Identitätspolitik: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Wenn Übertreibung Gegenbewegungen stärkt ===
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Gesellschaftliche Veränderungen erzeugen häufig Gegenreaktionen. Eine [[Bewegung]] stellt bestehende Selbstverständlichkeiten infrage, verändert Sprache und Institutionen und erreicht [[Erfolg]]e. Mit der Zeit entsteht bei anderen der Eindruck, die Veränderung gehe zu weit.
Gesellschaftliche Veränderungen erzeugen häufig Gegenreaktionen. Eine [[Bewegung]] stellt bestehende Selbstverständlichkeiten infrage, verändert Sprache und Institutionen und erreicht [[Erfolg]]e. Mit der Zeit entsteht bei anderen der Eindruck, die Veränderung gehe zu weit.

Version vom 7. September 2026, 07:26 Uhr

Identitätspolitik beim Yoga. Alle sind gleich!

Identitätspolitik bezeichnet politische Strategien, die von gemeinsamen Erfahrungen und Interessen bestimmter sozialer Gruppen ausgehen und ihnen Sichtbarkeit, gleiche Rechte, Schutz vor Diskriminierung und gesellschaftliche Teilhabe verschaffen wollen. Sie wird dort problematisch, wo aus dem berechtigten Blick auf Benachteiligung eine Schublade wird, in der der einzelne Mensch hinter Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft, Religion, sozialer Lage oder sexueller Orientierung verschwindet.

Ihre Geschichte ist deshalb weder eine reine Erfolgsgeschichte noch eine Geschichte des Verfalls. Identitätspolitische Bewegungen haben Menschen eine Stimme gegeben, deren Erfahrungen im politischen Mainstream lange kaum vorkamen. Sie haben auf Diskriminierung hingewiesen, Selbstachtung gestärkt und gesellschaftliche Veränderungen mitgetragen. Gleichzeitig können Identitäten verhärten: Aus der Erfahrung „Als Angehöriger dieser Gruppe werde ich benachteiligt“ kann der Gedanke werden „Diese Gruppenzugehörigkeit erklärt, wer ich bin und wer du bist“. Dann wächst Othering, aus Solidarität wird Lagerdenken, und ein Mensch kann wegen einer abweichenden Meinung sogar innerhalb der eigenen Gruppe zum modernen Outcast werden. Yoga und Vedanta können hier einen ungewöhnlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte leisten: Nimm Benachteiligung ernst, kämpfe für gleiche Rechte – und verwechsle zugleich keine deiner sozialen Identitäten mit deinem tiefsten Selbst. Ein Artikel von Sukadev Bretz.

Was ist Identitätspolitik?

Im weitesten Sinn entsteht Identitätspolitik dort, wo Menschen politische Forderungen aus einer gemeinsamen sozialen Lage heraus formulieren. Frauen organisieren sich gegen Benachteiligungen von Frauen, Menschen mit Behinderung gegen Barrieren, ethnische Minderheiten gegen Rassismus, homosexuelle Menschen gegen rechtliche und gesellschaftliche Diskriminierung. Die gemeinsame Identität macht Erfahrungen sichtbar, die aus einer abstrakten Perspektive auf „den Menschen“ leicht übersehen werden.

Der Begriff ist heute stark umkämpft. Seine moderne Geschichte beginnt keineswegs als Schimpfwort für übertriebene Sprachsensibilität. Besonders einflussreich war das amerikanische Combahee River Collective, eine Gruppe schwarzer Feministinnen, darunter lesbische Frauen, die sich seit 1974 traf. In ihrer 1977 formulierten Erklärung verwendete das Kollektiv ausdrücklich den Begriff identity politics. Ausgangspunkt war die Erfahrung, dass schwarze Frauen sowohl in der überwiegend weißen Frauenbewegung als auch in schwarzen Befreiungsbewegungen mit Teilen ihrer Lebenswirklichkeit kaum vorkamen. Ihre Politik sollte aus den eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Sexismus, Heterosexismus und sozialer Ungleichheit hervorgehen. (historyisaweapon.com)

Das ist wichtig, weil der ursprüngliche Impuls anders klingt als manche heutige Karikatur von Identitätspolitik. Das Combahee River Collective wollte schwarze Frauen keineswegs von allen anderen Menschen isolieren. Es verstand die verschiedenen Unterdrückungsformen als miteinander verflochten, bekannte sich zu sozialistischen Zielen und arbeitete ausdrücklich auch in Bündnissen mit anderen progressiven Gruppen. Der Gedanke lautete: Menschen, deren besondere Erfahrung bisher unsichtbar war, müssen selbst an der politischen Beschreibung ihrer Lebenswirklichkeit beteiligt sein.

Antidiskriminierung ist älter als der Begriff

Man sollte Identitätspolitik deshalb auch historisch genau verwenden. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und wichtige Antidiskriminierungsgesetze entstanden bereits vor der Formulierung des Begriffs in den späten 1970er-Jahren. Der Civil Rights Act von 1964 ist ein offensichtliches Beispiel.

Quotenregelungen, Frauenförderung, Antidiskriminierungsgesetze, Repräsentationsforderungen oder geschlechtergerechte Sprache können heute mit Identitätspolitik verbunden werden. Sie sind jedoch nicht einfach Synonyme dafür. Der gemeinsame Grundgedanke lautet, dass formale Gleichheit allein reale Benachteiligungen manchmal nicht beseitigt.

Wer beispielsweise wissen möchte, ob Frauen bei gleicher Qualifikation systematisch seltener in Führungspositionen gelangen, muss Geschlecht zunächst statistisch erfassen. Wer Rassismus untersuchen möchte, kann nicht gleichzeitig behaupten, ethnische oder rassifizierende Kategorien dürften unter keinen Umständen thematisiert werden. Manchmal muss eine Gesellschaft Unterschiede sehen, um eine ungerechte Behandlung aufgrund dieser Unterschiede überwinden zu können.

Darin liegt das stärkste Argument für Identitätspolitik.

Von der Befreiungspolitik zum politischen Kampfbegriff

Inzwischen wird Identitätspolitik viel häufiger von ihren Kritikern als von ihren Anhängern verwendet. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy bezeichnet den Ausdruck inzwischen sinngemäß als einen philosophischen und politischen „Punching Ball“: Er kann für sehr unterschiedliche Phänomene stehen, von feministischen und antirassistischen Bewegungen bis zu einer angeblich moralistischen Politik privilegierter akademischer Milieus. (Stanford Encyclopedia of Philosophy)

Das erschwert die Diskussion. Zwei Menschen können über „Identitätspolitik“ streiten und völlig verschiedene Dinge meinen. Der eine denkt an die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und gleiche Rechte homosexueller Menschen. Der andere denkt an Universitätsdebatten über kulturelle Aneignung, komplizierte Sprachregeln und öffentliche Cancel Culture.

Eine ernsthafte Diskussion sollte deshalb immer fragen: Welche konkrete Form von Identitätspolitik ist gemeint?

Eine Bürgerinitiative von Menschen mit Behinderung, die einen barrierefreien Bahnhof fordert, unterscheidet sich erheblich von einer politischen Kultur, in der Herkunft darüber entscheidet, wer über ein Thema sprechen darf. Die gemeinsame Kategorie „Identitätspolitik“ verdeckt diese Unterschiede leicht.

