Kadiyalur Uruttirankannanar

Aus Yogawiki

Kadiyalur Uruttirankannanar (Tamil: கடியலூர் உருத்திரங்கண்ணனார், Kaṭiyalūr Uruttiraṅkaṇṇaṉār), auch Uruttirangannanar geschrieben, war ein tamilischer Dichter der klassischen Sangam-Zeit. Er schuf zwei der zehn großen Langgedichte der Sammlung Pattuppattu („Die zehn Lieder“): das Pattinappalai, ein Loblied auf den Chola-König Karikalan und seine prächtige Hafenstadt Puhar, und das Perumpanarruppadai, ein „Wegweiser-Gedicht“, das einen armen Barden zum freigebigen König Tondaiman Ilandiraiyan von Kanchipuram führt. Dazu kommen je ein kurzes Gedicht in den Anthologien Akananuru und Kuruntokai.

Seine Gedichte gehören zu den wertvollsten Zeugnissen des alten Tamil Nadu. Mit großer Anschaulichkeit beschreiben sie Städte, Häfen, Märkte, Landschaften, Tempel und das Leben der Menschen vor fast 2000 Jahren. Nach einer späteren Überlieferung soll König Karikalan so bewegt von seinem Gedicht gewesen sein, dass er ihm sechzehn Lakh (1,6 Millionen) Goldstücke schenkte.

Für heutige Leser, auch für Yoga-Übende, sind seine Werke nicht nur Fenster in eine ferne Zeit. Sie zeigen ein Ideal von ehrlichem Handel, gerechter Herrschaft und einer Liebe, die mehr wert ist als aller Reichtum der Welt.

Das Wichtigste auf einen Blick

Merkmal Einordnung
Name Kadiyalur Uruttirankannanar
Tamil கடியலூர் உருத்திரங்கண்ணனார்
Bedeutung des Namens „Kannan, Sohn des Uruttiran (Rudra), aus Kadiyalur“; -ar ist eine Ehrenendung
Herkunft Das Dorf Kadiyalur, nach verbreiteter Annahme im Norden Tamil Nadus; Brahmanenfamilie
Zeit Sangam-Zeit; Datierungen zwischen dem 1./2. und dem 3./4. Jahrhundert n. Chr.
Hauptwerke Pattinappalai (301 Zeilen), Perumpanarruppadai (500 Zeilen)
Weitere Gedichte Akananuru 167, Kuruntokai 352
Besungene Könige Karikalan (Chola), Tondaiman Ilandiraiyan (Kanchipuram)
Sammlung Pattuppattu („Zehn Lieder“) der Sangam-Literatur

Leben

Über das Leben Uruttirankannanars ist nur wenig bekannt. Sein Name verrät das Wichtigste: Kadiyalur ist sein Heimatort, Uruttiran (die tamilische Form von Rudra, einem Namen Shivas) der Name seines Vaters und Kannan sein eigener Name. Er stammte aus einer Brahmanenfamilie.

Er lebte an den Höfen zweier bedeutender Herrscher seiner Zeit: des Chola-Königs Karikalan, eines der berühmtesten Könige der tamilischen Geschichte, und des Tondaiman Ilandiraiyan, der über Kanchipuram herrschte. Die Datierung ist in der Forschung umstritten. Der Tamil-Forscher Kamil Zvelebil setzt das Pattinappalai ins 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr., der Historiker P. T. Srinivasa Iyengar sieht den Dichter im späten 3. oder frühen 4. Jahrhundert.[1]

Die Sangam-Literatur und die Zehn Lieder

Die Sangam-Literatur ist die älteste erhaltene Dichtung in tamilischer Sprache. Sie umfasst die „Acht Anthologien“ (Ettuthokai), Sammlungen kürzerer Gedichte, und die „Zehn Lieder“ (Pattuppattu), zehn längere Gedichte. Zu den Zehn Liedern gehören auch das Tirumurugatrupadai des Nakkirar, das erste große Loblied auf Murugan, und das Kurinjippattu des Kapilar. Uruttirankannanar ist der einzige Dichter, von dem zwei der Zehn Lieder stammen.

Die Sangam-Dichtung unterscheidet zwei große Themenbereiche, wie es das Tolkappiyam beschreibt: Akam, die innere Welt der Liebe, und Puram, die äußere Welt von Königtum, Krieg und Freigebigkeit. Uruttirankannanars Werke verbinden beide Welten auf kunstvolle Weise.

Das Pattinappalai

Der Titel und der Rahmen

Der Titel Pattinappalai verbindet zwei Wörter: Pattinam („Stadt“, besonders eine Hafenstadt an einer Flussmündung) und Palai. Palai ist in der Sangam-Dichtung die Landschaft der Wüste und steht zugleich für die Trennung der Liebenden. Das Gedicht hat 301 Zeilen.

