Varaha Puja nach dem Brihat Tantrasara

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Varaha Puja nach dem Brihat Tantrasara verehrt Vishnu als Adivaraha, den ursprünglichen Eber, der die Erde trägt.

Zweck und Voraussetzungen

Die Anleitung setzt die vertrauten Grundlagen von Puja, Nyasa, Mudra, Japa und Sanskritrezitation voraus. Für die formale Mantrapraxis gilt die in der eigenen Überlieferung erhaltene Diksha und Unterweisung.

Stelle gereinigte Gefäße, reines Wasser, eine Muschel mit Unterlage, Duftstoff, Blüten, ungebrochene Reiskörner, Räucherwerk, eine Lampe und eine Speisegabe bereit. Lege eine Mala für den Japa daneben. Das Yantra und seine besonderen Gaben werden unten angegeben. Die großen Purascharana-Zahlen sind der Gesamtumfang eines gesonderten Übungszyklus, keine Tageszahl einer einzelnen Puja.

Vollziehe Morgendienst, Bad und das in deiner Paddhati gelehrte Achamana. Sammle den Geist auf den Anlass der Verehrung; der Einzelabschnitt schreibt hierfür keine besondere Sankalpa-Formel vor. Führe die vorbereitende Bhuta Shuddhi und die bereits erlernten inneren und äußeren Matrika-Nyasas aus. P2-0053 veranschaulicht die innere Reinigung: Der Herzlotus wurzelt im Dharma, sein Stängel ist Erkenntnis, seine Blätter sind göttliche Kraft, seine Mitte ist Loslösung; darin wird das flammengleiche individuelle Selbst mit dem höchsten Selbst verbunden. Die ausführliche Grundfolge steht in Tantrische Puja als Grundritual nach dem Brihat Tantrasara.

Nyasa kann nach P2-0061 geistig, mit einer Blüte oder mit Daumen und Ringfinger ausgeführt werden, soweit keine besondere Fingerregel vorliegt. Die Richtungen des Mandalas werden einmal festgelegt und dann beibehalten. P2-0093 überliefert unterschiedliche Erläuterungen des rituellen Ostens; deshalb werden hier keine vermeintlich eindeutigen Raumkompassangaben ergänzt.

Grundmantra und Quellenlage

oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā

„Om, Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn von Erde, Zwischenraum und Himmel. Gib mir Herrschaft über Land; veranlasse, dass sie mir gegeben wird, svaha.“ Bhupatitva bezeichnet im Mantra tatsächlich Landherrschaft. Die historische Zielangabe wird weder in eine moderne Reichtumsgarantie noch in eine bloß allgemeine Wohlstandsformel umgedeutet.

Der Grundmantra ist aus der angegebenen Auflösung einschließlich des ausdrücklich bestätigten Svaha-Abschlusses ausgeschrieben. Der fünffache Nyasa und die acht Geräte beziehungsweise Gesten bilden zusammen Bestandteile dieser einen Puja.

Yantra und Sitz

Zeichne ein Mandala mit achtblättrigem Lotus und strahlendem Fruchtboden (P2-0577). Darin wird Varaha vergegenwärtigt, dessen Glanz tausend Sonnen gleicht. Der Text verweist auf Abbildung 25, die in den Textdateien nicht enthalten ist.

Vollziehe zuerst den Pitha Nyasa: Vergegenwärtige den tragenden Sitz im Herzen, dann seine Entfaltung als Lotus. Im äußeren Mandala verehre die Gurureihe nördlich des Sitzes, von Nordwesten nach Nordosten: oṃ gurubhyo namaḥ
, oṃ paramagurubhyo namaḥ
, oṃ parāparagurubhyo namaḥ
und oṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ
. Bedeutung: Verehrung den Gurus und den aufeinanderfolgenden höchsten Lehrern der Überlieferung (P2-0089).

Setze die folgenden acht Kräfte im Osten beginnend im Rechtsumlauf auf die Staubfäden des Herzlotus; die neunte kommt in die Mitte. In der äußeren Sitzverehrung bringst du ihnen jeweils eine Blüte dar.

Ort / Reihenfolge Darbringungsformel
Osten oṃ vimalāyai namaḥ
Südosten oṃ utkarṣiṇyai namaḥ
Süden oṃ jñānāyai namaḥ
Südwesten oṃ kriyāyai namaḥ
Westen oṃ yogāyai namaḥ
Nordwesten oṃ prahvyai namaḥ
Norden oṃ satyāyai namaḥ
Nordosten oṃ īśānāyai namaḥ
Mitte oṃ anugrahāyai namaḥ

Auf dem Fruchtboden verehre den Sitz mit oṃ namo viṣṇave bhagavate sarvabhūtātmane vāsudevāya sarvātmasaṃyogayogapadmapīṭhātmane namaḥ
. Bedeutung: „Om, Verehrung Vishnu, dem Erhabenen, dem Selbst aller Wesen, Vasudeva, dessen Wesen der Yoga-Lotussitz der Vereinigung aller Selbste ist.“ Die abweichende Wortfolge der Erläuterung in P2-0390 bleibt im Quellentext sichtbar.

Seher- und fünffacher Gliedernyasa

Berühre Mantra Bedeutung
Kopf bhārgava-ṛṣaye namaḥ
Verehrung dem Seher
Mund anuṣṭupchandase namaḥ
Verehrung dem Versmaß
Herz ādivarāhāya devatāyai namaḥ
Verehrung der Mantragottheit

Berühre zuerst die genannten Fingerpaare, danach die Körperstellen. Die Gliederformeln setzen die Mantrakraft in Herz, Kopf und den weiteren Stellen ein. Hier gelten fünf Glieder: Das Augenmantra und eine zusätzliche Handflächenformel werden nicht eingefügt.

Handstelle Handmantra Körperstelle Gliedermantra
Daumen beider Hände ekadaṃṣṭrāya aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ
Herz ekadaṃṣṭrāya hṛdayāya namaḥ
Zeigefinger vyomolkāya tarjanībhyāṃ svāhā
Kopf vyomolkāya śirase svāhā
Mittelfinger tejo'dhipataye madhyamābhyāṃ vaṣaṭ Haarlocke/Scheitel tejo'dhipataye śikhāyai vaṣaṭ
Ringfinger viśvarūpāya anāmikābhyāṃ huṃ
Schutzpanzer: beide Schultern viśvarūpāya kavacāya huṃ
kleine Finger mahādaṃṣṭrāya kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ
Waffe: Schutz im Umraum mahādaṃṣṭrāya astrāya phaṭ

Die fünf Anreden bedeuten: „dem Einhauerigen“, „der Raumflamme“, „dem Herrn des Lichtglanzes“, „dem Allgestaltigen“ und „dem Großhauerigen“.

Meditation und Muschel

Betrachte Adivaraha, der die Erde auf seinen Hauern trägt. Die erkennbare Farbabfolge führt von goldenen Füßen und Knien über Perlenglanz bis zum Nabel und Morgenrot bis zum Hals zu Blau im oberen Bereich. Die Satzform ist beschädigt; diese Abfolge ist eine erklärende Lesung. Acht Hände tragen Rad, Muschel, Schwert, Schild, Keule und Speer und zeigen Gewährung und Furchtlosigkeit.

Rezitiere oder betrachte den zugehörigen Dhyana-Vers:

āpādaṃ jānudeśādvarakanakanibhaṃ nābhideśādadhastānimuktābhaṃ kaṇṭhadeśāttaruṇaravinibhaṃ mastakānnīlabhāsam | īḍe hastairdadhānaṃ rathacarṇadarau khaḍgakheṭau gadākhyaṃ śaktiṃ dānābhaye ca kṣitidharaṇalasaddaṃṣṭramādyaṃ varāham ||

Lasse das Bild im Herzen gegenwärtig werden und bringe geistig Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise dar. Danach bereite die äußere Verehrung vor. Zeichne links von dir ein Dreieck und stelle die dreifüßige Unterlage darauf. Reinige die Muschel mit phaṭ
und setze sie auf. Gib mit namaḥ
Duftstoff, Blüten, Reiskörner und Durva hinein und fülle reines Wasser ein. Rezitiere dabei die rückläufige Matrika (P1-0515) und anschließend den Grundmantra dieses Artikels:

kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ aḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ āṃ aṃ

Verehre die Unterlage mit maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane namaḥ
, die Muschel mit aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ
und das Wasser mit uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ
: Verehrung dem Feuerkreis mit zehn, dem Sonnenkreis mit zwölf und dem Mondkreis mit sechzehn Kräften. Bei der ersten Formel ist die im Quellwort „daśakātmane“ ausgefallene Silbe „la“ nach P2-0068 gekennzeichnet ergänzt.

Rufe mit der Ankusha-Mudra die heiligen Wasser herbei. Sprich nach P1-0516: oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati narmade sindhukāveri jale'smin sannidhiṃ kuru – „Om, Ganga, Yamuna, Godavari, Sarasvati, Narmada, Sindhu und Kaveri, seid in diesem Wasser gegenwärtig.“ Die Lesung narmade folgt dem vollständigen Parallelwortlaut P2-0019; die abweichende Lesung marmade bleibt im Quellenblock P1-0516 erhalten. Rufe die Gottheit aus dem Herzen in das Wasser, umhülle mit huṃ, zeige Galini-Mudra mit vaṣaṭ, blicke mit vauṣaṭ auf das Wasser und verehre mit den eigenen Gliedermantras. Gib Duftstoff und Blüte mit namaḥ, bedecke mit Matsya-Mudra und rezitiere den Grundmantra achtmal. Zeige mit vaṃ die Dhenu-Mudra, schütze mit dem zugehörigen Astramantra und fülle etwas Wasser in das Sprenggefäß. Besprenge dich und die Geräte dreimal unter dem Grundmantra (P1-0517).

Anrufung und Gaben

Verehre nach dem Aufstellen der Muschel den äußeren Sitz mit den oben genannten Pitha-Kräften und seiner Sitzformel. Meditiere erneut über die Gottheit. Rezitiere den Grundmantra; führe ihre Lichtgegenwart aus dem Herzen in eine Blüte und von dort in den bereiteten Sitz (P2-0097). Sprich die aus P1-0536 eingesetzte Anrufung:

ādivarāha ihāgaccha ihāgaccha iha tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva

„Komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; verweile hier fest.“ Zeige die entsprechenden Avahana-Mudras. Es folgen Verhüllung mit huṃ
, die eigenen Gliedermantras an der Gottheit, Nektarisierung mit vaṃ
und Dhenu-Mudra sowie die in der eigenen Paddhati gelernte Pranapratistha. Der Einzelabschnitt schreibt hierfür keine neue Sonderformel vor.

Vor jeder der folgenden Gaben rezitierst du vollständig den Grundmantra und danach die angegebene Formel. Die Namensformen sind Einsetzungen in das im Werk ausdrücklich angegebene Darbringungsschema (P2-0109); sie sind keine zusätzlichen Grundmantras.

Gabe / Handlung Formel nach dem Grundmantra Bedeutung
Sitz anbieten idam āsanaṃ ādivarāhāya namaḥ
Dieser Sitz sei dir dargebracht.
Willkommen heißen ādivarāha svāgataṃ te
Sei willkommen.
Fußwasser darbringen etat pādyaṃ ādivarāhāya namaḥ
Dieses Wasser sei für deine Füße.
Arghya reichen idam arghyaṃ ādivarāhāya svāhā
Dieses Ehrenwasser sei dir dargebracht.
Mundwasser darbringen idam ācamanīyaṃ ādivarāhāya svadhā
Dieses Wasser sei dir zum Mundspülen.
Madhuparka aus Ghee, Joghurt und Honig reichen eṣa madhuparkaḥ ādivarāhāya svadhā
Diese süße Ehrengabe sei dir dargebracht.
Mundwasser erneut reichen idam ācamanīyaṃ ādivarāhāya svadhā
Erneut Wasser zum Mundspülen.
Badewasser darbringen snānīyaṃ nivedayāmi
Ich bringe Badewasser dar.
Gewand und gegebenenfalls Opferfaden anbieten idaṃ vastraṃ ādivarāhāya namaḥ
Dieses Gewand sei dir dargebracht; den Opferfaden entsprechend benennen.
Schmuck anbieten idam ābharaṇaṃ ādivarāhāya namaḥ
Dieser Schmuck sei dir dargebracht.
Duftstoff darbringen eṣa gandhaḥ ādivarāhāya namaḥ
Dieser Duftstoff sei dir dargebracht.
Blüten darbringen etāni puṣpāṇi ādivarāhāya vauṣaṭ
Diese Blüten seien dir geweiht.

Die Gaben können nach P2-0100 bei fehlenden Mitteln auf die fünf Gaben Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise begrenzt werden. Die umfassende Folge oben erklärt den Vollvollzug. Bringe anschließend unter fünfmaliger Rezitation des Grundmantras je eine Blütenhandvoll an Scheitel, Herz, verborgener Stelle, Füßen und dem ganzen Körper der Gottheit dar (P2-0104). Danach folgt ihre Umkreisverehrung. Räucherwerk, Licht und Speise werden erst anschließend dargebracht.

Umkreisverehrung

Gib an jeder Stelle eine Blüte oder Duftstoff und Blüte; verehre dort das betreffende Glied der Gottheit.

