Kalika Rahasya

Aus Yogawiki

Kalika Rahasya (Sanskrit: कालिकारहस्य kālikārahasya n.), auch Kālikārahasya – „das Geheimnis der Kālī“ –, ist ein tantrischer Text zur Verehrung von Kālī, besonders in ihrer Form als Dakṣiṇā Kālī. Das erhaltene Fragment verbindet Mantra, Guru-Übertragung, Nyasa, Bhuta Shuddhi, Meditation, Puraścaraṇa, Homa, Tarpana und Puja mit einer intensiven, zugleich furchterregenden und segensvollen Vision der Göttin.

Die überlieferte elektronische Fassung ist kein vollständiges Kālikārahasya. Sie setzt innerhalb des dritten Paṭala ein, enthält dessen Kolophon, danach einen als caturthodhyāya bezeichneten vierten Abschnitt mit der Dhyāna-Beschreibung der Dakṣiṇā Kālī und schließlich den fünften Paṭala mit Sādhana, Puraścaraṇa und Phalaśruti. Die verlorenen ersten Teile werden hier nicht ergänzt.

Kālī über Śiva – ein zentrales Bild für die Einheit von dynamischer Śakti und stillem Bewusstsein.

Kālī als Geheimnis von Zeit, Tod und Befreiung
Kālī erscheint in der Schrift nicht nur als schreckenerregende Göttin. Ihre furchtbare Gestalt ist Teil einer spirituellen Umkehrung: Tod, Vergänglichkeit, Friedhof und Dunkelheit werden nicht verdrängt, sondern in die Sphäre der Göttin aufgenommen. Gerade dort soll die Kraft erkannt werden, die Furcht durchschneidet und den Menschen über Begrenzung hinausführt.

Die Schrift spricht deshalb zugleich von Bhukti – erfüllter Erfahrung im Leben – und Mukti – Befreiung. Sie kennt weltliche Wünsche, Schutz- und Kāmya-Rituale, aber ihr innerer Horizont bleibt die göttliche Macht, die Bindung, Angst und Unwissenheit transformieren kann.

Das Verhältnis von Guru, Mantra und Geheimhaltung
Der Text betont mehrfach, dass der Mantra nicht wahllos weitergegeben werden soll. Ein Schüler soll geprüft, der Guru verehrt und die Übertragung in einer geeigneten rituellen und inneren Haltung empfangen werden. Diese Geheimhaltung gehört zur klassischen tantrischen Überlieferungsform und macht deutlich: Mantra ist hier keine bloße Lautfolge, sondern Teil einer lebendigen Beziehung zwischen Guru, Śakti und Sādhaka.

Kālī-Yantra als Symbol der konzentrierten Śakti. Das Kālikārahasya verbindet Mantra, Nyāsa und rituelle Vergegenwärtigung der Göttin.

Historischer Hinweis
Das Fragment enthält auch klassische Kāmya- und Abhicāra-Begriffe wie Vaśīkaraṇa, Stambhana, Mohana, Māraṇa und Ākarṣaṇa. Diese Passagen werden hier als historische Bestandteile tantrischer Ritualkultur dokumentiert. Sie sind keine moderne Empfehlung, andere Menschen zu manipulieren oder zu schädigen.

Vollständiger deutscher Text

Hinweis zur Übersetzung
Die folgende deutsche Fassung überträgt den gesamten erhaltenen Textinhalt. Wo die Vorlage beschädigt, grammatisch unsicher oder offensichtlich fragmentarisch ist, wird der Sinn vorsichtig wiedergegeben. Mantra-Chiffren werden nicht frei rekonstruiert.

Erhaltener Teil des dritten Paṭala – die Suche nach dem höchsten Mantra

Das Fragment setzt mit einer Huldigung an Śaṅkara ein. Er wird auf dem Gipfel des Kailāsa vorgestellt, in einem hohen Palast wohnend, mit einem von Mondlicht und Edelsteinen glänzenden Diadem, mit Mandāra-Girlanden geschmückt und von mächtigen Wesen umgeben. Er ist der fünfgesichtige Śaṅkara, der das Geheimnis der Mantras Gaurīs kennt.

Es folgt eine Aufzählung zahlreicher Mantras und Göttinnen. Genannt werden unter anderem Gāyatrī, Bagalā, Bālā, Śyāmalā, Nakulī, Dhenu-Vāgeśvarī, Vārāhī, Kavirājarājeśvarī, Tripurasundarī, Dhūmāvatī, Indrākṣī und Yakṣiṇī. Ebenso erscheinen śaiva und vaiṣṇava Mantras, Pañcākṣarī, Dvādaśākṣara, Ṣoḍaśākṣara, Sudarśana, Vainateya, Hanumān, Bhairava, Aṣṭākṣara, Ekavarṇa und Pratyaṅgirā.

Die Frage richtet sich auf denjenigen Mantra, der unter diesen vielen Wegen besonders wirksam sein soll – für Bhukti und Mukti, für die Beseitigung von Verfehlungen, Schutz vor Feinden, Auflösung schlechter Träume und verschiedenste traditionelle Kāmya-Ziele.

Der Text zählt in der Sprache seiner Ritualwelt auch Vaśīkaraṇa, Stambhana, Mohana, Māraṇa und Ākarṣaṇa auf und bittet Maheśvara, den schnell und sicher wirkenden höchsten Mantra zu erklären.

Īśvara spricht
Śiva antwortet: „Höre, Devī, ich werde dir das Höchste unter den Mantras erklären.“ Der Text preist den Mantra als āyuṣkara – lebensfördernd – und als Quelle von Wohlstand und Vollkommenheit.

Doch sofort folgt eine Einschränkung: Er soll nicht einem törichten, gewalttätigen, hingabelosen Menschen oder jemandem gegeben werden, der den Besitz des Gurus an sich reißt. Selbst unter Todesgefahr, sagt der Text, soll die Überlieferung nicht leichtfertig preisgegeben werden.

Vor der Einweihung sollen verschiedene traditionelle Prüfungen vorgenommen werden – Siddha-, Sādhya-, Susiddha- und Ari-Cakra, Nakṣatra-Zuordnungen, weitere Koṣṭhas und rituelle Eignungsprüfungen. Der Schüler soll an einem glückverheißenden Tag und unter günstigen astrologischen Bedingungen unterwiesen werden.

