Chinnamasta Puja mit der kurzen Mahavidya nach dem Brihat Tantrasara
Chinnamasta Puja mit der kurzen Mahavidya nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um die im eigenen Beleg beschriebene Chinnamasta-Vidya zu verwenden.
Voraussetzungen
Vorausgesetzt sind die Kenntnis von Puja und Sanskritrezitation sowie der zu dieser Gottheitsform gehörenden Reinigung, Nyasas und Mudras. Wo die Quelle auf die allgemeine Paddhati verweist, gehört diese Vorbereitung zur Durchführung. Die Besonderheiten und die konkret belegten Formeln folgen unten.
Umfang und Überlieferung
Diese Form besitzt ein eigenes Dhyana in P2-1008; es wird vollständig beigegeben.
Durchführung
- Lege allein die in diesem Artikel bezeichnete Vidya fest und kläre die dort nur benannten Bijas.
- Vergegenwärtige Chinnamasta nach dem eigenen Dhyana oder dem ausdrücklich genannten Rückverweis.
- Führe Japa beziehungsweise die verwiesene Chinnamasta-Puja mit dieser einen Form aus. Die Quelle enthält hier keine neue vollständige Ritualordnung.
Sanskrit und deutsche Übersetzung
P2-1007 · 30
hṛllekhā mādanaṃ lakṣmīṃ vāgbhavaṃ kūrcameva ca |
astrāntā chinnamastā yā mahāvidyā prakīrtitā |
asyāstu sadṛśī vidyā jagatsvapi na vidyate |
ṣaḍvarṇo'yaṃ manuḥ sākṣānmokṣado nātra saṃśayaḥ
|| 30 ||
Hṛllekhā, Madana, Lakṣmī, Vāgbhava und Kūrca, endend mit Astra: Die so gebildete Chinnamastā wird als große Vidyā erklärt. Eine Vidyā ihresgleichen gibt es auch in den Welten nicht. Dieser sechssilbige Mantra gewährt unmittelbar Befreiung; daran besteht kein Zweifel.
P2-1008 · 31
asyā
dhyānamahaṃ vakṣye śṛṇuṣva kamalānane |
pratyālīḍhapadāṃ sadaiva dadhatīṃ chinnaṃ śiraḥ kartṛkāṃ,
digvastrāṃ svakabandhaśoṇitasudhādhārāṃ pibantīṃ mudā |
nāgāvaddhaśiromaṇiṃ trinayanāṃ hṛdyutpalālaṃkṛtāṃ,
ratyāsaktamanobhavopari dṛḍhāṃ dhyāyejjavāsannibhām |
dakṣe cātisitā vimuktacikurā kartī tathā kharparaṃ, hastābhyāṃ
dadhatī rajoguṇabhavā nāmnāpi varṇinī |
devyāśchinnakabandhataḥ patadasṛgdhārāṃ pibantī mudā,
nāgāvaddhaśiromaṇirmanuvidā dhyeyā sadā sā suraiḥ |
vāme kṛṣṇatanūstathaiva dadhatī khaḍgaṃ tathā kharparaṃ,
pratyālīḍhapadā kabandha - vigaladraktaṃ pibantī mudā |
saiṣā yā pralaye samastabhuvanaṃ bhoktuṃ kṣamā tāmasī, śaktiḥ
sāpi parātparā bhagavatī nāmnā parā ḍākinī |
iti dhyānam |
asyāḥ pūjādikaṃ sarvaṃ ṣoḍaśīvatkāryam
|| 31 ||
Ich will ihre Meditation erklären; höre, o Lotusgesichtige. Man meditiere sie in Pratyālīḍha-Haltung, stets den abgetrennten Kopf und das Schneidemesser haltend, mit den Himmelsrichtungen als Gewand, freudig den Nektarstrom des Blutes aus ihrem eigenen kopflosen Rumpf trinkend. Ihr Kopfjuwel ist mit einer Schlange umbunden; sie hat drei Augen und ist am Herzen mit einem Lotus geschmückt. Fest steht sie auf Manobhava, der in die Vereinigung mit Rati vertieft ist, und gleicht dem Hibiskus. Rechts [ist] die überaus Weiße mit gelöstem Haar, die in beiden Händen Schneidemesser und Schädelschale hält, aus Rajas entstanden und Varṇinī genannt. Freudig trinkt sie den Blutstrom, der aus dem abgetrennten Rumpf der Göttin fällt. Ihr Kopfjuwel ist mit einer Schlange umbunden; stets ist sie vom Mantra-Kundigen und von den Göttern zu meditieren. Links [ist] die Schwarzleibige, die ebenso Schwert und Schädelschale hält, in Pratyālīḍha-Haltung steht und freudig das aus dem Rumpf strömende Blut trinkt. Sie, die bei der Weltauflösung sämtliche Welten zu verschlingen vermag, ist die tamasische Kraft; auch sie ist die höchste der höchsten, die erhabene Göttin namens höchste Ḍākinī. Dies ist die Meditation. Ihre Verehrung und alles Weitere sind wie bei Ṣoḍaśī auszuführen. [Die Farbe Varṇinīs wird hier weiß angegeben, während die frühere Meditation sie rot nennt.]