Ort im Yantra Formel
Südosten ekadaṃṣṭrāya hṛdayāya namaḥ
Südwesten vyomolkāya śirase svāhā
Nordwesten tejo'dhipataye śikhāyai vaṣaṭ
Nordosten viśvarūpāya kavacāya huṃ
vier Hauptrichtungen mahādaṃṣṭrāya astrāya phaṭ

Für die Waffenposition wird die ausgeschriebene Anordnung in den vier Hauptrichtungen gewählt. Die eingeklammerte Eckenvariante bleibt im Quellenbeleg erhalten; das Gliederschema ist fünffach.

Auf den acht Blättern von Osten im Rechtsumlauf verehre die sechs Geräte sowie die beiden Segensgesten:

Ort / Reihenfolge Darbringungsformel
Osten: Rad oṃ cakrāya namaḥ
Südosten: Muschel oṃ śaṅkhāya namaḥ
Süden: Schwert oṃ khaḍgāya namaḥ
Südwesten: Schild oṃ kheṭakāya namaḥ
Westen: Keule oṃ gadāyai namaḥ
Nordwesten: Speer oṃ śaktaye namaḥ
Norden: Gewährung oṃ varāya namaḥ
Nordosten: Furchtlosigkeit oṃ abhayāya namaḥ

Außerhalb des Lotus verehre die Richtungshüter. Die mit „Indra und die übrigen“ abgekürzte Reihe ist nach P2-0142 mit den dort vorgeschriebenen eigenen Bijas, Herrschaftsbereichen, Waffen, Reittieren und Gefolgen ausgeschrieben. Die gemeinsame Bedeutung lautet: „Verehrung diesem Richtungshüter als Herrn seines Bereichs, mit Waffe, Reittier und Gefolge.“

Ort Vollständige Formel
Osten oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Südosten oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Süden oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Südwesten oṃ kṣāṃ nirṛtaye rakṣodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Westen oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Nordwesten oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Norden oṃ sāṃ somāya tārādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Nordosten oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
zwischen Osten und Nordosten oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
zwischen Südwesten und Westen oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ

Noch weiter außen folgen in derselben Reihenfolge die Waffen und Insignien (P2-0144):

Ort / Reihenfolge Darbringungsformel
Osten oṃ vajrāya namaḥ
Südosten oṃ śaktaye namaḥ
Süden oṃ daṇḍāya namaḥ
Südwesten oṃ khaḍgāya namaḥ
Westen oṃ pāśāya namaḥ
Nordwesten oṃ aṃkuśāya namaḥ
Norden oṃ gadāyai namaḥ
Nordosten oṃ śūlāya namaḥ
zwischen Osten und Nordosten oṃ padmāya namaḥ
zwischen Südwesten und Westen oṃ cakrāya namaḥ


Vaiṣṇavische Speisegabe

Bringe zunächst unter dem Grundmantra Räucherwerk und Licht dar: eṣa dhūpaḥ ādivarāhāya namaḥ
und eṣa dīpaḥ ādivarāhāya namaḥ
. Gib drei Blütenhandvoll unter dem Grundmantra. Danach folgt die Speisegabe.

Das folgende Verfahren ist in P2-0408–0409 ausdrücklich für die vaiṣṇavische Speisegabe beschrieben. Stelle die Speise in einem geeigneten Gefäß bereit; P2-0405 nennt unter anderem Gold, Silber, Kupfer, Bronze oder Ton sowie Lotus- und Palasha-Blätter. Diese Angaben zur Speiseunterlage sind von den engeren Regeln für die Arghya-Gefäße zu unterscheiden.

  1. Reiche unter dem Grundmantra Fußwasser, Arghya und Mundwasser. Besprenge die Speise mit phaṭ
    und schütze sie mit Chakra-Mudra.
  2. Reinige ihre Mängel mit yaṃ
    , verbrenne sie geistig mit raṃ
    und vergegenwärtige mit vaṃ
    einen Nektarstrom aus der linken Hand. Rezitiere den Grundmantra achtmal.
  3. Zeige mit vaṃ
    die Dhenu-Mudra. Verehre die Speise mit Duft und Blüten; bringe der Gottheit unter dem Grundmantra eine Blütenhandvoll dar. Bete mit gefalteten Händen und stelle dir vor, dass Licht aus ihrem Mund hervortritt.
  4. Sprich den Grundmantra mit angefügtem svāhā
    und gib Wasser zur Speise. Darauf den Grundmantra und etan naivedyaṃ ādivarāhāya namaḥ
    – „Diese Speise sei dir dargebracht.“ Hebe die Gabe an und rezitiere oṃ nivedayāmi bhavate juṣāṇedaṃ havir hare
    – „Om, ich bringe es dir dar; nimm diese Opfergabe an, Hari.“
  5. Reiche Wasser mit ādivarāhāya etaj jalam amṛtopastaraṇam asi
    – „Für dich dieses Wasser; du bist die Unterlage aus Nektar.“ Zeige mit der linken Hand Grasa-Mudra, mit der rechten nacheinander die fünf Prana-Mudras:
Formel Berührung durch den rechten Daumen Bedeutung
oṃ prāṇāya svāhā
kleiner Finger und Ringfinger Dem Prana sei die Gabe geweiht.
oṃ apānāya svāhā
Zeige- und Mittelfinger Dem Apana sei die Gabe geweiht.
oṃ vyānāya svāhā
Mittel- und Ringfinger Dem Vyana sei die Gabe geweiht.
oṃ udānāya svāhā
Zeige-, Mittel- und Ringfinger Dem Udana sei die Gabe geweiht.
oṃ samānāya svāhā
alle übrigen Finger Dem Samana sei die Gabe geweiht.

Die Quelle schreibt in der Apana-Zeile apānāyā
; in der Handlungstabelle ist der durch die parallelen Dativformen erschlossene Dativ apānāya
gekennzeichnet verwendet. Die fünf Pranas bezeichnen hier die Lebensfunktionen als Empfänger der inneren Speisung.

Berühre mit beiden Daumen die Ringfingerspitzen und rezitiere:

ṭhrauṃ namaḥ parāya antarātmane aniruddhāya naivedyaṃ kalpayāmi

„Thraum, Verehrung dem höchsten inneren Selbst, Aniruddha; ich bereite die Speisegabe.“ Diese Aniruddha-Formel gehört zur vaiṣṇavischen Speiseweihe und bleibt auch bei der besonderen Gottheitsgestalt erhalten. Rezitiere danach den Grundmantra und ādivarāhaṃ tarpayāmi
(„Ich erquicke die Gottheit“) viermal. Reiche Wasser mit ādivarāhāya etaj jalam amṛtāpidhānam asi
– „Für dich dieses Wasser; du bist die Bedeckung aus Nektar.“ Lasse den Lichtgehalt der Gabe in den Mund der Gottheit eingehen; reiche erneut Mundwasser. Danach folgen Japa, Hingabe und Entlassung wie im Abschlussabschnitt beschrieben.


Japa und Abschluss

Rezitiere den Grundmantra gesammelt. Die allgemeine Paddhati nennt für diesen Japa 1.008 oder 100 Wiederholungen (P2-0111); ein eigens übernommenes Gelübde bestimmt den tatsächlichen Umfang. Übergib den Japa mit der überlieferten Formel:

oṃ guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam | siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |

„Du Hüter des Allerverborgensten, nimm unseren Japa an. Möge durch deine Gnade Vollendung entstehen, da du in mir gegenwärtig bist.“ Die Schreibungen guhyāti- und gṛhāṇāsmat- sind durch den Parallelvers Haribhaktivilasa 8.424 bei GRETIL gestützt. Die Anrede der Göttin beziehungsweise des Gottes folgt P2-0111. Der gelieferte Quellenwortlaut bleibt unverändert dokumentiert.

Nimm etwas Wasser in die Hand und vollziehe die Selbsthingabe nach P2-0110; ihr voller Wortlaut und die vollständige Übersetzung stehen im Quellenabschnitt. Bringe alles Gedachte, Gesprochene und Getane dem Brahman dar. Verneige dich. Lasse die Umkreisgottheiten in der Hauptgottheit aufgehen, sprich kṣamasva
(„Verzeihe“), führe mit Samhara-Mudra und dem Duft der Blüte die Lichtgegenwart in den eigenen Herzlotus zurück. Lege den Grundmantra danach dreimal über den ganzen Körper (P2-0120).

Lege die Opferreste im nordöstlichen Dreieck nieder und verehre oṃ viśvaksenāya namaḥ
– „Verehrung Vishvaksena“ (P2-0121). Teile die geweihte Speise als Prasad. Bleibe zum Schluss einen Augenblick in der stillen Wahrnehmung der Gottheit im Herzen.

Purascharana und Tageszeit

Der Quellabschnitt nennt 100.000 Wiederholungen des Grundmantras und 10.000 Darbringungen im Homa; verwendet werden mit süßen Stoffen bestrichene Lotusblüten. Die Zahl wird hier als Bestandteil des Purascharana festgehalten. Das Feueropfer benötigt die gesonderte Feuerbereitung und Homa-Paddhati; aus der bloßen Zahlenangabe wird kein zweites Ritual in diesen Puja-Artikel eingefügt.

P2-0580 schließt den Vishnu-Mantraabschnitt mit der Regel, vaiṣṇavische Mantras nicht nachts zu rezitieren. Dies ist die konkrete Regel dieser Paddhati; sie wird nicht als Aussage über sämtliche heutigen Vishnu-Traditionen verallgemeinert.


Die Astra-Gabe erfolgt hier in den vier Hauptrichtungen gemäß der ausgeschriebenen Lesung caturdikṣu in P2-0578. Die eingeklammerte Eckenvariante bleibt im Quellenbeleg erhalten und wird nicht zusätzlich vollzogen.

Quellentext, Übersetzung und Devanagari

Die folgenden Textstellen werden vollständig aus dem abgeglichenen Projektstand wiedergegeben. Die Kennungen bezeichnen Redaktionsabschnitte, keine neu erfundenen Versnummern. Zuerst stehen die unmittelbaren Ritualquellen, danach die ausdrücklich herangezogenen gemeinsamen Regeln. IAST und Devanagari bleiben diplomatisch; erkennbare Fehler werden in der Anleitung benannt. Die deutsche Übersetzung wird vollständig übernommen. Andere Mantras oder Übungszahlen in ergänzenden Parallelstellen dienen nur dem Quellenvergleich; sie werden nicht zu zusätzlichen Ritualen oder Vorgaben dieser Puja.

Unmittelbare Ritualquelle

P2-0574 · 54

IAST
atha varāhamantrāḥ:
taro namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye
bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya ṭhadvayam |
ayaṃ mantrastrayastriṃśadakṣaraḥ |
tathā ca nibandhe:
tāro namo bhagavate varāhapadamīrayet |
rūpāya bhūrbhuvaḥ sva syāt pataye tadantaram |
bhūpatitvaṃ me padānte dehyente ca dadāpaya |
vahnijāyāvadhirmantraḥ syāttrayastriṃśadakṣaraḥ
|| 54 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Nun die Varāhamantras: „oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā – Oṃ, Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn von Erde, Zwischenraum und Himmel. Gib mir Herrschaft über die Erde; lass sie mir geben, svāhā.“ Dieses Mantra ist dreiunddreißigsilbig. Der Nibandha bestätigt einzeln dieselbe Wortfolge von Tārā und namaḥ über bhagavate, varāharūpāya, bhūrbhuvaḥsvaḥpataye, bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya bis zur Feuergemahlin am Schluss.

Devanagari
अथ वराहमन्त्राः:
तरो नमो भगवते वराहरूपाय भूर्भुवःस्वःपतये
भूपतित्वं मे देहि ददापय ठद्वयम् ।
अयं मन्त्रस्त्रयस्त्रिंशदक्षरः ।
तथा च निबन्धे:
तारो नमो भगवते वराहपदमीरयेत् ।
रूपाय भूर्भुवः स्व स्यात् पतये तदन्तरम् ।
भूपतित्वं मे पदान्ते देह्येन्ते च ददापय ।
वह्निजायावधिर्मन्त्रः स्यात्त्रयस्त्रिंशदक्षरः
॥ ५४ ॥

P2-0575 · 55

IAST
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādivaiṣṇavoktapīṭhamanvantaṃ vinyasya ṛṣyādi nyāsaḥ
kuryāt ||
śirasi bhārgava-ṛṣaye namaḥ |
mukhe anuṣṭupchandase namaḥ hṛdi ādivarāhāya devatāyai namaḥ
|| 55 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen setzt man die vaiṣṇavischen Zuordnungen bis zum Sitzmantra ein und vollzieht den Sehernyāsa: Bhārgava auf dem Kopf, Anuṣṭubh am Mund und Ādivarāha am Herzen, jeweils mit der Verehrungsformel.

