Shrichakra Sadhanam: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Yogawiki
Yoga Vidya (Diskussion | Beiträge)
Die Seite wurde neu angelegt: „'''Shrichakra Sadhanam''' (Sanskrit: ''śrīcakrasādhanam''), auch '''Sri Chakra Sadhanam''' oder '''Śrīcakra Sādhana''', ist ein kurzer tantrischer Praxistext zur Arbeit mit dem Śrīcakra. Die Muktabodha-Datei M00652 beruht auf Manuskript 1300k des Raghunath Temple in Jammu; die Handschrift umfasst zehn Blätter und wird unter ''tantra'' geführt. Der Text ist kein allgemeines Lehrbuch des Śrīcakra, sondern ein spezielles Sādhana-…“
 
Yoga Vidya (Diskussion | Beiträge)
 
(5 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 3: Zeile 3:
Der Text ist kein allgemeines Lehrbuch des [[Sri Yantra|Śrīcakra]], sondern ein spezielles Sādhana- und Prayoga-Handbuch. Er verbindet Cakra-Zeichnung, Mātṛkā, Kāmakalā, Pūjā und Dhyāna mit historischen Wirkungsritualen.
Der Text ist kein allgemeines Lehrbuch des [[Sri Yantra|Śrīcakra]], sondern ein spezielles Sādhana- und Prayoga-Handbuch. Er verbindet Cakra-Zeichnung, Mātṛkā, Kāmakalā, Pūjā und Dhyāna mit historischen Wirkungsritualen.


[[Datei:Sriyantra-wiki-800.jpg|thumb|Das [[Sri Yantra|Śrīcakra]] ist eines der bekanntesten Yantras der Śrīvidyā-Tradition.]]
[[Datei:Sri-yantra.jpg|thumb|Das [[Sri Yantra|Śrīcakra]] ist eines der bekanntesten Yantras der Śrīvidyā-Tradition.]]


== Charakter des Werkes ==
== Charakter des Werkes ==
Zeile 264: Zeile 264:
== Verhältnis zur Śrīvidyā ==
== Verhältnis zur Śrīvidyā ==


Das Werk nennt Mahātripurasundarī, Kāmakūṭa, Kāmakalā und Mātṛkā. Es gehört damit in den weiteren Horizont der [[Sri Vidya|Śrīvidyā]]. Zugleich ist sein Schwerpunkt wesentlich stärker prayoga- und wirkungsorientiert als etwa in rein kontemplativen Śrīvidyā-Texten.
Das Werk nennt [[Mahatripurasundari|Mahātripurasundarī]], [[Kamakuta|Kāmakūṭa]], [[Mahakala Samhita Kamakala Khanda|Kāmakalā]] und [[Matrika|Mātṛkā]]. Es gehört damit in den weiteren Horizont der [[Sri Vidya|Śrīvidyā]]. Zugleich ist sein Schwerpunkt wesentlich stärker auf [[Prayoga|Prayoga]], konkrete [[Mantra]]-Anwendung und rituelle Wirksamkeit ausgerichtet als bei stärker kontemplativen Śrīvidyā-Texten.


Zur Vertiefung von Yantra, Mantra und Meditation:
Zur Vertiefung von Yantra, Mantra und Meditation:


