Rama-Nama-Grahana – Ramas Namen als täglichen Mahlsegen empfangen und erneuern

Aus Yogawiki

Rama-Nama-Grahana – Ramas Namen als täglichen Mahlsegen empfangen und erneuern verankert Gottesgedenken an einem Vorgang, der jeden Tag wiederkehrt: Vor Essen und Trinken wird ein Name Ramas ausgesprochen. Die Rama Nama Grahana-Ordnung des Puja Samuccaya beschreibt die Annahme und jährliche oder monatliche Erneuerung dieses Vrata. Zuhause verehrt die gelobende Person Rama, empfängt den Namen von einem Brahmanen und übergibt eine Bild- und Speisegabe. Ein bestimmter Kalendertag ist im Kapitel nicht vorgeschrieben.

Vorbereitung

Vereinbare vorab, ob die zwölf Namen in Jahres- oder Monatsabschnitten empfangen werden. Halte für den Beginn ein Ganesha-Bild und einen Wasserkrug bereit. Bereite eine für die Weitergabe bestimmte Rama-Darstellung, zwei Früchte oder zwei Süßigkeiten und eine Geldgabe vor. Für die Bildverehrung: sauberes Wasser, Löffel und Auffangschale; kleines Tuch und Baumwollfaden; Sandelduft, ungebrochene Reiskörner und Blumen; Räucherwerk; eine gefüllte Lampe mit Docht und Ghee (bzw. Pflanzenöl); vegetarische Speise, Betelblatt und Arekanuss als rituelle Gabe sowie eine Geldgabe. Pflanzenöl ist die heutige vegane Alternative. Verzehrbare Gaben werden nach der Verehrung als Prasad geteilt; aufgefangenes Wasser kommt an einen geeigneten sauberen Ort, Blumen werden kompostiert.

Durchführung

1. Reinigen und die Absicht aussprechen
Bade, ziehe saubere Kleidung an und bereite den Platz vor. Setze dich gesammelt hin. Der folgende deutsche Sankalpa ist eine praktische Fassung des im Quelltext längeren Vorsatzes: „Ich nehme das Gelübde an, vor dem Essen und Trinken den mir anvertrauten Namen Ramas auszusprechen. Möge mein Alltag von seiner Gegenwart getragen sein.“

2. Rama verehren
Grüße zunächst Ganesha. Stelle die fünf Gaben Duft, Blüte, Räucherwerk, Licht und etwas Speise nacheinander vor sein Bild; sprich bei jeder Gabe: oṃ gaṇapataye namaḥ |

ॐ गणपतये नमः ।

Om, Verehrung dem Herrn der Scharen. Die fünf Gaben bilden hier eine einfache Ausführung der im Ritualtext vorausgesetzten Ganesha-Verehrung. Stelle dann den Kalasha mit reinem Wasser bereit. Bitte im Herzen um die heiligende Gegenwart der göttlichen Kräfte und besprenge dich und die Gaben mit etwas Wasser. Diese kurze deutsche Vorbereitung ersetzt keine individuell eingeübte längere Liturgie. Stelle die für diesen Anlass bestimmte Rama-Darstellung auf den Altar. Betrachte Rama mit Sita und seinen Gefährten; das Buch nennt hierfür den Beginn des folgenden vollständigen Verses: dhyāyed ājānubāhuṃ dhṛtaśaradhanuṣaṃ baddhapadmāsanasthaṃ
pītaṃ vāso vasānaṃ navakamaladalaspardhinetraṃ prasannam |
vāmāṅkārūḍhasītāmukhakamalamilallocanaṃ nīradābhaṃ
nānālaṅkāradīptaṃ dadhatam urujaṭāmaṇḍalaṃ rāmacandram ||

ध्यायेद् आजानुबाहुं धृतशरधनुषं बद्धपद्मासनस्थं
पीतं वासो वसानं नवकमलदलस्पर्धिनेत्रं प्रसन्नम् ।
वामाङ्कारूढसीतामुखकमलमिलल्लोचनं नीरदाभं
नानालङ्कारदीप्तं दधतम् उरुजटामण्डलं रामचन्द्रम् ।।

Man betrachte Ramachandra: Die Arme reichen bis zu den Knien, er trägt Pfeil und Bogen und sitzt im gebundenen Lotussitz. Er ist gelb gekleidet, seine freundlichen Augen gleichen frischen Lotusblättern. Sein Blick begegnet dem Lotusantlitz Sitas an seiner linken Seite. Er ist von der Farbe einer Regenwolke, von Schmuck umstrahlt und trägt mächtige Haarflechten. Die folgende Puja entfaltet die im Ritualtext vorgeschriebene Verehrung mit dem Namen der Gottheit. Sprich bei jeder Gabe denselben vollständigen Namensgruß; die jeweilige Handlung ist der Ausdruck deiner Einladung. śrīrāmāya namaḥ |

श्रीरामाय नमः ।

Verehrung Shri Rama.