Der Guru wird mit Hingabe und Dakṣiṇā verehrt. Das Geheimnis soll sorgfältig geschützt und nicht nur äußerlich, sondern auch in Rede und Geist bewahrt werden.

Vorbereitung auf die Dakshina-Kali-Mantra-Praxis

Der Übende fastet, reinigt sich mit traditionellen Mitteln und vollzieht Digbandhana. Er erinnert die acht Śaktis, verehrt Gaṇeśa und Bhairava und verneigt sich vor dem Guru-Maṇḍala.

Dann folgen:

  • Bhū-Śuddhi und Bhūta-Śuddhi,
  • Mātṛkā-Nyāsa,
  • Aṅga-Nyāsa,
  • Kara-Nyāsa,
  • Deha-Nyāsa,
  • und ein Sthiti-Nyāsa.

Als Zeiten und Orte werden Mittag oder Mitternacht, ein Flussufer, ein Tempel, der Fuß eines Aśvattha-Baumes und Zeiten von Finsternissen genannt.

Ein Kalaśa wird nach den vorgeschriebenen Saṃskāras aufgestellt. Mit gereinigtem Wasser wird eine rituelle Besprengung vollzogen.

Sechs Mudrās werden genannt: Khaḍga, Muṇḍa, Varada, Abhaya, Kirīṭa und Makara. Der Mantra wird mit Uṣṇik-Metrum, Bhairava als Ṛṣi und verschiedenen Bīja-, Śakti- und Kīlaka-Zuordnungen verbunden.

Kālī in kämpferischer Gestalt. Im Kālikārahasya stehen furchterregende Symbolik und befreiende Śakti nebeneinander.

Der geheime Mantrakrama der Dakshina Kali

Der Text kündigt nun ausdrücklich den Mantrakrama der Dakṣiṇā Kālī an. Die Silben werden jedoch nicht einfach vollständig ausgeschrieben, sondern in tantrischer Chiffriersprache aus Lautbezeichnungen, Bindu, Anusvāra und weiteren Zuordnungen konstruiert.

Mehrere Stufen beziehungsweise Silben werden angegeben. Die Überlieferung nennt schließlich eine Verbindung mit Svāhā und preist den Mantra als äußerst geheim und mächtig. Einzelne Zeichenfolgen sind in der erhaltenen Vorlage beschädigt oder schwer verständlich.

Der Text spricht von einem großen Mantrarāja unter zahllosen Mantras und erklärt, er sei selbst für Brahmā und andere schwer zu erschließen. Aus Zuneigung zur Göttin werde dieses „Geheimste des Geheimen“ dennoch erklärt.

Als traditionelle Früchte werden rasche Inspiration, Sarasvatī-Kraft und Gelehrsamkeit genannt. Wer ihn regelmäßig rezitiert, soll die entsprechenden Früchte erfahren.

Kolophon des erhaltenen dritten Paṭala
Damit endet im Mahābhairava-Tantra, im Kālikārahasya, im Gespräch zwischen Umā und Maheśvara, der von Īśvara verkündete dritte Paṭala.

Vierter Abschnitt – Parvati fragt nach Dhyana und Purascharana

Pārvatī spricht zu Śaṅkara: Sie hat die Größe des Mantras aus seinem Mund gehört und bittet nun um eine genaue Erklärung der Meditation, des Puraścaraṇa, des Homa, des Tarpana, der Speisung von Brahmanen und der Pūjā. Sie fragt ausdrücklich, mit welchen Blumen und in welcher Weise die Verehrung durchgeführt werden soll.

Īśvara antwortet
Śiva erklärt nun die Dhyāna-Reihenfolge.

Die Meditation auf Dakshina Kali

Dakṣiṇā Kālī soll als furchterregend und zugleich göttlich meditiert werden:

Sie hat ein schreckliches Antlitz, offenes Haar und vier Arme. Sie trägt eine Girlande aus abgeschlagenen Köpfen. Ihre Farbe ist dunkel wie eine große Gewitterwolke. Sie ist Digambarī – vom Raum selbst bekleidet.

In ihren Händen erscheinen ein abgeschlagener Kopf und ein Schwert, zugleich aber auch die Gesten von Abhaya und Varada: Schutz und Segen.

Ihre Zähne sind furchterregend, ihre Brust ist voll, und ihr Körper ist mit der Symbolik des Todes geschmückt. Blut und Schädel gehören zu ihrer schreckenerregenden Erscheinung.

Sie wohnt im Śmaśāna, dem Verbrennungsplatz. Ihr Haar fällt frei herab. Sie steht beziehungsweise bewegt sich über dem Körper Mahādevas, der in Leichengestalt unter ihr liegt. Ringsum ertönen die Stimmen schrecklicher Wesen.

Ein besonders charakteristisches Bild verbindet sie mit Mahākāla in der sogenannten Viparīta-Rati-Darstellung. Diese erotische Symbolik gehört zur esoterischen Ikonographie mancher Kālī-Traditionen und wird im Text nicht als alltägliche Sexualanweisung, sondern als sakrales Symbol von Śakti und Śiva verwendet.

Trotz der furchtbaren Gestalt wird ihr Gesicht zugleich als freundlich und segensvoll beschrieben. Die Göttin ist von einem Yoginī-Cakra umgeben.

Der Übende soll Kālī immer wieder so meditieren: als die im Śmaśāna wohnende Göttin, in der Schrecken und Gnade, Tod und Schutz, Auflösung und Segen zusammenfallen.

Kolophon des vierten Abschnitts
Die Quelle nennt diesen Abschnitt ausdrücklich caturthodhyāyaḥ – „vierter Adhyāya“. Damit endet der von Īśvara verkündete vierte Abschnitt des Kālikārahasya im Mahābhairava-Tantra.

Dakṣiṇā Kālī über Śiva: Die dynamische Śakti steht über dem unbewegten Bewusstseinsgrund. Furcht und Gnade werden in einem einzigen Bild vereint.

Fünfter Patala – Purascharana und tägliche Sadhana

Nachdem die höchste Form meditiert wurde, soll der Mantra rezitiert werden.