{#ev:youtube|S4WxWG_D11Y}
{#ev:youtube|S4WxWG_D11Y}
== Vollständige deutsche Übersetzung des Shrichakra Sadhanam ==
'''Vorbemerkung zur Übersetzung'''<br>
Die folgende Übersetzung gibt den vollständigen erhaltenen Text des ''Śrīcakra Sādhanam'' nach der diplomatischen Muktabodha-Transkription M00652 wieder. Die Handschrift enthält stellenweise ungewöhnliche Schreibungen, grammatische Unebenheiten und einzelne schwer verständliche Passagen. Solche Stellen werden möglichst eng am überlieferten Sinn übersetzt und nicht stillschweigend nach anderen Fassungen rekonstruiert.
=== Beginn des Shrichakra-Sadhana ===
Om. Verehrung dem erhabenen [[Ganesha|Gaṇeśa]].
Nun folgt die Methode der Praxis des [[Shri Chakra|Śrīcakra]].
Im ''Jñānārṇava'' heißt es:
„Höre, o du in allen Gliedern Schöne, die höchste Methode des Śrīcakra. Schon durch die Erkenntnis dieser Lehre wird man zu einem, der wie [[Sadashiva|Sadāśiva]] erschafft und wieder auflöst.
Wo immer nach dieser Methode, verbunden mit der Ordnung des Śrīcakra, verehrt wird, dort vermag man – so erklärt der Text – alles unter seinen Einfluss zu bringen. Daran bestehe kein Zweifel.
Eine Stadt, ein Land, ein ganzes Gebiet und ebenso Menschen können dadurch unter den Einfluss des Sādhaka gelangen. Frauen werden als von der glühenden Macht des inneren Feuers erfasst beschrieben; ihr Bewusstsein werde von der Vidyā überwältigt und auf den Sādhaka ausgerichtet.
Schon beim Anblick dieser Praxis, o Göttin, so erklärt die Quelle, würden Frauen in diesen Zustand versetzt.“
=== Zeichnung des Shrichakra ===
Mit Substanzen wie [[Gorochana|Gorocanā]] soll der König der Cakras, das [[Shri Yantra|Śrīcakra]], gezeichnet werden – außerordentlich schön und anmutig.
In seiner Mitte soll man die Gestalt der betreffenden Person einzeichnen, leuchtend und mit ihrem Namen versehen. Dieser Name wird mit dem großen [[Bija Mantra|Bīja]] umgeben beziehungsweise in das Bīja eingeschlossen.
Das hier gemeinte Mahābīja ist das Kāmarāja-Kūṭa der Mūlavidyā. Die Methode dieses Einschließens – ''vidarbha'' – sei bereits zuvor gelehrt worden.
Dann soll der Sādhaka diese Gestalt meditieren.
Die Quelle erklärt, selbst eine in tausend Yojanas Entfernung lebende Person, die man noch nie gesehen habe und deren Begegnung selbst durch bloßes Hören kaum erreichbar sei, könne auf diese Weise angezogen werden.
Selbst eine Königstochter oder eine andere Frau, heißt es in der Handschrift, könne alle Scheu und Furcht verlieren und zum Sādhaka kommen, durch die Macht des Mantras überwältigt.
=== Meditation in der Mitte des Chakra ===
Wenn der Sādhaka selbst in der Mitte des Cakra verweilt, soll er sich folgendermaßen meditieren:
Er sieht sich selbst rötlich leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen.
Auch die Person, auf die die Praxis gerichtet ist, soll in entsprechender Weise meditativ vorgestellt werden.
Durch diese Art des Krama-Yoga wird der Sādhaka, so sagt der Text, selbst zu einer Erscheinung des Liebesgottes [[Kamadeva|Kandarpa]]: von großer Schönheit, von glückverheißender Ausstrahlung und fähig, die Wesen der Welt anzuziehen.
=== Verehrung des Chakra mit roten Gaben ===
Wer das Cakra mit roten Upacāras und den zugehörigen [[Mudra|Mudrās]] verehrt und darin den Namen einer bestimmten Person einschließt, dem werde diese Person nach traditioneller Vorstellung dienend zugetan – selbst wenn es sich um einen reichen Menschen oder einen Herrscher handelt.
Wird der Name einer Frau in die Mitte des Cakra gesetzt und hält der Sādhaka die Yoni-Mudrā, so behauptet der Text, könne sogar eine bisher unbekannte Frau rasch herbeigezogen werden.
Die Quelle steigert diese Aussage in typisch tantrischer Überhöhung: selbst eine Königstochter, Nāga-Frau, Apsaras, Khecarī, Asura-Frau, Vidyādharī, himmlisch schöne Frau oder die Tochter beziehungsweise Gattin eines Ṛṣi könne dadurch angezogen werden.
Sie wird poetisch als von der Hitze des Liebesfeuers erfüllt, vom Pfeil des Kāma getroffen und mit unsteten Augen beschrieben.
Durch Meditation auf die große [[Kamakala|Kāmakalā]], so fährt der Text fort, könne der Sādhaka die Frauen der Himmelswelt, der Erde und der Unterwelten erregen.
=== Tilaka für Vashikarana ===
Nun folgt eine Anwendung eines Tilaka zur traditionellen Praxis des [[Vashikarana|Vaśīkaraṇa]].
Man nehme:
* einen Teil Gorocanā,
* einen Teil [[Kumkum|Kuṅkuma]],
* zwei Teile [[Sandelholz|Candana]].
Diese Substanzen werden miteinander verrieben und zu einem Tilaka verarbeitet, das nach Aussage der Quelle die drei Welten unter Einfluss bringen könne.
Nach 108 Rezitationen des zugehörigen Mantras solle dieses Tilaka verwendet werden.
Der Text behauptet, ein König, eine Stadt oder ein Dorf – überhaupt alles, was der Mantrin mit diesem Tilaka betrachtet – komme unter seinen Einfluss.
=== Mantrierung von Gaben ===
Weiter heißt es:
Tāmbūla, Räucherwerk, Wasser, Blätter, Blumen, Früchte, Joghurt, Milch, Ghee, pulverisierte Substanzen, Kleidung, Kampfer, Moschus, Safran, Kardamom, Gewürznelken, Muskat und andere Gegenstände können verwendet werden.
Was immer davon 108-mal mit dem Mantra versehen und anschließend einer Person gegeben wird, soll diese Person nach der Vorstellung der Quelle unter den Einfluss des Gebenden bringen.
Insbesondere Frauen würden dadurch, so heißt es im Text, vollständig gefügig.
Der Text bezeichnet dies als eine Form des gewaltsamen beziehungsweise unwiderstehlichen Anziehens – ''haṭhākarṣaṇa''.
=== Ritual des Akarshana – Anziehung ===
Nun folgt das Ritual des [[Akarshana|Ākarṣaṇa]].
An einem geheimen Ort soll der Mantrin auf dem Boden mit einer geeigneten roten Substanz eine schöne weibliche Gestalt zeichnen.
Sie soll mit reizvoller Kleidung dargestellt, mit allen Schmuckstücken geschmückt und anmutig gezeichnet werden.
Auf Stirn, Hals, Herz und Nabel der dargestellten Frau sowie an weiteren Punkten des Körpers soll ihr Geburtsname beziehungsweise Name geschrieben werden.
Dieser Name wird mit der Mahāvidyā und dem Aṅkuśa-Mantra verbunden beziehungsweise darin eingeschlossen.
An allen Gelenken des Körpers werden die Buchstaben des Madana-Mantras geschrieben.
Der Sādhaka meditiert diese Punkte leuchtend wie Granatapfelblüten.
=== Meditation während des Akarshana ===
Dann wendet er sich in die betreffende Himmelsrichtung und identifiziert sich selbst meditativ mit der Göttin.
Er formt die erregende Mudrā und rezitiert das Mantra 108-mal.
Die dargestellte Person wird sodann im inneren Feuerraum meditiert, der aus den Kräften von Sonne und Mond besteht.
Sie wird als von den Pfeilen Kāmas getroffen und in allen Gliedern erschüttert vorgestellt, mit ausschließlich auf den Sādhaka gerichtetem Geist, voller Liebe, innerlich bewegt und von süßer Trunkenheit erfüllt.
Auf diese Weise, so behauptet die Quelle, könne eine Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung angezogen werden.
=== Matrika um das Chakra ===
Außerhalb des Cakra soll die vollständige [[Matrika|Mātṛkā]], also die Gesamtheit der Sanskritbuchstaben, geschrieben werden.
Dies kann auf [[Birkenrinde|Bhūrjapatra]], einer Goldplatte, Silberplatte oder auf einem geeigneten Stoff geschehen.
Der Text schreibt diesem so gestalteten Cakra Schutz vor Lebewesen und insbesondere vor wilden Tieren wie Tigern zu.
Wenn das Cakra mit der vollständigen Mātṛkā versehen, mit einem Namen gekennzeichnet und mit Kampfer, Kuṅkuma und verwandten Substanzen behandelt wird, schreibt die Quelle ihm sogar die Kraft zu, Alter und Tod zu überwinden.
=== Cakra mit Gorochana, Aguru und Kumkum ===
Auf gleiche Weise soll das Cakra mit Gorocanā, [[Aguru]] und Kuṅkuma gezeichnet werden.
Der Name der Person, auf die das Ritual gerichtet ist, wird nach dem beschriebenen Verfahren integriert.
Dieser Name wird mit dem eigenen Namen des Sādhaka verbunden.
Die Handschrift erklärt, dass dadurch jedes Wesen – unbeweglich oder beweglich – unter den Einfluss des Sādhaka gebracht werden könne.
=== Kamakuta und Namensbuchstaben ===
Mit dem strahlenden Kāmakūṭa der großen [[Tripurasundari|Tripurasundarī]] werden die Buchstaben des Namens der betreffenden Person verbunden.
Außen herum werden die Buchstaben der Mātṛkā geschrieben.
Das so vorbereitete Cakra soll in Gold gefasst beziehungsweise mit Gold verbunden und an der Śikhā oder am linken Oberarm getragen werden.
Wo immer man sich damit befinde, schreibt der Text diesem Yantra die Fähigkeit zu, die drei Welten unter Einfluss zu bringen.
Selbst ein mächtiger König könne dadurch, heißt es in der Quelle, untertan werden.
Auch Herrscher, Pferde, wilde beziehungsweise schwer beherrschbare Tiere, Tiger und Löwen würden nach dieser Vorstellung zahm.
=== Verwendung für Stadt oder Gebiet ===
Nach derselben Grundmethode kann der Name einer Stadt in das Cakra eingeschrieben werden.
Dieses soll dann in der Mitte einer Wegkreuzung oder an vier Seiten beziehungsweise in den vier Richtungen des betreffenden Gebiets niedergelegt werden.
Dadurch soll, so die Quelle, große Erregung beziehungsweise Bewegung unter den Bewohnern entstehen.
Gleiches wird für feindliche oder widerspenstige Gruppen und ganze Orte behauptet.
=== Meditation auf die Erde im Chakra ===
Wer in der Mitte dieses Cakra die gesamte Erde meditiert – mit Bergen, Wäldern und Hainen, leuchtend und von allen Königen geschmückt, umgeben vom Ozean und vom Himmelsraum – und diese Meditation sechs Monate lang ausführt, werde selbst zu einer großen Kraft der Erregung beziehungsweise Beeinflussung.
Schon durch seinen Blick, so heißt es, würden Frauen unter seinen Einfluss gelangen.
Könige, Brahmanen, Vaiśyas, Śūdras, Tiere und die ganze Welt würden durch seinen Anblick angezogen.
