Äußere Matrika Nyasa nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Äußere Matrika Nyasa nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, den Körper durch die Zuordnung der Mantralaute als Ort der göttlichen Gegenwart zu erfahren.

Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.

Zweck und Voraussetzungen

Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.

Gewählte Form: Äußere Matrika Nyasa. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.

Vorbereitung und Materialien

Ein sauberer Sitz. Für körperlichen Nyasa die in der Quelle genannten Finger beziehungsweise eine Blüte; für inneren Nyasa die klare Vorstellung der beschriebenen Zentren.

Vorsatz: Formuliere vor Beginn bewusst die Absicht dieser Durchführung. Ein kurzer deutscher Vorsatz genügt als redaktionelle Orientierung: Du vollziehst dieses Ritual in Hingabe an die genannte Gottheit beziehungsweise zur beschriebenen Weihe. Eine traditionelle Sanskrit-Sankalpa-Formel wird nur dort rezitiert, wo sie in der eigenen Überlieferung vollständig bestimmt ist.

Durchführung

Sprich die jeweils zugehörige Formel und berühre gleichzeitig die bezeichnete Körperstelle; beim inneren Nyasa vergegenwärtige sie im genannten Zentrum. Behalte die im Text vorgegebene Reihenfolge bei.

Nyasa und Mantra-Zuordnungen

Handlung und Bedeutung (P2-0056):
Nun die Meditation für die äußere Mātṛkā: „Ich nehme Zuflucht zur Göttin der Rede, deren Gesicht, Arme, Füße, Leib und Brust durch die fünfzig Schriftzeichen gegliedert sind; mit der Mondsichel in der strahlenden Krone, vollen hohen Brüsten, in ihren Lotushänden Mudrā, Gebetskette, nektargefüllten Krug und Wissen tragend, von hellem Glanz und dreiäugig.“ Nach dieser Meditation setze man ein. Die Fingerregel im Tantra: An der Stirn Ring- und Mittelfinger, am Gesicht Zeige-, Mittel- und Ringfinger; an den Augen Daumen und Ringfinger, an den Ohren Daumen, an der Nase kleiner Finger und Daumen; an den Wangen die drei mittleren Finger, an den Lippen Mittelfinger, an den Zähnen Ringfinger, am Scheitel Mittelfinger; im Mund Ring- und Mittelfinger; an Händen, Füßen, Seiten und Rücken kleiner Finger, Ring- und Mittelfinger; am Nabel diese mit dem Daumen, am Bauch alle; am Herzen die ganze Handfläche, ebenso an Schultern und Nacken. Diese Mātṛkā-Mudrās sind der Reihe nach gelehrt. [Einzelne Fingerbezeichnungen der Vorlage sind beschädigt.]

Sanskrit zur Handlung:
atha vāhyamātṛkādhyām :
pañcāśallipibhirvibhaktamukhadoḥpanmadhyavakṣaḥsthalām |
bhāsvanmauli nibaddha - candraśakalāmāpīnatuṅgastanīm |
mudrāmakṣaguṇaṃ sudhāḍhyakalasaṃ vidyāñca
hastāmbujairvibhrāṇāṃ viśadaprabhāṃ trinayanāṃ
vāgdevatāmāśraye |
evaṃ dhyātvā nyaset |
tatra aṃguliniyamatantre:
lalāṭe'nāmikāmadhye vinyāsenmukhapaṅkaje |
tarjanīmadhyamānāmā vṛddhānāme ca netrayoḥ |
aṃguṣṭhaṃ karṇayornyasya kaniṣṭhāṃguṣṭhako nasoḥ |
madhyāstisro gaṇḍayostu madhyamāñcoṣṭhayornyaset |
anāmāṃ dantayornyasya madhyamāmuttamāṅgake |
mukhe'nāmāṃ madhyamāñca haste pāde ca pārśvayoḥ |
kaniṣṭhānāmikāmadhyāstāstu pṛṣṭhe ca vinyaset |
tāḥ sāṃguṣṭhā nābhideśe sarvāḥ kukṣau ca vinyaset |
hṛdaye ca talaṃ sarvamaṃsayośca kakutsthale talameva ca |
etāśca mātṛkāmudrāḥ rameṇa parikīrtitāḥ
|| 54 ||