Der Text beschreibt eine Praxis im Śmaśāna. Dort wird eine Vedikā errichtet. Der Sādhaka sammelt den Geist, bleibt allein und beherrscht die Sinne. Offenes Haar und die symbolische Nacktheit des Digambara-Zustands gehören zur asketisch-tantrischen Szenerie.

Die äußere Wahrnehmung soll zurückgenommen werden. Bestimmte Nahrungsmittel und Mengen werden vorgeschrieben, darunter Milch und Ghee. Ebenso werden Kuṅkuma und Agaru genannt.

Der Japa soll über einen ganzen Maṇḍala-Zeitraum konsequent fortgesetzt werden. Der Sādhaka nimmt Vīrāsana ein. Die Quelle nennt viertausend Wiederholungen täglich.

Nach Abschluss des Japa sollen Homa und Tarpana im Verhältnis eines Zehntels ausgeführt werden. Für den Homa nennt der Text unter anderem Milchreis, Arka-Holz, Ghee und Honig.

Auch die Speisung von Brahmanen wird im Verhältnis zum Japa erwähnt. Suvāsinīs sollen entsprechend den finanziellen Möglichkeiten geehrt werden.

Puja der Dakshina Kali

Die Göttin wird angerufen und entsprechend der Śakti-Mantra-Tradition verehrt. Genannt werden rote und dunkle Blumen, blaue beziehungsweise dunkle Duftstoffe und Akṣata.

Die Pūjā soll regelmäßig und mit unermüdlicher Bhakti vollzogen werden.

Zusätzlich nennt der Text:

  • Sahasranāma,
  • Kavaca,
  • Pañjara,
  • Bhujanga-Stotra beziehungsweise Bhujangam,
  • Aṣṭottaraśata,
  • und weitere Stotras.

Die zentrale Aussage ist einfach: Wird die Göttin mit Hingabe verehrt, wird sie prasannā – gnädig und wohlgesinnt – und erscheint als varadā, die Segnungen gewährt.

Die Phalaśruti beschreibt Kālī als gnädige Varadā – als Göttin, die dem hingebungsvollen Menschen Segen gewährt.

Phalashruti – die verheißenen Früchte

Wer diesen Text beziehungsweise diese Verehrung täglich liest, hört oder weitergibt und sich auf Dakṣiṇā Kālī ausrichtet, wird nach der Sprache des Textes zu ihrem Bhakta.

Als traditionelle Früchte werden dichterische und sprachliche Begabung, die Gegenwart Mahālakṣmīs im Haus und die Gnade Kātyāyanīs genannt.

Auch Schutz vor Krankheit und vorzeitigem Tod wird behauptet. Solche Aussagen gehören zur religiösen Phalaśruti und sind keine medizinischen Versprechen.

Für Menschen mit besonderen Kāmya-Wünschen wird Japa während Sonnen- oder Mondfinsternissen erwähnt.

Der Schluss preist einen Stavarāja als reinigend und erklärt, dass die zufriedene Dakṣiṇā Kālī die ersehnten Wünsche gewähre.

Kolophon des fünften Paṭala
Damit endet im Mahābhairava-Tantra, im Śrī Kālikārahasya, im Dialog zwischen Umā und Maheśvara, der von Īśvara verkündete fünfte Paṭala.

Zusammenfassende deutsche Übersetzung

Das erhaltene Kālikārahasya-Fragment entfaltet einen klaren spirituellen Bogen.

Zunächst steht die Frage: Unter den unzähligen Mantras von Śiva, Viṣṇu und Śakti – welcher führt besonders unmittelbar zu Schutz, Erfüllung und Befreiung? Śiva antwortet mit der geheimen Dakṣiṇā-Kālī-Vidyā. Doch der Text betont, dass ein solcher Mantra nicht ohne Guru, Prüfung, Reinheit und Hingabe weitergegeben werden soll.

Der dritte Paṭala beschreibt deshalb zuerst die Vorbereitung: Bhūtaśuddhi, Mātṛkā-Nyāsa, Aṅga-, Kara- und Deha-Nyāsa, Kalaśa, Mudrās und die rituelle Einbettung des Mantras. Der eigentliche Wortlaut wird in verschlüsselter Mantrasprache konstruiert.

Der vierte Abschnitt führt von der Technik zum Bild der Göttin. Dakṣiṇā Kālī ist schwarz beziehungsweise dunkel wie eine Gewitterwolke, vierarmig, mit offenem Haar, Muṇḍamālā, Schwert und abgeschlagenem Kopf. Zugleich zeigt sie Abhaya und Varada. Gerade diese Verbindung ist entscheidend: dieselbe Göttin, die Tod und Auflösung verkörpert, schenkt Schutz und Segen.

Der Śmaśāna ist dabei nicht nur ein äußerer Verbrennungsplatz. Spirituell gelesen ist er der Ort, an dem alle gewohnten Sicherheiten enden. Kālī erscheint dort, wo Vergänglichkeit nicht mehr verdrängt werden kann.

Die Darstellung Kālīs über Śiva wird in späterer tantrischer Deutung häufig als Einheit von stiller Bewusstseinsgrundlage und dynamischer Śakti verstanden. Diese symbolische Deutung geht über den bloßen Wortlaut des Fragments hinaus und ist hier als spirituelle Interpretation kenntlich zu machen.

Der fünfte Paṭala macht aus dieser Vision eine Sādhana: Japa, Homa, Tarpana, Pūjā, Stotra und Bhakti. Trotz der vielen technischen Vorschriften wird die zentrale Haltung ausdrücklich genannt – bhaktir atandritaḥ, unermüdliche Hingabe.

Die Phalaśruti spricht von Wohlstand, poetischer Kraft, Schutz und der Erfüllung von Wünschen. Für eine heutige spirituelle Lesart ist jedoch tiefergehend: Kālī wird zur Kraft, durch die Angst vor Zeit, Tod und Verlust in unmittelbare Gottesnähe verwandelt wird.

Inspirierende Verse und Aussagen

Das Geheimnis soll einem würdigen Schüler gegeben werden
na deyaṃ mūḍhacittāya guruvittāpahāriṇe |
bhaktihīnāya hiṃsrāya prāṇatyāge'pi pārvati ||

Übersetzung: Es soll keinem Menschen mit verwirrtem Geist gegeben werden, keinem, der den Besitz des Gurus an sich reißt, keinem Hingabelosen und Gewalttätigen – selbst unter Todesgefahr, o Pārvatī.

