Ahimsa Vrata

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Ahimsa Vrata (Sanskrit: अहिंसा व्रत ahiṃsā vrata n.) bedeutet Gelübde der Gewaltlosigkeit bzw. Gelübde des Nicht-Verletzens. Ahimsa heißt Nicht-Verletzen, Gewaltlosigkeit; Vrata heißt Gelübde, feierliches Versprechen, Selbstverpflichtung. Ahimsa Vrata ist der bewusste Entschluss, in Gedanken, Worten und Taten kein Lebewesen zu verletzen – weder andere Menschen noch Tiere noch sich selbst.

Ahimsa als erstes Yama

Im Raja Yoga nach Patanjali ist Ahimsa das erste der fünf Yamas, der ethischen Grundregeln im Umgang mit der Welt. Die fünf Yamas sind:

  • Ahimsa – Gewaltlosigkeit, Nicht-Verletzen
  • Satya – Wahrhaftigkeit
  • Asteya – Nicht-Stehlen
  • Brahmacharya – Mäßigung, Reinheit, Ausrichtung der Lebensenergie auf Gott
  • Aparigraha – Nicht-Begehren, Nicht-Anhaften

Ahimsa gilt als das wichtigste Yama. Alle anderen Yamas lassen sich als Ausdruck von Ahimsa verstehen: Wer lügt, stiehlt oder gierig ist, verletzt letztlich andere oder sich selbst.

Mahavrata – das große Gelübde

Im Yoga Sutra (II.31) beschreibt Patanjali die Yamas als Mahavrata, als „großes Gelübde“, wenn sie universell gelten – unabhängig von Herkunft (Jati), Ort (Desha), Zeit (Kala) und Umständen (Samaya). Ahimsa wird so vom Vorsatz zum Vrata, zum Gelübde: Der Übende legt sich nicht nur fest, möglichst wenig zu verletzen, sondern verpflichtet sich grundsätzlich und dauerhaft zur Gewaltlosigkeit.

Die Frucht von Ahimsa

Patanjali schreibt im Yoga Sutra II.35:

ahiṃsā-pratiṣṭhāyāṃ tat-sannidhau vaira-tyāgaḥ
Wenn jemand fest in Ahimsa gegründet ist, wird in seiner Gegenwart Feindseligkeit aufgegeben.

Wer Ahimsa Vrata vollkommen verwirklicht, strahlt einen solchen Frieden aus, dass in seiner Nähe Aggression und Feindschaft schwinden. In vielen Erzählungen über Heilige und Rishis leben wilde Tiere friedlich in ihrer Nähe.

Ahimsa in Gedanken, Worten und Taten

Ahimsa Vrata umfasst alle drei Ebenen des Handelns:

  • Taten (Kaya): Kein Lebewesen körperlich verletzen. Dazu gehört für viele Yogis eine vegetarische oder vegane Ernährung.
  • Worte (Vak): Keine verletzenden, herabsetzenden oder unnötig harten Worte. Wahrhaftigkeit (Satya) soll mit Freundlichkeit verbunden sein.
  • Gedanken (Manas): Keine Hassgedanken, keine Rachegedanken, kein Groll. Gedanken sind die Wurzel von Worten und Taten.

Swami Sivananda betont, dass Ahimsa nicht nur die Abwesenheit von Gewalt ist, sondern positiv kosmische Liebe bedeutet. Ahimsa ist Ausdruck der Erkenntnis, dass das eine Selbst (Atman) in allen Wesen wohnt. Wer einen anderen verletzt, verletzt letztlich sich selbst.

Ahimsa gegenüber sich selbst

Ahimsa Vrata schließt auch das eigene Wesen ein. Übermäßige Selbstkritik, Überforderung, Raubbau am Körper oder übertriebene Askese widersprechen dem Gelübde der Gewaltlosigkeit. Auch in der Asana-Praxis bedeutet Ahimsa, die Grenzen des Körpers zu achten und nicht mit Gewalt in eine Stellung zu gehen.

Ahimsa in verschiedenen Traditionen

  • Jainismus: Ahimsa ist das zentrale Gelübde. Mönche und Nonnen legen das Ahimsa Mahavrata ab und achten mit großer Sorgfalt darauf, selbst kleinste Lebewesen nicht zu verletzen. Laien legen das Ahimsa Anuvrata ab, das „kleine Gelübde“.
  • Buddhismus: Die erste der fünf Silas ist der Vorsatz, kein Lebewesen zu töten.
  • Hinduismus: Die Bhagavad Gita nennt Ahimsa unter den göttlichen Eigenschaften. Im Mahabharata heißt es „Ahimsa paramo dharmah“ – Gewaltlosigkeit ist die höchste Pflicht.
  • Mahatma Gandhi machte Ahimsa zur Grundlage des gewaltfreien Widerstands (Satyagraha) und legte selbst ein lebenslanges Ahimsa-Gelübde ab.

Ahimsa Vrata im Alltag

Ahimsa Vrata wird nicht von heute auf morgen vollkommen verwirklicht. Es ist ein Weg der allmählichen Läuterung. Hilfreiche Übungen sind:

  • Sich morgens bewusst vornehmen, im Laufe des Tages niemanden zu verletzen
  • Abends in einer Selbstreflexion prüfen, wo man in Gedanken, Worten oder Taten verletzt hat
  • Pratipaksha Bhavana: negativen Gedanken bewusst positive Gegengedanken entgegensetzen
  • Die Praxis von Metta bzw. Mitgefühl und Wohlwollen allen Wesen gegenüber
  • Vegetarische Ernährung als konkreter Ausdruck von Ahimsa
  • Ein Spirituelles Tagebuch führen, wie es Swami Sivananda empfohlen hat

Man kann Ahimsa Vrata auch zeitlich begrenzt ablegen, etwa für eine Woche, einen Monat oder während eines Retreats, und es danach erneuern und vertiefen.

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