Der Rahmen ist eine Liebesgeschichte: Ein Mann überlegt, seine Geliebte zu verlassen, um in die Ferne zu ziehen und Reichtum zu erwerben. Doch am Ende entscheidet er sich, bei ihr zu bleiben. Dazwischen aber, in fast 300 Zeilen, entfaltet der Dichter ein großartiges Bild der Stadt, die der Mann selbst dann nicht gegen seine Geliebte eintauschen würde: Kaveripattinam, auch Puhar genannt, die Hauptstadt des Chola-Königs Karikalan.

Das Bild der Stadt

Das Pattinappalai beschreibt Puhar, die blühende Hafenstadt an der Mündung der Kaveri, mit großer Detailfreude: den Hafen, in dem Schiffe aus fernen Ländern ankommen; die Waren, die dort gehandelt werden, Pferde von jenseits des Meeres, Pfeffer, Gold, Perlen, Korallen, Edelsteine, Seide und Sandelholz; die Lagerhäuser, auf denen das Tigerzeichen der Chola eingeprägt wird; die Märkte, Straßen und Häuser; die Feste, Musik und Tänze; die Fischer und Salzhändler am Strand; und die Tempel und Klöster verschiedener Glaubensrichtungen.

Auch das Silappatikaram beginnt in dieser Stadt Puhar, in der Kannagi und Kovalan lebten.

Die ehrlichen Kaufleute

Eine besonders schöne Stelle beschreibt die Kaufleute von Puhar: Sie sprechen die Wahrheit, scheuen Tadel, achten auf den Nutzen für andere ebenso wie für sich selbst, verlangen nicht mehr, als ihnen zusteht, und geben nicht weniger, als sie schulden. Sie verkaufen ihre Waren offen und ehrlich. Dieses Bild eines ethischen Handels ist bis heute bemerkenswert und erinnert an das Yoga-Prinzip Asteya, das Nicht-Stehlen, das auch Ehrlichkeit im Geschäftsleben umfasst.

König Karikalan

Ein Teil des Gedichts preist König Karikalan, der nach einer Jugend in Gefahr und Gefangenschaft seinen Thron zurückgewann, seine Feinde besiegte und sein Land zu Wohlstand führte. Karikalan gilt in der tamilischen Überlieferung als einer der größten Könige der Chola; ihm wird unter anderem der Bau des Kallanai, eines Staudamms an der Kaveri, zugeschrieben.

Die sechzehn Lakh Goldstücke

Nach späteren Werken aus dem 11. und 12. Jahrhundert war Karikalan von dem Gedicht so bewegt, dass er dem Dichter sechzehn Lakh, also 1,6 Millionen, Goldstücke schenkte. Ob diese Überlieferung historisch ist, lässt sich nicht sagen; sie zeigt jedenfalls, welch hohes Ansehen das Pattinappalai genoss.[2]

Liebe über Reichtum

Die eigentliche Pointe des Gedichts ist leise: Nach all der Beschreibung von Reichtum, Macht und Glanz entscheidet sich der Liebende für die Liebe. Selbst die prächtigste Stadt der Welt ist ihm nicht so viel wert wie die Nähe seiner Geliebten. So verbindet das Gedicht die äußere Welt des Glanzes mit der inneren Welt des Herzens und stellt das Herz über den Glanz.

Das Perumpanarruppadai

Ein Wegweiser-Gedicht

Das Perumpanarruppadai („Der Wegweiser für den großen Barden“) gehört zur Gattung der Arruppadai, der „Wegweiser-Gedichte“. In ihnen begegnet ein Barde, der von einem freigebigen Herrscher reich beschenkt wurde, einem anderen, armen Barden und beschreibt ihm den Weg zu diesem Herrscher, damit auch er beschenkt werde. Das Gedicht hat 500 Zeilen.

Die Reise durch die Landschaften

Auf dem Weg zum König führt die Beschreibung den Leser durch die verschiedenen Landschaften des tamilischen Landes: durch Wüsten und Wälder, durch Hirtenland und Ackerland, an die Küste. Der Dichter schildert, wie die Menschen in jeder Landschaft leben, was sie essen, wie sie arbeiten und wie sie Gäste empfangen. So entsteht ein lebendiges Bild der Gesellschaft der Sangam-Zeit.

Kanchipuram und Tondaiman Ilandiraiyan

Ziel der Reise ist Kanchipuram, die Stadt des Königs Tondaiman Ilandiraiyan. Der Dichter preist seine Freigebigkeit, seine Gerechtigkeit und die Schönheit seiner Stadt. Nach verbreiteter Deutung enthält das Gedicht auch eine der frühesten Erwähnungen der Verehrung Vishnus in Kanchipuram, der dort auf der Weltenschlange ruhend dargestellt wird.

