Yoga mit Kindern - Interview für Hessischer Rundfunk Dezember 2015

Aus Yogawiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Yoga mit Kindern - Interview für Hessischer Rundfunk. Im Dezember 2015 wurde Sukadev Bretz interviewt für den Radiosender Hessischen Rundfunk. Hier die ursprünglichen Interviewfragen und die von Sukadev vorbereiteten Antworten. Im Radio selbst werden ja typischerweise nur Teile von dem gesendet, was ursprünglich gesagt wurde. Und im tatsächlichen Interview sagt Sukadev typischerweise auch anderes als was er sich vorher aufgeschrieben hat. Hier der volle Text der Interview-Vorbereitung von Sukadev mit den Antworten auf die angekündigten Fragen.

Wie kann Yoga Kinder unterstützten in der Entwicklung?

Yoga unterstützt Kinder in ihrer Entwicklung auf vielfältige Weise. Yoga besteht aus Atemübungen, Tiefenentspannung, dynamischen Bewegungen und statisch gehaltenem Yogastellungen. Yoga wirkt zunächst mal über den Körper. Wenn Kinder schon sehr jung ihren Körper spüren, ihren Körper fühlen, dann erwächst daraus auch Selbstbewusstsein und innere Stärke. Wenn Kinder von klein auf wissen, dass sie in sich selbst Quelle von Entspannung, Wohlbefinden und Kraft haben, dann kann das ein ganzes Leben nachwirken.

Man kann die Wirkung von Yoga auf drei Gebieten sehen, die körperliche Entwicklung, die Selbsterfahrung und die Selbstwirksamkeit:

  1. Körperliche Entwicklung: Heutzutage haben Kinder wenig Bewegung, zu wenig Bewegung sagen die meisten. Yoga ist ein wunderbares Übungssystem um alle Muskeln des Körpers zu dehnen, zu stärken. Yoga entwickelt Flexibilität, Koordination, Ausdauer und Muskelkraft in dem Maße wie es für die Gesundheit notwendig ist. Yoga ist kein Leistungssport - aber ein sehr effektives zeitsparendes Körperübungssystem
  2. Yoga gibt Selbsterfahrung, Körperbewusstsein, lässt Kinder sich selbst spüren. Aus Körperbewusstsein komme Selbstbewusstsein
  3. Yoga entwickelt die Fähigkeit zur Selbstwirksamkeit: Yoga gibt Kindern Übungen an die Hand, mit denen sie jederzeit entspannen können, wach werden können, konzentriert werden können. Wenn Kinder wissen, sie selbst können ihre Stimmung mit ein paar einfachen Übungen beeinflussen, dann ist das etwas, was man gar nicht hoch genut einschätzen kann

Geht das schon im Kindergartenalter, also vor der Schule?

Kinder können schon sehr früh mit Yoga beginnen. Das geht natürlich am leichtesten, wenn die Mutter selbst Yoga übt. Dann beginnen schon die Babys, die eine oder andere Asana, Yogastellung nachzumachen. Manche Yogaschulen bieten ja auch Mutter-Kind-Yoga an. Im Kindergartenalter, also etwa ab 3 oder 4 Jahre, kann man mit Kinderyoga im eigentlichen Sinn beginnen.

Kann Yoga auch Kindern bei Stress oder Rückenproblemen helfen?

Yoga hilft sehr gut bei Rückenproblemen: Yoga stärkt die Muskeln, dehnt die Muskeln und zwar im ganzen Körper. Yoga verhilft zu einem tiefen Gefühl der Entspannung - all das beugt Rückenproblemen vor. Eine Yogastunde lässt Kinder den Stress des Alltags vergessen. Gerade in Zeiten von Pisa, G8, Leistungsdruck, Herausforderungen durch Inklusion und Integration brauchen Kinder Inseln der Ruhe. Genau das kann Yoga leisten. So können Kinder entspannen und zu neuer Ruhe finden.

