Shava Sadhana

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Shava Sadhana ist ein historisch bezeugtes tantrisches Ritual, in dem ein menschlicher Leichnam in die Verehrung einer Gottheit einbezogen und als ritueller Sitz verwendet wird. Shava bedeutet Leichnam, Sadhana spirituelle Praxis. Besonders ausführliche Darstellungen finden sich im Kaulavali Nirnaya und im Brihat Tantrasara. Dieser Artikel bietet eine religionsgeschichtliche Darstellung der Handlungen und ausgewählter Gebete sowie eine davon getrennte symbolische, vegetarische und alkoholfreie Ritualfassung mit einem Tuchzeichen.

Kali auf Shiva: ikonografisches Motiv göttlicher Kraft und tragenden Bewusstseins. Das Bild ist keine Dokumentation einer Shava-Sadhana.

Stellung innerhalb der tantrischen Praxis

Shava-Sadhana ist eine besondere Form der Begegnung mit Tod, Furcht und religiösen Reinheitsvorstellungen. Sie ist nicht gleichbedeutend mit jeder Shmashana Sadhana, denn Meditation auf einem Verbrennungsplatz kann auch ohne Leichnam stattfinden. Ebenso ist der unter Panchamundi Asana Sadhana behandelte Schädel-Sitz ein eigener Ritualtyp.

Die historischen Handbücher verstehen das Geschehen als anspruchsvolle Praxis eines vorbereiteten Mantra-Kundigen. Ein Gottheitsmantra, Diksha, Nyasa und weitere überlieferte Kenntnisse werden vorausgesetzt. Die Quellen liefern damit keinen einzigen, für alle Gottheiten gleichen „Shava-Mantra“, der sämtliche Voraussetzungen ersetzt.

Historischer Ablauf nach den Quellen

1. Zeit, Ort und Ritualgegenstände

Kaulavali Nirnaya 14.83 ff. und der Abschnitt atha shavasadhanam des Brihat Tantrasara beginnen mit Voraussetzungen, Materialien und besonderen Zeitpunkten. Zum historischen Gabensystem gehören auch Fleisch, Fisch und alkoholische Getränke. Solche Bestandteile werden in der untenstehenden Fassung durch ausdrücklich benannte heutige Gaben ersetzt.

Die Quellen behandeln unterschiedliche Orte, darunter abgelegene Plätze und Verbrennungsstätten. Sie knüpfen an die Vorstellung an, dass der Kontakt mit einem solchen Ort die gewöhnliche Abgrenzung von Reinheit und Unreinheit herausfordert.

2. Auswahl und ritueller Status des Leichnams

Die Texte führen Kriterien für den Leichnam an und unterscheiden Todesumstände sowie gesellschaftliche Zuschreibungen. Darin erscheinen auch historische Wertungen von Kaste und Personengruppen. Diese Einteilungen werden hier als Quellenbefund dokumentiert, nicht zu heutigen Auswahlregeln gemacht. Kaulavali Nirnaya 14.89 enthält ausdrücklich die Mahnung, der Praktizierende solle nicht selbst töten.

Der vorliegende Artikel gibt keine Beschaffungsanleitung für menschliche Überreste. Seine praktische Fassung verwendet ein neu angefertigtes Erinnerungszeichen. Für die religionsgeschichtliche Einordnung bleibt dennoch festzuhalten, dass die Quellen einen wirklichen Leichnam und nicht bloß ein Tuch meinen.

3. Schutzraum und Verehrung

Guru-Verehrung, Schutzformeln und Anrufungen der Wesen des Ortes eröffnen das Ritual. Im weiteren Verlauf erscheinen die Hüter der Richtungen und Yoginis. Das Ritual wird damit in einen umfassenden Kosmos göttlicher und anderer Mächte gestellt. Es geht aus Sicht der Texte nicht allein um eine psychologische Mutprobe.

4. Reinigung und Umdeutung des Leichnams

Die Handbücher beschreiben Besprengen beziehungsweise Waschen, Duftgaben und Verehrung. Der Leichnam wird rituell mit Bhairava in Beziehung gesetzt und als Lager der Göttin angesprochen. Eine im Brihat Tantrasara überlieferte Formel lautet:

Historischer Gruß an den Verstorbenen
oṃ hūṃ mṛtakāya namaḥ |

Übersetzung: Om, Hum. Verehrung dem Verstorbenen.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, Shava-Sadhana, Prosa nach Vers 54.

