Turiya Upanishad

Aus Yogawiki

Die Turiya Upanishad (Sanskrit: तुरीयोपनिषत्, Turīyopaniṣat) ist eine kurze, nicht zum Kanon der 108 Muktika-Upanishaden gehörende Schrift über Om, den Pranava. Ihr Titel bedeutet „Upanishad über Turiya“, den „vierten“ Bewusstseinszustand. Anders als die bekanntere Mandukya Upanishad beschränkt sie sich jedoch nicht auf die Zuordnung von A, U und M zu Wachen, Traum und Tiefschlaf. Sie entfaltet Om als vielschichtige Einheit von sechzehn mātrās, vier Bewusstseinszuständen, den 36 Tattvas sowie der manifesten und unmanifesten Wirklichkeit.

Die Turiya Upanishad beginnt unvermittelt mit einer textlich schwierigen Wendung. Danach unterscheidet sie zunächst vier Grundbestandteile des Pranava: A, U, M und die halbe Mora, ardhamātrā. Aus dieser Vierheit entwickelt sie eine Liste von sechzehn Klang- und Bewusstseinsstufen. Zu ihnen gehören Nada, Bindu, Shakti, Shanti, Manonmana und die vier Ebenen der Sprache – Vaikhari, Madhyama, Pashyanti und Para.

Die Turiya Upanishad deutet Om als Weg von hörbarem Klang zu Stille, Bewusstsein und Brahman.

Kennzeichnend ist die Verbindung von Vedanta und tantrisch geprägter Lautmetaphysik. Der eine Pranava erscheint als Schöpfung, Auflösung, Saguna und Nirguna, als kosmischer Virat und als das höchste Licht. Obwohl der Text zahlreiche Unterscheidungen aufzählt, endet er bei der Einheit: Om ist das eine Brahman, das alle Silben, Gottheiten, Zeiten und Welterscheinungen trägt.

Die überlieferte Sanskritfassung enthält einige grammatisch ungewöhnliche oder offenbar verkürzte Formulierungen. Insbesondere die Folge von 64 zu vermutlich 128 Unterteilungen ist nur elliptisch ausgedrückt. Die folgende Übersetzung der Turiya Upanishad wahrt diese Unsicherheiten. Sie unterscheidet klar zwischen dem Wortlaut, seiner wahrscheinlichsten Bedeutung und einer weiterführenden spirituellen Deutung.

Turiya Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Turiya Upanishad besitzt in der gedruckten Textgrundlage keine überlieferten Abschnitts- oder Verszahlen. Für die lesefreundliche Einzelerläuterung wird der Text daher in zehn kurze Sinnabschnitte und einen Kolophon gegliedert. Diese Abschnittszählung ist redaktionell und kein Bestandteil des Sanskrittextes. Als Hauptgrundlage dient die 1933 in Adyar gedruckte Ausgabe; an der ersten Passage liest diese tatra catvāraḥ, während die spätere digitale Transkription tanna catvāraḥ bietet.

Abschnitt 1 – Vier Grundformen des Pranava
kalātītaśceti | tatra catvāraḥ | akāraścāyutāvayavānvitaḥ |
ukāraḥ śatāvayavānvitaḥ | makāraḥ sahasrāvayavānvitaḥ |
ardhamātrapraṇavo’nantāvayavānvitaḥ |

Übersetzung: „Und jenseits der Kala“, so heißt es. Darin gibt es vier. Der A-Laut ist mit zehntausend Teilen versehen, der U-Laut mit hundert Teilen und der M-Laut mit tausend Teilen. Der Pranava der halben Mora besitzt unendlich viele Teile.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kalā-atītaḥ – jenseits der Kala, eines Teils, einer Kraftstufe oder Zeiteinheit; ca – und; iti – so, so heißt es; tatra – dort, darin; catvāraḥ – vier; akāraḥ – der Laut beziehungsweise Buchstabe A; ca – und; ayuta-avayava-anvitaḥ – mit zehntausend Teilen versehen; ukāraḥ – der Laut U; śata-avayava-anvitaḥ – mit hundert Teilen versehen; makāraḥ – der Laut M; sahasra-avayava-anvitaḥ – mit tausend Teilen versehen; ardha-mātrā-praṇavaḥ – der Pranava als halbe Mora, als feine Nachschwingung jenseits von A–U–M; ananta-avayava-anvitaḥ – mit unendlich vielen Teilen oder Aspekten versehen. Der Text setzt mit kalātītaḥ offenbar mitten in einen Gedankengang ein; ein eindeutiges Bezugswort ist nicht überliefert.

