Prachandachandika Puja nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Prachandachandika Puja nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um Chinnamasta in ihrer Gestalt Prachandachandika zu verehren.

Voraussetzungen

Vorausgesetzt sind die Kenntnis von Puja und Sanskritrezitation sowie der zu dieser Gottheitsform gehörenden Reinigung, Nyasas und Mudras. Wo die Quelle auf die allgemeine Paddhati verweist, gehört diese Vorbereitung zur Durchführung. Die Besonderheiten und die konkret belegten Formeln folgen unten.

Vorbereitung und Ritualmittel

Das gewählte Chinnamasta Yantra, Wasser, Blumen, Duftstoff, Räucherwerk, Licht und die zur überlieferten Bali-Form passenden Gaben.

Umfang und Überlieferung

Die Textzeugen unterscheiden Lakshmi-, Lajja-, Maya- und weitere Bijas. Eine einzige vollständige Grundform muss vor Beginn festgelegt sein. Die Bezeichnung Shodashi in den folgenden Chinnamasta-Vidyas ist nicht ohne Weiteres ein Verweis auf Tripurasundari.

Durchführung

  1. Führe Morgenhandlungen und das besondere Mantra Achamana aus; reinige die im Text genannten Körperstellen (P2-0985).
  2. Vollziehe Atemvorbereitung und Shodha Nyasa, dann die Rishi-Zuordnungen. Der Handnyasa beginnt bei dieser Ordnung am kleinen Finger und folgt den ausgeschriebenen Schwertformeln (P2-0986–0989).
  3. Lege den Grundmantra dreimal vom Kopf zu den Füßen und zurück auf. Meditiere die Göttin im Nabellotus gemäß P2-0991–0992; das Bild des abgetrennten Hauptes ist Ikonographie, keine körperliche Handlung.
  4. Verwende eines der im Text beschriebenen Yantras, dessen Linienfolge zuvor feststeht. Verehre den Sitz, rufe die Göttin mit der vollständigen Herbeirufung an und bringe die Gaben dar (P2-0994–0999).
  5. Verehre Varnini rechts und Dakini links der Göttin, anschließend Glieder, Blattgöttinnen und Torwächter nach P2-1000–1001.
  6. Die Quelle nennt 100.000 Japa als Purascharana und eine nächtliche Bali-Gabe. Sie erlaubt in P2-1003 ausdrücklich süße Gaben als Alternative; die jeweilige Formel steht vollständig in P2-1004.

Sanskrit und deutsche Übersetzung

P2-0976 · 1
atha pracaṇḍacaṇḍikāmantrāḥ
pracaṇḍacaṇḍikāṃ vakṣye sarvakāmaphalapradām |
yasyāḥ prasādamātreṇa sadāśivo bhavennaraḥ
|| 1 ||

Nun die Mantras der Pracaṇḍacaṇḍikā. Ich werde Pracaṇḍacaṇḍikā erklären, die die Frucht sämtlicher Wünsche gewährt. Allein durch ihre Gnade wird ein Mensch Sadāśiva.


P2-0977 · 2
aputro labhate putramadhano dhanavān bhavet |
kavitvañca supāṇḍityaṃ labhate nātra saṃśayaḥ
|| 2 ||

Wer keinen Sohn hat, erhält einen Sohn; wer kein Vermögen hat, wird vermögend. Man erlangt dichterische Kraft und vorzügliche Gelehrsamkeit; daran besteht kein Zweifel.


P2-0978 · 3
viśasāre yāmale ca:
lakṣmīṃ lajjāṃ tato māyāṃ mātrāṃ dvādaśikāmapi |
vajravairocanīye dve māye phaṭ svāhayāyutaḥ
|| 3 ||

Im Viśvasāra [Vorlage „viśasāra“] und im Yāmala: Lakṣmī, Lajjā, danach Māyā und der zwölfte Vokal; „vajravairocanīye“, zweimal Māyā, phaṭ, verbunden mit svāhā. [Die Bedeutung des Wortes Māyā in diesem Mantra wird im Folgenden nach unterschiedlichen Überlieferungen diskutiert.]


P2-0979 · 4
lakṣmībījaṃ yadādyaṃ syāttadā śrīḥ sarvatomukhī |
lajjābījena cādyena vaśyatāṃ yānti yoṣitaḥ |
māyābījena cādyena mahāpātakanāśanam |
mātrāṃ dvādaśikāṃ bījamādyaṃ syānmuktidāyakam
|| 4 ||

Wenn das Lakṣmī-Bīja am Anfang steht, dann kommt die Herrlichkeit von allen Seiten. Mit dem Lajjā-Bīja am Anfang werden Frauen unterworfen. Mit dem Māyā-Bīja am Anfang werden große Sünden vernichtet. Wenn das Bīja des zwölften Vokals am Anfang steht, gewährt es Befreiung.


P2-0980 · 5
bhairavo'sya ṛṣirdevi samrāṭa udīritam |
chinnamastā smṛtā devi bījaṃ kūrcadvayaṃ punaḥ |
svāhā śaktirabhīṣṭārthe viniyoga udāhṛtaḥ |
atra lajjāpadaṃ kāmabījaparam
|| 5 ||

Ihr Seher ist Bhairava, o Göttin; [das Versmaß] wird als Samrāṭ angegeben. Als Gottheit gilt Chinnamastā, o Göttin; das Bīja ist das zweifache Kūrca. Svāhā ist die Kraft; die Anwendung ist auf das gewünschte Ziel gerichtet. Hier bezeichnet das Wort Lajjā das Kāma-Bīja.


P2-0981 · 6
tathā ca:
atra lajjāpade devi kāmabījaṃ vitanyate |
mahākālamataṃ jñeyaṃ mantroddhāraṃ śubhāvaham |
pūrvamāyāpadeti pāṭhe māyāyāḥ pūrvaṃ lajjābījaṃ
tasminnityarthaḥ |
tathā ca:
pūrvamāyāpadena lajjābījamucyate anyathā tāpinyādi virodhaḥ |
tathā ca:
kāmādyaṃ vāgbhavādyāṃ vā māyādyāṃ vā japet sudhīḥ |
lakṣmyādyāṃ vā japedvidyāṃ caturvargaphalapradām |
anyeṣāñca munīnāṃ mate sarvatra māyāpadaṃ kūrcaparam
|| 6 ||

So heißt es: Hier wird durch das Wort Lajjā das Kāma-Bīja entfaltet, o Göttin. Als Lehre Mahākālas ist diese heilvolle Mantra-Ableitung zu erkennen. Bei der Lesart „pūrvamāyāpade“ bedeutet es: im Lajjā-Bīja, das vor Māyā steht. So heißt es: Mit „pūrvamāyāpada“ wird das Lajjā-Bīja bezeichnet; andernfalls widerspräche dies der Tāpinī und anderen [Quellen]. So auch: Der Verständige wiederhole die Vidyā mit Kāma am Anfang, mit Vāgbhava am Anfang, mit Māyā am Anfang oder mit Lakṣmī am Anfang; sie gewährt die Frucht der vier Lebensziele. Nach der Auffassung anderer Seher bezeichnet das Wort Māyā überall Kūrca.


P2-0982 · 7
tatraiva vāntaṃ vahnisamāyuktaṃ rativindusamanvitam |
lakṣmībījamidaṃ proktaṃ sarvakāmārthasiddhidam |
vāmākṣivahnisaṃyuktaṃ vindunādavibhūṣitam |
śivabījaṃ maheśāni lajjābījamudāhṛtam |
īśānamuddhṛtya purāribījaṃ, savindukaṃ nādavibhūṣitañca |
savāmakarṇaṃ paritaḥ prakalpya, māyāṃ vandantīha manīṣiṇastām |
dvādaśasvaravarṇaṃ syānnādavinduvibhūṣitam |
vāgbhavaṃ bījamityuktaṃ sarvavākyaviśuddhaye |
iti mantracaturbījavyākhyānāt |
ayantu samīcīnaḥ
|| 7 ||

Ebendort: Das Ende von va, verbunden mit Feuer sowie mit Rati und Bindu: Dies wird als Lakṣmī-Bīja erklärt, das sämtliche Wünsche und Ziele verwirklicht. Das Śiva-Bīja, verbunden mit linkem Auge und Feuer, geschmückt mit Bindu und Nāda, o Maheśānī, wird als Lajjā-Bīja angegeben. Nachdem man Īśāna und das Bīja Purāris abgeleitet, mit Bindu und Nāda versehen und ringsum mit dem linken Ohr ausgestattet hat, nennen die Weisen dies Māyā. Der zwölfte Vokal-Laut, geschmückt mit Nāda und Bindu, heißt Vāgbhava-Bīja und dient der Reinigung sämtlicher Worte. Dies folgt aus der Erklärung der vier Bījas des Mantras. Diese [Auslegung] ist zutreffend.


