Narada Parivrajaka Upanishad

Aus Yogawiki
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Die Naradaparivrajaka Upanishad (Sanskrit: नारदपरिव्राजकोपनिषत्, IAST: Nāradaparivrājakopaniṣat f.) ist eine dem Atharvaveda zugeordnete Sannyasa Upanishad. Ihr Titel verbindet den Namen des Weisen Narada mit dem Parivrajaka, dem wandernden Entsagenden. In neun Lehrabschnitten fragen Narada und die Weisen nach Entsagung, Selbsterkenntnis und Befreiung. Brahma erläutert die Vorbereitung, die Aufnahme in das Wanderasketentum, verschiedene Lebensweisen sowie die Betrachtung von Om, Atman und Brahman.

Naradaparivrajaka Upanishad wird auch geschrieben Naradaparivrajakopanishad bzw. Narada Parivrajaka Upanishad

Einfachheit und Meditation begleiten die Suche nach innerer Freiheit.

Die Schrift ist zugleich Regelwerk und Erkenntnislehre. Sie beschreibt gesellschaftliche Voraussetzungen, Riten und äußere Kennzeichen, legt aber ebenso Gewicht auf Ahimsa, Wahrhaftigkeit, Freiheit von Zorn und Loslösung von Besitz. Immer wieder führt sie von äußeren Zeichen zur Frage, ob der Mensch die Bindung an das begrenzte Ich tatsächlich überwindet.

Für das Studium von Yoga und Meditation ist diese Verbindung besonders aufschlussreich: Ein einfaches Leben, Selbstbeherrschung und Betrachtung des Selbst sollen einander unterstützen. Die historischen Vorschriften richten sich an bestimmte Asketengruppen. Ihre Wiedergabe macht die Überlieferung zugänglich; die allgemeinen Anregungen für den heutigen Alltag werden im Anschluss gesondert erläutert.

Naradaparivrajaka Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die vollständige Fassung umfasst neun Upadeshas, also Lehrabschnitte. Jeder nummerierte Vers erhält unmittelbar seine deutsche Übersetzung und Wort-für-Wort-Erklärung. Unnummerierte Prosa wird als solche behandelt; redaktionelle Unterteilungen sind keine überlieferten Versnummern. Die Abschnittsüberschriften stehen über dem zugehörigen Sanskrit.

Die deutsche Übersetzung und die Worterklärungen wurden aus dem Sanskrit erarbeitet. Schwierige Lesarten und größere Ergänzungen sind gekennzeichnet. Die Quelle enthält unterschiedliche, teilweise spannungsreiche Entsagungsregeln; diese werden nicht zu einer scheinbar einheitlichen Regelordnung umgeschrieben. Die vollständigen Texte in Devanagari, IAST und Deutsch beruhen auf denselben Einheiten.

Eröffnungsvers
pārivrājyadharmapūgālaṅkārā yatprabodhataḥ |
daśapraṇavalakṣyārthaṃ yānti taṃ rāmamāśraye ||

Ich nehme Zuflucht zu Rama, durch dessen Erkenntnis die mit der Fülle der Entsagungsregeln Geschmückten zur gemeinten Wirklichkeit des zehnfachen Pranava gelangen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pārivrājya – das Wanderasketentum; dharma-pūga – Fülle seiner Regeln; alaṅkārāḥ – damit Geschmückte; yat-prabodhataḥ – durch dessen Erkenntnis; daśa-praṇava – zehnfacher Pranava; lakṣya-artham – gemeinte Wirklichkeit; yānti – gelangen; tam rāmam – zu diesem Rama; āśraye – ich nehme Zuflucht.

Shanti-Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ – mit festen; aṅgaiḥ – Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren.

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Merkvers zur Upanishadenliste
parivrāṭtriśikhī sītācūḍānirvāṇamaṇḍalam
dakṣiṇā śarabhaṃ skandaṃ mahānārāyaṇādvayam ||

[Genannt werden:] Parivrajaka, Trishikhi, Sita, Chuda, Nirvana, Mandala, Dakshina, Sharabha, Skanda und die nichtduale Mahanarayana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: parivrāṭ – Parivrajaka; triśikhī – Trishikhi; sītā – Sita; cūḍā – Chuda; nirvāṇa – Nirvana; maṇḍalam – Mandala; dakṣiṇā – Dakshina; śarabham – Sharabha; skandam – Skanda; mahānārāyaṇa – Mahanarayana; advayam – nichtdual.

Textanmerkung: Der Merkvers steht in der Vorlage zwischen Friedensgebet und Erzählung; er ist keine Inhaltslehre des ersten Abschnitts.

Erster Abschnitt – Narada im Naimisha-Wald
atha kadācitparivrājakābharaṇo nāradaḥ sarvalokasaṃcāraṃ
kurvannapūrvapuṇyasthalāni puṇyatīrthāni tīrthīkurvannavalokya
cittaśuddhiṃ prāpya nirvairaḥ śānto dāntaḥ sarvato
nirvedamāsādya svarūpānusandhānamanusandhaya
niyamānandaviśeṣagaṇyaṃ munijanairupasaṃkīrṇaṃ
naimiṣāraṇyaṃ puṇyasthalamavalokya sarigamapadhanisasaṃjñairvairāgyabodhakaraiḥ svaraviśeṣaiḥ prāpañcikaparāṅmukhairharikathālāpaiḥ sthāvarajaṅgamanāmakairbhagavadbhaktiviśeṣairnaramṛgakiṃpuruṣāmarakiṃnaraapsarogaṇānsaṃmohayannāgataṃ brahmātmajaṃ bhagavadbhaktaṃ
nāradamavalokya dvādaśavarṣasatrayāgopasthitāḥ
śrutādhyayanasampannāḥ sarvajñāstaponiṣṭhāparāśca
jñānavairāgyasampannāḥ śaunakādimaharṣayaḥ
pratyutthānaṃ kṛtvā natvā yathocitātithyapūrvakamupaveśayitvā
svayaṃ sarve'pyupaviṣṭā bho bhagavanbrahmaputra kathaṃ
muktyupāyo'smākaṃ vaktavya ityuktastānsa hovāca nāradaḥ
satkulabhavopanītaḥ samyagupanayanapūrvakaṃ catuścatvāriṃśatsaṃskārasampannaḥ svābhimataikagurusamīpe svaśākhādhyayanapūrvakaṃ sarvavidyābhyāsaṃ kṛtvā dvādaśavarṣaśuśrūṣāpūrvakaṃ brahmacaryaṃ pañcaviṃśativatsaraṃ gārhasthyaṃ
pañcaviṃśativatsaraṃ vānaprasthāśramaṃ tadvidhivatkramānnirvartya
caturvidhabrahmacaryaṃ ṣaḍvidhaṃ gārhasthyaṃ caturvidhaṃ
vānaprasthadharmaṃ samyagabhyasya taducitaṃ karma sarvaṃ nirvartya
sādhanacatuṣṭayasampannaḥ sarvasaṃsāropari manovākkāyakarmabhiryathāśānivṛttastathā vāsanaiṣaṇoparyapi nirvairaḥ
śānto dāntaḥ saṃnyāsī paramahaṃsāśrameṇāskhalitasvasvarūpadhyānena dehatyāgaṃ karoti sa mukto bhavati sa mukto bhavatītyupaniṣat ||

Einst durchwanderte Narada, der Schmuck der Wanderasketen, alle Welten. Er besuchte bisher ungesehene heilige Orte und Wallfahrtsstätten und heiligte sie selbst. Nachdem er Reinheit des Geistes erlangt hatte, war er ohne Feindschaft, friedvoll und beherrscht, wandte sich von allem ab und widmete sich der Betrachtung des eigenen Wesens. Er erblickte die heilige Stätte des Naimisha-Waldes, von Weisen erfüllt und ausgezeichnet durch besondere Freude an geistiger Zucht. Mit den als sa, ri, ga, ma, pa, dha, ni, sa bezeichneten Tönen, die Entsagung erkennen ließen, mit weltabgewandten Erzählungen über Hari und mit besonderer Hingabe an den Erhabenen, die sich auf das Bewegliche und Unbewegliche bezog, bezauberte er Menschen, Tiere, Kimpurushas, Götter, Kinnaras und Apsaras. Als die großen Rishis um Shaunaka den angekommenen Narada, Brahmas Sohn und Verehrer des Erhabenen, sahen, erhoben sie sich, verneigten sich, erwiesen ihm angemessene Gastfreundschaft und boten ihm einen Sitz an. Sie waren zu einem zwölfjährigen Opfer versammelt, im Studium der Offenbarung bewandert, allwissend, ganz der Askese hingegeben und mit Erkenntnis und Entsagung ausgestattet. Nachdem auch sie sich gesetzt hatten, baten sie: „Erhabener Sohn Brahmas, erkläre uns den Weg zur Befreiung.“ Narada sagte zu ihnen: „Wer aus guter Familie stammt, ordnungsgemäß initiiert wurde und die vierundvierzig Läuterungsriten empfangen hat, soll bei dem von ihm gewählten einen Lehrer zunächst seine Veda-Schule und dann alle Wissensgebiete studieren. Nach zwölfjährigem Dienst als Schüler vollende er in der vorgeschriebenen Reihenfolge fünfundzwanzig Jahre als Haushälter und fünfundzwanzig Jahre als Waldeinsiedler. Er übe die vier Arten des Schülerlebens, die sechs Arten des Haushälterlebens und die vier Arten der Waldordnung richtig aus und erfülle alle zugehörigen Handlungen. Mit den vier Voraussetzungen des Erkenntniswegs versehen, ziehe er in Gedanken, Worten und Taten seine Erwartungen vom gesamten Weltkreislauf zurück, ebenso von latenten Neigungen und Wünschen. Als Entsagender, ohne Feindschaft, friedvoll und beherrscht, verlasse er im Lebensstand des Paramahamsa den Körper in unerschütterlicher Betrachtung seines eigenen Wesens. Er wird befreit, er wird befreit: so die Upanishad.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha kadācit – einst; parivrājaka-ābharaṇaḥ – Schmuck der Wanderasketen; nāradaḥ – Narada; sarva-loka-saṃcāram kurvan – alle Welten durchwandernd; apūrva-puṇya-sthalāni – zuvor ungesehene heilige Orte; puṇya-tīrthāni – heilige Wallfahrtsstätten; tīrthī-kurvan – sie heiligend; avalokya – betrachtet habend; citta-śuddhim prāpya – Reinheit des Geistes erlangt habend; nirvairaḥ – ohne Feindschaft; śāntaḥ – friedvoll; dāntaḥ – beherrscht; sarvataḥ nirvedam āsādya – allseits Abwendung erlangt habend; svarūpa-anusandhānam – Betrachtung des eigenen Wesens; niyama-ānanda-viśeṣa – besondere Freude an geistiger Zucht; gaṇyam – ausgezeichnet; muni-janaiḥ upasaṃkīrṇam – von Weisen erfüllt; naimiṣāraṇyam – Naimisha-Wald; sa-ri-ga-ma-pa-dha-ni-sa-saṃjñaiḥ – mit den entsprechend benannten Tönen; vairāgya-bodhakaraiḥ – Entsagung erkennen lassend; svara-viśeṣaiḥ – besonderen Tönen; prāpañcika-parāṅmukhaiḥ – von der Welt abgewandt; hari-kathā-ālāpaiḥ – Erzählungen über Hari; sthāvara-jaṅgama – Unbewegliches und Bewegliches; bhagavad-bhakti – Hingabe an den Erhabenen; nara-mṛga-kiṃpuruṣa-amara-kiṃnara-apsaras-gaṇān – Gruppen von Menschen, Tieren, Kimpurushas, Göttern, Kinnaras und Apsaras; saṃmohayan – bezaubernd; āgatam – angekommen; brahma-ātmajam – Brahmas Sohn; dvādaśa-varṣa-satra-yāga – zwölfjähriges Opfer; upasthitāḥ – dazu versammelt; śruta-adhyayana-sampannāḥ – mit Studium der Offenbarung versehen; sarvajñāḥ – allwissend; tapas-niṣṭhā-parāḥ – ganz der Askese hingegeben; jñāna-vairāgya-sampannāḥ – mit Erkenntnis und Entsagung ausgestattet; śaunaka-ādi-maharṣayaḥ – die großen Rishis um Shaunaka; pratyutthānam kṛtvā – aufgestanden; natvā – sich verneigt; yathā-ucita-ātithya – angemessene Gastfreundschaft; upaveśayitvā – Platz nehmen gelassen; svayam sarve api upaviṣṭāḥ – selbst alle ebenfalls sitzend; bho bhagavan – erhabener Herr; mukti-upāyaḥ – Weg zur Befreiung; asmākam – uns; vaktavyaḥ – zu erklären; saḥ hovāca – er sagte; sat-kula-bhavaḥ – aus guter Familie; upanītaḥ – initiiert; samyak-upanayana – richtige Initiation; catuścatvāriṃśat-saṃskāra – vierundvierzig Läuterungsriten; sva-abhimata-eka-guru-samīpe – bei dem einen selbst gewählten Lehrer; sva-śākhā-adhyayana – Studium der eigenen Veda-Schule; sarva-vidyā-abhyāsam – Studium aller Wissensgebiete; dvādaśa-varṣa-śuśrūṣā – zwölfjähriger Dienst; brahmacaryam – Schülerleben; pañcaviṃśati-vatsaram – fünfundzwanzig Jahre; gārhasthyam – Haushälterleben; vānaprastha-āśramam – Lebensstand des Waldeinsiedlers; vidhivat-kramāt – in vorgeschriebener Folge; nirvartya – vollzogen; caturvidha – vierfach; ṣaḍvidha – sechsfach; samyak abhyasya – richtig geübt; ucitam karma – zugehörige Handlung; sādhanacatuṣṭaya-sampannaḥ – mit den vier Voraussetzungen versehen; sarva-saṃsāra-upari – gegenüber dem ganzen Weltkreislauf; manas-vāk-kāya-karmabhiḥ – durch Gedanken, Worte und körperliche Taten; āśā-nivṛttaḥ – von Erwartungen zurückgetreten; vāsanā-eṣaṇā – latente Neigungen und Wünsche; saṃnyāsī – Entsagender; paramahaṃsa-āśrameṇa – im Paramahamsa-Lebensstand; askhalita-sva-svarūpa-dhyānena – durch unerschütterliche Betrachtung des eigenen Wesens; deha-tyāgam karoti – verlässt den Körper; saḥ muktaḥ bhavati – er wird befreit; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Schluss des 1. Abschnitts
iti prathamopadeśaḥ || 1 ||

Damit endet der 1. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; prathamaḥ – erster.

Zweiter Abschnitt – Die Vorbereitung auf Entsagung
atha hainaṃ bhagavantaṃ nāradaṃ sarve śaunakādayaḥ
papracchurbho bhagavansaṃnyāsavidhiṃ no brūhīti
tānavalokya nāradastatsvarūpaṃ sarvaṃ pitāmahamukhenaiva
jñātumucitamityuktvā satrayāgapūrtyanantaraṃ taiḥ saha
satyalokaṃ gatvā vidhivadbrahmaniṣṭhāparaṃ parameṣṭhinaṃ
natvā stutvā yathocitaṃ tadājñayā taiḥ sahopaviśya
nāradaḥ pitāmahamuvāca gurustvaṃ janakastvaṃ sarvavidyārahasajñaḥ sarvajñastvamato matto madiṣṭaṃ rahasyamekaṃ
vaktavyaṃ tvadvinā madabhimatarahasyaṃ vaktuṃ kaḥ samarthaḥ |
kimiticetpārivrājyasvarūpakramaṃ no brūhīti nāradena
prārthitaḥ parameṣṭhi sarvataḥ sarvānavalokya muhūrtamātraṃ
samādhiniṣṭho bhūtvā saṃsārātinivṛtyanveṣaṇa iti
niścitya nāradamavalokya tamāha pitāmahaḥ |
purā matputra puruṣasūktopaniṣadrahasyaprakāraṃ
niratiśayākārāvalambinā virāṭpuruṣeṇopadiṣṭaṃ rahasyaṃ
te vivicyocyate tatkramamatirahasyaṃ bāḍhamavahito bhūtvā
śrūyatāṃ bho nārada vidhivadādāvanupanītopanayānantaraṃ
tatsatkulaprasūtaḥ pitṛmātṛvidheyaḥ pitṛsamīpādanyatra
satsampradāyasthaṃ śraddhāvantaṃ satkulabhavaṃ śrotriyaṃ
śāstravātsalyaṃ guṇavantamakuṭilaṃ sadgurumāsādya natvā
yathopayogaśuśrūṣāpūrvakaṃ svābhimataṃ vijñāpya
dvādaśavarṣasevāpuraḥsaraṃ sarvavidyābhyāsaṃ kṛtvā
tadanujñayā svakulānurūpāmabhimatakanyāṃ vivāhya
pañcaviṃśativatsaraṃ gurukulavāsaṃ kṛtvātha gurvanujñayā
gṛhasthocitakarma kurvandaurbrāhmaṇyanivṛttimetya
svavaṃśavṛddhikāmaḥ putramekamāsādya gārhasthyocitapañcaviṃśativatsaraṃ tīrtvā tataḥ pañcaviṃśativatsaraparyantaṃ
triṣavaṇamudakasparśanapūrvakaṃ caturthakālamekavāramāhāramāharannayameka eva vanastho bhūtvā puragrāmaprāktanasañcāraṃ
vihāya nikāravirahitatadāśritakarmocitakṛtyaṃ nirvartya
dṛṣṭaśravaṇaviṣayavaitṛṣṇyametya catvāriṃśatsaṃskārasampannaḥ sarvato viraktaścittaśuddhimetyāśāsūyerṣyāhaṅkāraṃ
dagdhvā sādhanacatuṣṭayasampannaḥ saṃnyastumarhatītyupaniṣat ||

Darauf fragten alle Weisen um Shaunaka den erhabenen Narada: „Erhabener, erkläre uns die Ordnung der Entsagung.“ Narada sah sie an und sagte, es sei angemessen, ihr ganzes Wesen unmittelbar aus dem Mund des Großvaters zu erfahren. Nach Beendigung des Opfers ging er mit ihnen nach Satyaloka. Sie verneigten sich ordnungsgemäß vor dem ganz in Brahman gegründeten Parameshthin und priesen ihn. Auf dessen Geheiß setzte Narada sich mit ihnen und sprach zu dem Großvater: „Du bist der Lehrer, du bist der Erzeuger, du kennst die Geheimnisse aller Wissenschaften, du bist allwissend. Deshalb erkläre mir das eine Geheimnis, das ich zu erfahren wünsche. Wer außer dir vermöchte das von mir gesuchte Geheimnis darzulegen? Es ist dies: Erkläre uns das Wesen und die Abfolge des Wanderasketentums.“ So von Narada gebeten, blickte Parameshthin alle ringsum an und verweilte einen Augenblick in Samadhi. Er erkannte, dass die Frage auf das vollständige Entkommen aus dem Samsara zielte, und sagte zu Narada: „Mein Sohn, ich werde dir das Geheimnis erläutern, das einst der kosmische Purusha, gestützt auf die unübertreffliche Gestalt, nach der geheimen Lehre der Purushasukta-Upanishad unterwies. Höre sehr aufmerksam die höchst geheime Reihenfolge. O Narada: Wer aus guter Familie stammt, soll zunächst ordnungsgemäß initiiert werden, falls dies noch nicht geschehen ist, und Vater und Mutter gehorchen. Er begebe sich, von seinem Vater fort, zu einem guten Lehrer aus einer rechten Überlieferung, der vertrauensvoll, aus guter Familie, vedakundig, den Schriften zugetan, tugendhaft und ohne Falschheit ist. Er verneige sich, diene ihm nach Vermögen und trage seinen Wunsch vor. Nach zwölfjährigem Dienst und dem Studium aller Wissenschaften heirate er mit dessen Zustimmung ein gewähltes Mädchen, das zu seiner Familie passt. [Die Vorlage nennt hier nochmals] fünfundzwanzig Jahre Aufenthalt im Lehrerhaus. Danach erfülle er mit Erlaubnis des Lehrers die Pflichten des Haushälters, überwinde ein unwürdiges Brahmanenleben und zeuge zur Fortsetzung seiner Linie einen Sohn. Nach fünfundzwanzig Jahren angemessenen Haushälterlebens lebe er fünfundzwanzig Jahre allein im Wald. Er berühre zu drei Tageszeiten das Wasser [zum Bad] und nehme einmal zu jeder vierten Essenszeit Nahrung zu sich. Er gebe den früheren Verkehr in Stadt und Dorf auf und erfülle ungestört die ihm obliegenden Aufgaben. Nachdem er jedes Verlangen nach gesehenen oder gehörten Sinnesgegenständen verloren hat, mit vierzig Läuterungsriten versehen ist, sich von allem gelöst und Geistesreinheit erreicht hat, verbrenne er Hoffnung, Missgunst, Neid und Ichbewusstsein. Mit den vier Voraussetzungen ausgestattet ist er zur Entsagung befähigt: so die Upanishad.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; enam – diesen; sarve śaunaka-ādayaḥ – alle Weisen um Shaunaka; papracchuḥ – fragten; saṃnyāsa-vidhim – Ordnung der Entsagung; naḥ brūhi – erkläre uns; tān avalokya – sie anblickend; tat-svarūpam sarvam – ihr gesamtes Wesen; pitāmaha-mukhena eva – aus dem Mund des Großvaters selbst; jñātum ucitam – angemessen zu erfahren; satra-yāga-pūrti-anantaram – nach Beendigung des Opfers; taiḥ saha – mit ihnen; satyalokam gatvā – nach Satyaloka gegangen; brahma-niṣṭhā-param – ganz in Brahman gegründet; parameṣṭhinam – Parameshthin, Brahma; natvā stutvā – verneigt und gepriesen; tad-ājñayā – auf seinen Befehl; upaviśya – sich gesetzt; guruḥ tvam – du bist Lehrer; janakaḥ tvam – du bist Erzeuger; sarva-vidyā-rahasya-jñaḥ – Kenner der Geheimnisse aller Wissenschaften; sarvajñaḥ – allwissend; mama iṣṭam rahasyam – das von mir gewünschte Geheimnis; tvat vinā – außer dir; kaḥ samarthaḥ – wer ist fähig; pārivrājya-svarūpa-kramam – Wesen und Abfolge des Wanderasketentums; prārthitaḥ – gebeten; muhūrta-mātram – kurzer Augenblick; samādhi-niṣṭhaḥ – in Samadhi verweilend; saṃsāra-ati-nivṛtti-anveṣaṇam – Suche nach vollständigem Entkommen aus Samsara; niścitya – festgestellt; purā – einst; mat-putra – mein Sohn; puruṣasūkta-upaniṣad-rahasya-prakāram – nach der geheimen Lehre der Purushasukta-Upanishad; niratiśaya-ākāra-avalambinā – auf die unübertreffliche Gestalt gestützt; virāṭ-puruṣeṇa – vom kosmischen Purusha; upadiṣṭam – gelehrt; vivicya ucyate – wird erläutert; ati-rahasyam – höchst geheim; bāḍham avahitaḥ – sehr aufmerksam; śrūyatām – es werde gehört; ādau – zu Beginn; anupanītaḥ – noch nicht initiiert; upanayana-anantaram – nach der Initiation; sat-kula-prasūtaḥ – aus guter Familie geboren; pitṛ-mātṛ-vidheyaḥ – Vater und Mutter gehorsam; pitṛ-samīpāt anyatra – fort vom Vater; sat-sampradāya-stham – in guter Überlieferung stehend; śraddhāvantam – vertrauensvoll; śrotriyam – vedakundig; śāstra-vātsalyam – den Schriften zugetan; guṇavantam – tugendhaft; akuṭilam – ohne Falschheit; sad-gurum āsādya – einen guten Lehrer aufgesucht; yathā-upayoga-śuśrūṣā – Dienst nach Vermögen; sva-abhimatam vijñāpya – den eigenen Wunsch mitgeteilt; dvādaśa-varṣa-sevā – zwölfjähriger Dienst; sarva-vidyā-abhyāsam – Studium aller Wissenschaften; tad-anujñayā – mit seiner Zustimmung; sva-kula-anurūpām – zur eigenen Familie passend; abhimata-kanyām – gewähltes Mädchen; vivāhya – geheiratet; pañcaviṃśati-vatsaram – fünfundzwanzig Jahre; gurukula-vāsam – Aufenthalt im Lehrerhaus; gṛhastha-ucita-karmam – Pflichten des Haushälters; daurbrāhmaṇya-nivṛttim – Überwindung unwürdigen Brahmanenlebens; sva-vaṃśa-vṛddhi-kāmaḥ – Fortsetzung der eigenen Linie wünschend; putram ekam – einen Sohn; āsādya – erlangt; tīrtvā – durchlaufen; triṣavaṇam – zu drei Tageszeiten; udaka-sparśana – Wasserberührung; caturtha-kālam – zu jeder vierten Essenszeit; eka-vāram – einmal; āhāram āharan – Nahrung zu sich nehmend; ekaḥ vanasthaḥ – allein im Wald lebend; pura-grāma-prāktana-sañcāram – früherer Verkehr in Stadt und Dorf; vihāya – aufgegeben; nikāra-virahita – ohne Beeinträchtigung; karma-ucita-kṛtyam – zugehörige Pflichten; dṛṣṭa-śravaṇa-viṣaya-vaitṛṣṇyam – Freiheit vom Verlangen nach gesehenen und gehörten Gegenständen; catvāriṃśat-saṃskāra – vierzig Läuterungsriten; sarvataḥ viraktaḥ – von allem gelöst; citta-śuddhim etya – Geistesreinheit erlangt; āśā-asūyā-īrṣyā-ahaṅkāram – Hoffnung, Missgunst, Neid und Ichbewusstsein; dagdhvā – verbrannt; sādhanacatuṣṭaya-sampannaḥ – mit den vier Voraussetzungen versehen; saṃnyastum arhati – ist zur Entsagung befähigt; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Textanmerkung: Die zeitliche Abfolge ist in der Vorlage nicht widerspruchsfrei: Nach zwölfjährigem Lehrerdienst und Heirat werden noch einmal fünfundzwanzig Jahre gurukulavāsa genannt. Ebenso stehen hier vierzig, im ersten Abschnitt vierundvierzig Saṃskāras. Diese Angaben werden nicht stillschweigend harmonisiert. Die Schreibfehler pañcaciṃśati und saṃkāra werden in den beiden Sanskritfassungen unten normalisiert.

Schluss des 2. Abschnitts
iti dvitīyopadeśaḥ || 2 ||

Damit endet der 2. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; dvitīyaḥ – zweiter.

Dritter Abschnitt – Voraussetzungen der Entsagung
atha hainaṃ nāradaḥ pitāmahaṃ papraccha bhagavankena
saṃnyāsādhikārī vetyevamādau saṃnyāsādhikāriṇaṃ
nirūpya paścātsaṃnyāsavidhirucyate avahitaḥ śṛṇu |
atha ṣaṇḍaḥ patito'ṅgavikalaḥ straiṇo badhiro'rbhako
mūkaḥ pāṣaṇḍaścakrī liṅgī vaikhānasaharadvijau
bhṛtakādhyāpakaḥ śipiviṣṭo'nagniko vairāgyavanto'pyete
na saṃnyāsārhāḥ saṃnyastā yadyapi mahāvākyopadeśena
adhikāriṇaḥ pūrvasaṃnyāsī paramahaṃsādhikārī ||

Narada fragte den Großvater: „Erhabener, wodurch ist jemand zur Entsagung befähigt?“ [Brahma antwortete:] „Zuerst wird der zur Entsagung Befähigte bestimmt, dann die Ordnung der Entsagung gelehrt. Höre aufmerksam. Ein Impotenter, ein aus der Ordnung Gefallener, ein körperlich Beeinträchtigter, ein den Frauen Verfallener, ein Tauber, ein Kind, ein Stummer, ein Häretiker, ein Träger des Chakra- oder Linga-Zeichens, die als Vaikhanasa und Hara bezeichneten Brahmanen, ein bezahlter Lehrer, ein Śipiviṣṭa und einer ohne Opferfeuer sind, auch wenn sie entsagt sind, nicht zur [regulären] Entsagung befähigt. Sind sie dennoch entsagt, erhalten sie durch die Unterweisung in den großen Sätzen die Befähigung; ein bereits Entsagter ist zum Paramahamsa-Stand befähigt.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; nāradaḥ – Narada; pitāmaham – den Großvater; papraccha – fragte; bhagavan – Erhabener; kena – wodurch; saṃnyāsa-adhikārī – zur Entsagung befähigt; ādau – zuerst; nirūpya – bestimmt habend; paścāt – danach; saṃnyāsa-vidhiḥ – Ordnung der Entsagung; ucyate – wird gelehrt; avahitaḥ śṛṇu – höre aufmerksam; ṣaṇḍaḥ – Impotenter; patitaḥ – aus der Ordnung Gefallener; aṅga-vikalaḥ – an Gliedern beeinträchtigt; straiṇaḥ – den Frauen verfallen; badhiraḥ – taub; arbhakaḥ – Kind; mūkaḥ – stumm; pāṣaṇḍaḥ – Häretiker; cakrī – Träger des Chakra-Zeichens; liṅgī – Träger des Linga-Zeichens; vaikhānasa-hara-dvijau – zwei hier nicht näher erklärte Brahmanengruppen; bhṛtaka-adhyāpakaḥ – gegen Lohn Lehrender; śipiviṣṭaḥ – unterschiedlich gedeutete Bezeichnung, oft auf eine Hautauffälligkeit bezogen; anagnikaḥ – ohne Opferfeuer; vairāgyavantaḥ api – auch mit Entsagung; ete na arhāḥ – diese sind nicht befähigt; saṃnyastāḥ yadi api – auch wenn sie entsagt haben; mahāvākya-upadeśena – durch Unterweisung in den großen Sätzen; adhikāriṇaḥ – befähigt; pūrva-saṃnyāsī – bereits Entsagter; paramahaṃsa-adhikārī – zum Paramahamsa-Stand befähigt.

Textanmerkung: Der Text überliefert historische und sektarische Zugangsausschlüsse. Einzelne Gruppenbezeichnungen und die Ausnahmebestimmung am Ende sind sprachlich unklar. Sie werden als Aussagen dieser Quelle wiedergegeben, nicht als heutige Maßstäbe.

Vers 3.1
pareṇaivātmanaścāpi parasyaivātmanā tathā |
abhayaṃ samavāpnoti sa parivrāḍiti smṛtiḥ || 1 ||

Wer sowohl für sich selbst gegenüber anderen als auch für andere gegenüber sich selbst Furchtlosigkeit erlangt, wird in der Überlieferung ein Wanderasket genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pareṇa – durch einen anderen; eva – eben; ātmanaḥ – für sich selbst; ca api – auch; parasya – für den anderen; ātmanā – durch sich selbst; tathā – ebenso; abhayam – Furchtlosigkeit, Sicherheit; samavāpnoti – erlangt; saḥ – er; parivrāṭ – Wanderasket; iti smṛtiḥ – so die Überlieferung.

Vers 3.2
ṣaṇḍo'tha vikalo'pyandho bālakaścāpi pātakī |
patitaśca paradvārī vaikhānasaharadvijau || 2 ||

Ein Impotenter, ein körperlich Beeinträchtigter, ein Blinder, ein Kind, ein schwerer Sünder, ein Ausgestoßener, ein Ehebrecher sowie die Vaikhanasa- und Hara-Brahmanen …

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṣaṇḍaḥ – Impotenter; atha – ferner; vikalaḥ – beeinträchtigt; api – auch; andhaḥ – blind; bālakaḥ – Kind; pātakī – schwerer Sünder; patitaḥ – aus der Ordnung Gefallener; para-dvārī – der zu fremden Türen geht, hier wohl Ehebrecher; vaikhānasa-hara-dvijau – die beiden so bezeichneten Brahmanengruppen.

Vers 3.3
cakrī liṅgī ca pāṣaṇḍī śipiviṣṭo'pyanagnikaḥ |
dvitrivāreṇa saṃnyasto bhṛtakādhyāpako'pi ca |
ete nārhanti saṃnyāsamātureṇa vinā kramam || 3 ||

… ferner Träger des Chakra- oder Linga-Zeichens, ein Häretiker, ein Śipiviṣṭa, einer ohne Opferfeuer, einer, der zwei- oder dreimal entsagt hat, und ein bezahlter Lehrer: Diese sind nicht zur regulären Entsagung befähigt, außer zur Entsagung in Todesnähe.

Wort-für-Wort-Übersetzung: cakrī – Träger des Chakra-Zeichens; liṅgī – Träger des Linga-Zeichens; ca – und; pāṣaṇḍī – Häretiker; śipiviṣṭaḥ – hier nicht eindeutig erklärte Eigenschaft; anagnikaḥ – ohne Opferfeuer; dvi-tri-vāreṇa – zwei- oder dreimal; saṃnyastaḥ – entsagt; bhṛtaka-adhyāpakaḥ – bezahlter Lehrer; ete – diese; na arhanti – sind nicht befähigt; saṃnyāsam – zur Entsagung; ātureṇa vinā – außer in Todesnähe; kramam – reguläre Reihenfolge.

Vers 3.4
āturakālaḥ kathamāryasaṃmataḥ ||-prāṇasyotkramaṇāsannakālastvāturasaṃjñakaḥ |
netarastvāturaḥ kālo muktimārgapravartakaḥ || 4 ||

„Was verstehen die Ehrwürdigen unter der Zeit der Notentsagung?“ Die Zeit, in der das Entweichen des Lebensatems unmittelbar bevorsteht, wird ātura genannt; keine andere Zeit gilt als jene Notlage, die den Weg zur Befreiung eröffnet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ātura-kālaḥ – Zeit der Notentsagung; katham – wie; ārya-saṃmataḥ – von den Ehrwürdigen anerkannt; prāṇasya – des Lebensatems; utkramaṇa-āsanna-kālaḥ – Zeit unmittelbar vor dem Austritt; ātura-saṃjñakaḥ – als ātura bezeichnet; na itaraḥ – keine andere; mukti-mārga-pravartakaḥ – den Weg zur Befreiung eröffnend.

Vers 3.5
āture'pi ca saṃnyāse tattanmantrapuraḥsaram |
mantrāvṛttiṃ ca kṛtvaiva saṃnyasedvidhivadbudhaḥ || 5 ||

Auch bei der Entsagung in Todesnähe soll der Verständige nach vorausgehender Wiederholung der jeweils erforderlichen Mantras ordnungsgemäß entsagen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āture api – auch in Todesnähe; saṃnyāse – bei der Entsagung; tat-tat-mantra-puraḥsaram – mit den jeweiligen Mantras zuvor; mantra-āvṛttim kṛtvā – die Mantras wiederholt habend; eva – eben; saṃnyaset – soll entsagen; vidhivat – ordnungsgemäß; budhaḥ – Verständiger.

Vers 3.6
āture'pi krame vāpi praiṣabhedo na kutracit |
na mantraṃ karmarahitaṃ karma mantramapekṣate || 6 ||

Zwischen Notentsagung und regulärer Entsagung besteht nirgends ein Unterschied in der Entsagungsformel. Das Mantra steht nicht ohne Handlung; die Handlung bedarf des Mantras.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āture – in Todesnähe; krame – im regulären Ablauf; vā api – oder auch; praiṣa-bhedaḥ – Unterschied der Entsagungsformel; na kutracit – nirgends; mantram – Mantra; karma-rahitam – ohne Handlung; karma – Handlung; mantram apekṣate – bedarf des Mantras.

Vers 3.7
akarma mantrarahitaṃ nāto mantraṃ parityajet |
mantraṃ vinā karma kuryādbhasmanyāhutivadbhavet || 7 ||

Eine Handlung ohne Mantra ist keine [vollgültige] Handlung. Deshalb soll man das Mantra nicht aufgeben. Vollzöge man eine Handlung ohne Mantra, wäre sie wie eine Opfergabe in kalte Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: akarma – Nicht-Handlung, ungültige Handlung; mantra-rahitam – ohne Mantra; ataḥ – deshalb; mantram na parityajet – soll das Mantra nicht aufgeben; mantram vinā – ohne Mantra; karma kuryāt – vollzöge eine Handlung; bhasmani – in Asche; āhuti-vat – wie eine Opfergabe; bhavet – wäre.

Vers 3.8
vidhyuktakarmasaṃkṣepātsaṃnyāsastvāturaḥ smṛtaḥ |
tasmādāturasaṃnyāse mantrāvṛttividhirmune || 8 ||

Durch die Kürzung der vorgeschriebenen Handlungen wird die Entsagung zur Notentsagung. Daher gilt auch bei ihr, o Weiser, die Vorschrift, die Mantras zu wiederholen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vidhi-ukta-karma – die vorgeschriebenen Handlungen; saṃkṣepāt – durch Kürzung; saṃnyāsaḥ – Entsagung; āturaḥ – Notentsagung; smṛtaḥ – gilt; tasmāt – deshalb; mantra-āvṛtti-vidhiḥ – Vorschrift der Mantrawiederholung; mune – o Weiser.

Vers 3.9
āhitāgnirviraktaśceddeśāntaragato yadi |
prājāpatyeṣṭimapsveva nirvṛtyaivātha saṃnyaset || 9 ||

Ist jemand, der die Opferfeuer eingerichtet hat, frei von Verlangen und befindet er sich in einem anderen Land, so vollziehe er das Prajapati-Opfer im Wasser selbst und entsage danach.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āhita-agniḥ – der seine Opferfeuer eingerichtet hat; viraktaḥ – ohne Verlangen; cet – wenn; deśa-antara-gataḥ – in ein anderes Land gelangt; yadi – wenn; prājāpatya-iṣṭim – Prajapati-Opfer; apsu eva – im Wasser selbst; nirvṛtya – vollzogen; atha – dann; saṃnyaset – soll entsagen.

Vers 3.10
manasā vātha vidhyuktamantrāvṛttyāthavā jale |
śrutyanuṣṭhānamārgeṇa karmānuṣṭhānameva vā || 10 ||

[Er vollziehe es] im Geist oder durch Wiederholung der vorgeschriebenen Mantras, oder im Wasser, oder durch Ausführung der Handlung auf dem in der Offenbarung angewiesenen Weg …

Wort-für-Wort-Übersetzung: manasā – im Geist; – oder; vidhi-ukta-mantra-āvṛttyā – durch Wiederholung der vorgeschriebenen Mantras; jale – im Wasser; śruti-anuṣṭhāna-mārgeṇa – auf dem Weg der von der Offenbarung gelehrten Ausführung; karma-anuṣṭhānam – Vollzug der Handlung; eva – eben.

Vers 3.11
samāpya saṃnyasedvidvānno cetpātityamāpnuyāt || 11 ||

… und entsage, nachdem er es vollendet hat. Andernfalls würde der Wissende aus seiner Ordnung fallen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: samāpya – vollendet habend; saṃnyaset – soll entsagen; vidvān – Wissender; na cet – andernfalls; pātityam – Zustand des Gefallenseins; āpnuyāt – würde erlangen.

Vers 3.12
yadā manasi sañjātaṃ vaitṛṣṇyaṃ sarvavastuṣu |
tadā saṃnyāsamiccheta patitaḥ syādviparyaye || 12 ||

Wenn im Geist Freiheit vom Verlangen nach allen Dingen entstanden ist, soll man Entsagung wünschen; im entgegengesetzten Fall würde man zu Fall kommen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yadā – wenn; manasi – im Geist; sañjātam – entstanden; vaitṛṣṇyam – Freiheit vom Verlangen; sarva-vastuṣu – gegenüber allen Dingen; tadā – dann; saṃnyāsam iccheta – soll Entsagung wünschen; patitaḥ syāt – würde zu Fall kommen; viparyaye – im Gegenteil.

Vers 3.13
viraktaḥ pravrajeddhīmānsaraktastu gṛhe vaset |
sarāgo narakaṃ yāti pravrajanhi dvijādhamaḥ || 13 ||

Der Verständige wandere entsagt fort, wenn er frei von Leidenschaft ist; hängt er noch an ihr, bleibe er zu Hause. Der niedrige Zweimalgeborene, der voller Begehren fortzieht, gelangt in die Hölle.

Wort-für-Wort-Übersetzung: viraktaḥ – frei von Leidenschaft; pravrajet – soll als Asket fortziehen; dhīmān – Verständiger; saraktaḥ – mit Begehren; gṛhe vaset – soll zu Hause bleiben; sarāgaḥ – leidenschaftlich; narakam yāti – gelangt in die Hölle; pravrajan – fortziehend; dvija-adhamaḥ – niedriger Zweimalgeborener.

Vers 3.14
yasyaitāni suguptāni jihvopasthodaraṃ karaḥ |
saṃnyasedakṛtodvāho brāhmaṇo brahmacaryavān || 14 ||

Ein unverheirateter Brahmane, der keusch lebt und bei dem Zunge, Geschlechtsorgan, Bauch und Hand gut behütet sind, darf entsagen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya – bei dem; etāni – diese; suguptāni – gut behütet; jihvā – Zunge; upasthaḥ – Geschlechtsorgan; udaram – Bauch; karaḥ – Hand; saṃnyaset – darf entsagen; akṛta-udvāhaḥ – unverheiratet; brāhmaṇaḥ – Brahmane; brahmacaryavān – keusch lebend.

Vers 3.15
saṃsārameva niḥsāraṃ dṛṣṭvā sāradidṛkṣayā |
pravrajantyakṛtodvāhāḥ paraṃ vairāgyamāśritāḥ || 15 ||

Unverheiratete ziehen fort, nachdem sie den Samsara als wesenlos erkannt haben: Im Wunsch, das Wesentliche zu schauen, stützen sie sich auf höchste Entsagung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃsāram – den Weltkreislauf; eva – eben; niḥsāram – ohne Kern; dṛṣṭvā – erkannt; sāra-didṛkṣayā – aus dem Wunsch, das Wesentliche zu sehen; pravrajanti – ziehen fort; akṛta-udvāhāḥ – Unverheiratete; param vairāgyam – höchste Entsagung; āśritāḥ – darauf gestützt.

Vers 3.16
pravṛttilakṣaṇaṃ karma jñānaṃ saṃnyāsalakṣaṇam |
tasmājjñānaṃ puraskṛtya saṃnyasediha buddhivān || 16 ||

Handlung ist durch tätiges Hinwenden gekennzeichnet, Erkenntnis durch Entsagung. Deshalb soll der Verständige hier die Erkenntnis voranstellen und entsagen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pravṛtti-lakṣaṇam – durch tätige Hinwendung gekennzeichnet; karma – Handlung; jñānam – Erkenntnis; saṃnyāsa-lakṣaṇam – durch Entsagung gekennzeichnet; tasmāt – deshalb; jñānam puraskṛtya – Erkenntnis vorangestellt; saṃnyaset – soll entsagen; iha – hier; buddhivān – Verständiger.

Vers 3.17
yadā tu viditaṃ tattvaṃ paraṃ brahma sanātanam |
tadaikadaṇḍaṃ saṃgṛhya sopavītāṃ śikhāṃ tyajet || 17 ||

Wenn die Wirklichkeit, das ewige höchste Brahman, erkannt ist, nehme man einen einzigen Stab und lege Haarlocke und heilige Schnur ab.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yadā – wenn; viditam – erkannt; tattvam – Wirklichkeit; param brahma – höchstes Brahman; sanātanam – ewig; tadā – dann; eka-daṇḍam – einen Stab; saṃgṛhya – genommen; sa-upavītām śikhām – Haarlocke samt heiliger Schnur; tyajet – soll ablegen.

Vers 3.18
paramātmani yo rakto virakto'paramātmani |
sarvaiṣaṇāvinirmuktaḥ sa bhaikṣaṃ bhoktumarhati || 18 ||

Wer dem höchsten Selbst zugewandt, vom Nichthöchsten abgewandt und von allen Wünschen frei ist, ist berechtigt, Almosenspeise zu essen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paramātmani – dem höchsten Selbst; raktaḥ – zugewandt; viraktaḥ – abgewandt; aparamātmani – vom nicht höchsten Selbst; sarva-eṣaṇā-vinirmuktaḥ – von allen Wünschen frei; saḥ – er; bhaikṣam – Almosenspeise; bhoktum arhati – ist zu essen berechtigt.

Vers 3.19
pūjito vanditaścaiva suprasanno yathā bhavet |
tathā cettāḍyamānastu tadā bhavati bhaikṣabhuk || 19 ||

Ist einer beim Geschlagenwerden ebenso heiter, wie er es wäre, wenn man ihn verehrte und ihm huldigte, dann ist er ein Almosenempfänger.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pūjitaḥ – verehrt; vanditaḥ – gepriesen; suprasannaḥ – sehr heiter; yathā bhavet – wie er wäre; tathā cet – wenn ebenso; tāḍyamānaḥ – geschlagen werdend; tadā – dann; bhaikṣa-bhuk – Almosenspeise Essender.

Vers 3.20
ahamevākṣaraṃ brahma vāsudevākhyamadvayam |
iti bhāvo dhruvo yasya tadā bhavati bhaikṣabhuk || 20 ||

Wer unverrückbar die Einsicht besitzt: „Ich allein bin das unvergängliche, nichtduale Brahman, das Vasudeva genannt wird“, ist ein Almosenempfänger.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aham eva – ich allein; akṣaram – unvergänglich; brahma – Brahman; vāsudeva-ākhyam – Vasudeva genannt; advayam – nichtdual; iti bhāvaḥ – diese Einsicht; dhruvaḥ – fest; yasya – bei dem; tadā – dann; bhaikṣa-bhuk – Almosenempfänger.

Vers 3.21
yasmiñśāntiḥ śamaḥ śaucaṃ satyaṃ santoṣa ārjavam |
akiñcanamadambhaśca sa kaivalyāśrame vaset || 21 ||

Wer Frieden, innere Ruhe, Reinheit, Wahrheit, Zufriedenheit, Geradheit, Besitzlosigkeit und Unverstelltheit besitzt, soll im Lebensstand der absoluten Freiheit wohnen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasmin – in dem; śāntiḥ – Frieden; śamaḥ – innere Ruhe; śaucam – Reinheit; satyam – Wahrheit; santoṣaḥ – Zufriedenheit; ārjavam – Geradheit; akiñcanam – Besitzlosigkeit; adambhaḥ – Unverstelltheit; saḥ – er; kaivalya-āśrame – im Stand der absoluten Freiheit; vaset – soll wohnen.

Vers 3.22
yadā na kurute bhāvaṃ sarvabhūteṣu pāpakam |
karmaṇā manasā vācā tadā bhavati bhaikṣabhuk || 22 ||

Wer keinem Wesen durch Tat, Gedanken oder Worte etwas Böses zufügt, wird ein Almosenempfänger.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yadā – wenn; na kurute – nicht tut; bhāvam pāpakam – böse Gesinnung oder Schädigung; sarva-bhūteṣu – gegenüber allen Wesen; karmaṇā – durch Tat; manasā – durch Gedanken; vācā – durch Worte; tadā – dann; bhaikṣa-bhuk – Almosenempfänger.

Vers 3.23
daśalakṣaṇakaṃ dharmamanutiṣṭhansamāhitaḥ |
vedāntānvidhivacchṛtvā saṃnyastedanṛṇo dvijaḥ || 23 ||

Der Zweimalgeborene soll gesammelt die zehn Merkmale des Dharma erfüllen, ordnungsgemäß die Vedanta-Lehren hören und, von seinen Schulden frei, entsagen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: daśa-lakṣaṇakam dharmam – Dharma mit zehn Merkmalen; anutiṣṭhan – erfüllend; samāhitaḥ – gesammelt; vedāntān – Vedanta-Lehren; vidhivat – ordnungsgemäß; śrutvā – gehört; saṃnyaset – soll entsagen; anṛṇaḥ – schuldenfrei; dvijaḥ – Zweimalgeborener.

Vers 3.24
dhṛtiḥ kṣamā damo'steyaṃ śaucamindriyanigrahaḥ |
dhīrvidyā satyamakrodho daśakaṃ dharmalakṣaṇam || 24 ||

Standhaftigkeit, Nachsicht, Selbstbeherrschung, Nichtstehlen, Reinheit, Zügelung der Sinne, Einsicht, Wissen, Wahrhaftigkeit und Freiheit von Zorn: Dies sind die zehn Merkmale des Dharma.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dhṛtiḥ – Standhaftigkeit; kṣamā – Nachsicht; damaḥ – Selbstbeherrschung; asteyam – Nichtstehlen; śaucam – Reinheit; indriya-nigrahaḥ – Zügelung der Sinne; dhīḥ – Einsicht; vidyā – Wissen; satyam – Wahrhaftigkeit; akrodhaḥ – Freiheit von Zorn; daśakam – zehnfach; dharma-lakṣaṇam – Merkmal des Dharma.

Vers 3.25
atītānna smaredbhogānna tathānāgatānapi |
prāptāṃśca nāminandedyaḥ sa kaivalyāśrame vaset || 25 ||

Wer sich weder vergangene Genüsse noch künftige vorstellt und auch die bereits erlangten nicht freudig begrüßt, soll im Stand der absoluten Freiheit leben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atītān bhogān – vergangene Genüsse; na smaret – soll nicht erinnern; anāgatān – künftige; api – auch; prāptān – erlangte; na abhinandet – soll nicht freudig begrüßen; yaḥ – wer; kaivalya-āśrame – im Stand der absoluten Freiheit; vaset – soll leben.

Textanmerkung: Die Vorlage schreibt nāminandet; im Sanskrit ist dies zu nābhinandet normalisiert.

Vers 3.26
antasthānīndriyāṇyantarbahiṣṭhānviṣayānbahiḥ |
śaknoti yaḥ sadā kartuṃ sa kaivalyāśrame vaset || 26 ||

Wer es stets vermag, die inneren Sinne im Inneren und die äußeren Gegenstände draußen zu belassen, soll im Stand der absoluten Freiheit leben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: antaḥ-sthāni – im Inneren befindlich; indriyāṇi – Sinne; antaḥ – innen; bahiḥ-sthān – außen befindliche; viṣayān – Gegenstände; bahiḥ – außen; śaknoti – vermag; yaḥ – wer; sadā – stets; kartum – zu halten, zu tun; kaivalya-āśrame – im Stand der absoluten Freiheit; vaset – soll leben.

Vers 3.27
prāṇe gate yathā dehaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ na vindati |
tathā cetprāṇayukto'pi sa kaivalyāśrame vaset || 27 ||

Wie der Körper nach dem Fortgang des Lebensatems weder Freude noch Schmerz empfindet, so soll einer, der auch bei vorhandenem Lebensatem so beschaffen ist, im Stand der absoluten Freiheit leben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇe gate – nach Fortgang des Lebensatems; yathā – wie; dehaḥ – Körper; sukham – Freude; duḥkham – Schmerz; na vindati – nicht empfindet; tathā cet – wenn ebenso; prāṇa-yuktaḥ api – auch mit Lebensatem; kaivalya-āśrame – im Stand der absoluten Freiheit; vaset – soll leben.

Vers 3.28
kaupīnayugalaṃ kanthā daṇḍa ekaḥ parigrahaḥ |
yateḥ paramahaṃsasya nādhikaṃ tu vidhīyate || 28 ||

Zwei Lendenschurze, ein Flickenumhang und ein Stab sind der Besitz eines Paramahamsa-Asketen; mehr ist ihm nicht gestattet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kaupīna-yugalam – zwei Lendenschurze; kanthā – Flickenumhang; daṇḍaḥ ekaḥ – ein Stab; parigrahaḥ – Besitz; yateḥ – des Asketen; paramahaṃsasya – des Paramahamsa; na adhikam – nicht mehr; vidhīyate – wird vorgeschrieben.

Vers 3.29
yadi vā kurute rāgādadhikasya parigraham |
rauravaṃ narakaṃ gatvā tiryagyoniṣu jāyate || 29 ||

Wenn er aus Anhänglichkeit mehr Besitz annimmt, gelangt er [laut dem Text] in die Raurava-Hölle und wird in Tierleibern geboren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yadi – wenn; – aber; kurute – er macht, annimmt; rāgāt – aus Anhänglichkeit; adhikasya – von mehr; parigraham – Besitz; rauravam narakam – Raurava-Hölle; gatvā – gelangt; tiryak-yoniṣu – in Tiergeburten; jāyate – wird geboren.

Vers 3.30
viśīrṇānyamalānyeva celāni grathitāni tu |
kṛtvā kanthāṃ bahirvāso dhārayeddhāturañjitam || 30 ||

Er soll aus zerrissenen, aber sauberen, zusammengeknüpften Stoffstücken einen Flickenumhang herstellen und als Obergewand tragen; es sei mit Mineralfarbe gefärbt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: viśīrṇāni – zerrissene; amalāni – saubere; celāni – Stoffstücke; grathitāni – zusammengeknüpfte; kṛtvā – gemacht; kanthām – Flickenumhang; bahiḥ-vāsaḥ – Obergewand; dhārayet – soll tragen; dhātu-rañjitam – mit Mineralfarbe gefärbt.

Vers 3.31
ekavāsā avāsā vā ekadṛṣṭiralolupaḥ |
eka eva carennityaṃ varṣāsvekatra saṃvaset || 31 ||

Mit einem Gewand oder ohne Gewand, mit einheitlichem Blick und ohne Gier soll er stets allein wandern; während der Regenzeit soll er an einem Ort bleiben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: eka-vāsāḥ – mit einem Gewand; avāsāḥ – ohne Gewand; eka-dṛṣṭiḥ – mit einheitlichem Blick; alolupaḥ – ohne Gier; ekaḥ eva – allein; caret – soll wandern; nityam – stets; varṣāsu – in der Regenzeit; ekatra – an einem Ort; saṃvaset – soll wohnen.

Vers 3.32
kuṭumbaṃ putradārāṃśca vedāṅgāni ca sarvaśaḥ |
yajñaṃ yajñopavītaṃ ca tyaktvā gūḍhaścarīdyatiḥ || 32 ||

Der Asket soll Familie, Söhne, Ehefrau, alle Vedangas, Opfer und heilige Schnur aufgeben und unerkannt umhergehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭumbam – Familie; putra-dārān – Söhne und Ehefrau; veda-aṅgāni – Vedangas; sarvaśaḥ – vollständig; yajñam – Opfer; yajña-upavītam – heilige Schnur; tyaktvā – aufgegeben; gūḍhaḥ – verborgen, unerkannt; caret – soll wandern; yatiḥ – Asket.

Vers 3.33
kāmaḥ krodhastathā darpo lobhamohādayaśca ye |
tāṃstu doṣānparityajya parivrāṇnirmamo bhavet || 33 ||

Der Wanderasket soll Verlangen, Zorn, Hochmut, Gier, Verblendung und weitere solche Fehler aufgeben und ohne Meinsinn sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kāmaḥ – Verlangen; krodhaḥ – Zorn; darpaḥ – Hochmut; lobhaḥ – Gier; moha-ādayaḥ – Verblendung und weitere; doṣān – Fehler; parityajya – aufgegeben; parivrāṭ – Wanderasket; nirmamaḥ – ohne Meinsinn; bhavet – soll sein.

Vers 3.34
rāgadveṣaviyuktātmā samaloṣṭāśmakāñcanaḥ |
prāṇihiṃsānivṛttaśca muniḥ syātsarvaniḥspṛhaḥ || 34 ||

Frei von Zuneigung und Abneigung, Erde, Stein und Gold gleich achtend, ohne Lebewesen zu verletzen und ohne Begehren nach irgendetwas soll er ein Schweigender sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rāga-dveṣa-viyukta-ātmā – innerlich frei von Zuneigung und Abneigung; sama – gleich; loṣṭa – Erdklumpen; aśma – Stein; kāñcanaḥ – Gold; prāṇi-hiṃsā-nivṛttaḥ – von Verletzung von Lebewesen abstehend; muniḥ – Schweigender, Weiser; sarva-niḥspṛhaḥ – ohne jedes Begehren.

Vers 3.35
dambhāhaṅkāranirmukto hiṃsāpaiśūnyavarjitaḥ |
ātmajñānaguṇopeto yatirmokṣamavāpnuyāt || 35 ||

Frei von Heuchelei und Ichbewusstsein, ohne Gewalttätigkeit und Verleumdung und mit der Tugend der Selbsterkenntnis ausgestattet, erlangt der Asket Befreiung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dambha – Heuchelei; ahaṅkāra – Ichbewusstsein; nirmuktaḥ – frei; hiṃsā – Gewalttätigkeit; paiśūnya – Verleumdung; varjitaḥ – ohne; ātma-jñāna-guṇa – Eigenschaft der Selbsterkenntnis; upetaḥ – ausgestattet; yatiḥ – Asket; mokṣam avāpnuyāt – erlangt Befreiung.

Vers 3.36
indriyāṇāṃ prasaṅgena doṣamṛcchatyasaṃśayaḥ |
saṃniyamya tu tānyeva tataḥ siddhiṃ nigacchati || 36 ||

Durch den Kontakt der Sinne mit ihren Gegenständen verfällt er ohne Zweifel in Fehler; zügelt er jedoch eben diese Sinne, gelangt er zur Vollendung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: indriyāṇām – der Sinne; prasaṅgena – durch Kontakt, Verstrickung; doṣam – Fehler; ṛcchati – verfällt; asaṃśayaḥ – ohne Zweifel; saṃniyamya – ganz gezügelt; tāni eva – eben diese; tataḥ – dann; siddhim – Vollendung; nigacchati – gelangt.

Vers 3.37
na jātu kāmaḥ kāmānāmupabhogena śāmyati |
haviṣā kṛṣṇavartmeva bhūya evābhivardhate || 37 ||

Niemals wird Verlangen durch den Genuss der begehrten Dinge gestillt; wie Feuer durch Opferbutter wächst es immer weiter.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na jātu – niemals; kāmaḥ – Verlangen; kāmānām – nach begehrten Dingen; upabhogena – durch Genuss; śāmyati – wird gestillt; haviṣā – durch Opferbutter; kṛṣṇa-vartmā – das schwarzpfadige Feuer; iva – wie; bhūyaḥ eva – immer mehr; abhivardhate – wächst.

Vers 3.38
śrutvā spṛṣṭvā ca bhuktvā ca dṛṣṭvā ghrātvā ca yo naraḥ |
na hṛṣyati glāyati vā sa vijñeyo jitendriyaḥ || 38 ||

Wer nach Hören, Berühren, Essen, Sehen und Riechen weder jubelt noch niedergeschlagen wird, ist als Bezwinger der Sinne zu erkennen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śrutvā – gehört; spṛṣṭvā – berührt; bhuktvā – gegessen; dṛṣṭvā – gesehen; ghrātvā – gerochen; yaḥ naraḥ – der Mensch, der; na hṛṣyati – nicht jubelt; glāyati vā – oder niedergeschlagen wird; vijñeyaḥ – ist zu erkennen; jita-indriyaḥ – Bezwinger der Sinne.

Vers 3.39
yasya vāṅmanasī śuddhe samyaggupte ca sarvadā |
sa vai sarvamavāpnoti vedāntopagataṃ phalam || 39 ||

Wessen Rede und Geist rein, richtig und stets behütet sind, der erlangt wahrhaftig die ganze im Vedanta gelehrte Frucht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya – dessen; vāk-manasī – Rede und Geist; śuddhe – rein; samyak – richtig; gupte – behütet; sarvadā – stets; saḥ vai – der wahrhaftig; sarvam – alles; avāpnoti – erlangt; vedānta-upagatam – im Vedanta enthalten; phalam – Frucht.

Vers 3.40
saṃmānādbrāhmaṇo nityamudvijeta viṣādiva |
amṛtasyeva cākāṅkṣedavamānasya sarvadā || 40 ||

Vor Ehrerbietung soll der Brahmane stets wie vor Gift zurückschrecken; nach Missachtung soll er sich stets wie nach Nektar sehnen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃmānāt – vor Ehrerbietung; brāhmaṇaḥ – Brahmane; nityam – stets; udvijeta – soll zurückschrecken; viṣāt iva – wie vor Gift; amṛtasya iva – wie nach Nektar; ākāṅkṣet – soll sich sehnen; avamānasya – nach Missachtung; sarvadā – stets.

Vers 3.41
sukhaṃ hyavamataḥ śete sukhaṃ ca pratibudhyate |
sukhaṃ carati loke'sminnavamantā vinaśyati || 41 ||

Wer missachtet wird, schläft glücklich, erwacht glücklich und bewegt sich glücklich in dieser Welt; wer andere missachtet, geht zugrunde.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sukham – glücklich; avamataḥ – missachtet; śete – schläft; pratibudhyate – erwacht; carati – bewegt sich; loke asmin – in dieser Welt; avamantā – der Missachtende; vinaśyati – geht zugrunde.

Vers 3.42
ativādāṃstitikṣeta nāvamanyeta kañcana |
na cemaṃ dehamāśritya vairaṃ kurvīta kenacit || 42 ||

Er soll übermäßige Reden ertragen, niemanden missachten und wegen dieses Körpers mit niemandem Feindschaft beginnen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ativādān – übermäßige, beleidigende Reden; titikṣeta – soll ertragen; na avamanyeta – soll nicht missachten; kañcana – irgendjemanden; imam deham āśritya – auf diesen Körper gestützt, seinetwegen; vairam – Feindschaft; kurvīta – soll beginnen; kenacit – mit jemandem.

Vers 3.43
krudhyantaṃ na pratikrudhyedākruṣṭaḥ kuśalaṃ vadet |
saptadvārāvakīrṇāṃ ca na vācamanṛtāṃ vadet || 43 ||

Dem Zornigen soll er nicht mit Zorn antworten; beschimpft soll er Heilsames sagen. Er soll keine unwahre Rede äußern, die durch die sieben Tore ausgestreut wird.

Wort-für-Wort-Übersetzung: krudhyantam – dem Zornigen; na pratikrudhyet – soll nicht entgegenzürnen; ākruṣṭaḥ – beschimpft; kuśalam – Heilsames; vadet – soll sagen; sapta-dvāra – die sieben Tore; avakīrṇām – ausgestreut; vācam – Rede; anṛtām – unwahr; na vadet – soll nicht sprechen.

Textanmerkung: Mit den sieben Toren sind in asketischer Bildsprache die Sinnesöffnungen des Kopfes gemeint; die Konstruktion ist knapp.

Vers 3.44
adhyātmaratirāsīno nirapekṣo nirāśiṣaḥ |
ātmanaiva sahāyena sukhārthī vicarediha || 44 ||

An innerer Betrachtung erfreut, sitzend, ohne Erwartungen und Wünsche soll er hier, allein vom Selbst unterstützt, nach Glück suchend umherziehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: adhyātma-ratiḥ – an innerer Betrachtung erfreut; āsīnaḥ – sitzend; nirapekṣaḥ – ohne Erwartungen; nirāśiṣaḥ – ohne Wünsche; ātmanā eva sahāyena – allein mit dem Selbst als Helfer; sukha-arthī – nach Glück suchend; vicaret – soll umherziehen; iha – hier.

Vers 3.45
indriyāṇāṃ nirodhena rāgadveṣakṣayeṇa ca |
ahiṃsayā ca bhūtānāmamṛtatvāya kalpate || 45 ||

Durch Zügelung der Sinne, Schwinden von Zuneigung und Abneigung sowie Nichtverletzung der Wesen wird er für Unsterblichkeit geeignet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: indriyāṇām nirodhena – durch Zügelung der Sinne; rāga-dveṣa-kṣayeṇa – durch Schwinden von Zuneigung und Abneigung; ahiṃsayā – durch Nichtverletzung; bhūtānām – der Wesen; amṛtatvāya – für Unsterblichkeit; kalpate – wird geeignet.

Vers 3.46
asthisthūṇaṃ snāyubaddhaṃ māṃsaśoṇitalepitam |
carmāvabaddhaṃ durgandhi pūrṇaṃ mūtrapurīṣayoḥ || 46 ||

[Der Körper] ist eine aus Knochen gebaute Säule, mit Sehnen gebunden, mit Fleisch und Blut bestrichen, von Haut umschlossen, übel riechend und mit Urin und Kot gefüllt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asthi-sthūṇam – Knochensäule; snāyu-baddham – mit Sehnen gebunden; māṃsa-śoṇita-lepitam – mit Fleisch und Blut bestrichen; carma-avabaddham – von Haut umschlossen; durgandhi – übel riechend; pūrṇam – gefüllt; mūtra-purīṣayoḥ – mit Urin und Kot.

Vers 3.47
jarāśokasamāviṣṭaṃ rogāyatanamāturam |
rajasvalamanityaṃ ca bhūtāvāsaimaṃ tyajet || 47 ||

Diesen von Alter und Kummer durchdrungenen, kranken, für Krankheiten anfälligen, leidenschaftlichen, vergänglichen Wohnort der Elemente soll man verlassen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jarā-śoka-samāviṣṭam – von Alter und Kummer durchdrungen; roga-āyatanam – Ort von Krankheiten; āturam – krank; rajasvalam – von Rajas erfüllt, leidenschaftlich; anityam – vergänglich; bhūta-āvāsam – Wohnort der Elemente; imam – diesen; tyajet – soll verlassen.

Textanmerkung: Rajasvalam wird hier im allgemeinen Sinn „von Rajas erfüllt“ verstanden; die Form kann in anderem Zusammenhang „menstruierend“ bedeuten.

Vers 3.48
māṃsāsṛkpūyaviṇmūtrasnāyumajjāsthisaṃhatau |
dehe cetprītimānmūḍho bhavitā narake'pi saḥ || 48 ||

Wer an dem Körper hängt, dieser Ansammlung von Fleisch, Blut, Eiter, Kot, Urin, Sehnen, Mark und Knochen, ist verblendet und wird sogar in der Hölle [an solchem] hängen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: māṃsa – Fleisch; asṛk – Blut; pūya – Eiter; viṭ – Kot; mūtra – Urin; snāyu – Sehnen; majjā – Mark; asthi – Knochen; saṃhatau – in der Ansammlung; dehe – am Körper; cet – wenn; prītimān – anhänglich; mūḍhaḥ – verblendet; bhavitā – wird sein; narake api – auch in der Hölle; saḥ – er.

Vers 3.49
sā kālaputrapadavī sā māhāvīcivāgurā |
sāsipatravanaśreṇī yā dehe'hamiti sthitiḥ || 49 ||

Der Gedanke „Ich bin der Körper“ ist der Pfad zum Sohn der Zeit [Yama], die Schlinge der großen Avichi-Hölle und eine Reihe von Schwertblattwäldern.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – dieser; kāla-putra-padavī – Pfad zum Sohn der Zeit; mahā-avīci-vāgurā – Schlinge der großen Avichi-Hölle; asi-patra-vana-śreṇī – Reihe von Schwertblattwäldern; – welche; dehe – im Körper; aham iti – „ich“; sthitiḥ – Festhalten, Standpunkt.

Vers 3.50
sā tyājyā sarvayatnena sarvanāśe'pyupasthite |
spraṣṭavyā sā na bhavyena saśvamāṃseva pulkasī || 50 ||

Diese [Körperidentifikation] soll man mit aller Anstrengung aufgeben, selbst wenn völlige Vernichtung droht. Ein Edler soll sie nicht berühren, wie eine Pulkasi-Frau mit Hundefleisch.

Wort-für-Wort-Übersetzung: – diese; tyājyā – ist aufzugeben; sarva-yatnena – mit aller Anstrengung; sarva-nāśe api – selbst bei völliger Vernichtung; upasthite – eingetreten; spraṣṭavyā na – ist nicht zu berühren; bhavyena – von einem Edlen; sa-śva-māṃsā – mit Hundefleisch; iva – wie; pulkasī – Frau der historisch ausgegrenzten Pulkasa-Gruppe.

Textanmerkung: Das Gleichnis enthält die herabsetzende Kastensprache seiner historischen Vorlage.

Vers 3.51
priyeṣu sveṣu sukṛtamapriyeṣu ca duṣkṛtam |
visṛjya dhyānayogena brahmāpyeti sanātanam || 51 ||

Nachdem er das gute Karma den ihm Lieben und das schlechte den Ungeliebten überlassen hat, gelangt er durch den Yoga der Meditation zum ewigen Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: priyeṣu sveṣu – bei den eigenen Lieben; sukṛtam – gutes Karma; apriyeṣu – bei Ungeliebten; duṣkṛtam – schlechtes Karma; visṛjya – überlassen; dhyāna-yogena – durch Yoga der Meditation; brahma – zu Brahman; āpyeti – gelangt; sanātanam – ewig.

Vers 3.52
anena vidhinā sarvāṃstyaktvā saṅgāñśanaiḥ śanaiḥ |
sarvadvandvairvinirmukto brahmaṇyevāvatiṣṭhate || 52 ||

Nachdem er nach dieser Ordnung allmählich alle Bindungen aufgegeben hat, bleibt er, von allen Gegensatzpaaren frei, allein in Brahman gegründet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anena vidhinā – nach dieser Ordnung; sarvān saṅgān – alle Bindungen; tyaktvā – aufgegeben; śanaiḥ śanaiḥ – allmählich; sarva-dvandvaiḥ – von allen Gegensatzpaaren; vinirmuktaḥ – frei; brahmaṇi eva – allein in Brahman; avatiṣṭhate – bleibt gegründet.

Vers 3.53
eka eva carennityaṃ siddhyarthamasahāyakaḥ |
siddhimekasya paśyanhi na jahāti na hīyate || 53 ||

Um Vollendung zu erlangen, soll er stets allein und ohne Helfer wandern; denn bei einem Einzelnen bleibt die sichtbare Vollendung bestehen und nimmt nicht ab.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekaḥ eva – allein; caret – soll wandern; nityam – stets; siddhi-artham – um Vollendung zu erlangen; asahāyakaḥ – ohne Helfer; siddhim – Vollendung; ekasya – des Einzelnen; paśyan – sehend; na jahāti – verlässt nicht; na hīyate – nicht vermindert.

Textanmerkung: Der letzte Halbvers ist syntaktisch knapp; Subjekt und Bezug von paśyan bleiben offen.

Vers 3.54
kapālaṃ vṛkṣamūlāni kucelānyasahāyatā |
samatā caiva sarvasminnaitanmuktasya lakṣaṇam || 54 ||

Bettelschale, Baumwurzeln, ärmliche Gewänder, Einsamkeit und Gleichmut gegenüber allem: Dies ist nicht das Merkmal des Befreiten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kapālam – Bettelschale; vṛkṣa-mūlāni – Baumwurzeln; kucelāni – ärmliche Gewänder; asahāyatā – Einsamkeit; samatā – Gleichmut; sarvasmin – gegenüber allem; etat – dies; muktasya – des Befreiten; lakṣaṇam – Merkmal; na – nicht.

Textanmerkung: Die Vorlage hat naitanmuktasya („dies ist nicht das [Merkmal] des Befreiten“). Eine positive Fassung mit etanmuktasya ist im Zusammenhang denkbar, wird hier aber nicht stillschweigend eingesetzt.

Vers 3.55
sarvabhūtahitaḥ śāntastridaṇḍī sakamaṇḍaluḥ |
ekārāmaḥ parivrajya bhikṣārthaṃ grāmamāviśet || 55 ||

Zum Wohl aller Wesen, friedvoll, mit Dreifachstab und Wassergefäß, soll er allein bleibend umherwandern und zum Almosengang das Dorf betreten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-bhūta-hitaḥ – zum Wohl aller Wesen; śāntaḥ – friedvoll; tridaṇḍī – Träger des Dreifachstabs; sa-kamaṇḍaluḥ – mit Wassergefäß; eka-ārāmaḥ – allein bleibend; parivrajya – umhergewandert; bhikṣā-artham – um Almosen; grāmam āviśet – soll das Dorf betreten.

Vers 3.56
eko bhikṣuryathoktaḥ syādvāveva mithunaṃ smṛtam |
trayo grāmaḥ samākhyāta ūrdhvaṃ tu nagarāyate || 56 ||

Ein einzelner Bettelmönch entspricht der Vorschrift; zwei gelten als Paar, drei heißen ein Dorf, und eine größere Zahl wird zur Stadt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekaḥ bhikṣuḥ – ein Bettelmönch; yathā-uktaḥ – wie vorgeschrieben; dvau – zwei; mithunam – Paar; smṛtam – gilt; trayaḥ – drei; grāmaḥ – Dorf; samākhyātaḥ – genannt; ūrdhvam – darüber; nagarāyate – wird zur Stadt.

Vers 3.57
nagaraṃ na hi kartavyaṃ grāmo vā mithunaṃ tathā |
etattrayaṃ prakurvāṇaḥ svadharmāccyavate yatiḥ || 57 ||

Er soll keine Stadt, kein Dorf und auch kein Paar bilden. Der Asket, der eines dieser drei bildet, fällt von seiner eigenen Ordnung ab.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nagaram – Stadt; na kartavyam – ist nicht zu bilden; grāmaḥ – Dorf; – oder; mithunam – Paar; tathā – ebenso; etat trayam – diese drei; prakurvāṇaḥ – bildend; sva-dharmāt – von eigener Ordnung; cyavate – fällt ab; yatiḥ – Asket.

Vers 3.58
rājavārtāditeṣāṃ syādbhikṣāvārtā parasparam |
snehapaiśūnyamātsaryaṃ saṃnikarṣānna saṃśayaḥ || 58 ||

Durch solche Nähe würden unter ihnen Gespräche über Könige und Ähnliches, gegenseitige Gespräche über Almosen, Bindung, Verleumdung und Neid entstehen, ohne Zweifel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rāja-vārtā-ādi – Gespräche über Könige und Ähnliches; teṣām – unter ihnen; syāt – würden sein; bhikṣā-vārtā – Gespräch über Almosen; parasparam – gegenseitig; sneha – Bindung; paiśūnya – Verleumdung; mātsaryam – Neid; saṃnikarṣāt – durch Nähe; na saṃśayaḥ – ohne Zweifel.

Vers 3.59
ekākī niḥspṛhastiṣṭhena hi kena sahālapet |
dadyānnārāyaṇetyeva prativākyaṃ sadā yatiḥ || 59 ||

Der Wunschlose soll allein bleiben: Mit niemandem soll er plaudern. Auf eine Anrede soll der Asket stets nur „Narayana“ antworten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekākī – allein; niḥspṛhaḥ – wunschlos; tiṣṭhet – soll bleiben; na hi – keineswegs; kena saha – mit jemandem; ālapet – soll plaudern; dadyāt – soll geben; nārāyaṇa iti – „Narayana“; eva – nur; prativākyam – Antwort; sadā – stets; yatiḥ – Asket.

Vers 3.60
ekākī cintayedbrahma manovākkāyakarmabhiḥ |
mṛtyuṃ ca nābhinandeta jīvitaṃ vā kathaṃcana || 60 ||

Allein soll er mit Gedanken, Worten und Handlungen Brahman betrachten. Er soll weder den Tod noch irgendwie das Leben freudig begrüßen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekākī – allein; cintayet – soll betrachten; brahma – Brahman; manas-vāk-kāya-karmabhiḥ – mit Gedanken, Worten und körperlichen Handlungen; mṛtyum – Tod; na abhinandeta – soll nicht begrüßen; jīvitam – Leben; – oder; kathaṃcana – irgendwie.

Vers 3.61
kālameva pratīkṣeta yāvadāyuḥ samāpyate |
nābhinandeta maraṇaṃ nābhinandeta jīvitam || 61 ||

Er soll nur die Zeit erwarten, bis seine Lebensspanne vollendet ist; weder soll er den Tod noch das Leben freudig begrüßen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kālam eva – nur die Zeit; pratīkṣeta – soll erwarten; yāvat – bis; āyuḥ – Lebensspanne; samāpyate – vollendet ist; maraṇam – Tod; na abhinandeta – soll nicht begrüßen; jīvitam – Leben.

Vers 3.62
ajihvaḥ ṣaṇḍakaḥ paṅgurandho badhira eva ca |
mugdhaśca mucyate bhikṣuḥ ṣaḍbhiretairna saṃśayaḥ || 62 ||

Von diesen sechs wird der Bettelmönch ohne Zweifel befreit: Er sei „zungenlos“, „impotent“, „lahm“, „blind“, „taub“ und „kindlich“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ajihvaḥ – zungenlos; ṣaṇḍakaḥ – impotent; paṅguḥ – lahm; andhaḥ – blind; badhiraḥ – taub; mugdhaḥ – kindlich, einfältig; mucyate – wird befreit; bhikṣuḥ – Bettelmönch; ṣaḍbhiḥ etaiḥ – durch diese sechs; na saṃśayaḥ – ohne Zweifel.

Textanmerkung: Die folgenden Verse erklären die sechs Ausdrücke als asketische Metaphern.

Vers 3.63
idamiṣṭamidaṃ neti yo'śnannapi na sajjati |
hitaṃ satyaṃ mitaṃ vakti tamajihvaṃ pracakṣate || 63 ||

Wer auch beim Essen nicht an „dies gefällt mir, jenes nicht“ haftet und heilsam, wahr und maßvoll spricht, wird „zungenlos“ genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: idam iṣṭam – dies gefällt; idam na – jenes nicht; yaḥ – wer; aśnan api – auch essend; na sajjati – nicht haftet; hitam – heilsam; satyam – wahr; mitam – maßvoll; vakti – spricht; tam – den; ajihvam – zungenlos; pracakṣate – nennt man.

Vers 3.64
adyajātāṃ yathā nārīṃ tathā ṣoḍaśavārṣikīm |
śatavarṣaṃ ca yo dṛṣṭvā nirvikāraḥ sa ṣaṇḍakaḥ || 64 ||

Wer beim Anblick einer heute Geborenen, einer Sechzehnjährigen und einer Hundertjährigen unverändert bleibt, ist der „Impotente“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: adya-jātām – heute Geborene; yathā – wie; nārīm – Frau; ṣoḍaśa-vārṣikīm – Sechzehnjährige; śata-varṣām – Hundertjährige; dṛṣṭvā – erblickt; nirvikāraḥ – unverändert; saḥ – er; ṣaṇḍakaḥ – Impotenter.

Textanmerkung: Der Vers benutzt einen physiologischen Ausdruck als historische Askesemetapher.

Vers 3.65
bhikṣārthamaṭanaṃ yasya viṇmūtrakaraṇāya ca |
yojanānna paraṃ yāti sarvathā paṅgureva saḥ || 65 ||

Wer nur zum Almosengang und zum Entleeren von Kot und Urin umhergeht und nie weiter als eine Yojana geht, der ist in jeder Hinsicht der „Lahme“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhikṣā-artham – zum Almosengang; aṭanam – Umhergehen; yasya – dessen; viṭ-mūtra-karaṇāya – zum Entleeren von Kot und Urin; yojanāt – als eine Yojana; na param – nicht weiter; yāti – geht; sarvathā – in jeder Hinsicht; paṅguḥ – lahm.

Vers 3.66
tiṣṭhato vrajato vāpi yasya cakṣurna dūragam |
caturyugāṃ bhuvaṃ muktvā parivrāṭ so'ndha ucyate || 66 ||

Wer im Stehen oder Gehen, nachdem er einen Raum von vier Yuga [als Blickfeld] ausgespart hat, mit seinem Auge nicht in die Ferne schweift, heißt der „Blinde“ unter den Wanderasketen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tiṣṭhataḥ – stehend; vrajataḥ – gehend; vā api – oder; yasya cakṣuḥ – dessen Auge; na dūra-gam – nicht in die Ferne gehend; catur-yugām bhuvam – einen Raum von vier Yuga; muktvā – ausgespart; parivrāṭ – Wanderasket; andhaḥ – blind; ucyate – wird genannt.

Textanmerkung: Yuga ist hier ein kurzes Längenmaß, keine Weltzeit.

Vers 3.67
hitāhitaṃ manorāmaṃ vacaḥ śokāvahaṃ tu yat |
śrutvāpi na śṛṇotīva badhiraḥ sa prakīrtitaḥ || 67 ||

Wer angenehme oder unangenehme, erfreuliche oder schmerzbringende Worte hört und dennoch gleichsam nicht hört, wird „taub“ genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: hita-ahitam – angenehm oder unangenehm; manaḥ-rāmam – den Geist erfreuend; vacaḥ – Worte; śoka-āvaham – Kummer bringend; yat – welche; śrutvā api – auch gehört; na śṛṇoti iva – hört gleichsam nicht; badhiraḥ – taub; prakīrtitaḥ – wird genannt.

Vers 3.68
sānnidhye viṣayāṇāṃ yaḥ samartho vikalendriyaḥ |
suptavadvartate nityaṃ sa bhikṣurmugdha ucyate || 68 ||

Wer bei Gegenwart der Sinnesgegenstände, obwohl fähig, wie einer mit eingeschränkten Sinnen stets wie im Schlaf verweilt, wird der „Kindliche“ unter den Bettelmönchen genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sānnidhye – in Gegenwart; viṣayāṇām – der Sinnesgegenstände; yaḥ – wer; samarthaḥ – fähig; vikala-indriyaḥ – mit eingeschränkten Sinnen; supta-vat – wie schlafend; vartate – verweilt; nityam – stets; bhikṣuḥ – Bettelmönch; mugdhaḥ – kindlich, einfältig; ucyate – wird genannt.

Textanmerkung: Die Gegenüberstellung samarthaḥ und vikalendriyaḥ beschreibt die äußere Wirkung des Verhaltens trotz vorhandener Fähigkeit.

Vers 3.69
naṭādiprekṣaṇaṃ dyūtaṃ pramadāsuhṛdaṃ tathā |
bhakṣyaṃ bhojyamudakyāṃ ca ṣaṇna paśyetkadācana || 69 ||

Sechs Dinge soll er niemals ansehen: Schauspiel und Ähnliches, Glücksspiel, eine Frau als Gefährtin, Essbares, Mahlzeiten und eine menstruierende Frau.

Wort-für-Wort-Übersetzung: naṭa-ādi-prekṣaṇam – Schauspiel und Ähnliches; dyūtam – Glücksspiel; pramadā-suhṛdam – eine Frau als Gefährtin; bhakṣyam – Essbares; bhojyam – Mahlzeiten; udakyām – menstruierende Frau; ṣaṭ – sechs; na paśyet – soll nicht ansehen; kadācana – jemals.

Textanmerkung: Die Vorschrift gehört zum historischen Regeltext und verwendet ein zeitgebundenes Reinheitskonzept.

Vers 3.70
rāgaṃ dveṣaṃ madaṃ māyāṃ drohaṃ mohaṃ parātmasu |
ṣaḍetāni yatirnityaṃ manasāpi na cintayet || 70 ||

Diese sechs soll der Asket nicht einmal im Geist erwägen: Zuneigung, Abneigung, Stolz, Täuschung, Feindseligkeit und Verblendung gegenüber anderen Wesen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rāgam – Zuneigung; dveṣam – Abneigung; madam – Stolz; māyām – Täuschung; droham – Feindseligkeit; moham – Verblendung; para-ātmasu – gegenüber anderen Wesen; ṣaṭ etāni – diese sechs; yatiḥ – Asket; nityam – stets; manasā api – auch im Geist; na cintayet – soll nicht erwägen.

Vers 3.71
mañcakaṃ śuklavastraṃ ca strīkathālaulyameva ca |
divā svāpaṃ ca yānaṃ ca yatīnāṃ pātakāni ṣaṭ || 71 ||

Bett, weißes Gewand, Gespräche über Frauen, Gier, Schlaf am Tag und ein Fahrzeug sind die sechs Verfehlungen der Asketen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mañcakam – Bett; śukla-vastram – weißes Gewand; strī-kathā – Gespräche über Frauen; laulyam – Gier; eva – eben; divā-svāpam – Schlaf am Tag; yānam – Fahrzeug; yatīnām – der Asketen; pātakāni – Verfehlungen; ṣaṭ – sechs.

Textanmerkung: Strīkathā und laulyam werden als zwei Glieder gelesen; so ergibt sich die angekündigte Sechserzahl.

Vers 3.72
dūrayātrāṃ prayatnena varjayedātmacintakaḥ |
sadopaniṣadaṃ vidyāmabhyasenmuktihaitukīm || 72 ||

Der das Selbst Betrachtende soll lange Reisen sorgfältig meiden und stets die Upanishadenlehre üben, die Befreiung bewirkt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dūra-yātrām – lange Reise; prayatnena – sorgfältig; varjayet – soll meiden; ātma-cintakaḥ – das Selbst Betrachtender; sadā – stets; upaniṣadam vidyām – Upanishadenlehre; abhyaset – soll üben; mukti-haitukīm – Befreiung bewirkend.

Vers 3.73
na tīrthasevī nityaṃ syānnopavāsaparo yatiḥ |
na cādhyayanaśīlaḥ syānna vyākhyānaparo bhavet || 73 ||

Der Asket soll nicht ständig Wallfahrtsstätten aufsuchen, nicht hauptsächlich fasten, nicht dauernd studieren und sich nicht auf das Erklären verlegen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na tīrtha-sevī – nicht Wallfahrtsstätten aufsuchend; nityam – ständig; na upavāsa-paraḥ – nicht hauptsächlich fastend; yatiḥ – Asket; na adhyayana-śīlaḥ – nicht dauernd studierend; na vyākhyāna-paraḥ – nicht auf Erklären verlegt; bhavet – soll sein.

Vers 3.74
apāpamaśaṭhaṃ vṛttamajihmaṃ nityamācaret |
indriyāṇi samāhṛtya kūrmo'ṅgānīva sarvaśaḥ || 74 ||

Er soll stets einen schuldlosen, nicht betrügerischen und nicht krummen Lebenswandel führen und die Sinne vollständig einziehen wie eine Schildkröte ihre Glieder.

Wort-für-Wort-Übersetzung: apāpam – schuldlos; aśaṭham – nicht betrügerisch; vṛttam – Lebenswandel; ajihmam – nicht krumm; nityam – stets; ācaret – soll führen; indriyāṇi – Sinne; samāhṛtya – eingezogen; kūrmaḥ – Schildkröte; aṅgāni – Glieder; iva – wie; sarvaśaḥ – vollständig.

Vers 3.75
kṣīṇendriyamanovṛttirnirāśīrniṣparigrahaḥ |
nirdvandvo nirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca || 75 ||

Mit beruhigter Tätigkeit der Sinne und des Geistes, ohne Erwartungen und Besitz, frei von Gegensatzpaaren, ohne Begrüßungsritual und ohne Ahnenopfer …

Wort-für-Wort-Übersetzung: kṣīṇa – beruhigt, geschwunden; indriya-manas-vṛttiḥ – Tätigkeit von Sinnen und Geist; nirāśīḥ – ohne Erwartungen; niṣparigrahaḥ – ohne Besitz; nirdvandvaḥ – frei von Gegensatzpaaren; nirnamaskāraḥ – ohne Begrüßungsritual; niḥsvadhākāraḥ – ohne Svadhā-Ruf, Ahnenopfer.

Vers 3.76
nirmamo nirahaṅkāro nirapekṣo nirāśiṣaḥ |
viviktadeśasaṃsakto mucyate nātra saṃśaya iti || 76 ||

… ohne Meinsinn und Ichbewusstsein, ohne Erwartung und Wünsche und einem abgeschiedenen Ort zugetan, wird er befreit; daran besteht kein Zweifel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nirmamaḥ – ohne Meinsinn; nirahaṅkāraḥ – ohne Ichbewusstsein; nirapekṣaḥ – ohne Erwartung; nirāśiṣaḥ – ohne Wünsche; vivikta-deśa – abgeschiedener Ort; saṃsaktaḥ – zugetan; mucyate – wird befreit; na atra saṃśayaḥ – daran besteht kein Zweifel; iti – so.

