Dhatri Puja

Aus Yogawiki

Dhatri Puja – den Amalaki-Baum als mütterliche Lebensquelle ehren verbindet Baumverehrung, Ahnengedenken und die Bitte um Weisheit. In der Dhatri Puja wird der Amalaki-Baum als mütterliche Gestalt und Wohnort Damodaras verehrt. Der Puja Samuccaya ordnet die Anleitung in seinen Kartika-Festkreis ein; ein bestimmter Mondtag und eine feste Uhrzeit werden in diesem Kapitel nicht festgelegt. Die gelobende Person handelt am Baum, ein eingeladener Brahmane empfängt die Schlussgabe.

Vorbereitung

Wähle einen frei zugänglichen Amalaki-Baum, dessen Umgebung die Feier erlaubt. Bereite 21 Blüten, einen lockeren Baumwollfaden, vier kleine Reisspeisen, acht standsichere Lichter, eine Bronzeschale, Kurkuma, Kumkum, einen symbolischen Schmuck und Gold (bzw. die unten erläuterte Geldgabe) vor. Für die Verehrung am Baum: sauberes Wasser, Löffel und Auffangschale; kleines Tuch und Baumwollfaden; Sandelduft, ungebrochene Reiskörner und Blumen; Räucherwerk; eine gefüllte Lampe mit Docht und Ghee (bzw. Pflanzenöl); vegetarische Speise, Betelblatt und Arekanuss als rituelle Gabe sowie eine Geldgabe. Pflanzenöl ist die heutige vegane Alternative. Verzehrbare Gaben werden nach der Verehrung als Prasad geteilt; aufgefangenes Wasser kommt an einen geeigneten sauberen Ort, Blumen werden kompostiert.

Durchführung

1. Reinigen und die Absicht aussprechen
Bade, ziehe saubere Kleidung an und bereite den Platz vor. Setze dich gesammelt hin. Der folgende deutsche Sankalpa ist eine praktische Fassung des im Quelltext längeren Vorsatzes: „Ich verehre Dhatri und bitte um ein gutes Leben für meine Familie, um Einsicht, Kraft und beständige Hingabe an Vishnu.“

2. Den Baum als heilige Gegenwart ehren
Verehre den Amalaki-Baum als Dhatri. Die Quelle sieht eine sechzehnfache Namensverehrung vor. Biete Wasser am Fuß des Baumes an; Tuch, Schmuck, Kurkuma und Kumkum werden an einer kleinen sauberen Ablage vor dem Stamm dargebracht. Eine lebende Rinde wird nicht mit Ölen oder Farbpasten bestrichen. Diese praktische Rücksicht ändert den Inhalt der Gabe nicht. Die folgende Puja entfaltet die im Ritualtext vorgeschriebene Verehrung mit dem Namen der Gottheit. Sprich bei jeder Gabe denselben vollständigen Namensgruß; die jeweilige Handlung ist der Ausdruck deiner Einladung. oṃ dhātryai namaḥ |

ॐ धात्र्यै नमः ।

Om, Verehrung Dhatri, der Tragenden.

  1. Einladen und Sitz anbieten: Bitte Dhatri, deine Verehrung anzunehmen, und lege eine Blüte auf die vorbereitete Ablage vor dem Baum.
  2. Fußwasser, Ehrenwasser und Mundwasser: Gib für jede dieser drei Gaben getrennt einen Löffel Wasser in die Auffangschale. Beim Ehrenwasser liegen Blüte und ein paar Reiskörner in deiner Gabe.
  3. Baden: Biete dem Baum wenig reines Wasser zum Bad an. Die übrigen Wassergaben werden in der Schale aufgefangen.
  4. Gewand und heilige Schnur: Lege das saubere kleine Tuch und einen Baumwollfaden als ehrende Gaben auf die Ablage vor dem Baum.
  5. Duft, Reiskörner und Blüten: Bringe nacheinander Sandelduft, ungebrochenen Reis und die vorgesehenen Blumen dar.
  6. Räucherwerk und Licht: Zeige den Duft und anschließend das bereits brennende Licht in ruhiger Bewegung vor dem Baum.
  7. Speise: Stelle die frische vegetarische Speise hin. Biete einen Löffel Wasser in der Schale an, verweile kurz schweigend und biete nochmals Wasser zum Abschluss der Mahlzeit an.
  8. Betelgabe und Gabe: Lege ein Betelblatt mit Arekanuss, soweit vorhanden, und die vorbereitete Geldgabe dazu. Diese rituelle Betelgabe ist nicht zum eigenen Verzehr bestimmt.
  9. Lichtgruß und Verneigung: Führe die Lampe vor dem Baum und verneige dich mit gefalteten Händen.


