapaśākhinaḥ agraṃ madhyaṃ mūlaṃ viṣṇubrahmamaheśvarāḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Am Weltenbaum der drei Welten sind Vishnu, Brahma und Maheshvara gleichsam Spitze, Mitte und Wurzel.“.
15. Vers Rudrahridaya Upanishad
kāryaṃ viṣṇuḥ kriyā brahmā kāraṇaṃ tu maheśvaraḥ |
prayojanārthaṃ rudreṇa mūrtirekā tridhā kṛtā || 15 ||
Vishnu ist die Wirkung, Brahma die Tätigkeit und Maheshvara die Ursache. Zum Zweck der Welt hat Rudra die eine Gestalt dreifach gemacht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: viṣṇuḥ – Vishnu; brahmā – Brahma, der Schöpfergott; kāraṇaṃ – der Grund; tu – aber; hingegen; maheśvaraḥ – o großer Herr, o Maheshvara; tridhā – dreifach; kāryaṃ kriyā prayojanārthaṃ rudreṇa mūrtirekā kṛtā – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Vishnu ist die Wirkung, Brahma die Tätigkeit und Maheshvara die Ursache. Zum Zweck der Welt hat Rudra die eine Gestalt dreifach gemacht.“.
16. Vers Rudrahridaya Upanishad
dharmo rudro jagadviṣṇuḥ sarvajñānaṃ pitāmahaḥ |
śrīrudra rudra rudreti yastaṃ brūyādvicakṣaṇaḥ || 16 ||
Rudra ist Dharma, Vishnu die Welt und der Große Vater alles Wissen. Der Einsichtige soll „Shri Rudra, Rudra, Rudra“ sprechen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pitāmahaḥ – der Großvater, Brahma; dharmo rudro jagadviṣṇuḥ sarvajñānaṃ śrīrudra rudra rudreti yastaṃ brūyādvicakṣaṇaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist Dharma, Vishnu die Welt und der Große Vater alles Wissen. Der Einsichtige soll „Shri Rudra, Rudra, Rudra“ sprechen.“.
17. Vers Rudrahridaya Upanishad
kīrtanātsarvadevasya sarvapāpaiḥ pramucyate |
rudro nara umā nārī tasmai tasyai namo namaḥ || 17 ||
Durch das Preisen dieses Gottes aller Götter wird man von allen Verfehlungen frei. Rudra ist der Mann und Uma die Frau – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pramucyate – wird vollständig befreit; umā – Uma; tasmai – ihm; namaḥ – Verehrung; Verneigung; kīrtanātsarvadevasya sarvapāpaiḥ rudro nara nārī tasyai namo – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Durch das Preisen dieses Gottes aller Götter wird man von allen Verfehlungen frei. Rudra ist der Mann und Uma die Frau – Verehrung ihm und ihr.“.
18. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudro brahmā umā vāṇī tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro viṣṇurumā lakṣmīstasmai tasyai namo namaḥ || 18 ||
Rudra ist Brahma und Uma die Rede; Rudra ist Vishnu und Uma Lakshmi – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmā – Brahma, der Schöpfergott; umā – Uma; tasmai – ihm; namaḥ – Verehrung; Verneigung; rudro vāṇī tasyai namo viṣṇurumā lakṣmīstasmai – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist Brahma und Uma die Rede; Rudra ist Vishnu und Uma Lakshmi – Verehrung ihm und ihr.“.
19. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudraḥ sūrya umā chāyā tasmai tasyai namo namaḥ |
rudraḥ soma umā tārā tasmai tasyai namo namaḥ || 19 ||
Rudra ist die Sonne und Uma ihr Schatten; Rudra ist der Mond und Uma der Stern – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: rudraḥ – Rudra; sūrya – Sonne; umā – Uma; tasmai – ihm; namaḥ – Verehrung; Verneigung; chāyā tasyai namo soma tārā – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist die Sonne und Uma ihr Schatten; Rudra ist der Mond und Uma der Stern – Verehrung ihm und ihr.“.
20. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudro divā umā rātristasmai tasyai namo namaḥ |
rudro yajña umā vedistasmai tasyai namo namaḥ || 20 ||
Rudra ist der Tag und Uma die Nacht; Rudra ist das Opfer und Uma der Opferaltar – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: umā – Uma; namaḥ – Verehrung; Verneigung; yajña – Opfer; rudro divā rātristasmai tasyai namo vedistasmai – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist der Tag und Uma die Nacht; Rudra ist das Opfer und Uma der Opferaltar – Verehrung ihm und ihr.“.
21. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudro vahnirumā svāhā tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro veda umā śāstaṃ tasmai tasyai namo namaḥ || 21 ||
Rudra ist das Feuer und Uma die Opferformel Svaha; Rudra ist der Veda und Uma die Lehre – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: svāhā – Svaha; Opferformel; tasmai – ihm; namaḥ – Verehrung; Verneigung; veda – Veda; umā – Uma; rudro vahnirumā tasyai namo śāstaṃ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist das Feuer und Uma die Opferformel Svaha; Rudra ist der Veda und Uma die Lehre – Verehrung ihm und ihr.“.
22. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudro vṛkṣa umā vallī tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro gandha umā puṣpaṃ tasmai tasyai namo namaḥ || 22 ||
Rudra ist der Baum und Uma die Ranke; Rudra ist der Duft und Uma die Blüte – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: umā – Uma; tasmai – ihm; namaḥ – Verehrung; Verneigung; rudro vṛkṣa vallī tasyai namo gandha puṣpaṃ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist der Baum und Uma die Ranke; Rudra ist der Duft und Uma die Blüte – Verehrung ihm und ihr.“.
23. Vers Rudrahridaya Upanishad
rudro'rtha akṣaraḥ somā tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro liṅgamumā pīṭhaṃ tasmai tasyai namo namaḥ || 23 ||
Rudra ist der Sinn, Uma der Laut; Rudra ist das Linga und Uma der Sitz – Verehrung ihm und ihr.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tasmai – ihm; namaḥ – Verehrung; Verneigung; pīṭhaṃ – der Rücken; rudro'rtha akṣaraḥ somā tasyai namo rudro liṅgamumā – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Rudra ist der Sinn, Uma der Laut; Rudra ist das Linga und Uma der Sitz – Verehrung ihm und ihr.“.
24. Vers Rudrahridaya Upanishad
sarvadevātmakaṃ rudraṃ namaskuryātpṛthakpṛthak |
ebhirmantrapadaireva namasyāmīśapārvatī || 24 ||
Man soll Rudra als das Selbst aller Götter in jeder einzelnen Gestalt verehren. Mit eben diesen Mantraworten verneige ich mich vor Ishana und Parvati.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvadevātmakaṃ rudraṃ namaskuryātpṛthakpṛthak ebhirmantrapadaireva namasyāmīśapārvatī – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Man soll Rudra als das Selbst aller Götter in jeder einzelnen Gestalt verehren. Mit eben diesen Mantraworten verneige ich mich vor Ishana und Parvati.“.
25. Vers Rudrahridaya Upanishad
yatra yatra bhavetsārdhamimaṃ mantramudīrayet |
brahmahā jalamadhye tu sarvapāpaiḥ pramucyate || 25 ||
Wo immer beide gemeinsam gegenwärtig sind, soll man dieses Mantra sprechen. Selbst wer schwerste Schuld auf sich geladen hat, wird durch seine Rezitation im Wasser von allen Verfehlungen frei.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tu – aber; hingegen; pramucyate – wird vollständig befreit; yatra bhavetsārdhamimaṃ mantramudīrayet brahmahā jalamadhye sarvapāpaiḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Wo immer beide gemeinsam gegenwärtig sind, soll man dieses Mantra sprechen. Selbst wer schwerste Schuld auf sich geladen hat, wird durch seine Rezitation im Wasser von allen Verfehlungen frei.“.
26. Vers Rudrahridaya Upanishad
sarvādhiṣṭhānamadvandvaṃ paraṃ brahma sanātanam |
saccidānandarūpaṃ tadavāṅmanasagocaram || 26 ||
Das ewige höchste Brahman ist die Grundlage von allem und frei von Gegensätzen; seine Natur ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, jenseits von Rede und Denken.
Wort-für-Wort-Erläuterung: paraṃ – höchstes; jenseitiges; brahma – Brahman, das Absolute; sarvādhiṣṭhānamadvandvaṃ sanātanam saccidānandarūpaṃ tadavāṅmanasagocaram – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Das ewige höchste Brahman ist die Grundlage von allem und frei von Gegensätzen; seine Natur ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, jenseits von Rede und Denken.“.