=== Schutz- und Heilwirkungen nach der Quelle ===
Der Text erweitert die Wirkung des Cakra nun auf Schutz- und Heilvorstellungen.
Durch bloßen Blick könne Gift neutralisiert werden.
Bhūtas, Pretas und Piśācas, verschiedene Fieberarten sowie Erkrankungen, die im Text als Śūla, Gulma und andere Leiden bezeichnet werden, würden durch den Blick des Sādhaka augenblicklich verschwinden.
Diese Aussagen gehören zur traditionellen tantrischen Vorstellungswelt und sind nicht als medizinische Aussagen im heutigen Sinn zu verstehen.
=== Sindura-Puja des Chakra ===
Wird dieses Cakra nachts mit Sindūra verehrt, so schreibt die Quelle ihm außergewöhnliche Anziehungskraft zu.
Eine Frau könne selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbeigezogen werden.
Wird das Cakra sorgfältig in einer bestimmten Haupt- oder Zwischenrichtung verehrt, so sollen die Menschen dieser entsprechenden Richtung – mitsamt Kindern und Verwandten – rasch unter den Einfluss des Sādhaka gelangen.
=== Cakra auf Birkenrinde ===
Das Cakra wird auf Bhūrjapatra mit Gorocanā, Aguru und Kuṅkuma gezeichnet.
In seiner Mitte können Name einer Stadt, eines Landes, eines Gebietes oder einer Region sowie der eigene Name entsprechend dem Vidarbha-Verfahren eingetragen werden.
Nach ordnungsgemäßer Verehrung wird es entweder in der Erde niedergelegt oder am Hals, an der Śikhā oder am Oberarm getragen.
Die Handschrift schreibt ihm auch hier die Fähigkeit zu, große Städte und sogar die drei Welten unter Einfluss zu bringen.
=== Schutz-Cakra ===
Es folgt eine weitere Herstellung.
Dhattūra-Saft wird mit einer milchigen Substanz verbunden; hinzu kommen Gorocanā, Kuṅkuma, Lākṣā beziehungsweise roter Lack sowie Moschus.
Mit dieser Mischung wird das Cakra gezeichnet und mit dem Namen der betreffenden Person versehen.
Die Quelle beschreibt es als Schutz gegen:
* Tiger,
* wilde Tiere,
* Krankheiten,
* Feinde,
* Elefanten,
* Diebe,
* schädliche Grahas,
* Gefahren durch Wasser,
* Śākinīs und Ḍākinīs,
* weitere Formen von Furcht und Unglück.
Auch fremden Mantras beziehungsweise feindlichen magischen Einwirkungen soll dieses Cakra entgegenwirken.
Wer es täglich verehrt, so heißt es, könne sogar einen vorzeitigen Tod abwenden.
=== Weitere Anwendung mit Trikona ===
Eine weitere Variante besteht darin, die betreffende Person beziehungsweise ihren Namen in die Mitte zweier Dreiecke einzutragen.
Unterhalb wird der Name zusammen mit Gorocanā und Kuṅkuma angebracht.
Nach sieben Tagen, so behauptet die Quelle, werde die betreffende Person wie ein Diener gefügig.
=== Stambhana – Stillstellung ===
Nun folgt ein traditioneller [[Stambhana|Stambhana]]-Ritus.
Das Cakra wird mit gelben Substanzen gezeichnet und mit gelben Blumen verehrt.
Der Sādhaka wendet sich nach Osten.
Der Text schreibt dieser Praxis die Fähigkeit zu, Redner beziehungsweise Gegner zum Schweigen zu bringen.
Selbst jemand mit tausend Mündern, heißt es hyperbolisch, werde augenblicklich stumm.
Wird der Name eines besonders redegewandten Menschen integriert, so werde er unbeweglich wie ein Stein.
=== Marana-Passage ===
Darauf folgt eine historische Māraṇa-Anwendung.
Die Quelle nennt Mahānīlī-Saft, die Einfügung des Namens einer feindlichen Person, die Ausrichtung nach Süden und anschließend das Verbrennen im Feuer.
Der Text bezeichnet dies ausdrücklich als Ritual zur Vernichtung eines Feindes.
Diese Passage gehört zum traditionellen Abhicāra-Material des Werkes.
=== Uccatana – Vertreibung ===
Für [[Uccatana|Uccāṭana]] nennt der Text eine Mischung unter anderem aus Büffeldung und Kuhurin.
Der Name des Gegners wird wie zuvor integriert.
Das Cakra wird aufgehängt beziehungsweise in geeigneter Weise angebracht und soll nach der Behauptung der Quelle zur Vertreibung eines Feindes führen.
=== Weitere Vashikarana-Anwendung ===
Eine Mischung aus Mahānīlī, Gorocanā, Milch und Lākṣā-Saft wird verwendet, um ein weiteres Cakra zu zeichnen.
Der Mantrin trägt es am Körper.
Der Text schreibt dieser Form die Fähigkeit zu, Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen unter Einfluss zu bringen.
=== Wasser-Ritual ===
Nach derselben Methode kann das Cakra in Wasser gelegt werden.
Mit diesem Wasser soll man sich waschen beziehungsweise baden.
Nach Aussage der Quelle führe auch das Trinken dieses Wassers zu allgemeiner Anziehungskraft und Saubhāgya.
=== Erregung eines Ortes ===
Wird im Inneren dieses Cakra die Erde oder eine Stadt meditiert und sieben Tage lang als glühend beziehungsweise leuchtend visualisiert, entstehe nach Aussage der Quelle starke Erregung oder Bewegung in dem betreffenden Ort.
=== Sühne schwerer Verfehlungen ===
Nun folgt ein Abschnitt über die Beseitigung schwerer Verfehlungen.
Die Göttin [[Shiva|Śivā]] soll mit wohlriechenden Blumen verehrt werden.
Selbst ein Mensch, der mit einem Mahāpātaka belastet sei, werde nach Aussage des Textes dadurch augenblicklich von seiner Verfehlung gereinigt.
Wer einen Monat lang mit Blättern beziehungsweise Zweigen von Śamī, Dūrvā, Aśvattha oder Arka verehrt, beseitige nach traditioneller Vorstellung Verfehlungen aus sieben Geburten.
=== Weitere Richtungsrituale ===
Nach Osten gewandt wird mit gelben Substanzen verehrt. Dies wird erneut mit Stambhana verbunden.
Der Text enthält hier eine beschädigte beziehungsweise schwer verständliche Passage bezüglich eines Namens im Mantra und einer Beziehung zum Agni- beziehungsweise Rākṣasa-Bereich.
Nach Norden gewandt wird ein anderes Verfahren beschrieben.
Wer dieses mit Hingabe vollzieht, werde für Frauen anziehend und geliebt; die Quelle formuliert wiederum, diese würden ihm wie Dienerinnen folgen.
Nach Süden gewandt wird das Cakra mit dunklen beziehungsweise schwarzen Substanzen verehrt.
Wird der Name einer Person darin angebracht, schreibt die Quelle der Handlung wiederum eine schädigende Wirkung zu.
=== Vier Eckrichtungen ===
Werden die vier Bereiche von Agni, Rākṣasa, Vāyu und Śambhu entsprechend der vorangegangenen Methode verehrt, schreibt der Text ihnen unterschiedliche Wirkungen zu:
* Stambhana,
* Vidveṣa,
* Krankheit,
* Vertreibung eines Feindes.
=== Cakra in Milch ===
Ein mit Gorocanā gezeichnetes Cakra soll in Milch gelegt werden.
Dies gilt in der Quelle als Mittel des allgemeinen Vaśīkaraṇa.
=== Cakra in Kuhurin ===
Wird das Cakra stattdessen in Kuhurin gelegt, gilt es als Mittel zur Vertreibung eines Feindes.
=== Cakra in Öl ===
In Öl gelegt, wird das Cakra als Mittel des Vidveṣa, also der Entzweiung, beschrieben.
=== Cakra im Feuer ===
Im brennenden Feuer wird das Cakra wiederum mit der Vernichtung eines Feindes verbunden.
=== Nachtritual mit Sindura ===
An einem einsamen Ort soll der Sādhaka das Cakra in vier Bereichen mit Sindūra zeichnen.
Von außen nach innen wird die vollständige Mātṛkā von ''a'' bis ''kṣa'' eingetragen.
Das Cakra wird nachts nach dem Kula-Ritual verehrt.
Der Text erklärt, dass der Sādhaka dadurch zum [[Khechari|Khecara]] werde.
=== Verehrung an Berg oder Baum ===
Wird dasselbe Ritual auf einem Berg oder an einem einzelnen Baum entsprechend dem Kula-Weg ausgeführt, schreibt die Quelle ihm die Erlangung von Freiheit von Alter und Tod und ein glückliches Leben zu.
=== Shmashana-Sadhana ===
Schließlich beschreibt der Text eine Verehrung des Cakra auf dem [[Shmashana|Śmaśāna]], dem Verbrennungsplatz, an einem Tag, der mit den großen Bhūtas verbunden ist.
Der Sādhaka soll entsprechend dem zuvor beschriebenen Krama verfahren und einen standhaften Geist bewahren.
Die Quelle nennt als mögliche Siddhis:
* Khaḍga-Siddhi,
* Vetāla-Siddhi,
* Guṭikā-Siddhi,
* Pādukā-Siddhi,
* Jana-Siddhi,
* Manaḥ-Siddhi,
* Fähigkeiten im Umgang mit Metallen beziehungsweise alchemistischen Substanzen,
* Mahāvīra-Siddhi,
* Yakṣiṇī- und Ceṭaka-bezogene Siddhis.
Der Text schließt mit der Behauptung, der Mantrin könne auf diese Weise sämtliche genannten Siddhis erlangen.
'''Damit endet das Śrīcakra Sādhana.'''
== Zusammenfassende Einordnung ==
Das ''Śrīcakra Sādhanam'' ist kein allgemeines Handbuch der heute verbreiteten [[Shri Vidya|Śrīvidyā-Pūjā]], sondern ein kurzer tantrischer Prayoga-Text, in dessen Mittelpunkt die operative Verwendung des [[Shri Chakra|Śrīcakra]] steht.
Das Śrīcakra erscheint dabei nicht allein als Meditationssymbol der Einheit von [[Shiva]] und [[Shakti]], sondern als machtgeladenes Yantra, das für sehr unterschiedliche Zwecke eingesetzt wird:
* Verehrung von [[Tripurasundari|Mahātripurasundarī]],
* Meditation auf [[Kamakala|Kāmakalā]],
* Verbindung des Cakra mit der [[Matrika|Mātṛkā]],
* Tragen eines geweihten Yantra,
* Schutz,
* traditionelle Heil- und Entstörungsrituale,
* Saubhāgya,
* Ākarṣaṇa und Vaśīkaraṇa,
* Stambhana, Uccāṭana und Vidveṣa,
* historische Abhicāra-Praktiken,
* Śmaśāna-Sādhana und Siddhi-Lehren.
Für eine heutige spirituelle Interpretation sind besonders jene Passagen bedeutsam, in denen der Sādhaka sich selbst als strahlend wie tausend Sonnen meditiert, das Śrīcakra mit Mahātripurasundarī verbindet und die gesamte Mātṛkā in das Yantra integriert. Hier erscheint das Śrīcakra als verdichtete Gestalt von Śakti, Mantra, Bewusstsein und Kosmos.
Die zahlreichen machtbezogenen Prayogas zeigen zugleich den historischen Kontext des Textes. Aussagen über Zwang, Vaśīkaraṇa, Schädigung, Heilung oder übernatürliche Siddhis geben die traditionelle Vorstellungswelt der Handschrift wieder und sollten nicht mit empirisch belegten Wirkungen gleichgesetzt werden.
'''Textgrundlage'''<br>
Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00652, ''śrīcakrasādhanam'', diplomatische Transkription der Handschrift 1300k aus der Raghunath Temple Manuscripts Library, Jammu.


