Chaturveda Upanishad

Aus Yogawiki

Die Chaturveda Upanishad (Sanskrit: चतुर्वेदोपनिषत्, Caturvedopaniṣat, „Upanishad der vier Veden“) ist eine kurze, nicht zum Kanon der 108 Muktika-Upanishaden gehörende Upanishad. Ihr Titel bezieht sich auf Rigveda, Yajurveda, Samaveda und Atharvaveda. Der Text erzählt, wie aus dem einen Narayana die kosmischen Wasser, der viergesichtige Brahma und schließlich die vier Veden hervorgehen. Danach wendet er sich der universalen Gestalt Narayanas, dem lotusförmigen Herzen und dem inneren Feuer zu. Die Schlussabschnitte preisen die reinigende Kraft der Rezitation und Rudra als die alle Gegensätze umfassende Wirklichkeit.

Die Chaturveda Upanishad ist kein vierbändiges Kompendium der Veden und auch nicht mit einer modernen „Chaturveda Samhita“ zu verwechseln. Sie ist vielmehr ein sehr kurzer Kompilationstext. Er verbindet eine Narayana-Kosmogonie mit Versen aus dem Umfeld des Nārāyaṇa-Sūkta und mit Passagen, die fast wörtlich aus der Atharvashiras Upanishad übernommen sind. Dadurch begegnen Narayana und Rudra nicht als konkurrierende Götter, sondern als zwei Namen für die höchste, alles durchdringende Wirklichkeit.

Das Studium heiliger Texte wird im Yoga als Svadhyaya verstanden. Die Chaturveda Upanishad führt die vier Veden auf den einen göttlichen Ursprung zurück.

Die folgende Fassung beruht auf der von C. Kunhan Raja und den Pandits der Adyar Library herausgegebenen Sammlung Unpublished Upanishads von 1938, Seiten 20–21, und auf der daraus erstellten elektronischen Ambuda-Fassung. Die gedruckte Überlieferung enthält mehrere deutlich verderbte oder grammatisch unsichere Stellen. Sie werden hier nicht durch erfundene Eindeutigkeit verdeckt. Wo ein Paralleltext eine wahrscheinliche Lesart erkennen lässt, wird diese in der Worterklärung genannt. In Abschnitt 8 wird die schwer verständliche Zeichentrennung bhūs tvādir nach der Parallele der Atharvashiras Upanishad als „Bhūḥ ist dein Anfang“ verstanden; weitere Unsicherheiten bleiben sichtbar. Die acht Abschnittsnummern dienen der übersichtlichen Darstellung; sie folgen der verbreiteten elektronischen Gliederung und sind keine sicher überlieferten Versnummern der Handschrift.

Chaturveda Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Abschnitt 1 – Narayana, Brahma und die Entstehung der vier Veden
oṃ athāto mahopaniṣadam eva tad āhuḥ | eko ha vai nārāyaṇa āsīt |
na brahmā neśāno nāpo nāgnir na vāyur neme dyāvāpṛthivī na nakṣatrāṇi na sūryaḥ |
sa ekākī nara eva | tasya dhyānāntaḥsthasya lalāṭāt svedo 'patat | tā imā āpaḥ |
tā ete no hiraṇmayam annam | tatra brahmā caturmukho 'jāyata |
sa dhyātapūrvāmukho bhūtvā bhūr iti vyāhṛtir gāyatraṃ chanda ṛgvedaḥ |
paścimāmukho bhūtvā bhūr iti vyāhṛtis traiṣṭubhaṃ chando yajurvedaḥ |
uttarāmukho bhūtvā bhuvar iti vyāhṛtir jāgataṃ chandaḥ sāmavedaḥ |
dakṣiṇāmukho bhūtvā janad iti vyāhṛtir ānuṣṭubhaṃ chando 'tharvavedaḥ || 1 ||

Übersetzung: Om. Nun also: Dies nennen sie eben die große Upanishad. Narayana allein war am Anfang. Weder Brahma noch Ishana waren da, weder die Wasser noch Feuer oder Wind, weder dieses Paar Himmel und Erde noch die Sterne oder die Sonne. Er war allein, einzig der kosmische Mensch. Von der Stirn dessen, der in tiefer Meditation weilte, fiel Schweiß herab. Dies wurden die Wasser. [Die folgende Aussage über „goldene Nahrung“ ist textlich unsicher; der Paralleltext spricht von einem goldenen Weltenei.] Dort wurde der viergesichtige Brahma geboren. Nachdem er meditiert hatte und sich nach Osten wandte, erschienen die heilige Äußerung Bhūr, das Gāyatra-Metrum und der Rigveda. Als er sich nach Westen wandte, erschienen nach dem überlieferten Wortlaut erneut Bhūr, das Traiṣṭubha-Metrum und der Yajurveda. Als er sich nach Norden wandte, erschienen Bhuvar, das Jāgata-Metrum und der Samaveda. Als er sich nach Süden wandte, erschienen Janat, das Ānuṣṭubha-Metrum und der Atharvaveda.