Handlung und Bedeutung (P2-0057):
Die Verbindlichkeit wird ebendort genannt: Wer einsetzt, ohne dies zu kennen, dessen Nyāsa bleibt fruchtlos. Die Stellen nennt das Gautamīya: Stirn, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähne, Scheitel, Mund; Ansatz, Gelenke und Enden der Arme und Beine; Seiten, Rücken, Nabel, Bauch, Herz, Schulter, Nacken, andere Schulter; vom Herzen aus beide Hände und Füße, Bauch und Mund. Die Buchstaben werden der Reihe nach eingesetzt: aṃ an der Stirn, āṃ am Gesichtskreis, iṃ und īṃ an den Augen, uṃ und ūṃ an den Ohren, ṛṃ und ṝṃ an den Nasenlöchern, ḷṃ und ḹ an den Wangen, eṃ an der Oberlippe, aiṃ an der Unterlippe, oṃ an der oberen Zahnreihe, auṃ an der unteren, aṃ an der Brahma-Öffnung, aḥ im Mund. Kaṃ am rechten Armansatz, khaṃ am Ellbogen, gaṃ am Handgelenk, ghaṃ an den Fingeransätzen, ṅaṃ an den Fingerspitzen; caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ entsprechend links; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ entsprechend am rechten Bein; taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ links. Paṃ an der rechten Seite, phaṃ links, vaṃ am Rücken [auffällig statt baṃ], bhaṃ am Nabel, maṃ am Bauch, yaṃ am Herzen, raṃ am rechten Armansatz, laṃ am Nacken, vaṃ am linken Armansatz; śaṃ vom Herzen zur rechten Hand, yaṃ zur linken [auffällig statt ṣaṃ], saṃ zum rechten Fuß, haṃ zum linken Fuß, laṃ zum Bauch und kṣaṃ zum Mund. Überall endet die Formel auf namaḥ. Rāghavabhaṭṭa: Die fünfzig Buchstaben werden mit oṃ am Anfang und Ende oder mit namaḥ am Ende, mit oder ohne Bindu der Reihe nach eingesetzt. [Auffällige Silben sind bewahrt.]

Sanskrit zur Handlung:
nityatvamāha tatraiva:
ajñātvā vinyasedyastu nyāsaḥ syāttasya niṣphalaḥ |
iti |
sthānamāha gautamīye:
lalāṭamukhavṛttākṣiśrutighrāṇeṣu gaṇḍayoḥ |
oṣṭhadantottamāṅgāsyadoḥpatsandhyagrakeṣu ca |
pārśvayoḥ pṛṣṭhato nābhau jaṭhare hṛdayeṃ'ke |
kakudyaṃse ca hṛtpūrvapāṇipādayuge tathā |
jaṭharānanayornyasyenmātṛkāvarṇānyathākramam |
tadyathā:
aṃ namo lalāṭe, āṃ namo mukhavṛtte, iṃ īṃ cakṣuṣoḥ, uṃ ūṃ
karṇayoḥ, ṛṃ ṝṃ nasoḥ, ḷṃ ḹ gaṇḍayoḥ, eṃ oṣṭhe, aiṃ adhare,
oṃ ūrdhvadante, auṃ adhodante, aṃ brahmarandhre, aḥ mukhe |
kaṃ dakṣabāhumūle, khaṃ kūrpare, gaṃ maṇibandhe, ghaṃ
aṃgulimūle, ṅaṃ aṃgulyagre |
evaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ vāmabāhumūlasandhyagrakeṣu |
evaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ dakṣapādamūlasandhyagrakeṣu |
evaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ vāmapādamūlasandhyagrakeṣu |
paṃ dakṣapārśve, phaṃ vāmapārśve, vaṃ pṛṣṭhe, bhaṃ nābhau,
maṃ udare, yaṃ hṛdi, raṃ dakṣabāhumūle, laṃ kakudi, vaṃ
vāmabāhumūle, śaṃ hṛdādidakṣakare, yaṃ hṛdādivāmakare, saṃ
hṛdādidakṣapāde, haṃ hṛdādivāmapāde, laṃ hṛdādyudare, kṣaṃ
hṛdādimukhe, sarvatra namo'ntena nyaset ||
tathā ca:
omādyanto namo'nto vā savindurvinduvarjitaḥ |
pañcāśadvarṇavinyāsaḥ kramādukto manīṣibhiḥ |
iti rāghavabhaṭṭaḥ
|| 54 ka ||

