Kamika Agama 108 Verse und Mantras
Kamika Agama – 108 Verse und Mantras: Diese Auswahl aus der abgeschlossenen kapitelweisen Übersetzung des Kamika Agama erschließt Shiva, Shakti, Mantra, innere Reinigung, Meditation, Hingabe und befreiende Erkenntnis. Die 108 Absätze entsprechen 108 nummerierten Einheiten der Vorlage; manche bilden erst gemeinsam einen Satz. Die Auswahl konzentriert sich auf zusammenhängende spirituelle Passagen und ist kein eigenständiger Lehrgang für die rituellen Atem- und Einweihungsverfahren.

108 Verse zur vertiefenden Lektüre
Sie verlangen nach höchster Erkenntnis und sind der Kraft Shivas zugewandt. Nachdem sie sich vor seinen Füßen verneigt haben, sprechen sie zu dem Herrn, dem Gemahl Umas.
Die Weisen sagen: „Erhabener, Herr über die Götter, Befreier der gebundenen Seelen aus ihren Fesseln! Du bewirkst Schöpfung, Erhaltung, Verhüllung, Auflösung und Gnade.
Du setzt unmittelbar die Entfaltung der großen Maya in Gang, beginnend mit dem Raum. Dein Wesen ist die Fülle ursprünglicher Glückseligkeit und dein eigenes Bewusstsein.
Du bist mit der höchsten Shakti verbunden, deren Wesen höchstes Bewusstsein ist. Frei von Richtung, Ort und Zeit bist du der Grund der Freude der Welt.
Herr der Götter, du hast uns zur Verehrung Shivas bestimmt. Lehre uns dafür die wesentliche Schrift, die aus Shivas Mund hervorgegangen ist.
Aus Mitgefühl mit deinen Verehrern mögest du sie verkünden!“ So baten die Weisen den Erhabenen, dessen Banner den Stier trägt.
Wie ein Wunschedelstein strahlt diese Lehre und weist als Einheit auf vielerlei Weise den Weg. Obwohl der Sprecher einer ist, wird sie durch die Verschiedenheit der Hörenden vielfältig.
Nun erkläre ich kurz und der Reihenfolge nach die Bildung der Mantras. Ohne Mantra gibt es keine rituelle Handlung, vom Pflügen des Tempelgrundes bis zur Verehrung.
Manana ist das umfassende Erkennen, Trana das gnädige Beschützen des im Samsara Lebenden. Weil ihm Erkennen und Beschützen eigen sind, wird es Mantra genannt.
Der Mantra ist als zweifach zu verstehen: als das Bezeichnete und als das Bezeichnende. Das Bezeichnende besteht in der sprachlichen Form, das Bezeichnete im Bedeutungsgehalt.
Zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem wird in bestimmten Fällen Wesensgleichheit angenommen. Nada wird Mantra genannt; dieser Nada entsteht aus dem Höchsten.
Aus Nada geht Bindu hervor, aus Bindu der erste Vokal. Daraus entstehen zwei Vokale, dann jeweils weitere Paare; ihre Unterteilungen werden als dreizehn angegeben.
Die sechzehn Vokale heißen die Lebenskräfte; die mit Ka beginnenden Laute gelten als der Körper. Sie sind vierunddreißig an der Zahl und heißen Konsonanten.
Durch diese Laute, unterschieden nach Lebenshauch und dessen Trägern, wird alles durchdrungen. Aus ihnen ist die in höhere und niedere gegliederte Schrift gebildet.
Nada besitzt neun Abschnitte und entfaltet sich in fünfzig Lauten. Die Größen dieser Abschnitte werden mit den Zahlwörtern Vikara, Bhuta, Veda und Indu angegeben.
So werden die Lautabschnitte als neunfache Ordnung bestimmt. Dieser Nada, ihr Brahmanen, wird durch verschiedene Namen Shivas bezeichnet.
Er wird dreifach gelehrt: grob, fein und höchster Art. Als Laut, Erkenntnis und Erfahrung hat er seinen Sitz im Herzen aller Lebewesen.
Die in der Wirklichkeit schauenden Sadhakas sollen die Matrika als in fünfzig Rudra- und fünfzig Shakti-Formen bestehend erkennen.
Das Abwaschen mit Wasser, das mit Sadyojata und den weiteren Mantras besprochen wurde, heißt Mantrabad. Es ist auch innerhalb der Ordnung des Wasserbades vorgeschrieben.
Das geistige Bad erfolgt durch Pranayama, verbunden mit dem Gedenken an den Pranava. Es ist bei allen Bädern auszuführen oder kann auch für sich allein vollzogen werden.
Wer nicht wirklich sieht, hält die Reinigung des Körpers bereits für Reinheit. Rein ist jedoch, wer durch die Reinigung seiner inneren Haltung geläutert ist; nicht ein anderer.
Nun erkläre ich die Ordnung der Verehrung, die weltliche Erfüllung und Befreiung schenkt. Sie wird zweifach genannt: Verehrung für andere und Verehrung für sich selbst.
Die Verehrung an einem Linga, das der Guru am Ende der Einweihung übergeben hat, oder an einem Opferplatz und ähnlichen Orten heißt persönliche Verehrung, weil sie die selbst erstrebte Frucht gewährt.
In einem Dorf, einer befestigten Siedlung oder einer Stadt, an einem Fluss, auf einem Berg, an den achtundsechzig großen heiligen Stätten oder an einem anderen schönen Ort,
in einem Shiva-Heiligtum mit einem selbstentstandenen, göttlichen, Bana- oder von Rishis stammenden Linga sowie an einem von Menschen eingesetzten Linga spricht man von Verehrung für andere.
Diese gemeinschaftliche Verehrung dient dem langen Leben, der Gesundheit, dem Sieg und dem wachsenden Wohlergehen des Königs sowie dem Gedeihen der Dörfer und übrigen Siedlungen.
Zuerst kommt die Reinigung des eigenen Selbst, als Zweites die Reinigung des Ortes, als Drittes die Reinigung der Gegenstände, als Viertes die Reinigung der Mantras.
Die fünfte ist die Reinigung des Linga: So werden die fünf Reinigungen gelehrt. Im gefegten und frisch bestrichenen Heiligtum oder an einem anderen geeigneten Ort
nehme der Kundige auf einem Sitz aus Kusha-Gras, einer Matte oder einem schwarzen Antilopenfell eine ihm entsprechende Sitzhaltung ein, mit geradem Körper und nach Norden gewandt.
Die mit Sandel bestrichenen Hände reinige er unter dem Astra-Mantra, indem er Handflächen und Handrücken wechselseitig berührt.
Mit dem auf Vaushat endenden Wurzelmantra mache er sie nektargleich und vergegenwärtige ihren erhabenen, bis zur Shakti reichenden Mantraleib.
Er lege erneut die Keimsilben der Vidyeshvaras auf, beginnend mit dem Daumen. In der inneren Vorstellung mache er die Hände nektargleich und umhülle sie mit dem Schutzmantra.
