Shariraka Upanishad

Aus Yogawiki
(Weitergeleitet von Sharirakopanishad)

Die Shariraka Upanishad (Sanskrit: शारीरकोपनिषत्, Śārīrakopaniṣat) ist eine Samanya Upanishad des Krishna Yajurveda und steht in der Muktika-Liste an 62. Stelle. Ihr Name bedeutet „Upanishad über das Leibliche“. Sie untersucht den Menschen als Zusammenspiel der fünf Elemente, Sinnes- und Handlungsorgane, inneren Geistesfunktionen, drei Gunas und vier Bewusstseinszustände.

Der Text beginnt beim Körper, bleibt jedoch nicht beim Körper stehen. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum erklären seine wechselnden Bestandteile; Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta ordnen Erfahrung. Am Ende unterscheidet die Schrift den vergänglichen Verbund der Tattvas vom Purusha, der über ihnen steht. Der Körper wird dadurch zum Feld der Erkenntnis, nicht zur letzten Identität des Menschen.

Körper, Sinne und Geist sind nach der Shariraka Upanishad das Feld, in dem der unveränderliche Zeuge erkannt werden kann.

Für heutige Übende verbindet die Schrift Yoga, Selbsterforschung und Meditation. Ihre Zuordnungen sind historische philosophische Modelle, keine moderne Anatomie oder Medizin. Fruchtbar werden sie, wenn sie zu achtsamer Körperwahrnehmung, ethischer Läuterung und zur Frage führen: Wer erkennt alle körperlichen und geistigen Veränderungen?

Shariraka Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die folgende Studienfassung enthält alle Prosateile und jeden der acht Verse einzeln. Die beiden Prosatitel sind redaktionelle Lernhilfen und keine fingierten alten Verszahlen.

Eröffnungsvers Shariraka Upanishad
tattvagrāmopāyasiddhaṃ paratattvasvarūpakam |
śārīropaniṣadvedyaṃ śrīrāmabrahma me gatiḥ ||

Deutsche Übersetzung: Mein Ziel ist Shri Rama-Brahman: Es wird durch die in der Shariraka Upanishad gelehrte Gesamtheit der Prinzipien erkannt und besitzt die Natur der höchsten Wirklichkeit.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tattva-grāma – Gesamtheit der Prinzipien; upāya-siddham – durch die Methode verwirklicht beziehungsweise erkannt; para-tattva-svarūpakam – von der Natur der höchsten Wirklichkeit; śārīra-upaniṣad-vedyam – durch die Shariraka Upanishad zu erkennen; śrī-rāma-brahma – Shri Rama als Brahman; me gatiḥ – mein Ziel, meine Zuflucht

Shanti Mantra Shariraka Upanishad
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Deutsche Übersetzung: Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; saha nau avatu – möge es uns beide beschützen; saha nau bhunaktu – möge es uns beide nähren; saha vīryaṃ karavāvahai – mögen wir gemeinsam kraftvoll wirken; tejasvi nau adhītam astu – möge unser Studium lichtvoll sein; mā vidviṣāvahai – mögen wir einander nicht ablehnen; śāntiḥ – Frieden

Erster Prosateil Shariraka Upanishad
oṃ athātaḥ pṛthivyādimahābhūtānāṃ samavāyaṃ śarīram |
yatkaṭhinaṃ sā pṛthivī yaddravaṃ tadāpo yaduṣṇaṃ tattejo yatsaṃcarati
sa vāyuryatsuṣiraṃ tadākāśam |
śrotrādīni jñānendriyāṇi | śrotramākāśe vāyau tvagagnau cakṣurapsu
jihvā pṛthivyāṃ ghrāṇamiti |
evamindriyāṇāṃ yathākrameṇa śabdasparśarūparasagandhāścaite
viṣayāḥ pṛthivyādimahābhūteṣu krameṇotpannāḥ |
vākpāṇipādapāyūpasthākhyāni karmendriyāṇi |
teṣāṃ krameṇa vacanādānagamanavisargānandaścaite viṣayāḥ
pṛthivyādimahābhūteṣu krameṇotpanāḥ |
manobuddhirahaṅkāraścittamityantaḥkaraṇacatuṣṭayam |
teṣāṃ krameṇa saṅkalpavikalpādhyavasāyābhimānāvadhāraṇāsvarūpaścaite
viṣayāḥ |
manaḥsthānaṃ galāntaṃ buddhervadanamahaṅkārasya hṛdayaṃ cittasya nābhiriti |
asthicarmanāḍīromamāṃsāśceti pṛthivyaṃśāḥ |
mūtraśleṣmaraktaśukrasvedā abaṃśāḥ |
kṣuttṛṣṇālasyamohamaithunānyagneḥ |
pracāraṇavilekhanasthūlākṣyunmeṣanimeṣādi vāyoḥ |
kāmakrodhalobhamohabhayānyākāśasya |
śabdasparśarūparasagandhāḥ pṛthivīguṇāḥ |
śabdasparśarūparasāścāpāṃ guṇāḥ |
śabdasparśarūpāṇyagniguṇāḥ |
śabdasparśāviti vāyuguṇau |
śabda eka ākāśasya |
sāttvikarājasatāmasalakṣaṇāni trayo guṇāḥ ||

Deutsche Übersetzung: Om. Nun also: Der Körper ist eine Verbindung der großen Elemente, beginnend mit Erde. Was hart ist, gehört zur Erde; was flüssig ist, zum Wasser; was warm ist, zum Feuer; was sich bewegt, zur Luft; was hohl oder offen ist, zum Raum.