Abschluss

Beende die im gewählten Verfahren vorgeschriebene letzte Handlung, sammle dich und verneige dich innerlich vor Guru und Gottheit. Wo der Quellentext eine besondere Übergabe, Entlassung oder Abschlussformel nennt, ist diese maßgeblich. Der kurze Moment stiller Dankbarkeit ist eine redaktionelle Praxisanregung.

Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung

Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.

P2-0056 · Originalnummer 54

atha vāhyamātṛkādhyām :
pañcāśallipibhirvibhaktamukhadoḥpanmadhyavakṣaḥsthalām |
bhāsvanmauli nibaddha - candraśakalāmāpīnatuṅgastanīm |
mudrāmakṣaguṇaṃ sudhāḍhyakalasaṃ vidyāñca
hastāmbujairvibhrāṇāṃ viśadaprabhāṃ trinayanāṃ
vāgdevatāmāśraye |
evaṃ dhyātvā nyaset |
tatra aṃguliniyamatantre:
lalāṭe'nāmikāmadhye vinyāsenmukhapaṅkaje |
tarjanīmadhyamānāmā vṛddhānāme ca netrayoḥ |
aṃguṣṭhaṃ karṇayornyasya kaniṣṭhāṃguṣṭhako nasoḥ |
madhyāstisro gaṇḍayostu madhyamāñcoṣṭhayornyaset |
anāmāṃ dantayornyasya madhyamāmuttamāṅgake |
mukhe'nāmāṃ madhyamāñca haste pāde ca pārśvayoḥ |
kaniṣṭhānāmikāmadhyāstāstu pṛṣṭhe ca vinyaset |
tāḥ sāṃguṣṭhā nābhideśe sarvāḥ kukṣau ca vinyaset |
hṛdaye ca talaṃ sarvamaṃsayośca kakutsthale talameva ca |
etāśca mātṛkāmudrāḥ rameṇa parikīrtitāḥ
|| 54 ||

Nun die Meditation für die äußere Mātṛkā: „Ich nehme Zuflucht zur Göttin der Rede, deren Gesicht, Arme, Füße, Leib und Brust durch die fünfzig Schriftzeichen gegliedert sind; mit der Mondsichel in der strahlenden Krone, vollen hohen Brüsten, in ihren Lotushänden Mudrā, Gebetskette, nektargefüllten Krug und Wissen tragend, von hellem Glanz und dreiäugig.“ Nach dieser Meditation setze man ein. Die Fingerregel im Tantra: An der Stirn Ring- und Mittelfinger, am Gesicht Zeige-, Mittel- und Ringfinger; an den Augen Daumen und Ringfinger, an den Ohren Daumen, an der Nase kleiner Finger und Daumen; an den Wangen die drei mittleren Finger, an den Lippen Mittelfinger, an den Zähnen Ringfinger, am Scheitel Mittelfinger; im Mund Ring- und Mittelfinger; an Händen, Füßen, Seiten und Rücken kleiner Finger, Ring- und Mittelfinger; am Nabel diese mit dem Daumen, am Bauch alle; am Herzen die ganze Handfläche, ebenso an Schultern und Nacken. Diese Mātṛkā-Mudrās sind der Reihe nach gelehrt. [Einzelne Fingerbezeichnungen der Vorlage sind beschädigt.]