P2-0983 · 8
bhairavamate tu māyā bhuvaneśvaryeva |
lakṣmīḥ prathamabīja'sti lajjābīje manobhavaḥ |
tṛtīye'smin sadā devī mahāpātakanāśinī |
caturthe tu guṇātītā muktividyāpradāyikā |
vakāre varuṇaḥ sākṣājjakāre tu surādhipaḥ |
rephe hutāśano devo vakāre vasudhādhipaḥ |
aikāre tripurādevī rephe tripurasundarī |
trailokyavijayā devi sadaivaukārasaṃsthitā
|| 8 ||

Nach Bhairavas Lehre dagegen ist Māyā eben Bhuvaneśvarī. Lakṣmī ist das erste Bīja; im Lajjā-Bīja ist Manobhava. Im dritten ist stets die Göttin, die große Sünden vernichtet; im vierten die jenseits der Eigenschaften, die die befreiende Vidyā gewährt. Im Laut va ist unmittelbar Varuṇa, im Laut ja der Herr der Götter; in r der Feuergott, im Laut va der Herr der Erde. Im Vokal ai ist Tripurādevī, in r Tripurasundarī. Die Göttin Trailokyavijayā befindet sich stets im Vokal au. [Die beiden va-Zuordnungen und die ai-/au-Angaben werden so nach der Vorlage wiedergegeben.]


P2-0984 · 8ka
cakāre candramā devī nakāre hi vināyakaḥ |
īkāre kamalā sākṣāt yekāre ca sarasvatī |
māyāyugme sadā devī prakṛtyā saha saṅgatā |
vaikharī caiva phaṭkāre svākāre kusumāyudhaḥ |
hākāre ca ratistiṣṭhedevaṃ mantrasamuccayaḥ |
iti vyākhyānacca
|| 8ka ||

Im Laut ca ist die Mondgöttin, im Laut na Vināyaka; in ī unmittelbar Kamalā, in ye Sarasvatī. Im Māyā-Paar ist die Göttin stets mit Prakṛti verbunden. Im phaṭ ist Vaikharī, im Laut svā der mit Blumen bewaffnete [Liebesgott]; im Laut hā befindet sich Rati. So ist die Zusammensetzung des Mantras. Auch dies folgt aus der Erklärung.


P2-0985 · 9
atha pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādikaṃ kṛtvā mantrācamanaṃ kuryāt |
yathā:
lakṣmīmāyākūrcabījaistribhiḥ pītvāmbu sādhakaḥ |
vāgbhavenoṣṭhau saṃmṛjya māyābhyāñca dvirunmṛjet |
kūrcena kṣālayet pāṇī ebhirmantraiśca vinyaset |
śrīmāyākūrcavākkāmatripuṭābhagavarṇakaiḥ |
kāmakalāṅkuśābhyāñca vaktranāsākṣiśrotrayoḥ |
nābhihṛnmastakañcāṃsau spṛṣṭvāśambhurbhavet kṣaṇāt |
ācamyaivaṃ chinnamastāṃ vatsarāttāṃ prapaśyati
|| 9 ||

Nun die Ausführung der Verehrung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen vollzogen hat, führe man das Mantra-Wasserschlürfen aus. So: Der Sādhaka trinke Wasser mit den drei Bījas Lakṣmī, Māyā und Kūrca; mit Vāgbhava wische er die Lippen ab, mit den beiden Māyās wische er zweimal nach. Mit Kūrca wasche er die Hände und lege mit diesen Mantras auf. Mit den Lauten von Śrī, Māyā, Kūrca, Vāc, Kāma, Tripuṭā und Bhaga sowie mit Kāmakalā und Aṅkuśa berühre er Mund, Nase, Augen, Ohren, Nabel, Herz, Kopf und beide Schultern; augenblicklich wird er Śambhu. Wenn man so Wasser schlürft, schaut man binnen eines Jahres Chinnamastā. [Die genaue Verteilung der Bījas auf die paarigen Körperstellen wird im Zitat nicht einzeln ausgeschrieben.]


P2-0986 · 10
tataḥ prāṇāyāmāntaṃ vidhāya ṣoḍhānyāsaṃ kuryāt |
mantraṣoḍhāṃ tataḥ kuryāt trailokyavaśakāriṇīm |
śrībālātripuṭāyoniprāsādapraṇavaistathā |
kālīvadhvaṅkuśaiḥ kāmakalākūrcāstrakaiḥ kramāt |
ṣoḍaśīmanuvarṇaiśca pṛthagaṣṭadaśākṣaraiḥ |
ebhirbījairmātṛkārṇān sveṣu sthāneṣu vinyaset |
eṣā brahmasvarūpā hi bījaṣoḍhā prakīrtitā
|| 10 ||

Nachdem man die Handlungen bis zur Atemregelung ausgeführt hat, vollziehe man den sechsfachen Nyāsa. Dann vollziehe man den sechsfachen Mantra-Nyāsa, der die drei Welten unterwirft: Mit Śrī, Bālā, Tripuṭā, Yoni, Prāsāda und Praṇava, ebenso Kālī, Vadhū, Aṅkuśa, Kāmakalā, Kūrca und Astra der Reihe nach sowie mit den Lauten des Ṣoḍaśī-Mantras, gesondert mit den achtzehn Lauten. Mit diesen Bījas lege man die Mātṛkā-Laute an ihren jeweiligen Stellen auf. Dieser wird als Bīja-Ṣoḍhā erklärt; er hat die Gestalt Brahmans. [Das Verhältnis der aufgezählten Bījas zum „sechsfachen“ Nyāsa ist im zitierten Wortlaut nicht weiter erläutert.]


P2-0987 · 11
asyāśca nyasanātsava vajradehā bhavanti hi sarvaiśvaryayutāste hi
jīvanmuktā daśābdataḥ
|| 11 ||

Durch ihren Nyāsa erhalten alle einen diamantfesten Leib. Sie besitzen sämtliche Herrscherfülle und sind nach zehn Jahren bereits zu Lebzeiten befreit.


P2-0988 · 12
tataḥ ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt:
asya mantrasya bhairava - ṛṣiḥ samrāṭa chandaśchinnamastā devatā
hūṅkāradvayaṃ bījaṃ svāhā śaktirabhīṣṭārthasiddhaye viniyogaḥ |
yathā:
śirasi bhairavāya ṛṣaye namaḥ |
mukhe samrāṭ chandase namaḥ |
hṛdi chinnamastāyai devatāyai namaḥ |
guhye hūṃ hūṃ bījāya namaḥ |
pādayoḥ svāhā śaktaye namaḥ
|| 12 ||

Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen: Der Seher dieses Mantras ist Bhairava, das Versmaß Samrāṭ, die Gottheit Chinnamastā, das Bīja das zweimalige hūṃ, die Kraft svāhā. Seine Anwendung dient der Verwirklichung des gewünschten Ziels. So: Am Kopf „bhairavāya ṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Bhairava; am Mund „samrāṭ chandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Samrāṭ; am Herzen „chinnamastāyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Chinnamastā; am Geschlecht „hūṃ hūṃ bījāya namaḥ“ — hūṃ hūṃ, Verehrung dem Bīja; an den Füßen „svāhā śaktaye namaḥ“ — svāhā, Verehrung der Kraft.


P2-0989 · 13
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ āṃ khaṅgāya hṛdayāya svāhā iti kanīyasi |
oṃ īṃ sukhaṅgāya śirase svāhā iti anāmā - pavitrāṃgulyoḥ |
oṃ ūṃ suvajrāya śikhāyai svāhā iti madhyamayoḥ |
oṃ aiṃ pāśāya kavacāya svāhā iti tarjanyoḥ |
oṃ auṃ kroṃ netratrayāya svāhā iti aṃguṣṭhayoḥ |
oṃ aḥ surakṣāsurakṣāyāstrāya phaṭ |
iti karatalapṛṣṭhayoḥ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
taduktaṃ bhairavatantre:
uccaret pūrvamākāraṃ vindulāñchitamastakam |
khaṅgāya hṛdayāyeti svāhā yuktaṃ kanīyasi |
īkārañca tato devi candrakoṭisamaprabham |
sukhaṅgāya tato vācyaṃ śirase tadanantaram |
svāhāyuktaṃ tato vācyaṃ pavitrāṃgulisaṃyutam |
ūkārañca tato vācyaṃ vindulāñchitamastakam |
suvajrāya tato vācyaṃ śikhāyai tadanantaram |
svāhāntaṃ madhyamāyāñca vinyasettadanantaram |
mātrāṃ dvādaśikāṃ devīṃ vinyasecca tataḥ param |
pāśāyeti samuccārya pravadet kavacāya ca |
svāhāntaṃ vinyasenmantraṃ tarjanyāṃ tadanantaram |
auṅkārāñcatato devi cāṃkuśaṃ tadanantaram |
netratrayāya svāhāntamaṃguṣṭhe karayordvayoḥ |
akārañca visargāntaṃ surakṣākṣarasaṃyutam |
asurakṣāya saṃyuktaṃ astrāyeti tataḥ param |
kaḍakṣarasamāyuktaṃ vinyaset karayordvayoḥ |
aṅganyāsasya pramāṇam:
hṛdi mūrdhniśikhāyāñca kavace netramaṇḍale |
yāvadastraṃ caturdikṣu vidikṣu ca yathākramam |
triśaktitantre bhairavavākyam:
uccaretpraṇavaṃ pūrvamākāraṃ vindusaṃyutam |
ityādivākyātkarāṅgeṣu praṇavasaṃvalito nyāsaḥ
|| 13 ||

Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern: An den kleinen Fingern „oṃ āṃ khaṅgāya hṛdayāya svāhā“ — oṃ āṃ, dem Schwert, dem Herzen, svāhā. An den Ringfingern, den heiligen Fingern: „oṃ īṃ sukhaṅgāya śirase svāhā“ — oṃ īṃ, dem guten Schwert, dem Kopf, svāhā. An den Mittelfingern „oṃ ūṃ suvajrāya śikhāyai svāhā“ — oṃ ūṃ, dem guten Donnerkeil, dem Haarschopf, svāhā. An den Zeigefingern „oṃ aiṃ pāśāya kavacāya svāhā“ — oṃ aiṃ, der Schlinge, dem Schutzpanzer, svāhā. An den Daumen „oṃ auṃ kroṃ netratrayāya svāhā“ — oṃ auṃ kroṃ, den drei Augen, svāhā. An Handflächen und Handrücken „oṃ aḥ surakṣāsurakṣāyāstrāya phaṭ“ — oṃ aḥ, dem guten Schutz und dem Asura-Schutz [die zusammengesetzte Lesart ist unsicher], der Waffe, phaṭ. Ebenso an Herz und den weiteren Stellen. So im Bhairavatantra: Zuerst spreche man ā, dessen Kopf mit Bindu gezeichnet ist, „khaṅgāya hṛdayāya“, verbunden mit svāhā, am kleinen Finger. Dann ī, o Göttin, strahlend wie Millionen Monde; danach „sukhaṅgāya“, unmittelbar danach „śirase“ und svāhā, am heiligen Finger. Danach ū, dessen Kopf mit Bindu gezeichnet ist, danach „suvajrāya“, unmittelbar danach „śikhāyai“, mit svāhā am Ende; dies lege man auf den Mittelfinger. Danach lege man den zwölften Vokal auf, o Göttin; man spreche „pāśāya kavacāya“ und lege den mit svāhā endenden Mantra auf den Zeigefinger. Danach auṃ, o Göttin, unmittelbar danach Aṅkuśa, „netratrayāya“ mit svāhā am Ende, auf die Daumen beider Hände. A mit Visarga, verbunden mit den Lauten „surakṣā“, mit „asurakṣāya“, unmittelbar danach „astrāya“, verbunden mit dem kaḍ-Laut [Vorlage; gegenüber phaṭ unklar], lege man auf beide Hände. Die Belegstelle für den Gliedernyāsa: Am Herzen, Kopf, Haarschopf, Schutzpanzer und Augenbereich, bis zur Waffe in den vier Haupt- und Zwischenrichtungen der Reihe nach. Im Triśaktitantra lautet Bhairavas Aussage: „Zuerst spreche man den Praṇava und ā, verbunden mit Bindu“ — und so weiter. Daraus folgt, dass der Nyāsa an Händen und Körpergliedern mit dem Praṇava verbunden ist.


P2-0990 · 14
tato mūlena mastakādipādaparyantaṃ pādādimastakāntaṃ
vāratrayaṃ nyaset
|| 14 ||

Dann lege man den Grundmantra vom Kopf bis zu den Füßen und von den Füßen bis zum Kopf dreimal auf.


P2-0991 · 15
tato dhyānam:
svanābhau nīrajaṃ dhyāyecchuddhaṃ vikasitaṃ sitam |
tatpadmakoṣamadhye tu maṇḍalaṃ caṇḍarociṣaḥ |
javākusumasaṅkāśaṃ raktabandhūkasannibham |
rajaḥsattvatamorekhāyonimaṇḍalamaṇḍitam |
madhye tu tāṃ mahādevīṃ sūryakoṭisamaprabhām |
chinnamastāṃ kare vāme dhārayantīṃ svamastakam
|| 15 ||

Dann die Meditation: Im eigenen Nabel meditiere man einen reinen, entfalteten, weißen Lotus. In der Mitte seines Kelches befindet sich die Scheibe des heftig Strahlenden [der Sonne], einer Hibiskusblüte und einer roten Bandhūka-Blüte gleich, geschmückt mit dem Yoni-Maṇḍala der Linien von Rajas, Sattva und Tamas. In der Mitte [meditiere man] die große Göttin Chinnamastā, strahlend wie Millionen Sonnen, die in der linken Hand ihren eigenen Kopf hält.


P2-0992 · 15ka
prasāritamukhīṃ bhīmāṃ lelihānograjihvikām |
pibantīṃ raudhirīṃ dhārāṃ nijakaṇṭhavinirgatām |
vikīrṇakeśapāśāñca nānāpuṣpasamanvitām |
dakṣiṇe ca kare kartrī muṇḍamālāvibhūṣitām |
digambarīṃ mahāghoraṃ pratyālīḍhapade sthitām |
asthimālādharāṃ devīṃ nāgayajñopavītinīm |
ratikāmopaviṣṭāñca sadā dhyāyanti mantriṇaḥ |
sadā ṣoḍaśavarṣīyāṃ pīnonnatapayodharām |
viparītaratāsaktau dhyāyedratimanobhavau |
ḍākinī varṇinīyuktāṃ vāmadakṣiṇayogataḥ |
devīgalocchaladraktadhārāpānaṃ prakurvatīm |
varṇinīṃ lohitāṃ saumyāṃ muktakeśīṃ digambarīm |
kapālakarttṛkāhastāṃ vāmadakṣiṇayogataḥ |
nagayajñopavītāḍhyaṃ jvalattejomayīmiva |
pratyālīḍhapadāṃ divyāṃ nānālaṅkārabhūṣitām |
sadā dvādaśavarṣīyāmasthimālāvibhūṣitām |
ḍākinīṃ vāmapārśvasthāṃ kalpasūryānalopamām |
vidyujjaṭāṃ trinayanāṃ dantapaṃktibalākinīm |
daṃṣṭrākarālavadanāṃ pīnonnatapayodharām |
mahādevīṃ mahāghorāṃ muktakeśīṃ digambarīm |
lelihānamahājihvāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām |
kapālakartṛkāhastāṃ vāmadakṣiṇayogataḥ |
devīgalocchadraktadhārāpānaṃ prakurvītam |
karasthitakapālena bhīṣaṇenātibhīṣaṇām |
ābhyāṃ viṣevyamāṇāṃ tāṃ dhyāyeddevīṃ vicakṣaṇaḥ |
pivantīmiti tena mukheneti śeṣaḥ |
tathā ca:
svamastakaṃ sakharparaṃ raktadhārābhipūritam |
lalajihvaṃ mahābhīmaṃ dhṛtaṃ vāmabhuje tathā |
iti bhairavatantre pāṭhaḥ
|| 15ka ||

