Shiva Puja Stava

Aus Yogawiki

Shiva Puja Stava (Sanskrit: शिवपूजास्तव śivapūjāstava m.), auch Śivapūjāstava oder Sivapujastava, ist ein 47 Verse umfassendes Sanskrit-Stotra des Śaiva-Siddhānta-Meisters Jñānaśambhu. Der Titel bedeutet „Lobpreis der Shiva-Puja“. Das Werk ist weit mehr als ein devotionaler Lobgesang: Es führt durch zentrale Elemente der täglichen Shiva Puja und deutet sie zugleich als innere Vorgänge von Reinigung, Meditation, Pranayama, Mantra, Dharana, Dhyana und Selbsthingabe.

Der Schlusvers bezeichnet Jñānaśambhu ausdrücklich als Brahmanen und Gelehrten aus dem Chola-Land sowie als Kenner des Siddhanta; er habe dieses heilige Stotra auf Shivas Weisung und aus Hingabe für Genuss und Befreiung verfasst. Die überlieferte GRETIL-Datei datiert Jñānaśambhu ungefähr ins 12. Jahrhundert. Der Text selbst verortet Jñānaśambhu ausdrücklich im Śaiva Siddhānta und im Chola-Land; weitergehende biographische Details werden in der hier zugrunde liegenden GRETIL-Datei nicht ausgeführt.

Das Besondere am Shiva Puja Stava ist die Verbindung von äußerem Ritual und innerer Yogapraxis. Wasser, Sandelholz, Blumen, Weihrauch und Lampe bleiben wichtige Bestandteile der Puja; zugleich erscheinen ihre inneren Entsprechungen: Loslösung wird zu Sandelholz, Ahimsa und andere Tugenden zu Blumen, Pranayama zu Weihrauch, Bewusstsein zur Lampe, Pratyahara zum Soma-Opfer und die Darbringung des eigenen Selbst zur Vollendung der Verehrung.

Shiva-Lingam-Puja bei Yoga Vidya. Das Shiva Puja Stava verbindet äußere Ritualhandlung und innere Meditation.


Jñānaśambhu und der Śaiva Siddhānta

Jñānaśambhu steht nach dem eigenen Schlusvers des Werkes in der Tradition des Śaiva Siddhānta. Der Schlusvers des Stotras nennt ihn ausdrücklich siddhāntajña, „Kenner des Siddhanta“, und coladeśī, einen Mann aus dem Chola-Land. Die vorliegende GRETIL-Datei selbst macht keine weiteren Angaben zu anderen Werken Jñānaśambhus.

Das Shiva Puja Stava ist daher nicht nur eine persönliche Gebetshymne. Der Text entfaltet eine klar strukturierte rituelle und theologische Welt, in der Puja, Reinigung, Mantra, Meditation und Selbsthingabe auf Shiva ausgerichtet sind.

Shiva – im Shiva Puja Stava zugleich höchste Wirklichkeit, Gegenstand der Verehrung und Ziel innerer Transformation.


Aufbau und spirituelle Bewegung des Werkes

Morgen, Mittag, Abend und Mitternacht
Die ersten Verse ordnen die Verehrung in den Tagesrhythmus ein. Shiva wird im Herzen, im inneren Raum, im Nada und jenseits begrifflicher Vorstellung meditiert. Damit verbindet der Text liturgische Tageszeiten mit immer subtileren Ebenen der Kontemplation.

Reinigung und innere Vorbereitung
Verse 7–13 sprechen von der Reinigung des Körpers, den fünf Pfaden, Mantras, Homa, Samadhi und der korrekten Ordnung der Puja. Der Körper des Sadhaka wird nicht als Hindernis behandelt, sondern rituell und meditativ in einen geheiligten Raum verwandelt.

Der Sitz Shivas und die Gestalt Sadashivas
Verse 14–34 entfalten eine komplexe kosmologische und mantrische Visualisation des Shiva-Sitzes, der Shaktis, Vidyeshvaras, Kalas und der fünf Gesichter Shivas – Ishana, Tatpurusha, Aghora, Vama und Sadyojata. Diese Passagen spiegeln die symbolische Welt des Śaiva Siddhānta und setzen Kenntnis der Agamas voraus.

Äußere Puja als innere Verehrung
Verse 35–43 sind für heutige Leser besonders zugänglich. Die Handlungen der Puja werden zugleich innerlich gedeutet. Das rituelle Bad wird Läuterung, die Lampe Shiva-Erkenntnis, Japa und Verneigung werden Mittel der inneren Erhebung.

Selbsthingabe und Identität mit Shiva
Vers 44 formuliert besonders zugespitzt: Wer den höchsten Shiva in seinen verschiedenen rituellen und metaphysischen Erscheinungsweisen erkennt, „ist selbst Shiva“. Die folgenden Verse deuten erneute Verehrung, Gebet, Opfer und Selbsthingabe als Wege zur Auflösung der Bindungen und zum Verweilen im höchsten Shiva.


Vollständiger Sanskrittext und deutsche Übersetzung

Vers 1
prātaḥ śaṅkaracintanasnapanasaṃsekāsusaṃrodhanaiḥ sandhyāsaṃsmṛtimārjanāghaśamanopasthānasantarpaṇaiḥ
dvārasyārcanayāgadhāmagatavighnodvāsanādyaiḥ prabhor yaḥ śrīmānyajanaṃ karoti bhavatastasyaiva siddhidvayam

Übersetzung: Wer am Morgen die Verehrung des Herrn vollzieht – mit Meditation auf Shankara, ritueller Reinigung und Besprengung, Atemzügelung, Sandhya-Gedenken, Läuterung, Tilgung von Verfehlungen, Annäherung, Sättigung, Verehrung des Tores und Beseitigung der Hindernisse im Opferraum –, dem werden die beiden Siddhis zuteil.

Vers 2
ekaivārthata īśaśaktiramitā yānekarūpā śivā kālopādhivaśāddvijāstvanudinaṃ brāhmyādirūpeṇa tām
dhyāyantyatra tu nirmalātmaśivayoḥ sandhiśca śaivī purā sandhyātaḥ śiva eva sādhakavarairdhyeyaḥ sadā nirmalaḥ

Übersetzung: Die Kraft des Herrn ist ihrem Wesen nach eine einzige, grenzenlose Shakti, doch sie erscheint in vielen Formen. Unter dem Einfluss zeitlicher Bedingungen meditieren die Zweimalgeborenen täglich über sie als Brahmi und in anderen Gestalten. Für den Shaiva aber ist Sandhya ursprünglich die Vereinigung des reinen Selbstes mit Shiva; deshalb soll der vorzügliche Sadhaka stets den reinen Shiva meditieren.

Vers 3
prātaḥ smarāmi hṛdayābjasvamadhyasaṃsthaṃ candrārkamārgavirahoditacitsvarūpam
dhyeyaṃ sadā munivarairapavargasiddhyai viśvātmakaṃ sadasadantamanantamīśam

Übersetzung: Am Morgen gedenke ich des Herrn, der in der Mitte des Herz-Lotos weilt, dessen Bewusstseinsgestalt jenseits der Bahnen von Mond und Sonne aufgeht, den die großen Weisen zur Erlangung der Befreiung meditieren, der das All durchdringt und jenseits von Sein und Nichtsein unendlich ist.

Vers 4
madhyandine śatasahasraniśākarābhaṃ viśveśvaraṃ paramakāraṇamaprameyam
śambhuṃ sadoditamamāyaviyatsvarūpaṃ kodaṇḍamadhyanilayaṃ niyataṃ smarāmi

Übersetzung: Zur Mittagszeit gedenke ich beständig Shambhus, des Herrn des Alls, des höchsten, unermeßlichen Grundes, leuchtend wie hunderttausend Monde, ewig aufgegangen, von der Natur des makellosen Raumes jenseits der Maya und in der Mitte des Bogens verweilend.

Vers 5
brahmākṣaraṃ niśimukhe 'mṛtasāgarābhaṃ viśvādhipaṃ śivamanūtthitanādasaṃstham
bodhāmṛtaṃ karaṇakāraṇakāryahīnaṃ taṃ brahmarandhranilayaṃ niyataṃ smarāmi

Übersetzung: Zu Beginn der Nacht gedenke ich beständig Shivas, der wie ein Ozean von Nektar ist, Herr des Universums, im ungewordenen Nada gegründet, Nektar des Erwachens, frei von Instrument, Ursache und Wirkung und im Brahmarandhra weilend.

Vers 6
tejonidhānamacalaṃ śivamardharātre nityaṃ nirastaviṣayaiḥ paramārthadṛgbhiḥ
vijñeyamavyayamacintyamabhāvanīyam unmanyatītaviṣayaṃ satataṃ smarāmi

Übersetzung: Um Mitternacht gedenke ich fortwährend des unbewegten Shiva, des Schatzes des Lichtes, der von Sehern der höchsten Wahrheit erkannt werden soll, deren Geist von den Sinnesgegenständen abgewandt ist: unvergänglich, undenkbar, jenseits begrifflicher Vorstellung und über den Bereich von Unmani hinaus.

