Matanga Parameshwara Agama
Matanga Parameshwara Agama (Sanskrit: Mataṅgapārameśvarāgama, मतङ्गपारमेश्वरागम) ist eine tantrische Schrift des Shaiva Siddhanta. Sie verbindet die Frage nach Bewusstsein und Befreiung mit der Verehrung Shivas, einem ausführlichen Einweihungsweg und einer bewussten Lebensführung. Ihr Anliegen ist anspruchsvoll und zugleich lebensnah: Wie kann das erkennende Wesen seine Bindungen verstehen, seine Kräfte sammeln und sich für die befreiende Gegenwart des Göttlichen öffnen?
Das Matanga Parameshwara Agama beginnt mit einer bemerkenswerten Szene. Der Weise Matanga wird während seiner Versenkung vom Klang eines Bambusrohrs abgelenkt. Er macht daraus eine Flöte und bringt den Klang Shiva dar. In der Erzählung wird aus dem Anlass der Zerstreuung ein Ausdruck der Hingabe. Das veranschaulicht eine Frage, die auch heutige Übende beschäftigt: Wie können Wahrnehmung, Denken und Handeln wieder auf das Wesentliche ausgerichtet werden? Die Antworten des Werkes reichen von begründeter Erkenntnis über Mantra und Puja bis zu Yoga und Meditation.
Die vorliegende Ausgabe umfasst den Grundtext aller 58 Kapitel der beiden Editionen von N. R. Bhatt: 26 Kapitel Vidyāpāda, 15 Kriyāpāda, 7 Yogapāda und 10 Caryāpāda. Sie bietet 3.462 originalnummerierte Einträge mit Sanskrit und deutscher Übersetzung. Überlieferte Lücken und offene Lesungen sind kenntlich gemacht. Das Werk ist ein Dialog zwischen Matanga und dem höchsten Herrn, nicht ein Werk Abhinavaguptas oder eine Kurzfassung seines Tantraloka. Abhinavaguptas Tantrasāra ist eine andere Schrift.

Alle Wiki Artikel zum Matanga Parameshwara Agama:
Hintergrund und spiritueller Zusammenhang
Ein Āgama des Shiva-Weges
Āgama bezeichnet hier eine überlieferte heilige Lehre. Der Name Mataṅga verweist auf den empfangenden Weisen; pārameśvara auf die Zugehörigkeit zum höchsten Herrn, Parameshvara. Das Matanga Parameshwara Agama präsentiert seine Lehre als Offenbarung, die durch eine Folge von Lehrern weitergegeben wird. Die im Eingang genannten außerordentlich großen früheren Textumfänge gehören zu dieser religiösen Selbstdarstellung. Sie sind keine erhaltenen, in dieser Ausgabe bearbeiteten Textfassungen.
Die Tradition des Shaiva Siddhanta unterscheidet zwischen dem Herrn, den gebundenen Seelen und dem, was sie bindet. Dabei geht es nicht nur um abstrakte Begriffe. Wer übt, begegnet der Frage, warum er erkennen und handeln kann und dennoch Grenzen, Verblendung und Leid erfährt. Das Matanga Parameshwara Agama entfaltet diese Frage im Gespräch. Matanga bittet um Erklärung, bringt Einwände vor und verlangt nach einem nachvollziehbaren Zusammenhang. Hingabe und Nachdenken stehen dabei nebeneinander.
Pati, Pashu und Pasha
Pati ist der Herr, Shiva als unabhängige, erkennende und wirkende göttliche Wirklichkeit. Pashu bezeichnet die gebundene individuelle Seele. Das Wort meint im philosophischen Zusammenhang ein Wesen, dessen Erkennen und Handeln eingeschränkt sind. Pasha, die Bindung, umfasst unterschiedliche Bedingungen dieser Einschränkung. Dazu gehören Mala, die anfangslose Verunreinigung oder Verhüllung, Karma und die aus Maya hervorgehende Erfahrungswelt.
Das Bild der Verhüllung ist für die Lektüre hilfreich: Bewusstheit ist nicht bloß ein zufälliger Zusatz zum Selbst. Dennoch bedeutet ihre Gegenwart noch keine ungehinderte Erkenntnis. Der Text vergleicht die Verbindung mit der Unreinheit unter anderem mit dem Belag des Kupfers und der Hülle des Reiskorns. Reinigung soll das erkennende Wesen nicht vernichten. Sie soll seine Bindung lösen. Diese Bilder erläutern eine metaphysische Lehre; sie erlauben keine Abwertung konkreter Menschen als minderwertig oder „unrein“.

Shakti und die Ordnung der Erfahrung
Shakti ist die Kraft des Herrn. Im Matanga Parameshwara Agama erklärt sie, wie göttliches Erkennen und Wirken auf verschiedenen Ebenen gegenwärtig werden. Die Schrift beschreibt diese Ebenen als Tattvas. Ein Tattva ist ein Wirklichkeitsprinzip mit einer bestimmten Funktion. Die Darstellung reicht von den hohen Shiva-Ebenen über begrenzende Kräfte bis zu Wahrnehmung, Denken und den Elementen.
Für eine verständliche Lektüre kann man immer wieder fragen: Welche Bedingung der Erfahrung wird hier beschrieben? Geht es um die Möglichkeit zu erkennen, um begrenztes Können, um Verlangen, um Zeit oder um körperliche Wahrnehmung? So erschließt sich die Bedeutung der langen Tattva-Darstellung. Ihre traditionellen Welten, Herrscher, Maße und Zuordnungen bleiben Teil einer religiösen Kosmologie. Sie werden hier nicht als naturwissenschaftliche Beschreibung ausgegeben.
Kalā und Kāla dürfen dabei nicht verwechselt werden: Kalā bezeichnet in einem zentralen Zusammenhang eine begrenzende beziehungsweise Handlung ermöglichende Kraft, Kāla die Zeit. Ebenso kann Vidyā je nach Zusammenhang Erkenntnis, eine begrenzte Erkenntnisfähigkeit, eine höhere Wirklichkeitsebene oder eine personifizierte Mantrakraft bezeichnen. Der deutsche Text bewahrt solche Begriffe, wenn ein einziges deutsches Wort den Zusammenhang verengen würde.
Die vier Teile des Matanga Parameshwara Agama
Vidyāpāda: Erkenntnis und Unterscheidung
Die 26 Kapitel des Vidyāpāda entfalten die Grundlagen der Lehre. Nach Eingang und Übersicht werden der Herr, seine Kräfte, die Seele und die verschiedenen Wirklichkeitsebenen erläutert. Das Werk fragt nach Ursache und Wirkung, nach Wissen und Unwissenheit und nach der Möglichkeit der Befreiung. Seine Dialogform zeigt: Erkenntnis soll nicht bei der Wiederholung eines Lehrsatzes stehen bleiben. Sie braucht Unterscheidung und Begründung.
Die sechs im zweiten Kapitel genannten Grundgegenstände sind Pati, Shakti, die gegliederte Erfahrungswirklichkeit, Pashu, Bhoga und der Weg. Bhoga bedeutet hier Erfahrung beziehungsweise das Erleben der karmisch bedingten Welt. Der Weg umfasst die Mittel, die aus dem Samsara herausführen. Diese Ordnung verbindet philosophische Klärung mit der Frage, was angenommen und was aufgegeben werden soll.
Kriyāpāda: Verehrung und Einweihung
Die 15 Kapitel des Kriyāpāda behandeln unter anderem Diksha, rituelle Reinigung, Verehrung, Feuerhandlungen, Vorbereitung und Träume, unterschiedliche Formen der Einweihung, Abhisheka, die Aufstellung des Linga und die Gestaltung von Götterbildern. Kriyā meint hier das vielgestaltige rituelle Handeln der Tradition. Sie ist nicht einfach mit einer heutigen Yoga-Reinigungstechnik gleichzusetzen.
Die ausführlichen Handlungen ordnen Körper, Sprache, Vorstellung, Raum und Zeit auf Shiva hin. Der Guru übernimmt als eingeweihter Lehrer eine zentrale Rolle. Mantra, Geste und innere Vorstellung gehören zusammen. Viele Einzelvorschriften setzen eine konkrete Überlieferung und Unterweisung voraus. Als Text lassen sie erkennen, wie ernst diese Tradition die Umgestaltung der ganzen Person nimmt. Die Veröffentlichung des Wortlauts ersetzt keine rituelle Befugnis oder persönliche Anleitung.
Yogapāda: Sammlung und Versenkung
Der Yogapāda umfasst sieben Kapitel. Er erläutert einen sechsgliedrigen Weg: Atemregulierung, Zurücknahme der Sinne, Sammlung, Meditation, unterscheidende Betrachtung und Samadhi. Die genaue Aufzählung und Ausführung ist am Text zu lesen; sie wird nicht nachträglich in das bekannte achtgliedrige Schema Patanjalis umgeschrieben.
Der Weg führt von der Beruhigung und Ausrichtung der Fähigkeiten zu einer vertieften Erfahrung Shivas. Der Text kennt bildhafte Vorstellungen, Mantras, Tattva-Betrachtungen und unterschiedliche Stufen der Sammlung. Er spricht auch von besonderen Erlangungen, Siddhis. Sie sind von der Ausrichtung auf Befreiung zu unterscheiden: Ein außergewöhnlicher Zustand ist nicht schon das Ende aller Bindung. Historische Beschreibungen von Atemzwang, besonderen Kräften und dem Verlassen des Körpers werden in dieser Ausgabe als Aussagen des Textes wiedergegeben.
Caryāpāda: Die Praxis im Leben
Die zehn Kapitel des Caryāpāda behandeln Verpflichtungen, Lebensführung, das Verhältnis zum Guru, Unterricht, Reinheit, Nahrung, Reisen und Gelübde. Caryā macht deutlich, dass ein spiritueller Weg auch das alltägliche Verhalten betrifft. Wie spricht man? Wie begegnet man anderen? Wie lernt man? Wie verhält man sich unterwegs oder gegenüber Kranken und Hilfsbedürftigen?
Besonders lesenswert sind die Unterrichtspassagen: Verschiedene Schüler benötigen unterschiedliche Erklärungen. Fragen, Einwände und deren Auflösung haben ihren Platz. An anderen Stellen werden Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und ein gleichmäßiger Umgang mit Menschen betont. Zugleich enthält der Text strenge Vorschriften und historisch bedingte soziale Hierarchien. Beides bleibt erkennbar; eine heutige Auswahl freundlicher Verse ersetzt die vollständige Auseinandersetzung mit der Schrift nicht.
Erkenntnis, Übung und Gnade
Jnana, Yoga, Kriya und Charya gehören zusammen
Das Matanga Parameshwara Agama lässt sich als Einladung lesen, die verschiedenen Seiten des Weges aufeinander zu beziehen. Jnana klärt, was Bindung und Freiheit bedeuten. Yoga sammelt die Fähigkeiten und vertieft die innere Erfahrung. Kriya gestaltet die bewusste Beziehung zum Göttlichen durch Verehrung und Einweihung. Charya gibt dieser Ausrichtung im Leben eine beständige Form. Vidyāpāda 26.63 spricht ausdrücklich vom Zusammenwirken der vier Wege im Blick auf die Befreiung.
Diese Zuordnung ist keine moderne Rangliste, nach der eine äußere Praxis irgendwann wertlos würde. Erkenntnis kann trocken werden, wenn sie das Leben nicht berührt. Eine Handlung kann mechanisch werden, wenn ihr Sinn verloren geht. Eine innere Erfahrung kann missverstanden werden, wenn die Unterscheidung fehlt. Und ein gutes Vorhaben braucht die Unterstützung beständiger Lebensführung. Solche Überlegungen sind heutige Lesehilfen für den Zusammenhang der vier Werkteile.
Hingabe ohne Aufgabe des Verstehens
Bhakti, die liebevolle Hinwendung, durchzieht das Matanga Parameshwara Agama. Matanga bittet nicht nur für sich selbst um Wissen. Seine Bitte gilt dem Wohl der Wesen. Das Wissen soll klar, geordnet, bedeutungsvoll und von Zweifel befreiend sein. Die Offenbarung wird dadurch zugleich als Gabe und als verständliche Unterweisung dargestellt.
Der Guru vermittelt diese Lehre. Seine Verehrung wird im Werk sehr weit gefasst; sie schließt aber die dort ausdrücklich behandelte Aufgabe verständlicher Erklärung nicht aus. Für die heutige Lektüre ist deshalb beides bedeutsam: die Bereitschaft, von jemandem zu lernen, und die Sorgfalt, den Sinn des Gelernten zu erfassen. Caryāpāda 4 und 10 enthalten hierzu besonders ergiebige Passagen.
Befreiung und Shiva-Sein
Im Schluss des Vidyāpāda wird Befreiung als Offenbarwerden eines nicht erst künstlich erzeugten höchsten Zustands beschrieben. Das Wissen durchtrennt Bindung; das Selbst wird nicht aus einem völligen Nichts geschaffen. Der Text verwendet dabei starke Aussagen über Shiva-Sein und die Vollkommenheit der befreiten Seele. Sie sind im Zusammenhang seiner eigenen Unterscheidung von Herr, Seele und Bindung zu lesen. Einzelne Sätze sollten nicht ungeprüft zu einer Darstellung eines anderen, etwa des nichtdualistischen kaschmirischen Systems gemacht werden.
Die Macht der Gnade ist dabei entscheidend. Das Matanga Parameshwara Agama beschreibt den Weg als Zusammenspiel von göttlicher Wirksamkeit, Unterweisung, Einsicht und Praxis. Die Einzelhandlungen erhalten ihren Sinn durch diese Ausrichtung auf die Lösung der Bindung.

Bedeutung für heutige ernsthafte Übende
Eine fruchtbare Lektüre kann bei wenigen zusammenhängenden Versen beginnen: erst den deutschen Sinn erfassen, dann die Sanskritbegriffe beachten und schließlich den größeren Zusammenhang prüfen. Wer bereits Meditation übt, kann besonders die Abschnitte über Sammlung, Hingabe und den Umgang mit Zerstreuung lesen. Wer unterrichtet, findet Anregungen in den Passagen über Fragen, verständliche Erklärung und unterschiedliche Lernvoraussetzungen. Wer sich mit Tantra beschäftigt, erhält Einblick in eine Überlieferung, in der Philosophie, Ritual und Alltag eng verbunden sind.
Das Ziel muss dabei nicht sein, jede historische Vorschrift zu übernehmen. Die vorliegende Übersetzung bewahrt auch Aussagen, die heutige Leser kritisch beurteilen werden. Ihre Aufgabe ist, den Text zugänglich zu machen und seine Grenzen offenzulegen. Die gesonderte Auswahl der 108 Verse hebt geeignete Abschnitte hervor; ihre vollständige Herkunft ist dort gesammelt nachgewiesen.
Siehe auch: Matanga Parameshwara Agama 108 Verse für die spirituelle Praxis und Matanga Parameshwara Agama Sanskrit Devanagari.
Sanskrit und deutsche Übersetzung
Die Originalnummern gelten jeweils innerhalb des bezeichneten Kapitels. † verweist auf die gesammelten Lesungshinweise am Ende.
Vidyāpāda
Vidyāpāda, Kapitel 1
upodghātaprakaraṇam
Übersetzung: Einführung
1.
nānāścaryaguṇopetaṃ śikharaṃ cāru nirmalam ||1||
Übersetzung: Auf dem herrlichen Berg Himavat, den Siddhas und himmlische Sänger besuchen, liegt ein schöner, makelloser Gipfel, erfüllt von vielerlei wunderbaren Eigenschaften.
2.
yatrānyonyaviruddhānāṃ prītirbhavati tatkṣaṇāt ||2||
Übersetzung: Dort entstehen die Siddhis; ein vorzeitiger Tod kommt dort nicht vor. Selbst Wesen, die einander feind sind, empfinden dort augenblicklich Zuneigung.
3.
yatra nāstyupasargāṇāṃ praveśaḥ śikharottame ||3||
Übersetzung: Auch ein Tor wird dort verständig, und wer sich fürchtet, wird von seiner Furcht frei. Kein Unheil kann auf diesen erhabenen Gipfel eindringen.
4.
tatrāsau muniśārdūlastapasotkṛṣṭamūrtimān ||4||
Übersetzung: Dort ist der erhabene Parameshvara immer gegenwärtig. An diesem Ort verweilte jener hervorragende Weise, dessen Wesen durch Tapas geläutert war.
5.
śivadhyānekacittātmā samādhāvāsthitaḥ sudhīḥ ||5||
Übersetzung: Das Feuer der Erkenntnis hatte seine Unreinheit verbrannt; das Wasser rechten Lebenswandels hatte ihn gereinigt. Sein Geist war ganz auf die Meditation über Shiva gerichtet, und der Verständige ruhte im Samadhi.
6.
kīcakaḥ ṣaṭpadāvāsavivareṇa śanaiḥ śanaiḥ ||6||
Übersetzung: Da begann ein Bambusrohr, vom Wind berührt, durch eine Öffnung, in der Bienen wohnten, allmählich einen lieblichen Ton hervorzubringen.
7.
bhūyo bhūyo ninādena śrotrāmṛtavapuṣmatā ||7||
Übersetzung: Dieser Klang, für das Ohr wie verkörperter Nektar, versetzte den Geist des Weisen Matanga plötzlich immer wieder in Bewegung.
8.
vanātparāṅmukhastadvaccittaṃ lakṣyācchivātmakāt ||8||
Übersetzung: Wie ein wilder Elefant von einer Elefantenkuh bezwungen und aus dem Wald fortgeführt wird, so wurde sein Geist von seinem Ziel, dem Wesen Shivas, abgezogen.
9.
ādāya tarasā veṇuṃ susamamṛjumavraṇam ||9||
Übersetzung: Als der ehrwürdige Weise erkannte, dass sein Geist von Shiva abgekommen war, nahm er rasch ein ebenmäßiges, gerades und unversehrtes Bambusrohr.
10.
tadotpāditavā~lleśāddhvaniṃ saptasvarānvitam ||10||
Übersetzung: Er glättete seine Oberfläche, säuberte es sorgfältig und versah es mit Löchern. Bald brachte er darauf einen Klang hervor, der die sieben Töne umfasste.
11.
munirvāditavānveṇuṃ bhaktyā tu parayā bhṛśam ||11||
Übersetzung: Vor Tryambaka, den Dreiäugigen, tretend, spielte der Weise mit freudigem Herzen und tiefster Hingabe auf der Flöte.
12.
svaṃ vapurdarśayāmāsa mataṅgāya tapasvine ||12||
Übersetzung: Da zeigte der erhabene Herr Hara, von Parvati begleitet, dem Asketen Matanga seine eigene Gestalt.
13.
sa tasya pādāvabhyarcya daṇḍavatpatito bhuvi ||13||
Übersetzung: Plötzlich erblickte der Brahmane Shrikantha, den Lenker des Alls. Er verehrte seine Füße und warf sich lang ausgestreckt auf die Erde.
14.
pādau prakṣālya namataḥ stotumārabdhavānmuniḥ ||14||
Übersetzung: Von der Ergriffenheit seiner Hingabe überwältigt, wusch er die Füße des Herrn mit den klaren Tränen seiner Augen. Sich verneigend begann der Weise, ihn zu preisen.
Übersetzung: Matanga sprach:
15.
tvatprasādaguṇāviṣṭā divi dīvyanti devatāḥ ||15||
Übersetzung: Erhabener, Herr über Vergangenes und Künftiges, Gebieter über Brahma, Vishnu und Indra! Von der Kraft deiner Gnade erfüllt, strahlen die Gottheiten im Himmel.
16.
tvatpādāmbujasāmarthyasmaraṇādapi pāpinaḥ ||16||
Übersetzung: Du durchdringst die ganze Welt, alles Unbewegliche und Bewegliche. Selbst Menschen, die Unrecht getan haben, brauchen nur der Macht deiner Lotosfüße zu gedenken:
17.
kiṃ punarmunayo dhīrāstvayyevārpitacetasaḥ ||17||
Übersetzung: Dann wird die Masse ihrer Verfehlungen zerstört, und sie erlangen Vollendung. Um wie viel mehr gilt dies für die standhaften Weisen, die ihren Geist ganz dir anvertraut haben!
18.
virajaskā viśokāśca vyatikrāntabhavārṇavāḥ ||18||
Übersetzung: Diese Yogis sind von allen Verfehlungen frei, ohne Verlangen, ohne Leidenschaft und ohne Kummer; sie haben den Ozean des Werdens überschritten.
19.
ahameko'lpabhāgyastu duḥkhabhāksukhavarjitaḥ ||19||
Übersetzung: Auch andere Menschen haben, Herr der Götter, die ersehnten Gaben empfangen. Nur ich bin vom Glück verlassen, vom Leid getroffen und ohne Freude.
20.
tvadīyaśaktayastīvrāḥ saṃsārottāraṇaṃ prati ||20||
Übersetzung: Oder aber, Allgegenwärtiger: Meine schwere Verfehlung gleicht einem Diamanten. Deine mächtigen Kräfte, die aus dem Samsara herausführen,
21.
etasminnantare devaḥ prahasyovāca viśvarāṭ ||21||
Übersetzung: sind beim Zusammentreffen mit der Masse meiner Verfehlungen schwach und nachgiebig geworden! Da lächelte der Gott, der Herr des Alls, und sprach.
22.
vāṇyā praśvāsya taṃ vipraṃ samutthāpya ca bhūtalāt ||22||
Übersetzung: Mit Worten, die im Glanz des Juwels der Wahrheit leuchteten, wischte er den Schleier der Unwissenheit fort, beruhigte den Brahmanen und hob ihn vom Boden auf.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
23.
tataḥ provāca hṛṣṭātmā romāñcitavapurmuniḥ ||23||
Übersetzung: Erbitte eine Gabe, bester Brahmane, was immer dein Herz begehrt! Da sprach der Weise freudig, während sich ihm vor Ergriffenheit die Haare sträubten:
Übersetzung: Matanga sprach:
24.
prāptavyaṃ yatprayatnena tatprāptamakhilaṃ mayā ||24||
Übersetzung: Durch deine Gnade habe ich mein Ziel erreicht, Herr der Götter. Was wäre daran verwunderlich? Alles, was durch Bemühen zu erlangen ist, habe ich erlangt,
25.
dvividhārthapradaṃ śrīmadvasturatnasucarcitam ||25||
Übersetzung: nun da ich dich, den Herrn der Welt, geschaut habe. Um den Wesen der Welt Gnade zu erweisen, lehre mich jenes herrliche Wissen, das beide Ziele gewährt und mit dem Juwel der Wahrheit geschmückt ist:
26.
vipulārthamasaṃdigdhaṃ samāsoktyā bravīhi me ||26||
Übersetzung: das Wissen, das Unwissenheit vernichtet und hinüberführt, leicht zu verstehen, klar geordnet, reich an Bedeutung und ohne Zweifel. Trage es mir in zusammengefasster Form vor.
27.
jñānālapyavapuṣmatyā vāṇyāluptavapurguruḥ ||27||
Übersetzung: Als der Lehrer diese Worte des hochherzigen Matanga hörte, antwortete er mit einer Stimme, die das auszusprechende Wissen verkörperte; seine eigene Gestalt blieb dabei unvermindert.
28.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Voller Zuneigung sprach er zu dem hochherzigen Matanga über die wahre Wirklichkeit, gestützt auf Einsicht und in klarer Übereinstimmung mit der überlieferten Lehre:
29.
sukaraṃ suvibhaktāṅgaṃ ṣaṭpadārthamayaṃ śubham ||29||
Übersetzung: Sie ist wohlgeordnet, folgt dem Weg vernünftiger Begründung, ist gut zugänglich und in klar unterschiedene Teile gegliedert. Sie ist heilsam und umfasst sechs Grundgegenstände.
30.
dhāturvaktrāmbujodgārādvimalādgurusaṃtatau ||30||
Übersetzung: Diese Schrift besteht aus vier Teilen und ist ihrem Wesen nach Unsterblichkeitsnektar. Aus dem makellosen Lotosmund des Schöpfers hervorgegangen, gelangte sie durch die Folge der Lehrer zu uns.
31.
sadāśivena devena tato'nantena dhīmatā ||31||
Übersetzung: Zuerst fasste der Gott Sadashiva sie in zehn Millionen Anushtubh-Strophen. Danach verkündete der weise Ananta
32.
upasaṃhṛtya saṃkṣepādvakṣye vai pārameśvaram ||32||
Übersetzung: sie in einer Fassung von hunderttausend Strophen. Eben diese Lehre des höchsten Herrn werde ich dir nun zusammenfassen und in Kürze darlegen,
33.
ato'nyo yaḥ samuddhāraḥ sa sphuṭārthaprakāśakaḥ |
Übersetzung: in nur dreitausendfünfhundert Strophen. Ein noch weiter verkürzter Auszug könnte ihren Sinn wegen dessen großer Feinheit nicht mehr deutlich erschließen. Darum ist diese Festlegung eindeutig.
34.
ārādhya veṇvākṛtaniścayena tadvastu yuktyā hyakhilaṃ pravakṣye ||34||
†
Übersetzung: Der erhabene Matanga von edlem Geist empfing den Ozean der Lehre von Hara, nachdem er ihn durch sein entschlossenes Flötenspiel verehrt hatte. Deren ganzen Gegenstand werde ich nun mit begründender Einsicht darlegen.
Vidyāpāda, Kapitel 2
uddeśaprakaraṇam
Übersetzung: Übersicht über die Gegenstände
1.
sattābhivyaktaye caiva varṇyate ca bubhukṣuṇā ||1||
Übersetzung: Nun wird, von einem nach Erfahrung Strebenden, das Wissen dargelegt: Es soll die Stufenfolge der Bindung der individuellen Seele aufheben und ihr wahres Sein offenbar machen.
2.
ṣaḍbhiḥ padārthamāṇikyairvāksūtreṇātiśobhitā ||2||
Übersetzung: Dieser unvergleichliche höchste Nektar der Erkenntnis ist frei von Zweifel und dient dem Heil. Mit sechs Grundgegenständen als Edelsteinen, auf den Faden der Sprache gereiht,
3.
māleyaṃ dhīvilāsinyā maṇḍanāyāvatāritā ||3||
Übersetzung: strahlt diese Kette von tausend Strahlen der Wirklichkeit und leuchtet durch die Vorzüge gründlichen Nachdenkens. Sie wurde herabgebracht, um die anmutige Einsicht zu schmücken.
4.
bhakticandravapuṣmatyā vinayāmbho'bhiṣiktayā ||4||
Übersetzung: Als der Herr seine Rede beendet hatte, sprach der hervorragende Weise Matanga mit Worten, die den Mondglanz der Hingabe verkörperten und vom Wasser der Demut benetzt waren:
5.
mataṅga uvāca —
bhagavandevadeva jagatpate |pravibhāgaṃ padārthānāṃ ṣaṇṇāmapi śivodaye ||5||
Übersetzung: Erhabener, Gott der Götter, Herr der Welt! Erkläre die Gliederung der sechs Grundgegenstände in der Lehre, durch die Shiva offenbar wird, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
6.
tataḥ sa bhagavāndevaḥ sphuranmāṇikyaśekharaḥ ||6||
Übersetzung: in diesem großen Tantra mit seinen vier Teilen, so, wie sie wirklich ist. Darauf ließ der erhabene Gott, dessen Diadem von Juwelen funkelte,
7.
pradadāha muneḥ samyagajñānaṃ tṛṇarāśivat ||7||
Übersetzung: als König der Mantras eine Schar von Flammen aus dem Feuer seiner Worte hervorgehen. Damit verbrannte er die Unwissenheit des Weisen vollständig, wie einen Haufen trockenen Grases.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
8.
yathāvaducitaṃ vastu heyaṃ caivopavarṇyate ||8||
Übersetzung: Wo die Tattvas nach Ursache und Wirkung unterschieden werden und sachgemäß erklärt wird, was anzunehmen und was aufzugeben ist,
9.
ślokānāṃ ca sahasreṇa śāstre'sminmunisattama ||9||
Übersetzung: das erkenne als Vidyāpāda, den Teil über Erkenntnis. In dieser Schrift umfasst er ungefähr anderthalbtausend Strophen, bester Weiser.
10.
ācāryāṇāṃ ca vidhivatsahasreṇaiva varṇyate ||10||
Übersetzung: Die Kennzeichen von Mudras, Mandalas und Mantras sowie die Vorschriften für Sadhakas und Acharyas werden ordnungsgemäß in tausend Strophen erklärt.
11.
yatropāyo viraktānāṃ ṣaḍaṅgaḥ sumahātmanām ||11||
Übersetzung: Dies ist der Kriyāpāda, dessen Merkmal die Begnadung aller ist. Wo der sechsgliedrige Weg für große Seelen gelehrt wird, die frei von Begehren sind,
12.
śataiḥ pañcabhirākhyeyaḥ ślokānāmapi vistarāt ||12||
Übersetzung: und auch für Menschen mit Wünschen, um ihnen Erfahrung zu ermöglichen, spricht man vom Yogapāda. Er soll ausführlich in fünfhundert Strophen dargestellt werden.
13.
caryāpādaḥ samuddiṣṭo yathāvatpañcabhiḥ śataiḥ ||13||
†
Übersetzung: Die Bewahrung der verpflichtenden Regeln und des rechten Lebenswandels gemäß der eigenen Überlieferung wird als Caryāpāda bezeichnet; auch er wird in fünfhundert Strophen dargelegt.
14.
padārthaḥ patināmāsau prathamaḥ parikīrtitaḥ ||14||
Übersetzung: Der erste Grundgegenstand heißt Pati, der Herr. Er wird anhand dreier Wirklichkeitsebenen erläutert, die mit Auflösung, Erfahrung und Wirksamkeit bezeichnet werden.
15.
kriyājñānātmikākīrtirye ca dharmāḥ patau sphuṭāḥ ||15||
Übersetzung: Im Zusammenhang von Erfahrendem und Erfahrbarem, der auf Maya beruht, zeigt sich seine Wirksamkeit als Handeln und Erkennen. Die Eigenschaften, die im Herrn offenbar sind,
16.
ye bhūtabhāvatattvākhyā māyātaḥ sphuritāḥ sadā ||16||
Übersetzung: bilden den zweiten Grundgegenstand, Shakti. Was als Elemente, Zustände und Tattvas bezeichnet wird und immer wieder aus Maya hervortritt,
17.
yo'svatantraḥ paśurbhoktā kṣetrī pāśyaḥ pumānsphuṭam ||17||
Übersetzung: ist der dritte, dreifach gegliederte Grundgegenstand in Shivas Lehre. Wer dagegen unselbstständig ist, der Pashu, der Erfahrende, der Bewohner des Körpers, der Gebundene, der Purusha,
18.
dharmādharmavipākākhyāḥ sthitau bhokturihāgatāḥ ||18||
Übersetzung: bildet den vierten Grundgegenstand, genannt Pashu, bester Weiser. Was im Dasein des Erfahrenden als Reifung von rechtem und unrechtem Handeln eintritt,
19.
pañcamaḥ sa tu boddhavyaḥ padārtho bhogasaṃjñakaḥ ||19||
Übersetzung: wobei die einzelnen Faktoren wechselseitig als Mittel und zu verwirklichendes Ergebnis bestehen, ist als fünfter Grundgegenstand zu verstehen: Bhoga, Erfahrung.
20.
mudrāśca śaktipūrvāḥ syurye cārthāḥ parivistṛtāḥ ||20||
Übersetzung: Die Mantras des reinen Weges, angefangen mit Shiva als erhabenem Herrn, die Mudras, beginnend mit Shakti, und die ausführlich erläuterten Gegenstände,
21.
ṣaṣṭhaḥ so'bhihitastantre padārthaḥ pārameśvare ||21||
Übersetzung: die in den drei übrigen Teilen den Weg aus dem Samsara bilden: Dieser Weg ist im Tantra des höchsten Herrn als sechster Grundgegenstand bezeichnet.
22.
pādānāṃ yo vibhāgaḥ sa sakalanigamavyāpakatvādvibhaktaḥ |
saṃkṣepoktyā'dhvasaṃsthāḥ patipaśuviṣayāḥ sūcitāḥ ṣaṭpadārthā-
Übersetzung: Ihre Anzahl ist aus dem Sinnzusammenhang des Tantra erklärt, ebenso die Abstufung des Umfangs. Die Gliederung der vier Teile umfasst die gesamte Offenbarungslehre. In Kürze sind damit die sechs Grundgegenstände genannt, die auf dem Weltweg bestehen und Herr sowie Seele betreffen. Unter ihnen steht Pati an erster Stelle; er wird nun der Reihe nach erläutert.
Vidyāpāda, Kapitel 3
Übersetzung: Die beiden Tattvas Auflösung und Erfahrung
1.
tasyāṃ divi sudīptātmā niṣkampo'calamūrtimān ||1||
Übersetzung: Nun zum Sitz des Herrn, der aus den Strahlen seiner eigenen Shakti besteht. In diesem lichten Raum erstrahlt er, ohne Schwanken und von unbeweglichem Wesen.
2.
pradhvastāvaraṇā śāntā vastumātrātilālasā ||2||
Übersetzung: Dies ist die höchste, feine Stätte, nach allen Richtungen von Unsterblichkeit erfüllt. Ihre Verhüllung ist zerstört; sie ist friedvoll und ganz der reinen Wirklichkeit zugewandt.
3.
sthitāvanyonyaloke'sminsaṃvidā nopalabhyate ||3||
Übersetzung: Sie ist ohne Anfang und Ende und vollkommen gut. Nur in übertragener Rede nennt man sie eine Gestalt; mit dem gewöhnlichen Bewusstsein dieser Welt wird sie nicht erfasst.
4.
śrotrādīni pramāṇāni prameyo'rthaśca pañcadhā ||4||
Übersetzung: Da fragte der hervorragende Weise Parameshvara: Gehör und die übrigen Sinne sind Erkenntnismittel, und ihre Gegenstände sind von fünf Arten.
5.
anumānāgamākhye ca tatpūrve vyavahartṛṣu ||5||
Übersetzung: So weit reicht die allgemein bekannte Erfahrung in dieser Welt, Herr der Welt. Auch Schlussfolgerung und Überlieferung setzen bei den Erkennenden diese Erfahrung voraus.
6.
vākyārkakiraṇaistīvraiḥ sphuradbhiratibhāsuraiḥ ||6||
Übersetzung: Wie lässt sich dann etwas erweisen, das über diese hinausgeht, Allgegenwärtiger? Mit den starken, funkelnden, überaus hellen Sonnenstrahlen seiner Worte
7.
sarva eva padārthāḥ syuḥ sattāmātropalakṣitāḥ ||7||
Übersetzung: wischte der Herr sogleich die aus Verwirrung entstandene Dunkelheit des Weisen fort: Alle Gegenstände sind zunächst durch ihr bloßes Dasein gekennzeichnet.
8.
dhūmādagneryathā patyuḥ śaktayo viddhi sādhanam ||8||
Übersetzung: Erkannt werden sie an ihren eigenen Eigenschaften, wie die überlieferte Lehre zeigt. Wie Rauch das Feuer erkennen lässt, so erkenne die Kräfte des Herrn als Beweis für ihn.
9.
kāraṇena kvacitkāryaṃ kvacidāmnāyadarśanāt ||9||
Übersetzung: Durch eine Eigenschaft wird ihr Träger erwiesen, bisweilen durch eine Wirkung ihre Ursache, bisweilen durch eine Ursache ihre Wirkung, bisweilen durch das Zeugnis der Überlieferung.
10.
patyurdharmāḥ śaktayastu tāśca sarvatra niḥsṛtāḥ ||10||
Übersetzung: So gelangt man durch Übereinstimmung und Unterschied zur Gewissheit. Die Eigenschaften des Herrn sind seine Shaktis; sie treten überall hervor.
11.
paśau pāśeṣu bhogeṣu tadeva tritayaṃ punaḥ ||11||
Übersetzung: In dieser Schrift werden sie durch begründende Einsicht nachgewiesen und in drei Bereichen erkannt: in der Seele, den Bindungen und den Erfahrungen. Dieses Dreifache wiederum
12.
pravartate'svatantratvādacetanatayā tathā ||12||
Übersetzung: ist in seinem Zusammenhang zu begreifen. Ohne Shakti wird nirgends etwas wirksam: Die Seele ist nicht unabhängig, die Bindungen sind nicht bewusst,
13.
vyastānāṃ śakyate vaktuṃ na kadācitsvarūpakam ||13||
Übersetzung: und die Erfahrung besitzt keine eigene körperliche Gestalt. In dieser Reihenfolge sind sie aufeinander bezogen; voneinander losgelöst lässt sich ihr Wesen niemals bestimmen.
14.
kiṃ tu sādharmyavaidharmyavicāroktyā pṛthak pṛthak ||14||
Übersetzung: Auch der befreiende Weg steht unter demselben Grundsatz. Dennoch werden diese Gegenstände durch die Betrachtung ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzeln erläutert.
15.
saṃsāre gahane patyū raśmibhiḥ prakaṭīkṛtāḥ ||15||
Übersetzung: Obwohl sie eng verflochten sind, werde ich sie dir ausführlich erklären. Im schwer durchschaubaren Samsara werden sie durch die Strahlen des Herrn offenbar.
16.
akṣāṇi prati pratyakṣaṃ manaścākṣamanuttamam ||16||
Übersetzung: Aus den Kräften ist also der Träger der Kräfte erwiesen, bester Weiser. Man kann es auch so betrachten: Unmittelbare Wahrnehmung entspricht den Sinnen; der Geist aber ist das vorzüglichste Sinnesorgan.
17.
prapattavyaṃ munivyāghra kimanyatparipṛcchasi ||17||
Übersetzung: Was Gegenstand innerer Vorstellung ist, wird gerade durch diese Vorstellung erfasst. So ist es zu verstehen, hervorragender Weiser. Was möchtest du noch erfragen?
18.
suprasannendriyagrāmaḥ sarvajñaḥ sarvagocaraḥ ||18||
Übersetzung: Der Herr wird als Sakala, als mit Gestalt versehen, beschrieben: Sein Leib besteht aus fünf Mantras. Seine Wahrnehmungskräfte sind vollkommen klar; er ist allwissend und hat alles zum Gegenstand.
19.
tasyoktiḥ pauruṣaiḥ sthūlaiḥ pramāṇairna prabādhyate ||19||
Übersetzung: Er ist Herr des Yoga und der Meister des Yoga, unabhängig und Zerstörer der Bindungen der Seelen. Seine Aussage wird durch die groben, menschlichen Erkenntnismittel nicht widerlegt.
20.
tasmādeva paraṃ tattvamacalaṃ sarvatomukham ||20||
Übersetzung: Sein Wort ist ein eigenes Erkenntnismittel, wahrhaftige Rede Ishvaras. Von ihm wird auch das höchste, unbewegliche, nach allen Seiten offene Tattva erschlossen,
21.
itthaṃ guṇavatastasmāttattvāttattvamaninditam ||21||
Übersetzung: bei dessen Erreichen es hier niemals wieder Geburt gibt. Aus jener so beschaffenen Wirklichkeit geht eine weitere makellose Wirklichkeit hervor:
22.
paribhāṣitamityetannāmnā bindurihocyate ||22||
Übersetzung: groß, von tausend funkelnden Strahlen erfüllt und alles unter ihr durchdringend. Sie wird hier Bindu genannt.
23.
śāntibhedaḥ sthitaḥ pūrvaṃ yatrāsau parameśvaraḥ ||23||
Übersetzung: Wisse, dass sie in vier Zuständen besteht, die Welt antreibt und unvergänglich ist. Zuerst wird ihre Form Shanti genannt; dort ist Parameshvara
24.
sahasrādityasaṃkāśairvisphuradbhiḥ samantataḥ ||24||
Übersetzung: als Friedensgestalt bekannt, umgeben von friedvollen großen Seelen, die wie tausend Sonnen leuchten und ringsum erstrahlen,
25.
vidyākhyamaparaṃ tasmāttejomūrtermahātmanaḥ ||25||
Übersetzung: in unermesslicher Zahl, erfüllt von eigener Kraft und Herrlichkeit. Unterhalb dieser Stätte des lichtgestaltigen großen Herrn liegt die Vidya genannte Stätte.
26.
vyāptaṃ bhuvanapālānāṃ viśvarūpakṛtātmanām ||26||
Übersetzung: Sie strahlt von seinem Licht und ist ringsum von zahllosen Weltenhütern erfüllt, deren Gestalten vielerlei Formen annehmen.
27.
tatrāpyamṛtamūrtestu parivāro'mṛtātmakaḥ ||27||
Übersetzung: Darunter liegt die Pratishtha genannte Stätte, Ursprung überaus wunderbarer Erscheinungen. Auch dort ist das Gefolge des Herrn, dessen Gestalt unsterblich ist, selbst von unsterblichem Wesen.
28.
śivānāṃ śivamārge'sminvyākhyātaṃ paramārthataḥ ||28||
Übersetzung: Hunderttausende, Zehntausende und Tausende von Shiva-Wesen mit unsterblicher Gestalt sind dort; so wird es auf diesem Weg Shivas seinem wahren Sinn nach erklärt.
29.
gacchataḥ paramāṃ kāṣṭhāṃ viśrāmo yatra dhīmataḥ ||29||
Übersetzung: Wo der Weise, dessen große Gestalt aus fünf Mantras besteht, nach dem Ende seines Wirkens auf dem Weg zur höchsten Stätte Ruhe findet,
30.
sthiramūrtiramoghātmā yatrāsau parameśvaraḥ ||30||
Übersetzung: das ist die Nivritti genannte Stätte, die vorzüglichste unter den Aufenthaltsorten. Dort ist Parameshvara von beständigem Wesen und unfehlbarer Wirksamkeit.
31.
evaṃ kramātsudīptāṅgo vidyādehasamāśrayāt ||31||
Übersetzung: Von dort steigt der unsterbliche Gott Shiva zu Pratishtha auf. In dieser Reihenfolge erstrahlt sein Wesen durch das Annehmen des Vidya-Leibes immer heller.
32.
śāntyatītaṃ paraṃ tattvamavināśyavyayātmakam ||32||
Übersetzung: Dann gelangt Parameshvara in Shanti zur vollkommenen Ruhe. Über Shanti liegt die höchste Wirklichkeit, unzerstörbar und unvergänglich.
33.
sadāśivasya devasya layastattve'tiniṣkale ||33||
Übersetzung: Durch sie wird das wahre Wesen der Seelen erschlossen, und sie gelangen zum Shiva-Sein. Der Gott Sadashiva ruht in jener völlig ungegliederten Wirklichkeit.
34.
tasminbhogaḥ samuddiṣṭaḥ patyurviśvasya sarvadā ||34||
Übersetzung: Die reine Wirklichkeit, die vier Gestalten umfasst, heißt Sakala-Nishkala, zugleich gegliedert und ungegliedert. In ihr wird dem Herrn des Alls beständig Erfahrung zugeschrieben.
35.
ryoniḥ syādakṣarāṇāmavitathamatulaṃ śaktigarbhaṃ ca mukhyam |
sthānaṃ bhogāya bhokturna ca calati yataḥ śāśvataṃ viśvamūrte
Übersetzung: Sie ist die Kraft des Schöpfers, mit einer Fülle von Herrlichkeit durch die höchsten Mantras erfüllt; sie ist der wahrhaftige, unvergleichliche Ursprung der Lautkräfte und trägt Shakti in sich. Sie ist die ewige Stätte der Erfahrung für den Erfahrenden von universaler Gestalt, denn sie vergeht nicht. So ist auch diese von weltlicher Entfaltung freie Stätte erklärt. Damit endet die Darstellung noch nicht: Nun wird sein Wirken beschrieben.
Vidyāpāda, Kapitel 4
Übersetzung: Das Tattva der Wirksamkeit
1.
svatantrasyāpi vaktavyaṃ svabhāvo'sya yataḥ purā ||1||
Übersetzung: Nun ist die höchste Stätte des wirkenden Herrn zu erklären, der sein Spiel entfaltet, obwohl er unabhängig ist. Denn sein eigenes Wesen wurde bereits zuvor beschrieben.
2.
sāṃsiddhikena bhāvena yato'sāvupabṛṃhitaḥ ||2||
Übersetzung: Spielend steigt Parameshvara unverzüglich zum Bindu herab. Dabei bleibt er von seiner angeborenen Vollkommenheit erfüllt,
3.
sarvādhvaprakaṭenāyaṃ kartā kāryasya viśvarāṭ ||3||
Übersetzung: von ungehinderter Kraft und weit ausstrahlender Macht, die auf dem gesamten Weltweg sichtbar wird. So ist der Herr des Alls der Urheber des Geschaffenen.
4.
tattejo navadhā bhinnaṃ sphuṭaṃ yogabalotkaṭam ||4||
Übersetzung: Wenn dieser erhabene Schöpfer von der Bindu genannten Stätte ausgeht, gliedert sich sein Licht deutlich in neun Formen, erfüllt von der Macht des Yoga.
5.
yogo'sya śaktayaḥ svākyā visphuranti samantataḥ ||5||
Übersetzung: Es wird vollkommen vom höchsten Yoga des Parameshthin getragen. Dieser Yoga besteht in seinen eigenen Shaktis, die nach allen Seiten ausstrahlen.
6.
etābhiḥ parameśānaḥ śaktibhiḥ samadhiṣṭhitaḥ ||6||
Übersetzung: Ishani, Apurani, Hardi, Vama und als fünfte Murti: Von diesen Kräften ist der höchste Herr erfüllt.
7.
svayogodbhūtakiraṇairvidyāvidyeśvaraiḥ śivaiḥ ||7||
Übersetzung: Mit den Ausströmungen reiner Tropfen ergießt er sich über den gesamten Weltweg. Ihn umgeben die aus seinem Yoga hervorgegangenen Strahlen: die heilsamen Vidyas und Vidyeshvaras.
8.
te'tīvākrāntavibhavāḥ patyurājñānuvartinaḥ ||8||
Übersetzung: Diese setzen das Rad der Maya in Bewegung. Ihre Macht reicht außerordentlich weit, und sie folgen der Weisung des Herrn.
9.
tataḥ śivottamo devastṛtīyaḥ parikīrtitaḥ ||9||
Übersetzung: Ananta ist von unbegrenzter Kraft. Danach folgt Sukshma, von überaus feinem und großem Wesen. Als dritter wird der Gott Shivottama genannt.
10.
śrīkaṇṭhaśca mahātejāḥ śikhaṇḍī ca mahādyutiḥ ||10||
Übersetzung: Es folgen Ekanetra und Ekarudra, sodann Trimurti, der machtvoll strahlende Shrikantha und der überaus glänzende Shikhandin.
11.
balaṃ ca tejasaḥ patyurvikāraiḥ prakaṭīkṛtam ||11||
Übersetzung: Diese vollendeten Rudra-Seelen sind reich an Handlungs- und Erkenntniskraft. Ihre Macht wird durch die Entfaltungen des Lichtes des Herrn offenbar.
12.
nisargeṇaiva śaktīnāṃ vyāpāro'tīva puṣkalaḥ ||12||
Übersetzung: Seit jenem Augenblick, der als Herabkunft des höchsten Selbst bezeichnet wird, ist das Wirken seiner Kräfte von Natur aus überreich.
13.
yairvṛtaḥ parame vyomni rājate mantranāyakaḥ ||13||
Übersetzung: Dadurch werden die überaus kraftvollen Herren der Erkenntnis sogleich offenbar. Von ihnen umgeben erstrahlt der Herr der Mantras im höchsten Raum.
14.
īśānamūrdhā puṃvaktro hyaghorahṛdayaḥ prabhuḥ ||14||
Übersetzung: Sein heilsamer Leib wird bildlich als aus fünf Mantras bestehend bezeichnet: Der Herr hat Ishana als Haupt, Purusha als Gesicht und Aghora als Herz.
15.
hāriṇī jananī tāvadrodhayitrī ca śaktayaḥ ||15||
Übersetzung: Vama wird sein verborgener Bereich genannt; Sadyojata wird gesondert als seine Gestalt aufgeführt. Hinzu kommen die Kräfte Harini, Janani und Rodhayitri.
16.
āsāṃ vīryaṃ vibhāgaśca vaktavyaḥ purato yataḥ ||16||
Übersetzung: So sind acht Kräfte des Trägers aller Kraft genannt, großer Weiser. Ihre Wirksamkeit und ihre Gliederung werden später noch erläutert.
17.
aṣṭau dharmā maheśasya śaktyaṣṭakavidhau sthitāḥ ||17||
Übersetzung: Darum sollen sie hier noch nicht ausführlich behandelt werden. Dennoch werden nun zur ersten Orientierung die acht Eigenschaften Maheshas, die sich als diese acht Shaktis zeigen,
18.
mūrdhā vā paramā kāṣṭhā taccaiveśitvamadbhutam ||18||
Übersetzung: in Kürze erklärt. Sein Haupt ist die höchste Stätte; es bezeichnet seine wunderbare Herrschaftsmacht.
19.
viniṣkṛṣya malāttūrṇaṃ yojayatyamale pade ||19||
Übersetzung: Durch die daraus hervorgehenden Ishani-Kräfte löst er die Kraft der individuellen Seelen sorgsam und rasch aus der Unreinheit und verbindet sie mit der makellosen Stätte.
20.
vaktraṃ tejomayaṃ tasya yenodgīrṇāḥ samantataḥ ||20||
Übersetzung: Deshalb heißt der Erhabene derjenige, dessen Haupt Ishana ist. Sein Gesicht besteht aus Licht; aus ihm strömen nach allen Seiten
21.
puṃśabdaḥ pavane proktaḥ punātyasmiṃścarācare ||21||
Übersetzung: mächtige Funken des Erkenntnisfeuers und erfüllen die ganze Welt. Das Wort Pum wird hier mit Reinigen verbunden: In dieser beweglichen und unbeweglichen Welt reinigt es
22.
calacchaktimayaṃ vaktraṃ tacca sarvagataṃ vibhoḥ ||22||
Übersetzung: die Menschen von der Masse ihrer Unwissenheit. Darum wird es Purusha genannt. Das Gesicht des Allgegenwärtigen besteht aus bewegter Shakti und ist überall gegenwärtig.
23.
sadbhāvo hṛdayaṃ proktamaghoraḥ śānta ucyate ||23||
Übersetzung: Weil Purusha in diesem Gesicht gegenwärtig ist, heißt der Herr Purusha-gesichtig. Das Herz bezeichnet das wahre Wesen; Aghora bedeutet friedvoll, nicht schrecklich.
24.
sa yasmānneṣyate patyuraghorahṛdayastataḥ ||24||
Übersetzung: Seinem wahren Wesen nach ist er ganz Frieden. Schrecklich ist vielmehr der Samsara. Weil dieser dem Herrn nicht zukommt, heißt er derjenige, dessen Herz Aghora ist.
25.
vāmodgārairyataḥ kartā karoti racanāṃ sphuṭam ||25||
Übersetzung: Vama wird als das Verborgene bezeichnet: Es ist das im Handeln bestehende Licht des Herrn. Durch dessen Ausströmungen bringt der Schöpfer deutlich die vielfältige Ordnung hervor,
26.
vāmoktyā viparītatvaṃ prapañce'smin sadāśivaḥ ||26||
Übersetzung: die als Folge der Welten und als Gesamtheit der Tattvas bezeichnet wird. Vama bedeutet auch verkehrt oder entgegengesetzt; in dieser Entfaltung zeigt sich Sadashiva
27.
pradadātyaṇusaṅghebhyo yatphalaṃ manasepsitam ||27||
Übersetzung: darin, dass er den Scharen der Seelen selbst durch entgegengesetztes, scheinbar widersprüchliches Wirken die von ihnen ersehnten Früchte gewährt.
28.
mūrtiḥ śarīraṃ yattasya svavīryavibhavātmakam ||28||
Übersetzung: Darum wird der erhabene Gott als Vama im verborgenen Bereich beschrieben. Murti ist sein Leib, der aus der Fülle seiner eigenen Kraft besteht.
29.
svabhāvasyāparo bhāvaḥ sā krīḍetyupacaryate ||29||
Übersetzung: Er ist unmittelbar aus dem höchsten Zustand hervorgegangen, deutlich offenbar zum göttlichen Spiel. Eine andere Erscheinungsweise seines eigenen Wesens wird bildlich dieses Spiel genannt.
30.
evaṃ mantrāstu pañcaite yairnibaddhatanuḥ śivaḥ ||30||
Übersetzung: Weil er unmittelbar Gestalt annimmt, heißt er Sadyomurti, unmittelbar entstandene Gestalt. Dies sind die fünf Mantras, die Shivas Leib bilden.
31.
tadapyatra tathā siddhaṃ śaktitrayanidarśanāt ||31||
Übersetzung: Aus diesen fünf ist sein makelloser, heilsamer Leib gefügt. Auch das wird hier durch die Erläuterung der drei weiteren Kräfte verständlich.
32.
haraṇaṃ hāniruddiṣṭā bhogeṣvabhiratātmanām ||32||
Übersetzung: Die Harini genannte Shakti Shivas ist die fortnehmende Kraft des Wegnehmenden. Dieses Fortnehmen bedeutet den Entzug der Erfahrung für jene,
33.
nivartayati saṃbhogaṃ tasminneva bhavālaye ||33||
Übersetzung: deren Wesen an Erfahrungen hängt: Sie tritt allmählich an die individuellen Seelen heran, löst rasch ihren subtilen Leib auf und beendet ihre Erfahrung im jeweiligen Daseinsbereich.
34.
athavonnatisāmarthyātpumanudhyātamādarāt ||34||
Übersetzung: Sie vermag sie dort wieder einzusetzen und untersteht dabei dem Willen des Herrn. Oder sie ergreift eine Seele aufgrund der Kraft zu ihrem Aufstieg, nachdem diese sorgsam erwogen wurde,
35.
haraṇāddhāriṇī harturharyeṣvevopalakṣyate ||35||
Übersetzung: und führt sie kraftvoll zu der zuvor von Shiva bestimmten höchsten Stätte. Weil sie fortnimmt, heißt diese Kraft des Wegnehmenden Harini; an den Fortgenommenen wird sie erkannt.
36.
vyāghātabhāk tatastasya sā śaktiḥ pārameśvarī ||36||
Übersetzung: Denn die erfahrende Seele ist nicht unabhängig; sie bewegt sich im Bereich der Bindungen und kann in ihrer Tätigkeit gehemmt werden. Daran wird diese Kraft des höchsten Herrn
37.
jananī kāraṇasthoktā śaktiryā krīḍataḥ prabhoḥ ||37||
Übersetzung: in ihrem Wirken erkannt, ohne dass sie ihre eigene Macht verliert. Janani heißt die im ursächlichen Bereich bestehende Kraft des spielenden Herrn.
38.
māyātmake'ṇubījānāṃ jananī jananātmikā ||38||
Übersetzung: Aus eigener Macht tätig, gleicht sie Wasser, das auf die Erde fällt. Auf dem Boden der Maya lässt sie die Seelenkeime hervortreten; sie ist die gebärende Mutter.
39.
jagato'syākhilasyāpi tasmājjanayitā pitā ||39||
Übersetzung: Durch diese in eigener Macht wirkende Kraft ist Shiva, dessen Leib aus fünf Mantras besteht, der Erzeuger und Vater dieser ganzen Welt.
40.
pradṛśyate'ṇusaṃghasya mātā janmani janmani ||40||
Übersetzung: So zeigt sich die mit überaus feinen Strahlen wirkende, hervorbringende Shakti als Mutter der Seelenscharen, Geburt für Geburt.
41.
lakṣyate paśusaṃghasya niyamasthitidāyikā ||41||
Übersetzung: Rodhayitri ist die hemmende Kraft des grenzenlosen, überall gegenwärtigen Herrn. Sie verleiht den Scharen gebundener Seelen ihren geregelten Zustand.
42.
śaktiḥ sā rodhayitryuktā yato rodhayitā prabhuḥ ||42||
Übersetzung: Sie vermag die in Erfahrungen versunkene Welt innerhalb ihrer Ordnung festzuhalten. Darum heißt sie Rodhayitri, und der Herr wird als der Hemmende bezeichnet.
43.
bhramatyajñānamohena duḥkhādiparitāpitam ||43||
Übersetzung: Von den drei Kräften des Herrn durchdrungen, kreist die ganze bewegliche und unbewegliche Welt umher, durch Unwissenheit verwirrt und von Leiden gequält,
44.
na patatyatitejasvinityānugrahaśālinī ||44||
Übersetzung: bis die enthüllende Shakti auf sie herabkommt: mit Liebe zu Shiva verbunden, überaus strahlend und von beständiger Gnade erfüllt.
45.
buddhirutpadyate'kasmādvivekenātmavartinā ||45||
Übersetzung: Durch ihr Herabkommen erwacht auch in einem unwissenden, noch begehrenden Menschen plötzlich Einsicht, getragen von einer in ihm selbst aufsteigenden Unterscheidungskraft.
46.
jijñāsopetacaitanyaṃ paśuṃ saṃsārasāgarāt ||46||
Übersetzung: In dem unterscheidenden und nicht mehr anhaftenden Menschen entsteht dann der Wunsch zu erkennen. Die Seele, deren Bewusstsein von diesem Erkenntnisverlangen erfüllt ist,
47.
preraṇe prerakaḥ śrīmāndvayorapi sa mantrarāṭ ||47||
Übersetzung: verbindet der antreibende Herr mit dem Weg, weil er sie aus dem Ozean des Samsara herausheben will. Er führt die Verbindung herbei und setzt sie in Bewegung; beide Seiten lenkt dieser erhabene König der Mantras.
48.
kāruṇye tvanayoryasmāttayoryogaḥ sudurlabhaḥ ||48||
Übersetzung: Er weckt im Empfänger der Gnade die Bereitschaft, sich führen zu lassen, und im Gnadenspendenden das Mitgefühl. Denn die Verbindung dieser beiden ist schwer zu erlangen.
49.
muktaye gurunāmānaṃ vyaktaṃ vartma sunirmalam ||49||
Übersetzung: Ohne die Gnade des Herrn findet die individuelle Seele jenes Tor zur Befreiung nicht, das Guru genannt wird: den offenbaren, vollkommen reinen Weg.
50.
tasya devādidevasya kāraṇatvamaninditam ||50||
Übersetzung: Wenn die Seelen ihn erreichen, werden sie vollendet und gelangen zur Herrschaftsfähigkeit. So ist die makellose Ursächlichkeit des Gottes der Götter zu verstehen.
51.
teṣāṃ bhuvanavinyāsaḥ svāsu svāsu vibhūtiṣu ||51||
Übersetzung: Die großen göttlichen Weltenherrscher stehen unter der Weisung des Herrn. Ihre Welten sind jeweils innerhalb ihres eigenen Machtbereichs angeordnet.
52.
yasteṣāṃ vibhavaḥ sūkṣmaḥ sūkṣmācāraśca suvrata ||52||
Übersetzung: Diese reinen großen Wesen sind nicht zu zählen. Ihre Herrlichkeit ist fein, und fein ist ihre Lebensweise, du mit den guten Gelübden.
53.
prāṇinaḥ śuddhavṛttisthāḥ satataṃ dhyānatatparāḥ ||53||
Übersetzung: Diese mächtigen Wesen genießen die Erfahrungen, die ihr Geist ersehnt. Sie leben in reiner Tätigkeit und sind beständig der Meditation hingegeben.
54.
merupṛṣṭhaṃ yathā prāptāstṛṇaloṣṭādayo bhṛśam ||54||
Übersetzung: Ihr Denken ist Sadashiva anvertraut; hier ist ihre Stätte beschrieben. Wie Grashalme, Erdklumpen und Ähnliches, wenn sie auf die Höhe des Meru gelangen,
55.
sadāśivasamāḥ sarve kiṃ tu te seśvarā matāḥ ||55||
Übersetzung: zu Gold werden, so sind in der Stätte Sadashivas alle Sadashiva gleich. Dennoch gelten sie als Wesen, die einen Herrn über sich haben.
56.
yāvaddhareṇa hāriṇyā na samyagdhriyate balāt ||56||
Übersetzung: Solange die individuelle Seele in der Folge des Werdens steht, gilt sie als etwas Bewirktes, bis Hara sie durch Harini vollständig und kraftvoll emporhebt.
57.
na taṃ prati kadācitsyātso'pi kāryatvagocarāt ||57||
Übersetzung: Ist die Seele dann im Shiva-Sein gehalten, wirkt die Ursache ihr gegenüber nicht mehr als hervorbringender Urheber. Auch sie ist aus dem Bereich des Bewirktwerdens
58.
dānaṃ nāma svasattaiva yā sā jñānakriyātmikā ||58||
Übersetzung: durch die Macht des Herrn herausgetreten und ruht in der Stätte des Friedens. Die Gabe besteht in ihrem eigenen Sein, dessen Wesen Erkennen und Handeln ist.
59.
patyurdānaṃ tadevoktam na svayaṃ vyajyate paśoḥ ||59||
Übersetzung: Diese ihre Kraft wird durch die Berührung des Herrn vollkommen rein und offenbar. Eben das heißt die Gabe des Herrn: Aus sich allein wird sie in der gebundenen Seele nicht offenbar.
60.
tathā mayoktaḥ sakalākaloktyā śaktervibhāgaṃ hyadhunā vidhāsye ||60||
Übersetzung: So habe ich erklärt, wie der ewige, unveränderliche Führer und Lenker des Alls im Weltweg gegenwärtig ist, und ihn als Sakala und Akala beschrieben, mit und ohne Gliederung. Nun werde ich die Unterscheidungen seiner Shakti darlegen.
Vidyāpāda, Kapitel 5
Übersetzung: Untersuchung der Shakti
1.
tāścaivātrādhikāriṇyaḥ pratītāḥ sarvagocarāḥ ||1||
Übersetzung: Nun zu den Shaktis, die in Ursache und Wirkung gegenwärtig sind. Hier sind sie als wirkende Kräfte bekannt, deren Bereich alles umfasst.
2.
darśayanti svamātmānamadhikāre niyojitāḥ ||2||
Übersetzung: In dem Ishvara genannten Tattva werden sie offenbar. Zum Wirken eingesetzt, zeigen sie ihr eigenes Wesen.
3.
tattvaṃ vastupadaṃ vyaktaṃ sphuṭamāmnāyadarśanāt ||3||
Übersetzung: Ein Tattva ist eine Wirklichkeit, die ihre eigenen Eigenschaften offenbart. Dass dieses Wort eine wirkliche Gegebenheit bezeichnet, geht deutlich aus der überlieferten Lehre hervor.
4.
tatamanyena vā yatsyāttattattvaṃ tattvasantatau ||4||
Übersetzung: Es weicht nicht von seiner eigenen Wirkungsweise ab. So steht die Welt unter der Macht der Shakti. Auch das, was von einem anderen Prinzip durchdrungen wird, heißt innerhalb der Folge der Prinzipien Tattva.
5.
śivecchānumatāḥ sarve jagataḥ prabhaviṣṇavaḥ ||5||
Übersetzung: In eben diesem Ishvara-Tattva verweilen die höchsten Herren. Alle handeln mit Zustimmung von Shivas Willen und besitzen Macht über die Welt.
6.
ramante vividhairbhogairbhuvaneṣu mahatsu ca ||6||
Übersetzung: Ihre Kräfte sind durch die beglückende Wirkung von Shivas Shakti vollständig erschlossen. In großen Welten erfreuen sie sich vielfältiger Erfahrungen,
7.
itthaṃ guṇayutāḥ sarve boddhāraḥ pārameśvarāḥ ||7||
Übersetzung: begleitet von herrlichen Vidyas und Vidyeshvaris. Makellos und mit solchen Eigenschaften ausgestattet, sind sie erkennende Wesen, die dem höchsten Herrn zugehören.
8.
jyeṣṭho'dhikārī viśvātmā vṛto rudraiḥ sahasradhā ||8||
Übersetzung: Ihr Führer ist ein kraftvoller, fähiger höchster Herr, der älteste Amtsträger von universaler Gestalt, umgeben von Rudras zu Tausenden.
9.
paripāṭyāgataḥ prāptaḥ sa ca tasmai samarpite ||9||
Übersetzung: Weil er zum Schöpferwirken befähigt ist, empfängt er seinen Auftrag von Shiva in der festgelegten Reihenfolge. Wenn das Amt dem Nachfolger übertragen wird,
10.
tatastasminsamārūḍhe pañcamantratanuḥ śivaḥ ||10||
Übersetzung: zieht sich Ananta von unendlicher Kraft zurück, weil seine Aufgabe erfüllt ist. Nachdem er aufgestiegen ist, erteilt Shiva, dessen Leib aus fünf Mantras besteht,
11.
sa ca prāptavaraḥ śrīmānbharturājñānuvartakaḥ ||11||
Übersetzung: dem großen Vidyeshvara Sukshma die Weisung. Dieser Erhabene empfängt die Gabe und folgt dem Befehl des Herrn.
12.
nivartayatyadhaścakraṃ yattanmāyātmakaṃ jagat ||12||
Übersetzung: Von ihm abhängig, nimmt der Ruhmreiche die Stätte Anantas ein und vollzieht das Wirken am unteren Weltenkreis, der aus Maya besteht.
13.
pradadātīśasaṃghasya kāraṇatvamaninditam ||13||
Übersetzung: Ebenso verleiht Shiva beim Rücktritt Sukshmas dem Shivottama die makellose Ursächlichkeit innerhalb der Schar dieser Herren.
14.
yāvatsā paramā kāṣṭhā tāvaccakrasya kāraṇam ||14||
Übersetzung: Jedes dieser großen Wesen geht von Stätte zu Stätte, bis zur höchsten Stätte. So bleibt die Ursächlichkeit für den Weltenkreis gewahrt.
15.
niyunakti pade tasminyavīyāṃsaṃ śikhaṇḍinam ||15||
Übersetzung: Damit die Folge der Rudras nicht abreißt, erfüllt er den jüngeren Shikhandin mit der Macht der Shakti und setzt ihn an der entsprechenden Stätte ein.
16.
ananteśasya nāthasya yatastebhyo mahattamaḥ ||16||
Übersetzung: So folgen sie alle dem Herrn Anantesha und erfüllen seinen Willen, denn er ist der Größte unter ihnen.
17.
na kevalaṃ maheśānā vidyāścāmitavikramāḥ ||17||
Übersetzung: Von ihm abhängig wirken sie alle in Glückseligkeit. Dies gilt nicht nur für die großen Herren, sondern auch für die Vidyas von unermesslicher Macht.
18.
vidyātattvavidhau vācyāstāsāmeva vibhūtayaḥ ||18||
Übersetzung: Fünfunddreißig Millionen sind durch ihre Beauftragung eingesetzt. Ihre Herrlichkeitsbereiche werden bei der Darstellung des Vidya-Tattvas erklärt.
19.
tena sarvaṃ vijānāti karoti ca mahābalaḥ ||19||
Übersetzung: Anantas Wesen ist von der Kraft der Shakti des Herrn erfüllt. Dadurch weiß der Mächtige alles und vollbringt alles.
20.
tayā prabhuḥ prabuddhātmā svatantraḥ sa sadāśivaḥ ||20||
Übersetzung: Die Shakti des Herrn ist höchste und feine Kraft, fähig, die Welt zu entfalten. Durch sie ist der unabhängige Herr Sadashiva vollkommen erwacht.
21.
dvidhā bhedaṃ samāpannā sthānabhedena sā punaḥ ||21||
Übersetzung: Von der Erkenntniskraft getragen, erkennt der überaus Strahlende. Diese Kraft wird wiederum zweifach, entsprechend ihrem unterschiedlichen Sitz.
22.
tatsāmarthyādanantasya tattejaḥ pārameśvaram ||22||
Übersetzung: Je nach ihrem Sitz zeigt sich ihre schöpferische Wirksamkeit. Kraft dieser Fähigkeit Anantas erscheint jenes Licht des höchsten Herrn
23.
atiraskṛtasāmarthyaṃ jagatyasminsitāsite ||23||
Übersetzung: in sechzehn Unterscheidungen. Es ist heilsam und besteht aus Handeln und Erkennen; seine Macht wird in dieser reinen und unreinen Welt nicht gehindert.
24.
kṣobhikā jananī caiva rodhayitrī ca kīrtitā ||24||
Übersetzung: Es umfasst die Gesamtheit der Tätigkeiten und breitet sich unter verschiedenen Namen aus: Kshobhika, Janani und Rodhayitri werden genannt,
25.
raudrī ca plāvikā śraddhā bhāvikā dvādaśī matā ||25||
Übersetzung: ferner Goptri, Netri, Yoktri, Trana, Vama, Niyamika, Raudri, Plavika und Shraddha; Bhavika wird als zwölfte gezählt.
26.
daśa ṣaṭ ca parāḥ sūkṣmāḥ śaktayo'nantatejasaḥ ||26||
Übersetzung: Dazu kommen Jvala, Prahladini, Stambhini und Vikira. Dies sind die sechzehn höchsten, feinen Kräfte des Lichtes Anantas.
27.
vaktavyā yā yathātattvaṃ tattvadharmeṇa saṃgatāḥ ||27||
Übersetzung: Neben ihnen gibt es unzählige weitere, die auf dem Weg der Tattvas gegenwärtig sind. Sie sollen jeweils entsprechend dem Tattva und seinen Eigenschaften erläutert werden,
28.
tatra tāvadanantasya krīḍataḥ patyuricchayā ||28||
Übersetzung: in knapper Form und mit klarem Sinn, ohne weitläufige Ausführung. Zuerst zu Ananta, der nach dem Willen des Herrn sein Spiel entfaltet:
29.
kṣobhenātijavātkartuḥ śarīramabhavatpurā ||29||
Übersetzung: Das Heraustreten aus dem eigenen ruhenden Zustand heißt Spiel; es wird auch Erregung genannt. Durch diese Erregung entstand rasch der Leib des Wirkenden,
30.
vyāpārasthitaye'ṇūnāṃ kṛtavānbhuvanaṃ mahat ||30||
Übersetzung: mit dem er aus dem Ishvara genannten Tattva der Erfahrung herabstieg. Für die Tätigkeit und den Aufenthalt der Seelen schuf er eine große Welt.
31.
acālyakriyāyuktaḥ śaktyā kṣobhikayā tadā ||31||
Übersetzung: Durch die Macht seiner Scharen von Shaktis setzte der Herr der Götter damals das Maya-Tattva in Bewegung, tätig durch die Kraft Kshobhika.
32.
paśūnāṃ sahasā kṣobhaṃ prakarotyavyayātmikā ||32||
Übersetzung: Diese unvergängliche Kraft erregt plötzlich auch die Seelen, die in den reinen und unreinen Bereichen der geordneten Welt verweilen.
33.
vibhrāntacitto viratastathāpi na vimuñcate ||33||
Übersetzung: Die erschütterte Seele verliert ihre Bindung an eine Stätte und gelangt zu einer anderen. Ihr Geist gerät in Unruhe; obwohl sie sich abgewandt hat, vermag sie doch nicht loszulassen,
34.
evaṃ hi kṣobhako devaḥ kṣobhyāśca paśavaḥ smṛtāḥ ||34||
Übersetzung: weil sie das Höhere noch nicht erreicht und ihre Sinne durch Kshobhika aufgewühlt sind. So heißt der Gott der Erregende; die gebundenen Seelen sind die Erregten.
35.
karotyucchūnatāṃ bhāvaṃ bhogābhimukhatāṃ tu yā ||35||
Übersetzung: Die Kraft, welche die im Schoß der Maya versunkene Seelenschar anschwellen lässt und der Erfahrung zuwendet, ist Janani.
36.
janitā lakṣyate'ṇūnāṃ patirjanmani janmani ||36||
Übersetzung: Durch Janani hervorgebracht, hängt die gebundene Seele an Erfahrungen. In jeder Geburt zeigt sich der Herr als Erzeuger der Seelen.
37.
janayitvā tu janyasya paśoḥ sa parameśvaraḥ ||37||
Übersetzung: Der höchste Herr bringt für die hervorgebrachte Seele einen Zustand hervor, der sich von ihrem eigenen Wesen unterscheidet, sei er günstig oder ungünstig.
38.
rodhayitrī tu yā patyurāvṛtya jagadāturam ||38||
Übersetzung: Die Kraft, durch die er ihr die entsprechenden Erfahrungen vollständig gewährt, heißt Janani. Rodhayitri dagegen umhüllt die leidende Welt
39.
kartavyeṣvatha kāryeṣu prasthitasya kriyāvataḥ ||39||
Übersetzung: und hält die Seele, selbst gegen ihren Willen, kraftvoll in ihrem Zustand fest. Wenn jemand mit seinen Aufgaben und Handlungen begonnen hat,
40.
pravartate na sāmarthyādutsāhe ca vimūḍhadhīḥ ||40||
Übersetzung: bindet sie seinen Geist an diese Tätigkeit. Die Seele handelt dann auf sie hin, obwohl ihre eigene Befähigung und ihr eigener Antrieb durch Verwirrung beeinträchtigt sind.
41.
dharmādharmavipākeṣu bhokturabhyudyatasya hi ||41||
Übersetzung: Diese Shakti heißt Rodhayitri; durch sie ist der Herr der Hemmende. Für den Erfahrenden, der auf die Reifung guten und schlechten Handelns zugeht,
42.
goptrī gopayituṃ śaktā jagadetaccarācaram ||42||
Übersetzung: breitet sich eine andere Kraft aus, um Unordnung zu verhindern und Schutz zu gewähren: Goptri vermag die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt zu behüten.
43.
nānyena śakyate bhoktuṃ goptyā saṃvartulīkṛtam ||43||
Übersetzung: Den Seelenscharen bewahrt sie sorgsam die jeweils ihnen angemessene Frucht. Was Goptri einer Seele zugeordnet hat, kann keine andere erfahren.
44.
na śakyate vaśīkartuṃ yato'mūrte hyacetane ||44||
Übersetzung: Auch kann die Seele nicht willkürlich durch Freude und Leid beherrscht werden, denn diese sind ohne körperliche Gestalt und ohne Bewusstsein.
45.
na jahyāttadvirāgo'pi yato goptyā tu rakṣyate ||45||
†
Übersetzung: Unter der lenkenden Macht Goptris erhält sie die ihr bestimmte Frucht. Auch wenn sie sich davon abwendet, entgeht sie ihr nicht einfach, denn Goptri bewahrt diese Zuordnung.
46.
sthānaṃ nayati yā patyuḥ śaktirnetrīti sā smṛtā ||46||
Übersetzung: Die Kraft des Herrn, welche die Seele aus einer Stätte, deren Möglichkeiten erschöpft sind, kraftvoll zu einer anderen Stätte führt, heißt Netri.
47.
janmanyapaścime spṛṣṭo yadā śaktyā ca bhāvitaḥ ||47||
Übersetzung: Oder der Herr führt einen Menschen, dessen gesamtes Karma vernichtet ist: Wenn dieser in seiner letzten Geburt von der Shakti berührt und durchdrungen wird,
48.
netryā nayatyasaṃdehādyattatpadamanāmayam ||48||
Übersetzung: führt Parameshvara ihn, nun von Unreinheit befreit und friedvoll, durch Netri gewiss zu jener Stätte, die frei von allem Übel ist.
49.
pare ca netryopodvyūḍhaṃ yuṅkte bhartṛvaśānugā ||49||
†
Übersetzung: Yoktri vermag die Seele mit den verschiedenen Geburtsformen zu verbinden. Sie verbindet die von Netri emporgeführte Seele auch mit dem Höchsten und folgt dabei dem Willen des Herrn.
50.
puṃduḥkhāntaramāviśya trāṇā vai pārameśvarī ||50||
Übersetzung: Ist ein Mensch dem feindlichen Leid ausgeliefert, gequält und zutiefst verwirrt, tritt die Trana genannte Kraft des höchsten Herrn zwischen ihn und sein Leid.
51.
svasthastvatra bhavedyasmāttasmāttrātā prabhuḥ smṛtaḥ ||51||
Übersetzung: Sie vermag beide voneinander zu trennen. Weil die Seele dann von Furcht befreit zu sich selbst kommt, heißt der Herr der Retter.
52.
plavante'viralenaiva vāsitāḥ svena karmaṇā ||52||
Übersetzung: Vama wird als abwärts führender Strom bezeichnet. In ihm treiben die individuellen Seelen unablässig dahin, von ihrem eigenen Karma geprägt.
53.
niyāmitāśca balavatsvocitāsvaṇuvṛttiṣu ||53||
Übersetzung: Ihre Kräfte sind gehemmt; verwirrt und von Vama beherrscht, werden sie machtvoll in den ihnen jeweils entsprechenden Tätigkeiten festgehalten.
54.
prakṛtyādhomukhaṃ samyak caitanyaṃ niyamātmikā ||54||
Übersetzung: Sie sehen die höchste Stätte nicht, sind nicht frei von Anhaftung und verlangen nach Erfahrung. Die ordnende Kraft hält ihr Bewusstsein, das sich natürlicherweise nach unten richtet,
55.
asyāḥ śaktermayākhyātaṃ vāmā ceti niyāmikā ||55||
Übersetzung: in dieser Bindung fest. Deshalb habe ich dir, Weiser, für diese Shakti zwei Namen genannt: Vama und Niyamika.
56.
raudraṃ bhayānakaṃ viddhi māyāvaṭasugahvaram ||56||
Übersetzung: Eine andere Kraft vermag die schmerzhafte Masse der Bindungen des Erfahrenden aufzulösen. Erkenne als schrecklich die tiefe, schwer zugängliche Grube der Maya.
57.
yā plāvayati saṃtaptaṃ bhogāmṛtasuśīkaraiḥ ||57||
Übersetzung: Weil sie daraus emporhebt, heißt sie Raudri; sie folgt Rudra. Die Kraft, die den Gequälten mit wohltuenden Tropfen des Nektars der Erfahrung überströmt,
58.
plāvikeyaṃ samudiṣṭā tantre'sminpārameśvare ||58||
Übersetzung: dabei die Folge seines Leidens abwischt und den Erfahrenden der Erfahrung zuwendet, heißt in diesem Tantra des höchsten Herrn Plavika.
59.
svācāramavamatyāśu tadratau saṃpravartate ||59||
Übersetzung: Durch Shraddha beherrscht, kann jemand selbst an verwerflichen Erfahrungen Gefallen finden. Er missachtet rasch seinen eigenen rechten Lebenswandel und wendet sich ihrem Genuss zu.
60.
dharmādharmadvayāvasthaṃ tayorasyādhikekṣaṇam ||60||
Übersetzung: Diese handelnde Kraft des Schöpfers heißt Shraddha, überzeugte Hinwendung. Sie besteht im Bereich sowohl guten als auch schlechten Handelns; zwischen diesen beiden lenkt sie seine stärkere Aufmerksamkeit.
61.
yenābhāve'pi bhāvatvaṃ tadvaśātpratipadyate ||61||
Übersetzung: Bhavika prägt die individuelle Seele durch ihr eigenes Licht. Unter ihrer Macht nimmt die Seele sogar etwas Nichtvorhandenes als vorhanden an.
62.
tānprajvālya ruṣāniṣṭānsadbhogeṣvaṇumajjayet ||62||
Übersetzung: Eine weitere Kraft erschließt die Fähigkeit des Bewusstseins, das in schlechte Erfahrungen versunken ist. Sie verbrennt diese unerwünschten Erfahrungen kraftvoll und lässt die Seele in gute Erfahrungen eintauchen.
63.
jugupsate jagatsarvamanityamaśubhāvaham ||63||
Übersetzung: Oder ein Mensch, dessen Inneres hell erstrahlt und den Jvala erfasst, wendet sich von der ganzen Welt ab, weil sie vergänglich ist und Unheil mit sich bringt.
64.
tadāhlāditasarvāṅgaḥ prahlādinyā guruṃ prati ||64||
Übersetzung: Dann verbindet der erhabene Herr ihn mit seiner eigenen Lehre. Durch Prahladini am ganzen Wesen erfreut, wendet er sich dem Guru zu,
65.
snigdho'tirikto hṛṣṭātmā sahiṣṇuḥ kṛtaniścayaḥ ||65||
Übersetzung: mit dem einzigen Wunsch zu hören und zu dienen, innerlich gereift und ohne Begierde, liebevoll, von besonderer Hingabe, freudig, geduldig und fest entschlossen.
66.
parairvikleśyamāṇo'pi prayogairvividhairbhṛśam ||66||
Übersetzung: Selbst wenn ihm hundertfach Unrecht geschieht, er immer wieder verletzt und von anderen mit vielerlei Mitteln schwer bedrängt wird,
67.
śaktiḥ prahlādinī patyuḥ sadā prītivivardhinī ||67||
Übersetzung: verliert er durch die Kraft dieser beständigen inneren Freude nicht seine Hingabe. Prahladini ist die Shakti des Herrn, die fortwährend die Liebe vermehrt.
68.
yatra yatra sthito'samyagudvegavaśago'pi san ||68||
Übersetzung: Von der Kraft Stambhini sorgsam ergriffen und festgehalten, bleibt ein Mensch dort, wo er sich befindet, selbst wenn er sich nicht richtig verhält und von Unruhe beherrscht wird.
69.
vikirā nāma yā proktā tayā sa parameśvaraḥ ||69||
Übersetzung: Er bewegt sich nicht fort, so sehr ist er gebunden und von Stambhini stillgestellt. Durch die Vikira genannte Kraft dagegen lässt Parameshvara
70.
saṃkṣubdhaṃ granthivivarātkṣobhitasya jagadvidheḥ ||70||
Übersetzung: die bewegliche und unbewegliche Welt, die als Elemente, Zustände und Tattvas beschrieben wird, aus der Öffnung des erregten Weltknotens hervortreten.
71.
vikiriṇyā yathopāttaṃ svāṅgāvayavagocare ||71||
Übersetzung: Zuerst setzt er sie durch Kshobhika in Bewegung; danach breitet er sie durch Vikirini aus, entsprechend der angenommenen Gliederung seiner eigenen Teile.
72.
anādi yadbalaṃ puṃsāṃ śarīrāvadhi niścayāt ||72||
Übersetzung: Er macht die Körper der Welt in tausendfacher Weise offenbar. Die anfangslose Kraft der Menschen, die bis in ihre Verkörperung reicht,
73.
nātiriktaṃ na ca nyūnaṃ yugapadvedyameva tat ||73||
Übersetzung: verteilt er nach dem Gesetz ihrer jeweiligen Begrenzung und bringt sie ins rechte Verhältnis, weder zu viel noch zu wenig. Dies ist als ein zusammenhängender Vorgang zu verstehen.
74.
paramārthena nānto'sti jagatyasminpravistaraiḥ ||74||
Übersetzung: So sind die Kräfte der Ursache nur in ihren Grundrichtungen aufgezeigt. In Wahrheit haben ihre Entfaltungen in dieser Welt kein Ende.
75.
prakāśitaṃ yābhirudāravṛttaṃ svakaṃ svakaṃ kāraṇakāryabhāvāt ||75||
Übersetzung: Sie gehen aus dem Schöpfer hervor, von unfehlbarer Kraft, und breiten sich in den Erscheinungen der Welt aus. Durch Ursache und Wirkung machen sie jeweils ihre eigene erhabene Wirksamkeit sichtbar.
76.
bhogeṣu paktyā punarāgatānāṃ vibhājitaṃ karmaphalaṃ yathāvat ||76||
Übersetzung: Sie erschließen die besonderen Formen der Bindung, statten alle Seelen mit ihren Möglichkeiten aus und teilen jenen, die zur Erfahrung zurückkehren, die Früchte des gereiften Karmas ordnungsgemäß zu.
77.
patiprasaṅgena hi sūcitāste vidyāmidānīṃ śṛṇu vipramukhya ||77||
Übersetzung: Diese großen Shaktis des Herrn, die seiner eigenen Macht unterstehen, sind Leuchten der gesamten Welt. Im Zusammenhang mit dem Herrn habe ich sie dir gezeigt. Höre nun über Vidya, bester Brahmane.
Vidyāpāda, Kapitel 6
Übersetzung: Seele, Bindung und Herr
Übersetzung: Matanga sprach:
1.
pratipattiryathā loke paśūnāṃ pāśasaṃcaye ||1||
Übersetzung: Nun soll erklärt werden, wie die in der Welt wirkende Schar der Kräfte des Weltenherrn an den Seelen und an der Gesamtheit ihrer Bindungen erkannt wird.
2.
sādhyasādhanabhāvoktyā yathāvatprakaṭaṃ bhavet ||2||
Übersetzung: Der zu Bindende, der Bindende und die Bindungen: Diese Dreiheit soll durch die Unterscheidung von Bewirktem und Bewirkendem klar hervortreten.
3.
sa evaṃ muniśārdūlo mataṅgaḥ pratyavasthitaḥ ||3||
Übersetzung: Dies ist vollständig zu erläutern; zunächst vernimm die Lehre der Vidya. Da erhob der hervorragende Weise Matanga einen Einwand.
4.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Darauf sprach der Erhabene zu dem hochherzigen Matanga: Als Pashu wird das Selbst bezeichnet, auch als Bewohner und Erkenner des körperlichen Feldes,
5.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: als Verkörperter, als Gehemmter und als Erfahrender. Die Seele wird nicht bloß dem Namen nach als ein Wesen bezeichnet, das einen Körper besitzt. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
6.
yathāmbudravyasaṃyogātspandanādivivartanam ||6||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Woher soll in diesem Körper ein Selbst kommen, das vom Körper verschieden ist? Wie durch die Verbindung von Wasser mit anderen Stoffen Bewegung und weitere Veränderungen entstehen,
7.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: so entsteht auch das Bewusstsein dieses Körpers aus einer Verbindung, Allgegenwärtiger. Doch wenn Bewusstsein nur aus einer Mischung von Stoffen entstünde, wie bei Wasser und anderen Dingen, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
8.
na śrotrādiparijñānaṃ narturno kāla eva ca ||8||
Übersetzung: wäre es nicht überall in gleicher Weise deutlich; auch Zusammenziehen und ähnliche Vorgänge, das Erkennen durch Gehör und die übrigen Sinne sowie die Ordnung der Jahreszeiten und der Zeit wären damit nicht erklärt.
9.
vṛddhiścedūṣmaṇā kasmāddhrāso vaidharmyataḥ sthitaḥ ||9||
Übersetzung: Ebenso wenig die Unterscheidung von Freude und Leid, Bewegung und Wachstum. Wenn Wachstum nur durch Wärme entsteht, warum gibt es dann als entgegengesetzten Vorgang das Schwinden?
10.
vyavahārācca sāṭopātpratijñāyāśca lakṣyate ||10||
Übersetzung: Aus dem Ruhen und Tätigwerden der Sinne, aus begründeter Überlegung, aus dem nachdrücklichen menschlichen Handeln und aus dem Fassen von Entschlüssen wird das Selbst erschlossen.
11.
na tatra svalpamapyasti vijñānaṃ munipuṅgava ||11||
Übersetzung: Denn auch wenn die stoffliche Verbindung noch besteht, sagt man von einem Menschen, er sei gestorben. Dann findet sich dort nicht einmal ein wenig Bewusstsein, bester Weiser.
12.
svāgraṃ vai śakyate spraṣṭuṃ tadvadbhūtātmavartmanā ||12||
Übersetzung: Ein Erfahrender des Erfahrbaren ist daher erwiesen. Eine Fingerspitze kann sich selbst nicht berühren; entsprechend verhält es sich mit den Elementen.
13.
jñānaṃ jñeyaṃ ca jñātā ca vibhaktāni pṛthak pṛthak ||13||
Übersetzung: Auch nach deiner Auffassung ist die Zusammensetzung der Elemente etwas Erfahrbares. Erkenntnis, Erkanntes und Erkennender sind jeweils voneinander zu unterscheiden.
14.
jñānaśakteryato jñātuḥ kartuścaiva na saṃśayaḥ ||14||
Übersetzung: Das Erkennbare ist die jeweilige eigene Beschaffenheit der Gegenstände. Es wird durch die Erkenntniskraft des Erkennenden und Handelnden erfasst; daran besteht kein Zweifel.
15.
bhogaiḥ prasādhyate bhoktā bhogāśca vividhā matāḥ ||15||
Übersetzung: Auch als unmittelbar wahrgenommen lässt er sich hier nicht ohne Weiteres ausweisen. Der Erfahrende wird aus den Erfahrungen erschlossen; diese sind vielfältig.
16.
tenāsau vāsitātmā tu paratra vinivedayet ||16||
Übersetzung: Die Erkenntnis, die aus dem Zusammentreffen von Sinn und Gegenstand entsteht, hat die Gestalt einer Vorstellung. Von ihr geprägt, kann der Erfahrende sie einem anderen mitteilen,
17.
yaḥ prapañco'numānākhyaḥ sāmānyo vyavahartṛṣu ||17||
Übersetzung: durch das deutliche Sprechorgan, das vom Geist erfüllt wird. Der unter den Menschen übliche Erkenntnisgang, der Schlussfolgerung heißt,
18.
saṃhatasyāsya sarvasya śayanāderivānvitaḥ ||18||
Übersetzung: lässt so das Selbst erschließen, wie am Beispiel von Auge und Spiegel. Für dieses gesamte Zusammengefügte ist, wie für ein Bett und ähnliche Gegenstände,
19.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: ein Benutzer und Erfahrender anzunehmen; er wird hier Purusha genannt. Manche geistreichen Denker nehmen dagegen nur einen Bewusstseinsstrom an, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
20.
nātmanyavasthitasyāsya vastuśūnyasya yuktitaḥ ||20||
Übersetzung: dessen Folge ununterbrochen fließt und dessen einzelne Momente fortwährend vergehen, ohne in einem Selbst zu ruhen und ohne eine bleibende Wirklichkeit zu besitzen.
21.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wie sollte dabei, Allgegenwärtiger, ein stets bestehender Sehender erkannt werden? Zunächst kann die Welt angesichts der Erkenntnismittel nicht einfach leer von Wirklichkeit sein. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
22.
nāsato vastuśūnyatvānmṛtpiṇḍānna paṭo yathā ||22||
Übersetzung: Man darf nichts ohne Erkenntnisgrund annehmen. Vorstellung entsteht auf der Grundlage von etwas Vorhandenem, nicht aus völligem Nichtsein: Wie aus einem Lehmklumpen kein Tuch entsteht.
23.
yadatītamatītaṃ tu smaraṇaṃ kena hetunā ||23||
Übersetzung: Wenn vorstellendes Bewusstsein vergeht, weil es keinen Bestand hat, bleibt das Vergangene vergangen. Durch welchen Grund wäre dann Erinnerung möglich?
24.
ājanmamaraṇāttasya na vijñānasya kutracit ||24||
Übersetzung: Wenn auf einen Augenblick immer nur ein genau gleichartiger Augenblick folgen sollte, dürfte es von der Geburt bis zum Tod beim Bewusstsein
25.
ekasmātpratyayādanyatpratyayāntaragocaram ||25||
Übersetzung: keine Abweichung geben. Eine solche zeigt sich aber überall. Ohne Übergang von einer Vorstellung in den Bereich einer anderen
26.
athavājasramutpattiriṣyate samavāyajā ||26||
Übersetzung: wären alle Yogis zugleich keine Yogis. Oder nimmt man eine unablässige Entstehung des Bewusstseins aus dem Zusammenwirken der Bedingungen an,
27.
na caivaṃ syāttato'nyadvā sthānaṃ jñānasya kathyatām ||27||
Übersetzung: dann dürfte das Bewusstsein niemals fehlen. So ist es aber nicht. Benenne daher einen anderen Träger der Erkenntnis.
28.
prāpnoti yuktidaurbalyāttathāpi sunirūpyatām ||28||
Übersetzung: Wie könnte ein anderer die Reifung einer Handlung empfangen, die einer vollbracht hat? Diese Begründung ist schwach; dennoch soll sie sorgfältig betrachtet werden.
29.
bhuṅkte'nyonyakṛtasyāpi yuktireṣā gatatrapā ||29||
Übersetzung: Niemand erfährt die Frucht einer guten oder schlechten Handlung, die ein anderer begangen hat. Die gegenteilige Begründung kennt keine Scheu vor diesem Widerspruch.
30.
ko vātra mucyate jñānādupāyādanya ātmanaḥ ||30||
Übersetzung: Wer hätte bei völliger Leerheit eine heilsame Handlung gelehrt, bester Weiser? Und wer außer dem Selbst würde durch Erkenntnis und den befreienden Weg frei?
31.
evaṃ karaṇakarmabhyāṃ kartā siddhyatyasaṃśayaḥ ||31||
Übersetzung: Die Werkzeuge sind hier deutlich vorhanden, und auch das Handeln ist offenbar. Aus Werkzeugen und Handlung ergibt sich daher ohne Zweifel ein Handelnder.
32.
vaktavyādānagamaneṣūtsargānandakarmaṇi ||32||
Übersetzung: Weil die Elemente unbewusst sind, kann ihre Tätigkeit nicht aus ihnen selbst hervorgehen: weder Sprechen, Ergreifen und Gehen noch Ausscheiden und geschlechtliches Erleben,
33.
anenaivānumānena citirjñānakriyātmikā ||33||
Übersetzung: noch Hören, Berühren und das Wahrnehmen von Form, Geschmack und Geruch. Durch eben diese Schlussfolgerung wird das Bewusstsein als seinem Wesen nach erkennend und handelnd
34.
āśirolakṣaṇe kāye yeyaṃ saṃvicciteḥ sadā ||34||
Übersetzung: in diesem Körper erkannt. Es lässt sich auch unmittelbar erläutern: Die beständige Erfahrung des Bewusstseins im Körper, der sich bis zum Scheitel erstreckt,
35.
bubhoja bhoktā tāṃ paścādahaṃ bhoktā ca nānyathā ||35||
Übersetzung: sei es Freude oder Unruhe, wird im Geist vorgestellt und vom Erfahrenden erlebt. Danach erkennt er: Ich war der Erfahrende, kein anderer.
36.
nādātmakena bhāvena vāyubhūtena lakṣyate ||36||
Übersetzung: Oder es wird durch beständige Bemühung unmittelbar erwiesen: Es zeigt sich als innerer Klang, verbunden mit dem Atem.
37.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Der Einwand lautet: Auch der Wind bewegt sich aufgrund des Verhältnisses von Träger und Getragenem, großer Weiser, und doch ist dieses Element unbewusst. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
38.
tasmādayaṃ na niyamaḥ sphuṭaḥ praspandanādikaḥ ||38||
Übersetzung: Auch am Magneten werden kraft seiner Wirksamkeit Bewegung und Ähnliches gesehen. Deshalb ist Bewegung allein kein eindeutiges Kennzeichen des Bewusstseins.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
39.
niścalatvaṃ hi vaidharmyaṃ taccaivātrobhayorapi ||39||
Übersetzung: Der Wind gilt seiner strömenden Natur nach als bewegt. Stillstand ist die entgegengesetzte Eigenschaft; doch beides kommt hier vor.
40.
asti dhārayitā tasmātprerakaśca na saṃśayaḥ ||40||
Übersetzung: Wie im Bereich der Ich-Erfahrung ein Selbst erschlossen wird, so auch im äußeren Bereich ein Träger. Deshalb gibt es einen Erhaltenden und einen Antreibenden, ohne Zweifel.
41.
tasyaivāpekṣate nityaṃ yoktāraṃ munipuṅgava ||41||
Übersetzung: Auch beim Wirken des Magneten liegt kein Gegenbeweis vor: Es bedarf stets dessen, der die Verbindung herstellt, bester Weiser.
42.
bhuṅkte prādhānikānbhogānsatataṃ kāraṇeraṇāt ||42||
Übersetzung: Darum besteht zweifellos ein Selbst in diesem unbewussten Körper. Unter dem Antrieb der Ursache erfährt es fortwährend die aus Pradhana hervorgehenden Erfahrungen.
Übersetzung: Matanga sprach:
43.
yadi nāma bhavatyeva pradhānasya kimāgatam ||43||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Wenn der Körper durch die Verbindung von Elementarteilchen unter dem Antrieb der Ursache entsteht, wozu wird dann noch Pradhana benötigt?
Übersetzung: Matanga sprach:
44.
śarīraghaṭanārambhastatpradhānamihocyate ||44||
Übersetzung: Das, worin die Elemente bei der Auflösung eingehen und woraus sie wieder hervorgehen, um mit dem Aufbau eines Körpers zu beginnen, wird hier Pradhana genannt.
Übersetzung: Matanga sprach:
45.
sthitaḥ saṃsthāpyate yasmātparvato'yaṃ mahītale ||45||
†
Übersetzung: Der Einwand lautet: Hier wird doch das Entstehen von etwas zuvor Nichtvorhandenem angenommen. Wie kann vom Hervortreten eines bereits Vorhandenen gesprochen werden? Sonst müsste man einen Berg, der schon auf der Erde steht, nochmals aufstellen.
46.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Nach dieser Logik müsste auch ein bereits Zerstörtes nochmals zerstört werden, Shankara! Die Antwort lautet: Wie ein Topf aufgrund seiner Möglichkeit, im Lehmklumpen vorhanden zu sein, daraus offenbar wird,
47.
śākalyāyāmavasthāyāṃ naṣṭa ityupacaryate ||47||
†
Übersetzung: so nennt man ihn im gewöhnlichen Sprachgebrauch entstanden, wenn er seine Funktion erfüllen kann. Wenn er in Scherben vorliegt, sagt man bildlich, er sei zerstört.
48.
tadvatpradhāne tattvānāṃ layo jñeyaśca suvrata ||48||
Übersetzung: Wie der ganze Feigenbaum im winzigen Samen enthalten ist, so ist das Ruhen der Tattvas in Pradhana zu verstehen, du mit den guten Gelübden.
Übersetzung: Matanga sprach:
49.
dūrvājāgo'vilomabhyo gomayācca yathotpalam ||49||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Diese Regel scheint nicht eindeutig. Man sieht doch Schilf aus einem Kuhhorn, Durva-Gras aus Ziegen- und Schafhaaren und einen Lotos aus Kuhmist entstehen.
50.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Du Kenner begründenden Nachdenkens, erkläre dies ohne Zweifel, Herr! Die Antwort lautet: Eben durch Schlussfolgerung sind innerhalb der Folge von Ursache und Wirkung
51.
na ca yannāsti tattasmādvyajyate niścitā matiḥ ||51||
Übersetzung: jeweils Übereinstimmung und Unterschied zu erfassen, hervorragender Weiser. Was in etwas überhaupt nicht vorhanden ist, kann daraus nicht offenbar werden; dies ist gewiss.
52.
yathoṣare tu bījānāmastitvādapyasaṃbhavaḥ ||52||
Übersetzung: Aber selbst bei Vorhandensein entsteht nicht überall dasselbe: Samen gehen trotz ihres Vorhandenseins auf unfruchtbarem Boden nicht auf.
53.
vandhyāyāḥ santatau kiṃ syādvicāro hyubhayātmakaḥ ||53||
†
Übersetzung: Auch wenn Frauen in ihrer Natur übereinstimmen, kommt es nicht bei allen zur Geburt. Wie steht es mit der Nachkommenschaft einer unfruchtbaren Frau? Die Betrachtung muss beide Seiten umfassen.
54.
sādhayenmuniśārdūla sthānamapyavicārataḥ ||54||
Übersetzung: Was aus etwas hervortritt, erweist dadurch sein entsprechendes Wesen und seinen Grund, hervorragender Weiser; das bloße Hervortreten allein darf nicht unbedacht ausgelegt werden.
55.
upalabdherabhāvādvā kāraṇātpratyavasthitaḥ ||55||
Übersetzung: Woher stammt die feste Behauptung, das Hervortreten von Nichtseiendem sei erwiesen? Beruht sie darauf, dass etwas nicht wahrgenommen wird, oder auf einem wirklichen ursächlichen Nachweis?
56.
tasya tasya tadābhāvo yacca draṣṭuṃ na śakyate ||56||
†
Übersetzung: Etwas kann wegen äußerster Feinheit, wegen Entfernung oder wegen eines Mangels des Auges nicht gesehen werden. Folgt daraus, dass das jeweils Ungesehene nicht besteht?
57.
tadā taṃ pratyabhāvaḥ syādanyatrāsti yathāmbhasaḥ ||57||
Übersetzung: Wenn du sein Nichtsein daraus ableitest, dass es keine Wirkung ausübt, gilt dieses Nichtsein nur in einer bestimmten Beziehung. Anderswo besteht es sehr wohl, wie Wasser.
58.
vaikalyāccakṣuṣo'sattadāgamasyāpyabhāvataḥ ||58||
Übersetzung: So wird es in der Welt selbst bei allgemein vorhandenen Dingen beobachtet. Wegen einer Beeinträchtigung des Auges oder weil keine Nachricht darüber vorliegt, gilt etwas als nicht vorhanden,
59.
yasya yasyendriyasyātha vaikalyaṃ dṛśyate mune ||59||
Übersetzung: obwohl es etwa einem von Durst Gequälten helfen könnte; dies lässt sich selbst feststellen. Wenn irgendein Sinn beeinträchtigt ist, Weiser,
60.
jñānacakṣurvihīnānāṃ pratyakṣādaparaṃ kutaḥ ||60||
Übersetzung: warum sollte daraus das Nichtsein seines Gegenstandes folgen? Wer das Auge der Erkenntnis nicht besitzt, wie sollte der über das unmittelbar Sichtbare hinausblicken?
61.
kāryeṇa kāraṇaṃ siddhaṃ tacca bhokturabhīpsitam ||61||
Übersetzung: Diese sichtbare bewegliche und unbewegliche Welt ist die Wirkung Pradhanas. Aus der Wirkung wird ihre Ursache erwiesen; die Welt ist das vom Erfahrenden begehrte Erfahrbare.
62.
evaṃ vadanti munayo hyātmā śuddhaḥ sadaiva tu ||62||
Übersetzung: Derjenige, der Erfahrung gewährt, ist der erhabene Gott Parameshvara. Manche Weisen sagen dagegen: Das Selbst ist immer rein,
63.
pradhānasyeṣyate sargaḥ sa ca sarvatra saṃsthitaḥ ||63||
Übersetzung: ohne Leidenschaft und von Natur aus frei; über ihm gibt es nichts Weiteres. Die Schöpfung wird Pradhana zugeschrieben, das überall gegenwärtig ist.
64.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Niemand wird in der Welt gebunden, und niemand wird befreit. Die Erwiderung lautet: Wenn das Selbst isoliert in sich ruht und Pradhana unbewusst ist, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
65.
sargasyāpi tadābhāvo yuktito'bhyupagamyate ||65||
Übersetzung: und wenn außerdem kein von beiden verschiedener Herr angenommen wird, muss man folgerichtig auch das Ausbleiben jeder Schöpfung zugestehen.
66.
na svataścāpyacaitanyātpradhānasyeṣyate jagat ||66||
Übersetzung: Soll sie aus ihrer Verbindung entstehen, dann wäre das Selbst begehrend, mit Sinnesvermögen und Teilen ausgestattet. Aus dem unbewussten Pradhana allein kann die Welt nicht hervorgehen.
67.
pratipattiriyaṃ prauḍhī bhavataḥ suvicāritā ||67||
Übersetzung: Unwissenheit und Ursächlichkeit, dazu ein Handeln für einen anderen, der gar nichts benötigt: Ist diese selbstsicher vorgetragene Auffassung wirklich sorgfältig durchdacht?
68.
pravṛttaṃ dṛśyate tasmātpradhānasyāpi śobhanam ||68||
Übersetzung: Wenn man sähe, dass Wasser von selbst zu einem heftig Durstenden hin tätig wird, dann wäre ein solches Wirken Pradhanas gut begründet.
69.
gavi tatrāsti caitanyaṃ prerakaṃ payaso hi tat ||69||
Übersetzung: Oder man führt die Milch der Kuh an, die einem anderen dient, nämlich dem Wachstum des Kalbes. Doch in der Kuh gibt es Bewusstsein; dieses treibt den Milchfluss an.
70.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Auch das Kalb besitzt Verlangen. Eben dieses wird von dir bei Purusha und Pradhana nicht angenommen. Ein weiterer Einwand lautet: Aus dem seit anfangsloser Zeit von Eindrücken geprägten Geist (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
71.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: geht diese als Unwissenheit bezeichnete Entfaltung hervor; sie gehört nicht dem Purusha an. Die Erwiderung lautet: Der Geist gilt als aus Pradhana hervorgegangen, unbewusst und selbst ohne Leiden. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
72.
yadā tadāśmaloṣṭādau na bhavetkena hetunā ||72||
Übersetzung: Wenn er dennoch in vielerlei Weise von Eindrücken aus Freude und Leid geprägt werden kann, warum sollte dasselbe nicht auch bei Steinen und Erdklumpen möglich sein?
73.
tadā rāgī pumān na syātpradhānaṃ vāpyacetanam ||73||
Übersetzung: Wenn die Tätigkeiten des Geistes aus seiner Färbung durch das Selbst entstehen, wie bliebe dann der Purusha frei von Anteilnahme oder Pradhana unbewusst?
74.
manyase sphaṭikoktyā vā tacca tasya na yujyate ||74||
Übersetzung: Der Geist soll als aus Pradhana hervorgegangen feststehen. Du möchtest dies vielleicht durch die Auflage eines färbenden Gegenstandes auf einen Kristall erklären; doch dieses Beispiel passt hier nicht.
75.
yuktaścetsamalastasmānna vāso'styamalīmase ||75||
Übersetzung: Der Purusha gilt als vom Sattva verschieden, der Kristall aber ist für Beimischungen empfänglich. Wird der Purusha auf diese Weise verbunden, wäre er unrein; im völlig Makellosen besteht eine solche Prägung nicht.
76.
vidyākhyaścāpyupāyo'yaṃ yo'vidyāyāḥ pramārjakaḥ ||76||
Übersetzung: Ein gänzlich Unbeteiligter wird weder durch Anhaftung noch durch Nichtanhaftung geprägt. Auch der Vidya genannte Weg, der Unwissenheit beseitigt,
77.
na vaktuṃ yujyate yasmāttasmācchāstramakāraṇam ||77||
Übersetzung: würde nach derselben Überlegung jemandem eine Aufgabe zuschreiben, dessen Ziel bereits erreicht ist. Das wäre unangebracht; die Lehre hätte dann keinen Zweck.
78.
jñānaṃ tasyopakārāya tataḥ puṃsāṃ malaḥ smṛtaḥ ||78||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Um die Prägungen zu beseitigen, ist Erkenntnis dennoch anzunehmen, großer Weiser. Die Erwiderung lautet: Gerade weil sie ihm hilft, sprechen wir bei den Seelen von Mala, Unreinheit.
79.
jñānena vāsanāto'yaṃ pratipattirna śobhanā ||79||
Übersetzung: Zu sagen, ein bereits Freier werde in den Samsara versetzt, es gebe keine Bindung, und dennoch werde er durch Erkenntnis von Prägungen befreit: Diese Auffassung ist nicht überzeugend.
Übersetzung: Matanga sprach:
80.
malaḥ kimātmakastasya sahajo bhākta eva vā ||80||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Mit dieser Begründung sprichst du also von einer Masse der Unreinheit. Von welcher Art ist sie? Ist sie der Seele angeboren oder nur in übertragener Rede zugeschrieben?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
81.
tāmrakālikavadyogāt sahajaḥ samudāhṛtaḥ ||81||
Übersetzung: Bewusstheit ist die angeborene Eigenschaft des Bewusstseins. Sie ist jedoch von anfangsloser Unreinheit verhüllt. Wegen dieser ursprünglichen Verbindung, wie beim dunklen Belag des Kupfers, wird die Unreinheit angeboren genannt.
Übersetzung: Matanga sprach:
82.
dharmābhāvādabhāvaḥ syāddharmāddharmī kuto'paraḥ ||82||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Was einem Wesen angeboren ist, gehört doch wie bei Feuer und Wind zu seiner Natur. Fiele die Eigenschaft fort, müsste auch ihr Träger fehlen; wie könnte er von ihr verschieden sein?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
83.
kañcukaṃ śakyate bhettuṃ na cābhāvo'sti vastunaḥ ||83||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Wie Gift aus einem Knoten, der dunkle Belag vom Kupfer und die Hülle vom Reiskorn entfernt werden können, ohne dass das Ding selbst aufhört zu bestehen,
84.
ajñānavāsanā puṃso nānyathā copajāyate ||84||
Übersetzung: so entstehen die Prägungen der Unwissenheit in der Seele aus der anfangslosen Verbindung mit dem Gebundensein, solange der Keim der Unreinheit vorhanden ist; anders entstehen sie nicht.
Übersetzung: Matanga sprach:
85.
dvayorvirodhādekatvaṃ bhagavan gamyate katham ||85||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Shiva-Sein ist vollkommen rein, Gebundensein dagegen ganz von Unreinheit geprägt. Wie lässt sich angesichts dieses Gegensatzes eine Einheit verstehen, Erhabener?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
86.
viruddhamagninā toyaṃ yuktaṃ dahati tatkṣaṇāt ||86||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Seit anfangsloser Zeit sind die Seelen in Bindungen eingehüllt. Wasser ist dem Feuer entgegengesetzt; mit ihm verbunden, kann es dennoch unmittelbar verbrennen.
87.
bhavatāpi hi yatroktamavidyākhyo malaḥ sadā ||87||
Übersetzung: Weil beide tatsächlich bestehen, ist der behauptete Widerspruch hier nicht zwingend, hervorragender Weiser. Auch du selbst hast doch von einer Unreinheit gesprochen, die Unwissenheit heißt.
88.
tasmādrāgī malopeto bhogabhuk puruṣaḥ smṛtaḥ ||88||
Übersetzung: Nicht alles an einem Wesen ist nach nur einer und derselben Eigenschaft zu beurteilen. Darum gilt der Purusha als begehrend, mit Unreinheit verbunden und Erfahrungen genießend.
89.
śivatvādyujyate mokṣe paśutvādyujyate tanau ||89||
†
Übersetzung: Er handelt und wird durch die Macht seines Handelns in Erfahrungen versenkt. Aufgrund seiner Anlage zum Shiva-Sein kann er mit Befreiung verbunden werden; aufgrund seines Gebundenseins wird er mit einem Körper verbunden,
90.
īśvarādhiṣṭhitātmāsāvasvatantro yataḥ sadā ||90||
Übersetzung: und kraft des Karmas auch mit Erfahrungen, bester Weiser. Sein Wesen wird von Ishvara geleitet, denn er ist nicht unabhängig.
Übersetzung: Matanga sprach:
91.
tataḥ kartā na yuktaḥ syādvyapadeṣṭuṃ pureśvara ||91||
†
Übersetzung: Der Einwand lautet: Man sieht doch, dass die Welt aus ihrer eigenen Natur tätig wird. Darum wäre es nicht angemessen, einen Schöpfer zu behaupten, Herr der Stadt.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
92.
pradāhe'gnerna nirvāṇaṃ gatau vāyorna saṃyame ||92||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Auch bei den Elementen wird ein Wandel ihrer natürlichen Tätigkeit beobachtet. Dem Brennen des Feuers steht sein Erlöschen gegenüber, der Bewegung des Windes sein Stillstand.
93.
karmaṇaścāpyacaitanyātprādhānyaṃ neṣyate mune ||93||
Übersetzung: Lebewesen streben nach Freude, niemals nach Leid. Auch dem Karma kann keine selbstständige Vorrangstellung zukommen, denn es ist unbewusst, Weiser.
94.
jagadetatsadāyattamīśvarasya mahāmune ||94||
Übersetzung: Alle erfahren, dass ihr Wollen gehemmt wird. Die nach Erfahrung Strebenden sind nicht frei. Diese Welt ist stets von Ishvara abhängig, großer Weiser.
95.
pravṛttirneṣyate yasmāttasmātkartā maheśvaraḥ ||95||
Übersetzung: Weil diese ganze Welt somit von einem anderen abhängt, kann ihre Tätigkeit nicht aus ihr selbst kommen. Darum ist Maheshvara ihr Urheber.
Übersetzung: Matanga sprach:
96.
jagataḥ paripūrṇatvādvaicitryāccāpi yujyate ||96||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Wenn der erhabene Ishvara stets als Schöpfer gilt, müsste ihm angesichts der gesamten Welt und ihrer Verschiedenheit
97.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: auch Anhaftung, Abneigung und andere Fehler zukommen, wie uns. Die Antwort lautet: Die Verschiedenheit der Welt ist durch die unterschiedlichen Eigenschaften des jeweils eigenen Karmas erklärt.
98.
karmakṛt puruṣaḥ proktastadvibhāgabhugeva saḥ ||98||
Übersetzung: Sie wird nach dem Verhältnis von Getragenem und Träger unterschieden. Der Purusha vollbringt das Karma und erfährt selbst den ihm daraus zukommenden Anteil.
99.
nimittakāraṇaṃ tvīśo hyupādānaṃ tu śaktayaḥ ||99||
Übersetzung: Ishvara gilt als Herr über Schöpfung, Auflösung und Erhaltung. Er ist die veranlassende Ursache; seine Shaktis bilden die Grundlage des Hervorbringens,
100.
yathārkaraśmayo dīptā nirapekṣāstapanti hi ||100||
Übersetzung: und Maya ist die dem Hervorgebrachten innewohnende stoffliche Ursache. Diese Welt ist ihre Wirkung. Wie die leuchtenden Sonnenstrahlen ohne persönliche Absicht wärmen,
101.
śaktīnāṃ parameśasya svabhāvo hyupavarṇitaḥ ||101||
Übersetzung: und man dabei sieht, dass sie Wasserlilien und Lotosblüten öffnen oder schließen, so ist die Natur der Shaktis des höchsten Herrn zu verstehen.
102.
sati māyātmake puṃsaḥ saṃnikṛṣṭe male'pare ||102||
Übersetzung: Eben dadurch wurdest auch du zur rechten Zeit hierher geführt, Weiser. Neben der Bindung der Seele durch Maya und der weiteren, eng mit ihr verbundenen Unreinheit
103.
moho madaśca rāgaśca viṣādaḥ śoṣa eva ca ||103||
Übersetzung: besteht die gröbere Bindung aus Pradhana; sie steht unter der Macht des Karmas. Verblendung, Überheblichkeit, Anhaftung, Niedergeschlagenheit, Auszehrung,
104.
satsveteṣvapi ye pāśā māyātaḥ sphuritāḥ kalāḥ ||
Übersetzung: wechselnde Zerstreuung und Freude: Diese sieben werden als angeborene Unreinheiten bezeichnet. Trotz ihres Bestehens treten aus Maya die bindenden Kalas hervor. Von ihnen in seiner Kraft gestärkt, erfährt das individuelle Selbst die aus Prakriti hervorgehenden Gunas.
105.
bhuṅkte guṇānkarmavipākasaṃbhavān |
tebhyo viyoktā sa śivo hi śaktimān
Übersetzung: So ist der Purusha beschrieben: Von Ishvara angetrieben, erfährt er die Gunas, die aus der Reifung des Karmas entstehen. Shiva, der Träger der Shakti, löst ihn von ihnen durch die großen Mantras, die aus Shivas Shakti hervorgehen.
Vidyāpāda, Kapitel 7
Übersetzung: Das Vidya-Tattva
1.
tasya patyuramoghātmā śaktivyūho'tiraskṛtaḥ ||1||
Übersetzung: Nun wird der in der Reihenfolge erreichte Bereich der Vidya beschrieben. Die unfehlbare Schar der Shaktis des Herrn wirkt ungehindert,
2.
tenopodbalitāḥ sarve śuddhādhvabhuvaneśvarāḥ ||2||
Übersetzung: mit einer Größe, die sich nach allen Richtungen ausbreitet. Durch sie werden alle Herren der Welten auf dem reinen Weg gestärkt.
3.
viveko yatsuśuddhānāṃ mantrāṇāṃ sarvatomukhaḥ ||3||
Übersetzung: Dort bestehen die erhabenen Rudra-Seelen und die siebzig Millionen Mantras. Weil hier die allseitige Unterscheidung der vollkommen reinen Mantras stattfindet,
4.
tasminyāḥ saṃsthitā vidyāḥ śivasadbhāvadāyikāḥ ||4||
Übersetzung: heißt diese Wirklichkeit ihrem Wesen nach Vidya-Tattva. Die dort bestehenden Vidyas verleihen das wahre Shiva-Sein.
5.
paśūnāṃ parameśena śuddhasargādanantaram ||5||
Übersetzung: Unmittelbar nach der reinen Schöpfung setzte Parameshvara diese erhabenen Kräfte ein, um die Bindungen der Seelen zu durchtrennen.
6.
āśu saṃsparśanādeva sṛṣṭiṃ kamalajanmanaḥ ||6||
Übersetzung: Da beseitigten sie mit ihrer eigenen Kraft, die alles Unheil fortnimmt, durch bloße Berührung unverzüglich die Schöpfung des Lotosgeborenen,
7.
sargātpitāmahādvipra janmamṛtyubhayāvahāt ||7||
Übersetzung: und kamen zur Ruhe. Sie hatten sich von der leidvollen Schöpfung des Urvaters abgewandt, die Furcht vor Geburt und Tod mit sich bringt, Brahmane.
8.
pratisaṃcaramāpannāstattejaḥ pārameśvaram ||8||
Übersetzung: Nachdem diese Kräfte ihre Aufgabe erfüllt hatten, kehrten sie von selbst zurück und wollten wieder in das Licht des höchsten Herrn eingehen.
9.
vāritā viniyogārthamanantena śiveraṇāt ||9||
Übersetzung: Als sie zum Eintritt bereit waren, hielt die große wirkende Ursache Ananta sie auf Shivas Geheiß zurück, um ihnen eine weitere Aufgabe zu geben.
10.
bhagavanyastvayāsmabhyamadhikāro'tiduṣkaraḥ ||10||
Übersetzung: Da begannen sie, diese Ursache, den Herrn der Mantras, zu fragen: Erhabener, die überaus schwere Aufgabe, die du uns
11.
gacchāmaḥ svocitaṃ sthānaṃ kimarthaṃ vinivāryase ||11||
†
Übersetzung: übertragen hast, ist jetzt vollständig und richtig ausgeführt. Wir gehen an unsere eigene Stätte. Warum hältst du uns zurück?
12.
bhavatyaḥ svocitaṃ sthānaṃ prayāntvardhena śobhanāḥ ||12||
Übersetzung: Darauf sprach Ananta zu den Vidyas, die Erkenntnis des Erkennbaren verleihen: Ihr Herrlichen, die Hälfte von euch möge an ihre eigene Stätte gehen.
13.
tataḥ svācāravartinyo bharturājñānupālikāḥ ||13||
Übersetzung: Die andere Hälfte möge mir zuliebe für ihre Aufgabe noch einen Tag hier bleiben. Darauf folgten sie ihrem rechten Wandel und bewahrten die Weisung des Herrn.
14.
saṃpradhārya mahāvīryā bhartuḥ śāsanatatparāḥ ||14||
Übersetzung: Nach gemeinsamer Beratung blieb die Hälfte ihrer Schar; die übrigen gingen. Sie waren von großer Kraft und ganz der Anordnung des Herrn hingegeben.
15.
nānāratnavicitrāṇi divyācāraguṇāni tu ||15||
Übersetzung: Parameshvara ordnete ihre Welten: mannigfaltig mit Edelsteinen geschmückt und mit den Vorzügen eines himmlischen Lebens ausgestattet.
16.
vidyānāmadhipaḥ śrīmān yatrāsau mantranāyakaḥ ||16||
Übersetzung: Tausende von Wohnstätten entstanden für die Mantras von unbegrenztem Glanz. Dort verweilte auch der erhabene Herr der Vidyas, der Führer der Mantras,
17.
divyaṃ brahmaśiro nāmnā rudrāṇī ca yaśasvinī ||17||
Übersetzung: in seiner eigenen Kraft. Dort sind ferner das göttliche Brahmashiras von unermesslichem Licht und die ruhmreiche Rudrani,
18.
astramapyatitejaskaṃ yattatpāśupataṃ mahat ||18||
Übersetzung: der vielgepriesene, leuchtende, im Schutzwirken geschickte Purushtuta und das überaus strahlende große Pashupata-Astra,
19.
vidyā bhānumatī nāmnā bhābhirapratimā tu sā ||19||
Übersetzung: geschickt im Durchschneiden, Spalten, Verbrennen und Schützen. Die Vidya namens Bhanumati ist unvergleichlich in ihren Strahlen.
20.
viśvā ca kālī kāpālī vidyānyāpi mahodayā ||20||
Übersetzung: Eine weitere erhabene Kraft ist Raudri von furchtbarem Wirken; dazu kommen Vishva, Kali, Kapali und eine weitere hochwirksame Vidya.
21.
aṣṭāvetā yaśasvinyo vidyeśānāṃ mahātmanām ||21||
Übersetzung: Sukhodaya ist bekannt, ebenso die Vajri genannte. Diese acht ruhmreichen Kräfte sind die Gefährtinnen der großen Vidyeshvaras in ihrem Spiel.
22.
aghoro ghoranāmā ca tathā ghorataro'paraḥ ||22||
Übersetzung: Sie lösen die Seelen aus den Bindungen. Ferner werden Aghora, Ghora und Ghoratara genannt,
23.
mahāghoro vighoraśca rudrāstvete mahābalāḥ ||23||
†
Übersetzung: Aghora, Atighora, der überaus kraftvolle Sughora, Mahaghora und Vighora: Dies sind mächtige Rudras.
24.
brahmāṇo caiva nāthasya yairnibaddhā tanuḥ śivā ||24||
†
Übersetzung: Die Gliedmantras Shivas, deren Namen auf „ha“ enden, sind ihm beständig nahe; ebenso die Brahma-Mantras des Herrn, aus denen sein heilsamer Leib besteht.
25.
brahmāṇyaṅgāni yāni syustāni sādākhyagocare ||25||
Übersetzung: Sie sind hier vom großen Herrn in einer weiteren Erscheinungsform eingesetzt. Die Brahma- und Gliedmantras gehören ihrem Wesen nach zum Bereich Sadakhya.
26.
draṣṭavyānyadhikāreṇa teṣāṃ nāmānyamūni tu ||26||
Übersetzung: Dennoch sind sie, um Gnade zu gewähren, auch im Vidya-Tattva in ihrer jeweiligen Aufgabe zu betrachten, Weiser. Dies sind ihre Namen:
27.
jvālinīti śikhā jñeyā kavacaṃ piṅgalaṃ mahat ||27||
Übersetzung: Sarvatman ist das vorzügliche Herz, Sushiva das Haupt des Herrn; Jvalini ist der Haarschopf und Pingala der große Schutzpanzer.
28.
ete mantrāḥ samākhyātāḥ prādhānyena śivātmakāḥ ||28||
Übersetzung: Shivas Astra ist höchst strahlend, von Feuerflammen erfüllt. Dies sind die vorzüglichsten Mantras von Shivas Wesen.
29.
tṛtīyamapyaghorākhyaṃ vāmadevaṃ turīyakam ||29||
Übersetzung: Das erste Brahma-Mantra ist Ishana, das zweite besteht aus Purusha; das dritte heißt Aghora, das vierte Vamadeva.
30.
prādhānyena sthitā hyete vidyā mantrāśca suvrata ||30||
Übersetzung: Das fünfte Brahma-Mantra heißt Sadya und verwirklicht alle Ziele. Diese Vidyas und Mantras nehmen eine Vorrangstellung ein, du mit den guten Gelübden.
31.
śāntau vinirgatā pūrvaṃ sthānaṃ tasyāstadātmakam ||31||
Übersetzung: Die Göttin mit einundachtzig Padas ist jene Shakti von Shivas Wesen. Zuerst trat sie in Shanti hervor; ihre Stätte entspricht jeweils ihrem Zustand:
32.
bhogaḥ sadāśivasthāne īśvarākhye ca śāsanam ||32||
Übersetzung: Im Ruhen ist sie das Shiva-Tattva, im Offenbarwerden der höchste Bindu; ihre Erfahrung liegt in der Stätte Sadashivas, ihr leitendes Wirken in der Ishvara genannten Wirklichkeit.
33.
asyāmeva sthitā mantrā vidyāśca vividhā mune ||33||
Übersetzung: Im Vidya-Tattva liegt ihr Wirkungsbereich. Sie ist stets als Ursprung zu erkennen; in ihr bestehen die Mantras und die vielfältigen Vidyas, Weiser.
34.
evamukte tato'rthe'smin mataṅgaḥ pṛṣṭavānmuniḥ ||34||
Übersetzung: Dies ist die große Shakti Shivas, des höchsten Selbst. Nachdem dieser Gegenstand erklärt war, fragte der Weise Matanga:
35.
prasiddhaṃ sarvatantreṣu viśeṣeṇa nigadyatām ||35||
Übersetzung: Das Vidya genannte Tattva ist durch seine eigene Eigenschaft und durch das Bestehen der Vidyas in allen Tantras bekannt. Erkläre es genauer.
36.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Darauf sprach der erhabene Tryambaka, der Gemahl Parvatis: Vidya heißt so, weil es ihr Wesen ist, erkennen zu lassen. Diese Erkenntnis ist keineswegs nur gewöhnliches Wissen.
37.
śuddhe'dhvani viveko yaḥ sādhakānāṃ mahātmanām ||37||
Übersetzung: Dennoch ist auch ihre allgemeine Bedeutung zu erklären: Sie vermittelt den erkennbaren Gegenstand. Die Unterscheidungskraft der großen Sadhakas auf dem reinen Weg,
38.
na kevalaṃ tattvadharmo mantrāṇāmamitaujasām ||38||
Übersetzung: die auf das von begrifflicher Teilung freie Shiva-Sein gerichtet ist, gilt als die Eigenschaft dieses Tattvas. Doch die Mantras von unermesslichem Glanz besitzen nicht nur diese Tattva-Eigenschaft.
39.
japtāśca vidhivadvipra kāmabhedena sādhakaiḥ ||39||
Übersetzung: Die Mantras gewähren Erfahrung und Befreiung. Werden sie im Opfer richtig gespeist und von den Sadhakas vorschriftsgemäß rezitiert, entsprechend ihren unterschiedlichen Wünschen,
40.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: so gewähren sie die ersehnten Erfahrungen; daran ist nicht zu zweifeln. Der Einwand lautet: Ein Mantra, Herr der Welt, ist doch eine klar bestimmte Folge von Lauten. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
41.
indriyaṃ ca tamevāhurmunayaḥ śāstravittamāḥ ||41||
Übersetzung: Diese heißt Klang, ein Sinnesgegenstand, der dem Raum zugeordnet ist. Die in den Schriften bewanderten Weisen sprechen dabei auch vom zugehörigen Sinnesorgan.
42.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Was für eine Befreiung könnte durch etwas Derartiges zustande kommen? Die Antwort lautet: Der Unterschied zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem ist wohlbekannt, großer Weiser.
43.
niyuktā vācakatvena varṇāḥ śāstre śivodaye ||43||
Übersetzung: Für die zur Befreiung eingesetzten Wirklichkeiten wurden nach dem Willen der Ursache die Laute als Bezeichnungen eingesetzt, in der Lehre, durch die Shiva offenbar wird.
44.
tadīritāḥ sādhakānāṃ vidyāḥ saṃnihitā giri ||44||
Übersetzung: Denn die Welt ist nicht unabhängig; Parameshvara ist unabhängig. Von ihm gelenkt, sind die Vidyas in der Rede der Sadhakas gegenwärtig.
45.
manośca paratantratvātsādhakasyāpi śāsane ||45||
Übersetzung: Die Sinne sind unbewusst, die Laute ohne körperliche Gestalt, und der Geist wie auch der Sadhaka selbst stehen unter einer übergeordneten Lenkung.
46.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Darum wird die Gegenwart der Mantras in der Rede durch das Eingehen der Shakti erklärt. Der Einwand lautet: Wenn das bezeichnete Ding in seinem Wort gegenwärtig wäre, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
47.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: was verhinderte dann, dass beim Aussprechen von „Schwert“ die Zunge abgeschnitten würde? Die Antwort lautet: Entscheidend ist, wozu ein bewusstes Wesen befugt ist, großer Weiser.
48.
āśu sānnidhyatāmeti niściteyaṃ matirmama ||48||
Übersetzung: Auch in der Welt tritt einer, der einem anderen untersteht, auf dessen bloßes Wort hin rasch in seine Gegenwart. Dies ist meine feste Auffassung.
49.
varṇopodbalinī śaktiḥ śaktyādhārāśca devatāḥ ||49||
Übersetzung: Die Laute haben ihren Wirkungsort im Sprechorgan; Shakti stärkt die Laute, und die Gottheiten sind Träger dieser Shakti.
50.
yatra yatra niyujyante tatra tatra phalapradāḥ ||50||
Übersetzung: Darum sind sie gegenwärtig, mit der Kraft der Sammlung verbunden. Wo immer sie eingesetzt werden, dort gewähren sie Frucht.
51.
ārādhyamānā vidhivadyathepsitaphalapradāḥ ||51||
Übersetzung: Auch an äußeren Zielorten werden sie durch Duftstoffe, Räucherwerk, Opfergaben und Ähnliches vorschriftsgemäß verehrt und gewähren die ersehnten Früchte.
52.
īśvarādhiṣṭhitāḥ santo na ca svecchāvidhāyinaḥ ||52||
Übersetzung: Als hörbarer Klang unterliegen Mantras dem Entstehen und Vergehen. Sie werden von Ishvara getragen und handeln nicht nach eigenem Belieben.
53.
kartṛtve neśvaraḥ siddho yuktisteṣāṃ na yujyate ||53||
Übersetzung: Wer dagegen den Klang von Natur aus als ewig und ohne Hervorbringung bestehend annimmt, ohne Ishvara als Urheber anzuerkennen, begründet dies nicht überzeugend.
54.
vyajyate nānyathā karturabhāvānmunisattama ||54||
Übersetzung: Denn der unbewusste Klang wird durch das Zusammenwirken von Gaumen, Lippen und Mundöffnung offenbar; ohne einen Hervorbringenden geschieht dies nicht, bester Weiser.
Übersetzung: Matanga sprach:
55.
mantraiśca kriyate dīkṣā prapañce'sminsanātane ||55||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Der erhabene, unvergängliche Shiva ist frei von begrifflicher Teilung und jenseits der Mantras. Die Initiation wird dagegen innerhalb dieser anfangslosen Entfaltung mit Mantras vollzogen.
56.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wie können dann Mantras die Menschen mit der Stätte Shivas verbinden? Die Antwort lautet: Von Maheshvara haben die Mantras ihre Wirksamkeit auf diesem gesamten Weltweg empfangen.
57.
tasmiñśuddhe viśuddhāste śeṣaṃ vastu sunirmalam ||57||
Übersetzung: Der ganze Weltweg wird von ihnen erreicht; dieser Weltweg ist Ursache der Bindung. Wird er gereinigt, sind die Seelen gereinigt. Was bleibt, ist ihr vollkommen makelloses Wesen.
58.
kālikāharaṇe yadvatkāraṇaṃ sarvadā rasaḥ ||58||
Übersetzung: Die Mantras bringen dieses Wesen nicht hervor; es wird offenbar und findet allseits Ruhe. Wie ein alchemistisches Mittel den dunklen Belag beseitigt,
59.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: aber nicht eigentlich das Gold schenkt, obwohl man so von ihm spricht. Der Einwand lautet: Die Körper sind an die Fesseln des Weltweges gebunden, Maheshvara. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
60.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Auch nach dessen Reinigung verschwinden sie nicht. Wie lässt sich das erklären? Die Antwort lautet: Wie die Töpferscheibe durch den früheren Anstoß weiterläuft, obwohl
61.
loke'pi supratītaṃ syāddvividhaṃ karma karmiṇām ||61||
Übersetzung: der Topf bereits fertig ist, so wird der Körper durch die verbleibende Bewegung erhalten, Weiser. Auch in der Welt kennt man eine zweifache Wirkung des Handelns:
62.
na cedevaṃ tadābhāvaḥ śāstrasya saha karmaṇā ||62||
Übersetzung: die sichtbare, die mit dem Ende der Tätigkeit abgeschlossen ist, und die unsichtbare, die danach verbleibt. Wäre es anders, verlöre mit dem Handeln auch die Lehre ihren Sinn.
Übersetzung: Matanga sprach:
63.
muktistenaiva śāstre'smiṃstatkathaṃ gamyate vibho ||63||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Karma, gutes wie schlechtes, ist Ursache der Bindung. Wie kann nach dieser Schrift durch eben dasselbe Befreiung zustande kommen, Allgegenwärtiger?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
64.
śubhācca yadbhavenmokṣaḥ karmaṇaḥ pratipadyate ||64||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Die Frucht des guten oder schlechten Handelns kommt nicht allein aus dem Karma selbst. Dass heilsames Handeln zur Befreiung beitragen kann, ist dennoch zu verstehen.
65.
tadvadeva pumānsadbhiḥ karmabhiśca vimucyate ||65||
Übersetzung: Wie ein Mensch durch die Handlungen von Feinden, etwa durch Fesseln, gebunden wird, so wird er durch die Handlungen guter Menschen wieder befreit.
66.
kleśena cāvabodhaḥ syānna syādvā tacca duṣkaram ||66||
Übersetzung: Auch wo Erkenntnis durch die sprachliche Unterweisung eines Lehrers gelehrt wird, entsteht das Verstehen erst mit Mühe oder bleibt aus; auch dies ist schwer zu vollbringen.
67.
dṛśyate ca kimāścaryaṃ tatkarma balavattaram ||67||
Übersetzung: Man sieht, dass eine spätere Handlung eine frühere aufheben kann. Was wäre daran erstaunlich? Die spätere Handlung ist dann stärker.
68.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Der Einwand lautet: Weil früheres Karma körperlos, bedingt, unselbstständig und unbewusst ist, kann es zerstört werden. Doch das stärkere spätere Karma (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
69.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: führt wieder zur Erfahrung seiner Reifung. Wo bleibt dann Befreiung? Die Antwort lautet: Nach dem Willen des Schöpfers durchschneiden die Mantras die gesamte Bindung.
70.
sāpekṣāḥ siddhaye yasmānnirapekṣā vimuktaye ||70||
Übersetzung: Sie sind sogar fähig, die aus Maya entstandene Bindung zu lösen, um wie viel mehr die Folge des Karmas! Für Siddhi wirken sie abhängig vom erstrebten Ergebnis, für Befreiung ohne solches Begehren.
71.
rāgiṇaḥ sādhakasyetthamupabhogāya sarpati ||71||
Übersetzung: Darum tritt die entsprechende Reifung an den Nichtanhaftenden niemals heran. Beim begehrenden Sadhaka dagegen entfaltet sie sich zur Erfahrung.
72.
vṛścikādyapavargānte karmaṇyatra svake svake ||72||
Übersetzung: Die Kraft der Mantras ist unfehlbar und überschreitet den Bereich bloßer Vorstellung. Vom Abwehren eines Skorpions bis zur Befreiung sind sie für ihre jeweiligen Aufgaben
73.
yasmādacintyaphaladāḥ pratyakṣeṇāpi saṃsphuṭāḥ ||73||
Übersetzung: von Parameshvara eingesetzt. Ihre Wirkung ist nicht durch bloße Spekulation zu bestreiten; sie gewähren unvorstellbare Früchte, die sich nach der Lehre auch unmittelbar zeigen.
74.
yasmādacetanāmūrtā nirdayā nirahaṃkṛtā ||74||
Übersetzung: Darum ist das vom Herrn getragene Mantrawirken vorzüglich und gewährt Erfahrung wie Befreiung. Die Handlung selbst ist unbewusst, körperlos, ohne Mitgefühl und ohne Ichbewusstsein.
75.
vaṇikkṛṣyādayo'pyatra kiṃcidāśritya kāraṇam ||75||
Übersetzung: Bei denen, die sie ohne einen Herrn annehmen, bleibt das Gewähren ihrer Frucht unerklärt. Auch Handel und Landwirtschaft gelingen nur, wenn sie sich auf geeignete Ursachen stützen.
76.
loṣṭādikalpiterīśoḥ samyagārādhanakriyā |
†
Übersetzung: Andernfalls geht sogar das bereits Erworbene verloren. Weil man sieht, dass die rechte Verehrung des Herrn selbst in einer aus Erde und Ähnlichem gefertigten Gestalt Frucht trägt, stammt diese Frucht gewiss vom Herrn.
77.
māyātmakasyāvasarāgatasya svarūpametadvidhinādhunocyate ||77||
Übersetzung: So habe ich dir das Vidya-Tattva mit seiner erhabenen Wirksamkeit insgesamt in Kürze erklärt. Nun wird in der gebotenen Reihenfolge das Wesen der Maya beschrieben, deren Darstellung jetzt an der Reihe ist.
Vidyāpāda, Kapitel 8
Übersetzung: Das Maya-Tattva
1.
varṇayiṣyāmi saṃkṣepādyathāvatsuvicāritam ||1||
Übersetzung: Nun werde ich den mächtigen, unbegrenzten Weltenkreis der Maya in Kürze, sachgemäß und nach sorgfältiger Betrachtung beschreiben.
2.
bhoktumabhyudyatasyeha śarīrotpattikāraṇam ||2||
Übersetzung: Sie ist die Ursache dafür, dass ein Körper entsteht, wenn das Karma des handelnden, begehrenden Wesens gereift ist und es zur Erfahrung bereitsteht.
3.
sphuṭamatyantagahanaṃ vyaktaṃ kartuḥ samīraṇāt ||3||
Übersetzung: Sie hat weder Anfang noch Mitte noch Ende und ist mit den Eigenschaften ihrer eigenen Wirksamkeit erfüllt. Überaus schwer zu durchdringen, wird sie durch den Antrieb des Schöpfers offenbar.
4.
caitanyanilayaṃ viśvamacetanamarūpakam ||4||
Übersetzung: Sie ist fein, allgegenwärtig, ewig und Trägerin höchst wunderbarer Eigenschaften: die umfassende Wohnstätte bewusster Wesen, selbst aber unbewusst und ohne Gestalt.
5.
nānyathā śakyate vaktuṃ māyātattvamidaṃ yataḥ ||5||
Übersetzung: Wenn ihr dennoch eine Gestalt zugeschrieben wird, geschieht dies in übertragener Rede. Anders lässt sich dieses Maya-Tattva nicht beschreiben.
6.
nādṛṣṭaṃ śakyate vaktuṃ dṛṣṭaṃ vā śakrajālavat ||6||
Übersetzung: Das Wesen der Maya in der Welt ist schwer zu bestimmen: Man kann es weder als völlig ungesehen bezeichnen noch einfach als gesehen; es gleicht einem Zaubernetz.
7.
na cānyaḥ śakyate draṣṭuṃ hetujālaśatairapi ||7||
Übersetzung: Der einzige vollständige Seher dieses Ganzen ist der Herr der Welt. Kein anderer kann es selbst mit Hunderten verflochtener Begründungen ganz erschauen.
8.
jagatpradīpakaiḥ śuddhaistatprasādopasarpibhiḥ ||8||
Übersetzung: Aus seinem Lotosmund strömen reine Strahlen der Erkenntnis, die die Welt erhellen. Durch seine Gnade gelangen sie zu den Menschen,
9.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: nehmen ihren Sitz in der Einsicht und lassen Maya erkennen, Brahmane; anders gelingt dies nicht. Der Einwand lautet: Du solltest Maya aus der Entfaltung der Eigenschaften ihrer Wirkungen begründen (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
10.
māyeyaṃ śakrajālaṃ syānna ca prāptākṣagocaram ||10||
Übersetzung: und ihr eigenes Wesen erklären. Doch dieses Wesen bleibt unbestimmt; Maya wäre dann ein Zaubernetz und nie Gegenstand der Sinne.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
11.
nopalabdhamidaṃ rūpaṃ yattatsūkṣmaguṇātmakam ||11||
Übersetzung: Mit den aus Prakriti hervorgegangenen Sinnen wird nicht einmal die feine, aus Gunas bestehende Gestalt der unbewussten Prakriti selbst erfasst, Brahmane.
12.
tathāpi yuktito vācyā śṛṇuṣvaikamanā mune ||12||
Übersetzung: Wie sollte dann die noch feinere und fernere Maya wahrgenommen werden? Dennoch lässt sie sich durch Überlegung erklären. Höre mit gesammeltem Geist, Weiser.
13.
bahiraṅgopacāreṇa pañcadhā saṃsthitaḥ punaḥ ||13||
Übersetzung: Die Unreinheit der Seele, die Pradhana heißt, nimmt zur Entfaltung der Erfahrung eine gröbere Form an. Als äußerer Bereich betrachtet, besteht sie in fünf Gruppen.
14.
tasmātsūkṣmataro vargaḥ proktastanmātrasaṃjñakaḥ ||14||
Übersetzung: Die erste ist die grobe, weit entfaltete Gruppe der Elemente. Feiner als sie ist die Gruppe, die Tanmatras genannt wird.
15.
buddhīndriyātmakastasmādvargaḥ sūkṣmo'tha pañcamaḥ ||15||
Übersetzung: Eine weitere Gruppe bilden die Handlungsorgane, eine noch feinere die Erkenntnissinne; als fünfte folgt
16.
idaṃ tāvaccharīraṃ syādgauṇaṃ bhoktuḥ śarīriṇaḥ ||16||
Übersetzung: die dreifache Gruppe des inneren Organs, wie sie in Shivas Lehre beschrieben wird. Dies ist der aus den Gunas bestehende Körper des verkörperten Erfahrenden.
17.
ṣoḍhā vyavasthitā ceyaṃ svena rūpeṇa sarpitā ||17||
Übersetzung: Aus dem Erfahrendsein wird Maya als ein dem Bewusstsein naher Bereich erkannt. Sie besteht in sechs Formen und breitet sich entsprechend ihrem eigenen Wesen aus.
18.
susatyāmāśaye yadvatkṣīraṃ doṣavivṛddhaye ||18||
Übersetzung: Mit diesen Formen begrenzt sie den mit Unreinheit verbundenen Erfahrenden. Wie Milch bei einem gestörten Verdauungszustand die Störung verstärkt,
19.
puṃso'pi lakṣyate doṣaḥ sahajaḥ svaguṇātmakaḥ ||19||
Übersetzung: bei kräftigem Verdauungsfeuer aber nicht, so wird auch hier eine ursprüngliche Störung der Seele erkannt, die ihre eigenen Eigenschaften besitzt.
20.
tataḥ prādhānikaiḥ sthūlairgauṇaiḥ sa paribhūyate ||20||
Übersetzung: Von ihr verhüllt, mit Karma verbunden und ganz der Erfahrung zugewandt, wird die Seele dann von den groben, aus Pradhana und den Gunas bestehenden Faktoren überwältigt.
Übersetzung: Matanga sprach:
21.
malaḥ pradhvastacaitanyaḥ sthūlaḥ svātantryavarjitaḥ ||21||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Wenn die Seele Bewusstseinskraft besitzt und feiner als die Unreinheit ist, diese dagegen ohne Bewusstsein, gröber und unselbstständig,
22.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: kann sie nach dieser Überlegung doch nicht als Verhüllerin des Selbst gelten. Darauf antwortete der Herr des Alls: Ein Mensch auf Erden besitzt Bewusstsein, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
23.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: und dennoch wird er vom Wein überwältigt, obwohl seine Sinne unversehrt sind. Der Weise entgegnete: Erhabener, der unbewusste Körper ist eine Verbindung von Elementen. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
24.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Von ihm sieht man, dass er unter die Wirkung des Weins gerät. Was folgt daraus für das Bewusstsein? Die Antwort lautet: Selbst starker Wein kann lange in einem unbewussten Gefäß stehen,
25.
bhogātmā cetanaḥ siddhastanniṣaṅgeṇa cetanam ||25||
†
Übersetzung: ohne eine solche Veränderung des Gefäßes hervorzurufen. Woraus erklärst du das? Der Erfahrende ist als bewusst erwiesen; durch die Verbindung mit ihm heißt auch
26.
glānotkṛṣṭavapuṣmatyā chāyayevopalakṣyate ||26||
Übersetzung: der Körper bewusst. Darum wird die Wirkung besonders an Bedrängnis und ähnlichen Zuständen erkannt, gleichsam an einem Ausdruck von Schwäche oder gesteigerter Lebhaftigkeit.
27.
lakṣyate kāraṇaṃ karturbāhyairapyantarāśritam ||27||
Übersetzung: Auch wenn jemand sich zu beherrschen versucht, erkennen Verständige die Veränderungen an seinen Augen und anderen äußeren Merkmalen. So wird ein innerer Zustand an äußeren Zeichen erschlossen.
28.
samalo'ṇuḥ kimāścaryaṃ vāsyate'nādikarmaṇā ||28||
Übersetzung: Entsprechend besteht eine ursprüngliche Veränderlichkeit im Zusammenhang mit Freude und Leid. Was wäre daran erstaunlich, dass die mit Unreinheit verbundene Seele durch anfangsloses Karma geprägt wird?
29.
tasminmāyātmake granthau susūkṣmo'titiraskṛtaḥ ||29||
Übersetzung: Selbst gegen ihren Willen entwickelt sie das Verlangen nach dessen Reifung. In jenem Knoten der Maya ist die überaus feine Seele zutiefst verhüllt.
30.
na vijānāti śabdādīnnātmānaṃ na ca kāraṇam ||30||
Übersetzung: Wird sie durch die Shakti des Herrn aus der Erfahrung zurückgenommen, erscheint sie wie im Tiefschlaf. Sie erkennt weder Klang und die übrigen Gegenstände noch sich selbst noch die Ursache,
31.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: noch ihren Aufenthaltsort, weil ihre Tätigkeit erloschen ist, bis zum Beginn des nächsten Welttages. Der Weise fragte: Du hast mir zuvor die Unreinheit der Seele als siebenfach bezeichnet. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
32.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Erhabener, erkläre sie nun ihrem eigenen Wesen nach. Die Antwort lautet: Die Moha genannte Unreinheit des Menschen ist ursprünglich und anfangslos.