So zu Shiva verwandelt, sind die Hände für alle heiligen Handlungen befähigt. Bei der rituellen Ausstattung mit den Mantragliedern, zur Dämmerungsverehrung und beim Achamana
ist der Hand-Nyasa auszuführen, ebenso bei den besonderen entsprechenden Riten. Mit der Geste der Auflösung sammle man das den Körper durchdringende Bewusstsein.
Man verbinde es mit Shiva in der Tiefe des Herzlotus oder im reinen Raum. Herz, Hals, Gaumen, Brauenbereich, Schläfenbereich, Rodhini und Brahmarandhra werden genannt,
ebenso Kutila, Vyapini, Tanvi, Samana und Unmana. Oder man verbinde sich mit der Shakti, die über diesen liegt.
Nachdem diese Versenkung vollzogen ist, lasse man den Körper in der Vorstellung verbrennen. Der Lehrer soll die Verbindung zuvor herstellen, um das noch zu erfahrende Karma zu bewahren.
Das Feuer der Erkenntnis macht alles Karma in einem Augenblick zu Asche. Doch kraft göttlicher Weisung tritt beim betreffenden Karma keine Auflösung ein.
Die verhüllende Shakti des höchsten Shiva wirkt als Ursache der Schöpfung, Auflösung und Erfahrung der Welt.
Wie unreines Gold, im Feuer geläutert, nach der Beseitigung aller Mängel rein zurückbleibt,
so wird der Mensch rein, wenn durch die Dharanas die angesammelten Verfehlungen vernichtet sind. Aufgrund seines noch bestehenden Auftrags nimmt er erneut den verkörperten Zustand an.
Ein so eingeweihter Mensch wird unmittelbar als lebend Befreiter bezeichnet. Nachdem die Verbindung in dieser Weise hergestellt ist, vergegenwärtige man die Tattvas.
Man betrachte drei, fünf, neun, fünfundzwanzig oder sechsunddreißig Tattvas, oder das eine, oder ihre auf das Selbst bezogene Ordnung.
Was bei der Einweihung gelehrt wurde, ist auch hier auszuführen. Nun erkläre ich die Reinigung des Körpers nach der Ordnung der fünf Tattvas.
Nivritti, Pratishtha, Vidya, Shanti und die raumartige höchste Kala: Von diesen Kalas ist die ganze Welt durchdrungen.
Mantras und Wörter werden hier von den Lauten durchdrungen, die Laute von den Welten; diese werden von den Tattvas durchdrungen.
Die Tattvas wiederum sind der Reihe nach von den Kalas durchdrungen. So vergegenwärtigt, sollen die fünf Kalas gereinigt werden, von denen jede die fünf anderen Wege in sich enthält.
Die Betrachtung an jedem einzelnen Körperabschnitt mit Farbe beziehungsweise Laut, Kennzeichen, Gestalt, Eigenschaft, Mantra und dessen Gottheit, verbunden mit Pranayama,
heißt hier Dharana, vergleichbar dem Entfernen von Gift. Der Erdbereich ist viereckig, goldfarben und mit dem Vajra gekennzeichnet.
Er besitzt den Keimlaut La, Brahma als Gottheit, die Verbindung mit Ajata und dem Herzmantra sowie die Kala Nivritti. Mit ‚hlām‘ werden fünf Udghatas vollzogen.
Der Wasserbereich ist mondförmig, weiß und mit einem Lotus gekennzeichnet. Vishnu ist seine Gottheit, Va sein Keimlaut. Er verbindet sich mit Vama, dem Kopfmantra und der Kala Pratishtha.
Vier Udghatas werden mit ‚hvīm‘ verbunden. Der Feuerbereich ist dreieckig, siebenflammig und rot; Rudra ist seine Gottheit.
Er besitzt den Laut Ra und ist mit Aghora, dem Shikha-Mantra und der Kala Vidya verbunden. Drei Udghatas werden mit dem Laut ‚hrūm‘ vollzogen.
Der Luftbereich ist sechseckig, mit sechs Punkten versehen und dunkel. Isha ist sein Herr, Ya sein Laut; Tatpurusha und das Schutzmantra sind ihm zugeordnet.
Mit der Kala Shanti verbunden, besitzt er zwei Udghatas mit ‚hyaim‘. Der Raumbereich ist kreisförmig, ohne besonderes Kennzeichen und rauchfarben.
Sadisha waltet über ihn; Ha ist sein Laut. Er ist mit Isha, Astra und der transzendenten Kala verbunden. Mit einem Udghata und dem Laut ‚hauṃ‘ setze man ihn an seinem Ort ein.
Der Erdbereich befindet sich am Herzen, der Wasserbereich am Hals, der Feuerbereich an der Gaumenwurzel und der Luftbereich zwischen den Augenbrauen.
Der Raumort ist mit dem Brahma-Knoten verbunden. Eine andere Anordnung lautet: Die Erde reicht bis zu den Knien, das Wasser bis zum Nabel,
das Feuer bis zur Halsgegend, die Luft bis zum Gesichtskreis; darüber befindet sich der Raum. So werden die Bereiche für die Dharana angegeben.
Nun erkläre ich Pranayama kurz und im Einzelnen. Man übe seine drei Formen: Ausatmen, Einatmen und Atemhalten.
A, U und M werden als die zugehörigen Laute genannt. Brahma, Vishnu und Hara sind ihre herrschenden Gottheiten.
Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva sind ihnen der Reihe nach zugeordnet. Zwölf Matras bilden das geringere Zeitmaß, das Doppelte das mittlere,
das Dreifache das höchste, jeweils für Ausatmen und die weiteren Phasen. Man lasse die unreine Luft des Körpers in den äußeren Raum ausströmen.
Mit dem Einatmen nehme man langsam reine Luft auf. Man verweile wie ein gefüllter Krug und atme anschließend aus.
Man stelle sich den Baum des Samsara mit der Wurzel oben und den Zweigen unten vor. Der Kundige, der zu Vermeidendes und Anzunehmendes unterscheidet, lasse ihn mit der ersten Hälfte des Einatmens durch die Erd-Dharana entstehen.
Mit der zweiten Hälfte des Einatmens werde er durch die Wasser-Dharana genährt, saftig und voller Blätter, Blüten und Früchte. Mit der Waffe der Leidenschaftslosigkeit
fälle man ihn; durch die Feuer-Dharana und das Atemhalten werde er getrocknet und im Feuer der Erkenntnis verbrannt, vom großen Zeh an durch den ganzen Körper hindurch.
Mit Ausatmen und Luft-Dharana werde die Asche in die zehn Richtungen zerstreut. Durch die letzte Dharana löse sie sich auf; man vergegenwärtige reinen, makellosen Raum.
Dann bringe man Mahamaya in Bewegung und bilde einen aus Shakti bestehenden Leib. Man überströme ihn mit Nektar und lege die Glieder der Mantrakraft auf.