Prosa nach Vers 3.76 – Unmittelbare Entsagung
apramattaḥ karmabhaktijñānasampannaḥ svatantro
vairāgyametya brahmacārī gṛhī vānaprastho vā
mukhyavṛttikā cedbrahmacaryaṃ samāpya gṛhī
bhavedgṛhādvanī bhūtvā pravrajedyadivetaratathā
brahmacaryādeva pravrajedgṛhādvā vanādvātha
punaravratī vā vratī vā snātako vā'snātako
votsannāgniranagniko vā yadahareva virajettadahareva
pravrajettaddhaike prājāpatyāmeveṣṭiṃ kurvanyathavā
na kuryādagneyyameva kuryādagnirhiprāṇaḥ prāṇamevaitayā
karoti tasmāttraidhātavīyāmeva kuryādetaiva trayo dhātavo
yaduta sattvaṃ rajastama iti ||

Ob Schüler, Haushälter oder Waldeinsiedler: Er sei achtsam, mit Handlung, Hingabe und Erkenntnis ausgestattet und unabhängig und gelange zu Entsagung. Nach der gewöhnlichen Ordnung beende er das Schülerleben, werde Haushälter, danach Waldeinsiedler und ziehe dann fort. Andernfalls ziehe er unmittelbar aus dem Schülerleben, aus dem Haus oder aus dem Wald fort. Ob mit oder ohne Gelübde, ob sein Studium abgeschlossen ist oder nicht, ob sein Feuer erloschen ist oder er kein Feuer besitzt: An eben dem Tag, an dem er frei von Verlangen wird, soll er fortziehen. Einige vollziehen dabei das Prajapati-Opfer; er kann es aber auch unterlassen und allein ein Agni-Opfer vollziehen. Denn Agni ist der Lebensatem; durch dieses Opfer verwirklicht er den Lebensatem. Deshalb soll er das Opfer für die drei Grundstoffe vollziehen: Diese drei Grundstoffe sind Sattva, Rajas und Tamas.

Wort-für-Wort-Übersetzung: apramattaḥ – achtsam; karma-bhakti-jñāna-sampannaḥ – mit Handlung, Hingabe und Erkenntnis ausgestattet; svatantraḥ – unabhängig; vairāgyam etya – Entsagung erlangt; brahmacārī – Schüler; gṛhī – Haushälter; vānaprasthaḥ – Waldeinsiedler; mukhya-vṛttikā – gewöhnliche Ordnung; cet – wenn; brahmacaryam samāpya – Schülerleben beendet; gṛhī bhavet – soll Haushälter werden; gṛhāt – aus dem Haus; vanī bhūtvā – Waldeinsiedler geworden; pravrajet – soll fortziehen; yadi itara – andernfalls; brahmacaryāt eva – unmittelbar aus dem Schülerleben; vanāt – aus dem Wald; avratī vā vratī vā – ohne oder mit Gelübde; snātakaḥ vā asnātakaḥ – mit oder ohne abgeschlossenes Studium; utsanna-agniḥ – mit erloschenem Feuer; anagnikaḥ – ohne Feuer; yat ahaḥ eva – an eben dem Tag, an dem; virajet – frei von Verlangen wird; tat ahaḥ eva – an eben jenem Tag; eke – einige; prājāpatyām iṣṭim – Prajapati-Opfer; kuryāt – soll vollziehen; na kuryāt – kann unterlassen; āgneyyām – Agni-Opfer; agniḥ hi prāṇaḥ – Agni ist der Lebensatem; prāṇam eva etayā karoti – durch dieses verwirklicht er den Lebensatem; traidhātavīyām – das Opfer für drei Grundstoffe; trayaḥ dhātavaḥ – drei Grundstoffe; sattvam – Sattva; rajaḥ – Rajas; tamaḥ – Tamas.

Prosa – Verinnerlichung des Opferfeuers
ayaṃ te yonirṛtviyo yato jāto arocathāḥ |
taṃ jānannagna ārohāthāno vardhayā rayimityanena
mantreṇāgnimājighredeśa vā agneryoniryaḥ prāṇaḥ
prāṇaṃ gaccha svāṃ yoniṃ gaccha
svāhetyevamevaitadāhavanīyādagnimāhṛtya
pūrvavadagnimājighredyadagniṃ na vindedapsu juhuyādāpo
vai sarvā devatāḥ sarvābhyo devatābhyo juhomi svāheti
hutvodhṛtya tadudakaṃ prāśnīyātsājyaṃ haviranāmayaṃ
modamiti śikhāṃ yajñopavītaṃ pitaraṃ putraṃ kalatraṃ karma
cādhyayanaṃ mantrāntaraṃ visṛjyaiva
parivrajatyātmavinmokṣamantraistraidhātavīyairvidhestadbrahma
tadupāsitavyamevaitaditi ||

„Dies ist dein der Ordnung gemäßer Ursprung; aus ihm geboren, leuchtetest du. Ihn erkennend, steige auf, Agni, und mehre uns den Reichtum.“ Mit diesem Mantra atme er das Feuer ein. Der Lebensatem ist der Ursprung des Feuers. „Gehe zum Lebensatem, gehe zu deinem eigenen Ursprung, svāhā.“ So hole er Feuer vom Ahavaniya herbei und atme es wie zuvor ein. Findet er kein Feuer, opfere er im Wasser: „Die Wasser sind wahrhaftig alle Gottheiten. Allen Gottheiten opfere ich, svāhā.“ Nach dem Opfer schöpfe er das Wasser und trinke es als Opfergabe mit Ghee, als Unversehrtheit und Freude. Er lege Haarlocke, heilige Schnur, Vater, Sohn, Ehefrau, Handlung, Studium und andere Mantras ab und ziehe als Kenner des Selbst mit den auf die drei Grundstoffe bezogenen Befreiungsmantras nach der Ordnung fort. Das ist Brahman; eben das ist zu verehren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ayam te yoniḥ – dies ist dein Ursprung; ṛtviyaḥ – der Ordnung gemäßer; yataḥ jātaḥ – aus dem geboren; arocathāḥ – leuchtetest du; tam jānan – ihn erkennend; agne – o Agni; āroha – steige auf; atha – dann; naḥ – uns; vardhaya – mehre; rayim – Reichtum; anena mantreṇa – mit diesem Mantra; agnim ājighret – soll das Feuer einatmen; eṣaḥ agneḥ yoniḥ – der Ursprung des Feuers; yaḥ prāṇaḥ – der Lebensatem ist; prāṇam gaccha – gehe zum Lebensatem; svām yonim gaccha – gehe zu deinem eigenen Ursprung; svāhā – Opferruf; āhavanīyāt – vom Ahavaniya-Feuer; agnim āhṛtya – Feuer herbeigeholt; pūrvavat – wie zuvor; yat agnim na vindet – wenn er kein Feuer findet; apsu juhuyāt – soll im Wasser opfern; āpaḥ – Wasser; vai – wahrhaftig; sarvāḥ devatāḥ – alle Gottheiten; sarvābhyaḥ devatābhyaḥ – allen Gottheiten; juhomi – ich opfere; hutvā – geopfert; udhṛtya – geschöpft; tat udakam prāśnīyāt – soll dieses Wasser trinken; sa-ājyam – mit Ghee; haviḥ – Opfergabe; anāmayam – Unversehrtheit; modam – Freude; śikhām – Haarlocke; yajñopavītam – heilige Schnur; pitaram – Vater; putram – Sohn; kalatram – Ehefrau; karma – Handlung; adhyayanam – Studium; mantra-antaram – andere Mantras; visṛjya – abgelegt; parivrajati – zieht fort; ātmavit – Kenner des Selbst; mokṣa-mantraiḥ – mit Befreiungsmantras; traidhātavīyaiḥ – auf die drei Grundstoffe bezogen; vidheḥ – nach der Ordnung; tat brahma – das ist Brahman; tat upāsitavyam – das ist zu verehren.

Textanmerkung: Die Wendung sājyam haviranāmayam modam und der Schluss mit vidheḥ sind sprachlich unregelmäßig. Die erkennbare Aussage wird vollständig, aber ohne ungesicherte Ergänzungen wiedergegeben.

Prosa – Die innere heilige Schnur
pitāmahaṃ punaḥ papraccha nāradaḥ kathamayajñopavītī
brāhmaṇa iti || tamāha pitāmahaḥ ||

Narada fragte den Großvater erneut: „Wie kann einer ohne heilige Schnur ein Brahmane sein?“ Der Großvater sagte zu ihm:

Wort-für-Wort-Übersetzung: pitāmaham – den Großvater; punaḥ – erneut; papraccha – fragte; nāradaḥ – Narada; katham – wie; ayajña-upavītī – ohne heilige Schnur; brāhmaṇaḥ – Brahmane; iti – so; tam āha – sprach zu ihm.

Vers 3.77
saśikhaṃ vapanaṃ kṛtvā bahiḥsūtraṃ tyajedbudhaḥ |
yadakṣaraṃ paraṃ brahma tatsūtramiti dhārayet || 77 ||

Der Verständige soll die Haare einschließlich der Locke abscheren und die äußere Schnur ablegen. Als seine Schnur soll er das unvergängliche höchste Brahman tragen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sa-śikham – mit der Haarlocke; vapanam kṛtvā – Abscheren vollzogen; bahiḥ-sūtram – äußere Schnur; tyajet – soll ablegen; budhaḥ – Verständiger; yat akṣaram – das Unvergängliche; param brahma – höchstes Brahman; tat sūtram iti – das als Schnur; dhārayet – soll tragen.

Vers 3.78
sūcanātsūtramityāhuḥ sūtraṃ nāma paraṃ padam |
tatsūtraṃ viditaṃ yena sa vipro vedapāragaḥ || 78 ||

Weil sie auf etwas hinweist, nennt man sie „Schnur“; „Schnur“ heißt der höchste Zustand. Wer diese Schnur erkannt hat, ist ein Weiser, der den Veda durchdrungen hat.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sūcanāt – wegen des Hinweisens; sūtram – Faden, Schnur; iti āhuḥ – so nennt man; nāma – namens, nämlich; param padam – höchster Zustand; tat sūtram – jene Schnur; viditam yena – von dem erkannt; saḥ vipraḥ – der Weise; veda-pāragaḥ – den Veda durchdrungen habend.

Vers 3.79
yena sarvamidaṃ protaṃ sūtre maṇigaṇā iva |
tatsūtraṃ dhārayedyogī yogavittattvadarśanaḥ || 79 ||

Die Schnur, an der dieses All aufgereiht ist wie Perlen an einem Faden, soll der Yogi tragen, der Yoga kennt und die Wirklichkeit schaut.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yena – durch die; sarvam idam – dieses All; protam – aufgereiht; sūtre – an einem Faden; maṇi-gaṇāḥ – Perlengruppen; iva – wie; tat sūtram – jene Schnur; dhārayet – soll tragen; yogī – Yogi; yoga-vit – Yoga kennend; tattva-darśanaḥ – die Wirklichkeit schauend.

Vers 3.80
bahiḥsūtraṃ tyajedvidvānyogamuttamamāsthitaḥ |
brahmabhāvamidaṃ sūtraṃ dhārayedyaḥ sacetanaḥ |
dhāraṇāttasya sūtrasya nocchiṣṭo nāśucirbhavet || 80 ||

Der Wissende, der im höchsten Yoga steht, soll die äußere Schnur ablegen. Der Bewusste soll diese Schnur als Brahmansein tragen. Durch das Tragen dieser Schnur wird er weder von Speiseresten befleckt noch unrein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bahiḥ-sūtram – äußere Schnur; tyajet – soll ablegen; vidvān – Wissender; yogam uttamam āsthitaḥ – im höchsten Yoga stehend; brahma-bhāvam – Brahmansein; idam sūtram – diese Schnur; dhārayet – soll tragen; sa-cetanaḥ – bewusst; dhāraṇāt – durch Tragen; tasya sūtrasya – dieser Schnur; na ucchiṣṭaḥ – nicht durch Speisereste befleckt; na aśuciḥ – nicht unrein; bhavet – wird.

Vers 3.81
sūtramantargataṃ yeṣāṃ jñānayajñopavītinām |
te vai sūtravido loke te ca yajñopavītinaḥ || 81 ||

Diejenigen, deren Schnur im Inneren liegt und deren heilige Schnur Erkenntnis ist, kennen wahrhaftig in der Welt die Schnur: Sie sind die Träger der heiligen Schnur.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sūtram – die Schnur; antar-gatam – im Inneren; yeṣām – deren; jñāna-yajñopavītinām – die Erkenntnis als heilige Schnur tragen; te vai – sie wahrhaftig; sūtra-vidaḥ – Kenner der Schnur; loke – in der Welt; yajñopavītinaḥ – Träger der heiligen Schnur.

Vers 3.82
jñānaśikhino jñānaniṣṭhā jñānayajñopavītinaḥ |
jñānameva paraṃ teṣāṃ pavitraṃ jñānamucyate || 82 ||

Ihre Locke ist Erkenntnis, sie stehen in Erkenntnis, ihre heilige Schnur ist Erkenntnis. Erkenntnis allein ist für sie das Höchste; Erkenntnis wird ihre Läuterung genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jñāna-śikhinaḥ – Erkenntnis als Locke tragend; jñāna-niṣṭhāḥ – in Erkenntnis stehend; jñāna-yajñopavītinaḥ – Erkenntnis als heilige Schnur tragend; jñānam eva – Erkenntnis allein; param – das Höchste; teṣām – für sie; pavitram – Läuterung; ucyate – wird genannt.

Vers 3.83
agneriva śikhā nānyā yasya jñānamayī śikhā |
sa śikhītyucyate vidvānnetare keśadhāriṇaḥ || 83 ||

Wer eine aus Erkenntnis bestehende Locke besitzt, die ihm nicht fremd ist wie die Flamme dem Feuer, der Wissende, wird ein Lockenträger genannt – nicht die anderen, die bloß Haare tragen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agneḥ iva – wie dem Feuer; śikhā – Flamme, Locke; na anyā – nicht verschieden; yasya – dessen; jñānamayī – aus Erkenntnis bestehend; saḥ śikhī – er ist Lockenträger; ucyate – wird genannt; vidvān – Wissender; na itare – nicht die anderen; keśa-dhāriṇaḥ – Haare Tragenden.

Vers 3.84
karmaṇyadhikṛtā ye tu vaidike brāhmaṇādayaḥ |
tebhirdhāryamidaṃ sūtraṃ kriyāṅgaṃ taddhi vai smṛtam || 84 ||

Die Brahmanen und anderen, die zur vedischen Handlung berechtigt sind, müssen diese [äußere] Schnur tragen; denn sie gilt als Bestandteil des Rituals.

Wort-für-Wort-Übersetzung: karmaṇi vaidike – zur vedischen Handlung; adhikṛtāḥ – berechtigt; ye – welche; brāhmaṇa-ādayaḥ – Brahmanen und andere; taiḥ – von ihnen; dhāryam – zu tragen; idam sūtram – diese Schnur; kriyā-aṅgam – Bestandteil des Rituals; tat hi vai – denn dies; smṛtam – gilt.

Vers 3.85
śikhā jñānamayī yasya upavītaṃ ca tanmayam |
brāhmaṇyaṃ sakalaṃ tasya iti brahmavido viduriti || 85 ||

Wessen Locke aus Erkenntnis besteht und dessen heilige Schnur ebenso beschaffen ist, dessen Brahmanenschaft ist vollständig: So wissen die Brahmankenner.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śikhā – Haarlocke; jñānamayī – aus Erkenntnis bestehend; yasya – dessen; upavītam – heilige Schnur; tat-mayam – aus demselben bestehend; brāhmaṇyam – Brahmanenschaft; sakalam – vollständig; tasya – dessen; iti – so; brahma-vidaḥ – Brahmankenner; viduḥ – wissen.

Prosa – Der äußerlich unkenntliche Entsagende
tadetadvijñāya brāhmaṇaḥ parivrajya parivrāḍekaśāṭī
muṇḍo'parigrahaḥ śarīrakleśāsahiṣṇuścedathavā
yathāvidhiścejjātarūpadharo bhūtvā saputramitrakalatrāptabandhādvīni svādhyāyaṃ sarvakarmāṇi saṃnyasyāyaṃ
brahmāṇḍaṃ ca sarvaṃ kaupīnaṃ daṇḍamācchādanaṃ
ca tyaktvā dvandvasahiṣṇurna śītaṃ na coṣṇaṃ na sukhaṃ
na duḥkhaṃ na nidrā na mānāvamāne ca ṣaḍūrmivarjito nindāhaṅkāramatsaragarvadambherṣyāsūyecchādveṣasukhaduḥkhakāmakrodhalobhamohādīnvisṛjya svavapuḥ
śavākāramiva smṛtvā svavyatiriktaṃ sarvamantarbahiramanyamānaḥ
kasyāpi vandanamakṛtvā na namaskāro na svāhākāro
na svadhākāro na nindāstutiryādṛcchiko bhavedyadṛcchālābhasantuṣṭaḥ suvarṇādīnna parigrahennāvāhanaṃ na visarjanaṃ
na mantraṃ nāmantraṃ na dhyānaṃ nopāsanaṃ na lakṣyaṃ nālakṣyaṃ
na pṛthak nāpṛthak na tvanyatra sarvatrāniketaḥ sthiramatiḥ śūnyāgāravṛkṣamūladevagṛhatṛṇakūṭakulālaśālāgnihotraśālāgnidigantaranadītaṭapulinabhūgṛhakandaranirjharasthaṇḍileṣu vane vā śvetaketuṛbhunidāghaṛṣabhadurvāsaḥsaṃvartakadattātreyaraivatakavadavyaktaliṅgo'vyaktācāro bālonmattapiśācavadanunmattonmattavadācaraṃstridaṇḍaṃ śikyaṃ pātraṃ kamaṇḍaluṃ kaṭisūtraṃ ca tatsarvaṃ
bhūḥsvāhetyapsu parityajya kaṭisūtraṃ ca kaupīnaṃ daṇḍaṃ vastraṃ
kamaṇḍaluṃ sarvamapsu visṛjyātha jātarūpadharaścaredātmānamanvicchedyathā
jātarūpadharo nirdvandvo niṣparigrahastattvabrahmamārge samyak sampannaḥ
śuddhamānasaḥ prāṇasandhāraṇārthaṃ yathoktakāle karapātreṇānyena vā
yācitāhāramāharan lābhalābhe samo bhūtvā nirmamaḥ
śukladhyānaparāyaṇo'dhyātmaniṣṭhaḥ śubhāśubhakarmanirmūlanaparaḥ
saṃnyasya pūrṇānandaikabodhastadbrahmāhamasmīti
brahmapraṇavamanusmaranbhramarakīṭanyāyena śarīratrayamutsṛjya
saṃnyāsenaiva dehatyāgaṃ karoti sa kṛtakṛtyo bhavatītyupaniṣat ||

Nachdem er dies erkannt hat, ziehe der Brahmane als Wanderasket fort, mit einem Gewand, geschorenem Kopf und ohne Besitz, falls er die Beschwerden des Körpers nicht ertragen kann; oder er gehe, der Ordnung entsprechend, nackt. Er gebe die Bindungen an Söhne, Freunde, Ehefrau und Angehörige, das eigene Schriftstudium und alle Handlungen auf, ebenso die ganze Welt, Lendenschurz, Stab und Umhang. Er ertrage die Gegensätze: Für ihn gibt es weder Kälte noch Hitze, Freude noch Schmerz, Schlaf, Ehrung noch Missachtung. Frei von den sechs Wogen gebe er Tadel, Ichbewusstsein, Neid, Stolz, Heuchelei, Missgunst, Eifersucht, Wunsch, Hass, Freude, Schmerz, Verlangen, Zorn, Gier, Verblendung und Weiteres auf. Er betrachte seinen Körper wie eine Leiche und halte innen wie außen nichts für von sich verschieden. Er verneige sich vor niemandem; es gebe für ihn weder Begrüßungsritual noch Svaha- oder Svadha-Ruf, weder Tadel noch Lob. Er lebe dem Zufall gemäß und sei mit dem zufrieden, was von selbst eintrifft. Gold und Ähnliches nehme er nicht an. Es gibt für ihn weder Anrufung noch Entlassung, weder Mantra noch Nicht-Mantra, weder Meditation noch Verehrung, weder Ziel noch Nicht-Ziel, weder Getrenntheit noch Nichtgetrenntheit, und auch kein Anderswo. Überall ohne feste Wohnung und mit beständigem Geist lebe er in einem leeren Haus, unter Baumwurzeln, in einem Tempel, in einer Grashütte, in einer Töpferwerkstatt, in einer Opferfeuerhalle, bei Feuer, im Zwischenraum der Richtungen, am Flussufer, auf einer Sandbank, in einer Erdhöhle, Felshöhle, bei einem Wasserfall, auf nacktem Boden oder im Wald. Wie Shvetaketu, Ribhu, Nidagha, Rishabha, Durvasas, Samvartaka, Dattatreya und Raivataka trage er keine erkennbaren Zeichen und habe keinen feststellbaren Lebensstil. Er verhalte sich wie ein Kind, ein Wahnsinniger oder ein Geistwesen – selbst nicht wahnsinnig, aber wie ein Wahnsinniger handelnd. Mit „bhūḥ svāhā“ werfe er Dreifachstab, Tragnetz, Schale, Wassergefäß und Hüftschnur ins Wasser; ebenso gebe er Hüftschnur, Lendenschurz, Stab, Gewand und Wassergefäß vollständig dem Wasser hin. Dann wandere er nackt und suche das Selbst. Nackt, frei von Gegensätzen und Besitz, vollkommen auf dem Weg zur Wirklichkeit Brahmans und reinen Geistes nehme er zur Erhaltung des Lebensatems zur vorgeschriebenen Zeit erbettelte Nahrung aus der hohlen Hand oder einem anderen Gefäß zu sich. Bei Erhalten und Nichterhalten gleichmütig, ohne Meinsinn, ganz der reinen Meditation und inneren Betrachtung hingegeben, auf die Entwurzelung guten und schlechten Karmas gerichtet, entsage er. Als die eine Erkenntnis vollkommener Glückseligkeit erinnere er mit dem Brahman-Pranava: „Dieses Brahman bin ich.“ Nach dem Gleichnis von Wespe und Larve gebe er die drei Körper auf. Wer so durch Entsagung den Körper verlässt, hat vollbracht, was zu vollbringen war: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat etat vijñāya – dies erkannt; brāhmaṇaḥ – Brahmane; parivrajya – fortgezogen; parivrāṭ – Wanderasket; eka-śāṭī – mit einem Gewand; muṇḍaḥ – geschoren; aparigrahaḥ – ohne Besitz; śarīra-kleśa-asahiṣṇuḥ – Beschwerden des Körpers nicht ertragend; cet – falls; athavā – oder; yathāvidhi – ordnungsgemäß; jāta-rūpa-dharaḥ – die Gestalt bei der Geburt tragend, nackt; sa-putra-mitra-kalatra-āpta-bandha – Bindungen an Söhne, Freunde, Ehefrau und Angehörige; svādhyāyam – eigenes Schriftstudium; sarva-karmāṇi – alle Handlungen; saṃnyasya – aufgegeben; brahmāṇḍam sarvam – das ganze Weltei; kaupīnam – Lendenschurz; daṇḍam – Stab; ācchādanam – Umhang; tyaktvā – abgelegt; dvandva-sahiṣṇuḥ – Gegensätze ertragend; śītam – Kälte; uṣṇam – Hitze; sukham – Freude; duḥkham – Schmerz; nidrā – Schlaf; māna-avamāne – Ehrung und Missachtung; ṣaḍ-ūrmi-varjitaḥ – frei von sechs Wogen; nindā – Tadel; ahaṅkāra – Ichbewusstsein; matsara – Neid; garva – Stolz; dambha – Heuchelei; īrṣyā – Missgunst; asūyā – Eifersucht; icchā – Wunsch; dveṣa – Hass; kāma – Verlangen; krodha – Zorn; lobha – Gier; moha – Verblendung; ādīn – und Weiteres; visṛjya – aufgegeben; sva-vapuḥ – eigener Körper; śava-ākāram iva – wie eine Leiche; smṛtvā – betrachtet; sva-vyatiriktam – von sich verschieden; sarvam – alles; antar-bahiḥ – innen und außen; amanyamānaḥ – nicht dafür haltend; kasyāpi vandanam akṛtvā – niemandem eine Verneigung darbringend; namaskāraḥ – Begrüßungsritual; svāhākāraḥ – Opferruf; svadhākāraḥ – Ahnenopferruf; nindā-stutiḥ – Tadel und Lob; yādṛcchikaḥ – dem Zufall gemäß lebend; yadṛcchā-lābha-santuṣṭaḥ – mit zufälligem Erhalt zufrieden; suvarṇa-ādīn – Gold und Ähnliches; na parigrahet – soll nicht annehmen; āvāhanam – Anrufung; visarjanam – Entlassung; mantra-amantram – Mantra und Nicht-Mantra; dhyānam – Meditation; upāsanam – Verehrung; lakṣya-alakṣyam – Ziel und Nicht-Ziel; pṛthak-apṛthak – getrennt und nichtgetrennt; anyatra – anderswo; sarvatra – überall; aniketaḥ – ohne feste Wohnung; sthira-matiḥ – beständigen Geistes; śūnya-agāra – leeres Haus; vṛkṣa-mūla – Baumwurzel; deva-gṛha – Tempel; tṛṇa-kūṭa – Grashütte; kulāla-śālā – Töpferwerkstatt; agnihotra-śālā – Opferfeuerhalle; agni – Feuer; dig-antara – Zwischenraum der Richtungen; nadī-taṭa – Flussufer; pulina – Sandbank; bhū-gṛha – Erdhöhle; kandara – Felshöhle; nirjhara – Wasserfall; sthaṇḍila – nackter Boden; vane vā – oder im Wald; śvetaketu-ṛbhu-nidāgha-ṛṣabha-durvāsas-saṃvartaka-dattātreya-raivataka-vat – wie die genannten Weisen; avyakta-liṅgaḥ – ohne erkennbare Zeichen; avyakta-ācāraḥ – mit nicht feststellbarem Lebensstil; bāla – Kind; unmatta – Wahnsinniger; piśāca – Geistwesen; anunmattaḥ – selbst nicht wahnsinnig; unmatta-vat ācaran – wie ein Wahnsinniger handelnd; tridaṇḍam – Dreifachstab; śikyam – Tragnetz; pātram – Schale; kamaṇḍalum – Wassergefäß; kaṭi-sūtram – Hüftschnur; tat sarvam – all dies; bhūḥ svāhā – Erdlaut und Opferruf; apsu parityajya – ins Wasser weggeworfen; ātmānam anvicchet – soll das Selbst suchen; nirdvandvaḥ – frei von Gegensätzen; niṣparigrahaḥ – ohne Besitz; tattva-brahma-mārge – auf dem Weg zur Wirklichkeit Brahmans; samyak sampannaḥ – vollkommen; śuddha-mānasaḥ – reinen Geistes; prāṇa-sandhāraṇa-artham – zur Erhaltung des Lebensatems; yathā-ukta-kāle – zur vorgeschriebenen Zeit; kara-pātreṇa – mit der Hand als Gefäß; anyena vā – oder mit anderem; yācita-āhāram – erbettelte Nahrung; āharan – zu sich nehmend; lābha-alābhe – bei Erhalt und Nichterhalt; samaḥ – gleichmütig; nirmamaḥ – ohne Meinsinn; śukla-dhyāna-parāyaṇaḥ – reiner Meditation hingegeben; adhyātma-niṣṭhaḥ – in innerer Betrachtung stehend; śubha-aśubha-karma-nirmūlana-paraḥ – auf Entwurzelung guten und schlechten Karmas gerichtet; pūrṇa-ānanda-eka-bodhaḥ – die eine Erkenntnis vollkommener Glückseligkeit; tat brahma aham asmi – dieses Brahman bin ich; brahma-praṇavam anusmaran – den Brahman-Pranava erinnernd; bhramara-kīṭa-nyāyena – nach dem Gleichnis von Wespe und Larve; śarīra-trayam – drei Körper; utsṛjya – aufgegeben; saṃnyāsena eva – durch Entsagung selbst; deha-tyāgam karoti – verlässt den Körper; kṛta-kṛtyaḥ bhavati – hat vollbracht, was zu vollbringen war; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Textanmerkung: Das Gleichnis von Wespe und Larve beschreibt in dieser Tradition die Umgestaltung durch beharrliche Betrachtung; es ist keine biologische Aussage. Die Wiederholung der aufzugebenden Gegenstände steht bereits in der Vorlage. Die offensichtlich fehlerhafte Schreibung kauopīna ist zu kaupīna normalisiert.

Schluss des 3. Abschnitts
iti tṛtīyopadeśaḥ || 3 ||

Damit endet der 3. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; tṛtīyaḥ – dritter.

Vers 4.1
tyaktvā lokāṃśca vedāṃśca viṣayānindriyāṇi ca |
ātmanyeva sthito yastu sa yāti paramāṃ gatim || 1 ||

Wer Welten und Veden, Sinnesgegenstände und Sinne aufgegeben hat und allein im Selbst steht, gelangt zum höchsten Ziel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tyaktvā – aufgegeben; lokān – Welten; vedān – Veden; viṣayān – Sinnesgegenstände; indriyāṇi – Sinne; ātmani eva – allein im Selbst; sthitaḥ – stehend; yaḥ – wer; saḥ – er; yāti – gelangt; paramām gatim – zum höchsten Ziel.

Vers 4.2
nāmagotrādivaraṇaṃ deśaṃ kālaṃ śrutaṃ kulam |
vayo vṛttaṃ vrataṃ śīlaṃ khyāpayennaiva sadyatiḥ || 2 ||

Ein wahrer Asket soll Namen, Abstammung und Weiteres, Land, Zeit, Gelehrsamkeit, Familie, Lebensalter, Lebenswandel, Gelübde und Charakter nicht bekannt machen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nāma – Name; gotra – Abstammung; ādi – und Weiteres; varaṇam – hier unklare Listenfügung; deśam – Land; kālam – Zeit; śrutam – Gelehrsamkeit; kulam – Familie; vayaḥ – Lebensalter; vṛttam – Lebenswandel; vratam – Gelübde; śīlam – Charakter; khyāpayet – soll bekannt machen; na eva – keineswegs; sat-yatiḥ – wahrer Asket.

Textanmerkung: Die Vorlage liest yayo statt des im Zusammenhang erwarteten vayo. Der Sanskrittext ist hier zu vayo normalisiert; die zusätzliche Form varaṇam bleibt unverändert.

Vers 4.3
na sambhāṣetstriyaṃ kāñcitpūrvadṛṣṭāṃ ca na smaret |
kathāṃ ca varjayettāsāṃ na paśyellikhitāmapi || 3 ||

Er soll mit keiner Frau sprechen, sich an keine früher gesehene erinnern, Gespräche über sie meiden und nicht einmal ihr Bild ansehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na sambhāṣet – soll nicht sprechen; striyam kāñcit – mit irgendeiner Frau; pūrva-dṛṣṭām – früher gesehene; na smaret – soll nicht erinnern; kathām – Gespräch; varjayet – soll meiden; tāsām – über sie; na paśyet – soll nicht sehen; likhitām api – auch abgebildete.

Vers 4.4
etaccatuṣṭayaṃ mohātstrīṇāmācarato yateḥ |
cittaṃ vikriyate'vaśyaṃ tadvikārātpraṇaśyati || 4 ||

Übt der Asket diese vier Dinge aus Verblendung Frauen gegenüber aus, verändert sich sein Geist unweigerlich; durch dessen Veränderung geht er zugrunde.

Wort-für-Wort-Übersetzung: etat catuṣṭayam – diese vier Dinge; mohāt – aus Verblendung; strīṇām – bezüglich Frauen; ācarataḥ – ausübend; yateḥ – des Asketen; cittam – Geist; vikriyate – wird verändert; avaśyam – unweigerlich; tat-vikārāt – durch dessen Veränderung; praṇaśyati – geht zugrunde.

Vers 4.5
tṛṣṇā krodho'nṛtaṃ māyā lobhamohau priyāpriye |
śilpaṃ vyākhyānayogaśca kāmo rāgaparigrahaḥ || 5 ||

Durst nach Dingen, Zorn, Unwahrheit, Täuschung, Gier und Verblendung, Vorliebe und Abneigung, Handwerk, Beschäftigung mit Erklärungen, Begierde, Anhänglichkeit und Besitz …

Wort-für-Wort-Übersetzung: tṛṣṇā – Durst nach Dingen; krodhaḥ – Zorn; anṛtam – Unwahrheit; māyā – Täuschung; lobha-mohau – Gier und Verblendung; priya-apriye – Vorliebe und Abneigung; śilpam – Handwerk; vyākhyāna-yogaḥ – Beschäftigung mit Erklärungen; kāmaḥ – Begierde; rāga – Anhänglichkeit; parigrahaḥ – Besitz.

Vers 4.6
ahaṅkāro mamatvaṃ ca cikitsā dharmasāhasam |
prāyaścittaṃ pravāsaśca mantrauṣadhagarāśiṣaḥ || 6 ||

… Ichbewusstsein und Meinsinn, ärztliches Behandeln, gewaltsames Durchsetzen von Recht, Sühneriten und Reisen, Mantras, Arzneien, Gift und Segenswünsche …

Wort-für-Wort-Übersetzung: ahaṅkāraḥ – Ichbewusstsein; mamatvam – Meinsinn; cikitsā – ärztliches Behandeln; dharma-sāhasam – gewaltsames Vorgehen in Rechtsangelegenheiten; prāyaścittam – Sühneriten; pravāsaḥ – Reise, Aufenthalt in der Fremde; mantra – Mantras; auṣadha – Arzneien; gara – Gift; āśiṣaḥ – Segenswünsche.

Vers 4.7
pratiṣiddhāni caitāni sevamāno vrajedadhaḥ |
āgaccha gaccha tiṣṭheti svāgataṃ suhṛdo'pi vā || 7 ||

… all dies ist untersagt. Wer es betreibt, geht abwärts. „Komm! Geh! Bleib! Willkommen!“, auch zu einem Freund …

Wort-für-Wort-Übersetzung: pratiṣiddhāni – untersagt; etāni – diese; sevamānaḥ – betreibend; vrajet adhaḥ – geht abwärts; āgaccha – komm; gaccha – geh; tiṣṭha – bleib; svāgatam – willkommen; suhṛdaḥ api – auch zu einem Freund.

Vers 4.8
sanmānanaṃ ca na brūyānmunirmokṣaparāyaṇaḥ |
pratigrahaṃ na gṛhṇīyānnaiva cānyaṃ pradāpayet || 8 ||

… und ehrende Worte soll der auf Befreiung gerichtete Weise nicht äußern. Er soll kein Geschenk annehmen und auch keinen anderen dazu veranlassen, eines zu geben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sanmānanam – ehrende Worte; na brūyāt – soll nicht äußern; muniḥ – Weiser; mokṣa-parāyaṇaḥ – auf Befreiung gerichtet; pratigraham – Geschenk; na gṛhṇīyāt – soll nicht annehmen; na eva – keineswegs; anyam – einen anderen; pradāpayet – soll geben lassen.

Vers 4.9
prerayedvā tayā bhikṣuḥ svapne'pi na kadācana |
jāyābhrātṛsutādīnāṃ bandhūnāṃ ca śubhāśubham || 9 ||

Auch soll der Bettelmönch dazu niemals anregen, nicht einmal im Traum. Das Glück oder Unglück von Ehefrau, Brüdern, Söhnen und anderen Angehörigen …

Wort-für-Wort-Übersetzung: prerayet – soll anregen; – oder; tayā – so, die Form ist auffällig; bhikṣuḥ – Bettelmönch; svapne api – auch im Traum; na kadācana – niemals; jāyā – Ehefrau; bhrātṛ – Bruder; suta – Sohn; ādīnām – und anderer; bandhūnām – Angehöriger; śubha-aśubham – Glück und Unglück.

Vers 4.10
śrutvā dṛṣṭvā na kampeta śokaharṣau tyajedyatiḥ |
ahiṃsāsatyamasteyabrahmacaryāparigrahaḥ || 10 ||

… soll er hören oder sehen, ohne erschüttert zu werden. Der Asket gebe Kummer und Jubel auf. Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Keuschheit und Besitzlosigkeit …

Wort-für-Wort-Übersetzung: śrutvā – gehört; dṛṣṭvā – gesehen; na kampeta – soll nicht erschüttert werden; śoka-harṣau – Kummer und Jubel; tyajet – soll aufgeben; yatiḥ – Asket; ahiṃsā – Nichtverletzen; satyam – Wahrhaftigkeit; asteyam – Nichtstehlen; brahmacaryam – Keuschheit; aparigrahaḥ – Besitzlosigkeit.

Vers 4.11
anauddhattyamadīnatvaṃ prasādaḥ sthairyamārjavam |
asneho guruśuśrūṣā śraddhā kṣāntirdamaḥ śamaḥ || 11 ||

… weder Überheblichkeit noch Kleinmut, Heiterkeit, Beständigkeit, Geradheit, Nichtanhaften, Dienst am Lehrer, Vertrauen, Nachsicht, äußere und innere Beherrschung …

Wort-für-Wort-Übersetzung: anauddhattyam – Nichtüberheblichkeit; adīnatvam – Nichtkleinmut; prasādaḥ – Heiterkeit; sthairyam – Beständigkeit; ārjavam – Geradheit; asnehaḥ – Nichtanhaften; guru-śuśrūṣā – Dienst am Lehrer; śraddhā – Vertrauen; kṣāntiḥ – Nachsicht; damaḥ – äußere Beherrschung; śamaḥ – innere Ruhe.

Vers 4.12
upekṣā dhairyamādhurye titikṣā karuṇā tathā |
hrīstathā jñānavijñāne yogo laghvaśanaṃ dhṛtiḥ || 12 ||

… Gleichmut, Mut und Freundlichkeit, Duldsamkeit, Mitgefühl, Schamhaftigkeit, Wissen und unmittelbare Erkenntnis, Yoga, wenig Essen und Standhaftigkeit …

Wort-für-Wort-Übersetzung: upekṣā – Gleichmut; dhairya – Mut; mādhurye – Freundlichkeit; titikṣā – Duldsamkeit; karuṇā – Mitgefühl; hrīḥ – Schamhaftigkeit; jñāna-vijñāne – Wissen und unmittelbare Erkenntnis; yogaḥ – Yoga; laghu-aśanam – wenig Essen; dhṛtiḥ – Standhaftigkeit.

Vers 4.13
eṣa svadharmo vikhyāto yatīnāṃ niyatātmanām |
nirdvandvo nityasattvasthaḥ sarvatra samadarśanaḥ || 13 ||

… dies ist als die eigene Ordnung der sich beherrschenden Asketen bekannt. Frei von Gegensätzen, stets im Sattva gegründet und überall dasselbe schauend …

Wort-für-Wort-Übersetzung: eṣaḥ – dies; sva-dharmaḥ – eigene Ordnung; vikhyātaḥ – bekannt; yatīnām – der Asketen; niyata-ātmanām – der sich Beherrschenden; nirdvandvaḥ – frei von Gegensätzen; nitya-sattva-sthaḥ – stets im Sattva gegründet; sarvatra – überall; sama-darśanaḥ – dasselbe schauend.

Vers 4.14
turīyaḥ paramo haṃsaḥ sākṣānnārāyaṇo yatiḥ |
ekarātraṃ vasedgrāme nagare pañcarātrakam || 14 ||

… ist der Asket des vierten Lebensstands der höchste Hamsa, Narayana selbst. Er soll eine Nacht in einem Dorf, fünf Nächte in einer Stadt bleiben …

Wort-für-Wort-Übersetzung: turīyaḥ – der vierte, hier vierter Lebensstand; paramaḥ haṃsaḥ – höchster Hamsa; sākṣāt – unmittelbar; nārāyaṇaḥ – Narayana; yatiḥ – Asket; eka-rātram – eine Nacht; vaset – soll bleiben; grāme – im Dorf; nagare – in einer Stadt; pañca-rātrakam – fünf Nächte.

Vers 4.15
varṣābhyo'nyatra varṣāsu māsāṃśca caturo vaset |
dvirātraṃ vā vasedgrāme bhikṣuryadi vasettadā || 15 ||

… außer während der Regenzeit; in der Regenzeit soll er vier Monate bleiben. Bleibt der Bettelmönch aber zwei Nächte im Dorf, dann …

Wort-für-Wort-Übersetzung: varṣābhyaḥ anyatra – außerhalb der Regenzeit; varṣāsu – in der Regenzeit; māsān caturaḥ – vier Monate; vaset – soll bleiben; dvi-rātram – zwei Nächte; – aber; grāme – im Dorf; bhikṣuḥ – Bettelmönch; yadi – wenn; tadā – dann.

Vers 4.16
rāgādayaḥ prasajyeraṃstenāsau nārakī bhavet |
grāmānte nirjane deśe niyatātmā'niketanaḥ || 16 ||

… würden Anhänglichkeit und anderes entstehen; dadurch würde er der Hölle verfallen. Am Rand des Dorfes, in menschenleerer Gegend, beherrscht und ohne Wohnung …

Wort-für-Wort-Übersetzung: rāga-ādayaḥ – Anhänglichkeit und anderes; prasajyeran – würden entstehen; tena – dadurch; asau – er; nārakī bhavet – würde der Hölle verfallen; grāma-ante – am Dorfrand; nirjane deśe – in menschenleerer Gegend; niyata-ātmā – beherrscht; aniketanaḥ – ohne Wohnung.

Vers 4.17
paryaṭetkīṭavadbhūmau varṣāsvekatra saṃvaset |
ekavāsā avāsā vā ekadṛṣṭiralolupaḥ || 17 ||

… soll er wie ein Insekt auf der Erde umherwandern; in der Regenzeit bleibe er an einem Ort. Mit einem Gewand oder ohne Gewand, mit einheitlichem Blick und ohne Gier …

Wort-für-Wort-Übersetzung: paryaṭet – soll umherwandern; kīṭa-vat – wie ein Insekt; bhūmau – auf der Erde; varṣāsu – in der Regenzeit; ekatra – an einem Ort; saṃvaset – soll wohnen; eka-vāsāḥ – mit einem Gewand; avāsāḥ – ohne Gewand; eka-dṛṣṭiḥ – mit einheitlichem Blick; alolupaḥ – ohne Gier.

Vers 4.18
adūṣayansatāṃ mārgaṃ dhyānayukto mahīṃ caret |
śucau deśe sadā bhikṣuḥ svadharmamanupālayan || 18 ||

… soll er, den Weg der Guten nicht beeinträchtigend, in Meditation verbunden auf der Erde wandern. Der Bettelmönch soll stets an reinem Ort seine eigene Ordnung wahren …

Wort-für-Wort-Übersetzung: adūṣayan – nicht beeinträchtigend; satām – der Guten; mārgam – Weg; dhyāna-yuktaḥ – mit Meditation verbunden; mahīm caret – soll auf der Erde wandern; śucau deśe – an reinem Ort; sadā – stets; bhikṣuḥ – Bettelmönch; sva-dharmam anupālayan – eigene Ordnung wahrend.

Vers 4.19
paryaṭeta sadā yogī vīkṣayanvasudhātalam |
na rātrau na ca madhyāhne sandhyayornaiva paryaṭan || 19 ||

… und als Yogi stets mit Blick auf den Erdboden umhergehen. Er wandere weder nachts noch mittags noch zu den beiden Dämmerungszeiten …

Wort-für-Wort-Übersetzung: paryaṭeta – soll umhergehen; sadā – stets; yogī – Yogi; vīkṣayan – betrachtend; vasudhā-talam – Erdboden; na rātrau – nicht nachts; na madhyāhne – nicht mittags; sandhyayoḥ – zu beiden Dämmerungszeiten; na eva – keineswegs; paryaṭan – wandernd.

Vers 4.20
na śūnye na ca durge vā prāṇibādhākare na ca |
ekarātraṃ vasedgrāme pattane tu dinatrayam || 20 ||

… nicht in Ödland, nicht in unwegsamem Gebiet und nicht dort, wo Lebewesen geschädigt werden. Eine Nacht soll er im Dorf bleiben und drei Tage in einer Handelsstadt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na śūnye – nicht in Ödland; na durge – nicht in unwegsamem Gebiet; prāṇi-bādhākare – wo Lebewesen geschädigt werden; na – nicht; eka-rātram – eine Nacht; vaset – soll bleiben; grāme – im Dorf; pattane – in einer Handelsstadt; dina-trayam – drei Tage.

Vers 4.21
pure dinadvayaṃ bhikṣurnagare pañcarātrakam |
varṣāsvekatra tiṣṭheta sthāne puṇyajalāvṛte || 21 ||

Der Bettelmönch bleibe zwei Tage in einer befestigten Stadt und fünf Nächte in einer großen Stadt; während der Regenzeit bleibe er an einem Ort mit heiligem Wasser.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pure – in einer befestigten Stadt; dina-dvayam – zwei Tage; bhikṣuḥ – Bettelmönch; nagare – in einer großen Stadt; pañca-rātrakam – fünf Nächte; varṣāsu – in der Regenzeit; ekatra – an einem Ort; tiṣṭheta – soll bleiben; sthāne – an einer Stätte; puṇya-jala-āvṛte – mit heiligem Wasser umgeben.

Textanmerkung: Die Übersetzung unterscheidet die im Text verwendeten Ortsbezeichnungen grāma, pattana, pura und nagara zur besseren Orientierung.

Vers 4.22
ātmavatsarvabhūtāni paśyanbhikṣuścarenmahīm |
andhavatkuñjavaccaiva badhironmattamūkavat || 22 ||

Alle Wesen wie sich selbst betrachtend soll der Bettelmönch auf der Erde wandern: wie ein Blinder, wie ein Buckliger, wie ein Tauber, Wahnsinniger oder Stummer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ātmavat – wie sich selbst; sarva-bhūtāni – alle Wesen; paśyan – betrachtend; bhikṣuḥ – Bettelmönch; caret mahīm – soll auf der Erde wandern; andha-vat – wie ein Blinder; kuñja-vat – überliefert, wohl kuñja im Sinn einer gebückten Gestalt; badhira – Tauber; unmatta – Wahnsinniger; mūka – Stummer; vat – wie.

Textanmerkung: Kuñjavat ist textlich unsicher; die Deutung als „wie ein Buckliger“ ist vorläufig.

Vers 4.23
snānaṃ triṣavaṇaṃ proktaṃ bahūdakavanasthayoḥ |
haṃse tu sakṛdeva syātparahaṃse na vidyate || 23 ||

Für Bahudaka und Waldeinsiedler ist das Bad zu drei Tageszeiten vorgeschrieben; für den Hamsa nur einmal, für den Paramahamsa besteht keine solche Vorschrift.

Wort-für-Wort-Übersetzung: snānam – Bad; triṣavaṇam – zu drei Tageszeiten; proktam – vorgeschrieben; bahūdaka-vanasthayoḥ – für Bahudaka und Waldeinsiedler; haṃse – für Hamsa; sakṛt eva – nur einmal; syāt – soll sein; paramahaṃse – für Paramahamsa; na vidyate – besteht nicht.

Vers 4.24
maunaṃ yogāsanaṃ yogastitikṣaikāntaśīlatā |
niḥspṛhatvaṃ samatvaṃ ca saptaitānyaikadaṇḍinām || 24 ||

Schweigen, Yogasitz, Yoga, Duldsamkeit, Neigung zur Einsamkeit, Wunschlosigkeit und Gleichmut: Dies sind die sieben Eigenschaften der Einstabasketen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: maunam – Schweigen; yoga-āsanam – Yogasitz; yogaḥ – Yoga; titikṣā – Duldsamkeit; ekānta-śīlatā – Neigung zur Einsamkeit; niḥspṛhatvam – Wunschlosigkeit; samatvam – Gleichmut; sapta etāni – diese sieben; eka-daṇḍinām – der Einstabasketen.

Vers 4.25
parahaṃsāśramastho hi snānāderavidhānataḥ |
aśeṣacittavṛttīnāṃ tyāgaṃ kevalamācaret || 25 ||

Da für den im Paramahamsa-Stand Stehenden das Bad und Ähnliches nicht vorgeschrieben sind, soll er allein das Aufgeben sämtlicher Geistestätigkeiten üben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paramahaṃsa-āśrama-sthaḥ – im Paramahamsa-Stand stehend; snāna-ādeḥ – des Bades und Weiteren; avidhānataḥ – weil nicht vorgeschrieben; aśeṣa-citta-vṛttīnām – sämtlicher Geistestätigkeiten; tyāgam – Aufgeben; kevalam – allein; ācaret – soll üben.

Vers 4.26
tvaṅmāṃsarudhirasnāyumajjāmedosthisaṃhatau |
viṇmūtrapūye ramatāṃ krimīṇāṃ kiyadantaram || 26 ||

Wie groß ist der Unterschied zwischen denen, die sich an einer Ansammlung von Haut, Fleisch, Blut, Sehnen, Mark, Fett und Knochen erfreuen, und Würmern, die sich an Kot, Urin und Eiter erfreuen?

Wort-für-Wort-Übersetzung: tvak – Haut; māṃsa – Fleisch; rudhira – Blut; snāyu – Sehnen; majjā – Mark; medas – Fett; asthi – Knochen; saṃhatau – an einer Ansammlung; viṭ-mūtra-pūye – an Kot, Urin und Eiter; ramatām – der sich Erfreuenden; krimīṇām – der Würmer; kiyat antaram – wie groß der Unterschied.

Vers 4.27
kva śarīramaśeṣāṇāṃ śleṣmādīnāṃ mahācayaḥ |
kva cāṅgaśobhāsaubhāgyakamanīyādayo guṇāḥ || 27 ||

Was hat der Körper, diese große Ansammlung von Schleim und allen übrigen Stoffen, mit Eigenschaften wie schönen Gliedern, Anmut und Lieblichkeit zu tun?

Wort-für-Wort-Übersetzung: kva – wo, was hat gemeinsam; śarīram – Körper; aśeṣāṇām – aller; śleṣma-ādīnām – Schleim und übrige Stoffe; mahā-ācayaḥ – große Ansammlung; kva ca – und wo; aṅga-śobhā – schöne Glieder; saubhāgya – Anmut; kamanīya-ādayaḥ – Lieblichkeit und weitere; guṇāḥ – Eigenschaften.

Vers 4.28
māṃsāsṛkpūyaviṇmūtrasnāyumajjāsthisaṃhatau |
dehe cetprītimānmūḍho bhavitā narake'pi saḥ || 28 ||

Wer an dem Körper hängt, dieser Ansammlung von Fleisch, Blut, Eiter, Kot, Urin, Sehnen, Mark und Knochen, ist verblendet und wird sogar in der Hölle [an solchem] hängen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: māṃsa – Fleisch; asṛk – Blut; pūya – Eiter; viṭ – Kot; mūtra – Urin; snāyu – Sehnen; majjā – Mark; asthi – Knochen; saṃhatau – Ansammlung; dehe – am Körper; cet – wenn; prītimān – anhänglich; mūḍhaḥ – verblendet; bhavitā – wird sein; narake api – auch in der Hölle; saḥ – er.

Vers 4.29
strīṇāmavācyadeśasya klinnanāḍīvraṇasya ca |
abhede'pi manobhedājjanaḥ prāyeṇa vañcyate || 29 ||

Obwohl zwischen dem nicht auszusprechenden Körperteil der Frau und einer feuchten, röhrenartigen Wunde kein Unterschied sei, werden die Menschen meist durch ihre unterschiedliche Vorstellung getäuscht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: strīṇām – der Frauen; avācya-deśasya – des nicht auszusprechenden Körperteils; klinna-nāḍī-vraṇasya – der feuchten röhrenartigen Wunde; ca – und; abhede api – obwohl kein Unterschied sei; manas-bhedāt – wegen unterschiedlicher Vorstellung; janaḥ – der Mensch; prāyeṇa – meist; vañcyate – wird getäuscht.

Textanmerkung: Dies ist ein abwertendes asketisches Gleichnis der Quelle. Die Vorlage schreibt manomedāt; im Sanskrit wird die Konjektur manobhedāt eingesetzt und hier offengelegt.

Vers 4.30
carmakhaṇḍaṃ dvidhā bhinnamapānodgāradhūpitam |
ye ramanti namastebhyaḥ sāhasaṃ kimataḥ param || 30 ||

Ein in zwei Teile gespaltenes Stück Haut, mit Ausdünstung des Abwärtsatems beräuchert: Denen, die sich daran erfreuen, sei Verehrung! Welche Kühnheit wäre noch größer?

Wort-für-Wort-Übersetzung: carma-khaṇḍam – Stück Haut; dvidhā bhinnam – in zwei Teile gespalten; apāna-udgāra – Ausdünstung des Abwärtsatems; dhūpitam – beräuchert; ye ramanti – die sich daran erfreuen; namaḥ tebhyaḥ – ihnen Verehrung; sāhasam – Kühnheit; kim ataḥ param – was wäre größer als dies.

Textanmerkung: Der Vers setzt das polemische Gleichnis des vorangehenden Verses ironisch fort.

Vers 4.31
na tasya vidyate kāryaṃ na liṅgaṃ vā vipaścitaḥ |
nirmamo nirbhayaḥ śānto nirdvandvo'varṇabhojanaḥ || 31 ||

Für den Einsichtigen gibt es weder eine zu erfüllende Aufgabe noch ein äußeres Kennzeichen. Er ist ohne Meinsinn und Furcht, friedvoll, frei von Gegensätzen und unterscheidet beim Essen nicht nach Varna.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na tasya vidyate – für ihn gibt es nicht; kāryam – zu erfüllende Aufgabe; liṅgam – äußeres Kennzeichen; vipaścitaḥ – des Einsichtigen; nirmamaḥ – ohne Meinsinn; nirbhayaḥ – ohne Furcht; śāntaḥ – friedvoll; nirdvandvaḥ – frei von Gegensätzen; avarṇa-bhojanaḥ – ohne Varna-Unterscheidung essend.

Vers 4.32
muniḥ kaupīnavāsāḥ syānnagno vā dhyānatatparaḥ |
evaṃ jñānaparo yogī brahmabhūyāya kalpate || 32 ||

Der Weise sei mit einem Lendenschurz bekleidet oder nackt, ganz der Meditation hingegeben. So ist der auf Erkenntnis gerichtete Yogi geeignet, Brahman zu werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: muniḥ – Weiser; kaupīna-vāsāḥ – mit Lendenschurz bekleidet; syāt – soll sein; nagnaḥ vā – oder nackt; dhyāna-tatparaḥ – ganz der Meditation hingegeben; evam – so; jñāna-paraḥ – auf Erkenntnis gerichtet; yogī – Yogi; brahma-bhūyāya – zum Brahmanwerden; kalpate – ist geeignet.

Vers 4.33
liṅge satyapi khalvasmiñjñānameva hi kāraṇam |
nirmokṣāyeha bhūtānāṃ liṅgagrāmo nirarthakaḥ || 33 ||

Auch wenn ein äußeres Zeichen vorhanden ist, ist allein Erkenntnis die Ursache der Befreiung der Wesen hier; die ganze Menge äußerer Zeichen ist ohne Nutzen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: liṅge sati api – auch bei vorhandenem äußeren Zeichen; khalu – gewiss; asmin – bei diesem; jñānam eva – Erkenntnis allein; kāraṇam – Ursache; nirmokṣāya – zur Befreiung; iha – hier; bhūtānām – der Wesen; liṅga-grāmaḥ – Menge äußerer Zeichen; nirarthakaḥ – ohne Nutzen.

Vers 4.34
yanna santaṃ na cāsantaṃ nāśrutaṃ na bahuśrutam |
na suvṛttaṃ na durvṛttaṃ veda kaścitsa brāhmaṇaḥ || 34 ||

Den niemand als gut oder schlecht, ungelehrt oder sehr gelehrt, von gutem oder schlechtem Lebenswandel kennt, der ist ein Brahmane.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yam – den; na santam – nicht als gut; na asantam – nicht als schlecht; na aśrutam – nicht als ungelehrt; na bahu-śrutam – nicht als sehr gelehrt; na su-vṛttam – nicht als von gutem Wandel; na dur-vṛttam – nicht als von schlechtem Wandel; veda – kennt; kaścit – irgendjemand; saḥ brāhmaṇaḥ – der ist Brahmane.

Vers 4.35
tasmādaliṅgo dharmajño brahmavṛttamanuvratam |
gūḍhadharmāśrito vidvānajñānacaritaṃ caret || 35 ||

Deshalb soll der Wissende ohne Kennzeichen, Kenner des Dharma, einem Leben in Brahman treu, in verborgener Rechtschaffenheit wie ein Unwissender handeln.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmāt – deshalb; aliṅgaḥ – ohne Kennzeichen; dharma-jñaḥ – Kenner des Dharma; brahma-vṛttam – Leben in Brahman; anuvratam – treu folgend; gūḍha-dharma-āśritaḥ – auf verborgene Rechtschaffenheit gestützt; vidvān – Wissender; ajñāna-caritam – Verhalten eines Unwissenden; caret – soll üben.

Vers 4.36
sandigdhaḥ sarvabhūtānāṃ varṇāśramavivarjitaḥ |
andhavajjaḍavaccāpi mūkavacca mahīṃ caret || 36 ||

Für alle Wesen uneinschätzbar, ohne Varna und Lebensstand, soll er wie ein Blinder, ein Einfältiger oder ein Stummer auf der Erde wandern.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sandigdhaḥ – uneinschätzbar; sarva-bhūtānām – für alle Wesen; varṇa-āśrama-vivarjitaḥ – ohne Varna und Lebensstand; andha-vat – wie ein Blinder; jaḍa-vat – wie ein Einfältiger; mūka-vat – wie ein Stummer; mahīm caret – soll auf der Erde wandern.

Vers 4.37
taṃ dṛṣṭvā śāntamanasaṃ spṛhayanti divaukasaḥ |
liṅgābhāvāttu kaivalyamiti brahmānuśāsanamiti || 37 ||

Wenn die Himmelsbewohner ihn mit friedvollem Geist sehen, sehnen sie sich [nach diesem Zustand]. Wegen des Fehlens äußerer Zeichen ist dies absolute Freiheit: So lautet Brahmas Unterweisung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam dṛṣṭvā – ihn gesehen; śānta-manasam – mit friedvollem Geist; spṛhayanti – sehnen sich; divaukasaḥ – Himmelsbewohner; liṅga-abhāvāt – wegen Fehlens äußerer Zeichen; kaivalyam – absolute Freiheit; iti – so; brahma-anuśāsanam – Brahmas Unterweisung.

Abschnitt 4, Prosa – Die acht Shraddha-Riten
atha nāradaḥ pitāmahaṃ saṃnyāsavidhiṃ no brūhīti papraccha |
pitāmahastathetyaṅgīkṛtyāture vā krame vāpi
turīyāśramasvīkārārthaṃ kṛcchraprāyaścittapūrvakamaṣṭaśrāddhaṃ kuryāddevarṣidivyamanuṣyabhūtapitṛmātrātmetyaṣṭaśrāddhāni kuryāt |
prathamaṃ satyavasusaṃjñakānviśvāndevāndevaśrāddhe
brahmaviṣṇumaheśvarānṛṣiśrāddhe devarṣikṣatriyarṣimanuṣyarṣīn divyaśrāddhe vasurudrādityarūpānmanuṣyaśrāddhe sanakasanandanasanatkumārasanatsujātānbhūtaśrāddhe
mātṛpitāmahīprapitāmahīrātmaśrāddhe
ātmapitṛpitāmahāñjīvatpitṛkaścetpitaraṃ tyaktvā
ātmapitāmahaprapitāmahāniti sarvatra yugmaklṛptyā
brāhmaṇānarcayedekādhvarapakṣe'ṣṭādhvarapakṣe vā svaśākhānugatamantrairaṣṭaśrāddhānyaṣṭadineṣu vā
ekadine vā pitṛyāgoktavidhānena brāhmaṇānabhyarcya
muktyantaṃ yathāvidhi nirvartya piṇḍapradānāni nirvartya
dakṣiṇātāṃbūlaistoṣayitvā brāhmaṇanpreṣayitvā
śeṣakarmasiddhyarthaṃ saptakeśānvisṛjya

Narada fragte den Großvater: „Erkläre uns die Ordnung der Entsagung.“ Der Großvater stimmte zu: „Um den vierten Lebensstand anzunehmen, ob in Todesnähe oder regulär, soll man nach einer Kricchra-Sühne die acht Shraddha-Riten vollziehen: für Götter, Rishis, göttliche Wesen, Menschen, Lebewesen, Väter, Mütter und sich selbst. Zuerst [verehre man] die Allgötter namens Satya und Vasu; beim Götter-Shraddha Brahma, Vishnu und Maheshvara, beim Rishi-Shraddha Götter-Rishis, Kshatriya-Rishis und menschliche Rishis, beim göttlichen Shraddha die Gestalten der Vasus, Rudras und Adityas, beim Menschen-Shraddha Sanaka, Sanandana, Sanatkumara und Sanatsujata. Beim Wesen-Shraddha [ist die Liste lückenhaft]; [es folgen] Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Beim eigenen Shraddha [verehre man] sich selbst, den Vater und den Großvater; lebt der Vater noch, lasse man ihn aus und nehme sich selbst, den Großvater und den Urgroßvater. Überall verehre man Brahmanen paarweise, sei es bei einem Opfer oder bei acht. Die acht Shraddhas vollziehe man mit den Mantras der eigenen Veda-Schule an acht Tagen oder an einem Tag, nach der für das Ahnenopfer gelehrten Ordnung. Man verehre die Brahmanen, vollende alles vorschriftsgemäß bis zu ihrer Entlassung, bringe die Reisklöße dar, stelle sie durch Opferlohn und Betel zufrieden und entlasse sie. Für die Vollendung der restlichen Handlung lasse man sieben Haare stehen.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; nāradaḥ – Narada; pitāmaham – den Großvater; saṃnyāsa-vidhim – Ordnung der Entsagung; naḥ brūhi – erkläre uns; papraccha – fragte; tathā iti aṅgīkṛtya – zugestimmt; āture vā krame vā – in Todesnähe oder regulär; turīya-āśrama-svīkāra-artham – zur Annahme des vierten Lebensstands; kṛcchra-prāyaścitta-pūrvakam – nach Kricchra-Sühne; aṣṭa-śrāddham kuryāt – soll acht Shraddhas vollziehen; deva – Götter; ṛṣi – Rishis; divya – göttliche Wesen; manuṣya – Menschen; bhūta – Lebewesen; pitṛ – Väter; mātṛ – Mütter; ātma – Selbst; prathamam – zuerst; satya-vasu-saṃjñakān – Satya und Vasu genannt; viśvān devān – Allgötter; brahma-viṣṇu-maheśvarān – Brahma, Vishnu und Maheshvara; devarṣi-kṣatriyarṣi-manuṣyarṣīn – Götter-Rishis, Kshatriya-Rishis und menschliche Rishis; vasu-rudra-āditya-rūpān – Gestalten der Vasus, Rudras und Adityas; sanaka-sanandana-sanatkumāra-sanatsujātān – die vier genannten Weisen; mātṛ-pitāmahī-prapitāmahīḥ – Mutter, Großmutter und Urgroßmutter; ātma-pitṛ-pitāmahān – Selbst, Vater und Großvater; jīvat-pitṛkaḥ cet – wenn sein Vater lebt; pitaram tyaktvā – Vater ausgelassen; ātma-pitāmaha-prapitāmahān – Selbst, Großvater und Urgroßvater; sarvatra – überall; yugma-klṛptyā – paarweise angeordnet; brāhmaṇān arcayet – soll Brahmanen verehren; eka-adhvara-pakṣe – im Fall eines Opfers; aṣṭa-adhvara-pakṣe – im Fall von acht Opfern; sva-śākhā-anugata-mantraiḥ – mit Mantras der eigenen Veda-Schule; aṣṭa-dineṣu – an acht Tagen; eka-dine vā – oder an einem Tag; pitṛ-yāga-ukta-vidhānena – nach der Ahnenopferordnung; abhyarcya – verehrt; mukti-antam – bis zur Entlassung; yathāvidhi – vorschriftsgemäß; nirvartya – vollendet; piṇḍa-pradānāni – Darbringung der Reisklöße; dakṣiṇā-tāmbūlaiḥ – mit Opferlohn und Betel; toṣayitvā – zufriedengestellt; preṣayitvā – entlassen; śeṣa-karma-siddhi-artham – zur Vollendung der restlichen Handlung; sapta-keśān – sieben Haare; visṛjya – belassen.

Textanmerkung: Die Quelle kündigt acht Riten an, bricht die zugehörigen Ahnenlisten aber ab: Nach bhūtaśrāddhe folgt unmittelbar die weibliche Ahnenreihe. Fehlende Listen werden nicht erfunden. Die Druckfehler svīkārārārthaṃ und ādutya sind zu svīkārārthaṃ und āditya normalisiert.

Abschnitt 4, zitierter Vers zur Haarrasur
--'śeṣakarmaprasiddhyarthaṃ keśānsaptāṣṭa vā dvijaḥ |
saṃkṣipya vāpayetpūrvaṃ keśaśmaśrunakhāni ce'ti

„Zur Durchführung der restlichen Handlung soll der Zweimalgeborene sieben oder acht Haare zusammennehmen und zunächst die übrigen Haare, den Bart und die Nägel scheren lassen.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: śeṣa-karma-prasiddhi-artham – zur Durchführung der restlichen Handlung; keśān sapta aṣṭa vā – sieben oder acht Haare; dvijaḥ – Zweimalgeborener; saṃkṣipya – zusammengenommen; vāpayet – soll scheren lassen; pūrvam – zunächst; keśa-śmaśru-nakhāni – Haare, Bart und Nägel; ca – und; iti – so.

Abschnitt 4, Prosa – Nachtwache und Feueropfer
saptakeśānsaṃrakṣya kakṣopasthavarjaṃ kṣaurapūrvakaṃ
snātvā sāyaṃsandhyāvandanaṃ nirvartya sahasragāyatrīṃ
japtvā brahmayajñaṃ nirvartya svādhīnāgnimupasthāpya
svaśākhopasaṃharaṇaṃ kṛtvā taduktaprakāreṇājyāhutimājyabhāgāntaṃ hutvāhutividhiṃ samāpyātmādibhistrivāraṃ
saktuprāśanaṃ kṛtvācamanapūrvakamagniṃ saṃrakṣya
svayamagneruttarataḥ kṛṣṇajinopari sthitvā purāṇaśravaṇapūrvakaṃ
jāgaraṇaṃ kṛtvā caturthayāmānte snātvā tadagnau caruṃ
śrapayitvā puruṣasūktenānnasya ṣoḍaśāhutirhutvā
virajāhomaṃ kṛtvā athācamya sadakṣiṇaṃ vastraṃ suvarṇapātraṃ
dhenuṃ datvā samāpya brahmodvāsanaṃ kṛtvā |

Unter Bewahrung von sieben Haaren lasse er sich scheren, ausgenommen Achseln und Schambereich. Er bade, vollziehe die abendliche Sandhya, wiederhole die Gayatri tausendmal und vollziehe das Brahma-Opfer. Er richte sein eigenes Feuer ein, führe die Abschlussriten seiner Veda-Schule aus und opfere nach deren Ordnung Ghee bis zu den Ghee-Anteilen. Nach Beendigung der Opferordnung esse er dreimal geröstetes Mehl mit den beim Atman beginnenden Formeln, spüle den Mund und bewahre das Feuer. Nördlich davon bleibe er selbst auf einem schwarzen Antilopenfell, halte mit Anhören der Puranas Nachtwache und bade am Ende der vierten Nachtwache. In dem Feuer koche er die Opferspeise, bringe mit dem Purusha-Sukta sechzehn Speisegaben dar und vollziehe das Viraja-Opfer. Danach spüle er den Mund, gebe Gewand, Goldgefäß und Kuh samt Opferlohn, schließe ab und entlasse Brahma [beziehungsweise den Brahman-Priester].

Wort-für-Wort-Übersetzung: sapta-keśān saṃrakṣya – sieben Haare bewahrt; kakṣa-upastha-varjam – außer Achseln und Schambereich; kṣaura-pūrvakam – nach Rasur; snātvā – gebadet; sāyam-sandhyā-vandanam – abendliche Sandhya-Verehrung; nirvartya – vollzogen; sahasra-gāyatrīm japtvā – Gayatri tausendmal wiederholt; brahma-yajñam – Brahma-Opfer; svādhīna-agnim – eigenes Feuer; upasthāpya – eingerichtet; sva-śākhā-upasaṃharaṇam – Abschluss nach eigener Veda-Schule; kṛtvā – vollzogen; tat-ukta-prakāreṇa – nach der dort genannten Weise; ājya-āhutim – Ghee-Opfer; ājya-bhāga-antam – bis zu den Ghee-Anteilen; hutvā – geopfert; āhuti-vidhim samāpya – Opferordnung beendet; ātma-ādibhiḥ – mit beim Atman beginnenden Formeln; tri-vāram – dreimal; saktu-prāśanam – Essen von geröstetem Mehl; ācamana – Mundspülung; agnim saṃrakṣya – Feuer bewahrt; agneḥ uttarataḥ – nördlich vom Feuer; kṛṣṇa-ajina-upari – auf schwarzem Antilopenfell; sthitvā – verweilt; purāṇa-śravaṇa – Anhören der Puranas; jāgaraṇam – Nachtwache; caturtha-yāma-ante – am Ende der vierten Nachtwache; carum śrapayitvā – Opferspeise gekocht; puruṣa-sūktena – mit dem Purusha-Sukta; annasya ṣoḍaśa-āhutīḥ – sechzehn Speisegaben; virajā-homam – Viraja-Opfer; atha – dann; ācamya – Mund gespült; sa-dakṣiṇam – samt Opferlohn; vastram – Gewand; suvarṇa-pātram – Goldgefäß; dhenum – Kuh; dattvā – gegeben; samāpya – abgeschlossen; brahma-udvāsanam – Entlassung Brahmas oder des Brahman-Priesters.

Textanmerkung: Das technisch beschädigte āhutividhi,n wird zu āhutividhiṃ normalisiert.

Abschnitt 4, Mantra der Besprengung
saṃmāsiñcantu marutaḥ samindraḥ saṃbṛhaspatiḥ |
saṃmāyamagniḥ siñcatvāyuṣā ca dhanena ca
balena cāyuṣmantaḥ karotu meti |

„Mögen die Maruts mich besprengen, ebenso Indra und Brihaspati. Möge dieser Agni mich mit Leben, Reichtum und Kraft besprengen und mich langlebig machen.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: sam mā siñcantu – mögen mich besprengen; marutaḥ – Maruts; sam indraḥ – ebenso Indra; sam bṛhaspatiḥ – ebenso Brihaspati; sam mā ayam agniḥ siñcatu – möge dieser Agni mich besprengen; āyuṣā – mit Leben; dhanena – mit Reichtum; balena – mit Kraft; āyuṣmantam – lang lebend; karotu – soll machen; mām – mich; iti – so.

Textanmerkung: Die Quelle hat im Schluss āyuṣmantaḥ karotu me. Die Übersetzung folgt dem erkennbaren Gebetssinn; die Kasusabweichung bleibt im Sanskrit erhalten.

Abschnitt 4, Mantra zur Aufnahme des Feuers und Fortsetzung
yā te agne yajñiyā tanūstayehyārohātmātmānam |
acchā vasūni kṛṇvannasme naryā purūṇi |
yajño bhūtvā yajñamāsīda svāṃ yoniṃ jātavedo bhuva
ājāyamānaḥ sa kṣaya edhītyanenāgnimātmanyāropya
dhyātvāgniṃ pradakṣiṇanamaskārapūrvakamudvāsya
prātaḥsandhyāmupāsya sahasragāyatrīpūrvakaṃ
sūryopasthānaṃ kṛtvā nābhidaghnodakamupaviśya
aṣṭadikpālakārghyapūrvakaṃ gāyatryudvāsanaṃ
kṛtvā sāvitrīṃ vyāhṛtiṣu praveśayitvā |

„Mit deiner opferwürdigen Gestalt, Agni, komm und steige in das Selbst hinauf, uns viele, für Menschen bestimmte Güter bereitend. Zum Opfer geworden, nimm Platz beim Opfer, an deinem eigenen Ursprung, Jatavedas. Werde dort geboren und sei darin heimisch.“ Mit diesem Mantra übertrage er das Feuer in sich selbst, meditiere, umschreite das Feuer nach rechts, verneige sich und entlasse es. Er vollziehe die morgendliche Sandhya und nach tausendmaliger Gayatri-Wiederholung die Sonnenverehrung. In nabeltiefem Wasser sitzend, bringe er den acht Richtungshütern die Ehrengabe dar, entlasse die Gayatri und führe die Savitri in die Vyahritis ein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yā te agne yajñiyā tanūḥ – deine opferwürdige Gestalt, Agni; tayā – mit ihr; ehi – komm; āroha – steige hinauf; ātmā ātmānam – das Selbst in das Selbst, die Fügung ist unregelmäßig; accha – hin zu; vasūni – Güter; kṛṇvan – bereitend; asme – uns; naryā – für Menschen bestimmt; purūṇi – viele; yajñaḥ bhūtvā – zum Opfer geworden; yajñam āsīda – nimm beim Opfer Platz; svām yonim – deinen eigenen Ursprung; jātavedaḥ – o Jatavedas; bhuva ājāyamānaḥ – werde dort geboren, beschädigte Fügung; sa kṣaya edhi – sei darin heimisch; anena – mit diesem; agnim ātmani āropya – Feuer in sich übertragen; dhyātvā – meditiert; pradakṣiṇa-namaskāra – Rechtsumschreiten und Verneigung; udvāsya – entlassen; prātaḥ-sandhyām upāsya – morgendliche Sandhya vollzogen; sahasra-gāyatrī – tausendmal Gayatri; sūrya-upasthānam – Sonnenverehrung; nābhi-daghna-udakam – in nabeltiefem Wasser; upaviśya – sitzend; aṣṭa-dikpāla-arghya – Ehrengabe für acht Richtungshüter; gāyatrī-udvāsanam – Entlassung der Gayatri; sāvitrīm – die Savitri; vyāhṛtiṣu – in die Vyahritis; praveśayitvā – eingeführt.

Textanmerkung: Der zitierte vedische Mantra ist in dieser Vorlage stellenweise beschädigt. Die unsicheren Fügungen werden im Wortkommentar benannt.

Abschnitt 4, Trishankus Vedaausspruch
ahaṃ vṛkṣasya rerivā | kīrtiḥ pṛṣṭhaṃ gireriva |
ūrdhvapavitro vājinīvasvamṛtamasmi |
draviṇaṃ me savarcasaṃ sumedhā amṛtokṣitaḥ |
iti triśaṅkorvedānuvacanam |

„Ich bin der Beweger des Baumes [des Daseins]. Mein Ruhm ist wie der Rücken eines Berges. Meine Läuterung reicht nach oben; ich bin das reine Unsterbliche wie das im Lichtkräftigen [der Sonne]. Mein Reichtum ist strahlend. Ich bin von guter Einsicht, mit Unsterblichkeit besprengt.“ Dies ist Trishankus Vedaausspruch.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aham – ich; vṛkṣasya – des Baumes; rerivā – Beweger; kīrtiḥ – Ruhm; pṛṣṭham girer iva – wie der Rücken eines Berges; ūrdhva-pavitraḥ – mit aufwärtsreichender Läuterung; vājinī iva – wie im Lichtkräftigen; su-amṛtam – reines Unsterbliches; asmi – bin ich; draviṇam – Reichtum; me – mein; sa-varcasam – strahlend; sumedhāḥ – von guter Einsicht; amṛta-ukṣitaḥ – mit Unsterblichkeit besprengt; iti – so; triśaṅkoḥ – Trishankus; veda-anuvacanam – Vedaausspruch.

Textanmerkung: Der Ausspruch ist auch aus der Taittiriya-Upanishad 1.10 bekannt. Hier steht reriva statt rerivā; die Form wird im Sanskrit dieser Ausgabe zu rerivā normalisiert. Die Wendung vājinīvasvamṛtam ist nach der Trennung vājinī iva su-amṛtam wiedergegeben.

Abschnitt 4, Gebet um Einsicht
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaḥ | chandobhyodhyamṛtātsaṃbabhūva |
sa mendro medhayā spṛṇotu | amṛtasya devadhāraṇo bhūyāsam |
śarīraṃ me vicarṣaṇam | jihvā me madhumattamā |
karṇābhyāṃ bhūri viśravam | brahmaṇaḥ kośo'si medhayāpihitaḥ |
śrutaṃ me gopāya |

„Der Stier der Metren, allgestaltig, der aus den unsterblichen Metren hervorging: Möge er, Indra, mich mit Einsicht erfüllen. O Gott, möge ich Träger des Unsterblichen werden. Mein Körper sei tüchtig, meine Zunge überaus süß. Möge ich mit beiden Ohren reichlich hören. Du bist Brahmans Hülle, von Einsicht bedeckt. Behüte, was ich gehört habe.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ – der; chandasām – der Metren; ṛṣabhaḥ – Stier, Vorzüglichster; viśva-rūpaḥ – allgestaltig; chandobhyaḥ – aus den Metren; adhi – heraus; amṛtāt – aus dem Unsterblichen; saṃbabhūva – hervorging; saḥ me indraḥ – er, Indra, mich; medhayā – mit Einsicht; spṛṇotu – möge erfüllen; amṛtasya – des Unsterblichen; deva – o Gott; dhāraṇaḥ bhūyāsam – möge ich Träger werden; śarīram me – mein Körper; vicarṣaṇam – tüchtig; jihvā me – meine Zunge; madhumattamā – überaus süß; karṇābhyām – mit beiden Ohren; bhūri – reichlich; viśravam – möge ich hören; brahmaṇaḥ kośaḥ asi – du bist Brahmans Hülle; medhayā apihitaḥ – von Einsicht bedeckt; śrutam me – mein Gehörtes; gopāya – behüte.

Abschnitt 4, Entsagungsformel und Ablegen der Haarlocke
dāreṣaṇāyāśca vitteṣaṇāyāśca
lokeṣaṇāyāśca vyutthito'haṃ oṃ bhūḥ saṃnyastaṃ mayā
oṃ bhuvaḥ saṃnyastaṃ mayā oṃ suvaḥ saṃnyastaṃ mayā
oṃ bhūrbhuvaḥsuvaḥ saṃnyastaṃ mayeti mandramadhyamatālajadhvanibhirmanasā vācoccāryābhayaṃ sarvabhūtebhyo
mattaḥ sarvaṃ pravartate svahetyanena jalaṃ prāśya prācyāṃ diśi
pūrṇāñjaliṃ prakṣipyoṃsvāheti śikhāmutpāṭhya |

„Ich habe mich vom Wunsch nach Ehepartnerin, Besitz und Welten erhoben. Om bhūḥ: Ich habe entsagt. Om bhuvaḥ: Ich habe entsagt. Om suvaḥ: Ich habe entsagt. Om bhūr bhuvaḥ suvaḥ: Ich habe entsagt.“ Dies spreche er im Geist und laut in tiefer, mittlerer und hoher Tonlage. „Furchtlosigkeit sei allen Wesen von mir; alles geht hervor, svāhā.“ Mit dieser Formel trinke er Wasser, gieße eine volle Handvoll nach Osten und reiße mit „oṃ svāhā“ die Haarlocke aus.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dāra-eṣaṇāyāḥ – vom Wunsch nach Ehepartnerin; vitta-eṣaṇāyāḥ – vom Wunsch nach Besitz; loka-eṣaṇāyāḥ – vom Wunsch nach Welten; vyutthitaḥ aham – ich habe mich erhoben; oṃ – Om; bhūḥ – Erde; bhuvaḥ – Zwischenraum; suvaḥ – Himmel; saṃnyastam mayā – von mir wurde entsagt; mandra-madhyama-tāla-ja-dhvanibhiḥ – in tiefer, mittlerer und hoher Tonlage; manasā – im Geist; vācā – laut, mit der Stimme; uccārya – ausgesprochen; abhayam – Furchtlosigkeit; sarva-bhūtebhyaḥ – allen Wesen; mattaḥ – von mir; sarvam pravartate – alles geht hervor; svāhā – Opferruf; anena – mit diesem; jalam prāśya – Wasser getrunken; prācyām diśi – nach Osten; pūrṇa-añjalim – volle Handvoll; prakṣipya – ausgegossen; śikhām utpāṭya – Haarlocke ausgerissen.

Textanmerkung: Die überlieferte Formel abhayam ... mattaḥ sarvaṃ pravartate ist ungewöhnlich. Sie wird wörtlich erhalten; eine stillschweigende Ersetzung durch eine geläufigere Gelöbnisformel erfolgt nicht.

Abschnitt 4, Mantra der heiligen Schnur
yajñopavītaṃ paramaṃ pavitraṃ prajāpateryatsahajaṃ purastāt |
āyuṣyamagryaṃ pratimuñcya śubhraṃ yajñopavītaṃ balamastu tejaḥ |

„Die heilige Schnur ist höchste Läuterung; sie entstand einst zusammen mit Prajapati. Man lege die lebenspendende, vorzüglichste, reine Schnur an. Möge die heilige Schnur Kraft und Glanz sein.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: yajña-upavītam – heilige Schnur; paramam pavitram – höchste Läuterung; prajāpateḥ – Prajapatis; yat – die; saha-jam – zugleich entstanden; purastāt – einst; āyuṣyam – lebenspendend; agryam – vorzüglich; pratimuñcya – angelegt; śubhram – rein; balam – Kraft; astu – möge sein; tejaḥ – Glanz.

Textanmerkung: Der bekannte Anlegemantra wird im Zusammenhang des Ablegens zitiert. Die Quelle hat pratimuñcya; diese Form bleibt erhalten.

Abschnitt 4, Prosa – Ablegen der Schnur und Entsagung des Wissenden
yajñopavīta bahirna nivasettvamantaḥ praviśya madhye hyajasraṃ
paramaṃ pavitraṃ yaśo balaṃ jñānavairāgyaṃ medhāṃ prayaccheti
yajñopavītaṃ chittvā udakāñjalinā saha oṃ bhūḥ samudraṃ gaccha
svāhetyapsu juhuyādoṃ bhūḥ saṃnyastaṃ mayā oṃ bhuvaḥ saṃnyastaṃ mayā
oṃ suvaḥ saṃnyastaṃ mayeti triruktvā trivāramabhimantrya tajjalaṃ
prāśyācamya oṃ bhūḥ svāhetyapsu vastraṃ kaṭisūtramapi visṛjya
sarvakarmanirvartako'hamiti smṛtvā jātarūpadharo bhūtvā
svarūpānusandhānapūrvakamūrdhvabāhurudīcīṃ
gacchetpūrvavadvidvatsaṃnyāsī cedguroḥ sakāśātpraṇavamahāvākyopadeśaṃ prāpya yathāsukhaṃ viharanmattaḥ kaścinnānyo
vyatirikta iti phalapatrodakāhāraḥ parvatavanadevālayeṣu
saṃcaretsaṃnyasyātha digaṃbaraḥ sakalasaṃcārakaḥ
sarvadānandasvānubhavaikapūrṇahṛdayaḥ karmātidūralābhaḥ
prāṇāyāmaparāyaṇaḥ phalarasatvakpatramūlodakairmokṣārthī
girikandareṣu visṛjeddehaṃ smaraṃstārakam |

„Heilige Schnur, wohne nicht außen! Tritt ins Innere und verleihe dort beständig höchste Reinheit, Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Entsagung und Einsicht.“ Er durchschneide die heilige Schnur und opfere sie mit einer Handvoll Wasser ins Wasser: „oṃ bhūḥ, gehe zum Meer, svāhā.“ Dreimal spreche er: „oṃ bhūḥ, ich habe entsagt; oṃ bhuvaḥ, ich habe entsagt; oṃ suvaḥ, ich habe entsagt.“ Er bespreche das Wasser dreimal, trinke und spüle den Mund. Mit „oṃ bhūḥ svāhā“ gebe er auch Gewand und Hüftschnur ins Wasser. Im Bewusstsein „Ich habe alle Handlungen beendet“ werde er nackt, betrachte sein eigenes Wesen und gehe mit erhobenen Armen nach Norden. Ist er, wie zuvor beschrieben, ein bereits Wissender, erhalte er vom Lehrer die Unterweisung in Pranava und Mahavakya und wandere nach Wohlgefallen im Bewusstsein „Keiner ist von mir verschieden“. Von Früchten, Blättern und Wasser lebend ziehe er durch Berge, Wälder und Tempel. Nach der Entsagung, mit den Richtungen als Gewand, überall wandernd, das Herz stets allein von der eigenen Erfahrung der Glückseligkeit erfüllt, fern von Handlung und Erwerb, ganz auf Pranayama gerichtet, von Früchten, Saft, Rinde, Blättern, Wurzeln und Wasser lebend, lasse der Befreiung Suchende in einer Berghöhle seinen Körper zurück, das Rettende erinnernd.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yajña-upavīta – o heilige Schnur; bahiḥ na nivaset – soll nicht außen wohnen; tvam – du; antaḥ praviśya – ins Innere getreten; madhye – in der Mitte; ajasram – beständig; paramam pavitram – höchste Reinheit; yaśaḥ – Ruhm; balam – Kraft; jñāna-vairāgyam – Erkenntnis und Entsagung; medhām – Einsicht; prayaccha – verleihe; chittvā – durchschnitten; udaka-añjalinā saha – mit einer Handvoll Wasser; samudram gaccha – gehe zum Meer; apsu juhuyāt – soll ins Wasser opfern; saṃnyastam mayā – ich habe entsagt; triḥ uktvā – dreimal gesprochen; tri-vāram abhimantrya – dreimal besprochen; tat jalam prāśya – dieses Wasser getrunken; ācamya – Mund gespült; vastram – Gewand; kaṭi-sūtram – Hüftschnur; visṛjya – weggegeben; sarva-karma-nirvartakaḥ aham – ich habe alle Handlungen beendet; iti smṛtvā – so bedenkend; jāta-rūpa-dharaḥ – nackt; svarūpa-anusandhāna – Betrachtung des eigenen Wesens; ūrdhva-bāhuḥ – mit erhobenen Armen; udīcīm gacchet – soll nach Norden gehen; pūrvavat – wie zuvor; vidvat-saṃnyāsī cet – falls ein wissender Entsagender; guroḥ sakāśāt – vom Lehrer; praṇava-mahāvākya-upadeśam – Unterweisung in Pranava und Mahavakya; prāpya – erhalten; yathāsukham viharan – nach Wohlgefallen wandernd; mattaḥ kaścit na anyaḥ vyatiriktaḥ – keiner ist von mir verschieden; phala-patra-udaka-āhāraḥ – von Früchten, Blättern und Wasser lebend; parvata-vana-deva-ālayeṣu – in Bergen, Wäldern und Tempeln; saṃcaret – soll wandern; saṃnyasya – entsagt; digambaraḥ – nackt, mit Richtungen als Gewand; sakala-saṃcārakaḥ – überall wandernd; sarvadā – stets; ānanda-sva-anubhava-eka-pūrṇa-hṛdayaḥ – Herz allein von eigener Glückseligkeitserfahrung erfüllt; karma-ati-dūra-lābhaḥ – ferne Fügung zu Handlung und Erwerb; prāṇāyāma-parāyaṇaḥ – Pranayama hingegeben; phala-rasa-tvak-patra-mūla-udakaiḥ – von Früchten, Saft, Rinde, Blättern, Wurzeln und Wasser; mokṣa-arthī – Befreiung suchend; giri-kandareṣu – in Berghöhlen; visṛjet deham – soll den Körper zurücklassen; smaran tārakam – das Rettende erinnernd.