Abschnitt 2 – Saguna, Nirguna und Schöpfung
saguṇo virāṭpraṇavaḥ | saṃhāro nirguṇapraṇavaḥ |
ubhayātmaka utpattipraṇavaḥ |

Übersetzung: Der Virat-Pranava ist mit Eigenschaften verbunden. Der Pranava der Auflösung ist eigenschaftslos. Der Pranava der Entstehung besitzt beide Wesensweisen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sa-guṇaḥ – mit Eigenschaften, Qualitäten oder Erscheinungsformen; virāṭ-praṇavaḥ – der Pranava als Virat, als kosmische Gesamtgestalt; saṃhāraḥ – Einziehung, Rücknahme, Auflösung; nir-guṇa-praṇavaḥ – der eigenschaftslose Pranava; ubhaya-ātmakaḥ – beide Naturen besitzend, aus beidem bestehend; utpatti-praṇavaḥ – der Pranava der Entstehung oder Schöpfung. „Beide“ bezieht sich dem Zusammenhang nach auf Saguna und Nirguna beziehungsweise auf Manifestation und Rücknahme.

Abschnitt 3 – Aussprechen, Selbstvorstellung und Auflösung
yathārthakathanomityuccāryābhimānotpattipraṇavaḥ |
sarvopasaṃhāreṇa saṃhārapraṇavaḥ |
ubhayātmakatvād virāṭpraṇavaḥ |

Übersetzung: Indem man „Om“ als wahrheitsgemäße Aussage ausspricht, erscheint der Pranava der Entstehung zusammen mit der Vorstellung oder Selbstzuschreibung. Durch die vollständige Einziehung ist er der Pranava der Auflösung. Weil er beide Wesensweisen besitzt, ist er der Virat-Pranava.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yathā-artha – der Wirklichkeit beziehungsweise dem Sinn entsprechend; kathana – Aussage, Aussprechen; om iti – „Om“, so; uccārya – ausgesprochen habend, nachdem man ausgesprochen hat; abhimāna – Vorstellung, Selbstzuschreibung, Identifikation oder Ich-Bezug; utpatti-praṇavaḥ – der Schöpfungs- beziehungsweise Entstehungs-Pranava; sarva-upasaṃhāreṇa – durch die vollständige Rücknahme von allem; saṃhāra-praṇavaḥ – der Auflösungs-Pranava; ubhaya-ātmakatvāt – aufgrund des Besitzes beider Naturen; virāṭ-praṇavaḥ – der kosmische Virat-Pranava. Das lange erste Kompositum ist syntaktisch mehrdeutig; sicher erkennbar ist die Verbindung von Om-Aussprache, Entstehung und abhimāna.

Abschnitt 4 – Dehnung und 36 Tattvas
utpattipraṇavo dīrghaplutavirāṭ | plutaplutyupasaṃhāraḥ |
virāṭpraṇavaḥ ṣoḍaśamātrānvitaḥ | ṣaṭtriṃśattattvāyutaḥ |

Übersetzung: Der Pranava der Entstehung ist der Virat in langer und überlanger Dehnung. Die überlange Dehnung steht mit der Rücknahme in Verbindung. Der Virat-Pranava ist mit sechzehn Moren ausgestattet und mit den 36 Tattvas verbunden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: utpatti-praṇavaḥ – Pranava der Entstehung; dīrgha – lang gedehnt; pluta – überlang, in der Rezitation gewöhnlich über drei Moren gedehnt; virāṭ – die kosmische Gesamtgestalt; pluta-pluti-upasaṃhāraḥ – schwieriges Kompositum aus pluta, Überdehnung, pluti, dem Vorgang des Überdehnens, und upasaṃhāra, Rücknahme beziehungsweise Abschluss; virāṭ-praṇavaḥ – Virat-Pranava; ṣoḍaśa-mātrā-anvitaḥ – mit sechzehn Moren, Klangmaßen oder Teilstufen versehen; ṣaṭ-triṃśat – sechsunddreißig; tattva-āyutaḥ – mit Tattvas verbunden oder ausgestattet. Die Turiya Upanishad zählt die 36 Tattvas nicht einzeln auf; die Zahl erinnert an shaivisch-tantrische Systeme, darf aber nicht ohne weitere Belege einer einzigen Schule zugeordnet werden.

Abschnitt 5 – Die ersten acht Moren
ṣoḍaśamātrātmakaṃ kathamityucyate | akāraḥ prathamaḥ |
dvitīya ukāraḥ | makārastṛtīyaḥ | ardhamātrā caturthaḥ |
nādaḥ pañcamaḥ | binduḥ ṣaṣṭhaḥ | kalā saptamaḥ |
śaktiraṣṭamī |

Übersetzung: Wie besteht er aus sechzehn Moren? Das wird nun erklärt: A ist die erste; U ist die zweite; M ist die dritte; die halbe Mora ist die vierte; Nada ist die fünfte; Bindu die sechste; Kala die siebte und Shakti die achte.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṣoḍaśa-mātrā-ātmakam – aus sechzehn Moren beziehungsweise Teilstufen bestehend; katham – wie; iti – so, dies; ucyate – wird erklärt; akāraḥ – der A-Laut; prathamaḥ – der erste; dvitīya – der zweite; die Überlieferung lässt die reguläre Endung aus; ukāraḥ – der U-Laut; makāraḥ – der M-Laut; tṛtīyaḥ – der dritte; ardha-mātrā – die halbe Mora; caturthaḥ – der vierte; trotz des femininen ardhamātrā steht das Ordinalwort maskulin; nādaḥ – der feine Klang, Nada; pañcamaḥ – der fünfte; binduḥ – Punkt, Keimpunkt oder verdichtete Klangkraft; ṣaṣṭhaḥ – der sechste; kalā – Teil, Kraft, schöpferische Teilenergie; saptamaḥ – der siebte; śaktiḥ – schöpferische Kraft; aṣṭamī – die achte.