33.
sati mohe prakṛṣṭo'ṇurmāyātaḥ patiśaktibhiḥ ||33||
Übersetzung: Sie ist als vorherrschende Unreinheit der Ursprung der sechs anderen, angefangen mit Mada, bester Brahmane. Wenn die Seele durch die Kräfte des Herrn aus Maya hervorgezogen wird, bleibt Moha gegenwärtig.
34.
dharme'pyadhivasanmohādviparīteṣu bhāvitaḥ ||34||
Übersetzung: Von der Kraft dieser Verblendung gehemmt, irrt sie sogar über ihr eigenes Wohl. Selbst wenn sie sich mit Dharma befasst, wird sie durch Verblendung zu dessen Gegenteil hingezogen.
35.
viṇmūtrarudhiraklinnāṃ tvagasthiśakalīkṛtām ||35||
Übersetzung: Mit Mühe und Anstrengung vollbringt sie schlechtes Handeln und hält es für gut. Ein Frauenkörper ist von Kot, Urin und Blut durchsetzt und besteht aus Haut und Knochen.
36.
jugupsate virakto'tra kṣaṇādanyāṃ suśobhanām ||36||
Übersetzung: Obwohl ein Mann ihn liebevoll genossen hat, empfindet er später, wenn er sich abwendet, Abscheu vor denselben Gliedern. Erblickt er dann eine andere schöne Frau,
37.
ākṛṣyamāṇo mūḍhātmā sābhimāno vibhāvitaḥ ||37||
Übersetzung: wird er sogleich wieder von der Unreinheit der Verblendung erfasst. Von der Schönheit ihrer äußeren Glieder angezogen, ist er verwirrt und von Ichbezogenheit erfüllt.
38.
asmānmohavaśātkṣipraṃ madenaivābhibhūyate ||38||
Übersetzung: Durch diese Verbindung erfährt er nach der drastischen Darstellung des Textes ein Leid, das noch über das Abschlagen des Kopfes hinausgeht. Unter dem Einfluss der Verblendung wird er rasch von Mada, Berauschtheit, überwältigt.
39.
andhīkṛto madenāśu virūpāmapi rūpiṇīm ||39||
Übersetzung: Selbst wenn er beschimpft und wiederholt geschlagen wird, macht ihn diese Berauschtheit blind. Er hält selbst eine unansehnliche Frau für schön
40.
tato'bhibhūyate gāḍhaṃ rāgeṇātibalīyasā ||40||
Übersetzung: und denkt: Nicht einmal im Himmel gibt es eine bessere, glückbringendere und herrlichere als sie! Darauf wird er von übermächtiger Anhaftung tief ergriffen.
41.
na jahāti kṣaṇaṃ rāgaṃ no ca tṛptiṃ prayāti hi ||41||
Übersetzung: Sie haftet an ihm wie Schlamm an einem bereits gefärbten Gewand. Er lässt nicht einen Augenblick von seinem Begehren ab und gelangt doch nicht zur Sättigung.
42.
tadā viṣādamāviśya viṣaṇṇavadanaḥ sadā ||42||
Übersetzung: Wenn später seine Kraft und sein Vermögen erschöpft sind, verfällt der Mensch in Niedergeschlagenheit und zeigt stets ein bedrücktes Gesicht.
43.
tyaktuṃ notsahate cittamiyamevāhamātmanaḥ ||43||
†
Übersetzung: Von Zuneigung zu den eigenen Kindern erfasst und durch die Unreinheit der Niedergeschlagenheit gequält, bringt er es nicht fertig, die innere Bindung aufzugeben: Er rechnet alles seinem eigenen Ich zu.
44.
viṣāde ca bhavecchoṣo malaścāṇoḥ sudustaraḥ ||44||
Übersetzung: So blickt er darauf und sinkt, von Niedergeschlagenheit verwirrt, immer tiefer. Daraus entsteht Auszehrung, eine Unreinheit der Seele, die schwer zu überwinden ist.
45.
viyujye tvadhunā yena bandhuvargātsulālitāt ||45||
Übersetzung: Bei dem Ausgezehrten entsteht wechselnde Besorgnis, zweifellos eine große Fessel: Wodurch werde ich nun von dem geliebten Kreis meiner Angehörigen getrennt?
46.
evaṃ saṃcintya saṃcintya vaicitryākulitekṣaṇaḥ ||46||
Übersetzung: Wer wird diese Familie beschützen, wenn ich gestorben bin? Immer wieder so grübelnd, wird sein Blick von wechselnden Gedanken verwirrt.
47.
kimadyāpi mayā kāryaṃ hṛṣṭimāyāti tatkṣaṇāt ||47||
Übersetzung: Oder er denkt: Durch Söhne, Enkel und Schwiegertöchter habe ich meine Aufgabe erfüllt. Was bleibt mir noch zu tun? Sogleich empfindet er Freude.
48.
evaṃ saṃcintyamāno'pi cinoti ca punaḥ punaḥ ||48||
Übersetzung: Der Schöpfer der ganzen Welt hat mich an meinen rechten Platz gestellt! Obwohl er so denkt, häuft er doch immer wieder weiteren Besitz an.
49.
yadyapyante mayā prokto malo'yaṃ harṣaṇātmakaḥ ||49||
Übersetzung: Beim Anblick seines eigenen Wohlstands freut er sich wieder und wieder. Diese aus Freude bestehende Unreinheit habe ich zwar zuletzt genannt,
50.
yato duḥkhāvasāneṣu hṛṣṭiḥ sarvatra dṛśyate ||50||
Übersetzung: doch sie ist als überall wirksam zu betrachten, bester Weiser. Denn Freude zeigt sich überall, wo Leiden endet,
51.
satsveteṣu paśoḥ pāśā māyātaḥ kṣuritāḥ sadā ||51||
Übersetzung: wo ersehnte Dinge erlangt werden oder eine Begegnung mit Geliebtem stattfindet. Während diese Unreinheiten bestehen, gehen aus Maya die Bindungen der Seele hervor.
52.
evaṃvidhairasaṃkhyātairguṇibhiḥ paripūritā ||52||
Übersetzung: Anders könnte die individuelle Seele die aus Prakriti hervorgehenden Erfahrungen nicht erleben. Mit unzähligen Faktoren dieser Art ist Maya erfüllt.
53.
jagaccarācaraṃ saiva vidhātrā kṣobhitā satī ||53||
Übersetzung: Darum wird sie als die Zauberin der Welt bezeichnet. Vom Schöpfer in Bewegung gesetzt, entfaltet sie selbst die bewegliche und unbewegliche Welt.
54.
pravāsyante'ṇavaḥ sūkṣmāḥ pāśānāṃ vaśavartinaḥ ||54||
Übersetzung: Durch ihre feinen, über lange Zeiten fortwirkenden Prägungen werden die feinen Seelen beeinflusst, die unter der Macht der Bindungen stehen.
55.
pradhānamapi māyotthaṃ kalātaḥ sthūlatāṃ gatam ||55||
Übersetzung: Danach werden sie, auf dem Weltweg bestehend, durch die gröberen Bindungen von Kala und den übrigen Prinzipien gebunden. Auch Pradhana geht aus Maya hervor und wird gröber als Kala.
56.
puṃbandho jagataḥ kṛtsno māyotthaḥ paribhāṣyate ||56||
Übersetzung: Seine Hervorbringungen bilden eine besonders starke Verbindung mit der Seele. Die gesamte Bindung der Seelen in der Welt wird als aus Maya entstanden beschrieben.
57.
pravartate tu saṃhāre māyāṇūnāṃ mahāmune ||57||
Übersetzung: Von der zuvor genannten Harini Shivas beherrscht, wird Maya bei der Auflösung der Seelenwelten tätig, großer Weiser.
Übersetzung: Matanga sprach:
58.
vyaktaye jagataḥ siddhāḥ saṃhāraḥ kena hetunā ||58||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Die Strahlen sind doch die eigene Natur des Herrn und erregen auch den Weltknoten; sie sind als Ursache der Offenbarung der Welt erwiesen. Wodurch geschieht dann die Auflösung?
59.
dhruvaṃ saṃkocadharmāṇo na ca sarvagataḥ prabhuḥ ||59||
Übersetzung: Wenn sie von einem Zusammenziehen abhängt, müssten die Strahlen des Herrn dem Zusammenziehen unterliegen; dann wäre der Herr nicht allgegenwärtig.
60.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Seine Tätigkeit gälte wie die eines Töpfers nur dem Hervorbringen, nicht der Vernichtung. Die Antwort lautet: Wenn man das Wirken des höchsten Herrn durch seine Shaktis bei der Schöpfung anerkennt,
61.
ambhasaḥ sṛṣṭisaṃhāre na kulālanidarśanāt ||61||
Übersetzung: warum nicht auch bei der Auflösung? Das passende Beispiel sind die Sonnenstrahlen im Hervortreten und Zurücknehmen des Wassers, nicht der Töpfer.
62.
nānimitto'thavākartṛnimittaṃ śaktipūrvakam ||62||
Übersetzung: Überall vergeht das Geschaffene, aber nicht ursachlos aus sich selbst. Auch wenn die unmittelbare Bedingung kein bewusst Handelnder ist, setzt ihr Wirken Shakti voraus.
63.
avyāhataguṇākīrṇā yasyāsau parameśvaraḥ ||63||
Übersetzung: Hier sind die Kräfte vollkommen, in ihren eigenen Tätigkeiten überaus geschickt und mit ungehinderten Eigenschaften erfüllt. Ihr Träger ist Parameshvara,
64.
māyāpi tadvaśā yasmānnityaṃ prasavadharmiṇī ||64||
Übersetzung: unabhängig in allem Wirken. Was sollte daran weiter bestritten werden? Auch Maya steht unter seiner Macht und besitzt stets die Natur des Hervorbringens.
65.
kṛṣṇāmbumuci te vyomni māyākhye śivaśaktayaḥ ||65||
Übersetzung: Sie gleicht einer Honigwabe, dicht mit individuellen Seelen erfüllt. In diesem Maya genannten Raum, einer dunklen Regenwolke gleich, leuchten die Shaktis Shivas
66.
rudrāśca bhuvanādhārā vṛtā rudraiḥ sahasradhā ||66||
Übersetzung: als wirkende Ursachen wie Blitze in der Nacht. Dort bestehen auch Rudras als Träger der Welten, von Rudras zu Tausenden umgeben.
67.
tāvantyadhastāddivyāni racitāni ca dhātubhiḥ ||67||
Übersetzung: Über dem Knoten werden sechs Weltschalen gezählt, du mit den guten Gelübden, und ebenso viele darunter, von den Schöpfermächten göttlich gestaltet.
68.
vibhāgo bhuvaneśānāṃ krīḍābhūmisthitātmanām ||68||
Übersetzung: Sie sind mit vielerlei Juwelen geschmückt. Nun wird die Gliederung der Weltenherren erklärt, die dort auf den Schauplätzen ihres Spieles verweilen.
69.
rudrāṇāṃ kāryakaraṇaṃ brahmākhyamatinirmalam ||69||
Übersetzung: Diese heilsame Folge der Welten liegt innerhalb der Maya. Die vollkommen reinen Körper und Werkzeuge der Rudras werden als Brahma bezeichnet.
70.
svena svena tu vīryeṇa rudrā bhogabhujaḥ śivāḥ ||70||
Übersetzung: Sie bestehen in gegenseitiger Beziehung und besitzen in aufsteigender Reihenfolge immer größere Vorzüge. Mit ihrer eigenen Kraft genießen die heilsamen Rudras ihre Erfahrungen.
71.
bhuvaneṣu vicitreṣu krīḍantyamitatejasaḥ ||71||
Übersetzung: Weil ihre Werkzeuge rein sind, sind sie von der groben Schwärzung durch Maya frei. In den mannigfaltigen Welten spielen sie mit unermesslichem Glanz.
72.
mattaḥ śreṣṭhataraṃ nānyatkāraṇaṃ jagataḥ param ||72||
Übersetzung: Vom Rausch ihrer Herrschaftsmacht ergriffen, denken diese mächtigen Wesen: Es gibt keine höhere Ursache der Welt als mich.
73.
tasmādadhaḥsthitasyāpi garvo'yaṃ nātra saṃśayaḥ ||73||
Übersetzung: Ich allein bin der Herr dieser gesamten Welt! Darum besteht auch bei den jeweils tiefer Stehenden dieser Stolz; daran ist nicht zu zweifeln.
Übersetzung: Matanga sprach:
74.
kartāro'dhikavīryāstu prabuddhāḥ śuddhavṛttayaḥ ||74||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Diese Rudras sind von der Ursache als Weltenhüter eingesetzt. Sie sind Schöpfer von überragender Kraft, erwacht und von reiner Tätigkeit.
75.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Warum erkennen sie ihre eigene Ursache nicht, Erhabener? Die Antwort lautet: Ihr Blick ist nach unten gerichtet; sie sind vom Stolz auf ihre eigene Schöpfung verblendet.
76.
svakāraṇakaraiḥ samyak saṃhāre svāpamāgatāḥ ||76||
Übersetzung: Daran erfreut, genießen sie ihre Spiele. Bei der Auflösung versetzen die Strahlen ihrer eigenen Ursache sie in einen Schlafzustand.
77.
taddhāmeva paśyantaḥ svāṃ sṛṣṭiṃ ratnojjvalām ||77||
Übersetzung: Dann von Kshobhika erfasst, erwachen sie wieder. Sie sehen nur ihre eigene Stätte und ihre von Juwelen strahlende Schöpfung.
78.
krīḍāmo vigatakleśāḥ svārjiteṣu bubhukṣavaḥ ||78||
Übersetzung: Sie denken: Wir sind aus dem Schlaf erwacht; nur unser eigener Schlaf hatte uns beherrscht. Nun spielen wir ohne Mühsal und genießen, was wir selbst erworben haben.
79.
ananto'nantavīryātmā sarveṣāṃ mūrdhani sthitaḥ ||79||
Übersetzung: Alle sind von feinen Bindungen umhüllt, auch wenn grobe sie nicht verhüllen. Ananta von unendlicher Kraft steht über ihnen allen.
80.
viśveśaśca mahātejā vidyeśāno'parastataḥ ||80||
Übersetzung: Unter ihm befindet sich der Rudra namens Shiva, ein welterhaltender Herr. Darauf folgen der überaus strahlende Vishvesha und Vidyeshana.
81.
ete ṣaḍ bhuvaneśānāḥ svatejo'dbhutavṛttayaḥ ||81||
Übersetzung: Weiter folgen Brahmanasvamin und danach Kshemisha. Dies sind die sechs Weltenherren von wunderbar wirkendem eigenem Licht.
82.
dyotayanto jagatsarvaṃ pravibhānti maheśvarāḥ ||82||
Übersetzung: In der mitternächtlichen Dunkelheit der Maya stehen sie unerschütterlich und vollkommen rein. Als große Herren erstrahlen sie und erhellen die ganze Welt.
83.
yatrāsau vigraheśānaḥ sthitaḥ paramadurjayaḥ ||83||
Übersetzung: Unter ihnen liegt der überaus ausgedehnte, schwer zu durchdringende Knoten. Dort verweilt der äußerst schwer zu bezwingende Vigraheshana,
84.
bhuvanaṃ bhuvaneśasya vinodaśatasaṃkulam ||84||
Übersetzung: umgeben von erhabenen Rudras, die von eigener Shakti und Kraft erfüllt sind. Die Welt dieses Weltenherrn bietet Hunderte von Freuden.
85.
bhasmāntako dundubhiśca śrīvatsaśca mahābalaḥ ||85||
Übersetzung: Dort sind Sharva und Bhava, Ugra und der kraftvolle Bhima, Bhasmantaka, Dundubhi und der mächtige Shrivatsa.
86.
citaṃ bhuvanamālābhirbhogautsukyapariplutam ||86||
Übersetzung: Unter diesem Knoten liegt ein großer Kreis aus sechs Weltschalen, dicht mit Weltenfolgen erfüllt und von Verlangen nach Erfahrung durchdrungen.
87.
tadadhastāddṛśeśasya bhuvanaṃ cāru nirmalam ||87||
†
Übersetzung: Dort liegen die göttliche Welt Gopatis, danach die Trikalas und darunter die schöne, makellose Welt Drisheshas.
88.
bhuvanānāmiyaṃ mālā caturthabhuvanāsthitā ||88||
†
Übersetzung: Es folgen die Welt des Gottes Harehera und die Hariharas. Diese Weltenfolge wird an der vierten Weltstufe verortet.
89.
yattadatyantagahanaṃ gahaneśasya dhīmataḥ ||89||
Übersetzung: Darunter liegt Asadhyas Welt, von Rudras besucht, und die äußerst tiefe Welt des weisen Gahanesha.
90.
tatrāsau bhuvaneśāno bhuvaneśairmahābalaiḥ ||90||
Übersetzung: Dort ruhen bei der Auflösung die individuellen Seelen und Pradhana, du mit den guten Gelübden. In jenem Bereich erstrahlt der Weltenherr,
91.
kālānalāntamadhvānaṃ yenāttaṃ svena tejasā ||91||
Übersetzung: von mächtigen Weltenherren umgeben, im tiefen Maya-Tattva. Durch sein eigenes Licht umfasst er den Weltweg bis zum Feuer der Zeit.
92.
ebhyo'nyadbhuvanaṃ nāsti māyotthaṃ munisattama ||92||
Übersetzung: Zwölf sind die Welten dieses unreinen Weges. Außer ihnen gibt es in dieser Einteilung keine weitere unmittelbar aus Maya hervorgegangene Welt, bester Weiser.
93.
yatrāṇavaḥ pralīyante tadidaṃ gahanāhvayam ||93||
Übersetzung: Wo die Seelen, durch Shakti stillgestellt und ihrer Tätigkeiten enthoben, zur Ruhe eingehen, ist der Gahana genannte Bereich.
94.
nānārūpadharā viśvā viśvasya jagato'raṇiḥ ||94||
Übersetzung: Diese Maya breitet sich zum Spiel des Herrn der Mantras aus. Sie trägt vielerlei Gestalten, umfasst alles und ist der Ursprung der gesamten Welt.
95.
tadātmakena rūpeṇa tādṛśaṃ prati peśalā ||95||
Übersetzung: Je nachdem, wie das Karma des Erfahrenden zur Reife gelangt und welche Stätte sowie Möglichkeiten ihm zukommen, nimmt sie die entsprechende Form an und wirkt daran mit.
Übersetzung: Matanga sprach:
96.
karmaṇā vāsitasyetthamaśubhena śubhena vā ||96||
Übersetzung: Der Weise fragte: Hier ist der Körper des Erfahrenden samt seinem Aufenthaltsbereich beschrieben, Maheshvara. Wenn der Verkörperte von gutem oder schlechtem Karma geprägt ist,
97.
ekasyāmeva me bhrāntiśchindhi śāstrārṇavodare ||97||
Übersetzung: warum wird er dann an derselben Stätte sowohl von Freude als auch von Leid getroffen? Hierüber bin ich verwirrt; zerschneide diese Verwirrung im Ozean der Lehre.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
98.
anādikālaṃ saṃrūḍhe tābhyāṃ puṃvāsitaḥ sadā ||98||
Übersetzung: In der Welt sind zwei Arten des Handelns wohlbekannt, Dharma und Adharma. Seit anfangsloser Zeit sind sie angewachsen, und von beiden ist der Mensch stets geprägt.
99.
tadā bhogasya nārambhaḥ karmaṇo vātha jāyate ||99||
Übersetzung: Wenn der Körper des Erfahrenden nur aus einer einzigen Reifung bestünde, könnten weder weitere Erfahrung noch weiteres Handeln beginnen.
100.
prāksaṃcitasamūhasya vāsanākhyasya karmaṇaḥ ||100||
Übersetzung: Der Körper entsteht aus dem Karma, dessen Wirkung auf die Geburtsart besonders stark ist. Innerhalb der zuvor angesammelten Menge des als Prägung bestehenden Karmas
101.
tenopabṛṃhitaṃ bhūtyai bhokturvyaktimupaiti hi ||101||
Übersetzung: tritt jeweils dasjenige hervor, das durch passende mitwirkende Handlungen gestärkt wird und so für den Erfahrenden zur Entfaltung gelangt.
102.
tenātiguruṇā pūrvamaśubhena śubhena vā ||102||
Übersetzung: Anderes Karma bleibt untergeordnet, solange ein schwerwiegendes, hemmendes Karma vorherrscht, sei es gut oder schlecht.
103.
kṣipraṃ balavatā vāpi tīvreṇātigarīyasā ||103||
Übersetzung: Wenn dieses offenbar geworden und erfahren worden ist, tritt ein anderes heran. Oder ein frisches, besonders starkes und heftiges Karma
104.
tasminnevopabhukte tu bhūyastadupasarpati ||104||
Übersetzung: hält ein früheres, schwächeres zurück. Sobald das stärkere erfahren ist, tritt das frühere erneut hervor.
105.
yasmādduḥkhe sukhaṃ nāsti na ca duḥkhaṃ sukhe kvacit ||105||
Übersetzung: Die Erfahrungen des Karmas entstehen nicht alle gleichzeitig. Denn im Leid ist nicht zugleich Freude, und in der Freude nicht zugleich Leid gegenwärtig.
106.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Beide werden vielmehr abwechselnd wahrgenommen. Der Weise fragte: Wenn der Erfahrende von einer früheren Prägung beherrscht wird und zur Erfahrung bereitsteht, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
107.
sā lakṣyate yathā tattvaṃ tathā vada maheśvara ||107||
Übersetzung: wie wirkt dann die von dir beschriebene hemmende Kraft Rodhayitri? Erkläre ihr wahres Wesen, Maheshvara.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
108.
vāsanābhiryutasyāpi bahvībhiḥ kālaparyayāt ||108||
Übersetzung: Ein verkörpertes Wesen wird durch Wohltaten und Verletzungen geprägt. Auch wenn sich im Laufe der Zeit viele Prägungen angesammelt haben,
109.
dveṣeṇa vātha rāgeṇa sāṭopena pravartate ||109||
†
Übersetzung: wirkt beim Zusammentreffen mit einem bestimmten Anlass die dazugehörige Prägung unmittelbar: Es handelt nachdrücklich aus Abneigung oder aus Anhaftung.
110.
dveṣādduḥkhamavāpnoti sukhamāpnoti rāgataḥ ||110||
Übersetzung: Während Abneigung wirkt, ist Anhaftung nicht gegenwärtig; während Anhaftung wirkt, nicht Abneigung. Aus Abneigung erfährt es Leid, aus Anhaftung Freude.
111.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: So sieht man diese Welt zwischen Zuwendung und Abwendung wechseln, Weiser. Der Einwand lautet: Die von dir beschriebene Prägung aus Anhaftung und Abneigung (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
112.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: zeigt sich doch auch gegenüber etwas, das gar nicht vorhanden ist. Wie kann diese Regel dann feststehen, wenn Menschen von schwacher Einsicht sich an etwas Unwahrem orientieren (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
113.
tathāpi tatprapattavyamubhayorapi karmajam ||113||
Übersetzung: oder von geschickten anderen gegen jemanden aufgebracht werden? Die Antwort lautet: Auch dies ist bei beiden Beteiligten als aus Karma hervorgegangen zu verstehen.
114.
yenopāyena yasyeha yadvipākasya suvrata ||114||
Übersetzung: Es ist dessen Frucht, hervorragender Weiser; anders ist es nicht. Durch welches Mittel bei jemandem die Reifung zustande kommen soll,
115.
sāmānye pariṇāme'sminmāyākhye munisattama ||115||
Übersetzung: dementsprechend werden auch Geist und Einsicht beschaffen sein. So verhält es sich in dieser allgemeinen, Maya genannten Entfaltung, bester Weiser.
116.
cidacittattvayoryasmātsvabhāvasya viparyayaḥ ||116||
Übersetzung: Weil die Wünsche der Seele wechseln, ist die Frucht des Karmas vielfältig. Die eigene Natur des bewussten und des unbewussten Prinzips kann dabei nicht einfach vertauscht werden.
117.
anyo'nyātiśayo loke tasmātkarmavaśāddhruvam ||117||
Übersetzung: Das Karma kann nicht geleugnet werden: Der Wille wird gehemmt, und man sieht in der Welt wechselseitiges Übergewicht. Darum steht alles unter der Macht des Karmas.
118.
karmaṇaḥ kāraṇaṃ kartā sa pumānatra kīrtitaḥ ||118||
Übersetzung: Diese ganze Welt hängt vom Karma ab; das Karma wiederum hängt vom Handelnden ab. Ursache des Karmas ist der Handelnde, der hier Purusha genannt wird.
119.
bhogabhugbhogasantāne bandhenaiva kalādinā ||119||
Übersetzung: Karma ist Ursache der Erfahrung, Erfahrung Ursache der Bindung. Der Erfahrende bleibt in der Folge der Erfahrungen durch Kala und die übrigen Bindungen
120.
prādurbhūtaṃ jagatkṛtsnaṃ māyātaḥ sacarācaram ||120||
Übersetzung: gebunden. Darum ist diese Fessel so schwer zu durchbrechen. Die ganze bewegliche und unbewegliche Welt ist aus Maya hervorgegangen.
121.
pravṛttau śaktayaḥ siddhāḥ śaktīnāṃ kāraṇaṃ śivaḥ |
Übersetzung: Maya ist die Ursache der Welt. Für Mayas Tätigwerden sind die Shaktis als Ursachen erwiesen, Weiser; die Ursache der Shaktis ist Shiva. Shiva selbst wird in diesem Tantra des höchsten Herrn als ursachelos bezeichnet.
122.
kalādiko'syā vibhavaḥ samastaḥ so'pyucyate kāraṇakāryabhāvāt ||122||
Übersetzung: So ist Maya, die ursprüngliche Trägerin der Welt, ihrem eigenen Wesen nach sachgemäß erklärt. Ihre gesamte Entfaltung, angefangen mit Kala, wird nun ebenfalls nach dem Verhältnis von Ursache und Wirkung beschrieben.
Vidyāpāda, Kapitel 9
Übersetzung: Das Kalā-Tattva
1.
samāsenābhidhāsyāmi śṛṇvekāgramanā mune ||1||
Übersetzung: Nun werde ich die Entstehung der Welt mit ihrer herrlich vielfältigen Ordnung in Kürze erklären. Höre mit einspitzigem Geist, Weiser.
2.
tadā svena vikāreṇa karoti vipulaṃ jagat ||2||
Übersetzung: Wenn der Maya-Knoten von Anantanatha erregt wird, bringt er durch seine eigene Verwandlung die weite Welt hervor.
3.
śivārkakiraṇavyūhabalenonmīlitekṣaṇāḥ ||3||
Übersetzung: Die sechs Rudras, Herren der Weltschalen, deren Handlungskräfte geruht hatten, öffnen durch die Macht der Strahlenscharen der Shiva-Sonne ihre Augen.
4.
aiśvaryamadamāviśya svavyāpārasupeśalāḥ ||4||
Übersetzung: Plötzlich erwachen sie, frei von Schlaf und Ermüdung. Vom Rausch ihrer Herrschaftsmacht erfüllt, sind sie geschickt in ihren jeweiligen Aufgaben.
5.
ye'pyadhastānmahābhāgā rudrāḥ ṣaḍ bhuvaneśvarāḥ ||5||
Übersetzung: Vom Licht Shivas gestärkt, spielen sie in unbegrenzten Erfahrungen. Auch die sechs erhabenen Rudras, die darunter als Weltenherren bestehen,
6.
prādurbhavanti saṃsiddhāḥ svamadoddāmagarvitāḥ ||6||
Übersetzung: deren leibliche Glieder aufgelöst waren, werden mit dem Nektar der Shakti besprengt. Sie treten vollendet hervor, erfüllt vom ungebändigten Stolz ihrer eigenen Macht.
7.
viṣasaṃmūrcchitātmāno dhvastasaṃjñā vicetasaḥ ||7||
Übersetzung: Auch die Verkörperten, deren äußere Ausstattung vollständig vergangen war, ruhen mit verwirrtem Bewusstsein, wie durch Gift betäubt, ohne Wahrnehmung und Besinnung.
8.
vikasantyaṇupadmāstu māyāsarasi vistṛte ||8||
Übersetzung: Ihre Kräfte sind allesamt gehemmt. Doch von den Strahlen der Shiva-Sonne angeregt, öffnen sich die Lotosblüten der Seelen im weiten See der Maya.
9.
praspandamānāstaralāḥ prayāntyucchūnatāṃ mune ||9||
Übersetzung: Ihr Wesen öffnet sich zunächst ein wenig. Von Kala durchdrungen, beginnen sie zu beben, werden beweglich und schwellen an, Weiser.
Übersetzung: Matanga sprach:
10.
kālena śāṃkarī tasyā bodhayitrī mahābalā ||10||
Übersetzung: Die individuelle Kraft war gehemmt und dem Schoß der Maya unterworfen. Zur rechten Zeit wird die mächtige Kraft Shankaras zu ihrer Erweckerin.
11.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Der Einwand lautet: Woher stammt die als dritte Größe genannte Kala, Parameshvara? Die Antwort lautet: Wie ein Samen durch die Verbindung mit Erde und Wasser, vom Wind angeregt,
12.
mṛdbījāmbusamāyogāttatraivāgniḥ samārutaḥ ||12||
Übersetzung: rasch anschwillt und durch seine eigene Wärme bewegt wird, so werden im Zusammentreffen von Erde, Samen und Wasser Feuer und Wind
13.
vivṛddhaye'bhilāṣeṇa yathā yuktaḥ prabudhyate ||13||
Übersetzung: zu seinem Wachstum offenbar. Ebenso entsteht Kala aus der Verbindung, um Entfaltung zu ermöglichen. Wie ein mit einem Wunsch verbundener Mensch dadurch erwacht,
14.
tuṣakambukasaṃyogāttaṇḍulājjāyate'ṅkuraḥ ||14||
Übersetzung: so ist die aus Maya hervorgehende Kala als dasjenige zu verstehen, das durch die Verbindung die Seele erschließt. Wie aus einem Reiskorn mit seinen Hüllen ein Keim entsteht,
15.
yadyapīyaṃ kalā sūkṣmā māyāpāpasamudbhavā ||15||
†
Übersetzung: so wird aus der Verbindung von Maya und Seele die unbewusste Kala offenbar. Diese feine Kala geht aus dem unreinen Bereich der Maya hervor,
16.
sukhaduḥkhopabhogasya dvārametatsadā citeḥ ||16||
Übersetzung: und zwar beim Zusammentreffen des Bewussten und des Unbewussten. Für das Bewusstsein ist sie stets das Tor zur Erfahrung von Freude und Leid.
17.
tatsaṃgamasamuttheyaṃ kalā kalayate jagat ||17||
Übersetzung: Der Purusha ist bewusst, das Maya-Tattva unbewusst. Kala entsteht aus ihrem Zusammentreffen und erschließt der Seele die Welt.
18.
susūkṣmā vimalā sattā yā sā jñānakriyātmikā ||18||
Übersetzung: Dies tut sie nicht aus eigener Macht, hervorragender Weiser, sondern angeregt von den Strahlen des ursächlichen Feuers. Das überaus feine, reine Sein der Seele, dessen Wesen Erkennen und Handeln ist,
19.
yasmānmohādinā vyāptā cinmātrāsannagocarā ||19||
Übersetzung: wird durch Kala befähigt und in die Erfahrungen hineingeführt. Denn die dem reinen Bewusstsein unmittelbar nahe Seele ist von Moha und den übrigen Unreinheiten durchdrungen.
20.
anumānotthitāstāvatkaleyaṃ tvagyathā taroḥ ||20||
Übersetzung: Solange Vidya und die weiteren Faktoren ihrer Tätigkeit noch nicht auftreten, wird Kala zunächst durch Schlussfolgerung erschlossen, einer Baumrinde vergleichbar.
21.
vidyārāgātmakairyāvadvikārairna pravartate ||21||
Übersetzung: Für das Erleben von Freude und Leid wird noch nichts Weiteres unterschieden, solange die Seele nicht durch die Entfaltungen von Vidya und Raga tätig wird.
22.
bāhyo'rtho'tīva yaḥ sthūlastaṃ vikāraiḥ pradhānajaiḥ ||22||
Übersetzung: Danach, wenn ihre Kraft sich entfaltet hat, erkennt und handelt sie in allen Bereichen. Die sehr groben äußeren Gegenstände erkennt sie durch die aus Pradhana hervorgegangenen Veränderungen.
23.
vijānāti munivyāghra sati tattve kalātmake ||23||
Übersetzung: Im Bereich Pradhanas erkennt sie mittels dessen Wirkungen, hervorragender Weiser, sofern das Kala-Tattva vorhanden ist.
24.
kalāntarvartinī jñeyā kalayitrī mahātmanaḥ ||24||
Übersetzung: Ohne dieses geschieht es nicht. Die äußerst feine und reine Kraft der Ursache ist als innerhalb Kalas gegenwärtig zu verstehen; sie befähigt die große Seele.
25.
tayopodbalitā citsyāccetanodbalane kṣamā ||25||
Übersetzung: Diese Shakti des krafttragenden Herrn ist von überragender Macht. Durch sie wird das Bewusstsein gestärkt; sie vermag das bewusste Wesen zu kräftigen.
26.
svakarmavāsanāyattamudbhūtaṃ calataḥ purā ||26||
Übersetzung: Durch die Verbindung mit ihr ergreift die individuelle Seele rasch ihre Bewusstseinsfähigkeit, gemäß den Prägungen ihres eigenen Karmas, wenn sie hervortritt
27.
evamādau pravaktavyā sṛṣṭirgrantheḥ kalā paśoḥ ||27||
Übersetzung: aus dem Maya-Tattva und besonders starkes Leid oder Freude erfährt. So ist zuerst das Hervorgehen Kalas für die Seele aus dem Knoten zu erklären.
28.
tathāṇuḥ kalayāviddho bhogāñchaknoti vāsitum ||28||
Übersetzung: Wie ein im Feuer erhitztes Tongefäß einen Lacküberzug annehmen kann, so vermag die von Kala durchdrungene Seele sich mit Erfahrungen prägen zu lassen.
29.
svāliṅgitāṇunā yasmāttayostasmādvibhāgataḥ ||29||
Übersetzung: Die Seele nimmt durch Kala ihre selbst erworbenen Erfahrungen mit großer Zuneigung auf; Kala wiederum ist mit der von ihr umschlossenen Seele verbunden. Darum lässt sich zwischen beiden
30.
tathāpi kāraṇajñānakiraṇodyotite hṛdi ||30||
Übersetzung: kein Abstand sehen; sie erscheinen als eines. Dennoch wird in einem Herzen, das von den Erkenntnisstrahlen der Ursache erleuchtet ist,
31.
bhogadhātrī kalā jñeyā kalādhāraśca pudgalaḥ ||31||
Übersetzung: die Einsicht tätig und vermag aus eigener Befähigung zu unterscheiden: Kala ist die Trägerin der Erfahrung, und die individuelle Seele ist der Träger Kalas.
32.
vāsito notsahettyaktuṃ bhūyo bhūyo'nurajyate ||32||
†
Übersetzung: Darin bestehend und von der vielfältigen Reifung des Karmas geprägt, vermag die Seele nicht loszulassen; immer wieder entwickelt sie neue Anhaftung.
33.
tato'yaṃ niyamaḥ spaṣṭaḥ saṃsāro'ti duruttaraḥ ||33||
Übersetzung: Für die Erfahrungen gibt es keinen anderen Träger als Kala. Damit wird deutlich, warum der Samsara so schwer zu überschreiten ist.
34.
jñānacakṣuḥpradīpena samyagālokya sādaram ||34||
Übersetzung: Doch wer sich sorgsam der aus dem Lotosmund der Ursache hervorgegangenen Lehre zuwendet und mit der Leuchte des Erkenntnisauges recht betrachtet,
35.
anayorantaraṃ jñātvā svastho nirvātyasaṃśayam ||35||
Übersetzung: erkennt: Dies ist Purusha, und dies ist die unheilsame Kala, die Stätte der Mängel. Wer den Unterschied beider erkennt, kommt zu sich selbst und findet gewiss Ruhe.
36.
asyāṃ bhuvanamālā tu sthitā rudrāṇusantateḥ ||36||
Übersetzung: So besteht Kala mit ihren beschriebenen Eigenschaften in ihrer eigenen Wirkungsweise. In ihr liegt eine Weltenfolge für die Scharen der Rudra-Seelen.
37.
prahlādanavinodāḍhyā bhuvanairdaśabhiścitā ||37||
Übersetzung: Vom Schöpfer zur Erfahrung und zum Spiel gestaltet, bringt sie Freude hervor, ist reich an Erquickung und Vergnügen und umfasst zehn Welten.
38.
vāmadevo mahātejā jyeṣṭhaścaiva mahābalaḥ ||38||
Übersetzung: Dort spielen makellose Rudras, die den Mond als Kopfschmuck tragen: der überaus strahlende Vamadeva und der mächtige Jyeshtha,
39.
kalavikaraṇo'nyo'pi pañcamo'tīva puṣṭavān ||39||
Übersetzung: der als Rudra bekannte Raudra, der mächtige Kala und als fünfter der besonders kraftvolle Kalavikarana.
40.
balapramathano'nyo'pi vikhyāto bhuvaneśvaraḥ ||40||
Übersetzung: Balavikarana ist der sechste Weltenherr. Ein weiterer ist der bekannte Balapramathana.
41.
manaścaiva mahātejā unmanaścātivīryavān ||41||
Übersetzung: Bhutadamana wird als Bezwinger der Wesen genannt, in einer überaus schönen Welt; dazu kommen der lichtvolle Manas und der äußerst kraftvolle Unmanas.
42.
aluptaśaktayaḥ sarve boddhāraḥ parameśvarāḥ |
Übersetzung: Diese Rudras sind von Rudras umgeben, die ihnen gleichen. Ihre Kräfte sind unvermindert; sie sind erkennende höchste Herren. Mit Shivas Zustimmung wirken sie alle auf dem weiten Weltweg.
43.
kṛtsnaṃ jagatkālayituṃ samarthā bhogeṣu yoktuṃ kuśalāṇuvṛndam ||43||
†
Übersetzung: Kala trägt die Hoffnungen der Seelen und die Erfahrungen der Weltenherren. Sie vermag die ganze Welt zu gliedern und die Scharen der Seelen geschickt mit Erfahrungen zu verbinden.
44.
tattvānvayaprāptibalena vācyāṃ vidyāṃ mune tāmavadhārayasva ||44||
Übersetzung: So habe ich sie dir sachgemäß in knapper Form erklärt. Vernimm nun Vidya, Weiser, deren Darstellung sich aus der Reihenfolge der Tattvas ergibt.
Vidyāpāda, Kapitel 10
Übersetzung: Das Vidya-Tattva
1.
kalādhāre'ṇu vijñānaṃ bubhukṣorvidyayābhavat ||1||
Übersetzung: Für die Seele, die zuvor durch Kala des Weltenschöpfers befähigt wurde und nach Erfahrung verlangt, entsteht durch Vidya eine begrenzte Erkenntnis auf der Grundlage Kalas.
2.
pṛthaṅnyāyādvibhāgākhyā racanā jāyate sphuṭā ||2||
Übersetzung: Wenn die jeweiligen Reifungen des Karmas auf der Grundlage Kalas bestehen, tritt eine klare Ordnung ihrer einzelnen Unterscheidungen hervor.
3.
dharmātsukhāvahaṃ puṃso yena rāgo'bhijāyate ||3||
Übersetzung: Erfahrung wird als zweifach beschrieben; das werde ich erläutern. Aus Dharma entsteht für den Menschen Freude, aus der Anhaftung hervorgeht.
4.
vidyāntaraṅgamuddiṣṭā yayā bhogānprapadyate ||4||
Übersetzung: Aus Adharma entsteht Leid, durch das er mit Abneigung verbunden wird. Vidya ist als innerer Faktor bezeichnet, durch den er diese Erfahrungen empfängt.
5.
na tathā prākṛtī buddhirbahiraṅgā yatastu sā ||5||
Übersetzung: Sie ist ihm stets überaus nahe und vermag sein ganzes Wesen zu umfassen. So verhält es sich nicht mit der aus Prakriti entstandenen Buddhi, denn diese gehört zum äußeren Bereich.
6.
ākṛṣṭaḥ sa kaṣāyeṇa bhogākhyenātmavartinā ||6||
Übersetzung: Die Vorstellung, die aus dem Zusammentreffen von Sinn und Gegenstand entsteht, wird von der im Selbst bestehenden Prägung der Erfahrung angezogen.
7.
atyutkaṭābhilāṣeṇa dvāramāśritya garvajam ||7||
Übersetzung: Ein überaus starker, rasch wirkender innerer Antrieb und heftiges Verlangen bedienen sich dabei des Tores der Ichbildung.
8.
vāsitaṃ tena bhāvena saṃkalpya ca cikīrṣayā ||8||
Übersetzung: Der Geist wird schrittweise angeregt und vom äußeren Bereich geprägt. Von diesem Zustand erfüllt, stellt er etwas vor und will handeln.
9.
prāpto'ntaraṅgatāṃ yena svābhimānena garvitaḥ ||9||
Übersetzung: Er nimmt den Gegenstand auf und geht damit in die Ichbildung ein. Auch diese übernimmt ihn und verinnerlicht ihn, von der eigenen Selbstzuschreibung erfüllt.
10.
abhimānātmakāttattvātkhyātiradhyavasāyinī ||10||
Übersetzung: Durch ihre starke eigene Eigenschaft vermag sie ihn als „mein“ anzueignen. Aus diesem Prinzip der Ichzuschreibung gelangt er zur bestimmenden Erkenntnis der Buddhi.
11.
tatastaducitaṃ cittaṃ khyātirnyāyānuvartinī ||11||
Übersetzung: Diese nimmt ihn auf, entsprechend ihrer eigenen, Erkennen genannten Fähigkeit. Die der rechten Zuordnung folgende Erkenntnis nimmt den dazu passenden geistigen Inhalt
12.
puṃso'ntaścāriṇī vidyā vivecayati sādaram ||12||
Übersetzung: und meldet ihn der Vidya; sie ist im Umgang mit dem äußeren Bereich geschickt. Vidya, die im Innern des Menschen wirkt, unterscheidet ihn sorgfältig.
13.
pumānpratyāgatānbhogān kramaśo vyūḍhagocarān ||13||
†
Übersetzung: Dieser Strom trägt dem Erfahrenden beständig seine Erfahrungen zu. Die der Reihe nach herangeführten und in ihren Bereich gelangten Erfahrungen
14.
gauṇī khyātiryataḥ sthūlā guṇātītaḥ pumān sadā ||14||
Übersetzung: erkennt der Erfahrende durch die in ihm ruhende Vidya. Denn die aus den Gunas bestehende Buddhi ist grob, der Purusha dagegen steht seinem Wesen nach jenseits der Gunas.
15.
vettā yeṣāmamuktātmā samalo'pyamalaḥ sadā ||15||
Übersetzung: So beschaffen vermittelt Vidya die erkennbaren Gegenstände. Wer den Erkennenden trotz seiner Unfreiheit und Unreinheit stets schon für frei und rein hält,
16.
buddheścāviṣayaḥ sūkṣmastataste'jñānamohitāḥ ||16||
Übersetzung: kennt im Rahmen seiner eigenen Lehre diese Vidya als Erkenntnisfaktor nicht. Das feine Selbst ist auch kein Gegenstand der Buddhi; so sind jene durch Unwissenheit verblendet.
17.
kalayodbalito bhoge vidyayodbalitaḥ pumān ||17||
Übersetzung: Mit verfehlter Sicht stellen sie sich ein unverbundenes, bereits befreites Selbst vor. Tatsächlich wird der Purusha durch Kala zur Erfahrung befähigt und durch Vidya gestärkt.
18.
khyātiḥ prādhānikān bhogānnivedayitumudyatā ||18||
Übersetzung: So kommt seine Verbindung mit Erfahrung zustande, nicht anders; daraus entstehen seine Tätigkeiten. Wenn die Buddhi die aus Pradhana hervorgegangenen Erfahrungen mitteilen will,
19.
tadīritā satī tadvadyataḥ sācetanā matā ||19||
Übersetzung: werden sie durch die im Selbst wirkende Vidya sorgfältig bestimmt. Von ihr angeregt, erfüllt die Buddhi ihre Aufgabe, obwohl sie selbst als unbewusst gilt.
20.
vidyeyaṃ sarvabhāvānāṃ na śivārthapradāyikā ||20||
Übersetzung: Diese Vidya erschließt, auf das individuelle Selbst bezogen, die Natur der verschiedenen Zustände. Sie verleiht aber noch nicht die Erkenntnis Shivas, Weiser.
21.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Eine andere Vidya im reinen Bereich ist fähig, Shivas wahres Wesen zu erschließen. Der Einwand lautet: Die Seelen sind doch als innerhalb Mayas bestehend und gebunden beschrieben. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
22.
sā kathaṃ yujyate'ṇūnāṃ chindhi sandehajaṃ tamaḥ ||22||
Übersetzung: Die höhere Vidya, die den reinen Weg zeigt, liegt jenseits des Maya-Tattvas. Wie kann sie mit den Seelen verbunden werden? Zerschneide die Dunkelheit dieses Zweifels.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
23.
sa sarvaśca citau jñeyo nāśivatvādvimucyate ||23||
Übersetzung: Der gesamte ausgedehnte Weltweg, von Shiva bis zur Erde, ist innerhalb des Bewusstseins erkennbar. Was kein Shiva-Sein besäße, könnte nicht befreit werden.
24.
śaktyātmavīryavartinyā tamaḥ prodghāṭya nirmalam ||24||
Übersetzung: Wenn die Maya-Prägung eines Menschen überwunden werden soll, öffnet Parameshvara durch die in eigener Macht wirkende Shakti die Dunkelheit und macht ihn rein.
25.
saṃsārātsa virajyeta pradhvastakaluṣaḥ sadā ||25||
Übersetzung: Er verbindet ihn mit jener Vidya, durch die die individuelle Seele Shiva erkennt. Von Unreinheit befreit, wendet sie sich vom Samsara ab.
26.
tadā sīmāntaraṃ kartumutsahetsādhakaṃ prati ||26||
Übersetzung: Wenn dieses Licht herabkommt, ermöglicht es dem Übenden, die Grenze zwischen Shiva-Sein und Gebundensein zu erkennen.
27.
vivekāgniramoghātmā pravṛttaḥ sarvagocaraḥ ||27||
Übersetzung: Shiva-Sein ist vollkommen rein, Gebundensein ganz von Unreinheit geprägt. Das unfehlbare Feuer der Unterscheidung wird in allen Bereichen tätig.
28.
tato nirvātyasāvagniḥ sādhakaḥ sa na saṃśayaḥ ||28||
Übersetzung: Es verbrennt die gesamte aus Maya entstandene, weitere Geburt hervorbringende Prägung. Dann kommt dieses Feuer zur Ruhe; der Übende findet dadurch zweifellos Ruhe.
Übersetzung: Matanga sprach:
29.
kimarthaṃ dhriyate dehaḥ sati jñānodaye'pyaṇoḥ ||29||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Ashaya ist doch die aus Karma entstandene Prägung von Freude und Leid. Warum bleibt der Körper erhalten, obwohl Erkenntnis in der Seele aufgegangen ist?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
30.
loke'smin muniśārdūla śarīrāṇi tathaiva hi ||30||
Übersetzung: Wie durch Hitze verbrannte Samen weiter bestehen, aber nicht mehr keimen, so verhält es sich in dieser Welt mit den Körpern, hervorragender Weiser.
31.
kṣayaścāgāminaścāpi dagdhabījasya nānyathā ||31||
Übersetzung: Der Körper dient dem Erfahren des früher bereits gebundenen Karmas, das durch Erfahrung erschöpft wird. Künftiges Karma bringt dagegen keine neue Geburt hervor, wie ein verbrannter Same.
32.
anātmanyātmabhāvo yaḥ prītyā bandhasya kāraṇam ||32||
Übersetzung: Es gibt auch einen weiteren feinen Zugang durch innere Betrachtung: Das liebevolle Für-das-Selbst-Halten dessen, was nicht das Selbst ist, verursacht Bindung.
33.
gatiḥ sarvatra vikhyātā vāsanāvaśavartinī ||33||
Übersetzung: Wer davon frei und ohne Zweifel ist, bleibt in seinem ursprünglichen Zustand und wird auch im tätigen Leben nicht bedrängt. Denn der Gang des Lebens folgt überall den Prägungen.
34.
na tathā bandhuvarge'pi viraktaḥ saṃyataḥ sadā ||34||
Übersetzung: Wie jemand aus Anhaftung beim Tod eines geliebten Menschen selbst zugrunde gehen kann, so geschieht es dem Nichtanhaftenden nicht, selbst im eigenen Familienkreis; er bleibt gesammelt.
35.
sthityarthaṃ vartatastasya na bandho munisattama ||35||
Übersetzung: Wer sich vom Ozean des Werdens gelöst hat, ist schon zu Lebzeiten frei. Was er zur Erhaltung seines Lebens tut, bindet ihn nicht, bester Weiser.
36.
bandhapradhvaṃsinī vidyā śivatvonmīlane kṣamā ||36||
Übersetzung: Die als Unwissenheit bezeichnete Lebensweise verursacht alle Bindung. Vidya zerstört die Bindung und vermag das Shiva-Sein zu erschließen.
37.
bhogopapādane śaktā yāvadbhogātparaṃ na hi ||37||
Übersetzung: Die zur gebundenen Seele gehörige Erkenntniskraft ist in der Folge der Seelen mächtig und befähigt zur Erfahrung, solange man nichts jenseits der Erfahrung erkennt.
38.
avidyāṃ vyajyate vidyā prasanne parameśvare ||38||
Übersetzung: Erfasst einen die höhere Vidya und ist Parameshvara gnädig, dann wird die Unwissenheit beiseitegeschoben, und wahre Erkenntnis tritt hervor.
39.
tasyāṃ ye saṃsthitā rudrāstānpravakṣyāmi te'dhunā ||39||
Übersetzung: So ist die höhere Vidya zu verstehen; die niedere dient dem Zustandekommen der Erfahrung. Nun werde ich dir die Rudras beschreiben, die in ihr verweilen.
40.
rudro hyekaśivo nāma nāyakaḥ parameśvaraḥ ||40||
Übersetzung: In mannigfaltigen Welten erfreuen sie sich ungetrübter Fülle. Der Rudra namens Ekashiva ist der höchste Führer
41.
ajeśaśca mahātejā umākāntaśca vīryavān ||41||
Übersetzung: der Schar der Vidya-Welten. Danach bestehen Ananta, der überaus strahlende Ajesha und der kraftvolle Umakanta.
42.
ekavīraśca śarvaśca so'ṣṭamaḥ parameśvaraḥ ||42||
Übersetzung: Es folgen der mächtige Ishvara, Pracanda von überaus gewaltigem Wirken, Ekavira und Sharva, der achte höchste Herr.
43.
ugrasyāpi tato'dhastādbhīmasyāpi tato'param ||43||
Übersetzung: Darauf folgt die große, Wohlergehen gewährende Welt des Herrn Bhava; darunter die Ugras, dann die Bhimas,
44.
ete rudrā mahābhāgā bhuktimuktipradāḥ śivāḥ ||44||
Übersetzung: und dort auch die Welt des Vamadeva von unermesslichem Licht. Diese erhabenen, heilsamen Rudras gewähren Erfahrung und Befreiung.
45.
samāsataste kathitā vibhajya rāgo'dhunā vistarato'bhidhāsye ||45||
Übersetzung: Die Folge dieser zwölf Weltenherren ruht in Vidya und besitzt eine ihrer Ursache entsprechende Kraft. Ich habe sie dir in Kürze gegliedert erklärt. Nun werde ich Raga ausführlicher darlegen.
Vidyāpāda, Kapitel 11
Übersetzung: Das Raga-Tattva
1.
pravṛttasyābhilāṣeṇa vidyayonmīlitasya ca ||1||
Übersetzung: Die Seele ist nun entfaltet, von Kala durchdrungen, durch Verlangen in Bewegung gebracht und durch Vidya erschlossen.
2.
yenāsau rañjitaḥ kṣipraṃ bhogabhugbhogatatparaḥ ||2||
Übersetzung: Aus eben dieser inneren Prägung entsteht Raga in feiner Gestalt. Von ihm rasch gefärbt, wird der Erfahrende ganz den Erfahrungen zugewandt.
3.
ānandāhlādakatvena tanmayo na vibhāvyate ||3||
Übersetzung: Er entwickelt plötzlich jene Zuneigung, durch die er in ihnen versinkt. Weil sie ihn erfreuen und beglücken, geht er darin auf und erkennt sich nicht mehr als davon verschieden.
4.
samīpavartī māyātaḥ kṣuritaḥ paśunā saha ||4||
†
Übersetzung: Aus dieser anhänglichen Zuneigung vermag er die Erfahrungen nicht aufzugeben. Raga ist ihm nahe und geht zusammen mit dem gebundenen Wesen aus Maya hervor.
5.
sati tasmin pradhānātmā sthūlastaṃ prati yujyate ||5||
Übersetzung: Von seiner Unruhe gefärbt, wird der Mensch als begehrend erkannt. Wenn dieser feine Raga besteht, verbindet sich damit der gröbere, aus Pradhana hervorgegangene.
6.
yenābhibhūto bāhyeṣu pratyayeṣvanurajyate ||6||
Übersetzung: Vereint werden beide augenblicklich stark. Davon überwältigt, haftet der Mensch an äußeren Vorstellungen und Gegenständen.
7.
saṃmūḍhastatparo bhūtvā sukhamevānumanyate ||7||
Übersetzung: Deshalb wird Raga als freudespendend bezeichnet. Durch seine Macht gestärkt, nimmt der verwirrte Mensch, ganz darauf gerichtet, nur die Freude wahr.
8.
vicetanena sāndreṇa śakyate nābhirañjitum ||8||
Übersetzung: Denn eine in sich nichtanhaftende Seele könnte durch das bloß grobe, unbewusste, aus Prakriti entstandene Begehren allein nicht gefärbt werden.
9.
pradṛśyate vidhau puṃsastadā rāgavaśāddhruvam ||9||
Übersetzung: Wenn jedoch durch die von Kala hergestellte Verbindung eine Prägung in Vidya für den Menschen sichtbar wird, gerät er unter die Macht Ragas.
10.
yattatsvābhijanaṃ divyamavināśyajugupsitam ||10||
Übersetzung: Dann sind seine eigenen Eigenschaften verdeckt. Verblendet erkennt er seine göttliche ursprüngliche Natur nicht mehr, die unvergänglich und ohne Makel ist,
11.
anabhiplutasāmarthyamanākhyamamitātmakam ||11||
Übersetzung: ewig, vollkommen rein, mit unvergleichlichen Eigenschaften ausgestattet, von ungeschmälerter Kraft, unaussprechlich und unbegrenzt.
Übersetzung: Matanga sprach:
12.
viraktasya bhavedduḥkhaṃ nyāyenānena gamyate ||12||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Aus Dharma entsteht Freude, daraus Raga, der als beglückend gilt. Nach dieser Begründung müsste der Nichtanhaftende Leid erfahren.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
13.
śvayonāvapi yo bhogo yaśca rājye sukhodaye ||13||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Raga bringt für den jeweils Geprägten Freude hervor. Die Erfahrung in einer Hundegestalt und die Erfahrung in einem freudvollen Königreich
14.
na kevalaṃ sukhāyokto rāgo bhogabhujaḥ sadā ||14||
Übersetzung: sind in dieser Hinsicht gleich zu betrachten: Beide Wesen sorgen für die Erhaltung ihres eigenen Körpers. Raga ist für den Erfahrenden aber nicht nur auf Freude bezogen.
15.
snehena yasya nāvāptirna ca rāgādviyujyate ||15||
Übersetzung: Bei einem von Prägungen bestimmten Selbst ist er auch im Leid zu erkennen. Wenn jemand das, woran er hängt, nicht erlangt und dennoch nicht von seinem Begehren loskommt,
16.
yatsukhaṃ vītarāgāṇāṃ sarvārambheṣu suvrata ||16||
Übersetzung: entsteht ihm Leid aus Raga. Dem Nichtanhaftenden entsteht dieses Leid nicht. Die Freude, die Menschen ohne Begehren in allen ihren Unternehmungen besitzen,
17.
duḥkhaṃ rāgābhibhūtasya yadaprāptau tu jāyate ||17||
Übersetzung: kommt jenen, die von Raga getroffen sind, niemals in gleicher Weise zu. Das Leid des Begehrenden beim Nichterlangen
18.
viraktaṃ prati yo rāgaḥ so'tiduḥkhasya kāraṇam ||18||
Übersetzung: bestimmt im Gegensatz dazu seine Freude beim Erlangen; verstehe dies so, bester Weiser. Wer an jemandem hängt, der sich von ihm abgewandt hat, erfährt durch Raga großes Leid.
19.
yo'nyo'nyamaviraktānāṃ vidviṣāṇāṃ dvayorbhavet ||19||
†
Übersetzung: Sich auch von den Anhaftenden lösen zu können, gilt dagegen als höchste Freude. Wenn zwei Menschen, die voneinander nicht loskommen und einander doch feind sind,
20.
sarvaṃ paravaśaṃ duḥkhaṃ sarvamātmavaśaṃ sukham ||20||
Übersetzung: verbunden bleiben, ist dieser Zustand in Freude oder Leid ohnegleichen. Alles, was von fremder Macht abhängt, ist leidvoll; was in eigener Freiheit steht, ist freudvoll.
21.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Doch die Seele erkennt dies nicht, weil die Kraft der Verblendung sie zutiefst verwirrt. Der Einwand lautet: Wenn ihre Freude unter der Macht Ragas letztlich Leid ist (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
22.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: und Raga als anfangslos feststeht, woher kommt dann Nichtanhaftung? Die Antwort lautet: Solange ein Erfahrungsgegenstand die Seele zur Erfahrung anzieht und noch nicht aufgegeben wird,
23.
virāgāttatparityajya yadanyaducitaṃ phalam ||23||
Übersetzung: begehrt sie ihn. Ist er erfahren, tritt Abwendung ein. Sie lässt ihn los und richtet sich auf eine andere, ihr entsprechende Frucht.
24.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: An diese bindet die individuelle Seele, von Raga erfasst, ihre Zuneigung. Durch Raga verbindet sie sich in Liebe; durch Abwendung löst sie sich wieder. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
25.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Der Einwand lautet: Warum hast du dann zuvor bei den Begehrenden von Nichtanhaftung gesprochen? Die Antwort lautet: Nach Leid besteht kein Verlangen, und von Freude wendet man sich nicht aus eigenem Antrieb ab.
26.
yatkarmaṇo vipakvasya phalamatyutkaṭaṃ paśoḥ ||26||
Übersetzung: Dennoch wird die Seele durch die Macht des Karmas mit Freude und Leid verbunden. Die besonders starke Frucht ihres gereiften Karmas
27.
tasmādrāgo virāgo vā kāraṇātmavaśānmune ||27||
Übersetzung: wird von den Strahlen der Ursache gelenkt und wirkt niemals unabhängig. Darum treten Raga und Abwendung nach der Macht der Ursache hervor, Weiser,
28.
svāmnāyocitakālasya maryādāvasarāgatā ||28||
Übersetzung: für die Scharen der Seelen auf diesem reinen und unreinen Weg. Die jeweils durch die eigene Ordnung bestimmte Zeitgrenze wird erreicht.
29.
tasmātsukhaṃ ca duḥkhaṃ ca rāge satyupalakṣyate ||29||
Übersetzung: Keine Seele überschreitet die ihr zukommende Grenze, bester Brahmane. Deshalb werden Freude und Leid bei bestehendem Raga erkannt.
30.
rāgo'nyo'pi paraḥ sūkṣmo viśiṣṭo'smāttadātmakāt ||30||
Übersetzung: Niemand zeigt sich ganz ohne Zuwendung und Abwendung. Es gibt aber noch einen höheren, feineren Raga, der sich von dem bisher beschriebenen unterscheidet.
31.
dṛśyate ca viraktānāṃ narāṇāṃ bandhagocarāt ||31||
Übersetzung: Durch ihn entsteht im Menschen die Hinwendung zum höchsten Heil. Man sieht ihn bei Menschen, die sich vom Bereich der Bindung abgewandt haben:
32.
pravartate prahṛṣṭātmā śivarāgānurañjitaḥ ||32||
Übersetzung: Sie entwickeln das Verlangen, einen Acharya zu finden, sorgsam auf Shiva gerichtet. Von Liebe zu Shiva erfüllt, werden sie mit freudigem Herzen tätig.
33.
rāgavidyākalākhyena kañcukatritayena vai ||33||
Übersetzung: Diese höhere Zuwendung ist also eine Ursache dafür, das Netz der Maya abzustreifen. Durch die drei Hüllen Raga, Vidya und Kala
34.
idaṃ tāvadaṇorjñeyaṃ bhoktṛtvaṃ niyataṃ sadā ||34||
Übersetzung: ist der Bewohner des körperlichen Feldes umkleidet und zur Erfahrung der Früchte dieses Feldes befähigt. So ist die bestimmte Form seines Erfahrendseins zu verstehen.
35.
anādimalasaṃruddhaḥ kañcukena balīyasā ||35||
Übersetzung: Die Seele ist fein, ohne körperliche Glieder und ohne solche stofflichen Eigenschaften; ihre Kraft ist durch anfangslose Unreinheit gehemmt. Durch die machtvollen Hüllen
36.
tattvadharmaḥ samākhyāto rāgasya parivistarāt ||36||
Übersetzung: wird sie dennoch fähig, die aus Prakriti hervorgehenden Erfahrungen zu erleben, bester Weiser. Damit ist die Tattva-Eigenschaft Ragas ausführlich erläutert.
37.
rudrāṇāṃ bhūmayaścitrā bhuvanaiḥ parimaṇḍitāḥ ||37||
Übersetzung: Nun werde ich dir auch seine Welten in Kürze beschreiben: mannigfaltige Bereiche der Rudras, mit Welten geschmückt.
38.
aṅguṣṭhamātrarudrasya tato jātasya dhīmataḥ ||38||
Übersetzung: Dort ist die Welt des Rudra unter der Anerkennung Gahaneshas, sodann die des daumengroßen Rudra und die des weisen Jata.
39.
ekapiṅgekṣaṇasyānyadbhavasyāpi tato'param ||39||
Übersetzung: Darunter liegt die Welt Ishanas, die Erfahrung und Fülle gewährt; ferner die Ekapingekshanas und danach die Bhavas.
40.
rudro'nyo'pi mahātejā bhuvaneśo'tivīryavān ||40||
Übersetzung: Es folgen die Welten des Rudra Udbhava und des weisen Vama. Ein weiterer Rudra, der Weltenherr, ist von großem Licht und überragender Kraft.
41.
anaupamyaguṇopetāḥ śivamaṇḍalatatparāḥ ||41||
Übersetzung: Diese Rudras sind von Rudras umgeben, die ihnen gleichen. Sie besitzen unvergleichliche Eigenschaften und sind ganz dem Mandala Shivas zugewandt.
42.
kāraṇānumatāḥ sarve sarve cāmoghaśaktayaḥ ||42||
Übersetzung: Kundig in Mantras und Tantras verehren sie ihn mit vielfältigen Opfern. Alle handeln mit Zustimmung der Ursache und besitzen unfehlbare Kräfte.
43.
pravartate'ṇoḥ sukhaduḥkhabhāvāt |
tathākhilokto'vasarāgato'yaṃ
Übersetzung: So habe ich vollständig erklärt, wie Raga in Verbindung mit Prägungen die Seele zu Freude und Leid bewegt. Nun ist Kala, die Zeit, an der Reihe; ich werde sie dir erklären.
Vidyāpāda, Kapitel 12
Übersetzung: Das Zeit-Tattva
1.
yenāsau kalpyate sūkṣmaḥ śivasāmarthyayogataḥ ||1||
Übersetzung: Nach der Darstellung der drei Hüllen folgt nun Kala, die Zeit. Durch sie wird das feine Selbst in Verbindung mit Shivas Macht bemessen und bewegt.
2.
prerayatyakhile viśve kāraṇājñānuvartinī ||2||
Übersetzung: Die große gliedernde Shakti bedient sich der Zeit und treibt die individuellen Seelen im gesamten All an, der Weisung der Ursache folgend.
Übersetzung: Matanga sprach:
3.
akartā niravasthāno niṣkāmaścāpyacetanaḥ ||3||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Zeit ist allgegenwärtig, fein, unbegrenzt, körperlos und umfassend; sie handelt nicht selbst, hat keinen festen Aufenthaltsort, kein Verlangen und kein Bewusstsein.
4.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wie kann sie dann als antreibend verstanden werden, Parameshvara? Die Antwort lautet: Was immer vergänglich, grob, hervorgebracht und deutlich sichtbar ist,
5.
bhokturādhārakatvena nibaddhā niyatā tanuḥ ||5||
Übersetzung: geht von einem Zustand in einen anderen über. Der bestimmte Körper ist als Träger des Erfahrenden mit ihm verbunden.
6.
tayopalakṣyate kālaḥ
Übersetzung: Seine durch Zeit bewirkten Zustände reichen von der Kindheit bis zum Alter. An ihnen wird die Zeit erkannt. Sie wird als dreifach beschrieben:
7.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: zukünftig, vergangen und gegenwärtig, du mit den guten Gelübden. Der Einwand lautet: Zukunft und Vergangenheit sind in dieser Zeit wohlbekannt, Herr der Götter. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
8.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wie wird aber die Gegenwart als drittes erkannt, Allgegenwärtiger? Die Antwort lautet: Ein Topf wird überall dann als Topf bezeichnet, wenn er seine Aufgabe erfüllen kann.
9.
na tasya yujyate'tītaḥ samayo'rthaprasiddhaye ||9||
Übersetzung: Für seinen Gebrauch ist sein gegenwärtiger Zustand anzunehmen, bester Weiser. Seine vergangene Zeit eignet sich nicht zur Erfüllung dieses Zwecks,
10.
tadapekṣya sadā grāhyo vartamāno mahātmabhiḥ ||10||
Übersetzung: denn damals war er ein Lehmklumpen; künftig wird er in Scherben vorliegen. Im Verhältnis dazu wird die Gegenwart von Verständigen erfasst.
11.
yathātītastu śiśiro nidāghaścāpyathaiṣyati ||11||
Übersetzung: Sie verschwindet nicht durch die Verschiedenheit der anderen Zustände. Wie der Winter vergangen ist und die Sommerhitze erst kommen wird,
12.
veṇuṃ vāditumārabdhaḥ sa kālaste suniścitaḥ ||12||
Übersetzung: so ist jetzt Frühling. Von ihm angeregt hast auch du begonnen, auf der Flöte zu spielen. Damit ist dir diese Zeit gewiss.
13.
vartamāno'tisūkṣmatvātkālo naivopalakṣyate ||13||
Übersetzung: So ist überall die beständige Gegenwart als ein Jetzt zu verstehen. Wegen ihrer großen Feinheit wird sie als Zeit nicht unmittelbar wahrgenommen.
14.
tasmātkālayitā kālo nākāle mriyate yataḥ ||14||
Übersetzung: Dennoch ist sie für das Bestehen dieser Weltentfaltung erwiesen, bester Brahmane. Daher ist die Zeit das Bemessende: Niemand stirbt außerhalb seiner Zeit,
15.
ṛtumadbhiḥ sadā liṅgaiḥ svaiḥ svaiḥ kālo'bhilakṣyate ||15||
†
Übersetzung: niemand wird ohne die entsprechende Zeit geboren oder wächst ohne sie. Die Zeit wird stets an ihren jeweiligen, jahreszeitlichen Kennzeichen erkannt.
16.
niṣkāmasyāpi yo yasya svabhāvo hyanivṛttimān ||16||
Übersetzung: Auch dem Körperlosen wird Wirksamkeit zugeschrieben, wenn es durch seine Wirkungen erschlossen wird. Selbst ohne Verlangen besitzt etwas eine ihm eigene, fortdauernde Natur.
17.
truṭyādibhiranityābhiḥ kalābhiḥ pravahansadā ||17||
Übersetzung: An ihr erkennt man es als wirksam, wie Feuer beim Kochen und anderen Vorgängen. Die Zeit fließt beständig in vergänglichen Abschnitten, angefangen mit dem kleinsten Augenblick,
18.
kalāto vyatiriktatvātsarvagaścāpyayuktimān ||18||
Übersetzung: und bewirkt die Ordnung des Weltweges. Ihre Beständigkeit ist deshalb nicht unklar: Sie ist von ihren einzelnen Abschnitten verschieden, allgegenwärtig und nicht körperlich zusammengesetzt.
19.
kartṛtvaṃ muniśārdūla na ca rūpaṃ svakaṃ kvacit ||19||
Übersetzung: Beim Entstehen, Vergehen, Abnehmen und Wachsen der Dinge wird ihre Wirksamkeit erkannt, hervorragender Weiser. Ihre eigene Gestalt jedoch
20.
sa tasmādgranthivivarāccalato'ṇorvibhāvyate ||20||
Übersetzung: lässt sich nirgends beschreiben, weil sie körperlos ist, großer Weiser. Sie wird an der Seele erkannt, die aus der Öffnung des Weltknotens hervortritt.
21.
saṃhāre haraṇātpatyurnaṣṭa ityupacaryate ||21||
Übersetzung: Sie wirkt beim schrittweisen Offenbarwerden der Tattvas und bei ihrem gegliederten Bestehen. Bei der Auflösung wird sie durch das Zurücknehmen des Herrn bildlich als vergangen bezeichnet.
22.
yukto yogavibhāgābhyāṃ saṃyogācca kalātmakāt ||22||
Übersetzung: Das Selbst wird in der Welt nicht geboren und geht nicht zugrunde. Es wird lediglich mit Verbindung und Trennung in Beziehung gesetzt, durch seine Verbindung mit Kala und den übrigen Hüllen.
23.
tasyāṇo rañjitasyetthamañjanena kalādinā ||23||
Übersetzung: Daher sagt man von ihm: Dieser ist geboren, dieser ist gestorben. Gegenüber der so durch Kala und die anderen Faktoren gefärbten Seele
24.
kālarūpī mahātejā rudro'nantaparākramaḥ ||24||
Übersetzung: wirkt die Zeit deutlich. Sie ist der Weltenherr in Zeitgestalt, der strahlende Rudra von unbegrenzter Macht.
25.
na vijānāti ruddhātmā mahāmāyāṃ yataḥ paśuḥ ||25||
Übersetzung: Das bemessene Lebewesen ist nach unten gerichtet und von den Hüllen umgeben. In seinem Wesen gehemmt, erkennt das gebundene Selbst die große Maya nicht.
26.
niyatyākhyena tattvena sa ca paścānniyamyate ||26||
Übersetzung: Aufgrund seines Gebundenseins wird es rasch von der Zeit mit ihrem unendlichen Licht bemessen. Danach wird es durch das Niyati genannte Tattva weiter eingegrenzt.
27.
jagacchabdena māyātaḥ pradhānamabhidhīyate ||27||
Übersetzung: Dadurch tritt es in den Zustand des individuellen Erfahrenden ein, um die Welt zu erfüllen. Mit „Welt“ ist hier das aus Maya hervorgegangene Pradhana gemeint.
28.
pracchāditaḥ prabuddhātmā sarvāṅgāliṅgane kṣamaḥ ||28||
Übersetzung: Mit ihm wird es wie Kupfer mit seinem dunklen Belag verbunden. Das bewusste Selbst ist verhüllt und vermag doch den ganzen Körper zu durchdringen.
29.
evaṃ kālena bahudhā kalyamānaḥ punaḥ punaḥ ||29||
Übersetzung: Dann erfasst die individuelle Seele deutlich Klang und die übrigen Gegenstände. Von der Zeit auf vielerlei Weise immer wieder bemessen,
30.
yāvanna kalayā patyuḥ prerito'ṇurguruṃ prati ||30||
Übersetzung: erkennt sie weder die höchste Vollendung noch sich selbst noch die Gottheit, bis sie durch die Kraft des Herrn zum Guru geführt wird.
31.
tatra ye saṃsthitā rudrāstānpravakṣyāmi vistarāt ||31||
Übersetzung: So ist Zeit zu verstehen, dieses makellos bestimmte Tattva. Die darin bestehenden Rudras werde ich dir nun erläutern.
32.
patadrurbhuvaneśānaḥ prathamaḥ parikīrtitaḥ ||32||
Übersetzung: Als erster Weltenherr wird Patadru genannt, ganz von der beglückenden Freude unendlicher Herrlichkeit erfüllt.
33.
ghoraścānyo mahātejā mātaṅgaścātivīryavān ||33||
Übersetzung: Darunter befinden sich Halahala, der überaus starke Yama, der lichtvolle Ghora und der besonders kraftvolle Matanga.
34.
śābaro yo'tivikrāntastatocchuṣmo mahābalaḥ ||34||
Übersetzung: In der nächsttieferen Welt ist Canda, dessen erhabene Gestalt wie der Mond erstrahlt; ferner der mächtige Shabara und danach der kraftvolle Ucchushma.
35.
bhuktimuktipradāḥ sarve prakīrṇavibhavāḥ śivāḥ ||35||
Übersetzung: Diese Rudras sind von vielen Rudras und Weltenherren umgeben. Sie sind heilsam, entfalten ihre Herrlichkeit und gewähren Erfahrung und Befreiung.
36.
kāraṇānumatāḥ santaḥ krīḍantyamitavikramāḥ ||36||
Übersetzung: Alle erfahren die Bereiche der Maya und besitzen unfehlbare Kräfte. Mit Zustimmung der Ursache spielen sie in unbegrenzter Macht.
37.
tathā mayokto'khilabhāvanāsu mune'dhunā tāṃ niyatiṃ śṛṇuṣva ||37||
Übersetzung: So habe ich erklärt, wie die Zeit entsprechend der Gliederung der Tattvas auf dem Weltweg besteht und alle Zustände vorantreibt. Höre nun von Niyati, Weiser.
Vidyāpāda, Kapitel 13
Übersetzung: Das Niyati-Tattva
1.
śaktirniyāmikā puṃsaḥ saha tattvena sarpitā ||1||
Übersetzung: Nun zur ordnenden Shakti der unermesslich strahlenden Ursache, hervorragender Weiser. Sie entfaltet sich für den Menschen zusammen mit dem entsprechenden Tattva.
2.
yathāṇurbhogasantāne niyamya vinipātyate ||2||
Übersetzung: Durch ihre begrenzende Natur bewirkt sie eine feste Ordnung: Die individuelle Seele wird bestimmt und in die Folge ihrer Erfahrungen hineingeführt,
3.
tantre'sminvihitā vipra bharturājñānuvartinī ||3||
†
Übersetzung: auch gegen ihren Willen und mit Macht. Diese Kraft heißt in diesem Tantra, das Shiva offenbart, Niyati; sie folgt der Weisung des Herrn.
4.
svociteṣvatha bhogeṣu śarīreṣu ca peśalā ||4||
Übersetzung: Sie beseitigt Unordnung und ist stets darauf gerichtet, die Seelen geschickt mit den ihnen angemessenen Erfahrungen und Körpern zu verbinden.
5.
koṭidvayaṃ samākhyātaṃ dharmādharmātmakaṃ paśoḥ ||5||
Übersetzung: Keine andere Kraft innerhalb der Tattva-Folge stellt diese Ordnung her. Bei der Seele sind zwei Pole beschrieben: gutes und schlechtes Handeln.
6.
tadvipākeṣvanāyāsaṃ kṣetrajñaṃ sunirūpya tu ||6||
Übersetzung: Um deren Früchte zu erfahren, wird der Körper jedes verkörperten Wesens offenbar. Niyati bestimmt den Erkenner des körperlichen Feldes sorgfältig und ordnet ihn ohne Mühe deren Reifungen zu.
7.
tayorapyadhikaṃ yacca duḥkhaṃ vāpyathavā sukham ||7||
Übersetzung: Weil sie so eingrenzt, heißt sie Niyati. Weder mehr Leid noch mehr Freude, als aus den beiden Handlungsarten hervorgeht,
8.
na copabhogavaikalyānnābhuktāttaṃ samuddharet ||8||
Übersetzung: gibt sie ihm; durch ihre eigene Kraft wahrt sie stets das rechte Maß. Sie nimmt ihn nicht aus der Erfahrung heraus, solange diese unvollständig und noch nicht erfahren ist.
9.
tasminniyojayatyāśu truṭyaṃśamapi nocitāt ||9||
Übersetzung: Ist seine jeweilige Reifung erfahren, verbindet sie ihn rasch mit dem noch verbleibenden Karma. Nicht einmal um den Bruchteil eines Augenblicks weicht sie vom Angemessenen ab.
10.
tattantraḥ satataṃ bhoktā na ca tāṃ vetti mūḍhadhīḥ ||10||
Übersetzung: Von der Ursache eingesetzt, teilt sie zu und nimmt fort. Der Erfahrende ist stets von ihr abhängig, erkennt sie aber mit seinem verwirrten Geist nicht.
11.
sveṣu bhogeṣu vātṛptaṃ pudgalaṃ duḥkhapīḍitam ||11||
Übersetzung: Sie bestimmt den der Erfahrung zugewandten Genießer kraftvoll, ob er an seinen Erfahrungen hängt, ungesättigt ist oder vom Leid gequält wird.
12.
niyamyaṃ dhārayettāvadyāvanna parihīyate ||12||
Übersetzung: Wenn seine bisherige Karma-Prägung erschöpft ist, hält sie ihn in anderen bestimmten Erfahrungen fest, bis auch diese verbraucht sind.
13.
preryaṃ prerayituṃ śaktā svabhāvenātmavartinā ||13||
Übersetzung: So verhält es sich mit beiden Arten auf dem endlosen Weg der Schöpfung. Aus ihrer eigenen Natur vermag sie das zu Lenkende anzutreiben.
14.
vikārāndarśayatyāśu niyatyā tadvadeva hi ||14||
Übersetzung: Wie ein Mensch, von einer übermächtigen besetzenden Kraft ergriffen, plötzlich Veränderungen zeigt, so geschieht es auch durch Niyati.
15.
niyatistatsamuddhārādyadā paśyati karmaṇī ||15||
Übersetzung: Wenn Niyati bei der Reifung von Dharma und Adharma, die den beiden Schalen einer Waage gleichen, die beiden Karma-Arten
16.
śūnyavatsaṃsthitā yasmānnirapekṣeva lakṣyate ||16||
Übersetzung: beim Erfahrenden als gleichgewichtig erkennt, können beide nicht zugleich wirksam werden. Daher bleibt sie gleichsam leer und scheint ohne Ansatzpunkt.
17.
yugapatsukhaduḥkhābhyāṃ yoktuṃ puṃ śakyate katham ||17||
Übersetzung: Eine gleichzeitige Tätigkeit beider wäre schwierig, ja unmöglich: Wie könnte der Mensch zugleich mit Freude und Leid verbunden werden?
18.
protsārya niyatiṃ vegātsvavīryeṇātibhūriṇā ||18||
Übersetzung: In diesem Augenblick schiebt die emporhebende Kraft des Schöpfers mit ihrer überreichen Macht Niyati rasch beiseite.
19.
nānāyāsānmahāghorādasmātsaṃsārasāgarāt ||19||
Übersetzung: Sie wendet den Erkenner des körperlichen Feldes von den Erfahrungen ab und prägt ihn mit dem Gedanken: Aus diesem überaus furchtbaren Ozean des Samsara mit seinen vielfältigen Mühsalen
20.
prāpyate paramaṃ saukhyaṃ yattatpadamanirmitam ||20||
Übersetzung: muss es einen anderen Ausweg geben, durch den man die Unreinheit ablegt und die höchste Freude erlangt, jene nicht hervorgebrachte Stätte.
21.
niyatyākhyena tattvena na niyamyeta karhicit ||21||
Übersetzung: Durch dieses Herabkommen der Shakti vollkommen geschützt, wird die Seele nicht länger vom Niyati genannten Tattva beherrscht.
22.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Sie steht nicht mehr unter dessen Macht, weil der Gleichgewichtszustand eingetreten ist. Der Einwand lautet: Bei gleichmäßig gereiftem Karma wird die Seele also nicht mit Erfahrung verbunden. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
23.
na jñānaṃ na parā dīkṣā na ca yogaḥ pravartate ||23||
Übersetzung: Durch das Herabkommen der Shakti hat sie auch dort keinen Halt mehr. Doch Erkenntnis, höchste Initiation und Yoga sind noch nicht tätig geworden,
24.
virodhaḥ sa mahānatra samādhānaṃ bravīhi me ||24||
Übersetzung: ebenso wenig der rechte Lebenswandel, Mahadeva; und dennoch wird sie nicht im selben Augenblick frei. Darin liegt ein großer Widerspruch. Erkläre mir die Lösung.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
25.
sa tena vāsitaḥ kṣipraṃ tanmayatvamupaiti hi ||25||
Übersetzung: Wie jemand von einer Prägung zu einer anderen übergeht, von dieser rasch beeinflusst wird und deren Gestalt annimmt,
26.
tadvāsito niruddhātmā dhvastakarmāśayo'pi san ||26||
Übersetzung: so empfängt die Seele die höchste Befähigung aus Shakti und wird von ihr geprägt. Auch wenn die Karma-Prägung zerstört ist, bleibt ihr Zustand zunächst begrenzt.
27.
tadvāsastadvadeva syāccharīraṃ munipuṅgava ||27||
Übersetzung: Wie ein Gefäß, das mit Asafoetida gefüllt war, deren Geruch nach dem Verbrauch nicht verliert, so verhält es sich mit dem Körper, bester Weiser.
28.
evamāhitasaṃskāraḥ pūrvāśayavaśātpumān ||28||
Übersetzung: Der Stoff selbst ist nicht mehr darin, aber sein Geruch ist noch nicht verschwunden. Ebenso behält der Mensch einen Nachklang der früheren Prägung.
29.
śarīranirapekṣatvādvimukto nātra saṃśayaḥ ||29||
Übersetzung: Er kommt noch mit Freude und Leid in Berührung, wird davon aber nicht mehr zutiefst bedrängt. Weil er nicht mehr vom Körper abhängig ist, ist er frei; daran besteht kein Zweifel.
30.
rañjitaḥ śivarāgeṇa yāvaddehasya paryayaḥ ||30||
Übersetzung: Er erwartet keine weiteren Erfahrungen und bleibt ohne Verlangen. Von Liebe zu Shiva erfüllt, verweilt er so bis zum Ende des Körpers.
31.
kiṃ tu dīkṣātmakairliṅgairna vinā jñāyate kvacit ||31||
Übersetzung: Der Körper des Verkörperten ist schon zuvor zur Reife gelangt. Doch ohne die Kennzeichen der Initiation lässt sich dies nicht eindeutig erkennen.
32.
saṃskāraḥ sarvajantūnāṃ śivaśaktyuddhṛtātmanām ||32||
Übersetzung: Darum wird die gesamte von Shiva gelehrte Läuterung bis zu ihrem Abschluss vollzogen, für alle Wesen, deren Selbst durch Shivas Shakti emporgehoben wurde.
33.
niyāmakatvabhāvena na tu sarpati karhicit |
Übersetzung: Die Macht des Niyati-Tattvas greift daher nicht mehr begrenzend auf den durch Shakti Emporgehobenen zu. Ursprünglich wurde Niyati zur Erfahrung der Seele entfaltet.
34.
dakṣā bhogānvibhaktuṃ samucitaviṣayānnyāyato nītibhāvāt |
rūpeṇātyantaśuddhā viṣamataṭagatā lakṣyate yā paśūnāṃ
Übersetzung: Sie ist der Seele beständig verbunden, gewährt entsprechend ihrem Bestehen und Vergehen sorgfältig Erfahrung und teilt die angemessenen Gegenstände nach gerechter Ordnung zu. Ihrem Wesen nach vollkommen klar, wirkt sie an den schwierigen Grenzen der Seelen. So ist sie in Kürze erklärt. Nun werde ich den Purusha mit seinen bekannten Eigenschaften darlegen.
Vidyāpāda, Kapitel 14
Übersetzung: Das Purusha-Tattva
1.
na ca tattvaṃ munivyāghra dvitīyaṃ puruṣāhvayam ||1||
Übersetzung: Nun zur Darstellung des Purusha-Tattvas, das in seinen eigenen Wirkungsbereich eintritt. Es gibt dabei kein zweites, eigenständiges Purusha-Prinzip, hervorragender Weiser.
2.
niyatyā liṅgitaṃ yāti puṃbhāvenātmavartinā ||2||
Übersetzung: Die Seele ist von den drei Hüllen durchdrungen, allmählich von der Zeit bemessen und von Niyati umfasst. So tritt sie in ihre individuelle Form des Erfahrendseins ein.
3.
tasmātpuṃbhāvasāmarthyātpañcāvayavalakṣitaḥ ||3||
Übersetzung: Von Verlangen geprägt, erfüllt sie Pradhana mit ihrer Gegenwart. Aufgrund dieser Befähigung zum individuellen Erfahren wird sie durch fünf Bestandteile gekennzeichnet.
4.
tajjeṣvevopabhogeṣu pañcatattvopabṛṃhitaḥ ||4||
†
Übersetzung: Weil sie Prakriti erfüllt, heißt sie Purusha. Für die aus Prakriti hervorgehenden Erfahrungen wird sie durch die fünf Tattvas gestärkt.
5.
akartā nirguṇaḥ sūkṣmo hyaśaktaśceti paṭhyate ||5||
Übersetzung: Anders vermag sie nicht zu erfahren, obwohl ihr Wesen Sehen und Handeln ist. Denn in ihrem gehemmten Zustand wird sie als nicht handelnd, ohne Gunas, fein und ohne wirksame Kraft beschrieben.
6.
prāpyābhilāṣamohena na ca bhedo'sti kaścana ||6||
†
Übersetzung: Diese individuelle Seele nimmt den Purusha-Zustand an, ergreift den Bereich Pradhanas und wird von Verlangen und Verblendung erfüllt. Es handelt sich dabei nicht um eine andere Seele.
7.
yathāśvatthakaṇātkṣudrātsarvataḥ pravibhāgataḥ ||7||
Übersetzung: Darum wird ihre Entfaltung durch alle Tattvas hindurch unterschieden. Wie aus einem winzigen Feigenbaumsamen nach allen Richtungen
8.
tadvatsṛṣṭivibhāgaḥ syāttattvānāṃ munipuṅgava ||8||
Übersetzung: Rinde, Blätter, Wurzeln, Zweige und weitere Teile gesondert hervorgehen, so ist die gegliederte Schöpfung der Tattvas zu verstehen, bester Weiser.
9.
sthūlaṃ māyāsamudbhūtaṃ tattvaṃ prakṛtisaṃjñakam ||9||
Übersetzung: Der unabhängige Mahadeva Parameshvara vollbringt dies. Das Prakriti genannte Tattva ist grob und aus Maya hervorgegangen.
10.
puruṣāpūraṇādvyaktaṃ puṃrāgākulitaṃ sadā ||10||
Übersetzung: Es ist aufgebbar, bewirkt und zu erhalten, unselbstständig und unbewusst. Vom Purusha erfüllt, wird es offenbar und stets von dessen Begehren bewegt.
11.
vyaktimāyāti vispaṣṭaṃ kāraṇecchāsamīritam ||11||
Übersetzung: Aus der Verbindung beider tritt die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt, angefangen mit Brahma, deutlich hervor, angeregt vom Willen der Ursache.
12.
jagataḥ śakyate vaktuṃ nānyathā tu kadācana ||12||
Übersetzung: Aufgrund ihres wechselseitigen Zusammenwirkens lässt sich bei der Welt von Bewirktem und Bewirkendem sprechen, auf keine andere Weise.
13.
pradhānamapi sūkṣmatvātsattāmātraṃ svabhāvataḥ ||13||
Übersetzung: Der Purusha ist seinem Wesen nach bloßes Erkennen und Handeln und ruht zunächst gegenüber Pradhana. Auch Pradhana besteht in seinem feinen Naturzustand als bloßes Sein.
14.
bhogyatvādapi tattvaṃ tatpradhānamupalakṣyate ||14||
Übersetzung: Durch seine Hinwendung zu dessen Erfahrungen wird der Purusha als Erfahrender erkannt; aufgrund seines Erfahrbarseins wird jenes Tattva als Pradhana erkannt.
15.
sādhyasādhanadharmitvamityuktaṃ yuktito mayā ||15||
Übersetzung: So habe ich durch begründete Überlegung erklärt, dass beide Tattvas in ihrer gegenseitigen Verbindung die Eigenschaften von Bewirktem und Bewirkendem besitzen.
16.
bhoktetyevaṃ pumānprokto bhuṅkte prakṛtijānguṇān ||16||
Übersetzung: Mit anfangsloser Prägung verbunden und durch Kala und die übrigen Faktoren angetrieben, heißt der Purusha Erfahrender. Er erlebt die aus Prakriti hervorgegangenen Gunas.
17.
tayoryogaḥ kṛto dhātrā devadevena śaktibhiḥ ||17||
Übersetzung: Weil der Purusha nicht unabhängig und Prakriti unbewusst ist, stellt der Schöpfer, der Gott der Götter, durch seine Shaktis ihre Verbindung her.
18.
tattattvaṃ tattvasantāne pumākhyaṃ parikīrtitam ||18||
Übersetzung: Verbunden geht die Seele in diesem Zustand auf, weil sie im unteren Bereich steht und keine unabhängige Herrschaft besitzt. Dieses Tattva heißt innerhalb der Tattva-Folge Purusha.
19.
pradīpamātravadyogātsthūlasūkṣmavibhāgaśaḥ |
Übersetzung: Es ist auch nicht stofflich ein anderes Prakriti-Wesen. Wie das Licht einer Lampe entsprechend seiner Verbindung einen Bereich erhellt, so durchdringt es den Körper, grob und fein unterschieden. Seine Gegenwart ist aufgrund seiner Fähigkeit zu vielfältigen Erscheinungsformen zu verstehen, großer Weiser.
20.
seyaṃ mayā te kathitā yathāvadbhogyaṃ jagattacca vidhau vidhāsye ||20||
Übersetzung: So habe ich dir die Stellung dieses Selbst in der Gliederung der Tattvas sachgemäß erklärt, durch die es als Erfahrender bestimmt ist. Nun werde ich die erfahrbare Welt in ihrer Ordnung darstellen.
Vidyāpāda, Kapitel 15
Übersetzung: Das Tattva des Unmanifesten
1.
sūkṣmāḥ sūkṣmatarāḥ santaḥ prakrīḍantyadhvasaṃsthitāḥ ||1||
Übersetzung: Nun zu den heilsamen großen Rudras, Meistern der Yogis und des Yoga. Fein und immer feiner bestehen sie auf dem Weltweg und entfalten ihr Spiel.
2.
tasyordhvabhāge bhuvanaṃ cāru sarvaguṇālayam ||2||
†
Übersetzung: Der überaus strahlende Shrikantha ist der oberste Führer aller Rudras. Im oberen Bereich liegt seine schöne Welt, die Stätte aller Vorzüge.
3.
avyaktamakhilasyāsya jagato janmakāraṇam ||3||
Übersetzung: Dieser Herr ist von unmanifestem Wesen und wird nach seinem eigenen Willen offenbar. Das Unmanifeste ist die Geburtsursache dieser ganzen Welt.
4.
vyaktasya vṛttayastisro vitatāḥ sarvagocarāḥ ||4||
Übersetzung: Mit den Strahlen seiner Shakti erregt er es und führt es unmittelbar zur Offenbarung. Das Offenbare besitzt drei weit ausgebreitete, überall wirksame Tätigkeitsweisen.
5.
pratisaṃcāramāpannaṃ jagadetadguṇātmakam ||5||
Übersetzung: Deren äußerste Grundstufe wird hier Pradhana genannt. Wenn diese aus den Gunas bestehende Welt in die Rücknahme eingeht,
6.
tasmātpradhānaśabdena tattvamuktaṃ sanātanam ||6||
Übersetzung: nimmt Prakriti sie in ihren Schoß auf und erhält sie durch ihre Kraft. Darum wird dieses anfangslose Tattva mit dem Wort Pradhana bezeichnet.
7.
na te muktā munivyāghra punarāyāntyadhomukhāḥ ||7||
Übersetzung: Wer in der Auffassung feststeht, darüber hinaus gebe es nichts Weiteres, ist nicht befreit, hervorragender Weiser. Solche Wesen kehren wieder nach unten zurück.
8.
yasmiṃllayamavāpnoti śrīkaṇṭhecchāsamīritaḥ ||8||
Übersetzung: Wenn sein eigenes Wirken endet, geht Brahma, der Urvater der Welt, durch Shrikanthas Willen angetrieben, darin zur Ruhe ein.
9.
vyaktimāyāti sahasā prabuddhaḥ svena tejasā ||9||
Übersetzung: Wenn der Welttag des Herrn Shrikantha beginnt, tritt der universale Brahma plötzlich wieder hervor, durch sein eigenes Licht erwacht.
10.
sattvaṃ rajastamaśceti guṇāḥ svasvapravṛttiṣu ||10||
Übersetzung: Dann vollbringt er eine vielfältige Schöpfung, die den Seelen Erfahrung gewährt. Sattva, Rajas und Tamas sind die Gunas, tätig in ihren jeweiligen Wirkungsweisen.
11.
lakṣyante suramānuṣyatiryagjātiṣvavasthitāḥ ||11||
†
Übersetzung: Ordnungsgemäß eingesetzt bis hin zu den konkreten Elementen, werden sie in den Geburtsformen der Götter, Menschen und Tiere erkannt.
12.
sargaḥ prasaraṇaṃ proktaḥ pratisargo'pasarpaṇam ||12||
Übersetzung: Bei Pradhana heißen diese Vorgänge Ausbreitung und Zusammenziehung: Schöpfung ist Ausbreitung, Rückschöpfung das Zurücktreten.
13.
śrīkaṇṭhakiraṇāghātaṃ kṣobhamāyātyasaṃśayaḥ ||13||
Übersetzung: Dieses Pradhana wird zusammen mit Brahma durch das Auftreffen der Strahlen Shrikanthas in Bewegung gebracht, ohne Zweifel.
14.
nivṛttistamaso vṛttaṃ yatastebhyo na vidyate ||14||
Übersetzung: Ein erstes Öffnen ist die Wirkungsweise Sattvas, Tätigkeit die des Rajas, Zurücknahme die des Tamas. Weil es neben ihnen
15.
mahadādi mahatkāryaṃ kāraṇebhyo'pi lakṣaṇam ||15||
Übersetzung: kein gesondertes Pradhana-Tattva gibt, besteht alles daraus Hervorgehende aus den Gunas. Die große Wirkung, angefangen mit Mahat, lässt auch ihre Ursachen erkennen.
16.
yugapaccalatastasya sthūlātsthūlatarāṇyataḥ ||16||
Übersetzung: Denn Tätigkeit von völlig Nichtseiendem wird nicht angenommen, bester Weiser. Wenn Pradhana in Bewegung gerät, entstehen daraus immer gröbere Wirklichkeiten,
17.
tattvāni tattvamārge'sminsūkṣmātsūkṣmatarāṇyataḥ ||17||
Übersetzung: in einer zeitlichen Reihenfolge zunehmender Schwere, bis zu den konkreten Elementen. Auf demselben Tattva-Weg sind sie in umgekehrter Richtung immer feiner
18.
tattvaṃ jagadupādānamityuktaṃ pārameśvare |
Übersetzung: und noch feiner zu erkennen und in Kürze einzuordnen. Dieses Tattva wird im Tantra des höchsten Herrn als stofflicher Ursprung der Welt bezeichnet. Höre nun seine Wirkungsweisen der Reihe nach, Brahmane.
19.
prasūtirasyāvasarāgateyaṃ mattaḥ sakāśādavadhārayasva ||19||
Übersetzung: Diese Dreiheit der Gunas mit ihrer weitreichenden Wirksamkeit ruht in der Zeit des Friedens zusammen. Nun ist ihre Hervorbringung zu erklären; vernimm sie von mir.
Vidyāpāda, Kapitel 16
Übersetzung: Das Tattva der Gunas
1.
prabuddho'harmukhe svākhye śrīkaṇṭho'nantavikramaḥ ||1||
Übersetzung: Nun werde ich die Schöpfung ausführlich der Reihe nach beschreiben. Zu Beginn seines eigenen Welttages erwacht Shrikantha von unbegrenzter Macht.
2.
śaktayo visṛtāḥ sūkṣmā vīryeṇātibalīyasā ||2||
Übersetzung: Seine eigene Natur und seine Tätigkeiten sind die feinen Shaktis, die sich bei seinem Erwachen nach allen Seiten mit überaus großer Kraft entfalten.
3.
vṛttayastu guṇāḥ proktā nyagbhūtāḥ prakṛtiryataḥ ||3||
Übersetzung: Durch die Verbindung mit ihnen gerät Pradhana rasch in seinen Wirkungsweisen in Bewegung. Diese Wirkungsweisen heißen Gunas; im zurückgenommenen Zustand sind sie Prakriti.
4.
tasmādeva paratakṣobhātprabuddhāḥ pārameśvarāḥ ||4||
†
Übersetzung: Weil ihre eigene Natur den Ursprung des Hervorgehenden bildet, wird sie Prakriti genannt, Weiser. Durch jene höhere Erregung erwachen die dem höchsten Herrn zugehörigen Wesen.
5.
pradhānatattve prādhānyaṃ teṣāṃ śrīkaṇṭhanirmitam ||5||
Übersetzung: Diese heilsamen, strahlenden Wesen bewegen sich in vielfältigen Erfahrungen. Ihre Vorrangstellung im Pradhana-Tattva wurde von Shrikantha eingerichtet.
6.
ekavīrasya rudrasya puramanyatsuśobhanam ||6||
Übersetzung: Dort liegt Shikhedas Stadt, leuchtend wie tausend Sonnen, und eine weitere schöne Stadt des Rudra Ekavira.
7.
piṅgalasya tato'dhastātpuramanyatsuśobhanam ||7||
Übersetzung: Es folgen die Städte Pancantakas und des weisen Suraga; darunter eine weitere herrliche Stadt Pingalas.
8.
tataḥ saṃvartakasyāpi caṇḍasya ca mahātmanaḥ ||8||
Übersetzung: Die göttliche Stadt Jyotishmats ist rein wie vielerlei Mondstrahlen. Es folgen die Samvartakas und die des großen Canda.
9.
tasmādeva mahāgrantherguṇapiṇḍātmakaṃ śubham ||9||
Übersetzung: Darunter liegt eine weitere makellose Stadt Krodheshas. Aus eben diesem großen Knoten entstand zunächst das heilsame, aus der Gesamtheit der Gunas bestehende
10.
tanmadhye kalalaṃ sūkṣmaṃ guṇātmakamaninditam ||10||
Übersetzung: Ei Brahmas, erfüllt von der Last seiner Aufgabe. In seiner Mitte befand sich eine feine, makellose Keimanlage aus den Gunas.
11.
sattvotkaṭena bhāvena catuṣṣaṣṭiguṇānvitaḥ ||11||
Übersetzung: Durch das Herabkommen der Shakti öffnete sie sich; daraus trat Virat hervor, mit vorherrschendem Sattva und vierundsechzig Vorzügen ausgestattet.
12.
tena sāṃsiddhikenāyaṃ brahmāmaraguruḥ prabhuḥ ||12||
Übersetzung: Ein weiterer sattvischer Zustand besteht in vierfacher Form. Durch diese angeborene Ausstattung vermag Brahma, der Herr und Lehrer der Götter,
13.
guṇāḥ sarvaṃ yato vipra tatasteṣāṃ pravṛttayaḥ ||13||
Übersetzung: die mannigfaltige Entfaltung mit ihren vielfältigen Weltenfolgen hervorzubringen. Weil alles aus den Gunas besteht, Brahmane, werden nun deren Tätigkeiten,
14.
sattvādanyaḥ pumānsiddhaḥ sa ca mukto vipaścitām ||14||
Übersetzung: angefangen mit Sattva, der Reihe nach in Kürze beschrieben. Der Einwand lautet: Purusha ist als von Sattva verschieden erwiesen und gilt bei den Einsichtigen als frei.
15.
te'dhunā kṣobhamāyānti yataḥ saṃyojitā balāt ||15||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Was durch diese Verbindung mit einer Prägung für Freiheit gehalten wird, verhindert nicht, dass die individuellen Seelen jetzt wieder in Bewegung geraten. Denn sie werden machtvoll
16.
vyaktībhūteṣu sarveṣu guṇavṛttaṃ svakaṃ svakam ||16||
Übersetzung: von der Schar der Shaktis Shivas verbunden, auch jene, die zuvor der Reihe nach zur Ruhe eingegangen waren. Wenn alles wieder offenbar ist, kann die jeweilige Wirkungsweise der Gunas
17.
sthairyaṃ dhairyaṃ tathā dākṣyamārjavaṃ laghutā tathā ||17||
Übersetzung: klar beschrieben werden, anders nicht, bester Weiser. Beständigkeit, Standhaftigkeit, Geschicklichkeit, Aufrichtigkeit und Leichtigkeit,
18.
sauhityaṃ paṭutā kāntirdayā dānaṃ ghṛṇā sadā ||18||
Übersetzung: Zufriedenheit, Sanftmut, Reinheit, Entschlossenheit, Geduld, Erinnerungsvermögen, Sättigung, Gewandtheit, Schönheit, Mitgefühl, Freigebigkeit und Schonung,
19.
krauryaṃ śauryaṃ mahotsāhaḥ sābhimānaḥ sakalkatā ||19||
Übersetzung: sowie erwartungsvolle Hinwendung werden als Wirkungsweisen Sattvas genannt. Härte, Tapferkeit, großer Tatendrang, Selbstbehauptung und Unlauterkeit,
20.
rajasaḥ pratipattavyāstantre'sminpārameśvare ||20||
Übersetzung: Festigkeit, Mitleidlosigkeit, Genuss und Heuchelei sind in diesem Tantra des höchsten Herrn als Wirkungsweisen des Rajas zu verstehen.
21.
nidrādhikyaṃ madālasyaṃ nirodho mūḍhatā ca yā ||21||
Übersetzung: Unlust, Trägheit, Kleinmut, Verleumdung, Schwere, übermäßiger Schlaf, Berauschtheit, Faulheit, Hemmung und Verwirrung
22.
vimiśrāśca yathā teṣāṃ guṇānāṃ yugapatsthitāḥ ||22||
Übersetzung: werden als Wirkungsweisen des Tamas bezeichnet. Sie zeigen sich verschieden in allen Wesen; die Gunas bestehen zugleich auch miteinander vermischt.
23.
śāstre'sminmuniśārdūla tathāpyutkṛṣṭadarśanāt ||23||
Übersetzung: Denn in dieser Schrift wird keine Tätigkeit voneinander getrennter Gunas ohne ihre Ursache angenommen, hervorragender Weiser. Dennoch werden sie nach dem jeweils vorherrschenden Merkmal
24.
dṛśyaṃ tebhyo'paraṃ nāsti draṣṭurbhogābhilāṣiṇaḥ ||24||
Übersetzung: gesondert beschrieben. Was sich nach unten entfaltet, wird gröber und stärker. Für den Seher, der Erfahrung begehrt, gibt es nichts Sichtbares außerhalb dieser Gunas.
25.
dvidhā vibhajya svaṃ vīryaṃ rudrāṇāṃ sthitaye vibhuḥ ||25||
Übersetzung: Shrikantha, der dort seinen Wohnsitz hat, steigt aus Pradhana herab. Zur Erhaltung der Rudras teilt der Allgegenwärtige seine eigene Kraft in zwei Bereiche.
26.
vīrabhadrādayaścaiva brahmāntā lokanāyakāḥ ||26||
Übersetzung: Durch die Größe dieser Shakti-Macht wirken die Rudras ohne Leiden: die Weltenführer von Virabhadra bis Brahma.
27.
sthānamaumaṃ mahādīptaṃ rajasastu sukhāvaham ||27||
Übersetzung: Die Stätte des Herrn besitzt vorherrschendes Sattva. Daraus erschließt sich allmählich die überaus leuchtende Stätte Umas, mit beglückendem Rajas.
28.
viṣṇorapyucitaṃ tatra sthānaṃ śuddharajomayam ||28||
Übersetzung: Die Stätte des großen Kumara ist davon eine weitere Form, noch ein wenig von Sattva durchdrungen. Auch Vishnu besitzt dort seine entsprechende Stätte aus reinem Rajas.
29.
vibhostamasi vijñeyaṃ rajasonmīlitaṃ śanaiḥ ||29||
Übersetzung: Darunter liegt die Stätte Brahmas, ein wenig von Tamas berührt. Die des Vibhu ist im Tamas zu erkennen, allmählich durch Rajas erschlossen.
30.
rajasaścāśrayopetamīṣatsattvojjhitaṃ hi tat ||30||
Übersetzung: Eine weitere Stätte, die Krita heißt, liegt ebenfalls im Tamas, großer Weiser. Sie besitzt noch eine Grundlage im Rajas, ist aber vom Sattva nahezu verlassen.
31.
tamaso vṛttimāśritya yathānukramataḥ sthitāḥ ||31||
Übersetzung: Als achte wird Akrita genannt, eine Stätte in reinem Tamas. Entsprechend der Wirkungsweise des Tamas stehen dort in ihrer Reihenfolge
32.
rajovṛttikṛtādhārā brahmādyāścāpyanukramāt ||32||
Übersetzung: die Yogis und Weltenherren, angefangen mit Akrita, durch die Kraft ihres Yoga. Brahma und die folgenden besitzen dagegen eine Grundlage in der Wirkungsweise des Rajas.
33.
aumaṃ mantroditaṃ divyaṃ śuddhatattvamataḥ param ||33||
Übersetzung: Auch die Yogapraktizierenden haben eine Stätte mit vorherrschendem Sattva. Die göttliche, durch Mantra offenbarte Stätte Umas liegt darüber; jenseits davon folgt das reine Tattva.
34.
yogavīryamadāmodavilāsena mahābalāḥ ||34||
Übersetzung: Dies ist auch die Reihenfolge der durch Unterweisung Vollendeten. Die mächtigen Rudras spielen in der freudigen Entfaltung ihrer Yogakraft,
35.
devānāṃ balamākramya sūkṣmaśaktiyutāḥ śivāḥ ||35||
Übersetzung: makellos und mit ungehinderten Eigenschaften. Mit feinen Shaktis verbunden, übertreffen diese heilsamen Wesen die Macht der Götter.
36.
yāvatsamyaṅnirūpyante svatejovyūḍhagocarāḥ ||36||
†
Übersetzung: Ihr Maß lässt sich nicht angeben, bester Weiser, solange man nicht die von ihrem eigenen Licht getragenen Bereiche vollständig bestimmt.
37.
śivādyavaniparyante krīḍantyadhvani saṃsthitāḥ ||37||
Übersetzung: Die vollendeten, einsichtigen Wesen wirken aus ihrer eigenen Natur. Auf dem gesamten Weltweg von Shiva bis zur Erde bestehen sie und entfalten ihr Spiel.
38.
aruṇābhaṃ rajastīvraṃ pravṛtti guṇavattaram ||38||
Übersetzung: Sattva ist rein wie Mondlicht, öffnend und kraftvoll. Rajas leuchtet rötlich, ist heftig und von tätiger Wirksamkeit.
39.
āhlādanasvabhāvo yaḥ sarvadā sarvajantuṣu ||39||
Übersetzung: Tamas gleicht der fahlen Farbe einer verwelkten Blüte und wirkt von Natur aus stark hemmend. Die beglückende Natur, die sich in allen Lebewesen zeigt,
40.
āvego yaḥ pradṛśyeta sarvārambheṣu suvrata |
Übersetzung: entsteht durch die Verbindung mit reinem Sattva im Bereich des Manifesten. Der heftige Antrieb, den man bei Unternehmungen sieht, stammt aus reinem Rajas; Verwirrung wird Tamas zugeschrieben.
41.
dvyāptaṃ jagadyaiḥ sthitaye paśūnām |
vyāvarṇitāste tava vipramukhya
Übersetzung: So sind dir die Gunas erklärt, bester Brahmane: Durch die Macht der Ursache werden sie offenbar und durchdringen die Welt zum Aufenthalt der Seelen. Höre nun die ausführliche Darstellung der Buddhi.
Vidyāpāda, Kapitel 17
Übersetzung: Das Buddhi-Tattva
1.
kṣubdhebhyaḥ sahasā pūrvaṃ guṇebhyo bhūtagocarā ||1||
Übersetzung: Nun zur Entfaltung der Buddhi, die aus ihrer eigenen Eigenschaft erschlossen wird. Aus den erregten Gunas tritt sie zuerst hervor und richtet sich auf die vorhandenen Gegenstände.
2.
varṇyate'ṣṭaguṇopetā vibhāgena yathākramam ||2||
Übersetzung: Durch ihr bestimmendes Erkennen ist diese heilsame Buddhi Mutter der inneren Zustände. Sie wird mit acht Eigenschaften ausgestattet beschrieben, gegliedert der Reihe nach.
Übersetzung: Matanga sprach:
3.
svātmalopakṛto hyeko dvitīyo mātṛputravat ||3||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Das Verhältnis von Ursache und Wirkung ist überall bekannt. Bei einer Form geht die ursprüngliche Gestalt der Ursache verloren; eine zweite gleicht dem Verhältnis von Mutter und Kind.
4.
svātmalopakṛto yo hi pradhvastātpayaso dadhi ||4||
Übersetzung: Als dritte kennt man das Verhältnis von Handelndem und Handlung. Wo die eigene Gestalt der Ursache verloren geht, entsteht etwa aus Milch, die als Milch vergeht, Sauermilch.
5.
buddhirekā prapattavyā guṇānāṃ vṛttayaḥ kutaḥ ||5||
Übersetzung: Wäre es hier ebenso, müssten die Gunas vollständig vergehen, und allein Buddhi wäre anzunehmen. Woher kämen dann noch die Tätigkeiten der Gunas?
6.
kartṛkarmavibhedācca vastubhedo'navasthitaḥ ||6||
Übersetzung: Nach dem Beispiel von Mutter und Kind wäre dagegen ihre durchdringende Gegenwart nicht gegeben. Bei der Trennung von Handelndem und Handlung wäre die Verschiedenheit der Wirklichkeiten nicht fest bestimmt.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
7.
vastunaścāpyabhede'pi vyaktibhedaḥ pṛthak pṛthak ||7||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Wie aus Lehm Kochtöpfe und andere Gegenstände für den Gebrauch entstehen, so gibt es bei gleichem Stoff dennoch verschiedene einzelne Erscheinungen.
8.
sādhyasādhanabhedena vibhinnā sthānasaṃhatiḥ ||8||
Übersetzung: Sieht man dies nicht auch bei Metall, großer Weiser? Die Anordnung der Formen unterscheidet sich nach dem zu Bewirkenden und seinen Mitteln.
9.
pravṛttāḥ sarvakāryeṣu kartṛtvenātmavartinā ||9||
Übersetzung: Die Shaktis Parameshvaras sind von Natur aus überaus mächtig. In allen Wirkungen sind sie mit ihrer eigenen schöpferischen Kraft tätig,
10.
na mīmāṃsyā yataḥ patyuratyadbhutaguṇodayāḥ ||10||
Übersetzung: geschickt, vollkommen rein, allseitig und reich. Sie dürfen nicht auf gewöhnliche Möglichkeiten beschränkt werden, denn sie bringen die höchst wunderbaren Eigenschaften des Herrn zum Ausdruck.
11.
yathānnaparipākasya bhede dehe'pyavasthitāḥ ||11||
Übersetzung: Aus den von ihnen bewegten Gunas tritt eine weitere Anordnung der Gunas hervor. Wie bei der unterschiedlichen Verarbeitung der Nahrung im Körper
12.
rasasyātmaguṇo vyāpī deho rasamayo yataḥ ||12||
Übersetzung: Nährsaft, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Fortpflanzungsstoff bestehen, so durchdringt die Eigenschaft des Nährsaftes den ganzen daraus ernährten Körper.
13.
yathā tathā na bhedo'sti guṇānāṃ sthānabhedataḥ ||13||
Übersetzung: Trotz der verschiedenen Bereiche hört der Nährsaft nicht auf zu bestehen, bester Weiser. Ebenso hören die Gunas bei der Verschiedenheit ihrer Bereiche nicht auf, dieselben Grundkräfte zu sein.
14.
yato'rtho'nekadhā bhogyo bhoktuḥ karmavipākajaḥ ||14||
Übersetzung: Zum Nutzen des Menschen werden sie als Mahat und die weiteren Prinzipien unterschiedlich offenbar. Denn die aus der Karma-Reifung hervorgehenden Gegenstände sind für den Erfahrenden auf vielerlei Weise erfahrbar.
15.
dharmo jñānaṃ ca vairāgyamaiśvaryaṃ sāttvikā guṇāḥ ||15||
Übersetzung: Darum entfalten die Gunas ihre eigenen Veränderungen, Weiser. Dharma, Erkenntnis, Nichtanhaftung und Herrschaftsfähigkeit sind sattvische Eigenschaften.
16.
prajāpatau rajaḥ kiñcittena jñānaṃ na vedhasaḥ ||16||
Übersetzung: Im Schöpfer Brahma sind sie von Natur aus in höchster Weise offenbar. In Prajapati besteht bereits etwas Rajas; darum gleicht dessen Erkenntnis nicht der Brahmas.
17.
indrasyārdhādhikaṃ tacca rajasā sattvamīdṛśam ||17||
Übersetzung: Bei Soma ist Rajas stärker, hervorragender Weiser; bei Indra überwiegt es die Hälfte. Entsprechend ist dort Sattva mit Rajas verbunden.
18.
yakṣasyāpi tamaḥ proktaṃ taccārdhena rajaḥ śanaiḥ ||18||
Übersetzung: Bei den Gandharvas wird derselbe Zustand allmählich von Tamas umfasst. Bei den Yakshas wird Tamas beschrieben, verbunden mit einem Anteil Rajas.
19.
tamasotkṛṣṭamevoktaṃ rajaḥ pradhvastagocaram ||19||
Übersetzung: Bei den Rakshasas wird eine Mischung von Rajas und überwiegendem Tamas angegeben; schließlich wird Tamas als ganz vorherrschend beschrieben, während Rajas zurücktritt.
20.
devānāṃ yonayaḥ siddhā brahmādīnāṃ mahātmanām ||20||
Übersetzung: Dies ist bei den Pishachas anhand des Buddhi-Tattvas zu verstehen. Damit sind die göttlichen Geburtsklassen von Brahma an bestimmt.
21.
mānuṣā rājasāḥ proktāstiryaktāmasalakṣaṇāḥ ||21||
Übersetzung: Insgesamt gelten diese acht mächtigen göttlichen Klassen als sattvisch, Menschen als rajasisch und Tiere als durch Tamas gekennzeichnet.
22.
tiṣṭhataḥ prākṛte dehe puruṣasyābhilāṣiṇaḥ ||22||
Übersetzung: Dennoch ist dies durch Überlegung in der jeweiligen Reihenfolge zu erklären. Für den begehrenden Purusha, der in einem aus Prakriti bestehenden Körper verweilt,
23.
buddhyādayaḥ pravṛttyarthaṃ vṛttayaḥ prāṅnirūpitāḥ ||23||
Übersetzung: werden die Tätigkeiten des unbewussten Pradhana, das von seiner Kraft erfüllt ist, als Buddhi und weitere Prinzipien bestimmt.
24.
bodhayitrī smṛtā khyātirbhāvānāṃ yoniravyayā ||24||
Übersetzung: Die Ursache, der Träger der Welt, hat sie zum Erleben der Menschen geordnet. Khyati, die bestimmende Erkenntnis, gilt als Erweckerin und unvergänglicher Ursprung der inneren Zustände.
25.
aṇoradhyavasāyena pravṛttādhyavasāyinī ||25||
Übersetzung: Für den nach Erfahrung verlangenden Erfahrenden wird die mit acht Eigenschaften ausgestattete Buddhi durch das Bestimmen der Seele zur bestimmenden Kraft.
26.
pratyayo'kṣārthayogotthaḥ puṃsaḥ pratyayakṛtsadā ||26||
Übersetzung: Darauf wird sie in unendlich vielen vorstellungsartigen Zuständen tätig. Eine Vorstellung entsteht aus dem Zusammentreffen von Sinn und Gegenstand und vermittelt dem Menschen jeweils Gewissheit.
27.
sattvenāpūritasyaiṣa mahataḥ śanakai rajaḥ ||27||
Übersetzung: Ein Zustand heißt Bhava, weil er prägt; durch ihn wird die individuelle Seele beeinflusst. Ist die große Buddhi von Sattva erfüllt und Rajas allmählich zurückgenommen,
28.
buddhāvāśritya kiraṇairamoghabalaśālibhiḥ ||28||
Übersetzung: während Tamas verschwunden ist, dann nimmt Parameshvara seinen Sitz in ihr. Mit seinen Strahlen von unfehlbarer Macht
29.
dharmaśca dvividhaḥ prokto yamaśca niyamo'paraḥ ||29||
Übersetzung: setzt er den Menschen kraftvoll zur Verwirklichung des Dharma ein. Dharma wird als zweifach beschrieben: Yama und Niyama.
30.
yamaḥ pañcavidhaḥ prokto niyamaścāpyathocyate ||30||
Übersetzung: Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya und Lauterkeit: So werden die fünf Yamas genannt. Nun folgen die Niyamas.
31.
ārjavaṃ ceti niyamaḥ pañcadhā parikīrtitaḥ ||31||
Übersetzung: Freiheit von Zorn, Dienst am Lehrer, Reinheit, Zufriedenheit und Aufrichtigkeit: Diese fünf heißen Niyamas.
32.
ātmavatsarvabhūtāni yaḥ paśyati sa ātmavān ||32||
Übersetzung: Ahimsa bedeutet, anderen kein Leid zuzufügen. Wer alle Wesen wie sich selbst betrachtet, besitzt Selbstbeherrschung.
33.
ahiṃseyaṃ samākhyātā puṃso dharmajijñāsayā ||33||
Übersetzung: Auch wenn ihm Unrecht geschieht, ist er nicht bereit, seinerseits Leid hervorzurufen. Dies heißt Nichtverletzen bei einem Menschen, der Dharma erkennen will.
34.
tathye'pi na bhavedyena parebhyo duḥkhamaṇvapi ||34||
Übersetzung: Wessen Rede selbst in der Not nicht zur Unwahrheit greift und auch beim Sprechen der Wahrheit anderen nicht das geringste Leid zufügt,
35.
nādattamādadītkiñciddattaṃ vā nyāyataḥ śubham ||35||
Übersetzung: dessen Wahrhaftigkeit reinigt den Geist, der im rechten Wandel ruht. Man soll nichts nehmen, was nicht gegeben wurde, und auch Gegebenes nur, wenn es rechtmäßig und einwandfrei ist.
36.
tṛṇavanmanyate dharmī tadacauryamudāhṛtam ||36||
†
Übersetzung: Findet ein rechtschaffener Mensch etwas, das ein anderer verloren hat, betrachtet er es, ohne danach zu greifen, wie einen Grashalm. Dies heißt Nichtstehlen.
37.
mātṛvanmanyate nityaṃ prārthayantīmapi striyam ||37||
Übersetzung: In Handeln, Denken und Reden, im Hören und Sehen betrachtet er eine Frau stets wie seine Mutter, selbst wenn sie ihn umwirbt.
38.
tasya tadbrahmacaryaṃ syāccheṣā vrataviḍambakāḥ ||38||
Übersetzung: Wer sich auch gegenüber einer himmlischen Frau stets so verhält, ohne begehrliche Unruhe, besitzt Brahmacharya. Die anderen stellen das Gelübde nur äußerlich dar.
39.
kāluṣyaṃ notsahedvoḍhuṃ seyamuktetyakalkatā ||39||
Übersetzung: Klarheit, Gleichmut und Zuneigung, die selbst durch hundert Verletzungen keine innere Trübung annehmen: Dies wird Lauterkeit genannt.
40.
pradhvastakaluṣo nityaṃ krudhyamāṇo'pi bhūriśaḥ ||40||
Übersetzung: Dies sind die fünf Yamas der Asketen von heilsamem Wesen. Wer von innerer Trübung frei ist und selbst bei wiederholtem Zorn anderer
41.
na kupyati kadācicca so'krodhaḥ paribhāṣyate ||41||
Übersetzung: oder bei heftigen Schlägen immer wieder zu innerer Freude zurückkehrt und niemals zornig wird, dessen Haltung heißt Freiheit von Zorn.
42.
vṛddhānāmapi sarveṣāṃ sadājñānucaro bhṛśam ||42||
Übersetzung: Wer aus Hingabe den Gottheiten, den Brahmanen, Mutter und Vater sowie allen Älteren stets aufmerksam Folge leistet,
43.
mṛdambhasā supūtena gandhalepāpakarṣaṇam ||43||
Übersetzung: übt den als Dienst bezeichneten Niyama, der Dharma wachsen lässt. Mit Erde und reinem Wasser Geruch und Schmutz zu entfernen,
44.
akutsiteṣu saṃsparśācchaucavṛttiraninditā ||44||
Übersetzung: den Körper zu waschen und einwandfreie Aufenthaltsorte und Sitze zu benutzen: Das ist der makellose Wandel der Reinheit.
45.
lābhālābhe samo'pyayaṃ sa saṃtoṣa udāhṛtaḥ ||45||
Übersetzung: Mit erfülltem Herzen ohne rastlose neue Unternehmungen zu leben und bei Gewinn wie Verlust gleich zu bleiben: Dies heißt Zufriedenheit.
46.
nivṛttaḥ parapīḍāyāḥ śraddadhānaśca bhāvitaḥ ||46||
Übersetzung: Der Verständige mag vieles wissen und verhält sich doch still, als wüsste er nichts und wäre stumm. Er hat aufgehört, andere zu bedrängen, ist vertrauensvoll und innerlich gereift.
47.
dānopavāsatīrthāni kīrtanāvasathādayaḥ ||47||
Übersetzung: Dies heißt seine Aufrichtigkeit, ein Niyama des gesammelten Menschen. Freigebigkeit, Fasten, Pilgerstätten, Lobpreis, das Gewähren von Unterkunft und Ähnliches
48.
pradhvastarajasaṃ sattvaṃ dharmeṇācchāditaṃ tamaḥ ||48||
Übersetzung: gelten als Ursachen des Dharma bei einem rechtschaffenen großen Menschen. Wenn Sattva Rajas überwunden und Dharma Tamas zurückgedrängt hat,
49.
jñāne niyojayatyāśu dharmānukramataḥ śanaiḥ ||49||
Übersetzung: nimmt Parameshvara seinen Sitz in der Buddhi und führt den Menschen, dem Dharma folgend, allmählich und doch unmittelbar zur Erkenntnis.
50.
ebhyaḥ parataraṃ nāsti siddho'hamiti manyate ||50||
Übersetzung: Eine Erkenntnisform lautet: Alles Bewegliche und Unbewegliche besteht aus den fünf Elementen. Darüber hinaus gibt es nichts; ich bin vollendet.
51.
nirūpyamāṇasya yattatsahasotpadyate trayāt ||51||
Übersetzung: Diese vom Übenden angenommene Erkenntnis heißt fünffach. Bei weiterer Betrachtung kann eine andere Erkenntnis auf dreierlei Weg plötzlich entstehen:
52.
adhītya vātha saṃsiddho manyate bhāvitātmavān ||52||
Übersetzung: Man hört Unterweisung von guten Lehrern, sieht selbst einen geschriebenen Text oder studiert ihn. So geprägt hält man sich für vollendet.
53.
indriyārthātparaṃ jñānaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati ||53||
Übersetzung: Man denkt: Über den Tanmatras gibt es nichts Höheres. Dies heißt Tanmatra-Erkenntnis. Eine andere Auffassung lautet: Erkenntnis jenseits von Sinnen und Gegenständen hat es nie gegeben und wird es nie geben.
54.
tajjñānaṃ yogajaṃ nāma bhāvitānāṃ mahāmune ||54||
Übersetzung: Durch diese aus ihrem Zusammentreffen entstandene Erkenntnis bin ich vollendet. Diese Erkenntnis der so Geprägten heißt Yogaja, aus Verbindung entstanden, großer Weiser.
55.
tasmādeva samutpannaṃ jagadetaccarācaram ||55||
Übersetzung: Andere erkennen die wechselseitige Ursächlichkeit und halten sie für das Höchste: Aus ihr ist diese ganze bewegliche und unbewegliche Welt entstanden; was wäre daran erstaunlich?
56.
ahamiti pratyayo yaḥ paramātmā sa ucyate ||56||
Übersetzung: Wer sich aufgrund dieser Auffassung für vollendet hält, besitzt die als verborgen bezeichnete Erkenntnis. Eine weitere Auffassung lautet: Die Vorstellung „Ich“ ist das höchste Selbst.
57.
sa evāhaṃ vimuktātmā tajjñānaṃ garvaṃ ucyate ||57||
Übersetzung: Wer wäre sonst der Handelnde, für wen würde gehandelt, und was an der Welt wäre nicht von mir getan? Eben dieses Ich bin ich als freies Selbst. Dies heißt Erkenntnis der Ichbehauptung.
58.
saḥ paraḥ paratastasmānnānyadastīti kāraṇam ||58||
Übersetzung: Eine andere Auffassung lautet: Das bestimmende Erkennen ist die unvergängliche Ursache der Welt. Es ist das Höchste; darüber hinaus gibt es keine Ursache.
59.
guṇāḥ sarvajaganmukhyā guṇā eva paraṃ padam ||59||
Übersetzung: Durch dieses Erkennen erlange ich höchste Vollendung. Dies heißt aus Bestimmung entstandene Erkenntnis. Andere denken: Die Gunas sind der Ursprung der ganzen Welt; sie selbst sind die höchste Stätte.
60.
pradhānaṃ puruṣaṃ kecinmanyamānāḥ subhāvitāḥ ||60||
Übersetzung: Ich bin vollendet. Diese Erkenntnis eines so geprägten Geistes heißt Guna-Erkenntnis. Wieder andere halten Pradhana und Purusha für die letzten Prinzipien.
61.
sā siddhiḥ paramā tasya loṣṭavatparikīrtitā ||61||
Übersetzung: Sie meinen: Jenseits der fünfundzwanzig Tattvas gibt es kein weiteres. Die so angenommene höchste Vollendung wird hier als einem Erdklumpen gleich beschrieben.
62.
etadaṣṭavidhaṃ bauddhaṃ jñānamuktaṃ samāsataḥ ||62||
Übersetzung: Erkenne dies als Purusha-Erkenntnis des Übenden. So sind die acht Arten der an Buddhi gebundenen Erkenntnis in Kürze erklärt.
63.
nāsti martyātparaṃ kiñcitkecitsvargātparaṃ na hi ||63||
Übersetzung: Andere nehmen Nichtsein an, wieder andere das kleinste Atom. Manche meinen, es gebe nichts über das Sterbliche hinaus, andere nichts über den Himmel hinaus.
64.
rūpaiḥ saptabhirityuktā dṛṣṭe'rthe sānuvartate ||64||
Übersetzung: So werden sie jeweils von den aus ihrer eigenen Veranlagung entstandenen Prägungen bestimmt. In sieben Formen folgt die Buddhi den gesehenen Gegenständen,
65.
yasyaivaṃ saṃsthito bhāvaḥ sa mukta iti budhyate ||65||
Übersetzung: und durch Erkenntnis auch dem Ungesehenen bei einem einsichtigen Menschen. Wer in einer solchen Auffassung feststeht, hält sich für befreit.
66.
svabhāva iti vaktavyaḥ pañcāvayavalakṣaṇaḥ ||66||
Übersetzung: Doch Befreiung ist von Prakriti verschieden und frei von Freude und Leid. Sie ist als die eigene Natur zu erklären, deren individuelle Ausstattung durch die fünf Hüllen gekennzeichnet war.
67.
svavīryakiraṇaughena tadā puṃsaḥ pravartate ||67||
Übersetzung: Wenn dagegen die Erkenntnis-Shakti des Herrn mit der Fülle ihrer eigenen Kraftstrahlen in der Buddhi erglänzt, dann entsteht im Menschen
68.
śivatvonmīlanaṃ tathyaṃ jñānamajñānanāśanam ||68||
Übersetzung: jene makellose, allseitige Erkenntnis aus Shivas Lotosmund: wahrhaftig, Shiva-Sein erschließend und Unwissenheit vernichtend.
69.
yanna dṛṣṭaṃ mahāmohe bhāvajñānākulekṣaṇaiḥ ||69||
Übersetzung: Durch sie erblicken die Vollendeten jene leidfreie Stätte, die in großer Verblendung denjenigen verborgen blieb, deren Blick von den bedingten Erkenntniszuständen verwirrt war.
70.
anityamatiśokāḍhyamaiśvaryamasukhāvaham ||70||
Übersetzung: In einem gereiften Menschen entsteht noch eine andere Erkenntnis aus seinem eigenen Nachdenken: Menschliche Macht ist vergänglich, reich an Kummer und bringt kein verlässliches Glück.
71.
tyajāmo'sya kimāścaryaṃ niḥsaṅgatvātsukhaṃ bhavet ||71||
Übersetzung: Wozu dient dieses Menschendasein, das Furcht vor Geburt und Tod mit sich bringt? Wir wollen die Bindung daran aufgeben. Was wäre daran erstaunlich? Aus Nichtanhaftung entsteht Freude.
72.
susūkṣmaḥ śaktimānbhūtvā rajaso'pyatha yogataḥ ||72||
Übersetzung: Durch die Kraft dieser Erkenntnis ist Parameshvara in seiner Buddhi als überaus feiner Träger der Shakti gegenwärtig, noch in Verbindung mit einem Anteil Rajas.
73.
sāpyaṇorjñānayuktasya viraktasya pravartate ||73||
Übersetzung: Der Herr bewegt die durch Sattva erhobene Buddhi. Sie wird für die mit Erkenntnis verbundene, nichtanhaftende Seele tätig,
74.
sahasā vyādhitaṃ dṛṣṭvā jīrṇaṃ vāpyathavā mṛtam ||74||
Übersetzung: der Erkenntnis folgend, kraft der Größe des Vairagya. Sieht ein Mensch plötzlich einen Kranken, einen Greis oder einen Toten,
75.
saṃtuṣṭaḥ sarvakāryeṣu niḥspṛhatvājjugupsate ||75||
Übersetzung: so entsteht in ihm durch seine innere Reife Abwendung. Ohne Verlangen wird er bei allen Unternehmungen genügsam und fragt sich mit Abscheu:
76.
mūḍho na paśyatyātmānaṃ na jñeyaṃ rāgapīḍitaḥ ||76||
Übersetzung: Warum quält sich die Welt, umgeben von Kindern, Partnern und Angehörigen? Verwirrt und vom Begehren bedrängt, erkennt sie weder sich selbst noch das zu Erkennende.
77.
ādhyātmikena duḥkhena vātapittakaphādinā ||77||
Übersetzung: Diese Zufriedenheitsform bei innerlich gereiften Menschen heißt Jugupsa, Abscheu. Eine weitere Abwendung entsteht durch körperliches Leiden,
78.
sa tena vanamāśritya vāyubhuṅniyatendriyaḥ ||78||
Übersetzung: etwa durch Störungen von Wind, Galle und Schleim. Davon plötzlich ergriffen, zieht der Mensch in den Wald, zügelt seine Sinne und lebt nach dem asketischen Ideal nur vom Atem.
79.
taskarairbalibhiścaiva rājñā vātha balīyasā ||79||
Übersetzung: Er ist zufrieden, nachdem er das Weltliche aufgegeben hat. Dies heißt die aus dem eigenen Körper entstandene Zufriedenheit. Eine weitere entsteht bei Bedrängnis durch Diebe, Mächtige oder einen starken König.
80.
prapañcātso'pyathaivaṃ syātkimanena balīyasā ||80||
Übersetzung: Das dadurch erfahrene Leid lässt ihn die weltliche Entfaltung aufgeben. Er denkt: Wozu dient dieser mächtige,
81.
evaṃ saṃcintya virato gṛhadharmātparāṅmukhaḥ ||81||
Übersetzung: von anderen abhängige Genuss? Es gibt ein anderes, schöneres Heil. Nach solcher Überlegung wendet er sich vom Leben des Hausstandes ab.
82.
divyairgrahādibhirbhūtairabhibhūtasya tatkṣaṇāt ||82||
Übersetzung: Die Zufriedenheit dieses bedrängten, innerlich gereiften Menschen heißt Adhibhautiki, durch andere Wesen veranlasst. Wird jemand von himmlischen Kräften oder besetzenden Wesen getroffen,
83.
bandhubhirvāryamāṇo'pi gṛhaṃ tyaktvā vanaṃ vrajet ||83||
Übersetzung: wendet er sich durch die erfahrene Qual ebenfalls ab. Obwohl die Angehörigen ihn zurückhalten, verlässt er das Haus und geht in den Wald.
84.
saṃtoṣācca paraṃ loke sukhamanyatra dṛśyate ||84||
Übersetzung: Innerlich davon erfüllt, denkt er: Es gibt keine höhere Freude als diese. Oder wäre irgendwo in der Welt eine Freude zu finden, die höher als Zufriedenheit ist?
85.
tuṣṭiḥ soktā viraktasya nāmnā caivādhidaivikī ||85||
Übersetzung: Immer wieder so nachdenkend, freut er sich. Diese Zufriedenheit des Nichtanhaftenden heißt Adhidaiviki, durch übermenschliche Mächte veranlasst.
86.
mahatāpi prayatnena nārthaṃ prāpto'tiduḥkhitaḥ ||86||
Übersetzung: Ein anderer wird von Armut bedrängt. Er sieht den Wohlstand anderer und erlangt trotz großer Anstrengung kein Vermögen; darüber leidet er sehr.
87.
pālanādbahavo doṣāḥ kṣaṇādanyatsamārjitum ||87||
Übersetzung: Was er erwirbt, nehmen Diebe, und er vermag es nicht zu schützen. Schon das Bewahren bringt viele Schwierigkeiten mit sich; neues Vermögen lässt sich nicht sogleich erwerben.
88.
na cārādhayituṃ śakyo loko'yaṃ bhinnamānasaḥ ||88||
Übersetzung: Er denkt: Wozu das alles, wenn es nur Leid und Mühsal schafft? Auch lässt sich diese Welt mit ihren widerstreitenden Menschen nicht zufriedenstellen.
89.
asmādvirāgātsaṃtuṣṭaḥ kiñcitkṣetraṃ samāśritaḥ ||89||
Übersetzung: Selbst wenn man sich um ihre Gunst bemüht, zeigt sich oft nicht die geringste Frucht. So abgewandt und genügsam geworden, nimmt er ein kleines Feld als Lebensgrundlage.
90.
niḥsvā tuṣṭiriyaṃ proktā narāṇāṃ bhāvitātmanām ||90||
Übersetzung: Doch auch dessen Ertrag ist nicht beständig. Durch weiteres Loslassen sucht er das Beständige. Dies heißt die aus Besitzlosigkeit entstandene Zufriedenheit innerlich gereifter Menschen.
91.
sa tena pīḍito'tyantaṃ kiṃ madīyena pāṇinā ||91||
Übersetzung: Wird jemand von einem geliebten Menschen getrennt und stirbt nicht selbst daran, so leidet er doch tief und denkt: Wozu dienen mir meine Hände,
92.
snehamūlāni duḥkhāni na cāsnehātparaṃ sukham ||92||
Übersetzung: wozu dieser wohlgenährte Körper? Wen könnte ich ansehen und mich noch freuen? Die Leiden wurzeln in Anhaftung; keine Freude ist höher als die Freiheit davon.
93.
tato'sau nirdayo bhūtvā rudannapi vihāya tu ||93||
Übersetzung: Was nützt das Augenblickliche? Es ist Ursache des Leidens. So verhärtet er sich gegen seine bisherige Bindung und verlässt, selbst unter Tränen,
94.
tuṣṭiḥ sābhihitā tantre bhāvitasya prarodikā ||94||
Übersetzung: den Kreis der Angehörigen, geht in den Wald und findet dort Freude. Diese Zufriedenheit des innerlich Gereiften heißt im Tantra Prarodika, aus Weinen hervorgegangen.
95.
durgandhi pūyakaluṣaṃ vicintya śanakaistyajet ||95||
Übersetzung: Er betrachtet den Bauch als mit Kot und Urin gefüllt, außen von Haut bedeckt, übelriechend und durch Eiter verunreinigt, und gibt allmählich seine Bindung daran auf.
96.
tatredānīṃ rametkaṣṭaṃ viḍambeyaṃ sudāruṇā ||96||
Übersetzung: Er denkt: Durch die weibliche Geschlechtsöffnung bin ich aus diesem unreinen Zustand hervorgegangen. Wie könnte ich mich nun wieder daran erfreuen? Welch harte, furchtbare Täuschung!
97.
tuṣṭiḥ kāmodbhavā nāma bhāvitasya mahātmanaḥ ||97||
Übersetzung: Plötzlich abgewandt, innerlich gereift und ohne Anhaftung, lebt er wie ein Asket. Diese Zufriedenheit des gereiften Menschen heißt aus dem geschlechtlichen Begehren hervorgegangen.
98.
puṣṭamannena satataṃ pānena ca vivardhitam ||98||
Übersetzung: Ein anderer betrachtet allmählich seinen eigenen Körper, außen wie innen: ständig durch Speise genährt und durch Trinken erhalten,
99.
ekāhasyāpyapāyena glāniṃ badhnātyanātmavat ||99||
Übersetzung: übelriechend, voller Unreinheit, vergänglich und ohne verlässliche Freude. Schon ein Tag fehlender Pflege schwächt ihn, als gehöre er einem nicht selbst.
100.
tasmādvirakto labdhāśī kāñcidāśritya nimnagām ||100||
Übersetzung: Auch nach langer Pflege bleibt kein dauerhafter Nutzen dieser Pflege. Davon abgewandt, lebt der Mensch von dem, was er erhält, und nimmt an einem Fluss Aufenthalt.
101.
sā tasya kṣapikā nāmnā tuṣṭirbhavatiraktikā matā ||101||
†
Übersetzung: Mit Erde und Wasser beschäftigt er sich mit Reinigung und erscheint zufrieden. Diese Zufriedenheit heißt Kshapika; sie soll von der Bindung an das Werden lösen.
102.
hiṃsāto vāpyupādānātsaṃyamyendriyavāhinīm ||102||
Übersetzung: Ein anderer wendet sich plötzlich ab, weil er die Annahme von Gaben fürchtet oder weil Erwerb mit Verletzung verbunden ist. Er zügelt die Schar seiner Sinne
103.
evaṃvidhāstu vairāgyādanantāstuṣṭijātayaḥ ||103||
Übersetzung: und bleibt zufrieden. Seine Zufriedenheit heißt Vaikhanasa. Solche aus Abwendung entstandenen Arten von Zufriedenheit sind unzählig.
104.
svabhāvena pumāñśuddhastasya kiṃ vinivāryate ||104||
Übersetzung: Eine weitere Überlegung lautet: Die Natur der Sinne bleibt tätig, auch wenn man sie hemmt. Das Selbst ist seiner Natur nach rein; was wird also an ihm gehemmt?
105.
indriyārtheṣu nāśaktiḥ pravṛttiṃ viratiṃ ca ||105||
†
Übersetzung: Bei denen, die sich durch diese Erkenntnis für vollendet halten, entsteht ein weiterer Zustand: Sie sehen kein zwingendes Verhältnis zwischen den Sinnesgegenständen und ihrem Tätigwerden oder Zur-Ruhe-Kommen.
106.
viraktaḥ saṅgadoṣācca tatastaṃ prati kāraṇam ||106||
Übersetzung: Der Wissende bleibt stets zufrieden, auf inneres Bestehen gerichtet und von den Fehlern der Anhaftung gelöst. Ihm gegenüber bewegt die Ursache
107.
virāgo'ṅgasya sahasā dhyānopodbalitasya tu ||107||
†
Übersetzung: die Buddhi durch Rajas und Tamas zum Bereich der Herrschaftskräfte. Durch Meditation gestärkt und in seinen Gliedern von Anhaftung frei,
108.
sattvaṃ tadātmabhāvena saṃvṛttamaṇutāṃ nayet ||108||
Übersetzung: erlangt er rasch Macht auf der Grundlage des Buddhi-Tattvas. Sattva, seinem inneren Zustand entsprechend geformt, führt ihn zur Kleinheit.
109.
yenāsau sahasā yogī gacchannapi tatastataḥ ||109||
Übersetzung: Dabei wird sein Körper augenblicklich winzig. Dadurch kann der Yogi unvermittelt hierhin und dorthin gehen,
110.
laghimā nāma yaḥ prokto laghutvamupajāyate ||110||
Übersetzung: ohne von Pfosten oder ähnlichen Hindernissen aufgehalten und ohne von jemandem gesehen zu werden. Laghima heißt die Kraft, durch die Leichtigkeit entsteht.
111.
nimajjati kadācitsyātkaṇṭakaiśca na bādhyate ||111||
Übersetzung: Er bewegt sich überall mit der Schnelligkeit des Geistes, sinkt niemals in Schlamm oder Wasser ein und wird von Dornen nicht verletzt.
112.
siddhaiśca pūjyate nityaṃ mahākāyo'thavā kṣaṇāt ||112||
Übersetzung: Er vermag ungehindert in allen Welten Größe anzunehmen und wird von den Siddhas verehrt. Oder er nimmt augenblicklich einen riesigen Körper an,
113.
sa tasya mahimā nāma tṛtīyo yogino guṇaḥ ||113||
Übersetzung: spielt in dieser Gestalt und durchdringt den als Brahma bezeichneten beweglichen und unbeweglichen Bereich. Dies heißt Mahima, die dritte Kraft des Yogis.
114.
prāptyādayo guṇāḥ pañca yogināṃ karaṇātmajāḥ ||114||
Übersetzung: Diese Dreiheit der Herrschaftskräfte, angefangen mit Anima, zeigt sich am Körper. Die fünf Kräfte von Prapti an entstehen aus den inneren Werkzeugen der Yogis.
115.
sarvamāpnotyasaṃdehādyathavā yatra rocate ||115||
Übersetzung: Was immer der Meister des Yoga im Geist begehrt, erlangt er augenblicklich und ohne Zweifel. Oder er erreicht jeden Ort,
116.
yugapatstrīsahasrāṇi rūpeṇāpratimāni tu ||116||
Übersetzung: an dem er sein möchte, in einem Augenblick. Dies ist die beständige Kraft Prapti. Er vermag zugleich Tausende von Frauen von unvergleichlicher Schönheit
117.
surato hīyate naiva svecchākāmī ramecciram ||117||
Übersetzung: hervorzubringen und, indem er sich selbst vervielfältigt, mit ihnen zu verkehren. Seine Liebeskraft erschöpft sich nicht; nach eigenem Wunsch kann er lange genießen.
118.
yogotthābhiramoghābhirīśānībhirmahābalaḥ ||118||
Übersetzung: Dies heißt Prakamya, das die gewünschten Möglichkeiten gewährt. Mit den unfehlbaren, aus Yoga entstandenen Herrschaftskräften
119.
ājñānuvartibhirdevaiḥ pūjyate yogisaṅgharāṭ ||119||
Übersetzung: nimmt der Mächtige den ganzen als Brahma bezeichneten beweglichen und unbeweglichen Bereich ein und wirkt darin. Als König der Yogis wird er von Göttern verehrt, die seinem Befehl folgen.
120.
īśitvaṃ nāma tatproktaṃ tantre munivareśvara ||120||
Übersetzung: Er spielt mit himmlischen Frauen von schönem Verhalten und anmutiger Bewegung. Dies heißt im Tantra Ishitva, Herrschaftsmacht, bester Weiser.
121.
bhoktuṃ yogabalopeto'pyathavācchādya līlayā ||121||
Übersetzung: Mit Yogakraft vermag er die ganze Welt zu beherrschen, ungehindert zu binden und zu erfahren. Oder er verhüllt sie spielerisch,
122.
krīḍatyavikliṣṭavibhavastadvaśitvamudāhṛtam ||122||
Übersetzung: bringt andere Wesen hervor und setzt sie ein. Mit diesen ihm Gehorchenden spielt er in ungeschmälerter Fülle. Dies heißt Vashitva, Beherrschung.
123.
svecchābhilaṣitairbhogairna ca sīdati karmaṇā ||123||
Übersetzung: Wo immer der Meister sein will, ist er ungehindert. Die nach eigenem Willen gewünschten Erfahrungen belasten ihn nicht durch die Tätigkeit.
124.
śakyate yogasāmarthyānna ca kāmo'vasādyate ||124||
Übersetzung: Selbst wenn der Einsichtige sich rasch fortbewegt, können andere ihn dank seiner Yogakraft nicht niederhalten; auch sein Wunsch wird nicht vereitelt.
125.
etadaṣṭaguṇopetamaiśvaryaṃ vinayodbhavam ||125||
Übersetzung: Dies heißt in der Reihe der Kräfte Kamavasayitva, ungehinderte Bestimmung des Begehrens. Diese achtfache Herrschaftsfähigkeit entsteht durch Unterweisung.
126.
piśācānāṃ yathoddiṣṭamaṇimādiguṇāṣṭakam ||126||
Übersetzung: Bei den Göttern besteht sie auch angeboren; dies werde ich nun erläutern. Bei den Pishachas gilt die bereits genannte Achtzahl von Anima und den übrigen Kräften.