Bhakti als Grundhaltung
samyak pūjāṃ prakurvīta nityaṃ bhaktir atandritaḥ |

Übersetzung: Man verehre die Göttin auf rechte Weise, täglich und mit unermüdlicher Hingabe.

Kali als gnädige Segensspenderin
evaṃ saṃpūjitā devi prasannā varadā bhavet |

Übersetzung: So verehrt wird die Göttin gnädig und zur Schenkerin von Segnungen.

Meditation auf Dakshina Kali
karālavadanāṃ ghorāṃ muktakeśīṃ caturbhujām |
kālikāṃ dakṣiṇāṃ divyāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām ||

Übersetzung: Man meditiere die göttliche Dakṣiṇā Kālī: mit furchterregendem Antlitz, offenem Haar, vier Armen und geschmückt mit einer Girlande aus Köpfen.

Die Göttin im Shmashana
mahāraudrīṃ śmaśānālaya vāsinīm |

Übersetzung: Die große, gewaltige Göttin, die im Verbrennungsplatz wohnt.

Kālī gehört zu den Mahāvidyās – den großen Weisheitsformen der Göttin.

Wichtigste Mantras aus dem Kalika Rahasya

Das Kālikārahasya ist gerade bei seinem zentralen Dakṣiṇā-Kālī-Mantra teilweise chiffriert. Deshalb wird hier nicht aus späteren Traditionen ein vermeintlich „vollständiger“ Wortlaut ergänzt. Aufgenommen werden nur sicher erkennbare Mantra-Elemente der Quelle.

Dakshina-Kali-Mantrakrama
Der Text kündigt ausdrücklich an:

dakṣiṇā kālikā mantrakramaṃ vakṣye prayatnataḥ

Übersetzung: „Ich werde nun sorgfältig die Reihenfolge des Mantras der Dakṣiṇā Kālī erklären.“

Die anschließende Formel wird aus verschlüsselten Lautbezeichnungen, Bindu, Anusvāra und weiteren Bīja-Komponenten aufgebaut. Wegen mehrerer beschädigter Lesungen wird sie hier nicht spekulativ rekonstruiert.

Maya-Bija
hrīṃ
ह्रीं

Der Text nennt ausdrücklich ein Māyā-Bīja. In der tantrischen Kālī- und Śākta-Tradition steht hrīṃ für die verdichtete Kraft der Göttin, für Māyā, Hṛllekhā und Bewusstseinsenergie.

Svaha
svāhā
स्वाहा

Die Quelle sagt, dass die Mantrakonstruktion am Ende mit Svāhā verbunden wird. Svāhā kennzeichnet die Übergabe und vollständige Darbringung an die Gottheit.

Panchakshari und weitere Mantras
Das Fragment nennt außerdem Pañcākṣarī, Dvādaśākṣara, Ṣoḍaśākṣara, Sudarśana-, Hanumān-, Bhairava-, Aṣṭākṣara- und Pratyaṅgirā-Mantras als Beispiele der großen Mantra-Welt, innerhalb derer nach dem besonders geheimen Kālī-Mantra gefragt wird.

Wichtig für die Praxis
Das Kālikārahasya selbst stellt Guru, Eignungsprüfung, Reinheit, Nyāsa und Bhakti vor die eigentliche Mantra-Praxis. Der Mantra wird daher nicht als isolierte Lautformel behandelt, sondern als Teil einer vollständigen Sādhana.

Quellenstand der Sanskritteile
Die Sanskritblöcke sind keine normalisierte Neuedition. Schreibweisen, beschädigte Wörter, Sterne, ungewöhnliche Sandhi- und Grammatikformen sowie die Seitenmarker der Vorlage bleiben grundsätzlich erhalten. Sprecherzeilen und Kolophone werden nur typographisch hervorgehoben.

Vollständiger Sanskrittext in Umschrift

Hinweis zur Darstellung
Der folgende Text gibt das vollständige erhaltene Fragment in Umschrift wieder. Die Seiten der Vorlage, Sprecherwechsel und Kolophone sind zur besseren Orientierung hervorgehoben. Beschädigte Stellen und Sterne bleiben sichtbar. Jede Sanskritzeile endet mit `
`.

Uniform title: kālikārahasya
Manuscript : IFP/EFEO transcript T00900
Description:
Notes:
Copied from IFP?EFEO transcript T00900 which itself is a copy of Adyar library manuscript 1273.
Data entered by the staff of Muktabodha under the supervision of Mark S. G. Dyczkowski.
Revision 0: Sept. 18, 2011
Internet publisher : Muktabodha Indological Research Institute
Publication year :
Publication city :
Publication country : India
kālikārahasya
śubhamastu
|| avibhamastu ||
śrī kailāsadharāgrasaudhanilayaṃ śītāṃśu bimbasphuranmāṇikya
sphuṭasatkirīṭamabhavan mandāramālānvitam |
śobhantaṃ pramadairmahābalayutai śeṣāsurāścāsuraiḥ
gaurīmantrarahasya vittamamajaṃ pañcānanaṃ śaṅkaram |

  • vyeṣu mantrakoṭiṣu varadāṃ phaladāyakam | japatāṃ

śṛṇvatāṃ cāpi manobhīṣṭaphalapradāḥ | santyāgamoktā
nigamacoditā mokṣadāyakāḥ | gāyatrī bagalā balā śyāmalā
nakulī tathā |
dhenuvāgeśvarī caiva vārāhī kavirājarājeśvarī caiva tathā
tripurasundarī dhūmāvati tathendrākṣi yakṣiṇīti prakīrtitā
śākteyamantrarājaśca | kārtavīryasya siṃhvakā dakṣiṇe
mūrtimantraśca tathā pañcākṣarī smṛtam |
dvādaśākṣaramantrañca tathā ṣoḍaśakaṃ tathā | sudarśanaṃ
vainateyaṃ hanumantaṃ ca bhairavam | aṣṭākṣaraṃ caikavarṇaṃ
tathā pratyaṃgirādayaḥ | ete bahuvidhā mantrāḥ śiva vaiṣṇava
devatāḥ | teṣu teṣu mantreṣu bhukte mukti phalapradam |

