Dakshinakali Puja nach dem Brihat Tantrasara
Dakshinakali Puja nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, Kali als befreiende göttliche Mutter zu verehren, vor deren Gegenwart Vergänglichkeit und Angst sichtbar werden.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Dakshinakali Puja. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Hinweis zu dieser Form: Dieser Artikel behandelt die erste Shyama-Paddhati. Die folgenden eigenständigen Vidyas stehen auf eigenen Seiten. Die besondere Ritualgrundlage und die Nyasas gehören zur empfangenen Unterweisung.
Vorbereitung und Materialien
Ein sauberer Sitz, ein geeigneter Verehrungsträger, Wassergefäße, Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise. Wenn die Quelle ein Yantra nennt, wird dessen konkrete Anordnung vor Beginn vorbereitet. Besondere Gaben stehen bei der betreffenden Handlung.
Für die unten ausgeführte vollständige Gabenfolge zusätzlich: Gewand, Schmuck, Badewasser, Mundspülwasser und Madhuparka aus Ghī, Joghurt und Honig. Ein rein geistiger Ersatz einer materiellen Gabe ist als solcher zu verstehen und wird nicht als wortgleiche äußere Durchführung ausgegeben.
Richte die Gaben vor Beginn so ein, dass während der Verehrung nichts gesucht werden muss. Bestimme den verwendeten Mantra und den Verehrungsträger. Die Materialanordnung ist eine redaktionelle Durchführungshilfe; verbindliche Sondergaben stehen bei den Einzelbelegen.
Durchführung
1. Sammeln und den Vorsatz fassen
Setze dich aufrecht vor den Verehrungsplatz, erinnere dich an den Guru und richte deine Absicht auf die in diesem Artikel genannte Gottheit. Fasse den Vorsatz in klaren eigenen Worten. Die anschließend verwendete Mantraform wird für die ganze Durchführung beibehalten.
2. Grundmantra
krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā
Die Bija-Folge ruft Dakshina Kali an: „O Dakshina Kali“, svaha. Redaktionelle Auflösung der Lautbildung P2-1032; kālile wird nach der eindeutigen Anrede kālike berichtigt.
3. Innere Vorbereitung und Nyasa
Zugehörige Ausführung des Rückverweises
Die folgenden Belege erläutern den hier benötigten Rückverweis. Führe nur die darin für diese Stelle bezeichnete Handlung aus. Eigene Seherzuordnung, Grundmantra und besonderes Dhyana dieses Artikels bleiben maßgeblich; mitzitierte andere Ritualformen werden nicht zusätzlich ausgeführt.
P2-0068
Nun Pīṭha-Nyāsa: „Oṃ. Der tragenden Kraft sei Verehrung; der Prakṛti; Kūrma; Ananta; der Erde; dem Milchozean; der weißen Insel; dem Juwelenpavillon; dem Wunschbaum; dem Juwelenaltar; dem Edelsteinlöwenthron.“ Dies alles im Herzen. Danach an der rechten Schulter Dharma, links Erkenntnis, am linken Oberschenkel Leidenschaftslosigkeit, rechts Herrschaftskraft; am Mund Adharma, links Unwissenheit, am Nabel Nicht-Leidenschaftslosigkeit, rechts Nicht-Herrschaftskraft, überall beginnend mit Praṇava und endend auf namaḥ. So im Śāradā: An den beiden Schultern und Oberschenkeln setze der Verständige rechtsherum Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftskraft, an Mund, Seite, Nabel und Seite die Gegenkräfte ein. Wieder im Herzen: „Oṃ. Ananta sei Verehrung“, ebenso dem Lotus; „aṃ, dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās“, „uṃ, dem Mondkreis mit sechzehn“, „maṃ, dem Feuerkreis mit zehn“, „saṃ, Sattva“, „raṃ, Rajas“, „taṃ, Tamas“, „āṃ, Ātman“, „aṃ, dem inneren Ātman“, „paṃ, dem höchsten Ātman“, „hrīṃ, dem Erkenntnis-Ātman“, jeweils namaḥ. Danach auf den Staubfäden des Herzlotus von Osten an die im jeweiligen Ritualhandbuch genannten Pīṭha-Kräfte, in der Mitte den Pīṭha-Mantra.
atha pīṭhanyāsaḥ
oṃ ādhāraśaktaye nama, prakṛtaye, kūrmāya, anantāya, pṛthivyai
kṣīrasamudrāya, śvetadvīpāya, maṇimaṇḍapāya, kalpavṛkṣāya,
maṇivedikāyai, ratnasiṃhāsanāya |
etatsarvaṃ hṛdi |
tato dakṣiṇaskandhe dharmāya, vāmaskandhe jñānāya, vāmorau
vairāgyāya, dakṣiṇorau aiśvaryāya, mukhe adharmāya, vāmapārśve
ajñānāya, nābhau avairāgyāya, dakṣiṇapārśve anaiśvaryāya,
sarvatra praṇavādinamo'ntena nyaset |
tathā ca śāradāyām:
aṃsoruyugmayorvidvānprādakṣiṇyena sādhakaḥ |
dharmaṃ jñānañca vairāgyamaiśvaryaṃ kramaśaḥ sudhīḥ |
mukhapārśva - nābhipārśveṣvadharmādīnprakalpayediti |
punaśca hṛdi oṃ anantāya namaḥ, evaṃ padmāya, aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ, uṃ somamaṇḍalāya
ṣoḍaśakalātmane namaḥ, maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane
namaḥ, saṃ sattvāya, raṃ rajase, taṃ tamase, āṃ ātmane, aṃ
antarātmane, paṃ paramātmane, hrīṃ jñānātmane |
sarvatra namaḥ, ityantaṃ vinyasya hṛtpadmasya pūrvādikeśareṣu
tattatkalpokta pīṭhaśaktīrmadhye pīṭhamanuñca nyaset
|| 64 ||
अथ पीठन्यासः
ॐ आधारशक्तये नम, प्रकृतये, कूर्माय, अनन्ताय, पृथिव्यै
क्षीरसमुद्राय, श्वेतद्वीपाय, मणिमण्डपाय, कल्पवृक्षाय,
मणिवेदिकायै, रत्नसिंहासनाय ।
एतत्सर्वं हृदि ।
ततो दक्षिणस्कन्धे धर्माय, वामस्कन्धे ज्ञानाय, वामोरौ
वैराग्याय, दक्षिणोरौ ऐश्वर्याय, मुखे अधर्माय, वामपार्श्वे
अज्ञानाय, नाभौ अवैराग्याय, दक्षिणपार्श्वे अनैश्वर्याय,
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन न्यसेत् ।
तथा च शारदायाम्:
अंसोरुयुग्मयोर्विद्वान्प्रादक्षिण्येन साधकः ।
धर्मं ज्ञानञ्च वैराग्यमैश्वर्यं क्रमशः सुधीः ।
मुखपार्श्व - नाभिपार्श्वेष्वधर्मादीन्प्रकल्पयेदिति ।
पुनश्च हृदि ॐ अनन्ताय नमः, एवं पद्माय, अं
सूर्यमण्डलाय द्वादशकलात्मने नमः, उं सोममण्डलाय
षोडशकलात्मने नमः, मं वह्निमण्डलाय दशकलात्मने
नमः, सं सत्त्वाय, रं रजसे, तं तमसे, आं आत्मने, अं
अन्तरात्मने, पं परमात्मने, ह्रीं ज्ञानात्मने ।
सर्वत्र नमः, इत्यन्तं विन्यस्य हृत्पद्मस्य पूर्वादिकेशरेषु
तत्तत्कल्पोक्त पीठशक्तीर्मध्ये पीठमनुञ्च न्यसेत्
॥ ६४ ॥
P2-1037
Ihre Verehrungsausführung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen vollzogen hat, führe man das Mantra-Wasserschlürfen aus. So: Nachdem man mit den drei Kālikā[-Bījas] getrunken hat, berühre man [die Körperstellen] mit Kālī und den übrigen. Mit zweien wische man die Lippen zweimal ab, mit einem wasche man die Hände.
asyāḥ pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādikaṃ kṛtvā mantrācamanaṃ kuryāt |
yathā:
kālikābhistribhiḥ pītvā kālyādibhirupaspṛśet |
dvābhyāmoṣṭhau dvirunmṛjya caikena kṣālayetkarau
|| 11 ||
अस्याः पूजाप्रयोगः:
प्रातःकृत्यादिकं कृत्वा मन्त्राचमनं कुर्यात् ।
यथा:
कालिकाभिस्त्रिभिः पीत्वा काल्यादिभिरुपस्पृशेत् ।
द्वाभ्यामोष्ठौ द्विरुन्मृज्य चैकेन क्षालयेत्करौ
॥ ११ ॥
P2-1039
Nachdem man die Handlungen bis zur Reinigung der Elemente ausgeführt hat, vollziehe man mit dem Māyā-Bīja die Atemregelung nach Vorschrift.
tato bhūtaśuddhyantaṃ vidhāya māyābījena yathāvidhi
praṇāyāmaṃ kuryāt
|| 12 ||
ततो भूतशुद्ध्यन्तं विधाय मायाबीजेन यथाविधि
प्रणायामं कुर्यात्
॥ १२ ॥
P2-1042
Danach der Laut-Nyāsa: Am Herzen „aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ namaḥ“; am rechten Arm „eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ namaḥ“; am linken Arm „ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ namaḥ“; am rechten Fuß „ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ namaḥ“; am linken Fuß „maṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ namaḥ“. Namaḥ bedeutet jeweils Verehrung. Nach Virūpākṣas Lehre erfolgt dieser Nyāsa mit Bindu. So im Vīratantra: Man lege aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ am Herzen auf — und so weiter. Im Kālītantra dagegen ohne Bindu: Mit a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ berühre man das Herz — und so weiter. Aufgrund der vom Ācārya übernommenen Aussage des Bhairavīya „Man lege diese Laute mit Bindu oder ohne Bindu auf“ sind jedoch beide [Formen] richtig.
tato varṇanyāsaḥ:
aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ namaḥ iti hṛdaye |
eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ namaḥ iti dakṣiṇabāhau
|
ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ namaḥ iti
vāmabāhau |
ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ namaḥ iti
dakṣiṇapāde |
maṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ namaḥ iti
vāmapāde |
virūpākṣamate savindurayaṃ nyāsaḥ |
yathā vīratantre:
aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ vai hṛdaye nyasedityādi |
kālītantre punarnirvinduḥ |
yathā:
a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ vai hṛdayaṃ spṛśedityādi |
kintu savindūn vā nyasedetān nirvindūna vātha varṇakānityācārya
parigṛhītabhairavīyavākyādubhayameva yuktam
|| 15 ||
ततो वर्णन्यासः:
अं आं इं ईं उं ऊं ऋं ॠं ऌं ॡं नमः इति हृदये ।
एं ऐं ॐ औं अं अः कं खं गं घं नमः इति दक्षिणबाहौ
।
ङं चं छं जं झं ञं टं ठं डं ढं नमः इति
वामबाहौ ।
णं तं थं दं धं नं पं फं बं भं नमः इति
दक्षिणपादे ।
मं यं रं लं वं शं षं सं हं लं क्षं नमः इति
वामपादे ।
विरूपाक्षमते सविन्दुरयं न्यासः ।
यथा वीरतन्त्रे:
अं आं इं ईं उं ऊं ऋं ॠं ऌं ॡं वै हृदये न्यसेदित्यादि ।
कालीतन्त्रे पुनर्निर्विन्दुः ।
यथा:
अ आ इ ई उ ऊ ऋ ॠ ऌ ॡ वै हृदयं स्पृशेदित्यादि ।
किन्तु सविन्दून् वा न्यसेदेतान् निर्विन्दून वाथ वर्णकानित्याचार्य
परिगृहीतभैरवीयवाक्यादुभयमेव युक्तम्
॥ १५ ॥
P2-1043
Nun der sechsfache Nyāsa. So im Vīratantra: Nachdem der beste Sādhaka die reine Mātṛkā [aufgelegt hat], lege er die mit Tāra umschlossene Mātṛkā und Tāra, umschlossen von Mātṛkā, auf. Die mit dem Śrī-Bīja umschlossene Mātṛkā und jenes, umschlossen von Mātṛkā; die mit Kāma umschlossene Göttin und Kāma selbst, von ihr umschlossen; die mit Śakti umschlossene Göttin und Śakti, von ihr umschlossen. Nachdem man wiederum das krīṃ-Paar sowie ṛ ṝṃ ḷ ḹ wie zuvor aufgelegt hat, [lege man] die mit dem Grundmantra umschlossene Göttin und den von ihr umschlossenen Mantra auf. Man lege den Mantra vorwärts und rückwärts nach Vorschrift auf und vollziehe unmittelbar danach mit dem Grundmantra 108-mal den den ganzen Körper durchdringenden [Nyāsa]. So: „oṃ aṃ oṃ“; ebenso Tāra, umschlossen von Mātṛkā. Ebenso die mit dem Śrī-Bīja umschlossene Mātṛkā und das von ihr umschlossene Śrī-Bīja. Ebenso die mit Kāma umschlossene Mātṛkā und Kāma, umschlossen von Mātṛkā. Ebenso lege man die mit Śakti umschlossene Mātṛkā und Śakti, umschlossen von Mātṛkā, auf. Ebenso das krīṃ-Paar und ṛ ṝ ḷ ḹ wie zuvor; die davon umschlossene Mātṛkā und jenes, umschlossen von Mātṛkā, lege man auf. Die mit dem Mantra umschlossene Mātṛkā und den von ihr umschlossenen Mantra [lege man auf]. Wiederum lege man den Mantra allein vorwärts und rückwärts an den Mātṛkā-Stellen auf und vollziehe mit dem Grundmantra 108-mal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa.
atha ṣoḍānyāsaḥ |
taduktaṃ vīratantre:
kevalāṃ mātṛkāṃ kṛtvā mātṛkāṃ tārasaṃpuṭām |
mātṛkāpuṭitaṃ tāraṃ nyaset sādhakasattamaḥ |
śrībījapuṭitāṃ tāntu mātṛkāpuṭitantu tat |
kāmena puṭitāṃ devīṃ tatpuṭaṃ kāmameva ca |
śaktyā ca puṭitāṃ devīṃ śaktiñca tatpuṭāṃ nyaset |
krīṃ dvandvañca punarnyastvā ṛ-ṝṃ-ḷ-ḹñca pūrvavat |
mūlena puṭitāṃ devīṃ tatpuṭaṃ mantrameva ca |
anumola vilomena nyasya mantraṃ yathāvidhi |
mūlenāṣṭaśataṃ kuryādvyāpakaṃ tadanantaram |
yathā:
oṃ aṃ oṃ evaṃ mātṛkāpuṭitaṃ tāram |
evaṃ śrībījapuṭitāṃ tām |
tatpuṭitaṃ śrībījam |
evaṃ kāmena puṭitāṃ mātṛkām |
mātṛkāpuṭitaṃ kāmam |
evaṃ śaktyā puṭitāṃ mātṛkām |
mātṛkāpuṭitāṃ śaktiṃ nyaset |
tathā krīṃ dvandvañca ṛ ṝ ḷ ḹñca pūrvavat |
tatpuṭitāṃ mātṛkāṃ mātṛkāpuṭitañca tannyaset |
mantrapuṭitāṃ mātṛkāṃ tatpuṭitaṃ manum |
punaranuloma vilomena kevalaṃ mantraṃ mātṛkāsthāne nyasya
mūlenāṣṭaśatena vyāpakaṃ kuryāt
|| 16 ||
अथ षोडान्यासः ।
तदुक्तं वीरतन्त्रे:
केवलां मातृकां कृत्वा मातृकां तारसंपुटाम् ।
मातृकापुटितं तारं न्यसेत् साधकसत्तमः ।
श्रीबीजपुटितां तान्तु मातृकापुटितन्तु तत् ।
कामेन पुटितां देवीं तत्पुटं काममेव च ।
शक्त्या च पुटितां देवीं शक्तिञ्च तत्पुटां न्यसेत् ।
क्रीं द्वन्द्वञ्च पुनर्न्यस्त्वा ऋ-ॠं-ऌ-ॡञ्च पूर्ववत् ।
मूलेन पुटितां देवीं तत्पुटं मन्त्रमेव च ।
अनुमोल विलोमेन न्यस्य मन्त्रं यथाविधि ।
मूलेनाष्टशतं कुर्याद्व्यापकं तदनन्तरम् ।
यथा:
ॐ अं ॐ एवं मातृकापुटितं तारम् ।
एवं श्रीबीजपुटितां ताम् ।
तत्पुटितं श्रीबीजम् ।
एवं कामेन पुटितां मातृकाम् ।
मातृकापुटितं कामम् ।
एवं शक्त्या पुटितां मातृकाम् ।
मातृकापुटितां शक्तिं न्यसेत् ।
तथा क्रीं द्वन्द्वञ्च ऋ ॠ ऌ ॡञ्च पूर्ववत् ।
तत्पुटितां मातृकां मातृकापुटितञ्च तन्न्यसेत् ।
मन्त्रपुटितां मातृकां तत्पुटितं मनुम् ।
पुनरनुलोम विलोमेन केवलं मन्त्रं मातृकास्थाने न्यस्य
मूलेनाष्टशतेन व्यापकं कुर्यात्
॥ १६ ॥
P2-1047
Danach vollziehe man mit dem Grundmantra siebenmal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa, zeige nach Vorschrift die Mudrā und meditiere.
tato mūlena saptadhā vyāpakaṃ kṛtvā yathāvidhi mudrāṃ pradarśya
dhyāyet
|| 20 ||
ततो मूलेन सप्तधा व्यापकं कृत्वा यथाविधि मुद्रां प्रदर्श्य
ध्यायेत्
॥ २० ॥
Ausgeschriebene Hand- und Körperfolge
Führe zuerst den Handnyasa, anschließend den Körpernyasa in der Tabellenreihenfolge aus. Die ausgeschriebene Folge setzt die Gliederregel aus P2-1041, erste ausdrücklich ausgeschriebene Folge und P2-0082–0083 um. Die Ortsnamen in der Tabelle geben zugleich die Bedeutung der Zuordnungsformeln an; die Abschlusslaute bleiben Ritualausrufe.
| Nr. | Handstelle | Handformel | Körperstelle | Körperformel |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Beide Daumen | oṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
Herz | oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ |
| 2 | Beide Zeigefinger | oṃ hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
Kopf | oṃ hrīṃ śirase svāhā |
| 3 | Beide Mittelfinger | oṃ hūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
Haarschopf | oṃ hūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
| 4 | Beide Ringfinger | oṃ hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
Schutzpanzer | oṃ hraiṃ kavacāya huṃ |
| 5 | Beide kleinen Finger | oṃ hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
Drei Augen | oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ |
| 6 | Handflächen und Handrücken | oṃ hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
Waffe / Abgrenzung | oṃ hraḥ astrāya phaṭ |
Vollziehe die morgendliche Vorbereitung und die für diese Mantraform vorgeschriebenen inneren Reinigungen. Setze die genannten Sitzkräfte im Herzlotus ein. Beim Sehernyasa werden Seher, Versmaß und Gottheit an Kopf, Mund und Herz zugeordnet. Führe danach den besonderen Hand- und Körpernyasa aus. Die folgenden Belege bestimmen die konkreten Namen, Laute und Zuordnungen; es wird keine fremde Gottheitsform eingesetzt.
Beleg P2-1040:
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ |
yathā:
asya mantrasya bhairavaṛṣiruṣṇik chando dakṣiṇakālikā devāta hrīṃ
bījaṃ hūṃ śaktiḥ krīṃ kīlakaṃ puruṣārthacatuṣṭayasiddhyarthe
viniyogaḥ |
tathā ca kālīkrame:
kīlakaṃ cādyabījaṃ syāccaturvargaphalapradam |
śirasi bhairavaṛṣaye namaḥ |
mukhe uṣṇikchandase namaḥ |
hṛdi dakṣiṇakālikāyai devatāyai namaḥ |
guhye hrīṃ bījāya namaḥ |
pādayoḥ hūṃ śaktaye namaḥ |
sarvāṅge krīṃ kīlakāya namaḥ
|| 13 ||
Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen. So: Der Seher dieses Mantras ist Bhairava, das Versmaß Uṣṇih, die Gottheit Dakṣiṇakālikā, das Bīja hrīṃ, die Kraft hūṃ und der Kīlaka krīṃ. Seine Anwendung dient der Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele. So im Kālīkrama: Der Kīlaka ist das erste Bīja und gewährt die Frucht der vier Lebensziele. Am Kopf „bhairavaṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Bhairava; am Mund „uṣṇikchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Uṣṇih; am Herzen „dakṣiṇakālikāyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Dakṣiṇakālikā; am Geschlecht „hrīṃ bījāya namaḥ“ — hrīṃ, Verehrung dem Bīja; an den Füßen „hūṃ śaktaye namaḥ“ — hūṃ, Verehrung der Kraft; am ganzen Körper „krīṃ kīlakāya namaḥ“ — krīṃ, Verehrung dem Verschluss.
Beleg P2-1041:
tataḥ karāṅganyāsau |
taduktaṃ kālītantre:
aṅganyāsakaranyāsau yathāvadabhidhīyate |
bhairavo'sya ṛṣiḥ prokta uṣṇikchanda udāhṛtam |
devāta kālikā proktā lajjā - bījantu bījakam |
kīlakaṃ cādyabījaṃ syāccaturvargaphalapradam |
śaktiśca kūrcabījaṃ syādaniruddhā sarasvatī |
kavitvārthe niyogaḥ |
syādityādi |
tena māyayā ṣaḍaṅganyāsaḥ |
ṣaḍdīrghabhājā bījena praṇavādyena kalpayet |
vīratantre:
dīrghaṣaṭkayutādyena prāṇavādyena kalpayet iti vā |
tadyathā:
oṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
oṃ hūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
oṃ hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
oṃ hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādinā vā
|| 14 ||
Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So im Kālītantra: Gliedernyāsa und Handnyāsa werden ordnungsgemäß erklärt. Ihr Seher heißt Bhairava, das Versmaß Uṣṇih; die Gottheit heißt Kālikā, das Lajjā-Bīja ist das Bīja. Der Kīlaka ist das erste Bīja, das die Frucht der vier Lebensziele gewährt. Die Kraft ist das Kūrca-Bīja, [es folgt] die ungehinderte Sarasvatī. Die Anwendung dient dichterischer Kraft — und so weiter. Daher erfolgt der Nyāsa der sechs Glieder mit Māyā: Man bilde ihn mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale annimmt, und mit dem Praṇava am Anfang. Im Vīratantra alternativ: Man bilde ihn mit dem ersten [Bīja], verbunden mit den sechs langen Vokalen und dem Praṇava am Anfang. So: „oṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den Daumen; „oṃ hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den Zeigefingern; „oṃ hūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ“ — vaṣaṭ den Mittelfingern; „oṃ hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ“ — huṃ den Ringfingern; „oṃ hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den kleinen Fingern; „oṃ hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ“ — phaṭ den Handflächen und Handrücken. Ebenso am Herzen und den weiteren Stellen: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen — und so weiter. Oder mit „oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und den weiteren Formeln. [hūṃ statt hrūṃ ist die ausdrückliche Lesart der Handformel.]
Beleg P2-1044:
ayaṃ nyāsastārāyā api kāryaḥ |
iti guptena durgāyā aṅgaṣoḍhā prakīrtitā |
tārāyāḥ kālikāyāśca unmukhyāśca tathā parā
kṛte'sminnyāsavarye tu sarvaṃ pāpaṃ praṇaśyati
|| 17 ||
Dieser Nyāsa ist auch für Tārā auszuführen. So wird geheim der sechsfache Gliedernyāsa Durgās erklärt, ebenso für Tārā, Kālikā, Unmukhī und die höchste [Göttin]. Wird dieser vorzügliche Nyāsa vollzogen, vergeht jede Sünde. [Der Name Unmukhī folgt der Vorlage.]
4. Dhyana und innere Darbringung
Für diese erste Form ist das folgende Dhyana maßgeblich. Das im Quellenblock später folgende Einsilben-Dhyana wird nicht zusätzlich visualisiert.
P2-1048
So im Kālītantra: Die göttliche Dakṣiṇā Kālikā ist schreckgesichtig, furchtbar, mit gelöstem Haar und vier Armen, mit einer Schädelgirlande geschmückt. In den unteren und oberen linken Lotushänden hält sie einen frisch abgetrennten Kopf und ein Schwert; mit der oberen und unteren rechten Hand zeigt sie Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Sie ist dunkel wie eine große Wolke und unbekleidet. Eine am Hals hängende Kopfreihe besudelt sie mit herabrinnendem Blut. Sie ist furchtbar durch zwei Leichname, die als Ohrschmuck dienen, hat schreckliche Fangzähne, ein furchtbares Gesicht und volle, hohe Brüste. Aus den Händen der Leichname ist ihr Gürtel gemacht; ihr Gesicht lacht. Ihr Antlitz glänzt durch die Blutströme, die aus beiden Mundwinkeln herabfließen.
tadyathā kālītantre:
karālavadanāṃ ghorāṃ muktakeśīṃ caturbhujām |
kālikāṃ dakṣiṇāṃ divyāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām |
sadyaśchinnaśiraḥkhaḍgavāmādhordhvakarāmbujām |
abhayaṃ varadañcaiva dakṣiṇordhvādhaḥ pāṇikām |
mahāmeghaprabhāṃ śyāmāṃ tathā caiva digambarīm |
kaṇṭhāvasaktamuṇḍālīgaladrudhiracarcitām |
karṇāvataṃsatānītaśavayugmabhayānakām |
ghoradaṃṣṭrāṃ karālāsyāṃ pīnonnatapayodharām |
śavānāṃ karasaṅghātaiḥ kṛtakāñcīṃ hasanmukhīm |
sṛkvadvayagaladraktadhārāvisphuritānanām
|| 21 ||
तद्यथा कालीतन्त्रे:
करालवदनां घोरां मुक्तकेशीं चतुर्भुजाम् ।
कालिकां दक्षिणां दिव्यां मुण्डमालाविभूषिताम् ।
सद्यश्छिन्नशिरःखड्गवामाधोर्ध्वकराम्बुजाम् ।
अभयं वरदञ्चैव दक्षिणोर्ध्वाधः पाणिकाम् ।
महामेघप्रभां श्यामां तथा चैव दिगम्बरीम् ।
कण्ठावसक्तमुण्डालीगलद्रुधिरचर्चिताम् ।
कर्णावतंसतानीतशवयुग्मभयानकाम् ।
घोरदंष्ट्रां करालास्यां पीनोन्नतपयोधराम् ।
शवानां करसङ्घातैः कृतकाञ्चीं हसन्मुखीम् ।
सृक्वद्वयगलद्रक्तधाराविस्फुरिताननाम्
॥ २१ ॥
P2-1049
Sie schreit furchtbar, ist überaus wild und wohnt auf dem Leichenverbrennungsplatz. Ihre drei Augen gleichen der Scheibe der jungen Sonne. Sie zeigt ihre Zähne; ihre gelöste Haarfülle hängt ausgebreitet zur rechten Seite herab. Sie steht auf dem Herzen Mahādevas in Leichengestalt. In den vier Richtungen ist sie von schrecklich heulenden Schakalweibchen umgeben. Mit Mahākāla ist sie in umgekehrter Liebesvereinigung vertieft. Ihr Gesicht ist freudig und heiter, ihr Lotusantlitz lächelt. So vergegenwärtige man sich Kālī, die sämtliche Wünsche in Fülle gewährt. Bei „zwei Leichnamen“ [bestehen auch die Lesarten] „schreckliche Pfeile als Ohrschmuck“ und „Geister als Ohrschmuck“. Weil auch „am linken Ohr mit Vogelflügeln geschmückt“ und „mit zwei leblosen Knaben als Ohrschmuck“ zu finden ist, sind beide Lesarten [zulässig]. [Die Vorlage führt mehr als zwei Varianten an, ohne die abschließende Zweizahl näher aufzulösen.]
ghorarāvāṃ mahāraudrīṃ śmaśānālayavāsinīm |
vālārkamaṇḍalākāralocanatritayānvitām |
danturāṃ dakṣiṇavyāpimuktālambikacoccayām |
śavarūpamahādevahṛdayoparisaṃsthitām |
śivābhirghorarāvābhiścaturdikṣu samanvitām |
mahākālena ca samaṃ viparītaratāturām |
sukhaprasannavadanāṃ smerānanasaroruhām |
evaṃ saṃcintayet kālīṃ sarvakāmasamṛddhidām |
śavayugmeti ghoravāṇāvataṃseti pretakarṇāvataṃseti ca |
śakuntapakṣasaṃyuktavāmakarṇavibhūṣitām |
vigatāsukiśorābhyāṃ kṛtakarṇāvataṃsinīmiti darśanādubhayameva
pāṭhaḥ
|| 21 ka ||
घोररावां महारौद्रीं श्मशानालयवासिनीम् ।
वालार्कमण्डलाकारलोचनत्रितयान्विताम् ।
दन्तुरां दक्षिणव्यापिमुक्तालम्बिकचोच्चयाम् ।
शवरूपमहादेवहृदयोपरिसंस्थिताम् ।
शिवाभिर्घोररावाभिश्चतुर्दिक्षु समन्विताम् ।
महाकालेन च समं विपरीतरतातुराम् ।
सुखप्रसन्नवदनां स्मेराननसरोरुहाम् ।
एवं संचिन्तयेत् कालीं सर्वकामसमृद्धिदाम् ।
शवयुग्मेति घोरवाणावतंसेति प्रेतकर्णावतंसेति च ।
शकुन्तपक्षसंयुक्तवामकर्णविभूषिताम् ।
विगतासुकिशोराभ्यां कृतकर्णावतंसिनीमिति दर्शनादुभयमेव
पाठः
॥ २१ क ॥
Vergegenwärtige die Gottheit nach dem folgenden Dhyana. Nimm Farbe, Gestalt, Haltung, Attribute und Sitz als zusammengehöriges Bild wahr. Sprich den Dhyana-Text und verweile in der Vorstellung. Bringe danach die Gaben zunächst innerlich dar, wie es die Quelle vor der äußeren Verehrung vorsieht.