127.
svātmīyena sahaivoktaṃ caturviṃśadguṇātmakam ||127||
Übersetzung: Bei den mächtigen Rakshasas wird sie als doppelt beschrieben. Unter Hinzurechnung der eigenen Kräfte besteht bei den Yakshas
128.
dvātriṃśadguṇamātroktamaṇimādyaṣṭakaṃ punaḥ ||128||
Übersetzung: die makellose Herrschaft aus vierundzwanzig Kräften, hervorragender Weiser. Zweiunddreißig umfasst die entsprechende Achtzahl bei den Gandharvas;
129.
indrāṇāmapyathaiśvaryaṃ catvāriṃśadguṇottaram ||129||
Übersetzung: dadurch sind sie stärker als die Yakshas. Die Herrschaft der Indras wird mit vierzig Kräften angegeben.
130.
svātmīyenaujasā siddhaṃ ṣaḍaṣṭakaguṇottaram ||130||
Übersetzung: Bei den Somas umfasst dieselbe Achtzahl von Anima an, durch ihre eigene Macht vollendet, sechs Achtergruppen, also achtundvierzig Kräfte.
131.
prajāpatīnāṃ vijñeyaṃ svavīryeṇopabṛṃhitam ||131||
Übersetzung: Die Herrschaft der Prajapatis von Anima an ist mit sechsundfünfzig Kräften ausgestattet, durch ihre eigene Macht gestärkt.
132.
yenābhiṣikto viśvātmā sattvāmṛtasuśīkaraiḥ ||132||
Übersetzung: Brahmas auf Buddhi beruhende Herrschaft umfasst vierundsechzig Kräfte. Damit wird der universale Herr gleichsam durch die Nektartropfen des Sattva geweiht.
133.
aiśvaryamadamohena viṣayeṣvabhisaṃplutāḥ ||133||
Übersetzung: Er gestaltet den Weltweg, erfüllt von himmlischen Fahrzeugen und Städten. Vom Rausch der Herrschaft verblendet, sind die Wesen in den Sinnesgegenständen versunken.
134.
vinaśvareṇa siddhā ye yogena ca nareśvarāḥ ||134||
Übersetzung: Wenn das ihnen angemessene Guthaben erschöpft ist, sinken sie wieder herab. Auch Menschenherrscher, die durch vergänglichen Yoga vollendet wurden,
135.
kule mahati saṃbhogānprāpya modantyaśaṅkitāḥ ||135||
Übersetzung: fallen zurück, wenn ihre Erfahrungen erschöpft sind. Als Erfahrende erlangen sie dann etwa in einer großen Familie neue Genüsse und freuen sich sorglos.
136.
rāgeṇa kṣiptacaitanyāḥ svakarmaparivarjitāḥ ||136||
Übersetzung: Sie denken, es gebe nichts Höheres als Genuss. So sind sie verwirrt, ihr Bewusstsein ist von Begehren fortgerissen, und sie vernachlässigen ihre eigene rechte Aufgabe.
137.
pradhvastasattvabhāvena tamasātīva bhūriṇā ||137||
Übersetzung: Dann wird die Buddhi tätig, von etwas Rajas überzogen, während Sattva zurückgedrängt und Tamas überaus stark geworden ist.
138.
vivartamānā taralā hyadharmeṇātmavartinā ||138||
Übersetzung: Vom Strahl des höchsten Herrn berührt, wendet sie sich den im Schlaf des Genusses Befangenen zu. Unstet bewegt sie sich durch den in ihr entstandenen Adharma.
139.
hiṃsāto'līkabhāṣitvamasmāccauryaṃ pravartate ||139||
Übersetzung: Aus der Macht ihrer Begierde entsteht in der Seele die Neigung, andere zu bedrängen. Aus Verletzen folgen Lügen und daraus Stehlen.
140.
kāluṣyamatidaurbhāgyaṃ krodhaścāpyanivāritaḥ ||140||
Übersetzung: Ohne Scheu nähert sie sich der Frau eines anderen und dann sogar der Frau des Lehrers. Innere Trübung, großes Unglück und unbeherrschter Zorn folgen.
141.
śaucahāniśca satatamati dauḥkhyaṃ pramādataḥ ||141||
Übersetzung: Sie freut sich daran, gute Menschen zu missachten, empfindet Abneigung gegen die Lehrerfolge, vernachlässigt beständig die Reinheit und erleidet durch Unachtsamkeit großes Leid.
142.
tato'dharmeṇa puṣṭasya bhokturbhoktṛtvalīlayā ||142||
Übersetzung: Sie ist immer unaufrichtig, ihr Blick von Adharma verwirrt. Bei dem so durch Unrecht gestärkten Erfahrenden,
143.
tamasotkṛṣṭavīryeṇa niyunakti tadā paśum ||143||
Übersetzung: der sich im Erfahrendsein bewegt, drängt Maheshvara Sattva und Rajas in der Buddhi zurück. Mit der überwältigenden Kraft des Tamas verbindet er die gebundene Seele
144.
svopakārāya yatkiṃcicca syātpañcātmake matiḥ ||144||
Übersetzung: mit der Dunkelheit der Unwissenheit. Davon verblendet, erkennt sie nicht einmal, was ihr selbst nützen könnte, selbst auf der Ebene der fünf Elemente.
145.
yogajaṃ na ca guhyākhyaṃ na ca garvodbhavaṃ tathā ||145||
Übersetzung: Der von Tamas Verwirrte besitzt weder Tanmatra-Erkenntnis noch Erkenntnis aus Verbindung, weder die verborgene noch die aus Ichbehauptung entstandene Erkenntnis.
146.
gauṇasyāpi tadābhāvo na vijānāti pauruṣam ||146||
Übersetzung: Bei dem von Verwirrung Getroffenen geht auch die bestimmende Erkenntnis verloren. Guna-Erkenntnis fehlt, und auch die Purusha-Erkenntnis versteht er nicht.
147.
na virāgo'sti bhogeṣu bhūyo bhūyo'nurajyate ||147||
Übersetzung: So durch Unwissenheit und Verblendung niedergedrückt und doch voller Verlangen, entwickelt er keine Abwendung von Erfahrungen, sondern hängt immer wieder an ihnen.
148.
kāraṇeccheritā bhokturavairāgyeṇa vartate ||148||
Übersetzung: Seine mit Tamas verbundene, von etwas Begehren geprägte Buddhi wirkt, vom Willen der Ursache angeregt, im Zustand mangelnder Nichtanhaftung.
149.
ādhibhautikabhāvotthā na caivāsyādhidaivikī ||149||
Übersetzung: In der gebundenen Seele entsteht weder die aus Abscheu noch die aus eigenem Leiden gewonnene Zufriedenheit, weder die durch andere Wesen noch die durch übermenschliche Mächte veranlasste.
150.
na ca kāmodbhavā tasya kṣapikā vā mahāmune ||150||
†
Übersetzung: Auch bei Besitzlosigkeit fehlt sie; ebenso die aus Weinen entstandene Zufriedenheit. [Hier meldet die Edition eine Textlücke.] Weder die aus geschlechtlichem Begehren entstandene noch Kshapika tritt bei ihr auf, großer Weiser.
151.
bhogapaṅke nimagnasya paśorbuddhirmaheśvarāt ||151||
Übersetzung: Auch die Vaikhanasa-Zufriedenheit geht verloren, und sie bleibt stets unzufrieden. Bei der in den Schlamm des Genusses versunkenen Seele wird die Buddhi durch Maheshvara
152.
rajasodvelitenāśu tamasā pūritā satī ||152||
Übersetzung: und das Herabkommen seiner Shakti bewegt: etwas durch Sattva geöffnet, mit aufwallendem Rajas, doch ganz von Tamas erfüllt.
153.
nāṇimā laghimā vāpi mahimā ca guṇo mahān ||153||
Übersetzung: So wendet sie sich ihrer eigenen Wirkungsweise gemäß zurück. Weder Anima noch Laghima noch die große Kraft Mahima ist vorhanden.
154.
anaiśvaryabalāveśātpraṇaṣṭā prāptirasyataḥ ||154||
Übersetzung: Weder Körper noch inneres Werkzeug stehen unter der Herrschaft dieses Nicht-Yogis. Von der Macht der Ohnmacht erfasst, verliert er auch Prapti.
155.
anīśitvaṃ ca satataṃ sarvakāryeṣu jāyate ||155||
Übersetzung: Vom Gegenteil des Prakamya ergriffen, leidet der herabgesunkene Mensch. Bei all seinen Aufgaben zeigt sich mangelnde Herrschaftsfähigkeit.
156.
prāptārthasyāpyabhāvaḥ syātkiṃ punaricchābhilāṣiṇaḥ ||156||
Übersetzung: Nicht einmal über seinen eigenen Körper hat er Macht, großer Weiser. Schon das Erlangte kann ihm fehlen; wie viel mehr gilt dies für das erst noch Ersehnte!
157.
bhāvā buddhisamudbhūtāḥ krameṇaivopavarṇitāḥ ||157||
Übersetzung: So scheitert der Mensch ohne Herrschaftskraft bei allen Unternehmungen. Die aus Buddhi hervorgegangenen Zustände sind damit der Reihe nach erläutert.
158.
aiśvaryaṃ hi parā kāṣṭhā bhogino hyaparā matā ||158||
Übersetzung: Wenn dieser Zustand durch die Zeit erschöpft ist, gelangt er wieder zum Aufstieg. Herrschaftskraft ist die obere Grenze des Erfahrenden,
159.
aṣṭāraṃ varṇitaṃ yuktyā punarvakṣyāmyataḥ param ||159||
Übersetzung: Ohnmacht die untere, hervorragender Weiser. Dieses schwer zu überschreitende Rad ist begründet als achtspeichig beschrieben. Nun werde ich
160.
mūḍhasaṃjñā vidharmāṇo vidharmābhiratāḥ sadā ||160||
Übersetzung: seine Besonderheiten in Kürze erklären, bester Weiser. Die im Erkennen Verwirrten, die vom Dharma abweichen und sich stets am Falschen erfreuen,
161.
narakeṣu tatastebhyaḥ kālena bahunā mune ||161||
Übersetzung: gelangen mit unverminderter Unreinheit in große, furchtbare Höllen. Nach langer Zeit kommen sie daraus hervor, Weiser,
162.
tebhyo'pyāśayasāmarthyānnānā jātyantarairveditāḥ ||162||
†
Übersetzung: und erfahren tierische Daseinsformen, dem Willen der Ursache folgend. Durch die Kraft ihrer Prägungen durchlaufen sie weitere unterschiedliche Geburten.
163.
duḥkhitā vyādhitā mūrkhāḥ saṃkīrṇāśca bhavanti hi ||163||
Übersetzung: Gelangen sie zum Menschsein, sind sie nach dieser Darstellung bedrängt, arm, leidend, krank, unwissend oder in schwierigen Verhältnissen geboren.
164.
bhavanti dharmiṇaḥ śūrāḥ prāktanānukrameṇa tu ||164||
Übersetzung: Wenn so Tausende von Geburten vergangen sind, werden sie irgendwann entsprechend der Folge ihres früheren Wirkens rechtschaffen und tatkräftig.
165.
aṣṭārasya ca cakrasya nāntaṃ paśyanti duḥkhitāḥ ||165||
Übersetzung: Von den Prägungen ihres eigenen Handelns umhergetrieben, sehen die leidenden Seelen kein Ende dieses achtspeichigen Rades.
Übersetzung: Matanga sprach:
166.
sa badhnāti ratiṃ tatra nārto bhoktumarhati ||166||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Welche Geburt jemand auch kraft seines Karmas erlangt, Maheshvara, er entwickelt Zuneigung zu ihr; er will sie nicht als reines Leiden erfahren.
167.
anenaiva śarīreṇa ciraṃ jīvitumicchati ||167||
Übersetzung: Jeweils hält er sie für freudvoll und möchte gerade mit diesem Körper lange leben.
168.
tasmādevaṃ na tadduḥkhaṃ sarvameva sukhaṃ sadā ||168||
Übersetzung: Darum bemüht er sich tätig, seinen Körper zu schützen. Folglich wäre dies kein Leid, sondern stets Freude.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
169.
prāktanāṃ rakṣaṇe vipra tatsukhaṃ pratipadyase ||169||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Selbst in einer Hundegestalt besteht bei den von Verblendung Gehemmten der Entschluss, das bisherige Leben zu bewahren. Nennst du das schon Freude, Brahmane?
170.
sarvāparādhajaṃ tasya tasmādapyaparaṃ mahat ||170||
Übersetzung: Hältst du Hunger, Durst und Ähnliches nicht für großes Leid? Hinzu kommt weiteres schweres Leid aus den Verfehlungen und Zusammenstößen des Lebens.
171.
tadduḥkhaṃ mṛdyamānasya pucchacchedādikaṃ ca yat ||171||
Übersetzung: Um Nahrung oder Paarung willen wird das Tier von seinesgleichen verletzt. Es leidet unter Schlägen und etwa unter dem Abschneiden des Schwanzes.
172.
kiṃ punaḥ kuntakhaḍgādyairbhidyamānasya yadbhavet ||172||
Übersetzung: Schon ein Dornstich verursacht heftigen Schmerz. Wie viel mehr entsteht, wenn jemand von Speer, Schwert oder Ähnlichem verwundet wird!
173.
yantribaddhaṃ tadaṣṭābhiḥ śarīraṃ hi śarīriṇaḥ ||173||
Übersetzung: Wozu viele Worte? Höre nun aufmerksam: Der Körper des Verkörperten ist wie eine Vorrichtung durch diese acht Zustände gebunden.
174.
gṛhītamātmabhāvena duḥkhānāmālayaṃ param ||174||
Übersetzung: Aus den Reihen der Prakriti gebildet, wird er durch die eigene Auffassung der Seele als Selbst angenommen, obwohl er eine große Stätte des Leidens ist.
175.
tamaḥśaktibalāveśādanātmanyātmabhāvataḥ ||175||
Übersetzung: Darum vermag der Leidende trotz Bedrängnis die Bindung daran nicht aufzugeben. Die Macht der verdunkelnden Shakti lässt ihn im Nichtselbst das Selbst sehen.
176.
ratiṃ badhnāti vipulāṃ nātaḥ parataraṃ sukham ||176||
Übersetzung: Wer dagegen Anima und die weiteren Kräfte erlangt und Herrschaft gewonnen hat, entwickelt große Zuneigung dazu und denkt: Es gibt keine höhere Freude als diese.
177.
śabdādiviṣayānbhoktumudyatasyābhilāṣiṇaḥ ||177||
Übersetzung: Auch er ist von der verblendenden Kraft des höchsten Herrn erfasst. Wenn ein begehrender Mensch Klang und die übrigen Sinnesgegenstände genießen will,
178.
tatsādhane parotsāhaḥ svargo'pyapsarasaḥ śubhāḥ ||178||
Übersetzung: entsteht plötzlich Vertrauen, sobald er durch Hören von einem entsprechenden Weg erfährt. Eifrig bemüht er sich um dessen Verwirklichung: Ich werde im Himmel die schönen Apsaras genießen!
179.
mahāmohakarī patyuḥ śaktistaṃ prati sarpitā ||179||
Übersetzung: Darauf richtet sich sein Geist; dies gilt ihm als höchste Erfüllung seiner Askese. Ihm gegenüber entfaltet sich die große Verblendung stiftende Shakti des Herrn.
180.
dhāraṇābhiḥ sukhinnasya vyajyate vā parairbalāt ||180||
Übersetzung: Durch schwere Askese, lange Übung und anstrengende Dharanas kann sich Yogakraft zeigen; oder die mühsam erlangte Kraft
181.
tāmisraśaktivaśago na ca prāṇānparityajet ||181||
Übersetzung: wird durch andere gewaltsam beeinträchtigt. Dieses Leid ist überaus hart. Unter der Macht der Tamisra-Shakti hält er dennoch am Leben fest.
182.
athavāṣṭaguṇopetamaiśvaryaṃ prāpya bhogabhuk ||182||
Übersetzung: Von der Kraft der Hoffnung ganz umhüllt, erblickt er die ersehnte Herrschaft nicht. Oder er erlangt die achtfache Herrschaft und findet als Erfahrender
183.
tasmādviyujyate bhogādvinaṣṭo'smīti ca dhruvam ||183||
Übersetzung: plötzlich Zufriedenheit, bis er ihren Verfall sieht. Wird er von diesem Genuss getrennt, denkt er bestimmt: Ich bin zugrunde gegangen!
184.
kleśena mahatā prāptaṃ bhokṣya ityudyatasya yat ||184||
†
Übersetzung: Auch ein gelehrter Asket kann vom Verlangen nach Erfahrung überwältigt werden. Was er mit großer Mühe erlangt hat, will er genießen.
185.
kṛtaṃ tadandhatāmisraṃ prabhāveṇa balīyasā ||185||
Übersetzung: Wird es ihm genommen, entsteht unerwünschtes Leid. Wodurch geschieht dies? Durch die starke Macht des Andhatamisra, der blinden Finsternis.
186.
śaktī rodhayituṃ śaktā necchantamapi pudgalam ||186||
Übersetzung: Die hemmende Shakti des großen Herrn vermag, an die Karma-Prägung anknüpfend, die individuelle Seele festzuhalten, auch gegen ihren Willen.
187.
kaściddākṣiṇyasāmarthyājjānannapi hi dhāryate ||187||
Übersetzung: Einer wird durch Verlangen nach Genuss gehalten, ein anderer durch Zuneigung, ein weiterer durch Rücksichtnahme, obwohl er es besser weiß.
188.
kaścitkāraṇavaikalyāddhāryate ca jagatsadā ||188||
Übersetzung: Einer wird durch unwissende Verblendung, ein anderer durch zeitliche Umstände, ein weiterer durch das Fehlen nötiger Mittel festgehalten. So wird die Welt beständig gebunden,
189.
prasādaṃ muniśārdūla evaṃ me niścitā matiḥ ||189||
Übersetzung: bis zur Erlangung der Stätte des höchsten Heils, außer durch die eine Gnade des höchsten Herrn, hervorragender Weiser. Dies ist meine feste Auffassung.
190.
vīryeṇātyulbaṇeyaṃ jagadidamakhilaṃ bhāvayantyātmavṛttyā |
seyaṃ saṃkṣepayuktyā vivṛtaguṇagaṇākīrṇasaṃpadvibhaktā
Übersetzung: Die aus den Gunas bestehende Buddhi trägt die Fülle der Entfaltungen dieser drei Kräfte. Überaus mächtig prägt sie durch ihre eigene Tätigkeit die ganze Welt. So ist sie in Kürze mit ihren offenbarten Eigenschaften und ihrer gegliederten Fülle erklärt. Als Nächstes ist Ahamkara nach der Reihenfolge seiner eigenen Entfaltung darzustellen.
Vidyāpāda, Kapitel 18
Übersetzung: Die siebzehn Tattvas von Ahamkara an
1.
svabhāvo'dhyavasāyākhyaḥ prakṛtiḥ socyate yataḥ ||1||
Übersetzung: Nun zur Veränderung der Buddhi, die sich von ihrer eigenen Grundfunktion unterscheidet. Diese Grundfunktion heißt bestimmendes Erkennen und bildet hier die hervorbringende Grundlage.
2.
svasūterucyate yoniḥ kāraṇaṃ tattvasaṅgharāṭ ||2||
†
Übersetzung: Die Veränderung heißt Ichzuschreibung. Dieses Tattva wird als Ursprung seiner eigenen Hervorbringungen, als Ursache und Führer einer Tattva-Gruppe bezeichnet.
3.
sa tridhā bhedamāpanno yasmādguṇamayo mahān ||3||
Übersetzung: Mit seiner starken Selbstbehauptung entfaltet es die ganze Welt. Weil es aus den Gunas besteht, nimmt es drei unterschiedliche Formen an.
4.
svarūpaṃ dharmiṇastasya dharmo vṛttaṃ svakaṃ dhruvam ||4||
Übersetzung: Es geht aus Mahat hervor. Nun wird sein Wesen anhand seiner Wirkungsweisen erklärt; denn die jeweilige beständige Tätigkeit ist die Eigenschaft ihres Trägers.
5.
pañcadhā sa tu vijñeyastantre'sminkāraṇodite ||5||
Übersetzung: Die Vorstellung „Ich“, die in allen Wesen besteht, ist in diesem von der Ursache gelehrten Tantra zunächst als fünffach zu verstehen.
6.
tasyāḥ kamalanetrāyāḥ spraṣṭavyaṃ stanayugmakam ||6||
Übersetzung: Ich bin der Hörende; ich muss diesen Gesang aufmerksam hören. Ich muss die beiden Brüste jener Lotosäugigen berühren.
7.
draṣṭāhamiti bhāvena draṣṭavyendumukhī mayā ||7||
Übersetzung: Ich bin der Berührende; wer außer mir wäre fähig, sie zu umarmen? Mit dem Gedanken „Ich bin der Sehende“ meint er: Ich muss die Mondgesichtige sehen.
8.
yataḥ svādayitātyantamahameva kimadbhutam ||8||
Übersetzung: Den Geschmack dieser Anmutigen muss ich ohne Mühe kosten; denn ich allein bin der Kostende. Was wäre daran erstaunlich?
9.
āghreyaḥ sa kimāścaryaṃ yato jighrāmi tāṃ tvaham ||9||
Übersetzung: Den nach blauem Lotos duftenden Atem der Schlanken muss ich jetzt riechen. Was wäre daran erstaunlich, da ich es bin, der sie riecht?
10.
vaktavyamiti tatraikamādeyamaparaṃ mune ||10||
Übersetzung: Eine weitere Fünfergruppe bildet seine Tätigkeit: Zuerst das Sprechen, als Zweites das Ergreifen, Weiser.
11.
tathānandayitavyaṃ syātpañcamīyaṃ kriyā matā ||11||
Übersetzung: Als Drittes folgt das Gehen, danach das Ausscheiden; die fünfte Tätigkeit ist das Hervorbringen geschlechtlicher Freude.
12.
lakṣyate muniśārdūla vṛttairebhiḥ svakaiḥ svakaiḥ ||12||
Übersetzung: Die im Erfahrenden erschlossene Wirklichkeit des Erkennens und Handelns wird an diesen jeweiligen Tätigkeiten erkannt, hervorragender Weiser.
13.
sattvenonmīlitā kṣipraṃ rajaścāśritya vegataḥ ||13||
Übersetzung: Durch die Verbindung mit Ahamkara entfaltet sich seine Erkenntnisfähigkeit. Sattva öffnet sie rasch; auf Rajas gestützt wird sie tätig.
14.
kriyāsattā tathaiva syādvāgādibhiraninditā ||14||
Übersetzung: Nachdem sie Klang und die übrigen Gegenstände ergriffen hat, tritt sie durch Tamas zurück. Ebenso verhält es sich mit der Handlungsfähigkeit durch Sprache und die übrigen Organe.
15.
vikaroti munivyāghra kartṛtvena yaśasvinī ||15||
Übersetzung: Durch die Verbindung mit der Grundlage der Gunas entfaltet sich diese Kraft gemeinsam mit Ahamkara als eigenes Handeln, hervorragender Weiser.
16.
maddattaṃ pratigṛhṇīṣva mataḥ śīghrataro mṛgaḥ ||16||
Übersetzung: Durch mich ist diese Königin begünstigt; mir gehört diese große Stadt. Nimm das von mir Gegebene! Das Wild ist schneller als ich.
17.
tuṣṭe mayi na bhetavyaṃ nāhaṃ gacchāmi sāgaram ||17||
Übersetzung: Jemand erkennt mich. Ich habe nichts; mein Geist ist entschlossen. Wenn ich zufrieden bin, braucht man sich nicht zu fürchten. Ich gehe nicht zum Meer.
18.
sattvenāpūritasyāsya vyajyate nirmalaṃ manaḥ ||18||
Übersetzung: Uns gehören die weiten Gewänder. Damit ist eine achtfache Ausdrucksweise der Ichbezüge gemeint. Ist Ahamkara von Sattva erfüllt, tritt aus ihm der klare Geist hervor.
19.
vispaṣṭaṃ śabdaviṣayaṃ śrotravṛttamudāhṛtam ||19||
Übersetzung: Aus der Ichbildung entsteht auch die Fähigkeit im Umgang mit den Sinnesgegenständen. Als Tätigkeit des Gehörs wird die deutliche Erfassung des Klanges bezeichnet.
20.
pāṭavaṃ svādane jñeyaṃ jihvāyā vṛttameva tat ||20||
Übersetzung: Die Tätigkeit der Haut ist Berührung, die des Auges Sehen. Die Fähigkeit zu schmecken ist die Tätigkeit der Zunge.
21.
jñānaśaktibalopetaṃ pāṭavaṃ syātsvakaṃ svakam ||21||
Übersetzung: Die Tätigkeit der Nase ist Riechen. Diese reine Fünfergruppe besitzt jeweils ihre eigene Fähigkeit, gestärkt durch die Erkenntnis-Shakti.
22.
gamanaṃ pādayorjñeyaṃ pāyorutsarjanaṃ matam ||22||
Übersetzung: Die Fähigkeit der Sprache ist Sprechen, die der Hände Geben und Nehmen. Den Füßen kommt das Gehen zu, dem After das Ausscheiden.
23.
kriyāśaktibalopetaṃ pañcakaṃ syātsunirmalam ||23||
Übersetzung: Die eigene Tätigkeit des Geschlechtsorgans ist die Lust. Diese reine Fünfergruppe ist von der Handlungs-Shakti gestärkt.
24.
bhokturjñānakriyāsattā prasuptā caiva lakṣyate ||24||
Übersetzung: Wenn die Erkenntnis- und Handlungsfähigkeit des Erfahrenden ganz von Tamas bedeckt ist und Sattva wie Rajas zurückgetreten sind, erscheint sie eingeschlafen.
25.
citte līnaṃ karotyantarduḥkhamāśayajaṃ paśoḥ ||25||
Übersetzung: Dann liegt die Macht der Ichbildung allmählich mit ihren Werkzeugen im Geist verborgen und bringt der Seele inneres, aus ihren Prägungen entstandenes Leid.
26.
manaso'pāṭavaṃ mauḍhyaṃ saṃkalpasyāpyapāṭavam ||26||
Übersetzung: Dies ist Ashakti, Unvermögen. Ich werde ihre Kennzeichen beschreiben: Die Ungeschicklichkeit des Geistes ist Verwirrung, ebenso das Unvermögen, Vorstellungen zu bilden.
27.
śeṣo yaḥ parivāro'sya so'timūḍhatarastadā ||27||
Übersetzung: Weil Tamas diese Fähigkeit zerstört, ist der Führer verwirrt. Dann ist auch sein übriges Gefolge noch stärker verwirrt.
28.
bhoktavyaṃ bhoginā yasmāttasmātsarvaṃ na sarvadā ||28||
Übersetzung: Doch kraft der eigenen Prägung muss der Erfahrende jeweils nur den zur rechten Zeit auftretenden Anteil erfahren. Darum tritt nicht immer alles zugleich auf.
29.
apāṭavamaśaktyāhustato vakṣyāmyataḥ param ||29||
Übersetzung: Nicht überall ist alles vorhanden: Manchmal zeigt sich etwas Einzelnes, manchmal die ganze Gruppe. Dieses Unvermögen heißt Ashakti; ich werde es weiter erklären.
30.
rajaḥ praṇaṣṭasattvaṃ syādatiriktaṃ tamo'khilam ||30||
Übersetzung: Wenn die Strahlen der Shakti Shivas die Entwicklung in Bewegung setzen, können Rajas und Sattva zurücktreten, während Tamas völlig überwiegt.
31.
pravartate munivyāghra hatavyāpāragocaraḥ ||31||
Übersetzung: Dann ist die gesamte Schar der Werkzeuge in ihrem Tätigkeitsbereich gehemmt und erfüllt ihre eigenen Aufgaben nicht, hervorragender Weiser.
32.
jāyate cakṣuṣo'ndhatvaṃ jihvāyā jaḍatā tathā ||32||
Übersetzung: Beim Gehör entsteht Taubheit, bei der Haut eine schwere Funktionsstörung; beim Auge Blindheit und bei der Zunge Unempfindlichkeit.
33.
kuṇitvaṃ hastayorjñeyaṃ pādayoḥ paṅgutā tathā ||33||
Übersetzung: Beim Geruchssinn entsteht Unfähigkeit zu riechen, beim Sprechorgan Stummheit, bei den Händen Verkrümmung und bei den Füßen Lähmung.
34.
klaibyameṣā pravaktavyā hyaśaktirmunipuṅgava ||34||
†
Übersetzung: Beim After wird ein gestörter, rückläufiger Ausscheidungsvorgang beschrieben, beim Geschlechtsorgan Impotenz. Dies ist als Unvermögen zu erläutern, bester Weiser.
35.
tamasotkaṭavīryeṇa yogena kamalātmanaḥ ||35||
Übersetzung: Bei den unbeweglichen Lebewesen ist diese Hemmung umfassend vorhanden. Durch den von besonders starkem Tamas bestimmten Yoga des Lotosgeborenen
36.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: entstanden sie zuerst, als er schaffen wollte; darum heißen sie die ursprüngliche Schöpfung. Der Einwand lautet: Manche nennen Pflanzen bewusst, andere unbewusst. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
37.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Zerschneide diesen Zweifelkeim mit dem Schwert der Erkenntnis, Herr! Die Antwort lautet: Bäume und Pflanzen sind mit jahreszeitlichen Zuständen verbunden.
38.
mriyante ca nirāhārāstaravo mūḍhaśaktayaḥ ||38||
Übersetzung: Zu ihrer Ernährung trinken sie aus eigenem Bedürfnis Wasser aus der Erde. Ohne Nahrung sterben diese Bäume, deren Kräfte gehemmt sind.
39.
lakṣyante cetanā vṛkṣā dravyalobhācca sādaram ||39||
Übersetzung: Bewegliche und unbewegliche Wesen unterstützen einander. Auch wegen ihres Strebens nach Nährstoffen werden Bäume hier als bewusste Wesen erkannt.
40.
pradhvastaśaktayastasmālluptasaṃjñā nirindriyāḥ ||40||
Übersetzung: Doch bei ihnen zeigen sich Schlussfolgerung und Ichbehauptung nicht in derselben Weise. Ihre Kräfte sind zurückgedrängt; Wahrnehmung und Sinnestätigkeit sind verborgen.
41.
anumānaṃ na sarvatra jaṅgameṣvapi dṛśyate ||41||
Übersetzung: Nach dieser Lehre sind sie von schwerem Karma getroffen und ihr Bewusstsein ist stark verhüllt. Auch bei beweglichen Wesen wird Schlussfolgerungsvermögen nicht überall beobachtet.
42.
na ca saṃdṛśyate jñānaṃ tasmādaniyamo hyayam ||42||
Übersetzung: Von Brahma bis zu den unbeweglichen Wesen ist Erkenntnis nicht überall im gleichen Maß sichtbar. Darum kann ihr Fehlen nicht nach einer einheitlichen äußeren Regel behauptet werden.
43.
vaikārikastaijasaśca bhūtādiriti caiva hi ||43||
Übersetzung: Die Tattva-Eigenschaft Ahamkaras ist dreifach, du mit den guten Gelübden: Vaikarika, Taijasa und Bhutadi.
44.
rajasā bhūrisaṃvṛktastaijasaḥ parikīrtitaḥ ||44||
Übersetzung: Mit vorherrschendem Sattva besteht die Ichbildung als Vaikarika. Ist sie reichlich mit Rajas verbunden, heißt sie Taijasa.
45.
rajastamobhyāmākramya balaṃ samyak pravartate ||45||
Übersetzung: Bhutadi besitzt vorherrschendes Tamas. Ich werde ihre Tätigkeiten erklären. Wenn die Kraft des Sattva Rajas und Tamas überwindet, tritt sie voll in Wirksamkeit.
46.
vaikāriko'kṣasenāyāḥ kāraṇaṃ yonirucyate ||46||
Übersetzung: Mit einem geringen Anteil Rajas entfaltet Vaikarika seine eigenen makellosen Veränderungen. Er wird als Ursache und Ursprung der Schar der Sinnesorgane bezeichnet.
47.
tamobalaṃ samākramya yathāvanmunipuṅgava ||47||
Übersetzung: Als Ursprung der Tanmatras wird Ahamkara wirksam, wenn die Macht des Tamas ordnungsgemäß hervortritt, bester Weiser.
48.
anyonyajanakāstvete jagatyasminsitāsite ||48||
Übersetzung: Rajas wirkt dabei mit Sattva beziehungsweise mit einem Antrieb durch Tamas zusammen. So bringen diese Gunas in der reinen und unreinen Welt wechselseitig die Erscheinungen hervor.
49.
saṃkṣubdhaḥ kāraṇecchāto yadā garvastu sāttvikaḥ ||49||
Übersetzung: Die gesamte bewegliche und unbewegliche Welt besteht aus dieser Wechselwirkung der Gunas. Wenn die sattvische Ichbildung durch den Willen der Ursache erregt wird,
50.
mithunājjāyate garvānmanaścaivobhayātmakam ||50||
Übersetzung: nimmt sie die beiden anderen Anteile hinzu und wird in einer Verbindung tätig. Aus dieser verbundenen Ichbildung entsteht der Geist mit seiner doppelten Natur.
51.
saṃkalpena sarāgeṇa sphuraddhairyeṇa vegavat ||51||
Übersetzung: Am Geist sind zwei Wirkungsrichtungen erwiesen: eine reine und eine unreine. Durch begehrende Vorstellung, mit aufblitzender Entschlossenheit und rascher Bewegung,
52.
arthena saha saṃyojya sarāgaṃ ca nivartate ||52||
Übersetzung: führt er ein Sinnesorgan auf dessen Weg hinaus, treibt es an, verbindet es mit seinem Gegenstand und kehrt mit Anhaftung zurück.
53.
tayā saṃyujyate yogī pare saṃkalpitātmavān ||53||
Übersetzung: Der von Raga freie Zustand des Geistes dagegen ist vollkommen klar. Durch ihn verbindet sich der Yogi, dessen Vorstellung darauf gerichtet ist, mit dem Höchsten.
54.
yena saṃkalpya saṃkalpya lakṣyamabhyāsato bhavet ||54||
Übersetzung: Eine weitere Unterscheidung von rein und unrein betrifft die Verwirklichung himmlischer Fähigkeiten: Durch wiederholte Vorstellung nähert man sich dem Ziel in der Übung.
55.
yenātmavartinā nityamabhimānena garvitaḥ ||55||
Übersetzung: Der Geist steht der Ichbildung näher als die Sinnesorgane. Durch die in ihm bestehende Selbstzuschreibung ist der Mensch von Ichbehauptung erfüllt.
56.
śrotraṃ śravaṇadharmitvātpratigṛhṇāti svocitam ||56||
Übersetzung: Nun zur Entstehung der Erkenntnissinne, durch die der Erfahrende erkennt. Das Gehör besitzt die Eigenschaft des Hörens und ergreift den ihm entsprechenden
57.
tadadhyātmamiti khyātaṃ śrotavyamadhibhūtatā ||57||
Übersetzung: Gegenstand, den Klang, sei er artikuliert oder unartikuliert. Das Gehör heißt hier der innere Aspekt, Adhyatma; das Hörbare der gegenständliche Aspekt, Adhibhuta.
58.
tvagindriyamathotpannaṃ sparśo'sya ca mahāmune ||58||
Übersetzung: Als zugeordnete Gottheiten hat die Ursache hier die Himmelsrichtungen eingesetzt. Danach entsteht der Hautsinn; sein Gegenstand ist Berührung, großer Weiser.
59.
tvagindriyaṃ cāpyadhyātmaṃ spraṣṭavyamadhibhūtatā ||59||
Übersetzung: Kalt und warm, weich und rau sind seine Gegenstände. Der Hautsinn ist der innere Aspekt, das Berührbare der gegenständliche.
60.
tasmādvaikārikādgarvādutpannaṃ cakṣurindriyam ||60||
Übersetzung: Seine zugeordnete Gottheit ist der mächtige Wind, Matarishvan. Aus der Vaikarika-Ichbildung entsteht sodann das Auge.
61.
cakṣuradhyātmamevaṃ syāddraṣṭavyamadhibhūtatā ||61||
Übersetzung: Sein Gegenstand ist die sichtbare Form nach Farbe, Gestalt und Größe. Das Auge ist der innere Aspekt, das Sichtbare der gegenständliche.
62.
jihvendriyamatho vyaktaṃ viṣayo'sya rasaḥ sadā ||62||
Übersetzung: Die Sonne wird in diesem Tantra des höchsten Herrn als seine Gottheit bezeichnet. Dann tritt die Zunge hervor; ihr Gegenstand ist der Geschmack.
63.
adhyātmaṃ rasanaṃ proktamāsvādyamādhibhautikam ||63||
Übersetzung: Sie erfasst scharf, sauer, salzig und die weiteren Geschmacksarten. Das Geschmacksorgan ist der innere Aspekt, das Schmeckbare der gegenständliche.
64.
ghrāṇamindriyamityuktaṃ gandho'sya viṣayaḥ sadā ||64||
Übersetzung: Als seine Gottheit ist der Herr des Wassers zu erkennen. Ferner wird die Nase als Sinnesorgan beschrieben; ihr Gegenstand ist stets Geruch.
65.
kvacitsurabhirāhlādī yathāvatpratigṛhyate ||65||
Übersetzung: Sie nimmt entsprechend seiner Beschaffenheit üblen, stechenden oder starken Geruch wahr, andernorts wohlriechenden und erfreulichen.
66.
pṛthivī devatā tatra boddhavyā śāstracintakaiḥ ||66||
Übersetzung: Die Nase ist der innere Aspekt, das Riechbare der gegenständliche. Wer die Lehre betrachtet, soll die Erde als die hier zugeordnete Gottheit erkennen.
67.
na jānantyucitātsvārthādvṛttamanyatamaṃ kvacit ||67||
Übersetzung: Die Sinnesmächte nehmen jeweils ihre eigene Tätigkeit auf. Über ihren angemessenen Gegenstand hinaus erkennen sie keine andere Tätigkeit.
68.
tasmādvaikārikādeva garvātkarmendriyāṇyapi ||68||
Übersetzung: Dem Erfahrenden aber zeigen sie zusammen das Ganze; darum ist er von ihnen verschieden. Aus derselben Vaikarika-Ichbildung treten auch die Handlungsorgane hervor.
69.
vāgindriyamiti khyātaṃ vaktavyeti kriyā matā ||69||
Übersetzung: Dies geschieht durch die Erregung der schöpferisch wirkenden Ursache. Das Sprechorgan ist als solches bekannt; seine Tätigkeit ist Sprechen.
70.
vidhistutijugupsārthairvikāraiḥ pravibhidyate ||70||
Übersetzung: Durch Laute, Wörter und Sätze wird anderen etwas mitgeteilt. Diese Tätigkeit gliedert sich nach Anweisung, Lob, Tadel und weiteren Bedeutungsweisen.
71.
devatā hutabhuk proktā sā ca vāyusamīraṇāt ||71||
Übersetzung: Das Sprechorgan ist der innere Aspekt, das Auszusprechende der gegenständliche. Die Gottheit ist das Feuer. Vom Atem angeregt,
72.
samutthā yā tu jihvāgre vyaktībhāvamupaiti hi ||72||
Übersetzung: steigt die Rede vom Nabel auf und wird durch das Zusammenwirken von Mund, Herzraum, Kehle, Gaumen und Lippen an der Zungenspitze offenbar.
73.
hastāvadhyātmamuddiṣṭamādānādhibhautikam ||73||
Übersetzung: Die Hände werden als Handlungsorgan bezeichnet; ihre Tätigkeit ist Geben, Nehmen und Ähnliches. Die Hände sind der innere Aspekt, das Ergreifen der gegenständliche.
74.
pādāvevākṣamityuktaṃ taccādhyātmaṃ mahāmune ||74||
Übersetzung: Indra ist die von Shiva, dem Dreizackträger, eingesetzte Gottheit, Brahmane. Die Füße bilden ebenfalls ein Organ und sind dessen innerer Aspekt, großer Weiser.
75.
keśavādhiṣṭhitaṃ tacca sa ca prokto'dhidevatā ||75||
Übersetzung: Die gegenständliche Tätigkeit ist hier Gehen und Ähnliches. Keshava trägt sie und wird als ihre Gottheit bezeichnet.
76.
adhyātmaṃ pāyurityuktamutsargaścādhibhautikaḥ ||76||
Übersetzung: Der After ist ein Handlungsorgan; seine Tätigkeit heißt Ausscheiden. Der After ist der innere Aspekt, das Ausscheiden der gegenständliche.
77.
upasthaṃ pañcamaṃ proktamindriyaṃ sṛṣṭikāraṇam ||77||
Übersetzung: Mitra wird als Gottheit des Afters genannt, bester Weiser. Als fünftes Organ wird das Geschlechtsorgan bezeichnet, Ursache der Fortpflanzung.
78.
upasthendriyamadhyātmamānandaścādhibhautikaḥ ||78||
Übersetzung: Seine Tätigkeit ist die Lust; so habe ich seine Wirkungsweise erklärt. Das Geschlechtsorgan ist der innere Aspekt, die Lust der gegenständliche.
79.
indriyāṇi daśaikaṃ ca vartanaṃ samudāhṛtam ||79||
Übersetzung: Prajapati ist hier als zugeordnete Gottheit zu erkennen. Damit sind die zehn Organe und das elfte, der Geist, in ihrem Wirken beschrieben.
80.
viṣayastasya saṃkalpaḥ somaścāsyādhidevatā ||80||
Übersetzung: Der zuvor genannte Geist besitzt beide Naturen. Sein Gegenstand ist die Vorstellung, und Soma ist seine zugeordnete Gottheit.
81.
bahiḥ karaṇabhāvena svocitena yataḥ sadā ||81||
Übersetzung: Dieser Geist hat einen zweifachen Wirkungsbereich und vermittelt dem Erfahrenden seine Erfahrungen. Einerseits wirkt er in der ihm angemessenen äußeren Werkzeugfunktion.
82.
karotyantaḥsthitaṃ bhūyastato'ntaḥkaraṇaṃ manaḥ ||82||
Übersetzung: Andererseits verinnerlicht er durch seine eigene Vorstellung die Leistungsfähigkeit der Sinne. Darum gehört Manas zum inneren Organ.
83.
bhūtyai bhūtanāthena nirmitaṃ karaṇaṃ tridhā ||83||
Übersetzung: Manas, Ahamkara und Buddhi bilden stets das Tor der Seele. Dieses dreifache Werkzeug hat der Herr der Wesen zu ihrer Erfahrung geschaffen.
84.
ādhibhautikamevoktaṃ rudrastasyādhidevatā ||84||
Übersetzung: Ahamkara ist der innere Aspekt, seine eigene Ichzuschreibung der gegenständliche; Rudra ist seine zugeordnete Gottheit.
85.
boddhavyamadhibhūtākhyaṃ tatra brahmādhidevatā ||85||
Übersetzung: Buddhi besteht ihrer eigenen Natur nach als innerer Aspekt. Das zu Erkennende heißt ihr gegenständlicher Aspekt, Brahma ihre zugeordnete Gottheit.
86.
yadantaḥkaraṇaṃ nāma trikālaviṣayaṃ matam ||86||
Übersetzung: Dieses innere Organ ist als Tor des Erfahrenden zur Aufnahme äußerer Gegenstände beschrieben. Sein Bereich umfasst die drei Zeiten.
87.
bhoktuḥ smārayituṃ śaktamāśayaṃ pratyayātmakam ||87||
Übersetzung: Denn es vermag dem Erfahrenden die seit langer Zeit angesammelten vorstellungsartigen Prägungen wieder ins Gedächtnis zu rufen.
88.
vartamānaṃ bahirdevāḥ preritā manasā yadā ||88||
Übersetzung: Es erfasst Gegenwärtiges, Vergangenes und durch Schlussfolgerung Künftiges. Die äußeren Sinnesmächte dagegen erfassen das Gegenwärtige, wenn der Geist sie antreibt.
89.
vikāsaḥ sattvasāmarthyātpravṛttiśca rajomayī ||89||
Übersetzung: Dann ergreifen sie ohne Mühe den jeweils auf sie zukommenden passenden Gegenstand. Ihre Öffnung geschieht durch Sattva, ihre Tätigkeit durch Rajas.
90.
gṛhīto'rtho'bhimānena khyātiradhyavasāyinī ||90||
Übersetzung: Die Rückkehr nach dem Ergreifen wird Tamas zugeschrieben. Der ergriffene Gegenstand wird durch die Ichzuschreibung angeeignet; die bestimmende Erkenntnis
91.
ityeṣo'nukramaḥ prokto bhokturbhogapravṛttaye ||91||
Übersetzung: meldet ihn der Vidya, und durch Vidya erkennt der Purusha. Dies ist die Reihenfolge, durch die der Erfahrende zu Erfahrung gelangt.
92.
devāścāpyavikurvāṇā boddhāro buddhisaṃjñakāḥ ||92||
Übersetzung: Er wird als Empfänger der zurückgebrachten Gegenstände bezeichnet. Die als Erkenntnissinne bezeichneten Mächte erkennen, ohne selbst eine gröbere Handlung auszuführen.
93.
karmākhyāḥ karmaniratāḥ kartuḥ kāraṇasainikāḥ ||93||
Übersetzung: Die Handlungskräfte treten dagegen, vom Geist entworfen, aus ihrer Ruhestellung heraus. Als Werkzeugschar des Handelnden sind sie ganz auf Tätigkeit gerichtet.
94.
udyatasyāpyekasminnarthe vyākulatāṃ yayuḥ ||94||
Übersetzung: Sie sind im Zusammenwirken verbunden. Wenn der Begehrende sich einem Gegenstand zuwendet, werden sie dafür gemeinsam in Bewegung gesetzt.
95.
vikṛṣṭaṃ buddhidevānāṃ saṃnikṛṣṭaṃ kriyātmanām ||95||
Übersetzung: Durch ihre Vereinigung erfüllen sie den Zweck eines Einzigen, großer Weiser. Die Erkenntnissinne erschließen Fernes, die Handlungsorgane wirken am Nahen.
96.
yeṣāṃ nātmeti vacanaṃ teṣāmabhyuditaḥ kramaḥ ||96||
Übersetzung: Dies gelingt durch ihr wechselseitiges Zusammenwirken, nicht anders. Auch gegenüber denen, die kein Selbst anerkennen, ist diese Reihenfolge dargelegt.
97.
samastaṃ yasya tajjñātuḥ so'sminnāstyasphuṭaṃ vacaḥ ||97||
Übersetzung: Jedes Organ hat nur seine jeweils eigene Erkenntnis. Dass es keinen Erkennenden geben solle, dem dieses Ganze gehört, ist deshalb keine klare Aussage.
98.
tamasotkaṭavīryeṇa yathā sattvaṃ rajastathā ||98||
Übersetzung: Aus der Bhutadi-Form des Ahamkara entstehen die Tanmatras. Durch die übermächtige Kraft des Tamas werden Sattva und Rajas zurückgedrängt.
99.
leśānuviddhaṃ rajasā tamastatra vijṛmbhate ||99||
Übersetzung: Aus ihrem Zusammentreffen entsteht eine Verbindung, in der Tamas, nur wenig von Rajas durchdrungen, sich ausbreitet.
100.
karaṇasthitaye siddhaṃ yadāśritya viceṣṭate ||100||
Übersetzung: Darum wird das Hervorgehende kein Erkenntniswerkzeug, sondern wegen seiner Unbewusstheit ein bewirkter Gegenstand. Es dient als Grundlage, auf die gestützt die Werkzeuge tätig sind.
101.
vaktavyaṃ te munivyāghra purastātsuvicārya tu ||101||
Übersetzung: Zuerst entsteht das Klang-Tanmatra, fein und nicht unmittelbar wahrnehmbar. Ich werde es dir später nach sorgfältiger Betrachtung erläutern, hervorragender Weiser.
102.
ato'nyatsparśatanmātraṃ kiṃcicchabdasamanvitam ||102||
Übersetzung: Das Wort Tanmatra bedeutet „nur dieses“ und schließt die übrigen Gegenstände aus. Danach folgt das Berührungs-Tanmatra, mit einem Anteil Klang verbunden.
103.
tato'nyadrasatanmātraṃ prāguktatritayānvitam ||103||
Übersetzung: Ebenso ist das Form-Tanmatra mit Klang und Berührung verbunden. Darauf folgt das Geschmacks-Tanmatra mit den drei zuvor genannten.
104.
tanmātrāṇyatisūkṣmāṇi bhūtebhyo'nupalabdhitaḥ ||104||
Übersetzung: Das Geruchs-Tanmatra ist entsprechend mit allen vier verbunden. Die Tanmatras sind feiner als die Elemente und deshalb nicht wie diese wahrnehmbar.
105.
kāryatvaṃ kāraṇatvaṃ ca tanmātrāṇāṃ prakīrtitam ||105||
Übersetzung: Aus der Wirkung wird die Ursache erschlossen; ihre Wirkungen sind die fünf Elemente von Raum an. Den Tanmatras wird sowohl Bewirktsein als auch Ursächlichkeit zugeschrieben.
106.
indriyāṇi daśaikaṃ ca garvo buddhiśca suvrata ||106||
Übersetzung: Werkzeugsein wird ihnen dagegen nicht zugesprochen. Die Werkzeuge sind dreizehn: die zehn Organe, dazu Manas, Ahamkara und Buddhi, du mit den guten Gelübden.
107.
tanmātraiḥ sahitasyāsya diṅmātreṇa mayādhunā ||107||
Übersetzung: So habe ich die Tattva-Eigenschaft Ahamkaras zusammen mit den Sinnesorganen und den Tanmatras in ihren Grundzügen beschrieben.
108.
śrīkaṇṭhānumatāḥ santo ye rudrā bhuvaneśvarāḥ ||108||
Übersetzung: Nun folgt die geordnete Gliederung der Rudra-Gruppe. Die Rudras und Weltenherren wirken mit Shrikanthas Zustimmung.
109.
sthūleśvaramataḥ pūrvaṃ sthānaṃ mūrdhnyavasthitam ||109||
Übersetzung: Ihre göttlichen Stätten strahlen von vielerlei Juwelen. Zuerst liegt zuoberst die Sthuleshvara genannte Stätte.
110.
śaṅkukarṇamato'dhastāttasmātkālañjaraṃ smṛtam ||110||
Übersetzung: Eine weitere, Sthaleshvara, leuchtet wie schönes Gold. Darunter liegt Shankukarna, danach Kalanjara.
111.
chāgalaṇḍaṃ ca vikhyātaṃ sthānaṃ munivarottama ||111||
†
Übersetzung: Es folgen Mandalesha, Makota und Dviranda, ferner die bekannte Stätte Chagalanda, bester Weiser.
112.
teṣāṃ svaparibhāṣābhiḥ kṣetrāṇyatra sthitāni tu ||112||
Übersetzung: Diese Stätten der Rudras sind mit Welten angefüllt. Ihren jeweiligen Bezeichnungen entsprechen die hier bestehenden heiligen Orte.
113.
tanmātreṣvatha ye rudrā yogaiśvaryabalānvitāḥ ||113||
Übersetzung: Die feinen, makellosen Rudras spielen dort mit verborgenen Werkzeugen. Auch in den Tanmatras gibt es Rudras, ausgestattet mit der Macht der Yogaherrschaft.
114.
viśvadevo virūpākṣaḥ sahiṣṇurvibhureva ca ||114||
Übersetzung: Sie spielen mit ungehinderter Tätigkeit. Höre ihre Namen von mir: Vishvadeva, Virupaksha, Sahishnu und Vibhu,
115.
yebhyo ye'nucarāstatra teṣāṃ saṃkhyā na vidyate ||
Übersetzung: sowie der bekannte Manovega. Sie besitzen die Eigenschaften feiner Wirksamkeit; ihre jeweiligen Begleiter sind nicht zu zählen. Sie wissen alles, vollbringen alles und nehmen nach eigenem Willen Gestalten an.
116.
taccānvayānanvayadharmasaṃsthyaṃ bhūtānyatho vistarataḥ śṛṇuṣva ||116||
Übersetzung: So habe ich dir dieses Tattva samt den feinen Sinnen nach Ursache und Wirkung geordnet erklärt, mit seinen Beziehungen und Unterschieden. Höre nun ausführlich von den Elementen.
Vidyāpāda, Kapitel 19
Übersetzung: Das Raum-Tattva
1.
varṇayiṣye yathā tebhyastanmātrebhyo vinirgataḥ ||1||
Übersetzung: Nun ist der Bereich der Elemente an der Reihe. Ich werde erklären, wie er aus den Tanmatras hervorgegangen ist.
2.
sthitaye sarvabhūtānāṃ śarīrāṇyasṛjatpurā ||2||
Übersetzung: Die fünf Elemente sind erwiesen, vom Raum bis zur Erde. Zuerst schuf der Schöpfer die Körper zum Aufenthalt aller Wesen.
3.
pānānnaśayanādhārasthānāsanavisarpaṇe ||3||
Übersetzung: Dann erwog Brahma, der universale Urvater der Welt, was für Trinken, Nahrung, Schlafstätten, Aufenthaltsorte, Sitze und Bewegung erforderlich ist.
4.
viśeṣāḥ kramaśo vyaktā dhāturyogabaleraṇāt ||4||
Übersetzung: Als Herr der Wesen schuf er dafür die groben, konkret bestimmten Elemente. Durch den Antrieb seiner Yogakraft wurden diese der Reihe nach offenbar.
5.
yataste yogino devāḥ sūkṣmadehā hyaninditāḥ ||5||
Übersetzung: Sie dienen der Entfaltung der drei Welten. Darüber bestehen feinere Hervorbringungen, denn die göttlichen Yogis besitzen feine, makellose Körper.
6.
ākāśaṃ śabdatanmātrādavakāśatvalakṣaṇam ||6||
Übersetzung: Diese großen Wesen bewegen sich mit den Eigenschaften reiner Lebensführung. Aus dem Klang-Tanmatra entstand der Raum, dessen Kennzeichen das Gewähren von Platz ist.
7.
bhūtānāṃ bhuvanānāṃ ca gatyarthaṃ cādhvasantatau ||7||
Übersetzung: Er tritt hervor und ermöglicht das Hervortreten, Brahmane: die gesonderte Anordnung von Elementen und Welten sowie Bewegung in der Folge des Weltweges.
8.
śabdo'bhivyaktimāyāti nānyathā munipuṅgava ||8||
Übersetzung: Er wird durch seine Verbindung mit der Klangeigenschaft erwiesen. Denn nur auf ihn gestützt wird Klang offenbar, nicht anders, bester Weiser.
9.
sthāṇvabhāvādyathā citraṃ na kvacitsaṃpradṛśyate ||9||
Übersetzung: Klang kann nicht als völlig nichtseiend gelten; er besteht auf einer wirklichen Grundlage. Wie ein Bild ohne eine tragende Fläche nirgends erscheint,
10.
taccāpi śabdatanmātrādvyaktaṃ saṃprati lakṣyate ||10||
Übersetzung: so erweist das Bestehen des Klanges den Raum als Träger einer Eigenschaft. Dieser wird gegenwärtig als aus dem Klang-Tanmatra offenbar geworden erkannt.
11.
yenāvakāśakaṃ vastu na kiṃcidapi vidyate ||11||
Übersetzung: Bei der Auflösung gilt er gegenüber dem Erfahrenden als vergangen, weil für diesen nichts mehr besteht, das ihm einen Erfahrungsraum gewährt.
12.
na cāsyātyantiko'bhāvo na cotpattiriṣyate ||12||
Übersetzung: Wenn der Tätigkeitsbereich der darin ruhenden Seele aufgelöst ist, heißt dies nicht, dass Raum absolut nicht mehr besteht. Auch eine Entstehung aus völligem Nichts wird nicht angenommen.
13.
netrotpāṭādyathā puṃso rūpābhāvaḥ suniścitaḥ ||13||
Übersetzung: Wegen seiner Beständigkeit, hervorragender Weiser, spricht man nur in übertragener Rede so. Wie für einen Menschen, dessen Augen zerstört wurden, sichtbare Form nicht mehr vorhanden ist,
14.
nyagbhūtakaraṇatvācca calataścākhilāni tu ||14||
Übersetzung: ohne dass Weiß und die übrigen sichtbaren Formen selbst aufgehört hätten zu bestehen, so ruhen die Werkzeuge der Seele. Wenn sie wieder hervortritt,
15.
pratisaṃcarataḥ puṃsaḥ pradhvastānyupacārataḥ ||15||
Übersetzung: werden die Tattvas und ihre verschiedenen Anordnungen für sie offenbar. Beim Zurückgehen der Seele gelten sie nur in Bezug auf sie als aufgelöst.
16.
kiṃ tu bāhyādhvarasaṃhārātsarvaṃ nāśamupaiti hi ||16||
Übersetzung: Für die übrigen Wesen bestehen sie weiter; was wäre daran erstaunlich, großer Weiser? Der Einwand lautet: Bei der Auflösung des äußeren Weltweges vergeht doch alles.
17.
kimapekṣya sadākāśamasti cetkimataḥ param ||17||
Übersetzung: Wenn diese Welt vergangen und ganz von Dunkelheit erfüllt ist, worauf bezogen soll dann Raum noch bestehen? Was bleibt darüber hinaus zu sagen?
18.
apekṣyoccaṃ tato nimnaṃ nimnataścāpyathocchritam ||18||
Übersetzung: Warum bist du über eine solche Verhältnisbestimmung verwirrt? Im Verhältnis zum Hohen ist etwas niedrig, im Verhältnis zum Niedrigen hoch.
19.
pravṛttayaḥ prapañce'sminupalabdhiḥ parasparam ||19||
Übersetzung: Dies ist auch in der Welt bekannt, ebenso bei Freude und Leid. In dieser Entfaltung werden die Wirkungsweisen wechselseitig erkannt.
20.
vyaktaṃ tacchabdatanmātrāttanmātraṃ samudāhṛtam ||20||
Übersetzung: So beschaffen wird Raum aus dem Klang-Tanmatra offenbar, wenn der höchste Herr schaffen will. Darum wird dessen feiner Ursprung als „nur Klang“ bezeichnet.
21.
tanmātrāṇi hi ghaṭavadviśeṣāśca pralepavat ||21||
Übersetzung: Nichts besteht ohne eine Grundlage. Die Tanmatras gleichen einem Gefäß, die groben Elemente dessen Überzug.
22.
śakyate ghaṭituṃ bhūtairnānyathā dhārakādṛte ||22||
Übersetzung: Wenn der aus fünf Elementen bestehende Körper vergeht, bleibt der subtile achtgliedrige Leib der Seele bestehen. Auf dieser Grundlage kann ein Körper aus Elementen neu gefügt werden, nicht ohne einen solchen Träger.
23.
yatsamāśritya karaṇaṃ bhokturbhogopapādane ||23||
Übersetzung: So weit reicht die zehnfache bewirkte Ausstattung des Körpers aller Verkörperten. Auf sie gestützt vermag das Werkzeug die Erfahrungen des Erfahrenden zu vermitteln
24.
puryaṣṭakasamāyogātpuṃsaḥ karmānurūpataḥ ||24||
Übersetzung: und seine vielfältigen Aufgaben zu erfüllen. Durch die Verbindung mit dem subtilen achtgliedrigen Leib gelangt der Mensch entsprechend seinem Karma
25.
bhūtānāṃ copabhuktānāṃ retastatpariṇāmajam ||25||
Übersetzung: von einem Körper in einen anderen, bei der Verbindung der Eltern. Der Samen entsteht nach dieser Darstellung aus der Verarbeitung der aufgenommenen Elemente.
26.
kalalaṃ jāyate tasmādbhūyo budbudatāṃ vrajet ||26||
Übersetzung: Zur fruchtbaren Zeit bildet sich, durch diesen Keim gestärkt, eine feine Keimanlage; daraus entwickelt sich ein blasenartiger Zustand.
27.
annapānopayogena māturniśvasitena ca ||27||
†
Übersetzung: Danach entstehen Blut und allmählich die Ansätze von Haut und Fleisch, durch die Nahrung und das Getränk der Mutter sowie durch ihren Atem.
28.
prādurbhavantyathāṅgāni vardhante ca śanaiḥ śanaiḥ ||28||
Übersetzung: Durch das Zusammenwirken von Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum tritt die Gestalt hervor. Die Glieder entstehen und wachsen allmählich.
29.
lomāni māṃsaṃ raktaṃ ca mātṛjaṃ trikamucyate ||29||
Übersetzung: Der gereifte Zeugungsstoff besteht selbst aus den Elementen und wächst durch sie. Haare, Fleisch und Blut werden als die drei von der Mutter stammenden Bestandteile bezeichnet.
30.
prapuṣṭamannapānābhyāṃ ṣaṭkamevaṃ vivardhate ||30||
Übersetzung: Mark, Knochen und Zeugungsstoff gelten als vom Vater stammend. So wächst diese Sechsergruppe, durch Essen und Trinken genährt.
31.
bāhyāvayavavṛddhyarthaṃ bhūtānyevaṃ smṛtāni hi ||31||
Übersetzung: Aus den Elementen entstanden, wird sie durch die Elemente gestärkt. In diesem Sinn dienen die Elemente dem Wachstum der äußeren Glieder.
32.
vyavasthākāriṇī yasmānniyatiḥ prāgyathoditā ||32||
Übersetzung: Sie überschreiten nicht die vom Herrn gesetzte Grenze, Weiser. Denn Niyati stellt die Ordnung her, wie zuvor erklärt.
33.
tattvadharmaḥ smṛto vyomnaḥ śivavaktrāmbujodbhave ||33||
Übersetzung: So entfaltet sich die ganze bewegliche und unbewegliche Welt, sofern Raum besteht. Dies ist die Tattva-Eigenschaft des Raumes im Tantra,
34.
sthānāni bhuvaneśānāṃ pavitrāṇi śubhāni ca ||34||
Übersetzung: das aus Shivas Lotosmund hervorging. Nun beschreibe ich auch seine Welten in Kürze: die reinen, heilsamen Stätten der Weltenherren.
35.
pradhānatvena tānyaṣṭau tatrādau sthāṇusaṃjñakam ||35||
Übersetzung: Sie sind mit unermesslicher Freude erfüllt, schön und vielfältig. Acht gelten als die wichtigsten; zuerst die Sthanu genannte.
36.
gokarṇamaparaṃ ramyaṃ sthānamuktaṃ suśobhanam ||36||
Übersetzung: Es folgen die Stätte Suvarnakshi, danach Bhadrakarna und die schöne, herrliche Stätte Gokarna.
37.
ṣaṣṭhamapyavimuktākhyaṃ rudrakoṭyāhvameva ca ||37||
Übersetzung: Die fünfte ist Mahalaya, vorzüglich unter den Aufenthaltsorten. Die sechste heißt Avimukta, darauf folgt Rudrakoti.
38.
tatprāpyaṃ bhārate puṇye manuṣyāṇāṃ hitāśayā ||38||
Übersetzung: Darunter liegt Vastrapada, in den drei Welten bekannt. Um sie im heiligen Bharata erreichbar zu machen, schuf der Schöpfer aus Sorge um das Wohl der Menschen entsprechende Stätten, in denen Hara gegenwärtig ist.
39.
tathā mayoktaṃ gaganaṃ samāsādvāyoridānīṃ prabhavaṃ vidhāsye ||
†
Übersetzung: So habe ich den Raum in Kürze erklärt, wie er in der Reihenfolge aus Pradhana zur Entfaltung der Welt offenbar wird. Nun werde ich den Ursprung des Windes darlegen.
Vidyāpāda, Kapitel 20
Übersetzung: Das Wind-Tattva
1.
yatatprāksparśatanmātraṃ tāmasaṃ samudāhṛtam ||1||
†
Übersetzung: Vernimm nun von mir die Entstehung des Windes. Das zuvor beschriebene Berührungs-Tanmatra gehört zum tamasischen Bereich.
2.
śabdasparśasamāyogātsvabhāvena sadāgatiḥ ||2||
Übersetzung: Aus seiner Erregung entstand der Wind, mit zwei Eigenschaften und ordnender Bewegung: Klang und Berührung. Seiner Natur nach ist er beständig in Bewegung.
3.
yena saṃcāryate hyātmā dhāryate ca jagatsadā ||3||
Übersetzung: Von ihm erfüllt, bewegt sich die ganze Welt und wächst. Durch ihn wird das Lebewesen bewegt und die Welt beständig getragen.
4.
bhramanti cakravatso'yaṃ vāyuḥ prāṇabhṛtāṃ varaḥ ||4||
Übersetzung: An ihn gebunden kreisen achtundzwanzig Millionen himmlische Fahrzeuge wie ein Rad. Dieser Wind ist der vorzüglichste Lebensträger.
5.
yena saṃpreryate bījaṃ śarīre'ntaravasthitam ||5||
Übersetzung: In den drei Welten hat er seinen Aufenthalt und besteht dort siebenfach, großer Weiser. Durch ihn wird auch der im Körper befindliche Keim angetrieben.
6.
jarāyuṇā mukhe channe kaṇṭhe ca kaphaveṣṭite ||6||
Übersetzung: Durch ihn entstehen die Glieder und erfolgt die Geburt. Solange der Mund von der Fruchthülle bedeckt und die Kehle von Schleim umschlossen ist,
7.
prāṇaḥ prāṇamayo yasmātprāṇināṃ jīvanaṃ hi tat ||7||
Übersetzung: wird die Bewegung des Atems gehemmt, und das Kind im Mutterleib weint nicht. Prana ist die Lebenskraft der Lebewesen; darin besteht ihr Leben.
8.
samutthāya hṛdudgāraiśceṣṭate ca mahābalaḥ ||8||
Übersetzung: Weil das Atmen durch ihn geschieht, heißt er Prana. Vom Herzen aufsteigend, wird dieser mächtige Lebenswind tätig.
9.
prāṇo'pānaḥ samānaśca hyudāno vyāna eva ca ||9||
Übersetzung: Höre, wie er sich in fünf Formen gliedert: Prana, Apana, Samana, Udana und Vyana.
10.
na ca prāṇādṛte kaścitspandate munisattama ||10||
Übersetzung: Prana wird als Lebenskraft bezeichnet; sie gehört zur Seele und verschwindet nicht einfach. Ohne Prana bewegt sich kein Lebewesen, bester Weiser.
11.
lāghavaṃ dīptirāyāmo medhā ca prāṇavṛttayaḥ ||11||
Übersetzung: Der kräftige Atemstrom durch die Nasenöffnungen heißt Prana. Leichtigkeit, Leuchten, Ausdehnung und geistige Aufnahmefähigkeit sind seine Tätigkeiten.
12.
nayatyadhastādviṇmūtraretāṃsi ca yathākramam ||12||
†
Übersetzung: In der Apana genannten Form führt er Aufgenommenes nach unten, ebenso Kot, Urin und Samen in der jeweiligen Ordnung.
13.
kṛtvāmbho'dhastato hyannamupariṣṭādvipacyate ||13||
Übersetzung: Der Wind unterhalb des Nabels entfacht das Feuer. Er ordnet Flüssigkeit nach unten und Nahrung darüber, wo sie verdaut wird.
14.
sthūlo viṇmūtrasaṃjño'nyaḥ sūkṣmaḥ kośavivṛddhaye ||14||
Übersetzung: Das Verdaute teilt sich in einen groben und einen feinen Anteil, du mit den guten Gelübden. Der grobe heißt Kot und Urin, der feine dient dem Wachstum der Körperhülle.
15.
rasaḥ so'pi dvidhā bhūyo raktaṃ sthūlataraṃ tayoḥ ||15||
Übersetzung: Die Samana genannte Windform hält diesen Nährsaft. Er teilt sich erneut; Blut ist dabei der gröbere Anteil.
16.
sūkṣmabhedātpunarbhedo rasasyeha vibhidyate ||16||
Übersetzung: Aus Blut entstehen Fleisch, Leitbahnen und Haut. Der feinere Anteil des Nährsaftes wird wiederum unterschieden.
17.
tasmātsūkṣmatamo yo hi tenāsthīni bhavanti hi ||17||
Übersetzung: Aus dem gröberen entsteht Zeugungsstoff, aus dem feineren Mark. Aus einem noch feineren Anteil bilden sich nach dieser Darstellung die Knochen.
18.
tena lomāni keśāśca nakhāni munipuṅgava ||18||
Übersetzung: Aus einer weiteren feinen Verarbeitung des Nährsaftes entstehen Körperhaare, Kopfhaare und Nägel, bester Weiser.
19.
medo'nyo dhāturuddiṣṭaḥ so'pyatra rasapākajaḥ ||19||
Übersetzung: Die Glieder treten hervor, und Schönheit entsteht. Als weiterer Körperstoff wird Fett genannt; auch er entsteht aus der Verarbeitung des Nährsaftes.
20.
nāḍīrandhreṣu sūkṣmeṣu puṣṭyarthamupasarpati ||20||
Übersetzung: Vom Samana-Wind verteilt, durchzieht der Nährsaft den ganzen Körper. Zur Ernährung strömt er durch die feinen Öffnungen der Nadis.
21.
pādāṅguṣṭhāgrato vyaktā nābhito hṛdayaṃ gatā ||21||
Übersetzung: Für die Sinne besteht er in zehn Nadis, die vom Herzen ausgehen. Eine Bahn wird von der Spitze der großen Zehe über den Nabel bis zum Herzen beschrieben.
22.
prāṇināṃ prāṇasaṃcāre nirmitā parameṣṭhinā ||22||
Übersetzung: Sie heißt Sushumna und tritt am lotosgleichen Brahmarandhra aus. Der höchste Herr schuf sie für das Strömen des Prana in den Lebewesen.
23.
gude yo vartate vāyuradhastādupayāti hi ||23||
Übersetzung: Diese weit ausgebreitete Bahn dient auch dem Verlauf Apanas. Der Wind, der im After wirkt, bewegt sich nach unten.
24.
tasmāddaśāṅgulaṃ nālaṃ nibaddhā yatra varṇitā ||24||
Übersetzung: Alle Nadis entspringen im Nabelbereich. Von dort verläuft ein zehn Finger breiter Stiel, an dem der zuvor beschriebene Lotos befestigt ist.
25.
saṃsthitaḥ sarvago'pyasmātkāraṇātsupratīyate ||25||
Übersetzung: In der Mitte dieses achtblättrigen Lotos verweilt der Erfahrende. Obwohl er allgegenwärtig ist, wird sein dortiger Sitz aus folgendem Grund erkannt:
26.
śokaṃ krodhaṃ viṣādaṃ vā vismayaṃ tāpameva vā ||26||
Übersetzung: Wenn er Gegenstände wahrnimmt, erwägt er sie sorgfältig, sei es unter Kummer, Zorn, Niedergeschlagenheit, Staunen oder Qual.
27.
tābhyo'nyā nāḍyaḥ sūkṣmāstābhyaḥ sūkṣmatamāstathā ||27||
Übersetzung: Auch Freude bedenkt und erlebt er im Herzen. Aus den genannten Nadis gehen weitere feine hervor, aus diesen wiederum noch feinere.
28.
samīkaroti sarvāṅgaṃ vipakvaṃ tadrasaṃ sadā ||28||
Übersetzung: So reichen die Nadis bis zu den Haarporen, Weiser. Der verarbeitete Nährsaft wird beständig gleichmäßig in alle Glieder verteilt.
29.
udāno hyūrdhvagamano vahninā saha sarpitaḥ ||29||
Übersetzung: Weil dieser Wind ihn durch die Nadi-Öffnungen ausgleicht, heißt er Samana. Udana bewegt sich nach oben und breitet sich zusammen mit dem Feuer aus.
30.
vamayatyannapānaṃ vā sodgāraḥ kṣudijṛmbhikā ||30||
Übersetzung: Er führt Schleim, Galle oder Blut aus dem Bauch nach oben, ebenso Erbrechen von Speise und Getränk, Aufstoßen, Niesen und Gähnen.
31.
tasminneva nibaddhā vāgvyajyate tadudīraṇāt ||31||
Übersetzung: Auch Husten, Auszehrung und ähnliche Veränderungen werden auf ihn zurückgeführt. Die Sprache ist an ihn gebunden und wird durch seinen Antrieb hörbar.
32.
bhrūvikāre ca sāṭopa udānaḥ pravijṛmbhate ||32||
Übersetzung: Beim Öffnen und Schließen der Augen und bei ausdrucksvollen Bewegungen der Brauen entfaltet sich Udana.
33.
Übersetzung: Vyana wirkt beim Heben und Zusammenziehen, beim Gehen und Ausstrecken.
34.
pravṛttaḥ kurute vyānaḥ pañcamo yo'nilo mahān ||34||
Übersetzung: Bei Bewegung, Strecken und Knacken der Glieder sowie bei allen äußeren Tätigkeiten wird Vyana tätig, der fünfte große Lebenswind.
35.
māturdarpabalānnārī piturdarpabalātpumān ||35||
Übersetzung: Nach dieser historischen Zeugungslehre wird der Keim kraft der Karma-Prägung in den Mutterschoß gelegt. Überwiegt die erregte Kraft der Mutter, soll ein Mädchen, überwiegt die des Vaters, ein Junge entstehen.
36.
mātāpitroranācārādaśubhaiśca purākṛtaiḥ ||36||
Übersetzung: Bei gleich starker Erregung beider soll aus der Keimanlage ein Kind mit uneindeutiger geschlechtlicher Ausprägung entstehen. Ferner führt der Text bestimmte Körperformen auf Fehlverhalten der Eltern und früheres unheilsames Handeln zurück:
37.
tayorbhāvasamāyogo vikārairapi jāyate ||37||
Übersetzung: Buckligkeit, verkrümmte Hände, Lähmung, Stummheit oder Kleinwuchs. Auch die Verbindung der Zustände beider Eltern soll verschiedene Veränderungen hervorrufen.
38.
śīlenobhayathopetamabhavattannapuṃsakam ||38||
Übersetzung: Der Junge soll dem Wesen des Vaters, das Mädchen dem der Mutter folgen; eine gemischte geschlechtliche Ausprägung soll Eigenschaften beider besitzen.
39.
kukṣidvayaṃ samāśritya yugmamucyate tadā ||39||
Übersetzung: Wenn der Wind den Zeugungsstoff zweiteilt und dieser zwei Bereiche des Mutterleibs einnimmt, wird die Geburt als Zwillingsgeburt bezeichnet.
40.
tāvatyaḥ sūtayastasya retasaḥ saṃbhavanti hi ||40||
Übersetzung: In wie viele Teile der Apana-Wind den Zeugungsstoff durch seine Bewegung gliedert, so viele Geburten sollen daraus entstehen.
41.
bhavedapatyaṃ viprendra niṣekasamayātpunaḥ ||41||
Übersetzung: Das Kind entsteht entsprechend dem Karma der Eltern und seiner eigenen Prägung, bester Brahmane. Vom Zeitpunkt der Zeugung an
42.
prakṛtistadvaśāttasya tādṛgevopajāyate ||42||
Übersetzung: soll seine Natur davon abhängen, in welchen Körperstoff der vom Wind bewegte Zeugungsstoff gelangt.
43.
calasvabhāvo laghvāśī vikṛtekṣaṇa eva ca ||43||
Übersetzung: Gelangt er in den Windbereich, wird das Kind als mager, trocken, unstet, beweglich, wenig essend und mit unruhigem Blick beschrieben.
44.
akālapalito dakṣastejasvī copajāyate ||44||
Übersetzung: Gelangt er in den Gallenbereich, soll es hellhäutig, mit gelblichen Augen, früh ergrauend, geschickt und energisch werden.
45.
śuklākṣaḥ subhagaścaiva sukeśavadanastathā ||45||
Übersetzung: Im Schleimbereich wird es mit feuchter Nase, glatter Haut, Beständigkeit, hellen Augen, Anmut sowie schönem Haar und Gesicht beschrieben.
46.
vimiśrāṇyapi cihnāni vimiśraiḥ saṃbhavanti hi ||46||
Übersetzung: Im Bereich des unverdauten Nahrungssaftes soll es kräftig oder schwerfällig werden. Gemischte Zustände bringen nach dieser Lehre gemischte Kennzeichen hervor.
47.
kāmabhedaiśca jāyante varṇākārasamādhayaḥ ||47||
†
Übersetzung: Auch unterschiedliche innere Zustände, Zeitpunkte und Begierden sollen die Zusammenfügung von Hautfarbe und Körpergestalt beeinflussen, du mit den guten Gelübden.
48.
prādhānyaṃ karmaṇaḥ proktaṃ tadvipākavaśātsphuṭam ||48||
†
Übersetzung: All dies wurde im Zusammenhang mit der Geburt aus der Kraft des Windes erklärt. Vorrangig bleibt das Karma, dessen Reifung den Vorgang bestimmt.
49.
prāpnoti nānyathā yasmāttasmādetatsuniścitam ||49||
Übersetzung: Lebensdauer, Tätigkeit, Vermögen, Wissen und Geburtsart erhält das Wesen entsprechend dieser Reifung. So ist es nach der Lehre bestimmt zu verstehen.
50.
svatantraḥ parameśāno yadāyattaṃ jagatsadā ||50||
Übersetzung: Auch der Wind ist nicht unabhängig, hervorragender Weiser. Unabhängig ist Parameshana, von dem die Welt stets abhängt.
51.
sthānāni tatra rudrāṇāmaṣṭāvatyadbhutāni tu ||51||
Übersetzung: Damit ist das Wirken des Windes im Zusammenhang seiner Tattva-Eigenschaft erklärt. Acht überaus wunderbare Stätten der Rudras befinden sich darin.
52.
mahendraṃ cāru ratnākhyaṃ mantreśasya ca dhīmataḥ ||52||
Übersetzung: Bhima heißt die Stätte Bhimeshvaras; eine weitere freudebringende heißt Mahendra, schön wie ein Juwel und dem weisen Mantresha zugehörig.
53.
vimalaṃ vimalasyoktaṃ sthānaṃ rudrasya śobhanam ||53||
Übersetzung: Attahasa ist die Stätte des Herrn Mahanada. Vimala heißt die schöne Stätte des Rudra Vimala.
54.
sthānaṃ ca nakuleśasya tannāmnā cārumaṇḍitam ||54||
Übersetzung: Nakala gehört Nakalesha; eine weitere weite Stätte, Weiser, gehört Nakulesha und trägt dessen Namen.
55.
gayeti nāma yatsthānaṃ tatrāsau prapitāmahaḥ |
Übersetzung: Darunter wird Kurukshetra als Stätte eines Rudra genannt. In der Gaya genannten Stätte verweilt Prapitamaha, der höchste Herr, umgeben von Rudras mit seinen eigenen Eigenschaften.
56.
eko'pi san bhidyate vṛttibhedāt vahneridānīṃ śṛṇu vistaraṃ me ||56||
Übersetzung: So habe ich die Eigenschaften des innen und außen bestehenden Windes in Kürze gegliedert erklärt. Obwohl er einer ist, unterscheidet er sich nach seinen Tätigkeiten. Höre nun meine ausführlichere Darstellung des Feuers.
Vidyāpāda, Kapitel 21
Übersetzung: Das Feuer-Tattva
1.
sṛjato rūpatanmātrātsaṃkṣubdhādabhavattadā ||1||
Übersetzung: Nun entstand beim Schaffen des Weltenträgers durch sein unfehlbares eigenes Licht aus dem erregten Form-Tanmatra
2.
śabdasparśasamāyogāttattejaḥ paktilakṣaṇam ||2||
Übersetzung: das Feuer mit drei Eigenschaften. Es besitzt eine besonders schöne sichtbare Gestalt und ist mit Klang und Berührung verbunden. Sein Kennzeichen ist das Reifen und Garen.
3.
ūṣmato'ṅkuritaṃ bījamucchūnaṃ vṛddhimeti hi ||3||
Übersetzung: Durch seine innere Gegenwart gelangt die ganze Welt zur Reife. Durch Wärme keimt der Samen, schwillt an und wächst.
4.
nābhistho vāyunā sārdhaṃ yatkoṣṭhe'nnādikaṃ gatam ||4||
Übersetzung: Im Lebewesen zeigt es sich als Hunger, Durst, Hitze und Verdauung. Am Nabel, mit dem Wind verbunden, verarbeitet es die in den Bauch gelangte Nahrung.
5.
bāhyataḥ sa viśeṣatvāddahanālokapaktibhiḥ ||5||
Übersetzung: Gut entfacht und mit Flüssigkeit verbunden, verdaut es aus eigener Kraft. Als äußeres grobes Element wirkt es durch Verbrennen, Erhellen und Garen.
6.
svargāvāptyai tridhā sthāpya hūyate vedavittamaiḥ ||6||
Übersetzung: Zum Nutzen der Welt wurde das Feuer vom Selbstentstandenen eingesetzt. Um den Himmel zu erlangen, richten die Vedakundigen es dreifach ein und opfern darin.
7.
tataścāhavanīyākhyo dakṣiṇāgniśca kīrtitaḥ ||7||
Übersetzung: Als seine Formen werden das Haushaltsfeuer Garhapatya, das Opferfeuer Ahavaniya und das südliche Feuer Dakshinagni genannt.
8.
asāvagniriti jñeyo jīryate yena yauvanam ||8||
Übersetzung: Im Feuer gegenwärtig, werden alle Gottheiten erfreut. Auch dasjenige, durch das die Jugend altert, ist als Feuer zu erkennen.
9.
dṛśyate muniśārdūla na kadācinnirindhanaḥ ||9||
Übersetzung: Seine angeborene Eigenschaft ist Wärme; mit Wind verbunden erscheint es beweglich, hervorragender Weiser. Ohne Brennstoff zeigt es sich niemals.
10.
tāsu kāṭhinyabhāvo yaḥ sūkṣmaḥ kṣmāṇumayo hi saḥ ||10||
Übersetzung: In allen Brennstoffarten sind Wasseranteile als bindender Bestandteil zu erkennen. Ihre Festigkeit besteht aus feinen Erdteilchen.
11.
pārthivāṇoḥ parā kāṣṭhā bhasmatvamupayāti hi ||11||
Übersetzung: Wenn der Brennstoff im Feuer verbrennt, teilt er sich in zwei Anteile: Der letzte Zustand der Erdteilchen ist Asche.
12.
prayānti svocitaṃ sthānaṃ yaduktaṃ prāk svayaṃbhuvā ||12||
†
Übersetzung: Die Wasserteilchen steigen nach Art eines Nebels empor und gelangen an ihre entsprechende Stätte, wie zuvor vom Selbstentstandenen erklärt.
13.
saṃvibhajyaikamevātra vidhātrā taddvidhā kṛtam ||13||
Übersetzung: Zum Wohl der Geschöpfe zieht die Sonne durch ihre trocknenden Strahlen Wasser empor. Der Schöpfer hat das eine Licht hier in zwei Formen unterschieden:
14.
vahniḥ saṃlīyate bhānau samāpyendhanarāśayaḥ [rāśikam ?] ||14||
†
Übersetzung: als Feuer zur Erhaltung und als Sonne zur Erhellung der Welt. Wenn der Brennstoff verbraucht ist, geht das Feuer nach dieser Darstellung in die Sonne ein.
15.
vyaktirjyotiṣmatāṃ siddhā nānyato hutabhojanāt ||15||
Übersetzung: Darum lassen die Sonnenstrahlen regnen und gewähren Sättigung. Die Offenbarung der leuchtenden Dinge ist durch das Feuer erwiesen, nicht durch etwas anderes.
16.
tasminye bhuvaneśānā rudrā bālendumaulayaḥ ||16||
Übersetzung: So ist dieses Tattva entsprechend seinen eigenen Eigenschaften beschrieben. Darin verweilen Rudras als Weltenherren, den jungen Mond als Kopfschmuck tragend.
17.
nāmabhiḥ kīrtayiṣyāmi yathāvadanupūrvaśaḥ ||17||
Übersetzung: Ihre göttlichen Stätten besitzen die Vorzüge himmlischer Lebensführung. Ich werde sie dir ordnungsgemäß der Reihe nach mit Namen nennen.
18.
tṛtīyaṃ madhyamaṃ nāma mahākālaṃ caturthakam ||18||
Übersetzung: Die erste heißt Bhairava, die nächste Kedara; die dritte Madhyama und die vierte Mahakala.
19.
jalpeśvaramato'dhastācchrīśailaṃ ca tataḥ param |
Übersetzung: Die fünfte heißt Amratikeshvara, darunter liegt Jalpeshvara; es folgen Shrishaila und als achte die bekannte Harishcandra-Stätte, bester Weiser.
20.
māpaḥ saṃpariveṣṭitā daśaguṇotsedhena kṣittvodareḥ |
so'yaṃ vahniramoghavīryabalavānsaṃkṣepato varṇito
†
Übersetzung: So ist das Feuer in Kürze beschrieben: Von unfehlbarer Kraft erhellt es durch die Strahlen seiner eigenen Eigenschaft den ganzen Weltenkreis. In der kosmischen Anordnung umschließt es die Wasserschicht im zehnfachen Maß. Nun ist der Reihenfolge nach das Wasser sachgemäß zu erklären, Weiser.
Vidyāpāda, Kapitel 22
Übersetzung: Das Wasser-Tattva
1.
toyaṃ yadrasatanmātrātsaṃkṣubdhātkāraṇecchayā ||1||
†
Übersetzung: Nun werde ich das Wasser mit seinen durch die Abfolge bestimmten Kennzeichen erklären. Es tritt aus dem Geschmacks-Tanmatra hervor, wenn dieses durch den Willen der Ursache erregt wird.
2.
rasaḥ svākyo'sya boddhavyastrayo'nye saṃkarodbhavāḥ ||2||
†
Übersetzung: Zum Nutzen der Welt und der Seele wird es mit vier Eigenschaften offenbar. Geschmack ist seine eigene; die drei anderen entstehen durch Verbindung.
3.
viśeṣā vyaktimāyānti tamasā pūritā bhṛśam ||3||
Übersetzung: Es sind Klang, Berührung und Form. Denn die konkreten Elemente treten durch gegenseitige Anregung hervor, stark von Tamas erfüllt.
4.
tadeva bhogyaṃ bhoktṛtvaṃ śarīraṃ hi śarīriṇām ||4||
Übersetzung: Der aus der Verarbeitung der Elemente hervorgegangene Keim wird durch dieselben Elemente gestärkt. Daraus besteht der erfahrbare Körper der Verkörperten, der ihrem Erfahrendsein dient.
5.
yena viklidyate yaddhi yatprabhāvācca saṃgrahaḥ ||5||
Übersetzung: Er ist hervorgebracht, vergänglich und eine große Stätte des Leidens. Dass etwas feucht wird und dass sich Teilchen zusammenfügen,
6.
śītatvaṃ ca dravatvaṃ ca snigdhatā cāmbhasaḥ sadā ||6||
Übersetzung: beruht auf der Kraft der Wasserteilchen. Kühle, Flüssigkeit und Geschmeidigkeit sind stets Eigenschaften des Wassers.
7.
payasastaṃ vijānīyātkāṭhinyaṃ pārthivo guṇaḥ ||7||
†
Übersetzung: Auch die Eigenschaften von Schleim, Blut und Ähnlichem in diesem Körper sind dem Wasser zuzurechnen. Festigkeit ist dagegen eine Eigenschaft der Erde.
8.
āgneyenātha vīryeṇa pacyamānāḥ śanaiḥ śanaiḥ ||8||
Übersetzung: Die Körperstoffe entstehen aus Wasser; durch den Erdanteil werden sie grob. Durch die Kraft des Feuers werden sie allmählich verarbeitet.
9.
svamāhātmyamanuprāptāḥ svena svena mahāmune ||9||
Übersetzung: Dann nehmen sie feste Gestalt an, werden durch den Wind unterschieden und erlangen jeweils ihre eigene Wirksamkeit, großer Weiser.
10.
jīvanaṃ sarvajantūnāṃ kāryasya karaṇasya ca ||10||
Übersetzung: Im Körper werden sie an ihren Eigenschaften erkannt; Raum ermöglicht ihr Hervortreten. Das Leben aller Wesen, des Körpers wie seiner Werkzeuge,
11.
tṛḍtāpavāraṇaṃ loke tadevāmṛtamuttamam ||11||
Übersetzung: ihre Ernährung und ihr Wachstum beruhen auf der Kraft des Wassers. Es wehrt Durst und Hitze ab und ist in dieser Welt der vorzügliche Lebensnektar.
12.
parāpareṇa bhedena jagatyasminsitāsite ||12||
Übersetzung: Zur Erhaltung hat der Schöpfer es gegliedert und innen wie außen eingesetzt, in höheren und niedrigeren Formen, in dieser reinen und unreinen Welt.
13.
nirmitānyadhikārāya śrīkaṇṭhena mahātmanā ||13||
Übersetzung: Hier hat der große Shrikantha Stätten für die Aufgaben der Rudras von unermesslichem Glanz geschaffen, hervorragender Weiser.
14.
tṛtīyaṃ ḍiṇḍi nāmnā vai hyāṣāḍhīśamataḥ param ||14||
Übersetzung: Die erste heißt Lakula, die zweite Bharabhuti, die dritte Dindi und die nächste Ashadhisha.
15.
prabhāsamaparaṃ ramyaṃ tasmādpyamarāhvayam ||15||
†
Übersetzung: Pushkara wird als fünfte genannt, Naimisha als sechste; es folgen die schöne Prabhasa und die Amara genannte Stätte.
16.
sthāpitāni jagaddhātrā puṇyatoyāni sarvataḥ |
Übersetzung: Um diese Stätten zu erreichen, hat der Weltenschöpfer auch auf Erden entsprechende Orte für die großen Seelen eingerichtet, überall mit heiligem Wasser. In ihnen gewährt Shiva, durch Hingabe gegenwärtig, beständig selbst seine Gnade.
17.
śivavadanasamutthairvākyaratnairyathāvat |
pravikasitavivekā tattvadharmeṇa leśā
Übersetzung: So ist das Wasser-Tattva mit seinen bekannten Eigenschaften sachgemäß durch die Wortjuwelen aus Shivas Mund erklärt. Nun folgt die Erde, deren Tattva-Eigenschaft durch diese Unterscheidung bereits ein wenig erschlossen ist.
Vidyāpāda, Kapitel 23
Übersetzung: Das Erd-Tattva
1.
saṃkṣubdhādgandhatanmātrādguṇaiḥ pañcabhiranvitā ||1||
Übersetzung: Nun wird die Erde, die Trägerin der Welt, in Kürze erklärt, großer Weiser. Aus dem erregten Geruchs-Tanmatra hervorgegangen, besitzt sie fünf Eigenschaften.
2.
tasyāṇorvyaktimāpannā nibiḍatvena bāhyataḥ ||2||
†
Übersetzung: Geruch ist ihre eigene Eigenschaft; die vier anderen entstehen durch Verbindung. Für die Seele wird sie außen in fester Beschaffenheit offenbar.
3.
tasmādeva parādbījācchuklākhyātkleditā satī ||3||
Übersetzung: Vom Fuß bis zum Scheitel erstreckt sie sich als Körper. Aus dem besonderen Keim, der Zeugungsstoff heißt, wird sie durch Wasser befeuchtet,
4.
vāyunā śoṣamāpannā nānābhedena saṃsthitā ||4||
Übersetzung: durch Feuer gereift und durch Wind getrocknet. So besteht sie in vielerlei unterschiedenen Formen, bester Weiser.
5.
kośāśca varṇitāḥ pūrvaṃ te ca saṃkṣepato'dhunā ||5||
†
Übersetzung: Ihre äußerste Verdichtung zeigt sich in Nägeln, Zähnen, Knochen und Sehnen. Die Körperhüllen sind bereits beschrieben; nun folgt in Kürze
6.
devamānuṣatiryañco yadāśritya samāsate ||6||
Übersetzung: die begründete Darstellung ihres äußeren Bereichs. Was Göttern, Menschen und Tieren als Aufenthaltsgrundlage dient,
7.
yugapacca samutpattistattvānāṃ grathitaḥ smṛtā ||7||
†
Übersetzung: ist als Erd-Tattva zu erkennen, das wegen seiner Schwere nach unten liegt. Die Entstehung der Tattvas aus dem Knoten wird als zusammenhängender Vorgang beschrieben.
8.
tattvaṃ gurutaraṃ yasmāttasmādapyaparaṃ tathā ||8||
Übersetzung: Das zuerst Bestehende ist leichter und durchdringend; das darunterliegende, von ihm durchdrungene Tattva ist schwerer. Ebenso verhält es sich mit dem jeweils folgenden.
9.
tattvāni tattvamārge'sminyathāvadracitāni tu ||9||
Übersetzung: So sind die Tattvas auf diesem Wirklichkeitsweg sachgemäß innerhalb der Welt angeordnet, im Verhältnis von Durchdringendem und Durchdrungenem.
10.
yadadhastātkapālaṃ tattāmasaṃ parikīrtitam ||10||
Übersetzung: Aus dem Unmanifesten tritt das Weltei hervor, mit zwei Schalen versehen. Die untere Schale wird als tamasisch beschrieben,
11.
kuto'vasīyate yasmādvikāsaḥ sattva ucyate ||11||
Übersetzung: die obere als rajasisch; ihre Verbindung ist sattvisch. Woraus wird dies erkannt? Weil Öffnung und Helligkeit Sattva zugeschrieben werden.
12.
bāhyataścāvṛtaṃ rudraistejassaṃbhūtavṛttibhiḥ ||12||
Übersetzung: In ihrer Mitte besteht die Entfaltung aller leuchtenden Dinge. Außen ist das Ei von Rudras umgeben, deren Tätigkeit aus Licht hervorgeht.
13.
teṣāṃ nāmāni kathyante rudrāṇāmapyanukramāt ||13||
Übersetzung: Die großen Rudras, die den oberen Bereich der Eischale erschließen, werden nun der Reihe nach mit Namen genannt:
14.
vivāhaśca mahātejāḥ saṃvāhaścāpi vīryavān ||14||
Übersetzung: Vicakshana, Lipsu, Nabhas, der überaus strahlende Vivaha und der kraftvolle Samvaha,
15.
vibhuśca śambhunāmā ca balaṃ kamalajanmanaḥ ||15||
Übersetzung: Surarcita, Tryaksha, Ganadhyaksha, Vibhu und Shambhu. Sie überragen die Macht des Lotosgeborenen.
16.
ūrdhvabhāge mahātmāno brahmaṇo'ṇḍasya dhārakāḥ ||16||
Übersetzung: Von ihm werden diese Makellosen verehrt. Im oberen Bereich tragen die großen Wesen das Ei Brahmas. Nun folgen die Rudras des Nordostens:
17.
tathā balipriyo nāmnā bhūtapālaśca vīryavān ||17||
Übersetzung: Sukhaduḥkhakara, der erhabene Sarvavidyavidhayaka, Balipriya und der kraftvolle Bhutapala,
18.
vedānāṃ pārago rudraḥ sarvajñaśca pratāpavān ||18||
Übersetzung: als fünfter Pingala, als sechster Matrivrita, der vedakundige Rudra und der mächtige Sarvajna,
19.
daśaite śūlinastryakṣā īśānanilayācintāḥ ||19||
†
Übersetzung: Jnanabhuj, der reine Erhabene, und Vidyadhipa. Diese zehn Dreizackträger mit drei Augen verweilen im Bereich Ishanas.
20.
īśenaiva prapūjyante yathepsitaphalapradāḥ ||20||
Übersetzung: Seine Macht überragend, bewegen sie sich ruhmreich dort. Ishana selbst verehrt sie; sie gewähren die gewünschten Früchte.
21.
saumyadeho'paro dhanyo rūpavāṃśca mahābalaḥ ||21||
Übersetzung: Kamarupin, Prasada, Lakshmivat, Pracandadrik, Saumyadeha, Dhanya und der mächtige Rupavat,
22.
kauberyāṃ saṃsthitā rudrāḥ kubereṇa prapūjitāḥ ||22||
Übersetzung: Nidhisha, Ratnadharin und Jatamakutabhrit: Diese Rudras bestehen in Kuberas Richtung, dem Norden, und werden von Kubera verehrt.
23.
meghaketuḥ kapardī ca rudraḥ pañcaśikhī paraḥ ||23||
Übersetzung: Nach dem Willen der Ursache überragen sie seine Macht. Nun folgen Meghaketu, Kapardin und der Rudra Pancashikhin,
24.
tīkṣṇaḥ sūkṣmaśca vikhyāto vāyuvegaśca vīryavān ||24||
Übersetzung: der bekannte Pancantaka, Kshayantaka, Tikshna, Sukshma und der kraftvolle Vayuvega,
25.
vāyavyāṃ brahmaṇo'ṇḍasya rudrā vāyuprapūjitāḥ ||25||
Übersetzung: Laghu und der überaus mächtige Shighra. Diese Rudras bestehen im Nordwesten des Brahma-Eies und werden vom Windgott verehrt.
26.
bhīṣaṇo vaḍavāvaktrastṛtīyo'tha jalāntakaḥ ||26||
†
Übersetzung: Seine Macht überragend, spielen sie mit erhabenem Bewusstsein. Im Westen folgen Bhishana, Vadavavaktra und als dritter Jalantaka,
27.
śveto mahābalaścaiva pāśahastaśca suvrata ||27||
Übersetzung: der bekannte Dirghabahu, der kraftvolle Jayabhadra, Shveta, Mahabala und Pashahasta, du mit den guten Gelübden,
28.
varuṇasya balaṃ jitvā prakrīḍantyanivāritāḥ ||28||
Übersetzung: Atibala und Bala. In Varunas westlicher Richtung bestehend, übertreffen sie seine Macht und spielen ungehindert.
29.
daṃṣṭrī ca lohito dhūmro virūpākṣastathaiva ca ||29||
Übersetzung: Varuna selbst verehrt sie; sie gewähren alle ersehnten Früchte. Es folgen Damshtrin, Lohita, Dhumra und Virupaksha,
30.
krūradṛk śatruhantā ca māraṇaśceti kīrtitaḥ ||30||
Übersetzung: der bekannte Urdhvashepha, Bhayanaka, Kruradrish, Shatruhantri und Marana,
31.
nairṛtyāṃ saṃsthitā rudrāstaddiśeśena pūjitāḥ ||31||
Übersetzung: als zehnter der überaus mächtige Rudra Nairrita. Diese Rudras bestehen im Südwesten und werden vom Herrn dieser Richtung verehrt.
32.
viyoktā caiva saṃyoktā rudro dharmaparastathā ||32||
Übersetzung: Nirritis Macht überragend, wirken sie mit furchtbarer Kraft. Im Süden folgen Viyoktri, Samyoktri und der Rudra Dharmapara,
33.
kartā vidhātā dhātā ca tasmānmṛtyuharo'paraḥ ||33||
Übersetzung: Dharmapati, der kraftvolle Kalarudra, Kartri, Vidhatri, Dhatri und Mrityuhara,
34.
dharmarājena pūjyante rudrāścandrārdhamaulayaḥ ||34||
Übersetzung: sowie Yamya. Sie überragen Yamas Macht; diese Rudras mit dem Halbmond als Kopfschmuck werden vom König des Dharma verehrt.
35.
babhruśca jvalanaścaiva haraścaiva mahādyutiḥ ||35||
Übersetzung: Im Südosten folgen der strahlende Kshayantaka, der Rudra Bhasmantaka, Babhru, Jvalana und der lichtvolle Hara,
36.
agnirudraśca hītyete samīhitaphalapradāḥ ||36||
Übersetzung: Pingala, Khadaka, der kraftvolle Hutashin und Agnirudra. Sie gewähren die ersehnten Früchte.
37.
agninā ca prapūjyante rudrāḥ svacchandagāminaḥ ||37||
Übersetzung: Im Südosten bestehend, überragen sie durch ihre Shaktis die Macht des Feuers. Vom Feuergott verehrt, bewegen diese Rudras sich nach eigenem Willen.
38.
vibhūtiśca mahātejā rudrastasmācca mardanaḥ ||38||
Übersetzung: Im Osten folgen Tridashesha, Pinakin, Shastri, Avyaya, der strahlende Vibhuti und der Rudra Mardana,
39.
kapālīśena sahitā diśīndrasya vyavasthitāḥ ||39||
Übersetzung: Vajradeha, Buddha, der besonders mächtige Aja und Kapalisha. Sie sind in Indras Richtung eingesetzt.
40.
balamākramya śakrasya modante duḥkhavarjitāḥ ||40||
Übersetzung: Diese Erhabenen bewegen sich dort, von Indra selbst verehrt. Seine Macht überragend, erfreuen sie sich ohne Leiden.
41.
prasano dhairyanāmā ca viṣabhuk cāparaḥ smṛtaḥ ||41||
†
Übersetzung: Im unteren Bereich folgen der bekannte Kshitibhuj, Sarvatomukha, Prasana, Dhairya und Vishabhuj,
42.
vīraśca pālakaścaiva tathānantaḥ pratāpavān ||42||
Übersetzung: der lichtvolle Vrisha, Pataladhipati, Vira, Palaka und der mächtige Ananta.
43.
anantabalamākramya vicaranti yaśasvinaḥ ||43||
Übersetzung: Diese zehn Rudras von furchtbarer Kraft befinden sich unten. Die Macht des dortigen Ananta überragend, bewegen sie sich ruhmreich.
44.
niyuktāḥ parameśena śrīkaṇṭhena mahātmanā ||44||
Übersetzung: Von Ananta selbst verehrt, genießen diese höchsten Herren ihre Erfahrungen. Sie sind vom großen Parameshvara Shrikantha eingesetzt.
45.
tadantaḥ saṃsthitā lokāḥ saptāmī tānnibodha me ||45||
Übersetzung: Von diesen mächtigen Wesen ist das Ei des Lotosgeborenen umgeben. Darin bestehen die sieben Welten; vernimm sie von mir.
46.
lokanāthasya rudrasya śuddhasphaṭikasaṃnibham ||46||
Übersetzung: Im oberen Teil der Eischale, unterhalb der Rudras, liegt die Stadt des weltenbeherrschenden Rudra, rein wie Kristall.
47.
satyalokastato'dhastādbrahmā yatra virājate ||47||
Übersetzung: Sie ist von Tausenden von Ganas umgeben, mit Virabhadra an der Spitze. Darunter liegt Satyaloka, wo Brahma erstrahlt.
48.
sanakādyā mahātmānaḥ satataṃ yogatatparāḥ ||48||
Übersetzung: Darunter liegt Tapoloka, wo Brahmas große Söhne, angefangen mit Sanaka, stets dem Yoga hingegeben sind.
49.
janaloke munivyāghra tato'dhaḥ saṃsthito mahān ||49||
†
Übersetzung: Vasishtha, Pulaha und die übrigen sowie die Sadhyas bestehen in Janaloka, hervorragender Weiser. Darunter liegt Maharloka,
50.
svarlokaścāpyato'dhastād dhruvo yatra vyavasthitaḥ ||50||
Übersetzung: wo die Gottheiten verweilen, die ihre Aufgaben erfüllt haben. Darunter ist Svarloka; dort befindet sich Dhruva.
51.
tasyāpyadho bhuvarloko yatrādityapuraḥsarāḥ ||51||
Übersetzung: Auch die erhabenen Rishis und die Planeten bestehen dort, bester Weiser. Darunter liegt Bhuvarloka, wo die Adityas und die weiteren Gottheiten,
52.
viṃśatyaṣṭau vimānānāṃ koṭayaśca mahātmanām ||52||
Übersetzung: Vasus und Rudras, mit den Eigenschaften himmlischer Lebensführung verweilen. Achtundzwanzig Millionen himmlische Fahrzeuge der großen Wesen
53.
bhūlokastvadhastāttu saptadvīpārṇavānvitaḥ ||53||
†
Übersetzung: sind bis Dhruva angeordnet; in ihnen leben die Himmelsbewohner glücklich. Darunter liegt Bhuloka, mit sieben Inselkontinenten und ihren Meeren.
54.
saridbhiścātisaṃkīrṇo mṛgapakṣisamākulaḥ ||54||
Übersetzung: Er ist reich an vielerlei Juwelen, Städten, Gärten und Bergen, von Flüssen durchzogen und mit Wildtieren und Vögeln erfüllt.
55.
sarīsṛpāḥ sthāvarāśca yatra bhogabhujaḥ sthitāḥ ||55||
Übersetzung: Dort leben Menschen, Haustiere, Wildtiere, Vögel, kriechende Tiere und Pflanzen als Erfahrende.
56.
nivāso nirmito dhātrā tanmadhye brahmaṇaḥ sabhā ||56||
†
Übersetzung: In seiner Mitte steht der erhabene Berg Meru. Der Schöpfer hat ihn als Wohnsitz der Götter eingerichtet; in seiner Mitte liegt Brahmas Versammlungshalle.
57.
tatrāhaṃ muniśārdūla lokānugrahakāraṇāt ||57||
Übersetzung: Im Nordosten befindet sich ein großer leuchtender Gipfel. Dort habe ich, hervorragender Weiser, zum Zweck der Begnadung der Welt
58.
naike triśūlinastryakṣāḥ sphuraccandrārdhadhāriṇaḥ ||58||
Übersetzung: meinen Wohnsitz genommen. Auch dort sind viele Rudras, auf Stieren reitend, mit Dreizack und drei Augen, den leuchtenden Halbmond tragend.
59.
aṣṭau tatra sthitāḥ puryaḥ śakrādīnāṃ mahātmanām ||59||
Übersetzung: Unterhalb der Versammlungshalle liegt ein kreisförmiger Bereich. Darin stehen acht Städte der großen Richtungswächter von Indra an.
60.
agnestejovatī nāmnā diśyāgneyyāṃ vyavasthitā ||60||
Übersetzung: Im Osten liegt Indras berühmte Stadt Amaravati. Agnis Stadt Tejovati befindet sich im Südosten.
61.
rakṣo'dhipasya nairṛtyāṃ purī kṛṣṇeti saṃjñitā ||61||
Übersetzung: Im Süden liegt Yamas Stadt Samyamani. Im Südwesten liegt die Krishna genannte Stadt des Rakshasa-Herrn.
62.
vāyorgandhavatī nāmnā vāyavyāṃ saṃsthitā gireḥ ||62||
Übersetzung: Im Westen liegt Shuddhavati, die Stadt des Wassergottes Pracetas. Im Nordwesten des Berges liegt Vayus Stadt Gandhavati.
63.
sukhāvahā tatheśānyāmīśānasya purī mune ||63||
Übersetzung: Im Norden liegt Kuberas heilsame Stadt Mahodaya; im Nordosten Ishanas Stadt Sukhavaha, Weiser.
64.
adhobhāge kṣitau viṣṭaḥ sahasrāṇi tu ṣoḍaśa ||64||
Übersetzung: Meru wird mit einer Gesamthöhe von hunderttausend Yojanas beschrieben. Sechzehntausend davon reichen nach unten in die Erde.
65.
jambuḥ śākaḥ kuśaḥ krauñcaḥ plakṣo gomeda eva ca ||65||
Übersetzung: Vierundachtzigtausend ragen über die Erde hinaus. Jambu, Shaka, Kusha, Kraunca, Plaksha und Gomeda,
66.
kṣāraḥ kṣīraṃ dadhi sarpistathekṣurasasaṃjñakaḥ ||66||
Übersetzung: sowie Pushkara sind die sieben Inselkontinente, bester Weiser. Die Meere heißen Salzmeer, Milchmeer, Sauermilchmeer, Butterfettmeer und Zuckerrohrsaftmeer,
67.
garbhodaścātivistīrṇaḥ so'ṣṭamaḥ parimaṇḍalaḥ ||67||
Übersetzung: danach Weinmeer und Süßwassermeer. So werden sieben Meere genannt; als achtes umgibt sie das überaus weite Garbhoda-Meer.
68.
bhūmeradho'surāṇāṃ tu purāṇi vividhāni vai ||68||
Übersetzung: Wozu viele Worte? Hier geht es um die wirklichen Grundbereiche. Unter der Erde liegen die mannigfaltigen Städte der Asuras.
69.
talaṃ vitalasaṃjñaṃ tu nitalaṃ sutalaṃ tathā ||69||
†
Übersetzung: Sie strahlen von allen Arten von Juwelen. Höre ihre Namen: Tala, Vitala, Nitala und Sutala,
70.
pātālaṃ saptamaṃ jñeyaṃ baliryatrāsuro mahān ||70||
Übersetzung: als fünftes Talatala, danach Rasatala und als siebtes Patala, wo der große Asura Bali lebt.
71.
krīḍanti sukhinaḥ śūrāḥ kanyakābhiḥ samāvṛtāḥ ||71||
Übersetzung: Dort spielen Rakshasas, Schlangenwesen und Daityas zu Hunderten und Tausenden, glücklich und kraftvoll, von jungen Frauen umgeben.
72.
aṣṭāviṃśativikhyātāḥ pāpakarmaratātmanām ||72||
Übersetzung: Darunter sind die Bereiche der Höllen angeordnet, bekannt als achtundzwanzig Millionen Stätten für jene, die sich an unheilsamem Handeln erfreuen.
73.
tadahaṃ kīrtayiṣyāmi śṛṇuṣvaikamanā mune ||73||
Übersetzung: Darin werden hundertvierzig Welten unterschieden. Ich werde sie dir durch ihre Gruppennamen nennen; höre mit gesammeltem Geist, Weiser.
74.
kālasūtramiti khyātaṃ bhuvanaṃ pāpakarmaṇām ||74||
Übersetzung: Zuerst Raurava und Maharaurava, dann die als Kalasutra bekannte Welt der unheilsam Handelnden.
75.
kṣurādhāro mahāghoro lohadaṇḍaśca dāruṇaḥ ||75||
Übersetzung: Es folgen Angaranicaya, die Glutansammlung, der unerträgliche Kumbhipaka, das überaus schreckliche Kshuradhara und das grausame Lohadanda.
76.
krakacacchedo'sthibhaṅgo viṭpūrṇaśca bhayāvahaḥ ||76||
Übersetzung: Weiter Asrinmedas, das mit Fäulnis erfüllte, furchterregende Putipurna, Krakacaccheda, Asthibhanga und das erschreckende Vitpurna.
77.
uṣṇaḥ śītaśca narakastathā saṃjīvano mahān ||77||
Übersetzung: Dann Vrishti, Ambarisha, das unerträgliche Kshutpipasa, die heiße und die kalte Hölle sowie das große Samjivana.
78.
asipatravanaṃ ghoraṃ tataḥ paṅkaḥ sudāruṇaḥ ||78||
†
Übersetzung: Es folgen Padma und Mahapadma, Tripulepa, der schreckliche Schwertblätterwald Asipatravana und das grausame Panka.
79.
nirucchvāsastatocchvāsastato yugmācalo'paraḥ ||79||
Übersetzung: Weiter Taptalaksha, das überaus furchtbare Putimamsa, Nirucchvasa, Ucchvasa und Yugmacala.
80.
kṛmīṇāṃ nicayo ghoro hyavīciśca bhayaṃkaraḥ ||80||
Übersetzung: Dann Kutashalmali, der Fluss Vaitarani, die schreckliche Ansammlung von Würmern und das furchterregende Avici.
81.
aṣṭabhedāḥ smṛtā hyete caturbhedāstathā pare ||81||
Übersetzung: Avici, Ambarisha und das überaus leidvolle Raurava werden jeweils achtfach, die übrigen vierfach untergliedert.
82.
paradārāpaharaṇairanyāyaiścāparairapi ||82||
Übersetzung: Durch Verfehlungen wie das Töten eines Brahmanen, Verrat am Lehrer, das Entführen der Frau eines anderen und andere Unrechtstaten
83.
dṛṣṭvā sukhabhujo devānmānuṣāṃścājugupsitān ||83||
Übersetzung: fallen grausam Handelnde entsprechend ihrem grausamen Karma in diese Bereiche. Wenn sie die genießenden Götter und die ungetrübten Menschen sehen,
84.
devā hyadhodṛṣṭayastu svaiśvaryamadagarvitāḥ ||84||
†
Übersetzung: werden die Fehlhandelnden gequält; darum richtet sich ihr Blick nach oben. Die Götter dagegen blicken nach unten, stolz auf den Rausch ihrer eigenen Herrschaft.
85.
bhuvane bhuvaneśānairvṛto'nekairmahābalaiḥ ||85||
Übersetzung: Unter diesen Bereichen besteht der als Kalagni bekannte Rudra, in seiner Welt von vielen mächtigen Weltenherren umgeben.
86.
pramāṇamasyāpyadhunābhidhāsye kālena sārdhaṃ tava vipramukhya ||86||
Übersetzung: So habe ich dir das Erd-Tattva in Kürze nach der Ordnung der Tattvas erklärt. Nun werde ich dir seine Maße zusammen mit den Zeitmaßen darlegen, bester Brahmane.
Vidyāpāda, Kapitel 24
Übersetzung: Zählung des Adhvan
1.
pārthivāṇucatuṣkeṇa truṭirekābhidhīyate ||1||
Übersetzung: Nun beschreibe ich die Vermessung des Weltweges der Reihe nach. Vier Erdteilchen werden als eine Truti bezeichnet.
2.
kaṇikānāṃ catuṣkeṇa siddhārthaścābhidhīyate ||2||
Übersetzung: Vier Trutis bilden eine Liksha, zwei Likshas eine Kanika. Vier Kanikas heißen ein Siddhartha-Korn.
3.
yavāṣṭakena vijñeyamaṅgulaṃ munisattama ||3||
Übersetzung: Vier Siddhartha-Körner bilden ein Gerstenkornmaß. Acht Gerstenkörner sind als ein Angula, eine Fingerbreite, zu verstehen, bester Weiser.
4.
caturhasto dhanurjñeyaḥ śāstre'sminpārameśvare ||4||
Übersetzung: Vierundzwanzig Angulas heißen ein Hasta, eine Elle. Vier Hastas bilden in dieser Lehre des höchsten Herrn einen Dhanus, ein Bogenmaß.
5.
vyāghāṭānāṃ catuṣkeṇa krośa ityabhidhīyate ||5||
†
Übersetzung: Tausend Dhanus bilden einen Vyaghata. Vier Vyaghatas heißen ein Krosha.
6.
brahmaṇo'ṇḍakaṭāhasya koṭirbhittiḥ prakīrtitā ||6||
Übersetzung: Vier Kroshas heißen ein Yojana. Die Wand der Schale des Brahma-Eies wird mit zehn Millionen Yojanas angegeben.
7.
tamaḥśeṣaṃ nirālambaṃ yojanānāṃ pramāṇataḥ ||7||
†
Übersetzung: Kalagnis Stadt misst zehn Millionen Yojanas, seine Flammen hundert Millionen. Darüber liegt eine dunkle, ungestützte Weite.
8.
ekalakṣocchrayāḥ sarve dvātriṃśadapi suvrata ||8||
Übersetzung: Sie misst fünfzig Millionen Yojanas. Darüber werden die zweiunddreißig Höllengruppen beschrieben, jede hunderttausend Yojanas hoch, du mit den guten Gelübden.
9.
gatvā triṃśatsahasrāṇi yojanānāṃ tayopari ||9||
†
Übersetzung: Die Abstände werden im Druck mit neunzig und neun Lakhs angegeben. Nach einem weiteren Aufstieg von dreißigtausend Yojanas
10.
navalakṣāṇi cotsedhastasmātpātālasaptakam ||10||
Übersetzung: folgt die schöne Kushmanda-Welt des Rudra, deren Höhe ebenfalls mit neunzig und neun Lakhs beschrieben wird. Danach folgen die sieben Patalas.
11.
sahasrāntaritāni syuryāvadbhūpṛṣṭhamāgatam ||11||
Übersetzung: Ihre Städte sind je neuntausend Yojanas hoch und durch je tausend Yojanas getrennt, bis zur Erdoberfläche.
12.
yojanānāṃ tu pañcāśatkoṭyo'dhvā pratiṣṭhitaḥ ||12||
†
Übersetzung: Von Kalagni bis zur Erdoberfläche beträgt der Weltweg insgesamt fünfhundert Millionen Yojanas.
13.
daśa pañca ca saṃkhyāyā lakṣāṇāṃ nātra saṃśayaḥ ||13||
†
Übersetzung: Von der Erdoberfläche bis Dhruva werden fünfzehnhunderttausend Yojanas genannt, großer Weiser.
14.
svarlokātparato'dhvā tu yojanānāṃ mahāmune ||14||
Übersetzung: Damit sind die drei unteren Welten beschrieben. Nun folgt der darüberliegende Weg. Jenseits von Svarloka
15.
ucchrāyeṇa sthitastatra maharloko munīśvara ||15||
Übersetzung: liegt Maharloka in einem Höhenabstand von zwei Kotis und fünfundachtzig Lakhs, also 28,5 Millionen Yojanas, Herr der Weisen.
16.
dvādaśaiva smṛtāḥ koṭyo janādanyastapaḥ sthitaḥ ||16||
Übersetzung: Achtzig Millionen Yojanas darüber liegt Janaloka. Zwölf Kotis, also 120 Millionen, darüber liegt Tapoloka.
17.
daśakoṭyantare tasmācchrīkaṇṭhasya niketanam ||17||
Übersetzung: Nach weiteren sechzehn Kotis liegt Satyaloka. Zehn Kotis darüber befindet sich die Wohnstätte Shrikanthas.
18.
etāvatpārthivaṃ tattvaṃ śatakoṭyucchritaṃ matam ||18||
Übersetzung: Die darüberliegende Eischale misst wiederum eine Koti Yojanas. So wird das gesamte Erd-Tattva mit einer Höhe von hundert Kotis, einer Milliarde Yojanas, angegeben.
19.
yojanānāṃ sahasrāṇi merorardhena pūrvataḥ ||19||
Übersetzung: Nun wird auch die Ausdehnung Bhulokas beschrieben. Östlich der Mitte Merus wird zunächst die betreffende halbe Bergbreite angesetzt.
20.
sahasraṃ mālyavāṃstasmādyojanānāṃ pravistarāt ||20||
Übersetzung: Der dortige Teil Ilavritas misst neuntausend Yojanas. Danach folgt der Malyavat-Berg mit tausend Yojanas Breite.
21.
pūrvavatpaścimenāpi merordhaṃ pratiṣṭhitam ||21||
Übersetzung: Das Land Bhadrashva misst zweiunddreißigtausend Yojanas, Weiser. Im Westen wird wie zuvor die halbe Breite Merus angesetzt.
22.
varṣaṃ hi ketumālākhyaṃ bhadrāśvamiva saṃsthitam ||22||
Übersetzung: Ilavrita besitzt dort dasselbe Maß; Gandhamadana entspricht Malyavat. Das Land Ketumala ist wie Bhadrashva angeordnet.
23.
niṣadhasyācalendrasya vistāro munisattama ||23||
Übersetzung: Südlich von Meru und Ilavrita gelten zunächst dieselben Maße. Der große Nishadha-Berg besitzt eine Breite
24.
harināmnā ca vaipulyātsahasrāṇi navaiva tu ||24||
Übersetzung: von zweitausend Yojanas. Das folgende Land namens Hari ist neuntausend Yojanas breit.
25.
tataḥ kiṃpuruṣaṃ nāma vijñeyaṃ harivarṣavat ||25||
Übersetzung: Der Hemakuta-Berg misst zweitausend Yojanas in der Breite. Das anschließende Kimpurusha ist wie Harivarsha zu bemessen.
26.
bhāratasyāpi vistāro yathā kiṃpuruṣāhvaye ||26||
Übersetzung: Der große Himalaya-Berg ist ebenso breit wie Hemakuta. Bharata besitzt dieselbe Ausdehnung wie Kimpurusha.
27.
taddhīlavṛtasyāpi pramāṇaṃ kīrtitaṃ mune ||27||
†
Übersetzung: Im Norden wird die entsprechende Hälfte des Bergkönigs wie zuvor angegeben. Auch für Ilavrita gilt das schon genannte Maß, Weiser.
28.
tasyottareṇa ramyākhyaṃ sahasranavasaṃmitam ||28||
Übersetzung: Der von Osten nach Westen verlaufende Nila-Berg ist wie Nishadha zu bemessen. Nördlich davon liegt das Ramya genannte Land mit neuntausend Yojanas.
29.
mānaṃ hiraṇmayasyāpi sahasrāṇi navoditam ||29||
Übersetzung: Darauf folgt der zweitausend Yojanas breite Shveta-Berg. Auch Hiranyamaya misst neuntausend Yojanas.
30.
udaksthitaṃ śṛṅgavataḥ kuruvarṣamiti smṛtam ||30||
Übersetzung: Der vorzügliche Shringavat-Berg ist so breit wie Shveta. Nördlich von ihm liegt das Kuru-Land.
31.
lavaṇārṇavaparyantaṃ lakṣamekaṃ samantataḥ ||31||
Übersetzung: Es ist wie Bharata zu bemessen. Alles zusammen umfasst bis zum Salzmeer ringsum hunderttausend Yojanas.
32.
dviguṇastadbhramaḥ śākastasmācca dviguṇaṃ payaḥ ||32||
Übersetzung: Dies ist das bekannte Maß Jambudvipas. Außen liegt das Salzmeer; die nachfolgenden Ringe von Kontinent und Meer werden jeweils mit verdoppeltem Maß beschrieben.
33.
mṛṣṭāmbhonidhiparyantaṃ śailendrārdhāṃśca saṃkhyayā ||33||
†
Übersetzung: Von Inselkontinent zu Inselkontinent und von Meer zu Meer verdoppelt sich das Maß bis zum Süßwassermeer, unter Einrechnung der halben Bergbreiten.
34.
lakṣāṇāṃ tritayaṃ cāpi sārdhaṃ viddhi na saṃśayaḥ ||34||
Übersetzung: Die angegebene Summe lautet zweieinhalb Kotis und dreieinhalb Lakhs Yojanas, also 25,35 Millionen, bester Weiser.
35.
śuddhahemamayī bhūmirdevānāṃ krīḍanāya tu ||35||
Übersetzung: Jenseits des Süßwassermeeres liegt eine hundert Millionen Yojanas breite Fläche aus reinem Gold zum Spiel der Götter.
36.
sahasrāṇi daśa jñeyo yojanānāṃ samantataḥ ||36||
Übersetzung: Außerhalb davon liegt der Berg Lokaloka, ringsum zehntausend Yojanas breit.
37.
cakravatsa tu boddhavyo garbhodiśca samudrarāṭ ||37||
†
Übersetzung: Außerhalb Lokalokas liegt kreisförmig der Meereskönig Garbhoda; sein Maß wird dem Gesamtmaß der übrigen Meere gleichgesetzt.
38.
pañcatriṃśatsamākhyātā yojanānāṃ ca koṭayaḥ ||38||
Übersetzung: Darüber hinaus liegt der überaus furchtbare Bereich, dessen Maß jetzt genannt wird: fünfunddreißig Kotis Yojanas,
39.
catvāriṃśatsahasraiśca sarvamekatra piṇḍitam ||39||
Übersetzung: vermehrt um neunzehn Lakhs und vierzigtausend, du Schmuck der Gelübdetreuen; alles ist zusammenzurechnen.
40.
pañcāśadanyatadvatsyādardhaṃ merostu pūrvavat ||40||
†
Übersetzung: Zusammen mit der Eischale umfasst diese Hälfte der Erde fünfzig Kotis. Die andere Hälfte, von Meru aus wie zuvor gemessen, besitzt denselben Umfang.
41.
tasmāddaśaguṇaṃ toyaṃ toyādagnistato'nilaḥ ||41||
Übersetzung: So wird das Erd-Tattva hier mit hundert Kotis angegeben. Das Wasser umfasst das Zehnfache davon, das Feuer das Zehnfache des Wassers und der Wind das Zehnfache des Feuers.
42.
ākāśāccāpyahaṃkārastasmācca parato mahān ||42||
Übersetzung: Auf den Wind folgt entsprechend der Raum, in diesem von der Ursache gelehrten Tantra. Danach folgen Ahamkara und jenseits davon Mahat.
43.
guṇatrayātpradhānākhyaṃ tattvaṃ daśaguṇottaram ||43||
Übersetzung: Jenseits von Mahat ist die Dreiheit der Gunas zu erkennen, Weiser. Das Pradhana genannte Tattva übertrifft die Guna-Dreiheit wiederum um das Zehnfache.
44.
māyāntāni tu tattvāni tadūrdhvaṃ tu sahasradhā ||44||
Übersetzung: Die übrigen Tattvas bis Maya werden in der Lehre jeweils als hundertfach darüber hinausgehend beschrieben. Oberhalb davon gilt eine tausendfache Steigerung,
45.
catuṣkaṃ śāntiparyantaṃ tato'meyaḥ paraḥ śivaḥ ||45||
Übersetzung: bis zum Sadashiva-Tattva. Darüber besteht die Vierheit bis Shanti in hunderttausendfacher Steigerung. Jenseits davon ist der höchste Shiva unermesslich.
46.
tattvādhvanaste munirājamukhya |
samāsataścāpyanulomamārgāt
Übersetzung: Damit ist dir das ganze Maß des Tattva-Weges gegliedert erklärt, vorzüglicher Weiser. Nun wird dir in Kürze seine sachgemäße Rücknahme in der entsprechenden Reihenfolge gezeigt.
Vidyāpāda, Kapitel 25
Übersetzung: Auflösung des gesamten Adhvan
1.
kālāgnirudro bhagavāñchrīkaṇṭhena mahātmanā ||1||
†
Übersetzung: Unterhalb des gesamten Weltweges steht der erhabene Kalagnirudra mit seinen flackernden Feuerstrahlen. Der große Shrikantha hat ihn
2.
kālo nāma manuṣyāṇāṃ dvividhaḥ pralayātmakaḥ ||2||
Übersetzung: für seine Aufgabe eingesetzt, bis die entsprechende Zeit abgelaufen ist. Für die Menschen wird die zur Auflösung führende Zeit zweifach beschrieben.
3.
lakṣyate'nyo'pi saṃhāro lokatrayaparikṣayāt ||3||
Übersetzung: Die eine Auflösung folgt dem Ende der zu erfahrenden Früchte und wird am Tod des Körpers erkannt. Die andere besteht im Untergang der drei Welten.
4.
jagadātmavaśaṃ kartumatha tasmātsa līlayā ||4||
Übersetzung: Die Welt ist das Werk des spielenden Shrikantha von unermesslichem Licht. Um sie wieder in seine Gewalt zurückzunehmen, tritt er spielerisch
5.
samāviśya jagatkartā tamasā bhūriṇā yadā ||5||
Übersetzung: mit starker Yogakraft in den Körper des Lotosgeborenen ein. Durch die Fülle des Tamas überwindet der Weltenschöpfer
6.
svāpayitvā ca kālākhyaṃ viveśa bhuvaneśvaram ||6||
Übersetzung: auf Shivas Willen hin Brahmas sattvische Tätigkeit. Nachdem er ihn eingeschläfert hat, geht er in den Kala genannten Weltenherrn ein.
7.
bṛṃhitaḥ sahasā krodhājjvālayāmāsa svāṃ tanum ||7||
Übersetzung: Von diesem Feuer erregt und plötzlich gestärkt, lässt der mächtige Kalarudra aus Zorn seinen eigenen Leib auflodern.
8.
nirdahatyāśu cāviṣṭo lokānāṃ tritayaṃ mune ||8||
†
Übersetzung: Von seiner schwer zu widerstehenden, überaus strahlenden Flammenfülle erfüllt, verbrennt er rasch die drei Welten, Weiser.
9.
praṇipatya yathānyāyaṃ pṛṣṭavānparameśvaram ||9||
Übersetzung: Als der hervorragende Brahmane diese Worte des Gottes der Götter hörte, verneigte er sich ordnungsgemäß und fragte Parameshvara:
Übersetzung: Matanga sprach:
10.
sa ca pratyātmakaḥ puṃsāṃ nityaṃ bhogavaśātsthitaḥ ||10||
Übersetzung: Bei einem Wesen, das seine Erfahrungen verbraucht hat, geschieht die körperliche Auflösung durch das Ende seines Leibes. Diese ist bei jedem Menschen individuell und von seiner Erfahrung abhängig.
11.
vaktavyo brahmaṇaḥ svāpo yathāvattuviniścayāt ||11||
Übersetzung: Dafür steht keine einheitliche Zeit fest; die Erfahrung selbst zeigt sie an. Erkläre nun genau den Schlaf Brahmas.
12.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Darauf sprach der Herr des Alls zu dem verständigen Matanga: Als Truti gilt ein Teil des Augenblicks, in dem ein ruhender Mensch die Augen schließt.
13.
kālaḥ kālapravāhe'sminnaprameyo'pyathocyate ||13||
Übersetzung: Diese Einheit ist als äußerst fein zu erfassen. Was noch darunter liegt, wird im Zeitstrom nicht mehr unterschieden. Die Zeit selbst ist unermesslich,
14.
kalādirucyate kṛtsnaḥ saṃkhyānena tavādhunā ||14||
Übersetzung: doch zur Gliederung beschreibt man sie durch Truti und die weiteren Abschnitte, Brahmane. Nun werde ich dir die ganze Zählung der Zeitteile nennen.
15.
lavadvayaṃ nimeṣastu kāṣṭhā pañcadaśātmikā ||15||
†
Übersetzung: Truti ist ein feinster Zeitabschnitt; Lava gilt als das Doppelte. Zwei Lavas bilden einen Nimesha, fünfzehn Nimeshas eine Kashtha.
16.
muhūrtasaṃjño loke'smiṃstriṃśadbhistu suvrata ||16||
†
Übersetzung: Dreißig Kashthas bilden einen Vaha, dreißig Vahas zusammen einen Muhurta. Dreißig Muhurtas
17.
pakṣo'horātravargeṇa jñeyaḥ pañcadaśātmanā ||17||
Übersetzung: heißen in diesem Tantra des höchsten Herrn ein Tag und eine Nacht. Fünfzehn solcher Tage bilden eine Monatshälfte.
18.
ṛtūnāṃ tritayena syādayanaṃ munisattama ||18||
Übersetzung: Zwei Monatshälften bilden einen Monat, zwei Monate eine Jahreszeit. Drei Jahreszeiten ergeben ein Ayana, ein Halbjahr, bester Weiser.
19.
sauro mānuṣajātīnāṃ teṣāṃ ṣaṣṭyadhikaiḥ śataiḥ ||19||
Übersetzung: Zwei Halbjahre heißen ein Jahr: das Sonnenjahr der Menschen. Dreihundertsechzig dieser Jahre
20.
catvāryabdasahasrāṇi vaibudhāni kṛtaṃ yugam ||20||
Übersetzung: bilden nach den Wirklichkeitskundigen ein Götterjahr. Viertausend Götterjahre sind das Krita-Yuga.
21.
ekaikahrāsato'nyāni tretādyāni yugāni tu ||21||
Übersetzung: Seine Morgendämmerung und Abenddämmerung betragen jeweils vierhundert Jahre. Bei den weiteren Yugas von Treta an vermindern sich diese Zahlen stufenweise um je eine entsprechende Einheit.
22.
sarvamekatra saṃkhyātamabdānāṃ tu caturyugam ||22||
Übersetzung: So werden die Yugas bis Kali samt ihren Anfangs- und Enddämmerungen gezählt. Zusammen umfasst die Vier-Yuga-Folge
23.
caturyugaikasaptatyā vijñeyaṃ gaṇitārthibhiḥ ||23||
Übersetzung: zwölftausend Götterjahre. Wer rechnen will, soll ein Manvantara als einundsiebzig solcher Vier-Yuga-Folgen verstehen.
24.
ekaikasya bhavedāyuyugānāmekasaptatiḥ ||24||
†
Übersetzung: Dies wird als Lebensdauer eines Indra angegeben, der seine jeweilige Aufgabe erfüllt: einundsiebzig Vier-Yuga-Folgen für jeden.
25.
lokatrayasthitiriyaṃ samāsena tavoditā ||25||
†
Übersetzung: Vierzehn solcher Zeiträume bilden einen Tag des Lotosgeborenen. So ist dir die Dauer des Bestehens der drei Welten in Kürze erklärt.
26.
kṣayaṃ yāti tataḥ prāpte tadavasthamaharmukhe ||26||
Übersetzung: Ebenso lang ist Brahmas Nacht, in der die drei Welten vergehen, Weiser. Wenn danach der Tagesbeginn wieder erreicht ist,
27.
rudraśaktibalādbhūyo nirmiṇoti jagatsadā ||27||
Übersetzung: erhebt sich Brahma aus seinem Schlaf, von der ursächlichen Macht erfüllt, und schafft durch Rudras Shakti die Welt erneut.
28.
mahākalpaśca kīrtyate |
Übersetzung: Dieser Tag samt Nacht Brahmas heißt auch Mahakalpa. Nach derselben Zählweise bilden dreihundertsechzig solcher Einheiten
29.
jīvedbrahmā munivyāghra nātra kāryā vicāraṇā ||29||
Übersetzung: ein Jahr. Hundert dieser Jahre lebt der Herr Brahma, hervorragender Weiser; so ist es hier festgelegt.
30.
ūrdhvaṃgāmibhiḥ sughorābhirdadāha bhuvanatrayam ||30||
†
Übersetzung: Der lichtvolle Kalagnirudra verbrennt mit den nach oben strebenden, furchtbar flammenden Strahlen seiner Shakti die drei Welten.
31.
kūṣmāṇḍahāṭakādyāstu yogavīryopabṛṃhitāḥ ||31||
Übersetzung: Die dortigen Rudras und Weltenherren, mit dem reinen Mond als Kopfschmuck, von Kushmanda und Hataka an, sind durch Yogakraft gestärkt.
32.
sūkṣmeṇa vapuṣā vahnerasaṃprāptāstu gocaram ||32||
Übersetzung: Mit Zustimmung der Ursache verlassen sie ihre Stätten. In ihrer feinen Gestalt gelangen sie nicht in den Machtbereich des Feuers.
33.
śeṣā nirdagdhatanavo jantavaḥ sacarācarāḥ ||33||
Übersetzung: Spielerisch gehen sie alle in den Leib des Herrn ein. Die übrigen beweglichen und unbeweglichen Wesen aber haben verbrannte Körper,
34.
samutsṛjya śarīrāṇi mūḍhāḥ karaṇavarjitāḥ ||34||
Übersetzung: schreien voller Furcht und verlieren ihre Erfahrungen. Sie lassen ihre Körper zurück, stehen ohne äußere Ausstattung da, verwirrt und ohne Werkzeuge.
35.
ajñānatamasā viṣṭāstiṣṭhantyābhūtasaṃplavam ||35||
Übersetzung: Sie gelangen nach Janaloka, ohne einander zu erkennen. Von der Dunkelheit der Unwissenheit erfüllt, bleiben sie bis zur Auflösung der Elemente dort.
36.
vahnerjvālāsamūhena ye maharlokavāsinaḥ ||36||
Übersetzung: Wenn die mächtige Flammenfülle des Feuers bis Dhruva emporreicht, geraten auch die Bewohner Maharlokas in Furcht.
37.
viśrāmaśca tatasteṣāṃ janaloke'bhayātmanām ||37||
Übersetzung: Sie fliehen auf dem Weg oberhalb Dhruvas und finden in Janaloka furchtlose Ruhe.
38.
na pakṣiṇo mṛgāścaiva paśavo na ca mānuṣāḥ ||38||
Übersetzung: Wenn das Feuer zum Verbrennen ansetzt, bleiben weder Bäume noch kriechende Tiere, weder Vögel noch Wildtiere, Haustiere oder Menschen,
39.
nācalāḥ sarito naiva na sarāṃsi na sāgarāḥ ||39||
Übersetzung: weder Götter, Danavas, Schlangenwesen noch andere Bewohner, weder Berge noch Flüsse, Seen oder Meere
40.
lokatrayasya kṛtsnasya dahyamānasya suvrata ||40||
Übersetzung: auch nur einen halben Augenblick auf der Erde bestehen, hervorragender Weiser. Während die drei Welten vollständig verbrennen,
41.
evaṃ vṛtte niśākāle brahmāmaraguruḥ prabhuḥ ||41||
Übersetzung: vermögen sie dem unbezwingbaren Licht nicht standzuhalten. Wenn so die Nachtzeit vergangen ist, erwacht Brahma, der Herr und Lehrer der Götter,
42.
tadanudhyāya viśvātmā prajñāyocitasaṃpadam ||42||
Übersetzung: vom großen Shrikantha erfüllt. Der universale Herr betrachtet innerlich die ihrer Ordnung entsprechende Entfaltung.
43.
evamabdaśataṃ pūrṇaṃ bhāvābhāvaparibhramāt ||43||
Übersetzung: Als Weltenschöpfer will er durch übermächtigen Yoga wieder schaffen. So vergehen hundert volle Jahre im Wechsel von Hervortreten und Zurücknahme.
44.
bubhoja vipulānbhogānbhogasthānaṃ yatastu tat ||44||
Übersetzung: Nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat, genießt der Weltenherr im Mahat-Tattva weite Erfahrungen, denn dieses ist seine Erfahrungsstätte.
45.
nyāyenānena saṃsiddhā netāro jagataḥ purā ||45||
Übersetzung: Sein Ruhen bei der Auflösung ist im höheren Guna-Bereich zu verstehen. Nach demselben Grundsatz sind schon früher Weltenführer zur Vollendung gelangt.
46.
kiṃ tu ye buddhitattvāt śrīkaṇṭhecchāpracoditāḥ ||46||
Übersetzung: Auch die weiteren sind nicht zu zählen, bester Weiser. Die Lotosgeborenen, die aus dem Buddhi-Tattva durch Shrikanthas Willen angetrieben wurden,
47.
yāvadabdaśataṃ bhāvyaṃ tasminbhuvāntare prabhuḥ ||47||
†
Übersetzung: gehen in vielfacher Folge über ihre Amtsstätte hinaus. Wenn der dafür bestimmte hundertjährige Zeitraum erfüllt ist, nimmt der Herr
48.
jale saṃyojayettoyaṃ pṛthivyā sahitaṃ tataḥ ||48||
Übersetzung: durch seine eigene Kraft Brahmas Ei samt allem Beweglichen und Unbeweglichen zurück und verbindet es mit dem Wasser. Das Wasser mitsamt der Erde
49.
vāyau pralīyate vāyustaṃḥ sārdhaṃ pārthivādibhiḥ |49||
†
Übersetzung: geht im Feuer auf, das Feuer mitsamt Erde und Wasser im Wind. Der Wind mit den Erd- und übrigen Anteilen
50.
mahān guṇeṣu viprendra guṇāstattve pare yayuḥ ||50||
Übersetzung: geht im Raum auf, der Raum in Ahamkara, Ahamkara in Mahat, Mahat in den Gunas und die Gunas im höheren Tattva, bester Brahmane.
51.
śrīkaṇṭhabhuvanaṃ prāpya krīḍantyaviratendriyāḥ ||51||
Übersetzung: Die hundert Rudras und die weiteren Helden, von der Kraft des Shiva-Yoga erfüllt, erreichen Shrikanthas Welt und spielen mit unverminderten Sinnen.
52.
pradhānamacaladbhūyo bhūyo'pyevaṃ sahasradhā ||52||
Übersetzung: Dann gerät Pradhana durch die allwirkende Kraft Shrikanthas wieder in Bewegung. So tritt es tausendfach immer wieder hervor
53.
layaṃ yāti prabhau māyātmake kramāt |
Übersetzung: und geht der Reihe nach im Maya-Bereich des Herrn zur Ruhe ein. Die Rudras ruhen ohne Mühsal und Machtrausch; die individuellen Seelen ohne äußeres Bewusstsein.
54.
prāpte cāharmukhe patyurananteśasya dhīmataḥ ||54||
Übersetzung: Ihre Werkzeuge schlafen, während sie das Ende der Nacht erwarten. Beginnt der Tag des weisen Herrn Anantesha,
55.
ye yato visṛtā bhāvāḥ savikārāḥ sapudgalāḥ ||55||
Übersetzung: werden sie in ihren jeweiligen Aufgaben tätig, an Erfahrung gebunden und von Machtrausch erfüllt. Alle Zustände samt ihren Veränderungen und Seelen
56.
māyordhvacchadane rudrā vyākhyātā gahanādayaḥ ||56||
Übersetzung: gehen genau dorthin zurück, woher sie hervorgetreten sind, nirgends anders, bester Weiser. Im oberen Bereich der Maya sind die Rudras von Gahana an beschrieben.
57.
ye'pyadhaśchadanādhastātsphuranmāṇikyamaulayaḥ ||57||
†
Übersetzung: Als jeweilige Herren leuchten sie wie Lampen und sind stets in Meditation gesammelt. Auch die unter der unteren Hülle bestehenden, mit funkelnden Juwelen gekrönten Rudras
58.
ye vargā bhuvaneśānāṃ rudrāṇāmamitātmanām ||58||
Übersetzung: leuchten rein wie Glühwürmchen in der tiefen Dunkelheit der Maya. Die Scharen der unbegrenzten Rudras und Weltenherren
59.
evaṃ hyanādimadhyānto dānādānādivartmanā ||59||
Übersetzung: sind als Kräfte des spielenden höchsten Herrn zu verstehen. So vollzieht sich anfangs-, mitten- und endlos der Weg des Gebens und Zurücknehmens.
60.
pralaye ye yathā pūrvaṃ saṃhṛtāste tathaiva hi ||60||
Übersetzung: Diese feinen Kräfte sind von unerschöpfter Fülle und durchziehen alle Tattvas. Wie die Erfahrenden zuvor bei der Auflösung zurückgenommen wurden,
61.
pralayo'nyo'pi śuddhānāṃ bhūyo yena gatajvarāḥ ||61||
Übersetzung: so treten sie wieder in Körper ein, damit ihre Erfahrungen zustande kommen. Es gibt aber auch eine andere Rücknahme für die Reinen: Von Leidensglut frei,
62.
śuddhādhvapatayo devā mantrāścāmoghaśaktayaḥ ||62||
Übersetzung: gelangen sie nicht erneut in den weiten Ozean von Alter, Geburt und Tod. Die göttlichen Herren des reinen Weges und die Mantras besitzen unfehlbare Kräfte.
63.
samāpya svādhikārāṃste prayānti padamuttamam ||63||
Übersetzung: Sie sinken nicht ab, vergehen nicht und werden von niemandem bedrängt. Nachdem sie ihre Aufgaben erfüllt haben, gelangen sie zur höchsten Stätte.
64.
padātpadaṃ nivṛttyādiśāntyantaṃ yaccatuṣṭayam ||64||
Übersetzung: Eine weitere Rücknahme besteht für sie, wenn Shiva mit seinem Mantraleib von Stätte zu Stätte durch die Vierheit von Nivritti bis Shanti geht.
65.
taccittāstyaktakalpā viceṣṭante padātpadam ||65||
Übersetzung: Dann folgen auch sie ihm, Brahmane. Ihr Geist ist ganz auf ihn gerichtet; von begrenzenden Vorstellungen frei bewegen sie sich von Stätte zu Stätte.
66.
pratibhuvananivṛttiṃ ye yathā prāpnuvanti |
tanukaraṇaviceṣṭānirjitānyādareṇa
†
Übersetzung: So ist dir der gesamte Weltenweg in seiner Rücknahme erklärt, wie die Wesen jeweils aus ihren Welten zurückgehen. Vernimm nun, was durch die Tätigkeiten von Körper und Werkzeugen gemäß ihrer größeren oder geringeren Wirkung erworben wird.
Vidyāpāda, Kapitel 26
Übersetzung: Erfahrung als Grundgegenstand
1.
adharmadhidbhavedduḥkhaṃ dharmāccaiva sukhaṃ paśoḥ ||1||
†
Übersetzung: Nun werde ich die Unterscheidung von Dharma und Adharma erklären. Für die gebundene Seele entsteht aus Adharma Leid, aus Dharma Freude.
2.
vāsanāvaśagaṃ bhoktustadvipākena sarpati ||2||
Übersetzung: Dies wurde allgemein bereits gesagt. Die Erfahrung tritt von Kala her auf, folgt den Prägungen des Erfahrenden und entfaltet sich mit deren Reifung.
3.
dānena bhogavā~lloke taccedānīmathocyate ||3||
Übersetzung: Sie ist entsprechend den drei Handlungsarten dreifach. Durch Geben gelangt man in der Welt zu Möglichkeiten des Genießens; dies wird nun erläutert.
4.
sukhibhyo'sukhanāśāya pūrvavattrividhaṃ matam ||4||
Übersetzung: Man hilft Bedrängten durch Handlungen der Rede, des Geistes und des Körpers, um ihr Leid zu beseitigen. Auch gegenüber Glücklichen dient Hilfe dem Abwenden von Leid und ist ebenso dreifach.
5.
bhinnaṃ kṣetraviśeṣācca bhūyo vittānusārataḥ ||5||
Übersetzung: Weiter unterscheidet sie sich nach der Zeit, dem Empfänger, dem Ort und den vorhandenen Mitteln.
6.
jātibhedādrūpabhedācchauryavijñānabhedataḥ ||6||
Übersetzung: Nach den jeweiligen Eigenschaften gliedert sich ihre Frucht vielfach, Weiser: nach Geburtsart, Gestalt, Tapferkeit und Wissen,
7.
evaṃ madhyottamā bhogāḥ kaniṣṭhāścāpi bhoginām ||7||
Übersetzung: nach Glück und Unglück. So ergeben sich für die Erfahrenden mittlere, höhere und niedrigere Erfahrungen.
8.
paśūnāmupasarpanti vibhāgaste'dhunocyate ||8||
Übersetzung: Immer geringere und immer vorzüglichere Früchte treten an die Seelen heran. Ihre Unterscheidung wird dir nun erklärt.