Warum Identitätspolitik notwendig werden konnte

Der universalistische Satz „Alle Menschen sind gleich“ gehört zu den großen Errungenschaften moderner Gesellschaften. Er hat jedoch eine Schwäche, wenn die Gesellschaft nur den abstrakten Menschen sieht und dabei übersieht, dass konkrete Menschen unterschiedlich behandelt werden.

Eine Frau kann formal dasselbe Recht auf eine berufliche Laufbahn besitzen und trotzdem auf Hindernisse treffen, die Männer in derselben Situation kaum erleben. Ein Rollstuhlfahrer besitzt formal dasselbe Recht, ein öffentliches Gebäude zu betreten; ohne Rampe hilft ihm dieses Recht wenig. Ein religiöser Mensch kann formale Religionsfreiheit besitzen und zugleich regelmäßig erleben, dass seine Religion in seiner gesellschaftlichen Umgebung als minderwertig gilt.

Identitätspolitik sagt hier: Schaut genauer hin.

Das kann ein Fortschritt sein.

Sichtbarkeit verändert den politischen Blick

Eine Gruppe, die ihre Erfahrungen gemeinsam beschreibt, kann gesellschaftliche Probleme sichtbar machen, die vorher als private Einzelfälle galten. Was eine einzelne Frau als persönliche Niederlage erlebt, kann sich bei genauerer Betrachtung als verbreitetes Muster erweisen. Was ein einzelner Migrant als unangenehme Begegnung wahrnimmt, kann Teil einer institutionellen Praxis sein.

Dafür braucht es manchmal Gruppenbegriffe.

Die politische Philosophin Iris Marion Young hat darauf hingewiesen, dass Unterdrückung unterschiedliche Formen annehmen kann – unter anderem Marginalisierung, Machtlosigkeit, kulturelle Dominanz und Gewalt. Ein universalistisches Rechtssystem bleibt unverzichtbar; trotzdem kann es nötig sein, auf die konkrete gesellschaftliche Lage bestimmter Gruppen zu schauen.Iris Marion Young: Justice and the Politics of Difference. Princeton University Press, Princeton 1990.

Identität kann aus Scham Selbstachtung machen

Identitätspolitische Bewegungen haben häufig auch eine psychologische Funktion. Eine Eigenschaft, wegen der ein Mensch sich schämte, wird gemeinsam neu bewertet.

„Black is beautiful“ war mehr als ein politischer Slogan. Die homosexuelle Emanzipationsbewegung verwandelte eine lange stigmatisierte Identität in öffentlich sichtbaren Stolz. Behindertenbewegungen widersprachen der Vorstellung, Behinderung müsse ausschließlich als persönlicher Defekt betrachtet werden.

Diese Umwertung kann Menschen aus Stigmatisierung und sozialer Markierung herausführen.

Wer jahrelang gelernt hat „Mit mir stimmt etwas nicht“, kann durch eine Gemeinschaft entdecken: „Es gibt auch gesellschaftliche Bedingungen, die mein Leben erschweren.“

Diese Erkenntnis kann befreiend sein.

Zugehörigkeit ist kein Fehler

Auch aus yogischer Sicht muss man hier vorsichtig sein. Wer vorschnell sagt „Identifikation ist unspirituell“, kann reale menschliche Bedürfnisse verkennen.

Menschen brauchen Gemeinschaft. Eine junge homosexuelle Frau, die in ihrer Familie abgelehnt wurde, kann durch eine LGBT-Gruppe zum ersten Mal erleben, dass ihre Lebensgeschichte verstanden wird. Ein Migrant kann in einer kulturellen Gemeinschaft Sprache und Heimat finden. Eine hinduistische Gemeinschaft kann einem Menschen ermöglichen, seine Religion zu leben, ohne sich ständig erklären zu müssen.

Solche Zugehörigkeit kann heilsam sein.

Yoga verlangt keineswegs, dass Menschen sozial wurzellos werden.

Die Frage lautet, ob die Wurzel Nahrung gibt oder zum Gefängnis wird.

Wo Identitätspolitik problematisch werden kann

Die stärkste Kritik an Identitätspolitik richtet sich gegen einen paradoxen Effekt: Eine Politik, die Menschen von stereotypen Zuschreibungen befreien möchte, kann neue Gruppenschubladen hervorbringen.

Der einzelne Mensch wird dann erneut durch seine Gruppenzugehörigkeit gelesen – diesmal mit progressiver Begründung.

Aus Erfahrung wird Identität

Es ist sinnvoll zu sagen: „Menschen mit dieser sozialen Erfahrung sollten gehört werden.“

Problematischer wird der Satz: „Weil du diese Identität besitzt, weiß ich bereits, welche Erfahrung du gemacht hast und was du darüber denken solltest.“

Eine schwarze Frau kann politisch konservativ sein. Ein homosexueller Mann kann traditionelle Vorstellungen von Familie vertreten. Eine Frau kann gegen eine Frauenquote sein. Ein Mensch mit Migrationsgeschichte kann eine strengere Migrationspolitik befürworten. Ein Rollstuhlfahrer kann eine bestimmte behindertenpolitische Forderung ablehnen.

Keiner dieser Menschen verliert dadurch seine Gruppenzugehörigkeit.

Wenn eine politische Kultur ihnen vermittelt, sie würden „gegen ihre eigene Gruppe“ handeln, beginnt Gruppendenken.

Dann besitzt eine Gruppe zwar mehr öffentliche Sichtbarkeit, doch einzelne Mitglieder verlieren geistige Freiheit.

Erfahrung schafft Wissen – aber keine Unfehlbarkeit

Die eigene Lebenserfahrung kann Erkenntnisse ermöglichen, die einem Außenstehenden fehlen. Ein Mensch, der regelmäßig Rassismus erlebt, kennt eine Dimension des Problems, die ein anderer möglicherweise nur aus Büchern kennt.

Daraus folgt jedoch keine Unfehlbarkeit.

Zwei Menschen mit derselben ethnischen Herkunft können ihre Erfahrungen völlig unterschiedlich deuten. Ein Mitglied einer spirituellen Gemeinschaft kann darin sein Leben gefunden haben, während ein ehemaliges Mitglied dieselbe Gemeinschaft als belastend erlebt. Beide Erfahrungen sind real.

Problematisch wird Identitätspolitik, wenn persönliche Betroffenheit zu einer Art endgültiger Erkenntnisautorität wird.

Erfahrung verdient Gehör.

Argumente und Tatsachen bleiben trotzdem prüfbar.

Wer spricht eigentlich für die Gruppe?

Eine weitere Schwierigkeit entsteht, wenn Aktivisten, Wissenschaftler, Medien oder Organisationen stellvertretend definieren, welche Sprache und welche Forderungen eine Gruppe angeblich bevorzugt.

Das kann gut gemeint sein und trotzdem am tatsächlichen Selbstverständnis vieler Betroffener vorbeigehen.