Devanagari
अस्य पूजा:
प्रातःकृत्यादिवैष्णवोक्तपीठमन्वन्तं विन्यस्य ऋष्यादि न्यासः
कुर्यात् ॥
शिरसि भार्गव-ऋषये नमः ।
मुखे अनुष्टुप्छन्दसे नमः हृदि आदिवराहाय देवतायै नमः
॥ ५५ ॥

P2-0576 · 56

IAST
tataḥ karāṅganyāsau:
ekadaṃṣṭrāya aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
vyomolkāya tarjanībhyāṃ svāhā |
tejo'dhipataye madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
viśvarūpāya anāmikābhyāṃ huṃ |
mahādaṃṣṭrāya kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca:
bhārgavo munirākhyātaśchando'nuṣṭubudāhṛtam |
devatādivarāhaśca mantrasya kathito budhaiḥ |
ekadaṃṣṭrāya hṛdayaṃ vyomolkāya śiraḥ smṛtam |
śikhā tejo'dhipataye viśvarūpāya varma ca |
mahādaṃṣṭrāya astraṃ syāt pañcāṅgāmiti kalpayet
|| 56 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Der Handnyāsa: ekadaṃṣṭrāya, dem Einhauerigen, an den Daumen mit namaḥ; vyomolkāya, der Raumflamme, an den Zeigefingern mit svāhā; tejo'dhipataye, dem Herrn des Lichtglanzes, an den Mittelfingern mit vaṣaṭ; viśvarūpāya, dem Allgestaltigen, an den Ringfingern mit huṃ; mahādaṃṣṭrāya, dem Großhauerigen, an den kleinen Fingern mit phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern. Das Zitat bestätigt Bhārgava als Seher, Anuṣṭubh als Versmaß, Ādivarāha als Gottheit und dieselben fünf Anreden für Herz, Kopf, Haarlocke, Schutzpanzer und Waffe.

Devanagari
ततः कराङ्गन्यासौ:
एकदंष्ट्राय अंगुष्ठाभ्यां नमः ।
व्योमोल्काय तर्जनीभ्यां स्वाहा ।
तेजोऽधिपतये मध्यमाभ्यां वषट् ।
विश्वरूपाय अनामिकाभ्यां हुं ।
महादंष्ट्राय कनिष्ठाभ्यां फट् ।
एवं हृदयादिषु ।
तथा च:
भार्गवो मुनिराख्यातश्छन्दोऽनुष्टुबुदाहृतम् ।
देवतादिवराहश्च मन्त्रस्य कथितो बुधैः ।
एकदंष्ट्राय हृदयं व्योमोल्काय शिरः स्मृतम् ।
शिखा तेजोऽधिपतये विश्वरूपाय वर्म च ।
महादंष्ट्राय अस्त्रं स्यात् पञ्चाङ्गामिति कल्पयेत्
॥ ५६ ॥

P2-0577 · 57

IAST
asya yantraṃ prapañcasāre:
aṣṭapatramatha padmamullasatkarṇikaṃ vidhivadāracayya maṇḍalam |
ravisahasrasannibhaṃ śūkaraṃ yajata tatra siddhaye
|| 57 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Sein Yantra beschreibt der Prapañcasāra: Man bildet vorschriftsmäßig ein Maṇḍala mit einem achtblättrigen Lotus und strahlendem Fruchtboden und verehrt darin zur Erlangung der Vollendung den Eber, der tausend Sonnen gleicht.

Devanagari
अस्य यन्त्रं प्रपञ्चसारे:
अष्टपत्रमथ पद्ममुल्लसत्कर्णिकं विधिवदारचय्य मण्डलम् ।
रविसहस्रसन्निभं शूकरं यजत तत्र सिद्धये
॥ ५७ ॥

P2-0578 · 58

IAST
(citra 25)
tato dhyānam:
āpādaṃ jānudeśādvarakanakanibhaṃ
nābhideśādadhastānimuktābhaṃ kaṇṭhadeśāttaruṇaravinibhaṃ
mastakānnīlabhāsam |
īḍe hastairdadhānaṃ rathacarṇadarau khaḍgakheṭau gadākhyaṃ
śaktiṃ dānābhaye ca kṣitidharaṇalasaddaṃṣṭramādyaṃ varāham ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanādi - vaiṣṇavokta
pīṭhapūjādi karma kṛtvā
punardhyātvāvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
keśareṣu agnyādikoṇeṣu dikṣu (pūrvācaturdikṣu) ca ekadaṃṣṭrāya
hṛdayāya namaḥ |
vyomolkāya śirase svāhā |
tejo'dhipataye śikhāyai vaṣaṭ |
viśvarūpāya kavacāya huṃ |
caturdikṣu (agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu) mahādaṃṣṭrāya astrāya
phaṭ |
tadbahiḥ patreṣu oṃ cakrāya namaḥ evaṃ śaṅkhāya khaḍgāya
kheṭakāya gadāyai śaktaye varāya abhayāya |
tadbhirindrādīn vajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 58 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
[Die Vorlage verweist auf Abbildung 25.] Die Meditation: Ich preise den ursprünglichen Varāha, dessen Glanz von den Füßen bis zu den Knien edlem Gold, darüber bis zum Nabel Perlen, bis zum Hals der jungen Sonne und bis zum Scheitel dem Blau gleicht. Mit seinen Händen trägt er Rad, Muschel, Schwert, Schild, Keule und Speer und zeigt Gabe und Furchtlosigkeit. Seine Hauer erstrahlen beim Tragen der Erde. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf und vollzieht die vaiṣṇavische Sitzverehrung und die übrigen Handlungen. Nach erneuter Meditation folgen Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen. Die Umkreisverehrung auf den Staubfäden in den Ecken, beginnend im Südosten, und den Richtungen: ekadaṃṣṭrāya am Herzen mit namaḥ; vyomolkāya am Kopf mit svāhā; tejo'dhipataye an der Haarlocke mit vaṣaṭ; viśvarūpāya am Schutzpanzer mit huṃ; mahādaṃṣṭrāya an der Waffe mit phaṭ in den vier Ecken Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten. Außen auf den Blättern verehrt man mit oṃ und namaḥ Rad, Muschel, Schwert, Schild, Keule, Speer, Gewährung und Furchtlosigkeit. Weiter außen Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Farbanordnung ist grammatisch beschädigt; die vier erkennbaren Körperabschnitte werden in der genannten Reihenfolge wiedergegeben.]

Devanagari
(चित्र २५)
ततो ध्यानम्:
आपादं जानुदेशाद्वरकनकनिभं
नाभिदेशादधस्तानिमुक्ताभं कण्ठदेशात्तरुणरविनिभं
मस्तकान्नीलभासम् ।
ईडे हस्तैर्दधानं रथचर्णदरौ खड्गखेटौ गदाख्यं
शक्तिं दानाभये च क्षितिधरणलसद्दंष्ट्रमाद्यं वराहम् ॥
एवं ध्यात्वा मानसैः सम्पूज्य शङ्खस्थापनादि - वैष्णवोक्त
पीठपूजादि कर्म कृत्वा
पुनर्ध्यात्वावाहनादिपञ्चपुष्पाञ्जलिदानपर्यन्तं
विधायावरणपूजामारभेत ।
केशरेषु अग्न्यादिकोणेषु दिक्षु (पूर्वाचतुर्दिक्षु) च एकदंष्ट्राय
हृदयाय नमः ।
व्योमोल्काय शिरसे स्वाहा ।
तेजोऽधिपतये शिखायै वषट् ।
विश्वरूपाय कवचाय हुं ।
चतुर्दिक्षु (अग्निनिर्-ऋतिवायव्यीशानकोणेषु) महादंष्ट्राय अस्त्राय
फट् ।
तद्बहिः पत्रेषु ॐ चक्राय नमः एवं शङ्खाय खड्गाय
खेटकाय गदायै शक्तये वराय अभयाय ।
तद्भिरिन्द्रादीन् वज्रादींश्च पूजयेत् ।
ततो धूपादिविसर्जनान्तं कर्म समापयेत्
॥ ५८ ॥

P2-0579 · 59

IAST
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
lakṣamekaṃ japenmantraṃ madhurāktaiḥ saroruhaiḥ |
juhuyāttaddaśāṃśena pīṭhe viṣṇuṃ prapūjayet
|| 59 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Das Puraścaraṇa beträgt 100.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Man wiederholt das Mantra 100.000-mal, opfert ein Zehntel mit süß bestrichenen Lotussen und verehrt Viṣṇu auf dem Sitz.

Devanagari
अस्य पुरश्चरणं लक्षजपः ।
तथा च:
लक्षमेकं जपेन्मन्त्रं मधुराक्तैः सरोरुहैः ।
जुहुयात्तद्दशांशेन पीठे विष्णुं प्रपूजयेत्
॥ ५९ ॥

P2-0580 · 60

IAST
viṣṇumantraṃ
rātrau na japet |
tathā ca:
na japedvaiṣṇavaṃ rātrau śaive śākte na duṣyati |
iti vaiśampāyanasaṃhitāvacanāt |
iti viṣṇumantraparicchedaḥ
|| 60 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Das Viṣṇumantra soll man nachts nicht wiederholen. In der Vaiśampāyanasaṃhitā heißt es: Ein vaiṣṇavisches Mantra wiederholt man nicht nachts; bei śaivischen und śāktischen Mantras besteht dieser Mangel nicht. Damit endet der Abschnitt über die Viṣṇumantras.

Devanagari
विष्णुमन्त्रं
रात्रौ न जपेत् ।
तथा च:
न जपेद्वैष्णवं रात्रौ शैवे शाक्ते न दुष्यति ।
इति वैशम्पायनसंहितावचनात् ।
इति विष्णुमन्त्रपरिच्छेदः
॥ ६० ॥

Ergänzende Regeln aus demselben Werk

P2-0053 · 52

IAST
puraścaraṇacandrikāyām:
athavānyaprakāreṇa bhūtaśuddhirvidhīyate |
dharmakandasamudbhūtaṃ jñānanālasuśobhanam |
aiśvaryāṣṭadalopetaṃ paraṃ vairāgyakarṇikam |
svīyahṛtkamalaṃ dhyāyetpraṇavena prakāśitam |
kṛtvā tatkarṇikāsaṃsthaṃ pradīpakalikānibham |
jīvātmānaṃ hṛdi dhyātvā bhūle saṃñcintya kuṇḍalīm |
ṣuṣumnāvartmanātmānaṃ paramātmani yojayet
|| 52 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
In der Puraścaraṇacandrikā: Oder Elementreinigung auf andere Weise: Man meditiere über den eigenen Herzlotus, aus der Knolle Dharma hervorgegangen, mit dem schönen Stängel Erkenntnis, acht Blättern Herrschaftskraft und höchster Leidenschaftslosigkeit als Zentrum, vom Praṇava erleuchtet. Im Zentrum vergegenwärtige man das individuelle Selbst als kleine Lampenflamme; am Wurzelort denke man Kuṇḍalinī und verbinde durch die Suṣumṇā das eigene Selbst mit dem höchsten Selbst.

Devanagari
पुरश्चरणचन्द्रिकायाम्:
अथवान्यप्रकारेण भूतशुद्धिर्विधीयते ।
धर्मकन्दसमुद्भूतं ज्ञाननालसुशोभनम् ।
ऐश्वर्याष्टदलोपेतं परं वैराग्यकर्णिकम् ।
स्वीयहृत्कमलं ध्यायेत्प्रणवेन प्रकाशितम् ।
कृत्वा तत्कर्णिकासंस्थं प्रदीपकलिकानिभम् ।
जीवात्मानं हृदि ध्यात्वा भूले संञ्चिन्त्य कुण्डलीम् ।
षुषुम्नावर्त्मनात्मानं परमात्मनि योजयेत्
॥ ५२ ॥

P2-0061 · 58

IAST
sāmānyanyāse aṃguliniyamastu gautamīye:
manasā vā nyasennyāsān puṣpeṇaivātha vā mune |
aṃguṣṭhānāmikābhyāṃ vā cānyathā viphalaṃ bhavet
|| 58 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Die Fingerregel für allgemeinen Nyāsa im Gautamīya: Man setze die Nyāsas im Geist oder mit einer Blüte ein, o Weiser, oder mit Daumen und Ringfinger; andernfalls bleibt es fruchtlos.