27. Vers Rudrahridaya Upanishad
tasminsuvidite sarvaṃ vijñātaṃ syādidaṃ śuka |
tadātmakatvātsarvasya tasmādbhinnaṃ nahi kvacit || 27 ||
Wenn dieses erkannt ist, ist alles erkannt, o Shuka; denn alles hat dessen Wesen, und nichts ist irgendwo von ihm verschieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sarvaṃ – alles; nahi – überhaupt nicht; tasminsuvidite vijñātaṃ syādidaṃ śuka tadātmakatvātsarvasya tasmādbhinnaṃ kvacit – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Wenn dieses erkannt ist, ist alles erkannt, o Shuka; denn alles hat dessen Wesen, und nichts ist irgendwo von ihm verschieden.“.
28. Vers Rudrahridaya Upanishad
dve vidye veditavye hi parā caivāparā ca te |
tatrāparā tu vidyaiṣā ṛgvedo yajureva ca || 28 ||
Zwei Arten des Wissens sind zu erkennen: die höhere und die niedere. Die niedere umfasst Rigveda und Yajurveda
Wort-für-Wort-Erläuterung: hi – denn; gewiss; parā – jenseits; ca – und; te – sie; dir (je nach Zusammenhang); tu – aber; hingegen; dve vidye veditavye caivāparā tatrāparā vidyaiṣā ṛgvedo yajureva – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Zwei Arten des Wissens sind zu erkennen: die höhere und die niedere. Die niedere umfasst Rigveda und Yajurveda“.
29. Vers Rudrahridaya Upanishad
sāmavedastathātharvavedaḥ śikṣā munīśvara |
kalpo vyākaraṇaṃ caiva niruktaṃ chanda eva ca || 29 ||
sowie Samaveda, Atharvaveda, Lautlehre, Rituallehre, Grammatik, Etymologie, Metrik
Wort-für-Wort-Erläuterung: caiva – chaiv; eva – allein; eben; wahrlich; ca – und; sāmavedastathātharvavedaḥ śikṣā munīśvara kalpo vyākaraṇaṃ niruktaṃ chanda – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „sowie Samaveda, Atharvaveda, Lautlehre, Rituallehre, Grammatik, Etymologie, Metrik“.
30. Vers Rudrahridaya Upanishad
jyotiṣaṃ ca yathā nātmaviṣayā api buddhayaḥ |
athaiṣā paramā vidyā yayātmā paramākṣaram || 30 ||
und Astronomie. Da diese Erkenntnisvermögen nicht unmittelbar den Atman zum Gegenstand haben, ist jene andere die höchste Wissenschaft, durch die das höchste Unvergängliche erkannt wird.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ca – und; yathā – wie; api – auch; paramā – höchste; vidyā – Wissen; heilige Lehre; jyotiṣaṃ nātmaviṣayā buddhayaḥ athaiṣā yayātmā paramākṣaram – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „und Astronomie. Da diese Erkenntnisvermögen nicht unmittelbar den Atman zum Gegenstand haben, ist jene andere die höchste Wissenschaft, durch die das höchste Unvergängliche erkannt wird.“.
31. Vers Rudrahridaya Upanishad
yattadadreśyamagrāhyamagotraṃ rūpavarjitam |
acakṣuḥśrotramatyarthaṃ tadapāṇipadaṃ tathā || 31 ||
Es ist unsichtbar und nicht greifbar, ohne Abstammung und ohne Form, ohne Augen und Ohren, ohne Hände und Füße.
Wort-für-Wort-Erläuterung: tathā – so; ebenso; yattadadreśyamagrāhyamagotraṃ rūpavarjitam acakṣuḥśrotramatyarthaṃ tadapāṇipadaṃ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Es ist unsichtbar und nicht greifbar, ohne Abstammung und ohne Form, ohne Augen und Ohren, ohne Hände und Füße.“.
32. Vers Rudrahridaya Upanishad
nityaṃ vibhuṃ sarvagataṃ susūkṣmaṃ ca tadavyayam |
tadbhūtayoniṃ paśyanti dhīrā ātmānamātmani || 32 ||
Es ist ewig, allgegenwärtig, alles durchdringend, äußerst fein und unvergänglich. Die Weisen schauen diese Quelle aller Wesen als den Atman im eigenen Selbst.
Wort-für-Wort-Erläuterung: nityaṃ – immer; beständig; ca – und; paśyanti – sie sehen; vibhuṃ sarvagataṃ susūkṣmaṃ tadavyayam tadbhūtayoniṃ dhīrā ātmānamātmani – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Es ist ewig, allgegenwärtig, alles durchdringend, äußerst fein und unvergänglich. Die Weisen schauen diese Quelle aller Wesen als den Atman im eigenen Selbst.“.
33. Vers Rudrahridaya Upanishad
yaḥ sarvajñaḥ sarvavidyo yasya jñānamayaṃ tapaḥ |
tasmādatrānnarūpeṇa jāyate jagadāvaliḥ || 33 ||
Aus dem Allwissenden, der alles kennt und dessen Askese Erkenntnis ist, entsteht hier die Folge der Welten in Gestalt von Nahrung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer, welcher; yasya – dessen; tapaḥ – Askese, Disziplin; jāyate – entsteht; sarvajñaḥ sarvavidyo jñānamayaṃ tasmādatrānnarūpeṇa jagadāvaliḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Aus dem Allwissenden, der alles kennt und dessen Askese Erkenntnis ist, entsteht hier die Folge der Welten in Gestalt von Nahrung.“.
34. Vers Rudrahridaya Upanishad
satyavadbhāti tatsarvaṃ rajjusarpavadāsthitam |
tadetadakṣaraṃ satyaṃ tadvijñāya vimucyate || 34 ||
All dies erscheint wirklich, obwohl es wie die Schlange auf einem Seil beruht. Dieses Unvergängliche allein ist Wahrheit; wer es erkennt, wird befreit.
Wort-für-Wort-Erläuterung: satyaṃ – Wahrheit; wahr; vimucyate – wird befreit; satyavadbhāti tatsarvaṃ rajjusarpavadāsthitam tadetadakṣaraṃ tadvijñāya – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „All dies erscheint wirklich, obwohl es wie die Schlange auf einem Seil beruht. Dieses Unvergängliche allein ist Wahrheit; wer es erkennt, wird befreit.“.
35. Vers Rudrahridaya Upanishad
jñānenaiva hi saṃsāravināśo naiva karmaṇā |
śrotriyaṃ brahmaniṣṭhaṃ svaguruṃ gacchedyathāvidhi || 35 ||
Nur durch Erkenntnis wird Samsara vernichtet, nicht durch bloßes Handeln. Darum soll man ordnungsgemäß zu einem schriftkundigen, in Brahman gegründeten Guru gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: jñānenaiva – allein durch Wissen; hi – denn; gewiss; naiva – nicht so; saṃsāravināśo karmaṇā śrotriyaṃ brahmaniṣṭhaṃ svaguruṃ gacchedyathāvidhi – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Nur durch Erkenntnis wird Samsara vernichtet, nicht durch bloßes Handeln. Darum soll man ordnungsgemäß zu einem schriftkundigen, in Brahman gegründeten Guru gehen.“.
36. Vers Rudrahridaya Upanishad
gurustasmai parāṃ vidyāṃ dadyādbrahmātmabodhinīm |
guhāyāṃ nihitaṃ sākṣādakṣaraṃ veda cennaraḥ || 36 ||
Der Guru soll ihm die höchste Wissenschaft geben, die zur Erkenntnis der Einheit von Brahman und Atman führt. Wenn ein Mensch das unmittelbar in der Herzhöhle verborgene Unvergängliche erkennt,
Wort-für-Wort-Erläuterung: vidyāṃ – die Wissenschaften; veda – Veda; gurustasmai parāṃ dadyādbrahmātmabodhinīm guhāyāṃ nihitaṃ sākṣādakṣaraṃ cennaraḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Der Guru soll ihm die höchste Wissenschaft geben, die zur Erkenntnis der Einheit von Brahman und Atman führt. Wenn ein Mensch das unmittelbar in der Herzhöhle verborgene Unvergängliche erkennt,“.