3. Einundzwanzig Namensgaben
Lege bei jedem der folgenden 21 Namen eine Blüte an die vorbereitete Stelle. Die Formel bedeutet jeweils „Om, Verehrung …“.

oṃ dhātryai namaḥ |

ॐ धात्र्यै नमः ।

Verehrung der Tragenden.

oṃ śāntyai namaḥ |

ॐ शान्त्यै नमः ।

Verehrung dem Frieden.

oṃ kāntyai namaḥ |

ॐ कान्त्यै नमः ।

Verehrung der Schönheit.

oṃ medhāyai namaḥ |

ॐ मेधायै नमः ।

Verehrung der Einsicht.

oṃ prakṛtyai namaḥ |

ॐ प्रकृत्यै नमः ।

Verehrung der Urnatur.

oṃ viṣṇupatnyai namaḥ |

ॐ विष्णुपत्न्यै नमः ।

Verehrung Vishnus Gefährtin.

oṃ mahālakṣmyai namaḥ |

ॐ महालक्ष्म्यै नमः ।

Verehrung Mahalakshmi.

oṃ ramāyai namaḥ |

ॐ रमायै नमः ।

Verehrung Rama, der erfreuenden Lakshmi.

oṃ kamalāyai namaḥ |

ॐ कमलायै नमः ।

Verehrung der Lotusgleichen.

oṃ indrāṇyai namaḥ |

ॐ इन्द्राण्यै नमः ।

Verehrung Indrani.

oṃ lokamātre namaḥ |

ॐ लोकमात्रे नमः ।

Verehrung der Mutter der Welt.

oṃ kalyāṇyai namaḥ |

ॐ कल्याण्यै नमः ।

Verehrung der Segensreichen.

oṃ kamanīyāyai namaḥ |

ॐ कमनीयायै नमः ।

Verehrung der Liebenswerten.

oṃ sāvitryai namaḥ |

ॐ सावित्र्यै नमः ।

Verehrung Savitri.

oṃ jagaddhātryai namaḥ |

ॐ जगद्धात्र्यै नमः ।

Verehrung der Trägerin der Welt.

oṃ gāyatryai namaḥ |

ॐ गायत्र्यै नमः ।

Verehrung Gayatri.

oṃ sudhṛtyai namaḥ |

ॐ सुधृत्यै नमः ।

Verehrung der guten Festigkeit.

oṃ avyaktāyai namaḥ |

ॐ अव्यक्तायै नमः ।

Verehrung der Unentfalteten.

oṃ viśvarūpāyai namaḥ |

ॐ विश्वरूपायै नमः ।

Verehrung der Allgestaltigen.

oṃ surūpāyai namaḥ |

ॐ सुरूपायै नमः ।

Verehrung der Wohlgestalteten.

oṃ abdhibhavāyai namaḥ |

ॐ अब्धिभवायै नमः ।

Verehrung der aus dem Ozean Entstandenen.


4. Die Ahnen und alle Wesen erquicken
Gieße in zwei kleinen Gaben reines Wasser an die Wurzeln. Träger der heiligen Schnur belassen sie über der linken Schulter. Sprich zur ersten Gabe: pitā pitāmahaś cānye aputrā ye ca gotriṇaḥ |
vṛkṣayonigatā ye ca ye ca kīṭatvam āgatāḥ ||
raurave narake ye ca mahārauravasaṃjñake |
tiryagyonigatā ye ca ye ca brahmāṇḍamadhyagāḥ ||
piśācatvaṃ gatā ye ca ye ca pretatvam āgatāḥ |
te pibantu mayā dattaṃ dhātrīmūle akṣayaṃ payaḥ ||

पिता पितामहश् चान्ये अपुत्रा ये च गोत्रिणः ।
वृक्षयोनिगता ये च ये च कीटत्वम् आगताः ।।
रौरवे नरके ये च महारौरवसंज्ञके ।
तिर्यग्योनिगता ये च ये च ब्रह्माण्डमध्यगाः ।।
पिशाचत्वं गता ये च ये च प्रेतत्वम् आगताः ।
ते पिबन्तु मया दत्तं धात्रीमूले अक्षयं पयः ।।

Vater, Großvater und andere Angehörige, auch die ohne Nachkommen; jene, die als Bäume oder kleine Lebewesen wiedergeboren sind; jene in Raurava und Maharaurava, in tierischer Geburt oder irgendwo im Weltall; jene im Zustand von Pishachas oder Preta: Mögen sie das an Dhatris Wurzel gegebene, unerschöpfliche Wasser trinken. Zur zweiten Gabe: ābrahmastambaparyantaṃ devarṣipitṛmānavāḥ |
tṛpyantu pitaraḥ sarve mātṛmātāmahādayaḥ ||

आब्रह्मस्तम्बपर्यन्तं देवर्षिपितृमानवाः ।
तृप्यन्तु पितरः सर्वे मातृमातामहादयः ।।

Von Brahma bis zum Grashalm: Götter, Weise, Ahnen und Menschen; mögen alle Ahnen, Mütter, Großväter mütterlicherseits und die übrigen Angehörigen Erquickung finden.