Devanagari
सामान्यन्यासे अंगुलिनियमस्तु गौतमीये:
मनसा वा न्यसेन्न्यासान् पुष्पेणैवाथ वा मुने ।
अंगुष्ठानामिकाभ्यां वा चान्यथा विफलं भवेत्
॥ ५८ ॥

P2-0068 · 64

IAST
atha pīṭhanyāsaḥ
oṃ ādhāraśaktaye nama, prakṛtaye, kūrmāya, anantāya, pṛthivyai
kṣīrasamudrāya, śvetadvīpāya, maṇimaṇḍapāya, kalpavṛkṣāya,
maṇivedikāyai, ratnasiṃhāsanāya |
etatsarvaṃ hṛdi |
tato dakṣiṇaskandhe dharmāya, vāmaskandhe jñānāya, vāmorau
vairāgyāya, dakṣiṇorau aiśvaryāya, mukhe adharmāya, vāmapārśve
ajñānāya, nābhau avairāgyāya, dakṣiṇapārśve anaiśvaryāya,
sarvatra praṇavādinamo'ntena nyaset |
tathā ca śāradāyām:
aṃsoruyugmayorvidvānprādakṣiṇyena sādhakaḥ |
dharmaṃ jñānañca vairāgyamaiśvaryaṃ kramaśaḥ sudhīḥ |
mukhapārśva - nābhipārśveṣvadharmādīnprakalpayediti |
punaśca hṛdi oṃ anantāya namaḥ, evaṃ padmāya, aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ, uṃ somamaṇḍalāya
ṣoḍaśakalātmane namaḥ, maṃ vahnimaṇḍalāya daśakalātmane
namaḥ, saṃ sattvāya, raṃ rajase, taṃ tamase, āṃ ātmane, aṃ
antarātmane, paṃ paramātmane, hrīṃ jñānātmane |
sarvatra namaḥ, ityantaṃ vinyasya hṛtpadmasya pūrvādikeśareṣu
tattatkalpokta pīṭhaśaktīrmadhye pīṭhamanuñca nyaset
|| 64 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Nun Pīṭha-Nyāsa: „Oṃ. Der tragenden Kraft sei Verehrung; der Prakṛti; Kūrma; Ananta; der Erde; dem Milchozean; der weißen Insel; dem Juwelenpavillon; dem Wunschbaum; dem Juwelenaltar; dem Edelsteinlöwenthron.“ Dies alles im Herzen. Danach an der rechten Schulter Dharma, links Erkenntnis, am linken Oberschenkel Leidenschaftslosigkeit, rechts Herrschaftskraft; am Mund Adharma, links Unwissenheit, am Nabel Nicht-Leidenschaftslosigkeit, rechts Nicht-Herrschaftskraft, überall beginnend mit Praṇava und endend auf namaḥ. So im Śāradā: An den beiden Schultern und Oberschenkeln setze der Verständige rechtsherum Dharma, Erkenntnis, Leidenschaftslosigkeit und Herrschaftskraft, an Mund, Seite, Nabel und Seite die Gegenkräfte ein. Wieder im Herzen: „Oṃ. Ananta sei Verehrung“, ebenso dem Lotus; „aṃ, dem Sonnenkreis mit zwölf Kalās“, „uṃ, dem Mondkreis mit sechzehn“, „maṃ, dem Feuerkreis mit zehn“, „saṃ, Sattva“, „raṃ, Rajas“, „taṃ, Tamas“, „āṃ, Ātman“, „aṃ, dem inneren Ātman“, „paṃ, dem höchsten Ātman“, „hrīṃ, dem Erkenntnis-Ātman“, jeweils namaḥ. Danach auf den Staubfäden des Herzlotus von Osten an die im jeweiligen Ritualhandbuch genannten Pīṭha-Kräfte, in der Mitte den Pīṭha-Mantra.

Devanagari
अथ पीठन्यासः
ॐ आधारशक्तये नम, प्रकृतये, कूर्माय, अनन्ताय, पृथिव्यै
क्षीरसमुद्राय, श्वेतद्वीपाय, मणिमण्डपाय, कल्पवृक्षाय,
मणिवेदिकायै, रत्नसिंहासनाय ।
एतत्सर्वं हृदि ।
ततो दक्षिणस्कन्धे धर्माय, वामस्कन्धे ज्ञानाय, वामोरौ
वैराग्याय, दक्षिणोरौ ऐश्वर्याय, मुखे अधर्माय, वामपार्श्वे
अज्ञानाय, नाभौ अवैराग्याय, दक्षिणपार्श्वे अनैश्वर्याय,
सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन न्यसेत् ।
तथा च शारदायाम्:
अंसोरुयुग्मयोर्विद्वान्प्रादक्षिण्येन साधकः ।
धर्मं ज्ञानञ्च वैराग्यमैश्वर्यं क्रमशः सुधीः ।
मुखपार्श्व - नाभिपार्श्वेष्वधर्मादीन्प्रकल्पयेदिति ।
पुनश्च हृदि ॐ अनन्ताय नमः, एवं पद्माय, अं
सूर्यमण्डलाय द्वादशकलात्मने नमः, उं सोममण्डलाय
षोडशकलात्मने नमः, मं वह्निमण्डलाय दशकलात्मने
नमः, सं सत्त्वाय, रं रजसे, तं तमसे, आं आत्मने, अं
अन्तरात्मने, पं परमात्मने, ह्रीं ज्ञानात्मने ।
सर्वत्र नमः, इत्यन्तं विन्यस्य हृत्पद्मस्य पूर्वादिकेशरेषु
तत्तत्कल्पोक्त पीठशक्तीर्मध्ये पीठमनुञ्च न्यसेत्
॥ ६४ ॥

P2-0082 · 77

IAST
hṛdayādiṣu vinyasyedaṅgamantrāṃstataḥ sudhīḥ |
hṛdayāya namaḥ pūrva śirase vahnivallabhā |
śikhāyai vaṣaḍityuktaṃ kavacāya humīritam |
netratrayāya vauṣaṭ syādastrāya phaḍiti kramāt |
ṣaḍaṅgamantrānityuktān ṣaḍaṅgeṣu niyojayet
|| 77 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann soll der Einsichtige die Gliedermantras auf Herz und die übrigen Stellen legen. Zuerst: „hṛdayāya namaḥ – Verehrung dem Herzen“; dann „śirase svāhā – dem Kopf svāhā“; „śikhāyai vaṣaṭ – der Haarlocke vaṣaṭ“; „kavacāya huṃ – dem Schutzpanzer huṃ“; „netratrayāya vauṣaṭ – den drei Augen vauṣaṭ“; „astrāya phaṭ – der Waffe phaṭ“. Die auf diese Weise genannten sechs Gliedermantras werden den sechs Gliedern zugewiesen. „Geliebte des Feuers“ bezeichnet hier die Formel svāhā.

Devanagari
हृदयादिषु विन्यस्येदङ्गमन्त्रांस्ततः सुधीः ।
हृदयाय नमः पूर्व शिरसे वह्निवल्लभा ।
शिखायै वषडित्युक्तं कवचाय हुमीरितम् ।
नेत्रत्रयाय वौषट् स्यादस्त्राय फडिति क्रमात् ।
षडङ्गमन्त्रानित्युक्तान् षडङ्गेषु नियोजयेत्
॥ ७७ ॥

P2-0083 · 78

IAST
pañcāṅgāni manoyaṃtra tatra netramanuṃ tyajet |
iti śāradāvacanam
|| 78 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Wo ein Mantra fünf Glieder besitzt, soll man das Augenmantra weglassen. So lautet der Ausspruch der Śāradā. [„manoyaṃtra“ ist in der Vorlage verderbt; übersetzt ist der erkennbare Zusammenhang.]

Devanagari
पञ्चाङ्गानि मनोयंत्र तत्र नेत्रमनुं त्यजेत् ।
इति शारदावचनम्
॥ ७८ ॥

P2-0089 · 84

IAST
tataḥ pīṭhapūjā |
pīṭhasyottare gurupaṃktīḥ pūjayet |
yathā :
vāyavyādīśaparyantaṃ oṃ gurubhyo namaḥ, oṃ paramagurubhyo namaḥ,
oṃ parāparagurubhyo namaḥ, oṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ
|| 84 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann folgt die Verehrung des Sitzes. Nördlich des Sitzes soll man die Reihen der Gurus verehren, und zwar vom Nordwesten bis zum Nordosten: „oṃ gurubhyo namaḥ – Oṃ, Verehrung den Gurus“; „oṃ paramagurubhyo namaḥ – Verehrung den höchsten Gurus“; „oṃ parāparagurubhyo namaḥ – Verehrung den höheren und niederen Gurus“; „oṃ parameṣṭhigurubhyo namaḥ – Verehrung den Gurus der höchsten Stufe“.

Devanagari
ततः पीठपूजा ।
पीठस्योत्तरे गुरुपंक्तीः पूजयेत् ।
यथा :
वायव्यादीशपर्यन्तं ॐ गुरुभ्यो नमः, ॐ परमगुरुभ्यो नमः,
ॐ परापरगुरुभ्यो नमः, ॐ परमेष्ठिगुरुभ्यो नमः
॥ ८४ ॥

P2-0093 · 88

IAST
pūrvādi - diṅniyamastu yāmale:
pūjyapūjakayormadhyaṃ prācīti kīrttyate budhaiḥ |
taddakṣiṇaṃ dakṣiṇaṃ syāduttaraṃ cottaraṃ smṛtam |
pṛṣṭhantu paścimaṃ jñeyaṃ sarvatraiva prayojayet |
spaṣṭamāha śāmvavīye:
svasammukhaṃ bhavetprāco devīpṛṣṭhantu paścimam |
savyañca dakṣiṇaṃ vidyāddakṣiṇañcottaraṃ matam
|| 88 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Die Bestimmung der Richtungen, beginnend mit Osten, lautet im Yāmala: Die Weisen nennen den Raum zwischen der verehrten Gottheit und dem Verehrenden „Osten“. Rechts davon liegt Süden; Norden wird als Norden bezeichnet; hinter dem Verehrenden liegt Westen. Dies soll man überall anwenden. Deutlicher heißt es im Śāmbhavīya: Die eigene Vorderseite ist Osten, der Rücken der Göttin Westen; ihre linke Seite gilt als Süden, ihre rechte als Norden. [Die Bezugspunkte wechseln im Wortlaut; die letzte Zuordnung wird vom Standpunkt der gegenüberstehenden Göttin aus wiedergegeben.]

Devanagari
पूर्वादि - दिङ्नियमस्तु यामले:
पूज्यपूजकयोर्मध्यं प्राचीति कीर्त्त्यते बुधैः ।
तद्दक्षिणं दक्षिणं स्यादुत्तरं चोत्तरं स्मृतम् ।
पृष्ठन्तु पश्चिमं ज्ञेयं सर्वत्रैव प्रयोजयेत् ।
स्पष्टमाह शाम्ववीये:
स्वसम्मुखं भवेत्प्राचो देवीपृष्ठन्तु पश्चिमम् ।
सव्यञ्च दक्षिणं विद्याद्दक्षिणञ्चोत्तरं मतम्
॥ ८८ ॥

P2-0095 · 90

IAST
aviśeṣe yantraniyamastu matsyasūkte:
anuktakalpe yantrantu likhetpadmaṃ dalāṣṭakam |
ṣaṭkoṇakarṇikaṃ tatra vedadvāropaśobhitam
|| 90 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Wenn keine besondere Angabe vorliegt, lautet die Yantraregel im Matsyasūkta: Wird das Yantra im Ritualtext nicht beschrieben, soll man einen Lotus mit acht Blütenblättern zeichnen. Sein Zentrum hat sechs Ecken; er ist mit vier Toren geschmückt.

Devanagari
अविशेषे यन्त्रनियमस्तु मत्स्यसूक्ते:
अनुक्तकल्पे यन्त्रन्तु लिखेत्पद्मं दलाष्टकम् ।
षट्कोणकर्णिकं तत्र वेदद्वारोपशोभितम्
॥ ९० ॥

P2-0097 · 92

IAST
āvāhane tu viśeṣo yathā āgamakalpadrume:
mūlamantraṃ samuccārya suṣumnāvartmanā sudhīḥ |
ānīya tejaḥ svasthānānnasikārandhranirgatam |
karasthamātṛkāmbhoje caitanyaṃ puṣpasañcaye |
saṃyojya - yantramadhye tatsaṃsthāpyāvāhayettataḥ
|| 92 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Für die Anrufung gilt eine besondere Regel, wie im Āgamakalpadruma beschrieben: Nachdem der Einsichtige das Grundmantra ausgesprochen hat, führt er den Lichtglanz von seinem eigenen Ort durch den Weg der Suṣumnā herbei und durch die Nasenöffnung hinaus. Er verbindet das Bewusstsein mit der Ansammlung von Blumen im Mātṛkā-Lotus seiner Hand, setzt es in die Mitte des Yantras und ruft dann die Gottheit an.

Devanagari
आवाहने तु विशेषो यथा आगमकल्पद्रुमे:
मूलमन्त्रं समुच्चार्य सुषुम्नावर्त्मना सुधीः ।
आनीय तेजः स्वस्थानान्नसिकारन्ध्रनिर्गतम् ।
करस्थमातृकाम्भोजे चैतन्यं पुष्पसञ्चये ।
संयोज्य - यन्त्रमध्ये तत्संस्थाप्यावाहयेत्ततः
॥ ९२ ॥

P2-0099 · 94

IAST
ṣoḍaśopacāraniyamastu:
āsanaṃ svāgataṃ pādyamarghyamācamanīyakam |
madhuparkācamanasnānavasanābharaṇāni ca |
sugandhasumanodhūpadīpanaṃvedyavandanam |
prayojayedarcanāyāmupacārastu ṣoḍaśaḥ
|| 94 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Die Regel der sechzehn Verehrungsgaben lautet: Sitz, Willkommensgruß, Wasser für die Füße, Arghya, Wasser zum Mundspülen, Honigtrank, erneutes Mundspülen, Bad, Gewand, Schmuck, Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung. Diese sechzehn Gaben soll man bei der Verehrung darbringen.

Devanagari
षोडशोपचारनियमस्तु:
आसनं स्वागतं पाद्यमर्घ्यमाचमनीयकम् ।
मधुपर्काचमनस्नानवसनाभरणानि च ।
सुगन्धसुमनोधूपदीपनंवेद्यवन्दनम् ।
प्रयोजयेदर्चनायामुपचारस्तु षोडशः
॥ ९४ ॥

P2-0100 · 95

IAST
athavā eṣāmapyabhāve pañcopacārān kalpayet |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcoparacārikā iti
|| 95 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Oder man soll, wenn auch diese Gaben fehlen, fünf Verehrungsgaben bereitstellen. Die Verehrung mit fünf Gaben reicht vom Duftstoff bis zur Speise: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise.