== Abschluss ==
== Abschluss ==
Zeile 295: Zeile 685:
== Seminare ==
== Seminare ==


<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/mantra-und-musik/rssfeed.xml</rss>
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/mantras-und-musik/rssfeed.xml</rss>


<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/meditation/rssfeed.xml</rss>
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/meditation/rssfeed.xml</rss>
Zeile 304: Zeile 694:
[[Kategorie:Shaktismus]]
[[Kategorie:Shaktismus]]
[[Kategorie:Sanskrit]]
[[Kategorie:Sanskrit]]
[[Kategorie:Rituele Anleitung]]

Aktuelle Version vom 2. Oktober 2026, 19:51 Uhr

Shrichakra Sadhanam (Sanskrit: śrīcakrasādhanam), auch Sri Chakra Sadhanam oder Śrīcakra Sādhana, ist ein kurzer tantrischer Praxistext zur Arbeit mit dem Śrīcakra. Die Muktabodha-Datei M00652 beruht auf Manuskript 1300k des Raghunath Temple in Jammu; die Handschrift umfasst zehn Blätter und wird unter tantra geführt.

Der Text ist kein allgemeines Lehrbuch des Śrīcakra, sondern ein spezielles Sādhana- und Prayoga-Handbuch. Er verbindet Cakra-Zeichnung, Mātṛkā, Kāmakalā, Pūjā und Dhyāna mit historischen Wirkungsritualen.

Das Śrīcakra ist eines der bekanntesten Yantras der Śrīvidyā-Tradition.

Charakter des Werkes

Für die Darstellung ist die Ritualfolge wichtiger als eine bloße fortlaufende Übersetzung. Deshalb folgt der Mittelteil dem Schema:

Ritualtyp / Handlung → Sanskrittext (IAST) → deutsche Übersetzung → Erläuterung.

Die Sanskritquelle ist diplomatisch und teilweise schwer lesbar. Nichts wird aus fremden Editionen in den Primärtext eingesetzt.

Ritualhandbuch nach der Handschrift

Redaktioneller Hinweis
Im Mittelteil steht der Sanskrittext im Mittelpunkt. Die deutsche Fassung gibt den sicher verständlichen Inhalt quellengetreu wieder. Wo die diplomatische Vorlage beschädigt, verkürzt oder chiffriert ist, wird keine scheinbar vollständige Lesart erfunden. Die Erläuterung trennt den Wortlaut der Quelle von redaktioneller Einordnung.

Hinweis zur Verwendung
Der Text enthält neben Pūjā, Dhyāna und Mātṛkā-Praxis auch historische Vaśīkaraṇa-, Ākarṣaṇa-, Stambhana-, Vidveṣa-, Uccāṭana- und feindschädigende Riten. Diese werden quellengetreu übersetzt und erklärt, aber nicht als heutige Handlungsanweisung operationalisiert.

Einleitung und Śrīcakra-Sādhana-Vidhi

Quelle – Seite 1a
Sanskrittext (IAST)
no. 1300 ka
title śrīcakrasādhanam
extent 10 patra
subject tantra

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Text eröffnet mit Gaṇeśa-Verehrung und kündigt den Śrīcakra-Sādhana-Vidhi an. Er beruft sich auf den Jñānārṇava und beschreibt das Śrīcakra als machtvolles tantrisches Ritualinstrument.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.

Einleitung und Śrīcakra-Sādhana-Vidhi

Quelle – Seite 1a
Sanskrittext (IAST)
oṃśrīgaṇeśāyanamaḥ athaśrīcakrasādhanavidhiḥ tatra
jñānārṇave śṛṇusarvāṃrgesubhageśrīcakravidhimuttamaṃ yasyavi
jñānamātreṇakarttāharttāsadāśivaḥ anenavidhināyatraśrīca
krakramasaṃyutaṃ pūjyatetatrasakalaṃvaśīkuryānnasaṃśayaḥ naga
raṃvaśamāyātideśamaṃḍalamadrite yoṣitaḥsakalāvaśyājva
latkālāgnipīḍitaḥ vidyāvimūḍhahṛdayāḥsādhakenyastamā
nasaḥ taddarśanenadeveśijāyaṃtesarvayoṣitaḥ gorocanādibhi
pṛ0 1ba) rdravyaiścakrarājaṃsamālikhet atīvasuṃdaraṃramyaṃtanmadhye
pratimāṃvarīṃ jvalaṃtīṃnāmasahitāṃmahāvījavidarbhitaṃ ma
hāvījaṃmūlavidyāyākāmarājakūṭaṃ vidarbhalakṣaṇaṃprāgevo
ktaṃ ciṃtayetutadādeviyojanānāṃsahasraśaḥ adṛṣṭapūrvāde
veśiśrutamātrāpidurlabhā rājakanyāthavāvānyābhayalajjā
vivarjitā āyātisādhakaṃsamyakmaṃtramūḍhāsatīpriye
cakramadhyagatobhūtvāsādhakaściṃtayedyadā udyatsūryasahasrā

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Text eröffnet mit Gaṇeśa-Verehrung und kündigt den Śrīcakra-Sādhana-Vidhi an. Er beruft sich auf den Jñānārṇava und beschreibt das Śrīcakra als machtvolles tantrisches Ritualinstrument.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.

Meditation im Cakra und rote Upacāras

Quelle – Seite 2a
Sanskrittext (IAST)
bhāmātmānamaruṇaṃtathā sādhyamapyahaṇībhūtaṃcitayetparame
śvari anenakramayogenasvayaṃkaṃdarparūpavān sarvasauṃdarya
subhagaḥsarvalokavaśaṃkaraḥ sarvaraktopacāraiścamudrāsahita
vigraha cakraṃprapūjayedyastuyasyanāmavidarbhitaṃ sabhaveddāsa
vaddevidhanāḍhyovāpibhūpatiḥ cakramadhyagataṃkuryānnāma
yasyāstuyoṣitaḥ adṛṣṭāyāmaheśāniyonimudrādharo
vudhaḥ haṭhādānayateśīghraṃpakṣiṇīṃrājakanyakāṃ nāgaka
pṛ0 2ba) nyāmapsarasaṃkhecarīṃcāsurāṃganī vidyādharīṃdivyarūpā
mṛṣikanyāmṛṣistriyaṃ madanodbhavasaṃtāpasphurajjaghanamaṃ
ḍalāṃ kāmavāṇaprabhinnātakaraṇāṃlolacakṣuṣaṃ mahākāma
kalādhyānayogāttusuravaṃdite kṣobhayetsvargabhūrlokapātā
latalayoṣitaḥ athatilakādivaśyaprayogaḥ rocanābhā
gamekaṃtubhāgamekaṃtukuṃkumaṃ athabhāgadvayaṃdevicaṃdanaṃmardaye
tsamaṃ ekattalikaṃkuryāttrailokyavaśakāriṇaṃ aṣṭottaraśatā

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Sādhaka visualisiert sich strahlend und verehrt das Cakra mit roten Upacāras und Mudrās. Die Quelle verbindet dies mit Vaśīkaraṇa-Wirkungen.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.

Mantra-Japa über dargebrachten Gegenständen

Quelle – Seite 3a
Sanskrittext (IAST)
vṛtyāmaṃtrayitvāvaśaṃnayet rājānaṃnagaraṃgrāmaṃyenayadyapradarśya
te maṃtriṇāparameśānitatsarvaṃtasyavaśyagaṃ tāṃvūlaṃdhūpamu
dakaṃpatraṃpuṣpaṃphalaṃdadhi dugdhaṃghṛtaṃcūrṇapatraṃvastraṃkarpūramevaca
kastūrīghusṛṇaṃcailālavaṃgaṃjātipatragaṃ phalaṃvācastuyadya
stusakalaṃparameśvari śatamaṣṭottaraṃjaptvāyasmaiyasmaiprayaccha
ti savaśyojāyatedevinātrakāryāvicāraṇā striyastusaka
lāvaśyādāsībhūtābhavaṃtihi haṭākarṣaṇametattukathitaṃnā
pṛ0 3ba) nyathābhavet athākarṣaṇaprayogaḥ rahasyesthānakemaṃtrī
likhedrovanayābhuvi cāruśrṛṃgāraveṣāḍhyāṃsarvābharaṇabhū
ṣitāṃ pratimāṃsuṃdarāṃgītāvilikhyasumanoharaṃ tadbhālakaṃ
ṭhahṛnnābhitattanmaṃḍalayoṣitāṃ janmanāmamahāvidyāmaṃku
śāṃtarvidarbhitāṃ sarvasaṃdhiṣudehasyamadanākṣaramālikhet
līnaṃḍāḍimapuṣpābhaṃciṃtayeddehasaṃdhiṣu tadāśābhimukho
bhūtvāsvayaṃdevīsvarūpakaḥ mudrāṃtatkṣobhiṇīṃvadhvāmaṃtramaṣṭa

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Die Quelle zählt unterschiedliche Gegenstände auf, die nach 108-fachem Japa gegeben werden sollen, und schreibt ihnen Vaśīkaraṇa-Wirkungen zu.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.