5. Den Sitz verehren und die Gottheit anrufen
Einsetzung der Lebenskraft
Die allgemeine, ausdrücklich mit dem Namen der Gottheit auszuführende Pranapratishta steht in P3-0356–0357. Setze für amukadevatā die hier verehrte Göttin ein; die Anfangsfolge wird vor jeder der vier Aussagen vollständig wiederholt.
P3-0356
Im Viśvasāratantra: „Die Gottheiten des Mantras zur Einsetzung der Lebenskräfte sind die Brahmanen beziehungsweise Brahmā und die übrigen [Lesart brāhmaṇādayaḥ]. Brahmā, Viṣṇu und Rudra werden als Seher genannt; Ṛg, Yajus und Sāman [setze man] als Versmaße ein.“ Für dieses Mantra sind Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara die Seher, Ṛg, Yajus und Sāman die Versmaße, Bewusstsein die Gottheit; seine Anwendung gilt der Einsetzung der Lebenskräfte. [Die Gottheitsangabe des Verses weicht von der Prosa ab.]
viśvasāratantre :
prāṇapratiṣṭhāmantrasya devatā brāhmaṇādayaḥ |
brahmāviṣṇuśca rudraśca ṛṣayaḥ parikīrttitāḥ |
tataḥ ṛg-yajuḥ sāmāni chandāṃsi ca tadā caret |
asya prāṇapratiṣṭhāmantrasya brahmaviṣṇumaheśvarā-ṛṣayaḥ |
ṛg-yajuḥ sāmāni chandāṃsi caitanyaṃ devatā prāṇapratiṣṭhāyāṃ
viniyogaḥ
|| 35 ||
विश्वसारतन्त्रे :
प्राणप्रतिष्ठामन्त्रस्य देवता ब्राह्मणादयः ।
ब्रह्माविष्णुश्च रुद्रश्च ऋषयः परिकीर्त्तिताः ।
ततः ऋग्-यजुः सामानि छन्दांसि च तदा चरेत् ।
अस्य प्राणप्रतिष्ठामन्त्रस्य ब्रह्मविष्णुमहेश्वरा-ऋषयः ।
ऋग्-यजुः सामानि छन्दांसि चैतन्यं देवता प्राणप्रतिष्ठायां
विनियोगः
॥ ३५ ॥
P3-0357
Das Verfahren: „Āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hauṃ haṃsaḥ: Die Lebenskräfte der Gottheit [Name] seien hier als Lebenskräfte gegenwärtig!“ Ebenso mit āṃ und der weiteren Lautfolge: „Das Lebewesen der Gottheit [Name] ist hier gegenwärtig!“ Ebenso: „Sämtliche Sinne der Gottheit [Name]!“ Ebenso: „Rede, Geist, Auge, Ohr, Geruchssinn und Lebenskräfte der Gottheit [Name] mögen hierher kommen und glücklich lange verweilen! Svāhā.“ Nach dieser Einsetzung der Lebenskräfte rufe man die Gottheit dort herbei und verehre sie mit sechzehn oder fünf Gaben. [Interne Nummer 35-ka.] Im Bhairavatantra heißt es: „Man vergegenwärtige die Gestalt mit dem Grundmantra und führe Lebens-Nyāsa aus. Māyā, am Anfang und Ende Pāśa und Aṅkuśa, die sieben mit ya beginnenden Laute mit Bindu, Viyat verbunden mit Satya und Indu; am Ende spreche man haṃsa. Ihre Lebenskräfte seien hier als Lebenskräfte gegenwärtig! Dann: Ihr Lebewesen ist hier gegenwärtig! Erneut spreche man: Sämtliche ihrer Sinne! Und die Wörter für ihre Rede, ihren Geist, ihr Auge, Ohr und ihren Geruchssinn; die Lebenskräfte mögen hierher kommen und glücklich lange verweilen! Zweimal ṭha.“ Nach dieser Einsetzung der Lebenskräfte rufe man die Göttin herbei. [Die verschlüsselten Bījas entsprechen der vorangestellten Lautfolge; die Namen sind als Lautanweisungen erhalten.]
tadyathā :
āṃ hrīṃ kroṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ hauṃ haṃsaḥ
amukadevatāyā prāṇā iha prāṇāḥ, evaṃ āmityādi amukadevatāyā
jīva iha sthitaḥ, evaṃ āmityādi amukadevatāyāḥ sarvendriyāṇi, evaṃ
āmityādi amukadevatāyā vāṅmanaścakṣuḥśrotra-ghrāṇaprāṇā
ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu svāhā |
iti prāṇān pratiṣṭhāpya tatra devatāmāvāhyaṣoḍaśopacāraiḥ
pañcopacārairvā pūjayet || 35-ka ||
tathā ca bhairavatantre :
mūrtti mūlena saṃkalpya jīvanyāsaṃ samācaret |
māyāṃ pāśāṅkaśādyantāṃ yādīnsapta sabindukān |
viyatsatyendusaṃyuktaṃ tadante haṃsa uccaret |
asyāḥ prāṇā iha prāṇāḥ punarjīva iha sthitaḥ |
punaruccārya tasyā vai sarvendriyāṇi pūnarvadet |
tasyāśca vāṅgamanaścakṣuḥ-śrotraghrāṇapadānyapi |
prāṇā ihāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu ṭhadvayam |
iti prāṇān pratiṣṭhāpya devīmāvāhyet tataḥ
|| 36 ||
तद्यथा :
आं ह्रीं क्रों यं रं लं वं शं षं सं हौं हंसः
अमुकदेवताया प्राणा इह प्राणाः, एवं आमित्यादि अमुकदेवताया
जीव इह स्थितः, एवं आमित्यादि अमुकदेवतायाः सर्वेन्द्रियाणि, एवं
आमित्यादि अमुकदेवताया वाङ्मनश्चक्षुःश्रोत्र-घ्राणप्राणा
इहागत्य सुखं चिरं तिष्ठन्तु स्वाहा ।
इति प्राणान् प्रतिष्ठाप्य तत्र देवतामावाह्यषोडशोपचारैः
पञ्चोपचारैर्वा पूजयेत् ॥ ३५-क ॥
तथा च भैरवतन्त्रे :
मूर्त्ति मूलेन संकल्प्य जीवन्यासं समाचरेत् ।
मायां पाशाङ्कशाद्यन्तां यादीन्सप्त सबिन्दुकान् ।
वियत्सत्येन्दुसंयुक्तं तदन्ते हंस उच्चरेत् ।
अस्याः प्राणा इह प्राणाः पुनर्जीव इह स्थितः ।
पुनरुच्चार्य तस्या वै सर्वेन्द्रियाणि पूनर्वदेत् ।
तस्याश्च वाङ्गमनश्चक्षुः-श्रोत्रघ्राणपदान्यपि ।
प्राणा इहागत्य सुखं चिरं तिष्ठन्तु ठद्वयम् ।
इति प्राणान् प्रतिष्ठाप्य देवीमावाह्येत् ततः
॥ ३६ ॥
Zugehörige Ausführung des Rückverweises
Die folgenden Belege erläutern den hier benötigten Rückverweis. Führe nur die darin für diese Stelle bezeichnete Handlung aus. Eigene Seherzuordnung, Grundmantra und besonderes Dhyana dieses Artikels bleiben maßgeblich; mitzitierte andere Ritualformen werden nicht zusätzlich ausgeführt.
P2-1051
So: Zu seiner Linken zeichne man auf den Boden ein Dreieck mit hūṃ im Inneren, stelle das Arghya-Gefäß auf und fülle unter Rezitation des Grundmantras die Muschel oder das andere Gefäß mit reinem Wasser und den übrigen [Substanzen]. Man gebe Duftstoffe und dergleichen, rufe mit „oṃ gaṅge“ und den weiteren Worten das heilige Wasser herbei. Mit „maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ“ — Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen zehn Kalās sind — verehre man den Untersatz; mit „aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ“ — dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās — die Muschel; mit „uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ“ — dem Mondkreis mit sechzehn Kalās — das Wasser. An Feuer, Īśāna, Asura und Wind: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; „oṃ hrīṃ śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; „oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; „oṃ hraiṃ kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer. Vorn „oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; in den vier Richtungen „oṃ hraḥ astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Nachdem man so verehrt hat, bedecke man es oben mit der Fisch-Mudrā, wiederhole den Grundmantra zehnmal, mache es mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und schütze es mit der Waffe. Man zeige die Bhūtinī- und Yoni-Mudrā, gieße etwas Wasser in das Sprenggefäß, besprenge unter Rezitation des Grundmantras sich selbst und die Verehrungsgeräte mit diesem Wasser und beginne die Verehrung des Kultsitzes.
tadyathā:
svavāme bhūmau hūṃkāragarbhaṃ trikoṇaṃ vilikhyārghyapātraṃ
saṃsthāpya mūlena śuddhajalādinā śaṅkhādipātramāpūrya,
gandhādikaṃ dattvā, oṃ gaṅge cetyādinā tīrthamāvāhya, maṃ
vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ ityādhāraṃ, aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ iti śaṅkham, uṃ
somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ iti jalaṃ sampūjya, oṃ
hrāṃ hṛdayāya namaḥ, oṃ hrīṃ śirase svāhā, oṃ hrūṃ śikhāyai
vaṣaṭ oṃ hraiṃ kavacāya huṃ ityagnīśāsuravāyuṣu |
agra oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ, caturdikṣu oṃ hraḥ astrāya phaṭ |
ityabhyarcya tadupari matsyamudrayācchādya mūlaṃ daśadhā japtvā
dhenumudrayāmṛtīkṛtyāstreṇa saṃrakṣya, bhūtinīyonimudre
pradarśya, tajjalaṃ kiñcitprokṣaṇīpātre nikṣipya, mūlena
tenodakenātmānaṃ pūjopakaraṇañcābhyukṣya,
pīṭhapūjāmārabhet
|| 23 ||
तद्यथा:
स्ववामे भूमौ हूंकारगर्भं त्रिकोणं विलिख्यार्घ्यपात्रं
संस्थाप्य मूलेन शुद्धजलादिना शङ्खादिपात्रमापूर्य,
गन्धादिकं दत्त्वा, ॐ गङ्गे चेत्यादिना तीर्थमावाह्य, मं
वह्निमण्डलाय दशकलात्मने नमः इत्याधारं, अं
सूर्यमण्डलाय द्वादशकलात्मने नमः इति शङ्खम्, उं
सोममण्डलाय षोडशकलात्मने नमः इति जलं सम्पूज्य, ॐ
ह्रां हृदयाय नमः, ॐ ह्रीं शिरसे स्वाहा, ॐ ह्रूं शिखायै
वषट् ॐ ह्रैं कवचाय हुं इत्यग्नीशासुरवायुषु ।
अग्र ॐ ह्रौं नेत्रत्रयाय वौषट्, चतुर्दिक्षु ॐ ह्रः अस्त्राय फट् ।
इत्यभ्यर्च्य तदुपरि मत्स्यमुद्रयाच्छाद्य मूलं दशधा जप्त्वा
धेनुमुद्रयामृतीकृत्यास्त्रेण संरक्ष्य, भूतिनीयोनिमुद्रे
प्रदर्श्य, तज्जलं किञ्चित्प्रोक्षणीपात्रे निक्षिप्य, मूलेन
तेनोदकेनात्मानं पूजोपकरणञ्चाभ्युक्ष्य,
पीठपूजामारभेत्
॥ २३ ॥
P2-1053
Nun die besondere Grundlage, im Muṇḍamālā: In einem Kupfergefäß, in einer Schädelschale oder auf einem aus Holz des Leichenverbrennungsplatzes gefertigten [Träger], am Samstag oder Dienstag, auf einem toten Körper, auf Gold, Silber oder Eisen fertige man das Cakra nach Vorschrift an.
atha viśeṣādhāro muṇḍamālāyām:
tāmrapātre kapāle vā śmaśānakāṣṭhanirmite |
śanibhaumadine vāpi śarīre mṛtasambhave |
svarṇe raupye'tha lauhe vā cakraṃ kāryaṃ vidhānataḥ
|| 25 ||
अथ विशेषाधारो मुण्डमालायाम्:
ताम्रपात्रे कपाले वा श्मशानकाष्ठनिर्मिते ।
शनिभौमदिने वापि शरीरे मृतसम्भवे ।
स्वर्णे रौप्येऽथ लौहे वा चक्रं कार्यं विधानतः
॥ २५ ॥
P2-1055
[Abbildung 34-kha.] Danach die Verehrung des Kultsitzes. Im Kumārīkalpa: Die Verehrung des Kultsitzes vollziehe man beginnend mit Ādhāraśakti, dann Prakṛti, Schildkröte, Śeṣa und Erde, Nektarozean, Juweleninsel, Cintāmaṇi-Palast, Leichenverbrennungsplatz, Pārijāta-Baum und an dessen Wurzel die Edelsteinplattform. Darüber setze der beste Sādhaka den Juwelensitz. In den vier Richtungen die Seher, Götter und Śivās mit Schädeln. Dharma und die übrigen, Adharma und die übrigen — und so weiter — verehre man bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ — Verehrung dem Erkenntnis-Selbst. Auf den Staubfäden verehre man, im Osten beginnend: Icchā, Jñānā, Kriyā, Kāminī, Kāmadāyinī, Rati, Ratipriyā und Nandā; in der Mitte Manonmanī. Überall mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende. Darüber „hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist. Nördlich des Kultsitzes erfolgt die Verehrung der Guru-Reihe.
(citra 34-kha)
tataḥ pīṭhapūjā |
kumārīkalpe:
pīṭhapūjāṃ tataḥ kuryādādhāraśaktipūrvakam |
prakṛti kamaṭhaṃ caiva śeṣaṃ pṛthvīṃ tathaiva ca |
sudhāmbudhiṃ maṇidvīpaṃ cintāmaṇigṛhaṃ tathā |
śmaśānaṃ pārijātañca tanmūle ratnavedikām |
tasyopari maṇeḥ pīṭhaṃ nyaset sādhakasattamaḥ |
caturdikṣu munīn devān śivāścaiva samuṇḍakāḥ |
dharmādyadharmādīṃścetyādi hrīṃ jñānātmane namaḥ |
ityantaṃ sampūjya, keśareṣu pūrvādikrameṇa pūjayet |
icchā jñānā kriyā caiva kāminī kāmadāyinī |
ratīratipriyā nandā madhye caiva manonmanī |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tadupari hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ |
pīṭhasyottare gurupaṃktipūjā
|| 27 ||
(चित्र ३४-ख)
ततः पीठपूजा ।
कुमारीकल्पे:
पीठपूजां ततः कुर्यादाधारशक्तिपूर्वकम् ।
प्रकृति कमठं चैव शेषं पृथ्वीं तथैव च ।
सुधाम्बुधिं मणिद्वीपं चिन्तामणिगृहं तथा ।
श्मशानं पारिजातञ्च तन्मूले रत्नवेदिकाम् ।
तस्योपरि मणेः पीठं न्यसेत् साधकसत्तमः ।
चतुर्दिक्षु मुनीन् देवान् शिवाश्चैव समुण्डकाः ।
धर्माद्यधर्मादींश्चेत्यादि ह्रीं ज्ञानात्मने नमः ।
इत्यन्तं सम्पूज्य, केशरेषु पूर्वादिक्रमेण पूजयेत् ।
इच्छा ज्ञाना क्रिया चैव कामिनी कामदायिनी ।
रतीरतिप्रिया नन्दा मध्ये चैव मनोन्मनी ।
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत् ।
तदुपरि ह्सौः सदाशिवमहाप्रेतपद्मासनाय नमः ।
पीठस्योत्तरे गुरुपंक्तिपूजा
॥ २७ ॥
P2-1056
Danach meditiere man erneut, bringe [die Göttin] in die Blumenhandvoll und rufe sie in die durch den Grundmantra vorgestellte Gestalt herbei: „oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite yāvat tvāṃ pūjayiṣyāmi tāvat tvaṃ susthirā bhava“ — O Herrin der Götter, durch Hingabe leicht erreichbar, mit Gefolge versehen: Solange ich dich verehre, bleibe fest gegenwärtig! Dann nach dem Grundmantra „amuki devi ihāvaha ihāvaha iha tiṣṭha tiṣṭha iha sannirudhyasva iha sannihitā bhava“ — O [Name] Göttin, komme hierher, komme hierher; bleibe, bleibe hier; verweile hier fest; sei hier gegenwärtig! Mit hum verhülle man sie, statte sie mit den Gliedermantras vollständig aus, mache sie mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten [Gestalt]. Man zeige die Bhūtinī-, Ākarṣiṇī- und Yoni-Mudrā, vollziehe die Einsetzung des Lebenshauchs und verehre mit dem Grundmantra, Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
tataḥ punardhyātvā, puṣpāñjalāvānīya,
mūlamantrakalpitamūrtāvāvāhayet |
oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite yāvattvāṃ pūjayiṣyāmi
tāvatvaṃ susthirā bhava |
tato mūlamuccāryāmuki devi ihāvaha ihāvaha iha tiṣṭha tiṣṭha iha
sannirudhyasva iha sannihitā bhava |
tato humityavaguṇṭhyāṅgamantraiḥ sakalīkṛtya, dhenumudrayā
amṛtīkṛtya, paramīkaraṇamudrayā paramīkṛtya,
bhūtinyākarṣiṇīyonimudrāḥ pradarśya, prāṇapratiṣṭhāṃ vidhāya,
mūlena pādyādibhiḥ pūjayet
|| 28 ||
ततः पुनर्ध्यात्वा, पुष्पाञ्जलावानीय,
मूलमन्त्रकल्पितमूर्तावावाहयेत् ।
ॐ देवेशि भक्तिसुलभे परिवारसमन्विते यावत्त्वां पूजयिष्यामि
तावत्वं सुस्थिरा भव ।
ततो मूलमुच्चार्यामुकि देवि इहावह इहावह इह तिष्ठ तिष्ठ इह
सन्निरुध्यस्व इह सन्निहिता भव ।
ततो हुमित्यवगुण्ठ्याङ्गमन्त्रैः सकलीकृत्य, धेनुमुद्रया
अमृतीकृत्य, परमीकरणमुद्रया परमीकृत्य,
भूतिन्याकर्षिणीयोनिमुद्राः प्रदर्श्य, प्राणप्रतिष्ठां विधाय,
मूलेन पाद्यादिभिः पूजयेत्
॥ २८ ॥
Bereite das Arghya vor und verehre den äußeren Sitz mit den für diese Gottheit bezeichneten Kräften. Wenn ein Yantra verwendet wird, halte die im Einzelbeleg genannten Ebenen und Richtungen auseinander. Stelle die Gottheit im Zentrum vor und rufe sie mit dem Grundmantra an.
Beleg P2-1052:
asyāḥ pūjāyantram:
ādau vinduṃ svabījaṃ bhuvaneśīñca vilikhya, tatastrikoṇaṃ tadvāhye
trikoṇacatuṣṭayaṃ vṛttamaṣṭadalaṃ padmaṃ punarvṛttaṃ
caturdvārātmakaṃ bhūgṛhaṃ likhet |
(citra 34-ka) |
taduktaṃ kālītantre:
ādau trikoṇamālikhya trikoṇaṃ tadbahirlikhet |
tato vai vilikhenmantrī trikoṇatrayamuttamam |
tato vṛttaṃ samālikhya likhedaṣṭadalaṃ tataḥ |
vṛttaṃ vilikhya vidhivallikhedbhūpuramekakamam |
tathā kumārīkalpe:
madhye tu vaindavaṃ cakraṃ bījamāyāvibhūṣitamiti
|| 24 ||
Ihr Verehrungs-Yantra: Zuerst zeichne man Bindu, ihr eigenes Bīja und Bhuvaneśī, dann ein Dreieck, außen vier weitere Dreiecke, einen Kreis, einen achtblättrigen Lotus, wiederum einen Kreis und eine Erdumfassung mit vier Toren. [Abbildung 34-ka.] So im Kālītantra: Zuerst zeichne man ein Dreieck und außen ein weiteres; dann zeichne der Mantra-Kundige drei vortreffliche Dreiecke. Danach zeichne man einen Kreis und acht Blütenblätter, zeichne vorschriftsmäßig einen Kreis und eine Erdumfassung. Ebenso im Kumārīkalpa: In der Mitte das Bindu-Cakra, geschmückt mit Bīja und Māyā.
Die allgemeine Anrufungsformel P1-0536 wird nach dem Grundmantra an die gewählte Gottheit gerichtet:
ihāgaccha ihāgaccha | iha tiṣṭha iha tiṣṭha | iha sannidhehi iha sannidhehi | iha sannirudhyasva ||
„Komm hierher, komm hierher. Bleibe hier, bleibe hier. Sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig. Verweile hier gesammelt.“
Begleite die Anrufung mit den unterwiesenen Mudras. Die besondere Vorschrift der Gottheit bestimmt die anschließende Einsetzung der Lebenskraft. Die im Beleg zugleich erwähnten späteren Schritte werden an ihrem Platz in der folgenden Reihenfolge ausgeführt.
6. Gaben bis zu den Blüten und die Umkreisverehrung
Zugehörige Ausführung des Rückverweises
Die folgenden Belege erläutern den hier benötigten Rückverweis. Führe nur die darin für diese Stelle bezeichnete Handlung aus. Eigene Seherzuordnung, Grundmantra und besonderes Dhyana dieses Artikels bleiben maßgeblich; mitzitierte andere Ritualformen werden nicht zusätzlich ausgeführt.
P2-1057
Die Reihenfolge: Zuerst nach dem Grundmantra „etat pādyaṃ amukadevatāyai namaḥ“ — Dies ist Fußwaschwasser für die Gottheit [Name]; Verehrung! Ebenso „arghyaṃ svāhā“ — Arghya, svāhā; „idam ācamanīyaṃ svadhā“ — Dies ist Schlürfwasser, svadhā; „snānīyaṃ nivedayāmi“ — Ich bringe Badewasser dar; „punarācamanīyaṃ svadhā“ — Erneutes Schlürfwasser, svadhā; „eṣa gandho namaḥ“ — Dies ist Duft, Verehrung; „etāni puṣpāṇi vauṣaṭ“ — Dies sind Blumen, vauṣaṭ. Dann gebe man mit dem Grundmantra fünf Blumenhandvoll, Räucherwerk und Licht. Unter Rezitation von „vanaspati“ und den weiteren Worten und des Grundmantras „eṣa dhūpo namaḥ“ — Dies ist Räucherwerk, Verehrung. Der Lichtmantra: Die hell leuchtende große Leuchte beseitigt überall die Finsternis; ihr Licht ist außen und innen. Möge diese Leuchte angenommen werden! Nach dem Grundmantra „eṣa dīpo namaḥ“ — Dies ist die Leuchte, Verehrung. Dann verehre man die Glocke mit „oṃ jayadhvani mantramātaḥ svāhā“ — O Siegklang, o Mutter der Mantras, svāhā. Mit der linken Hand läutend gebe man das Räucherwerk niedrig und die Leuchte bis zur Höhe der Augen. Dann gebe man mit dem Grundmantra drei Blumenhandvoll und die verfügbare Speisegabe.
tatra kramaḥ:
ādau mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
evamarghyaṃ svāhā |
idamācamanīyaṃ svadhā |
snānīyaṃ nivedayāmi |
punarācamanīyaṃ svadhā |
eṣa gandho namaḥ |
etāni puṣpāṇi vauṣaṭ |
tato mūlena pañcapuṣpāñjaliṃ dattvā dhūpadīpau dadyāt |
vanaspatītyādi paṭhanmūlamuccārya eṣa dhūpo namaḥ |
dīpamantrastu:
suprakāśo mahādīpaḥ sarvatastimirāpahaḥ |
savāhyābhyantaraṃ jyotirdīpo'yaṃ pratigṛhyatām |
mūlamuccārya eṣa dīpo namaḥ |
tata oṃ jayadhvani mantramātaḥ svāheti ghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena vādayan, nīcairdhūpaṃ dattvā dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ
dadyāt |
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā yathopapannaṃ naivedyaṃ
dadyāt
|| 29 ||
तत्र क्रमः:
आदौ मूलमुच्चार्य एतत्पाद्यं अमुकदेवतायै नमः ।
एवमर्घ्यं स्वाहा ।
इदमाचमनीयं स्वधा ।
स्नानीयं निवेदयामि ।
पुनराचमनीयं स्वधा ।
एष गन्धो नमः ।
एतानि पुष्पाणि वौषट् ।
ततो मूलेन पञ्चपुष्पाञ्जलिं दत्त्वा धूपदीपौ दद्यात् ।
वनस्पतीत्यादि पठन्मूलमुच्चार्य एष धूपो नमः ।
दीपमन्त्रस्तु:
सुप्रकाशो महादीपः सर्वतस्तिमिरापहः ।
सवाह्याभ्यन्तरं ज्योतिर्दीपोऽयं प्रतिगृह्यताम् ।
मूलमुच्चार्य एष दीपो नमः ।
तत ॐ जयध्वनि मन्त्रमातः स्वाहेति घण्टां सम्पूज्य,
वामहस्तेन वादयन्, नीचैर्धूपं दत्त्वा दृष्टिपर्यन्तं दीपं
दद्यात् ।
ततो मूलेन पुष्पाञ्जलित्रयं दत्त्वा यथोपपन्नं नैवेद्यं
दद्यात्
॥ २९ ॥
P2-0659
Die acht Bhairavas sind Asitāṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodha, Unmattabhairava, Kapālin, Bhīṣaṇa und Saṃhāra. Diese acht bilden den zweiten Umkreis. [Die Vorlage schreibt sahāra; der Name Saṃhāra wird durch die übrigen Bhairavalisten gestützt.]
tadyathā:
asitāṅgo ruruścaṇḍaḥ krodhaśconmattabhairavaḥ |
kapālī bhīṣaṇaścaiva sahāraścāṣṭabhairavāḥ |
etairaṣṭābhirdvitīyāvaraṇam
|| 37 ||
तद्यथा:
असिताङ्गो रुरुश्चण्डः क्रोधश्चोन्मत्तभैरवः ।
कपाली भीषणश्चैव सहारश्चाष्टभैरवाः ।
एतैरष्टाभिर्द्वितीयावरणम्
॥ ३७ ॥
P2-1059
Seine Meditation: Rechts der Göttin verehre man Mahākāla, rauchfarben, Stab und Khaṭvāṅga tragend, ein Kind mit einem von Fangzähnen furchtbaren Gesicht. Seine Hüften sind von Tigerfell bedeckt; er ist dickbäuchig und rot gekleidet. Er hat drei Augen, aufgerichtetes Haar und eine Schädelgirlande. In seiner Flechtenfülle glänzt die Mondsichel; er ist wild und gleicht einer Flamme.
tasya dhyānam:
mahākāla yajeddevyā dakṣiṇe dhūmravarṇakam |
vibhrataṃ daṇḍakhaṭṭāṅgau daṃṣṭrābhīmamukhaṃ śiśum |
vyāghracarmāvṛtakaṭiṃ tundilaṃ raktavāsasam |
trinetramūrdhvakeśañca muṇḍamālāvibhūṣitam |
jaṭābhāralasaccandrakhaṇḍamugraṃ jvalannibham
|| 31 ||
तस्य ध्यानम्:
महाकाल यजेद्देव्या दक्षिणे धूम्रवर्णकम् ।
विभ्रतं दण्डखट्टाङ्गौ दंष्ट्राभीममुखं शिशुम् ।
व्याघ्रचर्मावृतकटिं तुन्दिलं रक्तवाससम् ।
त्रिनेत्रमूर्ध्वकेशञ्च मुण्डमालाविभूषितम् ।
जटाभारलसच्चन्द्रखण्डमुग्रं ज्वलन्निभम्
॥ ३१ ॥
P2-1060
So im Kumārīkalpa: An der rechten Seite der Göttin verehre man Mahākāla. Mit „hūṃ kṣrauṃ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ mahākālabhairavaṃ sarvavighnān nāśaya nāśaya hrīṃ śrīṃ phaṭ svāhā“ — Mahākālabhairava, vernichte, vernichte alle Hindernisse — verehre man ihn mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben. Nachdem man ihn dreimal durch Trankspenden gesättigt hat, verehre man die Göttin mit dem Grundmantra und den fünf Gaben. [Die Vorlage setzt Mahākālabhairava in den Akkusativ, obwohl die folgende Bitte ihn anredet.]
tathā ca kumārīkalpe:
devyāstu dakṣiṇe bhāge mahākālaṃ prapūjayet |
hūṃ kṣrauṃ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ mahākālabhairavaṃ
sarvavighnānnāśaya nāśaya hrīṃ śrīṃ phaṭ svāhā |
ityanena pādyādibhirārādhya tristarpayitvā mūlena devīṃ
pañcāpacoraiḥ pūjayet
|| 32 ||
तथा च कुमारीकल्पे:
देव्यास्तु दक्षिणे भागे महाकालं प्रपूजयेत् ।
हूं क्ष्रौं यां रां लां वां आं क्रों महाकालभैरवं
सर्वविघ्नान्नाशय नाशय ह्रीं श्रीं फट् स्वाहा ।
इत्यनेन पाद्यादिभिराराध्य त्रिस्तर्पयित्वा मूलेन देवीं
पञ्चापचोरैः पूजयेत्
॥ ३२ ॥
Bringe die im Einzelritual genannten Gaben bis einschließlich der Blüten dar. Bei sechzehn Upacaras sind die dort genannten Gaben vollständig einzubeziehen. Wo fünf Blumenhandvoll vorgeschrieben sind, bringe sie mit dem Grundmantra an Scheitel, Herz, Grundlage, Füßen und der gesamten vorgestellten Gestalt dar. Erst anschließend folgt der bezeichnete Umkreis. Diese fünf Zuordnungen folgen P2-0104.
| Reihenfolge und Gabe | Handlung | Rezitation |
|---|---|---|
| 1. Sitz | Biete der vergegenwärtigten Gottheit ihren Sitz an. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 2. Willkommen | Begrüße die Gottheit mit gefalteten Händen. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 3. Fußwasser | Bringe eine kleine Wassergabe an den vorgestellten Füßen dar. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 4. Arghya | Reiche das vorbereitete Ehrenwasser dar. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 5. Mundspülwasser | Biete eine frische Wassergabe an. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 6. Madhuparka | Bringe die Mischung aus Ghī, Joghurt und Honig dar; Zusammensetzung nach P1-0539. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 7. Erneutes Mundspülen | Reiche nach dem Madhuparka nochmals Wasser dar. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 8. Bad | Bringe das Badewasser dar; ein empfindliches Bild wird nicht mit ungeeigneten Flüssigkeiten übergossen. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 9. Gewand | Reiche das vorgesehene Gewand dar. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 10. Schmuck | Biete den Schmuck an. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 11. Duftstoff | Bringe den Duftstoff dar. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
| 12. Blüten | Lege die Blüten mit ihrer natürlichen Oberseite nach oben nieder. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā |
Deutsche Bedeutung der bei jeder Gabe wiederholten Formel: Die Bija-Folge ruft Dakshina Kali an: „O Dakshina Kali“, svaha. Redaktionelle Auflösung der Lautbildung P2-1032; kālile wird nach der eindeutigen Anrede kālike berichtigt. Die nachfolgenden vier Glieder sind Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung. Sie werden an den unten bezeichneten Stellen ausgeführt. Damit sind die sechzehn Gaben aus P2-0099 vollständig berücksichtigt.