Vers 7
kṣmādigranthyantatattvakramanihitapadākrāntasaṃśuddhavidyātattvāntavyāpisādāśivaviśadapadaṃ bhāvayannātmarūpam
śaivajñānaprasiddhapravaravidhigatāśeṣasatkṛtyakārī jīvaṃ hṛdyeva kuryādraviśaśidahanavyomaśaktyantarastham

Übersetzung: Indem man die eigene Gestalt als den reinen Zustand Sadashivas meditiert, der sich über die gereinigte Vidya-Tattva-Ebene hinaus erstreckt und die Stufen der Tattvas durchdringt, vollziehe man alle edlen Handlungen gemäß dem vorzüglichen Verfahren der Shaiva-Erkenntnis und bringe den Jiva im Herzen in die Mitte von Sonne, Mond, Feuer, Raum und Shakti.

Vers 8
āyāmaiḥ śvanasya bhautikamalaṃ dehaṃ kalābhiḥ sudhīr yaḥ pañcādhvavisarpiṇībhiraniśaṃ saṃśodhya tacchambaraiḥ
mantrālaṅkṛtadehabhṛnniśi divā sandhyāsu santoṣayann arcāhomasamādhibhiḥ śivamasau saṃyāti śaivaṃ padam

Übersetzung: Der Weise, der durch Atemregulierung den aus den Elementen gebildeten Körper läutert, ihn durch die Kalas reinigt, die sich über die fünf Pfade erstrecken, seinen Körper mit Mantras schmückt und Shiva Tag und Nacht sowie in den Dämmerungszeiten durch Puja, Homa und Samadhi erfreut, gelangt zum Zustand Shivas.

Vers 9
ya eṣa devo mahato mahīyān aṇoraṇīyānbhavabhīrubhiḥ saḥ
jñeyaḥ śivaḥ sarvagataḥ śarīre dhyeyaḥ sa pūjyaḥ śivaliṅgamadhye

Übersetzung: Jener Gott, größer als das Große und kleiner als das Kleine, ist Shiva. Von denen, die das Werden fürchten, soll er als allgegenwärtig im Körper erkannt, meditiert und im Shiva-Linga verehrt werden.

Vers 10
hṛtpadmākhyaśivālaye manasije tatkarṇikākhye kriyāpīṭhe jñānamayaṃ viśuddhamanasā saṃsthāpya nādātmanā
liṅgaṃ tacca sudhāmayena payasā saṃsnāpya samyakpuno vairāgyeṇa ca candanena vasubhiḥ puṣpairahiṃsādibhiḥ

Übersetzung: Im Shiva-Heiligtum des Herz-Lotos, auf dem Sitz der Handlung in seiner Blütenmitte, errichte man mit reinem Geist das aus Erkenntnis bestehende Linga als Nada. Man bade es gründlich mit dem Wasser des Nektars und salbe es mit dem Sandelholz der Loslösung; als Blumen bringe man Tugenden wie Ahimsa dar.

Vers 11
prāṇāyāmabhavena dhūpavidhinā ciddīpadānena yaḥ pratyāhāramayena somahaviṣā sauṣumnajāpena ca
taccitte bahudhāraṇābhiramaladhyānodbhavairbhūṣaṇais tatsāmyāṇinivedanena yajate dhanyaḥ sa evāmalaḥ

Übersetzung: Gesegnet und rein ist, wer ihn verehrt mit dem aus Pranayama hervorgegangenen Weihrauch, mit der Gabe der Lampe des Bewusstseins, mit dem Soma-Opfer der Zurückziehung der Sinne, mit Japa in der Sushumna, mit vielfältigen Dharanas im Geist, mit den aus reiner Meditation entstandenen Schmuckgaben und schließlich mit der Darbringung des eigenen Selbst in seine Gleichheit.

Vers 12
candrasrāvisudhāmayena haviṣā nābhisthakuṇḍe 'nalaṃ santarpyeśamayaṃ śivāspadagatavyomni sthite sarvage
kandodbhūtaśivāṇunādaśikhayā vṛttyātmasaṃvedanaṃ śaive jyotiṣi yaḥ karoti puruṣo muktaḥ sa evākṣayaḥ

Übersetzung: Wer im Feuerbecken des Nabels das Shiva-hafte Feuer mit der aus dem Mond strömenden Nektarspeise sättigt und durch die aus dem Kanda aufsteigende Flamme von Nada und Shiva-Bewusstsein die Erkenntnis des eigenen Selbst im shaivischen Licht vollzieht, der Mensch ist wahrhaft frei und unvergänglich.

Vers 13
yathāvadātmāśrayavastumantrasvāyattaliṅgādiṣu śodhiteṣu
siddhāntamārgasthitasādhakānāṃ tvatpūjanaṃ nātra vilomato 'stu

Übersetzung: Nachdem die auf das Selbst bezogenen Gegenstände, Mantras und das eigene Linga ordnungsgemäß gereinigt worden sind, soll bei den Sadhakas, die auf dem Weg des Siddhanta stehen, deine Verehrung niemals in verkehrter Ordnung geschehen.

Vers 14
dhārikābhidhaśaktibījamanantapaṅkajakuḍmalaṃ puṇyabodhavirāgabhūtipadaṃ vilomacatuṣṭayam
gātrakaṃ chadanadvayaṃ kamalaṃ sakesarakarṇikaṃ śaktimaṇḍalasaṅghayuktamahaṃ namāmi śivāsanam

Übersetzung: Ich verehre den Sitz Shivas: das Shakti-Bija namens Dharika, die Knospe des unendlichen Lotos, die Stufen von Verdienst, Erkenntnis, Loslösung und Herrlichkeit, die vier in umgekehrter Folge, das tragende Gestell, die beiden Bedeckungen und den Lotos mit Staubfäden und Fruchtknoten, verbunden mit den Kreisen der Shaktis.

Vers 15
pṛthvīkandaṃ kālatattvāntanālaṃ lokaughaṃ tatkaṇṭakaṃ bhāvasūtram
granthigranthiṃ śuddhavidyāsarojaṃ vidyeśānārūḍhapatrāṣṭakaṃ ca

Übersetzung: Seine Wurzel ist die Erde, sein Stängel reicht bis zum Kala-Tattva, die Menge der Welten bildet seine Dornen, die Daseinsweisen seinen Faden, die Knoten sind seine Gliederungen, der Lotos ist die reine Vidya, und seine acht Blätter sind von den Vidyeshvaras eingenommen.

Vers 16
vāmādiśaktigatakesarakarṇikāḍhyam arkādibimbasahitaṃ varayogapīṭham
tatra sthitaṃ hṛdayamantragatātmamantramūrtiṃ ca bindugatamīśamahaṃ namāmi

Übersetzung: Mit Staubfäden und Fruchtknoten, die von den Shaktis wie Vama erfüllt sind, und mit den Sonnenscheiben und anderen Kreisen versehen, ist dies der erhabene Yoga-Sitz. Darin verehre ich den Herrn, dessen Gestalt im Herz-Mantra, im Selbst-Mantra und im Bindu gegründet ist.

Vers 17
tatkandaṃ śatakoṭiyojanamitaṃ nālaṃ parārdhāntakaṃ granthiḥ koṭiparārdhapaścimasahasro 'bjaṃ ca tallakṣakam /
mūrtistasya ca koṭirīśvaramayī tasyārbudasyārbudāmbhojaṃ mantramayaṃ sadāśivavapustadvānameyaḥ śivaḥ

Übersetzung: Seine Wurzel misst hundert Millionen Yojanas, sein Stängel reicht bis zum Ende eines Parardha; seine Knoten und der Lotos werden in außerordentlich großen kosmischen Maßen beschrieben. Seine Gestalt ist vom Ishvara-Prinzip erfüllt, und sein Mantra-Leib ist Sadashiva – Shiva selbst ist darin als das Unermessliche gegenwärtig.

Vers 18
yasyāmauṣadhabhūṣaṇadhvanimayī mūrtiḥ parā baindavī dhyeyā śaṅkaramantratantraniratairjñānakriyāṅgī śivā
sarvaiśvaryasukhapradā nirupamā sādāśivī nirmalā nādākhyāya sadāśivāya mahate śāntāya tasmai namaḥ

Übersetzung: Jene höchste, im Bindu gegründete Gestalt Shivas, aus Heilmitteln, Schmuck und Klang bestehend, von den in den Shiva-Mantras und Tantras Bewanderten zu meditieren, ist mit Erkenntnis und Handlung ausgestattet, gewährt alle Herrlichkeit und Freude, ist unvergleichlich, rein und sadashivisch. Dem großen, friedvollen Sadashiva, Nada genannt, sei Verehrung.

Vers 19
dhyeyaḥ sadā gaganamaṇḍalamadhyavartī nirvighnaśuddhaśivayogihṛdambujasthaḥ
īśordhvaniṣkalaśivāntavapuḥ sadeśo binduḥ svarodbhavakalābhuvaneśagarbhaḥ

Übersetzung: Stets soll der Bindu meditiert werden, der in der Mitte des Himmelskreises weilt, im Herz-Lotos des reinen Shiva-Yogin ruht, dessen Leib sich von Ishana bis zum formlosen Shiva erstreckt und der die aus den Lauten hervorgehenden Kalas und Bhuvaneshvaras in sich trägt.