Ohr und die übrigen sind die Erkenntnisorgane. Das Hören wird dem Raum, die Haut der Luft, das Auge dem Feuer, die Zunge dem Wasser und der Geruchssinn der Erde zugeordnet. Ihre Gegenstände sind der Reihe nach Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch. Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan heißen Handlungsorgane; ihre Funktionen sind Sprechen, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Lust beziehungsweise Fortpflanzung.

Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta bilden das vierfache innere Instrument. Ihre Funktionen sind Erwägen und Zweifeln, Entschließen, Ich-Zuschreibung und Festhalten beziehungsweise Erinnern. Der Text nennt als ihre symbolischen Sitze das Ende der Kehle, das Gesicht, das Herz und den Nabel.

Knochen, Haut, Nadis, Haare und Fleisch gelten als Anteile der Erde; Urin, Schleim, Blut, Zeugungssubstanz und Schweiß als Anteile des Wassers. Hunger, Durst, Trägheit, Verwirrung und Sexualtrieb werden dem Feuer, Bewegung und das Öffnen und Schließen der Augen der Luft, Begehren, Zorn, Gier, Verblendung und Furcht dem Raum zugerechnet. Erde besitzt in diesem Modell fünf Sinnesqualitäten, Wasser vier, Feuer drei, Luft zwei und Raum eine. Die drei Gunas sind Sattva, Rajas und Tamas.

Wort-für-Wort-Erläuterung: atha ataḥ – nun also; pṛthivī-ādi-mahābhūtānām – der großen Elemente, beginnend mit Erde; samavāyam – Verbindung; śarīram – Körper; kaṭhinam – hart; dravam – flüssig; uṣṇam – warm; saṃcarati – bewegt sich; suṣiram – hohl, offen; pṛthivī, āpaḥ, tejas, vāyuḥ, ākāśam – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum; jñānendriyāṇi – Erkenntnisorgane; śrotram – Ohr beziehungsweise Hören; tvak – Haut; cakṣuḥ – Auge; jihvā – Zunge; ghrāṇam – Geruchssinn; śabda, sparśa, rūpa, rasa, gandha – Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch; viṣayāḥ – Gegenstände; karmendriyāṇi – Handlungsorgane; vāk, pāṇi, pāda, pāyu, upastha – Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan; vacana, ādāna, gamana, visarga, ānanda – Sprechen, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Lust; manas, buddhi, ahaṅkāra, cittam – denkender Geist, Erkenntniskraft, Ich-Funktion und Gedächtnisfeld; antaḥkaraṇa-catuṣṭayam – vierfaches inneres Instrument; saṅkalpa-vikalpa – Entwerfen und Zweifeln; adhyavasāya – Entschluss; abhimāna – Ich-Zuschreibung; avadhāraṇā – Festhalten; asthi, carma, nāḍī, roma, māṃsa – Knochen, Haut, Leitbahn, Haar und Fleisch; mūtra, śleṣma, rakta, śukra, sveda – Urin, Schleim, Blut, Zeugungssubstanz und Schweiß; kṣut, tṛṣṇā, ālasya, moha, maithuna – Hunger, Durst, Trägheit, Verwirrung und Sexualtrieb; kāma, krodha, lobha, moha, bhaya – Begehren, Zorn, Gier, Verblendung und Furcht; guṇāḥ – Eigenschaften beziehungsweise Grundqualitäten; sāttvika, rājasa, tāmasa – von Sattva, Rajas und Tamas geprägt

1. Vers Shariraka Upanishad
ahiṃsā satyamasteyabrahmacaryāparigrahāḥ |
akrodho guruśuśrūṣā śaucaṃ santoṣa ārjavam || 1 ||

Deutsche Übersetzung: Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya und Nichtbesitzergreifen; Freiheit von Zorn, lernbereiter Dienst am Lehrer, Reinheit, Zufriedenheit und Aufrichtigkeit werden genannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ahiṃsā – Nichtverletzen; satyam – Wahrhaftigkeit; asteya – Nichtstehlen; brahmacarya – verantwortliche Führung der Lebensenergie; aparigraha – Nichtbesitzergreifen; akrodhaḥ – Freiheit von Zorn; guru-śuśrūṣā – lernbereiter Dienst am Lehrer; śaucam – Reinheit; santoṣaḥ – Zufriedenheit; ārjavam – Aufrichtigkeit

2. Vers Shariraka Upanishad
amānitvamadambhitvamāstikatvamahiṃsratā |
ete sarve guṇā jñeyāḥ sāttvikasya viśeṣataḥ || 2 ||

Deutsche Übersetzung: Bescheidenheit, Freiheit von Heuchelei, Vertrauen in die geistige Wirklichkeit und Gewaltlosigkeit: Alle diese Eigenschaften sind besonders als sattvig zu erkennen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: amānitvam – Bescheidenheit; adambhitvam – Freiheit von Heuchelei; āstikatvam – Vertrauen in geistige Wirklichkeit; ahiṃsratā – Gewaltlosigkeit; ete sarve guṇāḥ – all diese Eigenschaften; jñeyāḥ – sind zu erkennen; sāttvikasya viśeṣataḥ – besonders als sattvig

3. Vers Shariraka Upanishad
ahaṃ kartāsmyahaṃ bhoktāsmyahaṃ vaktā'bhimānavān |
ete guṇā rājasasya procyante brahmavittamaiḥ || 3 ||