Beleg P2-1058:
tata āvaraṇapūjāṃ kuryāt |
śrī-amuki devi āvaraṇaṃ te pūjayāmi ityājñāṃ gṛhītvā,
keśareṣu agnyādikoṇeṣu oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ |
īśāne oṃ hrīṃ śirase svāhā |
nair-ṛte oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
vāyau oṃ hraiṃ kavacāya huṃ |
agre oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ |
caturdikṣu oṃ hraḥ astrāya phaṭ |
tataḥ vahiḥ ṣaṭkoṇe oṃ kālyai namaḥ |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
evaṃ kapālinyai kulvāyai kurukulvāyai virodhinyai vipracittāyai |
prathamatryasre ugrāyai, ugraprabhāyai, dīptāyai, |
dvitīyatryasre oṃ nīlāyai evaṃ ghanāyai valākayai |
tṛtīyatryasre evaṃ mātrāyai, mudrāyai, mitāyai |
tathā ca:
kālīṃ kapālinīṃ kulvāṃ kurukulvāṃ virodhinīm |
vipracittāṃ pūjayecca vahiḥṣaṭkoṇake budhaḥ ugrāmugraprabhāṃ
dīptāṃ tanmadhye ca trikoṇake |
nīlāṃ ghanāṃ balākāñca madhye trikoṇake yajet |
mātrāṃ mudrāṃ mitāñcaiva pūjayedapare trike |
iti |
sarvāḥ śyāmā asikarā muṇḍamālāvibhūṣitāḥ |
tarjanīṃ vāmahastena dhārayantyaḥ śucismitāḥ |
digambarā hasanmukhyaṃ svasvavāhanabhūṣitāḥ |
evaṃ dhyātvā arcayet |
tato'ṣṭapatreṣu pūrvādikrameṇa oṃ brāhmyai namaḥ, evaṃ
nārāyaṇyai, māheśvaryai, cāmuṇḍāyai, kaumāryai, aparājitāyai,
vārāhyai, nārasiṃhyai |
etā gandhādibhiḥ pūjayet |
patrātre asitāṅgādibhaivarānpūjayet |
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā pādyādinā devyā dakṣiṇe
mahākālaṃ pūjayet
|| 30 ||
Danach die Verehrung der umgebenden Kreise. Mit „śrī amuki devi āvaraṇaṃ te pūjayāmi“ — O verehrte Göttin [Name], ich verehre deine Umfassung — hole man die Erlaubnis ein. Auf den Staubfäden in den Ecken, im Südosten beginnend: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; im Nordosten „oṃ hrīṃ śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; im Südwesten „oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; im Nordwesten „oṃ hraiṃ kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer; vorn „oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; in den vier Richtungen „oṃ hraḥ astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Dann im äußeren Sechseck „oṃ kālyai namaḥ“ — Verehrung Kālī; ebenso Kapālinī, Kulvā, Kurukulvā, Virodhinī und Vipracittā. Jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ. Im ersten Dreieck Ugrā, Ugraprabhā und Dīptā; im zweiten „oṃ nīlāyai“ und entsprechend Ghanā und Balākā; im dritten Mātrā, Mudrā und Mitā. So heißt es: Der Verständige verehre Kālī, Kapālinī, Kulvā, Kurukulvā, Virodhinī und Vipracittā im äußeren Sechseck. Im Dreieck darin Ugrā, Ugraprabhā und Dīptā. Im mittleren Dreieck verehre man Nīlā, Ghanā und Balākā; im anderen Dreieck Mātrā, Mudrā und Mitā. Alle sind dunkel, halten Schwerter und tragen Schädelgirlanden. Mit der linken Hand halten sie den Zeigefinger [erhoben]; sie lächeln rein, sind unbekleidet, haben lachende Gesichter und sind mit ihren jeweiligen Reittieren geschmückt. Nachdem man so meditiert hat, verehre man sie. Dann auf den acht Blütenblättern, im Osten beginnend, „oṃ brāhmyai namaḥ“ — Verehrung Brāhmī — und entsprechend Nārāyaṇī, Māheśvarī, Cāmuṇḍā, Kaumārī, Aparājitā, Vārāhī und Nārasiṃhī. Diese verehre man mit Duft und den weiteren Gaben. An den Blattspitzen verehre man die Bhairavas Asitāṅga und die übrigen. Dann gebe man mit dem Grundmantra drei Blumenhandvoll und verehre rechts der Göttin Mahākāla mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
7. Räucherwerk, Licht und Speise; Übersicht der fünf Gaben
Nach der Umkreisverehrung folgen Räucherwerk, Licht und Speise. Duftstoff und Blüten sind in der Tabelle zur Übersicht nochmals genannt und werden nicht deshalb ein zweites Mal verlangt. Wo die besondere Anweisung sechzehn oder weitere Gaben nennt, führe diese vollständig aus. Die gemeinsame Gruppe der fünf Gaben besteht nach P2-0100 aus Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise. P1-0540 schreibt vor, bei jeder Gabe den Grundmantra zu sprechen. Verwende dabei ausschließlich den oben bezeichneten Mantra dieser Ritualform.
| Gabe | Konkrete Handlung | Rezitation und Bedeutung |
|---|---|---|
| Duftstoff | Bringe den Duftstoff vor der Gottheit dar. | Sprich krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā ; die Gabe bedeutet: „Dir bringe ich diesen Duft dar.“ |
| Blüten | Lege die Blüten auf dem vorgesehenen Platz nieder, mit der natürlichen Oberseite nach oben. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā ; danach, nach P1-0540: etāni puṣpāṇi vauṣaṭ – „Diese Blüten, vaushat.“ |
| Räucherwerk | Lass die Glocke mit der linken Hand erklingen und führe das Räuchergefäß vor der Gottheit. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā ; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich diesen Duft des Räucherwerks dar.“ |
| Licht | Bringe die brennende Lampe vor der Gottheit bis zur Höhe ihres Blickes dar. | krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ dakṣiṇe kālike krīṃ krīṃ krīṃ hūṃ hūṃ hrīṃ hrīṃ svāhā ; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich dieses Licht dar.“ |
| Speise | Stelle die Speise vor die Gottheit. Besprenge sie mit phaṭ , rezitiere den Grundmantra achtmal und vollziehe die unterwiesene Dhenu-Mudra. Reiche die Gabe mit dem Grundmantra dar. |
phaṭ ist der rituelle Abgrenzungslaut; der Grundmantra richtet die Gabe an die Gottheit. Die achtsfache Besprechung folgt P2-0106. |
Die deutschen Sätze erläutern die Gaben; sie sind keine dem Brihat Tantrasara zugeschriebenen Sanskritverse. Die konkreten Mantra-Zusätze, die im Einzelritual stehen, haben Vorrang. Die einfachen Handhabungshinweise führen die Angaben P2-0100, P2-0103–0106 und P1-0540 aus.
8. Japa, Darbringung und Abschluss
Zugehörige Ausführung des Rückverweises
Die folgenden Belege erläutern den hier benötigten Rückverweis. Führe nur die darin für diese Stelle bezeichnete Handlung aus. Eigene Seherzuordnung, Grundmantra und besonderes Dhyana dieses Artikels bleiben maßgeblich; mitzitierte andere Ritualformen werden nicht zusätzlich ausgeführt.
P2-1062
Danach verehre man die Waffen der Göttin. So im Kālīhṛdaya: In der oberen und unteren linken Hand der Göttin verehre man Schwert und Kopf; in der oberen und unteren rechten Hand Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Dann meditiere man die Göttin, wiederhole [den Mantra] nach Vermögen und übergebe mit „guhyāti“ und den weiteren Worten die Wiederholung in ihre linke Hand; danach vollziehe man die Hingabe seiner selbst. So im Svatantra: Nachdem man die Hauptgöttin wiederum mit Mudrās, Trankspenden und Verehrung verehrt und die Wiederholung ausgeführt hat, verneige man sich und entlasse sie ins Herz. Danach preise man sie, umwandle sie nach rechts, verneige sich mit acht Körpergliedern und rezitiere den Schutztext namens Śrījaganmaṅgala. Dann lasse man die Gottheiten der Umfassung in den Leib der Göttin eingehen, entlasse sie mit der Auflösungs-Mudrā und „amuki devi kṣamasva“ — O Göttin [Name], verzeihe! — und bringe ihren Lichtglanz zusammen mit der Blume ins eigene Herz. Mit dem Mantra „oṃ uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsini brahmayonisamutpanne gaccha devi mamāntaram“ — O Göttin auf dem nördlichen Gipfel, auf Erden in den Bergen wohnend, aus der Brahman-Yoni hervorgegangen: Geh, o Göttin, in mein Inneres!
tato devyā astra pūjayet |
tathā ca kālīhṛdaye:
devīvāmordhvādhohaste khaḍgaṃ muṇḍañca pūjayet |
devyā dakṣahastordhvādhaḥ pūjayedabhayaṃ varam |
tato devīṃ dhyātvā yathāśakti japtvāguhyātītyādinā devyā
vāmahaste japaṃ samarpya ātmasamarpaṇaṃ kuryāt ||
tathā ca svatantre:
tataḥ punarmūladevīṃ mudrātarpaṇapūjanaiḥ arcayitvā japaṃ kṛtvā
natvā visarjayedhṛdi |
tataḥ stutvā, pradakṣiṇīkṛtyāṣṭāṅgapraṇāmaṃ kṛtvā,
śrījaganmaṅgalaṃ nāma kavacaṃ paṭhet |
tata āvaraṇadevatā devyā aṅge vilāpya, saṃhāramudrayā amuki devi
kṣamasva iti visṛjya, tattejaḥ puṣpeṇa samaṃ svahṛdyāropayet |
oṃ uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsini |
brahmayonisamutpanne gaccha devi mamāntaramiti mantreṇa
|| 34 ||
ततो देव्या अस्त्र पूजयेत् ।
तथा च कालीहृदये:
देवीवामोर्ध्वाधोहस्ते खड्गं मुण्डञ्च पूजयेत् ।
देव्या दक्षहस्तोर्ध्वाधः पूजयेदभयं वरम् ।
ततो देवीं ध्यात्वा यथाशक्ति जप्त्वागुह्यातीत्यादिना देव्या
वामहस्ते जपं समर्प्य आत्मसमर्पणं कुर्यात् ॥
तथा च स्वतन्त्रे:
ततः पुनर्मूलदेवीं मुद्रातर्पणपूजनैः अर्चयित्वा जपं कृत्वा
नत्वा विसर्जयेधृदि ।
ततः स्तुत्वा, प्रदक्षिणीकृत्याष्टाङ्गप्रणामं कृत्वा,
श्रीजगन्मङ्गलं नाम कवचं पठेत् ।
तत आवरणदेवता देव्या अङ्गे विलाप्य, संहारमुद्रया अमुकि देवि
क्षमस्व इति विसृज्य, तत्तेजः पुष्पेण समं स्वहृद्यारोपयेत् ।
ॐ उत्तरे शिखरे देवि भूम्यां पर्वतवासिनि ।
ब्रह्मयोनिसमुत्पन्ने गच्छ देवि ममान्तरमिति मन्त्रेण
॥ ३४ ॥
P2-1063
Dann gebe man etwas von dieser Speisegabe mit „ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ“ — Verehrung Ucchiṣṭacāṇḍālinī — in die nordöstliche Richtung. Den Rest gebe man den Geliebten, nehme selbst etwas davon, trinke das Fußwaschwasser, lege den abgelegten Blumenschmuck auf den Kopf und bewege sich nach Belieben.
tatastannaivedyaṃ kiñciducchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ ityaiśānyāṃ
diśi dattvā, śeṣamiṣṭebhyo dattvā, kiñcit svīkṛtya, pādodakaṃ
pītvā, nirmālyaṃ śirasi vidhṛtya, yathecchaṃ viharediti
|| 35 ||
ततस्तन्नैवेद्यं किञ्चिदुच्छिष्टचाण्डालिन्यै नमः इत्यैशान्यां
दिशि दत्त्वा, शेषमिष्टेभ्यो दत्त्वा, किञ्चित् स्वीकृत्य, पादोदकं
पीत्वा, निर्माल्यं शिरसि विधृत्य, यथेच्छं विहरेदिति
॥ ३५ ॥
P2-1064
Dann gebe man die Yantra-Paste in die linke Hand, zeichne mit dem kleinen Finger der linken Hand das Māyā-Bīja und mache damit das Stirnzeichen. So heißt es: Nachdem man die Yantra-Paste in die linke [Hand] gegeben hat, zeichne der Sādhaka mit dem linken kleinen Finger Māyā und mache mit diesem Mantra das Stirnzeichen: „oṃ yaṃ yaṃ spṛśāmi pādābhyāṃ yo māṃ paśyati cakṣuṣā sa eva dāsatāṃ yātu rājāno duṣṭadasyavaḥ“ — Wen immer ich mit meinen Füßen berühre, wer mich mit seinen Augen sieht, der werde zum Diener: Könige und böse Räuber. Bei der Mantra-Wiederholung soll die Zunge mit Kampfer versehen sein. So heißt es im Viśvasāra: Bei der Wiederholungshandlung soll die Zunge stets mit Kampfer versehen sein. Dies gilt nur bei wunschgerichteter Mantra-Wiederholung.
tato yantralepaṃ vāmahaste kṛtvā savyahastakaniṣṭhayā māyābījaṃ
vilikhya tayā tilakaṃ kuryāt |
tathā ca:
vāme kṛtvā yantralepaṃ māyāṃ savyakaniṣṭhayā |
vilikhya tilakaṃ kuryānmantreṇānena sādhakaḥ |
oṃ yaṃ yaṃ spṛśāmi pādābhyāṃ yo māṃ paśyati cakṣuṣā |
sa eva dāsatāṃ yātu rājāno duṣṭadasyavaḥ |
japakāle ca karpūrayuktā jihvā kāryā |
tathā ca:
karpūrāḍhyā sadā jihvā karttavyā japakarmaṇi, iti viśvasāravacanāt
|
idaṃ kāmyajapa eveti
|| 36 ||
ततो यन्त्रलेपं वामहस्ते कृत्वा सव्यहस्तकनिष्ठया मायाबीजं
विलिख्य तया तिलकं कुर्यात् ।
तथा च:
वामे कृत्वा यन्त्रलेपं मायां सव्यकनिष्ठया ।
विलिख्य तिलकं कुर्यान्मन्त्रेणानेन साधकः ।
ॐ यं यं स्पृशामि पादाभ्यां यो मां पश्यति चक्षुषा ।
स एव दासतां यातु राजानो दुष्टदस्यवः ।
जपकाले च कर्पूरयुक्ता जिह्वा कार्या ।
तथा च:
कर्पूराढ्या सदा जिह्वा कर्त्तव्या जपकर्मणि, इति विश्वसारवचनात्
।
इदं काम्यजप एवेति
॥ ३६ ॥
Setze dich nach den äußeren Gaben gesammelt hin und wiederhole den Grundmantra dieser Form. Wenn die besondere Paddhati keine Sitzungszahl nennt, nennt die allgemeine Ordnung 100 oder 1008 Wiederholungen (P2-0111). Eine Purascharana-Gesamtzahl ist davon zu unterscheiden.
Bringe das vollzogene Japa der Gottheit dar. Die allgemeine Formel lautet in einer redaktionell geglätteten Lesefassung:
oṃ guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthite ||
„Om. Du Hüterin des Allerverborgensten, nimm das von uns vollzogene Japa an. Möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, o Göttin, da du in mir gegenwärtig bist.“
Die Formen guhyāti-/gṛhāṇāsmat- sind gegenüber dem beschädigten Wortabstand der Vorlage grammatisch geglättet; der Sanskritwortlaut von P2-0111 bleibt als Beleg erhalten. Preist die betreffende Tradition die Gottheit mit einem eigenen Stotra, schließt sich dieses hier an. Verneige dich anschließend.
Führe die Umkreisgottheiten innerlich in die Hauptgottheit zurück. Sprich:
kṣamasva
„Verzeihe!“
Vollziehe die unterwiesene Samhara-Mudra, nimm den Duft der dargebrachten Blüte wahr und führe den Lichtglanz der Gottheit in den Lotus deines Herzens zurück (P2-0120). Verweile einen Augenblick in dieser Gegenwart. Die Quelle beschreibt damit die Rücknahme der rituellen Anrufung; die Verehrung wirkt als Erinnerung im Alltag weiter.
Purascharana: gesonderter Gesamtumfang
Die folgenden Zahlen betreffen die besondere Vollendungspraxis und sind kein zusätzliches Soll jeder einzelnen Puja. Sie werden zusammen mit dem Guru dem gewählten Mantra zugeordnet. Ein hier genanntes Feueropfer benötigt seine eigene vollständige Homa-Ordnung.
P2-1070: Die Zeit für die nächtliche Wiederholung steht im Muṇḍamālā: Nach Ablauf der ersten Nachtwache bis zur dritten Wache soll man nachts wiederholen; im verbleibenden Teil der Nacht darf man nicht wiederholen. Nach Pūrṇānandas Auffassung besteht die vorbereitende Praxis auch aus 100.000 Wiederholungen. Hier ist Folgendes zu verstehen: Für Brahmanen besteht die vorbereitende Praxis allein aus 100.000 Wiederholungen tagsüber. So im Phetkārīya: Für sämtliche Zweimalgeborenen wird hier die Vorschrift für den Tag genannt; für Śūdras gilt ebenso die nächtliche [Verehrung] als erwünscht und sehr fruchtbringend.
P2-1071: Auch im Kālīrahasya: Rein wiederhole der Zweimalgeborene den Mantra ausschließlich tagsüber 100.000-mal. Nach Pūrṇānandas Auffassung besteht die vorbereitende Praxis aus 100.000 Wiederholungen. Diese Meinung ist zweifelhaft, weil in verschiedenen Tantras 200.000 zu finden sind; die vorbereitende Praxis wird also allein durch 200.000 vollendet. Und anderswo: Man wiederhole den Mantra ausschließlich tagsüber, niemals nachts. Die Brahmanenspeisung als Bestandteil der vorbereitenden Praxis Śyāmās ist mit Opferkost auszuführen.
P2-1072: So im Viśvasāra: Rein wiederhole man die Vidyā tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend. Danach opfere man ein Zehntel davon mit Opferspeise, o Liebe. Mit einem Zehntel davon sättige man Pārvatī durch heiliges Wasser oder mit Honig oder mit Wasser, das mit Zucker vermischt ist, o Parameśvarī. Die Göttin begieße man mit Wasser in einer Zahl von einem Zehntel der Trankspenden. Ein Zehntel davon [an Brahmanen] speise man hingebungsvoll mit Opferkost. Der Mantra-Kundige [gebe] den Kennern des Kālī-Mantras [die Speisung] und dem Guru eine Gabe. Die Paśu-Vorschrift ist erklärt; höre danach die Vīra-Vorschrift, o Liebe. Nachdem der gesammelte Mantra-Kundige nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal wiederholt hat, opfere er im vorbereiteten Feuer. Im Kālīkulārṇava: Nach der Paśu-Vorschrift wiederhole man gesammelt 100.000-mal. Nachdem man die göttliche Kālikā aus dem Mund des göttlichen Gurus erhalten hat, wiederhole der Mantra-Kundige, der Sādhaka, nach der Vīra-Vorschrift stets 100.000-mal. Im Viśvasāra: Mit höchster Hingabe wiederhole man Tag und Nacht 100.000-mal. Was im Kumārīkalpa [steht]: Rein wiederhole man den Mantra tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal. („Nachdem der Mantra-Kundige so 200.000-mal wiederholt hat, [opfere er] ein Zehntel davon“.) Aufgrund dieser Aussage [meint man], die vorbereitende Praxis bestehe spezifisch aus 200.000. Das ist nicht richtig, wegen des Widerspruchs zu den zuvor genannten Aussagen. Diese Aussage bezieht sich auf zwei vorbereitende Praktiken. [Der Text stellt hier ausdrücklich unterschiedliche Auffassungen nebeneinander; die zuvor vertretene Gesamtzahl wird nicht still vereinheitlicht.]
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P2-1027 · Originalnummer 1
atha vakṣye mahāvidyāḥ kālikāyāḥ sudurlabhāḥ |
yāsāṃ vijñānamātreṇa jīvanmukto bhavennaraḥ
|| 1 ||
Jetzt werde ich die äußerst schwer zu erlangenden großen Vidyās Kālikās erklären. Allein durch ihre Erkenntnis wird ein Mensch bereits zu Lebzeiten befreit.
P2-1028 · Originalnummer 2
nātra cintāviśuddhiḥ syānna vā mitrādidūṣaṇam |
na vā prayāsabāhulyaṃ samayāsamayādikam |
na vittavyayabāhulyaṃ kāyakleśakaraṃ na ca
|| 2 ||
Hier bedarf es keiner Reinheitsprüfung des Denkens [„cintāviśuddhi“ ist als technischer Ausdruck nicht erläutert], keiner Beeinträchtigung durch Mitra und die übrigen [Mantra-Prüfkategorien], keiner Fülle von Mühen und keiner Unterscheidung richtiger oder unrichtiger Zeit. Es bedarf weder hoher Ausgaben noch körperlicher Qual.
P2-1029 · Originalnummer 3
ya enāṃ cintayenmantrī sarvakāmasamṛddhidām |
tasya haste sadaivāsti sarvasiddhirna saṃśayaḥ
|| 3 ||
Der Mantra-Kundige, der sie meditiert, die alle Wünsche in Fülle gewährt, hat stets sämtliche Vollkommenheiten in seiner Hand; daran besteht kein Zweifel.
P2-1030 · Originalnummer 4
gadyapadyamayī vāṇī sabhāyāṃ tasya jāyate |
tasya darśanamātreṇa vādino niṣprabhāṃ gatāḥ
|| 4 ||
In der Versammlung entsteht ihm Rede in Prosa und Versen. Allein durch seinen Anblick verlieren die Streitredner ihren Glanz.
P2-1031 · Originalnummer 5
rājāno'pi ca dāsatvaṃ bhajante kiṃ pare janāḥ |
divārātrivyatyayañca vaśīkarttuṃ kṣamo bhavet |
ante ca labhate devyā gaṇatvraṃ durlabhaṃ naraḥ
|| 5 ||
Selbst Könige werden seine Diener — um wie viel mehr andere Menschen! Er wird fähig, den Wechsel von Tag und Nacht zu beherrschen. Am Ende erlangt der Mensch den schwer erreichbaren Stand eines Gefährten der Göttin.
P2-1032 · Originalnummer 6
atha śyāmāmantrāḥ :
tatra kālītantre:
kāmatrayaṃ vahnisaṃsthaṃ rativinduvibhūṣitam |
kūrcayugmaṃ tathā lajjāyugalaṃ tadanantaram |
dakṣiṇe kālile ceti pūrvabījāni coccaret |
ante vahnivadhūṃ dadyādvidyārājñī prakīrtitā
|| 6 ||
Nun die Śyāmā-Mantras. Im Kālītantra: Dreimal Kāma, auf Feuer stehend und mit Rati und Bindu geschmückt; das Kūrca-Paar und unmittelbar danach das Lajjā-Paar; „dakṣiṇe kālike“, dann spreche man die früheren Bījas. Am Ende setze man die Gattin des Feuers, svāhā. Dies wird als Königin der Vidyās erklärt. [Die Vorlage hat „kālile“.]
P2-1033 · Originalnummer 7
manvarthamāha yāmale:
kakārājjalarūpatvātkevalaṃ mokṣadāyinī |
jvalanārṇasamayogātsarvatejomayī śubhā
|| 7 ||
Die Bedeutung des Mantras erklärt das Yāmala: Aufgrund des Lautes ka, der Wassergestalt ist, gewährt sie allein Befreiung. Durch die Verbindung mit dem Feuer-Laut ist die Heilvolle aus sämtlicher Strahlkraft gebildet.
P2-1034 · Originalnummer 8
māyātrayeṇa deveśi sṛṣṭisthityantakāriṇī |
vindunāṃ niṣphalatvācca kaivalyaphaladāyinī
|| 8 ||
Durch die dreifache Māyā, o Herrin der Götter, bewirkt sie Schöpfung, Bewahrung und Ende. Wegen der Fruchtlosigkeit der Bindus [so der Wortlaut „vindunāṃ niṣphalatvāt“] gewährt sie die Frucht der absoluten Freiheit. [Diese Begründung ist in der überlieferten Lesart nicht eindeutig verständlich.]
P2-1035 · Originalnummer 9
bījatrayā śāmbhavī sā kevalaṃ jñānacitkalā |
śabdabījadvayenaiva śabdarāśiprabodhinī
|| 9 ||
Durch die drei Bījas ist sie Śāmbhavī, allein die Kalā der Erkenntnis und des Bewusstseins. Durch die beiden Klang-Bījas weckt sie die Gesamtheit des Klanges.