Devanagari
अथवा एषामप्यभावे पञ्चोपचारान् कल्पयेत् ।
गन्धादयो नैवेद्यान्ता पूजा पञ्चोपरचारिका इति
॥ ९५ ॥

P2-0104 · 99

IAST
tato mūrddhahṛdguhyapādasarvāṅgakeṣu mūlena
pañcapuṣpāñjalīna dattvā tattatkalpoktāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tathā ca:
pañcapuṣpāñjalīn dattvā parivārārcanaṃ carediti bhaṭṭaḥ |
tato dhūpadīpau dadyāt
|| 99 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann bringt man mit dem Grundmantra fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der verborgenen Stelle, an den Füßen und am ganzen Körper. Anschließend vollzieht man die Verehrung der umgebenden Gottheiten nach dem betreffenden Ritualtext. Dazu sagt Bhaṭṭa: „Nachdem man fünf Handvoll Blumen gegeben hat, vollziehe man die Verehrung des Gefolges.“ Danach soll man Räucherwerk und Licht darbringen.

Devanagari
ततो मूर्द्धहृद्गुह्यपादसर्वाङ्गकेषु मूलेन
पञ्चपुष्पाञ्जलीन दत्त्वा तत्तत्कल्पोक्तावरणपूजां कुर्यात् ।
तथा च:
पञ्चपुष्पाञ्जलीन् दत्त्वा परिवारार्चनं चरेदिति भट्टः ।
ततो धूपदीपौ दद्यात्
॥ ९९ ॥

P2-0106 · 1

IAST
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, naivedyamānīya, phaḍiti
samprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
dhunumudrayā amṛtīkṛtya, mūlamuccārya naivedyaṃ dadyāt |
yattoyamadhyaṃpātrasya tadādāya nivedayet |
anyatoyairyadutsṛṣṭamarghyapātrasthitetaraiḥ |
na gṛhṇāti mahādevo dattaṃ vidhiśatairapi |
iti vacanādupārānarghyapātrasthalenotsṛjya dadyāt
|| 1 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann gibt man mit dem Grundmantra drei Handvoll Blumen, bringt die Speise herbei, besprengt sie mit „phaṭ“, schützt sie durch die Cakramudrā, wiederholt das Grundmantra achtmal über ihr, verwandelt sie mit der Dhenumudrā in Nektar und reicht sie unter Aussprechen des Grundmantras dar. Man soll das Wasser aus dem Arghyagefäß nehmen und damit die Gabe weihen. Wird sie mit anderem Wasser geweiht, das sich nicht im Arghyagefäß befindet, nimmt Mahādeva sie selbst bei hundert vorgeschriebenen Verfahren nicht an. Nach diesem Ausspruch soll man die Verehrungsgaben mit dem Wasser des Arghyagefäßes weihen und darbringen. [„dhunumudrayā“ und die abschließende Prosa sind fehlerhaft überliefert; die erkennbare Dhenumudrā und die Weihung mit Arghyawasser bestimmen den Sinn.]

Devanagari
ततो मूलेन पुष्पाञ्जलित्रयं दत्त्वा, नैवेद्यमानीय, फडिति
सम्प्रोक्ष्य, चक्रमुद्रया अभिरक्ष्य, तदुपरि मूलमष्टधा जप्त्वा
धुनुमुद्रया अमृतीकृत्य, मूलमुच्चार्य नैवेद्यं दद्यात् ।
यत्तोयमध्यंपात्रस्य तदादाय निवेदयेत् ।
अन्यतोयैर्यदुत्सृष्टमर्घ्यपात्रस्थितेतरैः ।
न गृह्णाति महादेवो दत्तं विधिशतैरपि ।
इति वचनादुपारानर्घ्यपात्रस्थलेनोत्सृज्य दद्यात्
॥ १ ॥

P2-0107 · 2

IAST
tataḥ punarācamanīyaṃ dattvā tāmbūlādīn dadyāt |
vaiṣṇave tu naivedye viśeṣo vaktravyaḥ
|| 2 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Danach soll man erneut Wasser zum Mundspülen und anschließend Betel und die übrigen Gaben reichen. Bei Viṣṇu ist eine besondere Regel für die Speisegabe zu beschreiben.

Devanagari
ततः पुनराचमनीयं दत्त्वा ताम्बूलादीन् दद्यात् ।
वैष्णवे तु नैवेद्ये विशेषो वक्त्रव्यः
॥ २ ॥

P2-0109 · 4

IAST
dāne tu:
ādau mūlaṃ tato dravyollekhaḥ tataḥ sampradānaṃ
tatastyāgārthavaṃ padamiti sarvatra |
tathā ca kulārṇave:
ādau mūlaṃ samuccaryaṃ paścāddeyaṃ samuccaret |
sampradānaṃ tadante tu tyāgārthakapadantataḥ |
evaṃ krameṇa deveśi upacārānprakalpayet |
mantrāte karmasannipāta iti nyāyāt
|| 4 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Beim Darbringen gilt überall: zuerst das Grundmantra, dann die Benennung der Gabe, danach der Empfänger und schließlich das Wort, das die Hingabe ausdrückt. Dazu heißt es im Kulārṇava: Zuerst spricht man das Grundmantra aus, danach die darzubringende Gabe, am Ende nennt man den Empfänger und anschließend das die Hingabe ausdrückende Wort. Herrin der Götter, in dieser Reihenfolge soll man die Verehrungsgaben darbringen. Dies entspricht dem Grundsatz, dass die Handlung am Ende des Mantras zusammentrifft.

Devanagari
दाने तु:
आदौ मूलं ततो द्रव्योल्लेखः ततः सम्प्रदानं
ततस्त्यागार्थवं पदमिति सर्वत्र ।
तथा च कुलार्णवे:
आदौ मूलं समुच्चर्यं पश्चाद्देयं समुच्चरेत् ।
सम्प्रदानं तदन्ते तु त्यागार्थकपदन्ततः ।
एवं क्रमेण देवेशि उपचारान्प्रकल्पयेत् ।
मन्त्राते कर्मसन्निपात इति न्यायात्
॥ ४ ॥

P2-0110 · 5

IAST
tataśculūkodakamādāya oṃ itaḥ pūrvaṃ
prāṇabuddhidehadharmākārato jāgratsvapnasuṣuptyavasthāsu manasā
vācā hastābhyāṃ padbhyāmudareṇa śiśnā yatsmṛtaṃ yaduktaṃ
yatkṛtaṃ tatsarvaṃ brahmārpaṇaṃ bhavatu svāhā, māṃ madīyaṃ
sakalaṃ samyagamukadevatāyai samarpayet oṃ tatsat |
namaskārānantaraṃ vā
|| 5 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann nimmt man eine Handvoll Wasser und spricht: „Oṃ. Alles, was ich zuvor durch die Tätigkeiten von Lebenskraft, Verstand und Körper im Wachen, Träumen und tiefen Schlaf mit Geist, Sprache, Händen, Füßen, Bauch und Geschlechtsorgan gedacht, gesprochen oder getan habe – all das sei dem Brahman dargebracht. Svāhā. Mich selbst und alles, was mir gehört, bringe ich vollständig der Gottheit [Name] dar. Oṃ tat sat.“ Dies kann auch nach der Verneigung geschehen.

Devanagari
ततश्चुलूकोदकमादाय ॐ इतः पूर्वं
प्राणबुद्धिदेहधर्माकारतो जाग्रत्स्वप्नसुषुप्त्यवस्थासु मनसा
वाचा हस्ताभ्यां पद्भ्यामुदरेण शिश्ना यत्स्मृतं यदुक्तं
यत्कृतं तत्सर्वं ब्रह्मार्पणं भवतु स्वाहा, मां मदीयं
सकलं सम्यगमुकदेवतायै समर्पयेत् ॐ तत्सत् ।
नमस्कारानन्तरं वा
॥ ५ ॥

P2-0111 · 6

IAST
tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]

Devanagari
ततोऽष्टोत्तरसहस्रं शतं वा जप्त्वा ॐ गुह्यतिगुह्यागोप्ता त्वं
गृहणस्मत्कृतं जपम् ।
सिद्धिर्भवतु मे देव त्वत्प्रसादात्त्वयि स्थिते ।
अन्यत्र गोप्त्री देवीति विशेषः ।
इति जपं समर्प्यं स्तुत्वा नत्वाऽष्टाङ्गप्रमाणं कुर्यात्
॥ ६ ॥

P2-0120 · 15

IAST
tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.

Devanagari
ततो देवताङ्गे आवरणदेवता निलाप्य, क्षमस्वेति विसर्जनं कृत्वा,
संहारमुद्रया तत्तेजः पुष्पैः सार्द्धमाघ्राय
स्वहृदयमानयेत् ।
(पुरश्चरणचन्द्रिकायाम्:
क्षमस्वेति वदन्मूमन्त्रेण व्यापकं त्रिश इति
वचनात्विसर्जनान्तरं व्यापकं कुर्यात् ।)
तथा च:
निधाय देवतां पश्चात्स्वीयहृत्सरसीरुहे ।
सुषुम्नावर्त्मना पुष्पमाघ्रायोद्वासयेत्ततः
॥ १५ ॥

P2-0121 · 16

IAST
tataḥ aiśānṇāṃ trikoṇamaṇḍale kṛtvā nirmālyaśeṣaṃ dadyāt |
viṣṇau tu:
oṃ viśvaksenāya namaḥ |
śaktau oṃ śeṣikāyai namaḥ |
śive:
oṃ caṇḍeśvarāya namaḥ |
sūrye:
oṃ tejaścaṇḍāya namaḥ |
gaṇeśe oṃ ucchiṣṭagaṇeśāya namaḥ |
kālikādau:
oṃ ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ |
tathā ca:
viśvaksenaḥ smṛto viṣṇostejaścaṇḍo vivasvata ityādi
|| 16 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Danach zeichnet man im Nordosten ein dreieckiges Maṇḍala und reicht dort den verbliebenen Rest der Opfergaben. Bei Viṣṇu spricht man „oṃ viśvaksenāya namaḥ – Oṃ, Verehrung Viśvaksena“; bei Śakti „oṃ śeṣikāyai namaḥ – Verehrung Śeṣikā“; bei Śiva „oṃ caṇḍeśvarāya namaḥ – Verehrung Caṇḍeśvara“; bei Sūrya „oṃ tejaścaṇḍāya namaḥ – Verehrung Tejaścaṇḍa“; bei Gaṇeśa „oṃ ucchiṣṭagaṇeśāya namaḥ – Verehrung Ucchiṣṭagaṇeśa“; bei Kālikā und entsprechenden Göttinnen „oṃ ucchiṣṭacāṇḍālinyai namaḥ – Verehrung Ucchiṣṭacāṇḍālinī“. Dazu heißt es: Für Viṣṇu wird Viśvaksena genannt, für Vivasvat, den Sonnengott, Tejaścaṇḍa, und entsprechend weiter.

Devanagari
ततः ऐशान्णां त्रिकोणमण्डले कृत्वा निर्माल्यशेषं दद्यात् ।
विष्णौ तु:
ॐ विश्वक्सेनाय नमः ।
शक्तौ ॐ शेषिकायै नमः ।
शिवे:
ॐ चण्डेश्वराय नमः ।
सूर्ये:
ॐ तेजश्चण्डाय नमः ।
गणेशे ॐ उच्छिष्टगणेशाय नमः ।
कालिकादौ:
ॐ उच्छिष्टचाण्डालिन्यै नमः ।
तथा च:
विश्वक्सेनः स्मृतो विष्णोस्तेजश्चण्डो विवस्वत इत्यादि
॥ १६ ॥

P1-0515 · 19

IAST
svavāme trikoṇamaṇḍalaṃ kṛtvā, tadupari
tripadikāmāropya, phaḍiti śaṅkhaṃ prakṣālya tadupari saṃsthāpya
| namaḥ iti mantreṇa gandhapuṣpākṣatadūrvādi tatra nikṣipya
vimalajalena | vilomamātṛkayā mūlena ca pūjayet |
yathā : kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ
maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ
ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ
kaṃ aḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ
āṃ aṃ ityanena
|| 19 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Man zeichne links von sich ein dreieckiges Maṇḍala, setze einen Dreifuß darauf, wasche die Muschel mit phaṭ und stelle sie darauf. Mit namaḥ gebe man Duftstoff, Blüten, ungebrochene Reiskörner, Dūrvā und weitere Stoffe hinein. Mit reinem Wasser, der rückläufigen Mātṛkā und dem Grundmantra verehre man sie. Die rückläufige Lautfolge lautet: kṣaṃ laṃ haṃ saṃ ṣaṃ śaṃ vaṃ laṃ raṃ yaṃ maṃ bhaṃ baṃ phaṃ paṃ naṃ dhaṃ daṃ thaṃ taṃ ṇaṃ ḍhaṃ ḍaṃ ṭhaṃ ṭaṃ ñaṃ jhaṃ jaṃ chaṃ caṃ ṅaṃ ghaṃ gaṃ khaṃ kaṃ aḥ aṃ auṃ oṃ aiṃ eṃ ḹṃ ḷṃ ṝṃ ṛṃ ūṃ uṃ īṃ iṃ āṃ aṃ. [Die Laute sind als Rezitationsfolge wiedergegeben; sie besitzen hier keine einzeln übersetzbare Wortbedeutung.]