Hūṃ wird bewahrt. Die Formel wird in der Quelle bei der rituellen Reinigung verwendet; in der symbolischen Fassung ist sie eine historische Lesung am Erinnerungszeichen.

Die Kaulavali-Fassung enthält folgendes Gebet:

Gebet an den als Bhairava verehrten Leichnam
atīva paramānanda śivānanda kuleśvara |
ānandabhairavākāra devīparyaṅka śaṅkara |
vīro'haṃ tvāṃ prapadyāmi santiṣṭha devikārcane ||

Übersetzung: Du höchster, überreicher Anandazustand, Shiva-Freude, Herr des Kula, in Gestalt des Ananda-Bhairava, Lager der Göttin, Shankara: Als Vira nehme ich Zuflucht zu dir. Verweile bei der Verehrung der Göttin.

Fundstelle: Kaulavali Nirnaya 14.100–101, Gebetsteil ohne die vorangehende Handlungsanweisung.

Der Brihat Tantrasara überliefert einen verwandten, aber abweichenden Wortlaut. Diese Ausgabe bewahrt die Kaulavali-Fassung.

Das Gebet bezeugt eine rituelle Sakralisierung. Es ist keine naturkundliche Aussage darüber, was ein verstorbener Körper leisten könne.

5. Mandala und Sitz

Die historischen Texte beschreiben eine Unterlage aus Kusha-Gras, eine bestimmte Lage des Leichnams und ein auf dessen Rücken angebrachtes Mandala mit achtblättrigem Lotus und vier Toren. Darüber wird der Ritualsitz eingerichtet. In diesem Gefüge verbinden sich Körper, Raumordnung und Gottheitenkreis. Die geometrischen Merkmale werden hier dokumentiert; eine maßstäbliche Rekonstruktion des gesamten Mandalas wird nicht behauptet.

6. Begleitperson und Japa

Die Quellen nennen einen Uttara-Sadhaka, eine vorbereitete Begleitperson. Die Praxis ist damit nicht durchgehend als unbegleitete Improvisation gedacht. Nach der jeweiligen Puja und den Nyasas beginnt Japa des überlieferten Gottheitsmantras. Im Brihat Tantrasara wird die Vorstellung des Gurus am Scheitel und der Gottheit im Herzen beschrieben. Der gewählte Mantra wird nicht durch einen beliebigen allgemein bekannten Mantra automatisch gleichwertig ersetzt.

7. Furcht und visionäre Erzählungen

Die Texte rechnen mit erschreckenden Wahrnehmungen und schildern sie in ihrer religiösen Vorstellungswelt. Dazu gehört die Bitte:

Bitte um Überwindung der Furcht – 14.126
oṃ bhīma bhīrubhayābhāva bhavyalocana bhāvuka |
trāhi māṃ devadeveśa śavānāmadhipādhipa ||

Übersetzung: Om. Furchtgebietender, bei dem die Angst des Ängstlichen schwindet, mit glückverheißendem Blick, gütig Gesinnter: Beschütze mich, Herr der Götter, höchster Herr über die Verstorbenen.

Fundstelle: Kaulavali Nirnaya 14.126.

Die Zusammensetzungen enthalten Anrufungen; ihre Übersetzung folgt dem erschließbaren Gebetssinn.

Solche Schilderungen dürfen als Teil der Ritualerzählung und ihrer Bewährungsstruktur gelesen werden. Der Artikel behauptet weder das tatsächliche Auftreten übernatürlicher Wesen noch eine garantierte Beherrschung von Angst durch Rezitation.

8. Auflösung und Nachriten

Der Brihat Tantrasara beschreibt nach der Hauptpraxis das Lösen der rituellen Anordnung, Reinigung, weitere Gaben, Speisungen und zeitlich ausgedehnte Nachdisziplinen. Bemerkenswert ist, dass bei bestimmten zuvor versprochenen Tiergaben ausdrücklich aus Teig gefertigte Formen genannt werden. Dieser konkrete Ersatzbeleg bedeutet jedoch nicht, dass dadurch sämtliche Bestandteile des historischen Rituals beliebig austauschbar würden.