Vers 20
yo 'sāvīśānamūrdhā naramukhakamalo 'ghorahṛdvāmaguhyaḥ sadyomūrtiḥ pureśānanahṛdayapadaḥ ṣaḍvidhādhvasvarūpaḥ
bhūtāmbhorāśisiddhismarabhujagakalākḷptadehaḥ kriyecchādṛṅmāsārdhāmbakaṃ taṃ kabilagatamahaṃ naumi vidyāśarīram

Übersetzung: Ich verehre jene Wissensgestalt Shivas: mit Ishana als Scheitel, Tatpurusha als Antlitz, Aghora als Herz, Vama als verborgenem Bereich, Sadyojata als Körper; im Herzen des Herrn der Stadt gegründet, von der Gestalt des sechsfachen Pfades, mit einem Leib, der aus Elementen, Ozeanen, Siddhas, Kama, Schlangen und Kalas symbolisch aufgebaut ist, und mit Handlung, Wille und Erkenntnis ausgestattet.

Vers 21
śvetāsṛkkṛṣṇapītasphaṭikaśaśisuvarṇāruṇālyagnivarṇair brahmāṅgairvyaktamūrtirbhavaharaśivasaṃyogataḥ sphāṭikābhaḥ
aikyānmantrārthayorityakhilaśivamateṣvāhasarvārthahetur vaktrāṇāṃ varṇabhedaścidacidadhipateścitrametatsvarūpam

Übersetzung: Mit weißen, roten, schwarzen, gelben, kristallenen, mondgleichen, goldenen, rötlichen, bienen- und feuerfarbenen Brahma-Gliedern erscheint die Gestalt vielfarbig. Durch die Vereinigung von Bhava, Hara und Shiva wird sie kristallgleich. So erklären die Shaiva-Lehren die Verschiedenheit der Farben der Gesichter des Herrn über Bewusstes und Unbewusstes.

Vers 22
īśānena viyanmayena dhavalaprakhyena sarvaprabhor vyāptaṃ vaktracatuṣṭayaṃ puruṣahṛdguhyājamantrātmakam
tenedaṃ dhavalaprabhaṃ śivavidaḥ pūrvādikāṣṭhābhṛtāṃ varṇānugrahahetutaḥ pratimukhaṃ pītādivarṇaṃ viduḥ

Übersetzung: Durch Ishana, der von der Natur des Raumes und von weißem Glanz ist, werden die vier Gesichter des Herrn durchdrungen – Tatpurusha, Aghora, Vama und Sadyojata. Daher kennen die Shiva-Kundigen die Gesamtgestalt als weiß leuchtend, während die einzelnen Gesichter entsprechend den Himmelsrichtungen gelbe und andere Farben tragen.

Vers 23
īśatatpuruṣāghoravāmājavadanaṃ śivam
bālayauvanavṛddhastrīnarākāraṃ namāmyaham

Übersetzung: Ich verehre Shiva mit den Gesichtern Ishana, Tatpurusha, Aghora, Vama und Sadyojata – in Gestalten von Kindheit, Jugend, Alter, Weiblichem und Männlichem.

Vers 24
triśūlakhaṭvāṅgadharaḥ saśaktir varābjahasto 'bhayapāṇirīśaḥ
sendīvarāhirḍamaruprasaktaḥ sabījapūraḥ subhago 'kṣasūtrī

Übersetzung: Der Herr trägt Dreizack und Khatvanga, ist mit Shakti verbunden, hält die Geste der Gabe und einen Lotos, und seine Hand gewährt Furchtlosigkeit. Er ist mit blauem Lotos, Schlange und Damaru versehen, trägt die Bijapura-Frucht und eine Gebetskette.

Vers 25
bodhānandamayī vibhorbhavabhayapradhvaṃsakṛcchaktayas tisrastāḥ pariṇāmataśca vivṛtirniḥśeṣabījasya hi
tapūrṇaṃ prakṛtiḥ kalādyabhimukhī dīrghākṣasūtraṃ manaḥ śambhorastranikāya āgamaparairjñeyaḥ paro nāparaḥ

Übersetzung: Die drei Shaktis des Herrn, aus Erkenntnis und Wonne bestehend und die Furcht vor dem Werden zerstörend, entfalten sich durch Wandlung aus dem einen Samen. Prakriti ist auf Kala und die folgenden Prinzipien ausgerichtet; die lange Gebetskette bedeutet den Geist. So soll man nach den Agamas den Waffenverband Shambhus erkennen – als nichts anderes als seine höchste Wirklichkeit.

Vers 26
īśānaṃ sarvāsāṃ vidyānāmīśvaraṃ ca bhūtānām /
brahmādhipatiṃ brahmatvānniṣkalarūpaṃ sadāśivaṃ naumi

Übersetzung: Ich verehre Ishana, den Herrn aller Wissenschaften und aller Wesen, den Herrn Brahmas, der kraft seiner Brahman-Natur formlos und Sadashiva ist.

Vers 27
tatpuruṣaṃ bhaktānāṃ śaivajñānapradaṃ mahadevam /
rudraṃ śivatvasiddhyai tattvaprerakamahaṃ vande

Übersetzung: Ich verehre Tatpurusha, den großen Gott, der den Bhaktas die Erkenntnis Shivas schenkt, Rudra, der die Tattvas antreibt, damit die Vollendung in Shiva erlangt werde.

Vers 28
atha ghoramaghoraṃ paśupāśanirākaraṇaṃ ghoraghorataram /
sarvasmāccharaṇamahaṃ śarvaṃ bahurūpiṇaṃ vande

Übersetzung: Ich verehre Aghora, der nicht schrecklich ist, der die Fesseln der gebundenen Wesen beseitigt, der selbst das Schrecklichste überragt; in Sharva, dem Vielgestaltigen, nehme ich Zuflucht vor allem.

Vers 29
vāmaṃ jyeṣṭhaṃ raudraṃ kalavikaraṇaṃ balavikaraṇaṃ kāntam /
balapramathanaṃ sarvabhūtadamanaṃ manonmanamahaṃ vande

Übersetzung: Ich verehre Vama, Jyeshtha, Raudri, Kalavikarani, Balavikarani, Kanta, Balapramathani, Sarvabhutadamani und Manonmani.

Vers 30
sadyojātaṃ sarvajñaṃ praṇatānāṃ bhavabhayāpaharam /
atibhavayojakamamalaṃ bhavodbhavaṃ naumi jagadadhipam

Übersetzung: Ich verehre Sadyojata, den Allwissenden, der den sich Verneigenden die Furcht des Werdens nimmt, der über das Werden hinausführt, makellos ist und als Bhavodbhava, Herr der Welt, erscheint.

Vers 31
śrīmanmūlamanūtthanādaśikhayā brahmādisādāśivasthānatyāgagatikramordhvavilasadvyomāntasaṃsthāya te
bodhānandamayāya sarvavibhave nityāya viśvātmane śuddhāyāmalatejase ca mahate tasmai parasmai namaḥ

Übersetzung: Verehrung sei jenem Höchsten: dessen ursprüngliche Mantra-Kraft als Flamme des ungewordenen Nada aufsteigt, der die Stufen von Brahma bis Sadashiva überschreitet und im höchsten Raum verweilt, der aus Erkenntnis und Wonne besteht, alles durchdringt, ewig und das Selbst des Universums ist, rein und von makellosem Glanz.

Vers 32
candrayugmaguṇārthamātratadardhataddalaṣoḍaśadvyuttaratridaśābdhiṣaṣṭibhujaṅgamaśravaṇakṣamā
darśaneṣukarāṃśabhāvamitonmanī paramāsanaṃ yasya taṃ praṇato 'smi niṣkalamavyayaṃ paramaṃ śivam

Übersetzung: Ich verneige mich vor dem formlosen, unvergänglichen höchsten Shiva, dessen höchster Sitz in einer geheimen Zahlen- und Kalasymbolik beschrieben wird und der jenseits von Unmani steht.

Vers 33
ādipañcamamṛtyubhūṣaṇacandrakhaṇḍaguṇāśradṛgbhānugadhvanisīrabhāskarasenduvṛttahalākṛtiḥ
sāṃśumattriśikhadvibimbagatadvikubjaga unmanā pātu vaḥ sakalāparaḥ sakalākalaḥ sakalaḥ śivaḥ

Übersetzung: Möge euch Shiva schützen – mit seiner aus Bija, Kala, Nada, Sonnen- und Mondformen aufgebauten Gestalt, der zugleich mit Teilen, teils formlos und völlig formlos ist.

Vers 34
niṣkalaṃ śivarudrapudgalabhūṣaṇārdhahimāṃśumadrodhidaṇḍatadantaśakticatuṣṭayeśvarayoginam
śaṅkaraṃ vasusāgarāṅgulacāriṇaṃ rasaśūnyagaṃ sarvamantrapatiṃ prāsādamahaṃ nato 'smi ṣaḍadhvagam

Übersetzung: Ich verneige mich vor Shankara, dem formlosen Herrn aller Mantras, dem Prasada-Mantra, der den sechs Pfaden innewohnt und in der überlieferten Mantra- und Kalasymbolik beschrieben wird.

Vers 35
cidvyaktisaṃsthityavalokarodhair mudrottarairaṅgaśivaikabhāvaiḥ /
pādācamārghyaprasavapradānais tvadarcanaṃ janmaphalaṃ maheśa

Übersetzung: O Mahesha, deine Verehrung mit inneren Mudras, in denen Bewusstsein, Offenbarung, Bestand und Zurücknahme in die Einheit mit Shiva münden, sowie mit Wasser für die Füße, Wasser zum Trinken, Arghya und Blumen – sie ist die Frucht dieses menschlichen Lebens.