Ein aufschlussreiches Beispiel ist die amerikanische Bezeichnung Latinx. Sie wurde als geschlechtsneutrale Alternative zu Latino beziehungsweise Latina populär und fand in Universitäten, Medien und politischen Organisationen Verbreitung. Eine große Untersuchung des Pew Research Center mit amerikanischen Erwachsenen hispanischer Herkunft ergab jedoch: Nur vier Prozent hatten Latinx jemals zur Selbstbezeichnung verwendet. Unter denjenigen, die den Begriff kannten, sagten 75 Prozent, er solle nicht zur allgemeinen Bezeichnung der hispanischen beziehungsweise Latino-Bevölkerung verwendet werden. Bei einer Auswahl panethnischer Begriffe bevorzugten lediglich zwei Prozent Latinx. (Pew Research Center)

Das beweist keineswegs, dass Latinx als persönliche Selbstbezeichnung falsch wäre. Für manche Menschen ist der Begriff wichtig. Der Befund zeigt etwas anderes: Auch eine gut gemeinte inklusive Bezeichnung sollte man nicht einfach mit dem Willen „der Betroffenen“ gleichsetzen.

Die Betroffenen sind kein Kollektivwesen.

Sie streiten genauso wie alle anderen Menschen.

Die paradoxe Fremdbestimmung

Damit kann eine merkwürdige Form von Othering entstehen. Eine Organisation möchte einer Minderheit besondere Sensibilität entgegenbringen und behandelt ihre Mitglieder dadurch stärker als Vertreter ihrer Gruppe.

Ein neuer Mitarbeiter türkischer Herkunft wird bei jeder Islamfrage gefragt.

Die lesbische Kollegin soll erklären, was „die LGBTQ-Community“ denkt.

Der einzige schwarze Mitarbeiter wird automatisch zum Ansprechpartner für Rassismus.

Das sieht nach Anerkennung aus und kann sich für den Betroffenen trotzdem wie Reduktion anfühlen.

Man darf einen Menschen nach seiner Erfahrung fragen.

Man sollte ihm dabei die Freiheit lassen, einfach er selbst zu sein.

Identitätspolitik, gesellschaftliche Spaltung und Backlash

Eine der bekanntesten Kritiken lautet, Identitätspolitik zerlege die Gesellschaft in konkurrierende Gruppen und verdränge das Gemeinsame. Diese Kritik findet sich aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen.

Konservative Kritiker betonen häufig nationale Zusammengehörigkeit, individuelle Verantwortung und gleiche Regeln. Liberale Kritiker warnen davor, Menschen stärker nach unveränderlichen Merkmalen als nach individuellen Ansichten zu beurteilen. Teile der politischen Linken kritisieren wiederum, Identitätspolitik könne Klassenfragen, ökonomische Ungleichheit und materielle Machtverhältnisse verdrängen.

Der Philosoph Olúfẹ́mi O. Táíwò hat dafür den Begriff elite capture aufgenommen: Forderungen, die aus Erfahrungen benachteiligter Gruppen hervorgehen, können von privilegierten Vertretern dieser Gruppen oder von Institutionen aufgenommen und so verändert werden, dass symbolische Repräsentation wichtiger wird als die materielle Verbesserung des Lebens breiter Bevölkerungsgruppen.Olúfẹ́mi O. Táíwò: Elite Capture. How the Powerful Took Over Identity Politics (And Everything Else). Haymarket Books, Chicago 2022.

Eine Konzernleitung kann vollkommen divers aussehen, während die schlecht bezahlten Mitarbeiter weiterhin kaum Einfluss besitzen.

Das ist Repräsentation.

Es ist noch keine soziale Gerechtigkeit.

Wenn Übertreibung Gegenbewegungen stärkt

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Gesellschaftliche Veränderungen erzeugen häufig Gegenreaktionen. Eine Bewegung stellt bestehende Selbstverständlichkeiten infrage, verändert Sprache und Institutionen und erreicht Erfolge. Mit der Zeit entsteht bei anderen der Eindruck, die Veränderung gehe zu weit.

Dann beginnt ein Backlash.

Man sollte diese Dynamik weder trivialisieren noch monokausal erklären. Die Gegenbewegung gegen progressive Identitätspolitik entstand aus zahlreichen politischen, kulturellen und ökonomischen Faktoren. Es wäre zu einfach zu sagen, sie sei lediglich die Folge „übertriebener Identitätspolitik“.

Trotzdem kann Überdehnung politische Gegenkräfte stärken.

Wenn Menschen den Eindruck bekommen, ihre Worte würden ständig nach neuen Regeln bewertet, wenn Stellenbesetzungen als reine Identitätsfragen erscheinen oder wenn jemand aufgrund seiner Herkunft als moralisch privilegiert beziehungsweise belastet behandelt wird, wächst Widerstand.

Der ursprüngliche Gedanke war: Menschen sollen unabhängig von ihrer Herkunft denselben menschlichen Wert besitzen.

Die Gegenbewegung entsteht dort, wo Menschen erleben, dass Herkunft plötzlich wieder sehr viel zählt.

Aus Minderheitenpolitik wird Mehrheiten-Identitätspolitik

Eine weitere wichtige Differenzierung lautet: Identitätspolitik ist kein ausschließlich linkes Phänomen.

Auch nationalistische und rechtspopulistische Bewegungen mobilisieren Identitäten. Sie sprechen von einem vermeintlich bedrohten Volk, von kultureller Mehrheit, christlichem Abendland, ethnischer Herkunft oder traditionellen Geschlechterrollen. Wissenschaftliche Literatur spricht deshalb auch von majoritarian identity politics, also Identitätspolitik einer gesellschaftlichen Mehrheit. Die neuere philosophische Forschung untersucht ausdrücklich Identitätspolitik auf der politischen Linken und Rechten. (CEU Research Pure Portal)

Das ist ein wichtiges Aha-Erlebnis.

Wer sagt „Wir müssen die Identitätspolitik überwinden“ und unmittelbar danach Politik für „die echten Deutschen“, „das christliche Volk“, „die traditionelle Mehrheit“ oder eine ethnisch verstandene Nation betreibt, hat Identitätspolitik keineswegs verlassen.

Er hat die Identität gewechselt.

Auch eine Mehrheit kann sich als bedrohte Identitätsgruppe verstehen.

Beide Seiten können einander erzeugen

Progressive Identitätspolitik kann bei manchen Menschen die Wahrnehmung auslösen, ihre Mehrheitsidentität werde abgewertet. Rechte Bewegungen greifen dieses Gefühl auf und bilden daraus eine Gegenidentität. Diese Gegenidentität wird von der progressiven Seite wiederum als Beweis einer tatsächlichen Bedrohung erlebt.

So verstärken sich beide Lager.

Aus politischer Auseinandersetzung wird Gesellschaftliche Polarisierung. Aus Polarisierung entsteht Lagerdenken. Jede Seite betrachtet zunehmend die extremsten Vertreter der anderen.

Dann wird aus der Identitätsfrage eine Zugehörigkeitsfrage:

„Auf welcher Seite stehst du?“

Das ist der Moment, in dem der einzelne Mensch verloren zu gehen droht.