Symbolische Anpassung: Vorbereitung

Für die heutige Fassung wird ein helles Tuch zu einer einfachen länglichen Rolle gefaltet. Es stellt weder eine bestimmte verstorbene Person noch einen realen Leichnam dar. Daneben stehen ein Kali-Bild, Wasser, eine Blüte, ein Licht, Obst und Traubensaft. Ein gesondertes Sitzkissen liegt vor dem Zeichen: Es wird nicht auf dem Tuch gesessen.

Plane etwa 50 bis 70 Minuten in einem vertrauten Innenraum. Eine weitere erwachsene Person kann still anwesend sein. Das Tuch, der kurze Zeitrahmen, das Kali-Namensjapa, der Sitz vor dem Zeichen und die Ersatzgaben sind moderne Anpassungen. Diese Fassung wird nicht als Vollzug der historischen Shava-Sadhana mit identischer Wirksamkeit bezeichnet.

Ein Kali-Yantra kann in der symbolischen Ritualfassung als Andachtsbild dienen.

Durchführung

1. Absicht und Erdung

Sitze aufrecht und spüre den Boden. Sage: „Ich betrachte Sterblichkeit und die Würde des Lebens. Ich widme diese symbolische Puja Klarheit, Mitgefühl und der Überwindung von Abwertung.“ Rezitiere:

Gebet an die tragende Erde
oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||

Übersetzung: Om. Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, allgemeine Puja, Asana-Vorbereitung, Vers 6 und Prosa.

2. Lehrer und tragende Kraft

Sprich den Guru-Gruß und anschließend den Gruß an den tragenden Lotussitz:

Gruß an die Lehrer und Ganesha
oṃ gurubhyo namaḥ |
oṃ paramagurubhyo namaḥ |
oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
oṃ gaṇeśāya namaḥ ||

Übersetzung: Om. Verehrung den Lehrern. Verehrung den übergeordneten Lehrern. Verehrung den Lehrern der höheren und weiteren Überlieferung. Verehrung Ganesha.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, allgemeine Puja, Prosa beim Guru-Gruß vor Vers 11.

Die vier in der Quelle nacheinander genannten Grüße werden hier als zusammenhängende Eingangsrezitation gesetzt.

Verehrung des tragenden Lotussitzes
oṃ hrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ |

Übersetzung: Om, Hrim. Verehrung dem Lotussitz der tragenden Kraft.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, Shava-Sadhana, Prosa vor Vers 58.

Hrim ist ein Bija. In der symbolischen Fassung bezieht sich die Formel auf die saubere Sitzunterlage.

Die zweite Formel wird hier auf das eigene Sitzkissen bezogen. Der Wechsel des Gegenstandes gehört ausdrücklich zur Anpassung.

3. Anerkennung des Ortes

Rezitiere das Gebet an die Wesen des Ritualortes einmal:

Bitte an die Wesen des Ritualortes – 14.11–12
ye cātra saṃsthitā devā rākṣasāśca bhayānakāḥ |
piśācayakṣasiddhāśca gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ || 11 ||
yoginyo mātaro bhūtā sarvāśca khecarāḥ striyaḥ |
siddhidāstā bhavantvatra tathā ca mama rakṣakāḥ || 12 ||

Übersetzung: Die hier anwesenden Götter, die furchterregenden Rakshasas, Pishachas, Yakshas und Siddhas, die Scharen der Gandharvas und Apsaras, die Yoginis, Mütter, Wesen und alle im Raum wandelnden weiblichen Mächte: Mögen sie hier Vollendung schenken und meine Beschützer sein.

Fundstelle: Kaulavali Nirnaya 14.11–12; im Brihat Tantrasara wieder aufgenommen.

Die Rezitation drückt die kosmologische Sicht der Quelle aus; ihre Schutzwirkung wird nicht als empirische Garantie behauptet.