Vers 36
āvāhanaṃ svātmani citprakāśas tatra sthitiḥ sthāpanamīśvarasya /
sānnidhyamātmeśvarasannidhānaṃ saṃrodhanaṃ svasya śive nirodhaḥ

Übersetzung: Die Anrufung ist das Aufleuchten des Bewusstseins im eigenen Selbst; das Aufstellen des Herrn ist sein Festsetzen dort; seine Gegenwart ist die Gegenwart des Herrn im Selbst; die Umschließung besteht im Zurückhalten des eigenen Selbst in Shiva.

Vers 37
namo 'stu saṃjñānahṛde bhavāya namo guṇaiśvaryaviśiṣṭamūrtaye /
namo 'parādhīnavaśitvarūpaśikhāya tejaḥkavacātmane namaḥ

Übersetzung: Verehrung sei Bhava, dessen Herz reines Erkennen ist; Verehrung der Gestalt, ausgezeichnet durch Eigenschaften und Herrlichkeit; Verehrung deiner Shikha, deren Wesen unabhängige Herrschaft ist; Verehrung deinem Wesen als leuchtendes Kavacha.

Vers 38
namaḥ paśūnāṃ malakṛtanakṣamāsahapratāpāstradharāya śūline /
namo 'vikārāya ṣaḍaṅgamūrtaye sadāśivāyāmṛtarūpiṇe namaḥ

Übersetzung: Verehrung dem Dreizackträger, der die durch Unreinheit bewirkten Begrenzungen der gebundenen Wesen nicht duldet und die Waffe mächtiger Glut trägt; Verehrung dem Unwandelbaren in der Gestalt der sechs Glieder, Sadashiva, dessen Wesen Nektar ist.

Vers 39
svabhāvaśuddhasya śivasya pādamācāmamātmīyaviśuddhihetoḥ /
arghyapradānaṃ kusumārpaṇaṃ ca sadeśadhāmāptinimittametat

Übersetzung: Für Shiva, der seinem Wesen nach rein ist, dient das Wasser für die Füße und das Achamana der eigenen Läuterung; Arghya und Blumen werden dargebracht, um den entsprechenden göttlichen Zustand zu erlangen.

Vers 40
snānaṃ svātmamalāpahaṃ śubhamayairgandhaiḥ samālepanaṃ sadvastrābharaṇaṃ sugandhikusumairmālābhirabhyarcanam
sālaṅkārasadāśivasya vidhivaddhūpapradānaṃ tvaṇor bhogārthaṃ hi sadeśadhāmni vimalaṃ dīpaṃ śivajñānadam

Übersetzung: Das rituelle Bad beseitigt die Unreinheit des eigenen Selbst; das Salben mit glückverheißenden Düften, gute Gewänder und Schmuck sowie die Verehrung mit duftenden Blumen und Girlanden gelten Sadashiva. Das ordnungsgemäße Darbringen von Weihrauch dient dem Genuss des begrenzten Wesens, die reine Lampe aber schenkt Shiva-Erkenntnis.

Vers 41
śucīśaraktapānilendramṛtyukendusaṃsthitān payodharārkavātavahnisannibhāninekṣaṇān
yugānanānvarābhayatriśūlaśaktiyukkarān namaḥ śivāṅgasambhavānhṛdādimantravigrahān

Übersetzung: Verehrung den aus den Gliedern Shivas hervorgegangenen Mantra-Gestalten von Herz und den übrigen Gliedern, mit verschiedenen Farben und Erscheinungen, mit mehreren Augen und Gesichtern und mit Händen, die Gaben, Furchtlosigkeit, Dreizack und Shakti tragen.

Vers 42
bhogāṅgārcanamātmanaḥ śivaguṇaprāptyarthamaikyaṃ prabhor aṅgānāṃ punararcakasya śivasaṃyogāya śuddhātmanaḥ
tṛptasyānnanivedanāmbumukhavāsādipradānaṃ manastṛptyarthaṃ śivabhāvamaṅgalakaraṃ citraṃ tatrārcāphalam

Übersetzung: Die Verehrung der Genuss-Glieder dient dem Erlangen der Eigenschaften Shivas; ihre Vereinigung mit dem Herrn dient der Vereinigung des gereinigten Verehrers mit Shiva. Speise, Wasser und Mundduft werden dem bereits erfüllten Herrn zur Befriedigung des Geistes dargebracht. Wunderbar ist die Frucht der Verehrung: der glückverheißende Zustand Shivas.

Vers 43
pavitrabhūtasya pavitradānaṃ tāpatrayaghnaṃ sakalārthasiddhyai
japaśca bhaktyā praṇatiḥ śivasya brahmendraviṣṇvādipadatvahetuḥ

Übersetzung: Dem bereits Geheiligten wird das Pavitra dargebracht, das die dreifache Bedrängnis vernichtet und zur Vollendung aller Ziele führt. Japa und hingebungsvolle Verneigung vor Shiva führen zu hohen göttlichen Zuständen wie denen Brahmas, Indras und Vishnus.

Vers 44
arcane sakalaṃ jape sakalākalaṃ satatoditaṃ niṣkalaṃ sakalādhvagaṃ paripūrṇamātmasamarpaṇe
vyomni susphaṭikaprabhaṃ bhavane kalāsahitaṃ haraṃ yo hi vetti paraṃ śivaṃ śiva eva so 'stra na saṃśayaḥ

Übersetzung: Wer erkennt, dass Shiva in der äußeren Verehrung als Sakala, im Japa als Sakala-Nishkala, im immer gegenwärtigen Zustand als Nishkala, alle Pfade durchdringend als vollkommen, in der Selbsthingabe als Fülle des eigenen Wesens, im Raum als kristallklar und im Heiligtum mit den Kalas verbunden ist – der ist selbst Shiva; daran besteht kein Zweifel.

Vers 45
bhūyaḥ pūjanamīśasannidhikaraṃ samprārthanaṃ sveśayor anyonyaṃ tvavalokanāya bhuvane bhogāya sādāśive
īśāgnyarcanamarpaṇaṃ kṣapayituṃ bandhatrayaṃ karmaṇo jñeyaṃ svātmanivedanaṃ paraśive sthityarthamevātmanaḥ

Übersetzung: Erneute Verehrung bewirkt die Gegenwart des Herrn; das Gebet dient der gegenseitigen Schau von Selbst und Herr im göttlichen Bereich und dem Genuss im Sadashiva-Zustand. Verehrung von Ishana und Agni sowie Darbringung dienen der Auflösung der drei Bindungen des Karma; Selbsthingabe dient dem Verweilen des eigenen Selbst im höchsten Shiva.

Vers 46
aśuddhatattvaughabahiṣkriyārthaṃ parāṅmukhārghyaṃ parameśvarasya
yasminnavasthānakaraṃ visargaṃ kurvansa śaivaṃ padamabhyupeti

Übersetzung: Die nach außen gerichtete Arghya-Gabe dient dazu, die Masse der unreinen Tattvas auszuschließen. Wer im höchsten Herrn den Vollzug des Visarga vollzieht, der das Verweilen in ihm bewirkt, gelangt zum shaivischen Zustand.

Vers 47
viprottuṅgaścoladeśī ca sūriḥ śambhoḥ pūjāstotrametatpavitram
siddhāntajño jñānaśambhuḥ śivoktyā cakre bhaktyā bhuktaye muktaye ca

Übersetzung: Der erhabene Brahmane und Weise Jñānaśambhu aus dem Chola-Land, kundig im Siddhanta, verfasste auf Shivas Weisung hin voller Hingabe dieses heilige Stotra der Shiva-Puja – zum Genuss in dieser Welt und zur Befreiung.

Shiva Puja Stava in Devanagari

Vers 1
प्रातः शङ्करचिन्तनस्नपनसंसेकासुसंरोधनैः सन्ध्यासंस्मृतिमार्जनाघशमनोपस्थानसन्तर्पणैः
द्वारस्यार्चनयागधामगतविघ्नोद्वासनाद्यैः प्रभोर् यः श्रीमान्यजनं करोति भवतस्तस्यैव सिद्धिद्वयम्

Vers 2
एकैवार्थत ईशशक्तिरमिता यानेकरूपा शिवा कालोपाधिवशाद्द्विजास्त्वनुदिनं ब्राह्म्यादिरूपेण ताम्
ध्यायन्त्यत्र तु निर्मलात्मशिवयोः सन्धिश्च शैवी पुरा सन्ध्यातः शिव एव साधकवरैर्ध्येयः सदा निर्मलः

Vers 3
प्रातः स्मरामि हृदयाब्जस्वमध्यसंस्थं चन्द्रार्कमार्गविरहोदितचित्स्वरूपम्
ध्येयं सदा मुनिवरैरपवर्गसिद्ध्यै विश्वात्मकं सदसदन्तमनन्तमीशम्

Vers 4
मध्यन्दिने शतसहस्रनिशाकराभं विश्वेश्वरं परमकारणमप्रमेयम्
शम्भुं सदोदितममायवियत्स्वरूपं कोदण्डमध्यनिलयं नियतं स्मरामि