Identitätspolitik und Moderne Outcasts

Das Buch Moderne Outcasts beschäftigt sich mit einer verwandten Entwicklung. Es beschreibt, wie gesellschaftliche Kategorien und Labels eine Eigendynamik entwickeln können: Eine konkrete Handlung oder Meinung wird zunächst kritisiert, anschließend zum Zeichen einer problematischen Identität und schließlich zu einer sozialen Markierung, die alle weiteren Aussagen eines Menschen überlagert.

Für Identitätspolitik ist dieser Mechanismus in zwei Richtungen bedeutsam.

Die fremde Identität wird zum Etikett

Ein Mensch wird aufgrund seiner Gruppenzugehörigkeit mit Erwartungen beladen. Der weiße Mann soll privilegiert, der Migrant marginalisiert, die Frau diskriminiert, der religiöse Konservative rückständig, der homosexuelle Mensch progressiv sein.

Solche statistischen oder gesellschaftlichen Muster können real sein.

Der konkrete Mensch bleibt trotzdem konkreter Mensch.

Wer aus einer Struktur eine Biografie ableitet, macht aus Gesellschaftsanalyse ein Etikett.

Die falsche Meinung innerhalb der richtigen Identität

Besonders interessant wird es, wenn ein Mensch der erwarteten Position seiner eigenen Gruppe widerspricht.

Eine Frau lehnt eine bestimmte feministische Forderung ab.

Ein Angehöriger einer ethnischen Minderheit kritisiert eine politische Bewegung, die in seinem Namen spricht.

Ein homosexueller Mensch vertritt eine konservative Position.

Ein Hindu kritisiert eine hinduistische Organisation.

Nun kann er innerhalb des eigenen Milieus als besonders störend erscheinen. Der äußere Gegner lässt sich leicht einordnen. Der Abweichler im eigenen Kreis gefährdet dagegen die Vorstellung, die Gruppe spreche mit einer Stimme.

Hier verbinden sich Identitätspolitik, Gruppendenken und Angst vor Ausstoßung.

Wenn der Preis für eine abweichende Meinung der Verlust der Zugehörigkeit wird, entsteht eine Schweigespirale.

Aus Kritik wird moralische Identität

Moderne Outcasts warnt grundsätzlich vor dem Übergang von Handlung zu Wesen. Ein Satz kann rassistisch sein. Eine Handlung kann diskriminierend sein. Eine Organisation kann problematische Strukturen besitzen.

Der nächste Schritt ist jedoch keineswegs automatisch legitim: „Dieser Mensch ist vollständig durch dieses Merkmal definiert.“ Genau dort beginnt Soziale Markierung.

Der Mensch kann sich kaum noch erklären. Verteidigt er sich, gilt dies als fehlende Einsicht. Entschuldigt er sich, wirkt die Entschuldigung taktisch. Ändert er seine Meinung, bleibt die frühere Position Teil seiner öffentlichen Identität.

Die Gesellschaft fordert Lernen und hält zugleich am alten Etikett fest.

Das ist eine der paradoxen Formen moderner Ächtung.

Gegenidentitäten und der Waco-Effekt

Wer aufgrund einer politischen oder sozialen Identität wiederholt Verachtung erlebt, sucht andere Menschen mit derselben Erfahrung. Dort kann eine Gegenidentität entstehen.

Die neue Gruppe sagt: „Bei uns musst du dich nicht schämen.“ Das kann heilsam sein. Es kann ebenso den Waco-Effekt verstärken. Äußere Angriffe werden zum Beweis, dass die Mehrheitsgesellschaft grundsätzlich feindlich sei. Kritik innerhalb der Gruppe wirkt nun wie Verrat. Aus Schutz entsteht Echokammer, aus Echokammer eine gesellschaftliche Gegenwelt.

Das Buch beschreibt diesen Übergang von Ausgrenzung über Gemeinschaft zu Gegenidentität ausdrücklich: Menschen, die im gemeinsamen Raum kaum noch Anerkennung finden, sammeln sich am Rand; dort können Verletzung, Erzählung und neue politische Loyalität einander verstärken.

Eine kluge Antidiskriminierungspolitik sollte deshalb immer fragen: Schaffen wir gleiche Teilhabe – oder produzieren wir dauerhaft gegeneinander abgegrenzte Identitätslager?

Der Mensch hat nicht eine Identität

Eine der stärksten Antworten auf übertriebene Identitätspolitik besteht darin, den Menschen wieder in seiner Vielschichtigkeit zu sehen.

Jeder Mensch gehört gleichzeitig zu zahlreichen Gruppen.

Ein Mensch kann beispielsweise Deutscher sein, aus Westfalen stammen und in einer bestimmten Stadt leben. Er kann aus einer Arbeiterfamilie kommen, studiert haben, Arzt sein, Vater und Bruder, Mitglied eines Sportvereins, ehrenamtlich in einer Initiative arbeiten, eine bestimmte Partei wählen, Yoga praktizieren und sich einer spirituellen Tradition verbunden fühlen.

Keine dieser Identitäten ist erfunden.

Keine erklärt den ganzen Menschen.

Mehrere Zugehörigkeiten machen die Welt durchlässiger

Die Sozialpsychologen Sonia Roccas und Marilynn Brewer sprechen von social identity complexity. Gemeint ist die Fähigkeit, die eigenen verschiedenen Gruppenzugehörigkeiten als teilweise voneinander unabhängig wahrzunehmen.

Mein Arbeitskollege gehört politisch zur anderen Seite und ist im Sportverein einer von uns. Meine Nachbarin hat eine andere Religion und gehört zugleich zu derselben Elterninitiative. Ein Mensch, der in einer Diskussion „Gegner“ ist, kann in einer anderen Gemeinschaft Freund sein.

Forschung verbindet eine höhere Komplexität solcher sozialen Identitäten mit größerer Toleranz gegenüber Fremdgruppen. (Sage Journals)

Das hat große gesellschaftliche Bedeutung.

Je stärker alle Identitäten übereinandergelegt werden, desto härter werden die Lager. Wenn meine Freunde, meine Religion, meine politische Partei, meine Medien, mein Berufsmilieu und mein gesamtes Freizeitnetzwerk dieselbe politische Identität teilen, steht mir fast überall dieselbe Gruppe gegenüber.

Wenn meine Zugehörigkeiten sich überkreuzen, entstehen Brücken.

Man darf mit Identitäten spielen

Das Wort „spielerisch“ ist hier wichtig.

Ich kann bei einem Fußballspiel leidenschaftlich Fan meines Vereins sein und am nächsten Morgen mit dem Anhänger des Gegners arbeiten.

Ich kann mich als Hindu erleben und mit einem Christen gemeinsam meditieren.

Ich kann meine regionale Herkunft lieben und gleichzeitig Europäer und Weltbürger sein.

Identitäten dürfen Farben des Lebens sein.

Sie müssen keine Gefängnismauern werden.

Ein besserer Weg: universelle Rechte und konkrete Aufmerksamkeit

Die Alternative zu Identitätspolitik besteht keineswegs darin, gesellschaftliche Unterschiede einfach für irrelevant zu erklären.