Die kürzeren Gedichte

Neben den beiden großen Werken sind von Uruttirankannanar zwei kurze Liebesgedichte überliefert: Akananuru 167 und Kuruntokai 352. Sie gehören zur Akam-Dichtung und zeigen, dass er auch die knappe, bildhafte Form der Liebeslyrik beherrschte.

Symbolbild: Die Liebe, die dem Liebenden mehr wert ist als aller Glanz der Welt.

Bedeutung

Als Dichter

Uruttirankannanar gilt als einer der großen Dichter der Sangam-Zeit. Seine Stärke ist die genaue, lebendige und farbenreiche Beschreibung. Er verbindet Naturschilderung, Stadtbeschreibung, Lob des Königs und Liebesdichtung zu großen, kunstvoll gebauten Werken.

Als historische Quelle

Seine Gedichte sind unschätzbare Quellen für die Geschichte Südindiens. Das Pattinappalai gibt einen der ausführlichsten Einblicke in eine antike indische Hafenstadt, ihren Handel mit fernen Ländern und ihre Gesellschaft. Das Perumpanarruppadai beschreibt die Landschaften, Lebensweisen und die Stadt Kanchipuram. Archäologische Funde in Puhar haben manche der Beschreibungen bestätigt.

Als Zeugnis der Werte

Seine Werke zeigen die Werte der alten tamilischen Gesellschaft: Freigebigkeit gegenüber Dichtern und Gästen, gerechte Herrschaft, ehrlicher Handel und die Hochschätzung der Liebe.

Bedeutung für Yoga-Übende

  • Ehrlichkeit: Die ehrlichen Kaufleute von Puhar sind ein Vorbild für Satya und Asteya, Wahrhaftigkeit und Nicht-Stehlen, auch im Berufsleben.
  • Das Wesentliche wählen: Die Entscheidung des Liebenden, bei seiner Geliebten zu bleiben statt dem Reichtum nachzujagen, erinnert an Viveka, die Unterscheidung zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem.
  • Freigebigkeit: Die Kultur des Gebens, die das Perumpanarruppadai feiert, entspricht dem Ideal von Dana, der selbstlosen Gabe, und Aparigraha, dem Nicht-Horten.
  • Gastfreundschaft: Die Beschreibung, wie Menschen in allen Landschaften Gäste empfangen, erinnert an den indischen Grundsatz Atithi Devo Bhava, „Der Gast ist Gott“.
  • Aufmerksamkeit für das Leben: Die genaue, liebevolle Beschreibung des Alltags lädt dazu ein, die Welt mit wachen Augen und offenem Herzen wahrzunehmen.

Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten und Werken

König Karikalan und König Tondaiman Ilandiraiyan sind die Herrscher, die er besang. Nakkirar ist der Dichter des Tirumurugatrupadai, eines weiteren der Zehn Lieder. Das Tolkappiyam beschreibt die Poetik der Sangam-Zeit, in deren Tradition er schrieb. Das Silappatikaram spielt zum Teil in derselben Stadt Puhar, die er im Pattinappalai besang, und seine Heldin Kannagi stammt von dort. Die Paripadal ist eine weitere Sammlung der Sangam-Literatur. Das Tirukkural teilt mit seinen Werken die Hochschätzung von Freigebigkeit, Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit.

Anregungen für Yoga und Meditation

  • Was ist mir wirklich wichtig?: Stelle dir in der Meditation vor, dir würde der ganze Reichtum einer prächtigen Stadt angeboten, wenn du dafür etwas aufgibst, das dir am Herzen liegt. Was würdest du wählen?
  • Ehrlich handeln: Achte heute bei einem Einkauf oder einer Vereinbarung bewusst darauf, fair zu sein: nicht mehr zu nehmen, als dir zusteht, und nicht weniger zu geben, als du schuldest.
  • Ein Wegweiser sein: Wie der Barde im Perumpanarruppadai einem anderen den Weg zum Guten zeigt, kannst du heute jemandem etwas Hilfreiches weitergeben, das du selbst empfangen hast.
  • Mit wachen Augen: Beschreibe am Abend in wenigen Sätzen einen Ort, an dem du heute warst, so genau und liebevoll wie ein Sangam-Dichter. Auch in deiner Yogapraxis kannst du diese achtsame Wahrnehmung üben.

Ein Dichter der Städte und des Herzens

Kadiyalur Uruttirankannanar hat die prächtigste Stadt seiner Zeit besungen und am Ende gezeigt, dass die Liebe mehr wert ist als aller Glanz. Er hat den Weg durch die Landschaften des tamilischen Landes beschrieben und dabei die Würde der einfachen Menschen und die Schönheit der Freigebigkeit gefeiert. Seine Gedichte sind Fenster in eine vergangene Welt und zugleich Spiegel für Werte, die bis heute gelten.

Siehe auch

Quellen und Weblinks

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