Deutsche Übersetzung: „Ich bin der Handelnde, ich bin der Genießende, ich bin der Sprecher“ – diese von Ich-Anspruch geprägten Eigenschaften werden von den besten Kennern Brahmans als rajasig bezeichnet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: aham kartā asmi – ich bin der Handelnde; aham bhoktā asmi – ich bin der Genießende; aham vaktā – ich bin der Sprecher; abhimānavān – von Ich-Anspruch erfüllt; ete guṇāḥ – diese Eigenschaften; rājasasya – des Rajas; procyante – werden bezeichnet; brahmavit-tamaiḥ – von den besten Kennern Brahmans

4. Vers Shariraka Upanishad
nidrālasye moharāgau maithunaṃ cauryameva ca |
ete guṇastāmasasya procyante brahmavādibhiḥ || 4 ||

Deutsche Übersetzung: Übermäßiger Schlaf und Trägheit, Verwirrung und blinde Anhaftung, ungezügelte Sexualität und Diebstahl werden von den Lehrern Brahmans als tamasig bezeichnet.

Wort-für-Wort-Erläuterung: nidrā – Schlaf; ālasya – Trägheit; moha – Verwirrung; rāga – Anhaftung; maithunam – geschlechtliche Vereinigung; cauryam – Diebstahl; ete guṇāḥ – diese Eigenschaften; tāmasasya – des Tamas; procyante – werden bezeichnet; brahmavādibhiḥ – von den Lehrern Brahmans

Zweiter Prosateil Shariraka Upanishad
ūrdhve sāttviko madhye rajaso'dhastāmasa iti |
satyajñānaṃ sāttvikam | dharmajñānaṃ rājasam | timirāndhaṃ tāmasamiti |
jāgratsvapnasuṣuptiturīyamiti caturvidhā avasthāḥ |
jñānendriyakarmendriyāntaḥkaraṇacatuṣṭayaṃ caturdaśakaraṇayuktaṃ jāgrat |
antaḥkaraṇacatuṣṭayaireva saṃyuktaḥ svapnaḥ |
cittaikakaraṇā suṣuptiḥ |
kevalajīvayuktameva turīyamiti |
unmīlitanimīlitamadhyasthajīvaparamātmanormadhye
jīvātmā kṣetrajña iti vijñāyate ||

Deutsche Übersetzung: Sattva wird oben, Rajas in der Mitte und Tamas unten verortet. Erkenntnis der Wahrheit gilt als sattvig, Erkenntnis des Dharma als rajasig und von Finsternis verblendete Erkenntnis als tamasig. Die vier Zustände sind Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya. Im Wachen wirken vierzehn Instrumente: fünf Erkenntnisorgane, fünf Handlungsorgane und das vierfache innere Instrument. Im Traum wirkt das innere Instrument; im Tiefschlaf bleibt Chitta als einziges Instrument; Turiya ist allein mit dem Jiva verbunden. Zwischen dem nach außen geöffneten und dem geschlossenen Zustand, zwischen Jiva und Paramatman, wird der Jivatman als Kshetrajna, Kenner des Feldes, erkannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ūrdhve – oben; madhye – in der Mitte; adhaḥ – unten; satya-jñānam – Erkenntnis der Wahrheit; dharma-jñānam – Erkenntnis des Dharma; timira-andham – von Finsternis geblendet; jāgrat – Wachen; svapna – Traum; suṣupti – Tiefschlaf; turīyam – der vierte Zustand; caturvidhā avasthāḥ – vier Zustände; jñānendriya – Erkenntnisorgane; karmendriya – Handlungsorgane; antaḥkaraṇa-catuṣṭayam – vierfaches inneres Instrument; caturdaśa-karaṇa-yuktam – mit vierzehn Instrumenten versehen; citta-eka-karaṇā – mit Chitta als einzigem Instrument; kevala-jīva-yuktam – allein mit dem Jiva verbunden; jīvātmā – individuelles Selbst; kṣetrajñaḥ – Kenner des Feldes; vijñāyate – wird erkannt

5. Vers Shariraka Upanishad
buddhikarmendriyaprāṇapañcakairmanasā dhiyā |
śarīraṃ saptadaśabhiḥ sūkṣmaṃ talliṅgamucyate || 5 ||

Deutsche Übersetzung: Das aus siebzehn Gliedern bestehende Gebilde – fünf Erkenntnisorgane, fünf Handlungsorgane, fünf Pranas, Manas und Buddhi – wird subtiler oder Linga-Körper genannt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jñānendriya-pañcaka – fünf Erkenntnisorgane, in der knappen Zählung sinngemäß enthalten; karmendriya-pañcaka – fünf Handlungsorgane; prāṇa-pañcaka – fünf Lebenskräfte; manasā – mit Manas; dhiyā – mit Buddhi; saptadaśabhiḥ – aus siebzehn; sūkṣmaṃ śarīram – subtiler Körper; tat liṅgam ucyate – das wird Linga genannt

6. Vers Shariraka Upanishad
mano buddhirahaṅkāraḥ khānilāgnijalāni bhūḥ |
etāḥ prakṛtayastvaṣṭau vikārāḥ ṣoḍaśāpare || 6 ||

Deutsche Übersetzung: Manas, Buddhi, Ahamkara sowie Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde sind die acht Naturprinzipien; sechzehn weitere gelten als ihre Umwandlungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: manas – Manas; buddhiḥ – Buddhi; ahaṅkāraḥ – Ich-Funktion; kha – Raum; anila – Luft; agni – Feuer; jala – Wasser; bhūḥ – Erde; prakṛtayaḥ aṣṭau – acht Naturprinzipien; vikārāḥ – Umwandlungen; ṣoḍaśa apare – sechzehn weitere