Abschnitt 4, Prosa – Entsagung des Erkenntnissuchenden
vividiṣāsaṃnyāsī cecchatapathaṃ gatvācāryādibhirvipraistiṣṭha tiṣṭha mahābhāga daṇḍaṃ vastraṃ kamaṇḍaluṃ gṛhāṇa praṇava mahāvākyagrahaṇārthaṃ
gurunikaṭamāgacchetyācāryairdaṇḍakaṭisūtrakaupīnaṃ
śāṭīmekāṃ kamaṇḍaluṃ pādādimastakapramāṇamavraṇaṃ
samaṃ saumyamakākapṛṣṭhaṃ salakṣaṇaṃ vaiṇavaṃ
daṇḍamekamācamanapūrvakaṃ sakhā mā gopāyaujaḥ
sakhāyo'sīndrasya vajro'si vārtragnaḥ śarma me bhava
yatpāpaṃ tannivārayeti daṇḍaṃ parigrahejjagajjīvanaṃ
jīvanādhārabhūtaṃ mā te mā mantrayasva sarvadā
sarvasaumyeti praṇavapūrvakaṃ kamaṇḍaluṃ parigrahya
kaupīnādhāraṃ kaṭisūtramomiti guhyācchādakaṃ
kaupīnamomiti śītavātoṣṇatrāṇakaraṃ dehaikarakṣaṇamomiti
kaṭisūtrakaupīnavastramācamanapūrvakaṃ yogapaṭṭābhiṣikto
bhūtvā kṛtārtho'hamiti matvā svāśramācāraparo bhavedityupaniṣat ||

Ist er ein Erkenntnissuchender, gehe er hundert Schritte. Lehrer und andere Brahmanen rufen ihn zurück: „Bleib, bleib, Hochbeglückter! Nimm Stab, Gewand und Wassergefäß. Komm zum Lehrer, um Pranava und Mahavakya zu empfangen.“ Nach der Mundspülung nehme er von den Lehrern Stab, Hüftschnur, Lendenschurz, ein Gewand und Wassergefäß. Der eine Bambusstab reiche von den Füßen bis zum Scheitel, sei unverletzt, gerade, schön, ohne die als „Krähenrücken“ bezeichnete Form und mit den richtigen Merkmalen versehen. Er nehme den Stab mit: „Freund, behüte mich, die Kraft! Du bist mein Gefährte, Indras Donnerkeil, Vritras Töter. Sei mir Schutz und wehre ab, was böse ist.“ Das Wassergefäß nehme er mit vorangestelltem Pranava und: „Du belebst die Welt und bist die Grundlage des Lebens; [die folgende Formel ist beschädigt] sei stets ganz freundlich.“ Die Hüftschnur nehme er mit „Träger des Lendenschurzes, Om“, den Lendenschurz mit „Bedeckung des Verborgenen, Om“ und das Gewand mit „Schutz vor Kälte, Wind und Hitze, einziger Schutz des Körpers, Om“. Nach der Mundspülung empfange er Hüftschnur, Lendenschurz und Gewand, werde mit der Yoga-Würde geweiht und denke: „Ich habe mein Ziel erreicht.“ Dann widme er sich der Ordnung seines Lebensstands: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vividiṣā-saṃnyāsī – erkenntnissuchender Entsagender; cet – wenn; śata-patham gatvā – hundert Schritte gegangen; ācārya-ādibhiḥ vipraiḥ – von Lehrern und anderen Brahmanen; tiṣṭha tiṣṭha – bleib, bleib; mahābhāga – Hochbeglückter; daṇḍam – Stab; vastram – Gewand; kamaṇḍalum – Wassergefäß; gṛhāṇa – nimm; praṇava-mahāvākya-grahaṇa-artham – um Pranava und Mahavakya zu empfangen; guru-nikaṭam āgaccha – komm zum Lehrer; kaṭi-sūtram – Hüftschnur; kaupīnam – Lendenschurz; śāṭīm ekām – ein Gewand; pāda-ādi-mastaka-pramāṇam – von den Füßen bis zum Scheitel reichend; avraṇam – unverletzt; samam – gerade; saumyam – schön, mild; akākapṛṣṭham – ohne Krähenrücken; salakṣaṇam – mit richtigen Merkmalen; vaiṇavam – aus Bambus; ekam – einen; ācamana-pūrvakam – nach Mundspülung; sakhā – Freund; mā gopāya – behüte mich; ojaḥ – Kraft; sakhā asi – du bist Gefährte; indrasya vajraḥ asi – du bist Indras Donnerkeil; vārtraghnaḥ – Vritras Töter; śarma me bhava – sei mir Schutz; yat pāpam tat nivāraya – wehre das Böse ab; parigrahet – soll annehmen; jagat-jīvanam – die Welt belebend; jīvana-ādhāra-bhūtam – Grundlage des Lebens; mā te mā mantrayasva – beschädigte, nicht sicher übersetzbare Gebetsformel; sarvadā – stets; sarva-saumya – ganz freundlich; praṇava-pūrvakam – mit Pranava zuvor; kaupīna-ādhāram – Träger des Lendenschurzes; guhyācchādakam – Bedeckung des Verborgenen; śīta-vāta-uṣṇa-trāṇa-karam – Schutz vor Kälte, Wind und Hitze; deha-eka-rakṣaṇam – einziger Körperschutz; yogapaṭṭa-abhiṣiktaḥ – mit der Yoga-Würde geweiht; kṛta-arthaḥ aham – ich habe mein Ziel erreicht; iti matvā – so denkend; sva-āśrama-ācāra-paraḥ – der Ordnung des eigenen Lebensstands hingegeben; bhavet – soll sein; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Textanmerkung: Die Stabformel und besonders mā te mā mantrayasva der Wassergefäßformel sind in der Quelle beschädigt. Ihre offenen Stellen werden nicht als gesicherter Wortlaut ergänzt.

Schluss des 4. Abschnitts
iti caturthopadeśaḥ || 4 ||

Damit endet der 4. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; caturthaḥ – vierter.

Abschnitt 5, Prosa – Warum es verschiedene Regeln gibt
atha hainaṃ pitāmahaṃ nāradaḥ papraccha
bhagavansarvakarmanivartakaḥ saṃnyāsa iti tvayaivoktaḥ
punaḥ svāśramācāraparo bhavedityucyate |
tataḥ pitāmaha uvāca |
śarīrasya dehino jāgratsvapnasuṣuptiturīyāvasthāḥ
santi tadadhīnāḥ karmajñānavairāgyapravartakāḥ
puruṣā jantavastadanukūlācārāḥ santi tathaiva
cedbhagavansaṃnyāsāḥ katibhedāstadanuṣṭhānabhedāḥ
kīdṛśāstattvato'smākaṃ vaktumarhasīti |
tathetyaṅgīkṛtya tu pitāmahena saṃnyāsabhedairācārabhedaḥ
kathamiti cettattvatastveka eva saṃnyāsaḥ ajñānenāśaktivaśātkarmalopaśca traividhyametya vairāgyasaṃnyāso
jñānavairāgyasaṃnyāsaḥ karmasaṃnyāsaśceti
cāturvidhyamupāgatastadyatheti duṣṭamadanābhācceti
viṣayavaitṛṣṇyametya prākpuṇyakarmavaśātsaṃnyastaḥ
sa vairāgyasaṃnyāsī śāstrajñānātpāpapuṇyalokānubhavaśravaṇātprapañcoparataḥ krodherṣyāsūyāhaṅkārābhimānātmakasarvasaṃsāraṃ nirvṛtya dāreṣaṇādhaneṣaṇālokeṣaṇātmakadehavāsanāṃ śāstravāsanāṃ lokavāsanāṃ
tyaktvā vamanānnamiva prakṛtīyaṃ sarvamidaṃ heyaṃ matvā
sādhanacatuṣṭayasampanno yaḥ saṃnyasati sa eva jñānasaṃnyāsī |

Narada fragte den Großvater: „Erhabener, du selbst hast gesagt, Entsagung beende alle Handlungen; nun wird wiederum gesagt, man solle die Ordnung des eigenen Lebensstands befolgen.“ Der Großvater antwortete: „Für den im Körper Verkörperten bestehen die Zustände des Wachens, Träumens, Tiefschlafs und des Vierten. Von ihnen hängen die Menschen und anderen Wesen ab, die sich durch Handlung, Erkenntnis und Entsagung entwickeln; ihr Verhalten entspricht diesen Zuständen.“ [Narada fragte:] „Wenn das so ist, Erhabener, wie viele Arten der Entsagung gibt es und wie unterscheiden sich ihre Ausführungen? Erkläre uns dies der Wirklichkeit nach.“ Der Großvater stimmte zu: „Wie unterscheiden sich die Regeln nach den Arten der Entsagung? In Wahrheit gibt es nur eine Entsagung. Durch Unwissenheit, Unfähigkeit und Ausfall von Handlungen entsteht eine Dreiteilung; [die anschließende Liste nennt] Entsagung aus Wunschlosigkeit, aus Erkenntnis und Wunschlosigkeit sowie aus ritueller Ordnung und spricht von vier Arten. Wer aufgrund früheren guten Karmas Freiheit vom Verlangen nach Sinnesgegenständen erlangt und entsagt, ist ein Entsagender aus Wunschlosigkeit. [Die Fügung vor dieser Definition ist beschädigt.] Wer durch Schriftkenntnis und das Hören von Erfahrungen der Welten guten und schlechten Karmas vom Weltbetrieb ablässt, den gesamten Samsara aus Zorn, Missgunst, Eifersucht, Ichbewusstsein und Selbstüberhebung beendet, die körperbezogenen Neigungen nach Ehefrau, Besitz und Welten, die Neigungen zum Schriftenbetrieb und zur Welt aufgibt und all dies Naturhafte wie erbrochene Nahrung für abzuweisen hält, der ist, mit den vier Voraussetzungen ausgestattet, ein Entsagender aus Erkenntnis.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; enam pitāmaham – den Großvater; nāradaḥ papraccha – Narada fragte; bhagavan – Erhabener; sarva-karma-nivartakaḥ – alle Handlungen beendend; saṃnyāsaḥ – Entsagung; iti tvayā eva uktaḥ – so von dir selbst gesagt; punaḥ – wiederum; sva-āśrama-ācāra-paraḥ – der Ordnung des eigenen Lebensstands hingegeben; bhavet – soll sein; ucyate – wird gesagt; tataḥ pitāmahaḥ uvāca – darauf sagte der Großvater; śarīrasya dehinaḥ – des im Körper Verkörperten; jāgrat – Wachen; svapna – Traum; suṣupti – Tiefschlaf; turīya – das Vierte; avasthāḥ santi – Zustände bestehen; tad-adhīnāḥ – davon abhängig; karma-jñāna-vairāgya-pravartakāḥ – durch Handlung, Erkenntnis und Entsagung sich entwickelnd; puruṣāḥ jantavaḥ – Menschen und andere Wesen; tad-anukūla-ācārāḥ – mit entsprechendem Verhalten; tathā eva cet – wenn eben so; kati-bhedāḥ – wie viele Arten; tad-anuṣṭhāna-bhedāḥ – Unterschiede ihrer Ausführung; kīdṛśāḥ – wie beschaffen; tattvataḥ – der Wirklichkeit nach; asmākam vaktum arhasi – erkläre uns; aṅgīkṛtya – zugestimmt; saṃnyāsa-bhedaiḥ – nach Entsagungsarten; ācāra-bhedaḥ – Unterschied der Regeln; katham – wie; ekaḥ eva – nur einer; ajñānena – durch Unwissenheit; aśakti-vaśāt – aufgrund Unfähigkeit; karma-lopaḥ – Ausfall von Handlungen; traividhyam etya – Dreiteilung erreicht; vairāgya-saṃnyāsaḥ – Entsagung aus Wunschlosigkeit; jñāna-vairāgya-saṃnyāsaḥ – Entsagung aus Erkenntnis und Wunschlosigkeit; karma-saṃnyāsaḥ – Entsagung aus ritueller Ordnung; cāturvidhyam – Vierheit; upāgataḥ – erlangt; duṣṭamadanābhāt – beschädigte, nicht sicher deutbare Fügung; viṣaya-vaitṛṣṇyam etya – Freiheit vom Verlangen nach Sinnesgegenständen erlangt; prāk-puṇya-karma-vaśāt – aufgrund früheren guten Karmas; saṃnyastaḥ – entsagt; śāstra-jñānāt – durch Schriftkenntnis; pāpa-puṇya-loka-anubhava-śravaṇāt – durch Hören von Erfahrungen der Welten schlechten und guten Karmas; prapañca-uparataḥ – vom Weltbetrieb ablassend; krodha – Zorn; īrṣyā – Missgunst; asūyā – Eifersucht; ahaṅkāra – Ichbewusstsein; abhimāna – Selbstüberhebung; ātmaka – bestehend aus; sarva-saṃsāram – gesamten Samsara; nirvṛtya – beendet; dāra-eṣaṇā – Wunsch nach Ehefrau; dhana-eṣaṇā – Wunsch nach Besitz; loka-eṣaṇā – Wunsch nach Welten; deha-vāsanām – körperbezogene Neigung; śāstra-vāsanām – Neigung zum Schriftenbetrieb; loka-vāsanām – Neigung zur Welt; tyaktvā – aufgegeben; vamana-annam iva – wie erbrochene Nahrung; prakṛtīyam sarvam idam – all dieses Naturhafte; heyam matvā – als abzuweisen betrachtet; sādhanacatuṣṭaya-sampannaḥ – mit vier Voraussetzungen ausgestattet; yaḥ saṃnyasati – wer entsagt; saḥ jñāna-saṃnyāsī – der Entsagende aus Erkenntnis.

Textanmerkung: Die Einleitung kündigt vier Arten an, lässt aber jñānasaṃnyāsa in der ersten Aufzählung aus und definiert ihn erst anschließend. Die Unstimmigkeit und duṣṭamadanābhāt werden nicht verdeckt. Das im Original versehentliche lateinische z in ācārabhedaz ist zu ḥ normalisiert.

Abschnitt 5, Prosa – Erkenntnis und rituelle Reihenfolge
krameṇa sarvamabhyasya sarvamanubhūya jñānavairāgyābhyāṃ
svarūpānusandhānena dehamātrāvaśiṣṭaḥ saṃnyasya
jātarūpadharo bhavati sa jñānavairāgyasaṃnyāsī |
brahmacaryaṃ samāpya gṛhī bhūtvā vānaprasthāśramametya
vairāgyabhāve'pyāśramakramānusāreṇa yaḥ
saṃnyasyati sa karmasaṃnyāsī |

Wer in der Reihenfolge alles geübt und erfahren hat, durch Erkenntnis, Wunschlosigkeit und Betrachtung des eigenen Wesens nur noch den Körper übrig behält, entsagt und nackt wird, ist ein Entsagender aus Erkenntnis und Wunschlosigkeit. Wer nach Abschluss des Schülerlebens Haushälter und dann Waldeinsiedler geworden ist und der Reihenfolge der Lebensstände folgend entsagt, auch wenn Entsagung vorhanden ist, ist ein Entsagender aus ritueller Ordnung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: krameṇa – in der Reihenfolge; sarvam abhyasya – alles geübt; sarvam anubhūya – alles erfahren; jñāna-vairāgyābhyām – durch Erkenntnis und Wunschlosigkeit; svarūpa-anusandhānena – durch Betrachtung des eigenen Wesens; deha-mātra-avaśiṣṭaḥ – nur noch den Körper übrig behaltend; saṃnyasya – entsagt; jāta-rūpa-dharaḥ bhavati – wird nackt; jñāna-vairāgya-saṃnyāsī – Entsagender aus Erkenntnis und Wunschlosigkeit; brahmacaryam samāpya – Schülerleben beendet; gṛhī bhūtvā – Haushälter geworden; vānaprastha-āśramam etya – Waldeinsiedlerstand erreicht; vairāgya-bhāve api – auch bei vorhandenem Entsagen; āśrama-krama-anusāreṇa – der Reihenfolge der Lebensstände folgend; yaḥ saṃnyasyati – wer entsagt; karma-saṃnyāsī – Entsagender aus ritueller Ordnung.

Textanmerkung: Die Vorlage hat vairāgyabhāve, wörtlich „beim Vorhandensein von Entsagung“. Die oft sinngemäß vermutete Lesung vairāgyābhāve („auch ohne Entsagung“) erfordert ein zusätzliches ā und wird nicht stillschweigend eingeführt.

Abschnitt 5, Prosa – Entsagung mit und ohne Anlass
brahmacaryeṇa saṃnyasya saṃnyāsājjātarūpadharo
vairāgyasaṃnyāsī |
vidvatsaṃnyāsī jñānasaṃnyāsī vividiṣāsaṃnyāsī
karmasaṃnyāsī |
karmasaṃnyāso'pi dvividhaḥ nimittasaṃnyāso'nimittasaṃnyāsaśceti |
nimittastvāturaḥ | animittaḥ kramasaṃnyāsaḥ |
āturaḥ sarvakarmalopaḥ prāṇasyotkramaṇakālasaṃnyāsaḥ
sa nimittasaṃnyāsaḥ |

Wer aus dem Schülerstand entsagt und dadurch nackt wird, ist ein Entsagender aus Wunschlosigkeit. Der Entsagende, der bereits weiß, ist der aus Erkenntnis; der Erkenntnissuchende ist der aus ritueller Ordnung. Auch diese rituelle Entsagung ist zweifach: mit Anlass und ohne Anlass. Die mit Anlass ist die Notentsagung; die ohne Anlass ist die Entsagung in regulärer Folge. Notentsagung ist der Ausfall aller Handlungen und Entsagung beim Entweichen des Lebensatems: Dies ist die Entsagung mit Anlass.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmacaryeṇa – aus dem Schülerstand; saṃnyasya – entsagt; saṃnyāsāt – durch Entsagung; jāta-rūpa-dharaḥ – nackt; vairāgya-saṃnyāsī – Entsagender aus Wunschlosigkeit; vidvat-saṃnyāsī – bereits wissender Entsagender; jñāna-saṃnyāsī – Entsagender aus Erkenntnis; vividiṣā-saṃnyāsī – erkenntnissuchender Entsagender; karma-saṃnyāsī – Entsagender aus ritueller Ordnung; dvividhaḥ – zweifach; nimitta-saṃnyāsaḥ – Entsagung mit Anlass; animitta-saṃnyāsaḥ – Entsagung ohne Anlass; āturaḥ – Notentsagung; krama-saṃnyāsaḥ – Entsagung in regulärer Folge; sarva-karma-lopaḥ – Ausfall aller Handlungen; prāṇasya utkramaṇa-kāla – Zeit des Austritts des Lebensatems.

Abschnitt 5, Prosa – Einsicht in Vergänglichkeit
dṛḍhāṅgo bhūtvā sarvaṃ kṛtakaṃ naśvaramiti dehādikaṃ
sarvaṃ heyaṃ prāpya |

Bei kräftigem Körper erkennt er: Alles Gemachte ist vergänglich; daher ist alles, angefangen beim Körper, aufzugeben.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dṛḍha-aṅgaḥ bhūtvā – bei kräftigem Körper; sarvam kṛtakam – alles Gemachte; naśvaram – vergänglich; iti – so; deha-ādikam – beim Körper beginnend; sarvam – alles; heyam – aufzugeben; prāpya – erkannt, erreicht.

Abschnitt 5, zitierter Hamsa-Vers
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatidhirduroṇasat |
nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat |

Der Hamsa wohnt im Reinen, der Vasu im Zwischenraum, der Opferpriester am Altar, der Gast im Haus. Er wohnt unter Menschen, unter den Edlen, in der kosmischen Ordnung und im Raum; aus Wasser geboren, aus der Erde geboren, aus der Ordnung und aus dem Berg geboren: die große Wahrheit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: haṃsaḥ – Hamsa; śuci-sat – im Reinen wohnend; vasuḥ – Vasu; antarikṣa-sat – im Zwischenraum wohnend; hotā – Opferpriester; vedi-sat – am Altar wohnend; atithiḥ – Gast; duroṇa-sat – im Haus wohnend; nṛ-sat – unter Menschen wohnend; vara-sat – unter Edlen wohnend; ṛta-sat – in der Ordnung wohnend; vyoma-sat – im Raum wohnend; ab-jāḥ – aus Wasser geboren; go-jāḥ – aus Erde geboren; ṛta-jāḥ – aus der Ordnung geboren; adri-jāḥ – aus dem Berg geboren; ṛtam bṛhat – die große Wahrheit.

Abschnitt 5, Prosa – Entsagung ohne besonderen Anlass
brahmavyatiriktaṃ sarvaṃ naśvaramiti niścityātho krameṇa yaḥ saṃnyasyati
sa saṃnyāso'nimittasaṃnyāsaḥ |

Wer so erkannt hat, dass alles von Brahman Verschiedene vergänglich ist, und darauf in regulärer Reihenfolge entsagt, dessen Entsagung ist die ohne besonderen Anlass.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahma-vyatiriktam – von Brahman verschieden; sarvam – alles; naśvaram – vergänglich; iti niścitya – so festgestellt; atha – dann; krameṇa – in regulärer Folge; yaḥ saṃnyasyati – wer entsagt; saḥ saṃnyāsaḥ – diese Entsagung; animitta-saṃnyāsaḥ – Entsagung ohne besonderen Anlass.

Abschnitt 5, Prosa – Sechs Gestalten des Entsagenden
saṃnyāsaḥ ṣaḍvidho bhavati |
kuṭīcako bahūdako haṃsaḥ paramahaṃsaḥ turīyātīto'vadhūtaśceti |

Entsagung besitzt sechs Gestalten: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃnyāsaḥ – Entsagung; ṣaḍvidhaḥ – sechsfach; bhavati – ist; kuṭīcakaḥ – Kutichaka, Hüttenbewohner; bahūdakaḥ – Bahudaka, viele Wasser aufsuchend; haṃsaḥ – Hamsa, Schwan; paramahaṃsaḥ – Paramahamsa, höchster Schwan; turīyātītaḥ – Turiyatita, über das Vierte hinausgegangen; avadhūtaḥ – Avadhuta, der alles abgeschüttelt hat; iti – so.

Abschnitt 5, Prosa – Merkmale der sechs Gestalten
kuṭīcakaḥ śikhāyajñopavītī daṇḍakamaṇḍaludharaḥ kaupīnakanthādharaḥ
pitṛmātṛgurvārādhanaparaḥ piṭharakhanitraśikyādimantrasādhanapara
ekatrānnādanaparaḥ śvetordhvapuṇḍradhārī tridaṇḍaḥ |
bahūdakaḥ śikhādikanthādharastripuṇḍradhārī kuṭīcakavatsarvasamo
madhukaravṛttyāṣṭakavalāśī haṃso jaṭādhārī tripuṇḍrordhvapuṇḍradhārī
asaṃklṛptamādhukarānnāśī kaupīnakhaṇḍatuṇḍadhārī |
paramahaṃsaḥ śikhāyajñopavītarahitaḥ pañcagṛheśvekarātrānnādanaparaḥ
karapātrī ekakaupīnadhārī śāṭīmekāmekaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamekaśāṭīdharo
vā bhasmoddhūlanaparaḥ sarvatyāgī |
turīyātīto gomukhaḥ phalāhārī | annāhārī cedgṛhatraye dehamātrāvaśiṣṭo
digaṃbaraḥ kuṇapavaccharīravṛttikaḥ |
avadhūtastvaniyamo'bhiśastapatitavarjanapūrvakaṃ sarvavarṇeṣvajagaravṛttyāhāraparaḥ svarūpānusandhānaparaḥ |

Der Kutichaka trägt Haarlocke, heilige Schnur, Stab, Wassergefäß, Lendenschurz und Flickenumhang. Er verehrt Vater, Mutter und Lehrer, beschäftigt sich mit Topf, Grabgerät, Tragnetz und weiteren Hilfsmitteln und Mantras, nimmt an einem Ort Nahrung zu sich, trägt ein weißes senkrechtes Stirnzeichen und den Dreifachstab. Der Bahudaka trägt Haarlocke und Flickenumhang, das dreifache Stirnzeichen und ist im Übrigen dem Kutichaka gleich; nach Bienenart erbettelt, isst er acht Bissen. Der Hamsa trägt verfilzte Haare, dreifache oder senkrechte Stirnzeichen; er isst ohne vorherige Verabredung nach Bienenart gesammelte Nahrung und trägt Lendenschurz und ein Stoffstück. Der Paramahamsa hat weder Haarlocke noch heilige Schnur. Er nimmt Nahrung aus fünf Häusern für eine Nacht, benutzt die Hand als Gefäß, trägt einen Lendenschurz, ein Gewand und einen Bambusstab oder nur ein Gewand; er bestäubt sich mit Asche und gibt alles auf. Der Turiyatita isst Früchte mit dem Mund wie eine Kuh; isst er gekochte Nahrung, stammt sie aus drei Häusern. Nur der Körper ist ihm geblieben; er ist nackt und verhält sich zu seinem Körper wie zu einer Leiche. Der Avadhuta ist an keine feste Regel gebunden. Unter Ausschluss schwer Beschuldigter und Ausgestoßener nimmt er Nahrung aus allen Varnas nach Art der Python an und widmet sich der Betrachtung seines eigenen Wesens.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭīcakaḥ – Kutichaka; śikhā-yajñopavītī – Haarlocke und heilige Schnur tragend; daṇḍa-kamaṇḍalu-dharaḥ – Stab und Wassergefäß tragend; kaupīna-kanthā-dharaḥ – Lendenschurz und Flickenumhang tragend; pitṛ-mātṛ-guru-ārādhana-paraḥ – Vater, Mutter und Lehrer verehrend; piṭhara – Topf; khanitra – Grabgerät; śikya – Tragnetz; ādi – und Weiteres; mantra-sādhana-paraḥ – mit Mantras und Hilfsmitteln befasst; ekatra-anna-ādana-paraḥ – an einem Ort Nahrung nehmend; śveta-ūrdhva-puṇḍra-dhārī – weißes senkrechtes Stirnzeichen tragend; tridaṇḍaḥ – mit Dreifachstab; bahūdakaḥ – Bahudaka; śikhā-ādi-kanthā-dharaḥ – Haarlocke und Flickenumhang tragend; tripuṇḍra-dhārī – dreifaches Stirnzeichen tragend; kuṭīcaka-vat sarva-samaḥ – sonst ganz wie Kutichaka; madhukara-vṛttyā – nach Bienenart; aṣṭa-kavala-aśī – acht Bissen essend; haṃsaḥ – Hamsa; jaṭā-dhārī – verfilzte Haare tragend; asaṃklṛpta – nicht verabredet; mādhukara-anna-aśī – nach Bienenart gesammelte Nahrung essend; kaupīna-khaṇḍa-tuṇḍa-dhārī – Lendenschurz und Stoffstück tragend, die letzte Fügung ist auffällig; paramahaṃsaḥ – Paramahamsa; śikhā-yajñopavīta-rahitaḥ – ohne Haarlocke und heilige Schnur; pañca-gṛheṣu – aus fünf Häusern; eka-rātra-anna-ādana-paraḥ – Nahrung für eine Nacht nehmend; kara-pātrī – Hand als Gefäß nutzend; eka-kaupīna-dhārī – einen Lendenschurz tragend; śāṭīm ekām – ein Gewand; ekam vaiṇavam daṇḍam – einen Bambusstab; eka-śāṭī-dharaḥ vā – oder nur ein Gewand tragend; bhasma-uddhūlana-paraḥ – sich mit Asche bestäubend; sarva-tyāgī – alles aufgebend; turīyātītaḥ – Turiyatita; go-mukhaḥ – mit dem Mund wie eine Kuh; phala-āhārī – Früchte essend; anna-āhārī cet – falls gekochte Nahrung essend; gṛha-traye – aus drei Häusern; deha-mātra-avaśiṣṭaḥ – nur der Körper geblieben; digambaraḥ – nackt; kuṇapa-vat śarīra-vṛttikaḥ – den Körper wie eine Leiche behandelnd; avadhūtaḥ – Avadhuta; aniyamaḥ – ohne feste Regel; abhiśasta-patita-varjana-pūrvakam – unter Ausschluss schwer Beschuldigter und Ausgestoßener; sarva-varṇeṣu – aus allen Varnas; ajagara-vṛttyā – nach Pythonart, abwartend; āhāra-paraḥ – Nahrung nehmend; svarūpa-anusandhāna-paraḥ – Betrachtung des eigenen Wesens gewidmet.

Textanmerkung: Die Vorschriften für Nahrung und Kleidung werden an späterer Stelle desselben Abschnitts teilweise anders verteilt. Diese Unterschiede werden beibehalten.

Abschnitt 5, Prosa – Regeln für die letzten drei Gestalten
āturo jīvati cetkramasaṃnyāsaḥ kartavyaḥ
kuṭīcakabahūdakahaṃsānāṃ brahmacaryāśramāditurīyāśramavat kuṭīcakādīnāṃ
saṃnyāsavidhiḥ |
paramahaṃsāditrayāṇāṃ na kaṭīsūtraṃ na kaupīnaṃ
na vastraṃ na kamaṇḍalurna daṇḍaḥ sārvavarṇaikabhaikṣāṭanaparatvaṃ jātarūpadharatvaṃ vidhiḥ |

Überlebt der Notentsagende, muss er die reguläre Entsagung vollziehen. Für Kutichaka, Bahudaka und Hamsa besteht die Entsagungsordnung wie bei der Folge vom Schülerstand bis zum vierten Lebensstand. Für die drei ab Paramahamsa gelten: keine Hüftschnur, kein Lendenschurz, kein Gewand, kein Wassergefäß, kein Stab; Almosen aus allen Varnas zu nehmen und nackt zu sein ist ihre Ordnung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āturaḥ – Notentsagender; jīvati cet – falls er überlebt; krama-saṃnyāsaḥ – reguläre Entsagung; kartavyaḥ – zu vollziehen; kuṭīcaka-bahūdaka-haṃsānām – für die drei genannten Gestalten; brahmacarya-āśrama-ādi – vom Schülerstand beginnend; turīya-āśrama-vat – wie bis zum vierten Stand; saṃnyāsa-vidhiḥ – Entsagungsordnung; paramahaṃsa-ādi-trayāṇām – für die drei ab Paramahamsa; na kaṭī-sūtram – keine Hüftschnur; na kaupīnam – kein Lendenschurz; na vastram – kein Gewand; na kamaṇḍaluḥ – kein Wassergefäß; na daṇḍaḥ – kein Stab; sārvavarṇa-eka-bhaikṣāṭana-paratvam – allein dem Almosengang bei allen Varnas gewidmet; jāta-rūpa-dharatvam – Nacktheit; vidhiḥ – Ordnung.

Abschnitt 5, Prosa – Ende des gelehrten Betriebs
saṃnyāsakāle'pyalaṃbuddhiparyantamadhītya
tadanantaraṃ kaṭīsūtraṃ kaupīnaṃ daṇḍaṃ vastraṃ
kamaṇḍaluṃ sarvamapsu visṛjyātha jātarūpadharaścarenna
kanthāveśo nādhyetavyo na śrotavyamanyatkiñcitpraṇavādanyaṃ
na tarkaṃ paṭhenna śabdamapi bṛhacchabdānnādhyāpayenna
mahadvācoviglāpanaṃ girā pāṇyādinā saṃbhāṣaṇaṃ
nānyasmādvā viśeṣeṇa na śūdrastrīpatitodakyāsaṃbhāṣaṇaṃ
na yaterdevapūjā notsavadarśanaṃ tīrthayātrāvṛttiḥ |

Auch während der Entsagung studiere er, bis die Einsicht „Es genügt“ erreicht ist. Danach gebe er Hüftschnur, Lendenschurz, Stab, Gewand und Wassergefäß vollständig ins Wasser und wandere nackt. Er trage keinen Flickenumhang. Er soll nichts anderes als den Pranava studieren oder hören, keine Logik lesen, auch keine Sprachlehre außer dem großen Wort; er soll nicht lehren und seine Rede nicht durch viele Worte ermüden. Er soll weder mit der Stimme noch mit Händen und anderem Gespräche führen, auch nicht in besonderer Weise mit anderen; nicht mit Shudras, Frauen, Ausgestoßenen oder Menstruierenden. Für den Asketen gibt es weder Götterverehrung noch Festbesuche noch das Betreiben von Pilgerreisen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃnyāsa-kāle api – auch während der Entsagung; alam-buddhi-paryantam – bis zur Einsicht „es genügt“; adhītya – studiert; tad-anantaram – danach; kaṭī-sūtram – Hüftschnur; kaupīnam – Lendenschurz; daṇḍam – Stab; vastram – Gewand; kamaṇḍalum – Wassergefäß; sarvam apsu visṛjya – alles ins Wasser gegeben; jāta-rūpa-dharaḥ caret – soll nackt wandern; na kanthā-veśaḥ – kein Flickenumhang; na adhyetavyaḥ – nicht zu studieren; na śrotavyam – nicht zu hören; anyat kiñcit – irgendetwas anderes; praṇavāt anyam – außer Pranava; na tarkam paṭhet – soll keine Logik lesen; na śabdam api – auch keine Sprachlehre; bṛhat-śabdāt – außer dem großen Wort; na adhyāpayet – soll nicht lehren; na mahat-vācas-viglāpanam – keine Ermüdung durch viele Worte; girā – mit der Stimme; pāṇi-ādinā – mit Händen und anderem; saṃbhāṣaṇam – Gespräch; anyasmāt vā viśeṣeṇa – auch in besonderer Weise mit anderem, unklare Fügung; śūdra-strī-patita-udakyā – Shudras, Frauen, Ausgestoßene, Menstruierende; na saṃbhāṣaṇam – kein Gespräch; yateḥ – für den Asketen; na deva-pūjā – keine Götterverehrung; na utsava-darśanam – kein Festbesuch; tīrtha-yātrā-vṛttiḥ – Betreiben von Pilgerreisen.

Textanmerkung: Die sozialen Ausschlüsse sind Bestandteil des historischen Regeltexts. Die Fügung mit bṛhacchabda bleibt erklärungsbedürftig und wird wörtlich als „großes Wort“ übersetzt.

Abschnitt 5, Prosa – Nochmals die Arten des Almosengangs
punaryativiśeṣaḥ |
kuṭīcasyaikatra bhikṣā bahūdakasyāsaṃklṛptaṃ
mādhukaraṃ haṃsasyāṣṭagṛheṣvaṣṭakavalaṃ
paramahaṃsasya pañcagṛheṣu karapātraṃ
phalāhāro gomukhaṃ turīyātītasyāvadhūtasyājagaravṛttiḥ

Nochmals die Unterschiede der Asketen: Für den Kutichaka Almosen von einem Ort; für den Bahudaka unverabredetes Sammeln nach Bienenart; für den Hamsa acht Bissen aus acht Häusern; für den Paramahamsa die hohle Hand aus fünf Häusern; für den Turiyatita Früchteessen mit dem Mund wie eine Kuh; für den Avadhuta die Lebensweise einer Python.

Wort-für-Wort-Übersetzung: punaḥ – nochmals; yati-viśeṣaḥ – Unterschiede der Asketen; kuṭīcasya – des Kutichaka; ekatra bhikṣā – Almosen an einem Ort; bahūdakasya – des Bahudaka; asaṃklṛptam mādhukaram – unverabredetes Sammeln nach Bienenart; haṃsasya – des Hamsa; aṣṭa-gṛheṣu – aus acht Häusern; aṣṭa-kavalam – acht Bissen; paramahaṃsasya – des Paramahamsa; pañca-gṛheṣu – aus fünf Häusern; kara-pātram – Hand als Gefäß; phala-āhāraḥ – Früchtenahrung; go-mukham – mit dem Mund wie eine Kuh; turīyātītasya – des Turiyatita; avadhūtasya – des Avadhuta; ajagara-vṛttiḥ – Python-Lebensweise.

Abschnitt 5, Prosa – Rang und Handlungen
sārvavarṇikeṣu yatirnaikarātraṃ vasenna kasyāpi
nametturīyātītāvadhūtayorna jyeṣṭho yo na svarūpajñaḥ
sa jyeṣṭho'pi kaniṣṭho hastābhyāṃ nadyuttaraṇaṃ
na kuryānna vṛkṣamārohenna yānādirūḍho na
krayavikrayaparo na kiñcidvinimayaparo na dāmbhiko
nānṛtavādī na yateḥ kiṃcitkartavyamastyasticetsāṃkaryam |
tasmānmananādau saṃnyāsināmadhikāraḥ |

[Bei Angehörigen] aller Varnas soll der Asket nicht eine Nacht bleiben; er soll sich vor niemandem verneigen. Für Turiyatita und Avadhuta besteht kein höherer Rang: Wer das eigene Wesen nicht kennt, ist selbst als Älterer ein Jüngerer. Er soll einen Fluss nicht mit den Händen durchschwimmen, keinen Baum besteigen, kein Fahrzeug benutzen, weder kaufen noch verkaufen, nichts eintauschen, nicht heucheln und nicht lügen. Für den Asketen gibt es nichts zu tun; gäbe es etwas, wäre dies eine Vermischung. Deshalb sind Entsagende zu Nachdenken und den weiteren [Erkenntnisübungen] befähigt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sārvavarṇikeṣu – bei allen Varnas; yatiḥ – Asket; na eka-rātram vaset – soll nicht eine Nacht bleiben; na kasyāpi namet – soll sich vor niemandem verneigen; turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; na jyeṣṭhaḥ – kein Höherrangiger; yaḥ na svarūpa-jñaḥ – wer das eigene Wesen nicht kennt; saḥ jyeṣṭhaḥ api – der selbst als Älterer; kaniṣṭhaḥ – Jüngerer; hastābhyām – mit beiden Händen; nadī-uttaraṇam – Flussüberquerung; na kuryāt – soll nicht tun; na vṛkṣam ārohet – soll keinen Baum besteigen; na yāna-ādi-ārūḍhaḥ – nicht auf Fahrzeug und Ähnliches gestiegen; na kraya-vikraya-paraḥ – nicht mit Kauf und Verkauf befasst; na vinimaya-paraḥ – nicht mit Tausch befasst; na dāmbhikaḥ – nicht heuchlerisch; na anṛtavādī – nicht lügend; yateḥ – für den Asketen; kiñcit kartavyam – irgendetwas zu tun; na asti – gibt es nicht; asti cet – wenn es gibt; sāṃkaryam – Vermischung; tasmāt – deshalb; manana-ādau – zu Nachdenken und Weiterem; saṃnyāsinām adhikāraḥ – Befähigung der Entsagenden.

Textanmerkung: Der Beginn sārvavarṇikeṣu ist auch als Anschluss an den vorigen Satz über Nahrung aus allen Varnas lesbar. Die überlieferte Verneinung naikarātraṃ wird wörtlich beibehalten.

Abschnitt 5, Prosa – Ziele der sechs Lebensweisen
āturakuṭīcakayorbhūrloko bahūdakasya
svargaloko haṃsasya tapolokaḥ paramahaṃsasya
satyalokasturīyātītāvadhūtayoḥ svātmanyeva
kaivalyaṃ svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyavat |

Notentsagender und Kutichaka gelangen zur Erdenwelt, der Bahudaka zur Himmelswelt, der Hamsa zur Welt der Askese, der Paramahamsa zur Wahrheitswelt. Turiyatita und Avadhuta erlangen allein im eigenen Selbst absolute Freiheit durch die Betrachtung des eigenen Wesens, nach dem Gleichnis von Wespe und Larve.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ātura-kuṭīcakayoḥ – für Notentsagenden und Kutichaka; bhūḥ-lokaḥ – Erdenwelt; bahūdakasya – für Bahudaka; svarga-lokaḥ – Himmelswelt; haṃsasya – für Hamsa; tapas-lokaḥ – Welt der Askese; paramahaṃsasya – für Paramahamsa; satya-lokaḥ – Wahrheitswelt; turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; sva-ātmani eva – allein im eigenen Selbst; kaivalyam – absolute Freiheit; svarūpa-anusandhānena – durch Betrachtung des eigenen Wesens; bhramara-kīṭa-nyāya-vat – nach dem Gleichnis von Wespe und Larve.

Abschnitt 5, zitierter Vers über die letzte Erinnerung
yaṃ yaṃ vāpi smaranbhāvaṃ tyajatyante kalevaram |
taṃ tameva samāpnoti nānyathā śrutiśāsanam |

Welchen Zustand einer auch erinnert, wenn er am Ende den Körper verlässt, eben diesen erlangt er und keinen anderen: So lehrt die Offenbarung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yam yam bhāvam – welchen Zustand auch immer; smaran – erinnernd; tyajati – verlässt; ante – am Ende; kalevaram – Körper; tam tam eva – eben diesen; samāpnoti – erlangt; na anyathā – nicht anders; śruti-śāsanam – Lehre der Offenbarung.

Abschnitt 5, Prosa – Verhalten und Bewusstseinszustände
tadevaṃ jñātvā svarūpānusandhānaṃ vinānyathācāraparo
na bhavettadācāravaśāttattallokaprāptirjñānavairāgyasampannasya svasminneva muktiriti na sarvatrācāraprasaktistadācāraḥ | jāgratsvapnasuṣupteṣvekaśarīrasya jāgratkāle
viśvaḥ svapnakāle taijasaḥ suṣuptikāle prājñaḥ
avasthābhedādavastheśvarabhedaḥ kāryabhedātkāraṇabhedastāsu
caturdaśakāraṇānāṃ bāhyavṛttayo'ntarvṛttayasteṣāmupādānakāraṇam |
vṛttayaścatvāraḥ manobuddhirahaṅkāraścittaṃ ceti |
tattadvṛttivyāpārabhedena pṛthagācārabhedaḥ |

Dies erkennend soll er sich außer der Betrachtung des eigenen Wesens keiner anderen Lebensweise widmen. Durch eine bestimmte Lebensweise erlangt man die zugehörige Welt; der mit Erkenntnis und Wunschlosigkeit Ausgestattete dagegen ist in sich selbst befreit. Daher sind die Verhaltensregeln nicht überall verbindlich; dies ist seine Ordnung. In Wachen, Traum und Tiefschlaf heißt der Bewohner desselben Körpers beim Wachen Vishva, beim Träumen Taijasa und im Tiefschlaf Prajna. Aus der Verschiedenheit der Zustände ergibt sich die Verschiedenheit ihrer Herren; aus verschiedener Wirkung folgt verschiedene Ursache. In diesen Zuständen besitzen die vierzehn [Erkenntnis- und Handlungs-]Instrumente äußere Tätigkeiten; die inneren Tätigkeiten sind ihre stoffliche Ursache. Vier Tätigkeitsformen bestehen: Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta. Aus der verschiedenen Betätigung dieser Funktionen entstehen die einzelnen Unterschiede im Verhalten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat evam jñātvā – dies so erkannt; svarūpa-anusandhānam vinā – außer Betrachtung des eigenen Wesens; anya-ācāra-paraḥ – anderer Lebensweise hingegeben; na bhavet – soll nicht sein; tat-ācāra-vaśāt – aufgrund jener Lebensweise; tat-tat-loka-prāptiḥ – Erreichen der jeweiligen Welt; jñāna-vairāgya-sampannasya – des mit Erkenntnis und Wunschlosigkeit Ausgestatteten; svasmin eva muktiḥ – Befreiung allein in sich selbst; na sarvatra – nicht überall; ācāra-prasaktiḥ – Verbindlichkeit der Regeln; tad-ācāraḥ – seine Ordnung; jāgrat-svapna-suṣupteṣu – in Wachen, Traum und Tiefschlaf; eka-śarīrasya – desselben Körpers; jāgrat-kāle – beim Wachen; viśvaḥ – Vishva; svapna-kāle – beim Träumen; taijasaḥ – Taijasa; suṣupti-kāle – im Tiefschlaf; prājñaḥ – Prajna; avasthā-bhedāt – wegen unterschiedlicher Zustände; avasthā-īśvara-bhedaḥ – Unterschied ihrer Herren; kārya-bhedāt – wegen unterschiedlicher Wirkung; kāraṇa-bhedaḥ – Unterschied der Ursache; tāsu – in diesen; caturdaśa-kāraṇānām – der vierzehn Ursachen, sachlich Instrumente gemeint; bāhya-vṛttayaḥ – äußere Tätigkeiten; antar-vṛttayaḥ – innere Tätigkeiten; teṣām – deren; upādāna-kāraṇam – stoffliche Ursache; vṛttayaḥ catvāraḥ – vier Tätigkeitsformen; manaḥ – Manas, Denken; buddhiḥ – Buddhi, Entscheiden; ahaṅkāraḥ – Ichbildung; cittam – Chitta, Erinnerungs- und Bewusstseinsfeld; tat-tat-vṛtti-vyāpāra-bhedena – durch verschiedene Betätigung der jeweiligen Funktion; pṛthak-ācāra-bhedaḥ – einzelner Unterschied im Verhalten.

Textanmerkung: Die Vorlage liest caturdaśakāraṇānām („vierzehn Ursachen“); im Zusammenhang sind offenbar die zehn äußeren Instrumente und das vierfache innere Instrument gemeint. Antarvṛttayaḥ ist in der Quelle zu atarvṛtayaḥ verkürzt; die Normalisierung wird ausgewiesen.

Abschnitt 5, zitierter Vers über die Orte der Zustände
netrasthaṃ jāgaritaṃ vidyātkaṇṭhe svapnaṃ samāviśat |
suṣuptaṃ hṛdayasthaṃ tu turīyaṃ mūrdhni saṃsthitam |

Man wisse das Wachen im Auge, den Traum in der Kehle, den Tiefschlaf im Herzen und das Vierte im Scheitel angesiedelt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: netra-stham – im Auge befindlich; jāgaritam – Wachen; vidyāt – man wisse; kaṇṭhe – in der Kehle; svapnam – Traum; samāviśat – eingetreten; suṣuptam – Tiefschlaf; hṛdaya-stham – im Herzen befindlich; turīyam – das Vierte; mūrdhni – im Scheitel; saṃsthitam – angesiedelt.

Abschnitt 5, Prosa – Freiheit schon im Leben
turīyamakṣaramiti jñātvā jāgarite suṣuptyavasthāpanna
iva yadyacchṛtaṃ yadyadṛṣṭaṃ tatsatsarvamavijñātamiva
yo vasettasya svapnāvasthāyāmapi tādṛgavasthā bhavati |
sa jīvanmukta iti vadanti | sarvaśrutyarthapratipādanamapi tasyaiva
muktiriti | bhikṣurnaihikāmuṣmikāpekṣaḥ | yadyapekṣāsti
tadanurūpo bhavati | svarūpānusandhānavyatiriktānyaśāstrābhyāsairuṣṭrakuṅkumabhāravadvyartho na yogaśāstrapravṛttirna sāṅkhyaśāstrābhyāso na mantratantravyāpāraḥ |
itaraśāstrapravṛttiryaterasti cecchavālaṅkāravaccarmakāravadatividūrakarmācāravidyādūro na praṇavakīrtanaparo yadyatkarma
karoti tattatphalamanubhavati eraṇḍatailaphenavadataḥ sarvaṃ parityajya
tatprasaktaṃ manodaṇḍaṃ karapātraṃ digambaraṃ dṛṣṭvā
parivrajedbhikṣuḥ | bālonmattapiśācavanmaraṇaṃ jīvitaṃ vā na
kāṅkṣeta kālameva pratīkṣeta nirdeśabhṛtakanyāyena parivrāḍiti |

Wer das Vierte als unvergänglich erkennt und beim Wachen wie im Tiefschlaf verweilt, sodass alles Gehörte und Gesehene wie nicht wahrgenommen ist, für den besteht ein solcher Zustand auch im Traum. Ihn nennt man zu Lebzeiten befreit. Auch die Darlegung des Sinns aller Offenbarungen zielt auf eben seine Befreiung. Der Bettelmönch erwartet nichts von dieser oder jener Welt. Hat er eine Erwartung, wird er ihr entsprechend. Studium anderer Lehrwerke ohne Betrachtung des eigenen Wesens ist nutzlos wie eine Safranlast auf einem Kamel. Er betreibe weder Yoga-Lehrwerke noch Samkhya-Studium noch Mantra- und Tantra-Geschäfte. Beschäftigt der Asket sich mit anderen Lehrwerken, gleicht dies dem Schmuck einer Leiche oder [nach der schwer verständlichen Fügung der Quelle] einem Lederarbeiter. Er sei fern von Handlungsregeln und Wissensbetrieb und nicht auf bloßes Ausrufen des Pranava gerichtet. Welche Handlung er tut, deren Frucht erfährt er, gleich dem Schaum des Rizinusöls. Deshalb gebe der Bettelmönch alles auf und wandere, den Geist als Stab, die Hand als Schale und die Richtungen als Gewand [betrachtend]. Wie ein Kind, Wahnsinniger oder Geistwesen wünsche er weder Tod noch Leben. Er warte nur auf die Zeit wie ein beauftragter Lohnarbeiter: so der Wanderasket.

Wort-für-Wort-Übersetzung: turīyam akṣaram iti jñātvā – das Vierte als unvergänglich erkannt; jāgarite – beim Wachen; suṣupti-avasthā-āpannaḥ iva – wie in den Tiefschlafzustand eingegangen; yat yat śrutam – alles Gehörte; yat yat dṛṣṭam – alles Gesehene; tat sarvam – all dies; avijñātam iva – wie nicht wahrgenommen; yaḥ vaset – wer verweilt; tasya – für den; svapna-avasthāyām api – auch im Traumzustand; tādṛk-avasthā bhavati – ein solcher Zustand besteht; saḥ jīvanmuktaḥ iti vadanti – ihn nennt man zu Lebzeiten befreit; sarva-śruti-artha-pratipādanam – Darlegung des Sinns aller Offenbarungen; tasya eva muktiḥ – eben seine Befreiung; bhikṣuḥ – Bettelmönch; na aihika-āmuṣmika-apekṣaḥ – ohne Erwartung an diese und jene Welt; yadi apekṣā asti – wenn Erwartung besteht; tad-anurūpaḥ bhavati – wird ihr entsprechend; svarūpa-anusandhāna-vyatirikta – ohne Betrachtung des eigenen Wesens; anya-śāstra-abhyāsaiḥ – durch Studium anderer Lehrwerke; uṣṭra-kuṅkuma-bhāra-vat – wie eine Safranlast auf einem Kamel; vyarthaḥ – nutzlos; na yoga-śāstra-pravṛttiḥ – keine Beschäftigung mit Yoga-Lehrwerken; na sāṅkhya-śāstra-abhyāsaḥ – kein Samkhya-Studium; na mantra-tantra-vyāpāraḥ – keine Mantra- und Tantra-Geschäfte; itara-śāstra-pravṛttiḥ – Beschäftigung mit anderen Lehrwerken; asti cet – falls vorhanden; śava-alaṅkāra-vat – wie Schmuck einer Leiche; carmakāra-vat – wie ein Lederarbeiter; ati-vidūra – sehr fern; karma-ācāra-vidyā-dūraḥ – fern von Handlungsregeln und Wissensbetrieb; na praṇava-kīrtana-paraḥ – nicht auf Ausrufen des Pranava gerichtet; yat yat karma karoti – welche Handlung er tut; tat tat phalam anubhavati – deren Frucht erfährt er; eraṇḍa-taila-phena-vat – wie Schaum von Rizinusöl; ataḥ – deshalb; sarvam parityajya – alles aufgegeben; tat-prasaktam – darauf gerichtet; mano-daṇḍam – Geist als Stab; kara-pātram – Hand als Schale; digambaram – Richtungen als Gewand; dṛṣṭvā – betrachtet; parivrajet – soll wandern; bāla-unmatta-piśāca-vat – wie Kind, Wahnsinniger oder Geistwesen; maraṇam – Tod; jīvitam – Leben; na kāṅkṣeta – soll nicht wünschen; kālam eva pratīkṣeta – soll nur die Zeit erwarten; nirdeśa-bhṛtaka-nyāyena – wie ein beauftragter Lohnarbeiter; parivrāṭ – Wanderasket.

Textanmerkung: Die Quelle ist besonders bei carmakāravadatividūrakarmācāravidyādūro, tatprasaktaṃ und dem Rizinusölgleichnis syntaktisch gedrängt. Die Wortbedeutungen bleiben sichtbar; eine glatte, aber unbelegte Rekonstruktion wird vermieden.

Abschnitt 5, Vers 5.1
titikṣājñānavairāgyaśamādiguṇavarjitaḥ |
bhikṣāmātreṇa jīvi syātsa yatiryativṛttihā || 1 ||

Ein Asket ohne die Eigenschaften Duldsamkeit, Erkenntnis, Wunschlosigkeit, Ruhe und weitere, der lediglich von Almosen lebt, zerstört den Lebenswandel der Asketen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: titikṣā – Duldsamkeit; jñāna – Erkenntnis; vairāgya – Wunschlosigkeit; śama-ādi – Ruhe und weitere; guṇa-varjitaḥ – ohne diese Eigenschaften; bhikṣā-mātreṇa – nur durch Almosen; jīvī syāt – lebt; saḥ yatiḥ – der Asket; yati-vṛtti-hā – Zerstörer des Asketenlebens.

Vers 5.2
na daṇḍadhāraṇena na muṇḍanena na veṣeṇa na dambhācāreṇa
muktiḥ | jñānadaṇḍo dhṛto yena ekadaṇḍī sa ucyate |
kāṣṭhadaṇḍo dhṛto yena sarvāśī jñānavarjitaḥ |
sa yāti narakānghorānmahārauravasaṃjñitān || 2 ||

Befreiung kommt weder durch das Tragen eines Stabs noch durch Rasur, Kleidung oder heuchlerisches Verhalten. Wer den Stab der Erkenntnis trägt, heißt Einstabasket. Wer einen Holzstab trägt, alles isst und ohne Erkenntnis ist, gelangt in die schrecklichen Höllen namens Maharaurava.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na daṇḍa-dhāraṇena – nicht durch Stabtragen; na muṇḍanena – nicht durch Rasur; na veṣeṇa – nicht durch Kleidung; na dambha-ācāreṇa – nicht durch Heuchelei; muktiḥ – Befreiung; jñāna-daṇḍaḥ – Erkenntnisstab; dhṛtaḥ yena – von dem getragen; eka-daṇḍī – Einstabasket; ucyate – wird genannt; kāṣṭha-daṇḍaḥ – Holzstab; sarva-aśī – alles essend; jñāna-varjitaḥ – ohne Erkenntnis; saḥ yāti – er gelangt; narakān ghorān – in schreckliche Höllen; mahāraurava-saṃjñitān – Maharaurava genannt.

Vers 5.3
pratiṣṭhā sūkarīviṣṭhāsamā gītā maharṣibhiḥ |
tasmādenāṃ parityajya kīṭavatparyaṭedyatiḥ || 3 ||

Ruhm wurde von den großen Rishis dem Kot einer Sau gleichgesetzt. Deshalb gebe der Asket ihn auf und wandere wie ein Insekt umher.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pratiṣṭhā – Ruhm, gesellschaftliches Ansehen; sūkarī-viṣṭhā-samā – dem Kot einer Sau gleich; gītā – genannt; maharṣibhiḥ – von großen Rishis; tasmāt – deshalb; enām parityajya – ihn aufgegeben; kīṭa-vat – wie ein Insekt; paryaṭet – soll wandern; yatiḥ – Asket.

Vers 5.4
ayācitaṃ yathālābhaṃ bhojanācchādanaṃ bhavet |
parecchayā ca digvāsāḥ snānaṃ kuryātparecchayā || 4 ||

Nahrung und Bedeckung sollen ungebeten sein, wie sie sich ergeben. Nach dem Wunsch anderer sei er mit den Richtungen bekleidet und bade nach dem Wunsch anderer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ayācitam – ungebeten; yathā-lābham – wie erhalten; bhojana-ācchādanam – Nahrung und Bedeckung; bhavet – soll sein; para-icchayā – nach dem Wunsch anderer; dig-vāsāḥ – mit Richtungen bekleidet, nackt; snānam kuryāt – soll baden.

Vers 5.5
svapne'pi yo yuktaḥ syājjāgratīva viśeṣataḥ |
īdṛkceṣṭaḥ smṛtaḥ śreṣṭho variṣṭho brahmavādinām || 5 ||

Wer auch im Traum besonders gesammelt ist wie im Wachen, dessen Verhalten gilt als das beste; er ist der Vorzüglichste unter den Brahmanlehrern.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svapne api – auch im Traum; yaḥ – wer; yuktaḥ – gesammelt; syāt – ist; jāgrati iva – wie im Wachen; viśeṣataḥ – besonders; īdṛk-ceṣṭaḥ – mit solchem Verhalten; smṛtaḥ – gilt; śreṣṭhaḥ – der Beste; variṣṭhaḥ – der Vorzüglichste; brahma-vādinām – unter Brahmanlehrern.

Vers 5.6
alābhe na viṣādī syāllābhe caiva na harṣayet |
prāṇayātrikamātraḥ syānmātrāsaṅgādvinirgataḥ || 6 ||

Bei Nichterhalt sei er nicht traurig, bei Erhalt freue er sich nicht übermäßig. Er beschränke sich auf das zum Leben Notwendige und löse sich von der Bindung an Sinnesgegenstände.

Wort-für-Wort-Übersetzung: alābhe – bei Nichterhalt; na viṣādī syāt – soll nicht traurig sein; lābhe – bei Erhalt; na harṣayet – soll nicht jubeln; prāṇa-yātrika-mātraḥ – auf Lebenserhaltung beschränkt; mātrā-saṅgāt – von Bindung an Sinnesgegenstände; vinirgataḥ – herausgetreten.

Vers 5.7
abhipūjitalābhāṃśca jugupsetaiva sarvaśaḥ |
abhipūjitalābhaistu yatirmukto'pi badhyate || 7 ||

Ehrenvoll dargebrachte Gaben soll er gänzlich scheuen; denn durch solche ehrenden Gaben wird ein Asket gebunden, selbst wenn er befreit ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: abhipūjita-lābhān – ehrend dargebrachte Gaben; jugupseta – soll scheuen; sarvaśaḥ – gänzlich; abhipūjita-lābhaiḥ – durch ehrende Gaben; yatiḥ – Asket; muktaḥ api – selbst befreit; badhyate – wird gebunden.

Vers 5.8
prāṇayātrānimittaṃ ca vyaṅgāre bhuktavajjane |
kāle praśaste varṇānāṃ bhikṣārthaṃ paryaṭedgṛhān || 8 ||

Zur Erhaltung des Lebens, wenn die Glut erloschen ist und die Leute gegessen haben, soll er zur für die Varnas geeigneten Zeit die Häuser zum Almosengang aufsuchen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prāṇa-yātrā-nimittam – zur Lebenserhaltung; vi-aṅgāre – bei erloschener Glut; bhuktavat-jane – nachdem die Leute gegessen haben; kāle praśaste – zur geeigneten Zeit; varṇānām – der Varnas; bhikṣā-artham – zum Almosengang; paryaṭet – soll aufsuchen; gṛhān – Häuser.

Vers 5.9
pāṇipātraścaranyogī nāsakṛdbhaikṣamācaret |
tiṣṭhanbhuñjyāccaranbhuñjyānmadhyenācamanaṃ tathā || 9 ||

Der umherwandernde Yogi, dessen Schale die Hand ist, soll nicht mehrmals Almosen sammeln. Er esse stehend oder gehend und vollziehe ebenso dazwischen die Mundspülung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pāṇi-pātraḥ – mit der Hand als Schale; caran – wandernd; yogī – Yogi; na asakṛt – nicht mehrmals; bhaikṣam ācaret – soll Almosengang betreiben; tiṣṭhan – stehend; bhuñjyāt – soll essen; caran – gehend; madhye – dazwischen; ācamanam – Mundspülung; tathā – ebenso.

Vers 5.10
abdhivaddhṛtamaryādā bhavanti viśādāśayāḥ |
niyatiṃ na vimuñcanti mahānto bhāskarā eva || 10 ||

Wie das Meer halten die Großen ihre Grenzen ein und sind von klarem Inneren. Wie die Sonnen verlassen sie ihre Ordnung nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: abdhi-vat – wie das Meer; dhṛta-maryādāḥ – Grenzen einhaltend; bhavanti – sind; viśada-āśayāḥ – mit klarem Inneren; niyatim – Ordnung; na vimuñcanti – verlassen nicht; mahāntaḥ – die Großen; bhāskarāḥ eva – eben wie Sonnen.

Vers 5.11
āsyena tu yadāhāraṃ govanmṛgayate muniḥ |
tadā samaḥ syātsarveṣu so'mṛtatvāya kalpate || 11 ||

Wenn der Weise Nahrung mit dem Mund wie eine Kuh sucht, soll er allem gegenüber gleich sein; so wird er für Unsterblichkeit geeignet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āsyena – mit dem Mund; yat āhāram – die Nahrung, die; go-vat – wie eine Kuh; mṛgayate – sucht; muniḥ – Weiser; tadā – dann; samaḥ syāt – soll gleich sein; sarveṣu – gegenüber allem; saḥ – er; amṛtatvāya – für Unsterblichkeit; kalpate – wird geeignet.

Vers 5.12
anindyaṃ vai vrajangehaṃ nindyaṃ gehaṃ tu varjayet |
anāvṛte viśeddvāri gehe naivāvṛte vrajet || 12 ||

Er suche ein unbescholtenes Haus auf und meide ein bescholtenes. Er trete bei offener Tür ein; bei verschlossener Tür gehe er nicht ins Haus.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anindyam – unbescholten; vrajan – aufsuchend; geham – Haus; nindyam – bescholten; varjayet – soll meiden; anāvṛte dvāri – bei offener Tür; viśet – soll eintreten; gehe – ins Haus; na eva – keineswegs; āvṛte – bei verschlossener Tür; vrajet – soll gehen.

Vers 5.13
pāṃsunā ca praticchannaśūnyāgārapratiśrayaḥ |
vṛkṣamūlaniketo vā tyaktasarvapriyāpriyaḥ || 13 ||

Von Staub bedeckt, mit einem leeren Haus als Unterkunft oder an einer Baumwurzel wohnend, gebe er alles Liebe und Unliebe auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pāṃsunā – von Staub; praticchannaḥ – bedeckt; śūnya-agāra-pratiśrayaḥ – leeres Haus als Unterkunft; vṛkṣa-mūla-niketaḥ – an einer Baumwurzel wohnend; – oder; tyakta – aufgegeben; sarva-priya-apriyaḥ – alles Liebe und Unliebe.

Vers 5.14
yatrāstamitaśāyī syānniragniraniketanaḥ |
yathālabdhopajīvī syānmunirdānto jitendriyaḥ || 14 ||

Er schlafe dort, wo ihn der Sonnenuntergang erreicht, ohne Opferfeuer und ohne Wohnung. Von zufällig Erlangtem lebend sei der Weise beherrscht und Herr seiner Sinne.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yatra – wo; astamita-śāyī – beim Sonnenuntergang schlafend; syāt – soll sein; niragniḥ – ohne Opferfeuer; aniketanaḥ – ohne Wohnung; yathā-labdha-upajīvī – von zufällig Erlangtem lebend; muniḥ – Weiser; dāntaḥ – beherrscht; jita-indriyaḥ – Herr der Sinne.

Vers 5.15
niṣkramya vanamāsthāya jñānayajño jitendriyaḥ |
kālakāṅkṣī caranneva brahmabhūyāya kalpate || 15 ||

Fortgezogen und in den Wald eingetreten, Erkenntnis als Opfer habend und mit bezwungenen Sinnen, die Zeit erwartend und wandernd, wird er geeignet, Brahman zu werden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: niṣkramya – fortgezogen; vanam āsthāya – in den Wald eingetreten; jñāna-yajñaḥ – Erkenntnis als Opfer habend; jita-indriyaḥ – mit bezwungenen Sinnen; kāla-kāṅkṣī – die Zeit erwartend; caran eva – wandernd; brahma-bhūyāya – zum Brahmanwerden; kalpate – wird geeignet.

Vers 5.16
abhayaṃ sarvabhūtebhyo dattvā carati yo muniḥ |
na tasya sarvabhūtebhyo bhayamutpadyate kvacit || 16 ||

Der Weise, der allen Wesen Furchtlosigkeit gewährt und umherzieht, erfährt nirgends Furcht vor irgendeinem Wesen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: abhayam – Furchtlosigkeit; sarva-bhūtebhyaḥ – allen Wesen; dattvā – gewährt; carati – zieht umher; yaḥ muniḥ – der Weise, der; na tasya – für ihn nicht; sarva-bhūtebhyaḥ – vor irgendwelchen Wesen; bhayam – Furcht; utpadyate – entsteht; kvacit – irgendwo.

Vers 5.17
nirmānaścānahaṅkāro nirdvandvaśchinnasaṃśayaḥ |
naiva krudhyati na dveṣṭi nānṛtaṃ bhāṣate girā || 17 ||

Ohne Stolz und Ichbewusstsein, frei von Gegensätzen und mit zerschnittenem Zweifel wird er weder zornig noch hasst er; mit seiner Stimme spricht er nichts Unwahres.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nirmānaḥ – ohne Stolz; anahaṅkāraḥ – ohne Ichbewusstsein; nirdvandvaḥ – frei von Gegensätzen; chinna-saṃśayaḥ – mit zerschnittenem Zweifel; na krudhyati – wird nicht zornig; na dveṣṭi – hasst nicht; na anṛtam bhāṣate – spricht nichts Unwahres; girā – mit der Stimme.

Vers 5.18
puṇyāyatanacārī ca bhūtānāmavihiṃsakaḥ |
kāle prāpte bhavadbhaikṣaṃ kalpyate brahmabhūyase || 18 ||

An heiligen Stätten wandernd, ohne Wesen zu verletzen und zur rechten Zeit Almosen empfangend, wird er zum Brahmanwerden geeignet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: puṇya-āyatana-cārī – an heiligen Stätten wandernd; bhūtānām avihiṃsakaḥ – Wesen nicht verletzend; kāle prāpte – zur rechten Zeit; bhavat-bhaikṣam – zukommende Almosen, unregelmäßige Fügung; kalpyate – wird geeignet; brahma-bhūyase – zum Brahmanwerden.

Vers 5.19
vānaprasthagṛhasthābhyāṃ na saṃsṛjyeta karhicit |
ajñātacaryāṃ lipseta na cainaṃ harṣa āviśet || 19 ||

Er soll sich niemals mit Waldeinsiedlern oder Haushältern vermischen. Er strebe nach einer unauffälligen Lebensweise; Jubel soll ihn nicht erfüllen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vānaprastha-gṛhasthābhyām – mit Waldeinsiedlern und Haushältern; na saṃsṛjyeta – soll sich nicht vermischen; karhicit – jemals; ajñāta-caryām – unauffällige Lebensweise; lipseta – soll erstreben; na ca – nicht; enam – ihn; harṣaḥ – Jubel; āviśet – soll erfüllen.

Vers 5.20
adhvā sūryeṇa nirdiṣṭaḥ kīṭavadvicarenmahīm |
āśīryuktāni karmāṇi hiṃsāyuktāni yāni ca || 20 ||

Die Sonne bestimmt seinen Weg; wie ein Insekt wandere er auf der Erde. Handlungen, die auf gewünschte Früchte zielen, mit Verletzung verbunden sind …

Wort-für-Wort-Übersetzung: adhvā – Weg; sūryeṇa – von der Sonne; nirdiṣṭaḥ – bestimmt; kīṭa-vat – wie ein Insekt; vicaret mahīm – soll auf der Erde wandern; āśīḥ-yuktāni – mit Wünschen nach Früchten verbunden; karmāṇi – Handlungen; hiṃsā-yuktāni – mit Verletzung verbunden; yāni ca – welche auch.

Vers 5.21
lokasaṃgrahayuktāni naiva kuryānna kārayet |
nāsacchātreṣu sajjeta nopajīveta jīvikām |
ativādāṃstyajettarkānpakṣaṃ kañcana nāśrayet || 21 ||

… oder auf das Zusammenhalten der Welt gerichtet sind, soll er weder selbst vollziehen noch andere vollziehen lassen. Er hänge sich nicht an schlechte Schüler, suche keinen Erwerbsberuf, meide Streitreden und Argumentationen und schließe sich keiner Partei an.

Wort-für-Wort-Übersetzung: loka-saṃgraha-yuktāni – auf Zusammenhalten der Welt gerichtet; na kuryāt – soll nicht tun; na kārayet – soll nicht tun lassen; na asat-chātreṣu sajjeta – soll nicht an schlechten Schülern hängen; na upajīveta jīvikām – soll keinen Erwerbsberuf suchen; ativādān – Streitreden; tyajet – soll meiden; tarkān – Argumentationen; pakṣam kañcana – irgendeine Partei; na āśrayet – soll sich nicht anschließen.

Textanmerkung: Die Quelle hat nāsacchātreṣu; das wird als na asat-chātreṣu verstanden. Eine Lesung śāstreṣu würde „an schlechten Lehrwerken“ bedeuten.

Vers 5.22
na śiṣyānanubadhnīta granthānnaivābhyasedbahūn |
na vyākhyāmupayuñjīta nārambhānārabhetkvacit || 22 ||

Er binde keine Schüler an sich, studiere nicht viele Bücher, halte sich nicht mit Auslegungen auf und beginne keinerlei Unternehmungen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na śiṣyān anubadhnīta – soll keine Schüler an sich binden; granthān bahūn – viele Bücher; na abhyaset – soll nicht studieren; na vyākhyām upayuñjīta – soll sich nicht mit Auslegungen aufhalten; na ārambhān ārabhet – soll keine Unternehmungen beginnen; kvacit – irgendwo.

Vers 5.23
avyaktaliṅgo'vyaktārtho munirunmattabālavat |
kavirmūkavadātmānaṃ taddṛṣṭyā darśayennṛṇām || 23 ||

Der Weise, dessen Kennzeichen und Absicht unerkennbar bleiben, verhalte sich wie ein Wahnsinniger oder Kind. Als Seher soll er sich den Menschen wie ein Stummer zeigen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: avyakta-liṅgaḥ – mit unerkennbaren Kennzeichen; avyakta-arthaḥ – mit unerkennbarer Absicht; muniḥ – Weiser; unmatta-bāla-vat – wie Wahnsinniger oder Kind; kaviḥ – Seher; mūka-vat – wie ein Stummer; ātmānam – sich selbst; tad-dṛṣṭyā – unter jenem Blick; darśayet – soll zeigen; nṛṇām – den Menschen.

Vers 5.24
na kuryānna vadetkiñcinna dhyāyetsādhvasādhu vā |
ātmārāmo'nayā vṛttyā vicarejjaḍavanmuniḥ || 24 ||

Er soll nichts tun, nichts sagen und weder Gutes noch Schlechtes bedenken. Im Selbst erfreut wandere der Weise nach dieser Lebensart wie ein Einfältiger.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na kuryāt – soll nicht tun; na vadet – soll nicht sagen; kiñcit – irgendetwas; na dhyāyet – soll nicht bedenken; sādhu-asādhu vā – Gutes oder Schlechtes; ātma-ārāmaḥ – im Selbst erfreut; anayā vṛttyā – nach dieser Lebensart; vicaret – soll wandern; jaḍa-vat – wie ein Einfältiger; muniḥ – Weiser.

Vers 5.25
ekaścarenmahīmetāṃ niḥsaṅgaḥ saṃyatendriyaḥ |
ātmakrīḍa ātmaratirātmavānsamadarśanaḥ || 25 ||

Allein wandere er auf dieser Erde, ohne Bindung und mit gezügelten Sinnen, im Selbst spielend, im Selbst erfreut, im Selbst gegründet und alles gleich schauend.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekaḥ – allein; caret – soll wandern; mahīm etām – auf dieser Erde; niḥsaṅgaḥ – ohne Bindung; saṃyata-indriyaḥ – mit gezügelten Sinnen; ātma-krīḍaḥ – im Selbst spielend; ātma-ratiḥ – im Selbst erfreut; ātmavān – im Selbst gegründet; sama-darśanaḥ – alles gleich schauend.

Vers 5.26
budho bālakavatkrīḍetkuśalo jaḍavaccaret |
vadedunmattavadvidvān gocaryāṃ naigamaścaret || 26 ||

Der Weise spiele wie ein Kind; der Kundige gehe wie ein Einfältiger. Der Wissende spreche wie ein Wahnsinniger; der Vedakundige lebe wie eine Kuh.

Wort-für-Wort-Übersetzung: budhaḥ – Weiser; bālaka-vat – wie ein Kind; krīḍet – soll spielen; kuśalaḥ – Kundiger; jaḍa-vat – wie ein Einfältiger; caret – soll gehen; vadet – soll sprechen; unmatta-vat – wie ein Wahnsinniger; vidvān – Wissender; go-caryām – Lebensweise einer Kuh; naigamaḥ – Vedakundiger; caret – soll führen.

Vers 5.27
kṣipto'vamānito'sadbhiḥ pralabdho'sūyito'pi vā |
tāḍitaḥ saṃniruddho vā vṛttyā vā parihāpitaḥ || 27 ||

Von schlechten Menschen verstoßen, missachtet, verspottet oder beneidet, geschlagen, eingesperrt oder seines Unterhalts beraubt …

Wort-für-Wort-Übersetzung: kṣiptaḥ – verstoßen; avamānitaḥ – missachtet; asadbhiḥ – von schlechten Menschen; pralabdhaḥ – verspottet; asūyitaḥ – geneidet, geschmäht; api vā – oder auch; tāḍitaḥ – geschlagen; saṃniruddhaḥ – eingesperrt; vṛttyā parihāpitaḥ – des Unterhalts beraubt.

Textanmerkung: Die Vorlage liest kṣipraḥ („schnell“); die dem Zusammenhang entsprechende Lesung kṣiptaḥ wird als Konjektur eingesetzt.

Vers 5.28
viṣṭhito mūtrito vājñairbahudhaivaṃ prakampitaḥ |
śreyaskāmaḥ kṛcchragata ātmanātmānamuddharet || 28 ||

… von Unwissenden mit Kot oder Urin beschmutzt und auf solche vielfältige Weise erschüttert, soll der nach dem höchsten Heil Verlangende in der Not sich durch sich selbst aufrichten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: viṣṭhitaḥ – mit Kot beschmutzt; mūtritaḥ – mit Urin beschmutzt; ajñaiḥ – von Unwissenden; bahudhā – vielfältig; evam – so; prakampitaḥ – erschüttert; śreyas-kāmaḥ – nach dem höchsten Heil verlangend; kṛcchra-gataḥ – in Not geraten; ātmanā – durch sich selbst; ātmānam – sich selbst; uddharet – soll aufrichten.

Vers 5.29
saṃmānanaṃ parāṃ hāniṃ yogarddheḥ kurute yataḥ |
janenāvamato yogī yogasiddhiṃ ca vindati || 29 ||

Da Ehrung die Entfaltung des Yoga schwer schädigt, erlangt der von den Leuten missachtete Yogi die Vollendung des Yoga.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃmānanam – Ehrung; parām hānim – schweren Schaden; yoga-ṛddheḥ – der Yoga-Entfaltung; kurute – bewirkt; yataḥ – da; janena – von den Leuten; avamataḥ – missachtet; yogī – Yogi; yoga-siddhim – Vollendung des Yoga; vindati – erlangt.

Vers 5.30
tathā careta vai yogī satāṃ dharmamadūṣayan |
janā yathāvamanyerangaccheyurnaiva saṅgatim || 30 ||

Der Yogi verhalte sich, ohne die Ordnung der Guten zu beeinträchtigen, so, dass die Menschen ihn missachten und seine Gesellschaft nicht suchen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tathā careta – soll sich so verhalten; yogī – Yogi; satām dharmam – Ordnung der Guten; adūṣayan – nicht beeinträchtigend; janāḥ – Menschen; yathā – dass; avamanyeran – ihn missachten; gaccheyuḥ na eva – keineswegs aufsuchen; saṅgatim – Gesellschaft.

Vers 5.31
jarāyujāṇḍajādīnāṃ vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ |
yuktaḥ kurvīta na drohaṃ sarvasaṅgāṃśca varjayet || 31 ||

Gesammelt soll er aus Mutterleibern und Eiern geborenen sowie anderen Wesen durch Worte, Gedanken und Handlungen kein Leid zufügen und alle Bindungen meiden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jarāyu-ja – aus Mutterleibern geboren; aṇḍa-ja – aus Eiern geboren; ādīnām – und anderen; vāk-manas-kāya-karmabhiḥ – durch Worte, Gedanken und körperliche Taten; yuktaḥ – gesammelt; kurvīta na droham – soll kein Leid zufügen; sarva-saṅgān – alle Bindungen; varjayet – soll meiden.

Vers 5.32
kāmakrodhau tathā darpalobhamohādayaśca ye |
tāṃstu doṣānparityajya parivrāḍ bhayavarjitaḥ || 32 ||

Verlangen, Zorn, Hochmut, Gier, Verblendung und weitere solche Fehler soll der Wanderasket aufgeben und ohne Furcht sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kāma-krodhau – Verlangen und Zorn; darpa – Hochmut; lobha – Gier; moha-ādayaḥ – Verblendung und weitere; tān doṣān – diese Fehler; parityajya – aufgegeben; parivrāṭ – Wanderasket; bhaya-varjitaḥ – ohne Furcht.

Vers 5.33
bhaikṣāśanaṃ ca maunitvaṃ tapo dhyānaṃ viśeṣataḥ |
samyagjñānaṃ ca vairāgyaṃ dharmo'yaṃ bhikṣuke mataḥ || 33 ||

Almosenspeise, Schweigen, Askese, besonders Meditation, rechte Erkenntnis und Wunschlosigkeit: Dies gilt als die Ordnung des Bettelmönchs.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhaikṣa-aśanam – Almosenspeise; maunitvam – Schweigen; tapaḥ – Askese; dhyānam – Meditation; viśeṣataḥ – besonders; samyak-jñānam – rechte Erkenntnis; vairāgyam – Wunschlosigkeit; dharmaḥ ayam – diese Ordnung; bhikṣuke – für den Bettelmönch; mataḥ – gilt.

Vers 5.34
kāṣāyavāsāḥ satataṃ dhyānayogaparāyaṇaḥ |
grāmānte vṛkṣamūle vā vaseddevālaye'pi vā || 34 ||

Mit ockerfarbenem Gewand, stets der Meditation und dem Yoga hingegeben, wohne er am Dorfrand, unter einem Baum oder in einem Tempel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kāṣāya-vāsāḥ – mit ockerfarbenem Gewand; satatam – stets; dhyāna-yoga-parāyaṇaḥ – Meditation und Yoga hingegeben; grāma-ante – am Dorfrand; vṛkṣa-mūle – an einer Baumwurzel; – oder; vaset – soll wohnen; deva-ālaye – in einem Tempel; api – auch.

Vers 5.35
bhaikṣeṇa vartayennityaṃ naikānnāśī bhavetkvacit |
cittaśuddhirbhavedyāvattāvannityaṃ caretsudhīḥ || 35 ||

Er lebe stets von Almosen und esse niemals nur die Speise eines einzigen Hauses. Der Verständige wandere beständig, bis Reinheit des Geistes entsteht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhaikṣeṇa vartayet – soll von Almosen leben; nityam – stets; na eka-anna-aśī – nicht Speise eines einzigen Hauses essend; bhavet – soll sein; kvacit – jemals; citta-śuddhiḥ – Geistesreinheit; bhavet – entsteht; yāvat tāvat – bis dahin; caret – soll wandern; sudhīḥ – Verständiger.

Vers 5.36
tataḥ pravrajya śuddhātmā saṃcaredyatra kutracit |
bahirantaśca sarvatra sampaśyanhi janārdanam || 36 ||

Danach ziehe er mit reinem Inneren fort und wandere überall, innen und außen an jedem Ort Janardana schauend.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ – danach; pravrajya – fortgezogen; śuddha-ātmā – mit reinem Inneren; saṃcaret – soll wandern; yatra kutracit – überall; bahiḥ-antaḥ – außen und innen; sarvatra – an jedem Ort; sampaśyan – schauend; janārdanam – Janardana, Vishnu.

Vers 5.37
sarvatra vicarenmaunī vāyuvadvītakalmaṣaḥ |
samaduḥkhasukhaḥ kṣānto hastaprāptaṃ ca bhakṣayet || 37 ||

Schweigend und ohne Makel wandere er überall wie der Wind, in Schmerz und Freude gleich, geduldig, und esse, was in seine Hand gelangt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvatra – überall; vicaret – soll wandern; maunī – schweigend; vāyu-vat – wie der Wind; vīta-kalmaṣaḥ – ohne Makel; sama-duḥkha-sukhaḥ – in Schmerz und Freude gleich; kṣāntaḥ – geduldig; hasta-prāptam – in die Hand gelangt; bhakṣayet – soll essen.

Vers 5.38
nirvaireṇa samaṃ paśyandvijagośvamṛgādiṣu |
bhāvayanmanasā viṣṇuṃ paramātmānamīśvaram || 38 ||

Ohne Feindschaft sehe er Zweimalgeborene, Kühe, Pferde, Wildtiere und andere gleich und vergegenwärtige im Geist Vishnu, das höchste Selbst, den Herrn …

Wort-für-Wort-Übersetzung: nirvaireṇa – ohne Feindschaft; samam paśyan – gleich sehend; dvija – Zweimalgeborene; go – Kühe; aśva – Pferde; mṛga – Wildtiere; ādiṣu – und andere; bhāvayan – vergegenwärtigend; manasā – im Geist; viṣṇum – Vishnu; paramātmānam – höchstes Selbst; īśvaram – Herrn.

Abschnitt 5, Schlussvers und Prosa
cinmayaṃ paramānandaṃ brahmaivāhamiti smaran |
jñātvaivaṃ manodaṇḍaṃ dhṛtvā āśānivṛtto bhūtvā
āśāmbaradharo bhūtvā sarvadā manovākkāyakarmabhiḥ
sarvasaṃsāramutsṛjya prapañcāvāṅmukhaḥ
svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyena mukto
bhavatītyupaniṣat ||

… und erinnere: „Ich bin allein das aus Bewusstsein bestehende, höchst glückselige Brahman.“ Dies erkennend, den Geist als Stab tragend, von Hoffnung zurückgetreten und die Richtungen als Gewand tragend, gebe er stets durch Gedanken, Worte und Taten den gesamten Samsara auf. Von der Welt abgewandt werde er durch Betrachtung des eigenen Wesens nach dem Gleichnis von Wespe und Larve befreit: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: cinmayam – aus Bewusstsein bestehend; parama-ānandam – höchste Glückseligkeit; brahma eva aham – ich allein bin Brahman; iti smaran – so erinnernd; jñātvā evam – dies erkannt; mano-daṇḍam dhṛtvā – Geist als Stab tragend; āśā-nivṛttaḥ – von Hoffnung zurückgetreten; āśā-ambara-dharaḥ – Richtungen als Gewand tragend; sarvadā – stets; manas-vāk-kāya-karmabhiḥ – durch Gedanken, Worte und körperliche Taten; sarva-saṃsāram utsṛjya – gesamten Samsara aufgegeben; prapañca-avāṅmukhaḥ – von der Welt abgewandt; svarūpa-anusandhānena – durch Betrachtung des eigenen Wesens; bhramara-kīṭa-nyāyena – nach dem Gleichnis von Wespe und Larve; muktaḥ bhavati – wird befreit; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Schluss des 5. Abschnitts
iti pañcamopadeśaḥ || 5 ||

Damit endet der 5. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; pañcamaḥ – fünfter.

Abschnitt 6, Prosa – Die Gestalt der Erkenntnispraxis
atha nāradaḥ pitāmahamuvāca |
bhagavan tadabhyāsavaśāt bhramakīṭanyāyavattadabhyāsaḥ kathamiti |
tamāha pitāmahaḥ |
satyavāgjñānavairāgyābhyāṃ viśiṣṭadehāvaśiṣṭo
vaset | jñānaṃ śarīraṃ vairāgyaṃ jīvanaṃ viddhi
śāntidāntī netre manomukhaṃ buddhiḥ kalā
pañcaviṃśatitattvānyavayava avasthā
pañcamahābhūtāni karma bhaktijñānavairāgyaṃ śākhā
jāgratsvapnasuṣuptiturīyāścaturdaśakaraṇāni
paṅkastambhākārāṇīti |

Narada sagte zum Großvater: „Erhabener, wie erfolgt diese Übung, durch deren Macht [die Verwandlung] wie im Gleichnis von Wespe und Larve geschieht?“ Der Großvater antwortete: „Wahrhaftig redend soll er mit dem durch Erkenntnis und Wunschlosigkeit ausgezeichneten Körper als einzigem Rest leben. Erkenne Erkenntnis als Körper, Wunschlosigkeit als Leben, Ruhe und Selbstbeherrschung als die beiden Augen, den Geist als Mund, Buddhi als Teil, die fünfundzwanzig Prinzipien als Glieder, die fünf großen Elemente als Zustände, Handlung, Hingabe, Erkenntnis und Wunschlosigkeit als Zweige; Wachen, Traum, Tiefschlaf und das Vierte sowie die vierzehn Instrumente erscheinen wie im Schlamm stehende Pfosten.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; nāradaḥ pitāmaham uvāca – Narada sagte zum Großvater; bhagavan – Erhabener; tad-abhyāsa-vaśāt – durch die Macht dieser Übung; bhrama-kīṭa-nyāya-vat – wie im Gleichnis von Wespe und Larve, verkürzte Wortform; tad-abhyāsaḥ katham – wie erfolgt diese Übung; tam āha pitāmahaḥ – der Großvater sagte ihm; satya-vāk – wahrhaftig redend; jñāna-vairāgyābhyām – durch Erkenntnis und Wunschlosigkeit; viśiṣṭa-deha-avaśiṣṭaḥ – ausgezeichneten Körper als Rest behaltend; vaset – soll leben; jñānam śarīram – Erkenntnis als Körper; vairāgyam jīvanam – Wunschlosigkeit als Leben; viddhi – erkenne; śānti-dāntī netre – Ruhe und Beherrschung als Augen; manaḥ mukham – Geist als Mund; buddhiḥ kalā – Buddhi als Teil; pañcaviṃśati-tattvāni – fünfundzwanzig Prinzipien; avayavāḥ – Glieder; avasthāḥ – Zustände; pañca-mahābhūtāni – fünf große Elemente; karma-bhakti-jñāna-vairāgyam – Handlung, Hingabe, Erkenntnis und Wunschlosigkeit; śākhā – Zweige; jāgrat-svapna-suṣupti-turīyāḥ – Wachen, Traum, Tiefschlaf und das Vierte; caturdaśa-karaṇāni – vierzehn Instrumente; paṅka-stambha-ākārāṇi – wie Pfosten im Schlamm.

Textanmerkung: Die lange bildliche Aufzählung hat in der Quelle unregelmäßige Kasus und Übergänge. Die Zuordnung ab avasthā ist deshalb vorläufig, die einzelnen Begriffe sind vollständig erhalten.

Abschnitt 6, Prosa – Das Bekenntnis zu Brahman
evamapi nāvamatipaṅkaṃ karṇadhāra
iva yanteva gajaṃ svabuddhyā vaśīkṛtya svavyatiriktaṃ sarvaṃ
kṛtakaṃ naśvaramiti matvā viraktaḥ puruṣaḥ sarvadā
brahmāhamiti vyavaharennānyatkiñcidveditavyaṃ svavyatirekeṇa |
jīvanmukto vasetkṛtakṛtyo bhavati |

Wie ein Steuermann das Boot über den Schlamm führt und ein Lenker den Elefanten beherrscht, bringe der entsagte Mensch [das zu Lenkende] durch seine Einsicht unter Kontrolle. Er erkenne alles von ihm Verschiedene als gemacht und vergänglich und lebe stets im Bewusstsein: „Ich bin Brahman.“ Nichts anderes außer ihm selbst ist zu erkennen. Als zu Lebzeiten Befreiter lebe er; er hat vollbracht, was zu vollbringen war.

Wort-für-Wort-Übersetzung: evam api – auch so; nāvam – Boot; ati-paṅkam – über den Schlamm; karṇa-dhāraḥ iva – wie ein Steuermann; yantā iva – wie ein Lenker; gajam – Elefanten; sva-buddhyā – durch eigene Einsicht; vaśīkṛtya – unter Kontrolle gebracht; sva-vyatiriktam – von sich verschieden; sarvam kṛtakam naśvaram – alles gemacht und vergänglich; iti matvā – so erkannt; viraktaḥ puruṣaḥ – entsagter Mensch; sarvadā – stets; brahma aham iti – ich bin Brahman; vyavaharet – soll leben, sich verhalten; na anyat kiñcit veditavyam – nichts anderes ist zu erkennen; sva-vyatirekeṇa – außer sich selbst; jīvanmuktaḥ vaset – soll als zu Lebzeiten Befreiter leben; kṛta-kṛtyaḥ bhavati – hat vollbracht, was zu vollbringen war.

Textanmerkung: Die Verbindung nāvamati-paṅkam ist elliptisch; die Übersetzung des Bootsbildes ist sinngemäß, nicht eine gesicherte Rekonstruktion fehlender Wörter.