Wort-für-Wort-Erläuterung: oṃ – die heilige Silbe Om; atha – nun, sodann; ataḥ – von hier aus, danach; mahā-upaniṣadam – die große Upanishad, die große Geheimlehre; eva – gerade, eben; tat – das; āhuḥ – sie sagen; ekaḥ – einer, allein; ha – vedische bekräftigende Partikel; vai – wahrlich; nārāyaṇaḥ – Narayana; āsīt – war; na – nicht; brahmā – Brahma, der Schöpfer; na īśānaḥ – nicht Ishana, der Herr beziehungsweise Rudra; na āpaḥ – nicht die Wasser; na agniḥ – nicht das Feuer; na vāyuḥ – nicht der Wind; na ime – nicht diese; dyāvā-pṛthivī – Himmel und Erde als Paar; na nakṣatrāṇi – nicht die Sterne beziehungsweise Mondhäuser; na sūryaḥ – nicht die Sonne; saḥ – er; ekākī – allein, ohne einen Zweiten; naraḥ – Mensch, kosmischer Mensch; eva – einzig, wahrlich; tasya – dessen, von ihm; dhyāna-antaḥ-sthasya – des im Inneren beziehungsweise in der Tiefe der Meditation Befindlichen; lalāṭāt – von der Stirn; svedaḥ – Schweiß; apatat – fiel herab; tāḥ imāḥ – eben diese, jene hier; āpaḥ – Wasser; tā ete naḥ – wörtlich etwa „jene, diese, für uns“; die Wortfolge ist verderbt; hiraṇmayam – golden, aus Gold bestehend; annam – Nahrung. Der verwandte Text der Maha Upanishad liest an dieser Stelle sinngemäß tāsu tejo hiraṇmayam aṇḍam, „in ihnen war ein leuchtendes goldenes Ei“; diese Parallele erklärt den kosmogonischen Zusammenhang, ist aber nicht der gedruckte Wortlaut der Chaturveda Upanishad. tatra – dort, darin; brahmā – Brahma; catur-mukhaḥ – viergesichtig; ajāyata – wurde geboren, entstand; saḥ – er; dhyāta-pūrvāmukhaḥ – schwer zu trennende Drucklesart; wahrscheinlich „nachdem er meditiert hatte, nach Osten gewandt“; bhūtvā – geworden, sich ausgerichtet habend; bhūḥ – die kosmische Äußerung „Erde“; iti – so, mit diesen Worten; vyāhṛtiḥ – heilige kosmische Äußerung; gāyatram – zum Gāyatrī-Versmaß gehörig; chandaḥ – Metrum; ṛgvedaḥ – Rigveda; paścima-āmukhaḥ – nach Westen gewandt; bhūtvā – geworden; bhūḥ – Bhūr; iti – so; vyāhṛtiḥ – heilige Äußerung; traiṣṭubham – zum Triṣṭubh-Metrum gehörig; chandaḥ – Metrum; yajurvedaḥ – Yajurveda; uttara-āmukhaḥ – nach Norden gewandt; bhūtvā – geworden; bhuvar – Bhuvar, der mittlere Raum; iti – so; vyāhṛtiḥ – heilige Äußerung; jāgatam – zum Jagatī-Metrum gehörig; chandaḥ – Metrum; sāmavedaḥ – Samaveda; dakṣiṇa-āmukhaḥ – nach Süden gewandt; bhūtvā – geworden; janat – Janat, die Welt der Erzeugung; iti – so; vyāhṛtiḥ – heilige Äußerung; ānuṣṭubham – zum Anuṣṭubh-Metrum gehörig; chandaḥ – Metrum; atharvavedaḥ – Atharvaveda. Die Wiederholung von bhūḥ bei der Westseite und bhuvar bei der Nordseite ist vermutlich gestört; die parallele Mahā-Fassung bietet die regelmäßigere Reihe bhūr – bhuvaḥ – suvar – janat.

Abschnitt 2 – Narayana als Ursprung und Ganzheit
sahasraśīrṣaṃ devaṃ sahasrākṣaṃ viśvasaṃbhavam |
viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇaṃ harim || 2 ||

Übersetzung: [Zu meditieren ist] der Gott mit tausend Häuptern und tausend Augen, der Ursprung des Alls, der über das All hinausreichende, ewige und selbst das All umfassende Narayana, Hari.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sahasra-śīrṣam – tausendköpfig, mit unzähligen Häuptern; devam – den Gott, das göttliche Wesen; sahasra-akṣam – tausendäugig, mit unzähligen Augen; viśva-saṃbhavam – Ursprung des Universums beziehungsweise aus dem das All hervorgeht; viśvataḥ – von allen Seiten, über das All hinaus; paramam – den Höchsten, das Jenseitige; nityam – ewig; viśvam – das All, das Universum; nārāyaṇam – Narayana; harimHari, der das Leid hinwegnehmende Vishnu. „Tausend“ bezeichnet in dieser Bildsprache nicht eine rechnerische Grenze, sondern unermessliche Allgegenwart.

Abschnitt 3 – Der kosmische Purusha
viśvam evedaṃ puruṣaṃ taṃ viśvam upajīvati |
ṛṣiṃ viśveśvaraṃ devaṃ samudre taṃ viśvarūpiṇam || 3 ||

Übersetzung: Dieses All ist eben jener Purusha, der kosmische Mensch; das ganze Universum lebt von ihm. Er ist der Seher, der Herr des Alls, der Gott im kosmischen Meer, jener, dessen Gestalt das ganze Universum ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: viśvam – das All, das Universum; eva – allein, gerade; idam – dieses; puruṣam – den Purusha, den kosmischen Menschen; die Akkusativform steht als Bezug von tam; tam – jenen, von ihm; viśvam – die ganze Welt; upajīvati – lebt von, besteht kraft, ist abhängig von; ṛṣim – den Seher, Rishi; viśva-īśvaram – den Herrn des Universums; devam – den Gott, das leuchtende Wesen; samudre – im Meer, im kosmischen Ozean; tam – jenen; viśva-rūpiṇam – den von universaler Gestalt, dessen Form alles ist.

Abschnitt 4 – Das nach unten gerichtete Herzlotus
padmakośapratīkāśaṃ lambaty ākośasannibham |
hṛdaye cāpy adhomukhaṃ satasyatyaiśītkarābhiś ca || 4 ||

Übersetzung: Es gleicht einer Lotusknospe und hängt wie eine schützende Hülle; im Bereich des Herzens ist es nach unten gerichtet. Der Rest der zweiten Vershälfte ist in der überlieferten Lesart nicht zuverlässig übersetzbar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: padma-kośa-pratīkāśam – einer Lotusknospe ähnlich; lambati – hängt herab; ākośa-sannibham – einer Hülle, einem Behältnis oder einer Knospenkapsel ähnlich; hṛdaye – im Herzen, im Herzbereich; ca – und; api – auch; adho-mukham – mit der Öffnung nach unten gerichtet; satasyatyaiśītkarābhiḥ – in dieser Zusammenschreibung keine sicher analysierbare Sanskritform; ca – und. Eine andere Drucküberlieferung bietet hṛdayaṃ cāpy adhomukhaṃ santatyai sītkarābhiś ca, doch auch diese Form bleibt syntaktisch unsicher. Das verwandte Nārāyaṇa-Sūkta beschreibt eindeutig das nach unten gerichtete, von Adern umgebene Herz als lotusähnlichen Innenraum. Die Übersetzung der Chaturveda Upanishad beschränkt sich deshalb hier auf die grammatisch gesicherten Wörter.