P2-1036 · Originalnummer 10
lajjābījadvayenaiva sṛṣṭisthityantakāriṇī |
sambodhanapadenaiva sadā sannidhikariṇī |
svāhayā jagatāṃ mātā sarvāpāpapraṇāśinī
|| 10 ||
Durch die beiden Lajjā-Bījas bewirkt sie Schöpfung, Bewahrung und Ende. Durch das Anredewort bewirkt sie stets ihre Gegenwart. Durch svāhā ist sie die Mutter der Welten und vernichtet sämtliche Sünden.
P2-1037 · Originalnummer 11
asyāḥ pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādikaṃ kṛtvā mantrācamanaṃ kuryāt |
yathā:
kālikābhistribhiḥ pītvā kālyādibhirupaspṛśet |
dvābhyāmoṣṭhau dvirunmṛjya caikena kṣālayetkarau
|| 11 ||
Ihre Verehrungsausführung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen vollzogen hat, führe man das Mantra-Wasserschlürfen aus. So: Nachdem man mit den drei Kālikā[-Bījas] getrunken hat, berühre man [die Körperstellen] mit Kālī und den übrigen. Mit zweien wische man die Lippen zweimal ab, mit einem wasche man die Hände.
P2-1038 · Originalnummer 11ka
mukhaghrāṇekṣaṇaśrotranābhyuraskaṃ bhujau kramāt |
ācāmyaivaṃ bhavetkālī vatsarāttāṃ prapaśyati |
kaṃ śiraḥ |
tadyathā:
krīmiti trirācamet |
oṃ kālyai namaḥ oṃ kapālinyai namaḥ iti oṣṭho dvirunmṛjet |
oṃ kulvāyai namaḥ iti karaṃ kṣālayet |
oṃ kurukulvāyai namaḥ iti mukhe |
oṃ virodhinyai namaḥ iti dakṣiṇanāsāyām |
oṃ vipracittāyai namaḥ iti vāmanāsāyām |
oṃ ugrāyai namaḥ oṃ ugraprabhāyai namaḥ iti netravoḥ |
oṃ dīptāyai namaḥ oṃ nīlāyai namaḥ iti śrotrayoḥ |
oṃ ghanāyai namaḥ iti nābhau |
oṃ balākāyai namaḥ iti vakṣasi |
oṃ mātrāyai namaḥ iti śirasi |
oṃ mudrāyai namaḥ oṃ mitāyai namaḥ ityaṃsayoḥ |
iti mantrācamanam
|| 11ka ||
Mund, Nase, Augen, Ohren, Nabel, Brust und beide Arme [berühre man] der Reihe nach. Wer so Wasser geschlürft hat, wird Kālī und schaut sie binnen eines Jahres. „Kaṃ, Kopf“ [isolierte, unklare Angabe der Vorlage]. So: Mit krīṃ schlürfe man dreimal Wasser. Mit „oṃ kālyai namaḥ“ — Verehrung Kālī — und „oṃ kapālinyai namaḥ“ — Verehrung Kapālinī — wische man zweimal die Lippen ab. Mit „oṃ kulvāyai namaḥ“ — Verehrung Kulvā [so die Vorlage] — wasche man die Hände. Mit „oṃ kurukulvāyai namaḥ“ [so die Vorlage] berühre man den Mund; mit „oṃ virodhinyai namaḥ“ die rechte Nasenöffnung; mit „oṃ vipracittāyai namaḥ“ die linke. Mit „oṃ ugrāyai namaḥ“ und „oṃ ugraprabhāyai namaḥ“ die beiden Augen; mit „oṃ dīptāyai namaḥ“ und „oṃ nīlāyai namaḥ“ die beiden Ohren; mit „oṃ ghanāyai namaḥ“ den Nabel; mit „oṃ balākāyai namaḥ“ die Brust; mit „oṃ mātrāyai namaḥ“ den Kopf; mit „oṃ mudrāyai namaḥ“ und „oṃ mitāyai namaḥ“ die beiden Schultern. Jede Formel bedeutet Verehrung der jeweils genannten Göttin. Dies ist das Mantra-Wasserschlürfen.
P2-1039 · Originalnummer 12
tato bhūtaśuddhyantaṃ vidhāya māyābījena yathāvidhi
praṇāyāmaṃ kuryāt
|| 12 ||
Nachdem man die Handlungen bis zur Reinigung der Elemente ausgeführt hat, vollziehe man mit dem Māyā-Bīja die Atemregelung nach Vorschrift.
P2-1040 · Originalnummer 13
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ |
yathā:
asya mantrasya bhairavaṛṣiruṣṇik chando dakṣiṇakālikā devāta hrīṃ
bījaṃ hūṃ śaktiḥ krīṃ kīlakaṃ puruṣārthacatuṣṭayasiddhyarthe
viniyogaḥ |
tathā ca kālīkrame:
kīlakaṃ cādyabījaṃ syāccaturvargaphalapradam |
śirasi bhairavaṛṣaye namaḥ |
mukhe uṣṇikchandase namaḥ |
hṛdi dakṣiṇakālikāyai devatāyai namaḥ |
guhye hrīṃ bījāya namaḥ |
pādayoḥ hūṃ śaktaye namaḥ |
sarvāṅge krīṃ kīlakāya namaḥ
|| 13 ||
Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen. So: Der Seher dieses Mantras ist Bhairava, das Versmaß Uṣṇih, die Gottheit Dakṣiṇakālikā, das Bīja hrīṃ, die Kraft hūṃ und der Kīlaka krīṃ. Seine Anwendung dient der Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele. So im Kālīkrama: Der Kīlaka ist das erste Bīja und gewährt die Frucht der vier Lebensziele. Am Kopf „bhairavaṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Bhairava; am Mund „uṣṇikchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Uṣṇih; am Herzen „dakṣiṇakālikāyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Dakṣiṇakālikā; am Geschlecht „hrīṃ bījāya namaḥ“ — hrīṃ, Verehrung dem Bīja; an den Füßen „hūṃ śaktaye namaḥ“ — hūṃ, Verehrung der Kraft; am ganzen Körper „krīṃ kīlakāya namaḥ“ — krīṃ, Verehrung dem Verschluss.
P2-1041 · Originalnummer 14
tataḥ karāṅganyāsau |
taduktaṃ kālītantre:
aṅganyāsakaranyāsau yathāvadabhidhīyate |
bhairavo'sya ṛṣiḥ prokta uṣṇikchanda udāhṛtam |
devāta kālikā proktā lajjā - bījantu bījakam |
kīlakaṃ cādyabījaṃ syāccaturvargaphalapradam |
śaktiśca kūrcabījaṃ syādaniruddhā sarasvatī |
kavitvārthe niyogaḥ |
syādityādi |
tena māyayā ṣaḍaṅganyāsaḥ |
ṣaḍdīrghabhājā bījena praṇavādyena kalpayet |
vīratantre:
dīrghaṣaṭkayutādyena prāṇavādyena kalpayet iti vā |
tadyathā:
oṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
oṃ hūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
oṃ hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
oṃ hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
oṃ hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādinā vā
|| 14 ||
Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So im Kālītantra: Gliedernyāsa und Handnyāsa werden ordnungsgemäß erklärt. Ihr Seher heißt Bhairava, das Versmaß Uṣṇih; die Gottheit heißt Kālikā, das Lajjā-Bīja ist das Bīja. Der Kīlaka ist das erste Bīja, das die Frucht der vier Lebensziele gewährt. Die Kraft ist das Kūrca-Bīja, [es folgt] die ungehinderte Sarasvatī. Die Anwendung dient dichterischer Kraft — und so weiter. Daher erfolgt der Nyāsa der sechs Glieder mit Māyā: Man bilde ihn mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale annimmt, und mit dem Praṇava am Anfang. Im Vīratantra alternativ: Man bilde ihn mit dem ersten [Bīja], verbunden mit den sechs langen Vokalen und dem Praṇava am Anfang. So: „oṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den Daumen; „oṃ hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den Zeigefingern; „oṃ hūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ“ — vaṣaṭ den Mittelfingern; „oṃ hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ“ — huṃ den Ringfingern; „oṃ hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den kleinen Fingern; „oṃ hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ“ — phaṭ den Handflächen und Handrücken. Ebenso am Herzen und den weiteren Stellen: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen — und so weiter. Oder mit „oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und den weiteren Formeln. [hūṃ statt hrūṃ ist die ausdrückliche Lesart der Handformel.]
P2-1042 · Originalnummer 15
tato varṇanyāsaḥ:
aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ namaḥ iti hṛdaye |
eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ namaḥ iti dakṣiṇabāhau
|
ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ namaḥ iti
vāmabāhau |
ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ namaḥ iti
dakṣiṇapāde |
maṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ namaḥ iti
vāmapāde |
virūpākṣamate savindurayaṃ nyāsaḥ |
yathā vīratantre:
aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ vai hṛdaye nyasedityādi |
kālītantre punarnirvinduḥ |
yathā:
a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ vai hṛdayaṃ spṛśedityādi |
kintu savindūn vā nyasedetān nirvindūna vātha varṇakānityācārya
parigṛhītabhairavīyavākyādubhayameva yuktam
|| 15 ||
Danach der Laut-Nyāsa: Am Herzen „aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ namaḥ“; am rechten Arm „eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ namaḥ“; am linken Arm „ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ namaḥ“; am rechten Fuß „ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ namaḥ“; am linken Fuß „maṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ namaḥ“. Namaḥ bedeutet jeweils Verehrung. Nach Virūpākṣas Lehre erfolgt dieser Nyāsa mit Bindu. So im Vīratantra: Man lege aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ am Herzen auf — und so weiter. Im Kālītantra dagegen ohne Bindu: Mit a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ berühre man das Herz — und so weiter. Aufgrund der vom Ācārya übernommenen Aussage des Bhairavīya „Man lege diese Laute mit Bindu oder ohne Bindu auf“ sind jedoch beide [Formen] richtig.
P2-1043 · Originalnummer 16
atha ṣoḍānyāsaḥ |
taduktaṃ vīratantre:
kevalāṃ mātṛkāṃ kṛtvā mātṛkāṃ tārasaṃpuṭām |
mātṛkāpuṭitaṃ tāraṃ nyaset sādhakasattamaḥ |
śrībījapuṭitāṃ tāntu mātṛkāpuṭitantu tat |
kāmena puṭitāṃ devīṃ tatpuṭaṃ kāmameva ca |
śaktyā ca puṭitāṃ devīṃ śaktiñca tatpuṭāṃ nyaset |
krīṃ dvandvañca punarnyastvā ṛ-ṝṃ-ḷ-ḹñca pūrvavat |
mūlena puṭitāṃ devīṃ tatpuṭaṃ mantrameva ca |
anumola vilomena nyasya mantraṃ yathāvidhi |
mūlenāṣṭaśataṃ kuryādvyāpakaṃ tadanantaram |
yathā:
oṃ aṃ oṃ evaṃ mātṛkāpuṭitaṃ tāram |
evaṃ śrībījapuṭitāṃ tām |
tatpuṭitaṃ śrībījam |
evaṃ kāmena puṭitāṃ mātṛkām |
mātṛkāpuṭitaṃ kāmam |
evaṃ śaktyā puṭitāṃ mātṛkām |
mātṛkāpuṭitāṃ śaktiṃ nyaset |
tathā krīṃ dvandvañca ṛ ṝ ḷ ḹñca pūrvavat |
tatpuṭitāṃ mātṛkāṃ mātṛkāpuṭitañca tannyaset |
mantrapuṭitāṃ mātṛkāṃ tatpuṭitaṃ manum |
punaranuloma vilomena kevalaṃ mantraṃ mātṛkāsthāne nyasya
mūlenāṣṭaśatena vyāpakaṃ kuryāt
|| 16 ||
Nun der sechsfache Nyāsa. So im Vīratantra: Nachdem der beste Sādhaka die reine Mātṛkā [aufgelegt hat], lege er die mit Tāra umschlossene Mātṛkā und Tāra, umschlossen von Mātṛkā, auf. Die mit dem Śrī-Bīja umschlossene Mātṛkā und jenes, umschlossen von Mātṛkā; die mit Kāma umschlossene Göttin und Kāma selbst, von ihr umschlossen; die mit Śakti umschlossene Göttin und Śakti, von ihr umschlossen. Nachdem man wiederum das krīṃ-Paar sowie ṛ ṝṃ ḷ ḹ wie zuvor aufgelegt hat, [lege man] die mit dem Grundmantra umschlossene Göttin und den von ihr umschlossenen Mantra auf. Man lege den Mantra vorwärts und rückwärts nach Vorschrift auf und vollziehe unmittelbar danach mit dem Grundmantra 108-mal den den ganzen Körper durchdringenden [Nyāsa]. So: „oṃ aṃ oṃ“; ebenso Tāra, umschlossen von Mātṛkā. Ebenso die mit dem Śrī-Bīja umschlossene Mātṛkā und das von ihr umschlossene Śrī-Bīja. Ebenso die mit Kāma umschlossene Mātṛkā und Kāma, umschlossen von Mātṛkā. Ebenso lege man die mit Śakti umschlossene Mātṛkā und Śakti, umschlossen von Mātṛkā, auf. Ebenso das krīṃ-Paar und ṛ ṝ ḷ ḹ wie zuvor; die davon umschlossene Mātṛkā und jenes, umschlossen von Mātṛkā, lege man auf. Die mit dem Mantra umschlossene Mātṛkā und den von ihr umschlossenen Mantra [lege man auf]. Wiederum lege man den Mantra allein vorwärts und rückwärts an den Mātṛkā-Stellen auf und vollziehe mit dem Grundmantra 108-mal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa.
P2-1044 · Originalnummer 17
ayaṃ nyāsastārāyā api kāryaḥ |
iti guptena durgāyā aṅgaṣoḍhā prakīrtitā |
tārāyāḥ kālikāyāśca unmukhyāśca tathā parā
kṛte'sminnyāsavarye tu sarvaṃ pāpaṃ praṇaśyati
|| 17 ||
Dieser Nyāsa ist auch für Tārā auszuführen. So wird geheim der sechsfache Gliedernyāsa Durgās erklärt, ebenso für Tārā, Kālikā, Unmukhī und die höchste [Göttin]. Wird dieser vorzügliche Nyāsa vollzogen, vergeht jede Sünde. [Der Name Unmukhī folgt der Vorlage.]
P2-1045 · Originalnummer 18
tatastattvanyāsaḥ |
yathā:
mūlaṃ trikhaṇḍaṃ vidhāya prathamakhaṇḍānte oṃ ātmatattvāya
svāheti pādādi - nābhiparyantam |
dvitīyakhaṇḍānte oṃ vidyātattvāya svāheti nābhyādi - hṛdayāntam |
tṛtīyakhaṇḍānte oṃ śivatattvāya svāheti hṛdayādiśivaḥparyantaṃ
nyaset |
taduktaṃ svatantre:
mūlavidyātrikhaṇḍānte praṇavādyairyathāvidhi |
ātmavidyāśivaistattvaistattvanyāsaṃ samācaret
|| 18 ||
Danach der Tattva-Nyāsa. So: Man teile den Grundmantra in drei Abschnitte. Nach dem ersten lege man mit „oṃ ātmatattvāya svāhā“ — svāhā dem Ātman-Prinzip — vom Fuß bis zum Nabel auf. Nach dem zweiten mit „oṃ vidyātattvāya svāhā“ — svāhā dem Erkenntnisprinzip — vom Nabel bis zum Herzen. Nach dem dritten mit „oṃ śivatattvāya svāhā“ — svāhā dem Śiva-Prinzip — vom Herzen bis zum Kopf [Vorlage beschädigt „śivaḥparyantam“]. So im Svatantra: Am Ende der drei Abschnitte der Grund-Vidyā vollziehe man ordnungsgemäß mit den mit dem Praṇava beginnenden [Formeln] für Ātman-, Vidyā- und Śiva-Tattva den Tattva-Nyāsa.
P2-1046 · Originalnummer 19
atha bījanyāsaḥ |
taduktaṃ kumārīkalpe:
brahmarandhre bhruvormadhye lalāṭe nābhideśake |
guhye vaktre ca sarvāṅge saptabījaṃ kramānnyaset |
tadyathā:
ādyabījaṃ brahmarandhre |
dvitīyabījaṃ bhrūmadhye |
tṛtīyabījaṃ lalāṭe |
caturthabījaṃ nābhau |
pañcamabījaṃ guhye |
ṣaṣṭhabījaṃ vaktre |
saptabījaṃ sarvāṅge |
etattrayaṃ kāmyam
|| 19 ||
Nun der Bīja-Nyāsa. So im Kumārīkalpa: An Brahmā-Öffnung, zwischen den Brauen, Stirn, Nabelbereich, Geschlecht, Mund und ganzem Körper lege man die sieben Bījas der Reihe nach auf. So: Das erste Bīja an der Brahmā-Öffnung, das zweite zwischen den Brauen, das dritte an der Stirn, das vierte am Nabel, das fünfte am Geschlecht, das sechste am Mund, das siebte am ganzen Körper. Diese Dreiheit [von Nyāsas] dient wunschgerichteten Zwecken.
P2-1047 · Originalnummer 20
tato mūlena saptadhā vyāpakaṃ kṛtvā yathāvidhi mudrāṃ pradarśya
dhyāyet
|| 20 ||
Danach vollziehe man mit dem Grundmantra siebenmal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa, zeige nach Vorschrift die Mudrā und meditiere.
P2-1048 · Originalnummer 21
tadyathā kālītantre:
karālavadanāṃ ghorāṃ muktakeśīṃ caturbhujām |
kālikāṃ dakṣiṇāṃ divyāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām |
sadyaśchinnaśiraḥkhaḍgavāmādhordhvakarāmbujām |
abhayaṃ varadañcaiva dakṣiṇordhvādhaḥ pāṇikām |
mahāmeghaprabhāṃ śyāmāṃ tathā caiva digambarīm |
kaṇṭhāvasaktamuṇḍālīgaladrudhiracarcitām |
karṇāvataṃsatānītaśavayugmabhayānakām |
ghoradaṃṣṭrāṃ karālāsyāṃ pīnonnatapayodharām |
śavānāṃ karasaṅghātaiḥ kṛtakāñcīṃ hasanmukhīm |
sṛkvadvayagaladraktadhārāvisphuritānanām
|| 21 ||
So im Kālītantra: Die göttliche Dakṣiṇā Kālikā ist schreckgesichtig, furchtbar, mit gelöstem Haar und vier Armen, mit einer Schädelgirlande geschmückt. In den unteren und oberen linken Lotushänden hält sie einen frisch abgetrennten Kopf und ein Schwert; mit der oberen und unteren rechten Hand zeigt sie Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Sie ist dunkel wie eine große Wolke und unbekleidet. Eine am Hals hängende Kopfreihe besudelt sie mit herabrinnendem Blut. Sie ist furchtbar durch zwei Leichname, die als Ohrschmuck dienen, hat schreckliche Fangzähne, ein furchtbares Gesicht und volle, hohe Brüste. Aus den Händen der Leichname ist ihr Gürtel gemacht; ihr Gesicht lacht. Ihr Antlitz glänzt durch die Blutströme, die aus beiden Mundwinkeln herabfließen.
P2-1049 · Originalnummer 21 ka
ghorarāvāṃ mahāraudrīṃ śmaśānālayavāsinīm |
vālārkamaṇḍalākāralocanatritayānvitām |
danturāṃ dakṣiṇavyāpimuktālambikacoccayām |
śavarūpamahādevahṛdayoparisaṃsthitām |
śivābhirghorarāvābhiścaturdikṣu samanvitām |
mahākālena ca samaṃ viparītaratāturām |
sukhaprasannavadanāṃ smerānanasaroruhām |
evaṃ saṃcintayet kālīṃ sarvakāmasamṛddhidām |
śavayugmeti ghoravāṇāvataṃseti pretakarṇāvataṃseti ca |
śakuntapakṣasaṃyuktavāmakarṇavibhūṣitām |
vigatāsukiśorābhyāṃ kṛtakarṇāvataṃsinīmiti darśanādubhayameva
pāṭhaḥ
|| 21 ka ||
Sie schreit furchtbar, ist überaus wild und wohnt auf dem Leichenverbrennungsplatz. Ihre drei Augen gleichen der Scheibe der jungen Sonne. Sie zeigt ihre Zähne; ihre gelöste Haarfülle hängt ausgebreitet zur rechten Seite herab. Sie steht auf dem Herzen Mahādevas in Leichengestalt. In den vier Richtungen ist sie von schrecklich heulenden Schakalweibchen umgeben. Mit Mahākāla ist sie in umgekehrter Liebesvereinigung vertieft. Ihr Gesicht ist freudig und heiter, ihr Lotusantlitz lächelt. So vergegenwärtige man sich Kālī, die sämtliche Wünsche in Fülle gewährt. Bei „zwei Leichnamen“ [bestehen auch die Lesarten] „schreckliche Pfeile als Ohrschmuck“ und „Geister als Ohrschmuck“. Weil auch „am linken Ohr mit Vogelflügeln geschmückt“ und „mit zwei leblosen Knaben als Ohrschmuck“ zu finden ist, sind beide Lesarten [zulässig]. [Die Vorlage führt mehr als zwei Varianten an, ohne die abschließende Zweizahl näher aufzulösen.]
P2-1050 · Originalnummer 22
dhyānāntaraṃ svatantre:
añjanādrinibhāṃ devīṃ karālavadanāṃ śivām |
muṇḍamālāvalīkīrṇāṃ muktakeśīṃ smitānanām
mahākālahṛdambhojasthitāṃ pīnapayodharām |
viparītaratāsaktāṃ ghoradaṃṣṭrāṃ śiraiḥ saha |
nāgayajñopavītāḍhyāṃ candrārddhakṛtaśekharām |
sarvālaṅkārasaṃyuktāṃ muṇḍamālāvibhuṣitām |
śavahastasahasraistu vaddhakāñcīṃ digaṃśukām |
śivakoṭisahasraistu yoginībhirvirājitām |
raktapūrṇamukhāmbhojāṃ madhyapānapramattikām |
vahnyarkaśaśinetrāñca raktavisphuritānanām |
vigatāsukiśorābhyāṃ kṛtavarṇāvataṃsinīm |
kaṇṭhāvasaktamuṇḍālīgaladrudhiracarcitām |
śmaśānavahnimadhyasthāṃ brahmakeśavavanditām |
sadyaḥkṛttaśiraḥ khaḍgavarābhītikarāmbujām |
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya arghyasthāpanaṃ kuryāt
|| 22 ||
Eine andere Meditation im Svatantra: Die Göttin gleicht einem Berg aus schwarzer Augensalbe, ist heilvoll mit furchtbarem Gesicht, von Reihen der Schädelgirlande bedeckt, mit gelöstem Haar und lächelndem Antlitz. Sie befindet sich im Herzlotus Mahākālas, hat volle Brüste, ist in die umgekehrte Liebesvereinigung vertieft und besitzt schreckliche Fangzähne samt Köpfen [„śiraiḥ saha“ bleibt als Anschluss unklar]. Sie trägt eine Schlange als heilige Schnur und den Halbmond als Kopfschmuck, sämtlichen Schmuck und eine Schädelgirlande. Ihr Gürtel ist aus tausend Leichenhänden gebunden; die Himmelsrichtungen sind ihr Gewand. Sie glänzt mit Tausenden von Millionen Śivās und Yoginīs [Śivā kann hier Göttinnen oder Schakalweibchen bezeichnen]. Ihr Lotusmund ist voller Blut; sie ist vom Trinken berauscht [Vorlage „madhyapāna“, vermutlich „madyapāna“]. Ihre Augen sind Feuer, Sonne und Mond; ihr Antlitz strahlt vor Blut. Zwei leblose Knaben dienen ihr als Ohrschmuck [Vorlage „varṇāvataṃsinī“ beschädigt]. Die am Hals hängende Kopfreihe besudelt sie mit herabrinnendem Blut. Sie befindet sich mitten im Feuer des Leichenverbrennungsplatzes und wird von Brahmā und Keśava verehrt. Ihre Lotushände tragen einen frisch abgeschlagenen Kopf und Schwert und zeigen Gabengewährung und Furchtlosigkeit. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, stelle man das Arghya auf.
P2-1051 · Originalnummer 23
tadyathā:
svavāme bhūmau hūṃkāragarbhaṃ trikoṇaṃ vilikhyārghyapātraṃ
saṃsthāpya mūlena śuddhajalādinā śaṅkhādipātramāpūrya,
gandhādikaṃ dattvā, oṃ gaṅge cetyādinā tīrthamāvāhya, maṃ
vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ ityādhāraṃ, aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ iti śaṅkham, uṃ
somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ iti jalaṃ sampūjya, oṃ
hrāṃ hṛdayāya namaḥ, oṃ hrīṃ śirase svāhā, oṃ hrūṃ śikhāyai
vaṣaṭ oṃ hraiṃ kavacāya huṃ ityagnīśāsuravāyuṣu |
agra oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ, caturdikṣu oṃ hraḥ astrāya phaṭ |
ityabhyarcya tadupari matsyamudrayācchādya mūlaṃ daśadhā japtvā
dhenumudrayāmṛtīkṛtyāstreṇa saṃrakṣya, bhūtinīyonimudre
pradarśya, tajjalaṃ kiñcitprokṣaṇīpātre nikṣipya, mūlena
tenodakenātmānaṃ pūjopakaraṇañcābhyukṣya,
pīṭhapūjāmārabhet
|| 23 ||
So: Zu seiner Linken zeichne man auf den Boden ein Dreieck mit hūṃ im Inneren, stelle das Arghya-Gefäß auf und fülle unter Rezitation des Grundmantras die Muschel oder das andere Gefäß mit reinem Wasser und den übrigen [Substanzen]. Man gebe Duftstoffe und dergleichen, rufe mit „oṃ gaṅge“ und den weiteren Worten das heilige Wasser herbei. Mit „maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ“ — Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen zehn Kalās sind — verehre man den Untersatz; mit „aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ“ — dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās — die Muschel; mit „uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ“ — dem Mondkreis mit sechzehn Kalās — das Wasser. An Feuer, Īśāna, Asura und Wind: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; „oṃ hrīṃ śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; „oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; „oṃ hraiṃ kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer. Vorn „oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; in den vier Richtungen „oṃ hraḥ astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Nachdem man so verehrt hat, bedecke man es oben mit der Fisch-Mudrā, wiederhole den Grundmantra zehnmal, mache es mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und schütze es mit der Waffe. Man zeige die Bhūtinī- und Yoni-Mudrā, gieße etwas Wasser in das Sprenggefäß, besprenge unter Rezitation des Grundmantras sich selbst und die Verehrungsgeräte mit diesem Wasser und beginne die Verehrung des Kultsitzes.
P2-1052 · Originalnummer 24
asyāḥ pūjāyantram:
ādau vinduṃ svabījaṃ bhuvaneśīñca vilikhya, tatastrikoṇaṃ tadvāhye
trikoṇacatuṣṭayaṃ vṛttamaṣṭadalaṃ padmaṃ punarvṛttaṃ
caturdvārātmakaṃ bhūgṛhaṃ likhet |
(citra 34-ka) |
taduktaṃ kālītantre:
ādau trikoṇamālikhya trikoṇaṃ tadbahirlikhet |
tato vai vilikhenmantrī trikoṇatrayamuttamam |
tato vṛttaṃ samālikhya likhedaṣṭadalaṃ tataḥ |
vṛttaṃ vilikhya vidhivallikhedbhūpuramekakamam |
tathā kumārīkalpe:
madhye tu vaindavaṃ cakraṃ bījamāyāvibhūṣitamiti
|| 24 ||
Ihr Verehrungs-Yantra: Zuerst zeichne man Bindu, ihr eigenes Bīja und Bhuvaneśī, dann ein Dreieck, außen vier weitere Dreiecke, einen Kreis, einen achtblättrigen Lotus, wiederum einen Kreis und eine Erdumfassung mit vier Toren. [Abbildung 34-ka.] So im Kālītantra: Zuerst zeichne man ein Dreieck und außen ein weiteres; dann zeichne der Mantra-Kundige drei vortreffliche Dreiecke. Danach zeichne man einen Kreis und acht Blütenblätter, zeichne vorschriftsmäßig einen Kreis und eine Erdumfassung. Ebenso im Kumārīkalpa: In der Mitte das Bindu-Cakra, geschmückt mit Bīja und Māyā.