9.
narakeṣu niṣīdanti tebhyaḥ kṣīṇaiḥ svakarmabhiḥ ||9||
Übersetzung: Nach dieser Karma-Lehre sinken grausame Menschen, die durch schwere Verfehlungen andere bedrängen, in Höllen. Wenn dort ihr entsprechendes Karma erschöpft ist,
10.
nāstikyabhāvanāviṣṭā mūḍhatvenātibhūriṇā ||10||
Übersetzung: durchlaufen sie der Reihe nach tierische Geburten, Weiser. Wer von verneinenden Auffassungen und starker Verblendung erfüllt ist,
11.
krūrabhāvotkaṭā dīnāśchidraghnā nyāyavarjitāḥ ||11||
†
Übersetzung: soll entsprechend seinem verbleibenden Karma als unbewegliches Lebewesen leben. Menschen von heftiger Grausamkeit, die Schwächen ausnutzen und Recht missachten,
12.
vāgbhūridoṣasaṃsliṣṭāḥ pakṣiṇo duṣṭacetasaḥ ||12||
†
Übersetzung: sollen als kriechende Tiere leben, abhängig von ihrer Karma-Reifung. Wer mit vielen Fehlern der Rede verbunden ist und einen schädlichen Geist besitzt, soll als Vogel geboren werden.
13.
bhayadānācca viprendra vihvalāḥ sukhavarjitāḥ ||13||
Übersetzung: Wer davon geprägt ist, andere zu überwältigen, soll in Wildtierarten gelangen. Wer Furcht verbreitet, lebt verwirrt und ohne Freude, bester Brahmane.
14.
śaucācāraparityāgācchauryañcāti bhayaṃkarāt ||14||
†
Übersetzung: Fleischfressende Wesen werden mit Fleischverzehr, unrechtem Gewinnstreben, Vernachlässigung von Reinheit und Lebensordnung sowie furchterregendem Verhalten verbunden.
15.
annapānāpahartāraḥ kṣutpipāsāpariplutāḥ ||15||
Übersetzung: Daraus sollen Hunde und ähnliche Wesen entstehen, die Unreines verzehren. Wer anderen Essen und Trinken nimmt, soll von Hunger und Durst geplagt werden.
16.
parapīḍākarā mūḍhāḥ karmabhiścātidāruṇaiḥ ||16||
Übersetzung: Wer Häuser, Partnerinnen oder Gewänder anderer raubt und durch grausame Handlungen Leid verursacht,
17.
evaṃ nānāprakārāṇi jātijātyantarāṇi ca ||17||
Übersetzung: soll als Haustier geboren werden und stets von anderen abhängig sein, Weiser. Nach dem Durchlaufen vieler verschiedener Geburtsarten
18.
jaghanyajātayastāvattritayaṃ śītātapādibhiḥ ||18||
Übersetzung: entstehen entsprechend den verbleibenden Prägungen Menschen mit leidvollem Leben. In niedrigen sozialen Verhältnissen werden sie von Kälte, Hitze und weiterem Leid gequält.
19.
kecinmūḍhā durācārā mūḍhatvātpaśuvatsthitāḥ ||19||
Übersetzung: Ohne Besitz und Mittel werden sie von anderen Menschen bedrängt. Manche leben nach der wertenden Darstellung des Textes unwissend und ungeordnet, in ihrer Verwirrung Tieren vergleichbar.
20.
chinnanāsākṣikarṇāsthyameḍhrapādādayastathā ||20||
Übersetzung: Prägungen aus dem Verletzen anderer sollen sich wiederum als körperliche Schäden zeigen, etwa an Nase, Augen, Ohren, Knochen, Geschlechtsorgan oder Füßen.
21.
paṅgavo vāmanāḥ kubjāḥ kuṇayo vyādhitāstathā ||21||
Übersetzung: Auch angeborene Stummheit, Blindheit, Taubheit, Lähmung, Kleinwuchs, Buckligkeit, verkrümmte Hände und Krankheiten werden hier in diese historische Karma-Deutung eingeordnet.
22.
saumyāśayavaśātkecitkadācitkālpaparyayāt ||22||
†
Übersetzung: Weitere Menschen werden als körperlich beeinträchtigt oder ohne Unterkunft beschrieben. Durch sanftere Prägungen entstehen nach langer Zeit auch günstigere Verhältnisse.
23.
svakāyapoṣaṇāyāsātsamarthāḥ pratarpitum ||23||
†
Übersetzung: Wer nicht gegeben hat, soll trotz hoher Geburt arm sein. Er hat Mühe, den eigenen Körper zu ernähren, und ist kaum fähig,
24.
svātmānaṃ tu puraskṛtya sahasrāṇi śatāni ca ||24||
Übersetzung: auch nur einen erschöpften Gast zu sättigen. Andere dagegen versorgen, während sie selbst an erster Stelle stehen, Hunderte und Tausende.
25.
hiṃsāto'lpāyuṣaḥ santi tathāsatyagiro narāḥ ||25||
Übersetzung: Diese Begüterten gelten als aus dem Himmel Herabgekommene. Der Text verbindet Verletzen mit kurzer Lebensdauer und unwahre Rede mit üblem Körpergeruch.
26.
brahmaghnāḥ kṣayiṇaḥ santi duścarmā gurutalpagāḥ ||26||
Übersetzung: Golddiebstahl wird mit Hautkrankheit, das Töten eines Brahmanen mit Auszehrung und der Verkehr mit der Frau des Lehrers mit krankhafter Haut verbunden.
27.
mūko jñānāpaharaṇe śvitrī cāgnipradīpakaḥ ||27||
†
Übersetzung: Alkoholkonsum wird hier mit dunklen Zähnen, Blumendiebstahl mit Schielen, das Vorenthalten von Wissen mit Stummheit und Brandstiftung mit weißen Hautflecken verknüpft.
28.
paradārānugaḥ ṣaṇḍo bhrūṇahā codarī bhavet ||28||
Übersetzung: Bettendiebstahl wird mit Buckligkeit, Hausraub mit Heimatlosigkeit, Ehebruch mit Impotenz und das Töten eines Ungeborenen mit einer Baucherkrankung verbunden.
29.
picchāpaharaṇādvyādhirbhedeṣānnā bhagaṃdaraḥ ||29||
†
Übersetzung: Der Text ordnet Schirmdiebstahl Kahlheit zu und nennt weitere unsicher lesbare Zuordnungen von Diebstählen zu Lähmung, Krankheit und Fisteln.
30.
badhiraḥ kūṭasākṣitvādṛṇī dravyānurūpataḥ ||30||
Übersetzung: Das Entwenden von Pferden oder anderen Fahrzeugen wird mit Kleinwuchs, falsches Zeugnis mit Taubheit und unrechtmäßig genommener Besitz mit entsprechender Verschuldung verbunden.
31.
evamādīni cihnāni loke'sminmunisattama ||31||
†
Übersetzung: Bücherdiebstahl wird mit Armut, lautes Beschimpfen mit Sprachbeeinträchtigung verknüpft. Solche und ähnliche Kennzeichen nennt der Text für diese Welt, bester Weiser.
32.
pūrtadharmeṇa vibhavo loke'sminpūrvavatsthitaḥ ||32||
Übersetzung: Wer anderen Furchtlosigkeit schenkt, soll dagegen anmutig werden und lange leben. Gemeinnützige Werke führen zu Wohlstand, wie zuvor beschrieben.
33.
iṣṭadharmavaśāllokāḥ kramādhvānurūpataḥ ||33||
†
Übersetzung: Durch Fasten und Yamas wird eine einwandfreie Geburt in einem glücklichen Weltgebiet erlangt. Opferpflichten führen entsprechend ihrer Ordnung zu den jeweiligen Welten.
34.
tasya tasya bhavettaddhi bhogasthānānurūpataḥ ||34||
Übersetzung: Welche Gottheit jemand an welchem Ort und mit welcher Verehrung aufsucht, dementsprechend wird ihm eine Erfahrungsstätte zuteil.
Übersetzung: Matanga sprach:
35.
karmāśayavaśātprāptaṃ kartuṃ śaknoti vāritum ||35||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Könnte jemand Freude, Leid, Lebensdauer und Tod, die ihm kraft seiner Karma-Prägung zukommen, bewirken oder verhindern,
36.
na kartuṃdṛśyate yasmāttasmātsarvamanarthakam ||36||
Übersetzung: fortnehmen oder gewähren, dann wäre er unabhängig. Da man eine solche freie Verfügung nicht sieht, scheint das Bemühen zwecklos.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
37.
niyujyate'sau bhogeṣu karmabhyo'sya tadātmikām ||37||
Übersetzung: Die Antwort lautet: Welche Prägung einen Menschen nach Shivas Willen erfasst und ihn zu Erfahrungen führt, entsprechend dieser Prägung erwirbt er durch Handlungen
38.
yujyate sukhaduḥkhābhyāṃ karmaṇā ca tadātmanā ||38||
Übersetzung: wieder neue Eindrücke. Kraft ihrer Reifung wird er erneut mit Freude und Leid verbunden und mit entsprechendem weiteren Handeln.
39.
ādarānādarāviṣṭaḥ prerito vātha kenacit ||39||
Übersetzung: So entstehen Vertrauen, Beständigkeit, Erlangen und Wachstum. Ob jemand mit Achtung oder ohne Achtung handelt oder von einem anderen angetrieben wird,
40.
anaśnataḥ khāvaraṇe bhṛgupātāttathānile ||40||
Übersetzung: aus Furcht oder Begehren: Daran zeigt sich seine jeweilige Art des Handelns. Der Text ordnet ferner tödlichen asketischen Praktiken bestimmte kosmische Bereiche zu: Nahrungsverzicht dem Raum und einen tödlichen Sturz dem Wind.
41.
prāptiḥ sāmānyato dṛṣṭā viśeṣaścāpyathocyate ||41||
Übersetzung: Tod im Feuer wird der Feuerwelt, Tod im Wasser der Wasserwelt zugeordnet. Dies ist die allgemeine Zuordnung des Textes; nun folgt eine genauere Unterscheidung.
42.
smaraṇācca bhavetprāptistasya tasya tadātmikā ||42||
†
Übersetzung: Durch Geben, Wahrhaftigkeit, Verzicht, gereifte Entschlossenheit und beständiges Gedenken wird jeweils ein entsprechender Zustand erlangt.
43.
sthānaṃ syāttīrthamāhātmyāttaccaivātroditaṃ purā ||43||
Übersetzung: In der zuvor beschriebenen Reihenfolge entfaltet sich die jeweilige Fülle. Durch die Kraft heiliger Orte wird eine entsprechende Stätte erreicht; diese sind bereits genannt.
44.
lokatraye'pi modante vimānasthā yaśasvinaḥ ||44||
Übersetzung: Durch Agnihotra und weitere Opfer, gemeinnützige Werke sowie Gelübde wie Candrayana erfreuen sich ruhmreiche Wesen in himmlischen Fahrzeugen innerhalb der drei Welten.
45.
yā gatiḥ śivabhaktānāṃ śāṭhyenāpi mahātmanām ||45||
Übersetzung: Wer hundert Opfer vorschriftsgemäß vollzieht, erlangt Indras Stätte. Doch den Weg, den selbst unvollkommen aufrichtige Verehrer Shivas erreichen,
46.
kiṃ punaḥ śraddhayā yuktāstattviveśitabuddhayaḥ ||46||
†
Übersetzung: erlangt man nach dem Text nicht durch tausend Opfer, bester Weiser. Um wie viel mehr gilt dies für Menschen voller Vertrauen, deren Einsicht in die Wirklichkeit eingegangen ist!
47.
dhyāyino dhyānasāmarthyādbhaktā bhaktivaśānvarāḥ ||47||
†
Übersetzung: Sie sind Rudras, daran besteht kein Zweifel, und wohnen in den jeweiligen Bereichen. Meditierende werden durch die Macht ihrer Meditation ausgezeichnet, Hingebungsvolle durch ihre Hingabe.
48.
krīḍantyamitabhogāste naṣṭaśokā mahādhiyaḥ ||48||
Übersetzung: Manche gelangen durch rituelles Handeln zur Vollendung; auch sie sind dreizacktragende Rudras. Von Kummer frei, spielen diese Einsichtigen in unbegrenzten Erfahrungen.
49.
mriyante yojitāstasminbhuvaneśasamā narāḥ ||49||
Übersetzung: Von Kalagni bis Shiva bestehen solche Bereiche auf dem reinen und unreinen Weg. Menschen, die beim Sterben mit einem Bereich verbunden sind, werden seinen Weltenherren gleich.
50.
prāpnuvanti munivyāghra tasminneva ramanti te ||50||
Übersetzung: Durch Meditation oder festen inneren Entschluss erlangen sie die im Geist ersehnte Stätte, hervorragender Weiser, und erfreuen sich dort.
Übersetzung: Matanga sprach:
51.
na tadvyāpayituṃ śaktaṃ dhyānaṃ syāttadvinā kutaḥ ||51||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Der Geist wird als aus Pradhana hervorgegangen beschrieben. Wie kann er einen Weltweg jenseits Pradhanas durchdringen? Und wie wäre Meditation ohne ihn möglich?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
52.
vyāpnoti tadatītāni manastadvanmahādhvani ||52||
†
Übersetzung: Die Antwort lautet: Wie das in einem Edelstein aufscheinende Licht über den Stein hinausreicht, so wirkt der Geist auf dem großen Weltweg.
53.
prakāśayati tattvāni dhyātṛdhyāneraṇātsadā ||53||
†
Übersetzung: Beim Yogi wird er durch sein Ziel entzündet, Brahmane. Vom Meditierenden und seiner Meditation angetrieben, erhellt er die Tattvas.
54.
cālayeccālitaṃ yogāśrayatyūrdhvamadhaḥ smṛtam ||54||
†
Übersetzung: Gesammelt trägt und bewahrt er das Gesammelte; in Bewegung gesetzt, bewegt er anderes. Durch Yoga kann er sich nach oben oder unten richten.
55.
atha kiṃ bahunoktena yogapāde pravistarāt ||55||
Übersetzung: Je nach seiner leuchtenden Färbung lässt er verschiedene Wirkungen entstehen. Doch wozu hier viele Worte? Im Yogapāda wird dies ausführlich
56.
tadasminnātivistārācchṛṇvekamanā mune ||56||
†
Übersetzung: zu erklären sein, hervorragender Weiser. Hier soll es nicht zu weit ausgebreitet werden. Höre mit gesammeltem Geist weiter.
57.
apsarobhirvṛtā nityaṃ krīḍantyutkṛṣṭacetasaḥ ||57||
Übersetzung: Auch diejenigen, die der Lehre ergeben sind, werden als leidfrei beschrieben. Von Apsaras umgeben, spielen sie beständig mit erhobenem Bewusstsein.
58.
pūjayanti narāḥ śūrāste'pi siddhā gaṇeśvarāḥ ||58||
Übersetzung: Menschen, die das Linga Maheshvaras liebevoll mit Verneigung verehren, werden ebenfalls zu vollendeten Herren der Ganas.
59.
śatarudrāntikaṃ sthānaṃ sakṛlliṅgārcanāllabhet ||59||
Übersetzung: Sie erreichen die Stätte des Gemahls Umas und erfreuen sich vielfältiger Erfahrungen. Schon eine einzige Linga-Verehrung soll eine Stätte nahe den hundert Rudras erschließen.
60.
śrīkaṇṭhapadamāruhya sukhamatyadbhutaṃ labhet ||60||
Übersetzung: Wer aus Hingabe einen heilsamen Tempel für Shivas Linga errichtet, steigt nach dieser Verheißung zur Stätte Shrikanthas auf und erlangt wunderbare Freude.
61.
upāsate mahādevaṃ te'pi siddhā narottamāḥ ||61||
Übersetzung: So werden die vorzüglichen Menschen vollendet, die Mahadeva beständig mit verschiedenen Formen der Hingabe oder mit rechtschaffenen Werken verehren.
62.
yathepsitabhujaḥ santo nāvasīdanti karmaṇā ||62||
Übersetzung: Sie überschreiten den Bereich Pradhanas, sind von Leiden frei, genießen das Ersehnte und sinken durch ihre Tätigkeit nicht zurück.
63.
prāpyate cittabhedena mokṣo vātha catuṣṭayāt ||63||
Übersetzung: Die Stätte Sadashivas wird durch Yoga, rechten Lebenswandel oder Initiation erreicht, entsprechend der inneren Ausrichtung. Befreiung wird durch das Zusammenwirken der vier Wege erlangt.
64.
vivekaḥ khalu kṛtsnasya bandhasyāsyāmitātmanaḥ ||64||
†
Übersetzung: In der eigenen höchsten Wirklichkeit besteht keine bedingte Erfahrung. Durch die höhere Vidya wird die ganze, weitreichende Bindung unterschieden.
65.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Die heilsame Erkenntnis der sechs Grundgegenstände wird als Ursache ihrer Durchtrennung bezeichnet. Der Weise fragte: Du hast deutlich erklärt, dass Unwissenheit Bindung verursacht (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
66.
prasūtirnāsito yasmādvidyate cedvirudhyate ||66||
†
Übersetzung: und Erkenntnis sie durchtrennt. Doch beide sollen in der Seele bestehen. Da nichts aus Nichtsein entsteht, müssten beide vorhanden sein; das scheint widersprüchlich.
67.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Licht und Dunkelheit werden von Kundigen nirgends als zugleich wirksam angenommen. Die Antwort lautet: Wie Feuer die gesamte Brennstoffmenge zu Asche macht,
68.
vidyāvidyātmakaṃ tadvadyugapatpaśu saṃtatau ||68||
†
Übersetzung: aber trotz seiner verborgenen Gegenwart ohne die nötigen Mittel nicht mit eigenem Licht aufscheint, so verhält es sich bei den Seelen mit Wissen und Unwissenheit.
69.
gatiḥ saivāvaboddhavyā dharmāntaranidarśanāt ||69||
Übersetzung: Die höhere Erkenntnis erreicht beim Unterscheidenden die höchste Grenze. Dies ist als sein Ziel zu verstehen, erkennbar am Hervortreten einer anderen Eigenschaft.
70.
sthitaye nirmitaṃ dhātrā nāsato vyajyate kvacit ||70||
Übersetzung: Die aus der Bestimmung des Erfahrenden hervorgehende Erkenntnis wird in übertragener Rede als Shiva-Erkenntnis bezeichnet. Der Schöpfer richtet sie für sein Bestehen ein; aus völligem Nichtsein tritt niemals etwas hervor.
71.
uktaṃ tathāpyupāyoktyā na cotpattiḥ parātmanaḥ ||71||
Übersetzung: Nicht einmal das Geringste entsteht so in dieser Welt, um wie viel weniger das höchste Shiva-Sein. Obwohl man von einem Weg zu ihm spricht, wird das höchste Selbst dadurch nicht erst erzeugt.
72.
vyakto'sau śivavadbhāti śiva eva tanukṣaye ||72||
Übersetzung: Zur Offenbarung der Erkenntnis wird das Shiva-Tattva der Seele gegenüber offenbar. So erschlossen leuchtet sie wie Shiva; beim Ende des Körpers ist sie Shiva.
73.
paripūrṇaḥ sunirvāṇaḥ patireva na saṃśayaḥ ||73||
Übersetzung: Dies ist der Erkenntnisgang für die noch nicht Befreiten. Nach dem Erwachen zu Shiva ist die Seele vollkommen, ganz zur Ruhe gelangt und selbst Pati, ohne Zweifel.
74.
so'ṅkuro'ṇoravidyākhyaḥ saṃsārotpattikāraṇam ||74||
Übersetzung: Der aus Begehren bestehende Zustand, der sich als „mein“ im Selbst festsetzt, ist der Unwissenheit genannte Keim der Seele und Ursache des Samsara.
75.
yadā vidyāgninā pluṣṭā sāvidyā kalayā saha ||75||
Übersetzung: Mit ihm verbunden ist die feine Kala, von anfangslosem Karma geprägt. Wenn Unwissenheit zusammen mit Kala vom Feuer der Erkenntnis verbrannt wird,
76.
dhvaṃsamāyānti vai kṣipraṃ tatkṣaṇātkṣīṇakarmaṇaḥ ||76||
Übersetzung: vergehen rasch auch Berauschtheit und die übrigen Zustände samt ihren Prägungen. Im selben Augenblick wird bei dem Menschen, dessen Karma erschöpft ist, das unbegrenzte Shiva-Sein allseitig offenbar.
77.
dhvastāstatkiraṇaughātāsilatayā so'nādarātsāṃpratam |
krīḍankrīḍanakairapīndriyavaśātsvacchena yukto hṛdā
†
Übersetzung: Wer die vom Verlangen nach Werden gequälten Zustände im ganzen Ozean des Samsara durch das strahlenartige Schwert dieser Erkenntnis zerstört hat, kann nun mit klarem Herzen selbst mitten im Spiel der Sinne unbefangen handeln. Die Menschen auf Erden werden heilsam, wenn das Wasser der Gemeinschaft mit ihm den Schleier ihrer Verfehlungen abwäscht.
78.
vidyāratnasamujjvalaṃ pratidinaṃ dhyātaṃ vibhormandiram |
tattejotthamayūkhapāśavaśagaḥ prāpnotyasau tatkṣaṇāt
†
Übersetzung: Wer täglich über den Tempel des Herrn meditiert, gebaut aus dem Holz aller Grundgegenstände, mit hohen Gipfeln aus Tattva-Steinen und leuchtend von Erkenntnisjuwelen, wird von dessen Lichtstrahlen ergriffen und gelangt unmittelbar dorthin. Diese aus dem Stroh Pradhanas bestehende Hütte zurücklassend, blickt er stets auf sie herab.
79.
vidyātmakaste kathito yathāvat |
karmātmako'nukramatastvavāptaḥ
†
Übersetzung: So ist dir dieser erste Teil über Erkenntnis sachgemäß und gegliedert erklärt. Nun folgt der Teil über das rituelle Handeln, auf den zuvor hingewiesen wurde. Höre ihn, Weiser.
iti vidyāpādaḥ samāptaḥ ||
Übersetzung: Damit ist dieser Werkteil abgeschlossen.
Ergänzende heutige Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev, unabhängig von den historischen Verfahren des Textes.
Kriyāpāda

Kriyāpāda, Kapitel 1
Übersetzung: Einweihung
1.
sāṅgaṃ samastataḥ sarvabhūtānukampayā ||1||
Übersetzung: Nun werde ich aus Mitgefühl mit allen Wesen das unübertreffliche Verfahren der Einweihung vollständig und mit allen seinen Gliedern erklären.
2.
sukhopāyamidaṃ teṣāṃ vidhānamuditaṃ guroḥ ||2||
Übersetzung: Für Menschen, die entschlossen sind, denen aber die Kraft zum Weg der Erkenntnis fehlt, ist dieses Verfahren des Gurus als leicht zugänglicher Weg gelehrt worden.
3.
ṣaḍaṅgāni nibodhasva vaktavyānyanupūrvaśaḥ ||3||
Übersetzung: Höre der Reihe nach von den sechs Gliedern, die derjenige kennen muss, der mit dem Amt betraut ist, der Welt Gnade zu vermitteln.
4.
guruṇā veditavyāni yathāvattannibodha me ||4||
Übersetzung: Mudras, Mandala und Mantras, der heilige Ort, die Stoffe und die Übenden: Diese muss der Guru sachgemäß kennen. Höre ihre Erklärung von mir.
5.
praśāntāvāhanī caiva saṃhārī pañcamī matā ||5||
Übersetzung: Zuerst kommt die Shakti-Mudra, danach die Bija-Mudra, ferner Prashanta und Avahani; als fünfte gilt die Samhari-Mudra.
6.
śaktimudrā bhavedeṣā sarvaduṣṭanivāriṇī ||6||
Übersetzung: Man strecke die rechte Hand mit verbundenen Fingern nach oben aus und zeige sie. Dies ist die Shakti-Mudra, die alles Schädliche abwehrt.
7.
prasāryāṅguṣṭhamūlābhyāṃ korpau caivordhvaṃ gataḥ samāḥ ||7||
†
Übersetzung: Kleine Finger und Ringfinger werden ineinandergefügt und zusammengedrückt; die Daumenwurzeln werden ausgestreckt, die beiden Ellbogen gleichmäßig nach oben geführt. Die genaue Handstellung ist nicht völlig eindeutig überliefert.
8.
anāmikāmadhyamābhyāmaṅguṣṭhāgraṃ niyojayet ||8||
Übersetzung: Diese paarige Handhaltung ist als Bija-Mudra bekannt und dient der Vollendung der Handlung. Für die nächste Haltung verbinde man die Daumenspitze mit Ring- und Mittelfinger.
9.
praśāntiriti samākhyātā kanyasāṅguṣṭhakordhvagā ||9||
†
Übersetzung: Die beiden Handflächen werden aneinandergelegt und verbunden. Die als Prashanti bezeichnete Haltung zeigt kleine Finger und Daumen nach oben.
10.
tarjanyau samākṛṣya svāṅguṣṭhābhyāṃ samāhitau ||10||
†
Übersetzung: Man bilde mit beiden Händen sorgfältig die hohle Anjali-Haltung, ziehe die Zeigefinger heran und lege sie an die eigenen Daumen.
11.
prasārya dakṣiṇaṃ pāṇiṃ kaniṣṭhādikramācchanaiḥ ||11||
Übersetzung: Diese glückverheißende Avahani-Mudra ist für die Anrufung Shivas bestimmt. Für die nächste Haltung strecke man die rechte Hand aus und beginne langsam beim kleinen Finger.
12.
mudrā saṃhāriṇī proktā bhadrā karmaṣvaninditā ||12||
Übersetzung: Man ziehe die Finger ein, bilde eine Faust und drücke sie mit dem Daumen zusammen. Dies heißt Samharini-Mudra; sie gilt als heilsam und für die rituellen Handlungen geeignet.
13.
ālikheccaturaśraṃ tadvṛttaṃ vāpi manoharam ||13||
Übersetzung: Das Mandala, in dem die gebundenen Seelen aus dem Bereich ihrer Fesseln befreit werden, zeichne man ansprechend als Quadrat oder Kreis.
14.
kanyasāṅgulivadvṛttaṃ dairghyāttu dvādaśāṅgulam ||14||
†
Übersetzung: Auf völlig ebenem Boden verwende man zuerst einen geraden, knotenlosen, unbeschädigten Pflock, gleichmäßig rund wie ein kleiner Finger und zwölf Fingerbreiten lang.
15.
vṛttaṃ maṇḍalakaṃ kāryaṃ samaṃ sūtreṇa cakravat ||15||
Übersetzung: Man stelle diesen Pflock deutlich sichtbar auf und ziehe außen mit einer Schnur einen gleichmäßigen Kreis, dessen Radius der Länge des Pflocks entspricht.
16.
pratyagrelāgataṃ lāñchyaṃ vigatābhre nabhastale ||16||
†
Übersetzung: Wenn die Sonne im Osten aufgegangen und der Himmel wolkenlos ist, markiere man im Westen die Stelle, an der die Spitze des Pflockschattens den Kreis erreicht.
17.
nirgacchattadbhramāvāptaṃ lāñchayetpūrvavatsudhīḥ ||17||
†
Übersetzung: Wenn die Sonne im Westen steht, markiere der verständige Guru ebenso im Osten den Punkt, an dem die Schattenspitze beim Austreten wieder den Kreis erreicht.
18.
samaṃ prasārayetsūtramubhe koṭī tu lāñchayet ||18||
Übersetzung: Zwischen diesen beiden Markierungen spanne man eine gerade Schnur in Ost-West-Richtung und kennzeichne beide Endpunkte.
19.
pūrvāparavibhāgena madhye kṛtvāṅgulāni tu ||19||
Übersetzung: Mit dem Maß der Schnurenden und dem entsprechenden Kreis lege man auf der Ost-West-Linie vom Mittelpunkt aus die Abstände fest.
20.
ṣoḍaśāṅgulakaṃ nyasya tadagreṇottarāṃ diśam ||20||
Übersetzung: Man trage auf beiden Seiten jeweils acht Fingerbreiten ab. Dann lege man an der östlichen Stelle eine Schnur von sechzehn Fingerbreiten an und markiere mit ihrem Ende die nördliche Richtung.
21.
evaṃ pratyaksthitaṃ sūtraṃ pūrvādhvagasamaṃ śanaiḥ ||21||
Übersetzung: Danach kennzeichne der Vermessungskundige die südliche Richtung. Ebenso verwende man im Westen eine Schnur, die der zuvor im Osten verwendeten gleich ist.
22.
tatastu haṃsapadayormadhye sūtrāṇi dhārayet ||22||
Übersetzung: Wie zuvor stelle man nördlich und südlich die als Hamsapada bezeichneten Schnittfiguren her. Durch deren Mitte spanne man die Schnüre.
23.
lāñchayitvā tu yāmyāgrātpūrvavatpurato nayet ||23||
†
Übersetzung: Mit einer Schnur von der Hälfte des Maßes trage man vom östlichen Ende aus nach Süden ab; vom südlichen Ende führe man sie entsprechend nach Osten.
24.
vāyavye cāpyathaiśāne kuryānmantrī yathākramam ||24||
†
Übersetzung: Am Schnittpunkt entsteht die Ecke. Ebenso verfahre der Mantrakundige nacheinander im Südwesten, Nordwesten und Nordosten.
25.
īśadikplavanaṃ kiṃcittato maṇḍalamālikhet ||25||
†
Übersetzung: Man errichte einen geschützten, ebenen und freundlichen Raum, dessen Boden leicht nach Nordosten abfällt. Dort zeichne man gesammelt das Mandala.
26.
ṣaḍaṅgulena sūtreṇa madhye vṛttaṃ vinirdiśet ||26||
Übersetzung: In dem wie zuvor angelegten Quadrat von achtzehn Hasta Seitenlänge bezeichne man in der Mitte mit einer Schnur von sechs Fingerbreiten einen Kreis.
27.
saṃkhyāṅgulānāṃ vṛttasya kesarāṇāṃ prasiddhaye ||27||
Übersetzung: Dieser bildet den Fruchtboden des Lotus. Außen füge man, o Weiser, wiederum dieselbe Anzahl von Fingerbreiten hinzu und zeichne einen Kreis für die Staubfäden.
28.
prasūtaye dalāgrāṇāṃ āśrayenmadhyadeśataḥ ||28||
Übersetzung: Für die Ansätze der Blütenblätter lege man nochmals einen entsprechenden Kreis an. Zur Bestimmung ihrer Spitzen gehe man vom Mittelpunkt aus.
29.
tataścakravanmantrī caturviṃśatiraṅgulāḥ ||29||
†
Übersetzung: Man halte die Schnur dort mit dem Daumengelenk fest und führe sie kreisförmig herum; dabei beträgt das Maß vierundzwanzig Fingerbreiten.
30.
aṣṭābhistu dalāgrāṇi kāryāṇyaṣṭau yathākramam ||30||
Übersetzung: Mit jeweils zwei Linien aus den Zwischenrichtungen bilde man nacheinander die acht Spitzen der acht Blütenblätter.
31.
bahistatkamalaṃ paścāccaturaśreṇa veṣṭayet ||31||
†
Übersetzung: Darin zeichne man zweiunddreißig gleichmäßige Staubfäden. Anschließend umgebe man diesen Lotus außen mit einem Quadrat.
32.
kṛtvā taccaturbhirbhāgairdvihastaparikalpitaiḥ ||32||
†
Übersetzung: Dieses werde durch einen Randweg aus drei Linien begrenzt und in vier Abschnitte mit einem Maß von jeweils zwei Hasta gegliedert. Die Einzelheiten der Maßangabe sind nicht vollständig gesichert.
33.
kamalāni suśubhrāṇi vidyeśānāṃ mahātmanām ||33||
†
Übersetzung: In den acht Richtungen zeichne man sehr helle Lotusse für die großen Vidyeshvaras; ihre hier überlieferte Größenbezeichnung ist unklar.
34.
tasmāddhastatrayaṃ tyaktvā bhūyo'pyāvaraṇaṃ śubham ||34||
†
Übersetzung: Außen lege man ein Quadrat an, dessen Maß dem inneren Bereich entspricht. Nach einem Abstand von drei Hasta folgt eine weitere schöne Umfassung.
35.
caturaśraṃ samālikhya taccaturdhā vibhājayet ||35||
Übersetzung: Diese ist für Indra und die übrigen Richtungshüter bestimmt und wird mit Swastika-Zeichen geschmückt. Man zeichne das Quadrat und unterteile es in jeder Richtung vierfach.
36.
digrekhāgrāṇi catvāri koṣṭhakādvitayaṃ tathā ||36||
†
Übersetzung: So entstehen sechzehn Felder. Dann lösche man behutsam die vier Enden der Richtungslinien sowie jeweils die entsprechenden Grenzen zwischen zwei Feldern.
37.
śeṣāścaturṣu koṇeṣu tāvanto'ntaḥsthitāḥ kramāt ||37||
†
Übersetzung: Dadurch entsteht in jeder der vier Richtungen ein zusammenhängender länglicher Bereich. Die übrigen Felder liegen entsprechend innen an den vier Ecken.
38.
īśānasya tu koṣṭhasya yāmyarekhāṃ pramārjayet ||38||
Übersetzung: Der Vermessungskundige entferne die betreffenden Feldlinien nach der Regel. Am nordöstlichen Feld lösche er die südliche Linie.
39.
nairṛtasyāpyudaksaṃsthāṃ rekhāṃ pūrvasthitāmapi ||39||
Übersetzung: Am südöstlichen Feld lösche er die westliche Linie, am südwestlichen die nördliche und am folgenden Feld die östliche.
40.
īśānasya tyajetpūrvāmāgneyasyāpi dakṣiṇām ||40||
Übersetzung: Diese östliche Linie gehört zum nordwestlichen Feld. Höre nun von den inneren Linien: Im Nordosten entferne man die östliche, im Südosten die südliche.
41.
bahirdvārāṇi catvāri padmamānasamāni tu ||41||
†
Übersetzung: Im Südwesten entferne man die westliche und am übrigen Feld die nördliche Linie; die Bezeichnung dieses Feldes ist unsicher überliefert. Außen lege man vier Tore im Maß des Lotus an.
42.
tadvayoścopaśobhāṃ ca vakrarekhāṃ prakalpayet ||42||
†
Übersetzung: Der Lotus ist nach seinem Kreismaß mit mehr als zwei Hasta angegeben; die genaue Maßlesung bleibt offen. Zu beiden Seiten gestalte man schmückende, geschwungene Linien.
43.
pītena rajasā kāryā karṇikā kanakaprabhā ||43||
Übersetzung: Dies ist das große Mandala, das den Übenden Heil bringt. Sein Fruchtboden wird mit gelbem Pulver goldglänzend ausgeführt.
44.
kesarāṇāṃ tu mūlāni kundahārendurāgiṇā ||44||
Übersetzung: Auf ihm zeichne man neun Samen in der Farbe eines Papageiengefieders. Die Wurzeln der Staubfäden erhalten ein Weiß wie Jasmin, eine Perlenkette oder der Mond.
45.
kesarāgrāṇi pītena dhavalena dalāni tu ||45||
Übersetzung: Ihre mittleren Teile zeichne man sorgfältig mit rötlichem Pulver, ihre Spitzen mit gelbem und die Blütenblätter mit weißem.
46.
rekhābhiḥ kārayenmantrī sitaraktāsitakramāt ||46||
Übersetzung: Der Grund werde mit hellem Pulver ausgefüllt. Das Quadrat zeichne der Mantrakundige mit drei Linien in der Reihenfolge Weiß, Rot und Schwarz.
47.
caturdikṣvatha randhrāṇi vimocyāni mahāmune ||47||
†
Übersetzung: Damit ist die Gestaltung der inneren Umfassungen kurz erklärt. In den vier Hauptrichtungen lasse man Öffnungen frei, großer Weiser.
48.
raktena madhyarekhāṃ tu kṣetraṃ śukleṇa pūrayet ||48||
Übersetzung: Sie sollen nach der Lehre gleichmäßig jeweils zwei Hasta messen. Die mittlere Linie werde rot, die Fläche weiß ausgefüllt.
49.
kāryaṃ svastikavargasya bhūṣaṇaṃ kalavetasāṃ ||49||
†
Übersetzung: Das Quadrat für die Gruppe der Swastikas gestalte man mit Pulver von der Farbe eines blauen Lotus. Die weitere Schmuckbezeichnung ist im Text unsicher.
50.
tattvākhyaṃ bhuvanaṃ vāpi yathāvadvidhivistarāt ||50||
†
Übersetzung: Dort verehre man den friedvollen Shiva und reinige nach dem ausführlichen Verfahren den gewählten Adhvan, sei es den Weg der Tattvas oder den der Welten.
51.
maṇḍalaṃ navapīṭhākhyaṃ sūtrayitvā tu pūrvavat ||51||
Übersetzung: Ich erkläre nun ein anderes, höchst geheimes Mandala, das die Früchte aller Wünsche gewährt: das Mandala der neun Sitze. Zunächst messe man es wie zuvor mit Schnüren aus.
52.
aṣṭāṅgulādhikaiḥ kāryaṃ caturaśraṃ samaṃ śubham ||52||
Übersetzung: Mit der Hamsapada-Konstruktion lege man ein gleichmäßiges, schönes Quadrat an, dessen Seite neun Hasta und zusätzlich acht Fingerbreiten beträgt.
53.
dvātriṃśadaṅgulasamaṃ suvibhaktaṃ tu pūrvavat ||53||
Übersetzung: Man teile es siebenfach und zeichne in der Mitte einen Lotus von zweiunddreißig Fingerbreiten, dessen Teile wie zuvor ordentlich gegliedert sind.
54.
madhyāṅguṣṭhapramāṇāni padmānyaṣṭau samālikhet ||54||
†
Übersetzung: Nach einem Zwischenraum von einem Teil zeichne man in den acht Richtungen acht Lotusse; das hier genannte Maß bezieht sich auf die mittlere Daumenlänge und ist nicht ganz eindeutig.
55.
rajobhiḥ pūrayetsamyagyathā bhavati śobhanam ||55||
Übersetzung: Das schöne Mandala mit seinen acht Toren fülle man mit den vier genannten Pulvern aus, sodass es hell und ansprechend erscheint.
56.
pūjayenmantratantrajñaḥ śivaṃ vakṣyoktavartmanā ||56||
†
Übersetzung: Der Kenner von Mantra und Tantra verehre Shiva mit der einundachtziggliedrigen Formel nach dem später erklärten Verfahren und entsprechend ihrer Gliederung in neun Abschnitte.
57.
kuṅkumeṇaiva padmena madhyavṛttena śobhinā ||57||
†
Übersetzung: Ein anderes, rundes Mandala zeichne man mit weißem Pulver in einem Maß von fünf Hasta. In seiner Mitte befinde sich ein schöner, mit Safran ausgeführter Lotus.
58.
mantrāstu śaktigarbhasthāḥ śaktirvai pārameśvarī ||58||
Übersetzung: Dieser soll zwei Hasta messen: Es ist das Mandala Chandeshas. Die Mantras ruhen im Schoß der Shakti; diese Shakti gehört dem höchsten Herrn.
59.
ekāśītipadopetā vidyāpāde mayoditā ||59||
†
Übersetzung: Wie der durch die Zeit gekennzeichnete Adhvan von Shiva durchdrungen wird, o Weiser, so habe ich im Vidyāpāda diese Shakti mit ihren einundachtzig Wortgliedern gelehrt.
60.
prākpadaṃ praṇavastasyā ekavarṇaṃ śivātmakam ||60||
Übersetzung: Sie ist der Ursprung aller Mantras. Ihre Kennzeichen werde ich nun erklären. Ihr erstes Glied ist der einsilbige Pranava, Om, dessen Wesen Shiva ist.
61.
tṛtīyaṃ vyomarūpāya pañcavarṇamaparaṃ tathā ||61||
Übersetzung: Das zweite Glied ist das fünfsilbige vyomavyāpine, „dem den Raum Durchdringenden“, im Dativ. Das dritte lautet vyomarūpāya, „dem, dessen Gestalt der Raum ist“, ebenfalls fünfsilbig.
62.
tryakṣaraṃ tadvijānīyātpañcaitāni śivasya tu ||62||
Übersetzung: Darauf folgt sarvavyāpine, „dem alles Durchdringenden“, im Dativ; das fünfte ist das dreisilbige śivāya. Diese fünf gehören zu Shiva.
63.
sarvātmā tu śivaścaiva jvālinī piṅgalaṃ tathā ||63||
†
Übersetzung: In diesem Tantra sind seine Glieder erklärt. Höre kurz ihre Namen: Sarvatman, Shiva, Jvalini und Pingala.
64.
anantāyeti mantrasya vācakaṃ caturakṣaram ||64||
†
Übersetzung: Hinzu kommt das als Kusha-Ankusha bezeichnete Astra; diese Bezeichnung bleibt unsicher. So habe ich ihre Kennzeichen angegeben. Das viersilbige anantāya benennt den Mantra Ananta.
65.
anāśritāya pañcārṇaṃ padaṃ śivottamasya tu ||65||
Übersetzung: Das viersilbige anāśrāya gehört zu Sukshma; das fünfsilbige anāśritāya zu Shivottama.
66.
śāśvatāyaikarudrasya padaṃ syāccaturakṣaram ||66||
Übersetzung: Das dreisilbige dhruvāya wird Ekanetra zugeordnet, das viersilbige śāśvatāya Ekarudra.
67.
aṣṭārṇaṃ tadvijānīyādvācakaṃ tu trimūrtinaḥ ||67||
Übersetzung: Mit yogapīṭha vor saṃsthitāya entsteht das achtsilbige Glied yogapīṭhasaṃsthitāya; es bezeichnet Trimurti.
68.
dhyānāhārāya pañcārṇaṃ bhavetkaṇṭhaśikhaṇḍinaḥ ||68||
Übersetzung: Shrikantha wird durch das fünfsilbige nityaṃ yogine bezeichnet; das fünfsilbige dhyānāhārāya gehört zu Kanthashikhandin.
69.
namaḥ śivāyeti padaṃ ṣaḍarṇaṃ praṇavādikaḥ ||69||
†
Übersetzung: Alle diese Glieder für die großen Vidyeshvaras stehen im Dativ. Das mit dem Pranava beginnende oṃ namaḥ śivāya hat sechs Silben.
70.
sarvaprabhucaturthyantaṃ pañcārṇaṃ mantrasaṃtatau ||70||
†
Übersetzung: Das mit sarva gebildete Dativglied bezeichnet Gayatri. Das fünfsilbige sarvaprabhave, ebenfalls im Dativ, folgt in der Mantrareihe.
71.
śivāya padamanyacca caturthyantaṃ trivarṇakam ||71||
Übersetzung: Der Lehrer soll wissen, dass dieses bei der Einweihung Savitri bezeichnet. Das weitere, dreisilbige Dativglied śivāya folgt darauf.
72.
padamīśānamūrdhāya ṣaḍarṇaṃ munisattama ||72||
†
Übersetzung: Dieses eine Glied wird bei den Darbringungen für die Vidyeshvaras verwendet. Das Glied īśānamūrdhāya hat sechs Silben, bester Weiser.
73.
syāttatpuruṣaṃ vaktrāya aghorahṛdayāya ca ||73||
Übersetzung: Es ist als Herzformel Ishanas zu verstehen. Für Purusha ist das siebensilbige tatpuruṣavaktrāya bestimmt; dann folgt aghorahṛdayāya.
74.
syādvāmadevaguhyāya sadyasyāpyatha kīrtyate ||74||
†
Übersetzung: Dieses siebensilbige Glied wird als Herzformel Bahurupas genannt. Danach steht vāmadevaguhyāya. Nun wird auch das Glied Sadyas erklärt.
75.
pañcaitāni padāni syuścaturthyantāni brahmaṇām ||75||
†
Übersetzung: Es lautet sadyojātamūrtaye und hat sieben Silben. Diese fünf Glieder für die fünf Brahmas stehen im Dativ.
76.
pañcārṇamaparaṃ siddhaṃ caṇḍeśasya namo namaḥ ||76||
Übersetzung: Ich habe sie dir innerhalb dieses Hauptmantras zur Verehrung erklärt. Ein weiteres, fünfsilbiges Glied, mit namo namaḥ, ist für Chandesha bestimmt.
77.
guhyātiguhyāya padaṃ ṣaḍarṇaṃ hṛdayaṃ prabhoḥ ||77||
Übersetzung: Mit dem vorangestellten Pranava wird es zur Vollendung der Opferhandlung verwendet. Das sechssilbige guhyātiguhyāya ist das Herz des Herrn.
78.
caturvarṇaṃ śikhā jñeyā nidhanāya padaṃ hi yat ||78||
Übersetzung: Das zweisilbige goptre gilt als sein ewiges Haupt; das viersilbige nidhanāya als seine Shikha, der Scheitelbereich.
79.
jyotīrūpāya pañcārṇaṃ sadyayuktaṃ mahaujasaḥ ||79||
†
Übersetzung: Das siebensilbige sarvavidyādhipāya ist sein Schutzpanzer. Das fünfsilbige jyotīrūpāya wird mit sadyo verbunden.
80.
parāya caṇḍanāthasya ṣaḍaṅgāni śubhāni tu ||80||
†
Übersetzung: Als Augenformel des machtvollen Herrn ist ein achtsilbiges Glied angegeben. Ferner steht parāya mit vorangestelltem parameśvara; damit werden die sechs glückverheißenden Glieder Chandānāthas beschrieben. Die Zuordnung an dieser Stelle ist nicht völlig gesichert.
81.
aṣṭārṇamāsanaṃ tasyādyaṃ cācetanātmakam ||81||
†
Übersetzung: Alle diese Glieder bis zur Augenformel stehen im Dativ. Sein Sitz wird zuerst durch ein achtsilbiges Glied bezeichnet, das sich auf das Unbewusste bezieht.
82.
vyomin vyomin padaṃ jñeyaṃ caturvarṇaṃ tataḥparam ||82||
Übersetzung: Bei der Verehrung verwende man dafür acetanācetana. Danach folgt das viersilbige Glied vyomin vyomin, „o Raumhafter, o Raumhafter“.
83.
taccārūpin dvirabhyastaṃ ṣaḍarṇamaparaṃ tathā ||83||
†
Übersetzung: Das nächste, ebenfalls viersilbige Glied ist das doppelt gesprochene vyāpin vyāpin, „o Durchdringender“. Danach folgt zweimal arūpin, zusammen sechs Silben: „o Gestaltloser“.
84.
tejasteja iti proktaṃ caturvarṇaṃ padaṃ vibhoḥ ||84||
†
Übersetzung: Auch prathama wird doppelt gebraucht; der weitere Wortlaut hierzu bleibt unsicher. Das Glied tejas tejas, „o Glanz“, des allgegenwärtigen Herrn ist viersilbig.
85.
saṃtaṃtāni dvirabhyāsādvanayuktāni śāntaye ||85||
†
Übersetzung: Ebenso hat jyotir jyotiḥ, „o Licht“, vier Silben. Für die Befriedung wird saṃtata zweimal mit dem entsprechenden van-Lautbestand verbunden; die genaue Lautfolge ist hier nicht sicher zu bestimmen.
86.
āsane saṃprayojyāni devadevasya nityaśaḥ ||86||
Übersetzung: Die sechs Gliedformeln, unter Auslassung des Sitzes Chandeshas, werden stets dem Sitz des Gottes der Götter zugeordnet.
87.
anantena sahaitāni ṣaṭpadāni prakalpayet ||87||
Übersetzung: Die sechs Wortglieder sind Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit, Herrschaftsmacht und der Fruchtboden, zusammen mit Ananta.
88.
tṛtīyaṃ syādabhūmākhyamabhasmākhyaṃ ca yatpadam ||88||
Übersetzung: Es folgen das dreisilbige arūpa, dann anagni, als drittes abhūma und danach abhasma.
89.
dhūtrayeṇa ca yatproktaṃ tryakṣarāṇi śivasya tu ||89||
Übersetzung: Ferner sind anādi, dann nānāna und das dreifache dhū zu kennen. Diese dreisilbigen Glieder gehören zu Shiva; einzelne Lesungen bleiben offen.
90.
oṃ bhūstadvyakṣaraṃ jñeyaṃ tryakṣaraṃ cāpyatho bhuvaḥ ||90||
Übersetzung: Man soll sie als die eigentlichen Wortglieder der Tattva-Zuordnung verstehen. oṃ bhūḥ ist zweisilbig, oṃ bhuvaḥ dagegen dreisilbig.
91.
trīṇyetānyapi nirdeśe padānyuktāni śāsane ||91||
Übersetzung: Als weiteres Glied wird hier das zweisilbige oṃ svaḥ genannt. Auch diese drei sind in der Lehre für die betreffende Zuordnung angegeben.
92.
nidhanākhyaṃ tryakṣaraṃ syātpadaṃ vyomaśarīriṇaḥ ||92||
Übersetzung: Das Wortglied anidhana hat vier Silben, großer Weiser; nidhana, ein Glied des raumleiblichen Herrn, hat drei.
93.
dvyakṣaraṃ syācchivapadaṃ dvyarṇaṃ sarvapadaṃ vibhoḥ ||93||
Übersetzung: Das Glied nidhanodbhava hat fünf Silben. śiva und sarva haben jeweils zwei Silben.
94.
maheśvareti tadvarṇaṃ mahādevapadaṃ hi yat ||94||
Übersetzung: paramātma wird zusammengefasst als viersilbig angegeben. Ebenso viele Silben haben maheśvara und mahādeva.
95.
mahāteja iti proktaṃ padaṃ varṇacatuṣṭayam ||95||
Übersetzung: sadbhāveśvara wird hier als fünfsilbig bezeichnet, bester Weiser. mahāteja hat vier Silben.
96.
āmantraṇapadaṃ taddhi prayogādviniyojayet ||96||
Übersetzung: Das als yogādhipati bezeichnete Glied hat fünf Silben. Es ist eine Anredeform und wird entsprechend seiner rituellen Verwendung eingesetzt.
97.
padānāṃ ca bhavetsaṃkhyā daśaikaṃ ca na saṃśayaḥ ||97||
†
Übersetzung: Von anidhana bis zum Glied yogādhipati beträgt die Zahl dieser Wortglieder ohne Zweifel elf.
98.
muñca muñca caturvarṇaṃ ṣaḍarṇaṃ prathamātmakam ||98||
Übersetzung: So werden die Anredeglieder in diesem Tantra des höchsten Herrn gezählt. muñca muñca, „löse, löse“, ist viersilbig; das mit prathama gebildete Glied sechssilbig.
99.
bhavayugmapadaṃ tadvaccatvāryetāni śāsane ||99||
Übersetzung: śarva śarva hat vier Silben; ebenso das doppelte bhava. Diese vier Glieder werden in der Lehre genannt.
100.
sarvodbhavapadaṃ siddhaṃ varṇānāṃ tu catuṣṭayāt ||100||
Übersetzung: Die ausgezeichneten Gurus sollen sie als doppelt wiederholte Wortglieder kennen. sarvodbhava hat vier Silben.
101.
sarvasānnidhyaśabdādyaṃ karāntaṃ padamatra tu ||101||
Übersetzung: Das weitere Glied sarvabhūtasukhaprada hat acht Silben: „der allen Wesen Glück schenkt“. Darauf folgt ein Glied, das mit sarvasānnidhya beginnt und mit kara endet.
102.
taddhi rudraparāntaṃ syādbrahmaviṣṇupuraḥsaram ||102||
Übersetzung: Dieses hat sieben Silben. Das nächste hat acht: Es beginnt mit brahmaviṣṇu und endet mit rudrapara.
103.
anarcitadvirabhyastamaṣṭārṇaṃ padamucyate ||103||
Übersetzung: Auch diese vier sind Anredeglieder. Das zweimalige anarcita bildet ein achtsilbiges Glied.
104.
pūrvasthitapadaṃ yāvadarūpākhyapadātkramāt ||104||
Übersetzung: Ebenso verhält es sich mit asaṃstuta und pūrvasthita. Der Abschnitt reicht der Reihe nach von arūpa bis pūrvasthita.
105.
sākṣin sākṣiścaturvarṇaṃ dviruktyā padasaṃtatau ||105||
Übersetzung: Diese zweiunddreißig Glieder werden den Staubfäden des Sitzes des Herrn zugewiesen. sākṣin sākṣin, „o Zeuge“, ergibt durch die Wiederholung vier Silben in der Wortreihe.
106.
turaśabdapadaṃ jñeyaṃ dviruktyā caturakṣaram ||106||
Übersetzung: Dieses vorzügliche Glied bezeichnet den Lotus selbst. Auch das Wort tura bildet durch zweimaliges Sprechen ein viersilbiges Glied.
107.
caturvarṇaṃ dviruccārātpiṅgākhyamuditaṃ padam ||107||
Übersetzung: pataṅga bildet in entsprechender Wiederholung ein sechssilbiges Glied. Das zweimal ausgesprochene piṅga hat vier Silben.
108.
sūkṣmasūkṣmapadasyāpi saṃkhyā śabdapadātmikā ||108||
Übersetzung: Ebenso sind jñāna jñāna und śabda śabda zu verstehen. sūkṣma sūkṣma hat dieselbe Silbenzahl wie das Glied mit śabda.
109.
tadvaccharvapadaṃ viddhi bodhane'rṇadvayātmakam ||109||
Übersetzung: Das Glied śiva hat zwei Silben und steht als Anrede. Ebenso ist śarva als zweisilbige Anrede zu verstehen.
110.
śakrādīśānaparyantaṃ dikpālānāṃ mahātmanām ||110||
Übersetzung: Die acht glückverheißenden Glieder von tura bis śarva gehören zu den großen Richtungshütern von Indra bis Ishana.
111.
tryakṣaraṃ sarvedapadaṃ sarvavidyādhipaḥ smṛtaḥ ||111||
Übersetzung: Sie bezeichnen diese bei der rituellen Handlung der Reihe nach, o hervorragender Weiser. Das dreisilbige, unsicher gelesene sarveda bezeichnet den Herrn aller Vidyas.
112.
pañcākṣaraṃ brahmaśiraḥ praṇavādi namo namaḥ ||112||
Übersetzung: Auch dieses ist eine Anredeform, bester Kenner der Lehre. Die fünfsilbige Formel mit vorangestelltem Pranava und namo namaḥ wird Brahmashiras genannt.
113.
śivāya praṇavādyaṃ yaccaturvarṇaṃ puraskṛtam ||113||
†
Übersetzung: Ein drittes Glied mit derselben Silbenzahl bezeichnet den Schutz. Das mit dem Pranava beginnende śivāya ist viersilbig und steht davor.
114.
caturthaṃ tāni viprendra pañcaitāni padāni tu ||114||
Übersetzung: Das viersilbige namo namaḥ gilt als Pashupata-Glied, das vierte. Diese fünf Wortglieder werden hier zusammen genannt, bester Brahmane; ihre genaue Abgrenzung ist im Arbeitstext nicht ganz eindeutig.
115.
ekatraiva samāptāni ekāśītipadāni tu ||115||
Übersetzung: Am Ende steht ein einsilbiges Glied für Vajra und die übrigen Waffen. Damit sind die einundachtzig Wortglieder gemeinsam abgeschlossen.
116.
arcāṃ tu devadevasya samastavyastarūpiṇaḥ ||116||
Übersetzung: Ihre Silbenzahl wird mit dreihundertachtundsechzig angegeben. Mit ihnen geschieht die Verehrung des Gottes der Götter in seiner gesammelten und in seinen einzelnen Formen.
117.
na cānto'styatra mantrāṇāmiti yogāya bhāṣitam ||117||
Übersetzung: Bei dieser Verehrung ist Shiva stets gegenwärtig, du Gelübdetreuer. Die Mantras haben hier kein Ende; dies ist für ihre Anwendung erklärt worden.
118.
eko'pi varṇo devānāṃ vācakaḥ parikīrtitaḥ ||118||
Übersetzung: Die Kennzeichen der Hauptmantras sind damit angegeben; eine Ausführung aller Einzelheiten ist nicht erforderlich. Auch ein einzelner Laut kann eine Gottheit bezeichnen.
119.
sarvakarmakarāḥ sarve sarve sarvārthasādhakāḥ ||119||
Übersetzung: Alle lassen sich auf den Einen beziehen, weil sie die Gestalt des Alls besitzen. Alle vermögen sämtliche rituellen Aufgaben zu erfüllen und alle Ziele zu verwirklichen.
120.
śivakāyodbhavāḥ sarve na mīmāṃsyāḥ kubuddhibhiḥ ||120||
Übersetzung: Alle können jede Gestalt annehmen, und ihre Kräfte bleiben nicht wirkungslos. Alle gehen aus Shivas Leib hervor; sie sollen nicht mit verengtem Verständnis beurteilt werden.
121.
siddhaye ca munivyāghra nāśraddhātaḥ phalaṃ kvacit ||121||
Übersetzung: Man erkenne den Agama als maßgebliche Überlieferung an und entwickle Vertrauen, um Befreiung und Vollendung zu erlangen. Ohne Vertrauen entsteht hier keinerlei Frucht, hervorragender Weiser.
122.
himavānpāriyātraśca vindhyaścāpyacalottamaḥ ||122||
Übersetzung: Nicht einmal eine geringe Frucht wird dann erlangt, geschweige denn das höchste Shiva-Sein. Als heilige Berge werden nun Himalaya, Pariyatra und der ausgezeichnete Vindhya genannt.
123.
śrīśailo'nuttamaḥ prokto mahendraścātipuṇyavān ||123||
Übersetzung: Heilig ist ferner der Sahya; auch Shaktiman wird gepriesen. Shrishaila gilt als unübertrefflich und Mahendra als überaus heilig.
124.
himālayasamīpasthā bhūmayaḥ pravarā mune ||124||
Übersetzung: Diese hervorragenden Berge bringen den Übenden Wohlergehen. Besonders geeignet sind auch die Gegenden nahe dem Himalaya, o Weiser.
125.
sarasvatī narmadā ca tataśca sarito varāḥ ||125||
†
Übersetzung: Unter den Flüssen gelten die Ganga als höchst heilig und die Kalindi als untadelig; ferner Sarasvati und Narmada sowie andere ausgezeichnete Flüsse.
126.
gaṅgāyamunayormadhyaṃ dīkṣāyāḥ kṣetramuttamam ||126||
†
Übersetzung: Sind diese nicht erreichbar, kommen Flüsse infrage, die selbst ins große Meer münden. Das Gebiet zwischen Ganga und Yamuna gilt als vorzüglicher Ort der Einweihung.
127.
vimalāmbu saraḥ śreṣṭhaṃ yatra vā nalinī śubhā ||127||
Übersetzung: Geeignet sind ein Zusammenfluss, ein schöner Garten oder ein See mit klarem Wasser, besonders dort, wo ein schöner Lotusbestand wächst.
128.
tatra bhūmiṃ parīkṣeta ghanāṃ pūrvottaraplavām ||128||
Übersetzung: Man wähle einen dieser günstigen Orte oder einen anderen ansprechenden Platz. Dort prüfe man, ob der Boden fest ist und nach Osten oder Norden abfällt.
129.
susamāṃ kārayedyatnādācāryaḥ śivasaṃmataḥ ||129||
Übersetzung: Er soll schwere, geschmeidige Erde und günstige Kennzeichen besitzen. Der von Shiva anerkannte Lehrer lasse ihn sorgfältig eben machen.
130.
keśabhasmatuṣāṅgāraśarkarāsthitṛṇādayaḥ ||130||
Übersetzung: Man grabe bis zur Nabeltiefe und lasse störende Einschlüsse entfernen: Haare, Asche, Hülsen, Kohlen, Kies, Knochen, Gras und Ähnliches.
131.
satkūrmamīnamaṇḍūkāḥ prāṇinaḥ śubhadāḥ smṛtāḥ ||131||
Übersetzung: Auch schädliche Lebewesen entferne man sorgfältig. Schildkröten, Fische und Frösche gelten dagegen als günstige Zeichen.
132.
śaṅkhaśca vidrumavaiḍūryarājāvartādayaḥ śubhāḥ ||132||
†
Übersetzung: Skorpione, Mäuse und Schlangen sollen sorgfältig entfernt werden, großer Weiser. Muscheln, Korallen, Vaidurya, Lapislazuli und ähnliche Funde gelten als günstig.
133.
noddhāryāḥ satsu teṣvatra dhruvaṃ siddhirbhavedyataḥ ||133||
†
Übersetzung: Auch mineralische Stoffe im Boden werden gepriesen und gelten als vollendungsfördernd. Günstige Funde sollen dort verbleiben, weil man von ihnen sichere Vollendung erwartet.
134.
prācyāṃ jalaṃ bhavedbhadraṃ yāmye girivaraḥ śubhaḥ ||134||
Übersetzung: Auch Edelsteine gelten als günstig, unter ihnen vor allem der Diamant. Wasser im Osten und ein schöner Berg im Süden werden als vorteilhaft angesehen.
135.
kṣetraṃ dūrvādibhirnaddhaṃ kuśabilvopaśobhitam ||135||
†
Übersetzung: Ein Wald im Westen gilt als förderlich für die Vollendung, Getreide im Norden als günstig. Geeignet ist ein Platz mit Durva-Gras, Kusha-Gras und Bilva-Bäumen.
136.
mṛtsamuddhṛtya nikṣiptā bhūyo yatrādhikā bhavet ||136||
Übersetzung: Der Tantrakundige soll den Ort erst nach gründlicher Prüfung annehmen. Wenn die ausgehobene Erde beim Wiedereinfüllen einen Überschuss ergibt, ist dies ein günstiges Zeichen.
137.
mantrāṇāṃ bhaktimāsthāya na śāṭhyena kadācana ||137||
Übersetzung: Dort soll das Opfer für die ernsthaft Übenden stattfinden. Man wende sich den Mantras mit Hingabe zu und niemals mit Täuschung.
138.
tadabhāvāttilairvānyairyavairvātha kuśodbhavaiḥ ||138||
†
Übersetzung: Der Guru vollziehe die nährende Darbringung mit einem Opferstoff von der Kuh, insbesondere Ghee. Fehlt dieser, verwende er Sesam, Gerste oder Stoffe aus Kusha-Gras.
139.
dravyāṇyathāharenmantrī yathālābhaṃ prayatnataḥ ||139||
†
Übersetzung: Auch die als Parpi bezeichneten Stoffe, Bilva oder geeignete Opferhölzer kommen infrage. Der Mantrakundige beschaffe die Stoffe sorgfältig nach seinen Möglichkeiten und auf rechtmäßige Weise.
140.
oṣadhyaḥ subhagāḥ śastā dhūpāḥ prāṇyaṅgavivarjitāḥ ||140||
Übersetzung: Für das Opfer nehme man einwandfreie Blätter und Blüten, geeignete wohlbeschaffene Pflanzen und Räucherstoffe ohne tierische Körperteile.
141.
kuṅkumāgurukarpūraṃ pramukhāṇyaparāṇyapi ||141||
†
Übersetzung: Gut bereitete Duftstoffe sind zu verwenden, ebenso Sandelholz und andere Stoffe, vor allem Safran, Adlerholz und Kampfer.
142.
netrapaṭṭāṃśukādīni vāsāṃsi subahūnyapi ||142||
†
Übersetzung: Hinzu kommen weitere wohlriechende Stoffe und duftende Räucherungen sowie zahlreiche Tücher, Augenbinden und Seidenstoffe.
143.
ratnānyapyupaśobhārthamāharetprayatātmavān ||143||
Übersetzung: Die Stoffe sollen unverschlissen und schön gestaltet sein. Der gesammelte Übende beschaffe auch glänzende Yakschweifwedel und Edelsteine zur Ausschmückung.
144.
asphuṭitāśca śasyante palāśatarusaṃbhavāḥ ||144||
†
Übersetzung: Die Opferhölzer sollen eine Handspanne lang, gerade, knotenlos, unbeschädigt und nicht gespalten sein. Besonders empfohlen wird Holz vom Palasha-Baum.
145.
samūlāśca kuśāḥ snigdhāḥ nirvraṇāḥ kṣetrajāḥ śubhāḥ ||145||
Übersetzung: Auch Nyagrodha, Ashvattha und Plaksha eignen sich für die Opferhandlung. Günstig ist frisches, unbeschädigtes Kusha-Gras mit Wurzeln, das an einem geeigneten Ort gewachsen ist.
146.
satsaṅganiratāḥ śūrā asatsaṅgaparāṅmukhāḥ ||146||
Übersetzung: Zur Einweihung in dieses Tantra eignen sich Übende, deren Herz Shiva hingegeben ist, die gute Gemeinschaft lieben, standhaft sind und sich von schädlicher Gemeinschaft abwenden.
147.
sahiṣṇavo'nuraktāśca guroḥ sarvātmanā sadā ||147||
Übersetzung: Sie dienen gern, sind friedvoll und über längere Zeit geprüft; sie sind geduldig und dem Guru stets mit ihrem ganzen Wesen verbunden.
148.
antaḥkaraṇaceṣṭābhirlakṣayitvā prayatnataḥ ||148||
Übersetzung: Sie sollen in den äußeren Lebensregeln geübt sein und ihre eigenen Aufgaben bewahren. Ihre innere Haltung erkenne man sorgfältig an ihrem Verhalten.
149.
akrodhino'pyacapalāḥ śraddadhānā jitendriyāḥ ||149||
†
Übersetzung: Von den Strahlen der Shakti Shivas berührt, sind sie bescheiden und freundlich im Sprechen, ohne Zorn und Unbeständigkeit, vertrauensvoll und ihrer Sinne mächtig.
150.
anyathā nādhikāro'sti dīkṣyadīkṣakayorapi ||150||
†
Übersetzung: Wer ohne Grausamkeit ist und seinen rechten Lebenswandel bewahrt, soll diese Gnade empfangen. Andernfalls besteht weder für den Einzuweihenden noch für den Einweihenden die erforderliche Befugnis.
151.
rjñeyo dīkṣādhikāraḥ padagiriśikharārūḍhabhāvena goptā |
pālyaḥ snānārcanāgnihavanajapakriyodgīrṇakhaḍgena nityaṃ
†
Übersetzung: Damit sind die sechs Glieder der Einweihung nach den Worten des Tantra erklärt, das aus Pashupatis Mund hervorgeht. Die Befugnis zur Einweihung soll aus einer Haltung verstanden und geschützt werden, die den Gipfel des höchsten Zustands erreicht hat. Man bewahre sie beständig mit dem Schwert von Bad, Verehrung, Feueropfer und Mantrawiederholung. Höre nun vom Weg des Bades, das am Anfang der Handlungen nach dem Verfahren der Shiva-Lehre sorgfältig auszuführen ist.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 2
Übersetzung: Rituelles Baden
1.
varṇayiṣyāmi te vipra yathāvatkramayogataḥ ||1||
Übersetzung: Nun werde ich dir, Brahmane, das Bad innerhalb der Einweihungsfolge ausführlich und in der richtigen Reihenfolge erklären.
2.
paśoryā vyaktimāyāti prakṣīṇakaluṣasya ca ||2||
Übersetzung: „Geben“ heißt hier das Hervortreten des höchsten Zustands für die gebundene Seele, deren Karma durch Mantras zerstört und deren Verunreinigung erschöpft ist.
3.
sā ca yatra yathā yena yatpūrvā yadanukramāt ||3||
Übersetzung: Aus diesen beiden Vorgängen, dem Vernichten und dem Geben, wird in der Lehre die Dīkṣā erklärt. Wo, wie und wodurch sie geschieht, was ihr vorausgeht und in welcher Folge sie vollzogen wird:
4.
sarvāvāptikaraṃ siddhaṃ tantre'sminpārameśvare ||4||
Übersetzung: Dies vernimm genau, bester Brahmane. Es ist ein hohes Geheimnis dieses Tantra des höchsten Herrn, durch das alles erlangt werden kann.
5.
yasmāttasmāttu sāmānyamādau snānaṃ pracakṣyate ||5||
Übersetzung: Da dem ganzen Verfahren von Nyasa, Verehrung und weiteren Handlungen das Bad vorausgeht, wird zuerst die allgemeine Badeordnung erklärt.
6.
taṭāke dīrghikāyāṃ vā devakhāte'pi vā śubhe ||6||
Übersetzung: In strömenden Flüssen und Bächen, in Tümpeln oder Seen, in Teichen, langen Wasserbecken oder einem günstigen natürlichen Gewässer,
7.
snāyātkarmaprasiddhyarthaṃ
Übersetzung: in einem abgeschiedenen Lotusteich oder auch zu Hause bade der vorzügliche Übende zur Vollendung seiner Handlung. Dazu nehme er mit Mantras geweihte Erde.
8.
jalatīre vidhānajño bhūḥpadena nidhāpayet ||8||
Übersetzung: Der Verfahrenskundige spreche Shivas feuerleuchtenden Astra-Mantra mit phaṭ am Ende und lege die Erde am Wasserufer mit dem Wortglied bhūḥ nieder.
9.
tadardhenātmanaḥ sarvaṃ śarīraṃ śirasaḥ kramāt ||9||
Übersetzung: Zuerst reinige er sie mit dem Prathama-Glied, dann weihe er sie mit dem Astra. Mit der Hälfte wasche er seinen ganzen Körper vom Kopf abwärts.
10.
tatotīrya jalāccheṣāṃ mṛdamastreṇa mantrayet ||10||
†
Übersetzung: Dreimal reinige er ihn gründlich, besonders Hüften und Unterschenkel. Dann steige er aus dem Wasser und weihe die übrige Erde mit dem Astra-Mantra.
11.
āgneyadhāraṇāsaṃsthastacchikhotthena bhūriṇā ||11||
Übersetzung: Er meditiere über das mächtig leuchtende Astra, das einer lodernden Feuerflamme gleicht. In der Feuer-Dharana gefestigt stelle er sich vor, wie dessen Flamme große Glut hervorbringt.
12.
tena vighnāḥ praṇaśyanti ye'mbhaso'ntarbahiḥ sthitāḥ ||12||
Übersetzung: Mit dieser Glut werde das Wasser ringsum in der Vorstellung zu Asche verbrannt. Dadurch verschwinden die Hindernisse innerhalb und außerhalb des Wassers.
13.
tatoṃkārapadaṃ dhyāyedamṛtaṃ syandi nirmalam ||13||
Übersetzung: Auch die im Luftraum befindlichen Hindernisse vergehen, von der Glut getroffen und von Furcht erfüllt. Dann meditiere er über das reine, Nektar ausströmende Om.
14.
tattīrthaṃ pūrayenmantrī pūrayitvā ca vinyaset ||14||
Übersetzung: Mit den daraus hervorgehenden, unfehlbar wirkenden Wasserströmen fülle der Mantrakundige aufmerksam den Badeplatz. Nach dem Füllen lege er eine schützende Begrenzung an.
15.
saṃvartāgnipradīptena paritordhvamadhastathā ||15||
Übersetzung: Dazu verwende er jyotir jyotiḥ, von hūṃ-Lauten umschlossen, strahlend wie das Feuer am Weltende, ringsum sowie oberhalb und unterhalb.
16.
gṛhītvā prakṣipeddikṣu tīrthamadhye tu deśikaḥ ||16||
Übersetzung: So entsteht die Schutzmauer. Danach nehme der Lehrer die mit dem Astra geweihte Erde und werfe sie in die Richtungen und in die Mitte des Badeplatzes.
17.
sāṅgena kavacaṃ paścācchādakaṃ paricintayet ||17||
Übersetzung: Er bestreiche sich der Reihe nach mit den Brahma-Mantras und mit Shiva samt dessen Gliedern. Danach stelle er sich den schützenden Kavacha vor, der ihn umhüllt.
18.
tatoddhartanakaiḥ paścātsugandhāmalakairapi ||18||
Übersetzung: Kopf, Gesicht, Herz und Intimbereich berühre er nacheinander mit den Brahma-Mantras. Danach verwende er wohlriechende Reinigungsmittel, auch Amalaki-Früchte.
19.
abhiṣekaśca kartavyo mantrasaṃhitayā sadā ||19||
Übersetzung: Diese werden mit Gayatri geweiht. Der Mantrakundige bade, während er sich an Shivas Mantra erinnert; die Übergießung soll stets mit der Mantra-Sammlung vollzogen werden.
20.
brahmabhirvandayetsaṃdhyāṃ gāyatryā tarpaṇe sadā ||20||
Übersetzung: Nach dem Verlassen des Shiva-Badeplatzes lege er ein anderes Gewand an. Mit den Brahma-Mantras verehre er die Tagesübergangszeit; für die nährenden Wassergaben verwende er Gayatri.
21.
svadhākārāntasaṃyogātpitṝṇāṃ tarpaṇaṃ hitam ||21||
Übersetzung: Für die Götter endet sie mit svāhā, für die Seher mit namaḥ; für die Ahnen gilt die Wassergabe mit angefügtem svadhā als angemessen.
22.
sarvātmanā tato mantrī śivatīrthaṃ tu saṃharet ||22||
Übersetzung: Nach diesen regelgerechten Darbringungen vollziehe er die ehrfürchtige Hinwendung. Danach nehme der Mantrakundige den Shiva-Badeplatz ganz in sich zurück.
23.
saṃhāramudrayā caiva ākṛṣya hṛdi vinyaset ||23||
Übersetzung: Mit śarva śarva, von hūṃ umschlossen, und mit der Samhara-Mudra ziehe er ihn an sich und lege ihn in sein Herz.
24.
mantrapūtairviviktāyāṃ pracchannāyāṃ vidhānavit ||24||
Übersetzung: Auch mit schönen Krügen, gefüllt mit durch ein Tuch gefiltertem und mit Mantras gereinigtem Wasser, kann der Verfahrenskundige baden, an einem abgeschiedenen, geschützten Ort.
25.
samayajño yathānyāyaṃ vibhavasyānurūpataḥ ||25||
†
Übersetzung: Auf einem Sitz am Boden vollziehe er das Bad mit Erde wie zuvor. Der mit den Verpflichtungen Vertraute handle regelgemäß und seinen Mitteln entsprechend.
26.
bhasmasnānādhikārī syānnānyathā munipuṅgava ||26||
Übersetzung: Wer auf diese Weise nach Vermögen einmal im Wasser gebadet hat, ist zum Aschebad befugt; anders nicht, hervorragender Weiser.
27.
tasmāttatsaṃtataṃ neṣṭamiṣṭamāgneyamucyate ||27||
†
Übersetzung: Da wiederholtes Baden mit Wasser nach der hier vertretenen Auffassung Krankheiten verursachen kann, wird es nicht ständig verlangt. Als geeignete Alternative wird das feurige Bad erklärt.
28.
grāhyaṃ śarvapadenāśu nivāte tu susaṃcitam ||28||
Übersetzung: Man nehme trockenen, von Lebewesen freien Kuhdung aus unbewohntem Gelände auf, unter Verwendung des Sharva-Gliedes, und sammle ihn an einer windgeschützten Stelle.
29.
anarcitapadaṃ smṛtvā tenaivārghaṃ pradāpayet ||29||
Übersetzung: Wie zuvor schütze man ihn mit Shivas Astra und verehre ihn. Man erinnere sich an das Glied anarcita und bringe damit auch das Arghya dar.
30.
bhavodbhavena nirvāṇaṃ saṃharenmantravittamaḥ ||30||
Übersetzung: Man entzünde ihn am Shiva-Feuer mit tejas tejas. Nach dem Ablöschen mit bhavodbhava sammle der Mantrakundige die Asche ein.
31.
yeṣāṃ viśeṣo nāstyatra śiṣṭāḥ kāryā yathoditāḥ ||31||
Übersetzung: Wo keine besondere Vorschrift besteht, beginnen die Formeln mit dem Pranava und enden mit der Ehrerbietung namaḥ. Die übrigen sind genau wie angegeben zu verwenden.
32.
tena snāyādyathākālaṃ caryāpādoktidarśanāt ||32||
Übersetzung: Nach einmaliger regelgerechter Weihung mit Shivas Mantra-Sammlung vollziehe man damit das Bad zu den im Caryāpāda genannten Zeiten.
33.
alābuke vā pracchanne kauberyabhimukhaḥ sthitaḥ ||33||
†
Übersetzung: Man bewahre die Asche in einem bedeckten Gefäß aus Ton, Bambus oder Flaschenkürbis auf und wende sich nach Norden.
34.
bhasmamuṣṭiṃ gṛhītvā tu dakṣiṇena kareṇa tu ||34||
Übersetzung: An einem reinen Ort meditiere der Verständige mit ruhigem Geist wie zuvor über das Astra und nehme mit der rechten Hand eine Handvoll Asche.
35.
ubhau bāhū ca hṛdayaṃ pṛṣṭhaṃ jaṭharameva ca ||35||
Übersetzung: Damit reibe er leicht Kopf, Gesicht und Hals ein, dann beide Arme, Herzgegend, Rücken und Bauch.
36.
samyaguddhūlayedaṅgaṃ spṛṣṭvānyonyaṃ karāvubhau ||36||
Übersetzung: Was die rechte Hand nicht erreicht, bestäube er mit der linken. Zuvor berühre er mit beiden Händen einander.
37.
jaṅghe ca kramaśaḥ paścāttato'ntarvāsa utsṛjet ||37||
†
Übersetzung: Nach dem Anheben der Bekleidung reibe er Hüfte und Intimbereich ein, dann langsam beide Oberschenkel und anschließend die Unterschenkel. Danach lege er das Untergewand ab.
38.
paridhāya śucirvāsaḥ pāṇī prakṣālayettataḥ ||38||
Übersetzung: Der Übende reibe die Hände mit Asche gegeneinander, ziehe ein reines Gewand an und wasche anschließend die Hände.
39.
ācāmetprayato bhūtvā hastau tu pariśodhayet ||39||
Übersetzung: Mit gereinigtem Wasser und sieben Anwendungen von Erde wasche er die Füße. Gesammelt vollziehe er das rituelle Wasserschlürfen und reinige die Hände.
40.
liptāyāṃ bhuvi saumyāsyaḥ smṛtvā nāthaṃ sadāśivam ||40||
Übersetzung: Dann nehme er sorgfältig eine weitere Handvoll Asche. Auf dem bestrichenen Boden nach Norden gewandt erinnere er sich an den Herrn Sadashiva.
41.
vadanaṃ vaktramantreṇa hṛdayaṃ bahurūpiṇā ||41||
Übersetzung: Der Mantrakundige bestäube den Kopf mit dem Ishana-Mantra, das Gesicht mit dem Gesichtsmantra und die Herzgegend mit Bahurupa.
42.
tato'bhiṣekaṃ kurvīta pūrvavatsusamāhitaḥ ||42||
Übersetzung: Den Intimbereich bestäube er mit Vamadeva, den übrigen Körper mit Sadyojata. Danach vollziehe er, ganz gesammelt, die Übergießung wie zuvor.
43.
praṇavena tato mantrī oṣṭhau dviḥ parimṛjya ca ||43||
Übersetzung: Nach dem Händewaschen trinke er aufmerksam dreimal etwas Wasser mit dem Pranava. Dann wische er zweimal über die Lippen.
44.
śikhāṃ netre yathānyāyaṃ karṇarandhre ca suvrata ||44||
†
Übersetzung: Ruhig besprenge er die Füße und berühre die Teile des Kopfes: die Haarlocke am Scheitel, beide Augen und die Ohröffnungen, du Gelübdetreuer.
45.
hṛdayaṃ nābhideśaṃ ca bhūyo'pyevaṃ tu pūrvavat ||45||
Übersetzung: Danach berühre er beide Atemöffnungen, die Schultern, die Herzgegend und den Nabelbereich der Reihe nach; dies wiederhole er wie zuvor.
46.
evaṃ snānadvayaṃ proktaṃ sarvaṃ duṣkṛtanāśanam ||46||
Übersetzung: Anschließend verehre er den höchsten Gott stets mit großer Hingabe. So sind die beiden Bäder erklärt, die nach der Lehre alles unheilsame Tun tilgen.
47.
tannirvartyaṃ yathā mantraiḥ sadyojātādibhiḥ śubhaiḥ ||47||
†
Übersetzung: Als drittes gibt es das Brahma-Bad, falls die beiden anderen nicht möglich sind. Es wird mit den glückverheißenden Mantras von Sadyojata an ausgeführt.
48.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Man besprenge den Kopf mit Wasser; das Übrige geschehe wie zuvor, o Weiser. Du hast, Herr der Götter, das Brahma-Bad für den Fall erklärt, dass Wasser- und Aschebad fehlen. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
49.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wenn jedoch alle Mittel fehlen, erkläre, Herr, ein weiteres, rein geistiges Bad. Die Antwort: Mit jyotir jyotiḥ, das auf hūṃ phaṭ endet,
50.
praṇavena tataḥ paścātsvacchatoyena bhūriṇā ||50||
Übersetzung: stelle man sich den Körper sorgfältig als verbrannt vor, im Feuer des Weltendes. Danach lasse man durch den Pranava reichlich klares Wasser entstehen.
51.
kāryāntaḥkaraṇe pūjā sā ca yoge yathārthataḥ ||51||
Übersetzung: Damit wasche der Mantrakundige in der Vorstellung seinen Leib; dann ist er zweifellos gebadet. Die Verehrung ist im Inneren zu vollziehen; ihre genaue Erklärung gehört zum Yoga.
52.
kuśapuṣpāmbhaso'bhāvātsādhakānāṃ pravartate ||52||
†
Übersetzung: Dort wird sie zu erläutern sein, hervorragender Weiser. Die anschließende Aussage verbindet diese innere Verehrung mit dem äußeren Opfer bei fehlendem Kusha-Gras, Blumen oder Wasser; der genaue Satzanschluss ist nicht völlig gesichert.
53.
kriyāsvathādau munirājamukhya |
śivārcanasyāpyatulaṃ vidhānaṃ
Übersetzung: So ist das Bad in seinen unterschiedlichen Formen erklärt, das am Anfang der rituellen Handlungen steht, Erster unter den Weisen. Nun werde ich dir in angemessener Kürze das unvergleichliche Verfahren der Verehrung Shivas darlegen.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 3
Übersetzung: Verehrung
1.
snātvā prāgvidhinā mantrī śivārpitamanāḥ sudhīḥ ||1||
Übersetzung: Nun folgt das Verfahren zur Verehrung Shivas von unermesslichem Glanz. Nach dem zuvor beschriebenen Bad richte der verständige Mantrakundige seinen Geist auf Shiva.
2.
yāyādvāksaṃyamī leśātpūjāsthānamaninditam ||2||
Übersetzung: Er meditiere über das mit Om beginnende Vidyadhipa-Glied und gehe langsam, im Schweigen, zum einwandfreien Ort der Verehrung.
3.
sudhūpāmodagandhāḍhyaṃ carcitaṃ candanādibhiḥ ||3||
Übersetzung: Dieser sei geschützt, einsam, schön und mit Blumen bestreut, erfüllt vom Duft guter Räucherstoffe und mit Sandelholz und Ähnlichem bestrichen.
4.
sitavastrapatākāḍhyaṃ suvicitradhvajocchritam ||4||
Übersetzung: Über ihm befinde sich ein Baldachin mit herabhängenden Perlenketten. Weiße Stoffwimpel und verschieden gestaltete Fahnen sollen ihn schmücken.
5.
niṣkampārciḥpradīpāḍhyaṃ darpaṇāṃśuprapūritam ||5||
Übersetzung: Er sei mit Safranwasser besprengt und mit Kampferpulver bestäubt, von Lampen mit ruhigen Flammen erhellt und vom Licht der Spiegel erfüllt.
6.
toraṇaiḥ kalaśairbhadraiḥ svacchapānīyapūritaiḥ ||6||
†
Übersetzung: In allen vier Richtungen schmücke man ihn mit Torbögen aus Ashvattha-Holz und mit schönen, klarwassergefüllten Krügen.
7.
sthānaṃ prathamaśabdena nirīkṣya praviśecchanaiḥ ||7||
Übersetzung: So gestalte man ihn nach Möglichkeit; andernfalls genügt ein ansprechender Ort. Man betrachte ihn mit dem Prathama-Glied und betrete ihn langsam.
8.
nirdhūmāṅgāradīptena karāvastreṇa śodhayet ||8||
Übersetzung: Dort nehme man eine gut eingeübte, feste und unbewegliche Sitzhaltung ein. Mit dem Astra, leuchtend wie rauchlose Glut, reinige man beide Hände.
9.
udvartayitvā vinyāsaḥ kāryo mantragaṇasya ca ||9||
Übersetzung: Zuvor reibe man sie mit Priyangu-Pulver ein, das mit wohlriechendem Duftstoff vermischt ist. Danach erfolgt das Auflegen der Mantra-Gruppe auf den Körper, der Nyasa.
10.
paścādvāmādikānnyasyetkramaśaḥ susamāhitaḥ ||10||
Übersetzung: Gesammelt lege man Sadyojata auf den kleinen Finger und danach nacheinander Vamadeva und die übrigen Mantras auf.
11.
madhyamāyāmaghoraṃ tu tarjanyāṃ saṃprakalpayet ||11||
Übersetzung: Auf den Ringfinger lege man in innerer Erinnerung Vamadeva, auf den Mittelfinger Aghora und auf den Zeigefinger den folgenden Mantra.
12.
ekāśītipadopetaśaktigarbhaṃ paraṃ śivam ||12||
Übersetzung: Dieser ist der Gesichtsmantra; auf den Daumen lege man sorgfältig Ishana. Dann vergegenwärtige man den höchsten Shiva im Schoß der Shakti mit den einundachtzig Wortgliedern.
13.
sarvātmānaṃ madhyamāyāṃ vinyaseddhṛdayaṃ sadā ||13||
Übersetzung: Man spreche Shakti aus und lege sie als Gestalt friedvollen Glanzes auf. Auf den Mittelfinger lege man stets Sarvatman, das Herz.
14.
jvālinīṃ ca śikhāṃ nyasya kanīyasyāṃ mahāmune ||14||
Übersetzung: Auf den Ringfinger lege man das als Sushiva bezeichnete machtvolle Haupt, auf den kleinen Finger Jvalini, die Shikha, großer Weiser.
15.
śivāstramapi vinyāsyamaṅguṣṭhe'gnisamaprabham ||15||
Übersetzung: Auf den Zeigefinger lege man den glückverheißenden Pingala-Kavacha und auf den Daumen Shivas Astra, das wie Feuer leuchtet.
16.
tataḥ saṃhāramudrayā |
†
Übersetzung: Nach diesem Nyasa auf beiden Händen lege man mit der Samhara-Mudra den Allselbst, Sarvatman, in Shiva; dabei ist das Wortglied sarva sarva maßgeblich.
17.
yogapade pravistīrya vaktavyāstā mahāmune ||17||
Übersetzung: Die vorzüglichen Übenden sollen nacheinander vier Dharanas vollziehen. Diese werden im Yogapāda ausführlich erklärt, großer Weiser.
18.
tena śuddhenduvapuṣā hṛdvyomakamale sudhīḥ ||18||
Übersetzung: Danach spreche man ruhig den nach unten gerichteten Pranava aus. Mit diesem, dessen Gestalt wie der reine Mond ist, wirke man im Lotus des Herzraums.
19.
dharmādicaraṇairyuktamāsanaṃ divyamadbhutam ||19||
Übersetzung: Der Geist sei allein auf den Mantra gerichtet. So bilde man für den Gott der Götter einen wunderbaren göttlichen Sitz mit Dharma und den übrigen Eigenschaften als Füßen.
20.
padmaṃ kundendusaṃkāśāṃ tato mūrtiṃ prakalpayet ||20||
Übersetzung: Mit den jeweiligen Mantras gestalte man den Lotus mit Fruchtboden und Staubfäden. Darauf bilde man die Gestalt, hell wie Jasmin und Mond.
21.
kartavyo'mitamūrtestu vidhisaṃpādanāya vai ||21||
Übersetzung: Das Auflegen des allgegenwärtigen Herrn geschieht mit dem Pranava und mit Mantras, deren Wesen Shiva ist. So wird das Verfahren für den Herrn von unermesslicher Gestalt vollendet.
22.
tatastatpuruṣeṇāpi vadanāni vicintayet ||22||
Übersetzung: Mit Ishana bilde man die fünf Häupter des Herrn, danach vergegenwärtige man mit Tatpurusha seine Gesichter.
23.
aṃsadvayam tathā caiva uraśca bahurūpiṇā ||23||
Übersetzung: Mit Bahurupa bilde man nacheinander Nabel, Herz, Bauch, Hals und Rücken, beide Schultern sowie die Brust.
24.
ūrudvitayamevaṃ syājjānunī ca yathākramam ||24||
Übersetzung: Hüfte, beide Flanken, Gesäßhälften, Geschlechtsorgan und After, beide Oberschenkel und Knie folgen der Reihe nach.
25.
hastadvayaṃ tataḥ pādau bāhū caiva sanāsikam ||25||
Übersetzung: Auch die Unterschenkel des Herrn bilde man mit Vamadeva. Danach kommen beide Hände und Füße, die Arme sowie die Nase.
26.
śaktimatkāraṇātītaṃ sakale niṣkalaṃ śivam ||26||
Übersetzung: Diese und das Haupt des Herrn bilde man mit Sadyojata. In dieser gegliederten Gestalt vergegenwärtige man den ungegliederten Shiva, der die Shakti besitzt und jenseits der Ursachen steht.
27.
pūrvasthitadvirabhyāsapadenaiva nirodhayet ||27||
Übersetzung: Mit dem Ajata-Mantra rufe man ihn herbei und mit dem Guhya-Mantra lasse man ihn seinen Platz einnehmen. Mit dem doppelt gesprochenen pūrvasthita halte man seine Gegenwart fest.
28.
hṛdi vinyasya hṛdayaṃ śiraḥ śirasi vinyaset ||28||
Übersetzung: Mit Bahurupa bewirke man seine unmittelbare Gegenwart und bilde dann die Glieder. Den Herzmantra lege man ins Herz, den Hauptmantra auf das Haupt.
29.
śivāstraṃ hastayornyasya
Übersetzung: Den Shikha-Mantra lege man auf den Scheitel, den Kavacha auf alle Glieder und Shivas Astra auf beide Hände. Mit dem Gesichtsmantra bringe man dem Herrn Arghya und die weiteren Gaben dar.
30.
divyairgandhaiśca puṣpaiśca hṛdvyomāmbujasaṃsthitam ||30||
†
Übersetzung: Die eigentliche Verehrung vollziehe man mit dem Ishana-Mantra, du Gelübdetreuer. Mit himmlischen Düften und Blumen verehre man den im Lotus des Herzraums Ruhenden.
31.
candanādīni gāyatryā snānakarma ca kārayet ||31||
Übersetzung: Mit Hingabe verehre man den allgegenwärtigen Herrn samt Brahma- und Gliedmantras. Sandelholzgaben und das Bad vollziehe man mit Gayatri.
32.
gāyatryā kalpayetsarvaṃ śivasyādhvarakarmaṇi ||32||
Übersetzung: Gewänder, Schmuck, Girlanden, Räucherung, feste und weiche Speisen und gekochte Nahrung: Alles stelle man bei Shivas Opferhandlung mit Gayatri bereit.
33.
bahiścāvayaveṣvevaṃ nyāsaṃ kṛtvātmanaḥ sadā ||33||
Übersetzung: So vollziehe man innerlich das Verfahren, das Unheil fernhält. Ebenso lege man die Mantras äußerlich auf die Glieder des eigenen Körpers.
34.
vighnānprotsārayetsarvāñchivāstreṇograrūpiṇā ||34||
Übersetzung: Man bilde mit beiden Händen die Shakti-Mudra und vertreibe durch dreimaliges Klatschen und Shivas furchterregendes Astra alle Hindernisse.
35.
pataṅgena nabhobandho digbandhaścāpi varmaṇā ||35||
Übersetzung: Der Opferkundige schütze den Boden mit bhūḥ, den Luftraum mit pataṅga und die Richtungen mit dem Kavacha.
36.
pūtāmbhasā pavitraistu sāṅgena parameṣṭhinā ||36||
Übersetzung: Danach reinige der Verständige das Arghya-Gefäß mit dem Astra und fülle es mit reinem Wasser und heiligen Stoffen, unter Verwendung des höchsten Herrn samt seinen Gliedern.
37.
jalaṃ bilvaphalaṃ dūrvā tilāḥ puṣpāṇi taṇḍulāḥ ||37||
Übersetzung: Der Übende bereite das Arghya aus acht Bestandteilen und weihe es mit Mantras: Wasser, Bilva-Frucht, Durva-Gras, Sesam, Blumen und geschälte Reiskörner,
38.
argho'ṣṭāṅgaḥ iti proktastena kāryāṇi kārayet ||38||
Übersetzung: ferner ungeschälter Reis und Darbha-Gras. Dies ist das allgemeine achtgliedrige Arghya, großer Weiser; damit vollziehe man die betreffenden Handlungen.
39.
uccāryānantamantraṃ tu dhyāyedadhvānamādarāt ||39||
Übersetzung: Nach sorgfältiger Besprengung aller Stoffe mit Shivas Astra spreche der Mantrakundige den Ananta-Mantra und vergegenwärtige aufmerksam den Adhvan.
40.
brahmaṇo'ṇḍaṃ hi tasyādhaḥ kandabhūtaṃ vicintayet ||40||
Übersetzung: Er stelle sich diesen ganz deutlich vor, vom Kalagni an bis zum Vidya-Tattva. Das darunterliegende Weltei Brahmas denke er als Wurzelknolle.
41.
bhuvanairbhuvaneśaiśca tattvaiścāpi yathākramam ||41||
Übersetzung: Bis zum Pradhana-Tattva reiche der dornige Stängel, o Weiser, mit den Welten, ihren Herren und den Tattvas in ihrer Reihenfolge.
42.
pīṭhaṃ vidyāvadhau tasya devadevasya nityaśaḥ ||42||
Übersetzung: Von Purusha bis zum Kalā-Tattva bilde sich der weitere Bereich. Der Sitz des Gottes der Götter reicht stets bis zur Grenze von Vidya; die räumliche Einzelzuordnung bleibt teilweise unklar.
43.
vidyātattvamayīṃ tasya karṇikāṃ paricintayet ||43||
Übersetzung: Unter dem Fruchtboden meditiere man über den großen Knoten, dessen Wesen Maya ist. Den Fruchtboden selbst denke man aus dem Vidya-Tattva bestehend.
44.
bījāni śaktayaḥ proktā dalāni parameśvarāḥ ||44||
Übersetzung: Die in Vidya gegründeten Mantras sind die Staubfäden, die Shaktis die Samen und die höchsten Herren die Blütenblätter.
45.
evaṃ dhyātvā tato nyasyedanantaṃ śaktimudrayā ||45||
Übersetzung: Diese sind die acht Herren der Vidyas, die auf dem Sitz ruhen. Nach dieser Meditation lege man Ananta mit der Shakti-Mudra auf.
46.
āgneyyāṃ sthāpayeddharmaṃ siṃharūpaṃ mahābalam ||46||
Übersetzung: Der Weise befestige ihn regelgemäß und beginne dann die Handlung. Im Südosten setze er Dharma in die Gestalt eines mächtigen Löwen.
47.
caraṇaṃ siṃhavaddhyātvā jñānaṃ svena padena tu ||47||
Übersetzung: Dharma sei weiß wie Kuhmilch. Im Südwesten meditiere man über den roten Löwenfuß der Erkenntnis und setze ihn mit seinem eigenen Wortglied ein.
48.
sthāpayedvidhivanmantrī vairāgyaṃ siṃharūpiṇam ||48||
Übersetzung: Im Nordwesten setze der Mantrakundige entsprechend die Leidenschaftslosigkeit als Löwen ein, von der Farbe des Safranwassers.
49.
gandhapuṣpapavitrādyaiḥ pratyekaṃ paripūjayet ||49||
Übersetzung: Im Nordosten bilde die Herrschaftsmacht den Fuß, dunkel glänzend wie eine Biene. Jeden verehre man einzeln mit Duft, Blumen und heiligen Gaben.
50.
kesarāṇi padaiḥ svārthairnyasetsvasthānavartmanā ||50||
Übersetzung: Dann spreche man das Lotus-Glied und setze den erblühten Lotus ein. Die Staubfäden lege man mit ihren bedeutungsgemäßen Wortgliedern an die jeweiligen Plätze.
51.
pīṭhasyopari kartavyo nyāso'yaṃ kamalātmakaḥ ||51||
Übersetzung: Ebenso setze man den Fruchtboden mit seinem Glied und die Samen der Reihe nach ein. Dieses Auflegen in Lotusgestalt geschieht auf dem Sitz.
52.
vinyasetkarṇikāmadhye svamūrtiṃ pārameśvarīm ||52||
Übersetzung: Mit Sarvatman samt der Keimsilbe lege man in Gedanken in die Mitte des Fruchtbodens die eigene, dem höchsten Herrn entsprechende Gestalt.
53.
īśānaṃ pañcadhā nyasya pūrvavacchirasi kramāt ||53||
Übersetzung: Wenn diese besteht, geschieht der Nyasa zur Ausbildung aller Körperteile. Ishana lege man wie zuvor fünfmal nacheinander auf das Haupt.
54.
aṅganiṣpattaye paścādbahurūpo'pyathāṣṭadhā ||54||
Übersetzung: Der Verständige lege Purusha zur Ausbildung der Gesichter auf und danach Bahurupa achtfach zur Ausbildung der Körperteile.
55.
sadyojātaṃ yathānyāyaṃ paścādaṅgeṣu vinyaset ||55||
Übersetzung: An den zuvor genannten Stellen setze man Vamadeva ein und lege danach Sadyojata regelgemäß auf die Glieder.
56.
īśvaraḥ sa tu vijñeyo viśvamūrtiranekadhā ||56||
Übersetzung: So ist Shiva Sakala, mit Teilen gestaltet; sonst ist er Nishkala, ohne Teile. Man erkenne ihn als Ishvara, der auf vielfache Weise die Gestalt des Alls annimmt.
57.
krīḍataḥ parameśasya mūrtireṣā hyaninditā ||57||
†
Übersetzung: Durch die Macht des Yoga ist er so gegenwärtig und wird vom Handeln nicht bedrückt. Diese untadelige Gestalt gehört zum freien Spiel des höchsten Herrn.
58.
cintayetpañcamūrdhānaṃ devadevaṃ maheśvaram ||58||
Übersetzung: Man meditiere über Maheshvara, den Gott der Götter, mit fünf Häuptern, reinem Kristall gleich und leuchtend durch die Strahlen seiner eigenen Glieder.
59.
khaṇḍendumaṇḍitenātha makuṭena sutejasā ||59||
Übersetzung: Er ist freundlich, hat fünf Gesichter mit jeweils drei Augen und schöne Nasen. Seine strahlende Krone trägt die Mondsichel.
60.
svāṅguṣṭhaparvaṇā tulyaṃ dhyāyeddhṛ karṇikopari ||60||
†
Übersetzung: Er hat zehn Arme, weite Augen und eine Schlange als heilige Schnur. Auf dem Fruchtboden des Herzlotus meditiere man ihn in der Größe des eigenen Daumengliedes.
61.
guruvaktropadeśena kṛtvātra karaṇaṃ śanaiḥ ||61||
Übersetzung: Nachdem man dort seinen Mantraleib vergegenwärtigt hat, setze man das höchste Licht hinein. Die innere Handlung geschehe behutsam nach der mündlichen Unterweisung des Gurus.
62.
ekāśītipadaṃ devaṃ tasminsaṃdhāya yatnataḥ ||62||
Übersetzung: Man erinnere sich an Sadyojata und meditiere über den innen und außen gegenwärtigen Herrn. Sorgfältig verbinde man damit den Gott in Gestalt der einundachtzig Wortglieder.
63.
hṛtpadmakarṇikāsaṃsthaṃ tejo viśvātmanā purā ||63||
†
Übersetzung: Man spreche die ganze entfaltete Folge vom Pranava bis zum abschließenden Pranava. Zuvor vergegenwärtige man mit Vishvatman das Licht auf dem Fruchtboden des Herzlotus.
64.
vibhu netrapradeśasthaṃ kṛtvā dhyātvā ca sādhakaḥ ||64||
Übersetzung: Dieses lasse der Übende auf dem mittleren Weg der Shakti langsam aufsteigen und sich entfalten, bis der allgegenwärtige Glanz den Augenbereich erreicht.
65.
tattejaḥ sarvato dikṣu taṃ devaṃ bindurūpiṇam ||65||
†
Übersetzung: Er meditiere über den Gott in Bindu-Gestalt, dessen Licht nach allen Richtungen ausstrahlt wie ein rauchloses Feuer; ein Ausdruck für die Strahlen ist unsicher überliefert.
66.
vāmadevaṃ samuccārya bījamudrāṃ prayatnadhīḥ ||66||
Übersetzung: Beim Zusammentreffen mit dem Atemweg verbinde man ihn vollkommen mit der gegliederten Gestalt. Man spreche Vamadeva und bilde sorgfältig die Bija-Mudra.
67.
saṃsmaretsvāgataṃ vācyaṃ nirodhaścāpyanantaram ||67||
Übersetzung: Diese zeige man, hervorragender Weiser, und erinnere sich an den höchsten Shiva als reine Wirklichkeit. Man heiße ihn willkommen und befestige anschließend seine Gegenwart.
68.
bhavetsaṃsmaraṇātkṣipraṃ mantrasya bahurūpiṇaḥ ||68||
Übersetzung: Dies geschieht mit pūrvasthita. Die unmittelbare Gegenwart des Königs der Mantras entsteht rasch durch die Vergegenwärtigung des Bahurupa-Mantras.
69.
paścādaṅgāni deyāni pūrvavatparameṣṭhinaḥ ||69||
Übersetzung: Die Anrufung Shivas wird im Verfahren stets mit der Avahani-Mudra vollzogen. Danach lege man dem höchsten Herrn wie zuvor seine Glieder auf.
70.
tataḥ pādyaṃ pradātavyaṃ vaktramantreṇa dhīmatā ||70||
Übersetzung: Mit der Prashanta-Mudra meditiere man über ihn als gegliedert und ungegliedert zugleich. Dann bringe der Verständige mit dem Gesichtsmantra Wasser für die Füße dar.
71.
gāyatryā dāpayeddhūpaṃ bhūyo'pyācamanaṃ vibhoḥ ||71||
Übersetzung: Auch Arghya und Wasser zum Mundspülen werden dargebracht; die Blumen stets mit Ishana. Räucherung bringe man mit Gayatri dar, danach wiederum Mundspülwasser für den Herrn.
72.
snānaṃ toyādibhiḥ pūtairghṛtādyaiśca sugandhibhiḥ ||72||
Übersetzung: Zwischen den Räuchergaben verwende man dafür wie zuvor den Gesichtsmantra. Das Bad geschehe mit reinem Wasser und weiteren Stoffen, auch wohlriechendem Ghee.
73.
haricandanakalkena kuṅkumena ca kārayet ||73||
Übersetzung: Es wird stets mit Gayatri vollzogen; zuletzt folgt Duftwasser. Man verwende eine Paste aus gelbem Sandelholz und Safran.
74.
uddhṛtairhi śaktyā sarvābhāvāttu mānasam ||74||
†
Übersetzung: Mit Gayatri salbe man ihn damit und mit Kampferpulver. Man beschaffe die Gaben nach Vermögen; fehlen alle Mittel, vollziehe man die Handlung geistig.
75.
dhūpaḥ kṛṣṇāgaroḥ śastastadabhāvācca gugguloḥ ||75||
Übersetzung: Wer volle Vollendung erstrebt, soll das Verfahren vollständig ausführen. Als Räucherstoff wird schwarzes Adlerholz empfohlen, bei dessen Fehlen Guggulu.
76.
pūjā nīlotpalaiḥ padmaiḥ sitairvāpyathavāruṇaiḥ ||76||
Übersetzung: Auch andere gut bereitete Räuchermischungen ohne tierische Körperteile sind geeignet. Die Verehrung geschehe mit blauen Wasserlilien oder weißen beziehungsweise roten Lotussen.
77.
tadabhāvāddṛḍhaiḥ snigdhaiḥ komalaiḥ parameṣṭhinaḥ ||77||
Übersetzung: Auch frische, einwandfreie Malati-, Mallika- und andere Blüten sind geeignet. Fehlen diese, verwende man feste, saftige und zarte Blätter für den höchsten Herrn.
78.
vidhiḥ proktaḥ prasiddhyarthaṃ muktyai bhaktistu kāraṇam ||78||
Übersetzung: Mit Bilva-Blättern vollziehe man die Verehrung hingebungsvoll nach den eigenen Möglichkeiten. Das Verfahren ist zur rituellen Vollendung gelehrt; die Ursache der Befreiung aber ist Hingabe.
79.
deyāni devadevasya ratnāni vividhāni ca ||79||
Übersetzung: Augenbinden, Seidenstoffe und andere Gewänder, hervorragender Weiser, sowie verschiedene Edelsteine bringe man dem Gott der Götter dar.
80.
atha kiṃ bahunoktena yadyaddravyamanuttamam ||80||
Übersetzung: Oberarmreifen, Armringe und weiteren Schmuck gebe man nach Vermögen. Doch wozu viele Worte? Jeder vorzügliche Stoff,
81.
pūrvoktamakhilaṃ kāryaṃ gāyatryā sarvameva hi ||81||
Übersetzung: der erreichbar ist, soll stets zur Verehrung verwendet werden. Alles zuvor Genannte ist mit Gayatri auszuführen.
82.
gāyatrī karmaṇi śreṣṭhā saṃpādayati yojitā ||82||
Übersetzung: Wo für eine Handlung kein besonderer Mantra angegeben ist, verwende man stets Gayatri. Richtig eingesetzt vollendet diese vorzügliche Formel die Handlung.
83.
nirvartyaivaṃ vibhoḥ pūjāmīśānaṃ karṇikopari ||83||
Übersetzung: Sie kann alle Aufgaben erfüllen; daran soll hier kein Zweifel bestehen. Nach dieser Verehrung des Herrn meditiere man über Ishana auf dem Fruchtboden.
84.
karṇikārasamaprakhyaṃ prāgdale puruṣaṃ nyaset ||84||
Übersetzung: Man denke ihn weiß wie Kuhmilch und verehre ihn mit Blumen und anderen Gaben. Auf das östliche Blatt setze man Purusha, leuchtend wie die Karnikara-Blüte.
85.
dāḍimīpuṣpasaṃkāśaṃ vāmadevaṃ tathottare ||85||
Übersetzung: Auf das südliche Blatt setze man Aghora, dunkel wie ein aufgebrochener Klumpen Augensalbe, und im Norden Vamadeva, von der Farbe einer Granatapfelblüte.
86.
nyasyeddale yathānyāyaṃ sugandhikusumādibhiḥ ||86||
Übersetzung: Auf das westliche Blatt setze man Sadyojata, hell wie Muschel, Jasmin und Mond, und verehre ihn regelgemäß mit duftenden Blumen und weiteren Gaben.
87.
āgneye tu dale samyaksudhūpādibhirādarāt ||87||
Übersetzung: Auf dem südöstlichen Blatt vergegenwärtige man Sarvatman, einer Perle gleich, und verehre ihn aufmerksam mit guter Räucherung und weiteren Gaben.
88.
svacchaṃ vaiḍūryasaṃkāśaṃ dhyātvā pūjyaṃ sadā budhaiḥ ||88||
Übersetzung: Auf dem nordöstlichen Blatt verehre der Weise stets Sushiva, der als Haupt bezeichnet wird, klar und glänzend wie Vaidurya.
89.
kuliśābhaṃ sadā varma mārute pūjayeddale ||89||
Übersetzung: Auf dem südwestlichen Blatt verehre man Jvalini, einer Blitzranke gleich, und auf dem nordwestlichen den Kavacha, strahlend wie ein Diamant.
90.
caturbhujāścaturvaktrāstrinetrā baddhamaulayaḥ ||90||
Übersetzung: An die Blattspitzen lege man das Astra, leuchtend wie das Weltenbrandfeuer. Die verehrten Gestalten haben vier Arme, vier Gesichter, jeweils drei Augen und gebundene Haarkronen.
91.
gandhapuṣpapavitrādyairgāyatryā sādhakottamaḥ ||91||
Übersetzung: Man meditiere sie dem Herrn zugewandt und verehre sie der Reihe nach. Mit Gayatri bringe der Übende Duft, Blumen und heilige Gaben dar.
92.
śālyodanaṃ mudgasūpasaṃmiśraṃ gavyasarpiṣā ||92||
Übersetzung: Hingebungsvoll biete er dem Herrn Milchreis mit Ghee an, außerdem gekochten Reis mit Mungbohnensuppe und Kuhbutterschmalz.
93.
modayantyā suśaṣkulyāpūpakāṃścājugupsitān ||93||
†
Übersetzung: Auch Modakas, Mandakas und weitere mit Ghee bereitete Süßspeisen, schmackhafte Shashkulis und einwandfreie Kuchen bringe man dar. Einige Speisebezeichnungen bleiben unklar.
94.
dadhi caiva payaḥ samyak kvathitaṃ śītalaṃ ghanam ||94||
Übersetzung: Ferner gut bereitete Laddu-Kugeln in großer Zahl, Dickmilch und sorgfältig abgekochte, abgekühlte, eingedickte Milch; die zusätzliche Speisebezeichnung ist unsicher.
95.
vyañjanāni vicitrāṇi pūtāni sukṛtāni ca ||95||
Übersetzung: Hinzu kommen Knollen und Wurzeln, wohlschmeckende Früchte und vielfältige, reine und gut zubereitete Beilagen.
96.
sadyādīnāṃ svamantraistu praśāntāmapi darśayet ||96||
Übersetzung: Nach der regelgerechten Verehrung zeige man die Bija-Mudra für Sadyojata und die übrigen, jeweils mit ihrem Mantra. Auch die Prashanta-Mudra wird gezeigt.
97.
saṃhāriṇīṃ vidhau mantrī sarvāścāpi prabhoḥ smṛtāḥ ||97||
Übersetzung: Diese gilt für die Glieder bis zum Kavacha; für Shivas Astra zeige der Mantrakundige die Samharini-Mudra. Alle Mudras werden auch dem Herrn zugeordnet.
98.
saṃhitāṃ ca sakṛjjaptvā praṇipatya ca daṇḍavat ||98||
Übersetzung: Oder man zeige dem Gott der Götter die Shakti-Mudra. Nach einmaliger Rezitation der Mantra-Sammlung werfe man sich der Länge nach nieder.
99.
agnāvapi yathāśaktyā tarpayenmantrasaṃhitām ||99||
Übersetzung: Danach spreche der Verständige einmal das Glied asaṃstuta. Auch im Feuer bringe er der Mantra-Sammlung nach Vermögen nährende Opfergaben dar.
100.
evaṃ yaḥ pratyahaṃ bhaktyā saṃpūjayati kāraṇam ||100||
Übersetzung: Anschließend bitte er Sadashiva mit Ishana um Nachsicht. Wer so täglich mit Hingabe die höchste Ursache verehrt,
101.
naivābhyupaiti dehānte karmāśayavaśājjagat |
Übersetzung: in dem entsteht nach dieser Lehre keine Verfehlung, so wie beim Sonnenaufgang die Dunkelheit weicht. Am Ende des Körpers kehrt er nicht unter der Macht gespeicherten Karmas in die Welt zurück. Dies ist die allgemeine tägliche Verehrung, die Wohlergehen bringt.
102.
pāpāpahaṃ puṣṭivivardhanaṃ ca |
uktaṃ mayā te munirājamukhya
Übersetzung: Damit habe ich dir die tägliche Verehrung des Herrn erklärt, deren Kraft nicht vergeblich ist, die Verfehlung tilgt und Gedeihen fördert, Erster unter den Weisen. Höre nun von mir das Verfahren des Feuers.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 4
Übersetzung: Feuerhandlung
1.
gatvā puṇyaṃ vanaṃ siddhaṃ japtvā brahmāṇi pañca vai ||1||
Übersetzung: Nun werde ich die vorzügliche Erzeugung des Feuers ihrem Wesen nach erklären. Man gehe in einen heiligen, geeigneten Wald und rezitiere die fünf Brahma-Mantras.
2.
śamīgarbhodbhavā grāhyā hyaśvatthācchubhalakṣaṇāt ||2||
Übersetzung: Im Wald wiederhole man nochmals Aghora mit Om. Das Reibholz nehme man von einem günstig beschaffenen Ashvattha, der im Schoß eines Shami-Baumes gewachsen ist.
3.
chedayetsakalīkṛtya vṛkṣamabhyarcya yatnataḥ ||3||
Übersetzung: Nachdem man den Baum durch den Nyasa gestaltet und sorgfältig verehrt hat, schneide man langsam mit einem guten Werkzeug aus seinem mittleren Bereich, unter Verwendung von Shivas Astra.
4.
aṣṭāṅgulāmathotsedhātsusamāṃ nirvraṇāṃ śubhām ||4||
Übersetzung: Das Holz soll eine Hasta lang, zwölf Fingerbreiten breit und acht Fingerbreiten hoch sein, völlig eben, unbeschädigt und günstig beschaffen.
5.
pūjitāṃ dhūpitāṃ digdhāṃ candanena sugandhinā ||5||
Übersetzung: Der Mantrakundige forme daraus sorgfältig das untere Reibholz, verehre und beräuchere es und bestreiche es mit duftendem Sandelholz.
6.
siktālaktakasaṃvītāṃ sthāpayedbhūtale śubhe ||6||
Übersetzung: Mit Savitri umwickle man es mit einer roten Schnur. Mit flüssigem rotem Lack versehen stelle man es auf einen geeigneten Boden.
7.
ṣaḍaṅgulaparīṇāhaṃ vṛttaṃ sāramayaṃ śubham ||7||
Übersetzung: Der Reibstab werde aus unbeschädigtem Khadira-Kernholz gefertigt, zwölf Fingerbreiten lang, mit einem Umfang von sechs Fingerbreiten, rund und wohlgeformt.
8.
aṣṭāṅgulaparīṇāhaṃ bhramayantrasuvartitam ||8||
Übersetzung: Die mit Eisen fest verbundene Abdeckung soll sechzehn Fingerbreiten messen und einen Umfang von acht Fingerbreiten haben; sie werde auf der Drehvorrichtung gut gerundet. Die Konstruktion ist nicht in allen Einzelheiten eindeutig.
9.
uttuṅgamadhyamāpīḍaṃ vartulobhayasaṃgraham ||9||
Übersetzung: Über dem Reibstab bringe man eine feste Kusha-Auflage an und ein Druckstück mit erhöhtem Mittelteil und beidseitig gerundeten Griffbereichen.
10.
ghaṭitaṃ nipuṇenātha śilpinā śāstravedinā ||10||
†
Übersetzung: Dieses soll eine Hasta lang sein, aus festem, gutem Khadira- oder Shimshapa-Holz, von einem geschickten, mit der Vorschrift vertrauten Handwerker angefertigt.
11.
āpīḍamapi tadvanmantrī mantraviśāradaḥ ||11||
Übersetzung: Seine Kopfrichtung ist anhand des unteren Teils zu bestimmen. Das Reibholz lege der Mantrakundige mit dem Kopf nach Osten; ebenso das Druckstück.
12.
gāyatryā sarvametaddhi kāryaṃ tantravidā sadā ||12||
Übersetzung: Die beiden anderen Teile richte der Sachkundige mit ihren Köpfen nach unten. All dies führe der Tantrakundige stets mit Gayatri aus.
13.
govālaiḥ saṃsmarandhīmānprathamākhyaṃ padaṃ śubham ||13||
Übersetzung: Nach Norden gewandt drehe man langsam mit einer aus Rinderhaaren gedrehten Schnur und erinnere sich an das glückverheißende Prathama-Glied.
14.
varjayenmathane vahneraraṇyāḥ kleśadaḥ sadā ||14||
Übersetzung: Beim Feuerreiben meide man die als Kopf, Hals, Rücken, Oberschenkel, Knie und Taille vorgestellten Bereiche des Reibholzes; dortiges Reiben gilt als leidbringend.
15.
yasmādasthānamathanātsādhako doṣabhāgbhavet ||15||
Übersetzung: Der Hüftbereich ist der Ort des Feuers für die Götter. Deshalb reibe man dort; denn durch das Reiben an einer unpassenden Stelle zieht der Übende nach der Lehre einen Fehler auf sich.
16.
jyotirjyotiḥpadenaiva gṛhṇīyājjātavedasam ||16||
Übersetzung: Der geeignete Ort ist daher der Beckenbereich, wo die Yoni angesetzt ist. Mit jyotir jyotiḥ nehme man das entstandene Feuer auf.
17.
asyābhāvānmaṇergrāhyaḥ sa vahnirbhānujaḥ smṛtaḥ ||17||
Übersetzung: Unter Verwendung von pataṅga setze man es in die Feuergrube. Ist dieses Verfahren nicht möglich, gewinne man Feuer mit einem Brennstein; dieses gilt als sonnengeboren.
18.
grāhyo'gnirmuniśārdūla vidhānena yathā tathā ||18||
Übersetzung: Es ist für alle Handlungen geeignet. Fehlt auch dies, kann man auf andere Weise Feuer nehmen, hervorragender Weiser, sofern man das vorgeschriebene Verfahren anwendet.
19.
mṛtpātre tāmrapātre vā gṛhītvāgniṃ niveśayet ||19||
Übersetzung: Dieses werde ich dir jetzt ausführlich auf dem Mantraweg erklären. Man nehme das Feuer in einem Ton- oder Kupfergefäß auf und stelle es ab.
20.
huṃphaṭkārobhayutena tāḍayenmantravāriṇā ||20||
†
Übersetzung: Es komme nordöstlich der Feuergrube zu stehen. Mit tejas tejas, verbunden mit hūṃ phaṭ, treffe man es mit geweihtem Wasser.
21.
kuṇḍaṃ prākśodhayenmantrī nyastvā dikṣvastrapañjaram ||21||
Übersetzung: Nachdem man es mit Sarvatman durch Duft, Blumen, Arghya und weitere Gaben verehrt hat, reinige man zuerst die Grube und lege in den Richtungen einen Schutzkäfig aus Astra-Mantras an.
22.
proddhāraścaiva tenaiva pūraṇaṃ kavacena tu ||22||
Übersetzung: Mit dem Astra aus den Gliedern der Vidya ritze man den Boden auf; damit entferne man auch Erde. Das Auffüllen geschehe mit dem Kavacha.
23.
kalpayitvā tu sāvitrīṃ vinyasedviṣṭaropari ||23||
Übersetzung: Mit dem Bhū-Glied stampfe man die Erde fest und bilde damit einen Kreuzweg. Danach setze man Savitri auf den vorbereiteten Sitz.
24.
pūjayetkuṇḍamadhyasthāmṛtumaccārulocanām ||24||
Übersetzung: Man meditiere sie in der Mitte der Feuergrube, von der Farbe eines blauen Lotusblattes, schönäugig und in ihrer fruchtbaren Zeit, und verehre sie mit Duft und anderen guten Gaben.
25.
sadyojātena mantreṇa bhrāmayitvā tridhā śanaiḥ |25||
Übersetzung: Sich selbst vergegenwärtige man als Shiva, das Feuer als Samen. Mit dem Sadyojata-Mantra führe man es langsam dreimal im Kreis.
26.
yonau prapātayetsamyagvidyāṅgahṛdayaṃ smaran ||26||
Übersetzung: Der Verständige knie nieder und lasse es vor sich regelgerecht in die Yoni fallen, während er den Herzmantra der Vidya-Glieder vergegenwärtigt.
27.
garbhādhānaṃ bhavedevaṃ śāstre'sminpārameśvare ||27||
Übersetzung: Duft und Blumen bringe man stets mit dem Herzmantra des Vidyadhipa dar. So geschieht in dieser Lehre des höchsten Herrn die symbolische Empfängnis des Feuers.
28.
śirasārghyādikaṃ proktaṃ karmaṇyasminmahāmune ||28||
Übersetzung: Danach folgt das Pumsavana-Ritual mit Vamadeva und Ghee. Arghya und die weiteren Gaben dieser Handlung werden mit dem Hauptmantra vollzogen, großer Weiser.
29.
jātakarmavidhānaṃ tu vaktramantreṇa kārayet ||29||
Übersetzung: Für Simanta verwendet man Bahurupa; Rudrani gilt dabei als Shikha. Das Geburtsritual lasse man mit dem Gesichtsmantra vollziehen.
30.
nāmakarma ca kartavyamīśamantreṇa suvrata ||30||
Übersetzung: Die übrigen Darbringungen, Arghya und weitere, geschehen stets mit dem Pashupata-Astra. Die Namengebung vollziehe man mit Ishana, du Gelübdetreuer.
31.
pañca pañca pradātavyā hyekaikasya pṛthak pṛthak ||31||
Übersetzung: Mit vorangestelltem Mantra geschehe die zuvor erklärte Blumenverehrung. Für jede einzelne dieser Handlungen sind jeweils fünf Opfergaben darzubringen.
32.
paścāt pūrṇāṃ mantreṇa dāpayet |
Übersetzung: Diese bestehen aus Kuhbutterschmalz. Danach bringe man, mit gleichmäßig gestellten Füßen stehend, die volle Opfergabe mit dem einundachtziggliedrigen Mantra dar.
33.
sadyojātena vāmena ghoreṇa puruṣeṇa ca ||33||
Übersetzung: Auch die zusammenhängenden Ghee-Güsse sind auszuführen, wobei man die Mantras paarweise verbindet: Sadyojata mit Vamadeva, Aghora mit Purusha.
34.
prabhorastreṇa dīptena vaktrodghāṭanamīpsitam ||34||
Übersetzung: Ishana wird mit dem Shiva-Mantra verbunden, um die Münder auszubilden. Ihre Öffnung wird mit dem leuchtenden Astra des Herrn vollzogen.
35.
sarvātmakena mantreṇa prokṣayedambhasā śanaiḥ ||35||
Übersetzung: Danach entnehme man gesammelt etwas Feuer zum Kochen des Opferbreis. Mit dem Sarvatman-Mantra besprenge man behutsam mit Wasser.
36.
prāguktalakṣaṇānmantrī saumyāgrānpūrvato nyaset ||36||
Übersetzung: Rings um die Feuergrube breite der Mantrakundige Darbha-Gras der zuvor beschriebenen Art aus; im Osten zeigen die Spitzen nach Norden.
37.
prācyāmathottare bhāge pūrvataścāpi viṣṭaram ||37||
Übersetzung: Im Süden zeigen sie nach Osten, im Westen nach Norden, im Norden nach Osten. Außerdem bereite man im Osten einen Sitz.
38.
brahmaṇaḥ praṇavādyaṃ syātprahvāntaṃ kusumādibhiḥ ||38||
Übersetzung: Diesen richte man sorgfältig für Brahma ein und verehre ihn darauf mit Blumen und weiteren Gaben. Seine Formel beginnt mit dem Pranava und endet mit der Ehrerbietung.
39.
pātayenmadhyame vaktre na cānyatra kadācana ||39||
Übersetzung: Dann erhebe man sich nach Vermögen und gieße mit ungeteilter Aufmerksamkeit die volle Opfergabe in den mittleren Mund des Feuers, niemals an eine andere Stelle.
40.
adhiśrayaṇamādau tu haviḥsthālyāṃ samāhitaḥ ||40||
Übersetzung: Den Ghee-Anteil opfere man mit drei Darbringungen. Zuerst stelle man gesammelt das Opfergefäß zum Erwärmen auf.
41.
kartavyaṃ jyotiruccārādavalokanasaṃjñakam ||41||
Übersetzung: Das regelgerechte Beleuchten geschehe mit tejas tejas, die als „Betrachten“ bezeichnete Handlung mit der Aussprache des Jyotis-Gliedes.
42.
darbhābhyāṃ mantramukhyena nānātritayayojanāt ||42||
†
Übersetzung: In dieser Handlungsfolge vollziehe man das Utplavana, die Reinigung mit zwei Darbha-Halmen, unter Verwendung des Hauptmantras und der hier genannten dreifachen nānā-Lautfolge; deren Lesung ist unsicher.
43.
sākṣinsākṣinpadopāttaṃ kuryānnīrājanaṃ śanaiḥ ||43||
Übersetzung: Danach geschehe das Samplavana mit dem unsicher gelesenen sarveda, o Weiser. Mit sākṣin sākṣin vollziehe man langsam das schwenkende Nīrājana.
44.
evaṃ kṛte yathoddiṣṭamāsanādiprakalpanam ||44||
Übersetzung: Die Besprengung geschehe stets ganz gesammelt mit Gayatri. Ist dies wie angewiesen geschehen, bilde man die Sitze und das Weitere.
45.
gandhapuṣpārcanaṃ kṛtvā bahirdevānniveśayet ||45||
Übersetzung: Für die Hauptmantras tue man dies wie zuvor in ihren jeweiligen Richtungen. Nach Duft- und Blumenverehrung setze man die äußeren Gottheiten ein.
46.
tasyārcanaṃ yathānyāyaṃ kṛtvā dakṣiṇato'rcayet ||46||
Übersetzung: Brahma ist im Osten bereits auf seinem Sitz eingesetzt. Nachdem man ihn regelgemäß verehrt hat, verehre man im Süden die nächste Gottheit.
47.
praṇavādiṃ tataḥ paścādrudraṃ paścimato'rcayet ||47||
Übersetzung: Vishnu verehre man mit seinem Namen im Dativ, mit Om am Anfang und namaḥ am Ende. Danach verehre man Rudra im Westen.
48.
pūjayitvā śivasyādāvāhutīḥ pratipādayet ||48||
Übersetzung: Im Norden verehre man Sadashiva auf einem Sitz. Anschließend bringe man zunächst Shiva die Opfergaben dar.
49.
daśabhāgoditaṃ śaṃbhoḥ pūrṇāṃ paścātprapātayet ||49||
Übersetzung: Danach nähre man die Mantras mit Opferstoff nach Vermögen; für sie wird ein Zehntel der für Shambhu bestimmten Gaben angegeben. Anschließend gieße man die volle Opfergabe aus.
50.
aprabuddhe dhūme ca na hotavyaṃ kadācana ||50||
Übersetzung: Opfert man in rauchlosem, lebhaft züngelndem Feuer, erlangt man nach der Lehre Vollendung. In nicht entflammtem oder rauchendem Feuer soll niemals geopfert werden.
51.
brīhibhirvā yavairvāpi samidbhirvājugupsitaiḥ ||51||
Übersetzung: Fehlt Ghee, vollziehe man das Feueropfer mit schwarzem Sesam, Reis, Gerste oder einwandfreien Opferhölzern.
52.
taṇḍulairvātha kartavyo homaḥ śāstraviśāradaiḥ ||52||
Übersetzung: Die Schriftkundigen können auch Lotusse, Bilva-Früchte oder Reiskörner verwenden, die mit Ghee oder Milch benetzt sind.
53.
satataṃ guggulohomo ghṛtamiśrasya siddhidaḥ ||53||
†
Übersetzung: Empfohlen wird das Opfer in hell brennendem Feuer mit reichlichem Brennstoff. Das regelmäßige Opfer von Guggulu, mit Ghee vermischt, gilt als vollendungsfördernd.
54.
tilānāṃ śasyate homaḥ satataṃ śaṅkhamudrayā ||54||
Übersetzung: Die Guggulu-Kügelchen sollen die Größe einer Jujubefrucht haben. Sesam soll stets mit der Shankha-Mudra geopfert werden.
55.
śuktimātrāṃ pāyasasya ghṛtayuktasya homayet ||55||
Übersetzung: Alle Getreidearten opfern die Übenden handvollweise. Vom Milchreis mit Ghee bringe man eine muschelgroße Menge dar.
56.
sruvamātrā vyañjanānāṃ bhakṣyāṇāṃ svapramāṇataḥ ||56||
Übersetzung: Von gekochtem Reis gilt ein Bissen als geeignetes Maß, von Beilagen eine kleine Opferkelle; feste Speisen werden ihrer eigenen Größe entsprechend dargebracht.
57.
lavaṇasyāpi tilavatpramāṇaṃ kīrtitaṃ purā ||57||
Übersetzung: Von Rohzucker bringe man eine Menge in der Größe einer Amalaki-Frucht dar. Für Salz ist zuvor dasselbe Maß wie für Sesam angegeben.
58.
phalānāṃ kusumānāṃ tu svapramāṇamabhīpsitam ||58||
Übersetzung: Puffreis wird mit der glückverheißenden Avahani-Mudra geopfert. Früchte und Blumen werden in ihrer natürlichen Größe verwendet.
59.
homayedbṛhatītulyā āhutīḥ sādhakottamaḥ ||59||
Übersetzung: Von zubereiteten Knollen und Wurzeln bringe der Mantrakundige, der vorzügliche Übende, Gaben in der Größe einer Brihati-Frucht dar.
60.
saubhāgye lavaṇaṃ śastaṃ kusumāni ca nityaśaḥ ||60||
Übersetzung: Der Text ordnet Lotus und Bilva dem Wunsch nach Glück und Wohlstand zu; für günstiges Geschick nennt er Salz und Blumen als Opfergaben.
61.
tīkṣṇatailena samidho vibhītakasamudbhavāḥ ||61||
Übersetzung: Für ein Vertreibungsritual nennt die historische Vorschrift Hülsen, Spelzen, Haare und Knochen. Danach erwähnt sie mit scharfem Öl versehene Vibhitaka-Opferhölzer.
62.
viruddhaprāṇisarvāṅgairhomo vidveṣakarmaṇi ||62||
Übersetzung: Diese werden hier einem Tötungsritual zugeordnet. Für ein Ritual zur Erzeugung von Feindschaft nennt der Text Körperteile miteinander verfeindeter Tiere.
63.
pretadāruśmaśānotthairasṛṅmiśraiśca śasyate ||63||
Übersetzung: Er führt ferner oben verdorrte Bäume sowie Holz von Totenverbrennungen und Verbrennungsplätzen an, mit Blut vermischt.
64.
kaṭukaṇṭakino vṛkṣāḥ śastā viprābhicārake ||64||
Übersetzung: Letzteres wird dem Hervorrufen von Verwirrung zugeordnet, hervorragender Weiser. Bittere, dornige Bäume gelten in dieser historischen Ritualsystematik als geeignet für Schädigungsriten.
65.
dadhnaḥ praśasyate homaḥ sruṅmātrasyaiva sādhane ||65||
Übersetzung: Für Befriedung, Gedeihen, Beherrschung und Heranziehung werden milchsaftführende Bäume genannt. Für eine erfolgreiche Ausführung gilt eine große Opferkelle Dickmilch als geeignet.
66.
palamātraṃ ca madhunastadutkarṣe paladvayam ||66||
Übersetzung: Für alle vierfüßigen Tiere und für langes Leben wird Milch gepriesen. Von Honig gilt ein Pala als Maß, bei größerem Umfang zwei Pala.
67.
ekatra miśraṃ juhuyātsiddhaye sarvakarmasu ||67||
Übersetzung: Der vorzügliche Übende kann entsprechend auch drei darbringen. Gemeinsam vermischt werden diese Stoffe zur Vollendung aller Handlungen geopfert; der genaue Bezug der Dreizahl ist nicht völlig eindeutig.
68.
ṣaḍaṅgulaṃ bhavedvṛttaṃ srugdaṇḍasya suvartitam ||68-||
Übersetzung: Die Länge der großen Opferkelle, Sruc, entspricht der Länge des Unterarms. Ihr gut gerundeter Stiel soll einen Umfang von sechs Fingerbreiten haben.
69.
srugagramāyataṃ kāryaṃ prādeśo sadṛśaṃ yathā ||69||
Übersetzung: Er werde sorgfältig auf der Drehvorrichtung hergestellt und sei unbeschädigt. Das Vorderstück der Kelle werde länglich, ungefähr eine Handspanne lang.
70.
vṛttamucchrayamānena dvyaṅgulaṃ khātamiṣyate ||70||
Übersetzung: Der runde Kellenraum soll vier Fingerbreiten messen, bester Brahmane. Für die Vertiefung werden zwei Fingerbreiten angegeben.
71.
dvyaṅgulā mūladeśe tu kartavyā gaṇḍikā samā ||71||
Übersetzung: Die Unterseite gestalte man quadratisch, eben und gut geformt. Am Ansatz bringe man einen gleichmäßigen Vorsprung von zwei Fingerbreiten an.
72.
agraṃ gokarṇavadbhadraṃ praṇālena vibhūṣitam ||72||
Übersetzung: Dieser ist quadratisch; die anschließende Vorschrift zur Rinne bleibt unklar. Die Spitze werde schön wie ein Kuhohr gestaltet und mit einer Ausgussrinne versehen.
73.
yavamātrā bhavedrekhā puṣkaracchidrameva ca ||73||
Übersetzung: Diese misst zwei Fingerbreiten und besitzt eine mittlere Furche. Die Furche sowie die Öffnung des Kellenraums sollen eine Gerstenkornbreite messen.
74.
catuṣpalā na tvadhikā nyūnā vā śasyate śubhā ||74||
Übersetzung: Der Sachkundige fertige sie so, dass sie wohlgestaltet ist. Ihr Fassungsvermögen beträgt vier Pala; weder mehr noch weniger gilt als geeignet.
75.
śrīparṇīdārusaṃbhūtā paippalī vāvraṇā śubhā ||75||
Übersetzung: Man fertige sie aus Vaikankata-Holz. Fehlt dieses, werden Shriparni oder unbeschädigtes, gut beschaffenes Pippala-Holz empfohlen.
76.
tanmayī srugbhavedvipra sruvo'pi hi tadudbhavaḥ ||76||
Übersetzung: Gerade und überall gleichmäßig ist sie geeignet; eine gegenteilige Form wird nicht empfohlen. Aus diesem Holz besteht die große Kelle, Brahmane, und ebenso die kleine Kelle, Sruva.
77.
cakravākāsyatulyena phaṇena suśubhena ca ||77||
Übersetzung: Diese fertige man eine Hasta lang, gleichmäßig, ohne Fehler oder Verletzungen, mit einem schönen Kopf, der dem Schnabel eines Chakravaka-Vogels gleicht.
78.
tābhyāṃ homaḥ prakartavyaḥ sādhakaiḥ śāstravittamaiḥ ||78||
Übersetzung: Ihr Opfermaß beträgt einen Karsha; sie eignet sich für alle Handlungen. Mit beiden Kellen sollen die schriftkundigen Übenden das Feueropfer vollziehen.
79.
vikārāśca śikhāścaiva vedyāḥ karmasiddhaye ||79||
†
Übersetzung: Zur Beurteilung des rituellen Erfolgs sind Farbe, Geruch, Klang und Gestalt des Feuers, seine Veränderungen und seine Flammen zu kennen.
80.
bālārkavarṇo hutabhugjayārthaṃ śasyate mune ||80||
Übersetzung: Als vorzüglich gilt ein Glanz wie Rubin oder die Farbe roten Lacks. Für Sieg wird ein Feuer von der Farbe der jungen Sonne empfohlen, o Weiser.
81.
śakracāpanibhaḥ śastaḥ kuṅkumāmbunibhastathā ||81||
Übersetzung: Auch ein Feuer wie ein rotes Indragopa-Insekt, blutfarben, regenbogenartig oder wie Safranwasser gilt als günstig.
82.
divyānāmapyadivyānāmākṛṣṭāviṣyate sadā ||82||
Übersetzung: Für das Heranziehen himmlischer oder nicht himmlischer Wesen wird stets eine Farbe wie die roter Blumen bevorzugt.
83.
haridrākunaṭīvarṇo rocanābhaśca śasyate ||83||
Übersetzung: Ein Glanz wie Gold, gelber Auripigment, Kurkuma, Kunati oder Gorochana wird ebenfalls gepriesen.
84.
ṣaṭpadāñjananistriṃśatulyo varṇaḥ praśasyate ||84||
Übersetzung: Für das Erstarrenlassen gilt ein Feuer von der Farbe gelber Blumen als geeignet. Eine Farbe wie Bienen, Augensalbe oder eine Schwertklinge wird anschließend genannt.
85.
kṛṣṇānāṃ puṣpajātīnāṃ varṇenāgniriheṣyate ||85||
†
Übersetzung: Diese dunkle Feuerfarbe wird Tötungs-, Vertreibungs- und Vernichtungsriten zugeordnet; dabei wird auch die Farbe schwarzer Blumen angeführt.
86.
śāntike pauṣṭike caiva vihitaḥ sarvadānalaḥ ||86||
Übersetzung: Für Befriedung und Gedeihen ist stets ein Feuer vorgesehen, das weiß wie Muschel, Kristall, Jasmin oder Mond ist, oder ein anderes günstiges Weiß zeigt.
87.
mayūrakaṇṭhasadṛśastathā pārāvatopamaḥ ||87||
Übersetzung: Auch Farben wie Katzenaugen, Papageiengefieder, Pfauenhals oder Taubengefieder werden als zu beachtende Zeichen genannt.
88.
jñātvā karmānurūpaṃ tadyasya yasyānukūlatā ||88||
†
Übersetzung: Wenn das Feuer während des Opfers plötzlich bunt erscheint, prüfe man, welcher Handlung die jeweiligen Merkmale entsprechen und günstig sind.
89.
sugandhidravyagandho'gnirghṛtagandhaśca śobhanaḥ ||89||
Übersetzung: Was der Handlung entspricht, wird angenommen, das Entgegengesetzte verworfen. Ein Feuer mit dem Geruch guter Duftstoffe oder von Ghee gilt als günstig.
90.
ugragandho'bhicāre tu praśastaḥ sarvadānalaḥ ||90||
Übersetzung: Für langes Leben werden Lotus- und Bilva-Duft genannt, du Gelübdetreuer. Für Schädigungsrituale gilt nach dieser Systematik ein scharfer Geruch als günstig.
91.
pūtiḥ sarveṣu kāryeṣu neṣyate munisattama ||91||
Übersetzung: Für günstiges Geschick wird stets ein Duft wie blauer Lotus gepriesen. Fäulnisgeruch ist für keine Handlung erwünscht, bester Weiser.
92.
tadā hoturvijānīyātkarmasiddhimabhīpsitām ||92||
Übersetzung: Wenn das Feuer während des Opfers einen Klang wie Donner hervorbringt, soll dies als Zeichen des erhofften rituellen Erfolgs für den Opfernden verstanden werden.
93.
śabdo'gneḥ siddhaye hoturato'nyo'siddhaye smṛtaḥ ||93||
Übersetzung: Klänge wie Wolkendonner, Laute, Muschel oder Trommel gelten als erfolgverheißend. Andere Klänge werden als Zeichen mangelnden Erfolgs angesehen.
94.
vṛṣakuñjarayānena tulyo'gniḥ puṣṭidaḥ sadā ||94||
†
Übersetzung: Als vorzüglich gelten Feuerformen wie Schirm, Fahne oder Wedel. Gestalten wie Stier, Elefant oder Fahrzeug werden stets als gedeihenbringend gedeutet.
95.
ākāreṇātha haṃsānāṃ mayūrāṇāṃ ca śasyate ||95||
Übersetzung: Auch Formen wie himmlische Wagen, Baldachine, Paläste, Schwäne oder Pfauen werden gepriesen.
96.
śeṣāṇāṃ daṃṣṭriṇāṃ rūpaṃ na śastaṃ homakarmaṇi ||96||
Übersetzung: Ein löwenförmiges Feuer gilt als Zeichen rascher Vollendung. Die Gestalten anderer Raubtiere werden beim Feueropfer nicht empfohlen.
97.
snigdhaḥ pradakṣiṇāvartaḥ suśabdaścāpi yo bhavet ||97||
Übersetzung: Formen wie Esel, Kamel oder Büffel gelten nicht als erfolgverheißend. Ein glattes, nach rechts wirbelndes und angenehm klingendes Feuer wird dagegen günstig beurteilt.
98.
ghanāḥ snigdhāḥ piṇḍitāśca nirdhūmāścātidīrghāḥ ||98||
†
Übersetzung: Eine solche Bewegung kündigt das Erreichen des Ziels an; das Gegenteil weist auf Hindernisse hin. Dichte, geschmeidige, zusammenhängende, rauchlose und sehr lange Flammen,
99.
rūkṣaścaṭacaṭāśabdo hyapasavyagatistathā ||99||
Übersetzung: die hell leuchten, gelten für das Gelingen aller Anliegen als günstig. Rauheit, heftiges Knattern und eine linksgerichtete Bewegung werden dagegen ungünstig gedeutet.
100.
neṣyate sa munivyāghra tantre'sminpārameśvare ||100||
Übersetzung: Ein Feuer, das am Boden entlangstreicht oder seine Flamme nach unten richtet, ist in diesem Tantra des höchsten Herrn nicht erwünscht, hervorragender Weiser.
101.
kṣīṇo hi kāryasiddhyarthaṃ vahnistyājyaḥ sadā budhaiḥ ||101||
†
Übersetzung: Auch wenn nur eines der drei Merkmale Farbe, Geruch oder Klang angenehm ist, soll ein kraftloses Feuer zur Erreichung des Ziels verworfen werden. Die genaue Verknüpfung der Merkmale ist im Wortlaut unsicher.
102.
kāryaṃ trimekhalaṃ madhye kuliśenātha lāñchitam ||102||
†
Übersetzung: Eine quadratische Feuergrube soll vierundzwanzig Fingerbreiten messen, drei Randstufen besitzen und in der Mitte mit einem Vajra-Zeichen versehen sein.
103.
āgneyyāṃ diśi saubhāgye kuṇḍaṃ kuryādbhagākṛtim ||103||
Übersetzung: Im Osten angelegt gilt sie als Geberin aller Vollendungen. Im Südosten wird für günstiges Geschick eine Grube in Yoni-Form vorgesehen.
104.
trikoṇaṃ māraṇe śastaṃ nairṛtyāṃ tu prakalpayet ||104||
Übersetzung: Im Süden ist für Befriedung eine Halbmondform bestimmt, o Weiser. Im Südwesten wird dem Tötungsritual eine dreieckige Grube zugeordnet.
105.
vāyavyāmapi kartavyaṃ pañcakoṇaṃ samaṃ śubham ||105||
Übersetzung: Im Westen wird eine runde Form für Gedeihen und Herrschaft empfohlen. Im Nordwesten soll die Grube regelmäßig fünfeckig sein.
106.
divyasiddhau sadā śastaṃ kuṇḍaṃ padmadalāṅkitam ||106||
Übersetzung: Diese dient nach der Zuordnung der Vertreibung, hervorragender Weiser. Im Norden gilt für göttliche Vollendung eine lotusförmige, mit Lotusblättern bezeichnete Grube als geeignet.
107.
kartavyaṃ sudṛḍhaṃ bhadraṃ pakveṣṭakāsusaṃcitam ||107||
Übersetzung: Im Nordosten ist eine achteckige Grube für Yoga-Vollendung vorgesehen. Sie soll schön, sehr fest und aus gebrannten Ziegeln gut aufgebaut sein.
108.
hastamātraṃ prakartavyaṃ śṛṇu lakṣaṇato'dhunā ||108||
Übersetzung: Für sämtliche Handlungen kann auch eine runde Grube mit drei Randstufen und einem Maß von einer Hasta angelegt werden. Höre nun ihre Kennzeichen.
109.
caturaṅgulaṃ tatkāryaṃ tadardhañcāparaṃ śubham ||109||
Übersetzung: Außen lasse man zunächst zwei Fingerbreiten Abstand. Dann folgen die schönen runden Randbereiche, einer von vier Fingerbreiten und ein weiterer von deren Hälfte.
110.
dvyaṅgulenātha divyena socchrayeṇa pṛthak pṛthak ||110||
Übersetzung: Ferner wird ein Bereich von drei Fingerbreiten mit einem oberen Maß von zwei genannt. Für die einzelnen Erhöhungen werden jeweils zwei Fingerbreiten angegeben; die Maßfolge ist nicht vollständig eindeutig.
111.
kāryābhyantarato vāpi kiṃcidagre sruvākṛtiḥ ||111||
Übersetzung: In der Mitte liege ein leicht erhöhter Nabel. Außen befinde sich eine vertiefte Halbmondform oder innen, etwas nach vorn versetzt, eine Form wie die kleine Opferkelle.
112.
kartavyā sādhakendraistu buddhvā śāstraṃ śivoditam ||112||
Übersetzung: So sollen die vorzüglichen Übenden bei jeder Grube die Randstufen entsprechend ihrer jeweiligen Grundform anlegen, nachdem sie Shivas Lehre verstanden haben.
113.
saumyānāṃ vartulaṃ śastamugrāṇāṃ tu trikoṇakam ||113||
Übersetzung: Für die zu Indra gehörenden Mantras wird die quadratische Form empfohlen, für milde die runde und für schreckliche die dreieckige.
114.
padmākāraṃ tu siddhīnāṃ vṛttaṃ sarvārthisiddhidam ||114||
Übersetzung: Für feurige Mantras gilt die Yoni-Form, für windartige die fünfeckige; für besondere Vollendungen die Lotusform. Die runde Form gewährt die Vollendung aller Anliegen.
115.
evaṃ jñātvā sadā mantrī yatnātkuṇḍaṃ prakalpayet ||115||
Übersetzung: Wo die achteckige Form vorgeschrieben ist, gilt sie als unmittelbar vollendungsbringend. In diesem Verständnis lege der Mantrakundige die Grube stets sorgfältig an.
116.
kāryaṃ sāhasrike home dvihastaṃ munipuṅgava ||116||
Übersetzung: Für Befriedung und das tägliche Feueropfer beträgt ihr Maß vierundzwanzig Fingerbreiten. Bei tausend Darbringungen soll sie zwei Hasta messen, hervorragender Weiser.