Ihr Mund ist geöffnet; sie ist furchtbar und bewegt ihre wilde Zunge. Sie trinkt den Blutstrom, der aus ihrem eigenen Hals austritt. Ihre Haarfülle ist zerstreut und mit vielerlei Blumen versehen. In der rechten Hand trägt sie das Schneidemesser; sie ist mit einer Schädelgirlande geschmückt. Sie ist unbekleidet, überaus schrecklich und steht in Pratyālīḍha-Haltung. Die Göttin trägt eine Knochengirlande und eine Schlange als heilige Schnur. Auf Rati und Kāma stehend [Vorlage „upaviṣṭā“, auch: sitzend], wird sie von den Mantra-Kundigen stets meditiert, immer sechzehnjährig, mit vollen, hohen Brüsten. Rati und Manobhava meditiere man in umgekehrter Liebesvereinigung. Sie ist links und rechts mit Ḍākinī und Varṇinī verbunden, die den aus ihrem Hals springenden Blutstrom trinken. Varṇinī ist rot, freundlich, mit gelöstem Haar und unbekleidet; links und rechts hält sie Schädelschale und Schneidemesser. Sie trägt eine Schlange als heilige Schnur und scheint aus loderndem Licht zu bestehen. Sie steht in Pratyālīḍha-Haltung, ist göttlich, mit vielerlei Schmuck geziert, stets zwölfjährig und mit einer Knochengirlande geschmückt. Ḍākinī an der linken Seite gleicht der Sonne und dem Feuer am Weltende; ihr Haar leuchtet wie Blitz. Sie hat drei Augen und eine Zahnreihe wie weiße Reiher. Ihr Gesicht ist von Fangzähnen furchtbar; ihre Brüste sind voll und hoch. Sie ist die große Göttin, überaus schrecklich, mit gelöstem Haar und unbekleidet. Sie bewegt ihre große Zunge und trägt eine Schädelgirlande. Links und rechts hält sie Schädelschale und Schneidemesser und trinkt den aus dem Hals der Göttin springenden Blutstrom. Durch die furchtbare Schädelschale in ihrer Hand ist sie überaus furchtbar. Der Verständige meditiere die Göttin, die von diesen beiden bedient wird. Bei „trinkend“ ist ergänzend „mit jenem Mund“ zu verstehen. So auch: Ihr eigener Kopf mit der Schädelschale, vom Blutstrom erfüllt, mit bewegter Zunge, überaus furchtbar, wird im linken Arm gehalten. So lautet die Lesart im Bhairavatantra.


P2-0993 · 16
dhyānasyāvaśyakatvamāha tantre:
pracaṇḍacaṇḍikāmevamadhyātvā yastu pūjayet |
sadyastasya śiraśchittvā devī pibati śoṇitam
|| 16 ||

Die Notwendigkeit der Meditation erklärt das Tantra: Wer Pracaṇḍacaṇḍikā verehrt, ohne sie auf diese Weise zu meditieren, dem schlägt die Göttin sofort den Kopf ab und trinkt sein Blut.


P2-0994 · 17
asyāḥ pūjāyantram |
tatraiva:
sitaṃ kuryāddalaṃ pūrvamāgneyāṃ raktavarṇakam |
yāmyaṃ kṛṣṇamataḥ pītaṃ śuklaṃ raktaṃ sitāsitam |
tataḥ pītāṃ prakurvīta karṇikāṃ tasya madhyagām |
tanmadhye tu prakūrvīta maṇḍalaṃ caṇḍarociṣaḥ |
rajaḥ sattvatamorekhā raktaśuklāsitāḥ kramāt |
māyāyugmaṃ tato nyasya phaḍakṣarasamanvitam |
vāhyaṃ tasya ca cakrasya kuryātprākāraveṣṭitam |
pūrvaṃ raktaṃ tataḥ kṛṣṇaṃ sitaṃ pītaṃ yathākramāt |
caturdvārasamāyuktaṃ kṣetrapālairadhiṣṭhitam |
ityasyāḥ pūjāyantram
|| 17 ||

Ihr Verehrungs-Yantra wird ebendort erklärt: Das östliche Blatt mache man weiß, das südöstliche rot, das südliche schwarz, danach gelb, weiß, rot, weiß-schwarz. In der Mitte mache man seinen Kelch gelb. In dessen Mitte bilde man die Scheibe des heftig Strahlenden. Die Linien von Rajas, Sattva und Tamas sind der Reihe nach rot, weiß und schwarz. Danach setze man das Māyā-Paar, verbunden mit phaṭ, ein. Außen um das Cakra bilde man eine umschließende Mauer. Im Osten rot, danach schwarz, weiß und gelb der Reihe nach; mit vier Toren versehen und von Bezirkshütern beherrscht. Dies ist ihr Verehrungs-Yantra. [Für die acht Blätter ist die Farbreihe der Vorlage unvollständig beziehungsweise mehrdeutig; sie wird nicht zu einer erfundenen vollständigen Reihe ergänzt.]


P2-0995 · 18
athavā:
trikoṇaṃ vinyasedādau tanmadhye maṇḍalatrayam |
tanmadhye vinyasedyoniṃ dvāratrayasamanvitam |
vahiraṣṭadalaṃ padmaṃ bhuvimbatritayaṃ punaḥ |
kūrcabījaṃ likhenmadhye trikoṇe phaṭsamanvitam |
(citra 33) |
yathā ca:
aparañca pravakṣyāmi śṛṇu devi yathākrama |
svanābhau nīrajaṃ dhyāyedbhānumaṇḍalasannibham |
yonicakrasamāyuktāṃ guṇatritayasaṃśritam |
tatra madhye mahādevīṃ chinnamastāṃ smaredyatiḥ |
pradīpakalikākārāmadvitīyavyavasthitām |
yonimudrāsamāyuktaṃ hṛdayasthitalocanām |
dhyeyametad-yatīnāñca gṛhasthānaṃ niśāmaya
|| 18 ||

Oder: Zuerst setze man ein Dreieck, darin drei Kreise, darin eine Yoni mit drei Toren. Außen einen achtblättrigen Lotus und wiederum eine dreifache Erdumfassung. In der Mitte des Dreiecks schreibe man das Kūrca-Bīja mit phaṭ. [Abbildung 33.] So auch: Ich will ein Weiteres erklären; höre der Reihe nach, o Göttin. Im eigenen Nabel meditiere man einen Lotus, der der Sonnenscheibe gleicht, mit dem Yoni-Cakra verbunden und von den drei Guṇas getragen. In seiner Mitte gedenke der Asket der großen Göttin Chinnamastā, in der Gestalt einer kleinen Lampenflamme, in Nichtzweiheit bestehend, mit der Yoni-Mudrā verbunden, mit im Herzen befindlichen Augen. Dies ist die Meditation der Asketen; höre nun die der Hausbewohner.


P2-0996 · 19
yathā:
antare svaśarīrasya nābhinīrajasaṅgatām |
nirlepāṃ nirguṇāṃ sūkṣmāṃ vā bālacandrasamaprabhām |
samādhinātragamyāntu guṇatritayaveṣṭitām |
kalātītāṃ guṇātītāṃ muktimātrapradāyinīm |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya tāriṇīvacchaṅkhasthāpanaṃ
kuryāt
|| 19 ||

So: Im Inneren des eigenen Leibes, mit dem Nabellotus verbunden, unbefleckt, ohne Eigenschaften, fein oder wie der junge Mond strahlend; allein durch Samādhi zugänglich, von den drei Guṇas umgeben und doch jenseits der Kalās und Guṇas, allein Befreiung gewährende [Göttin]. Nachdem man so meditiert und sie mit geistigen Gaben verehrt hat, stelle man die Muschel wie bei Tāriṇī auf.


P2-0997 · 20
tataḥ pīṭhapūjā:
ādhāraśaktaye, prakṛtaye, kūrmāya, anantāya, pṛthivyai,
kṣīrasamudrāya, ratnadvīpāya, kalpavṛkṣāya, tadadhaḥ
svarṇasiṃhāsanāya, ānandakandāya samvinnālāya,
sarvatattvātmakapadmāya, saṃ sattvāya, raṃ rajase, taṃ tamase, āṃ
ātmane, aṃ antarātmane, paṃ paramātmane, hrīṃ jñānātmane |
namaḥ sarvatra |
padmamadhye ratikāmābhyām
|| 20 ||

Danach die Verehrung des Kultsitzes. Mit namaḥ bei jedem: Verehrung der tragenden Kraft, Prakṛti, Kūrma, Ananta, Pṛthivī, dem Milchozean, der Edelsteininsel, dem Wunschbaum, dem goldenen Löwenthron unter ihm, der Wonne-Wurzel, dem Bewusstseinsstängel, dem Lotus, dessen Wesen sämtliche Prinzipien sind; saṃ dem Sattva, raṃ dem Rajas, taṃ dem Tamas, āṃ dem Selbst, aṃ dem inneren Selbst, paṃ dem höchsten Selbst, hrīṃ dem Erkenntnis-Selbst. In der Lotusmitte [verehre man] Rati und Kāma.