Seine Augen sind die Kräfte des Wollens, Erkennens und Handelns; sein Wesen ist die Lautmutter. Mit Mudra, Blume und Mantra rufe man das eigene Selbst in diesen Leib hinein.
Danach lege man Vyomavyapin vom Kopf bis zu den großen Zehen auf. So in rechter Reihenfolge zum Mantra geworden und mit einem göttlichen Leib versehen,
vergegenwärtige man die Orte für Verehrung, Feueropfer und Versenkung. Die Verehrung werde im Herzen ausgeführt, das Feueropfer am Nabel.
An der Stirn meditiere man über Ishvara, den Gaben Gewährenden, dessen Gesichter überallhin gerichtet sind. Im Herzen bilde man bei seiner Herbeirufung das Heiligtum.
Dort vergegenwärtige man den Sitz nach der noch zu erklärenden Vorschrift. Nach der Herbeirufung verehre man Shiva mit innerlich vorgestellten Duftstoffen und den übrigen Gaben.
In der von selbst bestehenden Feuergrube am Nabel sättige man ihn mit höchstem Nektar. Durch das Zurückhalten der Apana-Bewegung entfache man das eigene Feuer.
Am Ort Sthanus vergegenwärtige man das Linga, kristallgleich und hell strahlend. Man meditiere über Shiva in dessen Mitte und gehe in der Vereinigung mit ihm auf.
Das Einatmen durch Ida bilde die Verehrung; durch Pingala lasse man den Nektar strömen. Man führe den Prana in die Grundlage ein und binde den Knoten samt seiner Wurzel.
Durch die göttliche Nadi fülle man sich und übe die Meditation am als Kodanda bezeichneten Ort. Oder man vollziehe die geistige Verehrung ausführlich und mit Ehrfurcht.
Man betrachte den eigenen Leib als Träger des Lebens der Tattvas von Shiva bis zur Erde und vergegenwärtige die darin wohnende Gottheit. Dann bilde man die drei Bereiche:
den Sitz, die Gestalt und Shambhu. Die vierfach gegliederte Gesamtheit der Tattvas vergegenwärtige man als in diesen drei Bereichen enthalten.
In diesem umfassenden Leib bilde man den aus Shakti bestehenden Lotussitz, vergegenwärtige den Mantraleib der Gestalt und rufe Shiva herbei.
Auf der Lotusmitte verehre man die Gottheit, umgeben von den Brahma- und Gliedmantras, den Herren der Ganas, den Welthütern und ihren mit dem Vajra beginnenden Waffen.
Man verehre ihn mit drei Umkreisen, mit einem oder mit siebenundzwanzig Umkreisen, entsprechend der eigenen Kraft.
In einem geistig gebildeten Tempel, mit geistig gebildeten Gaben und beständiger innerer Vergegenwärtigung verehre man den höchsten Herrn.
Wie am eigenen Körper vollziehe man auch an der Gottheit den Mantra-Nyasa. Nachdem der aus Shakti bestehende Leib gebildet ist, vergegenwärtige man darin die höchste Ursache,
Shiva: ewig, wahrhaftig, von der Natur von Erkenntnis, Glückseligkeit und Freude, alle Tattvas durchdringend, unermesslich und unvergleichlich,
frei von Bezeichnetem und Bezeichnendem, jenseits der Reichweite von Sprache und Denken. Den Gliederlosen lasse man in der gegliederten Gestalt besonders offenbar werden.
Durch Herbeirufung und die weiteren Handlungen unter den Wurzelmantras wird dies bewirkt. Wie das im Holz vorhandene Feuer durch Reibung offenbar wird, so wird Shiva durch die Kraft der Mantras und durch Hingabe offenbar.
Mit Blumen im Anjali vor dem Herzen und unter Rezitation des Prasada-Mantra gehe der Sadhaka in Hingabe in den einheitlichen Zustand des gliederlosen Höchsten ein. In der aufsteigenden Ordnung meditiere er ihn im Bereich seiner Shakti, in Nada und Bindu und dann als durch die Strahlen der eigenen Shakti hervortretend. So erfolgt die Herbeirufung.
Die Weisen fragten: „Herr, wie kann der allgegenwärtige Shiva hier herbeigerufen werden? Wenn eine Herbeirufung angenommen wird, wäre seine Allgegenwart aufgehoben.“
Der Herr antwortete: „Wie das Feuer im Baum von der Wurzel bis zur Spitze vorhanden ist und dennoch an einer Stelle hervortritt, so widerspricht das Offenbarwerden des Bewusstseins an einem Ort nicht seiner Allgegenwart.
Wie das Kommen und Gehen der Seele durch den Körper möglich ist, so werden Shivas Kommen und Gehen durch seinen Mantraleib verstanden.
Weil er unvorstellbare Kraft besitzt, ist er durchdringend und auch an einem Ort erscheinend. Mit Leib oder ohne Leib ist Shiva der alles Wirkende und Allgegenwärtige.“
Für Shambhus Bad wird Wasser mit Ela, Ushira und drei Früchten, mit Kampfer und Kumkuma, Sandelholz und Agaru, Blättern und duftenden Blumen empfohlen, entsprechend ihrer Verfügbarkeit. Wer nicht wohlhabend ist, nehme aus den genannten Stoffen das, was er erlangen kann.
Geruchlose und übermäßig streng riechende Blumen soll man meiden, ebenso duftende, aber unreine Blumen.
Auch eine geruchlose Blume kann jedoch angenommen werden, wenn sie rein ist. Kanaka- und Kadamba-Blüten sollen Shankara nachts dargebracht werden.
Die übrigen Blumen am Tag; Mallika bei Tag und Nacht. Jati wird für einen halben Prahara genannt, Karavira für Tag und Nacht.
Durch Haare oder Insekten verunreinigte, zerfallene und abgestandene Blumen, von selbst herabgefallene oder beschädigte Blumen sind auszusondern.
Man verehre Gott nicht mit ungeöffneten Knospen und bringe nichts Unreifes dar. Sind keine Blumen erhältlich, kann man auch Blätter darbringen.
Sind auch keine Blätter erhältlich, kann man Früchte darbringen; fehlen auch Früchte, dann Gräser, Sträucher und Kräuter.
Sind selbst Kräuter nicht erhältlich, wird er durch Hingabe verehrt. Eine goldene Blume bringt die zehnfache Frucht jeder der genannten Blumen.
Man verehre ihn mit Blumen aus dem eigenen Garten, aus dem Wald oder mit gekauften Blüten; nicht mit anders beschafften.
Wer als verkörpertes Wesen Shivas Verehrung mit solchen Bestandteilen voller Vertrauen vollzieht, wird in den drei Welten von den erhabenen Göttern geehrt. Durch den Herrn erhellt sich ihm der Weg. Am Ende gelangt er in Shivas Welt; von den festen Fesseln der Unreinheit, der Maya und der weiteren Bindungen befreit, lebt er im Wesen von Erkenntnis und Glückseligkeit.