Devanagari
स्ववामे त्रिकोणमण्डलं कृत्वा, तदुपरि
त्रिपदिकामारोप्य, फडिति शङ्खं प्रक्षाल्य तदुपरि संस्थाप्य
। नमः इति मन्त्रेण गन्धपुष्पाक्षतदूर्वादि तत्र निक्षिप्य
विमलजलेन । विलोममातृकया मूलेन च पूजयेत् ।
यथा : क्षं लं हं सं षं शं वं लं रं यं
मं भं बं फं पं नं धं दं थं तं णं ढं
डं ठं टं ञं झं जं छं चं ङं घं गं खं
कं अः अं औं ॐ ऐं एं ॡं ऌं ॠं ऋं ऊं उं ईं इं
आं अं इत्यनेन
॥ १९ ॥

P1-0516 · 20

IAST
maṃ vahnimaṇḍalāya daśakātmane namaḥ
iti tripadikāyāṃ, aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ
iti śaṅkhe, uṃ somamaṇḍalāya ṣoḍaśakalātmane namaḥ iti jale
sampūjya, oṃ gaṅge ca yamune caiva godāvari sarasvati | marmade
sindhukāveri jale'sminsannidhiṃ kuru | ityanenāṃkuśamudrayā
sūryamaṇḍalāttīrthāṇyāvāhya amuki ihāvaha iha tiṣṭha iti
svahṛdayāddevatāṃ tatrāvāhya, huṃ iti tarjanībhyāmavaguṇṭhya,
vaṣaḍiti gālinīmudrāṃ pradarśya, vauṣaḍiti tajjalaṃ vīkṣya,
punaraṅgamantraiḥ sakalīkṛtya, gandhapuṣpābhyāṃ namaḥ iti tatra
devatāṃ sampūjya, tadupari matsyamudrayā ācchādya,
mūlamantramaṣṭadhā japet || 19 ka ||
tathā ca gautamīye : gandhapuṣpaiḥ samabhyarcya
kṛṣṇākhyaṃ tatra yojayet | aṣṭakṛtvo japenmantraṃ śikhayā
gālinīṃ nyaset | atra kṛṣṇapadaṃ tattaddevatāparam
|| 20 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Am Dreifuß verehre man mit „Maṃ. Dem Feuerkreis, dessen Wesen zehn Kalās sind, sei Verehrung“, an der Muschel mit „Aṃ. Dem Sonnenkreis, dessen Wesen zwölf Kalās sind, sei Verehrung“, im Wasser mit „Uṃ. Dem Mondkreis, dessen Wesen sechzehn Kalās sind, sei Verehrung“. Mit der Aṅkuśa-Mudrā rufe man die heiligen Wasser aus dem Sonnenkreis herbei: „Oṃ. O Gaṅgā und Yamunā, Godāvarī, Sarasvatī, Narmadā, Sindhu und Kāverī, macht euch in diesem Wasser gegenwärtig.“ [Die Vorlage hat marmade statt narmade.] Aus dem eigenen Herzen rufe man die Gottheit herbei: „O [Name], komm hierher, bleibe hier.“ Mit huṃ verhülle man durch die beiden Zeigefinger, mit vaṣaṭ zeige man die Gālinī-Mudrā, mit vauṣaṭ blicke man auf das Wasser, vervollständige die Gegenwart mit den Gliedmantras und verehre die Gottheit dort mit Duftstoff und Blüten unter namaḥ. Man bedecke sie mit der Matsya-Mudrā und rezitiere den Grundmantra achtmal. [Eingeschobene Originalnummer 19 ka.] So im Gautamīya: Man verehre mit Duftstoff und Blüten, setze Kṛṣṇa dort ein, rezitiere den Mantra achtmal und zeige mit der Śikhā-Formel die Gālinī-Mudrā. „Kṛṣṇa“ bezeichnet hier die jeweils verehrte Gottheit.

Devanagari
मं वह्निमण्डलाय दशकात्मने नमः
इति त्रिपदिकायां, अं सूर्यमण्डलाय द्वादशकलात्मने नमः
इति शङ्खे, उं सोममण्डलाय षोडशकलात्मने नमः इति जले
सम्पूज्य, ॐ गङ्गे च यमुने चैव गोदावरि सरस्वति । मर्मदे
सिन्धुकावेरि जलेऽस्मिन्सन्निधिं कुरु । इत्यनेनांकुशमुद्रया
सूर्यमण्डलात्तीर्थाण्यावाह्य अमुकि इहावह इह तिष्ठ इति
स्वहृदयाद्देवतां तत्रावाह्य, हुं इति तर्जनीभ्यामवगुण्ठ्य,
वषडिति गालिनीमुद्रां प्रदर्श्य, वौषडिति तज्जलं वीक्ष्य,
पुनरङ्गमन्त्रैः सकलीकृत्य, गन्धपुष्पाभ्यां नमः इति तत्र
देवतां सम्पूज्य, तदुपरि मत्स्यमुद्रया आच्छाद्य,
मूलमन्त्रमष्टधा जपेत् ॥ १९ क ॥
तथा च गौतमीये : गन्धपुष्पैः समभ्यर्च्य
कृष्णाख्यं तत्र योजयेत् । अष्टकृत्वो जपेन्मन्त्रं शिखया
गालिनीं न्यसेत् । अत्र कृष्णपदं तत्तद्देवतापरम्
॥ २० ॥

P1-0517 · 21

IAST
tato vamiti
mantreṇa dhenumudrāṃ pradarśyāstreṇa saṃrakṣya
tasmātkiñcijjalaṃ prokṣaṇīpātre nikṣipya tenodakenātmānaṃ
pūjopakaraṇañca mūlena trirabhyukṣya pīṭhanyāsakrameṇa śarīre
dharmādīnpūjayet
|| 21 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Danach zeige man mit vaṃ die Dhenu-Mudrā, schütze mit dem Waffenmantra und gieße etwas Wasser in das Besprengungsgefäß. Mit diesem Wasser und dem Grundmantra besprenge man sich und die Verehrungsgeräte dreimal. Nach der Reihenfolge des Pīṭha-Nyāsa verehre man Dharma und die übrigen Kräfte im Körper.

Devanagari
ततो वमिति
मन्त्रेण धेनुमुद्रां प्रदर्श्यास्त्रेण संरक्ष्य
तस्मात्किञ्चिज्जलं प्रोक्षणीपात्रे निक्षिप्य तेनोदकेनात्मानं
पूजोपकरणञ्च मूलेन त्रिरभ्युक्ष्य पीठन्यासक्रमेण शरीरे
धर्मादीन्पूजयेत्
॥ २१ ॥

P1-0536 · 40

IAST
tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.

Devanagari
तसा० ४
अथा : मूलमन्त्रमुच्चरन् अमुक इहागच्छ इहागच्छ इह
तिष्ठ इह तिष्ठ इह सन्निधेहि इह सन्निधेहि इह सन्निरुध्यस्व
इत्यावाहनादिकं कृत्वा, हुं इत्यवगुण्ठ्य, देवताङ्गे
षडङ्गन्यासं कृत्वा, वमिति धेनुमुद्रया अमृतीकृत्य,
परमीकरणमुद्रया परमीकुर्यात् । ततः प्राणप्रतिष्ठां
कृत्वा षोडशोपचारैः पूजयेत् ॥ ३९ क ॥
यथा : मूलमुच्चार्य इदमासनं अमुकदेवतायै नमः,
अमुकदेव स्वागतन्ते इति स्वागतम् । ततो मूलमुच्चार्य एतत्पाद्यं
अमुकदेवतायै नमः इति पादाम्बुजे दद्यात् ।
एतत्श्यामादूर्वाब्जविष्णुक्रान्ताभिरीतम् । अर्घ्यं
अमुकदेवतायै स्वाहा इति
गन्धपुष्पाक्षतयवकुशाग्रतिलसर्षपदूर्वात्मकमर्घ्यं
शिरसि दद्यात् । वैष्णवे तु अर्घ्यादिक्रमेणैव देयमिति वदन्ति । ततो
मूलमुच्चार्य इदमाचमनीयं अमुकदेवतायै स्वधा इति
जातीलवङ्गकक्कोलात्मकमाचमनीयं वदने दद्यात् ।
स्वधामन्त्रेण वदने दद्यादाचमनीयकं इत्यत्रसुधापाठं
कुर्वन्तः सुधाशब्दस्यामृतवाचकत्वादमृतवाचकशब्दाद्य
जलवाचकत्वादिदमाचमनीयं वमिति वदन्ति
॥ ४० ॥

P1-0539 · 43

IAST
ājyaṃ
dadhimadhūnmiśraṃ madhuparkaṃ vidurbudhāḥ | evaṃ
punarācamanīyaṃ svadheti | tataḥ snānīyaṃ nivedayāmi, tato
vastrayajñopavītāni dadyāt | tataḥ ābharaṇaṃ namaḥ, eṣa gandhe
namaḥ, sa ca gandhaścandanakarpūrakālāgurubhirītaḥ
|| 43 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Die Verständigen kennen Madhuparka als Mischung von Ghī, Joghurt und Honig. Danach erneut Mundwasser mit svadhā, dann „Ich bringe Badewasser dar“; anschließend Kleider und Opferfäden. Dann „Schmuck, Verehrung“, „Dieser Duftstoff, Verehrung“. Der Duftstoff besteht aus Sandelholz, Kampfer und schwarzem Adlerholz.

Devanagari
आज्यं
दधिमधून्मिश्रं मधुपर्कं विदुर्बुधाः । एवं
पुनराचमनीयं स्वधेति । ततः स्नानीयं निवेदयामि, ततो
वस्त्रयज्ञोपवीतानि दद्यात् । ततः आभरणं नमः, एष गन्धे
नमः, स च गन्धश्चन्दनकर्पूरकालागुरुभिरीतः
॥ ४३ ॥

P1-0540 · 44

IAST
tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.

Devanagari
ततो
मन्त्रपुटितमातृकावर्णेन तत्तन्न्यासस्थानानि पूजयित्वा एतानि
पुष्पाणि वौषट् इति । सर्वत्र दाने मूलमन्त्रोच्चारणम्
॥ ४४ ॥

P2-0388 · 80

IAST
phalastu tatraiva:
tattvanyāsaṃ tataḥ kuryātsādhakaḥ siddhihetave |
kṛtena yena devasya rūpatāmeva yātyasau |
tato yathāvidhi prāṇāyāmaṃ kṛtvā pīṭhanyāsaṃ vidhāya keśareṣu
pūrvādi prādakṣiṇyena madhye ca oṃ vimalāyai namaḥ evaṃ
utkarṣiṇyai jñānāyai kriyāyai yogāyai prahvyai satyāyai īśānāyai
anugrahāyai |
tadupari oṃ namo viṣnave bhagavate sarvabhūtātmane vāsudevāya
sarvātmasaṃyogayogapadmapīṭhātmane namaḥ
|| 80 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Die Frucht wird dort so beschrieben: Zur Erlangung der Vollendung soll der Praktizierende den Tattvanyāsa ausführen. Durch seine Ausführung erlangt er die Gestalt des Gottes selbst. Dann vollzieht man vorschriftsmäßig die Atemregelung und den Sitznyāsa. Auf den Staubfäden, im Osten beginnend im Uhrzeigersinn, und in der Mitte verehrt man mit oṃ und namaḥ Vimalā, Utkarṣiṇī, Jñānā, Kriyā, Yogā, Prahvī, Satyā, Īśānā und Anugrahā. Darüber spricht man „oṃ namo viṣṇave bhagavate sarvabhūtātmane vāsudevāya sarvātmasaṃyogayogapadmapīṭhātmane namaḥ – Oṃ, Verehrung Viṣṇu, dem Erhabenen, dem Selbst aller Wesen, Vāsudeva, dessen Wesen der Yogalotussitz der Vereinigung aller Selbste ist“.

Devanagari
फलस्तु तत्रैव:
तत्त्वन्यासं ततः कुर्यात्साधकः सिद्धिहेतवे ।
कृतेन येन देवस्य रूपतामेव यात्यसौ ।
ततो यथाविधि प्राणायामं कृत्वा पीठन्यासं विधाय केशरेषु
पूर्वादि प्रादक्षिण्येन मध्ये च ॐ विमलायै नमः एवं
उत्कर्षिण्यै ज्ञानायै क्रियायै योगायै प्रह्व्यै सत्यायै ईशानायै
अनुग्रहायै ।
तदुपरि ॐ नमो विष्नवे भगवते सर्वभूतात्मने वासुदेवाय
सर्वात्मसंयोगयोगपद्मपीठात्मने नमः
॥ ८० ॥

P2-0389 · 81

IAST
tathā ca nibandhe:
vimalotkarṣiṇī jñānā kriyā yogā ca śaktayaḥ |
prahvī satyā tatheśānānugrahā navamī smṛtā
|| 81 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Im Nibandha heißt es: Vimalā, Utkarṣiṇī, Jñānā, Kriyā, Yogā, Prahvī, Satyā, Īśānā und als neunte Anugrahā sind die Kräfte.

