Ohne Hemmungen

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Ohne Hemmungen zu sein - das ist manchmal der Traum von Menschen, aber auch der Albtraum. Der Mensch hat viele Antriebe. Diese werden entweder gehemmt oder verstärkt. Manche der Hemmungen und Verstärkungen geschehen schon unbewusst, auch über diverse physiologische neurologische Prozesse. Andere geschehen über unterbewusste psychische Prozesse, anderes über bewusste Steuerung. Der Traum vom unterbewussten Ausleben von Trieben und Wünschen ohne Hemmungen fasziniert den Menschen - führt aber auch zu großer Furcht. Meist wird der Ausdruck ohne Hemmungen in Bezug auf Sex und Gewalt gebraucht: In Bezug auf Sex mit vielen heimlichen Phantasien, in Bezug auf Gewalt mit großen Ängsten.

Ohne Hemmungen seine Freude ausleben zu können ist etwas Großartiges

Sexualität ohne Hemmungen

Sexualität ohne Hemmungen zu leben, das ist die Phantasie vieler Menschen. In einer stabilen Zweierbeziehung funktioniert das bis zu einem gewissen Grad. Die 1970er Jahren mit ihrer Subkultur der freien Sexualität, auch freie Liebe genannt, gezeigt, dass eine Sexualität ohne Hemmungen den Menschen nicht glücklich macht: Im Gegenteil führt eine solche Sexualität ohne Hemmungen zu Kränkung, Eifersucht, einem Gefühl der Leere, einem Gefühl der Lieblosigkeit. Liebe ist eben doch mehr als das Resultat von Trieben, unkontrollierten Emotionen. Anders als in den 1960er und 1970er Jahren gedacht, hat das Ausleben einer freien Sexualität unabhängig aller sozialen Normen nicht zu Glück und Freiheit geführt. So ist heutzutage wieder das Ideal der stabilen Zweierbeziehung aufgrund von einer romantischen Liebe in den Vordergrund getreten. Allerdings gibt es heutzutage eine Offenheit für sexuelle Praktiken innerhalb einer Zweierbeziehung: Solange es beide Partner wünschen, beide volljährig und zurechnungsfähig sind, sind heutzutage sexuelle Praktiken keinen Tabus mehr unterworfen.

Gewalt ohne Hemmungen

Gewalt ohne Hemmungen, davor haben Menschen Angst. Normalerweise haben Menschen Hemmungen, andere zu verletzen. Auch Tiere haben Beißhemmung gegenüber Artgenossen - und anderen Lebewesen. Aber es gibt Mechanismen, die solche Hemmungen außer Kraft setzen können. Die Gewalt ohne Hemmungen der Nazis z.B. in Russland beim Mord von Millionen von Menschen, beim Ermorden der Bevölkerung ganzer Dörfer und Städte hat gezeigt, dass auch scheinbar sogenannte zivilisierte Völker hemmungslos gewalttätig sein können. In unserer heutigen Zeit gibt es die Beispiele der hemmungslosen Gewalt in Srebrenica und in Ruanda sowie von islamistischen Terroristen, die zeigen, dass auch weiterhin Gewalt ohne Hemmungen möglich ist.

Andere Kontexte der Verwendung des Begriffs ohne Hemmungen

Es gibt auch den "Kapitalismus" ohne Hemmungen: Ohne Rücksicht auf Verarmung anderer wird Vermögen angehäuft. Man spricht von der hemmungslosen Gier des Turbokapitalismus, wo Milliardenvermögen hin- und her-bewegt wird, immer wieder Wirtschaftskrisen ausgelöst werden.

Manche Menschen sind gehemmt, vor anderen zu sprechen: So muss man es lernen, vor anderen ohne Hemmungen eine Rede zu halten. Andere haben Hemmungen, eine einzelne Person anzusprechen. Agoraphobie führt dazu, dass man Hemmungen hat, überhaupt andere Menschen zu besuchen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Hemmungen können auch zu Verspannungen führen.

Begriffsherkunft Hemmung - Etymologie

Hemmung bedeutet Verlangsamung von Bewegungen, von Vorgängen und Trieben. Hemmung kann auch die Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten durch sittliche Überzeugung. Hemmung kann auch Schwierigkeit und Hindernis bedeuten. Das Substantiv Hemmung kommt vom Verb hemmen, im Ablauf verlangsamen, bremsen, behindern. Das Verb hemmen kommt vom mittelhochdeutschen hamen, aufhalten, hindern. Das Substantiv Hemmung gibt es vermutlich seit dem 17. Jahrhundert als Verlangsamung eines Vorgangs, als Schwierigkeit, Hindernis, Unterbrechung körperlicher oder seelischer Funktionen.

Alkohol und Drogen enthemmen

Viele Menschen nehmen Alkohol und Drogen, um ihre Hemmungen zu überwinden. Das Gefühl, ohne Hemmungen zu sein, mag Menschen in eine Art Glücksgefühl, eine Art Rausch versetzen. Jedoch führt das meist zu einem Kater - und wenn man tatsächlich seine Hemmungen verliert, kann das zu Handlungen führen, die man nachher sehr bereut.

Yoga und Meditation im Umgang mit Hemmungen

Yoga und Meditation können dazu beitragen, solche Hemmungen zu überwinden, unter denen man leidet. Einige Hemmungen, z.B. aus Blamagen in der Kindheit oder Jugend, aufgrund von schwierigen Erlebnissen und Enttäuschungen, manifestieren sich auch als körperliche Verspannungen. Wenn man Yoga, z.B. Asanas und andere Hatha Yoga Praktiken, dann kommt man an diese Spannungen ran. Yoga Übungen können sehr dazu beitragen, solche Hemmungen zu überwinden, freier zu werden.

In der Meditation kommen manchmal vergangene Erfahrungen, die Grundlage von unverstandenen Hemmungen sein können, zum Bewusstsein. So können diese integriert werden, Hemmungen überwunden werden.

Andererseits führen Yoga Übungen und Meditation zum Zugang der Tiefe des Selbst und zur Erfahrung von Liebe und Mitgefühl. Diese tiefere Erfahrung führt zu neuen Hemmungen: wer sich eins und verbunden fühlt mit anderen, wird nicht mehr rücksichtslos und egoistisch gegenüber seinen Mitmenschen, gegenüber Tieren und der Erde handeln können.

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