Anschließend lege eine Blüte vor das Tuch. Die historische Mehrzahl von Richtungs- und Bali-Riten wird in dieser Fassung nicht als vollständig vollzogen ausgegeben.

4. Schutzgebet

Sprich dreimal:

Durga-Schutzformel
oṃ durge durge rakṣaṇi svāhā |

Übersetzung: Om. Durga, Durga, Beschützerin, Svaha.

Fundstelle: Ausleitung aus Kaulavali Nirnaya 14.108: oṃ durge durge rakṣaṇi, mit vahnijāyā = svāhā.

Die Ausleitung ersetzt lediglich das ausdrücklich genannte Codewort für svāhā. Sie ist kein aus anderen Quellen ergänzter Geheimmantra.

Danach öffne die Augen und vergewissere dich der einfachen gegenwärtigen Umgebung: Sitz, Boden, Licht und Atem. Die Handlung verbindet Gebet und bewusste Orientierung.

5. Historische Lesung am Erinnerungszeichen

Lies den Gruß an den Verstorbenen und das oben ausgeschriebene Gebet an den als Bhairava verehrten Leichnam. Bezeichne sie bei einem Gruppenritual als historische Lesung. Das Tuch wird nicht als vermeintlich belebter Körper behandelt. Verneige dich in Achtung vor allen Verstorbenen.

6. Wasser, Licht und Nahrung

Stelle eine Schale Wasser vor das Kali-Bild. Zeige das Licht und stelle Obst sowie Traubensaft dazu. Die Gaben verbleiben in ihren Gefäßen. Nichts wird in ein Gewässer oder auf einen öffentlichen Gedenkort gegossen. Sprich bei jeder Gabe einmal:

Namensgruß an Kali
oṃ kālyai namaḥ |

Übersetzung: Om. Verehrung Kali.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, Shyama-Prakarana, Mantra-Achamana, Vers 11ka.

Die Formel ist dort als Namensgruß belegt; ihre Verwendung als durchgehendes Japa in den folgenden angepassten Ritualen ist eine redaktionelle Auswahl.

7. Japa und innere Haltung

Rezitiere denselben Kali-Namensgruß 108-mal. Die Aufmerksamkeit kann zwischen dem Klang und einer ruhigen Vorstellung von Kali als Gegenwart im Wandel wechseln. Ein furchterregendes Bild muss nicht erzeugt werden. Die Zahl 108 ist der Umfang dieser Andacht, keine Erfüllung eines historischen Purashcharana-Gelübdes.

8. Betrachtung des Unverfügbaren

Verweile einige Minuten in Stille. Betrachte: Der Körper ist vergänglich; die Zeit anderer Menschen ist ebenso kostbar wie die eigene. Gefühle von Furcht dürfen wahrgenommen werden, ohne daraus eine Prüfung der spirituellen Tauglichkeit zu machen. Bei Überforderung endet die Betrachtung mit geöffneten Augen und einem Gespräch mit der Begleitperson.

9. Rücknahme des Ritualzeichens

Sprich:

Bitte um Nachsicht
kṣamasva |

Übersetzung: Verzeihe; sieh mir Unvollkommenheiten nach.

Fundstelle: Brihat Tantrasara, Ucchishta-Ganesha-Puja, Ende der Prosa zu Vers 20.

Die Übertragung als kurzer Abschluss auch anderer angepasster Rituale ist redaktionell.

Verneige dich, löse die Tuchrolle auf und falte das Tuch wieder als gewöhnliches Tuch. Diese sichtbare Handlung beendet die besondere Bedeutung des Gegenstandes. Räume die Gaben zusammen und teile die frische Speise.

Religiöse Bedeutung und heutige Rezeption

Shava-Sadhana verbindet im historischen Material die Verehrung der Göttin mit einem Gegenstand, der gewöhnliche Orientierung an Schönheit, gesellschaftlichem Ansehen und körperlicher Lebendigkeit radikal infrage stellt. Eine heutige symbolische Betrachtung kann daraus eine Übung in Vergänglichkeit und Würde gewinnen. Sie sollte dabei die Andersartigkeit der historischen Praxis erkennbar lassen, statt diese nachträglich zu einem harmlosen Bild umzudeuten.