Vers 5
ब्रह्माक्षरं निशिमुखे ऽमृतसागराभं विश्वाधिपं शिवमनूत्थितनादसंस्थम्
बोधामृतं करणकारणकार्यहीनं तं ब्रह्मरन्ध्रनिलयं नियतं स्मरामि

Vers 6
तेजोनिधानमचलं शिवमर्धरात्रे नित्यं निरस्तविषयैः परमार्थदृग्भिः
विज्ञेयमव्ययमचिन्त्यमभावनीयम् उन्मन्यतीतविषयं सततं स्मरामि

Vers 7
क्ष्मादिग्रन्थ्यन्ततत्त्वक्रमनिहितपदाक्रान्तसंशुद्धविद्यातत्त्वान्तव्यापिसादाशिवविशदपदं भावयन्नात्मरूपम्
शैवज्ञानप्रसिद्धप्रवरविधिगताशेषसत्कृत्यकारी जीवं हृद्येव कुर्याद्रविशशिदहनव्योमशक्त्यन्तरस्थम्

Vers 8
आयामैः श्वनस्य भौतिकमलं देहं कलाभिः सुधीर् यः पञ्चाध्वविसर्पिणीभिरनिशं संशोध्य तच्छम्बरैः
मन्त्रालङ्कृतदेहभृन्निशि दिवा सन्ध्यासु सन्तोषयन्न् अर्चाहोमसमाधिभिः शिवमसौ संयाति शैवं पदम्

Vers 9
य एष देवो महतो महीयान् अणोरणीयान्भवभीरुभिः सः
ज्ञेयः शिवः सर्वगतः शरीरे ध्येयः स पूज्यः शिवलिङ्गमध्ये

Vers 10
हृत्पद्माख्यशिवालये मनसिजे तत्कर्णिकाख्ये क्रियापीठे ज्ञानमयं विशुद्धमनसा संस्थाप्य नादात्मना
लिङ्गं तच्च सुधामयेन पयसा संस्नाप्य सम्यक्पुनो वैराग्येण च चन्दनेन वसुभिः पुष्पैरहिंसादिभिः

Vers 11
प्राणायामभवेन धूपविधिना चिद्दीपदानेन यः प्रत्याहारमयेन सोमहविषा सौषुम्नजापेन च
तच्चित्ते बहुधारणाभिरमलध्यानोद्भवैर्भूषणैस् तत्साम्याणिनिवेदनेन यजते धन्यः स एवामलः

Vers 12
चन्द्रस्राविसुधामयेन हविषा नाभिस्थकुण्डे ऽनलं सन्तर्प्येशमयं शिवास्पदगतव्योम्नि स्थिते सर्वगे
कन्दोद्भूतशिवाणुनादशिखया वृत्त्यात्मसंवेदनं शैवे ज्योतिषि यः करोति पुरुषो मुक्तः स एवाक्षयः

Vers 13
यथावदात्माश्रयवस्तुमन्त्रस्वायत्तलिङ्गादिषु शोधितेषु
सिद्धान्तमार्गस्थितसाधकानां त्वत्पूजनं नात्र विलोमतो ऽस्तु

Vers 14
धारिकाभिधशक्तिबीजमनन्तपङ्कजकुड्मलं पुण्यबोधविरागभूतिपदं विलोमचतुष्टयम्
गात्रकं छदनद्वयं कमलं सकेसरकर्णिकं शक्तिमण्डलसङ्घयुक्तमहं नमामि शिवासनम्

Vers 15
पृथ्वीकन्दं कालतत्त्वान्तनालं लोकौघं तत्कण्टकं भावसूत्रम्
ग्रन्थिग्रन्थिं शुद्धविद्यासरोजं विद्येशानारूढपत्राष्टकं च

Vers 16
वामादिशक्तिगतकेसरकर्णिकाढ्यम् अर्कादिबिम्बसहितं वरयोगपीठम्
तत्र स्थितं हृदयमन्त्रगतात्ममन्त्रमूर्तिं च बिन्दुगतमीशमहं नमामि

Vers 17
तत्कन्दं शतकोटियोजनमितं नालं परार्धान्तकं ग्रन्थिः कोटिपरार्धपश्चिमसहस्रो ऽब्जं च तल्लक्षकम् ।
मूर्तिस्तस्य च कोटिरीश्वरमयी तस्यार्बुदस्यार्बुदाम्भोजं मन्त्रमयं सदाशिववपुस्तद्वानमेयः शिवः

Vers 18
यस्यामौषधभूषणध्वनिमयी मूर्तिः परा बैन्दवी ध्येया शङ्करमन्त्रतन्त्रनिरतैर्ज्ञानक्रियाङ्गी शिवा
सर्वैश्वर्यसुखप्रदा निरुपमा सादाशिवी निर्मला नादाख्याय सदाशिवाय महते शान्ताय तस्मै नमः

Vers 19
ध्येयः सदा गगनमण्डलमध्यवर्ती निर्विघ्नशुद्धशिवयोगिहृदम्बुजस्थः
ईशोर्ध्वनिष्कलशिवान्तवपुः सदेशो बिन्दुः स्वरोद्भवकलाभुवनेशगर्भः

Vers 20
यो ऽसावीशानमूर्धा नरमुखकमलो ऽघोरहृद्वामगुह्यः सद्योमूर्तिः पुरेशाननहृदयपदः षड्विधाध्वस्वरूपः
भूताम्भोराशिसिद्धिस्मरभुजगकलाकॢप्तदेहः क्रियेच्छादृङ्मासार्धाम्बकं तं कबिलगतमहं नौमि विद्याशरीरम्

Vers 21
श्वेतासृक्कृष्णपीतस्फटिकशशिसुवर्णारुणाल्यग्निवर्णैर् ब्रह्माङ्गैर्व्यक्तमूर्तिर्भवहरशिवसंयोगतः स्फाटिकाभः
ऐक्यान्मन्त्रार्थयोरित्यखिलशिवमतेष्वाहसर्वार्थहेतुर् वक्त्राणां वर्णभेदश्चिदचिदधिपतेश्चित्रमेतत्स्वरूपम्

Vers 22
ईशानेन वियन्मयेन धवलप्रख्येन सर्वप्रभोर् व्याप्तं वक्त्रचतुष्टयं पुरुषहृद्गुह्याजमन्त्रात्मकम्
तेनेदं धवलप्रभं शिवविदः पूर्वादिकाष्ठाभृतां वर्णानुग्रहहेतुतः प्रतिमुखं पीतादिवर्णं विदुः

Vers 23
ईशतत्पुरुषाघोरवामाजवदनं शिवम्
बालयौवनवृद्धस्त्रीनराकारं नमाम्यहम्

Vers 24
त्रिशूलखट्वाङ्गधरः सशक्तिर् वराब्जहस्तो ऽभयपाणिरीशः
सेन्दीवराहिर्डमरुप्रसक्तः सबीजपूरः सुभगो ऽक्षसूत्री

Vers 25
बोधानन्दमयी विभोर्भवभयप्रध्वंसकृच्छक्तयस् तिस्रस्ताः परिणामतश्च विवृतिर्निःशेषबीजस्य हि
तपूर्णं प्रकृतिः कलाद्यभिमुखी दीर्घाक्षसूत्रं मनः शम्भोरस्त्रनिकाय आगमपरैर्ज्ञेयः परो नापरः

Vers 26
ईशानं सर्वासां विद्यानामीश्वरं च भूतानाम् ।
ब्रह्माधिपतिं ब्रह्मत्वान्निष्कलरूपं सदाशिवं नौमि

Vers 27
तत्पुरुषं भक्तानां शैवज्ञानप्रदं महदेवम् ।
रुद्रं शिवत्वसिद्ध्यै तत्त्वप्रेरकमहं वन्दे

Vers 28
अथ घोरमघोरं पशुपाशनिराकरणं घोरघोरतरम् ।
सर्वस्माच्छरणमहं शर्वं बहुरूपिणं वन्दे

Vers 29
वामं ज्येष्ठं रौद्रं कलविकरणं बलविकरणं कान्तम् ।
बलप्रमथनं सर्वभूतदमनं मनोन्मनमहं वन्दे

Vers 30
सद्योजातं सर्वज्ञं प्रणतानां भवभयापहरम् ।
अतिभवयोजकममलं भवोद्भवं नौमि जगदधिपम्

Vers 31
श्रीमन्मूलमनूत्थनादशिखया ब्रह्मादिसादाशिवस्थानत्यागगतिक्रमोर्ध्वविलसद्व्योमान्तसंस्थाय ते
बोधानन्दमयाय सर्वविभवे नित्याय विश्वात्मने शुद्धायामलतेजसे च महते तस्मै परस्मै नमः

Vers 32
चन्द्रयुग्मगुणार्थमात्रतदर्धतद्दलषोडशद्व्युत्तरत्रिदशाब्धिषष्टिभुजङ्गमश्रवणक्षमा
दर्शनेषुकरांशभावमितोन्मनी परमासनं यस्य तं प्रणतो ऽस्मि निष्कलमव्ययं परमं शिवम्