P2-1053 · Originalnummer 25
atha viśeṣādhāro muṇḍamālāyām:
tāmrapātre kapāle vā śmaśānakāṣṭhanirmite |
śanibhaumadine vāpi śarīre mṛtasambhave |
svarṇe raupye'tha lauhe vā cakraṃ kāryaṃ vidhānataḥ
|| 25 ||
Nun die besondere Grundlage, im Muṇḍamālā: In einem Kupfergefäß, in einer Schädelschale oder auf einem aus Holz des Leichenverbrennungsplatzes gefertigten [Träger], am Samstag oder Dienstag, auf einem toten Körper, auf Gold, Silber oder Eisen fertige man das Cakra nach Vorschrift an.
P2-1054 · Originalnummer 26
yantrāntaramāha tantre:
śaktyāgnibhyāñca ṣaṭkoṇaṃ śaktibhiśca navātmakam |
padme vasudale bhūmipūścaturdvāra-saṃyute iti
|| 26 ||
Ein anderes Yantra erklärt das Tantra: Mit Śakti und Feuer ein Sechseck, mit den Śaktis eine neunfache [Anordnung]; im achtblättrigen Lotus, mit einer Erdumfassung und vier Toren. [Śakti und Feuer bezeichnen hier die entgegengesetzt gerichteten Dreiecke; die neunfache Anordnung wird im zitierten Satz nicht vollständig erläutert.]
P2-1055 · Originalnummer 27
(citra 34-kha)
tataḥ pīṭhapūjā |
kumārīkalpe:
pīṭhapūjāṃ tataḥ kuryādādhāraśaktipūrvakam |
prakṛti kamaṭhaṃ caiva śeṣaṃ pṛthvīṃ tathaiva ca |
sudhāmbudhiṃ maṇidvīpaṃ cintāmaṇigṛhaṃ tathā |
śmaśānaṃ pārijātañca tanmūle ratnavedikām |
tasyopari maṇeḥ pīṭhaṃ nyaset sādhakasattamaḥ |
caturdikṣu munīn devān śivāścaiva samuṇḍakāḥ |
dharmādyadharmādīṃścetyādi hrīṃ jñānātmane namaḥ |
ityantaṃ sampūjya, keśareṣu pūrvādikrameṇa pūjayet |
icchā jñānā kriyā caiva kāminī kāmadāyinī |
ratīratipriyā nandā madhye caiva manonmanī |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
tadupari hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ |
pīṭhasyottare gurupaṃktipūjā
|| 27 ||
[Abbildung 34-kha.] Danach die Verehrung des Kultsitzes. Im Kumārīkalpa: Die Verehrung des Kultsitzes vollziehe man beginnend mit Ādhāraśakti, dann Prakṛti, Schildkröte, Śeṣa und Erde, Nektarozean, Juweleninsel, Cintāmaṇi-Palast, Leichenverbrennungsplatz, Pārijāta-Baum und an dessen Wurzel die Edelsteinplattform. Darüber setze der beste Sādhaka den Juwelensitz. In den vier Richtungen die Seher, Götter und Śivās mit Schädeln. Dharma und die übrigen, Adharma und die übrigen — und so weiter — verehre man bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ — Verehrung dem Erkenntnis-Selbst. Auf den Staubfäden verehre man, im Osten beginnend: Icchā, Jñānā, Kriyā, Kāminī, Kāmadāyinī, Rati, Ratipriyā und Nandā; in der Mitte Manonmanī. Überall mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende. Darüber „hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist. Nördlich des Kultsitzes erfolgt die Verehrung der Guru-Reihe.
P2-1056 · Originalnummer 28
tataḥ punardhyātvā, puṣpāñjalāvānīya,
mūlamantrakalpitamūrtāvāvāhayet |
oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite yāvattvāṃ pūjayiṣyāmi
tāvatvaṃ susthirā bhava |
tato mūlamuccāryāmuki devi ihāvaha ihāvaha iha tiṣṭha tiṣṭha iha
sannirudhyasva iha sannihitā bhava |
tato humityavaguṇṭhyāṅgamantraiḥ sakalīkṛtya, dhenumudrayā
amṛtīkṛtya, paramīkaraṇamudrayā paramīkṛtya,
bhūtinyākarṣiṇīyonimudrāḥ pradarśya, prāṇapratiṣṭhāṃ vidhāya,
mūlena pādyādibhiḥ pūjayet
|| 28 ||
Danach meditiere man erneut, bringe [die Göttin] in die Blumenhandvoll und rufe sie in die durch den Grundmantra vorgestellte Gestalt herbei: „oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite yāvat tvāṃ pūjayiṣyāmi tāvat tvaṃ susthirā bhava“ — O Herrin der Götter, durch Hingabe leicht erreichbar, mit Gefolge versehen: Solange ich dich verehre, bleibe fest gegenwärtig! Dann nach dem Grundmantra „amuki devi ihāvaha ihāvaha iha tiṣṭha tiṣṭha iha sannirudhyasva iha sannihitā bhava“ — O [Name] Göttin, komme hierher, komme hierher; bleibe, bleibe hier; verweile hier fest; sei hier gegenwärtig! Mit hum verhülle man sie, statte sie mit den Gliedermantras vollständig aus, mache sie mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten [Gestalt]. Man zeige die Bhūtinī-, Ākarṣiṇī- und Yoni-Mudrā, vollziehe die Einsetzung des Lebenshauchs und verehre mit dem Grundmantra, Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
P2-1057 · Originalnummer 29
tatra kramaḥ:
ādau mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
evamarghyaṃ svāhā |
idamācamanīyaṃ svadhā |
snānīyaṃ nivedayāmi |
punarācamanīyaṃ svadhā |
eṣa gandho namaḥ |
etāni puṣpāṇi vauṣaṭ |
tato mūlena pañcapuṣpāñjaliṃ dattvā dhūpadīpau dadyāt |
vanaspatītyādi paṭhanmūlamuccārya eṣa dhūpo namaḥ |
dīpamantrastu:
suprakāśo mahādīpaḥ sarvatastimirāpahaḥ |
savāhyābhyantaraṃ jyotirdīpo'yaṃ pratigṛhyatām |
mūlamuccārya eṣa dīpo namaḥ |
tata oṃ jayadhvani mantramātaḥ svāheti ghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena vādayan, nīcairdhūpaṃ dattvā dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ
dadyāt |
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā yathopapannaṃ naivedyaṃ
dadyāt
|| 29 ||
Die Reihenfolge: Zuerst nach dem Grundmantra „etat pādyaṃ amukadevatāyai namaḥ“ — Dies ist Fußwaschwasser für die Gottheit [Name]; Verehrung! Ebenso „arghyaṃ svāhā“ — Arghya, svāhā; „idam ācamanīyaṃ svadhā“ — Dies ist Schlürfwasser, svadhā; „snānīyaṃ nivedayāmi“ — Ich bringe Badewasser dar; „punarācamanīyaṃ svadhā“ — Erneutes Schlürfwasser, svadhā; „eṣa gandho namaḥ“ — Dies ist Duft, Verehrung; „etāni puṣpāṇi vauṣaṭ“ — Dies sind Blumen, vauṣaṭ. Dann gebe man mit dem Grundmantra fünf Blumenhandvoll, Räucherwerk und Licht. Unter Rezitation von „vanaspati“ und den weiteren Worten und des Grundmantras „eṣa dhūpo namaḥ“ — Dies ist Räucherwerk, Verehrung. Der Lichtmantra: Die hell leuchtende große Leuchte beseitigt überall die Finsternis; ihr Licht ist außen und innen. Möge diese Leuchte angenommen werden! Nach dem Grundmantra „eṣa dīpo namaḥ“ — Dies ist die Leuchte, Verehrung. Dann verehre man die Glocke mit „oṃ jayadhvani mantramātaḥ svāhā“ — O Siegklang, o Mutter der Mantras, svāhā. Mit der linken Hand läutend gebe man das Räucherwerk niedrig und die Leuchte bis zur Höhe der Augen. Dann gebe man mit dem Grundmantra drei Blumenhandvoll und die verfügbare Speisegabe.
P2-1058 · Originalnummer 30
tata āvaraṇapūjāṃ kuryāt |
śrī-amuki devi āvaraṇaṃ te pūjayāmi ityājñāṃ gṛhītvā,
keśareṣu agnyādikoṇeṣu oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ |
īśāne oṃ hrīṃ śirase svāhā |
nair-ṛte oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
vāyau oṃ hraiṃ kavacāya huṃ |
agre oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ |
caturdikṣu oṃ hraḥ astrāya phaṭ |
tataḥ vahiḥ ṣaṭkoṇe oṃ kālyai namaḥ |
sarvatra praṇavādinamo'ntena pūjayet |
evaṃ kapālinyai kulvāyai kurukulvāyai virodhinyai vipracittāyai |
prathamatryasre ugrāyai, ugraprabhāyai, dīptāyai, |
dvitīyatryasre oṃ nīlāyai evaṃ ghanāyai valākayai |
tṛtīyatryasre evaṃ mātrāyai, mudrāyai, mitāyai |
tathā ca:
kālīṃ kapālinīṃ kulvāṃ kurukulvāṃ virodhinīm |
vipracittāṃ pūjayecca vahiḥṣaṭkoṇake budhaḥ ugrāmugraprabhāṃ
dīptāṃ tanmadhye ca trikoṇake |
nīlāṃ ghanāṃ balākāñca madhye trikoṇake yajet |
mātrāṃ mudrāṃ mitāñcaiva pūjayedapare trike |
iti |
sarvāḥ śyāmā asikarā muṇḍamālāvibhūṣitāḥ |
tarjanīṃ vāmahastena dhārayantyaḥ śucismitāḥ |
digambarā hasanmukhyaṃ svasvavāhanabhūṣitāḥ |
evaṃ dhyātvā arcayet |
tato'ṣṭapatreṣu pūrvādikrameṇa oṃ brāhmyai namaḥ, evaṃ
nārāyaṇyai, māheśvaryai, cāmuṇḍāyai, kaumāryai, aparājitāyai,
vārāhyai, nārasiṃhyai |
etā gandhādibhiḥ pūjayet |
patrātre asitāṅgādibhaivarānpūjayet |
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā pādyādinā devyā dakṣiṇe
mahākālaṃ pūjayet
|| 30 ||
Danach die Verehrung der umgebenden Kreise. Mit „śrī amuki devi āvaraṇaṃ te pūjayāmi“ — O verehrte Göttin [Name], ich verehre deine Umfassung — hole man die Erlaubnis ein. Auf den Staubfäden in den Ecken, im Südosten beginnend: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; im Nordosten „oṃ hrīṃ śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; im Südwesten „oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; im Nordwesten „oṃ hraiṃ kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer; vorn „oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; in den vier Richtungen „oṃ hraḥ astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Dann im äußeren Sechseck „oṃ kālyai namaḥ“ — Verehrung Kālī; ebenso Kapālinī, Kulvā, Kurukulvā, Virodhinī und Vipracittā. Jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ. Im ersten Dreieck Ugrā, Ugraprabhā und Dīptā; im zweiten „oṃ nīlāyai“ und entsprechend Ghanā und Balākā; im dritten Mātrā, Mudrā und Mitā. So heißt es: Der Verständige verehre Kālī, Kapālinī, Kulvā, Kurukulvā, Virodhinī und Vipracittā im äußeren Sechseck. Im Dreieck darin Ugrā, Ugraprabhā und Dīptā. Im mittleren Dreieck verehre man Nīlā, Ghanā und Balākā; im anderen Dreieck Mātrā, Mudrā und Mitā. Alle sind dunkel, halten Schwerter und tragen Schädelgirlanden. Mit der linken Hand halten sie den Zeigefinger [erhoben]; sie lächeln rein, sind unbekleidet, haben lachende Gesichter und sind mit ihren jeweiligen Reittieren geschmückt. Nachdem man so meditiert hat, verehre man sie. Dann auf den acht Blütenblättern, im Osten beginnend, „oṃ brāhmyai namaḥ“ — Verehrung Brāhmī — und entsprechend Nārāyaṇī, Māheśvarī, Cāmuṇḍā, Kaumārī, Aparājitā, Vārāhī und Nārasiṃhī. Diese verehre man mit Duft und den weiteren Gaben. An den Blattspitzen verehre man die Bhairavas Asitāṅga und die übrigen. Dann gebe man mit dem Grundmantra drei Blumenhandvoll und verehre rechts der Göttin Mahākāla mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
P2-1059 · Originalnummer 31
tasya dhyānam:
mahākāla yajeddevyā dakṣiṇe dhūmravarṇakam |
vibhrataṃ daṇḍakhaṭṭāṅgau daṃṣṭrābhīmamukhaṃ śiśum |
vyāghracarmāvṛtakaṭiṃ tundilaṃ raktavāsasam |
trinetramūrdhvakeśañca muṇḍamālāvibhūṣitam |
jaṭābhāralasaccandrakhaṇḍamugraṃ jvalannibham
|| 31 ||
Seine Meditation: Rechts der Göttin verehre man Mahākāla, rauchfarben, Stab und Khaṭvāṅga tragend, ein Kind mit einem von Fangzähnen furchtbaren Gesicht. Seine Hüften sind von Tigerfell bedeckt; er ist dickbäuchig und rot gekleidet. Er hat drei Augen, aufgerichtetes Haar und eine Schädelgirlande. In seiner Flechtenfülle glänzt die Mondsichel; er ist wild und gleicht einer Flamme.
P2-1060 · Originalnummer 32
tathā ca kumārīkalpe:
devyāstu dakṣiṇe bhāge mahākālaṃ prapūjayet |
hūṃ kṣrauṃ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ mahākālabhairavaṃ
sarvavighnānnāśaya nāśaya hrīṃ śrīṃ phaṭ svāhā |
ityanena pādyādibhirārādhya tristarpayitvā mūlena devīṃ
pañcāpacoraiḥ pūjayet
|| 32 ||
So im Kumārīkalpa: An der rechten Seite der Göttin verehre man Mahākāla. Mit „hūṃ kṣrauṃ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ mahākālabhairavaṃ sarvavighnān nāśaya nāśaya hrīṃ śrīṃ phaṭ svāhā“ — Mahākālabhairava, vernichte, vernichte alle Hindernisse — verehre man ihn mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben. Nachdem man ihn dreimal durch Trankspenden gesättigt hat, verehre man die Göttin mit dem Grundmantra und den fünf Gaben. [Die Vorlage setzt Mahākālabhairava in den Akkusativ, obwohl die folgende Bitte ihn anredet.]
P2-1061 · Originalnummer 33
tathā ca kālītantre:
mahākālaṃ yajedyatnātpaścāddevīṃ prapūjayet |
kālīkalpe:
kavacaṃ kṣrauṃ samuddhṛtya yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ krontataḥ |
mahākālabhairaveti sarvavighnānnāśayeti ca |
nāśayeti punaḥ procya māyāṃ lakṣmīṃ samuddharet |
phaṭsvāhayā samāyukto mantraḥ sarvārthasādhakaḥ
|| 33 ||
So im Kālītantra: Man verehre Mahākāla sorgfältig; danach verehre man die Göttin. Im Kālīkalpa: Nachdem man den Schutzpanzer und kṣrauṃ abgeleitet hat, folgen yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ, dann „mahākālabhairava sarvavighnān nāśaya“. Nachdem man nochmals „nāśaya“ gesprochen hat, leite man Māyā und Lakṣmī ab. Mit phaṭ und svāhā verbunden verwirklicht dieser Mantra sämtliche Ziele.
P2-1062 · Originalnummer 34
tato devyā astra pūjayet |
tathā ca kālīhṛdaye:
devīvāmordhvādhohaste khaḍgaṃ muṇḍañca pūjayet |
devyā dakṣahastordhvādhaḥ pūjayedabhayaṃ varam |
tato devīṃ dhyātvā yathāśakti japtvāguhyātītyādinā devyā
vāmahaste japaṃ samarpya ātmasamarpaṇaṃ kuryāt ||
tathā ca svatantre:
tataḥ punarmūladevīṃ mudrātarpaṇapūjanaiḥ arcayitvā japaṃ kṛtvā
natvā visarjayedhṛdi |
tataḥ stutvā, pradakṣiṇīkṛtyāṣṭāṅgapraṇāmaṃ kṛtvā,
śrījaganmaṅgalaṃ nāma kavacaṃ paṭhet |
tata āvaraṇadevatā devyā aṅge vilāpya, saṃhāramudrayā amuki devi
kṣamasva iti visṛjya, tattejaḥ puṣpeṇa samaṃ svahṛdyāropayet |
oṃ uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsini |
brahmayonisamutpanne gaccha devi mamāntaramiti mantreṇa
|| 34 ||
Danach verehre man die Waffen der Göttin. So im Kālīhṛdaya: In der oberen und unteren linken Hand der Göttin verehre man Schwert und Kopf; in der oberen und unteren rechten Hand Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Dann meditiere man die Göttin, wiederhole [den Mantra] nach Vermögen und übergebe mit „guhyāti“ und den weiteren Worten die Wiederholung in ihre linke Hand; danach vollziehe man die Hingabe seiner selbst. So im Svatantra: Nachdem man die Hauptgöttin wiederum mit Mudrās, Trankspenden und Verehrung verehrt und die Wiederholung ausgeführt hat, verneige man sich und entlasse sie ins Herz. Danach preise man sie, umwandle sie nach rechts, verneige sich mit acht Körpergliedern und rezitiere den Schutztext namens Śrījaganmaṅgala. Dann lasse man die Gottheiten der Umfassung in den Leib der Göttin eingehen, entlasse sie mit der Auflösungs-Mudrā und „amuki devi kṣamasva“ — O Göttin [Name], verzeihe! — und bringe ihren Lichtglanz zusammen mit der Blume ins eigene Herz. Mit dem Mantra „oṃ uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsini brahmayonisamutpanne gaccha devi mamāntaram“ — O Göttin auf dem nördlichen Gipfel, auf Erden in den Bergen wohnend, aus der Brahman-Yoni hervorgegangen: Geh, o Göttin, in mein Inneres!
P2-1063 · Originalnummer 35
tatastannaivedyaṃ kiñciducchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ ityaiśānyāṃ
diśi dattvā, śeṣamiṣṭebhyo dattvā, kiñcit svīkṛtya, pādodakaṃ
pītvā, nirmālyaṃ śirasi vidhṛtya, yathecchaṃ viharediti
|| 35 ||
Dann gebe man etwas von dieser Speisegabe mit „ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ“ — Verehrung Ucchiṣṭacāṇḍālinī — in die nordöstliche Richtung. Den Rest gebe man den Geliebten, nehme selbst etwas davon, trinke das Fußwaschwasser, lege den abgelegten Blumenschmuck auf den Kopf und bewege sich nach Belieben.
P2-1064 · Originalnummer 36
tato yantralepaṃ vāmahaste kṛtvā savyahastakaniṣṭhayā māyābījaṃ
vilikhya tayā tilakaṃ kuryāt |
tathā ca:
vāme kṛtvā yantralepaṃ māyāṃ savyakaniṣṭhayā |
vilikhya tilakaṃ kuryānmantreṇānena sādhakaḥ |
oṃ yaṃ yaṃ spṛśāmi pādābhyāṃ yo māṃ paśyati cakṣuṣā |
sa eva dāsatāṃ yātu rājāno duṣṭadasyavaḥ |
japakāle ca karpūrayuktā jihvā kāryā |
tathā ca:
karpūrāḍhyā sadā jihvā karttavyā japakarmaṇi, iti viśvasāravacanāt
|
idaṃ kāmyajapa eveti
|| 36 ||
Dann gebe man die Yantra-Paste in die linke Hand, zeichne mit dem kleinen Finger der linken Hand das Māyā-Bīja und mache damit das Stirnzeichen. So heißt es: Nachdem man die Yantra-Paste in die linke [Hand] gegeben hat, zeichne der Sādhaka mit dem linken kleinen Finger Māyā und mache mit diesem Mantra das Stirnzeichen: „oṃ yaṃ yaṃ spṛśāmi pādābhyāṃ yo māṃ paśyati cakṣuṣā sa eva dāsatāṃ yātu rājāno duṣṭadasyavaḥ“ — Wen immer ich mit meinen Füßen berühre, wer mich mit seinen Augen sieht, der werde zum Diener: Könige und böse Räuber. Bei der Mantra-Wiederholung soll die Zunge mit Kampfer versehen sein. So heißt es im Viśvasāra: Bei der Wiederholungshandlung soll die Zunge stets mit Kampfer versehen sein. Dies gilt nur bei wunschgerichteter Mantra-Wiederholung.
P2-1065 · Originalnummer 37
tato mūlenāṣṭottaraśatābhimantritaṃ puṣpaṃ candanañca dhṛtvā
trailokyaṃ vaśamānayet |
sarvasiddhiyuto bhūtvā bhairavo vatsarādbhavet
|| 37 ||
Dann trage man eine Blume und Sandelpaste, die mit dem Grundmantra 108-mal besprochen sind, und bringe die drei Welten unter seinen Willen. Mit sämtlichen Vollkommenheiten versehen wird man binnen eines Jahres Bhairava.
P2-1066 · Originalnummer 38
asya puraścaraṇaṃ lakṣadvayajapaḥ |
tathā ca kālītantre:
lakṣamekaṃ japenmantrī haviṣyāśī divā śuciḥ |
rātrau tāmbūlapūrāsyaḥ śayyāyāṃ lakṣamānataḥ |
vyavasthāmāha svatantre:
divā lakṣaṃ śucirbhūtvā haviṣyāśī japennaraḥ |
tatastattaddaśāṃśena homayeddhaviṣā priye
|| 38 ||
Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 200.000 Wiederholungen. So im Kālītantra: Rein wiederhole der Mantra-Kundige tagsüber den Mantra 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, [wiederhole er ihn] 100.000-mal. Die Ordnung erklärt das Svatantra: Rein geworden wiederhole ein Mensch tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend. Danach opfere man für jede [Wiederholungsfolge] ein Zehntel mit Opferspeise, o Liebe.
P2-1067 · Originalnummer 39
atrāṅgasya kālāntaramāha nīlasārasvate:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ haviṣyāśī divā śuciḥ |
aśuciśca tathā rātrau lakṣamekaṃ tathaiva ca |
daśāṃśaṃ homayenmantrī tarpayedabhiṣecayet |
iti sāmpradāyikāḥ |
vastutastu kumārīkalpe:
lakṣamekaṃ japedvidyāṃ haviṣyāśī divā śuciḥ |
rātrau tāmbūlapūrāsyaḥ śayyāyāṃ lakṣamānataḥ
|| 39 ||
Einen anderen Zeitpunkt der ergänzenden Handlung nennt das Nīlasārasvata: Rein wiederhole man den Mantra tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; ebenso nachts 100.000-mal, unrein. Ein Zehntel opfere der Mantra-Kundige, bringe Trankspenden und Begießung dar. So die Vertreter der Überlieferung. Tatsächlich aber [heißt es] im Kumārīkalpa: Rein wiederhole man die Vidyā tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal.
P2-1068 · Originalnummer 40
evaṃ lakṣadvayaṃ japtvā taddaśāṃśena mantravit |
ayutaṃ homayeddevi divārātrivibhedataḥ |
tena divā lakṣaṃ japtvā taddaśāṃśaṃ homaṃ kuryāt
|| 40 ||
Nachdem der Mantra-Kundige so 200.000-mal wiederholt hat, opfere er ein Zehntel davon, o Göttin, jeweils 10.000 [Gaben], getrennt nach Tag und Nacht. Daher soll man nach 100.000 Wiederholungen tagsüber ein Zehntel davon als Feueropfer vollziehen.
P2-1069 · Originalnummer 40ka
rātrau
lakṣaṃ japtvā rātrau taddaśāṃśaṃ homaṃ kuryāditi rahasyārthaḥ
|| 40ka ||
Nach 100.000 Wiederholungen nachts soll man nachts ein Zehntel davon als Feueropfer vollziehen: Dies ist die geheime Bedeutung.
P2-1070 · Originalnummer 41
rātrijape tu kālo muṇḍamālāyām:
gate tu prathame yāme tṛtīya praharāvadhi |
niśāyāntu prajaptavyaṃ rātriśeṣe japenna hi |
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaśca pūrṇānandamatena |
atredaṃ bodhyaṃ viprāṇāntu divā lakṣajapamātreṇaiva
puraścaraṇam |
tathā ca phetkārīye:
dvijātīnāñca sarveṣāṃ divāvidharihocyate |
śūdrāṇāñca tathā proktaṃ rātrāviṣṭaṃ mahāphalam
|| 41 ||
Die Zeit für die nächtliche Wiederholung steht im Muṇḍamālā: Nach Ablauf der ersten Nachtwache bis zur dritten Wache soll man nachts wiederholen; im verbleibenden Teil der Nacht darf man nicht wiederholen. Nach Pūrṇānandas Auffassung besteht die vorbereitende Praxis auch aus 100.000 Wiederholungen. Hier ist Folgendes zu verstehen: Für Brahmanen besteht die vorbereitende Praxis allein aus 100.000 Wiederholungen tagsüber. So im Phetkārīya: Für sämtliche Zweimalgeborenen wird hier die Vorschrift für den Tag genannt; für Śūdras gilt ebenso die nächtliche [Verehrung] als erwünscht und sehr fruchtbringend.
P2-1071 · Originalnummer 42
kālīrahasye'pi:
divaiva prajapenmantraṃ lakṣamekaṃ śucirdvijaḥ pūrṇānandamatena
lakṣajape puraścaraṇaṃ tat sandigdhamataṃ, nānātantre
lakṣadvayadarśanāt lakṣadvayenaiva puraścaraṇaṃ siddhamiti |
anyatra ca:
divaiva prajapenmantraṃ na tu rātrau kadācana |
śyāmāyāḥ puraścaraṇāṅgabrāhmaṇabhojanaṃ haviṣyāntena
kārayitavyam
|| 42 ||
Auch im Kālīrahasya: Rein wiederhole der Zweimalgeborene den Mantra ausschließlich tagsüber 100.000-mal. Nach Pūrṇānandas Auffassung besteht die vorbereitende Praxis aus 100.000 Wiederholungen. Diese Meinung ist zweifelhaft, weil in verschiedenen Tantras 200.000 zu finden sind; die vorbereitende Praxis wird also allein durch 200.000 vollendet. Und anderswo: Man wiederhole den Mantra ausschließlich tagsüber, niemals nachts. Die Brahmanenspeisung als Bestandteil der vorbereitenden Praxis Śyāmās ist mit Opferkost auszuführen.
P2-1072 · Originalnummer 42ka
tathā ca viśvasāre:
lakṣamekaṃ japedvidyāṃ haviṣyāśī divāśuciḥ |
tatastu taddaśāṃśena homayeddhaviṣā priye |
tarpayettaddaśāṃśena tīrthatoyena pārvatīm |
madhunā vā sitāmiśratoyena parameśvari |
devīñcābhiṣiñcettoyaistarpaṇasya daśāṃśataḥ |
taddaśāṃśaṃ haviṣyānnairbhaktito bhojayeddvijām |
kālīmantravido mantrī dakṣiṇāṃ gurave diśet |
pāśavaṃ kathitaṃ kalpaṃ śṛṇu vīraṃ tataḥ priye |
rātrau tāmbūlapūrāsyaḥ śayyāyāṃ lakṣamānataḥ |
japtvā samāhito mantrī homayet kalpitānale |
kālīkūlārṇave:
pāśavena tu kalpena lakṣaṃ japyāt samāhitaḥ |
divyagurumukhāllabdhvā kālikāṃ divyarūpiṇīm |
lakṣaṃ japyātsadā mantrī vīrakalpena sādhakaḥ |
viśvasāre:
prajapet parayā bhaktyā lakṣamekaṃ divāniśam |
yatta kumārīkalpe:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ haviṣyāśī divā śuciḥ |
rātrau tāmbūlapūrāsyaḥ śayyāyāṃ lakṣamānataḥ |
(evaṃ lakṣadvayaṃ japtvā taddaśāṃśena mantravit |
iti vacanāt lakṣadvayasya viśiṣṭasya puraścaraṇamiti |
tanna, pūrvoktavacanavirodhāt |
etadvacanasya puraścaraṇadvaye tātparyam
|| 42ka ||
So im Viśvasāra: Rein wiederhole man die Vidyā tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend. Danach opfere man ein Zehntel davon mit Opferspeise, o Liebe. Mit einem Zehntel davon sättige man Pārvatī durch heiliges Wasser oder mit Honig oder mit Wasser, das mit Zucker vermischt ist, o Parameśvarī. Die Göttin begieße man mit Wasser in einer Zahl von einem Zehntel der Trankspenden. Ein Zehntel davon [an Brahmanen] speise man hingebungsvoll mit Opferkost. Der Mantra-Kundige [gebe] den Kennern des Kālī-Mantras [die Speisung] und dem Guru eine Gabe. Die Paśu-Vorschrift ist erklärt; höre danach die Vīra-Vorschrift, o Liebe. Nachdem der gesammelte Mantra-Kundige nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal wiederholt hat, opfere er im vorbereiteten Feuer. Im Kālīkulārṇava: Nach der Paśu-Vorschrift wiederhole man gesammelt 100.000-mal. Nachdem man die göttliche Kālikā aus dem Mund des göttlichen Gurus erhalten hat, wiederhole der Mantra-Kundige, der Sādhaka, nach der Vīra-Vorschrift stets 100.000-mal. Im Viśvasāra: Mit höchster Hingabe wiederhole man Tag und Nacht 100.000-mal. Was im Kumārīkalpa [steht]: Rein wiederhole man den Mantra tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal. („Nachdem der Mantra-Kundige so 200.000-mal wiederholt hat, [opfere er] ein Zehntel davon“.) Aufgrund dieser Aussage [meint man], die vorbereitende Praxis bestehe spezifisch aus 200.000. Das ist nicht richtig, wegen des Widerspruchs zu den zuvor genannten Aussagen. Diese Aussage bezieht sich auf zwei vorbereitende Praktiken. [Der Text stellt hier ausdrücklich unterschiedliche Auffassungen nebeneinander; die zuvor vertretene Gesamtzahl wird nicht still vereinheitlicht.]