Abschnitt 5 – Das universale Feuer im Herzen
tasya madhye mahān agnir viśvārcir viśvatomukhaḥ |
tasya madhye vahniśikhā aṇīyordhvā vyavasthitā || 5 ||

Übersetzung: In seiner Mitte ist das große Feuer, dessen Flammen das All erfüllen und dessen Antlitz nach allen Seiten gerichtet ist. In seiner Mitte steht eine äußerst feine, aufwärts gerichtete Feuerspitze.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasya – dessen, dieses Herzraumes; madhye – in der Mitte; mahān – groß; agniḥ – Feuer; viśva-arciḥ – dessen Flamme das All umfasst, allflammend; viśvataḥ-mukhaḥ – nach allen Seiten blickend, allseitig geöffnet; tasya – dessen, dieses Feuers; madhye – in der Mitte; vahni-śikhā – Feuerspitze, Flammenzunge; aṇīyaḥ – kleiner, feiner, äußerst subtil; in der Zusammensetzung aṇīyordhvā mit ūrdhvā verbunden; ūrdhvā – aufwärts gerichtet; vyavasthitā – fest aufgestellt, gegenwärtig. Das Feuer ist zugleich Lebenswärme, Bewusstseinslicht und Meditationssymbol; es sollte nicht anatomistisch mit einem einzelnen körperlichen Organ gleichgesetzt werden.

Abschnitt 6 – Der Paramatman in der Flammenspitze
tasyāḥ śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ |
sa brahmā sa īśānaḥ so 'kṣaraḥ paramaḥ svarāṭ || 6 ||

Übersetzung: In der Mitte dieser Flammenspitze ist der höchste Atman gegenwärtig. Er ist Brahma, er ist Ishana; er ist das Unvergängliche, der Höchste, der selbstherrlich Freie.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasyāḥ – dieser; śikhāyāḥ – Flammenspitze; madhye – in der Mitte; parama-ātmā – der höchste Atman, das höchste Selbst; vyavasthitaḥ – fest gegenwärtig, darin gegründet; saḥ – er, jener; brahmā – Brahma; saḥ – er; īśānaḥ – Ishana, der Herr, ein Name Rudras; saḥ – er; akṣaraḥ – unvergänglich, das nicht zerfallende Absolute; paramaḥ – der Höchste; svarāṭ – selbstherrlich, aus sich selbst regierend und frei. Der Vers führt verschiedene Gottesnamen in einer höchsten Wirklichkeit zusammen.

Abschnitt 7 – Die Frucht der Rezitation
ya imāṃ mahopaniṣadaṃ brāhmaṇo 'dhīte aśrotriyaḥ śrotriyo bhavati |
anupanīta upanīto bhavati | so 'gnipūto bhavati | sa vāyupūto bhavati |
sa sūryapūto bhavati | sa somapūto bhavati | sa satyapūto bhavati |
sa sarvair devair jñāto bhavati | sa sarveṣu tīrtheṣu snāto bhavati |
tena sarvaiḥ kratubhir iṣṭaṃ bhavati | gāyatryāḥ ṣaṣṭisahasrāṇi japtāni bhavanti |
itihāsapurāṇānāṃ sahasrāṇi japtāni bhavanti | praṇavānām ayutaṃ japtaṃ bhavati |
ācakṣuṣaḥ paṅktiṃ punāti | āsaptamāt puruṣaṃ punāti |
jāpyena amṛtatvaṃ ca gacchati amṛtatvaṃ ca gacchati ity āha bhagavān hiraṇyagarbhaḥ || 7 ||

Übersetzung: Wenn ein Brahmane diese große Upanishad studiert, wird derjenige, der noch kein Kenner der heiligen Überlieferung war, zu einem solchen Kenner. Der noch nicht Eingeweihte gilt als eingeweiht. Er wird durch Agni gereinigt, durch Vayu gereinigt, durch die Sonne gereinigt, durch Soma gereinigt und durch die Wahrheit gereinigt. Er wird allen Göttern bekannt. Er gilt als einer, der in allen heiligen Furten gebadet und alle Opfer dargebracht hat. Es ist, als hätte er die Gayatri sechzigtausendmal, die Überlieferungen und Puranas tausendfach und den Pranava zehntausendmal rezitiert. Er reinigt die Reihe bis zur Reichweite des Blicks und den Menschen bis zur siebten Generation. Durch die Rezitation gelangt er zur Unsterblichkeit, ja, er gelangt zur Unsterblichkeit – so spricht der ehrwürdige Hiranyagarbha.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer, derjenige, der; imām – diese; mahā-upaniṣadam – große Upanishad; brāhmaṇaḥ – ein Brahmane, hier der vedisch Lernende; adhīte – studiert, rezitiert; a-śrotriyaḥ – einer, der die gehörte vedische Überlieferung noch nicht beherrscht; śrotriyaḥ – ein Kenner der Shruti und ihrer Rezitation; bhavati – wird; an-upanītaḥ – noch nicht durch das Upanayana eingeführt; upanītaḥ – eingeführt, eingeweiht; bhavati – wird; saḥ – er; agni-pūtaḥ – durch Feuer gereinigt; bhavati – wird; saḥ – er; vāyu-pūtaḥ – durch Wind gereinigt; bhavati – wird; saḥ – er; sūrya-pūtaḥ – durch die Sonne gereinigt; bhavati – wird; saḥ – er; soma-pūtaḥ – durch Soma gereinigt; bhavati – wird; saḥ – er; satya-pūtaḥ – durch Wahrheit gereinigt; bhavati – wird; saḥ – er; sarvaiḥ – von allen; devaiḥ – Göttern; jñātaḥ – erkannt, gekannt; bhavati – wird; saḥ – er; sarveṣu – in allen; tīrtheṣu – heiligen Furten, Pilgerorten; snātaḥ – gebadet; bhavati – wird, gilt als; tena – durch ihn; sarvaiḥ – mit allen; kratubhiḥ – Opfern, feierlichen Riten; iṣṭam – geopfert, verehrt; bhavati – ist, gilt als; gāyatryāḥ – der Gayatri; ṣaṣṭi-sahasrāṇi – sechzig Tausende, sechzigtausend; japtāni – rezitiert, gemurmelt; bhavanti – sind, gelten als; itihāsa-purāṇānām – der alten Erzählüberlieferungen und Puranas; sahasrāṇi – Tausende; japtāni – rezitiert; bhavanti – sind, gelten als; praṇavānām – der Pranavas, der Om-Rezitationen; ayutam – zehntausend; japtam – rezitiert; bhavati – ist, gilt als; ā-cakṣuṣaḥ – bis zur Reichweite des Auges beziehungsweise Blicks; die Lesart ist unsicher; paṅktim – Reihe, besonders die Reihe der Teilnehmer an einem rituellen Mahl; punāti – reinigt, heiligt; ā-saptamāt – bis zum siebten; puruṣam – Menschen beziehungsweise Vorfahren; der Paralleltext der Atharvashiras Upanishad liest deutlicher puruṣayugān, „Generationen“; punāti – reinigt; jāpyena – durch die Rezitation, durch das zu murmelnde Gebet; amṛtatvam – Unsterblichkeit, das Todlose; ca – und; gacchati – erlangt, geht zu; die Wiederholung amṛtatvaṃ ca gacchati bekräftigt das Heilsziel; iti – so; āha – sagte, spricht; bhagavān – der Ehrwürdige, der Erhabene; hiraṇyagarbhaḥHiranyagarbha, der goldene Keim beziehungsweise Brahma. Die Aussagen sind eine traditionelle phalaśruti, eine feierliche Verheißung der Rezitationsfrucht; sie sind nicht als messbare Garantie oder als Ersatz für ethisches Handeln zu lesen.