Abschnitt 6 – Die zweite Gruppe von acht Moren
śāntirnavamī | samānā daśamī | ātmanaikādaśa |
manonmanā dvādaśa | vaikharī trayodaśa | madhyamā caturdaśa |
paśyantī pañcadaśa | parā ṣoḍaśa |

Übersetzung: Shanti ist die neunte; Samana die zehnte; der Atman die elfte; Manonmana die zwölfte; Vaikhari die dreizehnte; Madhyama die vierzehnte; Pashyanti die fünfzehnte und Para die sechzehnte.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śāntiḥ – Friede, Stillwerden, Aufhören; navamī – die neunte; samānā – die ausgleichende oder gleichmachende Stufe; daśamī – die zehnte; ātmanaikādaśa – verderbt oder stark verkürzt überlieferte Verbindung; nach der Aufzählung bezeichnet sie den Atman als elfte Stufe; manonmanā – wörtlich etwa „jenseits des Geistes“ oder „Erhebung des Geistes“, eine subtile Bewusstseinsstufe; dvādaśa – die zwölfte; vaikharī – die grobstofflich ausgesprochene Sprache; trayodaśa – die dreizehnte; madhyamā – die mittlere, noch innere Sprache; caturdaśa – die vierzehnte; paśyantī – die „schauende“ vorsprachliche Ebene; pañcadaśa – die fünfzehnte; parā – die höchste, transzendente Sprache; ṣoḍaśa – die sechzehnte. Mehrere Ordinalzahlen erscheinen ohne grammatisch erwartete Endungen; die Reihenfolge ist dennoch eindeutig.

Abschnitt 7 – Jede Mora in vier Bewusstseinszuständen
iti ṣoḍaśamātrātmakaḥ praṇavaḥ |
ṣoḍaśamātrā jāgratsvapnasuṣuptiturīyāvasthābhedairekaikamātrācāturvidhyametya |

Übersetzung: So besteht der Pranava aus sechzehn Moren. Indem jede einzelne dieser sechzehn Moren durch die Unterschiede der Zustände Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya vierfach wird, entfaltet sie sich in vier Formen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, damit; ṣoḍaśa-mātrā-ātmakaḥ – aus sechzehn Moren bestehend; praṇavaḥ – der Pranava, Om; ṣoḍaśa-mātrāḥ – die sechzehn Moren; jāgrat – Wachzustand; svapna – Traumzustand; suṣupti – Tiefschlaf; turīya – der „vierte“ Zustand beziehungsweise das zugrunde liegende Bewusstsein; avasthā-bhedaiḥ – durch die Unterschiede der Zustände; eka-eka-mātrā – jede einzelne Mora; cāturvidhyam – Vierfachheit, vierfache Gestalt; etya – erlangt habend, eingegangen in. Die Turiya Upanishad verbindet damit jede Lautstufe, nicht nur A–U–M, mit allen vier Bewusstseinsweisen.

Abschnitt 8 – Von sechzehn über 64 zu vermutlich 128 Formen
ṣoḍaśamātrāścatuḥṣaṣṭibhedametya |
punaścatuḥṣaṣṭimātrāḥ prakṛtipuruṣadvaividhyamāpādyāṣṭāviṃśatyuttarabhedamātrāsvarūpamāsādya
saguṇanirguṇatvametya eko’pi brahma praṇavaḥ ||

Übersetzung: So gelangen die sechzehn Moren zu 64 Unterscheidungen. Indem diese 64 Moren wiederum die Zweiheit von Prakriti und Purusha annehmen, erreichen sie die Gestalt von vermutlich 128 unterschiedenen Moren. Nachdem er Saguna und Nirguna geworden ist, bleibt der Pranava dennoch der eine: Er ist Brahman.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṣoḍaśa-mātrāḥ – die sechzehn Moren; ca – und, so; catuḥ-ṣaṣṭi-bhedam – die Unterscheidung in 64; etya – erlangt habend; punaḥ – wiederum; catuḥ-ṣaṣṭi-mātrāḥ – die 64 Moren; prakṛti-puruṣa-dvaividhyam – die Zweiheit von Prakriti und Purusha; āpādya – hervorgebracht oder angenommen habend; aṣṭāviṃśati-uttara-bheda-mātrā-svarūpam – wörtlich elliptisch etwa „die Gestalt von um 28 erweiterten unterschiedenen Moren“; der Rechenfolge 64 mal zwei zufolge ist offenbar 128 gemeint, doch das Wort für „hundert“ fehlt; āsādya – erreicht, erlangt habend; sa-guṇa-nir-guṇatvam – den Zustand des Mit-Eigenschaften- und Ohne-Eigenschaften-Seins; etya – erlangt habend; ekaḥ api – obwohl einer, dennoch der eine; brahma – Brahman, das Absolute; praṇavaḥ – der Pranava. Die Zahl 128 ist eine begründete Rekonstruktion des mathematischen Zusammenhangs, keine vollständig ausgeschriebene Zahl im überlieferten Satz.