117.
kartavyaṃ koṭihome tu nityamaṣṭakaraṃ śubham ||
Übersetzung: Für hunderttausend Darbringungen fertige man sie schön mit vier Hasta, für zehn Millionen mit acht Hasta. In demselben Verhältnis, in dem die Gruben größer werden, wachsen auch ihre Randstufen.
118.
dīkṣākramaṃ cāpyadhivāsanādyaṃ prabhoḥ samāsādya dhārayasva ||118||
Übersetzung: Damit habe ich das sorgfältig auszuführende Feuerverfahren in angemessener Kürze erklärt. Nimm nun vom Herrn die Einweihungsfolge mit ihrer vorbereitenden Weihung entgegen und bewahre sie.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 5
Übersetzung: Vorbereitung
1.
kṣetramādau parīkṣeta pūrvavallakṣaṇānvitam ||1||
Übersetzung: Nun werde ich das unübertreffliche Einweihungsverfahren erklären. Zuerst prüfe man den Ort nach den bereits beschriebenen Kennzeichen.
2.
yajñadravyāṇyaśeṣāṇi samāhṛtya prayatnadhīḥ ||2||
Übersetzung: Man mache ihn glatt wie die Fläche eines Spiegels und grenze ihn gut ab. Sorgfältig beschaffe man sämtliche Opferstoffe.
3.
vidyāpādārthakuśalaḥ kriyāpādagatakramaḥ ||3||
Übersetzung: Der Lehrer bade nach dem zuvor erklärten Verfahren und sei gesammelt. Er kenne die Bedeutung des Vidyāpāda und beherrsche die Handlungsfolge des Kriyāpāda.
4.
sitacandanaliptāṅgaḥ śvetamālyavibhūṣitaḥ ||4||
Übersetzung: Er habe die Übungen des Yogapāda ausgeführt und folge dem Caryāpāda. Seine Glieder seien mit weißem Sandelholz bestrichen und mit weißen Girlanden geschmückt.
5.
makuṭena vicitreṇa sphuranmāṇikkatejasā ||5||
Übersetzung: Er trage sehr feine weiße Gewänder, duftend von guter Räucherung, und eine kunstvolle Krone, deren Rubine lebhaft strahlen.
6.
citre karṇāvalambe tu kaṇṭhe maṇivibhūṣitam ||6||
Übersetzung: An den Ohren hängen zwei schöne, reine, aus Perlen und Gold gestaltete Ohrringe. Den Hals schmückt eine mit Edelsteinen versehene Kette.
7.
padmarāgamayenātha lakṣaṇairlakṣitena ca ||7||
Übersetzung: Ihr Mittelstück ist ein besonders schöner, blau leuchtender Edelstein oder ein Rubin, der die günstigen Kennzeichen besitzt.
8.
nirmitaṃ vartulaṃ bhadraṃ kaṭisūtraṃ ca kāñcanam ||8||
†
Übersetzung: Der Schmuck sei gut gearbeitet. Dazu kommen eine schöne runde heilige Schnur aus Perlen und ein goldener Hüftgürtel; ein weiterer Schmuckausdruck bleibt unklar.
9.
dhāryaṃ dakṣiṇahastena ratnāḍhyaṃ tvaṅgulīyakam ||9||
Übersetzung: Man trage zwei schöne Armreifen, geschmückt mit Diamantreihen, und an der rechten Hand einen edelsteinbesetzten Ring.
10.
diśo'valokya netrābhyāṃ piṅgapiṅgamanuṃ smaret ||10||
Übersetzung: Dann setze man sich schweigend nach Norden gewandt. Man blicke in die Richtungen und vergegenwärtige den Mantra piṅga piṅga.
11.
pañcagavyaṃ ca vidhivatkāryaṃ
Übersetzung: Nach allen zuvor beschriebenen Handlungen bis zum Arghya bereite man regelgemäß mit der Mantra-Gruppe das Panchagavya, die Mischung der fünf Kuhprodukte.
12.
gomūtraṃ vāmadevena mantrayecchāstravittamaḥ ||12||
Übersetzung: Der beste Schriftkundige weihe den Kuhdung mit Sadyojata und den Kuhurin mit Vamadeva.
13.
payasaḥ puruṣo nityaṃ ghṛtasyeśaḥ praśasyate ||13||
Übersetzung: Für die Weihung der Dickmilch ist Bahurupa bestimmt, für die Milch Purusha und für das Ghee Ishana.
14.
vyastābhimantraṇaṃ kṛtvā paścādekatra kārayet ||14||
Übersetzung: Das Kusha-Wasser weihe der Mantrakundige stets regelgemäß mit Gayatri. Nach der gesonderten Weihung bringe man alles zusammen.
15.
bhūyo'bhimantraṇaṃ śastaṃ mantrasaṃhitayā sakṛt ||15||
Übersetzung: Dies geschehe in einem schönen goldenen, silbernen oder irdenen Gefäß. Danach wird eine nochmalige, einmalige Weihung mit der ganzen Mantra-Sammlung empfohlen.
16.
śivavadbhāvayennityamātmānaṃ deśikottamaḥ ||16||
Übersetzung: Der vorzügliche Lehrer sei in der Handlung erfahren, rein, geschickt und ganz auf die Begnadung der Schüler ausgerichtet. Er vergegenwärtige sich selbst stets als Shiva.
17.
tanmadhye vinyaseddhīmānbrahmāṅgasahitaṃ śivam ||17||
Übersetzung: Die rechte Hand versehe er mit gutem Duft. In ihre Mitte lege der Verständige Shiva samt den Brahma- und Gliedmantras.
18.
tasmiṃstejaḥ paraṃ dhyātvā sarvakarmāṇi kārayet ||18||
Übersetzung: Er verehre ihn der Reihe nach mit Duft, Blumen und heiligen Gaben. Nachdem er darin das höchste Licht vergegenwärtigt hat, vollziehe er sämtliche Handlungen.
19.
anenālabdhamātrāstu bhavāḥ pāśagocarāt ||19||
Übersetzung: Diese Hand heißt Shiva-Hand; sie gilt als heilsam zur Vernichtung der Fesseln. Schon durch ihre Berührung werden die Wesen aus dem Bereich der Bindungen herausgeführt.
20.
bhavanti mantrasāmarthyāttantre'sminmunisattama ||20||
Übersetzung: Sie gelangen zum Shiva-Sein, werden frei und ohne innere Qual. Dies geschieht nach diesem Tantra durch die Kraft der Mantras, bester Weiser.
21.
kṣūṃkārādyantadīptena vidyāṅgotthena deśikaḥ ||21||
†
Übersetzung: Nach der Berührung nehme der Lehrer Kusha-Gras und behandle die Richtungen mit dem machtvollen Astra aus den Vidya-Gliedern, das durch kṣūṃ am Anfang und Ende leuchtet.
22.
prokṣayetprayato bhūtvā paścāddravyāṇi vāriṇā ||22||
Übersetzung: Dann fege er den Boden und besprenge ihn gesammelt mit Duftwasser. Anschließend reinige er auch die Gegenstände mit Wasser.
23.
tilalājā yavāścaiva dūrvāḥ siddhārthakāḥ śubhāḥ ||23||
Übersetzung: Mit geweihtem Wasser und Kusha-Spitzen reinige er sie behutsam. Sesam, Puffreis, Gerste, Durva-Gras und günstige weiße Senfkörner,
24.
īṣaccandanakalkena miśro'yaṃ vikiraḥ śubhaḥ ||24||
Übersetzung: dazu reichlich frische weiße Duftblumen, vermischt mit etwas Sandelholzpaste: Dies ist die glückverheißende Streumischung.
25.
dhūdhūpadasamāyukto bhūyaḥ saṃmārjayetkṣitim ||25||
Übersetzung: Man streue sie unter Aussprache von śabda śabda aus. Mit dem Glied dhū dhū reinige man den Boden nochmals.
26.
vibhorbhaktiriyaṃ proktā nityaṃ vittānurūpataḥ ||26||
Übersetzung: Dazu verwende man aufmerksam einen sehr weißen Wedel mit goldenem Stiel. So ist die Hingabe an den Herrn stets den eigenen Mitteln entsprechend auszuführen.
27.
svacchapānīyasaṃpūrṇaṃ ratnagarbhaṃ suvarcitam ||27||
Übersetzung: Aus Mitgefühl schenkt der höchste Herr den Hingebungsvollen die Frucht. Nun nehme man einen mit klarem Wasser gefüllten, edelsteinhaltigen, schön geschmückten Krug.
28.
mantrairālabhya vividhaiḥ kalaśaṃ kāñcanaṃ śubham ||28||
Übersetzung: Der gute goldene Krug werde mit weißem Stoff umhüllt und mit reinen Pflanzen versehen. Man berühre ihn mit verschiedenen Mantras.
29.
vardhanīmapyathāstreṇa kṣūṃmadhyena niveśayet ||29||
Übersetzung: Nach regelgerechter Verehrung stelle man ihn im Nordosten auf. Auch das Vardhani-Gefäß setze man mit dem Astra ein, in dessen Mitte kṣūṃ steht.
30.
īśe karṇātsamārabhya pradakṣiṇamathānayet ||30||
†
Übersetzung: Nachdem man das wassergefüllte Gefäß gesammelt berührt hat, führe man es von der nordöstlichen Ecke aus im Uhrzeigersinn herum.
31.
sitavastrakṛtāṭopaṃ kalaśasya samīpataḥ ||31||
Übersetzung: Dabei fließe ein ununterbrochener Wasserstrahl bis zurück zur nordöstlichen Ecke. Nahe dem Krug stelle man das mit weißem Stoff geschmückte Gefäß auf.
32.
gandhapuṣpārcanaṃ kṛtvā tayoḥ śāntena cetasā ||32||
Übersetzung: Darin setze man den König der Astras unter Rezitation des höchsten Pashupata-Mantras ein. Beide verehre man mit Duft und Blumen, bei ruhigem Geist.
33.
vijñāpyaivaṃ śivaṃ śāntaṃ kalaśādhāramīśvaram ||33||
Übersetzung: Man verneige sich freudig und bitte: „Sei bei diesem glückverheißenden Werk gegenwärtig.“ So wende man sich an den friedvollen Shiva, den Herrn, der im Krug seinen Halt hat.
34.
bharturadhvarakāle'sminbhaktyāviṣṭāḥ sureśvarāḥ ||34||
Übersetzung: Beim Aufstellen des Kruges beobachte man die Vorzeichen. Zur Opferzeit des Herrn können sich, von Hingabe erfüllt, die Götterfürsten zeigen.
35.
kusumāni suśuklāni pratyagrāṇi bahūnyapi ||35||
Übersetzung: Wenn sie auf himmlischen Wagen erscheinen, gilt dies als günstiges Vorzeichen, o Weiser. Auch wenn viele ganz weiße, frische Blumen herabfallen,
36.
nimittaṃ bhūtaye grāhyaṃ niḥsvanāmbumucaḥ śubhāḥ ||36||
Übersetzung: vom Himmel auf die Erde, ist dies ein günstiges Zeichen. Als gedeihlich gelten auch günstige Regenwolken ohne Donner.
37.
śasyate devadevasya yāge saṃdarśanaṃ sadā ||37||
Übersetzung: Unzeitiger Regen, eine Wolke oder ein Regenbogen werden bei der Opferfeier des Gottes der Götter stets als günstige Erscheinungen gepriesen.
38.
na śastaṃ siddhaye nṛṇāṃ muktyarthaṃ na virudhyate ||38||
Übersetzung: Meteorfall, Erdbeben, Donnerschlag oder das Erscheinen eines Kometen gelten für weltliche Vollendung als ungünstig; dem Ziel der Befreiung widersprechen sie jedoch nicht.
39.
bhānuraśmisamāyogādambhasaḥ patanaṃ śubham ||39||
†
Übersetzung: Das Herabfallen der hier unsicher bezeichneten Stoffe, ferner von Kohlen, Knochen oder Blut, ist beim Opfer unerwünscht. Regen bei gleichzeitigem Sonnenschein gilt als günstig.
40.
etaddivyaṃ samākhyātaṃ kalaśasya niveśane ||40||
Übersetzung: Dies nehme der Verständige als ausgezeichnetes Zeichen des Erfolgs an. Damit sind die himmlischen Vorzeichen beim Aufstellen des Kruges erklärt.
41.
śaṅkhadundubhijīmūtavallakīnāṃ dhvaniḥ śubhaḥ ||41||
Übersetzung: Erwünscht sind die angenehmen Rufe von Pfauen, Schwänen, Papageien und ähnlichen Vögeln. Günstig sind Muschel-, Trommel-, Donner- und Lautenklänge.
42.
bhaumametatsadā śastamāmamāṃsasya caiva hi ||42||
Übersetzung: Das Erscheinen von Lehrern, Brahmanen, Frauen oder Königen gilt als günstiges irdisches Zeichen, ebenso der Anblick rohen Fleisches.
43.
sahasā darśanaṃ śastaṃ dadhnaścāpyuttamaṃ matam ||43||
Übersetzung: Auch das unvermutete Erscheinen eines weißen Lotus, eines Gewandes, eines Pferdes oder Stiers gilt als günstig; Dickmilch wird ebenfalls als vorzügliches Zeichen angesehen.
44.
kharoṣṭramahiṣavyālavratinagnādayo'śubhāḥ ||44||
Übersetzung: Der Ruf und der Anblick eines Elefanten gelten als günstig. Esel, Kamele, Büffel, Raubtiere sowie bestimmte nackte Gelübdeasketen werden historisch als ungünstige Zeichen eingeordnet.
45.
vākpraśastaṃ sadā śastaṃ vāgduṣṭaṃ neṣyate'dhvare ||45||
Übersetzung: Fisch und Fleisch gelten als günstig, Hunde und Katzen dagegen als ungünstig. Gute Worte sind stets willkommen; üble Rede ist beim Opfer unerwünscht.
46.
prāsādāgāravṛkṣāṇāṃ narāṇāṃ ca yadā bhavet ||46||
Übersetzung: Unerwarteter Streit oder ein heftiger Brand gelten als ungünstig. Ebenso, wenn Paläste, Häuser oder Bäume zusammenstürzen oder Menschen fallen,
47.
sutakanyāsuvarṇānāṃ miṣṭānāmapi śasyate ||47||
Übersetzung: oder wenn Glieder brechen: Dies wird sicher als ungünstig beurteilt. Der Gewinn von Söhnen, Töchtern, Gold oder wohlschmeckenden Gaben wird dagegen gepriesen.
48.
evamādīni buddhvā tu nimittāni mahāmune ||48||
Übersetzung: Auch der Anblick von Tänzern gilt bei der Opferfeier des Herrn als günstig. Hat man diese und ähnliche Vorzeichen erkannt, großer Weiser,
49.
aghoreṇa śataṃ homyaṃ phaṭkārāntena śāntaye ||49||
Übersetzung: beginne man bei günstigen Zeichen das Opfer. Bei ungünstigen Zeichen bringe man zur Befriedung hundert Ghee-Gaben mit Aghora, endend auf phaṭ, dar.
50.
nirvartya pūrvavatsamyagdīkṣāmantramathottamam ||50||
Übersetzung: Dann verehre man den Herrn mit den zuvor genannten guten Stoffen. Nach regelgerechter Ausführung wie zuvor verwende man den vorzüglichen Einweihungsmantra.
51.
śivāyapadasaṃyuktaṃ sugandhakusumādibhiḥ ||51||
Übersetzung: Die Vidyeshvaras verehre man hingebungsvoll, im Osten beginnend, mit dem Glied śivāya und mit duftenden Blumen und weiteren Gaben.
52.
śivottamaśca vāruṇyāmekanetrastathottare ||52||
Übersetzung: Ananta setze man im Osten ein, Sukshma im Süden, Shivottama im Westen und Ekanetra im Norden.
53.
tato vai vahnidigbhāge niveśyejyastrimūrtimān ||53||
Übersetzung: Ekarudra setze man im Nordosten ein und verehre ihn. Danach wird Trimurti im Südosten eingesetzt und verehrt.
54.
ānile pūjanīyastu vidyeśaḥ kusumādibhiḥ ||54||
Übersetzung: Shrikantha verehre man im Südwesten mit guten Duftgaben. Im Nordwesten verehre man den Vidyeshvara mit Blumen und weiteren Gaben.
55.
caturbhujāścaturvaktrāḥ sarve khaṇḍendumaulayaḥ ||55||
Übersetzung: Dieser ist Shikhandisha. Danach verehre man die Richtungshüter. Die zuvor genannten höchsten Herren haben vier Arme, vier Gesichter und die Mondsichel im Haar.
56.
dhyātavyā bhaktitaḥ sarve pūjyāśca paramārthataḥ ||56||
Übersetzung: Sie sind weiß wie Wasserlilie, Mond und Muschel und haben jeweils drei Augen. Über alle meditiere man hingebungsvoll und verehre sie in ihrem wahren Wesen.
57.
tṛtīye'pyucyate vipra vidhānamidamatra tu ||57||
Übersetzung: Damit ist das Verfahren in der zweiten Umfassung kurz erklärt. Nun folgt, Brahmane, das Verfahren in der dritten.
58.
āgneyyāmagnirājānaṃ padmarāgasamaprabham ||58||
Übersetzung: Im Osten verehre man Indra, leuchtend wie ein strahlender Diamant, und im Südosten den Feuerkönig, von der Farbe eines Rubins.
59.
vidhivaddharmarājānaṃ nairṛtyāmapyaninditam ||59||
Übersetzung: Im Süden verehre man Dharmaraja regelgemäß mit schönen Blumen, dunkel wie aufgebrochene Augensalbe. Im Südwesten folgt der untadelige nächste Hüter.
60.
vāruṇyāṃ varuṇaṃ devaṃ śaṅkhakundendusuprabham ||60||
Übersetzung: Dort verehre man regelgemäß den Herrn der Rakshasas, von der Farbe des Lapislazuli. Im Westen verehre man Varuna, hell wie Muschel, Jasmin und Mond.
61.
kuberamapi kauberyāṃ raktāśokanibhaṃ sadā ||61||
†
Übersetzung: Im Nordwesten vergegenwärtige man den Windkönig, leuchtend wie gelber Edelstein, im Norden Kubera, von der Farbe einer roten Ashoka-Blüte.
62.
aiśānyāmapyatheśānaṃ śuddhasphaṭikanirmalam ||62||
†
Übersetzung: Diese verehre man beim Opfer des Herrn sorgfältig mit Duft, Blumen und Arghya. Im Nordosten verehre man Ishana, rein wie klarer Kristall.
63.
saṃpūjyā gandhakusumairdhūpāmodapavitrakaiḥ ||63||
Übersetzung: Alle Richtungshüter werden von den Übenden regelgerecht mit ihren eigenen Mantras, Duft, Blumen, wohlriechender Räucherung und heiligen Gaben verehrt.
64.
huṃphaṭkārāntayuktena svena nāmnā svakaṃ svakam ||64||
†
Übersetzung: Auch jede Waffe wird mit ihrem eigenen Namen verehrt, bester Brahmane, mit dem Pranava am Anfang und hūṃ phaṭ am Ende.
65.
pañcavaktraṃ tato yogī yathāvidhi vistarāt ||65||
Übersetzung: Alle stehen in ihren jeweiligen Richtungen. Die anschließende Beschreibung nennt fünf Gesichter; der genaue Bezug bleibt offen. Der Yogi verehre sie ausführlich nach der Vorschrift.
66.
śaktimapyanale bhāge yāmye daṇḍaṃ prapūjayet ||66||
Übersetzung: Im Osten verehre man Vajra mit Blumen und weiteren Gaben, im Südosten die Shakti-Lanze und im Süden den Stab.
67.
aṅkuśaṃ vāyave bhāge gadāmapyuttare tathā ||67||
Übersetzung: Im Südwesten verehre man das reine Schwert, im Westen die Schlinge, im Nordwesten den Elefantenhaken und im Norden die Keule.
68.
svadikpatīnāṃ varṇena dhyātavyāni mahātmabhiḥ ||68||
Übersetzung: Im Nordosten setze man den Dreizack ein und verehre ihn sorgfältig. Die Übenden vergegenwärtigen die Waffen in den Farben ihrer jeweiligen Richtungsherren.
69.
lambodarā bhīmavaktrāstāmranetrā mahābalāḥ ||69||
Übersetzung: Die Waffenherrscher erscheinen schrecklich mit gewaltigen Fangzähnen, hängenden Bäuchen, furchtbaren Gesichtern und kupferroten Augen; sie sind sehr mächtig.
70.
lamboṣṭhacipiṭaghrāṇāstaḍitpuñjacayopamāḥ ||70||
Übersetzung: Sie haben gelbbraune Brauen, Bärte und Körperhaare, kleine Körper, breite Gesäße, herabhängende Lippen und flache Nasen; sie gleichen einer Masse von Blitzen.
71.
astrāṇāṃ nāyakāḥ pūjyā nityaṃ pāśupatātmanā ||71||
Übersetzung: Ihre Köpfe haben die Gestalt ihrer jeweiligen Waffe, und ihre Kräfte sind unfehlbar. Die Waffenherrscher werden stets im Wesen des Pashupata verehrt.
72.
nivedanairvicitraiśca tathā pratisaraiḥ śubhaiḥ ||72||
Übersetzung: Bei ihrer regelgerechten Verehrung bringe man feste und weiche Speisen, Nahrung und Getränke, vielfältige Gaben und schöne Schutzbänder dar.
73.
sarvasvenāpi devasya luptaśāṭhyena muktaye ||73||
Übersetzung: Das Verfahren geschehe nach den eigenen Mitteln, wie zuvor angegeben. Um der Befreiung willen kann man dem Gott auch alles hingeben, ohne Hinterlist.
74.
vidyeśānāṃ prayoktavyā śaktimudrādhvare tathā ||74||
Übersetzung: Denn hier ist Hingabe die Ursache der Vollendung für die Menschen. Für die Vidyeshvaras verwende man beim Opfer die Shakti-Mudra.
75.
astravargasya yoktavyā mudrā saṃhāriṇī śubhā ||75||
†
Übersetzung: Für die Richtungshüter ist die Prashanta-Mudra bestimmt; die weitere Zuordnung zu Shakti-Gestalten bleibt unklar. Für die Waffengruppe verwende man die glückverheißende Samharini-Mudra.
76.
gatvāgnikuṇḍasāmīpyaṃ vighnānastreṇa vārayet ||76||
Übersetzung: Nachdem der opferkundige Guru so alle Handlungen vollzogen hat, gehe er zur Feuergrube und wehre mit dem Astra die Hindernisse ab.
77.
sruksruvau tāpayeddhīmānprāgālabhya kuśaistridhā ||77||
Übersetzung: Für das Feuer geschehe alles zuvor Genannte vom Aufritzen des Bodens an. Der Verständige berühre große und kleine Opferkelle zuerst dreimal mit Kusha-Gras und erhitze sie.
78.
tato mantragaṇaṃ sarvaṃ niveśyoktaṃ yathā purā ||78||
†
Übersetzung: Mit Gayatri stelle er sie zu seiner Linken ab. Dann setze er die gesamte Mantra-Gruppe wie zuvor erklärt ein.
79.
prākpradeyāstu rakṣārthaṃ brahmavṛkṣasamudbhavāḥ ||79||
Übersetzung: Mit Hingabe nähre er sie durch sehr reines Ghee. Zuerst lege man zum Schutz Hölzer vom Brahma-Baum bereit.
80.
vibho paridhayaḥ pūrvamidhmānpaścāttu homayet ||80||
Übersetzung: Diese Umfassungshölzer sollen gleichmäßig geschnitten, armlang und in den vier Richtungen sorgfältig angeordnet sein. Danach opfere man die Brennhölzer.
81.
tato dravyādhivāsanam |
Übersetzung: Diese messen achtzehn Fingerbreiten. Dann folgt die vorbereitende Weihung der Gegenstände: Sie werden mit einer Schnur umwickelt und jeweils einmal mit einem Sampata-Tropfen versehen.
82.
caruḥ pācyo yathānyāyaṃ vidyāṅgairvahninā mune ||82||
†
Übersetzung: Dieser stammt aus der mit sākṣin sākṣin vollzogenen Opferung zur Vollendung der Handlung. Den Opferbrei koche man regelgemäß mit den Vidya-Gliedmantras und dem geweihten Feuer, o Weiser.
83.
sudṛḍhāmavraṇāṃ bhadrāṃ sthālīmādāya maṅgalām ||83||
Übersetzung: Nach den zuvor genannten Weihen bereite man dazu einen eigenen Herd. Man nehme einen sehr festen, unbeschädigten, guten und glückverheißenden Topf.
84.
ālabhedastramukhyena vidyāṅgotthena yatnataḥ ||84||
Übersetzung: Diesen wasche man nacheinander mit Mantrawasser und Panchagavya und berühre ihn sorgfältig mit dem Haupt-Astra aus den Vidya-Gliedern.
85.
kuśāvartyā smarandharmaṃ badhnīyātkaṇṭhadeśataḥ ||85||
Übersetzung: Danach berühre man ihn mit dem großen Shiva samt den Brahma- und Gliedmantras. Unter Erinnerung an Dharma binde man eine Kusha-Schnur um seinen Hals.
86.
gavyena payasā mantrī susūkṣmaiḥ śālitaṇḍulaiḥ ||86||
Übersetzung: Man bestreiche ihn regelgemäß mit Ghee und bereite den Opferbrei zu. Der Mantrakundige verwende Kuhmilch und sehr feine Reiskörner.
87.
śyāmākataṇḍulaiḥ śastairnīvārairvātha suvrata ||87||
Übersetzung: Fehlen diese, nehme man zerstoßene Gerste, zerteilten Weizen, gute Shyamaka-Hirse oder Nivara-Wildreis, du Gelübdetreuer.
88.
sthālīpramāṇaḥ susvinno hyadagdho'kaṭhinaḥ śubhaḥ ||88||
Übersetzung: Schweigend koche man ihn mit den Vidya-Gliedmantras langsam über mildem Feuer. Die Menge entspreche dem Topf; der Brei sei gut gegart, nicht verbrannt und nicht hart.
89.
cullyāṃ sthitasya vidyāṅgairabhighāraḥ praśasyate ||89||
Übersetzung: Er soll auch nicht zu dünn sein; eine übermäßige Menge wird nicht empfohlen. Solange er auf dem Herd steht, wird das Übergießen mit den Vidya-Gliedmantras ausgeführt.
90.
dātavyaḥ sruvamāpūrya paritaḥ kṣālayecchanaiḥ ||90||
Übersetzung: Nach dem Herunternehmen mit Shiva folgen die Ghee-Güsse im warmen und im abgekühlten Zustand, jeweils mit gefüllter kleiner Kelle. Ringsum reinige man behutsam.
91.
saṃpātābhihutaṃ paścādādāya vinivedayet ||91||
†
Übersetzung: Unter Vergegenwärtigung von sākṣin sākṣin drücke man mit dem Daumen; die genaue Einzelhandlung ist unklar. Danach nehme man den durch Sampata geweihten Brei und bringe ihn dar.
92.
hutvā bhāgaṃ tayaivāgneḥ śiṣṭaṃ vai sādhakātmasu ||92||
†
Übersetzung: Mit Ghee versehe man ihn in einem goldenen Gefäß, ersatzweise in einem irdenen. Nach der Opferung des Feueranteils ist das Übrige für die Übenden selbst bestimmt.
93.
tataḥ śiṣyānpraveśayet |
Übersetzung: Man decke es zu und stelle es beiseite. Dann lasse man die zuvor gut geprüften Schüler in der Reihenfolge ihres Herantretens eintreten.
94.
nātra piṇḍasya saṃskāro na jātirna ca karmaṇaḥ ||94||
Übersetzung: Weil dieses Verfahren nicht von äußeren Voraussetzungen abhängt, wiegt Hingabe am schwersten. Hier geht es nicht um eine Veredelung des Körpers, der Geburtsgruppe oder des weltlichen Handelns.
95.
mumukṣorbhaktimāvekṣya teṣāmapyagraṇīḥ sadā ||95||
†
Übersetzung: Weltliche Bedingungen sind weder für Befreiung noch für Vollendung der entscheidende Maßstab. Man achte auf die Hingabe des Befreiungssuchenden; unter ihnen steht derjenige an erster Stelle,
96.
ārādhane śivasyecchāpreritasya pravartanam ||96||
Übersetzung: der sich mit seinem ganzen Wesen beständig dem Dienst am Guru widmet. Seine Hinwendung zur Verehrung wird von Shivas Willen angeregt.
97.
vimukto vigatāyāso bhogasaṃghārṇavāddhruvam ||97||
Übersetzung: Wenn die gebundene Seele vollkommen von Shivas Shakti getroffen wird, ist sie sicher aus dem Meer der vielfältigen Erfahrungen befreit und ohne Mühsal.
98.
mantradīkṣāmavāpnoti yayā nirvṛtimṛcchati ||98||
Übersetzung: Dennoch empfängt die noch unwissende Seele entsprechend ihrer Befähigung vom Guru die Mantra-Einweihung, durch die sie zur endgültigen Ruhe gelangt.
99.
paśutvavāsanā puṃsaḥ kalātattvāśritā tu yā ||99||
†
Übersetzung: Dabei ist die Einweihung nicht eine Veränderung der Seele selbst, der Bindung als solcher oder Shivas. Sie betrifft die Gewohnheitsprägung des Gebundenseins, die im Kalā-Tattva ihren Halt hat.
100.
paśordhvastaprasūteryā kāṣṭhā vyaktimupaiti hi ||100||
Übersetzung: Deren Aufhebung heißt Einweihung. Das Vernichten weiterer Geburt ist das Tilgen; wenn der Seele nach Zerstörung der Geburtsursache der höchste Zustand offenbar wird,
101.
kartavyā sā yathānyāyaṃ śiṣyasaṃtānavartmani ||101||
Übersetzung: heißt dies das Geben. Aus beiden hat der Herr im Tantra die Dīkṣā erklärt. Sie soll in der Folge der Schülerüberlieferung regelgemäß vollzogen werden.
102.
śiraḥsu śivahastena śirasā śivavāriṇā ||102||
†
Übersetzung: Die Schüler haben gefastet und gebadet, sind rein und bescheiden. Mit der Shiva-Hand und dem Hauptmantra besprenge man ihre Köpfe mit Shiva-Wasser.
103.
praveśyopari darbhāṇāṃ niveśyālambhanaṃ kuśaiḥ ||103||
Übersetzung: Mit Shivas Astra berühre man sie behutsam mit Asche. Man führe sie hinein, lasse sie auf Darbha-Gras Platz nehmen und berühre sie mit Kusha-Gras.
104.
udaṅmukhasya guruṇā pūrvāsyena sumedhasā ||104||
Übersetzung: Dies geschehe dreimal oberhalb des Nabels und danach unterhalb. Der Schüler blickt nach Norden, der verständige Guru nach Osten.
105.
brahmabhiḥ sakalīkṛtya gāyatryārghādikaṃ paśoḥ ||105||
Übersetzung: Mit Sarvatman vollziehe man dieses Verfahren und den Hand-Nyasa wie zuvor. Durch die Brahma-Mantras gestalte man den Schüler als Sakala und bringe ihm mit Gayatri Arghya und weitere Gaben dar.
106.
kāryamasyārcanaṃ paścāttaṃ devāya praṇipātayet ||106||
Übersetzung: Mit Duft, Blumen, heiligen Gaben und duftender Räucherung verehre man ihn. Danach lasse man ihn sich vor dem Gott niederwerfen.
107.
sthāpyādhaḥśirasaḥ śiṣyānsaṃpātāṃśca prapātayet ||107||
Übersetzung: Nach der Verehrung stelle man die Schüler mit gesenktem Kopf nahe der Feuergrube auf und lasse Sampata-Tropfen auf sie fallen.
108.
ekaikasya ca mantrasya saṃnidhānāya sarpiṣā ||108||
Übersetzung: Mit allen Mantras bringe man regelgemäß die volle Opfergabe im Feuer dar. Für die Gegenwart jedes einzelnen Mantras verwende man Ghee.
109.
praṇavoccārasaṃyuktaṃ padamantraṃ niyojayet ||109||
Übersetzung: Der Guru bringe jeweils drei glückverheißende Opfergaben dar. Den Wortglied-Mantra verbinde man mit der Aussprache des Pranava.
110.
pūrvaṃ praṇavamuccārya padaṃ syāttadanantaram ||110||
Übersetzung: Beim Feueropfer wird er stets gesammelt mit svāhā am Ende verwendet. Zuerst spreche man den Pranava, danach das betreffende Wortglied.
111.
tataścaivendhakā yojyā vidhau karmānurūpataḥ ||111||
Übersetzung: Dann füge man den jeweiligen Namen im Dativ an. Die aktivierenden Schlusslaute werden dem Zweck der Handlung entsprechend angefügt.
112.
huṃkāraścātra saṃhāre mṛḍuṇe phaṭprakalpayet ||112||
†
Übersetzung: Dies gilt bei Anrede, Herbeiführung der Gegenwart und Anwendung am Körper des Schülers. Beim Zurücknehmen verwende man hūṃ, bei der hier unsicher bezeichneten Handlung phaṭ.
113.
saṃyojane vaṣaṭkāro vauṣaḍāpyāyane mataḥ ||113||
Übersetzung: Für das Abschneiden und Trennen wird phaṭ am Ende empfohlen, für das Verbinden vaṣaṭ und für das Kräftigen vauṣaṭ.
114.
upahāre balau dhūpe pradīpeṣu ca nityaśaḥ ||114||
†
Übersetzung: Für die Ahnen verwendet man svadhā, für das Stillstellen dhūṃ. Bei Gaben, Bali-Opfern, Räucherung und Lampen,
115.
nyāsārcanajapasnānakarmayuktā mahāmune ||115||
Übersetzung: verwende der vorzügliche Lehrer die Hauptmantras mit svāhā am Ende. Bei Nyasa, Verehrung, Rezitation und Baden, großer Weiser,
116.
yo yatra yujyate yena svendhakena puṭīkṛtaḥ ||116||
Übersetzung: enden die alle Ziele verwirklichenden Mantras mit namaḥ. Jeder wird mit dem für ihn bestimmten aktivierenden Laut umschlossen.
117.
visṛjya devadeveśaṃ bhūyo'gnisthaṃ svaśaktitaḥ ||117||
Übersetzung: So soll er jeweils angewendet werden, weil er anders keine Frucht gewährt. Nach der Verabschiedung des Gottes der Götter nähre man nochmals den im Feuer Gegenwärtigen nach Vermögen.
118.
caruṃ vibhajya yacchiṣṭaṃ dattvā deyaṃ prayatnataḥ ||118||
Übersetzung: Danach lässt die historische Vorschrift die Schüler Panchagavya trinken. Man teile den übrigen Opferbrei aus und gebe ihnen anschließend sorgfältig das Zahnholz.
119.
kaniṣṭhāṅgulivatsthaulyaṃ dairghyaṃ ca dvādaśāṅgulam ||119||
†
Übersetzung: Dieses sei gerade, knotenlos, unbeschädigt, fest und von einem milchsaftführenden Baum, dick wie der kleine Finger und zwölf Fingerbreiten lang.
120.
udagvaktreṇa śanakairdantānsaṃghṛṣya leśataḥ ||120||
Übersetzung: Ein solches Zahnholz ist im Verfahren empfohlen und wird mit dem Muñca-Glied gegeben. Nach Norden gewandt reibe man damit behutsam die Zähne.
121.
pratyakprāgudagīśordhvavaktraṃ syātsiddhaye hitam ||121||
†
Übersetzung: Nach sorgfältigem Abspülen werfe man es so weg, dass es nicht zu weit fällt. Zeigt sein Vorderende nach Westen, Osten, Norden, Nordosten oder oben, gilt dies als günstig für die Vollendung.
122.
gavyena haviṣā samyakprathamena śatadvayam ||122||
Übersetzung: Fällt es in eine andere Richtung, vollziehe man mit Kuhbutterschmalz und dem Prathama-Glied ein Feueropfer von zweihundert Darbringungen.
123.
adhovaktre dhruvaṃ mṛtyurūrdhvavaktre jayaḥ sadā ||123||
Übersetzung: Dies dient der Befriedung des ungünstigen Zeichens. Ein nach unten gerichtetes Ende wird als Todeszeichen, ein nach oben gerichtetes stets als Sieg gedeutet.
124.
āgneyābhimukhe vidyātsaṃtāpaṃ sādhakātmanām ||124||
Übersetzung: Zeigt das gefallene Zahnholz nach Osten, bedeutet dies Frieden; eine südöstliche Ausrichtung gilt als Zeichen von Bedrängnis für die Übenden.
125.
pratyagvaktre dhruvaṃ lābhaḥ puṣṭiścaivopajāyate ||125||
Übersetzung: Die Südrichtung wird als Tod, die Südwestrichtung als Hungerfurcht gedeutet. Ein westwärts gerichtetes Ende gilt als Zeichen sicheren Gewinns und Gedeihens.
126.
saubhāgyaṃ caiva vṛddhiśca medhā caivopajāyate ||126||
Übersetzung: Nordwesten bedeutet nach dieser Vorzeichenlehre Unruhe oder Aufenthalt in der Fremde. Günstiges Geschick, Wachstum und Einsicht entstehen dagegen,
127.
cakravartipadaṃ prāpya ramate sādhakottamaḥ ||127||
Übersetzung: wenn das Ende nach Norden weist, hervorragender Weiser. Im Nordosten verheißt es Erkenntnis: Der vorzügliche Übende erlangt den Stand eines universalen Herrschers und erfreut sich daran.
128.
yāgabhūmau guruḥ svapyācchiṣyaiḥ sārdhaṃ mahītale ||128||
Übersetzung: Auch für den Lehrer gilt es als günstig für das Wachstum seiner Überlieferung. Der Guru schlafe zusammen mit den Schülern auf dem Boden des Opferplatzes.
129.
sugandhigandhasaṃsikte suśuklakusumojjvale ||129||
Übersetzung: Dieser sei mit frischem Darbha-Gras bedeckt, geschützt, gut beräuchert, mit Duftwasser besprengt und von weißen Blumen geschmückt.
130.
sakalīkṛtya sarvāṅgaṃ maunamāsthāya deśikaḥ ||130||
Übersetzung: Weiße Asche verschönere ihn, weiße Senfkörner umgeben ihn. Nachdem der Lehrer alle Körperteile durch Nyasa gestaltet hat, bewahre er Schweigen.
131.
śiṣyāṇāṃ mapyathādhvānamakhilaṃ bhuvanātmakam ||131||
†
Übersetzung: Unter Aussprache des Shikha-Mantras, vorgestellt wie eine Feuerflamme, binde er seine Haarlocke und die der Schüler. Dann vergegenwärtige er den ganzen zu reinigenden Adhvan als Weltenfolge.
132.
āpādatalamastiṣkaṃ śaktiṃ vāpyatha nirmalām ||132||
Übersetzung: Oder er meditiere sachgemäß der Reihe nach über den zu reinigenden Tattva-Adhvan, von den Fußsohlen bis zum Scheitel; oder über die reine Shakti.
133.
gāyatrījāpanirataḥ sadbhāvārpitamānasaḥ ||133||
Übersetzung: Diese Göttin ist äußerst fein, alldurchdringend und lässt alle Tattvas offenbar werden. Er widme sich der Gayatri-Rezitation und richte seinen Geist auf die wahre Wirklichkeit.
134.
saṃsmaransaṃhitāṃ pūrṇāṃ śaktiṃ vātha padātmikām ||134||
Übersetzung: Der Lehrer meditiere seinen eigenen glückverheißenden Leib als aus den fünf Mantras bestehend. Er vergegenwärtige die vollständige Mantra-Sammlung oder die Shakti in Gestalt ihrer Wortglieder.
135.
śaktyā svapedvā sthitaye suprabhāte tu bhūtalāt ||135||
†
Übersetzung: In Samadhi gefestigt verbringe der Verständige die Nacht ohne Schlaf; oder er schlafe nach seiner Kraft, um seine Verfassung zu erhalten. Am frühen Morgen erhebe er sich vom Boden.
136.
ekāśītipadopetāṃ saṃhitāṃ śaktito japet ||136||
Übersetzung: Nach den notwendigen Verrichtungen bade er und vollziehe das Wasserschlürfen wie zuvor. Die einundachtziggliedrige Mantra-Sammlung rezitiere er nach Vermögen.
137.
hṛṣṭā vāksaṃyatāḥ snātāḥ puṣpahastāḥ subhāvitāḥ ||137||
Übersetzung: Die Befreiungssuchenden seien gereinigt, gebadet, froh, schweigsam und gut vorbereitet, in weiße Gewänder gehüllt und mit Blumen in den Händen.
138.
praṇamya śirasā sarve guruvākyānuvartinaḥ ||
Übersetzung: Sie verehren die Füße des Gurus, setzen sich bescheiden und verneigen sich mit dem Kopf, seinen Worten folgend. Der Lehrer frage sie mit sehr freundlicher Stimme nach ihren Träumen.
139.
yadadhvare'sminnadhivāsanākhyam |
svapnādhikāro'vasarāgato'yaṃ
Übersetzung: Damit ist das ganze Verfahren des Gurus erklärt, das bei diesem Opfer „vorbereitende Weihung“ heißt. Nun ist der Abschnitt über die Träume an der Reihe; auch er wird im Hinblick auf die Frucht der Befreiung dargelegt.
Kriyāpāda, Kapitel 6
Übersetzung: Träume
1.
varṇayiṣyāmi vispaṣṭaṃ vicāroktyā tavādhunā ||1||
Übersetzung: Nun werde ich dir zum Wohl der Menschen die Träume kurz, deutlich und mit unterscheidender Erklärung darlegen.
2.
kalādhārāśayāyattastatpramāṇāyuṣi sthitaḥ ||2||
Übersetzung: Der Körper des Erfahrenden ist auf Erfahrung ausgerichtet und durch den Willen der höchsten Ursache gebunden. Er hängt von den in Kalā ruhenden Prägungen ab und besteht für die ihnen entsprechende Lebenszeit.
3.
icchādveṣātmakairbhāvairanyonyātiśayātmakaiḥ ||3||
Übersetzung: Die vielfältigen Erfahrungen sind bereits als Freude und Leid erklärt worden. Sie entstehen durch Zustände von Verlangen und Abneigung, die einander überwiegen.
4.
bhoktā saṃsevate nityaṃ balavadbhirmahātmabhiḥ ||4||
Übersetzung: Diese treten durch Kalā hervor und entfalten ständig neue Wirkungen. Mit solchen mächtigen Zuständen erfährt die Seele fortwährend ihre Welt.
5.
nibiḍāliṅgito mūḍhastattantraśca yataḥ paśuḥ ||5||
Übersetzung: Durch die Kraft des Karmas gestärkt, wirken sie ungehindert. Die verwirrte Seele ist von ihnen fest umschlungen und steht unter ihrer Herrschaft; deshalb heißt sie Pashu, die Gebundene.
6.
prāgarjitaṃ tathā koṭyā prakaroti kriyāhvayā ||6||
Übersetzung: Im Wachen genießt sie das früher Erworbene mit dem Erkenntnisvermögen, dessen Mund gleichsam die Begierde ist; mit dem Handlungsvermögen schafft sie zugleich neues Karma.
7.
bhūtaye tadvipākāmbho jñānasattātmakairmukhaiḥ ||7||
Übersetzung: Dieses wird durch die Sinne und das sich ausbreitende Handeln offenbar. Das Wasser seiner Reifung nimmt die Seele durch die Öffnungen der Erkenntnis auf.
8.
yatsyānurūpaṃ tasyāvipakvasyāpi karmaṇaḥ ||8||
Übersetzung: Durch die fünf Sinnesöffnungen trinkt sie es immer wieder. Was besonders stark ist und dem noch nicht ausgereiften Karma entspricht,
9.
vyaktimāyāti vispaṣṭaṃ yenāsāvatibhāvitaḥ ||9||
Übersetzung: tritt, durch Karma gestützt, im schlafverhüllten Erfahrenden deutlich hervor. Davon wird er tief durchdrungen.
10.
hasanprabudhyate hṛṣṭaḥ prarudanvā bhayārditaḥ ||10||
Übersetzung: Auch nach dem Erwachen weiß er davon, weil er die inneren Prägungen wahrgenommen hat. Er erwacht lachend und erfreut oder weinend und von Furcht bedrängt.
11.
nyūnaṃ vāpyatiriktaṃ vā bhūya bhogabhujaḥ sadā ||11||
†
Übersetzung: Oder er ist traurig, erschöpft, erstaunt oder gequält. Für den Erfahrenden tritt dies immer wieder in geringerem oder größerem Umfang hervor.
12.
tripādoktyā prapattavyaṃ puṃsaḥ karmavipākajam ||12||
Übersetzung: Dies offenbart sich durch die Kraft der gespeicherten Prägungen, denn der Mensch ist beständig ein Erfahrender. Die aus der Karma-Reifung entstehenden Zustände sind anhand von drei Bereichen zu verstehen.
13.
svapnapādagato vātha sūkṣmamaśnāti pudgalaḥ ||13||
Übersetzung: Im Wachbereich erfährt die Seele die grobe Frucht der Reifung; im Traumbereich genießt sie die feine.
14.
sukhadaṃ yatsuṣuptākhyaṃ sthānamāśayagocare ||14||
Übersetzung: Diese beiden Bereiche habe ich als Orte von Freude und Leid erklärt. Der Tiefschlaf genannte Zustand im Bereich der Prägungen wird als freudebringend bezeichnet.
15.
duḥkhena yujyate tasmājjāḍyaṃ vātmani manyate ||15||
Übersetzung: Woran erkennt man dies? Wird ein Mensch plötzlich geweckt, empfindet er Unbehagen. Daher nimmt er den vorherigen Zustand als Ruhe beziehungsweise als eine Art Regungslosigkeit wahr; die letzte Aussage ist nicht völlig eindeutig.
16.
tadasphuṭam |
Übersetzung: Hält man den Tiefschlaf für einen Zustand ohne Freude und Leid, ist dies nicht überzeugend. Dann wäre der Körper dort nicht von heilsamem und unheilsamem Karma geprägt.
Übersetzung: Matanga sprach:
17.
sarvendriyavimūḍhatvātsuṣuptāstaravaḥ sadā ||17||
Übersetzung: Wäre dies so, müssten unbewegliche Wesen das höchste Glück besitzen. Bäume befinden sich wegen der Verhüllung ihrer Sinne gleichsam ständig im Tiefschlaf.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
18.
kiṃ tu tvagindriyadvāravadanena vipākajam ||18||
Übersetzung: Nach dieser historischen Lehre sind ihre Kräfte durch schweres unheilsames Karma vollständig gehemmt. Dennoch nehmen sie durch das Tor des Tastsinns die reifende Frucht auf.
19.
chedāgnihimasekādyā bhogāḥ sthāvarajātiṣu ||19||
Übersetzung: Diese erfahren sie der Reihe nach, unter großem Leid. Schneiden, Feuer, Kälte, Bewässerung und Ähnliches gehören zu den Erfahrungen unbeweglicher Lebensformen.
20.
bhogābhāvācca maraṇaṃ yato bhogātmikā tanuḥ ||20||
Übersetzung: So wie beim Fehlen aller Sinne auch die Erfahrung fehlt und bei ihrem völligen Ende der Tod eintritt, weil der Leib auf Erfahrung ausgerichtet ist,
21.
bhogābhāvāttato mṛtyuriti me niścitā matiḥ ||21||
Übersetzung: so wird dies bei Pflanzen nach vollständigem Entfernen ihrer äußeren Haut verstanden. Wegen des Endes der Erfahrung tritt dann der Tod ein: Dies ist hier die bestimmte Auffassung.
22.
niruddhendriyasāmarthyaṃ nidrā saṃviśya cetasi ||22||
Übersetzung: Die Hemmung der Sinne ist eine Wirkung von Tamas. Indem der Schlaf in das Bewusstsein eintritt, hält er die Sinneskräfte zurück.
23.
yadapyuktaṃ purā sattvaṃ sukhadaṃ sarvajantuṣu ||23||
Übersetzung: Weil er den Menschen so unter seine Herrschaft bringt, heißt dieser „schlafend“. Zwar wurde zuvor gesagt, dass Sattva allen Lebewesen Freude bringt,
24.
sattvamunmīlakaṃ kiñciddṛśyate rajasastathā ||24||
Übersetzung: doch auch bei durch Tamas gehemmter Sinnestätigkeit ist ein geringes Aufhellen durch Sattva zu erkennen und ebenso eine Wirkung von Rajas.
25.
yugapacceṣṭate kiṃ tu tebhyo yo'bhyadhikaḥ sadā ||25||
Übersetzung: Denn auch im Traum ist der Erfahrende tätig. Alle drei Gunas wirken verbunden und gleichzeitig; doch der jeweils stärkere,
26.
vātapittakaphā yataḥ svapnaścet trividhaḥ sadā ||26||
Übersetzung: durch den das Erleben vor allem bestimmt wird, tritt beim Menschen deutlich hervor. Der Einwand lautet: Träume seien stets dreifach, entsprechend Vata, Pitta und Kapha.
27.
pādayoryastṛtīyo'nyaḥ so'tiśleṣmasamāśrayāt ||27||
Übersetzung: Dann wäre ihr Verlauf aus innerkörperlichen Vorgängen erklärt, die auch beide anderen Zustände vermitteln; der dritte Zustand beruhe auf starkem Kapha. Die genaue Abgrenzung bleibt im Satz unklar.
28.
audāsīnyācca vṛṣṭirvā svapnaḥ śleṣmasamudbhavaḥ ||28||
†
Übersetzung: Das Sehen von Flüssen, Bächen, Teichen und Meeren oder von Regen wird in dieser körperbezogenen Erklärung Kapha zugeordnet.
29.
pittasya ca samuddiṣṭaṃ draṣṭuḥ svapne nidarśanam ||29||
†
Übersetzung: Wenn alle leuchtenden Dinge ringsum in Flammen stehen, wird dies beim Träumenden als Zeichen von Pitta aufgefasst.
30.
patanti devatābhāsāstoraṇāni gṛhāṇi vā ||30||
Übersetzung: Wenn Bäume vom Wind geschüttelt werden, Erscheinungen von Göttern von Bergen herabfallen oder Torbögen und Häuser stürzen,
31.
miśrāṇi vātamiśraistu dhātubhiḥ paśyate pumān ||31||
Übersetzung: oder wenn Fahnen und Zweige durcheinandergeraten, gilt dies als Wirkung von Vata. Bei gemischten Körperstoffen sieht der Mensch entsprechend gemischte Träume.
32.
anenaivānumānena siddhaḥ karmavaśātmakaḥ ||32||
Übersetzung: Dann müsste er solche Dinge jedoch auch im Wachen aufgrund derselben körperlichen Verfassung sehen. Diese Überlegung führt hier wieder auf die Abhängigkeit vom Karma zurück.
33.
dhātubhiścettadā kiṃ syādākāśagamanādikam ||33||
Übersetzung: So überaus wunderbare Erscheinungen wie im Traum sieht man im Wachen nicht. Wie wäre bei bloß körperlicher Ursache etwa das Reisen durch den Himmel zu erklären?
34.
adharmāśayasāmarthyādbhokturduḥkhapradā yataḥ ||34||
Übersetzung: Auch die verminderten oder übermäßigen Wirkungen der Körperstoffe werden hier als Folge unheilsamer Karma-Prägungen verstanden, weil sie dem Erfahrenden Leid bringen.
35.
samadhāturyato lokaḥ svastha ityabhidhīyate ||35||
Übersetzung: Durch heilsame Prägungen gelangen die Körperstoffe nach dieser Lehre ins Gleichgewicht. Wer ausgeglichene Körperstoffe hat, wird als gesund bezeichnet.
36.
bhokturāśayatantrāṇi yataḥ karmavaśājjagat ||36||
†
Übersetzung: Die genannten körperlichen Vorgänge sind daher auch bei Träumen nur Vermittlungswege. Sie hängen von den Prägungen des Erfahrenden ab, denn die Welt steht unter der Macht des Karmas.
37.
pravṛttirdṛśyate yasmāttasmādbalavatī kriyā ||37||
Übersetzung: Sie kreist, damit Erfahrung zustande kommt. Da nirgends Tätigkeit unabhängig von Bindung beobachtet wird, besitzt die karmische Handlung große Macht.
38.
karmāśayavaśāviṣṭo yādṛgyādṛgviceṣṭitam ||38||
†
Übersetzung: Auch durch anhaltendes Nachdenken, Kontakt oder Gewöhnung sieht man Träume. Unter dem Einfluss karmischer Prägungen vollzieht man bestimmte Handlungen.
39.
na tadgrāhyaṃ vidhāvasmiñśubhāśubhaparīkṣaṇe ||39||
Übersetzung: Woran man dabei innerlich haftet, das sieht man entsprechend im Traum. Solche Träume sollen bei diesem Verfahren nicht als günstige oder ungünstige Vorzeichen gewertet werden.
40.
nyastamantrakalāpasya grāhyaṃ svapnanidarśanam ||40||
Übersetzung: Als Traumzeichen gilt hier nur, was ein in den Regeln gefestigter Mensch mit ruhigem Geist sieht, auf dessen Körper die Mantra-Gruppe gelegt wurde.
Übersetzung: Matanga sprach:
41.
jāgrataścaiva suptasya tadā sarvaṃ niyujyate ||41||
Übersetzung: Wenn die genannten Klänge und übrigen Zeichen zum Wohl des Erfahrenden sowohl im Wachen als auch im Schlaf auftreten, sollen sie entsprechend eingeordnet werden.
42.
na caivānyopalabdhitvamanavasthānadarśanāt ||42||
Übersetzung: Dabei wird das tatsächlich Aufgetretene als günstig oder ungünstig wahrgenommen. Eine davon unabhängige Wahrnehmung anzunehmen, würde zu einer unbegründeten Folge weiterer Annahmen führen.
43.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Matanga fragt: Daraus scheint mir ein Widerspruch zu entstehen; beseitige meine Unwissenheit. Die Antwort beginnt: Die genannten Vorzeichen beziehen sich hier auf den Wachzustand.
44.
samādhānācca yatprāptaṃ nimittaṃ svapna eva vā ||44||
Übersetzung: Unter Berücksichtigung von Handlung, Zeit, Ort, Gegenstand sowie seiner Stärke oder Schwäche wird das Zeichen beurteilt, das bei Sammlung oder im Traum erscheint.
45.
prāṅnimittaṃ divā grāhyaṃ grāhyaḥ svapno'pyapaścimaḥ ||45||
Übersetzung: Dieses ist als Hinweis auf Gedeihen anzunehmen. Die folgende Zeitbestimmung nennt das frühere Tageszeichen und eine bestimmte Traumzeit; ihre genaue Abgrenzung ist nicht sicher überliefert.
46.
śvetānaḍutsamārūḍhā yadā budhyanti sādhakāḥ ||46||
†
Übersetzung: Günstig sind Träume vom Besteigen eines Palastes, eines Elefanten oder Berges. Wenn Übende sich auf einem weißen Stier sehen und dann erwachen,
47.
śvetapuṣpaṃ supuṣpāḍhyaṃ vṛkṣamārohate yadā ||47||
†
Übersetzung: im letzten Nachtviertel, gilt die Vollendung als nahe. Ebenso, wenn jemand einen reich mit weißen Blüten bedeckten Baum besteigt.
48.
prāsādaśikhicakrāhvahaṃsāśvārohaṇaṃ śubham ||48||
Übersetzung: Dann sollen ausgezeichnete Gurus dem Übenden Vollendung ankündigen. Günstig ist das Besteigen eines Palastes oder das Reiten auf Pfau, Chakravaka, Schwan oder Pferd.
49.
lābhaḥ praśasyate svapne phalānāṃ ca viśeṣataḥ ||49||
Übersetzung: Der Gewinn von Gold, Edelsteinen, Getreide, Lotussen, Gewändern und Kühen wird im Traum gepriesen, besonders auch der Gewinn von Früchten.
50.
darśanālmuniśārdūla putralābhaśca śobhanaḥ ||50||
†
Übersetzung: Das Sehen von Königen, Lehrern, Frauen und günstigen Lichterscheinungen gilt als gut, hervorragender Weiser; ebenso die Geburt eines Sohnes.
51.
dṛṣṭvā prabudhyate svapne śubhaṃ tasya na saṃśayaḥ ||51||
†
Übersetzung: Wer im Traum himmlische Wagen, Städte, Gärten, Muscheln, Fahrzeuge oder Meere sieht und danach erwacht, dem wird dies ohne Zweifel als günstig gedeutet.
52.
gṛdhrolūkabakaśyenakākādyaiścāvalumpanam ||52||
Übersetzung: Das Reiten auf Eseln, Kamelen oder Maultieren ist unerwünscht, o Weiser; ebenso das Angegriffenwerden durch Geier, Eulen, Reiher, Falken oder Krähen.
53.
patanodvāhaśayanaṃ kalahaścaiva neṣyate ||53||
Übersetzung: Ungünstig sind der Kontakt mit Aasfressern, das Beraubtwerden, Fallen, Hochzeit, Niederliegen und Streit.
54.
asṛkpānaṃ śubhaṃ vidyādghṛtapānaṃ ca suvrata ||54||
Übersetzung: Das Trinken von Dickmilch, Milch, Wasser oder Alkohol wird als günstig gedeutet. Auch Bluttrinken und das Trinken von Ghee gelten innerhalb dieser Traumdeutung als gute Zeichen, du Gelübdetreuer.
55.
tailābhyaṅgaḥ pravāso vā gātrabhaṅgaśca neṣyate ||55||
Übersetzung: Rote oder schwarze Gewänder sowie entsprechende Blumen und Duftgaben sind unerwünscht. Auch Einölen, Aufenthalt in der Fremde und der Bruch von Gliedern gelten als ungünstig.
56.
hasitaṃ nartitaṃ neṣṭamiṣṭaṃ syādruditaṃ sadā ||56||
Übersetzung: Der Gewinn von Erkenntnis ist im Traum vorzüglich, ebenso gehobene Erfahrung. Lachen und Tanzen gelten als ungünstig, Weinen dagegen stets als günstig.
57.
agamyāgamanaṃ śastaṃ gomāṃsasya ca bhakṣaṇam ||57||
Übersetzung: Das Eintreffen von Unliebsamem ist unerwünscht, die Begegnung mit Erwünschtem günstig. Als gute Traumzeichen nennt der Text auch den Verkehr mit einer sonst verbotenen Partnerin und das Essen von Rindfleisch.
58.
bhakṣaṇaṃ tu nṛmāṃsasya bhojanaṃ tu jugupsitam ||58||
Übersetzung: Auch das Essen ungekochter Nahrung wird als vorzüglich bezeichnet. Das Essen von Menschenfleisch wird dagegen als verabscheuungswürdige Mahlzeit eingeordnet; die Verknüpfung der Aussagen ist nicht ganz eindeutig.
59.
vilomatastadeva syādvilomaphaladaṃ dhruvam ||59||
Übersetzung: Bei Geben und Nehmen günstiger oder ungünstiger Gegenstände ist die Wirkung entsprechend zu unterscheiden. Bei umgekehrter Handlung ergibt sich sicher die entgegengesetzte Frucht; die genaue Einzelzuordnung bleibt offen.
60.
bhayasthāne ca neṣṭaḥ syātpraveśo nirgamaḥ śubhaḥ ||60||
Übersetzung: Das Eintreten in Dunkelheit, Wasser, eine Grube, Schlamm, einen unreinen Hohlraum oder einen furchterregenden Ort gilt als ungünstig; das Heraustreten als günstig.
61.
abhiṣekaḥ prahāraśca rudhirasrāva ātmanaḥ ||61||
Übersetzung: Schmuck, weiße Blumen und Ähnliches werden stets gepriesen. Auch Übergießung, Schläge und das Fließen des eigenen Blutes,
62.
raktāmbarāṇāṃ nagnānāṃ piśācānāṃ ca rakṣasām ||62||
Übersetzung: werden in dieser Traumdeutung als günstig angesehen; Rasieren dagegen als ungünstig. Das Sehen rot Gewandeter, Nackter, Pishachas oder Rakshasas,
63.
kapālavratinaḥ śastāḥ sitabhasmojjvalāḥ śubhāḥ ||63||
Übersetzung: und anderer Wesen mit entstellten Gesichtern ist unerwünscht, o Weiser. Günstig sind dagegen Schädelgelübde-Asketen, die von weißer Asche hell erscheinen.
64.
devānpaśyanti svapnānte yoginīścāpi śobhanāḥ ||64||
Übersetzung: Ebenso Menschen mit einer Krone aus verfilztem Haar und Verehrer Shivas. Wer am Ende des Traums Götter oder schöne Yoginis sieht,
65.
evaṃ buddhvā yathānyāyaṃ yāgaḥ kāryo vipaścitā ||65||
Übersetzung: oder Gelehrte, gute Menschen und Helden, empfängt nach der Lehre günstige Zeichen. In diesem Verständnis vollziehe der Verständige das Opfer regelgerecht.
66.
āhutīnāṃ daśaśataṃ bahurūpamanusmaran ||66||
Übersetzung: Bei günstigen Zeichen beginne er gesammelt. Bei ungünstigen bringe er tausend Ghee-Gaben dar und vergegenwärtige dabei Bahurupa.
67.
samāsataḥ patyuranindite'dhvare |
dīkṣākramaḥ kāraṇavaktrapadmā
Übersetzung: Damit habe ich den ganzen Traumabschnitt für die untadelige Opferfeier des Herrn kurz erklärt. Nun wird die Einweihungsfolge beschrieben, die aus dem Lotusmund der höchsten Ursache hervorgegangen ist.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 7
Übersetzung: Einweihung nach den Welten
1.
ālikhedbhavanaṃ divyaṃ pūrvavatsumitaṃ samam ||1||
Übersetzung: Nun sollst du die Einweihungsfolge vollständig von mir empfangen. Man zeichne den göttlichen Bezirk wie zuvor, gut ausgemessen und gleichmäßig.
2.
tadabhāve śubhaṃ kṣaumaṃ śāṇaṃ vāpi suvartitam ||2||
Übersetzung: Die Vermessung geschehe mit einer guten Baumwollschnur. Fehlt diese, verwende man eine gut gedrehte Schnur aus Flachs oder Hanf.
3.
tenāmṛṣṭakareṇaiva pūjitena vinirmitam ||3||
Übersetzung: Sie soll sich nicht ausdehnen, knotenlos, nicht locker und fest sein. Mit dieser verehrten Schnur und einer geeigneten Handhabung wird das Mandala angelegt; ein Ausdruck zur Hand ist unsicher.
4.
madhye saṃpūjayeddevaṃ sāṅgaṃ sabrahmapañcakam ||4||
Übersetzung: Danach schmücke man es mit den in ihrer Reihenfolge genannten Pulvern. In der Mitte verehre man den Gott samt seinen Gliedern und den fünf Brahmas.
5.
dikpālāḥ svastikāvasthāḥ pūjyā gandhādibhiḥ śubhaiḥ ||5||
Übersetzung: Die Vidyeshvaras werden regelgemäß auf Lotussitzen verehrt, die Richtungshüter auf Swastikas, jeweils mit guten Duftgaben und Weiterem.
6.
padena tu niveśyātha dvāreṣu kusumādibhiḥ ||6||
†
Übersetzung: Außerhalb des Mandalas verehre man in den acht Richtungen die acht Waffenherrscher. An den Toren setze man mit den entsprechenden Wortgliedern die Torhüter ein und verehre sie mit Blumen.
7.
pūrvataḥ skandanandīśau dakṣiṇe kālalohitau ||7||
Übersetzung: Diese mächtigen Torhüter tragen Stäbe. Im Osten stehen Skanda und Nandisha, im Süden Kala und Lohita.
8.
caṇḍeśvaro viśākhaśca pūjyāvuttaradiksthitau ||8||
Übersetzung: Bhringisha und Ganesha sind die westlichen Torhüter; Chandeshvara und Vishakha werden im Norden verehrt.
9.
śiṣyamāhūya darbheṣu viniveśya ca pūrvavat ||9||
Übersetzung: Nach allen Handlungen wie zuvor, einschließlich der nährenden Feueropfer, rufe man den Schüler herbei und lasse ihn wie zuvor auf Darbha-Gras Platz nehmen.
10.
pūjayedgandhapuṣpādyairdīkṣāṅkāvasthitaṃ vibhum ||10||
Übersetzung: Man vollziehe den Hand-Nyasa und alles Weitere und verehre Shiva samt Brahma- und Gliedmantras mit Duft und Blumen in der Einweihungsgestalt; deren genaue Bezeichnung ist unklar.
11.
avyaṅgena viśālena mṛdunāstramuccaran ||11||
Übersetzung: Mit einem sehr weißen, neuen, unbeschädigten, breiten, weichen Tuch mit Fransen und unter Aussprache des Astra-Mantras,
12.
utthāpya śanakairnītvā pratyagdvāraṃ praveśayet ||12||
Übersetzung: verbinde man dem Schüler die Augen und lege ihm eine Blume in die gefalteten Hände. Man helfe ihm auf, führe ihn langsam zum Westtor und lasse ihn eintreten.
13.
puṣpapātavaśātkāryaṃ nāma mantraṃ pracodayet ||13||
Übersetzung: Ruhig lasse man die Blume von seiner Kopfhöhe leicht fallen. Nach ihrem Fall bestimme man den Namen und unterweise ihn im entsprechenden Mantra.
14.
utthāpya patitaṃ śiṣyaṃ vahnisthānamupakramet ||14||
Übersetzung: Nach einer Umkreisung des Herrn im Uhrzeigersinn werfe sich der Schüler hingebungsvoll der Länge nach nieder. Man helfe ihm auf und gehe zum Feuerplatz.
15.
yenāsau samayī bhūtvā dīkṣāsaṃskāramarhati ||15||
Übersetzung: Der Guru gieße für den Schüler die volle Opfergabe ins Feuer. Dadurch wird dieser ein Samayin und für die weitergehende Einweihungsweihe geeignet.
16.
sāvitrīṃ tarpayitvāgnau vidhivatkusumādibhiḥ ||16||
Übersetzung: Er ist nun zum Hören, Lernen, Verehren und Feueropfern befugt. Danach nähre man Savitri im Feuer und verehre sie regelgemäß mit Blumen und weiteren Gaben.
17.
gṛhītaṃ yojayetkārmaṃ sadyojātena mantravit ||17||
†
Übersetzung: Mit śarva śarva und der Samhara-Mudra nehme der Mantrakundige das karmisch Gebundene auf und verbinde es mit Sadyojata; der genaue Gegenstand des Aufnehmens bleibt im Satz unausgesprochen.
18.
śivo jñāpayati svāha rudrāgaccha paśorvidhau ||18||
Übersetzung: Zuerst vergegenwärtige man die Welt des Kalagni und spreche: „Shiva lässt dich wissen: Komm her, Rudra, zu diesem Verfahren für die gebundene Seele.“ Der Wortlaut enthält außerdem svāhā.
19.
kṛtakṛtyasya śuddhasya nirodhena tvayādhunā ||19||
Übersetzung: „In deiner Welt ist auf Befehl der höchsten Ursache eine Handlung auszuführen. Wenn sie erfüllt und die Seele gereinigt ist, sollst du dich nun zurückhalten.“
20.
tatastvāhutayaḥ kramāt |
Übersetzung: So ist zu sprechen. Danach folgen nacheinander Opfergaben mit dem Gott der Götter samt seinen Gliedern und mit den Brahma-Mantras in der jeweiligen Reihenfolge.
21.
bhuvane bhuvane karma pāśacchedāvasānikam ||21||
Übersetzung: Mit muñca muñca geschieht stets das Herausheben. In jeder Welt ist die Handlung bis zum Durchtrennen der Fessel zu vollziehen.
22.
evamadhvākhilaḥ śodhyo yāvadbhūpṛṣṭhagocaraḥ ||22||
Übersetzung: Dies geschieht mit dem dreifachen dhū; die volle Opfergabe mit dem Vyoma-Glied. So ist der gesamte Adhvan bis zum Bereich der Erdoberfläche zu reinigen.
23.
saṃśodhyāḥ sthāvarādyāstu guruṇā paśupaścimāḥ ||23||
Übersetzung: Dann reinige der Guru die Geburtsformen der Seele, von den unbeweglichen Wesen bis zu den Tieren, mit den Brahma-Mantras und jeweils fünf Opfergaben.
24.
karmaṇā śūdrajātistu viḍjātiḥ śikhayādhvare ||24||
Übersetzung: Gemischte Geburtsformen werden mit Shivas machtvollem Astra gereinigt. Die Zuordnung für die Shudra-Geburt ist im Wortlaut unsicher; die Vaishya-Geburt wird beim Opfer mit dem Shikha-Mantra gereinigt.
25.
pañcāhutisamā yogādudā jātirdvijanmanām ||25||
Übersetzung: Die Kshatriya-Geburt reinige der Verständige mit dem Hauptmantra. Durch fünf Opfergaben folgt die Geburt der Zweimalgeborenen; ein Bestandteil der Formel ist unsicher überliefert.
26.
prakartavyāstu vidyāṅgaiḥ proktasaṃkhyāhutikramāt ||26||
Übersetzung: Der Schriftkundige vollziehe die fünf Weihen von der Empfängnis an mit den Vidya-Gliedmantras und der angegebenen Zahl von Opfergaben.
27.
pañcabhirbrahmabhirhomyo vivāhaḥ śivaśāsane ||27||
Übersetzung: Mit Gayatri bringe man für die fünf betreffenden Weihen jeweils fünf Gaben dar. Die Hochzeit wird nach Shivas Lehre mit den fünf Brahma-Mantras geopfert.
28.
samidbhiḥ saptasaṃkhyātairhaviryajñāstilaiḥ śubhaiḥ ||28||
†
Übersetzung: Die gekochten Opfer vollziehe man mit Shakti und sieben Opferhölzern vom Brahma-Baum; die Havis-Opfer mit gutem Sesam.
29.
tataḥ samyakkalpanīyaṃ śiśoḥ somaghṛtena tu ||29||
Übersetzung: Die Soma-Opferformen vollziehe man stets regelgemäß mit Brahma. Danach ist für den Schüler eine Gabe mit dem hier als Soma-Ghee bezeichneten Stoff vorzubereiten.
30.
śeṣakarmakalāpasya bahurūpeṇa sarpiṣā ||30||
Übersetzung: Diese werde sorgfältig mit Gayatri gegeben und mit hundert Sampata-Berührungen verbunden. Für die übrige Gesamtheit der Handlungen verwende man Bahurupa und Ghee.
31.
śaivīṣṭyā pūrvavacchodhyo vidyāpādoktavartmanā ||31||
Übersetzung: Man bringe hundert Opfergaben dar und zuletzt die volle Gabe. Danach reinige man durch das Shiva-Opfer wie zuvor nach dem im Vidyāpāda erklärten Weg.
32.
gavyena haviṣā sarvaṃ kāryamekādaśātmanā ||32||
Übersetzung: Bis zur Maya-Grenze vergegenwärtige man die Weltenherren wie zuvor. Alles geschehe mit Kuhbutterschmalz und dem elffach gegliederten Verfahren.
33.
yāvatsadāśivaṃ tāvadbhuvanaṃ sādhakottamaḥ ||33||
†
Übersetzung: Im reinen Adhvan handle der vorzügliche Übende mit Shakti und jeweils fünf Opfergaben, durch alle Welten bis Sadashiva.
34.
bhagavansarvasiddhīnāṃ tvatprasādādbhavatpadam ||34||
Übersetzung: Für das Ziel besonderer Vollendung wende man sich so an die höchste Ursache: „Erhabener, durch deine Gnade soll diese Seele deinen Zustand und die Vollendungen erreichen.“
35.
muktyai tadūrdhvamadhvānaṃ pūrṇāhuticatuṣṭayāt ||35||
Übersetzung: „Durch die Kraft des Mantras möge sie die entsprechenden Erfahrungen genießen, frei von hindernden Anordnungen.“ Für Befreiung reinige man den darüberliegenden Adhvan mit vier vollen Opfergaben.
36.
śive paśumathātmānaṃ śaktigarbhagataṃ sudhīḥ ||36||
Übersetzung: In Nivritti und den folgenden Bereichen wirke man mit Shakti, friedvoll und mit ruhigem Geist. Der Verständige vergegenwärtige die Seele im Schoß der Shakti und führe sie zu Shiva.
37.
chittvā pāśāñśivāstreṇa vauṣaḍantena yojayet ||37||
†
Übersetzung: Von seinem wellenlosen Licht durchdrungen vollziehe er das Niederlegen und Herausheben. Nach dem Durchtrennen der Fesseln mit Shivas Astra verbinde er die Seele mit einer auf vauṣaṭ endenden Formel.
38.
yo yatrāvayavo heturnirodhasya mahāmune ||38||
Übersetzung: Wenn die Seele diesen Weg geht, getrieben von der Kraft der Mantra-Shakti, bleibt jeweils dasjenige Glied zurück, das dort eine Ursache ihrer Hemmung war, großer Weiser.
39.
avināśyacalaṃ tejaḥ sarvagaṃ svocitaṃ balam ||
Übersetzung: Dieses lasse man an seinem jeweiligen Ort aufgehen. Nach dem Durchtrennen bleibt das wunderbare Wesentliche: unvergängliches, unbewegliches, alldurchdringendes Licht, die eigene Kraft. Aus dem Getriebe des Adhvan befreit, besteht es allein und ungestört.
40.
svākyaṃ balaṃ vyaktimupaiti yogāt |
śaktyā vibhoḥ śuddhitahṛtpraveśād
†
Übersetzung: Ist die Verunreinigung der Seele im Feuer der Einweihung verbrannt, tritt durch diese Verbindung ihre eigene Kraft hervor. Dies geschieht durch das Eintreten der Shakti des Herrn in das gereinigte Herz; durch nichts anderes endet die Bindung des Menschen.
41.
danyo'pyupāyo'dhvani śuddhayogāt |
tattvāvaliṃ prāpya śiśorviyogaḥ
Übersetzung: Es gibt noch ein anderes Verfahren: Durch die gereinigte Verbindung mit dem Adhvan werden die von karmischen Prägungen bestimmten Erfahrungen erfüllt. Dabei wird der Schüler entlang der Tattva-Reihe gelöst. Auch dies werde ich jetzt kurz erklären.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 8
Übersetzung: Einweihung nach den Tattvas
1.
niḥsaṅkānāṃ daridrāṇāṃ vidhānamidamuttamam ||1||
Übersetzung: Nun erkläre ich kurz dieses vorzügliche Verfahren für innerlich vorbereitete, zweifelsfreie Schüler, die arm an äußeren Mitteln sind.
2.
pañcāhutiṃ krameṇaiva śleṣayitvā tu homayet ||2||
Übersetzung: Die Tattvas von der Erde an verbinde man der Reihe nach mit den fünf Brahma-Mantras und opfere jeweils fünf Gaben.
3.
samidbhirvā ghṛtābhāvāt
Übersetzung: So verfahre man bis zum friedvollen Zustand und bringe dann wie zuvor die volle Gabe dar. Fehlt Ghee, nehme man Opferhölzer. Oder der vorzügliche Lehrer wähle das folgende Verfahren.
4.
snānopavāsasaṃpannaṃ śiṣyaṃ mokṣaparāyaṇam ||4||
Übersetzung: Mit klarem Geist vollziehe er den Nyasa nach dem Yogapāda. Der Schüler habe gebadet und gefastet und sei ganz auf Befreiung ausgerichtet.
5.
prāṇāyāmādibhiḥ śuddho hṛdvyomakamale sthitam ||5||
Übersetzung: Der Guru gestalte sich sorgfältig wie zuvor durch Nyasa. Durch Atemregelung und weitere Übungen gereinigt, verehre er den im Lotus des Herzraums Ruhenden.
6.
pūrvavadgrahaṇaṃ kṛtvā svadehe'dhvaprakalpanam ||6||
Übersetzung: Nach der Verehrung des höchsten, friedvollen Gottes betrachte er den Schüler aufmerksam. Wie zuvor nehme er ihn innerlich auf und bilde den Adhvan im eigenen Körper.
7.
kadambagolakākāraṃ śaktisthaṃ śaktimatsthitam ||7||
†
Übersetzung: Mit entschlossenem Geist vollziehe er Verbinden und Lösen. Er meditiere die Seele wie eine kugelige Kadamba-Blüte, in Shakti gegründet und im Shakti-Träger ruhend.
8.
samuddharedguruḥ śiṣyaṃ śuddhaṃ tattvāgranāyakaiḥ ||8||
Übersetzung: Durch die Kraft der Shakti entfaltet, hebe der Guru den Schüler ruhig von Stufe zu Stufe empor, gereinigt durch die jeweiligen Tattva-Herren.
9.
tataḥ svasyocitaṃ prāpya padaṃ padavinirgamāt ||9||
Übersetzung: Durch Yogakraft vergegenwärtige er ihn als mit dem höchsten Zustand wesensgleich geworden. Nach dem Austritt aus den begrenzten Stufen erlangt er den ihm eigenen Zustand.
10.
prāgdharmanirgamo yo hi śivadharmasamāgamaḥ ||10||
Übersetzung: Allwissend und alldurchdringend geworden, wird er nicht erneut überwältigt. Das Ablegen der früheren Eigenschaften und das Erlangen der Eigenschaften Shivas,
11.
sato'pi neṣyate nāśo vicārātpaśutā paśoḥ ||11||
Übersetzung: das ist Befreiung, hervorragender Weiser. Nichtseiendes tritt dabei nicht ins Sein, und Seiendes wird nicht vernichtet. Bei genauer Betrachtung ist es das Gebundensein der Seele,
12.
tathā |
Übersetzung: das als Maya-bedingter Zustand vergeht, so wie ein Geruch einem anderen weicht. Die Seele war durch anfangslose Gewohnheitsprägungen und durch die Macht der Fesseln bestimmt.
13.
sā tasya śaktisaṃsparśātkarmaṇoḥ samatāṃ param ||13||
†
Übersetzung: Ihr Bewusstsein, das im Adhvan verweilt, versinkt durch Verlangen. Durch die Berührung seiner Shakti gelangt es zum höchsten Gleichgewicht der beiden Karma-Arten.
14.
guroranugrahaṃ so'pi niyuktaḥ parameṣṭhinā ||14||
†
Übersetzung: Dann tritt die Shakti offen hervor. Mit ihr verbunden sucht die Seele die Gnade des Gurus; auch dieser ist vom höchsten Herrn beauftragt.
15.
ubhayorapi sāmarthyādvyaktaṃ patyuryathoditam ||15||
Übersetzung: Von Shakti erfüllt, wendet sich der Guru dem Schüler mühelos zu. In der Wirksamkeit beider wird die Macht des Herrn offenbar, wie bereits erklärt.
16.
na bhavetkālasāmarthyātsvato vāpi dvijottama ||16||
Übersetzung: Weder das anfangslose Karma noch die als Prägung bestehende Verunreinigung vergehen allein durch die Macht der Zeit oder von selbst, bester Brahmane.
17.
balācchaktikarādvyaktaṃ kṣaṇādbhogādviyujyate ||17||
Übersetzung: In dem Augenblick, in dem die Seele ohne begehrendes Verlangen ist und die Macht des Herrn durch den Strahl der Shakti kraftvoll hervortritt, wird sie von der gebundenen Erfahrung gelöst.
18.
bandhaheturna boddhavyaḥ śivaprītyātmakastu saḥ ||18||
Übersetzung: Das Verlangen des innerlich vorbereiteten Befreiungssuchenden, seine Lebensgrundlage zu erhalten, ist nicht als Bindungsursache zu verstehen: Es gehört zu seiner Liebe zu Shiva.
19.
sa ca mukhyo'dhvarapūrvo navapadapīṭhakramātprāptaḥ ||19||
Übersetzung: So besteht der Yoga des rituellen Handelns im Lösen von den Tattvas und im Verbinden mit Shiva. Seine vorzügliche, durch das Opfer vorbereitete Form wird nun nach dem Verfahren des Sitzes mit neun Gliedern erreicht.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 9
Übersetzung: Einweihung auf dem Sitz der neun Tattvas
1.
yā sāśeṣaṃ jagadvyāpya saṃsthitā svena tejasā ||1||
Übersetzung: Nun: Aus dem allgegenwärtigen Herrn, dem Ursprung aller Mantras, ist jene Shakti hervorgegangen, die mit ihrem eigenen Licht die ganze Welt durchdringt.
2.
niyogabalamāhātmyavyañjikāmitavikramā ||2||
Übersetzung: Im reinen Adhvan ist sie als die unermesslich mächtige Kraft zu verstehen, welche Auftrag, Stärke und Größe der erhabenen Rudra-Seelen offenbar macht.
3.
mūrtiḥ saṃkrīḍanārthaṃ ca vyaktā sādhvanyanekadhā ||3||
Übersetzung: Sie ist stets die Gestalt des Herrn des Yoga und der Yogis, dessen Leib aus fünf Mantras besteht. Um seines freien Spiels willen erscheint sie im Adhvan in vielen Formen.
4.
bhuvaneṣu vicitreṣu krīḍantyaliptaśaktayaḥ ||4||
Übersetzung: Als reine Vidya ermöglicht sie, dass die von Mayas Trübung freien Wesen mit unberührten Kräften in den vielfältigen Welten spielen.
5.
kalāditattvamārgeṇa niyatyantena vāsitaḥ ||5||
Übersetzung: Das allen gebundenen Seelen gemeinsame Seele-Sein wird dagegen durch den Tattva-Weg von Kalā bis Niyati geprägt.
6.
yo'dhikāro vidyāyukto rudrāṇāṃ śuddhavartmani ||6||
Übersetzung: So nimmt es den Zustand des Erfahrenden an, dessen Erfahrung aus den Gunas besteht. Das Amt der Rudras auf dem reinen Weg ist hingegen mit Vidya verbunden.
7.
pudgalānāṃ vimuktyarthaṃ bhūtyarthaṃ cābhilāṣiṇām ||7||
Übersetzung: Dies heißt das Spiel des Höchsten auf dem reinen Weg: Es dient der Befreiung der Seelen und dem Gedeihen derjenigen, die danach verlangen.
8.
śivaśaktipadodbhūtā mantrāścāmoghaśaktayaḥ ||8||
Übersetzung: Die Rudras folgen einem Weg freien Handelns und besitzen überragende Macht. Aus den Wortgliedern von Shivas Shakti gehen Mantras mit unfehlbaren Kräften hervor.
9.
niyogāya smṛtā saṃkhyā hyekāśītimitā tataḥ ||9||
†
Übersetzung: Für die rituelle Anwendung wird die Zahl dieser lichtvollen, von schützender Kraft erfüllten Wortglieder mit einundachtzig angegeben.
10.
mumukṣorvinivṛttyarthaṃ bhogaṃ pratyanivāritā ||10||
Übersetzung: Im Tantra wird Shakti bei der Opferhandlung als deren verkörperte Gestalt besungen. Sie wirkt ungehindert zur Befreiung des Befreiungssuchenden und zur Gewährung von Erfahrung.
11.
prakāśayatyanāyāsaṃ vīryeṇa paramaṃ padam ||11||
Übersetzung: Die herrschaftliche Shakti öffnet plötzlich das Bewusstsein und lässt durch ihre Kraft mühelos den höchsten Zustand aufleuchten.
12.
prākpadaṃ karṇikāmadhye praṇavākhyaṃ mahātmanaḥ ||12||
Übersetzung: Im Bezirk mit neun Mittelpunkten verehre man Shakti mit guten Duftgaben und Weiterem. Das erste Wortglied des großen Herrn, der Pranava, gehört in die Mitte des Fruchtbodens.
13.
evaṃ madhye prapūjyādau bhaktyā tu parayā mune ||13||
Übersetzung: Die übrigen acht Glieder liegen auf den Blütenblättern und werden regelgemäß verehrt. So verehre man zuerst den mittleren Lotus mit höchster Hingabe, o Weiser.
14.
pūjayettatparāṇyaṣṭau prāgdalādau yathākramam ||14||
Übersetzung: Im Fruchtboden des östlichen Sitzes verehre man das beständige Glied śāśvata. Die folgenden acht gehören nacheinander auf die Blätter, im Osten beginnend.
15.
karṇikāyāṃ samabhyarcya tatparāṇyapi pūrvavat ||15||
Übersetzung: Ebenso verehre man im südöstlichen Sitz aghorahṛdaya auf dem Fruchtboden und die folgenden Glieder wie zuvor.
16.
karṇikāyāṃ tataḥ paścātpūrvavannikhilo vidhiḥ ||16||
Übersetzung: Auf den Fruchtboden des südlichen Sitzes lege man das achtundzwanzigste Wortglied. Danach folgt das vollständige Verfahren wie zuvor.
17.
nairṛte karṇikāmadhye saptatriṃśattataḥ padam ||17||
Übersetzung: So behandelt man die Wortgruppe, die aus dem Schoß der Shakti hervorgeht. Im südwestlichen Fruchtboden liegt das siebenunddreißigste Glied.
18.
yāvaddikśāṃkarī tāvadekaikasya padasya tu ||18||
Übersetzung: Auf diese Weise vollziehe der Sachkundige den gesamten Nyasa der Shakti bis zur nordöstlichen Richtung, jedes Wortglied an seinem Ort.
19.
vahnāvapi niveśyādau pīṭhānāṃ navakaṃ guruḥ ||19||
Übersetzung: Wie zuvor verehre man mit Speisen, Duft, Räucherung und heiligen Gaben. Auch im Feuer setze der Guru zuerst die neun Sitze ein.
20.
pūrvavacchiṣyamāhūya yadbījamapi tasya tat ||20||
Übersetzung: Er nähre sie der Reihe nach mit glückverheißenden Ghee-Gaben. Dann rufe er den Schüler wie zuvor und nehme dessen Keimsilbe.
21.
śleṣavatkramaśo nītvā cāhutīnāṃ trayaṃ trayam ||21||
Übersetzung: Diese umschließe er mit dem ersten Wortglied der Shakti und führe sie langsam, Stufe für Stufe verbindend, weiter; dabei bringe er jeweils drei Opfergaben dar.
22.
yāvanmadhyapadaṃ tāvatkuru tattve pare śive ||22||
Übersetzung: Bei jedem Sitz gebe man mit ungeteilter Aufmerksamkeit die volle Opfergabe. So verfahre man bis zum mittleren Glied und verbinde die Seele mit dem höchsten Shiva-Tattva.
23.
yasminsaṃyojitasyāṇoḥ kāraṇatvena kāraṇam ||23||
Übersetzung: Wie zuvor meditiere man dabei und spreche die ganze Shakti-Folge aus. Mit diesem Zustand verbunden ist die Seele nicht mehr von einer weiteren Ursache abhängig.
24.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Auch als Wirkung steht sie dann jenseits des Bereichs der Gebundenheit. Matanga fragt: Die Seele ist doch von der Gewohnheit des Gebundenseins durchdrungen und ständig durch Unwissenheit verblendet.
25.
atroktā karmaṇā muktirbhavatādhvarapūrvikā ||25||
Übersetzung: Zur Beseitigung der Unwissenheit wird Erkenntnis gelehrt, nicht Handlung. Hier hast du aber Befreiung durch eine Handlung erklärt, der ein Opfer vorausgeht.
26.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Erkläre dies, Herr, mit einem einleuchtenden Grund, der meine Verwirrung beseitigt. Die Antwort: Es ist richtig, dass hier Unwissenheit stets als Ursache der Bindung bezeichnet wird.
27.
saṃspṛṣṭasya bubhutsā syādastyasmātkaluṣātmakāt ||27||
Übersetzung: Doch wenn die Seele durch den Willen Ishvaras innerlich berührt wird, entsteht der Wunsch zu erkennen: Es muss jenseits dieses unreinen Zustands,
28.
evaṃ mārgaṃ tatastasya kaścitkāraṇacodanāt ||28||
Übersetzung: jenseits des Leidens des Samsara einen vollkommenen Zustand des höchsten Heils geben. Daraufhin zeigt ihr jemand auf Antrieb der höchsten Ursache den Weg.
29.
saptāvayavakāṃstyaktvā jñānenaivātmavartinā ||29||
Übersetzung: Er unterweist sie freudig, oder die Einsicht tritt von selbst hervor. Durch die im Inneren wirkende Erkenntnis lässt sie die sieben begrenzenden Glieder zurück.
30.
saṃcodayati niṣkṛṣya deśikaṃ pratyaninditam ||30||
†
Übersetzung: Diese Erkenntnis löst die Seele aus der Unwissenheit, die als begehrendes Verlangen erscheint, und treibt sie zu einem untadeligen Lehrer.
31.
yātasyācāryanilayaṃ gururjñānabalānvitaḥ ||31||
Übersetzung: Vom Wunsch nach Befreiung erfüllt, will sie zu ihm gehen. Wenn sie die Wohnstätte des Lehrers erreicht hat, vollzieht der mit Erkenntniskraft ausgestattete Guru,
32.
tadeva hi sa muktātmā yadāghātaḥ śivecchayā ||32||
†
Übersetzung: die Einweihung des Schülers, durch die dieser den höchsten Zustand erreicht. Im Grunde ist seine Seele bereits befreit, sobald sie von Shivas Willen getroffen wird.
33.
tadeva jñānamajñānapratidvandvi śivātmakam ||33||
Übersetzung: Auch dies ist deutlich eine Wirkung der Shakti, die beim Menschen in der Einweihung ihren Abschluss findet. Eben dies ist die Shiva-wesentliche Erkenntnis, die der Unwissenheit entgegenwirkt.
34.
sarvānugrāhakasyoktaḥ patyurdharmo'nivāritaḥ ||34||
Übersetzung: Dass man sich vom schwer überwindbaren Samsara abwendet und dem Höchsten zuwendet, ist die ungehinderte Wirkung des Herrn, der allen Gnade schenkt.
35.
nirapekṣaḥ karotyāśu tvaṇorātmasamaṃ balam ||35||
Übersetzung: Unter allen Wesen, von Brahma bis zu den unbeweglichen Lebensformen, kann er unabhängig von äußeren Bedingungen der Seele rasch eine seiner eigenen gleiche Kraft verleihen.
Übersetzung: Matanga sprach:
36.
tadapekṣya na yuktārthā svāmino nirapekṣatā ||36||
Übersetzung: Der Einwand lautet: Der Shakti-Niedergang tritt doch im Zwischenzustand der beiden Karma-Arten ein und setzt deren frühere Reifung voraus. Dann scheint die Unabhängigkeit des Herrn nicht schlüssig.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
37.
niḥśreyase'pi jantūnāṃ nirapekṣāḥ svabhāvataḥ ||37||
Übersetzung: Die Antwort: Die nicht unmittelbar sichtbaren Kräfte des Herrn wirken bei Schöpfung, Auflösung und höchstem Heil der Wesen ihrer Natur nach unabhängig.
38.
raśmayo nāśakatvena vikāsākuñcanādiṣu ||38||
Übersetzung: Wie die Sonnenstrahlen bei Lotus und Nachtwasserlilie ungehindert Öffnen, Schließen und weitere Veränderungen bewirken,
39.
nirapekṣastataḥ proktaḥ svatantratvācca kāraṇāt ||39||
Übersetzung: so benötigen sie keinen anderen Herrn. Deshalb heißt der höchste Herr unabhängig: Er ist die frei wirkende Ursache.
40.
yadantaraṃ svabhāvasya karmaṇo bhokturīpsitam ||40||
Übersetzung: Eine aus sich bestehende Eignung der Seele gibt es nicht, weil sie stets von ihm abhängt. Der für den Erfahrenden erforderliche Zwischenzustand des Karmas,
41.
pradhvaṃsikā svatantroktā karmaṇaḥ paśusaṃtateḥ ||41||
Übersetzung: wird von der ihrer Natur nach reinen Shakti erreicht. Sie ist als selbstständige Zerstörerin des Karmas der gebundenen Seelen erklärt.
42.
tadvatsvabhāvataḥ patyuḥ śaktirmokṣāya ceṣṭate ||42||
Übersetzung: Wie die Kraft der Sonne nicht von einer äußeren Festlegung von Tag oder Nicht-Tag abhängt, so wirkt die Shakti des Herrn ihrer Natur nach zur Befreiung.
43.
tṛṇādayo'pyapohyante na svayaṃ te prayānti hi ||43||
Übersetzung: Der Flussstrom trägt Gräser und anderes unabhängig von deren eigenem Willen fort; sie bewegen sich nicht aus sich selbst dorthin.
44.
na pumānprekṣate vīryaṃ jyotiḥ śaktisamudbhavam ||44||
Übersetzung: Beim Herrn gibt es weder Aufgang noch Untergang. Durch die Beeinträchtigung des Karmas sieht der Mensch jedoch nicht die Kraft und das Licht, die aus Shakti hervorgehen.
45.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Durch diese Kraft löst er sich augenblicklich von der Erfahrung und gelangt zum Shiva-Sein. Matanga fragt anschließend nach Shakti am Ende des Opfers und nach einem weiteren Opfer; der genaue Übergang ist unsicher.
46.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wozu wurden Mantras für Chandesha gesondert angegeben, höchster Herr? Die Antwort: Nicht nur die Mantras wurden zuvor für Chandesha ausgezogen, o Weiser.
47.
sāṅgaṃ tatra niveśyādau caṇḍeśaṃ ṭaṅkadhāriṇam ||47||
Übersetzung: Auch sein Mandala, dem Vollmond gleich, wurde beschrieben. Darin setze man zuerst Chandesha samt seinen Gliedern ein, mit der Axt in der Hand.
48.
śobhāsya śaktitaḥ kāryā vibhavasyānurūpataḥ ||48||
Übersetzung: Am Ende des Opfers verehre man ihn stets mit allen Opfergaben. Seine Ausschmückung geschehe nach Vermögen und entsprechend den eigenen Mitteln.
49.
prasannaḥ sarvakāryāṇi sādhakasyāmitadyuteḥ ||49||
Übersetzung: Dem von Hingabe erfüllten Übenden ist der erhabene Chandesha, der höchste Herr, wohlgesinnt und gewährt alle Anliegen.
50.
namaste bhūtabhavyeśa śivakāyātmane namaḥ ||50||
Übersetzung: Durch das Loblied angezogen erfüllt er dessen Herzenswünsche: „Verehrung dir, Herr des Vergangenen und Künftigen; Verehrung dir, dessen Wesen Shivas Leib ist.
51.
rudrāyāmitavīryāya pārvatyātmabhavāya ca ||51||
Übersetzung: Dem von gewaltig schrecklicher Gestalt, dem Herrn des Alls, dem höchsten Selbst, Rudra von unermesslicher Kraft und dem aus Parvati Hervorgegangenen.
52.
jvalatparaśuhastāya daṇḍine sukapardine ||52||
Übersetzung: Dem im Schoß der Shakti Ruhenden, dem Furchtbaren, dem Kummerlosen, dem Großen; dem mit der leuchtenden Axt, dem Stabträger mit schönem Haar.
53.
namaste śarvaśarvāya jagataḥ kāraṇāya ca ||53||
Übersetzung: Verehrung dir von Allgestalt; Verehrung dir, dessen Leib Feuer ist. Verehrung dir, Sharva-Sharva, der Ursache der Welt.“
54.
aṣṭāṅgapraṇipātena praṇipatya visarjayet ||54||
Übersetzung: Nachdem man Chandesha, den gabenspendenden Herrn von furchtbarer Gestalt, so gepriesen hat, verneige man sich mit acht Körperteilen und verabschiede ihn.
55.
dīkṣā kṣmādeḥ kṣayitrī kṣapitamalatanoryā śivatvapradātrī |
proktā saṃkṣepayuktyā gurupadavibhavaḥ procyate te munīndra
Übersetzung: Diese vielfältige Einweihung vollzieht sich im Tattva-Adhvan und in der Shakti-Gestalt von Welten, Wortgliedern und Kalās. Sie löst die Bindungen von der Erde an und schenkt dem von Verunreinigung befreiten Wesen das Shiva-Sein. Damit ist sie kurz erklärt. Nun wird dir, Fürst der Weisen, die Macht des Guru-Amtes dargelegt, durch die der von Shakti erfüllte Lehrer mit Mantrakraft eine Seele von ihrer Dunkelheit löst.
56.
nirvartyo'yaṃ śivājñāpathagatamanasā svādhikāro nu yāvat |
datto'nyasmai na tāvatkṣaṇamapi guruṇā śakyate tyaktumādyaḥ
Übersetzung: Er hebt sie empor und führt sie zum unvergleichlichen, ewigen Shiva-Zustand von höchster Kraft. Sein eigenes Amt muss er mit einem Geist ausüben, der Shivas Befehl folgt. Solange er es keinem anderen übertragen hat, darf der Guru seine ursprüngliche Aufgabe nicht einmal für einen Augenblick aufgeben. Nachdem die Standhaften jeweils ihre Aufgabe erfüllt haben, gelangen sie vollendet und frei zur Wohnstätte Pashupatis.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 10
Übersetzung: Weihebesprengung
1.
niyogārthamihāyāto hyabhiṣekātmako vidhiḥ ||1||
Übersetzung: Nun folgt das aus dem schönen Lotusmund des höchsten Herrn hervorgegangene Verfahren der Übergießungsweihe, das hier der Beauftragung dient.
2.
catuṣpādārthakuśalaṃ mahotsāhaṃ hyaninditam ||2||
Übersetzung: Es soll seinem Wesen nach erklärt werden; höre mit gesammeltem Geist, o Weiser. Der Kandidat kenne den Sinn aller vier Pādas, sei tatkräftig und untadelig.
3.
gurustamabhiṣiñcettu cīrṇaṃ vidyāvrataṃ naram ||3||
Übersetzung: Er verstehe die sechs Kategorien und ihren dargelegten Sinn, liebe das Wohl aller Wesen und habe das Vidya-Gelübde erfüllt. Einen solchen Menschen soll der Guru weihen.
4.
saṃniyamyendriyagrāmamabdamekaṃ śuciṣmatā ||4||
Übersetzung: Zuerst rezitiere der Reine die hier übernommene Vidya-Shakti ein Jahr lang in einem Shiva-Heiligtum und halte die ganze Gruppe der Sinne in Zucht.
5.
pūjāgnihavane yuktacetasā bhāvitātmanā ||5||
Übersetzung: Er esse täglich Opferbrei, schlafe auf Kusha-Gras am Boden und richte seinen geübten Geist auf Verehrung und Feueropfer.
6.
navapadmakṛtāṭopaṃ yajanīyaṃ ca pūrvavat ||6||
Übersetzung: Durch die Vidya-Glieder geschützt, verehre er zum Abschluss das Mandala des Gurus mit seinen neun Lotussen wie zuvor.
7.
śāpānugrahasāmarthyaṃ gurostena praśasyate ||7||
Übersetzung: Dann ist er zur Übergießungsweihe geeignet; anders nicht. Dadurch gilt die Fähigkeit des Gurus, Fluch und Gnade zu vermitteln, als gefestigt.
8.
sādhakasyātmasiddhyarthamidānīṃ sa vidhīyate ||8||
Übersetzung: Dieses höchste, sehr heilige Gelübde gilt auch für einen Sadhaka, der Vollendung anstrebt. Nun wird das Verfahren zu seiner eigenen Vollendung erklärt.
9.
jñātvā proṣṭhapadāyāṃ vā lohitāṅgadinaṃ śubham ||9||
Übersetzung: Die historische Terminregel nennt den Sonntag bei Mula, den Montag bei Shravana und den Dienstag bei Proshthapada als günstige Verbindungen.
10.
gurorvā divaso bhadraḥ punarvasvṛkṣasaṃgamāt ||10||
Übersetzung: Ebenso nennt sie den Mittwoch bei Krittika und den Donnerstag bei Punarvasu als günstige Tage, Brahmane.
11.
śuklapakṣe ca sutithau samyakprāpyottarāyaṇam ||11||
Übersetzung: Ferner den Freitag bei Phalguni und den Samstag bei Svati; dies in der hellen Mondhälfte, an einem günstigen Mondtag und während des nördlichen Sonnenlaufs.
12.
svacchapānīyasaṃpūrṇān ratnagarbhānsuśobhanān ||12||
Übersetzung: Alles geschehe der Reihe nach wie beim großen Mandala. Man nehme schöne Krüge, gefüllt mit klarem Wasser und Edelsteinen.
13.
sragdāmakaṇṭhān sudṛḍhāñśvetavastrāvakuṇṭhitān ||13||
Übersetzung: Sie enthalten die vorgesehenen Pflanzen, sind mit Sandelholz geschmückt, tragen Girlanden am Hals, sind sehr fest und mit weißen Tüchern verhüllt.
14.
kalaśānyāgabhūmau tu tadabhāvātsuśobhanam ||14||
Übersetzung: Acht solche guten Krüge bereite man nach den vorhandenen Möglichkeiten am Opferplatz vor. Fehlen sie, genügt ein einzelnes schönes Gefäß.
15.
yāgabhūmerbahiḥ kāryaṃ pīṭhamuttarataḥ śubham ||15||
Übersetzung: Oder man nehme eine reine Muschel mit günstigen Kennzeichen. Nördlich außerhalb des Opferplatzes errichte man eine schöne Plattform.
16.
susitena vitānena pravisāritakhetalam ||16||
Übersetzung: Sie soll zwei Hasta messen, völlig eben sein und halb so hoch wie breit. Über ihr breite sich ein sehr weißer Baldachin aus.
17.
digvidiksaṃsthitaiścoccaistoraṇaiścāpyaninditaiḥ ||17||
Übersetzung: Bunte Wimpel, schöne weiße Fahnen und hohe, einwandfreie Torbögen in Haupt- und Zwischenrichtungen sollen sie schmücken.
18.
kalpayitvā tataḥ śiṣyaṃ śaṅkhavāditraniḥsvanaiḥ ||18||
Übersetzung: In ihrer Mitte bilde man wie zuvor einen hellen Lotus. Danach bereite man den Schüler unter Muschel- und Instrumentenklängen vor.
19.
sāradārumaye pīṭhe śrīparṇitarusaṃbhave ||19||
†
Übersetzung: Der gebadete Schüler werde mit verschiedenen glückverheißenden Handlungen wiederholt gereinigt. Man verwende einen Sitz aus gutem Kernholz, besonders Shriparni-Holz.
20.
dūrvāmṛtā yavā lājāḥ siddhārthāḥ saśamīdalāḥ ||20||
Übersetzung: Diesen schmücke man zuerst mit weißem Stoff und lasse den Schüler darauf Platz nehmen. Durva, Amrita-Pflanze, Gerste, Puffreis, weißer Senf und Shami-Blätter,
21.
samyagudvartitaṃ vipra candanādibhirādarāt ||21||
†
Übersetzung: gehören zu den Reinigungs- und Segenshandlungen, die gesammelt vollzogen werden. Man reibe den Schüler sorgfältig mit Sandelholz und weiteren Stoffen ein.
22.
mantraiḥ sarvairyathānyāyaṃ tataḥ pīṭhe niveśayet ||22||
Übersetzung: Dann kleide man ihn in zwei sehr weiße Gewänder, weihe ihn regelgemäß mit allen Mantras und lasse ihn auf der vorbereiteten Plattform sitzen.
23.
ekaikaṃ kalaśaṃ mantraiḥ pūrvamevābhimantritam ||23||
Übersetzung: Diese ist bereits mit Duft, Räucherung, Blumen und weiteren Gaben versehen. Jeder Krug wurde zuvor mit einem Mantra geweiht.
24.
saumyānano guruḥ prācyāṃ taṃ śiṣyamabhiṣecayet ||24||
Übersetzung: Dies geschieht der Reihe nach mit den Vidyeshvara-Mantras. Dann übergieße der nach Norden blickende Guru den nach Osten gerichteten Schüler unter Aussprache der Shakti.
25.
ratnaiśca vividhaiścitrairyathā saṃbhavato'pi vā ||25||
Übersetzung: Nach der Übergießung schmücke man ihn sorgfältig mit weißen Gewändern und verschiedenen schönen Edelsteinen, oder nach den verfügbaren Möglichkeiten.
26.
pīṭhoṣṇīṣātapatrādi jñānaṃ caiva śivātmakam ||26||
Übersetzung: Man gestalte seinen Leib als Shiva und verneige sich vor Sadashiva. Dann gebe man ihm Sitz, Turban, Schirm und weitere Amtszeichen sowie die Erkenntnis, deren Wesen Shiva ist.
27.
prabhoḥ prapātayetpāde śiṣyamācāryasattamaḥ ||27||
Übersetzung: Der vorzügliche Lehrer helfe ihm danach mit der rechten Hand auf und lasse den Schüler zu Füßen des Herrn niederfallen.
28.
niyukto'yaṃ mayā nātha tavājñānuvidhāyinā ||28||
Übersetzung: Er spreche den höchsten Herrn an: „Erhabener, Herr, in Befolgung deines Befehls habe ich diesen Menschen in der Folge der Gurus mit dem Amt betraut.“
29.
pālyo nu saṃtatāvāptaḥ so'dhikāraḥ śivājñayā ||29||
†
Übersetzung: Auch dem Schüler sage man: „Dieses Amt ruht nun in dir. Die durch die Überlieferung empfangene Befugnis ist nach Shivas Befehl zu bewahren.“
30.
susugandhena haviṣā yathāśaktyā samāhitaḥ ||30||
Übersetzung: Danach nähre man die untadelige Mantra-Gruppe im Feuer, ganz gesammelt und nach Vermögen, mit sehr wohlriechendem Opferstoff.
31.
śāpānugrahakṛddhīraḥ kāraṇecchānuvartakaḥ ||31||
Übersetzung: Von nun an gilt er in dieser Welt als Shiva gleich: standhaft, zur Vermittlung von Fluch und Gnade befähigt und dem Willen der höchsten Ursache folgend.
32.
chatroṣṇīṣojjhitaṃ kiṃ tu svamantreṇābhiṣecayet ||32||
Übersetzung: Auch für den Sadhaka ist dieses Verfahren in Shivas Lehre angegeben. Doch Schirm und Turban entfallen; man übergieße ihn mit seinem eigenen Mantra.
33.
vijñāpayedguruḥ prāptaḥ sādhako'yaṃ tavājñayā ||
Übersetzung: Für ihn verneige sich der Guru mit dem Kopf vor Ishana und melde: „Dieser Sadhaka ist auf deinen Befehl gekommen und von mir geweiht worden, Herr der Götter. Möge ihm dauerhafte Vollendung zuteilwerden.“
34.
samāsataḥ śāstravidhāvidānīm |
vyākhyate siddhividhānanityaṃ
†
Übersetzung: Damit ist die Übergießungsweihe für Gurus und Sadhakas nach dem Verfahren der Lehre kurz erklärt. Nun folgt die beständige Ordnung zur Erlangung von Vollendung, die alte, aus Shivas Lotusmund hervorgegangene Unterweisung.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 11
Übersetzung: Erlangungen
1.
gurorgṛhītamantrastu sattvavānkṛtaniścayaḥ ||1||
Übersetzung: Der schriftkundige Sadhaka sei von dreifacher Hingabe erfüllt, habe den Mantra vom Guru empfangen, sei innerlich stark und fest entschlossen.
2.
tatra kṛtvā śubhaṃ guptaṃ suvicitramanāturam ||2||
Übersetzung: Rein und mit guten Gefährten gehe der Mantrakundige in einen geeigneten Wald. Dort richte er einen geschützten, schönen und ungestörten Ort ein.
3.
khādiraiḥ kīlakaistīkṣṇairaṣṭabhiḥ susamairdṛḍhaiḥ ||3||
Übersetzung: Der Verständige errichte dort eine Behausung nach dem Schutzverfahren. Dazu dienen acht scharfe, gleichmäßige und feste Pflöcke aus Khadira-Holz.
4.
bahirāvasathādikṣu jñātvā saṃkramaṇaṃ kṣitim ||4||
Übersetzung: Sie werden mit einer fünffarbigen Schnur umwickelt und mit den Vidya-Gliedern geweiht. Außerhalb der Unterkunft bestimme man in den Richtungen die geeigneten Bodenstellen.
5.
phalamūlādibhiḥ pūrtaṃvartayejjapamācaret ||5||
†
Übersetzung: Man grabe sie eine Hasta tief ein und rezitiere den Pashupata-Mantra. Der Übende lebe von Früchten, Wurzeln und Ähnlichem und widme sich der Rezitation.
6.
saṃhitāmekacittastu ṣaṇmāsaṃ kṛtaniścayaḥ ||6||
†
Übersetzung: Er schlafe auf einem Aschelager und trage stets Asche. Fest entschlossen rezitiere er die Mantra-Sammlung sechs Monate lang mit ungeteiltem Geist.
7.
pūjāgnihavane saktaḥ kṣipetsiddhyuttame sthitaḥ ||7||
Übersetzung: Morgens, mittags, abends und um Mitternacht widme er sich Verehrung und Feueropfer und verbringe die Zeit ganz auf die höchste Vollendung ausgerichtet.
8.
rudrākṣaiḥ kārayenmantrī śatenāṣṭottareṇa tu ||8||
Übersetzung: Die Hand halte eine Gebetskette. Der Mantrakundige lasse sie aus hundertacht schönen Rudraksha-Samen herstellen.
9.
dhāryā vā sādhakendreṇa martyasiddhyudyatātmanā ||9||
Übersetzung: Diese gilt dem Streben nach göttlicher Vollendung. Für irdische Vollendung kann der vorzügliche Sadhaka eine Kette aus Putrajiva-Samen tragen.
10.
sarvakāmapradā divyā sphaṭikairyā prakalpitā ||10||
Übersetzung: Eine Lotus-Samenkette wird für Brahma empfohlen, o Weiser. Eine aus Bergkristall gefertigte göttliche Kette gilt als Geberin aller Wünsche.
11.
vidyāṅgaiḥ satataṃ mantrya sthāpyā praṇavasaṃpuṭe ||11||
†
Übersetzung: Eine gut gearbeitete Muschelperlenkette wird einer hier unklar bezeichneten Anwendung zugeordnet. Die Kette werde stets mit den Vidya-Gliedern geweiht und zwischen Pranava-Lauten eingeschlossen.
12.
japaścātra prakartavyo darbhāsanasamāśrayāt ||12||
Übersetzung: Mit dem Glied anādi nehme man sie stets zur Mantrarezitation auf. Diese vollziehe man auf einem Sitz aus Darbha-Gras.
13.
mārgaṃ vā likhitaṃ samyaksudhautaṃ kṣaumameva vā ||13||
Übersetzung: Darüber lege man ein weißes Tuch, ergänzt durch ein Tigerfell oder ein Hirschfell; auch gut gereinigtes Leinen wird genannt. Eine Lesung zur Beschaffenheit der Unterlage ist offen.
14.
yogapādavidhānoktaṃ hṛdvyomakamalodare ||14||
Übersetzung: Darauf nehme man eine feste Sitzhaltung ein und vollziehe behutsam die im Yogapāda erklärte innere Handlung im Lotus des Herzraums.
15.
yaśca mantraḥ sa evāhaṃ yo'haṃ mantraḥ sa eva hi ||15||
Übersetzung: Dort setze der Wissende den Mantra ein und rezitiere mit klarer Überzeugung: „Ich ruhe im Mantra. Was der Mantra ist, das bin ich; was ich bin, das ist der Mantra.“
16.
mantropari sthitaṃ dhyāyettadā siddhyati nānyathā ||16||
Übersetzung: In dieser Haltung meditiere er über das reine, Nektar ausströmende Shiva-Tattva oberhalb des Mantras. Dann entsteht Vollendung, anders nicht.
17.
sarvakāryāṇi kurvīta sādhako vidhimācaran ||17||
†
Übersetzung: Der Sadhaka, der das Verfahren befolgt, vollziehe alle Handlungen mit dreifach ausgegossenem beziehungsweise umgeführtem Wasser und dem Glied tejas tejas; die Wasserhandlung ist nicht ganz eindeutig.
18.
niviśetsākṣiśabdena turuśabdena caṅkramet ||18||
†
Übersetzung: Zum Trocknen der Stoffe verwende der Verständige stets das Piṅga-Glied. Mit sākṣin setze er sich, mit turu gehe er umher.
19.
bhūḥpadenāsanaṃ śodhyaṃ diśaḥ śodhyāśca sarvadā ||19||
Übersetzung: Mit vyoma stehe der in seiner Praxis gefestigte Sadhaka auf. Mit bhūḥ reinige er den Sitz; auch die Richtungen sind stets zu reinigen.
20.
guhyātiguhyaśabdena bhuñjīyāccharvamuccaran ||20||
Übersetzung: Mit jyotir jyotiḥ lege der Verständige den Schutz an. Zum Essen werden guhyātiguhya und die Aussprache von śarva angegeben; ihre genaue Zuordnung bleibt unklar.
21.
śāyanīyamathāstreṇa śodhyaṃ mantravidā sadā ||21||
†
Übersetzung: Das Wassertrinken vollziehe man stets mit der Nishkala-Formel, o Herr. Den Schlafplatz reinige der Mantrakundige stets mit dem Astra.
22.
sarve vighnāḥ praṇaśyanti nātra kāryā vicāraṇā ||22||
Übersetzung: Für den großen Sadhaka, der so lebt, verschwinden nach dieser Lehre alle Hindernisse; daran soll kein Zweifel bestehen.
23.
yaṣṭvā pūrvoktavidhinā tarpayitvā ca bhaktitaḥ ||23||
Übersetzung: Nach dem Verlassen dieses Waldes verehre man Sadashiva, den Gott der Götter, nach dem zuvor erklärten Verfahren und nähre ihn hingebungsvoll.
24.
tataḥ saṃtarpitā mantrāḥ sādhakasya varapradāḥ ||24||
Übersetzung: Man bringe jeweils eine Gabe des als Mahishaksha bezeichneten Guggulu dar. So genährt werden die Mantras für den Sadhaka zu Gewährern von Gaben.
25.
vratamanyatparaṃ tasya siddhidaṃ kathayāmi te ||25||
Übersetzung: Dies gilt für denjenigen, der das Vidya-Gelübde erfüllt hat, hervorragender Weiser. Ich erkläre dir nun ein weiteres hohes Gelübde, das ihm Vollendung verleiht.
26.
japedakṣaralakṣaṃ tu vāmadevaṃ jalāśraye ||26||
Übersetzung: In einem Kuhstall rezitiere er Sadyojata, beherrscht und von erbettelter Nahrung lebend, hunderttausendmal je Silbe. Vamadeva rezitiere er an einem Gewässer.
27.
carubhuṅ niyatātmā ca vaktramantraṃ tu catvare ||27||
Übersetzung: Dabei lebe er von Milch. Bahurupa rezitiere er beim Fünffeuer-Gelübde, beherrscht und von Opferbrei lebend; den Gesichtsmantra auf einem offenen Platz.
28.
ayācitānnaṃ bhuñjāno vidhijñaḥ sādhakottamaḥ ||28||
Übersetzung: Dabei nehme er Ghee zu sich. Sadashiva rezitiere der Wissende unter freiem Himmel, von ungebeten erhaltener Nahrung lebend und mit dem Verfahren vertraut.
29.
suśivaṃ pañcagavyāśī śikhāṃ vai bilvapatrabhuk ||29||
†
Übersetzung: Den Herzmantra rezitiere der Verständige zehn Tage nach dem Trinken des hier unklar gelesenen Wassers. Für Sushiva nennt die historische Vorschrift Panchagavya, für Shikha Bilva-Blätter als Nahrung.
30.
śmaśāne tilabhuṅmantrī japedastraṃ mahaujasaḥ ||30||
Übersetzung: Für die Kavacha-Rezitation nennt sie den Urin einer braunen Kuh. Das machtvolle Astra rezitiert der Mantrakundige auf einem Verbrennungsplatz und lebt dabei von Sesam.
31.
japecchaktiṃ dvādaśāhaṃ phalabhakṣastataḥ sudhīḥ ||31||
Übersetzung: Alle Glieder Shivas werden der Reihe nach jeweils zehn Nächte rezitiert. Danach rezitiere der Verständige Shakti zwölf Tage und ernähre sich von Früchten.
32.
kaṭakena vicitreṇa śivāṅgenātivarcasā ||32||
Übersetzung: Mit einem schönen Tiger- oder Hirschfell als Obergewand und einem kunstvollen Armreif, der mit einem strahlenden Shiva-Glied verbunden ist,
33.
sahasrāṇi śate dve ca ghṛtamiśrasya vāgyamī ||33||
†
Übersetzung: lebe er gesammelt einen Monat. Schweigend vollziehe er das Guggulu-Opfer mit Ghee; die Zahl wird als zweihunderttausend angegeben, doch der Zahlenwortlaut ist unsicher.
34.
māsamekaṃ jalaṃ pītvā japedvidyāṅgapañcakam ||34||
Übersetzung: Danach gehe der Wissende von einem Berggipfel zum Salzmeer. Einen Monat lang trinke er Wasser und rezitiere die fünf Vidya-Glieder.
35.
hṛdvyomakamale mantro nyastavyaḥ sarvasaṃpuṭaḥ ||35||
Übersetzung: Für das Wandern von Ort zu Ort ist dieser Schutz vorgesehen, o Weiser: Im Lotus des Herzraums setze man den Mantra ein, ringsum von sarva umschlossen.
36.
tayorupari vinyasyaṃ bhavayugmapadaṃ vibhoḥ ||36||
Übersetzung: Auf die Fußsohlen lege man das Wort turu, darüber das doppelte bhava des Herrn.
37.
guhye goptṛpadaṃ kaṭyāṃ sānnidhyapadasaṃyutam ||37||
Übersetzung: Auf die Oberschenkel lege man yogapīṭha, auf die Knie bhūḥ, auf den Intimbereich goptṛ und auf die Hüfte das Sānnidhya-Glied.
38.
netratrayeṣvatheśasya vaktre vaktrapadaṃ nyaset ||38||
Übersetzung: Auf den Rücken lege man arūpa, auf den Kopf jyotis. Für die drei Augen des Herrn ist die folgende Zuordnung unsicher; auf das Gesicht lege man den Gesichtsmantra.
39.
dhūtrayaṃ nābhideśe tu tato vidyāṅgapañcakam ||39||
Übersetzung: Ins Herz lege man das aus dreifachem nā bestehende Glied, in den Nabelbereich dreimal dhū und danach die fünf Vidya-Glieder.
40.
rakṣantyuditavīryeṇa śarīrāṇi vibho sadā ||40||
Übersetzung: Die so auf den Sadhaka gelegten Shaktis des höchsten Herrn schützen seinen Körper stets mit ihrer offenbaren Kraft.
41.
etadvrataṃ ca saṃdigdhaṃ caretsiddhyai mahāyaśāḥ ||41||
Übersetzung: Nachdem dieser gesamte Verfahrensweg vollendet ist, übe der Hochangesehene zur Vollendung das folgende Gelübde; dessen Bezeichnung wird im Arbeitstext als unsicher überliefert.
42.
puṣpāyudhavikāraistu ceṣṭamāno'jugupsitaḥ ||42||
Übersetzung: Geschmückt und schön hergerichtet, mit ausdrucksvollen Brauenbewegungen und Worten, zeige er die Gesten des Liebesgottes, ohne sich verächtlich zu verhalten.
43.
āhṛtyāvayavairbhadrairlakṣaṇaiḥ suvibhūṣitām ||43||
†
Übersetzung: Äußerlich wirke er anziehend, während sein Geist durch Yoga rein bleibt. Er gewinne eine Partnerin mit schönen Gliedern und günstigen Kennzeichen.
44.
sadācārakulotpannāṃ lālasāṃ priyavādinīm ||44||
Übersetzung: Sie sei anmutig, von jugendlichem Selbstbewusstsein getragen, von gemessener Bewegung, aus einer Familie guten Lebenswandels, liebevoll und freundlich im Sprechen.
45.
śuklāmbaradharāṃ sādhvīṃ kāmaśāstrasupeśalām ||45||
Übersetzung: Sie habe noch nicht geboren, sei liebenswert und der Weisung des Herrn zugewandt, trage weiße Gewänder, verhalte sich gut und sei in der Liebeskunst erfahren.
46.
sarvaśuklopacāreṇa yaṣṭvā devaṃ trilocanam ||46||
Übersetzung: Sie werde mit den Vidya-Gliedern geschützt und liebevoll geschmückt. Dann verehre man den dreiäugigen Gott mit ausschließlich weißen Gaben.
47.
sādhyamantraṃ samuccārya mantramevānucintayet ||47||
†
Übersetzung: Der Sadhaka vollziehe die geheime Praxis und lege das Tejas-Glied in ihr Herz. Er spreche den zu verwirklichenden Mantra aus und denke allein an ihn.
48.
svamantraṃ karṇikāsaṃsthaṃ yo'yaṃ so'hamiti sphuṭam ||48||
Übersetzung: Nach dem Nyasa umarme der Wissende die Frau und vergegenwärtige die Gliedmantras. Seinen eigenen Mantra denke er auf dem Fruchtboden mit der klaren Einsicht: „Dieser bin ich.“
49.
māsārdhena bhavetsiddhiriti śāstre prabhāvitam ||49||
Übersetzung: Für den entschlossenen, innerlich geübten Menschen, der so übt, wird in der Lehre Vollendung nach einem halben Monat angegeben.
50.
kṛtakṛtyena moktavyā yadi tasyā na rocate ||50||
Übersetzung: Durch die Kraft des Mantras erlange der Mantrakundige die gewünschte Frucht. Nach Erfüllung des Ziels muss er die Frau freigeben, wenn sie die Verbindung nicht wünscht.
51.
krīḍate suciraṃ kālamaprakṣīṇabalaḥ sadā ||51||
Übersetzung: Wünscht sie diese, erfreut sich der vorzügliche Mensch nach seiner Vollendung lange Zeit gemeinsam mit ihr, ohne dass seine Kraft abnimmt.
52.
śāpānugrahasāmarthyamatulaṃ sādhakātmanaḥ ||52||
Übersetzung: Durch Tat, Gedanken und Worte wirkt der Vollendete auf die Welt. Dem Sadhaka wird unvergleichliche Fähigkeit zu Fluch und Begnadung zugeschrieben.
53.
pūrvavaccākhilaṃ kāryamasidhārotthitaṃ mune ||53||
Übersetzung: Oder der vorzügliche Sadhaka erstrebe eine weltliche Vollendung. Alles zuvor Gesagte geschieht dann entsprechend dem als „Schwertschneide“ bezeichneten Gelübde, o Weiser.
54.
nānābhogaviceṣṭanāya vidhivadrāgānuviddhātmanām |
śakteḥ sāṃpratamīpsitārthamanasaḥ karmāṇi vaktroktayā
†
Übersetzung: So habe ich den höheren Weg zur Vollendung vollständig besungen, der den noch von Verlangen erfüllten Menschen vielfältige Erfahrungen ermöglicht. Nun werde ich kurz die Handlungen der Shakti für gewünschte Ziele erklären, nach der überlieferten Anweisung und dem Verfahren, das ihre Wortglieder aufteilt.
Übersetzung: Damit endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 11. Kapitel: Erlangungen.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 12
Übersetzung: Fortführung der rituellen Handlungen
1.
svamantraḥ praṇavādhāro vidyāṅgopacito vibhoḥ ||1||
Übersetzung: Nun wird das Verfahren der verschiedenen rituellen Anwendungen deutlich erklärt. Der eigene Mantra ruht auf dem Pranava und wird durch die Vidya-Glieder des Herrn gestärkt.
2.
bastamāṃsāhutīnāṃ tu dātavyamayutaṃ mune ||2||
†
Übersetzung: Nach Verehrung des südlichen Richtungsherrn und seiner Speisung durch ein Bali-Opfer nennt der Text zehntausend Darbringungen von Ziegenfleisch, o Weiser.
3.
turusaṃpuṭamadhyena sādhyamantreṇa sādhakaḥ ||3||
Übersetzung: Dieses wird zuerst mit Ghee benetzt. Danach wird der zu verwirklichende Mantra für die Handlung zwischen turu-Lauten eingeschlossen.
4.
vratasiddhasya śāstre'smiñśaktirvai pārameśvarī ||4||
Übersetzung: Dem im Gelübde vollendeten Übenden schreibt der Text dadurch die Macht zu, Feinde gewaltsam aus ihrem Aufenthaltsort zu vertreiben. Dies wird als Wirkung der Shakti des höchsten Herrn verstanden.
5.
tejaḥsaṃpuṭamadhyastho mantraḥ prāṇaharaḥ smṛtaḥ ||5||
Übersetzung: Mit ihren jeweiligen Wortgliedern vollzieht der Sadhaka die verschiedenen Handlungen. Ein zwischen tejas eingeschlossener Mantra wird als lebennehmend bezeichnet.
6.
vidveṣaṃ kurute yuktaḥ saṃpuṭe nātrayātmake ||6||
Übersetzung: Die Verbindung mit einer hier als sva gelesenen Umschließung wird einer weiteren Vertreibungswirkung zugeordnet; die Lesung ist unsicher. Die Umschließung mit dreifachem nā dient nach der Vorschrift dem Erzeugen von Feindschaft.
7.
sarvabhūtasukhasthena śāntiṃ kuryātsadā budhaḥ ||7||
Übersetzung: Zwischen goptṛ eingeschlossen gilt der Mantra als geeignet zum Stillstellen. Mit dem Glied sarvabhūtasukha soll der Verständige stets Befriedung bewirken.
8.
ākṛṣṭau yojayennityaṃ yatpadaṃ ca bhavātmakam ||8||
Übersetzung: Die Umschließung mit dhyānāhāra wird dem Gedeihen der Menschen zugeordnet. Für das Heranziehen wird das mit bhava gebildete Glied verwendet.
9.
uccārya padasaṃtānaṃ nāma grāhyamanantaram ||9||
Übersetzung: śāśvata wird der Beherrschung zugeordnet, pūrvasthita der Zuneigung. Nach der Aussprache der Wortfolge wird der betreffende Name genannt.
10.
padaṃ padavibhau yojyaṃ śivamutkīlane hitam ||10||
†
Übersetzung: Zum Schutz bereits verwirklichter Dinge wird das untadelige jyotir jyotiḥ in die Mantra-Folge eingefügt; śiva gilt als geeignet zum Lösen einer magischen Festlegung.
11.
dīpane sarvamantrāṇāṃ śabdaśabdapadaṃ hitam ||11||
Übersetzung: Zur Zurückhaltung von Hindernissen dient sākṣin, zum Niederwerfen pataṅga. Zum Entfachen aller Mantras gilt śabda śabda als geeignet.
12.
nirmalīkaraṇe'bhasma padamatroditaṃ śubham ||12||
Übersetzung: Für das rituelle Treffen hat der Herr nidhanodbhava bestimmt. Für die Reinigung wird hier das glückverheißende abhasma angegeben.
13.
jyotīrūpapadaṃ siddhaṃ nirbījakaraṇe tu tat ||13||
Übersetzung: anagni wird mit dem Verbinden des Feuers und dem Keimlosmachen verknüpft. Auch jyotīrūpa wird dem Keimlosmachen zugeordnet; die doppelte Zuordnung bleibt im Wortlaut offen.
14.
nigrahe duṣṭasattvānāṃ sadbhāveśapadaṃ smṛtam ||14||
Übersetzung: Zur Beherrschung von Fiebern, ergreifenden Mächten, Pishachas und Bhutas sowie zur Zurückhaltung schädlicher Wesen nennt die historische Vorschrift sadbhāveśa.
15.
arūpapadapūrvāṇi pañcoktāni viśeṣataḥ ||15||
Übersetzung: Zur Vergegenwärtigung von Unsterblichkeitsnektar verwende man stets sūkṣma sūkṣma. Besonders genannt werden die fünf Glieder von arūpa an.
16.
japataḥ sarvadā tasya na mṛtyurupasarpati ||16||
Übersetzung: Sie werden beim Nyasa für den nach langem Leben Strebenden zur Verwirklichung von Amrita verwendet. Wer sie beständig rezitiert, dem nähert sich nach der Verheißung des Textes der Tod nicht.
17.
vidhiḥ saṃbudhyate buddhijñānotkarṣaśca jāyate ||17||
†
Übersetzung: Als Zeichen der Vollendung gelten günstiges Geschick und Unverzagtheit. Das Verfahren wird klar verstanden, und Einsicht sowie Erkenntnis nehmen zu.
18.
na mlāyati sadā mālā dhṛtā mūrdhani rājate ||18||
Übersetzung: Weitere Zeichen sind ein angenehmer Körperduft und Begegnungen mit göttlichen Wesen. Eine auf dem Kopf getragene Girlande verwelkt nicht und erscheint strahlend.
19.
durgandhānyapi dravyāṇi saṃspṛṣṭāni mahātmanā ||19||
Übersetzung: Oder eine bereits welke Girlande erblüht augenblicklich beim Tragen. Selbst übelriechende Gegenstände werden durch die Berührung des Vollendeten,
20.
mṛtyorviyojayatyāśu prāptakālamapi kṣaṇāt ||20||
Übersetzung: augenblicklich wohlriechend, bester Weiser. Ihm wird auch zugeschrieben, jemanden sofort vom Tod zu lösen, selbst wenn dessen Zeit gekommen ist.
21.
saṃkruddho vā kṣaṇācchatrūnpreṣayedyamasādanam ||21||
Übersetzung: Nicht nur dies: Durch Meditation könne er jemanden alterslos und unsterblich machen. Im Zorn könne er dagegen Feinde augenblicklich in Yamas Wohnstätte senden.
22.
bahunātra kimuktena yadyadīpsati sādhakaḥ ||
†
Übersetzung: Dies gelte sogar für Wesen mit einer Lebenszeit von einem Kalpa, umso mehr für Menschen auf Erden; ein Ausdruck hierzu ist unsicher. Wozu viele Worte? Alles, was der Sadhaka wünscht, erlangt er nach dieser Verheißung.
23.
proktāni samyakpravibhajya vipra |
saṃsthāpanaṃ mantrapadakrameṇa
Übersetzung: Damit sind die vielfältigen Handlungen der Shakti sachgemäß unterschieden und erklärt, Brahmane. Höre nun von der Einsetzung nach der Folge der Mantra-Glieder und von den jeweiligen äußeren Gestalten.
vidhipaṭalo dvādaśaḥ ||
Übersetzung: Damit endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 12. Kapitel: Fortführung der rituellen Handlungen.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 13
Übersetzung: Aufstellung des Linga
1.
yasminsaṃnihitaḥ kṣipraṃ siddhiṃ yacchatyaninditām ||1||
Übersetzung: Nun folgt die glückverheißende Aufstellung des Linga. In ihm werden der Ursprung aller Mantras und die göttlichen Kräfte gegenwärtig und gewähren rasch untadelige Vollendung.
2.
svarūpārādhanāviṣṭasādhakasya varapradāḥ ||2||
Übersetzung: Der erhabene höchste Herr und die Mantras mit unfehlbaren Kräften werden zu Gabenspendern für den Sadhaka, der sich der Verehrung ihrer Gestalt hingibt.
3.
nimnagāntaragatā grāhyā śilā snigdhā garīyasī ||3||
Übersetzung: Dieses Verfahren wird hier erklärt, hervorragender Weiser. Man nehme einen glatten, schweren Stein aus einem Fluss.
4.
prakhyātayaśasā grāhyā caruṃ kṛtvā vidhānataḥ ||4||
Übersetzung: Er sei dicht, unbeschädigt, günstig beschaffen und einfarbig; auch ein Stein aus einem Berg kommt infrage. Nach regelgerechter Bereitung des Opferbreis nehme ihn der hochangesehene Übende auf.
5.
sunimitte śubhe svapne yoge caiva purodite ||5||
Übersetzung: Zuerst verwende er sarvabhūtasukha und Gayatri und bewahre Schweigen. Er beginne bei guten Vorzeichen, günstigem Traum und der zuvor genannten Zeitverbindung.
6.
yaṣṭvā devaṃ śivaṃ bhaktyā vahnāvapi ghṛtāhutim ||6||
Übersetzung: Beim Stein angekommen koche er wie zuvor Opferbrei, verehre Shiva hingebungsvoll und bringe auch im Feuer Ghee dar.
7.
svapettatraiva yuktātmā smaranbrahmāṇyatandritaḥ ||7||
Übersetzung: Der Mantrakundige opfere nach Vermögen und vollziehe die vorbereitende Weihung des Steins. Er verbringe die Nacht dort gesammelt und vergegenwärtige aufmerksam die Brahma-Mantras.
8.
pṛṣṭhamūrdhvavibhāgaṃ syānmukhaṃ cai kalpayedadhaḥ ||8||
Übersetzung: Nach Ehrung des Handwerkers hebe man den Stein behutsam heraus. Die obere Seite werde als Rücken, die untere als Vorderseite bestimmt.
9.
trihastaṃ sarvasiddhīnāṃ śastaṃ liṅgamanuttamam ||9||
Übersetzung: Man kennzeichne auch den südlich liegenden Bereich als Kopf. Ein Linga von drei Hasta gilt als vorzüglich zur Erlangung aller Vollendungen.
10.
adhobhāge tathāṣṭāśraṃ madhyabhāge suvartitam ||10||
†
Übersetzung: Zuerst teile man es in drei Abschnitte. Der untere werde quadratisch, der mittlere achteckig und der obere gut gerundet.
11.
chatrākāraṃ śiraḥ śreṣṭhaṃ mayūrāṇḍakameva vā ||11||
Übersetzung: Auch dieser obere Teil bildet ein Drittel und sei sehr schön. Als vorzüglich gilt ein Kopf in Schirmform oder wie ein Pfauenei.
12.
saṃghṛṣṭaṃ śāṇakoṭyā tu pañcagavyena kṣālayet ||12||
Übersetzung: Auch eine gleichmäßig gerundete, schöne Form gilt als Geberin aller Wünsche. Nach dem Abschleifen mit einem Schleifstein wasche man das Linga mit Panchagavya.
13.
ghṛṣyamāṇasya liṅgasya rekhā tadvarṇavarṇinī ||13||
Übersetzung: Man reibe es mit einer Rinderhaarschnur und wasche es wiederholt mit Wasser. Beim Schleifen auftretende Linien sollen seiner eigenen Farbe entsprechen.
14.
varṇaprabhā viparyastā rūpeṇātijugupsitā ||14||
Übersetzung: Ein Glanz wie eine Klinge und eine schöne, feste Linie gelten als günstig; eine Lesung ist offen. Eine abweichende Farbe mit sehr unschöner Form gilt als ungünstig.
15.
suvarṇabinduracitaṃ rekhābhiśca suśobhitam ||15||
Übersetzung: Eine kräftige Farbe mit guter Form wird als heilsam angesehen. Goldene Punkte und schöne Linien werden ebenfalls als günstig beschrieben.
16.
madhyāvartaṃ tyajelliṅgaṃ pṛṣṭhāvartamaninditam ||16||
Übersetzung: Ein Linga mit Wirbel am Kopf gilt für alle Handlungen als geeignet. Einen Wirbel in der Mitte meide man; ein Wirbel am Rücken gilt als untadelig.
17.
ghṛṣyamāṇasya liṅgasya nyagbhūtāni śanaiḥ śanaiḥ ||17||
Übersetzung: Ein durch einen stiftartigen Einschluss verletztes Linga ist ungünstig, ein krummes wird verworfen. Wenn beim Schleifen nach und nach verborgene Formen,
18.
sagarbhaṃ tadvijānīyāttyājyaṃ yatnādvipaścitā ||18||
†
Übersetzung: oder Kreiszeichnungen hervortreten, erkenne man es als einen Stein mit innerem Einschluss. Der Verständige soll es sorgfältig ausscheiden; ein Wort der Beschreibung bleibt unsicher.
19.
saṃsiddhā doṣavargasya vibhinnāntaratā mune ||19||
†
Übersetzung: Entsprechend den unterschiedlichen Kreisformen gibt es verschiedene innere Einschlüsse und damit unterschiedliche verborgene Fehler, o Weiser.
20.
prāyaścitteṣu sarveṣu bahurūpeṇa sarpiṣā ||20||
Übersetzung: Sie werden hier nicht ausführlich beschrieben, weil solche Steine ohnehin auszuscheiden sind. Bei allen erforderlichen Sühnehandlungen verwende man Bahurupa und Ghee.
21.
svāyāmavartulā kāryā liṅgasya syātsuśobhanā ||21||
Übersetzung: Gesammelt bringe man hundert Opfergaben zur Befriedung dar. Die schöne Unterlage des Linga werde seinem eigenen Maß entsprechend angefertigt.
22.
bahiraṅgulaniṣkrāntā caturaśrā samantataḥ ||22||
Übersetzung: Sie entspreche dem unteren Teil und habe in der Mitte eine Vertiefung. Ringsum sei sie quadratisch und rage außen um eine Fingerbreite hervor.
23.
piṇḍikāpi hi kartavyā caturaśrā mahāmune ||23||
Übersetzung: So fertige man die günstige, fehlerfreie Brahmashila, den Grundstein. Auch der Sockel, die Pindika, werde quadratisch angelegt, großer Weiser.
24.
tato rathe samāropya śvetāśvaparikalpite ||24||
Übersetzung: Er messe in jeder Richtung eine Hasta und sei mit gleichmäßiger Öffnung und Erhöhung wohlgestaltet. Dann lade man das Linga auf einen mit weißen Pferden bespannten Wagen.
25.
maṅgalairvividhairbhadraiḥ śanairānīya cādarāt ||25||
Übersetzung: Oder der Wagen werde von weißen Stieren gezogen; auch der Rücken eines königlichen Elefanten wird genannt. Mit verschiedenen Segenshandlungen führe man es behutsam herbei.
26.
pratyagvane tathodaksthakuśadūrvāvane śubhe ||26||
Übersetzung: Der Ort sei durch günstige Vorzeichen bestimmt und besitze die zuvor genannten Merkmale von Bergen, Wald und gutem Kusha- und Durva-Bewuchs; die Richtungsfolge ist hier nicht vollständig eindeutig.
27.
pratyagdvāre dṛḍhe ramye pañcārdhāgravistṛte ||27||
†
Übersetzung: Auf ebenem Boden stehe ein fester, schöner Tempel von neun Hasta mit einem Tor im Westen. Eine weitere Breitenangabe lautet zweieinhalb, ihr genauer Bezug bleibt offen.
28.
sthāpayitvā tu gāyatryā carcitaṃ candanādibhiḥ ||28||
Übersetzung: Dort ist das Linga aufzustellen. Zuerst weihe man es vorbereitend in einer Halle mit Mandala. Unter Gayatri stelle man es ab und bestreiche es mit Sandelholz und weiteren Stoffen.
29.
trikālaṃ ca balirdeyaḥ sarvasaṃbhārasaṃyutam ||29||
Übersetzung: Mit rotem Stoff geschmückt lege man es auf ein Lager. Dreimal täglich bringe man Bali dar und halte alle erforderlichen Materialien bereit.
30.
lakṣaṇaṃ cāpyadhobhāge tṛtīye parilekhayet ||30||
Übersetzung: Nach dem Feuerverfahren mit den Vidyeshvaras und den Gestalthütern der acht Richtungen zeichne man am unteren Drittel das vorgeschriebene Zeichen ein.
31.
pūrayenmadhumiśreṇa sarpiṣā tatkṣaṇaṃ vibhoḥ ||31||
†
Übersetzung: Der Mantrakundige zeichne es mit einer Goldnadel vor und graviere es dann mit einem Werkzeug. Die Vertiefung fülle man sogleich mit Ghee, das mit Honig vermischt ist.
32.
śabdaiśca śaṅkhatūryādyairabhinandya niveśayet ||32||
†
Übersetzung: Dann vollziehe man verschiedene günstige Ehrungs- und Reinigungsriten und begrüße es mit Muschel- und Instrumentenklängen, bevor man es niederlegt.
33.
viṣuve sthāpanaṃ śastaṃ mīnasaṃkramaṇe raveḥ ||33||
†
Übersetzung: Unter Aussprache Shivas lege der vorzügliche Guru es auf das bereitete Lager. Für die Aufstellung nennt der Text die Tagundnachtgleiche und den Eintritt der Sonne in die Fische; ihre kalendarische Beziehung bleibt offen.
34.
gāyatryā vātha sāvitryā nyased brahmaśilāṃ vibhoḥ ||34||
Übersetzung: Zuerst setze man eine goldene Schildkröte in den Stein ein. Mit Gayatri oder Savitri lege man die Brahmashila des Herrn an ihren Platz.
35.
dhātavaśca yathānyāyamoṣadhyaścāpyanuttamāḥ ||35||
Übersetzung: In den Richtungen lege man nach Vermögen Edelsteine ein, außerdem regelgemäß Mineralstoffe und vorzügliche Pflanzen.
36.
evaṃ kṛtvā sitairvastrairliṅgaṃ pracchādya yatnataḥ ||36||
Übersetzung: Das Verfahren vollziehe man stets mit dem Pranava und den verfügbaren Mitteln. Danach verhülle man das Linga sorgfältig mit weißen Tüchern.
37.
siddhārthamālaṃ prāgeva pīṭhavediśagocare ||37||
†
Übersetzung: Man setze es gut geführt ein und verrücke es nicht aus der Mitte. Zuvor werden weißer Senf und Schmuck am Sockelbereich genannt; die genaue Formulierung ist unsicher.
38.
yathālābhocitairdravyaiḥ śobhāṃ kurvīta suvrata ||38||
Übersetzung: Mit hohen, bunten Fahnen, herabhängendem Schmuck und geeigneten verfügbaren Stoffen gestalte man den Ort schön, du Gelübdetreuer.
39.
susamaṃ sthāpayedvidvānsarvakāmārthasādhakam ||39||
Übersetzung: Unbewegt spreche man Shakti aus. Der Wissende stelle das alle Wünsche erfüllende Linga ganz gerade auf die Brahmashila.
40.
piṇḍikāṃ caiva gāyatryā śuklavastrāvakuṇṭhitām ||40||
Übersetzung: Man berühre es regelgemäß mit allen Mantras und verehre es. Die in weißen Stoff gehüllte Pindika setze man mit Gayatri ein.
41.
dakṣiṇā ca yathāśaktyā pradeyā sādhakena tu ||41||
Übersetzung: Dies geschehe gemeinsam mit den Handwerkern; auch diese werden geehrt. Der Sadhaka gebe eine Gabe nach seinen Möglichkeiten.
42.
evaṃ vai sthāpite liṅge siddhirbhavati śāśvatī ||
Übersetzung: Sie komme allen Verehrern Shivas und nach Angemessenheit auch anderen zugute. Bei einem so aufgestellten Linga verheißt die Lehre dauerhafte Vollendung; die Menschen erfreuen sich beständig und bleiben frei von Bedrängnis.
43.
liṅgasya śambhorbhuvi sādhakānām |
rūpāṇyathopāttavidhānayuktyā
Übersetzung: Damit ist den Sadhakas auf Erden das fruchtbringende Verfahren für Shambhus Linga sachgemäß erklärt. Nun werde ich nach den überlieferten Regeln die entsprechenden Gestalten der Bildnisse darlegen.
Übersetzung: Damit endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 13. Kapitel: Aufstellung des Linga.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 14
Übersetzung: Merkmale der Götterbilder
1.
rūpakāṇi vicitrāṇi siddhidānyanupūrvaśaḥ ||1||
Übersetzung: Nun werde ich der Reihe nach die vielfältigen, vollendungsbringenden Gestalten der Mantras von unermesslichem Wesen erklären.
2.
rājāvartamayo'ghoro vāmadevo'tha vaidrumaḥ ||2||
Übersetzung: Ishana fertige man aus Bergkristall, Purusha aus Gold, Aghora aus Lapislazuli und Vamadeva aus Koralle.
3.
muktāsamarcitaḥ pūjyaḥ sarvasmin sādhakottamaiḥ ||3||
Übersetzung: Sadyojata werde aus Silber gefertigt, wohlgestaltet und mit vollständigen Gliedern. Der anschließende Hinweis auf Perlen bezieht sich vermutlich auf Sarvatman; er ist in allen Anwendungen von den Sadhakas zu verehren.
4.
puṣyarāgamayaṃ varma śastaṃ vā padmarājajam ||4||
Übersetzung: Die Hauptgestalt fertige man aus Muschel, Jvalini als Shikha aus Vaidurya. Für den Kavacha wird gelber Edelstein oder Rubin empfohlen.
5.
vaitastikapramāṇāḥ syuścaturvaktrā mahaujasaḥ ||5||
†
Übersetzung: Das Astra aus Saphir gewährt nach der Lehre den Mantrakundigen die Frucht. Die machtvollen Gestalten sollen eine Vitasti messen und vier Gesichter besitzen.
6.
īṣaddaṃṣṭrākarālāsyaṃ pralambodarasaṃyutam ||6||
Übersetzung: Ein mit den Kennzeichen vertrauter Handwerker fertige sie alle achtarmig. Die folgende Gestalt hat ein durch leichte Fangzähne schreckliches Gesicht und einen herabhängenden Bauch.
7.
śūlapāśāṅkuśadharaṃ bahurūpamathojjvalam ||7||
Übersetzung: Bahurupa erhält hängende Lippen, Kinn und Nase, drei runde Augen und trägt Dreizack, Schlinge und Elefantenhaken; er erscheint strahlend.
8.
vistīrṇaśirasaṃ bhadraṃ sarvaduṣṭabhayaṃkaram ||8||
Übersetzung: Er hält eine Schädelschale, ist erhaben, breitschultrig, großgesichtig und mit breitem Kopf versehen, glückverheißend und für alles Schädliche furchterregend.
9.
kiṃ tu tasya śiraḥ sthūlaṃ nikṛṣṭadaśanaṃ mukham ||9||
†
Übersetzung: Das Astra werde entsprechend der für Bahurupa beschriebenen Gestalt geschaffen. Doch sein Kopf ist besonders groß; die Beschreibung der Zähne ist unsicher.