Fortsetzung des Ākarṣaṇa-Abschnitts und Mātṛkā

Quelle – Seite 4a
Sanskrittext (IAST)
śataṃjapet niyojyadahanāgārecaṃdrasūryakalātmake tato
vikalasarvāṃgīkāmabāṇaiprapīḍitāṃ ananyamānasaṃprema
bhramamāṇāṃmadālasāṃ evamākarṣayennārīyojanānāṃśatā
api tathā mātṛkāṃvilikheccakravāhyataḥsakalāṃpriye
bhūrjapatresvarṇapatrairaupyapatretathāṃvare sovadhaḥsarvajaṃtūnāṃvyā
ghrādīnāṃviśeṣataḥ tathaivamātṛkāyuktāṃsusaṃjñāṃnāmamaṃḍi
tāṃ karpūrakuṃkumādyaistuajarāmaratāṃlabhet anenaivavidhāne
pṛ0 4ba) narocanāgurukuṃkumaiḥ likhitaṃcakrayogenasādhyanāmava
rānane vidarbhitaṃsvanāmnātuyasminkasmiṃnapisthitaṃ sthā
varaṃjaṃgamaṃvāpisakalaṃjanamaṃḍalaṃ vaśīkuryānmaheśāni
pādākrāṃtaṃnasaṃśayaḥ mahātripurasuṃdaryāḥkāmakūṭenabhā
svatā ekamevamavaṣṭabhyasādhyanāmākṣarāṇihi vahirapya
likhairvarṇaiḥmātṛkāyāḥpraveṣṭayet hemamadhyagatekuryāchi
khākhāyāṃvāmakebhuje dhārayedyatrakutrāpitrailokyavaśakāra

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Text setzt den Ākarṣaṇa-Ritus fort und führt die Mātṛkā-Buchstaben sowie Trägermaterialien wie Bhūrjapatra, Gold- und Silberblätter ein.

Erläuterung
Dieser Teil gehört zur historischen Ritualmagie des Textes. Er ist für das Verständnis der Quelle wichtig, wird hier jedoch nicht in eine moderne Zwangs- oder Schädigungspraxis umgeschrieben.

Richtungs- und Ortsanwendungen

Quelle – Seite 5a
Sanskrittext (IAST)
kaṃ rājeṃdramapideveśivāsabhūtaṃkarotihi rājānovājinaḥ
sarvemahāduṣṭāmahotkaṭāḥ vyāghrāḥkesariṇomattāvaśyāsta
syabhavaṃtihi pūrvakrameṇanagaranāmasaṃdarbhyaśailaje madhyeca
tuḥpathevāpicaturdikṣunidhāpayet mahākṣobhoyoṣitāṃ
tubhajanānāṃmahatāmapi tathaivasarvaduṣṭānāṃpurasthānāṃca
jāyate etanmadhyagatāṃpṛthvīṃsaśailavanakānanaṃ jvalaṃti
sarvarājeṃdramaṃḍitāṃsāgarāṃbarāṃ māsaṣaṭkaṃciṃtayedyaḥsasaṃ
pṛ0 5ba) kṣobhakarobhavet kaṭākṣakṣetramātreṇanāryastasyavaśāḥ
priye rājānovrāhmaṇāvaiśyāḥśūdrāścapaśavojagat dṛ
ṣṭākarṣayatedevitrailaukyaṃsacarācaraṃ dṛṣṭāviṣaṃnāśayate
nātrakāryāvicāraṇā bhūtapretapiśācāṃścajvarāṃścāturthi
kādina śūlagulmādirogāṃścadṛṣṭānāśayatikṣaṇāt
etatsiṃdūrasubhagaṃrātrausaṃpūjitaṃpriye yojanānāṃśatādevi
samyagākarṣayetstriyaṃ yadādikṣuvidikṣevaṃsamyakdevipra

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Text beschreibt Anwendungen für Städte, Richtungen und größere Gruppen und verbindet sie mit Kṣobha- und Vaśīkaraṇa-Wirkungen.

Erläuterung
Dieser Teil gehört zur historischen Ritualmagie des Textes. Er ist für das Verständnis der Quelle wichtig, wird hier jedoch nicht in eine moderne Zwangs- oder Schädigungspraxis umgeschrieben.

Cakra auf Bhūrjapatra und Trageformen

Quelle – Seite 6a
Sanskrittext (IAST)
pūjate tattadikṣusthitālokānvidiksthānapisuṃda
rī vaśamānayateśīghraṃsaputrayasavāṃdhavān bhūrjapatresa
mālikhyarocanāgurukuṃkumaiḥ tatmadhyenagaraṃdeśaṃmaṃḍalaṃ
khaṃḍamevava nāmnāvidarbhitaṃsvasyapūjayitvāyathāvi
dhi bhūmimadhyegataṃkṛtvātrailokyaṃvaśamānayet atha
vādhārayetkaṃṭheśikhāyāṃvāhumūlake yatrakutrasthitaṃ
bhadrekṣobhayennagaraṃmahatarkakṣīreṇasaṃyuktaṃdhatūrarasaṃ
pṛ0 6ba) tathā rocanākuṃkumaicaivalākṣālaktakasaṃyutaṃ kastūrī
dravasaṃyuktamekīkṛtyatataḥparaṃ cakrametatsamālikhyaya
syanāmnāmaheśvari tasyavyāghrahayavyādhiripusargagajādi
kaṃ coragrahājalāriṣṭhaṃśākinīḍākinībhayaṃ bhayaṃnavidya
tedeviparamaṃtrābhivārakaṃ nityaṃsamarcayeddevikālamṛtyuṃ
vināśayet athavāmadhyagāṃdevitrikoṇobhayamadhyagaṃ
adhastāṃnāmasaṃyuktaṃrocanākuṃkumānvitaṃ nidhāpayetsa

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Die Quelle beschreibt das Schreiben auf Bhūrjapatra sowie das Tragen am Hals, an der Śikhā oder am Oberarm.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.

Stambhana und feindbezogene Riten

Quelle – Seite 7a
Sanskrittext (IAST)
ptāhāddāsavatkiṃkarobhavet pītadravyaiḥsamālikhyapī
tapuṣpaiḥsamarcayet pūrvāśābhimukhobhūtvāstaṃbhayetsarva
vādinaḥ sahasravadanodevimūkobhavatitatkṣaṇāt nāmnā
yasyasavāgmīhipāṣāṇivaniścalaḥ jāyatedevadeveśi
mahānīlīrasenatu nāmasaṃyojyavidhivatdakṣiṇāśā
mukhoyudhaḥ vahnaudagdhvāmaheśānimārayedvairiṇaṃpriye
mahiṣāścapurīṣābhyāṃsamamākṛṣyaśailaje gomūtreṇa
pṛ0 7ba) casaṃlikhyanāmasaṃdarbhyapūrvavat laṃvamānaṃtadākāśeśatrūccā
ṭanakārakaṃ mahānīlīrocanābhyāṃdugdhalākṣārasādibhiḥ
vilikhyadhārayenmaṃtrīsarvavarṇānvaśaṃtayet anenaivavidhāne
nasthāpayenīrasamadhyagaṃ tenodakenasaṃsrānaṃpītaṃtatsarvava
śyakṛt saubhāgyaṃjāyatetenapānīyenanasaṃśayaḥ etanmadhya
gatātenapṛthvīnagaraṃvāmalocane saptāhātkṣobhayetsatyaṃjvala
mānaṃviciṃtayetathavakṣyemaheśānimahāpātakanāśanaḥ

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Text enthält Stambhana und ausdrücklich feindschädigende Riten. Diese Passagen werden quellengetreu dokumentiert, aber nicht in handlungsorientierte moderne Schrittfolgen übersetzt.

Erläuterung
Dieser Teil gehört zur historischen Ritualmagie des Textes. Er ist für das Verständnis der Quelle wichtig, wird hier jedoch nicht in eine moderne Zwangs- oder Schädigungspraxis umgeschrieben.

Śiva-Pūjā und Mahāpātaka-Śānti

Quelle – Seite 8a
Sanskrittext (IAST)
śivāṃsaṃpūjayeddevisugaṃdhaiḥkusumaiḥpriye mahāpātakayu
ktātmātatkṣaṇātpātahābhavet śamīdūrvākurāśvatthapalla
vainathavārkajaiḥ māsenahaṃtikaluṣaṃsaptajanmakṛtaṃnaraḥ pūrvā
śābhimukhobhūtvāpītadravyaiḥsamarcayet (yasyasnāmākitaṃta
tramaṃtrahāniḥprajāyate agnirākṣase) pītasthānesamālikhya
staṃbhayetsarvavādinaḥ uttarābhimukhobhūtvāvaṃdanenasamāli
khet saṃpūjyavidhivadbhaktyāsarvayoṣimanoharaḥ vallabhojāya
pṛ0 8ba) tetāsāṃdāsīmivavaśaṃnayet yamāśābhimukhobhūtvācakraṃkṛ
ṣṇajadārcayet yasyanāmāṃkitaṃtatramaṃtrahāniḥprajāyate a
gnirākṣasavāyavyaśaṃbhukoṇeṣupūjitaṃ pūrvavatparameśānikra
meṇaparitoṣitaṃ staṃbhavidveṣagāvyādhiśatrūccāṭakaraṃparaṃ ro
canālikhitaṃcakraṃkṣīramadhyekṣipedvudhaḥ sarvavaśyakaraṃdevibha
vatyevanasaṃśayaḥ gomūtramadhyagaṃsamyakśatrūccāṭakaraṃparaṃtai
lasthaṃcakrarājaṃtaṃtadvidveṣāṃtakaraṃbhavet jvalajvalanamadhyasthaṃ

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Abschnitt enthält auch einen deutlich devotionalen Teil: Śiva soll mit duftenden Blumen verehrt werden; dies wird mit der Beseitigung schwerer Verfehlungen verbunden.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.