5. Faden, Speisegaben und acht Lichter
Lege einen lockeren Baumwollfaden um den Baum, ohne die Rinde einzuschnüren: dāmodaranivāsāyai dhātryai devyai namo namaḥ |
sūtreṇānena badhnāmi sarvadevanivāsinīm ||

दामोदरनिवासायै धात्र्यै देव्यै नमो नमः ।
सूत्रेणानेन बध्नामि सर्वदेवनिवासिनीम् ।।

Wieder und wieder Verehrung der Göttin Dhatri, in der Damodara wohnt. Mit diesem Faden umwinde ich sie, in der alle Götter gegenwärtig sind. Stelle in den vier Hauptrichtungen je eine kleine Reisspeise als Bali auf Blättern oder Schalen bereit. Sprich zu jeder Gabe „oṃ dhātryai namaḥ“, wie oben ausgeschrieben. Entzünde an sicheren Plätzen acht Lichter für die acht Richtungen. Sie enthalten Ghee (bzw. Pflanzenöl). Sprich: ime dīpā mayā dattāḥ pradīptā ghṛtapūritāḥ |
dhātri devi namas tubhyam ataḥ śāntiṃ prayaccha me ||

इमे दीपा मया दत्ताः प्रदीप्ता घृतपूरिताः ।
धात्रि देवि नमस् तुभ्यम् अतः शान्तिं प्रयच्छ मे ।।

Diese von mir gegebenen, mit Ghee gefüllten Lichter brennen. Göttin Dhatri, Verehrung dir; schenke mir Frieden.


6. Acht Umrundungen und Schlussgabe
Umrunde den Baum achtmal und verneige dich. Sprich: dhātri devi namas tubhyaṃ sarvapāpakṣayaṃkari |
putrān dehi mahāprājñe yaśo dehi balaṃ ca me ||
prajñāṃ medhāṃ ca saubhāgyaṃ viṣṇubhaktiṃ ca śāśvatīm |
nīrogaṃ kuru māṃ nityaṃ niṣpāpaṃ kuru sarvadā ||
sarvasvaṃ kuru māṃ devi dhanavantaṃ tathā kuru |
saṃvatsarakṛtaṃ pāpaṃ dūrīkuru mamākṣaye ||

धात्रि देवि नमस् तुभ्यं सर्वपापक्षयंकरि ।
पुत्रान् देहि महाप्राज्ञे यशो देहि बलं च मे ।।
प्रज्ञां मेधां च सौभाग्यं विष्णुभक्तिं च शाश्वतीम् ।
नीरोगं कुरु मां नित्यं निष्पापं कुरु सर्वदा ।।
सर्वस्वं कुरु मां देवि धनवन्तं तथा कुरु ।
संवत्सरकृतं पापं दूरीकुरु ममाक्षये ।।

Göttin Dhatri, Verehrung dir, die alle Verfehlung auflöst. Schenke Kinder, du Einsichtsvolle, guten Ruf und Kraft; Verstehen, Weisheit, gutes Geschick und bleibende Hingabe an Vishnu. Lass mich frei von Krankheit und Verfehlung leben. Mache mich ganz zu deinem Eigen und schenke mir Lebensunterhalt; Unvergängliche, nimm hinweg, was ich im vergangenen Jahr an Verfehlung getan habe. Übergib einem vorher eingeladenen Brahmanen eine Bronzeschale mit Ghee (bzw. Pflanzenöl) und einer Goldgabe. Eine einfache Geldgabe statt Gold ist eine heutige Anpassung. Der überlieferte Gabenvers lautet: ājyaṃ tejaḥ samuddiṣṭam ājyaṃ pāpaharaṃ smṛtam |
ājyaṃ surāṇām āhāra ājye devāḥ pratiṣṭhitāḥ ||

आज्यं तेजः समुद्दिष्टम् आज्यं पापहरं स्मृतम् ।
आज्यं सुराणाम् आहार आज्ये देवाः प्रतिष्ठिताः ।।

Ghee wird als Leuchtkraft bezeichnet und als Tilger von Verfehlung erinnert. Ghee ist Nahrung der Götter; in ihm haben die Götter ihren rituellen Sitz. Nimm nach der Feier die Schalen und Lichter mit. Entferne den Faden behutsam, wenn er als Festschmuck nicht länger gebraucht wird.

Innerer Abschluss

Eine freie Anregung: Kehre zu diesem Baum zurück und schaue nach seinem Zustand. Ein Ritual an lebendigem Holz trägt weiter, wenn aus dem einmaligen Gruß auch Aufmerksamkeit für Wasser, Erde und Wachstum entsteht.

Quellen und Vertiefung

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