Abschnitt 9 – Der Pranava als höchste Wirklichkeit
sarvādhāraḥ paraṃ jyotireṣa sarveśvaro vibhuḥ |
sarvadevamayaḥ sarvaprapañcādhāragarbhitaḥ |
sarvākṣaramayaḥ kālaḥ sadasadbhaktivarjitaḥ || iti ||

Übersetzung: Er ist die Grundlage von allem, das höchste Licht, der Herr von allem und der Allgegenwärtige. Er besteht aus allen Gottheiten und trägt in seinem Innern die Grundlage der gesamten Erscheinungswelt. Er besteht aus allen Lauten, ist die Zeit und ist frei von jeder Aufteilung in Sein und Nichtsein. So lautet die Lehre.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sarva-ādhāraḥ – Grundlage, Träger oder Stütze von allem; param – höchstes; jyotiḥ – Licht; eṣaḥ – dieser, er; sarva-īśvaraḥ – Herr von allem; vibhuḥ – alldurchdringend, allgegenwärtig; sarva-deva-mayaḥ – aus allen Gottheiten bestehend, alle Gottheiten umfassend; sarva-prapañca – die gesamte entfaltete Erscheinungswelt; ādhāra – Grundlage, Stütze; garbhitaḥ – im Innern oder im Schoß tragend; sarva-akṣara-mayaḥ – aus allen Silben und Lautzeichen bestehend; kālaḥ – Zeit; sat-asat – Sein und Nichtsein, manifest und unmanifest; bhakti – hier Teilung, Anteil oder Unterscheidung, nicht primär religiöse Hingabe; varjitaḥ – frei von, ohne; iti – so. Der Bezug ist der Pranava, der im vorangehenden Abschnitt mit Brahman identifiziert wird.

Abschnitt 10 – Frucht des Wissens
ya evaṃ vedetyupaniṣat ||

Übersetzung: Wer dies auf solche Weise erkennt – das ist die Upanishad, die geheime Lehre.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; evam – so, auf diese Weise; veda – weiß, erkennt; iti – so, damit; upaniṣat – Upanishad, vertrauliche beziehungsweise innerste Lehre. Die knappe Schlussformel stellt Erkenntnis, nicht bloße Lauttheorie, als Ziel der Turiya Upanishad heraus.

Kolophon
iti turīyopaniṣat samāptā |

Übersetzung: Damit ist die Turiya Upanishad beendet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so, damit; turīya-upaniṣat – die Turiya Upanishad; samāptā – beendet, abgeschlossen.

Video: Turiya – der vierte Bewusstseinszustand

Name, Überlieferung und Datierung

Turīya bedeutet „der vierte“ oder „ein Viertel bildend“. In der upanishadischen Bewusstseinslehre bezeichnet das Wort dasjenige, was Wachen (Jagrat), Traum (Svapna) und Tiefschlaf (Sushupti) übersteigt und zugleich allen drei Zuständen zugrunde liegt. Die Turiya Upanishad erwähnt diese klassische Vierheit, richtet ihren Schwerpunkt aber auf die feine Gliederung des Pranava.

Die Schrift ist nicht mit der Turiyatita Upanishad oder der Turiyatitavadhuta Upanishad zu verwechseln. Diese gehören zu anderen Überlieferungszusammenhängen und behandeln besonders die Lebensweise eines verwirklichten Entsagenden. Die Turiya Upanishad ist dagegen eine Laut- und Bewusstseinslehre über Om.

In der von C. Kunhan Raja betreuten Sammlung Un-published Upanishads von 1933 steht sie unter den „allgemeinen Vedanta-Upanishaden“ und umfasst dort nur die Seite 26. Die Ausgabe stützt sich nach der Einleitung des Bandes auf Handschriften der Adyar Library. Ein Verfasser, ein genauer Entstehungsort und eine sichere Zuordnung zu einer vedischen Shakha sind nicht bekannt.

Auch eine genaue Datierung lässt sich nicht verantworten. Die Verbindung von A–U–M und vier Bewusstseinszuständen setzt ältere Pranava-Lehren voraus, wie sie besonders in der Mandukya Upanishad begegnen. Die sechzehn Klangstufen, die vier Ebenen der Sprache und die 36 Tattvas weisen jedoch in ein späteres, tantrisch beeinflusstes Milieu. Daher ist eine Entstehung im späten Mittelalter oder in der frühen Neuzeit möglich. Diese Einordnung bleibt eine literarhistorische Wahrscheinlichkeit; das erhaltene Manuskript ist im gedruckten Band nicht datiert.

Dass die Turiya Upanishad nicht im Muktika-Kanon erscheint und erst 1933 gedruckt wurde, sagt allein noch nichts über ihren genauen Entstehungszeitpunkt. Es zeigt jedoch, dass sie zu einem weniger verbreiteten Randbestand der Upanishad-Überlieferung gehört. Ihre ungewöhnliche Grammatik und der abrupte Anfang können auf verkürzte oder beschädigte handschriftliche Überlieferung hindeuten.