Abschnitt 6, Prosa – Die Zustände ineinander
na nāhaṃ brahmeti
vyavaharetkintu brahmāhamasmītyajasraṃ jāgratsvapnasuṣuptiṣu |
turīyāvasthāṃ prāpya turīyātītatvaṃ vrajeddivā jāgrannaktaṃ
svapnaṃ suṣuptamardharātraṃ gatamityekāvasthāyāṃ
catasro'vasthāstvekaikakaraṇādhīnānāṃ caturdaśakaraṇānāṃ vyāpāraścakṣurādīnām |

Er soll sich nicht nach dem Gedanken „Ich bin nicht Brahman“ richten, sondern unablässig nach „Ich bin Brahman“, im Wachen, Traum und Tiefschlaf. Nachdem er den vierten Zustand erlangt hat, gelange er über das Vierte hinaus. Am Tag besteht Wachen, nachts Traum, um Mitternacht Tiefschlaf. So bestehen in einem Zustand vier Zustände, abhängig von den einzelnen Instrumenten; dies ist die Tätigkeit der vierzehn Instrumente, beginnend mit den Augen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na na aham brahma iti vyavaharet – soll sich nicht nach „Ich bin nicht Brahman“ richten; kintu – sondern; brahma aham asmi – ich bin Brahman; ajasram – unablässig; jāgrat-svapna-suṣuptiṣu – im Wachen, Traum und Tiefschlaf; turīya-avasthām prāpya – vierten Zustand erlangt; turīya-atītatvam vrajet – soll über das Vierte hinausgelangen; divā – am Tag; jāgrat – Wachen; naktam – nachts; svapnam – Traum; suṣuptam – Tiefschlaf; ardha-rātram – Mitternacht; gatam – erreicht; eka-avasthāyām – in einem Zustand; catasraḥ avasthāḥ – vier Zustände; eka-eka-karaṇa-adhīnānām – abhängig vom einzelnen Instrument; caturdaśa-karaṇānām – der vierzehn Instrumente; vyāpāraḥ – Tätigkeit; cakṣur-ādīnām – beginnend mit den Augen.

Textanmerkung: Die Tageszeiten sind die schematische Zuordnung der Quelle, keine allgemeine Schlafregel.

Abschnitt 6, Prosa – Funktionen der Sinne
cakṣuṣo rūpagrahaṇaṃ śrotrayoḥ śabdagrahaṇaṃ
jihvāyā rasāsvādanaṃ ghrāṇasya gandhagrahaṇaṃ
vacaso vāgvyāpāraḥ pāṇerādānaṃ pādayoḥ saṃcāraḥ
pāyorutsarga upasthasyānandagrahaṇaṃ tvacaḥ sparśagrahaṇam |
tadadhīnā ca viṣayagrahaṇabuddhiḥ buddhyā buddhyati
cittena cetayatyahaṅkāreṇāhaṅkaroti | visṛjya jīva
etāndehābhimānena jīvo bhavati | gṛhābhimānena gṛhastha
iva śarīre jīvaḥ saṃcarati |

Das Auge erfasst Formen, die Ohren Laute, die Zunge schmeckt, die Nase erfasst Gerüche; die Rede hat die Tätigkeit des Sprechens, die Hand die des Ergreifens, die Füße die des Gehens, der After die des Ausscheidens, das Geschlechtsorgan die des Lustempfindens, die Haut die des Berührens. Von ihnen hängt auch das Erkennen der Sinnesgegenstände ab. Durch Buddhi versteht man, durch Chitta nimmt man bewusst wahr, durch Ahamkara bildet man das Ich. Indem der Jiva diese [Funktionen] entlässt, wird er durch Identifikation mit dem Körper zum Jiva [die Verbindung ist unklar]. Wie jemand durch Identifikation mit dem Haus zum Haushälter wird, bewegt der Jiva sich im Körper.

Wort-für-Wort-Übersetzung: cakṣuṣaḥ rūpa-grahaṇam – Formenerfassung des Auges; śrotrayoḥ śabda-grahaṇam – Lauterfassung der Ohren; jihvāyāḥ rasa-āsvādanam – Geschmack der Zunge; ghrāṇasya gandha-grahaṇam – Geruchserfassung der Nase; vacasaḥ vāk-vyāpāraḥ – Sprechtätigkeit der Rede; pāṇeḥ ādānam – Ergreifen der Hand; pādayoḥ saṃcāraḥ – Gehen der Füße; pāyoḥ utsargaḥ – Ausscheidung des Afters; upasthasya ānanda-grahaṇam – Lustempfinden des Geschlechtsorgans; tvacaḥ sparśa-grahaṇam – Berührungserfassung der Haut; tad-adhīnā – davon abhängig; viṣaya-grahaṇa-buddhiḥ – Erkennen der Gegenstände; buddhyā buddhyati – durch Buddhi versteht man; cittena cetayati – durch Chitta nimmt man wahr; ahaṅkāreṇa ahaṅkaroti – durch Ahamkara bildet man das Ich; visṛjya – entlassen; jīvaḥ – Jiva; etān – diese; deha-abhimānena – durch Körperidentifikation; jīvaḥ bhavati – wird zum Jiva; gṛha-abhimānena – durch Hausidentifikation; gṛhasthaḥ iva – wie ein Haushälter; śarīre – im Körper; saṃcarati – bewegt sich.

Textanmerkung: Die Sequenz visṛjya jīva etān ... ist in der Vorlage nicht widerspruchsfrei. Ihr erkennbarer Kern ist die Entstehung des individuellen Jiva durch Körperidentifikation.

Abschnitt 6, Prosa – Der innere Lotus
prāgdale puṇyāvṛttirāgneyāṃ
nidrālasyau dakṣiṇāyāṃ krauryabuddhirnairṛtyāṃ pāpabuddhiḥ
paścime krīḍāratirvāyavyāṃ gamane buddhiruttare śāntirīśānye
jñānaṃ karṇikāyāṃ vairāgyaṃ kesareṣvātmacintā ityevaṃ
vaktraṃ jñātvā jīvadavasthāṃ prathamaṃ jāgraddvitīyaṃ
svapnaṃ tṛtīyaṃ suṣuptaṃ caturthaṃ turīyaṃ caturbhirvirahitaṃ
turīyātītam | viśvataijasaprājñataṭasthabhedaireka eva eko devaḥ
sākṣī nirguṇaśca tadbrahmāhamiti vyāharet |

Im östlichen Blatt liegt die Hinwendung zum Guten; im südöstlichen Schlaf und Trägheit, im südlichen grausame Gesinnung, im südwestlichen sündige Gesinnung, im westlichen Spielfreude, im nordwestlichen die Neigung zum Gehen, im nördlichen Frieden, im nordöstlichen Erkenntnis. Im Fruchtboden liegt Wunschlosigkeit, in den Staubfäden Betrachtung des Selbst. Nachdem man diese Gestalt [der Vorlage: „Mund“] erkannt hat, [unterscheide man] die Zustände des Lebenden: zuerst Wachen, zweitens Traum, drittens Tiefschlaf, viertens das Vierte; das von diesen vier Freie ist das Über-das-Vierte-Hinaus. Durch die Unterschiede Vishva, Taijasa, Prajna und der Unbeteiligte bleibt es doch eines: der eine Gott, Zeuge und ohne Eigenschaften. Man spreche: „Dieses Brahman bin ich.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: prāk-dale – im östlichen Blatt; puṇya-āvṛttiḥ – Hinwendung zum Guten; āgneyām – im Südosten; nidrā-ālasyau – Schlaf und Trägheit; dakṣiṇāyām – im Süden; kraurya-buddhiḥ – grausame Gesinnung; nairṛtyām – im Südwesten; pāpa-buddhiḥ – sündige Gesinnung; paścime – im Westen; krīḍā-ratiḥ – Spielfreude; vāyavyām – im Nordwesten; gamane buddhiḥ – Neigung zum Gehen; uttare – im Norden; śāntiḥ – Frieden; īśānye – im Nordosten; jñānam – Erkenntnis; karṇikāyām – im Fruchtboden; vairāgyam – Wunschlosigkeit; kesareṣu – in den Staubfäden; ātma-cintā – Selbstbetrachtung; evam – so; vaktram – Mund, hier wohl Gestalt des Lotus; jñātvā – erkannt; jīvat-avasthām – Zustand des Lebenden; prathamam jāgrat – zuerst Wachen; dvitīyam svapnam – zweitens Traum; tṛtīyam suṣuptam – drittens Tiefschlaf; caturtham turīyam – viertens das Vierte; caturbhiḥ virahitam – von den vier frei; turīyātītam – über das Vierte hinaus; viśva-taijasa-prājña-taṭastha-bhedaiḥ – durch die Unterschiede Vishva, Taijasa, Prajna und Unbeteiligter; ekaḥ eva – doch einer; ekaḥ devaḥ – ein Gott; sākṣī – Zeuge; nirguṇaḥ – ohne Eigenschaften; tat brahma aham – dieses Brahman bin ich; vyāharet – soll sprechen.

Abschnitt 6, Prosa – Der eine Zeuge
no cejjāgradavasthāyāṃ jāgradādicatasro'vasthāḥ svapne
svapnādicatasro'vasthāḥ suṣupte suṣuptyādicatasro'vasthāḥ
turīye turīyādicatasro'vasthāḥ natvevaṃ turīyātītasya nirguṇasya |
sthūlasūkṣmakāraṇarūpairviśvataijasaprājñeśvaraiḥ
sarvāvasthāsu sākṣī tveka evāvatiṣṭhate |

Andernfalls bestehen im Wachzustand vier Zustände, beginnend mit Wachen; im Traum vier, beginnend mit Traum; im Tiefschlaf vier, beginnend mit Tiefschlaf; im Vierten vier, beginnend mit dem Vierten. Beim eigenschaftslosen Über-das-Vierte-Hinaus verhält es sich nicht so. In sämtlichen Zuständen, bei Vishva, Taijasa, Prajna und Ishvara mit den Gestalten des Groben, Feinen und Ursächlichen, bleibt der Zeuge allein einer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na u cet – andernfalls; jāgrat-avasthāyām – im Wachzustand; jāgrat-ādi-catasraḥ avasthāḥ – vier Zustände ab Wachen; svapne – im Traum; svapna-ādi – ab Traum; suṣupte – im Tiefschlaf; suṣupti-ādi – ab Tiefschlaf; turīye – im Vierten; turīya-ādi – ab dem Vierten; na tu evam – aber nicht so; turīyātītasya – beim Über-das-Vierte-Hinaus; nirguṇasya – dem Eigenschaftslosen; sthūla-sūkṣma-kāraṇa-rūpaiḥ – mit groben, feinen und ursächlichen Gestalten; viśva-taijasa-prājña-īśvaraiḥ – bei Vishva, Taijasa, Prajna und Ishvara; sarva-avasthāsu – in allen Zuständen; sākṣī – Zeuge; ekaḥ eva avatiṣṭhate – bleibt allein einer.

Abschnitt 6, Prosa – Körperidentifikation und Atemmantra
uta taṭastho draṣṭā
taṭastho na draṣṭā draṣṭṛtvānna draṣṭaiva kartṛtvabhoktṛtva
ahaṅkārādibhiḥ spṛṣṭo jīvaḥ jīvetaro na spṛṣṭaḥ | jīvo'pi
na spṛṣṭa iti cenna | jīvābhimānena kṣetrābhimānaḥ |
śarīrābhimānena jīvatvam | jīvatvaṃ ghaṭākāśamahākāśavadvyavadhāne'sti | vyavadhānavaśādeva haṃsaḥ so'hamiti
mantreṇocchvāsaniḥśvāsavyapadeśenānusandhānaṃ karoti |
evaṃ vijñāya śarīrābhimānaṃ tyajenna śarīrābhimānī bhavati |
sa eva brahmetyucyate|

Der Unbeteiligte ist der Seher; der Unbeteiligte ist nicht der Seher; aufgrund des Seherseins ist er nicht bloß Seher [so die schwierige Wortfolge]. Der Jiva wird durch Täterschaft, Genießerschaft, Ichbildung und Weiteres berührt; das vom Jiva Verschiedene wird nicht berührt. Wenn man sagt, auch der Jiva werde nicht berührt, lautet die Antwort: nein. Durch Identifikation als Jiva entsteht Identifikation mit dem Feld; durch Körperidentifikation entsteht Individualität. Individualität besteht aufgrund einer Abgrenzung, wie beim Topfraum gegenüber dem großen Raum. Gerade aufgrund dieser Abgrenzung übt man mit dem Mantra „haṃsaḥ, so’ham“ die Betrachtung in der Bezeichnung von Aus- und Einatmen. Dies erkennend gebe man die Identifikation mit dem Körper auf und werde keiner, der sich mit dem Körper identifiziert. Eben der wird Brahman genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: uta – ferner; taṭasthaḥ – Unbeteiligter; draṣṭā – Seher; na draṣṭā – nicht Seher; draṣṭṛtvāt – wegen Seherseins; na draṣṭā eva – nicht bloß Seher; kartṛtva – Täterschaft; bhoktṛtva – Genießerschaft; ahaṅkāra-ādibhiḥ – durch Ichbildung und Weiteres; spṛṣṭaḥ – berührt; jīvaḥ – individuelles Wesen; jīva-itaraḥ – vom Jiva Verschiedenes; na spṛṣṭaḥ – nicht berührt; jīvaḥ api na spṛṣṭaḥ iti cet – wenn man sagt, auch Jiva werde nicht berührt; na – nein; jīva-abhimānena – durch Jiva-Identifikation; kṣetra-abhimānaḥ – Identifikation mit dem Feld; śarīra-abhimānena – durch Körperidentifikation; jīvatvam – Individualität; ghaṭa-ākāśa-mahā-ākāśa-vat – wie Topfraum und großer Raum; vyavadhāne – bei Abgrenzung; asti – besteht; vyavadhāna-vaśāt – aufgrund der Abgrenzung; haṃsaḥ – Hamsa; saḥ aham – er bin ich; iti mantreṇa – mit diesem Mantra; ucchvāsa-niḥśvāsa-vyapadeśena – in der Bezeichnung von Aus- und Einatmen; anusandhānam karoti – übt Betrachtung; evam vijñāya – dies erkannt; śarīra-abhimānam tyajet – soll Körperidentifikation aufgeben; na śarīra-abhimānī bhavati – wird keiner, der sich mit dem Körper identifiziert; saḥ eva brahma iti ucyate – eben der wird Brahman genannt.

Textanmerkung: Die erste Periode wiederholt widersprüchlich draṣṭā und na draṣṭā. Eine mögliche Verwechslung mit dṛśya („Gesehenes“) lässt sich ohne weitere Textzeugen nicht sichern. Der Wortlaut wird deshalb offengelegt.

Abschnitt 6, Vers 6.1
tyaktasaṅgo jitakrodho laghvāhāro jitendriyaḥ |
pidhāya buddhyā dvārāṇi mano dhyāne niveśayet || 1 ||

Bindung aufgegeben, Zorn bezwungen, wenig essend und mit beherrschten Sinnen soll er durch Einsicht die Tore verschließen und den Geist in die Meditation führen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tyakta-saṅgaḥ – Bindung aufgegeben; jita-krodhaḥ – Zorn bezwungen; laghu-āhāraḥ – wenig essend; jita-indriyaḥ – mit beherrschten Sinnen; pidhāya – verschlossen; buddhyā – durch Einsicht; dvārāṇi – Tore; manaḥ – Geist; dhyāne – in Meditation; niveśayet – soll führen.

Vers 6.2
śūnyeṣvevāvakāśeṣu guhāsu ca vaneṣu ca |
nityayuktaḥ sadā yogī dhyānaṃ samyagupakramet || 2 ||

An leeren, offenen Orten, in Höhlen und Wäldern soll der Yogi stets gesammelt sein und die Meditation richtig beginnen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śūnyeṣu avakāśeṣu – an leeren offenen Orten; guhāsu – in Höhlen; vaneṣu – in Wäldern; nitya-yuktaḥ – stets gesammelt; sadā – immer; yogī – Yogi; dhyānam – Meditation; samyak – richtig; upakramet – soll beginnen.

Vers 6.3
ātithyaśrāddhayajñeṣu devayātrotsaveṣu ca |
mahājaneṣu siddhyarthī na gacchedyogavitkvacit || 3 ||

Zu Gastmählern, Ahnenriten, Opfern, Götterprozessionen, Festen und großen Menschenansammlungen soll der Yogakundige, der Vollendung sucht, niemals gehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ātithya – Gastmähler; śrāddha – Ahnenriten; yajñeṣu – bei Opfern; deva-yātrā – Götterprozessionen; utsaveṣu – bei Festen; mahājaneṣu – bei großen Menschenansammlungen; siddhi-arthī – Vollendung suchend; na gacchet – soll nicht gehen; yoga-vit – Yogakundiger; kvacit – jemals.

Vers 6.4
yathainamavamanyante janāḥ paribhavanti ca |
tathā yuktaścedyogī satāṃ vartma na dūṣayet || 4 ||

Er soll so gesammelt sein, dass die Menschen ihn geringschätzen und verachten; dabei soll der Yogi den Weg der Guten nicht beeinträchtigen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yathā – dass; enam – ihn; avamanyante – geringschätzen; janāḥ – Menschen; paribhavanti – verachten; tathā yuktaḥ – so gesammelt; cet – wenn; yogī – Yogi; satām vartma – Weg der Guten; na dūṣayet – soll nicht beeinträchtigen.

Vers 6.5
vāgdaṇḍaḥ karmadaṇḍaśca manodaṇḍaśca te trayaḥ |
yasyaite niyatā daṇḍāḥ sa tridaṇḍī mahāyatiḥ || 5 ||

Der Stab der Rede, der Stab der Handlung und der Stab des Geistes: Dies sind die drei. Wer diese Stäbe unter Kontrolle hat, ist ein großer Asket mit Dreifachstab.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāk-daṇḍaḥ – Stab der Rede; karma-daṇḍaḥ – Stab der Handlung; manas-daṇḍaḥ – Stab des Geistes; te trayaḥ – diese drei; yasya ete – dessen diese; niyatāḥ – unter Kontrolle; daṇḍāḥ – Stäbe; saḥ tridaṇḍī – der Träger des Dreifachstabs; mahā-yatiḥ – großer Asket.

Vers 6.6
vidhūme ca praśāntāgnau yastu mādhukarīṃ caret |
gṛhe ca vipramukhyānāṃ yatiḥ sarvottamaḥ smṛtaḥ || 6 ||

Der Asket, der nach Bienenart Almosen sammelt, wenn kein Rauch mehr aufsteigt und das Feuer erloschen ist, in den Häusern vorzüglicher Brahmanen, gilt als der beste von allen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vidhūme – ohne Rauch; praśānta-agnau – bei erloschenem Feuer; yaḥ – wer; mādhukarīm caret – sammelt nach Bienenart; gṛhe – in Häusern; vipra-mukhyānām – vorzüglicher Brahmanen; yatiḥ – Asket; sarva-uttamaḥ – der beste von allen; smṛtaḥ – gilt.

Textanmerkung: Die Vorlage hat viprmukhyānām; im Sanskrit wird vipramukhyānām normalisiert.

Vers 6.7
daṇḍabhikṣāṃ ca yaḥ kuryātsvadharme vyasanaṃ vinā |
yastiṣṭhati na vairāgyaṃ yāti nīcayatirhi saḥ || 7 ||

Wer nur Stab und Almosengang betreibt, ohne sich der eigenen Ordnung zu widmen, darin stehen bleibt und nicht zur Wunschlosigkeit gelangt, ist ein niedriger Asket.

Wort-für-Wort-Übersetzung: daṇḍa-bhikṣām – Stab und Almosengang; yaḥ kuryāt – wer betreibt; sva-dharme – in eigener Ordnung; vyasanam vinā – ohne Hingabe; yaḥ tiṣṭhati – wer dabei stehen bleibt; na vairāgyam yāti – nicht zur Wunschlosigkeit gelangt; nīca-yatiḥ – niedriger Asket; saḥ – er.

Vers 6.8
yasmingṛhe viśeṣeṇa labhedbhikṣāṃ ca vāsanāt |
tatra no yāti yo bhūyaḥ sa yatirnetaraḥ smṛtaḥ || 8 ||

Wer zu einem Haus, in dem er besonders begehrte Almosen erhielt, nicht erneut geht, gilt als Asket; der andere nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasmin gṛhe – in welchem Haus; viśeṣeṇa – besonders; labhet – erhält; bhikṣām – Almosen; vāsanāt – aus Neigung, aufgrund eines Wunsches; tatra – dorthin; na yāti – geht nicht; yaḥ bhūyaḥ – wer erneut; saḥ yatiḥ – der Asket; na itaraḥ – nicht der andere; smṛtaḥ – gilt.

Vers 6.9
yaḥ śarīrendriyādibhyo vihīnaṃ sarvasākṣiṇam |
pāramārthika vijñānaṃ sukhātmānaṃ svayaṃprabham || 9 ||

Wer das von Körper, Sinnen und anderem freie, alles bezeugende, wahrhaftige Erkennen, das Wesen des Glücks, das aus sich selbst Leuchtende …

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ – wer; śarīra-indriya-ādibhyaḥ – von Körper, Sinnen und anderem; vihīnam – frei; sarva-sākṣiṇam – alles bezeugend; pāramārthika-vijñānam – wahrhaftiges Erkennen; sukha-ātmānam – Glück als Wesen; svayam-prabham – aus sich selbst leuchtend.

Vers 6.10
paratattvaṃ vijānāti so'tivarṇāśramī bhavet |
varṇāśramādayo dehe māyayā parikalpitāḥ || 10 ||

… als höchste Wirklichkeit erkennt, steht über Varna und Lebensstand. Varna, Lebensstand und Ähnliches sind durch Maya im Körper vorgestellt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: para-tattvam – höchste Wirklichkeit; vijānāti – erkennt; saḥ – er; ati-varṇa-āśramī – über Varna und Lebensstand stehend; bhavet – ist; varṇa-āśrama-ādayaḥ – Varna, Lebensstand und Weiteres; dehe – im Körper; māyayā – durch Maya; parikalpitāḥ – vorgestellt.

Vers 6.11
nātmano bodharūpasya mama te santi sarvadā |
iti yo veda vedāntaiḥ so'tivarṇāśramī bhavet || 11 ||

„Sie bestehen niemals in mir, dem Selbst, dessen Wesen Erkenntnis ist“: Wer dies durch die Vedanta-Lehren weiß, steht über Varna und Lebensstand.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na ātmanaḥ – nicht im Selbst; bodha-rūpasya – dessen Wesen Erkenntnis ist; mama – in mir; te – diese; santi – bestehen; sarvadā – jemals, mit Verneinung niemals; iti yaḥ veda – wer dies weiß; vedāntaiḥ – durch Vedanta-Lehren; saḥ – er; ati-varṇa-āśramī – über Varna und Lebensstand stehend; bhavet – ist.

Vers 6.12
yasya varṇāśramācāro galitaḥ svātmadarśanāt |
sa varṇānāśramānsarvānatītya svātmani sthitaḥ || 12 ||

Wessen Ordnung von Varna und Lebensstand durch die Schau des eigenen Selbst abgefallen ist, der hat alle Varnas und Lebensstände überschritten und steht im eigenen Selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya – dessen; varṇa-āśrama-ācāraḥ – Ordnung von Varna und Lebensstand; galitaḥ – abgefallen; sva-ātma-darśanāt – durch Schau des eigenen Selbst; saḥ – er; varṇān āśramān sarvān – alle Varnas und Lebensstände; atītya – überschritten; sva-ātmani sthitaḥ – im eigenen Selbst stehend.

Vers 6.13
yo'tītya svāśramānvarṇānātmanyeva sthitaḥ pumān |
so'tivarṇāśramī proktaḥ sarvavedārthavedibhiḥ || 13 ||

Den Menschen, der seine Lebensstände und Varnas überschritten hat und allein im Selbst steht, nennen die Kenner des Sinns aller Veden einen, der über Varna und Lebensstand steht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ – wer; atītya – überschritten; sva-āśramān varṇān – eigene Lebensstände und Varnas; ātmani eva sthitaḥ – allein im Selbst stehend; pumān – Mensch; saḥ – er; ati-varṇa-āśramī – über Varna und Lebensstand stehend; proktaḥ – genannt; sarva-veda-artha-vedibhiḥ – von Kennern des Sinns aller Veden.

Vers 6.14
tasmādanyagatā varṇā āśramā api nārada |
ātmanyāropitāḥ sarve bhrāntyā tenātmavedinā || 14 ||

Deshalb gehören Varnas und Lebensstände, o Narada, zu etwas anderem; alle werden aus Verblendung dem Selbst zugeschrieben – [so erkennt es] der Selbstkenner.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmāt – deshalb; anya-gatāḥ – zu anderem gehörig; varṇāḥ – Varnas; āśramāḥ – Lebensstände; api – auch; nārada – o Narada; ātmani – dem Selbst; āropitāḥ – zugeschrieben; sarve – alle; bhrāntyā – aus Verblendung; tena – von ihm; ātma-vedinā – dem Selbstkenner.

Textanmerkung: Der Schluss tena ātma-vedinā ist syntaktisch unvollständig; die in Klammern ergänzte Erkenntnisaussage ist eine Kontextergänzung.

Vers 6.15
na vidhirna niṣedhaśca varjyāvarjya kalpanā |
brahmavijñānināmasti tathā nānyacca nārada || 15 ||

Für Brahmankenner bestehen weder Gebot noch Verbot, weder Vorstellung von zu Meidendem noch von Nichtzumeidendem, und ebenso nichts anderes, o Narada.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na vidhiḥ – kein Gebot; na niṣedhaḥ – kein Verbot; varjya-avarjya-kalpanā – Vorstellung von zu Meidendem und Nichtzumeidendem; brahma-vijñāninām – für Brahmankenner; asti – besteht; tathā – ebenso; na anyat – nichts anderes; nārada – o Narada.

Vers 6.16
virajya sarvabhūtebhya āviriñcipadādapi |
ghṛṇāṃ vipāṭhya sarvasminputramitrādikeṣvapi || 16 ||

Von allen Wesen bis hin zum Rang Virinchis abgewandt, die zärtliche Bindung an alles zerschneidend, auch an Söhne und Freunde …

Wort-für-Wort-Übersetzung: virajya – abgewandt; sarva-bhūtebhyaḥ – von allen Wesen; ā-viriñci-padāt api – bis hin zum Rang Virinchis, Brahmas; ghṛṇām – Mitgefühl, hier zärtliche Bindung; vipāṭya – zerrissen; sarvasmin – gegenüber allem; putra-mitra-ādikeṣu api – auch bei Söhnen, Freunden und anderen.

Vers 6.17
śraddhālurmuktimārgeṣu vedāntajñānalipsayā |
upāyanakaro bhūtvā guruṃ brahmavidaṃ vrajet || 17 ||

… soll er den Befreiungswegen vertrauen und, nach Vedanta-Erkenntnis verlangend, mit einer Gabe zum brahmankundigen Lehrer gehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śraddhāluḥ – vertrauend; mukti-mārgeṣu – den Befreiungswegen; vedānta-jñāna-lipsayā – aus Verlangen nach Vedanta-Erkenntnis; upāyana-karaḥ – mit einer Gabe in der Hand; bhūtvā – geworden; gurum – zum Lehrer; brahma-vidam – Brahman kennend; vrajet – soll gehen.

Vers 6.18
sevābhiḥ paritoṣyainaṃ cirakālaṃ samāhitaḥ |
sadā vedāntavākyārthaṃ śṛṇuyātsusamāhitaḥ || 18 ||

Lange Zeit gesammelt soll er ihn durch Dienste zufriedenstellen und stets sehr gesammelt den Sinn der Vedanta-Sätze hören.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sevābhiḥ – durch Dienste; paritoṣya – zufriedengestellt; enam – ihn; cira-kālam – lange Zeit; samāhitaḥ – gesammelt; sadā – stets; vedānta-vākya-artham – Sinn der Vedanta-Sätze; śṛṇuyāt – soll hören; susamāhitaḥ – sehr gesammelt.

Vers 6.19
nirmamo nirahaṅkāraḥ sarvasaṅgavivarjitaḥ |
sadā śāntyādiyuktaḥ sannātmavānātmānamīkṣate || 19 ||

Ohne Meinsinn und Ichbewusstsein, von allen Bindungen frei und stets mit Ruhe und den weiteren Eigenschaften versehen, schaut er als im Selbst Gegründeter das Selbst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nirmamaḥ – ohne Meinsinn; nirahaṅkāraḥ – ohne Ichbewusstsein; sarva-saṅga-vivarjitaḥ – von allen Bindungen frei; sadā – stets; śānti-ādi-yuktaḥ – mit Ruhe und weiteren Eigenschaften versehen; san – seiend; ātmavān – im Selbst gegründet; ātmānam īkṣate – schaut das Selbst.

Textanmerkung: Die beschädigte Fügung sannātmanvā wird zu sannātmavān normalisiert.

Vers 6.20
saṃsāradoṣadṛṣṭyaiva viraktirjāyate sadā |
viraktasya tu saṃsārātsaṃnyāsaḥ syānna saṃśayaḥ || 20 ||

Stets entsteht Entsagung gerade durch das Erkennen der Mängel des Samsara. Für den, der sich vom Samsara gelöst hat, ergibt sich Entsagung, ohne Zweifel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃsāra-doṣa-dṛṣṭyā – durch Erkennen der Mängel des Samsara; eva – gerade; viraktiḥ – Wunschlosigkeit; jāyate – entsteht; sadā – stets; viraktasya – für den Gelösten; saṃsārāt – vom Samsara; saṃnyāsaḥ – Entsagung; syāt – ergibt sich; na saṃśayaḥ – ohne Zweifel.

Vers 6.21
mumukṣuḥ parahaṃsākhyaḥ sākṣānmokṣaikasādhanam |
abhyasedbrahmavijñānaṃ vedāntaśravaṇādinā || 21 ||

Der nach Befreiung Verlangende, der Paramahamsa genannt wird, soll durch Hören der Vedanta-Lehren und Weiteres die Brahmanerkenntnis üben, das unmittelbare einzige Mittel zur Befreiung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mumukṣuḥ – nach Befreiung Verlangender; paramahaṃsa-ākhyaḥ – Paramahamsa genannt; sākṣāt – unmittelbar; mokṣa-eka-sādhanam – einziges Mittel zur Befreiung; abhyaset – soll üben; brahma-vijñānam – Brahmanerkenntnis; vedānta-śravaṇa-ādinā – durch Hören der Vedanta-Lehren und Weiteres.

Vers 6.22
brahmavijñānalābhāya parahaṃsa samāhvayaḥ |
śāntidāntyādibhiḥ sarvaiḥ sādhanaiḥ sahito bhavet || 22 ||

Um Brahmanerkenntnis zu erlangen, soll der Paramahamsa Genannte mit sämtlichen Voraussetzungen wie Ruhe und Selbstbeherrschung versehen sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahma-vijñāna-lābhāya – zum Erlangen der Brahmanerkenntnis; paramahaṃsa-samāhvayaḥ – Paramahamsa genannt; śānti-dānti-ādibhiḥ – mit Ruhe, Selbstbeherrschung und Weiterem; sarvaiḥ sādhanaiḥ – mit allen Voraussetzungen; sahitaḥ bhavet – soll versehen sein.

Vers 6.23
vedāntābhyāsanirataḥ śānto dānto jitendriyaḥ |
nirbhayo nirmamo nityo nirdvandvo niṣparigrahaḥ || 23 ||

Dem Vedanta-Studium hingegeben, ruhig, beherrscht, mit bezwungenen Sinnen, furchtlos, ohne Meinsinn, beständig, frei von Gegensätzen und besitzlos …

Wort-für-Wort-Übersetzung: vedānta-abhyāsa-nirataḥ – Vedanta-Studium hingegeben; śāntaḥ – ruhig; dāntaḥ – beherrscht; jita-indriyaḥ – mit bezwungenen Sinnen; nirbhayaḥ – furchtlos; nirmamaḥ – ohne Meinsinn; nityaḥ – beständig; nirdvandvaḥ – frei von Gegensätzen; niṣparigrahaḥ – besitzlos.

Vers 6.24
jīrṇakaupīnavāsāḥ syānmuṇḍī nagno'thavā bhavet |
prājño vedāntavidyogī nirmamo nirahaṅkṛtiḥ || 24 ||

… trage er einen alten Lendenschurz, sei geschoren oder nackt: ein einsichtiger, vedantakundiger Yogi, ohne Meinsinn und Ichbildung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jīrṇa-kaupīna-vāsāḥ – mit altem Lendenschurz bekleidet; syāt – soll sein; muṇḍī – geschoren; nagnaḥ athavā – oder nackt; bhavet – soll sein; prājñaḥ – einsichtig; vedānta-vit – Vedanta kennend; yogī – Yogi; nirmamaḥ – ohne Meinsinn; nirahaṅkṛtiḥ – ohne Ichbildung.

Vers 6.25
mitrādiṣu samo maitraḥ samasteṣveva jantuṣu |
eko jñānī praśāntātmā sa santarati netaraḥ || 25 ||

Freunden und anderen gleichgesinnt, freundlich zu allen Wesen, allein, wissend und innerlich friedvoll: Er überschreitet [den Samsara], kein anderer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mitra-ādiṣu – gegenüber Freunden und anderen; samaḥ – gleichgesinnt; maitraḥ – freundlich; samasteṣu jantuṣu – zu allen Wesen; ekaḥ – allein; jñānī – wissend; praśānta-ātmā – innerlich friedvoll; saḥ santarati – er überschreitet; na itaraḥ – kein anderer.

Vers 6.26
gurūṇāṃ ca hite yuktastatra saṃvatsaraṃ vaset |
niyameṣvapramāttastu yameṣu ca sadābhavet || 26 ||

Dem Wohl der Lehrer gewidmet soll er dort ein Jahr wohnen und stets in Niyamas und Yamas achtsam sein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: gurūṇām hite – dem Wohl der Lehrer; yuktaḥ – gewidmet; tatra – dort; saṃvatsaram – ein Jahr; vaset – soll wohnen; niyameṣu – in den Niyamas; apramattaḥ – achtsam; yameṣu – in den Yamas; sadā – stets; bhavet – soll sein.

Vers 6.27
prāpya cānte tataścaiva jñānayogamanuttamam |
avirodhena dharmasya saṃcaretpṛthivīmimām || 27 ||

Wenn er schließlich den unübertrefflichen Yoga der Erkenntnis erlangt hat, wandere er ohne Widerspruch zum Dharma auf dieser Erde.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prāpya – erlangt; ante – schließlich; tataḥ – dann; jñāna-yogam – Yoga der Erkenntnis; anuttamam – unübertrefflich; avirodhena – ohne Widerspruch; dharmasya – zum Dharma; saṃcaret – soll wandern; pṛthivīm imām – auf dieser Erde.

Vers 6.28
tataḥ saṃvatsarasyānte jñānayogamanuttamam |
āśramatrayamutsṛjya prāptaśca paramāśramam || 28 ||

Nachdem er am Ende des Jahres den unübertrefflichen Yoga der Erkenntnis [erlangt], die drei Lebensstände verlassen und den höchsten Lebensstand erreicht hat …

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ – dann; saṃvatsarasya ante – am Ende des Jahres; jñāna-yogam anuttamam – unübertrefflichen Yoga der Erkenntnis; āśrama-trayam – drei Lebensstände; utsṛjya – verlassen; prāptaḥ – erreicht; paramāśramam – höchsten Lebensstand.

Vers 6.29
anujñāpya gurūṃścaiva careddhi pṛthivīmimām |
tyaktasaṅgo jitakrodho laghvāhāro jitendriyaḥ || 29 ||

… hole er die Erlaubnis der Lehrer ein und wandere auf dieser Erde, von Bindung gelöst, den Zorn bezwungen, wenig essend und mit beherrschten Sinnen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anujñāpya – Erlaubnis eingeholt; gurūn – von den Lehrern; caret – soll wandern; pṛthivīm imām – auf dieser Erde; tyakta-saṅgaḥ – Bindung aufgegeben; jita-krodhaḥ – Zorn bezwungen; laghu-āhāraḥ – wenig essend; jita-indriyaḥ – mit beherrschten Sinnen.

Vers 6.30
dvāvimau na virajyete viparītena karmaṇā |
nirārambho gṛhasthaśca kāryavāṃścaiva bhikṣukaḥ || 30 ||

Diese beiden gelangen wegen verkehrten Handelns nicht zur Entsagung: ein Haushälter, der nichts unternimmt, und ein Bettelmönch, der Geschäfte betreibt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dvau imau – diese beiden; na virajyete – gelangen nicht zur Entsagung; viparītena karmaṇā – wegen verkehrten Handelns; nirārambhaḥ – ohne Unternehmung; gṛhasthaḥ – Haushälter; kāryavān – mit Geschäften beschäftigt; bhikṣukaḥ – Bettelmönch.

Vers 6.31
mādyati pramadāṃ dṛṣṭvā surāṃ pītvā ca mādyati |
tasmāddṛṣṭiviṣaṃ nārīṃ dūrataḥ parivarjayet || 31 ||

Man berauscht sich beim Anblick einer Frau wie nach dem Trinken von Alkohol. Deshalb soll [der Asket] eine Frau, die der Text als „Gift für den Blick“ bezeichnet, von fern meiden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mādyati – berauscht sich; pramadām dṛṣṭvā – eine Frau erblickt; surām pītvā – Alkohol getrunken; ca – und; tasmāt – deshalb; dṛṣṭi-viṣam – Gift für den Blick; nārīm – Frau; dūrataḥ – von fern; parivarjayet – soll meiden.

Textanmerkung: Die abwertende Frauenmetapher ist Bestandteil der historischen asketischen Argumentation.

Vers 6.32
saṃbhāṣaṇaṃ saha strībhirālāpaḥ prekṣaṇaṃ tathā |
nṛttaṃ gānaṃ sahāsaṃ ca parivādāṃśca varjayet || 32 ||

Gespräch und Plaudern mit Frauen, ihr Betrachten, Tanz, Gesang, Lachen und Verleumdung soll er meiden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃbhāṣaṇam – Gespräch; saha strībhiḥ – mit Frauen; ālāpaḥ – Plaudern; prekṣaṇam – Betrachten; nṛttam – Tanz; gānam – Gesang; sa-hāsam – mit Lachen; parivādān – Verleumdungen; varjayet – soll meiden.

Vers 6.33
na snānaṃ na japaḥ pūjā na homo naiva sādhanam |
nāgnikāryādikāryaṃ ca naitasyāstīha nārada || 33 ||

Für ihn bestehen hier weder Bad noch Japa, Verehrung, Feueropfer oder sonstige Übung, auch keine Tätigkeit wie der Dienst am Opferfeuer, o Narada.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na snānam – kein Bad; na japaḥ – kein Japa; pūjā – Verehrung; na homaḥ – kein Feueropfer; na sādhanam – keine Übung; na agni-kārya-ādi-kāryam – keine Tätigkeit wie Opferfeuerdienst; na etasya asti – für ihn besteht nicht; iha – hier; nārada – o Narada.

Vers 6.34
nārcanaṃ pitṛkāryaṃ ca tīrthayātrā vratāni ca |
dharmādharmādikaṃ nāsti na vidhirlaukikī kriyā || 34 ||

Weder Verehrung noch Ahnenriten, Pilgerreise oder Gelübde bestehen für ihn, weder Recht noch Unrecht und Weiteres, weder Vorschrift noch weltliche Tätigkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na arcanam – keine Verehrung; pitṛ-kāryam – Ahnenriten; tīrtha-yātrā – Pilgerreise; vratāni – Gelübde; dharma-adharma-ādikam – Recht, Unrecht und Weiteres; na asti – besteht nicht; na vidhiḥ – keine Vorschrift; laukikī kriyā – weltliche Tätigkeit.

Vers 6.35
santyajetsarvakarmāṇi lokācāraṃ ca sarvaśaḥ |
kṛmīkīṭapataṅgāśca tathā yogī vanaspatīn || 35 ||

Er soll alle Handlungen und weltlichen Bräuche vollständig aufgeben. Würmer, Insekten, fliegende Tiere und ebenso Bäume soll der Yogi …

Wort-für-Wort-Übersetzung: santyajet – soll vollständig aufgeben; sarva-karmāṇi – alle Handlungen; loka-ācāram – weltliche Bräuche; sarvaśaḥ – gänzlich; kṛmi-kīṭa-pataṅgān – Würmer, Insekten, fliegende Tiere; tathā – ebenso; yogī – Yogi; vanaspatīn – Bäume.

Vers 6.36
na nāśayedbudho jīvanparamārthamatiryatiḥ |
nityamantarmukhaḥ svacchaḥ praśāntātmā svapūrṇadhīḥ || 36 ||

… nicht vernichten. Der lebende, verständige Asket, dessen Sinn auf die höchste Wirklichkeit gerichtet ist, sei stets nach innen gewandt, klar, innerlich friedvoll und in der eigenen Fülle gegründet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na nāśayet – soll nicht vernichten; budhaḥ – verständig; jīvan – lebend; parama-artha-matiḥ – auf höchste Wirklichkeit gerichteter Sinn; yatiḥ – Asket; nityam – stets; antarmukhaḥ – nach innen gewandt; svacchaḥ – klar; praśānta-ātmā – innerlich friedvoll; sva-pūrṇa-dhīḥ – in eigener Fülle gegründete Einsicht.

Vers 6.37
antaḥsaṅgaparityāgī loke vihara nārada |
nārājake janapade caratyekacaro muniḥ || 37 ||

Gib innere Bindung auf und wandere in der Welt, Narada. Der allein wandernde Weise zieht nicht durch ein Land ohne Herrscher.

Wort-für-Wort-Übersetzung: antar-saṅga-parityāgī – innere Bindung aufgebend; loke – in der Welt; vihara – wandere; nārada – o Narada; na arājake janapade – nicht in einem Land ohne Herrscher; carati – wandert; eka-caraḥ – allein wandernd; muniḥ – Weiser.

Abschnitt 6, unnummerierter Schlussvers
niḥstutirnirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca |
calācalaniketaśca yatiryādṛcchiko bhavedityupaniṣat ||

Ohne Lobpreis, Verneigungsritual und Ahnenopferruf, an beweglichen oder unbeweglichen Orten untergebracht, lebe der Asket nach dem, was sich ergibt: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: niḥstutiḥ – ohne Lobpreis; nirnamaskāraḥ – ohne Verneigungsritual; niḥsvadhākāraḥ – ohne Ahnenopferruf; cala-acala-niketaḥ – mit beweglicher oder unbeweglicher Unterkunft; yatiḥ – Asket; yādṛcchikaḥ bhavet – soll nach dem leben, was sich ergibt; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Schluss des 6. Abschnitts
iti ṣaṣṭhopadeśaḥ || 6 ||

Damit endet der 6. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; ṣaṣṭhaḥ – sechster.

Abschnitt 7, Prosa – Loslösung und Wanderleben
atha yaterniyamaḥ kathamiti pṛṣṭaṃ nāradaṃ pitāmahaḥ
puraskṛtya viraktaḥ sanyo varṣāsu dhruvaśīlo'ṣṭau
māsyekākī carannekatra nivasedbhikṣurbhayātsāraṅgavadekatra
na tiṣṭhesvagamananirodhagrahaṇaṃ na kuryāddhastābhyāṃ
nadyuttaraṇaṃ na kuryānna vṛkṣārohaṇamapi na
devotsavadarśanaṃ kuryānnaikatrāśī na bāhyadevārcanaṃ
kuryātsvavyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā madhukaravṛttyāhāramahārankṛśo
bhūtvā medovṛddhimakurvannājyaṃ rudhiramiva tyajedekatrānnaṃ
palalamiva gandhalepanamaśuddhilepanamaiva kṣāramantyajamiva
vastramucchiṣṭapātramivābhyaṅgaṃ strīsaṅgamiva
mitrāhlādakaṃ mūtramiva spṛhāṃ gomāṃsamiva jñātacaradeśaṃ
caṇḍālavāṭikāmiva striyamahimiva suvarṇaṃ kālakūṭamiva
sabhāsthalaṃ smaśānasthalamiva rājadhānīṃ kumbhīpākamiva
śavapiṇḍavadekatrānnaṃ na dehāntaradarśanaṃ prapañcavṛttiṃ
parityajya svadeśamutsṛjya jñātacaradeśaṃ vihāya
vismṛtapadārthaṃ punaḥ prāptaharṣa iva svamānandamanusmaransvaśarīrābhimānadeśavismaraṇaṃ matvā śavamiva heyamupagamya
kārāgṛhavinirmuktacoravatputrāptabandhubhavasthalaṃ
vihāya dūrato vaset |

Auf Naradas Frage nach der Regel des Asketen antwortete der Großvater ihm zugewandt: „Entsagt sei der Bettelmönch während der Regenzeit ortsfest; acht Monate wandere er allein und nehme jeweils Unterkunft. Wie ein ängstliches Reh bleibe er nicht an einem Ort. Er lasse seine Bewegung nicht aufhalten, durchquere Flüsse nicht mit den Händen, besteige keine Bäume, besuche keine Götterfeste, esse nicht nur an einem Ort und vollziehe keine äußere Götterverehrung. Alles von ihm Verschiedene aufgebend, sammele er Nahrung nach Bienenart, bleibe mager und lasse kein Fett anwachsen. Ghee meide er wie Blut, die Nahrung eines einzigen Hauses wie Fleisch, duftende Salben wie unreine Beschmierung, Salz wie einen Ausgegrenzten, ein Gewand wie ein durch Speisereste verunreinigtes Gefäß, Ölmassage wie Umgang mit Frauen, Freundesfreude wie Urin, Begehren wie Rindfleisch, eine bekannte Gegend wie eine Chandala-Siedlung, eine Frau wie eine Schlange, Gold wie Kalakuta-Gift, einen Versammlungsplatz wie eine Verbrennungsstätte und eine Hauptstadt wie die Kumbhipaka-Hölle. Nahrung von einem einzigen Ort sei ihm wie ein Reiskloß für einen Toten. Er schaue nicht nach einem anderen Körper. Er lasse den Weltbetrieb, das eigene Land und vertraute Gegenden hinter sich. Wie einer, der sich über einen wiedergefundenen, vergessenen Gegenstand freut, erinnere er seine eigene Glückseligkeit. Er erkenne das Vergessen des Ortes seiner Körperidentifikation [die Fügung ist dunkel] und halte [den Körper] wie eine Leiche für abzuweisen. Wie ein aus dem Gefängnis entkommener Dieb verlasse er den Wohnort von Sohn, Vertrauten und Angehörigen und wohne fern.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; yateḥ niyamaḥ katham – wie lautet die Regel des Asketen; pṛṣṭam nāradam – den fragenden Narada; pitāmahaḥ puraskṛtya – der Großvater ihm zugewandt; viraktaḥ – frei von Verlangen; san – seiend; varṣāsu – in der Regenzeit; dhruva-śīlaḥ – ortsfest; aṣṭau māsi – acht Monate; ekākī caran – allein wandernd; ekatra nivaset – soll jeweils Unterkunft nehmen; bhikṣuḥ – Bettelmönch; bhayāt – aus Furcht; sāraṅga-vat – wie ein Reh; ekatra na tiṣṭhet – soll nicht an einem Ort bleiben; sva-gamana-nirodha-grahaṇam – Annahme des Aufhaltens eigener Bewegung; na kuryāt – soll nicht tun; hastābhyām nadī-uttaraṇam – Flussüberquerung mit den Händen; vṛkṣa-ārohaṇam – Baumbesteigen; deva-utsava-darśanam – Besuch von Götterfesten; na ekatra-aśī – nicht an einem Ort essend; na bāhya-deva-arcanam – keine äußere Götterverehrung; sva-vyatiriktam sarvam tyaktvā – alles von sich Verschiedene aufgegeben; madhukara-vṛttyā – nach Bienenart; āhāram āharan – Nahrung nehmend; kṛśaḥ bhūtvā – mager geworden; medas-vṛddhim akurvan – kein Fett anwachsen lassend; ājyam – Ghee; rudhiram iva – wie Blut; tyajet – soll meiden; ekatra-annam – Nahrung eines einzigen Hauses; palalam iva – wie Fleisch; gandha-lepanam – duftende Salbe; aśuddhi-lepanam iva – wie unreine Beschmierung; kṣāram – Salz; antyajam iva – wie einen Ausgegrenzten; vastram – Gewand; ucchiṣṭa-pātram iva – wie verunreinigtes Gefäß; abhyaṅgam – Ölmassage; strī-saṅgam iva – wie Umgang mit Frauen; mitra-āhlādakam – Freundesfreude; mūtram iva – wie Urin; spṛhām – Begehren; go-māṃsam iva – wie Rindfleisch; jñāta-cara-deśam – vertraute Gegend; caṇḍāla-vāṭikām iva – wie Chandala-Siedlung; striyam – Frau; ahim iva – wie Schlange; suvarṇam – Gold; kālakūṭam iva – wie Kalakuta-Gift; sabhā-sthalam – Versammlungsplatz; śmaśāna-sthalam iva – wie Verbrennungsstätte; rājadhānīm – Hauptstadt; kumbhīpākam iva – wie Kumbhipaka-Hölle; śava-piṇḍa-vat – wie Reiskloß für einen Toten; na deha-antara-darśanam – kein Schauen nach einem anderen Körper; prapañca-vṛttim parityajya – Weltbetrieb aufgegeben; sva-deśam utsṛjya – eigenes Land verlassen; jñāta-cara-deśam vihāya – vertraute Gegend verlassen; vismṛta-padārtham – vergessenen Gegenstand; punaḥ-prāpta-harṣaḥ iva – wie einer mit Freude über Wiederfinden; svam ānandam anusmaran – eigene Glückseligkeit erinnernd; sva-śarīra-abhimāna-deśa-vismaraṇam – Vergessen des Ortes der eigenen Körperidentifikation; matvā – erkannt; śavam iva heyam – wie eine Leiche abzuweisen; upagamya – so betrachtet; kārāgṛha-vinirmukta-cora-vat – wie ein aus dem Gefängnis entkommener Dieb; putra-āpta-bandhu-bhava-sthalam – Wohnort von Sohn, Vertrauten und Angehörigen; vihāya – verlassen; dūrataḥ vaset – soll fern wohnen.

Textanmerkung: Die drastischen Reinheits- und Abwertungsgleichnisse spiegeln den historischen Regeltext. Die schwierige Fügung svaśarīrābhimānadeśavismaraṇam bleibt im Wortkommentar sichtbar.

Abschnitt 7, Prosa – Leben bis zum Ende des Körpers
ayatnena prāptamāharanbrahmapraṇavadhyānānusandhānaparo
bhūtvā sarvakarmanirmuktaḥ kāmakrodhalobhamohamadamātsaryādikaṃ dagdhvā triguṇātītaḥ ṣaḍūrmirahitaḥ
ṣaḍbhāvavikāraśūnyaḥ | satyavākchuciradrohī grāma
ekarātraṃ pattane pañcarātraṃ kṣetre pañcarātraṃ tīrthe
pañcarātramaniketaḥ sthiramatirnānṛtavādī girikandareṣu
vasedeka eva dvau vā caret grāmaṃ tribhirnagaraṃ caturbhirgrāmamityekaścaret | bhikṣuścaturdaśakaraṇānāṃ
na tatrāvakāśaṃ dadyādavicchinnajñānādvairāgyasampattimanubhūya matto na kaścinnānyo vyatirikta ityātmanyālocya
sarvataḥ svarūpameva paśyañjīvanmuktimavāpya prārabdhapratibhāsanāśaparyantaṃ caturvidhaṃ svarūpaṃ jñātvā
dehapatanaparyantaṃ svarūpānusandhānena vaset |

Er nehme Nahrung, die ohne Mühe zu ihm kommt, und widme sich der Betrachtung und Meditation des Brahman-Pranava. Von allen Handlungen frei verbrenne er Verlangen, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut, Neid und Weiteres, überschreite die drei Gunas und werde frei von den sechs Wogen und den sechs Veränderungen des Werdens. Wahrhaftig, rein und ohne Feindseligkeit wohne er eine Nacht im Dorf, fünf Nächte in einer Stadt, fünf Nächte an einem heiligen Ort und fünf Nächte an einer Pilgerstätte. Ohne feste Wohnung, beständigen Geistes und nicht lügend lebe er in Berghöhlen, allein oder zu zweit. Zu dritt sei es ein Dorf, zu viert eine Stadt [die Vorlage vertauscht hier die Ortsbezeichnungen]; daher wandere er allein. Er gebe den vierzehn Instrumenten dort keinen Raum. Durch ununterbrochene Erkenntnis erfahre er die Fülle der Wunschlosigkeit und erwäge in sich: „Keiner ist von mir verschieden.“ Überall sehe er allein sein eigenes Wesen und erlange Befreiung schon im Leben. Bis die Erscheinung des bereits begonnenen Karmas schwindet, erkenne er die vierfache Gestalt seines Wesens und lebe bis zum Fall des Körpers in der Betrachtung des eigenen Wesens.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ayatnena prāptam – ohne Mühe erlangt; āharan – zu sich nehmend; brahma-praṇava-dhyāna-anusandhāna-paraḥ – der Betrachtung und Meditation des Brahman-Pranava gewidmet; sarva-karma-nirmuktaḥ – von allen Handlungen frei; kāma – Verlangen; krodha – Zorn; lobha – Gier; moha – Verblendung; mada – Hochmut; mātsarya-ādikam – Neid und Weiteres; dagdhvā – verbrannt; triguṇa-atītaḥ – die drei Gunas überschritten; ṣaḍ-ūrmi-rahitaḥ – frei von sechs Wogen; ṣaḍ-bhāva-vikāra-śūnyaḥ – frei von sechs Werdensveränderungen; satya-vāk – wahrhaftig; śuciḥ – rein; adrohī – ohne Feindseligkeit; grāme eka-rātram – eine Nacht im Dorf; pattane pañca-rātram – fünf Nächte in einer Stadt; kṣetre pañca-rātram – fünf Nächte an einem heiligen Ort; tīrthe pañca-rātram – fünf Nächte an einer Pilgerstätte; aniketaḥ – ohne Wohnung; sthira-matiḥ – beständigen Geistes; na anṛta-vādī – nicht lügend; giri-kandareṣu vaset – soll in Berghöhlen wohnen; ekaḥ eva dvau vā – allein oder zu zweit; caret – soll wandern; grāmam tribhiḥ – Dorf zu dritt; nagaram caturbhiḥ – Stadt zu viert, Satzfolge der Quelle unklar; ekaḥ caret – soll allein wandern; caturdaśa-karaṇānām – den vierzehn Instrumenten; na tatra avakāśam dadyāt – soll dort keinen Raum geben; avicchinna-jñānāt – durch ununterbrochene Erkenntnis; vairāgya-sampattim anubhūya – Fülle der Wunschlosigkeit erfahren; mattaḥ na kaścit anyaḥ vyatiriktaḥ – keiner ist von mir verschieden; ātmani ālocya – in sich erwogen; sarvataḥ – überall; svarūpam eva paśyan – allein eigenes Wesen sehend; jīvanmuktim avāpya – Befreiung im Leben erlangt; prārabdha-pratibhāsa-nāśa-paryantam – bis zum Schwinden der Erscheinung begonnenen Karmas; caturvidham svarūpam jñātvā – vierfache Gestalt des eigenen Wesens erkannt; deha-patana-paryantam – bis zum Fall des Körpers; svarūpa-anusandhānena vaset – soll in Betrachtung des eigenen Wesens leben.

Textanmerkung: Die Quelle liest caret grāmaṃ tribhirnagaraṃ caturbhirgrāmamiti; die Abfolge ist beschädigt. Die Übersetzung der Gruppengrößen lehnt sich an Abschnitt 3.56 an und ist deshalb ausdrücklich eine Kontextergänzung.

Abschnitt 7, Prosa – Badeformen
triṣavaṇasnānaṃ kuṭīcakasya bahūdakasya dvivāraṃ
haṃsasyaikavāraṃ paramahaṃsasya mānasasnānaṃ
turīyātītasya bhasmasnānamavadhūtasya vāyavyasnānaṃ

Der Kutichaka badet zu drei Tageszeiten, der Bahudaka zweimal, der Hamsa einmal. Der Paramahamsa vollzieht das geistige Bad, der Turiyatita das Aschebad und der Avadhuta das Windbad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: triṣavaṇa-snānam – Bad zu drei Tageszeiten; kuṭīcakasya – des Kutichaka; bahūdakasya dvi-vāram – für Bahudaka zweimal; haṃsasya eka-vāram – für Hamsa einmal; paramahaṃsasya mānasa-snānam – geistiges Bad des Paramahamsa; turīyātītasya bhasma-snānam – Aschebad des Turiyatita; avadhūtasya vāyavya-snānam – Windbad des Avadhuta.

Abschnitt 7, Prosa – Stirnzeichen
ūrdhvapuṇḍraṃ kuṭīcakasya tripuṇḍraṃ bahūdakasya
ūrdhvapuṇḍraṃ tripuṇḍraṃ haṃsasya bhasmoddhūlanaṃ
paramahaṃsasya turīyātītasya tilakapuṇḍramavadhūtasya na
kiñcit |

Der Kutichaka trägt das senkrechte Stirnzeichen, der Bahudaka das dreifache; der Hamsa das senkrechte oder dreifache Zeichen. Der Paramahamsa bestäubt sich mit Asche, der Turiyatita trägt ein Tilaka-Zeichen, der Avadhuta gar keines.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ūrdhva-puṇḍram – senkrechtes Stirnzeichen; kuṭīcakasya – des Kutichaka; tripuṇḍram – dreifaches Stirnzeichen; bahūdakasya – des Bahudaka; haṃsasya – des Hamsa; bhasma-uddhūlanam – Bestäuben mit Asche; paramahaṃsasya – des Paramahamsa; turīyātītasya tilaka-puṇḍram – Tilaka-Zeichen des Turiyatita; avadhūtasya na kiñcit – beim Avadhuta gar keines.

Abschnitt 7, Prosa – Rasurvorschriften
turīyātītāvadhūtayoḥ ṛtukṣauraṃ kuṭīcakasya
ṛtudvayakṣauraṃ bahūdakasya na kṣauraṃ haṃsasya
paramahaṃsasya ca na kṣauram | asticedayanakṣauram |
turīyātītāvadhūtayoḥ na kṣauram |

[Die Vorlage beginnt:] Für Turiyatita und Avadhuta eine Rasur je Jahreszeit; für den Kutichaka eine Rasur alle zwei Jahreszeiten; für den Bahudaka keine Rasur. Für Hamsa und Paramahamsa ebenfalls keine Rasur; falls doch, halbjährlich. Für Turiyatita und Avadhuta keine Rasur.

Wort-für-Wort-Übersetzung: turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; ṛtu-kṣauram – Rasur je Jahreszeit; kuṭīcakasya – für Kutichaka; ṛtu-dvaya-kṣauram – Rasur alle zwei Jahreszeiten; bahūdakasya – für Bahudaka; na kṣauram – keine Rasur; haṃsasya paramahaṃsasya ca – für Hamsa und Paramahamsa; asti cet – falls vorhanden; ayana-kṣauram – halbjährliche Rasur.

Textanmerkung: Diese Lesung ist widersprüchlich: Zu Beginn und Ende werden Turiyatita und Avadhuta entgegengesetzte Regeln zugewiesen. Möglicherweise sind Wörter der Liste verschoben; ohne weiteren Textzeugen wird keine neue Ordnung erfunden.

Abschnitt 7, Prosa – Nahrung
kuṭīcakasyaikānnaṃ
mādhukaraṃ bahūdakasya haṃsaparamahaṃsayoḥ karapātraṃ
turīyātītasya gomukhaṃ avadhūtasyājagaravṛttiḥ |

Für den Kutichaka Nahrung aus einem Haus, für den Bahudaka Sammeln nach Bienenart, für Hamsa und Paramahamsa die Hand als Schale, für den Turiyatita Essen mit dem Mund wie eine Kuh, für den Avadhuta die Lebensweise einer Python.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭīcakasya eka-annam – Nahrung aus einem Haus für Kutichaka; mādhukaram bahūdakasya – Bienenart für Bahudaka; haṃsa-paramahaṃsayoḥ kara-pātram – Handschale für Hamsa und Paramahamsa; turīyātītasya go-mukham – Essen mit dem Mund wie eine Kuh für Turiyatita; avadhūtasya ajagara-vṛttiḥ – Python-Lebensweise für Avadhuta.

Abschnitt 7, Prosa – Kleidung
śāṭidvayaṃ
kuṭīcakasya bahūdakasyaikaśāṭī haṃsasya khaṇḍaṃ
digaṃbaraṃ paramahaṃsasya ekakaupīnaṃ vā turīyātītāvadhūtayorjātarūpadharatvaṃ haṃsaparamahaṃsayorajinaṃ na tvanyeṣām |

Der Kutichaka hat zwei Gewänder, der Bahudaka eines, der Hamsa ein Stoffstück. Der Paramahamsa ist nackt oder trägt einen Lendenschurz. Turiyatita und Avadhuta sind nackt. Hamsa und Paramahamsa haben ein Antilopenfell, die anderen nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śāṭi-dvayam – zwei Gewänder; kuṭīcakasya – für Kutichaka; bahūdakasya eka-śāṭī – ein Gewand für Bahudaka; haṃsasya khaṇḍam – Stoffstück für Hamsa; digambaram – Nacktheit; paramahaṃsasya – für Paramahamsa; eka-kaupīnam vā – oder ein Lendenschurz; turīyātīta-avadhūtayoḥ jāta-rūpa-dharatvam – Nacktheit für Turiyatita und Avadhuta; haṃsa-paramahaṃsayoḥ ajinam – Antilopenfell für Hamsa und Paramahamsa; na tu anyeṣām – aber nicht für die anderen.

Abschnitt 7, Prosa – Formen der Verehrung
kuṭīcakabahūdakayordevārcanaṃ haṃsaparamahaṃsayormānasārcanaṃ turīyātītāvadhūtayoḥ sohaṃbhāvanā |

Kutichaka und Bahudaka verehren Gottheiten, Hamsa und Paramahamsa verehren im Geist, Turiyatita und Avadhuta betrachten „so’ham – Er bin ich“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭīcaka-bahūdakayoḥ – für Kutichaka und Bahudaka; deva-arcanam – Götterverehrung; haṃsa-paramahaṃsayoḥ – für Hamsa und Paramahamsa; mānasa-arcanam – geistige Verehrung; turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; saḥ aham bhāvanā – Betrachtung „Er bin ich“.

Abschnitt 7, Prosa – Befähigung und Unterweisung
kuṭīcakabahūdakayormantrajapādhikāro haṃsaparamahaṃsayordhyānādhikārasturīyātītāvadhūtayorna tvanyādhikārasturīyātītāvadhūtayormahāvākyopadeśādhikāraḥ
paramahaṃsasyāpi | kuṭīcakabahūdakahaṃsānāṃ
nānyasyopadeśādhikāraḥ|

Kutichaka und Bahudaka sind zu Mantrawiederholung befähigt, Hamsa und Paramahamsa zur Meditation. Turiyatita und Avadhuta haben keine andere Befähigung [als die folgende]: Sie sind zur Unterweisung in den großen Sätzen befähigt, ebenso der Paramahamsa. Kutichaka, Bahudaka und Hamsa sind nicht zur Unterweisung eines anderen befähigt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭīcaka-bahūdakayoḥ – für Kutichaka und Bahudaka; mantra-japa-adhikāraḥ – Befähigung zur Mantrawiederholung; haṃsa-paramahaṃsayoḥ – für Hamsa und Paramahamsa; dhyāna-adhikāraḥ – Befähigung zur Meditation; turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; na anya-adhikāraḥ – keine andere Befähigung; mahāvākya-upadeśa-adhikāraḥ – Befähigung zur Unterweisung in den großen Sätzen; paramahaṃsasya api – auch für Paramahamsa; kuṭīcaka-bahūdaka-haṃsānām – für Kutichaka, Bahudaka und Hamsa; na anyasya upadeśa-adhikāraḥ – keine Befähigung zur Unterweisung eines anderen.

Textanmerkung: Upadeśādhikāra kann je nach Zusammenhang Befähigung zum Empfangen oder zum Erteilen von Unterweisung bezeichnen; erst die Schlussfügung anyasya macht hier den Bezug auf eine andere Person ausdrücklich.

Abschnitt 7, Prosa – Drei Arten des Pranava
kuṭīcakabahūdakayormānuṣapraṇavaḥ
haṃsaparamahaṃsayorāntarapraṇavaḥ turīyātītāvadhūtayorbrahmapraṇavaḥ |

Für Kutichaka und Bahudaka gilt der menschliche Pranava, für Hamsa und Paramahamsa der innere Pranava, für Turiyatita und Avadhuta der Brahman-Pranava.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭīcaka-bahūdakayoḥ – für Kutichaka und Bahudaka; mānuṣa-praṇavaḥ – menschlicher Pranava; haṃsa-paramahaṃsayoḥ – für Hamsa und Paramahamsa; āntara-praṇavaḥ – innerer Pranava; turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; brahma-praṇavaḥ – Brahman-Pranava.

Abschnitt 7, Prosa – Hören, Nachdenken und Versenkung
kuṭīcakabahūdakayoḥ śravaṇaṃ haṃsaparamahaṃsayormananaṃ
turīyātītāvadhūtayornididhyāsaḥ | sarveṣāmātmanusandhānaṃ
vidhirityeva mumukṣuḥ sarvadā saṃsāratārakaṃ tārakamanusmarañjīvanmukto vasedadhikāraviśeṣeṇa kaivalyaprāptyupāyamanviṣyedyatirityupaniṣat ||

Für Kutichaka und Bahudaka gilt Hören, für Hamsa und Paramahamsa Nachdenken, für Turiyatita und Avadhuta anhaltende Versenkung. Für alle ist die Betrachtung des Selbst vorgeschrieben. So erinnere der nach Befreiung Verlangende stets das Rettende, das über den Samsara hinüberführt, und lebe als zu Lebzeiten Befreiter. Entsprechend seiner besonderen Befähigung suche der Asket den Weg zum Erlangen absoluter Freiheit: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kuṭīcaka-bahūdakayoḥ – für Kutichaka und Bahudaka; śravaṇam – Hören; haṃsa-paramahaṃsayoḥ – für Hamsa und Paramahamsa; mananam – Nachdenken; turīyātīta-avadhūtayoḥ – für Turiyatita und Avadhuta; nididhyāsaḥ – anhaltende Versenkung; sarveṣām – für alle; ātma-anusandhānam – Selbstbetrachtung; vidhiḥ – Vorschrift; iti evam – so; mumukṣuḥ – Befreiung Verlangender; sarvadā – stets; saṃsāra-tārakam – über den Samsara rettend; tārakam – das Rettende; anusmaran – erinnernd; jīvanmuktaḥ vaset – soll als zu Lebzeiten Befreiter leben; adhikāra-viśeṣeṇa – entsprechend besonderer Befähigung; kaivalya-prāpti-upāyam – Weg zur absoluten Freiheit; anviṣyet – soll suchen; yatiḥ – Asket; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Schluss des 7. Abschnitts
iti saptamopadeśaḥ || 7 ||

Damit endet der 7. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; saptamaḥ – siebter.

Abschnitt 8, Prosa – Die Entfaltungen des Pranava
atha hainaṃ bhagavantaṃ parameṣṭhinaṃ nāradaḥ
papraccha saṃsāratārakaṃ prasanno brūhīti |
tatheti parameṣṭhī vaktumucakrame omiti brahmeti
vyaṣṭisamaṣṭiprakāreṇa | kā vyaṣṭiḥ kā
samaṣṭiḥ saṃhārapraṇavaḥ sṛṣṭipraṇavaścāntarbahiścobhayātmakatvāttrividho
brahmapraṇavaḥ | antaḥpraṇavo vyāvahārikapraṇavaḥ |
bāhyapraṇava ārṣapraṇavaḥ | ubhayātmako
virāṭpraṇavaḥ | saṃhārapraṇavo brahmapraṇava
ardhamātrāpraṇavaḥ | omitibrahma | omityekākṣaramantaḥpraṇavaṃ viddhi | sacāṣṭadhā bhidyate |
akārokāramakārārdhamātrānādabindukalāśaktiśceti |
tatra catvāra akāraścāyutāvayavānvita ukāraḥ
sahasrāvayavānvito makāraḥ śatāvayavopeto'rdhamātrāpraṇavo'nantāvayavākāraḥ | saguṇo virāṭpraṇavaḥ saṃhāro
nirguṇapraṇava ubhayātmakotpattipraṇavo yathāpluto
virāṭplutaḥ plutasaṃhāro virāṭpraṇavaḥ ṣoḍaśamātrātmakaḥ
ṣaṭtriṃśattattvātītaḥ | ṣoḍaśamātrātmakatvaṃ
kathamityucyate | akāraḥ prathamokāro dvitīyā makārastṛtīyārdhamātrā caturthī nādaḥ pañcamī binduḥ
ṣaṣṭhī kalā saptamī kalātītāṣṭamī śāntirnavamī
śāntyatītā daśamī unmanyekādaśī manonmanī dvādaśī
purī trayodaśī madhyamā caturdaśī paśyantī pañcadaśī
parā | ṣoḍaśī punaścatuḥṣaṣṭimātrā prakṛtipuruṣadvaividhyamāsādyāṣṭāviṃśatyuttarabhedamātrāsvarūpamāsādya saguṇanirguṇatvamupetyaiko'pi brahmapraṇavaḥ

Narada fragte den erhabenen Parameshthin: „Erkläre gütig das über den Samsara Rettende.“ Parameshthin begann: „Om – Brahman“, nach der Weise des Einzelnen und des Gesamten. „Was ist das Einzelne, was das Gesamte?“ Es gibt den Pranava der Auflösung und den der Schöpfung. Wegen des inneren, äußeren und beides umfassenden Wesens ist der Brahman-Pranava dreifach. Der innere Pranava ist der des gewöhnlichen Vollzugs, der äußere der der Rishis, der beides umfassende der kosmische Pranava. Der Auflösungs-Pranava ist Brahman-Pranava und Pranava der halben Mora. Om ist Brahman. Erkenne den einen Laut Om als inneren Pranava. Er gliedert sich in acht: A, U, M, halbe Mora, Nada, Bindu, Kala und Shakti. Darunter sind die ersten vier: A mit zehntausend Teilen, U mit tausend, M mit hundert und der Pranava der halben Mora mit unendlich vielen Teilen. Der kosmische Pranava besitzt Eigenschaften; der Auflösungs-Pranava ist eigenschaftslos; der Entstehungs-Pranava umfasst beides. [Es folgen verdichtete Bezeichnungen für die gedehnte Lautform:] gedehnt, kosmisch-gedehnt, gedehnte Auflösung. Der kosmische Pranava besteht aus sechzehn Moren und steht über den sechsunddreißig Prinzipien. Wie ist er sechzehnfach? A ist die erste, U die zweite, M die dritte, die halbe Mora die vierte, Nada die fünfte, Bindu die sechste, Kala die siebte, Kalatita die achte, Shanti die neunte, Shantyatita die zehnte, Unmani die elfte, Manonmani die zwölfte, Puri die dreizehnte, Madhyama die vierzehnte, Pashyanti die fünfzehnte, Para die sechzehnte. Wiederum sind es vierundsechzig Moren; durch die Zweiteilung in Prakriti und Purusha entsteht die Gestalt mit [hundert]achtundzwanzig unterschiedlichen Moren. Mit und ohne Eigenschaften bleibt der Brahman-Pranava doch einer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; bhagavantam parameṣṭhinam – den erhabenen Parameshthin; nāradaḥ papraccha – Narada fragte; saṃsāra-tārakam – über Samsara Rettendes; prasannaḥ brūhi – erkläre gütig; tathā iti – ja; vaktum ucakrame – begann zu sprechen; oṃ iti brahma – Om ist Brahman; vyaṣṭi-samaṣṭi-prakāreṇa – nach Einzel- und Gesamtweise; kā vyaṣṭiḥ kā samaṣṭiḥ – was ist Einzelnes, was Gesamtes; saṃhāra-praṇavaḥ – Auflösungs-Pranava; sṛṣṭi-praṇavaḥ – Schöpfungs-Pranava; antar-bahiḥ-ubhaya-ātmakatvāt – wegen inneren, äußeren und beides umfassenden Wesens; trividhaḥ – dreifach; brahma-praṇavaḥ – Brahman-Pranava; antaḥ-praṇavaḥ – innerer Pranava; vyāvahārika-praṇavaḥ – Pranava des gewöhnlichen Vollzugs; bāhya-praṇavaḥ – äußerer Pranava; ārṣa-praṇavaḥ – Pranava der Rishis; ubhaya-ātmakaḥ – beides umfassend; virāṭ-praṇavaḥ – kosmischer Pranava; ardha-mātrā-praṇavaḥ – Pranava der halben Mora; eka-akṣaram – ein Laut; viddhi – erkenne; saḥ aṣṭadhā bhidyate – er teilt sich in acht; akāra – der Laut A; ukāra – der Laut U; makāra – der Laut M; ardha-mātrā – halbe Mora; nāda – Klang; bindu – Punkt; kalā – Teil, Kraftanteil; śakti – Kraft; tatra catvāraḥ – darunter vier; ayuta-avayava – zehntausend Teile; sahasra-avayava – tausend Teile; śata-avayava – hundert Teile; ananta-avayava-ākāraḥ – mit unendlich vielen Teilen; saguṇaḥ – mit Eigenschaften; nirguṇaḥ – ohne Eigenschaften; utpatti-praṇavaḥ – Entstehungs-Pranava; plutaḥ – gedehnt; virāṭ-plutaḥ – kosmisch-gedehnt; pluta-saṃhāraḥ – gedehnte Auflösung; ṣoḍaśa-mātrā-ātmakaḥ – aus sechzehn Moren bestehend; ṣaṭtriṃśat-tattva-atītaḥ – über sechsunddreißig Prinzipien; katham – wie; prathamā – erste; dvitīyā – zweite; tṛtīyā – dritte; caturthī – vierte; pañcamī – fünfte; ṣaṣṭhī – sechste; saptamī – siebte; kalātītā aṣṭamī – Kalatita die achte; śāntiḥ navamī – Shanti die neunte; śāntyatītā daśamī – Shantyatita die zehnte; unmanī ekādaśī – Unmani die elfte; manonmanī dvādaśī – Manonmani die zwölfte; purī trayodaśī – Puri die dreizehnte; madhyamā caturdaśī – Madhyama die vierzehnte; paśyantī pañcadaśī – Pashyanti die fünfzehnte; parā ṣoḍaśī – Para die sechzehnte; punaḥ – wiederum; catuḥṣaṣṭi-mātrāḥ – vierundsechzig Moren; prakṛti-puruṣa-dvaividhyam – Zweiteilung in Prakriti und Purusha; āsādya – erlangt; aṣṭāviṃśati-uttara-bheda-mātrā-svarūpam – Gestalt mit achtundzwanzig zusätzlichen unterschiedlichen Moren; saguṇa-nirguṇatvam upetya – mit und ohne Eigenschaften werdend; ekaḥ api – doch einer.

Textanmerkung: Die Quelle gibt die Zahl nach der Verdoppelung der 64 nur unvollständig als aṣṭāviṃśatyuttara wieder. 128 ist eine aus der Rechnung erschlossene Ergänzung, kein ausgeschriebenes Zahlwort der Vorlage. Purī ist die tatsächliche Lesung der dreizehnten Mora und wird nicht stillschweigend zu einer anderen Lautstufe geändert.

Vers 8.1
sarvādhāraḥ paraṃjyotireṣa sarveśvaro vibhuḥ | sarvadevamayaḥ
sarvaprapañcādhāragarbhitaḥ || 1 ||

Er ist Grundlage von allem, höchstes Licht, der Herr aller, alldurchdringend, aus allen Gottheiten bestehend und mit der Grundlage der ganzen Erscheinungswelt erfüllt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-ādhāraḥ – Grundlage von allem; param jyotiḥ – höchstes Licht; eṣaḥ – er; sarva-īśvaraḥ – Herr aller; vibhuḥ – alldurchdringend; sarva-deva-mayaḥ – aus allen Gottheiten bestehend; sarva-prapañca-ādhāra-garbhitaḥ – mit der Grundlage der ganzen Erscheinungswelt erfüllt.

Vers 8.2
sarvākṣaramayaḥ kālaḥ sarvāgamamayaḥ śivaḥ |
sarvaśrutyuttamo mṛgyaḥ sakalopaniṣanmayaḥ || 2 ||

Er besteht aus allen Lauten, ist Zeit, umfasst alle Überlieferungen und ist Shiva; er ist das Höchste aller Offenbarungen, das zu Suchende, aus allen Upanishaden bestehend.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-akṣara-mayaḥ – aus allen Lauten bestehend; kālaḥ – Zeit; sarva-āgama-mayaḥ – alle Überlieferungen umfassend; śivaḥ – Shiva, heilvoll; sarva-śruti-uttamaḥ – Höchstes aller Offenbarungen; mṛgyaḥ – zu suchen; sakala-upaniṣad-mayaḥ – aus allen Upanishaden bestehend.

Vers 8.3
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyadyattrikāloditamavyayam |
tadapyoṅkāramevāyaṃ viddhi mokṣapradāyakam || 3 ||

Was vergangen, gegenwärtig oder künftig ist, was in den drei Zeiten ausgesagt wird und unvergänglich ist: Erkenne auch dies allein als den befreiungsspendenden Om-Laut.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhūtam – Vergangenes; bhavyam – Gegenwärtiges; bhaviṣyat – Künftiges; yat – was; trikāla-uditam – in drei Zeiten ausgesagt; avyayam – unvergänglich; tat api – auch dies; oṅkāram eva – allein Om-Laut; ayam – dieser; viddhi – erkenne; mokṣa-pradāyakam – Befreiung spendend.

Vers 8.4
tamevātmānamityetadbrahmaśabdena varṇitam |
tadekamamṛtamajaramanubhūya tathomiti || 4 ||

Eben dieses Selbst wird mit dem Wort Brahman bezeichnet. Man erfahre das eine Unsterbliche und Alterslose und ebenso „Om“ …

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam eva ātmānam – eben dieses Selbst; etat – dies; brahma-śabdena – mit dem Wort Brahman; varṇitam – bezeichnet; tat ekam – jenes Eine; amṛtam – unsterblich; ajaram – alterslos; anubhūya – erfahren; tathā – ebenso; oṃ iti – „Om“.

Vers 8.5
saśarīraṃ samāropya tanmayatvaṃ tathomiti |
triśarīraṃ tamātmānaṃ paraṃbrahma viniścinu || 5 ||

… und übertrage [die Zuordnung] mitsamt dem Körper, die Identität mit ihm als „Om“. Bestimme jenes Selbst mit den drei Körpern als höchstes Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sa-śarīram – mitsamt Körper; samāropya – übertragen, zugeordnet; tan-mayatvam – Identität mit ihm; tathā oṃ iti – ebenso als Om; tri-śarīram – mit drei Körpern; tam ātmānam – jenes Selbst; param brahma – höchstes Brahman; viniścinu – bestimme.

Textanmerkung: Der erste Halbvers ist elliptisch; sein Objekt ist aus dem vorigen Vers zu ergänzen.

Vers 8.6
paraṃbrahmānusandadhyādviśvādīnāṃ kramaḥ kramāt |
sthūlatvātsthūlabhuktvācca sūkṣmatvātsūkṣmabhuk param || 6 ||

Man betrachte das höchste Brahman; die Reihenfolge von Vishva und den folgenden [Zuständen] erfolgt stufenweise: wegen Grobheit und Genuss des Groben, wegen Feinheit und Genuss des Feinen, [dann] das Höhere.

Wort-für-Wort-Übersetzung: param brahma anusandadhyāt – soll höchstes Brahman betrachten; viśva-ādīnām – von Vishva und den folgenden; kramaḥ – Reihenfolge; kramāt – stufenweise; sthūlatvāt – wegen Grobheit; sthūla-bhuktvāt – wegen Genuss des Groben; sūkṣmatvāt – wegen Feinheit; sūkṣma-bhuk – Feines genießend; param – das Höhere.

Vers 8.7
aikatvānandabhogācca so'yamātmā caturvidhaḥ |
catuṣpājjāgaritaḥ sthūlaḥ sthūlaprajño hi viśvabhuk || 7 ||

Wegen Einheit und Genuss der Glückseligkeit ist dieses Selbst vierfach. Vierfüßig, wachend, grob und des Groben bewusst, genießt es die ganze Welt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aikatva – Einheit; ānanda-bhogāt – wegen Genuss der Glückseligkeit; saḥ ayam ātmā – dieses Selbst; caturvidhaḥ – vierfach; catuṣpāt – vierfüßig; jāgaritaḥ – wachend; sthūlaḥ – grob; sthūla-prajñaḥ – des Groben bewusst; viśva-bhuk – die ganze Welt genießend.

Vers 8.8
ekonaviṃśatimukhaḥ sāṣṭāṅgaḥ sarvagaḥ prabhu |
sthūlabhuk caturātmātha viśvo vaiśvānaraḥ pumān || 8 ||

Mit neunzehn Mündern und acht Gliedern, allgegenwärtig, Herr und Genießer des Groben, ist der vierfache Purusha Vishva und Vaishvanara.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekona-viṃśati-mukhaḥ – mit neunzehn Mündern; sa-aṣṭa-aṅgaḥ – mit acht Gliedern; sarvagaḥ – allgegenwärtig; prabhuḥ – Herr; sthūla-bhuk – Grobes genießend; catur-ātmā – vierfach; viśvaḥ – Vishva; vaiśvānaraḥ – Vaishvanara; pumān – Purusha.

Textanmerkung: Hier steht ausdrücklich aṣṭāṅga, achtgliedrig; die geläufige siebenfache Gliederung anderer Upanishaden wird nicht eingesetzt.

Vers 8.9
viśvajitprathamaḥ pādaḥ svapnasthānagataḥ prabhuḥ |
sūkṣmaprajñaḥ svato'ṣṭāṅga eko nānyaḥ paraṃtapa || 9 ||

Vishvajit ist der erste Fuß. Der Herr, der den Traumort erreicht, ist des Feinen bewusst, von sich aus achtgliedrig, einer und kein anderer, o Feindbezwinger.

Wort-für-Wort-Übersetzung: viśvajit – Weltbezwinger, Vishvajit; prathamaḥ pādaḥ – erster Fuß; svapna-sthāna-gataḥ – Traumort erreicht; prabhuḥ – Herr; sūkṣma-prajñaḥ – des Feinen bewusst; svataḥ aṣṭa-aṅgaḥ – von sich aus achtgliedrig; ekaḥ – einer; na anyaḥ – kein anderer; parantapa – o Feindbezwinger.

Vers 8.10
sūkṣmabhuk caturātmātha taijaso bhūtarāḍayam |
hiraṇyagarbhaḥ sthūlo'ntardvitīyaḥ pāda ucyate || 10 ||

Feines genießend und vierfach ist dieser Taijasa, König der Wesen, Hiranyagarbha, im Inneren grob [so die Vorlage]; er wird der zweite Fuß genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sūkṣma-bhuk – Feines genießend; catur-ātmā – vierfach; taijasaḥ – Taijasa; bhūta-rāṭ – König der Wesen; ayam – dieser; hiraṇyagarbhaḥ – Hiranyagarbha; sthūlaḥ antaḥ – im Inneren grob; dvitīyaḥ pādaḥ – zweiter Fuß; ucyate – wird genannt.

Textanmerkung: Sthūlo’ntaḥ ist in diesem feinstofflichen Zusammenhang auffällig; es wird nicht stillschweigend in sūkṣma geändert.

Vers 8.11
kāmaṃ kāmayate yāvadyatra supto na kañcana |
svapnaṃ paśyati naivātra tatsuṣuptamapi sphuṭam || 11 ||

Wo der Schlafende keinerlei Wunsch begehrt und keinen Traum sieht, das ist klar der Tiefschlaf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kāmam – Verlangen; kāmayate – begehrt; yāvat – solange; yatra – wo; suptaḥ – Schlafender; na kañcana – keinerlei; svapnam – Traum; paśyati na eva – sieht keineswegs; atra – hier; tat suṣuptam – das ist Tiefschlaf; sphuṭam – klar.

Vers 8.12
ekībhūtaḥ suṣuptasthaḥ prajñānaghanavānsukhī |
nityānandamayo'pyātmā sarvajīvāntarasthitaḥ || 12 ||

Vereint, im Tiefschlaf befindlich, eine Dichte von Bewusstsein besitzend und glücklich, ist das Selbst von ewiger Glückseligkeit erfüllt und wohnt im Inneren aller Lebewesen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ekībhūtaḥ – vereint; suṣupta-sthaḥ – im Tiefschlaf befindlich; prajñāna-ghana-vān – mit dichter Bewusstheit; sukhī – glücklich; nitya-ānanda-mayaḥ – von ewiger Glückseligkeit erfüllt; api – auch; ātmā – Selbst; sarva-jīva-antar-sthitaḥ – im Inneren aller Lebewesen wohnend.

Vers 8.13
tathāpyānandabhuk cetomukhaḥ sarvagato'vyayaḥ |
caturātmeśvaraḥ prājñastṛtīyaḥ pādasaṃjñitaḥ || 13 ||

So ist es Genießer der Glückseligkeit, mit Bewusstsein als Tor, allgegenwärtig und unvergänglich. Der vierfache Herr Prajna wird als dritter Fuß bezeichnet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tathā api – ebenso; ānanda-bhuk – Glückseligkeit genießend; ceto-mukhaḥ – mit Bewusstsein als Tor; sarvagataḥ – allgegenwärtig; avyayaḥ – unvergänglich; catur-ātmā – vierfach; īśvaraḥ – Herr; prājñaḥ – Prajna; tṛtīyaḥ pāda-saṃjñitaḥ – als dritter Fuß bezeichnet.

Vers 8.14
eṣa sarveśvaraścaiṣa sarvajñaḥ sūkṣmabhāvanaḥ |
eṣo'ntaryāmyeṣa yoniḥ sarvasya prabhavāpyayau || 14 ||

Dies ist der Herr aller, der Allwissende, der das Feine hervorbringt; dies ist der innere Lenker, der Ursprung von allem, Entstehen und Vergehen der Wesen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: eṣaḥ – dieser; sarva-īśvaraḥ – Herr aller; sarvajñaḥ – allwissend; sūkṣma-bhāvanaḥ – das Feine hervorbringend; antaryāmī – innerer Lenker; yoniḥ – Ursprung; sarvasya – von allem; prabhava-apyayau – Entstehen und Vergehen.

Textanmerkung: Bhūtānām am Anfang des nächsten Verses vervollständigt den Satz.

Vers 8.15
bhūtānāṃ trayamapyetatsarvoparamabādhakam |
tatsuṣuptaṃ hi yatsvapnaṃ māyāmātraṃ prakīrtitam || 15 ||

[Der Wesen:] Auch diese Dreiheit behindert die völlige Ruhe. Tiefschlaf und Traum werden als bloße Maya bezeichnet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhūtānām – der Wesen, Abschluss des vorigen Satzes; trayam api etat – auch diese Dreiheit; sarva-uparama-bādhakam – die völlige Ruhe behindernd; tat suṣuptam – der Tiefschlaf; yat svapnam – der Traum; māyā-mātram – bloße Maya; prakīrtitam – wird bezeichnet.

Vers 8.16
caturthaścaturātmāpi saccidekaraso hyayam |
turīyāvasitattvācca ekaikatvanusārataḥ || 16 ||

Auch das Vierte ist vierfach, doch dieses ist der eine Geschmack von Sein und Bewusstsein – aufgrund des im Vierten wohnenden Wesens und entsprechend der jeweiligen Einheit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: caturthaḥ – das Vierte; catur-ātmā api – auch vierfach; sat-cit-eka-rasaḥ – ein Geschmack von Sein und Bewusstsein; ayam – dieses; turīya-vāsi-tattvāt – aufgrund des im Vierten wohnenden Wesens; ca – und; eka-ekatva-anusārataḥ – entsprechend der jeweiligen Einheit.

Textanmerkung: Die Fügung turīyāvasitattvāt ist textlich gedrängt; die wiedergegebene Trennung ist vorläufig.