Abschnitt 8 – Lob Rudras als große alles verschlingende Wirklichkeit
devā ha vai svargaṃ lokam āyaṃs te devā rudram apṛcchaṃs te devā ūrdhvabāhavo rudraṃ stuvanti |
bhūs tvādir madhyaṃ bhuvas te svas te śīrṣaṃ viśvarūpo 'si brahmaikas tvaṃ dvidhā tridhā śāntis tvaṃ hutam ahutaṃ dattam adattaṃ sarvam asarvaṃ viśvam aviśvaṃ kṛtam akṛtaṃ param aparaṃ parāyaṇaṃ ca tvam |
apāma somam amṛtā abhūmāganma jyotir avidāma devā namasyāma dhūrter amṛtaṃ mṛtaṃ martyaṃ ca somasūryapūrvajagadadhītaṃ vā yad akṣaraṃ prājāpatyaṃ saumyaṃ sūkṣmaṃ grāhaṃ grāheṇa bhāvaṃ bhāvena saumyaṃ saumyena sūkṣmaṃ sūkṣmeṇa grasati tasmai mahāgrāsāya namaḥ || 8 ||

Übersetzung: Die Götter gingen wahrlich in die Himmelswelt. Sie fragten Rudra, und mit erhobenen Armen priesen sie ihn: „Bhuh ist dein Anfang, Bhuvah deine Mitte und Svah dein Haupt. Du bist von universaler Gestalt; du allein bist Brahman. Du bist zweifach und dreifach. Du bist Frieden, Geopfertes und Nichtgeopfertes, Gegebenes und Nichtgegebenes, alles und nicht alles, Welt und Nichtwelt, Gemachtes und Nichtgemachtes, das Höhere, das Niedere und das höchste Ziel. Wir haben Soma getrunken, sind unsterblich geworden, zum Licht gelangt und haben die Götter erkannt. O Götter, wir verneigen uns.“ Der darauf folgende Satz ist stark verderbt und verbindet Todloses, Totes und Sterbliches sowie Soma, Sonne und Welt. Sein gesicherter Schluss lautet: „Das Unvergängliche, zu Prajapati Gehörige, Somaartige, Sanfte und Feine verschlingt das Ergreifbare durch das Ergreifende, Sein durch Sein, das Sanfte durch das Sanfte und das Feine durch das Feine. Verehrung diesem großen Verschlinger!“

Wort-für-Wort-Erläuterung: devāḥ – die Götter; ha – vedische Bekräftigung; vai – wahrlich; svargam – himmlisch, zum Himmel; lokam – Welt; āyan – sie gingen, gelangten; te – jene; devāḥ – Götter; rudram – Rudra; apṛcchan – sie fragten; te – jene; devāḥ – Götter; ūrdhva-bāhavaḥ – die Arme erhoben habend; rudram – Rudra; stuvanti – sie preisen; bhūḥ – Bhuh, Erde beziehungsweise die erste kosmische Äußerung; te beziehungsweise die gedruckte Sandhiform tvā – dein, dich; ādiḥ – Anfang; madhyam – Mitte, nach der Parallelstelle Prädikatswort zu bhuvaḥ; bhuvaḥ – Bhuvah, Zwischenraum; te – dein; svaḥ – Svah, Himmel; te – dein; śīrṣam – Haupt, Kopf; viśva-rūpaḥ – von universaler Gestalt; asi – du bist; brahma – Brahman, das Absolute; ekaḥ – einer, allein; tvam – du; dvidhā – zweifach; tridhā – dreifach; śāntiḥ – Frieden; tvam – du; hutam – ins Opferfeuer Geopfertes; ahutam – Nichtgeopfertes; dattam – Gegebenes; adattam – Nichtgegebenes; sarvam – alles; asarvam – nicht alles, das Nicht-Ganze; viśvam – Welt, All; aviśvam – Nichtwelt, das nicht als Welt Erscheinende; kṛtam – Gemachtes; akṛtam – Nichtgemachtes; param – das Höhere; aparam – das Niedere; parāyaṇam – höchstes Ziel, letzte Zuflucht; ca – und; tvam – du; apāma – wir haben getrunken; somam – Soma; amṛtāḥ – unsterblich, todlos; abhūma – wir sind geworden; aganma – wir sind gelangt; jyotiḥ – zum Licht; avidāma – wir haben erkannt, gefunden; devān beziehungsweise die Druckform devā – die Götter beziehungsweise „o Götter“; namasyāma – wir verneigen uns, verehren; dhūrteḥ – von Täuschung, List oder feindlicher Schädigung; die Verbindung zum Folgenden ist verderbt; amṛtam – das Todlose, Unsterblichkeit; mṛtam – das Tote; martyam – das Sterbliche; ca – und; soma – Soma, Mond; sūrya – Sonne; pūrva – vorhergehend, im Osten; jagat – Welt, das Bewegte; adhītam – studiert, rezitiert; die lange Zusammensetzung somasūryapūrvajagadadhītam ist nicht sicher zu deuten; – oder, wohl; yat – welches, das; akṣaram – Unvergängliche, Silbe; prājāpatyam – zu Prajapati gehörig; saumyam – zu Soma gehörig, mild, gütig; sūkṣmam – fein, subtil; grāham – das Ergreifende beziehungsweise Ergreifbare; wahrscheinlich steht hinter der Form die geläufigere Lesart grāhyam, „das zu Ergreifende“; grāheṇa – durch das Greifen, Ergreifende; bhāvam – Sein, Zustand, Erscheinung; bhāvena – durch Sein, Zustand; saumyam – das Milde, Somaartige; saumyena – durch das Milde, Somaartige; sūkṣmam – das Feine; sūkṣmeṇa – durch das Feine; grasati – verschlingt, nimmt in sich zurück; tasmai – diesem; mahā-grāsāya – dem großen Verschlinger, der alles in sich zurücknimmt; namaḥ – Verehrung, Verneigung. Der Satz apāma somam amṛtā abhūma aganma jyotir avidāma devān zitiert nahezu wörtlich Rigveda 8.48.3. Der Gesamtabschnitt ist eine verkürzte und teilweise beschädigte Bearbeitung der Atharvashiras Upanishad.