Danach vermittle er dem Schüler das wahre Wesen der Erkenntnis: als Erstes die Beschaffenheit der Tattvas, als Zweites das Erkennen der Tattvas,
als Drittes die Reinigung der Tattvas, als Viertes das Wesen des Selbst, als Fünftes das Schauen des Selbst und als Sechstes die Reinigung des Selbst,
als Siebtes Shivas Wesen, als Achtes das Schauen Shivas, als Neuntes die Verbindung mit Shiva und als Zehntes den Genuss Shivas, das Erleben seiner Seligkeit.
In einer Gliederung von drei, drei und vier wird die Dreiheit von Herr, Bindung und Seele erschlossen. Allein das Wort des Guru lässt die Befreiung zu Lebzeiten offenbar werden.
So werden diese zehn Gegenstände auf dem Weg der Erkenntnis für den Schüler gelehrt.
Herkunft der ausgewählten Verse
Die Absätze des vorangehenden Abschnitts werden von 1 bis 108 gezählt.
| Absätze | Herkunft |
|---|---|
| 1–6 | P 1.5–10 |
| 7 | P 1.103 |
| 8–18 | P 2.1–11 |
| 19–21 | P 3.105–107 |
| 22–26 | P 4.1–5 |
| 27–31 | P 4.37–41 |
| 32–64 | P 4.49–81 |
| 65–70 | P 4.85–90 |
| 71–84 | P 4.176–189 |
| 85–93 | P 4.350–358 |
| 94 | P 5.20 |
| 95–101 | P 5.57–63 |
| 102 | P 5.65 |
| 103 | P 5.81 |
| 104–108 | U 24.10–14 |
Belegte Gebete und Rezitationsformeln
Die folgenden Texte sind im Sanskritbestand als Gebete, Anreden oder ausdrücklich zu sprechende Formeln belegt. Nicht jeder Eintrag ist ein eigenständiger Mantra: Auch vollständige Gebetsstrophen und situationsgebundene rituelle Äußerungen sind enthalten. Ihre Herkunft und ihr Kontext bleiben deshalb angegeben. Sanskrit und deutsche Bedeutung stehen jeweils beisammen.
Es wurden keine Vollmantras aus bloßen Keimlautbeschreibungen, abgekürzten Anfängen oder englischen Erläuterungen hergestellt. Das zitatanzeigende iti und eindeutig angrenzende Handlungsanweisungen wurden gegebenenfalls abgetrennt; die dabei aufgelösten Sandhi-Verbindungen sind keine Ergänzung neuer Mantrawörter. Verszeichen und Zeilenumbrüche sind für das Lesen vereinheitlicht. Ein Om wird nur wiedergegeben, wenn es in der zitierten Formel steht.
Anrufung Śivas
bhagavan devadeveśa paśupāśa vimocaka|
sṛṣṭisthiti tirobhāva layānugraha kāraka|
viyadādi mahāmāyāvṛttessākṣātpravartaka|
sahajānanda sandoha svasamvillakṣaṇātmaka|
parasaṃvitsvarūpiṇyā śaktyā paramayā yuta|
digdeśakāla nirmukta jagadāhlāda kāraṇa ||
भगवन् देवदेवेश पशुपाश विमोचक।
सृष्टिस्थिति तिरोभाव लयानुग्रह कारक।
वियदादि महामायावृत्तेस्साक्षात्प्रवर्तक।
सहजानन्द सन्दोह स्वसम्विल्लक्षणात्मक।
परसंवित्स्वरूपिण्या शक्त्या परमया युत।
दिग्देशकाल निर्मुक्त जगदाह्लाद कारण ॥
Die Weisen sagen: „Erhabener, Herr über die Götter, Befreier der gebundenen Seelen aus ihren Fesseln! Du bewirkst Schöpfung, Erhaltung, Verhüllung, Auflösung und Gnade. Du setzt unmittelbar die Entfaltung der großen Maya in Gang, beginnend mit dem Raum. Dein Wesen ist die Fülle ursprünglicher Glückseligkeit und dein eigenes Bewusstsein. Du bist mit der höchsten Shakti verbunden, deren Wesen höchstes Bewusstsein ist. Frei von Richtung, Ort und Zeit bist du der Grund der Freude der Welt.
Quelle: P 1.6–8. Zusammenhängende Gebetsstrophen, kein zusätzlich behaupteter eigenständiger Ritualmantra.
Kurze Verehrung
bhavantaṃ pūjayāmi ||
भवन्तं पूजयामि ॥
Ich verehre dich.
Quelle: P 4.30. Das zitatanzeigende iti ist abgetrennt; kein Om wurde ergänzt.
Darbringung der Rezitation
oṃ guhyādiguhya goptā tvaṃ gṛhāṇāsmat kṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me yena tvatprasādāttvayi sthite ||
ओं गुह्यादिगुह्य गोप्ता त्वं गृहाणास्मत् कृतं जपम् ।
सिद्धिर्भवतु मे येन त्वत्प्रसादात्त्वयि स्थिते ॥
Om. Du Hüter des Verborgenen und Geheimen, nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir daraus Vollendung zuteilwerden, während ich in dir verweile.
Quelle: P 4.512b–513a. Die Lesung tvayi sthite bleibt syntaktisch schwierig. Wortlaut auf PDF-Seite 180 kontrolliert.
Darbringung der Handlungen
yatkiñcitkarma he deva sadā sukṛta duṣkṛtam |
tanme śivapadasthasya bhuṅkṣva kṣapaya śaṅkara ||
यत्किञ्चित्कर्म हे देव सदा सुकृत दुष्कृतम् ।
तन्मे शिवपदस्थस्य भुङ्क्ष्व क्षपय शङ्कर ॥
Was immer ich an Handlung, o Gott, beständig gut oder schlecht vollbracht habe: Nimm es von mir, der ich in Śivas Zustand stehe, an und tilge es, Śaṅkara.
Quelle: P 4.513b–514a.
Śiva als Gebender und Verehrender
śivo dātā śivo bhoktā śivassarvaṃ idaṃ jagat |
śivo yajati sarvatra yaśśivasso'hameva tu ||
शिवो दाता शिवो भोक्ता शिवस्सर्वं इदं जगत् ।
शिवो यजति सर्वत्र यश्शिवस्सोऽहमेव तु ॥
Śiva ist der Gebende, Śiva der Genießende, Śiva ist diese ganze Welt. Śiva verehrt überall; jener Śiva bin ich selbst.
Quelle: P 4.514b–515a.
Benennung des geweihten Feuers
śivāgnistvam ||
शिवाग्निस्त्वम् ॥
Du bist Śiva-Feuer.
Quelle: P 8.63. Hier nur die ausgeschriebene Äußerung; der daneben genannte Wurzelmantra wird nicht ergänzt.