P2-0998 · 21
bhairavamate tu:
ādhāraśaktiṃ kūrmañca nāgarājamataḥparam |
padmanālañca padmañca pūjayenmantravinnaraḥ |
maṇḍalaṃ caturasrañca rajaḥ sattvaṃ tamastathā |
ratikāmau ca sampūjya śaktipūjāṃ samācaret |
iti ratikāmopari vajravairocanīye dehi dehi ehi ehi gṛhṇa gṛhṇa svāhā
mama siddhiṃ dehi dehi mama śatrūn māraya māraya karālike huṃ
phaṭ svāhā iti pīṭhamantra |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tataḥ punardhyātvā āvāhayet
|| 21 ||

Nach Bhairavas Lehre dagegen: Der Mantra-Kundige verehre die tragende Kraft, Kūrma, danach den Schlangenkönig, den Lotusstängel und den Lotus; den Kreis und das Viereck, Rajas, Sattva und Tamas. Nachdem man Rati und Kāma verehrt hat, vollziehe man die Śakti-Verehrung. Über Rati und Kāma lautet der Kultsitz-Mantra: „vajravairocanīye dehi dehi ehi ehi gṛhṇa gṛhṇa svāhā mama siddhiṃ dehi dehi mama śatrūn māraya māraya karālike huṃ phaṭ svāhā“ — O Vajravairocanī, gib, gib; komm, komm; nimm, nimm, svāhā! Gib, gib mir Vollkommenheit; töte, töte meine Feinde, o Schreckliche, huṃ phaṭ svāhā. Überall verehre man mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende. Danach meditiere man erneut und rufe sie herbei.


P2-0999 · 22
yathā sarvasiddhivarṇinīye sarvasiddhiḍākinīye vajravairocanīye
ihāvaha punastanmantramuccārya iha tiṣṭa tiṣṭa iha sannidhehi iha
sannirudhyasva ityanenāvāhya oṃ hrīṃ kroṃ haṃsaḥ ityenena
prāṇapratiṣṭhāṃ kṛtvā oṃ āṃ khaḍgāya hṛdayāya svāhā
ityādinā ṣaḍaṅgaṃ vinyasya yathāśakti pūjāṃ kṛtvā baliṃ
dadyāt |
yathā:
vajravairocanīye dehi dehi ehi ehi gṛhṇa gṛhṇa imaṃ baliṃ mama
siddhiṃ dehi dehi mama śatrūn māraya māraya karālike huṃ phaṭ
svāhā iti mantreṇa
|| 22 ||

So: „sarvasiddhivarṇinīye sarvasiddhiḍākinīye vajravairocanīye ihāvaha“ — O Varṇinī aller Vollkommenheiten, o Ḍākinī aller Vollkommenheiten, o Vajravairocanī, führe [deine Gegenwart] hierher! Dann spreche man nochmals diesen Mantra und „iha tiṣṭha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannirudhyasva“ — Bleibe, bleibe hier; sei hier gegenwärtig; verweile hier fest. Nachdem man sie so herbeigerufen hat, vollziehe man mit „oṃ hrīṃ kroṃ haṃsaḥ“ die Einsetzung des Lebenshauchs, lege mit „oṃ āṃ khaḍgāya hṛdayāya svāhā“ — dem Schwert, dem Herzen, svāhā — und den weiteren Formeln die sechs Glieder auf, verehre nach Vermögen und gebe das Bali. So mit dem Mantra: „vajravairocanīye dehi dehi ehi ehi gṛhṇa gṛhṇa imaṃ baliṃ mama siddhiṃ dehi dehi mama śatrūn māraya māraya karālike huṃ phaṭ svāhā“ — O Vajravairocanī, gib, gib; komm, komm; nimm, nimm dieses Bali; gib, gib mir Vollkommenheit; töte, töte meine Feinde, o Schreckliche, huṃ phaṭ svāhā.


P2-1000 · 23
tato devyā dakṣiṇe varṇinyai namaḥ |
vāme oṃ ḍākinyai namaḥ |
tṛto devyaṅge ṣaḍaṅgaṃ sampūjya, dakṣiṇe oṃ śaṅkhanidhaye
namaḥ, vāme oṃ padmanidhaye namaḥ |
pūrvādidikṣu lakṣmīṃ lajjāṃ māyāṃ vāṇīñca pūjayet |
vidikṣu brahmaviṣṇurudreśvarān |
madhye sadāśivam |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tataḥ pañcapuṣpāñjalīn dattvā āvaraṇān pūjayet |
agnīśāsuravāyuṣu madhye dikṣu ca oṃ āṃ khaḍgāya hṛdayāya
svāhā ityādinā ṣaḍaṅgāni sampūjya, aṣṭapatrekṣu
pūrvādikrameṇa oṃ hrīṃ kālyai namaḥ, evaṃ varṇinyai ḍākinyai
bhairavyai mahābhairavyai indrākṣyai piṅgākṣyai saṃhāriṇyai;
sarvatraiva praṇavādinamo'ntena pūjayet
|| 23 ||

Danach rechts der Göttin „varṇinyai namaḥ“ — Verehrung Varṇinī; links „oṃ ḍākinyai namaḥ“ — Verehrung Ḍākinī. Nachdem man die sechs Glieder am Leib der Göttin verehrt hat, rechts „oṃ śaṅkhanidhaye namaḥ“ — Verehrung dem Muschelschatz; links „oṃ padmanidhaye namaḥ“ — Verehrung dem Lotusschatz. In den Richtungen, im Osten beginnend, verehre man Lakṣmī, Lajjā, Māyā und Vāṇī; in den Zwischenrichtungen Brahmā, Viṣṇu, Rudra und Īśvara; in der Mitte Sadāśiva. Jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ. Dann gebe man fünf Blumenhandvoll und verehre die umgebenden Kreise. An Feuer, Īśāna, Asura, Wind, Mitte und den Richtungen verehre man die sechs Glieder mit „oṃ āṃ khaḍgāya hṛdayāya svāhā“ und den weiteren Formeln. Auf den acht Blütenblättern, im Osten beginnend, „oṃ hrīṃ kālyai namaḥ“ — Verehrung Kālī — und ebenso Varṇinī, Ḍākinī, Bhairavī, Mahābhairavī, Indrākṣī, Piṅgākṣī und Saṃhāriṇī. Überall verehre man mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende.


P2-1001 · 24
yathā:
ekāṃ nāmābhidhāṃ kālīṃ varṇinīṃ ḍākinīṃ tathā |
bhairavīñca mahāpūrvā bhairavīṃ tadanantaram |
indrākṣīñca sapiṅgākṣīṃ tataḥ saṃhārakāriṇīm |
pūrvādike dale pūjyāḥ śaktayaśca yathākramam |
praṇavādinamo'ntena lajjābījaṃ samuccaran |
padmamadhye huṃ phaṭ namaḥ |
svāhāyai namaḥ |
devyā dakṣiṇe samrāṭchandase namaḥ |
devyā uttare sarvavarṇabhyo namaḥ |
punardakṣiṇe bījaśaktibhyāṃ namaḥ |
patrāgreṣu pūrvādikrameṇa brāhmyai māheśvaryai kaumāryai
vaiṣṇavyai vārāhyai indrāṇyai cāmuṇḍāyai mahālakṣmyai |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tataścaturdikṣu dvāreṣu oṃ karālāya namaḥ |
oṃ vikarālāya evaṃ atikarālāya mahākarālāya |
yathā bhairavīye:
pūrvadvāre karālañca vikarālañca dakṣiṇe |
paścime'ti karālañca mahākarālamuttare |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
visarjane tvayaṃ viśeṣaḥ:
saṃhāramudrāṃ pradarśya añjalāvāropya vāmanāsāpuṭena,
yonimudrāsamārūḍhāṃ pradīpakalikojjvalām |
kṛṣṇapakṣe vidhumiva krameṇa kṣīṇatāṃ gatām |
imaṃ mantraṃ samuccārya caṇḍaraśmau niveśayet |
mantrastu:
uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsinī |
brahmayoni samutpanne gaccha devi mamāntaram
|| 24 ||

So: Die eine namens Kālī, Varṇinī und Ḍākinī, Bhairavī und unmittelbar danach die mit Mahā beginnende Bhairavī, Indrākṣī mit Piṅgākṣī und danach Saṃhārakāriṇī: Diese Kräfte sind auf den Blättern, im Osten beginnend, der Reihe nach zu verehren, mit oṃ am Anfang, dem ausgesprochenen Lajjā-Bīja und namaḥ am Ende. In der Lotusmitte „huṃ phaṭ namaḥ“ und „svāhāyai namaḥ“ — Verehrung Svāhā. Rechts der Göttin „samrāṭchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Samrāṭ; nördlich von ihr „sarvavarṇabhyo namaḥ“ — Verehrung sämtlichen Lauten; wiederum rechts „bījaśaktibhyāṃ namaḥ“ — Verehrung Bīja und Śakti. An den Blattspitzen, im Osten beginnend, [verehre man] Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Indrāṇī, Cāmuṇḍā und Mahālakṣmī, überall mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende. Dann an den Toren der vier Richtungen „oṃ karālāya namaḥ“ — Verehrung Karāla —, „oṃ vikarālāya“ und entsprechend Atikarāla und Mahākarāla. So im Bhairavīya: Am Osttor Karāla, im Süden Vikarāla, im Westen Atikarāla, im Norden Mahākarāla. Danach beende man die Handlung mit Räucherwerk und den weiteren Gaben bis zur Entlassung. Bei der Entlassung gibt es folgende Besonderheit: Man zeige die Auflösungs-Mudrā, hebe [die Göttin] in die zusammengelegten Hände und [führe sie] durch die linke Nasenöffnung [nach innen]. Sie ist auf die Yoni-Mudrā gestiegen, leuchtet wie eine kleine Lampenflamme und schwindet allmählich wie der Mond in der abnehmenden Hälfte. Nach dem Aussprechen des folgenden Mantras setze man sie in den heftig Strahlenden [die innere Sonne] ein. Der Mantra: „uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsinī brahmayonisamutpanne gaccha devi mamāntaram“ — O Göttin auf dem nördlichen Gipfel, auf Erden in den Bergen wohnend, aus der Brahman-Yoni hervorgegangen: Geh, o Göttin, in mein Inneres!


