Sesshin

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Sesshin, oder auch wörtlich übersetzt "die Herzensseele berühren" ("touching the heart-mind"), ist eine Zeitspanne intensiver Meditation (Zazen) in einem Zen-Kloster. Es wird häufig in westlichen Zen-Klöstern etwas verzerrt auch mit "seinen Geist, seine Gedanken sammeln" ("gathering the mind") übersetzt.

Buddha im Glück (Gold) der Erleuchtung

In den Zen-Klöstern wird erwartet, dass die Mönche als Teil ihres Tagesablaufs neben anderen Verrichtungen mehrere Stunden am Tag meditieren. Während eines Sesshin jedoch wird voller Hingabe nichts anderes als nur Zazen praktiziert. Die zahlreichen 30- bis 50-minütigen Meditationsabschnitte werden unterbrochen von kurzen Ruhepausen, Mahlzeiten und manchmal auch von kurzen Arbeitsphasen. Alles wird mit der gleichen Achtsamkeit ausgeführt. Die Nachtruhe wird bis auf ein Minimum herabgesenkt, etwa 6 Stunden Schlaf, manchmal sogar noch weniger.

Während einer Sesshin-Periode ist es möglich, dass der Meditationsablauf vom Zen-Meister unterbrochen wird, um etwa einen öffentlichen Vortrag (Teisho) zu halten. Auch kommt es vor, dass er in einem Einzelgespräch (was auch Dokusan, Daisan oder Sanzen genannt wird) einem Schüler richtungsweisende Anleitungen und Hinweise gibt.

In der modernen Praxis des Buddhismus in Japan und im Westen nehmen an den Sesshins häufig Schüler teil, die nicht einer Klosterbruderschaft angehören. Die Dauer dieser Sesshins beträgt üblicherweise ein, drei, fünf oder sieben Tage. Die Sieben-Tage-Sesshins werden in vielen Zen-Zentren mehrere Male im Jahr abgehalten, insbesonders als Gedenkfeiern zu Buddhas Erwachen zu Erleuchtung (Annuttara Samyak Sambodhi). Während dieser sogenannten Rohatsu-Sesshins bemühen sich die Praktizierenden, sich zu entspannen und ihren denkenden Verstand mit all seinem mentalen Geratter und seinen emotionalen Impulsen zum Stillstand zu bringen (Samadhi, Kensho oder Satori).

Ein typischer Sesshin Tag

In der westlichen Welt wird ein Sesshin-Ablaufplan irgendwo zwischen neun und fünfzehn Zazen-Abschnitte am Tag beinhalten, jeder etwa 30 bis 40 Minuten lang, mit einer etwa 10-minütigen Periode von Geh-Meditation (Kinhin) zwischen den einzelnen Zazen-Abläufen. Traditionelle Sesshins sind noch intensiver, mit Meditationsphasen von jeweils 30 bis 60 Minuten, ohne jegliche Pause oder Arbeitsphase und mit einer limitierten täglichen Schlafenszeit von weniger als fünf Stunden.

Mahlzeiten werden in einem formellen Meditationsritual (Oryoki genannt) eingenommen. In verwestlichten Sesshins werden manchmal Arbeitsphasen intergriert, die ein bis zwei Stunden des Tagesablaufs einnehmen und normalerweise aus Garten-, Küchen- oder Reinigungsarbeiten bestehen. Dieses Sesshin-Programm plant üblicherweise eine vier- bis fünf-stündige nächtliche Schlafenszeit ein, wobei die Praktizierenden gelegentlich sogar noch den Großteil der vorletzten Nacht eines 5- oder 7-Tage Sesshin in intensiver Meditation (Zazen) zubringen. Das wird dann "Yaza" genannt und soll eine besonders effektive Zeit zur Meditation sein, da dem denkenden Geist und dem Ego zu der Zeit die Energie fehlt, um die Ausführung der Übung zu behindern. Es wird berichtet, dass ein Praktizierender normalerweise wenigstens drei Tage eines Sesshin benötigt, um von seinem Alltag "herunterzukommen". Dann werde meist erst der Punkt erreicht, wo der denkende Geist ruhig genug für tiefere Ausführungen der Meditation ist und Samadhi beginnen kann.