Vers 8.17
jñātānujñātrananujñātṛvikalpajñānasādhanam |
vikalpatrayamatrāpi suṣuptaṃ svapnamāntaram || 17 ||

[Es ist] Mittel zur Erkenntnis der Unterscheidungen: Erkanntes, Zustimmender und Nichtzustimmender. Auch hier besteht die Dreiteilung: Tiefschlaf, Traum und das Innere.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jñāta – Erkanntes; anujñātṛ – Zustimmender, Gestattender; ananujñātṛ – Nichtzustimmender; vikalpa-jñāna-sādhanam – Mittel zur Erkenntnis der Unterscheidungen; vikalpa-trayam – Dreiteilung; atra api – auch hier; suṣuptam – Tiefschlaf; svapnam – Traum; āntaram – das Innere.

Textanmerkung: Die Zeile ist ohne zusätzlichen Kommentar nicht eindeutig zu erschließen. Die Begriffe werden wörtlich wiedergegeben; eine feste metaphysische Zuordnung wird nicht erfunden.

Vers 8.18
māyāmātraṃ viditvaivaṃ saccidekaraso hyayam |
vibhakto hyayamādeśo na sthūlaprajñamanvaham || 18 ||

Nachdem man dies als bloße Maya erkannt hat, ist dieses der eine Geschmack von Sein und Bewusstsein. Diese Unterweisung ist gegliedert: [Es ist] nicht das alltäglich des Groben Bewusste …

Wort-für-Wort-Übersetzung: māyā-mātram – bloße Maya; viditvā evam – so erkannt; sat-cit-eka-rasaḥ – ein Geschmack von Sein und Bewusstsein; ayam – dieses; vibhaktaḥ – gegliedert; ādeśaḥ – Unterweisung; na sthūla-prajñam – nicht des Groben bewusst; anvaham – alltäglich.

Vers 8.19
na sūkṣmaprajñamatyantaṃ na prajñaṃ na kvacinmune |
naivāprajñaṃ nobhayataḥprajñaṃ na prajñamāntaram || 19 ||

… nicht gänzlich des Feinen bewusst, nicht bewusst [in gewöhnlichem Sinn], auch nirgends, o Weiser; nicht unbewusst, nicht beidseitig bewusst und nicht im Inneren bewusst.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na sūkṣma-prajñam – nicht des Feinen bewusst; atyantam – gänzlich; na prajñam – nicht bewusst; na kvacit – nicht irgendwo; mune – o Weiser; na eva aprajñam – keineswegs unbewusst; na ubhayataḥ-prajñam – nicht beidseitig bewusst; na prajñam āntaram – nicht innerlich bewusst.

Abschnitt 8, unnummerierter Schluss und Prosa
nāprajñamapi na prajñāghanaṃ cādṛṣṭameva ca |
tadalakṣaṇamagrāhyaṃ yadvyavahāryamacintyamavyapadeśyamekātmapratyayasāraṃ prapañcopaśamaṃ
śivaṃ śāntamadvaitaṃ caturthaṃ manyante sa brahma
praṇavaḥ sa vijñeyo nāparasturīyaḥ sarvatra
bhānuvanmumukṣūṇāmādhāraḥ svayaṃjyotirbrahmākāśaḥ
sarvadā virājate paraṃbrahmatvādityupaniṣat ||

Weder unbewusst noch eine Bewusstseinsmasse und auch ungesehen ist es: ohne Kennzeichen, ungreifbar, [nicht] Gegenstand des Verkehrs, undenkbar, unbezeichenbar; sein Kern ist die Gewissheit des einen Selbst. Es ist Stillung der Erscheinungswelt, heilvoll, friedvoll und nichtdual. Man hält es für das Vierte. Dies ist der Brahman-Pranava; dieser ist zu erkennen, kein anderer. Das Vierte, überall wie die Sonne, ist die Grundlage der nach Befreiung Verlangenden, selbstleuchtend, Brahman-Raum. Stets strahlt es, weil es höchstes Brahman ist: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na aprajñam – nicht unbewusst; na prajñā-ghanam – nicht Bewusstseinsmasse; adṛṣṭam – ungesehen; alakṣaṇam – ohne Kennzeichen; agrāhyam – ungreifbar; yat vyavahāryam – was Gegenstand des Verkehrs ist, überlieferte problematische Form; acintyam – undenkbar; avyapadeśyam – unbezeichenbar; eka-ātma-pratyaya-sāram – Gewissheit des einen Selbst als Kern; prapañca-upaśamam – Stillung der Erscheinungswelt; śivam – heilvoll; śāntam – friedvoll; advaitam – nichtdual; caturtham manyante – man hält es für das Vierte; saḥ brahma-praṇavaḥ – das ist Brahman-Pranava; saḥ vijñeyaḥ – der ist zu erkennen; na aparaḥ – kein anderer; turīyaḥ – das Vierte; sarvatra – überall; bhānu-vat – wie die Sonne; mumukṣūṇām ādhāraḥ – Grundlage der Befreiung Suchenden; svayaṃ-jyotiḥ – selbstleuchtend; brahma-ākāśaḥ – Brahman-Raum; sarvadā virājate – strahlt stets; param-brahmatvāt – weil es höchstes Brahman ist; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Textanmerkung: Die Quelle hat yadvyavahāryam; im parallelen bekannten Beschreibungsschema der Mandukya-Upanishad steht avyavahāryam, „nicht Gegenstand des Verkehrs“. Die Verneinung in eckigen Klammern ist eine begründete Ergänzung der Übersetzung; der Sanskritwortlaut der Quelle bleibt unverändert.

Schluss des 8. Abschnitts
iti aṣṭamopadeśaḥ || 8 ||

Damit endet der 8. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; aṣṭamaḥ – achter.

Abschnitt 9, Prosa – Die Natur Brahmans
atha brahmasvarūpaṃ kathamiti nāradaḥ papraccha |
taṃ hovāca pitāmahaḥ kiṃ brahmasvarūpamiti |
anyosāvanyohamasmīti ye viduste paśavo na svabhāvapaśavastamevaṃ jñātvā vidvānmṛtyumukhātpramucyate
nānyaḥ panthā vidyate'yanāya |

Narada fragte: „Wie ist Brahmans Natur?“ Der Großvater antwortete ihm: „Was ist Brahmans Natur? Diejenigen, die denken: ‚Jener ist einer, ich bin ein anderer‘, sind Tiere – nicht die von Natur aus Tiere sind. Wer als Wissender ihn so erkennt, wird aus dem Rachen des Todes frei. Es gibt keinen anderen Weg, um dorthin zu gelangen.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – dann; brahma-svarūpam katham – wie ist Brahmans Natur; nāradaḥ papraccha – Narada fragte; tam hovāca pitāmahaḥ – der Großvater sagte ihm; kim brahma-svarūpam – was ist Brahmans Natur; anyaḥ asau anyaḥ aham asmi – jener ist ein anderer, ich bin ein anderer; ye viduḥ – die so wissen; te paśavaḥ – sie sind Tiere; na svabhāva-paśavaḥ – nicht die von Natur aus Tiere sind; tam evam jñātvā – ihn so erkannt; vidvān – Wissender; mṛtyu-mukhāt pramucyate – wird aus dem Rachen des Todes frei; na anyaḥ panthāḥ – kein anderer Weg; vidyate – existiert; ayanāya – um dorthin zu gelangen.

Vers 9.1
kālaḥ svabhāvo niyatiryadṛcchā
bhūtāni yoniḥ puruṣa iti cintyam |
saṃyoga eṣāṃ natvātmabhāvādātmā hyanīśaḥ sukhaduḥkhahetoḥ || 1 ||

Zeit, Eigennatur, Notwendigkeit, Zufall, Elemente, Ursprung oder Purusha: So ist zu erwägen. Ihre Verbindung [ist nicht die letzte Ursache], wegen des Selbstwesens. Denn das [einzelne] Selbst ist nicht Herr über die Ursache von Freude und Schmerz.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kālaḥ – Zeit; svabhāvaḥ – Eigennatur; niyatiḥ – Notwendigkeit; yadṛcchā – Zufall; bhūtāni – Elemente; yoniḥ – Ursprung; puruṣaḥ – Purusha; iti cintyam – so ist zu erwägen; saṃyogaḥ – Verbindung; eṣām – dieser; na tu – aber nicht; ātma-bhāvāt – wegen des Selbstwesens; ātmā hi – denn das Selbst; anīśaḥ – nicht Herr; sukha-duḥkha-hetoḥ – über die Ursache von Freude und Schmerz.

Textanmerkung: Parallele: Shvetashvatara-Upanishad 1.2. Die Klammer ergänzt die dort zugrunde liegende Frage nach der Weltursache.

Vers 9.2
te dhyānayogānugatā apaśyan
devātmaśaktiṃ svaguṇairnigūḍhām |
yaḥ kāraṇāni nikhilāni tāni
kālātmayuktānyadhitiṣṭhatyekaḥ || 2 ||

Dem Yoga der Meditation folgend erblickten sie die Kraft des göttlichen Selbst, in ihren eigenen Eigenschaften verborgen: Jener Eine beherrscht alle diese Ursachen, die mit Zeit und Selbst verbunden sind.

Wort-für-Wort-Übersetzung: te – sie; dhyāna-yoga-anugatāḥ – dem Meditationsyoga folgend; apaśyan – erblickten; deva-ātma-śaktim – Kraft des göttlichen Selbst; sva-guṇaiḥ nigūḍhām – in eigenen Eigenschaften verborgen; yaḥ – der; kāraṇāni nikhilāni tāni – alle diese Ursachen; kāla-ātma-yuktāni – mit Zeit und Selbst verbunden; adhitiṣṭhati – beherrscht; ekaḥ – einer.

Vers 9.3
tamekasmiṃstrivṛtaṃ ṣoḍaśāntaṃ
śatārdhāraṃ viṃśatipratyarābhiḥ |
aṣṭakaiḥ ṣaḍbhirviśvarūpaikapāśaṃ
trimārgabhedaṃ dvinimittaikamoham || 3 ||

[Sie erblickten] jenes [Rad] in Einem [die Radbezeichnung ist ausgefallen], dreifach umspannt, mit sechzehn Enden, fünfzig Speichen und zwanzig Gegenspeichen, mit sechs Achtergruppen, einem allgestaltigen Seil, drei verschiedenen Wegen, zwei Ursachen und einer Verblendung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tam – jenes; ekasmin – in einem, die Vorlage hat hier keine vollständige Radbezeichnung; trivṛtam – dreifach umspannt; ṣoḍaśa-antam – mit sechzehn Enden; śata-ardha-aram – mit fünfzig Speichen; viṃśati-pratyarābhiḥ – mit zwanzig Gegenspeichen; aṣṭakaiḥ ṣaḍbhiḥ – mit sechs Achtergruppen; viśvarūpa-eka-pāśam – mit einem allgestaltigen Seil; tri-mārga-bhedam – mit drei verschiedenen Wegen; dvi-nimitta-eka-moham – mit zwei Ursachen und einer Verblendung.

Textanmerkung: Die Parallelstelle Shvetashvatara 1.4 liest ekanemim, „mit einem Radkranz“, statt ekasmin. Die beschädigte Lesung wird im Sanskrit beibehalten. Viṃśapratityarābhiḥ wird nach der Parallelstelle zu viṃśatipratyarābhiḥ normalisiert.

Vers 9.4
pañcasrotombuṃ pañcayonyugravaktrāṃ
pañcaprāṇormiṃ pañcabuddhyādimūlām |
pañcāvartāṃ pañcaduḥkhaughavegāṃ
pañcāśadbhedāṃ pañcaparvāmadhīmaḥ || 4 ||

Wir betrachten [den Strom] mit dem Wasser von fünf Strömungen, mit fünf Ursprüngen und schrecklichem Schlund, dessen Wogen die fünf Lebensatemkräfte sind, dessen ursprüngliche Wurzel die fünf Erkenntniskräfte sind, mit fünf Wirbeln, mit der Gewalt von fünf Leidensfluten, fünfzig Verzweigungen und fünf Abschnitten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañca-srotas-ambum – mit Wasser von fünf Strömungen; pañca-yoni-ugra-vaktrām – mit fünf Ursprüngen und schrecklichem Schlund; pañca-prāṇa-ūrmim – mit fünf Lebensatemkräften als Wogen; pañca-buddhi-ādi-mūlām – mit fünf Erkenntniskräften als ursprünglicher Wurzel; pañca-āvartām – mit fünf Wirbeln; pañca-duḥkha-ogha-vegām – mit Gewalt von fünf Leidensfluten; pañcāśat-bhedām – mit fünfzig Verzweigungen; pañca-parvām – mit fünf Abschnitten; adhīmaḥ – wir betrachten.

Textanmerkung: Parallele: Shvetashvatara 1.5. Die Vorlage pañcaśad wird zu pañcāśad normalisiert.

Vers 9.5
sarvājīve sarvasaṃsthe bṛhante
tasminhaṃso bhrāmyate brahmacakre |
pṛthagātmānaṃ preritāraṃ ca matvā
juṣṭastatastenāmṛtatvameti || 5 ||

In diesem großen Brahmanrad, in dem alles lebt und alles ruht, kreist der Hamsa, weil er sich selbst und den Antreiber für verschieden hält. Von jenem begünstigt erlangt er darauf Unsterblichkeit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarva-ājīve – worin alles lebt; sarva-saṃsthe – worin alles ruht; bṛhante – groß; tasmin – in jenem; haṃsaḥ – Hamsa, hier individuelle Seele; bhrāmyate – kreist; brahma-cakre – im Brahmanrad; pṛthak – verschieden; ātmānam – sich selbst; preritāram – Antreiber; matvā – haltend; juṣṭaḥ – begünstigt; tataḥ – dann; tena – von jenem; amṛtatvam eti – erlangt Unsterblichkeit.

Vers 9.6
udgīthametatparamaṃ tu brahma
tasmiṃstrayaṃ svapratiṣṭhākṣaraṃ ca |
atrāntaraṃ vedavido viditvā
līnāḥ pare brahmaṇi tatparāyaṇāḥ || 6 ||

Dies ist der Udgitha, das höchste Brahman. In ihm bestehen die Dreiheit und das in sich gegründete Unvergängliche. Nachdem die Vedakenner den darin liegenden Unterschied erkannt haben, sind sie, ihm ganz ergeben, im höchsten Brahman aufgegangen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: udgītham – Udgitha, hoher Opfergesang; etat – dies; paramam brahma – höchstes Brahman; tasmin – in ihm; trayam – Dreiheit; sva-pratiṣṭha-akṣaram – in sich gegründetes Unvergängliches; atra – hier; antaram – Unterschied, Inneres; veda-vidaḥ – Vedakenner; viditvā – erkannt; līnāḥ – aufgegangen; pare brahmaṇi – im höchsten Brahman; tat-parāyaṇāḥ – ihm ganz ergeben.

Textanmerkung: Die Parallelstelle Shvetashvatara 1.7 hat udgītam („besungen“) statt udgītham („Udgitha“) sowie einen abweichenden Schluss. Der Wortlaut dieser Upanishad bleibt maßgebend.

Vers 9.7
saṃyuktametatkṣaramakṣaraṃ ca
vyaktāvyaktaṃ bharate viśvamīśaḥ |
anīśaścātmā badhyate bhoktṛbhāvājjñātvā devaṃ mucyate sarvapāśaiḥ || 7 ||

Der Herr trägt dieses verbundene All aus Vergänglichem und Unvergänglichem, Offenbarem und Unoffenbarem. Das nicht souveräne Selbst wird durch sein Genießersein gebunden. Erkennt es den Gott, wird es von allen Fesseln frei.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃyuktam etat – dieses Verbundene; kṣaram – Vergängliches; akṣaram – Unvergängliches; vyakta-avyaktam – Offenbares und Unoffenbares; bharate – trägt; viśvam – All; īśaḥ – Herr; anīśaḥ ātmā – nicht souveränes Selbst; badhyate – wird gebunden; bhoktṛ-bhāvāt – durch Genießersein; jñātvā devam – Gott erkannt; mucyate – wird frei; sarva-pāśaiḥ – von allen Fesseln.

Vers 9.8
jñājñau dvāvajāvīśanīśāvajā
hyekā bhoktṛbhogārthayuktā |
anantaścātmā viśvarūpo hyakartā
trayaṃ yadā vindate brahmametat || 8 ||

Zwei Ungeborene sind der Wissende und der Nichtwissende, der Herr und der Nicht-Herr. Eine Ungeborene ist dem Zweck von Genießer und Genuss zugeordnet. Das Selbst ist unendlich, allgestaltig und untätig. Wenn man diese Dreiheit erkennt, ist dies Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jña-ajñau – Wissender und Nichtwissender; dvau ajau – zwei Ungeborene; īśa-anīśau – Herr und Nicht-Herr; ajā hi ekā – eine Ungeborene; bhoktṛ-bhoga-artha-yuktā – dem Zweck von Genießer und Genuss zugeordnet; anantaḥ ātmā – unendliches Selbst; viśvarūpaḥ – allgestaltig; akartā – untätig, kein Handelnder; trayam – Dreiheit; yadā vindate – wenn man erkennt; brahma etat – dies ist Brahman.

Vers 9.9
kṣaraṃ pradhānamamṛtākṣaraṃ haraḥ
kṣarātmānāvīśate deva ekaḥ |
tasyābhidhyānādyojanāttattvabhāvādbhūyaścānte viśvamāyānivṛttiḥ || 9 ||

Die Urnatur ist vergänglich; Hara ist unsterblich und unvergänglich. Der eine Gott beherrscht das Vergängliche und das Selbst. Durch Meditation auf ihn, Vereinigung und das Werden zu seiner Wirklichkeit endet schließlich erneut die ganze Maya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kṣaram – vergänglich; pradhānam – Urnatur; amṛta-akṣaram – unsterblich und unvergänglich; haraḥ – Hara; kṣara-ātmānau – Vergängliches und Selbst; īśate – beherrscht; devaḥ ekaḥ – ein Gott; tasya abhidhyānāt – durch Meditation auf ihn; yojanāt – durch Vereinigung; tat-tva-bhāvāt – durch Werden zu seiner Wirklichkeit; bhūyaḥ ca ante – und schließlich wiederum; viśva-māyā-nivṛttiḥ – Ende der ganzen Maya.

Vers 9.10
jñātvā devaṃ mucyate sarvapāśaiḥ
kṣīṇaiḥ kleśairjanmamṛtyuprahāṇiḥ |
tasyābhidhyānāttṛtīyaṃ dehabhede
viśvaiśvaryaṃ kevala ātmakāmaḥ || 10 ||

Den Gott erkennend wird man von allen Fesseln frei. Sind die Bedrängnisse geschwunden, enden Geburt und Tod. Durch Meditation auf ihn [erreicht man] beim Zerfall des Körpers das Dritte: Herrschaft über alles, Alleinsein, im Selbst erfülltes Verlangen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jñātvā devam – Gott erkannt; mucyate sarva-pāśaiḥ – wird von allen Fesseln frei; kṣīṇaiḥ kleśaiḥ – bei geschwundenen Bedrängnissen; janma-mṛtyu-prahāṇiḥ – Ende von Geburt und Tod; tasya abhidhyānāt – durch Meditation auf ihn; tṛtīyam – das Dritte; deha-bhede – beim Zerfall des Körpers; viśva-aiśvaryam – Herrschaft über alles; kevalaḥ – allein; ātma-kāmaḥ – im Selbst erfülltes Verlangen.

Textanmerkung: Die Vorlage tṛtayaṃ wird nach der klaren Parallelstelle Shvetashvatara 1.11 zu tṛtīyaṃ berichtigt. Deren āptakāmaḥ („dessen Wünsche erfüllt sind“) wird nicht übernommen: Hier steht ātmakāmaḥ, „dessen Verlangen das Selbst ist“.

Vers 9.11
etajjñeyaṃ nityamevātmasaṃsthaṃ
nātaḥ paraṃ veditavyaṃ hi kiñcit |
bhoktā bhogyaṃ preritāraṃ ca matvā
sarvaṃ proktaṃ trividhaṃ brahmametat || 11 ||

Dies ist zu erkennen, ewig im Selbst gegründet; darüber hinaus ist nichts zu erkennen. Indem man Genießer, Genießbares und Antreiber erkennt, ist alles gesagt: Dieses Brahman ist dreifach.

Wort-für-Wort-Übersetzung: etat jñeyam – dies ist zu erkennen; nityam – ewig; ātma-saṃstham – im Selbst gegründet; na ataḥ param – darüber hinaus nicht; veditavyam kiñcit – irgendetwas zu erkennen; bhoktā – Genießer; bhogyam – Genießbares; preritāram – Antreiber; matvā – erkannt; sarvam proktam – alles gesagt; trividham brahma etat – dieses Brahman ist dreifach.

Vers 9.12
ātmavidyā tapomūlaṃ tadbrahmopaniṣatparam |
ya evaṃ viditvā svarūpamevānucintayaṃstatra ko mohaḥ kaḥ śoka ekatvamanupaśyataḥ || 12 ||

Selbsterkenntnis und Askese sind die Wurzel; jenes Brahman ist das Höchste der Upanishaden. Wer dies erkennt und allein das eigene Wesen betrachtet: Welche Verblendung, welcher Kummer besteht dort für den, der die Einheit sieht?

Wort-für-Wort-Übersetzung: ātma-vidyā – Selbsterkenntnis; tapas-mūlam – Askese als Wurzel; tat brahma – jenes Brahman; upaniṣat-param – Höchstes der Upanishaden; yaḥ evam viditvā – wer dies erkannt; svarūpam eva anucintayan – allein eigenes Wesen betrachtend; tatra – dort; kaḥ mohaḥ – welche Verblendung; kaḥ śokaḥ – welcher Kummer; ekatvam anupaśyataḥ – für den die Einheit Schauenden.

Textanmerkung: Die erste Zeile nimmt Shvetashvatara 1.16 auf; die Schlussfrage entspricht Isha-Upanishad 7.

Vers 9.13
tasmādvirāḍbhūtaṃ bhavyaṃ
bhaviṣyadbhavatyanaśvarasvarūpam |
aṇoraṇīyānmahato mahīyānātmāsya jantornihito guhāyām |
tamakratuṃ paśyati vītaśoko
dhātuḥprasādānmahimānamīśam || 13 ||

Daraus entsteht der Virat, Vergangenes, Gegenwärtiges und Künftiges, von unvergänglichem Wesen. Feiner als das Feinste, größer als das Größte ist das Selbst, verborgen in der Höhle dieses Wesens. Ohne Trauer schaut man durch die Gnade des Schöpfers jenen wunschlosen Herrn in seiner Größe.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmāt – daraus; virāṭ – Virat, kosmische Gestalt; bhūtam – Vergangenes; bhavyam – Gegenwärtiges; bhaviṣyat – Künftiges; bhavati – entsteht; anaśvara-svarūpam – von unvergänglichem Wesen; aṇoḥ aṇīyān – feiner als das Feinste; mahataḥ mahīyān – größer als das Größte; ātmā – Selbst; asya jantoḥ – dieses Wesens; nihitaḥ – verborgen; guhāyām – in der Höhle; tam akratum – jenen Wunschlosen; paśyati – schaut; vīta-śokaḥ – ohne Trauer; dhātuḥ prasādāt – durch Gnade des Schöpfers; mahimānam – Größe; īśam – Herrn.

Textanmerkung: Der Beginn tasmāvirāṭ ist zu tasmādvirāṭ normalisiert. Der Schluss steht auch in Shvetashvatara 3.20; die vorliegende Lesung dhātuḥ prasādāt lässt die Übersetzung „durch die Gnade des Schöpfers“ zu.

Vers 9.14
apāṇipādo javano grahītā
paśyatyacakṣuḥ sa śṛṇotyakarṇaḥ |
sa vetti vedyaṃ na ca tasyāsti vettā
tamāhuragryaṃ puruṣaṃ mahāntam || 14 ||

Ohne Hände und Füße ist er schnell und greift; ohne Augen sieht er, ohne Ohren hört er. Er kennt das Erkennbare, doch ihn kennt kein anderer. Man nennt ihn den ersten, großen Purusha.

Wort-für-Wort-Übersetzung: apāṇi-pādaḥ – ohne Hände und Füße; javanaḥ – schnell; grahītā – greifend; paśyati – sieht; acakṣuḥ – ohne Augen; śṛṇoti – hört; akarṇaḥ – ohne Ohren; saḥ vetti – er kennt; vedyam – Erkennbares; na tasya asti vettā – ihn kennt kein anderer; tam āhuḥ – man nennt ihn; agryam – ersten; puruṣam mahāntam – großen Purusha.

Vers 9.15
aśarīraṃ śarīreṣvanavastheśvavasthitam |
mahāntaṃ vibhumātmānaṃ matvā dhīro na śocati || 15 ||

Das körperlose Selbst in den Körpern, das Beständige im Unbeständigen, das große, alldurchdringende: Wenn der Weise es erkannt hat, trauert er nicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aśarīram – körperlos; śarīreṣu – in den Körpern; anavastheṣu – im Unbeständigen; avasthitam – beständig; mahāntam – groß; vibhum – alldurchdringend; ātmānam – Selbst; matvā – erkannt; dhīraḥ – Weiser; na śocati – trauert nicht.

Vers 9.16
sarvasya dhātāramacintyaśaktiṃ
sarvāgamāntārthaviśeṣavedyam |
parātparaṃ paramaṃ veditavyaṃ
sarvāvasāne sakṛdveditavyam || 16 ||

[Zu erkennen ist] der Träger von allem mit undenkbarer Kraft, erkennbar durch den besonderen Sinn der Enden aller Überlieferungen, höher als das Höchste, das höchste Erkennbare, am Ende von allem ein für alle Mal zu erkennen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sarvasya dhātāram – Träger von allem; acintya-śaktim – mit undenkbarer Kraft; sarva-āgama-anta-artha-viśeṣa-vedyam – erkennbar durch besonderen Sinn der Enden aller Überlieferungen; parāt param – höher als das Höchste; paramam veditavyam – höchstes Erkennbare; sarva-avasāne – am Ende von allem; sakṛt – ein für alle Mal; veditavyam – zu erkennen.

Vers 9.17a
kaviṃ purāṇaṃ puruṣottamottamaṃ
sarveśvaraṃ sarvadevairupāsyam |
anādi madhyāntamanantamavyayaṃ
śivācyutāmbhoruhagarbhabhūdharam || 17 ||

Den Seher, den Uralten, den Höchsten der höchsten Purushas, den Herrn aller, von allen Göttern zu verehren, ohne Anfang, Mitte und Ende, unendlich, unvergänglich, den Träger Shivas, Achyutas und des Lotusgeborenen …

Wort-für-Wort-Übersetzung: kavim – Seher; purāṇam – Uralten; puruṣa-uttama-uttamam – Höchsten der höchsten Purushas; sarva-īśvaram – Herrn aller; sarva-devaiḥ upāsyam – von allen Göttern zu verehren; anādi-madhya-antam – ohne Anfang, Mitte und Ende; anantam – unendlich; avyayam – unvergänglich; śiva-acyuta-ambhoruha-garbha-bhūdharam – Träger Shivas, Achyutas und des Lotusgeborenen, die Kompositumsfügung ist ungewöhnlich.

Vers 9.17b
svenāvṛtaṃ sarvamidaṃ prapañcaṃ
pañcātmakaṃ pañcasu vartamānam |
pañcīkṛtānantabhavaprapañcaṃ
pañcīkṛtasvāvayavairasaṃvṛtam |
parātparaṃ yanmahato mahāntaṃ
svarūpatejomayaśāśvataṃ śivam || 17 ||

… durch den diese ganze fünffache Erscheinungswelt umhüllt ist, die in den fünf besteht, die unendliche Welt des Werdens aus den verfünffachten [Elementen], selbst von den eigenen verfünffachten Gliedern nicht umhüllt: höher als das Höchste, größer als das Große, seinem Wesen nach lichtvoll, ewig und heilvoll.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svena – von ihm selbst; āvṛtam – umhüllt; sarvam idam prapañcam – diese ganze Erscheinungswelt; pañca-ātmakam – fünffach; pañcasu vartamānam – in den fünf bestehend; pañcīkṛta – verfünffacht, nach Panchikarana gemischt; ananta-bhava-prapañcam – unendliche Welt des Werdens; pañcīkṛta-sva-avayavaiḥ – von eigenen verfünffachten Gliedern; asaṃvṛtam – nicht umhüllt; parāt param – höher als das Höchste; yat – welches; mahataḥ mahāntam – größer als das Große; svarūpa-tejomaya – dem Wesen nach lichtvoll; śāśvatam – ewig; śivam – heilvoll.

Textanmerkung: Die Quelle zählt zwei aufeinanderfolgende Verse als 17. Sie werden hier als 17a und 17b unterschieden, ohne den Sanskritziffernstand zu ändern.

Vers 9.18
nāvirato duścaritānnāśānto nāsamāhitaḥ |
nāśāntamanaso vāpi prajñānenainamāpnuyāt || 18 ||

Wer nicht von schlechtem Verhalten absteht, nicht friedvoll oder gesammelt ist und keinen ruhigen Geist besitzt, kann es nicht durch Einsicht erlangen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na avirataḥ duścaritāt – wer nicht von schlechtem Verhalten absteht; na aśāntaḥ – wer nicht friedvoll ist; na asamāhitaḥ – wer nicht gesammelt ist; na aśānta-manasaḥ – wer keinen ruhigen Geist besitzt; vā api – oder auch; prajñānena – durch Einsicht; enam āpnuyāt – kann es erlangen.

Abschnitt 9, Schlussprosa – Absolute Freiheit
nāntaḥprajñaṃ na bahiḥprajñaṃ na sthūlaṃ nāsthūlaṃ
na jñānaṃ nājñānaṃ nobhayataḥprajñamagrāhyamavyavahāryaṃ svāntaḥsthitaḥ svayameveti ya evaṃ veda
sa mukto bhavati sa mukto bhavatītyāha bhagavānpitāmahaḥ |
svasvarūpajñaḥ parivrāṭ parivrāḍekākī carati
bhayatrastasāraṅgavattiṣṭhati | gamanavirodhaṃ na karoti |
svaśarīravyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā ṣaṭpadavṛttyā sthitvā
svarūpānusandhānaṃ kurvansarvamananyabuddhyā
svasminneva mukto bhavati | sa parivrāṭ sarvakriyākārakanivartako
guruśiṣyaśāstrādivinirmuktaḥ sarvasaṃsāraṃ visṛjya
cāmohitaḥ parivrāṭ kathaṃ nirdhanikaḥ sukhī dhanavāñjñānājñānobhayātītaḥ sukhaduḥkhātītaḥ
svayaṃjyotiprakāśaḥ sarvavedyaḥ sarvajñaḥ sarvasiddhidaḥ
sarveśvaraḥ so'hamiti | tadviṣṇoḥ paramaṃ padaṃ yatra
gatvā na nivartante yoginaḥ | sūryo na tatra bhāti
na śaśāṅko'pi na sa punarāvartate na sa punarāvartate
tatkaivalyamityupaniṣat ||

Es ist weder nach innen noch nach außen bewusst, weder grob noch nichtgrob, weder Wissen noch Nichtwissen, weder beidseitig bewusst, sondern ungreifbar und keinem Umgang zugänglich. Wer erkennt: „Es steht in meinem Inneren und ist ich selbst“, wird befreit, wird befreit – so sagt der erhabene Großvater. Wer das eigene Wesen kennt, ist Wanderasket. Er wandert allein, hält sich wie ein von Furcht erschrecktes Reh auf und lässt seine Bewegung nicht aufhalten. Alles außer dem eigenen Körper aufgebend, nach Art der Biene lebend und das eigene Wesen betrachtend, wird er, alles mit nichtanderer Einsicht [schauend], in sich selbst frei. Dieser Wanderasket hat alle Tätigkeiten und Handlungsmittel beendet, ist frei von Lehrer, Schüler, Lehrwerk und Weiterem und hat den ganzen Samsara verlassen. Unverblendet ist der Wanderasket – wie [beschreiben]? Besitzlos und glücklich, reich, jenseits von Wissen und Nichtwissen, jenseits von Freude und Schmerz, im eigenen Licht leuchtend, von allen zu erkennen, allwissend, alle Vollendungen gewährend, der Herr aller: „Er bin ich.“ Dies ist Vishnus höchster Zustand, von dem die Yogis, die dorthin gelangt sind, nicht zurückkehren. Dort scheint weder Sonne noch Mond. Er kehrt nicht wieder, er kehrt nicht wieder. Dies ist absolute Freiheit: so die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na antaḥ-prajñam – nicht nach innen bewusst; na bahiḥ-prajñam – nicht nach außen bewusst; na sthūlam – nicht grob; na asthūlam – nicht nichtgrob; na jñānam – kein Wissen; na ajñānam – kein Nichtwissen; na ubhayataḥ-prajñam – nicht beidseitig bewusst; agrāhyam – ungreifbar; avyavahāryam – keinem Umgang zugänglich; sva-antaḥ-sthitaḥ – im eigenen Inneren stehend; svayam eva – selbst; iti yaḥ evam veda – wer dies so weiß; saḥ muktaḥ bhavati – der wird befreit; āha bhagavān pitāmahaḥ – so sagt der erhabene Großvater; sva-svarūpa-jñaḥ – Kenner des eigenen Wesens; parivrāṭ – Wanderasket; ekākī carati – wandert allein; bhaya-trasta-sāraṅga-vat – wie ein von Furcht erschrecktes Reh; tiṣṭhati – hält sich auf; gamana-virodham na karoti – lässt Bewegung nicht aufhalten; sva-śarīra-vyatiriktam sarvam tyaktvā – alles außer eigenem Körper aufgegeben; ṣaṭ-pada-vṛttyā – nach Art der sechsfüßigen Biene; sthitvā – lebend; svarūpa-anusandhānam kurvan – eigenes Wesen betrachtend; sarvam – alles; ananya-buddhyā – mit nichtanderer Einsicht; svasmin eva muktaḥ bhavati – wird allein in sich frei; sarva-kriyā-kāraka-nivartakaḥ – alle Tätigkeiten und Handlungsmittel beendend; guru-śiṣya-śāstra-ādi-vinirmuktaḥ – frei von Lehrer, Schüler, Lehrwerk und Weiterem; sarva-saṃsāram visṛjya – gesamten Samsara verlassen; amohitaḥ – unverblendet; katham – wie; nirdhanikaḥ – besitzlos; sukhī – glücklich; dhanavān – reich; jñāna-ajñāna-ubhaya-atītaḥ – jenseits von Wissen und Nichtwissen; sukha-duḥkha-atītaḥ – jenseits von Freude und Schmerz; svayaṃ-jyotiḥ-prakāśaḥ – im eigenen Licht leuchtend; sarva-vedyaḥ – von allen zu erkennen; sarvajñaḥ – allwissend; sarva-siddhi-daḥ – alle Vollendungen gewährend; sarva-īśvaraḥ – Herr aller; saḥ aham – er bin ich; tat viṣṇoḥ paramam padam – das ist Vishnus höchster Zustand; yatra gatvā – dorthin gelangt; na nivartante yoginaḥ – kehren Yogis nicht zurück; sūryaḥ na tatra bhāti – dort scheint die Sonne nicht; na śaśāṅkaḥ api – auch der Mond nicht; na saḥ punarāvartate – er kehrt nicht wieder; tat kaivalyam – das ist absolute Freiheit; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Textanmerkung: Die verstümmelte Schreibung ṣṭpada wird zu ṣaṭpada normalisiert. Die Folge parivrāṭ kathaṃ nirdhanikaḥ sukhī dhanavān ist elliptisch; die Gegensatzpaare bleiben erkennbar.

Schluss des 9. Abschnitts
iti navamopadeśaḥ || 9 ||

Damit endet der 9. Lehrabschnitt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; upadeśaḥ – Lehrabschnitt; navamaḥ – neunter.

Shanti-Mantra am Schluss
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ – mit festen; aṅgaiḥ – Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren.

Friedensruf am Schluss
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Schlussformel
|| iti nāradaparivrājakopaniṣatsamāptā ||

Damit ist die Naradaparivrajaka-Upanishad beendet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – damit; nārada-parivrājaka-upaniṣat – Naradaparivrajaka-Upanishad; samāptā – beendet.

Naradaparivrajaka Upanishad – Datierung, Inhalt und Bedeutung

Textgestalt und Datierung

Die Naradaparivrajaka Upanishad gehört zur späteren Literatur über Sannyasa. Ihr genauer Entstehungszeitpunkt lässt sich aus dem erhaltenen Text nicht sicher bestimmen. Die neun Lehrabschnitte sammeln unterschiedliche Regeln, Lebensformen, Ritualanweisungen und Erkenntnislehren. Die traditionelle Zuordnung zum Atharvaveda ist von einer historischen Datierung der einzelnen Textbestandteile zu unterscheiden.

Die Rahmenerzählung zeigt Narada als Wanderer durch die Welten. Seine Begegnung mit den Weisen eröffnet die Frage nach dem Weg zur Befreiung. Für die ausführliche Unterweisung tritt Brahma als Autorität auf. Das Gespräch verbindet die Autorität der Offenbarung mit praktischen Fragen des entsagenden Lebens.

Vorbereitung und Übergang

Die Schrift beschreibt Ausbildung, religiöse Lebensführung, Reife und Loslösung als Voraussetzungen. Sie kennt den Weg durch die Lebensstände, stellt aber auch Fragen nach der unmittelbaren Entsagung. Die verschiedenen Aussagen stehen in ihrem jeweiligen Zusammenhang. Ihr gemeinsames Anliegen ist, dass der äußere Wechsel des Lebensstands einer wirklichen inneren Bereitschaft entsprechen soll.

Die Aufnahmeriten verwenden Opferbilder, Gelübde, Mantras und das Ablegen bisheriger Zeichen. Der Abschied von Besitz und Bindungen wird öffentlich und rituell ausgedrückt. Zugleich verweist die Erkenntnislehre darauf, dass kein Zeichen allein Befreiung bewirkt. Äußere Entsagung erhält ihren Sinn durch Vairagya, Unterscheidungskraft und die Hinwendung zum höchsten Selbst.

Verschiedene Formen des Asketenlebens

Der Text erläutert verschiedene Gruppen und Grade von Entsagenden. Dazu gehören etwa der nahe einer Hütte Lebende, der von mehreren Haushalten Nahrung Empfangende und die als Hamsa oder Paramahamsa bezeichneten Formen. Die Vorschriften betreffen Unterkunft, Nahrung, Besitz, Umgang mit Menschen, Wanderung und äußere Kennzeichen.

Solche Ordnungen geben Einblick in historische Asketenmilieus. Sie sind nicht als ein einziges für alle Menschen gültiges Alltagsprogramm zu lesen. Besonders die sozialen Ausschlüsse und polemischen Aussagen über Körper und Geschlecht gehören zur Sprache und Gesellschaft des Textes. Der Artikel übersetzt sie, ohne sie als allgemeine Bewertung heutiger Menschen zu übernehmen.

Gewaltlosigkeit und innere Haltung

Neben den Einzelregeln stehen Haltungen, die das gesamte Leben prägen sollen: niemandem schaden, wahrhaftig sein, Beleidigung ohne Vergeltung ertragen, nicht nach Ansehen streben und sich nicht von Zorn führen lassen. Diese Anforderungen schützen die Entsagung davor, zu einer neuen Form von Stolz zu werden. Wer äußere Güter aufgibt und zugleich Anerkennung für diese Rolle verlangt, hat die innere Bindung noch nicht gelöst.

Die Betonung eines einfachen Lebens kann auch außerhalb eines förmlichen Sannyasa-Lebensstands zum Nachdenken anregen. Es geht um die Frage, welche Bedürfnisse notwendig sind und welche Abhängigkeiten durch Gewohnheit entstehen. Santosha, Zufriedenheit, und ein verantwortlicher Umgang mit den eigenen Mitteln können diese Betrachtung praktisch werden lassen.

Om und die Erkenntnis des Selbst

Die späteren Lehrabschnitte behandeln den Pranava und verschiedene Formen seiner Betrachtung. Die Laut- und Zustandslehre führt von unterscheidbaren Bewusstseinsformen zu jener Wirklichkeit, die sie trägt. Der Text schöpft dabei aus dem weiteren upanishadischen Zusammenhang und verbindet ritualisierte Rezitation mit nichtdualer Betrachtung.

Das Selbst wird nicht als äußerer Gegenstand erkannt. Es ist die Grundlage, in der Wahrnehmung, Denken und die Vorstellung des Handelnden erscheinen. Die höchste Entsagung ist deshalb nicht bloß ein Wechsel der Kleidung oder des Aufenthaltsorts. Sie betrifft die Gleichsetzung des Selbst mit dem begrenzten Körper und Geist. Shravana, Manana und Nididhyasana bezeichnen im Vedanta die dafür zusammengehörigen Schritte des Hörens, Nachdenkens und meditativen Vertiefens.

Verhältnis zu anderen Upanishaden

Die Jabala Upanishad, Paramahamsa Upanishad, Bhikshuka Upanishad und Sannyasa Upanishad behandeln verwandte Fragen nach dem Zeitpunkt der Entsagung, ihren Lebensformen und ihrer inneren Bedeutung. Die Brahma Upanishad verinnerlicht äußere Kennzeichen wie den heiligen Faden. Die Mandukya Upanishad bietet einen wichtigen Vergleich für die Deutung von Om und den Bewusstseinszuständen. Die Naradaparivrajaka Upanishad steht somit an einer Verbindung von religiöser Lebensordnung und philosophischer Selbsterkenntnis.

Bedeutung heute

Für ernsthafte Aspiranten kann die Schrift eine Prüfung der eigenen Motivation anregen. Dient die spirituelle Praxis der Freiheit von Ego und Anhaftung, oder wird sie selbst zum Gegenstand von Stolz? Ein freundlicher Umgang, Wahrhaftigkeit, genügsame Lebensführung und regelmäßige Meditation geben der Antwort eine konkrete Gestalt.

Die alltägliche Anwendung besteht nicht darin, unvermittelt historische Sonderregeln zu übernehmen. Sie kann darin liegen, die eigenen Bindungen ehrlich zu erkennen, Pflichten bewusst zu erfüllen und dem inneren Zeugen Raum zu geben. So verbindet sich Karma Yoga mit dem Geist der Entsagung: handeln, helfen und lernen, während der Anspruch auf persönlichen Besitz an den Ergebnissen nachlässt.

Die Erkenntnis von Atman und Brahman bildet den inneren Kern der Entsagung.

Video zur Vertiefung: Yoga, Samkhya und Vedanta

Der Vortrag erläutert philosophische Hintergründe der Yogatradition und ergänzt das Studium der Upanishad.

Vollständiger Text in Devanagari Narada Parivrajaka Upanishad

Eröffnungsvers
पारिव्राज्यधर्मपूगालङ्कारा यत्प्रबोधतः ।
दशप्रणवलक्ष्यार्थं यान्ति तं राममाश्रये ॥

Shanti-Mantra
ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवांसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥

Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Merkvers zur Upanishadenliste
परिव्राट्त्रिशिखी सीताचूडानिर्वाणमण्डलम्
दक्षिणा शरभं स्कन्दं महानारायणाद्वयम् ॥

Erster Abschnitt – Narada im Naimisha-Wald
अथ कदाचित्परिव्राजकाभरणो नारदः सर्वलोकसंचारं
कुर्वन्नपूर्वपुण्यस्थलानि पुण्यतीर्थानि तीर्थीकुर्वन्नवलोक्य
चित्तशुद्धिं प्राप्य निर्वैरः शान्तो दान्तः सर्वतो
निर्वेदमासाद्य स्वरूपानुसन्धानमनुसन्धय
नियमानन्दविशेषगण्यं मुनिजनैरुपसंकीर्णं
नैमिषारण्यं पुण्यस्थलमवलोक्य सरिगमपधनिससंज्ञैर्वैराग्यबोधकरैः स्वरविशेषैः प्रापञ्चिकपराङ्मुखैर्हरिकथालापैः स्थावरजङ्गमनामकैर्भगवद्भक्तिविशेषैर्नरमृगकिंपुरुषामरकिंनरअप्सरोगणान्संमोहयन्नागतं ब्रह्मात्मजं भगवद्भक्तं
नारदमवलोक्य द्वादशवर्षसत्रयागोपस्थिताः
श्रुताध्ययनसम्पन्नाः सर्वज्ञास्तपोनिष्ठापराश्च
ज्ञानवैराग्यसम्पन्नाः शौनकादिमहर्षयः
प्रत्युत्थानं कृत्वा नत्वा यथोचितातिथ्यपूर्वकमुपवेशयित्वा
स्वयं सर्वेऽप्युपविष्टा भो भगवन्ब्रह्मपुत्र कथं
मुक्त्युपायोऽस्माकं वक्तव्य इत्युक्तस्तान्स होवाच नारदः
सत्कुलभवोपनीतः सम्यगुपनयनपूर्वकं चतुश्चत्वारिंशत्संस्कारसम्पन्नः स्वाभिमतैकगुरुसमीपे स्वशाखाध्ययनपूर्वकं सर्वविद्याभ्यासं कृत्वा द्वादशवर्षशुश्रूषापूर्वकं ब्रह्मचर्यं पञ्चविंशतिवत्सरं गार्हस्थ्यं
पञ्चविंशतिवत्सरं वानप्रस्थाश्रमं तद्विधिवत्क्रमान्निर्वर्त्य
चतुर्विधब्रह्मचर्यं षड्विधं गार्हस्थ्यं चतुर्विधं
वानप्रस्थधर्मं सम्यगभ्यस्य तदुचितं कर्म सर्वं निर्वर्त्य
साधनचतुष्टयसम्पन्नः सर्वसंसारोपरि मनोवाक्कायकर्मभिर्यथाशानिवृत्तस्तथा वासनैषणोपर्यपि निर्वैरः
शान्तो दान्तः संन्यासी परमहंसाश्रमेणास्खलितस्वस्वरूपध्यानेन देहत्यागं करोति स मुक्तो भवति स मुक्तो भवतीत्युपनिषत् ॥

Schluss des १. Abschnitts
इति प्रथमोपदेशः ॥ १ ॥

Zweiter Abschnitt – Die Vorbereitung auf Entsagung
अथ हैनं भगवन्तं नारदं सर्वे शौनकादयः
पप्रच्छुर्भो भगवन्संन्यासविधिं नो ब्रूहीति
तानवलोक्य नारदस्तत्स्वरूपं सर्वं पितामहमुखेनैव
ज्ञातुमुचितमित्युक्त्वा सत्रयागपूर्त्यनन्तरं तैः सह
सत्यलोकं गत्वा विधिवद्ब्रह्मनिष्ठापरं परमेष्ठिनं
नत्वा स्तुत्वा यथोचितं तदाज्ञया तैः सहोपविश्य
नारदः पितामहमुवाच गुरुस्त्वं जनकस्त्वं सर्वविद्यारहसज्ञः सर्वज्ञस्त्वमतो मत्तो मदिष्टं रहस्यमेकं
वक्तव्यं त्वद्विना मदभिमतरहस्यं वक्तुं कः समर्थः ।
किमितिचेत्पारिव्राज्यस्वरूपक्रमं नो ब्रूहीति नारदेन
प्रार्थितः परमेष्ठि सर्वतः सर्वानवलोक्य मुहूर्तमात्रं
समाधिनिष्ठो भूत्वा संसारातिनिवृत्यन्वेषण इति
निश्चित्य नारदमवलोक्य तमाह पितामहः ।
पुरा मत्पुत्र पुरुषसूक्तोपनिषद्रहस्यप्रकारं
निरतिशयाकारावलम्बिना विराट्पुरुषेणोपदिष्टं रहस्यं
ते विविच्योच्यते तत्क्रममतिरहस्यं बाढमवहितो भूत्वा
श्रूयतां भो नारद विधिवदादावनुपनीतोपनयानन्तरं
तत्सत्कुलप्रसूतः पितृमातृविधेयः पितृसमीपादन्यत्र
सत्सम्प्रदायस्थं श्रद्धावन्तं सत्कुलभवं श्रोत्रियं
शास्त्रवात्सल्यं गुणवन्तमकुटिलं सद्गुरुमासाद्य नत्वा
यथोपयोगशुश्रूषापूर्वकं स्वाभिमतं विज्ञाप्य
द्वादशवर्षसेवापुरःसरं सर्वविद्याभ्यासं कृत्वा
तदनुज्ञया स्वकुलानुरूपामभिमतकन्यां विवाह्य
पञ्चविंशतिवत्सरं गुरुकुलवासं कृत्वाथ गुर्वनुज्ञया
गृहस्थोचितकर्म कुर्वन्दौर्ब्राह्मण्यनिवृत्तिमेत्य
स्ववंशवृद्धिकामः पुत्रमेकमासाद्य गार्हस्थ्योचितपञ्चविंशतिवत्सरं तीर्त्वा ततः पञ्चविंशतिवत्सरपर्यन्तं
त्रिषवणमुदकस्पर्शनपूर्वकं चतुर्थकालमेकवारमाहारमाहरन्नयमेक एव वनस्थो भूत्वा पुरग्रामप्राक्तनसञ्चारं
विहाय निकारविरहिततदाश्रितकर्मोचितकृत्यं निर्वर्त्य
दृष्टश्रवणविषयवैतृष्ण्यमेत्य चत्वारिंशत्संस्कारसम्पन्नः सर्वतो विरक्तश्चित्तशुद्धिमेत्याशासूयेर्ष्याहङ्कारं
दग्ध्वा साधनचतुष्टयसम्पन्नः संन्यस्तुमर्हतीत्युपनिषत् ॥

Schluss des २. Abschnitts
इति द्वितीयोपदेशः ॥ २ ॥

Dritter Abschnitt – Voraussetzungen der Entsagung
अथ हैनं नारदः पितामहं पप्रच्छ भगवन्केन
संन्यासाधिकारी वेत्येवमादौ संन्यासाधिकारिणं
निरूप्य पश्चात्संन्यासविधिरुच्यते अवहितः शृणु ।
अथ षण्डः पतितोऽङ्गविकलः स्त्रैणो बधिरोऽर्भको
मूकः पाषण्डश्चक्री लिङ्गी वैखानसहरद्विजौ
भृतकाध्यापकः शिपिविष्टोऽनग्निको वैराग्यवन्तोऽप्येते
न संन्यासार्हाः संन्यस्ता यद्यपि महावाक्योपदेशेन
अधिकारिणः पूर्वसंन्यासी परमहंसाधिकारी ॥

Vers ३.१
परेणैवात्मनश्चापि परस्यैवात्मना तथा ।
अभयं समवाप्नोति स परिव्राडिति स्मृतिः ॥ १ ॥

Vers ३.२
षण्डोऽथ विकलोऽप्यन्धो बालकश्चापि पातकी ।
पतितश्च परद्वारी वैखानसहरद्विजौ ॥ २ ॥

Vers ३.३
चक्री लिङ्गी च पाषण्डी शिपिविष्टोऽप्यनग्निकः ।
द्वित्रिवारेण संन्यस्तो भृतकाध्यापकोऽपि च ।
एते नार्हन्ति संन्यासमातुरेण विना क्रमम् ॥ ३ ॥

Vers ३.४
आतुरकालः कथमार्यसंमतः ॥-प्राणस्योत्क्रमणासन्नकालस्त्वातुरसंज्ञकः ।
नेतरस्त्वातुरः कालो मुक्तिमार्गप्रवर्तकः ॥ ४ ॥

Vers ३.५
आतुरेऽपि च संन्यासे तत्तन्मन्त्रपुरःसरम् ।
मन्त्रावृत्तिं च कृत्वैव संन्यसेद्विधिवद्बुधः ॥ ५ ॥

Vers ३.६
आतुरेऽपि क्रमे वापि प्रैषभेदो न कुत्रचित् ।
न मन्त्रं कर्मरहितं कर्म मन्त्रमपेक्षते ॥ ६ ॥

Vers ३.७
अकर्म मन्त्ररहितं नातो मन्त्रं परित्यजेत् ।
मन्त्रं विना कर्म कुर्याद्भस्मन्याहुतिवद्भवेत् ॥ ७ ॥

Vers ३.८
विध्युक्तकर्मसंक्षेपात्संन्यासस्त्वातुरः स्मृतः ।
तस्मादातुरसंन्यासे मन्त्रावृत्तिविधिर्मुने ॥ ८ ॥

Vers ३.९
आहिताग्निर्विरक्तश्चेद्देशान्तरगतो यदि ।
प्राजापत्येष्टिमप्स्वेव निर्वृत्यैवाथ संन्यसेत् ॥ ९ ॥

Vers ३.१०
मनसा वाथ विध्युक्तमन्त्रावृत्त्याथवा जले ।
श्रुत्यनुष्ठानमार्गेण कर्मानुष्ठानमेव वा ॥ १० ॥

Vers ३.११
समाप्य संन्यसेद्विद्वान्नो चेत्पातित्यमाप्नुयात् ॥ ११ ॥

Vers ३.१२
यदा मनसि सञ्जातं वैतृष्ण्यं सर्ववस्तुषु ।
तदा संन्यासमिच्छेत पतितः स्याद्विपर्यये ॥ १२ ॥

Vers ३.१३
विरक्तः प्रव्रजेद्धीमान्सरक्तस्तु गृहे वसेत् ।
सरागो नरकं याति प्रव्रजन्हि द्विजाधमः ॥ १३ ॥

Vers ३.१४
यस्यैतानि सुगुप्तानि जिह्वोपस्थोदरं करः ।
संन्यसेदकृतोद्वाहो ब्राह्मणो ब्रह्मचर्यवान् ॥ १४ ॥

Vers ३.१५
संसारमेव निःसारं दृष्ट्वा सारदिदृक्षया ।
प्रव्रजन्त्यकृतोद्वाहाः परं वैराग्यमाश्रिताः ॥ १५ ॥

Vers ३.१६
प्रवृत्तिलक्षणं कर्म ज्ञानं संन्यासलक्षणम् ।
तस्माज्ज्ञानं पुरस्कृत्य संन्यसेदिह बुद्धिवान् ॥ १६ ॥

Vers ३.१७
यदा तु विदितं तत्त्वं परं ब्रह्म सनातनम् ।
तदैकदण्डं संगृह्य सोपवीतां शिखां त्यजेत् ॥ १७ ॥

Vers ३.१८
परमात्मनि यो रक्तो विरक्तोऽपरमात्मनि ।
सर्वैषणाविनिर्मुक्तः स भैक्षं भोक्तुमर्हति ॥ १८ ॥

Vers ३.१९
पूजितो वन्दितश्चैव सुप्रसन्नो यथा भवेत् ।
तथा चेत्ताड्यमानस्तु तदा भवति भैक्षभुक् ॥ १९ ॥

Vers ३.२०
अहमेवाक्षरं ब्रह्म वासुदेवाख्यमद्वयम् ।
इति भावो ध्रुवो यस्य तदा भवति भैक्षभुक् ॥ २० ॥

Vers ३.२१
यस्मिञ्शान्तिः शमः शौचं सत्यं सन्तोष आर्जवम् ।
अकिञ्चनमदम्भश्च स कैवल्याश्रमे वसेत् ॥ २१ ॥

Vers ३.२२
यदा न कुरुते भावं सर्वभूतेषु पापकम् ।
कर्मणा मनसा वाचा तदा भवति भैक्षभुक् ॥ २२ ॥

Vers ३.२३
दशलक्षणकं धर्ममनुतिष्ठन्समाहितः ।
वेदान्तान्विधिवच्छृत्वा संन्यस्तेदनृणो द्विजः ॥ २३ ॥

Vers ३.२४
धृतिः क्षमा दमोऽस्तेयं शौचमिन्द्रियनिग्रहः ।
धीर्विद्या सत्यमक्रोधो दशकं धर्मलक्षणम् ॥ २४ ॥

Vers ३.२५
अतीतान्न स्मरेद्भोगान्न तथानागतानपि ।
प्राप्तांश्च नामिनन्देद्यः स कैवल्याश्रमे वसेत् ॥ २५ ॥

Vers ३.२६
अन्तस्थानीन्द्रियाण्यन्तर्बहिष्ठान्विषयान्बहिः ।
शक्नोति यः सदा कर्तुं स कैवल्याश्रमे वसेत् ॥ २६ ॥

Vers ३.२७
प्राणे गते यथा देहः सुखं दुःखं न विन्दति ।
तथा चेत्प्राणयुक्तोऽपि स कैवल्याश्रमे वसेत् ॥ २७ ॥

Vers ३.२८
कौपीनयुगलं कन्था दण्ड एकः परिग्रहः ।
यतेः परमहंसस्य नाधिकं तु विधीयते ॥ २८ ॥

Vers ३.२९
यदि वा कुरुते रागादधिकस्य परिग्रहम् ।
रौरवं नरकं गत्वा तिर्यग्योनिषु जायते ॥ २९ ॥

Vers ३.३०
विशीर्णान्यमलान्येव चेलानि ग्रथितानि तु ।
कृत्वा कन्थां बहिर्वासो धारयेद्धातुरञ्जितम् ॥ ३० ॥

Vers ३.३१
एकवासा अवासा वा एकदृष्टिरलोलुपः ।
एक एव चरेन्नित्यं वर्षास्वेकत्र संवसेत् ॥ ३१ ॥

Vers ३.३२
कुटुम्बं पुत्रदारांश्च वेदाङ्गानि च सर्वशः ।
यज्ञं यज्ञोपवीतं च त्यक्त्वा गूढश्चरीद्यतिः ॥ ३२ ॥

Vers ३.३३
कामः क्रोधस्तथा दर्पो लोभमोहादयश्च ये ।
तांस्तु दोषान्परित्यज्य परिव्राण्निर्ममो भवेत् ॥ ३३ ॥

Vers ३.३४
रागद्वेषवियुक्तात्मा समलोष्टाश्मकाञ्चनः ।
प्राणिहिंसानिवृत्तश्च मुनिः स्यात्सर्वनिःस्पृहः ॥ ३४ ॥

Vers ३.३५
दम्भाहङ्कारनिर्मुक्तो हिंसापैशून्यवर्जितः ।
आत्मज्ञानगुणोपेतो यतिर्मोक्षमवाप्नुयात् ॥ ३५ ॥

Vers ३.३६
इन्द्रियाणां प्रसङ्गेन दोषमृच्छत्यसंशयः ।
संनियम्य तु तान्येव ततः सिद्धिं निगच्छति ॥ ३६ ॥

Vers ३.३७
न जातु कामः कामानामुपभोगेन शाम्यति ।
हविषा कृष्णवर्त्मेव भूय एवाभिवर्धते ॥ ३७ ॥

Vers ३.३८
श्रुत्वा स्पृष्ट्वा च भुक्त्वा च दृष्ट्वा घ्रात्वा च यो नरः ।
न हृष्यति ग्लायति वा स विज्ञेयो जितेन्द्रियः ॥ ३८ ॥

Vers ३.३९
यस्य वाङ्मनसी शुद्धे सम्यग्गुप्ते च सर्वदा ।
स वै सर्वमवाप्नोति वेदान्तोपगतं फलम् ॥ ३९ ॥

Vers ३.४०
संमानाद्ब्राह्मणो नित्यमुद्विजेत विषादिव ।
अमृतस्येव चाकाङ्क्षेदवमानस्य सर्वदा ॥ ४० ॥

Vers ३.४१
सुखं ह्यवमतः शेते सुखं च प्रतिबुध्यते ।
सुखं चरति लोकेऽस्मिन्नवमन्ता विनश्यति ॥ ४१ ॥

Vers ३.४२
अतिवादांस्तितिक्षेत नावमन्येत कञ्चन ।
न चेमं देहमाश्रित्य वैरं कुर्वीत केनचित् ॥ ४२ ॥

Vers ३.४३
क्रुध्यन्तं न प्रतिक्रुध्येदाक्रुष्टः कुशलं वदेत् ।
सप्तद्वारावकीर्णां च न वाचमनृतां वदेत् ॥ ४३ ॥

Vers ३.४४
अध्यात्मरतिरासीनो निरपेक्षो निराशिषः ।
आत्मनैव सहायेन सुखार्थी विचरेदिह ॥ ४४ ॥

Vers ३.४५
इन्द्रियाणां निरोधेन रागद्वेषक्षयेण च ।
अहिंसया च भूतानाममृतत्वाय कल्पते ॥ ४५ ॥

Vers ३.४६
अस्थिस्थूणं स्नायुबद्धं मांसशोणितलेपितम् ।
चर्मावबद्धं दुर्गन्धि पूर्णं मूत्रपुरीषयोः ॥ ४६ ॥

Vers ३.४७
जराशोकसमाविष्टं रोगायतनमातुरम् ।
रजस्वलमनित्यं च भूतावासैमं त्यजेत् ॥ ४७ ॥

Vers ३.४८
मांसासृक्पूयविण्मूत्रस्नायुमज्जास्थिसंहतौ ।
देहे चेत्प्रीतिमान्मूढो भविता नरकेऽपि सः ॥ ४८ ॥

Vers ३.४९
सा कालपुत्रपदवी सा माहावीचिवागुरा ।
सासिपत्रवनश्रेणी या देहेऽहमिति स्थितिः ॥ ४९ ॥

Vers ३.५०
सा त्याज्या सर्वयत्नेन सर्वनाशेऽप्युपस्थिते ।
स्प्रष्टव्या सा न भव्येन सश्वमांसेव पुल्कसी ॥ ५० ॥

Vers ३.५१
प्रियेषु स्वेषु सुकृतमप्रियेषु च दुष्कृतम् ।
विसृज्य ध्यानयोगेन ब्रह्माप्येति सनातनम् ॥ ५१ ॥

Vers ३.५२
अनेन विधिना सर्वांस्त्यक्त्वा सङ्गाञ्शनैः शनैः ।
सर्वद्वन्द्वैर्विनिर्मुक्तो ब्रह्मण्येवावतिष्ठते ॥ ५२ ॥

Vers ३.५३
एक एव चरेन्नित्यं सिद्ध्यर्थमसहायकः ।
सिद्धिमेकस्य पश्यन्हि न जहाति न हीयते ॥ ५३ ॥

Vers ३.५४
कपालं वृक्षमूलानि कुचेलान्यसहायता ।
समता चैव सर्वस्मिन्नैतन्मुक्तस्य लक्षणम् ॥ ५४ ॥

Vers ३.५५
सर्वभूतहितः शान्तस्त्रिदण्डी सकमण्डलुः ।
एकारामः परिव्रज्य भिक्षार्थं ग्राममाविशेत् ॥ ५५ ॥

Vers ३.५६
एको भिक्षुर्यथोक्तः स्याद्वावेव मिथुनं स्मृतम् ।
त्रयो ग्रामः समाख्यात ऊर्ध्वं तु नगरायते ॥ ५६ ॥

Vers ३.५७
नगरं न हि कर्तव्यं ग्रामो वा मिथुनं तथा ।
एतत्त्रयं प्रकुर्वाणः स्वधर्माच्च्यवते यतिः ॥ ५७ ॥

Vers ३.५८
राजवार्तादितेषां स्याद्भिक्षावार्ता परस्परम् ।
स्नेहपैशून्यमात्सर्यं संनिकर्षान्न संशयः ॥ ५८ ॥

Vers ३.५९
एकाकी निःस्पृहस्तिष्ठेन हि केन सहालपेत् ।
दद्यान्नारायणेत्येव प्रतिवाक्यं सदा यतिः ॥ ५९ ॥

Vers ३.६०
एकाकी चिन्तयेद्ब्रह्म मनोवाक्कायकर्मभिः ।
मृत्युं च नाभिनन्देत जीवितं वा कथंचन ॥ ६० ॥

Vers ३.६१
कालमेव प्रतीक्षेत यावदायुः समाप्यते ।
नाभिनन्देत मरणं नाभिनन्देत जीवितम् ॥ ६१ ॥

Vers ३.६२
अजिह्वः षण्डकः पङ्गुरन्धो बधिर एव च ।
मुग्धश्च मुच्यते भिक्षुः षड्भिरेतैर्न संशयः ॥ ६२ ॥

Vers ३.६३
इदमिष्टमिदं नेति योऽश्नन्नपि न सज्जति ।
हितं सत्यं मितं वक्ति तमजिह्वं प्रचक्षते ॥ ६३ ॥

Vers ३.६४
अद्यजातां यथा नारीं तथा षोडशवार्षिकीम् ।
शतवर्षं च यो दृष्ट्वा निर्विकारः स षण्डकः ॥ ६४ ॥

Vers ३.६५
भिक्षार्थमटनं यस्य विण्मूत्रकरणाय च ।
योजनान्न परं याति सर्वथा पङ्गुरेव सः ॥ ६५ ॥

Vers ३.६६
तिष्ठतो व्रजतो वापि यस्य चक्षुर्न दूरगम् ।
चतुर्युगां भुवं मुक्त्वा परिव्राट् सोऽन्ध उच्यते ॥ ६६ ॥

Vers ३.६७
हिताहितं मनोरामं वचः शोकावहं तु यत् ।
श्रुत्वापि न शृणोतीव बधिरः स प्रकीर्तितः ॥ ६७ ॥

Vers ३.६८
सान्निध्ये विषयाणां यः समर्थो विकलेन्द्रियः ।
सुप्तवद्वर्तते नित्यं स भिक्षुर्मुग्ध उच्यते ॥ ६८ ॥

Vers ३.६९
नटादिप्रेक्षणं द्यूतं प्रमदासुहृदं तथा ।
भक्ष्यं भोज्यमुदक्यां च षण्न पश्येत्कदाचन ॥ ६९ ॥

Vers ३.७०
रागं द्वेषं मदं मायां द्रोहं मोहं परात्मसु ।
षडेतानि यतिर्नित्यं मनसापि न चिन्तयेत् ॥ ७० ॥

Vers ३.७१
मञ्चकं शुक्लवस्त्रं च स्त्रीकथालौल्यमेव च ।
दिवा स्वापं च यानं च यतीनां पातकानि षट् ॥ ७१ ॥

Vers ३.७२
दूरयात्रां प्रयत्नेन वर्जयेदात्मचिन्तकः ।
सदोपनिषदं विद्यामभ्यसेन्मुक्तिहैतुकीम् ॥ ७२ ॥

Vers ३.७३
न तीर्थसेवी नित्यं स्यान्नोपवासपरो यतिः ।
न चाध्ययनशीलः स्यान्न व्याख्यानपरो भवेत् ॥ ७३ ॥

Vers ३.७४
अपापमशठं वृत्तमजिह्मं नित्यमाचरेत् ।
इन्द्रियाणि समाहृत्य कूर्मोऽङ्गानीव सर्वशः ॥ ७४ ॥

Vers ३.७५
क्षीणेन्द्रियमनोवृत्तिर्निराशीर्निष्परिग्रहः ।
निर्द्वन्द्वो निर्नमस्कारो निःस्वधाकार एव च ॥ ७५ ॥

Vers ३.७६
निर्ममो निरहङ्कारो निरपेक्षो निराशिषः ।
विविक्तदेशसंसक्तो मुच्यते नात्र संशय इति ॥ ७६ ॥

Prosa nach Vers ३.७६ – Unmittelbare Entsagung
अप्रमत्तः कर्मभक्तिज्ञानसम्पन्नः स्वतन्त्रो
वैराग्यमेत्य ब्रह्मचारी गृही वानप्रस्थो वा
मुख्यवृत्तिका चेद्ब्रह्मचर्यं समाप्य गृही
भवेद्गृहाद्वनी भूत्वा प्रव्रजेद्यदिवेतरतथा
ब्रह्मचर्यादेव प्रव्रजेद्गृहाद्वा वनाद्वाथ
पुनरव्रती वा व्रती वा स्नातको वाऽस्नातको
वोत्सन्नाग्निरनग्निको वा यदहरेव विरजेत्तदहरेव
प्रव्रजेत्तद्धैके प्राजापत्यामेवेष्टिं कुर्वन्यथवा
न कुर्यादग्नेय्यमेव कुर्यादग्निर्हिप्राणः प्राणमेवैतया
करोति तस्मात्त्रैधातवीयामेव कुर्यादेतैव त्रयो धातवो
यदुत सत्त्वं रजस्तम इति ॥

Prosa – Verinnerlichung des Opferfeuers
अयं ते योनिरृत्वियो यतो जातो अरोचथाः ।
तं जानन्नग्न आरोहाथानो वर्धया रयिमित्यनेन
मन्त्रेणाग्निमाजिघ्रेदेश वा अग्नेर्योनिर्यः प्राणः
प्राणं गच्छ स्वां योनिं गच्छ
स्वाहेत्येवमेवैतदाहवनीयादग्निमाहृत्य
पूर्ववदग्निमाजिघ्रेद्यदग्निं न विन्देदप्सु जुहुयादापो
वै सर्वा देवताः सर्वाभ्यो देवताभ्यो जुहोमि स्वाहेति
हुत्वोधृत्य तदुदकं प्राश्नीयात्साज्यं हविरनामयं
मोदमिति शिखां यज्ञोपवीतं पितरं पुत्रं कलत्रं कर्म
चाध्ययनं मन्त्रान्तरं विसृज्यैव
परिव्रजत्यात्मविन्मोक्षमन्त्रैस्त्रैधातवीयैर्विधेस्तद्ब्रह्म
तदुपासितव्यमेवैतदिति ॥

Prosa – Die innere heilige Schnur
पितामहं पुनः पप्रच्छ नारदः कथमयज्ञोपवीती
ब्राह्मण इति ॥ तमाह पितामहः ॥

Vers ३.७७
सशिखं वपनं कृत्वा बहिःसूत्रं त्यजेद्बुधः ।
यदक्षरं परं ब्रह्म तत्सूत्रमिति धारयेत् ॥ ७७ ॥

Vers ३.७८
सूचनात्सूत्रमित्याहुः सूत्रं नाम परं पदम् ।
तत्सूत्रं विदितं येन स विप्रो वेदपारगः ॥ ७८ ॥

Vers ३.७९
येन सर्वमिदं प्रोतं सूत्रे मणिगणा इव ।
तत्सूत्रं धारयेद्योगी योगवित्तत्त्वदर्शनः ॥ ७९ ॥

Vers ३.८०
बहिःसूत्रं त्यजेद्विद्वान्योगमुत्तममास्थितः ।
ब्रह्मभावमिदं सूत्रं धारयेद्यः सचेतनः ।
धारणात्तस्य सूत्रस्य नोच्छिष्टो नाशुचिर्भवेत् ॥ ८० ॥

Vers ३.८१
सूत्रमन्तर्गतं येषां ज्ञानयज्ञोपवीतिनाम् ।
ते वै सूत्रविदो लोके ते च यज्ञोपवीतिनः ॥ ८१ ॥

Vers ३.८२
ज्ञानशिखिनो ज्ञाननिष्ठा ज्ञानयज्ञोपवीतिनः ।
ज्ञानमेव परं तेषां पवित्रं ज्ञानमुच्यते ॥ ८२ ॥

Vers ३.८३
अग्नेरिव शिखा नान्या यस्य ज्ञानमयी शिखा ।
स शिखीत्युच्यते विद्वान्नेतरे केशधारिणः ॥ ८३ ॥

Vers ३.८४
कर्मण्यधिकृता ये तु वैदिके ब्राह्मणादयः ।
तेभिर्धार्यमिदं सूत्रं क्रियाङ्गं तद्धि वै स्मृतम् ॥ ८४ ॥

Vers ३.८५
शिखा ज्ञानमयी यस्य उपवीतं च तन्मयम् ।
ब्राह्मण्यं सकलं तस्य इति ब्रह्मविदो विदुरिति ॥ ८५ ॥

Prosa – Der äußerlich unkenntliche Entsagende
तदेतद्विज्ञाय ब्राह्मणः परिव्रज्य परिव्राडेकशाटी
मुण्डोऽपरिग्रहः शरीरक्लेशासहिष्णुश्चेदथवा
यथाविधिश्चेज्जातरूपधरो भूत्वा सपुत्रमित्रकलत्राप्तबन्धाद्वीनि स्वाध्यायं सर्वकर्माणि संन्यस्यायं
ब्रह्माण्डं च सर्वं कौपीनं दण्डमाच्छादनं
च त्यक्त्वा द्वन्द्वसहिष्णुर्न शीतं न चोष्णं न सुखं
न दुःखं न निद्रा न मानावमाने च षडूर्मिवर्जितो निन्दाहङ्कारमत्सरगर्वदम्भेर्ष्यासूयेच्छाद्वेषसुखदुःखकामक्रोधलोभमोहादीन्विसृज्य स्ववपुः
शवाकारमिव स्मृत्वा स्वव्यतिरिक्तं सर्वमन्तर्बहिरमन्यमानः
कस्यापि वन्दनमकृत्वा न नमस्कारो न स्वाहाकारो
न स्वधाकारो न निन्दास्तुतिर्यादृच्छिको भवेद्यदृच्छालाभसन्तुष्टः सुवर्णादीन्न परिग्रहेन्नावाहनं न विसर्जनं
न मन्त्रं नामन्त्रं न ध्यानं नोपासनं न लक्ष्यं नालक्ष्यं
न पृथक् नापृथक् न त्वन्यत्र सर्वत्रानिकेतः स्थिरमतिः शून्यागारवृक्षमूलदेवगृहतृणकूटकुलालशालाग्निहोत्रशालाग्निदिगन्तरनदीतटपुलिनभूगृहकन्दरनिर्झरस्थण्डिलेषु वने वा श्वेतकेतुऋभुनिदाघऋषभदुर्वासःसंवर्तकदत्तात्रेयरैवतकवदव्यक्तलिङ्गोऽव्यक्ताचारो बालोन्मत्तपिशाचवदनुन्मत्तोन्मत्तवदाचरंस्त्रिदण्डं शिक्यं पात्रं कमण्डलुं कटिसूत्रं च तत्सर्वं
भूःस्वाहेत्यप्सु परित्यज्य कटिसूत्रं च कौपीनं दण्डं वस्त्रं
कमण्डलुं सर्वमप्सु विसृज्याथ जातरूपधरश्चरेदात्मानमन्विच्छेद्यथा
जातरूपधरो निर्द्वन्द्वो निष्परिग्रहस्तत्त्वब्रह्ममार्गे सम्यक् सम्पन्नः
शुद्धमानसः प्राणसन्धारणार्थं यथोक्तकाले करपात्रेणान्येन वा
याचिताहारमाहरन् लाभलाभे समो भूत्वा निर्ममः
शुक्लध्यानपरायणोऽध्यात्मनिष्ठः शुभाशुभकर्मनिर्मूलनपरः
संन्यस्य पूर्णानन्दैकबोधस्तद्ब्रह्माहमस्मीति
ब्रह्मप्रणवमनुस्मरन्भ्रमरकीटन्यायेन शरीरत्रयमुत्सृज्य
संन्यासेनैव देहत्यागं करोति स कृतकृत्यो भवतीत्युपनिषत् ॥

Schluss des ३. Abschnitts
इति तृतीयोपदेशः ॥ ३ ॥

Vers ४.१
त्यक्त्वा लोकांश्च वेदांश्च विषयानिन्द्रियाणि च ।
आत्मन्येव स्थितो यस्तु स याति परमां गतिम् ॥ १ ॥

Vers ४.२
नामगोत्रादिवरणं देशं कालं श्रुतं कुलम् ।
वयो वृत्तं व्रतं शीलं ख्यापयेन्नैव सद्यतिः ॥ २ ॥

Vers ४.३
न सम्भाषेत्स्त्रियं काञ्चित्पूर्वदृष्टां च न स्मरेत् ।
कथां च वर्जयेत्तासां न पश्येल्लिखितामपि ॥ ३ ॥

Vers ४.४
एतच्चतुष्टयं मोहात्स्त्रीणामाचरतो यतेः ।
चित्तं विक्रियतेऽवश्यं तद्विकारात्प्रणश्यति ॥ ४ ॥

Vers ४.५
तृष्णा क्रोधोऽनृतं माया लोभमोहौ प्रियाप्रिये ।
शिल्पं व्याख्यानयोगश्च कामो रागपरिग्रहः ॥ ५ ॥

Vers ४.६
अहङ्कारो ममत्वं च चिकित्सा धर्मसाहसम् ।
प्रायश्चित्तं प्रवासश्च मन्त्रौषधगराशिषः ॥ ६ ॥

Vers ४.७
प्रतिषिद्धानि चैतानि सेवमानो व्रजेदधः ।
आगच्छ गच्छ तिष्ठेति स्वागतं सुहृदोऽपि वा ॥ ७ ॥

Vers ४.८
सन्माननं च न ब्रूयान्मुनिर्मोक्षपरायणः ।
प्रतिग्रहं न गृह्णीयान्नैव चान्यं प्रदापयेत् ॥ ८ ॥

Vers ४.९
प्रेरयेद्वा तया भिक्षुः स्वप्नेऽपि न कदाचन ।
जायाभ्रातृसुतादीनां बन्धूनां च शुभाशुभम् ॥ ९ ॥

Vers ४.१०
श्रुत्वा दृष्ट्वा न कम्पेत शोकहर्षौ त्यजेद्यतिः ।
अहिंसासत्यमस्तेयब्रह्मचर्यापरिग्रहः ॥ १० ॥

Vers ४.११
अनौद्धत्त्यमदीनत्वं प्रसादः स्थैर्यमार्जवम् ।
अस्नेहो गुरुशुश्रूषा श्रद्धा क्षान्तिर्दमः शमः ॥ ११ ॥

Vers ४.१२
उपेक्षा धैर्यमाधुर्ये तितिक्षा करुणा तथा ।
ह्रीस्तथा ज्ञानविज्ञाने योगो लघ्वशनं धृतिः ॥ १२ ॥

Vers ४.१३
एष स्वधर्मो विख्यातो यतीनां नियतात्मनाम् ।
निर्द्वन्द्वो नित्यसत्त्वस्थः सर्वत्र समदर्शनः ॥ १३ ॥

Vers ४.१४
तुरीयः परमो हंसः साक्षान्नारायणो यतिः ।
एकरात्रं वसेद्ग्रामे नगरे पञ्चरात्रकम् ॥ १४ ॥

Vers ४.१५
वर्षाभ्योऽन्यत्र वर्षासु मासांश्च चतुरो वसेत् ।
द्विरात्रं वा वसेद्ग्रामे भिक्षुर्यदि वसेत्तदा ॥ १५ ॥

Vers ४.१६
रागादयः प्रसज्येरंस्तेनासौ नारकी भवेत् ।
ग्रामान्ते निर्जने देशे नियतात्माऽनिकेतनः ॥ १६ ॥

Vers ४.१७
पर्यटेत्कीटवद्भूमौ वर्षास्वेकत्र संवसेत् ।
एकवासा अवासा वा एकदृष्टिरलोलुपः ॥ १७ ॥

Vers ४.१८
अदूषयन्सतां मार्गं ध्यानयुक्तो महीं चरेत् ।
शुचौ देशे सदा भिक्षुः स्वधर्ममनुपालयन् ॥ १८ ॥

Vers ४.१९
पर्यटेत सदा योगी वीक्षयन्वसुधातलम् ।
न रात्रौ न च मध्याह्ने सन्ध्ययोर्नैव पर्यटन् ॥ १९ ॥

Vers ४.२०
न शून्ये न च दुर्गे वा प्राणिबाधाकरे न च ।
एकरात्रं वसेद्ग्रामे पत्तने तु दिनत्रयम् ॥ २० ॥

Vers ४.२१
पुरे दिनद्वयं भिक्षुर्नगरे पञ्चरात्रकम् ।
वर्षास्वेकत्र तिष्ठेत स्थाने पुण्यजलावृते ॥ २१ ॥

Vers ४.२२
आत्मवत्सर्वभूतानि पश्यन्भिक्षुश्चरेन्महीम् ।
अन्धवत्कुञ्जवच्चैव बधिरोन्मत्तमूकवत् ॥ २२ ॥

Vers ४.२३
स्नानं त्रिषवणं प्रोक्तं बहूदकवनस्थयोः ।
हंसे तु सकृदेव स्यात्परहंसे न विद्यते ॥ २३ ॥

Vers ४.२४
मौनं योगासनं योगस्तितिक्षैकान्तशीलता ।
निःस्पृहत्वं समत्वं च सप्तैतान्यैकदण्डिनाम् ॥ २४ ॥

Vers ४.२५
परहंसाश्रमस्थो हि स्नानादेरविधानतः ।
अशेषचित्तवृत्तीनां त्यागं केवलमाचरेत् ॥ २५ ॥

Vers ४.२६
त्वङ्मांसरुधिरस्नायुमज्जामेदोस्थिसंहतौ ।
विण्मूत्रपूये रमतां क्रिमीणां कियदन्तरम् ॥ २६ ॥

Vers ४.२७
क्व शरीरमशेषाणां श्लेष्मादीनां महाचयः ।
क्व चाङ्गशोभासौभाग्यकमनीयादयो गुणाः ॥ २७ ॥

Vers ४.२८
मांसासृक्पूयविण्मूत्रस्नायुमज्जास्थिसंहतौ ।
देहे चेत्प्रीतिमान्मूढो भविता नरकेऽपि सः ॥ २८ ॥

Vers ४.२९
स्त्रीणामवाच्यदेशस्य क्लिन्ननाडीव्रणस्य च ।
अभेदेऽपि मनोभेदाज्जनः प्रायेण वञ्च्यते ॥ २९ ॥

Vers ४.३०
चर्मखण्डं द्विधा भिन्नमपानोद्गारधूपितम् ।
ये रमन्ति नमस्तेभ्यः साहसं किमतः परम् ॥ ३० ॥

Vers ४.३१
न तस्य विद्यते कार्यं न लिङ्गं वा विपश्चितः ।
निर्ममो निर्भयः शान्तो निर्द्वन्द्वोऽवर्णभोजनः ॥ ३१ ॥

Vers ४.३२
मुनिः कौपीनवासाः स्यान्नग्नो वा ध्यानतत्परः ।
एवं ज्ञानपरो योगी ब्रह्मभूयाय कल्पते ॥ ३२ ॥

Vers ४.३३
लिङ्गे सत्यपि खल्वस्मिञ्ज्ञानमेव हि कारणम् ।
निर्मोक्षायेह भूतानां लिङ्गग्रामो निरर्थकः ॥ ३३ ॥

Vers ४.३४
यन्न सन्तं न चासन्तं नाश्रुतं न बहुश्रुतम् ।
न सुवृत्तं न दुर्वृत्तं वेद कश्चित्स ब्राह्मणः ॥ ३४ ॥

Vers ४.३५
तस्मादलिङ्गो धर्मज्ञो ब्रह्मवृत्तमनुव्रतम् ।
गूढधर्माश्रितो विद्वानज्ञानचरितं चरेत् ॥ ३५ ॥

Vers ४.३६
सन्दिग्धः सर्वभूतानां वर्णाश्रमविवर्जितः ।
अन्धवज्जडवच्चापि मूकवच्च महीं चरेत् ॥ ३६ ॥

Vers ४.३७
तं दृष्ट्वा शान्तमनसं स्पृहयन्ति दिवौकसः ।
लिङ्गाभावात्तु कैवल्यमिति ब्रह्मानुशासनमिति ॥ ३७ ॥

Abschnitt ४, Prosa – Die acht Shraddha-Riten
अथ नारदः पितामहं संन्यासविधिं नो ब्रूहीति पप्रच्छ ।
पितामहस्तथेत्यङ्गीकृत्यातुरे वा क्रमे वापि
तुरीयाश्रमस्वीकारार्थं कृच्छ्रप्रायश्चित्तपूर्वकमष्टश्राद्धं कुर्याद्देवर्षिदिव्यमनुष्यभूतपितृमात्रात्मेत्यष्टश्राद्धानि कुर्यात् ।
प्रथमं सत्यवसुसंज्ञकान्विश्वान्देवान्देवश्राद्धे
ब्रह्मविष्णुमहेश्वरानृषिश्राद्धे देवर्षिक्षत्रियर्षिमनुष्यर्षीन् दिव्यश्राद्धे वसुरुद्रादित्यरूपान्मनुष्यश्राद्धे सनकसनन्दनसनत्कुमारसनत्सुजातान्भूतश्राद्धे
मातृपितामहीप्रपितामहीरात्मश्राद्धे
आत्मपितृपितामहाञ्जीवत्पितृकश्चेत्पितरं त्यक्त्वा
आत्मपितामहप्रपितामहानिति सर्वत्र युग्मक्लृप्त्या
ब्राह्मणानर्चयेदेकाध्वरपक्षेऽष्टाध्वरपक्षे वा स्वशाखानुगतमन्त्रैरष्टश्राद्धान्यष्टदिनेषु वा
एकदिने वा पितृयागोक्तविधानेन ब्राह्मणानभ्यर्च्य
मुक्त्यन्तं यथाविधि निर्वर्त्य पिण्डप्रदानानि निर्वर्त्य
दक्षिणातांबूलैस्तोषयित्वा ब्राह्मणन्प्रेषयित्वा
शेषकर्मसिद्ध्यर्थं सप्तकेशान्विसृज्य

Abschnitt ४, zitierter Vers zur Haarrasur
--ऽशेषकर्मप्रसिद्ध्यर्थं केशान्सप्ताष्ट वा द्विजः ।
संक्षिप्य वापयेत्पूर्वं केशश्मश्रुनखानि चेऽति

Abschnitt ४, Prosa – Nachtwache und Feueropfer
सप्तकेशान्संरक्ष्य कक्षोपस्थवर्जं क्षौरपूर्वकं
स्नात्वा सायंसन्ध्यावन्दनं निर्वर्त्य सहस्रगायत्रीं
जप्त्वा ब्रह्मयज्ञं निर्वर्त्य स्वाधीनाग्निमुपस्थाप्य
स्वशाखोपसंहरणं कृत्वा तदुक्तप्रकारेणाज्याहुतिमाज्यभागान्तं हुत्वाहुतिविधिं समाप्यात्मादिभिस्त्रिवारं
सक्तुप्राशनं कृत्वाचमनपूर्वकमग्निं संरक्ष्य
स्वयमग्नेरुत्तरतः कृष्णजिनोपरि स्थित्वा पुराणश्रवणपूर्वकं
जागरणं कृत्वा चतुर्थयामान्ते स्नात्वा तदग्नौ चरुं
श्रपयित्वा पुरुषसूक्तेनान्नस्य षोडशाहुतिर्हुत्वा
विरजाहोमं कृत्वा अथाचम्य सदक्षिणं वस्त्रं सुवर्णपात्रं
धेनुं दत्वा समाप्य ब्रह्मोद्वासनं कृत्वा ।

Abschnitt ४, Mantra der Besprengung
संमासिञ्चन्तु मरुतः समिन्द्रः संबृहस्पतिः ।
संमायमग्निः सिञ्चत्वायुषा च धनेन च
बलेन चायुष्मन्तः करोतु मेति ।

Abschnitt ४, Mantra zur Aufnahme des Feuers und Fortsetzung
या ते अग्ने यज्ञिया तनूस्तयेह्यारोहात्मात्मानम् ।
अच्छा वसूनि कृण्वन्नस्मे नर्या पुरूणि ।
यज्ञो भूत्वा यज्ञमासीद स्वां योनिं जातवेदो भुव
आजायमानः स क्षय एधीत्यनेनाग्निमात्मन्यारोप्य
ध्यात्वाग्निं प्रदक्षिणनमस्कारपूर्वकमुद्वास्य
प्रातःसन्ध्यामुपास्य सहस्रगायत्रीपूर्वकं
सूर्योपस्थानं कृत्वा नाभिदघ्नोदकमुपविश्य
अष्टदिक्पालकार्घ्यपूर्वकं गायत्र्युद्वासनं
कृत्वा सावित्रीं व्याहृतिषु प्रवेशयित्वा ।

Abschnitt ४, Trishankus Vedaausspruch
अहं वृक्षस्य रेरिवा । कीर्तिः पृष्ठं गिरेरिव ।
ऊर्ध्वपवित्रो वाजिनीवस्वमृतमस्मि ।
द्रविणं मे सवर्चसं सुमेधा अमृतोक्षितः ।
इति त्रिशङ्कोर्वेदानुवचनम् ।