Seite 2 der Vorlage

sarvapātakanirghātaṃ sarvaśatrunivāraṇam | dusvapnanāśanaṃ
caiva sarvalokavaśīkaram | staṃbhanaṃ mohanañcaiva
vāgbhavabalānvitam | pāvanaṃ phaladaṃ śreṣṭhaṃ bhaktānāñca
vaśīkaram | māraṇākarṣaṇañcaiva kalidoṣa nivāraṇam |
yacchīghraphaladaṃ śreṣṭhaṃ tanme brūhi maheśvara |
īśvaraḥ -
śṛṇu devi pravakṣyāmi mantrāṇāmuttamottamam | vakṣye
cāyuṣkaraṃ sarvasampatkaramanuttamam | na deyaṃ mūḍhacittāya
guruvittāpahāriṇe | bhaktihīnāya hiṃsrāya prāṇatyāgepi
pārvati | siddhasādhyasusiddhārīn cakraṃ supariśodhya ca |
vāśikoṣṭhañca nakṣatra koṣṭhaṃ ṛṇa ṛṇī tathā |
bhūkoṣṭhañca vijñeya deyaṃ śiṣyāya dīyate | śubhe dine śubhe
nakṣatre muhūrte tu tathāvidhe | candratārābalayute māte śūnye
vivarjite | māghe vā kārtike vāpi vaiśākhe vā vimūḍhake |
upadeśañca kartavyaṃ guruparama dhārmikaḥ | rahasyaṃ
sarvamantreṣu vedavedāṃga sammatam | gopanīyaṃ prayatnena
tmavāṅmanasa gocaram | sadguruṃ pūjayitvā tu bhaktipūrvaṃ
sadakṣiṇam |

Seite 3 der Vorlage

upoṣya rajasamekāṃ pañcagavyādikaiśśuciḥ | digbandhanādikaṃ
kṛtvā aṣṭaśaktiranusmaran | gurutrapañca saṃskṛtya gaṇeśaṃ
bhairavaṃ tathā | pīṭhatravādi saṃyuktaṃ natvā ca gurumaṇḍalam
| bhūśuddhiṃ bhūtaśuddhiñca mātṛkānyāsamācaret |
aṃganyāsaṃ karanyāsaṃ dehanyāsaṃ tataḥ param | mantrādau
niyataḥ kṛtvā sthiti nyāsaṃ samācaret madhyānhervārdharātre vā
nadyāṃ devālayepi vā | aśvatthamūlamāśritya grahaṇeṣu ca
sarvasu | etanmantraṃ susaṃgṛhya dāsasoparisaṃsthitāḥ | kalaśaṃ
sannidhau sthāpya yathāsaṃskārapūrvakam |
vimalairvāruṇairmantrairmārjayitvā tadambunā | khaḍgamuṇḍañca
varadaṃ abhayañca kirīṭakam | makarañceti vikhyātāḥ
mudrāṣaṭkaṃ pradarśayet | uṣṇikchandobhisaṃjñātaṃ
bhairavorṣisamanvitam | māyābījānu bījaṃśca
gaganākṣaraśaktikam | dveṣabīja parispaṣṭaṃ kīlakaṃ
mokṣadāyakam | dakṣiṇā kālikā mantrakramaṃ vakṣye prayatnataḥ
| vāmākṣīvanhyanusvāramādyā trigaralaṃ kramāt |

Seite 4 der Vorlage

dveṣadvayaṃ dvitīyaṃ syāt trimūrtirbindusaṃyutam | aṣṭādaśaṃ
caturthaṃ syāt pañcāśatpañcamaṃ smṛtam | tadgovinda samāyuktaṃ
brahmādiparisevitam | pūṣṇoparistha varṇaṃ syāt
trimūrtiyutamaṣṭamam | ādimadaśamajñeyaṃ purāproktaṃ
vidhānataḥ | ekādaśaṃ dvitīyavat dvādaśantu tṛtīyavat | ante
svāhā samāyuktaṃ etanmantraṃ manoharam | brahmādibhiranuddheyaṃ
vedavedāṃga saṃyutam | saptakoṭimahāmantrarāja * tatprakīrtitam |
tava snehātpravakṣyāmi guhyādguhyataraṃ mahat | triṣu lokeṣu
vikhyātaṃ nānyamantramitaḥ param | śīghramārasvataḥ prāptiḥ
pāṇḍityaṃ ca sakhāntare | yo nityaṃ japate martyaḥ
sopyatatphalamaśnute |
iti śrī mahābhairavatantre kālikārahasye umāmaheśvarasaṃvāde
īśvaraprokto nāma tṛtīyaḥ paṭalaḥ ||
pārvatyuvāca -
vibho śaṃkara mannātha tvanmukhabjavinissṛtam | asya mantrasya
māhātmyaṃ dhṛtvā samodamāpnuyāt |

Seite 5 der Vorlage

dhyānaṃ kathaṃ mahādeyāḥ punaścaraṇādikaṃ katham | homañca
tarpaṇavidhiṃ viprabhojanameva ca | pūjāvidhānaṃ ke puṣpaiḥ
kathaṃ kuryātkiyatkiyat | etanme brūhi vistārya sarvamantravidhāṃ
vara |
īśvarovāca -
dhyānakramaṃ pravakṣyāmi śṛṇu śailendra nandane |
karālavadanāṃ ghorāṃ muktakeśīṃ caturbhujām | kālikāṃ
dakṣiṇāṃ divyāṃ muṇḍamālāvibhūṣitām |
savyachinnaśirakhaḍgavāmordhvaja karāmbujām | abhayaṃ
varadañcaiva dakṣiṇā dordhapāṇikām | mahāmeghaprabhāṃ
śyāmāṃ tathaiva ca digambarām |
kaṇavalisaktamuṇḍāliṃgaladdadhiracarcitām | karṇāvataṃsatāṃ
nītā śavayugma bhayānakam | ghoradaṃṣṭrā karālāñca
pīnonnatapayodharām | sabāṇakarasaṃdhātai kṛtakāṃcihasanmukhī
| sṛkdvayagalādyuktā dhārā visphuritānatām | ghorākhāṃ
mahāraudrīṃ śmaśānālaya vāsinīm | dakṣiṇākālikāṃ divyāṃ
muktalambakaccoccayām |? śavarūpamahādeva hṛdayopari saṃsthitām |
śavābhighorāravābhiśca caturdikṣusamanvitām |