Ein abstraktes „Ich sehe keine Hautfarbe“ kann gut gemeint sein und reale Diskriminierung übersehen. Wer Unterschiede nie sehen möchte, erkennt auch keine Benachteiligung aufgrund dieser Unterschiede.

Umgekehrt führt eine Politik, die Menschen fortwährend nach Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft oder sexueller Orientierung sortiert, leicht zu neuen Schubladen.

Es braucht daher zwei Bewegungen gleichzeitig.

Universalismus ohne Blindheit

Alle Menschen haben denselben grundlegenden menschlichen Wert und dieselben Grundrechte.

Dieser Satz darf keine Ausnahme besitzen.

Wenn konkrete Gruppen bei der Ausübung dieser Rechte systematisch benachteiligt sind, kann eine Gesellschaft gezielte Maßnahmen brauchen, um die Gleichheit tatsächlich herzustellen.

Universalismus ohne Wahrnehmung von Unterschieden kann blind werden.

Identitätspolitik ohne universalistischen Horizont kann spalten.

Die Kunst liegt darin, beides zusammenzuhalten.

Die Benachteiligung bekämpfen, nicht die Identität verewigen

Eine gute Politik fragt: Welches konkrete Hindernis besteht?

Wenn Bewerber aufgrund ihres Namens benachteiligt werden, braucht es Maßnahmen gegen diese Benachteiligung.

Wenn ein Gebäude Rollstuhlfahrer ausschließt, braucht es Barrierefreiheit.

Wenn Frauen aufgrund struktureller Bedingungen bestimmte Chancen erheblich seltener erhalten, kann gezielte Förderung sinnvoll sein.

Das Ziel sollte jedoch sein, das Hindernis abzubauen – und keineswegs die Gruppenkategorie immer stärker zum Zentrum der Persönlichkeit zu machen.

Eine erfolgreiche Antidiskriminierungspolitik möchte letztlich weniger Diskriminierung brauchen.

Sie sollte nicht davon leben müssen, dass die Identitätsgrenzen immer bedeutender werden.

Betroffene fragen – im Plural

Organisationen sollten Menschen mit eigener Erfahrung anhören. Dabei lohnt sich der Plural.

Nicht „Was wollen die Muslime?“

Sondern: „Welche unterschiedlichen Sichtweisen gibt es unter Muslimen?“

Nicht „Was möchten Menschen mit Behinderung?“

Sondern verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen fragen.

Nicht „Was sagt die queere Community?“

Sondern anerkennen, dass auch dort politische, religiöse und kulturelle Unterschiede existieren.

Die beste Beteiligung verwandelt Betroffene nicht in ein neues Kollektivwesen.

= Identität und gemeinsame Menschlichkeit

Das Common Ingroup Identity Model von Samuel Gaertner und John Dovidio zeigt einen weiteren interessanten Weg. Vorurteile können abnehmen, wenn Angehörige verschiedener Gruppen zusätzlich eine größere gemeinsame Zugehörigkeit wahrnehmen. Dabei muss die kleinere Identität keineswegs verschwinden. Das Modell erlaubt ausdrücklich eine doppelte Identität: Wir bleiben unterschiedliche Gruppen und erkennen uns zugleich als Angehörige eines größeren Wir. (Wiley Online Library)

Das lässt sich auf Gesellschaft übertragen.

Ich bin Hindu und Bürger dieses Landes.

Ich bin Frau und Mensch.

Ich bin homosexuell und Nachbar.

Ich bin konservativ und Demokrat.

Ich bin Migrant und gehöre zu dieser Stadt.

Die größere Identität löscht die kleinere nicht.

Sie verhindert, dass die kleinere zur gesamten Welt wird.

Identitätspolitik in Team, NGO, Verein und Yoga-Zentrum

Organisationen stehen heute vor der Aufgabe, Benachteiligung ernst zu nehmen, ohne ihre Mitglieder ständig auf Identitätskategorien zu reduzieren.

Menschen willkommen heißen, ohne sie auszustellen

Ein Yoga-Zentrum möchte möglicherweise deutlich machen, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen, sexueller Orientierungen und Lebensformen willkommen sind. Das kann wichtig sein.

Es sollte daraus kaum folgen, dass jeder Gast seine Identität öffentlich erklären muss.

Ein Mensch kann schwul sein und über Yoga sprechen wollen.

Eine Frau mit Migrationshintergrund kann einfach Pranayama üben wollen.

Ein schwarzer Yogalehrer muss keineswegs ein Seminar über Rassismus geben.

Inklusion ist am stärksten, wenn ein Mensch seine Identität zeigen darf und sie zugleich einmal unwichtig sein darf.

Repräsentation ohne Tokenismus

Es kann sinnvoll sein, darauf zu achten, ob Führungsgremien über Jahre fast ausschließlich aus Menschen mit sehr ähnlichen Biografien bestehen. Andere Lebenswege können andere Erfahrungen und Fragen einbringen.

Doch eine Person sollte kaum hauptsächlich berufen werden, damit eine Organisation ein demografisches Kästchen abhaken kann.

Tokenismus reduziert den Menschen erneut auf die Identität, deren Überwindung eigentlich das Ziel war.

Eine Organisation sollte Vielfalt ermöglichen und Qualifikation, Persönlichkeit, Erfahrung und individuelle Fähigkeiten weiterhin ernst nehmen.

Keine politische Identitätsprüfung

Eine NGO besitzt politische Ziele und darf von Mitarbeitern eine entsprechende Grundorientierung erwarten. Ein Ashram besitzt eine spirituelle Tradition und kann für das Gemeinschaftsleben bestimmte Regeln haben.

Trotzdem braucht nicht jeder Mensch dieselben gesellschaftspolitischen Auffassungen.

Bei Yoga Vidya können gemeinsame Grundüberzeugungen über Yoga, Vedanta, spirituelle Praxis und die Lebensweise im Ashram bestehen. Daraus muss kein einheitliches Urteil über jede politische Frage folgen.

Gerade eine spirituelle Gemeinschaft sollte Menschen verschiedener sozialer und politischer Identitäten miteinander ins Gespräch bringen können.

Der Abweichler gehört weiterhin dazu

Eine Gemeinschaft erkennt ihre Reife daran, wie sie mit einem Mitglied umgeht, das einer Erwartung an seine Identität widerspricht.

Eine Frau darf feministische Argumente kritisieren.

Ein Migrant darf Migrationspolitik anders beurteilen als seine Kollegen erwarten.

Ein spiritueller Aspirant darf eine Entscheidung seiner Organisation kritisieren.

Solange der Mensch respektvoll und im Rahmen gemeinsamer Grundregeln handelt, sollte Abweichung kein Zugehörigkeitsverlust werden.

Das schützt vor Gruppendenken und Schweigespirale.

Wie du persönlich mit Identitäten umgehen kannst

Die erste Aufgabe besteht keineswegs darin, alle Identitäten abzuschaffen. Es geht darum, sie bewusst zu tragen.