Das Video bietet eine Hindi-Präsentation der Chaturveda Upanishad. Für die wissenschaftliche Arbeit am Wortlaut bleiben die unten genannten Textausgaben maßgeblich.

Datierung und Überlieferung

Überlieferungsstatus
Die Chaturveda Upanishad fehlt in der Muktika-Liste der 108 Upanishaden. Sie ist daher keine der kanonischen Muktika-Upanishaden. Die heute maßgebliche gedruckte Gestalt wurde in der Sammlung Aprakāśitā Upaniṣadaḥ beziehungsweise Unpublished Upanishads veröffentlicht, die C. Kunhan Raja zusammen mit den Pandits der Adyar Library herausgab. Verlässliche Kataloge und die Ambuda-Dokumentation nennen 1938 als Erscheinungsjahr; einzelne ältere Digitalisate sind mit 1933 katalogisiert. Diese abweichende Metadatierung betrifft die moderne Ausgabe, nicht das Alter des Sanskrittextes.

Keine sichere Jahrhundertdatierung
Ein bestimmtes Entstehungsjahr oder Jahrhundert lässt sich für die Chaturveda Upanishad derzeit nicht seriös angeben. Die alte vedische Prosaform und einzelne vedische Zitate beweisen für sich allein kein hohes Alter, denn spätere Upanishaden ahmen ältere Sprachformen bewusst nach. Der Text setzt bereits eine entwickelte Gleichsetzung von Narayana mit dem höchsten Brahman, die Herzlotus-Meditation des Nārāyaṇa-Sūkta, die Atharvashiras Upanishad und eine ausgeprägte Rezitationsfrucht voraus. Diese kompilatorische Struktur spricht eher für eine späte, nachklassische Neben-Upanishad als für eine der frühen vorbuddhistischen Haupt-Upanishaden. Als sicherer äußerer Anhaltspunkt bleibt nur: Der Text lag spätestens vor seiner Veröffentlichung 1938 handschriftlich vor.

Textschichten und Parallelstellen
Die ersten Sätze stehen der Narayana-Kosmogonie der Maha Upanishad nahe. Die Abschnitte 2–6 verdichten Formulierungen des Nārāyaṇa-Sūkta: der tausendköpfige universale Gott, das lotusähnliche Herz, das allseitige Feuer und der Paramatman in der feinen Flammenspitze. Abschnitt 7 übernimmt die große phalaśruti der Atharvashiras Upanishad in gekürzter Form. Auch Abschnitt 8 folgt einer Rudra-Litanei der Atharvashiras und fügt dabei den berühmten Soma-Vers Rigveda 8.48.3 ein. Die Chaturveda Upanishad ist deshalb am besten als bewusstes Mosaik älterer heiliger Aussagen zu verstehen.

Textkritische Vorsicht
Mehrere Passagen der Adyar-Ausgabe sind grammatisch beschädigt. Besonders betroffen sind die „goldene Nahrung“ in Abschnitt 1, die Zuordnung der kosmischen Äußerungen zu Brahmas Gesichtern, die zweite Hälfte von Abschnitt 4 und ein Teil des Rudra-Lobes in Abschnitt 8. Eine gute Ausgabe muss zwischen drei Ebenen unterscheiden: dem tatsächlich gedruckten Wortlaut, einer durch Paralleltexte wahrscheinlichen Rekonstruktion und einer spirituellen Deutung. Dieser Artikel zur Chaturveda Upanishad hält diese Ebenen ausdrücklich auseinander.

Inhalt und Aufbau

1. Einheit vor der Schöpfung
Vor Brahma, Ishana, Elementen, Himmel, Erde, Sternen und Sonne ist nur Narayana. Die Chaturveda Upanishad setzt damit nicht bei einer schon geordneten Götterwelt an, sondern bei einem einzigen Urgrund.

2. Die vier Veden und die vier Gesichter Brahmas
Aus den kosmischen Wassern entsteht Brahma mit vier Gesichtern. Jedes Gesicht wird einer Richtung, einer Vyahriti, einem Versmaß und einem der vier Veden zugeordnet. Der Mythos verbindet räumliche Ganzheit mit der Ganzheit der Offenbarung: Keine Himmelsrichtung und kein Veda steht allein.

3. Vom kosmischen Gott zum inneren Herzraum
Narayana besitzt „tausend“ Häupter und Augen, weil jedes Lebewesen gleichsam ein Ort seines Sehens und Wirkens ist. Dann vollzieht der Text eine charakteristische upanishadische Wendung: Der unermessliche kosmische Purusha wird im lotusförmigen Herzen meditiert. In dessen Mitte brennt ein universales Feuer; im feinsten Punkt seiner Flamme ist der Paramatman gegenwärtig.

4. Einheit verschiedener Gottesnamen
Der Paramatman wird Brahma, Ishana und das Unvergängliche genannt. Im Schlussabschnitt wird Rudra als Brahman, Frieden, Welt und Nichtwelt, Gemachtes und Nichtgemachtes gepriesen. Der anfangs hervorgehobene Narayana und der am Ende angerufene Rudra werden so in eine inklusive Theologie eingebettet.

5. Rezitation und Unsterblichkeit
Die lange Verheißung in Abschnitt 7 stellt das Studium des Textes symbolisch allen wichtigen Formen vedischer Reinigung, Pilgerfahrt, Opferhandlung und Mantra-Rezitation gleich. Ihr Ziel ist amṛtatva, das Todlose. Der Text verschiebt damit das Gewicht vom äußeren Vollzug zur verinnerlichten Erkenntnis und Rezitation, ohne seine rituelle Herkunft zu verleugnen.

Bedeutung der Chaturveda Upanishad

Die vier Veden als eine Offenbarung
Der Titel Chaturveda Upanishad drückt keine bloße Aufzählung aus. Die Vierzahl entfaltet eine Einheit in vier Richtungen, vier Versmaßen und vier Textsammlungen. Das Motiv lehrt: Verschiedene Formen heiligen Wissens können einen gemeinsamen Ursprung besitzen, ohne ihre Eigenart zu verlieren.