Vers 33
आदिपञ्चममृत्युभूषणचन्द्रखण्डगुणाश्रदृग्भानुगध्वनिसीरभास्करसेन्दुवृत्तहलाकृतिः
सांशुमत्त्रिशिखद्विबिम्बगतद्विकुब्जग उन्मना पातु वः सकलापरः सकलाकलः सकलः शिवः

Vers 34
निष्कलं शिवरुद्रपुद्गलभूषणार्धहिमांशुमद्रोधिदण्डतदन्तशक्तिचतुष्टयेश्वरयोगिनम्
शङ्करं वसुसागराङ्गुलचारिणं रसशून्यगं सर्वमन्त्रपतिं प्रासादमहं नतो ऽस्मि षडध्वगम्

Vers 35
चिद्व्यक्तिसंस्थित्यवलोकरोधैर् मुद्रोत्तरैरङ्गशिवैकभावैः ।
पादाचमार्घ्यप्रसवप्रदानैस् त्वदर्चनं जन्मफलं महेश

Vers 36
आवाहनं स्वात्मनि चित्प्रकाशस् तत्र स्थितिः स्थापनमीश्वरस्य ।
सान्निध्यमात्मेश्वरसन्निधानं संरोधनं स्वस्य शिवे निरोधः

Vers 37
नमो ऽस्तु संज्ञानहृदे भवाय नमो गुणैश्वर्यविशिष्टमूर्तये ।
नमो ऽपराधीनवशित्वरूपशिखाय तेजःकवचात्मने नमः

Vers 38
नमः पशूनां मलकृतनक्षमासहप्रतापास्त्रधराय शूलिने ।
नमो ऽविकाराय षडङ्गमूर्तये सदाशिवायामृतरूपिणे नमः

Vers 39
स्वभावशुद्धस्य शिवस्य पादमाचाममात्मीयविशुद्धिहेतोः ।
अर्घ्यप्रदानं कुसुमार्पणं च सदेशधामाप्तिनिमित्तमेतत्

Vers 40
स्नानं स्वात्ममलापहं शुभमयैर्गन्धैः समालेपनं सद्वस्त्राभरणं सुगन्धिकुसुमैर्मालाभिरभ्यर्चनम्
सालङ्कारसदाशिवस्य विधिवद्धूपप्रदानं त्वणोर् भोगार्थं हि सदेशधाम्नि विमलं दीपं शिवज्ञानदम्

Vers 41
शुचीशरक्तपानिलेन्द्रमृत्युकेन्दुसंस्थितान् पयोधरार्कवातवह्निसन्निभानिनेक्षणान्
युगाननान्वराभयत्रिशूलशक्तियुक्करान् नमः शिवाङ्गसम्भवान्हृदादिमन्त्रविग्रहान्

Vers 42
भोगाङ्गार्चनमात्मनः शिवगुणप्राप्त्यर्थमैक्यं प्रभोर् अङ्गानां पुनरर्चकस्य शिवसंयोगाय शुद्धात्मनः
तृप्तस्यान्ननिवेदनाम्बुमुखवासादिप्रदानं मनस्तृप्त्यर्थं शिवभावमङ्गलकरं चित्रं तत्रार्चाफलम्

Vers 43
पवित्रभूतस्य पवित्रदानं तापत्रयघ्नं सकलार्थसिद्ध्यै
जपश्च भक्त्या प्रणतिः शिवस्य ब्रह्मेन्द्रविष्ण्वादिपदत्वहेतुः

Vers 44
अर्चने सकलं जपे सकलाकलं सततोदितं निष्कलं सकलाध्वगं परिपूर्णमात्मसमर्पणे
व्योम्नि सुस्फटिकप्रभं भवने कलासहितं हरं यो हि वेत्ति परं शिवं शिव एव सो ऽस्त्र न संशयः

Vers 45
भूयः पूजनमीशसन्निधिकरं सम्प्रार्थनं स्वेशयोर् अन्योन्यं त्ववलोकनाय भुवने भोगाय सादाशिवे
ईशाग्न्यर्चनमर्पणं क्षपयितुं बन्धत्रयं कर्मणो ज्ञेयं स्वात्मनिवेदनं परशिवे स्थित्यर्थमेवात्मनः

Vers 46
अशुद्धतत्त्वौघबहिष्क्रियार्थं पराङ्मुखार्घ्यं परमेश्वरस्य
यस्मिन्नवस्थानकरं विसर्गं कुर्वन्स शैवं पदमभ्युपेति

Vers 47
विप्रोत्तुङ्गश्चोलदेशी च सूरिः शम्भोः पूजास्तोत्रमेतत्पवित्रम्
सिद्धान्तज्ञो ज्ञानशम्भुः शिवोक्त्या चक्रे भक्त्या भुक्तये मुक्तये च

Das Shiva Puja Stava in zusammenhängender deutscher Übersetzung

1. Wer am Morgen die Verehrung des Herrn vollzieht – mit Meditation auf Shankara, ritueller Reinigung und Besprengung, Atemzügelung, Sandhya-Gedenken, Läuterung, Tilgung von Verfehlungen, Annäherung, Sättigung, Verehrung des Tores und Beseitigung der Hindernisse im Opferraum –, dem werden die beiden Siddhis zuteil.

2. Die Kraft des Herrn ist ihrem Wesen nach eine einzige, grenzenlose Shakti, doch sie erscheint in vielen Formen. Unter dem Einfluss zeitlicher Bedingungen meditieren die Zweimalgeborenen täglich über sie als Brahmi und in anderen Gestalten. Für den Shaiva aber ist Sandhya ursprünglich die Vereinigung des reinen Selbstes mit Shiva; deshalb soll der vorzügliche Sadhaka stets den reinen Shiva meditieren.

3. Am Morgen gedenke ich des Herrn, der in der Mitte des Herz-Lotos weilt, dessen Bewusstseinsgestalt jenseits der Bahnen von Mond und Sonne aufgeht, den die großen Weisen zur Erlangung der Befreiung meditieren, der das All durchdringt und jenseits von Sein und Nichtsein unendlich ist.

4. Zur Mittagszeit gedenke ich beständig Shambhus, des Herrn des Alls, des höchsten, unermeßlichen Grundes, leuchtend wie hunderttausend Monde, ewig aufgegangen, von der Natur des makellosen Raumes jenseits der Maya und in der Mitte des Bogens verweilend.

5. Zu Beginn der Nacht gedenke ich beständig Shivas, der wie ein Ozean von Nektar ist, Herr des Universums, im ungewordenen Nada gegründet, Nektar des Erwachens, frei von Instrument, Ursache und Wirkung und im Brahmarandhra weilend.

6. Um Mitternacht gedenke ich fortwährend des unbewegten Shiva, des Schatzes des Lichtes, der von Sehern der höchsten Wahrheit erkannt werden soll, deren Geist von den Sinnesgegenständen abgewandt ist: unvergänglich, undenkbar, jenseits begrifflicher Vorstellung und über den Bereich von Unmani hinaus.

7. Indem man die eigene Gestalt als den reinen Zustand Sadashivas meditiert, der sich über die gereinigte Vidya-Tattva-Ebene hinaus erstreckt und die Stufen der Tattvas durchdringt, vollziehe man alle edlen Handlungen gemäß dem vorzüglichen Verfahren der Shaiva-Erkenntnis und bringe den Jiva im Herzen in die Mitte von Sonne, Mond, Feuer, Raum und Shakti.

8. Der Weise, der durch Atemregulierung den aus den Elementen gebildeten Körper läutert, ihn durch die Kalas reinigt, die sich über die fünf Pfade erstrecken, seinen Körper mit Mantras schmückt und Shiva Tag und Nacht sowie in den Dämmerungszeiten durch Puja, Homa und Samadhi erfreut, gelangt zum Zustand Shivas.

9. Jener Gott, größer als das Große und kleiner als das Kleine, ist Shiva. Von denen, die das Werden fürchten, soll er als allgegenwärtig im Körper erkannt, meditiert und im Shiva-Linga verehrt werden.

10. Im Shiva-Heiligtum des Herz-Lotos, auf dem Sitz der Handlung in seiner Blütenmitte, errichte man mit reinem Geist das aus Erkenntnis bestehende Linga als Nada. Man bade es gründlich mit dem Wasser des Nektars und salbe es mit dem Sandelholz der Loslösung; als Blumen bringe man Tugenden wie Ahimsa dar.

11. Gesegnet und rein ist, wer ihn verehrt mit dem aus Pranayama hervorgegangenen Weihrauch, mit der Gabe der Lampe des Bewusstseins, mit dem Soma-Opfer der Zurückziehung der Sinne, mit Japa in der Sushumna, mit vielfältigen Dharanas im Geist, mit den aus reiner Meditation entstandenen Schmuckgaben und schließlich mit der Darbringung des eigenen Selbst in seine Gleichheit.

12. Wer im Feuerbecken des Nabels das Shiva-hafte Feuer mit der aus dem Mond strömenden Nektarspeise sättigt und durch die aus dem Kanda aufsteigende Flamme von Nada und Shiva-Bewusstsein die Erkenntnis des eigenen Selbst im shaivischen Licht vollzieht, der Mensch ist wahrhaft frei und unvergänglich.

13. Nachdem die auf das Selbst bezogenen Gegenstände, Mantras und das eigene Linga ordnungsgemäß gereinigt worden sind, soll bei den Sadhakas, die auf dem Weg des Siddhanta stehen, deine Verehrung niemals in verkehrter Ordnung geschehen.