10.
daśāṅgulā śikhā devī śeṣāḥ pūrvoktalakṣaṇāḥ ||10||
Übersetzung: Der Herr der Astras kann auch kleinwüchsig und mit schrecklichen Augen dargestellt werden. Die Göttin Shikha misst zehn Fingerbreiten; die übrigen besitzen die zuvor genannten Kennzeichen.
11.
triśūlāsikarodyatāḥ |
Übersetzung: Der Kavacha hat einen runden Bauch. Die Vidyeshvaras halten Dreizack und Schwert erhoben, sind weiß wie Muscheln und tragen Schlangen als heilige Schnur.
12.
dikpālāścāpi kartavyā hastamātrāścaturbhujāḥ ||12||
Übersetzung: Man gestalte sie mit der Mondsichel im Haar und den zuvor genannten Kennzeichen. Die Richtungshüter werden eine Hasta hoch und vierarmig gefertigt.
13.
yāgoktavarṇakaiḥ svaiḥ svaiḥ praśastaistarusaṃbhavāḥ ||13||
Übersetzung: Sie tragen allen Schmuck, besitzen deutlich ausgearbeitete Glieder und sind ansprechend. Aus geeigneten Hölzern gefertigt erhalten sie ihre beim Opfer genannten Farben.
14.
mānuṣāsthimayī krūrā lauhā vā krūrakarmaṇi ||14||
†
Übersetzung: Nirriti, der Rakshasa, werde furchterregend dargestellt. Für grausame Riten nennt die historische Vorschrift Menschenknochen oder Eisen als Material.
15.
svāstrordhvaśirasaḥ sarve kartavyāścāstranāyakāḥ ||15||
Übersetzung: Der Kenner von Shivas Astra fertige auch die Gestalten von Vajra und den übrigen Waffen. Alle Waffenherrscher sollen ihre jeweilige Waffe auf dem Kopf tragen.
16.
śaktiścaudumbarī kāryā daṇḍamapyāyasaṃ śivam ||16||
Übersetzung: Vajra werde aus Silber oder Messing gefertigt, die Shakti-Lanze aus Udumbara-Holz und der Stab aus Eisen.
17.
nāgena vā prakartavyaṃ trapuṣā kartṛmujjvalam ||17||
†
Übersetzung: Für das Schwert wird Kupfer genannt; weitere Angaben nennen eine Metallverbindung, Blei und Zinn. Die genaue Zuordnung der folgenden Waffen ist im Wortlaut nicht gesichert.
18.
puṣyalohamayaṃ śūlaṃ kāryaṃ vā kāñcanaṃ śubham ||18||
†
Übersetzung: Die Keule werde aus Silber gefertigt und gilt als Geberin aller Ziele. Den Dreizack fertige man aus dem als Pushya-Metall bezeichneten Stoff oder aus schönem Gold.
19.
gaurī caivaṃ prakartavyā padmahastā śubhekṣaṇā ||19||
Übersetzung: Gayatri, mit allen günstigen Kennzeichen, werde aus Gold gefertigt, o Weiser. Ebenso Gauri, mit einem Lotus in der Hand und freundlichem Blick.
20.
prasannavadanā sādhvī sarvālaṃkāramaṇḍitā ||20||
Übersetzung: Sie ist vierarmig, erhaben, mit Augen wie voll erblühte Lotusse, heiterem Gesicht, guter Wesensart und mit allem Schmuck versehen.
21.
kāryā durgeti saṃsiddhā pūjyā sarvārthadāyikā ||21||
†
Übersetzung: Savitri werde mit ihren Kennzeichen von der Farbe eines blauen Lotusblattes dargestellt. Sie ist auch als Durga bekannt und wird als Geberin aller Ziele verehrt.
22.
teṣāṃ śakteḥ padaṃ grāhyaṃ yasmātsā jagato'vyayā ||22||
Übersetzung: Für diejenigen Gottheiten, deren Mantra in diesem Tantra des höchsten Herrn nicht zuvor angegeben wurde, nehme man ein Wortglied der Shakti; denn sie ist der unvergängliche Ursprung der Welt.
23.
kāryo'śvatthatarorviṣṇuścaturbāhurmahābalaḥ ||23||
†
Übersetzung: Sie ist auch der ungehinderte Ursprung der gesamten Mantra-Gruppe. Vishnu fertige man aus Ashvattha-Holz, vierarmig und von großer Kraft.
24.
śaṅkhacakragadāhastaḥ kṣaumapuṣpasamaprabhaḥ ||24||
†
Übersetzung: Er habe eine große Nase und ein erhabenes Haupt, sei mit Shrivatsa geschmückt und halte Muschel, Diskus und Keule; seine Farbe gleiche der Flachsblüte.
25.
kāryo'rkaḥ sādhakendreṇa svārogyāya mahātmanā ||25||
†
Übersetzung: Arka, den Sonnengott von großem Glanz, fertige der vorzügliche Sadhaka aus rotem Sandelholz oder Nimba-Holz, um seine Gesundheit zu fördern.
26.
ṣaḍvaktraḥ kṛtimān bālaḥ kāryaḥ krīḍāvilāsakṛt ||26||
†
Übersetzung: Auch für Gedeihen ist er stets zu verehren. Karttikeya werde aus Koralle gefertigt, sechsgesichtig und jugendlich, in spielerischer Anmut.
27.
akṣasūtradharaḥ śrīmānsodakena ca śobhinā ||27||
Übersetzung: Er hält die Shakti-Lanze, ist machtvoll, gewährt Gaben und reitet auf einem Pfau. Die nächste Gestalt trägt Gebetskette und ein schönes Wassergefäß.
28.
śuddhahemamayaḥ kāryo bṛhatkāṣṭho'thavā taruḥ ||28||
Übersetzung: Dies ist der viergesichtige Urvater Brahma, mit dem Kamandalu in der Hand. Man fertige ihn aus reinem Gold oder aus dem Holz eines großen Baumes.
29.
nyagrodhācca prakartavyaḥ kubero dhanadaḥ sadā ||29||
Übersetzung: Dafür ist Shriparni genannt. Vakratunda, Ganesha, werde aus Pippala-Holz gefertigt und Kubera, der Reichtumspender, aus Nyagrodha-Holz.
30.
prākpadena samastānāṃ svanāmāṅkitaṃ mūrtinā ||30||
†
Übersetzung: Solche und ähnliche Göttergestalten dienen der Sadhana, o Weiser. Für alle wird das erste Wortglied mit dem jeweiligen Namen verbunden.
31.
vidyāṅgaṃ pañcakaṃ proktaṃ sarveṣāmeva suvrata ||31||
Übersetzung: Nach der ausführlichen, regelgerechten Einsetzung ist die jeweilige Verwirklichung auszuführen. Für alle gelten die fünf Vidya-Glieder, du Gelübdetreuer.
32.
taireva sakalīkṛtya gandhadhūpapavitrakaiḥ ||32||
Übersetzung: Alle werden in den Verfahren so verwendet wie zuvor. Mit denselben Mantras gestalte man die Gottheiten und verehre sie mit Duft, Räucherung und heiligen Gaben.
33.
uttamānāṃ tu siddhīnāṃ mantrāḥ pīṭhasamāśritāḥ ||33||
Übersetzung: Nach der Einsetzung verehre man sie mit den zuvor bestimmten glückverheißenden Mitteln. Für die höchsten Vollendungen dienen die auf dem Sitz ruhenden Mantras.
34.
kanyasānāṃ tu siddhīnāṃ sādhakenābhilāṣiṇā ||34||
Übersetzung: Für mittlere Vollendungen dienen die Vidyeshvaras; für geringere verwende der danach verlangende Sadhaka die übrigen Gottheiten.
35.
vidyeśvarapadāmodasukhabhojyāstu madhyamāḥ ||35||
Übersetzung: Als höchste gelten die reinen Vollendungen bis Sadashiva. Als mittlere gelten die Freuden und Erfahrungen im Zustand der Vidyeshvaras.
36.
yo yo yasya yadā bhakto vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ ||36||
Übersetzung: Die darunterliegenden Vollendungen gelten für die Sadhakas als geringer. Welcher Gottheit ein Mensch mit Rede, Geist und körperlichem Handeln hingegeben ist,
37.
sarvāvayavasaṃpūrṇaḥ satyavāk priyadarśanaḥ ||37||
Übersetzung: in ihr ist er gegründet und als ihr Anteil zu verstehen. Ein Mensch mit wohlbeschaffenen Gliedern, wahrhaftiger Rede und angenehmer Erscheinung,
38.
vyavasāyaparo nityaṃ sa naraḥ sarvasiddhibhāk ||38||
Übersetzung: breiter Stirn, weiten Augen, hoher Nase, Einsicht und beständiger Entschlossenheit gilt in dieser Lehre als geeignet für alle Vollendungen.
39.
tatpadaṃ prāpya hṛṣṭātmā bhogānbhuṅkte tadātmakān ||39||
Übersetzung: Oder er folgt dem Lebenswandel seiner Gottheit und wird von Shankara innerlich angezogen. Nach dem Erlangen ihres Zustands genießt er freudig die dazugehörigen Erfahrungen.
40.
vākyānalotthakiraṇaiḥ pratimāsvarūpaiḥ |
proktā vicitraracanā bhuvi sādhakānāṃ
†
Übersetzung: Durch Worte aus dem Lotusmund des Schöpfers aller Wege, wie Strahlen eines Wortfeuers, ist den Sadhakas auf Erden die vielfältige Gestaltung der Bildnisse erklärt. Höre nun, Brahmane, von der zusammenfassenden Verwirklichung.
Übersetzung: Damit endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 14. Kapitel: Merkmale der Götterbilder.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Kriyāpāda, Kapitel 15
Übersetzung: Zusammenfassung
1.
yena vijñātamātreṇa phalaṃ prāpnotyabhīpsitam ||1||
Übersetzung: Nun werde ich kurz dieses vorzügliche Verfahren erklären, durch dessen Kenntnis die gewünschte Frucht erlangt wird.
2.
tadeva sarvadevānāṃ mantrāṇāṃ ca mahātmanām ||2||
Übersetzung: Das feine, alldurchdringende Licht, das als Kraft der Seele besteht, ist dasselbe wie die Kraft aller Götter und großen Mantras.
3.
pravartante'rthasaṃtāne; yadajñānopabṛṃhitam ||3||
Übersetzung: Von ihm kraftvoll getragen wirken die Sinne jeweils in ihrem eigenen Gegenstandsbereich. Doch wenn es von Unwissenheit überlagert ist,
4.
tadvīryamaiśvaraṃ vedyaṃ yattantramakhilaṃ jagat ||4||
Übersetzung: kann es die gewünschten Früchte nicht frei erreichen. Diese Kraft ist als die Macht Ishvaras zu erkennen, von der die ganze Welt abhängt.
5.
niḥsaṃdigdhatayā vāci japataḥ saṃpravartate ||5||
Übersetzung: Durch sie ist die Welt tätig, hervorragender Weiser. Wenn beim Rezitierenden die völlig zweifelsfreie Einsicht hervortritt: „Eben dieser bin ich“,
6.
japo rakṣā parijñānaṃ niścayaḥ sattvameva ca ||6||
†
Übersetzung: dann gibt es nach dieser Lehre in den drei Welten nichts, das er nicht verwirklichen könnte. Rezitation, Schutz, klare Erkenntnis, Entschlossenheit und innere Stärke,
7.
yadā mantrī vratopāttavīryeṇātīva bhūriṇā ||7||
Übersetzung: zusammen mit den Gelübden bilden diesen sechsfachen Verfahrensweg. Wenn der Mantrakundige durch die im Gelübde erworbene, sehr große Kraft,
8.
na śaknoti balaṃ tasya voḍhuṃ svalpavapurmanuḥ ||8||
†
Übersetzung: stark geworden ist, kann der Mantra ihm gegenüber gleichsam zurückschrecken. Ein Mantra von geringer Gestalt vermag dann seine Kraft nicht zu tragen.
9.
nirvartitaṃ kimadyāpi na mantro'sminvaśānugaḥ ||9||
Übersetzung: Der Übende fragt sich: „Ich habe alles im Ritualtext Vorgeschriebene genau und vollständig ausgeführt. Warum folgt mir dieser Mantra noch immer nicht?
10.
utkṛṣṭavapuṣātmānaṃ sotsāhamajugupsitam ||10||
Übersetzung: Ich sehe auch nicht die geringste Wirkung von Hindernissen.“ Dann vergegenwärtige er sich selbst in einer erhabenen, tatkräftigen und untadeligen Gestalt.
11.
prāṇāyāmena saṃtiṣṭhet tacca mantramanusmaran ||11||
Übersetzung: Er meditiere über den allgegenwärtigen Shiva, hell und glückverheißend auf dem Fruchtboden. Mit Atemregelung bleibe er gefestigt und erinnere sich an den Mantra.
12.
paśyetparāṅmukhaṃ mantraṃ pramlānavadanaṃ mune ||12||
Übersetzung: Durch diese Erinnerung und die überaus starke Kraft seines Lichtes sieht er den Mantra abgewandt und mit verblasstem Gesicht, o Weiser.
13.
jyotirjyotiḥpadaṃ madhye sādhyavarṇavigarbhitam ||13||
Übersetzung: Dann vollziehe er dieses Verfahren, das die Abwendung behebt: In die Mitte von jyotir jyotiḥ werden die Laute des zu verwirklichenden Mantras eingefügt.
14.
sādhyaṃ mantraṃ kṛtaṃ nyasya paścādvidyāṅgapañcakam ||14||
Übersetzung: Danach umschließe man ihn ringsum mit prathama. Nach dem Einsetzen des so gestalteten Mantras lege man die fünf Vidya-Glieder auf.
15.
tatastu payasā sādhyamantro'ṣṭaśatavarmaṇā ||15||
†
Übersetzung: Diese kommen an ihre jeweiligen Plätze; man meditiere eine strahlende Gestalt. Dann übergieße man den Mantra mit Milch, verbunden mit hundertacht Anwendungen des Kavacha.
16.
utthāya sahasā tasmātsvadehātkalpitānmune ||16||
†
Übersetzung: Dies geschehe sieben Nächte lang zu den drei Tagesübergängen. Danach erhebt sich nach der Verheißung die hell leuchtende Mantragestalt plötzlich aus ihrem vergegenwärtigten Leib.
17.
hotavyaṃ ca tadā tena tilānāṃ kṛṣṇavarcasām ||17||
Übersetzung: Sie gewährt dem Sadhaka ohne Zweifel die gewünschte Vollendung. Dann soll er schwarzen Sesam als Opfer darbringen.
18.
siddhistadā sthirībhūtā siddhena paribhūyate ||18||
Übersetzung: Genannt werden tausend mit Ghee vermischte Sesamgaben und zehntausend Bilva-Gaben. Dadurch wird die Vollendung gefestigt und vom Vollendeten erfahren.
19.
śivasaṃpuṭamadhyena svamantreṇa vilepitā ||19||
Übersetzung: Ist der zu verwirklichende Mantra übermäßig feurig, bestreiche man seine Gestalt mit Sandelwasser und seinem eigenen, zwischen śiva eingeschlossenen Mantra.
20.
śārvasaṃpuṭamadhyena svamantreṇa dine dine ||20||
Übersetzung: Sieben Nächte lang geschehe dies zu den drei Tagesübergängen. Täglich wird seine Herzgegend mit dem eigenen, von śarva umschlossenen Mantra berührt.
21.
sahasreṇa tataḥ siddhā phalaṃ yacchatyaninditam ||21||
Übersetzung: Dazu nennt der Text tausend dunkelrote Oleanderknospen. Danach gilt die Gestalt als verwirklicht und gewährt eine untadelige Frucht.
22.
kṛtvā vilepayenmantrī kṛtaṃ sādhyasvabhāvataḥ ||22||
Übersetzung: Ein weiteres Verfahren nennt eine Mischung aus scharf-bitterem Nimba-Öl und Senfkörnern, mit der die dem Mantra entsprechend geschaffene Gestalt bestrichen wird.
23.
arkakṣīreṇa saptāhātsidhyate nātra saṃśayaḥ ||23||
Übersetzung: Ferner werden Nimba-Blätter mit einem unsicher gelesenen Zusatz, Jambu und Arka-Milchsaft zur Räucherung beziehungsweise Behandlung genannt. Der Text verheißt Vollendung nach sieben Tagen.
24.
tadā bhavodbhavo yojyaḥ padamādyaṃ tato'ntataḥ ||24||
Übersetzung: Bleibt der Mantra trotz des vorgeschriebenen Verfahrens abgewandt, werden bhavodbhava und das erste Wortglied an den entsprechenden Enden angefügt.
25.
anagnipadamāgneyamaṇḍalaṃ vinyasedadhaḥ ||25||
Übersetzung: Bei Rezitation mit Hunderten von Atemregelungen wird sichere Vollendung verheißen. Danach wird ein Verfahren beschrieben, bei dem anagni als Feuermandala unterhalb eingesetzt wird.
26.
tadevopari vijñeyaṃ huṃkārādyantarodhitam ||26||
Übersetzung: Zusammen mit prathama wird darin Feuer vergegenwärtigt. Dasselbe befindet sich oberhalb, an Anfang und Ende durch hūṃ begrenzt.
27.
pradhvaṃsaṃ [ca] samāyāti parasyāpyatha vāṅmanaḥ ||27||
Übersetzung: Wer über dieses Mandala meditiert, leuchtend wie die Strahlen tausend Sonnen, dem schreibt der Text die augenblickliche Zerstörung auch der Rede- und Geisteskraft eines anderen zu.
28.
nābhideśādviniṣkrāntaṃ bālārkasamavarcasam ||28||
Übersetzung: Das Glied tejas tejas wird hell leuchtend, voller Blitzstrahlen, aus dem Nabel hervortretend und von der Farbe der jungen Sonne meditiert.
29.
kṣaṇānnivārayedvṛṣṭiṃ sopalāṃ sādhakottamaḥ ||29||
Übersetzung: Damit wird in der Vorstellung der Himmel lückenlos gefüllt. So könne der vorzügliche Sadhaka augenblicklich Regen samt Hagel abhalten.
30.
kiṃ punaḥ siddhavidyasya smaraṇādeva niścitam ||30||
Übersetzung: Dies werde sogar bei einem noch nicht Vollendeten durch sechzehn Atemregelungen möglich; beim in der Vidya Vollendeten bereits durch bloße Erinnerung.
31.
pūrṇendusuprabhaṃ snigdhaṃ suṣumnākhyena vartmanā ||31||
†
Übersetzung: Für das nächste Verfahren meditiere man dhyānāhāra, beidseits von ma umschlossen, sanft und hell wie der Vollmond, auf dem Sushumna-Weg.
32.
cakāreṇa samāveṣṭya sravadvegena cāmbhasā ||32||
†
Übersetzung: Nach dem Austritt aus dem Bindu halte man es dort fest und umschließe es mit ca. Dann vergegenwärtige man rasch ausströmendes Wasser.
33.
muhūrtārdhārdhamātreṇa kṣitāvambhaḥ prapātayet ||33||
Übersetzung: Damit bedecke man den Himmel in der Vorstellung und verweile in Erinnerung an den Mantra. Nach einem Viertel Muhurta werde dadurch Regen auf die Erde gebracht, so die Verheißung.
34.
bhūḥpadena ca saṃruddhaṃ nibiḍaṃ vegataḥ kṣipet ||34||
Übersetzung: Dasselbe Mandala werde gelb, mit va verbunden und durch bhūḥ fest umschlossen vorgestellt und kraftvoll ausgesendet.
35.
yadyatrotsahate kruddho nirdagdhuṃ sacarācaram ||35||
†
Übersetzung: Dies ist als Stillstellen des entgegenkommenden Windes erklärt. Wenn der Übende im Zorn die bewegte und unbewegte Welt verbrennen wolle,
36.
padaṃ prathamakaṃ samyag rakāreṇa tu veṣṭitam ||36||
Übersetzung: so nennt der Text für die drei Welten tejas tejas mit dem folgenden prathama, umschlossen von ra.
37.
līlayaiva sadā mantrī bhasmasātkurute drutam ||37||
†
Übersetzung: Es werde von Hunderten wogender Flammen des Weltbrandfeuers umgeben meditiert. Dem Mantrakundigen wird zugeschrieben, damit spielend alles zu Asche zu machen.
38.
āhutīnāṃ sahasreṇa snapanaṃ cāmbhasā mune ||38||
Übersetzung: Nach vollzogener Handlung nähre man den Mantra mit tausend Opfergaben und bade ihn mit Wasser, o Weiser.
39.
piṅgapiṅgapadaṃ smṛtvā tataḥ svastho na saṃśayaḥ ||39||
†
Übersetzung: Zuerst bestreiche man ihn mit Sandelholz und fächere ihm wiederholt zu, unter Vergegenwärtigung von piṅga piṅga. Dann komme er wieder zur Ruhe.
40.
snātaḥ śuddhimavāpnoti hatvā lokaṃ carācaram ||40||
Übersetzung: Das Bad mit dem nektarreichen Glied sarvabhūtasukha wird als reinigend bezeichnet, selbst nach der zuvor behaupteten Vernichtung der bewegten und unbewegten Welt.
41.
bhavanti saṃnidhau vipra pratimāsu na saṃśayaḥ ||41||
†
Übersetzung: Die machtvollen Herren des Sitzes werden nach hunderttausend Rezitationen in den Bildnissen gegenwärtig, Brahmane, so die bestimmte Aussage des Textes.
42.
lokapālāḥ sahasraistu sahasreṇaiva saṃnidhiḥ ||42||
Übersetzung: Die Vidyeshvaras nach zehntausend; die Richtungshüter nach Tausenden beziehungsweise tausend Rezitationen. Die letzte Zahlenzuordnung ist im Wortlaut nicht eindeutig.
43.
candanena sugandhena lepanaṃ devadāruṇā ||43||
Übersetzung: Für die Verehrung nennt man sehr duftende, schöne Malati-Blüten, wohlriechendes Sandelholz zur Salbung und Zedernholz zur Räucherung.
44.
raktacandanakalkena kuṅkumena tu suvrata ||44||
Übersetzung: Kühlende Ehrengaben gelten für Befriedung als geeignet. Danach werden rote Sandelholzpaste und Safran genannt, du Gelübdetreuer.
45.
saubhāgyadā sādhakasya ākṛṣṭāvapi devatā ||45||
Übersetzung: Zusammen mit guter Räucherung aus schwarzem Adlerholz und ausschließlich roten Gaben wird die Gottheit als Geberin günstigen Geschicks und der Heranziehung verehrt.
46.
stambhane saṃnidhānāḥ syurnātra kāryā vicāraṇā ||46||
Übersetzung: Durch ausschließlich gelbe Gaben werden die Gestalten für das Stillstellen gegenwärtig; daran soll nach dieser Vorschrift kein Zweifel bestehen.
47.
sarvacitropacāreṇa yathārthaprabhavena tu ||47||
Übersetzung: Ausschließlich schwarze Gaben sind im Text dem Tötungsritual zugeordnet, o Weiser. Mit vielfältig gefärbten, dem jeweiligen Zweck entsprechenden Gaben,
48.
kalpānte sādhakendreṇa svadehānmantranāyakaḥ ||48||
Übersetzung: und mit Guggulu-Räucherung gelten die Götter als Verwirklicher aller Ziele. Am Ende des vorgeschriebenen Verfahrens erhebt sich der Mantraherrscher aus seiner Gestalt.
49.
bhāṣayetpratigṛhṇīṣva tadarghyaṃ deyamādarāt ||49||
†
Übersetzung: Wenn er in eigener Form vor dem Sadhaka steht und sagt: „Nimm entgegen“, soll ihm aufmerksam Arghya dargebracht werden.
50.
na yaccheccettadā vighno dhyātvāstraṃ pātayeddrutam ||50||
†
Übersetzung: Man spreche die ganze Shakti-Folge und fordere ihn auf: „Nimm an, auf Shivas Befehl.“ Nimmt er nicht an, gilt die Erscheinung als Hindernis; dann soll man das Astra vergegenwärtigen und sie rasch niederwerfen.
51.
carataḥ sādhakendrasya yadā rāgo vilīyate ||51||
†
Übersetzung: Andernfalls werde der Körper des Sadhaka rasch zerstört, so die Warnung des Textes. Wenn bei dem so Übenden das begehrende Verlangen schwindet,
52.
pradeyā susahāyasya rakṣā saṃpuṭagopitā ||52||
†
Übersetzung: tritt die klare, ungehindert auf Befreiung gerichtete Einsicht hervor. Dann übertrage er den zwischen Schutzlauten geborgenen Schutz einem guten Gefährten.
53.
athavā svagurorbhaktyā prāgeva parikalpitā ||53||
Übersetzung: Auch dieser rezitiere sein eigenes Wortglied hunderttausendmal, o Weiser. Oder der Schutz ist bereits zuvor aus Hingabe für den eigenen Guru bestimmt worden.
54.
śivavatpūjayitvā tu tadbhāvānmahīpateḥ ||54||
†
Übersetzung: Dann werde er regelgemäß mit freudigem Herzen übertragen, nachdem man den Empfänger als Shiva verehrt hat. Die anschließende Nennung eines Königs gehört zur Empfängerliste.
55.
anyasya vātha kāruṇyādvidhijñaḥ sādhakottamaḥ ||55||
Übersetzung: Ein hingebungsvoller, eingeweihter Landesherrscher, ein Asket oder aus Mitgefühl auch ein anderer kann ihn empfangen; der vorzügliche Sadhaka soll dabei das Verfahren kennen.
56.
hutena sthiratāmeti siddhirapyuditā mayā ||56||
Übersetzung: Der Empfänger festige die von mir erklärte Vollendung durch hunderttausend Rezitationen und hundert Guggulu-Opfergaben.
57.
mohāyāsaviṣādakhedakuṭilaṃ cittaṃ paśoḥ śreyase |
tadbrahmā malanirgamoktividhinā dīkṣeyamatroditā
†
Übersetzung: Die Kraft, deren Gestalt unzähligen Blitzwellen gleicht, erhellt zum Heil der Seele deren von Verblendung, Mühsal, Trauer und Erschöpfung gekrümmten Geist. Sie ist das Höchste. Im Kriyāpāda wurde die Einweihung als Verfahren zur Entfernung der Verunreinigung erklärt, ebenso die vielfältige Gestaltung der Erfahrungen besonderer Vollendung.
58.
vyāvarṇyate samāsādvividhārthaṃ prasiddhidaṃ puṇyam ||58||
Übersetzung: Nun ist der Reihe nach das heilige, vielfältigen Sinn erschließende und Vollendung gewährende Yoga-Verfahren erreicht. Es wird kurz dargelegt und soll Zweifel beseitigen.
Übersetzung: Damit endet im Kriyāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 15. Kapitel: Zusammenfassung.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Übersetzung: Damit ist dieser Werkteil abgeschlossen.
Ergänzende heutige 3-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev; keine Anleitung zu den Einweihungsritualen des Matanga Parameshwara Agama.
Yogapāda

Ergänzende heutige Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev; sie ist keine Übertragung des folgenden Yogapāda.
Yogapāda, Kapitel 1
Übersetzung: Darlegung des Yoga
1.
ṣaḍaṅgo vistṛtastantre samāsātprocyate'dhunā ||1||
Übersetzung: Nun folgt dieses vorzügliche Verfahren zur Entfaltung des Yoga, o Weiser. Der im Tantra ausführlich erklärte sechsgliedrige Weg wird jetzt kurz dargelegt.
2.
mukhyo yo'ntargataḥ sūkṣmaḥ svabhāvenāpyathācalaḥ ||2||
Übersetzung: Durch unterschiedliche Prägungen erscheint der Mensch verschieden und zweifach verunreinigt. Sein eigentliches inneres Wesen ist fein und seiner Natur nach unbeweglich.
3.
bhedopacārataḥ prokto bhrāntyuttho'tīvaduḥkhadaḥ ||3||
Übersetzung: Das äußerlich Tätige dagegen ist grob und von der Verunreinigung des Erfahrendseins bedrängt. Diese Unterscheidung wird erklärend vorgenommen; der äußere Zustand entsteht aus Verwirrung und bringt großes Leid.
4.
svocitāṃ vyaktimāyāti tadaṅgitvena śāsate ||4||
Übersetzung: Wenn man diese Verunreinigung sorgfältig entfernt und im eigenen Wesen verweilt, tritt dessen eigentliche Gestalt hervor. Dieses Ganze wird als Träger der Yoga-Glieder bezeichnet.
5.
vyaktaye paribhāvābhiḥ saṃsthitāni pṛthak pṛthak ||5||
Übersetzung: Es besteht in diesem Yogaweg; seine Glieder werden erklärend unterschieden. Sie wirken jeweils durch besondere Übungen darauf hin, dass es offenbar wird.
6.
tarkaścaiva samādhiśca ṣaḍaṅgo yoga ucyate ||6||
Übersetzung: Pratyahara, Meditation, Atemregelung, Dharana, unterscheidendes Erwägen und Samadhi: So wird der sechsgliedrige Yoga gelehrt.
7.
tatsvarūpamanāviddhamaṅgatvena guṇātmanā ||7||
Übersetzung: Yoga selbst wird als etwas beschrieben, das über seine Glieder hinausgeht. Sein eigenes Wesen bleibt von den nur als Eigenschaften wirkenden Gliedern unberührt.
8.
upeyasya ṣaḍaṅgoktirnyāyena pravijṛmbhitā ||8||
†
Übersetzung: Die Unterscheidung zwischen Gliedern und Ganzem dient dazu, das zu erreichende Ziel verständlich zu machen. In diesem Sinn wird die Lehre von den sechs Gliedern begründet.
9.
upeyaḥ paramā kāṣṭhā māyopādhiḥ sugarbhitaḥ ||9||
Übersetzung: Das Mittel besitzt große Kraft, um das Ziel erfahrbar zu machen. Das Ziel ist der höchste Zustand, der zuvor tief unter den Begrenzungen Mayas verborgen liegt.
10.
tasyāṅgānyuditānyatra na ca yogaḥ pṛthak sthite ||10||
Übersetzung: Das Mittel ist scharf und durch Yoga äußerst wirksam. Seine Glieder werden hier erklärt; Yoga ist dabei nicht eine äußerliche Verbindung voneinander getrennter Dinge.
11.
tasmādyogaḥ prakartavyo vyaktyarthamamitadyuteḥ ||11||
Übersetzung: So habe ich das Verhältnis der Wirklichkeit zu den übrigen Dingen gelehrt. Deshalb ist Yoga zu üben, damit das Licht von unermesslichem Glanz offenbar wird.
12.
sa ca cittanirodhādvā vāyoścābhyāsagocarāt ||12||
Übersetzung: Er dient auch ungehindert dem Gedeihen der vorzüglichen Sadhakas. Er entsteht durch Beruhigung des Bewusstseins und durch die Einübung der Atemführung.
13.
virāgāccāgamopāttanyāyenācaratastataḥ ||
Übersetzung: Ebenso durch Entschlossenheit, Zeit, beständige Anstrengung und Leidenschaftslosigkeit, hervorragender Weiser, wenn man nach dem in den Agamas empfangenen Verfahren lebt. Anders wird er nicht offenbar: Dies ist meine bestimmte Auffassung.
14.
sughaṭitacittaratnakṛtaśekharalabdhajayāt |
anugatayogamārganikhilottarabhūmilayād
†
Übersetzung: Wenn der Herzraum von den Verunreinigungen der Anhaftung frei geworden und der Edelstein des Geistes fest gefasst ist, erlangt der Sadhaka Sieg. Indem er auf dem Yogaweg alle höheren Ebenen durchschreitet und ihre Bindungen auflöst, entkommt er der bedrängenden Furcht vor immer neuer Geburt.
15.
yogyaṃ yathāṅgaiḥ samavāyayuktyā |
pravartate yogabalaṃ prasahya
†
Übersetzung: Damit habe ich erklärt, wie auf dem Yogaweg das Geeignete durch das Zusammenwirken der Glieder entsteht. So entfaltet sich die Yogakraft machtvoll. Deshalb werden nun die Kennzeichen der einzelnen Glieder dargelegt.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 1. Kapitel: Darlegung des Yoga.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Yogapāda, Kapitel 2
Übersetzung: Glieder des Yoga
1.
samāsato'bhidhāsyāmi śṛṇuṣvaikamanā mune ||1||
Übersetzung: Nun werde ich die vorzüglichen Glieder des Yoga von unermesslichem Glanz kurz erklären. Höre mit ungeteiltem Geist, o Weiser.
2.
śabdādiṣvabhilāṣeṇa svādhiṣṭhātṛbaleraṇāt ||2||
Übersetzung: Die Sinne wenden sich, vom Verlangen bewegt und von der Kraft ihres inneren Trägers angetrieben, jeweils ihren Gegenständen wie Klang und den übrigen zu.
3.
pratīpācārasiddhistu praveśya kamalodare ||3||
Übersetzung: Man ziehe die darin ruhenden Sinne auf ihren jeweiligen Wegen zurück. Indem man ihre Bewegung umkehrt und sie in das Innere des Herzlotus führt, gelingt die Rückwendung.
4.
manaḥsūtreṇa saṃprotā matihastasamāsthitā ||4||
†
Übersetzung: Die zuvor wahrgenommenen Gegenstände sind wie Perlen, von der Nadel der Erkenntnis durchbohrt, auf den Faden des Geistes gereiht und in der Hand der Einsicht gehalten.
5.
cittaṃ pratisamāhṛtya calitaṃ hṛdayāśrayāt ||5||
†
Übersetzung: Dies ist die Gebetskette der inneren Betrachtung für den im Herzlotus Ruhenden. Den aus seinem Herzensgrund fortgewanderten Geist sammle man wieder zurück.
6.
āhārātpoṣaṇaṃ prītiḥ prasādaḥ saṃprajāyate ||6||
Übersetzung: Die vollständige Rückkehr in diesen Halt heißt Pratyahara. Aus dem Aufnehmen der Gegenstände entstehen Nahrung, Befriedigung und heitere Zufriedenheit.
7.
tadāhṛtya nirodhācca pratyāhāraḥ sa ucyate ||7||
Übersetzung: Die Zufriedenheit am Gegenstandsbereich bleibt durch dessen Wahrnehmung erhalten. Weil man dieses Aufnehmen zurücknimmt und anhält, heißt der Vorgang Pratyahara.
8.
lakṣaṃ pratyacalā prītiryathā rāgabaleraṇāt ||8||
Übersetzung: Meditation ist die unbewegliche Zuwendung zur göttlichen Gestalt als Ziel, mit dem eigentlichen inneren Sehen. Sie gleicht der durch starke Liebe angezogenen Aufmerksamkeit.
9.
kāntāsaktadṛśāṃ prītyā na nivārayituṃ kṣamaḥ ||9||
Übersetzung: Wie ein Liebender trotz Scham und äußerer Hemmung seinen liebevollen Blick nicht von der Geliebten abwenden kann,
10.
prāṇo vāyuriti khyātaḥ sa ca saṃsāravartmani ||10||
Übersetzung: so ist die Meditation der Meditierenden erklärt, die die Frucht des Meditationswegs gewährt. Prana heißt der Lebenswind; auf dem Weg des Samsara,
11.
tadgateḥ saṃnirodho yaḥ prāṇāyāmaḥ sa ucyate ||11||
Übersetzung: wird er ungetrennt mit dem Bewusstsein verbunden wahrgenommen. Das Regeln und Anhalten seiner Bewegung heißt Pranayama.
12.
caturṇāmāsanānāṃ tu samabhyasyaikamādarāt ||12||
Übersetzung: Dieser wird in der vorliegenden Lehre in drei Formen erklärt. Zuerst übe man sorgfältig eine der vier Sitzhaltungen ein.
13.
paryaṅkaṃ kamalaṃ bhadraṃ svastikaṃ cācalaṃ dṛḍham ||13||
Übersetzung: Dann wird man für Samadhi geeignet, anders nicht, hervorragender Weiser. Die vier sind Paryanka, Kamala, Bhadra und Svastika, jeweils fest und unbewegt.
14.
kṛtvā jayedvidhau prāṇānyajjayānnirjitaṃ jagat ||14||
Übersetzung: Zuerst nehme man die Haltung regelgemäß ein und vollziehe die untadelige Körperausrichtung. Danach meistere man den Atem; mit seiner Meisterung gilt die Welt als gemeistert.
15.
ākuñcya jānunī samyakpādaṃ kṛtvā tu dakṣiṇam ||15||
Übersetzung: Für Paryanka verwende man ein Yogaband um den Rücken. Man beuge beide Knie ordentlich und bringe den rechten Fuß an seinen Platz.
16.
kiṃcidvinirgataṃ kṛtvā tiṣṭhedunnāmya vai kaṭim ||16||
Übersetzung: Er liegt außen am linken Unterschenkel, der linke entsprechend außen über der rechten Seite und etwas hervortretend. Man richte die Hüfte auf; die genaue Beinverschränkung ist nicht völlig eindeutig.
17.
bhūpṛṣṭhe susame ramye viniveśya samādhinā ||17||
Übersetzung: Diese als Paryanka bekannte Sitzhaltung gewährt Yoga-Vollendung. Man richte sie gesammelt auf einem ebenen, angenehmen Boden ein.
18.
dakṣiṇaṃ tu samāvidhya tajjaṅghe tu parasparam ||18||
Übersetzung: Bei der nächsten Haltung liegt der linke Fuß auf dem rechten Oberschenkel und der rechte auf dem linken; die Unterschenkel werden miteinander verschränkt.
19.
paryaṅkavatsthitaṃ bhadraṃ kiṃ tu jaṅghe niyamya tu ||19||
Übersetzung: Dies ist die im Verfahren vorzügliche Kamala-Haltung, der Lotussitz. Bhadra ähnelt Paryanka, doch werden die Unterschenkel anders gehalten.
20.
saṃkocya vāmapādaṃ tu tatpārṣṇiṃ tu sphicāvadhim ||20||
†
Übersetzung: Sie ruhen auf den Füßen; so wird Bhadra bezeichnet. Für die nächste Haltung ziehe man den linken Fuß ein und bringe seine Ferse bis zum Gesäß.
21.
savyaṃ kṛtvottaraṃ pādaṃ vāmajaṅghorupīḍitam ||21||
Übersetzung: Sie liegt unter der rechten Seite, während das Knie am Boden ruht. Der rechte Fuß kommt darüber und wird zwischen linkem Unterschenkel und Oberschenkel gehalten.
22.
karaṇaṃ ca pravakṣyāmi yathāvadatisaṃkṣepe vai ||22||
†
Übersetzung: Dies ist die vierte, als Svastika bekannte Sitzhaltung. Nun werde ich die Körperausrichtung sachgemäß und sehr kurz erklären.
23.
kṛtvottānau samau vidvānvāmasyopari dakṣiṇam ||23||
Übersetzung: Zwischen die Unterschenkel lege der Wissende beide Hände quer zueinander, mit den Handflächen nach oben und gleichmäßig ausgerichtet, die rechte über die linke.
24.
kiṃcidākuñcitāṅguṣṭhau kartavyau niyatātmanā ||24||
Übersetzung: Die Finger der rechten Hand liegen am Ansatz der linken. Der Gesammelte halte beide Daumen leicht gebeugt.
25.
pṛṣṭhamākuñcayetskandhadeśamunnamayetsudhīḥ ||25||
Übersetzung: Man öffne die Brust, lasse die Arme locker, richte den Rücken entsprechend aus und hebe den Schulterbereich an; die Rückenbewegung ist wörtlich als Einziehen bezeichnet.
26.
grīvāṃ vidhārayedyatnācchiraḥ kāryaṃ samaṃ sadā ||26||
Übersetzung: Den Hals halte man sorgfältig unbewegt, fest und gerade, weder übermäßig steif noch gebeugt. Der Kopf sei stets eben ausgerichtet.
27.
kiṃcitsaṃmīlyennetre dantairdantānna saṃspṛśet ||27||
†
Übersetzung: Das Gesicht sei zwischen Himmel und Erde geradeaus gerichtet, der Blick ruhe an der Nasenspitze. Man schließe die Augen leicht und lasse die Zahnreihen einander nicht berühren.
28.
karaṇaṃ yogamārgoktaṃ yathāvatparivistarāt ||28||
Übersetzung: Die Zungenspitze liege in der Mitte des Gaumens, großer Weiser. So ist die Körperausrichtung des Yogawegs sachgemäß beschrieben.
29.
saṃsthitasya yathānyāyaṃ prāṇāyāmo'tha varṇyate ||29||
Übersetzung: Für denjenigen, der zuerst in dieser sehr ruhigen Ausrichtung regelgerecht sitzt, wird nun die Atemregelung erklärt, großer Weiser.
30.
yāvatsarvāṅgiko vegātsvayamevācalāyate ||30||
Übersetzung: Man ziehe die äußere Luft ein und fülle den Körper, bis der Atem sich durch alle Glieder ausgebreitet hat und von selbst zur Ruhe kommt.
31.
āpūrito'calo bhūtvā bṛhatkukṣistu kumbhavat ||31||
Übersetzung: Dies heißt im Verfahren der Atemregelung Puraka, das Füllen. Gefüllt und unbewegt gleicht der Körper mit weitem Bauch einem Krug.
32.
sa kumbhaka iti khyātaḥ prāṇāyāmo'tiniścalaḥ ||32||
Übersetzung: Wie ein mit Wasser gefüllter Krug bleibt er nach Maß der eigenen Kraft ruhig bestehen. Dies heißt Kumbhaka, die sehr stille Atemverhaltung.
33.
nāsikāvivarāgrādya ucchinnaḥ sordhvaṃ vartmanā ||33||
†
Übersetzung: Dann führe man den Atem von der unteren Grundlage langsam herauf, bis er auf dem aufsteigenden Weg an den Nasenöffnungen austritt.
34.
niryāti śoṣapavane śāntatvena jitātmanaḥ ||34||
†
Übersetzung: Seine Bewegung löst die Glieder und die Öffnungen der inneren Kanäle. Als austrocknender Atem geht er bei dem Beherrschten friedvoll hinaus.
35.
yogino yoktukāmasya svopakārāya saṃsthitā ||35||
Übersetzung: Der dabei erreichte Zustand gehört zur höchsten Ausprägung des Rechaka, des Ausatmens. Er dient dem Yogi, der sich um Vereinigung bemüht, als Hilfe.
36.
vāyorapi samāyogātsusamiddhātmavartinām ||36||
Übersetzung: Dharana entsteht als Festhalten des Geistes bei gezügelten Sinnen, verbunden mit dem Atem, für diejenigen, deren inneres Wesen hell entfacht ist.
37.
āgneyī vāruṇī caiva aiśānī cāmṛtā parā ||37||
Übersetzung: Sie ist zusammen mit Atem und Sinnen in vier Formen unterschieden: die feurige, die wässrige, die Ishana-bezogene und die höchste Amrita-Dharana.
38.
jyotirjyotiḥpadaṃ yojyaṃ huṃphaḍantaṃ samantataḥ ||38||
Übersetzung: Diese vier unterscheiden sich nach ihrer Wirkung, du Gelübdetreuer. Für die erste verwende man jyotir jyotiḥ, ringsum mit hūṃ phaṭ abgeschlossen.
39.
pādāṅguṣṭhāgravivare tena kurvīta sādhakaḥ ||39||
Übersetzung: Der Sadhaka vergegenwärtige damit in der Öffnung an der Großzehenspitze eine göttliche, kraftvolle, von Strahlen entfaltete Dreizackspitze.
40.
yojayetparame tattve vindvākhye hyamṛtātmake ||40||
†
Übersetzung: Mit der Mudra nehme er sich selbst aus dem Herzbereich zurück und verbinde sich mit dem höchsten, Bindu genannten, nektarhaften Tattva.
41.
sphuratsūryāyutaprakhyastaḍitpuñjacayopamaḥ ||41||
Übersetzung: Ein großes Feuer steigt mit sehr hellen Flammen auf, leuchtend wie zehntausend Sonnen und wie eine Masse von Blitzen.
42.
yāyātpradyotayanviśvaṃ pathā svodghaṭitātmanā ||42||
Übersetzung: Es verbrennt strahlend die Wirkungen und ihre Werkzeuge und geht auf dem von ihm selbst geöffneten Weg empor, wobei es die Welt erhellt.
43.
dhārayedyogayuktātmā śikhājvālākulojjvalam ||43||
Übersetzung: Wenn dieses Licht von unermesslicher Kraft den Nabel erreicht, halte der im Yoga Gesammelte es dort, hell von flammenden Zungen.
44.
tiryakcordhvamārgebhyaḥ prayātyatīva tejasā ||44||
†
Übersetzung: Aus sämtlichen Öffnungen bis zu den Haarporen strömt es gewaltig seitwärts und nach oben, mit übergroßem Glanz.
45.
bhasmībhūtaṃ śarīraṃ tu tataścaivopasaṃharet ||45||
Übersetzung: Der Sadhaka meditiere dies, großer Weiser, bis der ganze Körper in der Vorstellung zu Asche geworden ist. Danach nehme er die Erscheinung zurück.
46.
vighnāśca dhvaṃsamāyānti ye cānye duṣṭajātayaḥ ||46||
Übersetzung: Durch diese Übung vergehen nach der Lehre augenblicklich Verfehlung, Kälte, Kapha und andere Hindernisse des Yogis sowie weitere schädliche Einflüsse.
47.
śatrorvā māraṇaṃ dahe śreyase cātmanaḥ sadā ||47||
Übersetzung: Sie wird auch zur Bestätigung der Wirkung, im Verfahren des Keimlosmachens des Feuers und für das eigene Heil verwendet. Der Text erwähnt außerdem die zerstörerische Anwendung gegen einen Feind.
48.
śaivamūrtibhiḥ karatālātsamutthaiḥ samyagyojitā ||48||
†
Übersetzung: Auch ein Verfahren des Aufsteigens auf eine Waage wird genannt. Mit den aus den Handflächen hervorgehenden Shiva-Gestalten richtig verbunden, besitzt diese Dharana große Kraft.
49.
prākpadenāmṛtaṃ tattvaṃ pratiṣṭhotkṛṣṭavarcasam ||49||
Übersetzung: Sie macht nach der Verheißung den Menschen frei von Mühsal und verbrennt seine Verfehlungen. Für die nächste Übung vergegenwärtige man mit dem ersten Wortglied das Nektar-Tattva von höchstem Glanz.
50.
saṃtatābhiramoghābhiradhovaktrābhirādarāt ||50||
Übersetzung: Der Geist sei davon durchdrungen. Man meditiere es als Wasser, das in stetigen, unfehlbaren, abwärts gerichteten Strömen fließt.
51.
dhārābhirakhilaṃ viśvamāpūrya tadvicintayet ||51||
Übersetzung: Reich an sprühenden Tropfen und kühlem Wasser füllen diese Ströme die ganze Welt. Dies vergegenwärtige man sorgfältig.
52.
suṣumnāntargato bhūtvā saṃpūrṇendukṛtālayaḥ ||52||
Übersetzung: Von der Öffnung des Scheitellotus bis zum Herzbereich fließe es im Inneren der Sushumna und nehme seinen Ort im vollen Mond.
53.
viplāvya himasaṃsparśatoyenāmṛtamūrtinā ||53||
Übersetzung: So verweile man gesammelt, überflutet von wellenlosem, kühl berührendem Wasser, dessen Gestalt Amrita ist.
54.
dhārayeddhāraṇāṃ mantrī puṣṭyarthaṃ vāpyatandritaḥ ||54||
Übersetzung: Wer von Hunger, Durst, Erschöpfung, Mühsal oder Hitze bedrängt ist, halte diese Dharana aufrecht. Der Mantrakundige übe sie aufmerksam auch zur Kräftigung.
55.
praguṇena suśubhreṇa sūkṣmeṇātigarīyasā ||55||
Übersetzung: Mit dem Wortglied vyomasaṃsthāya vergegenwärtige man den aus dem Fruchtboden hervorgehenden Glanz, gerade, sehr hell, fein und von großer Kraft.
56.
yāyācchidrāgrasamayaṃ yattattejomayaṃ śubham ||56||
Übersetzung: Auf dem inneren Weg durch die Scheitelöffnung gehe der vorzügliche Sadhaka zum Gipfel dieser Öffnung, der als glückverheißender Lichtbereich erscheint.
57.
tiṣṭhetprasannacittātmā śivo'hamiti bhāvayet ||57||
Übersetzung: Dorthin erhebe der Verständige sich innerlich, durchdringe die ganze Welt und verweile mit heiterem Geist in der Einsicht: „Ich bin Shiva.“
58.
saṃprāpnotyacireṇaiva prabhutvamajugupsitam ||58||
Übersetzung: Durch das Festhalten dieser Dharana erlangt er nach der Lehre bald eine untadelige Herrschaftsmacht in dieser Welt, bester Brahmane.
59.
sakārasaṃpuṭasthena sūkṣmaśabdena yogayuk ||59||
Übersetzung: Diese heilbringende, über das All herrschende Dharana ist stets zu üben. Für die nächste verwende der Yogi sūkṣma, eingeschlossen zwischen sa-Lauten.
60.
bindorvinirgataṃ śītaṃ kallolalalitālayam ||60||
†
Übersetzung: Er meditiere einen dichten, starken, schönen, kühlen Bereich, weiß wie Jasmin, Mond und Muschel, aus dem Bindu hervorgegangen und sanft von Wellen bewegt.
61.
tajjyotsnāviddhamātmānamudāramanivāritam ||61||
Übersetzung: Dieses volle, untadelige Mandala im Raum strömt Amrita aus. Sich selbst meditiere man von seinem Mondlicht durchdrungen, weit und ungehindert.
62.
tatsthaṃ saṃcintayedvidvāñśaśāṅkāyutavarcasam ||62||
Übersetzung: Auf dem Fruchtboden vergegenwärtige man das dem Vollmond gleiche Mandala und sich darin, leuchtend wie zehntausend Monde.
63.
caratāpluṣṭaśokena sādhunā viratātmanā ||63||
Übersetzung: Durch die unfehlbare Kraft beider, des Nektars und des Feuers, die im guten, leidenschaftslosen Übenden wirken und seinen Kummer tilgen,
64.
catasro dhāraṇāḥ proktā yogino'bhyasyataḥ sadā ||64||
Übersetzung: wird dem Sadhaka augenblickliche Freiheit von Krankheit, Alter und Tod verheißen. Damit sind die vier Dharanas für den beständig übenden Yogi erklärt.
65.
prakāśayanti saṃsiddhimārgaṃ bhogabhujāmapi ||65||
†
Übersetzung: Mit ihrer eigenen Kraft eröffnen sie fest eingeübt den Shiva-Weg. Auch den noch Erfahrung Suchenden zeigen sie den Weg zur Vollendung.
66.
ūho nāma vitarkoktiḥ pravicārekṣaṇātmakaḥ ||66||
Übersetzung: Für den Leidenschaftslosen, der eine Stufe erreicht hat, ist unterscheidendes Erwägen ein geschicktes Mittel, sie zu überwinden. Dieses Uha oder Tarka besteht in prüfendem Betrachten.
67.
vinaśvareṇa saṃdehe balena sumalīmasam ||67||
Übersetzung: Er erkennt: „Dieser besondere Zustand ist von vergänglicher Erfahrung erfüllt und durch deren Macht noch von Unsicherheit und Verunreinigung geprägt.
68.
asmādanyadviśiṣṭena bhogena paripūritam ||68||
Übersetzung: Genug damit, genug mit dem begrifflichen Unterscheiden und seinem Treiben. Es gibt einen anderen Zustand mit einer höheren Erfahrung.“
69.
vyakte tasminsa yogīndro nirvitarkeṇa cetasā ||69||
Übersetzung: Darauf sammelt er seinen Geist und verlässt die bisherigen Vorstellungen. Wenn jener Zustand offenbar wird, ruht der vorzügliche Yogi darin mit einem Geist jenseits des abwägenden Denkens.
70.
tadbhogavaśasaṃkhedapariśrāntasya cetasaḥ ||70||
Übersetzung: Er verbindet sich unmittelbar mit dem Erreichten. Im Lauf der Zeit führt die prüfende Einsicht dazu, dass sein Geist auch von dessen Erfahrung ermüdet.
71.
asmādapyativīryāḍhyaṃ paramatyadbhutottaram ||71||
Übersetzung: Dann tritt erneut das Erwägen hervor, durch das er gewiss erkennt: „Es gibt noch einen höheren, wundervollen Zustand von weit größerer Kraft.“
72.
nirvikalpe tatastasminpūrvavajjāyate matiḥ ||72||
Übersetzung: Der nicht mehr begrifflich unterschiedene Zustand geht so aus dem unterscheidenden hervor. Auch dort entsteht dann wieder die Einsicht wie zuvor.
73.
nirvitarkeṇa sūkṣmeṇa sarvadikpravisarpiṇā ||73||
Übersetzung: Dies dauert an, bis der Yogi frei von Mühsal ist und in feinem, unbeweglichem, von begrifflichem Erwägen freiem und alle Richtungen durchdringendem Wesen ruht.
74.
padaṃ padavatāṃ śreṣṭhaṃ svatejo gūḍhagocaram ||74||
†
Übersetzung: Er erreicht den höchsten Zustand derer, die den Weg durchschritten haben, im eigenen Licht verborgen und von Bewusstseinsnatur. Die Aussage über Vergehen, Übersteigen und Leid ist an dieser Stelle unsicher überliefert.
75.
śeṣāṇi savitarkāṇi saṃtyājyāni mumukṣubhiḥ ||75||
Übersetzung: Dieser eine vorstellungsfreie Zustand ist die unbedrängte Wohnstätte des Herrn. Die übrigen enthalten noch Unterscheidung und sind von Befreiungssuchenden zurückzulassen.
76.
śakyate muniśārdūla tasmāttarkaḥ prayujyate ||76||
Übersetzung: Weil das Jenseits des Erwägens von den Yoga-Übenden nicht ohne diesen Weg erreicht werden kann, hervorragender Weiser, wird Tarka eingesetzt.
77.
vimalena dṛśā spaṣṭaṃ dhyeyaṃ saṃsādhitātmanā ||77||
†
Übersetzung: Es wirkt im Inneren des Yogis als hilfreiches Mittel; ein Ausdruck für seine Funktion ist unsicher. Mit reinem Sehen vergegenwärtige der innerlich Gefestigte das Meditationsziel deutlich.
78.
tadadhyavasya balavaddhiyā dhyeyaṃ prayatnataḥ ||78||
†
Übersetzung: Von Anfang an meditiere er dessen unüberwältigte, vorstellungsfreie Gestalt. Nachdem er sie mit kraftvoller Einsicht erfasst hat, halte er sie sorgfältig fest.
79.
saṃsthito yogaṃ yogīndro na vibhāgena lakṣyate ||79||
Übersetzung: Er verbinde sich gleichartig mit ihr, ohne einen in Vielheit auseinandergehenden Geist. Der so im Yoga ruhende Yogi wird nicht mehr getrennt davon wahrgenommen.
80.
vyatītotpannasadbhāvaḥ samādhistho'vikāravān ||80||
Übersetzung: Er nimmt die Eigenschaften seines Meditationsziels an, ist gesammelt und über den Bereich äußerer Gegenstände hinausgegangen. In seinem wahren Wesen offenbar geworden ruht er unverändert im Samadhi.
81.
tṛptidārusamutthena kavāṭayugalena ca ||81||
Übersetzung: Bei diesem höchsten Verfahren schließt er alle Tore der Erfahrung mit den beiden Türflügeln aus dem Holz der Zufriedenheit.
82.
śuddhaujasā samāliṅgya buddhiṃ patnīṃ sulālasām ||82||
Übersetzung: Diese bestehen hier fünffach. Auf dem Lager seines Meditationsziels ruhend, umarmt er mit reinem Licht die liebevolle Gattin Buddhi, seine Einsicht.
83.
hṛnmandire sukhoddāmayoganidrākulekṣaṇaḥ ||83||
Übersetzung: Im Tempel des Herzens, dessen Dunkelheit die Lampe des Geistes vertreibt, ruht der König der Yogis mit Augen, die vom freudvollen Yogaschlaf erfüllt sind.
84.
śayīta suciraṃ kālamaprabuddhākṣagocaraḥ ||84||
†
Übersetzung: Nachdem der Stolz seines Denkens bezwungen ist, verweilt er lange, in allen Gliedern erfreut, während der Bereich der äußeren Sinne nicht erwacht.
85.
samādhilabdhavīryasya yogino'lubdhacetasaḥ ||
Übersetzung: Der Verständige bleibt im Samadhi, von äußeren Gegensatzpaaren nicht erreicht. Bei dem Yogi, der durch Samadhi Kraft gewonnen hat und dessen Geist nicht begehrt, reifen die bedrängenden Restprägungen aller Sinnesgegenstände aus.
86.
himagirirājaputrīpatinā kathitaṃ munaye |
avicalayogalabdhakaraṇottamasādhuvidhiṃ
Übersetzung: So sprach der Gemahl der Tochter des Himalaya zum Weisen, dessen Rede und Wesen durch Pashupatis Strahlen gereinigt waren. Nun werde ich die kraftvolle Zusammenfassung des Yoga erklären: das gute Verfahren, durch das unbeweglicher Yoga die höchste Ausrichtung erlangt.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 2. Kapitel: Glieder des Yoga.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Yogapāda, Kapitel 3
Übersetzung: Zusammenfassung des Wesentlichen im Yoga
1.
sarvadoṣavinirmuktaṃ niḥśabdaṃ sthānamuttamam ||1||
Übersetzung: Nun werde ich die Zusammenfassung des wesentlichen Yoga erklären. Man wähle einen ausgezeichneten, stillen und von allen Störungen freien Ort.
2.
tatra yogāsanaṃ baddhvā sthiramekāgramānasaḥ ||2||
Übersetzung: Er sei geschützt, eben, rein, unbedrängt und ruhig. Dort nehme man eine feste Yogahaltung ein und sammle den Geist auf einen Punkt.
3.
nāsikāvivarābhyāṃ tu samyaksaṃśodhayetkramāt ||3||
Übersetzung: Man lasse den Atem langsam aus- und einströmen und reinige so der Reihe nach den Atemweg durch beide Nasenöffnungen.
4.
kāryaṃ vigatarāgeṇa nityaṃ yogayujā mune ||4||
Übersetzung: Das Zurückhalten und Weiterführen geschehe zur Reinigung, gesammelt und ohne Anhaftung. Der Yoga-Übende vollziehe dies beständig, o Weiser.
5.
yāvatpadasamāyogānnityayuktasya yoginaḥ ||5||
Übersetzung: Mit gereinigtem Atem verbinde man den Geist der Reihe nach mit den Stufen, bis der beständig gesammelte Yogi den höchsten Zustand erreicht.
6.
leśato hānimāyānti sūkṣmajñānānusārataḥ ||6||
Übersetzung: Die aus grober Mühsal entstandenen Ansammlungen leidvoller Prägungen nehmen allmählich ab, entsprechend dem Fortschritt feiner Erkenntnis.
7.
tasmiṃstasmiṃstadutthābhirvāsanābhirviyujyate ||7||
Übersetzung: Wenn der Yogi einen feinen Zustand erfasst und darin wirkt, löst er sich jeweils von den Prägungen der vorherigen Stufe.
8.
tatsamānāśayāveśādbījaṃ prāksaṃcitaṃ tvaṇoḥ ||8||
Übersetzung: Nach dieser Lösung wird er jedoch von anderen, feineren Prägungen erfüllt. Durch das Eintreten entsprechender innerer Eindrücke wird der früher angesammelte Keim der Seele,
9.
vivartate munivyāghra yenāsāvatibhāvitaḥ ||9||
Übersetzung: mit seiner verblendenden Kraft wieder wirksam, sofern der Yogi ihn nicht abwehrt. Von ihm wird er stark durchdrungen, hervorragender Weiser; die Verneinung ist im Arbeitstext nicht ganz eindeutig.
10.
tatastena prakartavyo japaścorjitacetasā ||10||
†
Übersetzung: Dann verfällt er gerade dort der Verblendung und erkennt ungesammelt das Höhere nicht. Deshalb soll er mit kraftvollem Geist Mantrarezitation üben.
11.
pravartate matiḥ kṣipraṃ yayā yātyunnatiṃ parām ||11||
Übersetzung: Bei demjenigen, dessen Kraft durch das Licht unablässig wirkt und dessen äußere Prägungen gereinigt sind, entsteht rasch die Einsicht, durch die er höher aufsteigt.
12.
yoginaṃ kāraṇeśāno niyojayati suvrata ||12||
Übersetzung: Den Yogi, dessen gereinigte Kraft des Aufstiegs von der Freude des jeweiligen Zustands erfüllt ist, setzt der Herr der Ursachen entsprechend ein, du Gelübdetreuer.
13.
evaṃ padātpadaṃ yāti yogāgniparibṛṃhaṇāt ||13||
Übersetzung: Er wirkt ungehindert in den Gegenständen und Freuden, die dieser Vergegenwärtigung entsprechen. So geht er durch die Stärkung des Yogafeuers von Stufe zu Stufe.
14.
prāpnotyabhīpsitaṃ sthānaṃ kramātkālena suvrata ||14||
Übersetzung: Dessen gewaltige Flammenmähne öffnet ihm kraftvoll die Richtungen. So erreicht er schrittweise im Lauf der Zeit den gewünschten Zustand, du Gelübdetreuer.
15.
atiraskṛtavīryeṇa prasannenāntarātmanā ||15||
Übersetzung: Durch die Wirkung seiner Eigenschaften und Sinne, die sich in alle Richtungen ausbreiten, mit unüberwältigter Kraft und heiterem innerem Wesen,
16.
vibhāti divi dīptāṅgatejomūrtirudāravān ||16||
Übersetzung: strahlt er im Himmel, mit unverblasstem Gesicht, unvergänglich, weit und erhaben, als Lichtgestalt mit leuchtenden Gliedern.
17.
anityaviṣayāyāsakhedena paripīḍitāt ||17||
Übersetzung: Denn er ist aus dem beklagenswerten Bereich hervorgetreten, dessen Sinne wie ein leidvoller Strom wirken und der von der Mühsal vergänglicher Gegenstände bedrängt ist.
18.
chāyākrīḍanabhogāḍhyāttoyabudbudajīvitāt ||18||
Übersetzung: Dessen begehrte Gegenstände gleichen einer Luftspiegelung, sein Treiben einem ausgebreiteten Zaubernetz, seine Genüsse einem Schattenspiel und sein Leben einer Wasserblase.
19.
nirgato yogasāmarthyājjagadvyāpyācalo'vyayaḥ ||19||
†
Übersetzung: Sein Reichtum gleicht einem Blitz, sein Wesen ist laut und unbeständig wie der Wind. Daraus ist der Yogi durch Yogakraft hervorgetreten; er durchdringt die Welt, unbewegt und unvergänglich.
20.
siddhyai mayā te munirājamukhya |
vistārayiṣyāmyadhunādhvasaṃpa
Übersetzung: Damit habe ich dir das Verfahren zur Vollendung kurz erklärt, Erster unter den Weisen. Nun werde ich es nach der Folge der Stufen des Adhvan entfalten. Höre diese genauere Erklärung von mir.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 3. Kapitel: Zusammenfassung des Wesentlichen im Yoga.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Yogapāda, Kapitel 4
Übersetzung: Verwirklichung der Tattvas
1.
pṛthivyādīni tattvāni śivāntānyanupūrvaśaḥ ||1||
Übersetzung: Nun wird das Mittel innerhalb dieses Adhvan-Verfahrens erklärt. Die Tattvas von der Erde bis Shiva sind der Reihe nach zu vergegenwärtigen.
2.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Der Yogi meditiere sie stets im eigenen Körper, hervorragender Weiser. Matanga fragt nach der zerstreuten Menge einzelner Erdteilchen:
3.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Was ist darin das eigene Wesen, das man Erde-Tattva nennt? Die Antwort: Der Erde kommt ein Erde-Sein zu, durch das sie so bezeichnet wird.
4.
yadālambyāṇusaṃghasya dvitryāderavikhaṇḍitam ||4||
†
Übersetzung: Dieses ist von den einzelnen Teilchenansammlungen verschieden und unvergänglich. Auf ihm beruht der Zusammenhang von zwei, drei oder mehr Teilchen.
5.
vastunaḥ prakaṭaṃ yasmād dravyādeḥ parigīyate ||5||
Übersetzung: Ihre deutlich gebildete Ansammlung besitzt stets einen tragenden Zusammenhang. Weil daran der Gegenstand offenbar wird, spricht man von Substanz und den weiteren Bestimmungen.
6.
viṣaye na nirādhārā hyādheyāḥ kutracitsthitāḥ ||6||
Übersetzung: Eigenschaften ruhen auf einem Eigenschaftsträger und wirken jeweils in ihrem Gegenstandsbereich. Sie sind nicht ohne Grundlage, sondern haben irgendwo ihren Halt.
7.
bhavanti vyavahāre'sminvyaktāsvarthakriyāsvapi ||7||
Übersetzung: Wie könnten sie, ohne in einem Seienden zu gründen, im alltäglichen Umgang bezeichnet werden oder ihre jeweiligen Wirkungen deutlich entfalten, o Weiser?
Übersetzung: Matanga sprach:
8.
teṣāmabhāvānneṣṭaṃ syādadṛṣṭatvāt sureśvara ||8||
†
Übersetzung: Der Einwand: Ein von Substanz und Ähnlichem unterschiedenes Sein wurde behauptet. Da es nicht wahrgenommen wird, ist es nicht anzunehmen, Herr der Götter.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
9.
na saṃbhāvyaṃ yato mṛttvaṃ sati bhāve prabhāṣyate ||9||
Übersetzung: Die Antwort: Die Nichtwahrnehmung beruht auf äußerster Feinheit, nicht auf Nichtsein. Auch etwas Bestehendes muss nicht in den Bereich der Sinne fallen; bei vorhandener Erde spricht man von ihrem Erde-Sein.
Übersetzung: Matanga sprach:
10.
kuto'nyadvyatiriktaṃ yanmṛttvaṃ yena mṛducyate ||10||
Übersetzung: Der Einwand: Dies ist nur eine zum praktischen Umgang gebildete Bezeichnung, keine unmittelbare Wirklichkeit. Wo gibt es ein anderes Erde-Sein, durch das Erde Erde heißt?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
11.
tadeva śakyate spaṣṭaṃ kathaṃ vāsatprakalpanā ||11||
Übersetzung: Die Antwort: Wer es als nichtseiend ansetzt, kann zwar verlangen, man solle mit dem Finger darauf zeigen. Doch auch die Annahme des Nichtseins ist damit nicht begründet; der Wortlaut des Arguments ist teilweise schwierig.
12.
karmārambhe tvarāyāsalobhenāprāptatṛptayaḥ ||12||
Übersetzung: Wenn beliebige bloße Vorstellung ausreichte, weshalb mühten sich dann die Menschen bei ihren Handlungen, von Eile, Anstrengung und Verlangen getrieben, ohne Befriedigung zu erreichen?
13.
kalpaneyaṃ sthitā spaṣṭā sā ca vastunibandhinī ||13||
†
Übersetzung: Die für den Umgang bestehende Vorstellung von Erde hat vielmehr einen wirklichen Halt. Ihre deutliche Bestimmung ist an einen Gegenstand gebunden.
14.
tadā yadanumānena sādhyate tadasatsphuṭam ||14||
Übersetzung: Wenn du allein die unmittelbare Wahrnehmung als Erkenntnismittel anerkennst, müsstest du alles durch Schlussfolgerung Erkannte für nichtseiend halten.
15.
anirdeśyamasaṃdigdhaṃ kalpanāpoḍhagocaram ||15||
Übersetzung: So kann es nicht sein, hervorragender Weiser. Höre die weitere Erklärung: Unmittelbare Wahrnehmung gilt als nicht sprachlich bestimmbar, zweifelsfrei und frei von begrifflicher Konstruktion.
16.
na cātra kalpanā kācinniścityeyaṃ matirmama ||16||
†
Übersetzung: Dann wäre sie für sich allein nicht zum alltäglichen begrifflichen Umgang geeignet, du Gelübdetreuer. In diesem unmittelbaren Wahrnehmen besteht nach der hier vertretenen Auffassung keine Vorstellungskonstruktion.
17.
tattridhā bhedamāpannaṃ viśeṣoktinidarśanāt ||17||
Übersetzung: Der übrige, auf praktische Wirkungen bezogene Weltumgang steht unter der Schlussfolgerung. Diese ist nach ihren besonderen Kennzeichen dreifach unterschieden.
18.
śeṣavatpūrvavaccānyatsāmānyamaparaṃ matam ||18||
Übersetzung: Ich werde dies ohne übermäßige Ausführlichkeit erklären: Man unterscheidet Sheshavat, Purvavat und die allgemein beobachtungsbezogene Schlussfolgerung.
19.
stambhaśayyādibhiścihnairatrāsīnmattavāraṇaḥ ||19||
†
Übersetzung: An großen Spuren, reichlichen Dunghaufen, dem Geruch der Brunst und Zeichen von angebundenem Stehen oder Liegen erkennt man: Hier war ein brünstiger Elefant.
20.
kṛṣṇāñjananibhaiścoccaiḥ sāṭopairnibiḍairghanaiḥ ||20||
Übersetzung: Obwohl er fort ist, erschließen ihn die Verständigen aus den verbliebenen Spuren. Sieht man hohe, dichte, mächtige Wolken, dunkel wie Augensalbe,
21.
prāvṛṭsamaye saṃprāptairdṛṣṭervṛṣṭiḥ pramīyate ||21||
Übersetzung: ungehindert heranziehend, groß und wasserreich, voller Blitze und Donner, wenn die Regenzeit gekommen ist, schließt man auf bevorstehenden Regen.
22.
dṛṣṭamāsīnna saṃdeho dhūma adyāpyadhogataḥ ||22||
Übersetzung: Denn auch früher wurde bei einer solchen Lage anhaltender Regen beobachtet. Ein weiterer Hinweis auf niedergedrückten Rauch wird genannt; die genaue Verbindung ist unsicher.
23.
evaṃ pūrvavatā sādhyā hyanumānena vṛṭ sadā ||23||
Übersetzung: Dieses Zeichen kündigt baldigen Regen an. So wird Regen durch die Purvavat-Schlussfolgerung aus dem zuvor Beobachteten erschlossen.
24.
paścātpaścācca saṃpaśyan gatimattvaṃ prasādhayet ||24||
Übersetzung: Wenn man die Himmelslichter zuerst im Osten und später weiter westlich sieht, erschließt man, dass sie sich bewegen.
25.
tamevāparadeśasthaṃ dṛṣṭvā kimanumīyate ||25||
Übersetzung: Ebenso: Man sieht Devadatta zuerst an einem Ort und später an einem anderen. Was wird daraus geschlossen?
26.
sāmānyaṃ gatimattvaṃ syānna viśiṣṭaṃ prasidhyati ||26||
Übersetzung: Dass er sich bewegt hat. Ob dies auf einem Elefanten, Pferd oder anders geschah, bleibt unbestimmt. Erwiesen ist nur die Bewegung allgemein, nicht ihre besondere Weise.
27.
āgamādāptavaktrotthānnānyathā munipuṅgava ||27||
Übersetzung: Wo die Besonderheit durch diese drei Schlussarten nicht bestimmt werden kann, wird sie aus der Überlieferung eines verlässlichen Sprechers erkannt, hervorragender Weiser.
28.
āyurvedātsagaṇitānmantravādācca sasphurāt ||28||
Übersetzung: Doch auch der verlässliche Sprecher wird anhand der Überlieferung erkannt; dies ist nun zu prüfen. Genannt werden Ayurveda, Rechenkunst und wirksame Mantralehre.
29.
yogamantrauṣadhīnāṃ tu vīryamavyāhataṃ mune ||29||
Übersetzung: Auch die auf Quecksilber und verwandte Stoffe bezogenen Verfahren dienen hier als Anzeichen seiner Verlässlichkeit. Die Kraft von Yoga, Mantras und Heilmitteln gilt als ungehindert, o Weiser.
30.
kecidyogabalātsiddhāḥ kecinmantrabalānnarāḥ ||30||
Übersetzung: Sie soll nicht durch bloßes begriffliches Mutmaßen von Menschen mit begrenzter Einsicht beurteilt werden. Manche Menschen sind durch Yogakraft vollendet, andere durch Mantrakraft.
31.
trikālaviṣayajñānavyaktadehā mahābalāḥ ||31||
Übersetzung: Andere durch die Kraft von Heilmitteln oder heiliger Orte. Als machtvoll werden jene beschrieben, deren Erkenntnis der drei Zeiten offenbar geworden ist.
32.
teṣāmapyapareḥ proktāḥ sāṃsiddhikaguṇottaraiḥ ||32||
Übersetzung: Aus Mitgefühl haben sie auf Erden verschiedene Vollendungswege gelehrt. Auch ihnen wurden diese von anderen mit noch höheren angeborenen Vollkommenheiten vermittelt.
33.
yato'bhivyaktimāyāti hyupadeśaṃ vinā kvacit ||33||
Übersetzung: Denn den Menschen wird das Mittel des Yoga nicht irgendwo ganz von selbst ohne Unterweisung offenbar, bester Brahmane.
34.
tasmādāptaḥ prapattavyaḥ pāraṃparyakramāgatāt ||34||
Übersetzung: Das Wort des Verlässlichen tritt durch die Verbindung von Gaumen, Lippen und Mund hervor. Deshalb ist ein verlässlicher Lehrer durch die Folge der Überlieferung anzuerkennen.
35.
sato'sya paratantratvamutpattivilayātsphuṭam ||35||
Übersetzung: Auch unwillkürlich Hervorgebrachtes ist nicht unabhängig, sofern es entstanden ist. Aus Entstehen und Vergehen wird seine Abhängigkeit deutlich.
36.
tasya tasya sa vaktavyaḥ kartā kāraṇamatra tu ||36||
Übersetzung: Wovon etwas abhängt und unter dessen Macht es tätig wird, das ist jeweils als sein Urheber und seine Ursache zu bezeichnen.
37.
vyajyate yadbalāviṣṭaṃ vilayaṃ cānugacchati ||37||
Übersetzung: Die Ursache dieser ganzen Welt ist Maheshvara. Von seiner Kraft erfüllt tritt sie hervor und geht wieder in Auflösung ein.
38.
paratantraṃ jagadyasmāttatkarturakhilaṃ mune ||38||
Übersetzung: Weil die Welt grob, vergänglich, sichtbar, hervorgebracht, unbewusst und abhängig ist, gehört sie ganz zu diesem Urheber, o Weiser.
39.
tasmāttadvacanātsiddhā pṛthivī sādhidevatā ||39||
Übersetzung: Durch Wahrnehmung und Schlussfolgerung ist er als maßgeblicher Sprecher bestimmt. Deshalb gilt aufgrund seines Wortes die Erde samt ihrer leitenden Gottheit als erwiesen.
40.
dhyātavyā yogasiddhyarthaṃ tattvamārgavyavasthayā ||40||
Übersetzung: Mit Kontinenten, Meeren und Bergen und ihrer geordneten Ausdehnung ist sie zur Yoga-Vollendung nach der Tattva-Folge zu meditieren.
41.
kūrmo'ṅgānīva saṃkocya tallayastatparāyaṇaḥ ||41||
Übersetzung: Auch im Körper ist sie als Tattva gegenwärtig. Man richte den Geist auf sie, ziehe wie eine Schildkröte ihre Glieder die Sinne ein und gehe ganz in ihr auf.
42.
vyaktimāyātyasaṃdehātsādhidevatayānvitā ||42||
Übersetzung: Bei dem so Übenden wird zweifellos ihre eigene beständige Erdgestalt samt der leitenden Gottheit offenbar.
43.
dhyāyetprasannacittātmā yāvatsā devatānvitā ||43||
Übersetzung: Oder man meditiere mit heiterem Geist das gelbe Geruchs-Tanmatra mit seiner Eigenschaft, bis die betreffende Wirklichkeit samt Gottheit hervortritt.
44.
yogino labdhavīryasya prasannā sarvakāmadā ||44||
Übersetzung: Durch Yoga zugewandt erscheint sie erfreut und wohlgesinnt und gewährt dem Yogi, der ihre Kraft erlangt hat, alle Wünsche.
45.
pārthivaṃ tattvamevaṃ syād
Übersetzung: Dann hat der Yogi diese Stufe erreicht und das Erde-Tattva allmählich gemeistert. Danach übe er entsprechend das Wasser-Tattva.
46.
rasatanmātrasaṃyuktaṃ śeṣāścāsya guṇā mune ||46||
Übersetzung: Auch dort gilt dieses Verfahren; doch er meditiere es weiß und mit dem Geschmacks-Tanmatra verbunden. Seine übrigen Eigenschaften, o Weiser,
47.
pūrvaṃ tattvajayāttasya śubho gandhaḥ prajāyate ||47||
Übersetzung: stammen aus anderen Tattvas und treten durch diese Verwirklichung nicht eigens hervor. Durch die vorherige Meisterung der Erde entsteht ein angenehmer Körpergeruch.
48.
aṇutvamapyanāyāsaṃ svecchayaivāpyathāpnuyāt ||48||
Übersetzung: Dieser zeigt sich nach der Verheißung augenblicklich am Körper, hervorragender Weiser. Auch die Fähigkeit, sich klein zu machen, wird nach Belieben mühelos erlangt.
49.
krīḍatyakliṣṭavapuṣā yogajenātivarcasā ||49||
Übersetzung: Durch Meisterung des Wassers wirkt der Yogi ungehindert auf das Flüssige in den Stoffen. Mit seinem mühelosen, yogageborenen Lichtleib bewegt er sich frei.
50.
bhavedrasavikāro'sya śubho vāpyaśubho'pi vā ||50||
Übersetzung: Durch seinen Blick, seine Berührung, seine Rede oder sein Denken kann nach der Lehre der Geschmack eines Gegenstands angenehm oder unangenehm verändert werden.
51.
tadambhaso jayāt kuryānnānyathā munisattama ||51||
Übersetzung: Wollte er die ganze bewegte und unbewegte Dreiwelt überfluten, könnte er dies durch Meisterung des Wassers tun, bester Weiser, nicht auf andere Weise.
52.
rūpāṇyarūpatāṃ yānti yāntyarūpāṇi rūpatām ||52||
Übersetzung: Nach der Meisterung des Wassers gehe er in das Feuer ein. Durch dessen Meisterung leuchtet er augenblicklich; Gestalten können gestaltlos und Gestaltloses gestaltet werden.
53.
glānatejāṃsi vā spaṣṭaṃ vīryeṇāgniguṇātmanā ||53||
Übersetzung: Unter seinem Willen erscheinen sie vielfältig, kraftvoll oder mit verblasstem Glanz, durch die Kraft, deren Wesen die Feuereigenschaft ist.
54.
prabhūtabalavīryeṇa calaccaṇḍena sādhunā ||54||
Übersetzung: Dem Übenden, der das Feuer gemeistert hat, wird der Wind mit seinem eigenen Glanz offenbar, reich an Kraft, heftig bewegt und wirksam.
55.
anānātvaguṇopetaśarīrasyāmitadyuteḥ ||55||
Übersetzung: Wenn er ganz von ihm erfüllt ist, mit stets bereitem Geist und durchdringendem Licht, und sein Leib dessen Eigenschaften ungeteilt angenommen hat,
56.
tadunmīlitasāmarthyācchītoṣṇamṛdukarkaśān ||56||
Übersetzung: werden die eigenen, untadeligen Eigenschaften des Windes in ihm offenbar. Durch die entfaltete Kraft kann er kalt, heiß, weich oder rau machen,
57.
utpūya vā jagatsarvaṃ saṃharellīlayaiva hi ||57||
Übersetzung: was immer er will, so die bestimmte Aussage des Textes. Er könne auch die ganze Welt aufwirbeln und spielend auflösen.
58.
vyomarūpastadā yogī jagatyasminviceṣṭate ||58||
Übersetzung: Richtet er den Geist auf den Raum und geht vollständig darin auf, bewegt sich der Yogi in dieser Welt in Raumgestalt.
Übersetzung: Matanga sprach:
59.
anādyakāraṇaṃ yasmāttatkathaṃ sādhyate vibho ||59||
Übersetzung: Matanga fragt: Was keine Form und keinen Halt besitzt, keine sich wandelnde Ursache hat und anfangslos sowie unverursacht ist – wie kann dieses verwirklicht werden, Herr?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
60.
saṃjñayā ca munivyāghra kimarthaṃ bhedavānapi ||60||
Übersetzung: Die Antwort: Es besitzt die Eigenschaft, Raum zu geben, den Klang als eigene Qualität und eine Bezeichnung. Warum willst du es trotz dieser Unterscheidungsmerkmale,
61.
guṇavānbhedavānsaṃjñī triravasthānadarśanāt ||61||
Übersetzung: bei gründlicher Prüfung nicht als Wirklichkeit anerkennen? Es besitzt Eigenschaften, Unterschiede und einen Namen; an ihm lassen sich drei Zustände erkennen.
62.
vyakto vāpyatha naṣṭo vā bhāvairātmanyavasthiteḥ ||62||
Übersetzung: Weil diese entstehen und vergehen, wird auch vom Raum entsprechend gesprochen. Als offenbar oder vergangen wird er aufgrund der in ihm bestehenden Zustände bezeichnet.
63.
na caivotpattirityevaṃ nityatvādyujyate mune ||63||
Übersetzung: Die ewigen Wirklichkeiten von unermesslichem Wesen werden nicht vernichtet. Ebenso entstehen sie nicht aus Nichts; dies folgt aus ihrer Ewigkeit, o Weiser.
64.
pralaye śaktirūpaṃ syādvyaktirūpamato'nyathā ||64||
Übersetzung: Zwei Formen eines Gegenstands werden im Weg von Schöpfung und Auflösung gelehrt: In der Auflösung besteht er als Kraft, andernfalls als offenbare Gestalt.
65.
khapuṣpakūrmalomāderyā saṃjñā vastusaṃhatau ||65||
Übersetzung: So wird auch vom Raum in erklärender Weise gesprochen, o Weiser. Bezeichnungen wie Himmelsblume oder Schildkrötenhaar beziehen sich auf zusammengesetzte Begriffe.
66.
sthāne satyapi nāstyatra yo bhāvo yasya vastunaḥ ||66||
Übersetzung: Ohne die Verbindung ihrer Bestandteile besteht das so Benannte nicht; dies bedeutet jedoch nicht, dass Hase oder Horn für sich nicht existieren. Der Satzanschluss bleibt teilweise unsicher.
67.
kiṃcidvyaktimavāpnoti jātibhedātpṛthak pṛthak ||67||
Übersetzung: Was an einem bestimmten Ort nicht offenbar ist, kann dort als Kraft bestehen. Oder es tritt anderswo entsprechend einer anderen Gattung gesondert hervor.
68.
asatpralapitaṃ śeṣamathavākṣarasaṃhateḥ ||68||
Übersetzung: Eine Bezeichnung gilt im praktischen Umgang einem vorhandenen Gegenstand. Das Übrige ist gegenstandsloses Reden oder lediglich eine Zusammenstellung von Lauten.
69.
so'kṣarāṇāṃ prapattavyo na cānyasya ca vastunaḥ ||69||
Übersetzung: Durch Verbindung von einem, zwei, drei oder mehr Lauten entstehen viele Namen. Diese Verschiedenheit ist zunächst den Lauten zuzuschreiben, nicht automatisch einem weiteren Gegenstand.
70.
tasmād vyoma tu mantavyaṃ taccābhyasyaṃ mahātmanā ||70||
Übersetzung: Die Unterscheidung zwischen Bezeichnetem und Bezeichnung ist auf Erden wohlbekannt. Deshalb ist Raum als Wirklichkeit anzuerkennen und vom ernsthaft Übenden zu meditieren.
71.
yasya yasya samabhyāsātpadamāpnoti tāttvikam ||71||
Übersetzung: Indem der Yogi darin aufgeht, wird er so fein, dass selbst die Götter ihn nicht sehen. Durch die Übung des jeweiligen Tattvas erreicht er dessen Zustand.
72.
prāpya bhuṅkte dvijavyāghra svamadoddāmagarvitaḥ ||72||
Übersetzung: Mit der dadurch gestärkten Kraft erlangt und genießt er auch die Erfahrungen in dessen Welten, bester Brahmane, erfüllt von machtvollem Selbstbewusstsein.
73.
karoti bhūtaracanāṃ vicitrabhuvanojjvalām ||73||
Übersetzung: Erreicht der vorzügliche Yogi die äußerst feinen Tanmatras, kann er nach der Lehre eine Elementschöpfung mit vielfältig leuchtenden Welten hervorbringen.
74.
ekāpāyena pañcānāṃ tena svākhyo mahāmune ||74||
Übersetzung: Für die fünf Elemente von der Erde an sind die Eigenschaften vom Geruch an erklärt, wobei jeweils eine entfällt. Darunter besitzt jedes Element seine eigene besondere Kraft, großer Weiser.
75.
gandhatanmātrajastasyāḥ satyasminvyapadiśyate ||75||
Übersetzung: Die hauptsächliche tragende Festigkeit gilt als eigene Eigenschaft der Erde. Sie entsteht aus dem Geruchs-Tanmatra und wird bei dessen Vorhandensein so bezeichnet.
76.
prāgeva kathitaṃ yuktyā pañcānāmapi kāraṇam ||76||
Übersetzung: Die Erde tritt aus dem Geruchs-Tanmatra hervor. Die fünf Tanmatras wurden bereits begründet als Ursachen der fünf Elemente erklärt.
77.
sahajotpannasadbhāvā na te munivarottama ||77||
Übersetzung: Die in einer Ansammlung von Atomen bestehenden Eigenschaften sind nicht einfach ohne Ursache mit ihr zusammen entstanden, bester Weiser.
78.
nirādhārā viceṣṭante vākyametadayuktimat ||78||
Übersetzung: Auch die Behauptung, sie wirkten einzeln und ohne Träger, nur aufgrund ihrer Verbindung mit Ursachen, ist nicht schlüssig.
79.
vyaktimāyānti bhūtāni tanmātraguṇadarśanāt ||79||
Übersetzung: Aus den fünf angeregten Tanmatras treten die Elemente hervor, jeweils durch die eigene Eigenschaft bestimmt. Dies zeigt sich an den Eigenschaften ihrer Tanmatras.
80.
yajjayāttadvikāraistu krīḍate muditātmavān ||80||
Übersetzung: Auch die Tanmatras sind vom Befreiungssuchenden zu meditieren. Durch ihre Meisterung erfreut sich der Yogi ihrer Umwandlungen.
81.
īṣadrajaḥ samāviddhā sattvatanmātragocarā ||81||
Übersetzung: Damit ist die von Tamas geprägte Vollendung erklärt. Der nächste Bereich wird als von etwas Rajas durchdrungen und auf Sattva bezogen eingeführt; seine genaue Formulierung ist unsicher.
82.
vyaktaṃ jānāti yenāsau prajāḥ pālayituṃ kṣamaḥ ||82||
Übersetzung: Wenn der Yogi über das Zeugungsorgan meditiert, erkennt er dessen leitende Gottheit deutlich und erlangt nach der Lehre die Fähigkeit, Nachkommenschaft zu erhalten.
83.
prajāpatisamo bhūtvā krīḍate vigataklamaḥ ||83||
Übersetzung: Die ausgezeichnete Macht der Wunscherfüllung tritt hervor. Prajapati gleich geworden, bewegt er sich ohne Ermüdung.
84.
karmendriyajayātmantrī vijitākṣaśca jāyate ||84||
Übersetzung: Durch Meisterung der weiteren Handlungsorgane wird er der Reihe nach Mitra, Vishnu, Indra und Sharva gleich. So hat der Mantrakundige seine Organe bezwungen.
85.
jagatyaluptavīryāṇi pravartante'mitāni ca ||85||
Übersetzung: Alle guten und schlechten Handlungen dieser Welt entfalten sich durch sie, unmittelbar erkennbar, mit wirksamer und vielfältiger Kraft.
86.
sarvasminneva mārge'smiṃstathāpi dvividhā matā ||86||
Übersetzung: Überall auf diesem Weg wird Tätigkeit Rajas zugeschrieben, o Weiser. Dennoch wird die Hervorbringung zweifach unterschieden.
87.
daśadhā kāryabhāvena saṃsthitā bhogasiddhaye ||87||
Übersetzung: Die von den Tanmatras ausgehende Schöpfung heißt tamasisch. Sie besteht zehnfach als Wirkung und ermöglicht die erfahrenen Gegenstände.
88.
yasmādunmīlyate bhogaḥ prabhūtatvena saṃsthitaḥ ||88||
Übersetzung: Die andere, sattvische Schöpfung ermöglicht den Zustand des Erfahrenden. Ohne sie würde die umfangreich vorhandene tamasische Erfahrungswelt nicht erkannt.
89.
sattvamunmīlakaṃ nityaṃ tasmātsā sāttvikī matā ||89||
Übersetzung: Deshalb nimmt sie mit elffacher Kraft die Rolle des Erkennens ein. Sattva erhellt stets; daher wird diese Schöpfung sattvisch genannt.
90.
pravṛttikuśalaṃ siddhaṃ na prasūyeta karhicit ||90||
Übersetzung: In beiden ist Rajas durch den Antrieb der höchsten Ursache als wirkungsfähiger Tätigkeitsanstoß zu verstehen; es bringt nicht allein hervor.
91.
tayāpi strī prasūyeta na ca puṃ garbhamarhati ||91||
Übersetzung: Als Vergleich dient die Zeugung: Durch die Verbindung mit dem Mann entsteht Nachkommenschaft im Schoß der Frau. Die Frau gebiert, während der Mann die Schwangerschaft nicht trägt.
92.
tathāpyekaṃ vinānyasmātpravṛttirmunipuṅgava ||92||
Übersetzung: Sattva und Tamas werden als die beiden Gattinnen von Rajas bezeichnet. Dennoch erfolgt keine Tätigkeit ohne das Zusammenwirken, hervorragender Weiser.
93.
buddhīndriyaṃ samabhyāsātkramātsarvākṣavṛttiṣu ||93||
†
Übersetzung: Weil Rajas antreibt, wird ihm bildlich die männliche Rolle zugeschrieben. Durch die Übung der Erkenntnissinne gewinnt der Yogi Zugriff auf ihre jeweiligen Tätigkeiten.
94.
suprasannena vīryeṇa pravartante'vicārataḥ ||94||
Übersetzung: Sie wirken dann auch aus der Ferne, ungehindert, scharf und mit einer sehr klaren, aus Erkenntnis entstandenen Kraft.
95.
karmendriyāṇyapi tathā viśeṣeṇātra suvrata ||95||
Übersetzung: So wie Gehör und die übrigen Sinne dem Erfahrenden Erfahrungen vermitteln, so tun dies auch die Handlungsorgane auf besondere Weise, du Gelübdetreuer.
96.
sāmānye sthitisādharmye kimarthaṃ nābhimanyase ||96||
Übersetzung: Sie verändern mit ihrer eigenen Kraft die Gegenstände für die Erfahrung der Seele. Warum sollte man ihre Gemeinsamkeit in dieser grundlegenden Funktion nicht anerkennen?
97.
saṃrambhākulitāni syuḥ sarvāṇyekamukhāni tu ||97||
Übersetzung: Wenn der Erfahrende eine Erfahrung anstrebt, sind alle Organe darauf gemeinsam ausgerichtet und von entsprechender Tätigkeit erfüllt, großer Weiser.
98.
manojayājjagatyasmiṃstrikālajñānamāpnuyāt ||98||
Übersetzung: Warum erkennst du nicht, dass sie alle der Erfahrung zugewandt sind? Durch Meisterung des Geistes erlangt der Yogi nach der Lehre Erkenntnis der drei Zeiten.
99.
yadyatsaṃkalpate yogī manasā yogatejasā ||99||
Übersetzung: Er erkennt auch den Geist anderer deutlich und auf wunderbare Weise. Was immer er mit seinem Geist und dem Licht des Yoga beabsichtigt,
100.
eṣāṃ yoniḥ samabhyasyā yajjayādakhilaṃ jagat ||100||
Übersetzung: das alles erlangt er nach dieser Verheißung. Danach ist der Ursprung dieser Vermögen zu meditieren; durch dessen Meisterung wird die ganze Welt bezwungen.
101.
yataḥ saṃrambhamāhātmyādahamipratyayātmakāt ||101||
Übersetzung: Dies geschieht durch überragende Kraft, bester Brahmane. Denn aus dem machtvollen Antrieb, dessen Gestalt die Vorstellung „Ich“ ist,
102.
parārthamudito nyāyo na svatastena suvrata ||102||
Übersetzung: erhalten die Organe ihre Kraft und wirken in ihren eigenen Tätigkeiten. Dieser Vorgang dient einem anderen, der Seele, und geschieht nicht um ihrer selbst willen, du Gelübdetreuer.
103.
bāhyārthamapi gṛhṇanti sphuṭīkṛtya suniścayāt ||103||
Übersetzung: Daher gelten sie als aus diesem Ich-Prinzip hervorgegangen. Durch dessen Eigenschaften erfassen sie auch äußere Gegenstände, machen sie deutlich und bestimmen sie sicher.
104.
akṣārthayoḥ samāyogādvijñānaṃ nānyathā sphuṭam ||104||
Übersetzung: Das Verhältnis von Ursache und Wirkung bei beiden, Sinn und Gegenstand, wird dadurch begründet. Erkenntnis entsteht durch ihre Verbindung, nicht anders.
105.
tattantrāṇi yato nityaṃ svakāryāṇyapi kāraṇam ||105||
†
Übersetzung: Daher gehen die Elemente aus Ahamkara hervor, um Erfahrung zu ermöglichen. Seine Wirkungen bleiben stets von ihm abhängig.
106.
buddhirapyatra pūrvoktā taddhyānāddhyāturādarāt ||106||
Übersetzung: Sie wirken nicht, indem sie ihre Ursache überwältigen; darin ist meine Auffassung bestimmt. Auch Buddhi wurde bereits erklärt. Durch sorgfältige Meditation über sie,
107.
bhoktṛtvadharmadharmitvādbuddhiradhyavasāyinī ||107||
Übersetzung: tritt beim Meditierenden die ganze mit Brahmas Eigenschaften versehene Erkenntnis hervor. Als Grundlage des Erfahrendseins besitzt Buddhi die Funktion des entscheidenden Bestimmens.
108.
puṃsthāṇvornirmalaṃ yatsyādvijñānaṃ sā matiḥ smṛtā ||108||
Übersetzung: Dies wurde dir bereits begründet: Durch sie erkennt man deutlich. Die klare Unterscheidung, ob etwas ein Mensch oder ein Pfosten ist, heißt Buddhi.
109.
dṛṣṭvoragasamākāraṃ kṣobhamāyāti tatkṣaṇāt ||109||
Übersetzung: Ein Gehender nimmt plötzlich etwas wahr, das stark auf sein Auge wirkt. Weil er eine schlangenartige Form sieht, erschrickt er sofort.
110.
avaiti śaṅkuṃ sā buddhirboddhavyā yuktivādibhiḥ ||110||
Übersetzung: Dann prüft er mit der Einsicht genauer und bestimmt: „Es ist ein Seil.“ Die Furcht schwindet; dieses bestimmende Vermögen sollen die vernünftig Prüfenden als Buddhi erkennen. Ein Wort der Schlussaussage ist unsicher überliefert.
111.
nirjitya yogasāmarthyāddaivaiḥ sārdhaṃ rametsudhīḥ ||111||
Übersetzung: Dieselbe Buddhi kann in einem gehobenen Zustand mit Stolz verbunden sein. Hat der Verständige sie durch Yogakraft gemeistert, erfreut er sich gemeinsam mit den Göttern.
112.
yajjayādaṇimādyaṃ syādaiśvaryaṃ yoginaḥ sphuṭam ||112||
Übersetzung: Als ihre Ursache ist Pradhana zu erkennen, bester Weiser. Durch dessen Meisterung tritt die Herrschaftskraft des Yogis von Anima an deutlich hervor.
113.
bhuvaneṣu vicitreṣu bhogānbhuṅkte mano'nugān ||113||
Übersetzung: Mit ihr genießt er ungehindert die seinem Geist entsprechenden Erfahrungen in den vielfältigen Welten der noch nicht endgültig Befreiten.
Übersetzung: Matanga sprach:
114.
tacca saṃyogajaṃ dṛṣṭaṃ kṣaṇapradhvaṃsikāraṇam ||114||
Übersetzung: Matanga fragt: Du hast die Mittel der Erkenntnis vollständig erklärt. Doch Erkenntnis erscheint als aus einer Verbindung entstanden und als augenblicklich vergänglich.
115.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Erkläre dies klar, damit der Zweifel schwindet. Die Antwort: Selbst wenn tausend unbewusste Stoffe zusammenkommen,
116.
tasmādastyatra caitanyamanapāyi sthiraṃ dhruvam ||116||
Übersetzung: wie bei einer Süßspeise und Ähnlichem, wird darin nirgends Bewusstsein beobachtet, hervorragender Weiser. Deshalb besteht hier ein unvergängliches, festes und beständiges Bewusstsein.
117.
mahadādisamastānāṃ yato'trāpyucitaṃ tvidam ||117||
Übersetzung: Für dieses besteht die Folge der übrigen Wirklichkeiten von Mahat an. Auch hier gilt der entsprechende Grundsatz.
118.
na caivānupakārāya ghaṭāderapi vastunaḥ ||118||
Übersetzung: Tätigkeit ist nicht ohne Grundlage, Entstehung nicht ohne Ursache. Auch ein Krug oder ein anderer Gegenstand wird nicht ohne einen Nutzen hervorgebracht.
119.
buddhirbuddhimato dṛṣṭā jñānaṃ jñānavatastathā ||119||
Übersetzung: Aus dem Zusammenhang ist daher eine Ursache erwiesen. Buddhi gehört einem Einsichtigen, Erkenntnis einem Erkennenden.
120.
tayā cāhaṃkṛtenāpi yo'haṃkārī suniścitaḥ ||120||
Übersetzung: Ebenso gehört Yoga einem Yogi; was wäre daran erstaunlich, Herr der Weisen? Auch zur Ich-Vorstellung gehört derjenige, der sie besitzt.
121.
pratyakṣaṃ bhavataḥ siddhaṃ pramāṇamavirodhi yat ||121||
Übersetzung: Ein Eigenschaftsträger wird jeweils durch seine eigene Eigenschaft bestimmt. Du selbst erkennst widerspruchsfreie Wahrnehmung als Erkenntnismittel an.
122.
kliṣṭasthūlapravāhasya hīyamānasya nityaśaḥ ||122||
Übersetzung: Wenn die Erscheinung wechselt, ist daraus überall auch eine Schlussfolgerung möglich. Der grobe, leidvolle Strom nimmt beständig ab und ist zeitabhängig.
123.
dharmāntarasthitiḥ siddhā saṃsthitaḥ syeha dharmiṇaḥ ||123||
Übersetzung: Wer wollte dabei das Bestehen von Eigenschaften bestreiten? Das Auftreten einer anderen Eigenschaft setzt das Fortbestehen eines Trägers voraus.
124.
sādhyasādhanabhāvena vyavahārātmavartinā ||124||
Übersetzung: Dieser ist hier hinreichend erwiesen; warum gerätst du darüber in Verwirrung? Im praktischen Verhältnis von Ziel und Mittel ist er erforderlich.
125.
anavasthitavīryeṇa svarūpavyabhicāriṇā ||125||
Übersetzung: Ein bloßer Strom ohne beständige Eigenschaft, ohne bleibende Kraft und mit ständig wechselndem Eigenwesen kann dies nicht tragen.
126.
jagatyasminpratītaṃ syātkarma sarvatra ghuṣyate ||126||
Übersetzung: Mit einer Auffassung, die Sein und Nichtsein widersprüchlich behandelt, lässt sich der Gegenstand nicht sinnvoll beseitigen. In dieser Welt wird überall wirksames Handeln anerkannt.
127.
astyatra niścitaḥ kartā sa ca kāryeṇa sādhyate ||127||
Übersetzung: Dieses ist nicht ursachlos, sondern verweist auf eine Ursache. Ein Urheber ist daher bestimmt vorhanden und wird aus der Wirkung erschlossen.
128.
sidhyate muniśārdūla tadvadatrāpi kāraṇam ||128||
Übersetzung: Wie man aus einer vielfältigen Malerei an einer Wand auf einen Maler schließt, hervorragender Weiser, so wird auch hier die Ursache erwiesen.
129.
taduktaṃ sādhakendrasya vibhūtipratipādakam ||129||
Übersetzung: Das als Pradhana bezeichnete Tattva ist zu meditieren; durch seine Meisterung gilt die Welt als gemeistert. Dies wurde als Entfaltung der Kräfte des Sadhaka erklärt.
130.
yatsādhyāmarakanyakābhiratulaṃ premṇā samāliṅgitam |
aprakṣīṇavapurviyogarabhasā proddāmarāgānvitaṃ
Übersetzung: So ist die Tattva-Meditation in angemessener Kürze dargelegt. Durch sie erfreut sich der Yogi nach der Verheißung, von himmlischen Frauen liebevoll umarmt, mit ungeschwächtem Leib und machtvollem Verlangen an den erreichten Welten, getragen von den Strahlen seiner Yogakraft. Nun wird das Purusha-Tattva erklärt.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 4. Kapitel: Verwirklichung der Tattvas.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Yogapāda, Kapitel 5
Übersetzung: Erfahrung des Shiva-Tattva
1.
bhoktṛtvamabhilāṣākhyaṃ tacca rāge satīṣyate ||1||
†
Übersetzung: Purusha ist hier als der Erfahrende des Erfahrbaren zu verstehen, du Gelübdetreuer. Sein Erfahrendsein wird durch Verlangen bestimmt, und dieses setzt Raga voraus.
2.
saṃyogastatkṛtaḥ sargaḥ sa ca yuktyā virudhyate ||2||
†
Übersetzung: Denn wer ohne Verlangen ist, wird nicht auf diese Weise mit Prakriti verbunden. Die Behauptung, schon ihre bloße Verbindung bringe die Schöpfung hervor, widerspricht der hier vertretenen Begründung.
3.
buddhyādestattvasargasya tanmayo na vibhāvyate ||3||
†
Übersetzung: Die Seele ist von unwissenheitsartigen Zuständen stark geprägt. Deshalb wird sie im Tattva-Gefüge von Buddhi an nicht als davon unterschieden wahrgenommen.
4.
acaitanyaguṇātmāno nijacaitanyavatsthitāḥ ||4||
†
Übersetzung: Durch ihre Verbindung erscheinen Stolz und andere Zustände, obwohl sie unbewusste Eigenschaften sind, als besäßen sie selbst Bewusstsein.
5.
aṣṭāvapyupacīyante rāgaścetkardamādivat ||5||
†
Übersetzung: Im von Raga durchdrungenen Bewusstsein entfalten sich die acht Eigenschaften der Buddhi. Der Einwand vergleicht Raga mit einer äußeren Verschmutzung durch Schlamm.
6.
nānyathā śakyate kartumathavā nāsati kvacit ||6||
†
Übersetzung: Die Seele werde durch die aus Restprägungen entstandene äußere Anhaftung verunreinigt. Diese könne nicht ohne einen bestehenden Träger wirken; die Satzfolge ist teilweise unklar.
7.
śuklatvadharmadharmitvātpaṭastantubhirāñcitaḥ ||7||
†
Übersetzung: So werde sie durch Veränderungen von Dharma und Adharma beeinträchtigt. Als Vergleich dient ein aus Fäden gewobenes Tuch, dessen eigene Eigenschaft Weißsein ist.
8.
mataṅga uvāca —
†
Übersetzung: Es kann gefärbt werden, doch nicht ohne einen wirklichen Träger. Der Einwand beschreibt die Seele als jenseits der Gunas, vollkommen rein und ewig frei. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
9.
mano vijñānajaḥ sarvaprapañco'yaṃ sureśvara ||9||
†
Übersetzung: Wenn dies so ist, was sind dann Schöpfung und Befreiungsmittel? Der Gegeneinwand lautet: Diese ganze Entfaltung entsteht aus Geist und Erkenntnis, Herr der Götter.
10.
nityayukto yataḥ sākṣī vāsanātmopacaryate ||10||
†
Übersetzung: Kein Selbst wird gebunden oder befreit, weil es rein und stets als Zeuge gegenwärtig sei. Nur erklärend werde ihm die Gestalt der Prägungen zugeschrieben.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
11.
jñānātpradhvaṃsamāyāti nānyathā vastudarśanāt ||11||
†
Übersetzung: Es sei von anfangslosen Prägungen durchdrungen, und dies heiße Unwissenheit. Durch Erkenntnis werde diese vernichtet, nicht anders: So laute die Sicht der Wirklichkeit.
12.
tasmātkimavagacchāmo rāgāviddhaḥ pumānsadā ||12||
†
Übersetzung: Bei Unwissenheit besteht Verlangen, nach ihrem Untergang nicht mehr. Daraus folgt hier: Die Seele wird im gebundenen Zustand stets von Raga durchdrungen.
13.
prādhānikamacaitanyaṃ loṣṭavatparatantrakam ||13||
†
Übersetzung: Sie verbindet sich mit den Restprägungen der Geistestätigkeit. Das aus Pradhana Hervorgegangene ist unbewusst und abhängig wie ein Erdklumpen.
Übersetzung: Matanga sprach:
14.
puṃso'tiriktaṃ saṃkhyeyaṃ yadveyaṃ prākṛtaṃ tataḥ ||14||
†
Übersetzung: Was von Pradhana verschieden ist, mag auf der Seele beruhen. Was aber von der Seele verschieden und abzulegen ist, muss eigens eingeordnet werden und ist nicht ihr reines Wesen.
15.
heyaṃ cettadabhāvāttu puṃsaḥ kena nivāryate ||15||
†
Übersetzung: Wäre es der Seele angeboren, bliebe es untrennbar bestehen. Ist es ablegbar, wodurch wird es von der Seele ferngehalten, wenn man keinen eigenen Grund dafür annimmt?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
16.
kalādikañcukanyāyācchādito hyupacaryate ||16||
†
Übersetzung: Weil die Seele von den wirksamen, aus Maya hervorgehenden Prägungen bedeckt wird, spricht man entsprechend von ihren Hüllen, Kalā und den übrigen.
17.
mataṅga uvāca —
†
Übersetzung: Wenn Verunreinigung besteht, begehrt sie die aus Pradhana stammenden Erfahrungen, o Weiser. Welcher besondere Unterschied besteht dabei zwischen Maya und Pradhana und ihren Prägungen? (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
18.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Die weitere Verunreinigung ist von beiden unterschieden. Der Unterschied zwischen Erfahrbarem und Erfahrendsein ist dagegen bei diesen beiden bestimmt. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
19.
tatsamarthitasāmarthyaṃ kañcukena kalādinā ||19||
†
Übersetzung: Pradhana wird als das Erfahrbare erklärt, Erfahrendsein als geprägt. Seine Fähigkeit wird durch die Hüllen von Kalā an ermöglicht.
20.
guṇānāśritya bhūtāntaṃ bhūtaye sthūlatāṃ gatāḥ ||20||
†
Übersetzung: Die aus Karma-Reifung hervorgehenden Erfahrungen beruhen auf den durch Kalā offenbar gewordenen Gunas und werden bis zu den groben Elementen entfaltet.
21.
bhogabhoktṛtvasāmarthyaṃ prāpnoti munipuṅgava ||21||
†
Übersetzung: Durch die Macht von Kalā und den übrigen Hüllen erlangt die an sich feine Seele die Fähigkeit, Erfahrungen zu machen, hervorragender Weiser.
22.
dhyātavyo yogibhirnityaṃ khadyotākāravatsthitaḥ ||22||
†
Übersetzung: In diesem Zustand wird sie als Purusha bezeichnet. Yogis sollen sie stets wie ein Glühwürmchen leuchtend meditieren.
23.
viśuddhendriyasāmarthyaṃ bhauvanaṃ sumanoramam ||23||
†
Übersetzung: Durch ihre Meisterung entsteht eine schöne, dem Purusha entsprechende Vollendung: gereinigte Sinneskraft und ansprechende Welterfahrung.
24.
rāgato niyatiḥ siddhā kālaścaiva mahāmune ||24||
†
Übersetzung: Mit den Rudras verbunden erfreut sich der Yogi mit unerschöpfter Kraft. Oberhalb von Raga sind Niyati und Kala zu erkennen, großer Weiser.
25.
pūrvameva sunirṇītaṃ kramānmāyādipañcakam ||25||
†
Übersetzung: Niyati ist als ordnende Begrenzung unterhalb des Zeit-Tattvas zu verstehen. Die fünffache Ordnung bis Maya wurde bereits genau bestimmt.
26.
māyā māyāvinī puṃsaḥ satyāṃ yasyāmamī guṇāḥ ||26||
†
Übersetzung: Diese wende der Yogi ebenso zur Yoga-Vollendung an. Maya verhüllt die Seele; durch ihr Bestehen können die betreffenden Eigenschaften wirken.
27.
sāpi dhyānabalāttyājyā bhojyā vā bhuvanātmikā ||27||
†
Übersetzung: Mit der Macht ihrer eigenen Tätigkeit halten sie die Seelen fest. Auch Maya ist durch Meditationskraft zu überwinden oder als Weltenbereich zu erfahren.
28.
pumāneva samastoktyā māyātaḥ parikīrtitaḥ ||28||
†
Übersetzung: In der Fülle der Eigenschaften ihres Herrn genießt der Yogi unverkürzte Freuden. Zusammenfassend wurde der Bereich bis Maya als Purusha-Bereich erklärt.
29.
sarve rudrā mahātmānaḥ sadāśivamanusthitāḥ ||29||
†
Übersetzung: Darüber liegt, zusammenfassend gesprochen, das Ishvara-Tattva. Alle großen Rudras sind in Sadashiva gegründet.
30.
prakrīḍatyamitātmāsau tejomūrtirakhaṇḍitaḥ ||30||
†
Übersetzung: In ihren Gestalten spielt Shiva von unermesslicher Lebenskraft, dessen Leib aus fünf Mantras besteht: der grenzenlose Herr als ungeteilte Lichtgestalt.
31.
dhyāyettejomayaṃ spaṣṭaṃ tadyogāddhyānabhedataḥ ||31||
†
Übersetzung: Diese Herrschaftlichkeit besteht auch im Körper als Tattva. Man meditiere sie deutlich als Licht; durch die Verbindung und die jeweilige Meditationsform,
32.
catasro mūrtayaḥ proktā vyāpārātparataḥ sthitāḥ ||32||
Übersetzung: erlangt man nacheinander die großen Erfahrungen des reinen Adhvan. Vier Gestalten werden genannt, die jenseits der gewöhnlichen Tätigkeit bestehen.
33.
dhyāturunmīlane sarvaṃ jaganmāyātmakaṃ mahat ||33||
†
Übersetzung: Dies sind weitere feine Gestalten Ishvaras, von eigenem Licht und unermesslicher Kraft. Dem Meditierenden wird dadurch die ganze große Maya-Welt offenbar.
34.
yaddṛṣṭvā na punarmohakhedena paripīḍyate ||34||
†
Übersetzung: Durch diese Meditation sieht er das höchste, friedvolle Shiva-Tattva. Hat er es gesehen, wird er nicht wieder von der Mühsal der Verblendung bedrängt.
35.
prāpnoti paramaṃ sthānaṃ yattacchāśvatamuttamam ||35||
†
Übersetzung: Durch die feinen, im reinen Bereich bestehenden Ursachen des Ishvara-Tattvas erreicht er den höchsten, ewigen und vorzüglichen Zustand.
36.
mataṅga uvāca —
†
Übersetzung: Wer ihn erreicht, wird hier niemals wieder geboren. Pradhana, Purusha und Ishvara wurden für das Gedeihen des Erfahrenden erklärt. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
37.
teṣāṃ vibhāgaṃ rūpaṃ ca yathāvadvaktumarhati ||37||
†
Übersetzung: Für die Befreiung wurde das höchste, unvergängliche, unerschöpfliche und glückverheißende Tattva genannt. Matanga bittet: Erkläre ihre Einteilung und Gestalt genau.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
38.
tasmātpumāniha jñeyo niyatyāpyupabṛṃhitaḥ ||38||
†
Übersetzung: Die Antwort: Pradhana ist als vierundzwanzigfaches Tattva erklärt. Davon unterschieden ist Purusha zu erkennen, unterstützt auch von Niyati.
39.
sopabhogāya rudrāṇāṃ vidhātrā racitā sphuṭā ||39||
†
Übersetzung: Die Tattva-Ordnung ist als Weltenordnung gestaltet. Der Herr hat sie deutlich zur Erfahrung der Rudras hervorgebracht.
40.
mantrayogavidhānotthavīryeṇātha mahātmanā ||40||
†
Übersetzung: Mit unfehlbaren, machtvollen Strahlen regt er Maya an, durch die große Kraft, die im Mantra- und Yoga-Verfahren wirksam wird.
41.
paśoḥ paśutvametaddhi tattattvenopacaryate ||41||
Übersetzung: So entstehen vielfältige Erfahrungseigenschaften, hervorragender Weiser. Dieses Gebundensein der Seele wird als ihr entsprechender Tattva-Zustand bezeichnet.
42.
sthūlenāśuddhavīryeṇa pariṇāmaguṇātmanā ||42||
†
Übersetzung: Das Erfahrendsein wird durch die Maya-haften Hüllen von Kalā an verliehen. Der grobe Bereich besitzt unreine Kraft und veränderliche Eigenschaften.
43.
kalātotpannasadbhāvasvātmanā ca vaśīkṛtān ||43||
†
Übersetzung: Auch feine Zustände wie Verblendung bedrängen die Seele. Mit dem durch Kalā hervorgetretenen eigenen Vermögen eignet sie sich ihre Erfahrungen an.
44.
bhuṅkte pradhānamāśritya paripākamupāgatān ||44||
†
Übersetzung: Sie genießt, auf Pradhana gestützt, die selbst erworbenen Gegenstände, die durch Kalā offenbar geworden und zur Reifung gelangt sind.
45.
puṃpradhānasamutthābhirvṛttibhiryaḥ pravartate ||45||
Übersetzung: Dieser Erfahrende heißt Purusha und folgt dem Willen der höchsten Ursache. Er wirkt durch Tätigkeiten, die aus Purusha und Pradhana hervorgehen.
46.
tattattvaṃ pauruṣaṃ viddhi pradhānādupalabhyate ||46||
†
Übersetzung: Als Verkörperter erscheint er etwa als Sprecher oder Hörer. Dies erkenne als Purusha-Tattva, das im Unterschied zu Pradhana erfasst wird.
47.
vyastaṃ bhuvanamārgeṇa vyākhyātaṃ krīḍanāya vai ||47||
Übersetzung: Darüber ist das Ishvara genannte Tattva zu verstehen. Nach dem Weltenweg wurde es für das freie göttliche Spiel gegliedert erklärt.
48.
nānābhogavilāsena kṛtvātmānamanekadhā ||48||
Übersetzung: Mit dem Wort Isha ist der erhabene Sadashiva bezeichnet. Um vielfältige Erfahrungen spielerisch zu entfalten, gestaltet er sich auf vielerlei Weise.
49.
caturvidhena mārgeṇa kṣetrajñānugrahaṃ prati ||49||
Übersetzung: Als Einer spielt er in Rudra-Gestalten mit ungeschwächter Kraft. Durch den vierfachen Weg wendet er sich der Begnadung der Seelen zu.
50.
buddhimatkāraṇaṃ nityaṃ suprasannākṣagocaram ||50||
†
Übersetzung: Er selbst lehrt die höchste Erkenntnis, die Unwissenheit beseitigt. Er ist die stets bewusste Ursache, klarer Wahrnehmung zugänglich.
51.
krīḍantastanniyogena vidyāvidyeśvarāśca ye ||51||
Übersetzung: Er ist von Shaktis getragen, deren Kraft aus seiner eigenen Souveränität hervorgeht. Die Vidyas und Vidyeshvaras wirken auf seinen Auftrag hin.
52.
sthānabhedātkriyā bhedātkāryakāraṇabhedataḥ ||52||
Übersetzung: Sie werden zu Hunderten und Tausenden unterschieden, nach Ort, Tätigkeit und dem Verhältnis von Ursache und Wirkung.
53.
aprāpyātmabalopetāḥ sarve khaṇḍendumaulayaḥ ||53||
†
Übersetzung: Auch ihre Ämter unterscheiden sich. Sie leuchten wie zehntausend Sonnen, besitzen unerreichbare Eigenkraft und tragen alle die Mondsichel im Haar.
54.
bhogamokṣapradāḥ sarve sarve'luptavapuṣmataḥ ||54||
Übersetzung: Alle nehmen verschiedene Gestalten an, sind allwissende Herren, gewähren Erfahrung und Befreiung und besitzen unverminderte Gestaltkraft.
55.
tathāpi tadbalāveśādvyaktaṃ krīḍayataḥ prabhoḥ ||55||
†
Übersetzung: Obwohl ich zuvor von den Tätigkeiten der Rudra-Seelen gesprochen habe, werden sie doch durch die Kraft des spielenden Herrn offenbar.
56.
sa eva tadvijānāti yatastenaiva bhāṣitam ||56||
Übersetzung: Er selbst ist diese Kraft, dieses Sein und das untadelige Wesentliche. Er selbst erkennt es, und deshalb ist es von ihm gelehrt worden.
57.
yasmāttasmātprapattavyaṃ satyamīśvarabhāṣitam ||57||
Übersetzung: Die ganze bewegte und unbewegte Welt liegt dem Herrn unmittelbar offen. Deshalb ist Ishvaras Wort als wahr anzunehmen.
58.
mohādināparikliṣṭaguṇaistuṣṭyucitātmabhiḥ ||58||
†
Übersetzung: Herrschaftlichkeit heißt Ishvara-Sein und unterscheidet sich vom Gebundensein. Sie zeigt sich an Eigenschaften, die nicht von Verblendung bedrängt und der Zufriedenheit angemessen sind.
59.
bhogabhoktṛtvabhāvena vibhinnamupacaryate ||59||
Übersetzung: So ist sie zu erkennen, hervorragender Weiser. Die Seele hängt stets von ihr ab; Erfahrbares und Erfahrendsein werden als unterschiedliche Bereiche bezeichnet.
60.
catasro mūrtayaḥ sūkṣmāstā avāpya mumukṣavaḥ ||60||
Übersetzung: Die vier zuvor genannten feinen Gestalten des spielenden Gottes Sadashiva werden von Befreiungssuchenden erreicht.
61.
ramanti sūkṣmavibhavā yathā vacmi munīśvara ||61||
Übersetzung: Mit Yogakraft ausgestattet oder durch Einweihung dorthin geführt, erfreuen sie sich feiner Vollkommenheiten, wie ich erkläre, Herr der Weisen.
62.
na śivatvamanuprāptāsteṣāṃ dharmo'dhunocyate ||62||
Übersetzung: Alle sind Sadashiva ähnlich, doch keine höchsten Ursachenherren. Sie haben das endgültige Shiva-Sein noch nicht erreicht. Nun werden ihre Zustände beschrieben.
63.
sāmīpyāḥ śāntinilayā jñānakevalino matāḥ ||63||
Übersetzung: Sarupya, Gleichgestaltigkeit, wird dem oberen Shanti-Bereich und den in Shantyatita Ruhenden zugeordnet. Samipya, Nähe, gehört zum Shanti-Bereich; diese gelten als Jnana-Kevalins. Die erste Zuordnung ist nicht völlig eindeutig.
64.
yogakevalinaste'pi tantre'sminparibhāṣitāḥ ||64||
Übersetzung: Salokya, gemeinsames Wohnen in derselben Welt, gehört zu Vidya. Die darunter Ruhenden werden in diesem Tantra auch als Yoga-Kevalins bezeichnet; der genaue Anschluss bleibt offen.
65.
kāmyāścaiva nivṛttisthā mūrtikevalinaḥ smṛtāḥ ||65||
†
Übersetzung: Sannidhya, unmittelbare Gegenwart, gehört zu Pratishtha; diese gelten als Shakti-Kevalins. Die wunschbezogen in Nivritti Ruhenden werden Murti-Kevalins genannt.
66.
mūrtikevalinaste'pi śeṣā rudrāḥ prakīrtitāḥ ||66||
Übersetzung: Auch die im Sadakhya-Tattva bestehenden Seelen heißen Murti-Kevalins. Die übrigen werden als Rudras bezeichnet.
67.
ebhyo hyekaḥ paraḥ sūkṣmaḥ kāryakāraṇagocarāt ||67||
Übersetzung: Diese Befreiung wird in sieben Arten unterschieden. Eine davon ist die höchste und feinste, jenseits des Bereichs von Ursache und Wirkung.
68.
eko nirīśvaraḥ svasthaḥ ṣaḍanye seśvarā matāḥ ||68||
Übersetzung: Sie ist vollkommen, frei und nach allen Seiten offen. Diese eine steht unter keinem weiteren Herrn und ruht in sich; die sechs anderen besitzen noch einen übergeordneten Herrn.
69.
pralaye pralayākhyāstu te'pi kevalino matāḥ ||
Übersetzung: Andere, deren Kräfte gehemmt sind, werden als gröbere Unterschiede genannt. Die während der Weltauflösung Ruhenden heißen Pralaya-Kevalins. Alle, die weiterhin Erfahrungen begehren, gelten als Wesen im Samsara.
70.
pradīpakaḥ samyagupāttavīryaḥ |
uktaḥ śivārthe hyadhunā tavetthaṃ
†
Übersetzung: So ist dir der durch die Fülle der Meditation erhellte Tattva-Weg mit seiner wirksamen Kraft zum Ziel Shiva erklärt. Nun werde ich die vielfältigen rituellen Anwendungen zum Gedeihen darlegen.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 5. Kapitel: Erfahrung des Shiva-Tattva.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Yogapāda, Kapitel 6
Übersetzung: Yoga des Wirkens
1.
vicitrakarmasaṃtānaṃ viśiṣṭakaraṇātmakam ||1||
Übersetzung: Nun erkläre ich kurz die vielfältige Folge von Handlungen, die auf besonderen inneren Verfahren beruhen und verschiedene Vollendungsfrüchte gewähren.
2.
teṣāṃ jayaḥ prakartavyaḥ prathamaṃ yoginā sadā ||2||
Übersetzung: Die fünf Lebenswinde von Prana an durchziehen die bedrängte Welt. Zuerst soll der Yogi sie stets meistern.
3.
āpūrayejjagatpaścātpūrayitvā ca dhārayet ||3||
†
Übersetzung: Er lasse den Atem vollständig austreten, halte ihn an und fülle danach langsam die Welt in der Vorstellung; nach dem Füllen halte er ihn wiederum fest.
4.
kṣaṇātpradhvaṃsamāyānti yogino yogavartmani ||4||
Übersetzung: Die durch den Atem bewegten Störungen von Vata, Pitta und Kapha vergehen nach der Verheißung augenblicklich beim Yogi auf dem Yogaweg.
5.
cakravanmaṇḍalaṃ dhyāyennābhinemi samanvitam ||5||
Übersetzung: Sind die Störungen geschwunden, halte der Yogi den Atem im Nabelbereich und meditiere ein radförmiges Mandala mit Nabe und Felge.
6.
nābheḥ pradakṣiṇaṃ gacchadātmānaṃ paricintayet ||6||
†
Übersetzung: In seiner Mitte werde er gleichsam selbst zum Wind und vergegenwärtige sich als rasch im Uhrzeigersinn um den Nabel kreisend.
7.
nābhideśāddhṛdi sthāpya tvanilaṃ kamalodare ||7||
†
Übersetzung: Wenn dies zur Ruhe gekommen ist, hebe er den Wind vom Nabel zum Herzen und setze ihn in das Innere des Herzlotus.
8.
vegavaddakṣiṇāvartaṃ yāvanniścalatāṃ vrajet ||8||
Übersetzung: Dort übe er wie zuvor das schnell rechtsherum kreisende Rad im Mandala des Herzraums, bis es unbeweglich wird.
9.
jitaprāṇastato yogī lalāṭasthaṃ vidhārayet ||9||
Übersetzung: Dasselbe Verfahren ist nacheinander an Hals, Gaumen und Stirn anzuwenden. Nach der Meisterung des Prana halte der Yogi es im Stirnbereich fest.
10.
kaṇṭhahṛnnābhicakrāṇāṃ krama eṣa prakīrtitaḥ ||10||
Übersetzung: Dann vereinige er das Rad in der Gaumenmitte und übe dort. Anschließend folgt dieselbe Reihenfolge für Hals-, Herz- und Nabelrad.
11.
prāṇādyā vaśatāṃ yānti samyagvegavaśavartibhiḥ ||11||
†
Übersetzung: Bei dem beständig so übenden Yogi, der ganz darin aufgeht, gelangen Prana und die übrigen Lebenswinde durch richtig geführte Bewegung unter seine Herrschaft.
12.
rugjarākṣutpipāsādyairdoṣairna paribhūyate ||12||
Übersetzung: Körperglanz, Tatkraft und Einsicht entstehen. Krankheit, Alter, Hunger, Durst und ähnliche Störungen sollen ihn nach der Lehre nicht mehr überwältigen.
13.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Der auf dem Yogaweg ruhende Yogi wird von Hindernissen nicht beschädigt. Matanga fragt: Wer bereits von Shivas Licht durchdrungen ist, höchster Herr,
14.
bādhyate cettataḥ kaṣṭaṃ mukterapyatra saṃśayaḥ ||14||
Übersetzung: müsste durch dessen Macht doch alle Hindernisse überwunden haben. Wird er dennoch bedrängt, entsteht sogar Zweifel an seiner Befreiung.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
15.
vyaktā yaṃ pratyanāyāsamanivartakatejasā ||15||
†
Übersetzung: Die Antwort: Wem Shakti mit unüberwältigter Kraft und unwiderruflichem Licht mühelos offenbar wird, dem Willen der höchsten Ursache folgend,
16.
paripākaṃ śarīrasya dharmādharmātmakasya sā ||16||
Übersetzung: den führt sie notwendig nach oben. Sie berücksichtigt jedoch das noch Auszureifende des Körpers, der aus Dharma und Adharma besteht.
17.
samudyatasya yo bhoktuḥ pravṛttasya ca kutracit ||17||
†
Übersetzung: Hindernisfreiheit und Hindernis haben ihren Zugang durch heilsames und unheilsames Karma. Wenn ein Erfahrender sich zu einer bestimmten Handlung aufmacht,
18.
siddhyupetasya yatproktaṃ vidhānaṃ mantriṇo mune ||18||
Übersetzung: und sie entgegen seiner Absicht unterbrochen wird, heißt dies Hindernis. Das für den nach Mantra-Vollendung Strebenden erklärte Verfahren, o Weiser,
19.
na ca tatra prakartavyamanudhyānaṃ śivātmakam ||19||
Übersetzung: kann gerade durch seine Vollendung zum Hindernis für Befreiung werden. Dort ist die auf Shiva gerichtete Meditation nicht als derselbe Zweck anzusetzen; der letzte Satz ist auslegungsbedürftig.
20.
siddhirmantrātmikā tasyāpyabhiyuktasya nityaśaḥ ||20||
†
Übersetzung: Bei dem so durch Dharma gestärkten, verdienstvollen und beständig übenden Menschen entfaltet sich die Mantra-Vollendung.
21.
na vighnā nopasargāśca vidhivaikalyameva vā ||21||
Übersetzung: Für den Sadhaka, der auf dem vorgeschriebenen Handlungsweg lebt, entstehen keine Hindernisse oder Bedrängnisse, sofern das Verfahren nicht mangelhaft ist.
22.
te'pi mantrabalātkṣipraṃ dhvaṃsamāyānti suvrata ||22||
Übersetzung: Bei Fehlern im Verfahren treten Vinayakas als Störmächte auf. Doch auch sie vergehen rasch durch Mantrakraft, du Gelübdetreuer.
23.
avekṣya bhagavānkarma yogyatvaṃ bandhavān yataḥ ||23||
†
Übersetzung: Deren Kraft lässt sich nicht allein mit groben menschlichen Erklärungen beurteilen. Der Herr berücksichtigt Karma, Eignung und Bindungen.
24.
yatroktasādhakendrāṇāṃ bhuktabhogakṣayātmanām ||24||
†
Übersetzung: Entsprechend gewährt er den Sadhakas Erfahrungen, die noch mit Furcht verbunden sind. Für diejenigen, deren zu genießende Erfahrungen erschöpft sind,
25.
nānudhyānādṛte so'pi yāvattaddehamādarāt ||25||
Übersetzung: ist Befreiung nach dem Ende des Körpers zu erklären, nicht anders; auch sie geschieht nicht ohne Meditation. Solange er diesen Körper sorgfältig bewahrt,
26.
tāvatprakrīḍamānaḥ sanna vighnairabhibhūyate ||26||
Übersetzung: durch Mantrakraft oder den aus innerer Ausrichtung entstehenden Yoga, kann der Sadhaka darin wirken, ohne von Hindernissen überwältigt zu werden.
27.
bhinnadehaḥ sa tatraiva bhuktvā bhogānanekadhā ||27||
Übersetzung: Der durch Einweihung mit dem Sadashiva-Tattva verbundene Sadhaka erfährt nach dem Ende seines Körpers dort vielfältige Genüsse.
28.
seśvaratvānmunivyāghra sarveśastasya līlayā ||28||
Übersetzung: Danach geht er dort ein, ohne Zweifel. Er ist befreit, doch kein unabhängiger Herr, weil noch ein Herr über ihm steht, hervorragender Weiser.
29.
yogayuktsavighneṣu lalāṭasamayācciram ||29||
†
Übersetzung: Der Allherr kann ihm spielerisch ein bestimmtes Amt verleihen oder ihn zum ursprünglichen Zustand führen. Bei Hindernissen meditiere der Yogi längere Zeit im Stirnbereich.
30.
saṃpaśyannirdahedvighnānsthiradhīḥ prayatātmavān ||30||
Übersetzung: Dort vergegenwärtige er das höchste Licht und verbrenne die Hindernisse mit dem daraus hervorgehenden Blick, standhaft und gesammelt.
31.
karoti yogayukkṣipraṃ taṃ pravakṣyāmi te'dhunā ||31||
Übersetzung: Durch diese Meisterung des Atems vollzieht der Yogi rasch vielfältige Wirkungen wie im Spiel. Dies werde ich dir nun erklären.
32.
dhyātvātmānaṃ vinodūrdhvaṃ mārgeṇātimahaujasā ||32||
†
Übersetzung: Er meditiere sich auf dem Fruchtboden des Herzlotus, leuchtend wie ein Glühwürmchen, und führe sich auf dem machtvollen Weg nach oben; ein Bewegungswort ist unsicher.
33.
udayādityasaṃkāśaṃ tanmadhye karṇikāṃ śubhām ||33||
†
Übersetzung: Bis zum vierten Zustand, Turiya, steige er auf. Dort meditiere er einen mächtigen Lotus, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit einem schönen Fruchtboden in der Mitte.
34.
tatsthaḥ saṃpaśyate siddhānvasūnrudrānsabhāskarān ||34||
Übersetzung: Diesen betrachte der Yogi und trete ein, nachdem er die Knoten durch Udghata geöffnet hat. Dort sieht er Siddhas, Vasus, Rudras und die Sonnengötter.
35.
paśyedvimānayānaughasaṃsthāne vyomanyanekadhā ||35||
†
Übersetzung: Auch Sterne, Planeten und himmlische Wesen sieht er in den vielfältigen Anordnungen von Wagen und Fahrzeugen im Raum.
36.
dhyānena vartulīkṛtvā hṛtpradeśe suniścalam ||36||
Übersetzung: Mit ihnen genießt der Verständige lange große Erfahrungen. Für die nächste Übung forme er durch Meditation im Herzen einen ganz unbeweglichen Kreis.
37.
kṣaṇādvajraśarīraḥ syāddevairapi na dhṛṣyate ||37||
†
Übersetzung: Er meditiere die Bindu-Gestalt als gelbes, dichtes und schweres Mandala. Dadurch werde sein Körper augenblicklich vajragleich und selbst von Göttern nicht angreifbar.
38.
cakrākāraṃ sa yogīndro yāṃ yāṃ diśamaśāṅkitaḥ ||38||
Übersetzung: Diese deutliche, sehr helle Radgestalt lasse er rasch nach außen treten. In welche Richtung der Yogi dann unerschrocken blickt,
39.
nābhyutthena mahātejāḥ śikhāsaṃghaṭṭasarpiṣā ||39||
†
Übersetzung: diese werde nach der Verheißung stillgestellt, hervorragender Weiser. Eine weitere Übung vergegenwärtigt den aus dem Nabel hervorgehenden großen Glanz mit sich berührenden Flammen.
40.
sāṭopena sutīvreṇa krodharandhravinirgamāt ||40||
†
Übersetzung: Er gleicht rauchloser Glut, besteht aus raschen Strahlen und tritt heftig aus einer als Zornöffnung bezeichneten Stelle aus.
41.
saṃharanniva sarveṇa jvalamānena bhūriṇā ||41||
Übersetzung: Man meditiere diesen reinen austretenden Glanz und umhülle damit die Welt, als würde man sie mit der ganzen großen Feuermasse auflösen.
42.
ātmānamamṛtaprakhyamamṛtormisamākulam ||42||
Übersetzung: Die Welt erscheint dabei von heftiger Hitze gequält, brennend und erschüttert. Sich selbst denke man als Amrita, von Nektarwellen umgeben.
43.
asmāddhyānājjagatkṣipraṃ vaśameti carācaram ||43||
Übersetzung: Der Verständige vergegenwärtige, wie er in diese ganze Welt eintritt. Durch diese Meditation komme die bewegte und unbewegte Welt rasch unter seine Macht, so die Lehre.
44.
proccāṭanaṃ suraktena kṣaṇādākarṣaṇaṃ bhavet ||44||
†
Übersetzung: Eine rauchartige Gestalt wird dem Erzeugen von Feindschaft zugeordnet, eine gelbbraun gesprenkelte der Vertreibung und eine kräftig rote dem Heranziehen.
45.
bindunā māraṇaṃ proktaṃ śāntikarma śivātmanā ||45||
†
Übersetzung: Weiß gilt als liebeerzeugend, ein schwarzer Bindu wird dem Tötungsritual zugeordnet. Befriedung geschehe in Shiva-Gestalt.
46.
tatra tatra layaḥ kāryo manasaḥ prayatātmanā ||46||
Übersetzung: Wohin der mit Yogakraft ausgestattete Yogi gelangen möchte, dorthin lasse er gesammelt seinen Geist eingehen.
47.
samāviśyāthavā svasthaḥ karṇikāyāṃ tu pūrvavat ||47||
†
Übersetzung: Wenn der Geist dort angekommen ist, gelangt der Yogi nach der Lehre augenblicklich selbst dorthin. Oder er trete wie zuvor in den Fruchtboden ein und ruhe dort in sich.
48.
sphuradraśmisahasrāḍhyaṃ dhyānayuktena cetasā ||48||
†
Übersetzung: Mit meditativ gesammeltem Geist vergegenwärtige er sich rein wie eine kugelige Kadamba-Blüte, reich an tausend flimmernden Strahlen. Nach dieser Strophe vermutet die Edition eine Textlücke.
49.
ākuñcitāgrā vispaṣṭāḥ svadehānmunisattama ||49||
Übersetzung: Aus seinem eigenen Leib treten hell leuchtende Kräfte hervor, von der Farbe einer Hibiskusblüte, mit eingekrümmten Spitzen deutlich sichtbar, bester Weiser.
50.
ākṛṣya ceṣṭayedyogī tena vā sūkṣmavartmanā ||50||
†
Übersetzung: Mit ihnen ziehe der Wissende die bewegte und unbewegte Welt an sich und setze sie in Bewegung. Oder er gehe auf diesem feinen Weg weiter.
51.
lalāṭasamayaṃ prāpya vyomarūpamathojjvalam ||51||
†
Übersetzung: Von Shivas Shakti angetrieben gelange er zum gewünschten Ort. Nach dem Erreichen des Stirnbereichs vergegenwärtige er eine leuchtende Raumgestalt.
52.
śaṅkhakundendudhavalaṃ hṛdvyomakamalodare ||52||
Übersetzung: Durch seinen Blick könne er selbst einen vajraharten Pfosten spalten. Für eine andere Übung meditiere man im Herzlotus etwas Weißes wie Muschel, Jasmin und Mond.
53.
īṣatpradakṣiṇaṃ nityaṃ na mṛtyorvaśamāpnuyāt ||53||
†
Übersetzung: Es sei vom höchsten Amrita überflutet, durchdringe den Geist und kreise leicht nach rechts. Dadurch gerate man nach der Verheißung nicht unter die Macht des Todes.
54.
niṣkampaṃ niyato yogī yogibhirnopalabhyate ||54||
Übersetzung: Meditiert der beherrschte Yogi eine pfauenhalsfarbene Gestalt, setzt sie im Geist ein und hält sie unbewegt, werde er selbst von Yogis nicht wahrgenommen.
55.
tattatsarvamavāpnoti dhyānānmunivareśvara ||55||
Übersetzung: Wozu hier viele Worte? Was immer er auf Erden begehrt, erlangt er nach der Verheißung durch Meditation, Herr der Weisen.
56.
krīḍannapi viśedyogī śarīrāṇi sahasradhā ||56||
†
Übersetzung: Nach regelgerechter Meisterung der Lebenswinde durch Zeit und beständiges Aufgehen kann der Yogi spielerisch in tausend Körper eintreten.
57.
yatra yatra layaṃ samyakprakaroti sa yogayuk ||57||
†
Übersetzung: Mit seiner windartigen Kraft tritt er mühelos wieder aus. Wo immer der Yogi vollständig eingeht,
58.
yathāgnirdārusaṃbhūtaḥ pradyotayati cetalam ||58||
†
Übersetzung: dort erlangt er die gewünschten Erfahrungen, hervorragender Weiser. Wie ein aus Holz entstandenes Feuer den Raum erhellt,
59.
prakāśayati viprendra susūkṣmānapi gocarān ||59||
Übersetzung: wenn sein Brennstoff gut entzündet ist, so erhellt der mit Yogakraft verbundene Geist selbst die feinsten Bereiche, bester Brahmane.
Übersetzung: Matanga sprach:
60.
draṣṭavyastena so'bhyāsātsarvatraiva vijṛmbhate ||60||
Übersetzung: Shiva, alldurchdringend und fein, ist mit sicherem Geist zu schauen. Durch diese Übung offenbart er sich überall.
61.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Matanga fragt: Wie wird der Erhabene meditiert, wenn er doch jenseits des Geistes steht? Die Antwort: Während das gewöhnliche Denken zurücktritt, wird dem Meditierenden eine andere, sehr reine Erkenntnis offenbar.
62.
dhyātuḥ saiva parā kāṣṭhā tattejodyotitātmavān ||
†
Übersetzung: Durch sie erkennt er jenen Zustand. Sie ist die höchste Vollendung des Meditierenden; von ihrem Licht erhellt sieht er das Sichtbare mit seinem Sehen wie im Spiegel, du Gelübdetreuer.
63.
citraṃ vibhūtyai hyakhilaṃ hi karma |
udghātasādhyaṃ sakalaṃ munīndra
Übersetzung: Damit habe ich den Yogaweg und seine vielfältigen Wirkungen zur Entfaltung der Kräfte erklärt. Weil all dies durch Udghata verwirklicht wird, Fürst der Weisen, werde ich nun dessen Verfahren darlegen.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 6. Kapitel: Yoga des Wirkens.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Yogapāda, Kapitel 7
Übersetzung: Verfahren des Udghata
1.
samyagvāyorniruddhasya koṣṭhasthasya calātmanaḥ ||1||
Übersetzung: Nun werde ich dir das Udghata-Verfahren der Reihe nach erklären. Der bewegliche Atem wird im Körperraum richtig angehalten.
2.
brahmarandhrābjasaṃprāptiḥ śanairākṛṣya dhāraṇāt ||2||
†
Übersetzung: Seiner eigenen Bewegung folgend strebt er nach oben. Durch langsames Heranziehen und Halten erreicht er den Lotus der Scheitelöffnung.
3.
ūrdhvamāghātadharmatvātsāṭopādgranthibhedanāt ||3||
†
Übersetzung: Er breitet sich im Bauchraum aus und wird am Nabel leicht bewegt. Weil er nach oben wirkt und die Knoten kraftvoll durchbricht,
4.
yoge yuktastu sarvāṇi karmāṇyasminkaroti hi ||4||
Übersetzung: und weil er sie öffnet, heißt er Udghata, „Öffnung“ oder „Aufstoß“. Der im Yoga Gesammelte vollzieht damit die hier genannten Wirkungen.
5.
tallayojitavīryeṇa samabhyasya muhurmuhuḥ ||5||
†
Übersetzung: Es dient dem Yogi als Hilfe zur Vollendung, bester Brahmane. Mit der durch das Aufgehen darin gewonnenen Kraft übe er es wiederholt.
6.
purasaṃkramaṇe nyāyo yo'dhunā te mayocyate ||6||
Übersetzung: Wenn es unter seiner Herrschaft steht, erlangt er die gewünschte Frucht. Das nun erklärte Verfahren des Eintretens in eine andere „Stadt“, einen anderen Körper,
7.
jitodghātaḥ prasannātmā yogī labdhasamādhikaḥ ||7||
Übersetzung: gelingt nach der Lehre rasch durch Udghata, nicht anders, o Weiser. Der Yogi habe Udghata gemeistert, sei heiter und habe Samadhi erlangt.
8.
adhordhvaṃ niyato bhūtvā samākṛṣya śanaiḥ śanaiḥ ||8||
†
Übersetzung: Er ziehe die Lebenswinde regelgemäß zusammen und halte sie im Fruchtboden. Gesammelt führe er sie von unten und oben langsam heran.
9.
bhautikebhyo'tiriktebhyaḥ sthūlasūkṣmātmakāni ca ||9||
†
Übersetzung: Die groben und feinen Trägerbereiche, die sich von den materiellen Bestandteilen unterscheiden und einzeln ausgebreitet sind,
10.
svātmanyevātmasaṃsthāni kartavyānyucitaṃ yataḥ ||10||
Übersetzung: nehme er durch Yogakraft aus ihren jeweiligen besonderen Sitzen zurück. Sie sollen in ihm selbst ruhen, wie es ihrem eigentlichen Halt entspricht.
11.
līlayaiva viniṣkramya krīḍayitvā ca bhūriśaḥ ||11||
Übersetzung: Dieser Halt ist die Stätte des eigenen Ich-Bezugs, Brahmane. Darin ganz gesammelt könne er spielerisch austreten und vielfältig wirken.
12.
mataṅga uvāca —
†
Übersetzung: Danach tritt der Yogi unbesorgt wieder in seinen eigenen Körper ein. Matanga bittet um eine deutliche Erklärung dieser Yoga-Folge.
13.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Dadurch möge der Weg für die Yogis klar werden, Herr. Die Antwort nennt als Übungsziel einen Samen, eine Frucht, eine Blume oder eine schöne Lampe.
14.
prodghātairbahubhirjitvā bahulakṣaṃ samāviśet ||14||
†
Übersetzung: Wie zuvor mache man das Bewusstsein offenbar und richte es auf das Ziel. Durch wiederholte Udghatas werde die Ausrichtung gemeistert und das äußere Ziel innerlich betreten.
15.
divyena cakṣuṣā dhyātvā dehaṃ jānātyasaṃśayam ||15||
†
Übersetzung: Wenn der Same oder der andere Gegenstand sich bewegt, gilt er als so erfüllt. Mit göttlichem Auge meditiert erkennt der Yogi den betreffenden Körper sicher.
16.
śaknoti gantumāgantuṃ bhūyo bhūyo'nivāritaḥ ||16||
Übersetzung: Er erkennt ihn mühelos als den eigenen. Durch wiederholte aufmerksame Übung könne er ungehindert gehen und zurückkehren.
17.
natvā devaṃ vibhuṃ śāntaṃ prāṇāyāmādibhiḥ śanaiḥ ||17||
Übersetzung: Nach dem Erkennen seiner eigenen Kraft verneige sich der so Vollendete vor dem friedvollen, allgegenwärtigen Gott und richte sich aufmerksam aus.
18.
lakṣyadṛkprāptasāmarthyo yogayugvāyumulbaṇam ||18||
Übersetzung: Zuerst reinige er seinen eigenen Körper behutsam durch Atemregelung und weitere Übungen. Danach beginne er die Meditation, im gerichteten Sehen des Ziels gefestigt.
19.
nāsāgrarandhrayormadhye samudyenānyathā mune ||19||
†
Übersetzung: Den kräftigen Atem lasse er fein und langsam auf geeignete Weise durch eine Haarpore austreten. Die folgende Aussage über den Bereich zwischen den Nasenöffnungen ist unsicher.
20.
tataḥ śavaṃ samādeyaṃ nirvraṇaṃ prayataḥ sudhīḥ ||20||
†
Übersetzung: Eine fehlerhafte Ausführung wird als stark krankheitsbringend bezeichnet, richtige Lösung als befreiend von Beschwerden. Danach nennt die historische Vorschrift einen unbeschädigten Leichnam als Ziel.
21.
kṛtvā saṃbhavato vātha gandhādibhiralaṃkṛtam ||21||
†
Übersetzung: Auch der Körper eines Tieres, Vogels oder Wildtiers wird genannt. Er werde durch die Dharanas gereinigt und nach Möglichkeit mit Duft und weiteren Gaben versehen.