Darbringung an Agni Sviṣṭakṛt
agnaye sviṣṭakṛte svāhā ||
अग्नये स्विष्टकृते स्वाहा ॥
Dem Agni, der das Opfer gut vollendet: Svāhā.
Quelle: P 8.77.
Gebet an das Feuer
agne tvaṃ aiśvaraṃ tejaḥ pāvanaṃ paramaṃ yataḥ|
tasmāt tvadīyahṛtpadme sthāpya santarpayāmyaham ||
अग्ने त्वं ऐश्वरं तेजः पावनं परमं यतः।
तस्मात् त्वदीयहृत्पद्मे स्थाप्य सन्तर्पयाम्यहम् ॥
Agni, du bist die höchste reinigende Glut des Herrn. Darum setze ich ihn in den Lotus deines Herzens ein und werde ihn dort sättigen.
Quelle: P 8.86. Am Druck auf PDF-Seite 242 kontrolliert.
Äußerung beim Betreten des Landes
ime bhūmau vasanto'tra bhūta paiśāca rākṣasāḥ |
svecchaṃ gacchantvimāṃ bhūmiṃ āśu gṛhṇāmi vāstune ||
इमे भूमौ वसन्तोऽत्र भूत पैशाच राक्षसाः ।
स्वेच्छं गच्छन्त्विमां भूमिं आशु गृह्णामि वास्तुने ॥
Die Bhūtas, Piśācas und Rākṣasas, die hier auf diesem Boden wohnen, mögen nach eigenem Willen fortgehen. Ich nehme dieses Land nun für die Bebauung in Besitz.
Quelle: P 12.5b–6a.
Gebet an die Erde
asmin vāstuni vardhasva dhanadhānyena medini|
uttamaṃ vīryamāsthāya namaste'stu śivā bhava ||
अस्मिन् वास्तुनि वर्धस्व धनधान्येन मेदिनि।
उत्तमं वीर्यमास्थाय नमस्तेऽस्तु शिवा भव ॥
Erde, gedeihe an dieser Wohnstätte durch Reichtum und Getreide. Nimm höchste Kraft an. Verehrung sei dir; sei glückverheißend.
Quelle: P 13.13.
Versprechen der Wiederherstellung
ekavatsaram ārabhya yāvatsyād dvādaśābdakam|
teṣvantare navīkṛtya punas samsthāpayāmyaham ||
एकवत्सरम् आरभ्य यावत्स्याद् द्वादशाब्दकम्।
तेष्वन्तरे नवीकृत्य पुनस् सम्स्थापयाम्यहम् ॥
Innerhalb eines Zeitraums von einem bis zu zwölf Jahren werde ich die Anlage erneuern und dich wieder einsetzen.
Quelle: P 32.88, als Rede gekennzeichnet in P 32.89.
Anrufung der heiligen Flüsse
he devi gaṅge yamune narmade ca sarasvati |
sindho godāvari tvaṃ ca kāveryatra jalāśaye| sannidhībhava śarvasya tīrthārthaṃ idamuttamam|
raverastamanaṃ yāvat tīrthānāṃ pāpaśuddhaye ||
हे देवि गङ्गे यमुने नर्मदे च सरस्वति ।
सिन्धो गोदावरि त्वं च कावेर्यत्र जलाशये। सन्निधीभव शर्वस्य तीर्थार्थं इदमुत्तमम्।
रवेरस्तमनं यावत् तीर्थानां पापशुद्धये ॥
O Göttinnen Gaṅgā und Yamunā, Narmadā und Sarasvatī, Sindhu, Godāvarī und auch du, Kāverī: Werdet in diesem Wasserbecken gegenwärtig. Dies ist für Śarvas heiliges Bad bestimmt, das höchste unter diesen Riten. Bis zum Untergang der Sonne bleibt zur Reinigung von Schuld gegenwärtig.
Quelle: U 6.335b–337a.
Anrede an Damana
haraprasāda saṃbhūta tvamatra sannidhībhava|
śivakāryaṃ samuddiśya netavyo'si śivājñayā ||
हरप्रसाद संभूत त्वमत्र सन्निधीभव।
शिवकार्यं समुद्दिश्य नेतव्योऽसि शिवाज्ञया ॥
Du, aus Haras Gnade hervorgegangen, werde hier gegenwärtig. Für Śivas heilige Handlung sollst du nach Śivas Weisung mitgenommen werden.
Quelle: U 13.7.
Einladung zum Damana-Fest
āmantrito'si deveśa pratikāle mayā prabho |
kartavyaṃ ca yathālābhaṃ pūrṇaṃ parva tavājñayā ||
आमन्त्रितोऽसि देवेश प्रतिकाले मया प्रभो ।
कर्तव्यं च यथालाभं पूर्णं पर्व तवाज्ञया ॥
O Herr der Götter, o Herr, ich habe dich zur vorgesehenen Zeit eingeladen. Nach deinen Weisungen soll dein Fest mit den verfügbaren Mitteln vollständig vollzogen werden.
Quelle: U 13.15b–16a.
Bitte um Vollendung des Damana-Festes
bhagavannatiriktaṃ vā hīnaṃ vā yanmayā kṛtaṃ|
sarvaṃ tadastu saṃpūrṇaṃ parva dāmanakaṃ mama ||
भगवन्नतिरिक्तं वा हीनं वा यन्मया कृतं।
सर्वं तदस्तु संपूर्णं पर्व दामनकं मम ॥
Erhabener Herr, was ich zu viel oder zu wenig getan habe: Möge all dies vollständig werden, möge mein Damana-Fest vollendet sein.
Quelle: U 13.27.
Darbringung der Pavitra-Fäden
tadetāni pavitrāṇi bhagavan saṃskṛtāni hi|
arpayāmi ghaṭasthāya śivāyadhyeṣayediti ||
तदेतानि पवित्राणि भगवन् संस्कृतानि हि।
अर्पयामि घटस्थाय शिवायध्येषयेदिति ॥
Erhabener Herr, diese Pavitra-Fäden sind geweiht. Ich bringe sie Śiva dar, der im Krug gegenwärtig ist.
Quelle: U 18.60. Die angefügte Redeanweisung adhyeṣayet iti wurde abgetrennt; der dadurch entstandene Sandhi wurde aufgelöst.
Einladung zur ergänzenden Jahresverehrung
samastavidhivacchidra pūraṇeśa makhaṃ prati|
prabho vāmantrayāmi tvāṃ tvadicchāvāpti kārakaḥ|
tatsiddhimanujānīhi yajataścidacitpate|
sarvathā sarvadā śaṃbho namaste'stu prasīda me ||
समस्तविधिवच्छिद्र पूरणेश मखं प्रति।
प्रभो वामन्त्रयामि त्वां त्वदिच्छावाप्ति कारकः।
तत्सिद्धिमनुजानीहि यजतश्चिदचित्पते।
सर्वथा सर्वदा शंभो नमस्तेऽस्तु प्रसीद मे ॥
Herr, der du alle Lücken der vorgeschriebenen Handlungen erfüllst: Zu diesem Opfer lade ich dich ein, o Gebieter, um deinen Willen zu verwirklichen. Gewähre mir, der ich dich verehre, seine Vollendung, o Herr des Bewussten und Unbewussten. In jeder Weise und zu jeder Zeit sei dir Verehrung, Śambhu. Sei mir gnädig.