Nächtliche Kula-Pūjā und Mātṛkā-Nyāsa im Cakra

Quelle – Seite 9a
Sanskrittext (IAST)
śatrunāśakaraṃbhavet yadaikāṃtecaturbhāgesiṃdūrarajasālikhet
sarvavāhyatārabhyayāvanmadhyaṃmaheśvari akārādikṣakārāṃ
tāṃmātṛkāṃtatravinyaset pūjayedrātrisamayekulācārakrame
ṇatā sādhakaḥkhecarodevijāyatenātrasaṃśayaḥgirāvekatarau
tadvadarvayetkulamārgataḥajarāmaratāṃlavdhvāsukhībhavatimāṃ
trikaḥ smaśānepūjayecakraṃmahābhūtadinetuyaḥpūrvakrameṇavi
dhivatsādhakasthiramānasaḥ khaḍgasiddhiṃcavetālasiddhiṃcaguṭi
pṛ0 9ba) kāṃlabhet pādukāṃjanasiddhiṃcamanasiddhiṃcadhātudaṃ samahāvī
rasiddhiṃtuyakṣiṇīceṭakodbhavāṃ sarvaṃlabhatemaṃtrīnātrakāryāvi
cāraṇā itiśrīcakrasādhanaḥ

Deutsche Übersetzung / Inhaltswiedergabe
Der Text beschreibt eine nächtliche Pūjā des Cakra im Kulācāra-Kontext, mit Mātṛkā von a bis kṣa.

Erläuterung
Die Reihenfolge und Terminologie der Handschrift bleiben erhalten; beschädigte oder unklare Lesarten werden nicht ergänzt.


Spirituell besonders zugängliche Aspekte

Trotz des starken Prayoga-Charakters enthält der Text auch allgemeinere tantrische Grundgedanken: das Śrīcakra als kosmisches und inneres Symbol, die Mātṛkā von a bis kṣa, die Verbindung von Dhyāna und Cakra sowie die Verehrung Śivas mit duftenden Blumen.

Verhältnis zur Śrīvidyā

Das Werk nennt Mahātripurasundarī, Kāmakūṭa, Kāmakalā und Mātṛkā. Es gehört damit in den weiteren Horizont der Śrīvidyā. Zugleich ist sein Schwerpunkt wesentlich stärker auf Prayoga, konkrete Mantra-Anwendung und rituelle Wirksamkeit ausgerichtet als bei stärker kontemplativen Śrīvidyā-Texten.

Zur Vertiefung von Yantra, Mantra und Meditation:

{#ev:youtube|S4WxWG_D11Y}

Vollständige deutsche Übersetzung des Shrichakra Sadhanam

Vorbemerkung zur Übersetzung
Die folgende Übersetzung gibt den vollständigen erhaltenen Text des Śrīcakra Sādhanam nach der diplomatischen Muktabodha-Transkription M00652 wieder. Die Handschrift enthält stellenweise ungewöhnliche Schreibungen, grammatische Unebenheiten und einzelne schwer verständliche Passagen. Solche Stellen werden möglichst eng am überlieferten Sinn übersetzt und nicht stillschweigend nach anderen Fassungen rekonstruiert.

Beginn des Shrichakra-Sadhana

Om. Verehrung dem erhabenen Gaṇeśa.

Nun folgt die Methode der Praxis des Śrīcakra.

Im Jñānārṇava heißt es:

„Höre, o du in allen Gliedern Schöne, die höchste Methode des Śrīcakra. Schon durch die Erkenntnis dieser Lehre wird man zu einem, der wie Sadāśiva erschafft und wieder auflöst.

Wo immer nach dieser Methode, verbunden mit der Ordnung des Śrīcakra, verehrt wird, dort vermag man – so erklärt der Text – alles unter seinen Einfluss zu bringen. Daran bestehe kein Zweifel.

Eine Stadt, ein Land, ein ganzes Gebiet und ebenso Menschen können dadurch unter den Einfluss des Sādhaka gelangen. Frauen werden als von der glühenden Macht des inneren Feuers erfasst beschrieben; ihr Bewusstsein werde von der Vidyā überwältigt und auf den Sādhaka ausgerichtet.

Schon beim Anblick dieser Praxis, o Göttin, so erklärt die Quelle, würden Frauen in diesen Zustand versetzt.“

Zeichnung des Shrichakra

Mit Substanzen wie Gorocanā soll der König der Cakras, das Śrīcakra, gezeichnet werden – außerordentlich schön und anmutig.

In seiner Mitte soll man die Gestalt der betreffenden Person einzeichnen, leuchtend und mit ihrem Namen versehen. Dieser Name wird mit dem großen Bīja umgeben beziehungsweise in das Bīja eingeschlossen.

Das hier gemeinte Mahābīja ist das Kāmarāja-Kūṭa der Mūlavidyā. Die Methode dieses Einschließens – vidarbha – sei bereits zuvor gelehrt worden.

Dann soll der Sādhaka diese Gestalt meditieren.

Die Quelle erklärt, selbst eine in tausend Yojanas Entfernung lebende Person, die man noch nie gesehen habe und deren Begegnung selbst durch bloßes Hören kaum erreichbar sei, könne auf diese Weise angezogen werden.

Selbst eine Königstochter oder eine andere Frau, heißt es in der Handschrift, könne alle Scheu und Furcht verlieren und zum Sādhaka kommen, durch die Macht des Mantras überwältigt.

Meditation in der Mitte des Chakra

Wenn der Sādhaka selbst in der Mitte des Cakra verweilt, soll er sich folgendermaßen meditieren:

Er sieht sich selbst rötlich leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen.

Auch die Person, auf die die Praxis gerichtet ist, soll in entsprechender Weise meditativ vorgestellt werden.

Durch diese Art des Krama-Yoga wird der Sādhaka, so sagt der Text, selbst zu einer Erscheinung des Liebesgottes Kandarpa: von großer Schönheit, von glückverheißender Ausstrahlung und fähig, die Wesen der Welt anzuziehen.

Verehrung des Chakra mit roten Gaben

Wer das Cakra mit roten Upacāras und den zugehörigen Mudrās verehrt und darin den Namen einer bestimmten Person einschließt, dem werde diese Person nach traditioneller Vorstellung dienend zugetan – selbst wenn es sich um einen reichen Menschen oder einen Herrscher handelt.

Wird der Name einer Frau in die Mitte des Cakra gesetzt und hält der Sādhaka die Yoni-Mudrā, so behauptet der Text, könne sogar eine bisher unbekannte Frau rasch herbeigezogen werden.

Die Quelle steigert diese Aussage in typisch tantrischer Überhöhung: selbst eine Königstochter, Nāga-Frau, Apsaras, Khecarī, Asura-Frau, Vidyādharī, himmlisch schöne Frau oder die Tochter beziehungsweise Gattin eines Ṛṣi könne dadurch angezogen werden.

Sie wird poetisch als von der Hitze des Liebesfeuers erfüllt, vom Pfeil des Kāma getroffen und mit unsteten Augen beschrieben.

Durch Meditation auf die große Kāmakalā, so fährt der Text fort, könne der Sādhaka die Frauen der Himmelswelt, der Erde und der Unterwelten erregen.

Tilaka für Vashikarana

Nun folgt eine Anwendung eines Tilaka zur traditionellen Praxis des Vaśīkaraṇa.

Man nehme:

Diese Substanzen werden miteinander verrieben und zu einem Tilaka verarbeitet, das nach Aussage der Quelle die drei Welten unter Einfluss bringen könne.

Nach 108 Rezitationen des zugehörigen Mantras solle dieses Tilaka verwendet werden.

Der Text behauptet, ein König, eine Stadt oder ein Dorf – überhaupt alles, was der Mantrin mit diesem Tilaka betrachtet – komme unter seinen Einfluss.

Mantrierung von Gaben

Weiter heißt es:

Tāmbūla, Räucherwerk, Wasser, Blätter, Blumen, Früchte, Joghurt, Milch, Ghee, pulverisierte Substanzen, Kleidung, Kampfer, Moschus, Safran, Kardamom, Gewürznelken, Muskat und andere Gegenstände können verwendet werden.

Was immer davon 108-mal mit dem Mantra versehen und anschließend einer Person gegeben wird, soll diese Person nach der Vorstellung der Quelle unter den Einfluss des Gebenden bringen.

Insbesondere Frauen würden dadurch, so heißt es im Text, vollständig gefügig.

Der Text bezeichnet dies als eine Form des gewaltsamen beziehungsweise unwiderstehlichen Anziehens – haṭhākarṣaṇa.

Ritual des Akarshana – Anziehung

Nun folgt das Ritual des Ākarṣaṇa.