7. Vers Shariraka Upanishad
śrotraṃ tvakcakṣuṣī jihvā ghrāṇaṃ caiva tu pañcamam |
pāyūpasthau karau pādau vākcaiva daśamī matā || 7 ||

Deutsche Übersetzung: Ohr, Haut, Augen, Zunge und als fünftes der Geruchssinn; Ausscheidungs- und Zeugungsorgan, Hände, Füße und als zehntes die Rede – so werden die zehn Sinnes- und Handlungsorgane gezählt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śrotram – Ohr; tvak – Haut; cakṣuṣī – Augen; jihvā – Zunge; ghrāṇam – Geruchssinn; pañcamam – das fünfte; pāyu – Ausscheidungsorgan; upastha – Zeugungsorgan; karau – Hände; pādau – Füße; vāk – Rede; daśamī matā – als zehntes angesehen

8. Vers Shariraka Upanishad
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca raso gandhastathaiva ca |
trayoviṃśatiretāni tattvāni prakṛtāni tu |
caturviṃśatiravyaktaṃ pradhānaṃ puruṣaḥ paraḥ || 8 ||

Deutsche Übersetzung: Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch ergänzen die Zählung: Dies sind die dreiundzwanzig aus Prakriti hervorgegangenen Tattvas. Das vierundzwanzigste ist das Unmanifeste, Pradhana; der Purusha aber ist jenseits davon.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śabdaḥ – Klang; sparśaḥ – Berührung; rūpam – Form; rasaḥ – Geschmack; gandhaḥ – Geruch; trayoviṃśatiḥ – dreiundzwanzig; etāni tattvāni – diese Prinzipien; prakṛtāni – aus Prakriti hervorgegangen; caturviṃśatiḥ – das vierundzwanzigste; avyaktam – das Unmanifeste; pradhānam – Pradhana, Urnatur; puruṣaḥ paraḥ – der Purusha ist jenseits davon

Schlusssatz Shariraka Upanishad
ityupaniṣat ||

Deutsche Übersetzung: So lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iti – so; upaniṣat – Upanishad, vertrauliche geistige Lehre

Schlussformel Shariraka Upanishad
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti kṛṣṇayajurvedīya śārīrakopaniṣatsamāptā ||

Deutsche Übersetzung: Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden. So endet die Shariraka Upanishad des Krishna Yajurveda.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – Om; saha nau avatu – möge es uns beide beschützen; saha nau bhunaktu – möge es uns beide nähren; saha vīryaṃ karavāvahai – mögen wir gemeinsam kraftvoll wirken; tejasvi nau adhītam astu – möge unser Studium lichtvoll sein; mā vidviṣāvahai – mögen wir einander nicht ablehnen; śāntiḥ – Frieden; iti kṛṣṇa-yajurvedīya śārīraka-upaniṣat samāptā – so endet die Shariraka Upanishad des Krishna Yajurveda

Shariraka Upanishad: Datierung, Überlieferung, Inhalt und Bedeutung

Name, Einordnung und Textgestalt

Śārīraka bedeutet „zum Körper gehörig“ oder „die körperliche Beschaffenheit betreffend“. Der Text katalogisiert Bestandteile des Leibes und fragt zugleich nach demjenigen, der dieses Feld erkennt. Die Zuordnung zum Krishna Yajurveda folgt dem Kolophon und der Muktika-Sammlung. Die erhaltene Fassung besteht aus längerer Prosa und acht metrischen Versen; kleinere Lesarten und grammatische Unebenheiten unterscheiden einzelne Ausgaben.

Datierung

Autor, Entstehungsort und genaue Zeit sind unbekannt. Die systematische Verbindung von Samkhya-naher Tattva-Lehre, vedantischer Zeugenlehre und später Upanishaden-Sprache weist auf eine jüngere Neben-Upanishad. Ihre erhaltene Gestalt dürfte im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen sein. Einzelne Motive – fünf Elemente, vier Bewusstseinszustände und Feldkenner – sind erheblich älter.

Körper und fünf Elemente

Der Körper ist ein Zusammenkommen der fünf großen Elemente. Härte wird Erde, Flüssigkeit Wasser, Wärme Feuer, Bewegung Luft und Hohlraum Akasha zugeordnet. Körperlichkeit ist damit kein unteilbares Ding, sondern eine zeitweilige Ordnung verschiedener Bedingungen. Das ist eine kontemplative Landkarte, keine biomedizinische Theorie.

Sinne, Handlungen und Antahkarana

Die fünf Jnana Indriyas sind Hören, Tasten, Sehen, Schmecken und Riechen; die fünf Karma Indriyas Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan. Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta heißen gemeinsam Antahkarana. Sie stehen für Erwägen, Unterscheiden, Ich-Zuschreibung und Erinnern. Ihre im Text genannten körperlichen Sitze gehören zur subtilen Anthropologie und dürfen nicht mit moderner Neuroanatomie verwechselt werden.

Die Unterscheidung von Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta unterstützt eine genaue Selbstbeobachtung.

Die drei Gunas und Ethik

Die Verse 1–4 verbinden Sattva mit Ahimsa, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Zufriedenheit und Aufrichtigkeit. Rajas zeigt sich im stolzen Anspruch „Ich allein handle und genieße“; Tamas in Trägheit, Verwirrung und schädigendem Verhalten. Diese Qualitäten sind veränderliche Bewegungen des Geistes, keine starren Etiketten für Menschen.