P2-1073 · Originalnummer 43
)
atha mantrabhedāḥ:
vargādyaṃ vahnisaṃyuktaṃ rativinduvibhūṣitam |
ekākṣaro mahāmantraḥ sarvakāmaphalapradaḥ
|| 43 ||
[Schließende Klammer der vorangehenden Erörterung.] Nun die Mantra-Formen: Der erste [Laut] der Gruppe, verbunden mit Feuer und geschmückt mit Rati und Bindu, bildet den einsilbigen großen Mantra, der die Frucht sämtlicher Wünsche gewährt.
P2-1074 · Originalnummer 44
triguṇā tu viśeṣeṇa sarvaśāstraprabodhinī
|| 44 ||
Dreifach [gebildet] weckt sie insbesondere die Erkenntnis sämtlicher Lehrwerke.
P2-1075 · Originalnummer 45
anayoḥ pūjāprayogaḥ:
prātaḥ kṛtyādi prāṇāyāmāntaṃ vidhāya, pūrvokta
ṛṣicchandodevatā vinyasya, varṇanyāsaṃ kṛtvā, karāṅganyāsau
kuryāt |
yathā:
oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
oṃ krīṃ tarjanībhyāṃ svāhā ityādi |
evaṃ oṃ krāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi
|| 45 ||
Die Verehrungsausführung dieser beiden: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen bis zur Atemregelung ausgeführt hat, lege man den zuvor genannten Seher, das Versmaß und die Gottheit auf, vollziehe den Laut-Nyāsa und die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So: „oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den Daumen; „oṃ krīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den Zeigefingern — und so weiter. Ebenso „oṃ krāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen — und so weiter.
P2-1076 · Originalnummer 46
tathā ca vīratantre:
dīrghaṣaṭkayutādyena praṇavādyena kalpayet |
ṣaḍaṅgāni manorasya jātiyuktena deśikaḥ |
anyat sarvaṃ pūrvavat kāryam
|| 46 ||
So im Vīratantra: Der Lehrer bilde die sechs Glieder dieses Mantras mit dem ersten [Bīja], verbunden mit den sechs langen Vokalen, dem Praṇava am Anfang und den jeweiligen Abschlussformeln. Alles Weitere ist wie zuvor auszuführen.
P2-1077 · Originalnummer 47
ekākṣarasya dhyānaṃ siddheśvaratantre:
śavārūḍhāṃ mahābhīmāṃ ghoradaṃṣṭrāṃ varapradām |
hāsyayuktāṃ trinetrāñca kapālakartṛkākarām |
muktakeśīṃ lalajjihvāṃ pibantīṃ rudhiraṃ muhuḥ |
caturbāhuyutāṃ devīṃ varābhayakarāṃ smaret
|| 47 ||
Die Meditation des einsilbigen [Mantras] steht im Siddheśvaratantra: Man gedenke der Göttin auf einem Leichnam, überaus furchtbar, mit schrecklichen Fangzähnen, Gaben gewährend, lachend, mit drei Augen, Schädelschale und Schneidemesser in den Händen. Ihr Haar ist gelöst, ihre Zunge bewegt sich, sie trinkt immer wieder Blut. Sie hat vier Arme und zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit.
P2-1078 · Originalnummer 48
anayoḥ puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca siddheśvaratantre:
evaṃ dhyātvā japenmantraṃ lakṣamekaṃ vidhānataḥ |
taddaśāṃśavidhānena homayet sādhakottamaḥ
|| 48 ||
Die vorbereitende Praxis dieser beiden besteht aus 100.000 Wiederholungen. So im Siddheśvaratantra: Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra vorschriftsmäßig 100.000-mal. Mit einem Zehntel davon opfere der beste Sādhaka nach Vorschrift.
P2-1079 · Originalnummer 49
kulacūḍamaṇau:
evaṃ dhyātvā japenmantraṃ haviṣyāṣī divā śuciḥ |
lakṣaṃ rātrau tathā lakṣaṃ mahāśaucaparāyaṇaḥ
|| 49 ||
Im Kulacūḍāmaṇi: Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra tagsüber rein 100.000-mal, Opferkost essend; ebenso nachts 100.000-mal, höchster Reinheit ergeben. [Die Aussage zur Reinheit bleibt nach dem eigenen Wortlaut dieses Zitats erhalten.]
P2-1080 · Originalnummer 50
rātrau japaikamātreṇa dakṣiṇā siddhidā bhavet
|| 50 ||
Allein durch die nächtliche Wiederholung wird Dakṣiṇā zur Spenderin der Vollkommenheit.
Ausgeschriebene Belege zu den Rückverweisen
Diese Stellen liefern die im Hauptbeleg vorausgesetzten Zuordnungen und Handlungen. Das Grundmantra bleibt dasjenige der oben bezeichneten Ritualform; ein anderer Mantra im Vergleichsbeleg wird nicht zusätzlich übernommen.
P1-0536 · Originalnummer 40 · Rückverweis
tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||
Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.
P1-0540 · Originalnummer 44 · Rückverweis
tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||
Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.
P2-0100 · Originalnummer 95 · Rückverweis
athavā eṣāmapyabhāve pañcopacārān kalpayet |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcoparacārikā iti
|| 95 ||
Oder man soll, wenn auch diese Gaben fehlen, fünf Verehrungsgaben bereitstellen. Die Verehrung mit fünf Gaben reicht vom Duftstoff bis zur Speise: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise.
P2-0103 · Originalnummer 98 · Rückverweis
puṣpadāne tu viśeṣaḥ:
puṣpaṃ vā yadi vā patraṃ phale neṣṭhamadhomukham |
duḥkhadaṃ tatsamādhyātaṃ yathotpannaṃ tathārpaṇaṃ |
adhomukha phalaṃ neṣṭaṃ puṣpāñjalividhau na ca |
sarvasva dravyadāne'yaṃ kramaḥ |
ādau mūlaṃ tato dravyaṃ devatāyai tataḥ padam |
śrītattvacintāmaṇau:
hṛdvahnivallabhātoyamantraṃ pādyādiṣu kramāt |
namo vauṣaṭ gandhapuṣpe hṛdānyāni nivedayet |
mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
ityādinā syāt
|| 98 ||
Für das Darbringen von Blumen gilt eine besondere Regel: Eine Blume, ein Blatt oder eine Frucht soll nicht mit der Oberseite nach unten dargebracht werden. Eine solche Gabe gilt als leidbringend; man soll sie so darbringen, wie sie gewachsen ist. Eine nach unten gerichtete Frucht ist nicht erwünscht; bei der Handvoll Blumen, puṣpāñjali, gilt diese Einschränkung nicht. Für alle Gaben gilt folgende Reihenfolge: zuerst das Grundmantra, dann die Bezeichnung der Gabe, danach die Bezeichnung der Gottheit. Im Śrītattvacintāmaṇi heißt es: Für Fußwasser und die folgenden Wassergaben verwendet man der Reihe nach namaḥ, svāhā und das Wassermantra; für Duftstoff namaḥ, für Blumen vauṣaṭ, für die übrigen Gaben namaḥ. Nachdem man das Grundmantra ausgesprochen hat, sagt man beispielsweise: „Dieses Fußwasser für die Gottheit [Name], namaḥ.“ [„toyamantra“ bezeichnet hier das Wassermantra; dessen genaue Lautform wird an dieser Stelle nicht angegeben. Die erste Verszeile ist in ihrer Zuordnung verkürzt.]
P2-0104 · Originalnummer 99 · Rückverweis
tato mūrddhahṛdguhyapādasarvāṅgakeṣu mūlena
pañcapuṣpāñjalīna dattvā tattatkalpoktāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tathā ca:
pañcapuṣpāñjalīn dattvā parivārārcanaṃ carediti bhaṭṭaḥ |
tato dhūpadīpau dadyāt
|| 99 ||
Dann bringt man mit dem Grundmantra fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der verborgenen Stelle, an den Füßen und am ganzen Körper. Anschließend vollzieht man die Verehrung der umgebenden Gottheiten nach dem betreffenden Ritualtext. Dazu sagt Bhaṭṭa: „Nachdem man fünf Handvoll Blumen gegeben hat, vollziehe man die Verehrung des Gefolges.“ Danach soll man Räucherwerk und Licht darbringen.
P2-0105 · Originalnummer 100 · Rückverweis
tadyathā:
jayadhvani - mantramātaḥ rvāheti puṣpākṣatairghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena tāṃ vādayan, tattanmantreṇa nīcairdhūpaṃ evaṃ
dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ dadyāt
|| 100 ||
Dies geschieht so: Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrt man die Glocke unter dem Mantra „jayadhvani-mantramātaḥ … svāhā“. Dann läutet man sie mit der linken Hand und bringt mit dem jeweiligen Mantra das Räucherwerk niedrig, das Licht dagegen bis zur Höhe der Augen dar. [Der Glockenmantrawortlaut ist durch „rvāheti“ beschädigt; „jayadhvani“ bedeutet Siegesklang, „mantramātaḥ“ Mutter der Mantras. Eine vollständige Lautform lässt sich hier nicht sicher herstellen.]
P2-0106 · Originalnummer 1 · Rückverweis
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, naivedyamānīya, phaḍiti
samprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
dhunumudrayā amṛtīkṛtya, mūlamuccārya naivedyaṃ dadyāt |
yattoyamadhyaṃpātrasya tadādāya nivedayet |
anyatoyairyadutsṛṣṭamarghyapātrasthitetaraiḥ |
na gṛhṇāti mahādevo dattaṃ vidhiśatairapi |
iti vacanādupārānarghyapātrasthalenotsṛjya dadyāt
|| 1 ||
Dann gibt man mit dem Grundmantra drei Handvoll Blumen, bringt die Speise herbei, besprengt sie mit „phaṭ“, schützt sie durch die Cakramudrā, wiederholt das Grundmantra achtmal über ihr, verwandelt sie mit der Dhenumudrā in Nektar und reicht sie unter Aussprechen des Grundmantras dar. Man soll das Wasser aus dem Arghyagefäß nehmen und damit die Gabe weihen. Wird sie mit anderem Wasser geweiht, das sich nicht im Arghyagefäß befindet, nimmt Mahādeva sie selbst bei hundert vorgeschriebenen Verfahren nicht an. Nach diesem Ausspruch soll man die Verehrungsgaben mit dem Wasser des Arghyagefäßes weihen und darbringen. [„dhunumudrayā“ und die abschließende Prosa sind fehlerhaft überliefert; die erkennbare Dhenumudrā und die Weihung mit Arghyawasser bestimmen den Sinn.]
P2-0111 · Originalnummer 6 · Rückverweis
tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||
Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]
P2-0120 · Originalnummer 15 · Rückverweis
tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||
Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P2-1027
अथ वक्ष्ये महाविद्याः कालिकायाः सुदुर्लभाः ।
यासां विज्ञानमात्रेण जीवन्मुक्तो भवेन्नरः
॥ १ ॥
P2-1028
नात्र चिन्ताविशुद्धिः स्यान्न वा मित्रादिदूषणम् ।
न वा प्रयासबाहुल्यं समयासमयादिकम् ।
न वित्तव्ययबाहुल्यं कायक्लेशकरं न च
॥ २ ॥
P2-1029
य एनां चिन्तयेन्मन्त्री सर्वकामसमृद्धिदाम् ।
तस्य हस्ते सदैवास्ति सर्वसिद्धिर्न संशयः
॥ ३ ॥
P2-1030
गद्यपद्यमयी वाणी सभायां तस्य जायते ।
तस्य दर्शनमात्रेण वादिनो निष्प्रभां गताः
॥ ४ ॥
P2-1031
राजानोऽपि च दासत्वं भजन्ते किं परे जनाः ।
दिवारात्रिव्यत्ययञ्च वशीकर्त्तुं क्षमो भवेत् ।
अन्ते च लभते देव्या गणत्व्रं दुर्लभं नरः
॥ ५ ॥
P2-1032
अथ श्यामामन्त्राः :
तत्र कालीतन्त्रे:
कामत्रयं वह्निसंस्थं रतिविन्दुविभूषितम् ।
कूर्चयुग्मं तथा लज्जायुगलं तदनन्तरम् ।
दक्षिणे कालिले चेति पूर्वबीजानि चोच्चरेत् ।
अन्ते वह्निवधूं दद्याद्विद्याराज्ञी प्रकीर्तिता
॥ ६ ॥
P2-1033
मन्वर्थमाह यामले:
ककाराज्जलरूपत्वात्केवलं मोक्षदायिनी ।
ज्वलनार्णसमयोगात्सर्वतेजोमयी शुभा
॥ ७ ॥
P2-1034
मायात्रयेण देवेशि सृष्टिस्थित्यन्तकारिणी ।
विन्दुनां निष्फलत्वाच्च कैवल्यफलदायिनी
॥ ८ ॥
P2-1035
बीजत्रया शाम्भवी सा केवलं ज्ञानचित्कला ।
शब्दबीजद्वयेनैव शब्दराशिप्रबोधिनी
॥ ९ ॥
P2-1036
लज्जाबीजद्वयेनैव सृष्टिस्थित्यन्तकारिणी ।
सम्बोधनपदेनैव सदा सन्निधिकरिणी ।
स्वाहया जगतां माता सर्वापापप्रणाशिनी
॥ १० ॥
P2-1037
अस्याः पूजाप्रयोगः:
प्रातःकृत्यादिकं कृत्वा मन्त्राचमनं कुर्यात् ।
यथा:
कालिकाभिस्त्रिभिः पीत्वा काल्यादिभिरुपस्पृशेत् ।
द्वाभ्यामोष्ठौ द्विरुन्मृज्य चैकेन क्षालयेत्करौ
॥ ११ ॥
P2-1038
मुखघ्राणेक्षणश्रोत्रनाभ्युरस्कं भुजौ क्रमात् ।
आचाम्यैवं भवेत्काली वत्सरात्तां प्रपश्यति ।
कं शिरः ।
तद्यथा:
क्रीमिति त्रिराचमेत् ।
ॐ काल्यै नमः ॐ कपालिन्यै नमः इति ओष्ठो द्विरुन्मृजेत् ।
ॐ कुल्वायै नमः इति करं क्षालयेत् ।
ॐ कुरुकुल्वायै नमः इति मुखे ।
ॐ विरोधिन्यै नमः इति दक्षिणनासायाम् ।
ॐ विप्रचित्तायै नमः इति वामनासायाम् ।
ॐ उग्रायै नमः ॐ उग्रप्रभायै नमः इति नेत्रवोः ।
ॐ दीप्तायै नमः ॐ नीलायै नमः इति श्रोत्रयोः ।
ॐ घनायै नमः इति नाभौ ।
ॐ बलाकायै नमः इति वक्षसि ।
ॐ मात्रायै नमः इति शिरसि ।
ॐ मुद्रायै नमः ॐ मितायै नमः इत्यंसयोः ।
इति मन्त्राचमनम्
॥ ११क ॥
P2-1039
ततो भूतशुद्ध्यन्तं विधाय मायाबीजेन यथाविधि
प्रणायामं कुर्यात्
॥ १२ ॥
P2-1040
ततः ऋष्यादिन्यासः ।
यथा:
अस्य मन्त्रस्य भैरवऋषिरुष्णिक् छन्दो दक्षिणकालिका देवात ह्रीं
बीजं हूं शक्तिः क्रीं कीलकं पुरुषार्थचतुष्टयसिद्ध्यर्थे
विनियोगः ।
तथा च कालीक्रमे:
कीलकं चाद्यबीजं स्याच्चतुर्वर्गफलप्रदम् ।
शिरसि भैरवऋषये नमः ।
मुखे उष्णिक्छन्दसे नमः ।
हृदि दक्षिणकालिकायै देवतायै नमः ।
गुह्ये ह्रीं बीजाय नमः ।
पादयोः हूं शक्तये नमः ।
सर्वाङ्गे क्रीं कीलकाय नमः
॥ १३ ॥
P2-1041
ततः कराङ्गन्यासौ ।
तदुक्तं कालीतन्त्रे:
अङ्गन्यासकरन्यासौ यथावदभिधीयते ।
भैरवोऽस्य ऋषिः प्रोक्त उष्णिक्छन्द उदाहृतम् ।
देवात कालिका प्रोक्ता लज्जा - बीजन्तु बीजकम् ।
कीलकं चाद्यबीजं स्याच्चतुर्वर्गफलप्रदम् ।
शक्तिश्च कूर्चबीजं स्यादनिरुद्धा सरस्वती ।
कवित्वार्थे नियोगः ।
स्यादित्यादि ।
तेन मायया षडङ्गन्यासः ।
षड्दीर्घभाजा बीजेन प्रणवाद्येन कल्पयेत् ।
वीरतन्त्रे:
दीर्घषट्कयुताद्येन प्राणवाद्येन कल्पयेत् इति वा ।
तद्यथा:
ॐ ह्रां अंगुष्ठाभ्यां नमः ।
ॐ ह्रीं तर्जनीभ्यां स्वाहा ।
ॐ हूं मध्यमाभ्यां वषट् ।
ॐ ह्रैं अनामिकाभ्यां हुं ।
ॐ ह्रौं कनिष्ठाभ्यां वौषट् ।
ॐ ह्रः करतलपृष्ठाभ्यां फट् ।
एवं हृदयादिषु ।
ॐ ह्रां हृदयाय नमः इत्यादि ।
ॐ क्रां अंगुष्ठाभ्यां नमः इत्यादिना वा
॥ १४ ॥
P2-1042
ततो वर्णन्यासः:
अं आं इं ईं उं ऊं ऋं ॠं ऌं ॡं नमः इति हृदये ।
एं ऐं ॐ औं अं अः कं खं गं घं नमः इति दक्षिणबाहौ
।
ङं चं छं जं झं ञं टं ठं डं ढं नमः इति
वामबाहौ ।
णं तं थं दं धं नं पं फं बं भं नमः इति
दक्षिणपादे ।
मं यं रं लं वं शं षं सं हं लं क्षं नमः इति
वामपादे ।
विरूपाक्षमते सविन्दुरयं न्यासः ।
यथा वीरतन्त्रे:
अं आं इं ईं उं ऊं ऋं ॠं ऌं ॡं वै हृदये न्यसेदित्यादि ।
कालीतन्त्रे पुनर्निर्विन्दुः ।
यथा:
अ आ इ ई उ ऊ ऋ ॠ ऌ ॡ वै हृदयं स्पृशेदित्यादि ।
किन्तु सविन्दून् वा न्यसेदेतान् निर्विन्दून वाथ वर्णकानित्याचार्य
परिगृहीतभैरवीयवाक्यादुभयमेव युक्तम्
॥ १५ ॥
P2-1043
अथ षोडान्यासः ।
तदुक्तं वीरतन्त्रे:
केवलां मातृकां कृत्वा मातृकां तारसंपुटाम् ।
मातृकापुटितं तारं न्यसेत् साधकसत्तमः ।
श्रीबीजपुटितां तान्तु मातृकापुटितन्तु तत् ।
कामेन पुटितां देवीं तत्पुटं काममेव च ।
शक्त्या च पुटितां देवीं शक्तिञ्च तत्पुटां न्यसेत् ।
क्रीं द्वन्द्वञ्च पुनर्न्यस्त्वा ऋ-ॠं-ऌ-ॡञ्च पूर्ववत् ।
मूलेन पुटितां देवीं तत्पुटं मन्त्रमेव च ।
अनुमोल विलोमेन न्यस्य मन्त्रं यथाविधि ।
मूलेनाष्टशतं कुर्याद्व्यापकं तदनन्तरम् ।
यथा:
ॐ अं ॐ एवं मातृकापुटितं तारम् ।
एवं श्रीबीजपुटितां ताम् ।
तत्पुटितं श्रीबीजम् ।
एवं कामेन पुटितां मातृकाम् ।
मातृकापुटितं कामम् ।
एवं शक्त्या पुटितां मातृकाम् ।
मातृकापुटितां शक्तिं न्यसेत् ।
तथा क्रीं द्वन्द्वञ्च ऋ ॠ ऌ ॡञ्च पूर्ववत् ।
तत्पुटितां मातृकां मातृकापुटितञ्च तन्न्यसेत् ।
मन्त्रपुटितां मातृकां तत्पुटितं मनुम् ।
पुनरनुलोम विलोमेन केवलं मन्त्रं मातृकास्थाने न्यस्य
मूलेनाष्टशतेन व्यापकं कुर्यात्
॥ १६ ॥
P2-1044
अयं न्यासस्ताराया अपि कार्यः ।
इति गुप्तेन दुर्गाया अङ्गषोढा प्रकीर्तिता ।
तारायाः कालिकायाश्च उन्मुख्याश्च तथा परा
कृतेऽस्मिन्न्यासवर्ये तु सर्वं पापं प्रणश्यति
॥ १७ ॥
P2-1045
ततस्तत्त्वन्यासः ।
यथा:
मूलं त्रिखण्डं विधाय प्रथमखण्डान्ते ॐ आत्मतत्त्वाय
स्वाहेति पादादि - नाभिपर्यन्तम् ।
द्वितीयखण्डान्ते ॐ विद्यातत्त्वाय स्वाहेति नाभ्यादि - हृदयान्तम् ।
तृतीयखण्डान्ते ॐ शिवतत्त्वाय स्वाहेति हृदयादिशिवःपर्यन्तं
न्यसेत् ।
तदुक्तं स्वतन्त्रे:
मूलविद्यात्रिखण्डान्ते प्रणवाद्यैर्यथाविधि ।
आत्मविद्याशिवैस्तत्त्वैस्तत्त्वन्यासं समाचरेत्
॥ १८ ॥
P2-1046
अथ बीजन्यासः ।
तदुक्तं कुमारीकल्पे:
ब्रह्मरन्ध्रे भ्रुवोर्मध्ये ललाटे नाभिदेशके ।
गुह्ये वक्त्रे च सर्वाङ्गे सप्तबीजं क्रमान्न्यसेत् ।
तद्यथा:
आद्यबीजं ब्रह्मरन्ध्रे ।
द्वितीयबीजं भ्रूमध्ये ।
तृतीयबीजं ललाटे ।
चतुर्थबीजं नाभौ ।
पञ्चमबीजं गुह्ये ।
षष्ठबीजं वक्त्रे ।
सप्तबीजं सर्वाङ्गे ।
एतत्त्रयं काम्यम्
॥ १९ ॥
P2-1047
ततो मूलेन सप्तधा व्यापकं कृत्वा यथाविधि मुद्रां प्रदर्श्य
ध्यायेत्
॥ २० ॥
P2-1048
तद्यथा कालीतन्त्रे:
करालवदनां घोरां मुक्तकेशीं चतुर्भुजाम् ।
कालिकां दक्षिणां दिव्यां मुण्डमालाविभूषिताम् ।
सद्यश्छिन्नशिरःखड्गवामाधोर्ध्वकराम्बुजाम् ।
अभयं वरदञ्चैव दक्षिणोर्ध्वाधः पाणिकाम् ।
महामेघप्रभां श्यामां तथा चैव दिगम्बरीम् ।
कण्ठावसक्तमुण्डालीगलद्रुधिरचर्चिताम् ।
कर्णावतंसतानीतशवयुग्मभयानकाम् ।
घोरदंष्ट्रां करालास्यां पीनोन्नतपयोधराम् ।
शवानां करसङ्घातैः कृतकाञ्चीं हसन्मुखीम् ।
सृक्वद्वयगलद्रक्तधाराविस्फुरिताननाम्
॥ २१ ॥
P2-1049
घोररावां महारौद्रीं श्मशानालयवासिनीम् ।
वालार्कमण्डलाकारलोचनत्रितयान्विताम् ।
दन्तुरां दक्षिणव्यापिमुक्तालम्बिकचोच्चयाम् ।
शवरूपमहादेवहृदयोपरिसंस्थिताम् ।
शिवाभिर्घोररावाभिश्चतुर्दिक्षु समन्विताम् ।
महाकालेन च समं विपरीतरतातुराम् ।
सुखप्रसन्नवदनां स्मेराननसरोरुहाम् ।
एवं संचिन्तयेत् कालीं सर्वकामसमृद्धिदाम् ।
शवयुग्मेति घोरवाणावतंसेति प्रेतकर्णावतंसेति च ।
शकुन्तपक्षसंयुक्तवामकर्णविभूषिताम् ।
विगतासुकिशोराभ्यां कृतकर्णावतंसिनीमिति दर्शनादुभयमेव
पाठः
॥ २१ क ॥
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ध्यानान्तरं स्वतन्त्रे:
अञ्जनाद्रिनिभां देवीं करालवदनां शिवाम् ।
मुण्डमालावलीकीर्णां मुक्तकेशीं स्मिताननाम्
महाकालहृदम्भोजस्थितां पीनपयोधराम् ।
विपरीतरतासक्तां घोरदंष्ट्रां शिरैः सह ।
नागयज्ञोपवीताढ्यां चन्द्रार्द्धकृतशेखराम् ।
सर्वालङ्कारसंयुक्तां मुण्डमालाविभुषिताम् ।
शवहस्तसहस्रैस्तु वद्धकाञ्चीं दिगंशुकाम् ।
शिवकोटिसहस्रैस्तु योगिनीभिर्विराजिताम् ।
रक्तपूर्णमुखाम्भोजां मध्यपानप्रमत्तिकाम् ।
वह्न्यर्कशशिनेत्राञ्च रक्तविस्फुरिताननाम् ।
विगतासुकिशोराभ्यां कृतवर्णावतंसिनीम् ।
कण्ठावसक्तमुण्डालीगलद्रुधिरचर्चिताम् ।
श्मशानवह्निमध्यस्थां ब्रह्मकेशववन्दिताम् ।
सद्यःकृत्तशिरः खड्गवराभीतिकराम्बुजाम् ।
एवं ध्यात्वा मानसैः सम्पूज्य अर्घ्यस्थापनं कुर्यात्
॥ २२ ॥
P2-1051
तद्यथा:
स्ववामे भूमौ हूंकारगर्भं त्रिकोणं विलिख्यार्घ्यपात्रं
संस्थाप्य मूलेन शुद्धजलादिना शङ्खादिपात्रमापूर्य,
गन्धादिकं दत्त्वा, ॐ गङ्गे चेत्यादिना तीर्थमावाह्य, मं
वह्निमण्डलाय दशकलात्मने नमः इत्याधारं, अं
सूर्यमण्डलाय द्वादशकलात्मने नमः इति शङ्खम्, उं
सोममण्डलाय षोडशकलात्मने नमः इति जलं सम्पूज्य, ॐ
ह्रां हृदयाय नमः, ॐ ह्रीं शिरसे स्वाहा, ॐ ह्रूं शिखायै
वषट् ॐ ह्रैं कवचाय हुं इत्यग्नीशासुरवायुषु ।
अग्र ॐ ह्रौं नेत्रत्रयाय वौषट्, चतुर्दिक्षु ॐ ह्रः अस्त्राय फट् ।
इत्यभ्यर्च्य तदुपरि मत्स्यमुद्रयाच्छाद्य मूलं दशधा जप्त्वा
धेनुमुद्रयामृतीकृत्यास्त्रेण संरक्ष्य, भूतिनीयोनिमुद्रे
प्रदर्श्य, तज्जलं किञ्चित्प्रोक्षणीपात्रे निक्षिप्य, मूलेन
तेनोदकेनात्मानं पूजोपकरणञ्चाभ्युक्ष्य,
पीठपूजामारभेत्
॥ २३ ॥
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अस्याः पूजायन्त्रम्:
आदौ विन्दुं स्वबीजं भुवनेशीञ्च विलिख्य, ततस्त्रिकोणं तद्वाह्ये
त्रिकोणचतुष्टयं वृत्तमष्टदलं पद्मं पुनर्वृत्तं