37. Vers Rudrahridaya Upanishad
chitvā'vidyāmahāgranthiṃ śivaṃ gacchetsanātanam |
tadetadamṛtaṃ satyaṃ tadboddhavyaṃ mumukṣibhiḥ || 37 ||
durchtrennt er den großen Knoten der Unwissenheit und gelangt zum ewigen Shiva. Dies ist das unsterbliche Wahre, das Befreiungssucher erkennen sollen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śivaṃ – Shiva; das Heilvolle; satyaṃ – Wahrheit; wahr; chitvā'vidyāmahāgranthiṃ gacchetsanātanam tadetadamṛtaṃ tadboddhavyaṃ mumukṣibhiḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „durchtrennt er den großen Knoten der Unwissenheit und gelangt zum ewigen Shiva. Dies ist das unsterbliche Wahre, das Befreiungssucher erkennen sollen.“.
38. Vers Rudrahridaya Upanishad
dhanustāraṃ śaro hyātmā brahma tallakṣyamucyate |
apramattena veddhavyaṃ śaravattanmayo bhavet || 38 ||
Pranava ist der Bogen, der Atman der Pfeil und Brahman das Ziel. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit muss es getroffen werden; dann wird man wie der Pfeil eins mit ihm.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma – Brahman, das Absolute; bhavet – soll eintreten; dhanustāraṃ śaro hyātmā tallakṣyamucyate apramattena veddhavyaṃ śaravattanmayo – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Pranava ist der Bogen, der Atman der Pfeil und Brahman das Ziel. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit muss es getroffen werden; dann wird man wie der Pfeil eins mit ihm.“.
39. Vers Rudrahridaya Upanishad
lakṣyaṃ sarvagataṃ caiva śaraḥ sarvagato mukhaḥ |
veddhā sarvagataścaiva śivalakṣyaṃ na saṃśayaḥ || 39 ||
Das Ziel ist allgegenwärtig, der Pfeil ist allgegenwärtig und auch der Schütze ist allgegenwärtig. Das Ziel ist Shiva – daran besteht kein Zweifel.
Wort-für-Wort-Erläuterung: caiva – chaiv; na – nicht; lakṣyaṃ sarvagataṃ śaraḥ sarvagato mukhaḥ veddhā sarvagataścaiva śivalakṣyaṃ saṃśayaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Das Ziel ist allgegenwärtig, der Pfeil ist allgegenwärtig und auch der Schütze ist allgegenwärtig. Das Ziel ist Shiva – daran besteht kein Zweifel.“.
40. Vers Rudrahridaya Upanishad
na tatra candrārkavapuḥ prakāśate
na vānti vātāḥ sakalā devatāśca |
sa eṣa devaḥ kṛtabhāvabhūtaḥ
svayaṃ viśuddho virajaḥ prakāśate || 40 ||
Dort leuchten weder Mond noch Sonne; auch die Winde und die Schar der Götter wirken dort nicht. Dieser reine, makellose Gott leuchtet aus sich selbst.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; tatra – dort; darin; prakāśate – wird erhellt, erscheint; sa – er, dieser; devaḥ – Gott; das Leuchtende; svayaṃ – sich selbst; candrārkavapuḥ vānti vātāḥ sakalā devatāśca eṣa kṛtabhāvabhūtaḥ viśuddho virajaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Dort leuchten weder Mond noch Sonne; auch die Winde und die Schar der Götter wirken dort nicht. Dieser reine, makellose Gott leuchtet aus sich selbst.“.
41. Vers Rudrahridaya Upanishad
dvau suparṇau śarīre'smiñjīveśākṣyau saha sthitau |
tayorjīvaḥ phalaṃ bhuṅkte karmaṇo na maheśvaraḥ || 41 ||
In diesem Körper sitzen zwei Vögel beieinander: der individuelle Jiva und der Herr als Zeuge. Der Jiva genießt die Frucht seines Karma, Maheshvara aber nicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; maheśvaraḥ – o großer Herr, o Maheshvara; dvau suparṇau śarīre'smiñjīveśākṣyau saha sthitau tayorjīvaḥ phalaṃ bhuṅkte karmaṇo – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „In diesem Körper sitzen zwei Vögel beieinander: der individuelle Jiva und der Herr als Zeuge. Der Jiva genießt die Frucht seines Karma, Maheshvara aber nicht.“.
42. Vers Rudrahridaya Upanishad
kevalaṃ sākṣirūpeṇa vinā bhogaṃ maheśvaraḥ |
prakāśate svayaṃ bhedaḥ kalpito māyayā tayoḥ || 42 ||
Maheshvara ist allein der Zeuge und ohne Genuss; er leuchtet aus sich selbst. Die Verschiedenheit beider wird nur durch Maya vorgestellt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kevalaṃ – nur; maheśvaraḥ – o großer Herr, o Maheshvara; prakāśate – wird erhellt, erscheint; svayaṃ – sich selbst; bhedaḥ – besteht Unterschied; māyayā – durch Māyā; tayoḥ – von diesen beiden; sākṣirūpeṇa vinā bhogaṃ kalpito – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Maheshvara ist allein der Zeuge und ohne Genuss; er leuchtet aus sich selbst. Die Verschiedenheit beider wird nur durch Maya vorgestellt.“.
43. Vers Rudrahridaya Upanishad
ghaṭākāśamaṭhākāśau yathākāśaprabhedataḥ |
kalpitau paramau jīvaśivarūpeṇa kalpitau || 43 ||
Wie Topfraum und Klosterraum nur aufgrund ihrer Begrenzungen als verschiedene Räume vorgestellt werden, so werden Jiva und Shiva nur als zwei Gestalten des einen Höchsten vorgestellt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ghaṭākāśamaṭhākāśau yathākāśaprabhedataḥ kalpitau paramau jīvaśivarūpeṇa – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Wie Topfraum und Klosterraum nur aufgrund ihrer Begrenzungen als verschiedene Räume vorgestellt werden, so werden Jiva und Shiva nur als zwei Gestalten des einen Höchsten vorgestellt.“.
44. Vers Rudrahridaya Upanishad
tattvataśca śivaḥ sākṣāccijjīvaśca svataḥ sadā |
ciccidākārato bhinnā na bhinnā cittvahānitaḥ || 44 ||
In Wahrheit ist Shiva unmittelbar Bewusstsein, und auch der Jiva ist von sich aus Bewusstsein. Als Bewusstseinsgestalten sind sie nicht verschieden; Verschiedenheit entsteht nur durch den Verlust dieser Einsicht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: śivaḥ – Shiva; svataḥ – von selbst; sadā – immer; na – nicht; tattvataśca sākṣāccijjīvaśca ciccidākārato bhinnā cittvahānitaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „In Wahrheit ist Shiva unmittelbar Bewusstsein, und auch der Jiva ist von sich aus Bewusstsein. Als Bewusstseinsgestalten sind sie nicht verschieden; Verschiedenheit entsteht nur durch den Verlust dieser Einsicht.“.
45. Vers Rudrahridaya Upanishad
citaścinna cidākāradbhidyate jaḍarūpataḥ |
bhidyate cejjaḍo bhedaścidekā sarvadā khalu || 45 ||
Bewusstsein unterscheidet sich nicht von Bewusstsein, sondern nur vom Unbewussten. Gäbe es eine wirkliche Trennung, wäre diese selbst unbewusst; Bewusstsein ist wahrlich immer eines.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhidyate – wird unterschieden, geteilt; sarvadā – immer, jederzeit; citaścinna cidākāradbhidyate jaḍarūpataḥ cejjaḍo bhedaścidekā khalu – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Bewusstsein unterscheidet sich nicht von Bewusstsein, sondern nur vom Unbewussten. Gäbe es eine wirkliche Trennung, wäre diese selbst unbewusst; Bewusstsein ist wahrlich immer eines.“.
46. Vers Rudrahridaya Upanishad
tarkataśca pramāṇācca cidekatvavyavasthiteḥ |
cidekatvaparijñāne na śocati na muhyati || 46 ||
Durch vernünftige Prüfung und gültige Erkenntnismittel wird die Einheit des Bewusstseins festgestellt. Wer diese Einheit erkannt hat, trauert nicht und gerät nicht in Verwirrung.
Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; tarkataśca pramāṇācca cidekatvavyavasthiteḥ cidekatvaparijñāne śocati muhyati – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Durch vernünftige Prüfung und gültige Erkenntnismittel wird die Einheit des Bewusstseins festgestellt. Wer diese Einheit erkannt hat, trauert nicht und gerät nicht in Verwirrung.“.
47. Vers Rudrahridaya Upanishad
advaitaṃ paramānandaṃ śivaṃ yāti tu kaivalam || 47 ||
Er gelangt zu Shiva als der einen, nichtdualen, höchsten Glückseligkeit – zum Kaivalya.