Vier Bewusstseinszustände

Wie die Mandukya Upanishad unterscheidet die Schrift Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya. Im Wachen wirken äußere und innere Instrumente, im Traum vor allem die inneren Funktionen, im Tiefschlaf sind die differenzierten Tätigkeiten zurückgenommen. Die Untersuchung fragt: Was kennt das Wachen, erinnert den Traum und bezeugt den Wechsel aller Zustände?

Subtiler Körper, Tattvas und Purusha

Vers 5 zählt siebzehn Glieder des feinstofflichen Körpers: fünf Erkenntnisorgane, fünf Handlungsorgane, fünf Pranas, Manas und Buddhi. Die letzten Verse führen zu dreiundzwanzig beziehungsweise vierundzwanzig Tattvas. Die Zählung ist in der überlieferten Kurzfassung nicht vollkommen glatt; der philosophische Abschluss ist jedoch eindeutig: Der Purusha ist jenseits der manifesten und unmanifesten Natur.

Bedeutung heute

Für Yoga Aspiranten kann die Schrift eine Landkarte der Selbstbeobachtung sein. In Asanas lassen sich Festigkeit, Wärme, Atembewegung und Raum wahrnehmen; im Pratyahara können Sinnesorgan, Gegenstand und bewusster Zeuge unterschieden werden. Nichtidentifikation bedeutet dabei nicht Vernachlässigung: Der vergängliche Körper bleibt ein kostbares Feld der Praxis und verantwortlichen Fürsorge.

Für Yogalehrer bietet der Text ein klassisches Vokabular, das klar von Medizin und Psychologie unterschieden werden sollte. Die Gunas lassen sich als wechselnde Qualitäten vermitteln, ohne Lernende festzuschreiben. Besonders wichtig ist die Verbindung von Erkenntnis und Ethik: Yoga ist mehr als Körpertechnik.

Bleibende Botschaft

Körper, Sinne, Gedanken, Ich-Gefühl und selbst der unmanifestierte Naturgrund sind erfahrbar und veränderlich. Der Purusha ist der nicht auf diese Veränderungen reduzierbare Zeuge. Die Upanishad lädt dazu ein, den Körper genau zu erforschen, ihn verantwortlich zu pflegen und zugleich zu erkennen, dass das tiefste Selbst nicht auf irgendeinen seiner Zustände begrenzt ist.

Shariraka Upanishad – vollständiger Text in Devanagari

Eröffnungsvers Shariraka Upanishad
तत्त्वग्रामोपायसिद्धं परतत्त्वस्वरूपकम् ।
शारीरोपनिषद्वेद्यं श्रीरामब्रह्म मे गतिः ॥

Shanti Mantra Shariraka Upanishad
ॐ सह नाववतु । सह नौ भुनक्तु । सह वीर्यं करवावहै ।
तेजस्वि नावधीतमस्तु । मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Erster Prosateil Shariraka Upanishad
ॐ अथातः पृथिव्यादिमहाभूतानां समवायं शरीरम् ।
यत्कठिनं सा पृथिवी यद्द्रवं तदापो यदुष्णं तत्तेजो यत्संचरति
स वायुर्यत्सुषिरं तदाकाशम् ।
श्रोत्रादीनि ज्ञानेन्द्रियाणि । श्रोत्रमाकाशे वायौ त्वगग्नौ चक्षुरप्सु
जिह्वा पृथिव्यां घ्राणमिति ।
एवमिन्द्रियाणां यथाक्रमेण शब्दस्पर्शरूपरसगन्धाश्चैते
विषयाः पृथिव्यादिमहाभूतेषु क्रमेणोत्पन्नाः ।
वाक्पाणिपादपायूपस्थाख्यानि कर्मेन्द्रियाणि ।
तेषां क्रमेण वचनादानगमनविसर्गानन्दश्चैते विषयाः
पृथिव्यादिमहाभूतेषु क्रमेणोत्पनाः ।
मनोबुद्धिरहङ्कारश्चित्तमित्यन्तःकरणचतुष्टयम् ।
तेषां क्रमेण सङ्कल्पविकल्पाध्यवसायाभिमानावधारणास्वरूपश्चैते
विषयाः ।
मनःस्थानं गलान्तं बुद्धेर्वदनमहङ्कारस्य हृदयं चित्तस्य नाभिरिति ।
अस्थिचर्मनाडीरोममांसाश्चेति पृथिव्यंशाः ।
मूत्रश्लेष्मरक्तशुक्रस्वेदा अबंशाः ।
क्षुत्तृष्णालस्यमोहमैथुनान्यग्नेः ।
प्रचारणविलेखनस्थूलाक्ष्युन्मेषनिमेषादि वायोः ।
कामक्रोधलोभमोहभयान्याकाशस्य ।
शब्दस्पर्शरूपरसगन्धाः पृथिवीगुणाः ।
शब्दस्पर्शरूपरसाश्चापां गुणाः ।
शब्दस्पर्शरूपाण्यग्निगुणाः ।
शब्दस्पर्शाविति वायुगुणौ ।
शब्द एक आकाशस्य ।
सात्त्विकराजसतामसलक्षणानि त्रयो गुणाः ॥