Begleitvideo

Die Göttin Kali. Das Video ist im Yoga-Vidya-Wiki beim zugehörigen Thema eingebunden. Es dient der ergänzenden Einordnung, nicht als Dokumentation der hier zusammengestellten Ritualfassung.

Vollständige Rezitationstexte und ausgewählte Quellverse

Die folgenden Abschnitte enthalten sämtliche in dieser Artikelfassung ausgeschriebenen Sanskritrezitationen und die zur Lesung aufgenommenen Quellverse. Lehrverse und Handlungsbeschreibungen sind als solche kenntlich gemacht; sie sind nicht automatisch zusätzliche Mantras. Der Sanskritanhang ist vollständig für diese Auswahl, nicht eine Vollausgabe der genannten Tantras. Deutsche Absichtserklärungen und praktische Regieanweisungen stehen im Ablauf.

Sanskrit in IAST

Historischer Gruß an den Verstorbenen
oṃ hūṃ mṛtakāya namaḥ |

Gebet an den als Bhairava verehrten Leichnam
atīva paramānanda śivānanda kuleśvara |
ānandabhairavākāra devīparyaṅka śaṅkara |
vīro'haṃ tvāṃ prapadyāmi santiṣṭha devikārcane ||

Bitte um Überwindung der Furcht – 14.126
oṃ bhīma bhīrubhayābhāva bhavyalocana bhāvuka |
trāhi māṃ devadeveśa śavānāmadhipādhipa ||

Gebet an die tragende Erde
oṃ pṛthvi tvayā dhṛtā lokā devi tvaṃ viṣṇunā dhṛtā |
tvañca dhāraya māṃ nityaṃ pavitraṃ kuru cāsanam ||

Gruß an die Lehrer und Ganesha
oṃ gurubhyo namaḥ |
oṃ paramagurubhyo namaḥ |
oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
oṃ gaṇeśāya namaḥ ||

Verehrung des tragenden Lotussitzes
oṃ hrīṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ |

Bitte an die Wesen des Ritualortes – 14.11–12
ye cātra saṃsthitā devā rākṣasāśca bhayānakāḥ |
piśācayakṣasiddhāśca gandharvāpsarasāṃ gaṇāḥ || 11 ||
yoginyo mātaro bhūtā sarvāśca khecarāḥ striyaḥ |
siddhidāstā bhavantvatra tathā ca mama rakṣakāḥ || 12 ||

Durga-Schutzformel
oṃ durge durge rakṣaṇi svāhā |

Namensgruß an Kali
oṃ kālyai namaḥ |

Bitte um Nachsicht
kṣamasva |

Sanskrit in Devanagari

Diese Schriftfassung wurde aus den oben dokumentierten IAST-Lesungen transliteriert. Sie ist keine unabhängig kollationierte Sanskritedition.

Historischer Gruß an den Verstorbenen
ॐ हूं मृतकाय नमः ।

Gebet an den als Bhairava verehrten Leichnam
अतीव परमानन्द शिवानन्द कुलेश्वर ।
आनन्दभैरवाकार देवीपर्यङ्क शङ्कर ।
वीरोऽहं त्वां प्रपद्यामि सन्तिष्ठ देविकार्चने ॥

Bitte um Überwindung der Furcht – 14.126
ॐ भीम भीरुभयाभाव भव्यलोचन भावुक ।
त्राहि मां देवदेवेश शवानामधिपाधिप ॥

Gebet an die tragende Erde
ॐ पृथ्वि त्वया धृता लोका देवि त्वं विष्णुना धृता ।
त्वञ्च धारय मां नित्यं पवित्रं कुरु चासनम् ॥

Gruß an die Lehrer und Ganesha
ॐ गुरुभ्यो नमः ।
ॐ परमगुरुभ्यो नमः ।
ॐ परापरगुरुभ्यो नमः ।
ॐ गणेशाय नमः ॥

Verehrung des tragenden Lotussitzes
ॐ ह्रीं आधारशक्तिकमलासनाय नमः ।

Bitte an die Wesen des Ritualortes – 14.11–12
ये चात्र संस्थिता देवा राक्षसाश्च भयानकाः ।
पिशाचयक्षसिद्धाश्च गन्धर्वाप्सरसां गणाः ॥ ११ ॥
योगिन्यो मातरो भूता सर्वाश्च खेचराः स्त्रियः ।
सिद्धिदास्ता भवन्त्वत्र तथा च मम रक्षकाः ॥ १२ ॥