Wort-für-Wort-Erläuterung: advaitaṃ – advaita; śivaṃ – Shiva; das Heilvolle; yāti – geht; gelangt; tu – aber; hingegen; paramānandaṃ kaivalam – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Er gelangt zu Shiva als der einen, nichtdualen, höchsten Glückseligkeit – zum Kaivalya.“.
48. Vers Rudrahridaya Upanishad
adhiṣṭhānaṃ samastasya jagataḥ satyacidghanam |
ahamasmīti niścitya vītaśoko bhavenmuniḥ || 48 ||
Der Weise erkennt mit Gewissheit: „Ich bin die Grundlage des ganzen Universums, die dichte Wirklichkeit von Sein und Bewusstsein“; dadurch wird er frei von Kummer.
Wort-für-Wort-Erläuterung: adhiṣṭhānaṃ samastasya jagataḥ satyacidghanam ahamasmīti niścitya vītaśoko bhavenmuniḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Der Weise erkennt mit Gewissheit: „Ich bin die Grundlage des ganzen Universums, die dichte Wirklichkeit von Sein und Bewusstsein“; dadurch wird er frei von Kummer.“.
49. Vers Rudrahridaya Upanishad
svaśarīre svayaṃ jyotiḥsvarūpaṃ sarvasākṣiṇam |
kṣīṇadoṣāḥ prapaśyanti netare māyayāvṛtāḥ || 49 ||
Diejenigen, deren Unreinheiten geschwunden sind, schauen im eigenen Körper das selbstleuchtende Wesen, den Zeugen von allem; nicht aber jene, die von Maya verhüllt sind.
Wort-für-Wort-Erläuterung: svayaṃ – sich selbst; prapaśyanti – schauen; svaśarīre jyotiḥsvarūpaṃ sarvasākṣiṇam kṣīṇadoṣāḥ netare māyayāvṛtāḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Diejenigen, deren Unreinheiten geschwunden sind, schauen im eigenen Körper das selbstleuchtende Wesen, den Zeugen von allem; nicht aber jene, die von Maya verhüllt sind.“.
50. Vers Rudrahridaya Upanishad
evaṃ rūpaparijñānaṃ yasyāsti parayoginaḥ |
kutracidgamanaṃ nāsti tasya pūrṇasvarūpiṇaḥ || 50 ||
Der höchste Yogi, der sein wahres Wesen auf diese Weise erkannt hat, hat als der Vollkommene nirgendwohin mehr zu gehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: evaṃ – so, auf diese Weise; nāsti – ist nicht; existiert nicht; tasya – dessen; von ihm; rūpaparijñānaṃ yasyāsti parayoginaḥ kutracidgamanaṃ pūrṇasvarūpiṇaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Der höchste Yogi, der sein wahres Wesen auf diese Weise erkannt hat, hat als der Vollkommene nirgendwohin mehr zu gehen.“.
51. Vers Rudrahridaya Upanishad
ākāśamekaṃ sampūrṇaṃ kutracinnaiva gacchati |
tadvatsvātmaparijñānī kutracinnaiva gacchati || 51 ||
Der eine, vollständige Raum geht nirgendwohin. Ebenso geht auch der Kenner des eigenen Atman nirgendwohin.
Wort-für-Wort-Erläuterung: gacchati – geht; gelangt; ākāśamekaṃ sampūrṇaṃ kutracinnaiva tadvatsvātmaparijñānī – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Der eine, vollständige Raum geht nirgendwohin. Ebenso geht auch der Kenner des eigenen Atman nirgendwohin.“.
52. Vers Rudrahridaya Upanishad
sa yo ha vai tatparamaṃ brahma yo veda vai muniḥ |
brahmaiva bhavati svasthaḥ saccidānanda mātṛkaḥ || 52 ||
Wer jenes höchste Brahman erkennt, ist wahrhaft ein Weiser. Er wird selbst Brahman, ruht im eigenen Wesen und ist von der Natur von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.
Wort-für-Wort-Erläuterung: sa – er, dieser; ha – wahrlich; überlieferte Erzählpartikel; vai – wahrlich; gewiss; brahma – Brahman, das Absolute; veda – Veda; brahmaiva – brahma selbst; bhavati – wird; ist; yo tatparamaṃ muniḥ svasthaḥ saccidānanda mātṛkaḥ – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Wer jenes höchste Brahman erkennt, ist wahrhaft ein Weiser. Er wird selbst Brahman, ruht im eigenen Wesen und ist von der Natur von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.“.
Textabschnitt 2 Rudrahridaya Upanishad
ityupaniṣat ||
Er wird Satchidananda. Er erreicht dauerhaften Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ityupaniṣat – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Er wird Satchidananda. Er erreicht dauerhaften Frieden.“.
Textabschnitt 3 Rudrahridaya Upanishad
oṃ saha nāvavatu ||
saha nau bhunaktu ||
saha vīryaṃ karavāvahai ||
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om, die heilige Silbe (Om); saha nāvavatu nau bhunaktu vīryaṃ karavāvahai – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, …“.
Shanti-Mantra der Rudrahridaya Upanishad
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mā – nicht; möge nicht; oṃ – Om, die heilige Silbe (Om); śāntiḥ – Frieden; tejasvināvadhītamastu vidviṣāvahai – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, …“.
Schlussformel der Rudrahridaya Upanishad
iti rudrahṛdayopaniṣatsamāptā ||
Hier endet die Rudra-Hridayopanishad, die zum Krishna-Yajur-Veda gehört.
Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; damit; Abschluss einer Aussage; rudrahṛdayopaniṣatsamāptā – zusammenhängende Sandhi- und Kompositumgruppe; im Satz: „Hier endet die Rudra-Hridayopanishad, die zum Krishna-Yajur-Veda gehört.“.
Rudrahridaya Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung
Name, Einordnung und Überlieferung
Der Name bezeichnet die Lehre über die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu. Als Shaiva Upanishad verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum Krishna Yajurveda beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.
Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.
Datierung
Die Schrift gehört zu den jüngeren sektarischen Upanishaden. Ihre genaue Datierung ist unsicher; meist ist mit einer Entstehung oder längeren Redaktion im ersten bis frühen zweiten Jahrtausend n. Chr. zu rechnen. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.
Aufbau und Inhalt
Der Text entfaltet Gleichsetzung der Gottheiten und ihrer Kräfte; Uma und Lakshmi; nichtsektarische Erkenntnis hinter sektarischen Namen. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder Mantra im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.
Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über Atman, Brahman und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.
Philosophische Kernlehre
Die zentrale Perspektive lautet: die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare Erkenntnis, Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.
Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird Nichtdualität zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.

Beziehungen zu anderen Schriften
Thematisch steht die Rudrahridaya Upanishad besonders neben Bhasma Upanishad, Rudraksha Jabala Upanishad, Panchabrahma Upanishad, Jabali Upanishad, Skanda Upanishad, Sharabha Upanishad, Dakshinamurti Upanishad. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.
Die Bhagavad Gita verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das Yoga Sutra beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Rudrahridaya Upanishad einen eigenen Akzent setzt.
Bedeutung für die Tradition
Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – Gleichsetzung der Gottheiten und ihrer Kräfte; Uma und Lakshmi; nichtsektarische Erkenntnis hinter sektarischen Namen – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.
Historisch war die Unterweisung häufig in eine Guru-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der Entsagung. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.
Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten
Der moderne Yoga Aspirant kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?
Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller Meditation prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.
Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter
Für Yogalehrer ist die Rudrahridaya Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.
Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.
Bleibende Botschaft
Die bleibende Einladung der Rudrahridaya Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.