Yoga heißt ja insbesondere Körperbewusstsein und Körpergefühl zu entwickeln. Im Yoga lernen Kinder, dass sie mit Körperübungen neue Energie erzeugen können. Sie merken dass sie mit ein paar Übungen neue Freude erfahren, dass sie mit ein paar einfachen Techniken zur Ruhe kommen. Das gibt ein großes Selbstbewusstsein: Die einfachen Yoga Übungen sind ja jederzeit auch zwischendurch anwendbar. Ich selbst habe z.B. als Jugendlicher im Religionsunterricht ein paar Yoga Entspannungsübungen gelernt. Dabei habe ich erfahren, dass ich Prüfungsstress nicht hilflos ausgeliefert bin. Ich wusste, ich kann vor einer Klassenarbeit oder mündlichen Prüfung gut entspannen - und brauche deshalb auch keine Angst vor Klassenarbeiten oder Prüfungen zu haben. Und ich habe gelernt, dass ich Müdigkeit mit ein paar Übungen schnell überwinden kann. So etwas gibt großes Vertrauen und ein Grundgefühl der Ruhe.

Was kann Yoga da aber möglicherweise nicht leisten, wo sind seine Grenzen?

Yoga hat auch seine Grenzen. Yoga ist die ideale Ergänzung zu anderen Angeboten. Yoga ist kein Ersatz für anderes. Kinder brauchen neben dem entspannenden Yoga auch fordernden Sportunterricht, sie brauchen anregenden Schulunterricht. Yoga kann keinen langweiligen Unterricht ausgleichen. Wenn Kinder krank sind, braucht es Kinderärzte. Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen brauchen Unterstützung durch Sozialarbeiter, Familientherapeuten und Psychologen. Aber Yoga hilft, dass Kinder sich besser fühlen, wacher sind, achtsamer sind, selbstbewusster werden.

Sollten die Eltern mit ihnen üben oder reicht Yogaunterricht ein Mal die Woche?

Yoga Unterricht ein Mal pro Woche ist schon ausreichend. Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, die zeigen, dass ein Yoga Unterricht einmal pro Woche voll ausreichend ist. Manche Kinder werden Yoga lieben und von sich aus täglich üben. Wenn die Eltern Yoga üben, üben gerade die kleineren Kinder gerne mit. Kinder werden herausfinden, welche Übung für ihre Entspannung, vor der Prüfung oder bei Müdigkeit hilfreich ist. Da braucht es die Unterstützung der Eltern nicht.

Wie sieht es aus in der Pubertät, wie kann Yoga Jugendlichen da helfen, im Wachstum wie mit ihren wechselnden Stimmungen umzugehen?

Yoga hilft gerade auch Jugendlichen in ihren wichtigen Selbstfindungsphasen. Bei Jugendlichen strukturiert sich das Gehirn um, die Hormone kommen durcheinander, die Jugendliche verstehen sich selbst und die Erwachsenen nicht mehr. Da ist es sehr hilfreich durch Yoga zu einer entspannten Selbstwahrnehmung zu kommen. Über die körperliche Bewusstheit kommt auch Bewusstheit für die eigenen Energien, die Emotionen, die wechselnden Stimmungen - und die Fähigkeit, diese bis zu einem gewissen Grad zu beeinflussen. Im alten Indien galt Yoga als sehr wichtig für die Entwicklung der Jugendlichen.

Möglicherweise auch da etwas für die Haltung tun?

Gerade in der Jugend zwischen 12-18 Jahren entwickelt sich auch die Haltung der Wirbelsäule, des ganzen Körpers. Wer in dieser Zeit Yoga übt, der bekommt eine aufgerichtetere Haltung. Yoga in der Jugend gibt eine Grundlage für rückenschmerzarmes Leben im Alter.

Welche Wirkung hat Yoga auf ihre Entwicklung?

Yoga unterstützt so gerade die Jugendlichen in ihrer körperlichen, emotionalen, geistigen und auch spirituellen Entwicklung. Yoga verhilft zu einem wachen Geist. Yoga gibt auch mehr Selbstbewusstsein. Und Yoga ermutigt auch, sich den ewigen Fragen des Menschseins zu stellen: Wer bin ich? Was ist der Sinn des Lebens? Was ist Glück? Was ist meine Aufgabe? Indem Yoga hilft, zur Tiefe des eigenen Wesens zu kommen, die Tiefe der eigenen Seele zu berühren, kommt ein Zugang zur inneren Stimme, zur Intuition. So kommt eine Erfahrung der Sicherheit und der Geborgenheit.

Wo sind da die Altersgrenzen? Wann gehts zum Erwachsenenyoga?

Die Grenzen zwischen Jugendlichenyoga und Erwachsenenyoga sind fließend. Manche 16-Jährige üben schon gerne mit Erwachsenen, andere freuen sich, wenn sie bis zum Alter von 21 Jahren eher unter sich sind.


Siehe auch