Quelle: U 18.65–66.
Gebet um Vollendung unvollständiger Verehrung
tvaṃ gatissarvabhutānāṃ saṃsthitastvaṃ carācare|
antaścāreṇa bhūtānāṃ draṣṭā tvaṃ parameśvara|
karmaṇā manasā vācā tvatto nānyo gatirmama|
mantrahīnaṃ kriyāhīnaṃ dravyahīnaṃ ca yatkṛtam|
japahomārcanā hīnaṃ kṛtyaṃ nityaṃ mayā tava|
akṛtaṃ vākyahīnaṃ ca tatpūraya maheśvara|
supūta tvaṃ sureśāna pavitraṃ pāpanāśanam|
tvayā pavitritaṃ sarvaṃ jagatsthāvarajaṅgamam|
khaṇḍitaṃ yanmayā deva vratavaikalya yogataḥ|
ekībhavatu tatsarvaṃ tavājñā sūtragumbhitam ||
त्वं गतिस्सर्वभुतानां संस्थितस्त्वं चराचरे।
अन्तश्चारेण भूतानां द्रष्टा त्वं परमेश्वर।
कर्मणा मनसा वाचा त्वत्तो नान्यो गतिर्मम।
मन्त्रहीनं क्रियाहीनं द्रव्यहीनं च यत्कृतम्।
जपहोमार्चना हीनं कृत्यं नित्यं मया तव।
अकृतं वाक्यहीनं च तत्पूरय महेश्वर।
सुपूत त्वं सुरेशान पवित्रं पापनाशनम्।
त्वया पवित्रितं सर्वं जगत्स्थावरजङ्गमम्।
खण्डितं यन्मया देव व्रतवैकल्य योगतः।
एकीभवतु तत्सर्वं तवाज्ञा सूत्रगुम्भितम् ॥
Du bist die Zuflucht aller Wesen. Du bist im Beweglichen und Unbeweglichen gegenwärtig. Durch dein Wirken im Inneren bist du der Schauende in allen Wesen, höchster Herr. In Tat, Gedanken und Rede habe ich keine andere Zuflucht als dich. Was ich mit unvollständigen Mantras, Handlungen oder Materialien vollzogen habe, was bei meinem täglichen Dienst an dir an Japa, Feueropfer oder Verehrung fehlte, was unterblieb oder ohne die erforderlichen Worte geschah: Vollende es, Maheśvara. Du bist vollkommen rein, Herr der Götter, das schuldtilgende Reinigende. Durch dich wird die ganze Welt des Beweglichen und Unbeweglichen geheiligt. Was ich, o Gott, durch Mängel in meinem Gelübde zerrissen habe, möge wieder eins werden, zusammengefügt durch den Faden deiner Weisung.
Quelle: U 18.96–100.
Bitte um Śivas Wohlwollen
prīyatāṃ me sadāśivaḥ ||
प्रीयतां मे सदाशिवः ॥
Möge Sadāśiva mir wohlgesinnt sein.
Quelle: U 18.108a.
Bitte um Vergebung
kṣamasva ||
क्षमस्व ॥
Vergib.
Quelle: U 18.114a. Einzelne vollständige Bitte, kein ausgebauter Vergebungsmantra.
Weisung an Śakra
bho bho śakra tvayā svasyāṃ diśi vighna praśāntaye|
sāvadhānena yāgāntaṃ sthātavyaṃ tu śivājñayā ||
भो भो शक्र त्वया स्वस्यां दिशि विघ्न प्रशान्तये।
सावधानेन यागान्तं स्थातव्यं तु शिवाज्ञया ॥
Höre, Śakra: Nach Śivas Weisung sollst du bis zum Ende des Opfers aufmerksam in deiner Richtung wachen, damit alle Hindernisse zur Ruhe kommen.
Quelle: U 20.31. Die Anweisung zur entsprechenden Anwendung auf die übrigen Weltenhüter wird nicht in zusätzliche Formeln umgeschrieben.
Verehrung Umās und Śaṅkaras
umāyai bhagarūpiṇyai liṅgarūpa dharāya ca |
śaṅkarāya namastubhyaṃ ||
उमायै भगरूपिण्यै लिङ्गरूप धराय च ।
शङ्कराय नमस्तुभ्यं ॥
Verehrung Umā in der Gestalt der Yoni und Śaṅkara, der die Liṅga-Gestalt trägt; dir sei Verehrung.
Quelle: U 20.37b–38a.
Bitte um Schutz des Opfers
yajñasyāya patistvaṃ hi mūrtireṣā tavācalā |
etatte jñānanistriṃśad gṛhāṇa svamāyudham|
mayā pravartitaścāyaṃ yajvanā bhavataḥ kratuḥ|
rakṣaṇīyaṃ tvayaitaddhi samāptiryāvadasya hi ||
यज्ञस्याय पतिस्त्वं हि मूर्तिरेषा तवाचला ।
एतत्ते ज्ञाननिस्त्रिंशद् गृहाण स्वमायुधम्।
मया प्रवर्तितश्चायं यज्वना भवतः क्रतुः।
रक्षणीयं त्वयैतद्धि समाप्तिर्यावदस्य हि ॥
Du bist der Herr dieses Opfers; diese ist deine feste Gestalt. Dies ist dein Erkenntnisschwert. Nimm deine eigene Waffe an. Dieses dein Opfer habe ich als Opfernder begonnen. Du sollst es bis zu seiner Vollendung beschützen.
Quelle: U 20.38b–40a.
Bitte des Einweihungslehrers
bhagavan dehamāviśya madīyamanukampayā|
kartavyo'nugrahasteṣāṃ śiṣyāṇāṃ bhāvitātmanām ||
भगवन् देहमाविश्य मदीयमनुकम्पया।
कर्तव्योऽनुग्रहस्तेषां शिष्याणां भावितात्मनाम् ॥
Erhabener Herr, tritt aus Mitgefühl in meinen Körper ein. Diesen innerlich vorbereiteten Schülern sollst du deine Gnade gewähren.
Quelle: U 20.44.