Rudrahridaya Upanishad – vollständiger Text in Devanagari
यद्ब्रह्म रुद्रहृदयमहाविद्याप्रकाशितम् ।
तद्ब्रह्ममात्रावस्थानपदवीमधुना भजे ॥
ॐ सह नाववतु ॥ सह नौ भुनक्तु ॥ सह वीर्यं करवावहै ॥
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
हरिः ॐ ॥
हृदयं कुण्डली भस्मरुद्राक्षगणदर्शनम् ।
तारसारं महावाक्यं पञ्चब्रह्माग्निहोत्रकम् ॥ १॥
प्रणम्य शिरसा पादौ शुको व्यासमुवाच ह ।
को देवः सर्वदेवेषु कस्मिन्देवाश्च सर्वशः ॥ २॥
कस्य शुश्रूषणान्नित्यं प्रीता देवा भवन्ति मे ।
तस्य तद्वचनं श्रुत्वा प्रत्युवाच पिता शुकम् ॥ ३॥
सर्वदेवात्मको रुद्रः सर्वे देवाः शिवात्मकाः ।
रुद्रस्य दक्षिणे पार्श्वे रविर्ब्रह्मा त्रयोऽग्नयः ॥ ४॥
वामपार्श्वे उमा देवी विष्णुः सोमोऽपि ते त्रयः ।
या उमा सा स्वयं विष्णुर्यो विष्णुः स हि चन्द्रमाः ॥ ५॥
ये नमस्यन्ति गोविन्दं ते नमस्यन्ति शङ्करम् ।
येऽर्चयन्ति हरिं भक्त्या तेऽर्चयन्ति वृषध्वजम् ॥ ६॥
ये द्विषन्ति विरूपाक्षं ते द्विषन्ति जनार्दनम् ।
ये रुद्रं नाभिजानन्ति ते न जानन्ति केशवम् ॥ ७॥
रुद्रात्प्रवर्तते बीजं बीजयोनिर्जनार्दनः ।
यो रुद्रः स स्वयं ब्रह्मा यो ब्रह्मा स हुताशनः ॥ ८॥
ब्रह्मविष्णुमयो रुद्र अग्नीषोमात्कं जगत् ।
पुंलिङ्गं सर्वमीशानं स्त्रीलिङ्गं भगवत्युमा ॥ ९॥
उमारुद्रात्मिकाः सर्वाः ग्रजाः स्थावरजङ्गमाः ।
व्यक्तं सर्वमुमारूपमव्यक्तं तु महेश्वरम् ॥ १०॥
उमा शङ्करयोगो यः स योगो विष्णुरुच्यते ।
यस्तु तस्मै नमस्कारं कुर्याद्भक्तिसमन्वितः ॥ ११॥
आत्मानं परमात्मानमन्तरात्मानमेव च ।
ज्ञात्वा त्रिविधमात्मानं परमात्मानमाश्रयेत् ॥ १२॥
अन्तरात्मा भवेद्ब्रह्मा परमात्मा महेश्वरः ।
सर्वेषामेव भूतानां विष्णुरात्मा सनातनः ॥ १३॥
अस्य त्रैलोक्यवृक्षस्य भूमौ विटपशाखिनः ।
अग्रं मध्यं तथा मूलं विष्णुब्रह्ममहेश्वराः ॥ १४॥
कार्यं विष्णुः क्रिया ब्रह्मा कारणं तु महेश्वरः ।
प्रयोजनार्थं रुद्रेण मूर्तिरेका त्रिधा कृता ॥ १५॥
धर्मो रुद्रो जगद्विष्णुः सर्वज्ञानं पितामहः ।
श्रीरुद्र रुद्र रुद्रेति यस्तं ब्रूयाद्विचक्षणः ॥ १६॥
कीर्तनात्सर्वदेवस्य सर्वपापैः प्रमुच्यते ।
रुद्रो नर उमा नारी तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ १७॥
रुद्रो ब्रह्मा उमा वाणी तस्मै तस्यै नमो नमः ।
रुद्रो विष्णुरुमा लक्ष्मीस्तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ १८॥
रुद्रः सूर्य उमा छाया तस्मै तस्यै नमो नमः ।
रुद्रः सोम उमा तारा तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ १९॥
रुद्रो दिवा उमा रात्रिस्तस्मै तस्यै नमो नमः ।
रुद्रो यज्ञ उमा वेदिस्तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ २०॥
रुद्रो वह्निरुमा स्वाहा तस्मै तस्यै नमो नमः ।
रुद्रो वेद उमा शास्तं तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ २१॥
रुद्रो वृक्ष उमा वल्ली तस्मै तस्यै नमो नमः ।
रुद्रो गन्ध उमा पुष्पं तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ २२॥
रुद्रोऽर्थ अक्षरः सोमा तस्मै तस्यै नमो नमः ।
रुद्रो लिङ्गमुमा पीठं तस्मै तस्यै नमो नमः ॥ २३॥
सर्वदेवात्मकं रुद्रं नमस्कुर्यात्पृथक्पृथक् ।
एभिर्मन्त्रपदैरेव नमस्यामीशपार्वती ॥ २४॥
यत्र यत्र भवेत्सार्धमिमं मन्त्रमुदीरयेत् ।
ब्रह्महा जलमध्ये तु सर्वपापैः प्रमुच्यते ॥ २५॥
सर्वाधिष्ठानमद्वन्द्वं परं ब्रह्म सनातनम् ।
सच्चिदानन्दरूपं तदवाङ्मनसगोचरम् ॥ २६॥
तस्मिन्सुविदिते सर्वं विज्ञातं स्यादिदं शुक ।
तदात्मकत्वात्सर्वस्य तस्माद्भिन्नं नहि क्वचित् ॥ २७॥
द्वे विद्ये वेदितव्ये हि परा चैवापरा च ते ।
तत्रापरा तु विद्यैषा ऋग्वेदो यजुरेव च ॥ २८॥
सामवेदस्तथाथर्ववेदः शिक्षा मुनीश्वर ।
कल्पो व्याकरणं चैव निरुक्तं छन्द एव च ॥ २९॥
ज्योतिषं च यथा नात्मविषया अपि बुद्धयः ।
अथैषा परमा विद्या ययात्मा परमाक्षरम् ॥ ३०॥
यत्तदद्रेश्यमग्राह्यमगोत्रं रूपवर्जितम् ।
अचक्षुःश्रोत्रमत्यर्थं तदपाणिपदं तथा ॥ ३१॥
नित्यं विभुं सर्वगतं सुसूक्ष्मं च तदव्ययम् ।
तद्भूतयोनिं पश्यन्ति धीरा आत्मानमात्मनि ॥ ३२॥
यः सर्वज्ञः सर्वविद्यो यस्य ज्ञानमयं तपः ।
तस्मादत्रान्नरूपेण जायते जगदावलिः ॥ ३३॥
सत्यवद्भाति तत्सर्वं रज्जुसर्पवदास्थितम् ।
तदेतदक्षरं सत्यं तद्विज्ञाय विमुच्यते ॥ ३४॥
ज्ञानेनैव हि संसारविनाशो नैव कर्मणा ।
श्रोत्रियं ब्रह्मनिष्ठं स्वगुरुं गच्छेद्यथाविधि ॥ ३५॥
गुरुस्तस्मै परां विद्यां दद्याद्ब्रह्मात्मबोधिनीम् ।
गुहायां निहितं साक्षादक्षरं वेद चेन्नरः ॥ ३६॥
छित्वाऽविद्यामहाग्रन्थिं शिवं गच्छेत्सनातनम् ।
तदेतदमृतं सत्यं तद्बोद्धव्यं मुमुक्षिभिः ॥ ३७॥
धनुस्तारं शरो ह्यात्मा ब्रह्म तल्लक्ष्यमुच्यते ।
अप्रमत्तेन वेद्धव्यं शरवत्तन्मयो भवेत् ॥ ३८॥
लक्ष्यं सर्वगतं चैव शरः सर्वगतो मुखः ।
वेद्धा सर्वगतश्चैव शिवलक्ष्यं न संशयः ॥ ३९॥
न तत्र चन्द्रार्कवपुः प्रकाशते
न वान्ति वाताः सकला देवताश्च ।
स एष देवः कृतभावभूतः
स्वयं विशुद्धो विरजः प्रकाशते ॥ ४०॥
द्वौ सुपर्णौ शरीरेऽस्मिञ्जीवेशाक्ष्यौ सह स्थितौ ।
तयोर्जीवः फलं भुङ्क्ते कर्मणो न महेश्वरः ॥ ४१॥
केवलं साक्षिरूपेण विना भोगं महेश्वरः ।
प्रकाशते स्वयं भेदः कल्पितो मायया तयोः ॥ ४२॥
घटाकाशमठाकाशौ यथाकाशप्रभेदतः ।
कल्पितौ परमौ जीवशिवरूपेण कल्पितौ ॥ ४३॥
तत्त्वतश्च शिवः साक्षाच्चिज्जीवश्च स्वतः सदा ।
चिच्चिदाकारतो भिन्ना न भिन्ना चित्त्वहानितः ॥ ४४॥
चितश्चिन्न चिदाकारद्भिद्यते जडरूपतः ।
भिद्यते चेज्जडो भेदश्चिदेका सर्वदा खलु ॥ ४५॥
तर्कतश्च प्रमाणाच्च चिदेकत्वव्यवस्थितेः ।
चिदेकत्वपरिज्ञाने न शोचति न मुह्यति ॥ ४६॥
अद्वैतं परमानन्दं शिवं याति तु कैवलम् ॥ ४७॥
अधिष्ठानं समस्तस्य जगतः सत्यचिद्घनम् ।
अहमस्मीति निश्चित्य वीतशोको भवेन्मुनिः ॥ ४८॥
स्वशरीरे स्वयं ज्योतिःस्वरूपं सर्वसाक्षिणम् ।
क्षीणदोषाः प्रपश्यन्ति नेतरे माययावृताः ॥ ४९॥
एवं रूपपरिज्ञानं यस्यास्ति परयोगिनः ।
कुत्रचिद्गमनं नास्ति तस्य पूर्णस्वरूपिणः ॥ ५०॥
आकाशमेकं सम्पूर्णं कुत्रचिन्नैव गच्छति ।
तद्वत्स्वात्मपरिज्ञानी कुत्रचिन्नैव गच्छति ॥ ५१॥
स यो ह वै तत्परमं ब्रह्म यो वेद वै मुनिः ।
ब्रह्मैव भवति स्वस्थः सच्चिदानन्द मातृकः ॥ ५२॥
इत्युपनिषत् ॥
ॐ सह नाववतु ॥ सह नौ भुनक्तु ॥ सह वीर्यं करवावहै ॥
तेजस्विनावधीतमस्तु मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
इति रुद्रहृदयोपनिषत्समाप्ता ॥
Rudrahridaya Upanishad – vollständiger Text in IAST
yadbrahma rudrahṛdayamahāvidyāprakāśitam |
tadbrahmamātrāvasthānapadavīmadhunā bhaje ||
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ ||
hṛdayaṃ kuṇḍalī bhasmarudrākṣagaṇadarśanam |
tārasāraṃ mahāvākyaṃ pañcabrahmāgnihotrakam || 1 ||
praṇamya śirasā pādau śuko vyāsamuvāca ha |