P2-1002 · 25
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
siddhavidyātvāt
|| 25 ||

Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 100.000 Wiederholungen, weil es sich um eine Siddha-Vidyā handelt.


P2-1003 · 26
balidāne tu bhairavīye:
rātrau baliḥ pradātavyo matsyamāṃsasurādibhiḥ |
athavā madhupānādyairmadhurairvibhavakramaiḥ
|| 26 ||

Zur Bali-Gabe heißt es im Bhairavīya: Nachts ist Bali mit Fisch, Fleisch, alkoholischem Trank und den übrigen [Substanzen] zu geben; oder mit Honiggetränken und anderen süßen [Gaben], entsprechend den verfügbaren Mitteln.


P2-1004 · 27
mantrastu:
uccaretpraṇavaṃ pūrvaṃ sarvasiddhiprade'nvitam |
varṇinīye tato vācyaṃ sarvasiddhiprade tataḥ |
ḍākinīye tato vācyaṃ devīnāma tataḥ param |
ehyehīti tato vācyam imaṃ balimanantaram |
gṛhṇa gṛhṇa tataḥ proktvā mama siddhimanantaram |
dehi dehīti māye ca tataḥ phaṭ svāhayā yutaḥ |
balimantraḥ samākhyātaḥ pūjito'yaṃ sureśvarīti
|| 27 ||

Der Mantra: Zuerst spreche man den Praṇava, verbunden mit „sarvasiddhiprade“, dann „varṇinīye“, danach „sarvasiddhiprade ḍākinīye“, unmittelbar danach den Namen der Göttin. Dann „ehyehi“, unmittelbar danach „imaṃ baliṃ gṛhṇa gṛhṇa“, danach „mama siddhiṃ dehi dehi“, zwei Māyās, dann phaṭ und svāhā. So ist der Bali-Mantra erklärt und verehrt, o Herrin der Götter. Sein Wortteil bedeutet: O Spenderin aller Vollkommenheiten, o Varṇinī; o Spenderin aller Vollkommenheiten, o Ḍākinī; o [Göttin], komm, komm; nimm, nimm dieses Bali; gib, gib mir Vollkommenheit!


Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.

P2-0976 · 1
अथ प्रचण्डचण्डिकामन्त्राः
प्रचण्डचण्डिकां वक्ष्ये सर्वकामफलप्रदाम् ।
यस्याः प्रसादमात्रेण सदाशिवो भवेन्नरः
॥ १ ॥

P2-0977 · 2
अपुत्रो लभते पुत्रमधनो धनवान् भवेत् ।
कवित्वञ्च सुपाण्डित्यं लभते नात्र संशयः
॥ २ ॥

P2-0978 · 3
विशसारे यामले च:
लक्ष्मीं लज्जां ततो मायां मात्रां द्वादशिकामपि ।
वज्रवैरोचनीये द्वे माये फट् स्वाहयायुतः
॥ ३ ॥

P2-0979 · 4
लक्ष्मीबीजं यदाद्यं स्यात्तदा श्रीः सर्वतोमुखी ।
लज्जाबीजेन चाद्येन वश्यतां यान्ति योषितः ।
मायाबीजेन चाद्येन महापातकनाशनम् ।
मात्रां द्वादशिकां बीजमाद्यं स्यान्मुक्तिदायकम्
॥ ४ ॥

P2-0980 · 5
भैरवोऽस्य ऋषिर्देवि सम्राट उदीरितम् ।
छिन्नमस्ता स्मृता देवि बीजं कूर्चद्वयं पुनः ।
स्वाहा शक्तिरभीष्टार्थे विनियोग उदाहृतः ।
अत्र लज्जापदं कामबीजपरम्
॥ ५ ॥

P2-0981 · 6
तथा च:
अत्र लज्जापदे देवि कामबीजं वितन्यते ।
महाकालमतं ज्ञेयं मन्त्रोद्धारं शुभावहम् ।
पूर्वमायापदेति पाठे मायायाः पूर्वं लज्जाबीजं
तस्मिन्नित्यर्थः ।
तथा च:
पूर्वमायापदेन लज्जाबीजमुच्यते अन्यथा तापिन्यादि विरोधः ।
तथा च:
कामाद्यं वाग्भवाद्यां वा मायाद्यां वा जपेत् सुधीः ।
लक्ष्म्याद्यां वा जपेद्विद्यां चतुर्वर्गफलप्रदाम् ।
अन्येषाञ्च मुनीनां मते सर्वत्र मायापदं कूर्चपरम्
॥ ६ ॥

P2-0982 · 7
तत्रैव वान्तं वह्निसमायुक्तं रतिविन्दुसमन्वितम् ।
लक्ष्मीबीजमिदं प्रोक्तं सर्वकामार्थसिद्धिदम् ।
वामाक्षिवह्निसंयुक्तं विन्दुनादविभूषितम् ।
शिवबीजं महेशानि लज्जाबीजमुदाहृतम् ।
ईशानमुद्धृत्य पुरारिबीजं, सविन्दुकं नादविभूषितञ्च ।
सवामकर्णं परितः प्रकल्प्य, मायां वन्दन्तीह मनीषिणस्ताम् ।
द्वादशस्वरवर्णं स्यान्नादविन्दुविभूषितम् ।
वाग्भवं बीजमित्युक्तं सर्ववाक्यविशुद्धये ।
इति मन्त्रचतुर्बीजव्याख्यानात् ।
अयन्तु समीचीनः
॥ ७ ॥

P2-0983 · 8
भैरवमते तु माया भुवनेश्वर्येव ।
लक्ष्मीः प्रथमबीजऽस्ति लज्जाबीजे मनोभवः ।
तृतीयेऽस्मिन् सदा देवी महापातकनाशिनी ।
चतुर्थे तु गुणातीता मुक्तिविद्याप्रदायिका ।
वकारे वरुणः साक्षाज्जकारे तु सुराधिपः ।
रेफे हुताशनो देवो वकारे वसुधाधिपः ।
ऐकारे त्रिपुरादेवी रेफे त्रिपुरसुन्दरी ।
त्रैलोक्यविजया देवि सदैवौकारसंस्थिता
॥ ८ ॥

P2-0984 · 8ka
चकारे चन्द्रमा देवी नकारे हि विनायकः ।
ईकारे कमला साक्षात् येकारे च सरस्वती ।
मायायुग्मे सदा देवी प्रकृत्या सह सङ्गता ।
वैखरी चैव फट्कारे स्वाकारे कुसुमायुधः ।
हाकारे च रतिस्तिष्ठेदेवं मन्त्रसमुच्चयः ।
इति व्याख्यानच्च
॥ ८क ॥

P2-0985 · 9
अथ पूजाप्रयोगः:
प्रातःकृत्यादिकं कृत्वा मन्त्राचमनं कुर्यात् ।
यथा:
लक्ष्मीमायाकूर्चबीजैस्त्रिभिः पीत्वाम्बु साधकः ।
वाग्भवेनोष्ठौ संमृज्य मायाभ्याञ्च द्विरुन्मृजेत् ।
कूर्चेन क्षालयेत् पाणी एभिर्मन्त्रैश्च विन्यसेत् ।
श्रीमायाकूर्चवाक्कामत्रिपुटाभगवर्णकैः ।
कामकलाङ्कुशाभ्याञ्च वक्त्रनासाक्षिश्रोत्रयोः ।
नाभिहृन्मस्तकञ्चांसौ स्पृष्ट्वाशम्भुर्भवेत् क्षणात् ।
आचम्यैवं छिन्नमस्तां वत्सरात्तां प्रपश्यति
॥ ९ ॥