Mache deine Identitäten sichtbar

Schreibe einmal auf, zu welchen Gruppen du gehörst. Dabei kann eine Liste hilfreich sein:

  • Nation, Region und Stadt
  • Herkunftsfamilie und heutige Familie
  • Geschlecht und gegebenenfalls sexuelle Orientierung
  • Ausbildung und Beruf
  • soziale Herkunft
  • Freundeskreise
  • Verein, Sport oder kulturelle Gemeinschaft
  • politische oder gesellschaftliche Initiative
  • Religionsgemeinschaft
  • Yoga- oder spirituelle Tradition
  • Rollen wie Mutter, Vater, Partner, Lehrer, Schüler, Führungskraft oder Mitarbeiter

Schau danach auf die Liste.

Welche dieser Identitäten empfindest du als besonders wichtig?

Welche gerät in einem bestimmten Umfeld in den Vordergrund?

Welche verschwindet fast vollständig, sobald du einen anderen Raum betrittst?

Schon diese Übung zeigt: Das scheinbar feste „Ich“ besitzt erstaunlich viele gesellschaftliche Gesichter.

Beobachte deine Kränkbarkeit

Eine hilfreiche yogische Faustregel lautet: Wo du besonders leicht kränkbar bist, lohnt es sich, nach Identifikation zu suchen.

Das ist kein wörtliches Zitat Patanjalis und kein psychologisches Gesetz. Es ist eine spirituelle Übung.

Wenn jemand deine Nation kritisiert und sofort heftige Wut entsteht, ist dort möglicherweise Identifikation.

Wenn jemand deine spirituelle Gemeinschaft kritisiert und du den Einwand kaum noch hören kannst, ist dort Identifikation.

Wenn ein Mensch deine politische Gruppe verspottet und es sich wie eine persönliche Beleidigung anfühlt, ist dort Identifikation.

Die Kränkung beweist keineswegs, dass die Kritik berechtigt ist.

Sie zeigt, dass der angegriffene Gegenstand Teil deines Ich-Gefühls geworden ist.

Sprich nicht für Menschen, die dich nicht darum gebeten haben

Es ist gut, sich gegen Diskriminierung anderer einzusetzen.

Dabei lohnt sich die Frage: Kenne ich tatsächlich die Wünsche dieser Menschen?

Hilfreich ist häufig:

„Ich möchte euch unterstützen. Was wäre für euch hilfreich?“ Weniger hilfreich kann sein: „Ich weiß, was diese Gruppe braucht.“ Solidarität hört zu. Stellvertretende Identitätspolitik kann unbemerkt paternalistisch werden.

Lass Menschen Überraschungen sein

Versuche bei einer neuen Begegnung, nicht sofort aus einem Merkmal weitere Eigenschaften abzuleiten.

Eine Muslima kann Feministin sein oder konservativ. Ein älterer weißer Mann kann politisch sehr progressiv sein. Ein junger Mensch kann traditionelle Werte vertreten. Ein Yogalehrer kann Atheist sein. Ein Mensch ist interessanter als seine Kategorie.

Yoga und Vedanta: Identität als nützliche Rolle und spirituelle Begrenzung

Yoga stellt die Identitätsfrage radikaler als die meisten politischen Theorien.

Politik fragt: Welche Identität hast du und wie wird sie gesellschaftlich behandelt?

Yoga fragt schließlich: Wer bist du wirklich?

Die fünf Kleshas und die Identifikation

Patanjali beschreibt in Yoga Sutra 2.3 fünf Kleshas, grundlegende Ursachen menschlichen Leidens:

  • Avidya – Unwissenheit
  • Asmita – Ich-Identifikation
  • Raga – Anziehung
  • Dvesha – Abneigung
  • Abhinivesha – Festhalten am Leben beziehungsweise existentielle Angst

In Yoga Sutra 2.6 beschreibt Patanjali Asmita als die scheinbare Identität von sehender Bewusstseinskraft und Instrument des Sehens. Vereinfacht gesagt: Das reine Bewusstsein identifiziert sich mit dem, wodurch es die Welt erlebt.

Für die heutige Praxis kann man diesen Gedanken erweitern.

„Ich bin Deutscher.“ „Ich bin Frau.“ „Ich bin Hindu.“ „Ich bin Akademiker.“ „Ich bin Arbeiter.“ „Ich bin links.“ „Ich bin konservativ.“ „Ich bin Yogalehrer.“

Auf der relativen Ebene können alle diese Aussagen sinnvoll sein.

Das Leiden beginnt, wenn daraus wird:

„Das bin ich im tiefsten Sinn.“

Dann muss die Identität verteidigt werden.

Aus Asmita entstehen leicht Raga und Dvesha. Was die eigene Identität bestätigt, wird angenehm. Was sie bedroht, erzeugt Abneigung.

Damit besitzt Patanjalis Klesha-Lehre eine erstaunliche Aktualität für Identitätspolitik.

Identifikation überwinden heißt nicht Unterschiede leugnen

Hier kann spirituelle Sprache missverstanden werden.

Wenn ein Mensch Diskriminierung erlebt, hilft es kaum zu sagen: „Du bist doch gar nicht deine Hautfarbe. Alles ist Brahman.“

Das wäre spirituelles Ausweichen.

Auf der gesellschaftlichen Ebene muss Unrecht bearbeitet werden.

Vedanta kennt verschiedene Ebenen der Wirklichkeit. Im praktischen Leben – Vyavahara – gibt es Menschen, Institutionen, Verantwortung, soziale Unterschiede und Gesetze. Dort müssen gleiche Rechte gewährleistet und Diskriminierungen korrigiert werden.

Auf der tiefsten Ebene ist der Mensch jedoch mehr als all diese Rollen.

Beides ist wahr.

Tat Tvam Asi

Die Chandogya Upanishad formuliert eines der großen Mahavakyas des Vedanta:

Tat Tvam Asi – „Das bist du.“

„Das“ ist Brahman, die unendliche Wirklichkeit.

„Du“ ist in dieser Aussage das tiefste Selbst, Atman.

Damit geht Vedanta über jede Identitätspolitik hinaus, ohne die relative Welt zu leugnen.

Die Frau vor mir besitzt eine andere Biografie als ich.

Der Mensch anderer Hautfarbe hat andere Erfahrungen.

Der politische Gegner denkt anders.

Der Muslim, Christ, Hindu und Atheist leben in unterschiedlichen Weltanschauungen.

Doch auf der tiefsten Ebene gibt es kein anderes Bewusstsein.

Tat Tvam Asi sagt damit etwas Radikales: Der andere ist im tiefsten Sinn kein Fremder.

Sama Darshana – gleiche Würde in der Verschiedenheit

Die Bhagavad Gita beschreibt in 5.18 den Weisen als sama-darshinah, als jemanden mit gleichem Blick. Er sieht den gelehrten Brahmanen, die Kuh, den Elefanten, den Hund und einen gesellschaftlich niedrig eingeordneten Menschen in tiefer Gleichheit.

Das bedeutet keineswegs, dass alle Rollen und Fähigkeiten gleich sind.

Es bedeutet, dass sie den geistigen Wert des Wesens nicht bestimmen.

Dieser Gedanke kann der Identitätspolitik ihren universalistischen Horizont zurückgeben.

Wir dürfen Unterschiede sehen.

Wir dürfen Benachteiligungen benennen.

Aber wir dürfen den menschlichen Wert nie nach der Gruppenzugehörigkeit ordnen.