ko devaḥ sarvadeveṣu kasmindevāśca sarvaśaḥ || 2 ||
kasya śuśrūṣaṇānnityaṃ prītā devā bhavanti me |
tasya tadvacanaṃ śrutvā pratyuvāca pitā śukam || 3 ||
sarvadevātmako rudraḥ sarve devāḥ śivātmakāḥ |
rudrasya dakṣiṇe pārśve ravirbrahmā trayo'gnayaḥ || 4 ||
vāmapārśve umā devī viṣṇuḥ somo'pi te trayaḥ |
yā umā sā svayaṃ viṣṇuryo viṣṇuḥ sa hi candramāḥ || 5 ||
ye namasyanti govindaṃ te namasyanti śaṅkaram |
ye'rcayanti hariṃ bhaktyā te'rcayanti vṛṣadhvajam || 6 ||
ye dviṣanti virūpākṣaṃ te dviṣanti janārdanam |
ye rudraṃ nābhijānanti te na jānanti keśavam || 7 ||
rudrātpravartate bījaṃ bījayonirjanārdanaḥ |
yo rudraḥ sa svayaṃ brahmā yo brahmā sa hutāśanaḥ || 8 ||
brahmaviṣṇumayo rudra agnīṣomātkaṃ jagat |
puṃliṅgaṃ sarvamīśānaṃ strīliṅgaṃ bhagavatyumā || 9 ||
umārudrātmikāḥ sarvāḥ grajāḥ sthāvarajaṅgamāḥ |
vyaktaṃ sarvamumārūpamavyaktaṃ tu maheśvaram || 10 ||
umā śaṅkarayogo yaḥ sa yogo viṣṇurucyate |
yastu tasmai namaskāraṃ kuryādbhaktisamanvitaḥ || 11 ||
ātmānaṃ paramātmānamantarātmānameva ca |
jñātvā trividhamātmānaṃ paramātmānamāśrayet || 12 ||
antarātmā bhavedbrahmā paramātmā maheśvaraḥ |
sarveṣāmeva bhūtānāṃ viṣṇurātmā sanātanaḥ || 13 ||
asya trailokyavṛkṣasya bhūmau viṭapaśākhinaḥ |
agraṃ madhyaṃ tathā mūlaṃ viṣṇubrahmamaheśvarāḥ || 14 ||
kāryaṃ viṣṇuḥ kriyā brahmā kāraṇaṃ tu maheśvaraḥ |
prayojanārthaṃ rudreṇa mūrtirekā tridhā kṛtā || 15 ||
dharmo rudro jagadviṣṇuḥ sarvajñānaṃ pitāmahaḥ |
śrīrudra rudra rudreti yastaṃ brūyādvicakṣaṇaḥ || 16 ||
kīrtanātsarvadevasya sarvapāpaiḥ pramucyate |
rudro nara umā nārī tasmai tasyai namo namaḥ || 17 ||
rudro brahmā umā vāṇī tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro viṣṇurumā lakṣmīstasmai tasyai namo namaḥ || 18 ||
rudraḥ sūrya umā chāyā tasmai tasyai namo namaḥ |
rudraḥ soma umā tārā tasmai tasyai namo namaḥ || 19 ||
rudro divā umā rātristasmai tasyai namo namaḥ |
rudro yajña umā vedistasmai tasyai namo namaḥ || 20 ||
rudro vahnirumā svāhā tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro veda umā śāstaṃ tasmai tasyai namo namaḥ || 21 ||
rudro vṛkṣa umā vallī tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro gandha umā puṣpaṃ tasmai tasyai namo namaḥ || 22 ||
rudro'rtha akṣaraḥ somā tasmai tasyai namo namaḥ |
rudro liṅgamumā pīṭhaṃ tasmai tasyai namo namaḥ || 23 ||
sarvadevātmakaṃ rudraṃ namaskuryātpṛthakpṛthak |
ebhirmantrapadaireva namasyāmīśapārvatī || 24 ||
yatra yatra bhavetsārdhamimaṃ mantramudīrayet |
brahmahā jalamadhye tu sarvapāpaiḥ pramucyate || 25 ||
sarvādhiṣṭhānamadvandvaṃ paraṃ brahma sanātanam |
saccidānandarūpaṃ tadavāṅmanasagocaram || 26 ||
tasminsuvidite sarvaṃ vijñātaṃ syādidaṃ śuka |
tadātmakatvātsarvasya tasmādbhinnaṃ nahi kvacit || 27 ||
dve vidye veditavye hi parā caivāparā ca te |
tatrāparā tu vidyaiṣā ṛgvedo yajureva ca || 28 ||
sāmavedastathātharvavedaḥ śikṣā munīśvara |
kalpo vyākaraṇaṃ caiva niruktaṃ chanda eva ca || 29 ||
jyotiṣaṃ ca yathā nātmaviṣayā api buddhayaḥ |
athaiṣā paramā vidyā yayātmā paramākṣaram || 30 ||
yattadadreśyamagrāhyamagotraṃ rūpavarjitam |
acakṣuḥśrotramatyarthaṃ tadapāṇipadaṃ tathā || 31 ||
nityaṃ vibhuṃ sarvagataṃ susūkṣmaṃ ca tadavyayam |
tadbhūtayoniṃ paśyanti dhīrā ātmānamātmani || 32 ||
yaḥ sarvajñaḥ sarvavidyo yasya jñānamayaṃ tapaḥ |
tasmādatrānnarūpeṇa jāyate jagadāvaliḥ || 33 ||
satyavadbhāti tatsarvaṃ rajjusarpavadāsthitam |
tadetadakṣaraṃ satyaṃ tadvijñāya vimucyate || 34 ||
jñānenaiva hi saṃsāravināśo naiva karmaṇā |
śrotriyaṃ brahmaniṣṭhaṃ svaguruṃ gacchedyathāvidhi || 35 ||
gurustasmai parāṃ vidyāṃ dadyādbrahmātmabodhinīm |
guhāyāṃ nihitaṃ sākṣādakṣaraṃ veda cennaraḥ || 36 ||
chitvā'vidyāmahāgranthiṃ śivaṃ gacchetsanātanam |
tadetadamṛtaṃ satyaṃ tadboddhavyaṃ mumukṣibhiḥ || 37 ||
dhanustāraṃ śaro hyātmā brahma tallakṣyamucyate |
apramattena veddhavyaṃ śaravattanmayo bhavet || 38 ||
lakṣyaṃ sarvagataṃ caiva śaraḥ sarvagato mukhaḥ |
veddhā sarvagataścaiva śivalakṣyaṃ na saṃśayaḥ || 39 ||
na tatra candrārkavapuḥ prakāśate
na vānti vātāḥ sakalā devatāśca |
sa eṣa devaḥ kṛtabhāvabhūtaḥ
svayaṃ viśuddho virajaḥ prakāśate || 40 ||
dvau suparṇau śarīre'smiñjīveśākṣyau saha sthitau |
tayorjīvaḥ phalaṃ bhuṅkte karmaṇo na maheśvaraḥ || 41 ||
kevalaṃ sākṣirūpeṇa vinā bhogaṃ maheśvaraḥ |
prakāśate svayaṃ bhedaḥ kalpito māyayā tayoḥ || 42 ||
ghaṭākāśamaṭhākāśau yathākāśaprabhedataḥ |
kalpitau paramau jīvaśivarūpeṇa kalpitau || 43 ||
tattvataśca śivaḥ sākṣāccijjīvaśca svataḥ sadā |
ciccidākārato bhinnā na bhinnā cittvahānitaḥ || 44 ||
citaścinna cidākāradbhidyate jaḍarūpataḥ |
bhidyate cejjaḍo bhedaścidekā sarvadā khalu || 45 ||
tarkataśca pramāṇācca cidekatvavyavasthiteḥ |
cidekatvaparijñāne na śocati na muhyati || 46 ||
advaitaṃ paramānandaṃ śivaṃ yāti tu kaivalam || 47 ||
adhiṣṭhānaṃ samastasya jagataḥ satyacidghanam |
ahamasmīti niścitya vītaśoko bhavenmuniḥ || 48 ||
svaśarīre svayaṃ jyotiḥsvarūpaṃ sarvasākṣiṇam |
kṣīṇadoṣāḥ prapaśyanti netare māyayāvṛtāḥ || 49 ||
evaṃ rūpaparijñānaṃ yasyāsti parayoginaḥ |
kutracidgamanaṃ nāsti tasya pūrṇasvarūpiṇaḥ || 50 ||
ākāśamekaṃ sampūrṇaṃ kutracinnaiva gacchati |
tadvatsvātmaparijñānī kutracinnaiva gacchati || 51 ||
sa yo ha vai tatparamaṃ brahma yo veda vai muniḥ |
brahmaiva bhavati svasthaḥ saccidānanda mātṛkaḥ || 52 ||
ityupaniṣat ||
oṃ saha nāvavatu || saha nau bhunaktu || saha vīryaṃ karavāvahai ||
tejasvināvadhītamastu mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti rudrahṛdayopaniṣatsamāptā ||
Rudrahridaya Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung
Eröffnungsvers der Rudrahridaya Upanishad
Traditioneller Eröffnungsvers zur Verehrung der Lehre über die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu.