Inhalt und Lehre der Turiya Upanishad

Om als Einheit von Klang und Kosmos

Die Turiya Upanishad behandelt Om nicht nur als gesprochenes Mantra. Pranava ist zugleich Laut, Schöpfungsprinzip, kosmische Gestalt, Auflösung und Brahman. Die Unterscheidung zwischen dem Saguna-Pranava und dem Nirguna-Pranava erlaubt zwei Perspektiven: Om ist in allen Formen und Eigenschaften gegenwärtig, geht aber in seinem tiefsten Wesen über jede bestimmte Eigenschaft hinaus.

Der Ausdruck Virat bezeichnet die gesamte manifeste Welt als kosmischen Leib. Wenn die Turiya Upanishad vom Virat-Pranava spricht, wird die hörbare Silbe zum Symbol des ganzen Universums. Im Auflösungs-Pranava werden die Formen wieder eingezogen. Schöpfung und Rückkehr sind damit keine zwei voneinander getrennten Absoluta, sondern Bewegungen des einen Pranava.

A, U, M und die halbe Mora

Die ersten vier Stufen sind A, U, M und ardhamātrā. A–U–M umfassen den artikulierten Klang. Die halbe Mora verweist auf die feine Nachschwingung und die Stille, in der der hörbare Laut endet, ohne dass Bewusstsein endet. In der Turiya Upanishad besitzt gerade diese halbe Mora unendlich viele Teile. Endlicher Klang öffnet sich so auf eine nicht mehr zählbare Tiefe.

Die Zahlen zehntausend, hundert und tausend, die A, U und M zugeordnet werden, bilden keine erkennbare arithmetische Steigerung. Sie sollten deshalb nicht künstlich zu einem modernen Frequenz- oder Schwingungsmodell umgedeutet werden. Der Text stellt die Vielgliedrigkeit der Laute der Unendlichkeit der Ardhamatra gegenüber.

Die sechzehn Moren

Die sechzehn Stufen der Turiya Upanishad lassen sich als Weg von grobem Laut zu immer feinerem Bewusstsein lesen:

  1. A, U und M bilden den artikulierten Pranava.
  2. Ardhamatra bezeichnet die feine halbe Mora beziehungsweise Nachschwingung.
  3. Nada ist der subtile innere Klang.
  4. Bindu ist der verdichtete Keimpunkt des Klanges.
  5. Kala ist eine Teilkraft oder schöpferische Wirksamkeit.
  6. Shakti ist die kosmische Kraft der Manifestation.
  7. Shanti bezeichnet Frieden und Stillwerden.
  8. Samana steht für Ausgleich oder Gleichwerden.
  9. Atman ist das erkennende Selbst.
  10. Manonmana weist über den gewöhnlichen Geist hinaus.
  11. Vaikhari ist die hörbar ausgesprochene Sprache.
  12. Madhyama ist die innere, mentale Sprache.
  13. Pashyanti ist die vorsprachliche „schauende“ Ebene.
  14. Para ist die höchste, unmanifestierte Sprache.

Diese Liste verbindet mehrere Traditionsstränge. Die ersten vier Glieder erinnern an vedantische Om-Deutungen; Nada, Bindu, Kala und Shakti gehören zur subtilen Laut- und Energielehre; Vaikhari, Madhyama, Pashyanti und Para bilden die bekannte Vierheit der Sprachstufen. Die Turiya Upanishad ordnet diese Elemente in eine einzige sechzehnteilige Folge, ohne ihre Meditationspraxis ausführlich zu beschreiben.

Die sechzehn Klangstufen der Turiya Upanishad laden dazu ein, vom gesprochenen Om über seine Nachschwingung bis zur stillen Bewusstheit zu gehen.

Vier Zustände, 64 Formen und die Zweiheit

Jede der sechzehn Moren wird mit Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya verbunden. Daraus entstehen 16 mal 4, also 64 Unterscheidungen. Anschließend wird jede dieser Formen nochmals unter dem Gesichtspunkt von Prakriti und Purusha verdoppelt. Rechnerisch ergibt das 128 Formen, obwohl die überlieferte Zahlenformulierung das „Hundert“ nicht ausdrücklich enthält.

Prakriti bezeichnet die Natur, die Kraft der Erscheinung; Purusha bezeichnet das bewusste Prinzip. Indem die Turiya Upanishad beide auf jede Klang- und Bewusstseinsstufe bezieht, durchdringen Erfahrung und Bewusstheit das ganze System. Entscheidend ist jedoch das Ende der Rechnung: Trotz der vielen Unterteilungen bleibt Pranava einer und ist Brahman.

Die 36 Tattvas

Die Zahl der 36 Tattvas ist besonders aus shaivisch-tantrischen Systemen bekannt. Sie kann eine Stufenfolge vom grobstofflichen Element Erde über Sinne, Geist und kosmische Prinzipien bis zum reinen Shiva-Bewusstsein bezeichnen. Die Turiya Upanishad nennt nur die Zahl, nicht die Namen oder Reihenfolge der einzelnen Tattvas.