1. Vers Shariraka Upanishad
अहिंसा सत्यमस्तेयब्रह्मचर्यापरिग्रहाः ।
अक्रोधो गुरुशुश्रूषा शौचं सन्तोष आर्जवम् ॥ १ ॥

2. Vers Shariraka Upanishad
अमानित्वमदम्भित्वमास्तिकत्वमहिंस्रता ।
एते सर्वे गुणा ज्ञेयाः सात्त्विकस्य विशेषतः ॥ २ ॥

3. Vers Shariraka Upanishad
अहं कर्ताऽस्म्यहं भोक्ताऽस्म्यहं वक्ताऽभिमानवान् ।
एते गुणा राजसस्य प्रोच्यन्ते ब्रह्मवित्तमैः ॥ ३ ॥

4. Vers Shariraka Upanishad
निद्रालस्ये मोहरागौ मैथुनं चौर्यमेव च ।
एते गुणस्तामसस्य प्रोच्यन्ते ब्रह्मवादिभिः ॥ ४ ॥

Zweiter Prosateil Shariraka Upanishad
ऊर्ध्वे सात्त्विको मध्ये रजसोऽधस्तामस इति ।
सत्यज्ञानं सात्त्विकम् । धर्मज्ञानं राजसम् । तिमिरान्धं तामसमिति ।
जाग्रत्स्वप्नसुषुप्तितुरीयमिति चतुर्विधा अवस्थाः ।
ज्ञानेन्द्रियकर्मेन्द्रियान्तःकरणचतुष्टयं चतुर्दशकरणयुक्तं जाग्रत् ।
अन्तःकरणचतुष्टयैरेव संयुक्तः स्वप्नः ।
चित्तैककरणा सुषुप्तिः ।
केवलजीवयुक्तमेव तुरीयमिति ।
उन्मीलितनिमीलितमध्यस्थजीवपरमात्मनोर्मध्ये
जीवात्मा क्षेत्रज्ञ इति विज्ञायते ॥

5. Vers Shariraka Upanishad
बुद्धिकर्मेन्द्रियप्राणपञ्चकैर्मनसा धिया ।
शरीरं सप्तदशभिः सूक्ष्मं तल्लिङ्गमुच्यते ॥ ५ ॥

6. Vers Shariraka Upanishad
मनो बुद्धिरहङ्कारः खानिलाग्निजलानि भूः ।
एताः प्रकृतयस्त्वष्टौ विकाराः षोडशापरे ॥ ६ ॥

7. Vers Shariraka Upanishad
श्रोत्रं त्वक्चक्षुषी जिह्वा घ्राणं चैव तु पञ्चमम् ।
पायूपस्थौ करौ पादौ वाक्चैव दशमी मता ॥ ७ ॥

8. Vers Shariraka Upanishad
शब्दः स्पर्शश्च रूपं च रसो गन्धस्तथैव च ।
त्रयोविंशतिरेतानि तत्त्वानि प्रकृतानि तु ।
चतुर्विंशतिरव्यक्तं प्रधानं पुरुषः परः ॥ ८ ॥

Schlusssatz Shariraka Upanishad
इत्युपनिषत् ॥

Schlussformel Shariraka Upanishad
ॐ सह नाववतु । सह नौ भुनक्तु । सह वीर्यं करवावहै ।
तेजस्वि नावधीतमस्तु । मा विद्विषावहै ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
॥ इति कृष्णयजुर्वेदीय शारीरकोपनिषत्समाप्ता ॥

Shariraka Upanishad – vollständiger Text nur in IAST

Eröffnungsvers Shariraka Upanishad
tattvagrāmopāyasiddhaṃ paratattvasvarūpakam |
śārīropaniṣadvedyaṃ śrīrāmabrahma me gatiḥ ||

Shanti Mantra Shariraka Upanishad
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Erster Prosateil Shariraka Upanishad
oṃ athātaḥ pṛthivyādimahābhūtānāṃ samavāyaṃ śarīram |
yatkaṭhinaṃ sā pṛthivī yaddravaṃ tadāpo yaduṣṇaṃ tattejo yatsaṃcarati
sa vāyuryatsuṣiraṃ tadākāśam |
śrotrādīni jñānendriyāṇi | śrotramākāśe vāyau tvagagnau cakṣurapsu
jihvā pṛthivyāṃ ghrāṇamiti |
evamindriyāṇāṃ yathākrameṇa śabdasparśarūparasagandhāścaite
viṣayāḥ pṛthivyādimahābhūteṣu krameṇotpannāḥ |
vākpāṇipādapāyūpasthākhyāni karmendriyāṇi |
teṣāṃ krameṇa vacanādānagamanavisargānandaścaite viṣayāḥ
pṛthivyādimahābhūteṣu krameṇotpanāḥ |
manobuddhirahaṅkāraścittamityantaḥkaraṇacatuṣṭayam |
teṣāṃ krameṇa saṅkalpavikalpādhyavasāyābhimānāvadhāraṇāsvarūpaścaite
viṣayāḥ |
manaḥsthānaṃ galāntaṃ buddhervadanamahaṅkārasya hṛdayaṃ cittasya nābhiriti |
asthicarmanāḍīromamāṃsāśceti pṛthivyaṃśāḥ |
mūtraśleṣmaraktaśukrasvedā abaṃśāḥ |
kṣuttṛṣṇālasyamohamaithunānyagneḥ |
pracāraṇavilekhanasthūlākṣyunmeṣanimeṣādi vāyoḥ |
kāmakrodhalobhamohabhayānyākāśasya |
śabdasparśarūparasagandhāḥ pṛthivīguṇāḥ |
śabdasparśarūparasāścāpāṃ guṇāḥ |
śabdasparśarūpāṇyagniguṇāḥ |
śabdasparśāviti vāyuguṇau |
śabda eka ākāśasya |
sāttvikarājasatāmasalakṣaṇāni trayo guṇāḥ ||