Seite 6 der Vorlage

mahākālena ca samaṃ viparītaratāturām | mukhaprasannavadanāṃ
ghorānana varoruhām | yoginī cakrasahitāṃ kālikāṃ dhyāyetsadā
| evaṃ pravakṣyāmi mantrāṇā muttamottamam | vakṣye cāyutparaṃ
sarvasampatkaramanuttamam | na deyaṃ mūḍhacittāya
guruvittāpahāriṇe | bhaktihīnāya hiṃsrāya prāṇatyāgepi
pārvati evaṃ sañcintayetkālīṃ śmaśānālaya vāsinīm |
iti śrī mahābhairavatantre kālikārahasye īśvaraprokto nāma
caturthodhyāyaḥ ||
evamādau paraṃ dhyātvā tato mantraṃ samuccaret | śmaśāne
vedikāṃ kṛtvā dig cada * * vidhānataḥ | tasyāmekāgracittassan
ekākī vijitendriyaḥ | digambaro muktakeśaḥ bāhyadṛṣṭivisarjayet
| maricva sarṣapāñcaiva palamekaṃ dine dine | gokṣīraṃ sahitaṃ
bhuñjan goghṛtaṃ ca tataḥ param | piban paladvayaṃ nityaṃ
kuṃkumāgarulepanam | japenmaṇḍalaparyantaṃ niścalaṃ kaṃbalānale
|

Seite 7 der Vorlage

catussahassraṃ nityaṃ vai vīrāsana parigraha | tato devi kṛpāyukto
pratyekaṃ bhavati dhruvam | japasya daśamāṃśantu
homatarpaṇamācaret | kṣīrānnenārka samidhaiḥ mālāmantra
manusmaran | ghṛtena madhunā caiva juhuyādvedikānale | bhojanaṃ
viprasaṃkhyānāṃ daśāṃśaṃ kārayetsudhīḥ | suvāsinī mu
mamuccārya yathā vittaṃ samācaret | idaṃ te deviṃ samāvāhya
śakti mantravidhānatā | raktāsitaiśca kusumaiḥ nīlagandhākṣatai
stathā | samyak pūjāṃ prakurvīta nityaṃ bhaktirataṃdritaḥ |
sahasranāmaṃ kavacaṃ pañjarantu bhujaṃgakam |
aṣṭottaraśatañcaiva paraṃstavamakārayet | evaṃ saṃpūjitā devi
prasannā varadā bhavet | ya idaṃ paṭhate nityaṃ śrāvayedvā
samāhitāḥ | dakṣiṇā kālikā devyāḥ sabhakto bhavati dhruvam |
yācaṣṭe cāśṛtaṃśāstra tanute kāvyavāṭakam | tasya gehe
mahālakṣmī sānnidhyaṃ kurute sadā | tasya kātyāyanī devi
prasannā varadā bhavet | āndha yo vyādhayaścaiva na bhavanti
kadācana |

Seite 8 der Vorlage

na tu nāśayate kṣipraṃ kālamṛtyumapi dhruvam | japedavaśyaṃ
kāmyārthī grahaṇe candrasūryayoḥ | anena stavarājena
pāpanirmālakāriṇaḥ | dakṣiṇā kālikā devi datuṣṭānbhiṣṭān
dadāti ca |
iti śrī mahābhairavatantre śrī kālikārahasye
umāmaheśvarasaṃvāde īśvaraprokto nāma pañcamaḥ paṭalaḥ ||

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

Hinweis zur Darstellung
Die Devanagari-Fassung folgt vollständig der bereitgestellten Quelle. Seitenstruktur, Sprecherwechsel, Kolophone und beschädigte Stellen bleiben sichtbar. Jede Sanskritzeile endet mit `
`.

कालिकारहस्य
शुभमस्तु
|| अविभमस्तु ||
श्री कैलासधराग्रसौधनिलयं शीतांशु बिम्बस्फुरन्माणिक्य
स्फुटसत्किरीटमभवन् मन्दारमालान्वितम् |
शोभन्तं प्रमदैर्महाबलयुतै शेषासुराश्चासुरैः
गौरीमन्त्ररहस्य वित्तममजं पञ्चाननं शङ्करम् |

  • व्येषु मन्त्रकोटिषु वरदां फलदायकम् | जपतां

शृण्वतां चापि मनोभीष्टफलप्रदाः | सन्त्यागमोक्ता
निगमचोदिता मोक्षदायकाः | गायत्री बगला बला श्यामला
नकुली तथा |
धेनुवागेश्वरी चैव वाराही कविराजराजेश्वरी चैव तथा
त्रिपुरसुन्दरी धूमावति तथेन्द्राक्षि यक्षिणीति प्रकीर्तिता
शाक्तेयमन्त्रराजश्च | कार्तवीर्यस्य सिंह्वका दक्षिणे
मूर्तिमन्त्रश्च तथा पञ्चाक्षरी स्मृतम् |
द्वादशाक्षरमन्त्रञ्च तथा षोडशकं तथा | सुदर्शनं
वैनतेयं हनुमन्तं च भैरवम् | अष्टाक्षरं चैकवर्णं
तथा प्रत्यंगिरादयः | एते बहुविधा मन्त्राः शिव वैष्णव
देवताः | तेषु तेषु मन्त्रेषु भुक्ते मुक्ति फलप्रदम् |