14. Ich verehre den Sitz Shivas: das Shakti-Bija namens Dharika, die Knospe des unendlichen Lotos, die Stufen von Verdienst, Erkenntnis, Loslösung und Herrlichkeit, die vier in umgekehrter Folge, das tragende Gestell, die beiden Bedeckungen und den Lotos mit Staubfäden und Fruchtknoten, verbunden mit den Kreisen der Shaktis.

15. Seine Wurzel ist die Erde, sein Stängel reicht bis zum Kala-Tattva, die Menge der Welten bildet seine Dornen, die Daseinsweisen seinen Faden, die Knoten sind seine Gliederungen, der Lotos ist die reine Vidya, und seine acht Blätter sind von den Vidyeshvaras eingenommen.

16. Mit Staubfäden und Fruchtknoten, die von den Shaktis wie Vama erfüllt sind, und mit den Sonnenscheiben und anderen Kreisen versehen, ist dies der erhabene Yoga-Sitz. Darin verehre ich den Herrn, dessen Gestalt im Herz-Mantra, im Selbst-Mantra und im Bindu gegründet ist.

17. Seine Wurzel misst hundert Millionen Yojanas, sein Stängel reicht bis zum Ende eines Parardha; seine Knoten und der Lotos werden in außerordentlich großen kosmischen Maßen beschrieben. Seine Gestalt ist vom Ishvara-Prinzip erfüllt, und sein Mantra-Leib ist Sadashiva – Shiva selbst ist darin als das Unermessliche gegenwärtig.

18. Jene höchste, im Bindu gegründete Gestalt Shivas, aus Heilmitteln, Schmuck und Klang bestehend, von den in den Shiva-Mantras und Tantras Bewanderten zu meditieren, ist mit Erkenntnis und Handlung ausgestattet, gewährt alle Herrlichkeit und Freude, ist unvergleichlich, rein und sadashivisch. Dem großen, friedvollen Sadashiva, Nada genannt, sei Verehrung.

19. Stets soll der Bindu meditiert werden, der in der Mitte des Himmelskreises weilt, im Herz-Lotos des reinen Shiva-Yogin ruht, dessen Leib sich von Ishana bis zum formlosen Shiva erstreckt und der die aus den Lauten hervorgehenden Kalas und Bhuvaneshvaras in sich trägt.

20. Ich verehre jene Wissensgestalt Shivas: mit Ishana als Scheitel, Tatpurusha als Antlitz, Aghora als Herz, Vama als verborgenem Bereich, Sadyojata als Körper; im Herzen des Herrn der Stadt gegründet, von der Gestalt des sechsfachen Pfades, mit einem Leib, der aus Elementen, Ozeanen, Siddhas, Kama, Schlangen und Kalas symbolisch aufgebaut ist, und mit Handlung, Wille und Erkenntnis ausgestattet.

21. Mit weißen, roten, schwarzen, gelben, kristallenen, mondgleichen, goldenen, rötlichen, bienen- und feuerfarbenen Brahma-Gliedern erscheint die Gestalt vielfarbig. Durch die Vereinigung von Bhava, Hara und Shiva wird sie kristallgleich. So erklären die Shaiva-Lehren die Verschiedenheit der Farben der Gesichter des Herrn über Bewusstes und Unbewusstes.

22. Durch Ishana, der von der Natur des Raumes und von weißem Glanz ist, werden die vier Gesichter des Herrn durchdrungen – Tatpurusha, Aghora, Vama und Sadyojata. Daher kennen die Shiva-Kundigen die Gesamtgestalt als weiß leuchtend, während die einzelnen Gesichter entsprechend den Himmelsrichtungen gelbe und andere Farben tragen.

23. Ich verehre Shiva mit den Gesichtern Ishana, Tatpurusha, Aghora, Vama und Sadyojata – in Gestalten von Kindheit, Jugend, Alter, Weiblichem und Männlichem.

24. Der Herr trägt Dreizack und Khatvanga, ist mit Shakti verbunden, hält die Geste der Gabe und einen Lotos, und seine Hand gewährt Furchtlosigkeit. Er ist mit blauem Lotos, Schlange und Damaru versehen, trägt die Bijapura-Frucht und eine Gebetskette.

25. Die drei Shaktis des Herrn, aus Erkenntnis und Wonne bestehend und die Furcht vor dem Werden zerstörend, entfalten sich durch Wandlung aus dem einen Samen. Prakriti ist auf Kala und die folgenden Prinzipien ausgerichtet; die lange Gebetskette bedeutet den Geist. So soll man nach den Agamas den Waffenverband Shambhus erkennen – als nichts anderes als seine höchste Wirklichkeit.

26. Ich verehre Ishana, den Herrn aller Wissenschaften und aller Wesen, den Herrn Brahmas, der kraft seiner Brahman-Natur formlos und Sadashiva ist.

27. Ich verehre Tatpurusha, den großen Gott, der den Bhaktas die Erkenntnis Shivas schenkt, Rudra, der die Tattvas antreibt, damit die Vollendung in Shiva erlangt werde.

28. Ich verehre Aghora, der nicht schrecklich ist, der die Fesseln der gebundenen Wesen beseitigt, der selbst das Schrecklichste überragt; in Sharva, dem Vielgestaltigen, nehme ich Zuflucht vor allem.

29. Ich verehre Vama, Jyeshtha, Raudri, Kalavikarani, Balavikarani, Kanta, Balapramathani, Sarvabhutadamani und Manonmani.

30. Ich verehre Sadyojata, den Allwissenden, der den sich Verneigenden die Furcht des Werdens nimmt, der über das Werden hinausführt, makellos ist und als Bhavodbhava, Herr der Welt, erscheint.

31. Verehrung sei jenem Höchsten: dessen ursprüngliche Mantra-Kraft als Flamme des ungewordenen Nada aufsteigt, der die Stufen von Brahma bis Sadashiva überschreitet und im höchsten Raum verweilt, der aus Erkenntnis und Wonne besteht, alles durchdringt, ewig und das Selbst des Universums ist, rein und von makellosem Glanz.

32. Ich verneige mich vor dem formlosen, unvergänglichen höchsten Shiva, dessen höchster Sitz in einer geheimen Zahlen- und Kalasymbolik beschrieben wird und der jenseits von Unmani steht.

33. Möge euch Shiva schützen – mit seiner aus Bija, Kala, Nada, Sonnen- und Mondformen aufgebauten Gestalt, der zugleich mit Teilen, teils formlos und völlig formlos ist.

34. Ich verneige mich vor Shankara, dem formlosen Herrn aller Mantras, dem Prasada-Mantra, der den sechs Pfaden innewohnt und in der überlieferten Mantra- und Kalasymbolik beschrieben wird.

35. O Mahesha, deine Verehrung mit inneren Mudras, in denen Bewusstsein, Offenbarung, Bestand und Zurücknahme in die Einheit mit Shiva münden, sowie mit Wasser für die Füße, Wasser zum Trinken, Arghya und Blumen – sie ist die Frucht dieses menschlichen Lebens.

36. Die Anrufung ist das Aufleuchten des Bewusstseins im eigenen Selbst; das Aufstellen des Herrn ist sein Festsetzen dort; seine Gegenwart ist die Gegenwart des Herrn im Selbst; die Umschließung besteht im Zurückhalten des eigenen Selbst in Shiva.

37. Verehrung sei Bhava, dessen Herz reines Erkennen ist; Verehrung der Gestalt, ausgezeichnet durch Eigenschaften und Herrlichkeit; Verehrung deiner Shikha, deren Wesen unabhängige Herrschaft ist; Verehrung deinem Wesen als leuchtendes Kavacha.

38. Verehrung dem Dreizackträger, der die durch Unreinheit bewirkten Begrenzungen der gebundenen Wesen nicht duldet und die Waffe mächtiger Glut trägt; Verehrung dem Unwandelbaren in der Gestalt der sechs Glieder, Sadashiva, dessen Wesen Nektar ist.

39. Für Shiva, der seinem Wesen nach rein ist, dient das Wasser für die Füße und das Achamana der eigenen Läuterung; Arghya und Blumen werden dargebracht, um den entsprechenden göttlichen Zustand zu erlangen.

40. Das rituelle Bad beseitigt die Unreinheit des eigenen Selbst; das Salben mit glückverheißenden Düften, gute Gewänder und Schmuck sowie die Verehrung mit duftenden Blumen und Girlanden gelten Sadashiva. Das ordnungsgemäße Darbringen von Weihrauch dient dem Genuss des begrenzten Wesens, die reine Lampe aber schenkt Shiva-Erkenntnis.

41. Verehrung den aus den Gliedern Shivas hervorgegangenen Mantra-Gestalten von Herz und den übrigen Gliedern, mit verschiedenen Farben und Erscheinungen, mit mehreren Augen und Gesichtern und mit Händen, die Gaben, Furchtlosigkeit, Dreizack und Shakti tragen.

42. Die Verehrung der Genuss-Glieder dient dem Erlangen der Eigenschaften Shivas; ihre Vereinigung mit dem Herrn dient der Vereinigung des gereinigten Verehrers mit Shiva. Speise, Wasser und Mundduft werden dem bereits erfüllten Herrn zur Befriedigung des Geistes dargebracht. Wunderbar ist die Frucht der Verehrung: der glückverheißende Zustand Shivas.