Außenwelt und Innenraum
Die Schrift beginnt mit Kosmogonie und endet im Herzraum. Das ist eine zentrale Bewegung des Vedanta: Was zuerst als Ursprung des Universums erscheint, soll im eigenen Bewusstsein erkannt werden. Das Herz ist dabei ein kontemplatives Symbol für die Mitte des Menschen, nicht eine naturwissenschaftliche Beschreibung der Anatomie.

Narayana und Rudra
Moderne Leser könnten den vaishnavitischen Anfang und den shaivitischen Schluss als Widerspruch empfinden. Die Komposition macht jedoch gerade die Umkehrung fruchtbar. Narayana ist das All; Rudra ist das All und dessen Auflösung. Brahma, Ishana und das Akshara wohnen im selben inneren Licht. Die Chaturveda Upanishad bezeugt damit eine integrative Form hinduistischer Theologie.

Das große Verschlingen
Der Name Mahāgrāsa, „großer Verschlinger“, bezeichnet die Macht, in der alle Unterschiede zurückgenommen werden. Spirituell gelesen ist dies nicht Vernichtungslust, sondern die Auflösung begrenzender Gegensätze: gegeben und nicht gegeben, gemacht und ungemacht, grob und fein. Dennoch darf die dunkle und textlich beschädigte Sprache nicht in eine scheinbar eindeutige Lehrformel gezwungen werden.

Meditation führt die Aufmerksamkeit von der Vielheit der äußeren Formen zur feinen „Flammenspitze“ im Herzen. Dieses Bild steht im Zentrum der Chaturveda Upanishad.

Bedeutung heute

Die Chaturveda Upanishad ist heute vor allem in vier Hinsichten wertvoll. Erstens erinnert sie daran, religiöse Vielfalt auf ihren gemeinsamen Wahrheitsanspruch hin zu befragen, ohne Unterschiede auszulöschen. Zweitens verbindet sie Schriftstudium mit Meditation: Wissen soll nicht nur gesammelt, sondern in ruhiger Selbstbeobachtung verinnerlicht werden. Drittens lehrt ihr beschädigter Wortlaut intellektuelle Demut. Spirituelle Ehrfurcht und philologische Genauigkeit müssen einander nicht ausschließen. Viertens zeigt die Verbindung von Narayana und Rudra, dass sektiererische Ausschließlichkeit nicht die einzige historische Lesart hinduistischer Gottesnamen ist.

Die großartigen Früchte der Rezitation sind in ihrer literarischen Gattung zu verstehen. Wer einen Text liest, wird nicht automatisch von moralischer Verantwortung, Ausbildung oder den Folgen des eigenen Handelns befreit. Als Praxisversprechen besagt die Passage sinnvoller: Regelmäßiges, achtsames Rezitieren kann Sammlung, Hingabe, Erinnerungsfähigkeit und die Ausrichtung auf das Todlose stärken.

Vollständiger Devanagari-Text

Abschnitt १
ॐ अथातो महोपनिषदमेव तदाहुः । एको ह वै नारायण आसीत् ।
न ब्रह्मा न ईशानो नापो नाग्निः न वायुः नेमे द्यावापृथिवी न नक्षत्राणि न सूर्यः ।
स एकाकी नर एव । तस्य ध्यानान्तस्स्थस्य ललाटात् स्वेदोऽपतत् । ता इमा आपः ।
ता एते नो हिरण्यमयमन्नम् । तत्र ब्रह्मा चतुर्मुखोऽजायत ।
स ध्यातपूर्वामुखो भूत्वा भूरिति व्याहृतिः गायत्रं छन्द ऋग्वेदः ।
पश्चिमामुखो भूत्वा भूरिति व्याहृतिस्त्रैष्टुभं छन्दः यजुर्वेदः ।
उत्तरामुखो भूत्वा भुवरिति व्याहृतिर्जागतं छन्दः सामवेदः ।
दक्षिणामुखो भूत्वा जनदिति व्याहृतिरानुष्टुभं छन्दोऽथर्ववेदः ॥ १ ॥

Abschnitt २
सहस्रशीर्षं देवं सहस्राक्षं विश्वसम्भवम् ।
विश्वतः परमं नित्यं विश्वं नारायणं हरिम् ॥ २ ॥

Abschnitt ३
विश्वमेवेदं पुरुषं तं विश्वमुपजीवति ।
ऋषिं विश्वेश्वरं देवं समुद्रे तं विश्वरूपिणम् ॥ ३ ॥

Abschnitt ४
पद्मकोशप्रतीकाशं लम्बत्याकोशसन्निभम् ।
हृदये चाप्यधोमुखं सतस्यत्यैशीत्कराभिश्च ॥ ४ ॥

Abschnitt ५
तस्य मध्ये महानग्निर्विश्वार्चिर्विश्वतोमुखः ।
तस्य मध्ये वह्निशिखा अणीयोर्ध्वा व्यवस्थिता ॥ ५ ॥

Abschnitt ६
तस्याः शिखाया मध्ये परमात्मा व्यवस्थितः ।
स ब्रह्मा स ईशानः सोऽक्षरः परमः स्वराट् ॥ ६ ॥

Abschnitt ७
य इमां महोपनिषदं ब्राह्मणोऽधीते अश्रोत्रियः श्रोत्रियो भवति ।
अनुपनीतः उपनीतो भवति । सोऽग्निपूतो भवति । स वायुपूतो भवति ।
स सूर्यपूतो भवति । स सोमपूतो भवति । स सत्यपूतो भवति ।
स सर्वैर्देवैर्ज्ञातो भवति । स सर्वेषु तीर्थेषु स्नातो भवति ।
तेन सर्वैः क्रतुभिरिष्टं भवति । गायत्र्याः षष्टिसहस्राणि जप्तानि भवन्ति ।
इतिहासपुराणानां सहस्राणि जप्तानि भवन्ति । प्रणवानामयुतं जप्तं भवति ।
आचक्षुषः पङ्क्तिं पुनाति । आसप्तमात् पुरुषं पुनाति ।
जाप्येन अमृतत्त्वं च गच्छति अमृतत्वं च गच्छति इत्याह भगवान् हिरण्यगर्भः ॥ ७ ॥