चतुर्द्वारात्मकं भूगृहं लिखेत् ।
(चित्र ३४-क) ।
तदुक्तं कालीतन्त्रे:
आदौ त्रिकोणमालिख्य त्रिकोणं तद्बहिर्लिखेत् ।
ततो वै विलिखेन्मन्त्री त्रिकोणत्रयमुत्तमम् ।
ततो वृत्तं समालिख्य लिखेदष्टदलं ततः ।
वृत्तं विलिख्य विधिवल्लिखेद्भूपुरमेककमम् ।
तथा कुमारीकल्पे:
मध्ये तु वैन्दवं चक्रं बीजमायाविभूषितमिति
॥ २४ ॥
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अथ विशेषाधारो मुण्डमालायाम्:
ताम्रपात्रे कपाले वा श्मशानकाष्ठनिर्मिते ।
शनिभौमदिने वापि शरीरे मृतसम्भवे ।
स्वर्णे रौप्येऽथ लौहे वा चक्रं कार्यं विधानतः
॥ २५ ॥
P2-1054
यन्त्रान्तरमाह तन्त्रे:
शक्त्याग्निभ्याञ्च षट्कोणं शक्तिभिश्च नवात्मकम् ।
पद्मे वसुदले भूमिपूश्चतुर्द्वार-संयुते इति
॥ २६ ॥
P2-1055
(चित्र ३४-ख)
ततः पीठपूजा ।
कुमारीकल्पे:
पीठपूजां ततः कुर्यादाधारशक्तिपूर्वकम् ।
प्रकृति कमठं चैव शेषं पृथ्वीं तथैव च ।
सुधाम्बुधिं मणिद्वीपं चिन्तामणिगृहं तथा ।
श्मशानं पारिजातञ्च तन्मूले रत्नवेदिकाम् ।
तस्योपरि मणेः पीठं न्यसेत् साधकसत्तमः ।
चतुर्दिक्षु मुनीन् देवान् शिवाश्चैव समुण्डकाः ।
धर्माद्यधर्मादींश्चेत्यादि ह्रीं ज्ञानात्मने नमः ।
इत्यन्तं सम्पूज्य, केशरेषु पूर्वादिक्रमेण पूजयेत् ।
इच्छा ज्ञाना क्रिया चैव कामिनी कामदायिनी ।
रतीरतिप्रिया नन्दा मध्ये चैव मनोन्मनी ।
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत् ।
तदुपरि ह्सौः सदाशिवमहाप्रेतपद्मासनाय नमः ।
पीठस्योत्तरे गुरुपंक्तिपूजा
॥ २७ ॥
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ततः पुनर्ध्यात्वा, पुष्पाञ्जलावानीय,
मूलमन्त्रकल्पितमूर्तावावाहयेत् ।
ॐ देवेशि भक्तिसुलभे परिवारसमन्विते यावत्त्वां पूजयिष्यामि
तावत्वं सुस्थिरा भव ।
ततो मूलमुच्चार्यामुकि देवि इहावह इहावह इह तिष्ठ तिष्ठ इह
सन्निरुध्यस्व इह सन्निहिता भव ।
ततो हुमित्यवगुण्ठ्याङ्गमन्त्रैः सकलीकृत्य, धेनुमुद्रया
अमृतीकृत्य, परमीकरणमुद्रया परमीकृत्य,
भूतिन्याकर्षिणीयोनिमुद्राः प्रदर्श्य, प्राणप्रतिष्ठां विधाय,
मूलेन पाद्यादिभिः पूजयेत्
॥ २८ ॥
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तत्र क्रमः:
आदौ मूलमुच्चार्य एतत्पाद्यं अमुकदेवतायै नमः ।
एवमर्घ्यं स्वाहा ।
इदमाचमनीयं स्वधा ।
स्नानीयं निवेदयामि ।
पुनराचमनीयं स्वधा ।
एष गन्धो नमः ।
एतानि पुष्पाणि वौषट् ।
ततो मूलेन पञ्चपुष्पाञ्जलिं दत्त्वा धूपदीपौ दद्यात् ।
वनस्पतीत्यादि पठन्मूलमुच्चार्य एष धूपो नमः ।
दीपमन्त्रस्तु:
सुप्रकाशो महादीपः सर्वतस्तिमिरापहः ।
सवाह्याभ्यन्तरं ज्योतिर्दीपोऽयं प्रतिगृह्यताम् ।
मूलमुच्चार्य एष दीपो नमः ।
तत ॐ जयध्वनि मन्त्रमातः स्वाहेति घण्टां सम्पूज्य,
वामहस्तेन वादयन्, नीचैर्धूपं दत्त्वा दृष्टिपर्यन्तं दीपं
दद्यात् ।
ततो मूलेन पुष्पाञ्जलित्रयं दत्त्वा यथोपपन्नं नैवेद्यं
दद्यात्
॥ २९ ॥
P2-1058
तत आवरणपूजां कुर्यात् ।
श्री-अमुकि देवि आवरणं ते पूजयामि इत्याज्ञां गृहीत्वा,
केशरेषु अग्न्यादिकोणेषु ॐ ह्रां हृदयाय नमः ।
ईशाने ॐ ह्रीं शिरसे स्वाहा ।
नैर्-ऋते ॐ ह्रूं शिखायै वषट् ।
वायौ ॐ ह्रैं कवचाय हुं ।
अग्रे ॐ ह्रौं नेत्रत्रयाय वौषट् ।
चतुर्दिक्षु ॐ ह्रः अस्त्राय फट् ।
ततः वहिः षट्कोणे ॐ काल्यै नमः ।
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजयेत् ।
एवं कपालिन्यै कुल्वायै कुरुकुल्वायै विरोधिन्यै विप्रचित्तायै ।
प्रथमत्र्यस्रे उग्रायै, उग्रप्रभायै, दीप्तायै, ।
द्वितीयत्र्यस्रे ॐ नीलायै एवं घनायै वलाकयै ।
तृतीयत्र्यस्रे एवं मात्रायै, मुद्रायै, मितायै ।
तथा च:
कालीं कपालिनीं कुल्वां कुरुकुल्वां विरोधिनीम् ।
विप्रचित्तां पूजयेच्च वहिःषट्कोणके बुधः उग्रामुग्रप्रभां
दीप्तां तन्मध्ये च त्रिकोणके ।
नीलां घनां बलाकाञ्च मध्ये त्रिकोणके यजेत् ।
मात्रां मुद्रां मिताञ्चैव पूजयेदपरे त्रिके ।
इति ।
सर्वाः श्यामा असिकरा मुण्डमालाविभूषिताः ।
तर्जनीं वामहस्तेन धारयन्त्यः शुचिस्मिताः ।
दिगम्बरा हसन्मुख्यं स्वस्ववाहनभूषिताः ।
एवं ध्यात्वा अर्चयेत् ।
ततोऽष्टपत्रेषु पूर्वादिक्रमेण ॐ ब्राह्म्यै नमः, एवं
नारायण्यै, माहेश्वर्यै, चामुण्डायै, कौमार्यै, अपराजितायै,
वाराह्यै, नारसिंह्यै ।
एता गन्धादिभिः पूजयेत् ।
पत्रात्रे असिताङ्गादिभैवरान्पूजयेत् ।
ततो मूलेन पुष्पाञ्जलित्रयं दत्त्वा पाद्यादिना देव्या दक्षिणे
महाकालं पूजयेत्
॥ ३० ॥
P2-1059
तस्य ध्यानम्:
महाकाल यजेद्देव्या दक्षिणे धूम्रवर्णकम् ।
विभ्रतं दण्डखट्टाङ्गौ दंष्ट्राभीममुखं शिशुम् ।
व्याघ्रचर्मावृतकटिं तुन्दिलं रक्तवाससम् ।
त्रिनेत्रमूर्ध्वकेशञ्च मुण्डमालाविभूषितम् ।
जटाभारलसच्चन्द्रखण्डमुग्रं ज्वलन्निभम्
॥ ३१ ॥
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तथा च कुमारीकल्पे:
देव्यास्तु दक्षिणे भागे महाकालं प्रपूजयेत् ।
हूं क्ष्रौं यां रां लां वां आं क्रों महाकालभैरवं
सर्वविघ्नान्नाशय नाशय ह्रीं श्रीं फट् स्वाहा ।
इत्यनेन पाद्यादिभिराराध्य त्रिस्तर्पयित्वा मूलेन देवीं
पञ्चापचोरैः पूजयेत्
॥ ३२ ॥
P2-1061
तथा च कालीतन्त्रे:
महाकालं यजेद्यत्नात्पश्चाद्देवीं प्रपूजयेत् ।
कालीकल्पे:
कवचं क्ष्रौं समुद्धृत्य यां रां लां वां आं क्रोन्ततः ।
महाकालभैरवेति सर्वविघ्नान्नाशयेति च ।
नाशयेति पुनः प्रोच्य मायां लक्ष्मीं समुद्धरेत् ।
फट्स्वाहया समायुक्तो मन्त्रः सर्वार्थसाधकः
॥ ३३ ॥
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ततो देव्या अस्त्र पूजयेत् ।
तथा च कालीहृदये:
देवीवामोर्ध्वाधोहस्ते खड्गं मुण्डञ्च पूजयेत् ।
देव्या दक्षहस्तोर्ध्वाधः पूजयेदभयं वरम् ।
ततो देवीं ध्यात्वा यथाशक्ति जप्त्वागुह्यातीत्यादिना देव्या
वामहस्ते जपं समर्प्य आत्मसमर्पणं कुर्यात् ॥
तथा च स्वतन्त्रे:
ततः पुनर्मूलदेवीं मुद्रातर्पणपूजनैः अर्चयित्वा जपं कृत्वा
नत्वा विसर्जयेधृदि ।
ततः स्तुत्वा, प्रदक्षिणीकृत्याष्टाङ्गप्रणामं कृत्वा,
श्रीजगन्मङ्गलं नाम कवचं पठेत् ।
तत आवरणदेवता देव्या अङ्गे विलाप्य, संहारमुद्रया अमुकि देवि
क्षमस्व इति विसृज्य, तत्तेजः पुष्पेण समं स्वहृद्यारोपयेत् ।
ॐ उत्तरे शिखरे देवि भूम्यां पर्वतवासिनि ।
ब्रह्मयोनिसमुत्पन्ने गच्छ देवि ममान्तरमिति मन्त्रेण
॥ ३४ ॥
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ततस्तन्नैवेद्यं किञ्चिदुच्छिष्टचाण्डालिन्यै नमः इत्यैशान्यां
दिशि दत्त्वा, शेषमिष्टेभ्यो दत्त्वा, किञ्चित् स्वीकृत्य, पादोदकं
पीत्वा, निर्माल्यं शिरसि विधृत्य, यथेच्छं विहरेदिति
॥ ३५ ॥
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ततो यन्त्रलेपं वामहस्ते कृत्वा सव्यहस्तकनिष्ठया मायाबीजं
विलिख्य तया तिलकं कुर्यात् ।
तथा च:
वामे कृत्वा यन्त्रलेपं मायां सव्यकनिष्ठया ।
विलिख्य तिलकं कुर्यान्मन्त्रेणानेन साधकः ।
ॐ यं यं स्पृशामि पादाभ्यां यो मां पश्यति चक्षुषा ।
स एव दासतां यातु राजानो दुष्टदस्यवः ।
जपकाले च कर्पूरयुक्ता जिह्वा कार्या ।
तथा च:
कर्पूराढ्या सदा जिह्वा कर्त्तव्या जपकर्मणि, इति विश्वसारवचनात्
।
इदं काम्यजप एवेति
॥ ३६ ॥
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ततो मूलेनाष्टोत्तरशताभिमन्त्रितं पुष्पं चन्दनञ्च धृत्वा
त्रैलोक्यं वशमानयेत् ।
सर्वसिद्धियुतो भूत्वा भैरवो वत्सराद्भवेत्
॥ ३७ ॥
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अस्य पुरश्चरणं लक्षद्वयजपः ।
तथा च कालीतन्त्रे:
लक्षमेकं जपेन्मन्त्री हविष्याशी दिवा शुचिः ।
रात्रौ ताम्बूलपूरास्यः शय्यायां लक्षमानतः ।
व्यवस्थामाह स्वतन्त्रे:
दिवा लक्षं शुचिर्भूत्वा हविष्याशी जपेन्नरः ।
ततस्तत्तद्दशांशेन होमयेद्धविषा प्रिये
॥ ३८ ॥
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अत्राङ्गस्य कालान्तरमाह नीलसारस्वते:
लक्षमेकं जपेन्मन्त्रं हविष्याशी दिवा शुचिः ।
अशुचिश्च तथा रात्रौ लक्षमेकं तथैव च ।
दशांशं होमयेन्मन्त्री तर्पयेदभिषेचयेत् ।
इति साम्प्रदायिकाः ।
वस्तुतस्तु कुमारीकल्पे:
लक्षमेकं जपेद्विद्यां हविष्याशी दिवा शुचिः ।
रात्रौ ताम्बूलपूरास्यः शय्यायां लक्षमानतः
॥ ३९ ॥
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एवं लक्षद्वयं जप्त्वा तद्दशांशेन मन्त्रवित् ।
अयुतं होमयेद्देवि दिवारात्रिविभेदतः ।
तेन दिवा लक्षं जप्त्वा तद्दशांशं होमं कुर्यात्
॥ ४० ॥
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रात्रौ
लक्षं जप्त्वा रात्रौ तद्दशांशं होमं कुर्यादिति रहस्यार्थः
॥ ४०क ॥
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रात्रिजपे तु कालो मुण्डमालायाम्:
गते तु प्रथमे यामे तृतीय प्रहरावधि ।
निशायान्तु प्रजप्तव्यं रात्रिशेषे जपेन्न हि ।
अस्य पुरश्चरणं लक्षजपश्च पूर्णानन्दमतेन ।
अत्रेदं बोध्यं विप्राणान्तु दिवा लक्षजपमात्रेणैव
पुरश्चरणम् ।
तथा च फेत्कारीये:
द्विजातीनाञ्च सर्वेषां दिवाविधरिहोच्यते ।
शूद्राणाञ्च तथा प्रोक्तं रात्राविष्टं महाफलम्
॥ ४१ ॥
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कालीरहस्येऽपि:
दिवैव प्रजपेन्मन्त्रं लक्षमेकं शुचिर्द्विजः पूर्णानन्दमतेन
लक्षजपे पुरश्चरणं तत् सन्दिग्धमतं, नानातन्त्रे
लक्षद्वयदर्शनात् लक्षद्वयेनैव पुरश्चरणं सिद्धमिति ।
अन्यत्र च:
दिवैव प्रजपेन्मन्त्रं न तु रात्रौ कदाचन ।
श्यामायाः पुरश्चरणाङ्गब्राह्मणभोजनं हविष्यान्तेन
कारयितव्यम्
॥ ४२ ॥
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तथा च विश्वसारे:
लक्षमेकं जपेद्विद्यां हविष्याशी दिवाशुचिः ।
ततस्तु तद्दशांशेन होमयेद्धविषा प्रिये ।
तर्पयेत्तद्दशांशेन तीर्थतोयेन पार्वतीम् ।
मधुना वा सितामिश्रतोयेन परमेश्वरि ।
देवीञ्चाभिषिञ्चेत्तोयैस्तर्पणस्य दशांशतः ।
तद्दशांशं हविष्यान्नैर्भक्तितो भोजयेद्द्विजाम् ।
कालीमन्त्रविदो मन्त्री दक्षिणां गुरवे दिशेत् ।
पाशवं कथितं कल्पं शृणु वीरं ततः प्रिये ।
रात्रौ ताम्बूलपूरास्यः शय्यायां लक्षमानतः ।
जप्त्वा समाहितो मन्त्री होमयेत् कल्पितानले ।
कालीकूलार्णवे:
पाशवेन तु कल्पेन लक्षं जप्यात् समाहितः ।
दिव्यगुरुमुखाल्लब्ध्वा कालिकां दिव्यरूपिणीम् ।
लक्षं जप्यात्सदा मन्त्री वीरकल्पेन साधकः ।
विश्वसारे:
प्रजपेत् परया भक्त्या लक्षमेकं दिवानिशम् ।
यत्त कुमारीकल्पे:
लक्षमेकं जपेन्मन्त्रं हविष्याशी दिवा शुचिः ।
रात्रौ ताम्बूलपूरास्यः शय्यायां लक्षमानतः ।
(एवं लक्षद्वयं जप्त्वा तद्दशांशेन मन्त्रवित् ।
इति वचनात् लक्षद्वयस्य विशिष्टस्य पुरश्चरणमिति ।
तन्न, पूर्वोक्तवचनविरोधात् ।
एतद्वचनस्य पुरश्चरणद्वये तात्पर्यम्
॥ ४२क ॥
P2-1073
)
अथ मन्त्रभेदाः:
वर्गाद्यं वह्निसंयुक्तं रतिविन्दुविभूषितम् ।
एकाक्षरो महामन्त्रः सर्वकामफलप्रदः
॥ ४३ ॥
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त्रिगुणा तु विशेषेण सर्वशास्त्रप्रबोधिनी
॥ ४४ ॥
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अनयोः पूजाप्रयोगः:
प्रातः कृत्यादि प्राणायामान्तं विधाय, पूर्वोक्त
ऋषिच्छन्दोदेवता विन्यस्य, वर्णन्यासं कृत्वा, कराङ्गन्यासौ
कुर्यात् ।
यथा:
ॐ क्रां अंगुष्ठाभ्यां नमः ।
ॐ क्रीं तर्जनीभ्यां स्वाहा इत्यादि ।
एवं ॐ क्रां हृदयाय नमः इत्यादि
॥ ४५ ॥
P2-1076
तथा च वीरतन्त्रे:
दीर्घषट्कयुताद्येन प्रणवाद्येन कल्पयेत् ।
षडङ्गानि मनोरस्य जातियुक्तेन देशिकः ।
अन्यत् सर्वं पूर्ववत् कार्यम्
॥ ४६ ॥
P2-1077
एकाक्षरस्य ध्यानं सिद्धेश्वरतन्त्रे:
शवारूढां महाभीमां घोरदंष्ट्रां वरप्रदाम् ।
हास्ययुक्तां त्रिनेत्राञ्च कपालकर्तृकाकराम् ।
मुक्तकेशीं ललज्जिह्वां पिबन्तीं रुधिरं मुहुः ।
चतुर्बाहुयुतां देवीं वराभयकरां स्मरेत्
॥ ४७ ॥
P2-1078
अनयोः पुरश्चरणं लक्षजपः ।
तथा च सिद्धेश्वरतन्त्रे:
एवं ध्यात्वा जपेन्मन्त्रं लक्षमेकं विधानतः ।
तद्दशांशविधानेन होमयेत् साधकोत्तमः
॥ ४८ ॥
P2-1079
कुलचूडमणौ:
एवं ध्यात्वा जपेन्मन्त्रं हविष्याषी दिवा शुचिः ।
लक्षं रात्रौ तथा लक्षं महाशौचपरायणः
॥ ४९ ॥
P2-1080
रात्रौ जपैकमात्रेण दक्षिणा सिद्धिदा भवेत्
॥ ५० ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P2-1027
Jetzt werde ich die äußerst schwer zu erlangenden großen Vidyās Kālikās erklären. Allein durch ihre Erkenntnis wird ein Mensch bereits zu Lebzeiten befreit.
P2-1028
Hier bedarf es keiner Reinheitsprüfung des Denkens [„cintāviśuddhi“ ist als technischer Ausdruck nicht erläutert], keiner Beeinträchtigung durch Mitra und die übrigen [Mantra-Prüfkategorien], keiner Fülle von Mühen und keiner Unterscheidung richtiger oder unrichtiger Zeit. Es bedarf weder hoher Ausgaben noch körperlicher Qual.
P2-1029
Der Mantra-Kundige, der sie meditiert, die alle Wünsche in Fülle gewährt, hat stets sämtliche Vollkommenheiten in seiner Hand; daran besteht kein Zweifel.
P2-1030
In der Versammlung entsteht ihm Rede in Prosa und Versen. Allein durch seinen Anblick verlieren die Streitredner ihren Glanz.
P2-1031
Selbst Könige werden seine Diener — um wie viel mehr andere Menschen! Er wird fähig, den Wechsel von Tag und Nacht zu beherrschen. Am Ende erlangt der Mensch den schwer erreichbaren Stand eines Gefährten der Göttin.
P2-1032
Nun die Śyāmā-Mantras. Im Kālītantra: Dreimal Kāma, auf Feuer stehend und mit Rati und Bindu geschmückt; das Kūrca-Paar und unmittelbar danach das Lajjā-Paar; „dakṣiṇe kālike“, dann spreche man die früheren Bījas. Am Ende setze man die Gattin des Feuers, svāhā. Dies wird als Königin der Vidyās erklärt. [Die Vorlage hat „kālile“.]
P2-1033
Die Bedeutung des Mantras erklärt das Yāmala: Aufgrund des Lautes ka, der Wassergestalt ist, gewährt sie allein Befreiung. Durch die Verbindung mit dem Feuer-Laut ist die Heilvolle aus sämtlicher Strahlkraft gebildet.
P2-1034
Durch die dreifache Māyā, o Herrin der Götter, bewirkt sie Schöpfung, Bewahrung und Ende. Wegen der Fruchtlosigkeit der Bindus [so der Wortlaut „vindunāṃ niṣphalatvāt“] gewährt sie die Frucht der absoluten Freiheit. [Diese Begründung ist in der überlieferten Lesart nicht eindeutig verständlich.]
P2-1035
Durch die drei Bījas ist sie Śāmbhavī, allein die Kalā der Erkenntnis und des Bewusstseins. Durch die beiden Klang-Bījas weckt sie die Gesamtheit des Klanges.
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Durch die beiden Lajjā-Bījas bewirkt sie Schöpfung, Bewahrung und Ende. Durch das Anredewort bewirkt sie stets ihre Gegenwart. Durch svāhā ist sie die Mutter der Welten und vernichtet sämtliche Sünden.
P2-1037
Ihre Verehrungsausführung: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen vollzogen hat, führe man das Mantra-Wasserschlürfen aus. So: Nachdem man mit den drei Kālikā[-Bījas] getrunken hat, berühre man [die Körperstellen] mit Kālī und den übrigen. Mit zweien wische man die Lippen zweimal ab, mit einem wasche man die Hände.
P2-1038
Mund, Nase, Augen, Ohren, Nabel, Brust und beide Arme [berühre man] der Reihe nach. Wer so Wasser geschlürft hat, wird Kālī und schaut sie binnen eines Jahres. „Kaṃ, Kopf“ [isolierte, unklare Angabe der Vorlage]. So: Mit krīṃ schlürfe man dreimal Wasser. Mit „oṃ kālyai namaḥ“ — Verehrung Kālī — und „oṃ kapālinyai namaḥ“ — Verehrung Kapālinī — wische man zweimal die Lippen ab. Mit „oṃ kulvāyai namaḥ“ — Verehrung Kulvā [so die Vorlage] — wasche man die Hände. Mit „oṃ kurukulvāyai namaḥ“ [so die Vorlage] berühre man den Mund; mit „oṃ virodhinyai namaḥ“ die rechte Nasenöffnung; mit „oṃ vipracittāyai namaḥ“ die linke. Mit „oṃ ugrāyai namaḥ“ und „oṃ ugraprabhāyai namaḥ“ die beiden Augen; mit „oṃ dīptāyai namaḥ“ und „oṃ nīlāyai namaḥ“ die beiden Ohren; mit „oṃ ghanāyai namaḥ“ den Nabel; mit „oṃ balākāyai namaḥ“ die Brust; mit „oṃ mātrāyai namaḥ“ den Kopf; mit „oṃ mudrāyai namaḥ“ und „oṃ mitāyai namaḥ“ die beiden Schultern. Jede Formel bedeutet Verehrung der jeweils genannten Göttin. Dies ist das Mantra-Wasserschlürfen.
P2-1039
Nachdem man die Handlungen bis zur Reinigung der Elemente ausgeführt hat, vollziehe man mit dem Māyā-Bīja die Atemregelung nach Vorschrift.
P2-1040
Danach der Nyāsa des Sehers und der übrigen Zuordnungen. So: Der Seher dieses Mantras ist Bhairava, das Versmaß Uṣṇih, die Gottheit Dakṣiṇakālikā, das Bīja hrīṃ, die Kraft hūṃ und der Kīlaka krīṃ. Seine Anwendung dient der Verwirklichung der vier menschlichen Lebensziele. So im Kālīkrama: Der Kīlaka ist das erste Bīja und gewährt die Frucht der vier Lebensziele. Am Kopf „bhairavaṛṣaye namaḥ“ — Verehrung dem Seher Bhairava; am Mund „uṣṇikchandase namaḥ“ — Verehrung dem Versmaß Uṣṇih; am Herzen „dakṣiṇakālikāyai devatāyai namaḥ“ — Verehrung der Gottheit Dakṣiṇakālikā; am Geschlecht „hrīṃ bījāya namaḥ“ — hrīṃ, Verehrung dem Bīja; an den Füßen „hūṃ śaktaye namaḥ“ — hūṃ, Verehrung der Kraft; am ganzen Körper „krīṃ kīlakāya namaḥ“ — krīṃ, Verehrung dem Verschluss.
P2-1041
Danach die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So im Kālītantra: Gliedernyāsa und Handnyāsa werden ordnungsgemäß erklärt. Ihr Seher heißt Bhairava, das Versmaß Uṣṇih; die Gottheit heißt Kālikā, das Lajjā-Bīja ist das Bīja. Der Kīlaka ist das erste Bīja, das die Frucht der vier Lebensziele gewährt. Die Kraft ist das Kūrca-Bīja, [es folgt] die ungehinderte Sarasvatī. Die Anwendung dient dichterischer Kraft — und so weiter. Daher erfolgt der Nyāsa der sechs Glieder mit Māyā: Man bilde ihn mit dem Bīja, das die sechs langen Vokale annimmt, und mit dem Praṇava am Anfang. Im Vīratantra alternativ: Man bilde ihn mit dem ersten [Bīja], verbunden mit den sechs langen Vokalen und dem Praṇava am Anfang. So: „oṃ hrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den Daumen; „oṃ hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den Zeigefingern; „oṃ hūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ“ — vaṣaṭ den Mittelfingern; „oṃ hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ“ — huṃ den Ringfingern; „oṃ hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den kleinen Fingern; „oṃ hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ“ — phaṭ den Handflächen und Handrücken. Ebenso am Herzen und den weiteren Stellen: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen — und so weiter. Oder mit „oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und den weiteren Formeln. [hūṃ statt hrūṃ ist die ausdrückliche Lesart der Handformel.]
P2-1042
Danach der Laut-Nyāsa: Am Herzen „aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ namaḥ“; am rechten Arm „eṃ aiṃ oṃ auṃ aṃ aḥ kaṃ khaṃ gaṃ ghaṃ namaḥ“; am linken Arm „ṅaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ namaḥ“; am rechten Fuß „ṇaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ paṃ phaṃ baṃ bhaṃ namaḥ“; am linken Fuß „maṃ yaṃ raṃ laṃ vaṃ śaṃ ṣaṃ saṃ haṃ laṃ kṣaṃ namaḥ“. Namaḥ bedeutet jeweils Verehrung. Nach Virūpākṣas Lehre erfolgt dieser Nyāsa mit Bindu. So im Vīratantra: Man lege aṃ āṃ iṃ īṃ uṃ ūṃ ṛṃ ṝṃ ḷṃ ḹṃ am Herzen auf — und so weiter. Im Kālītantra dagegen ohne Bindu: Mit a ā i ī u ū ṛ ṝ ḷ ḹ berühre man das Herz — und so weiter. Aufgrund der vom Ācārya übernommenen Aussage des Bhairavīya „Man lege diese Laute mit Bindu oder ohne Bindu auf“ sind jedoch beide [Formen] richtig.