Abschnitt ४, Gebet um Einsicht
यश्छन्दसामृषभो विश्वरूपः । छन्दोभ्योध्यमृतात्संबभूव ।
स मेन्द्रो मेधया स्पृणोतु । अमृतस्य देवधारणो भूयासम् ।
शरीरं मे विचर्षणम् । जिह्वा मे मधुमत्तमा ।
कर्णाभ्यां भूरि विश्रवम् । ब्रह्मणः कोशोऽसि मेधयापिहितः ।
श्रुतं मे गोपाय ।

Abschnitt ४, Entsagungsformel und Ablegen der Haarlocke
दारेषणायाश्च वित्तेषणायाश्च
लोकेषणायाश्च व्युत्थितोऽहं ॐ भूः संन्यस्तं मया
ॐ भुवः संन्यस्तं मया ॐ सुवः संन्यस्तं मया
ॐ भूर्भुवःसुवः संन्यस्तं मयेति मन्द्रमध्यमतालजध्वनिभिर्मनसा वाचोच्चार्याभयं सर्वभूतेभ्यो
मत्तः सर्वं प्रवर्तते स्वहेत्यनेन जलं प्राश्य प्राच्यां दिशि
पूर्णाञ्जलिं प्रक्षिप्योंस्वाहेति शिखामुत्पाठ्य ।

Abschnitt ४, Mantra der heiligen Schnur
यज्ञोपवीतं परमं पवित्रं प्रजापतेर्यत्सहजं पुरस्तात् ।
आयुष्यमग्र्यं प्रतिमुञ्च्य शुभ्रं यज्ञोपवीतं बलमस्तु तेजः ।

Abschnitt ४, Prosa – Ablegen der Schnur und Entsagung des Wissenden
यज्ञोपवीत बहिर्न निवसेत्त्वमन्तः प्रविश्य मध्ये ह्यजस्रं
परमं पवित्रं यशो बलं ज्ञानवैराग्यं मेधां प्रयच्छेति
यज्ञोपवीतं छित्त्वा उदकाञ्जलिना सह ॐ भूः समुद्रं गच्छ
स्वाहेत्यप्सु जुहुयादों भूः संन्यस्तं मया ॐ भुवः संन्यस्तं मया
ॐ सुवः संन्यस्तं मयेति त्रिरुक्त्वा त्रिवारमभिमन्त्र्य तज्जलं
प्राश्याचम्य ॐ भूः स्वाहेत्यप्सु वस्त्रं कटिसूत्रमपि विसृज्य
सर्वकर्मनिर्वर्तकोऽहमिति स्मृत्वा जातरूपधरो भूत्वा
स्वरूपानुसन्धानपूर्वकमूर्ध्वबाहुरुदीचीं
गच्छेत्पूर्ववद्विद्वत्संन्यासी चेद्गुरोः सकाशात्प्रणवमहावाक्योपदेशं प्राप्य यथासुखं विहरन्मत्तः कश्चिन्नान्यो
व्यतिरिक्त इति फलपत्रोदकाहारः पर्वतवनदेवालयेषु
संचरेत्संन्यस्याथ दिगंबरः सकलसंचारकः
सर्वदानन्दस्वानुभवैकपूर्णहृदयः कर्मातिदूरलाभः
प्राणायामपरायणः फलरसत्वक्पत्रमूलोदकैर्मोक्षार्थी
गिरिकन्दरेषु विसृजेद्देहं स्मरंस्तारकम् ।

Abschnitt ४, Prosa – Entsagung des Erkenntnissuchenden
विविदिषासंन्यासी चेच्छतपथं गत्वाचार्यादिभिर्विप्रैस्तिष्ठ तिष्ठ महाभाग दण्डं वस्त्रं कमण्डलुं गृहाण प्रणव महावाक्यग्रहणार्थं
गुरुनिकटमागच्छेत्याचार्यैर्दण्डकटिसूत्रकौपीनं
शाटीमेकां कमण्डलुं पादादिमस्तकप्रमाणमव्रणं
समं सौम्यमकाकपृष्ठं सलक्षणं वैणवं
दण्डमेकमाचमनपूर्वकं सखा मा गोपायौजः
सखायोऽसीन्द्रस्य वज्रोऽसि वार्त्रग्नः शर्म मे भव
यत्पापं तन्निवारयेति दण्डं परिग्रहेज्जगज्जीवनं
जीवनाधारभूतं मा ते मा मन्त्रयस्व सर्वदा
सर्वसौम्येति प्रणवपूर्वकं कमण्डलुं परिग्रह्य
कौपीनाधारं कटिसूत्रमोमिति गुह्याच्छादकं
कौपीनमोमिति शीतवातोष्णत्राणकरं देहैकरक्षणमोमिति
कटिसूत्रकौपीनवस्त्रमाचमनपूर्वकं योगपट्टाभिषिक्तो
भूत्वा कृतार्थोऽहमिति मत्वा स्वाश्रमाचारपरो भवेदित्युपनिषत् ॥

Schluss des ४. Abschnitts
इति चतुर्थोपदेशः ॥ ४ ॥

Abschnitt ५, Prosa – Warum es verschiedene Regeln gibt
अथ हैनं पितामहं नारदः पप्रच्छ
भगवन्सर्वकर्मनिवर्तकः संन्यास इति त्वयैवोक्तः
पुनः स्वाश्रमाचारपरो भवेदित्युच्यते ।
ततः पितामह उवाच ।
शरीरस्य देहिनो जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितुरीयावस्थाः
सन्ति तदधीनाः कर्मज्ञानवैराग्यप्रवर्तकाः
पुरुषा जन्तवस्तदनुकूलाचाराः सन्ति तथैव
चेद्भगवन्संन्यासाः कतिभेदास्तदनुष्ठानभेदाः
कीदृशास्तत्त्वतोऽस्माकं वक्तुमर्हसीति ।
तथेत्यङ्गीकृत्य तु पितामहेन संन्यासभेदैराचारभेदः
कथमिति चेत्तत्त्वतस्त्वेक एव संन्यासः अज्ञानेनाशक्तिवशात्कर्मलोपश्च त्रैविध्यमेत्य वैराग्यसंन्यासो
ज्ञानवैराग्यसंन्यासः कर्मसंन्यासश्चेति
चातुर्विध्यमुपागतस्तद्यथेति दुष्टमदनाभाच्चेति
विषयवैतृष्ण्यमेत्य प्राक्पुण्यकर्मवशात्संन्यस्तः
स वैराग्यसंन्यासी शास्त्रज्ञानात्पापपुण्यलोकानुभवश्रवणात्प्रपञ्चोपरतः क्रोधेर्ष्यासूयाहङ्काराभिमानात्मकसर्वसंसारं निर्वृत्य दारेषणाधनेषणालोकेषणात्मकदेहवासनां शास्त्रवासनां लोकवासनां
त्यक्त्वा वमनान्नमिव प्रकृतीयं सर्वमिदं हेयं मत्वा
साधनचतुष्टयसम्पन्नो यः संन्यसति स एव ज्ञानसंन्यासी ।

Abschnitt ५, Prosa – Erkenntnis und rituelle Reihenfolge
क्रमेण सर्वमभ्यस्य सर्वमनुभूय ज्ञानवैराग्याभ्यां
स्वरूपानुसन्धानेन देहमात्रावशिष्टः संन्यस्य
जातरूपधरो भवति स ज्ञानवैराग्यसंन्यासी ।
ब्रह्मचर्यं समाप्य गृही भूत्वा वानप्रस्थाश्रममेत्य
वैराग्यभावेऽप्याश्रमक्रमानुसारेण यः
संन्यस्यति स कर्मसंन्यासी ।

Abschnitt ५, Prosa – Entsagung mit und ohne Anlass
ब्रह्मचर्येण संन्यस्य संन्यासाज्जातरूपधरो
वैराग्यसंन्यासी ।
विद्वत्संन्यासी ज्ञानसंन्यासी विविदिषासंन्यासी
कर्मसंन्यासी ।
कर्मसंन्यासोऽपि द्विविधः निमित्तसंन्यासोऽनिमित्तसंन्यासश्चेति ।
निमित्तस्त्वातुरः । अनिमित्तः क्रमसंन्यासः ।
आतुरः सर्वकर्मलोपः प्राणस्योत्क्रमणकालसंन्यासः
स निमित्तसंन्यासः ।

Abschnitt ५, Prosa – Einsicht in Vergänglichkeit
दृढाङ्गो भूत्वा सर्वं कृतकं नश्वरमिति देहादिकं
सर्वं हेयं प्राप्य ।

Abschnitt ५, zitierter Hamsa-Vers
हंसः शुचिषद्वसुरन्तरिक्षसद्धोता वेदिषदतिधिर्दुरोणसत् ।
नृषद्वरसदृतसद्व्योमसदब्जा गोजा ऋतजा अद्रिजा ऋतं बृहत् ।

Abschnitt ५, Prosa – Entsagung ohne besonderen Anlass
ब्रह्मव्यतिरिक्तं सर्वं नश्वरमिति निश्चित्याथो क्रमेण यः संन्यस्यति
स संन्यासोऽनिमित्तसंन्यासः ।

Abschnitt ५, Prosa – Sechs Gestalten des Entsagenden
संन्यासः षड्विधो भवति ।
कुटीचको बहूदको हंसः परमहंसः तुरीयातीतोऽवधूतश्चेति ।

Abschnitt ५, Prosa – Merkmale der sechs Gestalten
कुटीचकः शिखायज्ञोपवीती दण्डकमण्डलुधरः कौपीनकन्थाधरः
पितृमातृगुर्वाराधनपरः पिठरखनित्रशिक्यादिमन्त्रसाधनपर
एकत्रान्नादनपरः श्वेतोर्ध्वपुण्ड्रधारी त्रिदण्डः ।
बहूदकः शिखादिकन्थाधरस्त्रिपुण्ड्रधारी कुटीचकवत्सर्वसमो
मधुकरवृत्त्याष्टकवलाशी हंसो जटाधारी त्रिपुण्ड्रोर्ध्वपुण्ड्रधारी
असंक्लृप्तमाधुकरान्नाशी कौपीनखण्डतुण्डधारी ।
परमहंसः शिखायज्ञोपवीतरहितः पञ्चगृहेश्वेकरात्रान्नादनपरः
करपात्री एककौपीनधारी शाटीमेकामेकं वैणवं दण्डमेकशाटीधरो
वा भस्मोद्धूलनपरः सर्वत्यागी ।
तुरीयातीतो गोमुखः फलाहारी । अन्नाहारी चेद्गृहत्रये देहमात्रावशिष्टो
दिगंबरः कुणपवच्छरीरवृत्तिकः ।
अवधूतस्त्वनियमोऽभिशस्तपतितवर्जनपूर्वकं सर्ववर्णेष्वजगरवृत्त्याहारपरः स्वरूपानुसन्धानपरः ।

Abschnitt ५, Prosa – Regeln für die letzten drei Gestalten
आतुरो जीवति चेत्क्रमसंन्यासः कर्तव्यः
कुटीचकबहूदकहंसानां ब्रह्मचर्याश्रमादितुरीयाश्रमवत् कुटीचकादीनां
संन्यासविधिः ।
परमहंसादित्रयाणां न कटीसूत्रं न कौपीनं
न वस्त्रं न कमण्डलुर्न दण्डः सार्ववर्णैकभैक्षाटनपरत्वं जातरूपधरत्वं विधिः ।

Abschnitt ५, Prosa – Ende des gelehrten Betriebs
संन्यासकालेऽप्यलंबुद्धिपर्यन्तमधीत्य
तदनन्तरं कटीसूत्रं कौपीनं दण्डं वस्त्रं
कमण्डलुं सर्वमप्सु विसृज्याथ जातरूपधरश्चरेन्न
कन्थावेशो नाध्येतव्यो न श्रोतव्यमन्यत्किञ्चित्प्रणवादन्यं
न तर्कं पठेन्न शब्दमपि बृहच्छब्दान्नाध्यापयेन्न
महद्वाचोविग्लापनं गिरा पाण्यादिना संभाषणं
नान्यस्माद्वा विशेषेण न शूद्रस्त्रीपतितोदक्यासंभाषणं
न यतेर्देवपूजा नोत्सवदर्शनं तीर्थयात्रावृत्तिः ।

Abschnitt ५, Prosa – Nochmals die Arten des Almosengangs
पुनर्यतिविशेषः ।
कुटीचस्यैकत्र भिक्षा बहूदकस्यासंक्लृप्तं
माधुकरं हंसस्याष्टगृहेष्वष्टकवलं
परमहंसस्य पञ्चगृहेषु करपात्रं
फलाहारो गोमुखं तुरीयातीतस्यावधूतस्याजगरवृत्तिः

Abschnitt ५, Prosa – Rang und Handlungen
सार्ववर्णिकेषु यतिर्नैकरात्रं वसेन्न कस्यापि
नमेत्तुरीयातीतावधूतयोर्न ज्येष्ठो यो न स्वरूपज्ञः
स ज्येष्ठोऽपि कनिष्ठो हस्ताभ्यां नद्युत्तरणं
न कुर्यान्न वृक्षमारोहेन्न यानादिरूढो न
क्रयविक्रयपरो न किञ्चिद्विनिमयपरो न दाम्भिको
नानृतवादी न यतेः किंचित्कर्तव्यमस्त्यस्तिचेत्सांकर्यम् ।
तस्मान्मननादौ संन्यासिनामधिकारः ।

Abschnitt ५, Prosa – Ziele der sechs Lebensweisen
आतुरकुटीचकयोर्भूर्लोको बहूदकस्य
स्वर्गलोको हंसस्य तपोलोकः परमहंसस्य
सत्यलोकस्तुरीयातीतावधूतयोः स्वात्मन्येव
कैवल्यं स्वरूपानुसन्धानेन भ्रमरकीटन्यायवत् ।

Abschnitt ५, zitierter Vers über die letzte Erinnerung
यं यं वापि स्मरन्भावं त्यजत्यन्ते कलेवरम् ।
तं तमेव समाप्नोति नान्यथा श्रुतिशासनम् ।

Abschnitt ५, Prosa – Verhalten und Bewusstseinszustände
तदेवं ज्ञात्वा स्वरूपानुसन्धानं विनान्यथाचारपरो
न भवेत्तदाचारवशात्तत्तल्लोकप्राप्तिर्ज्ञानवैराग्यसम्पन्नस्य स्वस्मिन्नेव मुक्तिरिति न सर्वत्राचारप्रसक्तिस्तदाचारः । जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तेष्वेकशरीरस्य जाग्रत्काले
विश्वः स्वप्नकाले तैजसः सुषुप्तिकाले प्राज्ञः
अवस्थाभेदादवस्थेश्वरभेदः कार्यभेदात्कारणभेदस्तासु
चतुर्दशकारणानां बाह्यवृत्तयोऽन्तर्वृत्तयस्तेषामुपादानकारणम् ।
वृत्तयश्चत्वारः मनोबुद्धिरहङ्कारश्चित्तं चेति ।
तत्तद्वृत्तिव्यापारभेदेन पृथगाचारभेदः ।

Abschnitt ५, zitierter Vers über die Orte der Zustände
नेत्रस्थं जागरितं विद्यात्कण्ठे स्वप्नं समाविशत् ।
सुषुप्तं हृदयस्थं तु तुरीयं मूर्ध्नि संस्थितम् ।

Abschnitt ५, Prosa – Freiheit schon im Leben
तुरीयमक्षरमिति ज्ञात्वा जागरिते सुषुप्त्यवस्थापन्न
इव यद्यच्छृतं यद्यदृष्टं तत्सत्सर्वमविज्ञातमिव
यो वसेत्तस्य स्वप्नावस्थायामपि तादृगवस्था भवति ।
स जीवन्मुक्त इति वदन्ति । सर्वश्रुत्यर्थप्रतिपादनमपि तस्यैव
मुक्तिरिति । भिक्षुर्नैहिकामुष्मिकापेक्षः । यद्यपेक्षास्ति
तदनुरूपो भवति । स्वरूपानुसन्धानव्यतिरिक्तान्यशास्त्राभ्यासैरुष्ट्रकुङ्कुमभारवद्व्यर्थो न योगशास्त्रप्रवृत्तिर्न साङ्ख्यशास्त्राभ्यासो न मन्त्रतन्त्रव्यापारः ।
इतरशास्त्रप्रवृत्तिर्यतेरस्ति चेच्छवालङ्कारवच्चर्मकारवदतिविदूरकर्माचारविद्यादूरो न प्रणवकीर्तनपरो यद्यत्कर्म
करोति तत्तत्फलमनुभवति एरण्डतैलफेनवदतः सर्वं परित्यज्य
तत्प्रसक्तं मनोदण्डं करपात्रं दिगम्बरं दृष्ट्वा
परिव्रजेद्भिक्षुः । बालोन्मत्तपिशाचवन्मरणं जीवितं वा न
काङ्क्षेत कालमेव प्रतीक्षेत निर्देशभृतकन्यायेन परिव्राडिति ।

Abschnitt ५, Vers ५.१
तितिक्षाज्ञानवैराग्यशमादिगुणवर्जितः ।
भिक्षामात्रेण जीवि स्यात्स यतिर्यतिवृत्तिहा ॥ १ ॥

Vers ५.२
न दण्डधारणेन न मुण्डनेन न वेषेण न दम्भाचारेण
मुक्तिः । ज्ञानदण्डो धृतो येन एकदण्डी स उच्यते ।
काष्ठदण्डो धृतो येन सर्वाशी ज्ञानवर्जितः ।
स याति नरकान्घोरान्महारौरवसंज्ञितान् ॥ २ ॥

Vers ५.३
प्रतिष्ठा सूकरीविष्ठासमा गीता महर्षिभिः ।
तस्मादेनां परित्यज्य कीटवत्पर्यटेद्यतिः ॥ ३ ॥

Vers ५.४
अयाचितं यथालाभं भोजनाच्छादनं भवेत् ।
परेच्छया च दिग्वासाः स्नानं कुर्यात्परेच्छया ॥ ४ ॥

Vers ५.५
स्वप्नेऽपि यो युक्तः स्याज्जाग्रतीव विशेषतः ।
ईदृक्चेष्टः स्मृतः श्रेष्ठो वरिष्ठो ब्रह्मवादिनाम् ॥ ५ ॥

Vers ५.६
अलाभे न विषादी स्याल्लाभे चैव न हर्षयेत् ।
प्राणयात्रिकमात्रः स्यान्मात्रासङ्गाद्विनिर्गतः ॥ ६ ॥

Vers ५.७
अभिपूजितलाभांश्च जुगुप्सेतैव सर्वशः ।
अभिपूजितलाभैस्तु यतिर्मुक्तोऽपि बध्यते ॥ ७ ॥

Vers ५.८
प्राणयात्रानिमित्तं च व्यङ्गारे भुक्तवज्जने ।
काले प्रशस्ते वर्णानां भिक्षार्थं पर्यटेद्गृहान् ॥ ८ ॥

Vers ५.९
पाणिपात्रश्चरन्योगी नासकृद्भैक्षमाचरेत् ।
तिष्ठन्भुञ्ज्याच्चरन्भुञ्ज्यान्मध्येनाचमनं तथा ॥ ९ ॥

Vers ५.१०
अब्धिवद्धृतमर्यादा भवन्ति विशादाशयाः ।
नियतिं न विमुञ्चन्ति महान्तो भास्करा एव ॥ १० ॥

Vers ५.११
आस्येन तु यदाहारं गोवन्मृगयते मुनिः ।
तदा समः स्यात्सर्वेषु सोऽमृतत्वाय कल्पते ॥ ११ ॥

Vers ५.१२
अनिन्द्यं वै व्रजन्गेहं निन्द्यं गेहं तु वर्जयेत् ।
अनावृते विशेद्द्वारि गेहे नैवावृते व्रजेत् ॥ १२ ॥

Vers ५.१३
पांसुना च प्रतिच्छन्नशून्यागारप्रतिश्रयः ।
वृक्षमूलनिकेतो वा त्यक्तसर्वप्रियाप्रियः ॥ १३ ॥

Vers ५.१४
यत्रास्तमितशायी स्यान्निरग्निरनिकेतनः ।
यथालब्धोपजीवी स्यान्मुनिर्दान्तो जितेन्द्रियः ॥ १४ ॥

Vers ५.१५
निष्क्रम्य वनमास्थाय ज्ञानयज्ञो जितेन्द्रियः ।
कालकाङ्क्षी चरन्नेव ब्रह्मभूयाय कल्पते ॥ १५ ॥

Vers ५.१६
अभयं सर्वभूतेभ्यो दत्त्वा चरति यो मुनिः ।
न तस्य सर्वभूतेभ्यो भयमुत्पद्यते क्वचित् ॥ १६ ॥

Vers ५.१७
निर्मानश्चानहङ्कारो निर्द्वन्द्वश्छिन्नसंशयः ।
नैव क्रुध्यति न द्वेष्टि नानृतं भाषते गिरा ॥ १७ ॥

Vers ५.१८
पुण्यायतनचारी च भूतानामविहिंसकः ।
काले प्राप्ते भवद्भैक्षं कल्प्यते ब्रह्मभूयसे ॥ १८ ॥

Vers ५.१९
वानप्रस्थगृहस्थाभ्यां न संसृज्येत कर्हिचित् ।
अज्ञातचर्यां लिप्सेत न चैनं हर्ष आविशेत् ॥ १९ ॥

Vers ५.२०
अध्वा सूर्येण निर्दिष्टः कीटवद्विचरेन्महीम् ।
आशीर्युक्तानि कर्माणि हिंसायुक्तानि यानि च ॥ २० ॥

Vers ५.२१
लोकसंग्रहयुक्तानि नैव कुर्यान्न कारयेत् ।
नासच्छात्रेषु सज्जेत नोपजीवेत जीविकाम् ।
अतिवादांस्त्यजेत्तर्कान्पक्षं कञ्चन नाश्रयेत् ॥ २१ ॥

Vers ५.२२
न शिष्याननुबध्नीत ग्रन्थान्नैवाभ्यसेद्बहून् ।
न व्याख्यामुपयुञ्जीत नारम्भानारभेत्क्वचित् ॥ २२ ॥

Vers ५.२३
अव्यक्तलिङ्गोऽव्यक्तार्थो मुनिरुन्मत्तबालवत् ।
कविर्मूकवदात्मानं तद्दृष्ट्या दर्शयेन्नृणाम् ॥ २३ ॥

Vers ५.२४
न कुर्यान्न वदेत्किञ्चिन्न ध्यायेत्साध्वसाधु वा ।
आत्मारामोऽनया वृत्त्या विचरेज्जडवन्मुनिः ॥ २४ ॥

Vers ५.२५
एकश्चरेन्महीमेतां निःसङ्गः संयतेन्द्रियः ।
आत्मक्रीड आत्मरतिरात्मवान्समदर्शनः ॥ २५ ॥

Vers ५.२६
बुधो बालकवत्क्रीडेत्कुशलो जडवच्चरेत् ।
वदेदुन्मत्तवद्विद्वान् गोचर्यां नैगमश्चरेत् ॥ २६ ॥

Vers ५.२७
क्षिप्तोऽवमानितोऽसद्भिः प्रलब्धोऽसूयितोऽपि वा ।
ताडितः संनिरुद्धो वा वृत्त्या वा परिहापितः ॥ २७ ॥

Vers ५.२८
विष्ठितो मूत्रितो वाज्ञैर्बहुधैवं प्रकम्पितः ।
श्रेयस्कामः कृच्छ्रगत आत्मनात्मानमुद्धरेत् ॥ २८ ॥

Vers ५.२९
संमाननं परां हानिं योगर्द्धेः कुरुते यतः ।
जनेनावमतो योगी योगसिद्धिं च विन्दति ॥ २९ ॥

Vers ५.३०
तथा चरेत वै योगी सतां धर्ममदूषयन् ।
जना यथावमन्येरन्गच्छेयुर्नैव सङ्गतिम् ॥ ३० ॥

Vers ५.३१
जरायुजाण्डजादीनां वाङ्मनःकायकर्मभिः ।
युक्तः कुर्वीत न द्रोहं सर्वसङ्गांश्च वर्जयेत् ॥ ३१ ॥

Vers ५.३२
कामक्रोधौ तथा दर्पलोभमोहादयश्च ये ।
तांस्तु दोषान्परित्यज्य परिव्राड् भयवर्जितः ॥ ३२ ॥

Vers ५.३३
भैक्षाशनं च मौनित्वं तपो ध्यानं विशेषतः ।
सम्यग्ज्ञानं च वैराग्यं धर्मोऽयं भिक्षुके मतः ॥ ३३ ॥

Vers ५.३४
काषायवासाः सततं ध्यानयोगपरायणः ।
ग्रामान्ते वृक्षमूले वा वसेद्देवालयेऽपि वा ॥ ३४ ॥

Vers ५.३५
भैक्षेण वर्तयेन्नित्यं नैकान्नाशी भवेत्क्वचित् ।
चित्तशुद्धिर्भवेद्यावत्तावन्नित्यं चरेत्सुधीः ॥ ३५ ॥

Vers ५.३६
ततः प्रव्रज्य शुद्धात्मा संचरेद्यत्र कुत्रचित् ।
बहिरन्तश्च सर्वत्र सम्पश्यन्हि जनार्दनम् ॥ ३६ ॥

Vers ५.३७
सर्वत्र विचरेन्मौनी वायुवद्वीतकल्मषः ।
समदुःखसुखः क्षान्तो हस्तप्राप्तं च भक्षयेत् ॥ ३७ ॥

Vers ५.३८
निर्वैरेण समं पश्यन्द्विजगोश्वमृगादिषु ।
भावयन्मनसा विष्णुं परमात्मानमीश्वरम् ॥ ३८ ॥

Abschnitt ५, Schlussvers und Prosa
चिन्मयं परमानन्दं ब्रह्मैवाहमिति स्मरन् ।
ज्ञात्वैवं मनोदण्डं धृत्वा आशानिवृत्तो भूत्वा
आशाम्बरधरो भूत्वा सर्वदा मनोवाक्कायकर्मभिः
सर्वसंसारमुत्सृज्य प्रपञ्चावाङ्मुखः
स्वरूपानुसन्धानेन भ्रमरकीटन्यायेन मुक्तो
भवतीत्युपनिषत् ॥

Schluss des ५. Abschnitts
इति पञ्चमोपदेशः ॥ ५ ॥

Abschnitt ६, Prosa – Die Gestalt der Erkenntnispraxis
अथ नारदः पितामहमुवाच ।
भगवन् तदभ्यासवशात् भ्रमकीटन्यायवत्तदभ्यासः कथमिति ।
तमाह पितामहः ।
सत्यवाग्ज्ञानवैराग्याभ्यां विशिष्टदेहावशिष्टो
वसेत् । ज्ञानं शरीरं वैराग्यं जीवनं विद्धि
शान्तिदान्ती नेत्रे मनोमुखं बुद्धिः कला
पञ्चविंशतितत्त्वान्यवयव अवस्था
पञ्चमहाभूतानि कर्म भक्तिज्ञानवैराग्यं शाखा
जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितुरीयाश्चतुर्दशकरणानि
पङ्कस्तम्भाकाराणीति ।

Abschnitt ६, Prosa – Das Bekenntnis zu Brahman
एवमपि नावमतिपङ्कं कर्णधार
इव यन्तेव गजं स्वबुद्ध्या वशीकृत्य स्वव्यतिरिक्तं सर्वं
कृतकं नश्वरमिति मत्वा विरक्तः पुरुषः सर्वदा
ब्रह्माहमिति व्यवहरेन्नान्यत्किञ्चिद्वेदितव्यं स्वव्यतिरेकेण ।
जीवन्मुक्तो वसेत्कृतकृत्यो भवति ।

Abschnitt ६, Prosa – Die Zustände ineinander
न नाहं ब्रह्मेति
व्यवहरेत्किन्तु ब्रह्माहमस्मीत्यजस्रं जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तिषु ।
तुरीयावस्थां प्राप्य तुरीयातीतत्वं व्रजेद्दिवा जाग्रन्नक्तं
स्वप्नं सुषुप्तमर्धरात्रं गतमित्येकावस्थायां
चतस्रोऽवस्थास्त्वेकैककरणाधीनानां चतुर्दशकरणानां व्यापारश्चक्षुरादीनाम् ।

Abschnitt ६, Prosa – Funktionen der Sinne
चक्षुषो रूपग्रहणं श्रोत्रयोः शब्दग्रहणं
जिह्वाया रसास्वादनं घ्राणस्य गन्धग्रहणं
वचसो वाग्व्यापारः पाणेरादानं पादयोः संचारः
पायोरुत्सर्ग उपस्थस्यानन्दग्रहणं त्वचः स्पर्शग्रहणम् ।
तदधीना च विषयग्रहणबुद्धिः बुद्ध्या बुद्ध्यति
चित्तेन चेतयत्यहङ्कारेणाहङ्करोति । विसृज्य जीव
एतान्देहाभिमानेन जीवो भवति । गृहाभिमानेन गृहस्थ
इव शरीरे जीवः संचरति ।

Abschnitt ६, Prosa – Der innere Lotus
प्राग्दले पुण्यावृत्तिराग्नेयां
निद्रालस्यौ दक्षिणायां क्रौर्यबुद्धिर्नैरृत्यां पापबुद्धिः
पश्चिमे क्रीडारतिर्वायव्यां गमने बुद्धिरुत्तरे शान्तिरीशान्ये
ज्ञानं कर्णिकायां वैराग्यं केसरेष्वात्मचिन्ता इत्येवं
वक्त्रं ज्ञात्वा जीवदवस्थां प्रथमं जाग्रद्द्वितीयं
स्वप्नं तृतीयं सुषुप्तं चतुर्थं तुरीयं चतुर्भिर्विरहितं
तुरीयातीतम् । विश्वतैजसप्राज्ञतटस्थभेदैरेक एव एको देवः
साक्षी निर्गुणश्च तद्ब्रह्माहमिति व्याहरेत् ।

Abschnitt ६, Prosa – Der eine Zeuge
नो चेज्जाग्रदवस्थायां जाग्रदादिचतस्रोऽवस्थाः स्वप्ने
स्वप्नादिचतस्रोऽवस्थाः सुषुप्ते सुषुप्त्यादिचतस्रोऽवस्थाः
तुरीये तुरीयादिचतस्रोऽवस्थाः नत्वेवं तुरीयातीतस्य निर्गुणस्य ।
स्थूलसूक्ष्मकारणरूपैर्विश्वतैजसप्राज्ञेश्वरैः
सर्वावस्थासु साक्षी त्वेक एवावतिष्ठते ।

Abschnitt ६, Prosa – Körperidentifikation und Atemmantra
उत तटस्थो द्रष्टा
तटस्थो न द्रष्टा द्रष्टृत्वान्न द्रष्टैव कर्तृत्वभोक्तृत्व
अहङ्कारादिभिः स्पृष्टो जीवः जीवेतरो न स्पृष्टः । जीवोऽपि
न स्पृष्ट इति चेन्न । जीवाभिमानेन क्षेत्राभिमानः ।
शरीराभिमानेन जीवत्वम् । जीवत्वं घटाकाशमहाकाशवद्व्यवधानेऽस्ति । व्यवधानवशादेव हंसः सोऽहमिति
मन्त्रेणोच्छ्वासनिःश्वासव्यपदेशेनानुसन्धानं करोति ।
एवं विज्ञाय शरीराभिमानं त्यजेन्न शरीराभिमानी भवति ।
स एव ब्रह्मेत्युच्यते।

Abschnitt ६, Vers ६.१
त्यक्तसङ्गो जितक्रोधो लघ्वाहारो जितेन्द्रियः ।
पिधाय बुद्ध्या द्वाराणि मनो ध्याने निवेशयेत् ॥ १ ॥

Vers ६.२
शून्येष्वेवावकाशेषु गुहासु च वनेषु च ।
नित्ययुक्तः सदा योगी ध्यानं सम्यगुपक्रमेत् ॥ २ ॥

Vers ६.३
आतिथ्यश्राद्धयज्ञेषु देवयात्रोत्सवेषु च ।
महाजनेषु सिद्ध्यर्थी न गच्छेद्योगवित्क्वचित् ॥ ३ ॥

Vers ६.४
यथैनमवमन्यन्ते जनाः परिभवन्ति च ।
तथा युक्तश्चेद्योगी सतां वर्त्म न दूषयेत् ॥ ४ ॥

Vers ६.५
वाग्दण्डः कर्मदण्डश्च मनोदण्डश्च ते त्रयः ।
यस्यैते नियता दण्डाः स त्रिदण्डी महायतिः ॥ ५ ॥

Vers ६.६
विधूमे च प्रशान्ताग्नौ यस्तु माधुकरीं चरेत् ।
गृहे च विप्रमुख्यानां यतिः सर्वोत्तमः स्मृतः ॥ ६ ॥

Vers ६.७
दण्डभिक्षां च यः कुर्यात्स्वधर्मे व्यसनं विना ।
यस्तिष्ठति न वैराग्यं याति नीचयतिर्हि सः ॥ ७ ॥

Vers ६.८
यस्मिन्गृहे विशेषेण लभेद्भिक्षां च वासनात् ।
तत्र नो याति यो भूयः स यतिर्नेतरः स्मृतः ॥ ८ ॥

Vers ६.९
यः शरीरेन्द्रियादिभ्यो विहीनं सर्वसाक्षिणम् ।
पारमार्थिक विज्ञानं सुखात्मानं स्वयंप्रभम् ॥ ९ ॥

Vers ६.१०
परतत्त्वं विजानाति सोऽतिवर्णाश्रमी भवेत् ।
वर्णाश्रमादयो देहे मायया परिकल्पिताः ॥ १० ॥

Vers ६.११
नात्मनो बोधरूपस्य मम ते सन्ति सर्वदा ।
इति यो वेद वेदान्तैः सोऽतिवर्णाश्रमी भवेत् ॥ ११ ॥

Vers ६.१२
यस्य वर्णाश्रमाचारो गलितः स्वात्मदर्शनात् ।
स वर्णानाश्रमान्सर्वानतीत्य स्वात्मनि स्थितः ॥ १२ ॥

Vers ६.१३
योऽतीत्य स्वाश्रमान्वर्णानात्मन्येव स्थितः पुमान् ।
सोऽतिवर्णाश्रमी प्रोक्तः सर्ववेदार्थवेदिभिः ॥ १३ ॥

Vers ६.१४
तस्मादन्यगता वर्णा आश्रमा अपि नारद ।
आत्मन्यारोपिताः सर्वे भ्रान्त्या तेनात्मवेदिना ॥ १४ ॥

Vers ६.१५
न विधिर्न निषेधश्च वर्ज्यावर्ज्य कल्पना ।
ब्रह्मविज्ञानिनामस्ति तथा नान्यच्च नारद ॥ १५ ॥

Vers ६.१६
विरज्य सर्वभूतेभ्य आविरिञ्चिपदादपि ।
घृणां विपाठ्य सर्वस्मिन्पुत्रमित्रादिकेष्वपि ॥ १६ ॥

Vers ६.१७
श्रद्धालुर्मुक्तिमार्गेषु वेदान्तज्ञानलिप्सया ।
उपायनकरो भूत्वा गुरुं ब्रह्मविदं व्रजेत् ॥ १७ ॥

Vers ६.१८
सेवाभिः परितोष्यैनं चिरकालं समाहितः ।
सदा वेदान्तवाक्यार्थं शृणुयात्सुसमाहितः ॥ १८ ॥

Vers ६.१९
निर्ममो निरहङ्कारः सर्वसङ्गविवर्जितः ।
सदा शान्त्यादियुक्तः सन्नात्मवानात्मानमीक्षते ॥ १९ ॥

Vers ६.२०
संसारदोषदृष्ट्यैव विरक्तिर्जायते सदा ।
विरक्तस्य तु संसारात्संन्यासः स्यान्न संशयः ॥ २० ॥

Vers ६.२१
मुमुक्षुः परहंसाख्यः साक्षान्मोक्षैकसाधनम् ।
अभ्यसेद्ब्रह्मविज्ञानं वेदान्तश्रवणादिना ॥ २१ ॥

Vers ६.२२
ब्रह्मविज्ञानलाभाय परहंस समाह्वयः ।
शान्तिदान्त्यादिभिः सर्वैः साधनैः सहितो भवेत् ॥ २२ ॥

Vers ६.२३
वेदान्ताभ्यासनिरतः शान्तो दान्तो जितेन्द्रियः ।
निर्भयो निर्ममो नित्यो निर्द्वन्द्वो निष्परिग्रहः ॥ २३ ॥

Vers ६.२४
जीर्णकौपीनवासाः स्यान्मुण्डी नग्नोऽथवा भवेत् ।
प्राज्ञो वेदान्तविद्योगी निर्ममो निरहङ्कृतिः ॥ २४ ॥

Vers ६.२५
मित्रादिषु समो मैत्रः समस्तेष्वेव जन्तुषु ।
एको ज्ञानी प्रशान्तात्मा स सन्तरति नेतरः ॥ २५ ॥

Vers ६.२६
गुरूणां च हिते युक्तस्तत्र संवत्सरं वसेत् ।
नियमेष्वप्रमात्तस्तु यमेषु च सदाभवेत् ॥ २६ ॥

Vers ६.२७
प्राप्य चान्ते ततश्चैव ज्ञानयोगमनुत्तमम् ।
अविरोधेन धर्मस्य संचरेत्पृथिवीमिमाम् ॥ २७ ॥

Vers ६.२८
ततः संवत्सरस्यान्ते ज्ञानयोगमनुत्तमम् ।
आश्रमत्रयमुत्सृज्य प्राप्तश्च परमाश्रमम् ॥ २८ ॥

Vers ६.२९
अनुज्ञाप्य गुरूंश्चैव चरेद्धि पृथिवीमिमाम् ।
त्यक्तसङ्गो जितक्रोधो लघ्वाहारो जितेन्द्रियः ॥ २९ ॥

Vers ६.३०
द्वाविमौ न विरज्येते विपरीतेन कर्मणा ।
निरारम्भो गृहस्थश्च कार्यवांश्चैव भिक्षुकः ॥ ३० ॥

Vers ६.३१
माद्यति प्रमदां दृष्ट्वा सुरां पीत्वा च माद्यति ।
तस्माद्दृष्टिविषं नारीं दूरतः परिवर्जयेत् ॥ ३१ ॥

Vers ६.३२
संभाषणं सह स्त्रीभिरालापः प्रेक्षणं तथा ।
नृत्तं गानं सहासं च परिवादांश्च वर्जयेत् ॥ ३२ ॥

Vers ६.३३
न स्नानं न जपः पूजा न होमो नैव साधनम् ।
नाग्निकार्यादिकार्यं च नैतस्यास्तीह नारद ॥ ३३ ॥

Vers ६.३४
नार्चनं पितृकार्यं च तीर्थयात्रा व्रतानि च ।
धर्माधर्मादिकं नास्ति न विधिर्लौकिकी क्रिया ॥ ३४ ॥

Vers ६.३५
सन्त्यजेत्सर्वकर्माणि लोकाचारं च सर्वशः ।
कृमीकीटपतङ्गाश्च तथा योगी वनस्पतीन् ॥ ३५ ॥

Vers ६.३६
न नाशयेद्बुधो जीवन्परमार्थमतिर्यतिः ।
नित्यमन्तर्मुखः स्वच्छः प्रशान्तात्मा स्वपूर्णधीः ॥ ३६ ॥

Vers ६.३७
अन्तःसङ्गपरित्यागी लोके विहर नारद ।
नाराजके जनपदे चरत्येकचरो मुनिः ॥ ३७ ॥

Abschnitt ६, unnummerierter Schlussvers
निःस्तुतिर्निर्नमस्कारो निःस्वधाकार एव च ।
चलाचलनिकेतश्च यतिर्यादृच्छिको भवेदित्युपनिषत् ॥

Schluss des ६. Abschnitts
इति षष्ठोपदेशः ॥ ६ ॥

Abschnitt ७, Prosa – Loslösung und Wanderleben
अथ यतेर्नियमः कथमिति पृष्टं नारदं पितामहः
पुरस्कृत्य विरक्तः सन्यो वर्षासु ध्रुवशीलोऽष्टौ
मास्येकाकी चरन्नेकत्र निवसेद्भिक्षुर्भयात्सारङ्गवदेकत्र
न तिष्ठेस्वगमननिरोधग्रहणं न कुर्याद्धस्ताभ्यां
नद्युत्तरणं न कुर्यान्न वृक्षारोहणमपि न
देवोत्सवदर्शनं कुर्यान्नैकत्राशी न बाह्यदेवार्चनं
कुर्यात्स्वव्यतिरिक्तं सर्वं त्यक्त्वा मधुकरवृत्त्याहारमहारन्कृशो
भूत्वा मेदोवृद्धिमकुर्वन्नाज्यं रुधिरमिव त्यजेदेकत्रान्नं
पललमिव गन्धलेपनमशुद्धिलेपनमैव क्षारमन्त्यजमिव
वस्त्रमुच्छिष्टपात्रमिवाभ्यङ्गं स्त्रीसङ्गमिव
मित्राह्लादकं मूत्रमिव स्पृहां गोमांसमिव ज्ञातचरदेशं
चण्डालवाटिकामिव स्त्रियमहिमिव सुवर्णं कालकूटमिव
सभास्थलं स्मशानस्थलमिव राजधानीं कुम्भीपाकमिव
शवपिण्डवदेकत्रान्नं न देहान्तरदर्शनं प्रपञ्चवृत्तिं
परित्यज्य स्वदेशमुत्सृज्य ज्ञातचरदेशं विहाय
विस्मृतपदार्थं पुनः प्राप्तहर्ष इव स्वमानन्दमनुस्मरन्स्वशरीराभिमानदेशविस्मरणं मत्वा शवमिव हेयमुपगम्य
कारागृहविनिर्मुक्तचोरवत्पुत्राप्तबन्धुभवस्थलं
विहाय दूरतो वसेत् ।

Abschnitt ७, Prosa – Leben bis zum Ende des Körpers
अयत्नेन प्राप्तमाहरन्ब्रह्मप्रणवध्यानानुसन्धानपरो
भूत्वा सर्वकर्मनिर्मुक्तः कामक्रोधलोभमोहमदमात्सर्यादिकं दग्ध्वा त्रिगुणातीतः षडूर्मिरहितः
षड्भावविकारशून्यः । सत्यवाक्छुचिरद्रोही ग्राम
एकरात्रं पत्तने पञ्चरात्रं क्षेत्रे पञ्चरात्रं तीर्थे
पञ्चरात्रमनिकेतः स्थिरमतिर्नानृतवादी गिरिकन्दरेषु
वसेदेक एव द्वौ वा चरेत् ग्रामं त्रिभिर्नगरं चतुर्भिर्ग्राममित्येकश्चरेत् । भिक्षुश्चतुर्दशकरणानां
न तत्रावकाशं दद्यादविच्छिन्नज्ञानाद्वैराग्यसम्पत्तिमनुभूय मत्तो न कश्चिन्नान्यो व्यतिरिक्त इत्यात्मन्यालोच्य
सर्वतः स्वरूपमेव पश्यञ्जीवन्मुक्तिमवाप्य प्रारब्धप्रतिभासनाशपर्यन्तं चतुर्विधं स्वरूपं ज्ञात्वा
देहपतनपर्यन्तं स्वरूपानुसन्धानेन वसेत् ।

Abschnitt ७, Prosa – Badeformen
त्रिषवणस्नानं कुटीचकस्य बहूदकस्य द्विवारं
हंसस्यैकवारं परमहंसस्य मानसस्नानं
तुरीयातीतस्य भस्मस्नानमवधूतस्य वायव्यस्नानं

Abschnitt ७, Prosa – Stirnzeichen
ऊर्ध्वपुण्ड्रं कुटीचकस्य त्रिपुण्ड्रं बहूदकस्य
ऊर्ध्वपुण्ड्रं त्रिपुण्ड्रं हंसस्य भस्मोद्धूलनं
परमहंसस्य तुरीयातीतस्य तिलकपुण्ड्रमवधूतस्य न
किञ्चित् ।

Abschnitt ७, Prosa – Rasurvorschriften
तुरीयातीतावधूतयोः ऋतुक्षौरं कुटीचकस्य
ऋतुद्वयक्षौरं बहूदकस्य न क्षौरं हंसस्य
परमहंसस्य च न क्षौरम् । अस्तिचेदयनक्षौरम् ।
तुरीयातीतावधूतयोः न क्षौरम् ।

Abschnitt ७, Prosa – Nahrung
कुटीचकस्यैकान्नं
माधुकरं बहूदकस्य हंसपरमहंसयोः करपात्रं
तुरीयातीतस्य गोमुखं अवधूतस्याजगरवृत्तिः ।

Abschnitt ७, Prosa – Kleidung
शाटिद्वयं
कुटीचकस्य बहूदकस्यैकशाटी हंसस्य खण्डं
दिगंबरं परमहंसस्य एककौपीनं वा तुरीयातीतावधूतयोर्जातरूपधरत्वं हंसपरमहंसयोरजिनं न त्वन्येषाम् ।

Abschnitt ७, Prosa – Formen der Verehrung
कुटीचकबहूदकयोर्देवार्चनं हंसपरमहंसयोर्मानसार्चनं तुरीयातीतावधूतयोः सोहंभावना ।

Abschnitt ७, Prosa – Befähigung und Unterweisung
कुटीचकबहूदकयोर्मन्त्रजपाधिकारो हंसपरमहंसयोर्ध्यानाधिकारस्तुरीयातीतावधूतयोर्न त्वन्याधिकारस्तुरीयातीतावधूतयोर्महावाक्योपदेशाधिकारः
परमहंसस्यापि । कुटीचकबहूदकहंसानां
नान्यस्योपदेशाधिकारः।

Abschnitt ७, Prosa – Drei Arten des Pranava
कुटीचकबहूदकयोर्मानुषप्रणवः
हंसपरमहंसयोरान्तरप्रणवः तुरीयातीतावधूतयोर्ब्रह्मप्रणवः ।

Abschnitt ७, Prosa – Hören, Nachdenken und Versenkung
कुटीचकबहूदकयोः श्रवणं हंसपरमहंसयोर्मननं
तुरीयातीतावधूतयोर्निदिध्यासः । सर्वेषामात्मनुसन्धानं
विधिरित्येव मुमुक्षुः सर्वदा संसारतारकं तारकमनुस्मरञ्जीवन्मुक्तो वसेदधिकारविशेषेण कैवल्यप्राप्त्युपायमन्विष्येद्यतिरित्युपनिषत् ॥

Schluss des ७. Abschnitts
इति सप्तमोपदेशः ॥ ७ ॥

Abschnitt ८, Prosa – Die Entfaltungen des Pranava
अथ हैनं भगवन्तं परमेष्ठिनं नारदः
पप्रच्छ संसारतारकं प्रसन्नो ब्रूहीति ।
तथेति परमेष्ठी वक्तुमुचक्रमे ओमिति ब्रह्मेति
व्यष्टिसमष्टिप्रकारेण । का व्यष्टिः का
समष्टिः संहारप्रणवः सृष्टिप्रणवश्चान्तर्बहिश्चोभयात्मकत्वात्त्रिविधो
ब्रह्मप्रणवः । अन्तःप्रणवो व्यावहारिकप्रणवः ।
बाह्यप्रणव आर्षप्रणवः । उभयात्मको
विराट्प्रणवः । संहारप्रणवो ब्रह्मप्रणव
अर्धमात्राप्रणवः । ओमितिब्रह्म । ओमित्येकाक्षरमन्तःप्रणवं विद्धि । सचाष्टधा भिद्यते ।
अकारोकारमकारार्धमात्रानादबिन्दुकलाशक्तिश्चेति ।
तत्र चत्वार अकारश्चायुतावयवान्वित उकारः
सहस्रावयवान्वितो मकारः शतावयवोपेतोऽर्धमात्राप्रणवोऽनन्तावयवाकारः । सगुणो विराट्प्रणवः संहारो
निर्गुणप्रणव उभयात्मकोत्पत्तिप्रणवो यथाप्लुतो
विराट्प्लुतः प्लुतसंहारो विराट्प्रणवः षोडशमात्रात्मकः
षट्त्रिंशत्तत्त्वातीतः । षोडशमात्रात्मकत्वं
कथमित्युच्यते । अकारः प्रथमोकारो द्वितीया मकारस्तृतीयार्धमात्रा चतुर्थी नादः पञ्चमी बिन्दुः
षष्ठी कला सप्तमी कलातीताष्टमी शान्तिर्नवमी
शान्त्यतीता दशमी उन्मन्येकादशी मनोन्मनी द्वादशी
पुरी त्रयोदशी मध्यमा चतुर्दशी पश्यन्ती पञ्चदशी
परा । षोडशी पुनश्चतुःषष्टिमात्रा प्रकृतिपुरुषद्वैविध्यमासाद्याष्टाविंशत्युत्तरभेदमात्रास्वरूपमासाद्य सगुणनिर्गुणत्वमुपेत्यैकोऽपि ब्रह्मप्रणवः

Vers ८.१
सर्वाधारः परंज्योतिरेष सर्वेश्वरो विभुः । सर्वदेवमयः
सर्वप्रपञ्चाधारगर्भितः ॥ १ ॥

Vers ८.२
सर्वाक्षरमयः कालः सर्वागममयः शिवः ।
सर्वश्रुत्युत्तमो मृग्यः सकलोपनिषन्मयः ॥ २ ॥

Vers ८.३
भूतं भव्यं भविष्यद्यत्त्रिकालोदितमव्ययम् ।
तदप्योङ्कारमेवायं विद्धि मोक्षप्रदायकम् ॥ ३ ॥

Vers ८.४
तमेवात्मानमित्येतद्ब्रह्मशब्देन वर्णितम् ।
तदेकममृतमजरमनुभूय तथोमिति ॥ ४ ॥

Vers ८.५
सशरीरं समारोप्य तन्मयत्वं तथोमिति ।
त्रिशरीरं तमात्मानं परंब्रह्म विनिश्चिनु ॥ ५ ॥

Vers ८.६
परंब्रह्मानुसन्दध्याद्विश्वादीनां क्रमः क्रमात् ।
स्थूलत्वात्स्थूलभुक्त्वाच्च सूक्ष्मत्वात्सूक्ष्मभुक् परम् ॥ ६ ॥

Vers ८.७
ऐकत्वानन्दभोगाच्च सोऽयमात्मा चतुर्विधः ।
चतुष्पाज्जागरितः स्थूलः स्थूलप्रज्ञो हि विश्वभुक् ॥ ७ ॥

Vers ८.८
एकोनविंशतिमुखः साष्टाङ्गः सर्वगः प्रभु ।
स्थूलभुक् चतुरात्माथ विश्वो वैश्वानरः पुमान् ॥ ८ ॥

Vers ८.९
विश्वजित्प्रथमः पादः स्वप्नस्थानगतः प्रभुः ।
सूक्ष्मप्रज्ञः स्वतोऽष्टाङ्ग एको नान्यः परंतप ॥ ९ ॥

Vers ८.१०
सूक्ष्मभुक् चतुरात्माथ तैजसो भूतराडयम् ।
हिरण्यगर्भः स्थूलोऽन्तर्द्वितीयः पाद उच्यते ॥ १० ॥

Vers ८.११
कामं कामयते यावद्यत्र सुप्तो न कञ्चन ।
स्वप्नं पश्यति नैवात्र तत्सुषुप्तमपि स्फुटम् ॥ ११ ॥

Vers ८.१२
एकीभूतः सुषुप्तस्थः प्रज्ञानघनवान्सुखी ।
नित्यानन्दमयोऽप्यात्मा सर्वजीवान्तरस्थितः ॥ १२ ॥

Vers ८.१३
तथाप्यानन्दभुक् चेतोमुखः सर्वगतोऽव्ययः ।
चतुरात्मेश्वरः प्राज्ञस्तृतीयः पादसंज्ञितः ॥ १३ ॥

Vers ८.१४
एष सर्वेश्वरश्चैष सर्वज्ञः सूक्ष्मभावनः ।
एषोऽन्तर्याम्येष योनिः सर्वस्य प्रभवाप्ययौ ॥ १४ ॥

Vers ८.१५
भूतानां त्रयमप्येतत्सर्वोपरमबाधकम् ।
तत्सुषुप्तं हि यत्स्वप्नं मायामात्रं प्रकीर्तितम् ॥ १५ ॥

Vers ८.१६
चतुर्थश्चतुरात्मापि सच्चिदेकरसो ह्ययम् ।
तुरीयावसितत्त्वाच्च एकैकत्वनुसारतः ॥ १६ ॥

Vers ८.१७
ज्ञातानुज्ञात्रननुज्ञातृविकल्पज्ञानसाधनम् ।
विकल्पत्रयमत्रापि सुषुप्तं स्वप्नमान्तरम् ॥ १७ ॥

Vers ८.१८
मायामात्रं विदित्वैवं सच्चिदेकरसो ह्ययम् ।
विभक्तो ह्ययमादेशो न स्थूलप्रज्ञमन्वहम् ॥ १८ ॥

Vers ८.१९
न सूक्ष्मप्रज्ञमत्यन्तं न प्रज्ञं न क्वचिन्मुने ।
नैवाप्रज्ञं नोभयतःप्रज्ञं न प्रज्ञमान्तरम् ॥ १९ ॥

Abschnitt ८, unnummerierter Schluss und Prosa
नाप्रज्ञमपि न प्रज्ञाघनं चादृष्टमेव च ।
तदलक्षणमग्राह्यं यद्व्यवहार्यमचिन्त्यमव्यपदेश्यमेकात्मप्रत्ययसारं प्रपञ्चोपशमं
शिवं शान्तमद्वैतं चतुर्थं मन्यन्ते स ब्रह्म
प्रणवः स विज्ञेयो नापरस्तुरीयः सर्वत्र
भानुवन्मुमुक्षूणामाधारः स्वयंज्योतिर्ब्रह्माकाशः
सर्वदा विराजते परंब्रह्मत्वादित्युपनिषत् ॥

Schluss des ८. Abschnitts
इति अष्टमोपदेशः ॥ ८ ॥

Abschnitt ९, Prosa – Die Natur Brahmans
अथ ब्रह्मस्वरूपं कथमिति नारदः पप्रच्छ ।
तं होवाच पितामहः किं ब्रह्मस्वरूपमिति ।
अन्योसावन्योहमस्मीति ये विदुस्ते पशवो न स्वभावपशवस्तमेवं ज्ञात्वा विद्वान्मृत्युमुखात्प्रमुच्यते
नान्यः पन्था विद्यतेऽयनाय ।

Vers ९.१
कालः स्वभावो नियतिर्यदृच्छा
भूतानि योनिः पुरुष इति चिन्त्यम् ।
संयोग एषां नत्वात्मभावादात्मा ह्यनीशः सुखदुःखहेतोः ॥ १ ॥

Vers ९.२
ते ध्यानयोगानुगता अपश्यन्
देवात्मशक्तिं स्वगुणैर्निगूढाम् ।
यः कारणानि निखिलानि तानि
कालात्मयुक्तान्यधितिष्ठत्येकः ॥ २ ॥

Vers ९.३
तमेकस्मिंस्त्रिवृतं षोडशान्तं
शतार्धारं विंशतिप्रत्यराभिः ।
अष्टकैः षड्भिर्विश्वरूपैकपाशं
त्रिमार्गभेदं द्विनिमित्तैकमोहम् ॥ ३ ॥

Vers ९.४
पञ्चस्रोतोम्बुं पञ्चयोन्युग्रवक्त्रां
पञ्चप्राणोर्मिं पञ्चबुद्ध्यादिमूलाम् ।
पञ्चावर्तां पञ्चदुःखौघवेगां
पञ्चाशद्भेदां पञ्चपर्वामधीमः ॥ ४ ॥

Vers ९.५
सर्वाजीवे सर्वसंस्थे बृहन्ते
तस्मिन्हंसो भ्राम्यते ब्रह्मचक्रे ।
पृथगात्मानं प्रेरितारं च मत्वा
जुष्टस्ततस्तेनामृतत्वमेति ॥ ५ ॥

Vers ९.६
उद्गीथमेतत्परमं तु ब्रह्म
तस्मिंस्त्रयं स्वप्रतिष्ठाक्षरं च ।
अत्रान्तरं वेदविदो विदित्वा
लीनाः परे ब्रह्मणि तत्परायणाः ॥ ६ ॥

Vers ९.७
संयुक्तमेतत्क्षरमक्षरं च
व्यक्ताव्यक्तं भरते विश्वमीशः ।
अनीशश्चात्मा बध्यते भोक्तृभावाज्ज्ञात्वा देवं मुच्यते सर्वपाशैः ॥ ७ ॥

Vers ९.८
ज्ञाज्ञौ द्वावजावीशनीशावजा
ह्येका भोक्तृभोगार्थयुक्ता ।
अनन्तश्चात्मा विश्वरूपो ह्यकर्ता
त्रयं यदा विन्दते ब्रह्ममेतत् ॥ ८ ॥

Vers ९.९
क्षरं प्रधानममृताक्षरं हरः
क्षरात्मानावीशते देव एकः ।
तस्याभिध्यानाद्योजनात्तत्त्वभावाद्भूयश्चान्ते विश्वमायानिवृत्तिः ॥ ९ ॥

Vers ९.१०
ज्ञात्वा देवं मुच्यते सर्वपाशैः
क्षीणैः क्लेशैर्जन्ममृत्युप्रहाणिः ।
तस्याभिध्यानात्तृतीयं देहभेदे
विश्वैश्वर्यं केवल आत्मकामः ॥ १० ॥

Vers ९.११
एतज्ज्ञेयं नित्यमेवात्मसंस्थं
नातः परं वेदितव्यं हि किञ्चित् ।
भोक्ता भोग्यं प्रेरितारं च मत्वा
सर्वं प्रोक्तं त्रिविधं ब्रह्ममेतत् ॥ ११ ॥

Vers ९.१२
आत्मविद्या तपोमूलं तद्ब्रह्मोपनिषत्परम् ।
य एवं विदित्वा स्वरूपमेवानुचिन्तयंस्तत्र को मोहः कः शोक एकत्वमनुपश्यतः ॥ १२ ॥

Vers ९.१३
तस्माद्विराड्भूतं भव्यं
भविष्यद्भवत्यनश्वरस्वरूपम् ।
अणोरणीयान्महतो महीयानात्मास्य जन्तोर्निहितो गुहायाम् ।
तमक्रतुं पश्यति वीतशोको
धातुःप्रसादान्महिमानमीशम् ॥ १३ ॥

Vers ९.१४
अपाणिपादो जवनो ग्रहीता
पश्यत्यचक्षुः स शृणोत्यकर्णः ।
स वेत्ति वेद्यं न च तस्यास्ति वेत्ता
तमाहुरग्र्यं पुरुषं महान्तम् ॥ १४ ॥

Vers ९.१५
अशरीरं शरीरेष्वनवस्थेश्ववस्थितम् ।
महान्तं विभुमात्मानं मत्वा धीरो न शोचति ॥ १५ ॥

Vers ९.१६
सर्वस्य धातारमचिन्त्यशक्तिं
सर्वागमान्तार्थविशेषवेद्यम् ।
परात्परं परमं वेदितव्यं
सर्वावसाने सकृद्वेदितव्यम् ॥ १६ ॥

Vers ९.१७a
कविं पुराणं पुरुषोत्तमोत्तमं
सर्वेश्वरं सर्वदेवैरुपास्यम् ।
अनादि मध्यान्तमनन्तमव्ययं
शिवाच्युताम्भोरुहगर्भभूधरम् ॥ १७ ॥

Vers ९.१७b
स्वेनावृतं सर्वमिदं प्रपञ्चं
पञ्चात्मकं पञ्चसु वर्तमानम् ।
पञ्चीकृतानन्तभवप्रपञ्चं
पञ्चीकृतस्वावयवैरसंवृतम् ।
परात्परं यन्महतो महान्तं
स्वरूपतेजोमयशाश्वतं शिवम् ॥ १७ ॥

Vers ९.१८
नाविरतो दुश्चरितान्नाशान्तो नासमाहितः ।
नाशान्तमनसो वापि प्रज्ञानेनैनमाप्नुयात् ॥ १८ ॥

Abschnitt ९, Schlussprosa – Absolute Freiheit
नान्तःप्रज्ञं न बहिःप्रज्ञं न स्थूलं नास्थूलं
न ज्ञानं नाज्ञानं नोभयतःप्रज्ञमग्राह्यमव्यवहार्यं स्वान्तःस्थितः स्वयमेवेति य एवं वेद
स मुक्तो भवति स मुक्तो भवतीत्याह भगवान्पितामहः ।
स्वस्वरूपज्ञः परिव्राट् परिव्राडेकाकी चरति
भयत्रस्तसारङ्गवत्तिष्ठति । गमनविरोधं न करोति ।
स्वशरीरव्यतिरिक्तं सर्वं त्यक्त्वा षट्पदवृत्त्या स्थित्वा
स्वरूपानुसन्धानं कुर्वन्सर्वमनन्यबुद्ध्या
स्वस्मिन्नेव मुक्तो भवति । स परिव्राट् सर्वक्रियाकारकनिवर्तको
गुरुशिष्यशास्त्रादिविनिर्मुक्तः सर्वसंसारं विसृज्य
चामोहितः परिव्राट् कथं निर्धनिकः सुखी धनवाञ्ज्ञानाज्ञानोभयातीतः सुखदुःखातीतः
स्वयंज्योतिप्रकाशः सर्ववेद्यः सर्वज्ञः सर्वसिद्धिदः
सर्वेश्वरः सोऽहमिति । तद्विष्णोः परमं पदं यत्र
गत्वा न निवर्तन्ते योगिनः । सूर्यो न तत्र भाति
न शशाङ्कोऽपि न स पुनरावर्तते न स पुनरावर्तते
तत्कैवल्यमित्युपनिषत् ॥

Schluss des ९. Abschnitts
इति नवमोपदेशः ॥ ९ ॥

Shanti-Mantra am Schluss
ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवांसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥

Friedensruf am Schluss
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Schlussformel
॥ इति नारदपरिव्राजकोपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text in IAST

Eröffnungsvers
pārivrājyadharmapūgālaṅkārā yatprabodhataḥ |
daśapraṇavalakṣyārthaṃ yānti taṃ rāmamāśraye ||

Shanti-Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Merkvers zur Upanishadenliste
parivrāṭtriśikhī sītācūḍānirvāṇamaṇḍalam
dakṣiṇā śarabhaṃ skandaṃ mahānārāyaṇādvayam ||

Erster Abschnitt – Narada im Naimisha-Wald
atha kadācitparivrājakābharaṇo nāradaḥ sarvalokasaṃcāraṃ
kurvannapūrvapuṇyasthalāni puṇyatīrthāni tīrthīkurvannavalokya
cittaśuddhiṃ prāpya nirvairaḥ śānto dāntaḥ sarvato
nirvedamāsādya svarūpānusandhānamanusandhaya
niyamānandaviśeṣagaṇyaṃ munijanairupasaṃkīrṇaṃ
naimiṣāraṇyaṃ puṇyasthalamavalokya sarigamapadhanisasaṃjñairvairāgyabodhakaraiḥ svaraviśeṣaiḥ prāpañcikaparāṅmukhairharikathālāpaiḥ sthāvarajaṅgamanāmakairbhagavadbhaktiviśeṣairnaramṛgakiṃpuruṣāmarakiṃnaraapsarogaṇānsaṃmohayannāgataṃ brahmātmajaṃ bhagavadbhaktaṃ
nāradamavalokya dvādaśavarṣasatrayāgopasthitāḥ
śrutādhyayanasampannāḥ sarvajñāstaponiṣṭhāparāśca
jñānavairāgyasampannāḥ śaunakādimaharṣayaḥ
pratyutthānaṃ kṛtvā natvā yathocitātithyapūrvakamupaveśayitvā
svayaṃ sarve'pyupaviṣṭā bho bhagavanbrahmaputra kathaṃ
muktyupāyo'smākaṃ vaktavya ityuktastānsa hovāca nāradaḥ
satkulabhavopanītaḥ samyagupanayanapūrvakaṃ catuścatvāriṃśatsaṃskārasampannaḥ svābhimataikagurusamīpe svaśākhādhyayanapūrvakaṃ sarvavidyābhyāsaṃ kṛtvā dvādaśavarṣaśuśrūṣāpūrvakaṃ brahmacaryaṃ pañcaviṃśativatsaraṃ gārhasthyaṃ
pañcaviṃśativatsaraṃ vānaprasthāśramaṃ tadvidhivatkramānnirvartya
caturvidhabrahmacaryaṃ ṣaḍvidhaṃ gārhasthyaṃ caturvidhaṃ
vānaprasthadharmaṃ samyagabhyasya taducitaṃ karma sarvaṃ nirvartya
sādhanacatuṣṭayasampannaḥ sarvasaṃsāropari manovākkāyakarmabhiryathāśānivṛttastathā vāsanaiṣaṇoparyapi nirvairaḥ
śānto dāntaḥ saṃnyāsī paramahaṃsāśrameṇāskhalitasvasvarūpadhyānena dehatyāgaṃ karoti sa mukto bhavati sa mukto bhavatītyupaniṣat ||

Schluss des 1. Abschnitts
iti prathamopadeśaḥ || 1 ||

Zweiter Abschnitt – Die Vorbereitung auf Entsagung
atha hainaṃ bhagavantaṃ nāradaṃ sarve śaunakādayaḥ
papracchurbho bhagavansaṃnyāsavidhiṃ no brūhīti
tānavalokya nāradastatsvarūpaṃ sarvaṃ pitāmahamukhenaiva
jñātumucitamityuktvā satrayāgapūrtyanantaraṃ taiḥ saha
satyalokaṃ gatvā vidhivadbrahmaniṣṭhāparaṃ parameṣṭhinaṃ
natvā stutvā yathocitaṃ tadājñayā taiḥ sahopaviśya
nāradaḥ pitāmahamuvāca gurustvaṃ janakastvaṃ sarvavidyārahasajñaḥ sarvajñastvamato matto madiṣṭaṃ rahasyamekaṃ
vaktavyaṃ tvadvinā madabhimatarahasyaṃ vaktuṃ kaḥ samarthaḥ |
kimiticetpārivrājyasvarūpakramaṃ no brūhīti nāradena
prārthitaḥ parameṣṭhi sarvataḥ sarvānavalokya muhūrtamātraṃ
samādhiniṣṭho bhūtvā saṃsārātinivṛtyanveṣaṇa iti
niścitya nāradamavalokya tamāha pitāmahaḥ |
purā matputra puruṣasūktopaniṣadrahasyaprakāraṃ
niratiśayākārāvalambinā virāṭpuruṣeṇopadiṣṭaṃ rahasyaṃ
te vivicyocyate tatkramamatirahasyaṃ bāḍhamavahito bhūtvā
śrūyatāṃ bho nārada vidhivadādāvanupanītopanayānantaraṃ
tatsatkulaprasūtaḥ pitṛmātṛvidheyaḥ pitṛsamīpādanyatra
satsampradāyasthaṃ śraddhāvantaṃ satkulabhavaṃ śrotriyaṃ
śāstravātsalyaṃ guṇavantamakuṭilaṃ sadgurumāsādya natvā
yathopayogaśuśrūṣāpūrvakaṃ svābhimataṃ vijñāpya
dvādaśavarṣasevāpuraḥsaraṃ sarvavidyābhyāsaṃ kṛtvā
tadanujñayā svakulānurūpāmabhimatakanyāṃ vivāhya
pañcaviṃśativatsaraṃ gurukulavāsaṃ kṛtvātha gurvanujñayā
gṛhasthocitakarma kurvandaurbrāhmaṇyanivṛttimetya
svavaṃśavṛddhikāmaḥ putramekamāsādya gārhasthyocitapañcaviṃśativatsaraṃ tīrtvā tataḥ pañcaviṃśativatsaraparyantaṃ
triṣavaṇamudakasparśanapūrvakaṃ caturthakālamekavāramāhāramāharannayameka eva vanastho bhūtvā puragrāmaprāktanasañcāraṃ
vihāya nikāravirahitatadāśritakarmocitakṛtyaṃ nirvartya
dṛṣṭaśravaṇaviṣayavaitṛṣṇyametya catvāriṃśatsaṃskārasampannaḥ sarvato viraktaścittaśuddhimetyāśāsūyerṣyāhaṅkāraṃ
dagdhvā sādhanacatuṣṭayasampannaḥ saṃnyastumarhatītyupaniṣat ||

Schluss des 2. Abschnitts
iti dvitīyopadeśaḥ || 2 ||

Dritter Abschnitt – Voraussetzungen der Entsagung
atha hainaṃ nāradaḥ pitāmahaṃ papraccha bhagavankena
saṃnyāsādhikārī vetyevamādau saṃnyāsādhikāriṇaṃ
nirūpya paścātsaṃnyāsavidhirucyate avahitaḥ śṛṇu |
atha ṣaṇḍaḥ patito'ṅgavikalaḥ straiṇo badhiro'rbhako
mūkaḥ pāṣaṇḍaścakrī liṅgī vaikhānasaharadvijau
bhṛtakādhyāpakaḥ śipiviṣṭo'nagniko vairāgyavanto'pyete
na saṃnyāsārhāḥ saṃnyastā yadyapi mahāvākyopadeśena
adhikāriṇaḥ pūrvasaṃnyāsī paramahaṃsādhikārī ||

Vers 3.1
pareṇaivātmanaścāpi parasyaivātmanā tathā |
abhayaṃ samavāpnoti sa parivrāḍiti smṛtiḥ || 1 ||

Vers 3.2
ṣaṇḍo'tha vikalo'pyandho bālakaścāpi pātakī |
patitaśca paradvārī vaikhānasaharadvijau || 2 ||

Vers 3.3
cakrī liṅgī ca pāṣaṇḍī śipiviṣṭo'pyanagnikaḥ |
dvitrivāreṇa saṃnyasto bhṛtakādhyāpako'pi ca |
ete nārhanti saṃnyāsamātureṇa vinā kramam || 3 ||

Vers 3.4
āturakālaḥ kathamāryasaṃmataḥ ||-prāṇasyotkramaṇāsannakālastvāturasaṃjñakaḥ |
netarastvāturaḥ kālo muktimārgapravartakaḥ || 4 ||

Vers 3.5
āture'pi ca saṃnyāse tattanmantrapuraḥsaram |
mantrāvṛttiṃ ca kṛtvaiva saṃnyasedvidhivadbudhaḥ || 5 ||

Vers 3.6
āture'pi krame vāpi praiṣabhedo na kutracit |
na mantraṃ karmarahitaṃ karma mantramapekṣate || 6 ||

Vers 3.7
akarma mantrarahitaṃ nāto mantraṃ parityajet |
mantraṃ vinā karma kuryādbhasmanyāhutivadbhavet || 7 ||

Vers 3.8
vidhyuktakarmasaṃkṣepātsaṃnyāsastvāturaḥ smṛtaḥ |
tasmādāturasaṃnyāse mantrāvṛttividhirmune || 8 ||

Vers 3.9
āhitāgnirviraktaśceddeśāntaragato yadi |
prājāpatyeṣṭimapsveva nirvṛtyaivātha saṃnyaset || 9 ||

Vers 3.10
manasā vātha vidhyuktamantrāvṛttyāthavā jale |
śrutyanuṣṭhānamārgeṇa karmānuṣṭhānameva vā || 10 ||

Vers 3.11
samāpya saṃnyasedvidvānno cetpātityamāpnuyāt || 11 ||

Vers 3.12
yadā manasi sañjātaṃ vaitṛṣṇyaṃ sarvavastuṣu |
tadā saṃnyāsamiccheta patitaḥ syādviparyaye || 12 ||

Vers 3.13
viraktaḥ pravrajeddhīmānsaraktastu gṛhe vaset |
sarāgo narakaṃ yāti pravrajanhi dvijādhamaḥ || 13 ||

Vers 3.14
yasyaitāni suguptāni jihvopasthodaraṃ karaḥ |
saṃnyasedakṛtodvāho brāhmaṇo brahmacaryavān || 14 ||

Vers 3.15
saṃsārameva niḥsāraṃ dṛṣṭvā sāradidṛkṣayā |
pravrajantyakṛtodvāhāḥ paraṃ vairāgyamāśritāḥ || 15 ||

Vers 3.16
pravṛttilakṣaṇaṃ karma jñānaṃ saṃnyāsalakṣaṇam |
tasmājjñānaṃ puraskṛtya saṃnyasediha buddhivān || 16 ||

Vers 3.17
yadā tu viditaṃ tattvaṃ paraṃ brahma sanātanam |
tadaikadaṇḍaṃ saṃgṛhya sopavītāṃ śikhāṃ tyajet || 17 ||

Vers 3.18
paramātmani yo rakto virakto'paramātmani |
sarvaiṣaṇāvinirmuktaḥ sa bhaikṣaṃ bhoktumarhati || 18 ||

Vers 3.19
pūjito vanditaścaiva suprasanno yathā bhavet |
tathā cettāḍyamānastu tadā bhavati bhaikṣabhuk || 19 ||

Vers 3.20
ahamevākṣaraṃ brahma vāsudevākhyamadvayam |
iti bhāvo dhruvo yasya tadā bhavati bhaikṣabhuk || 20 ||

Vers 3.21
yasmiñśāntiḥ śamaḥ śaucaṃ satyaṃ santoṣa ārjavam |
akiñcanamadambhaśca sa kaivalyāśrame vaset || 21 ||

Vers 3.22
yadā na kurute bhāvaṃ sarvabhūteṣu pāpakam |
karmaṇā manasā vācā tadā bhavati bhaikṣabhuk || 22 ||

Vers 3.23
daśalakṣaṇakaṃ dharmamanutiṣṭhansamāhitaḥ |
vedāntānvidhivacchṛtvā saṃnyastedanṛṇo dvijaḥ || 23 ||

Vers 3.24
dhṛtiḥ kṣamā damo'steyaṃ śaucamindriyanigrahaḥ |
dhīrvidyā satyamakrodho daśakaṃ dharmalakṣaṇam || 24 ||

Vers 3.25
atītānna smaredbhogānna tathānāgatānapi |
prāptāṃśca nāminandedyaḥ sa kaivalyāśrame vaset || 25 ||

Vers 3.26
antasthānīndriyāṇyantarbahiṣṭhānviṣayānbahiḥ |
śaknoti yaḥ sadā kartuṃ sa kaivalyāśrame vaset || 26 ||

Vers 3.27
prāṇe gate yathā dehaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ na vindati |
tathā cetprāṇayukto'pi sa kaivalyāśrame vaset || 27 ||

Vers 3.28
kaupīnayugalaṃ kanthā daṇḍa ekaḥ parigrahaḥ |
yateḥ paramahaṃsasya nādhikaṃ tu vidhīyate || 28 ||

Vers 3.29
yadi vā kurute rāgādadhikasya parigraham |
rauravaṃ narakaṃ gatvā tiryagyoniṣu jāyate || 29 ||

Vers 3.30
viśīrṇānyamalānyeva celāni grathitāni tu |
kṛtvā kanthāṃ bahirvāso dhārayeddhāturañjitam || 30 ||

Vers 3.31
ekavāsā avāsā vā ekadṛṣṭiralolupaḥ |
eka eva carennityaṃ varṣāsvekatra saṃvaset || 31 ||

Vers 3.32
kuṭumbaṃ putradārāṃśca vedāṅgāni ca sarvaśaḥ |
yajñaṃ yajñopavītaṃ ca tyaktvā gūḍhaścarīdyatiḥ || 32 ||

Vers 3.33
kāmaḥ krodhastathā darpo lobhamohādayaśca ye |
tāṃstu doṣānparityajya parivrāṇnirmamo bhavet || 33 ||

Vers 3.34
rāgadveṣaviyuktātmā samaloṣṭāśmakāñcanaḥ |
prāṇihiṃsānivṛttaśca muniḥ syātsarvaniḥspṛhaḥ || 34 ||

Vers 3.35
dambhāhaṅkāranirmukto hiṃsāpaiśūnyavarjitaḥ |
ātmajñānaguṇopeto yatirmokṣamavāpnuyāt || 35 ||

Vers 3.36
indriyāṇāṃ prasaṅgena doṣamṛcchatyasaṃśayaḥ |
saṃniyamya tu tānyeva tataḥ siddhiṃ nigacchati || 36 ||

Vers 3.37
na jātu kāmaḥ kāmānāmupabhogena śāmyati |
haviṣā kṛṣṇavartmeva bhūya evābhivardhate || 37 ||

Vers 3.38
śrutvā spṛṣṭvā ca bhuktvā ca dṛṣṭvā ghrātvā ca yo naraḥ |
na hṛṣyati glāyati vā sa vijñeyo jitendriyaḥ || 38 ||

Vers 3.39
yasya vāṅmanasī śuddhe samyaggupte ca sarvadā |
sa vai sarvamavāpnoti vedāntopagataṃ phalam || 39 ||

Vers 3.40
saṃmānādbrāhmaṇo nityamudvijeta viṣādiva |
amṛtasyeva cākāṅkṣedavamānasya sarvadā || 40 ||

Vers 3.41
sukhaṃ hyavamataḥ śete sukhaṃ ca pratibudhyate |
sukhaṃ carati loke'sminnavamantā vinaśyati || 41 ||

Vers 3.42
ativādāṃstitikṣeta nāvamanyeta kañcana |
na cemaṃ dehamāśritya vairaṃ kurvīta kenacit || 42 ||

Vers 3.43
krudhyantaṃ na pratikrudhyedākruṣṭaḥ kuśalaṃ vadet |
saptadvārāvakīrṇāṃ ca na vācamanṛtāṃ vadet || 43 ||

Vers 3.44
adhyātmaratirāsīno nirapekṣo nirāśiṣaḥ |
ātmanaiva sahāyena sukhārthī vicarediha || 44 ||

Vers 3.45
indriyāṇāṃ nirodhena rāgadveṣakṣayeṇa ca |
ahiṃsayā ca bhūtānāmamṛtatvāya kalpate || 45 ||

Vers 3.46
asthisthūṇaṃ snāyubaddhaṃ māṃsaśoṇitalepitam |
carmāvabaddhaṃ durgandhi pūrṇaṃ mūtrapurīṣayoḥ || 46 ||

Vers 3.47
jarāśokasamāviṣṭaṃ rogāyatanamāturam |
rajasvalamanityaṃ ca bhūtāvāsaimaṃ tyajet || 47 ||

Vers 3.48
māṃsāsṛkpūyaviṇmūtrasnāyumajjāsthisaṃhatau |
dehe cetprītimānmūḍho bhavitā narake'pi saḥ || 48 ||

Vers 3.49
sā kālaputrapadavī sā māhāvīcivāgurā |
sāsipatravanaśreṇī yā dehe'hamiti sthitiḥ || 49 ||

Vers 3.50
sā tyājyā sarvayatnena sarvanāśe'pyupasthite |
spraṣṭavyā sā na bhavyena saśvamāṃseva pulkasī || 50 ||

Vers 3.51
priyeṣu sveṣu sukṛtamapriyeṣu ca duṣkṛtam |
visṛjya dhyānayogena brahmāpyeti sanātanam || 51 ||

Vers 3.52
anena vidhinā sarvāṃstyaktvā saṅgāñśanaiḥ śanaiḥ |
sarvadvandvairvinirmukto brahmaṇyevāvatiṣṭhate || 52 ||

Vers 3.53
eka eva carennityaṃ siddhyarthamasahāyakaḥ |
siddhimekasya paśyanhi na jahāti na hīyate || 53 ||

Vers 3.54
kapālaṃ vṛkṣamūlāni kucelānyasahāyatā |
samatā caiva sarvasminnaitanmuktasya lakṣaṇam || 54 ||

Vers 3.55
sarvabhūtahitaḥ śāntastridaṇḍī sakamaṇḍaluḥ |
ekārāmaḥ parivrajya bhikṣārthaṃ grāmamāviśet || 55 ||

Vers 3.56
eko bhikṣuryathoktaḥ syādvāveva mithunaṃ smṛtam |
trayo grāmaḥ samākhyāta ūrdhvaṃ tu nagarāyate || 56 ||

Vers 3.57
nagaraṃ na hi kartavyaṃ grāmo vā mithunaṃ tathā |
etattrayaṃ prakurvāṇaḥ svadharmāccyavate yatiḥ || 57 ||

Vers 3.58
rājavārtāditeṣāṃ syādbhikṣāvārtā parasparam |
snehapaiśūnyamātsaryaṃ saṃnikarṣānna saṃśayaḥ || 58 ||

Vers 3.59
ekākī niḥspṛhastiṣṭhena hi kena sahālapet |
dadyānnārāyaṇetyeva prativākyaṃ sadā yatiḥ || 59 ||

Vers 3.60
ekākī cintayedbrahma manovākkāyakarmabhiḥ |
mṛtyuṃ ca nābhinandeta jīvitaṃ vā kathaṃcana || 60 ||

Vers 3.61
kālameva pratīkṣeta yāvadāyuḥ samāpyate |
nābhinandeta maraṇaṃ nābhinandeta jīvitam || 61 ||

Vers 3.62
ajihvaḥ ṣaṇḍakaḥ paṅgurandho badhira eva ca |
mugdhaśca mucyate bhikṣuḥ ṣaḍbhiretairna saṃśayaḥ || 62 ||

Vers 3.63
idamiṣṭamidaṃ neti yo'śnannapi na sajjati |
hitaṃ satyaṃ mitaṃ vakti tamajihvaṃ pracakṣate || 63 ||

Vers 3.64
adyajātāṃ yathā nārīṃ tathā ṣoḍaśavārṣikīm |
śatavarṣaṃ ca yo dṛṣṭvā nirvikāraḥ sa ṣaṇḍakaḥ || 64 ||

Vers 3.65
bhikṣārthamaṭanaṃ yasya viṇmūtrakaraṇāya ca |
yojanānna paraṃ yāti sarvathā paṅgureva saḥ || 65 ||

Vers 3.66
tiṣṭhato vrajato vāpi yasya cakṣurna dūragam |
caturyugāṃ bhuvaṃ muktvā parivrāṭ so'ndha ucyate || 66 ||

Vers 3.67
hitāhitaṃ manorāmaṃ vacaḥ śokāvahaṃ tu yat |
śrutvāpi na śṛṇotīva badhiraḥ sa prakīrtitaḥ || 67 ||

Vers 3.68
sānnidhye viṣayāṇāṃ yaḥ samartho vikalendriyaḥ |
suptavadvartate nityaṃ sa bhikṣurmugdha ucyate || 68 ||

Vers 3.69
naṭādiprekṣaṇaṃ dyūtaṃ pramadāsuhṛdaṃ tathā |
bhakṣyaṃ bhojyamudakyāṃ ca ṣaṇna paśyetkadācana || 69 ||

Vers 3.70
rāgaṃ dveṣaṃ madaṃ māyāṃ drohaṃ mohaṃ parātmasu |
ṣaḍetāni yatirnityaṃ manasāpi na cintayet || 70 ||

Vers 3.71
mañcakaṃ śuklavastraṃ ca strīkathālaulyameva ca |
divā svāpaṃ ca yānaṃ ca yatīnāṃ pātakāni ṣaṭ || 71 ||

Vers 3.72
dūrayātrāṃ prayatnena varjayedātmacintakaḥ |
sadopaniṣadaṃ vidyāmabhyasenmuktihaitukīm || 72 ||

Vers 3.73
na tīrthasevī nityaṃ syānnopavāsaparo yatiḥ |
na cādhyayanaśīlaḥ syānna vyākhyānaparo bhavet || 73 ||

Vers 3.74
apāpamaśaṭhaṃ vṛttamajihmaṃ nityamācaret |
indriyāṇi samāhṛtya kūrmo'ṅgānīva sarvaśaḥ || 74 ||

Vers 3.75
kṣīṇendriyamanovṛttirnirāśīrniṣparigrahaḥ |
nirdvandvo nirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca || 75 ||

Vers 3.76
nirmamo nirahaṅkāro nirapekṣo nirāśiṣaḥ |
viviktadeśasaṃsakto mucyate nātra saṃśaya iti || 76 ||

Prosa nach Vers 3.76 – Unmittelbare Entsagung
apramattaḥ karmabhaktijñānasampannaḥ svatantro
vairāgyametya brahmacārī gṛhī vānaprastho vā
mukhyavṛttikā cedbrahmacaryaṃ samāpya gṛhī
bhavedgṛhādvanī bhūtvā pravrajedyadivetaratathā
brahmacaryādeva pravrajedgṛhādvā vanādvātha
punaravratī vā vratī vā snātako vā'snātako
votsannāgniranagniko vā yadahareva virajettadahareva
pravrajettaddhaike prājāpatyāmeveṣṭiṃ kurvanyathavā
na kuryādagneyyameva kuryādagnirhiprāṇaḥ prāṇamevaitayā
karoti tasmāttraidhātavīyāmeva kuryādetaiva trayo dhātavo
yaduta sattvaṃ rajastama iti ||

Prosa – Verinnerlichung des Opferfeuers
ayaṃ te yonirṛtviyo yato jāto arocathāḥ |
taṃ jānannagna ārohāthāno vardhayā rayimityanena
mantreṇāgnimājighredeśa vā agneryoniryaḥ prāṇaḥ
prāṇaṃ gaccha svāṃ yoniṃ gaccha
svāhetyevamevaitadāhavanīyādagnimāhṛtya
pūrvavadagnimājighredyadagniṃ na vindedapsu juhuyādāpo
vai sarvā devatāḥ sarvābhyo devatābhyo juhomi svāheti
hutvodhṛtya tadudakaṃ prāśnīyātsājyaṃ haviranāmayaṃ
modamiti śikhāṃ yajñopavītaṃ pitaraṃ putraṃ kalatraṃ karma
cādhyayanaṃ mantrāntaraṃ visṛjyaiva
parivrajatyātmavinmokṣamantraistraidhātavīyairvidhestadbrahma
tadupāsitavyamevaitaditi ||

Prosa – Die innere heilige Schnur
pitāmahaṃ punaḥ papraccha nāradaḥ kathamayajñopavītī
brāhmaṇa iti || tamāha pitāmahaḥ ||

Vers 3.77
saśikhaṃ vapanaṃ kṛtvā bahiḥsūtraṃ tyajedbudhaḥ |
yadakṣaraṃ paraṃ brahma tatsūtramiti dhārayet || 77 ||

Vers 3.78
sūcanātsūtramityāhuḥ sūtraṃ nāma paraṃ padam |
tatsūtraṃ viditaṃ yena sa vipro vedapāragaḥ || 78 ||

Vers 3.79
yena sarvamidaṃ protaṃ sūtre maṇigaṇā iva |
tatsūtraṃ dhārayedyogī yogavittattvadarśanaḥ || 79 ||

Vers 3.80
bahiḥsūtraṃ tyajedvidvānyogamuttamamāsthitaḥ |
brahmabhāvamidaṃ sūtraṃ dhārayedyaḥ sacetanaḥ |
dhāraṇāttasya sūtrasya nocchiṣṭo nāśucirbhavet || 80 ||

Vers 3.81
sūtramantargataṃ yeṣāṃ jñānayajñopavītinām |
te vai sūtravido loke te ca yajñopavītinaḥ || 81 ||

Vers 3.82
jñānaśikhino jñānaniṣṭhā jñānayajñopavītinaḥ |
jñānameva paraṃ teṣāṃ pavitraṃ jñānamucyate || 82 ||

Vers 3.83
agneriva śikhā nānyā yasya jñānamayī śikhā |
sa śikhītyucyate vidvānnetare keśadhāriṇaḥ || 83 ||

Vers 3.84
karmaṇyadhikṛtā ye tu vaidike brāhmaṇādayaḥ |
tebhirdhāryamidaṃ sūtraṃ kriyāṅgaṃ taddhi vai smṛtam || 84 ||

Vers 3.85
śikhā jñānamayī yasya upavītaṃ ca tanmayam |
brāhmaṇyaṃ sakalaṃ tasya iti brahmavido viduriti || 85 ||