Abschnitt ८
देवा ह वै स्वर्गं लोकमायंस्ते देवा रुद्रमपृच्छंस्ते देवा ऊर्ध्वबाहवो रुद्रं स्तुवन्ति ।
भूस्त्वादिर्मध्यं भुवस्ते स्वस्ते शीर्षं विश्वरूपोऽसि ब्रह्मैकस्त्वं द्विधा त्रिधा शान्तिस्त्वं हुतमहुतं दत्तमदत्तं सर्वमसर्वं विश्वमविश्वं कृतमकृतं परमपरं परायणं च त्वम् ।
अपाम सोमममृता अभूमागन्म ज्योतिरविदाम देवा नमस्याम धूर्तेरमृतं मृतं मर्त्यं च सोमसूर्यपूर्वजगदधीतं वा यदक्षरं प्राजापत्यं सौम्यं सूक्ष्मं ग्राहं ग्राहेण भावं भावेन सौम्यं सौम्येन सूक्ष्मं सूक्ष्मेण ग्रसति तस्मै महाग्रासाय नमः ॥ ८ ॥

इति चतुर्वेदोपनिषत् सम्पूर्णा ।

Vollständiger IAST-Text

Abschnitt 1
oṃ athāto mahopaniṣadam eva tad āhuḥ | eko ha vai nārāyaṇa āsīt |
na brahmā neśāno nāpo nāgnir na vāyur neme dyāvāpṛthivī na nakṣatrāṇi na sūryaḥ |
sa ekākī nara eva | tasya dhyānāntaḥsthasya lalāṭāt svedo 'patat | tā imā āpaḥ |
tā ete no hiraṇmayam annam | tatra brahmā caturmukho 'jāyata |
sa dhyātapūrvāmukho bhūtvā bhūr iti vyāhṛtir gāyatraṃ chanda ṛgvedaḥ |
paścimāmukho bhūtvā bhūr iti vyāhṛtis traiṣṭubhaṃ chando yajurvedaḥ |
uttarāmukho bhūtvā bhuvar iti vyāhṛtir jāgataṃ chandaḥ sāmavedaḥ |
dakṣiṇāmukho bhūtvā janad iti vyāhṛtir ānuṣṭubhaṃ chando 'tharvavedaḥ || 1 ||

Abschnitt 2
sahasraśīrṣaṃ devaṃ sahasrākṣaṃ viśvasaṃbhavam |
viśvataḥ paramaṃ nityaṃ viśvaṃ nārāyaṇaṃ harim || 2 ||

Abschnitt 3
viśvam evedaṃ puruṣaṃ taṃ viśvam upajīvati |
ṛṣiṃ viśveśvaraṃ devaṃ samudre taṃ viśvarūpiṇam || 3 ||

Abschnitt 4
padmakośapratīkāśaṃ lambaty ākośasannibham |
hṛdaye cāpy adhomukhaṃ satasyatyaiśītkarābhiś ca || 4 ||

Abschnitt 5
tasya madhye mahān agnir viśvārcir viśvatomukhaḥ |
tasya madhye vahniśikhā aṇīyordhvā vyavasthitā || 5 ||

Abschnitt 6
tasyāḥ śikhāyā madhye paramātmā vyavasthitaḥ |
sa brahmā sa īśānaḥ so 'kṣaraḥ paramaḥ svarāṭ || 6 ||

Abschnitt 7
ya imāṃ mahopaniṣadaṃ brāhmaṇo 'dhīte aśrotriyaḥ śrotriyo bhavati |
anupanīta upanīto bhavati | so 'gnipūto bhavati | sa vāyupūto bhavati |
sa sūryapūto bhavati | sa somapūto bhavati | sa satyapūto bhavati |
sa sarvair devair jñāto bhavati | sa sarveṣu tīrtheṣu snāto bhavati |
tena sarvaiḥ kratubhir iṣṭaṃ bhavati | gāyatryāḥ ṣaṣṭisahasrāṇi japtāni bhavanti |
itihāsapurāṇānāṃ sahasrāṇi japtāni bhavanti | praṇavānām ayutaṃ japtaṃ bhavati |
ācakṣuṣaḥ paṅktiṃ punāti | āsaptamāt puruṣaṃ punāti |
jāpyena amṛtatvaṃ ca gacchati amṛtatvaṃ ca gacchati ity āha bhagavān hiraṇyagarbhaḥ || 7 ||

Abschnitt 8
devā ha vai svargaṃ lokam āyaṃs te devā rudram apṛcchaṃs te devā ūrdhvabāhavo rudraṃ stuvanti |
bhūs tvādir madhyaṃ bhuvas te svas te śīrṣaṃ viśvarūpo 'si brahmaikas tvaṃ dvidhā tridhā śāntis tvaṃ hutam ahutaṃ dattam adattaṃ sarvam asarvaṃ viśvam aviśvaṃ kṛtam akṛtaṃ param aparaṃ parāyaṇaṃ ca tvam |
apāma somam amṛtā abhūmāganma jyotir avidāma devā namasyāma dhūrter amṛtaṃ mṛtaṃ martyaṃ ca somasūryapūrvajagadadhītaṃ vā yad akṣaraṃ prājāpatyaṃ saumyaṃ sūkṣmaṃ grāhaṃ grāheṇa bhāvaṃ bhāvena saumyaṃ saumyena sūkṣmaṃ sūkṣmeṇa grasati tasmai mahāgrāsāya namaḥ || 8 ||

iti caturvedopaniṣat sampūrṇā |

Vollständige deutsche Übersetzung

Abschnitt 1: Om. Nun also: Dies nennen sie eben die große Upanishad. Narayana allein war am Anfang. Weder Brahma noch Ishana waren da, weder die Wasser noch Feuer oder Wind, weder dieses Paar Himmel und Erde noch die Sterne oder die Sonne. Er war allein, einzig der kosmische Mensch. Von der Stirn dessen, der in tiefer Meditation weilte, fiel Schweiß herab. Dies wurden die Wasser. Die folgende Aussage über „goldene Nahrung“ ist textlich unsicher; der Paralleltext spricht von einem goldenen Weltenei. Dort wurde der viergesichtige Brahma geboren. Nachdem er meditiert hatte und sich nach Osten wandte, erschienen die heilige Äußerung Bhūr, das Gāyatra-Metrum und der Rigveda. Als er sich nach Westen wandte, erschienen nach dem überlieferten Wortlaut erneut Bhūr, das Traiṣṭubha-Metrum und der Yajurveda. Als er sich nach Norden wandte, erschienen Bhuvar, das Jāgata-Metrum und der Samaveda. Als er sich nach Süden wandte, erschienen Janat, das Ānuṣṭubha-Metrum und der Atharvaveda.

Abschnitt 2: [Zu meditieren ist] der Gott mit tausend Häuptern und tausend Augen, der Ursprung des Alls, der über das All hinausreichende, ewige und selbst das All umfassende Narayana, Hari.