Shanti-Mantra der Rudrahridaya Upanishad
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Textabschnitt 1 Rudrahridaya Upanishad
Jetzt, in diesem Augenblick, nehme ich Zuflucht in jenem Reinen Zustand des
1. Vers Rudrahridaya Upanishad
Herz, Kundalini, heilige Asche, die Schau der Rudraksha-Schar, die Essenz des befreienden Mantras, die große Aussage, die fünf Brahmans und das Feueropfer – dies sind die Themen der Lehre.
2. Vers Rudrahridaya Upanishad
Nachdem Shuka sich mit dem Kopf zu den Füßen verneigt hatte, sprach er zu Vyasa: „Wer ist der Gott in allen Göttern, und in welchem Gott sind sie alle gegründet?“
3. Vers Rudrahridaya Upanishad
„Durch wessen beständigen Dienst werden mir alle Götter wohlgesinnt?“ Nachdem der Vater diese Worte gehört hatte, antwortete er seinem Sohn Shuka.
4. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist das Selbst aller Götter, und alle Götter sind ihrem Wesen nach Shiva. An Rudras rechter Seite stehen Sonne, Brahma und die drei Feuer.
5. Vers Rudrahridaya Upanishad
An seiner linken Seite stehen die Göttin Uma, Vishnu und Soma. Uma selbst ist Vishnu, und Vishnu ist der Mond.
6. Vers Rudrahridaya Upanishad
Wer Govinda verehrt, verehrt auch Shankara; wer Hari in Hingabe ehrt, ehrt ebenso den Herrn mit dem Stierbanner.
7. Vers Rudrahridaya Upanishad
Wer den dreiäugigen Shiva ablehnt, lehnt auch Janardana ab; wer Rudra nicht erkennt, erkennt auch Keshava nicht.
8. Vers Rudrahridaya Upanishad
Von Rudra geht der Same aus, und Janardana ist sein Schoß. Rudra selbst ist Brahma, und Brahma ist das Opferfeuer.
9. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra umfasst Brahma und Vishnu; die Welt besteht aus Feuer und Soma. Alles Männliche ist Ishana, alles Weibliche die erhabene Uma.
10. Vers Rudrahridaya Upanishad
Alle beweglichen und unbeweglichen Geschöpfe sind von Uma und Rudra durchdrungen. Alles Offenbare ist Umas Gestalt, das Unoffenbare Maheshvara.
11. Vers Rudrahridaya Upanishad
Die Vereinigung von Uma und Shankara wird Vishnu genannt. Wer sich ihr voller Hingabe verneigt, verehrt diese Einheit.
12. Vers Rudrahridaya Upanishad
Nachdem man den Atman als individuelles Selbst, inneres Selbst und höchstes Selbst in dreifacher Weise erkannt hat, soll man im höchsten Selbst Zuflucht nehmen.
13. Vers Rudrahridaya Upanishad
Brahma ist das innere Selbst, Maheshvara das höchste Selbst, und Vishnu ist das ewige Selbst aller Wesen.
14. Vers Rudrahridaya Upanishad
Am Weltenbaum der drei Welten sind Vishnu, Brahma und Maheshvara gleichsam Spitze, Mitte und Wurzel.
15. Vers Rudrahridaya Upanishad
Vishnu ist die Wirkung, Brahma die Tätigkeit und Maheshvara die Ursache. Zum Zweck der Welt hat Rudra die eine Gestalt dreifach gemacht.
16. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist Dharma, Vishnu die Welt und der Große Vater alles Wissen. Der Einsichtige soll „Shri Rudra, Rudra, Rudra“ sprechen.
17. Vers Rudrahridaya Upanishad
Durch das Preisen dieses Gottes aller Götter wird man von allen Verfehlungen frei. Rudra ist der Mann und Uma die Frau – Verehrung ihm und ihr.
18. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist Brahma und Uma die Rede; Rudra ist Vishnu und Uma Lakshmi – Verehrung ihm und ihr.
19. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist die Sonne und Uma ihr Schatten; Rudra ist der Mond und Uma der Stern – Verehrung ihm und ihr.
20. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist der Tag und Uma die Nacht; Rudra ist das Opfer und Uma der Opferaltar – Verehrung ihm und ihr.
21. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist das Feuer und Uma die Opferformel Svaha; Rudra ist der Veda und Uma die Lehre – Verehrung ihm und ihr.
22. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist der Baum und Uma die Ranke; Rudra ist der Duft und Uma die Blüte – Verehrung ihm und ihr.
23. Vers Rudrahridaya Upanishad
Rudra ist der Sinn, Uma der Laut; Rudra ist das Linga und Uma der Sitz – Verehrung ihm und ihr.
24. Vers Rudrahridaya Upanishad
Man soll Rudra als das Selbst aller Götter in jeder einzelnen Gestalt verehren. Mit eben diesen Mantraworten verneige ich mich vor Ishana und Parvati.
25. Vers Rudrahridaya Upanishad
Wo immer beide gemeinsam gegenwärtig sind, soll man dieses Mantra sprechen. Selbst wer schwerste Schuld auf sich geladen hat, wird durch seine Rezitation im Wasser von allen Verfehlungen frei.
26. Vers Rudrahridaya Upanishad
Das ewige höchste Brahman ist die Grundlage von allem und frei von Gegensätzen; seine Natur ist Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, jenseits von Rede und Denken.
27. Vers Rudrahridaya Upanishad
Wenn dieses erkannt ist, ist alles erkannt, o Shuka; denn alles hat dessen Wesen, und nichts ist irgendwo von ihm verschieden.
28. Vers Rudrahridaya Upanishad
Zwei Arten des Wissens sind zu erkennen: die höhere und die niedere. Die niedere umfasst Rigveda und Yajurveda
29. Vers Rudrahridaya Upanishad
sowie Samaveda, Atharvaveda, Lautlehre, Rituallehre, Grammatik, Etymologie, Metrik
30. Vers Rudrahridaya Upanishad
und Astronomie. Da diese Erkenntnisvermögen nicht unmittelbar den Atman zum Gegenstand haben, ist jene andere die höchste Wissenschaft, durch die das höchste Unvergängliche erkannt wird.
