Samudra Snana – ein heiliges Meeresbad mit Wassergaben für alle Wesen
Samudra Snana – ein heiliges Meeresbad mit Wassergaben für alle Wesen ist ein rituelles Bad, bei dem die badende Person um Reinigung bittet und anschließend durch Wassergaben ihre Verbundenheit mit allen Wesen ausdrückt. Das Samudra Snana gemäß Puja Samuccaya verbindet Vishnu als Herrn der Wasser mit Weisen und den Gefährten Ramas. Es wird an geeigneten besonderen Fest- und Himmelsereignistagen am Meer ausgeführt; die Quelle nennt auch Finsternisse sowie Mahodaya und Ardhodaya. Eine eingeübte Person kann die puranischen Gebete am Ufer selbst sprechen.
Vorbereitung
Wähle einen zum Baden freigegebenen, übersichtlichen Uferplatz. Halte trockene Kleidung, Handtuch, sauberes Trinkwasser für die eigene Reinigung, Gerste, ungebrochenen Reis und eine Auffangschale bereit. Bei ungünstiger Brandung bleibt die körperliche Ausführung am sicheren Ufer; ein solches symbolisches Bad ist eine heutige Anpassung. Die gewohnte Morgenpraxis geht voraus.
Durchführung
1. Reinigen und die Absicht aussprechen
Bade, ziehe saubere Kleidung an und bereite den Platz vor. Setze dich gesammelt hin. Der folgende deutsche Sankalpa ist eine praktische Fassung des im Quelltext längeren Vorsatzes: „Ich vollziehe heute das Meeresbad zur Verehrung Vishnus, des Herrn der Wasser, und bitte um Reinigung meines Handelns.“
2. Den Zugang zum Meer erbitten
Forme aus dem Sand am Ufer einen kleinen Sandball und gib ihn dem Wasser. Die Quelle erlaubt ihn anstelle eines Steins. Sprich:
pippalādasamutpanne kṛtye lokabhayaṅkare |
pāṣāṇas te mayā dattam āhārārthe prakalpyatām ||
पिप्पलादसमुत्पन्ने कृत्ये लोकभयङ्करे ।
पाषाणस् ते मया दत्तम् आहारार्थे प्रकल्प्यताम् ।।
O aus Pippalada hervorgegangene Kritya, vor der die Welt erbebt: Die von mir gegebene Steingabe sei dir als Nahrung bestimmt. Der Mantra behält das Wort „Stein“ auch bei der ausdrücklich zugelassenen Sandgabe.
Grüße anschließend die Weite des Wassers:
viśvācī ca ghṛtācī ca viśvayone viśāṃpate |
sānnidhyaṃ kuru me deva sāgare lavaṇāmbhasi ||
namas te viśvaguptāya namo viṣṇo apāṃpate |
namo jaladhirūpāya nadīnāṃ pataye namaḥ ||
samastajagadādhāra śaṅkhacakragadādhara |
deva dehi mamānujñāṃ tava tīrthaniṣevaṇe ||
tritattvātmakam īśānaṃ namo viṣṇum umāpatim |
sānnidhyaṃ kuru deveśa sāgare lavaṇāmbhasi ||
agniś ca yonir anilaś ca deho retodhā viṣṇur amṛtasya nābhiḥ |
विश्वाची च घृताची च विश्वयोने विशांपते ।
सान्निध्यं कुरु मे देव सागरे लवणाम्भसि ।।
नमस् ते विश्वगुप्ताय नमो विष्णो अपांपते ।
नमो जलधिरूपाय नदीनां पतये नमः ।।
समस्तजगदाधार शङ्खचक्रगदाधर ।
देव देहि ममानुज्ञां तव तीर्थनिषेवणे ।।
त्रितत्त्वात्मकम् ईशानं नमो विष्णुम् उमापतिम् ।
सान्निध्यं कुरु देवेश सागरे लवणाम्भसि ।।
अग्निश् च योनिर् अनिलश् च देहो रेतोधा विष्णुर् अमृतस्य नाभिः ।
Vishvachi und Ghritachi! Ursprung der Welt, Herr der Menschen: Sei mir im salzigen Meer gegenwärtig. Verehrung dem Behüter der Welt, dir, Vishnu, Herr der Wasser, der als Meer erscheint und die Flüsse empfängt. Träger der Welt, der Muschel, Diskus und Keule hält: Erlaube mir, deine heilige Wasserstätte aufzusuchen. Verehrung dem Herrn der drei Grundwirklichkeiten, Vishnu und Umapati. Sei im Meer gegenwärtig. Feuer ist sein Ursprung, Wind sein Leib; Vishnu trägt den schöpferischen Samen und ist die Mitte des Unsterblichen.
3. Das Bad und die Ehrenwassergabe
Betritt einen sicheren flachen Uferbereich und bade gesammelt. Das ist ein rituelles Bad, keine Schwimmstrecke. Nimm danach Wasser in die hohlen Hände und lass es als Arghya wieder ins Meer fließen:
sarvaratno bhavān śrīmān sarvaratnākaro yataḥ |
sarvaratnapradhānas tvaṃ gṛhāṇārghyaṃ mahodadhe ||
सर्वरत्नो भवान् श्रीमान् सर्वरत्नाकरो यतः ।
सर्वरत्नप्रधानस् त्वं गृहाणार्घ्यं महोदधे ।।
Du bist reich an allen Schätzen, denn du birgst die Edelsteine. Du stehst unter den Schatzstätten an erster Stelle. O großes Meer, nimm diese Ehrenwassergabe an.