Ergänzungen zu ausdrücklichen Rückverweisen
Die folgenden Stellen erläutern die im Ablauf vorausgesetzten Mantras oder Teilhandlungen. Sie bilden hier keine zusätzliche, vollständig zu wiederholende Puja.
P2-1023 · 46
kathitāḥ sakalā vidyāḥ sārātsāratarāḥ śubhāḥ |
āsāṃ ṛṣirbhairavo'haṃ nāmnā tu krodhabhūpatiḥ |
samrāṭchando devatā ca chinnamastā prakīrtitā |
ṣaḍdīrghabhāksvareṇaiva praṇavādyena sundari |
khaḍgādyena ṭhaṭhāntāni ṣaḍaṅgāni prakalpayet
|| 46 ||
Sämtliche heilvollen Vidyās, die Essenz der Essenz, sind erklärt. Ihr Seher bin ich, Bhairava, mit dem Namen Krodhabhūpati, der König des Zorns. Das Versmaß ist Samrāṭ, die Gottheit wird als Chinnamastā erklärt. Mit dem Vokal, der die sechs langen [Vokale] annimmt, dem Praṇava am Anfang, Khaḍga und den weiteren [Namen] und ṭha ṭha am Ende bilde man die sechs Glieder, o Schöne.
P2-1024 · 48
nāridoṣādikañcāsāṃ tāḥ susiddhāḥ surāsuraiḥ |
sakaleṣu ca varṇeṣu sakaleṣvāśrameṣu ca |
antimeṣu ca varṇasu bhuktimuktipradāyikā |
prāṇavādyāśca yā vidyāḥ śūdrādau na samīritāḥ |
asyāñcaiva viśeṣo'yaṃ yoṣiccetsamupāsayet |
ḍākinī sā bhavatyeva ḍākinībhiḥ prajāyate |
patihīnā putrahīnā yathā syāt siddhayoginī |
iti te kathitaṃ tattvaṃ rahasyamakhilaṃ priye |
ati snehataraṅgena bhaktyā dāso'smi te priye
|| 48 ||
Bei diesen gibt es keine Fehler wie Ari und die übrigen [die Vorlage liest entstellt „nāridoṣa“]; sie sind durch Götter und Asuras vollkommen vollendet. In sämtlichen sozialen Klassen, sämtlichen Lebensständen und auch in den untersten Klassen gewährt sie Genuss und Befreiung. Die Vidyās mit dem Praṇava am Anfang werden jedoch für Śūdras und die übrigen nicht angegeben. Eine Besonderheit besteht hier: Wenn eine Frau sie verehrt, wird sie selbst zur Ḍākinī und [tritt mit] den Ḍākinīs [in Verbindung; „prajāyate“ ist hier nicht eindeutig]. Ohne Gatten, ohne Sohn wird sie zur vollendeten Yoginī. So habe ich dir die Wahrheit und das gesamte Geheimnis erklärt, o Liebe. Durch die Welle übergroßer Zuneigung bin ich dir hingebungsvoll ergeben, o Liebe.
P2-1025 · 49
etāsāṃ dhyānapūjādikaṃ ṣoḍaśīvatkāryam
|| 49 ||
Ihre Meditation, Verehrung und alles Weitere sind wie bei Ṣoḍaśī auszuführen.
P2-1026 · 50
nābhau śuddhāravindaṃ tadupari kamalaṃ maṇḍalaṃ caṇḍaraśmeḥ,
saṃsārasyaikasārāṃ tribhuvanajananīṃ dharmakāmodayāḍhyām |
tasminmadhye trikoṇe tritayatanudharāṃ chinnamastāṃ praśastāṃ,
tāṃ vande jñānarūpāṃ nikhilabhayaharāṃ yoginīṃ yogamudrām
|| 50 ||
Im Nabel ein reiner Lotus, darüber der Lotus [so die wiederholte Angabe der Vorlage] und die Scheibe des heftig Strahlenden; in deren mittlerem Dreieck die gepriesene Chinnamastā, die drei Leiber trägt: Die einzige Essenz des Saṃsāra, die Mutter der drei Welten, reich an der Entfaltung von Dharma und Begehren. Ich verehre sie, deren Gestalt Erkenntnis ist, die sämtliche Furcht fortnimmt, die Yoginī und Yoga-Mudrā.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.