Darum ist Vorsicht angebracht: Der Text bezeugt die Aufnahme eines 36-Tattva-Schemas, aber keine vollständige Lehrzugehörigkeit. Seine besondere Leistung besteht gerade darin, vedantische Begriffe wie Brahman, Atman und Turiya mit einer tantrischen Klang- und Tattva-Sprache zu verbinden.

Höchstes Licht und alle Ebenen der Sprache

Die abschließende Strophe nennt Pranava die Grundlage von allem, das höchste Licht, den Herrn von allem und den Träger sämtlicher Gottheiten und Welterscheinungen. Als sarvākṣaramaya besteht Om aus allen Lauten oder Buchstaben. Jedes ausgesprochene Wort wird damit als besondere Entfaltung eines umfassenden Klanggrundes verstanden.

Der Pranava ist zugleich Zeit und jenseits der Trennung von Sein und Nichtsein. Das Wort bhakti bedeutet an dieser Stelle wahrscheinlich „Teilung“ oder „Anteil“, nicht die Hingabe des Bhakti Yoga. Die letzte Aussage ist nicht dualistisch: Om gehört weder nur zum Seienden noch nur zum Nichtseienden, sondern trägt die Unterscheidung, ohne von ihr begrenzt zu werden.

Bedeutung der Turiya Upanishad

Die Turiya Upanishad ist religionsgeschichtlich wertvoll, weil sie auf einer einzigen Seite eine ungewöhnlich dichte Synthese bietet. Sie verbindet die Bewusstseinszustände der älteren Upanishaden, die Om-Spekulation des Vedanta, die vier Sprachstufen und ein System von 36 Tattvas. Damit zeigt sie, wie offen die spätere Upanishad-Tradition für Begriffe aus Tantra und Yoga blieb.

Philosophisch führt die Schrift von Vielheit zur Einheit. Sie zählt vier, sechzehn, 64 und vermutlich 128 Formen auf. Diese Ausdifferenzierung endet jedoch nicht in einem unübersichtlichen Vielgötter- oder Vielweltsystem. Alle Formen werden in dem einen Pranava zusammengehalten. Vielfalt ist die Entfaltung; Brahman ist ihr ungeteilter Grund.

Für die Geschichte der Mantra-Lehre ist besonders die Verbindung von Laut und Bewusstsein wichtig. Om ist nicht nur ein akustisches Zeichen für etwas Abwesendes. Hörbarer Klang, innerer Klang, gedankliche Sprache, vorsprachliche Schau und höchste Sprache sind Stufen derselben Wirklichkeit. Die Turiya Upanishad deutet Rezitation daher als möglichen Übergang von äußerer Artikulation zu unmittelbarem Erkennen.

Bedeutung heute

Für heutige Übende kann die Turiya Upanishad eine einfache, aber tiefe Praxisrichtung geben: Om wird hörbar getönt, seine feiner werdende Nachschwingung wahrgenommen und schließlich in der Stille nach dem Klang betrachtet. Dabei muss keine komplizierte Visualisierung aller 128 Formen erzwungen werden. Die Aufzählungen dienen vor allem der Einsicht, dass derselbe Bewusstseinsgrund in jeder Erfahrung gegenwärtig ist.

Die vier Bewusstseinszustände lassen sich als tägliche Kontemplation nutzen. Wachen, Träumen und Tiefschlaf wechseln; das erkennende Prinzip wird als ihre bleibende Grundlage erforscht. Turiya sollte dabei nicht bloß als seltener spektakulärer Zustand missverstanden werden. In der Advaita-Deutung ist es die stets gegenwärtige Bewusstheit, in der alle wechselnden Zustände erscheinen.

Auch die vier Ebenen der Sprache sind praktisch bedeutsam. Vor dem gesprochenen Wort stehen innere Formulierung, noch feinere Anschauung und ein stiller Ursprung. Wer diese Stufen beobachtet, kann achtsamer sprechen. Die Lehre wird dann ethisch: Worte entstehen nicht unkontrolliert, sondern aus wachsender Sammlung, Wahrhaftigkeit und Mitgefühl.

Zahlen und subtile Begriffe der Turiya Upanishad sind keine naturwissenschaftlichen Messangaben. Sie sollten weder mit Gehirnfrequenzen gleichgesetzt noch als garantierte Heilswirkung ausgegeben werden. Ihr Wert liegt in einer kontemplativen Landkarte, die Klang, Sprache, Kosmos und Bewusstsein als zusammengehörig erfahren lässt.