22.
yoktuḥ prāṇajayātsarvaṃ prasidhyatyavicāritam ||22||
Übersetzung: Übermäßige Anstrengung für äußere Reinheit und Ähnliches sei hier nicht erforderlich. Durch die Meisterung des Atems gelinge dem Yogi alles, so die bestimmte Aussage.
23.
na cāvasthā tu śaucāya yuktireva garīyasī ||23||
†
Übersetzung: Auch durch Meisterung des Geistes und sehr klare Unterscheidung. Nicht die äußere Verfassung allein bestimme hier Reinheit; entscheidend sei das richtige innere Verfahren.
24.
catuṣkalamasaṃdigdhaṃ puryaṣṭakasamanvitam ||24||
Übersetzung: Im Hohlraum des Herzknotens vergegenwärtige er das vierfach gegliederte, mit dem subtilen achtteiligen Leib verbundene Wesen, weiß wie Muschel, Jasmin und Mond.
25.
nirviśaṅkaḥ prasannātmā śanairākṛṣya vegavān ||25||
Übersetzung: Es werde als von Ishvara getragen, göttlich, klar bewusst und untadelig gedacht. Unerschrocken und heiter ziehe der Yogi es langsam und kraftvoll zusammen.
26.
anyena vā jitaprāṇaḥ srotasā sādhakottamaḥ ||26||
†
Übersetzung: Nach vollständiger Meditation samt Herz könne er durch eine Nasenöffnung eintreten oder, als Meister des Atems, durch einen anderen Kanal.
27.
yataḥ sarvāṇi hṛddeśātprādurbhūtānyanekadhā ||27||
Übersetzung: Auch eine sehr feine Haarpore wird genannt. Denn alle Kanäle sind auf vielfältige Weise aus dem Herzbereich hervorgegangen.
28.
gatvā taddhṛdayaṃ yogī sveṣu sveṣu vinikṣipet ||28||
Übersetzung: Deshalb besteht hier keine ausschließliche Festlegung eines Zugangs. Nach dem Erreichen des fremden Herzens setze der Yogi die grundlegenden Vermögen an ihre jeweiligen Plätze.
29.
tenāpūrvaṃ jagatsarvaṃ lilaṅghayiṣya mārutam ||29||
†
Übersetzung: Dann vergegenwärtige er das höchste Licht. Damit fülle er die ganze Welt und führe den Atem weiter; die genaue Bewegungsbeschreibung ist nicht gesichert.
30.
pūrvavatsarvabhūtāni nibiḍaṃ dīptimatsphuṭam ||30||
†
Übersetzung: Er reinige alle Tore der jeweiligen Sinnestätigkeiten. Wie zuvor vergegenwärtige er alle Elemente als dicht, hell und deutlich.
31.
śavasyāṅgāni sarvāṇi vaśīkṛtya tataḥ sudhīḥ ||31||
†
Übersetzung: Mit der aus entschiedener Bestimmung entstandenen Kraft und der Vorstellung „Ich“ bringe der Verständige alle Glieder des Leichnams unter seine Herrschaft.
32.
tato'ntaḥkaraṇaṃ mantraiḥ kartavyaṃ bahireva ca ||32||
†
Übersetzung: Dann nehme er die zuvor genannte Sitzhaltung ein und halte die Dharanas der Reihe nach. Mit Mantras geschehe die innere und auch äußere Ausrichtung.
33.
evaṃ śavaśarīrāṇi śataśo'tha sahasraśaḥ ||33||
Übersetzung: So könne seine Kraft ungehindert nach eigenem Willen auf Erden wirken. Auf diese Weise werden Hunderte oder Tausende toter Körper,
34.
svecchāyuḥ kāmarūpī syācchāpānugrahakṛttathā ||34||
†
Übersetzung: verlassen und wieder betreten, während der Yogi in unverminderter Jugend spielt. Ihm werden frei gewählte Lebensdauer, beliebige Gestalt sowie Fluch- und Gnadenmacht zugeschrieben.
35.
dhātuvipratipattervā smṛtervāpi prahāṇataḥ ||35||
†
Übersetzung: Wenn Klang, Gestalt, Geschmack und andere Gegenstände verändert erscheinen, die Körperstoffe gestört sind oder die Erinnerung schwindet,
36.
bhūmeḥ pradhvaṃsanādvātha pravāhaiścāpi veṣṭanāt ||36||
†
Übersetzung: wenn die Zeit unbeachtet bleibt oder die Standfestigkeit nachlässt, du Gelübdetreuer, wenn der Boden zusammenbricht oder Ströme einen umgeben,
37.
akasmāccittavikṣobhādbāhyāriṣṭanidarśanāt ||37||
†
Übersetzung: wenn äußere Zeichen sich verkehren, unerklärliche Erscheinungen auftreten, der Geist plötzlich aufgewühlt wird oder äußere Unheilszeichen erscheinen,
38.
kṣīrāmbhaḥpariśuddhendumaṇḍalaṃ cāmṛtasravam ||38||
†
Übersetzung: dann meditiere man auf dem Fruchtboden des Herzlotus ein reines Vollmondmandala, klar wie Milch und Mondlicht, Amrita ausströmend.
39.
muhūrtamekaṃ saṃtiṣṭhanyogī mṛtyubhayaṃ tyajet ||39||
†
Übersetzung: Der Wissende übe dessen kreisende Bewegung im Herzrad. Wenn er einen Muhurta darin verweilt, legt er nach der Lehre die Todesfurcht ab.
40.
nāpatsaṃjāyate svalpā mayoktaṃ niścitaṃ vacaḥ ||40||
Übersetzung: Dem Yogi, der dies beständig übt und ganz darin aufgeht, soll nicht das geringste Unglück entstehen. Dies ist die bestimmte Verheißung des Textes.
41.
kiṃ tu hṛdvivarātsarvamākṛṣyāstreṇa paṇḍitaḥ ||41||
Übersetzung: Danach beschreibt der Text das freiwillige Verlassen des Körpers durch einen Leidenschaftslosen. Dafür wird ein verwandtes inneres Verfahren genannt: Der Wissende zieht mit dem Astra alles aus dem Herzraum zurück.
42.
pradīptakiraṇaṃ dhyāyeddhṛdi sūryasya maṇḍalam ||42||
†
Übersetzung: Er löst die Ansammlung der Knoten schrittweise und vergegenwärtigt im Herzen ein Sonnenmandala mit leuchtenden Strahlen.
43.
somamaṇḍalamadhyasthaṃ dhyāyedvahnestu maṇḍalam ||43||
Übersetzung: In dessen Mitte liegt das schöne Mandala des Mondes von unermesslichem Glanz, in dessen Mitte wiederum ein Feuermandala.
44.
susūkṣmā padmasūtrābhā ṛjumārgānusāriṇī ||44||
Übersetzung: In der Mitte des Feuermandalas steht eine Flamme, hell wie zehntausend Sonnen, äußerst fein wie ein Lotusfaden und dem geraden Weg folgend.
45.
kramato nirviśaṅkasya bādho naivopajāyate ||45||
Übersetzung: Sie ist in diesem Yoga-Verfahren zu meditieren. Dem Yogi, der der Reihe nach unerschrocken in sie eingeht, entsteht nach der Lehre keine Bedrängnis.
46.
paryantaturyapadaṃ hyūrdhvaṃ tejaḥ paramadurjayam ||46||
†
Übersetzung: Die historische Beschreibung spricht anschließend vom Durchbrechen des Gaumenbereichs und Zurückwenden der Zungenspitze, bis hinauf zum Turiya-Zustand und seinem unüberwindlichen höchsten Licht.
47.
astreṇodghāṭya viśrabdho yattatpadamanāmayam ||47||
Übersetzung: Am Tor des Turiya wird der dort liegende Riegel langsam mit dem Astra geöffnet. Der Yogi wendet sich vertrauensvoll dem leidfreien Zustand zu.
48.
sarvajñamamalaṃ śāntaṃ śivaṃ yātyuttamaṃ padam ||48||
†
Übersetzung: Er gelangt zum höchsten Shiva-Zustand: ohne gewöhnliches Tätigsein, unvergleichlich, jenseits der Sinne, allwissend, rein und friedvoll.
Übersetzung: Matanga sprach:
49.
prakrīḍannapyamohātmā svatantraḥ parameśvaraḥ ||49||
†
Übersetzung: Als erwiesen gilt das bewusste, alles umfassende Ishvara-Tattva. Der höchste Herr ist frei und bleibt auch in seinem Spiel ohne Verblendung.
50.
kliṣṭapuṃvṛttiviṣayādatītaścātidīptimān ||50||
†
Übersetzung: Er schaut das ganze All, verbindet Purusha und Pradhana und steht strahlend jenseits des leidvollen Tätigkeitsbereichs der Seele.
51.
tasmādapyaparāṇyatra tebhyo'nyāni sahasradhā ||51||
†
Übersetzung: Matanga fragt: Wenn darüber ein anderer friedvoller Zustand besteht, weshalb nicht über diesem wiederum weitere und darüber noch Tausende andere?
52.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wenn solche Stufen unbegrenzt hervorgehen könnten, worauf beruht die Grenze? Die Antwort: Als höchste Vollendung gilt diejenige, die von sämtlichen Ämtern frei ist.
53.
svasaṃvedyātinirvāṇā hyekātiśayavarjitā ||53||
†
Übersetzung: Sie ist unvergleichlich friedvoll, fein, ewig, nicht abgewandt, nur im eigenen Erkennen erfahrbar, vollkommen erloschen und ohne ein Darüberhinaus.
54.
pradhvastātiśayāspaṣṭātsusūkṣmatvācca kāraṇāt ||54||
†
Übersetzung: Wie könnte es jenseits von ihr noch ein anderes Tattva geben, Herr der Weisen? In ihr ist jede weitere Steigerung aufgehoben; sie ist von äußerster Feinheit.
55.
śivatattvātparaṃ tattvaṃ na caiveśvaragocare ||55||
Übersetzung: Weil sie unendlich, alldurchdringend und endgültig ist, besteht kein höheres Tattva als das Shiva-Tattva. Es gehört nicht mehr zum Bereich des beauftragten Ishvara-Wirkens.
56.
krīḍato buddhitaścaiva sābhilāṣācca vaibhavāt ||56||
Übersetzung: Der weitere Einwand setzt das Höchste jenseits von Veränderung und damit auch jenseits von Ishvara an, weil dieser erkennt, spielt und mit wirksamer Absicht Macht entfaltet.
57.
mūrtimānapi nityo'sau yogayogīśvaro yataḥ ||57||
Übersetzung: Die Antwort: Aus seinem Urhebertum folgt bei vernünftiger Prüfung keine Minderwertigkeit. Auch mit Gestalt ist er ewig, denn er ist der Herr des Yoga und der Yogis.
58.
kāraṇatvācca kartṛtvamaluptaviṣayaṃ prabhoḥ ||58||
†
Übersetzung: Der Erhabene handelt nach eigenem Willen und verliert dabei seine Kraft nicht. Als Ursache besitzt er ein Urhebertum, dessen Wirkungsbereich niemals verloren geht.
59.
atiraskṛtavīryābhiramoghābhiraninditaḥ ||59||
Übersetzung: Als Einer ist der allgegenwärtige Herr im Verfahren der Urheber. Er besteht in untadeligen Gestalten mit unüberwältigter und unfehlbarer Kraft.
60.
dadātyutkṛṣṭatejāḍhyaṃ padamatyantanirmalam ||60||
Übersetzung: Als Herr des Alls spielt er mit unbedrängter Macht in dieser Welt und gewährt den vollkommen reinen Zustand von höchstem Licht.
Übersetzung: Matanga sprach:
61.
sarvasvamātmadānena sahaivānyatparaṃ yataḥ ||61||
†
Übersetzung: Als Geber für alle schenkt er den ersehnten Zustand. Mit der Hingabe seines eigenen Wesens gibt er alles; etwas Höheres darüber hinaus,
62.
viśiṣṭaṃ bahubhirdharmaistatkathaṃ dātumarhati ||62||
Übersetzung: gibt es nicht. Wie könnte er sonst eine Gabe verleihen, die höher als seine eigene Kraft und durch weitere Eigenschaften ausgezeichnet wäre?
63.
parebhyaḥ śakyate dātuṃ loke'sminna pratīyate ||63||
Übersetzung: Dass jemand etwas, das er trotz größter eigener Anstrengung nicht erreichen kann, anderen gewähren könnte, wird in der Welt nicht beobachtet.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
64.
sābhilāṣeṇa divyena nirīśenāvikhaṇḍitaḥ ||64||
†
Übersetzung: Der Herr besitzt eine überragende Kraft mit angeborenen Vollkommenheiten, göttlicher freier Absicht und ohne einen Herrn über sich; er bleibt ungeteilt.
65.
dadāti vividhāṃ siddhiṃ sādhakānāṃ mahātmanām ||65||
Übersetzung: Mit seiner eigenen, in zweifacher Zuständigkeit wirkenden Macht gewährt er den ernsthaften Sadhakas verschiedene Vollendungen.
66.
prāgeva dhvastavibhavāsteṣāṃ dadyātparaṃ padam ||
†
Übersetzung: Den Befreiungssuchenden, die ihrem eigenen Amt gegenüber leidenschaftslos geworden und von ihm innerlich erfasst sind, deren begrenzte Macht bereits zurückgetreten ist, schenkt er den höchsten Zustand. Den übrigen gewährt der Herr der Götter die gewünschte Frucht.
67.
tattaddiggajaduṣṭabhāvaracitavyāvartanācetasaḥ |
kālāccaiva jayo drutatkiraṇaproddāmavegāddhruvaṃ
†
Übersetzung: Durch die bewegten Funkenwellen des Udghata-Feuers werden die hemmenden Kräfte der Richtungen zurückgedrängt. Im Lauf der Zeit entsteht durch den mächtigen Strahlenstrom sicher die Meisterung; dem innerlich Gereiften wird rasch der gewünschte Zustand offenbar. Die bildreiche Einzelbeschreibung ist teilweise unsicher überliefert.
68.
krīḍātoyataraṅgabhaṅgakuṭilaḥ kalloladolāyitaḥ |
nānāyuktivicārabhedaracitaḥ sadvastubodhāspado
†
Übersetzung: Damit ist der Yogapāda erklärt: voller Glanz der Vollendungen, bewegt vom Spiel wie von Wasserwellen, durch vielfältige Begründungen und Unterscheidungen gestaltet und auf Erkenntnis der wahren Wirklichkeit gegründet. Nun leuchtet Caryā auf, wie Mondlicht aus den Worten des Mondgesichts des Herrn.
Übersetzung: Damit endet im Yogapāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 7. Kapitel: Verfahren des Udghata.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Übersetzung: Damit ist dieser Werkteil abgeschlossen.
Caryāpāda

Caryāpāda, Kapitel 1
Übersetzung: Abfolge der Verpflichtungen
1.
parameśamukhodgītaḥ sādhakānāṃ mahātmanām ||1||
Übersetzung: Nun ist die Ordnung des Lebenswandels erreicht, die verschiedene gesellschaftliche Gruppen umfasst und aus dem Mund des höchsten Herrn für die ernsthaften Sadhakas verkündet wurde.
2.
pravakṣyate'dhunā matto bhavatāpyucitātmanā ||2||
†
Übersetzung: Ich werde sie jetzt deutlich zur Erfüllung der eigenen Aufgabe erklären, hervorragender Seher. Du sollst sie mit angemessener innerer Haltung aufnehmen.
3.
dīkṣāvasānataḥ śrāvyāḥ samayāḥ deśikena tu ||3||
Übersetzung: Höre sie regelgemäß und ihrem wirklichen Zusammenhang nach. Nach Abschluss der Einweihung hat der Lehrer die verbindlichen Regeln vorzutragen.
4.
na nindetkāraṇaṃ devaṃ na ca vākyaṃ tadudbhavam ||4||
†
Übersetzung: Sie verpflichten den Schüler und sind von den Gesammelten sorgfältig zu bewahren. Man schmähe weder den Gott als höchste Ursache noch das aus ihm hervorgegangene Wort.
5.
tacchāyāṃ nākrametpadbhyāṃ na kadācicca laṅghayet ||5||
†
Übersetzung: Ebenso wenig den Erkenntnislehrer, den Sadhaka oder deren Verehrer. Der Verständige trete nicht auf ihren Schatten und überschreite ihn niemals.
6.
nirmālyaṃ devadevasya chāyāṃ chāyāvadācaret ||6||
†
Übersetzung: Die historische Reinheitsregel untersagt ferner die Berührung von Dingen, die eine menstruierende Frau berührt hat. Mit gebrauchten Opfergaben des Gottes der Götter und deren Schatten verfahre man ebenso ehrfürchtig.
7.
na ca tatsvopayogāya kartavyaṃ manasāpyatha ||7||
Übersetzung: Was dem dreizacktragenden Gott der Götter dargebracht wurde, soll man nicht für den eigenen Gebrauch bestimmen, nicht einmal in Gedanken.
8.
śivārādhanasaktānāṃ vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ ||8||
Übersetzung: Man gebe es auch nicht beliebig anderen und lasse es nicht aus Geringschätzung unbeachtet. Menschen, die sich mit Rede, Geist und Körper Shivas Verehrung widmen,
9.
viṇmūtraṣṭhīvanādīni na kāryāṇi śivālaye ||9||
†
Übersetzung: soll man nicht davon abbringen, sondern sorgfältig unterstützen. Im Shiva-Heiligtum sind Ausscheidung, Spucken und Ähnliches zu unterlassen.
10.
karmāṇi muniśārdūla yadīccheduttamaṃ phalam ||10||
†
Übersetzung: Für den Dienst am Guru und an der Gottheit übernehme man auch geringgeschätzte Arbeiten, hervorragender Weiser, wenn man die höchste Frucht erstrebt.
11.
nārcayitvā śivaṃ devaṃ nāttavyaṃ kiṃcidatra tu ||11||
†
Übersetzung: Der Weise handle nicht ohne sinnvolles Ziel und beginne nicht wahllos vielerlei. Er esse hier nichts, bevor er Shiva verehrt hat.
12.
na ca tānprati kartavyo vicāro laukiko budhaḥ ||12||
†
Übersetzung: Wer nach Shiva strebt, soll Shivas Verehrer wie Shiva selbst ansehen. Der Verständige beurteile sie nicht lediglich nach weltlichen Maßstäben.
13.
saṃskṛtāśca śivairmantrairguruṇā śivamūrtinā ||13||
Übersetzung: Denn diese Menschen sind von Shivas Kraft berührt und durch die heiligen Mantras von einem Guru in Shiva-Gestalt geweiht.
14.
yathoktaśivasaṃskārapavitrīkṛtamūrtayaḥ ||14||
Übersetzung: Alle sind gleichsam aus dem Schoß der Göttin der Rede geboren, haben die Gnade empfangen und sind durch die erklärten Shiva-Weihen gereinigt.
15.
yathānukramasaṃskārājjyeṣṭhatātra parasparam ||15||
Übersetzung: Alle besitzen denselben grundlegenden Dharma. Dennoch gilt diese Ordnung: Das höhere Alter innerhalb der Gemeinschaft bestimmt sich nach der Reihenfolge der Weihen.
16.
putrakaḥ putrakasyāpi sādhakaḥ sādhakātmanaḥ ||16||
Übersetzung: Unter Samayins ist der früher Geweihte der Ältere; ebenso unter Putrakas und unter Sadhakas.
17.
dīkṣitaḥ samayasthasya dīkṣitasyāpi sādhakaḥ ||17||
Übersetzung: Auch unter Gurus gilt dies entsprechend den Regeln. Darüber hinaus steht der vollständig Eingeweihte über dem Samayin und der Sadhaka über dem Eingeweihten.
18.
vidhireṣa samuddiṣṭaḥ samayyādipadakramāt ||18||
†
Übersetzung: Über dem Sadhaka steht der Acharya. Diese Ordnung ist nach der Folge der Stufen vom Samayin an angegeben.
19.
gurorapyagratasteṣāṃ jyeṣṭhānāṃ deyamāsanam ||19||
Übersetzung: So ist für alle spirituellen Brüder die angemessene Reihenfolge erklärt. Auch vor dem Guru gebe man den Älteren zuerst einen Sitz.
20.
kāryāṇyanyonyasaṃhṛṣṭairacakṣurviṣaye guroḥ ||20||
†
Übersetzung: Dienst, Begrüßung und weitere Ehrungen geschehen in dieser Reihenfolge, untereinander freudig und auch außerhalb des Blickfelds des Gurus.
Übersetzung: Matanga sprach:
21.
dhvastādhikāraviṣayo vītarāgaśca sarvadā ||21||
Übersetzung: Der Putraka ist im eigentlichen Sinn auf das Shiva-Tattva ausgerichtet, von einem besonderen Amtsbereich frei und stets leidenschaftslos.
22.
guruścaivādhikāre tu sa tayorapyaninditaḥ ||22||
Übersetzung: Der Sadhaka hat noch Wünsche und ist auf eine andere Stufe ausgerichtet. Der Guru ist mit einem Amt betraut und gilt beiden gegenüber als vorgeordnet.
23.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Wegen seiner Gleichstellung mit Shiva ist er der Höhere; die drei übrigen stehen darunter. Alle sind jedoch als von Shivas Willen innerlich erfasst zu verstehen. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
24.
gurutve saṃsthitasyāsya lokānugrahakāraṇāt ||24||
Übersetzung: Dennoch ist zur Erhaltung der Ordnung, Brahmane, die Reihenfolge zu wahren. Wer im Guru-Amt steht, dient der Begnadung der Welt.
25.
garīyānbhrātṛbhiḥ kāryaḥ saṃtatyai yena saṃprati ||25||
†
Übersetzung: Durch die Größe dieses Amtes wird er in der Welt besonders verehrungswürdig. Die Brüder sollen ihm zur Fortführung der Überlieferung diese Vorrangstellung geben.
26.
bharturājñā sadā pālyā nyāyenānena śāsane ||26||
†
Übersetzung: Wenn Befreiungssuchende seine hohe Achtung sehen, wenden sie sich ihm zu. So ist der Befehl des Herrn in der Lehre stets zu bewahren.
27.
tasminnyāyavataḥ sarvaṃ yuktamatrānupālanam ||27||
†
Übersetzung: Diese Ordnung gründet in der Folge seiner Worte. Für den, der ihr vernünftig folgt, ist ihre Beachtung hier angemessen.
28.
svaśiṣyā vinaye yojyāstayā tena mahātmanā ||28||
†
Übersetzung: Der Guru seinerseits gewinne die jüngeren Brüder durch Liebe. Seine eigenen Schüler führe er mit derselben Haltung zu Bescheidenheit und Disziplin.
29.
yathājyeṣṭhaṃ tu prāheti bhrātaraste yataḥ smṛtāḥ ||29||
†
Übersetzung: Dabei folge er der Erlaubnis des rechten Lebenswegs. Er ehre sie entsprechend ihrem Rang, denn sie gelten als spirituelle Brüder.
30.
nityaṃ śivatanuḥ śrīmānabhiṣiktaśca śāsane ||30||
Übersetzung: Der Sadhaka ist beherrscht, mutig, schriftkundig und von großer Übungskraft, stets als Shiva-Leib gestaltet, erhaben und nach der Lehre übergossen worden.
31.
na nyūnena bhaveddhāniḥ pūjyamānasya nityaśaḥ ||31||
†
Übersetzung: Wenn dieser ungebundene Asket nach Vollendung strebt und verehrt wird, entsteht durch seinen geringeren Rang kein Nachteil.
32.
lokasaṃvṛttirakṣārthaṃ loke'pi tapaso balāt ||32||
†
Übersetzung: Dennoch bleibt die Reihenfolge zu beachten, wenn ein anderer früher geweiht wurde, um die gemeinschaftliche Ordnung zu schützen. Auch weltlich zieht die Kraft der Askese Achtung auf sich.
33.
bhaktena prapūjyaḥ syācchāsanasyānupālane ||33||
Übersetzung: Der vorzügliche Sadhaka, der ganz Shivas Lehre folgt, soll von Hingebungsvollen verehrt werden; dies bewahrt die Lehre.
34.
bhaktiḥ kāryā guṇāndṛṣṭvā guṇāśca śivaśāsane ||34||
Übersetzung: Darin liegt für die Verehrer in dieser Lehre kein Fehler, großer Weiser. Hingabe soll sich an erkannten guten Eigenschaften entzünden.
35.
jyāyasā kriyamāṇāpi sādhakaṃ prati suvrata ||35||
†
Übersetzung: Wenn solche Eigenschaften in Shivas Lehre deutlich hervortreten, ist die Verehrung eines Sadhaka selbst durch einen Rangälteren nicht zu tadeln, du Gelübdetreuer.
36.
śāstre'nupālyaḥ samayo yathāvat |
ācāramārgo'pyucitaḥ krameṇa
†
Übersetzung: Damit ist die ganze Ordnung der Rangfolge und ihrer Begründung erklärt, als regelgemäß zu bewahrende Verpflichtung der Lehre. Nun ist dir der entsprechende Weg des Lebenswandels darzulegen, Erster unter den Weisen.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 1. Kapitel: Abfolge der Verpflichtungen.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 2
Übersetzung: Lebensführung
1.
varṇayiṣyāmi saṃkṣepācchāstre'sminkāraṇātmake ||1||
Übersetzung: Nun werde ich kurz dieses vorzügliche allgemeine Verfahren in der Lehre der höchsten Ursache erklären.
2.
dṛṣṭādṛṣṭaphalaprāptiramoghā saṃpravartate ||2||
Übersetzung: Für die innerlich Geübten ist der Lebenswandel zweifach. Durch ihn werden sichtbare und unsichtbare Früchte unfehlbar erlangt, so die Lehre.
3.
pālyo naiḥśreyase caiva saṃvṛttāvapyaninditaiḥ ||3||
Übersetzung: Der weltliche Lebenswandel ist allgemein bekannt und zu bewahren, soweit er nicht widerspricht, sowohl für das höchste Heil als auch für ein untadeliges Zusammenleben.
4.
muktaye siddhaye caiva kāraṇājñānuvartibhiḥ ||4||
†
Übersetzung: Der besondere shivaitische Lebenswandel ist von den Sadhakas sorgfältig zu verstehen, die zur Befreiung oder Vollendung dem Befehl der höchsten Ursache folgen.
5.
tasmiṃstasminprakartavyo hyācāraḥ prayatātmabhiḥ ||5||
†
Übersetzung: In welchem Land man jeweils lebt und seinen Lebensunterhalt findet, dort beachte man gesammelt den entsprechenden Lebenswandel.
6.
tathāpi pālanīyo'sau yasmāddoṣo na pālite ||6||
†
Übersetzung: Der weltliche Lebenswandel ist jedoch kein konstitutives Glied des besonderen spirituellen Wegs. Trotzdem soll er bewahrt werden, weil seine Beachtung keinen Fehler mit sich bringt.
7.
na caivātyantaniyamo niḥsaṅgānāṃ tapasvinām ||7||
Übersetzung: Auch durch sein Aufgeben entsteht nicht von selbst eine besondere Tugend; deshalb heißt er allgemein. Für anhaftungsfreie Asketen besteht hier keine starre uneingeschränkte Bindung.
8.
svanivāsādbahiryāyānnāsahāyaḥ kadācana ||8||
†
Übersetzung: Dies gilt für jene, deren Unwissenheit im Feuer der Shiva-Erkenntnis verbrannt ist. Als allgemeine Regel verlasse man seine Unterkunft nicht ohne Begleitung.
9.
nācchatraḥ kutracidyāyānnādaṇḍo nāpyapādukaḥ ||9||
†
Übersetzung: Der Wissende wandere nicht nachts umher und gehe nicht in der Dunkelheit hinaus. Er reise nicht ohne Schirm, Stab oder Schuhe.
10.
nāticaṇḍavacodgārairna ca māyāpariṣkṛtaiḥ ||10||
Übersetzung: Er zeige weder übermäßige Unterwürfigkeit noch spreche er zu hart, zornig oder täuschend.
11.
vaktavyaṃ sarvadā śāntyai na caivātinirarthakaiḥ ||11||
†
Übersetzung: Er spreche nicht unwahr, undeutlich oder gänzlich nutzlos, sondern stets freundlich, klar und zum Frieden beitragend.
12.
saṃkīrṇāni tu kāryāṇi pṛthakprītikarāṇi ca ||12||
Übersetzung: Gewänder, Lager und Sitze sollen die Sadhakas nicht untereinander vermischen, sondern jeweils gesondert und angenehm halten.
13.
suptotthitena viprendra snātavyamavicārataḥ ||13||
Übersetzung: Sie sollen geeignet, rein und fest sein. Nach dem Erwachen soll man baden, bester Brahmane.
14.
viṇmūtrato'thavā bhuktau saṃdhyāsvatha samālabhet ||14||
†
Übersetzung: Nach den hier teilweise unklar bezeichneten Anlässen, nach Schrecken durch einen Angriff, nach Ausscheidung, beim Essen und zu den Tagesübergängen bestreiche man sich.
15.
nāśaktaḥ sarvadā tiṣṭhetkṣaṇamekamapi kvacit ||15||
†
Übersetzung: Dafür wird Asche verwendet; nach starkem Schrecken ist ein Wasserbad vorgesehen. Man verweile niemals auch nur einen Augenblick ohne Shakti, die tragende spirituelle Tätigkeit.
16.
yogābhyāso japaḥ śāstraṃ liṅgārādhanameva ca ||16||
Übersetzung: Diese ist in Shivas Lehre fünffach zu verstehen: Yoga-Übung, Mantrarezitation, Schriftstudium und Verehrung des Linga.
17.
taccaivātrottamaṃ proktaṃ caturṇāmapyaninditam ||17||
Übersetzung: Als fünfte gilt der rechte Dienst am Acharya. Dieser wird hier als vorzüglich gegenüber den vier anderen bezeichnet.
18.
gururnityaṃ samārādhyo yatprasādātparaṃ padam ||18||
Übersetzung: Denn die anderen wurzeln in ihm. Deshalb verehren ernsthaft Bemühte den Guru beständig; durch seine Gnade wird der höchste Zustand erlangt.
19.
viṇmūtroccāraṇaṃ kāryamudagvaktreṇa vāsare ||19||
†
Übersetzung: Ebenso werden die übrigen vielfältigen Vollendungen erreicht. Für die Ausscheidung sieht die historische Regel tagsüber eine Ausrichtung nach Norden vor.
20.
śiro'vaguṇṭhya vastreṇa pracchanne janavarjite ||20||
Übersetzung: Nachts wende man sich nach Süden, bedecke den Boden und verhülle den Kopf mit einem Tuch, an einem geschützten, menschenleeren Ort.
21.
yatra dṛśyeta viprendra notsṛjettatra paṇḍitaḥ ||21||
†
Übersetzung: Wo Asche, Kohlen, Kusha, Durva, Knochen oder Hülsen liegen, soll der Verständige dies nicht tun, bester Brahmane.
22.
candrasūryāgnipavanadevālayamahāmbhasām ||22||
Übersetzung: Ebenso nicht auf Verbrennungsplätzen, bei Bäumen, Ameisenhügeln oder vielen Insekten. Man wende sich dabei nicht Mond, Sonne, Feuer, Wind, Heiligtümern oder großen Gewässern zu.
23.
na kṣetre nopale nadyāṃ na girau na ca kandare ||23||
Übersetzung: Auch nicht Mädchen oder Kühen. Der Wissende verrichte es nicht auf bestellten Feldern, Steinflächen, in Flüssen, auf Bergen oder in Höhlen.
24.
sarveṣāṃ śivabhaktānāṃ yathāśaktyā prapālanam ||24||
Übersetzung: Ebenso nicht im dichten Dickicht oder zwischen kriechenden Tieren. Alle Verehrer Shivas sollen nach Möglichkeit Unterstützung erfahren.
25.
yathoktaṃ deśasāmarthyādvibhavasyānurūpataḥ ||25||
Übersetzung: Diese gewähren Shivas Verehrer gemäß der Lehre, großer Weiser, den örtlichen Möglichkeiten und den eigenen Mitteln entsprechend.
26.
pādatrāṇena chatreṇa bhojanenāpyudāravān ||26||
†
Übersetzung: Der Großzügige helfe mit Arznei, Wasser, guten Worten, einem Lager, Schuhen, einem Schirm oder Nahrung.
27.
vṛddhāturāṇāṃ kartavyo vidhireṣo'tra suvrata ||27||
Übersetzung: Auch Gras, Holz, Feuer und persönliche Pflege sollen angemessen und geordnet bereitgestellt werden. Dieses Verfahren gilt hier besonders für Alte und Kranke, du Gelübdetreuer.
28.
na jahyātkṣaṇamapyekaṃ smaraṇaṃ parameṣṭhinaḥ ||28||
Übersetzung: Aus Mitgefühl gilt es auch für andere, um wie viel mehr für Eingeweihte. Nicht einen Augenblick soll man die Erinnerung an den höchsten Herrn aufgeben.
29.
keśaśmaśrunakhairnīcaiḥ praśastāḥ śivaliṅginaḥ ||29||
†
Übersetzung: Der Eingeweihte soll keinen Augenblick unrein verweilen. Träger des Shiva-Zeichens werden mit kurz gehaltenem Haar, Bart und Nägeln empfohlen.
30.
sāntarvāse ca vimale nātijīrṇe nasīvane ||30||
†
Übersetzung: Man trage zwei gut gewaschene Gewänder, ockerfarben oder sehr weiß, samt reinem Untergewand, nicht übermäßig abgetragen oder geflickt.
31.
kṣaumaṃ vāpi tato'bhāvātkārpāsaṃ śubhameva vā ||31||
†
Übersetzung: Als Sitzunterlage wird Tiger- oder Hirschfell genannt, ferner Leinen oder, wenn dies fehlt, guter Baumwollstoff.
32.
badhnīyāttadabhāvāttu dhāryaṃ kāñcanamujjvalam ||32||
Übersetzung: In die Scheitellocke binde man einen Rubin oder eine schöne Perle; fehlen diese, trage man helles Gold.
33.
caturvaktraṃ samaṃ dhāryaṃ rudrākṣaṃ tadabhāvataḥ ||33||
†
Übersetzung: Als Ersatz wird ein kleiner, runder, gut ausgeprägter, rau strukturierter und gleichmäßiger viergesichtiger Rudraksha genannt.
34.
surukmanirmite dhārye kuṇḍale vāpyabhāvataḥ ||34||
†
Übersetzung: An den Ohren trage man Diamanten mit günstigen Kennzeichen, in Gold gefasst; ersatzweise gut gefertigte goldene Ohrringe.
35.
subaddhamavraṇaṃ dhāryaṃ vaiṇavaṃ daṇḍamādarāt ||
Übersetzung: Fehlen auch diese, nehme man zwei schön gefertigte Darbha-Ringe. Sorgfältig trage man einen festen, unbeschädigten Bambusstab, gerade und gleichmäßig, vier Hasta lang und so dick wie das eigene Daumenglied.
36.
dācāraḥ pālanārthaṃ śivapadagamanaprāptivṛttyunmukhānām |
pālyo yatnātprahṛṣṭyā sphuṭakamalahṛdā kāraṇājñānuvṛttyā
†
Übersetzung: Damit habe ich den allgemeinen täglichen Lebenswandel für die Sadhakas erklärt, die sich auf den Weg zu Shivas Zustand ausrichten. Sie sollen ihn sorgfältig und freudig, mit offenem Herzlotus und in Befolgung des Herrn bewahren. Nun folgt passend dazu der Lebenswandel der Putrakas mit ihren besonderen Eigenschaften.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 2. Kapitel: Lebensführung.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 3
Übersetzung: Verhalten gegenüber dem Guru
1.
bahirāvaśyakaṃ kṛtvā śaucaṃ caiva yathāgamam ||1||
†
Übersetzung: Der Schüler stehe rasch vom Lager auf, bevor der Guru erwacht. Draußen verrichte er das Notwendige und reinige sich gemäß der Überlieferung.
2.
gṛhītvā hṛṣṭavadanaḥ pratīkṣedgurumādarāt ||2||
†
Übersetzung: Nach dem Bad sei er gesammelt, nehme Wasser, Erde und Zahnholz und erwarte den Guru aufmerksam mit heiterem Gesicht.
3.
svātmānaṃ darśayeddhīraḥ śiṣyastaṃ bhaktimoditam ||3||
†
Übersetzung: Wenn dieser von selbst erwacht, zeige sich der standhafte Schüler bescheiden vor ihm, in freudiger Hingabe.
4.
pādāvabhyarcya vidhivadbhagavankiṃ karomyaham ||4||
Übersetzung: Er gebe ihm Wasser, Erde, Zahnholz und Weiteres, verehre regelgemäß seine Füße und frage: „Erhabener, was soll ich tun?“
5.
kuryātkarma yadādiṣṭaṃ parokṣe vā guroḥ svayam ||5||
Übersetzung: Was der Guru ihm aufträgt, führe der verständige Schüler mit freudigem Gesicht aus. Auch in dessen Abwesenheit handle er selbstständig im Sinne des Auftrags.
6.
ātmanaḥ sthitaye cāpi śiṣyo bhikṣāṭanādikam ||6||
Übersetzung: Er tue es ohne Zögern so, dass es gut gelingt. Auch Bettelgänge und Ähnliches für den eigenen Lebensunterhalt,
7.
paṭhedvā tadanujñātaḥ śucau deśe śuciḥ sadā ||7||
†
Übersetzung: soll der Schüler nicht ohne Rücksprache mit dem Guru beginnen. Mit dessen Erlaubnis studiere er, selbst rein und an einem reinen Ort.
8.
na samīpe paśūnāṃ tu kuryādadhyayanaṃ budhaḥ ||8||
Übersetzung: Dieser sei geschützt, einsam und angenehm; er studiere mit innerlich gesammeltem Geist. Nicht in der Nähe von Pashus, hier wohl Außenstehenden, soll der Wissende studieren.
9.
mahotsaveṣu sarveṣu saṃdhyāsu ca mahāmune ||9||
Übersetzung: Am fünfzehnten, achten und vierzehnten Mondtag, an Festtagen, bei großen Feiern und zu den Tagesübergängen, großer Weiser,
10.
guruṃ vimanasaṃ dṛṣṭvā bhrātaraṃ vātha kutracit ||10||
Übersetzung: sowie an allen Festübergängen soll das Studium ruhen. Ebenso, wenn man den Guru oder einen spirituellen Bruder bedrückt sieht.
11.
puṣyakāleṣu nādhyeyaṃ na cotpāteṣu suvrata ||11||
†
Übersetzung: Dann soll der Hingebungsvolle die höchste Erkenntnislehre nicht studieren. Auch die hier als Pushya-Zeiten bezeichneten Termine und ungewöhnliche Unheilsereignisse werden ausgeschlossen.
12.
eṣo'nadhyayane nyāyaḥ sādhakasya mayoditaḥ ||12||
Übersetzung: Ebenso Zeiten der Not für Shivas Verehrer oder große Könige. Dies ist die von mir erklärte Ordnung der Studienunterbrechung.
13.
gurornindā na kartavyā na śrotavyātha kutracit ||13||
†
Übersetzung: Das Tantra sollen die Verständigen stets mit Duft, Blumen und Gaben ehren. Den Guru soll man nicht schmähen und auch nirgends seiner Schmähung zuhören.
14.
sa kadācana badhnāti gururudvegamātmani ||14||
†
Übersetzung: Die historische Vorschrift fordert sogar, den Schmähenden nach Vermögen niederzuschlagen beziehungsweise zu töten; sie ist hier als Textaussage wiedergegeben. Man solle dem Guru die Schmähung nicht melden, damit sie ihn nicht innerlich beunruhige.
15.
guroḥ sukhaṃ prakartavyaṃ suviśuddhena cetasā ||15||
Übersetzung: Deshalb soll der verständige Schüler mit sehr reinem Geist alles daransetzen, dem Guru Wohlergehen zu bereiten.
16.
nivedyamathavā kiṃcidasti yuktyā prayojanam ||16||
Übersetzung: Vor dem Guru verhalte er sich zurückhaltend wie ein Unwissender oder Stummer, selbst wenn er etwas weiß. Gibt es jedoch einen sachlichen Grund, etwas mitzuteilen,
17.
āpatkaraṃ yena gururniśamya tu yathātatham ||17||
Übersetzung: dann falte er die Hände und trage es ihm leise vor. Drohende Schwierigkeiten teile er so mit, dass der Guru den wirklichen Sachverhalt erfährt.
18.
nāticaṇḍavacodgārairvaktavyaṃ sādhakātmabhiḥ ||18||
†
Übersetzung: Dieser kann sie dann aufmerksam abwenden oder eine mögliche Lösung vorbereiten. Der Schüler spreche dabei nicht heftig oder zornig.
19.
pratīkṣyamāṇaḥ saṃtiṣṭhedguroḥ śiṣyaḥ prasannadhīḥ ||19||
Übersetzung: Bescheiden, sehr friedvoll und mit heiterem Geist warte der Schüler auf den Guru, weder zu weit entfernt noch aufdringlich nahe.
20.
śivavatpūjayennityamācāryaṃ śivasaṃmatam ||20||
Übersetzung: Den erforderlichen persönlichen Dienst verrichte man stets in angemessener Aufteilung. Den von Shiva anerkannten Acharya verehre man beständig wie Shiva.
21.
krīḍannapi hi medhāvī brūyādvā kiṃcidatra tu ||21||
†
Übersetzung: Auch im Spiel soll der verständige Schüler in der Nähe des Gurus nichts übermäßig Heftiges tun oder sagen.
22.
gacchataścānugaccheta tiṣṭhedvā tiṣṭhataḥ sadā ||
†
Übersetzung: Er lebe nicht vom Besitz des Gurus, sondern erwerbe selbst etwas, um es darzubringen. Geht der Guru, folge er; steht er, stehe auch der Schüler. Erst wenn der Guru schläft, lege er sich schlafen und handle darin nicht eigenmächtig.
23.
proktaṃ samāsādvidhivatsamagram |
vyastaṃ caturṇāmapi sāṃprataṃ te
†
Übersetzung: Damit ist das heilsame Verhalten gegenüber dem Guru zum Wohl des Schülers vollständig und kurz erklärt. Nun werde ich dir sachgemäß das gesonderte Verfahren für alle vier Gruppen darlegen.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 3. Kapitel: Verhalten gegenüber dem Guru.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 4
Übersetzung: Verpflichtungen
1.
caturṇāmapi saṃkṣepātkathayāmi nibodha tat ||1||
Übersetzung: Nun erkläre ich kurz den jeweils angemessenen Lebenswandel aller vier Gruppen, hervorragender Weiser. Vernimm ihn.
2.
yadā tadā sa muktātmā nānyathā mucyate bhavāt ||2||
†
Übersetzung: Wenn der Samayin dem Guru stets mit seinem ganzen Wesen verbunden ist, wird seine Seele frei; anders löst er sich nicht aus dem Werden.
3.
caryeyaṃ muktaye tasya praśastā śāśvatī kriyā ||3||
†
Übersetzung: Im Vertrauen auf die befreiende Einweihung lebe er beständig dienend. Dieser Lebenswandel gilt für ihn als vorzügliche, dauerhafte Handlung zur Befreiung.
Übersetzung: Matanga sprach:
4.
dīkṣāto'nyā sunirṇītā kriyāpādakriyāspadā ||4||
†
Übersetzung: Matanga fragt: Befreiung durch unterscheidende Erkenntnis der Tattvas von der Erde an ist erklärt. Eine weitere geschieht durch Einweihung nach dem Kriyāpāda.
5.
caryāmātreṇa saṃsiddhā caturthī sā kathaṃ vibho ||5||
Übersetzung: Als dritte wird die im Yogapāda begründete Befreiung gepriesen. Wie kann nun eine vierte allein durch Lebenswandel zustande kommen, Herr?
6.
etasminnantare nāthaḥ prasahyovāca viśvarāṭ ||6||
†
Übersetzung: Erkläre dies durch Shiva-Erkenntnis und beseitige den Keim meiner Unwissenheit. Darauf sprach der Herr des Alls mit Nachdruck.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
7.
sarvānugrāhakatvaṃ hi saṃsiddhaṃ parameṣṭhinaḥ ||7||
Übersetzung: Was ist hier der Grund deiner Verwirrung, wenn doch die gnädige Hinwendung betrachtet wird? Die Fähigkeit des höchsten Herrn, allen Gnade zu schenken, ist erwiesen.
8.
viṣavṛkṣāstrapūrvāṇi na ca tānyatra kāraṇam ||8||
†
Übersetzung: Wenn die Zeit eines Menschen gekommen ist, erscheinen verschiedene Zeichen oder Anlässe wie Gift, Baumsturz oder Waffen. Doch diese sind nicht die eigentliche Ursache.
9.
anudhyānabalāvekṣāccaryādyāḥ prakaṭīkṛtāḥ ||9||
†
Übersetzung: Ohne Erschöpfung der zu erfahrenden Lebensfrucht verursachen sie nach dieser Lehre den Tod nicht. Ebenso sind Lebenswandel und die übrigen Wege aufgrund der Kraft göttlicher Hinwendung offenbar geworden.
10.
nipātāddhi sphuṭaṃ bhaktiravyabhicāriṇī ||10||
†
Übersetzung: Sie werden erklärend als Befreiungsmittel bezeichnet, sind aber äußere Anzeichen. Durch den Shakti-Niedergang entsteht deutlich eine unerschütterliche Hingabe.
11.
yāvanna parameśena niyuktaḥ śāśvate pade ||11||
Übersetzung: Von Hingabe erfüllt verehre der Mensch den Guru so lange, o Weiser, bis der höchste Herr ihn in den ewigen Zustand einsetzt.
12.
hṛdayādhyavasāyena lakṣyate kāraṇe yadā ||12||
†
Übersetzung: Hingabe wird fünffach erklärt: Sie zeigt sich in Rede, Geist, körperlichem Handeln, Herzensausrichtung und entschiedener Hinwendung zur höchsten Ursache.
13.
puṃsaḥ praṇaṣṭarāgasya śivatvaṃ vyaktimeti hi ||13||
†
Übersetzung: Bei dem Menschen, der ständig von ihrer ungehinderten Kraft erfüllt ist und dessen Anhaftung geschwunden ist, tritt das Shiva-Sein hervor.
14.
yatra tatra sthitaḥ śāntaḥ sa putraka iti smṛtaḥ ||14||
Übersetzung: Wer den allgemeinen Lebenswandel erfüllt, Guru, Gottheit und Feuer hingegeben ist und friedvoll an irgendeinem Ort verweilt, heißt Putraka.
15.
sādhakaḥ sa tu boddhavyaḥ svānuṣṭhānodyataḥ sadā ||15||
Übersetzung: Wer mit ungeteiltem Geist auf den zu verwirklichenden Mantra gerichtet, asketisch und entschlossen stets seine eigene Praxis vollzieht, ist als Sadhaka zu erkennen.
16.
ācāryeṇa prakartavyaṃ saṃtatyai nātivistarāt ||16||
†
Übersetzung: Der Acharya soll regelmäßig Rezitation, Meditation, Verehrung und Feuerhandlung ausführen, sachgemäß und ohne übermäßige Ausweitung, um die Überlieferung fortzuführen.
17.
kartavyeśabalāviṣṭacetasāṃ bhāvitātmanām ||17||
†
Übersetzung: Aus Mitgefühl mit den Wesen sollen die Gurus stets Einweihung und Unterweisung gewähren, den innerlich Vorbereiteten, deren Geist von Ishvaras Kraft erfasst ist.
Übersetzung: Matanga sprach:
18.
vaktavyaḥ suvicāroktyā deśikasyādhikāriṇaḥ ||18||
Übersetzung: Matanga bittet: Erhabener, erkläre dem beauftragten Lehrer die Reihenfolge der Auslegung des Shiva-Tantra, mit sorgfältiger Unterscheidung.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
19.
kṣatadṛg vyāpakaścaiva pālako gālakastathā ||19||
†
Übersetzung: Die Antwort nennt dreizehn Schülertypen: Anvalaka, Niradhara, Pramadin, Tamasa, Kshatadrish, Vyapaka, Palaka und Galaka,
20.
vicāradhīśca vijñeyāḥ śiṣyāstantre trayodaśa ||20||
†
Übersetzung: ferner Dhaureya, Anumata, Pavaka, Ambu und Vicharadhi. So werden die dreizehn Schüler im Tantra unterschieden.
21.
tataścetaśca saṃbandhādasaṃbandhavaduktiṣu ||21||
†
Übersetzung: Wer in den Bedeutungsweg aller Tantras eintritt, aber bald hier, bald dort eintaucht und Aussagen ohne rechten Zusammenhang verknüpft,
22.
gṛhītasyāpyathārthasya sthātuṃ nāsti samāśrayaḥ ||22||
†
Übersetzung: heißt Anvalaka; die genaue Worterklärung bleibt unsicher. Derjenige, bei dem auch ein bereits erfasster Sinn keinen bleibenden Halt findet,
23.
notsahettantramālasyācchrotuṃ caiva tu niścayāt ||23||
†
Übersetzung: heißt wegen der Schwäche seiner Aufnahmefähigkeit Niradhara, „ohne Halt“, großer Weiser. Wer aus Trägheit nicht entschlossen zuhören mag,
24.
prayatnādiviyukto yaḥ śrotuṃ nidrāvaśaḥ sadā ||24||
†
Übersetzung: heißt in der vom Herrn angeregten Lehre Pramadin, „nachlässig“. Wer ohne Bemühen zuhört und ständig dem Schlaf unterliegt,
25.
ādāvante ca nipuṇaṃ yo'jñātvā śāstramaiśvaram ||25||
Übersetzung: wer schwankend und schläfrig dasitzt, gilt als tamasischer Schüler. Wer die Lehre Ishvaras nicht sorgfältig von Anfang bis Ende kennt,
26.
sa jñeyaḥ kṣatadṛkśiṣyaḥ pañcamaḥ śiṣyasaṃtatau ||26||
†
Übersetzung: aber bei einer kleinen vermeintlichen Lücke unterbricht und widerspricht, heißt Kshatadrish, „von fehlerhaftem Blick“, der fünfte Schülertyp.
27.
pṛcchedyo vyāpakaḥ proktaḥ śiṣyaḥ śrāvakasaṃtatau ||27||
†
Übersetzung: Wer vom begonnenen Gedankengang abweichend nach einem anderen, nicht dazugehörigen Gegenstand fragt, heißt Vyapaka, der Abschweifende.
28.
na pṛcchetsvalpamapyarthaṃ pāti vāgmitvamātmanaḥ ||28||
†
Übersetzung: Wer stets schweigt, sei es weil er versteht oder aus Furcht trotz Nichtverstehens, und nicht einmal nach einer Kleinigkeit fragt, um seine vermeintliche Beredsamkeit zu schützen,
29.
avadhārya guroḥ samyak śāstramāmnāyadarśanāt ||29||
Übersetzung: heißt Palaka, der Bewahrer seines eigenen Ansehens. Wer die Lehre vom Guru aufmerksam nach der Überlieferung gehört hat,
30.
tataścetaśca purato vyākhyākāle kṛtodyamī ||30||
†
Übersetzung: aber danach sagt: „Ich habe daraus gar nichts behalten“, heißt Galaka, der es wieder Entgleitenlassende. Wer während der Auslegung tatkräftig nach vorn tritt,
31.
pṛṣṭo vāpyathavāpṛṣṭaḥ pṛcchakācāryayorapi ||31||
†
Übersetzung: und den Guru mit ausgezeichneter Rede hilfreich unterstützt, heißt Dhaureya, der Lastenträger. Ob gefragt oder ungefragt, gegenüber Fragendem wie Lehrer,
32.
yathoktaṃ guruṇā sarvamavicāryāgnivatsadā ||32||
†
Übersetzung: wer auch ohne Verständnis stets sagt: „So ist es“, heißt Anumata, der Zustimmende. Wer alles vom Guru Gesagte ohne Prüfung wie Feuer verschlingt,
33.
nīyate yena mārgeṇa tatra tatrāvicārataḥ ||33||
Übersetzung: heißt Pavaka, der Feuerartige. Wer auf jedem Weg, auf den man ihn führt, ohne Prüfung weitergeht,
34.
pravicārya dhiyā samyaggṛhṇātyarthaṃ guroḥ sadā ||34||
†
Übersetzung: und dabei freudig folgt, heißt Ambu, wasserartig. Wer aber mit Einsicht gründlich prüft und dann den Sinn des Gurus erfasst,
35.
ete śiṣyāḥ samākhyātā guroratra mahātmanaḥ ||35||
Übersetzung: wird Vicharadhi genannt, „von prüfender Einsicht“, der vorzüglichste unter den Schülern. Damit sind die Schülertypen des großen Gurus erklärt.
36.
yena yena prakāreṇa yo'vadhārayituṃ kṣamaḥ ||36||
†
Übersetzung: Als Befreiungssuchende sind sie für den Tantrakundigen alle gleich. Auf welche Weise ein Einzelner verstehen kann,
37.
yo'vadhārayituṃ śaktaḥ padoktividhidarśanāt ||37||
Übersetzung: auf eben diese Weise soll der Guru ihm die Lehre erklären. Wer den Sinn anhand der Wortgliederung erfassen kann,
38.
niṣkṛṣyārtho yathānyāyaṃ vaktavyaḥ suvicārataḥ ||38||
Übersetzung: dem zerlege man zuerst die Wörter, erkläre dann die Zusammensetzungen und arbeite den Sinn sachgemäß und wohlüberlegt heraus.
39.
vaiṣamyaṃ vastuno yasya koṭidvayapadakramāt ||39||
Übersetzung: Wenn zwischen früheren und späteren Aussagen ein Widerspruch erscheint und der Gegenstand an zwei Stellen unterschiedlich bestimmt wird,
40.
tena mārgeṇa tadvyākhyaṃ padaṃ sūtramathāpi vā ||40||
†
Übersetzung: dann erkläre man Wort oder Lehrsatz auf demjenigen Weg, durch den die Bedeutung des Gegenstands stimmig wird.
41.
na dṛśyate samīpasthavākyena munipuṅgava ||41||
Übersetzung: Wo sich der Sinn einer Aussage nicht aus einem benachbarten Satz bestimmen lässt, hervorragender Weiser,
42.
tisṛbhiḥ prakriyābhiśca svanāmapadacihnitam ||42||
†
Übersetzung: soll man weiter zurückliegende Aussagen zur sicheren Deutung heranziehen. Außerdem werden drei Verfahrensweisen und die jeweiligen Namen genannt; der genaue Anschluss ist unklar.
43.
tattvānāṃ bhuvanānāṃ ca krama eva prakīrtitaḥ ||43||
†
Übersetzung: Entsprechend der Aufnahmefähigkeit der Schüler zeige man die Macht der Mantras. Die Folge der Tattvas und Welten ist bereits erklärt. Die erste Halbzeile folgt einer ausdrücklich vorläufigen Lesung.
44.
evaṃ tāvatprakartavyaḥ paṭhedvālikhya yatnataḥ ||44||
†
Übersetzung: Auch bei der Einweihung wurde sie behandelt; deshalb wird sie hier nicht erneut ausführlich beschrieben. Man erkläre weiter, lese vor oder schreibe sorgfältig auf,
45.
sumedhasāṃ vicāroktyā yathoktaṃ śāsane mayā ||45||
Übersetzung: bis der Schüler den ganzen Sinn richtig erfasst hat. Für die Verständigen geschehe dies durch prüfende Erläuterung, wie ich es in der Lehre angegeben habe.
46.
dve koṭī saṃspṛśan gaccheddheyopādeyanāmanī ||46||
†
Übersetzung: Genau so ist die Auslegung klar und begründet auszuführen. Sie durchläuft beide Seiten: das Aufzugebende und das Anzunehmende.
47.
śāstrayuktyā prakartavyaṃ na svāmnāyādṛte kvacit ||47||
Übersetzung: Widersprüchliche, zweifelhafte, unpassende oder ungleichmäßige Aussagen sind durch die Begründung der Lehre in Zusammenhang zu bringen, niemals losgelöst von der eigenen Überlieferung.
48.
tadguroryuktidaurbalyādvijñeyaṃ vāgviḍambanam ||48||
†
Übersetzung: Wer einen Sinn durch widersprüchliches Zusammennehmen verschiedener Tantras gewinnt, zeigt die Schwäche der Begründung des Lehrers: Dies gilt als Wortspielerei.
49.
svāmnāyamārgamāśritya vacasā praguṇena tu ||49||
Übersetzung: Deshalb soll der tantrakundige Guru mit aller Sorgfalt auf dem Weg seiner eigenen Überlieferung bleiben und mit klarer Rede sprechen.
50.
śivaṃ pūjya guruṃ śāstraṃ śaktimuccārya puṣkalām ||50||
Übersetzung: Der Verständige lege die Lehre auf geradem Weg aus. Zuerst verehre er Shiva, den Guru und die Schrift und spreche die vollständige Shakti-Folge.
51.
tena ceṣṭena bhagavāniṣṭaḥ sakalaniṣkalaḥ ||51||
†
Übersetzung: Oder er verwende das erste Wortglied, den Pranava, hervorragender Weiser, weil es als alldurchdringend gilt. Durch dessen Verehrung wird der Erhabene als Sakala und Nishkala verehrt.
52.
guruvyāpārasaṃvyagraiḥ saṃkṣepānniyamo yataḥ ||52||
†
Übersetzung: Auch die Schüler sollen diesen Pranava regelgemäß verehren. Für jene, die vom Dienst am Guru beansprucht sind, ist dies die zusammengefasste Regel.
53.
vyākhyeyamakhilaṃ vācyaṃ paṭalaṃ vācakena tu ||53||
†
Übersetzung: Ohne Verehrung des höchsten Herrn wäre die Aufnahme der Lehre vergeblich. Der Vorleser trage zunächst das ganze auszulegende Kapitel vor.
54.
prabhorvaktrāmbujāyātaṃ vastumātraṃ gurukamāt ||54||
†
Übersetzung: Danach rezitiere er jeweils eine Strophe und erläutere ihren Zusammenhang: Die reine Wirklichkeit kam aus dem Lotusmund des Herrn durch die Guru-Folge.
55.
śrīkaṇṭhena tataḥ paścānmataṅgāya niveditam ||55||
Übersetzung: Sie wurde vom schöpferischen Vidyeshvara Shrikantha in Verse gefasst und danach Matanga mitgeteilt.
56.
prakāśitaṃ jagatyasmi~llokānugrahakāraṇāt ||56||
†
Übersetzung: Dieser machte die gesamte Erkenntnis mit seiner eigenen inneren Kraft in der Welt bekannt, um den Wesen Gnade zu vermitteln.
57.
mayedamapi vaktavyaṃ śṛṇudhvaṃ vinayānvitāḥ ||57||
Übersetzung: Der Lehrer sage: „Durch die Gnade der verehrungswürdigen Meister habe ich dies verstanden. Nun werde auch ich es erklären. Hört mit Bescheidenheit zu.“
58.
praṇamya bhagavandhanyā vayaṃ yuṣmatprasādataḥ ||58||
Übersetzung: Nach diesen Worten verneigen sich die Schüler mit dem Kopf zum Boden und sagen: „Erhabener, durch deine Gnade sind wir gesegnet.
59.
prasādābhimukhe nāthe kimanveṣyamataḥ param ||59||
Übersetzung: Solange du bei uns bist und uns gnädig zugewandt bleibst, wird die Verunreinigung unserer Unwissenheit zerstört. Was sollten wir darüber hinaus suchen?“
60.
yataḥ śaktisamāveśātprāptadīkṣā narottamāḥ ||60||
†
Übersetzung: Dann erkläre der Guru den Zusammenhang, beginnend mit Shakti. Denn durch ihr Eintreten haben diese Menschen die Einweihung erlangt.
61.
śivādhikārasaṃsthena tatpraṇītaṃ vacaḥ śanaiḥ ||61||
Übersetzung: Nach der Einweihung soll der im Shiva-Amt stehende Lehrer den innerlich vorbereiteten Schülern das von Shiva gelehrte Wort behutsam vortragen.
62.
dṛṣṭādṛṣṭaphalopetamaṅgīkṛtya padadvayam ||62||
Übersetzung: Er tue dies begründet und klar auf dem zuvor genannten Weg, unter Berücksichtigung der beiden Ziele mit sichtbarer und unsichtbarer Frucht.
63.
sa saṃbandha iti proktastatsamāptau phalaṃ yataḥ ||63||
Übersetzung: Die Hinwendung eines vom Samsara tief Abgewandten heißt hier Zusammenhang, Herr der Weisen, weil aus ihrer Vollendung die Frucht hervorgeht.
64.
vyakte yasminmunivyāghra nivṛttiḥ paramā bhavet ||64||
†
Übersetzung: Durch die Kraft des Beginnens, die als Zusammenhang ausführlich erklärt wird, tritt der Gegenstand hervor. Wenn er offenbar wird, entsteht die höchste Beendigung der Bindung.
65.
ṣaṭpadārthavicāroktiṃ vaktumabhyudyataḥ sa tu ||65||
Übersetzung: Dies heißt in diesem Tantra des höchsten Herrn der Zweck. Danach beginnt der Lehrer die prüfende Erklärung der sechs Kategorien.
66.
praṣṭavyaṃ vyaktaye śiṣyaiḥ saṃdehasya punaḥ punaḥ ||66||
†
Übersetzung: Dem angegebenen Verfahren folgend stelle er die Eigenschaften des Gegenstands dar; ein einleitendes Wort ist unsicher. Die Schüler sollen wiederholt fragen, damit Zweifel geklärt werden.
67.
tathā tathā pravaktavyaṃ śrotari pratyavasthite ||67||
Übersetzung: Der Guru wiederum erkläre jeweils so, dass der zuhörende Schüler wirklich folgen kann.
68.
praṣṭavyo vastu vaimalye na cānyatra kadācana ||68||
†
Übersetzung: Dabei gibt es fünf angemessene Arten des Einwands. Sie sind zur Klärung des Gegenstands vorzubringen, nicht aus anderen Gründen.
69.
prāksūcitaṃ virodhoktyā vivṛṇoti yadā guruḥ ||69||
Übersetzung: Sie betreffen Lehrsatz, Lehrsystem, behandelten Gegenstand, Wort und Kapitel. Wenn der Guru etwas zuvor Angedeutetes widersprüchlich erklärt,
70.
svasiddhāntasamāmnāyādgururanyānnidarśayan ||70||
†
Übersetzung: liegt im Einwand gegen den Lehrsatz kein Fehler. Wenn der Guru unter Berufung auf andere Quellen etwas aus einer fremden Lehrordnung vorführt,
71.
tasminnapi na doṣo'sti praṣṭurmunivareśvara ||71||
Übersetzung: und widersprüchlich mit der eigenen verbindet, liegt auch darin kein Fehler des Fragenden, Herr der Weisen.
72.
asaṃbandhavicāroktyā praṣṭavyastatra yatnataḥ ||72||
†
Übersetzung: Wenn statt des behandelten Gegenstands ein anderer ohne erkennbaren Zusammenhang erörtert wird, soll man aufmerksam nachfragen.
73.
kimarthaṃ vetsi bhagavaṃstatsāmyena nayedguruḥ ||73||
†
Übersetzung: „Zuvor wurde dieser Gegenstand im Abschnitt nicht so erklärt. Warum verstehst du ihn jetzt anders, Erhabener?“ Der Guru soll die Aussagen in Übereinstimmung bringen.
74.
kimarthaṃ bhavatā spaṣṭamanyathaiva prabhāṣitam ||74||
Übersetzung: „Die Bedeutung dieses Wortes kann hier nicht anders verstanden werden. Warum hast du sie deutlich anders erklärt?“
75.
adhyāye'sminyadārabdhaṃ vastusaṃtānamādarāt ||75||
Übersetzung: Auch in einem solchen Einwand liegt kein Fehler. Wenn in einem Kapitel ein bestimmter Gegenstand sorgfältig begonnen wurde,
76.
netumutsahate'yuktyā taccodyaṃ paṭalātmakam ||76||
Übersetzung: der Lehrer ihn aber verlässt und ohne Begründung in einen unverbundenen Bereich führt, betrifft der Einwand das Kapitel.
77.
vane naṭakavajjñeyo nirbhartsyaḥ sarvadā budhaiḥ ||77||
†
Übersetzung: Wer anders als in diesen fünf sachlichen Weisen fragt, gilt hier wie ein Schauspieler im Wald, ohne angemessenen Zusammenhang, und soll von Verständigen zurechtgewiesen werden.
78.
kvacidāmnāyataḥ sādhyaṃ vaidharmyeṇa kvacitkvacit ||78||
Übersetzung: Der Guru wiederum soll so erklären, dass kein Widerspruch bleibt. Manches ist aus der Überlieferung zu begründen, anderes durch den Gegensatz.
79.
kvacidvihāya svasthānātprakṛtaṃ vastu yuktitaḥ ||79||
Übersetzung: Manches wird aus dem Zusammenhang herangezogen, anderes durch ein Beispiel erklärt; zuweilen wird der behandelte Gegenstand begründet von seinem bisherigen Ort gelöst.
80.
kvacidiṣyaṃ samākṛṣya vākyamatrocyate kvacit ||80||
†
Übersetzung: Auch weit entfernte Aussagen können sachgemäß verbunden werden. Mitunter zieht man eine beabsichtigte Aussage heran, mitunter erläutert man einen einzelnen Satz.
81.
yatra yatra yathānyāyaṃ yena yena ca vartmanā ||81||
Übersetzung: Auch ein bereits bestimmter Sinn kann so bestätigt werden, andernorts durch die Kraft des Wortlauts. Auf welchem begründeten Weg jeweils,
82.
yathāvirodhataḥ sarvaṃ yāti tantraṃ śivātmakam ||82||
Übersetzung: ein Gegenstand verständlich gemacht werden kann, auf diesem soll er geprüft werden. So soll das gesamte Shiva-Tantra widerspruchsfrei erschlossen werden.
83.
samāptau tu guroḥ pādau praṇamya virametsudhīḥ ||83||
Übersetzung: Genau so erkläre der Acharya die Lehre, nicht anders, hervorragender Weiser. Am Ende verneige sich der Schüler vor den Füßen des Gurus und schließe das Studium ab.
84.
ya evaṃ kurute vyākhyāṃ prasannavadanaḥ sadā ||84||
Übersetzung: Nachdem er den erforderlichen persönlichen Dienst geleistet hat, bitte er ordentlich um Nachsicht. Wer als Lehrer stets mit heiterem Gesicht so auslegt,
85.
yaścaivaṃ śṛṇuyādbhaktyā śivārpitamanāḥ sadā ||
Übersetzung: führt seine Schüler über dieses Meer des Samsara. Und wer so hingebungsvoll hört, mit stets Shiva zugewandtem Geist, ist geeignet, hier den Weg der Guru-Überlieferung zu bewahren.
86.
tadvaktrānalaraśmibindunikaraiḥ prakhyāpitaṃ bhūtale |
yasyāśeṣakaṣāyarāśiviṣayapradhvastasaṅgaṃ manaḥ
†
Übersetzung: Der jeweils eigene erhabene Lebenswandel ist in der Weisung des Herrn zu bewahren, die wie Strahlen und Lichttropfen aus seinem Mundfeuer auf Erden verkündet wurde. Wer im Geist nicht mehr an den Gegenständen seiner Restprägungen haftet und zuvor durch Shakti erhoben wurde, vermag ihn zu bewahren.
87.
vṛttaṃ caturṇāmapi leśayaiva |
bhūyo'pi samyakpravibhāgayuktyā
†
Übersetzung: Damit ist der Lebenswandel aller vier Gruppen der Reihe nach kurz unterschieden und erklärt. Nun werde ich den Bereich der Caryā nochmals sachgemäß gliedern und genauer bestimmen.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 4. Kapitel: Verpflichtungen.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 5
Übersetzung: Bestimmung der Dreiheit
1.
vibhāgaśaḥ punasteṣāṃ caryābhedastridhā smṛtaḥ ||1||
Übersetzung: Die standhaften Gruppen vom Acharya bis zum Samayin sind erklärt. Für sie wird der Lebenswandel weiterhin in drei Arten unterschieden.
2.
vāsanāto vibhidyante teṣāṃ vakṣyāmi lakṣaṇam ||2||
Übersetzung: Alle lieben ihren eigenen Lebenswandel, und ihre Einsicht ist durch die Lehre erhellt. Nach ihren inneren Prägungen unterscheiden sie sich; ich werde ihre Kennzeichen erklären.
3.
lakṣābhyāsajaye sakto yogīti paribhāṣyate ||3||
†
Übersetzung: Der Handelnde widmet sich äußerlich und innerlich Bad, Verehrung und Feuerhandlung. Wer auf die Meisterung des Meditationsziels ausgerichtet ist, heißt Yogi.
4.
sitaṃ cāpyasitaṃ karma loke tāvatpratiṣṭhitam ||4||
Übersetzung: Wer an der Vertiefung der Erkenntnis Freude hat und dessen Zweifel getilgt sind, heißt Jnanin. In der Welt besteht zunächst die Unterscheidung von heller und dunkler Handlung.
5.
vāpīkūpataḍāgādyaṃ sitametatprakīrtitam ||5||
Übersetzung: Gewalt, Diebstahl und Ähnliches gelten als dunkle Handlungen. Das Anlegen von Zisternen, Brunnen, Teichen und Ähnlichem heißt hell.
6.
bhogopodbalakaṃ bhokturasitaṃ sadaiva tat ||6||
†
Übersetzung: Diese beiden Seiten sind für alle Lebewesen angedeutet. Soweit Handlung nur weitere Erfahrung für den Erfahrenden stärkt, wird sie hier weiterhin als dunkel beurteilt.
7.
karmākarmavidhāne'smin proktaṃ taddhi sitāsitam ||7||
†
Übersetzung: Im Vergleich mit den vedisch vorgeschriebenen Wegen wie Agnishtoma wird eine gemischte helle und dunkle Handlung unterschieden.
8.
etāvattrividhaṃ karma neṣṭaṃ śāstre śivodite ||8||
Übersetzung: Als weitere helle Handlung gilt in weltlichen Lehrsystemen die innere Übung. Diese drei Arten bilden jedoch nicht das eigentliche Ziel der von Shiva gelehrten Schrift.
9.
dīkṣājñānasametatvāditareṣāṃ viśiṣyate ||9||
Übersetzung: Die von mir zur Vollendung erklärte helle Handlung, großer Weiser, unterscheidet sich von den anderen, weil sie mit Einweihung und Erkenntnis verbunden ist.
10.
prayātyutkṛṣṭavapuṣā sthānaṃ sthānavatāṃ varam ||10||
†
Übersetzung: Nach dem ausführlichen Genuss freudvoller Erfahrungen gelangt der Übende mit erhöhter Gestalt zum höchsten Zustand der Zustandsinhaber.
Übersetzung: Matanga sprach:
11.
mantrairnirvartyate tacca mantrāścāpyavinaśvarāḥ ||11||
Übersetzung: Matanga fragt: Die in den Veden und anderen Schriften enthaltene Handlung hast du als hell-dunkel bezeichnet. Doch auch sie wird mit Mantras ausgeführt, und Mantras gelten als unvergänglich.
12.
vedavākyabalopetā kriyate yuktivādibhiḥ ||12||
Übersetzung: Die Handlung wird als fruchtbringend erklärt und von den besten Brahmanen aufgrund vedischer Aussagen und vernünftiger Begründung ausgeführt.
13.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Bei beiden Wegen ist eine Frucht der Handlung festzustellen. Die Antwort: Das ist richtig, o Weiser; doch sie gehört zur von der höchsten Ursache abhängigen Welt.
14.
nirindriyā hyasvatantrāścaitanyabalavarjitāḥ ||14||
Übersetzung: Woran erkennt man dies? Die Welt ist nicht selbstständig. Die betreffenden Mächte werden hier als ohne eigene Sinnes- und Bewusstseinskraft und als abhängig beschrieben.
15.
neṣṭā naiḥśreyase vipra tanmantrāśca vinaśvarāḥ ||15||
†
Übersetzung: Ohne Mitgefühl, ohne verlässliche Zuwendung und ohne den höchsten Halt sind sie für das letzte Heil nicht anzunehmen, Brahmane. Ihre Mantras werden in dieser Abgrenzung als vergänglich bezeichnet.
16.
śabdamātraguṇopetāścidvīryaparivarjitāḥ ||16||
†
Übersetzung: Nach der Unterscheidung von Bezeichnetem und Bezeichnung werden sie als bloße Lautformen ohne eigene Bewusstseinskraft beurteilt.
17.
na ca śakrapadādūrdhvaṃ kriyāto'sti phalaṃ kvacit ||17||
Übersetzung: Die durch Handlungskraft wirksamen Riten tragen Früchte, o Weiser. Doch durch solche Handlung allein gibt es hier keine Frucht oberhalb des Indra-Zustands.
18.
vedāntadarśanātsiddhāḥ sarve'pyasmiṃśca liṅginaḥ ||18||
†
Übersetzung: Auch das höchste Brahman wird durch Brahma-Erkenntnis erreicht. Die im Vedanta begründeten Träger entsprechender religiöser Zeichen werden in diesem Zusammenhang genannt.
19.
pralayotpattisādharmyānmūrtitvaṃ supratīyate ||19||
†
Übersetzung: Die Seher beschreiben auch dort Gestalten der Gottheiten. Weil diese Entstehung und Auflösung unterliegen, ist ihre gestaltgebundene Natur erkennbar.
20.
bhoktumutsahate vipra kiṃ punaḥ pralayātmakam ||20||
Übersetzung: Niemand würde aus völliger Freiheit auch nur geringes Leid erfahren wollen, o Weiser, um wie viel weniger die Auflösung seines Zustands.
21.
eka eva samastasya jagataḥ parameśvaraḥ ||21||
Übersetzung: Daher ist die Vielfalt der Welt auf den höchsten Herrn zurückzuführen. Er allein ist der höchste Herr der ganzen Welt.
22.
yadyapyātmā samastasya karmaṇaḥ parikīrtitaḥ ||22||
Übersetzung: Er gilt als frei, allwissend, ewig, als Urheber und Ursache. Zwar wird die Seele als Handelnde aller Tätigkeiten bezeichnet,
23.
pravartate'svatantratvātpaśurasminmahadhvani ||23||
†
Übersetzung: der hellen, dunklen und übrigen; doch sie wirkt auf Antrieb Ishvaras, weil die gebundene Seele auf diesem großen Weg nicht unabhängig ist.
Übersetzung: Matanga sprach:
24.
vihitānyatra varṇānāṃ trayāṇāmapyanukramāt ||24||
Übersetzung: Matanga fragt nach den besonderen mantrageleiteten Handlungen der Zweimalgeborenen und der abgestuften Ordnung der drei gesellschaftlichen Gruppen.
25.
mantrasaṃskārarahitaṃ ja[gha]nyatvācca jātitaḥ ||25||
†
Übersetzung: Auch der Shudra besitzt einen eigenen Lebenswandel, nach der damaligen Hierarchie jedoch ohne vedische Mantra-Weihen. Die im Text behauptete niedrigere Geburt ist eine historische soziale Wertung.
26.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Besteht diese Unterscheidung auch hier oder entfällt sie, weil die Mantra-Weihe allen gemeinsam ist? Die Antwort: Diese Einweihung des höchsten Herrn,
27.
mlecchānāmapi bhaktānāṃ satiraścāṃ pracodanāt ||27||
†
Übersetzung: ist unabhängig von der Zugehörigkeit zu den vier Varnas, großer Weiser. Sie gilt auf Befehl des Herrn auch für hingebungsvolle Außenstehende und sogar Tiere.
28.
te'nācārapathānītāḥ saṃvṛttena samānatā ||28||
†
Übersetzung: Sie wird entsprechend vollzogen, Brahmane. Die anschließende Aussage grenzt stark missbilligten Lebenswandel ab und behandelt die Gleichstellung im gesellschaftlichen Umgang; der genaue Wortlaut ist schwierig.
29.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Dabei werden Lager, Sitze, Nahrung und Getränke getrennt gehalten. Als Gegenbeispiel nennt der Text einen Brahmanen, der für einen Shudra ein Ritual mit Mantras, Darbha und Ghee vollzieht. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
30.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Er wird nach dieser traditionellen Regel sogar stärker getadelt. Hier besteht jedoch eine eigene Beauftragung der Gruppen durch das Wort des höchsten Herrn. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
31.
caturdhā saṃsthitā varṇāḥ svaniyogavaśānugāḥ ||31||
Übersetzung: Samayin, Eingeweihter, Sadhaka und Guru: In diesen vier Gruppen stehen sie hier, jeweils ihrer eigenen Aufgabe folgend.
32.
yathā lokasthito'nyatra svācāro'bhimataḥ sadā ||32||
†
Übersetzung: Die Beauftragung ist der Befehl des Herrn und muss sorgfältig bewahrt werden. So wie anderswo der jeweilige Lebenswandel anerkannt wird,
33.
jātibhedavyavastheyaṃ laukikī parikīrtitā ||33||
Übersetzung: ist auch hier ein eigener Lebenswandel erklärt, hervorragender Weiser. Die Einteilung nach Geburtsgruppen wird als weltliche Ordnung bezeichnet.
34.
prāk śaktikiraṇāghātāḥ paścānmantraiḥ śivātmakaiḥ ||34||
†
Übersetzung: Auch hier wurde eine geordnete Folge zur Erhaltung der Gemeinschaft dargelegt. Zuerst werden die Menschen von Shaktis Strahlen getroffen, danach mit Shiva-Mantras geweiht.
35.
nikhilena śivoktena saṃskṛtāḥ śivamūrtinā ||35||
Übersetzung: Im Weiheverfahren werden sie in den Schoß der Göttin der Rede eingesetzt und durch den ganzen von Shiva erklärten Vorgang vom Acharya in Shiva-Gestalt gereinigt.
36.
mataṅga uvāca —
†
Übersetzung: Warum missbilligst du dann ihre Gleichstellung? Die gewöhnliche Geburt aus der fruchtbaren Verbindung der Eltern beruht bei allen auf karmischer Reifung. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
37.
kledaviṇmūtrasaṃpūrṇe durgandhoṣmasamākule ||37||
Übersetzung: Dadurch wächst der Körper im schwer erträglichen Mutterleib, den der Text als von Feuchtigkeit, Ausscheidungen, Geruch und Wärme erfüllt beschreibt.
38.
bhoktṛtvamalasāmānyācciddharmi viṣayāspadam ||38||
†
Übersetzung: Mit seinen abgeleiteten Gliedern wird er zum Träger von Freude und Leid. Durch die gemeinsame Verunreinigung des Erfahrendseins dient er dem Bewusstsein als Gegenstandsgrundlage.
39.
sāmānyendriyadharmitvādviśeṣo'tra kimātmakaḥ ||39||
Übersetzung: Alle teilen die Furcht vor Geburt, Krankheit, Alter und Tod und dieselben grundlegenden Sinneseigenschaften. Worin sollte hier ein wesentlicher Unterschied bestehen?
Übersetzung: Parameshvara sprach:
40.
viśiṣṭaḥ sarvavarṇānāṃ yo'nudhyātā mahāmune ||40||
†
Übersetzung: Die Unterschiede sind konventionelle Festlegungen zur Ordnung des Lebenswandels. Unter allen Gruppen ist derjenige ausgezeichnet, den die göttliche Hinwendung erfasst hat, großer Weiser.
41.
ekānnabhojanācchādā yatīnāṃ hi pṛthak pṛthak ||41||
†
Übersetzung: Deshalb ist die Regel getrennter Lager und Sitze nicht aus einer wesentlichen Verschiedenheit zu begründen. Getrennte Nahrung und Kleidung für Asketen,
42.
anyatrāpi munivyāghra vihitaṃ niyamātmakam ||42||
Übersetzung: sind vom Herrn zur Reinheit vorgesehen, ebenso das Essen aus getrennten Gefäßen. Auch andernorts bestehen solche Regeln, hervorragender Weiser.
43.
savarṇāḥ śarvabhāvāḥ syurye śivārpitabuddhayaḥ ||43||
†
Übersetzung: Aus der gemeinsamen Zugehörigkeit entsteht kein Fehler. Diejenigen, deren Einsicht Shiva hingegeben ist, gehören im Shiva-Wesen derselben Gruppe an.
44.
prāpyate aihyate vātha phalamiṣṭamudāravat ||44||
†
Übersetzung: Weil sie denselben grundlegenden Dharma besitzen, wird die ersehnte hohe Frucht nicht allein durch gemeinsames Essen aus einem Gefäß gewonnen oder vermehrt.
45.
tathāpi sthitaye cāryo vidhiḥ śaucāya suvrata ||45||
†
Übersetzung: Was durch Shaktis Kraft erlangt wurde, kann dadurch auch nicht verhindert werden. Dennoch ist das Reinheitsverfahren zur Erhaltung der Ordnung zu beachten, du Gelübdetreuer.
46.
yogī ca yogayuktātmā niḥsaṅgaḥ parikīrtitaḥ ||46||
Übersetzung: Dies gilt besonders für den rituell Handelnden. Der Erkennende ruht frei, und der ganz im Yoga gesammelte Yogi wird als anhaftungsfrei bezeichnet.
47.
karmī ca bhaktiyuktātmā catuṣkālodyamī sadā ||47||
Übersetzung: Deshalb wird dieses ganze Verfahren hier besonders dem Handelnden empfohlen. Hingebungsvoll ist er stets zu den vier Zeiten tätig.
48.
muktaye tena tatkarma samayajñasya kīrtitam ||48||
Übersetzung: Er vollzieht nach Vermögen Gottesverehrung und Feuerhandlung, großer Weiser. Für den regelkundigen Übenden wird diese Handlung als zur Befreiung führend erklärt.
49.
devāgnigurukāryeṣu carato'pi yatastataḥ ||49||
†
Übersetzung: Sie ist die vierte Art gegenüber den zuvor unterschiedenen dunklen und weiteren Handlungen. Wenn er sich dem Dienst an Gottheit, Feuer und Guru widmet,
50.
gurorapi niyogitvātkarma proktaṃ sanātanam ||50||
Übersetzung: entsteht daraus keine Bindung durch Handlung, weil sie auf Befreiung gerichtet ist. Auch dem Guru ist wegen seiner Beauftragung eine dauerhafte Tätigkeit vorgeschrieben.
51.
nārpitaṃ svādhikārādyaṃ śiṣyasya sumahātmanā ||51||
†
Übersetzung: Er hat alles regelgemäß zu erfüllen, bis er auf Antrieb der höchsten Ursache sein Amt und dessen Aufgaben einem Schüler übertragen hat.
52.
samadarśī jitadvandvo dayāvānsarvajantuṣu ||52||
Übersetzung: Der Yogi nehme wenig Nahrung und Wasser zu sich, halte seine Rede in Zucht und sei beherrscht, gleichmütig, über die Gegensatzpaare hinausgewachsen und mitfühlend gegenüber allen Wesen.
53.
samatā yogino dṛṣṭā śāstre'sminsuviniścayāt ||53||
Übersetzung: Gegenüber Freund und Feind, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage wird in dieser Lehre der Gleichmut des Yogis eindeutig verlangt.
54.
bahirmāyātmakaṃ sarvaṃ jagadetaccarācaram ||54||
Übersetzung: Der Erkennende ist stets gesammelt und in innerer Vergegenwärtigung gegründet. Die ganze bewegte und unbewegte äußere Welt erkennt er als Maya-haft.
55.
nānudhyānācchivenotthaṃ kaścidvārayituṃ kṣamaḥ ||55||
†
Übersetzung: Ohne an ihr zu haften wandert der Wissende frei auf Erden. Niemand kann den durch Shivas Hinwendung Erhobenen aufhalten.
56.
sa niruddhajagatkṣipramudbhūtātmā svatejasā ||56||
†
Übersetzung: Der Herr hält die ganze Welt durch seine eigene Shakti. Wenn diese bindende Weltordnung zurückgenommen ist und das eigene Licht offenbar wird,
57.
tasmānmāyātmakādbandhādviśliṣṭaḥ śuddhatejasi ||57||
Übersetzung: wer könnte die frei gewordene Seele bei ihrem spielerischen Wandeln hindern? Sie ist aus der Maya-Bindung gelöst und ruht im reinen Licht.
58.
mataṅga uvāca —
†
Übersetzung: Weil sie in ihrem eigenen Wesen besteht, ist Freiheit ihres Verweilens angemessen. Bei den von Maya unterschiedenen Rudras besteht dagegen noch eine Verunreinigung. (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Matanga sprach.)
59.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: Durch sie bleiben sie als Wirkungen stets vom Herrn abhängig. Für die Seelen, die im reinen Adhvan Erfahrungen genießen, (Sprecherwechsel innerhalb des Verses: Parameshvara sprach.)
60.
niyuktāḥ paśumokṣāya na ca te paśumūrtayaḥ ||60||
†
Übersetzung: wirken die aus dem Licht des spielenden höchsten Herrn hervorgegangenen Shaktis. Sie sind zur Befreiung der Seelen beauftragt und keine gewöhnlichen gebundenen Gestalten.
61.
nityā rudrāṇavo hyete seśvarāḥ śuddhavartmani ||61||
Übersetzung: Die Schöpfung ist zweifach und steht stets unter Ishvara. Diese Rudra-Seelen auf dem reinen Weg sind ewig, besitzen aber einen Herrn über sich.
62.
tadātmakena bhāvena te'ṇutvena vyavasthitāḥ ||62||
Übersetzung: Sie werden nicht als völlig Nishkala bezeichnet, weil ihre Gestalt an das göttliche Spiel gebunden bleibt. In dieser Weise bestehen sie als einzelne Seelen.
63.
śuddhāṇunilayā sūkṣmā prabhoḥ sā krīḍanātmikā ||63||
Übersetzung: Die grobe Maya-Schöpfung ist der Aufenthaltsbereich der gebundenen Seelen. Die feine Schöpfung der reinen Seelen gehört zum Spiel des Herrn.
64.
sukhamatyantaniyataṃ kiṃ tu tatseśvaraṃ matam ||64||
Übersetzung: Dort gibt es nicht das geringste Leid, Herr der Weisen. Freude ist dort sicher; dennoch gilt dieser Bereich als einem Herrn unterstellt.
65.
sāmānyena smṛtā saṃkhyā paramārtho'nyathā mune ||65||
Übersetzung: Die Shaktis des höchsten Herrn habe ich bereits erklärt. Ihre Zahl wurde allgemein angegeben; die eigentliche Wirklichkeit geht darüber hinaus, o Weiser.
66.
sṛṣṭirdvayaṃ vibhoḥ kāryaṃ taccoktaṃ munipuṅgava ||
†
Übersetzung: Die untadelige, als Ursache bezeichnete Kraft des Herrn ist unendlich. Beide Schöpfungen sind seine Wirkungen, wie erklärt, hervorragender Weiser. Deshalb lassen sie sich auch durch ausführliche Aufzählung nicht erschöpfend gliedern.
67.
vistīrya yuktyā bhuvi dīkṣitānām |
nirvakṣyate śaucavidhervibhāgo
†
Übersetzung: Damit ist das angemessene Verfahren der drei Arten von Eingeweihten auf Erden ausführlich und begründet erklärt. Nun wird die Einteilung der Reinheitsregeln dargelegt. Nimm sie aufmerksam in Kürze auf, o Weiser.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 5. Kapitel: Bestimmung der Dreiheit.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 6
Übersetzung: Verfahren der Reinigung
1.
bāhyāvayavasaṃśuddhiradbhiḥ śastā mṛdā saha ||1||
Übersetzung: Nun ist das Reinheitsverfahren an der Reihe und wird erklärt. Für die Reinigung der äußeren Körperteile werden Wasser und Erde empfohlen.
2.
garvasya śamatā dṛṣṭā śuddhyarthamavicārataḥ ||2||
Übersetzung: Der Geist wird durch Wahrhaftigkeit gereinigt, die Sinne durch Selbstbeherrschung und die weiteren Regeln. Zur Reinigung des Stolzes dient das Zur-Ruhe-Kommen.
3.
prāṇāḥ śudhyanti vidhivatprāṇāyāmabalātsadā ||3||
Übersetzung: Für Buddhi wird die Reinigung durch das Aufgeben von Anhaftung erklärt, hervorragender Weiser. Die Lebenswinde werden durch regelgerechte Atemübung gereinigt.
4.
vivekācchudhyate hyātmā yathoktaṃ parameṣṭhinā ||4||
Übersetzung: Für das aus den Gunas bestehende Pradhana wird Meditation als Reinigung genannt. Die Seele wird durch unterscheidende Erkenntnis rein, wie der höchste Herr gelehrt hat.
Übersetzung: Matanga sprach:
5.
tāmadyātra yathānyāyaṃ śrotumicchāmi śaṃkara ||5||
†
Übersetzung: Matanga bittet: Die Reinigung der äußeren Körperteile hast du zuvor nur angedeutet. Nun möchte ich sie regelgemäß hören, Shankara.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
6.
kartavyaṃ sādhakendreṇa yathāvatkathayāmi te ||6||
Übersetzung: Die Antwort: Zum Entfernen von Geruch und anhaftender Verschmutzung soll der Sadhaka die angemessene Reinigung sorgfältig vollziehen. Ich erkläre sie dir genau.
7.
mṛdaḥ sasiktāḥ śastāḥ kṛmikeśādivarjitāḥ ||7||
†
Übersetzung: Man verwende klares, unverändertes, durch ein Tuch gefiltertes Wasser. Empfohlen wird angefeuchtete Erde ohne Würmer, Haare und ähnliche Bestandteile.
8.
liṅgamādau tu saṃgrāhya tisṛbhirvāmapāṇinā ||8||
†
Übersetzung: Sie stamme von einem geeigneten Ort, rieche angenehm und sei frei von Gras. Zuerst wasche man das Geschlechtsorgan mit der linken Hand und drei Portionen Erde.
9.
tāvatya eva dātavyāḥ pañca pāṇidvayorapi ||9||
†
Übersetzung: Zwischendurch reinige der Verständige die Hand mit derselben Anzahl; danach beide Hände mit fünf Anwendungen.
10.
pāyau sapta mṛdo deyāstvakṣamātrā vipaścitā ||10||
Übersetzung: Nach der Darmentleerung ist die folgende Reinigung vorgesehen: Am After verwende der Verständige sieben kleine, etwa samenkugelgroße Portionen Erde.
11.
sapta dattvā munivyāghra kṣālayedvimalāmbhasā ||11||
Übersetzung: Zwischendurch gebe er jeweils drei auf die Hand, danach sieben auf beide Hände und wasche mit klarem Wasser, hervorragender Weiser.
12.
dhārayenmṛdamādāya vāmahastena pañcadhā ||12||
†
Übersetzung: Dann stehe er auf und reinige behutsam Hüfte, Oberschenkel, Unterschenkel und Füße, mit der linken Hand Erde aufnehmend, fünfmal.
13.
śoṣayitvā karau bhasma pūrvavacca samālabhet ||13||
†
Übersetzung: Anschließend wasche er wie zuvor auch die Hände sorgfältig. Nach dem Trocknen trage er Asche auf wie bereits erklärt.
14.
nābherūrdhvamadhastādvā mṛdbhiḥ śudhyati saptabhiḥ ||14||
Übersetzung: Nach dem Belecktwerden durch Hund, Katze, Esel oder ähnliche Tiere unterscheidet die Vorschrift zwischen Baden bei Berührung oberhalb des Nabels und sieben Erdanwendungen unterhalb.
15.
japtavyaṃ śatamekaṃ syāddviguṇaṃ mantravedinā ||15||
Übersetzung: Bei Berührung des Kopfes bade der Mantrakundige und rezitiere die fünf Vidya-Glieder hundertmal oder doppelt so oft; die Bedingung der Verdopplung bleibt offen.
16.
bāhyavarṇasya saṃsparśādvāruṇaṃ snānamācaret ||16||
Übersetzung: Nach Berührung durch einen Nicht-Eingeweihten sieht die historische Regel ein Aschebad vor, nach Berührung durch einen außerhalb der Varnas Stehenden ein Wasserbad.
17.
nirmālyasaṃkarātkāmātsaṃpūjyaścaṇḍanāyakaḥ ||17||
Übersetzung: Nach Samenerguss bade man und rezitiere die fünf Brahma-Mantras. Bei absichtlichem Umgang mit gebrauchten Opfergaben ist der Herr Chandesha zu verehren.
18.
akāmato vā saṃparkātkevalasya śataṃ japet ||18||
Übersetzung: Danach rezitiere man seinen Mantra samt Gliedern hundertmal. Bei unbeabsichtigter Berührung genügen hundert Wiederholungen des Grundmantras.
19.
mṛtpātramagninā dagdhaṃ śaṅkātaḥ śudhyate'tra hi ||19||
†
Übersetzung: Nach versehentlichem Essen solcher Gaben wird eine Verehrung genannt; der genaue Anschluss ist unsicher. Ein irdenes Gefäß wird bei Reinheitszweifeln durch erneutes Brennen gereinigt.
20.
kṣārodakādvastraśuddhiḥ svalpena malalepataḥ ||20||
†
Übersetzung: Ein Holzgefäß wird durch Abschaben gereinigt, ein Metallgefäß durch Waschen und Reiben mit Stein. Stoff wird bei leichter anhaftender Verschmutzung mit alkalischem Wasser gereinigt.
21.
vāriṇā raupyahemāderdhātuvargasya kīrtitā ||21||
Übersetzung: Für Kupfergefäße wird Säure, für Bronze Asche genannt; Silber, Gold und andere Metalle werden mit Wasser gereinigt.
22.
jalajānāṃ ca sarveṣāṃ vaiṇavānāṃ tathāmbhasā ||22||
†
Übersetzung: Steingefäße reinige man mit angerührter Asche, Gefäße aus wassergeborenen Stoffen und Bambus mit Wasser.
23.
snigdhānāṃ rūkṣaṇācchuddhiḥ pātrāṇāṃ parikīrtitā ||23||
Übersetzung: Fruchtschalen-Gefäße werden mit Rinderhaar und Wasser abgerieben. Fettige Gefäße werden durch Entfetten gereinigt.
24.
mṛtpātrāṇi samastāni saṃtyājyāni tu saṃkarāt ||24||
†
Übersetzung: Irdene Gefäße sollen nach der historischen Reinheitsordnung bei Verunreinigung durch Kot, Urin, Alkohol, gebrauchte Opfergaben sowie bestimmten sozial oder körperlich definierten Kontakten ausgesondert werden.
25.
śatamuktaḥ parā niṣṭhā vāgdoṣāddviguṇaṃ bhavet ||25||
†
Übersetzung: Bei versehentlicher Verletzung der Verpflichtungen wird hundertfache Shakti-Rezitation als höchste Abhilfe genannt; bei einem Fehler der Rede die doppelte Zahl.
26.
śatamekaṃ sahasraṃ vā lakṣaṃ vā suvicārya tu ||26||
Übersetzung: Nach dem Essen unzulässiger Nahrung rezitiere man den Gott samt seinen Gliedern hundert-, tausend- oder hunderttausendmal, nach sorgfältiger Beurteilung des Falls.
27.
nyāyopārjitaṃ sadvṛttātsato grāhyaṃ vijānatā ||27||
†
Übersetzung: Dasselbe Verfahren ist für verbotenen Geschlechtsverkehr angegeben. Der Verständige nehme seinen Lebensbedarf von einem rechtschaffenen Menschen an, der ihn rechtmäßig erworben hat.
28.
vastraśayyāsanādīnāṃ gāyatryāḥ śatamabhyaset ||28||
Übersetzung: Er nehme, was zum Erhalt angemessen ist, niemals aus Habgier mehr. Bei Gewändern, Lagern und Sitzen wird hundertfache Gayatri-Rezitation genannt.
29.
śudhyate niyaternityamanyāyānmunipuṅgava ||29||
†
Übersetzung: Was für den Dienst an Gottheit, Feuer und Guru angenommen wurde, wird durch die entsprechende Darbringung gereinigt; die Aussage über unrechtmäßigen Erwerb bleibt im Anschluss unklar.
30.
sarvebhyaḥ sarvadā grāhyaṃ na doṣo'styatra śāsane ||30||
Übersetzung: Arznei für erschöpfte oder kranke Asketen darf stets von allen angenommen werden. Darin besteht nach dieser Lehre kein Fehler.
31.
saṃspṛṣṭaṃ līḍhamāghrātaṃ jñātvā vastubalābalam ||31||
Übersetzung: Wurde etwas von Esel, Kamel, Krähe, Katze, Hund, Schakal oder ähnlichen Tieren berührt, beleckt oder beschnuppert, berücksichtige man die Beschaffenheit des Gegenstands.
32.
sutaptasya śṛtasyātha śuddhirājyasya kīrtitā ||32||
†
Übersetzung: Er wird durch Besprengung, Waschen oder Entfernen der äußeren Schicht gereinigt. Für Ghee wird Reinigung durch gründliches Erhitzen erklärt.
33.
guḍasyāpi viśiṣṭānāṃ prokṣaṇādeva kevalāt ||33||
†
Übersetzung: Salz wird durch erneutes Kochen mit Wasser gereinigt. Für Zucker und besonders geeignete Stoffe wird auch bloße Besprengung genannt; die Zuordnung ist nicht völlig eindeutig.
34.
phalānāṃ kṣālanācchuddhirdadhnaścaiva nirīkṣaṇāt ||34||
Übersetzung: Honig und Zuckerrohrsaft werden nach der Vorschrift durch Erhitzen gereinigt, Früchte durch Waschen und Dickmilch durch rituelles Betrachten.
35.
śudhyate prokṣaṇātsarvaṃ paryagnikaraṇena ca ||35||
†
Übersetzung: Milch wird durch Aufkochen gereinigt. Die übrigen Getränke werden durch Besprengung und das Umführen von Feuer rituell gereinigt.
36.
apavādādgurorvācaḥ śuddhirabdairniyamya tu ||36||
†
Übersetzung: Gekochte Speisen werden ebenfalls durch Besprengung und Umführen von Feuer gereinigt. Nach Verleumdung des Gurus wird eine länger dauernde Zucht vorgesehen; die Zeitangabe ist unsicher.
37.
pramādataḥ parijñāya śuddhiḥ śaktijapātsadā ||37||
Übersetzung: Hat man anderen durch Rede, Geist oder Körper aus Unachtsamkeit Leid verursacht und dies erkannt, wird Shakti-Rezitation als Reinigung genannt.
38.
gurornivedya kartavyaṃ gurorvā rocate yathā ||38||
†
Übersetzung: Je nach Fall hundert-, zweihundert- oder tausendmal. Man teile es dem Guru mit und handle nach seiner angemessenen Anweisung.
39.
gurulaghuviniyogātsādhakānāṃ trisaṃkhyam |
kathitamiha samagraṃ sāṃprataṃ vartanārthaṃ
†
Übersetzung: Damit ist das geeignete allgemeine Verfahren für die drei Arten von Sadhakas erklärt, nach leichteren und schwereren Fällen abgestuft. Nun wird dir die aus Shivas Mund hervorgegangene Ordnung des Lebensunterhalts sachgemäß dargelegt.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 6. Kapitel: Reinheit.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 7
Übersetzung: Bettelgang
1.
tathā te saṃpravakṣyāmi śṛṇu vipreśvareśvara ||1||
†
Übersetzung: Nun werde ich dir erklären, wie Asketen den Bettelgang richtig vollziehen sollen. Höre, Vorzüglicher unter den Brahmanen.
2.
madhyāhnādvā tu vidvadbhiḥ kṛtarakṣaḥ prayatnavān ||2||
Übersetzung: Nachdem alle Aufgaben erfüllt sind, beginne der Verständige aufmerksam und mit angelegtem Schutz nach Mittag oder wenn die Sonne westwärts steht.
3.
jyotīrūpapadaṃ dhyātvā kṣālayetpātramādarāt ||3||
†
Übersetzung: Mit Shivas machtvollem Astra reinige er die Richtungen. Unter Vergegenwärtigung von jyotīrūpa wasche er sorgfältig die Schale.
4.
sarvabhūtasukhaṃ devaṃ japangacchecchanaiḥ śanaiḥ ||4||
†
Übersetzung: Er verneige sich vor dem Herrn als höchster Ursache und vor dem Guru und betrete den Ort. Langsam gehe er, den Gott als Glück aller Wesen rezitierend.
5.
vaidyanāpitagopālamallaśauṇḍikakārukān ||5||
Übersetzung: Der Sadhaka suche Almosen bei den vier Varnas. Die historische Vorschrift nennt Ärzte, Barbiere, Viehhirten, Ringer, Schankwirte und Handwerker als ausgeschlossene Gebergruppen.
6.
kusīdavārdhuṣī kuṇḍagolakāṃśca parityajet ||6||
†
Übersetzung: Auch das Haus des Dorfvorstehers, Geldverleiher, Zinsnehmer und Menschen bestimmter damals abgewerteter Abstammungsgruppen werden ausgeschlossen.
7.
tathā devalakāścānye bhraṣṭaśaucāśca ye narāḥ ||7||
†
Übersetzung: Weitere Ausschlüsse betreffen bestimmte Partnerbeziehungen, Eunuchen, Menschen schlechten Lebenswandels, gewerbsmäßige Dorfbitsteller, Tempeldiener und als unrein Beurteilte.
8.
madyāmiṣapramodāḍhyaṃ tyājyaṃ tadveśma yatnataḥ ||8||
Übersetzung: Alle mit unrechtmäßigem Lebensunterhalt soll der Almosenessende meiden. Ein Haus voller Alkohol-, Fleisch- und Vergnügungsbetrieb soll er sorgfältig umgehen.
9.
tadgṛhaṃ na praveṣṭavyaṃ yacca strīkaśmalaṃ mune ||9||
†
Übersetzung: Auch Häuser mit Hühnern, Hunden, Eseln oder Kamelen sowie eine als durch Frauenkontakt verunreinigt bezeichnete Hausgemeinschaft werden historisch ausgeschlossen; die letzte Bestimmung ist unklar.
10.
devāgnyatithipūjādyaṃ pātraśuddhiśca dṛśyate ||10||
Übersetzung: Wo keine schädliche Gemeinschaft und keine Aufgabe der eigenen Überlieferung bestehen, wo Gottheit, Feuer und Gäste verehrt werden und reine Gefäße zu sehen sind,
11.
tailābhyaktā ca yā nārī gurviṇī vātha kutsitā ||11||
†
Übersetzung: dort nehme der Verständige nach sorgfältiger Prüfung Almosen an. Die folgende Regel schließt die Gabe einer eingeölten, schwangeren oder missbilligten Frau aus.
12.
sūkṣmāmṛtapadaṃ smṛtvā grāhyamannaṃ sadā budhaiḥ ||12||
†
Übersetzung: Solche Gaben werden nach der historischen Ordnung gemieden; man nehme Nahrung nicht unmittelbar in die Hand. Der Verständige vergegenwärtige beim Annehmen die hier als feines Amrita-Glied bezeichnete Formel, deren genaue Identifikation offenbleibt.
13.
dvāravartma paryaṭedvidvānatīto na nivartate ||13||
†
Übersetzung: Er denke die Schale durch das lodernde Astra als leuchtend. Der Wissende gehe von Tür zu Tür und kehre zu bereits überschrittenen Türen nicht zurück.
14.
anyadvā yadabhakṣyaṃ syātpalāṇḍvādikamudyatam ||14||
†
Übersetzung: Bereits Gegebenes soll nicht zurückgewiesen werden, selbst Knoblauch, Fleisch oder andere gewöhnlich unzulässige Nahrung wie Zwiebeln.
15.
nirdoṣaṃ muniśārdūla tadbhakṣyamaviśaṅkayā ||15||
†
Übersetzung: Was man vor dem Annehmen als ungeeignet erkennt, meide man. Bereits Aufgenommenes gilt durch die Kraft des Feuers in der Schale als fehlerfrei und kann ohne Zweifel gegessen werden, hervorragender Weiser.
16.
yāyādasaṃspṛśa~llokānnātiparyāptameva hi ||16||
†
Übersetzung: Nach einem solchen ordentlichen Bettelgang kehre der Verständige heiter zurück, ohne andere zu berühren. Er sammle nicht übermäßig viel.
17.
pūrvavatkṣālayitvā tu kaṭyādikamathāmbhasā ||17||
Übersetzung: An der Unterkunft stelle er die mitgebrachte Nahrung bedeckt ab. Wie zuvor wasche er Hüfte und die weiteren Körperteile mit Wasser.
18.
ācāmedvidhivatpaścātsvatantramanupālayet ||18||
Übersetzung: Oder der Mantrakundige vollziehe ein Aschebad und vergegenwärtige dabei Shivas Mantra. Danach schlürfe er regelgemäß Wasser und befolge seine eigene Überlieferung.
19.
pūrvavatsakalīkṛtya pṛthagannaṃ vibhajya ca ||19||
Übersetzung: Nach dem Besprengen der Schale beginne er die Shiva-Weihe der Nahrung. Wie zuvor gestalte er sich durch Nyasa und teile die Nahrung gesondert auf.
20.
plāvayedyatnato mantrī liṅgācāryānalātmasu ||20||
†
Übersetzung: In der Meditation verbrenne er sie und überflute das Verbrannte sorgfältig mit Amrita. Die Anteile sind für Linga, Acharya, Feuer und ihn selbst bestimmt.
21.
balyarthamucitaṃ śeṣamatithibhyaḥ pradāpayet ||21||
Übersetzung: Nach regelgerechtem Umführen von Feuer besprenge man sie mit Shiva-Wasser. Einen angemessenen Teil bestimme man für Bali, das Übrige gebe man Gästen.
22.
parṇeṣu vā vicitreṣu bhuñjītānnamakutsitam ||22||
†
Übersetzung: Dann nehme man schweigend die eigene Nahrung an und esse Einwandfreies aus irdenen Gefäßen, von Steinplatten oder geeigneten Blättern.
23.
eraṇḍārkavaṭāśvatthaplakṣaketakaparṇiṣu ||23||
†
Übersetzung: Oder man vollziehe ein hingebungsvolles, den Geist erfreuendes Verfahren. Auf Blättern von Rizinus, Arka, Banyan, Ashvattha, Plaksha oder Ketaka,
24.
dhyātvāgnimātmanaḥ koṣṭhe jvalantaṃ ca śikhonnatam ||24||
Übersetzung: soll man nach dieser Vorschrift nicht essen. Das Essen am Boden gilt als geeignet. Man meditiere das Feuer im eigenen Bauch als mit hohen Flammen brennend.
25.
pañca bhakṣyā hyadhūmāntairannasyāhutayaḥ kramāt ||25||
†
Übersetzung: Mit den fünf Gliedern von tejas an nehme man der Reihe nach fünf Nahrungsgaben als innere Opfer zu sich. Die Bestimmung ihrer Schlusslaute ist unsicher.
26.
vibhavasyānurūpeṇa jñātvā svātmabalābalam ||26||
†
Übersetzung: Oder man opfere zuerst den Lebenswinden von Prana an. Dann esse man maßvoll, entsprechend den verfügbaren Mitteln und in Kenntnis der eigenen Kraft.
27.
tāvadadyādvidhisthena yatinā gṛhiṇāpi vā ||27||
†
Übersetzung: So viel, dass die Kraft des Menschen ohne Störung erhalten bleibt, soll der regelgetreue Asket oder Haushalter essen, du Gelübdetreuer.
28.
kvacitkadācidapyekaṃ grāhyamuktvā gurorvacaḥ ||28||
†
Übersetzung: Aus ausgeschlossenen Häusern soll man grundsätzlich keine Almosen nehmen. In einem besonderen Einzelfall ist die Anweisung des Gurus einzuholen.
29.
pūrvoktamakhilaṃ kṛtvā bhoktavyaṃ nānyathā kvacit ||29||
Übersetzung: Was ein anderer hingebungsvoll ungebeten in die eigene Unterkunft bringt, esse man erst nach Ausführung des ganzen zuvor beschriebenen Verfahrens.
30.
bhoktavyaṃ bhaktiyukteṣu tyaktvā mṛtakasūtake ||30||
Übersetzung: Der Haushalter darf bei hingebungsvollen Eingeweihten verschiedener Gruppen einwandfreie Nahrung essen, ausgenommen während der traditionellen Unreinheitszeiten nach Tod oder Geburt.
31.
saṃskāreṣveṣu viprendra na bhoktavyaṃ kadācana ||31||
Übersetzung: Bei den Weihen von der Empfängnis bis zum ersten Haarschnitt soll man nach dieser Regel ebenfalls nicht mitessen, bester Brahmane.
32.
pramādato vābhakteṣu japetsadyādipañcakam ||32||
Übersetzung: Bei den übrigen Opferfeiern darf man ohne Bedenken essen. Hat man versehentlich bei nicht hingebungsvollen Menschen gegessen, rezitiere man die fünf Mantras von Sadyojata an.
33.
teṣvatra nādhikāro'sti dānādānavidhau mune ||33||
†
Übersetzung: Hundert Wiederholungen oder mehr werden genannt, insbesondere nach dem Essen während einer Todes- oder Geburtsunreinheit. In diesen Zeiten gilt keine Befugnis zum entsprechenden Geben und Annehmen.
34.
vidyāṅgapañcakasyātra tataḥ śudhyatyasaṃśayaḥ ||34||
Übersetzung: Dies folgt aus der eigenen Lebensordnung. Bei einem versehentlichen Verstoß werden zehntausend Wiederholungen der fünf Vidya-Glieder zur Reinigung angegeben.
35.
stadvaktrāmalabodhavastunivahaprastāramārgo mayā |
vyākhyāto bhuvi vartanāya vidhivadbhikṣāṭanāntaṃ mune
†
Übersetzung: Damit ist der aus dem reinen Wissen des Herrn hervorgehende Weg für den Lebensunterhalt auf Erden bis zum Bettelgang erklärt, o Weiser. Die bildhafte erste Hälfte ist stark unsicher überliefert. Nun wird das angemessene Reisen beschrieben, um die eigene Überlieferungsordnung zu bewahren.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 7. Kapitel: Bettelgang.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 8
Übersetzung: Aufenthalt in der Fremde
1.
saṃkṣepādvyaktitaḥ siddhaṃ tadvakṣyāmi tavādhunā ||1||
†
Übersetzung: Nun werde ich dir das vorzügliche Verfahren für Reisen in andere Gegenden kurz und deutlich erklären.
2.
anyeṣāmatha vṛddhānāṃ yāyānmantrī sahāyavān ||2||
Übersetzung: Für Aufgaben der Gottheit, des Feuers oder des Gurus, für eigene Angelegenheiten oder für andere Ältere reise der beherrschte Mantrakundige mit Begleitung.
3.
nāsahāyo vrajedvidvānpadamekamapi kvacit ||3||
Übersetzung: Ein, zwei oder drei bescheidene Gefährten sollen ihn begleiten. Der Wissende gehe grundsätzlich keinen Schritt ohne Begleiter.
4.
sadātmaśuddhaye kāryaṃ sādhakena kamaṇḍalu ||4||
†
Übersetzung: Muss er jedoch unbedingt reisen und ist keine Begleitung möglich, gilt das folgende Verfahren. Zu seiner beständigen Reinigung benötige der Sadhaka einen Kamandalu, ein Wassergefäß.
5.
akṛṣṇalāñchanaṃ samyagdṛḍhaṃ śodhitayā mṛdā ||5||
Übersetzung: Es sei glatt, gut gebrannt, unbeschädigt, günstig beschaffen, ohne schwarze Flecken und fest, aus gereinigter Erde hergestellt.
6.
nātisthūlaṃ nātikṛśaṃ bahistalleśato mṛdā ||6||
†
Übersetzung: Die Herstellung nennt auch Kuhdung; oben hat das Gefäß einen weiten Hals und ist gut gerundet, weder zu dick noch zu dünn. Außen wird es leicht mit Erde bestrichen.
7.
pakvamīśānadevena grāhyaṃ kṣālya mukhena ca ||7||
Übersetzung: Nach dem Glätten und Trocknen wird es im Shiva-Feuer gebrannt. Das gebrannte Gefäß nehme man mit Ishana auf und wasche es mit dem Gesichtsmantra.
8.
parisrutena vastreṇa vimalenāmbhasā śanaiḥ ||8||
†
Übersetzung: Mit Aghora weihe man es; mit dem Guhya-Mantra fülle man es langsam mit klarem, durch ein Tuch gefiltertem Wasser.
9.
ātmano'ṅgasamaṃ nityaṃ na spraṣṭavyaṃ pareṇa tu ||9||
Übersetzung: Mit Sadyojata trage man es stets bei sich. Es gilt wie ein eigenes Körperglied und soll von anderen nicht berührt werden.
10.
mārjayedbahurūpeṇa punaḥ saṃsthāpya mūrtinā ||10||
Übersetzung: Nach der regelgerechten Körperreinigung reinige man die Hände, wische mit Bahurupa und stelle das Gefäß mit dem Murti-Mantra wieder auf.
11.
sukṛtaṃ vā kulālena grāhyaṃ śuddhyai vipaścitā ||11||
†
Übersetzung: Mit Ishana nehme man es auf. Ist ein selbst gefertigtes Gefäß nicht verfügbar, nehme der Verständige eines, das ein Töpfer gut gearbeitet hat, großer Weiser.
12.
mṛdbhasmadantakāṣṭhānāṃ gomayasya ca nityaśaḥ ||12||
Übersetzung: Nach diesem Verfahren reise er über die Erde. Erde, Asche, Zahnholz und Kuhdung halte er stets bereit.
13.
dṛṣṭvāśramaṃ maheśasya snātvā saṃpūjya kāraṇam ||13||
Übersetzung: Darauf achte der Reisende besonders. Erblickt er eine Niederlassung Maheshas, bade er und verehre die höchste Ursache.
14.
vastavyaṃ śivabhaktānāṃ gṛheṣu niyatātmanām ||14||
Übersetzung: Dort wohne er freudig. Fehlt eine solche Niederlassung, großer Weiser, wohne er in Häusern beherrschter Verehrer Shivas.
15.
yadi tatra bhavetkaścidācāryaḥ śivasaṃmataḥ ||15||
Übersetzung: Oder bei Shivaiten, die er als dem guten Lebenswandel seiner Überlieferung entsprechend erkannt hat. Ist dort ein von Shiva anerkannter Acharya,
16.
saṃghuṣya gomayenādau sthānaṃ pātraṃ nidhāpayet ||16||
†
Übersetzung: der im Rang älter ist, vollziehe man dieses Verfahren: Zuerst bestreiche man einen Platz mit Kuhdung und stelle das Gefäß ab.
17.
snāyācca vidhivatprājño bhasmanā ca suyantritaḥ ||17||
†
Übersetzung: Hüfte und weitere Körperteile wasche man wie zuvor mit Erde und Wasser. Der Verständige bade regelgemäß mit Asche, ganz gesammelt.
18.
pradakṣiṇamathāvṛtya triḥkṛtvā praṇamettataḥ ||18||
Übersetzung: Nach allen Handlungen, die auf das Bad folgen, umkreise man, sofern dort ein Heiligtum des Herrn ist, dieses dreimal im Uhrzeigersinn und verneige sich.
19.
jagadutpattisaṃhārarakṣākṛtparameṣṭhine ||19||
†
Übersetzung: Vor dem Herrn rezitiere man dieses reine Loblied: „Dem höchsten Herrn, der die Welt hervorbringt, auflöst und bewahrt,
20.
trikālaviṣayajñānaprabhāvanilayātmane ||20||
†
Übersetzung: dem über Sein und Nichtsein hinaus Reinen, dem Erwachten, dem Shiva-Wesentlichen; dem, dessen Wesen die Macht der Erkenntnis aller drei Zeiten trägt,
21.
namo namaḥ śivāyeti tatastaṃ deśikottamam ||21||
†
Übersetzung: dessen Gestalt die Kraft und Kalā als Grundlage der drei Gunas berührt: Verehrung, Verehrung Shiva.“ Danach wende man sich dem vorzüglichen Lehrer zu. Die schwierige erste Halbzeile bleibt vorsichtig übersetzt.
22.
dṛṣṭvā prakalpya vidhivadyogapīṭhaṃ śivātmakam ||22||
Übersetzung: Man sehe ihn vollständig gesammelt, bequem sitzend und verständig. Dann bereite man regelgemäß einen Shiva-haften Yogasitz.
23.
padmamālikhya pūrvoktaṃ bhasmanā vā sitena tu ||23||
†
Übersetzung: Mit weißem, rotem und gelbem Pulver, soweit verfügbar, oder mit weißer Asche zeichne man den zuvor erklärten Lotus. Die Farbangabe ist eine Ergänzung der Edition.
24.
tatastasyāgrataḥ sthitvā vyomarūpapadaṃ gṛṇan ||24||
†
Übersetzung: Diesen verehre man regelgemäß mit Duft, Blumen und Räucherung; ein Teil dieser Anweisung ist editorisch ergänzt. Danach stehe man vor dem Lehrer und spreche vyomarūpa.
25.
savyena pāṇinā savyo grāhyastasya śivaṃ gṛṇan ||25||
†
Übersetzung: Der tantrakundige Guru spricht den Pranava. Die Beschreibung des gegenseitigen Ergreifens der rechten Hand unter Aussprache Shivas ist im Anschluss nicht völlig eindeutig.
26.
śivavatsakalaṃ kṛtvā pūjayedbhaktitastu tam ||26||
Übersetzung: Man lasse den friedvollen Lehrer auf dem Yogasitz Platz nehmen, gestalte ihn durch Nyasa als Shiva und verehre ihn hingebungsvoll.
27.
śārvaśārvapadaṃ kṛtvā gurustamabhinandayet ||27||
†
Übersetzung: Man werfe sich der Länge nach nieder und verneige sich mit der Shakti-Mudra. Nach dem hier unsicher gelesenen Glied śārva śārva begrüße der Guru den Ankommenden.
28.
tataḥ protphullanayanaṃ svāgatārghyādibhiḥ śivaiḥ ||28||
†
Übersetzung: Dieser bringe alles nach seinen Mitteln dar und richte sich entsprechend aus. Mit freudigem Blick und glückverheißenden Willkommensgaben wie Arghya,
29.
pūjyastatsthānaguruṇā vidhinānena suvrata ||29||
Übersetzung: verehre man ihn stets wie Shiva. Oder der örtliche Guru verehrt den angereisten Guru nach diesem Verfahren, du Gelübdetreuer.
30.
vidhānaṃ kāraṇajñānanyāyenātra samāgatam ||30||
†
Übersetzung: Auch für den eigenen Guru soll dieses Verfahren an jedem Festtag ausgeführt werden. Es steht hier im Zusammenhang mit der Erkenntnis der höchsten Ursache.
31.
kamaṇḍaloścaiva pravāsayuktyā |
rudravrataṃ kāraṇavaktrapadmā
Übersetzung: Damit habe ich das ganze Verfahren gegenüber dem Guru und für das Wassergefäß auf Reisen erklärt. Nun werde ich dir das aus dem Lotusmund der höchsten Ursache hervorgegangene Rudra-Gelübde vollständig darlegen.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 8. Kapitel: Aufenthalt in der Fremde.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 9
Übersetzung: Rudra-Gelübde
1.
varṇayiṣyāmi saṃkṣepādyena lokāścarācarāḥ ||1||
Übersetzung: Nun werde ich das heilige Rudra-Gelübde kurz erklären, bester Weiser. Durch es kommen nach der Lehre die bewegten und unbewegten Welten,
2.
muktiśca śāśvatī vipra śivaśāstrakramāgatā ||2||
Übersetzung: unter die Macht des übenden Sadhaka. Auch die ewige Befreiung wird nach der Folge der Shiva-Lehre offenbar.
3.
rāgātparāṅmukhasyetthaṃ dveṣācca kaluṣātmakāt ||3||
†
Übersetzung: Dies geschieht für den ohne bedrängte Askese Übenden nach dem Caryāpāda-Verfahren, wenn er sich von Anhaftung und verunreinigender Abneigung abgewandt hat.
4.
samayī bhāvitātmā syādrudrārādhanatatparaḥ ||4||
Übersetzung: Plötzlich entsteht die Einsicht, angeregt durch den Willen der höchsten Ursache. Der Samayin werde innerlich vorbereitet und ganz auf Rudras Verehrung ausgerichtet.
5.
japenmaunī prasannātmā triśūlī bhaikṣabhuk sadā ||5||
Übersetzung: Mit Erlaubnis des Gurus lebe er der Asche hingegeben und ohne Besitzannahme. Schweigend, heiter, mit Dreizack und von Almosen lebend rezitiere er stets.
6.
rātrāvāśritya yuktātmā samādhisthaścaredvratam ||6||
Übersetzung: Nachts suche er einen einzelnen Linga-Ort, einen Verbrennungsplatz oder einen Baum auf. Gesammelt und im Samadhi ruhend vollziehe er das Gelübde.
7.
vivecanena satataṃ bhūmimāpūrya paṇḍitaḥ ||7||
†
Übersetzung: Er trage ein einziges Gewand oder sei nackt, habe den Zorn bezwungen und einen Begleiter. Der Verständige bereite den Boden sorgfältig; die genaue Handlung ist unsicher.
8.
dveṣamutpādayanyuktyā lokasya paramārthataḥ ||8||
†
Übersetzung: Nach dem Ausstreuen von Asche lasse er sich ruhig nieder. Die historische Gelübdeform sieht vor, durch sein äußeres Verhalten die Ablehnung der Welt hervorzurufen.
9.
hṛtpadmakarṇikāsaṃsthaṃ taḍitpuñjacayopamam ||9||
Übersetzung: Innerlich jedoch bleibe er stets rein und ganz gesammelt. Er meditiere den auf dem Fruchtboden des Herzlotus Ruhenden wie eine Masse von Blitzen.
10.
pañcavaktraṃ śaśāṅkārdhaśekharaṃ taṃ trilocanam ||10||
Übersetzung: Er ist so groß wie das eigene Daumenglied, mit deutlich ausgebildeten Gliedern, fünf Gesichtern, jeweils drei Augen und der Mondsichel als Schmuck.
11.
dhyāyaṃścareddivārātraṃ vyomavyāpimanuṃ smaran ||11||
†
Übersetzung: Nach rechter Meditation gehe man in ihn ein: „Dieser bin ich, ohne Zweifel.“ Tag und Nacht lebe man in dieser Meditation und vergegenwärtige den Vyomavyapin-Mantra.
12.
śītātapasaho nityaṃ maitrī kāruṇikaḥ sadā ||12||
Übersetzung: Dieser sei mit seinen Gliedern und Brahma-Mantras verbunden. Man esse wenig, sei innerlich stark, ertrage Kälte und Hitze und bleibe stets freundlich und mitfühlend.
13.
sthito vāhaṃ jagatyasmiṃścittajidyogato'khilam ||13||
†
Übersetzung: Man vergegenwärtige: „Die Welt ruht in mir“, oder: „Ich ruhe in dieser ganzen Welt“, hervorragender Weiser, und meistere den Geist durch Yoga.
14.
nānābhāvaguṇopetaṃ nānāvarṇaguṇāśrayam ||14||
Übersetzung: Die offenbare Welt hat vielerlei Grundlagen, ist reich an unterschiedlichen Gestaltungen und besitzt vielfältige Zustände, Eigenschaften und Farben.
15.
nānākalākalāpāḍhyamicchādveṣādisaṃkulam ||15||
Übersetzung: Ihre Glieder unterscheiden sich nach Lebensformen; sie ist von vielfältigen Handlungen und Künsten erfüllt, ebenso von Verlangen und Abneigung.
16.
kṛṣṇarātritamopetaṃ dehaśayyākṛtāspadam ||16||
†
Übersetzung: Von der Dunkelheit der Unwissenheit überwältigt, liegt die Welt im Schlaf der Erfahrung, wie in schwarzer Nacht auf dem Lager des Körpers.
17.
rāgālasyavaśātsuptaṃ na hyevaṃ paramārthataḥ ||17||
†
Übersetzung: Sie trägt den Traum des Spiels und folgt den Fesseln der Hoffnung. Durch Anhaftung und Trägheit schläft sie; doch dies ist nicht die höchste Wirklichkeit.
18.
carato'sya śivajñānaprakaṭīkṛtacetasaḥ ||18||
Übersetzung: Wer von den Sonnenstrahlen des höchsten Herrn berührt ist und mit einem durch Shiva-Erkenntnis erhellten Geist lebt,
19.
hṛṣṭimāyāti paramāṃ caryātejopabṛṃhitaḥ ||19||
†
Übersetzung: gelangt nach der Lehre selbst dann zu großer innerer Freude, wenn andere ihn zerren oder schlagen, gestärkt durch das Licht seines Lebenswandels.
20.
sarvamevābhimanyeta jagadbandhuriva sthitam ||20||
†
Übersetzung: Er denke: „Niemand ist seinem Wesen nach höher oder niedriger als ich.“ Die ganze Welt betrachte er, als wäre sie seine Verwandtschaft.
21.
evaṃ vai caratastasya grāmādgrāmāntareṣvatha ||21||
†
Übersetzung: Innerlich bleibe er freudig, während er den äußeren Lebenswandel erfüllt. Wenn er so von Dorf zu Dorf zieht,
22.
saṃvatsaradvayenāsau trikālajñānamāpnuyāt ||22||
†
Übersetzung: überwindet er nach einem Jahr die den Körper bedrängenden Gegensatzpaare; nach zwei Jahren wird ihm Erkenntnis der drei Zeiten verheißen.
23.
tribhiḥ paśyati siddhāṃśca caturbhiśca divaukasaḥ ||23||
Übersetzung: Er werde wie Feuer, alles verzehrend und frei von Staub. Nach drei Jahren sieht er Siddhas, nach vier Jahren himmlische Wesen.
24.
taiḥ sārdhaṃ ramate ṣaḍbhistattulyabalavikramaḥ ||24||
Übersetzung: Nach fünf Jahren sieht er die Rudras, hervorragender Mensch; nach sechs Jahren erfreut er sich mit ihnen, ihnen an Kraft gleich.
25.
evaṃ padātpadaṃ bhokturakliṣṭavapuṣaḥ sadā ||25||
†
Übersetzung: Durch die Kraft dieses Lebenswandels kann er nach eigenem Willen handeln, o Weiser. So geht der Erfahrende von Stufe zu Stufe mit unbedrängter Gestalt.
26.
dadāti padamātmīyamaiśvaraṃ sādhakātmanaḥ ||26||
†
Übersetzung: Während er im höchsten Raum spielt, schenkt der erhabene Sadashiva dem Sadhaka seinen eigenen herrschaftlichen Zustand.
27.
etadvidhānaṃ paramaṃ vratasyāsya prakīrtitam ||27||
Übersetzung: Oder er gewährt den höchsten, ewigen Zustand, über dem kein Herr mehr steht. Damit ist das höchste Verfahren dieses Gelübdes erklärt.
28.
aluptaniyamotthābhirvāsanābhiryadā mune ||28||
Übersetzung: Nun werde ich kurz eine zweite gute Form erklären. Wenn durch die Prägungen ununterbrochener Disziplin, o Weiser,
29.
tadā caryāsu viśrāntaḥ sarvakāryaparibhramān ||29||
†
Übersetzung: alle Verunreinigung gelöst und die Anhaftung des Geistes zerstört ist, kommt der Übende hinsichtlich der äußeren Verrichtungen zur Ruhe und lässt ihr Umhergetriebenwerden zurück.
30.
bahiṣkṛtaśca lokena gatvāraṇyamatandritaḥ ||30||
†
Übersetzung: Der im Gelübde Gefestigte stellt die ganze Welt zurück, ist auch von ihr ausgeschlossen und geht aufmerksam in die Wildnis.
31.
tyajeddehaṃ sukhenaiva virakto'tīva duḥsahāt ||31||
Übersetzung: Oder auf einen Verbrennungsplatz. Die historische Passage beschreibt, wie der des Samsara überdrüssige Sadhaka mit beherrschtem Atem den Körper freiwillig aufgibt; dies ist eine Darstellung der damaligen Lehre.
32.
mataṅga uvāca —
Übersetzung: Er wendet sich vom schwer erträglichen, vergänglichen und furchtvollen Dickicht des Samsara ab. Matanga fragt nach der Verbindung und Trennung der Verkörperten mit ihren Körpern.
33.
parameśvara uvāca —
Übersetzung: Wohin geht jemand nach dem Verlassen des Körpers, und woher kommt er bei einer neuen Verbindung? Die Antwort: Eigentlich geht niemand irgendwohin und niemand kommt, Herr der Weisen.
34.
vipākāśayavattatra saṃsthitā śakrajālavat ||34||
†
Übersetzung: Bewegung wird ihm erklärend zugeschrieben, aufgrund von Dharma und Adharma. Sie besteht in den reifenden Prägungen, wie in einem Zaubernetz.
35.
bhramadātmānamīśānaśaktyāviṣṭaḥ prapaśyati ||35||
†
Übersetzung: Der Erfahrende sieht sich im Strom der Erfahrungen wie an der Nabe eines Rades kreisen, getragen von Ishvaras Shakti.
36.
nityatvaṃ cāpyanityatvaṃ vāsanātaḥ pratiṣṭhitam ||36||
Übersetzung: Er erscheint in Tausenden verschiedener Geburtsstätten und Gestalten. Beständigkeit und Unbeständigkeit betreffen dabei die jeweiligen Prägungen.
37.
dharmāntarasthitiprāptirgatiścaivāśayātmikā ||
†
Übersetzung: Der beständige Träger selbst bewegt sich nicht. Sein jeweiliger Zustand beruht auf der Macht der Prägungen; das Erreichen einer anderen Eigenschaft heißt Bewegung. Die ganze bewegte und unbewegte Welt hängt von der Kraft des höchsten Herrn ab.
38.
ścaryā prasyandasaṅghodbhavamadaviṣayāttāraṇīrmohakūpāt |
svāmnāyācārabhūteḥ kuśalaguṇakṛtairvartitena deśikena
†
Übersetzung: Die Caryā des Übenden, dessen Einsicht durch die Lehrstrahlen aus dem Mundfeuer des Herrn geweckt ist, führt aus dem Brunnen der Verblendung und aus der berauschenden Anhaftung an Erfahrungen. Nun werde ich die unvergleichliche zusammengefasste Ordnung erklären, die der in seiner Überlieferung gefestigte, kundige Lehrer seinen Schülern vermittelt.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 9. Kapitel: Rudra-Gelübde.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Caryāpāda, Kapitel 10
Übersetzung: Zusammenfassung
1.
lakṣaṇaṃ saṃpravakṣyāmi yathāvattannibodha me ||1||
Übersetzung: Nun werde ich dir die Kennzeichen des zusammenfassenden Verfahrens kurz und sachgemäß erklären, o Weiser. Vernimm sie von mir.
2.
mūtroccārādikaṃ sarvaṃ kṛtvā śaucaṃ samācaret ||2||
Übersetzung: Man stehe rasch vom Lager auf, gehe wie zuvor hinaus, verrichte die Ausscheidung und das Weitere und reinige sich.
3.
nājīrṇe pūjanaṃ snānaṃ saṃdhyāṃ vā kartumarhati ||3||
†
Übersetzung: Der Verständige bade regelgemäß und verehre danach Shiva. Bei unverdauter Nahrung soll man nach dieser Vorschrift weder Verehrung, Bad noch Tagesübergangsritual vollziehen.
4.
saṃdhyālopācchataṃ kāryaṃ dve śate cāhnikadvayoḥ ||4||
†
Übersetzung: Hat man es dennoch getan, werden tausend Wiederholungen von Bahurupa genannt. Für einen ausgelassenen Tagesübergang hundert, für zwei tägliche Auslassungen zweihundert.
5.
bahudaivasikāllopādupoṣya prayataḥ śuciḥ ||5||
Übersetzung: Bei drei Auslassungen dreihundert, bei vier die entsprechende Zahl. Nach einer mehrtägigen Unterbrechung faste man, sei gesammelt und rein.
6.
pītvā japaḥ prakartavyaḥ sāṅgasya parameṣṭhinaḥ ||6||
Übersetzung: Nach regelgerechtem Bad sieht die historische Vorschrift das Trinken von Panchagavya vor. Danach rezitiere man den höchsten Herrn samt seinen Gliedern.
7.
vidhicchidreṣu sarveṣu vidyāṅgānāṃ tu pañcakam ||7||
†
Übersetzung: Der Mantrakundige berücksichtige die Zahl der versäumten Tage und rezitiere nach Vermögen. Bei allen Lücken im Verfahren sind die fünf Vidya-Glieder,
8.
doṣadeśavayaḥkālaśaktīnāṃ tu balābalam ||8||
Übersetzung: zu rezitieren, hervorragender Weiser. Dabei berücksichtige man Schwere des Fehlers, Ort, Alter, Zeit und die vorhandene Kraft.
9.
yadyathāvasaraprāptaṃ tattathaiva na saṃśayaḥ ||9||
†
Übersetzung: In Kenntnis ihrer Stärke oder Schwäche vollziehe man die in der Lehre angegebene Sühnehandlung so, wie sie zum jeweiligen Anlass passt.
10.
mūlyakrītaiḥ pavitraiśca yathartuprabhavaiḥ śubhaiḥ ||10||
Übersetzung: Den höchsten Herrn verehre man mit Blättern, Blumen oder Früchten, die rechtmäßig gekauft, rein, jahreszeitgemäß und gut beschaffen sind.
11.
śīrṇakhaṇḍitaviddhāni patrāṇi kusumāni vā ||11||
†
Übersetzung: Auch selbst erworbene oder einwandfreie Waldgaben sind geeignet. Welke, zerrissene oder durchbohrte Blätter und Blüten,
12.
kudeśajātadurgandhīnyugragandhāni yāni ca ||12||
†
Übersetzung: soll man dem Herrn nicht geben, ebenso wenig mit Vogelkot beschmutzte, an ungeeigneten Orten gewachsene, übel oder übermäßig scharf riechende.
13.
samudropahatānyeva na deyāni mahāmune ||13||
†
Übersetzung: Auch verwelkte, abgestandene, bereits benutzte oder durch Meerwasser beschädigte Gaben soll man nicht darbringen, großer Weiser.
14.
mālatīmallikākundacampakāśokakiṃśukāḥ ||14||
Übersetzung: Geeignet sind Lotus, Wasserlilie, Kalhara, Oleander, Arka, Patala, Malati, Mallika, Kunda, Champaka, Ashoka und Kimshuka.
15.
nandikā mucukundāhvadhattūrakapuraḥsarāḥ ||15||
†
Übersetzung: Ebenso Kadamba, Baka, Punnaga, Naga, Kubjaka, Nandika, Muchukunda, Dhattura und weitere entsprechende Blütenarten.
16.
alābhātteṣu grāhyāṇi surabhīṇyucitāni tu ||16||
†
Übersetzung: Auch Bilva und andere genannte Bäume sind für die Verehrung des höchsten Selbst geeignet. Fehlen sie, nehme man andere passende, wohlriechende Gaben.
17.
pūjāṃ nirvartya vidhivatkārayettarpaṇaṃ budhaḥ ||17||
Übersetzung: Man bringe Ansprechendes, Schönes und Reines dar. Nach der regelgerechten Verehrung vollziehe der Verständige die nährende Opfergabe.
18.
samayī paratantrastu jñānī svecchāpravartakaḥ ||18||
Übersetzung: Dies betrifft den Lehrer oder Sadhaka, denn sie besitzen die Befugnis. Der Samayin ist abhängig, der Erkennende handelt frei.
19.
yaḥ karmī putrako nityaṃ na cāsya niyamo hyayam ||19||
†
Übersetzung: Der Yogi hat sich vom äußeren Opfer zurückgezogen. Auch für den handelnden Putraka gilt diese besondere Festlegung nicht in gleicher Weise.
20.
yo'grato janayeddvandvaṃ deśiko'pi yavīyasaḥ ||20||
†
Übersetzung: So werden die in der Verehrung gegründeten Shiva-Yogis gepriesen. Wer jedoch vor anderen einen Streit mit einem Jüngeren beginnt, selbst wenn er Lehrer ist,
21.
gurorvāgatya vidhivannivedya nyāyataḥ sphuṭam ||21||
†
Übersetzung: hat wegen des Fehlers seiner Rede eine Sühne zu leisten und um Nachsicht zu bitten; die genaue Rollenverteilung ist unsicher. Oder man teile den Vorgang dem Guru regelgemäß und klar mit.
22.
parasparaṃ saṃvasatāṃ prītiḥ sarvatra śasyate ||22||
Übersetzung: Nun erkläre ich dir die Regeln für Shivas Verehrer. Überall wird unter zusammenlebenden Menschen gegenseitige Zuneigung gepriesen.
23.
prasaṅgato'vatāre tu pravicāryasya vastunaḥ ||23||
Übersetzung: Besonders gilt dies für die Ernsthaften auf diesem guten Weg. Wenn sich im Zusammenhang eine Frage zu einem zu prüfenden Gegenstand ergibt,
24.
śiṣyācāryavivādo yaḥ sadvastupravicāraṇe ||24||
†
Übersetzung: liegt auch in der Auseinandersetzung Jüngerer mit Älteren kein Fehler, du Gelübdetreuer. Ein Gespräch zwischen Schüler und Lehrer zur Prüfung der wahren Wirklichkeit,
25.
na guroragrataḥ kāryo vicāro bhrātṛbhirmune ||25||
†
Übersetzung: soll der verständige Schüler bescheiden zur eigenen Erkenntnis aufnehmen. Die Brüder sollen jedoch nicht eigenmächtig vor dem Guru untereinander eine Debatte führen.
26.
pareṇa vābhibhūto yo guruṃ śiṣyaḥ praṇamya tu ||26||
Übersetzung: Vor dem Acharya stehen alle gleich. Wird ein Schüler von einem anderen in einer Erörterung bedrängt, verneige er sich vor dem Guru.
27.
na svayaṃ jñānadarpeṇa vākyamekamapi kvacit ||27||
†
Übersetzung: Ist er redegewandt und befähigt, spreche er mit dessen Erlaubnis. Aus Erkenntnisstolz sage er nicht eigenmächtig auch nur einen Satz.
28.
pratyutthānaṃ gurostasya nābhivādanamarhati ||28||
†
Übersetzung: Wenn der Schüler eines spirituellen Bruders älter ist als ein unmittelbarer Guru-Schüler, ist die passende Ehrung zu unterscheiden: Aufstehen und förmliche Begrüßung sind nicht automatisch gleichzusetzen. Die genaue Rangregel bleibt unsicher.
29.
tadābhivādayedvidvānsamayī putrako'pi vā ||29||
Übersetzung: Ist der Schüler eines Guru-Bruders jedoch asketisch, erkenntnisreich und älter, sollen Samayin oder Putraka ihn als Verständigen ehrfürchtig begrüßen.
30.
guruṃ kuryāttadā bālaṃ saṃskāreṇāpi vidyayā ||30||
†
Übersetzung: Unter sonst Gleichen bleibt der Schüler eines Bruders der Jüngere. Wird dieser aber durch Weihe und Wissen zum Guru, erhält er auch als Jüngerer die entsprechende Stellung.
31.
apyakāryaśatenāpi jyāyānmunivarottama ||31||
†
Übersetzung: Auch ein Asket soll ihn stets wie einen Guru begrüßen und verehren. Die anschließende Aussage schützt den Rang des Älteren selbst bei vielen Verfehlungen und ist als historische Amtsordnung zu verstehen.
32.
svāmnāyataḥ prasiddho'yaṃ mārgaḥ pālyo mahātmabhiḥ ||32||
†
Übersetzung: Er wird aufgrund der Stellung verehrt, ob allwissend oder ungelehrt. Dieser in der eigenen Überlieferung begründete Weg soll von den Ernsthaften bewahrt werden.
33.
kaścitkālena tapasā kaścijjñānena śiṣyate ||33||
†
Übersetzung: Bei den übrigen bestimmt sich der Vorrang nach der Reihenfolge der Weihen. Manche ragen durch Alter oder Askese hervor, andere durch Erkenntnis.
34.
garīyānkarmiṇo yogī so'pi jñānavataḥ śiśuḥ ||34||
Übersetzung: Bei gleichem Alter und gleicher Weihe ist der Acharya vorgeordnet. Der Yogi steht über dem rituell Handelnden, ist aber seinerseits Schüler des Erkennenden.
35.
sarve te guravaḥ proktā vṛddhāḥ śāstre śivodaye ||35||
Übersetzung: Bei sonst gleichen Voraussetzungen steht der Asket über dem Haushalter. Alle so Älteren werden in Shivas Lehre als ehrwürdige Lehrer bezeichnet.
36.
ekamapyakṣaraṃ yastu yuktimacchivaśāsane ||36||
†
Übersetzung: Unter ihnen ragt der Einweihende hervor; so ist die Ordnung erklärt. Wer auch nur einen einzigen Laut aus Shivas Lehre begründet vermittelt,
37.
draṣṭavyaḥ kiṃ punaryo hi padārthonmīlane kṣamaḥ ||37||
†
Übersetzung: um Erkenntnis zu wecken, ist selbst als vorzüglicher Lehrer anzusehen – um wie viel mehr derjenige, der den Sinn der Kategorien erschließen kann.
38.
śiṣyavatsamayajñasya so'pi jñānavataḥ sadā ||38||
†
Übersetzung: Selbst ein Acharya unter den Brüdern, der wenig versteht, steht dem regelkundigen Erkennenden gegenüber wie ein Schüler.
39.
samyagvicārasāmarthyaṃ vimalaṃ hṛdi saṃsthitam ||39||
Übersetzung: Wozu viele Worte? Wer die reine Fähigkeit zur gründlichen Prüfung des großen Wegs der sechs Kategorien im Herzen trägt,
40.
abhyāgatasya sarvasya yathādikamanukramāt ||40||
†
Übersetzung: ist der Höhere; ausgenommen bleibt der Guru, der die Einweihungsgnade vermittelt hat. Jedem Ankommenden ist entsprechend der Reihenfolge die gebührende Ehre zu erweisen.
41.
evaṃ nirvartyamānānāṃ svaṃ svaṃ vṛttamaninditam ||41||
†
Übersetzung: Der Hausherr oder Leiter einer Niederlassung tue dies stets für die an Shiva-Erkenntnis Interessierten. Wenn jeder so seinen untadeligen Lebenswandel erfüllt,
42.
vastavyaṃ liṅgamāśritya dakṣiṇasyāṃ tu dīkṣitaiḥ ||42||
†
Übersetzung: werden Lebensdauer, Gesundheit, Wohlstand und Ansehen als wachsende Früchte genannt. Eingeweihte sollen südlich eines Linga-Ortes wohnen.
43.
nātidūre'mbhasaḥ śastamasaṃkīrṇamakutsitam ||43||
Übersetzung: Fehlt dieser, errichte man an einem reinen Ort ein gutes eigenes Haus, nicht zu weit vom Wasser entfernt, ungestört und einwandfrei.
44.
vittānurūpataḥ kāryaṃ catuḥśālamathāpi vā ||44||
Übersetzung: Es kann einen, zwei, drei oder vier Gebäudeflügel haben, entsprechend den eigenen Mitteln.
45.
udakplavaṃ sadā kāryaṃ sarvaśālodbhūtaṃ śubham ||45||
†
Übersetzung: Auch die Bauformen Hiranyanabha oder Sukshetra werden als ansprechend genannt. Alle Gebäudeteile sollen günstig angelegt sein, mit einem Gefälle nach Norden.
46.
dhānyasya sarvadā śastaṃ sthāpanaṃ vāruṇādhvani ||46||
Übersetzung: Im Südosten liege die Küche, im Nordosten die Opferhalle. Für Getreide wird stets die westliche Seite empfohlen.
47.
bhāṇḍānāṃ muniśārdūla vidhivatparikalpanam ||47||
Übersetzung: Zwischen Süden und Südosten werden die Wassergefäße regelgemäß aufgestellt, hervorragender Weiser.
48.
hiraṇyavastraratnānāṃ pūrvabhāgaḥ praśasyate ||48||
†
Übersetzung: Für alle vierfüßigen Tiere wird die nördliche Richtung empfohlen. Gold, Gewänder und Edelsteine werden im Osten aufbewahrt.
49.
nātidūramathāsannaṃ pracchannaṃ sumanoramam ||49||
Übersetzung: Außerhalb der Unterkunft im Südwesten lege man einen geschützten Rückzugs- beziehungsweise Toilettenbereich an, weder zu fern noch zu nah.
50.
evaṃ tatsamabhūpṛṣṭhaṃ kāryaṃ śāstravidā sadā ||50||
†
Übersetzung: Für Mörser und ähnliche Geräte wird der Nordwesten empfohlen; ein Teil der Gerätebezeichnung ist editorisch ergänzt. So gestalte der Schriftkundige den ganzen ebenen Hausbereich.
51.
evaṃvidhaṃ gṛhaṃ kṛtvā vasettatraiva buddhimān ||51||
Übersetzung: Erde, Asche und Zahnhölzer halte man stets bereit. In einem so eingerichteten Haus wohne der Verständige.
52.
dhautapādukapādastu praviśenmandiraṃ śubham ||52||
†
Übersetzung: Nach regelgerechtem Waschen der Füße mit Erde und Wasser wie zuvor betrete er das gute Haus mit gereinigten Schuhen und Füßen.
53.
candanodakasaṃsiktaṃ vikīrṇakusumojjvalam ||53||
Übersetzung: Es sei von Lampen mit reiner Flamme erhellt, mit schwarzem Adlerholz beräuchert, mit Sandelwasser besprengt und von ausgestreuten Blumen geschmückt.
54.
tatra svapyātsuśayyāyāmathavāraktaka eva vā ||54||
†
Übersetzung: Ein Baldachin bedecke es von oben, es sei geschützt und gut abgeschlossen. Dort schlafe man auf einem guten Lager oder auf der hier unsicher bezeichneten einfacheren Unterlage.
