Shiva-Mantra-Purashcharana – eine längere Übungszeit der Hingabe vollenden

Aus Yogawiki

Shiva-Mantra-Purashcharana – eine längere Übungszeit der Hingabe vollenden richtet sich an Menschen, die mit Japa vertraut sind und ihre tägliche Gottesnamenspraxis zu einem verbindlichen, länger dauernden Gelübde vertiefen möchten. In der hier ausgewählten Fassung von Swami Sivananda wird das fünfsilbige Panchakshara Mantra „Namah Shivaya“ insgesamt 500.000-mal wiederholt. Dazu kommen 50.000 Wiederholungen als ausdrücklich zugelassener Ersatz für das Feueropfer; die abschließende Bewirtung bleibt erhalten. Das ist eine Übung für Wochen oder Monate, deren Dauer vom gleichbleibenden persönlichen Tagespensum abhängt. Sie wird allein an einem ruhigen Platz zuhause oder an einem geeigneten Rückzugsort ausgeführt; eine vorausgehende Unterweisung durch den eigenen Guru hilft, Gelübde und Lebensumstände aufeinander abzustimmen.

Das Besondere des Purashcharana ist die Verbindung von Wiederholungszahl, täglicher Beständigkeit und einer einfachen Lebensführung. Die Zahl gibt der Hingabe eine verlässliche Gestalt: Jeden Tag kehrt der Übende zu Shiva zurück, und zum Abschluss lässt er andere an seiner Dankbarkeit teilhaben.

Shiva in Meditation: Die lange Übungszeit lebt von stiller, beständiger Zuwendung.

Vorbereitung und Gelübde

Benötigt werden ein sauberer Sitz mit Baumwolltuch, Decke oder geeigneter Matte, eine Rudraksha-, Tulasi- oder Kristall-Mala und eine Möglichkeit, die abgeschlossenen Wiederholungen zuverlässig zu notieren. Für die abschließende Speisung plane rechtzeitig eine vegetarische, alkoholfreie Mahlzeit und die tatsächliche Einladung der Gäste. Ein Shiva-Bild kann die innere Sammlung unterstützen; die gewählte Ersatzfassung verlangt keine Feuerstelle. Die Quelle nennt Milch und mit Ghee zubereitete Speise unter den möglichen einfachen Nahrungsmitteln. Bei Verwendung stehen Milch (bzw. Pflanzenmilch) und Ghee (bzw. Pflanzenöl) zur Verfügung; Pflanzenmilch und Pflanzenöl sind heutige Praxisalternativen.

Ein überschaubares Tagespensum festlegen
Vereinbare mit dir selbst eine täglich gleiche Zahl und genügend freie Zeit dafür. Rechne vor Beginn nach, wie viele Tage du für 500.000 Wiederholungen brauchst. Eine volle Mala zählt 108 vollständig gesprochene oder innerlich wiederholte Mantras; überzählige Wiederholungen nicht als angebrochene Formel ausführen. Die Gesamtzahl darf überschritten werden. Wähle auch für die zusätzlichen 50.000 Wiederholungen ein klar zählbares Pensum. Die Quelle legt dafür keine feste Zahl von Tagen fest.

Die Lebensführung vereinfachen
Sivanandas förmliche Purashcharana-Ordnung verbindet die Übungszeit mit sexueller Enthaltsamkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtverletzen, Schlafen auf einer einfachen Bodenunterlage, Verehrung und Gebet dreimal am Tag sowie regelmäßigem Bad. Genannt werden drei Bäder täglich; bei fehlender Möglichkeit zwei oder eines. Körperliche Bedürfnisse, Klima und Krankheit sind nach seiner allgemeinen Erklärung der Askese zu berücksichtigen. Die Ernährung soll schlicht sein: Gemüse, Früchte, Wurzeln und Knollen, Gerste und andere im Text genannte einfache vegetarische Speisen; die Nahrung wird innerlich Gott dargebracht. Auf Fleisch, Salz, scharf gewürzte und süße Speisen sowie Hülsenfrüchte verzichtet diese förmliche Fassung.

Während der Wiederholung vermeidet man Zerstreuung, Zorn, unnötiges Reden, absichtliches Herumbewegen, Betelkauen und Spucken. Die strengere Rückzugsordnung nennt außerdem den Verzicht auf Tagesschlaf, Geschenke, Unterhaltung, Tanz, Gesang zur Zerstreuung, Schmuck und geschlechtliche Gespräche. Ihre traditionellen Regeln über den Umgang mit anderen Menschen dienen der Sammlung während eines Rückzugs; für erforderliche Versorgung und Absprachen ist vor Beginn zu sorgen. Sivananda versteht Tapas als geistige Disziplin und nicht als körperliche Selbstquälerei.

Ablauf der Übungszeit

1. Den Beginn bewusst vollziehen
Beginne nach dem Bad an einem für dich geeigneten Tag. Richte den sauberen Sitz nach Osten oder Norden aus; nachts nennt die Quelle Norden. Sitze in einer tragfähigen Haltung, etwa Sukhasana, Siddhasana oder Padmasana. Vergegenwärtige dir Shiva und den Sinn der Übungszeit: Reinigung des Herzens und Vertiefung der Gottesnähe. Ein persönlicher Entschluss in eigenen Worten ist möglich; eine verpflichtende Sanskrit-Sankalpa-Formel schreibt der hier verwendete Abschnitt nicht vor.