1. Vers Shariraka Upanishad
ahiṃsā satyamasteyabrahmacaryāparigrahāḥ |
akrodho guruśuśrūṣā śaucaṃ santoṣa ārjavam || 1 ||

2. Vers Shariraka Upanishad
amānitvamadambhitvamāstikatvamahiṃsratā |
ete sarve guṇā jñeyāḥ sāttvikasya viśeṣataḥ || 2 ||

3. Vers Shariraka Upanishad
ahaṃ kartāsmyahaṃ bhoktāsmyahaṃ vaktā'bhimānavān |
ete guṇā rājasasya procyante brahmavittamaiḥ || 3 ||

4. Vers Shariraka Upanishad
nidrālasye moharāgau maithunaṃ cauryameva ca |
ete guṇastāmasasya procyante brahmavādibhiḥ || 4 ||

Zweiter Prosateil Shariraka Upanishad
ūrdhve sāttviko madhye rajaso'dhastāmasa iti |
satyajñānaṃ sāttvikam | dharmajñānaṃ rājasam | timirāndhaṃ tāmasamiti |
jāgratsvapnasuṣuptiturīyamiti caturvidhā avasthāḥ |
jñānendriyakarmendriyāntaḥkaraṇacatuṣṭayaṃ caturdaśakaraṇayuktaṃ jāgrat |
antaḥkaraṇacatuṣṭayaireva saṃyuktaḥ svapnaḥ |
cittaikakaraṇā suṣuptiḥ |
kevalajīvayuktameva turīyamiti |
unmīlitanimīlitamadhyasthajīvaparamātmanormadhye
jīvātmā kṣetrajña iti vijñāyate ||

5. Vers Shariraka Upanishad
buddhikarmendriyaprāṇapañcakairmanasā dhiyā |
śarīraṃ saptadaśabhiḥ sūkṣmaṃ talliṅgamucyate || 5 ||

6. Vers Shariraka Upanishad
mano buddhirahaṅkāraḥ khānilāgnijalāni bhūḥ |
etāḥ prakṛtayastvaṣṭau vikārāḥ ṣoḍaśāpare || 6 ||

7. Vers Shariraka Upanishad
śrotraṃ tvakcakṣuṣī jihvā ghrāṇaṃ caiva tu pañcamam |
pāyūpasthau karau pādau vākcaiva daśamī matā || 7 ||

8. Vers Shariraka Upanishad
śabdaḥ sparśaśca rūpaṃ ca raso gandhastathaiva ca |
trayoviṃśatiretāni tattvāni prakṛtāni tu |
caturviṃśatiravyaktaṃ pradhānaṃ puruṣaḥ paraḥ || 8 ||

Schlusssatz Shariraka Upanishad
ityupaniṣat ||

Schlussformel Shariraka Upanishad
oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai |
tejasvi nāv adhītam astu | mā vidviṣāvahai ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti kṛṣṇayajurvedīya śārīrakopaniṣatsamāptā ||

Shariraka Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung

Eröffnungsvers Shariraka Upanishad
Mein Ziel ist Shri Rama-Brahman: Es wird durch die in der Shariraka Upanishad gelehrte Gesamtheit der Prinzipien erkannt und besitzt die Natur der höchsten Wirklichkeit.

Shanti Mantra Shariraka Upanishad
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Erster Prosateil Shariraka Upanishad
Om. Nun also: Der Körper ist eine Verbindung der großen Elemente, beginnend mit Erde. Was hart ist, gehört zur Erde; was flüssig ist, zum Wasser; was warm ist, zum Feuer; was sich bewegt, zur Luft; was hohl oder offen ist, zum Raum.

Ohr und die übrigen sind die Erkenntnisorgane. Das Hören wird dem Raum, die Haut der Luft, das Auge dem Feuer, die Zunge dem Wasser und der Geruchssinn der Erde zugeordnet. Ihre Gegenstände sind der Reihe nach Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch. Rede, Hände, Füße, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan heißen Handlungsorgane; ihre Funktionen sind Sprechen, Ergreifen, Gehen, Ausscheiden und Lust beziehungsweise Fortpflanzung.

Manas, Buddhi, Ahamkara und Chitta bilden das vierfache innere Instrument. Ihre Funktionen sind Erwägen und Zweifeln, Entschließen, Ich-Zuschreibung und Festhalten beziehungsweise Erinnern. Der Text nennt als ihre symbolischen Sitze das Ende der Kehle, das Gesicht, das Herz und den Nabel.

Knochen, Haut, Nadis, Haare und Fleisch gelten als Anteile der Erde; Urin, Schleim, Blut, Zeugungssubstanz und Schweiß als Anteile des Wassers. Hunger, Durst, Trägheit, Verwirrung und Sexualtrieb werden dem Feuer, Bewegung und das Öffnen und Schließen der Augen der Luft, Begehren, Zorn, Gier, Verblendung und Furcht dem Raum zugerechnet. Erde besitzt in diesem Modell fünf Sinnesqualitäten, Wasser vier, Feuer drei, Luft zwei und Raum eine. Die drei Gunas sind Sattva, Rajas und Tamas.