  1. Einladen und Sitz anbieten: Bitte die Gottheit, deine Verehrung anzunehmen, und lege eine Blüte vor das Bild.
  2. Fußwasser, Ehrenwasser und Mundwasser: Gib für jede dieser drei Gaben getrennt einen Löffel Wasser in die Auffangschale. Beim Ehrenwasser liegen Blüte und ein paar Reiskörner in deiner Gabe.
  3. Baden: Übergieße eine wasserfeste Murti mit wenig reinem Wasser, fange es auf und trockne sie ab. Bei einem gemalten Bild biete das Wasser in der Schale an.
  4. Gewand und heilige Schnur: Lege das saubere kleine Tuch und einen Baumwollfaden als ehrende Gaben vor das Bild.
  5. Duft, Reiskörner und Blüten: Bringe nacheinander Sandelduft, ungebrochenen Reis und die vorgesehenen Blumen dar.
  6. Räucherwerk und Licht: Zeige den Duft und anschließend das bereits brennende Licht in ruhiger Bewegung vor der Gottheit.
  7. Speise: Stelle die frische vegetarische Speise hin. Biete einen Löffel Wasser in der Schale an, verweile kurz schweigend und biete nochmals Wasser zum Abschluss der Mahlzeit an.
  8. Betelgabe und Gabe: Lege ein Betelblatt mit Arekanuss, soweit vorhanden, und die vorbereitete Geldgabe dazu. Diese rituelle Betelgabe ist nicht zum eigenen Verzehr bestimmt.
  9. Lichtgruß und Verneigung: Führe die Lampe vor dem Bild und verneige dich mit gefalteten Händen.


3. Das bisherige Gelübde würdigen
Verneige dich: rāmāya rāmabhadrāya rāmacandrāya vedhase |
raghunāthāya nāthāya sītāyāḥ pataye namaḥ ||

रामाय रामभद्राय रामचन्द्राय वेधसे ।
रघुनाथाय नाथाय सीतायाः पतये नमः ।।

Verehrung Rama, Ramabhadra, Ramachandra, dem Schöpfer; dem Herrn des Raghu-Geschlechts, dem Beschützer und Gemahl Sitas. Bei einer Erneuerung sprich den folgenden Dank für das bisher gehaltene Gelübde; bei der erstmaligen Annahme wird dieser Rückblick ausgelassen: rāmanāmavrataṃ deva tvatprasādāt kṛtaṃ mayā |
trilokeśa vratasyāsya dehi me avikalaṃ phalam ||

रामनामव्रतं देव त्वत्प्रसादात् कृतं मया ।
त्रिलोकेश व्रतस्यास्य देहि मे अविकलं फलम् ।।

Gott, durch deine Gnade habe ich das Rama-Namen-Gelübde gehalten. Herr der drei Welten, schenke diesem Gelübde seine unverkürzte Frucht.


4. Den Namen empfangen
Bitte den unterweisenden Brahmanen: bho vipra nūtanarāmanāmadānena mām anugṛhāṇa |

भो विप्र नूतनरामनामदानेन माम् अनुगृहाण ।

Verehrter Brahmane, erweise mir deine Gunst, indem du mir den neuen Rama-Namen anvertraust. Er spricht den für den jeweiligen Abschnitt bestimmten Namen deutlich aus und wünscht der gelobenden Person Erfüllung durch seine Wiederholung. Die Quelle sieht die folgenden zwölf Namen der Reihe nach für zwölf Jahre oder zwölf Monate vor:


1. rāmaḥ |

रामः ।

Rama

2. śrīrāmaḥ |

श्रीरामः ।

der verehrte Rama

3. tulasītribhuvanaḥ |

तुलसीत्रिभुवनः ।

Tulasitribhuvana, die in dieser Buchfassung überlieferte Namensform

4. ahalyoddharaṇaḥ |

अहल्योद्धरणः ।

Befreier Ahalyas

5. patitapāvanaḥ |

पतितपावनः ।

Reiniger der Gefallenen

6. jānakījīvanaḥ |

जानकीजीवनः ।

Leben Janakis

7. tāṭakāmardanaḥ |

ताटकामर्दनः ।

Überwinder Tatakas

8. kausalyānandanaḥ |

कौसल्यानन्दनः ।

Freude Kausalyas

9. sītāpatiḥ |

सीतापतिः ।

Gemahl Sitas

10. mārutidarśanaḥ |

मारुतिदर्शनः ।

der sich Maruti zeigt

11. dāśarathiḥ |

दाशरथिः ।

Sohn Dasharathas

12. sītāśodhanaḥ |

सीताशोधनः ।

der Sitas Lauterkeit kundtut

5. Die Gabe austauschen und in den Alltag treten
Von zwei bereitgelegten Süßigkeiten oder Früchten nimmt der Brahmane eine und gibt sie der gelobenden Person. Die zweite bleibt bei der Abschlussgabe. Übergib die für diesen Anlass bestimmte Rama-Darstellung zusammen mit ihr und der Dakshina. Sprich: śrīrāmapratimāṃ tubhyaṃ rāmabhaktāya dhīmate |
sopaskarāṃ dade vipra rāmo me prīyatām iti ||

श्रीरामप्रतिमां तुभ्यं रामभक्ताय धीमते ।
सोपस्करां ददे विप्र रामो मे प्रीयताम् इति ।।

Dir, dem einsichtigen Rama-Verehrer, gebe ich diese Darstellung Shri Ramas mit ihren Beigaben. Möge Rama mir gewogen sein. Vor jedem Essen und Trinken sprich fortan den empfangenen Namen. Bei der nächsten Erneuerung dankst du für den zurückliegenden Abschnitt und empfängst den folgenden Namen. Nach einer zwölfjährigen Gelübdezeit nennt die Quelle einen zusätzlichen Udyapana; seine Fachordnung wird dort nicht beschrieben und gehört in die vorherige Vereinbarung mit der Ritualleitung.

Innerer Abschluss

Wenn Ramas Name vor der Mahlzeit steht, kann ein alltäglicher Griff zum Essen zu einem Augenblick der Dankbarkeit werden. Als freie Anregung: Lasse nach dem Namen einen Atemzug Stille, bevor du beginnst. Nimm wahr, durch wie viele Hände diese Nahrung zu dir gekommen ist.

Quellen und Vertiefung

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