Durga-Schutzformel
ॐ दुर्गे दुर्गे रक्षणि स्वाहा ।

Namensgruß an Kali
ॐ काल्यै नमः ।

Bitte um Nachsicht
क्षमस्व ।

Vollständige deutsche Übersetzung der Rezitationstexte

Historischer Gruß an den Verstorbenen
Om, Hum. Verehrung dem Verstorbenen.

Gebet an den als Bhairava verehrten Leichnam
Du höchster, überreicher Anandazustand, Shiva-Freude, Herr des Kula, in Gestalt des Ananda-Bhairava, Lager der Göttin, Shankara: Als Vira nehme ich Zuflucht zu dir. Verweile bei der Verehrung der Göttin.

Bitte um Überwindung der Furcht – 14.126
Om. Furchtgebietender, bei dem die Angst des Ängstlichen schwindet, mit glückverheißendem Blick, gütig Gesinnter: Beschütze mich, Herr der Götter, höchster Herr über die Verstorbenen.

Gebet an die tragende Erde
Om. Erde, von dir werden die Welten getragen; Göttin, du wirst von Vishnu getragen. Trage auch mich beständig und mache meinen Sitz rein.

Gruß an die Lehrer und Ganesha
Om. Verehrung den Lehrern. Verehrung den übergeordneten Lehrern. Verehrung den Lehrern der höheren und weiteren Überlieferung. Verehrung Ganesha.

Verehrung des tragenden Lotussitzes
Om, Hrim. Verehrung dem Lotussitz der tragenden Kraft.

Bitte an die Wesen des Ritualortes – 14.11–12
Die hier anwesenden Götter, die furchterregenden Rakshasas, Pishachas, Yakshas und Siddhas, die Scharen der Gandharvas und Apsaras, die Yoginis, Mütter, Wesen und alle im Raum wandelnden weiblichen Mächte: Mögen sie hier Vollendung schenken und meine Beschützer sein.

Durga-Schutzformel
Om. Durga, Durga, Beschützerin, Svaha.

Namensgruß an Kali
Om. Verehrung Kali.

Bitte um Nachsicht
Verzeihe; sieh mir Unvollkommenheiten nach.

Quellen, Textstand und Bearbeitung

  • Kaulavali Nirnaya, Muktabodha Digital Library, M00231, Kapitel 14, besonders 14.83–129; Gebetsstellen 14.100–101, 14.108 und 14.126.
  • Brihat Tantrasara, Muktabodha M00013, Abschnitt atha śavasādhanam: lokal nummerierte Verse 46–69 mit umfangreicher Prosa. Diese Ziffern sind keine Kapitelnummern des Gesamtwerks. Abschluss und Teigformen: Prosa und Verse um 60–61.
  • Die beiden Quellen enthalten verwandte, teilweise abweichende Fassungen. Der Artikel benennt jeweils die Herkunft der ausgeschriebenen Gebete und setzt die Fassungen nicht stillschweigend gleich.
  • Tuchzeichen, Kali-Namensjapa, kurze Dauer und vegetarische, alkoholfreie Gaben sind ausdrücklich eine heutige Anpassung.

Die Herkunft jeder Rezitation ist zusätzlich unmittelbar beim Text angegeben. Moderne Ablaufentscheidungen, Zeitangaben, Zählumfänge und Ersatzgaben gelten nur dort als Quellenangaben, wo dies ausdrücklich vermerkt ist. Sonst gehören sie zur gekennzeichneten heutigen Anpassung. Bija-Silben erhalten keine erfundene Wortübersetzung. Religiöse Fruchtverheißungen werden als Aussagen der Überlieferung wiedergegeben.

Siehe auch

Seminare

Die folgenden Angebote betreffen allgemeine Ritual-, Meditations- und Bhakti-Praxis. Die Verlinkung bezeichnet kein Seminarangebot zu den historischen Sonderritualen dieses Artikels.

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