Bhagavad Gita: den anderen wie sich selbst sehen

In Bhagavad Gita 6.29 sieht der Yogi das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst. In 6.32 wird daraus eine ethische Perspektive: Der höchste Yogi betrachtet Freude und Leid anderer durch Vergleich mit sich selbst – atmaupamyena sarvatra.

Das ist eine tiefe Form von doppelter Empathie.

Wie würde ich mich fühlen, wenn meine Gruppe ständig stereotypisiert würde?

Wie würde ich mich fühlen, wenn man aufgrund meiner Hautfarbe annähme, was ich politisch denken müsse?

Wie wäre es, wenn Menschen mein Leiden mit dem Hinweis abtäten, ich solle meine Identität nicht so wichtig nehmen?

Und umgekehrt: Wie würde ich mich fühlen, wenn mir aufgrund einer Gruppenidentität Schuld oder Privileg zugeschrieben würde, ohne dass jemand mein persönliches Leben kennt?

Der yogische Perspektivwechsel lässt mehrere Seiten gleichzeitig sichtbar werden.

Patanjali und die Welt des anderen

Im dritten Kapitel des Yoga Sutra beschreibt Patanjali verschiedene Samyamas.

Yoga Sutra 3.19 spricht von Erkenntnis des Geistes eines anderen durch Samyama auf dessen Gedankeninhalt. Der klassische Vers handelt von einer außergewöhnlichen yogischen Erkenntnisfähigkeit; als praktische Inspiration kann er zugleich zu einem bewussten Perspektivwechsel anregen.

Wenn du mit einem Menschen über Identitätspolitik streitest, versuche für einen Moment, seine Welt von innen zu betrachten.

Was hat er erlebt?

Wovor hat er Angst?

Welche Erfahrung wird in deiner politischen Sprache vielleicht kaum sichtbar?

Yoga Sutra 3.20 setzt unmittelbar eine wichtige Grenze: Auch dadurch kennt man keineswegs den vollständigen inneren Hintergrund des anderen.

Diese Kombination ist bemerkenswert.

Versuche tief zu verstehen.

Und bilde dir trotzdem nicht ein, den Menschen vollständig zu kennen.

Genau diese Haltung fehlt in schlechter Identitätspolitik ebenso wie in ihrer schlechten Gegenbewegung.

Mit Identitäten spielen, statt von ihnen besessen zu werden

Ein Yogi kann seine relativen Identitäten ernst nehmen und gleichzeitig leicht tragen.

Heute leite ich ein Seminar und bin Lehrer. Morgen sitze ich bei einem anderen Lehrer und bin Schüler. In meiner Familie bin ich Sohn oder Tochter. Im Verein bin ich einfach Mitglied. In einer politischen Frage gehöre ich zur Mehrheit, in einer anderen zur Minderheit. Diese Rollen sind real. Sie sind Kleider des Lebens.

Vedanta lädt dazu ein, die Kleider bewusst zu tragen, ohne sie mit dem Träger zu verwechseln. Das ist ein faszinierendes Gegenmodell zur verhärteten Identitätspolitik.

Was Yogis zur gesellschaftlichen Debatte beitragen können

Yogaübende sollten sich weder reflexhaft auf die Seite der Identitätspolitik noch reflexhaft auf die Seite ihrer Gegner stellen.

Sie können etwas Eigenes beitragen.

Gleiche Rechte ohne Gleichmacherei

Jeder Mensch soll unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Orientierung dieselben Grundrechte und dieselbe menschliche Würde besitzen.

Wo Menschen faktisch daran gehindert werden, diese Rechte auszuüben, braucht es konkrete Veränderungen.

Gleichheit verlangt jedoch keineswegs, alle Unterschiede zu leugnen.

Unterschiede sehen, ohne Menschen darauf zu reduzieren

Ein Mensch kann aufgrund seiner Herkunft Erfahrungen besitzen, die ich nie hatte.

Ich kann neugierig darauf sein.

Ich muss ihn trotzdem nicht zum Vertreter seiner Herkunft machen.

Das ist Menschliche Ansprechbarkeit statt Schubladendenken.

Den universellen Horizont erhalten

Eine gesellschaftliche Bewegung kann von der Erfahrung einer bestimmten Gruppe ausgehen.

Ihr langfristiger Horizont sollte eine Gesellschaft sein, in der Menschen verschiedener Gruppen gemeinsam leben können.

Eine Politik, die immer neue Grenzen zwischen Identitäten zieht, verliert diesen Horizont.

Yoga erinnert an das größere Wir.

Brückenpersonen statt Identitätspolizei

In polarisierten Debatten werden Menschen wertvoll, die mehrere Welten kennen.

Eine Feministin, die konservative Frauen ernst nimmt.

Ein Hindu, der mit Christen und Atheisten sprechen kann.

Ein Migrant, der die Sorgen anderer Migranten und der alteingesessenen Bevölkerung versteht.

Ein politisch progressiver Mensch, der Kritik an überzogener Identitätspolitik hören kann, ohne Antidiskriminierung aufzugeben.

Ein Konservativer, der universelle Menschenwürde verteidigt und die Diskriminierung von Minderheiten klar benennt.

Solche Brückenpersonen stören die einfachen Lager.

Gerade deshalb braucht eine Gesellschaft sie.

Praktische Übungen: Identität wahrnehmen und überschreiten

Die Identitäten-Landkarte: Schreibe mindestens zehn Gruppen oder Rollen auf, zu denen du gehörst. Markiere anschließend, welche davon in Konflikt miteinander geraten können. Diese Übung schützt vor der Vorstellung, ein einziger Gruppenbegriff könne dich vollständig beschreiben.

Der Kränkbarkeits-Test: Beobachte eine Woche lang, bei welchen Themen du besonders schnell emotional verletzt oder defensiv wirst. Frage dich anschließend, welche Identität dort verteidigt wird.

Der Gegenbeispiel-Test: Suche bei einer Gruppe, über die du eine starke Vorstellung besitzt, drei Menschen, die diesem Bild nicht entsprechen. So lernst du, statistische Muster von individuellen Menschen zu unterscheiden.

Das Gespräch ohne Stellvertretung: Wenn du mit einem Angehörigen einer anderen Gruppe sprichst, frage nach seiner persönlichen Erfahrung statt danach, was „seine Gruppe“ denkt.

Die doppelte Perspektive: Bei einem Streit über Diskriminierung versuche zuerst, den Betroffenen zu verstehen. Danach versetze dich ebenso ernsthaft in einen Menschen, der sich durch die verwendeten identitätspolitischen Kategorien ungerecht behandelt fühlt. Doppelte Empathie bedeutet keine Gleichsetzung, sondern Erweiterung.

Tat-Tvam-Asi-Meditation: Denke an einen Menschen, dessen politische Identität dir besonders fremd ist. Wiederhole innerlich Tat Tvam Asi. Lasse seine äußeren Rollen bestehen und erinnere dich gleichzeitig daran, dass Vedanta hinter beiden Persönlichkeiten dasselbe Bewusstsein sieht.