Devanagari
तथा च निबन्धे:
विमलोत्कर्षिणी ज्ञाना क्रिया योगा च शक्तयः ।
प्रह्वी सत्या तथेशानानुग्रहा नवमी स्मृता
॥ ८१ ॥

P2-0390 · 82

IAST
pīṭhamantroccāraṇamāha:
namo bhagavate brūyādviṣṇave'tha padaṃ vadet |
sarvabhūtātmane vāsudevāyeti vadettataḥ ||
sarvātmasaṃyogapadādyogapadmapadaṃ tataḥ |
pīṭhātmane hṛdanto'yaṃ mantrastārādiko hareḥ
|| 82 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Die Aussprache des Sitzmantras wird erklärt: Man sagt „namo bhagavate“, dann „viṣṇave“, „sarvabhūtātmane vāsudevāya“, „sarvātmasaṃyoga“, „yogapadma“ und „pīṭhātmane“, mit der Herzformel am Schluss. Dieses mit Tārā beginnende Mantra gehört Hari. [Die Reihenfolge von bhagavate und viṣṇave weicht von der vorangehenden Prosa ab.]

Devanagari
पीठमन्त्रोच्चारणमाह:
नमो भगवते ब्रूयाद्विष्णवेऽथ पदं वदेत् ।
सर्वभूतात्मने वासुदेवायेति वदेत्ततः ॥
सर्वात्मसंयोगपदाद्योगपद्मपदं ततः ।
पीठात्मने हृदन्तोऽयं मन्त्रस्तारादिको हरेः
॥ ८२ ॥

P2-0405 · 97

IAST
naivedyadāne tu tatra:
svarṇe vā tāmrapātre vā raupye vā paṅkaje dale ityādi |
bhaktikalpadrume:
hairaṇyaṃ rājataṃ kāṃsyaṃ tāmraṃ mṛṇmayameva vā |
pālāśaṃ śrīhareḥ pātraṃ naivedyaṃ kalpayedbudhaḥ |
tathā ca puraścaraṇacandrikāyām:
sauvarṇe rājate raupye ityādi
|| 97 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Über die Speisedarbringung heißt es dort: in einem goldenen, kupfernen oder silbernen Gefäß oder auf einem Lotusblatt. Im Bhaktikalpadruma: Der Einsichtige soll ein goldenes, silbernes, bronzenes, kupfernes, irdenes oder aus Palāśablättern bestehendes Gefäß für Śrīharis Speisegabe bereitstellen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es entsprechend: in einem goldenen, silbernen und „raupya“-Gefäß, und weiter. [Rājata und raupya bezeichnen beide Silber; die Wiederholung steht so in der Vorlage.]

Devanagari
नैवेद्यदाने तु तत्र:
स्वर्णे वा ताम्रपात्रे वा रौप्ये वा पङ्कजे दले इत्यादि ।
भक्तिकल्पद्रुमे:
हैरण्यं राजतं कांस्यं ताम्रं मृण्मयमेव वा ।
पालाशं श्रीहरेः पात्रं नैवेद्यं कल्पयेद्बुधः ।
तथा च पुरश्चरणचन्द्रिकायाम्:
सौवर्णे राजते रौप्ये इत्यादि
॥ ९७ ॥

P2-0406 · 98

IAST
tataḥ sāmānyapīṭhapūjānantaraṃ vimalādiśaktisahitapīṭhapūjāṃ
kṛtvā, punardhyātvā, mūlena
kalpitamūrttāvāvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ vidhāya
āvaraṇapūjāmārabhet |
tadyathā:
agnikoṇe oṃ kruddholkāya hṛdayāya namaḥ |
nair-ṛte maholkāya śirase svāhā |
vāyukoṇe vīrolkāya śikhāyai vaṣaṭ |
īśāne atyulkāya kavacāya huṃ |
dikṣu sahasrolkāya astrāya phaṭ |
tataḥ keśareṣu pūrvādi oṃ namaḥ, naṇ namaṃ, moṃ namaḥ, nāṃ
namaḥ, rāṃ namaḥ, yaṃ namaḥ, ṇāṃ namaḥ, yaṃ namaḥ |
tato daleṣu pūrvādidikṣu oṃ vāsubevāya namaḥ, oṃ saṅkarṣaṇāya
namaḥ, oṃ prādyumnāya namaḥ, oṃ aniruddhāya namaḥ |
āgneyādikoṇadaleṣu oṃ śāntyai namaḥ, evaṃ śriyai, sarasvatyai, ratyai
|| 98 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Nach der allgemeinen Sitzverehrung verehrt man den mit Vimalā und den weiteren Kräften versehenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht in der mit dem Grundmantra gebildeten Gestalt die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung: im Südosten „oṃ kruddholkāya hṛdayāya namaḥ“; im Südwesten „maholkāya śirase svāhā“; im Nordwesten „vīrolkāya śikhāyai vaṣaṭ“; im Nordosten „atyulkāya kavacāya huṃ“; in den Richtungen „sahasrolkāya astrāya phaṭ“. Auf den Staubfäden, im Osten beginnend, setzt man oṃ, naṃ, moṃ, nāṃ, rāṃ, yaṃ, ṇāṃ und yaṃ, jeweils mit namaḥ. Auf den Blättern der Hauptrichtungen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna und Aniruddha; auf den Eckblättern, im Südosten beginnend, Śānti, Śrī, Sarasvatī und Rati. [„naṇ namaṃ“ ist in der Vorlage beschädigt; der Laut naṃ wird durch die vollständige Mantraliste gestützt.]

Devanagari
ततः सामान्यपीठपूजानन्तरं विमलादिशक्तिसहितपीठपूजां
कृत्वा, पुनर्ध्यात्वा, मूलेन
कल्पितमूर्त्तावावाहनादिपञ्चपुष्पाञ्जलिदानपर्यन्तं विधाय
आवरणपूजामारभेत् ।
तद्यथा:
अग्निकोणे ॐ क्रुद्धोल्काय हृदयाय नमः ।
नैर्-ऋते महोल्काय शिरसे स्वाहा ।
वायुकोणे वीरोल्काय शिखायै वषट् ।
ईशाने अत्युल्काय कवचाय हुं ।
दिक्षु सहस्रोल्काय अस्त्राय फट् ।
ततः केशरेषु पूर्वादि ॐ नमः, नण् नमं, मों नमः, नां
नमः, रां नमः, यं नमः, णां नमः, यं नमः ।
ततो दलेषु पूर्वादिदिक्षु ॐ वासुबेवाय नमः, ॐ सङ्कर्षणाय
नमः, ॐ प्राद्युम्नाय नमः, ॐ अनिरुद्धाय नमः ।
आग्नेयादिकोणदलेषु ॐ शान्त्यै नमः, एवं श्रियै, सरस्वत्यै, रत्यै
॥ ९८ ॥

P2-0407 · 98ka

IAST
tato'ṣṭadalāgreṣu pūrvādidikṣu oṃ cakrāya namaḥ, evaṃ śaṅkhāya
gadāyai padmāya kostubhāya muṣalāya khaḍgāya vanamālāyai |
tadvahiragre oṃ garuḍāya namaḥ ; dakṣiṇe oṃ śaṅkhanidhaye; vāme oṃ
padmanidhaye; paścime oṃ dhvajāya; agnikoṇe oṃ vighnāya, nair-ṛte oṃ
āryāyai; vāyukoṇe oṃ durgāyai; īśāne oṃ senānyai |
namaḥ sarvatra |
tadbahirindrādīn vajrādīṃśca sampūjya dhūpadīpau dattvā,
naivedyaṃ dadyāt
|| 98ka ||

Vollständige deutsche Übersetzung
An den acht Blattspitzen, im Osten beginnend, verehrt man mit oṃ und namaḥ Rad, Muschel, Keule, Lotus, Kaustubha, Stößel, Schwert und Waldblumengirlande. Außen vorne Garuḍa, rechts den Muschelschatz, links den Lotusschatz, hinten das Banner; im Südosten Vighna, im Südwesten Āryā, im Nordwesten Durgā und im Nordosten Senānī. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Nach Räucherwerk und Licht bringt man die Speise dar.

Devanagari
ततोऽष्टदलाग्रेषु पूर्वादिदिक्षु ॐ चक्राय नमः, एवं शङ्खाय
गदायै पद्माय कोस्तुभाय मुषलाय खड्गाय वनमालायै ।
तद्वहिरग्रे ॐ गरुडाय नमः ; दक्षिणे ॐ शङ्खनिधये; वामे ॐ
पद्मनिधये; पश्चिमे ॐ ध्वजाय; अग्निकोणे ॐ विघ्नाय, नैर्-ऋते ॐ
आर्यायै; वायुकोणे ॐ दुर्गायै; ईशाने ॐ सेनान्यै ।
नमः सर्वत्र ।
तद्बहिरिन्द्रादीन् वज्रादींश्च सम्पूज्य धूपदीपौ दत्त्वा,
नैवेद्यं दद्यात्
॥ ९८क ॥

P2-0408 · 99

IAST
tadyathā:
naivedyamānīya devāya mūlena pādyārghyācamanīyaṃ dattvā,
phaḍiti mantreṇa naivedyaṃ saṃprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya,
yaṃ iti mantreṇa doṣasamūhaṃ, saṃśodhya, ramiti doṣaṃ sandahya,
vāmakarasaudhadhārābhipūrṇaṃ vamityamṛtīkṛtaṃ vibhāvya,
mūlamaṣṭadhā japet |
tato vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya, gandhapuṣpābhyāṃ naivedyaṃ
sampūjya, devāya mūlamantreṇa puṣpāñjaliṃ dattvā, kṛtāñjaliḥ
san hariṃ prārthayet |
asya mukhato mahaḥ prasavediti vibhāvya, svāhāntaṃ mūlamuccārya,
naivedye jalaṃ dadyāt |
tato mūlamuccārya etannaivedyam amukadevatāyai namaḥ |
tato naivedyamuddhṛtya, oṃ nivedayāmi bhavate juṣāṇedaṃ havirhare iti
naivedyaṃ samarpyaṃ, amukadevatāyai etajjalam amṛtopastaraṇamasīti
jalaṃ dattvā, vāmahastena grāsamudrāṃ pradarśya dakṣiṇahastena
prāṇādimudrāḥ pradarśayet |
yathā:
oṃ prāṇāya svāhā iti kaniṣṭhānāmike aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ apānāyā svāhā iti tarjanīmadhyame aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ vyānāya svāhā iti madhyamānāmike aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ udānāya svāhā iti tarjanīmadhyamānāmā aṃguṣṭhena spṛśet |
oṃ samānāya svāha iti sarvāḍaṃgulīraṃguṣṭhena spṛśet
|| 99 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Man bringt die Speise herbei, reicht dem Gott mit dem Grundmantra Fußwasser, Arghya und Mundspülwasser, besprengt die Speise mit phaṭ und schützt sie mit der Cakramudrā. Mit yaṃ reinigt man alle Mängel, mit raṃ verbrennt man sie. Man stellt sich die Speise als mit dem Nektarstrom der linken Hand erfüllt und durch vaṃ in Nektar verwandelt vor und wiederholt das Grundmantra achtmal. Dann verwandelt man sie mit vaṃ und der Dhenumudrā erneut in Nektar, verehrt sie mit Duftstoff und Blumen, reicht dem Gott mit dem Grundmantra eine Handvoll Blumen und bittet Hari mit gefalteten Händen. Man vergegenwärtigt sich, dass aus seinem Mund Lichtglanz hervorströmt; mit dem auf svāhā endenden Grundmantra gibt man Wasser auf die Speise. Dann spricht man das Grundmantra und „Diese Speise für die Gottheit [Name], namaḥ“. Man hebt die Speise an und reicht sie mit „oṃ nivedayāmi bhavate juṣāṇedaṃ havir hare – Oṃ, ich bringe dir dies dar; genieße diese Opfergabe, Hari“. Danach gibt man der Gottheit Wasser mit „Dieses Wasser: Du bist die Unterlage des Nektars“. Mit der linken Hand zeigt man die Grāsamudrā, mit der rechten die Mudrās für Prāṇa und die weiteren Lebenskräfte: „oṃ prāṇāya svāhā“, wobei der Daumen kleinen und Ringfinger berührt; „oṃ apānāya svāhā“, wobei er Zeige- und Mittelfinger berührt; „oṃ vyānāya svāhā“, wobei er Mittel- und Ringfinger berührt; „oṃ udānāya svāhā“, wobei er Zeige-, Mittel- und Ringfinger berührt; „oṃ samānāya svāhā“, wobei er alle Finger berührt.