Vollständiger Text in Devanagari

कलातीतश्चेति । तत्र चत्वारः । अकारश्चायुतावयवान्वितः ।
उकारः शतावयवान्वितः । मकारः सहस्रावयवान्वितः ।
अर्धमात्रप्रणवोऽनन्तावयवान्वितः । सगुणो विराट्प्रणवः ।
संहारो निर्गुणप्रणवः । उभयात्मक उत्पत्तिप्रणवः ।
यथार्थकथनोमित्युच्चार्याभिमानोत्पत्तिप्रणवः ।
सर्वोपसंहारेण संहारप्रणवः । उभयात्मकत्वात् विराट्प्रणवः ।
उत्पत्तिप्रणवो दीर्घप्लुतविराट् । प्लुतप्लुत्युपसंहारः ।
विराट्प्रणवः षोडशमात्रान्वितः । षट्त्रिंशत्तत्त्वायुतः ।
षोडशमात्रात्मकं कथमित्युच्यते । अकारः प्रथमः ।
द्वितीय उकारः । मकारस्तृतीयः । अर्धमात्रा चतुर्थः ।
नादः पञ्चमः । बिन्दुः षष्ठः । कला सप्तमः । शक्तिरष्टमी ।
शान्तिर्नवमी । समाना दशमी । आत्मनैकादश । मनोन्मना द्वादश ।
वैखरी त्रयोदश । मध्यमा चतुर्दश । पश्यन्ती पञ्चदश ।
परा षोडश । इति षोडशमात्रात्मकः प्रणवः ।
षोडशमात्रा जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितुरीयावस्थाभेदैरेकैकमात्राचातुर्विध्यमेत्य ।
षोडशमात्राश्चतुष्षष्टिभेदमेत्य ।
पुनश्चतुष्षष्टिमात्राः प्रकृतिपुरुषद्वैविध्यमापाद्याष्टाविंशत्युत्तरभेदमात्रास्वरूपमासाद्य
सगुणनिर्गुणत्वमेत्य एकोऽपि ब्रह्म प्रणवः ॥

सर्वाधारः परं ज्योतिरेष सर्वेश्वरो विभुः ।
सर्वदेवमयः सर्वप्रपञ्चाधारगर्भितः ।
सर्वाक्षरमयः कालः सदसद्भक्तिवर्जितः ॥ इति ॥

य एवं वेदेत्युपनिषत् ॥

इति तुरीयोपनिषत् समाप्ता ।

Vollständiger Text in IAST

kalātītaśceti | tatra catvāraḥ | akāraścāyutāvayavānvitaḥ |
ukāraḥ śatāvayavānvitaḥ | makāraḥ sahasrāvayavānvitaḥ |
ardhamātrapraṇavo’nantāvayavānvitaḥ | saguṇo virāṭpraṇavaḥ |
saṃhāro nirguṇapraṇavaḥ | ubhayātmaka utpattipraṇavaḥ |
yathārthakathanomityuccāryābhimānotpattipraṇavaḥ |
sarvopasaṃhāreṇa saṃhārapraṇavaḥ | ubhayātmakatvād virāṭpraṇavaḥ |
utpattipraṇavo dīrghaplutavirāṭ | plutaplutyupasaṃhāraḥ |
virāṭpraṇavaḥ ṣoḍaśamātrānvitaḥ | ṣaṭtriṃśattattvāyutaḥ |
ṣoḍaśamātrātmakaṃ kathamityucyate | akāraḥ prathamaḥ |
dvitīya ukāraḥ | makārastṛtīyaḥ | ardhamātrā caturthaḥ |
nādaḥ pañcamaḥ | binduḥ ṣaṣṭhaḥ | kalā saptamaḥ | śaktiraṣṭamī |
śāntirnavamī | samānā daśamī | ātmanaikādaśa | manonmanā dvādaśa |
vaikharī trayodaśa | madhyamā caturdaśa | paśyantī pañcadaśa |
parā ṣoḍaśa | iti ṣoḍaśamātrātmakaḥ praṇavaḥ |
ṣoḍaśamātrā jāgratsvapnasuṣuptiturīyāvasthābhedairekaikamātrācāturvidhyametya |
ṣoḍaśamātrāścatuḥṣaṣṭibhedametya |
punaścatuḥṣaṣṭimātrāḥ prakṛtipuruṣadvaividhyamāpādyāṣṭāviṃśatyuttarabhedamātrāsvarūpamāsādya
saguṇanirguṇatvametya eko’pi brahma praṇavaḥ ||

sarvādhāraḥ paraṃ jyotireṣa sarveśvaro vibhuḥ |
sarvadevamayaḥ sarvaprapañcādhāragarbhitaḥ |
sarvākṣaramayaḥ kālaḥ sadasadbhaktivarjitaḥ || iti ||

ya evaṃ vedetyupaniṣat ||

iti turīyopaniṣat samāptā |

Vollständige deutsche Übersetzung

Die nachfolgende Absatzgliederung entspricht den redaktionellen Sinnabschnitten der Einzelerläuterung; die Sanskritvorlage besitzt keine Abschnittszahlen.

1. „Und jenseits der Kala“, so heißt es. Darin gibt es vier. Der A-Laut ist mit zehntausend Teilen versehen, der U-Laut mit hundert Teilen und der M-Laut mit tausend Teilen. Der Pranava der halben Mora besitzt unendlich viele Teile.