Eine neue Zugehörigkeit: Suche gelegentlich eine Aktivität, bei der Menschen verschiedener gesellschaftlicher Milieus gemeinsam etwas tun. Gemeinsame Arbeit, Sport, Musik, Nachbarschaftshilfe oder interreligiöses Engagement schaffen Identitäten, die alte Grenzen kreuzen.

Eine Identitätspolitik, die sich selbst überflüssig machen will

Vielleicht liegt hier ein guter Maßstab für die Zukunft. Eine humane Identitätspolitik macht gesellschaftliche Benachteiligungen sichtbar, damit Menschen eines Tages weniger durch diese Identitäten begrenzt werden. Sie kämpft für Frauenrechte, damit eine Frau freier leben kann und ihr Geschlecht weniger über ihre Chancen entscheidet. Sie kämpft gegen Rassismus, damit Hautfarbe gesellschaftlich weniger über Lebenswege entscheidet. Sie kämpft für Religionsfreiheit, damit ein Hindu, Muslim, Jude, Christ oder Atheist weder bevorzugt noch benachteiligt wird. Sie kämpft für die Rechte homosexueller und transgeschlechtlicher Menschen, damit deren Würde nicht ständig zur politischen Streitfrage wird. Ihr Erfolg bestünde dann gerade darin, dass die Gruppenidentität eines Tages weniger politische Last tragen muss. Eine schlechte Identitätspolitik braucht dagegen die Identität immer stärker. Sie entdeckt ständig neue Grenzen, neue Sprecherpositionen und neue Zugehörigkeitsprüfungen. Das erste Modell will Menschen befreien. Das zweite kann sie in ihren Kategorien festhalten.

Schlussgedanke

Identitätspolitik entstand aus einer wichtigen Einsicht: Der abstrakte Satz „Alle Menschen sind gleich“ hilft wenig, wenn manche Menschen in der konkreten Gesellschaft immer wieder erleben, dass sie weniger gesehen, weniger gehört oder weniger geschützt werden.

Darum war es richtig, dass marginalisierte Gruppen ihre Erfahrungen öffentlich machten. Viele Fortschritte der letzten Jahrzehnte wären kaum denkbar ohne Menschen, die sagten: Schaut auf das, was ihr bisher übersehen habt.

Doch eine Befreiungspolitik kann ihre eigene Falle bauen.

Wenn Menschen wieder stärker über Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Religion oder Herkunft definiert werden, kehrt in neuer Sprache etwas zurück, das überwunden werden sollte. Die Kategorien wechseln, aber der Mensch verschwindet erneut hinter ihnen.

Dann entsteht Othering.

Dann verstärkt sich Lagerdenken.

Dann lernen Menschen, welche Meinung jemand aufgrund seiner Identität angeblich haben sollte. Wer davon abweicht, riskiert Angst vor Ausstoßung, Schweigespirale und manchmal Soziale Ausgrenzung.

Die Gegenbewegung kann denselben Fehler spiegelbildlich wiederholen. Wer gegen progressive Identitätspolitik kämpft und nun eine bedrohte nationale, ethnische oder religiöse Mehrheitsidentität zum Zentrum seiner Politik macht, hat das Grundproblem nicht gelöst.

Eine Gesellschaft braucht deshalb einen größeren Gedanken.

Jeder Mensch hat Identitäten. Kein Mensch ist seine Identitäten.

Wir gehören zu Familien, Religionen, Regionen, Generationen, Berufen und politischen Milieus. Diese Zugehörigkeiten können uns tragen. Sie geben Geschichte, Sprache und Heimat.

Aber sie reichen nicht bis zum Grund unseres Wesens.

Yoga nennt die Verwechslung des tiefsten Selbst mit begrenzten Eigenschaften Asmita. Vedanta geht noch weiter und sagt Tat Tvam Asi: Das unendliche Sein und Bewusstsein, das du in deiner Tiefe bist, ist dieselbe Wirklichkeit im anderen.

Diese Erkenntnis löst politische Probleme nicht automatisch.

Sie verändert jedoch den Menschen, der sie lösen soll. Ich kann gegen Rassismus kämpfen, ohne einen Menschen auf seine Hautfarbe zu reduzieren. Ich kann für Frauenrechte eintreten, ohne zu behaupten, alle Frauen müssten gleich denken. Ich kann eine Minderheit schützen, ohne eine Mehrheit zum moralischen Gegner zu erklären. Ich kann meine Religion lieben, ohne den Glauben des anderen herabzusetzen. Ich kann gesellschaftliche Ungleichheit sehen und gleichzeitig daran festhalten, dass jeder Mensch zuerst Mensch ist. Darin könnte ein yogischer Beitrag zu einer festgefahrenen Debatte liegen. Nicht farbenblind. Nicht identitätsbesessen. Wach für Unterschiede und gegründet in Gleichwertigkeit. Politisch aufmerksam – und im Herzen größer als jedes Lager.

Siehe auch

Literatur

Combahee River Collective: The Combahee River Collective Statement. 1977.

Cressida Heyes: Identity Politics. In: Stanford Encyclopedia of Philosophy, grundlegend überarbeitet 2024.

Iris Marion Young: Justice and the Politics of Difference. Princeton University Press, Princeton 1990.

Charles Taylor: The Politics of Recognition. In: Amy Gutmann (Hrsg.): Multiculturalism: Examining the Politics of Recognition. Princeton University Press, Princeton 1994.

Kimberlé Crenshaw: Demarginalizing the Intersection of Race and Sex. In: University of Chicago Legal Forum, 1989.

Nancy Fraser: From Redistribution to Recognition? Dilemmas of Justice in a ‘Post-Socialist’ Age. In: New Left Review, 1995.

Mark Lilla: The Once and Future Liberal: After Identity Politics. Harper, New York 2017.

Francis Fukuyama: Identity: The Demand for Dignity and the Politics of Resentment. Farrar, Straus and Giroux, New York 2018.

Olúfẹ́mi O. Táíwò: Elite Capture. How the Powerful Took Over Identity Politics (And Everything Else). Haymarket Books, Chicago 2022.

Nils Holtug: Identity Politics: Left and Right. Oxford University Press, Oxford 2025.

Sonia Roccas, Marilynn B. Brewer: Social Identity Complexity. In: Personality and Social Psychology Review, Band 6, Nr. 2, 2002.

Kevin P. Miller, Marilynn B. Brewer, Nathan L. Arbuckle: Social Identity Complexity: Its Correlates and Antecedents. In: Group Processes & Intergroup Relations, Band 12, Nr. 1, 2009.

Samuel L. Gaertner, John F. Dovidio u. a.: The Common Ingroup Identity Model: Recategorization and the Reduction of Intergroup Bias. In: European Review of Social Psychology, Band 4, 1993.

Sukadev Volker Bretz: Moderne Outcasts. Kontaktschuld, Canceln und die Wiederkehr sozialer Ächtung. Warum eine Gesellschaft zerbricht, wenn sie nicht mehr mit den Falschen spricht.

Patanjali: Yoga Sutra, insbesondere 2.3–2.9 und 3.19–3.20.

Bhagavad Gita, insbesondere 5.18, 6.29 und 6.32.

Chandogya Upanishad, insbesondere Kapitel 6 zu Tat Tvam Asi.

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