43. Dem bereits Geheiligten wird das Pavitra dargebracht, das die dreifache Bedrängnis vernichtet und zur Vollendung aller Ziele führt. Japa und hingebungsvolle Verneigung vor Shiva führen zu hohen göttlichen Zuständen wie denen Brahmas, Indras und Vishnus.

44. Wer erkennt, dass Shiva in der äußeren Verehrung als Sakala, im Japa als Sakala-Nishkala, im immer gegenwärtigen Zustand als Nishkala, alle Pfade durchdringend als vollkommen, in der Selbsthingabe als Fülle des eigenen Wesens, im Raum als kristallklar und im Heiligtum mit den Kalas verbunden ist – der ist selbst Shiva; daran besteht kein Zweifel.

45. Erneute Verehrung bewirkt die Gegenwart des Herrn; das Gebet dient der gegenseitigen Schau von Selbst und Herr im göttlichen Bereich und dem Genuss im Sadashiva-Zustand. Verehrung von Ishana und Agni sowie Darbringung dienen der Auflösung der drei Bindungen des Karma; Selbsthingabe dient dem Verweilen des eigenen Selbst im höchsten Shiva.

46. Die nach außen gerichtete Arghya-Gabe dient dazu, die Masse der unreinen Tattvas auszuschließen. Wer im höchsten Herrn den Vollzug des Visarga vollzieht, der das Verweilen in ihm bewirkt, gelangt zum shaivischen Zustand.

47. Der erhabene Brahmane und Weise Jñānaśambhu aus dem Chola-Land, kundig im Siddhanta, verfasste auf Shivas Weisung hin voller Hingabe dieses heilige Stotra der Shiva-Puja – zum Genuss in dieser Welt und zur Befreiung.

Zentrale Lehren des Shiva Puja Stava

Puja ist äußeres Ritual und innerer Yoga zugleich
Besonders die Verse 10–12 zeigen, dass Jñānaśambhu äußere und innere Verehrung nicht gegeneinander ausspielt. Das Herz wird zum Tempel, Erkenntnis zum Linga, Loslösung zum Sandelholz, Tugenden zu Blumen, Pranayama zum Weihrauch und Bewusstsein zur Lampe. Die äußere Puja bleibt gültig, gewinnt aber eine innere Entsprechung.

Shiva ist im Körper gegenwärtig
Vers 9 sagt ausdrücklich, dass der allgegenwärtige Shiva im Körper erkannt und im Shiva-Linga verehrt werden soll. Diese Verbindung von Mikrokosmos, Tempel und Gottheit ist ein Grundmotiv tantrischer Ritualtheologie.

Meditation vertieft die Ritualhandlung
Die Tagesmeditationen der Verse 3–6 führen vom Herz-Lotos über den inneren Raum und den Nada bis zu einem Shiva jenseits von begrifflicher Vorstellung. Ritual wird so zur Schule der Kontemplation.

Die fünf Gesichter Shivas
Ishana, Tatpurusha, Aghora, Vama und Sadyojata werden als unterschiedliche Gesichter derselben Gottheit verehrt. Der Text verbindet sie mit Farben, Mantras, Shaktis und kosmologischen Zuordnungen.

Selbsthingabe ist die Vollendung der Puja
Im Vers 44 erreicht die Puja ihre höchste Deutung. Shiva wird in verschiedenen Graden von Form und Formlosigkeit erkannt, und in der Selbsthingabe wird die Trennung zwischen Verehrer und Verehrtem überwunden.

Ritual bleibt traditionsgebunden
Viele Passagen verwenden technische Begriffe der initiierten Śaiva-Siddhānta-Praxis. Sie sind daher nicht als vollständige moderne Ritualanleitung zu verstehen. Der Text setzt eine lebendige Überlieferung, Mantra-Unterweisung und rituelle Kompetenz voraus.


Inspirationen aus dem Shiva Puja Stava

„Das Herz ist der Tempel Shivas.“
hṛtpadmākhyaśivālaye manasije

Inspiration: Der äußere Tempel erinnert an den inneren. Meditation kann das Herz selbst zum Raum der Verehrung werden lassen.

„Ahimsa und andere Tugenden sind die Blumen.“
vairāgyeṇa ca candanena vasubhiḥ puṣpair ahiṃsādibhiḥ

Inspiration: Die schönste Opfergabe ist nicht nur eine äußere Blüte. Gewaltlosigkeit, Reinheit, Loslösung und Güte können selbst zu Blumen werden, die Shiva dargebracht werden.

„Pranayama ist Weihrauch, Bewusstsein die Lampe.“
prāṇāyāmabhavena dhūpavidhinā ciddīpadānena yaḥ

Inspiration: Atem und Bewusstheit können jede äußere Handlung vertiefen. Der Atem sammelt die Lebenskraft; klares Gewahrsein erhellt den inneren Tempel.

„Die Anrufung ist das Aufleuchten des Bewusstseins im eigenen Selbst.“
āvāhanaṃ svātmani citprakāśas

Inspiration: Gott muss nicht von einem fernen Ort herbeigerufen werden. Die tiefste Anrufung geschieht, wenn Bewusstsein im eigenen Inneren als heilige Gegenwart erkannt wird.

„Wer den höchsten Shiva erkennt, ist selbst Shiva.“
yo hi vetti paraṃ śivaṃ śiva eva so 'tra na saṃśayaḥ

Inspiration: Die höchste Verehrung führt von Beziehung zu Erkenntnis: Was zunächst als göttliches Gegenüber verehrt wird, wird schließlich als tiefste eigene Wirklichkeit erkannt.


Verhältnis zu anderen Tantra- und Yoga-Schriften

Das Shiva Puja Stava gehört in die Ritualwelt des Shaiva Siddhanta und steht damit näher an Agamas, Paddhatis und liturgischen Stotras als an rein philosophischen Werken. Thematisch lässt es sich mit dem Panchavarana Stava des Aghorashiva und mit anderen Śaiva-Ritualtexten vergleichen, in denen die Visualisation Sadashivas und seiner Umgebung in hymnischer Form entfaltet wird.

Eine deutlich stärker nichtdual formulierte Verinnerlichung der Puja findet sich im Bhavopahara Stotra. Dort werden sämtliche Erfahrungen selbst zu Opfergaben des Bewusstseins. Das Shiva Puja Stava bewahrt demgegenüber stärker die Struktur der Siddhanta-Puja, öffnet sie aber ebenfalls für innere Bedeutungen.

Thematische Berührungspunkte mit dem Vijnana Bhairava Tantra bestehen bei Atem, innerem Raum und Meditation, doch die rituelle und theologische Grundstruktur ist verschieden. Das Shiva Puja Stava bleibt eindeutig in einer liturgischen Śaiva-Siddhānta-Welt verankert.

Für Yoga-Aspiranten kann der Text zeigen, wie Bhakti, Ritual und Meditation zusammengehören können. Die äußere Verehrung wird nicht durch Meditation ersetzt; vielmehr kann jede Opfergabe durch eine entsprechende innere Haltung vertieft werden.


Shiva Puja und heutige Praxis

Shiva Puja kann als Verehrungsritual für Shiva verstanden werden, in dem Bhakti, Meditation und rituelle Handlung zusammenwirken. Das Shiva Puja Stava zeigt dazu einen traditionellen theologischen Hintergrund: Puja ist nicht nur eine Reihenfolge von Handlungen, sondern kann zu einer umfassenden spirituellen Schulung werden.

Zur Veranschaulichung einer heutigen Shiva-Puja kann diese Yoga-Vidya-Aufnahme ergänzend eingebunden werden:

Shri Karthikeyan bei einer Puja im Shiva-Raum von Yoga Vidya Westerwald.


Abschließende Betrachtung
Das Shiva Puja Stava zeigt eine religiöse Welt, in der Ritual und Erkenntnis nicht getrennt sind. Der Körper wird gereinigt, der Tempel vorbereitet, Shiva visualisiert, Mantras werden rezitiert und Opfergaben dargebracht – doch all dies weist zugleich nach innen. Der Herz-Lotos wird zum Heiligtum, Pranayama zum Weihrauch, Bewusstsein zum Licht und Selbsthingabe zum letzten Opfer.

Damit besitzt der Text auch für heutige Aspiranten eine zeitlose Aussage: Eine Handlung wird spirituell nicht allein durch ihre äußere Form, sondern durch Bewusstheit, Hingabe und innere Ausrichtung. Wo äußere Puja und innere Verehrung zusammenkommen, kann das ganze Leben zu einer Bewegung hin zu Shiva werden.

Textgrundlage
Grundlage ist ausschließlich der vom Nutzer bereitgestellte GRETIL-Text Jñānaśambhu: Śivapūjāstava. Die elektronische Fassung wurde von Dominic Goodall eingegeben und beruht auf der Ausgabe von K. M. Subrahmanyasastri: Śivapūjāstavaḥ savyākhyaḥ Jñānaśambhuśivācāryapraṇītaḥ, Devakottai 1935. Der gelieferte Text enthält 47 Verse mit Pada-Markierungen. Der Sanskrit-Grundtext des vorliegenden Artikels wurde nicht aus anderen Editionen ergänzt.

Siehe auch

Seminare

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