P2-0057 · Originalnummer 54 ka

nityatvamāha tatraiva:
ajñātvā vinyasedyastu nyāsaḥ syāttasya niṣphalaḥ |
iti |
sthānamāha gautamīye:
lalāṭamukhavṛttākṣiśrutighrāṇeṣu gaṇḍayoḥ |
oṣṭhadantottamāṅgāsyadoḥpatsandhyagrakeṣu ca |
pārśvayoḥ pṛṣṭhato nābhau jaṭhare hṛdayeṃ'ke |
kakudyaṃse ca hṛtpūrvapāṇipādayuge tathā |
jaṭharānanayornyasyenmātṛkāvarṇānyathākramam |
tadyathā:
aṃ namo lalāṭe, āṃ namo mukhavṛtte, iṃ īṃ cakṣuṣoḥ, uṃ ūṃ
karṇayoḥ, ṛṃ ṝṃ nasoḥ, ḷṃ ḹ gaṇḍayoḥ, eṃ oṣṭhe, aiṃ adhare,
oṃ ūrdhvadante, auṃ adhodante, aṃ brahmarandhre, aḥ mukhe |
kaṃ dakṣabāhumūle, khaṃ kūrpare, gaṃ maṇibandhe, ghaṃ
aṃgulimūle, ṅaṃ aṃgulyagre |
evaṃ caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ vāmabāhumūlasandhyagrakeṣu |
evaṃ ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ dakṣapādamūlasandhyagrakeṣu |
evaṃ taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ vāmapādamūlasandhyagrakeṣu |
paṃ dakṣapārśve, phaṃ vāmapārśve, vaṃ pṛṣṭhe, bhaṃ nābhau,
maṃ udare, yaṃ hṛdi, raṃ dakṣabāhumūle, laṃ kakudi, vaṃ
vāmabāhumūle, śaṃ hṛdādidakṣakare, yaṃ hṛdādivāmakare, saṃ
hṛdādidakṣapāde, haṃ hṛdādivāmapāde, laṃ hṛdādyudare, kṣaṃ
hṛdādimukhe, sarvatra namo'ntena nyaset ||
tathā ca:
omādyanto namo'nto vā savindurvinduvarjitaḥ |
pañcāśadvarṇavinyāsaḥ kramādukto manīṣibhiḥ |
iti rāghavabhaṭṭaḥ
|| 54 ka ||

Die Verbindlichkeit wird ebendort genannt: Wer einsetzt, ohne dies zu kennen, dessen Nyāsa bleibt fruchtlos. Die Stellen nennt das Gautamīya: Stirn, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähne, Scheitel, Mund; Ansatz, Gelenke und Enden der Arme und Beine; Seiten, Rücken, Nabel, Bauch, Herz, Schulter, Nacken, andere Schulter; vom Herzen aus beide Hände und Füße, Bauch und Mund. Die Buchstaben werden der Reihe nach eingesetzt: aṃ an der Stirn, āṃ am Gesichtskreis, iṃ und īṃ an den Augen, uṃ und ūṃ an den Ohren, ṛṃ und ṝṃ an den Nasenlöchern, ḷṃ und ḹ an den Wangen, eṃ an der Oberlippe, aiṃ an der Unterlippe, oṃ an der oberen Zahnreihe, auṃ an der unteren, aṃ an der Brahma-Öffnung, aḥ im Mund. Kaṃ am rechten Armansatz, khaṃ am Ellbogen, gaṃ am Handgelenk, ghaṃ an den Fingeransätzen, ṅaṃ an den Fingerspitzen; caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ entsprechend links; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ entsprechend am rechten Bein; taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ links. Paṃ an der rechten Seite, phaṃ links, vaṃ am Rücken [auffällig statt baṃ], bhaṃ am Nabel, maṃ am Bauch, yaṃ am Herzen, raṃ am rechten Armansatz, laṃ am Nacken, vaṃ am linken Armansatz; śaṃ vom Herzen zur rechten Hand, yaṃ zur linken [auffällig statt ṣaṃ], saṃ zum rechten Fuß, haṃ zum linken Fuß, laṃ zum Bauch und kṣaṃ zum Mund. Überall endet die Formel auf namaḥ. Rāghavabhaṭṭa: Die fünfzig Buchstaben werden mit oṃ am Anfang und Ende oder mit namaḥ am Ende, mit oder ohne Bindu der Reihe nach eingesetzt. [Auffällige Silben sind bewahrt.]

Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.

P2-0056

अथ वाह्यमातृकाध्याम् :
पञ्चाशल्लिपिभिर्विभक्तमुखदोःपन्मध्यवक्षःस्थलाम् ।
भास्वन्मौलि निबद्ध - चन्द्रशकलामापीनतुङ्गस्तनीम् ।
मुद्रामक्षगुणं सुधाढ्यकलसं विद्याञ्च
हस्ताम्बुजैर्विभ्राणां विशदप्रभां त्रिनयनां
वाग्देवतामाश्रये ।
एवं ध्यात्वा न्यसेत् ।
तत्र अंगुलिनियमतन्त्रे:
ललाटेऽनामिकामध्ये विन्यासेन्मुखपङ्कजे ।
तर्जनीमध्यमानामा वृद्धानामे च नेत्रयोः ।
अंगुष्ठं कर्णयोर्न्यस्य कनिष्ठांगुष्ठको नसोः ।
मध्यास्तिस्रो गण्डयोस्तु मध्यमाञ्चोष्ठयोर्न्यसेत् ।
अनामां दन्तयोर्न्यस्य मध्यमामुत्तमाङ्गके ।
मुखेऽनामां मध्यमाञ्च हस्ते पादे च पार्श्वयोः ।
कनिष्ठानामिकामध्यास्तास्तु पृष्ठे च विन्यसेत् ।
ताः सांगुष्ठा नाभिदेशे सर्वाः कुक्षौ च विन्यसेत् ।
हृदये च तलं सर्वमंसयोश्च ककुत्स्थले तलमेव च ।
एताश्च मातृकामुद्राः रमेण परिकीर्तिताः
॥ ५४ ॥

P2-0057

नित्यत्वमाह तत्रैव:
अज्ञात्वा विन्यसेद्यस्तु न्यासः स्यात्तस्य निष्फलः ।
इति ।
स्थानमाह गौतमीये:
ललाटमुखवृत्ताक्षिश्रुतिघ्राणेषु गण्डयोः ।
ओष्ठदन्तोत्तमाङ्गास्यदोःपत्सन्ध्यग्रकेषु च ।
पार्श्वयोः पृष्ठतो नाभौ जठरे हृदयेंऽके ।
ककुद्यंसे च हृत्पूर्वपाणिपादयुगे तथा ।
जठराननयोर्न्यस्येन्मातृकावर्णान्यथाक्रमम् ।
तद्यथा:
अं नमो ललाटे, आं नमो मुखवृत्ते, इं ईं चक्षुषोः, उं ऊं
कर्णयोः, ऋं ॠं नसोः, ऌं ॡ गण्डयोः, एं ओष्ठे, ऐं अधरे,
ॐ ऊर्ध्वदन्ते, औं अधोदन्ते, अं ब्रह्मरन्ध्रे, अः मुखे ।
कं दक्षबाहुमूले, खं कूर्परे, गं मणिबन्धे, घं
अंगुलिमूले, ङं अंगुल्यग्रे ।
एवं चं छं जं झं ञं वामबाहुमूलसन्ध्यग्रकेषु ।
एवं टं ठं डं ढं णं दक्षपादमूलसन्ध्यग्रकेषु ।
एवं तं थं दं धं नं वामपादमूलसन्ध्यग्रकेषु ।
पं दक्षपार्श्वे, फं वामपार्श्वे, वं पृष्ठे, भं नाभौ,
मं उदरे, यं हृदि, रं दक्षबाहुमूले, लं ककुदि, वं
वामबाहुमूले, शं हृदादिदक्षकरे, यं हृदादिवामकरे, सं
हृदादिदक्षपादे, हं हृदादिवामपादे, लं हृदाद्युदरे, क्षं
हृदादिमुखे, सर्वत्र नमोऽन्तेन न्यसेत् ॥
तथा च:
ओमाद्यन्तो नमोऽन्तो वा सविन्दुर्विन्दुवर्जितः ।
पञ्चाशद्वर्णविन्यासः क्रमादुक्तो मनीषिभिः ।
इति राघवभट्टः
॥ ५४ क ॥

Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts

P2-0056

Nun die Meditation für die äußere Mātṛkā: „Ich nehme Zuflucht zur Göttin der Rede, deren Gesicht, Arme, Füße, Leib und Brust durch die fünfzig Schriftzeichen gegliedert sind; mit der Mondsichel in der strahlenden Krone, vollen hohen Brüsten, in ihren Lotushänden Mudrā, Gebetskette, nektargefüllten Krug und Wissen tragend, von hellem Glanz und dreiäugig.“ Nach dieser Meditation setze man ein. Die Fingerregel im Tantra: An der Stirn Ring- und Mittelfinger, am Gesicht Zeige-, Mittel- und Ringfinger; an den Augen Daumen und Ringfinger, an den Ohren Daumen, an der Nase kleiner Finger und Daumen; an den Wangen die drei mittleren Finger, an den Lippen Mittelfinger, an den Zähnen Ringfinger, am Scheitel Mittelfinger; im Mund Ring- und Mittelfinger; an Händen, Füßen, Seiten und Rücken kleiner Finger, Ring- und Mittelfinger; am Nabel diese mit dem Daumen, am Bauch alle; am Herzen die ganze Handfläche, ebenso an Schultern und Nacken. Diese Mātṛkā-Mudrās sind der Reihe nach gelehrt. [Einzelne Fingerbezeichnungen der Vorlage sind beschädigt.]

P2-0057

Die Verbindlichkeit wird ebendort genannt: Wer einsetzt, ohne dies zu kennen, dessen Nyāsa bleibt fruchtlos. Die Stellen nennt das Gautamīya: Stirn, Gesichtskreis, Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähne, Scheitel, Mund; Ansatz, Gelenke und Enden der Arme und Beine; Seiten, Rücken, Nabel, Bauch, Herz, Schulter, Nacken, andere Schulter; vom Herzen aus beide Hände und Füße, Bauch und Mund. Die Buchstaben werden der Reihe nach eingesetzt: aṃ an der Stirn, āṃ am Gesichtskreis, iṃ und īṃ an den Augen, uṃ und ūṃ an den Ohren, ṛṃ und ṝṃ an den Nasenlöchern, ḷṃ und ḹ an den Wangen, eṃ an der Oberlippe, aiṃ an der Unterlippe, oṃ an der oberen Zahnreihe, auṃ an der unteren, aṃ an der Brahma-Öffnung, aḥ im Mund. Kaṃ am rechten Armansatz, khaṃ am Ellbogen, gaṃ am Handgelenk, ghaṃ an den Fingeransätzen, ṅaṃ an den Fingerspitzen; caṃ chaṃ jaṃ jhaṃ ñaṃ entsprechend links; ṭaṃ ṭhaṃ ḍaṃ ḍhaṃ ṇaṃ entsprechend am rechten Bein; taṃ thaṃ daṃ dhaṃ naṃ links. Paṃ an der rechten Seite, phaṃ links, vaṃ am Rücken [auffällig statt baṃ], bhaṃ am Nabel, maṃ am Bauch, yaṃ am Herzen, raṃ am rechten Armansatz, laṃ am Nacken, vaṃ am linken Armansatz; śaṃ vom Herzen zur rechten Hand, yaṃ zur linken [auffällig statt ṣaṃ], saṃ zum rechten Fuß, haṃ zum linken Fuß, laṃ zum Bauch und kṣaṃ zum Mund. Überall endet die Formel auf namaḥ. Rāghavabhaṭṭa: Die fünfzig Buchstaben werden mit oṃ am Anfang und Ende oder mit namaḥ am Ende, mit oder ohne Bindu der Reihe nach eingesetzt. [Auffällige Silben sind bewahrt.]

Verwandte Rituale

Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:

Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:

Quellen und redaktionelle Einordnung

Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.

Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.

Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.

Die Verehrung im Alltag weitertragen

Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.