P2-1043
Nun der sechsfache Nyāsa. So im Vīratantra: Nachdem der beste Sādhaka die reine Mātṛkā [aufgelegt hat], lege er die mit Tāra umschlossene Mātṛkā und Tāra, umschlossen von Mātṛkā, auf. Die mit dem Śrī-Bīja umschlossene Mātṛkā und jenes, umschlossen von Mātṛkā; die mit Kāma umschlossene Göttin und Kāma selbst, von ihr umschlossen; die mit Śakti umschlossene Göttin und Śakti, von ihr umschlossen. Nachdem man wiederum das krīṃ-Paar sowie ṛ ṝṃ ḷ ḹ wie zuvor aufgelegt hat, [lege man] die mit dem Grundmantra umschlossene Göttin und den von ihr umschlossenen Mantra auf. Man lege den Mantra vorwärts und rückwärts nach Vorschrift auf und vollziehe unmittelbar danach mit dem Grundmantra 108-mal den den ganzen Körper durchdringenden [Nyāsa]. So: „oṃ aṃ oṃ“; ebenso Tāra, umschlossen von Mātṛkā. Ebenso die mit dem Śrī-Bīja umschlossene Mātṛkā und das von ihr umschlossene Śrī-Bīja. Ebenso die mit Kāma umschlossene Mātṛkā und Kāma, umschlossen von Mātṛkā. Ebenso lege man die mit Śakti umschlossene Mātṛkā und Śakti, umschlossen von Mātṛkā, auf. Ebenso das krīṃ-Paar und ṛ ṝ ḷ ḹ wie zuvor; die davon umschlossene Mātṛkā und jenes, umschlossen von Mātṛkā, lege man auf. Die mit dem Mantra umschlossene Mātṛkā und den von ihr umschlossenen Mantra [lege man auf]. Wiederum lege man den Mantra allein vorwärts und rückwärts an den Mātṛkā-Stellen auf und vollziehe mit dem Grundmantra 108-mal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa.
P2-1044
Dieser Nyāsa ist auch für Tārā auszuführen. So wird geheim der sechsfache Gliedernyāsa Durgās erklärt, ebenso für Tārā, Kālikā, Unmukhī und die höchste [Göttin]. Wird dieser vorzügliche Nyāsa vollzogen, vergeht jede Sünde. [Der Name Unmukhī folgt der Vorlage.]
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Danach der Tattva-Nyāsa. So: Man teile den Grundmantra in drei Abschnitte. Nach dem ersten lege man mit „oṃ ātmatattvāya svāhā“ — svāhā dem Ātman-Prinzip — vom Fuß bis zum Nabel auf. Nach dem zweiten mit „oṃ vidyātattvāya svāhā“ — svāhā dem Erkenntnisprinzip — vom Nabel bis zum Herzen. Nach dem dritten mit „oṃ śivatattvāya svāhā“ — svāhā dem Śiva-Prinzip — vom Herzen bis zum Kopf [Vorlage beschädigt „śivaḥparyantam“]. So im Svatantra: Am Ende der drei Abschnitte der Grund-Vidyā vollziehe man ordnungsgemäß mit den mit dem Praṇava beginnenden [Formeln] für Ātman-, Vidyā- und Śiva-Tattva den Tattva-Nyāsa.
P2-1046
Nun der Bīja-Nyāsa. So im Kumārīkalpa: An Brahmā-Öffnung, zwischen den Brauen, Stirn, Nabelbereich, Geschlecht, Mund und ganzem Körper lege man die sieben Bījas der Reihe nach auf. So: Das erste Bīja an der Brahmā-Öffnung, das zweite zwischen den Brauen, das dritte an der Stirn, das vierte am Nabel, das fünfte am Geschlecht, das sechste am Mund, das siebte am ganzen Körper. Diese Dreiheit [von Nyāsas] dient wunschgerichteten Zwecken.
P2-1047
Danach vollziehe man mit dem Grundmantra siebenmal den den ganzen Körper durchdringenden Nyāsa, zeige nach Vorschrift die Mudrā und meditiere.
P2-1048
So im Kālītantra: Die göttliche Dakṣiṇā Kālikā ist schreckgesichtig, furchtbar, mit gelöstem Haar und vier Armen, mit einer Schädelgirlande geschmückt. In den unteren und oberen linken Lotushänden hält sie einen frisch abgetrennten Kopf und ein Schwert; mit der oberen und unteren rechten Hand zeigt sie Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Sie ist dunkel wie eine große Wolke und unbekleidet. Eine am Hals hängende Kopfreihe besudelt sie mit herabrinnendem Blut. Sie ist furchtbar durch zwei Leichname, die als Ohrschmuck dienen, hat schreckliche Fangzähne, ein furchtbares Gesicht und volle, hohe Brüste. Aus den Händen der Leichname ist ihr Gürtel gemacht; ihr Gesicht lacht. Ihr Antlitz glänzt durch die Blutströme, die aus beiden Mundwinkeln herabfließen.
P2-1049
Sie schreit furchtbar, ist überaus wild und wohnt auf dem Leichenverbrennungsplatz. Ihre drei Augen gleichen der Scheibe der jungen Sonne. Sie zeigt ihre Zähne; ihre gelöste Haarfülle hängt ausgebreitet zur rechten Seite herab. Sie steht auf dem Herzen Mahādevas in Leichengestalt. In den vier Richtungen ist sie von schrecklich heulenden Schakalweibchen umgeben. Mit Mahākāla ist sie in umgekehrter Liebesvereinigung vertieft. Ihr Gesicht ist freudig und heiter, ihr Lotusantlitz lächelt. So vergegenwärtige man sich Kālī, die sämtliche Wünsche in Fülle gewährt. Bei „zwei Leichnamen“ [bestehen auch die Lesarten] „schreckliche Pfeile als Ohrschmuck“ und „Geister als Ohrschmuck“. Weil auch „am linken Ohr mit Vogelflügeln geschmückt“ und „mit zwei leblosen Knaben als Ohrschmuck“ zu finden ist, sind beide Lesarten [zulässig]. [Die Vorlage führt mehr als zwei Varianten an, ohne die abschließende Zweizahl näher aufzulösen.]
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Eine andere Meditation im Svatantra: Die Göttin gleicht einem Berg aus schwarzer Augensalbe, ist heilvoll mit furchtbarem Gesicht, von Reihen der Schädelgirlande bedeckt, mit gelöstem Haar und lächelndem Antlitz. Sie befindet sich im Herzlotus Mahākālas, hat volle Brüste, ist in die umgekehrte Liebesvereinigung vertieft und besitzt schreckliche Fangzähne samt Köpfen [„śiraiḥ saha“ bleibt als Anschluss unklar]. Sie trägt eine Schlange als heilige Schnur und den Halbmond als Kopfschmuck, sämtlichen Schmuck und eine Schädelgirlande. Ihr Gürtel ist aus tausend Leichenhänden gebunden; die Himmelsrichtungen sind ihr Gewand. Sie glänzt mit Tausenden von Millionen Śivās und Yoginīs [Śivā kann hier Göttinnen oder Schakalweibchen bezeichnen]. Ihr Lotusmund ist voller Blut; sie ist vom Trinken berauscht [Vorlage „madhyapāna“, vermutlich „madyapāna“]. Ihre Augen sind Feuer, Sonne und Mond; ihr Antlitz strahlt vor Blut. Zwei leblose Knaben dienen ihr als Ohrschmuck [Vorlage „varṇāvataṃsinī“ beschädigt]. Die am Hals hängende Kopfreihe besudelt sie mit herabrinnendem Blut. Sie befindet sich mitten im Feuer des Leichenverbrennungsplatzes und wird von Brahmā und Keśava verehrt. Ihre Lotushände tragen einen frisch abgeschlagenen Kopf und Schwert und zeigen Gabengewährung und Furchtlosigkeit. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, stelle man das Arghya auf.
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So: Zu seiner Linken zeichne man auf den Boden ein Dreieck mit hūṃ im Inneren, stelle das Arghya-Gefäß auf und fülle unter Rezitation des Grundmantras die Muschel oder das andere Gefäß mit reinem Wasser und den übrigen [Substanzen]. Man gebe Duftstoffe und dergleichen, rufe mit „oṃ gaṅge“ und den weiteren Worten das heilige Wasser herbei. Mit „maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ“ — Verehrung dem Feuerkreis, dessen Wesen zehn Kalās sind — verehre man den Untersatz; mit „aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ“ — dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās — die Muschel; mit „uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ“ — dem Mondkreis mit sechzehn Kalās — das Wasser. An Feuer, Īśāna, Asura und Wind: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; „oṃ hrīṃ śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; „oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; „oṃ hraiṃ kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer. Vorn „oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; in den vier Richtungen „oṃ hraḥ astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Nachdem man so verehrt hat, bedecke man es oben mit der Fisch-Mudrā, wiederhole den Grundmantra zehnmal, mache es mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und schütze es mit der Waffe. Man zeige die Bhūtinī- und Yoni-Mudrā, gieße etwas Wasser in das Sprenggefäß, besprenge unter Rezitation des Grundmantras sich selbst und die Verehrungsgeräte mit diesem Wasser und beginne die Verehrung des Kultsitzes.
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Ihr Verehrungs-Yantra: Zuerst zeichne man Bindu, ihr eigenes Bīja und Bhuvaneśī, dann ein Dreieck, außen vier weitere Dreiecke, einen Kreis, einen achtblättrigen Lotus, wiederum einen Kreis und eine Erdumfassung mit vier Toren. [Abbildung 34-ka.] So im Kālītantra: Zuerst zeichne man ein Dreieck und außen ein weiteres; dann zeichne der Mantra-Kundige drei vortreffliche Dreiecke. Danach zeichne man einen Kreis und acht Blütenblätter, zeichne vorschriftsmäßig einen Kreis und eine Erdumfassung. Ebenso im Kumārīkalpa: In der Mitte das Bindu-Cakra, geschmückt mit Bīja und Māyā.
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Nun die besondere Grundlage, im Muṇḍamālā: In einem Kupfergefäß, in einer Schädelschale oder auf einem aus Holz des Leichenverbrennungsplatzes gefertigten [Träger], am Samstag oder Dienstag, auf einem toten Körper, auf Gold, Silber oder Eisen fertige man das Cakra nach Vorschrift an.
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Ein anderes Yantra erklärt das Tantra: Mit Śakti und Feuer ein Sechseck, mit den Śaktis eine neunfache [Anordnung]; im achtblättrigen Lotus, mit einer Erdumfassung und vier Toren. [Śakti und Feuer bezeichnen hier die entgegengesetzt gerichteten Dreiecke; die neunfache Anordnung wird im zitierten Satz nicht vollständig erläutert.]
P2-1055
[Abbildung 34-kha.] Danach die Verehrung des Kultsitzes. Im Kumārīkalpa: Die Verehrung des Kultsitzes vollziehe man beginnend mit Ādhāraśakti, dann Prakṛti, Schildkröte, Śeṣa und Erde, Nektarozean, Juweleninsel, Cintāmaṇi-Palast, Leichenverbrennungsplatz, Pārijāta-Baum und an dessen Wurzel die Edelsteinplattform. Darüber setze der beste Sādhaka den Juwelensitz. In den vier Richtungen die Seher, Götter und Śivās mit Schädeln. Dharma und die übrigen, Adharma und die übrigen — und so weiter — verehre man bis „hrīṃ jñānātmane namaḥ“ — Verehrung dem Erkenntnis-Selbst. Auf den Staubfäden verehre man, im Osten beginnend: Icchā, Jñānā, Kriyā, Kāminī, Kāmadāyinī, Rati, Ratipriyā und Nandā; in der Mitte Manonmanī. Überall mit oṃ am Anfang und namaḥ am Ende. Darüber „hsauḥ sadāśivamahāpretapadmāsanāya namaḥ“ — Verehrung dem Lotussitz, dessen großer Leichnam Sadāśiva ist. Nördlich des Kultsitzes erfolgt die Verehrung der Guru-Reihe.
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Danach meditiere man erneut, bringe [die Göttin] in die Blumenhandvoll und rufe sie in die durch den Grundmantra vorgestellte Gestalt herbei: „oṃ deveśi bhaktisulabhe parivārasamanvite yāvat tvāṃ pūjayiṣyāmi tāvat tvaṃ susthirā bhava“ — O Herrin der Götter, durch Hingabe leicht erreichbar, mit Gefolge versehen: Solange ich dich verehre, bleibe fest gegenwärtig! Dann nach dem Grundmantra „amuki devi ihāvaha ihāvaha iha tiṣṭha tiṣṭha iha sannirudhyasva iha sannihitā bhava“ — O [Name] Göttin, komme hierher, komme hierher; bleibe, bleibe hier; verweile hier fest; sei hier gegenwärtig! Mit hum verhülle man sie, statte sie mit den Gliedermantras vollständig aus, mache sie mit der Kuh-Mudrā zu Nektar und mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten [Gestalt]. Man zeige die Bhūtinī-, Ākarṣiṇī- und Yoni-Mudrā, vollziehe die Einsetzung des Lebenshauchs und verehre mit dem Grundmantra, Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
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Die Reihenfolge: Zuerst nach dem Grundmantra „etat pādyaṃ amukadevatāyai namaḥ“ — Dies ist Fußwaschwasser für die Gottheit [Name]; Verehrung! Ebenso „arghyaṃ svāhā“ — Arghya, svāhā; „idam ācamanīyaṃ svadhā“ — Dies ist Schlürfwasser, svadhā; „snānīyaṃ nivedayāmi“ — Ich bringe Badewasser dar; „punarācamanīyaṃ svadhā“ — Erneutes Schlürfwasser, svadhā; „eṣa gandho namaḥ“ — Dies ist Duft, Verehrung; „etāni puṣpāṇi vauṣaṭ“ — Dies sind Blumen, vauṣaṭ. Dann gebe man mit dem Grundmantra fünf Blumenhandvoll, Räucherwerk und Licht. Unter Rezitation von „vanaspati“ und den weiteren Worten und des Grundmantras „eṣa dhūpo namaḥ“ — Dies ist Räucherwerk, Verehrung. Der Lichtmantra: Die hell leuchtende große Leuchte beseitigt überall die Finsternis; ihr Licht ist außen und innen. Möge diese Leuchte angenommen werden! Nach dem Grundmantra „eṣa dīpo namaḥ“ — Dies ist die Leuchte, Verehrung. Dann verehre man die Glocke mit „oṃ jayadhvani mantramātaḥ svāhā“ — O Siegklang, o Mutter der Mantras, svāhā. Mit der linken Hand läutend gebe man das Räucherwerk niedrig und die Leuchte bis zur Höhe der Augen. Dann gebe man mit dem Grundmantra drei Blumenhandvoll und die verfügbare Speisegabe.
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Danach die Verehrung der umgebenden Kreise. Mit „śrī amuki devi āvaraṇaṃ te pūjayāmi“ — O verehrte Göttin [Name], ich verehre deine Umfassung — hole man die Erlaubnis ein. Auf den Staubfäden in den Ecken, im Südosten beginnend: „oṃ hrāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen; im Nordosten „oṃ hrīṃ śirase svāhā“ — svāhā dem Kopf; im Südwesten „oṃ hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ“ — vaṣaṭ dem Haarschopf; im Nordwesten „oṃ hraiṃ kavacāya huṃ“ — huṃ dem Schutzpanzer; vorn „oṃ hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“ — vauṣaṭ den drei Augen; in den vier Richtungen „oṃ hraḥ astrāya phaṭ“ — phaṭ der Waffe. Dann im äußeren Sechseck „oṃ kālyai namaḥ“ — Verehrung Kālī; ebenso Kapālinī, Kulvā, Kurukulvā, Virodhinī und Vipracittā. Jede Formel beginnt mit oṃ und endet mit namaḥ. Im ersten Dreieck Ugrā, Ugraprabhā und Dīptā; im zweiten „oṃ nīlāyai“ und entsprechend Ghanā und Balākā; im dritten Mātrā, Mudrā und Mitā. So heißt es: Der Verständige verehre Kālī, Kapālinī, Kulvā, Kurukulvā, Virodhinī und Vipracittā im äußeren Sechseck. Im Dreieck darin Ugrā, Ugraprabhā und Dīptā. Im mittleren Dreieck verehre man Nīlā, Ghanā und Balākā; im anderen Dreieck Mātrā, Mudrā und Mitā. Alle sind dunkel, halten Schwerter und tragen Schädelgirlanden. Mit der linken Hand halten sie den Zeigefinger [erhoben]; sie lächeln rein, sind unbekleidet, haben lachende Gesichter und sind mit ihren jeweiligen Reittieren geschmückt. Nachdem man so meditiert hat, verehre man sie. Dann auf den acht Blütenblättern, im Osten beginnend, „oṃ brāhmyai namaḥ“ — Verehrung Brāhmī — und entsprechend Nārāyaṇī, Māheśvarī, Cāmuṇḍā, Kaumārī, Aparājitā, Vārāhī und Nārasiṃhī. Diese verehre man mit Duft und den weiteren Gaben. An den Blattspitzen verehre man die Bhairavas Asitāṅga und die übrigen. Dann gebe man mit dem Grundmantra drei Blumenhandvoll und verehre rechts der Göttin Mahākāla mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben.
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Seine Meditation: Rechts der Göttin verehre man Mahākāla, rauchfarben, Stab und Khaṭvāṅga tragend, ein Kind mit einem von Fangzähnen furchtbaren Gesicht. Seine Hüften sind von Tigerfell bedeckt; er ist dickbäuchig und rot gekleidet. Er hat drei Augen, aufgerichtetes Haar und eine Schädelgirlande. In seiner Flechtenfülle glänzt die Mondsichel; er ist wild und gleicht einer Flamme.
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So im Kumārīkalpa: An der rechten Seite der Göttin verehre man Mahākāla. Mit „hūṃ kṣrauṃ yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ mahākālabhairavaṃ sarvavighnān nāśaya nāśaya hrīṃ śrīṃ phaṭ svāhā“ — Mahākālabhairava, vernichte, vernichte alle Hindernisse — verehre man ihn mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben. Nachdem man ihn dreimal durch Trankspenden gesättigt hat, verehre man die Göttin mit dem Grundmantra und den fünf Gaben. [Die Vorlage setzt Mahākālabhairava in den Akkusativ, obwohl die folgende Bitte ihn anredet.]
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So im Kālītantra: Man verehre Mahākāla sorgfältig; danach verehre man die Göttin. Im Kālīkalpa: Nachdem man den Schutzpanzer und kṣrauṃ abgeleitet hat, folgen yāṃ rāṃ lāṃ vāṃ āṃ kroṃ, dann „mahākālabhairava sarvavighnān nāśaya“. Nachdem man nochmals „nāśaya“ gesprochen hat, leite man Māyā und Lakṣmī ab. Mit phaṭ und svāhā verbunden verwirklicht dieser Mantra sämtliche Ziele.
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Danach verehre man die Waffen der Göttin. So im Kālīhṛdaya: In der oberen und unteren linken Hand der Göttin verehre man Schwert und Kopf; in der oberen und unteren rechten Hand Furchtlosigkeit und Gabengewährung. Dann meditiere man die Göttin, wiederhole [den Mantra] nach Vermögen und übergebe mit „guhyāti“ und den weiteren Worten die Wiederholung in ihre linke Hand; danach vollziehe man die Hingabe seiner selbst. So im Svatantra: Nachdem man die Hauptgöttin wiederum mit Mudrās, Trankspenden und Verehrung verehrt und die Wiederholung ausgeführt hat, verneige man sich und entlasse sie ins Herz. Danach preise man sie, umwandle sie nach rechts, verneige sich mit acht Körpergliedern und rezitiere den Schutztext namens Śrījaganmaṅgala. Dann lasse man die Gottheiten der Umfassung in den Leib der Göttin eingehen, entlasse sie mit der Auflösungs-Mudrā und „amuki devi kṣamasva“ — O Göttin [Name], verzeihe! — und bringe ihren Lichtglanz zusammen mit der Blume ins eigene Herz. Mit dem Mantra „oṃ uttare śikhare devi bhūmyāṃ parvatavāsini brahmayonisamutpanne gaccha devi mamāntaram“ — O Göttin auf dem nördlichen Gipfel, auf Erden in den Bergen wohnend, aus der Brahman-Yoni hervorgegangen: Geh, o Göttin, in mein Inneres!
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Dann gebe man etwas von dieser Speisegabe mit „ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ“ — Verehrung Ucchiṣṭacāṇḍālinī — in die nordöstliche Richtung. Den Rest gebe man den Geliebten, nehme selbst etwas davon, trinke das Fußwaschwasser, lege den abgelegten Blumenschmuck auf den Kopf und bewege sich nach Belieben.
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Dann gebe man die Yantra-Paste in die linke Hand, zeichne mit dem kleinen Finger der linken Hand das Māyā-Bīja und mache damit das Stirnzeichen. So heißt es: Nachdem man die Yantra-Paste in die linke [Hand] gegeben hat, zeichne der Sādhaka mit dem linken kleinen Finger Māyā und mache mit diesem Mantra das Stirnzeichen: „oṃ yaṃ yaṃ spṛśāmi pādābhyāṃ yo māṃ paśyati cakṣuṣā sa eva dāsatāṃ yātu rājāno duṣṭadasyavaḥ“ — Wen immer ich mit meinen Füßen berühre, wer mich mit seinen Augen sieht, der werde zum Diener: Könige und böse Räuber. Bei der Mantra-Wiederholung soll die Zunge mit Kampfer versehen sein. So heißt es im Viśvasāra: Bei der Wiederholungshandlung soll die Zunge stets mit Kampfer versehen sein. Dies gilt nur bei wunschgerichteter Mantra-Wiederholung.
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Dann trage man eine Blume und Sandelpaste, die mit dem Grundmantra 108-mal besprochen sind, und bringe die drei Welten unter seinen Willen. Mit sämtlichen Vollkommenheiten versehen wird man binnen eines Jahres Bhairava.
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Die vorbereitende Mantra-Praxis besteht aus 200.000 Wiederholungen. So im Kālītantra: Rein wiederhole der Mantra-Kundige tagsüber den Mantra 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, [wiederhole er ihn] 100.000-mal. Die Ordnung erklärt das Svatantra: Rein geworden wiederhole ein Mensch tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend. Danach opfere man für jede [Wiederholungsfolge] ein Zehntel mit Opferspeise, o Liebe.
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Einen anderen Zeitpunkt der ergänzenden Handlung nennt das Nīlasārasvata: Rein wiederhole man den Mantra tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; ebenso nachts 100.000-mal, unrein. Ein Zehntel opfere der Mantra-Kundige, bringe Trankspenden und Begießung dar. So die Vertreter der Überlieferung. Tatsächlich aber [heißt es] im Kumārīkalpa: Rein wiederhole man die Vidyā tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal.
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Nachdem der Mantra-Kundige so 200.000-mal wiederholt hat, opfere er ein Zehntel davon, o Göttin, jeweils 10.000 [Gaben], getrennt nach Tag und Nacht. Daher soll man nach 100.000 Wiederholungen tagsüber ein Zehntel davon als Feueropfer vollziehen.
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Nach 100.000 Wiederholungen nachts soll man nachts ein Zehntel davon als Feueropfer vollziehen: Dies ist die geheime Bedeutung.
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Die Zeit für die nächtliche Wiederholung steht im Muṇḍamālā: Nach Ablauf der ersten Nachtwache bis zur dritten Wache soll man nachts wiederholen; im verbleibenden Teil der Nacht darf man nicht wiederholen. Nach Pūrṇānandas Auffassung besteht die vorbereitende Praxis auch aus 100.000 Wiederholungen. Hier ist Folgendes zu verstehen: Für Brahmanen besteht die vorbereitende Praxis allein aus 100.000 Wiederholungen tagsüber. So im Phetkārīya: Für sämtliche Zweimalgeborenen wird hier die Vorschrift für den Tag genannt; für Śūdras gilt ebenso die nächtliche [Verehrung] als erwünscht und sehr fruchtbringend.
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Auch im Kālīrahasya: Rein wiederhole der Zweimalgeborene den Mantra ausschließlich tagsüber 100.000-mal. Nach Pūrṇānandas Auffassung besteht die vorbereitende Praxis aus 100.000 Wiederholungen. Diese Meinung ist zweifelhaft, weil in verschiedenen Tantras 200.000 zu finden sind; die vorbereitende Praxis wird also allein durch 200.000 vollendet. Und anderswo: Man wiederhole den Mantra ausschließlich tagsüber, niemals nachts. Die Brahmanenspeisung als Bestandteil der vorbereitenden Praxis Śyāmās ist mit Opferkost auszuführen.
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So im Viśvasāra: Rein wiederhole man die Vidyā tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend. Danach opfere man ein Zehntel davon mit Opferspeise, o Liebe. Mit einem Zehntel davon sättige man Pārvatī durch heiliges Wasser oder mit Honig oder mit Wasser, das mit Zucker vermischt ist, o Parameśvarī. Die Göttin begieße man mit Wasser in einer Zahl von einem Zehntel der Trankspenden. Ein Zehntel davon [an Brahmanen] speise man hingebungsvoll mit Opferkost. Der Mantra-Kundige [gebe] den Kennern des Kālī-Mantras [die Speisung] und dem Guru eine Gabe. Die Paśu-Vorschrift ist erklärt; höre danach die Vīra-Vorschrift, o Liebe. Nachdem der gesammelte Mantra-Kundige nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal wiederholt hat, opfere er im vorbereiteten Feuer. Im Kālīkulārṇava: Nach der Paśu-Vorschrift wiederhole man gesammelt 100.000-mal. Nachdem man die göttliche Kālikā aus dem Mund des göttlichen Gurus erhalten hat, wiederhole der Mantra-Kundige, der Sādhaka, nach der Vīra-Vorschrift stets 100.000-mal. Im Viśvasāra: Mit höchster Hingabe wiederhole man Tag und Nacht 100.000-mal. Was im Kumārīkalpa [steht]: Rein wiederhole man den Mantra tagsüber 100.000-mal, Opferkost essend; nachts, mit dem Mund voller Betel, auf dem Bett, ergeben, 100.000-mal. („Nachdem der Mantra-Kundige so 200.000-mal wiederholt hat, [opfere er] ein Zehntel davon“.) Aufgrund dieser Aussage [meint man], die vorbereitende Praxis bestehe spezifisch aus 200.000. Das ist nicht richtig, wegen des Widerspruchs zu den zuvor genannten Aussagen. Diese Aussage bezieht sich auf zwei vorbereitende Praktiken. [Der Text stellt hier ausdrücklich unterschiedliche Auffassungen nebeneinander; die zuvor vertretene Gesamtzahl wird nicht still vereinheitlicht.]
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[Schließende Klammer der vorangehenden Erörterung.] Nun die Mantra-Formen: Der erste [Laut] der Gruppe, verbunden mit Feuer und geschmückt mit Rati und Bindu, bildet den einsilbigen großen Mantra, der die Frucht sämtlicher Wünsche gewährt.
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Dreifach [gebildet] weckt sie insbesondere die Erkenntnis sämtlicher Lehrwerke.
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Die Verehrungsausführung dieser beiden: Nachdem man die morgendlichen Verrichtungen bis zur Atemregelung ausgeführt hat, lege man den zuvor genannten Seher, das Versmaß und die Gottheit auf, vollziehe den Laut-Nyāsa und die Nyāsas an Händen und Körpergliedern. So: „oṃ krāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ — Verehrung den Daumen; „oṃ krīṃ tarjanībhyāṃ svāhā“ — svāhā den Zeigefingern — und so weiter. Ebenso „oṃ krāṃ hṛdayāya namaḥ“ — Verehrung dem Herzen — und so weiter.
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So im Vīratantra: Der Lehrer bilde die sechs Glieder dieses Mantras mit dem ersten [Bīja], verbunden mit den sechs langen Vokalen, dem Praṇava am Anfang und den jeweiligen Abschlussformeln. Alles Weitere ist wie zuvor auszuführen.
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Die Meditation des einsilbigen [Mantras] steht im Siddheśvaratantra: Man gedenke der Göttin auf einem Leichnam, überaus furchtbar, mit schrecklichen Fangzähnen, Gaben gewährend, lachend, mit drei Augen, Schädelschale und Schneidemesser in den Händen. Ihr Haar ist gelöst, ihre Zunge bewegt sich, sie trinkt immer wieder Blut. Sie hat vier Arme und zeigt Gabengewährung und Furchtlosigkeit.
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Die vorbereitende Praxis dieser beiden besteht aus 100.000 Wiederholungen. So im Siddheśvaratantra: Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra vorschriftsmäßig 100.000-mal. Mit einem Zehntel davon opfere der beste Sādhaka nach Vorschrift.
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Im Kulacūḍāmaṇi: Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man den Mantra tagsüber rein 100.000-mal, Opferkost essend; ebenso nachts 100.000-mal, höchster Reinheit ergeben. [Die Aussage zur Reinheit bleibt nach dem eigenen Wortlaut dieses Zitats erhalten.]
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Allein durch die nächtliche Wiederholung wird Dakṣiṇā zur Spenderin der Vollkommenheit.
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Durga Puja
- Kali Puja
- Devi Archanam
- Durga Nityarchana Krama
- Shrichakra Navavarana Puja
- Mahalakshmi Puja Vidhi
- Lakshmi Puja
- Pushpanjali
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Dakshinakali Puja mit vorangestelltem Om nach dem Brihat Tantrasara
- Chamunda Kalika Mantra Japa nach dem Brihat Tantrasara
- Kalihridaya Puja nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.