Bitte um Zulassung der Schüler
yadartho'yaṃ mayā deva bhavadyāgaḥ pravartitaḥ|
ta ime paśavaśśāntā dvāri tiṣṭhanti vāritāḥ|
avisaṃvādibhirliṅgairuddhūta dhvāntavṛttayaḥ|
bhavatīyakarairjñātvā ciraṃ yuṣmatpracoditaiḥ|
vihitāvaśyakāḥ snātā nivartita dinakriyāḥ|
sitavastrottarīyāstvat pādapadma didṛkṣavaḥ|
tat karotu prasādaṃ me tatpraveśāya śaṅkara|
praveśayāmi tānetān bhavatpādāmbujāntikam ||
यदर्थोऽयं मया देव भवद्यागः प्रवर्तितः।
त इमे पशवश्शान्ता द्वारि तिष्ठन्ति वारिताः।
अविसंवादिभिर्लिङ्गैरुद्धूत ध्वान्तवृत्तयः।
भवतीयकरैर्ज्ञात्वा चिरं युष्मत्प्रचोदितैः।
विहितावश्यकाः स्नाता निवर्तित दिनक्रियाः।
सितवस्त्रोत्तरीयास्त्वत् पादपद्म दिदृक्षवः।
तत् करोतु प्रसादं मे तत्प्रवेशाय शङ्कर।
प्रवेशयामि तानेतान् भवत्पादाम्बुजान्तिकम् ॥
Gott, um derentwillen ich deine Opferfeier begonnen habe, diese friedvollen gebundenen Seelen stehen wartend am Zugang. An verlässlichen Kennzeichen wurden sie von deinen Dienern erkannt; die Dunkelheit ihres Verhaltens ist vertrieben, und lange schon wurden sie durch deine Weisung vorbereitet. Sie haben ihre notwendigen Pflichten erfüllt, gebadet und die täglichen Handlungen abgeschlossen. In weißen Unter- und Obergewändern verlangen sie danach, deine Lotusfüße zu sehen. Gewähre mir, Śaṅkara, die Gnade, sie einzulassen. Ich möchte sie zu deinen Lotusfüßen führen.
Quelle: U 20.51–54.
Vergegenwärtigung der rituellen Läuterung
ayamātmā śivatvārhaśśithilīkṛta bandhanaḥ|
patiśaktyā niveśāya pāśavrātaśca madvaśaḥ|
tadāmuṃ tāmrasaṃsthānaṃ svaguṇodaya yogyakam|
sparśavedhi maṇiprakhyaṃ codito'haṃ ca śambhunā|
saṃsparśādvimalīkṛtya kaladhautamivācirāt|
karomi guṇasaṃpannaṃ satāṃ mastakabhūṣaṇam ||
अयमात्मा शिवत्वार्हश्शिथिलीकृत बन्धनः।
पतिशक्त्या निवेशाय पाशव्रातश्च मद्वशः।
तदामुं ताम्रसंस्थानं स्वगुणोदय योग्यकम्।
स्पर्शवेधि मणिप्रख्यं चोदितोऽहं च शम्भुना।
संस्पर्शाद्विमलीकृत्य कलधौतमिवाचिरात्।
करोमि गुणसंपन्नं सतां मस्तकभूषणम् ॥
Dieses Selbst ist der Śiva-Werdung fähig; seine Bindung ist gelockert. Durch die Kraft des Herrn steht die Schar seiner Fesseln unter meiner Gewalt, damit die göttliche Kraft eintreten kann. Er gleicht Kupfer, das zur Offenbarung einer höheren Beschaffenheit bereit ist; ich gleiche dem verwandelnden Edelstein und bin von Śambhu dazu beauftragt. Durch Berührung werde ich ihn rasch läutern, wie Kupfer zu reinem Edelmetall, und ihn mit den Eigenschaften ausstatten, die ihn zum Schmuck der Guten machen.
Quelle: U 20.58–60. Rituelle Selbstvergegenwärtigung des Lehrers innerhalb der Einweihung, kein allgemeines tägliches Gebet.
Bitte um Reinigung des Schülers
āhārabhāva doṣābhyāṃ yonibīja śarīrataḥ |
śuddho dvijo bhavatvātmā bhagavan parameśvara ||
आहारभाव दोषाभ्यां योनिबीज शरीरतः ।
शुद्धो द्विजो भवत्वात्मा भगवन् परमेश्वर ॥
Von Mängeln der Nahrung und inneren Haltung sowie von den Bedingungen von Mutterschoß, Samen und Körper sei dieses Selbst gereinigt und werde ein Zweimalgeborener, erhabener höchster Herr.
Quelle: U 20.81b–82a.
Bitte um Rudras Gegenwart im Selbst
ayaṃ rudro bhavatvātmā bhagavan tvatprasādataḥ ||
अयं रुद्रो भवत्वात्मा भगवन् त्वत्प्रसादतः ॥
Erhabener Herr, durch deine Gnade werde dieses Selbst zu Rudra.
Quelle: U 20.83a.
Bitte des Lehrers in der Nirvāṇa-Einweihung
bhagavan dehamāviśya madīyamanukampayā|
anugrahastvayā kāryaḥ śiṣyāṇāṃ bhāvitātmanām ||
भगवन् देहमाविश्य मदीयमनुकम्पया।
अनुग्रहस्त्वया कार्यः शिष्याणां भावितात्मनाम् ॥
Erhabener Herr, tritt aus Mitgefühl in meinen Körper ein. Diesen innerlich bereiteten Schülern sollst du deine Gnade gewähren.
Quelle: U 23.8. Parallele, sprachlich leicht abweichende Fassung zu U 20.44; beide Wortlaute sind erhalten.
Bitte um Befreiung des Schülers
parīkṣitaḥ samartho'yaṃ nirvāṇārthaṃ upasthitaḥ|
utkṛṣṭajātirīśāṃśaḥ samayeṣu vyavasthitaḥ|
tadetasminvimokṣāya prasādaḥ kriyatāṃ mama ||
परीक्षितः समर्थोऽयं निर्वाणार्थं उपस्थितः।
उत्कृष्टजातिरीशांशः समयेषु व्यवस्थितः।
तदेतस्मिन्विमोक्षाय प्रसादः क्रियतां मम ॥
Dieser Schüler ist geprüft und befähigt; er ist um der Befreiung willen gekommen. Er ist rituell erhoben, trägt einen Anteil Īśas und steht fest in den Grundregeln. Gewähre mir deine Gnade, damit er befreit werde.
Quelle: U 23.13–14a.
Verabschiedung der Göttin
paśvarthaṃ kheditāsi tvaṃ devi gaccha svagocaram ||
पश्वर्थं खेदितासि त्वं देवि गच्छ स्वगोचरम् ॥
Göttin, um der gebundenen Seele willen hast du Mühe getragen. Kehre in deinen eigenen Bereich zurück.
Quelle: U 23.191a.