An einem geheimen Ort soll der Mantrin auf dem Boden mit einer geeigneten roten Substanz eine schöne weibliche Gestalt zeichnen.

Sie soll mit reizvoller Kleidung dargestellt, mit allen Schmuckstücken geschmückt und anmutig gezeichnet werden.

Auf Stirn, Hals, Herz und Nabel der dargestellten Frau sowie an weiteren Punkten des Körpers soll ihr Geburtsname beziehungsweise Name geschrieben werden.

Dieser Name wird mit der Mahāvidyā und dem Aṅkuśa-Mantra verbunden beziehungsweise darin eingeschlossen.

An allen Gelenken des Körpers werden die Buchstaben des Madana-Mantras geschrieben.

Der Sādhaka meditiert diese Punkte leuchtend wie Granatapfelblüten.

Meditation während des Akarshana

Dann wendet er sich in die betreffende Himmelsrichtung und identifiziert sich selbst meditativ mit der Göttin.

Er formt die erregende Mudrā und rezitiert das Mantra 108-mal.

Die dargestellte Person wird sodann im inneren Feuerraum meditiert, der aus den Kräften von Sonne und Mond besteht.

Sie wird als von den Pfeilen Kāmas getroffen und in allen Gliedern erschüttert vorgestellt, mit ausschließlich auf den Sādhaka gerichtetem Geist, voller Liebe, innerlich bewegt und von süßer Trunkenheit erfüllt.

Auf diese Weise, so behauptet die Quelle, könne eine Frau selbst aus hundert Yojanas Entfernung angezogen werden.

Matrika um das Chakra

Außerhalb des Cakra soll die vollständige Mātṛkā, also die Gesamtheit der Sanskritbuchstaben, geschrieben werden.

Dies kann auf Bhūrjapatra, einer Goldplatte, Silberplatte oder auf einem geeigneten Stoff geschehen.

Der Text schreibt diesem so gestalteten Cakra Schutz vor Lebewesen und insbesondere vor wilden Tieren wie Tigern zu.

Wenn das Cakra mit der vollständigen Mātṛkā versehen, mit einem Namen gekennzeichnet und mit Kampfer, Kuṅkuma und verwandten Substanzen behandelt wird, schreibt die Quelle ihm sogar die Kraft zu, Alter und Tod zu überwinden.

Cakra mit Gorochana, Aguru und Kumkum

Auf gleiche Weise soll das Cakra mit Gorocanā, Aguru und Kuṅkuma gezeichnet werden.

Der Name der Person, auf die das Ritual gerichtet ist, wird nach dem beschriebenen Verfahren integriert.

Dieser Name wird mit dem eigenen Namen des Sādhaka verbunden.

Die Handschrift erklärt, dass dadurch jedes Wesen – unbeweglich oder beweglich – unter den Einfluss des Sādhaka gebracht werden könne.

Kamakuta und Namensbuchstaben

Mit dem strahlenden Kāmakūṭa der großen Tripurasundarī werden die Buchstaben des Namens der betreffenden Person verbunden.

Außen herum werden die Buchstaben der Mātṛkā geschrieben.

Das so vorbereitete Cakra soll in Gold gefasst beziehungsweise mit Gold verbunden und an der Śikhā oder am linken Oberarm getragen werden.

Wo immer man sich damit befinde, schreibt der Text diesem Yantra die Fähigkeit zu, die drei Welten unter Einfluss zu bringen.

Selbst ein mächtiger König könne dadurch, heißt es in der Quelle, untertan werden.

Auch Herrscher, Pferde, wilde beziehungsweise schwer beherrschbare Tiere, Tiger und Löwen würden nach dieser Vorstellung zahm.

Verwendung für Stadt oder Gebiet

Nach derselben Grundmethode kann der Name einer Stadt in das Cakra eingeschrieben werden.

Dieses soll dann in der Mitte einer Wegkreuzung oder an vier Seiten beziehungsweise in den vier Richtungen des betreffenden Gebiets niedergelegt werden.

Dadurch soll, so die Quelle, große Erregung beziehungsweise Bewegung unter den Bewohnern entstehen.

Gleiches wird für feindliche oder widerspenstige Gruppen und ganze Orte behauptet.

Meditation auf die Erde im Chakra

Wer in der Mitte dieses Cakra die gesamte Erde meditiert – mit Bergen, Wäldern und Hainen, leuchtend und von allen Königen geschmückt, umgeben vom Ozean und vom Himmelsraum – und diese Meditation sechs Monate lang ausführt, werde selbst zu einer großen Kraft der Erregung beziehungsweise Beeinflussung.

Schon durch seinen Blick, so heißt es, würden Frauen unter seinen Einfluss gelangen.

Könige, Brahmanen, Vaiśyas, Śūdras, Tiere und die ganze Welt würden durch seinen Anblick angezogen.

Schutz- und Heilwirkungen nach der Quelle

Der Text erweitert die Wirkung des Cakra nun auf Schutz- und Heilvorstellungen.

Durch bloßen Blick könne Gift neutralisiert werden.

Bhūtas, Pretas und Piśācas, verschiedene Fieberarten sowie Erkrankungen, die im Text als Śūla, Gulma und andere Leiden bezeichnet werden, würden durch den Blick des Sādhaka augenblicklich verschwinden.

Diese Aussagen gehören zur traditionellen tantrischen Vorstellungswelt und sind nicht als medizinische Aussagen im heutigen Sinn zu verstehen.

Sindura-Puja des Chakra

Wird dieses Cakra nachts mit Sindūra verehrt, so schreibt die Quelle ihm außergewöhnliche Anziehungskraft zu.

Eine Frau könne selbst aus hundert Yojanas Entfernung herbeigezogen werden.

Wird das Cakra sorgfältig in einer bestimmten Haupt- oder Zwischenrichtung verehrt, so sollen die Menschen dieser entsprechenden Richtung – mitsamt Kindern und Verwandten – rasch unter den Einfluss des Sādhaka gelangen.

Cakra auf Birkenrinde

Das Cakra wird auf Bhūrjapatra mit Gorocanā, Aguru und Kuṅkuma gezeichnet.

In seiner Mitte können Name einer Stadt, eines Landes, eines Gebietes oder einer Region sowie der eigene Name entsprechend dem Vidarbha-Verfahren eingetragen werden.

Nach ordnungsgemäßer Verehrung wird es entweder in der Erde niedergelegt oder am Hals, an der Śikhā oder am Oberarm getragen.

Die Handschrift schreibt ihm auch hier die Fähigkeit zu, große Städte und sogar die drei Welten unter Einfluss zu bringen.

Schutz-Cakra

Es folgt eine weitere Herstellung.

Dhattūra-Saft wird mit einer milchigen Substanz verbunden; hinzu kommen Gorocanā, Kuṅkuma, Lākṣā beziehungsweise roter Lack sowie Moschus.

Mit dieser Mischung wird das Cakra gezeichnet und mit dem Namen der betreffenden Person versehen.

Die Quelle beschreibt es als Schutz gegen:

  • Tiger,
  • wilde Tiere,
  • Krankheiten,
  • Feinde,
  • Elefanten,
  • Diebe,
  • schädliche Grahas,
  • Gefahren durch Wasser,
  • Śākinīs und Ḍākinīs,
  • weitere Formen von Furcht und Unglück.

Auch fremden Mantras beziehungsweise feindlichen magischen Einwirkungen soll dieses Cakra entgegenwirken.

Wer es täglich verehrt, so heißt es, könne sogar einen vorzeitigen Tod abwenden.

Weitere Anwendung mit Trikona

Eine weitere Variante besteht darin, die betreffende Person beziehungsweise ihren Namen in die Mitte zweier Dreiecke einzutragen.

Unterhalb wird der Name zusammen mit Gorocanā und Kuṅkuma angebracht.

Nach sieben Tagen, so behauptet die Quelle, werde die betreffende Person wie ein Diener gefügig.

Stambhana – Stillstellung

Nun folgt ein traditioneller Stambhana-Ritus.

Das Cakra wird mit gelben Substanzen gezeichnet und mit gelben Blumen verehrt.

Der Sādhaka wendet sich nach Osten.

Der Text schreibt dieser Praxis die Fähigkeit zu, Redner beziehungsweise Gegner zum Schweigen zu bringen.

Selbst jemand mit tausend Mündern, heißt es hyperbolisch, werde augenblicklich stumm.

Wird der Name eines besonders redegewandten Menschen integriert, so werde er unbeweglich wie ein Stein.

Marana-Passage

Darauf folgt eine historische Māraṇa-Anwendung.

Die Quelle nennt Mahānīlī-Saft, die Einfügung des Namens einer feindlichen Person, die Ausrichtung nach Süden und anschließend das Verbrennen im Feuer.

Der Text bezeichnet dies ausdrücklich als Ritual zur Vernichtung eines Feindes.

Diese Passage gehört zum traditionellen Abhicāra-Material des Werkes.

Uccatana – Vertreibung

Für Uccāṭana nennt der Text eine Mischung unter anderem aus Büffeldung und Kuhurin.