Devanagari
तद्यथा:
नैवेद्यमानीय देवाय मूलेन पाद्यार्घ्याचमनीयं दत्त्वा,
फडिति मन्त्रेण नैवेद्यं संप्रोक्ष्य, चक्रमुद्रया अभिरक्ष्य,
यं इति मन्त्रेण दोषसमूहं, संशोध्य, रमिति दोषं सन्दह्य,
वामकरसौधधाराभिपूर्णं वमित्यमृतीकृतं विभाव्य,
मूलमष्टधा जपेत् ।
ततो वमिति धेनुमुद्रया अमृतीकृत्य, गन्धपुष्पाभ्यां नैवेद्यं
सम्पूज्य, देवाय मूलमन्त्रेण पुष्पाञ्जलिं दत्त्वा, कृताञ्जलिः
सन् हरिं प्रार्थयेत् ।
अस्य मुखतो महः प्रसवेदिति विभाव्य, स्वाहान्तं मूलमुच्चार्य,
नैवेद्ये जलं दद्यात् ।
ततो मूलमुच्चार्य एतन्नैवेद्यम् अमुकदेवतायै नमः ।
ततो नैवेद्यमुद्धृत्य, ॐ निवेदयामि भवते जुषाणेदं हविर्हरे इति
नैवेद्यं समर्प्यं, अमुकदेवतायै एतज्जलम् अमृतोपस्तरणमसीति
जलं दत्त्वा, वामहस्तेन ग्रासमुद्रां प्रदर्श्य दक्षिणहस्तेन
प्राणादिमुद्राः प्रदर्शयेत् ।
यथा:
ॐ प्राणाय स्वाहा इति कनिष्ठानामिके अंगुष्ठेन स्पृशेत् ।
ॐ अपानाया स्वाहा इति तर्जनीमध्यमे अंगुष्ठेन स्पृशेत् ।
ॐ व्यानाय स्वाहा इति मध्यमानामिके अंगुष्ठेन स्पृशेत् ।
ॐ उदानाय स्वाहा इति तर्जनीमध्यमानामा अंगुष्ठेन स्पृशेत् ।
ॐ समानाय स्वाह इति सर्वाडंगुलीरंगुष्ठेन स्पृशेत्
॥ ९९ ॥

P2-0409 · 100

IAST
tato'guṣṭhābhyāmanāmikāgra spṛśan ṭhrauṃ namaḥ parāya
antarātmane aniruddhāya naivedyaṃ kalpayāmi iti naivedye mudrāḥ
pradarśya, mūlamantramuccārya, amukadevaṃ tarpayāmi iti caturdhā
santarpya, amukadevatāyai etajjalaṃ amṛtāpidhānamasīti jalaṃ dattvā,
tattejo devatāmukhe sthāpayitvā ācamanīyādikaṃ dadyāditi |
vaiṣṇave tu sarvatra naivedyadāne ayaṃ kramaḥ |
tataḥ sāmānya paddhatikrameṇa visarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇa ṣoḍaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
vikāralakṣaṃ prajapenmanumenaṃ samāhitaḥ |
taddaśāṃśaṃ sarasijairjuhuyānmadhurāplutaiḥ
|| 100 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Dann berührt man mit beiden Daumen die Spitzen der Ringfinger und zeigt über der Speise die Mudrā mit „ṭhrauṃ namaḥ parāya antarātmane aniruddhāya naivedyaṃ kalpayāmi – Verehrung dem höchsten inneren Selbst, Aniruddha; ich bereite die Speisegabe“. Man spricht das Grundmantra und sättigt die Gottheit viermal mit „Ich sättige die Gottheit [Name]“. Danach gibt man Wasser mit „Für die Gottheit [Name] dieses Wasser: Du bist die Bedeckung des Nektars“. Man setzt den Lichtglanz der Gabe in den Mund der Gottheit und reicht Wasser zum Mundspülen und die übrigen Gaben. Diese Reihenfolge gilt überall bei Viṣṇus Speisedarbringung. Dann vollendet man die Handlungen bis zur Entlassung nach dem allgemeinen Verfahren. Das Puraścaraṇa umfasst sechzehn Lakh, also 1.600.000 Wiederholungen. Dazu heißt es: Gesammelt wiederholt man dieses Mantra sechzehn Lakh-mal und opfert ein Zehntel mit süß getränkten Lotussen.

Devanagari
ततोऽगुष्ठाभ्यामनामिकाग्र स्पृशन् ठ्रौं नमः पराय
अन्तरात्मने अनिरुद्धाय नैवेद्यं कल्पयामि इति नैवेद्ये मुद्राः
प्रदर्श्य, मूलमन्त्रमुच्चार्य, अमुकदेवं तर्पयामि इति चतुर्धा
सन्तर्प्य, अमुकदेवतायै एतज्जलं अमृतापिधानमसीति जलं दत्त्वा,
तत्तेजो देवतामुखे स्थापयित्वा आचमनीयादिकं दद्यादिति ।
वैष्णवे तु सर्वत्र नैवेद्यदाने अयं क्रमः ।
ततः सामान्य पद्धतिक्रमेण विसर्जनान्तं कर्म समापयेत् ।
अस्य पुरश्चरण षोडशलक्षजपः ।
तथा च:
विकारलक्षं प्रजपेन्मनुमेनं समाहितः ।
तद्दशांशं सरसिजैर्जुहुयान्मधुराप्लुतैः
॥ १०० ॥

P2-0142 · 36 ka

IAST
pūrvādi ṣoḍaśadaleṣu karālyai, vikarālyai, umāyai , sarasvatyai,
śriyai, durgāyai, uṣāyai, lakṣmyai, śrutyai, smṛtyai, dhṛtyai,
śraddhāyai, medhāyai, matyai, kāntyai, arghyāyai |
tadbahiḥ bhūmāge pūrvāditaḥ, anaṅgarūpāyai, anaṅgamadanāyai,
anaṅgamadanāturāyai, bhuvanavegāyai, bhuvanapālikāyai,
sarvaśiśirāyai, anaṅgavedanāyai, anaṅgamekhalāyai |
praṇavādinamo'ntenaitāḥ pūjayet |
tadbahiścaturasre pūrvādau oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya
savāhanāya saparivārāya namaḥ |
oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya
namaḥ |
oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ kṣāṃ nir-ṛtaye rakṣodhipataye sāyudhetyādi |
oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ sāṃ somāya tārādhipataye sāyudhetyādi |
oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye sāyudhetyādi |
indreśānayormadhye oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye sāyudhetyādi |
nir-ṛtivaruṇayormadhye oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye sāyudhetyādi
|
tathā ca:
lokapālā vahiḥ pūjyāḥ samastāścaturasrake |
puruhuteśayormadhye rakṣovaruṇayostathā |
brahmaviṣṇu sadā pūjyau digīśārcāṃ vidurbudhāḥ |
indrādilokapālānāṃ ye mantrāste dhruvādikāḥ |
svasvabījānvitāḥ sarve sacaturthīnamo'ntikāḥ |
iti vacanātsarvatra praṇavādinamo'ntena pūjanam
|| 36 ka ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Auf den sechzehn Blättern, im Osten beginnend, verehrt man Karālī, Vikarālī, Umā, Sarasvatī, Śrī, Durgā, Uṣā, Lakṣmī, Śruti, Smṛti, Dhṛti, Śraddhā, Medhā, Mati, Kānti und Arghyā. Außerhalb davon auf der Bodenfläche, im Osten beginnend, verehrt man Anaṅgarūpā, Anaṅgamadanā, Anaṅgamadanāturā, Bhuvanavegā, Bhuvanapālikā, Sarvaśiśirā, Anaṅgavedanā und Anaṅgamekhalā. Alle werden mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss verehrt. Außerhalb davon im Quadrat, im Osten beginnend: „oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ – Verehrung Indra, dem Herrn der Götter, samt Waffe, Reittier und Gefolge“; „oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye … namaḥ – Verehrung Agni, dem Herrn des Feuerglanzes“; „oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye … namaḥ – Verehrung Yama, dem Herrn der Verstorbenen“; „oṃ kṣāṃ nirṛtaye rakṣodhipataye … namaḥ – Verehrung Nirṛti, dem Herrn der Rakṣas“; „oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye … namaḥ – Verehrung Varuṇa, dem Herrn des Wassers“; „oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye … namaḥ – Verehrung Vāyu, dem Herrn der Lebenskraft“; „oṃ sāṃ somāya tārādhipataye … namaḥ – Verehrung Soma, dem Herrn der Sterne“; „oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye … namaḥ – Verehrung Īśāna, dem Herrn der Scharen“. Jeweils ergänzt man „samt Waffe, Reittier und Gefolge“. Zwischen Indra und Īśāna: „oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye … namaḥ – Verehrung Brahmā, dem Herrn der Geschöpfe“; zwischen Nirṛti und Varuṇa: „oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye … namaḥ – Verehrung Ananta, dem Herrn der Nāgas“, mit denselben Ergänzungen. Dazu heißt es: Alle Weltenhüter werden außen im Quadrat verehrt. Zwischen Indra und Īśa sowie zwischen Nirṛti und Varuṇa werden stets Brahmā und Viṣṇu verehrt; die Weisen verstehen dies als Verehrung der Richtungsherren. Die Mantras der Weltenhüter, beginnend mit Indra, beginnen mit oṃ, enthalten jeweils das eigene Bīja, die Dativform und namaḥ am Schluss. Daher erfolgt überall die Verehrung mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss. [Die ursprüngliche Liste nennt Ananta, das anschließende Zitat Viṣṇu; beide Benennungen bleiben erhalten.]

Devanagari
पूर्वादि षोडशदलेषु कराल्यै, विकराल्यै, उमायै , सरस्वत्यै,
श्रियै, दुर्गायै, उषायै, लक्ष्म्यै, श्रुत्यै, स्मृत्यै, धृत्यै,
श्रद्धायै, मेधायै, मत्यै, कान्त्यै, अर्घ्यायै ।
तद्बहिः भूमागे पूर्वादितः, अनङ्गरूपायै, अनङ्गमदनायै,
अनङ्गमदनातुरायै, भुवनवेगायै, भुवनपालिकायै,
सर्वशिशिरायै, अनङ्गवेदनायै, अनङ्गमेखलायै ।
प्रणवादिनमोऽन्तेनैताः पूजयेत् ।
तद्बहिश्चतुरस्रे पूर्वादौ ॐ लां इन्द्राय देवाधिपतये सायुधाय
सवाहनाय सपरिवाराय नमः ।
ॐ रां अग्नये तेजोधिपतये सायुधाय सवाहनाय सपरिवाराय
नमः ।
ॐ यां यमाय प्रेताधिपतये सायुधेत्यादि ।
ॐ क्षां निर्-ऋतये रक्षोधिपतये सायुधेत्यादि ।
ॐ वां वरुणाय जलाधिपतये सायुधेत्यादि ।
ॐ यां वायवे प्राणाधिपतये सायुधेत्यादि ।
ॐ सां सोमाय ताराधिपतये सायुधेत्यादि ।
ॐ हां ईशानाय गणाधिपतये सायुधेत्यादि ।
इन्द्रेशानयोर्मध्ये ॐ आं ब्रह्मणे प्रजाधिपतये सायुधेत्यादि ।
निर्-ऋतिवरुणयोर्मध्ये ॐ ह्रीं अनन्ताय नागाधिपतये सायुधेत्यादि
।
तथा च:
लोकपाला वहिः पूज्याः समस्ताश्चतुरस्रके ।
पुरुहुतेशयोर्मध्ये रक्षोवरुणयोस्तथा ।
ब्रह्मविष्णु सदा पूज्यौ दिगीशार्चां विदुर्बुधाः ।
इन्द्रादिलोकपालानां ये मन्त्रास्ते ध्रुवादिकाः ।
स्वस्वबीजान्विताः सर्वे सचतुर्थीनमोऽन्तिकाः ।
इति वचनात्सर्वत्र प्रणवादिनमोऽन्तेन पूजनम्
॥ ३६ क ॥

P2-0144 · 38

IAST
tadbahiḥ pūrvādau vajrāya śaktaye daṇḍāya khaḍgāya pāśāya
aṃkuśāya gadāyai śūlāya padmāya cakrāya praṇavādinamo'ntena
pūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet |
asya puraścaraṇaṃ dvātriṃśallakṣajapaḥ
|| 38 ||

Vollständige deutsche Übersetzung
Außerhalb davon verehrt man, im Osten beginnend, den Donnerkeil, den Speer, den Stab, das Schwert, die Schlinge, den Stachel, die Keule, den Dreizack, den Lotus und das Rad, jeweils mit oṃ am Anfang und namaḥ am Schluss. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. Das Puraścaraṇa dieses Mantras umfasst zweiunddreißig Lakh, also 3.200.000 Wiederholungen.

Devanagari
तद्बहिः पूर्वादौ वज्राय शक्तये दण्डाय खड्गाय पाशाय
अंकुशाय गदायै शूलाय पद्माय चक्राय प्रणवादिनमोऽन्तेन
पूजयेत् ।
ततो धूपादिविसर्जनान्तं कर्म समापयेत् ।
अस्य पुरश्चरणं द्वात्रिंशल्लक्षजपः
॥ ३८ ॥

Verwandte Rituale

Die folgenden Verweise führen zu eigenständigen Ritualen oder zu den vorausgesetzten Grundhandlungen:

Weitere Ritualartikel: Kategorie:Tantra Rituale und Kategorie:Puja.

Videos

Die folgenden Yoga-Vidya-Videos dienen der thematischen Einstimmung. Sie dokumentieren nicht die vollständige hier beschriebene Liturgie; abweichende Mantras in einem Video ersetzen den oben belegten Grundmantra nicht.

Om Namo Narayanaya – langsame Rezitation

Quelle bei Yoga Vidya

Literatur und Nachweise

  • Brihat Tantrasara: abgeglichene Projektfassung, unmittelbare Textstellen P2-0574, P2-0575, P2-0576, P2-0577, P2-0578, P2-0579, P2-0580. Sanskrit, vollständige deutsche Übersetzung und Devanagari oben.
  • Die ergänzenden Stellen aus der allgemeinen Paddhati und aus verwandten Abschnitten desselben Werks sind oben einzeln ausgewiesen.
  • Puja bei Yoga Vidya – geprüftes Verzeichnis verwandter Puja-Seiten.
  • Vishnu bei Yoga Vidya – ergänzender thematischer Wiki-Verweis.

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