2. Das fünfsilbige Mantra wiederholen
Wiederhole aufmerksam und in gleichmäßigem, weder hastigem noch schleppendem Tempo:

namaḥ śivāya |

Bedeutung: Verehrung Shiva, dem Gütigen.

Die fünf Silben sind na–maḥ–śi–vā–ya. Diese Ausgabe zählt genau diese Formel. Ein vorgeschaltetes „Om“ ist nicht Bestandteil der hier gewählten fünfsilbigen Zählfassung. Gehe Perle für Perle vor und bleibe zugleich bei der Bedeutung: Der eigene Wille verneigt sich vor dem Göttlichen. Sivananda verbindet die Rezitation mit dem Bild und der Gegenwart der Mantra-Gottheit.

3. Jeden Tag beständig fortfahren
Verteile das vereinbarte Tagespensum auf feste Sitzungen. Sivananda nennt dafür Morgen, Mittag, Nachmittag und Mitternacht beziehungsweise frühe Morgen- und Abendzeiten; daraus ergibt sich keine zusätzliche vorgeschriebene Anzahl von Sitzungen für alle Lebenslagen. Halte das gewählte Tagespensum gleich. Bewahre während des Japa Schweigen und ziehe die Aufmerksamkeit von Ablenkungen zurück. Notiere nach jeder Sitzung die abgeschlossene Zahl und bewahre die Mala sauber auf.

Verbinde die drei täglichen Zeiten der Verehrung mit einem Gebet an Shiva und innerer Zuwendung. Die ausgewählte methodische Fassung schreibt dafür keine zusätzliche vollständige äußere Puja oder ein bestimmtes Stotra vor. Die Mantrawiederholung bleibt der Mittelpunkt. Verwendete Milch (bzw. Pflanzenmilch) oder mit Ghee (bzw. Pflanzenöl) zubereitete Nahrung gehört zur einfachen Ernährung; sie wird vor dem Essen innerlich Gott dargebracht.

4. Die 500.000 Hauptwiederholungen vollenden
Führe die Sitzungen weiter, bis mindestens 500.000 vollständige Wiederholungen erreicht sind. Prüfe die Aufzeichnungen. Der Abschluss einer großen Zahl ist ein Anlass zur Dankbarkeit, nicht zum Vergleich mit anderen Übenden. Bewahre dieselbe sorgfältige Aussprache und Zuwendung bei den letzten Wiederholungen wie am ersten Tag.

5. Den zugelassenen Ersatz für das Feueropfer ausführen
Der Abschnitt „Homa oder Yajna“ erlaubt bei fehlender Möglichkeit eines Homa ausdrücklich, die Gottheit zu verehren und ein Zehntel der abgeschlossenen Japa-Zahl zusätzlich zu wiederholen. Für die gewählte Hauptzahl sind das 50.000 weitere Wiederholungen von:

namaḥ śivāya |

Bedeutung: Verehrung Shiva, dem Gütigen.

Vollende diese zusätzlichen Wiederholungen mit derselben Sammlung. Damit umfasst diese Fassung mindestens 550.000 Mantras. Sie folgt der dort beschriebenen Ersatzregel; die abweichende Homa- und Trankopferregel im vorangehenden allgemeinen Anushthana-Abschnitt wird nicht damit vermischt. In der gewählten Ersatzfassung wird kein eigenes Tarpana hinzugefügt.

6. Dankbarkeit durch Bewirtung ausdrücken
Nach dem zusätzlichen Japa bewirte Brahmanen und Mahatmas, wie die Quelle für diese Ersatzfassung ausdrücklich verlangt. Organisiere diese Einladung bereits vor Beginn der Übungszeit. Die Quelle schreibt hier keine Anzahl der Gäste vor. Bereite eine vegetarische, alkoholfreie Mahlzeit, reiche sie den Anwesenden und sorge dafür, dass die Bewirtung tatsächlich stattfindet. Ein nur gedachtes Mahl oder eine nicht ausgeführte Spendenabsicht ersetzt diese Handlung nicht. Übrige genießbare Speisen werden geteilt und sorgsam aufbewahrt.

Ein persönlicher stiller Dank an Shiva kann den gemeinsamen Abschluss begleiten. Ein verbindliches zusätzliches Abschlussmantra wird in dieser Fassung nicht genannt. Kehre anschließend zur verabredeten täglichen Praxis zurück. Als spirituelle Anregung: Bewahre aus der langen Übungszeit vor allem die Fähigkeit, auch einem einzelnen Mantra deine volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Rezitationsanhänge

IAST – Hauptpraxis und zusätzliche Wiederholungen
namaḥ śivāya |

Devanagari
नमः शिवाय ।

Deutsch
Verehrung Shiva, dem Gütigen.

Die Formel wird in der Hauptpraxis 500.000-mal und im gewählten Homa-Ersatz zusätzlich 50.000-mal vollständig wiederholt.

Quellen, Video und Seminare

  • Swami Sivananda: Japa Yoga, Kapitel 4 – Sadhana, Abschnitte „Die Methode des Mantra-Purascharana“, „Ernährung“, „Ort für Japa“, „Richtung“, „Bad“, „Sitzhaltung“, „Benutzung der Mala“, „Art der Japa-Ausübung“, „Homa oder Yajna“ und „Regeln, die während des Japa zu beachten sind“. Die allgemeinen Anushthana-Hinweise begründen die Berücksichtigung wirklicher körperlicher Bedürfnisse. Die Zähl- und Abschlussfassung folgt ausschließlich dem besonderen Purashcharana-Abschnitt.

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