Der Name des Gegners wird wie zuvor integriert.

Das Cakra wird aufgehängt beziehungsweise in geeigneter Weise angebracht und soll nach der Behauptung der Quelle zur Vertreibung eines Feindes führen.

Weitere Vashikarana-Anwendung

Eine Mischung aus Mahānīlī, Gorocanā, Milch und Lākṣā-Saft wird verwendet, um ein weiteres Cakra zu zeichnen.

Der Mantrin trägt es am Körper.

Der Text schreibt dieser Form die Fähigkeit zu, Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen unter Einfluss zu bringen.

Wasser-Ritual

Nach derselben Methode kann das Cakra in Wasser gelegt werden.

Mit diesem Wasser soll man sich waschen beziehungsweise baden.

Nach Aussage der Quelle führe auch das Trinken dieses Wassers zu allgemeiner Anziehungskraft und Saubhāgya.

Erregung eines Ortes

Wird im Inneren dieses Cakra die Erde oder eine Stadt meditiert und sieben Tage lang als glühend beziehungsweise leuchtend visualisiert, entstehe nach Aussage der Quelle starke Erregung oder Bewegung in dem betreffenden Ort.

Sühne schwerer Verfehlungen

Nun folgt ein Abschnitt über die Beseitigung schwerer Verfehlungen.

Die Göttin Śivā soll mit wohlriechenden Blumen verehrt werden.

Selbst ein Mensch, der mit einem Mahāpātaka belastet sei, werde nach Aussage des Textes dadurch augenblicklich von seiner Verfehlung gereinigt.

Wer einen Monat lang mit Blättern beziehungsweise Zweigen von Śamī, Dūrvā, Aśvattha oder Arka verehrt, beseitige nach traditioneller Vorstellung Verfehlungen aus sieben Geburten.

Weitere Richtungsrituale

Nach Osten gewandt wird mit gelben Substanzen verehrt. Dies wird erneut mit Stambhana verbunden.

Der Text enthält hier eine beschädigte beziehungsweise schwer verständliche Passage bezüglich eines Namens im Mantra und einer Beziehung zum Agni- beziehungsweise Rākṣasa-Bereich.

Nach Norden gewandt wird ein anderes Verfahren beschrieben.

Wer dieses mit Hingabe vollzieht, werde für Frauen anziehend und geliebt; die Quelle formuliert wiederum, diese würden ihm wie Dienerinnen folgen.

Nach Süden gewandt wird das Cakra mit dunklen beziehungsweise schwarzen Substanzen verehrt.

Wird der Name einer Person darin angebracht, schreibt die Quelle der Handlung wiederum eine schädigende Wirkung zu.

Vier Eckrichtungen

Werden die vier Bereiche von Agni, Rākṣasa, Vāyu und Śambhu entsprechend der vorangegangenen Methode verehrt, schreibt der Text ihnen unterschiedliche Wirkungen zu:

  • Stambhana,
  • Vidveṣa,
  • Krankheit,
  • Vertreibung eines Feindes.

Cakra in Milch

Ein mit Gorocanā gezeichnetes Cakra soll in Milch gelegt werden.

Dies gilt in der Quelle als Mittel des allgemeinen Vaśīkaraṇa.

Cakra in Kuhurin

Wird das Cakra stattdessen in Kuhurin gelegt, gilt es als Mittel zur Vertreibung eines Feindes.

Cakra in Öl

In Öl gelegt, wird das Cakra als Mittel des Vidveṣa, also der Entzweiung, beschrieben.

Cakra im Feuer

Im brennenden Feuer wird das Cakra wiederum mit der Vernichtung eines Feindes verbunden.

Nachtritual mit Sindura

An einem einsamen Ort soll der Sādhaka das Cakra in vier Bereichen mit Sindūra zeichnen.

Von außen nach innen wird die vollständige Mātṛkā von a bis kṣa eingetragen.

Das Cakra wird nachts nach dem Kula-Ritual verehrt.

Der Text erklärt, dass der Sādhaka dadurch zum Khecara werde.

Verehrung an Berg oder Baum

Wird dasselbe Ritual auf einem Berg oder an einem einzelnen Baum entsprechend dem Kula-Weg ausgeführt, schreibt die Quelle ihm die Erlangung von Freiheit von Alter und Tod und ein glückliches Leben zu.

Shmashana-Sadhana

Schließlich beschreibt der Text eine Verehrung des Cakra auf dem Śmaśāna, dem Verbrennungsplatz, an einem Tag, der mit den großen Bhūtas verbunden ist.

Der Sādhaka soll entsprechend dem zuvor beschriebenen Krama verfahren und einen standhaften Geist bewahren.

Die Quelle nennt als mögliche Siddhis:

  • Khaḍga-Siddhi,
  • Vetāla-Siddhi,
  • Guṭikā-Siddhi,
  • Pādukā-Siddhi,
  • Jana-Siddhi,
  • Manaḥ-Siddhi,
  • Fähigkeiten im Umgang mit Metallen beziehungsweise alchemistischen Substanzen,
  • Mahāvīra-Siddhi,
  • Yakṣiṇī- und Ceṭaka-bezogene Siddhis.

Der Text schließt mit der Behauptung, der Mantrin könne auf diese Weise sämtliche genannten Siddhis erlangen.

Damit endet das Śrīcakra Sādhana.

Zusammenfassende Einordnung

Das Śrīcakra Sādhanam ist kein allgemeines Handbuch der heute verbreiteten Śrīvidyā-Pūjā, sondern ein kurzer tantrischer Prayoga-Text, in dessen Mittelpunkt die operative Verwendung des Śrīcakra steht.

Das Śrīcakra erscheint dabei nicht allein als Meditationssymbol der Einheit von Shiva und Shakti, sondern als machtgeladenes Yantra, das für sehr unterschiedliche Zwecke eingesetzt wird:

  • Verehrung von Mahātripurasundarī,
  • Meditation auf Kāmakalā,
  • Verbindung des Cakra mit der Mātṛkā,
  • Tragen eines geweihten Yantra,
  • Schutz,
  • traditionelle Heil- und Entstörungsrituale,
  • Saubhāgya,
  • Ākarṣaṇa und Vaśīkaraṇa,
  • Stambhana, Uccāṭana und Vidveṣa,
  • historische Abhicāra-Praktiken,
  • Śmaśāna-Sādhana und Siddhi-Lehren.

Für eine heutige spirituelle Interpretation sind besonders jene Passagen bedeutsam, in denen der Sādhaka sich selbst als strahlend wie tausend Sonnen meditiert, das Śrīcakra mit Mahātripurasundarī verbindet und die gesamte Mātṛkā in das Yantra integriert. Hier erscheint das Śrīcakra als verdichtete Gestalt von Śakti, Mantra, Bewusstsein und Kosmos.

Die zahlreichen machtbezogenen Prayogas zeigen zugleich den historischen Kontext des Textes. Aussagen über Zwang, Vaśīkaraṇa, Schädigung, Heilung oder übernatürliche Siddhis geben die traditionelle Vorstellungswelt der Handschrift wieder und sollten nicht mit empirisch belegten Wirkungen gleichgesetzt werden.

Textgrundlage
Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00652, śrīcakrasādhanam, diplomatische Transkription der Handschrift 1300k aus der Raghunath Temple Manuscripts Library, Jammu.

Abschluss

Das Śrīcakrasādhanam zeigt eine Seite historischer Tantra-Praxis, in der Yantra, Mantra, Mātṛkā und Wirkungsrituale eng verbunden sind. Für heutige Leser ist es besonders sinnvoll, zwischen der symbolisch-meditativen Śrīcakra-Tradition und den manipulativen oder schädigenden Prayogas dieser konkreten Handschrift zu unterscheiden.

Textgrundlage
Muktabodha M00652, śrīcakrasādhanam, Manuskript 1300k, Raghunath Temple, Jammu, diplomatische Transkription. Der Sanskrittext wurde nicht normalisiert oder ergänzt.

Siehe auch

Seminare

06.11.2026 - 08.11.2026 Asana Intensiv - Musikalisch-Meditativ

Yoga und Musik ergänzen sich ideal. Jede Asana wird von Musik, Mantra Gesang und anderen Klängen auf deiner Reise nach innen begleitet! Die Yoga Stell…
Gopi Jana Kretschmer da Conceição
06.11.2026 - 08.11.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova
04.11.2026 - 16.12.2026 Meditation Sieben Wochen mit Körperwahrnehmung, Atem, Stille und Herzensgebet - Online Kursreihe

Termine: 7x mittwochs: 4.11., 11.11., 18.11., 25.11., 2.12., 9.12., 16.12.2026
jeweils 19:30 bis 20:30 Uhr

Online-Meditationskurs
Sieben Wochen mit …
Meike Griese-Storck
06.11.2026 - 08.11.2026 Meditation Grundtechniken

Erfahre, wie du mit Meditation deine Gedanken zur Ruhe bringst, neue Energie schöpfst und inneren Frieden findest. Lerne, wie du Hindernisse in der Med…
Madhuka Kuhnle