P2-1007 · 30
हृल्लेखा मादनं लक्ष्मीं वाग्भवं कूर्चमेव च ।
अस्त्रान्ता छिन्नमस्ता या महाविद्या प्रकीर्तिता ।
अस्यास्तु सदृशी विद्या जगत्स्वपि न विद्यते ।
षड्वर्णोऽयं मनुः साक्षान्मोक्षदो नात्र संशयः
॥ ३० ॥
P2-1008 · 31
अस्या
ध्यानमहं वक्ष्ये शृणुष्व कमलानने ।
प्रत्यालीढपदां सदैव दधतीं छिन्नं शिरः कर्तृकां,
दिग्वस्त्रां स्वकबन्धशोणितसुधाधारां पिबन्तीं मुदा ।
नागावद्धशिरोमणिं त्रिनयनां हृद्युत्पलालंकृतां,
रत्यासक्तमनोभवोपरि दृढां ध्यायेज्जवासन्निभाम् ।
दक्षे चातिसिता विमुक्तचिकुरा कर्ती तथा खर्परं, हस्ताभ्यां
दधती रजोगुणभवा नाम्नापि वर्णिनी ।
देव्याश्छिन्नकबन्धतः पतदसृग्धारां पिबन्ती मुदा,
नागावद्धशिरोमणिर्मनुविदा ध्येया सदा सा सुरैः ।
वामे कृष्णतनूस्तथैव दधती खड्गं तथा खर्परं,
प्रत्यालीढपदा कबन्ध - विगलद्रक्तं पिबन्ती मुदा ।
सैषा या प्रलये समस्तभुवनं भोक्तुं क्षमा तामसी, शक्तिः
सापि परात्परा भगवती नाम्ना परा डाकिनी ।
इति ध्यानम् ।
अस्याः पूजादिकं सर्वं षोडशीवत्कार्यम्
॥ ३१ ॥
P2-1023 · 46
कथिताः सकला विद्याः सारात्सारतराः शुभाः ।
आसां ऋषिर्भैरवोऽहं नाम्ना तु क्रोधभूपतिः ।
सम्राट्छन्दो देवता च छिन्नमस्ता प्रकीर्तिता ।
षड्दीर्घभाक्स्वरेणैव प्रणवाद्येन सुन्दरि ।
खड्गाद्येन ठठान्तानि षडङ्गानि प्रकल्पयेत्
॥ ४६ ॥
P2-1024 · 48
नारिदोषादिकञ्चासां ताः सुसिद्धाः सुरासुरैः ।
सकलेषु च वर्णेषु सकलेष्वाश्रमेषु च ।
अन्तिमेषु च वर्णसु भुक्तिमुक्तिप्रदायिका ।
प्राणवाद्याश्च या विद्याः शूद्रादौ न समीरिताः ।
अस्याञ्चैव विशेषोऽयं योषिच्चेत्समुपासयेत् ।
डाकिनी सा भवत्येव डाकिनीभिः प्रजायते ।
पतिहीना पुत्रहीना यथा स्यात् सिद्धयोगिनी ।
इति ते कथितं तत्त्वं रहस्यमखिलं प्रिये ।
अति स्नेहतरङ्गेन भक्त्या दासोऽस्मि ते प्रिये
॥ ४८ ॥
P2-1025 · 49
एतासां ध्यानपूजादिकं षोडशीवत्कार्यम्
॥ ४९ ॥
P2-1026 · 50
नाभौ शुद्धारविन्दं तदुपरि कमलं मण्डलं चण्डरश्मेः,
संसारस्यैकसारां त्रिभुवनजननीं धर्मकामोदयाढ्याम् ।
तस्मिन्मध्ये त्रिकोणे त्रितयतनुधरां छिन्नमस्तां प्रशस्तां,
तां वन्दे ज्ञानरूपां निखिलभयहरां योगिनीं योगमुद्राम्
॥ ५० ॥
Quellen und Textstand
- Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
- Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
- Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
- Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-1007–P2-1008; ergänzend P2-1023–P2-1026
Siehe auch
- Brihat Tantrasara Ritualartikel Übersicht
- Prachandachandika Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Chinnamasta Puja mit der erweiterten Vajravairochani-Vidya nach dem Brihat Tantrasara
- Chinnamasta Japa mit dem doppelten Lajja-Bija nach dem Brihat Tantrasara
- Chinnamasta Japa mit der einsilbigen Vidya nach dem Brihat Tantrasara
- Chinnamasta Japa mit der doppelten Kurcha-Folge nach dem Brihat Tantrasara
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