P2-0986 · 10
ततः प्राणायामान्तं विधाय षोढान्यासं कुर्यात् ।
मन्त्रषोढां ततः कुर्यात् त्रैलोक्यवशकारिणीम् ।
श्रीबालात्रिपुटायोनिप्रासादप्रणवैस्तथा ।
कालीवध्वङ्कुशैः कामकलाकूर्चास्त्रकैः क्रमात् ।
षोडशीमनुवर्णैश्च पृथगष्टदशाक्षरैः ।
एभिर्बीजैर्मातृकार्णान् स्वेषु स्थानेषु विन्यसेत् ।
एषा ब्रह्मस्वरूपा हि बीजषोढा प्रकीर्तिता
॥ १० ॥

P2-0987 · 11
अस्याश्च न्यसनात्सव वज्रदेहा भवन्ति हि सर्वैश्वर्ययुतास्ते हि
जीवन्मुक्ता दशाब्दतः
॥ ११ ॥

P2-0988 · 12
ततः ऋष्यादिन्यासं कुर्यात्:
अस्य मन्त्रस्य भैरव - ऋषिः सम्राट छन्दश्छिन्नमस्ता देवता
हूङ्कारद्वयं बीजं स्वाहा शक्तिरभीष्टार्थसिद्धये विनियोगः ।
यथा:
शिरसि भैरवाय ऋषये नमः ।
मुखे सम्राट् छन्दसे नमः ।
हृदि छिन्नमस्तायै देवतायै नमः ।
गुह्ये हूं हूं बीजाय नमः ।
पादयोः स्वाहा शक्तये नमः
॥ १२ ॥

P2-0989 · 13
ततः कराङ्गन्यासौ:
ॐ आं खङ्गाय हृदयाय स्वाहा इति कनीयसि ।
ॐ ईं सुखङ्गाय शिरसे स्वाहा इति अनामा - पवित्रांगुल्योः ।
ॐ ऊं सुवज्राय शिखायै स्वाहा इति मध्यमयोः ।
ॐ ऐं पाशाय कवचाय स्वाहा इति तर्जन्योः ।
ॐ औं क्रों नेत्रत्रयाय स्वाहा इति अंगुष्ठयोः ।
ॐ अः सुरक्षासुरक्षायास्त्राय फट् ।
इति करतलपृष्ठयोः ।
एवं हृदयादिषु ।
तदुक्तं भैरवतन्त्रे:
उच्चरेत् पूर्वमाकारं विन्दुलाञ्छितमस्तकम् ।
खङ्गाय हृदयायेति स्वाहा युक्तं कनीयसि ।
ईकारञ्च ततो देवि चन्द्रकोटिसमप्रभम् ।
सुखङ्गाय ततो वाच्यं शिरसे तदनन्तरम् ।
स्वाहायुक्तं ततो वाच्यं पवित्रांगुलिसंयुतम् ।
ऊकारञ्च ततो वाच्यं विन्दुलाञ्छितमस्तकम् ।
सुवज्राय ततो वाच्यं शिखायै तदनन्तरम् ।
स्वाहान्तं मध्यमायाञ्च विन्यसेत्तदनन्तरम् ।
मात्रां द्वादशिकां देवीं विन्यसेच्च ततः परम् ।
पाशायेति समुच्चार्य प्रवदेत् कवचाय च ।
स्वाहान्तं विन्यसेन्मन्त्रं तर्जन्यां तदनन्तरम् ।
औङ्काराञ्चततो देवि चांकुशं तदनन्तरम् ।
नेत्रत्रयाय स्वाहान्तमंगुष्ठे करयोर्द्वयोः ।
अकारञ्च विसर्गान्तं सुरक्षाक्षरसंयुतम् ।
असुरक्षाय संयुक्तं अस्त्रायेति ततः परम् ।
कडक्षरसमायुक्तं विन्यसेत् करयोर्द्वयोः ।
अङ्गन्यासस्य प्रमाणम्:
हृदि मूर्ध्निशिखायाञ्च कवचे नेत्रमण्डले ।
यावदस्त्रं चतुर्दिक्षु विदिक्षु च यथाक्रमम् ।
त्रिशक्तितन्त्रे भैरववाक्यम्:
उच्चरेत्प्रणवं पूर्वमाकारं विन्दुसंयुतम् ।
इत्यादिवाक्यात्कराङ्गेषु प्रणवसंवलितो न्यासः
॥ १३ ॥

P2-0990 · 14
ततो मूलेन मस्तकादिपादपर्यन्तं पादादिमस्तकान्तं
वारत्रयं न्यसेत्
॥ १४ ॥

P2-0991 · 15
ततो ध्यानम्:
स्वनाभौ नीरजं ध्यायेच्छुद्धं विकसितं सितम् ।
तत्पद्मकोषमध्ये तु मण्डलं चण्डरोचिषः ।
जवाकुसुमसङ्काशं रक्तबन्धूकसन्निभम् ।
रजःसत्त्वतमोरेखायोनिमण्डलमण्डितम् ।
मध्ये तु तां महादेवीं सूर्यकोटिसमप्रभाम् ।
छिन्नमस्तां करे वामे धारयन्तीं स्वमस्तकम्
॥ १५ ॥

P2-0992 · 15ka
प्रसारितमुखीं भीमां लेलिहानोग्रजिह्विकाम् ।
पिबन्तीं रौधिरीं धारां निजकण्ठविनिर्गताम् ।
विकीर्णकेशपाशाञ्च नानापुष्पसमन्विताम् ।
दक्षिणे च करे कर्त्री मुण्डमालाविभूषिताम् ।
दिगम्बरीं महाघोरं प्रत्यालीढपदे स्थिताम् ।
अस्थिमालाधरां देवीं नागयज्ञोपवीतिनीम् ।
रतिकामोपविष्टाञ्च सदा ध्यायन्ति मन्त्रिणः ।
सदा षोडशवर्षीयां पीनोन्नतपयोधराम् ।
विपरीतरतासक्तौ ध्यायेद्रतिमनोभवौ ।
डाकिनी वर्णिनीयुक्तां वामदक्षिणयोगतः ।
देवीगलोच्छलद्रक्तधारापानं प्रकुर्वतीम् ।
वर्णिनीं लोहितां सौम्यां मुक्तकेशीं दिगम्बरीम् ।
कपालकर्त्तृकाहस्तां वामदक्षिणयोगतः ।
नगयज्ञोपवीताढ्यं ज्वलत्तेजोमयीमिव ।
प्रत्यालीढपदां दिव्यां नानालङ्कारभूषिताम् ।
सदा द्वादशवर्षीयामस्थिमालाविभूषिताम् ।
डाकिनीं वामपार्श्वस्थां कल्पसूर्यानलोपमाम् ।
विद्युज्जटां त्रिनयनां दन्तपंक्तिबलाकिनीम् ।
दंष्ट्राकरालवदनां पीनोन्नतपयोधराम् ।
महादेवीं महाघोरां मुक्तकेशीं दिगम्बरीम् ।
लेलिहानमहाजिह्वां मुण्डमालाविभूषिताम् ।
कपालकर्तृकाहस्तां वामदक्षिणयोगतः ।
देवीगलोच्छद्रक्तधारापानं प्रकुर्वीतम् ।
करस्थितकपालेन भीषणेनातिभीषणाम् ।
आभ्यां विषेव्यमाणां तां ध्यायेद्देवीं विचक्षणः ।
पिवन्तीमिति तेन मुखेनेति शेषः ।
तथा च:
स्वमस्तकं सखर्परं रक्तधाराभिपूरितम् ।
ललजिह्वं महाभीमं धृतं वामभुजे तथा ।
इति भैरवतन्त्रे पाठः
॥ १५क ॥

P2-0993 · 16
ध्यानस्यावश्यकत्वमाह तन्त्रे:
प्रचण्डचण्डिकामेवमध्यात्वा यस्तु पूजयेत् ।
सद्यस्तस्य शिरश्छित्त्वा देवी पिबति शोणितम्
॥ १६ ॥

P2-0994 · 17
अस्याः पूजायन्त्रम् ।
तत्रैव:
सितं कुर्याद्दलं पूर्वमाग्नेयां रक्तवर्णकम् ।
याम्यं कृष्णमतः पीतं शुक्लं रक्तं सितासितम् ।
ततः पीतां प्रकुर्वीत कर्णिकां तस्य मध्यगाम् ।
तन्मध्ये तु प्रकूर्वीत मण्डलं चण्डरोचिषः ।
रजः सत्त्वतमोरेखा रक्तशुक्लासिताः क्रमात् ।
मायायुग्मं ततो न्यस्य फडक्षरसमन्वितम् ।
वाह्यं तस्य च चक्रस्य कुर्यात्प्राकारवेष्टितम् ।
पूर्वं रक्तं ततः कृष्णं सितं पीतं यथाक्रमात् ।
चतुर्द्वारसमायुक्तं क्षेत्रपालैरधिष्ठितम् ।
इत्यस्याः पूजायन्त्रम्
॥ १७ ॥

