Ashram Westfalen

Aus Yogawiki
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Ein Ashram in Westfalen ist der Titel eines Artikels im Stadt-Aspekte Magazins über Yoga Vidya Bad Meinberg. Der Artikel wurde geschrieben von Karin Hartmann, Freie Architektin und Journalistin in Paderborn. Er beruht auf Interviews mit Sukadev Volker Bretz und Christoph Harrach.

Hier Auszüge aus dem Artikel:

Während Großstädte stetig wachsen, verlieren Kleinstädte an Bevölkerung. In der Kurstadt Bad Meinberg im Teutoburger Wald hat sich eine Initiative das Ziel gesetzt, mit dem Label »Yogastadt« Sinnsuchende aus den Großstädten anzuziehen.

Allee heißt die Einkaufsstraße in der Innenstadt von Bad Meinberg. Sie führt zentral in den Kurpark auf das Heiligtum der Stadt zu, einen kleinen Brunnentempel.

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Christoph Harrach ist begeistert: »Das gute Wasser, die reine Luft, zudem die Stille, Langsamkeit und Dunkelheit in der Nacht – das sind hohe ökologische Werte, die es in der Großstadt nicht gibt.« Der Trendforscher ist Mitinitiator und treibende Kraft einer Initiative, die sich dafür einsetzt, Bad Meinberg zu einer »Yogastadt« zu entwickeln.

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Durch Zufall verbringe ich ein Wochenende zur Erholung in Bad Meinberg. In einem Kurhotel habe ich eine ayurvedische Massage gebucht. Eine freundliche Mittfünfzigerin erzählt mir von einem Yoga-Seminarhaus ganz in der Nähe. Es sei sehr groß, erzählt sie, vielleicht das größte Europas. Nur etwa einen Kilometer entfernt.

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In der Lobby vibriert die Luft. Es herrscht eine geschäftige Atmosphäre. An der Rezeption stehen vorwiegend Frauen mit Kindern, Rollkoffern und Stoffbeuteln in einer Schlange. Eine untersetzte Schwäbin fragt nach den Hausregeln. Unter einer gemalten Szene aus der Baghavad Gita, einer der zentralen Schriften des Hinduismus, laden ausgedehnte Sofas zum Entspannen ein. Die zwei jungen Frauen in Sindbadhosen sehen merkwürdig klein darauf aus. Ein junger Mann mit Dreadlocks und Bart erinnert mich an Siddharta. Ständig kommen neue, bequem angezogene Menschen in die Lobby, unterhalten sich leise in verschiedenen Sprachen und wählen ihren Weg in einen der langen Flure zu den Seminarräumen. Und immer wieder leuchtet es in signalgelb, der Logofarbe von Yoga Vidya, von Taschen, T-Shirts und Wänden. Ein Blick in einen vollbesetzten Yogasaal bestätigt meinen Verdacht: Dies ist kein Yoga-Seminarhaus.

Hier geht es nicht um Gymnastik und darum, sich in Wohlfühl-Atmosphäre gegen Geld zu entspannen. Dies ist ein Ashram. Ein Haus mit einem eigenen Takt, mit einem schlagenden Herzen. Belebt von einer Gemeinschaft, die entlang eines wiederkehrenden Tagesablaufs gemeinsam ein spirituelles Leben führt, in das sich der Aspirant einordnen muss. Dieses riesige Haus hat mehr mit einem Kloster gemeinsam als mit einem Wochenend-Escape. Wären wir in Rishikesh, würde sich niemand wundern. Aber wir sind in Westfalen-Lippe, Land des Herrmanns, im einzigen Staatsbad von Nordrhein-Westfalen.

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»Hier war einfach alles perfekt«, erklärt Sukadev Volker Bretz, der Gründer von Yoga Vidya, warum die Wahl für das Yoga-Zentrum auf Bad Meinberg fiel. »Die Lage des Hauses am Rand der Stadt, die Tatsache, dass Bad Meinberg eine Kurstadt ist und uns die Bevölkerung und alle Beteiligten sehr willkommen geheißen haben. Wo sonst kann man einfach in ein Restaurant gehen und sagen ›Ich hätte gerne eine Pizza ohne Käse und ein heißes Wasser‹ und der Kellner bringt das einfach, ohne mit der Wimper zu zucken?«  Bretz hat hier innerhalb von zehn Jahren das größte Yoga-Seminarhaus außerhalb Indiens aufgebaut. Bereits 1992 erkannte er seinen Auftrag, Yoga einem breiteren Publikum zu vermitteln und sah drei große Seminarhäuser für 1000 Gäste bildlich vor sich. Mit dem Erwerb der drei Kurkliniken in Bad Meinberg ist diese Vision Realität geworden. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer vereint in sich eine tiefe Spiritualität mit einem ausgeprägten betriebswirtschaftlichen Talent. Als Spross einer Unternehmerfamilie machte er bereits mit 17 Abitur und schloss mit zwanzig Jahren sein BWL-Studium ab. Doch dann widmete er sein Leben gänzlich dem Yoga und kam über die Jahre mit vielen Yogameistern zusammen, darunter auch sein spiritueller Lehrer Swami Vishnudevananda. Mit ihm lebte er einige Jahre in verschiedenen Teilen der Welt in Ashrams und anderen Gemeinschaften zusammen.

Roseklinik, Parkklinik, Waldklinik – nun Chakrapyramide, Kailash, Haus Shanti.

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Im Rathaus treffe ich mich mit dem Beigeordneten Matthias Engel. (...) Mich interessiert vor allem die Reaktion der Bevölkerung auf die Yogabewegung. (...)

Aber es fällt kein abfälliges Wort, kein Kleinstadtmuff ist spürbar, stattdessen der Stolz eines Stadtbeamten aus dem Bergischen, der eine feurige Rede zum Glauben an seine Stadt hält, (...) der als Christ Yoga als ein Mittel zum friedlichen Zusammenleben verteidigt: »Wir wollen die Grundlage dafür schaffen, dass alle hier zufrieden leben können. Und zwar so, wie es ihre Lebensauffassung ihnen sagt. Wenn mein Nachbar Yoga machen möchte, egal in welcher Spielart, dann mache ich das möglich. Meine eigene Lebensfreude entspringt daraus, dass sich mein Nachbar so entwickeln kann, wie er möchte.« Wow. Wo kann ich diese Droge kaufen? Oder ist das etwa doch das gute Wasser und die gute Luft?

Siehe auch

Weitere Interviews mit Sukadev Volker Bretz

Zeitschriftenartikel über Sukadev Volker Bretz