4. Wassergaben für Weise und Ramas Gefährten
Vermische für das Tarpana etwas Wasser mit Gerste und ungebrochenem Reis. Lass bei jeder Zeile eine kleine Wassergabe über die Fingerspitzen der aneinandergelegten Hände in eine Schale am Ufer fließen. Ein Träger der heiligen Schnur belässt sie dabei über der linken Schulter. Die Bedeutung jeder Formel ist: „Ich erquicke die genannte Gestalt mit Wasser.“
pippalādam tarpayāmi |
पिप्पलादम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Pippalada mit dieser Wassergabe.
vikaṇvam tarpayāmi |
विकण्वम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Vikanva mit dieser Wassergabe.
kṛtāntam tarpayāmi |
कृतान्तम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Kritanta mit dieser Wassergabe.
jīvakeśvaram tarpayāmi |
जीवकेश्वरम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Jivakeshvara mit dieser Wassergabe.
vasiṣṭham tarpayāmi |
वसिष्ठम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Vasishtha mit dieser Wassergabe.
vāmadevam tarpayāmi |
वामदेवम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Vamadeva mit dieser Wassergabe.
parāśaram tarpayāmi |
पराशरम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Parashara mit dieser Wassergabe.
umāpatim tarpayāmi |
उमापतिम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Umapati mit dieser Wassergabe.
vālmīkim tarpayāmi |
वाल्मीकिम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Valmiki mit dieser Wassergabe.
nāradam tarpayāmi |
नारदम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Narada mit dieser Wassergabe.
vālakhilyān tarpayāmi |
वालखिल्यान् तर्पयामि ।
Ich erquicke Valakhilyas mit dieser Wassergabe.
nalam tarpayāmi |
नलम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Nala mit dieser Wassergabe.
nīlam tarpayāmi |
नीलम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Nila mit dieser Wassergabe.
gavākṣam tarpayāmi |
गवाक्षम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Gavaksha mit dieser Wassergabe.
gavayam tarpayāmi |
गवयम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Gavaya mit dieser Wassergabe.
gandhamādanam tarpayāmi |
गन्धमादनम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Gandhamadana mit dieser Wassergabe.
jāmbavantam tarpayāmi |
जाम्बवन्तम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Jambavan mit dieser Wassergabe.
hanūmantam tarpayāmi |
हनूमन्तम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Hanuman mit dieser Wassergabe.
sugrīvam tarpayāmi |
सुग्रीवम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Sugriva mit dieser Wassergabe.
aṅgadam tarpayāmi |
अङ्गदम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Angada mit dieser Wassergabe.
maindam tarpayāmi |
मैन्दम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Mainda mit dieser Wassergabe.
dvividam tarpayāmi |
द्विविदम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Dvivida mit dieser Wassergabe.
ṛṣabham tarpayāmi |
ऋषभम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Rishabha mit dieser Wassergabe.
śarabham tarpayāmi |
शरभम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Sharabha mit dieser Wassergabe.
rāmam tarpayāmi |
रामम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Rama mit dieser Wassergabe.
lakṣmaṇam tarpayāmi |
लक्ष्मणम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Lakshmana mit dieser Wassergabe.
sītām tarpayāmi |
सीताम् तर्पयामि ।
Ich erquicke Sita mit dieser Wassergabe.
5. Alle Wesen einschließen
Sprich zum Abschluss:
ābrahmastambaparyantaṃ yat kiñcit sacarācaram |
mayā dattena toyena tṛptim evābhigacchatu ||
anena sāgarasnānākhyena karmaṇā parameśvaraḥ prīyatām |
आब्रह्मस्तम्बपर्यन्तं यत् किञ्चित् सचराचरम् ।
मया दत्तेन तोयेन तृप्तिम् एवाभिगच्छतु ।।
अनेन सागरस्नानाख्येन कर्मणा परमेश्वरः प्रीयताम् ।
Alles, was sich bewegt oder stillsteht, von Brahma bis zum Grashalm, möge durch das von mir gegebene Wasser Erquickung finden. Möge der höchste Herr durch diese Handlung des Meeresbades erfreut sein. Verlasse das Wasser, trockne dich ab und ziehe trockene Kleidung an. Die in der Schale aufgefangenen Getreidegaben nimmst du wieder mit; diese praktische Anpassung hält das Ufer sauber.
Innerer Abschluss
Die letzte Gabe weitet den Blick über die eigenen Wünsche hinaus. Als freie Anregung: Nimm nach dem Ritual auch achtlos liegen gelassenen Müll vom Ufer mit. So erhält die im Gebet ausgesprochene Achtung vor dem Wasser eine einfache Handlung.
Quellen und Vertiefung
- Puja Samuccaya, Kapitel 14: Samudra-snanavidhi. Sanskritfassung: Volltext des Puja Samuccaya.
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