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सर्वपातकनिर्घातं सर्वशत्रुनिवारणम् | दुस्वप्ननाशनं
चैव सर्वलोकवशीकरम् | स्तंभनं मोहनञ्चैव
वाग्भवबलान्वितम् | पावनं फलदं श्रेष्ठं भक्तानाञ्च
वशीकरम् | मारणाकर्षणञ्चैव कलिदोष निवारणम् |
यच्छीघ्रफलदं श्रेष्ठं तन्मे ब्रूहि महेश्वर |
ईश्वरः -
शृणु देवि प्रवक्ष्यामि मन्त्राणामुत्तमोत्तमम् | वक्ष्ये
चायुष्करं सर्वसम्पत्करमनुत्तमम् | न देयं मूढचित्ताय
गुरुवित्तापहारिणे | भक्तिहीनाय हिंस्राय प्राणत्यागेपि
पार्वति | सिद्धसाध्यसुसिद्धारीन् चक्रं सुपरिशोध्य च |
वाशिकोष्ठञ्च नक्षत्र कोष्ठं ऋण ऋणी तथा |
भूकोष्ठञ्च विज्ञेय देयं शिष्याय दीयते | शुभे दिने शुभे
नक्षत्रे मुहूर्ते तु तथाविधे | चन्द्रताराबलयुते माते शून्ये
विवर्जिते | माघे वा कार्तिके वापि वैशाखे वा विमूढके |
उपदेशञ्च कर्तव्यं गुरुपरम धार्मिकः | रहस्यं
सर्वमन्त्रेषु वेदवेदांग सम्मतम् | गोपनीयं प्रयत्नेन
त्मवाङ्मनस गोचरम् | सद्गुरुं पूजयित्वा तु भक्तिपूर्वं
सदक्षिणम् |

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उपोष्य रजसमेकां पञ्चगव्यादिकैश्शुचिः | दिग्बन्धनादिकं
कृत्वा अष्टशक्तिरनुस्मरन् | गुरुत्रपञ्च संस्कृत्य गणेशं
भैरवं तथा | पीठत्रवादि संयुक्तं नत्वा च गुरुमण्डलम्
| भूशुद्धिं भूतशुद्धिञ्च मातृकान्यासमाचरेत् |
अंगन्यासं करन्यासं देहन्यासं ततः परम् | मन्त्रादौ
नियतः कृत्वा स्थिति न्यासं समाचरेत् मध्यान्हेर्वार्धरात्रे वा
नद्यां देवालयेपि वा | अश्वत्थमूलमाश्रित्य ग्रहणेषु च
सर्वसु | एतन्मन्त्रं सुसंगृह्य दाससोपरिसंस्थिताः | कलशं
सन्निधौ स्थाप्य यथासंस्कारपूर्वकम् |
विमलैर्वारुणैर्मन्त्रैर्मार्जयित्वा तदम्बुना | खड्गमुण्डञ्च
वरदं अभयञ्च किरीटकम् | मकरञ्चेति विख्याताः
मुद्राषट्कं प्रदर्शयेत् | उष्णिक्छन्दोभिसंज्ञातं
भैरवोर्षिसमन्वितम् | मायाबीजानु बीजंश्च
गगनाक्षरशक्तिकम् | द्वेषबीज परिस्पष्टं कीलकं
मोक्षदायकम् | दक्षिणा कालिका मन्त्रक्रमं वक्ष्ये प्रयत्नतः
| वामाक्षीवन्ह्यनुस्वारमाद्या त्रिगरलं क्रमात् |

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द्वेषद्वयं द्वितीयं स्यात् त्रिमूर्तिर्बिन्दुसंयुतम् | अष्टादशं
चतुर्थं स्यात् पञ्चाशत्पञ्चमं स्मृतम् | तद्गोविन्द समायुक्तं
ब्रह्मादिपरिसेवितम् | पूष्णोपरिस्थ वर्णं स्यात्
त्रिमूर्तियुतमष्टमम् | आदिमदशमज्ञेयं पुराप्रोक्तं
विधानतः | एकादशं द्वितीयवत् द्वादशन्तु तृतीयवत् | अन्ते
स्वाहा समायुक्तं एतन्मन्त्रं मनोहरम् | ब्रह्मादिभिरनुद्धेयं
वेदवेदांग संयुतम् | सप्तकोटिमहामन्त्रराज * तत्प्रकीर्तितम् |
तव स्नेहात्प्रवक्ष्यामि गुह्याद्गुह्यतरं महत् | त्रिषु लोकेषु
विख्यातं नान्यमन्त्रमितः परम् | शीघ्रमारस्वतः प्राप्तिः
पाण्डित्यं च सखान्तरे | यो नित्यं जपते मर्त्यः
सोप्यतत्फलमश्नुते |
इति श्री महाभैरवतन्त्रे कालिकारहस्ये उमामहेश्वरसंवादे
ईश्वरप्रोक्तो नाम तृतीयः पटलः ||
पार्वत्युवाच -
विभो शंकर मन्नाथ त्वन्मुखब्जविनिस्सृतम् | अस्य मन्त्रस्य
माहात्म्यं धृत्वा समोदमाप्नुयात् |

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ध्यानं कथं महादेयाः पुनश्चरणादिकं कथम् | होमञ्च
तर्पणविधिं विप्रभोजनमेव च | पूजाविधानं के पुष्पैः
कथं कुर्यात्कियत्कियत् | एतन्मे ब्रूहि विस्तार्य सर्वमन्त्रविधां
वर |
ईश्वरोवाच -
ध्यानक्रमं प्रवक्ष्यामि शृणु शैलेन्द्र नन्दने |
करालवदनां घोरां मुक्तकेशीं चतुर्भुजाम् | कालिकां
दक्षिणां दिव्यां मुण्डमालाविभूषिताम् |
सव्यछिन्नशिरखड्गवामोर्ध्वज कराम्बुजाम् | अभयं
वरदञ्चैव दक्षिणा दोर्धपाणिकाम् | महामेघप्रभां
श्यामां तथैव च दिगम्बराम् |
कणवलिसक्तमुण्डालिंगलद्दधिरचर्चिताम् | कर्णावतंसतां
नीता शवयुग्म भयानकम् | घोरदंष्ट्रा करालाञ्च
पीनोन्नतपयोधराम् | सबाणकरसंधातै कृतकांचिहसन्मुखी
| सृक्द्वयगलाद्युक्ता धारा विस्फुरितानताम् | घोराखां
महारौद्रीं श्मशानालय वासिनीम् | दक्षिणाकालिकां दिव्यां
मुक्तलम्बकच्चोच्चयाम् |? शवरूपमहादेव हृदयोपरि संस्थिताम् |
शवाभिघोरारवाभिश्च चतुर्दिक्षुसमन्विताम् |