Abschnitt 3: Dieses All ist eben jener Purusha, der kosmische Mensch; das ganze Universum lebt von ihm. Er ist der Seher, der Herr des Alls, der Gott im kosmischen Meer, jener, dessen Gestalt das ganze Universum ist.

Abschnitt 4: Es gleicht einer Lotusknospe und hängt wie eine schützende Hülle; im Bereich des Herzens ist es nach unten gerichtet. Der Rest der zweiten Vershälfte ist in der überlieferten Lesart nicht zuverlässig übersetzbar.

Abschnitt 5: In seiner Mitte ist das große Feuer, dessen Flammen das All erfüllen und dessen Antlitz nach allen Seiten gerichtet ist. In seiner Mitte steht eine äußerst feine, aufwärts gerichtete Feuerspitze.

Abschnitt 6: In der Mitte dieser Flammenspitze ist der höchste Atman gegenwärtig. Er ist Brahma, er ist Ishana; er ist das Unvergängliche, der Höchste, der selbstherrlich Freie.

Abschnitt 7: Wenn ein Brahmane diese große Upanishad studiert, wird derjenige, der noch kein Kenner der heiligen Überlieferung war, zu einem solchen Kenner. Der noch nicht Eingeweihte gilt als eingeweiht. Er wird durch Agni gereinigt, durch Vayu gereinigt, durch die Sonne gereinigt, durch Soma gereinigt und durch die Wahrheit gereinigt. Er wird allen Göttern bekannt. Er gilt als einer, der in allen heiligen Furten gebadet und alle Opfer dargebracht hat. Es ist, als hätte er die Gayatri sechzigtausendmal, die Überlieferungen und Puranas tausendfach und den Pranava zehntausendmal rezitiert. Er reinigt die Reihe bis zur Reichweite des Blicks und den Menschen bis zur siebten Generation. Durch die Rezitation gelangt er zur Unsterblichkeit, ja, er gelangt zur Unsterblichkeit – so spricht der ehrwürdige Hiranyagarbha.

Abschnitt 8: Die Götter gingen wahrlich in die Himmelswelt. Sie fragten Rudra, und mit erhobenen Armen priesen sie ihn: „Bhuh ist dein Anfang, Bhuvah deine Mitte und Svah dein Haupt. Du bist von universaler Gestalt; du allein bist Brahman. Du bist zweifach und dreifach. Du bist Frieden, Geopfertes und Nichtgeopfertes, Gegebenes und Nichtgegebenes, alles und nicht alles, Welt und Nichtwelt, Gemachtes und Nichtgemachtes, das Höhere, das Niedere und das höchste Ziel. Wir haben Soma getrunken, sind unsterblich geworden, zum Licht gelangt und haben die Götter erkannt. O Götter, wir verneigen uns.“ Der darauf folgende Satz ist stark verderbt und verbindet Todloses, Totes und Sterbliches sowie Soma, Sonne und Welt. Sein gesicherter Schluss lautet: „Das Unvergängliche, zu Prajapati Gehörige, Somaartige, Sanfte und Feine verschlingt das Ergreifbare durch das Ergreifende, Sein durch Sein, das Sanfte durch das Sanfte und das Feine durch das Feine. Verehrung diesem großen Verschlinger!“

Kolophon: Damit ist die Chaturveda Upanishad vollständig.

Empfehlungen für ernsthafte spirituelle Aspiranten

  1. Verbinde Schriftstudium und Stille: Lies täglich nur einen Abschnitt der Chaturveda Upanishad, sprich ihn langsam und sitze danach einige Minuten schweigend. So wird Svadhyaya nicht zu bloßer Informationssammlung.
  2. Meditiere behutsam über das Herzlicht: Stelle dir im Herzraum eine feine, aufwärts gerichtete Flamme vor. Verbinde sie mit Klarheit, Mitgefühl und dem inneren Zeugen. Erzwinge dabei weder besondere Empfindungen noch Atemzustände.
  3. Ehre mehrere Gottesnamen ohne Beliebigkeit: Der Text nennt Narayana, Brahma, Ishana und Rudra. Prüfe, ob diese Vielfalt deine Hingabe weitet und zugleich deine gewählte Ishta Devata vertieft.
  4. Unterscheide Text, Symbol und Erfahrung: Kosmische Wasser, goldenes Ei, tausend Augen und rituelle Reinigung gehören zur poetisch-theologischen Sprache. Verwechsle sie weder mit moderner Naturwissenschaft noch mit automatisch eintretenden Wirkungen. Entscheidend ist, was Wahrhaftigkeit, Sammlung und verantwortliches Handeln fördert.
  5. Lies vergleichend und textkritisch: Vergleiche die Herzverse mit dem Nārāyaṇa-Sūkta und die Schlussabschnitte mit der Atharvashiras Upanishad. Gerade die beschädigten Lesarten der Chaturveda Upanishad lehren, Ehrfurcht mit sorgfältigem Prüfen zu verbinden.

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • C. Kunhan Raja und die Pandits der Adyar Library (Hrsg.): Aprakāśitā Upaniṣadaḥ / Unpublished Upanishads. The Adyar Library, Adyar 1938, S. 20–21: Caturvedopaniṣat.
  • Ramamaya Tarkaratna (Hrsg.): The Atharvana-Upanishads. Bibliotheca Indica 76, Ganesha Press, Calcutta 1872. Vergleichstext zur Atharvashiras Upanishad.
  • Stephanie W. Jamison und Joel P. Brereton: The Rigveda: The Earliest Religious Poetry of India. 3 Bände, Oxford University Press, New York 2014. Zu Rigveda 8.48.3.
  • Jan Gonda: Vedic Literature (Saṃhitās and Brāhmaṇas). A History of Indian Literature, Band I, Faszikel 1. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1975.
  • Swami Krishnananda: The Narayana Sukta. Divine Life Society, Rishikesh. Sanskrittext, Umschrift und spirituelle Erklärung der Herzlotus-Passage.

Weblinks

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Die Chaturveda Upanishad führt von der Einheit vor der Schöpfung über die vierfache Offenbarung zurück zur einen feinen Flamme im Herzen. Ihr Wortlaut verlangt an mehreren Stellen kritische Vorsicht; ihre spirituelle Grundbewegung bleibt dennoch klar: Die Vielfalt der Veden, Götternamen und Welten soll in der unvergänglichen Wirklichkeit erkannt werden. So kann die Chaturveda Upanishad bis zum Schluss als Einladung verstanden werden, umfassendes Wissen, hingebungsvolle Rezitation und stille Selbsterkenntnis miteinander zu verbinden.