Bitte vor der Verbindung des Schülers mit Śiva
adhvaśuddhiśśikhācchedastvatprasādān mayākṛtaḥ|
yātvayaṃ paramaṃ dhāma bhagavan parameśvara|
śiṣyaṃ saṃyojayāmyenaṃ ājñedānīṃ vidhāyatām ||
अध्वशुद्धिश्शिखाच्छेदस्त्वत्प्रसादान् मयाकृतः।
यात्वयं परमं धाम भगवन् परमेश्वर।
शिष्यं संयोजयाम्येनं आज्ञेदानीं विधायताम् ॥
Durch deine Gnade habe ich die kosmischen Wege gereinigt und den Haarschopf abgeschnitten. Möge dieser Schüler die höchste Stätte erreichen, erhabener höchster Herr. Ich will ihn mit dir verbinden. Erteile nun deine Weisung.
Quelle: U 23.201–202a.
Verehrung der Göttin
śivāyai namaḥ ||
शिवायै नमः ॥
Verehrung der Śivā.
Quelle: U 26.59b. Das zitatanzeigende iti ist abgetrennt und der Sandhi nama ity aufgelöst; kein weiterer Keimlaut ergänzt.
Bitte bei der Herausnahme eines Kultbildes
prabho doṣāvahaṃ tvidam |
asyoddhāre kṛte śāntirbhavatīti bhavadvacaḥ|
asyoddhārāya māṃ tasmādadhitiṣṭhas sadāśivah ||
प्रभो दोषावहं त्विदम् ।
अस्योद्धारे कृते शान्तिर्भवतीति भवद्वचः।
अस्योद्धाराय मां तस्मादधितिष्ठस् सदाशिवह् ॥
Herr, dieses Objekt bringt Fehler mit sich. Du hast erklärt, dass seine Herausnahme Befriedung bewirkt. Darum sei du, Sadāśiva, in mir gegenwärtig, damit ich es herausnehmen kann.
Quelle: U 35.5b–6.
Ansprache an ein im Liṅga wohnendes Wesen
sattvaḥ kopīha yaḥ kaścididamāśritya tiṣṭhati |
liṅgaṃ tyaktvā śivājñābhiryatheṣṭaṃ tatra gacchatu|
vidyāvidyeśvarairyuktaḥ śambhuratra bhaviṣyati ||
सत्त्वः कोपीह यः कश्चिदिदमाश्रित्य तिष्ठति ।
लिङ्गं त्यक्त्वा शिवाज्ञाभिर्यथेष्टं तत्र गच्छतु।
विद्याविद्येश्वरैर्युक्तः शम्भुरत्र भविष्यति ॥
Welches Wesen auch immer hier Zuflucht genommen hat, es verlasse auf Śivas Befehl dieses Liṅga und gehe nach seinem Wunsch anderswohin. Hier wird Śaṃbhu mit den Vidyās und Vidyeśvaras gegenwärtig sein.
Quelle: U 35.12b–13.
Die ausdrücklich genannte Mṛtyuñjit-Formel
oṃ juṃsa ||
ओं जुंस ॥
Oṃ juṃsa.
Quelle: U 36.11b. Die Vorlage schreibt juṃsa zusammen. Der Keimlaut wird weder durch eine geläufigere Formel ersetzt noch durch die nachfolgenden variablen Anliegen erweitert.
Lobpreis des Sonnenherrn
ārūḍhābjaṃ saśaktiṃ hṛdayakamalajaṃ bhāskaraṃ padmahastaṃ
vaktrairyuktaṃ caturbhiḥ paramaruṇacatuśśaktibhirvyāpta dikkam|
kāyārdhārūḍhakāntaṃ śivamabhayavaraṃ sākṣamālā kapālaṃ
bhūtyai pāśāṅkuśābhyāṃ grahagaṇa namitaṃ naumi khaḍvāṅgahastam ||
आरूढाब्जं सशक्तिं हृदयकमलजं भास्करं पद्महस्तं
वक्त्रैर्युक्तं चतुर्भिः परमरुणचतुश्शक्तिभिर्व्याप्त दिक्कम्।
कायार्धारूढकान्तं शिवमभयवरं साक्षमाला कपालं
भूत्यै पाशाङ्कुशाभ्यां ग्रहगण नमितं नौमि खड्वाङ्गहस्तम् ॥
Zum Wohlergehen preise ich den Sonnenherrn, der aus dem Lotus des Herzens hervorgeht, auf einem Lotus sitzt und mit seiner Śakti verbunden ist, den Lotus in der Hand. Vier Gesichter besitzt er; vier tiefrote Kräfte erfüllen die Himmelsrichtungen. Seine Geliebte ruht auf einer Hälfte seines Körpers. Er ist Śiva, zeigt Furchtlosigkeit und Wunschgewährung und trägt Gebetsschnur, Schädel, Schlinge, Haken und Khaṭvāṅga. Die Scharen der Planeten verneigen sich vor ihm.
Quelle: U 36.66. Die im lateinischen Satz fehlende Versnummer wurde redaktionell ergänzt. Vollständig vorhandene Lobstrophe.
Bitte um bleibende Gegenwart der Göttin
yāvaccandraśca sūryaśca yāvattiṣṭhati medinī |
tāvadatra tvayā devi sānnidhyaṃ kuru sarvadā ||
यावच्चन्द्रश्च सूर्यश्च यावत्तिष्ठति मेदिनी ।
तावदत्र त्वया देवि सान्निध्यं कुरु सर्वदा ॥
Solange Mond und Sonne bestehen und die Erde fortdauert, so lange sei du, Göttin, hier stets gegenwärtig.
Quelle: U 48.71b–72a.
Verehrung Vīreśas
vīreśāya namaḥ ||
वीरेशाय नमः ॥
Verehrung Vīreśas.
Quelle: U 58.37b. Die an die Formel anschließenden Wörter ca iti sind abgetrennt.
Verehrung Nandanās
nandanāyai namaḥ ||
नन्दनायै नमः ॥
Verehrung Nandanās.
Quelle: U 58.38a. Die an die Formel anschließenden Wörter ca iti sind abgetrennt.
Nicht zu Vollformeln ergänzte Stellen
Die aus Lautanweisungen gebildeten Mantras in P 2 und P 4, die zahlreichen Kalā- und Tattva-Formeln in U 23, die zusammengesetzte Pavitra-Formel U 18.90–95, die Dakṣiṇāmūrti-Anweisung U 36.55–56 sowie die Gāyatrī-Anweisungen U 70.44–46 und U 73.6–7 verbleiben in ihrem übersetzten Textzusammenhang. Die verstreuten Wörter werden hier nicht durch ergänzte Flexionsformen oder geläufige Rezitationsvarianten zu einer vermeintlich vollständig ausgeschriebenen Sanskritformel verbunden. Auch die beschädigte Baumansprache P 68.17–18 wird nicht als sicherer Rezitationstext ausgegeben.
Die Sammlung enthält die im gezielten Abschlussdurchgang als vollständig abgrenzbar übernommenen Gebete und Formeln. Sie ist kein Verzeichnis aller in der Tradition gebräuchlichen Mantras. Für jede ausführliche rituelle Verwendung ist der im Haupttext beschriebene Zusammenhang von Einweihung, Zuständigkeit und Handlung mitzulesen.