P2-0995 · 18
अथवा:
त्रिकोणं विन्यसेदादौ तन्मध्ये मण्डलत्रयम् ।
तन्मध्ये विन्यसेद्योनिं द्वारत्रयसमन्वितम् ।
वहिरष्टदलं पद्मं भुविम्बत्रितयं पुनः ।
कूर्चबीजं लिखेन्मध्ये त्रिकोणे फट्समन्वितम् ।
(चित्र ३३) ।
यथा च:
अपरञ्च प्रवक्ष्यामि शृणु देवि यथाक्रम ।
स्वनाभौ नीरजं ध्यायेद्भानुमण्डलसन्निभम् ।
योनिचक्रसमायुक्तां गुणत्रितयसंश्रितम् ।
तत्र मध्ये महादेवीं छिन्नमस्तां स्मरेद्यतिः ।
प्रदीपकलिकाकारामद्वितीयव्यवस्थिताम् ।
योनिमुद्रासमायुक्तं हृदयस्थितलोचनाम् ।
ध्येयमेतद्-यतीनाञ्च गृहस्थानं निशामय
॥ १८ ॥

P2-0996 · 19
यथा:
अन्तरे स्वशरीरस्य नाभिनीरजसङ्गताम् ।
निर्लेपां निर्गुणां सूक्ष्मां वा बालचन्द्रसमप्रभाम् ।
समाधिनात्रगम्यान्तु गुणत्रितयवेष्टिताम् ।
कलातीतां गुणातीतां मुक्तिमात्रप्रदायिनीम् ।
एवं ध्यात्वा मानसैः सम्पूज्य तारिणीवच्छङ्खस्थापनं
कुर्यात्
॥ १९ ॥

P2-0997 · 20
ततः पीठपूजा:
आधारशक्तये, प्रकृतये, कूर्माय, अनन्ताय, पृथिव्यै,
क्षीरसमुद्राय, रत्नद्वीपाय, कल्पवृक्षाय, तदधः
स्वर्णसिंहासनाय, आनन्दकन्दाय सम्विन्नालाय,
सर्वतत्त्वात्मकपद्माय, सं सत्त्वाय, रं रजसे, तं तमसे, आं
आत्मने, अं अन्तरात्मने, पं परमात्मने, ह्रीं ज्ञानात्मने ।
नमः सर्वत्र ।
पद्ममध्ये रतिकामाभ्याम्
॥ २० ॥

P2-0998 · 21
भैरवमते तु:
आधारशक्तिं कूर्मञ्च नागराजमतःपरम् ।
पद्मनालञ्च पद्मञ्च पूजयेन्मन्त्रविन्नरः ।
मण्डलं चतुरस्रञ्च रजः सत्त्वं तमस्तथा ।
रतिकामौ च सम्पूज्य शक्तिपूजां समाचरेत् ।
इति रतिकामोपरि वज्रवैरोचनीये देहि देहि एहि एहि गृह्ण गृह्ण स्वाहा
मम सिद्धिं देहि देहि मम शत्रून् मारय मारय करालिके हुं
फट् स्वाहा इति पीठमन्त्र ।
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत् ।
ततः पुनर्ध्यात्वा आवाहयेत्
॥ २१ ॥

P2-0999 · 22
यथा सर्वसिद्धिवर्णिनीये सर्वसिद्धिडाकिनीये वज्रवैरोचनीये
इहावह पुनस्तन्मन्त्रमुच्चार्य इह तिष्ट तिष्ट इह सन्निधेहि इह
सन्निरुध्यस्व इत्यनेनावाह्य ॐ ह्रीं क्रों हंसः इत्येनेन
प्राणप्रतिष्ठां कृत्वा ॐ आं खड्गाय हृदयाय स्वाहा
इत्यादिना षडङ्गं विन्यस्य यथाशक्ति पूजां कृत्वा बलिं
दद्यात् ।
यथा:
वज्रवैरोचनीये देहि देहि एहि एहि गृह्ण गृह्ण इमं बलिं मम
सिद्धिं देहि देहि मम शत्रून् मारय मारय करालिके हुं फट्
स्वाहा इति मन्त्रेण
॥ २२ ॥

P2-1000 · 23
ततो देव्या दक्षिणे वर्णिन्यै नमः ।
वामे ॐ डाकिन्यै नमः ।
तृतो देव्यङ्गे षडङ्गं सम्पूज्य, दक्षिणे ॐ शङ्खनिधये
नमः, वामे ॐ पद्मनिधये नमः ।
पूर्वादिदिक्षु लक्ष्मीं लज्जां मायां वाणीञ्च पूजयेत् ।
विदिक्षु ब्रह्मविष्णुरुद्रेश्वरान् ।
मध्ये सदाशिवम् ।
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत् ।
ततः पञ्चपुष्पाञ्जलीन् दत्त्वा आवरणान् पूजयेत् ।
अग्नीशासुरवायुषु मध्ये दिक्षु च ॐ आं खड्गाय हृदयाय
स्वाहा इत्यादिना षडङ्गानि सम्पूज्य, अष्टपत्रेक्षु
पूर्वादिक्रमेण ॐ ह्रीं काल्यै नमः, एवं वर्णिन्यै डाकिन्यै
भैरव्यै महाभैरव्यै इन्द्राक्ष्यै पिङ्गाक्ष्यै संहारिण्यै;
सर्वत्रैव प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत्
॥ २३ ॥

P2-1001 · 24
यथा:
एकां नामाभिधां कालीं वर्णिनीं डाकिनीं तथा ।
भैरवीञ्च महापूर्वा भैरवीं तदनन्तरम् ।
इन्द्राक्षीञ्च सपिङ्गाक्षीं ततः संहारकारिणीम् ।
पूर्वादिके दले पूज्याः शक्तयश्च यथाक्रमम् ।
प्रणवादिनमोऽन्तेन लज्जाबीजं समुच्चरन् ।
पद्ममध्ये हुं फट् नमः ।
स्वाहायै नमः ।
देव्या दक्षिणे सम्राट्छन्दसे नमः ।
देव्या उत्तरे सर्ववर्णभ्यो नमः ।
पुनर्दक्षिणे बीजशक्तिभ्यां नमः ।
पत्राग्रेषु पूर्वादिक्रमेण ब्राह्म्यै माहेश्वर्यै कौमार्यै
वैष्णव्यै वाराह्यै इन्द्राण्यै चामुण्डायै महालक्ष्म्यै ।
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत् ।
ततश्चतुर्दिक्षु द्वारेषु ॐ करालाय नमः ।
ॐ विकरालाय एवं अतिकरालाय महाकरालाय ।
यथा भैरवीये:
पूर्वद्वारे करालञ्च विकरालञ्च दक्षिणे ।
पश्चिमेऽति करालञ्च महाकरालमुत्तरे ।
ततो धूपादिविसर्जनान्तं कर्म समापयेत् ।
विसर्जने त्वयं विशेषः:
संहारमुद्रां प्रदर्श्य अञ्जलावारोप्य वामनासापुटेन,
योनिमुद्रासमारूढां प्रदीपकलिकोज्ज्वलाम् ।
कृष्णपक्षे विधुमिव क्रमेण क्षीणतां गताम् ।
इमं मन्त्रं समुच्चार्य चण्डरश्मौ निवेशयेत् ।
मन्त्रस्तु:
उत्तरे शिखरे देवि भूम्यां पर्वतवासिनी ।
ब्रह्मयोनि समुत्पन्ने गच्छ देवि ममान्तरम्
॥ २४ ॥

P2-1002 · 25
अस्य पुरश्चरणं लक्षजपः ।
सिद्धविद्यात्वात्
॥ २५ ॥

P2-1003 · 26
बलिदाने तु भैरवीये:
रात्रौ बलिः प्रदातव्यो मत्स्यमांससुरादिभिः ।
अथवा मधुपानाद्यैर्मधुरैर्विभवक्रमैः
॥ २६ ॥

P2-1004 · 27
मन्त्रस्तु:
उच्चरेत्प्रणवं पूर्वं सर्वसिद्धिप्रदेऽन्वितम् ।
वर्णिनीये ततो वाच्यं सर्वसिद्धिप्रदे ततः ।
डाकिनीये ततो वाच्यं देवीनाम ततः परम् ।
एह्येहीति ततो वाच्यम् इमं बलिमनन्तरम् ।
गृह्ण गृह्ण ततः प्रोक्त्वा मम सिद्धिमनन्तरम् ।
देहि देहीति माये च ततः फट् स्वाहया युतः ।
बलिमन्त्रः समाख्यातः पूजितोऽयं सुरेश्वरीति
॥ २७ ॥

Quellen und Textstand

  • Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
  • Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
  • Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
  • Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-0976–P2-1004


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