1. Vers Shariraka Upanishad
Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya und Nichtbesitzergreifen; Freiheit von Zorn, lernbereiter Dienst am Lehrer, Reinheit, Zufriedenheit und Aufrichtigkeit werden genannt.

2. Vers Shariraka Upanishad
Bescheidenheit, Freiheit von Heuchelei, Vertrauen in die geistige Wirklichkeit und Gewaltlosigkeit: Alle diese Eigenschaften sind besonders als sattvig zu erkennen.

3. Vers Shariraka Upanishad
„Ich bin der Handelnde, ich bin der Genießende, ich bin der Sprecher“ – diese von Ich-Anspruch geprägten Eigenschaften werden von den besten Kennern Brahmans als rajasig bezeichnet.

4. Vers Shariraka Upanishad
Übermäßiger Schlaf und Trägheit, Verwirrung und blinde Anhaftung, ungezügelte Sexualität und Diebstahl werden von den Lehrern Brahmans als tamasig bezeichnet.

Zweiter Prosateil Shariraka Upanishad
Sattva wird oben, Rajas in der Mitte und Tamas unten verortet. Erkenntnis der Wahrheit gilt als sattvig, Erkenntnis des Dharma als rajasig und von Finsternis verblendete Erkenntnis als tamasig. Die vier Zustände sind Wachen, Traum, Tiefschlaf und Turiya. Im Wachen wirken vierzehn Instrumente: fünf Erkenntnisorgane, fünf Handlungsorgane und das vierfache innere Instrument. Im Traum wirkt das innere Instrument; im Tiefschlaf bleibt Chitta als einziges Instrument; Turiya ist allein mit dem Jiva verbunden. Zwischen dem nach außen geöffneten und dem geschlossenen Zustand, zwischen Jiva und Paramatman, wird der Jivatman als Kshetrajna, Kenner des Feldes, erkannt.

5. Vers Shariraka Upanishad
Das aus siebzehn Gliedern bestehende Gebilde – fünf Erkenntnisorgane, fünf Handlungsorgane, fünf Pranas, Manas und Buddhi – wird subtiler oder Linga-Körper genannt.

6. Vers Shariraka Upanishad
Manas, Buddhi, Ahamkara sowie Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde sind die acht Naturprinzipien; sechzehn weitere gelten als ihre Umwandlungen.

7. Vers Shariraka Upanishad
Ohr, Haut, Augen, Zunge und als fünftes der Geruchssinn; Ausscheidungs- und Zeugungsorgan, Hände, Füße und als zehntes die Rede – so werden die zehn Sinnes- und Handlungsorgane gezählt.

8. Vers Shariraka Upanishad
Klang, Berührung, Form, Geschmack und Geruch ergänzen die Zählung: Dies sind die dreiundzwanzig aus Prakriti hervorgegangenen Tattvas. Das vierundzwanzigste ist das Unmanifeste, Pradhana; der Purusha aber ist jenseits davon.

Schlusssatz Shariraka Upanishad
So lautet die Upanishad.

Schlussformel Shariraka Upanishad
Om. Möge das Höchste uns beide beschützen und uns beide nähren. Mögen wir gemeinsam mit großer Kraft wirken. Möge unser Studium lichtvoll sein. Mögen wir einander nicht ablehnen. Om. Frieden, Frieden, Frieden. So endet die Shariraka Upanishad des Krishna Yajurveda.

Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Shariraka Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Shariraka Upanishad richtet den Blick auf der menschliche Organismus als Gefüge aus Tattvas, Organen, Lebenskräften und Bewusstsein. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.

2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.
Führe ein kleines Studienheft zu Atman, Brahman, Maya und Moksha. Prüfe danach in der Meditation, worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.

3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.

4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.

5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.

Literatur und Quellen

Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.

Siehe auch

Weblinks

Seminare

Jnana Yoga und Vedanta

02.10.2026 - 04.10.2026 Entdecke deine Bestimmung - gestalte dein Schicksal

Hast du dich schon gefragt, was deine Bestimmung ist, dein Schicksal? Warum du hier auf dieser Welt bist? Wofür du da bist? Worum es in deinem Leben ge…
Janaki Marion Hofmann
15.11.2026 - 20.11.2026 Aus der Tiefe des Herzens antworten

In diesem Praxisseminar beschreiten wir den Weg fundamentalen Gewahrseins durch intuitive Antworten aus dem Herzen. Antworten, die sich aus unserem wah…
Michael Büchel, Roswitha Breitkopf

Sanskrit und Devanagari

01.10.2026 - 19.11.2026 Basiswissen Sanskrit - Online Kurs Reihe

Termine: 8x donnerstag, 01.10.2026, 08.10.2026, 15.10.2026, 24.10.2026, 29.10.2026, 05.11.2026, 12.11.2026, 19.11.2026
Uhrzeit: 16:00–17:00 Uhr

Diese…
Dr phil Oliver Hahn
06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online

Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…
Dr phil Oliver Hahn

Meditation

02.10.2026 - 04.10.2026 Meditation Intensiv Schweigend

Mit Meditation, Yoga und Mantra-Singen tauchst du in deine innere Welt. Ein Intensivseminar mit täglichen langen Meditationssitzungen, zwei Yoga-Stunde…
Dana Oerding
02.10.2026 - 04.10.2026 Meditation Intensiv Schweigend

Mit Meditation, Yoga und Mantra-Singen tauchst du in deine innere Welt. Ein Intensivseminar mit täglichen langen Meditationssitzungen, zwei Yoga-Stunde…
Karuna M Wapke