31. Vers Rudrahridaya Upanishad
Es ist unsichtbar und nicht greifbar, ohne Abstammung und ohne Form, ohne Augen und Ohren, ohne Hände und Füße.
32. Vers Rudrahridaya Upanishad
Es ist ewig, allgegenwärtig, alles durchdringend, äußerst fein und unvergänglich. Die Weisen schauen diese Quelle aller Wesen als den Atman im eigenen Selbst.
33. Vers Rudrahridaya Upanishad
Aus dem Allwissenden, der alles kennt und dessen Askese Erkenntnis ist, entsteht hier die Folge der Welten in Gestalt von Nahrung.
34. Vers Rudrahridaya Upanishad
All dies erscheint wirklich, obwohl es wie die Schlange auf einem Seil beruht. Dieses Unvergängliche allein ist Wahrheit; wer es erkennt, wird befreit.
35. Vers Rudrahridaya Upanishad
Nur durch Erkenntnis wird Samsara vernichtet, nicht durch bloßes Handeln. Darum soll man ordnungsgemäß zu einem schriftkundigen, in Brahman gegründeten Guru gehen.
36. Vers Rudrahridaya Upanishad
Der Guru soll ihm die höchste Wissenschaft geben, die zur Erkenntnis der Einheit von Brahman und Atman führt. Wenn ein Mensch das unmittelbar in der Herzhöhle verborgene Unvergängliche erkennt,
37. Vers Rudrahridaya Upanishad
durchtrennt er den großen Knoten der Unwissenheit und gelangt zum ewigen Shiva. Dies ist das unsterbliche Wahre, das Befreiungssucher erkennen sollen.
38. Vers Rudrahridaya Upanishad
Pranava ist der Bogen, der Atman der Pfeil und Brahman das Ziel. Mit ungeteilter Aufmerksamkeit muss es getroffen werden; dann wird man wie der Pfeil eins mit ihm.
39. Vers Rudrahridaya Upanishad
Das Ziel ist allgegenwärtig, der Pfeil ist allgegenwärtig und auch der Schütze ist allgegenwärtig. Das Ziel ist Shiva – daran besteht kein Zweifel.
40. Vers Rudrahridaya Upanishad
Dort leuchten weder Mond noch Sonne; auch die Winde und die Schar der Götter wirken dort nicht. Dieser reine, makellose Gott leuchtet aus sich selbst.
41. Vers Rudrahridaya Upanishad
In diesem Körper sitzen zwei Vögel beieinander: der individuelle Jiva und der Herr als Zeuge. Der Jiva genießt die Frucht seines Karma, Maheshvara aber nicht.
42. Vers Rudrahridaya Upanishad
Maheshvara ist allein der Zeuge und ohne Genuss; er leuchtet aus sich selbst. Die Verschiedenheit beider wird nur durch Maya vorgestellt.
43. Vers Rudrahridaya Upanishad
Wie Topfraum und Klosterraum nur aufgrund ihrer Begrenzungen als verschiedene Räume vorgestellt werden, so werden Jiva und Shiva nur als zwei Gestalten des einen Höchsten vorgestellt.
44. Vers Rudrahridaya Upanishad
In Wahrheit ist Shiva unmittelbar Bewusstsein, und auch der Jiva ist von sich aus Bewusstsein. Als Bewusstseinsgestalten sind sie nicht verschieden; Verschiedenheit entsteht nur durch den Verlust dieser Einsicht.
45. Vers Rudrahridaya Upanishad
Bewusstsein unterscheidet sich nicht von Bewusstsein, sondern nur vom Unbewussten. Gäbe es eine wirkliche Trennung, wäre diese selbst unbewusst; Bewusstsein ist wahrlich immer eines.
46. Vers Rudrahridaya Upanishad
Durch vernünftige Prüfung und gültige Erkenntnismittel wird die Einheit des Bewusstseins festgestellt. Wer diese Einheit erkannt hat, trauert nicht und gerät nicht in Verwirrung.
47. Vers Rudrahridaya Upanishad
Er gelangt zu Shiva als der einen, nichtdualen, höchsten Glückseligkeit – zum Kaivalya.
48. Vers Rudrahridaya Upanishad
Der Weise erkennt mit Gewissheit: „Ich bin die Grundlage des ganzen Universums, die dichte Wirklichkeit von Sein und Bewusstsein“; dadurch wird er frei von Kummer.
49. Vers Rudrahridaya Upanishad
Diejenigen, deren Unreinheiten geschwunden sind, schauen im eigenen Körper das selbstleuchtende Wesen, den Zeugen von allem; nicht aber jene, die von Maya verhüllt sind.
50. Vers Rudrahridaya Upanishad
Der höchste Yogi, der sein wahres Wesen auf diese Weise erkannt hat, hat als der Vollkommene nirgendwohin mehr zu gehen.
51. Vers Rudrahridaya Upanishad
Der eine, vollständige Raum geht nirgendwohin. Ebenso geht auch der Kenner des eigenen Atman nirgendwohin.
52. Vers Rudrahridaya Upanishad
Wer jenes höchste Brahman erkennt, ist wahrhaft ein Weiser. Er wird selbst Brahman, ruht im eigenen Wesen und ist von der Natur von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.
Textabschnitt 2 Rudrahridaya Upanishad
Er wird Satchidananda. Er erreicht dauerhaften Frieden.
Textabschnitt 3 Rudrahridaya Upanishad
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Shanti-Mantra der Rudrahridaya Upanishad
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen. Möge es uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam große Kraft entfalten. Möge unser Studium lichtvoll und fruchtbar sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.
Schlussformel der Rudrahridaya Upanishad
Hier endet die Rudra-Hridayopanishad, die zum Krishna-Yajur-Veda gehört.
Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Rudrahridaya Upanishad für ernsthafte Aspiranten
1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Rudrahridaya Upanishad richtet den Blick auf die Herzens-Einheit von Rudra und Vishnu. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.
2. Verinnerliche das Shiva-Symbol.
Ob Asche, Tripundra, Rudraksha oder Mantra: Frage, welche innere Haltung das Zeichen wecken soll – Reinheit, Erinnerung an Vergänglichkeit und die Schau des einen Bewusstseins.
3. Übe Om oder ein vertrautes Shiva-Mantra regelmäßig.
Beginne maßvoll, mit klarer Aussprache und ruhigem Atem. Bei komplexem Nyasa oder intensiver Mantra-Sadhana ist traditionelle Anleitung sinnvoll.
4. Lass Nichtdualität zu Ahimsa werden.
Wenn Shiva in allen Wesen gegenwärtig ist, müssen Respekt, Selbstbeherrschung und Mitgefühl in deinem Verhalten sichtbar werden.
5. Lies sektarische Aussagen historisch.
Aussagen über den Vorrang einer Gottheit gehören zu konkreten Traditionsmilieus. Suche ihre spirituelle Absicht, ohne andere Wege abzuwerten.
Literatur und Quellen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda. Leipzig 1905. Vergleichsübersetzung für die von Deussen aufgenommenen Texte.
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads. Madras 1914.
- T. R. Srinivasa Ayyangar und weitere Übersetzer: Ausgaben der Samanya-, Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- und Sannyasa-Upanishaden auf Grundlage des Kommentars von Upanishad Brahma Yogin, Adyar Library.
- Patrick Olivelle: Saṃnyāsa Upaniṣads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation. Oxford University Press, 1992. Besonders relevant für die Sannyasa-Texte.
- Sanskrit Documents – elektronische Sanskritausgaben.
- Rudrahridaya Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage
- 108 Upanishads – englische Vergleichsübersetzungen nach Veda-Gruppen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda – Digitalisat
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads – Digitalisat
- Upanishaden – kostenloses Online-Buch von Swami Krishnananda
- Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga
Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.
Siehe auch
- Bhasma Upanishad, Rudraksha Jabala Upanishad, Panchabrahma Upanishad, Jabali Upanishad, Skanda Upanishad, Sharabha Upanishad, Dakshinamurti Upanishad
- Upanishaden
- Vedanta
- Jnana Yoga
- Meditation
- Moksha
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- 02.10.2026 - 04.10.2026 Meditation Intensiv Schweigend
Mit Meditation, Yoga und Mantra-Singen tauchst du in deine innere Welt. Ein Intensivseminar mit täglichen langen Meditationssitzungen, zwei Yoga-Stunde…- Karuna M Wapke