Prosa – Der äußerlich unkenntliche Entsagende
tadetadvijñāya brāhmaṇaḥ parivrajya parivrāḍekaśāṭī
muṇḍo'parigrahaḥ śarīrakleśāsahiṣṇuścedathavā
yathāvidhiścejjātarūpadharo bhūtvā saputramitrakalatrāptabandhādvīni svādhyāyaṃ sarvakarmāṇi saṃnyasyāyaṃ
brahmāṇḍaṃ ca sarvaṃ kaupīnaṃ daṇḍamācchādanaṃ
ca tyaktvā dvandvasahiṣṇurna śītaṃ na coṣṇaṃ na sukhaṃ
na duḥkhaṃ na nidrā na mānāvamāne ca ṣaḍūrmivarjito nindāhaṅkāramatsaragarvadambherṣyāsūyecchādveṣasukhaduḥkhakāmakrodhalobhamohādīnvisṛjya svavapuḥ
śavākāramiva smṛtvā svavyatiriktaṃ sarvamantarbahiramanyamānaḥ
kasyāpi vandanamakṛtvā na namaskāro na svāhākāro
na svadhākāro na nindāstutiryādṛcchiko bhavedyadṛcchālābhasantuṣṭaḥ suvarṇādīnna parigrahennāvāhanaṃ na visarjanaṃ
na mantraṃ nāmantraṃ na dhyānaṃ nopāsanaṃ na lakṣyaṃ nālakṣyaṃ
na pṛthak nāpṛthak na tvanyatra sarvatrāniketaḥ sthiramatiḥ śūnyāgāravṛkṣamūladevagṛhatṛṇakūṭakulālaśālāgnihotraśālāgnidigantaranadītaṭapulinabhūgṛhakandaranirjharasthaṇḍileṣu vane vā śvetaketuṛbhunidāghaṛṣabhadurvāsaḥsaṃvartakadattātreyaraivatakavadavyaktaliṅgo'vyaktācāro bālonmattapiśācavadanunmattonmattavadācaraṃstridaṇḍaṃ śikyaṃ pātraṃ kamaṇḍaluṃ kaṭisūtraṃ ca tatsarvaṃ
bhūḥsvāhetyapsu parityajya kaṭisūtraṃ ca kaupīnaṃ daṇḍaṃ vastraṃ
kamaṇḍaluṃ sarvamapsu visṛjyātha jātarūpadharaścaredātmānamanvicchedyathā
jātarūpadharo nirdvandvo niṣparigrahastattvabrahmamārge samyak sampannaḥ
śuddhamānasaḥ prāṇasandhāraṇārthaṃ yathoktakāle karapātreṇānyena vā
yācitāhāramāharan lābhalābhe samo bhūtvā nirmamaḥ
śukladhyānaparāyaṇo'dhyātmaniṣṭhaḥ śubhāśubhakarmanirmūlanaparaḥ
saṃnyasya pūrṇānandaikabodhastadbrahmāhamasmīti
brahmapraṇavamanusmaranbhramarakīṭanyāyena śarīratrayamutsṛjya
saṃnyāsenaiva dehatyāgaṃ karoti sa kṛtakṛtyo bhavatītyupaniṣat ||

Schluss des 3. Abschnitts
iti tṛtīyopadeśaḥ || 3 ||

Vers 4.1
tyaktvā lokāṃśca vedāṃśca viṣayānindriyāṇi ca |
ātmanyeva sthito yastu sa yāti paramāṃ gatim || 1 ||

Vers 4.2
nāmagotrādivaraṇaṃ deśaṃ kālaṃ śrutaṃ kulam |
vayo vṛttaṃ vrataṃ śīlaṃ khyāpayennaiva sadyatiḥ || 2 ||

Vers 4.3
na sambhāṣetstriyaṃ kāñcitpūrvadṛṣṭāṃ ca na smaret |
kathāṃ ca varjayettāsāṃ na paśyellikhitāmapi || 3 ||

Vers 4.4
etaccatuṣṭayaṃ mohātstrīṇāmācarato yateḥ |
cittaṃ vikriyate'vaśyaṃ tadvikārātpraṇaśyati || 4 ||

Vers 4.5
tṛṣṇā krodho'nṛtaṃ māyā lobhamohau priyāpriye |
śilpaṃ vyākhyānayogaśca kāmo rāgaparigrahaḥ || 5 ||

Vers 4.6
ahaṅkāro mamatvaṃ ca cikitsā dharmasāhasam |
prāyaścittaṃ pravāsaśca mantrauṣadhagarāśiṣaḥ || 6 ||

Vers 4.7
pratiṣiddhāni caitāni sevamāno vrajedadhaḥ |
āgaccha gaccha tiṣṭheti svāgataṃ suhṛdo'pi vā || 7 ||

Vers 4.8
sanmānanaṃ ca na brūyānmunirmokṣaparāyaṇaḥ |
pratigrahaṃ na gṛhṇīyānnaiva cānyaṃ pradāpayet || 8 ||

Vers 4.9
prerayedvā tayā bhikṣuḥ svapne'pi na kadācana |
jāyābhrātṛsutādīnāṃ bandhūnāṃ ca śubhāśubham || 9 ||

Vers 4.10
śrutvā dṛṣṭvā na kampeta śokaharṣau tyajedyatiḥ |
ahiṃsāsatyamasteyabrahmacaryāparigrahaḥ || 10 ||

Vers 4.11
anauddhattyamadīnatvaṃ prasādaḥ sthairyamārjavam |
asneho guruśuśrūṣā śraddhā kṣāntirdamaḥ śamaḥ || 11 ||

Vers 4.12
upekṣā dhairyamādhurye titikṣā karuṇā tathā |
hrīstathā jñānavijñāne yogo laghvaśanaṃ dhṛtiḥ || 12 ||

Vers 4.13
eṣa svadharmo vikhyāto yatīnāṃ niyatātmanām |
nirdvandvo nityasattvasthaḥ sarvatra samadarśanaḥ || 13 ||

Vers 4.14
turīyaḥ paramo haṃsaḥ sākṣānnārāyaṇo yatiḥ |
ekarātraṃ vasedgrāme nagare pañcarātrakam || 14 ||

Vers 4.15
varṣābhyo'nyatra varṣāsu māsāṃśca caturo vaset |
dvirātraṃ vā vasedgrāme bhikṣuryadi vasettadā || 15 ||

Vers 4.16
rāgādayaḥ prasajyeraṃstenāsau nārakī bhavet |
grāmānte nirjane deśe niyatātmā'niketanaḥ || 16 ||

Vers 4.17
paryaṭetkīṭavadbhūmau varṣāsvekatra saṃvaset |
ekavāsā avāsā vā ekadṛṣṭiralolupaḥ || 17 ||

Vers 4.18
adūṣayansatāṃ mārgaṃ dhyānayukto mahīṃ caret |
śucau deśe sadā bhikṣuḥ svadharmamanupālayan || 18 ||

Vers 4.19
paryaṭeta sadā yogī vīkṣayanvasudhātalam |
na rātrau na ca madhyāhne sandhyayornaiva paryaṭan || 19 ||

Vers 4.20
na śūnye na ca durge vā prāṇibādhākare na ca |
ekarātraṃ vasedgrāme pattane tu dinatrayam || 20 ||

Vers 4.21
pure dinadvayaṃ bhikṣurnagare pañcarātrakam |
varṣāsvekatra tiṣṭheta sthāne puṇyajalāvṛte || 21 ||

Vers 4.22
ātmavatsarvabhūtāni paśyanbhikṣuścarenmahīm |
andhavatkuñjavaccaiva badhironmattamūkavat || 22 ||

Vers 4.23
snānaṃ triṣavaṇaṃ proktaṃ bahūdakavanasthayoḥ |
haṃse tu sakṛdeva syātparahaṃse na vidyate || 23 ||

Vers 4.24
maunaṃ yogāsanaṃ yogastitikṣaikāntaśīlatā |
niḥspṛhatvaṃ samatvaṃ ca saptaitānyaikadaṇḍinām || 24 ||

Vers 4.25
parahaṃsāśramastho hi snānāderavidhānataḥ |
aśeṣacittavṛttīnāṃ tyāgaṃ kevalamācaret || 25 ||

Vers 4.26
tvaṅmāṃsarudhirasnāyumajjāmedosthisaṃhatau |
viṇmūtrapūye ramatāṃ krimīṇāṃ kiyadantaram || 26 ||

Vers 4.27
kva śarīramaśeṣāṇāṃ śleṣmādīnāṃ mahācayaḥ |
kva cāṅgaśobhāsaubhāgyakamanīyādayo guṇāḥ || 27 ||

Vers 4.28
māṃsāsṛkpūyaviṇmūtrasnāyumajjāsthisaṃhatau |
dehe cetprītimānmūḍho bhavitā narake'pi saḥ || 28 ||

Vers 4.29
strīṇāmavācyadeśasya klinnanāḍīvraṇasya ca |
abhede'pi manobhedājjanaḥ prāyeṇa vañcyate || 29 ||

Vers 4.30
carmakhaṇḍaṃ dvidhā bhinnamapānodgāradhūpitam |
ye ramanti namastebhyaḥ sāhasaṃ kimataḥ param || 30 ||

Vers 4.31
na tasya vidyate kāryaṃ na liṅgaṃ vā vipaścitaḥ |
nirmamo nirbhayaḥ śānto nirdvandvo'varṇabhojanaḥ || 31 ||

Vers 4.32
muniḥ kaupīnavāsāḥ syānnagno vā dhyānatatparaḥ |
evaṃ jñānaparo yogī brahmabhūyāya kalpate || 32 ||

Vers 4.33
liṅge satyapi khalvasmiñjñānameva hi kāraṇam |
nirmokṣāyeha bhūtānāṃ liṅgagrāmo nirarthakaḥ || 33 ||

Vers 4.34
yanna santaṃ na cāsantaṃ nāśrutaṃ na bahuśrutam |
na suvṛttaṃ na durvṛttaṃ veda kaścitsa brāhmaṇaḥ || 34 ||

Vers 4.35
tasmādaliṅgo dharmajño brahmavṛttamanuvratam |
gūḍhadharmāśrito vidvānajñānacaritaṃ caret || 35 ||

Vers 4.36
sandigdhaḥ sarvabhūtānāṃ varṇāśramavivarjitaḥ |
andhavajjaḍavaccāpi mūkavacca mahīṃ caret || 36 ||

Vers 4.37
taṃ dṛṣṭvā śāntamanasaṃ spṛhayanti divaukasaḥ |
liṅgābhāvāttu kaivalyamiti brahmānuśāsanamiti || 37 ||

Abschnitt 4, Prosa – Die acht Shraddha-Riten
atha nāradaḥ pitāmahaṃ saṃnyāsavidhiṃ no brūhīti papraccha |
pitāmahastathetyaṅgīkṛtyāture vā krame vāpi
turīyāśramasvīkārārthaṃ kṛcchraprāyaścittapūrvakamaṣṭaśrāddhaṃ kuryāddevarṣidivyamanuṣyabhūtapitṛmātrātmetyaṣṭaśrāddhāni kuryāt |
prathamaṃ satyavasusaṃjñakānviśvāndevāndevaśrāddhe
brahmaviṣṇumaheśvarānṛṣiśrāddhe devarṣikṣatriyarṣimanuṣyarṣīn divyaśrāddhe vasurudrādityarūpānmanuṣyaśrāddhe sanakasanandanasanatkumārasanatsujātānbhūtaśrāddhe
mātṛpitāmahīprapitāmahīrātmaśrāddhe
ātmapitṛpitāmahāñjīvatpitṛkaścetpitaraṃ tyaktvā
ātmapitāmahaprapitāmahāniti sarvatra yugmaklṛptyā
brāhmaṇānarcayedekādhvarapakṣe'ṣṭādhvarapakṣe vā svaśākhānugatamantrairaṣṭaśrāddhānyaṣṭadineṣu vā
ekadine vā pitṛyāgoktavidhānena brāhmaṇānabhyarcya
muktyantaṃ yathāvidhi nirvartya piṇḍapradānāni nirvartya
dakṣiṇātāṃbūlaistoṣayitvā brāhmaṇanpreṣayitvā
śeṣakarmasiddhyarthaṃ saptakeśānvisṛjya

Abschnitt 4, zitierter Vers zur Haarrasur
--'śeṣakarmaprasiddhyarthaṃ keśānsaptāṣṭa vā dvijaḥ |
saṃkṣipya vāpayetpūrvaṃ keśaśmaśrunakhāni ce'ti

Abschnitt 4, Prosa – Nachtwache und Feueropfer
saptakeśānsaṃrakṣya kakṣopasthavarjaṃ kṣaurapūrvakaṃ
snātvā sāyaṃsandhyāvandanaṃ nirvartya sahasragāyatrīṃ
japtvā brahmayajñaṃ nirvartya svādhīnāgnimupasthāpya
svaśākhopasaṃharaṇaṃ kṛtvā taduktaprakāreṇājyāhutimājyabhāgāntaṃ hutvāhutividhiṃ samāpyātmādibhistrivāraṃ
saktuprāśanaṃ kṛtvācamanapūrvakamagniṃ saṃrakṣya
svayamagneruttarataḥ kṛṣṇajinopari sthitvā purāṇaśravaṇapūrvakaṃ
jāgaraṇaṃ kṛtvā caturthayāmānte snātvā tadagnau caruṃ
śrapayitvā puruṣasūktenānnasya ṣoḍaśāhutirhutvā
virajāhomaṃ kṛtvā athācamya sadakṣiṇaṃ vastraṃ suvarṇapātraṃ
dhenuṃ datvā samāpya brahmodvāsanaṃ kṛtvā |

Abschnitt 4, Mantra der Besprengung
saṃmāsiñcantu marutaḥ samindraḥ saṃbṛhaspatiḥ |
saṃmāyamagniḥ siñcatvāyuṣā ca dhanena ca
balena cāyuṣmantaḥ karotu meti |

Abschnitt 4, Mantra zur Aufnahme des Feuers und Fortsetzung
yā te agne yajñiyā tanūstayehyārohātmātmānam |
acchā vasūni kṛṇvannasme naryā purūṇi |
yajño bhūtvā yajñamāsīda svāṃ yoniṃ jātavedo bhuva
ājāyamānaḥ sa kṣaya edhītyanenāgnimātmanyāropya
dhyātvāgniṃ pradakṣiṇanamaskārapūrvakamudvāsya
prātaḥsandhyāmupāsya sahasragāyatrīpūrvakaṃ
sūryopasthānaṃ kṛtvā nābhidaghnodakamupaviśya
aṣṭadikpālakārghyapūrvakaṃ gāyatryudvāsanaṃ
kṛtvā sāvitrīṃ vyāhṛtiṣu praveśayitvā |

Abschnitt 4, Trishankus Vedaausspruch
ahaṃ vṛkṣasya rerivā | kīrtiḥ pṛṣṭhaṃ gireriva |
ūrdhvapavitro vājinīvasvamṛtamasmi |
draviṇaṃ me savarcasaṃ sumedhā amṛtokṣitaḥ |
iti triśaṅkorvedānuvacanam |

Abschnitt 4, Gebet um Einsicht
yaśchandasāmṛṣabho viśvarūpaḥ | chandobhyodhyamṛtātsaṃbabhūva |
sa mendro medhayā spṛṇotu | amṛtasya devadhāraṇo bhūyāsam |
śarīraṃ me vicarṣaṇam | jihvā me madhumattamā |
karṇābhyāṃ bhūri viśravam | brahmaṇaḥ kośo'si medhayāpihitaḥ |
śrutaṃ me gopāya |

Abschnitt 4, Entsagungsformel und Ablegen der Haarlocke
dāreṣaṇāyāśca vitteṣaṇāyāśca
lokeṣaṇāyāśca vyutthito'haṃ oṃ bhūḥ saṃnyastaṃ mayā
oṃ bhuvaḥ saṃnyastaṃ mayā oṃ suvaḥ saṃnyastaṃ mayā
oṃ bhūrbhuvaḥsuvaḥ saṃnyastaṃ mayeti mandramadhyamatālajadhvanibhirmanasā vācoccāryābhayaṃ sarvabhūtebhyo
mattaḥ sarvaṃ pravartate svahetyanena jalaṃ prāśya prācyāṃ diśi
pūrṇāñjaliṃ prakṣipyoṃsvāheti śikhāmutpāṭhya |

Abschnitt 4, Mantra der heiligen Schnur
yajñopavītaṃ paramaṃ pavitraṃ prajāpateryatsahajaṃ purastāt |
āyuṣyamagryaṃ pratimuñcya śubhraṃ yajñopavītaṃ balamastu tejaḥ |

Abschnitt 4, Prosa – Ablegen der Schnur und Entsagung des Wissenden
yajñopavīta bahirna nivasettvamantaḥ praviśya madhye hyajasraṃ
paramaṃ pavitraṃ yaśo balaṃ jñānavairāgyaṃ medhāṃ prayaccheti
yajñopavītaṃ chittvā udakāñjalinā saha oṃ bhūḥ samudraṃ gaccha
svāhetyapsu juhuyādoṃ bhūḥ saṃnyastaṃ mayā oṃ bhuvaḥ saṃnyastaṃ mayā
oṃ suvaḥ saṃnyastaṃ mayeti triruktvā trivāramabhimantrya tajjalaṃ
prāśyācamya oṃ bhūḥ svāhetyapsu vastraṃ kaṭisūtramapi visṛjya
sarvakarmanirvartako'hamiti smṛtvā jātarūpadharo bhūtvā
svarūpānusandhānapūrvakamūrdhvabāhurudīcīṃ
gacchetpūrvavadvidvatsaṃnyāsī cedguroḥ sakāśātpraṇavamahāvākyopadeśaṃ prāpya yathāsukhaṃ viharanmattaḥ kaścinnānyo
vyatirikta iti phalapatrodakāhāraḥ parvatavanadevālayeṣu
saṃcaretsaṃnyasyātha digaṃbaraḥ sakalasaṃcārakaḥ
sarvadānandasvānubhavaikapūrṇahṛdayaḥ karmātidūralābhaḥ
prāṇāyāmaparāyaṇaḥ phalarasatvakpatramūlodakairmokṣārthī
girikandareṣu visṛjeddehaṃ smaraṃstārakam |

Abschnitt 4, Prosa – Entsagung des Erkenntnissuchenden
vividiṣāsaṃnyāsī cecchatapathaṃ gatvācāryādibhirvipraistiṣṭha tiṣṭha mahābhāga daṇḍaṃ vastraṃ kamaṇḍaluṃ gṛhāṇa praṇava mahāvākyagrahaṇārthaṃ
gurunikaṭamāgacchetyācāryairdaṇḍakaṭisūtrakaupīnaṃ
śāṭīmekāṃ kamaṇḍaluṃ pādādimastakapramāṇamavraṇaṃ
samaṃ saumyamakākapṛṣṭhaṃ salakṣaṇaṃ vaiṇavaṃ
daṇḍamekamācamanapūrvakaṃ sakhā mā gopāyaujaḥ
sakhāyo'sīndrasya vajro'si vārtragnaḥ śarma me bhava
yatpāpaṃ tannivārayeti daṇḍaṃ parigrahejjagajjīvanaṃ
jīvanādhārabhūtaṃ mā te mā mantrayasva sarvadā
sarvasaumyeti praṇavapūrvakaṃ kamaṇḍaluṃ parigrahya
kaupīnādhāraṃ kaṭisūtramomiti guhyācchādakaṃ
kaupīnamomiti śītavātoṣṇatrāṇakaraṃ dehaikarakṣaṇamomiti
kaṭisūtrakaupīnavastramācamanapūrvakaṃ yogapaṭṭābhiṣikto
bhūtvā kṛtārtho'hamiti matvā svāśramācāraparo bhavedityupaniṣat ||

Schluss des 4. Abschnitts
iti caturthopadeśaḥ || 4 ||

Abschnitt 5, Prosa – Warum es verschiedene Regeln gibt
atha hainaṃ pitāmahaṃ nāradaḥ papraccha
bhagavansarvakarmanivartakaḥ saṃnyāsa iti tvayaivoktaḥ
punaḥ svāśramācāraparo bhavedityucyate |
tataḥ pitāmaha uvāca |
śarīrasya dehino jāgratsvapnasuṣuptiturīyāvasthāḥ
santi tadadhīnāḥ karmajñānavairāgyapravartakāḥ
puruṣā jantavastadanukūlācārāḥ santi tathaiva
cedbhagavansaṃnyāsāḥ katibhedāstadanuṣṭhānabhedāḥ
kīdṛśāstattvato'smākaṃ vaktumarhasīti |
tathetyaṅgīkṛtya tu pitāmahena saṃnyāsabhedairācārabhedaḥ
kathamiti cettattvatastveka eva saṃnyāsaḥ ajñānenāśaktivaśātkarmalopaśca traividhyametya vairāgyasaṃnyāso
jñānavairāgyasaṃnyāsaḥ karmasaṃnyāsaśceti
cāturvidhyamupāgatastadyatheti duṣṭamadanābhācceti
viṣayavaitṛṣṇyametya prākpuṇyakarmavaśātsaṃnyastaḥ
sa vairāgyasaṃnyāsī śāstrajñānātpāpapuṇyalokānubhavaśravaṇātprapañcoparataḥ krodherṣyāsūyāhaṅkārābhimānātmakasarvasaṃsāraṃ nirvṛtya dāreṣaṇādhaneṣaṇālokeṣaṇātmakadehavāsanāṃ śāstravāsanāṃ lokavāsanāṃ
tyaktvā vamanānnamiva prakṛtīyaṃ sarvamidaṃ heyaṃ matvā
sādhanacatuṣṭayasampanno yaḥ saṃnyasati sa eva jñānasaṃnyāsī |

Abschnitt 5, Prosa – Erkenntnis und rituelle Reihenfolge
krameṇa sarvamabhyasya sarvamanubhūya jñānavairāgyābhyāṃ
svarūpānusandhānena dehamātrāvaśiṣṭaḥ saṃnyasya
jātarūpadharo bhavati sa jñānavairāgyasaṃnyāsī |
brahmacaryaṃ samāpya gṛhī bhūtvā vānaprasthāśramametya
vairāgyabhāve'pyāśramakramānusāreṇa yaḥ
saṃnyasyati sa karmasaṃnyāsī |

Abschnitt 5, Prosa – Entsagung mit und ohne Anlass
brahmacaryeṇa saṃnyasya saṃnyāsājjātarūpadharo
vairāgyasaṃnyāsī |
vidvatsaṃnyāsī jñānasaṃnyāsī vividiṣāsaṃnyāsī
karmasaṃnyāsī |
karmasaṃnyāso'pi dvividhaḥ nimittasaṃnyāso'nimittasaṃnyāsaśceti |
nimittastvāturaḥ | animittaḥ kramasaṃnyāsaḥ |
āturaḥ sarvakarmalopaḥ prāṇasyotkramaṇakālasaṃnyāsaḥ
sa nimittasaṃnyāsaḥ |

Abschnitt 5, Prosa – Einsicht in Vergänglichkeit
dṛḍhāṅgo bhūtvā sarvaṃ kṛtakaṃ naśvaramiti dehādikaṃ
sarvaṃ heyaṃ prāpya |

Abschnitt 5, zitierter Hamsa-Vers
haṃsaḥ śuciṣadvasurantarikṣasaddhotā vediṣadatidhirduroṇasat |
nṛṣadvarasadṛtasadvyomasadabjā gojā ṛtajā adrijā ṛtaṃ bṛhat |

Abschnitt 5, Prosa – Entsagung ohne besonderen Anlass
brahmavyatiriktaṃ sarvaṃ naśvaramiti niścityātho krameṇa yaḥ saṃnyasyati
sa saṃnyāso'nimittasaṃnyāsaḥ |

Abschnitt 5, Prosa – Sechs Gestalten des Entsagenden
saṃnyāsaḥ ṣaḍvidho bhavati |
kuṭīcako bahūdako haṃsaḥ paramahaṃsaḥ turīyātīto'vadhūtaśceti |

Abschnitt 5, Prosa – Merkmale der sechs Gestalten
kuṭīcakaḥ śikhāyajñopavītī daṇḍakamaṇḍaludharaḥ kaupīnakanthādharaḥ
pitṛmātṛgurvārādhanaparaḥ piṭharakhanitraśikyādimantrasādhanapara
ekatrānnādanaparaḥ śvetordhvapuṇḍradhārī tridaṇḍaḥ |
bahūdakaḥ śikhādikanthādharastripuṇḍradhārī kuṭīcakavatsarvasamo
madhukaravṛttyāṣṭakavalāśī haṃso jaṭādhārī tripuṇḍrordhvapuṇḍradhārī
asaṃklṛptamādhukarānnāśī kaupīnakhaṇḍatuṇḍadhārī |
paramahaṃsaḥ śikhāyajñopavītarahitaḥ pañcagṛheśvekarātrānnādanaparaḥ
karapātrī ekakaupīnadhārī śāṭīmekāmekaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamekaśāṭīdharo
vā bhasmoddhūlanaparaḥ sarvatyāgī |
turīyātīto gomukhaḥ phalāhārī | annāhārī cedgṛhatraye dehamātrāvaśiṣṭo
digaṃbaraḥ kuṇapavaccharīravṛttikaḥ |
avadhūtastvaniyamo'bhiśastapatitavarjanapūrvakaṃ sarvavarṇeṣvajagaravṛttyāhāraparaḥ svarūpānusandhānaparaḥ |

Abschnitt 5, Prosa – Regeln für die letzten drei Gestalten
āturo jīvati cetkramasaṃnyāsaḥ kartavyaḥ
kuṭīcakabahūdakahaṃsānāṃ brahmacaryāśramāditurīyāśramavat kuṭīcakādīnāṃ
saṃnyāsavidhiḥ |
paramahaṃsāditrayāṇāṃ na kaṭīsūtraṃ na kaupīnaṃ
na vastraṃ na kamaṇḍalurna daṇḍaḥ sārvavarṇaikabhaikṣāṭanaparatvaṃ jātarūpadharatvaṃ vidhiḥ |

Abschnitt 5, Prosa – Ende des gelehrten Betriebs
saṃnyāsakāle'pyalaṃbuddhiparyantamadhītya
tadanantaraṃ kaṭīsūtraṃ kaupīnaṃ daṇḍaṃ vastraṃ
kamaṇḍaluṃ sarvamapsu visṛjyātha jātarūpadharaścarenna
kanthāveśo nādhyetavyo na śrotavyamanyatkiñcitpraṇavādanyaṃ
na tarkaṃ paṭhenna śabdamapi bṛhacchabdānnādhyāpayenna
mahadvācoviglāpanaṃ girā pāṇyādinā saṃbhāṣaṇaṃ
nānyasmādvā viśeṣeṇa na śūdrastrīpatitodakyāsaṃbhāṣaṇaṃ
na yaterdevapūjā notsavadarśanaṃ tīrthayātrāvṛttiḥ |

Abschnitt 5, Prosa – Nochmals die Arten des Almosengangs
punaryativiśeṣaḥ |
kuṭīcasyaikatra bhikṣā bahūdakasyāsaṃklṛptaṃ
mādhukaraṃ haṃsasyāṣṭagṛheṣvaṣṭakavalaṃ
paramahaṃsasya pañcagṛheṣu karapātraṃ
phalāhāro gomukhaṃ turīyātītasyāvadhūtasyājagaravṛttiḥ

Abschnitt 5, Prosa – Rang und Handlungen
sārvavarṇikeṣu yatirnaikarātraṃ vasenna kasyāpi
nametturīyātītāvadhūtayorna jyeṣṭho yo na svarūpajñaḥ
sa jyeṣṭho'pi kaniṣṭho hastābhyāṃ nadyuttaraṇaṃ
na kuryānna vṛkṣamārohenna yānādirūḍho na
krayavikrayaparo na kiñcidvinimayaparo na dāmbhiko
nānṛtavādī na yateḥ kiṃcitkartavyamastyasticetsāṃkaryam |
tasmānmananādau saṃnyāsināmadhikāraḥ |

Abschnitt 5, Prosa – Ziele der sechs Lebensweisen
āturakuṭīcakayorbhūrloko bahūdakasya
svargaloko haṃsasya tapolokaḥ paramahaṃsasya
satyalokasturīyātītāvadhūtayoḥ svātmanyeva
kaivalyaṃ svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyavat |

Abschnitt 5, zitierter Vers über die letzte Erinnerung
yaṃ yaṃ vāpi smaranbhāvaṃ tyajatyante kalevaram |
taṃ tameva samāpnoti nānyathā śrutiśāsanam |

Abschnitt 5, Prosa – Verhalten und Bewusstseinszustände
tadevaṃ jñātvā svarūpānusandhānaṃ vinānyathācāraparo
na bhavettadācāravaśāttattallokaprāptirjñānavairāgyasampannasya svasminneva muktiriti na sarvatrācāraprasaktistadācāraḥ | jāgratsvapnasuṣupteṣvekaśarīrasya jāgratkāle
viśvaḥ svapnakāle taijasaḥ suṣuptikāle prājñaḥ
avasthābhedādavastheśvarabhedaḥ kāryabhedātkāraṇabhedastāsu
caturdaśakāraṇānāṃ bāhyavṛttayo'ntarvṛttayasteṣāmupādānakāraṇam |
vṛttayaścatvāraḥ manobuddhirahaṅkāraścittaṃ ceti |
tattadvṛttivyāpārabhedena pṛthagācārabhedaḥ |

Abschnitt 5, zitierter Vers über die Orte der Zustände
netrasthaṃ jāgaritaṃ vidyātkaṇṭhe svapnaṃ samāviśat |
suṣuptaṃ hṛdayasthaṃ tu turīyaṃ mūrdhni saṃsthitam |

Abschnitt 5, Prosa – Freiheit schon im Leben
turīyamakṣaramiti jñātvā jāgarite suṣuptyavasthāpanna
iva yadyacchṛtaṃ yadyadṛṣṭaṃ tatsatsarvamavijñātamiva
yo vasettasya svapnāvasthāyāmapi tādṛgavasthā bhavati |
sa jīvanmukta iti vadanti | sarvaśrutyarthapratipādanamapi tasyaiva
muktiriti | bhikṣurnaihikāmuṣmikāpekṣaḥ | yadyapekṣāsti
tadanurūpo bhavati | svarūpānusandhānavyatiriktānyaśāstrābhyāsairuṣṭrakuṅkumabhāravadvyartho na yogaśāstrapravṛttirna sāṅkhyaśāstrābhyāso na mantratantravyāpāraḥ |
itaraśāstrapravṛttiryaterasti cecchavālaṅkāravaccarmakāravadatividūrakarmācāravidyādūro na praṇavakīrtanaparo yadyatkarma
karoti tattatphalamanubhavati eraṇḍatailaphenavadataḥ sarvaṃ parityajya
tatprasaktaṃ manodaṇḍaṃ karapātraṃ digambaraṃ dṛṣṭvā
parivrajedbhikṣuḥ | bālonmattapiśācavanmaraṇaṃ jīvitaṃ vā na
kāṅkṣeta kālameva pratīkṣeta nirdeśabhṛtakanyāyena parivrāḍiti |

Abschnitt 5, Vers 5.1
titikṣājñānavairāgyaśamādiguṇavarjitaḥ |
bhikṣāmātreṇa jīvi syātsa yatiryativṛttihā || 1 ||

Vers 5.2
na daṇḍadhāraṇena na muṇḍanena na veṣeṇa na dambhācāreṇa
muktiḥ | jñānadaṇḍo dhṛto yena ekadaṇḍī sa ucyate |
kāṣṭhadaṇḍo dhṛto yena sarvāśī jñānavarjitaḥ |
sa yāti narakānghorānmahārauravasaṃjñitān || 2 ||

Vers 5.3
pratiṣṭhā sūkarīviṣṭhāsamā gītā maharṣibhiḥ |
tasmādenāṃ parityajya kīṭavatparyaṭedyatiḥ || 3 ||

Vers 5.4
ayācitaṃ yathālābhaṃ bhojanācchādanaṃ bhavet |
parecchayā ca digvāsāḥ snānaṃ kuryātparecchayā || 4 ||

Vers 5.5
svapne'pi yo yuktaḥ syājjāgratīva viśeṣataḥ |
īdṛkceṣṭaḥ smṛtaḥ śreṣṭho variṣṭho brahmavādinām || 5 ||

Vers 5.6
alābhe na viṣādī syāllābhe caiva na harṣayet |
prāṇayātrikamātraḥ syānmātrāsaṅgādvinirgataḥ || 6 ||

Vers 5.7
abhipūjitalābhāṃśca jugupsetaiva sarvaśaḥ |
abhipūjitalābhaistu yatirmukto'pi badhyate || 7 ||

Vers 5.8
prāṇayātrānimittaṃ ca vyaṅgāre bhuktavajjane |
kāle praśaste varṇānāṃ bhikṣārthaṃ paryaṭedgṛhān || 8 ||

Vers 5.9
pāṇipātraścaranyogī nāsakṛdbhaikṣamācaret |
tiṣṭhanbhuñjyāccaranbhuñjyānmadhyenācamanaṃ tathā || 9 ||

Vers 5.10
abdhivaddhṛtamaryādā bhavanti viśādāśayāḥ |
niyatiṃ na vimuñcanti mahānto bhāskarā eva || 10 ||

Vers 5.11
āsyena tu yadāhāraṃ govanmṛgayate muniḥ |
tadā samaḥ syātsarveṣu so'mṛtatvāya kalpate || 11 ||

Vers 5.12
anindyaṃ vai vrajangehaṃ nindyaṃ gehaṃ tu varjayet |
anāvṛte viśeddvāri gehe naivāvṛte vrajet || 12 ||

Vers 5.13
pāṃsunā ca praticchannaśūnyāgārapratiśrayaḥ |
vṛkṣamūlaniketo vā tyaktasarvapriyāpriyaḥ || 13 ||

Vers 5.14
yatrāstamitaśāyī syānniragniraniketanaḥ |
yathālabdhopajīvī syānmunirdānto jitendriyaḥ || 14 ||

Vers 5.15
niṣkramya vanamāsthāya jñānayajño jitendriyaḥ |
kālakāṅkṣī caranneva brahmabhūyāya kalpate || 15 ||

Vers 5.16
abhayaṃ sarvabhūtebhyo dattvā carati yo muniḥ |
na tasya sarvabhūtebhyo bhayamutpadyate kvacit || 16 ||

Vers 5.17
nirmānaścānahaṅkāro nirdvandvaśchinnasaṃśayaḥ |
naiva krudhyati na dveṣṭi nānṛtaṃ bhāṣate girā || 17 ||

Vers 5.18
puṇyāyatanacārī ca bhūtānāmavihiṃsakaḥ |
kāle prāpte bhavadbhaikṣaṃ kalpyate brahmabhūyase || 18 ||

Vers 5.19
vānaprasthagṛhasthābhyāṃ na saṃsṛjyeta karhicit |
ajñātacaryāṃ lipseta na cainaṃ harṣa āviśet || 19 ||

Vers 5.20
adhvā sūryeṇa nirdiṣṭaḥ kīṭavadvicarenmahīm |
āśīryuktāni karmāṇi hiṃsāyuktāni yāni ca || 20 ||

Vers 5.21
lokasaṃgrahayuktāni naiva kuryānna kārayet |
nāsacchātreṣu sajjeta nopajīveta jīvikām |
ativādāṃstyajettarkānpakṣaṃ kañcana nāśrayet || 21 ||

Vers 5.22
na śiṣyānanubadhnīta granthānnaivābhyasedbahūn |
na vyākhyāmupayuñjīta nārambhānārabhetkvacit || 22 ||

Vers 5.23
avyaktaliṅgo'vyaktārtho munirunmattabālavat |
kavirmūkavadātmānaṃ taddṛṣṭyā darśayennṛṇām || 23 ||

Vers 5.24
na kuryānna vadetkiñcinna dhyāyetsādhvasādhu vā |
ātmārāmo'nayā vṛttyā vicarejjaḍavanmuniḥ || 24 ||

Vers 5.25
ekaścarenmahīmetāṃ niḥsaṅgaḥ saṃyatendriyaḥ |
ātmakrīḍa ātmaratirātmavānsamadarśanaḥ || 25 ||

Vers 5.26
budho bālakavatkrīḍetkuśalo jaḍavaccaret |
vadedunmattavadvidvān gocaryāṃ naigamaścaret || 26 ||

Vers 5.27
kṣipto'vamānito'sadbhiḥ pralabdho'sūyito'pi vā |
tāḍitaḥ saṃniruddho vā vṛttyā vā parihāpitaḥ || 27 ||

Vers 5.28
viṣṭhito mūtrito vājñairbahudhaivaṃ prakampitaḥ |
śreyaskāmaḥ kṛcchragata ātmanātmānamuddharet || 28 ||

Vers 5.29
saṃmānanaṃ parāṃ hāniṃ yogarddheḥ kurute yataḥ |
janenāvamato yogī yogasiddhiṃ ca vindati || 29 ||

Vers 5.30
tathā careta vai yogī satāṃ dharmamadūṣayan |
janā yathāvamanyerangaccheyurnaiva saṅgatim || 30 ||

Vers 5.31
jarāyujāṇḍajādīnāṃ vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ |
yuktaḥ kurvīta na drohaṃ sarvasaṅgāṃśca varjayet || 31 ||

Vers 5.32
kāmakrodhau tathā darpalobhamohādayaśca ye |
tāṃstu doṣānparityajya parivrāḍ bhayavarjitaḥ || 32 ||

Vers 5.33
bhaikṣāśanaṃ ca maunitvaṃ tapo dhyānaṃ viśeṣataḥ |
samyagjñānaṃ ca vairāgyaṃ dharmo'yaṃ bhikṣuke mataḥ || 33 ||

Vers 5.34
kāṣāyavāsāḥ satataṃ dhyānayogaparāyaṇaḥ |
grāmānte vṛkṣamūle vā vaseddevālaye'pi vā || 34 ||

Vers 5.35
bhaikṣeṇa vartayennityaṃ naikānnāśī bhavetkvacit |
cittaśuddhirbhavedyāvattāvannityaṃ caretsudhīḥ || 35 ||

Vers 5.36
tataḥ pravrajya śuddhātmā saṃcaredyatra kutracit |
bahirantaśca sarvatra sampaśyanhi janārdanam || 36 ||

Vers 5.37
sarvatra vicarenmaunī vāyuvadvītakalmaṣaḥ |
samaduḥkhasukhaḥ kṣānto hastaprāptaṃ ca bhakṣayet || 37 ||

Vers 5.38
nirvaireṇa samaṃ paśyandvijagośvamṛgādiṣu |
bhāvayanmanasā viṣṇuṃ paramātmānamīśvaram || 38 ||

Abschnitt 5, Schlussvers und Prosa
cinmayaṃ paramānandaṃ brahmaivāhamiti smaran |
jñātvaivaṃ manodaṇḍaṃ dhṛtvā āśānivṛtto bhūtvā
āśāmbaradharo bhūtvā sarvadā manovākkāyakarmabhiḥ
sarvasaṃsāramutsṛjya prapañcāvāṅmukhaḥ
svarūpānusandhānena bhramarakīṭanyāyena mukto
bhavatītyupaniṣat ||

Schluss des 5. Abschnitts
iti pañcamopadeśaḥ || 5 ||

Abschnitt 6, Prosa – Die Gestalt der Erkenntnispraxis
atha nāradaḥ pitāmahamuvāca |
bhagavan tadabhyāsavaśāt bhramakīṭanyāyavattadabhyāsaḥ kathamiti |
tamāha pitāmahaḥ |
satyavāgjñānavairāgyābhyāṃ viśiṣṭadehāvaśiṣṭo
vaset | jñānaṃ śarīraṃ vairāgyaṃ jīvanaṃ viddhi
śāntidāntī netre manomukhaṃ buddhiḥ kalā
pañcaviṃśatitattvānyavayava avasthā
pañcamahābhūtāni karma bhaktijñānavairāgyaṃ śākhā
jāgratsvapnasuṣuptiturīyāścaturdaśakaraṇāni
paṅkastambhākārāṇīti |

Abschnitt 6, Prosa – Das Bekenntnis zu Brahman
evamapi nāvamatipaṅkaṃ karṇadhāra
iva yanteva gajaṃ svabuddhyā vaśīkṛtya svavyatiriktaṃ sarvaṃ
kṛtakaṃ naśvaramiti matvā viraktaḥ puruṣaḥ sarvadā
brahmāhamiti vyavaharennānyatkiñcidveditavyaṃ svavyatirekeṇa |
jīvanmukto vasetkṛtakṛtyo bhavati |

Abschnitt 6, Prosa – Die Zustände ineinander
na nāhaṃ brahmeti
vyavaharetkintu brahmāhamasmītyajasraṃ jāgratsvapnasuṣuptiṣu |
turīyāvasthāṃ prāpya turīyātītatvaṃ vrajeddivā jāgrannaktaṃ
svapnaṃ suṣuptamardharātraṃ gatamityekāvasthāyāṃ
catasro'vasthāstvekaikakaraṇādhīnānāṃ caturdaśakaraṇānāṃ vyāpāraścakṣurādīnām |

Abschnitt 6, Prosa – Funktionen der Sinne
cakṣuṣo rūpagrahaṇaṃ śrotrayoḥ śabdagrahaṇaṃ
jihvāyā rasāsvādanaṃ ghrāṇasya gandhagrahaṇaṃ
vacaso vāgvyāpāraḥ pāṇerādānaṃ pādayoḥ saṃcāraḥ
pāyorutsarga upasthasyānandagrahaṇaṃ tvacaḥ sparśagrahaṇam |
tadadhīnā ca viṣayagrahaṇabuddhiḥ buddhyā buddhyati
cittena cetayatyahaṅkāreṇāhaṅkaroti | visṛjya jīva
etāndehābhimānena jīvo bhavati | gṛhābhimānena gṛhastha
iva śarīre jīvaḥ saṃcarati |

Abschnitt 6, Prosa – Der innere Lotus
prāgdale puṇyāvṛttirāgneyāṃ
nidrālasyau dakṣiṇāyāṃ krauryabuddhirnairṛtyāṃ pāpabuddhiḥ
paścime krīḍāratirvāyavyāṃ gamane buddhiruttare śāntirīśānye
jñānaṃ karṇikāyāṃ vairāgyaṃ kesareṣvātmacintā ityevaṃ
vaktraṃ jñātvā jīvadavasthāṃ prathamaṃ jāgraddvitīyaṃ
svapnaṃ tṛtīyaṃ suṣuptaṃ caturthaṃ turīyaṃ caturbhirvirahitaṃ
turīyātītam | viśvataijasaprājñataṭasthabhedaireka eva eko devaḥ
sākṣī nirguṇaśca tadbrahmāhamiti vyāharet |

Abschnitt 6, Prosa – Der eine Zeuge
no cejjāgradavasthāyāṃ jāgradādicatasro'vasthāḥ svapne
svapnādicatasro'vasthāḥ suṣupte suṣuptyādicatasro'vasthāḥ
turīye turīyādicatasro'vasthāḥ natvevaṃ turīyātītasya nirguṇasya |
sthūlasūkṣmakāraṇarūpairviśvataijasaprājñeśvaraiḥ
sarvāvasthāsu sākṣī tveka evāvatiṣṭhate |

Abschnitt 6, Prosa – Körperidentifikation und Atemmantra
uta taṭastho draṣṭā
taṭastho na draṣṭā draṣṭṛtvānna draṣṭaiva kartṛtvabhoktṛtva
ahaṅkārādibhiḥ spṛṣṭo jīvaḥ jīvetaro na spṛṣṭaḥ | jīvo'pi
na spṛṣṭa iti cenna | jīvābhimānena kṣetrābhimānaḥ |
śarīrābhimānena jīvatvam | jīvatvaṃ ghaṭākāśamahākāśavadvyavadhāne'sti | vyavadhānavaśādeva haṃsaḥ so'hamiti
mantreṇocchvāsaniḥśvāsavyapadeśenānusandhānaṃ karoti |
evaṃ vijñāya śarīrābhimānaṃ tyajenna śarīrābhimānī bhavati |
sa eva brahmetyucyate|

Abschnitt 6, Vers 6.1
tyaktasaṅgo jitakrodho laghvāhāro jitendriyaḥ |
pidhāya buddhyā dvārāṇi mano dhyāne niveśayet || 1 ||

Vers 6.2
śūnyeṣvevāvakāśeṣu guhāsu ca vaneṣu ca |
nityayuktaḥ sadā yogī dhyānaṃ samyagupakramet || 2 ||

Vers 6.3
ātithyaśrāddhayajñeṣu devayātrotsaveṣu ca |
mahājaneṣu siddhyarthī na gacchedyogavitkvacit || 3 ||

Vers 6.4
yathainamavamanyante janāḥ paribhavanti ca |
tathā yuktaścedyogī satāṃ vartma na dūṣayet || 4 ||

Vers 6.5
vāgdaṇḍaḥ karmadaṇḍaśca manodaṇḍaśca te trayaḥ |
yasyaite niyatā daṇḍāḥ sa tridaṇḍī mahāyatiḥ || 5 ||

Vers 6.6
vidhūme ca praśāntāgnau yastu mādhukarīṃ caret |
gṛhe ca vipramukhyānāṃ yatiḥ sarvottamaḥ smṛtaḥ || 6 ||

Vers 6.7
daṇḍabhikṣāṃ ca yaḥ kuryātsvadharme vyasanaṃ vinā |
yastiṣṭhati na vairāgyaṃ yāti nīcayatirhi saḥ || 7 ||

Vers 6.8
yasmingṛhe viśeṣeṇa labhedbhikṣāṃ ca vāsanāt |
tatra no yāti yo bhūyaḥ sa yatirnetaraḥ smṛtaḥ || 8 ||

Vers 6.9
yaḥ śarīrendriyādibhyo vihīnaṃ sarvasākṣiṇam |
pāramārthika vijñānaṃ sukhātmānaṃ svayaṃprabham || 9 ||

Vers 6.10
paratattvaṃ vijānāti so'tivarṇāśramī bhavet |
varṇāśramādayo dehe māyayā parikalpitāḥ || 10 ||

Vers 6.11
nātmano bodharūpasya mama te santi sarvadā |
iti yo veda vedāntaiḥ so'tivarṇāśramī bhavet || 11 ||

Vers 6.12
yasya varṇāśramācāro galitaḥ svātmadarśanāt |
sa varṇānāśramānsarvānatītya svātmani sthitaḥ || 12 ||

Vers 6.13
yo'tītya svāśramānvarṇānātmanyeva sthitaḥ pumān |
so'tivarṇāśramī proktaḥ sarvavedārthavedibhiḥ || 13 ||

Vers 6.14
tasmādanyagatā varṇā āśramā api nārada |
ātmanyāropitāḥ sarve bhrāntyā tenātmavedinā || 14 ||

Vers 6.15
na vidhirna niṣedhaśca varjyāvarjya kalpanā |
brahmavijñānināmasti tathā nānyacca nārada || 15 ||

Vers 6.16
virajya sarvabhūtebhya āviriñcipadādapi |
ghṛṇāṃ vipāṭhya sarvasminputramitrādikeṣvapi || 16 ||

Vers 6.17
śraddhālurmuktimārgeṣu vedāntajñānalipsayā |
upāyanakaro bhūtvā guruṃ brahmavidaṃ vrajet || 17 ||

Vers 6.18
sevābhiḥ paritoṣyainaṃ cirakālaṃ samāhitaḥ |
sadā vedāntavākyārthaṃ śṛṇuyātsusamāhitaḥ || 18 ||

Vers 6.19
nirmamo nirahaṅkāraḥ sarvasaṅgavivarjitaḥ |
sadā śāntyādiyuktaḥ sannātmavānātmānamīkṣate || 19 ||

Vers 6.20
saṃsāradoṣadṛṣṭyaiva viraktirjāyate sadā |
viraktasya tu saṃsārātsaṃnyāsaḥ syānna saṃśayaḥ || 20 ||

Vers 6.21
mumukṣuḥ parahaṃsākhyaḥ sākṣānmokṣaikasādhanam |
abhyasedbrahmavijñānaṃ vedāntaśravaṇādinā || 21 ||

Vers 6.22
brahmavijñānalābhāya parahaṃsa samāhvayaḥ |
śāntidāntyādibhiḥ sarvaiḥ sādhanaiḥ sahito bhavet || 22 ||

Vers 6.23
vedāntābhyāsanirataḥ śānto dānto jitendriyaḥ |
nirbhayo nirmamo nityo nirdvandvo niṣparigrahaḥ || 23 ||

Vers 6.24
jīrṇakaupīnavāsāḥ syānmuṇḍī nagno'thavā bhavet |
prājño vedāntavidyogī nirmamo nirahaṅkṛtiḥ || 24 ||

Vers 6.25
mitrādiṣu samo maitraḥ samasteṣveva jantuṣu |
eko jñānī praśāntātmā sa santarati netaraḥ || 25 ||

Vers 6.26
gurūṇāṃ ca hite yuktastatra saṃvatsaraṃ vaset |
niyameṣvapramāttastu yameṣu ca sadābhavet || 26 ||

Vers 6.27
prāpya cānte tataścaiva jñānayogamanuttamam |
avirodhena dharmasya saṃcaretpṛthivīmimām || 27 ||

Vers 6.28
tataḥ saṃvatsarasyānte jñānayogamanuttamam |
āśramatrayamutsṛjya prāptaśca paramāśramam || 28 ||

Vers 6.29
anujñāpya gurūṃścaiva careddhi pṛthivīmimām |
tyaktasaṅgo jitakrodho laghvāhāro jitendriyaḥ || 29 ||

Vers 6.30
dvāvimau na virajyete viparītena karmaṇā |
nirārambho gṛhasthaśca kāryavāṃścaiva bhikṣukaḥ || 30 ||

Vers 6.31
mādyati pramadāṃ dṛṣṭvā surāṃ pītvā ca mādyati |
tasmāddṛṣṭiviṣaṃ nārīṃ dūrataḥ parivarjayet || 31 ||

Vers 6.32
saṃbhāṣaṇaṃ saha strībhirālāpaḥ prekṣaṇaṃ tathā |
nṛttaṃ gānaṃ sahāsaṃ ca parivādāṃśca varjayet || 32 ||

Vers 6.33
na snānaṃ na japaḥ pūjā na homo naiva sādhanam |
nāgnikāryādikāryaṃ ca naitasyāstīha nārada || 33 ||

Vers 6.34
nārcanaṃ pitṛkāryaṃ ca tīrthayātrā vratāni ca |
dharmādharmādikaṃ nāsti na vidhirlaukikī kriyā || 34 ||

Vers 6.35
santyajetsarvakarmāṇi lokācāraṃ ca sarvaśaḥ |
kṛmīkīṭapataṅgāśca tathā yogī vanaspatīn || 35 ||

Vers 6.36
na nāśayedbudho jīvanparamārthamatiryatiḥ |
nityamantarmukhaḥ svacchaḥ praśāntātmā svapūrṇadhīḥ || 36 ||

Vers 6.37
antaḥsaṅgaparityāgī loke vihara nārada |
nārājake janapade caratyekacaro muniḥ || 37 ||

Abschnitt 6, unnummerierter Schlussvers
niḥstutirnirnamaskāro niḥsvadhākāra eva ca |
calācalaniketaśca yatiryādṛcchiko bhavedityupaniṣat ||

Schluss des 6. Abschnitts
iti ṣaṣṭhopadeśaḥ || 6 ||

Abschnitt 7, Prosa – Loslösung und Wanderleben
atha yaterniyamaḥ kathamiti pṛṣṭaṃ nāradaṃ pitāmahaḥ
puraskṛtya viraktaḥ sanyo varṣāsu dhruvaśīlo'ṣṭau
māsyekākī carannekatra nivasedbhikṣurbhayātsāraṅgavadekatra
na tiṣṭhesvagamananirodhagrahaṇaṃ na kuryāddhastābhyāṃ
nadyuttaraṇaṃ na kuryānna vṛkṣārohaṇamapi na
devotsavadarśanaṃ kuryānnaikatrāśī na bāhyadevārcanaṃ
kuryātsvavyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā madhukaravṛttyāhāramahārankṛśo
bhūtvā medovṛddhimakurvannājyaṃ rudhiramiva tyajedekatrānnaṃ
palalamiva gandhalepanamaśuddhilepanamaiva kṣāramantyajamiva
vastramucchiṣṭapātramivābhyaṅgaṃ strīsaṅgamiva
mitrāhlādakaṃ mūtramiva spṛhāṃ gomāṃsamiva jñātacaradeśaṃ
caṇḍālavāṭikāmiva striyamahimiva suvarṇaṃ kālakūṭamiva
sabhāsthalaṃ smaśānasthalamiva rājadhānīṃ kumbhīpākamiva
śavapiṇḍavadekatrānnaṃ na dehāntaradarśanaṃ prapañcavṛttiṃ
parityajya svadeśamutsṛjya jñātacaradeśaṃ vihāya
vismṛtapadārthaṃ punaḥ prāptaharṣa iva svamānandamanusmaransvaśarīrābhimānadeśavismaraṇaṃ matvā śavamiva heyamupagamya
kārāgṛhavinirmuktacoravatputrāptabandhubhavasthalaṃ
vihāya dūrato vaset |

Abschnitt 7, Prosa – Leben bis zum Ende des Körpers
ayatnena prāptamāharanbrahmapraṇavadhyānānusandhānaparo
bhūtvā sarvakarmanirmuktaḥ kāmakrodhalobhamohamadamātsaryādikaṃ dagdhvā triguṇātītaḥ ṣaḍūrmirahitaḥ
ṣaḍbhāvavikāraśūnyaḥ | satyavākchuciradrohī grāma
ekarātraṃ pattane pañcarātraṃ kṣetre pañcarātraṃ tīrthe
pañcarātramaniketaḥ sthiramatirnānṛtavādī girikandareṣu
vasedeka eva dvau vā caret grāmaṃ tribhirnagaraṃ caturbhirgrāmamityekaścaret | bhikṣuścaturdaśakaraṇānāṃ
na tatrāvakāśaṃ dadyādavicchinnajñānādvairāgyasampattimanubhūya matto na kaścinnānyo vyatirikta ityātmanyālocya
sarvataḥ svarūpameva paśyañjīvanmuktimavāpya prārabdhapratibhāsanāśaparyantaṃ caturvidhaṃ svarūpaṃ jñātvā
dehapatanaparyantaṃ svarūpānusandhānena vaset |

Abschnitt 7, Prosa – Badeformen
triṣavaṇasnānaṃ kuṭīcakasya bahūdakasya dvivāraṃ
haṃsasyaikavāraṃ paramahaṃsasya mānasasnānaṃ
turīyātītasya bhasmasnānamavadhūtasya vāyavyasnānaṃ

Abschnitt 7, Prosa – Stirnzeichen
ūrdhvapuṇḍraṃ kuṭīcakasya tripuṇḍraṃ bahūdakasya
ūrdhvapuṇḍraṃ tripuṇḍraṃ haṃsasya bhasmoddhūlanaṃ
paramahaṃsasya turīyātītasya tilakapuṇḍramavadhūtasya na
kiñcit |

Abschnitt 7, Prosa – Rasurvorschriften
turīyātītāvadhūtayoḥ ṛtukṣauraṃ kuṭīcakasya
ṛtudvayakṣauraṃ bahūdakasya na kṣauraṃ haṃsasya
paramahaṃsasya ca na kṣauram | asticedayanakṣauram |
turīyātītāvadhūtayoḥ na kṣauram |

Abschnitt 7, Prosa – Nahrung
kuṭīcakasyaikānnaṃ
mādhukaraṃ bahūdakasya haṃsaparamahaṃsayoḥ karapātraṃ
turīyātītasya gomukhaṃ avadhūtasyājagaravṛttiḥ |

Abschnitt 7, Prosa – Kleidung
śāṭidvayaṃ
kuṭīcakasya bahūdakasyaikaśāṭī haṃsasya khaṇḍaṃ
digaṃbaraṃ paramahaṃsasya ekakaupīnaṃ vā turīyātītāvadhūtayorjātarūpadharatvaṃ haṃsaparamahaṃsayorajinaṃ na tvanyeṣām |

Abschnitt 7, Prosa – Formen der Verehrung
kuṭīcakabahūdakayordevārcanaṃ haṃsaparamahaṃsayormānasārcanaṃ turīyātītāvadhūtayoḥ sohaṃbhāvanā |

Abschnitt 7, Prosa – Befähigung und Unterweisung
kuṭīcakabahūdakayormantrajapādhikāro haṃsaparamahaṃsayordhyānādhikārasturīyātītāvadhūtayorna tvanyādhikārasturīyātītāvadhūtayormahāvākyopadeśādhikāraḥ
paramahaṃsasyāpi | kuṭīcakabahūdakahaṃsānāṃ
nānyasyopadeśādhikāraḥ|

Abschnitt 7, Prosa – Drei Arten des Pranava
kuṭīcakabahūdakayormānuṣapraṇavaḥ
haṃsaparamahaṃsayorāntarapraṇavaḥ turīyātītāvadhūtayorbrahmapraṇavaḥ |

Abschnitt 7, Prosa – Hören, Nachdenken und Versenkung
kuṭīcakabahūdakayoḥ śravaṇaṃ haṃsaparamahaṃsayormananaṃ
turīyātītāvadhūtayornididhyāsaḥ | sarveṣāmātmanusandhānaṃ
vidhirityeva mumukṣuḥ sarvadā saṃsāratārakaṃ tārakamanusmarañjīvanmukto vasedadhikāraviśeṣeṇa kaivalyaprāptyupāyamanviṣyedyatirityupaniṣat ||

Schluss des 7. Abschnitts
iti saptamopadeśaḥ || 7 ||

Abschnitt 8, Prosa – Die Entfaltungen des Pranava
atha hainaṃ bhagavantaṃ parameṣṭhinaṃ nāradaḥ
papraccha saṃsāratārakaṃ prasanno brūhīti |
tatheti parameṣṭhī vaktumucakrame omiti brahmeti
vyaṣṭisamaṣṭiprakāreṇa | kā vyaṣṭiḥ kā
samaṣṭiḥ saṃhārapraṇavaḥ sṛṣṭipraṇavaścāntarbahiścobhayātmakatvāttrividho
brahmapraṇavaḥ | antaḥpraṇavo vyāvahārikapraṇavaḥ |
bāhyapraṇava ārṣapraṇavaḥ | ubhayātmako
virāṭpraṇavaḥ | saṃhārapraṇavo brahmapraṇava
ardhamātrāpraṇavaḥ | omitibrahma | omityekākṣaramantaḥpraṇavaṃ viddhi | sacāṣṭadhā bhidyate |
akārokāramakārārdhamātrānādabindukalāśaktiśceti |
tatra catvāra akāraścāyutāvayavānvita ukāraḥ
sahasrāvayavānvito makāraḥ śatāvayavopeto'rdhamātrāpraṇavo'nantāvayavākāraḥ | saguṇo virāṭpraṇavaḥ saṃhāro
nirguṇapraṇava ubhayātmakotpattipraṇavo yathāpluto
virāṭplutaḥ plutasaṃhāro virāṭpraṇavaḥ ṣoḍaśamātrātmakaḥ
ṣaṭtriṃśattattvātītaḥ | ṣoḍaśamātrātmakatvaṃ
kathamityucyate | akāraḥ prathamokāro dvitīyā makārastṛtīyārdhamātrā caturthī nādaḥ pañcamī binduḥ
ṣaṣṭhī kalā saptamī kalātītāṣṭamī śāntirnavamī
śāntyatītā daśamī unmanyekādaśī manonmanī dvādaśī
purī trayodaśī madhyamā caturdaśī paśyantī pañcadaśī
parā | ṣoḍaśī punaścatuḥṣaṣṭimātrā prakṛtipuruṣadvaividhyamāsādyāṣṭāviṃśatyuttarabhedamātrāsvarūpamāsādya saguṇanirguṇatvamupetyaiko'pi brahmapraṇavaḥ

Vers 8.1
sarvādhāraḥ paraṃjyotireṣa sarveśvaro vibhuḥ | sarvadevamayaḥ
sarvaprapañcādhāragarbhitaḥ || 1 ||

Vers 8.2
sarvākṣaramayaḥ kālaḥ sarvāgamamayaḥ śivaḥ |
sarvaśrutyuttamo mṛgyaḥ sakalopaniṣanmayaḥ || 2 ||

Vers 8.3
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyadyattrikāloditamavyayam |
tadapyoṅkāramevāyaṃ viddhi mokṣapradāyakam || 3 ||

Vers 8.4
tamevātmānamityetadbrahmaśabdena varṇitam |
tadekamamṛtamajaramanubhūya tathomiti || 4 ||

Vers 8.5
saśarīraṃ samāropya tanmayatvaṃ tathomiti |
triśarīraṃ tamātmānaṃ paraṃbrahma viniścinu || 5 ||

Vers 8.6
paraṃbrahmānusandadhyādviśvādīnāṃ kramaḥ kramāt |
sthūlatvātsthūlabhuktvācca sūkṣmatvātsūkṣmabhuk param || 6 ||

Vers 8.7
aikatvānandabhogācca so'yamātmā caturvidhaḥ |
catuṣpājjāgaritaḥ sthūlaḥ sthūlaprajño hi viśvabhuk || 7 ||

Vers 8.8
ekonaviṃśatimukhaḥ sāṣṭāṅgaḥ sarvagaḥ prabhu |
sthūlabhuk caturātmātha viśvo vaiśvānaraḥ pumān || 8 ||

Vers 8.9
viśvajitprathamaḥ pādaḥ svapnasthānagataḥ prabhuḥ |
sūkṣmaprajñaḥ svato'ṣṭāṅga eko nānyaḥ paraṃtapa || 9 ||

Vers 8.10
sūkṣmabhuk caturātmātha taijaso bhūtarāḍayam |
hiraṇyagarbhaḥ sthūlo'ntardvitīyaḥ pāda ucyate || 10 ||

Vers 8.11
kāmaṃ kāmayate yāvadyatra supto na kañcana |
svapnaṃ paśyati naivātra tatsuṣuptamapi sphuṭam || 11 ||

Vers 8.12
ekībhūtaḥ suṣuptasthaḥ prajñānaghanavānsukhī |
nityānandamayo'pyātmā sarvajīvāntarasthitaḥ || 12 ||

Vers 8.13
tathāpyānandabhuk cetomukhaḥ sarvagato'vyayaḥ |
caturātmeśvaraḥ prājñastṛtīyaḥ pādasaṃjñitaḥ || 13 ||

Vers 8.14
eṣa sarveśvaraścaiṣa sarvajñaḥ sūkṣmabhāvanaḥ |
eṣo'ntaryāmyeṣa yoniḥ sarvasya prabhavāpyayau || 14 ||

Vers 8.15
bhūtānāṃ trayamapyetatsarvoparamabādhakam |
tatsuṣuptaṃ hi yatsvapnaṃ māyāmātraṃ prakīrtitam || 15 ||

Vers 8.16
caturthaścaturātmāpi saccidekaraso hyayam |
turīyāvasitattvācca ekaikatvanusārataḥ || 16 ||

Vers 8.17
jñātānujñātrananujñātṛvikalpajñānasādhanam |
vikalpatrayamatrāpi suṣuptaṃ svapnamāntaram || 17 ||

Vers 8.18
māyāmātraṃ viditvaivaṃ saccidekaraso hyayam |
vibhakto hyayamādeśo na sthūlaprajñamanvaham || 18 ||

Vers 8.19
na sūkṣmaprajñamatyantaṃ na prajñaṃ na kvacinmune |
naivāprajñaṃ nobhayataḥprajñaṃ na prajñamāntaram || 19 ||

Abschnitt 8, unnummerierter Schluss und Prosa
nāprajñamapi na prajñāghanaṃ cādṛṣṭameva ca |
tadalakṣaṇamagrāhyaṃ yadvyavahāryamacintyamavyapadeśyamekātmapratyayasāraṃ prapañcopaśamaṃ
śivaṃ śāntamadvaitaṃ caturthaṃ manyante sa brahma
praṇavaḥ sa vijñeyo nāparasturīyaḥ sarvatra
bhānuvanmumukṣūṇāmādhāraḥ svayaṃjyotirbrahmākāśaḥ
sarvadā virājate paraṃbrahmatvādityupaniṣat ||

Schluss des 8. Abschnitts
iti aṣṭamopadeśaḥ || 8 ||

Abschnitt 9, Prosa – Die Natur Brahmans
atha brahmasvarūpaṃ kathamiti nāradaḥ papraccha |
taṃ hovāca pitāmahaḥ kiṃ brahmasvarūpamiti |
anyosāvanyohamasmīti ye viduste paśavo na svabhāvapaśavastamevaṃ jñātvā vidvānmṛtyumukhātpramucyate
nānyaḥ panthā vidyate'yanāya |

Vers 9.1
kālaḥ svabhāvo niyatiryadṛcchā
bhūtāni yoniḥ puruṣa iti cintyam |
saṃyoga eṣāṃ natvātmabhāvādātmā hyanīśaḥ sukhaduḥkhahetoḥ || 1 ||

Vers 9.2
te dhyānayogānugatā apaśyan
devātmaśaktiṃ svaguṇairnigūḍhām |
yaḥ kāraṇāni nikhilāni tāni
kālātmayuktānyadhitiṣṭhatyekaḥ || 2 ||

Vers 9.3
tamekasmiṃstrivṛtaṃ ṣoḍaśāntaṃ
śatārdhāraṃ viṃśatipratyarābhiḥ |
aṣṭakaiḥ ṣaḍbhirviśvarūpaikapāśaṃ
trimārgabhedaṃ dvinimittaikamoham || 3 ||

Vers 9.4
pañcasrotombuṃ pañcayonyugravaktrāṃ
pañcaprāṇormiṃ pañcabuddhyādimūlām |
pañcāvartāṃ pañcaduḥkhaughavegāṃ
pañcāśadbhedāṃ pañcaparvāmadhīmaḥ || 4 ||

Vers 9.5
sarvājīve sarvasaṃsthe bṛhante
tasminhaṃso bhrāmyate brahmacakre |
pṛthagātmānaṃ preritāraṃ ca matvā
juṣṭastatastenāmṛtatvameti || 5 ||

Vers 9.6
udgīthametatparamaṃ tu brahma
tasmiṃstrayaṃ svapratiṣṭhākṣaraṃ ca |
atrāntaraṃ vedavido viditvā
līnāḥ pare brahmaṇi tatparāyaṇāḥ || 6 ||

Vers 9.7
saṃyuktametatkṣaramakṣaraṃ ca
vyaktāvyaktaṃ bharate viśvamīśaḥ |
anīśaścātmā badhyate bhoktṛbhāvājjñātvā devaṃ mucyate sarvapāśaiḥ || 7 ||

Vers 9.8
jñājñau dvāvajāvīśanīśāvajā
hyekā bhoktṛbhogārthayuktā |
anantaścātmā viśvarūpo hyakartā
trayaṃ yadā vindate brahmametat || 8 ||

Vers 9.9
kṣaraṃ pradhānamamṛtākṣaraṃ haraḥ
kṣarātmānāvīśate deva ekaḥ |
tasyābhidhyānādyojanāttattvabhāvādbhūyaścānte viśvamāyānivṛttiḥ || 9 ||

Vers 9.10
jñātvā devaṃ mucyate sarvapāśaiḥ
kṣīṇaiḥ kleśairjanmamṛtyuprahāṇiḥ |
tasyābhidhyānāttṛtīyaṃ dehabhede
viśvaiśvaryaṃ kevala ātmakāmaḥ || 10 ||

Vers 9.11
etajjñeyaṃ nityamevātmasaṃsthaṃ
nātaḥ paraṃ veditavyaṃ hi kiñcit |
bhoktā bhogyaṃ preritāraṃ ca matvā
sarvaṃ proktaṃ trividhaṃ brahmametat || 11 ||

Vers 9.12
ātmavidyā tapomūlaṃ tadbrahmopaniṣatparam |
ya evaṃ viditvā svarūpamevānucintayaṃstatra ko mohaḥ kaḥ śoka ekatvamanupaśyataḥ || 12 ||

Vers 9.13
tasmādvirāḍbhūtaṃ bhavyaṃ
bhaviṣyadbhavatyanaśvarasvarūpam |
aṇoraṇīyānmahato mahīyānātmāsya jantornihito guhāyām |
tamakratuṃ paśyati vītaśoko
dhātuḥprasādānmahimānamīśam || 13 ||

Vers 9.14
apāṇipādo javano grahītā
paśyatyacakṣuḥ sa śṛṇotyakarṇaḥ |
sa vetti vedyaṃ na ca tasyāsti vettā
tamāhuragryaṃ puruṣaṃ mahāntam || 14 ||

Vers 9.15
aśarīraṃ śarīreṣvanavastheśvavasthitam |
mahāntaṃ vibhumātmānaṃ matvā dhīro na śocati || 15 ||

Vers 9.16
sarvasya dhātāramacintyaśaktiṃ
sarvāgamāntārthaviśeṣavedyam |
parātparaṃ paramaṃ veditavyaṃ
sarvāvasāne sakṛdveditavyam || 16 ||

Vers 9.17a
kaviṃ purāṇaṃ puruṣottamottamaṃ
sarveśvaraṃ sarvadevairupāsyam |
anādi madhyāntamanantamavyayaṃ
śivācyutāmbhoruhagarbhabhūdharam || 17 ||

Vers 9.17b
svenāvṛtaṃ sarvamidaṃ prapañcaṃ
pañcātmakaṃ pañcasu vartamānam |
pañcīkṛtānantabhavaprapañcaṃ
pañcīkṛtasvāvayavairasaṃvṛtam |
parātparaṃ yanmahato mahāntaṃ
svarūpatejomayaśāśvataṃ śivam || 17 ||

Vers 9.18
nāvirato duścaritānnāśānto nāsamāhitaḥ |
nāśāntamanaso vāpi prajñānenainamāpnuyāt || 18 ||

Abschnitt 9, Schlussprosa – Absolute Freiheit
nāntaḥprajñaṃ na bahiḥprajñaṃ na sthūlaṃ nāsthūlaṃ
na jñānaṃ nājñānaṃ nobhayataḥprajñamagrāhyamavyavahāryaṃ svāntaḥsthitaḥ svayameveti ya evaṃ veda
sa mukto bhavati sa mukto bhavatītyāha bhagavānpitāmahaḥ |
svasvarūpajñaḥ parivrāṭ parivrāḍekākī carati
bhayatrastasāraṅgavattiṣṭhati | gamanavirodhaṃ na karoti |
svaśarīravyatiriktaṃ sarvaṃ tyaktvā ṣaṭpadavṛttyā sthitvā
svarūpānusandhānaṃ kurvansarvamananyabuddhyā
svasminneva mukto bhavati | sa parivrāṭ sarvakriyākārakanivartako
guruśiṣyaśāstrādivinirmuktaḥ sarvasaṃsāraṃ visṛjya
cāmohitaḥ parivrāṭ kathaṃ nirdhanikaḥ sukhī dhanavāñjñānājñānobhayātītaḥ sukhaduḥkhātītaḥ
svayaṃjyotiprakāśaḥ sarvavedyaḥ sarvajñaḥ sarvasiddhidaḥ
sarveśvaraḥ so'hamiti | tadviṣṇoḥ paramaṃ padaṃ yatra
gatvā na nivartante yoginaḥ | sūryo na tatra bhāti
na śaśāṅko'pi na sa punarāvartate na sa punarāvartate
tatkaivalyamityupaniṣat ||

Schluss des 9. Abschnitts
iti navamopadeśaḥ || 9 ||

Shanti-Mantra am Schluss
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Friedensruf am Schluss
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Schlussformel
|| iti nāradaparivrājakopaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Eröffnungsvers

Ich nehme Zuflucht zu Rama, durch dessen Erkenntnis die mit der Fülle der Entsagungsregeln Geschmückten zur gemeinten Wirklichkeit des zehnfachen Pranava gelangen.

Shanti-Mantra

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Merkvers zur Upanishadenliste

[Genannt werden:] Parivrajaka, Trishikhi, Sita, Chuda, Nirvana, Mandala, Dakshina, Sharabha, Skanda und die nichtduale Mahanarayana.

Erster Abschnitt – Narada im Naimisha-Wald

Einst durchwanderte Narada, der Schmuck der Wanderasketen, alle Welten. Er besuchte bisher ungesehene heilige Orte und Wallfahrtsstätten und heiligte sie selbst. Nachdem er Reinheit des Geistes erlangt hatte, war er ohne Feindschaft, friedvoll und beherrscht, wandte sich von allem ab und widmete sich der Betrachtung des eigenen Wesens. Er erblickte die heilige Stätte des Naimisha-Waldes, von Weisen erfüllt und ausgezeichnet durch besondere Freude an geistiger Zucht. Mit den als sa, ri, ga, ma, pa, dha, ni, sa bezeichneten Tönen, die Entsagung erkennen ließen, mit weltabgewandten Erzählungen über Hari und mit besonderer Hingabe an den Erhabenen, die sich auf das Bewegliche und Unbewegliche bezog, bezauberte er Menschen, Tiere, Kimpurushas, Götter, Kinnaras und Apsaras. Als die großen Rishis um Shaunaka den angekommenen Narada, Brahmas Sohn und Verehrer des Erhabenen, sahen, erhoben sie sich, verneigten sich, erwiesen ihm angemessene Gastfreundschaft und boten ihm einen Sitz an. Sie waren zu einem zwölfjährigen Opfer versammelt, im Studium der Offenbarung bewandert, allwissend, ganz der Askese hingegeben und mit Erkenntnis und Entsagung ausgestattet. Nachdem auch sie sich gesetzt hatten, baten sie: „Erhabener Sohn Brahmas, erkläre uns den Weg zur Befreiung.“ Narada sagte zu ihnen: „Wer aus guter Familie stammt, ordnungsgemäß initiiert wurde und die vierundvierzig Läuterungsriten empfangen hat, soll bei dem von ihm gewählten einen Lehrer zunächst seine Veda-Schule und dann alle Wissensgebiete studieren. Nach zwölfjährigem Dienst als Schüler vollende er in der vorgeschriebenen Reihenfolge fünfundzwanzig Jahre als Haushälter und fünfundzwanzig Jahre als Waldeinsiedler. Er übe die vier Arten des Schülerlebens, die sechs Arten des Haushälterlebens und die vier Arten der Waldordnung richtig aus und erfülle alle zugehörigen Handlungen. Mit den vier Voraussetzungen des Erkenntniswegs versehen, ziehe er in Gedanken, Worten und Taten seine Erwartungen vom gesamten Weltkreislauf zurück, ebenso von latenten Neigungen und Wünschen. Als Entsagender, ohne Feindschaft, friedvoll und beherrscht, verlasse er im Lebensstand des Paramahamsa den Körper in unerschütterlicher Betrachtung seines eigenen Wesens. Er wird befreit, er wird befreit: so die Upanishad.“

Schluss des 1. Abschnitts

Damit endet der 1. Lehrabschnitt.

Zweiter Abschnitt – Die Vorbereitung auf Entsagung

Darauf fragten alle Weisen um Shaunaka den erhabenen Narada: „Erhabener, erkläre uns die Ordnung der Entsagung.“ Narada sah sie an und sagte, es sei angemessen, ihr ganzes Wesen unmittelbar aus dem Mund des Großvaters zu erfahren. Nach Beendigung des Opfers ging er mit ihnen nach Satyaloka. Sie verneigten sich ordnungsgemäß vor dem ganz in Brahman gegründeten Parameshthin und priesen ihn. Auf dessen Geheiß setzte Narada sich mit ihnen und sprach zu dem Großvater: „Du bist der Lehrer, du bist der Erzeuger, du kennst die Geheimnisse aller Wissenschaften, du bist allwissend. Deshalb erkläre mir das eine Geheimnis, das ich zu erfahren wünsche. Wer außer dir vermöchte das von mir gesuchte Geheimnis darzulegen? Es ist dies: Erkläre uns das Wesen und die Abfolge des Wanderasketentums.“ So von Narada gebeten, blickte Parameshthin alle ringsum an und verweilte einen Augenblick in Samadhi. Er erkannte, dass die Frage auf das vollständige Entkommen aus dem Samsara zielte, und sagte zu Narada: „Mein Sohn, ich werde dir das Geheimnis erläutern, das einst der kosmische Purusha, gestützt auf die unübertreffliche Gestalt, nach der geheimen Lehre der Purushasukta-Upanishad unterwies. Höre sehr aufmerksam die höchst geheime Reihenfolge. O Narada: Wer aus guter Familie stammt, soll zunächst ordnungsgemäß initiiert werden, falls dies noch nicht geschehen ist, und Vater und Mutter gehorchen. Er begebe sich, von seinem Vater fort, zu einem guten Lehrer aus einer rechten Überlieferung, der vertrauensvoll, aus guter Familie, vedakundig, den Schriften zugetan, tugendhaft und ohne Falschheit ist. Er verneige sich, diene ihm nach Vermögen und trage seinen Wunsch vor. Nach zwölfjährigem Dienst und dem Studium aller Wissenschaften heirate er mit dessen Zustimmung ein gewähltes Mädchen, das zu seiner Familie passt. [Die Vorlage nennt hier nochmals] fünfundzwanzig Jahre Aufenthalt im Lehrerhaus. Danach erfülle er mit Erlaubnis des Lehrers die Pflichten des Haushälters, überwinde ein unwürdiges Brahmanenleben und zeuge zur Fortsetzung seiner Linie einen Sohn. Nach fünfundzwanzig Jahren angemessenen Haushälterlebens lebe er fünfundzwanzig Jahre allein im Wald. Er berühre zu drei Tageszeiten das Wasser [zum Bad] und nehme einmal zu jeder vierten Essenszeit Nahrung zu sich. Er gebe den früheren Verkehr in Stadt und Dorf auf und erfülle ungestört die ihm obliegenden Aufgaben. Nachdem er jedes Verlangen nach gesehenen oder gehörten Sinnesgegenständen verloren hat, mit vierzig Läuterungsriten versehen ist, sich von allem gelöst und Geistesreinheit erreicht hat, verbrenne er Hoffnung, Missgunst, Neid und Ichbewusstsein. Mit den vier Voraussetzungen ausgestattet ist er zur Entsagung befähigt: so die Upanishad.“

Schluss des 2. Abschnitts

Damit endet der 2. Lehrabschnitt.

Dritter Abschnitt – Voraussetzungen der Entsagung

Narada fragte den Großvater: „Erhabener, wodurch ist jemand zur Entsagung befähigt?“ [Brahma antwortete:] „Zuerst wird der zur Entsagung Befähigte bestimmt, dann die Ordnung der Entsagung gelehrt. Höre aufmerksam. Ein Impotenter, ein aus der Ordnung Gefallener, ein körperlich Beeinträchtigter, ein den Frauen Verfallener, ein Tauber, ein Kind, ein Stummer, ein Häretiker, ein Träger des Chakra- oder Linga-Zeichens, die als Vaikhanasa und Hara bezeichneten Brahmanen, ein bezahlter Lehrer, ein Śipiviṣṭa und einer ohne Opferfeuer sind, auch wenn sie entsagt sind, nicht zur [regulären] Entsagung befähigt. Sind sie dennoch entsagt, erhalten sie durch die Unterweisung in den großen Sätzen die Befähigung; ein bereits Entsagter ist zum Paramahamsa-Stand befähigt.“

Vers 3.1

Wer sowohl für sich selbst gegenüber anderen als auch für andere gegenüber sich selbst Furchtlosigkeit erlangt, wird in der Überlieferung ein Wanderasket genannt.

Vers 3.2

Ein Impotenter, ein körperlich Beeinträchtigter, ein Blinder, ein Kind, ein schwerer Sünder, ein Ausgestoßener, ein Ehebrecher sowie die Vaikhanasa- und Hara-Brahmanen …

Vers 3.3

… ferner Träger des Chakra- oder Linga-Zeichens, ein Häretiker, ein Śipiviṣṭa, einer ohne Opferfeuer, einer, der zwei- oder dreimal entsagt hat, und ein bezahlter Lehrer: Diese sind nicht zur regulären Entsagung befähigt, außer zur Entsagung in Todesnähe.

Vers 3.4

„Was verstehen die Ehrwürdigen unter der Zeit der Notentsagung?“ Die Zeit, in der das Entweichen des Lebensatems unmittelbar bevorsteht, wird ātura genannt; keine andere Zeit gilt als jene Notlage, die den Weg zur Befreiung eröffnet.

Vers 3.5

Auch bei der Entsagung in Todesnähe soll der Verständige nach vorausgehender Wiederholung der jeweils erforderlichen Mantras ordnungsgemäß entsagen.

Vers 3.6

Zwischen Notentsagung und regulärer Entsagung besteht nirgends ein Unterschied in der Entsagungsformel. Das Mantra steht nicht ohne Handlung; die Handlung bedarf des Mantras.

Vers 3.7

Eine Handlung ohne Mantra ist keine [vollgültige] Handlung. Deshalb soll man das Mantra nicht aufgeben. Vollzöge man eine Handlung ohne Mantra, wäre sie wie eine Opfergabe in kalte Asche.

Vers 3.8

Durch die Kürzung der vorgeschriebenen Handlungen wird die Entsagung zur Notentsagung. Daher gilt auch bei ihr, o Weiser, die Vorschrift, die Mantras zu wiederholen.

Vers 3.9

Ist jemand, der die Opferfeuer eingerichtet hat, frei von Verlangen und befindet er sich in einem anderen Land, so vollziehe er das Prajapati-Opfer im Wasser selbst und entsage danach.

Vers 3.10

[Er vollziehe es] im Geist oder durch Wiederholung der vorgeschriebenen Mantras, oder im Wasser, oder durch Ausführung der Handlung auf dem in der Offenbarung angewiesenen Weg …

Vers 3.11

… und entsage, nachdem er es vollendet hat. Andernfalls würde der Wissende aus seiner Ordnung fallen.

Vers 3.12

Wenn im Geist Freiheit vom Verlangen nach allen Dingen entstanden ist, soll man Entsagung wünschen; im entgegengesetzten Fall würde man zu Fall kommen.

Vers 3.13

Der Verständige wandere entsagt fort, wenn er frei von Leidenschaft ist; hängt er noch an ihr, bleibe er zu Hause. Der niedrige Zweimalgeborene, der voller Begehren fortzieht, gelangt in die Hölle.

Vers 3.14

Ein unverheirateter Brahmane, der keusch lebt und bei dem Zunge, Geschlechtsorgan, Bauch und Hand gut behütet sind, darf entsagen.

Vers 3.15

Unverheiratete ziehen fort, nachdem sie den Samsara als wesenlos erkannt haben: Im Wunsch, das Wesentliche zu schauen, stützen sie sich auf höchste Entsagung.

Vers 3.16

Handlung ist durch tätiges Hinwenden gekennzeichnet, Erkenntnis durch Entsagung. Deshalb soll der Verständige hier die Erkenntnis voranstellen und entsagen.

Vers 3.17

Wenn die Wirklichkeit, das ewige höchste Brahman, erkannt ist, nehme man einen einzigen Stab und lege Haarlocke und heilige Schnur ab.

Vers 3.18

Wer dem höchsten Selbst zugewandt, vom Nichthöchsten abgewandt und von allen Wünschen frei ist, ist berechtigt, Almosenspeise zu essen.

Vers 3.19

Ist einer beim Geschlagenwerden ebenso heiter, wie er es wäre, wenn man ihn verehrte und ihm huldigte, dann ist er ein Almosenempfänger.

Vers 3.20

Wer unverrückbar die Einsicht besitzt: „Ich allein bin das unvergängliche, nichtduale Brahman, das Vasudeva genannt wird“, ist ein Almosenempfänger.

Vers 3.21

Wer Frieden, innere Ruhe, Reinheit, Wahrheit, Zufriedenheit, Geradheit, Besitzlosigkeit und Unverstelltheit besitzt, soll im Lebensstand der absoluten Freiheit wohnen.

Vers 3.22

Wer keinem Wesen durch Tat, Gedanken oder Worte etwas Böses zufügt, wird ein Almosenempfänger.

Vers 3.23

Der Zweimalgeborene soll gesammelt die zehn Merkmale des Dharma erfüllen, ordnungsgemäß die Vedanta-Lehren hören und, von seinen Schulden frei, entsagen.

Vers 3.24

Standhaftigkeit, Nachsicht, Selbstbeherrschung, Nichtstehlen, Reinheit, Zügelung der Sinne, Einsicht, Wissen, Wahrhaftigkeit und Freiheit von Zorn: Dies sind die zehn Merkmale des Dharma.

Vers 3.25

Wer sich weder vergangene Genüsse noch künftige vorstellt und auch die bereits erlangten nicht freudig begrüßt, soll im Stand der absoluten Freiheit leben.

Vers 3.26

Wer es stets vermag, die inneren Sinne im Inneren und die äußeren Gegenstände draußen zu belassen, soll im Stand der absoluten Freiheit leben.

Vers 3.27

Wie der Körper nach dem Fortgang des Lebensatems weder Freude noch Schmerz empfindet, so soll einer, der auch bei vorhandenem Lebensatem so beschaffen ist, im Stand der absoluten Freiheit leben.

Vers 3.28

Zwei Lendenschurze, ein Flickenumhang und ein Stab sind der Besitz eines Paramahamsa-Asketen; mehr ist ihm nicht gestattet.

Vers 3.29

Wenn er aus Anhänglichkeit mehr Besitz annimmt, gelangt er [laut dem Text] in die Raurava-Hölle und wird in Tierleibern geboren.

Vers 3.30

Er soll aus zerrissenen, aber sauberen, zusammengeknüpften Stoffstücken einen Flickenumhang herstellen und als Obergewand tragen; es sei mit Mineralfarbe gefärbt.

Vers 3.31

Mit einem Gewand oder ohne Gewand, mit einheitlichem Blick und ohne Gier soll er stets allein wandern; während der Regenzeit soll er an einem Ort bleiben.

Vers 3.32

Der Asket soll Familie, Söhne, Ehefrau, alle Vedangas, Opfer und heilige Schnur aufgeben und unerkannt umhergehen.

Vers 3.33

Der Wanderasket soll Verlangen, Zorn, Hochmut, Gier, Verblendung und weitere solche Fehler aufgeben und ohne Meinsinn sein.

Vers 3.34

Frei von Zuneigung und Abneigung, Erde, Stein und Gold gleich achtend, ohne Lebewesen zu verletzen und ohne Begehren nach irgendetwas soll er ein Schweigender sein.

Vers 3.35

Frei von Heuchelei und Ichbewusstsein, ohne Gewalttätigkeit und Verleumdung und mit der Tugend der Selbsterkenntnis ausgestattet, erlangt der Asket Befreiung.

Vers 3.36

Durch den Kontakt der Sinne mit ihren Gegenständen verfällt er ohne Zweifel in Fehler; zügelt er jedoch eben diese Sinne, gelangt er zur Vollendung.

Vers 3.37

Niemals wird Verlangen durch den Genuss der begehrten Dinge gestillt; wie Feuer durch Opferbutter wächst es immer weiter.

Vers 3.38

Wer nach Hören, Berühren, Essen, Sehen und Riechen weder jubelt noch niedergeschlagen wird, ist als Bezwinger der Sinne zu erkennen.

Vers 3.39

Wessen Rede und Geist rein, richtig und stets behütet sind, der erlangt wahrhaftig die ganze im Vedanta gelehrte Frucht.

Vers 3.40

Vor Ehrerbietung soll der Brahmane stets wie vor Gift zurückschrecken; nach Missachtung soll er sich stets wie nach Nektar sehnen.

Vers 3.41

Wer missachtet wird, schläft glücklich, erwacht glücklich und bewegt sich glücklich in dieser Welt; wer andere missachtet, geht zugrunde.

Vers 3.42

Er soll übermäßige Reden ertragen, niemanden missachten und wegen dieses Körpers mit niemandem Feindschaft beginnen.

Vers 3.43

Dem Zornigen soll er nicht mit Zorn antworten; beschimpft soll er Heilsames sagen. Er soll keine unwahre Rede äußern, die durch die sieben Tore ausgestreut wird.

Vers 3.44

An innerer Betrachtung erfreut, sitzend, ohne Erwartungen und Wünsche soll er hier, allein vom Selbst unterstützt, nach Glück suchend umherziehen.

Vers 3.45

Durch Zügelung der Sinne, Schwinden von Zuneigung und Abneigung sowie Nichtverletzung der Wesen wird er für Unsterblichkeit geeignet.