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महाकालेन च समं विपरीतरतातुराम् | मुखप्रसन्नवदनां
घोरानन वरोरुहाम् | योगिनी चक्रसहितां कालिकां ध्यायेत्सदा
| एवं प्रवक्ष्यामि मन्त्राणा मुत्तमोत्तमम् | वक्ष्ये चायुत्परं
सर्वसम्पत्करमनुत्तमम् | न देयं मूढचित्ताय
गुरुवित्तापहारिणे | भक्तिहीनाय हिंस्राय प्राणत्यागेपि
पार्वति एवं सञ्चिन्तयेत्कालीं श्मशानालय वासिनीम् |
इति श्री महाभैरवतन्त्रे कालिकारहस्ये ईश्वरप्रोक्तो नाम
चतुर्थोध्यायः ||
एवमादौ परं ध्यात्वा ततो मन्त्रं समुच्चरेत् | श्मशाने
वेदिकां कृत्वा दिग् चद * * विधानतः | तस्यामेकाग्रचित्तस्सन्
एकाकी विजितेन्द्रियः | दिगम्बरो मुक्तकेशः बाह्यदृष्टिविसर्जयेत्
| मरिच्व सर्षपाञ्चैव पलमेकं दिने दिने | गोक्षीरं सहितं
भुञ्जन् गोघृतं च ततः परम् | पिबन् पलद्वयं नित्यं
कुंकुमागरुलेपनम् | जपेन्मण्डलपर्यन्तं निश्चलं कंबलानले
|

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चतुस्सहस्स्रं नित्यं वै वीरासन परिग्रह | ततो देवि कृपायुक्तो
प्रत्येकं भवति ध्रुवम् | जपस्य दशमांशन्तु
होमतर्पणमाचरेत् | क्षीरान्नेनार्क समिधैः मालामन्त्र
मनुस्मरन् | घृतेन मधुना चैव जुहुयाद्वेदिकानले | भोजनं
विप्रसंख्यानां दशांशं कारयेत्सुधीः | सुवासिनी मु
ममुच्चार्य यथा वित्तं समाचरेत् | इदं ते देविं समावाह्य
शक्ति मन्त्रविधानता | रक्तासितैश्च कुसुमैः नीलगन्धाक्षतै
स्तथा | सम्यक् पूजां प्रकुर्वीत नित्यं भक्तिरतंद्रितः |
सहस्रनामं कवचं पञ्जरन्तु भुजंगकम् |
अष्टोत्तरशतञ्चैव परंस्तवमकारयेत् | एवं संपूजिता देवि
प्रसन्ना वरदा भवेत् | य इदं पठते नित्यं श्रावयेद्वा
समाहिताः | दक्षिणा कालिका देव्याः सभक्तो भवति ध्रुवम् |
याचष्टे चाशृतंशास्त्र तनुते काव्यवाटकम् | तस्य गेहे
महालक्ष्मी सान्निध्यं कुरुते सदा | तस्य कात्यायनी देवि
प्रसन्ना वरदा भवेत् | आन्ध यो व्याधयश्चैव न भवन्ति
कदाचन |

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न तु नाशयते क्षिप्रं कालमृत्युमपि ध्रुवम् | जपेदवश्यं
काम्यार्थी ग्रहणे चन्द्रसूर्ययोः | अनेन स्तवराजेन
पापनिर्मालकारिणः | दक्षिणा कालिका देवि दतुष्टान्भिष्टान्
ददाति च |
इति श्री महाभैरवतन्त्रे श्री कालिकारहस्ये
उमामहेश्वरसंवादे ईश्वरप्रोक्तो नाम पञ्चमः पटलः ||

Abschluss

Das Kālikārahasya ist in der erhaltenen Form kurz, aber spirituell dicht. Es verbindet die geheime Mantra-Tradition der Dakṣiṇā Kālī mit einer der kraftvollsten Bildwelten des Tantra: Kālī im Śmaśāna, dunkel wie eine Gewitterwolke, geschmückt mit Schädeln und zugleich mit Abhaya und Varada – Schutz und Segen.

Gerade darin liegt die spirituelle Botschaft: Was der gewöhnliche Geist fürchtet – Tod, Vergänglichkeit, Auflösung und Kontrollverlust –, wird in Kālī nicht außerhalb des Göttlichen gestellt. Auch das Dunkle gehört in die unendliche Wirklichkeit der Śakti.

Für Yoga-Aspiranten kann Kālī deshalb als Kraft verstanden werden, die alte Begrenzungen durchtrennt. Meditation auf Kālī kann – in einer passenden spirituellen Tradition und ohne problematische historische Ritualelemente zu übernehmen – Mut, Hingabe und die Bereitschaft fördern, das Vergängliche loszulassen.

Textgrundlage und Überlieferung
Der Artikel folgt ausschließlich den bereitgestellten Muktabodha-Dateien T00242. Die elektronische Quelle führt den Titel kālikārahasya und nennt als unmittelbare Grundlage das IFP/EFEO-Transkript T00900, das seinerseits eine Abschrift des Adyar-Library-Manuskripts 1273 ist.

Die erhaltene Datei beginnt innerhalb des dritten Paṭala und reicht bis zum Kolophon des fünften Paṭala. Die ersten beiden Paṭalas sind in dieser Datei nicht vorhanden. Einzelne Stellen sind beschädigt oder unsicher; diese werden im Sanskrittext sichtbar bewahrt und in der deutschen Übersetzung nicht frei ergänzt.

Vollständigkeit dieser Wiki-Fassung
Die Wiki-Fassung enthält den vollständigen in den bereitgestellten Dateien vorhandenen Text in deutscher Übersetzung beziehungsweise Erschließung, in Sanskrit-Umschrift und in Devanagari. Die Vollständigkeit bezieht sich also auf das erhaltene elektronische Fragment, nicht auf das ursprünglich vollständige Kālikārahasya.

Abschlussprüfung
Für diese Endfassung wurden der deutsche Text, die Umschrift und die Devanagari-Fassung nochmals mit den bereitgestellten Dateien T00242 abgeglichen. Die Quelle setzt im dritten Paṭala ein, enthält den Kolophon dieses Paṭala, danach einen caturthodhyāyaḥ und schließlich den fünften Paṭala. Die nicht vorhandenen ersten Teile des Werkes wurden nicht ergänzt und beschädigte Mantra-Chiffren nicht rekonstruiert.

Siehe auch

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