Psychologische Aspekte von Sesshin

Es gibt Berichte von Menschen, die noch nicht so vertraut mit dem Prozedere waren, dass sie die Orientierung verloren und Angst gehabt hätten, psychologische Schäden während eines Sesshin zu erleiden. Einige Zen Zentren gestatten es deshalb Novizen nicht, ohne längere vorherige Erfahrung an langen Sesshins teilzunehmen. Wenn sie es gestatten, dann erst nach einer persönlichen Vorstellung bei dem Übungsleiter. Sesshin kann zu einer tiefen Erfahrung von "Erwachen" führen, was sich manchmal auch etwas traumatisch auswirken kann, ähnlich einer "spirituellen Krise" oder wie bei den Symptomen des Kundalini Syndroms.

Obwohl das auf den ersten Blick abschreckend wirken mag, so haben doch die meisten, die regelmäßig Zazen praktizieren, keine Probleme dieser Art mit Sesshin. Es wird aber von Steigerungen der Sinneswahrnehmungen berichtet. Das Essen soll einen unglaublichen Geschmack bekommen und Farbtöne sollen eindringlicher und kräftiger wahrgenommen werden.

Soziale Aspekte von Sesshin

Während eines Sesshin herrscht absolutes Redeverbot. Die Ruhe wird deshalb zur Pflicht erhoben, weil sich keiner vom anderen gestört und beeinflusst fühlen soll und jeder sich auf sein eigenes Erleben der Erfahrung konzentrieren kann. Am Ende, sozusagen zum Ausklang, eines Sesshin wird üblicherweise eine Mahlzeit serviert, wo es dann allen Schülern erlaubt ist, zum ersten Mal seit ihrer Ankunft miteinander zu reden und sich über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Siehe auch

Bücher

  • Heinz Bechert: Der Buddhismus I: Der indische Buddhismus und seine Verzweigungen. Kohlhammer, Stuttgart 2000. ISBN 3-17-015333-1.
  • Heinz Bechert, R. Gombrich: Der Buddhismus: Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage. Beck, München 2002. ISBN 3-406-42138-5.
  • Bhikkhu Bodhi: In den Worten des Buddha. Verlag Beyerlein & Steinschulte, 2008. ISBN 9783931095789
  • Edward Conze: Der Buddhismus: Wesen und Entwicklung. 10. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1995. ISBN 3-17-013505-8.
  • Hansjörg Pfister: Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus. Verlag Reith & Pfister, Bötzingen 2004. ISBN 3-9805629-9-9.
  • Helwig Schmidt-Glintzer: Die Reden des Buddha. dtv C. H. Beck, München 2005. ISBN 3-423-34242-0.
  • Wilhelm K. Essler, Ulrich Mamat: Die Philosophie des Buddhismus. 1. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Dezember 2005. ISBN 3-534-17211-6.
  • W. Rahula: Was der Buddha lehrt. 2. Auflage. Origo-Verlag, Bern 1982. ISBN 3-282-00038-3.
  • Verena Reichle: Die Grundgedanken des Buddhismus. 11. Auflage. S. Fischer-Verlag, Frankfurt 2003. ISBN 3-596-12146-9.
  • Hans W. Schumann: Handbuch Buddhismus: Die zentralen Lehren – Ursprung und Gegenwart. Diederichs, München 2000. ISBN 3-7205-2153-2.
  • Hans W. Schumann: Der historische Buddha – Leben und Lehre des Gotama. Diederichs, München 2004. ISBN 3-89631-439-4.
  • Gerhard Szczesny: Die eine Botschaft und die vielen Irrwege. Königshausen und Neumann, Würzburg 2004. ISBN 3-8260-2707-8.
  • Volker Zotz: Geschichte der buddhistischen Philosophie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996. ISBN 3-499-55537-9.
  • F.A.Z.-Hörbuch: Auf Siddhartas Spuren – Reisen zu den heiligen Stätten des Buddhismus. Frankfurt 2006. ISBN 3-89843-952-6.