Vers 3.46

[Der Körper] ist eine aus Knochen gebaute Säule, mit Sehnen gebunden, mit Fleisch und Blut bestrichen, von Haut umschlossen, übel riechend und mit Urin und Kot gefüllt.

Vers 3.47

Diesen von Alter und Kummer durchdrungenen, kranken, für Krankheiten anfälligen, leidenschaftlichen, vergänglichen Wohnort der Elemente soll man verlassen.

Vers 3.48

Wer an dem Körper hängt, dieser Ansammlung von Fleisch, Blut, Eiter, Kot, Urin, Sehnen, Mark und Knochen, ist verblendet und wird sogar in der Hölle [an solchem] hängen.

Vers 3.49

Der Gedanke „Ich bin der Körper“ ist der Pfad zum Sohn der Zeit [Yama], die Schlinge der großen Avichi-Hölle und eine Reihe von Schwertblattwäldern.

Vers 3.50

Diese [Körperidentifikation] soll man mit aller Anstrengung aufgeben, selbst wenn völlige Vernichtung droht. Ein Edler soll sie nicht berühren, wie eine Pulkasi-Frau mit Hundefleisch.

Vers 3.51

Nachdem er das gute Karma den ihm Lieben und das schlechte den Ungeliebten überlassen hat, gelangt er durch den Yoga der Meditation zum ewigen Brahman.

Vers 3.52

Nachdem er nach dieser Ordnung allmählich alle Bindungen aufgegeben hat, bleibt er, von allen Gegensatzpaaren frei, allein in Brahman gegründet.

Vers 3.53

Um Vollendung zu erlangen, soll er stets allein und ohne Helfer wandern; denn bei einem Einzelnen bleibt die sichtbare Vollendung bestehen und nimmt nicht ab.

Vers 3.54

Bettelschale, Baumwurzeln, ärmliche Gewänder, Einsamkeit und Gleichmut gegenüber allem: Dies ist nicht das Merkmal des Befreiten.

Vers 3.55

Zum Wohl aller Wesen, friedvoll, mit Dreifachstab und Wassergefäß, soll er allein bleibend umherwandern und zum Almosengang das Dorf betreten.

Vers 3.56

Ein einzelner Bettelmönch entspricht der Vorschrift; zwei gelten als Paar, drei heißen ein Dorf, und eine größere Zahl wird zur Stadt.

Vers 3.57

Er soll keine Stadt, kein Dorf und auch kein Paar bilden. Der Asket, der eines dieser drei bildet, fällt von seiner eigenen Ordnung ab.

Vers 3.58

Durch solche Nähe würden unter ihnen Gespräche über Könige und Ähnliches, gegenseitige Gespräche über Almosen, Bindung, Verleumdung und Neid entstehen, ohne Zweifel.

Vers 3.59

Der Wunschlose soll allein bleiben: Mit niemandem soll er plaudern. Auf eine Anrede soll der Asket stets nur „Narayana“ antworten.

Vers 3.60

Allein soll er mit Gedanken, Worten und Handlungen Brahman betrachten. Er soll weder den Tod noch irgendwie das Leben freudig begrüßen.

Vers 3.61

Er soll nur die Zeit erwarten, bis seine Lebensspanne vollendet ist; weder soll er den Tod noch das Leben freudig begrüßen.

Vers 3.62

Von diesen sechs wird der Bettelmönch ohne Zweifel befreit: Er sei „zungenlos“, „impotent“, „lahm“, „blind“, „taub“ und „kindlich“.

Vers 3.63

Wer auch beim Essen nicht an „dies gefällt mir, jenes nicht“ haftet und heilsam, wahr und maßvoll spricht, wird „zungenlos“ genannt.

Vers 3.64

Wer beim Anblick einer heute Geborenen, einer Sechzehnjährigen und einer Hundertjährigen unverändert bleibt, ist der „Impotente“.

Vers 3.65

Wer nur zum Almosengang und zum Entleeren von Kot und Urin umhergeht und nie weiter als eine Yojana geht, der ist in jeder Hinsicht der „Lahme“.

Vers 3.66

Wer im Stehen oder Gehen, nachdem er einen Raum von vier Yuga [als Blickfeld] ausgespart hat, mit seinem Auge nicht in die Ferne schweift, heißt der „Blinde“ unter den Wanderasketen.

Vers 3.67

Wer angenehme oder unangenehme, erfreuliche oder schmerzbringende Worte hört und dennoch gleichsam nicht hört, wird „taub“ genannt.

Vers 3.68

Wer bei Gegenwart der Sinnesgegenstände, obwohl fähig, wie einer mit eingeschränkten Sinnen stets wie im Schlaf verweilt, wird der „Kindliche“ unter den Bettelmönchen genannt.

Vers 3.69

Sechs Dinge soll er niemals ansehen: Schauspiel und Ähnliches, Glücksspiel, eine Frau als Gefährtin, Essbares, Mahlzeiten und eine menstruierende Frau.

Vers 3.70

Diese sechs soll der Asket nicht einmal im Geist erwägen: Zuneigung, Abneigung, Stolz, Täuschung, Feindseligkeit und Verblendung gegenüber anderen Wesen.

Vers 3.71

Bett, weißes Gewand, Gespräche über Frauen, Gier, Schlaf am Tag und ein Fahrzeug sind die sechs Verfehlungen der Asketen.

Vers 3.72

Der das Selbst Betrachtende soll lange Reisen sorgfältig meiden und stets die Upanishadenlehre üben, die Befreiung bewirkt.

Vers 3.73

Der Asket soll nicht ständig Wallfahrtsstätten aufsuchen, nicht hauptsächlich fasten, nicht dauernd studieren und sich nicht auf das Erklären verlegen.

Vers 3.74

Er soll stets einen schuldlosen, nicht betrügerischen und nicht krummen Lebenswandel führen und die Sinne vollständig einziehen wie eine Schildkröte ihre Glieder.

Vers 3.75

Mit beruhigter Tätigkeit der Sinne und des Geistes, ohne Erwartungen und Besitz, frei von Gegensatzpaaren, ohne Begrüßungsritual und ohne Ahnenopfer …

Vers 3.76

… ohne Meinsinn und Ichbewusstsein, ohne Erwartung und Wünsche und einem abgeschiedenen Ort zugetan, wird er befreit; daran besteht kein Zweifel.

Prosa nach Vers 3.76 – Unmittelbare Entsagung

Ob Schüler, Haushälter oder Waldeinsiedler: Er sei achtsam, mit Handlung, Hingabe und Erkenntnis ausgestattet und unabhängig und gelange zu Entsagung. Nach der gewöhnlichen Ordnung beende er das Schülerleben, werde Haushälter, danach Waldeinsiedler und ziehe dann fort. Andernfalls ziehe er unmittelbar aus dem Schülerleben, aus dem Haus oder aus dem Wald fort. Ob mit oder ohne Gelübde, ob sein Studium abgeschlossen ist oder nicht, ob sein Feuer erloschen ist oder er kein Feuer besitzt: An eben dem Tag, an dem er frei von Verlangen wird, soll er fortziehen. Einige vollziehen dabei das Prajapati-Opfer; er kann es aber auch unterlassen und allein ein Agni-Opfer vollziehen. Denn Agni ist der Lebensatem; durch dieses Opfer verwirklicht er den Lebensatem. Deshalb soll er das Opfer für die drei Grundstoffe vollziehen: Diese drei Grundstoffe sind Sattva, Rajas und Tamas.

Prosa – Verinnerlichung des Opferfeuers

„Dies ist dein der Ordnung gemäßer Ursprung; aus ihm geboren, leuchtetest du. Ihn erkennend, steige auf, Agni, und mehre uns den Reichtum.“ Mit diesem Mantra atme er das Feuer ein. Der Lebensatem ist der Ursprung des Feuers. „Gehe zum Lebensatem, gehe zu deinem eigenen Ursprung, svāhā.“ So hole er Feuer vom Ahavaniya herbei und atme es wie zuvor ein. Findet er kein Feuer, opfere er im Wasser: „Die Wasser sind wahrhaftig alle Gottheiten. Allen Gottheiten opfere ich, svāhā.“ Nach dem Opfer schöpfe er das Wasser und trinke es als Opfergabe mit Ghee, als Unversehrtheit und Freude. Er lege Haarlocke, heilige Schnur, Vater, Sohn, Ehefrau, Handlung, Studium und andere Mantras ab und ziehe als Kenner des Selbst mit den auf die drei Grundstoffe bezogenen Befreiungsmantras nach der Ordnung fort. Das ist Brahman; eben das ist zu verehren.

Prosa – Die innere heilige Schnur

Narada fragte den Großvater erneut: „Wie kann einer ohne heilige Schnur ein Brahmane sein?“ Der Großvater sagte zu ihm:

Vers 3.77

Der Verständige soll die Haare einschließlich der Locke abscheren und die äußere Schnur ablegen. Als seine Schnur soll er das unvergängliche höchste Brahman tragen.

Vers 3.78

Weil sie auf etwas hinweist, nennt man sie „Schnur“; „Schnur“ heißt der höchste Zustand. Wer diese Schnur erkannt hat, ist ein Weiser, der den Veda durchdrungen hat.

Vers 3.79

Die Schnur, an der dieses All aufgereiht ist wie Perlen an einem Faden, soll der Yogi tragen, der Yoga kennt und die Wirklichkeit schaut.

Vers 3.80

Der Wissende, der im höchsten Yoga steht, soll die äußere Schnur ablegen. Der Bewusste soll diese Schnur als Brahmansein tragen. Durch das Tragen dieser Schnur wird er weder von Speiseresten befleckt noch unrein.

Vers 3.81

Diejenigen, deren Schnur im Inneren liegt und deren heilige Schnur Erkenntnis ist, kennen wahrhaftig in der Welt die Schnur: Sie sind die Träger der heiligen Schnur.

Vers 3.82

Ihre Locke ist Erkenntnis, sie stehen in Erkenntnis, ihre heilige Schnur ist Erkenntnis. Erkenntnis allein ist für sie das Höchste; Erkenntnis wird ihre Läuterung genannt.

Vers 3.83

Wer eine aus Erkenntnis bestehende Locke besitzt, die ihm nicht fremd ist wie die Flamme dem Feuer, der Wissende, wird ein Lockenträger genannt – nicht die anderen, die bloß Haare tragen.

Vers 3.84

Die Brahmanen und anderen, die zur vedischen Handlung berechtigt sind, müssen diese [äußere] Schnur tragen; denn sie gilt als Bestandteil des Rituals.

Vers 3.85

Wessen Locke aus Erkenntnis besteht und dessen heilige Schnur ebenso beschaffen ist, dessen Brahmanenschaft ist vollständig: So wissen die Brahmankenner.

Prosa – Der äußerlich unkenntliche Entsagende

Nachdem er dies erkannt hat, ziehe der Brahmane als Wanderasket fort, mit einem Gewand, geschorenem Kopf und ohne Besitz, falls er die Beschwerden des Körpers nicht ertragen kann; oder er gehe, der Ordnung entsprechend, nackt. Er gebe die Bindungen an Söhne, Freunde, Ehefrau und Angehörige, das eigene Schriftstudium und alle Handlungen auf, ebenso die ganze Welt, Lendenschurz, Stab und Umhang. Er ertrage die Gegensätze: Für ihn gibt es weder Kälte noch Hitze, Freude noch Schmerz, Schlaf, Ehrung noch Missachtung. Frei von den sechs Wogen gebe er Tadel, Ichbewusstsein, Neid, Stolz, Heuchelei, Missgunst, Eifersucht, Wunsch, Hass, Freude, Schmerz, Verlangen, Zorn, Gier, Verblendung und Weiteres auf. Er betrachte seinen Körper wie eine Leiche und halte innen wie außen nichts für von sich verschieden. Er verneige sich vor niemandem; es gebe für ihn weder Begrüßungsritual noch Svaha- oder Svadha-Ruf, weder Tadel noch Lob. Er lebe dem Zufall gemäß und sei mit dem zufrieden, was von selbst eintrifft. Gold und Ähnliches nehme er nicht an. Es gibt für ihn weder Anrufung noch Entlassung, weder Mantra noch Nicht-Mantra, weder Meditation noch Verehrung, weder Ziel noch Nicht-Ziel, weder Getrenntheit noch Nichtgetrenntheit, und auch kein Anderswo. Überall ohne feste Wohnung und mit beständigem Geist lebe er in einem leeren Haus, unter Baumwurzeln, in einem Tempel, in einer Grashütte, in einer Töpferwerkstatt, in einer Opferfeuerhalle, bei Feuer, im Zwischenraum der Richtungen, am Flussufer, auf einer Sandbank, in einer Erdhöhle, Felshöhle, bei einem Wasserfall, auf nacktem Boden oder im Wald. Wie Shvetaketu, Ribhu, Nidagha, Rishabha, Durvasas, Samvartaka, Dattatreya und Raivataka trage er keine erkennbaren Zeichen und habe keinen feststellbaren Lebensstil. Er verhalte sich wie ein Kind, ein Wahnsinniger oder ein Geistwesen – selbst nicht wahnsinnig, aber wie ein Wahnsinniger handelnd. Mit „bhūḥ svāhā“ werfe er Dreifachstab, Tragnetz, Schale, Wassergefäß und Hüftschnur ins Wasser; ebenso gebe er Hüftschnur, Lendenschurz, Stab, Gewand und Wassergefäß vollständig dem Wasser hin. Dann wandere er nackt und suche das Selbst. Nackt, frei von Gegensätzen und Besitz, vollkommen auf dem Weg zur Wirklichkeit Brahmans und reinen Geistes nehme er zur Erhaltung des Lebensatems zur vorgeschriebenen Zeit erbettelte Nahrung aus der hohlen Hand oder einem anderen Gefäß zu sich. Bei Erhalten und Nichterhalten gleichmütig, ohne Meinsinn, ganz der reinen Meditation und inneren Betrachtung hingegeben, auf die Entwurzelung guten und schlechten Karmas gerichtet, entsage er. Als die eine Erkenntnis vollkommener Glückseligkeit erinnere er mit dem Brahman-Pranava: „Dieses Brahman bin ich.“ Nach dem Gleichnis von Wespe und Larve gebe er die drei Körper auf. Wer so durch Entsagung den Körper verlässt, hat vollbracht, was zu vollbringen war: so die Upanishad.

Schluss des 3. Abschnitts

Damit endet der 3. Lehrabschnitt.

Vers 4.1

Wer Welten und Veden, Sinnesgegenstände und Sinne aufgegeben hat und allein im Selbst steht, gelangt zum höchsten Ziel.

Vers 4.2

Ein wahrer Asket soll Namen, Abstammung und Weiteres, Land, Zeit, Gelehrsamkeit, Familie, Lebensalter, Lebenswandel, Gelübde und Charakter nicht bekannt machen.

Vers 4.3

Er soll mit keiner Frau sprechen, sich an keine früher gesehene erinnern, Gespräche über sie meiden und nicht einmal ihr Bild ansehen.

Vers 4.4

Übt der Asket diese vier Dinge aus Verblendung Frauen gegenüber aus, verändert sich sein Geist unweigerlich; durch dessen Veränderung geht er zugrunde.

Vers 4.5

Durst nach Dingen, Zorn, Unwahrheit, Täuschung, Gier und Verblendung, Vorliebe und Abneigung, Handwerk, Beschäftigung mit Erklärungen, Begierde, Anhänglichkeit und Besitz …

Vers 4.6

… Ichbewusstsein und Meinsinn, ärztliches Behandeln, gewaltsames Durchsetzen von Recht, Sühneriten und Reisen, Mantras, Arzneien, Gift und Segenswünsche …

Vers 4.7

… all dies ist untersagt. Wer es betreibt, geht abwärts. „Komm! Geh! Bleib! Willkommen!“, auch zu einem Freund …

Vers 4.8

… und ehrende Worte soll der auf Befreiung gerichtete Weise nicht äußern. Er soll kein Geschenk annehmen und auch keinen anderen dazu veranlassen, eines zu geben.

Vers 4.9

Auch soll der Bettelmönch dazu niemals anregen, nicht einmal im Traum. Das Glück oder Unglück von Ehefrau, Brüdern, Söhnen und anderen Angehörigen …

Vers 4.10

… soll er hören oder sehen, ohne erschüttert zu werden. Der Asket gebe Kummer und Jubel auf. Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Keuschheit und Besitzlosigkeit …

Vers 4.11

… weder Überheblichkeit noch Kleinmut, Heiterkeit, Beständigkeit, Geradheit, Nichtanhaften, Dienst am Lehrer, Vertrauen, Nachsicht, äußere und innere Beherrschung …

Vers 4.12

… Gleichmut, Mut und Freundlichkeit, Duldsamkeit, Mitgefühl, Schamhaftigkeit, Wissen und unmittelbare Erkenntnis, Yoga, wenig Essen und Standhaftigkeit …

Vers 4.13

… dies ist als die eigene Ordnung der sich beherrschenden Asketen bekannt. Frei von Gegensätzen, stets im Sattva gegründet und überall dasselbe schauend …

Vers 4.14

… ist der Asket des vierten Lebensstands der höchste Hamsa, Narayana selbst. Er soll eine Nacht in einem Dorf, fünf Nächte in einer Stadt bleiben …

Vers 4.15

… außer während der Regenzeit; in der Regenzeit soll er vier Monate bleiben. Bleibt der Bettelmönch aber zwei Nächte im Dorf, dann …

Vers 4.16

… würden Anhänglichkeit und anderes entstehen; dadurch würde er der Hölle verfallen. Am Rand des Dorfes, in menschenleerer Gegend, beherrscht und ohne Wohnung …

Vers 4.17

… soll er wie ein Insekt auf der Erde umherwandern; in der Regenzeit bleibe er an einem Ort. Mit einem Gewand oder ohne Gewand, mit einheitlichem Blick und ohne Gier …

Vers 4.18

… soll er, den Weg der Guten nicht beeinträchtigend, in Meditation verbunden auf der Erde wandern. Der Bettelmönch soll stets an reinem Ort seine eigene Ordnung wahren …

Vers 4.19

… und als Yogi stets mit Blick auf den Erdboden umhergehen. Er wandere weder nachts noch mittags noch zu den beiden Dämmerungszeiten …

Vers 4.20

… nicht in Ödland, nicht in unwegsamem Gebiet und nicht dort, wo Lebewesen geschädigt werden. Eine Nacht soll er im Dorf bleiben und drei Tage in einer Handelsstadt.

Vers 4.21

Der Bettelmönch bleibe zwei Tage in einer befestigten Stadt und fünf Nächte in einer großen Stadt; während der Regenzeit bleibe er an einem Ort mit heiligem Wasser.

Vers 4.22

Alle Wesen wie sich selbst betrachtend soll der Bettelmönch auf der Erde wandern: wie ein Blinder, wie ein Buckliger, wie ein Tauber, Wahnsinniger oder Stummer.

Vers 4.23

Für Bahudaka und Waldeinsiedler ist das Bad zu drei Tageszeiten vorgeschrieben; für den Hamsa nur einmal, für den Paramahamsa besteht keine solche Vorschrift.

Vers 4.24

Schweigen, Yogasitz, Yoga, Duldsamkeit, Neigung zur Einsamkeit, Wunschlosigkeit und Gleichmut: Dies sind die sieben Eigenschaften der Einstabasketen.

Vers 4.25

Da für den im Paramahamsa-Stand Stehenden das Bad und Ähnliches nicht vorgeschrieben sind, soll er allein das Aufgeben sämtlicher Geistestätigkeiten üben.

Vers 4.26

Wie groß ist der Unterschied zwischen denen, die sich an einer Ansammlung von Haut, Fleisch, Blut, Sehnen, Mark, Fett und Knochen erfreuen, und Würmern, die sich an Kot, Urin und Eiter erfreuen?

Vers 4.27

Was hat der Körper, diese große Ansammlung von Schleim und allen übrigen Stoffen, mit Eigenschaften wie schönen Gliedern, Anmut und Lieblichkeit zu tun?

Vers 4.28

Wer an dem Körper hängt, dieser Ansammlung von Fleisch, Blut, Eiter, Kot, Urin, Sehnen, Mark und Knochen, ist verblendet und wird sogar in der Hölle [an solchem] hängen.

Vers 4.29

Obwohl zwischen dem nicht auszusprechenden Körperteil der Frau und einer feuchten, röhrenartigen Wunde kein Unterschied sei, werden die Menschen meist durch ihre unterschiedliche Vorstellung getäuscht.

Vers 4.30

Ein in zwei Teile gespaltenes Stück Haut, mit Ausdünstung des Abwärtsatems beräuchert: Denen, die sich daran erfreuen, sei Verehrung! Welche Kühnheit wäre noch größer?

Vers 4.31

Für den Einsichtigen gibt es weder eine zu erfüllende Aufgabe noch ein äußeres Kennzeichen. Er ist ohne Meinsinn und Furcht, friedvoll, frei von Gegensätzen und unterscheidet beim Essen nicht nach Varna.

Vers 4.32

Der Weise sei mit einem Lendenschurz bekleidet oder nackt, ganz der Meditation hingegeben. So ist der auf Erkenntnis gerichtete Yogi geeignet, Brahman zu werden.

Vers 4.33

Auch wenn ein äußeres Zeichen vorhanden ist, ist allein Erkenntnis die Ursache der Befreiung der Wesen hier; die ganze Menge äußerer Zeichen ist ohne Nutzen.

Vers 4.34

Den niemand als gut oder schlecht, ungelehrt oder sehr gelehrt, von gutem oder schlechtem Lebenswandel kennt, der ist ein Brahmane.

Vers 4.35

Deshalb soll der Wissende ohne Kennzeichen, Kenner des Dharma, einem Leben in Brahman treu, in verborgener Rechtschaffenheit wie ein Unwissender handeln.

Vers 4.36

Für alle Wesen uneinschätzbar, ohne Varna und Lebensstand, soll er wie ein Blinder, ein Einfältiger oder ein Stummer auf der Erde wandern.

Vers 4.37

Wenn die Himmelsbewohner ihn mit friedvollem Geist sehen, sehnen sie sich [nach diesem Zustand]. Wegen des Fehlens äußerer Zeichen ist dies absolute Freiheit: So lautet Brahmas Unterweisung.

Abschnitt 4, Prosa – Die acht Shraddha-Riten

Narada fragte den Großvater: „Erkläre uns die Ordnung der Entsagung.“ Der Großvater stimmte zu: „Um den vierten Lebensstand anzunehmen, ob in Todesnähe oder regulär, soll man nach einer Kricchra-Sühne die acht Shraddha-Riten vollziehen: für Götter, Rishis, göttliche Wesen, Menschen, Lebewesen, Väter, Mütter und sich selbst. Zuerst [verehre man] die Allgötter namens Satya und Vasu; beim Götter-Shraddha Brahma, Vishnu und Maheshvara, beim Rishi-Shraddha Götter-Rishis, Kshatriya-Rishis und menschliche Rishis, beim göttlichen Shraddha die Gestalten der Vasus, Rudras und Adityas, beim Menschen-Shraddha Sanaka, Sanandana, Sanatkumara und Sanatsujata. Beim Wesen-Shraddha [ist die Liste lückenhaft]; [es folgen] Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Beim eigenen Shraddha [verehre man] sich selbst, den Vater und den Großvater; lebt der Vater noch, lasse man ihn aus und nehme sich selbst, den Großvater und den Urgroßvater. Überall verehre man Brahmanen paarweise, sei es bei einem Opfer oder bei acht. Die acht Shraddhas vollziehe man mit den Mantras der eigenen Veda-Schule an acht Tagen oder an einem Tag, nach der für das Ahnenopfer gelehrten Ordnung. Man verehre die Brahmanen, vollende alles vorschriftsgemäß bis zu ihrer Entlassung, bringe die Reisklöße dar, stelle sie durch Opferlohn und Betel zufrieden und entlasse sie. Für die Vollendung der restlichen Handlung lasse man sieben Haare stehen.“

Abschnitt 4, zitierter Vers zur Haarrasur

„Zur Durchführung der restlichen Handlung soll der Zweimalgeborene sieben oder acht Haare zusammennehmen und zunächst die übrigen Haare, den Bart und die Nägel scheren lassen.“

Abschnitt 4, Prosa – Nachtwache und Feueropfer

Unter Bewahrung von sieben Haaren lasse er sich scheren, ausgenommen Achseln und Schambereich. Er bade, vollziehe die abendliche Sandhya, wiederhole die Gayatri tausendmal und vollziehe das Brahma-Opfer. Er richte sein eigenes Feuer ein, führe die Abschlussriten seiner Veda-Schule aus und opfere nach deren Ordnung Ghee bis zu den Ghee-Anteilen. Nach Beendigung der Opferordnung esse er dreimal geröstetes Mehl mit den beim Atman beginnenden Formeln, spüle den Mund und bewahre das Feuer. Nördlich davon bleibe er selbst auf einem schwarzen Antilopenfell, halte mit Anhören der Puranas Nachtwache und bade am Ende der vierten Nachtwache. In dem Feuer koche er die Opferspeise, bringe mit dem Purusha-Sukta sechzehn Speisegaben dar und vollziehe das Viraja-Opfer. Danach spüle er den Mund, gebe Gewand, Goldgefäß und Kuh samt Opferlohn, schließe ab und entlasse Brahma [beziehungsweise den Brahman-Priester].

Abschnitt 4, Mantra der Besprengung

„Mögen die Maruts mich besprengen, ebenso Indra und Brihaspati. Möge dieser Agni mich mit Leben, Reichtum und Kraft besprengen und mich langlebig machen.“

Abschnitt 4, Mantra zur Aufnahme des Feuers und Fortsetzung

„Mit deiner opferwürdigen Gestalt, Agni, komm und steige in das Selbst hinauf, uns viele, für Menschen bestimmte Güter bereitend. Zum Opfer geworden, nimm Platz beim Opfer, an deinem eigenen Ursprung, Jatavedas. Werde dort geboren und sei darin heimisch.“ Mit diesem Mantra übertrage er das Feuer in sich selbst, meditiere, umschreite das Feuer nach rechts, verneige sich und entlasse es. Er vollziehe die morgendliche Sandhya und nach tausendmaliger Gayatri-Wiederholung die Sonnenverehrung. In nabeltiefem Wasser sitzend, bringe er den acht Richtungshütern die Ehrengabe dar, entlasse die Gayatri und führe die Savitri in die Vyahritis ein.

Abschnitt 4, Trishankus Vedaausspruch

„Ich bin der Beweger des Baumes [des Daseins]. Mein Ruhm ist wie der Rücken eines Berges. Meine Läuterung reicht nach oben; ich bin das reine Unsterbliche wie das im Lichtkräftigen [der Sonne]. Mein Reichtum ist strahlend. Ich bin von guter Einsicht, mit Unsterblichkeit besprengt.“ Dies ist Trishankus Vedaausspruch.

Abschnitt 4, Gebet um Einsicht

„Der Stier der Metren, allgestaltig, der aus den unsterblichen Metren hervorging: Möge er, Indra, mich mit Einsicht erfüllen. O Gott, möge ich Träger des Unsterblichen werden. Mein Körper sei tüchtig, meine Zunge überaus süß. Möge ich mit beiden Ohren reichlich hören. Du bist Brahmans Hülle, von Einsicht bedeckt. Behüte, was ich gehört habe.“

Abschnitt 4, Entsagungsformel und Ablegen der Haarlocke

„Ich habe mich vom Wunsch nach Ehepartnerin, Besitz und Welten erhoben. Om bhūḥ: Ich habe entsagt. Om bhuvaḥ: Ich habe entsagt. Om suvaḥ: Ich habe entsagt. Om bhūr bhuvaḥ suvaḥ: Ich habe entsagt.“ Dies spreche er im Geist und laut in tiefer, mittlerer und hoher Tonlage. „Furchtlosigkeit sei allen Wesen von mir; alles geht hervor, svāhā.“ Mit dieser Formel trinke er Wasser, gieße eine volle Handvoll nach Osten und reiße mit „oṃ svāhā“ die Haarlocke aus.

Abschnitt 4, Mantra der heiligen Schnur

„Die heilige Schnur ist höchste Läuterung; sie entstand einst zusammen mit Prajapati. Man lege die lebenspendende, vorzüglichste, reine Schnur an. Möge die heilige Schnur Kraft und Glanz sein.“

Abschnitt 4, Prosa – Ablegen der Schnur und Entsagung des Wissenden

„Heilige Schnur, wohne nicht außen! Tritt ins Innere und verleihe dort beständig höchste Reinheit, Ruhm, Kraft, Erkenntnis, Entsagung und Einsicht.“ Er durchschneide die heilige Schnur und opfere sie mit einer Handvoll Wasser ins Wasser: „oṃ bhūḥ, gehe zum Meer, svāhā.“ Dreimal spreche er: „oṃ bhūḥ, ich habe entsagt; oṃ bhuvaḥ, ich habe entsagt; oṃ suvaḥ, ich habe entsagt.“ Er bespreche das Wasser dreimal, trinke und spüle den Mund. Mit „oṃ bhūḥ svāhā“ gebe er auch Gewand und Hüftschnur ins Wasser. Im Bewusstsein „Ich habe alle Handlungen beendet“ werde er nackt, betrachte sein eigenes Wesen und gehe mit erhobenen Armen nach Norden. Ist er, wie zuvor beschrieben, ein bereits Wissender, erhalte er vom Lehrer die Unterweisung in Pranava und Mahavakya und wandere nach Wohlgefallen im Bewusstsein „Keiner ist von mir verschieden“. Von Früchten, Blättern und Wasser lebend ziehe er durch Berge, Wälder und Tempel. Nach der Entsagung, mit den Richtungen als Gewand, überall wandernd, das Herz stets allein von der eigenen Erfahrung der Glückseligkeit erfüllt, fern von Handlung und Erwerb, ganz auf Pranayama gerichtet, von Früchten, Saft, Rinde, Blättern, Wurzeln und Wasser lebend, lasse der Befreiung Suchende in einer Berghöhle seinen Körper zurück, das Rettende erinnernd.

Abschnitt 4, Prosa – Entsagung des Erkenntnissuchenden

Ist er ein Erkenntnissuchender, gehe er hundert Schritte. Lehrer und andere Brahmanen rufen ihn zurück: „Bleib, bleib, Hochbeglückter! Nimm Stab, Gewand und Wassergefäß. Komm zum Lehrer, um Pranava und Mahavakya zu empfangen.“ Nach der Mundspülung nehme er von den Lehrern Stab, Hüftschnur, Lendenschurz, ein Gewand und Wassergefäß. Der eine Bambusstab reiche von den Füßen bis zum Scheitel, sei unverletzt, gerade, schön, ohne die als „Krähenrücken“ bezeichnete Form und mit den richtigen Merkmalen versehen. Er nehme den Stab mit: „Freund, behüte mich, die Kraft! Du bist mein Gefährte, Indras Donnerkeil, Vritras Töter. Sei mir Schutz und wehre ab, was böse ist.“ Das Wassergefäß nehme er mit vorangestelltem Pranava und: „Du belebst die Welt und bist die Grundlage des Lebens; [die folgende Formel ist beschädigt] sei stets ganz freundlich.“ Die Hüftschnur nehme er mit „Träger des Lendenschurzes, Om“, den Lendenschurz mit „Bedeckung des Verborgenen, Om“ und das Gewand mit „Schutz vor Kälte, Wind und Hitze, einziger Schutz des Körpers, Om“. Nach der Mundspülung empfange er Hüftschnur, Lendenschurz und Gewand, werde mit der Yoga-Würde geweiht und denke: „Ich habe mein Ziel erreicht.“ Dann widme er sich der Ordnung seines Lebensstands: so die Upanishad.

Schluss des 4. Abschnitts

Damit endet der 4. Lehrabschnitt.

Abschnitt 5, Prosa – Warum es verschiedene Regeln gibt

Narada fragte den Großvater: „Erhabener, du selbst hast gesagt, Entsagung beende alle Handlungen; nun wird wiederum gesagt, man solle die Ordnung des eigenen Lebensstands befolgen.“ Der Großvater antwortete: „Für den im Körper Verkörperten bestehen die Zustände des Wachens, Träumens, Tiefschlafs und des Vierten. Von ihnen hängen die Menschen und anderen Wesen ab, die sich durch Handlung, Erkenntnis und Entsagung entwickeln; ihr Verhalten entspricht diesen Zuständen.“ [Narada fragte:] „Wenn das so ist, Erhabener, wie viele Arten der Entsagung gibt es und wie unterscheiden sich ihre Ausführungen? Erkläre uns dies der Wirklichkeit nach.“ Der Großvater stimmte zu: „Wie unterscheiden sich die Regeln nach den Arten der Entsagung? In Wahrheit gibt es nur eine Entsagung. Durch Unwissenheit, Unfähigkeit und Ausfall von Handlungen entsteht eine Dreiteilung; [die anschließende Liste nennt] Entsagung aus Wunschlosigkeit, aus Erkenntnis und Wunschlosigkeit sowie aus ritueller Ordnung und spricht von vier Arten. Wer aufgrund früheren guten Karmas Freiheit vom Verlangen nach Sinnesgegenständen erlangt und entsagt, ist ein Entsagender aus Wunschlosigkeit. [Die Fügung vor dieser Definition ist beschädigt.] Wer durch Schriftkenntnis und das Hören von Erfahrungen der Welten guten und schlechten Karmas vom Weltbetrieb ablässt, den gesamten Samsara aus Zorn, Missgunst, Eifersucht, Ichbewusstsein und Selbstüberhebung beendet, die körperbezogenen Neigungen nach Ehefrau, Besitz und Welten, die Neigungen zum Schriftenbetrieb und zur Welt aufgibt und all dies Naturhafte wie erbrochene Nahrung für abzuweisen hält, der ist, mit den vier Voraussetzungen ausgestattet, ein Entsagender aus Erkenntnis.“

Abschnitt 5, Prosa – Erkenntnis und rituelle Reihenfolge

Wer in der Reihenfolge alles geübt und erfahren hat, durch Erkenntnis, Wunschlosigkeit und Betrachtung des eigenen Wesens nur noch den Körper übrig behält, entsagt und nackt wird, ist ein Entsagender aus Erkenntnis und Wunschlosigkeit. Wer nach Abschluss des Schülerlebens Haushälter und dann Waldeinsiedler geworden ist und der Reihenfolge der Lebensstände folgend entsagt, auch wenn Entsagung vorhanden ist, ist ein Entsagender aus ritueller Ordnung.

Abschnitt 5, Prosa – Entsagung mit und ohne Anlass

Wer aus dem Schülerstand entsagt und dadurch nackt wird, ist ein Entsagender aus Wunschlosigkeit. Der Entsagende, der bereits weiß, ist der aus Erkenntnis; der Erkenntnissuchende ist der aus ritueller Ordnung. Auch diese rituelle Entsagung ist zweifach: mit Anlass und ohne Anlass. Die mit Anlass ist die Notentsagung; die ohne Anlass ist die Entsagung in regulärer Folge. Notentsagung ist der Ausfall aller Handlungen und Entsagung beim Entweichen des Lebensatems: Dies ist die Entsagung mit Anlass.

Abschnitt 5, Prosa – Einsicht in Vergänglichkeit

Bei kräftigem Körper erkennt er: Alles Gemachte ist vergänglich; daher ist alles, angefangen beim Körper, aufzugeben.

Abschnitt 5, zitierter Hamsa-Vers

Der Hamsa wohnt im Reinen, der Vasu im Zwischenraum, der Opferpriester am Altar, der Gast im Haus. Er wohnt unter Menschen, unter den Edlen, in der kosmischen Ordnung und im Raum; aus Wasser geboren, aus der Erde geboren, aus der Ordnung und aus dem Berg geboren: die große Wahrheit.

Abschnitt 5, Prosa – Entsagung ohne besonderen Anlass

Wer so erkannt hat, dass alles von Brahman Verschiedene vergänglich ist, und darauf in regulärer Reihenfolge entsagt, dessen Entsagung ist die ohne besonderen Anlass.

Abschnitt 5, Prosa – Sechs Gestalten des Entsagenden

Entsagung besitzt sechs Gestalten: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa, Paramahamsa, Turiyatita und Avadhuta.

Abschnitt 5, Prosa – Merkmale der sechs Gestalten

Der Kutichaka trägt Haarlocke, heilige Schnur, Stab, Wassergefäß, Lendenschurz und Flickenumhang. Er verehrt Vater, Mutter und Lehrer, beschäftigt sich mit Topf, Grabgerät, Tragnetz und weiteren Hilfsmitteln und Mantras, nimmt an einem Ort Nahrung zu sich, trägt ein weißes senkrechtes Stirnzeichen und den Dreifachstab. Der Bahudaka trägt Haarlocke und Flickenumhang, das dreifache Stirnzeichen und ist im Übrigen dem Kutichaka gleich; nach Bienenart erbettelt, isst er acht Bissen. Der Hamsa trägt verfilzte Haare, dreifache oder senkrechte Stirnzeichen; er isst ohne vorherige Verabredung nach Bienenart gesammelte Nahrung und trägt Lendenschurz und ein Stoffstück. Der Paramahamsa hat weder Haarlocke noch heilige Schnur. Er nimmt Nahrung aus fünf Häusern für eine Nacht, benutzt die Hand als Gefäß, trägt einen Lendenschurz, ein Gewand und einen Bambusstab oder nur ein Gewand; er bestäubt sich mit Asche und gibt alles auf. Der Turiyatita isst Früchte mit dem Mund wie eine Kuh; isst er gekochte Nahrung, stammt sie aus drei Häusern. Nur der Körper ist ihm geblieben; er ist nackt und verhält sich zu seinem Körper wie zu einer Leiche. Der Avadhuta ist an keine feste Regel gebunden. Unter Ausschluss schwer Beschuldigter und Ausgestoßener nimmt er Nahrung aus allen Varnas nach Art der Python an und widmet sich der Betrachtung seines eigenen Wesens.

Abschnitt 5, Prosa – Regeln für die letzten drei Gestalten

Überlebt der Notentsagende, muss er die reguläre Entsagung vollziehen. Für Kutichaka, Bahudaka und Hamsa besteht die Entsagungsordnung wie bei der Folge vom Schülerstand bis zum vierten Lebensstand. Für die drei ab Paramahamsa gelten: keine Hüftschnur, kein Lendenschurz, kein Gewand, kein Wassergefäß, kein Stab; Almosen aus allen Varnas zu nehmen und nackt zu sein ist ihre Ordnung.

Abschnitt 5, Prosa – Ende des gelehrten Betriebs

Auch während der Entsagung studiere er, bis die Einsicht „Es genügt“ erreicht ist. Danach gebe er Hüftschnur, Lendenschurz, Stab, Gewand und Wassergefäß vollständig ins Wasser und wandere nackt. Er trage keinen Flickenumhang. Er soll nichts anderes als den Pranava studieren oder hören, keine Logik lesen, auch keine Sprachlehre außer dem großen Wort; er soll nicht lehren und seine Rede nicht durch viele Worte ermüden. Er soll weder mit der Stimme noch mit Händen und anderem Gespräche führen, auch nicht in besonderer Weise mit anderen; nicht mit Shudras, Frauen, Ausgestoßenen oder Menstruierenden. Für den Asketen gibt es weder Götterverehrung noch Festbesuche noch das Betreiben von Pilgerreisen.

Abschnitt 5, Prosa – Nochmals die Arten des Almosengangs

Nochmals die Unterschiede der Asketen: Für den Kutichaka Almosen von einem Ort; für den Bahudaka unverabredetes Sammeln nach Bienenart; für den Hamsa acht Bissen aus acht Häusern; für den Paramahamsa die hohle Hand aus fünf Häusern; für den Turiyatita Früchteessen mit dem Mund wie eine Kuh; für den Avadhuta die Lebensweise einer Python.

Abschnitt 5, Prosa – Rang und Handlungen

[Bei Angehörigen] aller Varnas soll der Asket nicht eine Nacht bleiben; er soll sich vor niemandem verneigen. Für Turiyatita und Avadhuta besteht kein höherer Rang: Wer das eigene Wesen nicht kennt, ist selbst als Älterer ein Jüngerer. Er soll einen Fluss nicht mit den Händen durchschwimmen, keinen Baum besteigen, kein Fahrzeug benutzen, weder kaufen noch verkaufen, nichts eintauschen, nicht heucheln und nicht lügen. Für den Asketen gibt es nichts zu tun; gäbe es etwas, wäre dies eine Vermischung. Deshalb sind Entsagende zu Nachdenken und den weiteren [Erkenntnisübungen] befähigt.

Abschnitt 5, Prosa – Ziele der sechs Lebensweisen

Notentsagender und Kutichaka gelangen zur Erdenwelt, der Bahudaka zur Himmelswelt, der Hamsa zur Welt der Askese, der Paramahamsa zur Wahrheitswelt. Turiyatita und Avadhuta erlangen allein im eigenen Selbst absolute Freiheit durch die Betrachtung des eigenen Wesens, nach dem Gleichnis von Wespe und Larve.

Abschnitt 5, zitierter Vers über die letzte Erinnerung

Welchen Zustand einer auch erinnert, wenn er am Ende den Körper verlässt, eben diesen erlangt er und keinen anderen: So lehrt die Offenbarung.

Abschnitt 5, Prosa – Verhalten und Bewusstseinszustände

Dies erkennend soll er sich außer der Betrachtung des eigenen Wesens keiner anderen Lebensweise widmen. Durch eine bestimmte Lebensweise erlangt man die zugehörige Welt; der mit Erkenntnis und Wunschlosigkeit Ausgestattete dagegen ist in sich selbst befreit. Daher sind die Verhaltensregeln nicht überall verbindlich; dies ist seine Ordnung. In Wachen, Traum und Tiefschlaf heißt der Bewohner desselben Körpers beim Wachen Vishva, beim Träumen Taijasa und im Tiefschlaf Prajna. Aus der Verschiedenheit der Zustände ergibt sich die Verschiedenheit ihrer Herren; aus verschiedener Wirkung folgt verschiedene Ursache. In diesen Zuständen besitzen die vierzehn [Erkenntnis- und Handlungs-]Instrumente äußere Tätigkeiten; die inneren Tätigkeiten sind ihre stoffliche Ursache. Vier Tätigkeitsformen bestehen: Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta. Aus der verschiedenen Betätigung dieser Funktionen entstehen die einzelnen Unterschiede im Verhalten.

Abschnitt 5, zitierter Vers über die Orte der Zustände

Man wisse das Wachen im Auge, den Traum in der Kehle, den Tiefschlaf im Herzen und das Vierte im Scheitel angesiedelt.

Abschnitt 5, Prosa – Freiheit schon im Leben

Wer das Vierte als unvergänglich erkennt und beim Wachen wie im Tiefschlaf verweilt, sodass alles Gehörte und Gesehene wie nicht wahrgenommen ist, für den besteht ein solcher Zustand auch im Traum. Ihn nennt man zu Lebzeiten befreit. Auch die Darlegung des Sinns aller Offenbarungen zielt auf eben seine Befreiung. Der Bettelmönch erwartet nichts von dieser oder jener Welt. Hat er eine Erwartung, wird er ihr entsprechend. Studium anderer Lehrwerke ohne Betrachtung des eigenen Wesens ist nutzlos wie eine Safranlast auf einem Kamel. Er betreibe weder Yoga-Lehrwerke noch Samkhya-Studium noch Mantra- und Tantra-Geschäfte. Beschäftigt der Asket sich mit anderen Lehrwerken, gleicht dies dem Schmuck einer Leiche oder [nach der schwer verständlichen Fügung der Quelle] einem Lederarbeiter. Er sei fern von Handlungsregeln und Wissensbetrieb und nicht auf bloßes Ausrufen des Pranava gerichtet. Welche Handlung er tut, deren Frucht erfährt er, gleich dem Schaum des Rizinusöls. Deshalb gebe der Bettelmönch alles auf und wandere, den Geist als Stab, die Hand als Schale und die Richtungen als Gewand [betrachtend]. Wie ein Kind, Wahnsinniger oder Geistwesen wünsche er weder Tod noch Leben. Er warte nur auf die Zeit wie ein beauftragter Lohnarbeiter: so der Wanderasket.

Abschnitt 5, Vers 5.1

Ein Asket ohne die Eigenschaften Duldsamkeit, Erkenntnis, Wunschlosigkeit, Ruhe und weitere, der lediglich von Almosen lebt, zerstört den Lebenswandel der Asketen.

Vers 5.2

Befreiung kommt weder durch das Tragen eines Stabs noch durch Rasur, Kleidung oder heuchlerisches Verhalten. Wer den Stab der Erkenntnis trägt, heißt Einstabasket. Wer einen Holzstab trägt, alles isst und ohne Erkenntnis ist, gelangt in die schrecklichen Höllen namens Maharaurava.

Vers 5.3

Ruhm wurde von den großen Rishis dem Kot einer Sau gleichgesetzt. Deshalb gebe der Asket ihn auf und wandere wie ein Insekt umher.

Vers 5.4

Nahrung und Bedeckung sollen ungebeten sein, wie sie sich ergeben. Nach dem Wunsch anderer sei er mit den Richtungen bekleidet und bade nach dem Wunsch anderer.

Vers 5.5

Wer auch im Traum besonders gesammelt ist wie im Wachen, dessen Verhalten gilt als das beste; er ist der Vorzüglichste unter den Brahmanlehrern.

Vers 5.6

Bei Nichterhalt sei er nicht traurig, bei Erhalt freue er sich nicht übermäßig. Er beschränke sich auf das zum Leben Notwendige und löse sich von der Bindung an Sinnesgegenstände.

Vers 5.7

Ehrenvoll dargebrachte Gaben soll er gänzlich scheuen; denn durch solche ehrenden Gaben wird ein Asket gebunden, selbst wenn er befreit ist.

Vers 5.8

Zur Erhaltung des Lebens, wenn die Glut erloschen ist und die Leute gegessen haben, soll er zur für die Varnas geeigneten Zeit die Häuser zum Almosengang aufsuchen.

Vers 5.9

Der umherwandernde Yogi, dessen Schale die Hand ist, soll nicht mehrmals Almosen sammeln. Er esse stehend oder gehend und vollziehe ebenso dazwischen die Mundspülung.

Vers 5.10

Wie das Meer halten die Großen ihre Grenzen ein und sind von klarem Inneren. Wie die Sonnen verlassen sie ihre Ordnung nicht.

Vers 5.11

Wenn der Weise Nahrung mit dem Mund wie eine Kuh sucht, soll er allem gegenüber gleich sein; so wird er für Unsterblichkeit geeignet.

Vers 5.12

Er suche ein unbescholtenes Haus auf und meide ein bescholtenes. Er trete bei offener Tür ein; bei verschlossener Tür gehe er nicht ins Haus.

Vers 5.13

Von Staub bedeckt, mit einem leeren Haus als Unterkunft oder an einer Baumwurzel wohnend, gebe er alles Liebe und Unliebe auf.

Vers 5.14

Er schlafe dort, wo ihn der Sonnenuntergang erreicht, ohne Opferfeuer und ohne Wohnung. Von zufällig Erlangtem lebend sei der Weise beherrscht und Herr seiner Sinne.

Vers 5.15

Fortgezogen und in den Wald eingetreten, Erkenntnis als Opfer habend und mit bezwungenen Sinnen, die Zeit erwartend und wandernd, wird er geeignet, Brahman zu werden.

Vers 5.16

Der Weise, der allen Wesen Furchtlosigkeit gewährt und umherzieht, erfährt nirgends Furcht vor irgendeinem Wesen.

Vers 5.17

Ohne Stolz und Ichbewusstsein, frei von Gegensätzen und mit zerschnittenem Zweifel wird er weder zornig noch hasst er; mit seiner Stimme spricht er nichts Unwahres.

Vers 5.18

An heiligen Stätten wandernd, ohne Wesen zu verletzen und zur rechten Zeit Almosen empfangend, wird er zum Brahmanwerden geeignet.

Vers 5.19

Er soll sich niemals mit Waldeinsiedlern oder Haushältern vermischen. Er strebe nach einer unauffälligen Lebensweise; Jubel soll ihn nicht erfüllen.

Vers 5.20

Die Sonne bestimmt seinen Weg; wie ein Insekt wandere er auf der Erde. Handlungen, die auf gewünschte Früchte zielen, mit Verletzung verbunden sind …

Vers 5.21

… oder auf das Zusammenhalten der Welt gerichtet sind, soll er weder selbst vollziehen noch andere vollziehen lassen. Er hänge sich nicht an schlechte Schüler, suche keinen Erwerbsberuf, meide Streitreden und Argumentationen und schließe sich keiner Partei an.

Vers 5.22

Er binde keine Schüler an sich, studiere nicht viele Bücher, halte sich nicht mit Auslegungen auf und beginne keinerlei Unternehmungen.

Vers 5.23

Der Weise, dessen Kennzeichen und Absicht unerkennbar bleiben, verhalte sich wie ein Wahnsinniger oder Kind. Als Seher soll er sich den Menschen wie ein Stummer zeigen.

Vers 5.24

Er soll nichts tun, nichts sagen und weder Gutes noch Schlechtes bedenken. Im Selbst erfreut wandere der Weise nach dieser Lebensart wie ein Einfältiger.

Vers 5.25

Allein wandere er auf dieser Erde, ohne Bindung und mit gezügelten Sinnen, im Selbst spielend, im Selbst erfreut, im Selbst gegründet und alles gleich schauend.

Vers 5.26

Der Weise spiele wie ein Kind; der Kundige gehe wie ein Einfältiger. Der Wissende spreche wie ein Wahnsinniger; der Vedakundige lebe wie eine Kuh.

Vers 5.27

Von schlechten Menschen verstoßen, missachtet, verspottet oder beneidet, geschlagen, eingesperrt oder seines Unterhalts beraubt …

Vers 5.28

… von Unwissenden mit Kot oder Urin beschmutzt und auf solche vielfältige Weise erschüttert, soll der nach dem höchsten Heil Verlangende in der Not sich durch sich selbst aufrichten.

Vers 5.29

Da Ehrung die Entfaltung des Yoga schwer schädigt, erlangt der von den Leuten missachtete Yogi die Vollendung des Yoga.

Vers 5.30

Der Yogi verhalte sich, ohne die Ordnung der Guten zu beeinträchtigen, so, dass die Menschen ihn missachten und seine Gesellschaft nicht suchen.

Vers 5.31

Gesammelt soll er aus Mutterleibern und Eiern geborenen sowie anderen Wesen durch Worte, Gedanken und Handlungen kein Leid zufügen und alle Bindungen meiden.

Vers 5.32

Verlangen, Zorn, Hochmut, Gier, Verblendung und weitere solche Fehler soll der Wanderasket aufgeben und ohne Furcht sein.

Vers 5.33

Almosenspeise, Schweigen, Askese, besonders Meditation, rechte Erkenntnis und Wunschlosigkeit: Dies gilt als die Ordnung des Bettelmönchs.

Vers 5.34

Mit ockerfarbenem Gewand, stets der Meditation und dem Yoga hingegeben, wohne er am Dorfrand, unter einem Baum oder in einem Tempel.

Vers 5.35

Er lebe stets von Almosen und esse niemals nur die Speise eines einzigen Hauses. Der Verständige wandere beständig, bis Reinheit des Geistes entsteht.

Vers 5.36

Danach ziehe er mit reinem Inneren fort und wandere überall, innen und außen an jedem Ort Janardana schauend.

Vers 5.37

Schweigend und ohne Makel wandere er überall wie der Wind, in Schmerz und Freude gleich, geduldig, und esse, was in seine Hand gelangt.

Vers 5.38

Ohne Feindschaft sehe er Zweimalgeborene, Kühe, Pferde, Wildtiere und andere gleich und vergegenwärtige im Geist Vishnu, das höchste Selbst, den Herrn …

Abschnitt 5, Schlussvers und Prosa

… und erinnere: „Ich bin allein das aus Bewusstsein bestehende, höchst glückselige Brahman.“ Dies erkennend, den Geist als Stab tragend, von Hoffnung zurückgetreten und die Richtungen als Gewand tragend, gebe er stets durch Gedanken, Worte und Taten den gesamten Samsara auf. Von der Welt abgewandt werde er durch Betrachtung des eigenen Wesens nach dem Gleichnis von Wespe und Larve befreit: so die Upanishad.

Schluss des 5. Abschnitts

Damit endet der 5. Lehrabschnitt.

Abschnitt 6, Prosa – Die Gestalt der Erkenntnispraxis

Narada sagte zum Großvater: „Erhabener, wie erfolgt diese Übung, durch deren Macht [die Verwandlung] wie im Gleichnis von Wespe und Larve geschieht?“ Der Großvater antwortete: „Wahrhaftig redend soll er mit dem durch Erkenntnis und Wunschlosigkeit ausgezeichneten Körper als einzigem Rest leben. Erkenne Erkenntnis als Körper, Wunschlosigkeit als Leben, Ruhe und Selbstbeherrschung als die beiden Augen, den Geist als Mund, Buddhi als Teil, die fünfundzwanzig Prinzipien als Glieder, die fünf großen Elemente als Zustände, Handlung, Hingabe, Erkenntnis und Wunschlosigkeit als Zweige; Wachen, Traum, Tiefschlaf und das Vierte sowie die vierzehn Instrumente erscheinen wie im Schlamm stehende Pfosten.“

Abschnitt 6, Prosa – Das Bekenntnis zu Brahman

Wie ein Steuermann das Boot über den Schlamm führt und ein Lenker den Elefanten beherrscht, bringe der entsagte Mensch [das zu Lenkende] durch seine Einsicht unter Kontrolle. Er erkenne alles von ihm Verschiedene als gemacht und vergänglich und lebe stets im Bewusstsein: „Ich bin Brahman.“ Nichts anderes außer ihm selbst ist zu erkennen. Als zu Lebzeiten Befreiter lebe er; er hat vollbracht, was zu vollbringen war.

Abschnitt 6, Prosa – Die Zustände ineinander

Er soll sich nicht nach dem Gedanken „Ich bin nicht Brahman“ richten, sondern unablässig nach „Ich bin Brahman“, im Wachen, Traum und Tiefschlaf. Nachdem er den vierten Zustand erlangt hat, gelange er über das Vierte hinaus. Am Tag besteht Wachen, nachts Traum, um Mitternacht Tiefschlaf. So bestehen in einem Zustand vier Zustände, abhängig von den einzelnen Instrumenten; dies ist die Tätigkeit der vierzehn Instrumente, beginnend mit den Augen.

Abschnitt 6, Prosa – Funktionen der Sinne

Das Auge erfasst Formen, die Ohren Laute, die Zunge schmeckt, die Nase erfasst Gerüche; die Rede hat die Tätigkeit des Sprechens, die Hand die des Ergreifens, die Füße die des Gehens, der After die des Ausscheidens, das Geschlechtsorgan die des Lustempfindens, die Haut die des Berührens. Von ihnen hängt auch das Erkennen der Sinnesgegenstände ab. Durch Buddhi versteht man, durch Chitta nimmt man bewusst wahr, durch Ahamkara bildet man das Ich. Indem der Jiva diese [Funktionen] entlässt, wird er durch Identifikation mit dem Körper zum Jiva [die Verbindung ist unklar]. Wie jemand durch Identifikation mit dem Haus zum Haushälter wird, bewegt der Jiva sich im Körper.

Abschnitt 6, Prosa – Der innere Lotus

Im östlichen Blatt liegt die Hinwendung zum Guten; im südöstlichen Schlaf und Trägheit, im südlichen grausame Gesinnung, im südwestlichen sündige Gesinnung, im westlichen Spielfreude, im nordwestlichen die Neigung zum Gehen, im nördlichen Frieden, im nordöstlichen Erkenntnis. Im Fruchtboden liegt Wunschlosigkeit, in den Staubfäden Betrachtung des Selbst. Nachdem man diese Gestalt [der Vorlage: „Mund“] erkannt hat, [unterscheide man] die Zustände des Lebenden: zuerst Wachen, zweitens Traum, drittens Tiefschlaf, viertens das Vierte; das von diesen vier Freie ist das Über-das-Vierte-Hinaus. Durch die Unterschiede Vishva, Taijasa, Prajna und der Unbeteiligte bleibt es doch eines: der eine Gott, Zeuge und ohne Eigenschaften. Man spreche: „Dieses Brahman bin ich.“

Abschnitt 6, Prosa – Der eine Zeuge

Andernfalls bestehen im Wachzustand vier Zustände, beginnend mit Wachen; im Traum vier, beginnend mit Traum; im Tiefschlaf vier, beginnend mit Tiefschlaf; im Vierten vier, beginnend mit dem Vierten. Beim eigenschaftslosen Über-das-Vierte-Hinaus verhält es sich nicht so. In sämtlichen Zuständen, bei Vishva, Taijasa, Prajna und Ishvara mit den Gestalten des Groben, Feinen und Ursächlichen, bleibt der Zeuge allein einer.

Abschnitt 6, Prosa – Körperidentifikation und Atemmantra

Der Unbeteiligte ist der Seher; der Unbeteiligte ist nicht der Seher; aufgrund des Seherseins ist er nicht bloß Seher [so die schwierige Wortfolge]. Der Jiva wird durch Täterschaft, Genießerschaft, Ichbildung und Weiteres berührt; das vom Jiva Verschiedene wird nicht berührt. Wenn man sagt, auch der Jiva werde nicht berührt, lautet die Antwort: nein. Durch Identifikation als Jiva entsteht Identifikation mit dem Feld; durch Körperidentifikation entsteht Individualität. Individualität besteht aufgrund einer Abgrenzung, wie beim Topfraum gegenüber dem großen Raum. Gerade aufgrund dieser Abgrenzung übt man mit dem Mantra „haṃsaḥ, so’ham“ die Betrachtung in der Bezeichnung von Aus- und Einatmen. Dies erkennend gebe man die Identifikation mit dem Körper auf und werde keiner, der sich mit dem Körper identifiziert. Eben der wird Brahman genannt.

Abschnitt 6, Vers 6.1

Bindung aufgegeben, Zorn bezwungen, wenig essend und mit beherrschten Sinnen soll er durch Einsicht die Tore verschließen und den Geist in die Meditation führen.

Vers 6.2

An leeren, offenen Orten, in Höhlen und Wäldern soll der Yogi stets gesammelt sein und die Meditation richtig beginnen.

Vers 6.3

Zu Gastmählern, Ahnenriten, Opfern, Götterprozessionen, Festen und großen Menschenansammlungen soll der Yogakundige, der Vollendung sucht, niemals gehen.

Vers 6.4

Er soll so gesammelt sein, dass die Menschen ihn geringschätzen und verachten; dabei soll der Yogi den Weg der Guten nicht beeinträchtigen.

Vers 6.5

Der Stab der Rede, der Stab der Handlung und der Stab des Geistes: Dies sind die drei. Wer diese Stäbe unter Kontrolle hat, ist ein großer Asket mit Dreifachstab.

Vers 6.6

Der Asket, der nach Bienenart Almosen sammelt, wenn kein Rauch mehr aufsteigt und das Feuer erloschen ist, in den Häusern vorzüglicher Brahmanen, gilt als der beste von allen.

Vers 6.7

Wer nur Stab und Almosengang betreibt, ohne sich der eigenen Ordnung zu widmen, darin stehen bleibt und nicht zur Wunschlosigkeit gelangt, ist ein niedriger Asket.

Vers 6.8

Wer zu einem Haus, in dem er besonders begehrte Almosen erhielt, nicht erneut geht, gilt als Asket; der andere nicht.

Vers 6.9

Wer das von Körper, Sinnen und anderem freie, alles bezeugende, wahrhaftige Erkennen, das Wesen des Glücks, das aus sich selbst Leuchtende …

Vers 6.10

… als höchste Wirklichkeit erkennt, steht über Varna und Lebensstand. Varna, Lebensstand und Ähnliches sind durch Maya im Körper vorgestellt.

Vers 6.11

„Sie bestehen niemals in mir, dem Selbst, dessen Wesen Erkenntnis ist“: Wer dies durch die Vedanta-Lehren weiß, steht über Varna und Lebensstand.

Vers 6.12

Wessen Ordnung von Varna und Lebensstand durch die Schau des eigenen Selbst abgefallen ist, der hat alle Varnas und Lebensstände überschritten und steht im eigenen Selbst.

Vers 6.13

Den Menschen, der seine Lebensstände und Varnas überschritten hat und allein im Selbst steht, nennen die Kenner des Sinns aller Veden einen, der über Varna und Lebensstand steht.

Vers 6.14

Deshalb gehören Varnas und Lebensstände, o Narada, zu etwas anderem; alle werden aus Verblendung dem Selbst zugeschrieben – [so erkennt es] der Selbstkenner.

Vers 6.15

Für Brahmankenner bestehen weder Gebot noch Verbot, weder Vorstellung von zu Meidendem noch von Nichtzumeidendem, und ebenso nichts anderes, o Narada.

Vers 6.16

Von allen Wesen bis hin zum Rang Virinchis abgewandt, die zärtliche Bindung an alles zerschneidend, auch an Söhne und Freunde …

Vers 6.17

… soll er den Befreiungswegen vertrauen und, nach Vedanta-Erkenntnis verlangend, mit einer Gabe zum brahmankundigen Lehrer gehen.

Vers 6.18

Lange Zeit gesammelt soll er ihn durch Dienste zufriedenstellen und stets sehr gesammelt den Sinn der Vedanta-Sätze hören.

Vers 6.19

Ohne Meinsinn und Ichbewusstsein, von allen Bindungen frei und stets mit Ruhe und den weiteren Eigenschaften versehen, schaut er als im Selbst Gegründeter das Selbst.

Vers 6.20

Stets entsteht Entsagung gerade durch das Erkennen der Mängel des Samsara. Für den, der sich vom Samsara gelöst hat, ergibt sich Entsagung, ohne Zweifel.

Vers 6.21

Der nach Befreiung Verlangende, der Paramahamsa genannt wird, soll durch Hören der Vedanta-Lehren und Weiteres die Brahmanerkenntnis üben, das unmittelbare einzige Mittel zur Befreiung.

Vers 6.22

Um Brahmanerkenntnis zu erlangen, soll der Paramahamsa Genannte mit sämtlichen Voraussetzungen wie Ruhe und Selbstbeherrschung versehen sein.

Vers 6.23

Dem Vedanta-Studium hingegeben, ruhig, beherrscht, mit bezwungenen Sinnen, furchtlos, ohne Meinsinn, beständig, frei von Gegensätzen und besitzlos …

Vers 6.24

… trage er einen alten Lendenschurz, sei geschoren oder nackt: ein einsichtiger, vedantakundiger Yogi, ohne Meinsinn und Ichbildung.

Vers 6.25

Freunden und anderen gleichgesinnt, freundlich zu allen Wesen, allein, wissend und innerlich friedvoll: Er überschreitet [den Samsara], kein anderer.

Vers 6.26

Dem Wohl der Lehrer gewidmet soll er dort ein Jahr wohnen und stets in Niyamas und Yamas achtsam sein.

Vers 6.27

Wenn er schließlich den unübertrefflichen Yoga der Erkenntnis erlangt hat, wandere er ohne Widerspruch zum Dharma auf dieser Erde.

Vers 6.28

Nachdem er am Ende des Jahres den unübertrefflichen Yoga der Erkenntnis [erlangt], die drei Lebensstände verlassen und den höchsten Lebensstand erreicht hat …

Vers 6.29

… hole er die Erlaubnis der Lehrer ein und wandere auf dieser Erde, von Bindung gelöst, den Zorn bezwungen, wenig essend und mit beherrschten Sinnen.

Vers 6.30

Diese beiden gelangen wegen verkehrten Handelns nicht zur Entsagung: ein Haushälter, der nichts unternimmt, und ein Bettelmönch, der Geschäfte betreibt.

Vers 6.31

Man berauscht sich beim Anblick einer Frau wie nach dem Trinken von Alkohol. Deshalb soll [der Asket] eine Frau, die der Text als „Gift für den Blick“ bezeichnet, von fern meiden.

Vers 6.32

Gespräch und Plaudern mit Frauen, ihr Betrachten, Tanz, Gesang, Lachen und Verleumdung soll er meiden.

Vers 6.33

Für ihn bestehen hier weder Bad noch Japa, Verehrung, Feueropfer oder sonstige Übung, auch keine Tätigkeit wie der Dienst am Opferfeuer, o Narada.

Vers 6.34

Weder Verehrung noch Ahnenriten, Pilgerreise oder Gelübde bestehen für ihn, weder Recht noch Unrecht und Weiteres, weder Vorschrift noch weltliche Tätigkeit.

Vers 6.35

Er soll alle Handlungen und weltlichen Bräuche vollständig aufgeben. Würmer, Insekten, fliegende Tiere und ebenso Bäume soll der Yogi …

Vers 6.36

… nicht vernichten. Der lebende, verständige Asket, dessen Sinn auf die höchste Wirklichkeit gerichtet ist, sei stets nach innen gewandt, klar, innerlich friedvoll und in der eigenen Fülle gegründet.

Vers 6.37

Gib innere Bindung auf und wandere in der Welt, Narada. Der allein wandernde Weise zieht nicht durch ein Land ohne Herrscher.

Abschnitt 6, unnummerierter Schlussvers

Ohne Lobpreis, Verneigungsritual und Ahnenopferruf, an beweglichen oder unbeweglichen Orten untergebracht, lebe der Asket nach dem, was sich ergibt: so die Upanishad.

Schluss des 6. Abschnitts

Damit endet der 6. Lehrabschnitt.

Abschnitt 7, Prosa – Loslösung und Wanderleben

Auf Naradas Frage nach der Regel des Asketen antwortete der Großvater ihm zugewandt: „Entsagt sei der Bettelmönch während der Regenzeit ortsfest; acht Monate wandere er allein und nehme jeweils Unterkunft. Wie ein ängstliches Reh bleibe er nicht an einem Ort. Er lasse seine Bewegung nicht aufhalten, durchquere Flüsse nicht mit den Händen, besteige keine Bäume, besuche keine Götterfeste, esse nicht nur an einem Ort und vollziehe keine äußere Götterverehrung. Alles von ihm Verschiedene aufgebend, sammele er Nahrung nach Bienenart, bleibe mager und lasse kein Fett anwachsen. Ghee meide er wie Blut, die Nahrung eines einzigen Hauses wie Fleisch, duftende Salben wie unreine Beschmierung, Salz wie einen Ausgegrenzten, ein Gewand wie ein durch Speisereste verunreinigtes Gefäß, Ölmassage wie Umgang mit Frauen, Freundesfreude wie Urin, Begehren wie Rindfleisch, eine bekannte Gegend wie eine Chandala-Siedlung, eine Frau wie eine Schlange, Gold wie Kalakuta-Gift, einen Versammlungsplatz wie eine Verbrennungsstätte und eine Hauptstadt wie die Kumbhipaka-Hölle. Nahrung von einem einzigen Ort sei ihm wie ein Reiskloß für einen Toten. Er schaue nicht nach einem anderen Körper. Er lasse den Weltbetrieb, das eigene Land und vertraute Gegenden hinter sich. Wie einer, der sich über einen wiedergefundenen, vergessenen Gegenstand freut, erinnere er seine eigene Glückseligkeit. Er erkenne das Vergessen des Ortes seiner Körperidentifikation [die Fügung ist dunkel] und halte [den Körper] wie eine Leiche für abzuweisen. Wie ein aus dem Gefängnis entkommener Dieb verlasse er den Wohnort von Sohn, Vertrauten und Angehörigen und wohne fern.“

Abschnitt 7, Prosa – Leben bis zum Ende des Körpers

Er nehme Nahrung, die ohne Mühe zu ihm kommt, und widme sich der Betrachtung und Meditation des Brahman-Pranava. Von allen Handlungen frei verbrenne er Verlangen, Zorn, Gier, Verblendung, Hochmut, Neid und Weiteres, überschreite die drei Gunas und werde frei von den sechs Wogen und den sechs Veränderungen des Werdens. Wahrhaftig, rein und ohne Feindseligkeit wohne er eine Nacht im Dorf, fünf Nächte in einer Stadt, fünf Nächte an einem heiligen Ort und fünf Nächte an einer Pilgerstätte. Ohne feste Wohnung, beständigen Geistes und nicht lügend lebe er in Berghöhlen, allein oder zu zweit. Zu dritt sei es ein Dorf, zu viert eine Stadt [die Vorlage vertauscht hier die Ortsbezeichnungen]; daher wandere er allein. Er gebe den vierzehn Instrumenten dort keinen Raum. Durch ununterbrochene Erkenntnis erfahre er die Fülle der Wunschlosigkeit und erwäge in sich: „Keiner ist von mir verschieden.“ Überall sehe er allein sein eigenes Wesen und erlange Befreiung schon im Leben. Bis die Erscheinung des bereits begonnenen Karmas schwindet, erkenne er die vierfache Gestalt seines Wesens und lebe bis zum Fall des Körpers in der Betrachtung des eigenen Wesens.

Abschnitt 7, Prosa – Badeformen

Der Kutichaka badet zu drei Tageszeiten, der Bahudaka zweimal, der Hamsa einmal. Der Paramahamsa vollzieht das geistige Bad, der Turiyatita das Aschebad und der Avadhuta das Windbad.

Abschnitt 7, Prosa – Stirnzeichen

Der Kutichaka trägt das senkrechte Stirnzeichen, der Bahudaka das dreifache; der Hamsa das senkrechte oder dreifache Zeichen. Der Paramahamsa bestäubt sich mit Asche, der Turiyatita trägt ein Tilaka-Zeichen, der Avadhuta gar keines.

Abschnitt 7, Prosa – Rasurvorschriften

[Die Vorlage beginnt:] Für Turiyatita und Avadhuta eine Rasur je Jahreszeit; für den Kutichaka eine Rasur alle zwei Jahreszeiten; für den Bahudaka keine Rasur. Für Hamsa und Paramahamsa ebenfalls keine Rasur; falls doch, halbjährlich. Für Turiyatita und Avadhuta keine Rasur.

Abschnitt 7, Prosa – Nahrung

Für den Kutichaka Nahrung aus einem Haus, für den Bahudaka Sammeln nach Bienenart, für Hamsa und Paramahamsa die Hand als Schale, für den Turiyatita Essen mit dem Mund wie eine Kuh, für den Avadhuta die Lebensweise einer Python.

Abschnitt 7, Prosa – Kleidung

Der Kutichaka hat zwei Gewänder, der Bahudaka eines, der Hamsa ein Stoffstück. Der Paramahamsa ist nackt oder trägt einen Lendenschurz. Turiyatita und Avadhuta sind nackt. Hamsa und Paramahamsa haben ein Antilopenfell, die anderen nicht.

Abschnitt 7, Prosa – Formen der Verehrung

Kutichaka und Bahudaka verehren Gottheiten, Hamsa und Paramahamsa verehren im Geist, Turiyatita und Avadhuta betrachten „so’ham – Er bin ich“.

Abschnitt 7, Prosa – Befähigung und Unterweisung

Kutichaka und Bahudaka sind zu Mantrawiederholung befähigt, Hamsa und Paramahamsa zur Meditation. Turiyatita und Avadhuta haben keine andere Befähigung [als die folgende]: Sie sind zur Unterweisung in den großen Sätzen befähigt, ebenso der Paramahamsa. Kutichaka, Bahudaka und Hamsa sind nicht zur Unterweisung eines anderen befähigt.

Abschnitt 7, Prosa – Drei Arten des Pranava

Für Kutichaka und Bahudaka gilt der menschliche Pranava, für Hamsa und Paramahamsa der innere Pranava, für Turiyatita und Avadhuta der Brahman-Pranava.

Abschnitt 7, Prosa – Hören, Nachdenken und Versenkung

Für Kutichaka und Bahudaka gilt Hören, für Hamsa und Paramahamsa Nachdenken, für Turiyatita und Avadhuta anhaltende Versenkung. Für alle ist die Betrachtung des Selbst vorgeschrieben. So erinnere der nach Befreiung Verlangende stets das Rettende, das über den Samsara hinüberführt, und lebe als zu Lebzeiten Befreiter. Entsprechend seiner besonderen Befähigung suche der Asket den Weg zum Erlangen absoluter Freiheit: so die Upanishad.

Schluss des 7. Abschnitts

Damit endet der 7. Lehrabschnitt.

Abschnitt 8, Prosa – Die Entfaltungen des Pranava

Narada fragte den erhabenen Parameshthin: „Erkläre gütig das über den Samsara Rettende.“ Parameshthin begann: „Om – Brahman“, nach der Weise des Einzelnen und des Gesamten. „Was ist das Einzelne, was das Gesamte?“ Es gibt den Pranava der Auflösung und den der Schöpfung. Wegen des inneren, äußeren und beides umfassenden Wesens ist der Brahman-Pranava dreifach. Der innere Pranava ist der des gewöhnlichen Vollzugs, der äußere der der Rishis, der beides umfassende der kosmische Pranava. Der Auflösungs-Pranava ist Brahman-Pranava und Pranava der halben Mora. Om ist Brahman. Erkenne den einen Laut Om als inneren Pranava. Er gliedert sich in acht: A, U, M, halbe Mora, Nada, Bindu, Kala und Shakti. Darunter sind die ersten vier: A mit zehntausend Teilen, U mit tausend, M mit hundert und der Pranava der halben Mora mit unendlich vielen Teilen. Der kosmische Pranava besitzt Eigenschaften; der Auflösungs-Pranava ist eigenschaftslos; der Entstehungs-Pranava umfasst beides. [Es folgen verdichtete Bezeichnungen für die gedehnte Lautform:] gedehnt, kosmisch-gedehnt, gedehnte Auflösung. Der kosmische Pranava besteht aus sechzehn Moren und steht über den sechsunddreißig Prinzipien. Wie ist er sechzehnfach? A ist die erste, U die zweite, M die dritte, die halbe Mora die vierte, Nada die fünfte, Bindu die sechste, Kala die siebte, Kalatita die achte, Shanti die neunte, Shantyatita die zehnte, Unmani die elfte, Manonmani die zwölfte, Puri die dreizehnte, Madhyama die vierzehnte, Pashyanti die fünfzehnte, Para die sechzehnte. Wiederum sind es vierundsechzig Moren; durch die Zweiteilung in Prakriti und Purusha entsteht die Gestalt mit [hundert]achtundzwanzig unterschiedlichen Moren. Mit und ohne Eigenschaften bleibt der Brahman-Pranava doch einer.

Vers 8.1

Er ist Grundlage von allem, höchstes Licht, der Herr aller, alldurchdringend, aus allen Gottheiten bestehend und mit der Grundlage der ganzen Erscheinungswelt erfüllt.

Vers 8.2

Er besteht aus allen Lauten, ist Zeit, umfasst alle Überlieferungen und ist Shiva; er ist das Höchste aller Offenbarungen, das zu Suchende, aus allen Upanishaden bestehend.

Vers 8.3

Was vergangen, gegenwärtig oder künftig ist, was in den drei Zeiten ausgesagt wird und unvergänglich ist: Erkenne auch dies allein als den befreiungsspendenden Om-Laut.

Vers 8.4

Eben dieses Selbst wird mit dem Wort Brahman bezeichnet. Man erfahre das eine Unsterbliche und Alterslose und ebenso „Om“ …

Vers 8.5

… und übertrage [die Zuordnung] mitsamt dem Körper, die Identität mit ihm als „Om“. Bestimme jenes Selbst mit den drei Körpern als höchstes Brahman.

Vers 8.6

Man betrachte das höchste Brahman; die Reihenfolge von Vishva und den folgenden [Zuständen] erfolgt stufenweise: wegen Grobheit und Genuss des Groben, wegen Feinheit und Genuss des Feinen, [dann] das Höhere.

Vers 8.7

Wegen Einheit und Genuss der Glückseligkeit ist dieses Selbst vierfach. Vierfüßig, wachend, grob und des Groben bewusst, genießt es die ganze Welt.

Vers 8.8

Mit neunzehn Mündern und acht Gliedern, allgegenwärtig, Herr und Genießer des Groben, ist der vierfache Purusha Vishva und Vaishvanara.

Vers 8.9

Vishvajit ist der erste Fuß. Der Herr, der den Traumort erreicht, ist des Feinen bewusst, von sich aus achtgliedrig, einer und kein anderer, o Feindbezwinger.

Vers 8.10

Feines genießend und vierfach ist dieser Taijasa, König der Wesen, Hiranyagarbha, im Inneren grob [so die Vorlage]; er wird der zweite Fuß genannt.

Vers 8.11

Wo der Schlafende keinerlei Wunsch begehrt und keinen Traum sieht, das ist klar der Tiefschlaf.

Vers 8.12

Vereint, im Tiefschlaf befindlich, eine Dichte von Bewusstsein besitzend und glücklich, ist das Selbst von ewiger Glückseligkeit erfüllt und wohnt im Inneren aller Lebewesen.

Vers 8.13

So ist es Genießer der Glückseligkeit, mit Bewusstsein als Tor, allgegenwärtig und unvergänglich. Der vierfache Herr Prajna wird als dritter Fuß bezeichnet.

Vers 8.14

Dies ist der Herr aller, der Allwissende, der das Feine hervorbringt; dies ist der innere Lenker, der Ursprung von allem, Entstehen und Vergehen der Wesen.

Vers 8.15

[Der Wesen:] Auch diese Dreiheit behindert die völlige Ruhe. Tiefschlaf und Traum werden als bloße Maya bezeichnet.

Vers 8.16

Auch das Vierte ist vierfach, doch dieses ist der eine Geschmack von Sein und Bewusstsein – aufgrund des im Vierten wohnenden Wesens und entsprechend der jeweiligen Einheit.

Vers 8.17

[Es ist] Mittel zur Erkenntnis der Unterscheidungen: Erkanntes, Zustimmender und Nichtzustimmender. Auch hier besteht die Dreiteilung: Tiefschlaf, Traum und das Innere.

Vers 8.18

Nachdem man dies als bloße Maya erkannt hat, ist dieses der eine Geschmack von Sein und Bewusstsein. Diese Unterweisung ist gegliedert: [Es ist] nicht das alltäglich des Groben Bewusste …

Vers 8.19

… nicht gänzlich des Feinen bewusst, nicht bewusst [in gewöhnlichem Sinn], auch nirgends, o Weiser; nicht unbewusst, nicht beidseitig bewusst und nicht im Inneren bewusst.

Abschnitt 8, unnummerierter Schluss und Prosa

Weder unbewusst noch eine Bewusstseinsmasse und auch ungesehen ist es: ohne Kennzeichen, ungreifbar, [nicht] Gegenstand des Verkehrs, undenkbar, unbezeichenbar; sein Kern ist die Gewissheit des einen Selbst. Es ist Stillung der Erscheinungswelt, heilvoll, friedvoll und nichtdual. Man hält es für das Vierte. Dies ist der Brahman-Pranava; dieser ist zu erkennen, kein anderer. Das Vierte, überall wie die Sonne, ist die Grundlage der nach Befreiung Verlangenden, selbstleuchtend, Brahman-Raum. Stets strahlt es, weil es höchstes Brahman ist: so die Upanishad.

Schluss des 8. Abschnitts

Damit endet der 8. Lehrabschnitt.

Abschnitt 9, Prosa – Die Natur Brahmans

Narada fragte: „Wie ist Brahmans Natur?“ Der Großvater antwortete ihm: „Was ist Brahmans Natur? Diejenigen, die denken: ‚Jener ist einer, ich bin ein anderer‘, sind Tiere – nicht die von Natur aus Tiere sind. Wer als Wissender ihn so erkennt, wird aus dem Rachen des Todes frei. Es gibt keinen anderen Weg, um dorthin zu gelangen.“

Vers 9.1

Zeit, Eigennatur, Notwendigkeit, Zufall, Elemente, Ursprung oder Purusha: So ist zu erwägen. Ihre Verbindung [ist nicht die letzte Ursache], wegen des Selbstwesens. Denn das [einzelne] Selbst ist nicht Herr über die Ursache von Freude und Schmerz.

Vers 9.2

Dem Yoga der Meditation folgend erblickten sie die Kraft des göttlichen Selbst, in ihren eigenen Eigenschaften verborgen: Jener Eine beherrscht alle diese Ursachen, die mit Zeit und Selbst verbunden sind.

Vers 9.3

[Sie erblickten] jenes [Rad] in Einem [die Radbezeichnung ist ausgefallen], dreifach umspannt, mit sechzehn Enden, fünfzig Speichen und zwanzig Gegenspeichen, mit sechs Achtergruppen, einem allgestaltigen Seil, drei verschiedenen Wegen, zwei Ursachen und einer Verblendung.

Vers 9.4

Wir betrachten [den Strom] mit dem Wasser von fünf Strömungen, mit fünf Ursprüngen und schrecklichem Schlund, dessen Wogen die fünf Lebensatemkräfte sind, dessen ursprüngliche Wurzel die fünf Erkenntniskräfte sind, mit fünf Wirbeln, mit der Gewalt von fünf Leidensfluten, fünfzig Verzweigungen und fünf Abschnitten.

Vers 9.5

In diesem großen Brahmanrad, in dem alles lebt und alles ruht, kreist der Hamsa, weil er sich selbst und den Antreiber für verschieden hält. Von jenem begünstigt erlangt er darauf Unsterblichkeit.

Vers 9.6

Dies ist der Udgitha, das höchste Brahman. In ihm bestehen die Dreiheit und das in sich gegründete Unvergängliche. Nachdem die Vedakenner den darin liegenden Unterschied erkannt haben, sind sie, ihm ganz ergeben, im höchsten Brahman aufgegangen.

Vers 9.7

Der Herr trägt dieses verbundene All aus Vergänglichem und Unvergänglichem, Offenbarem und Unoffenbarem. Das nicht souveräne Selbst wird durch sein Genießersein gebunden. Erkennt es den Gott, wird es von allen Fesseln frei.

Vers 9.8

Zwei Ungeborene sind der Wissende und der Nichtwissende, der Herr und der Nicht-Herr. Eine Ungeborene ist dem Zweck von Genießer und Genuss zugeordnet. Das Selbst ist unendlich, allgestaltig und untätig. Wenn man diese Dreiheit erkennt, ist dies Brahman.

Vers 9.9

Die Urnatur ist vergänglich; Hara ist unsterblich und unvergänglich. Der eine Gott beherrscht das Vergängliche und das Selbst. Durch Meditation auf ihn, Vereinigung und das Werden zu seiner Wirklichkeit endet schließlich erneut die ganze Maya.

Vers 9.10

Den Gott erkennend wird man von allen Fesseln frei. Sind die Bedrängnisse geschwunden, enden Geburt und Tod. Durch Meditation auf ihn [erreicht man] beim Zerfall des Körpers das Dritte: Herrschaft über alles, Alleinsein, im Selbst erfülltes Verlangen.

Vers 9.11

Dies ist zu erkennen, ewig im Selbst gegründet; darüber hinaus ist nichts zu erkennen. Indem man Genießer, Genießbares und Antreiber erkennt, ist alles gesagt: Dieses Brahman ist dreifach.

Vers 9.12

Selbsterkenntnis und Askese sind die Wurzel; jenes Brahman ist das Höchste der Upanishaden. Wer dies erkennt und allein das eigene Wesen betrachtet: Welche Verblendung, welcher Kummer besteht dort für den, der die Einheit sieht?

Vers 9.13

Daraus entsteht der Virat, Vergangenes, Gegenwärtiges und Künftiges, von unvergänglichem Wesen. Feiner als das Feinste, größer als das Größte ist das Selbst, verborgen in der Höhle dieses Wesens. Ohne Trauer schaut man durch die Gnade des Schöpfers jenen wunschlosen Herrn in seiner Größe.

Vers 9.14

Ohne Hände und Füße ist er schnell und greift; ohne Augen sieht er, ohne Ohren hört er. Er kennt das Erkennbare, doch ihn kennt kein anderer. Man nennt ihn den ersten, großen Purusha.

Vers 9.15

Das körperlose Selbst in den Körpern, das Beständige im Unbeständigen, das große, alldurchdringende: Wenn der Weise es erkannt hat, trauert er nicht.

Vers 9.16

[Zu erkennen ist] der Träger von allem mit undenkbarer Kraft, erkennbar durch den besonderen Sinn der Enden aller Überlieferungen, höher als das Höchste, das höchste Erkennbare, am Ende von allem ein für alle Mal zu erkennen.

Vers 9.17a

Den Seher, den Uralten, den Höchsten der höchsten Purushas, den Herrn aller, von allen Göttern zu verehren, ohne Anfang, Mitte und Ende, unendlich, unvergänglich, den Träger Shivas, Achyutas und des Lotusgeborenen …

Vers 9.17b

… durch den diese ganze fünffache Erscheinungswelt umhüllt ist, die in den fünf besteht, die unendliche Welt des Werdens aus den verfünffachten [Elementen], selbst von den eigenen verfünffachten Gliedern nicht umhüllt: höher als das Höchste, größer als das Große, seinem Wesen nach lichtvoll, ewig und heilvoll.

Vers 9.18

Wer nicht von schlechtem Verhalten absteht, nicht friedvoll oder gesammelt ist und keinen ruhigen Geist besitzt, kann es nicht durch Einsicht erlangen.

Abschnitt 9, Schlussprosa – Absolute Freiheit

Es ist weder nach innen noch nach außen bewusst, weder grob noch nichtgrob, weder Wissen noch Nichtwissen, weder beidseitig bewusst, sondern ungreifbar und keinem Umgang zugänglich. Wer erkennt: „Es steht in meinem Inneren und ist ich selbst“, wird befreit, wird befreit – so sagt der erhabene Großvater. Wer das eigene Wesen kennt, ist Wanderasket. Er wandert allein, hält sich wie ein von Furcht erschrecktes Reh auf und lässt seine Bewegung nicht aufhalten. Alles außer dem eigenen Körper aufgebend, nach Art der Biene lebend und das eigene Wesen betrachtend, wird er, alles mit nichtanderer Einsicht [schauend], in sich selbst frei. Dieser Wanderasket hat alle Tätigkeiten und Handlungsmittel beendet, ist frei von Lehrer, Schüler, Lehrwerk und Weiterem und hat den ganzen Samsara verlassen. Unverblendet ist der Wanderasket – wie [beschreiben]? Besitzlos und glücklich, reich, jenseits von Wissen und Nichtwissen, jenseits von Freude und Schmerz, im eigenen Licht leuchtend, von allen zu erkennen, allwissend, alle Vollendungen gewährend, der Herr aller: „Er bin ich.“ Dies ist Vishnus höchster Zustand, von dem die Yogis, die dorthin gelangt sind, nicht zurückkehren. Dort scheint weder Sonne noch Mond. Er kehrt nicht wieder, er kehrt nicht wieder. Dies ist absolute Freiheit: so die Upanishad.

Schluss des 9. Abschnitts

Damit endet der 9. Lehrabschnitt.

Shanti-Mantra am Schluss

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Friedensruf am Schluss

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Schlussformel

Damit ist die Naradaparivrajaka-Upanishad beendet.

Fünf Empfehlungen für die spirituelle Praxis aus der Narada Parivrajaka Upanishad

  1. Vereinfache dein Leben. Unterscheide notwendige Bedürfnisse von Gewohnheiten, die dich binden. Pflege Zufriedenheit und teile mit anderen.
  2. Übe Ahimsa und Wahrhaftigkeit. Lass Gewaltlosigkeit auch deine Worte, Reaktionen und Gedanken prägen. Verzichte darauf, eine Kränkung durch eine neue Kränkung zu beantworten.
  3. Prüfe deine Motivation. Suche weder Bewunderung für äußere Entsagung noch eine besondere Rolle. Richte dich auf innere Freiheit und Selbsterkenntnis aus.
  4. Verbinde Studium mit Meditation. Höre die Lehre, denke darüber nach und vertiefe sie regelmäßig. Om kann die Sammlung des Geistes unterstützen.
  5. Handle ohne Festhalten. Erfülle deine Aufgaben aufmerksam und hilfsbereit. Gib den Anspruch auf, alle Ergebnisse kontrollieren oder besitzen zu müssen.

Quellen und Literatur

Siehe auch

Ähnliche Upanishaden: Jabala Upanishad, Paramahamsa Upanishad, Bhikshuka Upanishad, Sannyasa Upanishad, Brahma Upanishad, Turiyatita Upanishad, Paramahamsaparivrajaka Upanishad, Mandukya Upanishad.

Weblinks

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