2. Der Virat-Pranava ist mit Eigenschaften verbunden. Der Pranava der Auflösung ist eigenschaftslos. Der Pranava der Entstehung besitzt beide Wesensweisen.

3. Indem man „Om“ als wahrheitsgemäße Aussage ausspricht, erscheint der Pranava der Entstehung zusammen mit der Vorstellung oder Selbstzuschreibung. Durch die vollständige Einziehung ist er der Pranava der Auflösung. Weil er beide Wesensweisen besitzt, ist er der Virat-Pranava.

4. Der Pranava der Entstehung ist der Virat in langer und überlanger Dehnung. Die überlange Dehnung steht mit der Rücknahme in Verbindung. Der Virat-Pranava ist mit sechzehn Moren ausgestattet und mit den 36 Tattvas verbunden.

5. Wie besteht er aus sechzehn Moren? Das wird nun erklärt: A ist die erste; U ist die zweite; M ist die dritte; die halbe Mora ist die vierte; Nada ist die fünfte; Bindu die sechste; Kala die siebte und Shakti die achte.

6. Shanti ist die neunte; Samana die zehnte; der Atman die elfte; Manonmana die zwölfte; Vaikhari die dreizehnte; Madhyama die vierzehnte; Pashyanti die fünfzehnte und Para die sechzehnte.

7. So besteht der Pranava aus sechzehn Moren. Indem jede einzelne dieser sechzehn Moren durch die Unterschiede der Zustände Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya vierfach wird, entfaltet sie sich in vier Formen.

8. So gelangen die sechzehn Moren zu 64 Unterscheidungen. Indem diese 64 Moren wiederum die Zweiheit von Prakriti und Purusha annehmen, erreichen sie die Gestalt von vermutlich 128 unterschiedenen Moren. Nachdem er Saguna und Nirguna geworden ist, bleibt der Pranava dennoch der eine: Er ist Brahman.

9. Er ist die Grundlage von allem, das höchste Licht, der Herr von allem und der Allgegenwärtige. Er besteht aus allen Gottheiten und trägt in seinem Innern die Grundlage der gesamten Erscheinungswelt. Er besteht aus allen Lauten, ist die Zeit und ist frei von jeder Aufteilung in Sein und Nichtsein. So lautet die Lehre.

10. Wer dies auf solche Weise erkennt – das ist die Upanishad, die geheime Lehre.

Kolophon: Damit ist die Turiya Upanishad beendet.

Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten

  1. Verbinde Klang und Bedeutung: Wiederhole Om nicht nur mechanisch. Vergegenwärtige dir dabei, dass die Turiya Upanishad den Pranava als Träger aller Zustände und als Symbol des einen Brahman versteht.
  2. Lausche auch der Stille: Töne A–U–M ruhig und ohne Anstrengung. Nimm anschließend die feine Nachschwingung und die Stille wahr. Die ardhamātrā erinnert daran, dass die Meditation nicht mit dem hörbaren Laut endet.
  3. Erforsche den Zeugen der drei Zustände: Wachen, Traum und Tiefschlaf verändern sich. Frage dich, welches Bewusstsein ihr Kommen und Gehen erhellt. So wird Turiya von einem Begriff zu einer Richtung der Selbsterforschung.
  4. Lass Erkenntnis die Sprache verwandeln: Beobachte ein Wort schon vor dem Aussprechen. Führe es von innerer Klarheit über achtsame Formulierung zu wahrhaftiger, freundlicher Rede. Damit erhalten die vier Sprachstufen eine unmittelbare ethische Bedeutung.
  5. Verliere dich nicht in Zahlen und Sondererfahrungen: Die 16, 64 und vermutlich 128 Formen sind eine kontemplative Ordnung, kein Leistungsprogramm. Der Schluss der Turiya Upanishad führt von allen Unterscheidungen zurück zum einen Pranava und zu Brahman.

Siehe auch

Literatur

  • C. Kunhan Raja (Hrsg.): Un-published Upanishads. Adyar Library Series, Band 14. The Adyar Library, Adyar 1933, S. 26. Sanskrit-Erstausgabe der Turiya Upanishad.
  • Swami Nikhilananda: The Māṇḍūkyopaniṣad with Gauḍapāda’s Kārikā and Śaṅkara’s Commentary. Ramakrishna-Vivekananda Center, New York 1949. Vergleichende Darstellung von Om und den vier Bewusstseinszuständen.
  • André Padoux: Vāc: The Concept of the Word in Selected Hindu Tantras. State University of New York Press, Albany 1990. Zur tantrischen Lehre von Wort und Sprache.
  • James Mallinson, Mark Singleton: Roots of Yoga. Penguin Classics, London 2017. Quellen zur historischen Entwicklung von Yoga, Mantra und subtilen Körperlehren.

Weblinks

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Die Turiya Upanishad führt durch zahlreiche Klangstufen und Unterscheidungen zu einer schlichten Einsicht: Derselbe Pranava trägt alle Laute, Zustände und Welten. Wer Om in diesem Sinn hört, kann im Wechsel der Erfahrungen die ungeteilte Gegenwart des Bewusstseins erkennen.