55.
ekena vātha dvābhyāṃ vā susahāyena sādhunā ||55||
†
Übersetzung: Auch der Boden oder ein Brett aus Shriparni-Holz wird genannt, mit einem oder zwei guten, rechtschaffenen Gefährten.
56.
viśeṣato gṛhasthasya yoginaśca mahātmanaḥ ||56||
Übersetzung: Der Schlafplatz soll nicht überfüllt sein. Ein angenehmes weiches Lager gilt besonders für den Haushalter und den ernsthaften Yogi als geeignet.
57.
śirodeśe prabhuṃ pūjya paṭe vā likhitaṃ śubhe ||57||
Übersetzung: Der Sadhaka gestalte seinen eigenen Leib wie zuvor durch Nyasa und verehre den Herrn am Kopfende, gegebenenfalls als Bild auf einem schönen Tuch.
58.
dhyānādvā parameśasya sthito'haṃ pādapadmayoḥ ||58||
†
Übersetzung: Wie zuvor stelle man einen guten, mit Wasser gefüllten Krug auf. Oder man meditiere: „Ich ruhe zu den Lotusfüßen des höchsten Herrn.“
59.
digbandhaṃ pūrvavatkṛtvā śayīta prayataḥ śuciḥ ||59||
Übersetzung: Dorthin richte man den Kopf, spreche die höchste Brahmavidya und die übrigen Formeln und lege wie zuvor den Richtungsschutz an. Rein und gesammelt lege man sich nieder.
60.
athavābhyasedāmnāyaṃ lakṣyaikamatimatimān ||60||
†
Übersetzung: Die Füße zeigen nach Norden oder Westen; der Geist sei beherrscht. Oder der Verständige übe die Überlieferung, ganz auf sein Ziel gerichtet.
61.
utthāya śayanānmantrī kaṭiśaucaṃ vidhāya tu ||61||
Übersetzung: Um Mitternacht stehe der dem rechten Weg folgende Mantrakundige vom Lager auf und vollziehe die Reinigung der Hüftregion.
62.
ācāmetprāggṛhītena vimalenāmbhasā sudhīḥ ||62||
Übersetzung: Mit weißer Asche bade er wie zuvor, ganz gesammelt. Der Verständige schlürfe das zuvor bereitgestellte reine Wasser.
63.
arcayeddevadeveśamathavāgnau pratarpayet ||63||
Übersetzung: Nach Sonnenuntergang soll nach dieser Vorschrift kein Wasser neu geholt werden. Er verehre den Gott der Götter oder nähre ihn im Feuer.
64.
smṛtvāpi viśvanetāraṃ bhūyaḥ śayanamarhati ||64||
Übersetzung: Oder er rezitiere die Mantra-Sammlung oder seinen zu verwirklichenden Mantra. Nach der Erinnerung an den Weltenlenker darf er sich wieder schlafen legen.
65.
kartavyaṃ yadyathā samyak caryāpādoktavartmanā ||65||
Übersetzung: Am Ende der Nacht ist alles zuvor Genannte der Reihe nach richtig auszuführen, nach dem im Caryāpāda erklärten Weg, hervorragender Weiser.
Übersetzung: Matanga sprach:
66.
yo vidhiḥ pañcatāṃ prāpte liṅgināṃ prayatātmanām ||66||
Übersetzung: Matanga fragt: Herr, das ganze Verfahren der Sadhakas ist erklärt. Welches Verfahren gilt, wenn ein gesammelter Träger des religiösen Zeichens stirbt?
67.
parameśvara uvāca —
†
Übersetzung: „Erkläre es bitte kurz aus Mitgefühl, Herr.“ Diese Fragehalbzeile ist von der Edition ergänzt. Die Antwort beginnt: Für den verstorbenen Asketen, dessen Zeit gekommen ist,
68.
nāsyopakārakaṃ karma svaryātasya yato bhavet ||68||
Übersetzung: wird dir das Verfahren nun kurz erklärt, Herr der Weisen. Eine solche Handlung kann dem bereits Hinübergegangenen selbst keinen zusätzlichen Nutzen verschaffen.
69.
vihitaṃ kāraṇaṃ jñānacaryāpādoktidarśanāt ||69||
†
Übersetzung: Er ist bereits ausgetreten; das weitere Handeln betrifft die Zurückgebliebenen. Es wird im Zusammenhang mit den Aussagen über Erkenntnis und Lebenswandel angeordnet; der Wortlaut ist stark unsicher.
70.
vijanaṃ deśamāsādya pracchannaṃ śivasaṃskṛtaṃ ||70||
†
Übersetzung: Man bringe den Verstorbenen behutsam aus der Unterkunft, verhülle ihn mit einem Tuch und suche einen einsamen, geschützten, durch Shiva-Weihe gereinigten Ort auf.
71.
yaṣṭvā tatraiva deveśaṃ sthaṇḍile caiva pūjayet ||71||
†
Übersetzung: Dort lege man ihn in nördlicher beziehungsweise nordöstlicher Ausrichtung nieder und verehre den Herrn mit Girlanden und weiteren Gaben sowie auf einem vorbereiteten Bodenaltar. Die Richtungs- und Objektzuordnung bleibt unsicher.
72.
kṣamāpayeta deveśaṃ [vihitaiḥ stutibhirmune] ||72||
†
Übersetzung: Nach Aussprache der vollständigen Shakti-Folge lege man ihn auf die Erde und bitte den Herrn mit den vorgeschriebenen Lobpreisungen um Nachsicht, o Weiser. Der Schluss ist editorisch ergänzt.
73.
śatamaṣṭottaraṃ japtvā śeṣānāsīta suvrata ||73||
†
Übersetzung: Die Träger werden durch hundertacht Wiederholungen des Bahurupa-Mantras gereinigt; das Wort „Mantra“ ist editorisch ergänzt. Die Anweisung für die übrigen Beteiligten ist nicht sicher lesbar.
74.
śucimāyāti tatsarvaṃ bhikṣāpātrādikaṃ hi yat ||74||
†
Übersetzung: Man reinige die Unterkunft durch Ausfegen und Umführen von Feuer. Auch Bettelschale und die übrigen Gegenstände werden so rituell gereinigt.
75.
prakartavyo hyanadhyāyo gurvantānāṃ yathākramam ||75||
Übersetzung: Nach dem Tod von Asketen gelten für die Gruppen bis zum Guru der Reihe nach ein, zwei, drei oder vier Tage Studienunterbrechung.
76.
svaśiṣyakastu yaddravyaṃ yatkiñcitpustakādikam ||76||
†
Übersetzung: Eine Unterbrechung des Dienstes an Gottheit, Feuer und Guru wird nicht empfohlen. Was einem eigenen Schüler an Büchern und anderem Besitz gehörte,
77.
gurorabhāvāttadbhāvabhāvācchāstrāṇi kārayet ||77||
†
Übersetzung: fällt an die Überlieferungslinie des Gurus und kann dort weitergegeben werden. Fehlt ein Guru, sollen entsprechend der Gesinnung des Verstorbenen Abschriften der Lehre angefertigt werden.
78.
bhājanādi tṛtīyaṃ tu nisve syādathavā yadi ||78||
†
Übersetzung: Ein größerer Anteil ist für den Gott der Götter, ein zweiter für das Feuer bestimmt. Gefäße und ein dritter Anteil kommen Bedürftigen zugute; die genaue Aufteilung ist nicht völlig eindeutig.
79.
svaryātasya gurordravyaṃ devāya vinivedayet ||79||
Übersetzung: Wer einen benötigten Gegenstand nicht besitzt, dem gebe man ihn. Der Besitz eines verstorbenen Gurus werde der Gottheit dargebracht.
80.
pustakānāṃ yathājyeṣṭhakrameṇa paripālanam ||80||
Übersetzung: Damit sollen sorgfältig ein Heiligtum oder andere Einrichtungen des Herrn geschaffen werden. Die Bücher sind nach der Rangfolge zu bewahren.
81.
svaṃ svaṃ vṛttamihopāttaṃ tatpālyamucitaṃ tataḥ ||81||
Übersetzung: Dies übernehmen die geeigneten Schüler stets regelgerecht. Jeder soll danach den übernommenen eigenen Lebenswandel angemessen fortführen.
82.
śeṣaistadājñayā sarvaiḥ sthātavyaṃ śivakāṅkṣibhiḥ ||82||
†
Übersetzung: Oder ein durch Erkenntnis ausgezeichneter älterer Bruder bewahre die Überlieferung. Alle übrigen nach Shiva Strebenden sollen seiner Anweisung folgen.
83.
praṇamya devadeveśaṃ pṛṣṭavānyo maheśvaram ||83||
†
Übersetzung: Nachdem der vorzügliche Weise Matanga das ganze Tantra gehört hatte, verneigte er sich vor dem Gott der Götter und fragte Maheshvara.
Übersetzung: Matanga sprach:
84.
ubhayārthapravṛttena bhavatāpyucitaṃ tvidam ||84||
Übersetzung: „Dieser heilige Nektar der Lehre wurde vom höchsten Herrn verkündet. Du hast ihn im Hinblick auf beide Ziele, Erfahrung und Befreiung, angemessen dargelegt.
85.
vartitavyaṃ suraśreṣṭha tatsamācakṣva śaṃkara ||85||
Übersetzung: Wohlgesinnt hast du ihn mir anvertraut. Wie soll ich nun damit verfahren, bester Gott? Erkläre mir dies, Shankara.“
86.
[parameśvara uvāca] —
Übersetzung: Darauf sprach der Herr des Alls nachdrücklich: „Erkläre ihn den innerlich vorbereiteten Schülern, hervorragender Weiser.
87.
tataḥ sa muniśārdūlo [hṛṣṭaḥ provāca taṃ vibhum] ||87||
†
Übersetzung: Was hättest du durch meine Gnade nicht bereits erlangt, o Weiser?“ Darauf antwortete der Weise dem Herrn freudig; diese Schlusswendung ist von der Edition ergänzt.
Übersetzung: Matanga sprach:
88.
[śiṣyāṇāṃ kṛpayā brūhi phalamadhyayanasya vai] ||88||
†
Übersetzung: „Du hast mir die Unterweisung der Schüler als Aufgabe bestimmt. Sage aus Mitgefühl für sie auch die Frucht des Studiums.“ Diese Strophe ist weitgehend editorisch ergänzt.
89.
[provāca parayā prītyā muniṃ jñānavatāṃ varam] ||89||
†
Übersetzung: Darauf sprach der erhabene Shrikantha, der Gemahl Parvatis, mit großer Liebe zum Weisen, dem Vorzüglichsten unter den Wissenden. Die zweite Halbzeile ist editorisch ergänzt.
Übersetzung: Parameshvara sprach:
90.
yāyāddhitvāndhakāraṃ pracalitagahanaṃ jñānavahniprabhāvāt |
antaḥ saṃpūrṇaraśmiḥ padamajamatulaṃ śāśvataṃ nirvikāraṃ
†
Übersetzung: Wer diese Lehre studiert, von der Verunreinigung aller Anhaftung frei und dem Befehl der höchsten Ursache folgend, lässt durch die Kraft des Erkenntnisfeuers das dichte Dunkel zurück. Innerlich von vollen Strahlen erfüllt, gelangt er zum ungeborenen, unvergleichlichen, ewigen und unwandelbaren Shiva-Zustand am Gipfel aller Wege, leuchtend und frei von begrifflicher Teilung.
Übersetzung: Damit endet im Caryāpāda des ehrwürdigen Matanga Parameshwara Agama das 10. Kapitel: Zusammenfassung.
Übersetzung: Gedruckte Schlusszeile: Kapitelabschluss.
Übersetzung: Damit ist dieser Werkteil abgeschlossen.
Übersetzung: Damit ist das Matanga Parameshwara Agama abgeschlossen.
Ergänzende heutige Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev zur weiteren persönlichen Praxis.
Anmerkungen und Quellen
Textgrundlage und historische Einordnung
- N. R. Bhatt (Hrsg.): Mataṅgapārameśvarāgama. Vidyāpāda, mit dem Kommentar Bhaṭṭa Rāmakaṇṭhas. Pondichéry, Institut Français d’Indologie, 1977, Publications de l’Institut Français d’Indologie 56. Kennung Q1977. Digitalisat der Ausgabe.
- N. R. Bhatt (Hrsg.): Mataṅgapārameśvarāgama. Kriyāpāda, Yogapāda et Caryāpāda, mit dem überlieferten Kommentar Bhaṭṭa Rāmakaṇṭhas. Pondichéry, Institut Français d’Indologie, 1982, Publications de l’Institut Français d’Indologie 65. Kennung Q1982. Digitalisat der Ausgabe.
Die Bearbeitung folgt diesen Editionen der mittelalterlichen Sanskritüberlieferung. Der Grundtext, seine Kommentierung und die editorischen Gliederungen sind unterschiedliche Textschichten. Eine genaue Entstehungszeit des Grundtextes wird hier nicht neu festgelegt. Die Erzählung von göttlicher Offenbarung und früheren riesigen Fassungen ist die Selbstdarstellung des Werks, keine Datierung nach historischen Dokumenten. Die vorliegende deutsche Übersetzung und Leseausgabe beansprucht weder eine neue Handschriftenedition noch eine externe Fachbegutachtung.
Umfang, Zählung und Grenzen
Erfasst sind 58 Kapitel mit 3.462 originalnummerierten Einträgen: Vidyāpāda 1–26 (1.530), Kriyāpāda 1–15 (998), Yogapāda 1–7 (452), Caryāpāda 1–10 (482). Dazu kommen 162 separat zugeordnete Sprecherzeilen und 22 Grundtextkolophone. Eigenständige Grundtextprosa oder unabhängige Zitatfragmente wurden nicht als zusätzliche Einheiten aufgenommen. Diese Zählung behauptet keine lückenlose Erhaltung jeder Silbe: 684 Einträge tragen offene Lesungs- oder Lückenhinweise. Eine Originalnummer kann einen, drei oder vier Halbverse umfassen; insbesondere Vidyāpāda 20.33 enthält nur einen Halbvers. Die Eintragszahl ist daher keine Zahl vollständig erhaltener gleich langer metrischer Doppelverse. Die traditionellen Umfangsangaben und die nach Halbversen gerechneten Editionssummen sind davon zu unterscheiden.
Die Übersetzung folgt dem Grundtext. Der Kommentar dient der Abgrenzung und stellenweisen Klärung, wird aber nicht als zusätzliche Übersetzung des Werkes eingeschoben. 36 Kommentarkolophone bleiben ausgeschlossen. Die gedruckten Zwischenüberschriften sind zum großen Teil editorisch oder in ihrer Herkunft nicht gesichert; sie werden nicht in vermeintliche Grundtextprosa verwandelt. Erhaltene Kapitelbezeichnungen und gedruckte Schlusszeilen werden als solche übernommen. Zwei editorische Mantra-Synopsen sind im Arbeitsarchiv gesondert erhalten; sie werden nicht als neue Originalverse oder als sicher rekonstruierte vollständige Rezitation ausgegeben.
Zeichen und Lesefassung
† kennzeichnet eine offene Quellenlesung oder einen Lückenhinweis. Die nachstehenden Hinweise nennen die betroffenen Originalpositionen. Eckige Klammern im Sanskrit bewahren gekennzeichnete Ergänzungen; sie sind kein stillschweigend gesicherter Wortlaut. Die IAST-Fassung ist eine automatische Transliteration der Devanagari-Arbeitsfassung. In Kriyāpāda 1.10 trennt ein Leerzeichen g und h, damit die Folge zweier Laute nicht als aspiriertes gh gelesen wird. Bei der Rückprüfung wurden die Schreibungen र्ऋ und रृ als lautgleiche Schreibweisen behandelt; der Devanagari-Wortlaut bleibt unverändert. Beide Schriften wurden technisch auf ihren übereinstimmenden Textumfang und ihre Transliteration abgeglichen; dies ersetzt keine unabhängige Prüfung jeder Lesung oder Deutung. Der Quellenbildabgleich und die kapitelweise Übersetzung wurden im Arbeitsprozess dokumentiert. Die Abschlussprüfung wiederholt keine vollständige Bildkollation und ist keine externe philologische Begutachtung.
Satz und Sprecherwechsel können über eine Originalnummer hinausreichen oder innerhalb eines Verses liegen. Solche Zusammenhänge bleiben erhalten. In der deutschen Fassung erläutern gelegentlich „Einwand“ und „Antwort“ den Dialog; sie sind Lesehilfen, keine zusätzlichen Sanskritwörter.
Bekannte Überlieferungslücken
- Vidyāpāda 17.150 nach dem ersten Halbvers: Der Editionsapparat meldet einen fehlenden Text zur Viḍambā-tuṣṭi (Q1977, S. 415, PDF-Seite 475, Anm. 15).
- Yogapāda nach 6.48: Die Edition vermutet einen Ausfall wegen fehlender Textkontinuität (Q1982, S. 318, PDF-Seite 463, Anm. 7).
- Caryāpāda 10.87–89: Fehlender Text ist stellenweise durch geklammerte Herausgeberergänzungen vertreten (Q1982, S. 427, PDF-Seite 572). Diese Ergänzungen sind keine sicher überlieferten Rezitationsformeln.
Zur heutigen Lektüre
Kosmologische Zahlen, rituelle Wirkungsbehauptungen, Körperlehren und soziale Vorschriften sind historische Aussagen des Matanga Parameshwara Agama. Das gilt auch für aggressive Rituale, soziale Hierarchien und Beschreibungen des Verlassens des Körpers. Die vollständige Wiedergabe macht sie nicht zu heutigen Handlungsempfehlungen. Mitgefühl, Unterscheidungskraft und eine verantwortete Meditation bleiben hilfreiche Gesichtspunkte für die persönliche Auseinandersetzung mit diesem Tantra.
Kapitel- und Seitenkonkordanz
| Teil und Kapitel | Originalnummern | Edition: gedruckte Seiten | PDF-Seiten |
|---|---|---|---|
| Vidyāpāda 1 | 1–34 | Q1977: 3–20 | 63–80 |
| Vidyāpāda 2 | 1–22 | Q1977: 21–36 | 81–96 |
| Vidyāpāda 3 | 1–35 | Q1977: 39–77 | 99–137 |
| Vidyāpāda 4 | 1–60 | Q1977: 79–101 | 139–161 |
| Vidyāpāda 5 | 1–77 | Q1977: 103–130 | 163–190 |
| Vidyāpāda 6 | 1–105 | Q1977: 133–233 | 193–293 |
| Vidyāpāda 7 | 1–77 | Q1977: 234–259 | 294–319 |
| Vidyāpāda 8 | 1–122 | Q1977: 260–295 | 320–355 |
| Vidyāpāda 9 | 1–44 | Q1977: 296–307 | 356–367 |
| Vidyāpāda 10 | 1–45 | Q1977: 308–324 | 368–384 |
| Vidyāpāda 11 | 1–43 | Q1977: 325–335 | 385–395 |
| Vidyāpāda 12 | 1–37 | Q1977: 336–350 | 396–410 |
| Vidyāpāda 13 | 1–34 | Q1977: 351–360 | 411–420 |
| Vidyāpāda 14 | 1–20 | Q1977: 362–366 | 422–426 |
| Vidyāpāda 15 | 1–19 | Q1977: 367–372 | 427–432 |
| Vidyāpāda 16 | 1–41 | Q1977: 373–381 | 433–441 |
| Vidyāpāda 17 | 1–190 | Q1977: 382–425 | 442–485 |
| Vidyāpāda 18 | 1–116 | Q1977: 427–457 | 487–517 |
| Vidyāpāda 19 | 1–39 | Q1977: 458–471 | 518–531 |
| Vidyāpāda 20 | 1–56 | Q1977: 472–485 | 532–545 |
| Vidyāpāda 21 | 1–20 | Q1977: 486–491 | 546–551 |
| Vidyāpāda 22 | 1–17 | Q1977: 493–498 | 553–558 |
| Vidyāpāda 23 | 1–86 | Q1977: 499–516 | 559–576 |
| Vidyāpāda 24 | 1–46 | Q1977: 518–527 | 578–587 |
| Vidyāpāda 25 | 1–66 | Q1977: 528–545 | 588–605 |
| Vidyāpāda 26 | 1–79 | Q1977: 546–577 | 606–637 |
| Kriyāpāda 1 | 1–151 | Q1982: 1–33 | 146–178 |
| Kriyāpāda 2 | 1–53 | Q1982: 34–45 | 179–190 |
| Kriyāpāda 3 | 1–102 | Q1982: 46–67 | 191–212 |
| Kriyāpāda 4 | 1–118 | Q1982: 68–93 | 213–238 |
| Kriyāpāda 5 | 1–139 | Q1982: 94–125 | 239–270 |
| Kriyāpāda 6 | 1–67 | Q1982: 126–141 | 271–286 |
| Kriyāpāda 7 | 1–41 | Q1982: 142–157 | 287–302 |
| Kriyāpāda 8 | 1–19 | Q1982: 159–165 | 304–310 |
| Kriyāpāda 9 | 1–56 | Q1982: 166–184 | 311–329 |
| Kriyāpāda 10 | 1–34 | Q1982: 186–194 | 331–339 |
| Kriyāpāda 11 | 1–54 | Q1982: 195–205 | 340–350 |
| Kriyāpāda 12 | 1–23 | Q1982: 206–213 | 351–358 |
| Kriyāpāda 13 | 1–43 | Q1982: 214–224 | 359–369 |
| Kriyāpāda 14 | 1–40 | Q1982: 225–235 | 370–380 |
| Kriyāpāda 15 | 1–58 | Q1982: 236–246 | 381–391 |
| Yogapāda 1 | 1–15 | Q1982: 247–250 | 392–395 |
| Yogapāda 2 | 1–86 | Q1982: 251–268 | 396–413 |
| Yogapāda 3 | 1–20 | Q1982: 269–272 | 414–417 |
| Yogapāda 4 | 1–130 | Q1982: 273–299 | 418–444 |
| Yogapāda 5 | 1–70 | Q1982: 300–310 | 445–455 |
| Yogapāda 6 | 1–63 | Q1982: 311–320 | 456–465 |
| Yogapāda 7 | 1–68 | Q1982: 321–333 | 466–478 |
| Caryāpāda 1 | 1–36 | Q1982: 334–340 | 479–485 |
| Caryāpāda 2 | 1–36 | Q1982: 341–348 | 486–493 |
| Caryāpāda 3 | 1–23 | Q1982: 349–353 | 494–498 |
| Caryāpāda 4 | 1–87 | Q1982: 354–370 | 499–515 |
| Caryāpāda 5 | 1–67 | Q1982: 371–381 | 516–526 |
| Caryāpāda 6 | 1–39 | Q1982: 382–391 | 527–536 |
| Caryāpāda 7 | 1–35 | Q1982: 392–400 | 537–545 |
| Caryāpāda 8 | 1–31 | Q1982: 401–406 | 546–551 |
| Caryāpāda 9 | 1–38 | Q1982: 407–413 | 552–558 |
| Caryāpāda 10 | 1–90 | Q1982: 414–428 | 559–573 |
Offene Quellenlesungen nach Originalposition
Die folgenden Hinweise bewahren die sachlichen Lesungsfragen des Arbeitsprozesses. Auch nach der abgeschlossenen Übersetzung gelten die markierten Wortformen oder Deutungen als vorläufig. Die ausführlichen ursprünglichen Prüfnotizen und Bilderzuordnungen stehen zusätzlich im Arbeitsarchiv.
- Vidyāpāda 1.34 (Q1977, S. 20; PDF 80): वेण्वाकृतनिश्चयेन nach Druckbild erfasst; Worttrennung und ungewöhnliche Verbindung vor Übersetzung mit der Erläuterung derselben Seite kontrollieren.
- Vidyāpāda 2.13 (Q1977, S. 30; PDF 90): सद्धावस्थितिः ist eine vorläufige diplomatische Entzifferung. Die genaue Konsonantenverbindung und Wortgrenze am Druckbild/Alternativscan klären; nicht aus metrischen Gründen stillschweigend verbessern.
- Vidyāpāda 5.45 (Q1977, S. 120; PDF 180): Genaue Konsonantenfolge am Anfang sowie Segmentierung der überlieferten Wortfolge vor der Übersetzung nochmals prüfen; keine grammatische Glättung.
- Vidyāpāda 5.49 (Q1977, S. 121; PDF 181): Komplexe Konsonantenverbindung am zweiten Digitalisat abgleichen. Kommentar erläutert upa und udvyūḍha; Arbeitslesung vorläufig.
- Vidyāpāda 6.45 (Q1977, S. 186, 187; PDF 246, 247): Konsonanten und Vokale des Übergangs utpattir iheṣṭā prüfen; Zweit-OCR liest anders. Noch keine feststehende Lesung.
- Vidyāpāda 6.47 (Q1977, S. 188, 192; PDF 248, 252): Verbindung vor avasthāyām und lexikalische Segmentierung am zweiten Digitalisat klären.
- Vidyāpāda 6.53 (Q1977, S. 198; PDF 258): Konsonantengruppe zwischen yad und saṃbhavaḥ am zweiten Digitalisat vergleichen.
- Vidyāpāda 6.56 (Q1977, S. 200; PDF 260): Konjunktion und gedrucktes Avagraha-Zeichen am zweiten Digitalisat überprüfen.
- Vidyāpāda 6.89 (Q1977, S. 219; PDF 279): Komplexe Verbindung am Ende des ersten Halbverses noch nicht sicher gelesen.
- Vidyāpāda 6.91 (Q1977, S. 220; PDF 280): Anrede: pu-/su- im Druck noch nicht sicher getrennt; vyapadeṣṭuṃ ist dagegen im zweiten Scan geklärt.
- Vidyāpāda 7.11 (Q1977, S. 237; PDF 297): Druckform im Fragesatz bestätigt, aber Bezug und ungewöhnliche Verbform im pluralischen Dialog vor Übersetzung prüfen; nicht stillschweigend zu vinivāryate verbessern.
- Vidyāpāda 7.23 (Q1977, S. 240; PDF 300): Erster Rudraname ähnelt der bereits in 7.22 stehenden Form Aghora. Genaues Druckzeichen und Namensliste nochmals philologisch vergleichen; keine erfundene Unterscheidung.
- Vidyāpāda 7.24 (Q1977, S. 240; PDF 300): Druckbild und zusätzliche OCR sprechen für hāntāni. Wortbildung/gegebenenfalls Bezug auf Mantra-Endzeichen prüfen; nicht ohne Nachweis zu śāntāni glätten.
- Vidyāpāda 7.76 (Q1977, S. 259; PDF 319): Gedrängte Vokal- und Konsonantenfolge im zweiten Halbvers bleibt vorläufig; auch vergrößerter zweiter Scan erlaubt hier noch keine sichere Segmentierung.
- Vidyāpāda 8.25 (Q1977, S. 269; PDF 329): Konsonantenfolge vor iṣaṅga trotz vergrößerter Bilder beider Digitalisate nicht abschließend geklärt; vorläufige Lesung.
- Vidyāpāda 8.32 (Q1977, S. 271; PDF 331): Gedruckte Doppelkonsonanz und Wortende im Alternativscan gelesen; ungewöhnliche Segmentierung vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 8.43 (Q1977, S. 273; PDF 333): Wortteilung, Vokallänge von svasutau und syntaktischer Zusammenhang vor Übersetzung erneut prüfen.
- Vidyāpāda 8.87 (Q1977, S. 283; PDF 343): Eigennamen nach beiden Scans vorläufig so erfasst; genaue Form des zweiten Namens noch nicht abschließend geklärt.
- Vidyāpāda 8.88 (Q1977, S. 284; PDF 344): Ungewöhnlicher Eigenname und Verbindung im zweiten Halbvers; Druckform bewahrt, Worttrennung/Bezug vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 8.109 (Q1977, S. 290, 291; PDF 350, 351): Enge Konsonantenverbindung und Satzbezug dieses Übergangs noch nicht abschließend geklärt.
- Vidyāpāda 9.15 (Q1977, S. 298, 299; PDF 358, 359): Beide Digitalisate und OCR stützen diese vorläufige Zeichenfolge; ungewöhnliches Kompositum und genaue Konsonantenfolge vor Übersetzung erneut prüfen. Keine stillschweigende Ersetzung durch māyāṇu.
- Vidyāpāda 9.32 (Q1977, S. 303; PDF 363): Druckform in beiden Digitalisaten gelesen; Segmentierung und Bezug von ādimatā im Zusammenhang mit karmavipāka vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 9.43 (Q1977, S. 307; PDF 367): Vokallänge im eng gedruckten Übergang t-kā/kal noch nicht abschließend geklärt; vorläufig kālayitum, keine freie Normalisierung.
- Vidyāpāda 10.13 (Q1977, S. 312, 315; PDF 372, 375): Enge Konsonantenverbindung dv/द्ध vor han in beiden Digitalisaten nicht endgültig unterschieden; vorläufig udvahana, vor Übersetzung nachprüfen.
- Vidyāpāda 11.4 (Q1977, S. 326; PDF 386): Ungewöhnliche Haupttextlesung in beiden Digitalisaten bestätigt; Bedeutung im Kontext vor Übersetzung prüfen, nicht still zur Apparatsvariante kṣarita ändern.
- Vidyāpāda 11.19 (Q1977, S. 330; PDF 390): Wortfolge am vergrößerten Druckbild gelesen; Verbindung von aviraktānām und vidviṣāṇām sowie Bezug zu virāga im Satz vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 12.15 (Q1977, S. 343; PDF 403): Druckform in beiden Digitalisaten gelesen; Wortbildung und Bezug der saisonalen Merkmale im Kommentar vor Übersetzung abschließend prüfen. Keine Erweiterung zu einer metrisch vermuteten Wortgruppe.
- Vidyāpāda 13.3 (Q1977, S. 351; PDF 411): Ungewöhnliche Form in beiden Digitalisaten gelesen; Wortteilung und Verbindung mit necc hann api bzw. नियतिः im Zusammenhang vor Übersetzung prüfen. Nicht still zu बलात्तेन ändern.
- Vidyāpāda 14.4 (Q1977, S. 363; PDF 423): Vorläufige diplomatische Lesung. Vokalzeichen am ersten Konsonanten sowie folgende Konsonantengruppe bleiben auch nach Vergleich beider Digitalisate unsicher; mit Kommentar und Verbableitung prüfen. Nicht still zur erwarteten Form पृणाति glätten.
- Vidyāpāda 14.6 (Q1977, S. 363; PDF 423): Druckfolge in beiden Digitalisaten gelesen; Segmentierung und syntaktischer Anschluss von प्रधानादाय im Kommentar vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 15.2 (Q1977, S. 367, 368; PDF 427, 428): Dentaler bzw. retroflexer Nasal in pra-nāyaka nach Vergleich beider Digitalisate noch vorläufig; Druckform nicht still normalisieren.
- Vidyāpāda 15.11 (Q1977, S. 370; PDF 430): Verbindung vor niyuktā durch Apparatsziffer unterbrochen; Lesung g/ṅ vor ni im Druck noch abschließend prüfen. Keine Lesung avyaktā oder erfundenes zusätzliches a übernehmen.
- Vidyāpāda 16.4 (Q1977, S. 373; PDF 433): Verbindung para-t-kṣobhāt im Druck schwer aufzulösen; Vokallänge und Verbindung vor kṣa nach Haupt- und Alternativscan noch vorläufig. Nicht ohne Begründung normalisieren.
- Vidyāpāda 16.36 (Q1977, S. 380; PDF 440): Dichte Verbindung vyūḍha in beiden Digitalisaten verglichen; genaue Vokallänge und Konsonantenform noch abschließend prüfen. Apparatsvariante gūḍha nicht in den Grundtext übernehmen.
- Vidyāpāda 17.36 (Q1977, S. 391; PDF 451): च्युतमेतन्निशाम्य: nach beiden Details plausibel, dichte Verbindung tanni vor śāmya noch abschließend absichern.
- Vidyāpāda 17.101 (Q1977, S. 404; PDF 464): तुष्टिर्भवतिरक्तिका मता: gegenüber erfundener Entwurfsform korrigiert; genaue Vokale/Segmentierung in beiden Digitalisaten noch ungesichert.
- Vidyāpāda 17.105 (Q1977, S. 405; PDF 465): नाशक्तिः प्रवृत्तिं विरतिं च: Schreibung/Anschluss noch prüfen.
- Vidyāpāda 17.107 (Q1977, S. 405; PDF 465): विरागोऽङ्गस्य ... ध्यानोपोद्बलितस्य: zweites Wort im Alternativdetail korrigiert, Konjunktion sowie erstes Wortgefüge noch prüfen.
- Vidyāpāda 17.150 (Q1977, S. 415; PDF 475): Bhatt1977 S415/PDF475, Apparat15, erwartet an dieser Stelle eine Aussage über das Fehlen der Viḍambā-tuṣṭi, meldet aber, dass der Wortlaut nicht verfügbar ist. Umfang unbekannt; keine Ergänzung oder neue Strophennummer erfunden.
- Vidyāpāda 17.162 (Q1977, S. 418; PDF 478): तेभ्योऽप्याशयसामर्थ्यान्नाना जात्यन्तरैर्वेदिताः: āśaya im Alternativdetail korrigiert; Endfolge vedita/khedita noch nicht sicher aufgelöst.
- Vidyāpāda 17.184 (Q1977, S. 423; PDF 483): विद्वस्यापि: Rückführung auf Alternativdetail; genaue Wortform noch offen.
- Vidyāpāda 18.2 (Q1977, S. 427; PDF 487): Vorläufige Lesung nach Haupt- und Alternativscan; dicht gedruckte Folge svasūte noch abschließend absichern. Nicht durch svamūte/svamūrte aus früherem Entwurf ersetzen.
- Vidyāpāda 18.34 (Q1977, S. 433; PDF 493): Zusammengezogene Verbindung nach pāyo- bleibt im Haupt- und Alternativscan schwer aufzulösen; rupasthasya vorläufig.
- Vidyāpāda 18.111 (Q1977, S. 455; PDF 515): Anlaut des Ortsnamens: dviraṇḍa gegenüber hiraṇḍa im früheren Entwurf noch nicht abschließend gesichert.
- Vidyāpāda 19.27 (Q1977, S. 468; PDF 528): Vorläufige Drucklesung nach beiden Digitalisaten; auffällige Folge bhūyāc carma vor Übersetzung nochmals prüfen. Nicht nach vermutetem grammatischem Sinn ändern.
- Vidyāpāda 19.39 (Q1977, S. 471; PDF 531): Dicht gedruckte Folge und Wortteilung pradhānād iha vṛddhyai nach beiden Scans noch abschließend absichern.
- Vidyāpāda 20.1 (Q1977, S. 472; PDF 532): Vorläufige Drucklesung yatatprāk; Konsonantenverdopplung gegenüber yattatprāk im Haupt- und Alternativscan noch nicht abschließend sicher. Keine Verdopplung allein nach Grammatik.
- Vidyāpāda 20.12 (Q1977, S. 477; PDF 537): Dichte Verbindung nach pānādyā-; dhra/ghra noch abschließend prüfen. Beide Digitalisate verglichen, keine Glättung nach vermutetem Sinn.
- Vidyāpāda 20.47 (Q1977, S. 483; PDF 543): Verbindung nach bhāvair und Schlusswort samādhayaḥ vorläufig nach beiden Digitalisaten; Wortteilung und Bezug vor Übersetzung absichern.
- Vidyāpāda 20.48 (Q1977, S. 484; PDF 544): Dichte Verbindung zwischen sāmarthyāt und prasūter sowie Vokallänge vor upavarṇitam noch nicht abschließend gesichert; beide Digitalisate gelesen.
- Vidyāpāda 21.12 (Q1977, S. 489; PDF 549): Dichte Konsonantenverbindung und Wortteilung nach nīhāra vorläufig; vor Übersetzung im Kommentar prüfen.
- Vidyāpāda 21.14 (Q1977, S. 489, 490; PDF 549, 550): Der Druck bietet selbst die eingeklammerte, mit Fragezeichen versehene Alternative rāśikam. Beide Formen in der Quellenfassung bewahrt; keine Entscheidung des Herausgebers oder eigene sichere Korrektur behauptet.
- Vidyāpāda 21.20 (Q1977, S. 491; PDF 551): Wort am Ende der zweiten Druckzeile nach Haupt- und Alternativscan vorläufig entziffert. Die genaue Konsonanten- und Vokalfolge sowie der Bezug bleiben offen; Apparat20 und Kommentar552 für spätere Prüfung zugeordnet.
- Vidyāpāda 22.1 (Q1977, S. 493; PDF 553): Druck vorläufig mit einfachem t erfasst; Konsonantenverdopplung gegenüber upātta im engen Druck vor Übersetzung erneut prüfen.
- Vidyāpāda 22.2 (Q1977, S. 493; PDF 553): Komplexe Gruppe nach svā- in beiden Digitalisaten gelesen, aber noch nicht sicher gegen svākhyo-/andere Verbindung unterschieden. Keine grammatische Verbesserung.
- Vidyāpāda 22.7 (Q1977, S. 495; PDF 555): Vokal/Verbindung im Übergang asma-/asmi- und śleṣma vorläufig; Hauptdetail gelesen, vor Übersetzung genau klären.
- Vidyāpāda 22.15 (Q1977, S. 497; PDF 557): Beide Digitalisate zeigen eine gedrängte Verbindung an der Apparatsziffer18; ein zusätzliches a nicht stillschweigend ergänzt. Namensanschluss und genaue Konsonantenfolge vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 23.2 (Q1977, S. 499; PDF 559): Dichte Konsonantengruppe nach svā-; mit noch offener Parallelstelle22.2 vor Übersetzung klären.
- Vidyāpāda 23.5 (Q1977, S. 500; PDF 560): Detail spricht für tāvatparā; voriger Entwurf tāvadaparā. Konsonantenverbindung vor parā bleibt bis gezieltem Quellenvergleich offen.
- Vidyāpāda 23.7 (Q1977, S. 501; PDF 561): Druck vorläufig grathitaḥ; Wortform und syntaktische Verbindung, insbesondere Visarga, vor Übersetzung klären.
- Vidyāpāda 23.19 (Q1977, S. 505; PDF 565): Verbindung acintā-/āñcitā- im engen Druck noch nicht abschließend unterschieden.
- Vidyāpāda 23.26 (Q1977, S. 506; PDF 566): Konsonantengruppe vor kṛṣṭa vorläufig; kein zusätzliches t ohne Quellenbeleg einsetzen.
- Vidyāpāda 23.41 (Q1977, S. 508; PDF 568): Vokal u/ṛ in kṣitibhu-/bhṛ- und einfaches/verdoppeltes n in prasano bleiben zu prüfen.
- Vidyāpāda 23.49 (Q1977, S. 509; PDF 569): Herausgeber schlägt in Fußnote15 auf569 संस्थितं महः vor und erklärt, dieser Wortlaut sei nicht belegt. Gedruckter Grundtext bewahrt; Konjektur nicht übernommen.
- Vidyāpāda 23.53 (Q1977, S. 509, 510; PDF 569, 570): Konsonantenfolge und Worttrennung im Anschluss an ādhruvāntāt-/ādhruvāntā- noch offen.
- Vidyāpāda 23.56 (Q1977, S. 510; PDF 570): Vokal u/ṛ in kṣitibhu-/bhṛ- noch offen, vgl.23.41.
- Vidyāpāda 23.69 (Q1977, S. 512; PDF 572): Vokalzeichen im Wortanfang sarva-/sarvai- am Druckdetail noch nicht abschließend aufgelöst.
- Vidyāpāda 23.78 (Q1977, S. 514; PDF 574): Gedruckter Name vorläufig tripulepa; abweichende Apparatsform trapulepa ist keine stillschweigende Korrektur.
- Vidyāpāda 23.84 (Q1977, S. 515; PDF 575): Dichte Konsonantenfolge um ūrdhvadṛṣṭayaḥ und adhodṛṣṭayastu am Detail gelesen; genaue Druckform vor Übersetzung nochmals gezielt absichern.
- Vidyāpāda 24.5 (Q1977, S. 519; PDF 579): Gedruckte Maßbezeichnungen vorläufig bewahrt; exakte Konsonanten/Vokale und Terminologie vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 24.7 (Q1977, S. 519; PDF 579): Vokalzeichen der Gruppe śe-/śo- im engen Druck vor Übersetzung genau absichern.
- Vidyāpāda 24.9 (Q1977, S. 519; PDF 579): Vokalzeichen in caikeka-/caikaika- und Anschluss an Zahlwort vorläufig; nicht grammatisch normalisiert.
- Vidyāpāda 24.12 (Q1977, S. 519; PDF 579): Auslaut von pañcāśat und Verbindung zu koṭyo adhvā im dichten Druck noch nicht abschließend geklärt.
- Vidyāpāda 24.13 (Q1977, S. 520; PDF 580): Beide Digitalisate an richtiger Druckseite520 verglichen; Konsonantenfolge und Worttrennung im Anschluss an bhūpṛṣṭhād bleiben offen.
- Vidyāpāda 24.27 (Q1977, S. 522, 523; PDF 582, 583): Druck vorläufig taddhīlavṛta-; genaue Vokalfolge beim Ortsnamen vor Übersetzung klären.
- Vidyāpāda 24.33 (Q1977, S. 524; PDF 584): Konsonanten- und Nasalverbindung nach śailendrārdhā- noch vorläufig.
- Vidyāpāda 24.37 (Q1977, S. 525; PDF 585): Vokal i/fehlendes i vor śca im Namen des Meeres noch nicht abschließend geklärt; vgl.23.67.
- Vidyāpāda 24.40 (Q1977, S. 525; PDF 585): Dichte Zahlenverbindung in beiden korrekt zugeordneten Digitalisaten vorläufig gelesen; Wortteilung und genaue Konsonantenfolge bleiben offen.
- Vidyāpāda 25.1 (Q1977, S. 528; PDF 588): Vokal-/Konsonantengruppen nach sarva und sphurad im dichten Druck vorläufig; gezielter Zweitscanvergleich der tatsächlichen Druckseite528 erforderlich.
- Vidyāpāda 25.8 (Q1977, S. 530; PDF 590): Mittleres Attribut noch nicht sicher entziffert; keine sprachliche Verbesserung eingesetzt.
- Vidyāpāda 25.12 (Q1977, S. 531; PDF 591): Konsonantenverbindung beim Augen-Nimeṣa-Maß noch nicht endgültig abgesichert.
- Vidyāpāda 25.15 (Q1977, S. 532; PDF 592): Vokalfolge bei der einleitenden Definition vorläufig; erwartetes nāma nicht ohne Drucknachweis eingesetzt.
- Vidyāpāda 25.16 (Q1977, S. 532; PDF 592): Bezeichnung der Zeiteinheit sowie Konsonantenverbindung nach triṃśat vorläufig.
- Vidyāpāda 25.24 (Q1977, S. 532; PDF 592): Verbindung āyu-/āyur- und Zahlwort vor Übersetzung prüfen.
- Vidyāpāda 25.25 (Q1977, S. 532; PDF 592): Wortverbindung vor dinaṃ noch nicht sicher entziffert.
- Vidyāpāda 25.30 (Q1977, S. 534; PDF 594): Nasalzeichen/Verbindung nach ūrdhva und vor gāmibhiḥ trotz Detailvergleich noch vorläufig.
- Vidyāpāda 25.47 (Q1977, S. 538; PDF 598): Konsonantenverbindung und Silbenfolge nach tasmin im engen Druck vorläufig; nicht zu bhuvanāntare normalisiert.
- Vidyāpāda 25.49 (Q1977, S. 539; PDF 599): Gedruckte Schlussgruppe nach vāyu vorläufig entziffert; vermeintlichen Anusvāra/Visarga noch am Zweitscan vergleichen. Links der Originalnummer49 ist im Hauptscan nur ein Danda erkennbar.
- Vidyāpāda 25.57 (Q1977, S. 542; PDF 602): Erstes Wort unsicher; auch Vokallänge und Konsonantenverbindung in maṇi/māṇikya vorläufig. Keine Namensform erfunden.
- Vidyāpāda 25.66 (Q1977, S. 545; PDF 605): Konsonantengruppe nirjita-/nirmita- sowie Wortgrenzen im dritten metrischen Druckvers noch nicht endgültig geklärt.
- Vidyāpāda 26.1 (Q1977, S. 546; PDF 606): Verbindung nach adharm- im Hauptscan noch nicht sicher; rechnerisch gewählte ALT591 zeigte eine andere Druckseite und wurde als Beleg verworfen.
- Vidyāpāda 26.11 (Q1977, S. 550; PDF 610): Konsonantenverbindung und Wortgrenzen im zweiten Halbvers vorläufig.
- Vidyāpāda 26.12 (Q1977, S. 550; PDF 610): s/ś und Konsonantenverbindung bei saṃsliṣṭa im Druck prüfen.
- Vidyāpāda 26.14 (Q1977, S. 551; PDF 611): Verbindung nach parityāga und folgendes Wort noch nicht sicher entziffert; keine Sinnverbesserung vorgenommen.
- Vidyāpāda 26.22 (Q1977, S. 552, 553; PDF 612, 613): Beginn bis kecit durch ALT614 geklärt. Vokal und Konsonantenfolge des letzten Kompositums kālpa-/kāla-/kalpa-paryayāt bleiben vorläufig.
- Vidyāpāda 26.23 (Q1977, S. 553; PDF 613): Konsonantenverbindung nach āyāsa trotz ALT614 nicht endgültig gesichert; kein zusätzliches Negationswort aus dem Sinn ergänzt.
- Vidyāpāda 26.27 (Q1977, S. 554; PDF 614): Gedruckte Verbindung śvitrī/abweichende Zeichenfolge noch vorläufig; ALT615 zusätzlich gelesen.
- Vidyāpāda 26.29 (Q1977, S. 554; PDF 614): Incipit bis vyādhiḥ durch Register713 und ALT615 bestätigt; anschließende dichte Wortgruppe bleibt ungeklärt.
- Vidyāpāda 26.31 (Q1977, S. 554, 555; PDF 614, 615): Doppel-l aus ALT615 bewahrt. Wortform und kr-/k-Verbindung bleiben vor Übersetzung zu klären.
- Vidyāpāda 26.33 (Q1977, S. 556; PDF 616): Konsonantenverbindung nach kram- vorläufig; keine normalisierte Segmentierung eingesetzt.
- Vidyāpāda 26.42 (Q1977, S. 559; PDF 619): Wortgrenzen und Verbindung vor dhyavasāya noch nicht abschließend geklärt.
- Vidyāpāda 26.46 (Q1977, S. 561; PDF 621): Dichte Konsonantengruppe tat-tv-/tanni- noch unsicher; keine fehlende Silbe aus dem Sinn ergänzt.
- Vidyāpāda 26.47 (Q1977, S. 561; PDF 621): n/d-Verbindung vor varāḥ noch vorläufig.
- Vidyāpāda 26.52 (Q1977, S. 563; PDF 623): Wortverbindung nach maṇeḥ und Vokalzeichen im engen Druck vorläufig.
- Vidyāpāda 26.53 (Q1977, S. 563; PDF 623): Konsonantenverbindung lakṣya/lakṣa sowie Verbindung dhyāna-īraṇa noch zu sichern.
- Vidyāpāda 26.54 (Q1977, S. 564; PDF 624): Verbindung nach yogāśr- im zweiten Halbvers noch nicht sicher.
- Vidyāpāda 26.56 (Q1977, S. 564; PDF 624): Konsonanten-/Vokalfolge bei śṛṇv-eka und Wortgrenze vorläufig.
- Vidyāpāda 26.64 (Q1977, S. 569; PDF 629): dy/dh und Verbindung asya/amita im Grundtext noch nicht endgültig geklärt.
- Vidyāpāda 26.66 (Q1977, S. 570; PDF 630): ALT631 zusätzlich gelesen; Vokal-/Konsonantenform nach nās- sowie syntaktischer Bezug von te vorläufig.
- Vidyāpāda 26.68 (Q1977, S. 571; PDF 631): Vokal-/Endzeichen bei paśu/paśau/paśoḥ noch nicht sicher.
- Vidyāpāda 26.77 (Q1977, S. 575; PDF 635): Lange Konsonantengruppen in den ersten zwei metrischen Druckzeilen vorläufig.
- Vidyāpāda 26.78 (Q1977, S. 576; PDF 636): Architekturkompositum in der ersten metrischen Druckzeile noch nicht sicher entziffert.
- Vidyāpāda 26.79 (Q1977, S. 577; PDF 637): Wortende im dritten metrischen Druckvers vorläufig; keine erwartete Form ohne Bildnachweis eingesetzt.
- Kriyāpāda 1.7 (Q1982, S. 6; PDF 151): Konsonantenfolge ko-/kūrpa- und Endung im ersten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.9 (Q1982, S. 6; PDF 151): Wortverbindung kanyasāṅguṣṭha und anschließende ūrdhva-Gruppe.
- Kriyāpāda 1.10 (Q1982, S. 6; PDF 151): Verbindung der Wörter samyag-hastayor-dvayor/ūrdhvayor im Druck.
- Kriyāpāda 1.14 (Q1982, S. 7; PDF 152): Wortgrenze vor ṛjv-agranthy-avraṇa und Vokalzeichen; gleiche Sachbezeichnung auch1.144.
- Kriyāpāda 1.16 (Q1982, S. 8; PDF 153): Form śāṅkuva und Verbindung am Ende des ersten Halbverses.
- Kriyāpāda 1.17 (Q1982, S. 8; PDF 153): Konsonantenfolge nach nirgacchat und Zusammenhang mit der Kreislinie.
- Kriyāpāda 1.23 (Q1982, S. 9; PDF 154): Sandhi und Vokalzeichen bei pūrvāgrād-dakṣiṇām.
- Kriyāpāda 1.24 (Q1982, S. 9; PDF 154): Verbindung bei tat-saṃpāta und nairṛta-gocara.
- Kriyāpāda 1.25 (Q1982, S. 9; PDF 154): Bezeichnung des Gebäudes im zweiten Halbvers noch nicht sicher.
- Kriyāpāda 1.29 (Q1982, S. 10; PDF 155): Verbindung bei cakravan und anschließender Bezeichnung des Mantrins.
- Kriyāpāda 1.31 (Q1982, S. 10; PDF 155): Verbindung bei bahistatkamalaṃ und paścāc-caturaśreṇa.
- Kriyāpāda 1.32 (Q1982, S. 10; PDF 155): Konsonanten-/Vokalfolge des ersten Halbverses bei trirekhopāntamārga.
- Kriyāpāda 1.33 (Q1982, S. 10; PDF 155): Erstes Bestimmungswort des Maßes aṅguṣṭha-pramāṇa; Vergleich1.54 offen.
- Kriyāpāda 1.34 (Q1982, S. 10; PDF 155): Maßangabe hasta-traya im Druck sichern.
- Kriyāpāda 1.36 (Q1982, S. 10; PDF 155): Kasus-/Konsonantenverbindung bei koṣṭhakād-dvitaya.
- Kriyāpāda 1.37 (Q1982, S. 11; PDF 156): Konsonantenfolge bei śeṣāś-caturṣu.
- Kriyāpāda 1.41 (Q1982, S. 11; PDF 156): Verbindung der Richtungsangaben mit sādākhya.
- Kriyāpāda 1.42 (Q1982, S. 11, 12; PDF 156, 157): Maßangabe im ersten und sambandhisches Pronomen im zweiten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.47 (Q1982, S. 12; PDF 157): Verbindung vidhi-/vini- sowie vimocyāni.
- Kriyāpāda 1.49 (Q1982, S. 12; PDF 157): Konsonantenfolge nach bhūṣaṇa im zweiten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.50 (Q1982, S. 12, 13; PDF 157, 158): Verbindung śāntam-iṣṭādhvāna im ersten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.54 (Q1982, S. 14; PDF 159): Bestimmungswort im Maß madhyāṅguṣṭha-pramāṇa; Vergleich1.33 noch offen.
- Kriyāpāda 1.56 (Q1982, S. 14; PDF 159): Konsonantenfolge bei navapadokti-darśana und vakṣyokta-vartman.
- Kriyāpāda 1.57 (Q1982, S. 15; PDF 160): Maßangabe pañcakara und Stoffname kuṅkuma noch nicht endgültig gelesen.
- Kriyāpāda 1.59 (Q1982, S. 15; PDF 160): Gesamte dichte Wortverbindung im ersten Halbvers vorläufig; Kommentar erläutert den von Śiva durchdrungenen adhvan.
- Kriyāpāda 1.63 (Q1982, S. 16; PDF 161): Formulierung aṅgānyuktāni und saṃkṣepān-nāmāni mit den Druckzeichen abgleichen.
- Kriyāpāda 1.64 (Q1982, S. 16; PDF 161): Mantraname im ersten Halbvers (kusāṅkuśāstra im Entwurf) nicht gesichert.
- Kriyāpāda 1.69 (Q1982, S. 17; PDF 162): Endung des Mantrapadensatzes bei ṣaḍarṇa/pranavādika.
- Kriyāpāda 1.70 (Q1982, S. 17; PDF 162): Wortzusammensetzung sarvaprabhu-caturthyanta gegenüber Mantraform sarvaprabhave.
- Kriyāpāda 1.72 (Q1982, S. 17; PDF 162): Kasus- und Vokalzeichen bei īśānamūrdhāya.
- Kriyāpāda 1.74 (Q1982, S. 18; PDF 163): Verbindung taddhṛt-padasya im ersten Halbvers bleibt trotz Mantratabelle offen.
- Kriyāpāda 1.75 (Q1982, S. 18; PDF 163): Wortgruppe atha haiḥ vor saptabhiḥ noch nicht sicher entziffert.
- Kriyāpāda 1.79 (Q1982, S. 19; PDF 164): Form nach jyotīrūpāya (sadya-yukta im Entwurf) noch offen.
- Kriyāpāda 1.80 (Q1982, S. 19; PDF 164): Kompositum mit paramīśvara/paramēśvara vor pūrvaka; kein automatischer Ersatz aus Tabelle.
- Kriyāpāda 1.81 (Q1982, S. 19; PDF 164): Verbindung tasyādyaṃ und acetanātmaka.
- Kriyāpāda 1.83 (Q1982, S. 19; PDF 164): Wortgrenze vor arūpin in der Mantradefinition.
- Kriyāpāda 1.84 (Q1982, S. 19, 20; PDF 164, 165): Verbform nach prathama iti dvirabhyāsa.
- Kriyāpāda 1.85 (Q1982, S. 20; PDF 165): Die Zahlbezeichnung und die Wortfolge des zweiten Halbverses noch vorläufig.
- Kriyāpāda 1.97 (Q1982, S. 21; PDF 166): Form und Endzeichen bei yogādhipati im ersten Halbvers; Zahl daśaika aus Druck korrigiert.
- Kriyāpāda 1.113 (Q1982, S. 24; PDF 169): Benennung des dritten Vidyāṅga vor vācaka im ersten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.125 (Q1982, S. 28; PDF 173): Konsonantenfolge nach narmadā ca vor sarito varāḥ.
- Kriyāpāda 1.126 (Q1982, S. 28, 29; PDF 173, 174): Dichte Verbindung ābhyoʼpyabhāvādyāḥ im ersten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.132 (Q1982, S. 30; PDF 175): Wortverbindungen der Materialnamen śaṅkha/vidruma/vaiḍūrya/rājāvarta.
- Kriyāpāda 1.133 (Q1982, S. 30; PDF 175): Konsonantenfolge sat-su teṣv-atra und Flexion im zweiten Halbvers.
- Kriyāpāda 1.135 (Q1982, S. 30; PDF 175): Baum-/Waldbezeichnung pratyagvana oder abweichende gedruckte Form.
- Kriyāpāda 1.138 (Q1982, S. 31; PDF 176): Bezeichnung kuśodbhava am Ende des zweiten Halbverses.
- Kriyāpāda 1.139 (Q1982, S. 31; PDF 176): Erstes Wort (parpībilvaiḥ im Entwurf) nicht zuverlässig entziffert.
- Kriyāpāda 1.141 (Q1982, S. 31; PDF 176): Wortform und Endung im Stoffkompositum kuṅkumāguru-karpūra.
- Kriyāpāda 1.142 (Q1982, S. 31, 32; PDF 176, 177): Lesung subhadrāṇi und āmodanisrava noch vorläufig.
- Kriyāpāda 1.144 (Q1982, S. 32; PDF 177): Sandhi nach samidh und Verbindung ṛjv-agranthy-avraṇa.
- Kriyāpāda 1.149 (Q1982, S. 33; PDF 178): Vokal bei śivaśaktikaraiḥ sowie Konsonantenfolge śraddadhānā.
- Kriyāpāda 1.150 (Q1982, S. 33; PDF 178): Wortform sadākrūrāḥ im ersten Halbvers vorläufig; keine Negation ergänzt.
- Kriyāpāda 1.151 (Q1982, S. 33; PDF 178): Lange Wortverbindungen des Schlussverses, besonders tantrōkta-vākyaiḥ und kriyodgīrṇa, noch zu sichern.
- Kriyāpāda 2.10 (Q1982, S. 36; PDF 181): Konsonanten- und Vokalfolge bei kati und tato-tīrya im Hauptdruck noch vorläufig. Der Apparat erklärt ausdrücklich tat uttīrya als ārṣa-Sandhi; keine grammatisch normalisierte Variante eingesetzt.
- Kriyāpāda 2.25 (Q1982, S. 38; PDF 183): Kasusform bhūmau im ersten Wort noch nicht vollständig sicher entziffert.
- Kriyāpāda 2.27 (Q1982, S. 38; PDF 183): Konsonantenfolge tasmāt-tat-saṃtataṃ im zweiten Halbvers vorläufig.
- Kriyāpāda 2.33 (Q1982, S. 40, 41; PDF 185, 186): Bezeichnung des Gefäßes und Verbindung bei kauvery-abhimukha vorläufig; keine Vereinheitlichung von b/v.
- Kriyāpāda 2.37 (Q1982, S. 41; PDF 186): Verbindung tatoruyugala im Hauptdruck; der Apparat erklärt tat ūruyugalam als ārṣa-Sandhi. Wortanfang kaṭimutthāpya gegenüber früherem Entwurf berichtigt.
- Kriyāpāda 2.44 (Q1982, S. 42; PDF 187): Nach Apparat und Bild als śikhāṃ verbessert; der Anusvāra im Grunddruck bleibt zu sichern.
- Kriyāpāda 2.47 (Q1982, S. 43; PDF 188): Erstes Wort brāhmamanyattṛtīyaṃ und Verbindung tan-nirvartyaṃ im engen Druck noch vorläufig.
- Kriyāpāda 2.52 (Q1982, S. 44, 45; PDF 189, 190): Verbindung tato bāhyādhvarakriyā im ersten Halbvers noch zu sichern; keine Negation aus dem Sinn oder den Varianten ergänzt.
- Kriyāpāda 3.6 (Q1982, S. 47; PDF 192): Zusammensetzung kṛtāṭopam…tarunirmitaiḥ im dichten Druck unsicher; keine Konjektur bestätigt.
- Kriyāpāda 3.16 (Q1982, S. 49; PDF 194): sarvasarva/śarvasarva.
- Kriyāpāda 3.30 (Q1982, S. 52; PDF 197): sattvārcanaṃ/kṛtvārcanaṃ: Haupttext erster Konsonantenblock unsicher.
- Kriyāpāda 3.57 (Q1982, S. 57; PDF 202): Ausgang yogasāmarthyān vor na im dichten Druck.
- Kriyāpāda 3.60 (Q1982, S. 58; PDF 203): Nach tulyam provisorisch dhyāyeddhṛ erfasst;Folge/Ende dieses Wortes im Druck ungesichert. Das zunächst ergänzte di entfernt. Keine Textlücke der Edition behauptet und keine metrische Ergänzung eingesetzt.
- Kriyāpāda 3.63 (Q1982, S. 58, 59; PDF 203, 204): visṛṣṭam/vispaṣṭam: Quelle dicht;Kommentar204 erläutert visṛṣṭaṃ;Varianten enthalten vispaṣṭam.
- Kriyāpāda 3.65 (Q1982, S. 59; PDF 204): nirdhūmabhasmakiraṇaiḥ diplomatisch;ungewöhnliche Verbindung gegen abweichende Varianten.
- Kriyāpāda 3.74 (Q1982, S. 61; PDF 206): Erstes Wort in Halbversb nicht sicher: vorläufig uddhṛtairhi;keine endgültige Normalisierung.
- Kriyāpāda 3.93 (Q1982, S. 64; PDF 209): modayantyā suśaṣkulyāpūpakāṃśca morphologisch ungewöhnlich;zahlreiche abweichende Handschriften im Apparat.
- Kriyāpāda 4.10 (Q1982, S. 70; PDF 215): śaiśapaṃ/śaiṃśapaṃ Holzbezeichnung im Hauptdruck.
- Kriyāpāda 4.20 (Q1982, S. 73; PDF 218): huṃphaṭkārobhayutena als nähere vorläufige Graphenerfassung; frühere Abschrift -bhayayuktena verworfen. Ungewöhnliche Mantraverbindung bleibt offen.
- Kriyāpāda 4.42 (Q1982, S. 79; PDF 224): nānātritayayojanāt: erster Bestandteil des Kompositums im Hauptdruck unsicher.
- Kriyāpāda 4.53 (Q1982, S. 81, 82; PDF 226, 227): guggulohomo ohne Avagraha im Druck; sandhische Quellenform sichern.
- Kriyāpāda 4.79 (Q1982, S. 86, 87; PDF 231, 232): karmasiddhaye versus karmaprasiddhaye im zweiten Halbvers.
- Kriyāpāda 4.85 (Q1982, S. 87, 88; PDF 232, 233): karmaṇyagnimudāhṛtaḥ versus karmaṇyasminn-: erste Zeile dicht.
- Kriyāpāda 4.88 (Q1982, S. 88; PDF 233): sahasaiva/sahaseva im Hauptdruck.
- Kriyāpāda 4.94 (Q1982, S. 89; PDF 234): chatrākārabhujaḥ ungewöhnliche Quellenfügung; keine Emendation.
- Kriyāpāda 4.98 (Q1982, S. 90; PDF 235): vedhaḥ soʼrthaprasiddhyartham und letzte Endung -dīrghāḥ: vorläufige Graphenerfassung; dichte Quelle noch nicht abschließend gesichert.
- Kriyāpāda 4.101 (Q1982, S. 90, 91; PDF 235, 236): triṣv eko im ersten Halbvers korrigiert. kṣīṇo hi kāryasiddhyartham im zweiten Halbvers bleibt gegenüber stark abweichenden Apparatformen offen.
- Kriyāpāda 4.102 (Q1982, S. 91; PDF 236): kāryaṃ am Beginn des zweiten Halbverses durch Scanunreinheit beeinträchtigt.
- Kriyāpāda 5.8 (Q1982, S. 95; PDF 240): bhartraṃ nach sukṛtābharaṇaṃ stark unsicher; keine Normalisierung als bhadram ohne Druckbeleg.
- Kriyāpāda 5.21 (Q1982, S. 99; PDF 244): Bīja als kṣūṃ erkannt, Entwurf korrigiert zu kṣūṃkārādyantadīptena; Verbindung ādyanta noch nicht abschließend gesichert. Kommentar246 spricht von kṣūṃkārasampuṭa.
- Kriyāpāda 5.30 (Q1982, S. 101; PDF 246): tadaiva als derzeit beste Hauptdrucklesung statt tadvatsusamāhitaḥ; weiterhin abzugleichen. īśe karṇātsamārabhya bestätigt.
- Kriyāpāda 5.39 (Q1982, S. 102, 103; PDF 247, 248): rekhāṅgārāsthi-: erstes Glied stark unsicher; keine Sinnkonjektur.
- Kriyāpāda 5.61 (Q1982, S. 106; PDF 251): puṣparāga-/puṣyarāga-: Hauptdruck noch abgleichen.
- Kriyāpāda 5.62 (Q1982, S. 107; PDF 252): bharturyāge: dichte Hauptdruckfolge; OCR unzuverlässig.
- Kriyāpāda 5.64 (Q1982, S. 107; PDF 252): astrāṇyapyādi: Anfangsform im Hauptdruck.
- Kriyāpāda 5.75 (Q1982, S. 109; PDF 254): śāktikīnāṃ/śākinīnāṃ: graphische Folge.
- Kriyāpāda 5.78 (Q1982, S. 109; PDF 254): sthāpayettadabhimuccaran: Verbindung vor abhimuccaran.
- Kriyāpāda 5.82 (Q1982, S. 110, 111; PDF 255, 256): sākṣinsākṣinpadoċċārāddhutaṃ: Druckgraph ddhi/ddhu.
- Kriyāpāda 5.91 (Q1982, S. 112; PDF 257): pīḍayāṅguṣṭhena noch offen; paścādādāya am erweiterten Bild257 bestätigt.
- Kriyāpāda 5.92 (Q1982, S. 112; PDF 257): tayaivāgneḥ: Manuskripte bhāgamagraṃ etc. nicht übernehmen.
- Kriyāpāda 5.95 (Q1982, S. 114; PDF 259): nāpekṣya und laukikaum: beide gedruckten Formen noch ungesichert.
- Kriyāpāda 5.99 (Q1982, S. 115; PDF 260): ca/trā/brā vor ṇo im ersten Halbvers stark unsicher; nicht normalisieren.
- Kriyāpāda 5.102 (Q1982, S. 116; PDF 261): śiṣyāṃścopोṣitāḥ: Kasus im Druck ausdrücklich noch ungesichert.
- Kriyāpāda 5.112 (Q1982, S. 118; PDF 263): paśukāye und mṛḍuṇe: Funktionstermini/Graphen unsicher.
- Kriyāpāda 5.114 (Q1982, S. 119; PDF 264): syāddhuṃ versus syādhuṃ: Bīja nicht normalisieren.
- Kriyāpāda 5.119 (Q1982, S. 120; PDF 265): ṛjvagranthyavraṇaṃ und sthaulyaṃ: dichter Druck.
- Kriyāpāda 5.121 (Q1982, S. 120; PDF 265): prāgudagīśordhvavaktraṃ als bessere Druckerfassung; Segmentierung/Sandhi vor īśa weiter offen.
- Kriyāpāda 5.131 (Q1982, S. 122; PDF 267): Erste Zeile śikhāṃ śikhiśikhākārāmuccaransaṃyamecchikhām korrigiert; zweite Zeile im Druck śiṣyāṇāṃ mapyathādhvānamakhilaṃ, Wortgrenze/Anusvāra vor mapyatha noch offen. Nicht still zu śiṣyāṇāmapyatha normalisiert.
- Kriyāpāda 5.135 (Q1982, S. 123, 124; PDF 268, 269): Nähere Erfassung dhīmānkṣipedrātrimanidritaḥ statt der verworfenen Folge dhīmācchiprātprabhṛti nirgataḥ; Graphen an Verbindung dhīmān/kṣi noch offen.
- Kriyāpāda 6.11 (Q1982, S. 129; PDF 274): bhūya ohne sichtbaren Visarga: möglicher Anusvāra/anderer Endgraph weiterhin offen; letzter Detailausschnitt oben beschnitten, keine zusätzliche Sicherheit daraus behauptet.
- Kriyāpāda 6.28 (Q1982, S. 134; PDF 279): vṛṣṭirvā gegenüber dṛṣṭirvā im Hilfs-OCR; Quelldruck prüfen.
- Kriyāpāda 6.29 (Q1982, S. 135; PDF 280): sarvajyotiṣmatāṃ: gegenüber Entwurf ohne Anusvāra erfasst; erste Verbindung sarva-/sarvai- noch offen.
- Kriyāpāda 6.36 (Q1982, S. 136; PDF 281): svapnānāmapyayoktāni: Folge apyayo/apyatho noch offen.
- Kriyāpāda 6.38 (Q1982, S. 136; PDF 281): saṅgādvābhyāsādvā: Sandhi und gedruckte Quantitäten.
- Kriyāpāda 6.46 (Q1982, S. 138; PDF 283): śvetānaḍutsamārūḍhā: Wortverbindung.
- Kriyāpāda 6.47 (Q1982, S. 138; PDF 283): Erratum siddharna→siddhirna grafisch bestätigt. Zweite Hälfte als śvetapuṣpaṃ verbessert; Wortende von śvetapuṣpa(ṃ) noch nicht abschließend gesichert.
- Kriyāpāda 6.50 (Q1982, S. 138; PDF 283): darśanālmuniśārdūla: Endkonsonant des ersten Gliedes offen.
- Kriyāpāda 6.51 (Q1982, S. 138; PDF 283): Verbesserte Erfassung śaṅkhayānārṇavānapi; Konsonanten vor yāna noch offen.
- Kriyāpāda 7.6 (Q1982, S. 143; PDF 288): dikṣvaṣṭāstatrānāyakāḥ/tatrānāyakāḥ: Konsonantenverbindung ungesichert.
- Kriyāpāda 7.17 (Q1982, S. 144, 145; PDF 289, 290): śarvaṃśarvaṃ und kārmaṃ im Druck erfasst; Verbindung/Endung kārmaṃ bleibt bei schwachem Druck offen.
- Kriyāpāda 7.28 (Q1982, S. 149; PDF 294): Quantität śaktyā/śāktyā noch offen; brahmatarūdbhavaiḥ und haviryajñāstilaiḥ im Detail bestätigt.
- Kriyāpāda 7.33 (Q1982, S. 154; PDF 299): śāktyā: Quantität gegenüber śaktyā, Grunddruck bewahren.
- Kriyāpāda 7.37 (Q1982, S. 155; PDF 300): Vauṣaḍantena im Detail bestätigt und berichtigt; Verbindung nistaraṅgaujasa/nistaraṅgojasā bleibt offen.
- Kriyāpāda 7.40 (Q1982, S. 157; PDF 302): svākyaṃ/svākhyam und śuddhitahṛtpraveśād: letzte Erfassung muss noch anhand Hauptdruck/Kommentar gesichert werden.
- Kriyāpāda 8.7 (Q1982, S. 160, 161; PDF 305, 306): vikrāntacittastu und śaktimatsthitam: dichte Verbindungen.
- Kriyāpāda 8.13 (Q1982, S. 163; PDF 308): samatāṃ/saṃmatāṃ: möglicher Anusvāra im Druck.
- Kriyāpāda 8.14 (Q1982, S. 163; PDF 308): yuktोऽṇurmāgate nach bestem Druckbefund erfasst; rā/na-Verbindung vor gate bleibt ungesichert. Keine grammatische Normalisierung.
- Kriyāpāda 9.9 (Q1982, S. 169; PDF 314): trāṇadharmasamuddhānāṃ/samudbhānāṃ: Konsonantenverbindung bleibt nach gezieltem Achtfachdetail ungesichert; keine stillschweigende Harmonisierung.
- Kriyāpāda 9.30 (Q1982, S. 177; PDF 322): abhilāṣākhyadajñānāt: Verbindung und Vokallänge zwischen ākhya und ajñāna weiterhin ungesichert; Quelle mit Apparatverweisen stark überlagert.
- Kriyāpāda 9.32 (Q1982, S. 177; PDF 322): tadeva/tadaiva: e/ai am Wortbeginn des zweiten Halbverses bleibt graphisch unsicher; yadāghātaḥ bestätigt.
- Kriyāpāda 10.19 (Q1982, S. 191; PDF 336): nirmañchya/nirmañcya: Konsonantenfolge nach nir bleibt graphisch unsicher. śrīparṇitarusaṃbhave nach bestem Druckbefund übernommen.
- Kriyāpāda 10.21 (Q1982, S. 192; PDF 337): nirmañchanādimāṅgalyaiḥ: Konsonantenverbindung ñch/ñcch bleibt offen; keine sprachliche Normalisierung.
- Kriyāpāda 10.29 (Q1982, S. 193; PDF 338): syādassa: stark ungesicherte Drucklesung; syādatsa/andere Konsonantenfolge möglich. Keine Glättung.
- Kriyāpāda 10.34 (Q1982, S. 194; PDF 339): Dritte metrische Zeile vyākhyate siddhividhānanityaṃ bleibt vorläufig; Wortgrenze, Anusvāra bzw. m/n vor ityaṃ/nityaṃ nicht sicher. Letzte Zeile śivānanābjādvisṛtaṃ purāṇam ist gegen anfängliches viniḥsṛtaṃ berichtigt; die letztere Erweiterung gehört nicht in die gedruckte Quellenfassung.
- Kriyāpāda 11.5 (Q1982, S. 196; PDF 341): pūrtaṃvartayej japamācaret: Wortfolge und die Zeichen nach pūrta bleiben sehr unsicher; pūrtair vartayej / pūrtavartaye möglich. Keine grammatische Normalisierung.
- Kriyāpāda 11.6 (Q1982, S. 196; PDF 341): bhasmadhārī: Konsonant dh/v/c vor ārī im Druck nicht zuverlässig getrennt; bhasmavārī oder bhasmacārī weiter zu prüfen.
- Kriyāpāda 11.11 (Q1982, S. 198; PDF 343): vādayodiṣṭadāyikā: Konsonanten- und Vokalfolge im Kompositum nach vāda bleibt unsicher; keine Übernahme der Apparatalternativen.
- Kriyāpāda 11.17 (Q1982, S. 199; PDF 344): parisṛtatoyena und getrenntes teja tejaḥpadena nach bestem Bildbefund; r/ru-Verbindung und fehlendes sandhi-s beim ersten teja bleiben offen.
- Kriyāpāda 11.18 (Q1982, S. 199; PDF 344): śoṣaṇe/śodhane und budhaḥ/budhaiḥ graphisch nicht abschließend entschieden. dravyāṇāṃ, turuśabdena und caṅkramet sind erkannt.
- Kriyāpāda 11.21 (Q1982, S. 200; PDF 345): niṣkalenāmbhasaḥ: erste Wortform und Verbindung mit nāmbhasaḥ sehr unsicher. śāyanīyamathāstreṇa, śodhyaṃ mantravidā sadā bestätigt.
- Kriyāpāda 11.29 (Q1982, S. 201; PDF 346): japeddhanyodakaṃ: Wortform vor udakaṃ graphisch offen; Apparatalternative bhasmodakaṃ nicht in den Haupttext eingesetzt.
- Kriyāpāda 11.33 (Q1982, S. 202; PDF 347): homaṃ mānaṃ: Wortlaut bzw. Wortgrenze bleibt unsicher; śate dve ca und ghṛtamiśrasya vāgyamī bestätigt.
- Kriyāpāda 11.43 (Q1982, S. 203; PDF 348): āhṛtyāvayavairbhadrair: Anfang des zweiten Halbverses und Wortgrenze āhṛtyā/vayavaiḥ oder āhṛtya/avayavaiḥ bleiben offen; keine Ergänzung ohne Befund.
- Kriyāpāda 11.47 (Q1982, S. 204; PDF 349): caredguptādhikārastu: Konsonantenverbindung vor adhikāra bleibt graphisch offen.
- Kriyāpāda 11.54 (Q1982, S. 205; PDF 350): Dritte metrische Zeile śakteḥ sāṃpratamīpsitārthamanasaḥ: Verknüpfung und einzelne Ligaturen bleiben vorläufig. Vier lange metrische Zeilen unter einer Nummer.
- Kriyāpāda 12.2 (Q1982, S. 206; PDF 351): baliśaṅkayā: Konsonantenverbindung bzw. Wortform nach bali im Druck weiter unsicher; keine grammatische Glättung.
- Kriyāpāda 12.10 (Q1982, S. 209; PDF 354): padaṃ padavibhau: zweite Wortform und Wortgrenze unsicher; padavidhau oder andere Gliederung weiter möglich.
- Kriyāpāda 12.17 (Q1982, S. 212; PDF 357): buddhijñānotkarṣaśca: buddhi/vṛddhi und mögliche r-Verbindung nicht abschließend lesbar.
- Kriyāpāda 12.22 (Q1982, S. 213; PDF 358): kalpāyuṣamavīcchātaḥ: Lesung nach kalpāyuṣam sehr unsicher, avīcchātaḥ/abhīcchātaḥ/andere Form. Gedruckter Grundtext vollständig vorhanden, keine Quellenlücke.
- Kriyāpāda 13.10 (Q1982, S. 216; PDF 361): tallibhāgaṃ: erste Wortform unklar; tattri-/talli-/talliṅga- nicht abschließend entschieden. adhobhāge und madhyabhāge am Zusatzdetail als Lokative gelesen.
- Kriyāpāda 13.18 (Q1982, S. 218; PDF 363): maṇḍalo nā: Wortausgang und Verbindung nach maṇḍal- unklar. yatnādvipaścitā lesbar.
- Kriyāpāda 13.19 (Q1982, S. 218; PDF 363): saṃsiddhā/sāṃsiddhā: Vokalquantität am Wortanfang unklar. pṛthaṅmaṇḍalasārūpyādgarbhāṇāmapyanekatā bestätigt.
- Kriyāpāda 13.27 (Q1982, S. 221; PDF 366): pañcārdhāgravistṛte: Konsonantenverbindung nach ardha und möglicherweise zusätzliche Silbe pra unsicher.
- Kriyāpāda 13.31 (Q1982, S. 221; PDF 366): vibho/vibhau/vidhau nach hemasūcyā im Druck nicht abschließend lesbar.
- Kriyāpāda 13.32 (Q1982, S. 222; PDF 367): nirmañchya: Druckligatur ñch/ñcch/ñc nicht abschließend entschieden. Keine Harmonisierung mit anderen Kapiteln.
- Kriyāpāda 13.33 (Q1982, S. 222; PDF 367): prasūtāyāṃ/prasṛtāyāṃ: Unterzeichen und Vokalquantität nach sa weiter offen.
- Kriyāpāda 13.37 (Q1982, S. 223; PDF 368): saṃniveśyaṃ mit möglichem Schlussanusvāra; siddhārthamālaṃ/mātraṃ und pīṭhavediśagocare mit offener Ligatur bzw. Vokalquantität. Keine konjekturale Glättung.
- Kriyāpāda 14.5 (Q1982, S. 226; PDF 371): śastraṃ/śāstraṃ: Vokalzeichen des Wortes nach indranīlamayaṃ nicht abschließend entschieden. caturvaktrā bestätigt.
- Kriyāpāda 14.9 (Q1982, S. 227; PDF 372): nikṛṣṭadaśanaṃ/niṣkṛṣṭadaśanaṃ: Konsonantenverbindung unklar. astramasyānurūpeṇa bestätigt, nicht die Apparatvariante astramapyanu übernommen.
- Kriyāpāda 14.14 (Q1982, S. 228; PDF 373): Nirṛti-Schreibweise nirṛter/nirṛter mit selbständigem ṛ-Zeichen nicht abschließend entschieden; betrifft auch die Überschrift. yātudhānasyākṛtiḥ und lauhā bestätigt.
- Kriyāpāda 14.17 (Q1982, S. 229; PDF 374): kartṛmujjvalam/kart ramujjvalam: Wortform und Unterzeichen nach ka/ta unklar. jatulohamayaṃ bestätigt.
- Kriyāpāda 14.18 (Q1982, S. 229; PDF 374): puṣya-/puṣpa-lohamayaṃ: zweite Konsonantenverbindung nicht abschließend lesbar.
- Kriyāpāda 14.21 (Q1982, S. 230; PDF 375): saṃsiddhā/sāṃsiddhā: mögliches Längenzeichen nach sa im Druck unklar. durgeti bestätigt.
- Kriyāpāda 14.23 (Q1982, S. 230, 231; PDF 375, 376): yonimantrasamūhasya kṛtsnaḥ syāpyanivāritā: Anschluss und Endung des mittleren Wortes sehr unsicher. Zweiter Halbvers aśvatthatarorviṣṇuś caturbāhurmahābalaḥ lesbar.
- Kriyāpāda 14.24 (Q1982, S. 231; PDF 376): kṣauma-/kṣoma-puṣpasamaprabhaḥ: Vokalwert o/au weiter offen. bṛhannāsottamāṅgena bestätigt.
- Kriyāpāda 14.25 (Q1982, S. 231; PDF 376): sārottho/sārotthair: Ausgang des ersten Kompositums im Druck unsicher; keine grammatische Glättung. svārogyāya bestätigt.
- Kriyāpāda 14.26 (Q1982, S. 231, 232; PDF 376, 377): ṣaḍvaktraḥ/ṣaḍvaktrā: Wortausgang nicht abschließend lesbar. kṛtimān bestätigt.
- Kriyāpāda 14.30 (Q1982, S. 232, 233; PDF 377, 378): svanāmāṅkitaṃ mūrtinā: Vokalzeichen i/ṛ und Schlussanusvāra bzw. Wortgrenze unklar. prākpadena durch Grundtext und Apparatglosse bestätigt.
- Kriyāpāda 14.40 (Q1982, S. 234, 235; PDF 379, 380): sarvādhvakartṛ-: Druckligaturen im ersten Kompositum nicht abschließend entschieden. niḥsṛtaistu, vākyānalotthakiraṇaiḥ pratimāsvarūpaiḥ und samudāyasādhyam im übrigen bestätigt.
- Kriyāpāda 15.6 (Q1982, S. 236, 237; PDF 381, 382): सत्त्वमेव/सत्वमेव: Zahl der t-Zeichen im Druck nicht abschließend sicher; रक्षा bestätigt.
- Kriyāpāda 15.8 (Q1982, S. 238; PDF 383): बृंहितः: Konsonant b/v und Anusvāra im Wortanfang nicht abschließend klar; वोढुं und स्वल्पवपुर्मनुः bestätigt.
- Kriyāpāda 15.15 (Q1982, S. 239; PDF 384): रूपमयोज्ज्वलम्/रूपमथोज्ज्वलम्: y/th im Wortinneren offen; साध्यमन्त्रोऽष्टशतवर्मणा bestätigt.
- Kriyāpāda 15.16 (Q1982, S. 239, 240; PDF 384, 385): त्रिसंध्यभिषिक्तः: Übergang nach त्रिसंध्य nicht sicher; mögliche zusätzliche Silbe bzw. Trennung im Druck. Keine metrisch motivierte Ergänzung. सन्सप्तरात्रं und स्वदेहात्कल्पितान्मुने bestätigt.
- Kriyāpāda 15.31 (Q1982, S. 242, 243; PDF 387, 388): ध्यानाहारपदं: erstes Wort weiter unsicher. पूर्णेन्दुसुप्रभं, स्निग्धं und सुषुम्नाख्येन वर्त्मना bestätigt.
- Kriyāpāda 15.32 (Q1982, S. 243; PDF 388): सिद्धेयं und स्रवद्वेगेन: Konsonanten/Vokalanschlüsse bleiben offen. क्षणात्तत्र sowie die Überschrift भूम्यामम्भःप्रपातनम् bestätigt.
- Kriyāpāda 15.35 (Q1982, S. 243; PDF 388): यद्यत्रोत्सहते: Wortgrenze und Ligatur zwischen yad/yatra offen. निर्दग्धुं und संमुखस्य सदागतेः bestätigt.
- Kriyāpāda 15.37 (Q1982, S. 243, 244; PDF 388, 389): कालानलवलोल्लोल-: v/b und Konsonantenfolge lol/lol offen; Ende ज्वालामालाशताकुलम् bestätigt.
- Kriyāpāda 15.39 (Q1982, S. 244; PDF 389): वीजयेच्च/बीजयेच्च: Anfang v/b im Druck nicht abschließend entschieden; विलिप्यादौ bestätigt.
- Kriyāpāda 15.41 (Q1982, S. 244; PDF 389): जप्त्वा चासु: s/ś und Wortanschluss offen; लक्षजापेन und संनिधौ bestätigt.
- Kriyāpāda 15.49 (Q1982, S. 245; PDF 390): प्रोत्थाय/प्रोत्याय und भाषयेत्प्रतिगृह्णीष्व: innere Ligaturen offen; साधकायाग्रतो यदा und तदर्घ्यं bestätigt.
- Kriyāpāda 15.50 (Q1982, S. 245; PDF 390): शक्तिं/शान्तिं: Druckligatur kti/nti und Vokallänge nicht abschließend entschieden. निखिलां, गृह्णीष्वेति, न यच्छेच्चेत्तदा und विघ्नो bestätigt.
- Kriyāpāda 15.51 (Q1982, S. 245; PDF 390): नश्यते: erstes Verb wegen Druckbild offen; क्षिप्रं sowie रागो विलीयते bestätigt, nicht die MS-Variante रोगो übernommen.
- Kriyāpāda 15.52 (Q1982, S. 245; PDF 390): सद्बुद्धिर्मोक्षं: innere Konsonantenverbindung und Anschluss weiter offen. प्रत्यनिवारिता, सुसहायस्य und संपुटगोपिता bestätigt.
- Kriyāpāda 15.54 (Q1982, S. 246; PDF 391): तद्भावान्महीपतेः/तदभावान्महीपतेः: Ligatur und möglicher Vokalanschluss offen; शिववत्पूजयित्वा bestätigt.
- Kriyāpāda 15.57 (Q1982, S. 246; PDF 391): येनाशेषतडित्तरङ्गवपुषा und तद्ब्रह्मा: erste Konsonantenfolge und Ausgang des Wortes in Zeile3 nicht abschließend entschieden. प्रद्योतितं, मोहायासविषादखेदकुटिलं, मलनिर्गमोक्तिविधिना, दीक्षेयमत्रोदिता und सिद्धेश्चापि bestätigt.
- Yogapāda 1.8 (Q1982, S. 249; PDF 394): अङ्गाङ्गिकल्पनोपायोऽभ्युपेयस्याभियुज्यते: innere Ligaturen und Anschluss des ersten Kompositums nicht abschließend entschieden. षडङ्गोक्तिर्न्यायेन प्रविजृम्भिता bestätigt.
- Yogapāda 1.14 (Q1982, S. 250; PDF 395): व्यपगतसङ्गदोषकलुषावलिहृद्विवरात् und निखिलोत्तरभूमिलयाद्: Konsonantenfolge/Einzelvokale weiter offen. सुघटितचित्तरत्नकृतशेखरलब्धजयात् sowie कठिनाकुलजन्मभयात् bestätigt.
- Yogapāda 1.15 (Q1982, S. 250; PDF 395): योग्यं/योगं: y-Ligatur nach ga nicht abschließend klar. यथाङ्गैः समवाययुक्त्या und चिह्नम् bestätigt.
- Yogapāda 2.4 (Q1982, S. 251; PDF 396): निर्दृष्टार्थोपला: innere Ligatur nicht abschließend sicher. ज्ञानसूचिसमाविद्ध und मतिहस्तसमास्थिता bestätigt.
- Yogapāda 2.5 (Q1982, S. 251; PDF 396): प्रसंख्येयाक्षमालेयं/अप्रसंख्येयाक्षमालेयं: beste Drucklesung jetzt pra ohne a; unmittelbarer Apparatanker erschwert den Anlaut, Frage bleibt offen. हृत्पद्माश्रयवर्तिनः bestätigt.
- Yogapāda 2.20 (Q1982, S. 255; PDF 400): तत्पार्ष्णिं/तत्पार्ष्णि: Anusvāra und innere Ligatur offen; स्फिचावधिम् bestätigt.
- Yogapāda 2.22 (Q1982, S. 255; PDF 400): यथावदतिसंक्षेपे वै: zusätzliches kurzes Wort jetzt erfasst; genauer Vokal-/Wortanschluss bleibt unsicher.
- Yogapāda 2.27 (Q1982, S. 256; PDF 401): किंचित्संमील्येन्नेत्रे: e-Strich/Anschluss weiter offen. द्यावापृथिव्याभिमुखो und दृङ्नासाग्रसमाश्रया bestätigt.
- Yogapāda 2.33 (Q1982, S. 257, 258; PDF 402, 403): नासिकाविवराग्राद्य उच्छिन्नः सोर्ध्वं वर्त्मना: Anschluss/Anusvāra der zweiten Zeile nicht abschließend entschieden.
- Yogapāda 2.34 (Q1982, S. 258; PDF 403): निर्याति शोषपवने: śo/śe und möglicher Avagraha im Anschluss an niryāti unsicher.
- Yogapāda 2.40 (Q1982, S. 259; PDF 404): विन्द्वाख्ये/बिन्द्वाख्ये: v/b nicht abschließend unterschieden. हृत्प्रदेशात्तु विनिगृह्य bestätigt.
- Yogapāda 2.44 (Q1982, S. 260; PDF 405): प्रयात्यतीव/प्रयान्त्यतीव: zusätzliches n unsicher. ह्यालोमान्तेभ्य उल्बणम् bestätigt.
- Yogapāda 2.48 (Q1982, S. 260; PDF 405): शैवमूर्तिभिः करतालात्समुत्थैः: Vokal/innere Ligaturen weiter offen; प्रयोगार्थं बलोत्कटा bestätigt.
- Yogapāda 2.60 (Q1982, S. 263; PDF 408): बिन्दोर्विनिर्गतं/विन्दोर्विनिर्गतं: b/v am Anlaut nicht abschließend unterschieden. कुन्देन्दुशङ्खधवलं, सान्द्रमत्युल्बणं und कल्लोलललितालयम् bestätigt.
- Yogapāda 2.65 (Q1982, S. 264; PDF 409): स्ववीर्यैर्दृढमार्गिताः: zweiter Kompositumsteil nicht abschließend sicher; संसिद्धिमार्गं bestätigt.
- Yogapāda 2.74 (Q1982, S. 265; PDF 410): Drucklesung क्षयातिशयसंताप(!)क्लिष्टमूर्त्या bestätigt, aber der Herausgeber markiert (!) als Textproblem; bleibt deshalb offen. श्रेष्ठं स्वतेजो गूढगोचरम् bestätigt.
- Yogapāda 2.77 (Q1982, S. 266; PDF 411): योगिनोऽन्तस्तु पाशकः: p/n und mittlere Ligatur des letzten Wortes weiter unsicher; frühere Abschrift तापघ्नः verworfen. विमलेन दृशा स्पष्टं bestätigt.
- Yogapāda 2.78 (Q1982, S. 267; PDF 412): अनग्रस्तवपुषा/अनग्रष्टवपुषा: anlautendes Kompositum unsicher. ध्यातमादावेवाविकल्पितम् und तदध्यवस्य bestätigt.
- Yogapāda 2.84 (Q1982, S. 267, 268; PDF 412, 413): जितं दर्पां मतिं: Anfang und Verbindung der Wortgruppe bleiben offen; ā/i gegenüber Erstabschrift berichtigt. सर्वाङ्गाह्लादितात्मवान् und कालमप्रबुद्धाक्षगोचरः bestätigt.
- Yogapāda 3.10 (Q1982, S. 271; PDF 416): वेत्त्यनात्मवान्/वेत्यनात्मवान्: einfaches oder doppeltes t am Druckbild nicht abschließend entschieden. जपश्चोर्जितचेतसा bestätigt.
- Yogapāda 3.19 (Q1982, S. 272; PDF 417): तडित्संपद्विनादाढ्यमरुच्छृचञ्चलात्मकात्: Konsonanten-/Vokalfolge im mittleren Abschnitt, insbesondere dāḍhya/dārḍhya und -cchṛ/-cchri, weiter offen. जगद्व्याप्याचलोऽव्ययः bestätigt.
- Yogapāda 4.4 (Q1982, S. 273; PDF 418): Enges Detail stützt gedrucktes विशिष्टमविनाश्यथ; Worttrennung/Lesung gegenüber विशिष्टमविनाशि यत् nicht abschließend gesichert. Keine Konjektur vorgenommen.
- Yogapāda 4.8 (Q1982, S. 274; PDF 419): Beste Lesung wieder तेषामभावान्नेष्टं; ān/ne-Ligatur im Druck bleibt offen. Die zwischenzeitliche to/ne-Lesung wurde mit Begründung zurückgenommen.
- Yogapāda 4.13 (Q1982, S. 275; PDF 420): Endzeichen von यद्बलात्क्षितः im Druck schwach; kṣitaḥ/kṣitā offen.
- Yogapāda 4.16 (Q1982, S. 275; PDF 420): Enges Detail zeigt durch Apparatanker unterbrochene Folge nach निश्चि-; निश्चित्येयं/निश्चितेयं bzw. andere Verbindung bleibt offen. मतिर्मम bestätigt.
- Yogapāda 4.19 (Q1982, S. 276; PDF 421): Einfaches oder doppeltes t in मत-/मत्तवारणः weiterhin nicht abschließend gesichert.
- Yogapāda 4.93 (Q1982, S. 292, 293; PDF 437, 438): Verbindung nach रजः bleibt offen: vorläufig पुंस्त्वधर्मेति; mögliche Lesung पुंस्त्वमभ्येति nicht allein aus Grammatik übernommen.
- Yogapāda 4.105 (Q1982, S. 295; PDF 440): Gedruckte Folge nach अहंकारा- (vorläufig च्च्यवन्तो) im engen Detail weiter nicht eindeutig; keine metergestützte Konjektur übernommen.
- Yogapāda 5.1 (Q1982, S. 300; PDF 445): अयं पुं und सतीष्यते gezielt prüfen.
- Yogapāda 5.2 (Q1982, S. 300; PDF 445): नारागी und प्रकृतेरप्यसंस्थितः prüfen.
- Yogapāda 5.3 (Q1982, S. 300; PDF 445): अविद्यात्मकैर्भावैर्वासितो und बुद्ध्यादेस्तत्त्वसर्गस्य prüfen.
- Yogapāda 5.4 (Q1982, S. 300; PDF 445): चरतस्तस्य, गर्वादयो und निजचैतन्यवत्स्थिताः prüfen.
- Yogapāda 5.5 (Q1982, S. 300; PDF 445): रागानुविद्धमूर्तेस्तु und अष्टावप्युपचीयन्ते prüfen.
- Yogapāda 5.6 (Q1982, S. 300; PDF 445): पुंसो योऽत्र und बाह्यरागमलीमसः stark vorläufig; Wortfolge am engen Detail prüfen.
- Yogapāda 5.7 (Q1982, S. 301; PDF 446): धर्माधर्मविकारैस्तु und भिराञ्चितः/भिराचितः prüfen.
- Yogapāda 5.8 (Q1982, S. 301; PDF 446): सुशुद्धात्मा und मुक्तश्च/युक्तश्च prüfen; Sprecherwechsel zwischen Halbversen.
- Yogapāda 5.9 (Q1982, S. 301; PDF 446): सोपायश्च und मनो विज्ञानजः prüfen.
- Yogapāda 5.10 (Q1982, S. 301; PDF 446): कश्चिच्छुद्धत्वान्न und वासनात्मोपचर्यते prüfen.
- Yogapāda 5.11 (Q1982, S. 301; PDF 446): स्तच्चाज्ञानमिहोच्यते und ज्ञानात्प्रध्वंसमायाति prüfen.
- Yogapāda 5.12 (Q1982, S. 301; PDF 446): सत्यज्ञानेऽभिलाषी, प्रणष्टे und तस्मात्किमवगच्छामो prüfen.
- Yogapāda 5.13 (Q1982, S. 302; PDF 447): मनोवृत्तिकषायेण und प्राधानिकमचैतन्यं prüfen.
- Yogapāda 5.14 (Q1982, S. 302; PDF 447): यदस्तु, संख्येयं und यद्वेयं prüfen.
- Yogapāda 5.15 (Q1982, S. 302; PDF 447): पुंसश्चेत्सहजं und हेयं चेत्तदभावात्तु prüfen.
- Yogapāda 5.16 (Q1982, S. 302; PDF 447): मायोत्थाभिरमोघाभिर्वासनाभिः und न्यायाच्छादितो prüfen.
- Yogapāda 5.17 (Q1982, S. 302; PDF 447): भोगेष्वभिलषन्मुने und विशेषोऽन्यो prüfen.
- Yogapāda 5.18 (Q1982, S. 302; PDF 447): मायाप्रधानयोर्येन und सोभयोरपि prüfen.
- Yogapāda 5.19 (Q1982, S. 303; PDF 448): तत्समर्थितसामर्थ्यं prüfen.
- Yogapāda 5.20 (Q1982, S. 303; PDF 448): कलातो व्यक्तिमागतान् und भूतान्तं prüfen.
- Yogapāda 5.21 (Q1982, S. 303; PDF 448): कलादिमाहात्म्यात्सुसूक्ष्मोऽपि prüfen.
- Yogapāda 5.22 (Q1982, S. 303; PDF 448): पुंभावत्वमापन्नः, पुरुषे तूपचर्यते und खद्योताकारवत्स्थितः prüfen.
- Yogapāda 5.23 (Q1982, S. 304; PDF 449): विशुद्धेन्द्रियसामर्थ्यं und भौवनं prüfen.
- Yogapāda 5.24 (Q1982, S. 304; PDF 449): सहैकतां und क्रीडत्यक्लिष्टवीर्यवान् prüfen.
- Yogapāda 5.25 (Q1982, S. 304; PDF 449): नियामकत्वाद्बोद्धव्या und पूर्वमेव prüfen.
- Yogapāda 5.26 (Q1982, S. 304; PDF 449): तत्तथैव prüfen.
- Yogapāda 5.27 (Q1982, S. 304; PDF 449): स्ववृत्तिबलमाहात्म्यात्पुंसां und ध्यानबलात्त्याज्या prüfen.
- Yogapāda 5.28 (Q1982, S. 304; PDF 449): तदीशगुणसंपत्सु prüfen.
- Yogapāda 5.29 (Q1982, S. 304; PDF 449): तदूर्ध्वमैश्वरं und सदाशिवमनुस्थिताः stark vorläufig prüfen.
- Yogapāda 5.30 (Q1982, S. 304, 305; PDF 449, 450): तन्मूर्तिष्वमितप्राणः und प्रक्रीडत्यमितात्मासौ prüfen.
- Yogapāda 5.31 (Q1982, S. 305; PDF 450): शरीरेऽस्मिंस्तत्त्वत्वेन und तद्योगाद्ध्यानभेदतः prüfen.
- Yogapāda 5.33 (Q1982, S. 305; PDF 450): सूक्ष्मान्याः und ध्यातुरुन्मीलने prüfen.
- Yogapāda 5.34 (Q1982, S. 305; PDF 450): पुनर्मोहखेदेन und परिपीड्यते prüfen.
- Yogapāda 5.35 (Q1982, S. 305; PDF 450): ईशतत्त्वात्मकैः und शुद्धवर्तिभिः prüfen.
- Yogapāda 5.36 (Q1982, S. 305; PDF 450): यस्मिन्प्राप्तस्य und व्याख्याता भूतये prüfen.
- Yogapāda 5.37 (Q1982, S. 305; PDF 450): मनपाय्यव्ययं und यथावद्वक्तुमर्हति prüfen.
- Yogapāda 5.38 (Q1982, S. 306; PDF 451): नियत्याप्युपबृंहितः vorläufig.
- Yogapāda 5.39 (Q1982, S. 306; PDF 451): भुवनत्वव्यवस्थया und विधात्रा vorläufig.
- Yogapāda 5.40 (Q1982, S. 306; PDF 451): मन्त्रयोगविधानोत्थ vorläufig.
- Yogapāda 5.42 (Q1982, S. 306; PDF 451): दापनेन vorläufig.
- Yogapāda 5.43 (Q1982, S. 306; PDF 451): पुंभावात्पीडनात्मना und कलातोत्पन्नसद्भावस्वात्मना vorläufig.
- Yogapāda 5.44 (Q1982, S. 306; PDF 451): स्वयमेवार्जितानर्थान् vorläufig.
- Yogapāda 5.46 (Q1982, S. 307; PDF 452): वाचकश्रावकत्वादि vorläufig.
- Yogapāda 5.50 (Q1982, S. 307; PDF 452): Gedruckte Wortfolge सैव und ज्ञानं मज्ञानोच्छित्ति vorläufig; keine stille grammatische Harmonisierung.
- Yogapāda 5.53 (Q1982, S. 307; PDF 452): अप्राप्यात्मबलोपेताः vorläufig.
- Yogapāda 5.55 (Q1982, S. 308; PDF 453): तद्बलावेशाद्व्यक्तं vorläufig.
- Yogapāda 5.58 (Q1982, S. 308; PDF 453): मोहादिनापरिक्लिष्टगुणैस्तुष्ट्युचितात्मभिः unsicher.
- Yogapāda 5.65 (Q1982, S. 309; PDF 454): काम्याश्चैव vorläufig.
- Yogapāda 5.70 (Q1982, S. 310; PDF 455): ध्यानश्रिया und विधिकर्म vorläufig.
- Yogapāda 6.3 (Q1982, S. 312; PDF 457): विधार्य; आपूरयेज्जगत् vorläufig.
- Yogapāda 6.6 (Q1982, S. 312; PDF 457): भ्रमद्वेगेन vorläufig.
- Yogapāda 6.7 (Q1982, S. 312; PDF 457): त्वनिलं vorläufig.
- Yogapāda 6.11 (Q1982, S. 313; PDF 458): सम्यग्वेगवशवर्तिभिः schwer lesbar.
- Yogapāda 6.15 (Q1982, S. 313; PDF 458): व्यक्ता यं प्रत्यनायासमनिवर्तकतेजसा vorläufig.
- Yogapāda 6.17 (Q1982, S. 314; PDF 459): धर्माधर्ममुखः und ह्यविघ्नो vorläufig.
- Yogapāda 6.20 (Q1982, S. 314; PDF 459): धर्मोपोद्बलितस्येत्थं vorläufig.
- Yogapāda 6.23 (Q1982, S. 314, 315; PDF 459, 460): बन्धवान् vorläufig; Wortabstand bewahrt.
- Yogapāda 6.24 (Q1982, S. 315; PDF 460): भोगान्भीतिसमन्वितान् vorläufig.
- Yogapāda 6.29 (Q1982, S. 315; PDF 460): योगयुक्त्सविघ्नेषु und ललाटसमयाच्चिरम् unsicher.
- Yogapāda 6.32 (Q1982, S. 315, 316; PDF 460, 461): विनोदूर्ध्वं unsicher.
- Yogapāda 6.33 (Q1982, S. 316; PDF 461): यावत्तूर्यं vorläufig.
- Yogapāda 6.35 (Q1982, S. 316; PDF 461): विमानयानौघसंस्थाने vorläufig.
- Yogapāda 6.37 (Q1982, S. 316; PDF 461): गुरुमण्डलम् vorläufig.
- Yogapāda 6.39 (Q1982, S. 317; PDF 462): शिखासंघट्टसर्पिषा vorläufig.
- Yogapāda 6.40 (Q1982, S. 317; PDF 462): क्रोधरन्ध्रविनिर्गमात् vorläufig.
- Yogapāda 6.44 (Q1982, S. 317; PDF 462): कपिलाशबलेन vorläufig.
- Yogapāda 6.45 (Q1982, S. 317; PDF 462): शान्तिकर्म vorläufig.
- Yogapāda 6.47 (Q1982, S. 318; PDF 463): संप्राप्य vorläufig.
- Yogapāda 6.48 (Q1982, S. 318; PDF 463): Herausgeber vermutet Textausfall nach48; kein rekonstruierter Text ergänzt.
- Yogapāda 6.50 (Q1982, S. 318; PDF 463): विद्वांस्तु und चेष्टयेद्योगी vorläufig.
- Yogapāda 6.51 (Q1982, S. 318; PDF 463): ललाटसमयं vorläufig.
- Yogapāda 6.53 (Q1982, S. 318; PDF 463): प्लुतं und संविद्धचेतसम् vorläufig.
- Yogapāda 6.56 (Q1982, S. 319; PDF 464): सदा लयात् vorläufig.
- Yogapāda 6.57 (Q1982, S. 319; PDF 464): निर्गच्छत्यनायासाद्वीर्येण vorläufig.
- Yogapāda 6.58 (Q1982, S. 319; PDF 464): चेतलम् schwer lesbar.
- Yogapāda 6.62 (Q1982, S. 320; PDF 465): दृश्यं दृशा vorläufig.
- Yogapāda 7.2 (Q1982, S. 322; PDF 467): प्रधावतोर्ध्वं Quellen-Sandhi; ब्रह्मरन्ध्राब्ज vorläufig.
- Yogapāda 7.3 (Q1982, S. 322; PDF 467): आघातधर्मत्वात् vorläufig.
- Yogapāda 7.5 (Q1982, S. 322; PDF 467): तल्लयोजितवीर्येण vorläufig.
- Yogapāda 7.8 (Q1982, S. 323; PDF 468): अधोर्ध्वं Quellen-Sandhi.
- Yogapāda 7.9 (Q1982, S. 323; PDF 468): अधिष्ठातृपदान्येभ्यो und विसृतेभ्यः vorläufig.
- Yogapāda 7.12 (Q1982, S. 324; PDF 469): प्रविशत्यविशङ्कितः vorläufig.
- Yogapāda 7.14 (Q1982, S. 324; PDF 469): बहुलक्षं vorläufig.
- Yogapāda 7.15 (Q1982, S. 324; PDF 469): तावद्द्वीजाद्यं vorläufig.
- Yogapāda 7.19 (Q1982, S. 325; PDF 470): समुद्येनान्यथा unsicher.
- Yogapāda 7.20 (Q1982, S. 325; PDF 470): निर्व्रणं vorläufig.
- Yogapāda 7.21 (Q1982, S. 325; PDF 470): संभवतो वाथ vorläufig.
- Yogapāda 7.23 (Q1982, S. 325; PDF 470): चावस्था vorläufig.
- Yogapāda 7.26 (Q1982, S. 326; PDF 471): सहृदयं vorläufig.
- Yogapāda 7.29 (Q1982, S. 326; PDF 471): तेनापूर्वं und लिलङ्घयिष्य schwer lesbar.
- Yogapāda 7.30 (Q1982, S. 326; PDF 471): स्वाक्षवृत्तिषु vorläufig.
- Yogapāda 7.31 (Q1982, S. 326, 327; PDF 471, 472): अहमित्यप्रत्ययोपेतं vorläufig.
- Yogapāda 7.32 (Q1982, S. 327; PDF 472): ततोऽन्तःकरणं मन्त्रैः vorläufig.
- Yogapāda 7.34 (Q1982, S. 327; PDF 472): क्रीडत्यक्लिष्टयौवनः vorläufig.
- Yogapāda 7.35 (Q1982, S. 327; PDF 472): स्वविपर्ययात् vorläufig.
- Yogapāda 7.36 (Q1982, S. 327; PDF 472): धृतेर्हानाच्च vorläufig.
- Yogapāda 7.37 (Q1982, S. 328; PDF 473): संस्फुरात् vorläufig.
- Yogapāda 7.38 (Q1982, S. 328; PDF 473): कर्णिकारूढो und मण्डलं vorläufig.
- Yogapāda 7.39 (Q1982, S. 328; PDF 473): भ्रमन्त्समभ्यसेद्विद्वान् vorläufig.
- Yogapāda 7.42 (Q1982, S. 329; PDF 474): छित्त्वा छित्त्वा vorläufig.
- Yogapāda 7.46 (Q1982, S. 329; PDF 474): पर्यन्ततुर्यपदं ह्यूर्ध्वं unsicher.
- Yogapāda 7.48 (Q1982, S. 329; PDF 474): अनोपममतीन्द्रियम् vorläufig.
- Yogapāda 7.49 (Q1982, S. 330; PDF 475): प्रसिद्धमैश्वरं vorläufig.
- Yogapāda 7.50 (Q1982, S. 330; PDF 475): योगकृत्पुंप्रधानयोः vorläufig.
- Yogapāda 7.51 (Q1982, S. 330; PDF 475): तस्मादप्यपराण्यत्र vorläufig.
- Yogapāda 7.53 (Q1982, S. 330; PDF 475): शान्तभावासमा und स्वसंवेद्यातिनिर्वाणा vorläufig.
- Yogapāda 7.54 (Q1982, S. 330; PDF 475): प्रध्वस्तातिशयास्पष्टात् vorläufig.
- Yogapāda 7.58 (Q1982, S. 331; PDF 476): प्रसृष्टबलः vorläufig.
- Yogapāda 7.61 (Q1982, S. 331; PDF 476): सर्वेषामेव दातारं vorläufig.
- Yogapāda 7.64 (Q1982, S. 332; PDF 477): वीर्येणातिमता und निरीशेनाविखण्डितः vorläufig.
- Yogapāda 7.66 (Q1982, S. 332; PDF 477): येऽनुध्याता vorläufig.
- Yogapāda 7.67 (Q1982, S. 332, 333; PDF 477, 478): Lange Schlussstrophe: विप्रुषोर्मि, द्रुतत्किरण und mehrere Verbindungen unsicher; keine metrische Reparatur.
- Yogapāda 7.68 (Q1982, S. 333; PDF 478): Schlussstrophe: भग/खगपति, भर्तृवक्त्र und चर्येति vorläufig. Herausgeber bemerkt21Silben im erstenViertel,19 in den übrigen; keine Glättung.
- Caryāpāda 1.2 (Q1982, S. 334; PDF 479): विस्पष्टं und वचनादृषिपुङ्गव vorläufig.
- Caryāpāda 1.4 (Q1982, S. 335; PDF 480): शिष्योद्बन्धं unsicher.
- Caryāpāda 1.5 (Q1982, S. 335; PDF 480): ज्ञानार्यं und साधकं vorläufig.
- Caryāpāda 1.6 (Q1982, S. 335; PDF 480): छायां छायावदाचरेत् vorläufig.
- Caryāpāda 1.9 (Q1982, S. 335; PDF 480): विण्मूत्रष्ठीवनादीनि vorläufig.
- Caryāpāda 1.10 (Q1982, S. 335, 336; PDF 480, 481): गुरुदेवार्चिकार्येषु vorläufig.
- Caryāpāda 1.11 (Q1982, S. 336; PDF 481): नाफलं, नार्चयित्वा und नात्तव्यं vorläufig.
- Caryāpāda 1.12 (Q1982, S. 336; PDF 481): विचारो लौकिको बुधः vorläufig.
- Caryāpāda 1.18 (Q1982, S. 337; PDF 482): साधकस्याप्यथाचार्यो und समय्यादि vorläufig.
- Caryāpāda 1.20 (Q1982, S. 337; PDF 482): अचक्षुर्विषये vorläufig.
- Caryāpāda 1.23 (Q1982, S. 338; PDF 483): ज्यायाञ्छिवसमानत्वाद्यवीयांसस्त्रयोऽप्यतः vorläufig.
- Caryāpāda 1.25 (Q1982, S. 338; PDF 483): संतत्यै येन संप्रति vorläufig.
- Caryāpāda 1.26 (Q1982, S. 338; PDF 483): भर्तुराज्ञा vorläufig.
- Caryāpāda 1.27 (Q1982, S. 338; PDF 483): तद्वचोमात्रक्रमेण vorläufig.
- Caryāpāda 1.28 (Q1982, S. 338, 339; PDF 483, 484): लोभ्या vorläufig.
- Caryāpāda 1.29 (Q1982, S. 339; PDF 484): प्राहेति vorläufig.
- Caryāpāda 1.31 (Q1982, S. 339; PDF 484): न्यूनेन vorläufig.
- Caryāpāda 1.32 (Q1982, S. 339; PDF 484): दृष्टो und लोकसंवृत्ति vorläufig.
- Caryāpāda 1.35 (Q1982, S. 339; PDF 484): संस्फुरत्वं vorläufig.
- Caryāpāda 1.36 (Q1982, S. 340; PDF 485): अनुक्रमयुक्तिमार्गः vorläufig.
- Caryāpāda 2.4 (Q1982, S. 341; PDF 486): शैवोऽप्येषोऽप्यत्र unsicher.
- Caryāpāda 2.5 (Q1982, S. 342; PDF 487): स्वात्मायुदर्शनात् unsicher.
- Caryāpāda 2.6 (Q1982, S. 342; PDF 487): लौकिकोऽङ्गत्वमाप्नुयात् vorläufig.
- Caryāpāda 2.8 (Q1982, S. 342; PDF 487): नासहायः vorläufig.
- Caryāpāda 2.9 (Q1982, S. 342; PDF 487): नान्धकारे बहिर्व्रजेत् vorläufig.
- Caryāpāda 2.11 (Q1982, S. 343; PDF 488): शान्त्यै vorläufig.
- Caryāpāda 2.14 (Q1982, S. 343; PDF 488): कान्तेनाशाङ्कितेनाथ und समालभेत् schwer lesbar.
- Caryāpāda 2.15 (Q1982, S. 344; PDF 489): संत्रासादम्भसा vorläufig.
- Caryāpāda 2.19 (Q1982, S. 344; PDF 489): उच्चारणं Quellenlesung vorläufig.
- Caryāpāda 2.21 (Q1982, S. 345; PDF 490): दूर्वास्थितुषजालयम् vorläufig.
- Caryāpāda 2.26 (Q1982, S. 346; PDF 491): शस्तया und अप्युदारवान् vorläufig.
- Caryāpāda 2.29 (Q1982, S. 346; PDF 491): केशश्मश्रुनखैर्नीचैः vorläufig.
- Caryāpāda 2.30 (Q1982, S. 347; PDF 492): नसीवने gedruckt ohneWorttrennung; keineGlättung.
- Caryāpāda 2.31 (Q1982, S. 347; PDF 492): वस्त्रचर्मासनस्य und मार्गमेव vorläufig.
- Caryāpāda 2.33 (Q1982, S. 347, 348; PDF 492, 493): कण्टकितं und चतुर्वक्त्रं vorläufig.
- Caryāpāda 2.34 (Q1982, S. 348; PDF 493): सुरुक्मनिर्मिते vorläufig.
- Caryāpāda 2.36 (Q1982, S. 348; PDF 493): LangeSchlussstrophe: प्रहृष्ट्या, गुणगुणोपेतिनां und mehrere Wortverbindungen vorläufig.
- Caryāpāda 3.1 (Q1982, S. 349; PDF 494): अप्रबुद्धे vorläufig.
- Caryāpāda 3.2 (Q1982, S. 349; PDF 494): तोयमृद्दन्तधावनम् vorläufig.
- Caryāpāda 3.3 (Q1982, S. 349; PDF 494): दर्शयेद्धीरः शिष्यस्तं भक्तिमोदितम् vorläufig.
- Caryāpāda 3.7 (Q1982, S. 350; PDF 495): नानापृच्छन् vorläufig.
- Caryāpāda 3.11 (Q1982, S. 351; PDF 496): पुष्यकालेषु vorläufig.
- Caryāpāda 3.13 (Q1982, S. 351; PDF 496): तन्त्रमर्च्यं vorläufig.
- Caryāpāda 3.14 (Q1982, S. 351; PDF 496): हन्तव्यः und बध्नाति vorläufig; Aussage unverändert.
- Caryāpāda 3.18 (Q1982, S. 352; PDF 497): वञ्चयेत्प्रयतो vorläufig.
- Caryāpāda 3.21 (Q1982, S. 352, 353; PDF 497, 498): ब्रूयाद्वा vorläufig; Negation nicht ergänzt.
- Caryāpāda 3.22 (Q1982, S. 353; PDF 498): देयमार्ज्यं, गच्छेत und सुप्तेऽपि vorläufig.
- Caryāpāda 3.23 (Q1982, S. 353; PDF 498): गुर्वर्तनं Quellenlesung, vomHerausgeber grammatisch erläutert; kein Ersatz durch गुरौवर्तनम्.
- Caryāpāda 4.2 (Q1982, S. 354; PDF 499): सर्वदायत्तो und Satzanschluss vorläufig.
- Caryāpāda 4.3 (Q1982, S. 354; PDF 499): चर्येयं vorläufig.
- Caryāpāda 4.4 (Q1982, S. 354; PDF 499): मुक्तिर्विवेकात्तत्त्वानां und क्रियापादक्रियास्पदा vorläufig.
- Caryāpāda 4.6 (Q1982, S. 355; PDF 500): शिवज्ञानाच्छिन्ध्यज्ञानाङ्कुरं sowie प्रसह्योवाच vorläufig.
- Caryāpāda 4.8 (Q1982, S. 355; PDF 500): विषवृक्षास्त्रपूर्वाणि vorläufig.
- Caryāpāda 4.9 (Q1982, S. 355; PDF 500): मृत्योर्भोगक्षयाभावात् und बलावेक्षा vorläufig.
- Caryāpāda 4.10 (Q1982, S. 355; PDF 500): निपाताद्धि स्फुटं vorläufig.
- Caryāpāda 4.12 (Q1982, S. 356; PDF 501): कारणे यदा vorläufig.
- Caryāpāda 4.13 (Q1982, S. 356; PDF 501): अनिवारितवीर्यया vorläufig.
- Caryāpāda 4.16 (Q1982, S. 357; PDF 502): संतत्यै vorläufig.
- Caryāpāda 4.17 (Q1982, S. 357; PDF 502): कर्तव्येशबलाविष्टचेतसां vorläufig.
- Caryāpāda 4.19 (Q1982, S. 358; PDF 503): आङ्वालक und क्षतदृग् vorläufig.
- Caryāpāda 4.20 (Q1982, S. 358; PDF 503): धौरेयोऽनुमतश्चैव vorläufig.
- Caryāpāda 4.21 (Q1982, S. 358; PDF 503): प्रविश्यावगाहनम् und संबन्धादसंबन्धवदुक्तिषु vorläufig.
- Caryāpāda 4.22 (Q1982, S. 358, 359; PDF 503, 504): आङ्वालयेद्यो und गृहीतस्याप्यथार्थस्य vorläufig.
- Caryāpāda 4.23 (Q1982, S. 359; PDF 504): नोत्सहेत्तन्त्रमालस्याच्छ्रोतुं चैव तु निश्चयात् vorläufig.
- Caryāpāda 4.24 (Q1982, S. 359; PDF 504): सोच्यते vorläufig.
- Caryāpāda 4.26 (Q1982, S. 359; PDF 504): विधार्य vorläufig.
- Caryāpāda 4.27 (Q1982, S. 360; PDF 505): प्रक्रान्तवर्त्मनोऽन्यत्र च्युतार्थं स्थितो मतम् vorläufig.
- Caryāpāda 4.28 (Q1982, S. 360; PDF 505): विजानत्त्वाद् Quellenlesung; editorisch erläutert, keine Normalisierung.
- Caryāpāda 4.30 (Q1982, S. 360; PDF 505): छ्रुतं und कृतोद्यमी vorläufig.
- Caryāpāda 4.31 (Q1982, S. 360, 361; PDF 505, 506): वाक्सुसाचिव्यो vorläufig.
- Caryāpāda 4.32 (Q1982, S. 361; PDF 506): अजानन्नप्यथैवं स्याद् vorläufig.
- Caryāpāda 4.34 (Q1982, S. 361; PDF 506): स पुरोऽम्बुवदास्थितः vorläufig.
- Caryāpāda 4.36 (Q1982, S. 361, 362; PDF 506, 507): समास्तन्त्रविदा vorläufig.
- Caryāpāda 4.40 (Q1982, S. 362; PDF 507): तद्व्याख्यं vorläufig.
- Caryāpāda 4.42 (Q1982, S. 362, 363; PDF 507, 508): ह्यूहणायाः vorläufig; zweiter Halbvers in zwei Druckteilen.
- Caryāpāda 4.43 (Q1982, S. 363; PDF 508): Schwer lesbares Schlusskompositum; beste vorläufige Lesung des Druckbildes.
- Caryāpāda 4.44 (Q1982, S. 363; PDF 508): पठेद्वालिख्य vorläufig.
- Caryāpāda 4.46 (Q1982, S. 363; PDF 508): गच्छेद्धेयोपादेयनामनी vorläufig; Apparat empfiehlt नामनि, nicht ungeprüft eingesetzt.
- Caryāpāda 4.48 (Q1982, S. 363; PDF 508): तद्गुरोर्युक्तिदौर्बल्याद्विज्ञेयं vorläufig.
- Caryāpāda 4.51 (Q1982, S. 364; PDF 509): तेन चेष्टेन vorläufig.
- Caryāpāda 4.52 (Q1982, S. 364; PDF 509): गुरुव्यापारसंव्यग्रैः vorläufig.
- Caryāpāda 4.53 (Q1982, S. 364; PDF 509): ग्रहणं तद्वृथा भवेत् vorläufig.
- Caryāpāda 4.54 (Q1982, S. 365; PDF 510): गुरुकमात् im Druck möglicherweise गुरुकमात् statt गुरुक्र मात्; nicht still ergänzt.
- Caryāpāda 4.56 (Q1982, S. 365; PDF 510): जगत्यस्मिँल्लोकानुग्रहकारणात् Nasalzeichen vorläufig.
- Caryāpāda 4.60 (Q1982, S. 365; PDF 510): शक्तिपूर्वकः wird editorisch erläutert; keine Konjektur eingesetzt.
- Caryāpāda 4.64 (Q1982, S. 366; PDF 511): व्यञ्जने प्रारम्भसामर्थ्यात् vorläufig.
- Caryāpāda 4.66 (Q1982, S. 366; PDF 511): प्रकम्प्य सूचितन्यायाद् vorläufig.
- Caryāpāda 4.68 (Q1982, S. 366; PDF 511): वस्तु वैमल्ये vorläufig.
- Caryāpāda 4.70 (Q1982, S. 367; PDF 512): प्रष्टुर्न und अन्यान्निदर्शयन् vorläufig.
- Caryāpāda 4.72 (Q1982, S. 367; PDF 512): Endzeichen nach72 im Druck unregelmäßig; Nummer gesichert.
- Caryāpāda 4.73 (Q1982, S. 367; PDF 512): नैवं und मन्यसेऽन्यथा vorläufig.
- Caryāpāda 4.77 (Q1982, S. 368; PDF 513): नटकवज्ज्ञेयो vorläufig.
- Caryāpāda 4.80 (Q1982, S. 368; PDF 513): क्वचिदिष्यं vorläufig.
- Caryāpāda 4.86 (Q1982, S. 370; PDF 515): तद्वक्त्रानलरश्मिबिन्दुनिकरैः und शक्त्युद्धतः vorläufig.
- Caryāpāda 4.87 (Q1982, S. 370; PDF 515): लेशयैव Quellenform; femininer Gebrauch im Apparat erläutert.
- Caryāpāda 5.3 (Q1982, S. 371; PDF 516): लक्षाभ्यासजये vorläufig.
- Caryāpāda 5.6 (Q1982, S. 372; PDF 517): सदैव तत् vorläufig.
- Caryāpāda 5.7 (Q1982, S. 372; PDF 517): कर्माकर्मविधानेऽस्मिन् vorläufig.
- Caryāpāda 5.10 (Q1982, S. 372; PDF 517): उत्कृष्टवपुषा vorläufig.
- Caryāpāda 5.13 (Q1982, S. 373; PDF 518): कारणाज्जागतं vorläufig.
- Caryāpāda 5.15 (Q1982, S. 373; PDF 518): नैःश्रेयसे vorläufig.
- Caryāpāda 5.16 (Q1982, S. 373; PDF 518): चिद्वीर्य vorläufig.
- Caryāpāda 5.18 (Q1982, S. 374; PDF 519): सर्वेऽप्यस्मिंश्च लिङ्गिनः unsicher.
- Caryāpāda 5.19 (Q1982, S. 374; PDF 519): साधर्म्यान्मूर्तित्वं vorläufig.
- Caryāpāda 5.23 (Q1982, S. 374; PDF 519): महध्वनि vorläufig.
- Caryāpāda 5.25 (Q1982, S. 374; PDF 519): ज[घ]न्यत्वाच्च Quelle mit Herausgeberergänzung bewahrt.
- Caryāpāda 5.27 (Q1982, S. 374, 375; PDF 519, 520): सतिरश्चां vorläufig.
- Caryāpāda 5.28 (Q1982, S. 375; PDF 520): भर्तुर्निर्वर्त्यते und संवृत्तेन समानता vorläufig.
- Caryāpāda 5.30 (Q1982, S. 375; PDF 520): Bekanntes Erratum Druck375/Zeile12 noch im Phase1-Schlussdurchgang abgleichen; keine ungeprüfte Korrektur.
- Caryāpāda 5.32 (Q1982, S. 375; PDF 520): स्वाचारोऽभिमतः vorläufig.
- Caryāpāda 5.34 (Q1982, S. 376; PDF 521): शक्तिकिरणाघाताः vorläufig.
- Caryāpāda 5.36 (Q1982, S. 376; PDF 521): किमद्याविशेषमत्र und सामान्यमृतुमज्जन्म vorläufig.
- Caryāpāda 5.38 (Q1982, S. 376; PDF 521): गौणावयव und चिद्धर्मि vorläufig.
- Caryāpāda 5.40 (Q1982, S. 377; PDF 522): योऽनुध्याता vorläufig.
- Caryāpāda 5.41 (Q1982, S. 377; PDF 522): एकान्नभोजनाच्छादा vorläufig.
- Caryāpāda 5.43 (Q1982, S. 377; PDF 522): सामान्यात्स्ववर्णविषयात्मकात् vorläufig.
- Caryāpāda 5.44 (Q1982, S. 377; PDF 522): ऐह्यते und उदारवत् vorläufig.
- Caryāpāda 5.45 (Q1982, S. 377; PDF 522): चार्यो Quellenform im Apparat erläutert; nicht normalisiert.
- Caryāpāda 5.49 (Q1982, S. 378; PDF 523): चतुर्थमसिताद्यं vorläufig.
- Caryāpāda 5.51 (Q1982, S. 378; PDF 523): तत्कारणेरणात् und स्वाधिकाराद्यं vorläufig.
- Caryāpāda 5.55 (Q1982, S. 379; PDF 524): नानुध्यानाच्छिवेनोत्थं vorläufig.
- Caryāpāda 5.56 (Q1982, S. 379; PDF 524): निरुद्धजगत्क्षिप्रमुद्भूतात्मा vorläufig.
- Caryāpāda 5.58 (Q1982, S. 380; PDF 525): स्वोचिते vorläufig.
- Caryāpāda 5.59 (Q1982, S. 380; PDF 525): येनायत्ता[:] editorisches Zeichen bewahrt.
- Caryāpāda 5.60 (Q1982, S. 380; PDF 525): तत्तेजोद्भूतशक्तयः Quellen-Sandhi vom Herausgeber erläutert.
- Caryāpāda 5.66 (Q1982, S. 381; PDF 526): सृष्टिर्द्वयं vorläufig.
- Caryāpāda 5.67 (Q1982, S. 381; PDF 526): निर्वक्ष्यते und भक्तो vorläufig.
- Caryāpāda 6.5 (Q1982, S. 382; PDF 527): तामद्यात्र vorläufig.
- Caryāpāda 6.7 (Q1982, S. 383; PDF 528): ससिक्ताः शस्ताः vorläufig.
- Caryāpāda 6.8 (Q1982, S. 383; PDF 528): लिङ्गमादौ vorläufig.
- Caryāpāda 6.9 (Q1982, S. 383; PDF 528): पाणिद्वयोरपि vorläufig.
- Caryāpāda 6.12 (Q1982, S. 384; PDF 529): धारयेन्मृदमादाय vorläufig; Quellen-Sandhi ततोत्थाय im Apparat erläutert.
- Caryāpāda 6.13 (Q1982, S. 384; PDF 529): पूर्ववत्क्षालयेत्पश्चात्करावप्युक्तमादरात् vorläufig; unnummerierter Doppeldanda nach erstem Halbvers. Erratum Druck384/20 im Schlussdurchgang prüfen, möglicherweise Fremdzitat.
- Caryāpāda 6.19 (Q1982, S. 386; PDF 531): यजनं केवलं जग्ध्वा und शङ्कातः vorläufig.
- Caryāpāda 6.20 (Q1982, S. 386; PDF 531): क्षाल्याश्मताडनात् und स्वल्पेन मललेपतः vorläufig.
- Caryāpāda 6.22 (Q1982, S. 387; PDF 532): भस्मना Quellenlesung (Variante मस्तुना im Apparat). Erratum Druck387/29 im Schlussdurchgang, möglicherweise Fremdzitat.
- Caryāpāda 6.24 (Q1982, S. 387; PDF 532): विण्मूत्रमदनिर्माल्य vorläufig.
- Caryāpāda 6.25 (Q1982, S. 388; PDF 533): शतमुक्तः परा निष्ठा vorläufig.
- Caryāpāda 6.27 (Q1982, S. 388, 389; PDF 533, 534): सद्वृत्तात्सतो vorläufig; Apparat empfiehlt सद्वित्तात्, nicht ungeprüft übernommen.
- Caryāpāda 6.29 (Q1982, S. 389; PDF 534): नियतेर्नित्यमन्यायान् vorläufig.
- Caryāpāda 6.32 (Q1982, S. 389, 390; PDF 534, 535): बाह्यत्यागाद्वा vorläufig.
- Caryāpāda 6.33 (Q1982, S. 390; PDF 535): विशिष्टानां vorläufig.
- Caryāpāda 6.35 (Q1982, S. 390; PDF 535): शिष्टं vorläufig.
- Caryāpāda 6.36 (Q1982, S. 390; PDF 535): शुद्धिरब्दैर्नियम्य तु vorläufig.
- Caryāpāda 6.38 (Q1982, S. 391; PDF 536): गुरोर्निवेद्य vorläufig.
- Caryāpāda 6.39 (Q1982, S. 391; PDF 536): अविशेषाद्भावितं und वर्तनार्थं vorläufig.
- Caryāpāda 7.1 (Q1982, S. 392; PDF 537): Erratum392/1 betrifft offenbar Kapitelüberschrift; im Schlussdurchgang.
- Caryāpāda 7.3 (Q1982, S. 392; PDF 537): ज्योतीरूपपदं Quellenform; nicht still auf ज्योतिरूप geändert.
- Caryāpāda 7.4 (Q1982, S. 392; PDF 537): सर्वभूतसुखं देवं vorläufig.
- Caryāpāda 7.6 (Q1982, S. 393, 394; PDF 538, 539): कुसीदवार्धुषी vorläufig.
- Caryāpāda 7.7 (Q1982, S. 394; PDF 539): ग्रामयाचकाः vorläufig.
- Caryāpāda 7.9 (Q1982, S. 394; PDF 539): स्त्रीकश्मलं vorläufig.
- Caryāpāda 7.11 (Q1982, S. 394; PDF 539): तस्मिन्ग्राह्या मुने भिक्षां vorläufig.
- Caryāpāda 7.12 (Q1982, S. 394, 395; PDF 539, 540): सूक्ष्मामृतपदं Quellenform. Herausgeber erklärt unsichere Mantrazuordnung; keine vollständige Formel daraus rekonstruieren.
- Caryāpāda 7.13 (Q1982, S. 395; PDF 540): द्वारवर्त्म vorläufig.
- Caryāpāda 7.14 (Q1982, S. 395; PDF 540): न च दत्तं परित्याज्यं erhalten; logischer Anschluss an15 unsicher.
- Caryāpāda 7.15 (Q1982, S. 395; PDF 540): पात्रवह्निबलेक्षणात् vorläufig.
- Caryāpāda 7.16 (Q1982, S. 396; PDF 541): यायादसंस्पृशँल्लोकान्नातिपर्याप्तमेव vorläufig.
- Caryāpāda 7.20 (Q1982, S. 396, 397; PDF 541, 542): निर्दहेद्ध्यानमास्थाय vorläufig.
- Caryāpāda 7.22 (Q1982, S. 397; PDF 542): ग्राह्यमन्नं vorläufig.
- Caryāpāda 7.23 (Q1982, S. 397; PDF 542): कुर्याद्भक्तितो vorläufig; पर्णिषु editorische Quellenlesung.
- Caryāpāda 7.25 (Q1982, S. 398; PDF 543): भक्ष्या ह्यधूमान्तैः vorläufig.
- Caryāpāda 7.26 (Q1982, S. 398; PDF 543): वाद्याः und लेशया vorläufig.
- Caryāpāda 7.27 (Q1982, S. 398; PDF 543): तावदद्याद्विधिस्थेन vorläufig.
- Caryāpāda 7.28 (Q1982, S. 399; PDF 544): क्वचित्कदाचिदप्येकं ग्राह्यमुक्त्वा vorläufig; Erratum399/1 betrifft offenbar Seitenkopf, im Schlussdurchgang.
- Caryāpāda 7.33 (Q1982, S. 399; PDF 544): शतं तदूर्ध्वं वा wirkt metrisch verkürzt; keine Silben ergänzt.
- Caryāpāda 7.35 (Q1982, S. 400; PDF 545): येनैतज्जगदोतुकास्यकिरणैः und वीर्योद्वहैः schwer lesbar, vorläufig.
- Caryāpāda 8.1 (Q1982, S. 401; PDF 546): संक्षेपाद्व्यक्तितः सिद्धं vorläufig.
- Caryāpāda 8.4 (Q1982, S. 401; PDF 546): कार्यं कमण्डलु Quellenform; nicht grammatisch normalisiert.
- Caryāpāda 8.6 (Q1982, S. 402; PDF 547): चोर्ध्वं sowie बहिस्तल्लेशतो vorläufig.
- Caryāpāda 8.8 (Q1982, S. 402; PDF 547): परिस्रुतेन वस्त्रेण vorläufig.
- Caryāpāda 8.11 (Q1982, S. 403; PDF 548): तस्माद्ग्राह्यं तदीशेन vorläufig.
- Caryāpāda 8.16 (Q1982, S. 403, 404; PDF 548, 549): संघुष्य und स्थानं पात्रं vorläufig.
- Caryāpāda 8.17 (Q1982, S. 404; PDF 549): संक्षाल्यमम्बुना vorläufig.
- Caryāpāda 8.19 (Q1982, S. 404; PDF 549): जगदुत्पत्तिसंहाररक्षाकृत्परमेष्ठिने vorläufig; Gebetsbeginn19b.
- Caryāpāda 8.20 (Q1982, S. 404; PDF 549): प्रभावनिलयात्मने vorläufig.
- Caryāpāda 8.21 (Q1982, S. 404; PDF 549): त्रिगुणाश्रयसामर्थ्यकलासंस्पृष्टमूर्तये vorläufig; Gebetsende नमो नमः शिवाय in21b vor इति.
- Caryāpāda 8.23 (Q1982, S. 405; PDF 550): [सितरक्तपीतवर्णैः] editorische Ergänzung innerhalb des Verses, keine Überschrift.
- Caryāpāda 8.24 (Q1982, S. 405; PDF 550): [विधिवत्तत्समर्चयेत्] editorische Ergänzung innerhalb des Verses.
- Caryāpāda 8.25 (Q1982, S. 405; PDF 550): प्रणवोच्चारं Quellenform editorisch erläutert; सव्यो ग्राह्यस्तस्य vorläufig.
- Caryāpāda 8.27 (Q1982, S. 405; PDF 550): शार्वशार्वपदं vorläufig; Herausgeber ordnet शर्व शर्व zu. Keine vollständige Formel rekonstruieren.
- Caryāpāda 8.28 (Q1982, S. 405; PDF 550): अभिधारयेत् vorläufig.
- Caryāpāda 8.30 (Q1982, S. 405; PDF 550): कारणज्ञानन्यायेनात्र vorläufig.
- Caryāpāda 9.3 (Q1982, S. 407; PDF 552): व्यज्यतेऽक्लिष्टतपसः vorläufig.
- Caryāpāda 9.7 (Q1982, S. 408; PDF 553): विवेचनेन सततं भूमिमापूर्य vorläufig.
- Caryāpāda 9.8 (Q1982, S. 408; PDF 553): द्वेषमुत्पादयन् Quellenlesung; keine Abschwächung. Sandhi ततोपरि editorisch erläutert.
- Caryāpāda 9.11 (Q1982, S. 408, 409; PDF 553, 554): व्योमव्यापिमनुं स्मरन् vorläufig; keine vollständige Mantraergänzung.
- Caryāpāda 9.13 (Q1982, S. 409; PDF 554): चित्तजिद्योगतोऽखिलम् vorläufig; Variante चिदचिद्योगतो im Apparat.
- Caryāpāda 9.16 (Q1982, S. 409; PDF 554): तमोपेतं Quellen-Sandhi im Apparat erläutert.
- Caryāpāda 9.17 (Q1982, S. 409; PDF 554): क्रीडास्वप्नोद्वहं vorläufig.
- Caryāpāda 9.19 (Q1982, S. 410; PDF 555): हृष्टिमायाति und संस्ताड्यमानः vorläufig; चर्यातेजोपबृंहितः Quellen-Sandhi editorisch erläutert.
- Caryāpāda 9.20 (Q1982, S. 410; PDF 555): जगद्बन्धुरिव स्थितम् vorläufig.
- Caryāpāda 9.21 (Q1982, S. 410; PDF 555): बाह्यवृत्तिसमाश्रयात् vorläufig.
- Caryāpāda 9.22 (Q1982, S. 410; PDF 555): द्वन्द्वान्देहप्रबाधकान् vorläufig.
- Caryāpāda 9.25 (Q1982, S. 410; PDF 555): भोक्तुरक्लिष्टवपुषः vorläufig.
- Caryāpāda 9.26 (Q1982, S. 410, 411; PDF 555, 556): क्रीडतश्च und साधकात्मनः vorläufig.
- Caryāpāda 9.29 (Q1982, S. 411; PDF 556): सर्वकार्यपरिभ्रमान् vorläufig.
- Caryāpāda 9.30 (Q1982, S. 411; PDF 556): व्रतस्थोऽपात्तसंगमः vorläufig.
- Caryāpāda 9.34 (Q1982, S. 412; PDF 557): विपाकाशयवत्तत्र संस्थिता शक्रजालवत् unsicher.
- Caryāpāda 9.35 (Q1982, S. 412; PDF 557): भ्रमदात्मानम् vorläufig.
- Caryāpāda 9.37 (Q1982, S. 412, 413; PDF 557, 558): धातुर्गमनं स्थातुः स्थानं vorläufig.
- Caryāpāda 9.38 (Q1982, S. 413; PDF 558): प्रस्यन्दसङ्घोद्भवमदविषयात्तारणीर्मोहकूपात् und कुशलगुणकृतैर्वर्तितेन schwer lesbar; vorläufig.
- Caryāpāda 10.3 (Q1982, S. 414; PDF 559): संध्यां: Druckform bewahrt.
- Caryāpāda 10.4 (Q1982, S. 414; PDF 559): चाह्निकद्वयोः und बहुरूपिणः: schwieriger Wortanschluss; Zusatzhalbverse im Apparat nicht übernommen.
- Caryāpāda 10.7 (Q1982, S. 415; PDF 560): दिवसाच्छक्तितो: schwierige Worttrennung.
- Caryāpāda 10.9 (Q1982, S. 415; PDF 560): यद्यथावसर: Lesung/Wortanschluss vorsichtig behandeln.
- Caryāpāda 10.11 (Q1982, S. 416; PDF 561): त्वारण्यैर्वाप्यकुत्सितैः und शीर्णखण्डितविद्धानि: schwierige Lesung.
- Caryāpāda 10.12 (Q1982, S. 416; PDF 561): कुदेशजातदुर्गन्धीन्युग्रगन्धानि: Worttrennung.
- Caryāpāda 10.13 (Q1982, S. 416; PDF 561): समुद्रोपहतान्येव: Vokalquantität unsicher.
- Caryāpāda 10.15 (Q1982, S. 417; PDF 562): Pflanzennamen कदम्बबकपुन्नागनागकुब्जकजातयः; Einzelidentifikationen nicht gesichert.
- Caryāpāda 10.16 (Q1982, S. 417; PDF 562): अलाभात्तेषु: schwieriger Anschluss.
- Caryāpāda 10.19 (Q1982, S. 417, 418; PDF 562, 563): यः कर्मी पुत्रको: syntaktischer Anschluss.
- Caryāpāda 10.20 (Q1982, S. 418; PDF 563): योऽग्रतो जनयेद्द्वन्द्वं: Lesung vorsichtig.
- Caryāpāda 10.21 (Q1982, S. 418; PDF 563): प्रायश्चित्तात्स वाग्दोषात्समयी क्षन्तुमर्हति und गुरोर्वागत्य: schwierige Stelle.
- Caryāpāda 10.24 (Q1982, S. 418; PDF 563): सद्वस्तुप्रविचारणे: Wortgliederung.
- Caryāpāda 10.25 (Q1982, S. 418; PDF 563): अकर्ण्यः: schwierige Lesung.
- Caryāpāda 10.27 (Q1982, S. 419; PDF 564): ब्रुवेत् und श्रीमाँल्ल: Druckformen bewahrt.
- Caryāpāda 10.28 (Q1982, S. 419; PDF 564): गुरोस्तस्य: syntaktischer Anschluss.
- Caryāpāda 10.30 (Q1982, S. 419; PDF 564): गुरुं कुर्यात्तदा बालं: vorsichtige Auslegung.
- Caryāpāda 10.31 (Q1982, S. 419; PDF 564): तापसेनापि गुरुवद्वन्द्यः und अप्यकार्यशतेनापि: schwierige Lesung.
- Caryāpāda 10.32 (Q1982, S. 419; PDF 564): युक्तः und सर्वज्ञो: Anschluss unklar.
- Caryāpāda 10.33 (Q1982, S. 419; PDF 564): शिष्यते: Druckform nicht normalisiert.
- Caryāpāda 10.36 (Q1982, S. 420; PDF 565): संस्कर्ता शिष्यते und एषोपवर्णितः: schwierige Lesung.
- Caryāpāda 10.37 (Q1982, S. 420; PDF 565): स गुरोरप्यनुत्तमः: Rangvergleich vorsichtig wiedergeben.
- Caryāpāda 10.38 (Q1982, S. 420; PDF 565): शिष्यवत्समयज्ञस्य: Wortgliederung.
- Caryāpāda 10.40 (Q1982, S. 420; PDF 565): यथादिकमनुक्रमात्: schwierige Lesung.
- Caryāpāda 10.41 (Q1982, S. 420; PDF 565): निर्वर्त्यमानानां: Anschluss.
- Caryāpāda 10.42 (Q1982, S. 420, 421; PDF 565, 566): आयुरारोग्यसंपन्नयशोवृद्धि: Kompositum.
- Caryāpāda 10.45 (Q1982, S. 421; PDF 566): उदक्प्लवं und सर्वशालोद्भूतं: Fachausdrücke/Lesung.
- Caryāpāda 10.48 (Q1982, S. 422; PDF 567): सौम्य्यां: Doppel-y des Drucks bewahrt.
- Caryāpāda 10.50 (Q1982, S. 422; PDF 567): [दिस] ist Ergänzung im Grundtext, keine Überschrift.
- Caryāpāda 10.52 (Q1982, S. 422; PDF 567): धौतपादुकपादस्तु: schwierige Wortgliederung.
- Caryāpāda 10.54 (Q1982, S. 422; PDF 567): अथवारक्तक एव: schwierige Lesung; स्वप्यात् Druckform.
- Caryāpāda 10.55 (Q1982, S. 423; PDF 568): सुसहायेन: Drucklesung gegenüber Varianten bewahrt.
- Caryāpāda 10.58 (Q1982, S. 423; PDF 568): स्थाप्यमम्बुसुपूरितम्: syntaktisch schwierige Form.
- Caryāpāda 10.60 (Q1982, S. 423; PDF 568): लक्ष्यैकमतिमतिमान्: schwierige Drucklesung.
- Caryāpāda 10.67 (Q1982, S. 424; PDF 569): Erster Halbvers in eckigen Klammern von der Edition ergänzt; Sprecherwechsel danach.
- Caryāpāda 10.69 (Q1982, S. 425; PDF 570): विनिष्क्रान्तं, शेषाणां चरति स्थितो und ज्ञानचर्यापादोक्तिदर्शनात्: schwierige Lesungen, nicht durch freie Konjektur ersetzt.
- Caryāpāda 10.70 (Q1982, S. 425; PDF 570): लेशयावासादवकुण्ठ्य und शिवसंस्कृतं: schwierige Drucklesung.
- Caryāpāda 10.71 (Q1982, S. 425; PDF 570): न्यसेत्तच्छिवमीशान्यामुदग्दिशि: Lesung/Wortgliederung unsicher.
- Caryāpāda 10.72 (Q1982, S. 425; PDF 570): क्षमापयेत: Druckform; zweiter Halbvers teilweise ergänzt.
- Caryāpāda 10.73 (Q1982, S. 425; PDF 570): शेषानासीत: editorisch als kausativ erläutert; [मन्त्रस्य] ergänzter Grundtext.
- Caryāpāda 10.74 (Q1982, S. 425; PDF 570): पर्यग्निकरणात्सदा: Lesung bewahrt.
- Caryāpāda 10.76 (Q1982, S. 426; PDF 571): स्वशिष्यकस्तु: schwierige Lesung.
- Caryāpāda 10.77 (Q1982, S. 426; PDF 571): वंशमापन्नमन्येभ्यो und तद्भावभावाच्छास्त्राणि: schwierige Lesungen.
- Caryāpāda 10.78 (Q1982, S. 426; PDF 571): महद्धि und निस्वे: Wortgliederung/Schreibweise unsicher.
- Caryāpāda 10.82 (Q1982, S. 426; PDF 571): ज्ञान्तो: schwierige Drucklesung.
- Caryāpāda 10.83 (Q1982, S. 427; PDF 572): पृष्टवान्यो: schwieriger Anschluss.
- Caryāpāda 10.87 (Q1982, S. 427; PDF 572): Zweiter Halbvers teilweise ergänzt; Überlieferungslücke der Edition.
- Caryāpāda 10.88 (Q1982, S. 427; PDF 572): Großenteils editorisch ergänzter Grundtext; unnummerierter Doppeldanda nach erstem Halbvers, keine Zusatzstrophe.
- Caryāpāda 10.89 (Q1982, S. 427; PDF 572): Zweiter Halbvers editorisch ergänzt.
- Caryāpāda 10.90 (Q1982, S. 428; PDF 573): अशेषसंगव्यपगतकलुषः und प्रचलितगहनं: schwierige Wortgliederung/Lesung.
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